Abendausgabe Nr. 1043. Jahrgang Ausgabe B Nr. 5 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Sel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Donnerstag 7. Januar 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29T Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bomag a'bi Internationale Stühungsaktion. somhed Gründung eines deutsch- amerikanischen Konsortiums. Außerordentliches Aufsehen erregte heute an der Berliner Börse| diese Weise ohne den Umweg über loftspielige Anleiheemiffionen eine Meldung, die für die kapitalbeschaffung der neues Kapital zugeführt, die ausländische Finanz an dem Stand der deutschen Industrie im Auslande von fymptomatischer Be- deutschen Aktienkurse unmittelbar intereffiert, die Kapitalbeschaffung deutung ist. Bisher mußten die deutschen Unternehmungen, wenn der deutschen Unternehmungen also erleichtert. Man hofft vor allem fie Auslandskapital brauchten, hochverzinsliche Schuldverschrei- durch die direkte Beteiligung amerikanischer Kapitalisten an deutschen bungen ausgeben, die obendrein starte Sicherungen erforderlich) Unternehmungen die Möglichkeit zu schaffen, daß die vom Ausland machten. Während im Ausland auf diese Weise große Summen hereinkommenden Kapitalien die deutschen Unternehmungen nicht so neuen Kapitals aufgenommen wurden, fanten die Börsenkurse sehr belasten, wie das bei der Aufnahme von Anleihen der Fall ist. deutscher Unternehmungen immer fiefer; die Kapitalbeschaffung durch Auf diese Weise erwartet man eine wesentliche Stärkung der Be Affien wurde so in den weitaus meisten Fällen zur Unmöglichkeit. wegungsfreiheit der deutschen Industrie insbesondere bei der Kapitalbeschaffung. Un der heutigen Berliner Börse wurde nun bekannt, daß unter dem Namen„ Europan Shares 3ncorporation" eine Gesellschaft gegründet werden soll, an der hauptsächlich amerifanisches Kapital beteiligt ist, während von deutscher Seite die Bank firmen Darmstädter und Nationalbant, Warburg- Hamburg fowie Lewy und endlich Oppenheim jr., die beiden letzteren in Köln, mit wirken. Die deutschen Banken sollen ein Fünftel des Kapitals stellen, während vier Fünftel von den Amerikanern aufgebracht wird. Ueber die Höhe des Kapitals ist genaueres noch nicht befannt; vorläufige unkontrollierbare Schätzungen gehen dahin, daß zunächst 5 millionen Dollar zur Verfügung gestellt werden follen. id mlie Die neugegründete Gesellschaft hat nun die Aufgabe, Aftien deutscher Unternehmungen anzukaufen, wenn der Kurs im Berhäll nis zur Rentabilität günstig steht. Der deutschen Wirtschaft wird auf Polen und Deutschland. Eine Unterredung mit Premierminister Skrzynski. R. Bn. Warschau, 6. Januar.( Eigener Bericht.) Die Anwesenheit eines„ Vorwärts" Redakteurs in Polen gab auch Anlaß, ihn bei dem Ministerpräsidenten Dr. Alexander Strzynski einzuführen. Das Präsidium des Ministerrates hat seinen Sig in der Prachtstraße Krakauer Borstadt", die jetzt vom uralten zum reueren Barschau führt. Das ehemalige Palais Radziwil, von den Russen als Gouverneurpalast benutzt, besteht im Erdgeschoß aus lauter großen, bildergeschmückten Sälen, und in einem empfing der hochgewachsene Regierungschef in jener liebenswürdigen Art, die zum polnischen Wesen gehört worin aber das Auftreten der unteren polnischen Verwaltungsrrgane gegenüber den nationalen Minderheiten, das ich zu be obachten nicht Gelegenheit habe, nicht inbegriffen sein soll. Da Strzynski erst vor einigen Wochen in einem Interview für den Vorwärts" über Locarno gesprochen hatte, bat ich ihn um eine Stellungnahme zunächst zu der Forderung des Genossen Dr. Diamand auf dem PPS.- Kongreß, daß Polen mit den Liquidationen aufhören solle. Der Ministerprä dent, der alsehemaliger Desterreicher sehr gut deutsch spricht, erflärte, es merde eben mit Deutschen aus Posen darüber verhandelt. Der Ministerrat habe diese Frage noch nicht besprochen oder gar schon befchlußmäßig erledigt. Allein, so fügte er mit Erlaubnis zur Veröffentlichung hinzu, die Einstellung der Liquidationen liege in der Richtung feiner Politik und er werde trachten, diese Frage im Zusammenhang mit anderen Problemen so zu regeln. " Die Berliner Börse reagierte auf die sensationelle Meldung mit einer starken Herauffezung der Aktienkurse; auf den meisten Märkten waren, obwohl Käufe des neuen Syndikats noch nicht vor. liegen dürften, Kurserhöhungen um 3 bis 5 Prozent teine Seltenheit. Ob sich die Hoffnungen der Spekulation bewahrheiten, muß allerdings solange dahingestellt bleiben, als die letzten Ursachen des Tiefstandes der deutschen Aktienkurse noch bestehen, zu denen insbesondere der immer noch sehr häufige Berzicht auf Dividendenausschüttungen und die Mißstände im deui schen Attienwesen anhalten. Auf längere Zeit hinaus wird schen Attienwesen anhalten. Auf längere Zeit hinaus wird jedenfalls das Schicksal der deutschen Aktienkurse bestimmt sein durch die Entwicklung der Wirtschaft, die in der Hauptsache ein Absaßproblem und eine Frage der Stärkung des inneren Marktes durch Erhöhung der Kaufkraft der breiten Massen ist. Rußland gegen die Abrüstungskonferenz? Die Worowski- Affäre als Vorwand. Während der Auswärtige Ausschuß des ameritani hen Senates einmütig fich für die Bewilligung des 50 000- Dollar. Kredites ausgesprochen hat, den Coolidge für die Teilnahme der Bereinigten Staaten an der Genfer Abrüstungsarbeit verlangt, zögert mosta u noch immer, fich für die Teilnahme an dieser Ar. beit zu entschlieeßn. In einem Leitartikel begründet die„ Jsweftija" noch einmal die Moskauer Bedenken, die sie völlig auf die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Sowjet- Union zuspißen. Die Beigerung der schweizerischen Regierung, ihr Bedauern über die Ermordung Borowskis und ihre Mißbilligung über den Freispruch seines Mörders amtlich auszusprechen und der Hinter bliebenen Borowskis eine Pension auszusehen, habe die Verhängung des Bontottes seitens der Sowjetregierung zur Folge gehabt. Aus diesem Grunde sei auch die Teilnahme von Sowjetdelegierten an Konferenzen auf Schweizer Boden nicht möglich. Es sei deshalb 1924 die ursprünglich nach der Schweiz einberufene Sihung der technischen Abrüstungskommission nach Rom verlegt worden und es werde also nur natürlich sein, wenn sich auch dies. mal die Sowjetregiernug weigerte, Delegierte nach Genf zu entsenden. Auch die Erklärung der Schweizer, die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Sowjetunion hätten nichts mit den vom Böller. bund einberufenen Konferenzen zu tun, deren Mitglieder Exterritorialität genießen, fönne daran nichts ändern. Die Weigerung der schweizerischen Regierung, eine Schuld anzuerkennen, beweise, daß Garantien für den Schuß russischer Delegierter nicht gegeben seien. Während Tschitscherin in Paris durch die„ Humanité" und durch andere Kanäle in Westeuropa das Vertrauen darauf entstehen ließ, Was die Resolution des PPS.- Kongresses zugunsten die Sowjetunion werde die Konferenzarbeit des Völkerbundes nicht ber nationalen Selbstverwaltung für die Bresse und natürlich auch die„ Rote Fahne" die Einladung nach Genf ber nationalen Selbstverwaltung für die sabotieren, faßte die von der Komintern beeinflußte Moskauer Minderheitsvölfer betrifft, so lehnte Skrzynski das feineswegs etwa grundsäglich ab, sondern sagte, es werde wohl als ein englisches Manöver auf. Chamberlain plane damit die Ab. noch längere Zeit dauern, bevor die Stimmung in Bosen sich lehnung Mostaus zu provozieren und dadurch Rußland in den Augen Europas zu diskreditieren. Die Sowjetunion hat eben- wie so beruhigt haben würde, daß man daran denken fönne. bas auch lange Nachkriegsjahre für Deutschland der Fall war die Aus der weiteren Unterhaltung hatte ich den bestimmten Neigung, sich selbst als den Mittelpunkt der Welt und jeden Eindruck, daß das von der Deutschen Diplomatischen internationalen Beschluß als im Hinblick auf die Sowjetunion gefaßt, Korrespondenz in Erwiderung auf unser Drängen nach zu betrachten. Immerhin scheint man in Mostau jest wenigstens schnellerer Arbeit bei den Handelsvertragsverhandlungen als von der Einbildung geheilt zu fein, daß sich hinter einem aus rein Hauptstützpunkt hingestellte 3ugeständnis des technischen Gründen gefaßten Beschluß eine Spize gegen die Riederlassungsrechts für deutsche Kaufleute, In Sowjetunion verberge. Man gewinnt aus den Argumentationen dustrienertreter ufm., von Polen nicht mehr verweigert werden der„ Jsweftija" den Eindruck, als ob die Sowjetunion nunmehr nur dürfte. Auch aus den Worten des Regierungschefs ging her noch beabsichtige, aus ihrer Teilnahme an der Genfer Kommiffions. vor, daß man in Polen meint, die deutsche Verhandlungsarbeit ein biplomatisches Geschäft zu machen. Sie hat bis. abordnung verzögere mit formalen Manövern die fachlichen her dem Bölkerbund nicht geantwortet und sucht offenbar die AnVerhandlungen, zu denen man tatsächlich überhaupt noch nahme der Einladung so lange herauszuschieben, bis ihr vermeint nicht gekommen sei. Anfang November habe Polen eine licher Anspruch auf Genugtuung von der schweizerischen Liste von Zollpositionen überreicht, die vordringlich" seien Regierung ganz oder zum Teil befriedigt wird. und über die man sich rasch einigen fönnte, aber erst auf den 25. Januar sei die deutsche Antwort( Gegenliste) angesagt, die zu prüfen die Polen natürlich wieder Zeit haben müßten... Wie fönne Bolen in dieser, für beide frisenbefallenen Länder Locarnogeift" zeigen, wenn die andere Seite augenscheinlich glaube, im Kriegsgeist durchhalten" zu müssen, bis der Gegner weich werde, man aber selbst taputt fel. Wenn man den mertgeminderten Zloty nicht in Zahlung nehmen wolle, so habe einmal schon Dr. Diamand ein Verrechnungssystem zur Umgehung dieses Risitos empfohlen, dann aber seien mit dem Bloty auch die polnischen 3ollsäge gefallen, ermöglichten also die Einfuhr wieder mehr. Solche Fragen, schloß Strzynski, fönne man nur mit dem Bleistift, faufmännisch rechnend lösen, aber nicht mit unsachlichen und störenden politischen Stim. numgen Obgleich sich die Somjet regierung diplomatisch noch keineswegs festgelegt hat, fo erwecken doch die Blänfeleien ihrer Breffe den berechtigten Verdacht, daß die Sowjetunion planmäßig das internationale Friedenswert der Abrüftungsvorbereitungen fabetiere. Würde sie wirklich die Teilnahme an den Genfer Beratungen ablehnen, so hätte, um im Jargon der Roten Fahne" zu reden, der englische Imperialismus fein Ziel erreicht, die Sowjetunion als Frie bensstörer au demastieren. Ob das im wohlverstandenen Intereffe der Sowjetunion liegt, barf füglich der Beurteilung ihrer Lenter über laffen bleiben. Jedenfalls fann man seit der Niederlage Sinomjews noch immer hoffen, daß die internationale Realpolitit Rußlands stärker als die internationale Phrase des Rommunismus fein wirb. Dem englischen Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, ist , die Bürde eines Biscount" verliehen worben. Das neue Hauszinssteuergesetz. Beratung im Staatsrat und Landtag. Der Preußische Landtag wird sich in furzer Zeit mit dem neuen Gebäudeentschuldungs- Steuergefez befassen. Es handelt sich dabei um die Neuordnung des bestehenden Hauszinssteuergesezes, um die Ordnung einer steuerlichen Materie von größter Bedeutung. Mit diesem Gefetz ist nicht nur eine sehr erhebliche steuerliche Leistung verbunden, sondern vor allem deshalb, weil die Bestimmungen dieses Steuergesetzes von einer derart einschneidenden sozialpolitischen und allgemein- voltswirtschaftlichen Auswirkung fein müssen wie bei feinem anderen Steuergesetz. Diese außer= gewöhnliche Wichtigkeit der Sache erfordert es, daß vor der Beschlußfassung des Parlaments die öffentliche Erörterung in einem starten Maße einsetzt und daß das Für und Wider der gefeßlichen Bestimmungen auf das eingehendste diskutiert werden. Der neue Name des Gesezes ist nicht zufällig gewählt. In ihm kommt der Wille zum Ausdrud, an die Stelle der bisherigen wenig differenzierten Besteuerung aller vor dem 1. Januar 1919 errichteten Gebäude eine nach der früheren hypothefarischen Belastung abgestufte, den durch die Beldentwertung beseitigten dinglichen Schulden angepaßte Form der Besteuerung zu setzen. Das Reichsgesetz über den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden hat den Weg gewiesen, den die Landesgesetzgebung gehen muß, aber sie hat die Vorschriften doch so weit gezogen. daß in den Bestimmungen der Landesgesehe in erheblichem Umfange der Willenstendenz der beteiligten Parlamente Rechnung getragen werden kann. So ist gerade bei der Frage, in welchem Umfang der Verschiedenartigkeit der früheren Gebäudebelastung Rechnung getragen werden soll, wie die Steuer zu staffeln ist, che sie ihre im Entwurf auf 40 Proz. der Friedensmiete fehr erhebliche Freiheit gegeben, und es ist für die Beurteilung festgesetzte Normalhöhe erreicht, der Landesgesetzgebung eine der Tendenz, von der die Gefeßentwürfe getragen sind, sehr beachtlich, in welcher Weise von den beteiligten Regierungen diefe Möglichkeit der Staffelung ausgenutzt wird. Der preußische Entwurf zeigt seine hausbefizerfreundliche Tendenz bereits bedenklich genug in der bei ihm vorgesehenen Abstufung der Steuersätze. Während das Reichsgesetz es zuläßt, daß bereits bei einer Belastung des Gebäudes von 30 Proz. des Wertes an die volle Steuer zur Erhebung gelangt, staffelt der Entwurf bis zu 50 Proz. und führt dadurch zu einer erheblichen Verminderung des Steuerauffommens, zu einer sehr be achtenswerten privatwirtschaftlichen Bereicherung der beteiligten Gebäudebefizer und im Zusammenhang mit dem durch diese Bestimmung bedingten Steuerausfall zu einer wesent lichen Verminderung der für die Förderung des Wohnungsneubaues verfügbar zu machenden Mittel. Das preußische Staatsministerium begründet seine Haltung damit, daß das Wesen des GebäudeentschuldungsSteuergesetzes es erfordere, daß dort, wo feine Gewinne durch Hypothefartapitalvernichtung eingetreten feien, eine aus Wenn man reichende Steuerherabsehung zu erfolgen habe. auch den Grundgedanken billigen mag, so erscheint es doch bei der gegenwärtigen Situation als nicht unbillig, auch den Gebäudebefizern, die ein größeres Eigenkapital investiert hatten und sich dieses Vermögen un angetastet durch den Brozeß der Geldentwertung erhalten fonnten, mindestens die Steuer in der reichsgefeglich vorgesehenen Höhe aufzuerlegen. Der Für die Beurteilung der Steuer wesentlich aber ist die Frage ihrer Verwendung. Als eine 3 med steuer Wohnungsbau- gedacht und ursprünglich propagiert, ist sie aller Fehlbeträge im öffentlichen Haushalt geworden. in wachsendem Maße bequemes steuerliches Mittel zur Deckung Reichsfinanzausgleich seht ihr Aufkommen in beträchtlicher Höhe als Dedung des Steuerbedarfs von Ländern und Gemeinden ein und, nachdem auf der Grundlage dieser Berech nung der gegenwärtig geltende Finanzausgleich vom Reichs tag geschaffen worden ist, bleibt der Landesgesetzgebung feine Möglichkeit, auf die Heranziehung eines sehr erheblichen Teiles der Steuer für allgemeine Finanzbedürfnisse zu verzichten. Die reichsgefeßliche Regelung bindet die Länder in dieser Beziehung formell wie materiell. Erkennt man diese Tatsache aber auch als ein Faktum an, mit dem gerechnet werden muß und dessen Bekämpfung als falfch nicht im Landtag, sondern im Reichstag zu erfolgen hat, fo fann man sich doch nicht der Erkenntnis verschließen, daß die vom preußischen Staatsministerium vorgesehene Verteilung zwischen allgemeiner Finanzbedarfsverwendung und Zufüh rung zum Zwecke des Wohnungsbaues unerträglich genannt merden muß. Nachdem man das steuerliche Aufkommen durch eine wie oben dargelegt zu günstige Staffelung wesentlich herabgemindert, außerdem durch die Festsetzung eines Steuerfages von nur 40 Broz. bei 100 Broz. Friedensmiete dem Hausbesig eine gewaltige Ertrags- und Vermögenserhöhung gesichert und gleichzeitig das finanzielle Ergebnis der Steuer weiter beachtlich vermindert hat, verteilt man die Steuererträgniffe in der Weise, daß das Ministerium selbst in feiner die Vorlage erläuternden Berechnung zugeben muß, daß die für Wohnungsbauzwecke verfügbar zu machenden Summen noch unter dem Betrag bleiben werden, der 1925 zur Verfügung stand. Es wird also, obwohl den Maffen der Mieter schaft die in der frisenhaften Lage der deutschen Wirtschaft schwer ertragbare Erhöhung des Mietzinses auf 100 Proz. der Friedensmiete zugemutet wird, eine Herabminderung der Be träge eintreten, welche dem ureigentlichen 3med der Steuer, dem Wohnungsneubau, bienen follen. Es kann kein Zweifel bestehen, daß dies an sich unerträg lich ist: sozialpolitisch, weil die ungeheure Not weitester Kreise, die seit Jahren feine eigene Wohnung zu erlangen vermögen, in ihren Auswirkungen auf Moral, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Lebensfreude zu katastrophalen Erscheinungen, insbesondere in den Großstädten führt und finanzielle Belastungen auf den Etats der Wohlfahrtspflege, Fürsorgeerziehung und der Strafanstalten im Gefolge hat, die andauernd wachsen und schon jetzt nicht mehr ausgeglichen werden fönnen, volfswirtschaftlich, weil bei gestiegenen Rosten des Wohnungsbaues die Zahl der Häuser, welche errichtet werden fönnen, noch tiefer finten wird als es an sich dem relativen Abfinten des verfügbaren Kapitals entspricht. Auf diese Weise wird die in den letzten Jahren erhöhte Produktionskapazität der deutschen Baugewerbe zum Teil leerlaufen, so daß dieser für die gesamte Wirtschaft bedeutsame Teil unserer Erzeugung nicht auf der unter den gegenwärtigen Gesamtverhältnissen möglichen und ökonomisch erwünschten Höhe gehalten werden fann. An dieser Stelle, der Frage der Berteilung des Auftommens zwischen allgemeinem Etat und Wohnungsbau muß schärfste und entschlossenste Kritik einsetzen, der preußische Finanzminister muß erkennen, daß seine Vorlage in dieser Form verfehlt und für die verantwortungsbewußten Parteien des Landtages unerträglich ist. Nicht minder sorgfältig aber müssen die Berteilungszahlen geprüft werden, die sich auf das Verhältnis zwischen Land und Gemeinden beziehen. Es geht nicht mehr weiter, daß die bewußt städte insbesondere großstadt feindliche Tendenz, von der die bisherigen Bertei fungsschlüssel bestimmt waren, auch im neuen Gesetz wieder zum Ausdrud tommt. Die Städte müssen in einem ganz anderen Umfang als bisher und als es der Gesezentwurf vorsieht, das örtliche Aufkommen behalten und sowohl zur Er. füllung ihrer wohlfahrtspflegerischen Aufgaben als auch zur Behebung der bei ihnen besonders gesteigerten Wohnungsnot verwenden dürfen. Die Aufgabe des Städtetages wird es sein, seine diesbezüglichen Abänderungsvorschläge dem Bar. lament mit eingehender Begründung zu unterbreiten. Die Sozialdemokratische Partei als Vorfämpferin gesunder Lebensbedingungen des Proletariats aber wird dieser in ihrer sozialen Wichtigkeit nicht ernst genug zu nehmenden Frage der Berteilung ihre besondere Aufmerksamkeit widmen und sich für eine gründliche Neuordnung dieser Materie mit rüdsichtsloser Entschiedenheit einsetzen müssen. Die Große Koalition. 18390 Neue Versuche der Demokraten und des Zentrums. Die Rede, die Herr Koch auf der Landesversammlung der Demokraten in Stuttgart gehalten hat, zeigt, daß die Demokratische Partei trotz allem bei dem Versuch beharrt, die Große Koalition zustandezubringen. Für das Zentrum tritt ihr heute mit größter Entschiedenheit die Germania" bei. Sie verweist darauf, daß sich führende Genoffen, wie David und Scheidemann, für die Koalition ausgesprochen haben, und daß die Berliner Resolution gegen eine starke Minderheit angenommen worden ist. Sie fährt dann fort: Die Sozialdemokratie steht vor der Notwendigkeit, zwischen 3 mei lebeln zu wählen: zwischen der( traß ausgedrückt). verübergehenden Diskreditierung der eigenen Partei bei einem Teil ihrer Anhänger und der gefährlichen und in ihren Folgen schwer abzusehenden Diskreditierung von Republit, Demokratie und Barlanzent. Sie hat außerdem die Wahl zwischen staatspolitischer und partcipolitischer Tattit, zwischen Einfluß und Einflußlofigtaut. Für das Zentrum sagt die ,, Germania", es fei unmög lich, daß dieses eine Regierung unterstüße, die auf den guten Willen und die Duldung der Deutschnationalen angewiesen sei. Darum fönne es in diesem Reichstag für das Zentrum nur eine Parole geben: Große Koalition. Volksbühne. # Bom lieben Augustin" von Diehenfchmidt. Der geistige Haushalt des Dichters wird allzu billig bestritten. Er borgt sich die Legende vom Wiener Dudelsackpfeifer Augustin. Er sollte von der Best weggeholt werden, genau so wie die 770 alten Weiber und die Jungfern damals, als die Kruzitürfen die Donaustadt belagerten. Doch der Hallodri schließt mit dem Best weibl einen Baft, daß er verschont bleibt, wenn er sich jeglichen Gelüftes im Ueberschwang enthält. Das Geld listenhoch, das tann er im rechten Moment missen, auch das Paschatum mit den drei Roßschwänzen. Aber die Annemiri, die er als erstes Mädel im Arm hielt! Als er fie nicht fortgeben will für die Ewigkeit, da reißt es ihn doch zu den Schatten. Im Theater werden die Schatten symbolisiert durch die wimmernden Leichen im Orchesterraum. Ist das eigentlich eine fruchtbare Legende, dieses aus Kriegszeit und düsterster Menschenangft geborene Märchen? Immer wieder wird die Bescheidenheit gepriesen, das moralische Asthma wird immer wieder gepredigt. Es wird höchstens ein bißchen Berschnaufen unter der Zuchtrute Gottes gestattet. Dieser Gott, der das Best weibl wie etwa den Teufel gemacht hat, ist ein niederträchtiger Gott. Und der Teufel tajfiert den Ertrag seiner Wette wirklich mit höllischer Gewissenhaftigkeit ein. Es muß verzichtet werden auf alles, was dem Blut und den Gliedern am wohlsten tut. Man soll eine verdammte Moral glauben, die mur zu retten ist, wenn der Mensch sich darüber luftig macht. Der liebe Auguftin Dießenschmidts follte sich ins Fäuftchen lachen. Er wollte fich ins Fäuftchen lachen. Er wollte hinwegruischen über die Mifere mit seinem berühmten Bänkellied: Ach, du lieber Augustin, Augustin, Au Die Germania" schlägt darum vor, der fommende Ranzler tolle feine Piniker aus ben für die Große Koa lition in Betracht kommenden Parteien holen, ohne daß die Fraktionen mit Einzelheiten dreinreden". Die Fraktionen sollten nur jenen ihrer Mitglieder, die in die Regierung eintreten ,,, feinen Stein in den Weg legen". Mit dem Begriff der Fraktionsdisziplin, wie er bei den Sozialdemokraten herrscht, ist dieser Borschlag nicht vereinbar. Wie eine Bolemif gegen die ,, Germania", obwohl ohne Kenntnis ihrer letzten Aeußerungen verfaßt, lieft sich ein Artifel des Genossen Gollmann, der mit folgenden Säßen schließt: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird in diesen Monat eine schwere Nerven probe auszuhalten haben. Sie muß fest bleiben. Weder das Dittaturgespenst noch die schwarze Tampfwalze aus Preußen, noch die Bersuche einer Personalunion zwischen Reichs- und preußischen Ministerien, die allzu viel der Chrebeinahe alle Verantwortung der Sozialdemofratte überlaffen würde, dürfen uns schrecken oder verleiten. Wir haben unsere sachlichen, eng begrenzten Forderungen, wir brauchen unsere sachlichen und personellen Garantien für eine Regierung von Dauer, die allein dem Reiche helfen fann. Wollen die anderen unser Ja!", so haben sie uns das zu gewähren, was für Republik und Sozialdemokratie unerläßlich ist, sonst muß es bei dem Epruche der Fraktionsmehrheit bleiben: Nein!" Diese Ausführungen entsprechen dem Standpunkt, den die große Mehrheit der Reichstagsfraktion bisher eingenommen hat und der auch hier vertreten worden ist. Der geschäftsführende Reichskanzler Dr. Luther fehrt heute von seinem Weihnachtsurlaub nach Berlin zurüd. Man nimmt an, daß die Verhandlungen über die neue Regierung nun rasch zum Abschluß gebracht werden. eine überfüllte Barteirersammlung in Karlsruhe sprach sich a Karlsruhe, 7. Januar.( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Mittwoch abend nach einem Referat Crifpiens im Gegensatz zu den Ausführungen des Referenten mit großer Mehrheit für den Eintritt in eine Regierung der Großen Koalition aus.( Der Vorgang ist bemerkenswert, weil er bisher ziemlich vereinzelt dasteht. Red.d.„ Borm.".) Gedächtnisschwache Kronzeugen. Wandlungen der Deutschen Zeitung". " Ms die Nachricht von dem beabsichtigten Meineidsverfahren gegen Dr. Luppe bekannt wurde, fonnte sich die Deutsche 3eitung" nicht genug tun, den bayerischen Justizbehörden zu zujubeln und den Oberbürgermeister von Nürnberg zu verunglimpfen. Sie nannte Dr. Luppe einen gedächtnisschwachen Kron zeugen der Republit" und einen„ Oberrepublikaner, dessen Stern nun in einem Meineidsverfahren, vielleicht im 3uchthaus zu verfinten droht". Das Gericht habe im 2uppe- Streicher Bro eß eine sehr wohlwollende Haltung gegen Dr. Luppe angenommen, aber nun tomme ein anderes Ge richt, das darüber zu befinden haben werde, ob Luppe einen meineid begangen habe. Es sei bezeichnend, daß die republifa nische Bresse, die schon in der Geßler- Affäre zu Luppe geftanden habe, die jebigefehr viel bofere meineidsgefchichte" als eine Lappalie bezeichne. Man sieht, der Jubel des Blattes, das Luppe schon im Zuchthaus sieht, über das Vorgehen der bayerischen Staatsanwaltschaft ift pollkommen. Aber das alldeutsche Blatt hat Bech. Der Meldung von dem Vorgehen gegen Luppe folgt die Kunde von einem bevorstehenden Meineibsverfahren gegen Hitler auf dem Fuße. Und hier liegen die Dinge fehr viel böser". Hitler hat im StreicherBrozeß Angaben gemacht, die fich mit dem Ergebnis des großen Hitler- Lubendorff- Brozeffes nur sehr schwer zufammenreimen lassen. Ein objektiv durchgeführtes Verfahren gegen Hitler würde Dinge ans Tageslicht bringen, die nicht nur für Bayern intereffant wären. Diese Aussicht läßt die Deutsche Beitung jede Fassung verIteren. Wie Kraut und Rüben geht ihr alles durcheinander. Auf der einen Seite unterstellt sie der 2intspreffe, fie forbere Er einigte sich denn auch mit Herrn Granach, dem Augustin, der selten ins Pathetische überschnappte und so in Einfalt und Gott vertrauen pieles von der gefünftelten Lebens und Todesfrömmig feit des Dudelsackpfeifers wahr machte. Nur der Dialeft, das verführende Wienerisch, fehlte ihm. Es fehlte auch den meisten SchauDie Komödianten ihr Barkett mit dem lodenden Dialeft benebelt Spielern, und vieles wäre der Traumwelt näher gefommen, wenn hätten. Das Wort der verspielten Melancholie, das gelegentlich Frau Grete Bad und immer Herr Reu trafen, gehört eben zu einem Wiener Volksstück. Alles scheint lahm und taub, wenn es anders flingt. Symbolisches Pestweibl war Fräulein Roloff. das ftets überschüttet wird von der Komödianteninbrunft in ihrer Bruſt. So flingt oft manches in ihr und aus ihr zu gewaltsam. Die am Totengräberhumore, Shakespeare in Kleinmünze, wirften stärksten. Wie denn überhaupt manche Episoden mohl gelangen, wie denn überhaupt die vom Rapelmeister 3eller um das Augustinlied geschnörkelte Musik manches in eine erbauliche Sphäre des Märchens emporhob. Max Hochdorf. Zur Relativitätstheorie. Aus Amerifa fommt die Aufsehen erregende Stunde, daß die Grundlage der Einſteinſchen Relativitätstheorie erschüttert fei. Sie beruht legten Endes, wie alle physikalischen Theorien, auf Erfahrung. Ihre experimentelle Grundlage ift der berühmte Verfuch von Michelson, aus dem Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahr hunderts, ber den Einfluß, den bie Erdbewegung auf die Lichtfort pflanzung nach unseren früheren Borstellungen haben muß, feststellen wollte, aber damit endete, daß ein solcher Einfluß nicht fest ftellbar ist. Biele Bersuche und Wiederholungen der Milchelsonfchen Experimente führten immer zu demselben Ergebnis, so daß sich die Ueberzeugung Bahn brach: Ein Einfluß der Erdbewegung auf die Lichtfortpflanzung besteht nicht". Auf dieser Grundlage baute in Da wäre Blaz für die Elegie, für die Sanftheit auch und für stein feine berühmt gewordene Theorie auf, die an unser Denken die Satire. Shakespearische Humore und Hanswursthumore, die ja und Vorstellen freilich ganz ungewöhnliche Anforderungen stellt und Borstellen freilich ganz ungewöhnliche Anforderungen ftellt in Bien beheimatet sind, wo Stranißty, der Urhansmurft, zur sollen wir doch annehmen, daß der Zeitablauf nicht etwas Absolutes Belt tam, das hätte sicher ein hübsches Gemisch erbracht. Alles das ist, sondern von der Bewegung abhängt, daß die Zeit bei rascher durchträumt und durchsummt Herrn Diegenschmidt denn auch. Das Bewegung eines Körpers langsamer vergeht als bei Ruhe. Totenfärrner- Grauen soll der massiven Groteske dienen. Wenn im Nun hat ein gewiffer Miller, Borsigender der Amerikanischen Sultanszelt der Schmerbauch des Kalifats über dem schaufelnden Physikalischen Gesellschaft, vor wenigen Monaten den Michelsonschen Throne madelt, foll farifierendes Rasperletheater gemacht werden. Bersuch in einer Höhe von 2000 Meter über dem Meeresspiegel Aber der durchfummte Dramatifer finniert nur, er fublimiert feine wiederholt, und glaubt im Gegensatz zu Michelson in solcher Höhe den Bersönlichkeit nicht. Das Inventar feiner Dichtung entstammt nur Einfluß der Erdbewegung auf die Richtfortpflanzung nachgewiesen in Wenigem dem Ingenium, es feßt sich im allgemeinen zusammen zu haben. Er will aus seinen Versuchen schließen, daß die Erde und aus einer Inventur der gangbarsten Theatereffette. Ja, wenn das ganze Sonnensystem sich mit einer Geschwindigkeit von 120 Dießenschmidt von Raimund oder Nestron, von dieser sehnsüchtigen Meilen in der Sekunde durch den Aether bewegen, daß dies also die Wiener Musit etwas geerbt hätte! Der Tert, den er aus dem All- Geschwindigkeit der absoluten Bewegung der Erde sei. tag herausholt, ist jedoch ziemlich dünner Tert von Schlagworten, Da der Michelsonsche Versuch im Laufe der seither verfloffenen teine goldenen Herzensworte, sondern nur Talmihumor. Es stört| 45 Jahre wohl an die 100 mal immer mit demselben Ergebnis eine gewisse Dürftigkeit der Satire, die dazu noch auf Vorbilder wiederholt worden ist, steht man in Fachkreisen dem Millerschen zurückgeht. Mit dem Bolt hat übrigens diese Literatur nicht viel Ergebnis sehr mißtrauisch gegenüber. Brof. Weber in Leipzig weist zu tun, wenn auch„ Bolkskomödie über das Stüd geschrieben wird. darauf hin, daß Millers Messungen mit den gesicherten astronomischen Es ist trozdem sehr unvolkstümlich, weil es eben gar nicht naip ist. Renntnissen über die Bewegung der Erde nicht in Einklang zu Eine Byrit der Aufführung und ein Dudelsacktremolo, das bringen seien. Prof. Tomaschet aus Heidelberg hat den andern in fländig aus dem Burstel Augustin zittert, das wäre der richtige der Phyfit gebräuchlichen Weg der Kritik eingeschlagen, er hat die Aufführungsstil. Herr Schwannede, ber Regisseur, fühlte das. Versuche in großer Höhe, nämlich auf dem Jungfraujoch, also in | ein Meinetbsverfahren gegen Hitler, auf ber anderen Seite erlaubt jie sich, die auch von MTB. wiedergegebene Meldung über die Ein. leitung des Verfahrens als ein Lügenmanöver zur Entlastung Luppes hinzustellen. Aber gleich darauf dokumentiert sie das Ver trauen, das sie zu ihren eigenen Ableugnungen und falschen Be hauptungen hat, mit der ängstlichen Frage: Sollte die banerische Gerichtsbehörde es nun mehr auch schon so weit gebracht haben, daß sie auf die doch wahrlich alltäglichen Verleumdungen der Lintspresse willig hört?" Benn die„ Deutsche Zeitung" vom Mittwoch noch gewußt hätte, was die„ Deutsche Zeitung" vom Dienstag geschrieben hatte, wäre thr dieser zweifel an der Objektivität der bayerischen Justiz nicht ents schlüpft. Denn wie soll ein Gericht, das auf wahrlich autägliche Verleumdungen" hereinfällt, überhaupt befähigt sein, sein Richteramt auszuüben! Aber der tiefere Sinn des fläglichen Gejammers ift flar. Man perlangt diftatorisch, daß die Gerichtsbehörden munter im Ber. eumdersumpf der Rechtspresse herummaten und für die strafbaren Handlungen der zuderfüßen Brüderchen" auf der Rechten taub und blind find. Wenn es einmal anders fommt, ist die Entrüftung groß. So wird's gemacht. Italien, das Vorbild. Tageblatt über das Italien Mussolinis: Detleff D. Ralben berichtet in Bulles Deutschem Und er regiert Italien! Das Parlament ist zu einem Schattenbafein verurteilt. Die nicht- faschistischen Abgeordneten werden gelegentlich mit Fußtritten hinausgeworfen und verprügelf, und es ist daher ganz erklärlich, daß auch die deutschen Abgeord. neten aus Südtirol hier absolut gar nichts für ihr Land erreichen lönnen.( Das ist alles, was der völlische Italienfahrer über Südtirol zu sagen hat! Red. d. B.) ... Die Dauerwirtung auf das Bolt sichert sich Mussolini burch seine Presse. Alle Zeitungen von Bedeutung find bald mit der feinen Bitterung charatterloser Konjunkturpolitifer gleich zu ihm übergeIchmentt, teils bedurfte es eines fanften Drudes, um sie gefügig zu machen. Das ehemalige Blatt Muffolinis, der sozialistische ,, Avanti" mird oft verboten Die Redaktion des Mailänder Kommunistenblattes Unita", mirb von Zeit zu Zeit von Faschisten verprügelt, muß also auch sehr vorsichtig fein. Detleff v. Ralben schließt mit dem Wunsch, daß auch Deutschland bald seinen Mussolini haben möge. Heil! Neues Verhör Windischgrät. Widersprüche mit Nadoffys Aussagen. Budapest, 7. Januar.( WTB.) Das ungarische Telegraphen Korrespondenzbureau meldet: Das gestrige Berhör Nadossys machte ein neues Berhör des Prinzen Windischgräs notwendig, da sich verschiedene Widersprüche gezeigt hatten, die zu klären find. Die Untersuchung richtet sich in erster Linie auf die Feststellung. in welcher Druckerei die falschen Noten hergestellt worden sind und woher das zur Fälschung verwandte Papier stammt. Auf Grund eines neuen Berhörs von Defiber Raba ist die Bernehmung mehrerer Beamten des Kartographischen Instituts angeordnet worden. Das mittelalterliche Raubritterschloß. Budapest, 7. Januar.( BTB.) Die Erhebungen im Sarps patater Schloß des Prinzen indischgräß, das im Mittelalter ae. bout murde und viel unterirdische Gänge und Rafe matten aufweist, wurde gestern von 25 Geheinipolizisten und den Emissären der französischen Kriminalpolizei begonnen. In Budapest felbft wurden feine neuen Hausfuchungen vorgenommen. Da gestern infolge des Dreifönigstages in Budapest teine Zeitungen erschienen, wurden verschiedene Gerüchte über angebliche neue Berhaftungen verbreitet, bie aber feine Unterlage haben. Die Untersuchung ergab. daß außer ein oder zwei falschen Noten, die in Budapest ausgegeben wurden, nur im Saag verfucht worden ist, Noten an den Mann zu bringen. Die Gerüchte, es feien falsche Noten im Betrage von 20 Millionen Frant im Berlehr, find daher unrichtig. 3550 Meter Meereshöhe, wiederholt und mit demselben Ergebnis wie alle früheren Forscher, d. h. einem Millers entgegengelegten Ergebnis. Borläufig bleibt es also noch bei der Relativitätstheorie. Bt. schwindigkeit: Dem organisierten Unterhaltungsrundfunk wird der Lerne per Radio! Das Radio entwidelt fich mit erfreulicher Ge Lernfunt, der pädagogische Rundfunt, nunmehr folgen. Heute mittag puntt 12 Uhr wurde auf ber elle 1300 ab Königs musterhausen der pädagogische Rundfunk offiziell eröffnet. Die erste Ansprache hielt der Kultusminister Dr. Beder, der darauf hinwies, daß der Hörsaal des Rundfunks teine Grenzen fenne, was besonders auch insofern erfreulich set, als der Gedanke der Boltshochschule allen zugute fäme, auch den Deutschen jenseits der Landes grenzen. Staatssetretär Dr. Brebom sprach darüber, daß die geplanten Vorträge, die sich vererst noch nicht an die Jugend wenden, vor allem die Aufgabe erfüllen sollen, verschüttete Kennt nisse aufzufrischen und Bildungslüden auszufüllen. Diese Borträge follen täglich, und zwar nachmittags von 3-5 Uhr, im Rahmen des allgemeinen Brogramms gehalten werden. Außerdem sind Bortragsanflen fpezieller Natur, d. h. für einzelne Berufsinterefenten in Aussicht genommen. Als letter Redner sprach der Leiter des Sentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Beh. Oberregie. rungsrat Dr. Ballat. Er begründete im einzelnen, weshalb gerade das Zentralinstitut, das im Laufe seiner elfjährigen Tätigkeit ich zu einer pädagogischen Sentralorganisation ausgebildet habe, die Leitung und Durchführung des pädagogischen Rundfunks übernommen hat. Das Institut plant die rein empfangende Tätigkeit der Hörer durch vorbereitende und ergänzende Artifel in der Zeit. schrift" Z I" zu vertiefen. Garantien für einwandfreie und wert volle Darbietungen find dadurch gegeben, daß sämtliche Bortrags. folgen zunächst den Unterrichtsverwaltungen der einzelnen Bänder vorgelegt werden. Die zu behandelnden Themen erstrecken sich nicht nur auf das sogenannte Schulwissen, sondern sie werden auch die theoretischen Intereffen von Handel, Gewerbe usw. einbeziehen. Außerdem werden Kurse in neun Fremdsprachen veranstaltet. Für die Jugend geeignete Darbietungen follen später folgen, nachdem durch Lehrer und Elternkreise, die sämtlich um fritische und anregende Mitarbeit gebeten werden, wertvolle Anregungen gegeben werden fönnen. Zunächst sollen die Alten lernen. Und sie werden es mit Be geisterung tun. Hoffentlich bleiben ihnen Enttäuschungen erspart. ergo. Morgenfeier in der Komödie. In der am Sonntag, ben 17. Januar, borm. 11, Uhr, in der Komödie ftattfindenden Morgenfeier für Armin 2. Wegner wird nebft dem Dichter, der aus eigenen Werken vortragen wird, Otto Grautoff einführende Worte sprechen und ein fürtisches Buppen spiel Waffif und Atif oder Die Frau mit den zwei Ebemännern von Begner und Lola Landau, von Baul Bildt inszeniert, zur Uraufführung gelangen. Das heilige 3 hr in Zahlen. Die Arahl der italienischen Bilger betrug 600 000. Deutschland fandte 110 000, Spanien 11 450 und Frankreich 11 858. Der Babit perteilte 800 000 Medaillen, die an das heilige Jahr erinnerten. Die Beschenle bewegten sich im Werte von 10 Lire bis hinauf zu 10 Millionen Lire, die ein Amerikaner brachte. Der Bapit hielt 1080 Brebigten, momon die fürzeste 200 und die längste 2000 Borte umfaßte. Die Gesamtfumme eingegangenen Beträge third mit 1 Million engl. Bfund angegeben. Man prügelt in Treptow! KPD.- Helden schlagen einen Arbeitervertreter nieder! Auf den Bezirksverordneten Genossen 2empert ist gestern| Genossen 2empert und Lehner unter allerlei Drohungen im Anschluß an die Bezirksverordnetenversammlung in Ireptom Stöße in den Rüden. Die beiden Genossen bemühten sich, cin Ueberfall verübt worden, dessen Urheber Tribünenbesucher ungeachtet der Beleidigungen, die Erwerbslosen zu beruhigen und waren, die von den Kommunisten zum Zwecke der Demon- ihnen den Sachverhalt flarzulegen. Es nugte aber bei den Auf: stration für ihre Erwerbslosenanträge hinbestellt wurden. Die Kom gehetzten nichts. Auf der Straße tam es dann zu neuen Angriffen, munisten waren schon in der vorlegten Bezirksversammlung mit wobei der einem ganzen Bündel der verschiedensten Unterstügungsanträge anmarschiert. Nachdem diese Anträge in dem dafür bestimmten Ausschuß verhandelt worden waren, wobei die kommunistischen Vertreter mit den Ausführungen und den Borschlägen der sozialdemo. fratischen Stadträte vollkommen einverstanden waren, wurden auch die Ausschußanträge mit den Stimmen der Kommunisten in der Plenarversammlung angenommen. Auch in der gestern ab gehaltenen Bezirksversammlung fam bie fommunistische Frattion wiederum mit einer großen Anzahl von Anträgen, bie fich auf die Erwerbslejen bezogen. Angeblich waren die Forde rungen in einer Erwerbslosenversammlung am Morgen des gestrigen Tages beschlossen worden und die Kommu nisten hatten fie fich zu eigen gemacht. Unter den Anträgen befand fich u. a. die Forderung auf Anertennung der Erwerbs lofenräte. Da die Anträge und Forderungen die Kompetenzen des Bezirksarbeitsamtes in jeder Hinsicht überstiegen, wurde schließ lich der Antrag gestellt, die Angelegenheit an den Rechnungsausschus zu überweisen. Das war das Signal für die auf die Tribünen hin beorderten Erwerbslosen zu einem fürchterlichen Spettatel Als sich trotz mehrmaliger gütlicher Berwarnung der Lumult nich! legte, schloß der Vorsteher, Genoffe Strieber, bie Suzung. indem er feinen Play verlich. Beim Berlassen des Bezirtsamts gebäudes wurden die Genossen unserer Fraktion durch die Trirünen besucher, die sich unter fie mischten, in der unflätigten Beise beschimpft und angerempelt. Ausbrüde mie: Strniche, Sumpen, Arbeiterperräter und ähnliche flogen unferan Bezirksverordneten an den Kopf. Merfwürdigerweise richteten sich die Angriffe lediglich gegen die Sozialdemokraten. Alle anderen Bezirksverordneten blieben unbehelligt. Unsere Geressen strebten langsam dem Ausgange zu, ohne sich um die An rempelungen zu fümmern. Kurz vor dem Ausgang erhielten die Paul Caffirer gestorben. Der Kunsthändler Poul Cassirer ist heute morgen 7 Uhr der schweren Schußverlegung. die er sich selbit beigebracht hatte, im Elifabeth- Krankenhause erlegen. Bereits in der Nacht trat eine Verschlimmerung des Befindens ein, und in den Morgen. stunden ließ die Herztätigkeit merklich nach. An seinem Sterbebette weilte seine Gattin Tilla Durieur und die nächsten Bermandten. Der Zustand Caffirers erschien nach Mitternacht schon hoffnungslos, da eine rasch vorschreitende Lungenentzündung als Folge der Schuß verlegungen alle ärztlichen Maßnahmen als aussichtslos erscheinen ließ. Darf man hoffen, daß mun, da der Tod die Aften über den Fall Cassirer gefchloffen hat, die wenig erfreulichen Betrach tungen der Presse über die ehelichen Berhältnisse im Hause Cassirer aufhören werden? Baul Caffirer hat im Kunjtleben Berlins eine bedeutende Rolle gespielt. Frau Tilla Durieur spielt fie noch. Beide gehören zu den bekanntesten Berfonen der Berliner Gesellschaft. Aber das Intereffe, bas man ihnen entgegenbringt, rechtfertigt noch nicht, daß jezt alle Intimitäten ihres Lebens, fei es in richtiger oder in entstellter Form, vor der Deffentlichtett aus. gebreitet werden. Es genügt zu wissen, daß eine Störung der ehe lichen Beziehungen zum Tode des Mannes den unmittelbaren An. laß gegeben hat. Bo in solchen Fällen das Recht ist, fönnen oft die nächsten Freunde nicht entscheiden, noch viel weniger vermag es eine fenfationslüfterne Journalistit. zweier Menschen eine lärmende Unterhaltung für ihre Leser ge rhaltung für ihre Zeler te macht, vielleicht veranlaßt sie jetzt die Achtung vor dem Tode 3 um Schweigen. Gewiffenlose Händler. Zwei Wochen Gefängnis wegen Kartoffelwucher. Vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte hatte sich der Kartoffelhändler Alfred Leinbos aus Berlin N. megen Preiswuchers zu verantworten. Beinbos hatte Kartoffeln, die er mit 2,40 mart pro Zentner eingetauft hatte, zu einem Behnpfundpreise Don 35 Pfennig statt 30 Pfennig an die Konjumenten weiterverkauft. Der Staatsanwalt erblickte in der Handlungsweise des Kartoffelhändlers unberechtigte Gewinnsucht und Preistreiberei, die bestraft werden müßten. Kartoffeln sind ein wichtiges Nah rungsmittel, besonders auch der ärmeren Bevölkerung, bei ber doch jeder Pfennig Mehrausgabe wichtig ist. Gegen unlautere Elemente im Nahrungsmittelhandel müßte rüdsichtslos vorgegangen werden. Er beantragte beshalb eine Strafe von vier Wochen Gefängnis und 100 Mart Geldstrafe. Der Angeflagte fonnte gegen die Anschuldigungen nichts wesentliches vorbringen. Das Gericht ver urteilte darauf Leinbos megen Preismuchers zu zwei Wochen Ge fängnis, 50 Mart Geldstrafe und 100 Mart Bauschalstrafe für den unberechtigt eingenommenen Gewinn. Ein weiterer Fall tam vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zur Berhandlung. Der Fruchtgroßhändler Raupach aus der Banoramastraße hatte Erbnüffe zum Zentnerpreis von 35 Mart an ben Kleinhandel meitergegeben. Wie fich nachher aber heraus ftellte, waren die Erdnüffe bumpf, grün und schimmlig, also für den menschlichen Genuß ungenießbar. Er tam diesmal noch sehr gelinde davon und wurde wegen fahrlässiger Preistreiberei und Bergehen gegen das Nahrungsmittelgefeß zu 60 Mart Geldftrafe und Einziehung des Ueberverdienstes verurteilt. Leichenfund im Grunewald. Im Grunewald wurde die schon start verwefte Leiche eines Mannes aufgefunden, dessen Schußverlegungen auf Selbstmord schließen ließ. Jetzt hat sich ergeben, daß es fich bei dem Toten um einen der Inhaber der bekannten Berliner Großblumenhandlung Gebrüder Rothe, und zwar um Kurt Rothe handelt. Als seiner zeit bekannt wurde, daß die Firma den Antrag auf Geschäftsaufsicht gestellt hatte, war Rurt Rothe bald darauf verschwunden. Falsche 20- Mart- Reichsbanknoten. Bon ben im Umlauf befindlichen Reichsbanknoten über 20 Reichs mart mit dem Datum des 11. Oftober 1924 ist eine neue Fälschung festgestellt worden, die zum Unterschied von der Anfang September v. 3. befanntgegebenen, an nachstehenden Mert malen unschmer zu erkennen ist: Papier: Aus mei zusammengefügten Blättchen, einem träftigeren, leicht gelb getönten und einem hauchartigen, bräunlich gefärbten Deckblatt bestehend. Pflanzenfasern: Durch falsche, zwischen die Blättchen gelagerte, dünne Fasern erfekt. Border feite: Gröberes, verwischtes Gesamtbild. Das in unreinen Linien mangelhaft nachgebildete Frauenbildnis fennzeichnet die Genoffe Lempert niedergeschlagen als zwet Chamber anging. Das Orchester, beffen Ueber. tragung ja längst zufriedenstellend gelingt, leitete Selmar Meyro. mig mit feinem Gefühl für die flangvolle Bathetik des Wertes. Als Jüdin hatte man sich die schöne Stimme der Marie Hussa Greve verschrieben, die Prinzessin Eudore sang Violetta Scha dom gut. Auch der Baß Emanuel Bist's als Kardinal und die Tenöre des Fürsten Leopold und des Juden Eleazar, die Maximilian Willimsty und Eugen Transty vertraten, wirften bei rich tiger Stellung zur Membrane. Der Chor der Funkstunde, troß seiner schwierigen Aufgabe in Opernaufführungen oft gelobt, versagte diesmal mehrfach, flang verzerrt und zu leiſe. Hatte man ihn anders gruppiert als fonft? Der Distuffionstebner auf der Parteifunktionärtonferenz war nicht der Genoffe Hermes- Steglit, sondern Genosse Baul Germs, 5. Abteilung. wurde. Er erhielt Fauftschläge ins Gesicht und auf den Kopf, so Nach 22 Jahren zum Tode verurteilt. baß er rüdlings auf das Pflaster schlug. Damit schienen die AnIn Aschaffenburg ist vor menigen Tagen der 58jährige greifer ihre Aufgabe erfüllt zu sehen. Das schleunigst herbeigerufene Ueberfallkommando fonnte zwar noch einige der Beteiligten fest. Megger Bruno Um höfer zum Tode verurteilt worden. 3m nehmen, ob es aber die Haupttäter sind, bleibt dahingestellt. Be- Jahre 1905, also vor 20 Jahren, wurde laut Gerichtsbeschluß das merkenswert ist, daß sich die Kommuniften und ihr Anhang gerade gegen ihn schwebende Berfahren eingestellt. Es tonute ihm damals den Genossen Lempert ausgesucht haben. Es scheint das der etwas nicht nachgewiesen werden, daß er die 24jährige Telephoniſtin fonderbare Dant für die fortgefegten Bemühungen Josephine a as, bie am 21. Juni 1903 tot aufgefunden wurde, Lemperts um die Erwerbslofen zu fein. ermordet habe. Das junge Mädchen, das erst vor einigen Tagen in Aschaffenburg angekommen war, hatte einen Spaziergang auf den Büchelberg unternommen und war abends nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Man fand ihre Leiche entfeßlich zugerichtet. Uhr und Portemonnaie fehlten. Unsere parteigenössischen Bezirksverordneten forgten für die lleberführung des Genossen Lempert nach der Rettungsstelle; nach aufgenommenem Befund wurde er mit einem Krantenwagen nach feiner Wohnung geschafft. Der Ueberfallene hat ein start ver schwollenes Geficht und flagte heute morgen über heftige Schmerzen besonders am Hinterkopf, die wohl durch starken Aufprall auf das Straßenpflaster verursacht sind. Durch den Ueberfall wird Genoffe Lempert vorerst in seiner Tätigkeit für die Partei und das Reichs banner behindert sein. Hoffentlich hat der Ueberfall teine ernste renfolgen. 8 Das also ist die richtige Methode, den Arbeitslosen zu helfen! Man hegt sie gegen diejenigen, die ihnen, soweit das mur irgend in ihren Kräften steht, hilfe bringen wollen! Unwiffende Menschen, die fich einreden lassen, die Sozialdemokraten seien ihre Feinde, und die bereit sind, auf Befehl Arbeitervertreter niederzuschlagen, wird man ja immer finden! Nur in einem täuschen sich die kommunisti. fchen Urheber folcher Schändlichkeiten. Sie schädigen und schänden nicht nur die Arbeiterbewegung das würde ihnen verdammt gleichgültig fein- fie schaden damit auch ihrer eigenen Sache. Jeder anständig dentende Arbeiter, jeder anständig ben. fende Erwerbslose wird sich mit Verachtung von der Brügelgarde Mostaus abwenden. Fälschung auffällig. Vor Annahme dieser Fälschung wird gewarnt. Für die Aufdeckung von Falschmünzerwertstätten zahlt die Reichsbant Belohnungen. Folgenschwerer Fuhrwertszusammenstoß. A befand sich auch der Megger Bruno Imhofer. Gegen ihn schien Unter den vielen in der Sache Berdächtigten und Berhafteten befand sich auch der Metzger Bruno Umhofer. Gegen ihn schien zum Reinigen gegeben hatte. der Umstand zu sprechen, daß er einen Monat später einen Anzug Der Färber Müller sagte aber aus, daß der Anzug nur Fettfleden aufgewiejen habe. So wurde das Verfahren gegen Umhöfer eingestellt. Im Frühling vorigen Jahres, furz vor der Verjährung-es waren ja bald 20 Jahre ins Land gegangen, feitdem das Berfahren gegen Umhöfer eingestellt morden mar nahm die Polizei die Sache nochmals auf, lud den unterdes 20 Jahre älter gewordenen Färber Müller wieder vor und... erhielt nun von ihm, mohl zur eigenen Verwunderung, zur Antmort, er habe damals die ll n wahrheit gefagt; der Anzug Umhöfers fei von unten bis oben voller Blutjpriser gewesen. Auch Frauenhaar habe daran geklebt. Er habe es damals ver heimlicht, weil er seinem Meister nicht vorgreifen wollte". Anklage fammen mit der abgeänderten Aussage des Färbers schien die Be murde erhoben und Umhöfer zum Tode verurteilt. meistette geschlossen. Des Angeklagten letzte Worte waren:„ Gott fei Dant, ich weiß nichts davon." 31Der Fall steht mohl einzig da. Er verdient eine furze Würdigung. Der Gejezgeber bestimmt, daß ein Berbrechen, das mit Todes. ftrafe oder lebenslänglichem Zuchthaus bebroht wird, in 20 Jahren für verjährt zu betrachten sei. Mehr noch: selbst die Bollstreckung einer rechtsfräftig ertannten Strafe verjährt in 30 Jahren. Seit der Ermordung der Haas waren 22 Jahre verstrichen. Wollte die Behörde sich mit der Tatsache des eingestellten Berfahrens nicht zu frieden geben, weshalb hat fie nicht fünf oder zehn Jahre nach dem Ereignis die Nachforschungen von neuem aufgenommen? Es hieße, dem Geiste des Berjährungsgejeges und allen Erfahrungen der Aus Ein schwerer Zusammenstoß ereignete fich gestern abend gegen fage- Binchologie ins Gesicht schlagen, fellte es Brauch werden, die 6 Uhr auf der Treptower Chauffee in unmittelbarer Nähe Nachforschungen erst turz vor der Berjährung eines Berdes Bahnhofs Treptow. Aus bisher noch unbekannter Ursache fuhr brechens wieder aufzunehmen und eventuell gegen den Berdächtigten ein Straßenbahnzug der Linie 87 auf einen Last auf Grund der nach 20 Jahren willkürlich abgeänderten Aussage Anhannisthal mit folcher Bucht auf, daß der Borberperron des Dinge wohlgeordnet ein für allemal aufgeftapelt liegen. Hau, der fraftwagen mit Anhänger der Firma Kohlensäurewerfe Jo- flage zu erheben. Das Gedächtnis ist feine Stahlfammer, in der die Straßenbahnwagens völlig eingebrüdt wurde. Wie durch zum Tode verurteilt war, durfte nach 17 Jahren in die Freiheit zu ein Wunder blieb der Führer unverlegt. Dagegen wurde der Mitrüdkehren. Umhöfer wird 22 Jahre nach der Tat zum Tode verurfahrer des Lastwagenanhängers, Gustav Kimpfe, auf die Straße geteilt. Wäre damals das Berfahren nicht eingestellt und eine Ber schleudert. Mit schweren Beinverlegungen und mehreren Brüchen urteilung ausgesprochen morden, jo hätte er auch jetzt bas Gefängnis wurde er in das Krantenhaus Am Urban transportiert. Zu allem schon längst verlaffen. Daß selbst der Staatsanwalt feiner Sache Unglüd geriet ber kraftwagen noch durch Entzündung des menig ficher mar, erhellt allein schon daraus, daß er entgegen seiner Benzinbehälters in Brand. Die inzwischen alarmierte Feuerwehr ganzen Argumentation bie mogli dteit eines Zoti lags hatte beinahe eine halbe Stunde mit dem Ablöschen zu tun. zuließ und deshalb mit Zuchthausstrafe fich begnügen wollte. Das Gericht aber forschte faum nach dem Grunde der plöglichen Mende rung der Zeugenausfage. Er schraf auch nicht zurüd vor der Mög lichkeit eines Juftizmorbes. Dachstuhlbrand in Charlottenburg. Ein großer Dachstuhlbrand beschäftigte die Berliner Feuer. mehr am Donnerstag früh in der Holzendorfstraße 17, Ede Leonhardstraße, in Charlottenburg längere Zeit unter der Leitung des Baurats Schele. Das Feuer wurde erst um 5 Uhr von Haus bewohnern und Straßenpassanten bemerkt, als die Flammen ihon hell aus dem Dache des Borderhauses emporioberten. zügen und löschte ben ausgedehnten Brand mit drei Schlauch Die Feuerwehr erschien auf mehrmaligen Alarm mit zwei Lösch leitungen. Ob Brandstiftung vorliegt, war nicht mehr festzustellen. Der Schaden ist sehr erheblich. Heil, Hitler, Heil! Hitler Adolf hat aus Gram über seine Misere die Balance ver loren. Erst muß er Weihnachtsliebesgaben schnorren gehen, da sich für seine völlischen" Schreibfrämpfe teine Leser finden. Runmehr für seine völlischen" Schreibträmpfe teine Leser finden. Runmehr fingt er fich an. Im Blatt des Hafenkreuzes, dem„ Völkischen Beobachter", spricht sich Hitler unumwunden seine eigene Sympathie in Berfen aus. Die Hymne auf den Bürgerbräuputschisten ist nicht chon, jeboch knorrig wie eine bajuvarische Eiche. Einige delikate Rostproben: Heil unserm Hitler, Heil, lang Leben sei sein Teil, In Not und Sturmgebraus hält Hitlers Stoßtrupp aus. Das Leben weihen mir, Heil Deutschland, Dir! Des Hatenkreuzes Zier sei unser Schlachtpanier, Auf weißem Untergrund hält's Bolt gesund(!!), DerSchwur, den wir getan, uns allen schwebt voran,(!) Und rufen:(?) Hitler, Heil! Heil, Hitler, Heil! Bei soviel Geheile muß eigentlich die bankrotte Firma aus dem Todesschlaf erstehen. d Die Todesstrafe mird natürlich nicht vollfiredt merden, bas 1tell bleibt deffen ungeachtet nicht weniger ungeheuerlich. Die Staats anwaltschaft, die neuerdings so sehr mit Argusaugen über die Reinheit der Zeugenaussagen wacht, baß fie bei jedem auch noch fo entSchulbbarem Irrtum in der Aussage Anklage wegen Meineids erhebt, zulaffen. Es ist zu wünschen, daß die Verteidigung den Kampf nicht hat sich in diesem Falle nicht gescheut, die Beeidigung des Zeugen zu. wegung setzt. Das Urteil ist und bleibt ungeheuerlich, felbst wenn allein um Umhöfer willen weiterführt und alle Instanzen in Be Umhöfer reftlos begnabigt werden sollte. Zusammenstoß in der Pariser Untergrandbahn. Am Mittwoch abend ist ein Bug der Bariser Untergrund. bahn auf einen anderen in einer Station befindlichen Zug auf gefahren. 28 Personen wurden leicht verlegt. 3mei Personen wurden schwer perlegt Der Unfall ereignete sich dadurch, daß der Strom plöglich versagte, wodurch ein Zug, ber nach seiner Station zurüdfahren wollte, auf dem ihm folgenden Zug stieß. Weitere Ueberschwemmungen in Frankreich. Infolge weiteren Ansteigens der Seine wurde der Bahnhof Paris Invalides heute früh geschlossen. Die Seine und ihre Rebenflüsse sind heute wieder beträchtlich gestiegen. In der Bariser Bannmeile sind meitere Ortschaften überschwemmt worden. An der Dise ist die Situation besonders fritsch geworden. Ein Teil der Stadt Creil ist vollständig unter Waffer. Die Wasserwerte mußten den Dienst einstellen. Die Be völkerung wird durch Boote mit Lebensmitteln und Brennmaterial versorgt. Da die Brotverforgung infolge der Schließung der Bäckereien Schwierigteiten macht, muß Creil von anderen Städten versorgt werden. Eine Hausangeftelte von einem Bölfischen ericholfen. Der 20 Jahre alte Dienfitnecht Friedrich Schiele aus Regwig im Leip Landgerichtsdirektor Schwarze teilt mit, daß die Nachricht, er fei vom Rammergerichtspräsidenten auf Grund eines seit längerer Seit schwebenden Disziplinarverfahrens fuipendiert morben, un richtig sei. Richtig sei lediglich, daß Anfang Dezember ein Ber fahren gegen ihn geschwebt habe. Das Berfahren sei angentas worden, weil der Verdacht bestanden habe, daß er an dem Antauf eines Gainsborough- Bildes durch den ehemaligen Reichsbant- Ober- giger Bezirk erschoß seine Freundin, die Hausangestellte Hedwig inspettor Arnold beteiligt gewesen sei. Irgendeine finanzielle Entschädigung habe Landgerichtsdirektor Schwarze für diese Ber faufsvermittlung nicht erhalten und es fei auch nicht richtig, daß, wie Arnold später behauptete, Landgerichtsdirektor Schwarze beim Weiterverfauf des Bildes finanziell beteiligt werden sollte. Zeugen für die Unrichtigkeit dieser Behauptung habe Landgerichtsdirettor Schwarze den in Frage kommenden Behörden bereits genannt. Desinfeffion in dringenden Fällen. Zur Beschleunigung der Ausführung von Desinfektionen in dringenden Fällen empfiehlt es sich, fie bei der Charlottenburger städtischen Desinfektionsanftalt, Mollwigstraße 2( Amt Wilhelm 427) unmittelbar zu beantragen. ohne die polizeiliche Anzeige bei diefer abzuwarten. Im Intereffe ber Angehörigen des Kranten oder des Toten wird dadurch viel an Beit gefpart. Bräutigam. Der Täter ift Mitglied des Werwolfes. Er will bie Tat nicht mit Abficht begangen haben und führt den tödlichen Schuß auf ein Bersagen der Sicherung zurüd. Der völfische Schießheld ist inzwischen dem Gericht übergeben worden. Bier Kinder verbrannt. Bier Kinder einer Familie sind in Listo mel( Ontario) verbrannt. Der Brand ist auf das Umfallen einer Betroleumlampe zurückzuführen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Junglesialistes. Gruppe Treptow: Saule. Donnerstag, um 7 Uhr im Jugend. beim Elfenftr. 8 Bolitisch- fatizilcher Abend. Referent: Robert Reller. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation ferter Genolle Georg Beltner. Cindideruna am Freitag, den 8. Januar namithaas 4½ Uhr, im Reematorium Bilmersdorf. Au Ehren des Be forbenen erwarten wir zahlreiche Beteiliguna. „ Die Jubin im Rundfunk, Der Rundfunt muß aus der großen" Oper eine„ fleinere Oper machen; er sollte aber in einigen einführenden Worten oder wenigstens in seiner Funkstunde darauf hinweisen, um nicht einer großen Zahl von Hörern ein ganz falsches Bilb ber mufilalischen Bühnenwerte einzelner Epochen zu übermitteln. Doch, von dieser Einschränkung abgesehen, tann man dem Rundfunk zu der Uebrtragung von Halévys Jüdin". Glüc wünschen. Mit sicherem Berständnis für die Eigenart des Mikrophons rebigierte man nach Möglichkeit die Ensemblestellen, ließ da für Arien ungefürzt, soweit es bei einer Spielzeit ven menig mehr und Gefanasportrogen. Gintritt 1.20 M. an der Abendkaffe. 79. bt. Schöneberg. Ant 5. Sanuar verftarb unfer feit Schraehnten organiVorträge. Vereine und Versammlungen Der Männerchor Dit- gerania 1849, Mital. 3. DAGB., pevanftaltet am Sonnabend, 9. Januar, 8 Uhr, in den Brachtfälen om Märchenbrunnen. Am Friedrichshain, einen großen Biener Maskenball mit Ueberrafdrgen Gewerkschaftsbewegung Das neue Buchdruckerverbandshaus. Der„ Korrespondent" jetzt in Berlin. Roch immer sind die Handwerker an der Arbeit, um den stolzen Jau in der Dreibundstraße vollends zur Vollendung zu bringen. Das moderne Gebäude, das nach den Entwürfen der Architekten Taut und Hoffmann ausgeführt wurde, macht mit seinen 40 Metern Straßenfront und 60 Metern Tiefe auf den Beschauer einen statt lichen Eindruc Der Bau steht da gleichsam als Symbol der nie verjagenden Lebenstraft und des Aufbauwillens, die dem Buch bruderrerbande innewohnen und die Zukunft der gesamten Gewerf. schaftsbewegung machtvoll erscheinen lassen. Schon auf dem Rürn berger Berbandstag im Jahre 1920 wurde beschlossen, in Berlin ein Berbandshaus zu errichten. Durch die alle Pläne vernichtende Inflation fonnte der Beschluß nicht früher in die Tat umgesetzt werden. Raum war jedoch die Inflation überwunden, so wurde der Plan wieder aufgegriffen und zur Verwirklichung geschritten. Am 8. Ottober 1924 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen und schon am 8. November der Grundstein gelegt memin arbeit erhaltenen Lohn und dem durchschnittlichen Attordverdienst zuzahlen, außerdem die Kläger wieder einzustellen oder bem einen 73, dem anderen 93 M. Gewerkschaft Deutscher Bollslehrer und Boltslehrerinnen, Brovinzialverband Berlin. Nächte Sigung am 9. Januar, 8 Uhr, im Rathaus, Rimmer 55. 1. Gewe: fchaftliches, 2. Rommunale Schulpoliit. Referat Go: Welde führung unferer Forderungen?" die Entlassung sei als unbillige hädigung zu zahlen, denn Möglichkeiten bietet die neue Stadtverordnetenversammlung für die Dur anzusehen. Die Kläger hätten seit August in einer Kolonne gearbeitet. Es sei ja bekannt, daß die Kollegialität der Arbeiter es mit sich bringe, daß schwache Arbeiter in der Kolonne eine Zeitlang berücksichtigt werden, aber monatelang dauere ein solches Berhältnis erfahrungsgemäß nicht an. Hiernach müsse also als feststehend angenommen werden, daß die Kläger im allgemeinen hinter den normalen Leistungen nicht zurüdgeblieben feien. Es sei zuzubersagt haben. Das fönne jedem Arbeiter einmal passieren. Wäre geben, daß die Kläger bei der ihnen zulegt übertragenen Arbeit es offer geschehen, dann würde die Entlassung be gründet fein. Aber das einmalige verjagen bei einer neuen Arbeit nach monatelanger zufriedenstellender Leistung sei ein hinreichender Entlassungsgrund. Kellner und Gast. 2 Wirtschaft Die erste Bilanz für 1925. Eine Sparkasse. Die öffentlichen Sparkassen sind mehr und mehr Banken geworden. Bon um fo größerer Bedeutung ist es, daß ihre Geschäftsführung von der Deffentlichkeit auch fontrollfert wird. Zur Beröffentlichung Don Geschäftsberichten und Bilanzen find fie in aller Regel nicht verpflichtet. In ihrem do metgenen Interesse liegt daher deren Veröffentlichung, auch deren möglichst schnelle Beröffentlichung. Beides scheint von der städtischen Sparkasse in Frankfurt a. d. D. wohl begriffen worden zu sein. Vor uns liegt, taum acht Tage nach Schluß des Geschäftsjahres, der gebrudte Geschäftsbericht. Das ist eine Leistung, die allerhand Hochachtung verdient. handelt sich zwar um teine große Sparkasse; die Bilanzsumme beNoch ist der legte Hammerschlag zur Bollendung der Innen- fchieden wurde, war die Folge. Ein wegen un höflichen Be arbeiten nicht getan, doch am 6. Januar ging pünktlich die erste in neuen Heim gedrudte Ausgabe des Korrespondent" ins Land. 63 Jahre wurde diese alteste deutsche Gerer! fchaftsgeitung in der Büchermetropole Leipzig hergestellt. Jest ist Berlin ihre neue Heimat im eigenen Heim geworden. Die Ber legung nach Berlin war aus reinen 3wedimäßigkeitsgründen notwendig geworden. Durch das Zusammenlegen des Berbands bureaus, bes„ Korrespondent" und der Bildungszentrale ift an Stelle einer gemissen Kräftezersplitterung eine Konzentration dieser Kräfie erjeipt. 62 aas Die Mitglieder des Buchdruckerverbandes bliden mit Stol; cuf das von ihnen geschaffene Wert in der Dreibundstraße. Sie haben die feite Zuversicht, daß der nunmehr unter einem Dach ver einte Dreibund noch besser als bisher im Sinne des gemerfschaft lichen und fulturellen Aufstiegs der Schwarzkünstler wirfen wird. Die Lebensmittel- und Getränkearbeiter. Für Verschmelzung gegen Moskauer Parolen. In der Mitgliederversammlung der Lebensmittel- und Getränke arbeiter am Dienstag im Gewerkschaftshaus Berlin, sprach der Rollege Troger vom Hauptvorstand über den legten Gewerkschaftsfongreß in Breslau. Der Redner befaßte jich hauptsächlich mit den Fragen. die die Lebensmittel und Getränftearbeiter am meisten interessieren. So wurde von dem Referenten speziell die Frage der Organisationsform behandelt. Der Gewerkschaftsfongreß habe durch feine Entschließungen deutlich zum Ausdrud gebracht, daß die Bildung der Industrieorganisationen tatkräftig gefördert werden foll. Es bedürfe aber noch viel Arbeit, um die im Weae liegenden Schmierigkeiten zu überwinden. Der Verband der Lebensmittel und Geträ- tearbeiter fei gegenwärtig damit beschäftigt, die Berschmelzungsfrage mit nahestehenden Organisationen zu ventilieren und er hoffe auf einen günstigen Berlauf der Verhandlungen. In der Diskussion über, das Referat zeigte es sich wieder, dak die Kollegen der Opposition", mie sich die Kommunisten nennen, es mit einer glänzenden Virtuosität verstehen, die Versammlung ihrem ureigensten 3wed zu entfremden. Die Oppositionsredner gingen auf die Ausführungen des Referenten überhaupt nicht ein, zogen vielmehr die alte Walze auf, nach der die Gewerkschaften überhaupt nichts leisten und das Heil für die Arbeiterschaft nur von den Kommunisten fomme. Dabei unterlief ihnen auch ein fleiner Regiefehler. Sie brachten eine Resolution ein, worin sie ihrer ttefften Entrüftung" darüber Ausdruck geben, daß der Gewerkschaftstongreß die Bildung der Industrieorganisationen abgelehnt habe usw. Nach dem Schlußwort des Referenten fiel die Moskauer Barole glatt unter den Tish. Hierauf hielt Genoffe Siegle vom Orts ausschuß des ADGB. einen Vortrag über das Arbeitsnachweisgefet und die Organisation des Arbeitsnachweiswesens in Berlin. Seine Ausfühamgen wurden beifällig aufgenommen. mun marate) Unbillige Härte. Zwei Mechaniter, die im Betriebe der AEG. in der legel ftraße fünf Monate beschäftigt waren, wurden, nachdem sie sich trant gemeldet hatten, entlassen, mit der Begründung, fie feien für die ihnen übertragene Arbeit nicht geeignet. Die Ent laffenen flagten beim Gewerbegericht und beriefen sich darauf, daß diese Begründung nicht zutreffe, denn sie hätten ja bisher zur Zufriedenheit der Firma gearbeitet und in ihrem Entiaffungsschein werde jogar befundet, daß ihre Führung und Leistung zufriedenstellend sei. Die Firma aber erklärte die Entlassung so: Die Kläger hätten bisher in einer Kolonne gearbeitet und einen ausreichenden Attordverdienst erzielt, meil ja der gemeinsame Berdienst unter den Rolonnenarbeitern gleichmäßig verteilt werde ohne Rücksicht auf die Leistung des Einzelnen. Erst als den beiden Klägern eine neue Affordarbeit übertragen murde, habe sich herausgestellt, daß fie nicht leistungsfähig seien, denn bei dieser Arbeit hätten sie in 34 Stunden was durch den Meister und den Abteilungsleiter befundet wurde nicht mehr fertiggestellt, als pon anderen Arbeitern unter den gleichen Umständen in 10 Stunden ge leistet wurde. Deshalb feien die Kläger mit ihrem Berdienst nicht zurechtgekommen. Sie hätten eine Erhöhung des Afford preises oder andere Arbeit verlangt und als das ver weigert wurde, hätten sie sich trant gemeldet. Die Firma wurde, dem Antrage der Kläger entsprechend, verurteilt, ihnen die Differenz zwischen dem für die geleistete AttordSchützt Eure Bücher!! 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So fämpfte also der ent laffene Rellner vor Gericht um seine Existenz, und die Firma Aschinger für thr vermeintliches Recht, einen Angestellten, den sie der Unhöflichkeit für überführt hält, zu entlaffen. Sie berief fich auf das Zeugnis von zwei ihrer Geschäftsführer, welche den Kläger fchon früher anläßlich von Beschwerden aus dem Publikum ver. Borgänge gehandelt haben, denn sonst wäre der Kläger wohl längit warnt hatten. Es kann sich hierbei jedoch nur um unbedeutende entlassen worden. Der Hauptzeuge der Firma war der beschwerdeführende Gaft aus der Konditorei am Blücherplak. Der Borgang, der den Grund zur Entlassung abgab, war folgender: Es war in einer Zeit des flotten Geschäftsganges. Der Kellner hatte alle Hände voll zu tun und seine Dienste wurden von mehreren Gästen gleichzeitig begehrt. Eine Dame rief den Kellner an, weil fie zahlen wollte. Der start beschäftigte Kellner konnte dem Ruf nicht fogleich Folge leiften. Ein mit der Dame am gleichen Tisch figender Herr machte dem Kellner Borhaltungen, und dieser soll bann, als er zur Entgegennahme der Zahlung erschien, dem Herrn den Geldschein unwillig aus der Hand geriffen haben. Der Herr, ein Sekretär R., beschwerte sich bei dem Geschäftsführer. 3mei Damen, die diesen Borgang, an dem sie selbst nicht beteiligt waren, mit angesehen hatten, erflärten dem Geschäftsführer aus eigenem Antriebe, daß sich der Kellner nicht unhöf lich benommen habe. Trotzdem wurde der Kellner entlassen. Ais Kläger vor Gericht stellte er mehrere Beugen, regelmäßige Gäste der Konditorei am Blücherplah, die angaben, sie feien von dem Kläger stets mit der größten Höflichkeit bedient morden. Das Gericht unter dem Vorfiz des Magistratsrats Dr. Riese erflärte den Einspruch des Klägers gegen seine Entlassung für begründet und verurteilte die firma, ihn wieder ein zustellen oder mit 650 M. zu entschädigen. In der Urteilsbegründung wurbe gesagt, gegen den Kläger liege die Beschwerde eines Gastes vor, der als Zeuge nicht gerade den günstigsten Eindruck auf das Gericht gemacht habe. Sugunsten des Klägers jer auch zu berücksichtigen, daß zwei unbeteiligte Damen dem Gefchäftsführer gegenüber erflärten, der Kläger sei nicht unhöflich gemefen. Die früheren Verwarnungen des Klägers fönnten feine er heblichen Ursachen gehabt haben. Doch habe das Gericht auch diese Borgänge berücksichtigt und deshalb dem Kläger nur die Hälfte der von ihm geforderten Entschädigung zugesprochen. Die Firma Aschinger müsse natürlich darauf sehen, daß ihre Gäste höflich bedient werden, denn das sei der Lebensnerv des Geschäfts. Wie die Unternehmer die Kaufkraft heben. Mannheim, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Das Mannheimer Arbeitgeberfartell hat den taufmännischen und technischen Ungestelltenverbänden das Gehaltsabkommen für Januar 1926 gefündigt. In der Begründung wird unter Hinweis auf die Lage der Industrie eine Herablegung der Gehaltsgrenzen ge fordert. Zusammenschluß englischer Gewerkschaften. London, 7. Dezember.( WTB.) Die Bollzugsausschüsse der Transportarbeiterunion und der Union der englischen Gemeinde arbeiter haben heute die Prüfung des Planes einer Vereinigung beider Gewerkschaften begonnen. Die Vereinigung der beiden Unionen würde 600 000 Arbeiter umfassen und den größten Arbeiterverband Englands und der ganzen Welt darstellen. Gemilderter Lohnabzug in Belgien. Brüffel, 7. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der monatelange Rampf in der belgischen Schwerindustrie scheint dem Ende nahe. Am Mittwoch beschloß die Streitleitung, den von den Unternehmern angenommenen Kompromißvorschlag des Regierungsvertreters einer Urabstimmung zu unterbreiten. Danach erklären sich die Arbeiter mit einem Lohn abzug Don5 Bro3. einverstanden, erhalten aber dafür Familienzuschläge, die den Lohnabzug in den meisten Fällen aufmiegen. In der Inflationszange. Baris, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Das Gewerkschaftsbureau der franzöfifchen Grubenarbeiter hat an den Direktor der Bereinigung der französischen Bergwerfsbefizer ein Schreiben ge= richtet, in dem eine allgemeine Lohnerhöhung gefordert wird. In der Begründung wird die durch die Frantenentwer tung und die neuen Steuern hervorgerufene Berteuerung der Lebensmittel angeführt, die nach den offiziellen Statistiken 25 Broz beträgt. Es trägt noch nicht 4 Millionen( 3,989 Mill.). Aber in der Bilanz findet man fast sämtliche Bankgeschäfte. In den Passiven als Grundlage der Geschäfte Spareinlagen( 3,04), Einlagen auf laufendes Kento( 0,66), Kursrücklage und Reservefonds( 0,16 Mill.), einschließlich des Reingewinns für 1925( 63 639 M.), der im Betrieb bleibt. In den Aftiven( einschließlich 75 000 m. preuß. Schatzwechsel) 0,98 mill. sofort greifbare Mittel gleich ein Drittel der 0,77 mill. Hypotheken, Bürgschafts- und Gemeindedarlehen. InSpareinlagen, 0,15 Mill. Wechsel, 2,03 mill. Kontoforrentkredite und ventar und Buchungsmaschinen sind mit 1 M. nur als Erinnerungsposten eingesetzt. Die Bilanz verrät in der Höhe der Schuldner für laufende Kredite die Berlegenheit, in der sich die Spartassen heute im Gegensatz zu früher befinden, wo Staats- und Gemeindeanleihen den Hauptposten der Anlage bildeten. Dieser Posten zeigt aber auch ebenso deutlich den gefährlichsten Punkt der Banteigenschaft der Sparkassen, der eine scharfe öffentliche Kontrolle nötig macht, weil er leicht Verluste bringen fann. In der Gewinn und Berlustrechnung fallen die Verwaltungskosten durch ihre Höhe auf ( 123 500 m. bei 189 600 m. Gesamtüberschüssen). Sie dürfte aber durch die Umstellung der Buchhaltung auf Ma schinenbetrieb, die natürlich aus den Einnahmen erfolgte, sich zum Teil erklären. Sparkasse von Frankfurt a. d. D., wenn die Bilanz auch noch ausführDie prompte 3nformation der Deffentlichkeit durch die licher sein dürfte, ist jedenfalls hoch erfreulich. Ob sich die Privatbanken daran ein Beispiel nehmen werden? Ob es bei ihnen nicht doch mancherlei mehr zu verschönern" oder zu frisieren gibt, was die Veröffentlichung verzögert, als bei den arg befehdeten Sparkassen? Der große USA- Seidentrust perfekt. Die schon seit längerer Beit angestrebte Fusion der großen amerikanischen Seidenfabriken Belding Brothers und Heminway Silf Company, die beide eine ganze Anzahl 3meigfabriken in den Neuenglandstaaten unterhalten, ist muamehr, laut New Yorker Kabel des Konfektionär", perfeft geworden. Der neue Seidentrust wird Belding Heminway Company" heißen und über eine Attivſumme von 20 000 000 Dollar bei einer Arbeiterzahl von 4000 Köpfen verfügen. Verkauf der Koholyt A.-G. aus dem Stinnes- Konzern. Wegen des Verkaufs der Koholyt A.-G. baben mit einer bon William Harrison geführten englifden Gruppe Verhandlungen stattgefunden, die zu einem positiven Ergebnis geführt haben. Tas Gefdäft wird jedoch erst nach der Unterzeichnung der Berträge, die noch auêsteht, perfekt. Aus der Partei. „ Die Gemeinde", die Halbmonatsschrift der Partei für fozialistische Arbeit in Stadt und Land, erscheint seit dem 1. Janar in erweitertem Umfang. Jedes Heft der nach wie vor halbmonatlich erscheinenden Zeitschrift wird jeßt 48 Seiten umfaffen. Dafür ist der Preis auf 45 Bf. für das Heft festgefeßt. Sum Ausgleich ist aber Ausstattung und Bapier verbessert worden. Die Gemeinde" ist für jeden sozialdemokratischen, in der Gemeindearbeit tätigen Funktionär unentbehrlich. Unsere Gemeindevertreter sind verpflichtet, für ihre weiteste Berbreitung Sorge zu tragen und insbesondere überall dahin zu wirken, daß den Gemeindevertretern die Zeitschrift auf Kosten der Gemeinde geliefert wird. Das erste Januarheft ist den Problemen der Selbstverwaltung gewidmet. Es enthält darüber einen eingehenden Aufsatz von Emil Reiß. Würzburg, ferner Beiträge von Ernst Reuter Berlin:„ Der Kampf gegen die Großstadt", Meyer Solingen:„ Die Hauszinsabgeordneten", ferner für Land- und Kleingemeinden vom Beigeordsteuer", von Landrat Knodt:" Zur Einführung der neuen Kreistagsneten Ibing über Erbbaurecht und Bauförderung", von S. G. über Wohlfahrtspflege auf dem Lande". Dazu kommen zahlreiche Notizen aus der Verwaltungspraxis der Länder und Gemeinden. Bei der außerordentlichen Bedeutung der kommunalen Arbeit unserer Bartei in Stadt und Land ist der„ Gemeinde" die weiteste Ber breitung zu wünschen, damit sie in die Lage versetzt wird, sich noch viel mehr als bisher auszubauen. da sole for ma Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Frieb:. Entorn: Feuilleton: Dr. John Echilomsti: Lotales Berlaa: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Sonfiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlaasanstalt Baul Ginger u. 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