Abendausgabe fr. 12 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 6 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin SW Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Freitag 8. Januar 1926 Berlag und Angeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Feeniprecher: Dönhoff 202-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Preußen und die Fürsten. Höpker- Aschoff für reichsgesetzliche Regelung. Der deutschnationale Abg. Everling: herzoglicher Rechtsanwalt. In der heutigen Sitzung des Rechtsausschusses war der preußische Finanzminister Höpfer Aschoff erschienen. An ihn richtete der Genosse Dr. Rosenfeld die Frage: Wie steht die preußische Regierung zu dem ursprünglichen sozialdemokratischen, jetzt von den Demotraten aufgenommenen Antrage auf reichsrechtliche Regelung der Fürstenauseinandersetzung? Unser Bertreter wies darauf hin, daß die gestrigen Ausführungen der preußischen Regierungsvertreter insofern mißverständlich waren, als feine Erflärung, daß es sich um eine preußische Frage handle und daß der jetzt vorgeschlagene Bergleich der Kritif des Reichstages nicht unterliegen dürfe, den Einbrud ermeden könnte, als ob die preußische Regierung jezt nicht mehr für eine reichsrechtliche Regelung der Frage sei. Abg. Koch( Dem.) schloß sich dieser Frage an und Abgeordneter Bell( 3.) erweiterte sie noch dahin, ob sich Mängel aus dem jagigen Stand der Gesetzgebung ergeben hätten. Preußischer Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff: Im Frühjahr glaubten wir, mit einem Reichsgefeß nicht mehr rechnen zu können. Der Reichstag hatte den sozialdemofratischen Antrag auf reichsrechtliche Regelung nicht erledigt, auch bei der Aufwertungsvorlage war eine preußische Anregung wegen Begrenzung der Aufwertung der Fürstenrenten nicht beachtet worden, und wir hielten es deshalb für notwendig, neue Berhandlungen anzuknüpfen. Wir durften die Entscheidung nicht den Gerichten überlassen, wenn der preußische Staat nicht unermeß lichen Schaden leiden sollte. Der Vergleich entspricht nicht allen unseren Wünschen, aber angesichts der ungünstigen Gefeßes lage fonnten wir nicht anders handeln. Wenn jetzt eine reichs gefegliche Regelung kommt, wird die preußische Regierung das begrüßen und den schon von der Regierung unterschriebenen Vertrag nicht den gesehgebenden Körperschaften zuleiten, sondern entfprechend dem Reichsgesetz durch Landesgeseh die Abfindung der Hohenzollern regeln. Abg. Everling( Dnatl.): Ich bin nicht als Anwalt hier und muß die Infinuation zurüdweisen, als ob ich hier Aufträge ausführe. Ich vertrete nur das Altenburger Fürstenhaus.( Zuruf Dr. Rosenfeld: Das genügt.) Abg. Koch( Dem.): Das Verhalten des Abg. Everfing ist mit den Gepflogenheiten des Reichstages nicht der ein bar. Ich würde ein Mitglied meiner Fraktion, das Prozeß vertreter ist, fofort zurückziehen, sobald eine solche Sache beraten wird. Cine folche Intereffentollifion barf nicht Dortommen. Im Erzbergerprozeß hat Helfferich schon deshalb schwerste Vorwürfe gegen Erzberger erhoben, weil er im Reichstag über eine Sache sprach, bei der er nur als Schiedsrichter mit gewirkt hatte. Abg. Korsch( Komm.): Ich schließe mich dem sozialdemokrati. schen und demokratischen Protest an. Abg. Everling darf in diesem Ausschuß nicht länger mitwirken. Abg. Schuldt( 3tr.): Wir Bertreter des Zentrums find bar über einig, daß, wenn in der Zentrumsfraktion ein Mitglied Bertreter eines Fürstenhauses wäre, wir es nicht in den Rechts ausschuß delegieren bzw. zurückziehen würden, sowie die Beziehungen zu einem Fürstenhaus bekannt würden. Abg. Landsberg( Soz.): Ich schließe mich für die fozial demokratische Fraktion dieser Erklärung an. Nach der preußischen Städteordnung würde Everling nicht berechtigt sein, bei der Beratung dieser Sache mitzuwirken. Sinngemäß muß ebenso auch im Reichs. tag verfahren werden. Everling ift Privatvertreter eines Fürsten. Sein Taft hätte ihm verbieten müssen, an der Beratung eines Gefeßes teilzunehmen, dessen Annahme die Wirkung hätte, den Brozeß aus der Welt zu schaffen, den er im Auftrage des Fürsten führt. Borf. Kahl: Ich habe als Schiedsrichter in mehreren folchen Angelegenheiten mitgewirkt, und ich bitte um die Erklärung der Mit glieder des Ausschusses darüber, ob man der Ansicht ist, daß ich wegen diefer Schiedsgerichtlichen Tätigkeit aus dem Ausschuß aus Abg. Dr. Everling( Dnat.) machte demgegenüber darauf auf merkjam, daß das Allgemeine Landrecht auch durch eine Kabinettscheiden follte. crder in Kraft gefeßt und bindendes Recht geworden jet und daß diefes gerade zum erstenmal die Einschränkung des Privateigentums des Fürstenhauses gebracht habe. Abg. Neubauer( Komm.) erfuchte um genaue Angabe der Ber. mögensteile und deren Berte. Finanzminister Dr. Höpfer- fchoff erwiderte, daß im allge. meinen die Behrbeitragsfäße für die Grundstüde eingesetzt worden feien. Cine genaue Berechnung sei sehr schwierig. Auf Fragen verschiedener Abgeordneter erklärte der preußische Finanzminister Höpfer- Aschoff, nach dem Bergleich sei der Wert der bem Staate zufallenden Vermögensftüde auf 686 Millionen( fechs. hundertsechsundachtzig Millionen), der Wert der dem Hohenzollern haufe gufallenden auf 184 Millionen( einhundertvierundachtiz Millionen) zu fchäßen. Darin feien aber auch die Vermögensftüde enthalten, die wie z. B. Schloß Wilhelmshöhe bei Staffel- un ftreitig Staatsbesig sind. Die preußische Regierung, fo Die preußische Regierung, fo schloß der Minister, würde den jezigen Bergleich nicht abgeschloffen haben, wenn sie freie hand gehabt hätte. Sie war aber nach Lage der Berhältnisse dazu gezwungen. Der Minister erklärte sich bereit, dem Ausschuß die Urteile in den um die einzelnen Krongüter schwebenden Prozessen zugänglich zu machen. Abg. Koch- Weser( Dem.) wies darauf hin, daß unter den im Bergleich als dem Staate zugefallen aufgeführten Schlössern sich Schloffer im Werte von 350 Millionen( breihundertundfünfzig Mil lionen) befinden, die unstreitig immer Staatseigentum waren. Es wäre darum zwedmäßig, eine Aufstellung darüber zu geben, wie der Bergleich über die streitigen Vermögensstüde ausgefallen ist. Der Minister erflärte sich bereit, fpäter eine solche Aufstellung beizubringen. Der Rechtsausschuß wendet sich nunmehr der Beratung der thüringischen Fürstenfrage zu und der thüringische Finanzminister v. Klüchner gibt über die Verhandlungen mit bem Altenburger Fürstenhaus ausführliche Auskunft. Abg. Rosenfeld: Nach ben Mitteilungen des Finanzministers hat der Altenburger Fürst den mit dem Lande abgeschlossenen Vergleich wegen Irrtunis, 3wangs und Betrugs angefochten. Wie wird Diese Anfechtung gegenüber einem erst im Sommer 1919 geschlossenen Bergleich begründet? Minister v.&! üchner: Das wird am besten der Abg. Everling beantworten fönnen, der Prozeßvertreter des Altenburger Fürften ist. Abg. Rosenfeld( zur Geschäftsordnung): Diese fenfationelle Mitteilung zwingt mich, eine Unterbrechung der fachlichen Beratung zu fordern. Aus der Mittellung des Minifters geht hervor, daß in diesem Ausschuß, der die Intereffen des Boltes wahrnehmen soll, ein Abgeordneter fist und mitwirkt, der Prozeß- und Interessenvertreter eines der beteiligten Fürsten ist. Das ist ein unerhörter Borgang, gegen den im Intereffe des Ansehens des Parlaments auf das enlichiedenste Berwahrung eingelegt werden muß. Wohin foll es führen, wenn 3ntereffentenvertreter als Abgeordnete die Intereffen threr Prozeßauftraggeber wahrnehmen? Der Abgeordnete Everling muß schleunigst aus dem Ausschuß ausscheiden. Minister d. Klüchner: Der Abg. Everling sollte ja nur, weil er beffer informiert ist als ich, über die Sach- und Prozeßiage Mustunft geben. Abg. Hahnemann( Dual): Die Tätigkeit als Schiedsrichter ift anders zu beurteilen wie die als Prozeßvertreter. Wir werden in unferer Fraktion daju Stellung nehmen, ob unfer Mitglied Everfing weiter an den Beratungen des Rechtsausschuffes teilnehmen soll. Abg. Hampel( Bp.): Wenn ein Bertreter des Fürsten nicht mitwirken darf, dann auch nicht ein Abgeordneter, der ein Land ver tritt.(!) Die Borwürfe gegen Abg. Everling sind übertrieben. Auch bei der Amnestie haben Abgeordnete mitgewirkt, die an der Amnestiefrage interessierte Leute als Verteidiger vertreten hatten.(!!) Abg. Everling( Dnat.): Ich wollte nur das fachliche material, das ich fannie, dem Ausschuß mitteilen. Abg. Rosenfeld( Soz.): Ich bedaure, daß die Deutsch nationalen noch teine bestimmte Erklärung ab gegeben haben, ob sie das Verhalten Everlings für einwandfrei halten, und es ist auch bedauerlich, daß für die Deutsche Boltspartei noch gar feine Erklärung vorliegt. In der Amnestiefrage liegt die Sache boch ganz anders. Da haben die Abgeordneten, die politische Gefangene verteidigt hatten, aus ihrem Berhältnis zu den Ge fangenen gar fein Hehl gemacht. Herr Everling aber hat seine Be ziehungen zu den Fürstenhäusern verschwiegen, und wer ziehungen zu den Fürstenhäusern verschwiegen, und wer weiß, ob wir fie erfahren hätten, wenn nicht der thüringische Finanzminister ahnungslos die Kage aus dem Sad gelaffen hätte. Außerdem haben die Rechtsanwälte, die für die Amnestie wirften, damit gegen ihre materiellen Interessen gehandelt, weil die Amnestie zur Einstellung des Prozeffes führte, in den meisten Fällen handelte es sich auch um bereits rechtsträftig entschiedene Brozesse. Wir müssen verlangen, daß Herr Everling aus dem Ausschuß ausscheidet. Abg. Wunderlich( D. Bp.) schließt sich nunmehr für die Bolfspartei der Erklärung des Ab. Sam pe an. feitig wird erklärt, daß in der Mitwirkung des Abg. Kahl als Schiedsrichter teine Bedenken zu finden feien. Damit schließt die Geschäftsordnungsdebatte, nachdem fich Dr. Rosenfeld für seine Fraktion noch vorbehalten hat, auf diese Sache zurücgufommen und beft immte Anträge zu stellen, falls Abg. Everling meiter an den Beratungen mitwirken sollte. * Bom deutschnationalen Abg. Everling haben wir heute morgen hier gefagt, daß er wie ein biffiger Wachhund vor den Kaffenschränken der Fürsten stehe. Zu dieser Bemerfung waren wir durch das Auftreten des Herrn Everling im Rechtsausschuß und durch seinen publizistischen Feldzug zugunsten der unverminderten Erhaltung der Fürstenvermögen Deranlaßt worden. Bon den Hintergründen, die heute im Rechtsausschuß des Reichstags zur Sprache famen, hatten wir aber feine Ahnung.... Das sind die deutschnationalen Reiniger des öffentlichen Lebens! Das sind die Kämpfer gegen die Korruption! Auch im Reichstagsplenum hat Herr Everling einmal im Vordergrund des Interesses gestanden. Als nämlich Genoffe Breitscheid eine Pressestimme zitierte, die die Regierung Luther als einen llebergang zur Monarchie" bezeichnete, rief ein junger Abgeordneter der Rechten ein lautes: Gott sei Dant!" Das war der Herr Everling. Seitdem heißt er im Reichstag der Abgeordnete Gottseidank". Die Deutschen in Südosteuropa. A18 Minderheiten in Nationalitätenftaaten. Von Hermann Wendel Unlängst die Erörterungen auf dem Kongreß der natio= nalen Minderheiten in Genf und in diesen Tagen der Kampf um das Privatschulgeset im rumänischen Parlament haben die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit wieder einmal auf die deutschen Siedlungen in Südosteuropa gelenkt. Sprad) man zuweilen in den letzten Jahren übertreibend von je einer Million Deutscher in Rumänien und Gübflawien, jo gibt jegt der sicher nicht zu niedrig schätzende Heimatdienst die Zahl der rumänischen Deutschen auf 800 000, die ihrer Volfsgenossen im Südslawenstaat auf 550 000 an. Merkwürdigerweise vergißt er die ebenfalls rund 550 000 Deutschen in Ungarn, wie man denn namentlich in der rechtsgerichteten Presse Deutschlands öfters die Behauptung findet, daß das Land Horthys ein rein nationaler Staat sei. Die im Stromgebiet der unteren Donau, der Drau und Theiß fißenden Deutschen bilden ein noch zu wenig erforschtes foziologisches und nationalpolitisches Problem. Außer den Siebenbürger Sachsen, in Wahrheit MoselFranken, die sich hier schon im 13. Jahrhundert niederließen und im Schuß von allerhand Rechten eine gewisse gesellschaftliche Gliederung und eine allerdings partikularistisch begrenzte deutsche Gesinnung entwickelten, sind die Deutschen in Südosteuropa Nachkommen der Einmanberer, die im 18. Jahrhundert von den Habsburgern in diese durch die Türtenherrschaft verödeten Landstriche verpflanzt wurden; im Lauf der Jahrzehnte strömten, eine unblutige Revolution gegen Absolutismus und Feudalismus der Heimat, Tausende und Abertausende von Familien aus Württemberg, Baden, Schwaben, Nassau, Hessen, der Pfalz, dem Elsaß und anderen Rheingegenden in die Kolonistengebiete, wo immerhin freier zu almen war. Unter Raizen" und" Walachen", das sind Gerben und Rumänen, Bioniere einer überlegenen Wirtschaftsweise, tamen die Schwaben, wie sie durchweg genannt wurden, zu blühendem Wahlstand; die Millionenbauern unter ihnen sind gar nicht so felten. Aber ihrer Heimat zu einer Zeit entfremdet, da Deutsch fand ein nur geographischer Begriff war, erlebten sie den fozialent, fulturellen und politischen Entwicklungsprozeß, ber bas moderne Nationalgefübi formte, nicht im Ring der deutschen Geiftes und Schidfalsgemeinschaft. Da sie, bis auf diesen Tag zu mehr als neun Zehnteln eine schwer bewegliche Bauernmasse, auch aufmühlenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandlungen nicht unterlagen, blieb ihr Nationalbemußtsein im 20. Jahrhundert, was es im 18. gewesen war: ein verschütteter Brunnen. Diese national noch unerweckte Masse hatte weder den Willen noch die Möglichkeit, ihr Volkstum gegen die Budapester Heißsporne zu verteidigen, die in ganz Ungarn nur Magyaren sehen wollten. Nicht nur hielt der magnarische Chauvinismus durch fortschreitende Verstaatlichung der deutschen Kirchenschulen die Schwaben in seinem Bann, sondern duldete auch nicht eine einzige höhere deutsche Lehranstalt im Lande. Was darum aus dem Bauerntum zur Bildungsschicht aufstieg, verfiel automatisch ber magya. fierung; der studierte Schwabe wollte tein Schwabe mehr sein, und selbst die Geistlichen und Lehrer fühlten sich fast durch die Bant als Magyaren. Was unser Jahrhundert an schwachen Gegenregungen sah, wurde schonungslos unterdrückt, und auch im Ungarn von heute schwelgt die Herrenschicht noch in dem alten Hochmut, der nur die Magyaren als Nation, die Minderheiten als Bölferabfall einschätzt. Weil die Hergt und Horthy gleiche politische Rappen tragen, schweigt sich unsere deutschnationale Preffe gern über die nationale Not der Deutschen in Ungarn aus, obwohl fie ungleich schmachvoller ist als in irgend einem Staat des Südostens. Nicht weniger als 7 Proz. der Gesamtbenölferung sind Deutsche, und sie haben feinen Abgeordneten im Parlament, teine deutsche Bühne, teine wirklich deutsche Schule; als im Auguft 1924 nach vielem Hängen und Würgen der Ungarländische Deutsche Volfsbildungsverein" ins Leben" treten durfte. murde ihm ein Renegat, Minister a. D. Dr. Graz, Schwab von Abstammung, Magyar von Gesinnung, als Vorsitzender aufgenötigt und ungehindert brüllen die Rassenschüßler", die von der Deutschen Zeitung" und Konforten gestreichelten magnarischen Hafenkreuzler ihr Hohnlied: Megis hunczut a nemet! Der Deutsche ist doch ein Hundsfott! Die Deutschen dagegen, die 1918 aus dem Reich der Stephanstrone zu Rumänien und Südslawien tamen, gelangten aus einer Oligarchie in Staaten, die zum mindesten der Form, zum Teil auch dem Inhalt nach Demo fratien find. So fiel ihnen ein befferes Los als den unter dem Magyarentum gebliebenen Boltsgenossen. Nicht nur wurden deutsche Gymnasien und Realschulen eingerichtet, sondern vor allem tonnten die durch den Weltkrieg aufgerührten und zum Bewußtsein ihrer selbst erwachenden Schwaben ihre Bewegung in breiter Front entfalten. In Rumänien brachte 1919 bie Tagung von Hermanstadt den fulturellen, 1921 der Kongreß von Czernowiz den politischen Zusammenschluk aller Deutschen, und ähnlich wurde 1920 in Süd flawien der Schwäbisch Deutsche Kulturbund" und im Jahr darauf die Partei der Deutschen" gegründet. Im Butarefter wie Belgrader Barlament " 1 29 verfechten Vertreter der Deutschen die Forderungen ihres Bolts, und menn sie auch hier mie dort über Unverstand oder Bös willigkeit meist der unteren Behörden oder über Ausschreis tungen des nationalen Chauvinismus Taufenfaches zu tlagen haben, fehlt es doch nicht, anders als in Ungarn, an Grund steinen einer besseren Zukunft. Selbst das der forrupten Diftatur Bratianu ausgelieferte Rumänien mußte den Deutschen im Privatschulgeset eine Reihe von zu Geständnissen machen, und in Südflawien verhieß der Unterrichtsminister Raditsch vor kurzem den Deutschen in Slowenien eine Regelung der Schulfrage auf Grund gegenseitigen Einvernehmens. Benn überall im Südosten die Deutschen in den Genuß der ihnen verheißenen Minderheitsrechte, also vor allem der fulturellen Autonomie, gelangen, so hängt das eben nicht nur von der internationalen Lage, der Ausbreitung des Friedens geistes in Europa ab, sondern ist ebenso eine Frage der Demokratisierung der betreffenden Staaten. Ohne einen vollen Regimewechsel haben die Deutschen in lingarn, wo heute der sozialdemokratische Abgeordnete Knaller am lebhaftesten für sie eintritt, nichts zu hoffen. In Rumänien zeigt, von demokratischem Geist erfüllt, die Anhängerschaft des Professors Jorga wie die Agrarpartei weitgehendes Ver ftändnis für die Deutschen, und auch in Südslamien setzt sich eine Partei desto rückhaltloser für die Schwaben ein, je aufrichtiger sie demokratisch ist. Aber wenn Hoffnung auf die Demokratie zur Demokratie verpflichtet, so sind die Deutschen Südosteuropas vielfach von Dieser Erkenntnis noch weit entfernt. Daß das Blatt der Siebenbürger Sachsen über die„ Locarnisierung" Europas höhnt und die Anschauung verficht: Wer nicht gerade demokratischen Utopien verfallen ist, wird sich darüber flar sein, daß es gesellschaftliche Rangordnungen geben wird, folange és eine menschliche Gesellschaft gibt, daß es fich nur barum handelt, wer oben und wer unten zu stehen fommt", bedeutet eine üble Empfehlung an die rumänische Demokratie, und noch bösere Faren sind es, wenn bei den Deutschen Südflamiens, für die Bollblutgermanen mit Namen Morocutti, Nasto und Roletnik als Sprecher auftreten, mit dem „ völkischen" Wahnsinn fofettiert und Schwarz- Weiß- Rot gefeiert, Schwarz- Rot- Gold mißachtet wird. Auch Wandlungen auf diesem Felde gehören zu den Vorausfegungen einer für alle Teile erfprießlichen Lösung des Deutschenproblems in Südosteuropa, die das weise Wort des tschechoslowakischen Gesandten in Berlin, Dr. Camill Krofta, bestätigen wird: In unbefriedeten Zuständen tönnen Minderheiten trennen, in befriedeten Zuständen müssen sie verbinden." Horthy- Hugenberg. Deutschnationale Journalisten als ungarische ,, Raffenschüler". Charakteristisch für die geistige Verfassung der deutschen Rechtspreffe ist ihre Stellungnahme zur ungarischen Fälscher. affäre. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ihre Berichterstattung über den von uns bereits erwähnten Presseempfang in der Berliner ungarischen Gesandtschaft. Der Bertreter des ungarischen Gesandten hatte in diefer Konferenz im Berlaufe seiner Ausführungen die Wendung gebraucht, es jei bedauerlich, daß Berliner Preffeorgane durch falsche und tendenziofe Berichterstattung die gegen Ungarn gerichtete Bühlarbeit unterstützten". Der anwesende ungarische Genosse Alexander Szántó, der persönlich geladen war, nahm Veranlaffung, diesen Vorwurf zurüdzuweisen. Er führte aus, daß bei der Berichterstattung über die Banknotenfälscheraffäre, die sich auf objektive Informationsquellen stützte, nicht das Bestreben vorherrschend sei, eine Heze oder Bühlarbeit gegen Ungarn zu betreiben, sondern vielmehr die Tatsache festzustellen, daß das gegen wärtige Regime in Ungarn die Ursache solcher Standale sei. Anschließend daran stellte Genosse Szántó die Frage, welche Gewähr dafür vorhanden sei, daß derartige Standale sich Busoni's„ Brautwahl". Erftaufführung in der Städtischen Oper. Unsere Ehrfurcht vor dem Namen Busoni zwingt uns, zu fagen, daß zwischen dem Erstling Die Brautwahl" und dem letzten, grandiosen Wurf aust" eine Brücke, eine Berbindung, eine Aehnlichkeit der Sprache und des Talents nicht zu finden ist. Auch eine historische Geste verfängt da nicht, die etwa andeutete: vor 20 Jahren geschrieben von einem Dreißigjährigen, der die Welt E. L. A. Hoffmanns in seiner Brust trug und feine fühne musikantische Phantasie wie einen hunten Mantel über sturille, geisternde, irreale Begebenheiten warf. Ein Anschluß des Mufilers Bufoni an fremde Götter ist da nicht zu sehen, er weicht von der leitmotivischen Arbeit des Bayreuthers weit ab, und nur orchestrale koloristik scheint Typen zu bezeichnen. Er drängt auch von den packenden, unheimlichen Mirafelszenen ab, vielleicht in dem unbestimmten Gefühl, diese wirkliche Charakterphantastit auch mit ausgeflügelten Mitteln des instrumentalen Rönners nicht zu erreichen. Was da an Humoren flingelt und züngelt, hat noch gar zuviel Wollen zum Bater, und die Reife des Arlechino", den Alltag und die Welt überstrahlend, hinter sich werfend, fehlt. Die Dämonie, die schließlich im" Faust" so unmittelbar wie das Pathos ans Herz greift, wagt feinen persönlichen Durchbruch. Es ist eine an tleinen Einfällen reiche, die Stile hart durcheinandermengende, bunte, uneinheitliche, dice Partitur, die unter dem Deckmante: minutiöfer Einzelarbeit den szenischen Stil vermissen läßt. Was wißig die Aufmerksamkeit fesselt, schwankt zwischen fed illustrierender Barodie und nicht gewollter Karifatur. Auch der Hörer weiß nicht immer, was der Schöpfer gemeint haben tönnte. Wirklichkeit und Phantaftit, Erde und Sput, Groteste und Beisheit, Unsinn und Bedeutfamfeit trennen sich, verbinden sich, vermengen fich, betriegen fich. So viele Bointen erfühlter, spielerischer, tänzelnder, lyrischer, humoristischer Art find im Werf geborgen, daß man auch die Nervosität, das eigenartig Schillernde, Leuchtende, Brazile der Begleitmulit nicht mehr interessant genug findet, um Eriah zu finden für ein nur halb geglücktes Textbuch. Das ist wohl das Entscheidende. Die Mufif bindet sich, illustrierend, so dicht an die Worte, daß eins mit dem anderen nur leben oder sterben kann. Was eine Hoffmannsche Erzählung an Tollheiten aufwirbelt, unfaßbar dem Hirn und Ber stand, will eine Dreiaftigkeit hier fummarisch erläutern, dennoch aber toll, weitschweifig, unheimlich laffen. Das gelingt nicht. Die Unheimlichkeit artet in Unverständlichkeit aus. Die drei Freier, die von dieser Belt zu sein scheinen, stehen zwar in schärfstem Kontrast zur leberweltlichkeit von Leonhard, dem Goldschmied, und Manasse, dem zauberischen Judengreis. Was aber diese Welten eigentlich gegeneinander treibt, was und warum hier Licht und Hölle, Heiß und Kalt fo elementar und schicfalhaft voneinander abgestoßen werden, das bleibt ohne Grufein dunkel; die Dichtung und die Oper, eins geworden mit einer zusammengepreßten Sprache, bringen jene Hoffmanniche Romantit und Efftatit nicht in Fluß, die das banale Ende, bie Shakespearefche Rästchenwahl, entschuldigen förnte. Alles in allem also das unfertige, breite, in Einzelzügen der mufi lichen Charakteristit auch großartige Ber? eines Talents, das den Biligten Zexfuck macht, teues zu geben, viele Formen mit nielem nicht wieberholten. Da das gerichtliche Berfahren gegen Windischgrätz und seine Komplizen angesichts der Praxis der ungarischen Rechtsprechung diese Gewähr nicht gäbe, wäre die Frage aufzuwerfen, ob eine Gewähr politischer Natur durch Aenderung des bestehenden Regimes zu erwarten sei. Diese Frage wurde vom Legationsrat von Wettstein nach einigen verlegenen Redewendungen schließlich verneint mit dem Hinzufügen, daß nach einem amtlichen Telegramm aus Budapest teine Demission der in der Affäre genannten Minister bevorstehe. Mit der Erteilung der Antwort war der 3wed der Frage erfüllt. " Der ganze Vorfall, der feineswegs aus dem Rahmen des bei Breffeempfängen üblichen Meinungsaustausches herausfiel, wird nun bom Berliner Lokal- Anzeiger" benützt, um dem Genossen Szántó als Mitarbeiter des„ Vorwärts" nachzusagen, er habe eine Szántó als Mitarbeiter des Vorwärts" nachzusagen, er habe eine höchst geschmacklose und deplazierte Rede" gehalten. Das wird nun als Anlaß benügt, um der Horthy- Regierung ein hohes Lied des Lobes zu singen. In ähnlichem Tone wird von der übrigen Rechtspresse die ganze Fälscheraffäre behandelt und das ungarische Kabinett in Schutz genommen. Es fann also festgestellt werden, daß Horthy, der Chef der Mörderbande, in den Tagen, wo seine Macht einer starten Belastungsprobe ausgesetzt ist, einen treuen Bundesgenossen gefunden hat: Den HugenbergKonzern! Wie nicht anders zu erwarten war. Klein- Budapest. ,, Vaterländischer Skandal in Lübed. und | fetzen, um möglichst balb ein bauembes Abtemmen fertigzustellen. Außerdem wurde der deutsch holländische Wirtschafts vertrag genehmigt. Reventlow als Anwalt des Weltgewissens. Bölkische Hehe im Buchhändlerbörsenblatt. Graf Reventlow hat vor einiger Zeit im fattfam bekannten Lehmann- Berlag ein Bamphlet gegen Stresemann veröffentlicht, das von der völkischen Bresse nach Möglichkeit ausge öffentlicht, das von der völkischen Presse nach Möglichkeit ausge schlachtet wird und das die Heze gegen Stresemann neu belebt hat. Bei der Gewissenlosigkeit der völkischen Kreise ist das nicht weiter erstaunlich. Um fo merkwürdiger muß es anmuten, wenn das offizielle Organ der deutschen Buchhändler, das Börsenblatt für ben deutschen Buchhandel", nicht nur eine Anzeige des Pamphlets aufnimmt, sondern als Reflame folgenden Brief eines„ Majors" an den Außenminister abbrudt: Herr Minister! Im Verlag von J. F. Lehmann, München, ist ein Buch des Grafen E. Reventlow erschienen: Minister Stresemann als Staatsmann und Anwalt des Weltgewissens". Ihre Aufmerksam feit auf dieses zu lenten, halte ich als deutscher Mann für meine Pflicht. Sie, ein Führer des deutschen Volfes, werden in dieser Schrift so bloßgestellt, daß Sie nicht schweigen tönnen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder wird Graf E. Reventlow als Lügner von Ihnen entlarot, oder Sie sind als deutscher Führer und Mann unmöglich. Mit tiefbesorgtem Herzen erwarte ich Ihre Antwort." Das Börsenblatt, das sehr empfindlich ist, wenn es sich um Anzeigen weniger weit rechtsstehender Verleger handelt, gibt sich damit zu einer würdelosen und widerwärtigen Hezze gegen einen am= tierenden Minister her, der zugleich die Aufgabe hat, das Ansehen des Reiches nach außen zu wahren. Es be Schmußt damit nicht nur leichtfertig die Ehre eines Bertreters des Reiches, sondern das Reich selbst, und hilft, den Schmuz weiter in dos Ausland zu tragen. Für das offizielle Organ eines verant wortlichen Standes wie der Buchhändler immerhin eine nette Reiftung! Praktische Hilfe für die Arbeitslosen. Cübed, 7. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Lubed, der fleinste Freistaat der deutschen Republit, steht im Zeichen eines vaterländischen" Standals. Die Kriegervereine Baterländischen Verbände, die unter der Führung von einem halben Dugend pensionierter Generäle früher hier die Deffentlichkeit beherrschten, wurden in den letzten zwei Jahren von dem mächtig anwachsenden Reichsbanner mehr und mehr an die Band gedrückt. Um ihre Stellung zu behaupten, tauften fie ein großes Billengrundstüd in der vornehmsten Gegend und errichteten hier ein Hindenburg- Haus" als Zentrum aller schwarzweißreten Monarchisten. Mit der Aufbringung der für Erwerb und Ausbau nötigen Mittel haperte es aber von Anfang an. Die Eine produktive Erwerbslosenprämie. " Rameraden", die ihre Opferbereitschaft nach außen hin nicht laut genug rühmen fonnten, blieben ihre Pflichtbeiträge fortgesetzt Wea, 7. Januar.( BTB.) Die sozialistischen Organisationen schuldig, so daß man bereits nach einigen Monaten vollkommen veröffentlichen in der Arbeiterzeitung" ein umfassendes Birt feftfaß. Damals half man sich mit der Gründung einer streng fchaftsprogramm mit der Forderung nach einem Ausbau der Troß der eifrigsten Reflame nationalen anfeaten bant". produktiven Arbeitslosenfürsorge, insbesondere der Einstarb diese aber bereits im zarten Alter von zwei Monaten eines jämmerlichen Todes. Immerhin wurde der Bau fertig: die Einstellung eines Teils der Arbeitslosen in die Fabrikbetriebe bei vollem weihung aber verlief in recht gedrückter Stimmung. Der Führer der Lohn, wobei den Unternehmern aus Arbeitslosenversicherungsfonds Baterländischen Verbände, General von morgen, entfuhr in 15 bis 35 Proz. des Lohnes als Beschäftigungsprämie, der Weiherede der Stoßseufzer, wieviel besser es doch um die Natio, welche gleichzeitig als Exportprämie wirkt, zurüdvergütet wird. nale Sache" bestellt sei, wenn die Kameraden nur einen fleinen Teil der Opferbereitschaft aufbringen fönnten, der bei den Gemertfchaften selbstverständlich sei". Jetzt füftet sich das Geheimnis. Das stolze Hindenburg- Haus ruht auf der foliden Basis fauler Wechsel. Die Bauhandwerker wurden mit Wechseln bezahlt, die die Unterschrift einer bekannten schwarzweißroten Persönlichkeit trugen. Jetzt kommen die Wechsel zurück. Da erklärt der Candes verband der Kriegervereine falt lächelnd, diese Wechsel gehen uns gar nichts an, denn fatzungsgemäß gelten nur Wechsel mit zwei Unterfchriffen. Eine große Anzahl fleiner Handwerksmeiffer und Bangefchäfte fucht jetzt verzweifelt nach dem, der ihnen diese erstklassigen Wechfel honoriert. Einzelne ffchen bereits am Rande des Bankrolls. Sie follen vor Kummer und Gram bereits starf schwarzrotgold an gelaufen sein. Deutschlands Handelsverträge. " Tas Abkommen mit Spanien und Holland genehmigt. Der Reichsrat nahm am Donnerstag das vorläufige Birt fchaftsabfommen zwischen Deutschland und Spanien a n. Das Gesetz soll einen Tag nach seiner Berfündung mit der Maßgabe in Kraft treten, daß ihm rückwirkende Kraft vom 18. November 1925 ab beigelegt wird. In dem Handelsabkommen verpflichten sich die beiden Kontrahenten, die Berhandlungen fortzuInhalt füllt, den Szenen aber feine Leuchtkraft, feine Plastif gibt und seine Begabung mehr spielerisch als stileinheitlich verausgabt. Diese Brautwahl" ist ein Anfang. Immerhin einer von Busoni, deffen Phantastit sich einst an Turandot", dessen Geist sich an Arlechino", deffen mufitdramatische Mission sich am" Faust" entzünden, nein bewähren sollte. So wollen wir Busoni lieben und die„ Brautmahl" vergessen. " Es versteht sich von selbst, daß für ein Wert Busonis in der Städtischen Oper" alle dort etablierten Prominenten in die Bresche sprangen. Also Schipper, Friz Krauß, Bruno Walter u. a. Das wäre wirklich phantastisch gewesen, wenn einmal vom General mufifdirektor ein neues Werk studiert, von Berühmtheiten eine neue Rolle geübt und gesungen worden wäre. So etwas gibt es nicht. Aber nichts für ungut:.Der Spielleiter Schum versuchte alles mögliche, um Stimmung zu machen, und die Zauberszene in Auerbachs Reller gelang glänzend. Die große Bühne stört die Intimität des Gruseligen oder hebt das Unwirkliche auf. Ob es nicht möglich gewesen wäre, die Bühne zu verkleinern, zu teilen, durch Licht und Schatten Ausschnitte herauszuheben, andere unsichtbar zu machen? Es stehen so wenig Menschen auf einem Podium, das für 500 Blaz hat! Alles zu weitläufig, wo feine Luft zum Atemholen bleiben dürfte! 3meig dirigierte mit Wiz und Temperament. Den Spielern ging über das Maß des schon Dagewesenen eine besondere intellektuelle Note ab. Nur die Figuren der beiden Besonderen hatten in Momenten der Aufwallung eigenes, scharfes Profil( Guit mann und Kand D). Gesanglich standen sie alle an ihrem Plaz und füllten ihn technisch musterhaft aus: Bôtel und Reiß und Ritsch und Bechner und Fräulein Wald. Die Premierenerregung zeichnete fich noch in einer Starrheit und Monotonie der Gefichter ab. Gefichter ab. Das Resultat? Refpettserfolg bei der Maffe, Begeisterung bei der großen Bufoni- Gemeinde. Dr. Kurt Singer. Corinth- Ausstellung in der Nationalgalerie. Für die große Ausstellung des Lebenswertes von Lovis Corinth find die Borbereitungen in der Berliner Nationalgalerie in vollem Gange. Das ganze Mittelgeschoß des alten Hauses der Galerie ist dafür freigemacht worden, ebenso wie das bei der großen Hans- Thoma- Ausftellung der Fall war. Aus dem ganzen Reiche sind die meisten Hauptwerke Corinths für diesen Zwed schon in der Galerie ein getroffen. Demnächst wird auch im neuen Haufe der Galerie eine Gesamtausstellung eröffnet werden, aus Anlaß des 50. Geburtstages von Ostar Moll, dem Breslauer Maler und Akademiedirektor. Funkpraktikum. Im Theatersaal der Urania begann Mittwoch abend Oberingenieur airz seinen auf fechs Stunden berechneten Demonstrationsvortrag Funfpraftitum. Die drahtlose Tele. graphie und Telephonie ist im Grunde eine Ergänzung der Draht telegraphie Ihr gegenüber hat sie sowohl Bor- als Nachteile. Ihre Borteile liegen hauptsächlich in der Zirkularwirkung der elektrischen Wellen Die Nachricht fann nach allen Seiten verbreitet werden, ift an feiner festen Weg gebunden, fie bleibt, also eine notwendige Einrichtung im Seeverfehr und auf Streden, wo eine Drahtver bindung unmöglich; t. Nachteile dagegen Die Nachricht fann von jedem aufgefangen werden, es gibt feine Absperrung; hingu fommen Die bürgerlichen Blätter heben in der Besprechung dieses Programms hervor, daß es teine schroffen Forderungen stellt und im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsprogramm der steyerischen Christlichsozialen vielleicht eine Verhandlungsbasis bilden tönnte. Der Fall Wandt. Der Verteidiger des im Zuchthaus fizenden Schriftstellers Heinrich Bandt hat auf Grund neuen Beweismaterials an das Reichsgericht ein zweites Gesuch um Wieder aufnahme des Verfahrens gerichtet. Das erste Gesuch ist Dor wenigen Wochen mit einer mehr als sonderbaren und von der gesamten Deffentlichkeit scharf angegriffenen Begründung zurüdgewiesen worden. Inzwischen ist bekanntgeworden, daß die Belgier fich das gesamte in Frage tommende und dem sogenannten„ Ret Don Flandern" gehörende Material durch einen Diebstahl in Leipzig angeeignet hatten. Dieser sogenannte Rat war unter dem Schutz der deutschen Militärbehörde gebildet und sein Aftenmaterial später nach Berlin bzw. Leipzig übergeführt worden. Der Chef der Warschauer politischen Polizei verhaftet. In der vergangenen Nacht wurde auf Beranlassung der Staatsanwaltschaft der Bertreter des Chefs der politischen Polizei in Warschau ver haftet, dem die Bekämpfung des Kommunismus oblag. Es hat sich herausgestellt, daß er für den Preis von einigen tausend Dollar das vollständige Berzeichnis der im Dienste der polnischen politischen Polizei stehenden Geheimagenten an einen Nachbarstaat verkauft hat. ein größerer Stromverbrauch und damit erhöhte Kosten. Bereits im Sender gehen 50 Broz der Energie verloren, und von dem Rest erreichen höchstens 10 Proz. die Antenne, movon man auch wieder nur 10 Broz. wahrnimmt. Man hilft sich deshalb oft, mdem man eine Kombination der beiden Systeme schafft. Man läßt die elet trischen Wellen auf den Leitungen der Drahttelegraphie laufen, eine Störung tritt dabei nicht ein. Darauf erörterte Nairs in flarer, einfacher und leicht verständlicher Form die Grundbegriffe der Elek. trizität und des Magnetismus. Der Besuch des Vortragszyklus erscheint durchaus empfehlenswert, da er über dieses Gebiet klaren Aufschluß zu geben verſpricht. fchaft trat dieser Tage zu seiner ersten Sigung im neuen Jahre zu Der Hauptausschuß der Notgemeinschaft der Deutschen Wiffenfammen. 3wed mar einmal die Entgegennahme des Berichts des Präsidenten, Staatsministers Dr. J. Schmidt- Ott, über die Finanzlage im Hinblick auf die immer noch ausstehende Beschlußfaſſung des Reichstages über die laufenden Mittel für 1925. Daneben galt es, Beschluß zu faffen über die Zuweisungen zur Durchführung der neuerdings von der Notgemeinschaft angeregten Forschungsaufgaben im Bereiche der nationalen Wirtschaft, der Bolfsgesundheit und des Bolts wohls. Mit dem Dant an die Organe des Reiches für die im legten Jahre überwiesenen Mittel wurde der Befürchtung Ausdru gegeben, daß der vom Reichsfinanzministerium geforderte Abstrich am normalen Fonds von 1 Million sich verwirklichen und so die Durchführung des bisherigen Arbeitsprogramms unmöglich gemacht werden fönnte. Aber auch die wissenschaftlichen Aufgaben auf dem Gebiet der Metallforschung, der Geophyfit, der Wasser- und Luftströmung, der angewandten Entomologie, der Pflanzenphysiologie und der gesamten Medizin hängen nach Meinung des Hauptaus schusses davon ab, daß der mit 5 Millionen erbetene und vorläufig mit 3 Millionen bewilligte Sonderfonds unverkürzt zur Auszahlung gelangt. Eine einstimmig beschlossene Resolution gab dieser Ansicht Ausdrud. Schillers Die Frontbann- Räuber". Bor furzem meldeten die 3eitungen, das Staatstheater beabsichtige, Räuber" demnächst in modernen Kostümen zur Aufführung zu bringen. Ein Experiment von rein fünstlerischem Charakter. Über unfere Nationalisten regen fich darüber maßlos auf. Sie find nämlich der Ansicht, moderne Räuber fönnten nicht anders als im Kostüm völlischer Fememörder, Roßbacher usw. dargestellt werden. Die„ Deutsche Zeitung" spricht in ihrer heutigen Morgennummer ohne weiteres von den herrlichen Frontbann Räubern, deren Aufführung auf den Februar verschoben worden sei. Nun ist gewiß nicht zu leugnen, daß unter den Räuber. und Mörderbanden unserer Zeit gewisse völkische Organisationen die weitaus erfte Rolle spielen. Andererseits sollte man body aber nicht außer Acht laffen, daß im Kreise der Schillerschen Räuber sich auch edle Charattere finden und nur ein einziger Schufter'e dabei ist. Die neue Polarerpedition Amundsens. Zincoln Ellsworth wird an der Amundsenichen Bolaregpedition mit dem Luftschiff Rorge als Reiter in gleicher Stellung und mit gleichen Rechten wie Amundsen teilnehmen. Die Expedition wird den Tamen Amundsen- Ellsworth Spizbergen Alasta- lug. 1928 ex halten. Der Rorwegile Luftfabrtverein hat die geschäftliche Beitung ber Expedition, bie unter norwegischer legge Pattfinden wird, übernommen. Nachtgespräch. Manchmal weht einem dunkelste Bergangenheit wie trüber Er innerungsfeßen aus irgendeiner Ede an, wo man fie am wenigsten bermutet In einem rauchverhängten Bierlofal im Berliner Norden. Eine fleine Rapelle erregt fich in selten unrhythmischer Schlagermusik. Bon einem Tisch tönt lautes, zänkisches Gespräch. Drei Männer find dori anscheinend in Streit geraten. Der eine, ein Breitschultriger mit Spitbart, unterstreicht seine hastig herausgestoßenen Worte mit eindeutig drohenden Gebärden. Sein schmaler, unter[ etzter Bechgenoffe widerspricht nicht minder energisch. Der dritte fcheint wie ein Manager die Debatte anzufeuern. Hier einige er munternde Worte, dort etwas Paprika, und der Zündstoff flammt erneut lichterloh auf. Worüber sie streiten? Sie müssen bei dem felben Regiment gedient haben. Unter Wilhelms filmischer Gloriole". Bom Krieg reden sie. Von einer Schlacht, die Zehntausende von Toten und Verwundeten und unzählige Gefangene toftete. Nicht das erhitzt die Gemüter. Wie man sie umging, ob der Feind, der beim Ueberrumpelungsangriff mit Handgranate und Bajonett schred fiche Verwüstung anrichtete, fie von Leonville aus umging, über Champère oder Tours oder sonstwoher. Durch welche Schüßengräben mordbereit, das Messer in der Fauft, die Maffe Unmensch schlich, um den anderen das Bajonett in die Rippen zu jagen, die Turtos, die zivilisierten Europäer. Dori wie bei uns. Belche Granattrichter zur Dedung gegen das Sperrfeuer fie benutzten, welche Verbindungsgräben, welche Gänge. Darüber streiten sie fich. Ueber so nebenfächliche technische Einzelheiten. Darum erregen sie sich. Berden immer heftiger, immer hemmungsloser. Echimpfworte fallen. Der erst boshaft schürte, sucht jetzt, ängstlich geworden, zu hemmen. Umsonst. Schon prügelt man sich. Gläser gehen in Trümmer. Die übrigen Gäste sehen intereffiert auf. Kurzer Hand fliegen die Krafeeler auf die Straße. -In uns würgt etwas. Namenloses Elend dieses Boltes. Elf Jahre nach der Schlammflut haben jene zwei Zeit, sich über Belang losigkeiten an der Peripherie des unerhörten Kriegserlebnisses hizig zu unterhalten. Sich darum die Schädel einzuschlagen. Die zehn Millionen Opfer sind ihnen nichts. Die Greuel der Berwüstung fein Stoff zur Distusfion. Das Elend unserer Arbeitsnotfage bietet ihnen faum Grund zur Betrachtung. Aber sie prügeln sich. Mißglüdte Generalftäbler. Ertraft der Stammtischgewissen, weltfremd und seelenlos, daß einem das Grauen antommt. Weil sie Kinder so gerne hatte. Schändlicher Mißbrauch eines Knaben durch eine Masseuse. Wegen schwerer Kuppelei und Sittlichkeitsverbrechens an einem minderjährigen Knaben wurde die 51 Jahre alte Masseuse Beatrice Bender aus der Alvenslebenstraße 23 verhaftet. Die Bender, die aus Gernsbach stammt, fam vor Jahren nach Berlin und erlernte hier die Massage. Bis zum Februar 1924 wohnte sie in der Nollendorfstraße 40, dann zog fie nach der Alvenslebenstraße um. Ein halbes Jahr lang betrieb sie zuletzt in der Steimmeßstraße einen Massagesalon. Eine Anzeige bei der Kriminalpolizei beschuldigte die Masseuse fchwerer Berbrechen. Geradezu ungeheuerlich ist, was die Frau mit einem jest 13 Jahre alten Knaben getrieben hat, dessen Mutter, eine Fabritarbeiterin, fie feit langem fannte. Diese Mutter fonnte für ihren fleinen Sohn nicht genügend sorgen, weil sie faft den ganzen Tag auf Arbeit außer dem Hause war. Da erbot sich die ihr befreundete Masseuse, ihn aus Mildherzigkeit, weil fie Kinder fo gern habe, in Pflege zu nehmen. Der Junge war damals 6 Jahre alt. Die Pflegemutter fleidete und beköstigte ihn umsonst und schickte ihn auch aufs Gymnasium, damit er etwas Ordentliches lerne. Vor einem halben Jahre brach der Knabe, einer der besten Schüler, zusammen und blieb fizen. Die Mutter fonnte fich das nicht erklären und nahm ihren Sohn zu sich. Bei ihr erholte er sich bald. Die Mutter erfuhr wohl etwas von den unJauberen Dingen, die vorgefallen waren, fonnte sich aber aus eine: n Gefühl der Dankbarkeit heraus doch nicht entschließen, eine Anzeige 1 erstatten. Erst jetzt wurden sie von der Kriminalpolizei aufbedt. Die Masseuse hatte den Stnaben taum 1 Jahr bei sich, als ihn mit 7 3ahren an homuseruelle Männer ver. Seit 2 Jahren mißbrauchte sie ihn außerdem zur uppelte. Befriedigung ihrer Lüfte. Das Geld, das die Männer brachten, teilten sich die Pflegemutter und der verkuppelte Junge. Dieser war sehr sparsam und bewahrte seinen Anteil in einer Pappschachtel auf. Als er merkte, daß die faubere Pflegemutter ihn ständig bestahl, fam es wiederholt zwischen ihm und ihr zu Tätlichkeiten, bei denen der Junge von der Pflegemutter" öfter mißhandelt wurde. Bei ihrer Berhaftung behauptete die Masseuse zunächst, der Junge habe sich ohne ihr Zutun ganz aus eigenem Antriebe den Homosexuellen hingegeben und sie selbst verleitet. Endlich aber legte fie ein Geständnis ab. Die Kriminalpolizei führte sie gestern dem Untersuchungsrichter vor. Geschäftspoft mit Wohlfahrtsbriefmarken. Eine Reihe Berliner Großbanten hat der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe mitgeteilt, daß sie ihre Geschäftspoft für einen ausschließlich mit Wohlfahrts. gewiffen Zeitraum briefmarten frantiert haben. Die Deutsche Bank, die Direktion der Diskontogefellschaft, die Darmstädter und Nationalbant und die Dresdener Bant haben eine Spende von je 2000 m. überwiesen. Auch im Reiche sind zahlreiche Firmen der Anregung gefolgt, für einen oder mehrere Tage statt gewöhnlichen Briefmarken mur Wohlfahrtsbriefmarten zu verwenden, um auf diese Weise trotz der' n günftigen Wirtschaftslage einen Beitrag zur Belänpfung der Not stände zu geben. Notwendige Kontrolle der Kühlhausbetriebe. Die Budapester Fälscher- Affäre. 25 Millionen Franken gedruckt. in seiner Wohnung interniert. Das beschlagnahmte schriftliche Material ist noch nicht durchgearbeitet. Die Polizei hat festgestellt, daß allein für die Gehälter der Sekretäre in fieben Sefretariaten und für die Redakteure von vier Blättern 55000 Kronen monat. lich notwendig waren, wobei fast teine Einnahmen vorhanden waren. Andors Geständnisse. Budapest, 8. Januar.( WTB.) Gero, deffen Verhör schon be-| befehl erlaffen, doch wurde Atose wegen seines hohen Mters mur gonnen hatte und der völlig geständig ist, gab an, daß das für die falschen Noten benutzte Papier durch die beim Rarto graphischen Institut Angestellten, den Betriebsleiter Johann Birag, die Maschinenmeister Ludwig Kiß und Ladislaus Sparling, die Mechanifer Johann Hala und Franz Farragh hergestellt wurde. Die Genannten sind geständig. Gerö gab auch an, daß er die für die Papiererzeugung bemuzte Maschine an einen Tröbler vertauft habe, wo sie auch gefunden und beschlagnahmt werden konnte. Die Klischees von jeder Seite und jedem Farbdrud wurden in je zwei Exemplaren hergestellt. Gerö sagte ferner aus, daß 25000 Stüd Tausendfranknoten hergestellt worden sind, worunter sich auch mißlungene Exemplare befunden hätten. Die fertigen Banknoten feien von Windischgräß aus dem Kellerraum getragen worden. Die Polizei nahm die oben genannten Komplizen in Haft. Neue Verhaftungen. Budapest, 8. Januar.( BTB.) Nach einer Blättermeibung wurde Dr. Julius Jantovics, der Bruder des im Haag wegen der Frankfälschungsangelegenheit verhafteten Jankovics, als Mitbeteiligter in 5aft genommen. Der verhaftete Andreas Andor hat bei seiner Bernehmung ausgefagt, Nadoffy habe die Weisung gegeben, die falschen Franknoten in Umlauf zu sehen. Neu verhaftet wurden ferner der Chemiker Andreas Far ago, der zum Fürsten Windischgräz in Beziehungen gestanden haben soll, und Peter Polnan, der Sohn des Direttors der Atlantic Truft. Wie der Befter Lloyd" meldet, ist gegen IIa in und Edhard wegen Berherrlichung der Fälschungsangelegen heit ein Strafverfahren eingeleitet worden. Verhaftungen in der Tschechoslowakei. Prag. 8. Januar.( WTB.) Das Tschechoslowakische Breffebureau meldet aus Ungvar: Im Zusammenhang mit der ungarischen Falschmünzerangelegenheit hat die hiesige Bolizeidirektion gestern nachmittag aussuchungen bei den Führern der ungari schen politischen Parteien sowie in deren Sekretariaten und in den Redaktionen der ungarischen Blätter Karpathorußlands durch geführt. In Ungvar wurde ferner gegen den Führer der ungarischen Christlich- Sozialen, Arti Atose, ein Haft feit gibt, mit ihren Mietern Verträge derart abzuschließen, daß die Revision fich reibungslos abwickeln wird. Die von den Kühlhallenverwaltungen gemachten Vorschläge zur Behebung der Mißstände haben sich nicht als geeignet und durch führbar erwiesen. Sie hätten außerdem die Mieter der Zellen start benachteiligt, weil deren längere Anwesenheit bei Ausführung der Kontrolle erforderlich geworden wäre. Zahnärzte und Zahntechniker. Neue Einigungsverhandlungen? Die Schaffung eines einheitlichen Zahnbehandler standes durch ein Aufgehen der jegigen Dentist en in den Zahnärzteftand schien durch ein im Wohlfahrtsministerium getroffenes Abkommen zwischen den Organisationen der Zahnärzte und der selbständigen und der unfelbständigen Zahntechnifer bereits gefichert. Es scheint aber mun so, als ob die eben erzielte Einigung wieder in die Brüche gehen soll. und Budapest, 8. Jannar.( Eigener Drahtbericht.) Wertvolle Aufschlüsse hat die mit der Untersuchung der Geldfäschungen beauffragte Polizei von dem verhafteten Andor erhalten. Nach seiner Darstellung wurde der plan, aus politischen Gründen Banknotenfälschungen großen Stils vorzunehmen, vor etwa 10 Monaten gefaßt. Der Landespolizeichef Nadosiy sei von dem Unternehmen bereits zu einer Zeit in Kenntnis gesetzt worden, als erst die Borbesprechungen stattgefunden hatten. Das zur Herstellung der falschen Noten benötigte Papier sei in Deutschland in Auftrag gegeben worden. Nadoffy habe auch bei den Beschlüffen mitgewirkt, die der Art der Unterbringung des falschen Geldes im Ausland galten. Unter den Neuverhafteten befindet sich auch der technische Angestellte des tartographischen Inftituts Spanteng, der einfacher Maschinenmeister war, plötzlich aber in den Rang eines Oberleutnants aufgerüdt war. Das war die Belohnung dafür, daß er die Frankenfälschungen maschinentechnisch durchführte. Frankreich hat alles gewunt. Paris,&. Januar.( WTB.) Matin" berichtet, Briand habe gefbern ben zur Regelung persönlicher Angelegenheiten in Paris eingetroffenen französischen Gesandten in Budapest, Clinchant, empfangen und mit ihm über die Bantnoten angelegenheit gesprochen. Seit 1924, bemerkt Matin" weiter, miffe man in Baris, daß Prinz Windisch Gräz falsches Geld herstelle und daß er im Jahre 1925 nach seinem Schlosse russische ehemalige Techniter der Petersburger Arbeiter, Münze, habe fommen laffen. Man habe aber in Frankreich die Angelegenheit nicht sehr tragisch genommen, da man gewußt habe, daß die Fälschungen schlecht seien und daher nur schmer abgesetzt werden könnten. der Schuh- und Lederwirtschaft und der HerbstBekleidungs- und Gastwirtsmesse wieder die besonders auch das große Publitum mitinteressierende bisher bedeutendste Beranstaltung der Großen Deutschen Funtausstellung 1926( 3.- 12. September) und der Automobilausstellung, die unter Führung des Reichsverbandes der Automobilindustrie zum ersten Male feit Kriegsausbruch wieder zur großen Internationalen Autoschau ausgestaltet werden wird. Das Ereignis des Berliner Ausstellungsjahres 1926 wird aber zweifellos die vom Preußischen Ministerium des Innern in Verbindung mit dem Berliner Messeamt in allen drei Hallen vom 25. September bis 10. Oktober veranstaltete Große Polizeiausstellung Berlin 1926" sein, die unter Beteiligung des In- und Auslandes in bisher noch nicht da gewesener Art und Größe eine umfassende Darstellung des gesamten Bolizeiwesens bringen foll. jois Zusammenstoß mit Nationalsozialisten. Gestern abend hielt die Nationalsozialistische Ar beiterpartei im Kriegervereinshaus in der Chauffeestraße einen Schon während der Verhandlungen im Wohlfahrtsministerium Versammlung ab, die um 8% Uhr begann und gegen 11% Uhr lehnte der Allgemeine Deutsche Dentisten- und Dentistinnen nachts ihr Ende nahm. Nach Schluß der Versammlung formierte verband", der eine der beiden Verbände der selbständigen Dentisten, fich ein Demonstrationszug, an dem fich etwa 400 Personen be die weitere Teilnahme ab, weil er mit den hauptsächlichsten Bestim- teiligten, und marschierte durch die Chausseestraße und die Invaliden Der Beftraße. Auf dem Bürgersteig wurde der Zug von Kommunisten mungen des Abkommens nicht zufrieden war. und angeblich auch Reichsbannerleuten begleitet. Vor dem Hause rufsverband Dentisten der angestellten Dentistinnen", der nur unter Vorbehalt der Zustimmung seiner Invalidenstraße 9 tam es zu einer Schlägerei zwischen den politischen Mitglieder das Abkommen unterschrieben hatte, wird seine Zustim Gegnern. Die Schugpolizei griff ein, riegelte die beiden Bürgersteige an der Sandkrugbrüde ab, zerstreute die Demonstranten und nahm mung zurüdziehen müssen, da seine Mitglieder sich fast ein stimmig dagegen wenden, weil dem größten Teil der Unselb. den Bölkischen sieben Eichenstöcke und zwei Gummifnüppel ständigen der Zugang zu dem zukünftigen Einheitsstand nur durch ständigen der Zugang zu dem zukünftigen Einheitsstand nur durch ab. Da Nationalsozialisten erwiesenermaßen für irgendeine ge die Absolvierung des vollen Universitätsstudiums möglich sein würde, scheite und vernünftige Sache nicht demonstrieren wollen und können, so wäre es doch richtiger gewesen, einen nationalistisch- völkischen und ihre bisherige Ausbildung und Tätigkeit im Berufe gar teine Demonstrationszug, der doch immer nur zu einem ProBerücksichtigung findet. Aber auch im Reichsverband Deutscher Dotations 3 ug wird, gar nicht zuzulaffen. Dentisten", der dann als alleiniger Bartner auf der Seite der Den- Dotationszug tisten übrig bleibt, hat sich eine starke Opposition gegen viele Bestimmungen des Abkommens gebildet. Dazu fommt nun noch eine starte Gegenströmung von den Krankentassen her. mehrere Hauptverbände der Krankenkassen haben sich schon entMehrere Hauptverbände der Kranfenfassen haben sich schon entschieden gegen das Uebereinkommen erklärt, weil sie davon eine ungünstige Wirkung auf die zahnärztliche Versorgung der Versicherten befürchten. Während sich z. B. auch der Dentistenstand bisher aus den unteren minder begüterten Kreisen ergänzen tonnte, würde das in Zukunft faum mehr möglich sein und auch die Zahnheil funde würde, wie es schon in der Medizin der Fall ist, ein Privileg der begüterten Stände werden, die ihren Rindern ein Universitätsstudium ermöglichen können. Es ist nach alledem anzunehmen, daß, noch ehe die gesetzgeberischen Körperschaften sich mit der Angelegenheit befassen werden, durch an Berhandlungen, neue denen auch die Krantentassenverbände beteiligt werden, der Versuch gemacht wird, die Differenzpunkte zu beseitigen und eine Einigung zwischen Zahnärzten und Dentisten herbeizuführen, die allen Teilen gerecht wird. Berliner Messen im Jahre 1926. Bei der Deutschen Nothilfe, Berlin W8, Wilhelmstr. 52( BPostSchecktonto Berlin 160 000) ist außerdem ein hochmasser fonto eröffnet worden, das Cinzahlungen entgegennimmt, die Nachdem das Jahr 1925 in den rund 30 000 Quadratmeter zur Linderung der großen durch das Hochwasser in Bestdeutschland fassenden drei Großhallen zwischen Kaiserdamm und Anus die Ber. hervorgerufenen Not dienen sollen. anstaltung von insgesamt 14 Fachausstellungen und Fach messen sah, die unter Führung bzw. Mitwirtung von etwa 150 maßgeblichen Berbänden und Organisationen der verschiedensten Wirtschaftszweige in 21 belegten Hallen rund 5500 Aus. steller aus Industrie und Großhandel und annähernd eine Million Besucher av das. Berliner Messegelände brachte, erhofft das Berliner Meffeamt vom Jahre 1926, daß es mit einer Befestigung und einem weiteren Ausbau des Berliner Messe- und Ausstellungsgebankens die verheizungsvolle Entwicklung des Jahres 1925 fortjeßen wird. In verschiedenen Tageszeitungen ist gegen die Polizeiverord mung vom 3. Dezember v. J. betreffend die Kontrolle der in den Rühl- und Gefrierhäusern Berlins befindlichen Nahrungs- und Genußmittel Stellung genommen wor den, obschon, worauf von fundiger Seite hingewiesen wird, diese Berordnung nur die Kontrolle von Aufbewahrungsräumen von Nahrungs- und Genußmitteln" sicherstellen will, die bereits durch die Polizeiverordnung vom 12. Februar 1913 angeordnet ist. Da nach werden in Berlin sämtliche Geschäfte mit ihren Zubereitungsund Aufbewahrungsräumen, soweit sie Lebensmittel tierischer Her. funft führen, durch Polizeitierärzte fontrolliert. In den Kühlhäusern waren aber unvermutete Revisionen der einzelnen Bellen faft nie möglich, da die Mieter, d. h. die Gewerbetreibenden, am Tage meist in den Rühlhäusern nicht anwesend sind und die Bertreter der Kühlhausverwaltungen einen zweiten Schlüssel zu den Räumen nicht befizen. Eine solche Kontrolle ist jedoch im 3ntereffe des Bublifums erforderlich, da im Jahre 1924 und 1925 größere Beanstaudungen von verdorbenen Rabrunas miffein in den Kühlhausbetrieben stattgefunden haben und da auch die Zahl der Ertranfungen nach dem Genuß von Hackfleisch oder Frischwurstwaren, die von den Gewerbetreibenden gerne in den Rühlräumen gelagert werden, zugenommen hat. Die Polizeiverorb mag to gabalten, daß e ben Kühlhallenbefizern die Möglich So bringt das Frühjahr 1926 in Berlin- Wigleben außer der Wiederholung der Bekleidungsmesse( 7.- 9. Februar), der Reichsgastwirtsmesse( 14-18. März), der Hygiene Messe und Ausstellung( 2. Hälfte des April in Verbindung mit der geplanten Reichsgesundheitswoche) zwei neuere Wirtschaftsgebiete mit der Berliner Fachmesse- Idee in Berbindung: In der Grünen Woche Berlin"( 20.- 28. Februar) wird der Versuch gemacht, den alljährlich zu Tausenden zur traditionellen landwirtschaftlichen Boche nach Berlin fommenden Landwirten und Jägern ihre Bedarfsdedung auf einer landwirtschaftlichen Ausstellung und Messe zu ermöglichen. In der 11gemeinen Fachausstellung und Messe für das Fleischergewerbe"( 20.- 28. März) beabsichtigen die gesamten Fleischerinnungsverbände der Reichshauptstadt erstmalig, ein ausstellungsartiges Bild vom Stande und der Entwicklung ihres wichtigen Gewerbezweiges zu geben. Der Herbst 1926 bringt dann außer der sierten Messe 光 Ein Schnellkraftwagen der Schuhpolizei, der mit 13 Beamten der Inspektion Linden besetzt war und gegen 1 Uhr nachts zur Säuberung der Invalidenstraße herbeigeeilt war, geriet beim lleber fahren der Weidendammer Brücke infolge des schlüpfrigen Straßen pflasters ins Schleudern und stieß mit einer Kraftdroschle Das zusammen, die sich soeben erst in Bewegung gesetzt hatte. Droschtenauto wurde start beschädigt, und die beiden Fahrgäfte, der 20 Jahre alte Mechanifer Bruno Seidler aus der Pflugstraße 56 und der gleichaltrige Schneider Paul Specht aus der Wöhlerstraße trugen Muskelquetschungen am Rücken bzw. an der rechten Hüfte davon. Beide erhielten auf der nächsten Rettungsstelle die ersten Verbände und wurden dann nach ihren Wohnungen gebracht. Bürgermeisterwahl in Prenzlauer Berg. Zum Nachfolger des verstorbenen Bezirfsbürgermeisters Genoffent Paul John wählte die Bezirksversammlung Brenz lauer Berg den bisherigen Bürgermeister von Fürstenwalde, Genossen Dr. Ostromsti, der früher eine Zeitlang Gemeindevor steher von Lankwih war und dann der Berliner Stadtverordneten. versammlung angehörte. Genosse Dr. Ostromsti erhielt bei der Bahl zum Bürgermeister von Prenzlauer Berg die Stimmen ber Sozialdemokraten und der Kommunisten, zusammen 37 Stimmen. Auf den Kandidaten der Bürgerlichen, den Wohlfahrtsdezernenten Dr. Taubmann, fielen 21 Stimmen. Hundert Sportfurfe in der Hochschule für Leibesübungen. Im Sportprogramm der Volkshochschulturse der Deutschen Hochschule Leibesübungen für Januar/ März 1926, das rund hundert Kurse aufweist, find außer den üblichen Sportkursen folgende bemertenswert: Stigymnaftit, Ausgleichsgymnastik und Rhythmische Gymnafti?, Bistolen- und Kleinkaliberschießen, Bootsbau. In Vorbereitung find u. a. Bogenschießen, Motorradkurse, Golfkurse, Neuzeitliches Ge räteturnen für jedermann, Gymnastit für förperlich Behinderte, Sportkurse für Kinder. Neue Lehrstätten find im Norden, Often und Südwesten, in Bankow, Tegel und Halensee eingerichtet worden. An den Kursen fann sich jedermann ohne sportliche Borbildung be. teiligen. Brogramm( fostenlos) und Auskunft im Bureau: B., Kurfürstenstr. 48; Fernsprecher: Kurfürst 1309. Die Benuhung der Schwerkriegsbeschädigten- Abteile. Infolge von Beschwerden über Benutzung der Schwerkriegsbefchädigten- Abteile durch unberechtigte hat die Reichsbahndirektion Berlin die Eisenbahnbediensteten ouf strenge Beobachtung der Borschriften hingewiesen. Mord und Selbstmord in Fürstenberg a. d. D. In Fürstenberg an der Oder erfchoß der 32jährige Berleger der Fürstenberger Reuen Preffe", Franz Swoboda, erit feine 16jährige Braut unh dann fich felbft ternationale Polizeikonferenz in New York. in der Internationalen Deffentlichen Sicherheit", bem offi- Parteinachrichten Berlin 688. 68. Sindenstraße 3. diefe zu gegebener Stunde auch zu fordern milfen. Außerdem für Groß- Berlin bricht sich in allen Wirtschaftstreifen immer mehr die Ueberzeugung ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten 2. Kreis Tiergarten. Montag, 11. Januar, 7% Uhr, bei Arilger, Butlikftraße 10, erweiterte Streisvorstandsfkung. Heute, Freitag, den 8. Januar: ecft am Montag, 11. Januar, ftatt, en Publikationsorgan der internationalen friminalpolizeilichen Einsendungen für diese Rubrik find mmission, deren Siz Wien ist, hat der Wiener Polizeipräsident hober vor furzem einen Bericht über die III. Internatio ale Bolizeitonferenz erscheinen laffen. Die Vorträge id Beschlüsse dieser Konferenz dürfen in mancherlei Beziehung fentliches Interesse beanspruchen. So ist zum Beispiel die Frage er Auslieferung behandelt worden. Aber gerade in dieser rage find politische mit rein friminalpolizeilichen Gesichtspunkten oft ng mitenander verknüpft. Andererfets tann aber durch ein allzulang. mes Auslieferungsverfahren die erfolgreiche Bolizei- und Detektip igfeit arg unterbunden werden. Der Kongreß beschloß, ein Remorandum auszuarbeiten, das den einzelnen Regierungen ein emeinsames Borgehen in dieser Beziehung vorzuschlager habe. Das Remorandum soll einen einheitlichen Auslieferungsvertrag ausarbeiten, der allgmeine Regeln für die Auslieferung festlegt; ben Bändern soll überdies der Borschlag gemacht werben, eine internationale Konferenz von Juristen einzuberufen. 51. bt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Behmann, Rönigsweg 8, Funktionärsika. 77. abt. Ghöneberg. Die Funktionärverfammhung findet nicht heute, fondern 99. Abt. Briz- Budow. Bünktlich 7 Uhr im Botal Sennia. Chauffeefte. 56, Funtzionarsisung. Erscheinen aller Funktionäre ist Bflicht. 123. Abt. Saulsborf. 8 Uhr bei Sübner funktionärfikuna. 135. bt. Rarow. 8 Uhr und Sonntag, 10. Januat, vormittags 9 Uhr, Tönnen die Flugblätter abgeholt werben bei Rliz, Banfgrafenfit. 3. Morgen, Sonnabend, den 9. Januar: 5. bt. 8 1hr Bet Bertheim, Lothringer Str. 65, Gitung fämtl. Funktionäre. 8. ந E Die Genoffen treffen fic au der wichtigen Flugblattverbreitung heute abend und Sonntag, 10. Januar bei Menet, Lükowitz. 7, und bei Ridert, Steinmekte. 36a. 11. Abt. Ausgabe der Fluablätter an die Bezirksführer nachmittags 4 Uhr bei Berger, Levekomftr. 21. Desgleichen laden die Bezirksführer für die am Mittwoch, 18. Januar, flattfindende Mitgliederversammlung ein. 15. Abt. Sonnabend und Sonntag Antreten fämtlicher Genoffen und Genoffinnen zur Flugblattverbreitung bei Obiglo. Stralsunder Str. 11. 17. Abt. Beairtsführer Flugblätter abholen bei Dofe, Nordhafen 6. 19. Abt. Die Beairtsführer holen nadmittags 4 Uhr von Schrepel die lug 25. 6. 7% Uhr bei Räftner, Elbinger Str. 24, Gikung ber Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute. Die Furtiionärtarten find mitzubringen. 26. Abt. Nachmittags 3 Uhr vom Genoffen Beinlich, Weißenburger Str. 1. wichtige Flugblattverbreitung. Erscheinen ist nicht. blätter ab. 27. St. 6 Uhr Flugblattverbreitung von den bebannten Bobalen aus. Gruppenführer nachmittags 5 Uhr bei Mehlberg. Oranienftr. 196. 44. Abt. Beairtsfithrer! Flugblätter abholen nachmittags 4 Uhr von Ciffert, 46. Abt. Die Ausgabe der Flugblätter erfolgt am Sonnabend, 6 Uhr, und am Sonntag, 10. Januar, ab vormittags 9 Uhr, bei Eichhola, Cuornftr. 23. Rein Mitglied darf fehlen. 47. bt. 7 Uhr bei Linte, Baldemarstr. 65, Funktionärkung 52. bt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Saettel, Mindener Gtt. 8, Ede Rant miner Gitake, Funktionärsikuna. Sur Fluablattverbreitung foeffen fich Bahn, daß eins der Hauptmittel zur Gefundung unserer Wirtschaft die Preisherabjegungen sind. Was tommt nun in den Inventurausvertäufen zum Verkauf? Man tann da im wesentlichen drei Kategorien unterscheiden. Einmal die nicht gangbaren Waren, Waren, die wegen ihrer Farbe, ihrer Qualität oder aus sonstigen Gründen( nicht gangbare Größen) dem Publikum nicht zusagen. Zweitens, Artikel, die der Mode unterworfen sind. Drittens, Waren, die in großen Partien fehr billig eigens eingekauft werden, um sie zu den Inventurver fäufen wieder wohlfeil abzugeben. Ohne zu übertreiben, tann man wohl behaupten, daß die leßteren Warenposten mehr als die Hälfte der in den Inventurverfäufen angebotenen Waren ausmachen, denn im Einkauf von Modeartikeln legt sich der Einzelhandel Beschrän fungen auf, weil er damit rechnet, daß beim Aufhören einer Mode diese Saisonartitel sehr schmer unterzubringen sind und ebenso ist bei den Normaltaufleuten bas Quantum der schwer absehbaren Waren sehr gering, weil sie ja meistenteils ihre Kundschaft tennen, wissen, was fie los werden und dementsprechend ihre Einkäufe einrichten. Die Frage der Zulässigkeit des Einfaufs von Waren dirett zu Inventurzweden ist äußerst umstritten. Die mittleren und fleineren Geschäfte stehen auf dem Standpunkt, daß ein derartiger Einfauf nicht zuläffig ist. Sie wollen, daß der Nachschub von Waren während der Inventurausverfäufe verboten wird. Doch sind es bei ihnen wohl in erster Linie Konkurrenzgründe, die fie veranlassen, fich dagegen zu wenden. Es fehlen ihnen die Betriebsmittel, um gegen Staffe fich in den Befiz großer wohlfeiler Warenmengen zu fehen und sie stehen deshalb im Wettbewerb zurüd. Auf der anderen Seite profitieren sie auch von der Ankündi gung von Inventurausverfäufen, da die starte Reflame von solchen die Kaufluft anregt und selbstverständlich auch Käufer den Geschäften zugeführt werden, die teine berartige Anfündigung vor nehmen. Das Motiv ber Inventurausvertäufe ist zum allerwenigsten die die Genossen am Sonntag, 10. Januar, vormittags 9 Uhr, bei Babe, Befreiung des Warenlagers von nicht gangbaren und Saisonartikeln. Raiferin Aufba- ee 52. 68. Abt. Salenfee. Die Genossen holen bie Mluablätter vom Genoffen Schüler, Johann- Sigismund- Str. 11, von 5 Uhr nachmittags art ab. 86. Abt. Marienborf. 8 Uhr bei Riendorf, Chauffeeftt. 19, Funktionärsikuna. Reutöllu. 90. Abt. 6 Uhr bei Schittler, Beichfelitt. 5. Funktionärfikung. 94. bt. 7 Uhr bei Schröder, Steinmesite. 52, Funktionärsikuna. Er fcheinen ift Bflicht. 95. Abt. 6% Uhr holen die Bezirksführer beftimmt bie Flugblätter von Sürtler, Brina- Bandern- Str. 34, ab. Rut Verbreitung alles einladen. 96. bt. Die Beairtsführer holen die Flugblätter awilden 4 und 5 Uhr bon ber Spedition Siegfried steake ab. Bon allgemeiner Bedeutung sind auch die Beschlüsse der Konfe eng bezüglich ber gefeßlichen Regelung der Erzeugung von 5chußwaffen und bes Hanbels mit ihnen. Allerdings scheint es übertrieben, wenn die Resolution behauptet, der freie Berkauf bon Waffen sei eine der Hauptursachen für die große Zahl Don Morden und Gewalttätigteiten. Speziell polizeiliche Bedeutung hat bas Referat über Fernphotographie. Unter anderem murbe während der Konferenz die Photographie des Leiters ber New Yorker Polizei, des Mr. Enright, per Flugzeug nach San Francisco gefandt, das 3500 Meilen entfernt liegt. Von dort aus erhielt man das Bild auf dem Wege der Fernphotographie in acht Minuten zurüd. Bedenkt man aber, daß allein der Empfangs. apparat sich auf 35 000 Dollar ftellt, so wird man fich sagen müssen, Daß von einer praktischen Ausbeutung dieser Erfindung noch lange feine Rede sein fann. Es existieren auch im ganzen erst drei solche Apparate. Um so produttiver erscheint das von dem Kongreß zur allgemeinen Anwendung Anwendung empfohlene Fernidentifizie rungsperfahren". Es feßt ein Syftem von Bezeichnungen Doraus, bas ermöglicht, die tomplizierten Gebilde der Fingerabbrüde, die bei jebem Menschen anders aussehen, auf bestimmte Formeln zu bringen. Im Falle einer Berhaftung oder bei der Auffindung Don Fingerspuren nach einem geschehenen Verbrechen wird nun bie auf ben in Frage fommenden Fingerabbrudt sich beziehende Formel auf telegraphischem Wege an alle Polizeien der Welt versandt. Außerdem aber werden die Formeln der Fingerabdrücke der internationalen Verbrecher besonders registriert und sind auf jeder großen Bolizeibehörde in einem besonderen Buche nachzuschlagen. Berlin Sichtenbern. 118. bt. 7 Uhr bet tothe, Frankfurter mee, Funtionär. und Wien verfügen bereits über entsprechend ausgebildete Beamte. Ferner hat die internationale Konferenz eine Rommission ein gefeßt, der zur Aufgabe gemacht ist, die bestehenden 20 verschiebenen Fingerabdrucksverfahren zu prüfen und der nächsten Konferenz einen Borschlag über die Bereinbeitlichung der Finger abbrudverfahren in verschiedenen Ländern zu unterbreiten. Im bie internationalen Beziehungen enger zu gestalten, hat bie Konferenz beschlossen, die anwesenden Delegierten nachbrücklich zu bitten, dem Austausche von Informationen zwischen den in Betracht tommenden Polizeibehörden die größte Aufmerksamkeit zu wibmen. Schließlich murbe eine Resolution angenommen, laut der der Rationalregierung der Vereinigten Staaten empfohlen wird, ein Rationalpolizeibureau zu schaffen, das die Aufgabe hätte, die Wirt famkeit ber Polizei zu verstärten und bei der Sammlung und Er rennung der Verbrechertätigkeit der Polizeiinformation mitzuhelfen. In Zukunft werden wohl die europäischen und amerikanischen inter nationalen Polizeifonferenzen parallel laufen. Dieses hat insofern feine Berechtigung, als die amerikanischen Berhältnisse in vielen Beziehungen nicht mit den europäischen zusammenfallen. Auch ift es aus rein finanziellen Gründen unmöglich, daß eine große Anzahl Don Delegierten über den Ozean gehen. Prüfung für Schwimmeifter. Am 12. Februar finbet an der preußischen Hochschule für Leibes übungen( Bandesturnanstalt) eine Brüfung für Swimm meiter und meisterinnen statt. Durch Bestehen ber Brüfung wird die Befähigung zur Leitung und Beaufsichtigung des Schwimm- und Babebetriebes in öffentlichen und privaten Schwimm und Badeanstalten nachgewiesen. Zugelaffen zur Prüfung werden Bewerber und Bewerberinnen, die in Groß- Berlin und in de: Broving Brandenburg ihren Wohnsiz haben. Die Gesuche um zulaffung find bis zum 20. Januar an ben Direktor der Hochschule in Spandau, Rabelandstr. 59, einzureichen. Es sind beigufügen: Ein felbstgeschriebener Lebenslauf, aus bem auch Art und Umfang Der Borbereitung auf die Prüfung ersichtlich ist, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein amtsärztliches Zeugnis darüber, baß der Körperzustand und die Gesundheit des Bewerbers( oder der Be. merberin) die Ausübung des Berufs als Echwimmeister oder als Schwimmeisterin gestatten. Der Rartellverbanb Groß- Berlin für Sport nb Rörperpflege forbert bie geeigneten Mitglieber ber Arbeiterschwimmbereine auf, fich an dieser Brüfung zu beteiligen. 109. Abt. Friebrichsbanen. 7 Uhr bet Schola, Friedrichfte. 81, Mitglieber. verfammlung. Anschließend gemütliches Beifammenfein fikuna. Alle Funktionäre müffen erfcheinen, 119. 5. 7 Uhr bei Rene, Möllendorf. Ede Rittergutftrake, Funktionärsikuna. Sonntag, 10. Januar, Dormittags 9 Uhr, Fluablattverbreitung vom felben Botale aus. 128./130. bt. Bantom. Die Gruppenführer holen das Flugblattmaterial von der Spedition Rikmann ab. Am Sonntag, 10. Januar, Fluablattverbrei 7% Uhr bei Rubatch Funktionärkung. Die 131, bt, Rieberschönhausen. Beair? sfilhrer holen bie Flugblätter ab. tung von ben befannten Bokalen aus. * Jungfosialisten. Gruppe Mitte: Seute, Freitag, 8 Uhr, in der Schule Gips firafie 23a Bortoag des Rebatteurs Genossen Wolfgang Schwarz über den Börterbund. Barteigenoffen und Interessenten gern gefehen. 309. Frauenveranstaltungen. bt. Friedrichshagen. Gonnabend, 9. Januar, nadmittags 5 Uhr, Nach mittagstaffee. Borstellung des Dresdener Rafperle. Lichtbildervortrag: Reise durch Italien". Anschließend gemütliches Beifammensein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 36. t. m Gonntag, 3. Januar, verfarb nach längerem schweren Leiden unfer Genoffe Gastwirt Wilhelm Büte, Tilfiter Str. 18. Einäfcherung hat bereits flattgefunden. Wirtschaft Javenturausverkäufe und Maffenkauftraft. In einer Zeit, in der das Wort Breisabbauation eines der häufigsten geworden ist, ist die Frage, ob die Inventurausvertäufe in der Lage sind, durch dauernde Preisverbilligung einen Ausgleich zwischen Breifen und Eintommen herbeizuführen, nicht ganz unberechtigt. Die Tatsache, daß in den Inventurausverkäufen Breisherabjegungen bis 50 Broz. und darüber bei einzelnen Waren vorkommen, hat zur Folge, daß die Waren preife, die in den Inventurausvertäufen angefündigt werden, fich im Gedächtnis der Käufer einprägen. Bei Preisfeftfegungen im normalen Bertauf wird man die Abweichungen nach oben nicht zu hoch bemessen dürfen, wenn man nicht die Käufer abfchreden will. Es tommt hinzu, baß schon vor Weihnachten in umfangreicher Weise allerlei Sonder- und Ertraverkäufe mit außergewöhnlich billigen Breifen" veranstaltet worden sind, die ebenfalls die Binchologie der Stäufer im Sinne der Preisherabfegungen beeinflußt haben. Man glaubt schon mehr an die Möglichkeit der Preissentung man wird In der Hauptsache sollen die Inventurverfäufe dazu dienen, in einer Zeit, in der eine Geschäftsstodung eintreten würde, eine Belebung des Geschäfts zu bringen. Das muß in der heutigen Zeit mehr denn je geschehen, die Einzelgeschäfte sind genötigt, alle Anstrengungen zu machen, um bares Geld hereinzubekommen. Und man kann aus der Tatsache, daß viele Einzelhandelsgeschäfte bei Barzahlung sogar Ertrarabatte bis zu 10 Proz. geben, die Schlußfolgerung ziehen, daß es diesen Geschäften darauf antommt, ohne Rüdficht, ob durch die Barverfäufe Berluste ober Gewinne entstehen, auf jeden Fall flingende Münze in die Raffen fließen zu lassen. Das wird jedem begreiflich, der weiß, daß ein großer Teil der Verpflichtungen der Einzelhändler besonders gegenüber ihren Lieferanten gerade mit Rücksicht auf die durch das Weihnachtsgeschäft und durch den Inventurausverkauf zu erwartenden Einnahmen, auf Ende Dezember bzw. Mitte Jamuar abgestellt sind. Diejenigen Geschäfte also, die nicht genügend bares Geld aus den Weihnachtsverkäufen hereinbekommen haben, mußten sehen, um jeben Preis die fehlenden Geldmengen durch Inventurverfäufe zu erhalten und fo blieb ihnen nichts übrig, als durch besonders günftige Preise dem Publikum einen Anreiz zum Rauf zu geben. Den Konsumenten kann diese Einstellung natürlich nur recht sein, denn sie sind in der Lage, sich billig versorgen zu fönnen. Und wer Bebarf hat und über noch so geringe Geldmittel verfügt, wird auch diese Gelegenheit ausnutzen. Leider gehört der große Teil der Arbeiterschaft, der von der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit der letzten Monate getroffen wurde, nicht zu denjenigen, die voit der günstigen Raufgelegenheit nun auch Gebrauch machen fann. Es ist aber empfehlenswert, daß der Käufer sich von ber Qualität der Ware, die er fauft, aufs genaufte überzeugt, denn es wird gerade bei den Inventurausvertäufen der Verfuch ge macht, qualitativ schlechte Bare unterzubringen, und die niedrigen Preise, die für diese Bare naturgemäß angelegt sind, veranlassen bann den Konsumenten etwas zu faufen, was er 3mar mit menigem Gelde aber megen der mangelden Qualität immer noch viel zu teuer bezahlt. Die Inventurausnertäufe geben im allgemeinen in diesem Jahre ganz gut. Das tommt daher, weil viele Weihnachtseinläufe in Erwartung der billigen Preise bei den Inventurverfäufen zurüd gestellt sind. Das Weihnachtsgeschäft war im allgemeinen unbefrie digend und hat nur in den letzten Tagen vor dem Fest einen etwas größeren Umfang angenommen. würde noch größere Umfäße zeitigen, wenn die großen Massen in der Lage wären zu faufen. Aufnahmebereit ist der Konfument schon, aber aufnahmefähig ist er bei diesen Löhnen und Gehältern nicht. Aber der Inventurausverkauf CIS. Berantwortlich für Bolttir: Grant Renter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eklorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Gonitiges: Kris Raritäbt; Anacigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW 68, Lindenstvage 3. Bierzu 1 Beilage. Butter Nordstern Verkaufsstellen: NORDEN: Ofener Str. 14, Möllerstr. 126, Lüderitzstr. 5, Seestr. 106, Fehmarnstr. 4, Triftstr. 41, Tegeler Str. 29, Gerichtstr. 8. Reinickendorf: Berliner Str. 8. Tegel: Berliner Str. 94, Treskowstr. 20 OSTEN: Magazinstr. 17, Landwehrstr. 1, Winsstr. 9, Winsstr. 48, Naugarder Str. 6, Hufelandstr. 45, Hufelandstr. 16, Kniprodestr. 117, Zionskirchplatz 15, Swinemünder Str. 42, Stettiner Straße 38, Soldiner Str. 44, Drontheimer Str. 27. Schlevelbeiner Str. 46, Bornholmer Str. 92. Weißensee: Langhansstr. 58 SUDOSTEN: Bödickerstr. 2, Oranienstr. 19a, Ratiborstr. 21, Neue Roßstr. 12 SÜDEN: Tempelhof: Berliner Str. 160, Berliner Straße 125. Marlendorf: Chausseestr. 304 WESTEN: Charlottenburg: Grolmanstr. 22, Lohmeierstr. 12. Schöneberg: Groß- Görschen- Str. 9, Kaiser- Friedrich- Str. 1. Friedenau: Rheinstr. 38. Lichterfelde: Drakestr. 25 NORDWESTEN: Moabit: Alt- Moabit 128, Bochumer Straße 5 Neue Butter- Preise 76 Allerfeinste Mecklenb. Tafel- Butter Pfund 1,70 * 9 M. Feine ostpr. Tafel- Butter Pfund 166 Ein guter Käse ist das beste und billigste Nahrungsmittel la fin. Schweizer. .. Pfund 154 Vollfetter echter Tilsiter..... Guter Tilsiter .... 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Unter zugrundelegung von 79 Schichten im Vierteljahr ergibt sich, daß durch diese Ueberschichten nicht weniger als 23 247 Bergarbeiter broflos gemacht worden sind. Die höchste Ueberschichtenzahl wurde im Oberbergamis bezirt Clausthal erreicht, wo 5,9 Ueberschichten auf jeden Boll arbeiter entfallen. Es folgen: Oberschlesien mit 5,6, Braunkohle links der Elbe mit 5,5, Braunkohle lintsrheinisch 4,8, Brauntohle rechts der Elbe 4,4, Salzbergbau Halle 4,3, Niederschlesien 3,9, Mansfeld 3,9, Aachen 3,6, Oberbergamtsbezirk Dortmund 2,9 usw. B Ohne die Ueberschichten fonnten mehr Bergarbeiter beschäftigt werben, müßten nicht arbeitslos fein, im rheinisch- west fälischen Bezirt 13000, in Oberschlesien 2830, in NiederSchlesien 1330, in Aachen 680, im Braunkohlenbergbau links der Elbe 1500, rechts der Elbe 1330, im Rheinland 925, im Mansfelder Erzbergbau 430, im Salzbergbau etwa 850 Mann. Die Bergarbeiter Zeitung" redet den Bergarbeitern ins Gewissen: Benn die Bergarbeiter in allen Revieren dem Gedanken der Solidarität gefolgt wären und alle Ueberschichten über bas fchon festgelegte Maß hinaus verweigert hätten, fo wäre über 23000 Bergarbeitern mit 3en taufenden Familienangehörigen das Schidsalder Arbeitslosigtett erspart geblieben. Eine ganze Reihe von Gebieten, wie Niederschlesien und der Braunfohlenbergbau hätten überhaupt teine Berminderungen der Belegschaftsziffern notwendig gehabt. Sie wären vielmehr in der Lage gewesen, noch taufenbe von Arbeitskräften im zwischenörtlichen Ausgleichverkehr aufzunehmen oder hätten doch wieder vermocht, wie es im Mans felder Erzbergbau und im Salzbergbau ganz besonders der Fall ist, hunderte von Arbeitern aufnehmen zu fönnen, die schon vor einer längeren Zeit aus den betreffenden Bergbaubetrieben ausgeschaltet längeren Zeit aus den betreffenden Bergbaubetrieben ausgeschaltet wurden. Diese Borhaltung ist durchaus zutreffend, leider aber nur problematisch, zumal gegenwärtig den Bergarbeitern vielfach die Furcht im Naden fißen mag, bei Berweigerung von Ueberstunden ebenfalls stillgelegt zu werden. Und diese Furcht vor Brotlosigkeit überwiegt leider bei vielen Arbeitern noch das weniger ausgeprägte Solidaritätsgefühl. Können wir auch die Ueberschichtenmacher nicht von der Schuld mangelnder Einsicht, Charakterstärte und Solidarität freisprechen, so ist doch das Unternehmertum, das Zehntausende von Arbeitern entläßt aus vorgeblichem Arbeitsmangel, die be schäftigten Arbeiter jedoch zu leberstunden anpeitscht, mur um die Sozialen Basten abzuwälzen, der eigentlich schuldige Teil Einem berart gemeinschädlichen standalöfen Treiben der Unternehmer müßte die Regierung, zumal bei dem jetzt ohnehin furchtbaren Umfange der Arbeitslosigkeit, unverzüglich mit aller Energie begegnen, burch rücksichtloses Berbot der Ueberschichten. Allein die Regierung läßt sich von dem Unternehmertum auf ber Nase herumtanzen, bas den Achtstundentag samt den Sozial gefeßzen sabotiert, mit der Existenz von zehntausenden Bergarbeiter familien Schindluder treibt und sie der öffentlichen Fürsorge über. fäßt. Die 1 836 568 Ueberschichten bedeuten 23 000 Arbeitslose, deren Unterstützung in einem Bierteljahr weit über eine Mil. lion Reichsmart, nahezu 1% Million, an Arbeitslosenunterstüßung erfordert. Die arbeitslosen Bergarbeiter verzichten gern auf diese Unterstützung, wenn ihnen durch Berbot ber Ueberschichten die Arbeit gegeben wird, die ihren beschäf tigten Kameraden über die regelrechte Schichtbauer hinaus aufgehalft wird. Das öffentliche Interesse erheischt, daß der dieſem Ausgleich verhindernden wahnwigigen Ueberstundenwirtschaft gehörig begegnet wird. Verhandlungen mit der Bolle- Meierei gescheitert. Am Donnerstag wurde im Metallarbeiterverbandshaus zwische der Meierei Bolle und den Tariforganisationen über ben. Ne abschluß des von der Meierei zum 31. Dezember gefündigten Loh bau der Löhne um 10 Broz. Auch bei den Berhandlunge abtommens verhandelt. Die Firma will bekanntlich einen Ab am Donnerstag erklärte die Meierei Bolle, durch die schlechte Ge schäftslage ihres Unternehmens zu dem Lohnabbau gezwungen zu fein. Da die Organisationsvertreter diese Auffassuna ber Firma nicht teilen fonnten und jeder Herabseßung der Löhne entschieden widersprachen, verliefen die Verhandlungen ergebnislos. Die Belegschaft wird in den nächsten Tagen zu der Situation Stellung nehmen und die nun zu ergreifenden Maßnahmen beschließen. Die Aussperrung der Bremer Stuhlrohrfabriken. Einftweilige Verfügung aufgehoben. Freitag, 8. Januar 1926 Internationale der Textilarbeiter. Anschluß der Amerikaner.- Tom Shaws Weltreise. Am 19. und 20. Dezember hielt die Exekutive der Interantiona der Textilarbeiter in Zürich Sigungen ab, auf denen vor allem ein Bericht des internatonialen Sekretärs Tom Shaw über die Lage der Textilinduftrie der Welt und im besonderen die Berhältnisse in er japanischen, chinesischen, indischen, brasilianischen und meritani hen Textilindustrie zur Sprache tamen; ferner die Organisations. erhältnisse in diesen Ländern und die Bestrebungen, ihre Legtilrbeiterverbände zum Anschluß an die Internationale zu veranlassen. Im diese Bestrebungen zu fördern und genaue Forschungen wirt. chaftlicher Natur anzustellen, wird der internationale Sefretär in ab. sehbarer Zeit eine große Reise nach diesen überseeischen Ländern unternehmen. Mit Befriedigung wurde von der Anmeldung der amerikanischen Legtilarbeiter zum Beitritt in die Internationale Kenntnis genommen und die Aufnahme ein stimmig gutgeheißen. Katastrophale Arbeitslosigkeit in Dänemark. Jeder dritte Arbeiter arbeitslos. Kopenhagen, 7. Januar.( Eigener Bericht.) Die Arbeitslosig teit ist in der ersten Woche des neuen Jahres wiederum außer ordentlich gestiegen. Die gewerkschaftlichen Unterſtügungstaffen perzeichnen eine Steigerung der Arbeitslosen von 73 000 auf 84 000, d. h. jeder dritte gemertschaftlich organisierte Arbeiter ist ohne Beschäftigung. Die nicht statistisch erfaßbare Gesamtzahl der Arbeitslosen kann man nunmehr auf etwas über 100 000 veranschlagen. Es besteht eine kleine Hoffnung, daß diese Bahl in den nächsten Wochen etwas zurügeht, da viele Betriebe ihre Weihnachtsferien infolge der schlechten Konjunt tur bis zur Mitte des Monats ausgedehnt haben. Bremen, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Belegschaften der Bremer Stuhlrohrfabriken sind seit Mitte Ottober von den Unternehmern ausgesperrt. Um bas arbeiterfeindliche Treiben der Streifbrecher zu unterbinden, hatten die im Kampf stehenden Arbeiter Streifposten aufgestellt und die Namen der Streitbrecher im Bremer Parteiblatt betannt gegeben. Diese Abwehrmaßnahmen der Arbeiterschaft erregten die Wut der Unternehmer, die sich der weitgehendsten Unterstügung der Boltzei erfreuen. Der Synditus der Bremer Unternehmer. organisationen erwirkte darum am 22. Dezember eine einst. meilige Berfügung des Landgerichts, wodurch es den Streifenden sowie ihrer Organisation, dem Deutschen Holzarbeiterverband, unter Androhung von Geld- oder Haftstrafen verboten wurde, die Namen der Streitbrecher öffentlich bekannt zu machen und vor den bekämpften Werten Strettposten aufzustellen. Auf Beschwerbe des Holzarbeiterverbandes hat das Landgericht Bremen jetzt die Aufhebung der einstweiligen Berreichen, die sich mit der allgemeinen Wirtschaftspolitit, ber fügung veranlaßt, so daß sich die Bremer Stuhlrohrarbeiter jest wieder aller verfassungsmäßig garantierten Kampfmittel bedienen tönnen. Zum Streit in der Schwarzwälder Uhrenindustrie. Stuttgart, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die durch das WIB. aus Furtwangen verbreitete und in der Morgenausgabe des " Borwärts" vom 7. Januar erschienene Notiz ist irreführend. Es heißt in der Notiz: Während an anderen Orten der Schwarzwälder Uhrenindustrie der Lohnabzug von den Arbeitern angenommen wurde usw...." Hierzu haben wir zu bemerken, daß die Ab. lehnung des Lohnabzuges in allen Orten ein. ftimmig erfolgte. Teiltämpfe find deswegen bis jetzt aus. gebrochen in Furtwangen und Billingen. Das österreichische Arbeitslosenproblem. Eine Denkschrift der Spikenorganisationen an die Regierung. Wien, 7. Januar.( TU.) Die Spizenorganisationen der Arbeiterschaft haben gestern in einer mehrstündigen Konferenz sich schäftigt. Sie werden heute der Regierung eine Dentfchrift übermit der Frage der zunehmenden Arbeitslosigkeit be produttiven Erwerbslofenfürforge, dem Schutz. olIfy item der Nachbarstaaten und mit der Förderung neuer Industrien, sowie mit dem Bau eines großen Frei hafens in Wien beschäftigen. Die Dentschrift befaßt sich auch mit bevölkerungspolitischen Fragen und fordert eine Verlängerung der Schulpflicht um ein volles Jahr, damit der Zustrom der Jugendlichen zum Arbeitsmarkt eingebämmt wird. Restaurant- und Café- Angestellten teilt uns mit, daß in dem Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Der Zentralverband der Hotel, Restaurant Wilhelm Krüger, Inhaber Döring, Biener Straße 23, freigewerkschaftlich organisierte Angestellte nicht beschäftigt und geduldet werden. Der Vertreter der Organisation, der Herrn Döring auf diese Tatsache aufmert. sam machte, wurde von diesem und seinen gelben Angestellten a us dem Lotal hinausgeworfen. Deutscher Metallarbeiter Berband. Als der Verbandsbeamte bereits vor dem Lotal war, tam Herr Döring hinterher und brüllte: Berlaffen Sie sofort den Bürgersteig, sonst laß ich Sie mit der Bolizei wegbringen." Der Betrieb ist für organisierte aft wirtsgehilfen gesperrt. Außerdem ist auch der Deutsche Hof", Ludauer Straße 15, Befizer Kromret, für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Tarifabschlüffe im Saargebiet. Saarbrüden, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem die Bergarbeiter das vom französischen Arbeitsminister de Monzie gemachte Lohnangebot von 15 Broz. auf den Grundlohn abgelehnt haben, tam es nunmehr bei einer erneuten Berhandlung zu einem Tarifabschluß. Das Ergebnis find 5,6 Proz. Zulage auf den Gesamtlohn, ausschließlich der sozialen Bulagen. Die Erhöhung, dle nach wie vor von den Bergarbeitern als un genügend bezeichnet mird, tritt rüdwirfend vom 15. Dezember in Kraft, während in dem ursprünglichen Angebot der Grubenverwaltung der 1. Jamuar Dorgesehen war. In der Schwerindustrie führten die gestrigen Lohnverhandlungen zu einem Angebot der Unternehmer von 6,2 Broz., die ebenfalls ab 15. Dezember gezahlt werden sollen. Die Organisationen haben zu diesem Angebot noch feine Stellung genommen. Die Aussperrung im Baugewerbe ist ebenfalls durch Schiedsspruch beendet worden. Der Schlichtungsausschuk hat in feiner geftrigen Sigung den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 6% Proz. zugesprochen. Die Bauarbeiter haben diesen Spruch angenommen, während die Schreiner, wegen deren ursprünglichen Lohnforderungen die Aussperrung überhaupt erft erfolgte, dieses Angebot für unzureichend erklärten und es ablehnten. Ob nach wird, ist zweifelhaft, denn er ist gefällt unter der Voraussekuna, dieser Ablehnung der Spruch des Schlichtungsausschusses wirksam baß die Rampfmaßnahmen von beiden Seiten eingestellt werden. Achtung, SPD.- Solzarbeiter Bezirk Often II! Am Sonntag, ben 10. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Witfchus, Vetersburger Str. 5, wichtige Berfammlung aller Barteigenossen, Bollzähligen Besuch ev martet Der Berbeausichuk. Firma Gebr. Siemens. Co., Lichtenberg. Morgen, Gonnabend, nach mittaa 2 Uhr Rufammentunft aller freigemertfchaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen in der Edeltanne". Seraberaftr. 23. Mitaliebsbuch legitimiert. Bähr- Stiefel ( früher Bären- Stiefel) Jetzt Inventur- Verkauf & Nur bei H. Bahar, Spittelmarkt 7, vor der Brücke Wir müssen, vollständigen Umbau da wir mit dem INVENTUR Nur ganz wenige Beispiele! 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