Nr. 13 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 7 Bezugspreis: Bhentlich 70 Bfennig. monatlic B, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit Sied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich weimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffa awei fettgedruckte Worte lebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Bfennia. tedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Bauptgeschäft, Berlin GB 68, Linden. trake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonnabend, den 9. Januar 1926 Neue Steuerkämpfe in Frankreich. Um das Schicksal des Kartells. Paris,& Jamuar.( Eigener Drahtbericht.) Der für Montag| Linie aus einer schärferen Erfassung der Einkommenbesteuerung, die vorgesehene Zusammentritt der Finanzkommiffion dürfte der Mittel zur Amortifierung der Schulden durch direkten Zugriff auf Atempause, die die innerpolitischen Auseinanderseßungen in das Kapital in der doppelten Form einer Reform des Erbrechts zuFrankreich auf furze Zeit unterbrochen hatte, ein Ende machen. gunsten des Staates sowie einer außerordentlichen Abgabe vom Der Kommission wird außer der Finanzvorlage des Finanzministers Vermögen beschaffen will. Zwischen beiden Sanierungsplänen ist Doumer ein Gegenentwurf der drei Linksparteien vorliegen und der nach Auffassung der maßgebenden Kreise der Linken ein Aus Kampf um die beiden sehr erheblich auseinander gleich unmöglich. Besonders läßt die in der Regierungsvorgehenden Sanierungsprogramme dürfte sich ziemlich lage vorgesehene Berdoppelung der Umsatzsteuer eine Verständigung heftig gestalten. Der Finanzminister hat zwar bereits zu verstehen ausgeschlossen erscheinen. gegeben, daß er zu weitgehenden Bugeständnissen an die Forderungen der Linken bereit, jei, und in den Kreisen der gemäßigten Mittelgruppen bemüht man sich bereits um ein kompromiß zwischen den beiden Vorschlägen. Die Aussichten dafür sind jedoch außerordentlich steptisch zu beurteilen, da es sich um grundlegende Gegensätze handelt. Die Borlage Doumers ift fast ausschließlich auf die Mehrbelastung vea Berbrauch und Verkehr unter weitgehender Schonung der direkten Steuern aufgebaut, während der Gegenentwurf der Linken die Mittel zum Ausgleich des Haushalts in erster Luther bei Hindenburg. Aber noch kein Auftrag. Bom Ausgang dieses Rampfes dürfte die innerpolitische Entwidlung in Frankreich für die nächsten Monate eindeutig bestimmt werden. Findet sich in der Finanzfommission eine Mehrheit für die Borlage Doumers, dann ist es mit der Politit des Kartells, das in der politischen Führung durch eine neue, von der Rechten unter. ftübten Mehrheit der Mittelparteien abgelöst würde, für absehbare Zeit zu Ende. Im anderen Fall ist eine neue Rabinetts. trise mit einstweilen noch nicht abzusehenden Folgen unvermeidlich. teilung der Regierung, die am Freitag an die Presse gegeben wurde. Danach sollen die Zuschüsse von 1,8 Millionen auf eine Million herabgesetzt werden. Das bedeutet etwa, baß in 3uunft lediglich Der Reichspräsident empfing am Freitag vor- 57 Broz. der bisherigen Zuschüsse gezahlt werden. Infolgedessen mittag den Reichsfanzler Dr. Luther, um mit ihm die hat der Intendant des Deutschen Nationaltheaters in Weimar bereits Fragen der Regierungsbildung zu erörtern. An mehreren Soliften eröffnet, daß sie sich in Zukunft mit geringeren schließend hielt er Rücksprache mit dem Reichsarbeitsminister Behältern begnügen müßten. Anderen aber sind die jetzt zu Ende Dr. Brauns, dem Reichswehrminister Dr. Geßler und gegangenen Berträge nicht verlängert worden. Während nun dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann. Sie haben alle anderen Theater- Personal wie auch die Einwohnerschaft der ihm wie wir erfahren, übereinstimmend mitgeteilt, daß es Theaterstädte Theaterstädte lebhaften Proteft gegen die von der Regierung wenig 3wed hat, jeßt fchon eine Persönlichkeit mit der beabsichtigten Maßnahmen ergriffen haben, hat man bisher in Reubildung der Regierung zu betrauen, folange über die ge- Weimar die Dinge in Ruhe an sich herankommen laffen. planten Versuche des Zentrums und der Demokraten zur Her stellung der großen Koalition teine Klarheit besteht. Die sozialdemokratische Reichstagsfrat. tion tritt zu ihrer ersten Beratung im neuen Jahr am Dienstag nach der Plenarsizung zusammen.l Ein erfreulicher Fortschritt. Defterreicher und Reichsdeutsche sozialpolitisch gleich. Die im Auftrag der deutschen und österreichischen Regie rung durch den Senatspräsidenten Fritz und den Ministerial rat Dr. Rerber geführten Verhandlungen über den Abschluß eines Gegenseigteitsvertrages auf dem Gebiete ber Sozialversicherung wurden gestern abgeschlossen und das Uebereinkommen von dem österreichischen Gesandten Dr. Frant und dem Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt Dr. v. Baligand, sowie den beiden genannten Unterhändlern unterzeichnet. Das Uebereinkommen sieht die völlige Gleich stellung der Angehörigen der beiden Staaten in sozial versicherungsrechtlicher Beziehung vor und betont die Grundlage zu einem innigen Zusammenarbeiten der beiderseitigen Versicherungsträger. Besonders zu erwähnen ist, daß auch die in der deutschen Angestellten- und der öster reichischen Bensionsversicherung erworbenen Beitrags zeiten einander gleichgehalten werden, so daß die Gefahr des Verlustes der aus diesen Versicherungen erworbe nen Anwartschaften beim Wechsel der Beschäftigung, die mit einer llebersiedlung in das andere Staatsgebiet verbunden ist, ausgeschaltet wird. Das Uebereinkommen wird munmehr den beiden parlamentarischen Körperschaften zur Genehmigung vorgelegt werden, um den Austausch der Ratifikationsurkunden bald vornehmen und so das Ülebereinkommen in Kraft sezen zu fönnen. Thüringische Kulturarbeit. Sie bauen die Theater ab. Weimar, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In dem bis herigen Etat Thüringens waren für die sechs Landestheater 1,8 Millionen Mart Buschüsse eingesetzt worden. Der Landbund als stärkste Regierungspartei hat nun bereits seit längerer Zeit auf bie Regierung einen Drud auszuüben versucht, diese Zuschüsse erheblich herabzusetzen. Im Haushaltsausschuß ist es deshalb vor einigen Wochen zu feiner Verständigung zwischen Regierung und ben Landtagsparteien gekommen. Hinter den Kulissen scheint seit bem eine sehr erhebliche Berständigungsarbeit zwischen ben Regierungsparteien stattgefunden zu haben. Von ihrem Er. gebnis erfährt man, ohne daß der Landtag oder sein Haushaltsaus fchuß bisher davon Renntnis belommen haben, durch eine Mit Fortschreitende Räumung. Das englische Oberkommando verläßt Köln. Köln, 8. Januar.( Tul.) Der englische Obertomman dierende wird schon in den nächsten Tagen Köln verlassen und nach Wiesbaden übersiedeln. Das britische Haupt. quartier folgt ihm am 18. und 19. Januar und wird am 20. Januar in Wiesbaden seinen Dienst aufnehmen. Der Abzug der Engländer aus Köln und der nördlichen Rheinlandzone geht meiter in fleinen Trupps vor sich. Gestern ist auch das Bureau des Generalzahlmeisters zum Teil nach Wiesbaden verlegt worden. In Köln ist von diesem Dienstzweig mur eine Abteilung zurückgeblieben, um die noch hier verbleibenden Truppen bis zu ihrem Abzug zu versorgen. Der Abzug ist bisher im großen und ganzen programmäßig verlaufen. Die Engländer haben sich bemüht, die festgesetzten Räumungsdaten innezuhalten. Ob jedoch der Abzug bis zum Monatsschluß beendet sein wird, ist keineswegs sicher. Auch von englischer Seite wird zugegeben, daß man sich in dieser Beziehung nicht mit Sicherheit festlegen fönne. Die Räumungsdaten waren von den Engländern von vornherein davon abhängig ge macht worden, daß die neuen Quartiere rechtzeitig zur Ber. fügung stehen würden. Nun haben sich in Bingen und auch in Wiesbaden in dieser Beziehung Schwierigkeiten ergeben, die vielleicht eine furze Berzögerung im Gefolge haben werden. Jeden falls rechnet man in Köln damit, daß die Befreiungsfeier, die in Gegenwart des Reichspräsidenten in der ersten Februarhälfte vor sich gehen sollte, erst gegen Ende des Monats stattfinden kann. Die neue italienische Partei. Ein Gründungsflugblatt. Die neue sozialistische Partei Italtens bat ihre erfte Rundgebung in der Form eines Flugblattes erlaffen, dem Mussolinis Polizei den Umfang von ganzen vier Seiten vorgeschrieben hat. Das Flugblatt enthält eine ausführliche Instruktion an alle Genoffen, welche die Absicht haben, der Partei beizutreten in der Form, wie sie durch das faschistische Regime notwendig geworden ist, und bringt einen furzen vorläufigen. Erfag eines Parteistatuts. Es erinnert an das Schicksal der„ Giustizia", die nach vierjährigem heldenhaften Kampf mit der Auflösung der alten Partei eingestellt wurde. Die neue Partei wird zunächst ein möchentliches Propaganda organ herausgeben, das der strengen Zensur der faschistischen Polizei unterliegt. " Das Polizeipräsidium Berlin teilt mit: Der Bolizeipräsident hat die Nummer 5 des Deutschen Tageblatts" vom 7. Januar 1926 wegen des darin enthaltenen Artikels Terror in Moabit" dem Dberreichsanwalt augeleitet mit dem Anbeimgeben, gegen die genannte Zeitung auf Grund des§ 8 Siffer 1 des Republitschutz. gesetzes vorzugehen. In den deutsch- schweizerischen Paßverhandlungen über eine Neuordnung ist eine Einigung erzielt worden. Es bleiben lediglich noch Einzelheiten zu erledigen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Der Herzogsanwalt. Der Volksvertreter als Fürstendiener. Niemand von Ihnen vergesse, daß wir hier sizen als erwählte Vertreter des deutschen Boltes, nicht aber als Fürstentnechte!" Scheidemann im Reichstag, 2. Dezember 1925. Der Rechtsausschuß des Reichstags hat die Aufgabe, die Interessen des Volkes zu wahren gegen die Ansprüche der Fürsten, die die Auslieferung von ungezählten Millionen von den Ländern verlangen. Tiefe Empörung geht durchs Volk feiner Parteigrenze halt. Die Thüringer Rechtsregierung über die Forderungen der Fürsten. Die Empörung macht vor wendet sich hilfefuchend gegen die Fürsten an das Reichsparla ment. Was die Fürsten den Ländern, dem deutschen Volke zumuten, das ist nicht mehr und nicht weniger als eine innere Reparationsleistung aber eine Reparation nicht für einen übermächtigen Gegner von einst, sondern eine Reparation für die deutschen Fürsten auf Kosten des Volkes. Fürstenrecht vor Boltsrecht! recht über Bolfsrecht stellt, jenes Fürstenrecht, das in der BerEs gibt eine Partei im Deutschen Reichstag, die Fürstengangenheit durch die Vergewaltigung des Boltsrechts geschaffen wurde. Diese Partei tritt im Rechtsausschuß des Reichstags als Bertreterin der Fürsteninteressen gegen die Voltsinteressen auf. Es ist die Deutschnationale Partei. Die Beraubung des Volkes, die Schädigung der deutschen Freistaaten- das ist ihr Biel. Sie verbirgt ihre voltsfeindliche Haltung hinter Deflamationen über die Pflicht des Boltes zu Treue und Dant barkeit gegen die Fürsten. Treue! Wo war die Treue Wilhelms II. zu seinem Bolte? Wo die Dankbarkeit der Fürsten für die ungeheuren Opfer des Volfes im Weltkrieg? Bestand sie in der Berweigerung des gleichen Rechtes für alle Staatsbürger in Preußen bis in die Katastrophe hinein? Der lautesten Rufer einer im Streite um das Bermögen der Fürsten ist der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Dr. Everling. Jener Everling, der die Befürchtung, daß die Regierung Luther eine Etappe rückwärts auf dem Wege zur Monarchie fein tönne, im Plenum des Reichstags mit einem lauten ,, Gott sei dant!" begrüßte. Herr Everling ist ein Fanatiker des Monarchismus. Niemand versteht es so gut wie er, sich in den deutschnationalen zu gebärden. Niemand in der deutschnationalen Presse verZeitungen als der Gralshüter des Prinzips der Legitimität steht den Ton der Hingabe an das Königtum, der demütigen Ergebung vor dem Monarchen so gut wie er. Sein Ton ist zwar etwas holprig, und die Deklamation manchmal etwas fomisch, die Tiraden schlecht stilisierte Wiedergaben alter legi timistischer Gedanken aus alten Zeiten aber dafür spricht daraus eine Untertänigkeitsgesinnung, fast möchte man fagen, eine Dienergejinnung,-nicht Dienstgesinnung!- wie fie sonst ein preußischer Konservativer nicht zur Schau trägt. Er ist Mitglied des Rechtsausschusses, der das Herr Everling- ist deutscher Reichstagsabgeordneter. Recht des Volkes gegen die unverschämten Ansprüche der Fürsten wahren soll. Herr Everling will vom Recht des Boltes nichts wissen. Dafür redet er um so lauter vom Recht -er ist ja auch Mitglied des Rechtsausschusses. Vom Recht, wie er es versteht. Recht ist für ihn, daß das deutsche Volk eine innere Reparationslast zugunsten der Fürsten auf sich nehmen foll. Die Behauptung des Voltsrechts gegen Fürſtenansprüche, die angesichts der Not der Staaten und des Volkes im tiefsten Grunde unfittlich sind, ist für ihn Abstieg und Niedergang der Rechtsauffaffung". Der demokratische Antrag im Reichstag ist für ihn strafrechtlich Raub". Das Recht über alles, so deklamiert er und warnt vor dem Wetterleuchten des Bolschewismus, der kommen muß, wenn Die letzten Stüßen des Rechtes zerbrechen, eine Mahnung, um des Rechtsstaates willen die Rechte zu verteidigen, deren Schuß schon Treue und Dankbarkeit gebietet". Es ist vom Rechte viel die Rede bei Herrn Everling! Herr Everling ist Abgeordneter.„ Die Abgeordneten find Bertreter des ganzen Bolles" so bestimmt Artikel 21 der Reichsverfassung. Herr Everling ist zugleich als Rechtsanwalt der Prozeßvertreter des ehemaligen Herzogs von Sachsen- Altenburg gegen den thüringischen Staat, der das Recht des Volkes wahrzunehmen hat. Im Prozeß vertritt ausschuß des Reichstags aber vertritt er er den ehemaligen Herzog gegen den Staat- im Rechtsder Fürsten gegen die übergeordneten Interessen, gegen das die Volksrechte als Abgeordneter? Nein, die Brivatinteressen Recht des Boltes. etma Er hat als Abgeordneter ein Mandat von deutschnationalen Wählern. Viele der Deutschnationalen empfinden die Forderungen der Fürsten als ein bitteres Unrecht. Herr Ever ling mag es mit seinem Gewissen ousmachen, ob er als Fürstendiener das Mandat seiner Wähler ausführt. Herr Everling hat aber auch noch ein anderes Mandat, ein Brozeßmandat von dem ehemaligen Herzog von SachsenAltenburg. Für dieses Prozeßmandat wird er bezahlt, und da der Wert des Streitobjekts hoch ist, fürstlich bezahlt, so fürftlich, wie deutsche Fürsten von ehedem sonst nicht mit Bezahlung bei der Hand sind, wenn es um Boltsnot geht. Jedem das Seine! Er ad Der Fürstenschwindel. Sturm auf Thüringen. Wie die berühmten Fürstenprozesse zustande kommen, darüber unterrichtet sehr anschaulich eine Mitteilung, die das Berliner Tageblatt" aus Thüringen über die Ansprüche des ehemaligen Fürstenhauses für SchwarzburgSondershaufen erhält: " 9 Burg- Rubolftabt und Schwarzburg- Sondershaufen abgefaloffenen, Abfindungsverträge ibm gegenüber nichtig feien, da er als Agnat nicht gehört worden sei. Nachdem das Oberlandesgericht Raumburg die Ansprüche des Prinzen in zweiter Instanz abgewiesen hatte, legte Prinz Sizzo beim Reichsgeridi Revision ein. Diese Revision wurde heute vom Reichsgericht verworfen. Ta mit find alle Ansprüche des Prinzen gegen das Land Thüringen als erledigt zu betrachten. Apanage für Mätreffen! Bon, besonderer Seite" wird der Boff. 3tg." zu dem gleichen Rapitel geschrieben: " Diefe Begabung des Herrn Everling mit einem doppelten Mandat aber rührt an die Reinheit des öffentlichen Lebens. Es würde schlimmste korruption bedeuten, wenn ein Rechts ausschuß des Reichstags ein bezahlter Prozeßvertreter fein Abgeordnetenmandat mißbrauchen wollte, um die Interessen feines Prozeßmandanten gegen die öffentlichen Interessen zu vertreten. Herr Everling ist als bezahlter Prozeßvertreter Der letzte Sondershäuser Regent Fürst Günther, ber zugleich an der Gesetzgebung des Rechtsausschusses persönlich inter auch Fürst von Schwarzburg- Rudolstadt war, erließ am 25. November effiert. Er ist sich des Bedenklichen seiner Haltung wohl bewußt 1918 mit 3uflimmung des Landtags von Sondershausen ein Ge gewesen. Verlegen stammelte er, als sich der Sturm der feß über die Ergänzung des Landesgrundgesetzes vom Jahre 1857, Haarsträubend sind die Verhältnisse in Coburg- Gotha. Dem Entrüstung gegen ihn erhob, er habe dem Ausschuß nur das wonach für den Fall eines Verzichts des Fürsten auf die Herzog Ernst von Coburg- Gotha sind im Jahre 1866 die durch fachliche Material, das er tannte, mitteilen wollen.... Regierung die ihm zustehenden landesherrlichen Rechte auf das Preußen als turbessischer Besi erbeuteten schmal. hatte im Ausschuß schon eine vierfeitige Druckschrift verteilen ministerium übergehen. Nach Beröffentlichung dieses Geraldischen Balder, wohl der wertvollste Forstbesig in Deuifd lassen, die ein Plädoyer für die Fürsten, und also auch für fches fegte der Fürst die Regierung mit bland, für seine dem preußischen König geleistete Waffenhilfe seinen Mandanten ist. Er wollte als Prozeßvertreter dem bankungsurkunde vom 25. November nieder. Am geschenkt worden. Woher der preußische König den Rechtstitel ge Ausschuß ein Plädoyer liefern. 5. Dezember 1918 schloß der ehemalige Fürft mit der Regierung nommen hat, ohne Genehmigung des Landtags diesen Die schärffte Berurteilung für Herrn Everling liegt einen Auseinandersetzungsvertrag ab, der burch Landes Besitz zu verfchenfen, bleibt unflar. Der Herzog hatte bei der darin, daß es ein Parteifreund von ihm war, der ihn entlarvte. gefeß vom 7. Januar 1919 die notwendige verfaffungsrechtliche Be Schenkung die Berpflichtung übernommen, fein Land wegen der Der Thüringer Finanzminister Klüchner hat das Berstätigung erhielt. Fürst Günther übereignete das auf den Namen Kriegsleiden zu entschädigen, hat aber diese Berpflichtung mit einem dienst, dem Rechtsausschus Renntnis von dem Doppelmandat des Fürsten im Grundbuche eingetragene Kammergut reftios bem Bruchteil des Wertes des Geschentes abgeglichen. Jetzt sind dieſe des Herrn Everling gegeben zu haben. Herr Klüchner ist so gut deutschnational wie Herr Everling. Beide stehen im Staate, dagegen erhielt er eine jährliche Rente von 210000 Wälder dem englischen Prinzen zugefallen, der der RechtsMart zuertannt, fowle bas bisherige Jagdrecht und das nachfolger des Herzogs von Coburg- Gotha ist. Brozeß einander gegenüber: Herr Klüchner fraft seines Amtes Infigrecht in den Schlössern. Der Vertrag wurde abgefchloffen noch mit der Wahrung der Interessen des Staates und Bolles bemit der alten Regierung und dem alten Landtage, der sich zusammen traut, Herr Everling mit der Wahrnehmung der Ansprüche des fetzte aus sechs vom Fürsten auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern, ehemaligen Herzogs. Im Rechtsausschuß stehen sie einander aus sechs Abgeordneten der Höchstbesteuerten und sechs Abgeordneten wieder gegenüber: Herr Klüchner in der Wahrnehmung seines aus allgemeinen Wahlen. Ein einziger Abgeordneter aus Amtes der Prozeßvertreter des Fürsten aber hat sich die gemeinen Wahlen gehörte der Sozialdemokratie an! Maste des Gesetzgebers vorgenommen. Da mag wohl in Der Fürst war nie darüber im Zweifel, daß der von ihm als Herrn Klüchhner moralische Empörung emporgestiegen fein, Brivatmann und ohne äußeren 3wang mit dem Landtag abgeschlof. daß er Herrn Everling die Maste des Gesetzgebers absene Bertrag eine vollgültige Rechtshandlung darstellte. genommen und ihn in seiner wahren Funktion vorgestellt hat Die nach einer Grundlage für eine spätere Restaurierung strebende - als Anwalt des ehemaligen Herzogs von Altenburg. Herr Everling hat aus dem Rechtsausschuß während ofclique und insbesondere der Hofmarschall v. Salem der Beratung der Fürstenabfindung zu verschwinden. Das ist letzten dem alten Mann immer mehr zu, den Bertrag anzu die Forderung, die aus seinem Doppelmandat erwächst. fechten. Es wurde schließlich ein Rechtsgutachten des Pro Welchen Lärm hätte die Rechtspresse angeschlagen, wenn ein felfors Krüdmann( Münster) eingeholt, das sich auf den Bolitiker der Linken so wenig Reinlichkeitsgefühl und Rechts- Standpunkt stellte, der Bertrag sei ungültig und anfechtbart Dar gefühl beseffen hätte wie Herr Everling! Wie hätte sie mit aufhin beschritt der Fürst den Klageweg. Nachdem das Reichs gericht den ordentlichen Gerichtsweg zugelassen hatte, erkannte Herrn Everling über Abstieg und Niedergang der Rechts- das Landgericht Erfurt in erster Instanz auf ungültig auffassung" heuchlerische Tränen vergossen! feit des Vertrages wegen Verstoßes gegen die guten Sitten.( 1) War die Notlage oder die Unerfahrenheit oder der Leichtsinn des alten Mannes ausgebeutet? Von seinen eigenen treuen Anhän Aus dem Doppelmandat des Herrn Everling ergibt sich aber auch noch eine Folgerung. Die Deffentlichkeit hat Herrn Everling bisher achselzudend als einen Fanaliter der Legiti mität angesehen. Sie weiß jetzt, daß sich der Fanatismus des Herrn Everling immerhin bezahlt macht. Sie wird die Dienergesinnung, die in den monarchistischen Deklamationen des Herrn Everling zum Ausdrud fommt, anders beurteilen, wenn sie erfährt, daß Herr Everling als Prozeßvertreter des ehemaligen Herzogs von Sachsen- Altenburg seine ergebene monarchistische Treue immerhin fürstlich honoriert erhält. Herr Everling ist ein Freund legitimistischer Tiraden, die er ungefähr ebenso handhabt wie das Recht, von dem er so viel redet. Man wird fünftig unter seinen monarchistisch überspannten Sägen noch eine Untermelodie hören. Am 7. November deflamierte er in der Kreuzzeitung": Sucht man die konservative Anschauung in brei Grundtatsachen zu begreifen, so fann man im Legitimismus ihre Meta phyfit, im Organismus des Staates ihre Logit, und im Patrio tismus ihre Ethit sehen." Jawohl, der Legitimismus ist die Metaphyfit des Herrn Everling. Seine Logit aber ist die brüchige Logit eines Juristen, der das höchste Recht des Boltes nie begriffen hat, und seine Ethifist die Prozeßvertretung des ehemaligen Herzogs von Sachsen- Altenburg gegen das Recht eines schwer leidenden Volkes. Mit Gott für König und Baterland! Wenn Herr Ever fing fünftig so deflamiert, wird man ihm höhnend antworten: Mit Gott für den Herzog von Sachsen- Altenburg und die herzoglichen Honorare! Otto von Tegernsee. Bon August Gräf. Er ist zwar nicht von Tegernsee, sondern in der Donaustadt Regensburg zu Haus, obgleich er eigentlich das fränkische Lohr a. Main seine Heimat heißen muß. Aber da fehlt sich nichts, wie man in Bayern zu sagen pflegt, denn andere bajuvarische Herrgötter wie der große Dottor Heim, der im gleichfalls fränkischen Aschaffenburg feine ersten Windeln naß gemacht hat, oder wie Se. Erzellenz, der Herr Ministerpräsident Held des Kgl. Freistaats Bayern, der als„ blinder Heffe" diese Erdenwelt begrüßte, sind auch nicht von dahinten her, wo die rechten Bayernherzen hinter baju. varischem Janter schlagen! Ein bajuvarisches Herrgöttl ist er trotzdem, der Otto, der nicht von Tegernsee ist! Auch wenn er nicht einmal Otto von Tegernsee, sondern Otto Hartmann heißt. Und was für ein Herrgöttl! Er it's gewesen, der als aus. erwählter Politifus vor dem Herrn zu allererst das große Wort von der billigen Kochwurst, bie zu Königs Beiten noch ein Zehnert kostete, unter das in Treue fest, aber nicht fett gewordene Bayernvolt schleuderte und so die zugkräftigste monarchistische Losung gab! Er ist's gewesen, der, die heilige Erinnerung an den einstigen 24.ẞfennig.Bierpreis wachrufend, bajuvarischen Zorn entflammte und Mandin, Buam und Jungfrauen unter die Fahne des Heimat- und Königsbundes zum Kampf für die erhabensten Güter der Nation in die Schranten bayerischer Eigenartspolitik rief. Er ist's, der allüberall im Hinterwald, wo der Katechismus die Grundlage der Boltsbildung abgibt, wo das Bollbier gegurgelt wird und das schöne Lied vom bayerischen Schwalangschör ertönt, treue Bayernherzen zu dem Schwur begeistert: Und a Kini muaß her 1 Und wenn's der Teifi gleich wär'. Aber das ist noch gar nichts. Der Otto von Tegernsee, der nicht von Tegernsee ist und Otto Hartmann heißt, ist nicht nur ein großer Politikus vor dem Herrn, sondern auch ein großer Denter und Dichter! Wer's nicht glaubt, lasse sich nur einmal von der Regensburger Berlagsanstalt vorm. J. G. Manz, deren Direktor der Herr Königliche Wirkliche Rat" Otto Hartmann ist, einen Prospekt schicken! Da fann er schwarz auf weiß lesen, daß die Bayern sich glücklich schäßen fönnen", baß fie unter den Männern echt deutschen, bajuvarischen Schrifttums geistige Reden besitzen, geistige Heroen, die mit ihrer erhabenen Poesie in der Bollwertigkeit des Lebens wurzeln", und daß einer dieser echt deutschen bajuvarischen Dichtergestalten ber allenthalben in weiten deutschen Landen bekannte Schriftsteller, der Königliche Wirkliche Rat Otto Hartmann ist", dessen Brachtwerte Waldeszauber", Im Sauber des Hochgebirges" und" Friedens gern? Dem Zustande formalen Rechts und fachlichen Unrechts setzt die Abfindung in Medienburg- Strelih die Krone auf. Dort find es riesige Summen, die sich die Erben des letzten, durch Selbst. mord geendeten Fürsten angeeignet haben. Die Prin all- effin Danilo von Montenegro, die Schwester des legten Fürsten, hat etwa 8 Millionen Mark davongetragen, droht Falle die Frage berechtigt fein, ob auch wohl ihr verstorbener Ge aber noch mit neuen Prozessen. Es möchte in diefem mahl, der Prinz Danilo, von seinen serbischen Stammesbrüdern in gleich generöser Weise abgefunden worden ist, als sie das montes negrinische Königreich und seine dortigen Einfünfte in ihren Besitz brachten. Kurz vor dem Tode des Fürsten Günther im vorigen Sommer ließ man den alten franken Fürsten ein Testament errichten, durch welches das gesamte Rammergut in ein Hausallod ver wandelt und die Fürstinwitwe als Erbin eingesetzt wurde. Auch bierbei hat wieder Profeffor Krüdmann mitge wirft. Hofmarschall v. Halem wurde zum Testaments. pollstrecker ernannt. Runmehr trat die Fürstinwitwe in die Prozesse ihres verstorbenen Mannes als Klägerin ein und verlangte die Rückgabe von 21 vorwiegend wertvollen Domänen und 18 000 Hektar Wald. Um dem Unfug die Krone aufzusehen, hat in dieser Woche auch noch der sogenannte Brinz Sizzo von Leuten berg, der als Nachfolger des finderlosen Fürsten in Aussicht genommen war, aber noch zu dessen Lebzeiten auf sein fogenanntes Thronrecht verzichtet hatte, den Staat Thüringen mit zwei weiteren Klagen heimgesucht Insgesamt schweben gegen Thüringen jett 25 Brozesse von angestammten Landesvätern", die sich alle noch aus der Not des Boltes bereichern möchten. dabei in die Hand! Und deutsch nationale Abgeordnete spielen ihnen Ein feltenes Urteil. Ceipzig. 8. Januar.( Tul.) Wie erinnerlich, Hat Bring Sig30 von Schwarzburg gegen das Land Thüringen einen Prozeß geführt, der dahin ging, daß alle mit dem früheren Fürsten von Schwarzquellen" bereits mit einer Gesamtauflage von mehr als 35 000 Bänden in der tünstlerisch geleiteten Berlagsanstalt 3. G. Manz erschienen feien! Wirklich schwarz auf weiß steht's so zu lesen von dem geistigen Reden", von dem Geiftesheros" mit erhabenen Poesien, von der echt deutschen, bajuvarischen Dichtergestalt" mit dem Zauber des Waldes und des Hochgebirges, der sein eigener, fünstlerisch leitender" Verleger und Reflamemacher ist! Da legft dich nieder, sagt man gern in Bayern in ähnlichen Fällen. Doch der geistige Rede denft damit gar nicht, auf diesen seinen Lorbeeren zu ruhen. Er legt vielmehr seine staunenden Zeitgenoffen vollends auf ihre vier Buchstaben durch die Lobeshymnen, die Kardinäle, Bischöfe, Generäle und Minister, Fürsten und Exzellenzen feinen Brachtwerfen" gespendet haben! Er überwältigt fie zu guter Letzt einfach durch den päpstlichen Gegen, der feinem„ echt deutschen bajuvarischen Schrifttum" geworden und vom Rardinalstaatssekretär Gafpart gegengezeichnet ist. Blut- Transfusionen. Kürzlich ist einem früheren Reichsminister, der noch heute einen hohen Berwaltungsposten befleibet, burch eine Blutübertragung das Leben gerettet worden, nachdem ihn die Aerzte bereits aufgegeben hatten. Durch diesen Borgang wird die Deffentlichkeit auf die noch ganz junge medizinische Praris der Blut- Transfusion hingelenkt. In London besteht schon seit einiger Zeit eine Vereinigung, die sich dem Roten Kreuz angeschlossen hat und die Bezeichnung Blut Transfusions- Dienst" führt. Ihre Mitglieder sind ausnahmslos frei willige, unbezahlte Nothelfer, die den Londoner Krankenhäusern jederzeit zur Verfügung stehen, wenn Blutspender benötigt werden. Die Uebertragung von Blut eines gefunden in die Adern eines tranten oder verunglückten Menschen ist besonders in England und Amerita schon sehr häufig durdygeführt worden, doch stand ihrer erwünschten Verbreitung und der vollen Ausnüßung ihrer segens. reichen Wirkungen der Umstand im Wege, daß sich nicht jederzeit rasch genug der passende Blutspender fand. Nicht jeder Mensch taugt hier für jeden anderen, und man tann nicht einfach einem halb aus geblutet in das Krankenhaus eingelieferten Patienten von irgend einem anderen Menschen entnommenes Blut einführen. Abgefehen davon, daß die Gefundheit des Blutspenders feststehen muß, gibt es auch vier vierschiedene Gruppen, in die man das Blut des Menschen einordnen fann. Jeder gehört also zu einer bestimmten Gruppe, und man darf ihm nur Blut der gleichen Gruppe einführen, sonst gerinnt das Blut, und der Empfänger geht zugrunde. Braucht also ein Londoner Spital einen Blutspender, fo ruft es einfach den Transfusionsdienst" an, und eine halbe Stunde später findet sich ein Mitglied der verlangten Blutgruppe ein bereit zur Blut ſpende. Alle diese Mitglieder versehen ihre Aufgabe ohne irgendein Entgelt; der Dienst" erseht ihnen nur ihre Auslagen. Von der Einrichtung ist bereits ein so eifriger Gebrauch gemacht worden, daß ein weiterer Ausbau notwendig geworden ist. In Berlin haben die Aerzte, die sich in großem Umfang mit der Blut- Transfusion beschäftigen, einen Aufruf an die Studentenschaft erlassen, und es sind bereits fehr reichliche Bluthergaben gesichert Geradezu grotest aber ist es, daß heute dem Lande MecklenburgStrelig ein neuer Prozeß angekündigt ist, in dem die Erben des letzten Fürsten die Berpflichtung, eine jährliche Apanage von je 20 000 2art den früheren mätreffen des vorlegten Großherzogs Atte, die zu dieser Berpflichtung geführt haben, als Regierungsafle zu zahlen, auf das Land abzuwälzen beabsichtigen. Inwiefern die zu bezeichnen sind, bleibt dem Fernerstehenden unerfindlich. Unerfindlich ist in Deutschland leider gar nichts mehr. Nachdem das deutsche Bolt bei seiner Revolution so nachfichtig gegen die ,, Landesväter" und ihre Sippe war, ist es begreiflich, wenn sie immer unverschämter werden. Württemberg für den Zollkrieg! Seine Regierung lehnt das Wirtschaftsablommen ab. In der gestrigen öffentlichen Plenar fizung des Reichsrates ist aufgefallen, daß der Vertreter Württembergs bei der Abstimmung über das vorläufige wirtidaftsablommen Awischen Deutschland und Spanien genötigt war, die Ablehnung durch seine Regierung befonders festzustellen. Württemberg, das Land der hauptsächlich auf den Export angewiesenen verarbeitenden Industrien gegen die Be endigung des Zolliriegee mit Spanten merkenswert! An der Spipe der württembergischem Regierung steht der Deutfcnationale Abgeordnete Bazille. das ist Bea Eine deutsch- polnische Verständigung. Jm Stadtparlament bon Bromberg ist es zum erstenmal zu einer deutsch- polnischen Ver ständigung gefommen. Die neue Mehrheit besteht aus den deutschen und den polnischen Freien Gewerkschaften und den volnischen Christlich Demokraten, die aufammen über 31 gegen 26 Stimmen, der Natio nalisten und der Radifalsozialisten verfügen, während sich die polnischen Sozialdemokraten neutral verhalten. Bei der Abstimmung ber den Stadtverordnetenvorsteher und den stellvertretenden Vors fißenden fowie den stellvertretenden Schriftführer wurden zwei Deutsche gewählt. worden. Für die Blutentnahme ist ein Tarif nach ameritanischem Muster festgesetzt worden. In Amerifa wird eine Bergütung von 50 Dollar für 1000 Gramm Blut gewährt. In Berlin ist ein Tarif von 100 Mart für 500 Gramm mehr wird in feinem Fall ent nommen eingeführt. Die Methoden der Blutentnahme find in letzter Zeit so verfeinert worden, daß einfach durch eine Hohlnadel das Blut entnommen und fast gleichzeitig in den Arm des Empfän gers eingeführt wird. Der medizinische Erfolg ist schon unmittelbar Danach in auffallendem Grade wahrnehmbar. Theaterftandal gefällig? Gewissen Rechtsblättern scheint eine Störung der Bo33et- Aufführung in der Staatsoper er wünscht, da ihnen die Oper unsympathisch ist. Beim Cotal. Anzeiger" erzeugte der Wunsch gleich das Fattum. Denn dieses Blatt meldete, die Aufführung hätte am Donnerstag nicht zu Ende geführt werden fönnen wegen der Störungen, die das Drchefter mit vorzeitigem Schluß beantwortet hätte. Wie aus dem Staatstheater mitgeteilt wurde, ist diese Meldung falsch. Die Oper wurde traz Mißfallausrufen unter Dvationen zu Ende geführt. Staats- und Berliner Stadtoper. Die Berhandlungen zwischen Staat und Stadt Berlin haben, wie der Amtliche Preußische Breffe dienst mitteilt, in der Frage der Personalunion praktische Schwierig feiten ergeben, so daß von einer solchen abgesehen werden soll. Dagegen werden die Berhandlungen über eine Intereffen. gemeinschaft fortgesetzt. Die Staatsoper hat Bufonts Faust" angenommen. Aufführung wird unter Leitung von Erich Kleiber und Franz Lud. wig Hörth zu besonderer Gelegenheit im Frühjahr 1927 stattfinden. Kinderelend in Sowjetrußland. Frau Krupstaja, Lenins re polutionäre Witwe", richtet in der„ Prawda" scharfe Angriffe gegen das russische Boltsbildungskommiffariat. Sie erklärt, daß die Kinder in den Asylen zu förmlichen Banditen erzogen werden. In den Straßen Mostaus irren 80 000 Bettler umber und werden von der Miliz wie tolle Hunde gejagt, aber auch auf die vagabundierenden Kinder, die die Straßen füllen, wird Jagd gemacht. Diese Kinder". fagt Frau Krupstaja, find aber nicht das Produkt früherer Mißstände, sondern ein Brodukt der Gegenwart der Arbeitslosigkeit und vor allem der bäuerlichen Berarmung. Man fängt die Kinder ein und stopft sie in Asyle, die mit ihrer stinkenden, übelfelterregenden Atmosphäre die Kinderfeele abtöten. Aus diesen Engelfabriken" brechen die Kinder genau so aus wie die Verbrecher aus den Kertern und streben nach dem Süden, wo es warm ist, wo aber auch wieder genau so Jagd auf sie gemacht wird. Wieder werden sie in asyle gesperrt, und aus diesen Schredensorten brechen schließlich nicht nur die Kinder aus, sondern auch die Verwalter der Alple, die nicht mehr imftande find, dem Elend länger zuzuschauen. Und solcher vertierter, verwilderter Kinder gibt es Hunderttausende. hat die Gründung einer Akademie nach Pariser Vorbild mit dem Sit in Grünburg einer italienischen Afademie. Der italienische Ministerrat Nom im Balazzo Giustiniant beldloffen Sie wird reichlich mit Staatsmitteln ausgestattet und foll 60 Mitglieder umfaffen, die auf Lebenszeit gewählt werden. Als die ersten Mitglieder werden d'Annunzio und Marcout genannt. Knappschaftsversicherung. Neuregelung der Knappherung Banknotenfälscher und Hakenkreuzler. des Reichswirtschaftsrats. Der sozialpolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschafts. rates hat sich in den letzten Wochen mehrfach mit dem Entwurf eines Gesetzes über Abänderung des Reichstnappschaftsgefeges beschäftigt. Auf Grund der von einem Sonderausschuß geleisteten Borarbeit hat der Ausschuß am Donnerstag sein Gutachten in einer Anzahl von Entschließungen niedergelegt, die der Reichsregierung unmittelbar überwiesen wurden. Die Unterdrückung der Wahrheit beginnt schon. Budapest,&. Januar.( WTB.) Auf Veranlassung der erreichen. Da Windischgrät selbst nicht über eigene Mitfel in Un „ Rassenschüßer" ist das Oppofitionsblatt Bilag wegen angeblicher garn verfügt, so ist die Verwunderung über sein Angebot doppelt Beleidigung des Horthy auf 8 Tage verboten worden. Aus den Entschließungen geben wir folgende wichtige Bestim Wien, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die ungarische Regiemungen wieder: Die der Errechnung der Rente zugrunde zu legen- rund ist eifrig bestrebt, die Standalaffäre als die Handlung einer den Beiträge sind vom Reichstnappschaftsverein einheitlich in Brnach Geld trachtenden, verlumpten Gesellschaft hinzustellen. zentfägen von insgesamt fünf Lohntlassen, von denen der einzelne Jn leflichkeit waren Windischgräh und Konjorten auch im poliAnappschaftsverein je nach der Höhe der in seinem Bezirt üblichen tischen Leben des ungarischen„ Königreichs" fehr stark tätig. Es dürfte Löhne drei auswählt, zu erheben. Als Mindestpension find 60 Stei- überhaupt faum eine politische Interige geben, an der gerade gerungsbeiträge zu gewähren. Der Berufsunfähigkeit ist gleich Windischgräh nicht beteiligt war. Neuerdings wird bekannt, daß zuachten die Erreichung des 50. Lebensjahres, wenn dieser Hochstapler vor faum zwei Jahren auch jene Dokumente gegleichzeitig mindestens 300 Beitragsmonate und bavon min fälscht hat, auf Grund deren die Regierung der Bereinigten Staaten destens 180 Monate wesentlich bergmännische Arbeit nachgewiesen die Einreise der Gräfin karolni verbot. Der amerikanische find. Soweit Versicherte 180 Monate wesentlich bergmännische Senator Borah ist von diesen Tatsachen inzwischen in Kenntnis Senator Borah ist von diesen Taffachen inzwischen in Kenntnis Arbeit nicht nachweisen tönnen, erhöht sich die Altersgrenze auf gefeht worden, während Gräfin Karolyi ihren New Yorker Anwalt 55 Jahre. mit der Durchführung eines Revisionsverfahrens beauftragt hate Weiter heißt es in den Entschließungen: Durch das Reichsknapp. schaftsgesetz vom 23. Juni 1923 find dem RKB. unvorhergesehene Lasten erwachsen. Um die im Zeitpunkt des Infrafttretens der Novelle bestehenden Renten- und Anwartschaftslaften zu erleichtern, ist hierfür aus Reichsmitteln eine entsprechende Beihilfe zu gewähren. Soweit hierdurch die verbleibende Mehrlast auf Grund der alten Renten und Anwartschaften nicht aufgehoben wird, hält der Arbeitsausschuß eine Verkürzung der laufenden Renten und Anwartschaften bis zu folgendem Ausmaße notwendig: a) Rückwirkende Berechnung der Renten und Anwartschaften dergestalt, daß für jedes Dienftjahr 1,5 Broz. des betreffenden Hauerdurchschnittslohnes in Anrechnung gebracht werden, b) Kürzung der Alterspension bis 80 Proz der erdienten Rente. Soweit die Angestellten pensionstaffe in Frage tommt, heißt es in der Entschließung: Lebensalter und Dienstalter find für die Alterspension der Angestellten wie in der Arbeiterfasse zugrunde zu legen. Der Anfangsbetrag der Alterspension für An gestellte soll ebenfalls auf 80 Proz. festgelegt werden. Höchft. begrenzung beim Zusammentreffen mehrerer Renten soll wie bei der Arbeitertaffe geregelt werden. An einer Reichsbeihilfe für die Gegenwartslaft ist die Angestelltenfasse nach den gleichen Grundsätzen zu beteiligen wie die Arbeiterkaffe. Weiter erkannte der Ausschuß die Berechtigung des Wunsches eines Teiles der Industrien der Steine und Erden an, wieder aus der Knappschaft ausscheiben zu können. Als Voraussetzung für ein solches Ausscheiden hält der Ausschuß es für nötig, daß vorher zwischen dem ausscheidenden Teil und dem Reichstnappschaftsverein über die beiderseitigen Berpflichtungen aus dem bisherigen Ber. ficherungsverhälmis eine Regelung getroffen werden muß. Dollaranleihe in Anhalt. Erklärung des Ministerpräsidenten. Deffau, 8. Januar.( WTB.) In der heutigen 2andtags. figung teilte Minifierpräsident Deist mit, daß es dem Staats. minifterium während der letten Tage des alten Jahres gelungen fet, in Berlin durch Vermittlung des Hamburger Banthauses Warburg eine 21 Millionen Dollar Anleihe lang fristig zu 7 Prog. bei einem Auszahlungsfurfe von 91,35 abzu schließen. Ferner fei es gelungen, langfristig für die Sala werte at Miionen aus der Kalianleihe und eine Million von der Reichsversicherung zu erhalten. Damit seien die turz fristigen Schulben des Staates tonsolibiert, deffen Abschluß kein Defizit und dessen Haushalt leinen Fehlbetrag auf weife. Das Vermögen des Staates betrage 250 bis 300 Millionen. Das Ministerium dente nicht daran, sich Breußen an. auschließen, dessen finanzielle Berhältnisse nicht besser lägen, als die anhaltischen. Die Entschädigung der Auslandsdeutschen. Neue Verhandlungen im Reichstage. Dem Reichstag ist fürzlich eine Uebersicht über das Rachentschädigungsverfahren für die Zeit vom 1. April bis zum 31. Ottober 1925 zugegangen. Nach den Angaben der Ueber sicht haben die gesamten Aufwendungen für die Durchführung dieser jogenannten Zwischenaktion bis zum 31. Oftober 1925 rund 163 millionen Mart betragen. Und zwar sind gewährt worden für 104 620 Nachentschädigungsfälle zufammen 128,4 MilHonen Mart. Für sogenannte Nachentschädigungs bethilfen in 1359 Fällen zusammen 124 217 Mart und für Wertpapier Nachentschädigungen in 3562 Fälien insgesamt 5,3 Millionen. An Darlehen wurden ausgezahlt rund 29,3 Millionen Mart. Die Zahl der durch Bewilligung oder Ablehnung bis zum 31. Oftober erledigten Dahrlehnsfälle beträgt 1008 donde só In einer Dentschrift der Organisation der Liquidationsgeschädigten wird die langfame Durchführung des Nachentschädigungsverfahrens fritisiert. Auch wendet sie sich dagegen, daß in letzter Zeit die Haltung der Entschädigungsbehörden wesentlich schärfer geworden set. Ferner fordern die Organisationen erneut die Gewährung weiterer Entschädigungen an die Mittelstands geschädigten, sowie Fürsorgemaßnahmen für die fleingeschädigten Alten, Gebrechlichen und Erwerbsunfähigen, die zum Teil auch im Nachentschädigungsverfahren leer ausgegangen find. Zum Schluß wird die Forderung erhoben, nunmehr die gesetzgeberischen Borarbeiten für die abschließende gefeßliche Regelung des ganzen Entschädigungsverfahrens einzuleiten. Dir Organisationen der Geschädigten haben den Präsidenten des Reichstags gebeten, den Entschädigungsausschuß des Reichstags baldigst zusammenzuberufen. Es ist an. zunehmen, daß diesem Wunsche stattgegeben wird, und daß der Reichstag fich in nicht allzuferner Zeit erneut mit der Frage der Entschädigung der Auslandsdeutschen beschäftigen wird. wird. Die Sozialdemokratie wird sich dabei in erster Linie der In teressen der in bitterster Not lebenden Kleingeschädigten annehmen. Wenn auch die Finanzlage des Reiches gewisse Schranken zieht, so fann man doch unmöglich angesichts des gewaltigen Entgegen tommens des Reichs an die Ruhrindustriellen und andere große Kapitalisten den fizineren Ansprüchen eine stritte Ablehnung zuteil werden laffen, wie das der Absicht der Reichsregierung zu entsprechen scheint. Militärfrife in Belgien. Die Times" meldet aus Briel: In gutunterrichteten Kreifen wird seit einiger Zeit mit der Möglichkeit des Rüdtritts des Ministers für nationale Verteidigung, General Kestens, und mit einer sich aus diesem Rücktritt ergebenden teilweisen Ministerfrife gerechnet. Dem Berichterstatter des Blattes aufolge beabsichtigt Reftens, an feinen Vorschlägen hinsichtlich der Dauer der Militärdienstzeit festzuhalten. star Die Untersuchung in Budapest. Budapest, 8. Januar.( Elgener Drahtbericht.) Die Verhaftungen in der Geibfälscheraffäre häufen sich Bisher figen 11 Bersonen, die in engster Beziehung zu den führenden politischen Kreisen des Horthy Regimes stehen, hinter Schloß und Riegel. Das größte Aufsehen hat die Verhaftung des Vizepräsidenten des ungarischen Nationalver bandes und des Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen, bereien steht. Er gilt allgemein als der Haupttreiber für die AusSzörtsen, erregt, der im Mittelpunkt der monarchistischen Treis bereien steht. Er gilt allgemein als der Haupttreiber für die Ausrufung des Erzherzogs Albrecht zum König von Ungarn. Albrecht hatte vor einiger Zeit das Präsidium des Nationalverbandes übernommen. Jegt allerdings erklärt er, daß er mit dem Verbande nichts zu tun gehabt habe. Verhaftet ist auch der Bruder des in Holland festgenommenen Obersten Santowitsch, sowie der Sohn des früheren Ernährungsministers Polnay. Der verhaftete Güterdirektor des Prinzen Windischgräß hat mitgeteilt, daß der Prinz 30 Millionen Frant in italienischen hat mitgeteilt, daß der Bring 30 Millionen Frant in italienischen Banten liegen habe. Der verhaftete technische Beamte des fartographischen Instituts gab bei seinem Berhör zu, insgesamt 25 000 Tausendfranknoten hergestellt zu haben. Man sei durch hoch stehende Bersonen an ihn herangetreten mit der Frage, ob er sich für den Drud der falschen Noten hergeben wolle; es liege im nationalen Interesse, Frant reich finanziell zu schädigen. Brinz Windischgräß war schließlich persönlich zu ihm gekommen und habe seine letzten Bedenken zerftreut mit der Erflärung, daß es fich um einen patriotifen treut mit der Ertlärung, daß es fich um einen patriotismen 3wed handle. Auch der Polizeichef wisse davon, und er, Windisch 3wed handle. Auch der Polizeichef wisse davon, und er, Windisch gräß, verbürge fich dafür, daß die Sache nicht heraustomme. Tatsächlich haben auch Windischgräß und Radoffy bei ihrem Verhör Tatsächlich haben auch Windischgrät und Nadossy bei ihrem Verhör als ihre Auffaffung ausgesprochen, man dürfe Frankreich gegen über in den Mitteln nicht wählerisch sein, weil Ungarn den Franzosen den Berlust von zwei Dritteln seines Gebietes verdanke. Den Bertrieb der gefälschten Banknoten hatte in erster Linie Mar. hoofty organifiert; er, wie feine engsten Mitarbeiter, find bereits festgenommen. Gegen die Abg. Ulain und Edardt hat die Staatsanwaltschaft Anflage erhoben, weil sie die Fälscher ver. herrlicht haben. Immer flarer wird es, daß zwischen den ungarischen Banknotenfälschern und den deutschen das Hatenfreuglern enge Beziehungen bestanden haben. Es fann feinen Zweifel mehr unterliegen, daß nicht nur die Druckmaschinen zur Herstellung der falschen Noten aus Deutschland geliefert waren, einwandfrei steht auch fest, daß das Papier für den Notenbrud deutschen Ursprungs ist. Windisch gräz hat es sich in Deutschland in Verbindung mit bayerischen Safenfreuglern verschafft. Sie waren in das Geheimnis der Bank. notenfälschung und in den Zweck der Papierlieferungen einge. weiht. Bindischgrät soll das bei seinem Berhör offen ertlärt haben. Die fozialdemokratische Nepszava"( Boltsstimme) macht am Freitag in einem Aufruf bekannt, daß die sozialbemotra. tische Frattion fofortige Einberufung der Nationalversammlung verlangt, jedoch die notwendigen 50 Unterschriften nicht aufgebracht habe, ba fie bei ben anderen Oppofitionsparteien teine Unterstützung da fand. Der Aufruf fagt, daß das gegenwärtige Regime in Ungarn für die Fälschungen verantwortlich gemacht werden müffe. Dieses System müsse gestürzt werden, zumal von ihm schon früher eine Reihe von Berbrechen ausgegangen oder verübt morden fei. Die Sozialdemokratie fordert daher die Regierung auf, von ihrem Blage abzutreten, und einem anderen System zu weichen. Das neue Regime müsse zunächst an Stelle des Reichs verwesers einen Staatsrat sehen und nach Durchführung der Wahlreform Neuwahlen ausschreiben. Unter den führenden Persönlichkeiten, die am Freitag vernommen wurden, war auch der Feldbischof 3abravetfch. Er mußte zugeben, von den Absichten der Windischgräh und Genoffen Kenntnis gehabt zu haben. Bon jeder weiteren Mit wirtung habe er sich aber angeblich zurüdeezogen, als er die Mittel erfuhr, mit denen das politische Ziel der Monarchisten erreicht wer den sollte. Im Laufe des Freitag wurde auch der rechtsradikale Bandenführer Gömbös vernommen. Er bestritt jede Beziehung zu den Fälschern. Die Polizei erklärt, daß sie ihre aufffärende Täigfeit am Frei tag abschließen zu können hofft und am Sonnabend ihre Atten der Staatsanwaltschaft übergeben werde. Wie verlautet, hat Prinz Ludwig Windischgrät der Staatsanwaltschaft eine Raution von 3wei Milliarden Kronen angeboten, um seine Freilaffung zu Wirkungen des Thronverzichtes. Bildung eines Oppositionsblocks in Rumänien. Bukarest, 8. Jamuar.( EP.) Infolge des Thronverzichtes des Prinzen Carol ist zwischen den Oppositionsparteien die Bildung einer Einheitsfront erfolgt. Die Bauernpartei und die Nationale Partei haben sich in Berhandlungen der letzten Tage so weit genähert, daß die Bildung eines Oppofitionsblodes gegen die Regierung Bratianu bevorsteht. In einer Sigung des Erefutiv. fomitees der Nationalen Partei hat Professor Jorga pie 2er ständigung mit der Bauernpartel befannt gegeben. Eine demokratische Regierung der festen Hand" set nur auf Grund einer Koalition mt den Bauern möglich. Ich bin ein treuer Anhänger meines Königs, aber ein rebellischer Untertan des Monarchen Bratianu," fagte Jorga. Maniu beschuldigte die Regierungspartei, die politische Dekadenz des Landes verschuldet zu haben. Prof. Jorga ift. nach Paris abgereift. Er teilte im Adeverul" mit, daß er im Frühjahr nach Bukarest zurückkehren werde. Neuer Umschwung iu China. Nach Feng tritt auch Tschang Tso Lin ab. London, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Aus Beling wird gemeldet, daß der General Tschang Tso Lin durch starten diplomatischen Drud Japans genötigt worden ist, fein Kommando groß a Die Fälschung tschechischer Noten. Prag, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die bei farpa. thorussischen Führern am Donnerstag und Freitag vorge. nommenen Haussuchungen sollen zu interessanten Ergebnissen geführt haben. In dem Bureau des Zentralfetretärs der madjarisch chriftlichsozialen Partet wurden große Mengen Dollars ge funden, ein früherer Oberst befand sich im Befig eines Sparfaffen. buches über 150 000 tschechische Kronen. Die madjarischen Barteien follen in Karpatho- Rußland ungeheure Ausgaben für ihre Organisationen gemacht haben, ohne irgendwelche Einnahmen ver zeichnen zu fönnen. Mitgliedsbeiträge wurden angeblich überhaupt nicht erhoben. Die Gehälter der Funktionäre feien nachweislich durch Bermittlung einer Bant des Senators Egry und des Abgew ordneten Korlat gezahlt worden. Als die Budapester Standafaffäre befannt wurde, reiste Korlat sofort nach Ungarn. Er soll sich dort in Sarospatat, wo das Schloß des Prinzen Windischgräk steht, aufhalten. Auch Egry weilt in Ungarn. Die weiteren Unterfuchungen ergaben u. a., daß der ungarische Wehrminister Chafi fich fehr für Karpatho- Rußland intereffierte und wiederholt Besprechun gen mit den madjarischen Barteien der Tschechoslowakei hatte. Die Blätter behaupten, daß unter Leitung des Grafen Perenn 60 000 tschechoslowakische 500- Kronen- Roten fertiggestellt worden find. Sie Die eigentliche Fälschung tschechischer Noten soll in drei Phasen, und zwar 1919 bis 1921, erfolgt sein. 1919 find bereits in Wien große Mengen tschechoslowakischer Noten mit hervorragend gut nach gealymten Stempeln in den Berkehr gelangt. Die Stempel zu diesen Fälschungen sind nach den bisherigen Feststellungen in ungeheuren Mengen aus Budapest bezogen worden. Ein Jahr später tauchten wieder gefälschte tschechoslowakische Hunderttronennoten auf. wurden zu einem großen Teil unter Benukung falscher Bifen in die Tschechoslowakei befördert und dort benugt. Später soll es den Tätern gelungen fein, weitere Banknoten so hervorragend herzustellen, daß selbst der Verkehr mit Banthäusern möglich wurde. Die Falsifikate find angeblich in der ungarischen Lithographt. ichen Gesellschaft auf Veranlassung der Buda. pefter Propagandakanzlei hergestellt worden. Es han belt sich um 500- Kronen- Noten, die u. a. in Rumänien im Jahre 1920 vertrieben murden. Als Haupt der Fälscherbande wird von den amtlichen tschechischen Stellen ein hoher Beamtes im ungarischen Kriegsministerium betrachtet. Ende Juni gelang es der Wiener Polizei, mehrere Bersonen bei dem Verfuch zu verhaften, in Wiener Geschäftshäusern eine größere Menge dieser Falschnoten einzuwechseln. Unter ihnen be fand sich auch der jetzt in Budapest verhaftete Profeffor Mezarafa Als technische Hersteller wurden drei Personen, sämtlich aus Buda pest stammend, festgestellt. Es gelang ihnen jedoch, nach Ungarn zu entfliehen. Auf Ersuchen der Wiener Polizei wurden später awei Fälscher in der ungarischen Hauptstadt festgenommen. Die Untersuchung führte damals der jegt in Haft befindliche Landes polizeichef Nabossy. Welch Wunder, wenn die Aktion plöglic aus Mangel an Beweisen eingestellt murde? Am 5. Juli 1921 berief Nadoffn die Pressevertreter zu sich und teilte ihnen mit, daß die Untersuchung ergebnisios geblieben sei und eingestelli wurde. E machte gleichzeitig darauf aufmerksam, daß jede öffent liche Erörterung dieser Angelegenheit die staatlichen Intereffen schädigen könne. Auch das in Wien geführte Strafverfahren gegen Prof. Mezarosz murde im Dezember 1921 eingestellt. Was wird Briand tun? Paris, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In der Angelegenhei der ungarischen Fälschung französischer Banknoten hatte sich die fran öfifche Regierung bisher außerordentliche Zurückhaltung auferlegt obmohl die Meldungen über die Fälschungen in der öffentlichen Meinung Frankreichs Erregung auslöften. Noch zu Begin biefer Woche hat die Regierung die Gerüchte, die ihr die Absicht einer diplomatischen Aktion gegentiber Ungarn zufchrieben, fategorisch de mentiert und der Ueberzeugung Ausdrud gegeben, daß die ungarisch Regierung in feinem direffen oder indiretten Zusammenhang mit der Angelegenheit stehe. Die Geständnisse der Verhafteten, durd die eine ganze Reihe höchstgestellter Bersönlichkeiten, ja mehrerei Mitglieder der ungarischen Regierung aufs stärb fte tompromittiert sind, dürsten jedoch nicht ohne Rüdmir tung auf die Haltung Frankreichs bleiben. Im französischen Aus wärtigen Amt wurde am Freitag erflärt, daß wenn die neuester Einzelheiten eine authentische Bestätigung erhalten sollten, die fran zösische Regierung ernstlich den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Ungarn. ins Auge faffen müsse. Darüber hinaus wird bekannt, daß die tschechoslowatische Regierung in Baris offiziell als ihre Ab ficht bekanntgegeben hat, die Fälscheraffäre vor das Forum des Völkerbundes zu bringen und schärfste Santtionen gegen Ungarn zu beantragen. Uebrigens soll die französische Regierung bereits Do1 1% Jahren durch Geheimberichte eines politischen Agenten Do Borbereitungen zur Fälschung französischer Banknoten Kenntnis erhalten haben. Die vom Fürsten Windischgräß gemachte Aus sage, daß er sich von dem Beispiel Pitts habe leiten lassen, der der Kampf gegen die französische Revolution auch mit dem Mittel der Affignatenfälschung geführt habe, wird hier dahin ausgelegt, daß die ungarischen Nationalisten es offenbar darauf abgesehen hatten Frankreich durch einen starten Druck auf seine Währung inner Schwierigteiten zu bereiten und es dadurch außerstande zu fegen, im Falle einer monarchistischen Restauration in Ungarn ein zugreifen. niederzulegen und jede politische Tätiglett aufzugeben. Es soll damit erreicht werden, daß eine Zitilregierung in China herrschen fann. Der Reichsverweser Tuan- Tschi- Dui hat am Donnerstag abend an die einzelnen Provinzen ein Rundtelegramm gesandt, in welchem auch er feinen Rüdtritt zum 15. Januar ankündigt, um die Regierungsgewalt dem chinesischen Kabinett zu übergeben Dadurch ist jetzt der Baden für eine parlamentarische Re gierung in China vorläufig geebnet. Die Mächte sollen sich auch bereiterklärt haben, eine Zivilregierung durch finanzielle Beihilfe zu unterstützen, ebenso follen fie bereits den Bezzidit auf die Sonder rechte der Fremden in China zugesichert haben. Der Mordprozeß vor dem Schwurgericht München, der nach 6% Jahren endlich die Sühne für die grundlose und bestialische Erichießung Der 12 Berlacher Arbeiter am 6. Mai 1919 im Münchener Hofbräuhausteller bringen soll, beginnt am Mittwoch, ben 13. Januar. Angeflagt find die ehemaligen Ange hörigen des Freikorps Lügow, der verheiratete Raufmann und Leutnant der Reserve Georg Bölzing, Teltow- Berlin, unt der verheiratete Kaufmann und ehemalige Feldwebel Erich Brü fert, Berlin. Die Erschießung wurde von einer Abteilung des Freiforps Lützow unter dem Kommando Prüferts ausgeführt, ben, Befehl dazu hatte Pölzing gegeben. Die Anflage lautet auf Ber. brechen des zwölffachen Mordes. Prüfert wird von Rechtsanwall Dr. Bandorf Minchen, Bölzing von Justizrat Dr. Alsberg. Berlin, verteldigt. Die Zahl der gelabenen Zeugen beträgt bis jetzi rund 70. valgusrine Schafft Arbeit! mstonimoa Arbeitslosenunterstügung und Arbeitsbeschaffung. Das Sentralproblem einer wirksamen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist die Beschaffung von Arbeit. Die Unterstützung soll nur seine Arbeitsfähigteit erhalten. Daraus ergibt fich aber auch, von welch entscheidender Bedeutung eine aus reichende Arbeitslosenunterstügung ist. Die Richtlinien der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Wirtschaftspolitik betonen deshalb mit allem Nachdrud, daß die So. zialpolitit, vor allem in der Form einer über das heutige Maß erheblich hinausgehende Arbeitslosenunterstügung eine ganz überragende Bedeutung hat. Sie ist nicht nur als eine Wohlfahrtsmaßnahme, sondern in erster Linie als eine probuftionspolitische Maßnahme zu betrachten, eine foziale und ökonomische Schuldverpflichtung, mit der eine Wirtschaft sich das Recht ihres Aufstiegs erkauft. Wenn wir immer wieder auf diesen entscheidenden Zusammenhang hinweisen, so deshalb, weil es an dieser Erkenntnis leider in weitem Umfange noch fehlt. In den nächsten Tagen wird der Kampf um die von uns geforderte Erhöhung der Arbeitslosenunterſtügung wieder scharf entbrennen. Der Soziale Ausschuß des Reichstags wird am Montag zusammentreten. Mit allem Nachdruck wird sich die sozialdemokratische Fraftien für die Berwirklichung ihrer For derungen einsetzen. Daß der Kampf ein schwerer sein wird, haben Die letzten Auseinandersetzungen und das Berhalten der bürgerlichen Parteien wie der Rechtsregierung gezeigt. Doch es tommt nicht nur allein auf die dringend notwendige Erhöhung der Unterstügung und der damit im Zusammenhang stehenden Fragen einer gerechten Laftenverteilung an. Noch wich tiger find jene Maßnahmen, deren Ziel die Behebung der Arbeitslosigkeit durch Beschaffung von Arbelt ist. Das ist eine Frage der Organisation der Produktion. So un bestreitbar es ist, daß das Arbeitslosenproblem unlösbar mit dem Papitalistischen Wirtschaftssystem verbunden ist, darf diese Feststel. lung doch nicht zur Tatenlosigkeit führen. Die Richtlinien der sozialdemokratischen Reichtsagsfrattien zur Wirtschaftspolitik sehen deshalb als Notmaßnahme die Organisierung umfangreicher produttiver Erwerbslosenfürsorge vor und fordern darüber hinaus eine auf weite Sicht angelegte Wirtschaftspolitit. gestellten und geplanten Arbeiten schleunigft in Angriff nehmen laffen. Durch das Reichsausgleichsgefeg find allerdings den Gemein den große Einnahmen entzogen worden. Nicht genug damit, wurde auch den Gemeinden die Aufnahme von Auslandskrediten ungeheuer erschwert. Es muß mit allem Nachdruck einmal darauf hingewiesen werden, daß dabei der Reichsbankpräsident Dr. Schacht eine geradezu verhängnisvolle Rolle spielt. Sein Ber halten führt praktisch zu einer Verschärfung der Arbeits. losentrife. Schacht vellstreckt bereits, im Grunde genommen, was nach dieser Richtung hin die Denkschrift des Reichsverbandes der deutschen Industrie Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitit" fordert. Reich, Länder und Gemeinden tönnen jedoch nur dann die ihnen obliegenden Aufgaben zur Lösung der Arbeitslosenkrise erfüllen, wenn ihnen die ausreichenden Mittel zur Verfügung gestellt mer. ben. Deshalb ist gerade der umgekehrte Weg, wie ihn Schacht geht und die Denkschrift des Reichsverbandes fordert, der richtige. Auch hier handelt es sich, wie es in unseren Richtlinien heißt, um eine mit der eine aufblühende Wirtschaft sich das Recht ihres ungehemm. ötonomische Schuldverpflichtung, ten Aufstiegs erkauft. Daß dieser Weg beschritten wird, dafür werden wir uns mit aller Entschiedenheit einsetzen. Entlaffungen und Ueberstunden. 1. Februar wird mit weiteren Arbeltereinstellungen gerechnet, falls nicht durch den Streit zwischen Berwaltung und Opposition eine Berzögerung der beschlossenen Fufion eintritt. Nahezu 40 000 in Röln. Köln. 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitsmarkt lage in Köln hat sich seit Ende Dezember weiter in fatastrophaler Beise verschärft. Bis zum 8. Januar waren bei dem Kölner Arbeitsnachweis 38 240 Arbeitslose gemeldet. Davon waren 82 491 männliche. 22 831 Personen find Barmittelempfänger. Die meisten Arbeitslosen entfallen auf das Metallgewerbe, dann folgen Holzgewerbe und Kaufleute. Bemerkenswert ist, daß der Gegensatz zu früheren Krisenperioden diesmal der Zugang an gelernten Arbeitern befonders groß ist. Man rechnet allerdings in majgebenden Kölner Wirtschaftskreisen mit einer langsamen Befferung der Lage. Die Neuanmeldung von arbeitslos werdenden Personen hat gegen Mitte Dezember erheblich nachgelaffen. Neuer Tarifvertrag im Versicherungsgewerbe. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Die Abstimmung unter den Mitgliedern des 8dA. über die beiden Schiedssprüche vom 19. Dezember 1925, mit denen befanntlich den Parteien ein neuer Reichstarifvertrag für das Jahr 1926 und eine Erhöhung der Gehälter ab 1. Januar um 4 Proz. vorgeschlagen wurde, ergab eine überwiegende Mehrheit für die Annahme beider Schiedssprüche. Die anderen beiden am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften haben ebenfalls den erfolgte gleichfalls die Zustimmung mit dem Vorbehalt, daß die Schiedssprüchen zugestimmt. Vom Arbeitgeberberband deutscher Versicherungsunternehmungen vom Vorfizenden, Reichswirtschaftsgerichtsrat Dr. Königsberger, im Schiedsverfahren in Aussicht genommene Festlegung des genauen Wortlautes der neuen Tarifbestimmungen erfolgt. Geplanter Gagenabban in den Theatern. Berliner Obleute der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger Der Verband Berliner Bühnenleiter ist vor einiger Zeit an die mit einem Schreiben herangetreten, das einen allgemeinen Gagenabbau verlangte. In dem Antwortschreiben der Obleute heißt es: Die Mitglieder lehnen es ab, von ihren vertraglichen Rechten abzugehen, sie betonen jedoch ausdrücklich, daß aus dieser Ablehnung feineswegs eine geringere Verbundenheit mit dem Schicksal des Berliner Theaters und darüber hinaus mit dem Theater des Reichs gefolgert werden darf, als die Berliner Theaterleiter fie für sich in Dazu Gehalts- und Lohnfürzungen. Seit zwei Jahren ist die Arbeitsmarktlage für Angestellte, und zwar besonders für taufmännische und Bureauangestellte, außer ordenlich schlecht. In den letzten Wochen hat sich die Krise verschärft. Es sind soviel Kündigungen und Entlassungen vorgenommen worden, daß die Zahl der Stellenlosen, die nach der Erhebung am 16. Juli rund 67 000 betrug, die Biffer von 100 000 weit übertreffen dürfte. Die Ursachen der Kündigungen und Entlassungen einer großen Zahl von Angestellten liegen ficher zum Teil in den außer Kauftraft, der herbeigeführt ist durch eine falsche Lohnpolitik der ordentlichen schwierigen Geldverhältnissen und in dem Mangel an Unternehmer. Darüber hinaus aber ist der Eindruck nicht wegzu wischen, daß über das Maß des Notwendigen hinaus Ründigungen und Entlassungen vorgenommne worden sind zur Erreichung eines bestimmten Bieles. Dieses Ziel der Unternehmer besteht in der Sabotage des Tarifvertrages, der Herabdrudung der Gehälter und einer Berlängerung der Arbeitspieler und ihrer Vertretung geschaffen worden. Der Verfall des zeit. Der in Zeiten gewaltiger Arbeitslosigkeit am stärksten zutage tretende Widersinn fapitalistischen Produzierens und das Nachdenten über diesen Biderfinn wird wesentlich dazu beitragen, die Kräfte für bie Ueberwindung dieses unerträglichen sozialen Zustandes Anders ist es nicht zu erflären, wenn z. B. durch die Ma. freizumachen. Auch dem Einfältigsten wird klar, daß ein Wirtschafts- schinenfabrit Eßlingen nach Kündigung sämtlicher Ange ſyſtem am Ende seines Lateins ift, wenn auf der einen Seite Millionen nicht über die notwendigste Nahrung und Kleidung verfügen und auf der anderen Seite ein ungeheures Arbeitslosenheer besteht, dessen Arbeitsleistung notwendig ist, um die Lebenshaltung erträg licher zu gestalten. Es ist eine alte Erfahrung, daß Zeiten der Arbeitslosigkett Zelten der Demoralifafion find. Auf dem Arbeitslejen laftet nicht nur die große Sorge, wie er den notwendigsten Lebensunterhalt für sich und die Seinen be streiten fann, er ist auch einem ungeheuren seelischen Drud aus. gesetzt. Diese Begleiterscheinungen förmen mir durch Arbeitsbe. fchaffung wirtfam betämpft werden. Die Organisierung umfangreichster produttiver Not. standsmaßnahmen steht hier an erster Stelle. Reich, Länder und Gemeinden müssen gerade in dieser Zeit zurüd. gestellte und geplante Arbeiten in Angriff nehmen; Reichsbahn und Reichspoft müffen bas gleiche tun. Die Durchführung wichtiger Kanalbauten und Bodenverbesserungsarbeiten vermögen eine erhebliche Anzahl von Arbeitskräften zu beschäftigen. Allerdings sollten diese Aubeiten nicht in dem bisherigen Sinne der produktiven Erwerbslosenfürsorge organisiert werden. Durch diese Form wird sowohl die Mittelaufbringung in erheblichem Umfange beschränkt wie auch die Arbeitsleistung in unerwünschter Weise be einträchtigt. Die Verordnung über Erwerbslosenfürserge bestimmt in threm § 32, daß der Reichsarbeitsminister zur Unterstügung von Maß nahmen, die geeignet sind, den Abbau der Erwerbslosenfürsorge zu fördern, insbesondere zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für die Erwerbslosen, Darlehen oder Zuschüsse aus Mitteln der Er werbslosenfürsorge bewilligen tann. Die Darlehen und Zuschüsse bestimmen sich in ihrer Höhe nach der Zahl der Bersonen, die durch diese Maßnahme der Erwerbslosenfürsorge entzogen oder fernge halten werden. Die Bewilligung von Reichsmitteln verpflichtet bas Land, den gleichen Betrag aus eigenen Mitteln zur Unterstüßung ven Maßnahmen aufzuwenden, die geeignet sind, den Abbau der Erwerbslosenfürsorge zu fördern. In den Bestimmungen über öffentliche Notstandsarbeiten, die zu diesen Vorschriften erlassen wurden, heißt es, daß die Beschäftigung der Erwerbs. losen bei Notstandsarbeiten eine Form der Erwerbslosen fürsorge ist, aber als Beschäftigung gegen Entgelt im Sinne der Reichsversicherung und als Beschäftigungsverhältnis im Sinne des Einkommensteuergesetzes gilt. An Stelle der Erwerbslosenunter. ftügung erhalten die Notstandsarbeiter eine Bergütung, die der Leistung anzupaffen ist. Aus dieser Konstruktion des Notstands arbeiterverhältnisses ergibt sich, daß es ftellten den einzelnen ein Revers zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, wonach sie ab Januar weiter beschäftigt werden können, wenn fie fich damit einverstanden erklären, daß die Arbeitszeit auf 24 Stunden die Woche herabgesetzt und das Gehalt auf die Hälfte der bisherigen Höhe bemessen wird. Dafür sollen allerdings bis zu 54 Ueberstunden in der Woche zulässig sein, die mit 1 Broz. des getürzten Monatsgehalts bezahlt werden sollen. Das ist nichts anderes, als eine in verschleierter Form vorge. nommene Gehaltsherabsehung. Die 3 widauer Maschinenfabrit in Niederschlema hat Don ihren etwa 100 Angestellten zum 31. Dezember 50 gefündigt, mit den übrigen eine vierwöchige Kündigung vereinbart und die Arbeitszeit um eine Stunde verlängert. Durch die Verlängerung der Arbeitszeit werden sechs Arbeitsfräfte gespart. Außerdem sind alle über das Tarifgehalt hinausgehenden Leistungszulagen abgebaut worden. Auch die Firma Orenstein u. Koppel hat in ihrem Betrieb eine nicht unwesentliche Einschränkung der Belegschaftsstärte sowohl der Arbeiter, als auch der Angestellten vorgenommen. Unter dem Drud der wirtschaftlichen Not scheut man sich nicht, Angestellten, die jahrzehntelang im Betrieb tätig gewesen sind und der Firma ihre beste Arbeitskraft geopfert haben, wesentliche Gehalt stürzun. gen zuzumuten. Andere Angestellte hat man mit Abfindungen in Höhe des Durchschnittes von vier Monatsgehältern aus dem Betrieb entfernt. In der Zentrale der genannten Firma erfolgen Monat für Monat noch weitere Ründigungen. Dieser Abbau hält aller bings die Firma nicht ab, in den einzelnen Werten die Leistungen von lleberstunden im erheblichen Umfange anzuordnen. ich 200, die Daimler- Werte Sindelfingen 250 Ange Die Daimler- Berte Untertürkheim fündigten fürzstellten. Bu gleicher Zeit wurden in Untertürkheim die Gehälter auf den Mindesttariffa herabgesetzt. Soweit die Leiftungszulagen 30 Broz. des Gehalts übersteigen, wird ein 30prozentiger Gehalts abzug vorgenommen. Die Firma Schieß A.-G., Düsseldorf, hat ihren 180 An gestellten das Anfinnen gestellt, entweder zum 31. Dezember ge fündigt zu werden oder aber ab 1. Januar 1926 mit Arbeitsstredung und Gehaltstürzung von 50 Broz. einverstanden zu sein. Firmen dazu übergegangen find, sämtliche Angestellten zum Januar Auch aus Frankfurt a. d. D. wird berichtet, daß mehrere zu fündigen und die Weiterbeschäftigung davon abhängig zu machen, daß die Angestellten für 60 Pro 3. ihres bisherigen Gehalts meiterarbeiten. Das sind einige Ausschnitte aus der Fülle des Materials, das zur Verfügung steht, die aber wohl zur Genüge beweisen, daß die gegenwärtige Rrife in erster Linie dazu benutzt wird, die Arbeits. bebingungen herabzubrüden und vor allen Dingen eine wesentliche Herabfehung der Gehaltsbezüge vorzunehmen. Demgegenüber ist es Pflicht der noch in den Betrieben tätigen Angeftellten, sich durch Zusammenschluß in der Berufsorganisation, dem Zentralverband der Angestellten, gegen diese Willkürakte zur Wehr zu feßen. bland. tein freies Arbeitsverhältnis, sondern eine Form der Erwerbslejenfürsorge ist und daß die Be. Ichäftigung auf die Unterstügungsdauer angeber Phönig- A.G. beabsichtigt, das am 5. Dezember stillgeleate rechnet wird. Die Bezahlung erfolgt nicht unter allen Um ständen nach den geltenden Tarifverträgen. Davon ist ausdrücklich abgesehen worden, um den Anreiz des Notstandsarbeiters zu ver stärken, sich immer wieder nach einem freien Arbeitsverhältnis umzusehen. Hoerde, 8. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Werksleitung Stahlwalztvert am 1. Februar wieder in Betrieb zu nehmen. Im das Werk rentabel" zu gestalten, will die Leitung die Belenfchaft start berabſegen und bei der Wiedereinstellung eine Lohn reduzierung um 15 Broz. vornehmen. Die vom Betriebs. rat einberufene Belegschaftsversammlung hat die Wiederaufnahme Es ist notwendig, das Notstandsarbeiterverhältnis in ein freies der Arbeit unter diefen Umständen abgelehnt. Die Werk Arbeitsverhältnis unter Sicherung ausreichender tariflicher Bezahleitung fuct infolgedessen durch Vermittlung der Arbeitsnachweise lung umzuwandeln und die Finanzierung der Notstandsarbeiten geeignete Kräfte. Die Betriebe des Thomas- Martinswerts, des nicht zu beschränten auf Darlehen oder Zuschüsse aus Mitteln der Blodwalzwerks, des Feinwalzwerks und des Hammer- Werts follen am 11. Januar wieder aufgenommen werden. Ermerbslofenfürsorge. Erst menn diese Begrenzung fällt, fann in ausreichendem Umfange produktive Arbeitslosenhilfe organisiert werden. Arbeitsbeschaffung in erheblichem Umfange fäme auch durch eine planvolle Förderung der Bautätigkeit in Frage. Unsere Richtlinien fordern zu diesem Zwede volle Verwendung des Ertrags der Hauszinssteuer zum Wohnungsbau. Eine starte Belebung des Baumarktes würde zwangsläufig vielen anderen damit in Berbindung stehenden Gewerbezweigen Arbeitsmöglichkeit verschaffen. Die Länder fönnten insbesondere durch eine großzügige Moorfultivierung große Flächen des deutschen Bodens der land wirtschaftlichen Bebauung erschließen. Auch der Waldbesitz der Länder bietet die Möglichkeit, neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Die Gemeinden müssen in dieser Zeit der Not ebenfalls die zurück. 50 000 Arbeitslose in Hamburg. Hamburg. 8. Januar.( Mtb.) Nach den Feststellungen des Arbeitsamtes erreicht die Arbeitslosenziffer im hamburgischen Staatsgebiet in dieser Woche die höchste Biffer von 50 000; darunter be finden sich allein 10 000 faufmännische Angestellte. Nur ir wenigen Berufszweigen besteht größere Nachfrage nach Arbeitsfräften. 3ufriedenstellend ist die Beschäftigung im Hamburger Safen. Die sogenannten Kartenleute sind alle beschäftigt, gleichfalls alle unftändigen Arbeiter, die von den Arbeitsnachweisen tommen. Auch auf den Werften haben sich die Verhältnisse etwas gebeffert, da inzwischen einige neue Schiffe in Auftrag gegeben worden sind und die Herstellung der auf Kiel liegenden be Schleunigt wird. Auf der Reiherstieg werft find die Arbeiten an den noch nicht abgelieferten Horndampfern im Gange. Am Anspruch nehmen. sich über die augenblickliche, unleugbar schwierige Situation ver Die Schauspieler bedauern auf das tieffte, daß die Möglichkeit, trauensvoll auseinanderzusehen, nicht gegeben ist. Ein großer Teil der unerquicklichen Verhältnisse im Berliner Theaterleben ist von den Direktoren selbst unter dem steten Widerspruch der SchauEnsembles, die kurzfristigen Engagements, die unerträglichen Theaterpachten, die durch den Kettenhandel der Theaterhäuser geschaffen wurden, die ungesunde Preispolitik und der damit verbundene Verfall des Publikums, die verderbliche Konzernbildung und, nicht zuletzt, ein schon vollzogener Abbau der Mittelgagen, das find Tatsachen, die die Schauspieler in ihren„ vitalen Intereffen" getroffen haben. Darüber hinaus ist es den Mitgliedern der Bühnen bekannt, daß ein steter Kampf gegen ihr tariflich festgelegtes Arbeitsrecht von der Vertretung der Theaterleiter geführt wird, der die darin enthaltenen Errungenschaften illusorisch machen soll. Tarifverlängerung für Handelsarbeiter im Einzelhandel. Die Funktionäre der Handelsarbeiter im Einzelhandel be schäftigten sich in einer Vertrauensmännerversammlung mit dem Ablauf des Lohntarifes. Bollmeier vom Deutschen Verkehrsbund berichtete über die Lohnverhandlungen mit der Einzelhandels gemeinschaft. Die Forderung der Arbeiter die Löhne um 10 Proz. zu erhöhen, erwiderten die Arbeitgeber mit der Drohung, einen Lohnabbau vorzunehmen. Nachdem die beiderseitigen Rommiffionen fich mehrere Male zu Sonderberatungen zurückgezogen hatten und fein Ergebnis erzielt wurde, sollten die Berhandlungen auf einen späteren Termin vertagt werden. Auch die eventuellen Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß erklärten die Unternehmer absichtlich hinaus. zögern zu wollen, um den beabsichtigten Lohnabbau durchzusetzen. Nach mehrstündiger Berhandlung tam es zu einer Berständigung, und zwar dahingehend, den Tarif bis zum 2. April 1926 zu verlängern. fuffion der Tarifverlängerung zu Die Funktionärversammlung stimmte nach einer lebhaften Dis 440 Tarifbruch und Aussperrung bei Max Tack. Die Firma Mar Tad, Schuhfabrit in Strausberg, hat im November 1925 ihre Belegschaft zum zweiten Male um je 80 Arbeiter vermindert. Um die volle Sanierung ihres Betriebes herbeizuführen, offerierte die Firma der verbliebenen Belegschaft Don 120 Personen eine allgemeine Lohnfürzung der meisten Zeitlöhne und fast aller Akkordsäze. Bei diesem neuen Akkordtarif hat tie Firma gründliche Arbeit geleistet. Bon 540 Positionen betragen die Kürzungen bei 132 Pos. unter 10 Proz., bei 206 Pos. 10 bis 20 Proz. und bei 202 Bos. 20 Pro3. und darüber bis zu 50 Broz., in einem Falle sogar 70 Broz. Leider hatte die Arbeiterschaft für diese Art Sanierung nicht das richtige Verständnis, sie Ichnte diese abnorme Lohnfürzung ab. Die Firma hat daher am Mittwoch ihre gesamte Arbeiterschaft ausgesperrt und hofft wahrscheinlich unter den Arbeitslosen Ersagkräfte zu finden. Diese Handlung der Firma ist umso verwerflicher, als sie an die Bestimmungen des Reichstarifvertrages der Schuhindustrie gebunden ist. Die entscheidenden Paragraphen verpflichten die Ber tragskontrahenten, alle Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis den tariflichen Instanzen zur Entscheidung zu überweisen und weder Streits noch Anssperrungen vorzunehmen. Zentralverband der Schuhmacher, Bezirksverwaltung Berlin. Internationale Bekleidungsarbeiter Föderation. ( JGB.) Der 1400 Mitglieder zählende norwegische Schneiderverband hat beschlossen, sich 1. Januar 1926 der Internationalen Bekleidungsarbeiter- Föderation anzuschließen. Dieser Entscheidung ging eine Urabstimmung voran, bei der ich die übergroße Mehrheit der Mitglieder zugunsten des nflusses aussprach. In der Hochschule für Politik( Schinkelplatz 6) wird am 18. Januar, abends 7 Uhr, der Vortragsturfus von Prof. Dr. Julius Hirsch über, Moderne Industrieprobleme" fortgesetzt. Diese Vorträge sind besonders wichtig für Gewertidafts. funktionäre, Betriebsräte uiw. Wer an diesem Kursus teilnehmen will, fann durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin W 68, Lindenstr. 8, einen Ausweis erhalten. der zum unentgeltlichen Besuch dieser Vorlesung berechtigt. Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Shilowski: Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glocke: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucerei und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und wiffen". NOBALA Tablets In allen Apothefen u für Sänger, Sportsleute, Raucher Nr. 13 ♦ 43.?ahrgm,g 1. Seilage öes varwärts GonnabeuS, 9. Januar 1926 wie martifihe Klemftäöte aussehen. Die Epreestadt Deeekow, Sitz de» Kreisamt» Beeskow-Storto«, hat vor den meisten märkischen Kleinstädten ein» voraus: sie lebt in der Literatur fort als Mittelpunkt der Lebensschilderung de» Süd- franzosen Rouanet, den die Leser der Fontaneschen Memoirenbücher al» den Brotzoater der Frau unsere» märkischen Wanderer» kennen. Ehe wir aber dm langjährigen Stadtkämmerer und seine Taten in der Napoleon»zeit würdigen, sei der Lag» de» Ort»», seiner Geschichte und seiner modernen Entwicklung gedacht. Die Lag» Bemtow» zwischen de» an Hauptbahnen liegenden Spreestädten Fürstenwalde und L�bben sichert der Stadt«in« bequeme Verbindung, die aber leider den Uebelstand alten märkischen Seitmoertehr» hat: Spärllchkeit und Langsamkeit. Man erreicht B«e»kaw auf d r« l L I n i e n. deren jede ihren eigenen Bahnhof besitzt: von Fürstenwold«. Könlgs-Wuster« Hausen und von Lübben her— aber 8 bis 4 Stunden gehen, je nach dem Berliner Wohnort de» Besucher», aus die einzelne Fahrt drauf, und so hält sich der verkehr in mätzigen Grenze», trotzdem Sonntagstarten aufliegen. Für den Ruderer, der Zeit hat, bietet der Wasierweg von Fürstenwald« eine sehr lohnende Fahrt— die Spreelandschast zeigt oberhalb Fürstemvald« einen freundlichen Charakter in der Mischung von Laub- und Nadelwald: zudem bietet der Schiffsverkehr auf der oirlgewundenen Spree und da» Schisser- darf Neubrück mannigfach« Abwechslung. Staütgefthichte. Di« Bischäfe von Lebu», die-seit 1885 in Fürst enroold« ihre Residenz halten, waren 1518 in den Besitz von Storkow und Lee»- kow gekommen. St« wußten dm von hohen Mauern, Türmen und Wallgraben aus der Landseite und durch die Burg auf der Spreeinsel i|ut geschützten Ort al» wertvolles Glied ihrer Machtstellung zu chätzen. Do» von Feuer im 15. Jahrhundert verheert« starke Schlotz and durch sie eine Erneuerung, von der da» bei neuzeitlichen Um- bauten aufgedeckte doppeste Mauerwerk noch Zeugnis ablegt. Beeskow hatte infolge seiner frühzeitig(1185) erlangten Etadtrechte eine kausmäanisch bedeutsame 5tcllung«rlgngt: e« lag im Schnitt- punkt jener mitteldeutschen Handelsstroßen. die Norden und Süden, Lfien und Westen oerbanden. Die Lebuser Bischöfe sollten sich nicht lange ihres Besitze» erfreuen: die Rcformalion mtkleidet« st« ihrer weltlichm Machtstellung: 1554 storh der letzt» katholisch» Bischof Johann VII l. und ein Jahr später wurde da» Land Bee»ko». Storkow an Brandenburg angegliedert. Do» Schloß wurde zum „Amt" und tut als solche» noch heute teilweis» Dienst: der Wegweiser .Finanzamt" wird auch ohne spezielle.Seufzerbrück«" manche» flerz beim Aufstieg zur Burg beklommen machen. Di« alten wehrhaiten Mauern der Stadt hatten mit der Einsührung der Kanone in die Kriegskunst ihre Bedeutung verlorm: ihre Erhaltung Ist vom malert. schen Standpunkt au» freudig zu begrüßen. Daß di» Kriegsmärsch« der nopoleonischen Armem 1308 und 1812/18 wenn auch nicht materiell zerstörend, sa doch den Wohlstand vernichtend ge- wirkt hoben, lehren die Aufzeichnungen Rouanet», Eine neu» Zeit ist für Beeskow augenscheinlich insofern nicht angebrochen, al» der Zuschnitt des ganzen kleinbürgerlichen Milieu» sich stark konservativ zeigt: kein Wunder daher, daß das alte Proviantamt— in der Stadt liegen zwei Schwadronen der Reichswehr— sich noch als .kgl." preußisch präsentiert und daß Bcrfassungsseiern und der- gleichen Feste mit süßsauren Mienen abgehalten werden. Die Auf- dringlichkeit eines vöirisch-brutalm Egoismus, die man in manchen märkischen Londstädtchen beobachten kann, fehlt jedoch— es scheint, als ob das.mondäne" Treiben an der»märkischen Riviera"(bür- gerlich Scharmützelsee genannt) auch schon noch hier einige Fühl- hörner ausgestreckt hat. Im Sanne öer Marienkirche. Wo immer man die Augm aufschlägt, steht die hochragende Stadtkirch« vor einem. Schon vom Zuge au» erblickt man den masst- gen Turm, der sich aber, da er nicht vollendet wurde, nicht allzu hoch über Schiff und Chor erhebt. Schifshöhe ist 58 Meier, Turm- höhe 75 Meter. Man hat erst in jüngster Zeit, 1905, das spitze Mt- chen auf den Turni gesetzt, der wohl imstande wäre, eine lüv-Meter- Spitze, wie der Königsberger in der Neumark, zu tragen. Aber auch so, wie sie jetzt dasteht, zählt die Veeskomer Kirche zu den stalllicheren märkischen vauien: einfach in den gotischen Formen, wirkt sie durch die großen Verhältnisse. Im Innern tragen starke Pfeiler die Ge- wölbe des Mittelschiffes und der beiden Seitenschisse, die au» dem 13. Jahrhundert stammen. Später hat man an der Südseite noch ein Seitenschiff angefügt. Lon den weißen Wänden und Bänken heben stch die reich dekorierte, von einer Mosesgestalt getragene Holzkanzel und der hohe Rmaistaneealtae(1585) mit dem eingefügten gotischen Flllgelaltar gut ab; an der einen Seite befinden sich Gedenktafeln für die Gefallmm mit einem Kranzschmuck des Verbände» der Kriegsbeschädigten mit schwarzrotgoldener Schleife. Hinter dem Altar ist eine Kreuzigung mit überlebensgroßen Figuren aufgestellt: es find dies die Figuren, die Fontane in seinem Reisebericht von Deekow nach Kostenblatt als.wegen Unfchönheit" in einen Selten- räum geschafft verzeichnet Von der Kirche zur Spree und zum .Amt" sind nur wenige Schritt«. Man passiert eine klein« Brücke: hier liegen die Fischerboote— nicht umsonst zeigt das Stadtwappen am neu hergerichtcten Rathaus auf einer Seite drei Silberjische im roten Felde. Link» steigt ein Fußweg zur.Burg" empor: der ge räumige Hos hat einen Mittelpunkt Im ftattlichm.Amtsturm". Hinter dem Amt folgt dann die große Spreebrücke, und der Blick lchweist ungehindert in die Ferne: die Spree ist hier kein übler Fluß, dem Spreewaldgewlrr entronnen, trögt er hier zum Berkehr von der Oder nach der Reichshauptstadt bei. Zur Linken zeichnet sich am Horizont die schlanke Silhouette der Eisenbahnbrücke ab. Zum weit. läufigen Markt zurückkehrend, gehrn wir. die vom Bahnhos her durch die ganze Stadt stch hinziehend« Hauptoerkebrsstraße nach link» einschlagend, zum rundm Lockauer Torturm, der bequemen Eintritt in die an der Siadlnumer stch hinziebendm Anlage bietet. Mächttg« Feldsteine bilden di« hohe Mauer, die durch die Höhen- differenz zu den im Grunde angelegten Promenadenwegen noch ge- 611 Die Passion. Roman von Clara vleblg. Sie faßt« sich ein Herz, einen bittenden Blick hob sie zu ibrem Professor auf, sie flüsterte:„Tlnen Lugenblick, Herr Professor, nur einen Lugenblick noch! Ich möchte Sie gern ettvas fragen, aber"—- scheu sah sie nach den anwesenden Herren: ein« fliegende Röte huschte über ihr blasse» Gesicht. „Einen Lugenblick, mein« Herren," sagt« etwa» ver« wundert der Professor.„Nun, Mltowsti? Jetzt waren sie allein. Und Tva. sich ein Herz fasiend, alle Lngst und Scheu überwindend— und beide waren jetzt größer als damals, da sie sich in die Tiefe stürzt«— sprach kurz und mit dem Mut, den di« höchst« Willensanstrengung gibt, jedes Wort herausstoßend:„Was fehlt mir?" „Wilkowsti!" Dem Professor fuhr ihr Name unwillkür« sich heraus. Cr war auf» höchst« überrascht: was. da» wußte die nicht? Zu dumm, dachte er bei sich. Li» Mensch fühlt« er Mitleid, aber als Arzt nahm er die Sache so tragisch nicht. „Sie haben hereditör« Syphilis." sa�t« er trocken, ganz fach« sich Ererbte."' Er hatte noch einige« sagen wollen, aber er stockte. Wie ein Blitz war es aufgezuckt in den schwach- sichtigen Äugen, ein solches Entsetzen, daß es ihm auf einmal kam: hier fiel ein großer Jammer auf eine arme junge Seele. „Neue Heilmittel werden gesucht und auch gefunden. Unablässig wird weiter geforscht und gearbeitet, gerade auf diesem Gebiet. Verlieren Si, nur den Mut nicht!" Er gab ihr die Hand, �lebrtgens: ansteckend ist Ihre Ertrankung "icht." � 20» Stefan Wilkowsti war bei Pau Lessel gvvesen. Er hatte gebeten, si« aufsuchen zu dürfen. E» handle sich um Eva. Ais da» Hausmädchen im weißen Haubchen wieder di- Haustür hinter ihm geschloffen hatte, und er nun an den Beeten mit Krokus und Hyazinchen vorüber dem Gartenaus- gang zuschritt, ohne diese Frühlungspracht zu sehen, fühlte er sich etwas erleichtert. Aber es war ihm heiß geworden. Er fahr sich mit dem Taschentuch über die Etirn. In feinem schwarzen Rock, den er nur bei feierlichen Gelegenheiten trug, im steifgestärkten, blendend weißen Hemd, die Perl. nodel. die ihm Irma, der es jetzt ganz ausgezeichnet ging, zu Weihnachten geschenkt hatte. Im Schlips, hatte er dagestanden. ganz feiner Herr, der in diese feine Umgebung paßte, und fühlte sich doch wie ein arme? Sünder. Er fühlte sich tief aedemütigt. in der eigenen Ehre verletzt, daß diese unglück- liche Eva seine Nichte war. Es war selbst gegen sein« ver« storbene Schwester ein Groll in ihm aufgestiegen: warum hatte die sich mit solchem Subjekt eingelassen? Daß Eva be- lastet war, wußte er schon seit ihrem vorigen Aufenthalt in der Eharitö, er hatte es für sich behalten: nun aber wußte es feine Frau. Frau Ella hatte den Brief, den Eva kürzlich an den Onkel geschrieben hatte, gelesen. Also darum, darum die» ewige Kranksein, die» Augen« und Ohrenleiden, diese Gelb- sucht, all diese Defette, deren dies Mädchen Gott weiß was für welche hatte! Frau Ella war außer sich: Pfui, so was!" Mir darf sie nicht mehr in» Haus. Ich danke dafür. Und ich Dussel habe sie noch Treten empfohlen für den kleinen Felix! Nein so was! Solch eine Schande!" Frau Ella hätte nicht empörter fein können, wenn Eva sich durch eigenes ver- schulden dies Leiden zugezogen hätte. Vergebens hatte Wilkowsti versucht, seine Frau zu de» ruhigen:„es war eben ein Unglück". Aber darin hatte sie ja recht, eine Schande war es auch. Und doch, wenn Eva nun aus der Charit� entlassen wurde und seine Frau sie nicht aufnehmen wollte, wußte er keinen anderen Ausweg, als sich an Frau Lessel zu wenden, dieser alle» zu ofici'.barew Diese gütige Dam« mußte er bitten, daß sie ihre Hand von dem unglückseligen Geschöpf nicht ganz obzo Frau Lessel war ebenso entsetzt w>« Frau Ella. Es äußerte sich bei ihr nur nicht in so vielen Worten. Also darum, also darum hatte sie bei Eva immer das Gefühl ge« habt: nicht zu nah, nicht zu nah. keinen Kuß! Ihr Gesicht war ganz blaß geworden bei der stotternden Rede, dem stoß» weise hervorgebrachten Bekenntnis de» Herrn Wilkowski. Eigentlich waren ja Eva, Verwandte näher verpflichtet ge- wesen, als sie— was ging sie eigentlich dieses Mädchen an. dachte sie bei sich— aber sie hegte kein« günstige Meinuna von dielen Verwandten. Dieser Onkel, der da sckiwitzend und stotternd vor ihr stand, die Hände krampfhaft wieder ausetn. anderreißend, hatte nicht ihre besondere Hochachtung. Und Eva? Die dumme Gescbichte, die sie gemocht hatte bei Frau Bayer, und vorher ihr Verhalten im Diakontsienhelm waren schwer zu entt�uwigen. Aber dies, aber dies— o Gott, da« war ja furchtbar! „Nächste Woche schon kommt Eva heraus," füsterte be- ängstigt Herr Wilkowski. „Ich werde sehen, daß ich sie unterbringe." sagte Frau Lessel.„Es wird schwer halten." Beim Abschied hatte sie Herrn Wilkowski nicht di« Hand gereicht, sie hatte nur ein Neigen des Kopfe» für ihn. Ohne Händedruck hatte er sich entfernen müssen. Aber das war ihm vorerst yanz gleichgültig, die Hauptsache war: die würde sich wieder kümmern, suchen. Eva unterzubringen. Doch al» er nun in der elektrischen Bahn saß und vom Grunewald nach der Stadt zurückfuhr, schlug ihm eine Lohe in die Stirn. Es brannte ihn wie ein Makel. Nicht nur deswegen, daß Eva seine Nichte war, daß er stch ihrer schämen mußte und schämen mußte seiner verstorbenen Schwester: er schämte sich auch für sich selber. Er vergegenwärtigte sich den Blick, mit dem die schöne Frau ihn zuletzt angesehen fiatte. Zu Hause angekommen, war er gereizt und wortkarg, eine Frau brachte nicht viel aus ihm heraus. Die Dame würde schon sorgen ja. Jetzt sollte sie ihn aber gefälligst in Ruhe lassen, er wollte von der Sache mit der Eva nun nichts, aber aucy gar nichts mehr hören. „So sind sie. die Männer," klagte Frau Ella ihrer Trete. „Don was Unangenehmem wollen sie immer nichts hören. Da» schieben sie sich einfach ab." Grete, die zart, und blaß geworden war, viel von ihrer frischen Schönheit eingebüßt hatte, lächelte wehmütig. Sie stimmte der Mutter nicht laut bei. aber im stillen gab sie ihr recht: wurde doch ihr Mann, Ihr sonst so guter freundlicher Mann, sofort unfreundlich und unwirsch, sowie sie ihn ins Kinderzimmer führen wollte zum kleinen Felix. Das preßte ihr manche heimliche Träne ab. Gerade weil das Kind nicht war wie andere Kinder, gerade weil Felix so war, wie er war, sich geistig nicht entwickelte, ein armes Tierchen blieb, gerade darum mußten die Augen der Eltern doppelt liebe- voll auf ihn blicken. Frau Lessel machte ihr Versprechen wahr, sie bemühte sich. Und da es eilte, für Eva eine Unterkunft zu schaffen. nahm sie das, was die Leiterin der Zentrale für Jugend- fürsorge, an die sie sich wandte, anbot. Eine Frau Lamm» lein, eine sehr gewissenhafte Frau-> ein« Dame, die sich da- durch ernährte, nahm Kinder in Pflege. Sie suchte hierfür eine Hilfe. Nur leichte Beschäftigung. Es war gerade das Richtige für das junge Mädchen, das nicht so sehr angestrengt werden sollte. Was das für Kinder waren, ob größere oder kleinere, ob gesunde oder kranke, ob Walsen oder solche, die den Eltern entzogen wurden, das erfuhr Frau Lessel nicht. Sie zeichnete sich dankbar ein als zahlendes Mitglied der Jugendfürsorge und fragte weiter nichts. (Fortsetzung folgt.) maffiger erfcheint. En einer Stelle ber Maner tt bte Gebenftafet für die Gefallenen aus dem Weltkriege errichtet; auf fünf Feldern, die ein mit kriegerischen Emblemen gezierter Giebel abschließt, ist die lange Reihe der Toten verzeichnet. Blumenschmud gibt den unteren Abschluß der Tafel an. Endlich mal eine schlichte und darum um so mehr ergreifende Ehrung unserer Toten, auch im Text einfach und finngemäß. Durch die Anlagen schimmern die neuen Häuser, die fich der neue Wohlstand außerhalb der alten Stadtgrenze geschaffen hat. Im Innern der Stadt herrscht naturgemäß der schlichtbürgerliche Nühlichkeitsstil vor; einige alte Fachwerkhäuser und originelle Eckhäuser mit Ertern fesseln die Aufmerksamkeit. Die Kirche ſt wohl von fleinen Häusern eng umftanden, sonst aber hat man den Eindruck, daß die 5% Tausend Einwohner über genügenden Plaz verfügen. Ein Südfranzose als Stadtkämmerer. Wie Beeskow vor hundert und mehr Jahren aussah, lehren uns die biographischen Aufzeichnungen Rouanets, ber, einer angefehenen Toulouser Familie entstammend, den Soldatendienst dem Briefterstande vorzog, später aber von preußischen Werbern nach Potsdam gebracht wurde, wo seine Kenntnis des Französischen ihm allerhand Vorteile verschaffte. Als er 1781 in den Zivildienst gehen wollte, hatten die Beeskower Bedenten gegen ihn wegen feines fatholischen Glaubens, aber der Alte Frizz schlug ihre Einmendungen kurzerhand nieder. Als Stadtkämmerer hat Rouanet, der 1816 sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern fonnte, bis 1827 in Beeskow gewirkt; dann wurde der damals 81jährige pensioniert; er starb 10 Jahre später, 1837. Seine Tätigkeit in den kritischen Jahren, da Napoleons Truppen die preußischen Gebiete brandschatzten, ist für Beeskow von großem Nuzen gewesen; wenn trotzdem die Stadt in den Jahren 1806-9 an 30 000 Zaler für den Unterhalt französischer Truppen ausgeben mußte, so läßt sich danach die exorbitante Höhe der Forderungen dieser Soldateska, die ja vielfach aus Rheinbundsoldaten bestand, annähernd einschätzen. Martha Fritsch, die Tochter Fontanes, hat die Aufzeichnungen ihres Urgroßvaters herausgegeben. Der Besuch Beeskows wird bei genügender Zeit mit dem des Scharmüßelsees zu verbinden sein. Wer aber noch den besonderen Hauch historischer Größe verspüren will, der möge nach dem Spree schloß in Ressenblatt wandern, das übrigens auch mit der Bahn zu erreichen ift. Dort hat der Türtenbesieger Feldmarschall Albrecht Don Barfuß 1704 sein Leben beschlossen. Fontane, der sich ja mehr mit den märkischen Schlössern als den Städten beschäftigte, hat diesem Koffenblatt ein paar prächtige Seiten gewidmet, dabei auch, wie schon erwähnt, Beeskow gestreift. 1737 wurde Rossenblatt Besitz Friedrich Wilhelms I., der dort während der Gichtanfälle jene bekannten Delgemälde malte, die er mit der Inschrift versah: in lormentis pixit( unter Qualen gemalt). Eine Warnung und ihre Folgen. | hohen Strafanträgen des inflagevertreters machte ber Bertelbiger für Fleischner geltend, daß er selbst ein Opfer feiner byfterisch und pathalogisch veranlagten Geliebten geworden fet, zu der er in sexueller Hörigkeit sich befunden habe. Er selbst sei mit der Erbschaftsgeschichte beschwindelt worden. Das Schöffengericht hielt Fleischner auch mur der Beteiligung an der Urtundenfälschung schuldig und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis unter Bubilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist. Die Frau Meta Müller erhielt ein Jahr einen Monat Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Außerdem wurde sie auch sofort verhaftet. Auch ein Kriegsgefangener. Festnahme eines Unterstützungsschwindlers. Wegen Betrugs und Urfundenfälschung verhaftet wurde ein Unterstüßungsschwindler, der in ungewöhnlicher Weise auch die Deffentlichkeit für sich in Anspruch nahm. Ein 49 Jahre alter Hubert Bagmann tam vor einiger Zeit angeblich nach elfiähriger französischer Kriegsgefangenschaft nach Deutschland und Berlin Ein sonderbarer Amtsvorsteher. Er erzählte, daß er 1914 als Unteroffizier ausgerückt, aber bald gefangen genommen worden sei. Seitdem habe er in französischer Kriegsgefangenschaft gefdmachtet, bis er endlich bei einem Besuche des Präsidenten der französischen Republif in Nancy freige lassen worden sei. Der Mann sprach an den verschiedensten Stellen vor und erhielt überall Unterstützungen. Damit allein war er aber nicht zufrieden. Er beschwerte sich in der Deffentlichkeit darüber, daß er im Asyl für Obdachlose übernachten müsse und daß das dankbare Baterland für einen Mann, der 11 Jahre lang schwer für es gelitten habe, nicht einmal eine Wohnung übrig habe. Sein ganzes gelitten habe, nicht einmal eine Wohnung übrig habe. Sein ganzes Auftreten veranlaßte die Kriminalpolizei, fich einmal näher mit ihm zu beschäftigen und fich auch in Frankreich nach ihm zu erfundigen. Da fam denn ein ganz anderes Bild zutage. Wahman wanderte, wie festgestellt wurde, als 16jähriger Junge nach Frant reich aus, hielt sich dort einige Jahre auf und ging dann zur Fremdenlegion Im Jahre 1908 erwarb er die franzo plöglich in Königswusterhausen auf und verheiratete sich dort. Im nächsten Jahre ging er wieder nach Frankreich und nahm seine Frau mit. Bo diese geblieben ist, weiß man noch nicht. Bei Kriegsaus bruch tam Wahmann nicht mit der französischen Armee an deren Ostfrent, sondern nach Maroffo und Tunis. Bei der Demobil machung im Jahre 1919 trat er wieder in die Fremdenlegion ein. Weil er jegt dort nicht mehr zu gebrauchen war, so entfann er sich wieder seines eigentlichen Baterlandes. Nachdem er in Nancy wegen Diebstahls 2 Monate Gefängnis verbüßt hatte, fälschte er auf dem Entlassungsschein den gewöhnlichen„ Gefangenen in einen Kriegsgefangenen um, verschaffte sich auch noch andere gefälschte Papiere, fam nach Deutschland und benutzte hier alle Fälschungen, um mit ihnen mildtätige Einrichtungen und Privatleute des undankbaren" Baterlandes gründlich auszubeuten. Der Vor dem Schöffengericht Charlottenburg hatte sich der Diret. Schwindler wurde verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. tor Dr. Kauffmann von der Berliner Elettrizitätswerte A.-G." zu verantworten wegen Beleidigung eines Ingenieurs Melchert, der früher im Dienst der BEW. A.-G. gestanden hat und Beiter der Zählerabteilung des Elektrizitätswertes Charlottenburg gewefen ist. Melchert meint, daß er aus seiner Stellung bei der BEW. A.-G. in unrechtmäßiger Weise verdrängt worden sei, und er sieht auch in seiner Bensionierung, die noch vor seinem Wiedereintritt in die frühere Stellung eines Beamten der Stadt Berlin einstweilig angeordnet wurde, eine Benachteiligung. Nach seiner endgültigen Benfionierung, auf die er selber hinwirkte, machte er sich selbständig und forderte Elektrizi tätsabnehmer durch Rundschreiben auf, sich unter seiner Leitung zu cinem Konsumentenschuz gegen Elektrizitätswerte zusammenzuschließen. Darauf warnte die BEW. A.-G. vor ihm durch Zeitungsinserat mit einer von Dr. Kauffmann unter zeichneten Erklärung, die darauf hinwies, daß den Elektrizitäts abnehmern aus einer Verbindung mit Melchert nur Kosten er= wachsen tönnten. Melchert verlangte nämlich von den Mitgliedern des Konsumentenschutzes eine Eintrittsgebühr, einen laufenden Monatsbeitrag und bei Erfolg der zu ihren Gunsten aufgewandten Mühe einen Anteil an der dadurch herbeigeführten Minderung der Kosten des Elektrizitätsverbrauchs. Da Melchert in der Form jener Warnung den Vorwurf einer Betrugs abficht fah, fo fühlte er sich beleidigt und flagte gegen Dr. Kauffmann. Vor Gericht erklärte der Kläger, er habe Geld verdienen wollen, das sei eine ehrliche Sache, aber das Inserat habe ihn verdächtigt, daß er die Leute betrügen wolle. Auf die Frage des Richters, wie er denn den Konsumenten müßen wollte, antwortete er, manchmal seien die Zähler nicht in Ordnung, da hätte er durch sachkundige Feststellungen den Konsumenten helfen tönnen, sich gegen Benach teiligung zu schüßen. Auch sei, fügte er hinzu, beabsichtigt gewesen, den Konsumenten nötigenfalls Rechtsschutz gegen Elektrizitätswerte zu gewähren. Der Verteidiger des Angeklagten machte geltend, daß Dr. Kauffmann die berechtigten Interessen BEM. A.-G. gewahrt habe. Das Gericht versagte aber den Schutz des§ 193, der die Wahrung berechtigter Intereffen unter Umständen straffrei läßt, und verurteilte Dr. Kauffmann wegen Beleidigung Melcherts zu 150 Mart Geldstrafe. Der Kläger war hiermit noch nicht zufrieden und erklärte sofort, daß er Berufung einlegen werde. Zweifellos wird das auch der Berurteilte turn. Ein Wohnungsschwindel. der Abenteuerliche Schwindeleien mit Wohnungen führte Frau Meta Müller und ihren früheren Liebhaber, den Reisenden Fleischner, wegen schwerer Urtundenfälschung, Betrug und Diebstahl vor das Schöffengericht Charlottenburg. Fleischner hatte sich im Jahre 1921 scheiden lassen. Als er von dem glücklich vollzogenen Scheidungstermin heimfehrte, stieß er auf eine junge, elegant gekleidete Dame, die jeßige Frau Müller, die ihn derart in ihre Reze zog, daß er sie in seine Wohnung aufnahm und als Wirtschafterin anmeldete. Frau Müller hatte aber eine sehr üble Bergangenheit. Sie ist mehrfach vorbestraft und hat sogar einmal unter dem Verdacht des Mordes an einem ihrer Liebhaber gestanden. Das Verfahren mußte aber eingestellt werden, und während ihr neuer Liebhaber auf geschäftlichen Reisen war, suchte sie ihr abenteuerliches Leben in der Wohnung fortzufegen und empfing dort zahlreiche Herren. Da sie nun befürchtete, daß es auch ihrem Freunde zu Ohren fommen würde, suchte sie diesen zu überreden, wegzuziehen. Um ihn dazu zu bringen, schwindelte sie ihm vor, daß sie noch eine Vierzimmerwohnung im Westen habe, die ihr ein früherer Freund, ein höherer Beamter im Ministerium, nebst einem Gute bei Hamburg in seinem letzten Willen vererbt habe. Daher könne Fleischner die Zweizimmerwohnung abgeben und zu ihr ziehen. Es fand sich auch bald ein jüngerer verheirateter Polizeibeamter als Käufer der Wohnung, der zunächst ein leeres Zimmer bezog und den Kaufpreis für die ganze Wohnung zahlte. Kurz darauf wurde aber der Polizeibeamte wegen Amtsunterschlagung in Haft ge nommen, und da die Frau die Miete nicht bezahlen fonnte, einigte man sich auf die Rückerstattung des Wohnungskaufpreises. Die Frau gestattete aber, daß ihre Schlafzimmereinrichtung vorläufig von Fleischner mitbenutzt werden könnte. Unterdessen sah sich Frau Müller nach einem anderen Wohnungsreflektanten um und fand ihn in einem Schauspieler, der auch bereit war, den verlangten Kaufpreis zu zahlen, wenn er eine Wohnungsgenehmigung erhalte. In dem Kaufpreis waren auch die Möbel des Polizei beamten mit eingeschlossen. Der Kauf tam zustande, nachdem die beiden Angeklagten dem Schauspieler eine vom Woh nungsamt Bilmersdorf abgestempelte Einwei fungsgenehmigung vorgelegt hatten. Der Vertrag war aber, wie sich bald herausstellte, gefälscht. Stempel und Unterschrift maren nachgeahmt. Swar behaupteten die Angeklagten vor Gericht, daß sie selbst mit falschen Wohnungsbeamten im Café Josty ver handelt hätten und von diesen hinter das Licht geführt worden seien, tonnten jedoch hierfür feinen Beweis erbringen. Gegenüber den Jum Lobe Baut Caffrers. Derbirgermeier 3% hat Bran Baul Caffirer ein Beileidstelegramm folgenden Jubalts zugefandt: 8u dem schweren Verluft, den Sie, die Kunft und die Stadt Berlin durch den Tod Jhres Gatten erfahren, spreche ich Ihnen namens der Stadtverwaltung das herzlichste Beileid aus. Oberbürgermeister Böß." Karl Barmmle hat während seiner Anwesenheit in Berlin auf Eine amerikanische Spende. Der amerikanische Filmindustrielle Anregung des Staatssekretärs Dr. Weißmann durch eine der bekanntesten Gemeinschaftstüchen 1000 Mittagessen an bedürftige Angehörige des Mittelstandes" ohne Unterschied der Konfeffion zur Berteilung gelangen lassen. Hochwasserschäden und Dammbruch an der Elbe. Reichenberg i Böhmen, 7. Januar. An der Elbe und ihren Rebenflüssen in Oftböhmen ist felt der Silvefternacht ungeheurer Schaden durch Hochwasser angerichtet worden. Namentlich schwer betroffen find die Gegenden und Städte um 3aromirich, Königinhof, frühere Festung Josefstadt und Smiri. und das ganze Mündungsgebiet der wasserreichen aus dem Gebirge tommenden Nebenflüsse Aupa und Mettau. Diese Gebirgs ftröme wuchsen durch die Schneeschmelze und das Regenmetter zu ungeheuren Strömen und ergossen ihre Fluten in die selbst schon übermäßig geftiegene Elbe. Das Reservoir bei Röniginhof erwies sich als völlig unzulänglich und das Wasser stieg hier einen Meter über den Rand des Dammes. Königinhof und Jaromirsch waren furchtbar überschwemmt. Auf den Straßen und Blägen ftand das Wasser zeitweilig bis einundeinhalb Meter hoch. An den Wohi häusern, Schupper und Stallungen, namentlich den Kellerräumen und Barterrewohnungen wurde ungeheurer Schaden angerichtet, die Straßen gänzlich ausgewaschen, die Gärten schwer beschädigt. Der Berfehr fonnte nur mit Rähnen erfolgen. Bei Tschernotiz durch. brach die Elbe das Ufer und bahnte fich ein neues, rund hundert Meter breites Bett. Der Schaden ist noch nicht abzuschäßen, wird aber schon jetzt auf mehr als eine Million Aronen angegeben. Militär brachte Hilfe. Auch in vielen anderen deutschen Gegenden ist und war die Elbe bis zum 5. Januar ausgetreten und verursachte teilweise erhebliche Schäden. Von Taufenden deutscher Bewohner wurde es als eine Verhöhnung der geängstigten Menschenmassen empfunden, daß die gesamten amtlichen Wasserstandsdepeschen auch in die rein deutschen Gegenden mur tschechisch verschickt wurden. Zu Hunderten umstanden die erregten Uferbewohner die Anschlagtafeln und oft fonnte niemand bie Depeschen entziffern. Sport. Die neue Bahn im Sportpalaft. " Nicht nur der Sportpalast selbst hat während des Umbaues im vergangenen Sommer ein neues Aussehen erhalten, sondern auch die Radrennbahn, die lange Jahre der Schauplatz der Berliner Winterradrennen war, hat sich ebenso wie die Tribüne des Parterre eine völlige Umgestaltung gefallen lassen müssen. Die Leitung des Sportpalastes hat zu dieser Arbeit den bekannten Sportstättenarchitekten Georg Bremer Berlin, den Erbauer der ausgezeichneten Winterbahnen in Breslau und Dortmund, herangezogen, und dieser hat eine völlig neue Bahn entworfen, die sich den Raumverhältnissen des Sportpalastes hervorragend anpaßt und allen Anforderungen einer modernen Winterbahn genügt. Die Länge der neuen Bahn beträgt wie bisher 160 meter und auch die Breite der Fahrfläche- 6 Meter ist beibehalten worden. Die lebergänge der Kurven find gründlich geändert, d. h. bedeutend mehr in die Geraden hineingezogen worden, so daß dem Auge des Beschauers die Längsseiten wesentlich verkürzt erscheinen. Die Bahn wird durch die allmählich verlaufenen llebergänge der Geraden in die Kurven bedeutend sicherer für die Fahrer, und die früheren häufigen Stürze und die vorzeitige Uebermüdung, die bei der neuen Bahn so gut wie ausgeschlossen sein. Die neuen die Folge der bisherigen steilen Kurvenübergänge waren, dürften Tribünen an der Längsseite sind als sogenannte Praftifabeln" derartig hergestellt, daß ihre Aufstellung und Bestuhlung innerhalb von 24 Stunden erfolgen fann. Die Zuschauerpläge richten sich praktischerweise genau nach dem Verlauf der Bahn; da diese nur furze Geraden hat, folgen die neuen Plätze der steigenden Ueber der Tribünen gleich gute Sichtmöglichteiten hat. Als am Donnerstag abend die Vertreter der Berliner Presse die Bahn besichtigten, legten die Zimmerleute gerade legte Hand an. Altmeister Rütt, der mie bekannt die sportliche Leitung in Händen hat, fuhr die erste Runde und konnte die Bahn nur loben. Auch die anwesenden Ausländer, darunter Mac Nanara und sein Partner Horan, die am Donnerstag in Berlin eintrafen und sich am Sonntag beim 3- Stunden- Rennen dem Berliner Publikum vorstellen werden, äußerten sich sehr zufrieden= stellend über den Bau dieser Bahn. Und ein merkwürdiger Prozeßausgang. Man farm nicht gerade fagen, daß der Amtsvorsteher Don Dahlwig Hoppegarten ein vorbildliches Oberhaupt feiner Gemeinde war. Als sich die Klagen über das mehr als audringliche Benehmen jenes Herrn den Damen gegenüber allzusehr häuften, wurde er vom Amte fuspendiert. Dann schritt der Staatsanwalt ein und stellte den Vorsteher wegen Verbrechens und Bergehens gegen die Sittlichkeit unter Anflage. Dieses recht peinliche Verfahren hatte vor dem Einzelrichter einen etwas unerwarteten Ausgang. Einzelne Damen, die in die Wohnung des Amtsvorstehers gehen mußten, verließen diese nie ohne ein unangenehmes Abenteuer erlebt zu haben. Entweder wurden fie in unerhörter Weise von dem Angeklagten belästigt oder in sehr vielen Fällen sogar unzüchtig berührt. Die Beschwerden nahmen derart überhand, daß fich die Breffe der unerquicklichen Sache annahm und dadurch eine disziplinarische Maßregelung des merkwürdigen Vorſtehers erreichte. Das ganze Belastungsmaterial war derart schwerhöhung der Fahrfläche, so daß man nunmehr von allen Bläzen wiegend, daß es ein großes Glück für den Angeklagten bedeutet, wenn es seinem Verteidiger gelang, die schweren Anschuldigungen formell auf tätliche Beleidigung zu beschränken. Die anwesenden Zeuginnen schienen wenig damit einverstanden zu sein, man hatte das Empfinden, als ob sie viel lieber ausgesagt" hätten. Aber aus zu spät erlassenen Anträgen und Fristen hatte sich die Verhandlung zugunsten des Angeklagten auf einen einzigen Fall beschränkt, der allerdings ganz besonders standalös war. Was die betreffende Dame da von Ungehörigkeiten und schamlosem Benehmen des fonderbraren Amtsvorsteher erzählte, spottete jeder Beschreibung. Als die Sache gar zu verhängnisvoll zu werden drohte, fragte der Artur Stellbrint, der bisher sämtliche Berliner Sechstage- Rennen mit Verteidiger die Dame, ob sie ihren Strafantrag zurüdbestritten hat, bat als Partner zum 15. Berliner" den fürzlich zu den nehmen würde. Nach furzem Zögern erklärte sich das junge Berufsjahrern übergetretenen Mag Congardt erhalten. Mädchen dazu bereit, wenn ihr eine Ehrenerflärung ausgeprochen werde. Der Amtsvorsteher tat es nicht mehr als gern und hatte das wirklich unverdiente Glück, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde. Sehr zum Leidwesen des Herrn Staatsanwalts, der nun seine ganze Hoffnung auf das schwebende Disziplinarver fahren fette. Von diesem erhoffte er noch eine ganz ge. naue Prüfung des merkwürdigen Berhaltens dieses sonder baren Amtsvorstehers. Der Juwelendiebstahl in der Passage. Rach Vorträge, Vereine und Versammlungen. e Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastian str. 37/38, Sof 2 Tr. Wilmersdorf: Sonntag, den 10., vorm. 9½ Uhr, Antreten Fehrbelliner Blas mit Musik und fämtlichen Fahnen zur Rundgebung gegen die Fürstenabfindung. Nach Eintreffen von Charlottenburg, 94 Uhr, Abmarsch aum Bittoria- Garten, Wilhelmsaue. Bflichtveranstaltung. Auch der Iekte Kamerad muk erscheinen. Es spricht u. a. Ramerad Schükinger. der Rundgebung großer Demonftrationszua mit Mufit. Charlottenburg: Sonntag, den 10., Abmarsch 9 Uhr Dormittags Dont WilhelmsolCR mit Musik aur Teilnahme an der Rundgebung Wilmersdorf. PflichtDeranstaltung. Mitte: Ummarsch ant Gonntag, den 10.. faut aus, findet Sonntag, den 17., statt. Bankow: Mo., d. 11., abends 8 Uhr, wichtige Zusammenkunft Bollantstr. 131. Rachrichtendienst ladet ein. Schöneberg- Friedenau: Mo., b. 11., abends 8 Uhr, feht der Turn- und Sportabend in der Turnhalle am Wartburgplak wieder ein. Da wichtige Mitteilungen zu empfangen find, müssen die Rameraden unbedingt zur Stelle fein. Köpenid und Untergruppen: Mo., d. 11., abends 8 Uhr, im Gadt theater, erweiterte Borstandssikuna mit Rug- und Gruppenführern. Verein der Freidenfer für Feuerbestattuna, 20. Bezirk, Ortsgruppe Serms dorf. Freitag, 8. Januar, 7 ühe, bei Ofrent, Rur djarfen Ede", Berliner Straße, Busammenzunft aller Freidenkeracnofien sowie Zahlabend zentral- Festfälen. Ale Jakobir. 35. Männerchor Solitarität". Sonntag 2 Uhr Generalversammluna in ben Reichsbunb ter Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Ariegerbinter. blicbenen, Ortsgruppe Norden 14. Montag. ben 11. Januar. 7½ Uhr, MitGeneralver gliederversammlung in Büttners Festfälen, Schwester Str. 23. fammlung. Neuwahl des Vorstandes. Aus Montag, 11. Januar. 8 Uhr, hält Baurat Frana Jaffe im Roswithoscal des Deutschen Enzeum- Club, Lükowplak 8, einen Lichtbildervortrag: dem Sonnenlande Dalmatien". Gäfte willkommen. Deutschösterreichische Liedertafel zu Berlin übt jeden Dienstaa. 8 Uhr, im Ein dreister Einbruch in einen Juwelenladen in der belebten Passage in der Mittagsstunde fand vor dem Schöffengericht Mitte fein gerichtliches Nachspiel. Mit seltener Dreistigkeit war dieser Einbruch verübt worden. Die Einbrecher hatten ermittelt, daß der Juwelier Kirschbaum seinen Laden mittags abschloß, um zu Tisch zu gehen. Zur Ausnutzung der günstigen Gelegenheit verbündeten fich der Buchdrucker Alfred Juppe, der Kellner Wilhelm Dberg und der Arbeiter Karl Horn. Zwei von diesem Kleeblatt beobachteten die beiden Ausgänge der Passage, um gegen eine über raschende Rückkehr des Ladeninhabers gesichert zu sein. Horn öffnete mit einem Nachschlüssel die Ladentür und holte Schmucksachen im Werte von etwa 10000 Mart heraus. Das ganze ging sehr schnell vor sich. Die Beute wurde unter den Dreien in der Wohnung des Oberg verteilt. Juppe und Oberg hatten sich nun zu verantworten, da der dritte Mittäter Horn noch nicht ermittelt ist. Beide Angeklagte find schon vielfach vorbestraft. Oberg suchte diesal den Geisteskranten zu spielen und erzählte eine tolle Geschichte. Die Hauptschuld sollte der Generalstaatsanwalt haben und das sei so gekommen: Er habe im Gefängnis gesessen, und seine junge hübsche Frau sei zum Generalstaatsmalt gegangen, um Etrafaufschub zu erbitten. Der Generalstaatsanwalt habe an feiner Frau Gefallen gefunden und natürlich den Urlaub abgelehnt, um ungestört ein„ Lechtelmechtel" mit seiner Frau anzufnüpfen. Nach Berbüßung der Strafe habe der Generalstaatsanwalt ein Interesse turſe beginnen: Donnerstag, 14. Januar. The bt. Gene Sipsitr. 23a: gehabt, ihn neu einzubuchten" und da habe er einen gewissen Horn gegen Zahlung von 10 000 m. gedungen, um ihn zu den Einbruch zu verleiten. Horn wurde absichtlich nicht verfolgt. Bisher habe er geschmiegen aus Angst vor dem Herrn Generalstaatsanwalt. Aber jetzt müsse er endlich mit der Wahrheit heraus. Der Gefängnis- Mittwoch, 13. Januar, 7½ Uhr, in Reinidendorf- Oft. Soppeſtraße, Gemeindearzt Dr. Bürger erkannte in dem Angeklagten einen Simulanten, der sich geistestrant stellen wollte. Da die beiden AngeHagten aber nach dem Gutachten des Arztes geistig minderwertig sind, so bekamen sie nochmals mildernde Umstände und erhielten je ein Jahr neun Monate Gefängnis. Lobe spricht vor dem Berliner Reichsbanner! Am Donnerstag, den 14. Januar, abends 8 Ubr, veranstaltet das Reich banner in den Germania. fälen, Chauffeeftr. 110, eine große Werbeversammlung, bei der Reichstagspräsident Genoffe 25 be sprechen wird. Bereinsheim Dresdener Str. 52, City- Hotel. Gäste heralich willkommen, Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. Dienstag. 12. Januar, abends 8 Uhr, in den Kammerfälen, Berlin, Leltower Str. 1-3, Republikanischer Abend. Thema: Heinrich Wandt und das Reichsgericht". Referent Herr Georg Davidfohn. Entschiedene Republikaner aller Parteien willkommen. Achtung, Arbeiter- Esperantisten! Jahresversammlung am 12. Januar, abends 7 Uhr, Schule Gipsite. 28a. Gruppenversammlungen: Zentrum jeden Freitag 7 Uhr Schule Gipsstr. 23a: Norben jeden Mittwoch 7 Uhr Schule Danziger Str. 22; Diten jeden Montaa 7½ Uhr Am Ostbahnhof 17( Jugendheim A.-J.); Wedding jeden Montag Schule Ruheplakstraße. Rene Anfänget. Donnerstag, 14. Januar, 7 Uhr, Bappelallee( Freireligiöse Gemeinde). Freidenker- Ballshochschule. Dienstag, 12. Januar, abends 7% Uhr, Askanifches Gymnasium. SW., Hallesche Str. 24( am Anhalter Bahnhof). Vortrag Elli Janisch: Che und Familie im heutigen Rukland". Arbeiter Comariter- Rolonne Reinidendorf. Ein neuer Leh: furfus beginnt schule. Besuch des ersten Lehrabends ist frei. Geschäftliche Mitteilungen. Juventurverlauf in Westmanns Damenkonfektionshäusern, 1. Geſchäft: Berlin W., Mohrenstr. 37a; 2. Geldfäft: Berlin NO.. Große Frankfurtet Straße 115, bildet eine Genfation. Die herrlichsten Blüschmäntel und Bela mäntel werden su Spattpreisen abgegeben. Die Breife find teilweise aut Hälfte und darüber herabgefekt: die Waren bei Bestmann find nicht eigens zum Ausverkauf angefertigt, fondern felbft fabrizierte auserlefene Formen aus auten und beften Stoffen. Der Saventurausverlauf ift am 16. b. M., abends 7 Uhr, beendet und für lange Reit sind derartige Angebote nicht mehr au erwarten. Der städtische Gewerbearzt. Mehr und mehr bricht sich die Erfenntnis Bahn, daß die Gesundheit, d. h. die Leistungsfähigkeit, der arbeitenden Klaffen das lastbarste But unseres Volkes ist, dessen Erhaltung nicht nur Aufgabe der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern gleichermaßen Pflicht der Hüter unserer öffentlichen Gesundheitspflege ift. Demgemäß hat denn auch einer der jüngsten Zweige der Medizin die Gewerbehygiene gerade während des letzten Jahrzehnts in Deutschland einen bedeutsamen Aufschwung genommen. Man hat Lehrstühle für dieses Fach errichtet, in einigen Ländern beamtete Aerzte( Gewerbemedizinalräte) für die Aufgaben der Gewerbehygiene angestellt, die Sozialversicherung ist nach dieser Richtung hin erweitert worden. Und letthin gehen auch die Gemeinden dazu über, durch geeignete Aerzte den Gesundheitszustand von Arbeit. fuchenden und Berufsanwärtern untersuchen zu lassen. Die Stadt Berlin hat vor mehreren Jahren als eine der ersten deutschen Gemeinden in ihrem Bandesarbeitsamt einen Gewerbe arzt angestellt, dem die Erledigung der ärztlichen Aufgeben im Rahmen dieser Behörde übertragen wurde. Er ist im Laufe der Zeit bei der Arbeitsvermittlung, bei der Erwerbslosen und Erwerbs beschränktenfürsorge, bei der Berufsberatung willkommen, ja man kann heute schon sagen, umentbehrlich geworden. In allen Zweifels. fällen wird er zu Rate gezogen. Seiner Eigenschaft als Arzt ent sprechend wird er zunächst versuchen, Mängel des Gefundheitszu standes durch Kuren, durch Beschaffung künstlicher Glieder, durch innige Zusammenarbeit mit den Bersicherungs. trägern, Bersorgungsämtern( Kriegsbeschädigte), Bohlfahrts, Jugendamtern und den Gefundheitsbehörden aller Art erforderlich In Fällen, in denen eine Beiterarbeit in dem bisherigen Beruf nicht mehr erzielt werden tann, ist es Aufgabe des Arztes, einen anderen geeigneten Beruf vorzuschlagen und bei dem Umleitungsverfahren mitzuwirken. Bietet eine weitere Arbeitsvermittlung überhaupt teine Aussicht mehr auf Erfolg unheilbares Leiden, hohes Alter unter Berücksichtigung der Lage des Arbeitsmarktes so wird der Arzt dafür Sorge tragen, daß der Betreffende je nach dem der Wohlfahrtspflege, der Invalidenversicherung oder einem Pflegeheim zugeführt wird, die den Arbeitsunfähigen weiter zu be treuen haben. In der jetzigen Zeit der hochgradigen Erwerbslosigkeit und der Notstandsarbeiten hat der Stadtgewerbearzt festzustellen, ob Er werbslose den ihnen angebotenen Notstandsarbeiten gesundheitlich gewachsen sind. Zu diesen Aufgaben tommt die Betreuung der Strafentlassenen und der aus den Irrenanstalten zur Entlaffung fommenden Bersonen. Auch hier, besonders im letteren Falle kann die Mitarbeit des Gewerbearztes sehr viel Gutes leiften. Denn bei beiden Gruppen spielt die Unterbringung in geeignete Arbeit die Rolle eines wichtigen Heilfaftors, bei beiden Kategorien ist die Art des Arbeitsmilieus non ausschlaggebender Bedeutung. lind lehthin ist die ärztliche Berufsberatung ein unentbehrlicher Bestandteil des gewerbeärztlichen Aufgabengebietes. Ohne Mitwirkung des entsprechend vorgebildeten Arztes, der nicht nur mit der medizinischen, sondern auch weitgehend mit der wirtschaftlichen Seite der Berufsberatung vertraut ist, ist eine fachgemäße Beratung der Jugendlichen unmöglich. Die hier sfizzierten Abschnitte aus dem Tätigkeitsbereich des städtischen Gewerbearztes zu denen sich noch eine umfangreiche Verwaltungsarbeit hinzugefellt halten eine Fülle von Arbeiten, zu deren Bewältigung wohl weber in Berlin, noch in anderen Gemeinden genügend Aerzte zur Berfügung stehen; um so weniger, wenn man noch in Betracht zieht, daß 3. B. der Berliner Gewerbearzt gleichzeitig als Obergutachter für die Eigenversicherung der Stadt Berlin tätig ist und allmählich auch in ftärterem Umfange als bisher für die gewerbehygienische Beratung der städtischen Betriebe herangezogen merden soll. Zurzeit arbeitet in der gewerbeärztlichen Dienststelle außer dem Gewerbearzt selbst nur noch ein weiterer untersuchender Arzt, während sich in den Bezirken die mit anderen Arbeiten start be lafteten Stabtärzte mur in mäßigem Umfange den gewerbeärztlichen Problemen widmen tönnen. So erfreulich die Mitarbeit der Schulärzte bei der Berufsberatung ist, fo fann sie doch zumeist nur Borarbeit fein, zumal im allgemeinen die Schulärzte nicht die erforder liche Uebersicht über die wirtschaftlichen Verhältnisse, besonders über den Arbeitsmarkt, befizen tönnen. Es gehört daher zu den dring lichen Aufgaben der Stadt Berlin, das Aerzte- und Schwesternpersonal im Landesarbeitsamt zu vermehren, aber auch gleichzeitig in den Bezirksarbeitsämtern mehrere gewerbeärztliche Dienststellen zu errichten, die im Interesse der Einheitlichkeit zwed mäßigerweise dem Gewerbearzt im Landesarbeitsamt nachzuordnen find. Außerdem wäre es ratsam, in einem der großen städtischen Krantenhäuser eine besondere arbeitstherapeutische Station einzurichten, die mit dem Gewerbearzt Hand in Hand arbeitet, um durch Anstaltsversorgung die Arbeitsfähigkeit beffer und Schneller wieder herzustellen, und um so die Zeit der Erwerbs unfähigkeit abzutürzen. Es muß dem Ziele zugestrebt werden, daß MARKE ANDER SALAM DES STADT VORWARTS BEILAGE die heute-infolge Mangel an ärztlichen Arbeitskräften noch erforderliche Auswahl der dem Arzi vorzustellenden Berfonen durch die Arbeitsvermittlung usw., also durch Laien, fortfällt und statt dessen sämtliche arbeitsuchenden Erwerbsbeschränkten, sä m t liche Jugendliche usw. den gewerbeärztlichen Dienststellen zugeführt jeder Arbeiter demjenigen Beruf zugeleitet wird, für den er nicht merden. Erst dann fann die Forderung ganz erfüllt merden, daß nur auf Grund seiner Fähigkeiten, sondern gleichermaßen auch unter Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes geeignet ist. Es wird eine lohnende Aufgabe der berufenen Arbeitervertreter im Stadtparlament sein, ihre besondere Aufmerksamkeit dem Ausbau der gemerbeärztlichen Fürsorge zu widmen. Dr. med. E. Mosbacher, enta; tationen und Kommissionen wurden bestätigt und zur Borbereitung einer neuen Geschäftsordnung eine furigliedrige Kommiffion ein gefeßt. Su unbefoldeten Stadträten wurden Genosse Bendig, Fischer( Romm.), Stein( Dnatl.) und Brümers( DVp.) neu resp. wiedergewählt. Die Erledigung einiger Borlagen des Be. weise des Bezirks für das Rechnungsjahr 1926 wies Bürgermeister zirksamts erfolgte ohne Debatte. Zur Begründung der Bedarfsnach. Gen. Kohl in einer einftündigen Rede auf die einzelnen Titel und ihre Erfordernisse hin und brachte dabei zum Ausdruck, daß durch die Zeitverhältnisse der Verwaltung erhebliche Beschränzungen auf. erlegt seien. Aber trotzdem sei man im abgelaufenen Etatsjahr rormärts gelommen und auch die angeforderten Bedürfnisse des neuen Etats beweisen, daß für die Entwicklung des Bezirks beim Die Anfrage Abteilungsdirektor im Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin 3. D. Vagistrat das notwendige Verständnis obwaltet. Aus den Bezirken. 2. Bezirk - Tiergarten. In der Bezirksverfammlung Tiergarten war die SPD. in den letzten drei Jahren immer die stärkste Fraktion. Der alte parla mentarische Brauch, daß die stärkste Fraktion den Borsteher stellt, war aber in Tiergarten nicht refpeftiert worden. Die vereinigten Rechtsparteien hatten Macht vor Recht gehen lassen und den Deutsch nationalen Granaß bei jeder Wahl zum Vorsteher bestellt. Dies. baten der Stadtliste ein Mandat mehr als mir. Jegt sollte der gute, mal haben die Deutschnationalen durch Zuteilung von zwei Manalte Brauch wieder zu Ehren tommen. Ohne zu erröten, beriefen fich die Deutschnationalen auf die„ parlamentarische Gepflogenheit tonnten ihnen erwidern, daß wir von ihnen gelernt hätten. Wir und beanspruchten, als stärkste Frattion, den Vorsteherposten. Wir schlugen daher als Vorsteher den Genossen Bublig vor. Bei der Abstimmung wurde Bublitz mit 33 gegen 26 Stimmen gewählt. Im bar zu ärgern. Die Deutschnationalen brachten dieje Klugheit nicht allgemeinen ist es ein Gebot der Klugheit, fich wenigstens nicht sicht auf. Sie trieben Berärgerungspolitit, die erheiternd wirfte. Zunächst protestierten sie gegen die Wahl, weil ein Bezirts Händebrud empfangen hatte. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, verordneter mitgestimmt hatte, der noch nicht den bürgermeisterlichen legte der Genoffe Bublik sein eben erhaltenes Amt nieder, der Alterspräsident übernahm wieder die Leitung, und es sollte nochmal gewählt werden. Aber so einfach ging das nicht. Erneuter Protest der Deutschnationalen. Unter Berufung auf die Geschäftsordnung erflärten sie, daß der Alterspräsident eine neue Sigung einberufen müsse, deren Tagesordnung zwei Tage vorher befanntgegeben werden müsse. Es wurde ihnen von uns bedeutet, daß Punkt 3 der Lages. ordnung lautete: Annahme einer Geschäftsordnung. Die Versamm lung befand sich also noch in der Konstituierung und besaß noch teine gültige Geschäftsordnung. Gegen den Protest der Deutsch. nationalen wurde noch einmal gewählt, und jetzt erhielt Genosse Bublib 38 von 43 abgegebenen Stimmen. Es wurden dann noch Dringlichkeitsanträge angenommen, die von den Sozialdemokraten und den Kommunisten gestellt waren, und die weitgehende Unter ftügung und Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslojen verlangen. Alle dem Bezirksamt zur Verfügung stehenden Mittel sollen flüffig gemacht und den Wohlfahrtskommissionen zur Verfügung gestellt werden, um der Not der Erwerbslosen zu steuern. Alle Notstands arbeiten sollen sofort in Angriff genommen werden. Ferner stellte die SPD. noch den Antrag, dem Bezirt Tiergarten eine Gefund heitsdeputation zu geben. Schließlich mußte von der SPD. Frattion noch darauf hingewiesen werden, daß die Deutschnationalen sich lebhaft an den Debatten beteiligt hatten, trotzdem fie gegen das Stattfinden der Versammlung lebhaft protestiert hatten. 15. Bezitt- Treptow. Die Bezirksversammlung verabschiedete in ihrer legten Sigung den Etat des Bezirks. Für unsere Frattion sprach der Genosse Stadtverordnete Wilhelm Reimann. Er rechnete scharf mit den Rechtsblödlern" ab und forderte fie auf, hier in öffentlicher Sigung befannt zu geben, wo innerhalb des hiesigen Bezirks Miß stände vorhanden seien, die sie in ihrem Flugblatt nur andeutungs. weise genannt hatten. Von den Beamten verlangte er, sich darüber im flaren zu sein, daß zwischen Monarchie und Republif ein ge waltiger Unterschied bestehe und daß jeder ehrlich denkende monarchistische Beamte es verabscheuen sollte, von der Republik Geld zu nehmen. Der Sprecher der Deutschnationalen brachte feine Anschuldigungen vor, auch vermied er es, das von seiner Frattion verzapfte Flugblatt zu verteidigen. Zu unbe. foldeten Stadträten wurden die Genossen rin Beffen- Oberschöneweide und Wilhelm 3abel Adlershof wiedergewählt. Einen Siz erhielten die Kommunisten und einen weiteren die Deutschnationalen. 16. Bezirk Köpenid. -Die erfte Bezirksversammlung im neuen Jahre hatte sich mit einer umfangreichen Tagesordnung zu beschäftigen. Die Wahl des Borstandes zeitigte die alte Zusammensetzung. Die gewählten Depuunserer Fraktion betr. Maßnahmen auf dem Gebiete des Woh nungswesens löfte eine ausgedehnte Debatte aus. Die Feststellung. daß der Dezernent des Wohnungswesens, der Kommunist John, nur ungenügende Auskunft über Abhilfsmaßnahmen auf dem Gebiete des Wohnungselends gegeben, veranlaßte seinen Parteifreund Rebe zu Ausfällen gegen unsere Fraktion und Partei, die in der Versammlung und bei den Zuhörern Empörung auslöften. Das bisherige Auftreten dieses Aucharbeiters Rebe.im Bezirksparlament fäßt angenehme Aussichten für sein Birken im Berliner Magistratsfollegium erwarten. Nur wird es da mehr auf praktische Arbeit, als auf schauspielerisches Talent antonmen. 3wei Anfragen über Schulvorkommnisse mußten zur endgültigen Erledi Auskunft nicht erteilt werden konnte. gung zurückgestellt werden, da infolge der Ferien eine bezirksamtliche Debatten, die von den Kommunisten in Dauerreden und in provo Im Verfolg der einzelnen zierendster Art bestritten wurden, stellten die Bezirksverordneten der für alle Beteiligten sehr intereffant fein dürfte. Ohne Erledigung Rebe und Stein einen Weißen- Westen- Austausch in Aussicht, der Tagesordnung erfolgte um 11 Uhr Schluß der Sitzung, die in 14 Tagen ihre Fortsetzung finden dürfte. 19. Bezirk Pankow. neue Borsteher der Bersammlung verfahren zu müffen. Er berief Neue Besen fehren gut." Nach diesem Sprichwort glaubt ber die zweite Bezirksversammlung zwischen Weihnacht und Neujahr ein. Für die nächste Woche gleich an drei Tagen den Haushaltsausschus und, des Guten ein bißchen viel, an einem dieser Tage auch noch die Beratung des Haushalts aufhalten, oder vielmehr die augeneine Bezirksversammlung. Was will er damit erreichen? Will er blicklich günstige Rechtsmehrheit für die Wahl des Borstehers der Bersammlung der Rechten sichern? Die Bezirksversammlung vor Unsere Anträge auf Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslosen waren Neujahr hatte feine wichtigen Punkte auf ihrer Tagesordnung. noch nicht einmal vom Bezirksamt beraten. Trotzdem erzwangen unsere Genossen vor Eintritt in die Tagesordnung eine Beantwor tung unserer gestellten Anfragen. Nach Erledigung dieser längeren Aussprache wurde erst, trotzdem schon Abstimmungen in der Ver. fammlung vorgenommen waren, endlich ein no chnicht verpflich teter Bezirksverordneter eingeführt, und zwar durch den Vorsteher der Bersammlung, vergebens bemühte sich auch der Stellvertreter des Bürgermeisters eifrig darum. Der Bezirksverordnete aft ( RPD.) ist aus der Bersammlung ausgeschieden. Bezirksverordneter Stober( Wirtschaftsp.) verhöhnte die Erwerbslosen dadurch, daß werbslosen nur nicht arbeiten wollten". Bei dieser er durch Anführung eines Beispieles beweisen wollte, daß die Er. Gelegenheit trieb er die Heuchelei soweit, dem abgebauten Stadtrat Menz( KPD.) seine Bension vorzuwerfen. Stadto. Faust( Dnat) drohte Menz mit einem Disziplinarverfahren, da er mit seiner Pension die Weltrevolution" herbeiführen wolle. Der Antrag ber KPD. auf volle Herstellung der Deffentlichkeit auf der Tribüne wurde abgelehnt. Unser Redner, Gen. Neuberg erinnerte an die Szenen in der Stadtverordnetenversammlung und erflärte fich für Beibehaltung der Tribünenfarten, um allen Schichten der Bevölke rung den Besuch der Bezirksversammlung zu sichern. Unsere Frat tion hatte den Antrag gestellt, die Verpachtung von städti chem Kleingartenland durch Bermittlung des Verban des der Kleingartenvereine Deutschlands, Bezirksverband Norden II vornehmen zu lassen. Der Antrag wurde nach Begründung durch Gen. Gübig gegen die Stimmen der Deutschnationalen an genommen. Vom Gen. Mühlmann wurde ein Antrag be gründet, Schulräume unter möglichst leichten Bedingungen an Ber eine mit fulturellen Bestrebungen freizugeben. Der Antrag wurde angenommen. Ein lang gehegter und auch oft behandelter Wunsch der Bevölkerung im Norden Berlins, Schloß und Part in Niederschönhausen der Allgemeinheit zu sichern, soll end. lich seinen Abschluß durch einen Vertrag mit dem preußischen Finanzministerium erhalten. Der vorliegende Bertrag sieht allerdings eine völlig einseitige Belastung der Stadt Berlin vor. Alfe Personaltoften, der Ausbau und die Erhaltung des Schlosses, sowie Wiederherrichtung der Bartanlagen follen durch die Stadt erfolgen. Aus der Borlage ist nichts über die finanzielle Belastung zu ersehen. Sen. Rubig forderte daher Einsetzung eines Aus chuffes, um hierüber Auftlärung zu erhalten. Trotzdem auch von ben Demokraten diese große Belaftung anerkannt wurde, lehnte die OHNE INVENTUR VERKAU A.F- B können Sie den schönen Salamander- Schuh gut und preiswert erwerben. SALAMANDER 00 OG 230 Sonntag, 10. Januar Allgemeine Flugblattverbreitung in allen Bezirken Treffpunkt an den bekannten Stellen der Abteilungen. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich! Niemand fehle! Mehrheit unseren Antrag ab. So werden die Rechte der Berfamm fung burch die Rechtsparteien gewahrt, trogbem bie Deutfche Boits ber vom Bezirksverband Berlin der SPD. monatlich heraus frattion berichtet. gegebenen Informationsblätter wird aus der Stadtverorbneten parteinachrichten Kluge Geschäftsleute." pariei bereits Anträge angefündigt hat, die Rechte der Bezirksver fammlungen zu erweitern. Bei der Beratung des tommunistischen Antrages auf Hinzuziehung der Bertreter der Betriebsräte zu ben Sigungen des Bezirksamts, ber Deputationen und Ausschüsse, famou es zu jehr erregten Auseinandersetzungen, so daß die Bersammlung, Die Grundrente gehört der Allgemeinheit! geschlossen werden mußte. Eine neue Sportplahanlage im Humboldthain. In den letzten Jahren hatten größere Menschenmaffen die Spielwiesen im Humboldthain als Lagerplatz benugt. Die Schulen und die Bereine murden gehindert, ihre Uebungen ordnungsmäßig durchzuführen. Die bereits bis zum Uebermaße beanspruchte Rajen narbe wurde hierdurch noch ganz besonders start zerstört. Diese Berhältnisse zwangen das Bezirksamt Wedding, einen Blan für eine grundlegende Aenderung auszuarbeiten. Der soeben fertiggestellte Entwurf sieht vor, die Spielwiese mit dem sie umgebenden 12 Meter breiten Weg, somie einen Teil der angrenzenden Gehölz, Rafen- und Wegeflächen durch einen hohen festen Maschendrahtzaun fchließen. Innerhalb dieses Zaunes sind geplant: 20 800 Quadratmeter Tennis pielplat 11400 2 400 70 Rafenspielplas für Kinderhorte Bubbelläften für Kinderhorte 400 laufende Meter Laufbahn( 2 400 Quadratmeter) 150 lanten Unter dem Titel Rothschild und das englife Bodenrecht teilt die Deutsche Allgemeine Zeitung" mit, daß Die Firma Rothschild, um bei Ablauf der Lizenz für ihr Geschäfts. haus ihre weltbekannte Adresse nicht ändern zu müssen, der City als Grundeigentümerin für die Erneuerung der Lizenz eine ein. marf) und eine Erhöhung der Jahrespacht von 1000 auf 7000 malige Zahlung von 78 000 Bfund( über 1% Millionen Pfund( ven 20 000 auf 140 000 m.) angeboten hat. Sie führt dies als Beispiel für die Schlechtigkeit des englischen Bodenrechts an, das Die 34 unerträglichen Beläftigungen der Geschäftswelt führe DAZ." und ihre Hintermänner preifen dem gegenüber das deutsche Bodenrecht, das den Boden wie jede andere beliebige Ware zu ver abzustattet, so daß die stets wachsende Grundrente den gerissenen Speku faufen und in völliges Priva teigentum überzuführen gefluge Geschäftsleute" nennt sie die„ DA3." vermutlich zufließt. Bor wenigen Wochen erst wurde anläßlich des 60. Geburtstages des Borfämpfers der deutschen Bodenreformer, Adolf Damajte, in allen bürgerlichen Beitungen, nicht zum wenigften auch in der D23., Damaschte und seine Be strebungen gefeiert. Diese laufen darauf hinaus, den Bodenaus ber Privathand zu befreien und in die öffentliche überzu spiele bafür auf, wie der Umstand, daß die Grundrente von Privat führen, Damaschtes Buch über Bodenreform zählt lehrreiche Bei leuten eingezogen wird, hemmend auf Handel, Industrie und Ver. tehr, sowie auf die Beschaffung gesunder Wohnungen wirken muß. und beweist, wie gerade das englische Bedenrecht im Gegensatz zu fchaften billiges Gelb verschafft. Das ist nur möglich, wenn der bem in Deutschland geltenden, dem Staat und öffentlichen Körper wachsende Wert des Bodens und die wachsende Grundrente den Brivaten entzogen und der Allgemeinheit zugeführt wird. An Feiertagen und in Feftreden tönnen die bürgerlichen Zeitungen und Politiker die Bodenreform loben; sobald es sich aber um Berwirt. lichung handelt, fobald es gilt, die Grundrente tatsächlich den flugen Geschäftsleuten" zu entziehen, und in die Hand der All. gemeinheit überzuführen, überwiegen doch eben die privaten Profit intereffen, dann darf an das heilige Privateigentum" nicht gerührt Die gesamte Spielfläche vergrößert sich gegenüber der jetzigen um 18 400 Quadratmeter, fie verdoppelt sich also. Die Laufbahn wurde vorgesehen, um der sich immer weiter ausbreitenden Baufiport bemegung Rechnung zu tragen. In hygienischer Beziehung wäre es erwünscht, die gesamte Fläche, mit Ausnahme der Laufbahn, zu begrünen. Aus prattischen Erwägungen heraus mußte dies aber unter bleiben. Für die Kinderhorte ift ebenfalls ein einer Spielplag vor. gefehen worden, um sie vor Belästigungen, denen fie auf den allge mein zugänglichen Blähen häufig ausgefeht find, zu schützen. Die beabsichtigten Veränderungen bringen es mit sich, daß diefer große Barkteil zum Teil der allgemeinen Benugung entzogen wird. Für die nicht sporttreibende Bevölkerung sollen als Erfag an anderen Stellen Siggelegenheiten aufgeftellt und vor allen Dingen die vielen Buddelpläße für fleine Kinder wieder gefchaffen werden. Für die erwachsene sportliebende Bevölkerung, welche ihren ftändigen Play rings um die Spielwiese hat, follen an einem neu. anzulegenden Wege zwischen Sportplag und Grenzstraße eine größere Anzahl Gigpläge errichtet werden. Sie hat hier Gelegen. heit, über eine niedrige hedenartige Bepflanzung hinweg dem Sportbetrieb zuzusehen und ist im Rücken durch eine hohe Schutz pflanzung gegen Staub und Lärm der Straße geschüßt. Sollte der Entwurf die Zustimmung der Bezirksverordneten. versammlung finden, dann dürften alle Bevölkerungsteile zu ihrem Recht tommen und vor allen Dingen der Jugend das störungsfreie Betreiben von Spiel und Sport ermöglicht werden. Um bei den sportlichen Betätigungen einen Unterkunfts- und Austlelderaum zu baben, foll an der Oftſeite des Spielplages ein Häuschen von 8.45 Meter Breite und 35,10 Meter Länge errichtet werden. Den Mittelteil des Baumertes nehmen ein fleiner Er frischungsraum und ein Geräteraum ein, an diesen schließen fich beiderseits je ein Ausfleideraum für Mädchen und Knaben an. Die Räume erhalten eine Länge von 14 Meter und eine Breite pon 3 Meter. In ihrer Mitte find bie Aleidergeftelle aufgebaut, während ringsum an den Wänden Sigbänke mit Schranken angebracht find. Der Zugang erfolgt burch einen vorgebauten Windfang: nach hinten fchließt sich ein Brauseraum an Für Lehrer und Lehrerinnen find je zwei befondere Simmerdhen vorgesehen. Nach ber Spielplatz feite ist eine offene, um einige Stufen erhöht liegende Halle angeordnet, in dem Aufbau des Mittelteiles befindet sich ein zmeiler Erfrischungsraum mit Kochraum und einem Simmer für den Nachtmachter. Die seitlichen Bohenräume dienen zur Lagerung von größeren Malstangen, Toren für Fußballspiele usw. Die Aus führung foll in Fachwert erfolgen, die Eindedung der Dächer durch Schiefer; die Fußböden sind massin mit Asphaltbelag angenommen. In einigem Abstand soll auf dem Turnplag ein Abortgebäude für Knaben und Mädchen sowie mit besonderen Zellen für Lehrer und Lehrerinnen angeordnet werden. Die Gebäude erhalten An fchluß an die vorhandene Kanalisation und Wasserleitung. Die Bereitung des Warmwaffers für die Braufeanlage erfolgt durch Gasthermen. Die Einfriedigung des Geländes soll durch ein Draht. geflecht mit Hedenbepflanzung erfolgen; ber Haupteingang von ber Grenzstraße wird durch einen fleinen architettonischen Umbau betont merben. Es sollen zunächst nur die gartentechnischen Arbeiten ausgeführt werden und find für diesen Swed bie Mittel in Höhe von 45 000 m. nerfügbar. Der Schlesische Bahnhof. Umfangreiche Instandsehungsarbeiten. Der Schlesische Bahnhof, an dem während der ganzen Kriegsfahre teine Instandsegungsarbeiten gemacht worden sind und der aus biesem Grunde ein recht verwahrloftes Aussehen erhalten hatte, wird jest einer umfangreichen Renovierung unterzogen. Bel den Instandsegungsarbeiten, die von den Eisenbahnbetriebsamt ausgeführt werben, ist man vor allem von dem Bestreben geleitet gemefen, dem Bahnhof ein belleres und freundlicheres Aussehen zu verleihen. Die Sübhalle bes Bahnhofs ist unter großen Schwierigkeiten vergrößert worden und hat ein neues Dach erhalten, bas dem Licht burch seine größeren Glasfchelben belleren Einlaß gewährt als die frühere Dachkonstruktion. Ferner hat man auf den Bahnsteigen neue Beleuchtungsanlagen gefchaffen, und außerdem werden zurzelt sämtliche Räume bes Bahnhofs, bie große Bandelhalle, bie Marte und Restaurationsräume und Beftibüle mil neuem Anstrich verfehen, ber gleichfalls in einem hellen elfenbein. ähnlichen Ton gehalten ist. Die Malerarbeiten, die gegenwärtig im nollen Gange find, werden in etwa 10 bis 14 Tagen beenbet jein. werden. Milwaukee. Eine sozialistische Stadt in Amerika. Trog des Beispiels von Wien wird immer wieder von ben Gegnern der Sozialdemokratie die Behauptung aufgestellt, daß es unmöglich fel, mit fozialdemokratischen Grundsägen eine geordnete tommunalpolitische Berwaltung zu führen, ein Gemeinwesen zu beben. Wien fei eben wegen der besonders gearteten Berhältnisse biefer Stadt eine Ausnahme. Es ist nun interessant, daß in der Bassischen Zeitung der außerordentlich günstige Einfluß einer sozialdemokratischen Stadtverwaltung auf die Enimidlung ber beutschesten Stadt der Vereinigten Staaten, Milmaufee, geschildert wird. Einsendungen für diese Rubrik find Berlis 68. 6. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirksfefretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts. an richten. 7. Areis Charlottenburg, Juristische Sprechstunde findet heute. Sonnabend, den 9. Jamuar, nadmittags von 5-6 Uhr im Jugendheim Rofinen ftrake tatt, Heute, Sonnabend, den 9. Januar: 22. t. Flugblattverbreitung heute abend von 5-7 Uhr und Sonntag, ben 10. Januar. vormittags von 8-10 Uhr von Reuter, Föhrer Str. 13: Rabaen, Brüffeler Str. 43: Richter, Luremburger Str. 5, aus. 38. bt. Beute, Sonnabenb, von 5 Uhr nachmittags ab und Sonntag, den 10. Sanuar, von 9 Uhr vormittags ab Flugblattverbreitung von Busch. Tilfter Str. 27, und Wittschuk, Betersburger Str. 5, aus. Die Jugend genoffen werden ersucht, fim bei Busch. Tilfiter Str. 27, einzufinden. 38. bt. Sur Flugblattverbreitung finden sich alle Genoffen am Sonntag, den 10. Januar, vormittags 8½ Uhr, in ihren Rahlabendlokalen ein. Die Genossen der Beairfe 157 und 158 bei Gohlte. Friedrichsberger Str. 22. Die Bezirksführer nehmen heute, Sonnabend, das Material an den be fannten Stellen in Empfang. 39. Abt. Unfere Flugblattverbreitung findet vom Genoffen Lucht, Linden. ftraße 2. aus ftatt. Die Fluablätter find heute, Sonnabend, bort. 47. Abt. Seute, Gonnobenb, nachmittags 5 Uhr, und Sonntag, den 10. Ja muar, von vormittags 9 Uhr ab Flugblattverbreitung von Siedentopf. Mustauer Str. 35, aus. 48. Abt. Nachmittags 5 Uhr Muablattausgabe bei Reller, Fürstenfte. L 57, Abt. Charlottenburg Flugblattabholung: 1. Gruppe bei Arndt, Kant ftraße 51: 2. Gruppe bei Thunad, Bielandftr. 4: Sonnabend 4-7 Uhr, Sonntag 9-11 Uhr. 74. bt. Rehlendorf. Seute von 4-9 Uhr und Sonntag, den 10. Januar Bon 9-10 Uhr treffen fich die Mitglieder im Barteilofal aur Flugblatt Derbreitung. 80, bt. Echöneberg. Nachmittags 5 Uhr und Sonntag vormittag 9 Uhr bei Gürlich Flugblattverbreitung. 104. Abt. Rieberföneweide. Abends 6 Uhr Flugblattverbreituna pom Reftaurant Thiele, Berliner Str. 38, aus. Alle Mitalieber müffen fich beteiligen. 116. bt. Sichtenberg. Abends 6 Uhr Flugblattverbreitung vom Lokal Morr, Neue Bahnhoffie. 28, aus. Die Reftverteilung findet am Sonntag früh Bom felben Lotale aus ftatt, 121. 61, Rarlshorst. Bon 4 Ubr ab im Restaurant Buchholz, Treskowallee, Ede Dönboffftrake, Ausgabe der Flugblätter, Alle Mitglieder mitsien fich beteiligen. Abends 8 Uhr Sihung der Funktionäre im Restaurant Aur Rennbahn"( Sausmann). Morgen, Sonntag, den 10. Januar: 1. bt. Treffpunkt aller Genoffen aute Flugblattnerbreitung vormittags 9 Ube bei Rfchiefing. Aderstr. 1. 8. Abt. Bormittags 9 Uhr treffen sich die Genoffinnen und Genoffen arr Muablattverbreitung bei Emil Krüger, Engelufer 25. 4. Abt. Vormittags 9 Uhr bei Bötfchert. Neue Friedrichstr. 108, Funktionär fikuna. Gleichzeitig um 9 Uhr Flugblattverbreitung vom aleichen Lokale aus. Alle Mitalieber milffen fich beteiligen. Bitte die alten Funktionär Barten zum Umtausch mitzubringen. 9. Abt. Alle Cenoffinnen und Genoffen treffen fich vormittags 9 Uhr gire Mugblattverbreitung bei Sübner, Wilsnader Str. 34. 12. bt, Bormittans 84 Uhr Flugblattverbreitung bei Schmidt, Bielefftr. 17, Alle Genoffen beteiligen fich. 13. bt. Bormittags 8 Uhr Tugblattverbreitung von ber Bormärts Spedition, Wilhelmshavener Str. 48. Die Jugend muk bestimmt er. fcheinen. 24. Abt. Bormittags 9 Uhr Flugblattverbreitung von ben bekannten Lokalen aus, 8. Gruppe Mugblätter abholen bereits am Sonnabenb abend 6 Uhr Dom Schweizerhäuschen( Röhler). 25. 6. Bormittags 9 Uhr Wluablattverbreitung von Gott, Anipradeftr. 6. aus: Gruppe Gilde von Kramer. Cotheniusstr. 3, aus. 37. bt Bormittags 9 Uhr bei Pfeiffer, Sausburaftr. 2, Flugblattver breitung. Die Beaizfsfibrer mezben erfucht. die fonit tätigen Genoffen einaulaben, 41. t. Fluablattverbreituna vormittaas Uhr non folgenden Lokalen aus: Simon, Belle- Alliance- Str. 80: Luke, Bergmannite. 93; Edufter, Chamiffoplak 4: Mende, neifenaufte. 6. 44. t. Treffpunkt aur uablattverbreitung vormittags 9 Uhr: Stadtbes. 79bei Bogel Briker Str. 42: Stadtbea. 80 bei Sane. Steliger Str. 10, Born 4 Tr.: Stabtbea. 81 bei Möller, Naunanfit. 46-47, vorn 3 r.: Stabtben. 84 bei Gemmeder, Mounnnite. 27: Stadtbes. 85 und 89 bei Siffert. Dranienste. 196: Stabibes. 87 bei Schiebold, Admiralftr. 5: Stadtben. 88 bei Jacob, Rottbuffer Str. 2. Sof Tints 4 Tr.: Stadtbez. 90 bei Strilale, Mariannenftr. 17, Born 4 Dr.: Stadtben. 91 bei Nagel, Menteuffelfir. 47: Stabthes. 92 bei Melchert, Manteuffelfte. 61. Quergeb. 1 Treppe. 45. st. Bormittags ahr Fluablattverbreitung von ben Gruppenlofalen Qua Die Gruppenführer holen fich bas Material non Bertie. Biener Strake 88, ab. Bormittags 9 Uhr Flugblattverbreitung 85. 8. Gruppe: Ganert, Wallfir. 80: 9. Gruppe: Reimer. Wilmersdorfet Straße 21: 10. Gruppe: Bohne, Schloßfie. 45. Die hablätter önnen fmon am Sonnabend abenb 6 Uhr abgeholt werben. 58. At Bor. mittags 9 Uhr Material bel Sinridien. Bayreuther Str. 25a, abholen. 81. ht Friebenon. Bormitions 9 1hr Tugblattnerbreitung. Treffpunkt bet Rubbed, Obenwalbftr. 26, Aufgana 1, 2 r, Airt: Brofe: 6., 11., 12. Beairt: Gläser, Bonnier, Efe flügerstraße: 7. 10.. 18. und 19. Desirt: Schuls. Sobrechtftr. 64. 94. Abt. Vormittags Erscheinen 9 Uhr ablattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. in Bricht Botal aus Der einzige fozialistische Abgeordnete, ber den amerikanischen Kongreß siert, Bittor Berger, ist von dieser Stadt ins Barla parlament, ba bie vierzehn bürgerlichen Stadtverordneten in zmei ment gefchidt morden, und elf Sozialisten beherrschen das Stadt Gruppen, Republikaner und Demofraten, zerfallen. Unter fazia liftifer Führung murbe hier im Bande Der Wolfenfrager ein Geseg befchloffen, das die Baugrenze auf zehn Stockwerte beschränkt. Charlottenbuza Unter fozialistischer Führung wurde die Steuerverteilung fo geregelt, Seeufer murde ein großer Boltspart angelegt, das dazu erforderliche baß heute jeder Arbeiter sein eigenes Heim erwerben tann. Am Gelände enteignet. Die Eisenbahngesellschaften, deren Streden ben See entlang liefen, weigerten sich, die Gleisanlagen vom Seeufer Rexton 89. ht Bormittaas 10 Uhr unblattverbrettumme. 1. bis 5. Belive wurde der Bau eines großen Dammes vor den Streden in den megzunehmen, und was geschah? Auf Grund sozialistischer Initia See hinein beschlossen. Das Band wurde aufgeschwemmt. Die Eisenbahngesellschaften nahmen nun ihre Strede aus dem See gelände heraus. Die Entschädigung, die zuerst bei gutwilliger Ent gefpart. Biers, Hafenanlagen wurden erbaut, die im fommenden fernung den Eisenbahngesellschaften gezahlt worden märe, murde Jahr für die Aufnahmen überseelscher Dampfer in Betrieb ge Ichaften Berhandlungen eingeleitet, um einen diretten Dienft a m nommen werden sollen. Es wurden mit deutschen Schiffahrtsgesell burg- milmautee oder Bremen Milwautee ein zurichten. Man glaubt, für zweimal monatliches Anlaufen genügend Fracht garantieren gu tännen. Natürlich prophezeiten die Sozia tiftengegner den Stabibanterott, Abwanderung der reichen Beute, Abwanderung der Industrie. Richts von alledem ist eingetreten. Unter der Sozialistenherrschaft hat das Stadtbib in ästhetischer Be ziehung gewonnen. Die Finanzen find in befter Ordnung, und das Wirtschaftsleben blüht und gedeiht. Arbeitslosigkeit ist in Milwaukee unbetannt Rafperl als Kinderfreund. Thr tennt ihn noch viel zu menig, unseren luftigen, fröhlichen Rasperl Er ist ber echte Kinderfreund und wir Kinder freunde in Berlin- Mitte batten schon lange ben Wunsch, ein Kasperle theater zu haben. Endlich find wir fo weit. Beicht war's nicht Groschen auf Groschen mußte gespart werden, damit wir uns bas Holzgeftell, die Buppen, Schrauben, Stangen und Material taufen fonnten. Mun begann ein fleißiges Arbeiten. Biele große und feine Stinderfreundehände nähten, hämmerten, schraubten und bastelten, bis alles geschafft war. Die Freude war groß, als mir am fertigen Theater die ersten Spielverfuche machen fonnten. Da tauchten neue Schwierigkeiten auf. Bon den üblichen Kasperleftülden wollte uns feines gefallen. Ihr wiht boch, Kinderfreunde prügeln nicht. Auch unfer Stafperl follte nicht prügeln. Da war guter Rat teuer, doch unfer Herr Direttor" Genoffe Felix Fechenbach mußte sich zu neue Stüderf oder änderte die alten um. Ihr tönnt sie alle euch an fehen. Wir spielen Sonntag, ben 17. Januar 1926 im Bürgerfaal an. Einen Groschen foftet es für jeben. Ihr werdet viel Spaß daran im Berliner Rathaus, Haupteingang Rönigstraße. Um 3 Uhr fängt's haben. 111. b. Bohusterf. Bormitions 9 Uhr Flugblattverbrettung von Seimanns 114. bt. intenberg. Bormittags 9 Uhr Marablattverbreitung DOI Schwarzer, Gabriel- Max- Str. 17, aus. 117. b. Bormitions 9 Uhr uablattverbreitung von Krüger, Türrschmidtstr. 88, und Klofe, Rupprechts, Ede Citelstraße. 184. bt. Buch Bormittags 10 Uhr treffen fidh fämtliche bienftfreien Genoffen But Wluablettverbreitung im Lofal Göpfert. Sunafasialisten. Achtuna! Nachmittans 5 Uhr im Jugendheim Charlotten bura. Rofinenfte. Sikuna bes Arbeitsausschulfes. Bichtige Tages. ardnung Gruppe Mitte: Morgen, Gonntag, ben 10. Januar, Wande rung Mannfee- Botsdam. Treffpunkt frith 7 Uhr. Bleranderplak. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Berlin- Mitte. Sonntag, den 10. Ja muar, Belferfahrt in den Tegeler Forft. Wilhrung Genoffe Rurib. Treff pun 8 he in Tenel, Balteftelle Balbfäufe der Linien 28 unb 138. benbs 75 Uhr im Selfersimmer. Blumenftr. 77. Aussprache über Ge Wabrzeit ab Berliner Rathaus, Könia trake. 1 Std. Rüdfehr gegen 1 Uhr. meinschaftsveranstaltungen, unter befonderer Berücksichtigung her Silvesterfahrt. Jugendveranstaltungen. dungsturie und bes Beait snorkeudes morgen, Sonntag, den 10. Ranuar, Gemeinfame Sigung ber bebesirkefetter, ber Bertrauensleute ber mittens 16 he, im Augendhel Lindenfte. 3. Ennesordnung: 1. Bildungs arbeit(. Bothur web Dieberi). arbeit( braham). 2. Drganisation.( B, Böfche). 3. Unfere Frühjahrs Achtung, Abteilungsleiter! Die Programme und Berichtsbogen für das erheben abellefert werden. Straße 61. beute. Sonnabend, abends 71 Uhr. Berdebeaiz! Often: Rreisgenerafverfammlung im Jugendheim Gokler Brenz Morgen, Sonntag, den 10. Januar: Webbing- Norb: Liebknecht, und Rofa- Luremburg- Gedenkfeier, Tener Barftabt: Fahrt Ertner. Treffpunkt 7 Uhr Aleranbervlak. Senefelber Biertel: Befuch des Märkischen Museums. Treffpunkt 11 Uhr vor bent Rufeum. Friebrichshain: Funktionärkung. Often( Stralaner Biertel): Babes Märchen Museums. Treffpunkt 11 Uhr vor dem Muſeum. Barschauer Blertel: Beteiliauna an ber Wuablattverbreitung, Treffpunkt Uhr bei Stofn Gubener Str. 19, unb bei Mäde, Baridaurer Str. 17. Abends im Jugendheim Indifcher Märdenabend Subweften: Bormittags Stelle. Abends 6 Uhr ist das Selm acöffnet, Die Gebentfeler muk umilände balber ausfallen, Schöneberg III: Jugendheim Sauptstr. 15( Rheinlandtundemuseums, Treffpunkt 11 Uhr, Bhf. Stralau Rummelsburg. immer), Selmabend mit bun'em Vrsaramm. Stenlik I: Befuch einer Abgichtenberg- Mitte: Befuch des Natur Berbebeair! Obahn: Jugendheim Vartaue 10. Glakbrenner- bend. Der Umbau des Fernbahnhofs Friedrichstraße belfen. Er nahm selbst die Feber zur Hand und schrieb gar luftige Uhr bel Bucht. Bindenftr. 2. Aur Mugblattverbreitung. Seber fei aur ist jetzt durch die Fertigstellung der neuen Gepadabfertigung um einen weiteren Schritt gefördert worden. Die Gepädabfertigung, bie nach den neuesten technischen Erfahrungen eingerichtet worden ist, ist bereits in Betrieb genommen worden. Die Jaunaruummer der Kommunalen Blätter für GroßBerlin" ift foeben erschienen. Aus dem Inhalt ist hervorzuheben eine Abhandlung über Das Landesarbeitsami Berlin und seine Aufgaben vom Genossen Karl Siegle, ber dem Drtsausschuß des ADGB. angehört. In umfaffenber Beise wird hier die Organisation und das Aufgabengebiet des Bandes arbeitsamtes für Berlin geschilbert. Die surgelt mieber afute Frage der städtischen Oper behandelt Genofle Hugo Heimann, als Mitglied des Aufsichtsrates, in einem Artitel Die stabtische Oper A.-G.". In demselben bringt Genoffe Heimann eine chrono logische Darstellung der früher Charlottenburg jegt Berlin gehören. ben Oper unter Hinweis auf die Schmierigtelten bei der lebernahme ber Oper durch die Stabt Berlin und zeigt im einzelnen den nunmehr nollendeten neuen Aufbau des Unternehmens. Genoffe Heimann verspricht, in einem fpäteren Bericht bie tünstlerischen und finan ziellen Ergebnisse der ersten Spielmonate zu würbigen. Am Schlußse feilung. Treffpunkt 6 Uhr Seim. Briefkasten der Redaktion. 30. Besember, nachmittags gegen 4 Uhr, in der rei'swalder Straße Zengen des Un'atles, ben ein ormaris abfabrer am de Carmen- Sylva- Straße bur Mutobus erlitt, werben gebeten, thre breffe, en. brieflich, abzugeben bei Frau Marchlemsti, Lichtenberg, Buble 1. Sa. Die Baltungen aus bann nicht, wenn ble Erbschaft ausgeschlagen ftraße 2, n. ptr. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 9. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.45 Uhr nachm.: General Schlee- Pascha: Die türkische Frau ist und jetzt. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der 6.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Spiel und Sport. Dr. Hans Bollmann: Sport oder Leibesübung 7 Uhr abends Uebertragung aus der Staatsoper: Figaros Hochzeit, von Mozart 10.30-12 Uhr abends: Tansmusik. 6. Sie keinen Anfaruch auf den Betraa. Friedenan 100. morden ft. 2. Gruppe 6. 8. Gehalt( monatlich) 149.30 bis 223, Wohnungs aufchuk 57 bis 76 m. rauenaufdilaa 12 M. Das Witwengelb beträgt 60 Bros. bes Aur Brit des Todes des Beamien au zahlenden Ruhenehalts,. 6. Richten Sie an das finanzamt einen Antrea auf Erstattung der Steuerbeträge, 3. 47. Rein. 3. R. 100. Makgebend ift bie Entfcheibung bes Gerich's. Wenn es Abnen und Shrer Frau die Roften auferlegt bat, fo baften Sie ebenfalls bafür. Beber Sie noch Shre Frau haben in diefem Halle einen Anspruch auf Roftenerftattung gegen Ihren Geaner. 23. 100. 1. ie 42,5 Broa.; Ginkommen fewer 10 Brok. bisher 2. Umfakftauer Bros.: Kirchenfteuer 15 Broa, Gewerbesteuer -6. m. 4. Die Entscheidung ift rechtsraffia: weitere Schritte find baher, Amedios, 50 Broa, ber, Bollente es bar Bitme nur M. menn le bas 43. Lebensjahr vollendet oder für ein Rind au forgen hat. 9. 40, 1. Die Sekune muß darüber eine Beftimmung ent balten, fragen Sie baber bet ber Rrankentafe on. Uns it ble Sasung nicht belanni. 2. Das Klopfen von Deden usw. ift in der Woche vor den aroken Felten an ben brei dem erften feiertage vorausgehenden Wochen. ( Arbeits-) tagen von 8 bis 5 Uhr gestattet. flt. 13 ♦ 43. 2» ��0?$DOüt0 ewmobtnä,». �«noi» 1M6 Der Kampf gegen öie Krise. Um Kapitalherabsetzung und Preissenkung. Vor kurzem Hot der„Vorwärts" in einem Artikel„Sie wollten zuviel verdienen" die Ergebnisse der Reichsstotiftik über die Coldumstellungen der Aktiengesellschasten kritisch gewürdigt. Er kam zu dem Schluß, daß in der osfenbar zu optimistischen B e- urteilung der Ertragsaussichten der Aktienunter- nehmungen eine der entscheidenden Ursachen der verschärften Wirt- schoftskrise zu erblicken sei. Dies« Ueberhöhung der Profit- anspräche müsse beseitigt werden, wenn man die Krise wirklich bekämpfen will. Eine ossiziöse Wolff-Nachricht hat dieselbe Ansicht vertreten. Diese Ansicht hat nun in der führenden Handels- presse mancherlei Widerspruch gefunden. Die„Frankfurter Zeitung" hat in ihrer Nr. 8„Eine zweite Kapitalzusammen- legung" dagegen polemisiert und vor allem den Zusammenhang zwischen Krisenverschärfung und der zu hohen Kapitalumstellung bestritten. In einem iveiteren Artikel„Deutsche Wirtschasisbilanz Z92S" hat der„Vorwärts" dann weller gefordert, daß die Waren- preise bis zur Vollbeschäftigung der Industrie gesenkt werden, die Gewinnansprüche des Kapitals durch Zusammenlegung sow«t g«. mindert werden müßten, bis der aus dem Absatz erreichbare Er- trag zur Verzinsung des aufzunehmenden Auslandskapitals sowohl wie des Restes des Eigenkapitals ausreicht. Gegen diese Forderungen, die nur die praktische Konsequenz aus der Statistik über die Gold- Umstellungen ziehen unter Berücksichtigung der konkreten Probleme der Wirtschaftskrise, hat sich die„Kölnische Zeitung" gewandt. Es ist daher notwendig, auf diese für die Bekämpfung der Krise außerordentlich wichtige Frage noch einmal zurückzukommen. Auslandskredite und Ratfonalifieruag. Zunächst: Preissenkung und Verringerung der Gcwinnansprüche sind auch nach unserer Ansicht nicht die einzigen Wege zur Krisen- lösung. Wir haben das ausdrücklich gesagt. Daneben kommen die verschiedenen Wege der technischen, kaufmännischen und finanziellen Rationalisierung in Frage. Rationalisierung in jedem Sinne tostet aber Geld: das weiß auch die Denkschrift des Reichsver- bandes der Deutschen Industrie. Dieses Geld kann bei der heutigen Loge des Kapitalmarkts in Deutschland vorwiegend aus dem Ausland kommen. Das Ausland ober verlangt zweierlei: nicht nur Zinsen überhaupt, sondern auf Dauer garantierte und sofort fällige Zinsen und die Rückzahlung des Kapitals. Diese Zinsen müssen erwirtschaftet werden. Vor uns steht die Notwendig- keit weitgehender Verschuldung ans Ausland; das ist der Wille der Interessenten, da» ist die Ansicht der Banken. Soweit heute Industrien notleidend sind, hoffen sie auf diese Sanierung durch Auslandskredite, und es wird unvermeidlich fein, daß mit Staatshilfe und Staotsgarontie industrielle Solidar- hostgemeinschasten gebildet werden, um genügende Sicherheiten für diese Eanierungskredite bieten zu können. Bei den heutigen hohen(Kortell-fPreisen und den heutigen überhöhten Gewinn- ansprächen des eigenen Kapitals der Goldbilanzen kann der im In- und Ausland erreichbare Markt nicht ausreichen, zugleich das eigene und dazu noch das ausländische Sanierungstapital zu verzinsen. Ja, da» Eanierungskapitol wird in ausreichendem Maße gar nicht zu beschaffen sein für Industrien, die bei steigender Arbeitslosigkeit und hohen Preisen in den Preisen noch Gewinnansprüch« ein- kalkulieren müssen, für deren Befriedigung schon der Absatzradiu» vor'Eintritt der großen Arbeitslosigkeit nicht ausreichte. Durum kann da» Geld, da» die Rationalisierung kostet, in genügender Höhe überhaupt nur unter der Bedingung erreichbar gemacht werden, daß die Preise und die Gewrnnansprüche, die die Kalkulation hoch und den Absatz klein halten, vorher abgesenkt werden, sobald man der gesamten deutschen Industrie und nicht nur einigen Großbanksavoriteu zu ausländische» Samerungkapital ver- helfen muß. Sapilalexpork ans— ftcrifaflmpotf nach Denkfchland. Diese auf der Hand liegenden Zusammenhänge werden nun merk- würdigerweije in Deutfchland stets in umgekehrter Reihenfolge gedacht: Man will erst Auslandskredile, um dann zu rationalisieren «nd durch Senkung der Selbstkosten billiger und konkurrenzfähiger werden. Man sieht nicht, daß wir die Auslandskredite nötig haben. um jenen Mehrabsag erst einmal zu finanzieren und zu er« zeugen, indem wir unsere durch Rationalisierung zu verbilligende und zu vermehrende Produktion an den Mann bringen wollen. Es scheint ähnlich, ist aber doch ganz anders als bei der früheren Kolonisierung unerfchlossener Gebiete durch den Kapitalexport Europa». Dieser Kapitafexport Europas hat durch die Industrieali- sierung neuer Länder auch jene Nachfrage erst erzeugt, mittels deren Ausbeutung die neuhergestellten Fabriken und Dcrkehrsein- richtungen die Zinsen für das exportierte Kopital aufbrachten. Das ist die Aeholichteit zwischen dem früheren Kapitalexport Europas und dem heutigen Kapitalimport Amerikas nach Europa. Der gewattige Unterschied aber liegt darin, daß in Europa, de- sonder» i» Deutschland, jene Fabrikanlagen und Lcrkehrsein- richtungen schon vorhanden, und zwar weit über Bedarf vorhanden sind und daß das Auslandkapital sich überhaupt nur mederlassen kann(es verlangt sofort Zinsen), wenn die Gewinn- anspräche, die auf den Anlagen schon liegen, den neuen Gewinn- ansprächen des Auslands vorerst einmal Platz machen. In der Unterkonsumtion im allgemeinen und den Arbeitslosenheeren im besonderen ist auch die Nachfrage nach Ware schon latent vorhanden, die diese Anlagen brauchen. Bei den srüheren Fällen europäischen Kapitalexports wmrde diese durch gleichzeitige Auswanderimg von Facharbeitern ins Ausland und durch Proletari- sierung von Eingeborenen erst geschaffen. Der heutige ausländische Kapitalimport nach Deutschland bringt das nack:e Geld und stattet die Werke mit Umstellungsapparatur, Roh. und Hilfsstoffen, Löhnen und Gehältern aus. Da die Beschaffung der Maschinen, Roh- und Hilfsstoffe auf Umwegen, die Löhne und Gehälter direkt neue Marklknufkraft erzeugen, haben die Auslandskredite die Funktion, den erforderlichen Mehrabjatz, die erforderliche Mehrnachfrage so- zusagen auf Kredit zu erzeugeu. Die Notwendigkeit da Preissenkung. Auch mit der Preisfrage ist es in Deutschland nicht wie in der outen allen Zell des kolonialen Kapitalexports. Wenn es auch da einmal zu Uebergrüudungen kommen mochte, so konnten doch die Preise beliebig hoch sein, weil bei entsprechenden Zuschüssen der Absatz unbeschränkt zu machen war; dazu hatte man die Hilse der Raubbaulöhne an den proletarischen Eingeborenen. Deutschland da- gegen steht jeder Geldgeber mit höchst kritischen Augen und dem Ber- langen nach Sicherungen gegenüber; d. h. er nimmt sich, was er zur Garantie seiner Rente braucht. Dazu lauert die ganze Well- tonkurrenz aus die Dummheit überhöhter Preise in Deutschland und schließlich hat auch der Reichsoerband der Deutschen Industrie in seiner Denkschrift ja kundgetan, daß mit Raubbaulöhnen nichts zu machen sei. Je höher daher der Betrag der erforderlichen Auslands- anleihen ist und je stärker der in- und ausländische Konkurrenzdruck, desto höher durch die sofort fälligen Zinsen z u n ä ch st die Selbst- tosten und desto geringer infolgedessen zunächst die Konkurrenzfähigkeit. Das heißt aber, daß zunächst Preis- s c n k u n g der Weg zur Rationalisierung sein muß, nicht aber um- gekehrt, Rationalisierung der Weg zur Preissenkung sein kann. Nur wenn man schon Geld und Absatz genug hat. wie z. B. heut« Ford und vor dem Krieg ganz Deutschland, kann man durch Rationali- sierung auch zur Preissenkung komnien. Aus diesen Zusammen- hängen ergibt sich zwingend, daß Rationatisierung und Auslands- kredite zwar unumgängliche Mittel zur Krisenlösung sind, daß sie aber, um überhaupt wirksam werden zu können, die Absenkung der eigenen Gewinnansprüche der deutschen Industrie und damll zugleich die ausreichende Absenkung der Preise zur Boraussetzung haben. Goldbilaozeu, wie sie sein sollten! Bletbt der Nachweis, daß die zu Hobe Kapitalfestfetzvng w zahlreichen Industrien ein« der entscheidenden Ursachen der Ber- scharsung der Etabilisierungstrise zu den heutigen Ausmaßen war. Der Weg der Beweisführung wird vereinsackt, wenn man sich ein- mal die Frage vorlegt: Wie hätte wohl ein Unternehmer die Gold- biwnz ausmachen müssen, der als Leiter sämtlicher deutschen Attiengefellschaften für deren Gesamtheit eine Einheitsbilanz auszustellen gehabt hätte. Einhelligkeit dürste heut« wohl darüber bestehen, daß er eine Ertrags bilanz hätte machen müssen, d. h. eine Eröffnungsbilanz, in der die Bewertung aller Aktiven unter Berücksichtigung der Forderungen und Berpflichwngen und die Fest- ftellung des Aktienkapitals nach der aus dem Absaß aus Dauer wohl erreichboren Rente erfolgt wäre: nicht aber eine S u b- st a n z bilanz, die der Bewertung die Herstellungskosten der An- lagen abzüglich der Abnutzung und den Markt- oder Gcstehungs- preis der Vorräte zugrunde legt. Lei dieser Ertragsbilanz hätte er berücksichtigen müssen, daß der Hauptfaktor, der erreichbare Absatz, sehr ungünstig stand. Min- bestens ein Drittel Kaufkraft hatten wir im Inland weniger, vom Auslandsmarkt waren wir fast hinausgedrängt, dazu kam im In- land und Ausland al» Kriegsfolg« und infolge der Sachwertmanie der deutschen Inflation eine ungcheur« Heberst eigerung der Pro- duktionssähigkeit. Erster Grund zur Tieferbewettung. Dann mußte er mit steigenden Selbstkosten rechnen: Die Betviebslöhne und-gehälter mußten durch eine möchtig« Lohnkampswelle hoch- gepreßt werden, bei stabiler Währung und damit gesicherter Aus- landskonkurrenz war eine Abwälzung auf die Preise aus Dauer ausgeschlossen. Zweiter Grund. Di« Steuern mußten für die Industrie viel schwerer ausfallen als� früher: die große Melkkuh des Fiskus, der Rentnerstand, war tot. Steuer rückwälzung aus den Staat war sinnlos, Steuerüberwälzung auf das Arbeitseiukommen nicht minder: denn so oder so sucht sich die Arbeiterschaft mit Recht von der Steuerüberwälzung wieder frei zu kämpsen. Auf der anderen Seite waren durch den mangelnden Absatz die Leerlauf- kosten höher, Gewinnaussichten schlechter; beim Staat war aus tausend Gründen der Verwaltungs-, Pensions- und Sozialbedars höher— ein dritter Grund. Ein vierter Grund lag in den r e l a> M» oerringen e» tonnen- and Personenkilometern der Eisenbahnen und der relativen Mlnderbeschästigung der übrigen össenilichen Ver- kehrsanftalten. Der relative Anteil dieser Spesen in den Selbst- kosten mußte wachsen. Weitere Gründe zur Tiesbcwertung der Anlagen und zur Tiefhallung de» Aktienkapitals waren, daß die Zinssätze hoch bleiben mußten, wo» nur eine niedrige Kavi- talisierung des Ertrags zuließ, daß der Staat, die Eisenbahnen, die Industrie selbst Revarationslasten bekam, daß man den Weg de» Freihandels und wohlfeiler Berhandlungszölle gehen mußte, um die Tore zum Weltmarkt wieder zu öffnen, und daß man endlich wohl mtt einer starken ausländischen Verschuldung rechnen mußte, wenn man bei solchen Ueberspescn und Lcerlaufskosten den Wagen wieder auf Dauer in konkurrenzfähigen Schwung bringen wollte. Der Selbstbetrug der Uukerachmer. D» alle» hätte«tu deutscher Unternehmer, der eine Gesamt- bilanz für alle Akttengefellschoften aufzumachen hatte, wissen und voraussehen können. Di« privatkapitalistischen Unternehmer im einzelnen und in ihrer Gesamtheit hätten das auch wissen müssen, wenn sie für chre eigenen Geschäfte sachverständig genug und für die Führung der kapitalistischen Wirtschast, für die sie mit ihrem Kapital verantwortlich zeichnen, sähig genug gewesen wären. Die Staatsgewalt stand ihnen, mindestens seit den entscheidenden Dowes- Verträgen, die für die Goldbilanzen ja eigentlich erst frei« Bahn geschafsen haben, nicht im Weg«, sondern zur Seite. Das Ver- langen von Dr. Albert Vogler auf der vereinigten Frühjahrs- tagung 1924 des Rerchsverbqndes der deutschen Industrie und der Bereinigung der Arbeitgeberverbände, daß der Staat„der Wirt- schast" freie Hand lassen solle, war bis zum Stinnes-Krach und dem steigenden späteren Nachweis der Unfähigkeit der Wirtschafts- führer zur Wirtschaftsführung mehr als erfüllt. Sind aber die Goldbilanzen, ist die Wirtschaftspolitik von den deutschen Unter- nehmern auch nur im entferntesten so gemacht worden, wie die aller- spätestens im August 1924 klar erkennbaren Tatsachen es verlangt haben? Zu jedem Punkt ist das Gegenteil von dem g e f ch e�h e n, was notwendig und möglich war. Jeder der Gründe, die wir aufgestellt haben und zur pessimistischsten Bor- ficht der Unternehmer aller Schichten gezwungen hätten, wurde schließlich, weil die Unternehmer das Primat der Wirtscharts. führung verlangt und erhalten hatten, wurden den Unterneiimern Anlaß zu einem Selbstbetrug, mit dem sie auf einem singierren Rechte bestanden, dessen Ausübung die Volkswirtschaft und damit auch die Unternehmer selbst in die Krise trieben. Die optimistische, die sträflich leichtsinnige Einschätzung der Ab- satz- und Gewmnmöglichkeiten der größten Teile der deutschen Industrie. die daraus zwangsläufig sich ergebende falsche B e> trieb»- und allgemeine Wirtschaftspolitik find dt« Entstehungsurs ochen der übergewaltigen Verschärfung der Etabillsierungs k r i s e, in der wir heute stehen. Die Ar- b e i t e r s ch a f t, die am schwersten unter den Röten der Krise lewet, hat ein Recht zu her Forderung, daß mindestens mit der Korrektur sträflichen Irrtums in der Untenehmerpolitik der Kampf gegen die Krise aufgenommen werden muß. K— r. 5ür ein öeutsth-französifthes Aollbününis. «« Schwerindustrieller für BerstSndignng. Noch bis in die jüngste Zeit hinein haben deutsche Schwer- industrielle den Wettkampf mit Frankreich, dessen Ueberproduktion an Eisen eine schwere Konkurrenz für die deutsche Industrie bringt, dadurch auszuschalten gewünscht, daß man neue Zölle gegen Frankreich errichte. Der Niedergang de» französischen Franken bot dazu einen willkommenen Borwand. Nachdem frühere Verständigungsoersuche zwischen der deutschen und der fron- zösischen Montanindustrie an dem Streit um die Beteiligungszifser gescheitert sind, mußte diese aufs neue entfachte Kampfstimmung um so bedenklicher wirken. Im Gegensatz zu den scharfmacherischen Bestrebungen aber, die von einem Teil der deusschen Schwerindustrie genährt werden, stehen Aeußerungen anderer Schwerindustrieller. In dem heute erschienenen Heft der Pariser Zeitschrist„Europe Nouoelle" veröffentlicht der Krupp-Direktor B r u h n einen Artikel, der nach den vorliegenden Presseauszügen unter anderem folgende Ausführungen enthält: „Die Zeit müßte eigentlich vorbei sein, wo jeder Patriot auf beiden Seiten der Grenze dem anderen Lande soviel Ueble» wie nur möglich wünscht. Bei der engen gegenseitigen Verknüpfung der europäischen Wirtschaft ist das Wohl- ergehen des einen Landes die Bedingung für das Wohlergehen des anderen.... Solange ein Land oder eine Minderheit dieser Länder fremde Erzeugnisse mit hohen Einfuhrzöllen belegte, war dieses System(der Abschließung und des„Schutzes der nationalen Arbeit") eine geschickte Methode, um den geschützten Industrien auf Kosten der übrigen Bevölkerung künstliche Einnahmen zu schassen, so daß sie ihre technischen Apparate vervollständigen und zahlreichere Absatzmärkte finden tonnten. Aber sobald diejenigen Länder, in denen man Absatzmärkte hat, durch die gleichen Maß- nahmen antworten, verliert diese Methode ihren Sinn und kehrt sich zwangsläufig über kurz oder lang gegen diejenigen Länder, die sie noch anwenden wollen." Außerordentlich eindringlich ist die Warnung, die Bruhn der französischen Industrie erteilt, sich ja nicht durch den Sturz des Franten in eine inflationistische Wirtschaftspolitit hineintreiben zu lassen. An Hand der Erfahrungen Deutschlands warnt er vor jener überſtürzten Flucht in die Sachwerte, die zu einer schweren Stabilisierungsfrise führen muß. Weiter schreibt Bruhn: Ich sehe eine wirtschaftliche Katastrophe voraus, die schlimmer und andauernder sein kann als die, die Deutschland durchgemacht hat. Die Bedürfnisse des Weltmarktes fteigen nicht entfernt in dem Maße wie die durch den Proteftionismus und die Inflation tünftlich entwidelte Produktionssteigerung. Der technische Fort fchritt für sich allein genommen, steigt schon schneller als die Nachfrage, zumal der chronische Geldmangel eine starte Berbrauchsbeschränkung mit sich bringt. Noch ist es Zeit, zu überlegen." In dem Programm, daß Bruhn zur Üleberwindung der drohenben Katastrophe entwickelt, verlangt er, die 3ollschranten im Beften und im Zentrum Europas müßten nieder. gelegt werden. Dazu ist aber notwendig, daß die fran zöfifche Währung vorher saniert wird. Damit aber feine Zeit verloren geht, geftatte ich mir, der deutschen und französischen Regierung die Bildung einer Kom mission vorzuschlagen, die sich aus einer fleinen Anzahl der fompetenten Ministerien und der Wirtschaft zusammensetzt. Diese Kommission müßte folgende Fragen studieren: Wann und wie fönnen Frankreich und Deutschland im nennenswerten Umfang oder ganz ihre Einfuhrzölle abschaffen? Welches wären die Unzuträglichkeiten, die daraus für gewiffe Industriezweige entstehen fönnten und wie fönnte man ihnen begegnen? Welches wären die Vorteile für die übrige Bevölkerung? Welche Formen fömiten die Handelsbeziehungen zu den übrigen Nationen annehmen. Wäre eine deutsch- franzöfifche 3ollunion die notwendige Folge bieser Annäherung und was für Verwaltungsmaßnahmen machte diefe Bollunion notwendig? Welche anderen Lösungen erscheinen möglich unter der Voraussetzung, daß sich beide Länder das Meistbegünstigungsrecht zubilligen? Wie fönnte man den Beitritt anderer Nationen zu der zunächst zu bildenden deutsch französischen Zollunion vorbereiten und durchführen? Es wäre zu wünschen, daß die Meinung des Krupp- Direttors auch bei seinen Berufskollegen von der Schwerindustrie sich durchfezt und bald zu greifbaren Taten führt, die die Verständigung ter beiden benachbarten Bölfer auf wirtschaftlichem Gebiete fördern. Mit jedem Tage wachsen die Gefahren, die der deutschen Wirtschaft cus dem französischen Währungsschwund entstehen; beide Länder werden früher oder später von den Rückwirkungen einer Krise be troffen werden, die sich in dem Frankensturz vorbereitet. Daher ist Deutsches Theater, Lichtspiele usw.oti- Theater Volksbühne 8 Uhr: Vom lieben Augustin Morgen 3 U: Der befreite Don Quichotte Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr: Maiermax 8 U.: Von Heben Musik v. H. Hirsch Augustin Staats- Theater Opernhaus 7: Figaros Hochzeit Opernhaus Sam Königsplatz 72: Lust. Weiber von Windsor Schauspielhaus 8 Uhr: Peer Gynt Schiller Theater Kleines Th. 8 Uhr: Die Kutsche der heiligen Liebe Boubouroche Regie: Goldberg Großes 8 U: Kapitän Brass Schauspielhaus bounds Bekebrung Uhr: Die Teresina Th. a. Kurfürstendamm 8 Uhr: Regen es burchaus erwünscht, wenn eine Berständigung Deutschlands unb Frankreichs so rechtzeitig herbeigeführt würde, daß die notwendige Einigung über die Zollfrage nicht noch durch innerwirtschaftliche Schwierigkeiten Frankreichs länger hinausgezögert wird. Cine Verständigung mit Frankreich aber wäre der erste und entscheidende Schritt für die engere Berflechtung der Wirtschaftsinteressen Deutschlands auch mit anderen Staaten, die über turz oder lang die Schaffung der Bereinigten Staaten von Europa mit dem Biele der Wiederherstellung der europäischen Wirtschaftstraft bringen wird. Die kommende Weltwirtschaftskonferenz. Ueber die Bemühungen für das Zusammentreten des vorbe reitenden Ausschusses für die Weltwirtschafts. tonferenz hört der Reichsdienst der Deutschen Presse, daß be reits eine ganze Anzahl führender Persönlichkeiten ihre Zustimmung gegeben haben, fich an den Arbeiten des Ausschusses zu beteiligen. teffen Borsiz der frühere Schweizer Bundespräsident Ador über nimmt. Aus England, Italien, Schweden, Belgien, Frankreich, der Tschechoslowakei, Japan, der Schweiz und Desterreich liegen schon Busagen bekannter Wirtschaftsführer vor. Neben Deutsch land sind ferner Rußland, Polen, Spanien, die fleineren europäischen Länder und mit Ausnahme Japans die wirtschaft lich bedeutenden überseeischen Nationen in der Liste der Zusagen, soweit dieselbe bisher im engeren Kreise bekannt geworden ist, nod) nicht vertreten. Dies will nicht heißen, daß in den genannten Ländern die Einladung an maßgebende Personen unterblieben märe. Bielmehr haben diese lediglich mit der Antwort zurück gehalten. Was die Bereinigten Staaten angeht, so ist die Frage noch offen. Was die Vereinigten Staaten angeht, so ist die Frage noch offen. ob die amerikanische Regierung prinzipielle Bedenken gegen die Be teiligung prominenter Bersönlichkeiten des amerikanischen Wirt Schaftslebens aufrechterhalten wird. Es ist fein Geheimnis, daß gewiffe amerikanische Kreise den Standpunkt vertreten, daß man eine allzu enge Verknüpfung mit den internen Fragen des europäischen Wirtschaftslebens vermeiden müsse. Man glaubt jedoch in qut in formierten Kreifen nicht, daß die Bereinigten Staaten durch eine glatte Absage ihr völliges Desinteressement zum Ausdrud bringen werden, sondern angesichts der nahen Beziehungen und unlöslichen Zusammenhänge, die sie mit der Gesamtweltwirtschaft verbinden, ihre Sondererfahrungen in ben Dienst der Konferenz stellen werden. Der New Yorker Distonijah auf 4 Proz. Die New Yorker Bundesreservebant hat, mit Birkung vom 8. Januar ab, ihren Distonifah von 3% auf 4 Bros. erhöht. Die Herauffeßung, die bei der wachsenden Abhängigkeit Deutschlands vom internationalen Kapitalmartt für uns von besonderer Bedeutung ist, wurde schon gegen Anfang November täglich erwartet, als die übrigen Bundesreservebanten in rascher Folge thre Säge sämtlich auf 4 Proz. erhöhten. Zum gegenwärtigen Moment hat diese Maßnahme erheb. Casino- Theater Trianon- Theater] Täglich 8 Uhr: Die tolle Posse Der Meisterboxer Der Gipfel des Humers! Tel. Zentr. 2391 Täglich 8 Uhr: Das Gespensterschiff von Rud Lothar u Oscar Ritter a. das neue Progr. Ein lustiges AbenSchiffbauerdamm The Schiffbauerdamm Herrnfeld 8 Uhr. 8U Der fröhliche Weinberg m Intim.Th. Lustspielhaus Ein mener Berrafeld 8 Uhr: Der blaue Yogel Waliner- Theater 8 Uhr: Familie Schmock Milieu- Komödie aus Berlin Wi 3 Akt. Kolportage Metropol- Theater Berliner Theater Tägl. 8 Uhr Revue- Operette die gr. Revueposse J.Messalinette No no Nanette Barnowsky- Bühnen Städtische Oper Königgratz.Sir. Charlottenburg 6½ Uhr: Die Walküre Sür Dich CHADHILDEVUE TAGLICH 84 Deutsches Theater Theater 1. a. 71 Uhr Das Käthchen Lützowst.112 8 Uhr: Einen Jux will er sich machen Stg. nachm 32U Kl. Preise Wie es euch gefällt Die Tribune 8 Uhr: Die tote Tante Stg. nachm. 32 U KI. Pre- se V. Heilbronn Verlorene Mädchen Zurück zu Methusalam von Kleist Regie: Eugen Klöpfer Berliner Volksstück mit Gesang u. Tanz Parkett von 50 Pf.an. Komödienhaus 8 Uhr: 1. Teil Preise 1 M bis 10 M. Sonnt. nachm 4 U.: Der lustige Fridolin. Kammerspiele Parkeit von 25 Pi. an 8 Uhr Die neuen Herren Lysistrata Residenz- Th Walhallavon Donnay Regie: E. Engel Preise 4 M bis 19 M Die Komödie 8 Uhr: Theater Weinbergsweg Die Durchgängerin 8% Täglich 8 Erika v. Tellmann Kurt Vespermann Preise v. 1-10 M Heute 3 Kl Pr Schneewittchen Kurfürstendamm 206/7 Stg 3% z letzt. M 8 Unr Das Mädchen ohne Ehre Sensationsstück mit Musik Parkett nur 50 Pf. Jugendfreunde Central Theater Gesellschaft Thalia- Th. von Galsworthy 8 8 Uhr: Der Fremde Regie: M. Reinhardt Letzte Vorstellungen Th. a. Nollendorfpl. Preise 4 M. bis 12 M. Uhr: Annemarie 8 Uhr: Pre se v 1-9 M. Die offizielle Rose- Theater 4: D. Froschkönig u. d. eiserne Heinrich 81, Uhr Wenn der Flieder blant Circus Fran Heute 3( KI Pr) Ransel u.Gretel Operette in 3 Akten Sg. letzte Nach- Preise 1 M. bis 10 M. mittags- Vorstell 32: Annemarie Th. in d. Klosterstr. Voranzeige! Freitag, 16. Jan 3 Uhr: Schwebende Jungirau Culbert- Novia Admiralspalast BUSCH Lene, Lotte, Liese Tarich Uhr: Sonnab. u. Sonot. 3 U. Josefinens Töchter Sbd.balbePreis Stg.a and 1 Kind frei Erwachs, and Kind halbePreise Vollständ. Progr. u. z. Sch. Robinson Crusoe Täglich 7 Uhr Molly Wessely Joseline Dora Oscar Sabo HALLER REVUE Georg Baselt Adufung! Theater in der Kommandantenst. Letzte Vorstellungen! 8 Uhr: noch wenige Tg. Die blond. Mädels Der Graf von Preise von 1-8 M. Monte Christo SCALA 8 Upr Internat. tg 3% U. letzte Nachm- Vorstell. D. blonden Mädels Welle 505 Jeden Sonntag 3 Uhr die ganze Vorstellung zu haben Preisen! Neues Th. am Zoo Allabend! 8 Uhr: Guido Thear,& Westons Thielscher Das große Operettenhaus in Tägl. 8 Uhr. D. wahre Jakob Varieté Das Spiel Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. u. die Liebe Operette von Gilbert Friedenspreise M. 0,50 bis 10, KleinePreise Parkett... 1-2 Mk. 3-4 Im dritten Akt Auftreten von Josma SelimRalph Benatzki teuer an Bord SCHUTE MADKE Ownings Rabal Reklamemarken fernist sep 45 Jahren ds Spezialitat Conrad Müller Schwenditz Leipags esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im " Vorwärts" und trotzdem !! billig!! Komische 8% Oper Dir.: James Klein 81 Größte Revue der Welt Von ' ADI. Z bis Parkett 6.-M. Prelse 2.- bis 12.- M. ( Logen 15.- M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl 160 77. Tägi. S Uhr. auch Sonntag nacam. 8 Uhr( zu halben Preisenį. Vollständig neues Programm! 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Januar Neue Autohalle am Kaiserdamm Zirkus der Zehntausend Das Riesenprogramm in 30 Teilen Deutsches Tonkünstler- Orchester Preise: 0,70 bis 5 Mark Täglich 8 Uhr, außerdem Sonnabend und Sonntag 4 Uhr nachm. zu halben Preisen Alte Autohalle am Kaiserdamm Die Bunte Stadi Der moderne Vergnügungspark tägl. 3-10 Uhr geöffnet Eintrittspreis 50 Pfs, Kinder die Hälfte Abends 7 Uhr: Frei- Vorstellung Jack Blizzard Der Todessprung des brennenden Teufels Karten zum Zirkus der Zehntausend berechtigen zum treien Eintritt in die Bunte Stadt liche Ueberraschung hervorgerufen. Das amerikanische Bundes reserveamt( die Behörde, die etwa unserer Reichsbant entspricht) hat noch in ihrem Neujahrsbericht davon gesprochen, daß keinerlei Ueberspekulation auf den Warenmärkten vorliege, trotz der sehr lebhaften Geschäftstätigkeit. Auch sprach gegen eine Diskonterhöhung, daß sich die Verhältnisse des amerikanischen Geldmarktes in den letzten Tagen ausgesprochen flüssig und leicht gestaltet hatten; der Satz für täglich fällige Kredite, der vorübergehend bis 6 Proz. bes tragen hatte, war wieder auf 4 Proz. heruntergegangen. Trotzdem erfolgte jetzt die Diskonterhöhung in New York. Die Bank von England wird wahrscheinlich dieser Maßnahme folgen müssen, da sonst mit einem Kapital( und Gold-) abfluß von London nach New Dorf gerechnet werden muß.- Auf die Diskontpolitik der deutschen Reichsbant, die befanntlich eine Ermäßigung des Banffages von 9 auf 8% oder 8 Proz. erwägt, werden diese Maßnahmen wahr. scheinlich ohne Einfluß bleiben. Der Zweck der New Yorker Disfonterhöhung ist, neben einer Erhöhung der Reserven der New Yorker Bundesreservebant, die Abdämpfung der spekulativen Hochkonjunktur auf dem Effekten- und Grundstüdsmarkt. Neuaufträge für deutsche Werffen. Wie gemeldet wird, haben die deutschen Werften in den letzten Wochen nicht unerhebliche Neubau aufträge erhalten. Es handelt sich um Aufträge über 3irfa 60 000 Tonnen, die von deutschen Reedereien gegeben werden. So baut Blohm u. Boß für die Hamburg- Amerita- Linie den vierten Ballin- Dampfer New Vort" mit 21 000 Tonnen. Die DeutschAuſtral hat bei Blohm u. Voß, dem Bremer Bulkan und der Flensburger Schiffbaugesellschaft drei Frachtdampfer von 8000 bis 9000 Tonnen bestellt. Kleinere Schiffe von 2000 bis 4500 Tonnen wurden von der Hamburger Reederei E. Ruß, der Hapag- Seebäderdienst G. m. b. H. und der Reederei Laeisz- Hamburg der Flensburger Schiffbaugesellschaft, dem Stettiner Bultan und der Tecklenborgwerft in Auftrag gegeben. Die Aufträge dürften mit günſtigen Nachrichten zusammenhängen, die über die Beschäftigung der deutschen Reedereien in den letzten Monaten umgingen und die auch an der Börse zu bedeutenden Kurssteigerungen der Reedereiattien Anlaß gaben. Vom Ausland waren keine Aufträge hereinzubringen. 40- Millionen- Dollarkredit für die dänische Nationalbant. Die dänische Nationalbank hat mit der Banker Trust Co. ein Abkommen über die Gewährung eines einjährigen Kredits in Höhe von 40 Millionen Dollar für Zwecke der Stabilisierung der Währung abgeschlossen. Die Bedingungen für diese Kreditgewährung follen günstiger sein als eine ähnliche Kreditoperation, die mit der National Citybank im Jahre 1925 abgeschlossen wurde. Aufheiternb, teine wesentlichen Niederschläge, fübler, Nachtrost. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berfn.( Nachbr. verb.) Für Deutschland. In Westdeutschland Eintrübung und Erwärmung, in Mitteldeutschland Ausbeiterung und Abfühlung. Im Diten noch einzelne Niederschläge. APOLLO THEATER Friedrichstr. 218, Untergr. Kochstr. 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Ost greifen sie planmäßig ferne Ameisenbaue an, rauben die Larven und Puppen und erziehen sie zu in Sklaverei lebenden Arbeitern und Soldaten. Und dieser rote Bau sah auch ganz so aus wie eine Erziehungsanstalt. Wehe, Ameisenschmach! So durch ein fremdes Tor treten! Sie konnte nichts dafür, daß sie sich abends verspätet hatte! Sie— deren Namen ich nicht einnral zu nennen vermag— denn er besteht aus in Lauten nicht ausdrückbaren Fühlerbewegungen— war mit drängendem Instinkt heimgeeilt, als ihr der weiße Berg den Weg versperrte. Sie wollte den weißen Berg erklimmen, wurde aber jedesmal abgeschüttelt. Denn der weiße Berg war ein Mädchen, das .m Gras saß und Finger hatte. Sie mutzte ihm ausweichen. Als sie ihn bereits