Abendausgabe Nr. 14 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 7 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Sonnabend 9. Januar 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Deutschnationale Skandale. Die Genfer„ Stellenjägerei" vor dem Auswärtigen Ausschuß.- Der Fürstendiener Everling bleibt! Der Auswärtige Ausschuß beschäftigte fich heute bei| deutscher Jntereffen aus dem Standal entstehen mußte. Wie steht starker Anwesenheit von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern Deutschland vor der Welt da? Es ist noch nicht im Völkerbund und mit dem Standal, den die Rechtspresse wegen angeblicher deutscher Stellenjägerei bei dem Generalsekretariat des Bölkerbundes in Genf angezettelt hat. Hermann Müller- Franken verlangte die Oeffentlichkeit der Verhandlungen, da zwei große Parteien der Rorruption beschuldigt worden seien. Da auch der Reichsaußenminister gegen eine öffentliche Verhandlung nichts einzuwenden hatte, wurde die Bertraulichkeit aufgehoben. " schon hat die Rechtspresse den Eindruck erwedt, als rauften fich deutsche Parteien um ein paar fette Bölkerbundsposten wie Hunde um einen Knochen.( Lebhaftes Sehr richtig!) Das Auswärtige Amt hat zunächst gefchwiegen. Die Tägliche Rundschau", der man bis zum heutigen leichten Abrüden des Reichsaußenministers- engste Beziehungen zu Dr. Stresemann nachsagte, bestätigte die Meldungen der Rechtspresse. Der Reichsaußenminister hätte sofort von der„ Täglichen Rundschau" abrüden müssen. Er und das Auswärtige Amt schwiegen aber noch immer. Erst wurde geantwortet. Jedoch wie? als der„ Vorwärts" drei formulierte Fragen aufstellte, wurde geantwortet. Jedoch wie? Der Reichsaußenminister verteidigte immer wieder mit dem Eifer eines alten Bureaukraten sein Amt, gab aber nicht die Aufklärung, die im Interesse der Deffentwar. Ich mußte am 29. Dezember dem Herrn Reichsaußenminister eine Erklärung darüber, daß Der Borsigende, Abg. Hergt, gab einen Bericht über die Borgänge, die mit einer verleumderisch zugespizten und sensationell auf gemachten Meldung der Nachtausgabe des„ Tag" am 24. Dezember beginnen. Hergt meinte, daß folgende Fragen noch zu flären seien: Wie tam die Nachricht über die angebliche Stellenjägerei in die Presse? Wie erhielt der Sozialdemokratische Pressedienst Kenntlichkeit gegenüber den Berleumdungen der Rechtspresse angebracht nis von dem Eingang eines Telegramms des deutschen Generalfonfuls in Genf bei dem Auswärtigen Amt? Welches ist der Inhalt des Schreibens des Herrn Abg. Marg nach Genf, dessen Inhalt er dem Auswärtigen Amt übermittelt hat? Was steht in dem Bericht des deutschen Generalkonsuls über die gesamte Angelegenheit? Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Das Auswärtige Amt hörte pon der Sache zuerst durch ein Telegramm des Genfer Generalfonfuls vom 5. Dezember 1925. Es meldete, der Generalsekretär des Völkerbundes habe ein Interesse, zu erfahren. wie die deutsche Reichsregierung über die Mitarbeit im General sekretariat des Böllerbunds denke. Hier schaltete der Außenminister eine scharfe Verwahrung gegen die" Germania" ein, die am Sams: tag morgen geschrieben habe, das Völkerbundssekretariat fei ein internationales Inftitut und seine Zusammensetzung gehe die Reichs: regierung gar nichts an. Stresemann fuhr fort: Der Generalsekretär des Bölkerbundes selbst ist anderer Ansicht. Er hat nie einen Zweifel darüber gelaffen, daß er zur gegebenen Zeit nach Berlin fommen werde, um über die Stellenbefehung und anderes mit uns zu verhandeln. Werden Sie doch nach unserem Eintritt in den Bölkerbund zwei Millionen Reichsmart für die Unterhaltung des General. sekretariats im Reichsetat eingesetzt finden. Auf das erste Telegramm des Generalfonfuls ist vom Auswärtigen Amt gar nichts geschehen. Am 22. Dezember telegraphierte nun der Generalkonsul, daß der Generalsekretär des Völkerbundes ihn um einen Besuch gebeten und bei dieser Gelegen heit mitgeteilt habe, daß verschiedene Parteien Deutschlands Kandidatenlisten für die Stellenbesetzung einge. reicht hätten. Er sei barüber stark beunruhigt. Diese Listen, die awar nicht offiziell an ihn gelangt feien, deren Eristenz aber feststehe, fönnten zu einer schwierigen Lage für alle Beteiligten führen. Er halte an dem Plan fest, zur geeigneten Zeit direkte Berhandlungen mit der Reichsregierung aufzunehmen. Unser Generalfonful antwortete, ihm sei von Bewerberlisten nichts bekannt. Am 6. Januar 1926 telegraphierte der Generalfonful unter anderem, daß der Generalsekretär des Bölkerbundes ihm erklärt habe, er wünsche nicht, daß bei seinen Berhandlungen mit der Reichsregierung diefe an Parteivorschläge gebunden sei. Stresemann fordert, daß ongesichts solcher Sachlage die Vorwürfe gegen den Generalkonsul rückhaltslos zurückgenommen werden sollen. Er sagt bann weiter: Das Auswärtige Amt hat mit dem Weihnachtsartikel des" Tag" nichts zu tun. die Sozialdemokratie an den ganzen Vorgängen nicht beteiligt sei, geradezu abringen. Warum hat der Reichsaußenminiffer diese wichtige Erklärung, die doch keine Privatangelegenheit zwischen ihm und mir war, nicht durch das Wolffiche Telegraphenbureau weitergegeben? Ein gewisses Mißtrauen von uns war berech tigt. Wenn man wie wir überfallen wird, ist Notwehr berechtigt, man haut um fich, und es fann vorkommen, daß einmal ein Un rechter getroffen wird. Der Reichsaußenminister hat wiederholt von unerhörten Verdächtigungen der sozialdemokratischen Presse" gesprochen. Aber gegen die Berlogenheiten der Rechtspresse hat er dasselbe Wort nicht gefunden! Das Auswärtige Amt hätte es für feine Pflicht halten halten müssen nachzuforschen, woher die Brunnenvergiftung fam. Wir wissen doch nun, daß auch der Generalsekretär des Völkerbundes nicht richtig informiert war. Wer hat dem Generalsekretariat den Glauben beigebracht, es exiftierten Parteiliften? Von der Erklärung des Dr. Striegt halte ich gar nichts. Entgegen besserem Wissen hält er in seinem„ Deutschen Spiegel" die Vorwürfe gegen meine Partei aufrecht. Auf Erflärungen, die ein solcher dezidierter Nichtehrenmann abgibt, ist Peinerlei Wert zu legen. Stampfer verlieft zum Schluß unter großer Bewegung des Ausschusses einen unerhörf niedrigen Angriff der Hamburger Nachrichten", die dem Abg. Marg vorwerfen, er wolle sich in Genf ein ein trägliches Gintommen sichern, nachdem er bei der Reichs präsidentenwahl durchgefallen sei:„ Wer dem Altar dient, soll auch vom Altar leben." Das sei der Wahlspruch des Herrn Mary! Man müffe sich angesichts solcher Verleumdungen schämen, deutscher Journalist zu sein.( Beder- Arnsberg rust: Diesem Burschen gehören Ohrfeigen!) In diesen selben" Hamburger Nachrichten" hat ein Neujahrsartikel des Herrn Reichsaußenministers gestanden.( Stresemann stellt durch einen Zwischenruf fest, er habe den Artikel für eine Zeitungskorrespondenz geschrieben.) Stampfer schließt: Die ganze Angelegenheit ist ein Glied in einer endlosen Kette von Berleumdungen gegen die republikanischen Parteien. Der Kampf gegen diese Ver. leumderpresse muß energisch geführt werden. Abg. Dr. Marr: Die Barteiführer der Rechtsparteien sollten endlich gegen den sittlichen Niedergang der Rechtspresse auftreten. Die Unruhe in Genf und das höhnische Gelächter in der Welt ist erst durch die Veröffentlichungen der Rechtspresse entstanden. Die Dr. Kriegt hat mir als Redakteur des„ Tag" erklärt, daß Dinge sind doch so, daß gewisse Richtungen mit allen er mit teiner amtlichen Stelle des Auswärtigen mitteln versuchen, die republikanischen Parteien von einAmtes über die Angelegenheit gesprochen habe. Zu der Täg- flußreichen Stellen unbedingt fernzuhalten. Das scheint mir lichen Rundschau", die immer wieder als mein Organ bezeichnet mehr Stellenjägerei zu fein als unsere berechtigten Ansprüche. Ich wird, habe ich nur insofern Beziehungen, als der Chefredakteur und leugne nicht, daß ich auf Anfrage aus Genf Namen von Persönlichein Redakteur meine Parteifreunde find; sie werden von mir nicht feiten genannt habe, die auf dem Boden der jetzigen Staatsform in höherem Maße informiert als andere volksparteiliche Organe. stehen. Das war meine Pflicht. Zum Ueberfluß habe ich dem AusDer Redaktionsst ab der Täglichen Rundschau" umfaßt so wärtigen Amte davon Mitteilung gemacht. Ich bin zwar Partei wohl Deutsche Volksparteiler wie Deutsch nationale. Bei dem vorsitzender, aber mein Schreiben nach Genf war mur ein persön Aufgehen der Zeit" in die Tägliche Rundschau" habe ich mir liches. Ich erinnere aber daran, daß schon bei den Regie lediglich vorbehalten, daß das Blatt Notizen von mir zu rungsverhandlungen das Zentrum seinen Anspruch bringen hat. Hinsichtlich der Stellenbefegung in Genf ist zu auf größere Berüdsichtigung in den Aemtern ange fordern, daß die in Betracht kommenden Persönlichkeiten über Fach- meldet hat. Wir sind bereit, unsere Forderungen vor dem ganzen fenntnis, Berwaltungspragis und politische Lebensart verfügen. Lande zu erörtern. Es geht in den Reichsministerien einfach nicht mehr so weiter, Im vorliegenden Falle läßt sich sehr schwer ein Beweis führen, daß die Kampagne aus dem Auswärtigen Amt beeinflußt ist, aber ein gewisses Mißtrauen bleibt. Abg. Stampfer: Unsere Partei wurde fückisch aus dem Hinterhalt überfallen. Anständige Gegner hätten, selbst wenn die Bor. würfe so wahr gewesen wären, wie sie verlogen sind, immerhin idealistische Motive annehmen fönnen. Zweifelt doch die Rechtspresse im Falle des deutschnationalen Abgeordneten Dr. Everling, der zugleich Rechtsanwalt eines deutschen Fürften und Bolksvertreter Im Reichstagsausschuß ist, nicht die idealistischen Motive dieſes Herrn an. Im Genfer Falle aber schrieb man täglich hämisch von den tausend und zweitausend Schweizer Frank Monatsgehalt und von unferer Futtertrippenjägerei. Wir hatten das Recht, uns zu mehren, und hatten auch den Anspruch, von den amtlichen Stellen geschützt zu werden, die die Wahrheit kennen mußten. Der Reichs außenminister hat leider in diesem Falle die Kunst des Voraussehens nicht gezeigt. Er hätte voraussehen müssen, daß eine Schädigung Rosenberg( Romm.): Daß die Sozialdemotratie mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, steht fest. Dagegen ist der Schritt von Marg nicht zulässig und Ursache der ganzen Diskussion. Der Einfluß auf die Stellenbelegung in Genf muß der Regierung vorbehalten bleiben. Koch( Dem.): Das Auswärtige Amt hat nichts getan, um die unschuldig Verdächtigten zu verteidigen. Erst als der„ Borwärts" fich wehrte und das Auswärtige Amt angriff, begann man sich zu entrüsten. Es muß hier durch Beschluß festgann man fich zu entrüften. Es muß hier durch Beschluß fest gestellt werden, daß es sich um Berleumdungen handelt, an denen nichts Bahres ist. Hoeksch( Dnatl.): Soweit die Nachricht die Sozialdemokratie betrifft, ist sie zweifellos unkorrekt. Man tann aber von uns nicht verlangen, daß man den Brief von Marg als einen Privatbrlef be trachtet. Wir Deutschnationalen hätten auf seinen Brief überhaupt nicht geantwortet.( Heiterkeit und Widerspruch.) Es handelt sich um einen Standal, an dem die Sozialdemokratie nicht schuldig ist, an dem aber das Zentrum und Herr Marr schuldig find. Reichsaußenminister Stresemann: Am 25. Dezember lagen doch schon die Erklärungen der Parteien vor. Das Auswärtige Amt konnte nur sagen, daß es nichts wisse. Daß mir Stampfer die Erflärung für den„ Borwärts" erst ab ringen mußte, ist unrichtig. Das Amt hat sich auch gegen die Rechtspresse gewendet. Ich glaube also loyal gehandelt zu haben. Das Schreiben des Herrn Marg ist mir am 10. Dezember zugegangen. Ueber 200 Personen, die Marg genannt hatte, haben sich beim Minister Brauns erfundigt. Ich habe nicht daran gedacht, gegen den Herrn Kollegen Marg einen Vorwurf zu erheben. Hilferding( Soz.): Die Ausführungen des Ministers sind nicht befriedigend, er übersieht da die Tragweite des Vorfalles. Hoetzsch hat auf das Vorgehen von Marg das Wort„ Standal" angewendet. Das muß ich zurückweisen. Was Marg getan hat, ist sein gutes Recht. Mich hat am 24. Dezember abends ein amerikanischer Jour nalist angerufen und mir gesagt, er habe sich in Genf erkundigt und dort sei ihm gesagt worden, es sei an der Sache schon etwas wahr. Daß noch immer in der Genfer Affäre Hezartikel in der Rechtspresse erscheinen fönnen, ist eine Folge der zu spät und unflar erfolgten amtlichen Dementis. Was die Ausflüchte der Führer der Rechtspartelen betrifft, so ist selbstverständlich, daß jeder Parteiführer auf die Presse seiner Partei Einfluß gewinnen tann, wenn er nur ernstlich will. Hilferding begründet folgenden auch vom Zentrum und den Demotraten unterstützten Antrag: Der Auswärtige Ausschuß stellt feft: Für die Behauptung, die Sozialdemokratie oder führende Parteimitglieder hätten auf das Völkerbundssekretariat mittelbar oder unmittelbar einzuwirken verfucht, damit Angehörige der Partei zu Mitgliedern des Sekretariats ausgewählt würden, fehlt jede tatsächliche Unterlage. Abg. Graf Lerchenfeld( Bayr. Bp.): Das Ziel dieser ganzen Breffehezerei ist, die Dinge so darzustellen, als ob im heutigen Deutschland alles korrupt sei. Tatsächlich kann in dieser Angelegenheit von Korruption nicht die Rede sein. Abg. Dr. Fehrenbach( 3.) wirft dem Reichsaußenminister vor, daß er nicht rechtzeitig und nicht genügend für Aufflärung gesorgt habe. Die ganze Kampagne der Rechtspresse sei etelhaft. Man müsse es bedauern, wenn eine Partei nicht in der Lage sei, Remedur zu schaffen oder ein Presseorgan abzuschaffen, wenn es sich in dieser gemeinen Art an der Ehre anderer Parteien vergehe. Abg. Dr. Scholz( D. Bp.) erklärt, daß an der Sozialdemokratie fein Vorwurf hängen bleibe. Was das Zentrum betrifft, so wäre es besser gewesen, wenn der Schritt des Herrn Marg unterblieben wäre. Für den Antrag Hilferding werde seine Partei stimmen. Scholz beantragt jedoch einen Zusaß, daß weder das Auswärtige Amt noch der Generalkonsul sich eine Pflichtverletzung hätten zuschulden kommen lassen. Der sozialdemokratische Antrag wird schließlich mit dem volksparteilichen Zufahantrag mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die äußerste Rechte und die kommunisten. Die geldhungrigen Fürsten. Bei Beginn der heutigen Sitzung des Rechtsausschusses erhält zur Geschäftsordnung Dr. Rosenfeld das Wort und erklärt: Ich stelle fest, daß der Abg. Gverling auch heute wieder in der Sigung des Rechtsausschusses erschienen ist, trotzdem gestern die größten Parteien des Reichstages durch Erklärungen zu erkennen gegeben haben, daß fie feine Mitwirkung im Ausschuß nicht billigen. Die Deutschnationalen haben gestern zum Fall Everling teine flare Erflärung abgegeben. Ich frage, ob die Deutschnationalen nunmehr zum Fall Everling Stellung genommen haben. Abg. Lohmann( Dnat.): Als Obmann der deutschnationalen Mitglieder des Rechtsausschusses habe ich zu erklären, daß wir unseren Kollegen Everling einstimmig gebeten haben, auch fernerhin an den Sigungen des Rechtsausschuffes teilzunehmen. Dr. Rosenfeld: Diese Erklärung charakterisiert die deutschnationale Fraktion. Wir müssen uns weiteres vorbehalten. Abg. Neubauer( Komm.): Wir sind nicht erstaunt über das Berhalten der Deutschnationalen. Sie vertreten in Wahrheit ja doch nur die Intereffen der abgesetzten Fürstenhäuser gegen das Bolt. Abg. Everling: Wir treten nicht nur für den monarchistischen Staatsgedanken, sondern auch für den Rechtsgedanken ein. Des halb sehen wir feinen Widerspruch zu unserer Auffassung in der Mitwirtung im Ausschuß, auch wenn ein einzelner als Rechtsanwalt in fachlicher Weise tätig ift. Bon einem Interessenkonflikt faun feine Rede sein. Wir führen den Kampf um das Recht vor Gericht und im Parlament Abg. Rosenfeld: Es ist eine Unverfrorenheit, wenn Abg. Everling nach dieser Enthüllung über feine Beziehungen zum Fürfienhaus von Altenburg noch von der Bertretung von Recht und Gerechtigkeit spricht. Der Vorf.: Ich bitte, daß die Herren sich allseitig redyt ruhig äußern, damit die Verhandlungen ohne Störung durchgeführt werden fönnen. Rofenfeld( fortfahrend): Nicht wir haben einen Skandalfall gefchaffen, wie Everling meint, sondern er hat einen Standal geschaffen, indem er trotz seiner persönlichen Interessiertheit an der Fürstenabfindung hier als Bolfsvertreter mitwirft. 3um mindesten liegt ein Gewissenstonflikt vor. Ob aber ein solcher bei deutschnationalen Abgeordneten in Frage kommten fann, mag dahin gestellt sein. Nach der Erklärung der Deutschnationalen müssen wir aussprechen, daß der Abg. Everling durch seine Eigenschaft als Rechtsvertreter eines prozeffierenden Fürstenhauses den Ansprüchen der Fürsten nicht objektiv gegenübersteht, wie jeder andere deutsch nationale Abgeordnete! Der Vorsitzende teilt mit, daß der thüringische Finanzminister Klüchner an der nächsten Sizung des Rechtsausschusses nicht mehr teilnehmen kann. Deshalb wird beschlossen, die Besprechung des Falles Everling abzubrechen und die thüringischen Verhältnisse weiter zu besprechen. Bei der Erörterung über die Schmal faldener Forsten, die der preußische König ohne Zuffimmung des Parlaments dem Herzog von Gotha geschenkt hat, wird auf Be fragen des Abg. Landsberg festgestellt, daß diese Schenkung bereits vor der Besetzung von Hessen erfolgt ist und daß in der Tat der König von Preußen ganz eigenmächtig Land verschenkt hat! M Zur Regelung der Auseinandersetzung mit dem Fürsten haus Schwarzburg Rudolstadt teilt der thüringische Finanzminifter init, daß der am 2. Rovember 1918 abgeschlossene Auseinandersehungsvertrag von dem Fürsten angefochten werde, weil er gegen die guten Sitten verstoße. Die gleiche Anfechtung wird verfucht gegenüber dem Auseinandersetzungsvertrag mit dem Fürsten non Schwarzburg- Sondershausen. Auf Fragen des Abgeordneten Dr. Rosenfeld muß der Finanzminister Klüchhner fest stellen, daß in der Tat jeht der 25. Prozeß wegen Auseinandersetzung mit einem thüringischen Fürsten der thüringischen Regierung zugestellt worden ist. Genoffe Dr. Rosenfeld weist darauf hin, daß in Sondershausen die Revolution sich besonders friedlich abgefpielt habe. Die Republit fei noch beschloffen worden durch den alten Landtag, der aus sechs vom Fürsten ernannten, aus fechs der Höchstbesteuerten und mur aus sechs aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Abgeordneten bestand. Dieser Landtag habe auch am 2. Januar 1919 den Auseinandersetzungs. vertrag gebilligt. Wie fönne man hier wegen 3wang oder Drohung den Vertrag anfechten wollen oder ihn als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnen? Unser Vertreter brachte weiter zur Sprache, daß der thüringische Finanzminister nähere Auskunft in einer Konferenz gegeben habe, aber merkwürdigerweise die demokratische und die sozialdemokratische Presse ausgefchloffen worden sei. Der thüringische Finanzminister erwiderte darauf: Es hat nicht eine Preffefonferenz stattgefunden, sondern es wurden die Presse vertreter geladen, die um Aufklärung gebeten hatten. Auch die Regierung vertritt den Standpunkt, daß von irgendeinem 3wang auf den Fürsten feine Rede sein tönne. Die fürstliche Prozeßpartei fage selbst nur, daß eine widerstandsfähigere Natur als der Fürst Günther sich nicht so schnell zu jenem Vergleich hätte breit schlagen laffen. Munmehr wendet sich der Ausschuß der weiteren Erörterung des Falles Everling zu. Die Kommunisten beantragen, daß der Ausschuß beschließt:„ Ein Abgeordneter, der als Prozeßvertreter die Interessen eines Fürsten Verspäteter Silvesterulk. Der Lysistrata- Stoff ist ein dankbares Objekt für luftige dramatische Gestaltung. Die erste Komödie hat Aristophanes geschrieben ( und sie ist auch vor Jahren in Berlin aufgeführt worden). Da schon zu des Aristophanes' Zeiten Lysistrata eine politische Zeitfatire getoefen ist, so mußte man, um sie quicklebendig zu machen, in der Bearbeitung für die Gegenwart jedesmal neu frisieren und mit luftigen Spigen gegen die Dummheiten des Jahres versehen. Der Franzose Maurice Donnay hat es vorgezogen, statt einer folchen Neubearbeitung die Komödie fieber ganz neu zu schreiben. Die Kammerspiele, die gestern Donnay's Lysistrata" zum erstenmal brachten, haben aber übersehen, daß auch seine Bearbeitung viele Jahre alt und daß Baris nicht Berlin ist. Daher mußte die Lysistrata wiederum für Berlin umgeschminkt werden. Daß bei einer so verzwickten Bearbeitungsferie nicht allzu viel heraustommen würde, war von vornherein flar. Bekanntlich ist der Lysistrata- Stoff ein bißchen heifel. Die Frauen legitime Ehefrauen und illegitime Flittchen sind des find des langen Krieges und der Berwaifung ihrer Betten müde. Sie wollen fich auch nicht mehr mit den flapprigen Etappenhelden begnügen. Daher befchließen fie furzerhand, bei dem nächsten kurzfristigen Waffenftillstand fich den heimfehrenden Urlaubern zu derfagen und durch diesen Liebesftreik den Frieden zu erzwingen. Wie man sieht, ein außerordentlich intimes Thema, dessen Behandlung viel Geschmad erfordert, wenn der Berfaffer nicht in den Ruf eines Ferfels fommen will. Da sich aber nach Aristophanes und Donnan's und vieler anderer vernünftiger Leute Meinung die ganze Welt um diesen einen Bunft dreht, so ift an fich gegen eine ausführliche Behandlung der Sache nichts zu sagen. Es ist ja niemand verpflichtet, ins Theater parfett Kinder mitzunehmen. Auch ist Donnan zuzugestehen, daß er die schwüle Angelegenheit mit Taft und Wig auseinandersetzt. Aber über der Borführung in den Kammerspielen waltete von vornherein ein böser Unstern. Es sollte eine Silvester- Borstellung merden, in der die Premierenbesucher sowieso bereit sind, ausgelaffen, frei und luftig zu sein. Die Hauptdarstellerin, Frau Eckersberg, erTrankte und die Borstellung fam erst gestern heraus. Aber auch da mar fie noch nicht in Stimmung und auch auf den übrigen Dar stellern lag irgendeine dumpfe Last. So tam der Funke, der von der Bühne ins Barfett überspringen sollte, nicht zustande. Die Komödie zündete nicht. Das Publifum verhielt sich eisig und dies Ver halten wieder lähmte die auf der Bühne. Obgleich der Regisseur Erich Engel tomische Einfälle gehabt hat, tam bie richtige pridelnde und fprißige Laune nicht auf. Und die wäre nötig gewefen, um die Eindeutigkeit des Themas durch Romit zu übertönen. 2Lber Else Edersberg, niedlich und reizend wie immer. durch ihre Krankheit bedingt- nicht mit allen Sprühteufelchen im Leibe fam mit einem Kinderroller auf die Bühne geschwirrt und eroberte sich im Nu die Herzen des Publikums. Leider aber verfacte im zweiten und dritten Akt das Tempo vollständig. Manchmal gähnte man und man wurde zu selten durch luftige Wigmorte aus der lastenden Müdigkeit aufgeftört. Von allen Hemmnijjen frei war nur Grete Mosheim, die eine noch unbefriedigte iunge Ebefrau ipielte. Ihr Kindertrog, ihr füßes Schmollen, ihr un -W vertritt, ist von der weiteren Teilnahme an den Beratungen ausgeschlossen." Abg. von Richthofen( Dem): Wir halten es nach wie vor, nicht für richtig, daß der Abg. Everling an den Beratungen teilnimmt. Der kommunistische Antrag aber ist unzulässig. Abg. Schulte( 3): Ich wiederhole unsere gestrige Erklärung und bedauere befonders, daß die Deutschnationalen heute jogar den Abg. Everling noch ein ftimmig aufgefordert haben, im Ausschuß zu bleiben. Abg. Brodauf beantragt, die Angelegenheit Everling dem Präsidenten des Reichs. tages mit dem Ersuchen zu überweisen, daß er eine Entscheidung des Aeltestenrates herbeiführe. Dr. Barth( Dnat.): Die Vorwürfe gegen meinen Fraktionskollegen Everling find maßlos und ganz unge heuerlich übertrieben. Diese Vorwürfe sind nicht berechtigt. Der heuerlich übertrieben. Diese Vorwürfe sind nicht berechtigt. Wir werden uns an der tommunistische Antrag ist unzulässig. weiteren Beratung der Sache nicht mehr beteiligen. Abg. Kemptens ( D. Bp.): Der kommunistische Antrag ist unzulässig. Dr. Rosenfeld: Namens meiner Freunde habe ich folgende Er flärung abzugeben: Der sozialdemokratischen Fraktion erscheint es unzulässig, daß an der Beratung der vorliegenden Gesetzentwürfe ein Abgeordneter teilnimmt, der in einem Prozeß eines Fürstenhouses gegen ein deutsches Land als Anwalt des Fürsten hauses tätig ist. Die sozialdemokratische Fraktion würde ein Mit glied zurüd ziehen, von dem ihr nachträglich bekannt werden würde, daß es in einem privaten Auftragsverhältnis steht, das zum Wider streit mit den Abgeordnetenpflichten führen könnte. Den fommuniftischen Antrag halten mir für unzulässig. Die Kommunisten follten an die Konsequenzen denten, die sich sehr leicht und zuerst gegen sie felbft richten würden. Abg. Schulte( Str.): Wir halten den Ausschuß nicht für zu ftändig, den Reichstagspräsidenten mit der weiteren Regelung der Sache zu beauftragen. Das ist Sache der einzelnen Frattionen. eine Annäherung Deutschlands an den Bölferbund verhindert haben, wie die Verknüpfung des Statuts mit dem Bersail. ler Bertrag. Die Grundlage für die Aenderung bildete der Umschwung in der seit dem Kriege in Frankreich gegenüber Deutschland befolgten Politik, der vom 11. Mai 1924 an, seit dem AufDer Redner würdigte das Dames= fommen Herriots datiert. Abkommen und hob die Verdienste der deutschen Regierung und besonders Stresemanns um die Anregung und das Zustandekommen des Locarnovertrages herver. Dieser Schritt bildete die Fortsegung der Politik der demokratischen und republikanischen Linfen, die man seinerzeit als landesverräterisch bezeichnete. Dr. Breitscheid würdigte weiter den Baft von Locarno als einen ersten Schritt in der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, die, wie faum zmei andere Länder, Die volle politische aufeinander angewiesen seien. Gleichberechtigung hätte Deutschland darin noch nicht erlangt und die Verwirklichung des Schiedsgerichtsgedankens sei noch unvollkommen. Darum werde eine der ersten Aufgaben Deutschlands im Völkerbunde sein, die Schiedsgerichtsidee zu fördern und auf eine sichere Grundlage zu bringen. Der Redner hob ferner die Wichtigkeit des Artikels 19 des Völkerbundpaktes hervor, auf den sich Deutschland in der Folgezeit werde berufey müssen, um seinen Interessen im Osten gerecht zu werden. Die Hauptsache sei, daß im Osten und Westen der Entscheid durch Waffengewalt ausgeschlossen worden ist. Der Eintritt Rußlands in den Böllerbund müsse mit allen Kräften angestrebt werden, wobei Prestigefragen in den Hintergrund treten sollten. Deutschland mache sich hinsichtlich des Völferbundes feine Illufionen, fehe aber darin die einzige Organisation, welche versuche, die Reime des Krieges zu erstiden. Deutschland wolle dem Bölker bund seine Mitarbeit angedeihen lassen, vor allem die Förderung der Abrüstung anstreben. Eine gleichzeitige wirtschaftliche Annäherung, die zu einer europäischen 3ollunion führt, ist unumgänglich. Um die Koalition in Frankreich. Die Neigung der Sozialisten, sich zu beteiligen, wächst. Abg. Landsberg( S03.): Das Zentrum sollte diese Auffassung revidieren. Wenn eine Lüde in der Geschäftsordnung auftaucht, fann doch der Ausschuß, der bei diesen Verhandlungen die Züde entdeckt hat, dem Reichstagspräsidenten zur weiteren Veranlassung davon Mitteilung machen, Das Berhalten des Zentrums erinnert an den Vers von Schiller: Immer bedien' ich mich meiner Nase zum Riechen, aber habe ich an fie auch ein erweisliches Recht?" Da das Zentrum jedoch auf seiner Auffassung bestehen bleibt, zieht der Abg. Brodauf seinen Antrag zurüd, nachdem vorher sowohl die Bertreter unferer Partei als auch die des Zen trums und der Demokraten erklärt haben, daß ihre Fraktionen den Dieses Ergebnis stellt jedoch einen bedeutenden Fortschritt Fall Everling auf jeden Fall im Aelteftenausschuß zur Sprache der Anhänger der Regierungsbeteiligung dar. Die bringen würden. Der Antrag Korsch wird von allen bürgerlichen zahlenmäßig stärkeren Berbände haben meist für die Be Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kom- teilung gestimmt. Interessant ist auch, daß die Abteilung des hefmunisten für unzulässig erflärt. „ Der Völkerbund als einzige Möglichkeit." Eine Rede Breitscheids in Zürich. Zürich, 9. Januar. ( EP.) Der Reichstagsabgeordnete Dr. Breitscheid erflärte in einer Rede in der Schweizerischen Hochschulvereinigung für den Völkerbund, auch die Linksparteien hätten den Verträgen von Locarno nicht ohne ernste Bedenken zugestimmt; selbst diese Parteien sähen im Bölferbund kein Ideal, aber sie erblickten in ihm die einzige Möglichkeit, dem darnieberliegenden Europa zu helfen und die friegerische Austragung politischer Konflitte auf alle Zeiten zu verhindern. Wenn Deutschland dem Bölkerbund beitrete, so werde es alles tun, was für die Verwirklichung der vielen Möglichkeiten, durch eine machtvolle internationale Organisation, wie sie der Völkerbund dar stelle, erforderlich fei, wenn auch für die heutige Lage rein wirtschaftliche Momente im Vordergrund ständen. Nach einem Berichte des WTB. wies Breitscheid einleitend auf den Stimmungsumschwung in der Frage des Beitritts zum Völkerbund hin, der sich seit der Genfer Rebe Mac donalds in Deutschland in fürzester Zeit vollzogen habe, und nicht zuletzt unter dem Eindruck, daß Deutschland und Europa verloren mären, wenn die politischen und wirtschaftlichen Schwierig feiten des europäischen Kontinents weiter andauern. Dr. Breitscheid gab sodann einen eingehenden Ueberblick über die Momente, die artig verzogenes Mündchen waren entzückend. Auch Camilla Spira, vor Begehren stets explosionsbereit, glaubte man ihr Temperament aufs Wort. Sie war eine mollige Liebes- Streit brecherin. Anni Mewes, eine grande Kokotte des Altertums, war die vornehmste Hure, die man sich denken kann, vielleicht ein wenig zu vornehm und zu unberührt. Aber immerhin füß anzu fehen und anzuhören. Von den übrigen Darstellern sind der qued filbrige Kurt Bois, Robert Garrison und Hans Hermann Schaufuß lobend zu erwähnen. # Ernst Degner. Nachttheater unterm Stadtbahnhof. Im Trianontheater" ist die Luft noch etwas muffig. Die vielen Leute aber auch die wenigen sind eben ausgewandert, um sich aufs Ohr zu legen. Es geht gegen Mitternacht, trotzdem soll weiter gespielt werden. Den neuen Leuten, die kommen, wird in der Muffigkeit etwas beklommen. Der Vorhang rollt auf. Ein Bett auf der Bühne, zweischläfrig natürlich). Titel: Ewig Dein!" Man liegt im Bett, man springt auf, man zieht sich an, man zieht sich wieder aus, man liegt noch einmal im Bett. Der Vorhang sentt fichy. Ewig langweilig. Das Kantharidentheater unterm Stadtbahnbogen zieht nicht mehr. Es muß dicer tommen, oder es muß feiner fommen. Es fom: nt noch eine Schauspielerparodie„ Die Berlassenen", an der sich die Komödianten im Parkett erfreuen, die nach elf Urlaub und noch feine Luft zum Schlafen haben. Sie winden sich vor Lachen bei dem geringsten Wig. Sie lachen auch, als das dritte Stüd," Die Klette", abgetan wurde. Das Bett steht hinter dem Vorhang, und die Dame, die dazu gehört, ist eine tapfere, wenn auch schon etwas moralisch heruntergekommene Jungfrau. Beinahe bereut man es nicht, in die Nachtvorstellung gelockt worden zu sein. Denn es spielt dort seltsam- zierlich ein Fräulein Raßner. In dem laiziven, um nicht zu sagen unflätigen Einafter, hat sie viele Einladungen zur Liebestätigkeit ergehen zu lassen. Obwohl sie blond ist, tut sie es mit einer eigentümlichen Geisha- Geschicklichkeit. Blondes Teemädchen mit Berlin W- Manieren. Vielleicht würde das Appetitliche dieser Bewegungen, dieser Mundstellungen und dieses Augenspielens ver loren gehen, wenn das Fräulein auf der großen Bühne stände. Jezt aber, da man ihr so nahe gerückt ist, überrascht diese Lieblich feit, obwohl sie auch von Muffigteit schon überhaucht ist. Man bat einen angenehmen Eindruck, aber auch das Gefühl, in eine Gefell fchaft geraten zu sein, von der man nicht gern seinem Beichtvater oder auch der strengen Gattin erzählen möchte Kurzum, irgendwie merden die Leute im Nachttheater unterm Stadtbahnbogen umge frempelt. Bielleicht hofft der Theaterdirettor, daß ihm Freunde felcher mitternächtlichen Verwandlung besonders getreu find. M. H. In der Fortroff- Fabrit. Tin Pan Alley, das Jazzmusik- Biertel von New Yorf, arbeitet fieberhaft, um die ganze Welt mit neuen Tanzschlagern zu versorgen. 600 neue Fortrotts werden hier in der Woche geschaffen. Die Beliebtheit eines Tanzes fann man heute zutage am besten an der Zahl der Musikstücke feststellen, die für jeden Tanz geschaffen werden. Danach steht der Fortrott bei weitem an der Spize; der Walzer folgt ihm in einigem Abstand und dann der Tango, während der einst so beliebte Onestep verschwindet. Zwar werden fehr erfolgreiche Tanzmelodien besonders bei uns in Deutsch Paris, 9. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der fozialistischen Verbände des Seine- Departements hat sich am Frei tag mit 2084 gegen 1570 Stimmen gegen die Beteiligung der Partei an einer bürgerlichen Regierung ausgesprochen. tigsten Gegners der ministeriellen Beteiligung, Leon Blum, fich mit 135 gegen mur 90 Stimmen für den Eintritt der Partei in die Regierung ausgesprochen hat. glor for Der Pariser Kongreß hat dann als Delegierte zum außerordent lichen Parteitag 7 Bertreter der Nichtbeteiligung und 5 Anhänger des Eintritts in die Regierung gewählt, die über 90 bzw. 69 Manbate verfügen. Die Luftverkehrsverhandlungen. ,, Normaler Verlauf." Paris, 9. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsch- franzö fischen Luftfahrtverhandlungen nehmen einen normalen Verlauf. Die erste Besprechung der deutschen Unterhändler mit der Unterfom mission der Botschafterfonferenz, die die Aufhebung der Begriffsbestimmungen zum Ziele hat, findet am Montag, die nächste Sizung mit den französischen Bevollmächtigten, die der Regelung des deutfch- franzöfifchen Luftverkehrs gilt, am Dienstag statt. Bon französischer Seite wird erflrät, daß Frankreich gegen die von Deutschland verlangte Aufhebung der Beschränkungen für den Bau von ausschließlich für Verkehrszwecke bestimmten Flugzeugen an fich teine Einwände erhebe, seine endgültige Zustimmung aber von ausreichenden Garantien gegen die Benutzbarkeit dieser Fahrzeuge zu militärischen Zweden abhängig machen müsse. In den gegenwärtig darüber geführten Besprechungen sei es zur Stunde noch nicht gelungen, eine befriedigende Formel zu finden. land und auch in Frankreich und England geschaffen, aber die Massenerzeugung ist ganz in den Händen Ameritas, und die Vereinigten Staaten besigen hier eine Art Monopolstellung wie im Film. Einen interessanten Blid in diese amerikanische Fortrottfabrit gestattet eine Schilderung von Patrick Chalmers. Die tanzende Bell", schreibt er, verbraucht ungeheure Mengen von Tanzmelodien und perlangt nach immer neuen. Erstklassige Tanzkapellen, die ein stän diges Repertoire von 250 bis 400 Stücken haben, versuchen im Laufe des Jahres mehr als 12 000 Tanzmelodien, und an die 10 000 werden bereits verworfen, bevor sie gespielt sind. Die Kapellen müssen nach immer neuen Stücken Umschau halten, und zwar verbrauchen fie besonders viele Foxtrotts, da diese im Gegensatz zu den Walzern ein Eintagsleben führen. Der Fortrott wirft zuerst unwiderstehlich, aber bald wird er langweilig und schließlich unerträglich. Mehr als sechs Monate dauert niemals die Wirkung eines guten Fortrotts; die meisten aber find schon in zwei bis drei Monaten abgespielt. Die Bananen" waren ein nie wieder erreichter Reford, aber heute fann fie niemand mehr hören. Zum Fabrizieren von Fortrotts find nicht viele Kenntnisse nötig, nur ein ausgesprochenes Gefühl für Rhythmus. Die meisten der Komponisten" tönnen nicht einmal Klavier spielen, sondern sammeln ihre Melodien oder klimpern sie mit einem Finger auf dem Klavier. Der Mann, der die Drchestrierung besorgt, meistens ein ausgebildeter Komponist ohne Erfolg, muß die ganze Instrumentierung machen. Er bekommt nur ein bescheidenes Honorar, während der Schöpfer", wenn das Tanzstück erfolgreich ist, damit 200 000 Mart und mehr verdienen kann. " " Eine Kommiffion zur Bestimmung der Trunkenheit. Die Bri tische Medizinische Gesellschaft hat eine Kommission von 18 hervor. ragenden Gelehrten eingesetzt, die durch eingehende Prüfungen untersuchen sollen, bei welchem Grad des Alkoholgenusses Trunkenheit festgestellt werden kann. Da ja in Großbritannien Betrunkene beStraft werden und nach einem neuen Gesetz Kraftwagenfahrern der Erlaubnisschein entgegen wird, wenn sie betrunken sind, ist diese Fest stellung von Wichtigkeit. Bisher aber gehen die Kennzeichen, nach denen Polizeiärzte und Gerichtsbeamte Trunkenheit feststellen, sehr weit auseinander, und man will nun eine einwandfreie Methode ausarbeiten, durch die sofort erkannt werden kann, ob jemand wirklich betrunken ist. Erffaufführungen der Woche. Dienstag. Staatsoper: Ritter Blaubart. Donnerstag. Theater am Surfürstendamm:„ Die Macht der Nächte. Freitag, Deutides Rünlertbeater:" Die kronprinzessin Luise". Josefinens Töchter." balta beater: Rene, Lotte, Lieje, Sonnabend. Tribüne: Michael Hundertpfund." Urania- Borträge. Theater. Mont., Dienst.( 5, 7, 9), Mittw.( 5, 9) Donnerst.( 5, 7), Freit., Sonnab.( 5), Sonnt.( 5, 7): Durch Steppen und Kulturstatten beffiniens"; Donnerst., Freit., Connab.( 9): enry Forbs Riefenbetriebe"; Sonnt.( 9): Gin ameri tanischer Musterbetrieb: Freit., Sonnab.( 7): Auf Eiera fangin befiinien"; Mittw.(: untprattttum".- Hörfaal Mont.( 6, 8), Dienst.( 9), Mittw., Donnerst.( 6), Sonnt.( 6, 8): lrt elf im tro al b; Freit.( 8): Sönigsgrab Tut- and- Amon"; Donnerst., Sonnab.( 8): auf elettrijden Bahnen quer durd Deutigland"; Donnerst.( 6), Sonnab.( 6%):„ Die Grundlagen der Startstromtegnit. Hans Benzmann, der befannie Lariler und frühere Reichstagsarchiver, ist im Alter von 56 Jahren gestorben Deutsch- polnische Verhandlungen. Wiederaufnahme der Besprechungen. A Wie die polnische Telegraphenagentur meldet, werden die polnisch deutschen Berhandlungen über die Liquidationen am 18. Januar wieder aufgenommen. Am 25. Januar sollen auch die Wirtschaftsverhand Iungen wieder beginnen. Es sind sowohl deutsche Anträge in bezug auf Positionen des polnischen Zolltarifs, wie polnische Anträge eingereicht, die sich auf den deutschen Zolltarif beziehen. Die Verhandlungen werden von polnischer Seite durch den Handelsrat der polnischen Gesandtschaft in Berlin, Goforowski geführt werden, woraus zu schließen ist, daß die polnische Wirtschaftsdelegation zunächst nicht wieder nach Berlin tommen wird. Um die Regierungsbildung. Die Haltung der Berliner Sozialdemokratie. Genoffe Franz Künstler schreibt uns: Die demokratische Bresse läuft Sturm gegen den Beschluß be. treffend Große Koalition, den die Berliner SPD.- Funktionäre am legten Montag gefaßt haben. Um die Maffen foalitionsreif zu Was Blinde sagen! lleberall an Blägen und Straßeneden, auf Hinterhöfen und Bromenadenwegen, in den Brivatwohnungen und Bureaus der Wohlhabenden, überall auf Schritt und Tritt begegnet man ihnen, den blinden Schnorrern und Bettlern jeder Art und jeden Standes, vom geachteten Akademiker, und sogar Adligen, bis herab zu den verachteten Parias der Straßenede. Während der Inflationszeit, als dieser typische Blindenberuf" in besonders hoher Blüte stand, ernährte er oder ernährte auch nicht die weitaus größte Anzahl der Berliner Schicksalsgenossen. Aber es ist eine Irreführung, wenn behauptet wird, daß viele arbeitsfähige Blinde ihre Eristenz lieber mit der offenen, hingehaltenen Hand suchen, als durch Arbeit", wenn diese Ansicht in Blindenlehrerkreisen auch Allgemeingut geworden ist. Schuld an diesen überaus traurigen Berhältnissen trägt lediglich die abgeschlossene Internatserziehung der Blinden institute und die zwangsweise Heranziehung der erwachsenen 3ög linge zu den überlebten und überholten Blndienberufen. Weil die maßgebenden Faktoren im Blindenerziehungswesen ihre alt bewährten Methoden" nicht aufgeben wollen oder fönnen, deshalb, mur deshalb müssen Tausende arbeitsfähiger und arbeitsfreudiger Schicksalsgenossen in Elend und Straßenschmutz verkommen. Ar maren, um die Berabschiedung ihrer Anstellungen mitanzuhören. Db wohl die Rote Fahne" und die Welt am Abend" diesen rich tigen Sachverhalt veröffentlichen werden? Im Befinden des Genessen Lempert ist erfreulicherweise eine weitere Besserung eingetreten. Das städtische Fremdenverkehrsbureau. Eröffnung am Montag. am Das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin, W. 9, wird die weitaus größte An Friedrich Ebert- Straße 5, Montag, ben 11. Januar d. I. eröffnet und dem Verkehr übergeben werden. Das Bureau ist von der Stadtverwaltung ins Leben gerufen und mit der Aufgabe betraut worden, den Fremdenverkehr zu pflegen, ihm nach der moralischen und fulturellen wie nach der wirtschaftlichen Seite hin förderlich zu fein. Es soll nicht nur durch feine Werbetätigteit Fremde nach Berlin bringen, sondern in erster Linie darauf bedacht sein, den Fremden durch Auskunft. burch Rat, und, erforderlichenfalls auch Schuh, den Aufenthalt in Berlin so gewinnreich wie genußreich zu gestalten. Ueber die Ausfünfte und Besorgungen hinaus soll das städtische Bureau in ständiger Berbindung mit ben Behörden, ben Handelsförperschaften, Verkehrs. anstalten, Theatern, Sportveranstaltungen ufm. bestrebt sein, die Fremben an Berlin zu feffeln. In gleichem Maße soll es für das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin gelten, durch WerbetätigDas Bureau ist für den Fremdenverkehr sehr günstig in unmittelRäumen untergebracht. barer Nähe des Potsdamer Plazes gelegen und in sehr ansprechenden machen, bedient sie sich offensichtlich falscher Informationen. Dafür beitsmöglichkeit haben wir mehr als genug, aber feine Existenzmög- teit Fremden den Berliner Aufenthalt freundlich zu gestalten. nur ein Beispiel aus der Boffischen Zeitung" vom 8. Januar, Morgenblatt. Es heißt zum Schluß in einem Artikel„ Farbe befennen": „ Der Beschluß der Berliner Sozialdemokraten gegen die Große Koolition, der bei den Deutschnationalen mit begeisterter Zustimmung aufgenommen wurde, hat, wie nunmehr befannt mird, eine so schwache Mehrheit gefunden, daß die Befürworter der Regierungsbeteiligung das Ergebnis der Abstimmung bezweifelten und die Auszählung verlangten, die aber leider von dem Borsitzenden, dem früheren unabhängigen Abgeordneten Rünstler, abgelehnt wurde." Dazu habe ich zu bemerken, daß die Bossische Zeitung von den Kreisen, die mit den Strömungen in der Sozialdemokratie vertraut find, arg hineingelegt worden ist. 1. Habe ich die Funktionärtonferenz nicht geleitet, sondern der 3. Borsitzende, Genoffe Karl Litte. 2. War das Bureau, einschließlich des Referenten Genoffen Hermann Müller, einstimmig der Auffaffung, daß die Mehr. heit der Funktionäre sich gegen die Große Roalition aus. gesprochen hatte. 3. Db alle Funktionäre, die gegen den Antrag Rosenfeld stimmten, fämtlich unbedingte Anhänger der Großen Koalition waren, wie sie der Abgeordnete Hildenbrand forderte, läßt sich natürlich nicht feststellen. Sicher teilten aber viele von diesen den Standpunti des Referenten Hermann Müller, baß zurzeit eine Große Koalition nicht in Frage komme. Die Frankenfälschungen. ase Bor neuen Sensationen. Budapest, 9. Januar.( WTB.) Das Abendblatt„ Efti Kurier" bringt eine Unterredung mit dem hier weilenden Direktor der Banque de France, Emern. Er äußerte, daß die genannte Summe von 20 Millionen falschen Tausendfrankscheinen der Wahrheit nicht entspreche. Diese Summe sei zu hoch, wenn auch keine Zweifel darüber porhanden seien, daß bedeutende Summen in Umlauf gesetzt worden seien. Ganz Europa sei von falschen Banknoten voll, und fländig träfen aus verschiedenen Ländern, namentlich aus Italien, Deutschland und Frankreich, Nachrichten ein, daß neue falsche Tausendfrankscheine zum Borschein gekommen feien. Die Haupt einlöseftelle der Frankenfälscher scheine sich in Paris oder in unmittelbarer Umgebung zu befinden. Weitere Berhaftungen feien selbstverständlich noch zu erwarten. Es seien aber bereits außerordentlich viel überraschende Dinge zutage getreten, zu viele hervorragende Berfönlichkeiten jeten tompromittiert worden, daß selbst weitere Verhaftungen nicht mehr überraschen würden. Jedenfalls dürfte man trotz alledem mit weiteren Sensationen für die nächste Zukunft rechnen. Bis zur vollen Aufklärung dieser Kriminal affäre, bzw. bis zu dem Zeitpunkt, da sämtliche Teilnehmer an dieser Angelegenheit dem Gericht überliefert worden seien, werde wohl noch eine fleine Zeit vergehen. Ministerrat in Budapest. Budapest, 9. Januar.( WTB.) Gestern nachmittag fand unter dem Borsiz des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen ein Minister rat statt, in dem der Ministerpräsident über die Ergebnisse der Erhebungen in der Frankenfälschungsangelegenheit berichtete. Scharfe Angriffe der Pariser Preffe. Paris, 9. Januar.( Tul.) Die Pariser Morgenblätter verbinden die Berichte über die Budapester Banknotenfälschungen mit einer scharfen Kritik an der ungarischen Regierung. Das ungarische Kabinett, schreibt der Petit Parisien", versuche jede Berantwortung von sich abzuwälzen. Die Tatsachen sprechen gegen die Regierung. Die ungarischen Behörden hätten alles getan, um die Schuldigen zu beden. Wenn es den französischen Unter fuchungsbeamten doch gelang, ihre Mission erfolgreich zu erfüllen, so sei das auf die außerordentlich energischen Weisun gen der französischen Regierung zurückzuführen. Borauf es ankomme, sei nicht nur, daß die Schuldigen bestraft würden, sondern, daß die ungarische Regierung sich dazu entschließe, die versteckten Versuche zur Zertrümmerung des Vertrages von Trianon endgültig aufzugeben. Einschreiten der Kleinen Entente gegen Ungarn. Prag. 9. Januar.( WTB.) Das nationaldemokratische Blatt Narodni Politika" kündigt ein gemeinsames Einschreiten der Kleinen Entente an zum Zwecke der Bewirkung einer ungarischen Ent schädigung für die Fälschungen tschechischer, fübftawischer und rumänischer Staatsnoten. Einzelheiten des Notendruckes. Budapest, 9. Januar. Der technische Leiter des Karthographischen Instituts in Budapest, Gerö, der den Druck der falschen Noten gelettet hat, sagte u. a. aus: Die von einer Leipziger Firma bezogene Druckmaschine war Ende August zum Betrieb fertig. Nach Einhebung der Matrizen begann der Drud, der jedoch zunächst nicht vollständig glückte. Auch bei der Anfertigung des Wasser zeichens auf dem durch Raba aus Berlin besorgten Bapier gab es Schwierigkeiten, so daß neues dünneres Papier bezogen werden mußte. Nach der Aussage Gerös follen insgesamt 25000 2bzüge hergestellt worden sein, von denen aber ungefähr ein Drittel als Matulatur vernichtet werden mußte. Nach Beendigung des Druces wurde die Maschine zerlegt und teilmeise auch zerbrochen und als Alteisen einer Budapester Firma verkauft. Aufhebung des Pazvijums nach der Schweiz. Deutschland und die Schweiz haben vereinbart, daß vom 20. Januar ab der Baß nifumzwang zwischen beiden Ländern wegfällt. Ein Reisepaß bleibt nach wie vor notwendig. lichkeit. der an der Ecke der B- Straße Streichhölzer zu verkaufen vorgibt, Neulich traf ich ihn wieder einmal, meinen alten armen Freund, in Wahrheit aber Almosen erbiftet. Ich will seinen Werdegang erzählen. Als 30jähriger erblindete er unerwartet, grausam plöglich und überwand heldenhaft die Qual und Verzweiflung des ersten Stadiums. Dann murde er einer Blindenanstalt zugeführt und er lernte mit unendlicher Geduld und zäher Ausdauer ein„ Blinden handmert". Schon nach vier Wochen weiß er, daß die drei Lehrjahre mit ihrer Qual und Mühseligkeit nuglos gewesen sind. Was hat er nicht alles versucht, um wieder flott zu werden! Sogar beim Herrn Geheimrat X. hat er vorgesprochen; aber der Herr Geheim rat bedauert unendlich, er fann nicht helfen.„ Arbeitsgelegenheit für Blinde? Ja, wenn die Hauptfürsorge sich außerftande erklärt, Ihnen Arbeit beschaffen zu fönnen, ich fann da wirklich nichts tun. Blindenrente meinen Sie? Ja, dazu fehlen die gesetzlichen Grund lagen, und dann woher das Geld dazu nehmen!? Denken Sie an das Bersailler Dittat, an unsere alten verdienten Offiziere, an die Flüchtlinge aus dem besetzten Gebiete und die Ausgewiesenen! -Bersuchen Sie es doch mal mit der privaten Wohltätigkeit." Aber die private Wohltätigkeit tann schließlich wohl eine Weihnachtsbescherung, ein Gartenfest für Blinde arrangieren, vielleicht auch eine einmalige kleine Geldunterstützung gewähren, dann aber ist ihr Latein zu Ende. Man schickt ihn von Pilatus zu Herodes und von Herodes wieder zu Bilatus und abgehegt und sterbensmüde muß er bas Törichte feiner Bemühungen endlich einsehen. Aber was mun, was nun? Ganz so tragisch nehmen das die Schicksalsgenoffen ja im allgemeinen nicht. In den meisten Fällen greifen sie, nachdem der geschilderte Leidensweg hinter ihnen liegt, zähneknirschend zum Leierfasten, zur Biehharmonika, zum Bauchladen", Mord und Selbstmord im Spandauer Laubengelände. Eine Familientragödie. Ein Kapitalverbrechen wurde heute morgen auf einem Lauben gelände bei Spandau verübt und gleich entdeckt. In der Schönwalder Vorstadt an der Ecke der Marfgrafen- und Kaiserstraße befindet sich ein Gelände, auf dem Spandauer Bürger Lauben haben, in denen fie auch Kleinvieh halten. Heute morgen gegen 7% Uhr begab sich der Polizeibeamte Wiese nach seiner Laube, um fein Bich zu füttern. Als er sich anschickte, wieder megzugehen, hörte er von seiner Nachbarlaube her Hilferufe einer meiblichen Berson. Wiese machte noch einen anderen Laubenbesizer, der ebenfalls schon auf dem Gelände war, darauf aufmerksam, und fah gleich darauf, daß aus der Laube, die einer Frau Tischer gehört, Er nahm sofort die Verfolgung auf, und der Nachbar machte seinen ein Mann herausfam und im Halbdunkel zu verschwinden suchte. Hund los und hegte ihn auf den Flüchtigen. Die Jagd ging über mehrere Zäune hinweg. Als der Berfolgte, der sich zulegt hinter einem Baun gebucht hatte, fah, daß die Berfolger ihm auf den Leib rückten, erhob er sich, zog eine Flasche aus der Tasche, trant fie aus und brach zusammen. Er hatte eine äzende Flüssigkeit, anscheinend Bysol, getrunten und wurde besinnungslos nach dem Krankenhaus gebracht. In der Laube fand man eine Frau mit durchschnittener Kehle tot auf. In letzter Stunde konnte das Verbrechen vollkommen aufgeklärt werden. Der Mörder, der im Krankenhaus schon gestorben, ist der 27 Jahre alte Kaufmann Karl Schüler, die Ermordete seine 25 Jahre alte Ehefrau Martha. Wie die Spandauer Kriminal. polizei feststellte, beging Schüler, der in einem Spandauer Großgeschäft angestellt war, bort im Auguſt v. 3. eine Unterfia. gung von mehreren tausend Mart. Er trat dann mit feiner Frau angeblich eine Bergnügungsreise an. In Wirklichkeit war es eine Flucht. Die Frau hat von der Unterschlagung wahr scheinlich nichts gewußt. Schüler wurde auf Beranlassung der Spandauer Kriminalpolizei in Koblenz festgenommen. Seine Frau fehrte allein nach Spandau zurück, leitete die Scheidungsflage ein, in der zu beute wieder ein Termin vor dem Amtsgericht angesetzt Heute morgen fam es zu einem heftigen Rampfe zwifchen Schüler lauerte ihr wiederholt auf, um sie umzustimmen. den beiden Eheleuten. Viele Blutspuren in der Laube und der Zustand der Leiche beweisen bas. Schüler brachte feiner Frau mit dem Rasiermesser einen Halsschnitt bei, ber bis auf den Wirbel ging. Frau Schüler verblutete auf der Stelle, ihr Mann starb im Laufe des Vormittags an der giftigen Flüssigkeit, die er aus der Flasche trank. war. Die Prügelhelden von Treptow. Es war, so schreibt man uns, vorauszusehen, daß die„ Rote Fahne" den Ueberfall auf den Genossen Hermann Lempert wie üblich entſtellt berichten würde. Unter anderem faselt die„ Rote Fahne von provokatorischem Auftreten des Genossen 2. In Wirklichkeit hat außer den Kommunisten fein Bezirksverordneter zu den Erwerbslofenanträgen Stellung genommen auch Lempert nicht. Weiter wird berichtet, daß durch ein unfauberes Manöver unserer Fraktion statt der KPD. der Block der Mitte je einen Sig in den Deputationen erhalten hat. Auch diese Meldung ist glatter Schwindel Der Wahlausschuß hatte zu dieser Angelegenheit vorher Stellung genommen und im schönsten Einvernehmen aller Fraktionen bie Berteilung der Size vorgenommen. Für einige Deputationen war der KPD. und dem Block der Mitte empfohlen worden, fich zu einigen, da sonst das Los entscheiden müsse. In der Ausschußsizung war der KBD. Bertreter mit dieser Regelung einverstanden. In der Blenarfigung fielen fie dann wieder einmal um und beantragten Abstimmung. Das Los mußte entscheiden. Gezogen wurde verordneten zugunsten der Bürgerlichen. das Los ven einem fommunistischen Bezirks. Mut geheul ber Mosteuer und Toben der Tribine festen ein, aber bas hatte entschieden. Um ber ganzen Bersammlung einen besonderen Anstrich zu geben, berichten " Rote Fahne" und die Welt am Abend von der Anwesenheit ameier Spigel auf der Tribüne. Tatsächlich wurden auch zwei Tribünenbesucher fortwährend von den tommunistischen Burschen angepöbelt. Wer waren diese vermeintlichen Spigel? Phantasiegebilde der Kommunisten! Angepöbelt wurden nämlich amet Angestellte des Bezirtsamtes, bie erschienen gezogen durch einen Mostauer Aushebung einer Geheimbrennerei. Eine große Geheimbrennerei wurde von Beamten der Fahndungsstelle des Sollgrenzfommiffariats auf dem Grundstüd Schaff hausener Straße 4 in Tempelhof entdeckt und gestern aus gehoben. Auf dem großen Fabrifgrundstüd wird eine Del. und ettfabrit zur Herstellung von Seifen betrieben. Die Beamten der Fahndungsstelle beobachteten seit einiger Zeit, daß in verdächtiger Weise verschiedenen Lokalen Sprit zugeführt wurde. Die Spuren führten nun nach jenem Fabrikgrundstück von Sabriz in Tempelhef. Borgestern abend fielen die Beamten dort überraschend ein und fanden in einem Sonderraum, der auf dem Fabritgelände etwas abseits liegt, eine große Brennerei. Es war ein Refsel eingebaut, der 6000 Liter enthält. Die Brennerei mar in vollem Betriebe. Die Beamten beschlagnahmten die ganze Einrichtung und 6000 Liter Sprit, die gerade verarbeitet wurden. Im Laufe des gestrigen Tages wurden die ganzen Apparate abmontiert und von Beamten der Fahndungsstelle weggeschafft. Der Besizer ber Seifenfabrit bestreitet, etwas gewußt zu haben. Wie er sagt, hatte er diesen Sonderraum durch Bertrag an einen Otto Hirsch aus der Mogstraße vermietet. Die Ermittlungen ergaben, daß der Name Ctto Hirsch, der unter dem Vertrage mit dem Fabritbefizer steht, erdichtet ist. Die Aufdeckung führte bereits zu vorläufigen Fest nahmen mehrerer Bersonen. So wurden ein Klempnermeister, der die Apparate eingebaut hat, und seine Gefellen, die dabei beteiligt waren, und ein Fuhrmann, der mitgewirft hat, in Gewahrsam genommen. Die Nachtwagen der Aboag. Man schreibt uns: Barum gilt der Autobus der Linie 1, der fahrplanmäßig 11,48 Uhr abends vom Zeughause aus nach Halensee abfährt, als erster Nachtwagen? Biele Leute mählen allabendlich diefes Auto in der verständlichen Annahme, noch zur nor malen Lage befördert zu werden und sind sehr erstaunt, dann dreißig oder fünfzig Pfennig bezahlen zu müssen. Heftige Zusammenstöße mit den Schaffnern find die Folge. Die Aboag follte doch nicht unnötig das Publitum verärgern. gestern abend gegen 5 Uhr in dem Taballager einer Zigarrenfabrik Feuer in einer Zigarrenfabrit. Ein gefährlicher Brand kam in der Brunnenstraße 188/90 zum Ausbruch. Die Feuerwehr mar bald zur Stelle und ging mit zwei C- Rohren gegen den Brandherd Dor, Nach über einstündiger Tätigkeit gelang es, die Gewalt des Feuers zu brechen. Es sind große Borräte im Werte von etwa 40000 Mart den Flammen zum Opfer gefallen. Die Entstehungsursache ist bisher noch unbekannt. Staatliche Privatmusiklehrerprüfung in Berlin. Die nächſte staatliche Privatmusiklehrerprüfung in Berlin ist auf den 18. März 1926 und die folgenden Tage anberaumt. Meldungen zu dieser Brüfung sind bis zum 1. März 1926 an das Provinzialschulfollegium in Berlin- Lichterfelde zu richten. 25 Schiffe im finnischen Meerbusen vom Eis blockiert. Rettungsexpedition des deutschen Linienschiffs„ Hessen“. 25 Schiffe, von denen die meisten zur deutschen Handelsflotte gehören, find, wie aus Reval gemeldet wird, bei Seistaer im Finnischen Meerbusen vom Eise blockiert. Bei der Mehrzahl sind die Kohlen- und Speisevorräte erschöpft. Sechs ruffische Eisbrecher find bemüht, bie Schiffe in bie eisfreien estnischen Gewässer zu geleiten. Der Erfolg ist bisher gering, da Seistaer 150 Kilometer von der eisfreien Bone entfernt ist. Ein Bertreter der deutschen Gesandtschaft ersuchte die estnische Regierung nochmals um Entfendung des großen Eisbrechers Suur Toell". Wie die Estnische Telegraphenagentur meldet, erscheint es fraglich, ob diefem Ersuchen entsprochen werden kann, da die Entfernung der Schiffe ebenso groß ist wie der Attionsradius des Eisbrechers, so führen fann. daß dieser nur leichtere Arbeiten, wie Berproviantierung, ausDie Lage der Eingeschlossenen ist so ernst und bedrohlich, daß, wie foeben befannt wird, der Chef der Deutschen Marineleitung beschlossen hat, vorbehaltlich der Zustimmung der ruffischen Sowjetregierung, das deutsche Linienfiffeffen" zur Rettungsexpedition der im Eise Eingeschloffe nen nach dem Finnischen Meerbusen zu entfenden. Die Sowjetregierung ist bereits um ihr Einverständnis ersucht worden, jedoch fteht die Antwort noch aus. Die Rettungsarbeiten des deutschen Linienschiffes werden sich recht schwierig gestalten, ba in ben ruffischen Gewässern eine Kälte von etwa 15 Grad herrscht und die verunglückten deutschen Schiffe, etwa 18 an der Bahl, erft gesucht werden müssen. Man nimmt an, daß einige Schlife auf der Höhe der Städte Wiborg- Leningrad liegen, andere dagegen find meiter weftlich, etwa in der Mitte des Finnischen Meerbusens, im Eis eingeschlossen. Das deutsche Linienschiff Helfen", bas für die Hilfs expedition in Aussicht genommen worden ist, wird von Stettin auslaufen und sicherlich einen Eisbrecher mitnehmen, um so an die deutschen Schiffe heranzukommen. Das Linienschiff Heffen" mird für die Hilfsexpedition 2% Tage brauchen, da die eingefchloffenen Handelsschiffe etwa 900 Seemeilen non dem Heimathafen entfer liegen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 32. Abt. Die Genoffen treffen fich Gonntag normittag 9 Uhr sur Fluablatt. verbreitung in ben bekannten Lotalen. 33, bt. Die Genoffen treffen fich Sonntag normittag 9 The bel Weaner, Soffmann und jenseits der Bahn bei Kienis. Die Besickoführer belen heute. Sonnabend, bie Flugblätter von Loiad ab. 42, bt. Seute Flugblätter abholen von Biersdorff. 124. 105. bt. Ablersbol. Seute abens 7 r luablettverbreitung von Bogel, Bismarditr. 84a, aus. Abt Mahlsdorf. Abholen der Fluablätter heute Sonnabend um 8 Uhr im Lotal von Breibau und von Emit Andree. Jugendveranstaltungen. M Reula V: Treffount 1 the 1. Theöl a Rondenbe Gewerkschaftsbewegung Die Eisenbahner und der Schiedsspruch. Am Dienstag, den 12. Januar, mittags 12 Uhr, ist die Erflärungsfrist über die Annahme oder, Ablehnung des Echiedsspruches abgelaufen. Wie die BS- Korrespondenz berichtet, hat der Bor. stand des Einheitsverbandes der Eisenbahner sich am gestrigen Freitag mit der Sachlage befaßt, über seine Entschlüsse jedoch noch nichts verlauten lassen. Symptomatisch für die Einstellung der Eisenbahner zu dem Schiedsspruch dürfte der Beschluß der Ortsverwaltung Magdeburg des Einheitsverbandes sein. Bon 110 Funktionären der Gewerkschaft aus 68 Betrieben Groß- Magdeburgs ftimmten 55 für die folgende Ent. schließung, 46 stimmten dagegen und 9 enthielten sich der Stimme. Entschließung. ,, Die Funktionäre des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands der Ortsgruppe Magdeburg haben heute zum Schieds. spruch vom 29. Dezember 1925 Stellung genommen und erflären einmütig wie folgt: Unter Berücksichtigung der trostlosen wirtschaftlichen Lage der Eisenbahnarbeiter und unter Würdigung der nicht schlecht finan. ziellen Lage der Reichsbahn, unter weiterer Erinnerung daran. daß für Korruptionszulagen der mannigfachsten Formen Millionen und aber Millionen ausgeworfen werden, löst der Schieds: spruch unter den Eisenbahnarbeitern Empörung aus Daß es möglich ist, den Eisenbahnarbeitern einen Bettelpfennig hinzuwerfen, um ihn gleichzeitig durch Streichung der Sozialzulagen in Krankheitsfällen wieder zu nehmen, zeigt den Eisenbahnern, daß die Hauptverwaltung und der Verwaltungsrat der Reichsbahn wähnen, mit den Eisenbahnern nach Belieben umspringen zu können. Die im Einheitsverband organisierten Beamten und Arbeiter betrachten daher den Schiedsspruch als den ernſteften Mahnruf an alle Eisenbahner, fich sofort im Einheitsverband zu organisieren, um den äußerst mageren Kampferfolg in den nächsten Monaten erheblich vergrößern zu können nur unter dieser Voraussicht, um ungestört die Kräfte sammeln zu fönnen, geben die Funktionäre der Annahme des Schiedsspruchs ihre Zustimmung." Die Eisenbahner werden also den Schiedsspruch wahr scheinlich mit geringer Mehrheit, gegen eine starte Minderheit annehmen und zwar nicht etwa deshalb, weil die Mehrheit ihre Zufriedenheit mit diesem Schiedsspruch zum Ausdrud bringen will, sondern lediglich aus der Einsicht, daß sich gegenwärtig nichts da gegen machen läßt. Die Verwaltung der Reichsbahngesellschaft wird diefes„ Sieges" nicht froh werden. Er müßte ihr zur Warnung dienen vor der Fortsetzung ihrer ganzen bisherigen Bersonal politif, die sich längst als verfehlt erwiesen. Fügen sich die Eisen bahner heute auch noch zähnefnirschend, so doch nur, um sich gegen diese unerträgliche Politit beffer zu rüften und zu gegebener Beit dagegen Front zu machen. Heimarbeit in der Reiseartikelbranche. In der Jahresversammlung der in der Reiseartitelbranche Be schäftigten des Verbandes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller gab der Branchenleiter Schüttte den Jahresbericht. Er Gr unterzog in feinem Bericht besonders die Zustände in der Heimarbeit einer eingehenden Kritif. Die Unternehmer haben es versucht und auch zum großen Teil erreicht, ihre Betriebe von Werksstubenarbeitern freizumachen und ihre Arbeiten in der Heimarbeit ausführen zu lassen. Die Arbeiter haben leider diesem Bestreben der Unternehmer in Berkennung der schwerwiegenden Folgen wenig Widerstand geleistet und dadurch zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit, besonders in der Portefeuillebranche, beigetragen. Die Arbeiten werden in der Heimarbeit meist im Gegenjazz zu den Tarifabmachungen zu niedrigeren Preisen ausgeführt als in den Werkstuben. Der Achtstundentag bleibt bei der Heimarbeit natürlich unbeachtet. Diese Mißstände müssen beseitigt werden durch eine regere Aufflärungsarbeit unter den Heimarbeitern und deren festeren organisatorischen zu sammenschluß. In der anschließenden Diskussion, die durch unangebrachte Rede mendungen des ersten Diskussionsredners auf das politische Gleis geschoben wurde, konnte an dem Jahresbericht keine Kritif geübt werden. Nach dem Schlußwort des Genoffen Schüttte über diesen Bunkt der Tagesordnung wurden die Neuwahlen der Branchenkommission vorgenommen. Es wurde die alte Kommission wiedergewählt mit Ausnahme eines frei willig ausscheidenden Mitgliedes, an dessen Stelle ein neues Mit glied trat. Außerdem wurde die Kommission durch die Neuwahl von zwei weiteren Mitgliedern verstärkt. Die Versammlung be schäftigte sich dann mit der Kündigung des Lohnabkommens und stimmte einstimmig dem Borschlag der Branchenkommission zu, das Lohnabkommen zu verlängern. Bergehen gegen das Arbeitszeitgefeh beftraft. Leipzig, 9. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Eine intereffante Entscheidung wurde am Freitag vor dem Gemeinsamen Schöffengericht in Leipzig gefällt. Es hatten sich wegen Bergehens gegen das Arbeitszeitgefeß der Direktor Börner und der Perjonalchef Dub von der Dresdner Bant, Filiale Leip zig, zu verantworten. Die Angeklagten hatten im vorigen Jahr wiederholt bis zu 12 Stunden arbeiten laffen, obwohl A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. P. Eggert) Neukölln, Anmeldung, Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Beginn neuer Jahres- und Lehrgänge. JahresPernspr.: Neukölln 1063. Küchen Riesen- Auswahl, enorm preiswert! Anrichte- Riche Gerty. Anrichte- Ruche Marta. Anrichte- Küche Bremen Kleiderschränke, 90 cm roh emaillier 85 M. 130 H. 95 M. 150 N. .150 M. 215 M. 38 N. 55 M. Küchenmöbel- Fabrik Laserstein, Lackauer Straße 1 Ecke Granienstr., nahe Moritzplatz - HUNDE-> Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten günstig as Priv Kat. 650 fr. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. bie tarifliche Arbeitszeit im Bedarfsfalle mur 52% bis 54 Stunden wöchentlich im Bankgewerbe beträgt. Wegen dieser unerhörten Arbeitszeitüberschreitung wurde von der Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen die Direktoren gestellt. Der Staatsanwalt beantragte insgesamt 7500 M. Geldſtafe. Das Gericht verurteilte Direktor Börner zu 1000 Mart Geldstrafe und den Perjonalchef zu 400 Mart Geldstrafe und Tragung der Kosten. Ein sehr seltener Fall nicht der Ueberschreitung der Arbeitszeit, sondern der Bestrafung wegen Vergehens gegen das Arbeitszeitgesetz. Der Schiedsspruch für die Rheinschiffahrt abgelehnt. Duisburg, 9. Januar.( Mtb.) Der von den Arbeitnehmern angenommene Schiedsspruch für die Rheinschiffahrt vom 5. Januar ist von den Arbeitgebern abgelehnt worden. Der Kampf in der Schwerinduftrie Belgiens geht weiter. Brüffel, 9. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Urabstimmung der Arbeiter der belgischen Schwerindustrie ergab die Ablehnung des von der Regierung gemachten Kompromißvorschlages. 73 Proz. der Stimmen waren gegen, 26 Proz. für das Kompromiß. Der Kampf geht also weiter, aber man erwartet neue Bemühungen für einen Vergleich. Der Eisenbahnerstreik in Charleroi. Charleroi, 9. Januar.( WTB.) Die Mehrheit der Eisenbahnarbeiter im Beden von Charleroi hat sich durch Abstimmung für die Fortseßung des Streits ausgesprochen. Der Achtstundentag als Verschlechterung. London, 7. Januar.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Das englische Finanzministerium stellt zurzeit Untersuchungen über die Einführung des Achtstundentages der Beamten an. Bisher haben die englischen Beamten nur 7 Stunden gearbeitet. Der Finanzminister Churchill will durch die Durchführung des Achtstundentages wesemliche Ersparnisse erzielen. Für die Achtstundentag- Ratifizierung. ( JGB.) Der Generalrat des Britischen Gemertschaftsbundes und die nationale Exekutive der Arbeiterpartei haben in einer gemeinsamen Sigung eine Refo: lution angenommen, die sich in entschiedener Weise zugunst en der Ratifizierung der Washingtoner Konvention über den Achtstundentag ausspricht. In der Entschließung wird zunächst auf die Sachlage in den anderen Ländern, d. h. vor allem auf ben dem Barlament in Dänemart unterbreiteten Gefeßentwurf betr. die bedingungslose Ratifizierung, den von der belgischen Regierung auf Vorschlag des Arbeitsministers eingebrachten Antrag auf bedingungslose Ratifizierung und auf das von der französischen Kammer gutgeheißene Ratifizierungsgejez hingewiesen und dann weiter gefagt, „ daß die allgemeine gefeßliche Festlegung der 48- Stunden- Woche durch die feindliche Haltung der britischen Regie. rung verzögert wird". Bis zur Ernennung der Arbeiteregierung im Jahre 1924 hat feine britische Regierung den Versuch unter. nommen, das Versprechen einzulösen. Der vom Arbeits. minister Shaw eingebrachte Gesezentwurf wurde von der jegigen tonfervativen Regierung fallen gelaffen... Die Regierung Baldwin ist auf ihre in Locarno errungenen diploma tischen Erfolge sehr stolz. Als Mitunterzeichnerin des Friedensvertrages, der besagt, daß ein einheitlicher Arbeitstag von 8 Stunden im Interesse des Friedens und des Wohl. ergebens der Böller fei, hat aber die britische Regierung die nicht weniger dringende Pflicht, die internationale 48Stunden- Woche gefeßlich festzulegen. erteilte Bestellungen bei deutschen ober ausländischen Firment annulliert hätte. Tatsächlich ist aber nicht nur fein ein3iger Fall vorgekommen, wo erteilte Bestellungen zurückgezogen oder auch nur Berhandlungen eingeleitet worden wären, um An nullierung von Bestellungen herbeizuführen, sondern es werden im Gegenteil die Verhandlungen, die die Handelsvertretung über die Erteilung neuer Bestellungen aufgenommen hatte, trotz der Verkürzung des sowjetrussischen Importplanes weitergeführt und werden infolge dieser Verhandlungen entsprechende neue Be stellungen erteilt. Die Kürzug des Importplanes hat lediglich die Auswirkung, daß die Neuerteilung von Lizenzen eingeschränkt wird. Die Rückwirkung auf die deutsch- russischen Handelsbeziehungen hängt davon ab, ob sich die Kreditbedingungen in Deutschland verbessern oder verschlechtern werden. Es erscheinen in der deutschen Preffe vollkommen aus der Luft gegriffene Mitteilungen über sowjetrussische Kommissionen, die nach Deutschland gekommen sein follen, um über Prolongationen von Krediten zu verhandeln. In Wirklichkeit ist niemals über irgendwelche Prolongationen der Fälligkeiten der Handelsvertretung verhandelt, oder auch nur von irgendwelcher Seite ein Wunsch in dieser Richtung angedeutet Die Handelsvertretung hat alle ihre vertraglichen Verpflichtungen eingehalten und wird dies auch weiterhin tun. Das felbe fann aber leider von der deutschen Wirtschaft nicht gesagt werden. Wenn die Sowjetunion in Deutschland Waren mit Krediten Don 6, 9 oder 12 Monaten fauft, und zwar solche Waren, die deutsche Ronfumenten mindestens mit den gleichen Zahlungszielen zu be ziehen pflegen, so war es lediglich ein Entgegentommen der Handelsvertretung, wenn sie ihren Lieferanten bei diesen Krediten Brolongationsafzepte in dreimonatigen Perioden zur Verfügung gestellt hat. Die Handelsvertretung fann nicht, wie es in einer Zeitung gewünscht wird, alle Waren auf höchstens Dreimonats= trebite faufen, ebensowenig wie z. B. der deutschen Landwirtschaft zugemutet wird, Düngemittel mit so furzen Zahlungsfristen zu erwerben. Werden doch der deutschen Landwirtschaft Düngemittel mit ziemlich langfristigen Krediten, mit 5 bis 6maliger Prolongation von Dreimonatsatzepten geliefert. worden. Bon den dänischen Genossenschaften. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Der gesamte Umsatz der dänischen Genossenschaften wird für das Jahr 1925 auf 1788,4 millionen Kronen berechnet. Das bedeutet gegenüber 1924 eine Steige= rung des Umfazes um 6 Millionen. Die Steigerung fällt durchweg in die erste Hälfte des Jahres 1925. Seit Oktober ist der Umfaß, vor allen Dingen der Umfaß der landwirtschaftlichen Genoffenschaften, erheblich zurückgegangen. Im einzelnen iſt zu dem verlaufenen Geschäftsjahr folgendes zu bemerken: Die Konsum= vereine haben zusammen für 170 Millionen Kronen umgesetzt. Gegenüber 1924 ist hier eine Minderung um 3 Proz. eingetreten. Dagegen fonnten die Einkaufsvereine ihren Umja uny 27 Proz.= 239 Millionen Kronen steigern. In den Berkaufs- und Broduktionsvereinen der Landwirtschaft fant der Umsatz( 1371,1 Millionen Kronen) ebenso wie in den Konsumvereinen um 3 Proz. Von dem Umfaz der Verkaufs- und Produktionsvereine entfallen 790 Millionen auf die Meiereien und 520 Millionen auf die Schlächtereigenossenschaften. Theater der Woche. Bom 10. Januar bis 18. Januar 1926. Wolfsbühne: Bom lieben Auguftin. Opernhaus: 10. Ofbello. I. Tosca. 12.( neu einstudiert) Nitter Blaubart. 18. Rauberflöte. 14. Bone?. 15. Aiba. 16. Soffmanns Erzählungen 17. Triftan und Isolbe. 18. Carmen. am Rönigsplag: 10. Der Evangelimann. 11. Rigeunerbaron. 12. Traviata. 13. Martha. 14. Bohème. 15. Tiefland. 16. Rar und Rimmermann. 17. Der Staatstheater: 10., 18., 16., 17. Fliegende Holländer. 18. Cofi fan tutte. 1 Oper Jm weißen Rökl. 11. Fauft, I. Teil. 12., 18. Romeo und Julia. 14. Beer Gnnt. 15. Die große Ratharina. Der Bär. Schiller- Theater: 10. Charlens Tante.. 11., 12., 14., 18. Rapitän Brasbounds Belehrung. 13., 16. Jugend. 15. Doppelfelbstmord. 17. Journalisten. Deutsches Theater: 11., 12., 13., 14., 15., 18. Das Räthchen von Seilbronn. 16., 17. Der Kreidekreis, Kammerspiele: Lnfistvata. Die Komödie: Gesellschaft. Leffing- Theater: Maiermag. Theater in der Königgräker Straße: Einen Jux will er fich machen. Städtische Oper, Charlottenburg: 10. Die Brautwahl. 11, Ariadne 16. Don Pasquale. 17. Die Meistersinger. 18. Orpheus in der Unterwelt. Theater bes Weftens: Das Spiel unt Großes Schauspielhaus: File Dich. die Liebe. Die Tribüne: 10., 11. Die Renaissance- Theater: Rameraden. tote Tante. 12. bis 15. Die neuen Serren. Ab 16. Michael Hundertpfund. Deutsches Künstler- Theater: Bis 14. Die Terefina. Ab 15. Die Kronprinzessin Luife. Komödienhaus: Der dreizehnte Stuhl. Berliner Theater: Meffalinette. Trianon- Theater: Das GeNeues Theater am Roo: Der wahre Jacob. Der Fremde. Theater in der Kommandantenstraße: Bis 13. Die. blonden Mädels. 14. bis 18. Annemarie. Relson- Theater: Die Roger- Revue. Metropol Lustspielhaus: Der blaue Bogel. Romische Oper: Von A bis 8. Theater am Schiffbauerdamm: Der fröhliche Weinberg. Thalia- Theater: Bis 13. Annemarie. 14. Gefchloffene Borstellung. Theater am Rollendorfplak: Ab 15. Lene, Lotte, Liefe, Josefinens Töchter. Die offizielle Frau. Theater am Kurfürstenbamm: 10. bis 13. gefchloffen. Ab 14. Die Nacht der Nächte. Kleines Theater: Die Rutsche ber heiligen Liebe. Wallner- Theater: Rolportage. Theater in ber Alofterstraße: Die schwebende Jungfrau. Walhalla Theater: Das Mädchen ohne Ehre. beater: Wenn der Flieder blüht. Rañino- Theater: Der Meisterboger. serenfeld Theater: Familie Schmod. Schloßpark Theater Stealik: Die Czardas Theater is fürstin. Theater in der Lükowstrake: Berlorene Mädchen. Admiralspalast: Achtung! Welle 5051 Wintergarten und Scala: Internatio nales Barieté. fpenfierfdiff. Refibenz- Theater: Die Durchgängerin. Rentral- Theater: Jugend- Führer". Mitteilungen für die Leifer der Jugendabteilungen in den Gewerkschaften. Der Vorstand des Allgemeinen auf Naxos. 12. Tiefland. 13. Aida. 14. Der Freifdyük. 15. Die Zauberflöte. Titel ein Mitteilungsblatt heraus, von dem soeben die Deutschen Gewerkschaftsbundes gibt ab 1. Januar 1926 unter obigem erste Nummer erschienen ist. Der Inhalt zeigt, daß nicht nur die Beranstaltungen für die Jugend und deren Ausbau behandelt werden follen, sondern auch die großen Gebiete der Berufsausbildung, Berufsberatung, Berufsschule, Jugendfürsorge, Jugendgerichtshilfe usw. Daher wird das neue Organ nicht nur bei den direkt als Jugendleiter tätigen Kollegen Interesse finden, es wird ebensosehr für alle übrigen Gewerkschafter von Wert sein, die bei Tarifverhandlungen, Theater: No No Nanette in Berufs- und Arbeitsämtern, in Gemeindevertretungen und Depu tationen sehr häufig in die Lage fommen, über Fragen, die die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter besonders angehen, mit zu ent scheiden. Neben der Wiedergabe von wichtigen Mitteilungen und von Anregungen für die Praxis soll aber auch das Grundsäß liche, das bei der gesamten Tätigkeit für die Jugend zu beachten ist, nicht übergangen werden. Eine bereits im ersten Heft enthaltene Betrachtung über die„ Frühreife" der Jugend sowie die Ankündi gung, daß Artikel über Aufgaben der Bildungsarbeit, Psychologie der Jugend u. a. erscheinen werden, deutet an, daß auch der Behandlung des Problematischen Raum gewidmet sein wird. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Wirtschaft Keine Zurücknahme ruffischer Bestellungen. Einer Mitteilung der Berliner Handelsvertretung Sowjetrußlands entnehmen wir: Wiederholt sind in der deutschen Bresse Meldungen erschienen, wonach die Handelsvertretung der USSR. in Deutschland bereits Auf Teilzahlung liefert Elegante Herren- Moden fertig und nach Maß unter Garantie für tadellosen Sitz 1 Roic Rachmittagsportellungen. Boltsbühne: 10. Don Quichotte. 17. Der befreite Don Quichotte. Oper am Stönigsplan: 10., 17. Das Ronzert. Der zerbrochene krug. Schiller Tteater: 13., 17. Drei Geschwister. Kammerspiele: 17. Gefpenfter. Leffing- Theater: 17. Braut von Messina. Grokes Theater in der Königgräger Straße: 10., 17. Wie es euch gefällt. Schauspielhaus: 10., 17. Für Dich. Theater bes Westens: 10., 17. Bis Beterchen die Wunderblume fand. Die Tribüne: 10., 17. Rurild zu Methufalem( 1. Teil).- Residenz- Theater: 10. Jugendfreunde. 17. Schneewittchen. Theater in der Kommandantenstraße: 10. Die blonden Mädels. 17. Annemarie. Thalia- Theater: Nelson- Theater: 10., 17. Die Nener- Revue. 10. Annemarie. 17. Sänfel und Gretel. Rofe Theater: Hänsel und Gretel. 17. Als ich noch im Flügelfleibe.- Schlokpark- Theater Stealik: 16., 17. Gänse Tiefel- Theater in der Lükowstrake: 10. Der luftige Fridolin. Theater im Ubmiralspalaft: 10., 17. Achtung! Belle 505! Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Calorn: Feuilleton: Dr. John Saikowski: Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbrucerei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin 62 68, Lindenstrake 3. Drum prüfe, wer sich ewig bindet Ich liefere als Selbsthersteller Ges. geschützt Preisliste gratis! Trauringe zu billigsten Preisen in den gediegensten Ausführungen :: Ständig ca. 3000 St. auf Lager:: N.24, Artilleriestr. 30 Hermann Wiese, Berlin W.PassauerStraße 12 Bel Umtausch werden die von mir gekauften Ringe innerhalb eines Jahres ram vollen Preise zurückgenommen. Hämorrhoiden? Novosan- Zäpfchen und Pasta bringen Hilfe! Bu beziehen durch alle Apotheken. Bersand durch Schwan- Apothefe, Dresden- N Berlangen Sie sofort zur Erhaltung 3hrer Gefundheit auffiärende Broschüre und Dankschreiben toftenios durch uns direit und Verarbeitung Walter Kießling, Dresden 21, Schlüterstr. 16 Maßschneiderci I. Kurzberg Oranienstr. 160. I. Chausseestr. 1, Eingang Hiskaser Straße Chem.- pharmac. Präparate. Beftimmt zu haben: Apothete zum Eisernen Krenz. Berlin R 37, Raftanien. allee 2. Simbolbt 1090. Am Elefanten- Apotheke, Leipziger Str. 74 Donhoffplag Emmaus- Apothete, 60 36, Reichenberger Str. 150. Germania- Apothete, N 54, am Rosenthaler Tor KurfürstendammBelifan- Apothete, Upothete, W 16, Kurfürstendamm 226. Bismard 5251 8, Leipziger Str. 93. Mertur 5904-5. Simon's Apotheke, Berlins älteste Apothete, Berlin C 2, Spandauer Straße 17. tertur 3000-3004 Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" and billig! Sie kugeln sich vor Lacben bei der Lektüre des Republikanischen Witzblattes LACHEN LINKS Das aktuellste politische Witzblatt, in künstlerisch hochwertiger Ausführung Jede Nummer kostet 20 Pf Zu beziehen durch die Botenfrauen des Vorwärts