Abendausgabe Nr. 28 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 14 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife fub in ber Morgenausgabe angegeben Bebattion: S. 68, Cindenstraße 3 Farufprecher: Dönhoff 292-297 Tel- breffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig sid to noors Vorwärts Berliner Volksblatt Montag 18. Januar 1926 Serieg und anzeigenabteilu: Gefchäftszeit 9-5 Nr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292.-- 20% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ein Mietshaus in die Luft gesprengt. Bisher 10 Tote aufgefunden. Eine der folgenschmerften Explosionsfatastrophen, die die Berfiner Unglüd schronit je verzeichnen mußte, hat sich heute morgen gegen 6% Uhr in der Kirchstraße in Moabit abgespielt. Offenbar infolge einer Gasexplosion vom Keller aus ist das Haus Kirchstr. 9 an feiner freillegenden westlichen Front vom Seller bis zum Dachboden vollfommen zusammengestürzt. Nach den vorliegenden Fefiftellungen der Polizei und der Feuerwehr sind bisher 7 Todesopfer zu beklagen, 12 Personen schwer and 20 leichter verlegt. Einzelne der Schwerverleßten dürften leider faum mit dem Leben davonkommen, da sie entweder durch die Erplosion selbst oder durch das auf fie ftürzende Mauerwerk innerlich Schwere Blutungen und Zerreißungen erlitten haben. Mir erfahren zu dem Unglüd folgende Einzelheiten: Heute morgen um 6½ Uhr ertönte in der Kirchstraße eine furchtbare Detonation. Sefundenlang hörte man das klirren zer plitternder Scheiben, das Niederſtürzen von Holz, Gifen, und EisenSteinteilen und Schmerzensschreie. In dem Hause Kirchstr. 9 war in den Barterreräumen eine Benzin- oder Gasexplosion erfolgt, die einen Teil des Hauses vom Erdboden bis zum Dach geschoß völlig zertrümmerte. Mauern stürzten ein, Fußböden Möbel, Betten, Bilder und Hausrat mit den Bewohnern wurden Sieben Schwerverlette.- Die Die Ursache der Explosion bisher ungeklärt. aus vier Stockwerken mit in die Tiefe geriffen und teils unter den Trümmern begraben, teils auf die offene Straße geschleudert. Benige Minuten später erschien bereits eine große Anzahl Wagen des Städtischen Rettungsamtes unter Leitung des Dr. Frank, sowie mehrere Löschzüge der Feuerwehr, die sich sofort, so, weit das im Bereich der Möglichkeit lag, baran machten, die Schwer: berlegten zu bergen. Der ausgebrochene Brand fonnte bald ge löscht werden. Den Retungsbeamten bot sich ein schreckliches Bilb. Zwischen zentnerschweren Eisenträgern, Balten und großen Steinmaffen lagen die um Hilfe schreienden Verletzten. Sofort erfolgte der Abtransport der Schmerverlegten in das Moabiter Krantenhaus, mo etwa 35 Berfonen eingeliefert murden. Fünf der Schwerverlegten, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren, ftarben furz nach ihrer Einlieferung. Acht weitere Schwerverlegte schweben in Lebensgefahr. Cima 20 Leichtverlette fonnten nach Anlegung von Rotverbänden und Erteilung der ersten Hilfe nach Anlegung von Rotverbänden und Erteilung der ersten Hilfe aus dem Krankenhaus wieder entlassen werden. Zwei Automobile, die auf der anderen Seite in der Nähe des Unglückshauses hielten, murben auf den Bürgersteig geschleudert und eines davon total zer trümmert. Die Chauffeure erlitten start buitende Kopfwunden und fonnten gleichfalls nach Anlegung von Notverbänden aus dem Krankenhause entlassen werden. Der Schauplah des Unglücks. en Die Kirchstraße in Moabit bietet den Anblid troftlojester Bermüftung. In der ganzen Straße ist fast teine Fenster wurde turch den gewaltigen Luftorud alles bemoliert und sie bieten das Bild größter Bermüstung. Einige Baltone zeigen Riffe. Die Banit, bie unter der Bevölkerung herrschte, war ungeheuer und piele der Anwohner waren noch in den Mittagsstunden ganz un fähig, irgendetwas zu unternehmen oder gar irgendwelche Angaben zu machen Neben der Unfallstelle, in den folgenden Häusernummern 11, 12 und 13, befinden sich zahlreiche Automobil. garagen und es verbreitete fió) zuerst das Gerücht, daß der Ausgangspunkt der Explosion vielleicht hier zu suchen sei. Diese Ber mutung hat sich aber nicht bestätigt, noch in den Mittagsstunden war die Feuerwehr mit den Aufräumungsarbeiten be fchäftigt, die fich wahrscheinlich mehrere Tage hinziehen werden. Sie gestalten sich äußerst schwierig, ba Gefahr eines weiteren Ein turzes besteht. Wahrscheinlich wird die Feuerwehr Sprengungen vornehmen müssen, da es zurzeit auf andere Belfe unmöglich ist. an ben Schuithausen heranzukommen, unter dem noch Lote vermutet werden. Die am Explosionsort erschienene Baupofizet fonnte auch aus diesem Grunde noch teine genauen Feststellungen machen. Es fonnte auch noch nicht einwandfrei festgestellt werden, ob es sich um eine Benzin oder Gaserplosion handelt. Das Unglüd erinnert an eine Erpiefion in Charlotten. burg während der Kriegszeit. In der Wallstraße, dort, wo jegt das neue Umformerwert steht, fand damals eine Leuchtgas explosion statt, bie den größten Teil des freistehenden Hinter hausgiebels herausbrüdte, oft alle Wohnungen maren im Quer schnitt zu fehen; eine große Anzahl Eater lag in den Wohnungen nder auf dem Hofe. Not und Elend fam über viele familien, deren Hausrat verbarb und die in der damaligen Zeit feinen Erfag be. fchaffen tonnten. Vor dem Hause Kirchstraße 9. Das ganze Biertel befiaet fich in fiebernder Hodyipanrang Eine wahre Maffenmanberung hat in den Vormittagsstunden nach der Stätte ber Ratastrophe eingesetzt. Schugpolizei hat die Kirchstraße in ihrer gesamten Ausdehnung abgesperrt und läßt nur nach strengster Kontrolle Bresse und Beamte durch. Der Druck der Explosion muß ein furchtbarer gewefen fein. Rein Haus in der Rirchstraße, deffen Scheiben nicht zertrümmert inb. Es ist ein feltfam unheimlicher Anblick, der an die Bilder der inb. Es ist ein feltfam unheimlicher Anblick, der an die Bilder ber Striegsruinen mahnt, wenn Fensterkreuz an Fenstertreug mit gadigen Glassplittern besetzt ein Beispiel der Schwere der Explosion bieten. Gegenüber dem Haus Kirchstraße 9, in bem die Katastrophe geschah, hatten heute morgen Chauffeure thre Autodroschten aufgestellt und maren bann in ein benachbartes Botal gegangen. Das rettete ihnen G das Leben. Die Droschten wurden durch die Steinmassen, die auf die Straße stürzten und durch den Drud vollständig zermalmt. Die Chauffeure famen mit Schnittwunden davon, die sie bei der Demolierung der Kneipe davontrugen. Die Explosion, die im Barterre erfolgte, hat die ganze Hausfront aufgeriffen und bis ins Innerste blosgelegt. Wie ein zum Tode verwundetes Tier, dessen Adern der unbarmherzige Bürger freigelegt hat, stehen die Zimmerwände der einzelnen Etagen, dem Blick vollständig frei. An Balken hängen Notftandsaktion für die Arbeitslosen. Sofortiger Bau der AEG.- Bahn beschlossen! Heute morgen trat im Stadthaus eine gemischte Deputation aus Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern unter dem Borfih des Oberbürgermeisters zusammen, um über den Bau der AEG. Bahu Beschluß zu faffen. Nach eingehender Deballe wurde einBahu Beschluß zu faffen. Nach eingehender Deballe wurde ein stimmig beschlossen, sofort mit dem Bau der Strede Tor zu beginnen und außerdem ein kleines Verbindungsstück Hermannplah- Landwehrtanal über Rottbusser zwischen bereits vorhandenen Tunnelstrecken in der Neanderstraße in Angriff zu nehmen. Alle Stadtverordneten aller Partelen waren mit dem Oberbürgermeister der Meinung, daß angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit die Stadt verpflichtet fel, da, wo sie nur irgend taun, Arbeit zu beschaffen, und daß die Inangtiffnahme dieses Baues, mit dem im Laufe der Zelt immerhin einige tausend Menschen Beschäftigung finden können, unter allen Umständen geboten ist. Die Deputation fette außerdem zwei Unterau. schüsse ein, die fowohl die Finanzierung des Gesamtbaues wie auch die technischen Einzelheiten der weiteren Strecke bearbeiten sollen. Am Freitag tritt die Gesamtdeputation zu einer neuen Siggung jufammen, um die Berichte dieser Unterausschüsse entgegenzunehmen und über den gesamten Bahnbau danach endgültige BeSchlüffe zu fassen. noch wäschestücke. Die Bergungsarbeiten sind unerhört schwierig, da mit immer neuen Einstürzen gerechnet werden muß. Die Decke im vierten Stod hängt frei, und es sieht aus, als ob sie jeden Augenblid zusammenbrechen follte. Unter den drei bis vier Meter hohen Steinfrümmern vermutet man noch etwa 10 Verunglückte. Natürlich wird auf der Straße Gerücht auf Gerücht kolportiert. Seltsamste Bermutungen schießen auf, um sofort als Tatsache mit Leidenschaft debattiert zu werden. Da spricht einer von Explosivstoffen, der andere will etwas ganz Mysteriöses gehört haben. Die Ursache der Katastrophe ist durchaus ungeklärt. Berichte von Augenzeugen. Gegent 47 Uhr hieit ich mit meinem Wagen vor dem Haufe Kirchstr. 18. Blöglich ertönte eine furchtbare Detonation, und durch den Luftdrud murde mein Wagen auf den Bürgersteig gescheudert, Ich selbst kam auf dem Bürgersteig zu liegen. Ein Höllenfpeftate! entstand. Scheiben flirrten, ein ausgesprochener Steinregen ergojz sich über die Straße und Schmerzensschreie wurden laut. Ein furchtbarer Anblid bot sich mir. Die ganze linfe Seite des stürzt, Rauch und Staubwirbel nahmen hier vorerst jede lleberDierstödigen Wohnhauses Kirchstr. 9 mar eingeficht. Auf der Straße befindliche Bassanten wurden zu Boden geschleudert und blieben teils verlegt bewußties liegen. Ich wohne Kirchstr. 21 im Gartenhaus 4 Treppen. Als ich heute morgen gegen 7 Uhr am Schreibtisch arbeitete, erfolgte ein gewaltiger bumpfer Snail Im selben Augenblid zerflirrten die Scheiben und meine Lampe fiel um. Ueberall hörte man Schreie. Ich lief jofort auf die Straße. Es bot sich ein furchtbarer Anblid. Von dem Hause Kirchstr. 12 war ein Stüc bis zum Dach herauf eingestürzt. Aus den Fenstern und Ballons des Hauses jah man die Leute in ganz verzweifelter Lage. Anfangs war nur eine Woche der Feuerwehr da und wir bemühten uns mit, einige Berletzte aus dem Schutt hervorzuziehen. Bald erschienen Rettungswagen und man jah, wie Frauen, Männer und Kinder bluttriefenb, nur mit dem Dürftigsten bekleidet, heraus getragen wurden. fhmerte die Arbeit als auch die Einsturzgefahr. ab und Gui der Bewohner des Hauses lagen auf der Straße, Det heutige Beschluß der Deputation bedeutet eine erfreuliche gegenüberliegende Fenster, Schaufenster und Haustüren sind zer die mit Glassplittern überfät ist. Sämtliche dem Unglückshause Fortführung der von Berlin in Angriff genommenen totstandsflagen. Ein Mitchjunge, der in dem Hause wohnte, erzählte mir, attion. Es ist nur zu hoffen, daß auch Reich und Staat die daß er seine Angehörigen vermisse. Stadt Berlin bei diesen ungeheuer wichtigen Arbellen finanziel unterft ühen und nicht durch bureaukratische Hemmnisse die Fortführung dieses Werks erschweren. genus med: Regierungsbildung wieder unsicher. Bayerische Volkspartei gegen Koch und Reinhold. Heute vormittag um 11 Uhr traten die Fraktionen der Bayerischen Volkspartei und der Deutschen Boltspartet zusammen. Von der Deutschen Volkspartei sollen keine besonderen Schwierigkeiten für die Regierungsbildung mehr zu erwarten sein, dagegen erhebt die Baye rifche Boltspartei gegen och und Reinhold Widerspruch, da beide zu unitarisch gesinnt seien. Gegen och wird besonders angeführt, daß er im Jahre 1921 cine Dentschrift für die unitarische Berwaltung verfaßt hat. Zentrum und Demokraten haben ihre Frattionen erst für 7 Uhr abends einberufen. Die Besprechungen Dr. Luthers mit den Parteiführern sollen offiziell heute abend um 6 Uhr weitergeführt werden. Der Reichspräsident wird den Reichskanzler voraussicht fich heute mittag zu einer neuerlichen Besprechung empfangen. Man rechnet damit, daß die endgültige Entscheidung in der Regierungsbildung dann im Laufe des Abends fallen wird. Die Namen der Toten: Friedrich Bähre, 32 Jahre alt. Guftan Pflaume,( älterer Mann.) Frau Cangnet. de moll Frau Hoeder. Bier unbekannte Männer( bis zur linkenntlichkeit zerquetscht). Seifenhändler Mahns, und ein tieines Eind liegen bestimmt nocy unter den Trümmern. Außerdem wahrscheinlich noch mehrere Tote. Die Schwerverletzten: Herr Herrmann, Wilsnader Str. 12, Bruch beider Beine. Hellmuth Langner, 26 Jahre alt, Kirchstr. 9, schwere Kopi Derlegungen und Bluterguß in den Rüden. Kind Kurt Jacobi, Kirchstr. 9, schwere Brandwunden. Kind Gertrud Frank, Kirchstr. 9, fchwere Stopfverlegungen. Frau Anna Krüger, Lübecker Str. 44, Reroenchod und Kopf Buise Kran, Kirchstr. 9, Knöchelbruch. verlegungen. Herr Walter, Kirchstraße 9, schwere innere Berlegungen, Kopfs Derlegungen. Was eine Gerettete erzählt: Ueber die Explosion gab eine der Geretteten, eine mit ihren Kindern auf dem Hof parterre wohnende Frau Franz, folgende Auskunft:„ Wir hatten morgens gegen 6 Uhr schon, als mein Mann aufftand, in der Wohnung einen leichten Gasgerach wahrgenommen, zerbrachen uns zunächst aber nicht der Kopf, woher dieser Gasgeruch tummen fönnte. Mein Mann hatte gegen 7 Uhr das Haus der laffen, als ich mich mit den Kindern noch einmal hinlegte. Kaum war ich im Bett, als ein furchtbarer Knall ertönte, Im nächsten Augenblid flog im Simmer alles durcheinander. Die eine Wand war plöblich weg, und mit felbft flogen Mauerstelme, Wirtschaftsgegenstände afw. auf das Bettie burdy ein Wunder blieb ich mit meiner Tochter, mit der ich zusammenlag, unverlegt. Ich hatte eben noch wahrgenommen, daß die Tür, die von der Küche au unserem Zimmer führte, wie durch eine ungeheure Gemalt aus der Band geriffen und über bas Bett meiner zweiten marf das Mauerwerk und die Tür vom Bett und jah vollkommen blutüberströmt mein Kind regungslos daliegen. Ich behielt soviel Befimmg, daß ich zuerst has unverlegte Kind aus dem Barterre of fenfter auf den af feste- dam nahm ich meine Steine, die am opf unb an ber Bruft blutete, und sprang im Semb felbft auf ben Hof Ble ich auf die Straße gekommen bin, weiß ich nicht, und ich fand mich erst wieder, als ich in einem Raben nebenan saß und ein Feuerwehrmann mir gut zurebete und mir mitteilte, baß mein Kind in das Krantenbaus Moabit gebracht worden sei." Weniger Besatzungstruppen! Deutscher Protest bei den Besatzungsmächtea. Condon, 18. Januar.( TU.) Der deutsche Botschafter fiberreldhte am Sonnabend im Auswärtigen Amt den Protest der dentfchen Regierung wegen der Höhe der Befahung in der zwelten und diitten Rheinlandzone. In dem deutschen Protest wird, wie der diplomatische korrespondent des„ Daily Telegraph" mittellt, auf den Berfaller Artikel 429, der verletzt worden sei, hingewiesen. Der Korrespondent glbt zu, daß die Sache in England mit großer Tell- Tochter geschleudert wurde. Ich sprang fchretend heraus, nahme betrachtet würde. Die Bemühungen der englischen Diploruatie, eine Berminderung der Besakung bei den lilerten zu erreichen, feien leider ergebnislos gewefen. Bom Standpunkt der Wirt fchaftlichkeit und der Reparationen fel eine Berminderung der Befahung, die alljährlich 240 Miloven Goldmart toffe, nur zu begrüßen. Auch in Paris und Brüffel haben die deutschen Botschafter solche Vorstellungen im Sinne des vom Auswärtigen Ausschuß des Reichstags letthin gefaßten Beschlusses erhoben. Man Das Schicksal ber übrigen Hausbewohner ist ein müßte vernünftigerweise annehmen, daß die französischen ähnliches gewefen. Noch Stunden nach der Ratastrophe war faum Staatsfinanzen fenen Teil der deutschen Dawes- 3ahlungen, einer imftande, llar zu benten oder ben hergang des Unglüd's gu die auf Besagungskonto gehen, weit besser für sich selbst verschilbern. Alle Bewohner irrten, foweit nicht die Unfallfielle polizei wenden könnten. Es ist also die Frage, ob die zivile Berlich abgesperrt war, in den Straßen umber und suchten festzustellen, Rorpsgeift der Offizierskafte fiegen wird, verlegt waren, in welchen Krankenhäusern fie Aufnahme gefunden wo ihre Angehörigen geblieben, ob alle gerettet, ober, wenn sie nunft oder der von der allerdings beträchtlich viele Mitglieder im Befagungs hätten. Feuerwehr und Polizei mußten helfend und beruhigend ein gebiet meit beffer leben als baheim, esis ishod greifen, um bie Bebauernswerten zu beruhigen, dom Huertrelbeeek. Tas Volksbegehre» und die Kommunifte«. Im November v. I. begann sich die Sozialdemokratische Partei ernstlich mit der Frage des Volksentscheids über die Abfindung der Fürsten?u beschäftigen. Ihre Ab- sicht war, zunächst im eigenen j�reis diese Frage nach der juristischen, organisatorischen und finanziellen Seite zu klären und dann mit einer wohl vorbereiteten erfolgverheißenden Aktion vor die Oeffentlichkeit zu treten. Dieser Plan wurde empfindlich gestört, als die„B. am l. Dezember über die sozialdemokratischen Vorbereitungen in sensationeller Aufmachung berichtete. Alsbald nahm sich die KPD. der Sache an. Sie konnte unmöglich dulden, daß die Sozialdemokratie eine große volkstümliche Aktion unternahm und sie womöglich gar zum Erfolg führte. Also nahm sie den Gedanken, auf den sie selber gar nicht Bekommen war, sofort in ihrer Weise auf. Dabei dachte sie einen Augenblick an den sachlichen Erfolg. Wenn es ihr gelang, sich einem gedankenlosen Publikum als besonders eifrige Vorkämpferin gegen die Fürsten zu empfehlen und die Sozialdemokraten— weil sie sich nicht an den kommu- nistischen Karren spannen lassen wollten—„als Fürstenknechte zu entlarven", so hatte sie alles, was sie brauchte. Zunächst erreichte sie damit, daß eine Diskussion, die -weckmäßigerweise vertraulich zu fuhren war, öffentlich ge- führt werden mußte. Weil sie die ganze Sache als ein Kinderspiel hinstellte, wurde es notwendig, auf noch unge» löste juristische und finanzielle Schwierigkeiten hinzuweisen. Alsbald war ein anmutiger Krakeel gegen die„verräterische SPD � im Gange, itnd die Fürsten bekamen wieder Mut. Morgen tritt nun der sozialdemokratische Parteiausschuß zusammen, um zu beraten, wie trotz der kommunistischen Quertreiberei die Sache wieder auf einen guten Weg gebracht werden kann. Sofort reicht nun die JtPD. einen eigenen Entwurf im Reichsminifferium des Innen, ein. Sie beweist damit, daß es ihr nicht darauf ankommt, eine Aktion zustande zu bringen, die zum Erfolg führt, sondern daß sie nur Verwirrung anrichten und im Trüben fischen will. Sie hat für ihren Entwurf in Neukölln, wie sie be> hauptet, 29 000 Unterschristen aufgebracht— rund 7000 weniger, als die Kommunisten bei der letzten Wahl Stimmen zählten— und bläst über diesen Erfolg aus vollen Backen Triumph. S i e übernimmt das Kommando, die Sozial- demokratie und die Gewerkschaften haben einfach hinterdrein zu marschieren, und wenn sie das nicht tun, na, dann sind sie eben„entlarvt". Sozialdemokratie und Gewerkschaften sind aber schon so oft„entlarvt" worden, daß das auf sie nicht mehr den aller» geringsten Eindruck machen kann. Sie werden weiter so operieren, wie es ihnen im Interesse eines sachlichen Erfolgs am zweckmäßigsten erscheint. Für den Schaden, den sie mit ihren Quertreibereien anrichten, haben die Kommunisten die Verantwortung zu tragen. Gewerkscbaften und Zürftenabfinöung. Die Stellung de« ATG«. Aus dem Bureau des Bundesvorstandes des ADBT. wird dem Sozialdemokratischen Pressedienst geschrieben: In den Kreisen de? tstewerkschastsmitglieder wird die Frag« der Fürstenabfindung«ssrig erörtert. Der Bundesvorstand würdigt durchaus die starke'Erregung, die noch verschärft wird durch den Umstand, daß Millionen Arbeits- los« und Kriegsopfer unter den Folgen dieser von uns bekämpften Fürstenpolitik in Not und Elend ihr Dasein fristen. Der Bundes- vorstand ist daher seit dem Auftauchen der Fürstenforderungen be- müht, mit dek, aus dem gleichen Boden stehenden p a r l a m e n- tarischen Vertretungen die geplante Auspowerung des Staates und des Volkes zu verhindern. Die Abwehr ist eine p o l i- tische Angelegenheit und deshalb zunächst von den politischen Parteien zur Entscheidung zu bringen. Erst wenn die E» t s ch« l- dung des Reichstags vorliegt, kann der Bundesoorltanb zu der neuen Situation Stellung nehmen. die Zolgen. Ter Cumberläuder verschiebt sein Vermögen inSAnSland Braunschweig. 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der «elfische ExHerzog von Braunschweig, bekanntlich der Schwiegersohn Wilhelms de» Letzten, hat als B« sitzcr einer sehr kostbaren Gemäldegalerie begonnen, einen Teil zu versilbern. U. a. hat er 178 Bilder andenProoinzial oerband Hannover vertauft zu einem Gesamtpreis von Sil) 125 Mark. Bezeichnend ist folgende Stell« au» dem abgeschlossenen Kaufvertrag: „Die Zahlung wird in englischen Pfund zum Mittel- kurse der Berliner Börse an dem der Zahlung vorhergehenden Werktage an das Bankhaus Coutts and Eo. in London wegen der obersten Verwaltung des Gesamthaus«» Braunschweig- Lüneburg zugunsten der N. V. Handelsmaatschapplj Pollux ,n Amsterdam geleistet." Der Exfürst läßt also sich nicht in deutschem, sondern in eng- lischem Selbe bezahlen und legt es nicht im„geliebten vaterlande". sondern im Auslande an. Als Mitglied der Eumberland-Familie hat er wieder sein Herz für England entdeckt, für dos England, da» während des Krieges auf Wunsch aller Patrioten von Gott gestraft werden sollte. proteftversammlung ia Mainz. Mainz. 18. Januar.(Eigener Lrahtbericht.) Am Sonnabend fand hier eine von 7000 Personen besucht« und vom Zen» trum. den Demokraten und Sezialdemokraten ein. berufene Protestversamml ng gegen die Ansprüche der Fürstenhäuser statt. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird gegen die Forderungen der fürstlichen Nichtstuer entschieden pro- testiert und vom R« i ch s t a g die schnelle Verabschiedung eines Ge- setzes zur reichsgesetzlichen Regelung der fürstlichen An- sprüche gefordert._ die Seme. Sine neue Verhaftmeg. Sreifswald, 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend wurde hier«injüngererMannverhaftet.derim dringen- den Verdacht steht, an den Fememorden beteiligt zu sein. Di« Polizei otrweigert über die näheren Umstände jede Auskunft. Der Häftling nennt sich Oberleutnant Lang«. ostauer Regierungsumbildung. Kameuew und Sokoinikot» abgesägt. Moskau. 18. Januar.(DTB.) Durch Beschluß des PUsidiums des Zewrolexekutivkomitees der Sowjetunion wurde K'a m« n« w vom Amt« als Borsitzender des Note, für Arbeit und Verteidigung und als Stellvertreter des Vorsitzenden de» Rate» der Bolkskommissar« enthoben und zum B o l k»- kommisfar für Außen- und Innenhandel ernannt. Der Bolkskommissar für Verkehr Rudfutak und der Bolls- kommisfar für Inspektion Kuibyschew wurden zu Stell. Vertretern de» Vorsitzenden de» Rate» der Volkskommissar« R y k o w ernannt und in den bisher von ihnen verwalteten Aemtern bestätigt. Zum Aorsitz«nd«nde»Rate»sürArb«itund Derteidigung wurde Rqk o m bestimmt und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß laut Statut des Rates für Arbeit und Verteidigung dessen Lorsitzender der Vorsitzende des Rates der Bolls- kommissare ist. Zum Stellvertreter des Volkskommissars für Handel wurde Frumkin ernannt, der die gleich« Stellung inne hatte, als Krasstn an der Spitze des Kommissariats für Außenhandel stand, der den Posten eines Stellvertreters des Volkskommissars für Handel behält. Zu Stellvertretern Rykow» im Rat für Arbeit und Der- teidigung wurden Rudfutak.»ubyschew und Ziurupa ernannt. Letzterer wurde von seinem Amte ol» Volkskommissar für Handel enthob«. Sokolnikow, d« de» Paste« et» Poli». kommisfar für Finanzen abgibt, wurde zum Htellnartreteg des Dorsitzenden der staatlichen Planwirtschaftstom. Mission ernannt, der bisherige Stellvertreter de» Bollskommissars für Finanzen Rrjuchanow zum interimistischen Bollskommissar für Finanzen und zu dessen Stellvertreter Scheinmaan, der den Posten als Stellvertreter des Dolkskommissars für Handel verläßt. Scheinmann wird dafür an Stelle Tumanow» Direktor der Staatsbank. 0 Die Auseinandersetzungen in der russischen Kommunisti- schen Partei haben zu einer völligen Kaltstellung der Führer der Opposition geiiihrt. Im Rat der Volkskommissare ver- bleibt nur noch K a m e n e w. Die Heranziehung R u d- s u t a k s, des Vorsitzenden der Kontrollkommission der russi- schen Kommunistischen Partei, läßt auf die Absicht schließen, oppositionellen Versuchen scharf zu begegnen. Der Jrren-Aar in Rom. Mussolini verbietet Abgeordneten, die Kammer z« betreten. Rom. 18. Januar.(WIB.) Ja der gestrigen Sammersihung waren Vertreter der Aventin-Opposition nicht ouwefeud. Die katholische Vollsparlei(Popolari) hat öffentlich erklärt, daß sie nach den Mlßhaudluagea von oppositionellen Abgeordneten der Kammer fern- bleiben müsse, vlusiollni ergriff nach der Verlesung des Sitzung»- Protokoll» das Wort und erklärte, er bedaure. daß die Avenkin- Opposition vorgestern die Trauerfeler für die üöaigin-Wuller be- nutzt hätte, um in der Sammer zu erscheinen. Die Aventin-Opposition m ü s s e. so führte er au», bevor sie wieder in der Kammer erscheine, ersten» die faschistische Revolulton öffentlich aaerkenaea, zweiten» ihr Bedauern«»sprechen über die gegen den Faschismn» geführte Skandallampagne, drittens sede Gemeinschaft mit den italienischen Emigranten abbrechen, die im Ausland gegen die Regierung hetzten. Solange er am Ruder sei. werde e» den Aveukio-Parleiea uiemal» erlaubt sein, die Sammer zu belrelen, ehe sie diese Bedingungen nicht erfüllt« Tie Sndtiroler Teutschen müssen ihre Namen ändern! Rom, 18. Januar.(WIV.) Ein Dekret, welche, am Freitag im Amtsblatt erschienen, aber bisher von keinem Bloll abgedruckt ward« ist, ordnet au. daß in der Provinz Irten» fämfluhe Familienname«, die lateinisch« oder italienischen Ursprung» sind. aber in andere Sprach« überseht wurden, nnomehr dl« ilallenlsÄe orm annehmen müssen. Familiennamen mit fremdsprachlicher udnng oder Orthographie müssen gereinigt werden. Familiennamen, die au» alt« Orlsbezeichnnng« abgeleitet sind. sowie Adelsprädllale müssen italianisiert werden. Diese neueste Entdeutschungsmaßnahm« geht über alle sadistische Geißelung hinaus, die jemals in der Neuzeit ein ftemdherrfchastliches Gewaltregim« über ein wehrloses Minder- heitsoolk oerhängt hat. Wird die Kulturwelt, werden die �demokratischen" Siegerstaaten nicht endlich dieser Schmach ein Ende machen, die ihre eigen« ist, da ihre Friedens- und Minderheitenschutzbestimmungen den Minderheitsvölkern das nationale Sein verbürgen?! Wo bleibt der zum Schutze der Minderhestsvölker bestellte Völkerbund? Polizeiattacke in Paris. park». 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Di« trotz Polizei- oerbot» am Sonntag nachmittag von der Beamtengcwerlschast pcr- onftoltete Kundgebung, zu der etwa 2000 Personen erschienen waren, hat zu einer Reihe von Zwischenfällen geführt. Während die eigent- liche Kundgebung mit der Rede de» Gewerkschaftsführers über die Forderung der Beamten auf Angleichung ihrer Gehälter an die ständig steigenden Lebenshollungskosten ohne jede Störung verlies. riefen hernach einig« Kommunisten Unruhe hervor, was zu einem vorschnellen und rücksichtslosen Eingreifen von Polizei und Kavallerie führte. Hierbei wurden eine Reihe von Zivilisten und angeblich lk Polizeibeamte verletzt, darunter auch zwei Journalisten, die der Leranstaltung al» Berichterstatter beiwohnten. Kulturtransfer. Don Richard Rainer. Die Gesellfchast zur Entwicklung von Florida— so«ine Art von Verkehrs- und Derfchönerungsverein, in amerikanischem Aus- maß. versteht sich— will dem blühenden Distrikt ihrer Wirksamkeit nun aber energisch mit wirklicher Kultur zuleide nicken. Mit Kultur von garantiert reinem Ursprung und unverwüstlicher Dauer. Unter den Inlandserzeugnissen stehen Kabarett» von Broad- wayqualitäten und wieder einmal die bisher stärkste Radiostation für Unterhaltung obenan. Diese wundervollen Errungenschaften werden jedoch noch übertrosfen von einem monumentalen Import- gut: Eine alt« spanische Kathedrale wird zerlegt und verfrachtet werden, um om wunderschönen Boca-Raton-See in frischer Säulen- pracht ihre Auferstehung zu erleben— zur höheren Ehre der Heilond«mutter und zur Belebung des Fremdenverkehrs.. ver Export europäischer Kulturdenkmäler ist damit in«in neues, entwicklungsfähiges Stadium gerück. Auf der Nachsrage- feit«, dieses lukrativen Wirtschaftszweiges wirkten bisher nur die Eitelkeit der Millionäre und der Spleen jener sammelwütigsn Professorcngebilde. der sich unter dem Fetisch der Wissenschaft in der Institution der öffentlichen Museen die allgemeine Anerkennung er- rungen hat. Inspirator des.Exports war also vorwiegend die private Hand. In dem Kothedralenhandel von Florida aber ist zum ersten Male die öffentliche Hand im Spiele. Die gegenständ- liche Uebernahme antiker und mittelalterlicher Kulturdenkmäler auf dem Wege sachnemäßer Verfrachtung und behutsamer Restauration Ist damit zur Angelegenheit des öffentlichen Interesses geworden. Nimmt dieses Interesse ein nur mittelmäßiges amerikanisches Tempo an, so eröffnen ssch für die europäisch-amerikanischen Wirtschafts- beziehungen ungeahnte Perspektiven. Wie die Ding« liegen, ist das bankerott« Abendland bis zu seinem endgültigen Untergang« an die Dereinigten Staaten ver- pfändet. Wie ober, wenn sich die Europäer zu einem raschen und schmerzlosen Abschied von den mehr oder weniger verwitterten Monumenten entschlössen, den ehrwürdigen Zeugen ihrer immer- wahrenden Raufereien durch die Jahrhunderte und Jahrtausende? Der gordische Knoten des Transkerproblems. der seinen Anfang in Wallstreet nimm', würde sich vor der erstaunten Menschheit leicht und beiter lösen. Die Ouaderschisfe werden auf der Rückfahrt als Ballast die Schuldscheinpakete an die erlösten Gläubiger expedieren. Noch erfolgreicher Abwicklung des Geschäfts würde sodann der Kölner Dom aus den Broadway zu stehen kommen— auf einem sftlechten vlerzigstöckiaen Unterbau für die New Park Tribun«— zur Nachtzeit die gigantische Lichtreklame von Manhattan. Das fränkische Städtchen Rotbenburg hingegen wird in einem lauschigen Tale des Pellowstone-Nationalparks zur cwioen Ruhe gebettet. Das Parthenon wird sich in den Wasiern des Michigansees spiegeln: das Kolosseum als größte» Kino von Los Angel« feiner Bestimmung wieder zugeführt. Auch die übrigen besseren Attraktiv- nen der neuen Well: die Riagarafäll«, die Golorado-Eanon» usw. werden sich leichthin durch Erwerbungen au» dem europäischen Aus- vertauf dekorieren lassen. Dielleicht—- ich wage es kaum zu denk«— vielleicht werden wir auf dies« angenehme Weise auch die Siegesallee los, wenn«in findiger Amerikaner sich entschließt, sie auf Eon« Island als Seiten- stück zu dem größten Lachkabinett der Welt aufzubauen. Ein neuer öeutsiher Dramatiker! „Michael huuderkpfund" ia der„Tribüne". Es ist kein Zweifel: Die Tragödie.Michael Hundert- pfund" von Eugen Ortner hatte unser Inneres gepackt Oder war es die Wucht, die Leidenschaftlichkett, die jagende!8«rzw«,tlung des Schauspielers Heinrich George, der uns aufgewühlt hotte? Nachher yämlich. nach diesem Theatererlebni». wenn uns der Bühnenbann wieder losgelassen hat, fällt uns auf, dos alles haben wir schon einmal gesehen oder gelesen, genau so, oder so ähnlich. Diesen seelischen Druck, der aus den Bühnenfiguren lastet und sich ins Parket» hinuntersenkt, diese zitternde Erwartung kommenden Unheils, haben wir schon bei Schlaf und Holz und Hauptmann— vor Jahrzehnten— und später bei Schönherr empfunden. Micha«' Hundertpfund ist esn Matrose, der das graue fchmutzia« Meer satt hat. der im Land bleiben will bei seiner Schwarzwol� Marie, die er mit der Innerlichkeit eines fehnfuchtbefchwerten Menschen und mit der Triebhaftigkeit eines brünstig« Tieres sieht. Schiff läßt er Schiff und Heuer läßt er Heuer sein, um des Mädchen» willen. Aber zu Lande kann er keine Wurzeln schlag«— er hat kein Heim. Und sein aller Onkel will die Köhlerhütte, in der er Jahrzehnte lebt, der Kirche vermachen, das elende Häuschen, das für Michael der Himmel auf Erden fem würde. Da packt ihn die Raserei. Er schießt die Allen nieder und genießt«in« Rächt ein traumhaftes Glück. Dann ober packt ihn lähmend« Angst oder lähmendes Entsetzen vor seiner Tat. Jetzt biegt Ortner dramatische. zum Miterleb« zwingende Gestattung ins Kolportagehoste ab. Der letzt« Akt ist nur aus Sensation gestellt, nur wirkunghalchendes Theater. Im seelischen Zusammenbruch des Ueberführten pcckt nicht mehr der ins Aeußeriiche verfallend« Dichter, sondern allein der Schauspieler. Dafür vermitteln die erst« beiden Akt« einen künstlerischen Genuß. Die Figuren sind so lebenswahr gezeichnet, daß sich chr drückendes Leid dem Zuschauer mitteill, der für eine Stund« seine Umwett vergißt und innerlich Mttspieler wird Eugen Ortner. der sicherlich ein« Hoftnuna deutscher Dramatik darstellt, hat keine neuen literarischen Wege eingeschlagen. Die Wirkung erziell er allein durch erlebnishoste Kleinmalerei. Heinrich George, der Darsteller des Michael Huirdertp'und, ließ den Zuschauer bis in» Mark erzittern bei der gespiellen Un» besangenhett, der überhastenden, erzwungenen Fröhlichkeit und dem Zerdrochenfem eines Mensch«». Ergreifend sei» Geschick, bei der Wucht seiner Persönlichkeit, den kindlich Unbeholfenen, einer Stütze Bedürftigen zu spielen. Sein verzweiseller Aufschrei erschütterte. Sein« Gegenspielerin, vagny Servas gab ein triebhaftes Schwarzwald-Mariele, ein Mädchen, der man ohne weiteres glaub!«, daß chr« Liebe den Mann zum Derbrechen treiben würde. Auch sie ergriff durch ihre rührende Hilflosigkeit. Franz Stein, Heb- wig Pauly, Fritz Kamper» und Felix Breffart gaben dem Spiel dieser beiden ein« würdige Umrahmung. Der Beifall, der der von Erwin Piscator geleiteten Aufführung gespendet wurde, war außerordentlich herzlich. ErnstDegner. Radiobrektt. So also ist es gewesen heut« vor fünfundzwanzig Jahren, am 18. Januar 1901, als Ernst von Wolzogen, mit angeregt durch französisches Borbild, im Alexanderplatz-Theater sein „Ueberbrettll" eröffnete, so also, wies der Rundfunk in einer entzückenden kleinen Jubiläumsfeier gestern abend den Alten wieder in Erinnerung rief, den Jungen vorerzählle und vormusizierte, wie es der noch immer sehr persönlich« und liebenswürdige Gesang der letzt« Ueberbrettler Bozens Bradsky— im„Nüchternen Mädel' bot sie Meisterliches—. Else Tuschkau und Robert Koppel fein und leffe schimmern und klingen ließ In feierlich einleitender Festrede raunte uns allen Hanns Heinz Ewers. auch einer der Zimmermeister am Ueberbrettl. ein paar drollige Streiche der wilhelminischen Zensur zu. der« staatsbürgerlicher Er- Ziehung seine ungezogenen Musenkinder natürlich in ganz besonderem Maße ausgesetzt waren." � er so. Vortrag kerrs tn Pari». In der Sorbonne sprach Alfred Kerr über deutsche dramatisch« Kunst. Sein Dortrag wurde eingeleitet durch eine kurze Ansprache des Professors Lichtenberger, der die Zu- horer daran erinnerte, daß es die Ausgabe der Böller sei. einander kennen zu lernen, und weiter sagte, das, was das in diesen Tagen feierlich eröffnete Institut für geistige Zusammenarbeit tn die Tot umsetzen wolle, erfahre seine erste praktische Anwendung durch die bevorstehenden Ausführungen eines deutschen Schriftsteller, über das zeitgenössisch« deutsche Theater. Kerr schildert« dann in großen Zügen d,« Entwicklung des deutschen Theaters von Hauptmann bis zur Jetztzeit. Er ging besonders aus die Nachkriegsschöpfungen ein und iprach auch von der deutschen Inszenierungskunst. Seine Ausführungen wurden mtt Beifall aufgenommen. »a'h«na».7»,tr»g. Dienitag. den 19., findet Im Relch»wnt'chaf»rot BeReoueftr. l5. abend» 8 Uhr. der»weit- Ratbenau- Vortrag von Frau Ella Federn. Kohlha» statt. Thuns:.Kritik der Zeit'. At-rgerfe'er fit Herbert Eulenbcrg. NnlSdbÄ de» 50.»eburtSIaae« van Herbert Eulenberq ündet am St.. vormttlaq« llst, Uhr. in der Komödie eine Morzenleier statt, in der Dr. Srwin Reiche die stzst. rede halten wird. Auherdem wirken«erleid E Y s o i d t, Eugen Slöpfer, Karl Ettinger. 23;Ui Schälf-rS u.a. mtt. Re»darbt!a Pari» Ans Einladung von Pirmin«Zmier wird Aar R-inbardt noch>m Lause dieser Lpi-Izcit w Pari» ein Ensemblegastsvicl mit dem Spiel.Jedermann' von HosmannSthal veranstalten. »l« Peetzeball-ktlnftk. Au' dem am 30. in'Zmtlichen RZumen de« Restaurant« Zaalegiicher«aiten«aNstndmden»Preneball-«erben nicht weniger«U sieben Zwfitt-pelle» spiel«». Ein Schneesonntag. Das war ein Sonntag, wie ihn der Sportler in Ehren häft Grimmig talte Luft lag über einer Schneedede, bie fich felbft im Beriner Verkehrstrubel hoch auf respettabler Höhe hielt. Draußen gaben sich die verschiedenen Zweige des interamüsements ein 16 .. Stelldichein. Auf OntelToms Hütte" stierte man, daß es eine Luft war. Gerodelt wurde im Grunewald an jedem Berghang, der für improvisierte Bahnen Verwendung finden fonnte. Auch der Schlitt fchuh fam ausgiebig zu seinem Recht. Der Berliner handelt dem Grundjag gemäß: Warum denn in die Ferne schweifen. Jedenfalls hat die Reichsbahndirektion die Wintersportsonderzüge nach dem Harz und ins Riefengebirge ausfallen laffen. Ursache: mangelnde Beteiligung. Tiefere Ursache: mangelnde Gelder. So wird aus der Not eine Tugend. Und es geht schließlich um Berlin herum ebensogut. Selbst Knochenbrüche lassen sich bei einigem guten Willen ohne die Spesen einer Harzfahrt erzielen. Die Illufion ist vollständig. Wer gestern abend zwifchen 6 und 8 Uhr auf dem Botsdamer Bahnhof somie auf dem Bahnhof Friedrichstraße stand und beobachtete, welche Unmengen abenteuerlich gegen die Kälte uniformierter Leute die Vorortbahnen ausspien, der mußte ganz Berlin für die Großftallung einer Riefenherde entfeffelter Sportler ansehen. Soviel Besagung fann man ja überhaupt nicht in einen Bug pressen. Aber es ging! Und wie die roten Baden und bie Frifden Augen bewiesen: die Berfrachtung in Masse hatte ihnen nicht viel geschadet. Ein fleiner Fundus für die Wochentage. Sie fönnen es brauchen in dieser Zeit! Mit dem Schneefall erlebte Berlin eine neue Sportsensation. Bas früher nur Garmisch- Partenkirchen und andere Wintersportpläge für fich gepachtet hatten, besigt nun auch Berlin: Schlitten rennen. Auf der Mariendorfer Trabrennbahn fand gestern nachmittag die„ Uraufführung statt. Lange hatten die Trab: rennvereine darauf gemartet, thre neu angeschafften Schlitten einzuweihen, endlich, nachdem die Hoffnungen unter den Gefrier punkt gefunden waren, erschien der Tag. Und Berlin stand dazu noch mit dem Schiittenrennen an erster Stelle, denn Garmisch- Partenfirchen wird vielleicht erst am nächsten Sonntag folgen fönnen. Gewettet wurde ebenfalls wie beim Trabrennen, zuerst schüchtern, dann temperamentvoller. Doch die Pferde gefielen fich in merkwürdigen Ueberraschungen. Favoriten verjagten, und manche Lenfer benahmen fich merkwürdig. Bielleicht machte das Neue unsicher. Gefundheitspflege durch Volksaufklärung. Eine fozialhygienische Ausstellung in Wilmersdorf. Der beim Bezirksamt Wilmersdorf bestehende sozialhygienische Ortsausschuß went et fich an die Bevölkerung mit einer Ausstellung, die der Bolksgesundheit dienen will durch Auf. flärung über Mutter und Kindesschup, über Krüppel. heilung und über den Kampf gegen Lubertulofe, gegen Geschlechtstrantheiten, gegen Altoholismus. Sie Sie ist eine Wanderausstellung, die aus den von der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit geschaffenen Anfängen burch das Rote Kreuz unter Mitwirkung verschiedener Organisationen weiterentwickelt und seit 1920 in vielen Stätten Deutschlands gezeigt worden ist. In Bilmersdorf wurde sie am Sonntag mit einer Feier eröffnet, an der Vertreter von Behörden des Reiches, des Etaates, der Stadt und ihrer Bezirke und von Organisationen für Gefundheitspflege teilnahmen. Stadtrat Steinhoff, der als Berfizender des fozialhygienischen Orisausschusses und zugleich im Ramen tes Bezirksamtes die Gäfte willfommen hieß, betonte die Notwendigkeit, die Gesundheit des deutschen Volkes durch aufklärende Beranstaltungen zu fördern. Der Wilmersdorfer Stadtarzt Dr. Pannwig gab einen Ueberblick über die Smeige der Gefund heitspflege, die in der Ausstellung berücksichtigt find. Allen Maß nehmen der Behörden muß der Erfolg berfagt bleiben, wenn in der Bevölkerung nicht das Berständnis für die Gefund. heitsfürsorge und das Berantwortlichfeits. gefühl gesteigert wird. Die Ausstellung, die in dem mit Straßenbahn, Untergrundbahn und Stadtbahn erreichbaren Wilmersdorfer Stadthaus( Kaiser. allee 1-12) untergebracht ist, bietet eine reiche Auswahl von Bildern, Modellen und Tabellen. Begen ihrer belehrenden Hinweise auf die richtige Pflege und Ernährung des Säuglings verdient fie, besonders von Frauen beachtet zu werden. Sie tauert vom 17. bis 24. Januar, wird an den Vormittagen von 8 bis 2 Uhr durch Schulklassen unter ihrung der Lehrer besichtigt und tann an den Nachmittagen( außer Mittwoch) von 4 bis 9 Uhr von jeder. mann unentgeltlich besucht werden. An den Wochentagen, abends um 6 Uhr, werden Vorträge gehalten, am Montag über Mutter und Kind, am Dienstag über Tuberkulose, am Donnerstag über Geschlechtsfranfheiten, am Freitag über Krüppelfürsorge, am Sonnabend über Alkoholismus. 35 Jahre Arbeiter- Bildungsschule. Eine Warnung für den Reichstag! Maffenversammlungen gegen die Fürstenabfindung. Dortmund, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Su einer großen der Kurzarbeiter; Ausdehnung der Unterstützung auf die Kreise der Protesttundgebung gegen die Fürstenabfindung gestaltete sich die von Bedürftigen, die heute nichts erhalten; Erhöhung der Unterstügungs etwa 15 000 Teilnehmern besuchte, von der Sozialdemokratischen fäße um 50 Proz.; Aufhebung der Bedürftigkeitsgrenze; OrgantBartei Westfalen- Süd einberufene Maffenversammlung in der Weft fierung von umfangreicher probuftiver Erwerbslosenfürsorge. Alles falenhalle, bei der Reichstagsabgeordneter Scheidemann, der mögliche muß geschehen, um große Aufträge von den Bes Candtagsabgeordnete Heilmann, der Borsitzende des Deutschen fann die Durchführung diefer Forderungen und darüber hinaus bie hörden, der Eisenbahn usw., an die Industrie zu vergeben. Bie Bergarbeiterverbandes, Husemann, sowie der Borfizende des Sicherung der Blanwirtschaft erfolgen? Nicht durch planloje Aftiones. Deutschen Metallarbeiterverbandes, Brandes, das Wort zu dem sondern nur durch Zusammenschluß der Arbeiterklasse und durch Thema„ Gegen die wirtschaftliche Berelendung und gegen Fürsten Stärkung der gewerkschaftlichen Organisationen. abfindung" ergriffen. Genosse Brandes als erster Redner führte aus, daß die Ursache der deutschen Wirtschafts. trifis durchaus nicht allein auf die Krankheitserscheinungen der deutschen Wirtschaft, sondern in erster Linie auf die systematische Zerschlagung der Kauftraft des Boltes zurückzuführen sei. Die voll. tommen verfehrte Wirtschaftspolitik, sowie der Lohn- und Steuer brud hätten die Kauftraft des Boltes untergraben Die jezige Krije sei das Wert derselben Bantrotteure, die Deutschland in den Krieg gehegt haben und die, als die Sozialdemokratie nach der Ratastrophe des Jahres 1918 die Auflösung des Deutschen Reiches verhinderte, es verstanden haben, das Bolf wieder umzu täuschen. Unberechtigt seien die Klagen der Industrie über die hohen Lasten. Alle Steuern und anderen Lasten würden durchaus ausgeglichen durch die höheren Löhne in den Konkurrenzstaaten. Die primärste Forderung der arbeitenden Klassen müsse daher lauten: fyftematische Stärkung der Kauftraft. Die Schwerindustrie rufe nach der Wirtschaftsbittatur. Sie folle fidh hüten, daß nicht die Gegenseite mit Diftaturforderungen tommt, die zu dem Gegenteil von dem führen könnten, más die Großindustrie wünscht. Alle verfügbaren Gelder müssen dazu ver Mißwirtschaft verursachten Wirtschaftstrise zu unterstüßen, am besten mendet werden, um bie schuldlosen Opfer der durch kapitalistische durch Organisierung großzügiger Notstandsarbei. ten. Die Abfindungsforderungen der Fürsten, die jest sogar ihre Ansprüche auf ihre Mätreffen ausdehnen, find ein beispiellofer Standal Die neue Auspomerung des Boltes zu verhindern, ist Aufgabe und Pflicht der organisierten Arbeiterschaft. Der Vorsitzende des Deutschen Bergarbeiterverbandes, ( Genosse Husemann, gab ein ausführliches Bild von der furchtbaren Notlage im Ruhr gebiet, mo durch die Zechen- und Fabrikitillegungen ganze Bezirke tem wirtschaftlichen Tod geweiht seien. 173 000 23ergarbeiter feien im Laufe non: frapp zwei Jahren entlassen und ihrem Echidial preisgegeben worden. Bei planmäßiger Wirtschaft wäre Ruhrgebietes zur Stiflegung gekommen wäre. Nach fapitalistischen es unmöglich gemejen, daß manche rentable Reche im Süden des Methoden habe man die Stillegungsaftion aus dem Grunde durch geführt, weil sich die Arbeiterschaft gegen die Berlängerung der Arbeitszeit gewehrt und Löhne zur Ermöglichung eines menschenmürdigen Daseins verlangt habe. Jetzt fordere man die Wirtschafts. diftatur mit der Begründung, daß in Deutschland länger gearbeitet werden müsse Man wolle den deutschen Arbeiter zum Ruli der ganzen Welt herabmürdigen. Unrichtig seien die Behauptungen der Arbeitgeber, daß in Amerita länger gearbeitet werde als in Deutschland. Bei feiner Studienreife im Herbst vorigen Jahres habe er fich an Ort und Stelle davon überzeugen fönnen, daß in der beſtehe, während man in Deutschland durchweg den zwölf amerikanischen Eilen und Stahlindustrie der Achtst unbentag stündigen Arbeitstag habe. Eine vernünftige Blanwirtschaft müßte durchgeführt werden, bei der der Mensch als wichtigster, Produktionsfafter gemeriet werde C Die Arbeiterschaft erhebe folgende Forderungen: Schnellste Erledigung der Arbeitslosenversicherumg; Unterſtükuna aller Erwerbslosen, auch der 500 000 Ausgesteuerten; Unterstüßung immer starter hervortreten, inner beffer erreicht werden fönnen: die Erziehung zum Sozialismus. Nach diesem eindrucksvollen Bortrage rezifierte Heinrich Witte vom Staatstheater Verse von Hölderlin, Arno Halz und Herwegh. Die ganze Beranstaltung aber umrahmten stimmungsvolle Kammer musikvorträge, zu denen sich Konzertmeister Lambinon, Konzert. meifter Richter und Professor Kestenberg zusammengefunden hatten. Genosse Scheidemann wurde beim Betreten der Rednertribüne stürmisch begrüßt. Seine Ausführungen waren politischer Art. Die trostlosen politischen Zu stände feien die Folge davon, daß wegen der 3ersplitte rung der deutschen Arbeiterschaft im Herbst 1918 nicht mit der Gründlichkeit habe abgerechnet werden können, wie abgered net habe merden müssen. Der Redner behandelte ausführlich die reaktionären Bewegungen, die fich nicht gescheut haben, Dolch, Gift und Revolver und als schlimmste Waffe die Berleumdung in ihren Dienst zu stellen. Auf allen Gebieten, in der Verwaltung und vor allem in der Rechtspflege habe die Reaktion Oberhand gewonnen. Was wir jetzt deutsche Rechtspflege nennen, verdiene kein Bertrauen. Die Reaktion bezeichne die Sozialdemokratie als Landesverräter. Der jetzt allgemein als irrenhausreif erfannte Ertaiser habe vor dem Kriege den Ausspruch getan, in Deutic land leben 1 Million Landesverräter, und zwar die Sozialdemokraten. Diesen Ausspruch hätten sich jezt ganze Parteien zu eigen gemacht. Die sozialdemokratische Partei fönne überall mit reinem, blanken Schilde auftreten. Eins aber stehe feft, wenn man von Landesverrat sprechen wolle, so müsse der Ertaiser als der Landesverräter gebrandmarkt werden, der jahrelang Frevelfpiel mit seinem Bolte getrieben habe. ausDer legte Kaiser, den jetzt die ganze Welt für geistesfrant hält, hat alle Pläne der deutschen Politit geplaudert Er hat die englischen Bündnisvorschläge dem Kaiser von Rußland übermittelt. Das war Landesverrat im übelsten Sinne des Wortes. Wie jest in Ungarn Geldfälschungen begangen murden, um hiermit die Reaktion zu finanzieren, so geht man jetzt in Deutschland dazu über, hunderte Millionen unter dem Bormand ber Fürsten abfindung für reaktionäre 3mede von dem Bolfe zu eipreffen. Aus diesem Grunde müsse man, um die Republik zu chüßen, diesen Versuchen mit allen Mitteln entgegen treten Ms letzter Redner wandte sich der Landtagsabgeordnete Genoffe Heilmann gegen die Fürstenabfindung. Es sei nicht zu erwarten, daß der Reichstag eine Regelung schaffe, die dem Buniche des Bolles entspreche. Man werde im besten Falle eine Kommission einsetzen, Diese Schiedsrichter verdienten zum größten Teil Mißtrauen. die entscheiden solle, was den Fürsten und was dem Bolle gehöre. Die alten Fegen Papier, mit denen die Fürsten sich Eigentum erschlichen haben, dürften nicht länger mehr rechtsträftig sein. Das gange Bolt müße sich zur Behr sehen, daß aus der sog. Fürſtenabfindung ein Kampffonds gegen die Republif geschaffen merbe. Daher müsse die Frage der Fürstenabfindung dem Bolte 8ur Entscheidung unterbreitet werden. Diese Abstimmung Wolfes fein. werde eine Generalprobe auf die politische Reife des deutschen Zum Schlusse nahm die Versammlung einstimmig eine Refo lution an, die die Fürsten, vor allem die Hohenzollern, als die Haupt-> schuldigen an den jeßigen fatastrophalen Wirtschaftszuständen be) zeichnet und den Bolfsentscheid bei der Fürsten. abfindung fordert, falls der Reichstag nicht die Enteignung der früheren Potentaten ausspricht. Die Gelder der Armen. Begen Amtsunterschlagungen von mehreren tausend Mart städtischer Gelder hatte sich vor dem Schöffengericht mitte der Stadtsekretär Kaiser pom Bezirksamt Prenzlauer Berg zu Derantworten. In einem Falle hatte er einen Betrag von 2600 Mart, der ihm von einer mildtätigen Dame für Bolts fpeisungen zur Abführung an die Stadttasse übergeben worden Gautag des Reichsbanners in Landsberg a. W. maren, einbehalten und verbraucht. Ein anderer Betrag von 545 Mart, der zu Einsiedlungszmed en angewiesen war, Annähernd 500 Delegierte aus Berlin, der Mart Brandenburg war von ihm ebenfalls unterschlagen worden. In zahlreichen Fällen und der Grenzmart waren am Sonnabend und Sonntag in den hatte er sich von Unterstützungsbedürftigen Blanfoquittungen ausMauern der Grenzstadt Landsberg a. W. zusammengelommen. Am ftellen lassen und diese hinterher auf einen höheren Betrag aus Sonnabend abend fand vom Bahnhof aus ein Fadelzug statt, an gefüllt und auch die entsprechend höhere Summe in die Listen eindem fich 1800 Reichsbannerleute und Taufende von Einwohnern getragen. Der Angeklagte entschuldigte fich, daß er infolge schwerer Landsberg beteiligten. Darauf marschierten die Reichsbannerzüge Stranfheit in große Not geraten sei und daß jeine Bor Dr. Mischler, Abgeordneter Faber, Lehrer Kellermann und Ober. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Herrmann fennzeichnete das Verhalten präsident örfing sprachen. Zur gleichen Zeit fand im Etablisle des Angeklagten als ehrlos, da er den Aermsten der Armen das ment Beinberg" die Eröffnung der Gautagung statt. Hier Letzte genommen habe. Das Gericht billigte ihm aber mildernde botten sich ungefähr 700 Vertreter der Gauorganisation zusammen- Umstände zu, ba er infolge des unübersichtlichen Betriebes, der gefunden. Nach der Festrebe des Rechtsanwalts Martin Meyer, Bebei feiner Behörde geherrscht habe", allzuleicht ber Berführung unter arüßungsansprachen des Oberbürgermeisters der Stadt Landsberg Gerloff und der Vertreter der drei republikanischen Barteien, er Wort zu einer politisch bedeutsamen Rede, und führte etwa folgen fängnis. griff der Bundesvorsitzende Oberpräsident, Otto Höriing bas des aus: legen fei. Das Urteil lautete auf ein Jahr drei Monate GeIm Kampf gegen den Schnee. Im Gemerfschaftshaus am Engelufer wurde die 35. Biederfehr nach dem Wohlfahrtshaus, wo in dem vollkommen überfüllten Saal gefeßten feine mehrfachen Bitten um Unterſtüßung abgelehni hätten. bes Gründungstages der Arbeiterbildungsschule festlich begangen. Auf gedeckten Tischen flammten rote Nelten, und im Hintergrund des Saales leuchteten vor einer Draperie von fattem Rot die Farben ber Deutschen Republif. Freunde und Förderer der Schule waren aus allen Gegenden des Reiches erschienen, um an biefem Tag ber Enimidiung zu gebenten, ble bicje Schule im Berlauf der verflossenen 35 Jahre zu ihrem Nutzen und zum Nutzen der Partei durchgemacht hat. So mancher Weißhaarige war schon bei der Gründung beteiligt. Bahllose, die heute auf der Höhe ihres Lebens stchen, gehörten damals zu den ersten Schülern. Wer nicht hatte erscheinen tönnen, von dem waren zu dem Ehrentag der Arbeiterbildung menigstens schriftliche Glückwünsche eingelaufen. Hat sich doch, wie Staatssekretär Genoise Heinrich Schulz ausführte, bie Schule aus allerkleinsten Anfängen entwickelt. Ohne Zielfezung, mit ganz geringen Mitteln war sie gegründet worden, nur aus dem ganz allgemeinen Bedürfnis heraus, bem vierten Stand zu helfen, der wie zum törperlichen, so auch zum geistigen Darben verdammt war. Zu Tausenden strömten die Arbeiter ihrer Schule zu, und durch Inserate mußten anfangs für die elementaren Wissen schaften Lehrer gesucht merden, die sicher nicht immer die geeignetsten waren und dem sozialistischen Gedanken oft innerlich feindlich gegen. überstehen mochten. Aber die Gründer der Arbeiterbildungsschule wußten damals, was auch die Schüler instinktiv fühlten, daß jede Bilbung beffer ist als gar teine. Dadurch tam es aber bei manchem zu einem unflaren Bielwissen, dem die Ronzentration und Zusammenfaffung fehlte, Birklich positive Leistungen konnten daher nicht herauskommen. Manche Krisen mußte die Schule durchmachen, ehe fie vom Herbst 1895 sich zu dem entwidelte, was sie heute ist: zu einer Bartei schule. Aber neben der sozialistischen Bildung, die fie geben sollte, wurde auch die inführung zur Kunst nicht vergeffen. Gerade damals mar bie Boltsbühne, die erst so hoffnungsvoll begonnen hatte, durch bas Eingreifen der Polizei lahmgelegt worden; bie Schule übernahm daher einen Teil ihrer Aufgaben. In jenen Tagen wurde von hier aus begonnen, Feste und Berantal. tungen ins Dasein zu rufen, die sich von allem fonft üblichen Kits fernhielten und wirkliche Kunst von mirklichen Künstlern bringen follten. Die Nachfriegszeit veränderte dann das Bild wieder wesent. lich. Die Bolkshochschule wurde zum Schlagwort, das aber feine Birkung bald wieder verfor. Aber nach der Verfassung find Länder und Reich verpflichtet, für eine durchgreifende Boltsbildung Sorge zu tragen. So hat die Arbeiterbildungsschule schon heute einen Teil ihrer Aufgaben an die Allgemeinheit abgetreten und wird es noch weiter tun. Doch wenn auch quantitativ das Arbeitsbereich eingeengt pirb, qualitativ wirb bas eigentliche 3iel der Schule Man hat oft darum geftritten, ob das Reichsbanner eine politische Organisation ist oder nicht. Wir felbfi haben uns zu dieser Frage bisher nicht geäußert. Ich will aber heute nicht anstehen zu erklären: das Reichsbanner ist eine politische Organisation. Allerdings nicht im engen partei. politischen Sinne, sondern im Rahmen dessen, was die brei republitanischen Barteien in Ausführung der Weimarer Berfaffung eint. Das Reichsbanner ist start geworden, meil es sich in das politische Getriebe einzelner Parteien nicht eingemischt hat. Dabei wird es auch in Zukunft bleiben. Heute ist mancher vielleicht bedrückt darüber, daß es nicht gelungen ist, eine gemeinsame Blattform für eine Reichs. regierung der republikanischen Barteien zu finden. Auch ich bedaure das: aber ich fann mich nicht entschließen, nach einer diefer Parteien mit dem Stein zu werfen; denn jebe der Barteien wird zu ihrem Ber: halten sicher wichtige und für sie ausschlaggebende Gründe haben. Wir haben die Hoffnung, daß es den brei republikanischen Parteien recht bald gelingen möchte, eine Blattform zu finden, auf der eine Regierung gebildet werden fann, die die Sicherung der Republif verbürgt, die soziale und wirtschaftliche Gesundung herbeiführt und der deutschen Republik würdig ist; denn wenn es noch einmal dazu fommt, daß in Deutschland alles durcheinander geht, wird Deutschland nicht mehr sein. Deutschland wird Republik- oder es wird nicht mehr fein Hörfings Ausführungen löften stürmischen Beifall aus. gearbeitet. Es find nicht mur sämtliche menschlichen Kräfte, Die Straßenreinigung der Stadt Berlin hat am Sonntag volt fondern auch sämtliche Schneepflüge eingelegt worden. Heute waren dem die gesamte Stammbelegschaft und 3500 rmerbstoje. Diese Zahl wird am Dienstag auf 4000 erhöht werten. Zum Teil wird der Schnee in die natürlichen Wafferläufe oder in die unterirdischen Entwässerungsanlagen aber auf Abladeplätze abgeladen. Ueber Soll und Werden der Dresden- Hellerauer Bersuchsschule und„ Die fahrende Schule( Klassenreisen als Lebensschule) werden Mar Nische und Billy Steiger Hellerau unter Borführung von Lichtbilt ern in der öffentlichen Bersammlung des Bundes Entschiedener Schulreformer am Dienstag im Berner- Sie mens Realgymnasium, Hohenstaufenstr. 47/48, berichten. Jedermann willkommen. Einen Lichtbildervortrag beranfialtet das Bezirksjugendamt R5 penid in Bohnsdorf am Dienstag, den 19., abends 8 Uhr, in der Turnhalle ber Shule zu Bohnsdorf. Die Frauenberanstaltung in Sohnsdorf wird auf Dienstag, ben 26., berlegt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Streis Charlottenburg. Seute, piinftlich 7, hr abends, im Rathaus, Sigungszimmer 1, wichtige Sigung der Fraktion und der Bürgerdeputierten. 108. Abt. Räpenid. Seute, Montag. 18. Januar, 7½ Uhr, im großen Gaal des Stadttheaters öffentliche Boltsversammlung. Tagesordnung: Bortrag: Der Kampf um die freie Boltsschule". Referent: Dr. Löwenftein. Alle Genoffinnen und Genoffen milffen für regen Besuch der Bersamm.ung orge tragen Am Sonntag fand dann die Gautagung des Reichs. banners statt. Nach einem Geschäftsbericht des Gauführers Roch und nach Erledigung der zahlreichen Anträge beschäftigte sich die Bersammlung noch mit der Frage der Fürstenabfindung und nahm zu diesem Thema unter starkem Beifall einstimmig eine ent sprechende Entschließung an, in der es zum Schluß heißt:„ Sollte der Reichstag diesen notwendigen Schuß des deutschen Boltes nicht oder nur mangelhaft schaffen tönnen, so muß das Bolt selbst zur Verteidigung seiner Rechte gegen die Habgier der ehemaligen Landes. väter aufgerufen werden. Wir erwarten ein entsprechendes Vorgehen 28. t. Beridhtiming! Der am Dienstag, 19. Sanner, Battfindende Frauezag der Barteien. Frauenveranstaltungen: abend findet nicht Rodez. 20,( onbern Antefte. 10 ftatt. Gewerkschaftsbewegung bürger, wenn es ihrem Brofitintereffe nicht unmittelbar förderlich ist! Schluß mit der Sabotage! Die Notstandsarbeiten müffen durchgeführt werden. Organisiert Notstandsarbeiten! Schafft Notftandsarbeiten! Jeden Tag geut dieser Ruf der hungernden und darbenden Erwerbslosen durch die Deffentlichkeit. Man sollte glauben, daß es für die maß, gebenden Stellen im Reich, Ländern und Gemeinden ebenfalls nichts Selbstverständlicheres gibt als die Beschaffung von Rotstandsarbeiten. Aber Tatsache ist, daß es bis zur Stunde mit der Vorbereitung von Notstandsarbeiten mehr als fläglich aussieht. Die Zahl der Pflichtarbeiter, das sind z. B. Erwerbs. Lofe, die zu vorübergehenden Arbeiten im öfferulichen Interesse wie zur Schneemegräumung und dergleichen verpflichtet werden, ohne mehr als die Erwerbslosenunterstützung zu bekommen, stieg vom 15. November bis 15. Dezember von 36 000 auf 105 000. In der gleichen Zeit fant die Zahl der Rotstandsarbeiter von 30 000 auf 27,000. Während also die Erwerbslosenarmee auf über eine Million stieg, sant die Zahl der Arbeiter, die auf Grund der Bestim ungen über die produttive Erwerbslosenfürsorge beschäftigt wurden. Ein geradezu unerhörter Standal! Man läßt immer erst die Dinge an sich herankommen, statt frühzeitig vorzubeugen und vorzuarbeiten. Es liegt auf der Hand, daß man im legten Augenblick Notstandsarbeiten, z. B. der Erdarbeiten, nicht einfach irgendwo beginnen fann. Dazu fommt dann die Saumfeligteit im Instanzenweg; es ist ein langer Weg von irgendeinem Beschluß im Parlament bis zum ersten Spatenstich Die Herren, die die Not nicht am eigenen Leibe Derfpüren, laffen fich 3eit. Hier müßte mehr Drud dahinter fpüren, lassen sich 3eit. Hier müßte mehr Drud dahinter gesetzt werden. Die Behörden werden ja förmlich mit ber Rafe darauf gestoßen, daß sie die Zeit jetzt benußen müssen, um mit Hilfe der Erwerbs Losen z. B. die so dringend nötigen Flußregulierungen porzunehmen. Wieder einmal hat das Hochwasser Millionen merte vernichtet. Bei dem Regierungspräsidium in Arnsberg find z. B. bis zum 13. Januar allein 24 Millionen Mark Schäden im Flußgebiet der Ruhr angemeldet worden. Millionen wären gespart worden, wenn man in früheren Jahren mehr erwerbslose arme Teufel bei den Notstandsarbeiten beschäftigt hätte. In vielen Zeilen des Reiches müffen jetzt endlich einmal umfassende Waffer schußbaupläne durchgeführt werden; in den verkehrsreichen Gegenden sind die Straßenbauarbeiten infolge des 3 nehmenden Kraftwagenverkehrs fo notwendig wie das liebe Brot. Schon das überaus gefährliche Problem der erwerbslojen Jugendlichen müßte alle verantwortlichen Stellen förmlich dazu antreiben, alle Hebet in Bewegung zu setzen, unt in fürzester Zeit allen arbeitsfähigen Händen Arbeit zu verschaffen. Bibung der Jugendlichen, ihre Erziehung zum vollwertigen StaatsDer Bertreter des Berliner Drtsausschusses des ADGB. fonnte in der Sigung eine Fülle von Material vorlegen. aus dem hervorgeht, in welchem Ausmaße die Unternehmer nach dieser Richtung hin arbeiten. Ja, in einzeinen Industriezweigen wurde einzelnen Arbeitsnachweisen verständlich gemacht, nur solche Jugendlichen zu vermitteln, die feiner Berufsschulpflicht unterliegen. Ein beliebtes Mittel ift es auch, um Befreiung vom Schulbefuch nachzusuchen. Es sei hier nur an das im Borwärts" dargestellte System der Firma Garbaty erinnert, die für ihre jugendlichen Arbeiterinnen Anträge vervielfältigte, vom Schulbefuch befreit zu werden, mit der Motivierung, daß fie sonst ihren Arbeitslohn völlig verlieren, das heißt, von der Firma entlassen würden. Richt ganz so ungünstig liegen die Berhältniffe bei den Behr. lingen, obwohl auch hier in den verschiebensten Fällen 3 urüd. balten vom Schulbesuch und zumeilen ein Abzug zu ver zeichnen find. Doch fonnte hier stets mit größerem Eriola folchen Anfinnen entgegen getreten werden. Im befonderen fcheint es jegt üblich zu merben, in der Krisenzeit den Lehrling als Arbeitskraft zu werten. In der Zeit, da die erwachsene Arbeiter. schaft arbeitslos auf der Straße liegt, sollen die Lehrlinge etwaige vorliegende Arbeitsaufträge allein ausführen. Dann tit Gile notwendig und der Schulbesuch überflüffig". So hatte vor kurzem die Firma Shebera Tempelhof, bei der Differenzen wegen eines Lohnabzugs beftehen, den Arbeitsausfall der ausgesperrten erwachsenen Kollegenschaft versucht, durch be. fondere Arbeitsleistung der Lehrlinge wettzumachen. Die Firma verfuchte, etwa 105 Lehrlingen( Schloffer, Klempner, Stellmacher, Ladierer und Sattler) bei den in Frage kommenden Schulleitungen für die Dauer der Aussperrung einen Shulurlaub zu erwirten Auf Einwirkung der Gewerkschaften und der Jugendzentrale des Ortsausschusses des ADGB. fonnte dieser ftration für die Ausmuzung der Arbeitskraft der Lehrlinge. Benn faubere Blan vereitelt merben. Dieser Fall ist eine brutale Demon es den Unternehmern in ben Kram past, bonn soll die Lehrlings ausbildung nichts mit Erziehung zu tum haben mie es eben gerade trifft. Alle diefe Bortommniffe sind ein erneuter Beweis für bie dringende Notwendigkeit der reichsgefeglichen Rege lung des Lehrlingswesens und des Berufsschul. wefens. Kundgebung der Betriebsräte in Halle. industrie murde, wie in ber Bormodje, bie Arbeit wiebes aufgenommen. Kurzarbeit murde befonders in der Metall unb Tertilindustrie eingeführt. Enilaffungen erfolgten in fast allen Berufsgruppen, pornehmlich in der Metall- und Holzindustrie und im Bekleidungsgemerbe. Gegenüber dem Reiche ist die Arbeits lofigfeit in Westfalen und Lippe weiterhin vergleichsweise immer noch starter. Bährend nämlich die Bevölkerung von Westfalen und Lippe 7,9 Proz. der Reichsbevölkerung ausmacht, betrug am 1. Januar 1926 der Anteil der Bollerwerbslosen in Westfalen und Bippe 10,6 Proz. der Gefamizahl der Bollerwerbslojen im Reid Gattler, Tapezierer und Bortefeuiller. Heute abend 7 Uhr im Graphischen Bereinshaus, Al gandrinenstr. 44, Bersammlung aller SPD. Rollegen und der auf dem Boden der Amsterdamer Gemertschaftsinter nationale ftehenden Mitglieder. Jeber Betrieb muß vertreten fein, ba wichtige Tagesordnung. Sport. 15. Berliner Sechstagerennen. Hahn- Tieh Spikenpaar. Nach Beendigung der gestrigen Nachmittagswertung ergab sich folgender Stand des Rennens: 1. Giorgetti Rieger 135; 2 Mac Namara Horan 123; 3. Galdom- Tonant 114; 4. Bauer. Gottfried 67; 5. Hahn- Tiek 63; 6. Berinn- Debaets 55; 7. LorenzKrupfat 45; 8. Gebr. Bandenhove 40 Buntte. Eine Runde zu. rüd: 9. Dewolf- Stocelynd 92. 3 mei Runden zurück: 10. Stellbrint- Longardt 39; 11. Samall- Rosellen 29. Drei Run den zurüd: 12. Möller- Lemanom 78; 13. Golle- Wittig 68 Punkte. 1760,960 Kilometer waren bis um 5 Uhr nachmittags zurückgelegt. Raum war die Wertung beendet, als die Mannschaft Mac Ramaras fchloß fidh bas Feld bald wieder, bis Bauer Hahn- Ließ mit aller Bravour losging. Dank der Führung Gottfried zu wühlen begannen. Nach Beendigung der Jagd, die oft aufregende Momente gab, gibt der Rennausschuß befannt, daß alle Paare mit Ausnahme von Hahn Tieß, Bauer Gottfried und Samall. Rosellen wegen schlechter Ablösung je eine Strafrunde erhalten. Bor Beginn der 10- Uhr- Abendwertung zog Perfyn los. Wild umkreisen die Fahrer die Bahn. Bersyn und Hahn stürzen. Das Rennen wird neutralisiert. Bald aber sind die beiden Fahrer wieder im Felde zu finden. Die 10- hrHoran, Bersyn Debaets und Hahn- Tieg erhalten Bertung war ausgefüllt voller Jagden. Später erscheint am Transparent der Beschluß des Rennausschusses: Mac Ramara je einen Rundengeminn zugefprochen Fahrer erhalten wieder megen schlechter Ablösung Geldstrafen Mehrere folgender: 1. Hahn Tieß 68 Buntie. Cine Runde zu fand in Halle zum ersten Male eine Bollversammlung der Betriebs Halle, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend räte und Gewerkschaftsfunktionäre statt, die sich trotz der Krise und trog ihrer Auswirkungen gerade im Halleschen Wirtschaftsbezirt als ein poller Erfolg für die Bewegung der freien Gemert. Der Stand des Rennens nach der 10- Uhr- Wertung ist num shaften barstellt. Der Sollege Eggert vem Bundesvorstand bes ADGB. sprach über Wirtschaftskrise und Mittel zu ihrer Berid: 2. Mac Namara- Horan 127, 3. Gottfried- Bauer 78, 4. Persyn hebung, und wies im Berlauf der außerordentlich hochstehenden Bergetiti 145, 6. Lonani- Saldom 122, 7. Gebr. Bandenhove 53, 8. LorenzDebaets 59 Bunfte. 3wei Runden zurüd: 5. Rieger- Gior anstaltung auch auf die eigenartige Entwicklung des Wirtschafts- Krupkat 31 Bunkte Drei Runden zurüd: 9. Demolf- Stode lebens gerade in Amerika hin, die einer Anzahl deutscher Betriebe Innd 105, 10. Sawall- Rosellen 31 Puntte. Fünf Runden au Die Finanzierungsfrage ist für das erste halbwegs in Ordnung allmählich zum Borbild wird, wenn auch augenblicklich daraus irgend rid: 11. Möller- Lewanow 84, 12. Wittig- Golle 81, 13. Stellbrink gebracht. Jest tommt es zunächst barauf an, daß in den tausenden welche Berbefferungen nicht zu erhoffen find. Es ist bezeichnend, Longardt 54 Punkte. Um 11 Uhr sind 1938,400 Kilometer bedeckt. von Aemtern im Reiche mit Hochdrud gearbeitet wird, daß die Versammlung, die im allgemeinen restlos von den Andamit mit den Notstandsarbeiten angefangen werden fann. Jede hängern der RBD. beherrscht wird, deren Sprecher sehr Berzögerung und Verschleppung kann sich bei einer weiteren Verzaghaft und zauternd auf die Rampe traten und sich dazu bequemen schärfung ber Krise furchtbar rächen. mußten, ben außerordentlich hochstehenden Darlegungen des Rolle gen Eggert von Anfang bis zu Ende beizupflichten. Auch die Re. gen Eggert von Anfang bis zu Ende beizupflichten. Auch die Re. solution der Beitung Halle der freigemertschaftlichen Betriebs rätezentrale und Gewerkschaftstartells wurde einstimmig an. genommen, in der es heißt: Sur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit hat der Bandtag am Freitag das Programm feines Hauptausschusses zur Durchführung von Hilfsmaßnahmen angenommen. Wir hoffen, daß diefes Brogramm, dessen wichtigste Säße mir im gestrigen Abendblatt des Borwärts"( 2. Seite) veröffentlicht haben, nun auch unverzüglich durchgeführt wird. In diefer Situation ist boppelte Bachsamkeit, erhöhte Schlag. fraft der Gewerkschaften erforderlich, um die Angriffe des UnterDoch auch im übrigen, insbesondere auch von den Genehmertums auf tas Tarifrechi, Arbeitszeit und fe meinben, muß alles geschehen, was geschehen tann, un Rulturaufgaben in Angriff zu nehmen und einem möglichst großen Teil der Erwerbslosen Arbeit statt Fürsorge zu bieten. Unternehmer gegen die Berufsschule. Zeit ist Geld die Schule darf nichts kosten. In der Frage der Berufsschule nehmen die Unternehmer noch) vielfach einen fleinlich- profitlichen Standpunkt ein. Eine Sigung des Beirats für Berufsberatung im Landesberufsamt Berlin batte fich deshalb kürzlich mit dem besonderen Thema zu befaffen: Aus der Berufsschulverjäumnis erwachsende Unzuträglich feiten für Berufsberatung und Jugendfürsorge". Die Erörterung ergab, daß vorwiegend jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sich unter den Schulfäumigen befinden, so daß bas Jugendgericht nur zu häufig eingreifen muß. Someit Strafmaßnahmen gegen die Schulfäumigen eingeleitet worden find, ergaben die vorher eingeleiteten Recherchen zum überwiegenden Teil, daß die Schulverfäumnis mit bem au erwartenden Lohnabzug in Berbindung steht. Dieser Lohnabzug ist für die jungen Menschen untragbar, benn nicht selten werden von dem ae ringen Berbienft gerade in der jeßigen Zeit andere arbeitslole Familienmitglieber mit unterhalten. Andererseits fonte festgestellt merben, daß ein Tei von Firmen nur noch folche Jugendlichen einstellen, die vom Schulbejuh befreit sind. Die Jugendlichen sind ihnen eben nur Arbeitskräfte, die sie aus nuken mollen. Bas fümmert solche Unternehmer die theoretische Weiter tale Sicherstellung der Arbeiter abzuwehren. Die or ganisierte Arbeiterschaft muß neben angemessener Bezahlung der im Produktionsprozeß Tätigen unter allen Umständen für aus reichenbe Unterstügung der Erwerbslofen und Kurzarbeiter fämpfen, um die Arbeiterschaft nicht zu einem gefügigen Werkzeug in der Hand eines erbarmungslosen Unternehmertums werden zu laffen." Bom Arbeitsmarkt in Westfalen. Münster, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In Westfalen woche im allgemeinen weiter verschlechtert. Jedoch ist eine Ber und Lippe hat sich die Arbeitsmartilage in der zweiten Januar. Langfamung der Abwärisbewegung auf dem Arbeitsmartt eingetreten. Es scheint, daß die Arbeitsmartttrife sich ihrem Höhe. puntt nähert. Es betrug in der vergangenen Woche die Zunahme ber Zahl der unterstügten Erwerbslofen in den wichtigsten Arbeits nachweisgebieten durchschnittlich 11,6 Broz, während sie in den vorhergehenden Wochen immer über 15 Broz. lag. Die Steigerung ber Arbeitslosigkeit ist in den einzelnen Bezirken äußerst ungleich. Besonders groß ist sie im Kreise Herford Land und in den Bezirken Ramen und Ahlen, in den übrigen geringer, während fogar in Redlinghausen ein Rüdgang zu verzeichnen ist. Landwirtschaftliche, Bau- und Lohnarbeiter tamen verstärkt in Arbeit, bis allerdings ber jüngst einsehende Frost dieser Entwicklung ein Ende sezte und die Mehrzahl der Lesteren wieder dem Arbeitsmarti zuführte. Aber auch in verschiebenen tillgelegten Betrieben der Hütten, Tertil, Bapier und Nahrungsmittel Eine gegen 1 Uhr nachts von Lewanow entfesselte Jagd verändert völlig die Lage. Der Rennausschuß teilt mit, daß die Baare Giorgetti Rieger, Gebr. Bandenhove und Tonani- Saldom je eine Runde zuerfannt erhalten. Befannt wird ferner, daß Bewanow aber auch eine Runde per Möller amar eine Runde gewonnen Brillen beim Publikum. Lewanow protestiert beim Rennausschuß loren haben. Die Nachricht ermedt ein geradezu ohrenbetäubendes mit Erfolg: Er bekommt feine Gewinnrunde wieder. Als die Glode zur 2.Uhr Nachtwertung ertönt, find 2043,680 Kilometer zurückgelegt. Nach der Wertung ergibt fich folgender Stand des Rennens 1. Hahn Ties 69 Puntte. Eine Runde zurüd: Galbom 134, 5. Bauer- Gottfried 82, 6. Gebr. Bandenhove 63, 2. Rieger- Giorgetti 164, 3. Mac Namara- Horan 146, 4. Tonani 7. Berinn- Debaets 62 Buntte. 3mei Runden zurüd: 8. 20 renz- Kruptat 53 Punkte. Drei Runden zurüd: 9. Demolf Stodelŋnd 125 Punkte. Bier Runden zurüd: 10, Sawall. Rofellen 31 Buntie. Fünf Runden zurüd: 11. Möller- Lewanow 87 Bunfte. Sechs Runden zurüd: 12. Golle- Wittig 89 Punkte. Sieben Runden zurüd: 18. Stellbrint- Lon gardt 63 Puntte. Um 6 Uhr früh tritt die Reutralisation ein. 2156 Rilometer find gefahren. Die Mannschaften Golle Wittig( 6 Runden zurüd) und Stellbrint- Longardt( 7 Runden zurüd) merben aus dem Rennen genommen, so daß noch 11 Baare im Rennen find! Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter: Wirtschaft: Arte Sateenus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eklorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Boul Singer. Co.. Berlin 6 68. Lindenstraße 3. Barbaroffa fannte son das Emser Waffer, aftberühmt als orbeugungs- und Heilmittel bei Ratarrhen, Asthma, Huften, Seiferteit, Derschleimung, Grippe und Grippefolgen, Magensäure ( Sodbrennen), Harnsäure usw. Die letzten Generationen haben außerdem noch das natürliche Emser Quellsals und die echten Emfer Pastillen zur Verfügung. Die echten Emfer Heilmittel find in Apotheten, Drogerien, Mineralwasserhandlungen und einschlägigen Geschäften erhältlich. Dort bekommen Sie auch das hervorragende Sahnpflegemittel Emsolith, das Sahnsteinansah verhindert. Aber achten Sie ftets auf die bekannte Schuhmarte Ems! 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