Nr. 29 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 15 Bezugsvrets: Bödbentlich 70 Bfennig monatit & Reichsmart DOTGUS sablbar. Unter Rreusband für Deutſchland, Danzia. Saar und Memelaebiet, Desterreich Litauen. Buremburg 4,50 Reichsmart, file bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit Sieb. lung und Kleingarten fowie bet Beilage Unterhaltung und Biflen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvrerie Die etufpeitiae tortoareille Beile 80 Brennia. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Brennis ( aulaffia amei fettaebrudte Borte). febes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Bort 15 Bfennig. tebes weitere Wort 10 Bfennia. Borte über 15 Buch fhaben aählen für amei Borte Arbeitsmarkt Reile 60 Bfennig. Samilienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anacigen für die nachfte Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Bauptgefchäft. Berlin SW 68. Linden frake 8, abaegeben merben. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Dienstag, den 19. Januar 1926 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Ban! ber Arbeiter, Angestellten unb Beamten. Ballfte. 65: Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Linbenftr. 3. Das Kabinett der Mitte gescheitert. Die„ Volksparteien" gegen Koch. Die Demokraten halten an Koch fest. Herrn Koch als Innenminister nistcht dulden wollen. Kurz nach 6 Uhr nahm Reichskanzler Dr. Luther die Be-| und einen so prononcierten Demotraten wie| politischen Denkschrift als ein egtremer Unitarist der Idee fprechungen mit den Parteiführern im Reichstage wieder auf. Die Partelen hatten folgende Bertreter entfandt: die Deutsche Boltspartei die Abgg. Dr. Scholz und Dr. 3apf, das Zentrum den Abg. Marg, zu dem später nach der Abg. Fehrenbach hinzufam, die Demokraten die Abgg. Erkelenz und Dr. Haas und die Bayerische Volkspartei den Abg. Leicht. Ueber die Verhandlungen erfährt das Nachrichtenbureau des zdv., daß gleich zu Beginn der Sihung der Abg. Leicht die Erflärung der Bayerischen Volkspartei verlas und in der Begründung ausführte, daß der Abg. Koch ein zu prononcierter Demofrat und außerdem zu unitarisch gesinnt fei, so daß die Bayerische Volkspartei gegen ihn als Reichsinnenminister EinSpruch erheben müsse. Die Verhandlungen wurden nach zweistündiger Dauer abgebrochen. Eine Einigung über die ftrittigen Fragen der 3nfammensetzung des Kabinetts fonnte noch nicht erzielt werden. Nach der Besprechung beim Reichsfanzler traten die Zentrums fraffion und die demokratische Fraktion des Reichstags zusammen. Die 3entrumsfraktion hielt nur eine furze Sihung ab und nahm den Bericht über die Verhandlungen bei Dr. Cuther entgegen. Die demokratische Reichstagsfrattion verfammelte fich um 7 Uhr und tagte bis gegen 9% Uhr. Obwohl von außen her auf die Demokraten der stärkste Drud ausgeübt wurde, damit sie in der Frage der Besetzung des Reichsinnenministeriums durch koch nachgeben, zeigte die demokratische Fraktion völlige Einmütigkeit und Entschloffen heit in der Ablehnung dieser zumutung. Es erhob sich, wie wir aus dem Reichstag hören, in der Sihung der demokratischen Fraktion nicht eine einzige Stimme, die zur Nachgiebigkeit riet. Daraufhin begaben sich die Abgeordneten Erkelenz und Haas gegen 10 Uhr abends zum Reichswehrminister Dr. Geßler und teilten ihm den Beschluß ihrer Fraktion mit, wobei sie ihn erfuchten, Dr. Luther persönlich über die einhellige Stimmung in ihrer Fraktion zu unterrichten. Geßler bei Luther. Dr. Geßler begab sich sofort zur Reichskanzlei und erklärte Dr. Luther, daß er im Auftrage der Demokraten ihm mitzuteilen habe, daß diese an och festhielten, und daß das kabinett der mitte mit ihm stehe oder falle. Dieser Schritt, auf deffen Ergebnis Erkelenz und Haas in der Wohnung des Reichswehrminifters warteten, während die sonstigen demokratischen Abgeordneten im Reichstage beisammen blieben, wird als der lette Versuch bezeichnet, die Regierung der Mitte zustande zu bringen. Um 11% Uhr fehrten die Abgeordneten Erkelenz und Haas in den Reichstag zurück. Die Demokratische Frattion trat fofort zu einer Sigung zusammen, die jedoch nur eine tnappe Biertelstunde dauerte. Als sie beendet war, erfuhr man, daß die Koalitionsbildung endgültig gescheitert sei, nachdem es dem Reichswehrminister nicht gelungen war, Dr. Cuther, der sich die Bedenken der beiden Volksparteien inzwischen zu eigen gemacht hatte, umzustimmen. Dr. Geßler hatte sich, wie verlautet, in diesem Falle mit der Demokratischen Partei vollkommen solidarisch erklärt und dem Reichsfanzler gegenüber zum Ausdrud gebracht, daß er die Ansprüche der Demokraten auf Befehung des Reichsinnenministeriums durch den Abgeordneten Koch für berechtigt halte und daß er feiner Regierung angehören würde, die dieser Forderung nicht entspreche. Die demokratische Fraktion bleibt fest. Die Dem of raten nahmen das negative Ergebnis dieses lehten Verfuches zur Kenntnis und faßten einmütig folgenden Beschluß: Die Frafflon der Deutschen Demokratischen Partei ist nicht gewillt, infolge des Einspruchs der Bayerischen Volkspartel auf ihre Wünsche für die Besetzung des Innenminifteriums zu ver3ichten. Sie hat diese Besetzung aus der Ueberzeugung vertreten, daß durch fie die Führung der Innenpolitik im Geiste der Verfassung gesichert werden solle. Sie ist nicht in der Lage, diese Ueberzeugung vor einem unbegründeten partikularistischen Mißtrauen preiszugeben." Dieser Beschluß wird heute vormittag 10 Uhr dem Reichskanzler und den anderen Parteiführern mitgeteilt werden. Der Parlamentsdienst der Telegraphen- Union fügt hinzu: In demokratischen Kreisen nimmt man an, daß die Bemühungen Luthers um die Bildung eines neutralen Kabinetts der Mitte als gescheitert anzusehen sind. Das Experiment war nicht furz, aber lehrreich. Die Regierung der Mitte ist gescheitert, meil die Bayerische und die Deutsche Bolfspartei an ihrem Rechtsturs festhalten Die Bayerische und die Deutsche Volkspartei hatten aber bis vor furzem so getan, als ob sie unter Roch als Reichstanzler, womöglich mit einem sozialdemokratischen Innenminister zusammen zu regieren bereit wären. Denn daß die Sozialdemokratie, wenn es überhaupt so weit gefommen wäre, von den drei wichtigsten Plägen wenigstens einen für sich beansprucht hätten, ist doch selbstverständlich. Die Demokraten haben gefunden, daß die Sozialdemofraten falsch operiert hätten. Wäre das der Fall, so hätten sie das sicherlich nur zu ihrem eigenen Schaden getan, denn daß das Ergebnis tein anderes geworden wäre, daß die Verhandlungen über die Große Koalition genau so mit einem Scherbenhaufen geendet hätten, wie jetzt die über die Regie rung der Mitte, darf je gt wohl als feststehend angenommen werden. Im übrigen scheint es uns wenig zweckmäßig, sich jetzt noch lange mit Vorwürfen über Vergangenes aufzuhalten. Eine Koalition der Mitte, die nach links hin noch etwas Bertrauen fände, hat sich als unmöglich erwiesen. Die Demofraten machen nicht mehr mit. Eine Rechtstoalition ist wegen der scharfen Gegenfäße auf dem Gebiet der auswärtigen Poli tit nicht möglich. Was bleibt? Man spricht davon, daß Herr Luther mun eine Be amtenregierung bilden werde. Ja, es gibt Leute, die meinen, diese Beamtenregierung sei schon immer sein Ziel gewesen, sonst hätte er Mittel und Wege gefunden, ein Rabinett der Mitte dennoch zustande zu bringen. Die Beamtenregierung Luther wird nach allem, was vor angegangen ist, mit dem Mißtrauen belastet sein, daß sie nichts anderes jein wird, als ein verschleiertes Rechtstabis nett. Auch sie wird sich nur halten können, wenn sie wenig stens das 3 entrum für sich gewinnt. Scheitert sie, so bleibt als einziger verfassungsmäßiger Weg die Auflösung des Reichstags offen. Ihr Ziel müßte sein, die parlamen tarische Möglichkeit für eine Regierung zu schaffen, die von dem rechten Flügel der Mitte unabhängig ist. Sepp und Bürgers wollen nicht. Nachdem der zum Ernährungsminister vorgeschlagene Abgeord nete e p p nicht geglaubt hat, das ihm zugedachte Portefeuille an. nehmen zu können( weil er nicht mit Koch als Innenminister in einer Regierung fizen will), dürften sich nunmehr, wie der Reichs. dienst der deutschen Presse hört, auch für die Person des für das Reichswirtschaftsministerium in Aussicht genommenen früheren Landrats Bürgers( 3.) unvorhergesehene Schwierigkeiten ergeben. Herr Bürgers, der, abgesehen von zahlreichen Aufsichtsratsposten, Direktor des Schaaffhausenschen Bankvereins ist, macht die Uebernahme eines Portefeuilles davon abhängig, daß ihm sein Direktionsposten in der Bank offengehalten wird. Eine derartige Zusage tonnte er jedoch bisher bei den maßgebenden Stellen seines Konzerns nicht erreichen. Infolgedessen ist es sehr zweifelhaft, ob Herr Bürgers dem an ihn gerichteten Antrag nachzukommen in der Lage sein wird. Der Beschluß der Bayerischen Volkspartei. Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Bolkspartei faßte in ihrer gestrigen Nachmittagsfigung folgenden Beschluß, der sofort dem Reichskanzler Dr. Luther und den Reichstagsfraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volkspartei mitgeteilt wurde: 1. Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei erklärt eine Lösung der Kabinettsbildung mit Herrn Koch als Innenminister für untragbar und würde beim Festhalten an dieser Lösung an einer Roalition auf dieser Grundlage nicht teilnehmen. 2. Angesichts der großen politischen Schwierigkeiten für den Fall einer parteipolitisch- parlamentarischen Besetzung des Innenministe. riums erachtet die Fraktion die Besetzung mit einem Fachmann als richtige Lösung. 3. Je nach Erledigung dieser beiden Bunkte wird die Stellung. nahme zu den weiteren Verhandlungen sich gestalten. Die Bayern wollen Mindestgarantieen. München, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die parteiamt liche Bayerische Volkspartei- Korrespondenz" schreibt:„ Die Bayerische Bolkspartei hat Anspruch darauf, daß ihr von den anderen, an sich unitarisch gesinnten Parteien nicht Minister vorge schlagen werden, die auf Grund ihrer ganzen Vergangenheit als die allerschärfften Gegner der Erhaltung des bundesstaatlichen Charakters der Reichsverfaffung befannt sind. Der Führer der Demofraten, Roch, hat sich vor Jahren in einer aufsehenerregenden verfassungsund der Pragis befanntgemacht. Würde Herr Koch als zu fünftiger Reichsinnenminister zu den Methoden stehen, die er in jener Dentschrift für die offene und verschwiegene Strangulierung der Länder empfohlen hat, dann müßte das in furzer Zeit zum fchärfften Ronflitt zwischen Bayern und dem Reich führen. Es ist nicht bekannt, daß Herr Roch heute in irgendeiner Weise von seinen damals geäußerten verfassungspolitischen Auffassungen abgewichen wäre. Die allergeringste Rücksicht auf Bayern hätte die Demokraten davon abhalten müssen, an die Bayerische Bollspartei eine solche Sumutung zu richten und so die an fich schwierige Regierungsbildung mit neuen Schwierigkeiten zu belasten. Wenn sich die Bayerische Volkspartei an einer Regierung beteiligen foll, dann müssen gewisse bindende Mindest garantien vorhanden sein, daß von seiten der Reichsregierung auf dem Gebiete der Gesezesinitiative und der Reichsverfassung nichts geschieht, was den Gegensatz zwischen dem eigenstaatlichen Lebens. willen der Länder und der in der Reichsverfassung fundierten Reichs gewalt noch weiter verschärfen würde. Unterredung mit Albert Thomas. Deutschland und das Internationale Arbeitsamt. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Genosse Albert Thomas, ist gestern in Berlin angekommen, um mit den Reichsbehörden über die Ratifizierung der verschie denen Abkommen zu verhandeln. Er fuhr gestern nach Chemnitz und wird im Laufe dieser Woche Gelegenheit nehmen, auch vor den Berliner Gewerkschaften zu sprechen. Kurz vor seiner Abreise nach Chemnitz sprach ein Mitglied unserer Redaktion mit Genoffen Albert Thomas über den 3wed feines Berliner Aufenthaltes. Wie alljährlich, befindet sich Genoffe Thomas auf einer Rundreise durch die verschie denen Staaten, die dem Internationalen Arbeitsamt ange fchloffen sind, um in diretter Fühlungnahme verschiedene Fragen zu besprechen. Auf unsere Frage, wie es mit der Ratifizierung des Ab tommens von Washington über den Achtstundentag stehe und weshalb besonders die Zusammenkunft zwischen, den Arbeitsministern Englands und Deutschlands in Frank furt a. M. feine weiteren Folgen gehabt habe, erklärte Albert Thomas, daß die Folge dieser Zusammenkunft ein Fragebogen gewesen sei, den die englische Regierung an die hauptsächlichsten europäischen Industrieländer verschickt habe. Dieser Fragebogen jei von allen Regierungen natürlich auch von der deutschen Regierung beantwortet worden. Auf der demnächst stattfindenden Tagung des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes dürfte der englische Regierungsvertreter eine Erklärung abgeben, die sich auf den Achtstundentag bezieht. In der Frage der Ratifizierung des Achtstundentags sei eine Beitlang ein Stillstand, wenn nicht ein Rückschritt, eingetreten. Dieser Stillstand fei inzwischen überwunden. Es ist zu hoffen, daß nunmehr, da ja auch in Deutschchland die Nei gung zur Ratifizierung des Abkommens von Washington be ftehe, damit auch in den anderen Ländern die Widerstände und Schwierigkeiten beseitigt würden. Auf unsere Frage, wie es mit der Ratifizierung der Ab fommen, die die Nachtarbeit der Kinder und Frauen und der Regelung der Altersgrenze Ju gendlicher bei gewerblicher Tätigkeit durch Deutschland ſtehe, erklärte uns Albert Thomas, daß offenbar der gesamte Fragentompleg in dem beabsichtigten Arbeitsgesetzbuch, das gegenwärtig im Reichsarbeitsministerium ausgearbeitet wird, behandelt werden soll. Das sei wohl der wesentliche Grund, weshalb Deutschland bisher diese Abkommen nicht ratifiziert habe. bis Auf unseren Einwurf, daß man in Deutschland die etwas farg bemessene deutsche Personalpertretung im Internationalen Arbeitsamt fritisiere, erwiderte Albert Thomas, daß er nach dem zu erwartenden Beitritt Deutschlands zum Bölkerbund, wodurch dem Internationalen Arbeitsamt größere Mittel zur Verfügung stehen würden jetzt zahlt Deutschland etwa den Beitrag, den Kanada zahlt - auch die durchaus berechtigten Wünsche Deutschlands nach dieser Seite mehr berücksichtigen fönnen würde, als ihm dies bisher möglich war. Auch dies sei wesentlich eine Frage von Leistung und Gegenleistung. Je ntensiver Deutsch land an den Arbeiten des Bölterbundes teilnehmen werde. tefto größer werde auch sein Einfluß sein. Die größte Reichsbehoröe. Umfang und Bedeutung des Reichsfinanzministeriums. Das Reichsfinanzministerium ist mit den von ihm beschäftigten 72S7n der Vorkriegszeit lebte das Reich in der Hauptsache von den Matrl7ularbeiträgen der Länder, war also ihr Kostgänger. Die Möglichkeiten des„Reichsschatzsekretärs", wie der Reichsfinanzminister damals tituliert wurde, zur Entfaltung eigener Initiative waren beschränkt. Die Erzbergersche Steuerreform, die Vereinigung des gesamten Steuer- und Finanzwesens in der Hand des Reichs, hat diese Verhältnisse von Grund aus umgestaltet. Heute sind die Länder und durch sie auch die Gemeinden zu einem sehr großen Teil Kostgänger des Reichs geworden. Diese Umstellung wie die Veranlagung und Durchführung der zahlreichen, schwierigen Steuergesetze, die in den ersten Jahren nach dem Kriege und in der Inflationszeit erlassen werden mußten, erforderten naturgemäß eine starke Vermehrung des Personals. Es kam hinzu, daß das Reichsschatzmini sie- rium und da» Ministerium für Wiederaufbau, die beide nach der Umwälzung gebildet waren, nach kurzem Bestehen wieder aufgelöst und ihre noch vorhandenen Aufgaben dem Reichsfinanz- Ministerium zugeteilt wurden. Vom Reichsschatzministerium wurden übernommen die Reichsbauverwaltung sowie mehrere kleinere Ver- waltungszweige, vom Reichsministerium für Wiederausbau das Reichsentschädigungsamt für Kricgsschäden, das Reichskommisiariat für Reparatioslieferungen und das Reichsausgleichsamt. Auch die Bildung des Reichsfinanzhofs mit seinem Präsidenten, sechs Senats- Präsidenten und sünfunddreißig Reichsfinanzräten wie dem ganzen zugehörigen Personal hat den Umfang de» Ministeriums vergrößert. Die überragende Stellung des Reichsfinanzministeriums liegt aber weniger in der MannigfaUigkeit seiner Geschäftszweige und der dadurch bedingten Größe, als in den Machtbefug- nissen, die die Reichshaushaltsvrdnung dem Finanzminister gegenüber den anderen Reichsministern einräutnt. So unterliegen Ausgaben und Vermerke von grundsätzlicher oder sonst erheblicher Bedeutung, deren Aufnahme in den Etat der Finanz- minister abgelehnt hat, auf Antrag des zuständigen Reichsministers der Beschlußfasiung der Reichsregierung. Beschließt dle Reichs- regierung gegen die Stimme des Reichsfinonzministers die Einstellung solcher Ausgaben und Vermerke in den Etat, so steht dem Reichsfinanzminister et« Wider- s p r u ch s r e ch t zu. Die betreffenden Ausgaben oder Ver- merke dürfen alsdann in den Haushaltsplan nur aufgenommen werden, wenn dies In erneuter Abstimmung von der Mehrheit sämtlicher Reichsminister beschlossen wird und der Reichskanzler mit der Mehrheit ge- st i m m t hat. Der Haushalt des Reichsfinanzministeriums für 1926 schließt ab in Einnahme mit 6214 Million Mark gegen 51 Millionen in 1925, in Ausgabe mit 454 Millionen gegen 42714 Millionen In 1925. Unter den Einnahmen befindet sich ein Betrag von rund 514 Mll- lion als fünfprozentige Dividende aus das Aktienkapital der.Viag" von 120 Millionen Mark. Die.Viag" ist die Dachgesellschaft der Dereinigten Industrieunternehmungen des Reichs, in der sich neben verschiedenen Beteiligungen an anderen Unternehmungen u. a. be- findeir.chle Elektrowerk«, Vereinigten Aluminium-Werke. Deutschen Werke, Alz-Werke, Bayerische Krast-Werke und die Keichskredit- gefellschaft.- Von den Ausgaben entfallen 357 Millionen auf perfön- liche Ausgaben. Das Beamten-, Angestellken- und Arbeiterheer, das aus dieser Summe besoldet wird, beziffert sich auf zusammen 90872 Personen! Von den 146 443 Beamten. Angestellten und Ar- beitorn, die da» Reich insgesamt beschäftigt, entfallen also mehr als 60 Proz, allein aufdas Reichsfinanzmini st e» rium. Die restlichen 107 Millionen der Ausgaben verteilen sich auf sächliche Verwaltungsausgaben und Ausgaben für allgemeine und besondere Sachzwecke. Die höchsten Summen beanspruchen die 26 Landesfinanzämter und deren nachgeordnete Behörden. Für 50000 Menschen verließen Damaskus. Von Henni Lehmann. . 50 000 Menschen verließen Damaskus— so meldet? vor wenigen Tilgen eine Nachricht aus dem Lande» in dem gegenwärtig Menschen dqmit beschäftigt sind, einander da» Dasein unerträglich zu machen, einander zu töten" und zu Krüppeln zu machen. 50 000 Menschen verließen Damaskusl— Darüber liest man so hinweg und denkt dabei halb gleichgültig:„Da muß ja wohl die Stadt ganz entvölkert sein." Wir sollten tiefer nachdenken, dann würde uns ein Grauen über den Leib und durch die Seele gehen.— Wer stellt es sich vor, wie jene 50 000— die Bevölkerung einer mittelgroßen deutschen Stadt— sortgezogen sein mögen und wer diese 50 000 waren? Familien, Eltern und Kinder, die ihr Heim verließen, Alt« und Junge, Gebrechliche und Kranke, vielleicht auch einsame hilflose Jugend darunter. Kein Lu�uszug stand ihnen zur Verfügung, wie weiland deutschen Fürsten und Großwürdenträgern, die ins Ausland reisten, wie wenige mögen überhaupt ein Fuhrwerk haben auftreiben können, und wenn es nichts war als ein klappriger Leiterwagen! Ich denke an Berliner Bilder, die ich in der Jugend sah. Da fuhren solche Leiterwagen mit Auswanderern von Osten her, vom allen Frankfurter Bahnhof in die Stadt ein durch die Breslauer, durch die Holzmarktstraße. Auf den Wagen hockten die Frauen, die Tücher um den Kopf geschlungen, Kinder im Schöße haltend, hockten die Männer, Bündel mit kümmerlichen Habseligkeiten auf den Knien. Wir fühlten damals so starkes Mitleid mit jenen Armseligen, welche die Heimat oerließen, um in der Ferne— irgendwo— neu zu beginnen. Ach, wie froh wären die 50 000 aus Damaskus, wenn sie gleich jenen hätten hinausfahren können! Wie froh! Aber sie werden zu Fuß fortgepilgert sein auf mühsamer Straße, ihre Füße werden wund und blutig geworden sein im Schreiten, sie werden Hunger und Durst gelitten haben, sie werden matt geworden und gestrauchell sein. Alte und Schwache und Kinder werden am Wege liegen ge- blieben sein, Mütter werden geweim oder in stummer Verzweiflung vor sich hingeschaut haben. Wohl wenige nur haben gewußt, wo ihnen eine neue Heimstätte beschieden sein würde, wenige, ob sie überhaupt je eine solche finden würden/ Manche' mögen gedacht haben:„Wir kehren wieder!" Ach, diese Wiederkehr, dieser neue Gang nach Damaskus wird traurig fein, denn keiner weiß, ob dann nicht das Haus, in dem er gewohnt, ein« Trümmerstätte sein wird. Und wenn es nicht das eigene Haus ist, so wird es das des Nachbars sein, geliebt« Plätze werden öde und wüst liegen. Schönheit wird vernichtet fein. Vielleicht wird dann die Heimkehr noch trauriger sein, als es der Auszug war, noch mehr Tränen werden fließen, denn dann werden sich alle Erinnerungen hochbäumen an das Einst, und auf den Lippen wird die Frage brennen:„Warum?" Gedanken- lose werden antworten:„Weil es Krieg gab." Weh über die Ge- dankenlosenl Warum ist Krieg? Warum dies fünfzigtausendsoch« persönliche und sächliche Ausgaben der.Verwalwngsabbau- kommission" und des Bureaus des Reichssparkommissars werden wie im Vorjahre 262 000 M. angefordert. Man wird be- zweifeln können, ob dies« Ausgabe sich noch verlohnt, wie überhaupt der Nutzen des Sparkommisiars recht problematischer Natur ist. Wie Selbständige Steuern zahlen. Wesentlich weniger als Lohnempfänger. Interessante Einblicke in die Steuermoral der selbständigen Schichten gewährt eine vom Steuerausschuß des Sächsischen Gemeindebeamtenbunde» in«inigen sächsischen Groß- städten vorgenommen« Erhebung. Es zahllen z. B. in einer Ge- meinde an Kirchensteuer bei Erhebung eines Satzes von 15 Proz. für das Rechnungsjahr 1925: ein Dekorateur 6,20 M., dessen Gehilfe 12,70 M.: ein Glasermeister 4,20 M., dessen Gehilse 12,70 M.: «in Tischlermeister 4,50 M.. dessen Gehilse 12,70 M.; der Inhaber einer Bulkanisieranstall 6,70 M.. dessen Gehilfe 12,70 M.: ein Bäckermeister mll drei Beschäftigten 5,25 M., sein Gehilfe 12,70 M. Wenn sich diese Angaben auch nur auf die Kirchensteuer be- ziehen, so sind sie doch voll beweiskräftig. Die Kirchensteuern wer- den erhoben In Prozentsätzen der Einkommensteuer. Bei den Lohn- steuerpflichtigen sind dafür gewisse Tauschsätze vorgesehen. Jeden- falls lassen diese Angaben, die auch für andere Städte vorliegen, deutlich erkennen, daß die Steuerlei st ungen der Selb- ständigen nur einen Bruchteil der Steuerlei st un< gen der Lohnempfänger darstellen. Deshalb sind auch die Besitzenden so heftig gegen die Offenlegung der Cteuerlisten, durch die ihr Steuerbetrug dokumentarisch belegt werden würde. Demokraten gegen öas Schiedsgericht. Z?Sr gesetzmäßige Erledigung der Fürstenabfindung. Bremen, 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Absicht der bürgerlichen Parteien, die Fürstenabfindungssrage einem Schied». gericht zu übertragen, hat jetzt auch den Protest von Mitgliedern der Mittelpartelen hervorgerufen. Eine Mitgliederversammlung der demokratischen Parteiorganisation in Bremen faßte z. B. folgende Entschließung: «Die Mitgliederversammlung der Deutschen Demokratischen Partei Bremens hat mit Befremden von den Nachrichten Kenntnis genommen, daß im Reichstag die Absicht besteht, die Frage der Fürstenabfindung einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Sie erhebt gegen eine derartige Absicht schärfsten Einspruch. Der Grundsatz der Demokratie fordert die gleiche Behandlung aller Volksgenossen. Das Volk wird nicht verstehen, daß man Millionen Deutschen ihr verlorenes Gut zu kaum nennenswerten Beträgen auf- wertet, während man den ehemaligen Fürsten, auch Ausländern, ihr gesamtes Hab und Gut sogar zum größten Teil in Form von Grund und Boden, zurückerstatten will. Es muß oerlangt werden, daß diese Frage in den Parlamenten durch die gewählten Vertreter des Volkes in aller Oeffentlichkeit und nicht durch einSchieds. gericht in unkontrollierbaren Verhandlungen erledigt wird." Des Englänöers Raffte-Desttz. Ter Fürstenskandal von Gotha. ver Skandal der deutschen Fürstenaufwertung scheint im Hoheitsbereich des Herzog» Karl Eduard von Sachsen- Co bürg- Gotha seinem Höhepunkt zuzustreben. Dieser englische Prinz hat mit großer Skrupellostgkeit die„vermögensrechtliche Aus- einandersetzung", wie er sie auffaßt, durch die Schaffung eines eige- nen„Generaldirektors" für Auseinandersetzungsprozesse mit dem Staat, eingeleitet. Seine„4)elfer" sind ein ehemaliger preußischer Oberpräst dent.v. Ziller. und der ehemalige preußische Land- rat Voigts, den der Herzog zum„Generaldirektor" seiner Der- mögensoerwaltung ernannt hat. Beide Herren haben sich einen Stab von Hilfsarbeitern geschaffen und verdienen sich au» der Pri- oatschatulle des Herzogs zu ihrer preußischen Pension Menschenleid, da» ausstrahll zu Millionen? Warum? Warum? Warum? Immer noch gibt e» verantwortlich« führende Stoatsg estalter. immer noch den Chor der Nachsprecher, die nichts gelernt haben, nicht» lernen wollen aus den Schrecken der jüngsten Vergangenheit, aus der Not. dem mannigfachen Entsetzen der Gegenwart, immer noch wagen sie es Kriege zu führen! 50 000 müde Pilger erheben Klage gegen sie, denn 50 000 Menschen verließen Damaskus. „ver Rosenkavaller/, In Dresden war die Uraufführung des Rofenkovaliers. am klassischen Orte der Strauß-Premieren, mit der berühmten Dresdner Staatskapelle eine musikalische Angelegenheit, in Berlin war sie im „Kapital" schon eher eine filmische. Die Musik war gekürzt, und mit Recht tonnte Strauß, der persönlich anwesend war, aus die Bühne zeigen, als er sich für die Ovationen bedankt«. Der Film ist bekanntlich nach der gleichnamigen Oper von deren Librettover- fasser Hugo o. H o f m a n n s t h a l für den Film bearbeitet worden. Er hat aus dem Drama einen Roman gemacht, der sich teilweise breit ergießt und in Kleinmalerei verliert. Aber er gibt andererseits dem Regisseur Robert Wien« Gelegenheit, seine Regiefähigkeiten in höchstem Lichie zu zeigen. Der Regisseur des„Caligari" hat uns den Film des Rokoko mit all seinen spielerischen Schönehiten, seiner manchmal� etwas oberflächlichen Lebenslust und seinem graziösen Liebesgetändel geschaffen. Eine ganz außerordentlich wohgelungene Photographie macht die Szenen, mögen sie sich im Atelier, im Park von Schönbrunn oder sonstwo abspielen, zu einer wahren Augen- weide. Man wird auf Schritt und Tritt an berühmte Bilder des 18. Jahrhunderts erinnert. Die Photographie zeigt den gleichen silbrigen Flimmer wie die Vorbilder. Miene hat sehr hübsche Im- promptus eingefügt und vor allem auch aus den Szenen des Ochs die stärksten komischen Wirkungen herausgeholt. Ein« herrliche Architektur und wunderbare Jnnenräume gaben einen entsprechenden Schauplatz her. Die Darstellung war aus dem Geiste des Rokoko. Paul Hart mann ist ein respektabler Marschall. Iaque Catelain ein Rosenkavalier im Stile Watteaus, frauenhaft und beinahe zärt- lich, wie er ja auch in der Oper von einer Frau gespielt wird. Eine Bravourleistung ersten Ranges gibt Michael Bohnen mit seinem Baron Ochs, den er von allen Seiten uinspielt: als Genießer, als schlauen Fuchs, einmal komisch und einmal grotesk.(Das ist zwar kein Landjunker, aber er ist ein vollsastiger Kerl von Bohnen» Gnaden.) Die Marschallin wird von Huguette D u f l o s entzückend verkörpert. Aber der tragische Zug der alternden Frau, den die Rolle in der Oper hat, ist hier verwischt, die Marschallin ist eine junge Frau, und man begreift nicht leicht, warum ihr die Soppie(von Fräulein Berger mit sehr charakteristischem Gesicht, aber wenig aus- drucksvoll dargestellt) vorgezogen wird. Viele hübsche Einzelheiten runden die Bilder ab, Witz und Laune sind am Werk, um über Sängern hinwegzuhelfen, überall herrscht ein fein kultivierter Geschmack. D. lieber die Straussche Musik zum Film schreibt unser Mustikkritiker«. S.: noch eine ordentliche Stange Geld. Den Bemühungen der beiden ist es nunmehr gelungen, vom Gericht die Anerkennung der Coburg-Gothaischen Fideikommisse als Privatbesitz zu erkämpfen, ein Besitz, der nach der Meldung der„Vossischen Zeitung" folgenden Umfang angenommen hat: „Es handelt sich nicht um 36 000 Morgen in Gotha und Um- gebung, vielmehr umsaht der R i e s e n b e s i tz, der In das freie Eigentum des Herzogs übergehen soll, mehr als ein Siebentel der Gesamtgrundfläche des srüheren Her- zogtums Gotha und zusammen mit den unmittelbar angrenzenden Schmalkaldener Forsten säst einhundertundzwanzig. lausend preußische Alorgen, darunter die schönsten Wälder Thürin- gens, 60 v. H. des Waldbodens im srüheren Herzogtum Gotha. 12 Oberförstereien(Thal, Kleinschmalkalden. Friedrichroda. Georgenthal, Tambach, Dietharz, Stughaus, Winterstein, Tabarz, Hohleborn. Schnellbach, Steinbach-Hallenberg) und eine Revier- Verwaltung(Gräfentonna). Dazu da» S ch l o ß g u t und das Köllnersche Freigut in Gräfentonna und die Domäne Döllstädt, Schloß Friedenstein, Schloß Reinhardsbrunn, Jagdschloß Oberhof. das Schloßhotel Oberhof, das Parkhotel Reinhardsbrunn, die Gasthöfe Jnselsberg, Spießberg, Heuberg. Klostennühle. die Schankftätten Steigerhaus, Nesselberabaus, Neues Haus, Falken- stein, Untere und Obere Schweizerhütte, zahlreiche zum Teil sehr wertvolle Häuser in der Stadt Gotha und anderen Orten, unge- zählte bestgelegene Bauplätze usw. Hierzu kommen die mehr als fünfzigtausend Morgen des Lichtenberger Fideikommisses und das ungewöhnlich wertvolle H.ausallodium(Silderfchatz, ftunstsamm- lungen usw.), das nach dem Hausgesetz nicht als persönliches Eigentum des Herzogs zu betrachten, vielmehr ebenso wie das Domänenfideikommiß einschließlich der Schmalkaldener Forf'cn. das Ernft-Albert-Fideikommih und das Lichtenherger Fidet- kommiß„mit der Succession(Erbfolge) in die Regierung untrennbarverbunden ist." Der Engländer Karl Eduard wirkt also zweifellos bahnbrechend auf dem Gebiet der Auspowerung des deutschen Volkes durch seine Landesväter. Sogar die Hohenzollern können von ihm lernen! tzochverratsprozeß gegen Kommunisten. Folgen des Parteiverbots in Bavcrn. Leipzig. 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag be- gann vor dem Staatsgerichtshos zum Schutz« der Republik ein Hochverratsprozeß gegen bayerische Landtags- abgeordnete. Angeklagt sind wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat und Vergehen gegen das Republikschutzgesetz die Abgeordneten Josef Schlaffer, Josef Götz und der Sekretär der kommunisti- schen Landtagsfraktion Josef Schwab, sämtlich aus München. Llllen drei Angeklagten wird zur Last gelegt, im Jahre 1924/25 in Münchenn- Stuttgart, Cannstatt und anderen Orten ein Hochoer- räterisches Unternehmen gesördert bzw. unterstützt zu haben. Der Angeklagte Schlaffer, der Vorsitzender der kommunistischen Fraktion in München war, hat angeblich nach der Aufhebung des Verbots der Partei, die am 14. Februar 1925 erjokgte, am 16. Februar 1925 in Cannstatt eine Landesausschuhsitzung der Kommunistischen Partei geleitet bzw. einberufen. In dieser Sitzung sollen alle drei Angeklagte sich befunden und Berichte über die politi- sche Lage erstattet haben. Die Versammlung, die von Reichs- und Landtagsabgeordneten besucht war, beschäftigte sich mit dem Neu- aufbau der Kommuni st ischen Partei sowie deren Ziele nach der Aufhebung des Verbotes der Partei in Bayern. Die Polizei, die die Versammlung aufhob, fand belastende Schriftstücke und Material, das angeblich zur Zersetzung der Reichswehr bestimmt war. Der Prozeh selbst ist in Verbindung zu bringen mit dem gegen Mayer und Genossen, der in der vergangenen Woche zur Ver- Handlung kam. Die Anklage stützt sich nur auf das schriftliche Material. das in der Versammlung gefunden wurde. All« drei Angeklagte geben an, daß sie sich nicht bewußt sind. Hochverrat begangen zu haben. Sie hätten sich lediglich mit den Organisationsfragen der Partei beschäftigt.— Der Prozeß wird zwei Tage dauern. Der Pleilcdrachen in Peking. Der chinesische Finanzminister ist zurückgetreten und nach Tientsin abgefahren, weil der Staatsschatz vollkommen erschöpft ist. Man besürchtet„örtliche Zwischenfälle. vorläusiger belgischer Kriegsminister ist Premierminister Poullet. Die Handlung des Films sprengt den Rahmen des Gssellschafts- stücks, das Strauß und Hoffmannsthal in der Over so stilvoll erdacht, gedeutet, illustriert hoben. Weder die Harlekinaoe, die uns die merk- würdige Brautwahl noch einmal auf der Bühne als ein Spiel zeigt. noch die Feldschlacht passen in die Stimmung des Stücks hinein, und es ist beinahe ein Fehler des Takts, daß man die Figur des Feld- Marschall» überhaupt neu erfindet. Aus Grazie und Tändelei wird plötzlich Ernst und allzu jefte, feiste Bürgerlichkeit. Solch« Dehnungen und Flickereien sind aber vielleicht für die Technik de- Films gut« Stütz«. Keine Red« aber kann davon sein, daß der Film hier aus dem Geist der Musik heraus erfunden und komponiert sei. Aus dem Geist einer Rokoko-Zeit war einst die Rosenkavalier-Partiturberrlich ausgegangen. Die Musik zum Film ist eine teils störende, teils ver- letzende Abkehr vom Geist aller Musikdramatik geworden. Gewiß läßt sich mit dem köstlicken Walzer eine Biertel-SchäfersMnde klang- voll ausfüllen. Die gesamten Ochs-Partien aber verlangen gebie- tsrisch das Wort, den Sprech-Atzent. In dieser Uebernahme zum Bild läuft sie einfach leer und enttäuscht durch Strecken der thema- tischen Unproduktioität. Daß Strauß einen Marsch schreiben kann, hätten wir gern auch ohne Feldschlacht geglaubt. Aber die Liebe zum Werk, zur Würde einer so reinen Partitur hätte ihn niemal» dazu verführen dürfen, große Stücke aus dem Schmuck herauszubrechen und uns als umgeformte Brillanten zu präsentieren. Aus Golo wurde Talmi, und ein mittelmäßiges Orchester tat da» seine, um den künstlerisch gewollten Effekt in einen nur halb-artistischen zu ver- wandeln. Selbst die Anwesenheit von Richard Strauß rettete den Eindruck nicht, daß ein Vater herzlos an seinem wohlgeratenen Kind gehandell hat. ünlernationale Kunstausstellung in Dresden. Im Rahmen der Iahresschau deutscher Arbeit und in Verbindung mit der Gartenbau- ousstellung wird in Dresden am 12. Juni ein« große internationale Kunstausstellung in den Räumen de» Städrischcn Ausstellungspalastes am Großen Garten eröffnet werden. Sie soll einen Ueberblick über das gesamte künstlerische Schaffen in Europa bieten. Auch eine be- sondere Kollektion von Werken der bedeutendsten amerikanischen Künstler soll gezeigt werden. Die Beobachtung der Sonnenfinsternis auf Sumakra. lieber' dos Ergebnis der Beobachtung der Sonnenfinsternis auf Sumatra berichtet Reuter aus Botaoia: Die von der Swarthmore-Expedition aufgenommenen Photographien, die zur Bestätigung der Einstein- schen Theorie dienen sollten, sind mißlungen, dagegen wurde die «onnenkorona in vorzüglichen Aufnahmen festgehalten. Die von der niederländisch-deutschen und von der amerikanischen Expedition im Zusammenhang mit der Einsteinschen Theorie gemachten Auf- nahmen sind sehr gut gelungen und man beschloß, die der Nach- Prüfung dieser Theorie dienenden Apparate nicht zu zerstören, sondern sie nach einigen Monaten zur Bestätigung der Einsteinschen Theorie für Nachtaufnahmen zu benutzen. Sloalscper. Wcgrn eincS kontraktlichen Urlaubs von Herrn!*oot kann die nächste Wicdeibolung der Oper.W o z, e k', die in der Oeffent- lichkeit steigendem Interesse begegnet, erst Dienstag, den 2. Februar Natt. finden. «unstchroolk. Mittwoch wird in der«emzide-alerie de« Kaiier. Friedrich-Mnieum«(obere« Vestibül) die Ausstellung der SeneialdireUor ». Bode»u seinem 80. Geburtstage geschenkten Kunstwerke«rSssuet. Gesctastlhuber u. Co. Jungdo im Kittchen. Die Meldungen über die Untersuchung gegen den„Hochmeister" Mahraun und den„Kanzler" Borne- mann vom„Jungdeulschen Orden" spitzen sich in der An- kündigung einer angeblich unmittelbar bevorstehenden Ver- hastung der beiden Lrdensmeister zu. Wie es heißt, wird die Untersuchung geführt, um fest- zustellen, ob in den Verhandlungen der Iungdo-Hüuptlinge mit französischen Polinkern etwa Landesverrat zu er- blicken sei; hier und da wird sogar„Hochverrat" ange- nommen. Wenn das letztere zutreffen sollte, so mühten sich die Verhandlungen gegen den Bestand der Re- publik gerichtet haben. Da aber die Iungdo-Führer be- haupten, sie hätten dem Präsidenten der deutschen Republik von ihren Unterhandlungen Mitteilung gemacht. so scheint„Hochverrat" doch wohl eine falsche Annahme. Zu- mal ja auch die„Vaterländischen" des Bezirks Kassel sich kaum von Mahraun getrennt hätten, wenn er irgendeinen Hochverrat gegen die Republik beabsichtigte. Bleibt also der„Landesverrat"! Roch ist es nicht ver- boten, daß Deutsche mit irgendwelchen außerdeutschen, auch französischen, Politikern sich unterhalten. Das gilt natürlich auch für die Jungdo-Leute. Obschon eigentlich nur wirkliche Politiker über politische Fragen mit ausländischen„Staats- männern" sprechen sollten, nicht aber die Geschaftlhuber, deren es gerade in der„vaterländischen" Bewegung eine Fülle gibt. Solange man nicht weiß, was die Jungdisten mit den„französischen Staatsmännern" besprochen haben, wird man nicht sehen können, wo der Landesverrat liegen soll. Denn juristisch kommt Landesverrat nur in Frage, wenn einer ausländischen Macht Dinge mitgeteilt werden, deren Geheimhaltung im Interesse des Reiches liegt. Welches Geheimnis hatten die Mahraun und Dorne- mann preiszugeben? Die Existenz des Iungdo ist mänig- lich bekannt, daß seine Führer und Mitglieder sehr unpoli- tische Politiker sind, ebenso. Also: was war da zu erwarten? Vielleicht haben sie sich mit den Franzosen über Pläne unterhalten, wie Deutschland mit den Franzosen gegen einen Dritten Krieg führen könnte? Vielleicht— aber man weiß es nicht. Und selbst wenn man das wüßte, so wäre immer noch zu bedenken, daß die Geschaftlhuber vom Iungdo wie ihresgleicben in den anderen„vaterländischen" Verbänden zwar das Schwert im Munde zu führen pflegen, aber sonst in Deutschland politisch nur eine höchst unter- geordnete Rolle spielen und diese auch bloß in innenpolitischer Hinsicht. Auf jeden Fall muß man verlangen, daß das Geheimnis der Iungdo-Verhandlungen mit französischen„Staats- männern" gelüftet und auch die Mitteilung bekanntgegeben wird, die darüber dem Reichspräsidenten gemacht wor- deg sind. Mahraun bei hinöenburg. lieber den Fall Mahraun wird heute von informierter Stelle mitgeteilt: Mahraun wurde am 4. Januar vom Reichspräsidenten emp- fangen. Er berichtete dem Reichspräsidenten, daß auf An- regung von französischer Seite Besprechungen stattgefunden hoben, die«ine Besserung des deutsch- französischen Ver- h ä l t n i s s e s anstreben Der Reichspräsident habe Herrn Mahraun kurz angehört und ihn hierauf bezüglich der deutsch-fronzösi- scheu Verhandlungen an die zuständigen Stellen(Kanzler und Außenminister) verwiesew Don irgendeiuem Einverständnis de» Reichspräsidenten mit den Schritten Mahrouns könne kein« Rede sein. Der Empfang an sich, so wird Hinzuge- fügt, sei nicht» Ungewöhnliches, da Mahraun als Führer einer weit- verzweigten Organisation zu den.führenden politischen Persönlich- kciten" gerechnet werden müsset Da» müssen sehr merkwürdige Menschen sein, die den Hoch- meister der Hosenmätze zu den„führenden politischen Persönlichkeiten" rechnen. Der.Hochmeister" selbst und sein.Kanzler" erklären übrigens in der neuesten Nummer ihres Ordensblottes, daß sie sich weigern, irgendwelche Namen zu nennen. Die Weigerung ist auch eine Antwort aus die Fragen, die der„Vor- wärt»" ihnen gestellt hatte! v!t»dreckUnke*. 2m„Iungdeutschen", dem Organ seines Ordens, verösfcntticht der„Hochmeister" Artur Mahraun einen Aussatz zur Selbst, Verteidigung, dem er die bezeichnende Ueberschrift„In der Drecklinie" gibt. Er macht darin sehr unterhaltsame Mitteilun- gen über die Art des Kampfe», der von den nationalen Edel- menschen innerhalb der„vaterländischen" Verbände geführt zu werden pflegt. So schreibt er: „Wie von unsichtbaren Händen wurden Der. leumdungen ausgestreut, die immer wieder das sichtbare Ziel oerfolgten, mein Ansehen in der Oessentlichkeit... zu zerstören. Vertrauliche Rundbriefe meiner Gegner, unterschrifts- lose Schriftstücke, gehässige Dreckschriften oder Flug- blätter liefen überall herum. Sie winden von Hand zu Hand weitergercicht; aber u.nsjchtbare Hände sorgten für ihre Verbreitung im ganzen Reiche... Es wor eine unbekannte Firma, deren zielbewußte Betätigung der Komps mit Verleumdung und verfönlicher Verdächtigung war. Ich brachte diese un- bekannte Firma rein gefühlsmäßig mit gewissen politischen Gruppen in Verbindung... In der ersten Zeit versuchte man sich die gesellschaftliche Einstellung von Offizieren und Akademikern zunutze zu machen. Man verwickelte mich in Ehrenbändel, konstruierte Berichte über Duellangeleqenhriten und verbreitete in den entsprechenden Kreisen systematisch ein« Mei- nung, welch« geeignet war, mein Ansehen herabzusetzen. Die Er- folge dieser ersten Osfenuve kamen einer Art Aecht»ng. insbesondere in Offizierskreisen, gleich... Es war klar zu erkennen, daß der Stoß gegen... die Unabhängigkeit der Organisation von den herrschenden Geldmächten ging." Auch gegen feinen Mitarbeiter, den„Kanzler" Otto Borne- mann, sei dasselbe Kesseltreiben veranstaltet worden:„wieder da». selbe Raunen und derselbe versuch persönlicher Ehrabschneidung." Letzt Hobe, schreibt Mahraun. der große Unbekannt« zum ver- nichtenden Schlage ausgeholt. Er habe sich diesmal in sein ausgeklügelter Vorbereitung der Unter st ützung nationaler Kreis« gesichert, die mit einer großen Geste dem Jungdeutschen Orden die Freundschaft aufsagen, weil in ihr kein deutschnationaler Mann sei... Der ehemalige Hauptmann Mahraun, der sich hochtönend „Hochmeister" des.Lungdeutschen Ordens" nennen läßt, steht uns mindesten» so fern, wie die Ehrenmänner, die sich lange Zeit um den Geißler der„Vaterländischen Verbände" scharten. Aver die Schilderung Mahraun« über den unterirdischen Kampf der„ZZater- ländlschen" gegen Ihn ist zweisello» echt. Denn sie stimmt in fast jedem Punkt« mit jener Methode überein, die seinerzeit gegen 2kt£roatn Hollweg wurde und die in fernere»der gröberer Manier noch heute gegen seden Politiker an- gewandt wird, der sich nicht in die Gefolgschaft der„Datei ländi- schen" und der über sie„herrschenden G e l d m ä ch t e" be- geben will. « Im„Jungdeutschen" wird die angebliche Aeußerung Hinden- burgs über die„Peitsche", die er Dr. Luther in die Hand geben wolle, als Druckfehler bezeichnet. Es hat angeblich„Rechte" heißen sollen. Das scheint uns mehr ein Denkfehler, ais ein Druck- fehler zu fein. Der Perlacher Morüprozeß. Lützow war für„erledigen ohne weitereS". Zu Beginn der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende mit. daß er beabsichtige, die Beweisaufnahme heute zu schließen. Dem Gericht wurde eine Reihe Drohbriefe übergeben, die dem Pfarrer Hell in Perlach in den letzten Tagen zugegangen sind. Das Gericht fetzt die Vernehmung von früheren Angehörigen des Freikorps Lützow fort. Der frühere Polizeikommissar Otto Schulz in Oppeln, der Bruder de» Major» Schulz, sagt aus, daß auf dem Marsch nach München von Unruhen in Perlach erzählt worden sei, worauf seine Abteilung mit der Umzingelung des Ortes beaustragt worden sei. Die Truppe habe verschiedene Verluste gehabt und am 4. Mai in München den Befehl erhalten, nach Perlach eine Expedition fertig zu machen. Sein Bruder habe ihm dabei gesagt, daß der Leutnant Polzing die Leitung in Perlach übertragen erhalten habe. Die Er- schießung der Gefangenen im Hosbräukeller konnte nur im Austrage Polzings geschehen sein. Aus die Kunde von der Erschießung sei sein Bruder. Major Schulz, auf ihn zugestürzt mit dem Rufe: Pötzing hat die Leute erschaffen! Im weiteren Verlauf der Verhandlung äußerte Major han» von Küssow, der Führer des Freikorps v. Lützow, sich über die Defehle Roskes in Berlin und Braunschweig, die auch für München Geltung gehabt hätten. Er gibt an, daß zum Schieß- erlaß Rostes von der Schützendivision ein Zusatz- beseht erlassen wurde, daß es sich für dl« Regierung?- truppen darum handelte, sich unter allen Umständen durchzusetzen, und daß jeder Führer persönlich dafür verantwortlich war, daß jeder, der den Regiervngstruppen entgegentritt oder entgegengetreten ist. an die wand gehört. Es bestand ein Standrecht, wonach der betreffende Führer die Leute ohne weiteres erledigen konnte und mußte. So waren die Befehle, die für Berlin bestanden. Ein Befehl, der nur gesagt hätte, wer gerade mit der Waffe in der Hand getrossen werde, müsse er- schassen werden, hätte der Truppe geHolsen. Gerade um die Sache im Keime zu ersticken, mußte von oben herab mit schärfsten Mitteln vorgegangen werden. Ein Ausstand konnte nur mit den b r u- talsten Mitteln niedergeschlagen werden, denn die Auf- ständischen waren Verbrecher. Leim Einzug« in Perlach wurde uns, so viel ich mich erinnere, bei Pfarrer Hell der Geiselmord be- kannt. Diese Tat hat mit dazu beigetragen, eine andere Meinung in unseren Truppen auskommen zu lassen. Ich habe meinen Offizieren nochmals eingehämmert, daß wir in schwerster Kampfzeit stehen, und daß jedes Schwanken oder Versäumnis den Führer schwerer belasten werde als ein Fehlglisf, und daß deshalb gegen derartige ver- brecherische Volksgenossen rücksichtslos vorgegangen werden müsse. An dem fraglichen Sonntag wurde ich in München angerufen, daß die Sache in Perlach sehr gefährlich sei. und daß Drohungen ausgestoßen würden gegen diejenigen, bei denen unsere Truppen einquartiert waren. Der Hilferuf hat mir verzweifelten Eindruck gemacht, obwohl es mir unangenehm war, Leute abstellen zu müssen, da wir noch immer in München aus Häusern und Kirchen beschossen wurden. Ich entschloß mich endlich, eine Abteilung dorthin zu entsenden, um den Ausstand, der hinter meinem Rücken an- scheinend wieder aufzulodern begann, im Keime zu ersticken. Leist» nant Pölzing wurde deswegen von mir eingesetzt, weil ich ihn al» einen vorzüglichen Offizier von den Berliner Kämpfen kannte, der stets sein« Austräge prompt und sicher erfüllte. Später wird der Zeuge nochmal» vorgenommen, um über die Kämpfe und deren Folgen auszusagen. Er erklärt hierbei noch, daß Prüfert den Befehl zum Erschießen ausführen mußt«, da er von einem Bargesetzten vorlag. Oberleutnant han» Zoach'm v. tützow. Adjutant der ersten Ab- teilung des Freikorps, gibt an, daß er im Quartier im Hofbräuhaus nur beim Befehl zum Abmarsch erfuhr, datz 12 Rotgardisten er- schössen worden seien. Später kann es möolich gewesen sein, daß er eine Unterhaltung mit Pölzing batte. Der Zeuge kann seine früheren Aussagen, daß ihm Pölzing selbst angegeben habe, die Erschießung aus eigene Faust vorgenommen zu haben, nicht mehr aufrecht erhalten. Der Zeug« kann sich an verschiedene Begebenheiten heute überhaupt nicht mehr«rinnern. Aus Befragen durch den Porsitzenden betr. der Aeußerung gegenüber dem Zeugen erklärt AngeN. Völzina, es sei möglich, daß er diese Aeußerung getan habe, aber nicht mit dem Zusatz„aus eigene Faust". Hiermit ist die Zeugenvernehmung beendet. Nach längeren Aus- einandersetzungen zwischen Verteidigung und Gericht wegen der Zeugenentlassung wird die Verhandlung aus Dienstag vorm. llhr vertagt, wobei die zwei Sachverständigen v. Oven und Unruh das Wort ergreisen werden._ Cröffnuna öer paöayoqifchen �taöemken. Tie Aufnaßmebedinsiungcn. We der Amtliche preußische Presiedienst mis dem preußischen Kultusministerium ersährt, wird beabsichtigt, Anfang Mai d. I. drei staatliche pädagvgis-be Akademien ru eröiinen. und zwar eine in Bonn zur Ausbildung katholischer Volksschullehrer, ein« In C l b i n g zur Ausbildung evangelischer Volksschullchrer und«in« in Kiel zur Ausbildung evangelischer Dolksschullehrer und -Lehrerinnen. Der Bildungsgang ist zweijährig. Studiengebühren werden nicht erhoben. Unter gewissen Voraussetzungen können Stipendien gewährt werden. Internate sind mit den Akademien nicht ver- bunden. Aufnahmegesuche sind bis spätestens 1. April d. I. an den Minister einzureichen. Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten haben ihre Meldungen durch den Anstaltsleiter auf dem Dienstwege vorzulegen: sonstige Aulnahmegesuche sind un- mittelbar an den Minister zu richten. Der Meldung sind beizufügen: ein Lebenslauf,«ine beglaubigte Abschrift des Reife- zeugnisse» einer neunklassigen höheren Lehranstalt oder ein« Bescheinigung des Anstaltsleiters über die bestandene Reiseprüfung. ferner ein Gesundheitszeugnis eines zur Führung eines Dienstsiegels berechtigten Arztes. Im Lause des Monat« April werden die Bewerber, deren Aufnahme in die Akademie in Aussicht genommen ist. zu einer Prüfung ihrer musikalischen Kennt- niste und Fertigkeiten(vom Blatt singen eines einfachen Liedes und Vertrautheit mit Klavier oder Violine oder Orgel) am Akademieort einberusen._ Der ZrankenstanAal. Beratungen deS Aeltestenausschustes ohne Tozialisteu. Untersnchuugcausschuki abgelehnt. Budapest, lS. Zonuar.(WTS.) Die vom Präsidenlea der Rationaloersammlung einberufene inlerparteiliche Obmänner- koaferenz hat heute vormittag lt llhr Ihren Ansang genommen. E» find sämllich« Parteiführer erschienen mit Ausnahme der Sozialisten und der Radikalen. Präsident Szcllovszty gab seinem Bedauern darüber Ausdruck. daß durch da» Fernbleiben der Sozialisten und der einksradikalca seine pjlichlgemäße aasgleicheade Tätigkeit zwischen den einzelnen parlamentarischen Parteien erschwert werde. Minister- Präsident Gros Bethlen erklärte, er wolle die Führer der Partelen über die Loge unlercichlen und zur Erörterung der polilischen ver- ontwortlichkeit Gelegenheit geben. 3n der Sitzung der Ralionalver- sammlung werde er in Beantwortung einer Interpellation über die Frankensälschungeangelcgenheit Aufklärung geben, und von der Kenntnisnahme oder Rlchlkennlnisnahme dieser Antwort von selten des Hauses werde es abhängen, ob die Untersuchung in dem bisherigen Rahmen weitergeführt wer- den s o l l e. Er habe sich bisher in die Arbellen der Polizei und de» Gericht» nicht hineingemengt, die vollständig frei und unabhängig sich um die Aufklärung der Angclegeuheit be- mühen. Solange da» Gericht die Untersuchung nicht abgeschlossen habe, wolle er die Angelegenheit nicht bi» i a» t l e i n sl e vor der Rationalversammlung erörtern.> Stephan Friedrich beantragte die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommlssion. Ministerpräsident Bethlen erhob hiergegen Widerspruch. Abgeordneter Gömbö» verlas alsdann zwei Resolutionen. Zn der ersten Enlschlieszung wird da» Verhallen der Linksradikalea verurteilt, die. die Fälschnngsangelegenheil zur Erweiterung ihrer polilischen Macht ausnutze« wollen: in der zweiten Resolution wird Protest gegen die Behauptung erhoben, daß zwischen Regierung und Rasscnschütz- lern irgendein Pakt bestünde. Die Presse der Rassenschühler habe allerdings die Regierang gegenüber den demoralisierenden Einflüssen der extremen Linken in gewisser Hinsicht unterstützt, weil die Regierung den nationalen Gedanken repräsentiere. Horthy und Bethlen vor dem Rücktritt? Budapest, 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der oer- haftete Sekretär des Fürsten Windischgrätz wurde vor einigen Tagen in ein andere» Gefängnis übergeführt, nachdem er ein vollständiges Geständnis abgelegt und die politischen Hintergründe der Fälschung aufgedeckt hat. Er wurde deshalb in dem bisherigen Gefängnis entsetzlich mißhandelt: seiner Familie wird gedroht, daß man ihn töten und in die Donau werfen werde. Dieser Bearbeitung ist es auch zuzuschreiben, daß der Sekretär bei seinem letzten Verhör die Angaben, die den Jcldbischos Zadravecz belasten, zurückgezogen hat. Wie in politischen Kreisen verlautet, ist die Stellung des Miniftervräsidenten Bethlen ebenso wie die des Reichsverwesers Horthy durch die Untersuchung so schwer erschüttert, daß mau sl.on nach ihren Nachfolgern Au>. schau hält. Bethlen hat Im Laus? der l.'ntersuchung bereits dreimal seine Demission gegeben,'.»:d nur die Angst seiner Partei vor einem Zusammenbruch des Systems hat ihn veranlaßt, seine Demission nicht ausrechtzuerhalten. Im Pressebureuu des Ministerpräsidenten wird den Nedalteuren der oppositionellen Zeitungen auf Anfrage immer wieder die Versicherung gegeben, daß Horthy innerhalb der nächsten sechs Monate sicher zurücktreten werde. Tie ersten �freilastnnsien. Budapest, 18. Januar.(MTB.) Der Anklagesenat des Duda- pester Sirafgerichtshoses hat auf die Beschwerde der Staatsanwalt» schaft beschlossen, in Bestätigung der Entscheidung des Untersuchung»-� rlchter«, den Feldbischof Zadravecz auf freiem Fuß« zu belassen, da er keiner strafbaren Handlung schuldig ist und Fluchtverdacht nicht vorliegt. Der gestern abend dem Staatsanwalt vorgeführte Dr. Ferdi- nandy ist ebenfalls vom Anklagesenat wieder aus freien Fuß gesetzt worden. Ruftlsch-franzöftsthe verkanülunzen. Trotzkis naiver Borschlag. Paris, 18. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Mit der Rückkehr des hiesigen russischen Botschafters Rakowsti aus Moskau erwartet man hier die W i e d e ra u f n a h m e der russisch-sranzösischen Schul. denverhandlungcn. Rakowsti soll von einer besonderen Kommission begleitet werden und neue Lorschläge zur Regelung der Schulden- frage überbringen. In den hiesig:« diplomatischen Kreisen legt man in diesem Zusammenhang einem in der„P r o w d a" erschienenen Artikel besonder« Bedeutung bei, in dem T r o tz k i für diese Regelung sol- gende Vorschläge macht: Die russische Regierung sei zwar nicht in der Lage, die unter dem zaristischen Regime ausgenommenen Stoatsschulden anzuerkennen, dagegen sei sie bereit, für die durch die Revolution französischen Staatsbürgern zugefügten Schäden auszukom- in e n, falls die französische Regierung ihrerseits eine Schadenersatz- Pflicht für die Verluste, die Rußland durch die verschiedenen von Frankreich begünstigten Interventionen erlitten habe, an. erkenne und Rußland nun zum Wiederausbau seines Landes eine größere A n l e i he zu gewähren bereit sei. In diesem Falle würde sich die russische Regierung verpflichten. diese Anleihe, die ausschließlich zu Käufen in Frankreich verwendet werden solle, zu 11 Proz. zu verzinsen, von denen 7 Pro.z. zur Verzinsung und Tilgung des Darlehns, die restlichen 4 Proz. zur Befriedigung der von Rußland zu entschädigenden französischen Staatsangehörigen oerwendet werden sollen.(I) tzugenberg-Zälschungen. Tie„Haltet-den-Tieb"- Rufer abermals ertappt. Der amerikanische Senator Mac Garroh, ausländische» Mitglied der Reichsbantleitung, hat kürzlich eine Rede über Deutsch- lond und den Dawes-Plan gehalten, in der er davon sprach, daß er in Deutschland Männer gesehen habe, die zehn- bis vierzehnstündige Arbeitszeit leisteten und Frauen und Kinder, die ihren Männern auf dem Felde halfen. Um zu wissen, daß das deutsche Proletariat vom Unternehmertum schamlos ausgebeutet wird, brauchen unsere Leser dies nicht erst aus den Reiseeindrücken von Amerikanern zu er- fahren: da» fühlen sie tagtäglich am eigenen Leibe und konstatieren überdies, daß selbst die Arbsil»lostgkeit für die Unternehmer kein Grund ist. die Arbeitszeit zu verkürzen, sondern nur ein Vorwand, sie zu verlängern. Der.Lokal-Anzelger" brachte nun einen tendenziösen Bericht über diese Rede Mac Garrahs, aus der man heraus- lesen mußte, daß der Amerikaner mit zynisch-sadistischer Wollust die Berelendung des deutschen Doikes als eine Folge des Dawes- Planes hingestellt hätte. Und weil verschiedene Linksblätter, dar» unter der„Vorwärts", über die Mac-Garrah-Rede nicht berichtet haben, schreit das Organ Hugenbergs, dieses Sprachrohr der deutschen Sklavenhalter, von Unterdrückung der Wahrheit. Inzwischen hat Mac Garrah selbst von dem Bericht de» „Lokal-Anzeigers" erfahren und in einer Erklärung an das„Ber. ltner Tageblatt" ihn al»«ine Fälschung bezeichnet. Seine Rede sei ein einzige« Lob für Deutschland gewesen und hob« allein den Zweck verfolgt, dem deutschen Bolke zu helfen. Die Hugcnbergsch« Fälschercliqu« ist also mit diesem Versuch, ihr« verpuffte Flugblattaktion neu zu beleben, kläglich herein- gefallen. �____.>. Gewerkschaftsbewegung Die Sowjetregierung als Bibelfabrikant. Bom Borstande des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wird uns geschrieben: Der Verlagsgesellschaft des ADGB. war vor geraumer Zeit von dem auch in Arbeiterkreisen bekannten und angesehenen Verlag Philipp Reclam in Leipzig ein vierseitiger Prospekt zum Ber sand angeboten worden, in dem außer einer Gesamtausgabe von 1001 Nacht und einer Reihe von Meisterwerken der Weltliteratur auch das in die Sprache der Gegenwart überfekte Neue Testament" alles Bücher, die in dem Verlag von Reclam erschienen find empfohlen wurde. Die Verlagsgesellschaft hat mit Rücksicht auf die erſterwähnten häufig verlangten Bücher gelaubt, den Prospekt ihren Sendungen beilegen zu können, obwohl auf der letzten Seite auch das Neue Testament angezeigt wurde. Der Berein der Freidenfer hat gegen die Bersendung des Prospetts in einem Schreiben an den Bundesvorstand vom 4. Dttober protestiert, weil der Vertrieb solcher Pamphlete" als voltsschädliche Verbreitung religiöser Schriften anzusehen set. Tatsächlich sind von dieser Ausgabe des Neuen Testaments in den zehn Monaten, die feit lebernahme des Prospektes verstrichen sind, im ganzen 8 remplare verkauft worden, und zwar meist an Redaktionen. Thre Einheitsfront. Richtlinien der& PD. zu den Betriebsrätewahlen. Unter diesem Titel veröffentlicht die KPD. in der Sonderbeilage Der Parteiarbeiter", Jahrgang 4, Heft 1, Richtlinien für ihre Funktionäre zu den kommenden Betriebsrätewahlen. Es wird m ihnen die Barole herausgegeben, daß bei den tommenden Wahlen Kommunisten nur auf freigewertschaftlichen Listen kandidieren dürfen. In einem anderen Absatz ist wörtlich gesagt: Unter feinen Umständen dürfen Kommunisten nichtgewerkschaft liche Listen aufstellen." Diesen„ Dreh" der KPD. fennen wir ja aus den vorhergehenden Jahren. Man hat versucht, auf der freigewerkschaftlichen Betriebsratsliste nach Möglichkeit an erster Stelle zu erscheinen. Es wurde dann eine Senderliste der ausgeschlossenen Verbände auf gestellt: Weyer Union, Ausgeschlossene Bauarbei fer usw., und dann den Anhängern der KPD. empfohlen, nur diese letteren Listen zu wählen. Der Erfolg war dann gewöhnlich der, daß einmal ihre Anhänger auf der freigemertchaftlichen Liste und das andere Mal auf der Sonderlift e gewählt wurden. arbeitern 700 mannfiche umb 100 welbfiche Arbettstole auf bem Rachweis eingetragen. Hegenbart ermahnte bie Bersammelten zum Schluß nochmals, für die Organisation die regste Agitation zu entfalten. In der Diskussion wurde an dem Jahresbericht teine Kritif geübt. Die Aussprache ergab aber, daß in einzelnen Betrieben trog der Arbeitslosigkeit noch leberstunden gemacht werden. Des weiteren lassen sich viele nicht durch den Arbeitsnachweis vermitteln, wodurch den schon länger auf dem Nachweis Eingetragenen jede Arbeitsmöglichkeit genommen wird. Der Branchenleiter ersuchte die Bersammlung, im Interesse der Arbeitslosen teine Ueberstunden zu machen. Die Betriebsräte und in den Betrieben Beschäftigten müssen darauf achten, daß die Neueingestellten durch den Nachweis vermittelt sind. Im Anschluß an die Diskussion wurde die Neuwahl der Branchenleitung vorgenommen. Mit Ausnahme der 3 Beis fizer, die von ihren Posten zurücktraten, wurde die alte Branchenleitung wiedergewählt. Achtung, Fabrikarbeiter! Jm Monat Januar finden für die Zahlstelle Berlin die Bezirks. bersammlungen statt, in denen die Wahl der Delegierten zur GeSie empfehlen in ihren Richtlinien weiterhin, daß alle Berneralversammlung für das Jahr 1926 vorgenommen wird. Jeder suche der Reformisten, die Aufstellung der Kandidaten in den Funt. SPD.- Kollege und jeder mit uns sympathisierende und es mit der tionärversammlungen oder in einem engen Zirkel vorzunehmen, Gewerkschaftsbewegung aufrichtig meinende Kollege hat die Pflicht, durch die Mobilisierung der freigewerkschaftlichen Mitglieder des in die für seinen Bezirk stattfindende Versammlung zu gehen, um Betriebes verhindert werden muß. Sollte trotzdem anders vernur solche Mitglieder als Delegierte zu wählen, die auf dem Boden fahren werden, so ist bei der zuständigen Ortsverwaltung oder in der Amsterdamer Gewerlichaftsinternationale stehen und damit der Gewerkschaftsversammlung schärfster Protest einzulegen". Es wird weiterhin empfohlen, daß die Kommunisten verlangen, daß für die wahre internationale Einheitsfront eintreten. Der Fraktionsvorstand. diese Liste in einer Betriebsversammlung zur Diskussion gestellt wird. Machen sich dort starte Widerstände gegen einen oder mehrere Kandidaten der freigewerkschaftlichen Liste bemerkbar, dann müssen die Kommunisten auf die Einberufung einer nochmaligen Bersammlung der Gewerkschaftsmitglieder dringen, um dort eine Korrektur der Lifte zu verlangen. Bustimmungsrefolutionen jedoch fönnen abgestimmt und angenommen werden." Dieser letzte Satz ist durch besonders starten Druck hervorgehoben. Aus vorstehendem Absatz geht hervor, daß die KPD. versuchen wird, in den Betriebs. versammlungen einen Einfluß auf die Aufstellung der Kandidaten zu gewinnen. Man wird in diesen Betriebsversammlungen ver M Die Verlagsgesellschaft des ADGB. war der Ansicht, daß das Neue Testament tein Pamphlet ist und daß mit Rücksicht auf die stets vertretene religiöse Neutralität der Gewert fchaften der Bertrieb auch dieses Quellenwertes der christlichen Religion nicht einfach verweigert werden fonnte. Der Bundes. vorstand hat dieser Auffassung zugestimmt und erflärt, daß er den Vertrieb nicht inhibieren fönne. Dazu bestand, angesichts der geringen Nachfrage übrigens auch feine fachliche Beranlassung. Der Verein der Freidenfer hat dann geglaubt, dieser praktisch bedeutungslosen Angelegenheit mehrere Artikel in seinem Organ widmen zu müssen, in denen irrtümlicherweise der Anschein erweckt wurde, als ob der ADGB. eine rege Propaganda für das Neue Testament entfalte. In Anbetracht der großen Zahl von Prospetten, die der Verlag jährlich versendet, entbehrt diese Untersuchen, gegen die verhaßten Reformisten Stimmung zu machen. ftellung jeglicher Begründung, ganz abgesehen davon, daß der Bundesvorstand von der Versendung des Prospettes erst durch den erwähnten Brief Kenntnis bekam und mit dem Versand auch nicht bas geringste zu tun hatte. Schon in diesem Falle kann man fagen, daß mit Kanonen nach Spazen geschossen wurde. Die Rote Fahne" begnügte sich aber nicht damit. Sie fuhr schwereres Geschüß auf und behauptete in einem Artikel„ Der ADGB. als Bibelfabrikant vom 15. Dezember ebenso dreift wie verlogen: In dem offiziellen Buchverlag des ADGB. ist.... der zweite Teil der Bibel, das Neue Testament. bearbeitet und erklärt von dem„ religiösen Sozialisten" Kurt Stage, in einer Massenauflage gedruckt und verbreitet worden." An dieser Behauptung ist fein wahres Wort. Das Buch ist, wie bereits gesagt, in dem Verlag von Reclam erschienen. Daß sich die Rote Fahne" die Verbreitung dieses Märchens angelegen sein ließ, ist durchaus begreiflich. Sie hat dann in einer Reihe von Karikaturen mit Sprüchen, die von einer überraschend intimen Kenntnis des Neuen Testaments zeugen, dafür gesorgt, daß der Schwindel bei ihren Lesern nicht in Bergeffenheit geriet, getreu ihrem Prinzip:„ Doppelt gelogen, hält besser." Bedauerlicherweise waren auch Redaktionen der sozialistischen Breffe leichtgläubig und fritiflos genug, den Schwindel für bare Münze zu nehmen, obwohl eine Anfrage fie mühelos über den wahren Sachverhalt hätte informieren fönnen. Diese Methode ist nicht gerade ein erhebender Beweis für die Sachlichkeit mancher unferer parteigenössischen Zeitungen. Erstaunlich war dem Bundesvorstand die ungewöhnliche Renntnis des Neuen Testamentes, die die Rebat teure und Zeichner der Roten Fahne bei diesem Lügenfeldzug verrieten. Woher fam diefe bemerkenswerte Belefen heit? Ein Bericht der Boffischen Beitung" aus New Dor! ( 13. Januar 1926, Morgenausgabe) brachte des Rätsels Löfung: Wie die amerikanische Bibelgesellschaft mitteilt, hat die Somiet regierung, die seit den legten 5 Jahren die Einfuhr von Bibeln bis auf wenige Ausnahmen nach Rußland verboten hatte, iest die Genehmigung für den Drud einer erheblichen Anzahl von Bibeln in den Regierungsbrudereten in Mostau und Leningrad erteilt."( Dieser Beschluß steht vielleicht in Zusammenhang mit anderen Ronzeffionen" an westeuropäische Kapitalisten.) Offenbar hat die Redaktion der Roten Fahne" für ihren Stab eine Reihe diefer Bibeln von ihren russischen Brüdern im Herrn bezogen und sich sofort mit solchem Eifer in die Lektüre vertieft, daß sie die entlegenſten Sprüche mit theologischer Meisterschaft zitieren fann. Die harmlosen Bankleitungen. Um den Schiedsspruch im Bankgewerbe. Der Reichsverband der Bantleitungen bemüht sich gegenwärtig, in der Presse seine in dem Bantentariffonflitt unternommenen Schritte zu verteidigen. Er geht in seinem Eifer, sich zu recht. fertigen, fogar so weit, daß er dem Reichsarbeitsministerium die Befähigung abspricht, die wirtschaftlichen Auswirkungen seiner Maß nahmen zu übersehen und die Tragfähigkeit eines Gewerbes zu be urteilen. Der Reichsverband spricht von allem Möglichen, aber an dem Kernpuntt der Kritit des Allgemeinen Berbandes der Bankangestellten geht er vorbei. -Der Kernpunkt der Angelegenheit ist folgender: Die Bertreter der Banken haben fich im Reichsarbeitsministerium bei den letzten Berhandlungen in Schweigen gehüllt, während die Banten ihre guten Beziehungen zum Reichswirtschafts- und Reichsfinanzmini. fterium dazu ausnutzten, um dort die Reffortchefs usw. in streng vertraulichen Ronventifeln gegen den Schiedsspruch mobil zu machen, obwohl dieser Schiedsspruch bereits eine Ablehnung der maßvollen Arbeitnehmerforderungen faft bis zu 90 roz. be. deutete. Wenn es sich bei diesen Besprechungen wirklich nur um „ felbstverständliche und daher auch nicht geheimgehaltene Bor stellungen des Reichsverbandes der Bankleitungen" gehandelt haben würde so behauptet nämlich jetzt der Reichsverband der Bank. leitungen dann hätte es ebenso felbstverständlich sein müssen, zu diesen Besprechungen auch die Arbeitnehmer. organisationen des Bankgewerbes hinzuzuziehen. Mindestens hätte man ihnen nachher Gelegenheit geben müffen, mündlich oder schriftlich ihren abweichenden Standpunkt geltend zu machen. Aber fo etwas fann man vom Reichswirtschafts- und Reichsfinanzministerium bei ihrer notorisch arbeiterfeindlichen Einstellung allerdings faum erwarten; der Arbeitsminister aber hatte die Pflicht, den Ar beitnehmerorganisationen diese Gelegenheit zu geben. Das geschah aber nicht. Der Arbeitsminister hat vielmehr etwas als fundiges Gutachten" des Reichswirtschafts- und Reichsfinanzmini. fteriums gewertet, was in Wirklichkeit nur ein einseitig vor. gebrachter Parteistandpunkt der Bantleitungen war. jach. Das den Banfangestellten gegenüber angewandte Berfahren fann unter feinen Umständen geduldet werden und deshalb hat sich der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mit Recht an die Deffentlichkeit und an das Parlament gewandt. Es muß wenigstens einige Sicherheit dafür geschaffen werden, daß die Nach prüfungen im Reichsarbeitsministerium anders gehandhabt werden als im November. Im übrigen ist es leicht, dem Reichsarbeits. ministerium nachzuweisen, daß Gehälter, die ein gutes Drittel und mehr hinter den Bezügen gleich vorgebildeter und gleichgearteter Staatsbeamten zurückbleiben, und eine Arbeitszeitregelung, bie immer noch eine Bezahlung der Ueberarbeit erst nach der 50. Arbeitsstunde in der Woche vorsieht, sehr wohl mit den Intereffen des Banfgewerbes in Eintlang zu bringen find. Im nächsten Absatz wird darauf hingewiesen, daß die KPD. versuchen muß, mit Nicht- Kommunisten, vor allen Dingen aber mit form für ein gemeinsames Borgehen bei der Wahl zu gewinnen. linten sozialdemokratischen Arbeitern eine Blattlung, die zur Aufstellung der Kandidatenliften Stellung nimmt, die Sollte die KPD. in der freigewerkschaftlichen Mitgliederversamm aufzustellen, sondern auch einige Barteilose" und" linte fozialMehrheit in der Versammlung haben, so sind nicht nur Rommunisten demokratische Arbeiter". Ist feine Verständigung über die Aufstellung der Kandidaten zu erzielen, so wird den Funktionären empfohlen, die Aufstellung der Kandidaten durch Abstimmung unter den Mitgliedern der freien Gewerkschaften in den einzelnen Betriebsabteilungen zu erzwingen. Es find eben alle Mittel und Wege zu benutzen, um auf der Liste der freien Gewerkschaf ten in den Betriebsrat zu gelangen. " Aus Borstehendem erfieht man, wie die KRD. die Vorarbeiten zur Betriebsratswahl trifft. Wir empfehlen unsern Parteigenossen, auf alle Fälle darauf zu achten, daß die geplanten Maßnahmen der KBD. an unserem geschlossenen Auftreten scheitern. Jahresversammlung der Tapezierer. Der Solidaritätsstreit beim Phönix. Hörbe, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Belegschaft des Stahlwalzwerts des Hörder Vereins( Pbönig A.- G) beichloß, weiter im Streit zu verharren, bis die Wertleitung die abgebauten Arbeiter wieder einstellt. Die Belegschaftsversammlung erhob gleichzeitig die Forderung, daß die Aussperrung nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses aufgefaßt werden dürfe. Die Betriebsrätewahlen im Bergbau. Bochum, 18. Januar.( Eigener Drabtbericht.) Die vier Bergarbeiterverbände beschlossen, für den gesamten deutschen Bergbau die Neuwahl der Betriebsräte auf die Tage vom 25. bis 27. März 1926 zu legen. Die übrigen interessierten Organisationen wie die dem Afa- Bund angeschlossenen Angestelltenverbände dürften sich mit dem Vorschlag einverstanden erklären. Bewegung im französischen Bergban. Paris, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Gewerkschafts verband der französischen Bergleute hält heute, Montag, in Paris eine Delegiertenversammlung ab. Die Einheit der Aktion für die in den verschiedenen Bergwerksdistrikten im Gange befindlichen Lohnbewegungen soll sichergestellt werden. Im nördlichen Bergwerksdistrikt ist es bereits zu einer Einigung zwischen der Arbeiterschaft und den Bechenbesizern gekommen. Die Zechenbefizer haben sich nach längeren Verhandlungen bereit erklärt, die im Jahre 1924 bewilligte und im September 1925 auf 40 Proz. herabgesetzte Teuerungszulage von dieser Woche ab wieder in voller Höhe zur Auszahlung zu bringen. Aussperrung in der Pariser Automobilindustrie. Paris, 18. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die bekannte frans 500 Monteure wegen Lohndifferenzen die Arbeit niederzösische Automobilfabrik Citroën, bei der am Sonnabend legten, hat nicht nur die Streifenden entlassen, sondern auch die In der Jahresbranchenversammlung der Tapezierer am Freitag in Boekers Festsälen gab der Branchenleiter Hegenbart ben Jahresbericht. Wenn auch gegenüber dem Jahre 1924 ein 3u.Belegichaft mehrerer anderer Betriebe in der Gesamtwachs an Mitgliedern sowie ein finanzieller Aufstieg in der Branche zu verzeichnen war, fann die Entwicklung der Branche jedoch nicht voll befriedigen. Es sind noch viele Unorgani fierte in der Branche, die in diesem Jahre durch rege Agitation in den Betrieben für die Organisation gewonnen werden müssen. Es muß auch im Interesse des gewerkschaftlichen Nachwuchses Bert barauf gelegt werden, die Lehrlinge zu organisieren, die heute der Organisation meist noch fernstehen. Der im Berichtsjahr geführte 7wöchentliche Streit wegen Geschloffenheit erfolgreich beendet worden. Durch den Streik ist es des Abschlusses eines Tarifvertrages ist mit einer mustergültigen gelungen, den seit August 1923 nicht mehr bestehenden Tarifvertrag mit unwesentlichen Veränderungen wieder in Geltung zu bringen. Der zurzeit tariflich festgelegte Mindestlohn von 1,10 Mart ist mit über dem Durchschnitt aller übrigen Löhne anderer Berufe. Ausnahme von zwei Städten der höchste im Reiche und liegt auch Von der Krise find die Tapezierer diesmal zuletzt betroffen worden. Am Schluß des Jahres waren neben zahlreichen Kurz zahl von etwa 18 000 ausgesperrt. Die Direktion be= gründet biefe rigorose Maßnahme damit, daß sie durch den Streit der Monteure gezwungen sei, bis zur Einstellung neuen Personals Arbeiterschaft wird sich aller Voraussicht nach mit den 500 entdie Arbeit ruhen zu lassen. Die auf diese Weise ausgesperrte laffenen Monteuren solidarisch erklären und die Wiederaufnahme der Arbeit von ihrer Wiedereinstellung abhängig machen. Deutscher Bertmeisterverband, Bezirk X, Fachgruppe Metallindustrie. Groke allgemeine Funktionärverfammlung aller Betriebsräte, Obleute und Vertrauensmänner am Freitag, den 22. Januar, abends 7 Uhr, im Klub haus, Ohmstr. 2. Abbaumaknahmen der Arbeitgeber innerhalb der . BM3.- Betriebe, Gehaltstürzungen und ballae bei Arbeitszeitverfiraung. Rothe. Verantwortlich Hir Bolitit: Ernt Renter: Wirtschaft: Artur Sateruns: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chlorn: Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. 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Trauerstimmung liegt über der Straße; getrüdte Gruppen von Anwohnern, an die Hauseingänge gepreßt, diskutieren im Flüster. ton über das entfeßliche Ereignis. Wagen des städtischen Fuhrparts laden Holzsparren, Schutt und Gestein aber noch immer will es in dieser Wüste nicht lichter werden. Die ganze Nacht wird Die Mannschaft graben müssen Leichen suchen sie, einen Mann, eine Frau und ein kleines Kind. Unter meterhohen Stein trümmern die Ueberrefte von Menschen. drei Gang durch die Ruinen. Durch ben verschütteten Eingang des Strid warenge. fchäfts von Fr. Bähre tritt man in das Unglüdshaus. Es ist eigentlich Dermessen, diesem Trümmerfeld, in dem nichts mehr feststeht, die Bezeichnung Haus" zu geben. Man stolpert über Stein broden In der Ede eines Zimmers, das wehl, nach den noch ver. bliebenen Resten zu urteilen, einmal so eine Art Wohnzimmer war, liegen Teile eines zertrümmerten Tisches. Ueberall finden sich zerriffene Gardinen. Ein eichener Schrank ist auseinandergeborsten, Wäschestücke herausgefallen. Die Fenstertreuze ruhen versplittert am Boden. Am stärksten ist der Borderflügel des Hauses mitgenommen. Er ist völlig in Schutt gelegt. Die meisten Opfer waren hier zu beklagen. Großen Schaden hat auch der linke Flügel des Explosionshauses erlitten. Hier sind die Wände zusammengestürzt und haben die Unglücklichen zum Teil in ihren Betten oder beim Antleiden begraben. Unter den Hausbewohnern muß eine furchtbare Banit ausgebrochen fein, denn die unerhörte Berwüstung und gewiffe An zeichen deuten mit Sicherheit darauf hin, daß die Betroffenen und unverlegt Gebliebenen völlig topflos die Stätte des Grauens ver laffen haben müssen. Als der Portier des Hauses auf die schredlichen Hilferufe aus seiner Wohnung lief, stürzte vor ihm die Treppe zufammen. In dem Hauseingang, der dem Tor einer Burgruine gleicht, ftehen die Anwohner herum. Es ist ihnen nicht möglich, zu ihren Sachen zu gelangen. Die Polizei hat tas gesamte Haus ge Sperrt und läßt wegen der Gefahr weiterer Einstürze niemand mehr in die Räume. Für die Unterbringung der Ueberlebenden wird das Rettungsamt Tiergarten forgen. Die nötigen Mittel stellt das Wohlfahrtsamt zur Verfügung. Was die Anwohner erzählen. Der Arbeiter Sachs, ber in ben an das Haus Kirchstr. 9 angrenzenden Berliner Emailliermerten arbeitet, schilbert den Hergang der Ratastrophe wie folgt: 20 Minuten nach 6 Uhr hörte ich einen schweren, dumpfen Knall und nahm an, daß der Schornstein des Fabritgebäudes auf das Dach gestürzt wäre. Ich eilte aus dem Bertraum und fonnte im ersten Augenblick der herrschenden Dunkelheit wegen nichts erkennen, als furchtbare Hilferufe ertönten. Die Leute stürzten unter einem Regen von Steinen und Schutt in hohem Bogen aus ben Wohnungen des Seitenflügels in den Hof. 3ch sah zwei Männer nur mit einem Hemd bekleidet, die schrecklich verstümmelt unter einem Berg von Trümmern begraben wurden. Ein Bassant wurde von einem großen Steinblod am Kopfe getroffen und stürzte zu Boden. Die Bucht der Explosion war so gewaltig, daß die Haus trümmer sechs bis sieben Meter weit über die Straße geschleudert murden. Quer unter einer Chaiselongue fanden wir auf dem Schutt haufen noch lebend ein kleines Kind, das nach seiner Mutter schrie. 69 Die Passion. Roman von Clara Biebig. Etwas, was verschüttet gewesen war in Eva, was auch nicht ans Tageslicht gekommen war in besseren Tagen, das drängte sich hier in dem großen Frieden dieser Häuslichkeit, brängend vor anderes zurüd: ein bißchen Lebensfreude. Und es schien ihr so, als fönnte sie vergessen; a... mählich verschwammen Bilder, schreckliche Bilder, die sie noch immer ge ängstigt hatten. Sie wurden blaffer, weniger eindrucksvoll Eva vergaß, was sie schon erlitten hatte an äußeren und inneren Qualen, fie vergaß vor allem ihre Krankheit. Zur zeit fühlte fie fich ja auch ganz gefund. Sie betrachtete das felber wie ein under. Es war merfwürdig, aber ihre Augen waren doch gar nicht so schwach, sie tonnte ganz gut Strümpfe stopfen, und wenn sie abends zu den Herrschaften hereindurfte und beim guten Licht saß, nicht rur bei der fleinen Küchenlampe, brachte sie sogar eine leidlich feine Küchenspitze zustande, deren Häkeln Frau Peterseim sie gelehrt hatte. Vielleicht hatte der Professor in der Charité fich doch geirrt! Vielleicht war fie auch gänzlich geheilt! Und war es nicht vielleicht auch eine andere Eva gewesen, die bei den Wilkowskis, die bei Frau Lämmlein, vor allem die bei Frau Bayer? Diefe Eva war das gar nicht gewesen. Diese Eva hier hoffte; diese Eva glaubte daran, daß es viele gute Menschen gab. Liebchen," jagte Herr Beterseim zu seiner Frau ,,, habe ich nicht einen glänzenden Griff mit dem Mädchen getan?" Er war sehr stolz auf seinen Rennerblid, mit dem er unter den hundert Stellungfuchenden im großen öffentlichen Mietsbureau gleich die Richtige herausgefunden hatte. Auch Frau Peterseim war sehr eingenommen für Eva; wenn ihr die zum Ausgehen die Schuhe anzog, oder abends die Wärmeflasche ans Beit brachte, griff fie jedesmal in das Glas mit den Bonbons, das fie auf ihrem Nachttischchen stehen hatte, und steckte dem Mädchen einen davon in den Mund. Es waren Malzbonbons, so wie Herr Beterfeim fie in feiner Anflamer Apotheke früher immer selber fabriziert hatte. Herr und Frau Peterseim waren. nachdem er feine Apotheke verkauft hatte, zwar nach Berlin in die große Stadt gezogen, aber sie waren noch immer aus Antlam. Sie hielten auch ihre Eva für ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Sie hat so was Unschuldiges," sagten die beiden Altchen und maren ganz gerührt. Nur das eine wunderte fie, daß Era dunkel. Was war die Ursache? Auf der Straße entstand eine beispiellofe Berwirrung. An den Fenstern erschienen die Bewohner der Straße, durch das Geschrei der Berunglückten aufgeschredt, viele Leute stürzten nur teilweise befleidet aus ihren Wohnungen auf die Straße, da man allgemein ein Erdbeben annahm. Die Berwüstungen waren unbeschreiblich. Das aufgerissene Haus Kirchstraße 9. Die erften geborgenen Toten wurden von uns in Droschten fortgeschafft. Ein anderer Arbeiter unseres Betriebes alarmierte fodann bie Feuerwehr, die bald darauf erfchien und die weitere Bergungs arbeit übernahm. Die junge Frau bes bei bem Unglüd auf entsetzliche Beise ums Leben gekommenen Kaufmannes Bähre gab unserem Ber. treter eine Schilderung des Herganges der Ratastrophe: Sie lag noch zu Bett, als fie plöglich von einem Sturmwind von Schutt und Glasscherben überschüttet wurde. Nachdem sie fich in größter Ber wirrung mühsam aufgerichtet hatte, taumelte fie ins Nebenzimmer, wo sich ihr Mann beim Ankleiden befand. Der Unglüdliche war von einer niedergehenden Wand getroffen und völlig verstümmelt worden. Ein anderer Augenzeuge, der Arbeiter Girardin, berichtet folgendes: Kurz vor 7 Uhr geriet meine Wohnung in eine schwere Erschütterung. Der Buz brödelte ab, die Fensterscheiben wurden zertrümmert, die Beleuchtung versagte und die Uhr wurde weg geschleudert. Ich nahm ein Erdbeben an stürzte aus dem Hause, wo mir Schreien entgegentönte. Jm ganzen Hause blieben die Uhren 4 minuten vor 7 Uhr stehen. Girardin ist weiter nichts gar feinen Anhang hatte. Jeder Mensch hat doch Berwandte oder wenigstens Bekannte, aber zu Eva tam nie jemand. Auch ging fie felber nie aus, sie wollte nicht; sie sagte:„ Ich bleibe lieber zu Haus, es ist ja so schön hier!" Weihnachten war Eva hübsch beschenkt worden, doppelt beschenkt, weil der 24. Dezember zugleich ihr Geburtstag war. Das stand in ihrem Dienstbuch. Sie wurde achtzehn. Die Beterjeims waren durchaus nicht reich, aber sie machten gern Freude. Wie ein staunendes Rind stand Eva vor dem WeihFreude. Wie ein staunendes Kind stand Eva vor dem Weihgeschmückt hatte, und zwar hinter verschlossenen Türen. Er nachtsbäumchen, das Herr Peterseim felber gekauft, felber hatte ein großes Geheimnis davon gemacht, nun rieb er sich strahlend die Hände. Etwas von Kindlichkeit war auch in dem Staunen der alten Frau. Einen so schönen Weihnachts Kindlichkeit auch in der Freude des alten Herrn, der sich auf baum haben wir noch niemals gehabt!" und etwas von den Weihnachtstarpfen ipizte und auf das Glas selbstge brauten Punsches. " Der Winter war Eva gut hingegangen; nun nahte das Frühjahr, sie merkte es daran, daß das Treppenlaufen sie so viel müder machte. Sonst war sie flint die vielen Stufen der steilen Hintertreppen hinab- und hinaufgeflogen, jetzt hatte fie gefchwollene Füße. Herr Beterfeim gab ihr zwar Franz branntwein zum Einreiben und verordnete auch Fußbäder mit Staßfurter Salz, aber beides half nicht. Das Treppen steigen wurde ihr oft so schwer, daß sie sich auf ein Stufe niedersehen mußte und warten, bis es wieder weiterging. Das Herz machte ihr noch besondere Not, das klopfte wie wild ge,, Bleichsucht, die meldet sich gegens Frühjahr." Der frühere Apotheker hatte Eisenpillen verordnet, aber Eva ge traute sich nicht, die einzunehmen; sie warf sie ins Feuerach, ach, wenn's nur am Ende nicht wieder etwas anderes war?! Der furchtbare Gedante padte fie auf einmal. So hatte es immer angefangen, mit dem großen Müdesein. Blöglich war ihre Zuversicht erschüttert. Sollte der Professor in der Charité doch recht gehabt haben? Sollte sie doch noch nicht völlig geheilt sein? Alte Erscheinungen, die sie gänzlich verschwunden geglaubt, meldeten sich wieder. Vor allem quälten sie ihr Kopf und ihre Ohren. Diesmal hatte es sich ganz besonders auf die Ohren geworfen; sie fonnte auf einmal sehr schlecht hören. Eine große Nervosität bemächtigte fich ihrer. Eva, Eva, hören Sie denn nicht, wenn ich nach Ihnen rufe?" gefcheben, ba felne Wohnung im hinterften Lell bes rechten Haus flügels liegt, der verhältnismäßig am glimpflichsten davongefommen ist. Vom Dach der Emaillierwerke -W bat man einen genauen Bild in ble entlegliche Berwüftung bes Haules. Man fieht durch bis zum Barterregeschoß An den Fensterrahmen flattern halbverbrannte Gardinen, und aus den Schutt und Staubbaufen glimmt ein leifer Dunft auf. Bie Buppen nehmen sich die Feuerwehrleute aus, die in den Trümmern mit Hade und Spaten berumbantieren. Wie ftarf die Wirkung der Explosion in den Nebenhäusern war, erbellt am besten die Tatsache, daß die gegenüberliegende Blerstube allein durch Drudwirtung völlig demoliert wurde. Sämtliche Fensterscheiben find zertrümmert, Wände und Gerät beschäbigt. Sur Affäre des Chauffeurs, dessen Auto, wie bereits im geftrigen Abendblatt berichtet, gänzlich zermalmt wurde, fei noch folgendes Interessante mitgeteilt: Das vernichtete Auto wurde auf den Bürgersteig geworfen und quergelegt. Diese Dedung hat den Drud auf das Lotal vermindert und so hier höchstwahrschein 蛋? Durch den Druck der Explosion umgestürztes Auto. lich weitere Todesopfer verhütet. In der ersten Etage des Hauses Nr. 18( gegenüber dem Unglüdshaus), das wir besichtigen fonnten, wurden die Tapeten heruntergerissen, die Fenster zerIch war gerade unten," entschuldigte sie sich. Herr und Frau Peterseim waren erfältet, fie lagen beide zu Bett; und nun flingelten fie, flingelten start und anhaltend Eva fam nicht. Als fie dann endlich im Schlafzimmer stand, war fie fehr bleich. Wir haben fo lange flingeln müssen," sagte ganz vorwurfsvoll die alte Dame; sie war zum erstenmal ärgerlich über Eva. o steden Sie denn nur?" " " P ,, Liebchen, laß, reg dich nicht auf," sagte er. Was ist das mit Ihnen. Eva? Es steckt Ihnen doch nicht etwa auch was in den Gliedern? Sie sehen ganz schlecht aus." Ja, ich muß mich erfältet haben," log Eva. Es ist mir immer so dumpf vor den Ohren." ängstlich Herr Beterjeim. Er fragte es ziemlich leife, er ,, Sie haben doch nicht etwa Ohrenschmerzen?" fragte wäre etwas! Und gerade jetzt! mollte seine Frau nicht erschrecken; Mittelohrentzündung, das Bie meinen Herr Peterseim?" Evo legte den Kopf auf die Seite und blinzelte verlegen; sie schielte. sie hatte fein Wort verstanden. ,, Ob Sie Ohrenschmerzen haben?" wiederholte lauter Herr Peterseim Eva überlegte einen Augenblid: sollte sie gestehen, daß es aus ihrem einen Dhr ständig näßte, wie zähes Harz aus riffiger Borte fiderte? Dann fagten sie es sicher dem Arzt, der jetzt ins Haus tam, und der würde fie fragen. Vielleicht noch manches anderes fragen. Ach, fie fannte das ja aus langer Erfahrung. Nein, das durfte nicht sein, ein Arzt durfte nicht an sie heran, lieber alles ertragen, sich verstellen, nur feinen Arzt! Furcht hielt sie zurüd. So leugnete fie alle Schmerzen im Ohr ab, ließ ihr fchlechtes Befinden nicht merten. Sie band sich einen Schal um den Kopf und sagte dem Hausarzt, dem sie am nächsten Tag die Tür öffnete, und der freundlich das von den Peterfeims fo gerühmte Mädchen ansprach:„ Na, ein Maulförbchen um? Wo fehlt's denn?" um? Wo fehlt's denn?" Ich habe einen hohlen Zahn." Gott sei Dant, ben Doktor mit seinem träftigen Baß, den fonnte sie noch richtig verstehen! Und sie versicherte rasch, daß sie eine dide Bade hätte. ,, Machen Sie Kamillenumschläge. Aber vor allem gehen Sie zum Bahnarzt!" Eva fragte die Beterjeims um Erlaubnis. zum Zahnarzt gehen zu dürfen, und obgleich die Altchen noch beide lagen, waren sie doch sehr dafür, daß das Mädchen sofort ging. Sie haben wohl arge Schmerzen?" fragte mitleidig Frau Beterjeim. ( Fortfegung folgt.) trümmert und auch sonstige Schäden angerichtet. 3m dritten Stod Die Straßendurchbrüche. feit der Berufsentscheidung zu steigern. Berufsberater 3isler desselben Hauses ist die Auswirkung des Explosionsdruds weit wies auf die vielen Enttäuschungen und ben großen Zeitverlust fchlimmer gewesen. Hier wurde der Bewohner, deffen Schlafzimmer Zustimmung der Stadtverordneten. hin, deren Grund in einer unrichtig getroffenen Berufswahl liegt. nach vorn liegt, durch Glassplitter nicht unerheblich verlegt. Schwere Gestern nachmittag trat der Unterausschuß des städtischen Aud) vom volkswirtschaftlichen Standpunkt müffen folche Fehler Beschädigungen der Wohnung u. a. ist der Türrahmen total zer- Haushaltsausschusses zum zweitenmal zusammen, um endgültig vermieden werden. Zur Aufgabe des Berufsberatungsamtes gefrlittert- geben ein Bild von der Gewalt des Luftdrucks. In einem über die Schaffung zweier Ost- Weststraßenzüge au hört es auch, die Jugendlichen mit den einzelnen Berufen näher Simmer der Wohnung hat sich eine zerrissene Gardine vom Hause Nr. 9 verfangen. beraten. Nach eingehender Aussprache einigte man sich zum großen bekannt zu machen, was in den fleinen Städten leichter möglich. doch in absehbarer Zeit auf dem Gebiete der Schaffung von Methode der Berufsberatung umfasse: EignungsfeftTeil einstimmig auf einen Beschluß, der die Aussicht eröffnet, daß ist als in der Großstadt, in der es den Kindern selten vergönnt ist, Einblick in die Werkstätten der Arbeitenden zu haben. Die Straßenbruchbrüchen in Berlin zum Zwecke der Verkehrserleichstellung, Berufswunsch, berufspolitische und wirtschaftliche Erterung in Berlin endlich etwas geschieht. Auf der Straße werden bis in die Abendstunden Möbelstüde, Bettenreste und sonstige Trümmer verladen. Hier hat sich der Fuhrpart der Stadt Berlin zur Verfügung gestellt. Das Haus Kirchstr. 9 wird höchstwahrscheinlich nicht mehr bewohnbar fein und wohl abgerissen werden müssen. Genaues fann allerdings ccft eine eingehende Untersuchung feststellen, die am Lage der Explosion nicht möglich war. Bis 5 Uhr abends waren die Leiden der noch Bermißten nicht gefunden. Das Haus Kirchstraße 9, das von der Explosionsfatastrophe best reifens am Balais des Prinzen Albrecht an der Un troffen wurde, gehört einem Potsdamer Ingenieur namens Beselsty. Insgesamt hat das Haus 24 Wohnungen und wurde von der entsprechenden Zahl Hauptmieter und einer Reihe von Untermietern bewohnt. Die meisten Opfer sind dadurch zu Schaden gekommen bzw. getötet worden, daß sie durch den gewaltigen Luftdruck gegen die 3immerwände gesleu dert wurden und fo Knochenbrüche und fchwer fie innere Berlegungen( Berreißungen) davontrugen Sonderbarerweise haben die Simmerdeden nach dem Hof hinaus stanbgehalten, so daß haben die Zimmerdeden nach dem Hof hinaus standgehalten, so daß man nur von der Westseite der Straße her in das offentlegende man nur von der Westseite der Straße her in das offenliegende Hous hineinsehen kann. Die Namen der Toten: Bruno Pflaum, Turmstraße 19. Fran Höder, ungefähr 60 Jahre alt. Kaufmann Krey. Friedrich Bähre, 32 Jahre alt. Seifenhändler Mans. Bier unbekannte Männer und ein Kind. Im Moabiter Krankenhaus liegen noch 9 Schmerverlegte. Bisher find teine Romplitationen hinzugetreten, so daß alle mit bem Leben davonkommen dürften. Die Aufräumungsarbeiten dauerten während des ganzen Nachmittags bis zum Eintritt der Dunkelheit fort und einige bedrohlich herabhängende Balfen und Mauerteile wurden noch zum Absturz gebracht. Gegen% 6 11hr wurde dann unter den größten Schwierigkeiten die Leiche des Seifenhändlers Mans geborgen, deffen beinahe bis zur Untenntlichkeit ver. stümmelte Leiche aus dem hinter dem Laden liegenden Zimmer geholt wurde. Wegen der einbrechenden Dunkelheit und der immer größer werdenden Einsturzgefahr mußten die Feuerwehrleute die Aufräumungsarbeiten unterbrechen. Wahrscheinlich werden in den heutigen Morgenstunden starte Bersteifungen vorge nommen werden, um den Feuerwehrleuten die Möglichkeit zu geben, die Aufräumungsarbeiten fortzusehen. Die Straße, unmittelbar vor dem Unglückshaus ist durch Notbarrieren abgesperrt worden, und nur ein schmaler Durchgang in der Mitte des Fahrdammes ift für den Fußgängerperfehr freigelaffen worden. Bisher fonnte noch nicht einwandfrei feftgestellt werden, wieviel Zote noch unter den Trümmern liegen. Außer dem 2% jährigen Rinde wird der Kaufmann Krey vermißt, dessen Schwester bei der Katastrophe gleichfalls verunglüdt ist und im Moabiter Krankenhaus danieder. liegt Berwandte des Kaufmann Kren, die die Beichen im Moabiter Krankenhaus in Augenschein nahmen, erkannten unter den Toten ihren vermißten Verwandten nicht. Es ist daher bestimmt anzu nehmen, daß auch Kren mit eventuell noch mehreren Hausbewohnern unter den Trümmern liegt. Die polizeilichen Ermittlungen werden dadurch erschwert, daß sich ein großer Teil der im Unglüdshaus wohnenden Mieter noch nicht gemeldet hat. Wie wir erfahren, wird die Baupolizei heute versuchen, an den Brandherd zu gelangen, um die Entstehungsursache der Explosion genau feststellen zu tönnen. Die Annahme, daß es fich um eine ausgesprochene Benzinexplosion handelt, wird durch die Mitteilung in den Hintergrund ge brängt, daß fich in dem Seifengeschäft des getöteten Mans teine Benzinvorräte befunden haben. Einwandfrei aber ift feftgeftellt worden, daß sich im Hause feit mehreren Tagen ein intensiver Gasgeruch bemerkbar gemacht hat. Noch in den späten Abend. Stunden standen Taufende von Neugierigen zu beiden Enden des Straßenzuges, fomohl an der Ede 21t Moabit wie auch an der Barenbrüde, pbgleich in der Dunkelheit von dem Unglüdsort überhaupt nichts mehr zu erkennen war. Biele Glafer- und Reparaturwertstätten haben sich beinahe in jedem Hausflur aufgetan. Hierhin waren Balton. und Fensterrahmen geschafft morden, die Don den Glafern mit neuen Scheiben versehen wurden. Auch auf der Straße, an den Schaufenstern bot sich dasselbe Bild und geSchäftige Hände waren dabei, die zerstörten Schaufenster mit neuem Glas zu versehen. Beim Städtischen Rettungsamt haben sich ver. Der Magistrat foll nach dem gefaßten Beschluß der Stadtverord netenversammlung den Fluchtlinienplan für beide neuen Straßen züge, sowohl den nördlichen wie den füdlichen Umgehungszug des Potsdamer Plages vorlegen. Der Antauf eines Gelände haltstraße, Ede Wilhelmstraße wurde mit großer Mehrheit gutge heißen. Außerdem soll der Magistrat mit der Reichsbahn einen Bahn abschließen, damit auf Grund eines solchen Bertrages bann Berirag über die Untertunnelung ber Potsdamer zunächst die vorbereitenden Arbeiten für die Höherlegung der Ge leise der Potsdamer Bahn getroffen werden können. Diese Arbeiten werden elma anderthalb Jahre ausfüllen und an ihre Vollendung würde sich dann später die Durchlegung des Tunnels anschließen. auf folaldemokratijchen Antrag wurde die inan zierung dieser gesamten Maßnahmen und für die nächsten Jahre in den städtischen Haushalt einen Betrag von je 3 millionen Mart einzusehen beschlossen. Aus ihm sollen die Kosten der einzelnen Teile dieser Projekte der Reihe nach bestritten werden. Da die Annahme aller Beschlüsse teils einstimmig, teils mit großer Mehrheit erfolgt ist, fann man damit rechnen, daß die Stadtver ordnetenversammlung sich ihnen ebenfalls anschließen wird. Damit würd ein erster Schritt zur wesentlichen Erleichterung der Berkehrsverhältnisse der Berliner Innenstadt getan fein, wenn gleich, bei der Größe die Schwierigkeit und Kostspieligkeit der Pro. jefte nach eine Reihe von Jahren vergehen wird, bis sie endgültig durchgeführt sind. Der hauptsächlichste Rampf wird sich voraussichtlich dann ent. Spinnen, wenn der Magiftrat auf Grund der in Aussicht stehenden Stadtverordnetenbeschlüsse den Fluchtlinienplan für den Durchbruch durch die Ministergärten den Reichsbehörden zur Genehmigung porlegen wird. Um ihre Gärten werden die Herren Minister wahr scheinlich mit Ausdauer und Hartnäckigkeit fämpfen. Hoffentlich gibt es aber in der Reichsregierung und auch im Reichstag noch Männer, die einsehen, daß der Groß- Berliner Berkehr den vorge schlagenen Durchbruch unter allen Umständen erfordert. Prozeß Holzmann- Bartels. Der Angeklagte Bartels fagt aus bis zur Erschöpfung. Im Prozeß Holzmann- Bartels wurde gestern in der Bernehmung des Angeklagten Reg.- Rat Bartels fortgefahren. Dieser äußerte fich über die günstigen Auskünfte, die er über Holzmann erhalten hatte und darüber, wer die endgültige Entscheidung über die Aufenthaltsbewilligung zu treffen hatte. Nach den Anweisungen des Minifte riums des Innern sollte B. nach großen Gesichtspuntten und liberal verfahren. Bei der großen Arbeit sei es ganz unmöglich gewesen, alle Einzelheiten selbst nachzuprüfen. Seine Anschauung über Holzmann sei sofort eine andere geworden, als er den Artikel über ihn in der Wahrheit" gelesen habe. Im übrigen habe Holzmann sehr anständigen gesellschaftlichen Verkehr gehabt, so daß er auf den Klatsch, der in der russischen Kolonie verbreitet wurde, nichts geben fonnte. . Der Angeklagte befundete weiter, daß ihm Dr. Linte einmal ungünstiges megen eines Osram Gefchäftes mit geteilt habe. Er habe Holzmann darauf gestellt und dieser habe ihm zu seiner Rehabilitierung ein Schreiben des Direktors Dr. Mein. harbi von der Osram- Gesellschaft gezeigt, in dem Holzmann be ftätigt wurde, baß bas Geschäft fair abgemidelt worden sei. Er wäre im übrigen sofort vorgegangen, menn tonfretes material gegen Holzmann im Fremdenamt vorgelegen hätte. Der jezige Leiter des Frembenamtes, Regierungsrat Göhrte jagte aus, daß er in Fällen der persönlichen Freundschaft mit Ausländern zu feiner eigenen Dedung Die Entscheidung des Abteilungsdezernenten her beigeführt haben würde. Sein Verkehr mit Ausländern beschränkte sich allerdings nur auf den dienstlichen Berkehr, Der Angeklagte Bartels bemerkte hierzu, daß auch er verschiedentlich mit dem Abteilungsleiter, Regierungsrat Dr. Weiß. Rüdiprache genommen habe. Nachdem auch der zweite Sachverständige, Bolizeioberinfpef for Krudom erschienen mar, wurde vom Gericht der Artikel in ber Wahrheit über Holzmann und Kutister perlesen. Bartels bemerkte, daß er auf Grund dieses Artikels mit dem Justiziar Hohenstein Rücksprache genommen habe, ob man die Wahr, heit verklagen solle. Dieser habe das aber schließlich für zwecklos den mägungen, pofitine Berufsvorschläge durch den Berufsbildungsausschuß. Berufsberater Bohn sprach zum Schluß eingehend und unterhaltend über die Eignung zu den verschiedenen Berufen. Lichtbilder erläuterten in fesselnder Weise die Vorträge. Auch in anderen Bezirken finden solche berufskundlichen Vorträge statt, über die in den betreffenden Aemtern das Nähere über Ort, Seit und Thema zu erfahren ist. Jugendschutz." Gefährdung der geistigen Freiheit. Zwei Gesetze von einschneidender Bedeutung liegen dem Reichstag vor. Beide beschäftigen sich mit dem Jugendschuh. Die Jugend foll vor Schund und Schmutz sowohl in der Literatur als auch bei öffentlichen Luftbarkeiten bewahrt bleiben. Viele Gründe sind gegen diese Gesetze angeführt worden. Genoffe Wolfgang Heine behandelte sie jetzt zusammenfassend in einer Bersammlung der entfchiedenen Schulreformer. Wir haben, so führte er aus, bereits die§§ 184 und 184a zum Schutze der Deffentlichkeit vor Schund und Schmuß, aber gerade die Anklagen, die man in der letzten Zeit gegen namhafte Künstler und Schriftsteller erhoben hat, zeigen, wie diese Baragraphen angewendet werden. Die dem Reichstag vorliegenden neuen Gesetze werden daher mur eine weitere Waffe gegen die geistige Freiheit sein. Es ist geplant, alle Bücher und Druckschriften, deren Berkauf oder Weitergabe an Jugendliche verboten ist, auf einer Liste zu vereinigen. Prüfftellen der einzelnen Länder sollen diese Bücher auswählen, ihre Entscheidung aber foll für das Reich verbindlich sein. In diesen Prüfstellen soll ein Beamter den Vorsiz führen, der das Recht hat, sich vier Sachverständige zu wählen, die er jeweils auch neu berufen fann. Autor oder Verleger werden pon der Prüfstelle auf keinen Fall gehört, ja sie werden nicht einmal von der Berhandlung oder deren Ergebnis benachrichtigt. Nach der Beröffentlichung des Namens besteht eine Einspruchsfrist von vierzehn Tagen. Der Einspruch ist schriftlich anzubringen. Wer also diese Listen nicht regelmäßig verfolgt, wird seines Einspruchs rechtes perluftig gehen. Ueber den Einspruch wiederum entscheibet ein Ausschuß, den der Reichsminister des Innern ernennt. Wird dem Einspruch stattgegeben und das Buch von der Liste gestrichen, so fönnen wiederum zwei Mitglieder des Landesausschusses als auch eine Berfon der Schule oder der Kirche erneut die Aufnahme in die gifte beantragen. Dabei bleibt immer das schriftliche Ber fahren vorgesehen, das in Preußen wie in ben übrigen Staaten etma im 17. Jahrhundert üblich war. Das ist ein Vorgang, ber der Republit unwürdig ist. Es erscheint weiterhin lächerlich und unholtbar, daß das Schuhalter auf 18 Jahre heraufgefest werden soll, so daß also unter Umständen schon seit zwei Jahren Berheiratete sich den Vorschriften über Jugendliteratur fügen müffen. Alle späteren Redner tellten diese Ansichten. Reichstagsabgeord nete Genoffin Toni Bfülf schilderte, mie die Rechtsparteien im Ausschuß, der diese Gefeße berät, versuchen fie noch zu verschärfen. Sie forderte, daß man die Jugend durch positive erzieherische Maßnahmen vom Schund fernhalte. Mit großer Mehrheit nahm die Bersammlung eine Entschließung an, in der gefordert wird, daß die Jugend durch eine fachgemäße Erziehung und nicht durch Gejeze oder Berordnungen, die willkürliche Auslegung zulassen, vor Schund geschützt werde. Die täglichen Glätteunfälle. Auch gestern tamen auf den ver schneiten Bürgersteigen 14 Berionen au Fall, die fich op fo wunden, Verstauchungen und Brüche zuzogen. Aus Lich tenberg werden auch drei Nobelunfälle gemeldet. Die Verunglüdten tonnten jedoch nach Anlegung von Ro berbänden auf der nächsten Rettungsstelle wie auch die übrigen Verunglüdten ihre Wohnungen aufsuchen. Sport. 15. Berliner Sechstagerennen. schiedene Personen gemeldet, die den Obdachlosen Unterkunftsmog zenden, daß er Kutister nie gesehen habe. Kutister fei, wie er Rieger. 4. Spurt: 1. Dewolf vor Perfyn, Mac Namara und lichkeiten und Kleidungsstücke zur Verfügung stellen wollen, Die Schuldfrage ift bis zum Augenblid noch nicht geflärt. Kriminalfommiffar Werneburg vom Berliner Polizeipräsidium war gestern nachmittag im Berein mit der Baupolizei bemüht, hier Klarheit zu schaffen, boch war, wie oben geschildert, die Arbeit aller Beamten noch dadurch behindert, daß man vorläufig nicht bis zum Keller vorbringen kann. Die erste Annahme, daß eine Benzinerplo. fion die Katastrophe ausgelöst hat, ist jetzt bereits wiber legt. Wie wir noch furz vor Schluß der Redaktion erfahren, handelt es fich bei der um 26 Uhr abends aus den Trümmern gezogenen Leiche nicht um den Seifenhändler Mans, sondern um den bisher vermißten Kaufmann Rren. Ferner geht uns noch folgende Mitteilung zu: Es furfieren zahlreiche Gerüchte, daß Mans größere Bosten von Feuerwertstörpern, tie von Silvester her stammen, in Blechbüchsen aufbewahrt hielt, die im Keller gelagert haben. Die Stärke der Explosion findet damit vielleicht eine Erklärung. Der Reichspräsident hat aus Anlaß des schweren Unglücks in der Kirchstraße das nachstehende Telegramm an den Oberbürger. meister Böß in Berlin gerichtet: Mit dem Gefühl herzlicher Teilnahme für die Opfer erhalte ich eben die Nachricht von dem schweren Explosionsunglück in der Kira straße. Ich bitte, den Hinterbliebenen der Getöteten und den Berbeaten den Ausdruck meiner Teilnahme zu übermitteln." berluit. Die geftrige Nachmittagswertung fah wieder ein burch aus gutbejuchtes Haus. Bis um 2 Uhr hatte das Feld 2224,640 Kilometer zurückgelegt. Die Wertung brachte folgende Ergebniffe: 1. Spurt: 1. Horan vor Gottfried, Zonani und Krupkat. 2. Spurt: 1. Mac Namara vor Giorgetti, Bersyn und R. Bandenhove. 3. Spurt: 1. Hahn vor Lonani, Krupfat und Lorenz. 5. Spurt: 1. Horan vor Rieger, Gottfried und Tonani. Um 3 Uhr find 2278,400 Rilometer bedeckt. Als die zweite Hälfte der Nachmittagswertung vor sich ging, war das Im sechsten Spurt flegte Horan Haus noch dichter befeßt. vor Tonani, Rosellen und Giorgetti. 7. Spurt: 1. Mac Namara vor Rieger, Lewanow und Saldow. 8. Spurt: 1. Gior getti por Lonani, Horan und Stocelynd. 9. Spurt: 1. 2e. 1. Bersyn vor Hahn, Lonani und G. Bandenhoe. Riegers fabel= 10. Spurt; por Sawall, Rieger und Gottfried. hafte Spurtweise fand wie immer beim Bublifum ungeteilte Anertennung. Auch die Amerikaner, die bei dieser Wertung fünf erfte und zwei dritte Bläge belegten und so die meisten Bunkte ergattern fonnten, fanden wohlverdienten Beifall. manom gehört habe, gegen ihn eingestellt gewesen, weil er mit Holzmann Berbindungen hatte. Er glaube, bah die Bujammenhänge folgende waren; Kutister hatte einmal mit Boris Tovbini, der ein internationaler Hochstapler ist, darüber gesprochen, wie man o13 mann unschädlich machen tönne Kutister hat damals gefagt, daß das wohl schwer sein würde, da Holzmann in Bartels einen Freund hätte Darauf hat Boris Lopbini eine Bifiten farte des Kriminalfommissars Dr. Grünberg gezeigt und gefagt, daß dieser sein Freund wäre. T. habe dann von Kutister Geld erhalten, von dem er sicherlich 75 Broz. für sich behalten hat, um Bartels befpiteln zu laffen. Auf Einwendungen des Vorsitzenden bemerkte der Angeklagte Bartels, daß er nur bedingt spreche, daß er aber glaube, diese Angaben mit 98 Proz, Wahrscheinlichkeit be= meifen zu können. Wie fonnte es sonst möglich sein," so bemerkte Bartels weiter, daß ich in dem Auto von Tonbini ins Gefängnis gefammen bin, und daß Tanbini in Berlin noch frei herumläuft, obwohl von Wien aus nach ihm gefahndet wird. Des weiteren bestritt er, mit dem Justizrat v. Gehren verwandt zu sein, wie dies die Anflage behauptet. Er habe v. Gehren nur, weil es ihm damals sehr schlecht ging, Holzmann empfohlen, ber ihn als Enndi fus angestellt habe. Der Angeklagte Bartels äußerte sich dann auf Befragen des Borfizenden über seine persönlichen und finanziellen Berhältnisse. Bei der Erwähnung, daß er auch an der Billa feiner mutter beteiligt fei, bie während feiner Untersuchungswegen Blinddarmreizung das Rennen auf! Die haft gestorben fel, mar ber ngetlagte Bartels fo erschüttert, daß er beinahe einen völligen Busammenbruch erlitt. Der Juftizmachtmeister mußte ihm ein Glas Wasser bringen, und erst nach und nach erholte er sich wieder. Die Verhandlung murde schließlich gegen 3 Uhr geschlossen und auf heute früh vertagt, weil der Angeklagte Bartels nicht mehr zu folgen vermochte. Berufskundliche Vorträge. Die Strafanträge in dem Aktienfälschungsprozek. Rach zehntägiger Verhandlung wurde gestern die Beweise aufnahme in bem großen Aftienfälscherprozeß geschlossen und Das Berufsberatungsamt des Bezirks Friedrichshain verStaatsanwaltschaftsrat Syfer ergriff sodann das Wort zu feiner anstaltet jetzt eine Reihe von berufsfundlichen Borträgen. Ueber. Anklagerede und beantragte gegen toner, v. Blumenthal raschend zahlreich war der erste Vortragsabend besucht. Vor der vier Jahre Zuchthaus, gegen Böd brei Jabre Bui Berufswahl stehende Jugendliche und deren Eltern wurden durch haus, fowie gegen beide je fünf Jahre Ghrverlust und Stellung Berträge und Lichtbilder mit dem med und Ziel der Berufs. unter Bolizeiaufsicht, gegen Haas zwei Jahre Zuchthaus und Ehr beratung bekanntgemacht. Genosse Stadtrat Rolin erinnerte in Den übrigen Angeklagten will er mildernde Umstände einleitenden Worten, daß vor dem Kriege der deutsche Arbeiter zubilligen und beantragte gegen Werner Jacobi zwei Jahre durch seine Intelligenz, die deutsche Induftrie dank der Qualitäts fechs Monate Gefängnis, gegen Günter Jacobi ein arbeit einer gut ausgebildeten Arbeiterschaft an erster Stelle Jahr Gefängnis, gegen Römer ein Jahr festanden. Der Strieg riß eine Lücke in diese für die deutsche Indu Monate Gefängnis, gegen Behrfrip zwei Jahre ftrie so wertvolle Arbeiterschar, indem er einen großen Teil ber Gefängnis, gegen Dauberieds Monate Gefängnis selben vernichtete oder unbrauchbar machte. Ziel des Berufs. und bei Stört Freisprechung. Die Angeflanten Jacobi und beratungsamtes ist es nun, diese Lücke durch heranbildung Römer flud auf Antrag ibres Verteidigers, Rechtsanwalts Dr. pon Qualitätsarbeitern auszufüllen. bereits bei den Wertbauer, aus der Haft entlassen und auf freien Fuß gefegt Jugendlichen die femellige Eignung für einen Beruf feftauftellen und auch bei den Eltern das Verantwortungsgefühl für bie Wichtig: worben. Der Stand des Rennens nach der Nachmittagswertung ist nun folgender: 1. Hahn- Tie 77 Buntte. Eine Runde zurü: 2. Rieger- Giorgetti 182, 3. Mac Namara Horan 175, 4. Tonani- Saldow 149, 5. Bauer- Gottfried 88, 6. Bersyn- Debaets 72. 7. Gebrüder Vandenhove 65 Bunfte. 3 mei Runden zurüd: 8. Lorenz- Kruptat 57 Bunfte. Drei Runden zurüc: 9. Dewolf- Stocelynd 131 Bunkte, 10. Lewanow- Möller 94 Buntte. 11. Samall- Rosellen 36 Bunkte, = Gegen 8 Uhr abends gab Salbow das Rennen wegen Beist endrüsenentzündung und um 9 Uhr Rofellen beiden Partnerlosen Sawall und Zonani bilden eine neue Mannschaft mit zwei Verlustrunden und 93 Punkten. In den Abendstunden entfesselt MacNamara horan eine fabelhafte Jagd. Die Amerikaner tönnen eine halbe Runde aufhalen, Perfyn Debaets führen jedoch das Feld wieder zufammen. Bor gänglich auspertauftem Saufe gewann Moeller den ersten Spurt bei der 10-1hr Abend- Wertung vor Gottfried, Horan und Sawall Swetter Spurt: 1. Stodelŋnd vor Mac Namara, Lorenz und Rieger. 3. Spurt: 1. Gottfried vor Sawall, Giorgetti und Horan. 4. Spurt: 1. Stodelynd vor Mac Namara, Lewano w und Hahn. Nach dem vierten Spurt unternimmt Berinn einen Borstoß. das Feld führt Fischer". Der mutige Borftok muk verpuffen. Der Rennausschuß belegt Deba ets, den Partner Bersons, neben Tie mit 30 Mart Geldstrafe wegen Ueberschreitens des schwarzen Strichs. Den fünften Spurt gewinnt Gott. fried por Sawall, Giorgetti unb Hahn. Nach dem Ausfahren dieses Spurts tommt Hahn in der Zielfurve zu Fall. 6. Spurt: 1. Horan vor Stocelynd, Rieger und Lewanow. Das Rennen wird auf furze Zeit wegen Sturz Hahns neutralisiert. Bald aber erscheint Hahn wieder, vom Bublitum lebhaft begrüßt, um dem siebten Spurt gegen Horan, Giorgetti, und Gottfried zu gewinnen? 8. Spurt: 1. Stodeland vor Rieger, Mac Namara und Tieß. 9. Spurt: 1. Dewolf vor Horan, Moeller und Gottfried. 10. Spurt: Erster Bewanow, oran, Stodelynd und| Meine Mäbchen des Sportvereins Moabit" brachten en ferb Giorgetti. Nach dem Ausfahren diefes Spurts entfeffelt ölenf piel zur Darstellung. Bie es die Kinder beim Spiel tun Parteinachrichten ( er eine wilde Jagd. Er wird von Lewanom gut abgelöst und gaminnt so eine Runde. Tonani ist der erste, der hier nachfest und mobilistert so das ganze Feid. Das Bublikum brüllt, übersteigt sich im Anfeuern. Longni Sawall tönnen ebenfalls eine Runde gewinnen. Auch Stodelŋnd ist nicht faul. Er nimmt ebenfalls die Jagd auf und erreicht die beiden Ausreißer. Noch ist bie Lage ungeflärt. Inzwischen erscheint am Transparent die Pit teilung, daß eine Prämie für mur deutsche Fahrer ausgesezt ist. Diese Hintansehung der ausländischen Fahrer läßt sich das Bublifum mit Recht nicht gefallen. Ein wüstes Gellen und Pfeifen tönt burch die Halle. Aim Transparent erscheint darauf eine rüdgängige Mitteilung, die das Haus abermals mit Johlen und Pfeifen beant mortet. Inzwischen ist der Rennausichuß zur Beratung zufammen getreten und teilt mit, daß Tonani- Samall und Möüler- Lewanow cine ganze Runde gewonnen haben. Dewolf- Stocelynd fann die gewonnene Runde megen schlechter Ablösung nicht zuerfanntwerden. Hahn- Tiez, Bauer- Gottfried erhalten eine Strafrunde wegen schlech ter Ablösung. Der Stand des Rennens ist nach dieser Entscheidung folgender: Spitzengruppe Mac Mamara Horan 201, 2. Rieger- Gior getti 195, 3. Tonant- Saldom 100, 4. Hahn- Tietz 84, 5. Perfyn- De haets 72, 6. Gebrüder Bandenhove 65 Punkte. Eine Runde zurüd: Bauer- Gottfried 103. Zwei Runden zurüd: Lorenz- Kruptat 59. Drei Runden zurüd: Dewolf- Stodelynd 156, Möller- Lewanom 103. Schnee und Verkehr. Glücklicherweise haben die Schneefälle bisher nennenswerte Berkehrsstörungen weber im Güter noch im Bersonenver, fehr gebracht. So weit Berspätungen von Zügen vorkommen, gehen sie über das übliche Maß nicht hinaus. Selbstverständlich hat die Reichsbahnverwaltung besondere Maßnahmen für etwaige Störun gen des Verkehrs vorgesehen. Es gibt hierfür eine besondere Dienstanweisung, nach der auf jedem Bahnhof Schneewachen vorhanden find. Auf Bahnhöfen, die mit elektrischen Stellwerten versehen sind, wurden die Schneemachen, da diese Stellwerte besonders empfindlich find, verstärkt. Auf der Strede find die Bahnmeister zu Beobachtungen verpflichtet. Doch sind von den Schneefällen an sich Störungen taum zu befürchten. Erst dann, wenn Schneeverwehungen eintreten und die für diese Zwede an den Streden eingerichteten Schneezäune nicht ausreichend find, tann mit Störungen gerechnet werden. Zu ihrer Beseitigung find auf allen Lokomotivstationen Schneepflüge bereit gestellt, die bei Schneeverwehungen sofort in Tätigkeit treten. # Zu unseren Mitteilungen über die Schneebeseitigung in Berlin ift noch nachzutragen, daß die bei der Schneebeseitigung beschäftigten Erwerbslosen den vollen tarifmäßigen Lohn in Höhe von 5,75 Mt. pro Tag erhalten. Zur Berrechnung diefes Lohnes auf die Erwerbslosenunterstüßung möchten wir folgendes bemerken: Die unter 21 Jahre alten Erwerbslofen find perpflichtet, einige Stunden am Tage unentgeltlich Pflichtarbeiten zu leisten. Bei den anderen Erwerbslosen wird nicht etwa der tatsächliche Berdienst von der Erwerbslofemunterstüßung abgezogen, Jondern der auf die Tage, an denen der Erwerbslose Berdienst hat, entfallende Anteil der Er. merbslosenunterstügung. Die Rosten der letzten Schneebeseitigung betrugen 250 000 Reichsmart. Dadurch sind die für diese Zwede zur Berfügung stehenden Etatsmittel völlig aufgebraucht worden. Die Rosten der jetzigen Schneebeselligung werden unseres Erachtens wesentlich höher sein und werben vorerst aus den Zuschüssen der Kämmereiverwaltung bestritten. Prozeß Grans. Der Staatsanwalt beantragt zwölf Jahre Zuchthaus. Jm Prozeß Grans vertrat ber Staatsanwalt die Anficht, daß Grans von Haarmanns mörderischem Treiben gewußt und wie im Falle Hannappel, so auch im Falle Wittig Beihilfe zum Morb begangen habe. Er beantragte deshalb für jeden Fall je at Jahre Buchthaus, die zu einer gemeinfamen Strafe bon 12 Jahren zufammengezogen werden sollen. Da Grans bei feinen Taten fich bon abgier habe leiten lassen, müßten ihm bie bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkannt werden. Seine Gemeingefährlichleit made die Stellung unter Bolizei aufficht erforderlich. Der Verteidiger beantragte in einem 3½ftündigen Blädoner die reifprechung des Angeklagten von allen Bunkten der Anflage, wobei er es der Staatsanwaltschaft überlasse, eine neue ntlage wegen Ruppelei nach $ 180 bes Strafgesetzbuchs gegen den Angeklagten zu erheben. In ben späten Abendstunden wurde die Verhandlung auf heute vormittag vertagt. Der Verteidiger wird dann sein Blädoyer beenden. Mit der Urteilsverkündung dürfte in den Mittagsstunden zu rechnen fein. Der Braut den Hals durchschnitten. Krefeld bat ein Fleischer seiner Braut, Aur Eheschließung nicht erschienen war, band den als durchschnitten. haftet. Das Linienfchiff.Heffen" bat bei feinem neuen Borstoß westlich Sogland einen Geleita ug getroffen, der aus vier Eisbrechern und acht Dampfern bestand. Der Geleitzug ist überraschenb schnell vorwärts gekommen, da die Muffen nunmehr mit fünf Gis, bredern arbeiten. Die Geffen" bat am Sonntag an das Motor fiffans eonhard" Proviant abgegeben und lehrt nun nach Reval aurld. 21 so waren die Pferde" angeschirrt und nach begleitender Musit fuhr iran hohe Schule". Wunderbar zu sehen, wie diese fleinen Turnerinnen die Beinchen warfen, den Körper vor und zurüdbeugten und so im Spiel den jungen Körper trainierten und geschmeidig machten. Eine Uebung, deren förpererzieherischer Wert nicht hoch genug anzuschlagen ist. In frieblich freundschaftlichem Bettkampf verlief das Sportfest anregend für Sportler wie Su Ichauer. Die Bettkämpfe der Männermannschaften gemann Moabit" mit 14:10 Punkten, der der Frauen Wedding" mit 10: 8 und die Wettkämpfe der Jugend brachten ebenfalls Wedding" den Erfolg, und zwar 11: 7, so daß also der Hallenwettkampf im Ge famtergebnis zugunsten der FTGB.- Wedding mit 31:29 Buntten entschieden wurde. Weitere Resultate: 10x2 Männer: Dreikampf( Mannschaft): 1. Moabit 1035 Punkte; 2. Wedding 897 B. Dreikampf( Einzelfampf): 1. Schaebethal( m.) 224 B.; 2. Bäder( SO). Webbing 7.10 Meter: 2. Moabit 6.95 Meter. 200% 3.: 3. Nofin( M.) 184 B. Hochsprung mit Anbaut( Mannschaft): Weitsprung ohne Anlauf ( mannschaft): 1. Moabit 18,25 Meter: 2. Webbing 12,32 Meter. Gewicht beben( bestarmia Reißen und beibarmia Stoken): 1. Moabit 1238 Bfb.: 2. WebRunden- Staffel: 1. Webbing: 2. Moabit. bing 946 Bfd. 4X1- Runden- Staffel): 1. Moabit; 2 Wedding. 3X10- Rumben- Staffel: 1. Moabit I: 2. Wedding I: 3. Moabit II. Tauziehen: Sieger Moobit. Jugend: Dreitampf( Mannschaft): 1. Wedding 977 Buntte: 2. Moabit 812 8. Dreikampf ( Einzelkampf): 1. Baschte( W.) 241 B.: 2. Road( W), 227.: 3. Schmolling ( 1.) 2011.- Sochforung mit Anlauf( Mannschaft): 1. Webbing 6,65 Meter; 2. Moabit 6,30 Meter. Weitsprung ohne Anlauf( Mannschaft): 1. Bedding 11,69 Meter; 2. Moabit 11,32 Meter.-4X1- Runden- Staffel: 1. Bedding: 2. Moabit. 10X2- Runden- Staffel: 1. Wedding; 2. Moabit, Tauziehen: Sieger Moabit. Sportlerinnen: Dreikampf( Mannschaft): 1. Wedding 859% Buntte: 2. Moabit 764. Dreikampf( Cinzeltampf): 1. Nou( W.) Hochsprung mit 212 B.: 2. Weidlich( M.) 199½ B.; 3. Laaz(.) 195% B. Anlauf( Mannfchaft): 1. Wedding 5,80 Meter; 2, Moabit 5.75 Meter. ( prung ohne Anlauf( Mannschaft): 1. Moabit 10,53 Meter: 2. Bebbing 10,05 Meter. 4X1- Runden- Staffel: 1. Bedding: 2. Moabit. 10X1- Runden. Tauziehen: Sieger Moabit.- Ead. Staffel: 1. Wedding: 2. Moabit. refultate: Männer: Webbing 10 Buntie: Moabit 14 B. Eportlerinnen: Bebbing 10 B.: Moabit 8 B. Ingend: Wedding 11 B.; Moobit 7 Bunkte. Insgesamt 31: 29 für Bedding. Weit Arbeiter- Rabfahrer- Band Colibarität, Gan 9. Sonntag, 24. Januar, v mittags 10 Uhr, findet bei Büttner, Schwebter Str. 23, eine Borständetonferens fämtlicher Groß- Berliner Ortsgruppen statt. Tagesordnung: L. Berichterstattung von der Gauleiterkonferenz in Offenbach a. Main. 2. Das Gaubundfest au Offern in Berlin. 3. Berfchiedenes. Am Freitag verstarb Bundesgenoffe Guftan Schnell. Einäscherung Donnerstag, 21, Januar, 4 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Motoder Str. 25. Jahresgeneralversammlung. Die Turnzelten für das Jahr 1926 Sportverein Moabit. Freitag, 22. Januar, 348 Uhr, tm Bolal von Bila, find wie folat feftaefekt worden: Schülerabt.: Montags und Donnerstags von 6-8 Uhr: Schülerinnenabt.: Dienstaas und Freitags von 6-8 Uhr: Frauen abteilung: Dienstags von 8-10 Uhr, alle drei Abteilungen in der Turnbolle Hofteder Strake; Jugendabt.: Donnerstags von 8-10 Uhr Turnhalle Siemens. ftraße: Männerabt.: Mittwochs von 8-10 Turnhalle Quikow steake und Freitags Turnhalle Rostoder Straße ebenfalls 8-10 Uhr. Jeden Donnerstag Waldlauftraining. Treffpunkt im Lotal Aur Erholung", See-, Ede Afribanische Straße, Donnerstags 18 Uhr; Gonniaas vorm. 10 Uhr. Gefchäftsstelle: Bruno Broste, RW. 87, Waldfie. 42, Jiu- Jithy- Vereinigung Jiu- Jitsu Kursus in Rieberschöneweibe. Die Johannisthal( Frisch- rei), Rweigabteilung der Sportlichen Bereinigung NordOn( AB.), hat ihre Uebungsabende von Johannisthal verlegt nach ber Turnhalle in Niederschöneweide, Nubower, Ede Berliner Straße. Am 18. Januar bat ein neuer Rurfus begonnen. Rurfusdauer etwa 12 bende gegen eine aeringe Mattengebühr. Die Schule liegt 5 Minuten vom Bahnhof Niederfchöne meide- Johannisthal entfernt, an der Bahnftrede nad Cpindlersfeld. Straßen. babnen 84, 70, 87, 187 und 95. mittwoch, 20. Jamar, 18 Uhr, Jahresgeneralversammlung in ber Schulaule Touristenverein Die Naturfrennbe", Rentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Steinftr. 84. Rutritt nur gegen Vorzeigung der mit ber Sabresmarte 1925 perfehenen Mitaliedstarte. Abt. Wedding: Dienstag, 19. Jannar, 8 Uhr, Diensbaa, 19. Sanuar, im Seim Sonnenburger Str. 20, Vortrag: Banderung in der Schule Lütticher Str. 48. Jahresgeneralversammlung. Abt. Norben: durch italienifdre Städte mit feinen Gehenswürdigkeiten Gäste find freund Tichst eingeladen. Abt. Fricbenan: Diensian, 19. Sonuar, im Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Lefeabend: Novellen und Erzählungen von Andersen Rezö". Gäfte willkommen. CB. Sparta. Geschäftsstelle: Matter Wächter, Brunnenr. 82. 20. Januar, 6-8 Uhr, Caffet- Realschule, Bökomftr. 40, erfter Turnabend unserer Knabenabteilung. Diefelbe turnt fest dort ständig Mittwochs von 6-8 Uhr. Sugend liche Gäfte und Eltern willtommen, 20, Januar, 7 Uhr, Generalversammlung bei gurt, Weberitz. 46. Rartell 4. Beairt, Brenzlauer Bera. Sihung Mittwoch, 20. Januar. 8 Ubr, bei Berner, Genefelberite. 32. Lottenburg in ber Turnhalle Beftalozaiffe. 40 der Geriendampf in der A- Klaffe Mannschaftskampf im AAB. Freitag, 22. Samuar, 8 Uhr, findet in Char awifchen Sporiflub Tegel und Roter Stern statt. Beide Bereine sehen an führender Gbelle und werden ihr Beftes bergeben, um in die Bigaflaffe auf. den. Gana befonders werben ble Räinpfe im Fliegen- und Federgewicht Der SC. Berolina fonnte wieber awei schöne Erfolge erringen. Die B.Mannschaft fchlug AGB. Tege! 18: 2, während bie A- Mannschaft Roter Bereinigung foaialdemokratischer Studenten. Beute 8 Uhr im Sozial. miffenfchaftlichen Klub, Wilhelmftr. 48, Arbeitsgemeinschaft über Wirtschaft als Gesamtprozek und Sozialisieruna". intereffieren. Stern, Charlottenburg, im Gefamtrefultat 17:11 beftenen fonnte. 21 Wefterbericht der öffentlichen Wetterdienstffelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Größtenteils bemöllt bei mäßigem Froit, anfangs noch einzelne leichte Schneefälle. Für Deutschland. In Mittel- und Ostdeutschland noch leichte Schneefälle. Jm äußersten Weften Milberung. Einfendungen für diefe Rubrik find Berlin SB. 63. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, an richten. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, den 20. Samuar, abends 6 Uhr, Bezirks. versammlung im Rathaus, Bürgersaal, Eingang Spandauer Straße. Einlaktarten bei Genoffen Fischer am Eingang. Mitgliedsbuch dient als Legitimation, 7. Kreis Charlottenburg. Mittwoch, den 20. Sammar, abends 714 Uhr, bei Bogel, Spreeftr.& Frauenabend. Bortrag: Die Geschichte der Sozialdemokratie". Neferentin Hedwig Bachenheim. Heute, Dienstag, den 19. Januar: 56. Abt. Charlottenburg. Berichtigung: Es ist nicht, wie tertlimlich angegeben, fire die 56. Abt. Abteilungsversammlung, sondern für die 55. Abt. 14. Abt. Rieberschöneweibe. Die neuen Funktionärtarten werden gegen Rüd gabe der alten bei Schmidt, Berliner Str. 97-99( Frauenabend), aber beim Abteilungsleiter Otto Liebel, Bridenste. 13, 2 Tr., umgetauscht. Jungsozialisten. Gruppe Süden: 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenftraße 3. Bortrag des Genoffen Carl Wennide über Wandlungen int religiösen und philosophischen Weltbild". 21 Morgen, Mittwoch, den 20. Januar: 18. 4. Mitgliederversammlung bei Sachfe, Binbower Ste. 26, abends 7½ Uhr. Borttaa: Entwidlung der Religion und thre praktische Aus mertung". Referent Wilhelm Miethte. 27. bt. 7% Uhr bei Woosmann, Gleimfte. 10, midhtige Funktionärfitung. Stellungnahme aux Neuwahl der Abteilungsleitung. Umtausch der Kunt tionärfarten. 30. bt. Rahlabenbe in folgenden Lokalen: Beaizte 813 bis 819 bei Bobft. Enchener Str. 103: Beairte 847 bis 855 bei Silgenfeldt, Carmen- Sylva- Str. 5: Bezirke 856 bis 859 bei Stoltmann, Ranzowite. 10; Bezirke 824 bis 827 ( Achtung, neues Lofel!) bei Mielke, Endener Str. 2-0. Bortrag bes Landtagsabgeordneten Eduard Rachert über Fürſtenabfindung". Alle Ger noffinnen und Genoffen milffen ganz bestimmt erscheinen. 40. bt. 7% Uhr im gofal um Kreuzberg", Mödernstr. 73a, Mitgliederversammlung. Bortrag: Die politische Sone und die Wirtschaftstrife". Referent von Butikamer. 49. bt.( Schwerhörige). 7 Uhr im Jugendheim Linbenfte. 3 Mitaliederver fammlung Bortrag: Die außenpolitische Lage". Referent Genoffe D. Buttkamer. Charlottenburg. 56, 96t. 7% Ube bei Sostomia!, Holkenborffite. 20, Mitaliederversammlung. Bortrag: Die Fürftenabfindung. Referent Abolf Boffmann. 57. Abt. 8 Uhr bei Grunert, Schilterfte. 47, Funktionär fung 80/81. bt. Schöneberg- Friedenau. Sosialistisches Seminar: 8 2hr bel Rlabe, Handjernfte. 60-61. Thema: 1848". Referent Alexander Stein. Alle Mitalieber und eingeführte Gäfte haben freien Eintritt. 82. Abt. Steglik. 7 Uhr bei Schelhafe, Ahornstraße, Mitgliederversamm Jung. Vortrag: Die große Roalition". Ref. Rlava Bohm- Schuch, M. b. R. 84. Abt. Lantwin. 8 Uhr Diskussionsabend bei Lehmann, Kaiser- WilhelmStraße 29-31. Neuron. 92. Abt. Bünktlich 8 Uhr bei Wolff, Kaiser- Friedrich- Str. 173, Ede Rofeggerftvaße, allgemeine Funktionärsikung. Am Erscheinen behinderte Funktionäre müssen unbedingt Bertretung bestellen, ba sehr wichtige Tagesordnung. 95. t. 7 Uhr bei Röleler, Steinmekfir. 46, wichtige Funt tionärfihung. Alle Funktionäre müssen erfcheinen. Die Bezirksführer müffen unbedingt abrechnen. 105, Abt. Adlershof. Generalversammluna um 7 Uhr im Feuerwehrdienstgebäude, Gelchower Str. 4. Bortres: Die Wirtschaftskrise". Referent Erich Fraenkel. 100. Abt. Friedrichshagen. 8 Uhr Mitalieberverfammlung bei Schola, Friedrichftrake 81. Bortrag: Reifeeindrüde in Amerifa". Steferent Genosse Tarnow.- Achtung! Bereits um 7 Uhr ebenda wichtige Funktionärligung. 116. bt. Sichtenberg. 8 Uhr im Lotal Morr, Neue Bahnhofitr, 28, Funktionär kung. Die Betriebsvertrauensleute müffen ebenfalls erscheinen. 137. 6. Steinidenbort- West 7 Uhr Mitgliederversammlung im Boltshaus, Scharnweberfte. 114. Bortong des Reichstagsabcesdneten Senke überle Regierungsbildung und die politiften Barteien". Rowaves. 8 Uhr Mitaliederversammlung im Eisenbahnhotel. ..Die politische Lage". Referent Genofie Ramsbrod. Bortrag über Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 20. Januar: 24. Abt. 7 Uhr bei Seidler, Binsftr. 44, Ede Jablonstiftrake, Bortrag: Bazifismus und Sozialdemokratie". Referentin Ellen Beidler. 74. Abt. Renborf. 7% Uhr im Lofal Echnorre, Boisdamer Str. 3, Vortrag: Die Erziehungsaufgaben der Kinderfreunde". Referent Richard Weimann. Schöneberg. 77. t. 7 Uhr bei Sürgens, Barbarossaftr. 5. Seiterer bend. Resitationen, Lieber aur Laute. Referent Genoffe Barthel. 79. 15t. 7 Uhr bet Groß, Gedanffr. 17, Bortrag: Deutfchland und Börterbund". Referent Wolfgang Schwarz. * Beatriseusschuh für Arbeiterwohlfahrt. Bezirk Tiergarten: Der Rurfus ist bis auf weiteres vertant. Jugendveranstaltungen. Sosialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Mittwoch, ben 20. Januar, abends 7½ Uhr, Aula des Friedrich- Wilhelm- Gninnefiums, Stocftr. 13, allgemeine Mitgliederversammlung. Thema: Wiriidaftstrife und Erwerbslosateit". Referent Genoffe Gottfurcht, Borf. d. 8DA. Ohne Mitgliedsbuch kein Butritt. * Gymnaftifturfus beute, Dienstag, abend 7% Uhr im Jugendheim Linden. ftraße 3. Arbeitsgemeinschaft Abraham. Mittwoch- Gruppe: Die Arbeitsgemeinschaft fällt am Mittwoch, den 20. d. M., aus: Dofile Beteiligung an der Mitalleder verfammlung in der Schule Kochitrake. trag: Heute, Dienstag, den 19. Januar, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Ctr. 2, Bortrag: Nelson?" Was lehrt Wedding- Norb: Schule Müllerfir, 48, Boriraa: Faschismus in Stallen". Rozbost 1: Sugendheim Danziger Str. 62, Vortrag: Schul- und Erziehungsfragen". Echönhauser Borstart I: Smule 3bfente. 17, Cortina: ,, Arbeiter- Dichtungen". Senefelder- Viettel: Scule Eberswalder Ctr. 10, BarSeinrich Heine". Schöneberg 1: Jugendheim Rubens-, Ede SauptStraße, Bortrag: Was wir wollen". Biditerfelbe: Jugendheim Albrechtftr. 14a, Bortrag: Amed und Ziele der SAJ.". Mariendorf: Alte Schule, Do fitraße, Behn- Minuten- Referate. Stealik 1: Sugendheim Albrechtstr. 47, Bertrag: Unfere Organisation". Köverid: Jugertheim Grilnauer Ste. 5, Lichtbilder. portrea: Der Teutoburger Wald". Meinidendorf- Oft: Seebad, Residenzite. 46, Rufifcher Dichterabend. Reinidendorf- West: Sugendhaus in ber Geibel. Itrahe, Frik- Reuter- Abend, Niederschönbaufen: Schule Blantenburger Str. 69, Aussprache: Warum bin ich in der SAJ.?" Spandau: Jugendheim Lindenufer 1, Rimmer 5, Bortrag des Genoffen Kurt Lude. Werbebezirk Rentään: Jugendheim Canner Straße, anstaltung. Werbebezirksver. Vorträge. Dereinz und Versammlungen. Das Rundfunkprogramm. Nach einer Meldung aus Dienstag, den 19. Januar. die auf dem Standesamt Außer dem üblichen Tagesprogramm: in ihrer Wohnung furger- 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner FunkDer Mörder wurde berkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: Stunde mit Büchern: Vermächtnisse. 1. Peter Altenberg:„ Der Nachlaß. 2. Oskar Wilde: Letzte Briefe". 3. Anatole France:" Die Vormittage der Villa Sand". 4. Thomas Mann: Bemühungen". 5. Stefan Zweig: Lessing, Kleist, Büchner". 6. Karl Hauptmann: Briefe an den Schauspieler Ebers". 7.15 Uhr abends: Hans Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung R. Herdmann Pender: Englisch. Sprachunterricht. abends: Dr. Adolf Grabowsky: Das Wirtschaftsleben Sowjetrublands", 8.80 Uhr abends: Der Roman als Funkspiel. 11. Fortsetzung, Die Katastrophe". Originalroman für die Funkstunde" von H. J. Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet). 9 Uhr abends: Das deutsche Lustspiel bis Lessing. 3. Abend.( Zum 350. Todestag von Hans Sachs). 1. Der fahrende Schüler im Paradies. 9. Den bösen Mann gut zu machen. 8. Der gestohlene Fast- Mittwoch, 20. Januar, 7 Uhr, im Restaurant Wende, Berlinidefte, 1. Bornachtshahn von Hans Sachs. In der Bearbeitung von Max Bauer. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrighten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Ober- Ing. Otto Nairz: Winke für Funkbastler. Arbeitersport. Hallensportfest. Wenn Leichtathleten ihre Uebungen in gefchloffenen Räumen zeigen, hat man stets den Eindruck, daß sie da nicht hingehören. Man erwartet jeden Augenblick, daß der Springer oder der Läufer die Wände durchbrechen werde, um sich auf weitumgrenztem freien Platz zu tummeln. So auch am Sonntag beim Hallensportfest des Sportver eins Moabit" und der Abteilung Wedding der Freien Turnerschaft Groß- Berlin". Wie gefangene Kanarien. nögel hüpften die Moabiter Gelbjacken in der schönen großen, aber fchließlich doch zu fleinen Turnhalle der Kirschner- Oberrealschule umher, wobei ihnen die Blaumeisen der FTGB. Gesellschaft leisteten. Bu gern hätte man das luftige Böllchen auf einen Sportplah hinausgelaffen. Und dennoch: Trop Enge und Beschränkung wurde schöne Arbeit gezeigt. Die Landsportler haben ja das Große vor ihren Genoffen vom Wassersport voraus, daß sie immer im Training bleiben fönnen; wird's auf dem Sportplatz zu unwirtlich, geht's in die Halle. Nach vollendetem Aufmarsch machten die Teilnehmer zunächst Freiübungen. Einfach anzuschauen wohl, für steifge mordene Arbeiterfnochen aber nicht gerade leicht auszuführen. Es flappte ganz gut. Aber vielleicht nimmt der Sportwart einmal einige feiner Bilegebefohlenen ins Gebet, daß fie fich ein bißchen mehr anstrengen. Uebungen dürfen nicht heruntergehaspelt werden. 3m vollen Ernst und mit Bewußtsein bei der Sache sein, so gehört sich's. Dann wurde in einer Ede medizinball ge [ pielt, am anderen Ende der Halle maßen die Gewichtheber ihre Kräfte, während die Springer den Mittelteil der Halle be. legten. Sehr schön maren die rhythmic gymnastischen lebungen nach Musit, von der Mädchenriege der FTGB. einwandfrei ausgeführt. Der Erfinder" diefer neuen Ari Leibesübungen läßt nicht straffe, harte Uebungen ausführen, sondern im schönen Gleichmaß der Bewegungen werden fast tänzerische Probuftionen gezeigt, die dem Körper anmutvolle Betätigung geben. Zwischendurch tamen einige auftonturrengen auf ber Miniaturlaufbahn zum Austrag, mobei man die Geschicklichkeit ber Läufer beim Nehmen der engen Kurven bewundern tonnte. Drei 3 Königswusterhausen, Dienstag, den 19. Januar. 7.50 Uhr 3-3.30 Uhr nachm.: Geh. Reg.- Rat Dr. Ministerialrat Kühne: Der innere Ausbau der Berufsschulen. 3.30-4 Uhr nachm.: Frau Mathes- Wimermark: Sel.wedisch für Anfänger. 4-4.30 Uhr nachm.: Wirkl. Geh. Ober- Reg.- Rat Dr. v. Seefeld: Die rechtlichen Grundlagen der Berufsschulen. 4.30-5 Uhr nachm.: Frl. Lili Droescher: Die Frau als Erzieherin. Mieten Sie von uns Gaskocher Gasherde In sechs Monaten Brat- u Backöfen Thr Eigentum Auf Wunsch Sender- Prospekt P.Raddatze Berlin W66.1 elezigerstr. 122-123 Der gute KapitänKantabak ist in den maisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Reichsbunb fübscher Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin. Bezirk Oft: Diens tag, 19. Januar, 8 Uhr, im Großen Gaal der Andreas- Feitfäle, Andreasftr. 21, Bersammlung mit Damen und Gästen. Bortrag von Dr. Paul Nathan. Pezirt Süb: Mittwoch, 20. Samuer, 8% Uhr, in den Baffage- Feitfälen, Neut tölln, Beraftr. 152. Vortragsabend mit Damen. Vortrag von Rabbiner Dr. Rontorowiti. Gemeinschaft proletarischer Freibenter, Steglik. Mitgliederversammlung trag der Genoffin Betroff. Gäste willkommen. Berband der Lungen- und Zuberkulose- Erkrankten Deutschlands, Ortsgruppe Berlin. Geschäftsstelle: N. 20, Schönstedtstr. 1, vorn 1 Tr. Bezirk Schöne. berg: Mitgliederversammlung Mittwoch, 20. Januar. 7½ Uhr, bei Frchde, Belziger Str. 3. Verein der Freibenter fe Fenerbestattung, r. B., Bezirk 7( Charlottenburg). Donnerstag, 21. Januar, 7 Uhr, Mitgliederversammlung in blerte Feit fälen, Berliner Str. 38.- 12. Bezirk: Mitaliederversammlung am Donnerstag, 21. Januar, 8 Uhr, bei Schelfhafe, Stealin, hornitr. 15. Bezirk 9( Wilmers Wilmersdorf- Wilhelmsaue, Mitaliederversammlung. borf): Mittwoch, 20. Januar, 18 Uhr, im Bittoria- Garten. Blause Gaal, Arbeitsgemeinschaft entfchiedener Republikaner. Donnerstag, 21. Januar. 8 Uhr. im Restaurant Simbura. Ecke Charlotten- und Simmerstraße, öffentliche Gitung des Arbeitsausschuffes. Es ist keine Kunst Tabak zu schneiden, aber aus den besten rein überseeischen Rohtabaken in richtiger Schnittbrelte hochfeine, leichte Mischungen herzustellen, ist Sonderleistung Feiner Shag- Tabak Madastra Feinste Übersee- Qualität der Firma OldenkottRees. Krüllschnitt Kiepenkeri Der Kenner weiß die Güte der Marken Kiepenkerl und Madastra 5 Henrics Oldenkott senior& Com zu schätzen. Die Montanindustrie in der Sanierung S Verlust bilanzen und Kapitalumstellung. Am 14. Jamar ift die vorbereitende Gesellschaft des tommenden| Bertuft mit dem der Rombacher Hüttenwerte gleichzustellen. Rombach Ruhrmontantrusts, die Bereinigte Stahlwerte gegründet worden. bat in feiner Bilang aufünftige Abschreibungen und Sanierungs. Seitdem fann man die Behauptung wagen, daß die Rheinisch- Weft. verluste bereits berücksichtigt, Rheinmetall dagegen nicht, wenn man fälische Montanindustrie den Höhepunkt der Krise hinter sich hat. von der 0,82 Mill. Rückstellung für faule Außenstände absieht. Benigstens gilt das für die Kapitalfeite, noch nicht für den Arbeits- Rombach hat also fchon jetzt eine Bilanz für den Fall der Sanie. martt. Für die Konzerne der Klodner, Hoesch( Köln- Neu- Bilanzverlust zu beseitigen. Im Gegensah dazu hat Rheinmetall, um rung aufgemacht; die Herabsetzung des Kapitals hat nur den effen), Haniel hatten die Abschlußbilanzen schon früher gezeigt, daß sie der Reinigungstrife aus eigener Kraft gewachsen find. Sie bilanz in der Abschlußbilanz durch weg erhöht: die Grundden Berluft nicht zu hoch werden zu lassen, die Ziffern der Golderscheinen nicht in der Liste der großen Bier, des Ruhrmontan- ftüde, Gebäude und Maschinen, obwohl ein sehr beträchtlicher Teil truſts, Rhein Elbe Union, Thyssen, Phönig, der Anlagen stillgelegt und abgebrochen werden wird, von 18,85 auf Rheinstahl, die die Krise ebenfalls bestehen werden, aber nicht 20,41 mill. Mart; Defen, Gleisanlagen, Werkzeuge und Geräte, ohne Einbuße von Teilen ihres Goldbilanzfapitals und nicht ohne Auto- und Fuhrpart wurden aus Erinnerungsposten von 2,3 und 4 Mill. M. zu einem Aftivum von fast drei Viertel Millionen Dasselbe Jehr beträchtliche ausländische Rapitalbeteiligung. Die fürzlichen zuversichtlichen Aeußerungen des Großfinanziers Louis dürfte für den Wert der Borräte gelten( 8,55 gegen 7,16 Mill. in der Goldbilanz). Hagen, der als Borsigender und stellvertretender Borsitzender des Aufsichtsrats in den meisten schweren Werten des Ruhrgebiets tätig ist und für die Zukunft eine günstige Prognose stellte, dürfen als Stempel unter die vollzogene Sanierung angesehen werden. Krupp Konzern ist nach der Aufnahme feiner amerikanischen Anleihe dem Montontruft ferngeblieben. Er darf ebenfalls als Janiert gelten. Stinnes und Stumm blieben auf der Strede. Ihre Montanintereffen dürften eine Bufammenfassung erfahren, bie den Forderungen der Gläubigerbanten Rechnung trägt, nicht mehr. Es bleibt ein peinlicher Rest, Rombacher Hüttenwerte und Rheinmetall, deren schwere Berluste heute die Deffentlichkeit beschäftigen und deren Sanierung in den Generalversammlungen dieses Monats beschlossen werden soll. Die fritische Würdigung ihrer Abschlüsse für 1924/25 rundet das Bild ab, das wir bisher in Einzelbesprechungen über die Krise der Rheinisch- Westfälischen Montanindustrie entwidelt haben. 19,25 Millionen Berluft bei Rombach. Der Die Rombacher Hüttenwerte gehören nicht zu jenen In flationsfonzernen der Montanindustrie, die durch wahlloses Su sammentaufen und Zusammenwerfen nicht aufeinander abgestimmter Werte den Grund zum eigenen Zusammenbruch legten. Man muß den schweren Berluft von 19,25 Millionen, mit dem sie das Jahr 1924/25 schließen, viel eher auf die tonservativen Nei. gungen der Leitung zurückführen, die nach dem Verlust ihrer früheren erstklassigen Lothringer Werte an Frankreich mit den Entfchädigungsbeträgen nicht schnell und gründlich genug etwas Ge fcheites anzufangen wußte. Außer der sehr guten Zeche Con cordia" bei Oberhausen, die aus dem Borkriegsbesig blieb, und ben Westfälischen Stahlwerken Bochum, die heute unter der schlechten Eisen- und Stahlkonjunktur leiden, brachten die Rombacher Hüttenwerte für den Neuaufbau nur Werte zusammen, die Anlaß zu schwersten Berlusten wurden. Diese Verlustwerke bestimmen denn auch vollständig den Chazafter der Bilanz, die gegenüber dem Vorjahr jene außerordentliche Berschlechterung gebracht hat, die eine Zusammenlegung des Stapitals unausweichlich machen wird. Die Howaldt Berte Riel, von denen zwei Drittel im Befiz der Rombacher Hütte find und die abzustoßen lettere sich nicht rechtzeitig entschließen fonnte, brachten infolge der gegenüber ausländischen Schiffsbeſtellern übernommenen Garantien schwerste Berlufte. Der Gesamtbefit an Howaldt- Attien war als Berlust abzuschreiben, außerdem mußte noch eine Rückstellung für spätere Berpflichtungen von 4,3 Millionen Mart gemacht werden. Die Eisen und Stahlwerte in Bendorf, eine zweifelhafte Erwerbung mit alten Hochöfen und Be triebseinrichtungen, waren ebenfalls verluftbringend. Die Eisenhütte Holstein in Rendsburg erforderte auf Grund der bestehenden Interessengemeinschaft für die vorgenommenen Neu- und Modernisierungsbauten turzfristige Schuldaufnahmen von rund 11 Millionen Mart. So war es eine Unmöglichkeit, von der Zeche Concordia" und den Bochumer Stahlwerfen nicht nur deren eigene Rentabilität, sondern auch noch die Dedung der Berluste aus den übrigen Werten zu erwarten. Große Borräte und Zinslaften als Ursache. Die Bilanzverschlechterung gegenüber der Bolbbilang ist dennoch über Erwarten groß. Ein englischer Hypotheten. tredit von 7,1 Millionen, furzfristige Schulden von über 23 Mil lionen Mart( bei 26,26 Millionen Gläubigern) fennzeichnen die schwere Verschuldung. Dazu tommen nach dem Bilanzabschluß Dom 30. Juni die im September 1925 zur Stüßung der Rombacher Hütte in Berbindung mit der Firma Spaeter von den Gläubiger. banken gewährten neuen 7- millionen Kredite, die am 31. Januar dieses Jahres fällig waren. Die Kredite wurden inzwischen bis zum 31. Oftober weiterhin gestundet. In den Aktiven sind bie Anlagewerte gegenüber der Goldbilanz im ganzen unverändert. Die Wertpapiere im Eigenbefiz sind aber von 1,03 Millionen auf 22 734 M., die Beteiligungen von 5,26 auf 3,57 Millionen a b gewertet. Un Wechseln und Schecks sind nur mehr 33 147 m. ( gegen 1,76 Millionen), an Forderungen nur mehr 11,93 gegenüber 13,95 Millionen vorhanden. Die zinsenfressenden Vorräte sind bagegen um 4.2 Millionen Mark höher. Der Rohertrag von 7,07 millionen der Gewinn und Ber. luftrechnung dürfte fast ausschließlich aus dem Bergbau stammen; die Verluste aus den Eisenwerken sind schon vorher abgesezt worden. In den Ausgaben erscheint allein für 3insen ber enorme Betrag von 3,08 Millionen, Abschreibungen auf Werksanlagen erforderten 3,32 Millionen, Sonderabschrei, bungen auf Wertpapiere, Beteiligungen und Forderungen( 11,18 Millionen) sowie auf Eisenhütte Holstein- Rendsburg( 1,16 Millionen) follen den Hauptbetrag der erlittenen Berluste decken. Der Ge. famtverlust beträgt, wie gesagt, 19,25 millionen Mart. Der Abschluß von Rheinmetall Die Rheinische Metallwaren und Maschinenfabrit A.-G. Düffelbarf schließt bei einem Attienkapital von 18 Mill. mit einem Berluft von 6,85 mill. Man muß sich aber hüten, diesen Aehnlich wie sein Großaftionär Krupp war Rheinmetall vor dem Auch die Art, wie Rheinmetall notteidend wurde, tft eine andere. Kriege und im Kriege Heeres, Marine, Eisenbahn. lieferant Bie Krupp batte Rheinmetall die Umstellung auf Friedensprobuftion wefentlich technisch, nicht finansiell organisiert. Der Baggon- und Lokomotivbau, der Bau landwirt schaftlicher Maschinen, die Aufnahme von Fabrifattionen auf der Fehlschlag. Daraus erwuchs eine schwere Berfchuldung, die am Grundlage der Interessengemeinschaft mit Lauchhammer wurde ein deutlichsten in der veränderten Bilang lumme zum Ausbruc tommt. Während Stillegung und Leerlauf bei Rheinmetall rapid wuchsen, stieg die Bilanzsumme von 35,26 auf 52,42 Mill. Mart. Diese Steigerung geht fast ausschließlich auf Roften neuer Ber Schuldung: die Gläubiger stiegen von 7,73 auf 12,50, die Afzepte von 3,41 auf 6,35 mill. Es wurde ein hypothetarisch gesichertes Dar. lehen von 10 Mill. Mart aufgenommen. Die Anzahlungen dagegen, in denen die Beschäftigung für solvente Großbesteller fich ausdrücken, gingen von 3,25 auf 1,59 Mill. zurück. Die Gründe der Unterbilang geben Gewinnrechnung und Geschäftsbericht. Das Fbaritations tento gibt einen lleberschuß von nur 1,73 mill., dem Abschreibungen ( 1,27). Reserve für faule Schuldner( 0,82), Handlungsunfosten( 2,74), Steuern und Zinsen mit 3,74 mill. gegenüberstehen. Die 3ins. laften find mit 2,19 Mill noch um ein Biertel höher als die Steuerlaften, die 1,56 Mill. betragen. Aussichten für die Sanierung von Rheinmetall. Für die Sanierung hat Rheinmetall den Rombacher Hüttenwerfen etwas voraus. Rheinmetall ist burch den Friedens. vertrag die einzige Herstellerin der Geschütze für Heer und Marine Deutschlands und hat für die Tochtergesellschaft in Sömmerda das Monopol in der Munitions herstellung. Diese Dinge haben auch den Ausschlag gegeben für das Eingreifen von Reichsbehörben. Die vor einigen Tagen beschloffene zu fammenlegung von 18 auf 6 und die Wiedererhöhung des Aktien tapitals auf 12 Mill. erfolgt unter Fernhaltung ausländischen Einfluffes zugunsten des Reiches. Die Reichstreditgesellschaft ist die Uebernehmerin der 6 Millionen neuen Aftien. Der Gegen wert ist Rheinmetall in einem Kredit DON 11 Millionen schon bezahlt( 5 Millionen werden für Reichsaufträge angerechnet). Die Rombacher Hüttenwerte sind für die Sanierung auf sich selbst angewiefen. Sie müssen ebenfalls zusammen. legen; das Verhältnis( 3: 1 oder 2: 1) steht noch nicht fest. Vorläufig sind die Kredite der Bantgläubiger bis zum 31. Oftober ge stundet. Die Generalversammlung am 29. Januar wird über die Sanierung entscheiden. Ob die deutsche Arbeiterschaft die Wirkungen ber Rapitafum ftellung in der Schwerindustrie Westdeutschlands bald zu spüren betommen wird, ob beffere Beschäftigung bei austömmlicheren Löhnen und bei menschenwürdigen sozialen Verhältnissen bald wiederkehren werden, das freilich ist eine Frage, die heute noch nicht beantwortet werden fann. Sicherlich wird es in jedem Falle geraume Zeit dauern, bis die Produktion sich wieder anturbelt. Bei dem geringen Verständnis der deutschen Schwerindustrie für die Notwendigkeit niedriger Preise zum Borteil der Verarbeitungsindustrien ist auch damit zu rechnen, daß der Widerstand der Unternehmer gegen eine vernünftige Martt. und Absappolitit noch eine ganze Weile anhalten wird. Wenn nicht die staatliche Wirtschaftspolitik dazu beiträgt, das volkswirtschaftliche Ber. antwortungsgefühl der Unternehmer zu stärken, dann dürfte von der fapitalistischen Umstellung, die sich jetzt vollzieht, bis zur Gesundung der Absatzbedingungen noch ein weiter Weg fein. Zur Finanzlage der Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft macht zusammenfaffende Mitteilungen über die Entwicklungen ihrer Finanzlage in dem ersten Geschäftsjahr, das bekanntlich vom 1. Oftober 1924 bis zum 31. Dezember 1925 dauerte. Un Reparationszahlungen einschließlich der Ausgleichsrüdlage waren 512 Millionen aufzu. bringen. Im zweiten Geschäftsjahr werden es insgesamt 690 Millionen sein. Beiter wird in der erwähnten Zusammenstellung die Roftensteigerung sowohl für Personal: sowie für Sachaus gaben gefchildert. Die Kennziffer der Kopftoften ist während des Geschäftsjahres von 131 auf 159, also um 21 Broz. gestiegen. Für eine Reihe von Sachausgaben 3. B. bei einzelnen Üm bauten, bei Bagenteilen und Cleftrolokomotiven ist die Kosten fteigerung noch größer. Ueber die Art, wie die Mehrbelastung aufgebracht wird, läßt sich der Bericht folgendermaßen aus: gedeckt werden, daß die Reichsbahn auf ihrer Ausgabefeite eine Die Mehrbelaftung fonnte im Geschäftsjahr 1925 dadurch abvorsichtige Wirtschaft führte. An Unterhaltungs- und Er. neuerungsarbeiten wurde nur das Notwendigste gemacht, und die Neuanlagen wurden aufs äußerste eingeschränkt. Außerdem sind eine große Reihe von Maßnahmen getroffen worden, die eine Verbesserung der Wirtschaft bedeuten. Es seien hier nur erwähnt: Berminderung des Rohlenverbrauchs( für 1000 Lokomotivkilometer 1919 19,74 Zonnen, jetzt 13,50 Tonnen). Verminderung des Delverbrauchs( für 1000 Loko. motiofilometer 1919 26 Kilogramm, jetzt 18,2 Rilogramm). Wirtschaftliche Berbesserung der Personalverwen bung( Personalstand 1919 1 122 000, jetzt 734 000). Berbesserung der Wertstättenwirtschaft #infobrang ber brehung der bes Bebeba bezgirten( Ermöglichung von Gewinn und Berluftrechnungen anh Bilanzen für die Reichsbahndirektionen). Auf der Einnahmeseite trat nur eine Erhöhung der Ber fonentarife im April und Mai 1925 ein, im ungefähren Aus maß von 10 Proz. Auf dem Gebiete der Gütertarife murde eine große Reihe von Ausnahmetarifen eingeführt, die eine starte Erleichterung für die deutsche Volkswirtschaft bedeuteten. Wenn es trotzdem gelang, diese Mehrbelastungen in 1925 zu decken, so ist dies darauf zurückzuführen, daß der Verkehr sich im allgemeinen günstig entwickelt hat. Dies gilt vor allem für den Bersonenverkehr, der in der Reisezeit gute Ergebnisse abwarf. Die Dedung aller dieser Lasten wird von dem Augenblid an außerordentlich schwer, in dem der Bertehr nachläßi Wie bei allen Wirtschaftskrisen zeigt sich die Rückwirtung bei dem Umfang der Beförderungsleistungen nur langfam. Seit Anfang November Beanspruchung im Personen- und Güterverkehr. Im November und aber spürt die Reichsbahn in steigendem Maße das Nachlassen ber Dezember fehlte gegenüber den erwarteten Bruttoeinnahmen täglich ungefähr eine Million Reichsmart. Die Reichsbahngesellschaft bezeichnet die Hoffnungen für eine weitere günstige Entwicklung als recht gering und sucht den vor ftehenden Bericht dazu auszunuzen, daß sie gegen jede Steige rung der persönlichen oder sächlichen Ausgaben Einspruch erhebt. Dabei hat sie gerade in den von ihr angeführten Zahlen an drei Buntten gezeigt, wie eine Ersparung an Sach ausgaben bei Benn also der Bericht dazu dienen soll, die gerechtfertigten Lohn einer Berbelferung des Betriebes durchaus möglich ist. forderungen der Eisenbahner zu betämpfen, so ist er mindestens nicht onderlich tonfequent Wird die Ufa amerikanisiert? Die fürzlich von der Ufa mit amerikanischen Filmfonzernen abgeschlossenen Darlehens- und Betriebsgemeinschaftsverträge haben in der Deffentlichteit mancherlei Aufregung hervorgerufen. Es wurde nicht nur von der Amerifanisierung der Ufa, sondern auch Don fulturellen Gefahren für den deutschen Film ge[ prochen. Die Deutsche Bant, der die Ufa annähernd 18 Millionen Mart schuldet, hat die Verträge und das amerikanische Darlehen von 16,5 Millionen Mart vermittelt. Außerdem hat sie fürzlich den Direttor ihrer Stuttgarter Filiale, Dr. Bausbad, zum Generaldirektor der Ufa gemacht. Sur Beruhigung der Deffentlichkeit fand gestern eine Information der Bresse statt. Man versuchte zu beweisen, daß eine Amerifaniflerung der Ufa und feine Gefährdung des deutschen Films vorliege. Der innere Aufbau der gemeinsamen neuen Betriebsgemeinschaft zeigt das. In diese Betriebsgemeinschaft, eine G m. b. 5., gehen nämlich nach den Verträgen 20 amerikanische Famous- Player- Filme. 20 amerifanische Metro- Filme und 20 deutsche Ufa- Filme ein. Deren Ber trieb ist der Gegenstand der G. m. b. 5. Die Leitung sei aber paritätisch: zwei Amerikaner und zwei Deutsche. Dazu gingen die Gewinne der Gesellschaft zur Hälfte. Die Amerikaner müßten 80 Filme zur freien Auswahl stellen. Außerdem habe die Ufa das Recht, 10 Ufa- Filme nach Amerita zu liefern. Zudem sei darüber hinaus die deutsche Konkurrenz in Amerita unbeschränkt; für das neutrale Ausland seien Vereinbarungen zur Berringerung der gegenseitigen Ronkurrenz beabsichtig. Für die gemeinsame TroSuftion feien zunächst zwei Filme vorgesehen. Die 10 deutschen Filme würden in Amerita mit seinen 16 000 Theatern und je 6000 Einwohnern auf ein Theater vor mehr Menschen gespielt als die 40 amerikanischen Filme in Deutschland mit seinen 3000 Theatern und je 20 000 Menschen auf ein Theater. So liege meder eine Amerifanisierunggefahr für die Ufa, noch eine tuliurelle Gefahr für den deutschen Film vor. Im Gegenteil seien die Berträge ein ganz ungeheurer Fortschritt. Die Berträge brächten auch einen größeren finanziellen Gewinn. Abgesehen von dem Darlehen von 10,5 mil. m., die die Ufa von den Amerifanern erhält, hätte man in der Zukunft teinen Rapitalaufwand für ausländische Filme mehr. Die Amerikaner hätten die Wahl gehabt, entweder wie in Frant reich ihre Herrschaft durch schmere Opfer zu erfämpfen oder ohne Opfer mit der Usa in Deutschland einen Bertrag zu machen, der der Ufa genügend Bewegungsfreiheit läßt. Es fei feineswegs. beabsichtigt, die zufünftige Produktion mit neuen amerikanischen Krediten zu finanzieren. Was nun hinter diesen Ausführungen stedt, hat die Deutsche Bant durch ihren Generaldirettor danfenswerterweise selbst gefagt. Die neue Leitung soll danach von nun ab mehr von wirt. haftlichen als von filmtechnischen und fünstlerischen Gesichts. punkten beherrscht sein Nach Meinung Eingeweihter ist es sicher, daß die deutsche Filmindustrie unter den Absichten der neuen Leitung leiden wird. Da man die Theater und die Rasseneinnahmen hat, braucht man sich um die Produktion die Köpfe nicht allzusehr zu zerbrechen. Dr. Bausbad bezeichnete es fa als Geminn, daß man feinen Kapitalaufwand für amerikanische Filme mehr haben werde; aus den Kasseneinnahmen allein läßt sich die bisherige Filmproduktion in Deutschland aber unmöglich aufrecht erhalten, geschweige denn eine verstärtte Ronkurrenz im Inland und Ausland führen. Man wird deshalb taum erwarten dürfen, daß die neue Leitung der Ufa der deutschen Filmproduktion förderlich sein wird. Das ist eine um fo ernstere Tatsache, als an der Film probuftion nicht nur die Stars, fondern auch Tausende von Arbeitern und Angestellten ein Lebensinteresse haben. Go Millionenumfäße großer Konfumvetelne. Die Steigerung der Barenumfäße der Konsumgenossenschaften brückt sich in besonders hohen Zahlen der Monatsumfäße einiger größerer Genossenschaften des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine aus. berichtet verläufig die Hamburger Broduktion" über einen Barenumfah im Monat Dezember 1925 in Höhe von 4752 662 m. Der Konsumverein Borwärts- Dresden verzeichnete einen Monatsumfaz im Dezember von 3 326 825 M. Die Konjumgenoffenschaft Berlin und Umgegend zählte 3 111 570 m. Umsatz im De zember. Der Konsumverein,„ Eintracht Essen erzielte im gleichen Monat einen Umsatz von 2 235 977 M. Auf mehr als 2 Millionen Mart Umjag brachte es auch die Konsumgenossenschaft Vorwärts. Befreiung" Barmen, nämlich auf 2046 150 m. Damit ist die Zahl der Vereine mit mehreren Millionen Mart Umjaz im Monat aber noch nicht ganz erschöpft. Reichlicher ist die Zahl der Kon sumgenossenschaften, die 1 Million Mart und mehr im Monat De zember D. J. erreicht haben. Die wirtschaftliche Bedeutung der Stenfumvereine drückt sich unieugbar in den hohen Umfazzahlen aus. Gemeinden als Mitglieder von Konfumvereinen. Nach einer Feststellung des Verbandes Thüringer Konsumvereine haben bei 36 Thüringer Ronsumgenossenschaften insgesamt 47 Gemeinden und Behörden die Mitgliedschaft erworben. Eine Anzahl Behörden haben auch die Mitgliedschaft beim Konsumverein für übed erworben. In ihrer legten Sigung befchleh die Behörde für Heilanftalten mit einem Jahresverpflegungsetat von 1 Million Mart die Erwerbung der Mitgliedschaft. Ein wertvolles Küchenhilfsmittel, das der Hausfrau viel Arbeit spart, ist MAGGIS Würze. Wenige Tropfen- beim Anrichten zugesetztgeben faden Suppen, schwacher Fleischbrühe, Salaten, Soßen und Gemüsen augenblicklich kräftigen Wohlgeschmack. Am vorteilhaftesten kauft man eine Originalflasche Nr. 6( mit Plombenverschluß) und füllt nach Bedarf aus der großen in die kleine MAGGI- Flasche ab. Dienstag 19. Januar 1926 Unterhaltung und Wissen Sie geht zur Oper. Bon Karl Ettlinger, München Ich war damals Intendant des Xer Stadttheaters.( Richt wahr, da staunt der Leser. Ich auch.) Wir hatten eine entzückende Operettendiva Mizzi Pellerint, der Liebling des Publifums. Schön, wie man sich als Sekundaner das Weib seiner Träume vorstellt, luftig wie ein Spaß, temperamentvoll wie aber das ist ihre Privatsache. Singen fonnte sie nicht; wozu auch? Ich saß in meinem Bureau und dachte gerade darüber nad, weshalb die Theaterdirektoren dem Erfinder des Freibilletts noch fein Denkmal errichtet haben, da stürmt die Pellerini herein. Sie sah zum Küssen aus, und das tat ich auch. Intendanterl", zwitscherte sie, waaft wos ich hab? Jdee hob i A grußortige Idee! Do werst spit'n!" Für den Kenner des Wiener Dialekts bemerte ich, daß das wienerisch ist. Nicht das Wienerisch, das man in Wien spricht, sondern das die Pellerini sprach. Eigentlich war sie in einem schlesischen Nest geboren, aber da sie doch dem Gewerbe des Operettendivelns fröhnte, hielt sie sich für verpflichtet, zu weanern. Der Mensch will immer, was er nicht kann. " So? sagte ich. Eine Idee haft bu?. Und ist es unum gänglich notwendig, daß ich an diesem unerfreulichen Ereignis teilnehme?" " Red net so geschwoll'n, Intendanterf! Nämli, waaft, alle Latt sogn, i hob so a schöne Stimm! So a Stimm als wia do meinige wird überhaupts nur olle 500 Jahr geburn!" Hoffen wir's!" " Geh, sei stad! Wos verstöhft dann du? Wannft wos ver. stöhn tätst, wärst net Intendant! Neuli, do hat mei Freind, der Guftl, im Anzeiger" geschrieb'n:„ Es ist ein Jammer, daß wir diese herrliche Stimme nicht einmal in einer seriösen Aufgabe zu hören bekommen!" Is a fescher Bub, der Gusti! Und so a liabs Gschau hot er! Kaane solchene Kalbsäugerin als wia du, Intendanter!! Is ja aa wahr; muß unseraans seine herrliche Stimm an lauter so blods Beig verschwend'n is eh aane Operett mia dö andere dös also daß du's waast: i geb zur wachst aan zum Hals heraus Oper!" „ Hört! Hört!" Heert, heert!" äffte sie mir nach. Js dos die ganze Begelfierung? Du bist ja no damischer als mia i glaabt hob! Meiner Sol! Aber was i sog, das fog i 3 geh zur Oper! I sing die Laura!* Belaje Laura, mein Kind?" „ No, halt die Laura m heigrin"!" Die Dame het: Ella. Renigstens gestern hieß sie noch fo." " Richti, Elsa haakt's do ferne Jungfrau! Du, a Sensation würd dös! I hob mt schon a wand mach'n taff'n, waaßt, also nadert bis daher! Der wird a Freud ham, der Lohegrin! Bas auf, den kann i frogn, wos i mag; der geht nimma furt! Also Gspaß beiseit: derf i d' Laura fingen?" Jawohl, am Faschingsdienstag!" Dieje Bosheit verstand fie natürlich nicht. Sie ftrahlte, nannte nuch sogar„ an feschen Kert", dann aber versant fie ins Grübeln. Du, Intendanter!?" Ja, mein Engel?" . muß no amal mit'n Kapöllmaafter red'n!" Das wird sich nicht vermeiden lassen!" „ Nämli maaßt, im zweiten Aft, da möcht i gern mit Einlag Jüngen. Wos mei Freind is, ber „ der Guftl Aber naa, mer redt denn von dem Fabian! Bos mei Freind is, der Marl, der schreibt so flaane, entziedende Liederl, und schau, dös aane, dos paßt für die Frau Lohengrin als wia brudt fing i im 2. Aft: Wan das Lercher! fingt und die Grille zirpt Und der Hans verliabt um dö Gret! wirbt, Und es zwidt di was, dann o Herzensdieb, Is dos net faa Floh, dös is die Lieb!" Is er net a talentvoller Bub, der Marl?" bös Hm, seine Talente scheinen auf anderem Gebiet zu liegen!" Du, werd net früvol! 3 bin a ernsthofte Kinstlerin! Oder gfollt's dir etwa net, dö Einlag, he?" -W Mir schon, aber ob sie dem Richard Wagner gefallen hätte?" „ Heer bloß mit dem Wagner auf, dem blöden Kerl! Hat der a Ahnung vom Dramatischen! Kaa Solonummer, taa Tanzduett, und überhaapts der Auftrütt von bera Elfa! Bia a fpinnete Großmutter kommt's daher Naa, Intendanteif aber du verstöhft ja eh nig davo' also waaßt: mei Freind, der der Magl „ Gar faa Spur, sundern ber Ferdl, der hat mir an Austrütt gefchriebn- fejch, spg i dir - mo hob i glei bös Better! bo is: I bin do Elfa von Brabant, Bei Jung und Alt als flott bekannt, Tua i am Schelde- Ufer gehn Do bleim do Leite olle stehn, Mein schlankes Bein und dö Figur, Dös flaane Fußerl Weiter hot er's no net gedichtet. Baaßt, folchene Sachen do wern immer erst bei der Hauptprobn firti!-- Worum fogst dann gor nig?" Ich verand mich in einer scheußlichen Lage. Einen Liebling des Tubli ums reizen, ist gefährlich. Hätte ich gefagt: Du nirit bie Elaf- Laura niemals fingen, folange ich hier was zu sagen habe!" dann wäre sie aus Bosheit heifer geworden, hätte mir drei Wochen hintereinander den Spielplan verpfuscht, und der Gusti oder der Frizl oder der Seppl hätte geschrieben, ich unterbrüde die Talente. Hier hieß es Diplomat fein, oder vielmehr fein Diplomat sein, sondern schlau.„ Also, Mizzi, ich darf das natürlich schon der Presse melden, daß du zum älteren Fach übergehst?" Was haaßt dös, zum öfteren Foch? Wieso zum öfteren Foch? " Nun, das wird dir doch schon aufgefallen fein, was die seriösen Sängerinnen für alte Spinatwachteln sind? Hast du schon einmal eine feiche Bagnerfängerin gesehen? Ich nicht! Die Wagnerschen Frauenrollen, die sind ja so schwer unter 200 Bfund Lebend. gewicht kann die überhaupt teine fingen!" Sie fann nach I fenn wirkli faane, do wo a biffel fefch wär'!" meinte sie bedeutend fleinlauter. Wampet sans', wia do Nilpferd! Und brüllen tuan f', als ob f Wundert dich das? Weißt du nicht, daß die Oper jede Stimme ruiniert? Jammerschab wär's um deine herrliche Stimme! Alse ten Schmelz, den du haft, dieses Aroma-- Ja, dös fagt der Rolf aa ollweil!" 0 0 Geßler, der Unabkömmliche. во Bellage des Vorwärts „ Ich kapituliere weiter, die Herren Offiziere können mich nicht entbehren." * dieser Duft in delnem Organ,- aber selbstverständ.| sauberkeit, Unterernährung, Körperschwäche begünftigen die Er lich, ganz wie du willst ich rede nicht ab, nicht zu ich sage frantung. Besonders gefährdet sind die kleinen Kinder. Manche bloß: wenn ich eine solche gottbegnadete Stimme hätte, folch ein hustenden alten Leute sind, ohne es zu wiffen, ansteckend tuberkulös. Naturwunder, wies überhaupt nur alle zweihundert Jahre. Fragt die Tuberkulose- Fürsorgestellen um Rat! Sie faute an ihrem Lorgnon. Dann stand sie auf: I bin dir recht dankbar, Intendanter!! Meiner Söl, du bist no dös aanzige onständige Mannsbüld in dera ganz'n Stodt! Schau, wannst net gar fo grauslich wärft. so a schiachlicher Deifl, pfeilgrad tunnt i mi in di verliabn! Dö andern, dö hätten mi glatt in mei Unglüd renna laß'n! Und überhaapts, dös faudumme Opernzeig, dös blöde, Gestalte deinen Tageslauf gesundheitsgemäß! Acht Stunden Arbeit ,, acht Stunden Schlaf für Erwachsene( für Kinder mehr) und acht Stunden ruhiger Erholung sind durchschnittlich das richtige Maß. Nicht die Nacht zum Tage machen! is ja eh aane Oper wia do ander, zum Hals wachst's aam raus, Die Vergangenheit des deutschen Waldes. und... und..." Sie ist nicht zur Oper gegangen. Sondern ein halbes Jahr später zum Film. Dorthin wies ihre Stimme fie eigentlich schon immer. Gesundheitsregeln. Gesundheit an Körper und Geist ist das höchste Gut. Tue alles, mas dieses toftbare Gut erhält und vermehrt, vermeide alles, was es schädigt oder mindert. Sei vernünftig! Beinlichste Sauberteit sei oberstes Gefeß der Gesunderhaltung. Spare nicht an Wasser und Seife! Wasche nicht nur die unbedeckten Teile des Körpers! Bor jedem Effen die Hände waschen! Keine Schmuzigen Fingernägel! Halte auch deine Wohnung fauber! Bermeide unnüße Staubfänger. Laß Luft und Sonne herein! Schlafe, wenn möglich, bei offenem Fenster! Mache deinen Körper fräftiger und widerstandsfähiger durch vernunftgemäß betriebene Körperübungen! Simmergymnaftit un gefähr je fünf Minuten morgens und abends. Nimm teil an den lebungen fachgemäß geleiteter Organisationen, die das Ziel der ebungen fachgemäß geleiteter Organisationen, die das Ziel der Rörperfräftigung erstreben. Wandern, Spiele, Turnen, Rudern, Baden, Schwimmen sind unvergleichliche Gesundheitsspender. * Pflege die Zähne von frühester Jugend au! Mütter, achtet auf das Gebiß, eurer Kinder! Mundspülen, Zähnepuzen abends und morgens, ja womöglich nach jeder Mahlzeit! * Gut getaut, ist halb verdaut! Eine vernunftgemäße Ernährung ist die Grundlage unseres Lebens und unserer Gesundheit. Recht Südfrüchte und andere roh genießbare Nahrungsmittel, die lebenswichtige Ergänzungsstoffe( Vitamine) enthalten. * Nur Hüte dich vor Geschlechtskrankheiten! Sie sind bei vernünftigem Laß dich warnen und belehren! Handeln zu vermeiden. frühzeitige und sorgfame ärztliche Behandlung kann Heilung bringen und vor schwerem Siechtum bewahren. Wer als Geschlechtskranker einen anderen in Anstedungsgefahr bringt, macht sich strafbar. Denkt daran, daß die Tuberkulose eine ansteckende Krankheit ist! Ansteckungsquelle ist vornehmlich der huſtende Lungenkranke ( Tubertelbazillen). Niemand anhuften! Nicht auf den Boden spuden! Auswurf unschädlich machen! Enge Wohnungen, Un Infolge der Eiszeit ist bekanntlich fast die ganze höhere Pflanzenwelt in unseren Breiten vernichtet worden; erst nach dem Rückzug der Gletscher wuchs eine neue Pflanzendecke empor, in der der Wald eine wichtige Rolle spielte. Dieser Wald konnte nicht dieselbe Zufammensetzung haben wie der heutige Wald in Deutschland, der ja ganz von den forstwirtschaftlichen Methoden beherrscht wird. Wie fah nun aber der deutsche Wald in früheren Jahrtausenden aus? Diese Frage fonnte erst in letzter Zeit befriedigend gelöst werden, und war mit Silfe des Mikroskopes! In den einzelnen Horizontal. schichten unserer Moore findet man nämlich den Blütenstaub von Waldbäumen, der dort vor vielen Jahrtausenden in jedem Frühjahr abgelagert wurde. In den Mooren, wo infolge der Abwesen heit von Bakterien feine Zersetzung stattfindet, kann sich nun jener Blütenstaub lange Zeit hindurch unverändert erhalten. Da nun jede Baumart besonders gestalteten Blütenstaub erzeugt, kann man aus der Form der Staubförnchen die Art des Baumes feststellen. So führten die Untersuchungen über die Zusammensetzung der Bollenablagerungen in den Mooren zu einer Kenntnis über die Busammensetzung des Waldes. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen, die an den verschiedensten Stellen durchgeführt wurden, stimmen im wesentlichen miteinander überein. Danach hat sich das Waldbild in den letzten erdgeschichtlichen Zeiten außerordentlich stark verändert: Am Anfang herrschte eine Kiefernperiode, in der auch Hasel und Birte häufig vorkommen. Dann folgt eine Eichenmischwaldzeit, in der die Linde eine Häufigkeit erlangt, die mir heute nur aus den östlichen Ländern tennen. Die dritte große Periode ist die Tannenzeit, die schließlich von der Buchen- Fichten- Tannenzeit abgelöst wird. Diese letzte Periode ist dann durch die planmäßige Forstwirtschaft der letzten Jahrhunderte weitgehend verändert worden. Diesem Waldwechsel läuft nun wahrscheinlich ein Klimawechsel parallel. Während der Kiefernzeit herrschte wohl ein fühles und trodenes Klima. Der Eichenwald dagegen ist der Ausdruck einer atlantischen das heißt warmen, feuchten Klimaperiode. Dann folgt wieder eine falt- trockene Epoche( Tannen). Die jüngste' Vergangenheit endlich war wieder eine feuchte( Buche- Fichte). Be tätigung erhalten diese Angaben durch Uebereinstimmung mit prähistorischen Forschungen. So fällt die erste Hälfte der jüngeren Steinzeit wahrscheinlich mit der ersten atlantischen Klimaphase zusammen. Die folgende Epoche, die boreal- falte, umfaßt die Kulturetappen der Pfahlbauten und der Hügelgrab- Bronzezeit. Mit dem Ende der Bronzezeit und der ganzen Hallstattzeit fällt wieder ein feuchteres Klima zusammen. Der plögliche Untergang der Pfahl bauten um die Mitte der Bronzezeit ist durch diese zweite atlantische Phase zu erklären, die zu großen Ueberschwemmungstatastrophen führte und an vielen Orten die blühende Pfahlbautultur vernichtet MARKE TELE FUN KEN GOLDSTÜCK WEINBRENNEREIEM Stück A. Hano REINER WEINBRAN TELEFUNKEN RUNDFUNK APPARATE UND RÖHREN VERBÜRGEN HÖCHSTLEISTUNG Achten Sie auf den Telefunken- Stern Boldfrück Deutscher Weinbrand Stück Kitöre Deutsche Theater 7 hr Theater, Lichtspiele usw. Das Kanchen Volksbühne 8 Uhr: Der befreite Don Quichotte Morgen 8 Uhr Lessing- Th. rägl. 8 Uhr: Maiermax von Helbronn von Keist Regie EugenKlöpfer Preise 1 M bis 10 M Die 3. AbonnementsEinlösung vägl. bis Monatsende Abonnements- Kasse nur Der Kaufmann Musik v. H. Hirsch Deutsches Theater von Venedig Staats- Theater Opernhaus 7% Uhr: Mignon Opernhaus am Königsplatz 7: Troubadour Kleines Th. 8 Uhr: Die Kutsche der heiligen Liebe Bertiner Theater Revue- Operette Residenz- Th. Residenz- Th. Barnowsky- Bühnen J.Messalinette Deutsches Künstl.- Theater lägi 8 Uhr: Kronprinzessin Luise Th. a. Kurfürstendamm Täg 8 Uhr Die Nacht der Nächte Th.a. Schiffbauerdamm Tägl. 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspielhaus Tägi. 8 Uhr: Der blaue Vogel Wallner- Theater Tägl. 8 Uhi Kolportage Herrnfeld 8U im Intim.Th. Ein neger Herrnfeld U. Familie Schmock Milieu- Komödie aus Berlin WI 3 Akt. 8 Uhr: Die Durchgängerin Erika v. 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Januar, vormittags 11 Uhr, im Zimmer 28 des Uhr: anderen Ufer Haydn Mozart- Banos pasies, Ein Spiel in 6 Akten Regie: Arthur Bergen Haydn Mozart- Verbandshauses, Linienffe. 83/85 Beethov.- Abd. Arbeitslosenversammlung des Philharm. Orch Tagesordnung: 1. Die Wirtschaftstrife 2 Diskussion. Dirigent: Prof. Jul. Früwer Mitgliedsbuch gilt als Ausweis. Sinf 17 Haydn. Sinf. ATELIER TRIAS Unserem Genossen Hermann Mielke zit feinem 50. Geburtstage bie herzlichsten Glüdwünsche 1571b 70. Abt. SPD Sdamerzliches Erinnern! Am 19 Januar 1925 entriß mir der Tod meinen lieben, fleißigen treuen Dann, unseren guten Bater und Schwiegervater [ 15/7 Karl Zielke Du wurdest von uns geliebt Und wirit von uns beweint bis wir vereint. Berlin- Treptow. Anna Zielfe nebst Tochter und Schwiegersohn. Nach längerem Leiden verstarb im 74. Lebensjahre unfer geliebter Bater, Schwieger- und Großvater, der Tischler Otto Vogel Charlottenburg, Häfelerftr. 10 e. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Einäscherung findet am Don nerstag, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt.[ 1573b Arbeiter- Radfahrerbund ,, Solidarität". Gau 9. Am Freitag, den 15. Januar, ver schied unser lieber Bundesgenosse und langjähriger Funktionär, der Genosse Gustav Schnell Wir bellagen in dem Dahingegangenen einen unermüdlichen Kämpfer für die freie Arbeiter- Sportbewegung. Die Einäscherung findet am Don nerstag, den 21. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Berlin- Bilmersdorf, Berliner Str. 101-103, statt. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität“ Siermit zur Kenntnis, daß unser langjähriger 1. Borsigender und ehemaliger Bezirksleiter des 2 Bezirks, Gau 9 Gustav Schnell am Freitag, den 15. Jan vorm: 9,45. nach schweren qualvollen Schmerzen verstorben ist. Jm Radfahrerbund Solidarität" werden wir ihm ein LJUERGENS ehrendes Andenten bewahren ALEXANDER PLATZ OW das Haus der Bovenian Verkäufe Ortsgruppe Wilmersdorf des Arbelter- Radfahrerbundes 1572b Solidarität" Die Einäscherung findet Donnerstag, den 21 Jan., nachm. 4 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berl. Str, statt Guter Schlaf bas beſte Heilmittel. Metallbetten für Groß u Klein, mit oder ohne Zubehör, Stahlmatragen, an Private. Bequeme Beding Kat. 30a frei. Eisenmöbelfabrik Sahl( Thür.) Ent 450.Rehfeld, Babstrake 34, Laden. eichene Schlafzimmer 395, Speisezimmer, bildschöne Mufter, Bitrinenbüfett, Sifch, fechs Stithle 395, G- Moll Mozart, Sin- Achtung! Bertrauensleute Achtung! eppiche, Dimandeden, Eifchbecken. 450,- Serrenzimmer 295. fonie 8 Beethoven finden in den bekannten Lokalen die In den Hauptrollen: Bettvorleger, Läuferstoffe, prachtvolle Bruno Kastner Marie Paudler Am Donnerstag, den 21. Januar, Auswahl, extra billige Gelegenheiten. 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