Abendausgabe Nr. 3243. Jahrgang Ausgabe B Nr. 16 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 20. Januar 1926 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68. Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-287 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die neue Regierung bestätigt. Regierungserklärung im Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat den Reichstanzler Dr. Cuther in seinem Umte neu bestätigt und auf seinen Vorschlag die Reichsministerien wie folgt besetzt: Reichsminister des Auswärtigen: Dr. Stresemann. Reichsminister des Innern: Dr. Külz. A minister). Reichstag nächste Woche. Nach langen Irrungen und Wirrungen zustande gefammen, zeigt es das gleiche so einfeltig nach lints gewandte Geficht, daß man endlich aufhören sollte, von einem Rabinett der Mitte zu sprechen, ganz abgesehen noch von der besonderen Berschleierung seines Charafters, die in dem Beiwort neutral" erblidt Reichsminister der Finanzen: Dr. Reinhold( Sächsischer Finanz- merden mußte.... Eins freilich dürfte von vornherein feststehen: da Herr Dr. Luther sein Kabinett mit vollem Bewußtsein se zuda Herr Dr. Luther sein Rabinett mit vollem Bewußtsein fe zu fammengefeßt hat, taß in ihm die Lintstendenzen be. sonders start hervortreten, so wird die Haltung der Rechtsparteien zu der neuen Reichsregierung neuen Reichsregierung ent. fprechend und demgemäß eine negative sein. Herr Dr. Luther ist wohl im politischen Geschäft erfahren genug, als daß er sich darüber irgendeinem Zweifel hingeben könnte." Entschiedener nimmt die Deutsche Zeitung" gegen das Kabinett Luther- Stresemann Stellung: Reichswirtschaftsminister: Dr. Curtius. Reichsarbeitsminister: Dr. Brauns. Reichsminister der Justiz, zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsminifters für die besetzten Gebiete beauftragt: Dr. Marg. Reichswehrminifter: Dr. Geßler. Reichspostminister: Stingl. Reichsverkehrsminister: Dr. Krohne. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsminifiers für Ernährung und Landwirtschaft ift vorläufig Reichsfanzler Dr.£ uther beauftragt worden. Reichstanzler Dr. Luther wird seine Regierungs erklärung im Reichstag erst am tommenden Dienstag abgeben. Der Grund für eine so lange Berzögerung ist nicht recht ersichtlich, nachdem während der Berhandlungen über die Regierungsbildung immer wieder versichert worden ist, daß Die Regierungsparteien über das fachliche Programm bereits einig wären. Indessen kommt nun, nachdem die Qualen der Berhandlungen über die Regierungsbildung überwunden wor den find, die andere Frage, wie die neue Regierung vor dem Reichstage bestehen wird. Wo ist die Mehrheit für die neue Regierung? Die Erörterungen der gesamten Morgenpreffe stehen im Zeichen dieser Frage. Die Presse der Regierungsparteien übt crößte Zurüdhaltung. Es gibt schließlich teine Regierungs reriei, die mit dieser Regierungsbildung wirklich zufrieden mare. Man sieht die Schwierigkeiten, man ist von den Inneren Schwierigkeiten der letzten Tage noch abgefämpft. Die Bresse der Rechten verhält sich abwartend, in der Sache aber ablehnend. Die„ De ut fche Tageszeitung" bezeichnet die neue Regierung als„ Kabinett der linken Mitte" und fündigt eine negative Haltung der deutschnationalen Reichstagsfraktion an: Neuer Bombenanschlag in Ost- Oberschlesien Verdächtige Polizeimanöver. Glelwih, 20. Januar.( Mtb.) Wie jetzt bekannt wird, murde „ So seltsam wie der Weg Dr. Luthers innenpolitisch ist, fo flar und gradlinig ist er außenpolitisch: Von London, von der als Finanzminister hauptverantwortlichen Unterschrift unter den Dames Batt, über Locarno- jegt in den Bölkerbund. Sein Außenminister heißt Stresemann. Selbft menn Rülz, Reinhold, Marg, der als Landwirtschaftsminister in Aussicht genommene weitere Sentrumsmann( Crone- Münzebrod etwa gar?) u. b. a. nicht mären der Name Stresemann allein wahrhaftig ist Herausforde. rung mehr als genug; nur eine Barole also fann es dem neuen Kabinett gegenüber geben: Allerschärffte Opposition mit allen Mitteln!" PP Die hier angefündigte schärfste Oppofition gilt vor allem dem außenpolitischen Kurs, den die Deutschnatio nalen von der neuen Regierung erwarten. Auf dem Gebiete der äußeren Politit muß die Bahn der Regierung Luther Don Dornherein tlar und eindeutig sein, wenn sie überhaupt eine Chance haben will. Wenn heute morgen Die Germania" an das Verantwortungsbewußtsein der Sozialdemokratie appelliert, so muß fie fich, und mit ihr die neue Regierung von vornherein darüber flar sein, daß auf dem Gebiete der Außenpolitik zunächst Proben von Berants wortungsbewußtsein durch die Regierung abzulegen sind. Der Eintritt Deutschlands in den Böllerbund muß unverzüglich herbeigeführt werden. Die neue Regierung muß sofort zeigen, ob sie dem Wunsche der Deutschnationalen, den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund zu verzögern und zu vereiteln, Rechnung tragen will, oder ob sie die Politik von Locarno geradlinig fortsetzen will. Es gibt noch Richter in Prag. Gesezwidrige Tschechisierungsukase kassiert. Prag, 20. Januar.( WTB.- Privatmeldung.) Der Oberste von und Hotelgesellschaften sowie einzelnen Gastwirtegenossenschaften per fchiedener Städte gegen die im Instanzenzug vom Handelsministerium bestätigten Entscheidungen der Gewerbebehörden über die Sprache der Schilder, Aufschriften usw. Die Gewerbebehörben hatten ben Hoteliers und Gastwirten in den deutschen Kurorten und Ausflugsorten aufgetragen, fämtliche äußeren und inneren Aufschriften, Aushänge, Schilder, Speise- und Getränkekarten nur ichechisch oder mehr sprachig mit tschechischem Text an erster Stelle auszuführen und für tschechisches Personal zu sorgen. Der Oberste Verwaltungsgerichtshof hat Das Kohlenproblem Englands. Drohende Krise im Frühjahr. EW. Condon, Mitte Januar. Es ist, als ob der Bendel zurückgeschwungen wäre. Nach Jahren, in denen ein Ereignis das andere jagte, und selbst Ruhepaufen an die bewegtesten Tage der Borkriegszeiten erinnerten, ift eine Art von Kirchhofsstille insbesondere in der Innenpolitik eingetreten. Das Parlament ist auf Urlaub, ein großer Teil der Minister und Parteiführer verreift. In dieser Stille find begreiflicherweise die Berichte von den öffentlichen Sigungen Kohlentommission, die in der vergangenen Woche abgeschlossen wurden, wie ein Mißton hörbar geworden. Sie haben die Nation daran erinnert, daß der äußerliche Frieden trügerisch ist, daß unter einer dünnen Schicht verborgen ein Bulkan rumort, dessen Ausbruch im fommenden Frühjahr unver meidlich zu sein scheint. der Man erinnert sich noch an die Bergbaufrise im vergangenen Juli, die die britische Nation in Atem hielt. Der Kollektivvertrag der Unternehmer und Arbeiter war abgelaufen, ein Streit, dessen Uebergreifen auf die Eisenbahn und das Transportgewerbe unvermeidbar schien, drohte das gesamte britische Wirtschaftsleben lahm zu legen. Die Regierung fapitulierte damals; nicht vor den Gewerkschaften, fondern vor der Gefahr. Sie bewilligte in letzter Minute Subsidien für neun Monate, in denen die Lage und Bewirtschaftung der Industrie durch eine Königliche Rommission" geprüft werden und von dieser Vorschläge für die Ueberwindung der Krise( als Basis für gesetzgeberische Maßnahmen) unterbreitet werden sollten. Die Kommission ist damals nach einer von der Regierung verschuldeten, beinahe zweimonatlichen Verzögerung an die Arbeit gegangen; fie hat die vorangegangenen Enqueten studiert, ist persönlich in Bergwerfe eingefahren und hat schließlich in einer Reihe öffentlicher Verhandlungen Sachverständige und die Bertreter der beiden, an der Industrie hauptsächlich beteiligten Indu ftrien, Unternehmer und Arbeiter, befragt. mar Was der Vertreter der Unternehmerorganifation im Namen der Bergherren vorbrachte, schlimmer als felbft diejenigen erwartet hatten, die mit dem New Statesman" die Bergbauunternehmer für die„ reaktionärste und technisch am wenigsten zuständige Körperschaft von Unternehmern Großbritanniens" gehalten haben. Tros einem allgemein bekannten, unwiderleglichen Material über die betriebstechnische Verschlampung und Rückständigkeit des britischen Rohlenbergbaus, über die unendlich fostspielige Zersplitterung in kleine und fleinste Gruppen, magte es der Ber treter der Bergbaubesitzer, nicht nur jede technische Rückständigkeit rundweg abzuleugnen, sondern geradewegs den Arbeitern ,,, deren exorbitante Forderungen Profite unmöglich machen". die Schuld für die gegenwärtigen Schwierigkeiten in die Schuhe zu schieben. Nicht technische Umstellung, nicht Zusammenlegung zusammengehöriger Gruppen, nicht AbVerschaffung der die Industrie schwer belastenden, mittelalterlich am vergangenen Sonntag um 4 Uhr morgens in Oberlagist waltungsgerichtshof verfündete gestern die Entscheidung über mehr feudalen Royalties( Grundzehnt) und schon gar nicht Natio ( Oft- Oberschlesien) ein Bombenattentat auf die der Polizeiwache regenüberliegende Gastwirtschaft des Johann Mucha verübt. Mucha, der sich zum Deutschtum bekennt, wurde bereits seit einiger Zeit durch Drohbriefe zum Berlassen des Landes aufgefordert. Diese Drohbriefe wurden, ohne daß die Polizei eingeschritten wäre, segar am schwarzen Brett der Schule ausgehängt. Der Bombenwurf richtete am Gebäude und an der Einrichtung der Gastwirtschaft be. deutenden Schaden an. Die polnische Breffe behauptet, daß die Deutschen durch das Attentat eine Sonntag abend in der Gastwirt fjaft beabsichtigte polnische Turnerveranstaltung verhindern wollten, und in derselben Richtung nahm auch die Polizei ihre Ermittlungen vor, indem sie sofort 16 Arbeiter, die als Ver. trauensleute der deutschsozialistischen Gemert. Ichaft bekannt sind, verhaftete. Die Arbeiter mußten mangels eines jeden Beweises freigelassen werden, nur der Bertrauens. mann tes Deutschen Schulvereins, Growitsch, wurde in Haft behalten. Die Polizei hat bei ihm mehrmals fruchtlose Haus. suchungen vergenommen, doch Sonntag abend fand sie bei ihm pläglich vier Karabiner und Munition! Es liegt offenbar ein wohl durchdachter Plan unter Mitwirkung der polnischen Polizei vor, um Mucha gewaltsam zu verdrängen und die deutsche Arbeiterschaft zu diskreditieren. alle diese Entscheidungen wegen Gefehroidrigkeit aufgehoben, da die Entscheidungen der Gewerbebehörden nicht unter den Begriff gewerbe polizeilicher Maßnahmen fielen. Mit den Einwänden der Beschwerdeführer, die angefochtenen Entscheidungen widerftritten der Berfassung, dem Sprachengefeß und dem Friedensvertrag Don St. Germain, befaßte fich das Oberste Berwaltungsgericht nicht. mann. Regierungsbildung und Börse. Die vollendete Kabinetisbildung mirtte an der Börse, vor allem aber in der Provinz se hr günstig, was sich in ansehn lichen Kaufaufträgen, namentlich aus dem Rheinlande, widerspiegelte. Das Ausland, hauptsächlich Amerika und die Schweiz, zeigten zwar auch Intereffe, doch bei weitem nicht in dem Maße wie die Provinz. Im weiteren Verlaufe nahm die Spekulation zum Teil umfangreiche Realisationen vor, so daß die Dinge durchmeg 1 bis Der Kampf gegen das ostoberschlesische Deutschtum hat 2 Broz. und mehr nachgaben. Montanattien bis zu 2 Broz. andem polnischen Nationalismus bisher so wenig Erfolg ge- fänglich gebeffert, darüber Hoesch, Köln- Neu- Effen und Mannesbracht, daß man die Bolkszählung, die zum JahresRaliaftien befestigt, ebenso Farben, vor allem Goldschmitt me bjel fällig war, plötzlich verschoben hat. Obwohl die Elektroaktien lebhaft und zum Teil starf erhöht, namentlich Affus Zählkommissare bereits eifrig am Werte der Fälschung und Licht und Kraft. Auch sonstige Industrie recht fest, fo Loewe, bes Nationalitätsbekenntnisses durch List und Druck gefämtliche Spritwerte, Carotti fchmächer. Schiffahrtsaftien unein arbeitet haben, fürchtete man doch, daß die Volkszählung eine heitlich, die Standardwerte abgefchwächt. Nebenwerte bevorzugt. überraschend hohe Stärke der sich als Deutsche bekennenden Banten freundlich, vor allem Deutsche, Handelsantelle und Reichs Neu und Mußpolen ergeben würde. Darum wurde sie ver. bant. Die Gewinne beeinflußten die Spefulation zu Realisationen Schoben. Soll jetzt Dynamit erreichen, was allen anderen auf der ganzen Linte, wodurch die Kurfe zum Teil nicht unwesent Mitteln versagt geblieben ist? lich gesenkt wurden. Der Rentenmarkt ist noch immer feft, Schutz gebiet 5,37, Kriegsanleihe 0,245, Türfen beachtet, Ungarn schwach. Die Hauffe in Kanada hat aufgehört, die gestrigen Realisationen murden fortgesetzt. Der Geldmarkt bleibt außerordentlich leicht. Erste Firmen fonnten täglich Geld zu 4 Broz. haben. Um Devisen martt verzeichnet der französische Frank einen leichten Rückgang auf 130,10. Wir wiederholen, daß jede Mißhandlung der deutschen Minderheit in Bolen die deutsch- polnische Versöhnung er schmert, und wir begrüßen die uns bekannte Absicht der Bolnischen Sozialistischen Partei( PPS.), in Zukunft entfchiedener als bisher für die Rechte und den Schutz der Minder: heitsvolter einzutreten schwer erfämpften nationalen 2ohnabkommens zugunsten lokaler Lohnregelungen, Rüdtehr zum Achttundentag, dirette Lohnfürzungen, Herab fegung der Frachtraten durch Lohnkürzungen bei den Eisenbahnern, Berbilligung aller übrigen Transportkosten durch Erniedrigung der Löhne der Hafenarbeiter- bas ist die Rauberformel des Unternehmerverbandes. Aber schon ber Borsigende der Kommission Sir Herbert Samuel, dem gewiß feine Voreingenommenheit gegen die Unternehmer vor geworfen werden kann, brachte durch seine Zusammenfassung der Konsequenzen dieser Forderungen die Position der Unternehmer moralisch ins Wanken. Er wies darauf hin, daß eine Durchführung dieser Forderungen nicht nur unbezahlte Mehr arbeit, nicht nur Lohnherabseßung bis zu 15 Schilling die Woche bedeuten würde, sondern sie hunderttausend zufäßliche arbeitslose Bergarbeiter mit sich bringen müßte und der englische Bergarbeiter im Fall ihrer Verwirklichung unter die Arbeitsbedingungen seiner fontinentalen Kollegen( mit einziger Ausnahme der polnisch- schlesischen Bergarbeiter) heruntergedrückt würde. Selbst bei Erfüllung des Unternehmerplans verbleibe aber ein Defizit von 3 Bence per Tonne. Die Bergarbeiter legten ihre Auffassung in einem Nationalisierungsplan nieder, dem be sondere politische Bedeutung zufommt, weil er als Willensausdruck der gesamten Arbeiterschaft angesehen werden kann. Das Projekt geht von der Erkenntnis aus, daß das Kohlenproblem in England aufgehört hat, ein reines Broduktionsund Absatzproblem zu sein und die Krise der Industrie nur in dem großen Zusammenhang der gesamten Kraft- Trans portunterlage und Versorgung der britischen Industrie gelöst werden fann.„ Wir schlagen vor", so heißt es in der offiziellen Darstellung des Blanes,„ daß die Kohlenindustrie eine Organisation zur Beschaffung von Rohle, Herstellung elef trischer Kraft in größtem Maßstabe, Produktion von Kofs und rauchlofer Heizung, eine Organisation für die Gaserzeugung, Produktion von Heizöl, von Ammonium und anderen Beiprodutten werden soll. Wir schlagen vor, daß diese so umorganisierte Industrie der Nation gehören foll." Man sieht, das Projekt der Bergarbeiter ist in allem das Gegenteil deffen, was die Unternehmer vorgeschlagen haben. Es geht an die Wurzel des Uebels. Aber damit wirft es poftische Fragen von äußerster Tragweite auf, feine Verwirklichung wird zu einer Frage politischer Macht. Es muß ebenso wie die Unternehmerforderungen den Biderstand der Arbeiter| aller Richtungen, die mehr und mehr für sozialpolitische Fragen| König Bittor Emanuel, im Sinne der Neutralität einwirte. Sie schaft seinerseits den Widerstand aller derer heraufbeschwören, Intereffe befunden, müßten auch diese Forderungen zu den ihrigen aber wies diese Beschwörungen stola zurüd mit die an die Unverleglichkeit des Eigentums an Produktions- machen, weil ja schließlich eine gesunde Sozialpolitik erst der Jugend- den Worten:„ Die Mitglieder des Hauses Savonen regieren eins mitteln glauben. Vor allem aber: das Projekt der Arbeiter arbeit die Grundlage schafft. rach dem andern." Mit diesen Worten wich die Königin- Mutter schaft ist ein Plan, dessen Ausführung eine Reihe von Jahren dem verzweifelten Appell aus, den der kaiserlich- deutsche Botschafter erfordert und feineswegs von heute auf morgen furzer Hand an sie in der Hoffnung richtete, daß die Tochter der Prinzessin eingeführt werden könnte. Elisabeth von Sachsen sich ihrer deutschen Abstammung entfinnen würde, um zu verhindern, daß weitere Hunderttausende von Deutschen geopfert werden. Zur gleichen Stunde aber fonnte der Kriegstreiber d'Annunzio vom Balkon des Regina- Hotels die Menge auffordern, der Königin- Mutter zu huldigen, der ersten, die mit uns das bewaffnete Eingreifen gefordert hat." Deutsche Fürsten, deutsche Treuel Aber hier liegt die Schwierigkeit ber gegenwärtigen Situation. Die Regierungssubsidien laufen mit dem Monat April a b. Die Unterstützung wurde gezahlt, weil der gigantische Arbeiterkampf unvermeidlich schien. Es ist undenkbar, das sich bis Mai die wirtschaftliche Lage, die Weltnachfrage nach Kohle ändern, die Unternehmer bis dahin billigere Produktionsmethoden gefunden haben oder die Arbeiter in dem entscheidenden Punkt des Arbeitslohns und der Arbeitsstunden nachgeben werden. Die Situas tion ist im Gegenteil insofern ungünstiger als im Juli, als jowohl auf Unternehmer wie auf Arbeiterseite ausgedehntefte Borbereitungen für einen Arbeitskampf getroffen sind und außerdem die Regierung mit der Organisation einer Art von technischer Nothilfe ein weiteres Gefahrenmoment dazwischen geschoben hat. Nur noch eine weitere Gewährung der Subsidien könnte die Atempause verlängern. Aber es ist mehr als zweifelhaft, ob das politisch möglich fein wird: schon die ersten 9 Monate Subsidien sind von der Deffentlichkeit als ein schwerer politischer Fehler empfunden worden. Es ist unter diesen Umständen sehr fraglich, ob Bald. min feine Parteifreunde davon überzeugen fann, noch einmal Millionensummen in dieses Faß zu schütten, das unter den heutigen Verhältnissen ein Faß ohne Boden sein muß. So liegen in der gegenwärtigen Situation Krisenelemente schwerwiegendster Natur. Darum ist die gegenwärtige Stille auch so unnatürlich: in einem Bierteljahr fann Groß britannien inmitten der schwersten politisch- sozialen Krisis stehen, die feine ganze neuere Geschichte tennt. Die Not der arbeitslosen Jugend. Der Hauptausschuh für Jugendpflege und Leibesübungen unterstützt die Forderungen der Gewerkschaften! Auf Antrag der Jugendzentrale des Ortsausschusses Berlin des AD GB. und der Jugendgruppe im 3entral. verband der Angestellten wurde die Tagesordnung der gestrigen Borstandsligung des Hauptausschusses für Jugendpflege und Leibesübungen um den Buntt Arbeitslosigkeit der Jugendlichen und Maßnahmen der Jugendpflege erweitert. Der Vertreter der Jugendzentrale nahm Gelegenheit, den An trag eingehend zu begründen. Arbeitslosigkeit der Jugend und fitt. liche Gefährdung stehen in engem Zusammenhang, und Jugendpflege und Jugendfürsorge haben daher die Pflicht, durch, geeignete Maß nahmen vorbeugend zu wirken. Hilfe ist um so dringender notwendig, als auch die Arbeitslosigkeit der Jugend in Berlin ein Maffenproblem ift. Statistisch erfaßt werden leider nur die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Bon diesen Jahrgängen sind arbeitslos( legter Stand vem 9. Januar 1926): 2804 männliche und 2709 weibliche Jugend. liche. Die Maßnahmen müffen jedoch auch für die weiteren Jahr. gänge in Frage tommen, denn niemand wird leugnen, daß auch die wenia älteren Jugendlichen noch nicht innerlich genügend gefestigt den Gefahren der Arbeitslosigkeit gegenüberstehen und daß auf das jugendliche Gemüt die Einbrücke allzu sehr zerfeßend wirken. Man wird nicht überschägen, wenn man die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen, soweit nach dem Alter der Begriff Jugendpflege Anwendung findet, auf 22-24000 fchäßt Der Redner fonne von den bereits unternommenen Schritten der örtlichen Spißen der freien Gewerkschaften berichten und formulierte dann die Forderungen, für deren Durchführung fich auch der Hauptausschuß einsehen müßte( Die Forderungen sind von der fozialdemokratischen Stadtverordnetenfraftion in einem Dringlichkeitsantrage eingebracht und in der heutigen Morgenausgabe des„ Borwärts" veröffentlicht.) Die Jugendbünde Derlach. Wir schritten schweigjam im bemessenen Abstand durch den Gefängnishof, bewacht von Aufsehern, Soldaten und vom Mauer. turm aus bedroht durch ein Maschinengemehr. Es war ein Licht, das mir gierig in dieser einen Stunde des Tages tranfen, ein Menschsein, bewilligt aus färgften Resten von Rechtsempfinden. hielt uns hinter Mauern und Bittern geeint und da dachten wir gar nicht daran, daß wir nach Parteien getrennt waren und Berschiedenes gewollt hatten. Es ist ein großes heiliges Maffengrab im Herzen bes bayerischen Boltes, und die hier gemeinsam ruhen, standen sich nicht alle in Kampf und Leben nahe. Nur eines wahrte jeder als Befiß an Ueberzeugung und Tat: Bille zur Freiheit, Verteidigungsbegehr junger Bolts. rechte, und, wenn es manchen zu weit getragen hatte, so daß er Möglichkeit und Wirklichkeit vergaß es war ein Wollen, ein Opferbringen von unerhörter Kraft und Größe. Ueber ben Massen gräbern von Rebellen reichen sich die Lebenden unter den Freiheitsfämpfern die Hände: es find unfere Toten, fie alle. Nicht mit zurechten, mitzu lieben ist unsere Aufgabe. Und je mehr Zeit und Leben das Sterben Don tapferen, nicht immer flugen Rämpfern anerkennen je bedeutungsvoller fich Grab mal zum Ehren mal erhebt, desto graufiger tritt die Schuld der wirklich Schuldigen und nicht Gerichteten in Erscheinung. Deste mehr wendet sich alles, was ehrlich und menschlich im Bolfe ift, von ihnen ab Frisches Morden, heimgebracht aus dem Felde, Sinne, auf das Graufigste und Entfeßlichste eingestellt, wurden auf die unglückliche Heimat losgelassen. Landsknechte, im langgewohnten Würgen auf der Stufe von Tieren angelangt, wandelten Bruberzwift in Bürgerkrieg. Und mehe, wo der Landsknecht gebot, gleich in welchem Lager, und doppelt wehe, wenn der sogenannte Gebildete unter ihnen, der Offizler, feinen ganzen falt und teuflisch berechnenden Haß gegen alles, was nach Freiheit aussah, und feiner Schrankenlosigkeit entgegentrat, auf Wehrlose fchleuderte. Berlach ist nur ein Name, eines der vielen Schandmale des Landsknechtstums. Rote Farbe allein war ein Grund zum Tobesurteil Aber ist es nicht erwiesen: hätten sie nicht neben den Bereinsgesellen auch den Briefter hingemordet, wenn sie ihn in die Hände bekommen? Landsknecht und Landsknechtführer gaben ein ander nicht nach. Es war in einem der Bororte Münchens. Mann und Frau lagen im Blut. Und das Kind? fragte einer der„ Soldaten". „ Beg schon damit, es geht in einem- antwortete der Feldwebel. Ueber Berlach fann fein Urteil mehr gefällt werden, das hat die Geschichte längst geten. Längst hat sich eine ganze gefittete Welt von den Greueln der Maientage abgewandt. Noch lagert der Fluch, den legte Menschenverzweiflung ausftieß. über einem Lande. In der Diskussion wurden allseitig die gegebenen Anregungen begrüßt und einstimmig Unterstügung zugesagt. Der anwesende Vertreter des Oberpräsidiums zeigte für die besondere Situation in Berlin größtes Verständnis und versprach entsprechende Einwirkung des preußischen Wohlfahrtsministeriums. Es wurde weiter eine Delegation gewählt, die heute morgen bei dem Bürgermeister Scholz, dem Borsigenden der Bohl fahrtsdeputation und des Landesjugendamts, vorftellig wurde. Der Bürgermeister gab die Erklärung ab, daß die ihm von den Gewerkschaften gegebenen Anregungen in Bearbeitung seien und versprach weiter, die Angelegenheit dringlich fördern, zu wollen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß auch der Hauptausschuß, dem die Berliner Jugendbünde aller Richtungen und aller Zweige angehören, sich in dieser Sache bemüht. Hoffentlich wirken die Bertreter der Bünde auch auf ihre Frattionen im Stadtparla ment ein, damit der Antrag der sozialdemokratischen Frattion all. feitige Unterſtügung erhält. Die Prozesse der Mätresse. Wo bleibt das Volksinteresse? Der dritte Straffenat des preußischen Kammergerichts hatte sich heute als Berufungsinstanz mit den Forderungen der früheren mätresse des früheren Großherzogs Adolf Friedrich V. von Medienburg- Strelig gegen die noch lebenden Erben ihres fürstlichen Freundes" zu beschäftigen. Verdienste der Fürsten um das deutsche Volk. namens Urbas, bie am Streltzer Theater aufgetreten ist und dort Eine Prinzeffin von Sachfen für den Krieg gegen Deutschland. aller Briten. Vor dem Kriege bildeten sich Millionen von deutschen Untertanen ein, daß die zahlreichen Eheschließungen zwischen Mitgliedern deutscher und ausländischer Fürstenhauser wesentlich dazu bei. tragen würden. Deutschlands außenpolitische Lage zu feftigen und im Kriegsfalle Deutschland eine ganze Reihe von Bundesgenossen zuzuführen. War doth fogar der deutsche Kaifer ein Leibhaftiger Better sowohl des Zaren aller Reußen, wie auch des Königs Aber darüber hinaus waren die deutschen Prinzen und Prinzessinnen in Dugenden von Fällen eng verwandt und verschwägert mit den re gierenden Häufern aller Länder: So war, um nur einige wenige Fälle zu erwähnen, die Königin der Belgler eine banerische Brinzessin, die Kroprinzessin Cäcilie die Tochter einer ruffischen Großherzogin, der Großherzog von Heffen ein Bruder der Barin usw. usw. Und es gab fast kein deutsches Regiment, das nicht zum Chef irgendein ausländisches gekröntes oder fürstliches Oberhaupt zählte. All diese Verwandtschaften und Ehrentitel wurden im Gothaer Almanach fein fäuberlich registriert. Im August 1914 zeigte es fich jedoch, daß all die findischen Spetulationen des deutschen Untertanenverstandes auf die politischen Vorteile des monarchistischen Systems und seiner inter nationalen verwandtschaftlichen Berbindungen wie Seifenblasen erplagten. Deutschland war eingetreist und weder die bayerische Prinzessin auf Belgiens Thron, noch die hessische Brinzessin auf Rußlands Thron, noch die deutsch englische Blutsverwandtschaft der beiden regierenden Monarchen vermochte daran etwas ju ändern. Heute hören wir dafür, daß englische oder ruffifche Brinzen, die gegen Deutschland gefämpft haben, sich zu den sonstigen für ft. lichen Aasgeiern gesellen und das deutsche Bolt auszuplündern versuchen, wobei ihnen Leute wie Jarres und Everling, fowlę bie famose beutsche Rechtsprechung vom Strelitzer Landgericht bis zum Reichsgericht hinauf an Liebestienften mettelfern. Rürzlich starb die Königin mutter Margherita von Italien Sie war die Tochter einer fächfifchen Brinzessin. Der römische Berichterstatter des Temps" widmet ihr einen überaus patriotischen Nechruf und hebt darin hervor, daß die Witwe des Königs Humbert zwar in früheren Jahren Anhängerin des Dreibundes gewesen war, aber in den letzten Jahren vor dem Weltkrieg davon abgefommen war. Sie war vielmehr eine ber erften in Stalien, die sich für das bewaffnete Eingreifen in den Weltfrieg gegen die Mittel. mächte einsette. Der Berichterstatter erzählt insbesondere, wie der damalige deutsche Botschafter, Fürst Bülow, versuchte, die Königin- Mutter dafür zu gewinnen, daß fie auf ihren Sohn, den Und Landsknechte würgen, und morden weiter. Büten unter sich selbst, weil sich Bolt nicht von scheinbaren Helfern mißbrauchen langer der Fememorde sind ein Gesindel. und bomußen läßt. Berta chs Mörder und die hand Sie restlos zu betämpfen, fie cuf gefeßlichem Wege unschädlich zu machen und auszurotten, ist Pflicht und Gelöbnis aller, die sich erschüttert, aber auch einig geworden, über den Gräbern der Berlacher Toten die Hände reichen. Seht zu, daß unser Urteil rechtsfräftig wird und lebensfähig bleibt! Eine neue„ Elektra". Es handelt sich um eine ehemalige Schauspielerin die Freundschaft" des Landesvaters auf sich gezogen hatte. Adolf Friedrich richtete der Dame in Berlin eine luguriöse Wohnung ein und war 10 Jahre lang ihr Liebhaber. Als er starb, hatte er ihr als Legat eine Rente von 20 000 m. vermacht. Dieses Geld murde ihr und ihrem späteren Manne, einem öfterreichischen Offizier, auch bis zum Jahre 1919 ausgezahlt. Durch die Verheiratung hatte Fräulein Urbas den schönen Titel Contessa de Mazzenau erworben. Aber mit dem Titel allein fonnte sie nichts anfangen, als im Jahre 1919 die Erben Adoif Friedrichs die Auszahlung der Lebensrente verweigerten mit der Begründung, daß der medlenburgische Staat ihr Rechtsnachfolger sei, nachdem sie durch die Revolution Land und Würden verloren hätten. Das Landgericht hat tatsächlich dem Fürstenlieben 6000 m. Rente zugesprochen, aber mit dem Urted waren weder die Contessa noch die Erben Adolf Friedrichs einverstanden. Deswegen haben beide Tette Berufung eingelegt. die jetzt vor dem Kammergericht verhandelt wird. Bei Beginn der Berhandlung lehnte der Anwalt der beflagten großherzoglichen Erben den mitwirkenden Kammergerichtsrat Cafpary- den früheren volts. ber Befangenheit ab, weil Cafparn angeblich mit einem parteilichen Stadtverordnetenvorsteher wegen Berdachts der Befangenheit ab, weil Caspary angeblich mit einem Banfier verwandt sei, der in einem Borprozeß mitgewirft habe. Man wird darauf gespannt sein tönnen, ob auch das preußische Kammergericht der Klage der Fürstenmátreffe ftattgeben oder ob es nicht vielmehr mit echt preußischer Gründlichkeit nachweisen wird. baß ein aus einem„ fittenlosen Berfehr" herrührender Bertrag gegen die guten Sitten" verstoße und deshalb ungültig sei. Oberkklesische Staatsratswahl. Breslan, 19. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Ober schlefiische Brovinziallandtag wählte am Dienstag nachmittag die non ihm zu bestimmenden Staatsratsmitglieder. Während bei der Wahl des Präsidiums Bentrum und schwarzweißroter Block( Deutschnationale, Völkische und Volkspartei) sich in die Spige geteilt hatten, gingen bei der wichtigeren Wahl für den Breußischen Staatsrat 3entrum 3entrum und Linte zufammen. Das Ergebnis war, daß neben zwei Zentrumsleuten Genolje Ossowsky in den Staatsrat gewählt wurde, während die Kandidaten der schwarzweißroten Blocks durchfielen. Der Pro pinzialausschuß wurde nach Verhältniswahlrecht aus 6 Zentrumsleuten, 3 Schwarzweißroten, 2 Sozialdemokraten, einem Rommunisten und je einem Demokraten und Bolen zufammengesetzt. Borsitzender wurde der Zentrumsabg. Kanonifus Uligfa, Stellvertreter unser Genosse Hamellet. | unübersichtlich. Das Vorbild der Staatsoper, das viel freier wirkt und größere Entfaltungsmöglichkeiten bietet, hätte übernommen werden sollen. Richard Strauß wohnte der Aufführung bei. tommen. St. S. Deutsche Kunstgemeinschaft". Staatssekretär Gen. Schulz längerer Zeit um eine Organisation, die zwischen Künstler und vom Reichsministerium des Innern bemüht sich, wie man meiß, feit Kunstfäufer eine neue Verkehrsform schaffen soll. Der Plan, für den sich ein Ehrenausschuß mit vielen guten Namen einfegtgenannt felen Liebermann, Käte Kollmiß, Bode, Löbe, Schmidt- Ott, der Wiener Gesandte Pfeiffer will den Kunstfäufern die Mög lichkeit geben, Kunstwerte in ganz fleinen Ratenzahlungen zu er merben, die man auf zwei Jahre ausdehnen fann. Die DurchWer Bruno Walter bei den Broben zur Elettra" ge guter Kunst heranzuziehen. Zurzeit bemüht man sich, für die Ausführung würde ermöglichen, ganz neue Kreise für den Erwerb von fehen hat, der wußte, daß hiet aus dem Geift der Musik herausstellung der Kunstwerke, die auf diesem Wege zu erwerben wären, die dramatische Szene gestaltet würde. Bruno Walter hat den großen Räume im Berliner Stadtschloß zur Verfügung zu beBlick für die Bühne, für das aus dem Gesang abgeleitete Spiel, für der Elettra" ist das von entscheidender Bedeutung, denn hier wurde ein aus der Partitur notwendig strömendes Bewegungsgesetz. 511 ja die Musit selbst zu Geste, Schrei, Nerv und Krampf. Ein Burpur mantel, üppig, blutrot, grell leuchtend, prunfvoll schmiegt sich dieses Strauß- Wert um die attische Tragödie. Das Außerordentlichste wird gewagt und erreicht an graufigen, dämonischen, phantastischen Klängen ber Unnatur. Die Erynnien rasen durch Bratschen und Die Erynnien rafen durch Bratschen und Geigen, das Schicksal kündet sich in Tuben und Posaunen, ein falter Baufenwirbel weckt die Geister des Jenseits. Eine größere Ein heitlichkeit des Stils hat Strauß nie erreicht. In der Mitte dieser Nervenmufit steht dann die eine große Szene der Menschlichkeit, in der Elektra ihren Bruder miedererkennt.„ Orest, Orest" Elettra das fanft, aus fast geheiltem Herzen heraus fingt, dann braucht fich fein Mann feiner Tränen zu schämen. menn In der Städtischen Oper war das Orchester von 120 Mann durch Walter zu einem neuen Ausdruckswillen erzogen worden. Die Akustit des Hauses trug die Wellen des Klanges mit aller Brutalität und allem Schneid an unsere Nerven heran. Helene Wild brunn war Eleftra. Sie fang diese undankbare Bartie wirklich, sie stellte zum erstenmal das Belcanio in den Dienst einer Roile, die sonst nur halb geschrien, halb gesprochen wurde. Sie wächst mit der Partie und durch fie, auch spielerisch. Das weiche Gesicht wird hart, finster, männlich, die Nerven spannen fich in ihr und die Mustein, der ganze Körper wird locker zum Tanz. Eine ganz große Beistung, bei ber es taum stört, daß Schöngesang nicht zu Rache schwüren paßt. Auch Frau Schulz Dornburg ist verändert. Die Traumvisionen gestaltet fie schauspielerisch packend. Gäbe ihre Stimme mehr Tiefe her und schränkte sie das Muskelspiel des Leibes noch mehr ein. Sie wäre eine Klytemnestra von unerhörter Bravour. In manchen Momenten hat man das Gefühl, als stände ein weiblicher Bohnen auf der Bühne. Wilhelm Rohde als Dreft, die Ruste Leopold als prächtig jubelnde und fingende, doch allzu blonde Chryfothemes, Graarud als Alegifth lebten sich ftilvoll in ihre Rollen ein und schufen ein gutes Zusammenspiel mit der Führerin Wildbrunn. Paulys Regie folgte geschickt dem Stab Walters und drang auf Gespanntheit und Konzentration. Die Fenster des Palastes von Mylene waren marionettenhaft tiein und 11 Die Niederlaufiter Kleinkunstbühne zieht mit ihrem Rasperle theater durchs Land, gestern abend hatte sie ihre Bude in der Aula des Neuköllner Realgymnasiums in der KaiserFriedrich- Straße aufgeschlagen, und das schöne Märchen Rumpel stilzchen ging über die Stange, die eine Kinderwelt bedeutet. Ist den jugendbewegten Theaterleuten, die eine nicht geringe Aufgabe au erfüllen haben, irgendwie gedient mit dem heutigen Feuilletonchinus von den leuchtenden Kinderaugen und den halboffenen Münbern? Besteht nicht vielmehr die Pflicht, ihnen zu sagen, daß sie noch sehr auf Qualitätssteigerung bedacht sein müssen, daß das düftere Moment in feiner Szene des Kinderstückes überbetont fein darf, daß auch Begeisterte, die" nur" vor Kindern schauspielen, sprachtechnisch geschult sein müssen, daß ein Kasperle Humor haben muß und wirklich eine fafperlhafte Stimme? Wird die sogenannte eble Kunst stets so langatmig gespielt wie gestern, so wird das Bolt, das zu gewinnen ist. stets dem Schund nach laufen, denn der ist im allgemeinen wenigstens furzweilig. Ach, ihr liefen Gäste aus der Niederlaufiß, geht in euch, wenn ihr zur Jugend, zum Bole gehen wollt. 3 ergo. Bolfsbübar. Im Theater am Bülow blut baben die Bioben Baquets Sturmflut unter der Regie von: win Piscator begonnen. Die Uraufführung findet anfangs Februar ftatt. 3m Theater des Westens nelonat em Sonntan, den 24, nachm. 1,4 116r, Aufführung. die Spieloper Lorgings Der Bildſchütz zu volkstümlichen Preisen zur Für die Hedwig- Wangel- Hilfe findet am 24. die lebte Vorftellung bon biens, ei penster" in den Stammerspielen, nachmittags 4 Uhr, statt. Grü dung der Deutfchen Mufitft dentenfe aft". Die Studentenschaften der deut chen staatlichen Hochschulen für Mufit baben sich zu einem HochSchulverband( Deutsche Mufitftudentenschaft) zuiammengeschlossen, der am 17. in Berlin negründet worden ist. Zum Vorfißenden wurde Stud. muf. Arno Schellenberg, Berlin, gewählt, Ein Bücherretor jahr ist das verflossene Jahr in England gewefen und 3225 Neuauflagen, übertreffen um 496 das vorangegangene Jahr. An Die 13 202 Neuerscheinungen die es Jabres, darunter 9977 neue Bücher der Spike iteht die eraäblende Literatur, der an zweiter und dritter Stelle Jugendbücher und theologische Berte folgen. Auszehrungsschuld der Deutsch nationalen! Hagenberg schlägt seine Freunde und sich selbst! In dem neuesten Ertrablatt wird die Frage gestellt: Für wen hungern Beamte und Angestellte?" Und nun werden Briefe aus der großen Zahl der Verbitterten veröffentlicht, die von der Not in weitesten Boltstreifen zeugen. Benutzt werden sie, um eine Schicht der Notleidenden gegen die andere auszuspielen. Zum Bei fpiel läßt man einen abgebauten Bankangestellten fich in diesen Worten äußern: Der abgebrochene Anschluß. müffen aus eigenem Antrieb fich Wiffen erarbeiten und es auch zu verarbeiten verstehen Steiger berichtete dann über Schulteisen und Wanderungen, die in dieser Schule als das wichtigste Lehr- und Lernmittel mit Recht angesehen werden. Und durch Gefang und Theatervorträge der Klassen machte man es mög lich, für diese ausnahmslos unbemittelten Volksschulen soviel Geld zu erwerben, daß Klassen eisen nach Hamburg, selbst bis nach Wien und in die Alpen möglich waren. Man glaubt es gern, daß diese Fahrten, die an jeder sehenswerten Stelle und Kindern ist vieles sehenswert Halt machten, für viele Teilnehmer das schönste Eriebnis ihres Lebens bleiben werden. 9 Die Schwere der wirtschaftlichen Krise, die wir durchmachen, Hugenberg steckt Geld ins Geschäft. Das muß ihm der Neid spiegelt sich auch in der Tatsache wider, daß eine große Zahl von laffen. Immer neue Extraausgaben seines Lokal- Anzeigers" läßt Geschäften und Privaten auf das Telephon verzichten müssen. er in Massen verbreiten, um„ die Auszehrung Deutschlands" durch Entweder durch freiwillige Aufgabe nach Ertedigung ihrer finanBen Dames Paft seinem indifferenten Bublikum mit deutscher Gründ- ziellen Verpflichtungen oder durch einfache Nichtzahlung, was die lichkeit einzuhämmern. Selbst die Kommunisten tönnen da Sperrung des Anschlusses zur Folge hat. Daß ein Geschäftsmann nicht mehr mit. So viel Demagogie und Berlogenheit fönnen sie höchst ungern zu einer solchen Maßnahme greift, liegt auf der Hand; weder selbst aufbringen noch so gut bezahlen wie Hugenberg sich die Telephon- Nummer gehört mit zur Reklame und gewissermaßen das leisten kann. auch zum Kredit. Wenn ein Kunde aus der Provinz kommt und in alter Beise telephonisch sich mit dem Geschäftsfreund besprechen Der Tunnel in der Friedrichstraße. will, so wird die Auskunft des Telephonfräuleins, daß der Anschluß Erhöhung des vorgesehenen zweistödigen Verbindungsganges. nicht mehr besteht, etwas erfaltend auf die geschäftliche Verbindung einwirken. Man muß es der Best lassen, daß sie für die gegen Der städtische Haushaltsausschuß beriet gestern über die Magi wärtige Bedrohung vieler Existenzen Berständnis zeigt und in der stratsporlage, nach der der dauernden Verstopfung in dem Unter grundbahntunnel zwischen den beiden Bahnhöfen der Friedrichstadt Wahrung ihrer Intereffen nicht allzu rigoros vorgeht, aber natür badurch abgeholfen werden soll, daß der Berbindungsgang zweilich gibt es eine Grenze in der Behandlung faumfeliger Zahler. ftödig ausgebaut wird. Auf Borschlag des sozialbemoAuch die Form, in der das angerufene Amt von der Tatsache, daß trafischen Berichterstatters beschloß der Ausschuß, den der Teilnehmer nicht mehr telephonisch zu erreichen ist, Kunde gibt, Auftrag zur Ausführung dieses Projettes der Nord- Süd- Bahn- A.- G. ist eine recht schonende und eine Angabe etwaiger Gründe, nach zu übertragen. Auch die Hochbahn soll zu den Kosten herangezogen werden. Nach Meinung des Ausschusses muß es möglich sein, durch die abgebrochen werden, sind, wenn auch wirtschaftlich nicht so wich schaffenden beiden Berbindungsgänge von 2,10, wie die Tiefbautenen die Nergierde oft verlangt, findet nie statt. Privatanschlüsse, Hebung der Decke des Berbindungsganges die Höhe der neu zu tig, doch immerhin ein Barometer für den Gang der Geschäfte, zu verwaltung vorgeschlagen hatte, auf 2,50 zu bringen. Wenn das mög mal unser privater Telephonverfehr sich ja noch nicht so großer Berlich sein würde, dann befäme das Projekt dadurch ein ganz anderes breitung erfreut, wie dies in anderen Ländern der Fall ist. Der schwarze Tod geht in den Telephonämtern umher hoffentlich erfolgt bald eine fröhliche Auferstehung. ,, Es wäre wohl sehr erwünscht, wenn die hochwohllöblichen Herren Beamten der Gruppen 1 bis 6 darauf hingewiesen würden, daß es im Deutschen Reiche Hunderttausende von Arbeitslosen gibt.. Wenn es auch unter den Beamten Gruppen gibt, welche heute mit 100 Mart monatlig nach Hause gehen müssen, so ift dies zurzeit feine Nollage, wo Abertausende nur die Erwerbslosenunterstützung und viele noch nicht einmal diefe zum Lebensunterhalt beziehen." Um diesen gehäffigen Anwurf gegen die schlechtest be zahlten Unterbeamten etwas zu verdecken, läßt Hugenberg bann auch die Beamten an ihren wunden Bunft paden: Bon etwa 500 000 Beamten, die das Reich Ende 1923 zählte, find gegen Ende 1925 etwa 140 000 abgebaut, alfo mehr als 20 v. 5. Etwas größer noch ist die Zahl der abgebauten Beamten in den Ländern und in den Gemeinden, wo jeder vierte Beamte abgebaut wurde. Die Schlußanwendung aus diesen trostlosen Fest. ftellungen ist dann immer die gleiche: In der Erfüllungspolitik, deren das Dawes blommen nur eine Etappe ist, finden Beamte, Angestellte, Ar. beiter, alle, alle die Erklärung ihrer Not. Fürs Ausland hungern fie, für die Befriedigung unmöglicher Forderungen, für den Feind!" Um das Maß der Berlogenheit dieser Ausführungen voll be greifen zu fönnen, muß man daran denten, daß ugenberg, der All- und Geldgewaltige im Lokal- Anzeiger" Mitglied der Deutschnationalen Reichstagsfrattion ist. Ohne die 8uftimmung wenigstens der Hälfte der Deutschnationalen wäre die Annahme der Dames Gefeße gar nicht möglich gewesen. Damals, am Tage nach der entscheidenden Astbimmung im Reichstag, schrieb der gleiche 2otal- Anzeiger in seiner Nr. 412 vom 30. Auguft 1924 folgende Säge, die man heute wieber jebem Lokal- Anzeiger"-Lefer in die Ohren schreien sollte: 1 Das Ergebnis diefes Tages( die Annahme des Dames Blanes. Red.) fonnte nicht zuffande fommen, ohne daß die Deutschnationalen, oder doch ein großer Teil der Deutschnationalen 46 von ihnen und zwei Hofpitanten ftimmten für die Annahme- es durch ihre Haltung bei der entscheidenden Abstimmung möglich machten." Wäre es richtig, daß der Dames- Baft die Auszehrung Deutschlands" bedeutet, so tragen die Deutsch nationalen, die Bartet des Hugenberg und seines Lofal- Anzeigers", bafür allein die Berantwortung! Wäre es richtig, daß der Beamtenabbau und das Hunger. efend der Erwerbslofen allein auf den Dames- Baft zurückzuführen fei, dann sind die Deutsch nationalen nach dem Zeugnis des Lokal- Anzeigers" von 1924 allein dafür verantwortlich! Es ist zwar nicht richtig, daß an der gegenwärtigen Wirt fchaftstrife mit all ihren Auswirkungen nur der Dames- Balt schuldig sei, wohl aber ist es richtig, daß die Deutschnationalen die Annahme diefes angeblichen Auszehrungspattes zu einem schamlojen politischen Schachergeschäft mißbraucht haben! Denn ihre Zustimmung am Tag des Unheils", wie der„ Lotal- Anzeiger" damals fagte, erfolgte hauptsächlich in der Aussicht auf das 3u standekommen eines Bürgerblods! So hieß es in der gleichen Nummer 412 vom 30. August 1924: ,, Diese inner politische Bendung in der Richtung auf einen Bürgerblod begrüßen wir. Kaum nötig, das zu sagen an einer Stelle, an der immer und immer wieder der Bürgerblod, die Bereinigung aller nationalen und bürgerlichen Barteien als die natürliche und auf die Dauer unausbleibliche Erfüllung des innewohnenden Gesetzes unserer innerpolitischen Entwicklung bezeichnet wurde." Diefer Bürgerblod. ben ber deutschnationale Hugenberg und sein„ Lokal- Anzeiger" so brünstig herbeisehnten, und der schließlich durch den Stimmenvertauf zugunsten des„ Aus: zehrungspaftes" ins Leben trat, ist bis Ende 1925 am Ruder gewefen. Der deutschnationale Finanzminister v. Schlieben hat die berechtigten Wünsche der unteren Beamtengruppen brüst abgewiesen, alfo zur Erbitterung des großen Heeres der Unter beamten das Redliche beigetragen. der Deutschnational beeinflußt war die gesamte Birt. schaftspolitit dieses Bürgerblodfabinetts. Der deutsch nationale Ernährungsminister Graf Kanit und deutschnationale Wirtschaftsminister Neuhaus tragen die Berantwortung für die Verschlechterung der Wirtschaftslage, wie sie durch die Schutzollpolitit eingeleitet wurde und in der riesenhaften Arbeitslosigkeit endet! Deshalb ist der Bersuch Hugenbergs, des Deutschnationalen, durch eine Massenaufwendung von bedrudtem-Bapler bei urtells losen Lesern und Leserinnen noch nachträglich eine Kriegs stimmung gegen die deutschnationale Regierung Luther Schlieben Schiele. Neuhaus wachzurufen, ein Demagogenstüdchen, das selbst die bluttoten Mosto witer vor Neid gelb werden lassen tönnte! Für polnisch- deutsche Annäherung. Warschau, 19. Januar.( Oft.Expreß.) Die polnische fozia. listische und linksdemokratische Presse veröffentlicht einen Aufruf deutscher und polnischer Bazififtinnen, die der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit angehören. Der Aufruf spricht fich für eine polnisch- deutsche Annäherung aus, wobei die Gleich berechtigung der nationalen Minderheiten in den beiden Staaten und der Abschluß eines beiden Teilen vorteilhaften Handelsvertrages als besonders wünschenswert bezeichnet werden. Der gegenwärtige Augenblid fei geeignet für ein Vorgehen in dieser Richtung. Die Regierungen, die Preffe und die Er ziehung der Jugend müßten eine folche, Annäherung fördern und auf eine moralische Abrüftung hinarbeiten. Bon deutscher Seite ist dieser Aufruf unterzeichnet von Frau Kirchhoff, Frau Berlen und Frau Berftus, polnischerseits von den Frauen Budzinska- Tylida, Kodis, Daszynsta- Golinska und Chmielenska. Der Kurjer Boranny" meldet dazu, daß Mitte Februar eine deutsch polnische Bazi fiftentonferenz stattfinden soll, deren Tagesordnung u. a. folgende Bunfte porsieht: Locarno und die Bölferannäherung, die Minderheitenfrage, die fulturelle Annäherung der Nationen. Zu die fer Tagung würden Delenierte aus Berlin, Breslau und Königsberg erwartet. Die polnische Nationalistenpreife nimmt von diefer Angelegenheit natürlich feine Notiz. ., Unterbrechung unzulässig." Bu unferer am Silvestertage gebrachten Rotig unter brechung unzulässig schidt uns die Nachrichtenstelle des Reichspost ministeriums eine Zuschrift, in der betont wird, daß eine Trennung von Telephongespiäden durch die Teles phonistinnen nicht ungängig sei. Im vorliegenden Falle( wo es fich um das dienstliche Geipräch eines Rettungswachenarztes bandelte) konnte das Gespräch besonders deshalb nicht getrennt werden, weil durch das geführte Gespräch ein Strantenwagen bestellt ebenso prompt gefagt bätte, wie sie es später ihrer Behörde mitWenn die Telephonistin das dem telephonierenden Arat teilte, bätte sich der Arat fofort beruhigt. So wurde nur immer bas bekannte: Leitung besetzt" gemeldet. wurde. -W Der Hauseinsturz in der Kirchstraße. Noch eine Leiche geborgen. brochenen Aufräumungsarbeiten der Feuerwehr Die wegen der eingetretenen Dunkelheit gestern abend unter leute wurden heute vormittag von zwei Löschzügen weiter fort. gefeßt. Sturz nach 10 Uhr stieß man auf die Leiche einer Frau, die faft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt war. Es gelang aber, die Leiche zu identifizieren und als die 53 Jahre alte Ehefrau Klara Feldner des ebenfalls bei der Katastrophe ums Leben gefommenen Ehemannes, des Arbeiters Wilhelm Feldner, festzustellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhaufe übergeführt. Um die Mittagsstunde mußten die Feuerwehrleute wegen erneuter brohender Einsturzgefahr mit den Aufräumungsarbeiten aufhören. Die Giebelmauer bog sich in bedrohlicher Weise, so daß man jeden Augenblid ihren Einsturz fürchten mußte. Die Lei. tung der Aufräumungsaktion konnte nicht die Berantwortung über nehmen, das Leben der Feuerwehrleute auts Spiel zu sehen, und mußte fich so notgedrungen entschließen, vorerst die Arbeiten ein zustellen. Es wird wahrscheinlich nichts weiter übrigbleiben, als einen Unternehmer damit zu beauftragen, ein Gerüst zu errichten, um dann von oben den zerstörten Teil des Hauses abzutragen. Immer noch nicht gefunden ist die Leiche des Seifenhändlers Mans. Durch die unvorhergesehene neuerliche Einsturzgefahr werden auch die Feststellungen der Untersuchungsfommiffion nach der Ursache sehr erschwert und hinausgeschoben. Nach wie vor ist die Unfallstelle in weitem Kreise abgesperrt. Eine Erinnerung. Einer unserer Leser sendet uns folgende Schilderung einer ganz ähnlichen Explosionstatastrophe, die sich auch in Moabit ereignete: Aussehen und würde auch für das Publikum bedeutend annehmbarer fein. Alle beteiligten Kreise der städtischen Bers waltung find fich freilich darüber im flaren, daß auch bei einer folchen Berbefferung das Projekt nur eine Notlösung darstellt. Der unvermeibliche Umbau an den Bahnhöfen der Friedrichstadt muß erfolgen, foute eine Untergrundbahn durch die Leipziger Straße gelegt wird. Diese Bahn wird nach Fertigstellung der AEG. Bahn das erste Projekt sein, das in Angriff zu nehmen ist. Freilich werden bis dahin einige Jahre vergehen, denn allein die Inangriffnahme und Durchführung des Baues der AEG.- Bahn ist eine ungeheure Belastung der städtischen Finanzen, solange der Anleihemarti der Stadt faft gänzlich verfchlofien bleibt. Die Durchführung der Bau arbeiten im Berbindungsgang soll während der Sommermonate erfolgen, wo der Verkehr auf den Untergrundbahnen im allgemeinen etwas zurückzugehen pflegt. Die Arbeit selbst wird nach der techenischen Seite hin als nicht übertrieben schwierig an gesehen, man hofft sie in verhältnismäßig turzer Zeit bewältigen zu können. Neue Zoo- Tiere aus Abessinien. In der. ,, Urania". Taubenstraße, hielt am Freitag der Diret torial- Assistent des hiesigen Zoologischen Gartens, Dr. Hed, einen unternommene Tierfangegpedition nach Abessinien. Vortrag mit Lichtbildern, über die zu Anfang des vorigen Jahres Genau vor einem Jahr, am 15. Januar 1925, begann die große Reise nach Abessinien, an der sich u. a. zwei Herren der UfaRulturabteilung zu Filmaufnahmen beteiligten. Diese Fahrt führte über Port Said durch den Suezkanal durch das Rote Meer bis zur französischen Kolonialfüfte. In der Hafenstadt Dzibuti entstanden der Expedition die ersten Schwierigkeiten, da die franzöfische Bollbehörde peinlichst genau prüfte und die Jagdwaffen einer besonderen Betrachtung unterzog. Bald war das abellinische Terri torium erreicht und bald waren die ersten Affen die Erpedition wollte in der Hauptsache Affen einfangen ihren Häfchern ins Garn gelaufen. Prächtige Mantelpapiane und flinte Blutbrustaffen wurden in größerer Bahl in den Affenfanghütten eingefangen, aber auch Raubtiere und abeffinisches Bild mit Schlingen und Tellereisen. Abessinien ist sehr reich on Wilb und Raubtieren und im Film wurde die flinke Gazelle, das gefährliche Stachelschwein, Flußpferde und der efelerregende Schalal, neben vielen anderen Tiergattungen, in Freiheit aufgenommen, por geführt. Die Reisebeute bestand aus 75 Mantelpavianen, 30 Blutbrustaffen, einigen anderen wilden Tieren und etwa 70 verschiedenen Arten abessinischer Bögel, darunter 11 Strauße, Hornraben usw. Eine geborftene deutschnationale Säule? Merkwürdige Kunde tommt aus Wannsee. Der langjährige Geschäftsführer der dortigen Ortstrantenfaffe, Sch., ein unverheirateter Mann, zweiter Vorsitzender der Abteilung Wannsee der Deutschnationalen Partei und nächster Listenanwärter auf ein Bezirksverordnetenmandat, ist plöglich aus seiner Stellung verschwunden, richtiger, hat aus seiner Stellung verschwinden müssen. Stalt seiner amtiert zurzeit ein Kontrolübeamter des Oberversiche rungsamtes in den Räumen der Krankenkasse. Die nächsten Tage werden hoffentlich völlige Aufklärung bringen. Anmeldungen zur Jugendweihe für Johnsdorf find zu richten an Lehrer 3rmler, Adlerfir 7. natürlich alle Kleidungsstücke und auch die Fleischteile des UnglückBetrieb des Ofens eine Temperatur von 1000 Grab herrscht, so waren lichen ganz verbrannt. Im ganzen war aber das Grelett noch so gut aus ihm auf einen etwa 15 Jahre alten, erhalten, daß man Untersuchung festgestellt hat. Es war bisher nicht möglich, die Per1,40 Meter großen Knaben schließen fann, wie die gerichtsärztliche sönlichkeit des Knaben zu ermitteln, Ich wohnte damals in der Jago w straße zu Moabit und es war in einer Nacht zu Anfang des Jahres 1898, als ich unter furchtbarem Knall und starter Erschütterung aus dem Bett halb herausflog. Ich stürzte nach dem Fenster, das nach dem Hof hinausging und sch, wie noch mehrere Leute aus den Fenstern sahen. Aus dem Nebenhause trat eine Restaurateurfrau, die noch wach war und sich wohl zur Ruhe begeben wollte, mit einer Lampe heraus, und auf unseren Anruf, was denn eigentlich passiert wäre, fagte fie: ich weiß es nicht, es muß aber hier etwas gewesen sein. Als sie tann Ein Stelett im Kaffofen. Einen graufigen Fund machte man in nach dem Hausflur des Vorderhauses tam, schrie sie mit einem Mal: bier liegt ja alles voller Glassplitter. Nach kurzer Zeit fam fie Dornap bei Elberfeld beim Reinigen eines großen Kaffringofens, zurüd und rief uns zu: drüben ist das Haus eingestürat! züge stat bas ausgeglühte Gerippe eines jungen Mender an der Landstraße nach Wülfrath zu liegt. In einem der LuftAls ich auf die Straße fam, sah ich, wie das eingestürzte Hauschen, wahrscheinlich eines Knaben. Weil in diesen Luftzügen beim direft in zwe hälften unregelmäßig durd schnitten war. Nach einer fleinen Weile hörte ich Hilferufe, und nachdem die Augen fich an das Dunkel ungefähr gewöhnt hatten fämtliche Gaslaternen in der Straße waren durch den Luftdruck ausgelöscht fahen wir die Umriffe von einigen Betten in der dritten Etage. Die Hilferufe tamen von einem Mann, der wohl so lange bewußtios gelegen hatte. Die in Kürze eintreffende Feuerwehr holte auf der Leiter Mann, Frau und Kind, deren Betten glücklicherweise in der Wand standen. die stehengeblieben war. Explosion war und, wie es scheint, noch stärker gewesen ist als die Wie gewaltig die in der Kirchstraße, erfehen Sie daraus, daß in vielen gegenüber. liegenden Häusern die oberen Haustürfensterrahmen herausgeriffen und bis in den Hof geschleudert wurden. Ein eiserner Beltonträger von dem eingestürzten Haus wurde bis auf die gegenüberliegende Fußgängerfelte geschleudert, fämtliche Schaufenster eingedrückt. Die gewaltige Erplosion hatte überhaupt verschiedenartig gewirft: jo und Salouste frumm und schief gebrückt. Die Berbindungstür nach wurde z. B. bei dem gegenüberliegenden Kaufmann Eingangstür einem Zimmer blieb verschont. dagegen wurde die dahinterliegende, noch einem weiteren Zimmer führende Tür herausgerissen. Zum Blüd war, da das Haus noch fast neu und Wohnungsnot nicht vorhanden war, das Haus nur schwach bewohnt. Soweit mir erinnerlich, waren aus diesem Grunde nur zwei Tote zu verzeichnen. Die Ursache jener Explosion fonnte auch nicht erforscht werden. Die neue Volksschule. Zahlreiche Bersuche werden gemacht, um unser erstarrtes Schulsystem wieder lebendig zu gestalten und es aus den Fesseln der Tradition zu lösen. In der Versuchsschule in Dresden. Hellerau weiß man um das Schulelend unserer Zeit und geht frisch daran, es zu beheben. Ob mit Mitteln, die ganz allgemein die richtigen sind, fann nur der beurteilen, der längere Zeit den Unterricht in diefer Schule miterlebt hat. Deß aber durch die Bersönlichkeit ihrer Lehrer für diese Schule die Methode die geeignete ist, wird jeder glauben, der Mar Nitsche, den Leiter der Schule, und Biur Steiger, einen ihrer Lehrer, in der Versammlung der entschiedenen Schulreformer im Werner- Siemens- Realonmnafium in Schöneberg sprechen hörte. Liebe und Berständnis für die ihnen anvertrauen jungen Menschen flangen aus jedem Wort. Diese Schule versucht es, den Schülern so wenig wie möglich 3wang auf zuerlegen. Durch Lehrgespräche führt fie fie durch alle Wissens: gebiete, und jo weit wie möglich ist die aleichzeitine Hendbeschäftigung erlaubt Nigiche betont, daß derade ein scheinbar spielend erarbeitetes Wissen oft am stärksten im Gedächtnis haftet. Das beste Rief scheint thm eine Schule, die den Lehrer fast überflüffig macht. Die Kinder Sport. Die leste Nacht! Noch führen Rieger- Glorgeffi.. Den Sturz De baets, der sich gestern abend bei der 10- UhrWertung ereignete und den unzweifelhaft starken Fahrer zwang, das Rennen aufzugeben, teilten wir bereits neben dem geglüdten leberrundungsversuch Dewolf Stodelŋnds im heutigen Morgenblatt mit. Eine sehr gute Mannschaft wurde zum Leidwesen eines jeden Sportfreundes fomit gesprengt. Berfyn, sein Bartner, fährt zunächst als Erfagmann weiter, bis R. Ban denhove das Rennen wegen Magenbeschwerden aufgibt. Bersyn G. Vandenhove bilten eine neue Mannschaft( 1 Runde zurüd, 90 Punkte). Als die Glocke die 2.1hr Nacht Wertung anfündigt, find 3129,920 Kilo. meter zurüdgelegt. Die Wertung bringt folgende Ergebnisse: 1. Spurt: 1. Gottfried vor Sawall, Kruptat und Rieger. 2. Spurt: 1. Möller vor Stocelynd, Mac Mamara und Tonani. 3. Spurt: 1. Lewanom vor Horan, G. Bandenhove und Rieger. 4. Spurt: 1, Horan vor Giorgetti, G. Vandenhove und Tonani. 5. Spurt: 1. Horan vor Tonani, Rieger und Persyn. 6. Spurt: 1. Mac Namara vor Tonant, Giorgetti und Tieß. 7. Spurt: 1. Lewanow vor Sawall, Bauer und Hahn. 8. Spurt: 1. Giorgetti por Möller, Kruptat und G. Banden. hove. 9. Spurt: 1. Lorenz vor Lewanow, Hahn und Soran. 10. Spurt: 1. MacNamara vor Rieger, Tonani und Gottfried. Der Stand des Rennens nach der 2- Uhr Nacht- Wertung ist nun folgender: 1. Rieger Giorgetti 281 Bunfte. 2. Mac Na mara- Horan 279 Punkte. 3. Tonani- Sawall 150 Bunkte. 4. Hahn Tieß 114 Punkte. 1 Runde zurüd: 5. Dewolf- Stocelynd 187 Bunfte. 6. Bauer- Gottfried 143 Punkte. 7. Bersyn- Bandenhove 96 Punkte. 8. Lorenz- Krupfat 82 Bunfte 2 Runden zu= rü: 9. Möller- Lewanow 163 Punkte. Nur noch wenige Stunden, und die Fahrer haben die lange Reise beendet. Der Siegerplatz ist nach wie vor offen. Gewerkschaftsbewegung Das Thema Amerika. Die Funktionärfonferenz der SPD.- Betriebs- und Gewerf. schaftsfunttionäre am Montag abend in den Musikerfälen hörte einen Vortrag des Genossen Kurt Heinig über das Thema: Aus Ameritas Arbeiterbewegung. Der Redner gab einen vergleichenden lleberblick über die amerikanischen Arbeits- und Organifationsverhältniffe im Gegensatz zu den deutschen Verhältnissen, wobei er feine Illusionen darüber aufkommen ließ, daß amerikanische Berhältnisse nicht einfach auf Deutschland übertragen werden fönnen. Obwohl auch grüben die Lohnunterschiede recht erheblich find, steht doch feft, daß der amerikanische Arbeiter mehr verdient als sein deutscher Bruder. Während der deutsche Arbeiter etwa 70 Broz. feines Lohnes für seine Ernährung ausgeben muß, reicht in Amerika die Hälfte des Lohnes zur Ernährung aus. In manchen Gegenden muß der amerikanische Arbeiter ein Biertel feinies Lohnes für Wohnungsmiete aufwenden, während vielfach der gleiche oder ein geringerer Teil zur Abzahlung eines Hauses ausreicht, das allerdings nicht mit unseren Siedlungshäusern zu vergleichen ist, sondern billiger und einfacher, meist aus Holz her. geftellt ist. Der ursprüngliche Mangel an qualifizierten Arbeitsfrästen führte zu höheren Löhnen und damit also auch für die Unternehmer zu der Notwendigkeit einer besseren rechnerischen Durchdenkung des Arbeitsprozesses, wobei alle automatischen Verrichtungen der Maschine überwiesen wurden. Aus diesen höher entwidelten Verhältnissen heraus hat fich eine größere Maschinentechnik entwickelt, die nicht etwa ohne meiteres auf Deutschland übertragen werden kann, so wenig man amerikanische Rezepte bei uns anwenden fann, wo sich viele arbeitsparende Maschinen bei dem niedrigen Lohnstande nicht bezahlt machen. Der amerikanische Unternehmer tritt bewußt für hohe Löhne ein, weil er für seine Inlandsproduktion die entfprechende Rauftraft gebraucht. Die deutschen Unternehmer fchwärmen hauptsächlich für den Weltmarkt, obschon sie selbst in den günstigsten Zeiten nie mehr als 10 bis 20 Proz. exportieren tonnten. Der Markt ist inzwischen jedoch fleiner geworden, so daß der Export heute nicht größer werden fann als in der Vorkriegszeit. Cine Lohnkürzung von 10 Broz. Wozu die Reichsbahn Geld hat. Zu dieser täglichen Rubrif erhalten wir folgenden netten Beitrag: Ein hoher Reichsbahnbeamter wurde aufgefor dert, gegen einen mittleren Beamten wegen Beleidigung dem Ziele der Entfernung aus dem Dienst einzuleiten. Der des Generaldirektors das förmliche Disziplinarverfahren mit angewiesene Beamte machte darauf aufmerksam, daß nach seiner und des Personalreferenten Ansicht ein solches Verfahren nach der Lage würde und schlug aus diesem Grunde vor, den betreffenden mittleren des Falles voraussichtlich nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen Beamten mit der höchsten Geldstrafe zu belegen. Die Folge dieser Borstellungen, die, wie das sodann eingeleitete Disziplinarverfahren den hohen Beamten auf Grund des berüchtigten§ 24 des Reichs ergab, fachlich durchaus gerechtfertigt waren, war die Drohung, bahngefeges auf Bartegeld zu sehen, wenn er nicht felbst den Antrag auf Ueberführung in den einstweiligen Ruhestand stellt. Bei dieser Sachlage blieb dem Beamten nichts anderes übrig, als dieser Forderung unter Brotest nachzukommen. Er wurde also auswirtschaftlichen Gründen" auf Wartegeld gesetzt. Nachträglich sind dann der Hauptverwaltung der Reichs bahngesellschaft über die Art ihres Borgchens Bedenken aufgestiegen. Infolgedeffen billigte fie dem Beamten nachträglich und widerruflich den Unterschied zwischen seinem Wartegeld und dem bisher bezogenen Gehalt fowie eine jährliche Entschädigung für die bisher innegehabte Dienstwohnung zu. Mit anderen Worten: fie bezahlt den in den Wartestand verseßten hohen Beamten genau so, als ob er aktiv geblieben wäre. Natürlich konnte die freigewordene Stelle nicht unbesetzt bleiben Sie wurde mit einem anderen Beamten besetzt, der natürlich das. felbe Gehalt bekommt wie jener, der mit vollem Gehalt auf Wartegeld gefeht wurde. Der Erfolg ist also, daß aus Der Erfolg ist also, daß aus einer Stelle nunmehr zwei hohe Behälter bezahlt werden, weil dem Herrn Generaldirektor die Nase des einen Beamten nur nicht gefiel So ist's richtig! Die Reichsbahn stöhnt über finanzielle Salamitäten und zu hohe Bersorgungslaften und sucht fortgefeht den Reichsverkehrsminister zur Billigung einer Tariferhöhung zu drängen, um auf der anderen Seite durch ein Willkürregiment, das bisher nur Wilhelm seinen Offizieren gegenüber aus, geübt hatte, die Ausgaben der Reichsbahn nach Belieben zu erhöhen. Es unterliegt teinem Zweifel, daß mit dem§ 24 des Reichsbahngefeßes in diesem Fall Mißbrauch getrieben worden ist. Der§ 24 it fein„ Majestätsbeleidigungsparagraph" zum Schuße des Herrn Da dieser§ 24 auch dazu mißbraucht wurde, um lang führen und sie ihrer erdienten Rechte zu berauben, erscheint es uns notwendig, den Weg zu suchen, um hier endlich einen Riegel rorschieben zu können. Die Eisenbahnarbeiter und die Beamten der unteren Gruppen werden sich aber freuen, wieder einmal zu hören, wie die Reichsbahngesellschaft ihre tnappen" Mittel verpulvert. Generaldirektors. vermindert die Kaufkraft des Arbeiters nicht um nur 10 Broz., sondern sie trifft hauptsächlich den die Ernährungskosten über. schießenden Lohnteil von 30 Broz. und bedeutet mithin eine Kauf- jährige Beamte in die Arbeiterstellung zu über fraftschwächung um ein Drittel. Das Arbeitstempo selbst ist in Amerita e her geringer als höher, wie bei uns. Allein der Arbeitsprozeß ist besser und bequemer und führt zu größeren Leistungen Abgefehen davon, daß es sich nicht nur um das Tempo breht, sondern auch um die Qualität. Unfosten für Materialtransport gibt es drüben nicht, außer den Kosten für die maschinellen Einrichtungen, die dem Arbeiter das Material zutragen. Das Tempo des fließenden Bandes ist nicht das entscheidende, sondern die 3erlegung des Produktionsprozesses und der Wegfall der Transportfoften Zur Einführung des fließenden Bandes fehlt bei uns die Konzen trierung des Betriebes. Wie Redner unter Hinweis auf eine Dar. stellung des Grunderwerbs der Berliner Großunter nehmer im„ Borwärts" zeigte, wurden die Betriebsstätten er. meitert, anstatt zusammengelegt. Cine scharfe Stritif erfuhr in diesem Zusammenhange die Wechselkreditpolitik der Reichsbant, die nicht mit Deutsch- polnische Wanderarbeiter- Regelung. Nach einem Bericht von WTB. ist am 12. Januar bei den deutsch- polnischen Verhandlungen in der Wanderarbeiterfrage im Reichsarbeitsministerium in Berlin ein Protofoll unterzeichnet worden, durch das eine vorläufige Regelung für das Jahr 1926 getroffen wird. Die Hauptbestimmungen des Prototolls find die Zusage der polnischen Regierung, ben Banderarbeitern vor der Einreise nach Deutschland unentgelt. liche Bässe mit Gültigfeit bis zum Ende des Jahres auszu stellen, sowie die Bestätigung der beutschen Regie, rung, daß die polnischen Wanderarbeiter in Deutschland in ihren Lohn und den gleichartigen gleich stehen. Die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen sollen in der zweiten Hälfte des April wieder aufgenommen werden. Rücksicht auf die Produktion gegeben werden, sondern auf die deutschen Arbeitsbedingungen persönliche Eicherheit. Kredite haben nur Bert für die Produktion, find aber hinausgeworfen, wenn sie zur Ablösung alter Berbindlich feiten benützt werden. Der Landwirtschaft 3. 33. fei mit der von dem preußischen Ministerpräsidenten, Genossen Braun, schon 1919 vorgeschlagenen Lieferung von Kali und Stidstoff weit mehr gedient als mit Krediten. Die Preispolitit der Kaliproduzenten, die ein Produft, das um 40 Pf. hergestellt wird, mit 1,10 m. verfaufen, stehe dem entgegen. Bon Planwirtschaft jei freilich auch in Amerita feine Nede. Es werde vielfach sinnlose Verschwendung mit überschüsfigem Material getrieben und neben den modernen finde man auch hier noch die rückständigsten Betriebe. Mit dem Unterschied freilich, daß diese veralteten Betriebe drüben zum Absterben verurteilt find. Denn der Kampf um den Preis, der nicht wie bei uns an Kartelle gebunden ist, zur Erhaltung unwirtschaftlicher Betriebe, spiele drüben eine ganz andere Rolle. Lohndruck bedeutet Abwanderung der qualifizierten Arbeitskräfte. Der amerikanische Unternehmer ist im Rechnen sicherer. Wir haben 100.000 Diret toren mehr als vor dem Kriege, von denen der größte Prozentsatz den Betrieb nicht genau tennt und nichts davon versteht. Das Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern ist in Amerika ganz anders. Auch das gesellschaftliche und öffentliche Leben hat einen ganz anderen Charakter, was Redner näher darlegte. Das absolute Altoholperbot sei verfehlt. Es habe zwar den Alkoholfonfum zurückgedrängt, führe jedoch zu umgehungen und zur Selbsthilfe" und damit zur Untergrabung der Staatsmoral. Besser sei das schwedische System. Der Umstand, daß mir in Deutschland vier Milliarden für Altohol und allein 400 Millionen Steuern ausgeben, müsse die deutschen Gewerkschaften bestimmen, in diesem Punkte mehr attiver zu werden. Der Pessimismus, als ob nun die amerikanische Wirtschaft die ganze Welt verschlinge, sei nicht angebracht. Die Qua litätserzeugung spiele immer noch eine große Rolle. Der Traum unserer Unternehmer von der Eroberung des Weltmarkts durch niedrige Löhne und lange Arbeitszeit sei ausgeträumt. Die Kauftraft des Volkes auf dem inneren Markt müsse durch hohe Löhne gehoben und so die Unternehmer zur Berbefferung des Produktionsprozeffes angespornt werden. In der Distujion murde an den Referenten eine Reihe von Fragen gestellt, über die geistigen Wirkungen der, Teilproduktion und des Bandsystems, über die Frage des Labels, des Offenshops, die Pinkertons, die er im Echlußwort beantwortete. Berliner Elektriker HUNDE Genossenschaft angeschl. dem Verb. soz.Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 65.6 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kratt- und Signalanlagen. Verkauf aller e'ektr.Bedarfsartikel Aus ühr. säm. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit fzezialtehandi. Har für Ischias Hüft., Gesä and Sein, wenn ärzil. festgestellt In 15 Tagen sind schwere Fälle hoseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. avalidstraße 106. 9-11. H. Sestag 10-12. Jacobs Katzen, Papageien und alle Tierärzliche Poliklinik Haustiere werden behandelt. Chausseestraße 93 neven Krie ervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u/ 4-6 Uhr LJUERGENS ALEXANDER PLATZ dors Haus dies Kourtninu I Wirtschaft Klarheit über die Wirtschaftslage. Ein Gesetz über die Abhaltung amtlicher Enqueten. Während im Auslande, besonders in England, Fragen, die das öffentliche Intereffe an der Gestaltung der Wirtschaft berühren, in aller Deffentlichkeit und in voller Berantwortung gegenüber dem Bolle behandelt werden, ist das in Deutschland bisher nicht üblich. Die Unternehmer verfriechen sich hinter das„ Geschäftsgeheimnis". Enqueten des Reichswirtschaftsrats spielten sich hinter verschlossenen wenn sie wichtige Auskünfte erteilen sollen. Die bisher abgehaltenen Türen ab, und die Berichte sind auch dementsprechend. Niemals fonnte sich noch die Deffentlich feit ein unbeeinflußtes Urteil darüber bilden, was nun eigentlich in den entscheidenden Sigungen zur Sprache fam. Eine Ausnahme davon bilden allenfalls die gedruckten Berichte der Sozialisierungskommission, aus benen jedoch die vertraulich behandelten Stellen ebenfalls fortgelaiſen find. Offenbar waren es die Notlage der Wirtschaft und die ver heerenden Birkungen der Krije auf dem Arbeitsmarkt, die jetzt die Regierung veranlaßt haben, auf Anregung des Vereins für Sozialpolitik und anderer Stellen einen Gefeßentwurf einzubringen, der die Möglichkeit einer objettiven und öffentlichen Unter suchung der deutschen Wirtschaft, ihrer Produktions- und Absatzbedingungen eröffnen soll. Mit der Untersuchung soll nach diesem Enquetegefeß" ein Ausschuß beauftragt werden, der das Recht der eidlichen Bernehmung von Zeugen und Sachverständigen erhalt. Der Ausschuß fann von jedermann Auskunft über die Grundlagen zur Bemessung der Warenpreise und den Zutritt in die Fabritationslager und Handelsraume langen. Seine Sitzungen find öffentlich. Ausschluß der Deffentlichkeit fann aber mit Zweidrittelmehrheit beschlossen oder vom Vorsitzenden verlangt werden. Die Behörden sollen den Ausschuß unterstüßen. Der Soweit sind also die Vorausseßungen für ein Gelingen der Enquete gegeben. Ob auch die Zusammenfegung des Ausschusses das Gelingen sichern wird, ist noch zweifelhaft Der Ausschuß soll aus 24 bis 30 Mitgliedern bestehen, von denen 8 auf Vorschlag des Reichstags, 8 auf Vorschlag des Reichswirtschaftsrats und 8 nach freiem Ermessen von der Reichsregierung berufen werden. Für die Dauer des Bestehens des Ausschusses oder für Einzelfragen fann der Ausschuß 6 weitere Mitglieder vorschlagen. Für die bercits angeführten Einzelprobleme der zusammenhängen. den Umfrage sollen Unterausschüsse gebildet werden. Unterausschuß von mindestens 10 Personen ist mit der Frage, die der Berein für Sozialpolitik aufgeworfen hat, zu befaffen. Ein Selbstverständlich können die Ergebnisse der Enquete nur von Bedeutung sein, wenn das Bertrauen aller Wirtschaftstreife, auch der Arbeitnehmerschaft, in die Enquete ermöglicht wird. Deshalb ist eindeutige Feststellung und Befragung nicht nur der Unternehmer, sondern auch der Betriebsbeamten und Arbeiter geboten. Das ist eine Forderung, die bereits vom Verein für Sozialpolitik erhoben ist. Die Arbeiterschaft wird sich diefer Forderung anschließen fönnen und darüber hinaus eine paritätische Besezung feines Ausschusses und seiner Unterausschüsse verlangen müssen, wobei wir von vornherein bemerken, daß für uns bürgerliche Wissenschaftler noch lange feine neutralen Richter über die in Frage fommenden wirtschaftlichen Dinge sind. Deshalb werden die Arbeit. nehmer im Reichswirtschaftsrat und im Reichstag darauf dringen Durch die provisorische Abmachung wird den polnischen Wanderarbeitern der ordnungsmäßige Grenzübertritt bei der Einreise und müssen, die verlangte Parität in den Ausschüssen sicherzustellen. bei der Rückreise erleichtert, was ebenso im Intereffe dieser Arbeiter selbst wie in dem der beiden beteiligten Länder liegt. Nicht be: rührt wird von der Abmachung die Frage der Verwen dung von polnischen Wanderarbeitern in Deutschland, die nach wie vor von behördlicher Genehmigung abhängig ist. Die Filmgewerkschaft. In der öffentlichen Bersammlung der Fabrikationsarbeiter der Filmindustrie am Montag erfolgte zunächst die auf die Kollegin Bayer entfallende Wahl eines Borstandsmitglieds zur Branchenschaftliche Krise in der Filmindustrie. Es sei mit neuen leitung. Rollege Siegmund referierte hierauf über die mirt. Entlassungen und Betriebsstillegungen zu rechnen. Der Absahmangel der geschaffenen Werte im Auslande verschlechterte die Lage. Bei der schlechten Entlohnung zumal werde die Kauffraft im Inlande zerrüttet. Auf die politischen Verhältnisse übergehend trat ber Redner für die Loslösung von den Westmächten und für ein SchutzMünchener Ortsgruppe unterstützte die Ausführungen des Refe und Truzbündnis mit Sowjetrußland ein. Der Vertreter der renten an Beispielen aus München, worauf er die Unorganisierten zum Beitritt in die Gewerkschaft aufforderte. Hierauf wurde eine Entschließung angenommen, in der gegen eine Abfindung der Fürsten protestiert und ein Boltsentscheid gefordert wird, sowie eine Reihe von Maßnahmen zugunsten der Arbeitslosen. Um den Schwarzwälder- Uhren- Schiedsspruch. Berlin, 20. Januar.( WTB.) Die Verhandlungen über die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs des Schlichtungsaus schusses Donaueschingen in dem Lohnstreit der Schwarzwälder Uhren industrie haben gestern im Reichsarbeitsministerium stattgefunden. Sie sind ergebnislos verlaufen. Die Entscheidung des Reichsarbeits. ministers steht noch aus. Rückgang der Arbeitslosenziffer in England. London, 20. Januar.( WTB.) Die Zahl der Arbeitslofen in Großbritannien betrug am 11. Januar 1221 000. Das sind 30 000 weniger als in der vorhergehenden Woche und 58 000 me niger als im gleichen Zeitpunti des Borjahres. Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Barlaments- und Ministerzeit. Prets 1 Mart. Borto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. Mieten Sie von uns Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Borläufigen Reichswirt schaftsrates beschäftigte sich am Dienstag mit dem von der Regierung ausgearbeiteten Entwurf zur Herbeiführung einer allgemeinen Wirt schaftsenquete. Der Ausschuß stimmte dem Gefehentwurf zu. Jedoch wünscht er eine Erhöhung der Mitglieder der Enquete ouf 27 bis 36, wovon je 9 Mitglieder auf Vorschlag nach dem freien Ermessen der Reichsregierung berufen merden sollen. Weiter soll der Ausschuß befugt sein, sich durch Zumahl von höchftens neun weiteren Mitgliedern zu ergänzen. Aus der Partei. Ueberfritt zur Partel. Wetzlar, 20. Januar.( Srf.) Der fommunistische Stadtver ordnete Kornmann vollzog seinen Austritt aus der KPD. und trat zur Sozialdemokratischen Bartei und somit zur sozialdemokratischen Hiermit erreicht die SPD.- StadtStadtverordnetenfraktion über. Mit diesem verordnetenfraktion die Stärke von 10 Mitgliedern. Uebertritt verschwindet die Kommunistische Partei aus dem Rathaus. Genoffe Louis Bertrand- Brüffel, einer der Führer und Be gründer der belgischen Sozialdemokratie, Berfasser einer großen Geschichte der belgischen Arbeiter- und Genossenschaftsbewegung sowie zahlreicher sonstiger Schriften, Mitglied der Ersten Internationale und langjähriges Kammermitglied, beging am Dienstag feinen 70. Geburtstag, womit er sich aus dem politischen Leben zurüdzog. Sein Nachfolger in der Kammer ist Genosse Marteaug, ein Brüffeler Arzt. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Sateruns: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Calora: Feuilleton: Oz. Jehn Schitowski: Lotales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Zb. Glode: fämtlich in Berlin.. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin 628 68, Lindenstraße 3. Putzwolle, Patzlappen, Korbmökel! Sonderangebot! Schleifertuche haben abzugeben Gebr. Holzinger, Tel: Neukölln4545/ 47 KrauseWaschtische Pianos in 6 Monaten Ihr Eigentum Auf Wunsch Sander Pmspeld A. Beheim- Schwarzbachs Raddatze ( Inh. P. Eggert) Neukölln. Anmeldung, Ganghoferstr. 1 Berlin W66. Leipzigerstr.122-123. ZUI Miete Ansbacher Str. 1. Fake Surforstenstraße Trauerfpenden ieder Art lie ezt preismer und Berliner Str. 32( Privatwohnung) Metallbetten Paul Golletz. Dormals Robert Mayer Mariannenstr.3. Beginn neuer Jahres- und Jahres- Stahlmatratz., Kinderbetten günstig as Priv Lehrgänge- Fernspr.: Neukölln 1063. 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