flg. 33 ♦ 43. 7abeg. Musgabe A flr. 17 BIAcslItA» Vtesmi«, msnefi B*— OOtCUS Untn Sreiubanft füt Snufdilani, Da IUI« San>»ni SRntelaebttt. Hefte rteid). Lilau«» toerabur« 4.50 9eid)orin wählen, die ihm weder vom Ausland diktiert noch von einer Horde brutaler. und� ge- wissenloser politischer Abenteurer ausgezwungen wirb, welche nach dem Grundsatz handeln: der Zweck heiligt die Mittel, und die in ihren Mitteln vor nichts zurückschrecken." „Also eine Bolkscntscheidung?" „La— aber nicht unter den Maschinengewehren der Erwachenden Ungarn. Lesen Sie über die Machinationen der sogenannten Legitimisten das Buch von Borovicsenyi:«Der Kunig und sein Neichsoerweser". Hier hat uns der Privat- sekretär Karls, dem man gewiß keine revolutionäre Gc- sinnung nachsagen kann, die Augen über diese angeblichen Patrio.cn geösfnet." „Wird das voraussichtliche Eingreifen des Völker- b u n d e s einen Regierungswechsel in Ungarn zur Folge haben?" „Las ist möglich. Aber was ist damit erreicht? Die Rädelsführer werden eine Zeitlang verschwinden. Die Per- srnen wechseln, das System bleibt. Man hat den König Karl nach seinem letzten mißglückten Putschversuchs auf einem eng- lischen Monitor nach Madeira geschickt. Vielleicht entschließt man sich jetzt, den Erzherzog Albrecht und seine Miwcrschwörer auf einem französischen Kriegsschiff nach Neuguinea zu bringen. Ich wiederhole und habe während der Zeit meiner Emigrantenjahre nicht aufgehört zu wieder- holen, daß Horthy und sein Regime die schwerste Gefahr für den Frieden in Europa bedeu'et. Wenn die Ereignisse mir jetzt recht geben, so ist die Sorge uin mein Vaterland, das ich liebe, größer als die Genugtuung, die ich meinen politischen Feinden gegenüber empfinde. Ich fühle die tiefe Ungerechtigkeit, daß ein großes, geknechtetes Volt heute vor der ganzen Welt durch die Schurkereien einer Regierung bloßgestellt ist, die diesen Namen nicht mehr verdient. Notorische Verbrecher gehören nicht an die Spitze des Staates. Das hat nichts mit republi- kanischer oder monarchistischer Gesinnung zu tun. Wenn die Gemeinschaft der Völker ihre hohen Aufgaben verwirklichen will, so möge sie hier beginnen. Nicht Personen müssen lallen, sondern ein ganzes System. Geschieht das nicht, so stehen wir vor einem unabsehbaren Chaos neuer Kriege und Bürgerkriege. Möge der Völkerbund, der den Schutz der Nationen übernommen hat, auch de mungarischen Volk zur Freiheit verhelsenl" Ein Prozeß KorokpMvinöischgrätz In öerlin. Vor dem Kammergericht in Berlin als zweiter Instanz gab es gestern eine interessante Verhandlung mit politischem Hintergrunde. Hier in kurzen Worten die Borgeschichte. Im Ullstein-Berlag erschien im Jahre 1920 ein Buch unter dem Titel„Vom roten zum schwarzen Prinzen". Es war ein Memoiren- werk des jetzt als Falschmünzer verhafteten Prinzen Ludwig v. Windischgrätz. Neben vielen amüsanten Anetdötchen be- hauptete der Verfasser u. a.. daß K a r o l y i schon bei Kriegsausbruch sich aus Anlaß seiner Verhaftung in Frankreich ehrenwörllich ver- pflichtet hätte, nicht gegen die Entente zu kämpfen und in seinem Lande eine pazifistisch« Bewegung hervorzurufen. Des ferneren wurde von ihm die Behauptung aufgestellt, in den Akten des Quai d'Orsay befände sich eine Quittung Karolyis über fünf Millionen Frank, die er ocn der französischen Regierung für defaitistische Zwecke erhalten hätte.. Graf Karolyi erhob durch seinen Äechtsbeistand Iüstizrat Dr. Werthauer Lerleumdungsklage gegen Windischgrätz. Dieser erklärte,. er nehme kein Recht von deutschen Gerichten(!)— sein in deutscher Sprache geschriebenes Buch konnte er aber wohl von einem deutschen Verlag in Deutsch- land verbreiten und sich von jedem Exemplar eine Tantieme zahlen lassen. Nun strengte Dr. Werthauer«ine Zivilklage an auf Ein- stellung der Verbreitung des Buches und Vernichtung der m Frage kommenden Platten. Der Berlag Ullstein versuchte nun den Wahrheitsbeweis für die Behauptung DindischgrStz' anzutreten. Der vom letzteren genannte Gewährsmann, der ehemalige Chef des„Deutschen Nachrichtendienstes" in Wien, Major a. D. E o n st e n, wurde jedoch von seiner Amtsverschwiegenheit von dem Reichswehrminister nicht entbunden. Das Landgericht entschied in dem vom Kläger gewünschten Sinne. Der verurteilte Verlag leg« Berufung ein und beantragte die Vernehmung eines Budapest« Rechtsanwalts, des politischen und persönlichen Freundes Karolyis, Abraham und des Prinzen Windischgrätz. Der erstere bestritt aufs entschiedenste, daß Karolyi Geld von der Entente bekommen habe und erklärte, daß der Major a. D. Consten, der seinerzeit den Auftrag hatte, Karolyi zu bespitzeln, den Großen deutschen General- stab falsch unterrichtet und auch der Entente Spitzeldien st e geleistet habe(!). Prinz Windischgrätz hielt seine Behauptung ausrecht und berief sich auf seine Gewährsmänner, auf den Beamten des französischen Ministeriums des Aeußeren Aristide F o r i ch o n und den Agenten desselben Ministeriums Jean Iagnet. In der gestrigen Verhandlung vor dem Kammergericht erklärte der Vertreter des Ullstein-Derlages, Rechtsanwalt Dr. Kann, daß man einem Verlag unmöglich zumuten könne, in jedem einzelnen Falle die Richtigkeit der Behauptungen des Autors eines Memoiren- werkes, die er auf Grund seiner persönlichen Beobachtungen und seiner Wahrnehmungen, die er im Rahmen seines Tätigkeitskreises aufstellt, nachzuprüfen. Es fei oft gerügt worden, daß in der letzten Zeit weltgeschichtliche Ereignisie zum Gegenstand von Strafprozesien gemacht worden sind. Im Zivilprozeß seien aber noch viel weniger Mittel zur Eruierung geschichtlicher Wahrheiten gegeben. Iüstizrat Dr. Werthauer und Dr. Pröll machten dem gegenüber geltend, daß Windischgrätz stets als Hochstapler be> könnt gewesen sei, daß er als Ernährungsininister sich der Kartoffel- und Grießschiebung schuldig gemacht, die Substanz seines Fideikommisses oerspielt habe und daß seine Unglaubwürdigkeit am besten durch seine Teilnahm« an den Banknotenfälschungen erwiesen sei. Als Clemenceau seinerzeit von den Anschuldigungen erfuhr, die Windischgrätz gegen Karolyi im ungarischen Parlament erhoben hatte, erklärte er,»keine der Worte, die Windischgrätz mir in den Mund legt, habe ich jemals gesagt". Auch R e n a u d e l hat In seinem eigenen und im Namen M o u t e t» Windischgrätz der Lüge geziehen. Karolyi hat während des Krieges mit Männern der Entente konferiert, aber mit Wissen und im Auftrage Kaiser Karls IV., um ein früheres Ende des Krieges herbeizuführen. Der Verlag Ullstein hätte ohne weiteres die Verbreitung des Buches ein- stellen müssen, nachdem ihm dies alles bekannt geworden war. Gegen den Bericht des Gewährsmannes Windischgrätz', Major a. D. Consten, an den deutschen Generalstab hat seinerzeit die ungarische Regieung Protest erhoben. Die Dokumente besinden sich im Reichs- archio. Die Kläger beantragten die Vernehmung Elemenceaus, Renaudels, Moutets und der ungarischen Abgeordneten Urmanczi und N a g y s ch i. Der Beklagte beantragte die nochmalige Vernehmung des Majors a. D. Consten, der beiden oben erwähnten französischen Agenten, des Ministerpräsidenten Bethlen und des früheren deutschen Gesandten in Ungarn. Die Verhandlung wurde vertagt. Um üie Aufklärung öer ßrankfälschung. Tie Einsehung eines Untersuchungsausschusses erzwungen Budapest. 20. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Opposition gegen die Regierung hat sich doch noch durchgesetzt und die Ein- fetzung eines parlamentarischen Untersuchungsaus- s ch u ff es über die Frankfälscheraffäre gegen den rechten Flügel der Regicrungskoalition erreicht. Der Ausschuß wird mit außerordentlichm Vollmachten ausgestattet und besteht aus 2Z Mitgliedern. Die parlamentarisch« Untersuchung soll jedoch erst nach Be. endigung der Voruntersuchung, aber vor der Gerichts- Verhandlung beginnen. Der Ministerpräsident hat sich bereit erklärt. den Behörden Anweisung zu geben, damit die Arbeiten des Aus- schusies möglichst erleichtert werden. Budapest, 20. Januar.(WTB.) Die französischen Po- lizcibeomten sollen zwei weitere Teilnehmer an der Frank- ?unger Wein in alten Schlauchen. Konzerkumschau von Kurt Singer. Nachdem vorläufig die geplante Interessengemeinschaft der Opernhäuser Berlins gescheitert ist. bleibt zu vermerken, daß ssch ohne offizielle Schritte ein sehr schöner Zug von Hilfsbereitschaft zwischen Haus und Haus darin dokumentiert, daß man die in der Staatsoper heimische„Elektro" an die Städtische Oper groß- zügig abgibt. Solche Vereinbarungen sind herzlich zu begrüßen: zeigen sie doch, daß bei gutem Willen neben Konkurrenzgesühlen auch Stützungsgefühle in der Brust leitender Musiker sein können. Zu gleicher Zeit hört man, daß Richard Strauß für ein Dirigentengastspiel an der Staatsoper verpflichtet wurde. Das war schön vor einem Dutzend Jahren geplant, und man kann diese Ber- Handlungen im Kappschen Jahrbuch der Staatlichen Oper nachlesen. Daß dieses Engagement nun Wirklichkeit wird, und daß darüber Hinalls die von uns lang« gewünschte Berufung von Leo Blech an das Kroll-Theater in das Stadium der Vorverhandlungen getreten ist, beweist zudem, daß der allgewaltige Erich Kleiber ver- sucht, seinen Vertrag, der ein Verkehrshindernis erster Ordnung ist. künstlerisch und nicht persönlich auszulegen. Trotz seines in Heinds- ärmeln gegebenen Interview wird er ja wohl Strauß und Blech für prominente Musiker halten. Wir Kritiker sind ihm für seine merk- würdige Motivierung einer schlechten Presie(die wir übrigens be- zweifeln), nicht böse. Kleiber scheint von den ethischen Gründsätzen des nmsikkritischeu Berufs kein« Ahnung zu haben: es bedarf dessen auch nicht. Wir werden eine..Wozzer"-Ausführung unter seiner Leitung immer als ein Muster an Studium und Musikalität preisen, od er uns lobt od« tadelt. Wir werden eine„Aida"- und„Fidelio". Aufführung, wenn sie in dem bei ihm beliebten ZerHämmern tradi. tiovcller Wesenheiten fortdauert, als unmusikalisch ablehnen, auch wenn er glauben sollte, daß man Berlin mit Krähwinkel verwechseln darf, indem man Musikkritikern osfiztelle Hausbesuche macht. Zum Thema der„Wozzek-Aufführung(die gar nicht hoch genug gepriesen werden kann), schickt unserer Zeitung übrigens ein unbekannter Opernabonnent eine„Berichtigung", die besagt, daß von Ovationen bei der letzten Aufführung nicht gesprochen werden könne. � Dieser aufmerksame Beobachter hat vielmehr den Eindruck des Durchfalls und des Protestes gehabt. Wir stellen das gern« fest, ohne für die Zukunft jedem Opernbesucher das Recht zu geben, kriti- sche Urteile über ein Werk zu fällen. Bruno Walter brachte in seinem letzten Abonnements- konzert nach einer äußerst lieblich und sensitiv gespielten Sinfonie C-Moll von Haydn die Klaoierrhapsodie von B-la Bartöck. Der berühmte ungarische Koyipönist spielte das Werk selbst. Er erwies sich als ein Pianist von mittlerer Handfertigkeit und keines- wcgs als der Mann, der imstande ist, einer blassen Musik wirklich rhapsodischen Schwung zu geben. Das Stück zerfällt in Kleintg- kciten, die nur locker zusammengehalten sind, melodisch wohl ungan- sche Volksmusik betonen, das Hitzige und Tänzerische, das etwa die Liszlschen Rhapsodien enthalten, ab« nicht zur Entfaltung kommen läßt. Auch tritt das Soloinstrument solistisch wenig hervor. Bartöck hat sich von diesem Opus 1 längst fortentwickelt, und es war kaum notwendig, uns diese Bergangenheii gegenwärtig zu machen. Walter hatte einen großen Tag und wurde gefeiert. In einem Konz«t des Sinfonieoereins führte Leo Schrattenholz«ine Konzertouvertüre von Mae C u n n zum ersten Male aus, ein im Einsall sehr reizvolles Stück malender Musik mit geistreichen instrumentalen Wendungen, voll romantischer Empfindung und etwa zwischen Mendelssohn und Tschaikowsky the- matisch pendelnd. Dos gut gesonnte Stück endet leider in einer großen Bläserbanalität. Wie dieses Dilettantenorchester herzhast musiziert, das ist ein« Freude zu sehen. Schrattenholz versteht es außerordentlich gut, rhythmisch präzis und klanglich wohllautend mit seinen Leuten zu musizieren. Das Orchester begleitete auch Herrn Romuald W i k a r s k i zu Beethovens c-Moll-Konz«t. Der Solist wirkt mehr durch Sachlichkeit und Sicherheit, als durch einen leidenschaftlichen oder persönlichen Ausdruck. Die Kadenz des ersten Satzes erscheint so groß, wie der gesamte Klavierpart des Solo. Gerade hier aber zeigte der Pianist Schwung und Lebendigkeit. Die Novembcrgruppe bringt immer neue, abwegig« Musik. Es ist schwer, diese komplizierten Gebilde noch einmaligem Hären zu beurteilen. Die zweite Sonate von Honegger scheint im jubelnden Schlußsatz ihren Haupttrumps der Musikalität auszu- Wielen, überrascht aber in den übrigen Teilen kaum mehr durch Gewogthelten, sicher nicht durch starte Erfindung. Die Klavier- kapitel von S a t i e sind lockere, dustige, programmatische Scherze, die Johannes Strauß zu gutem Eindruck bringt. An den Naturgeschichten von Ravel kann ich mich nicht erfreuen. Es sind eigentlich nur buut ausstaftierte Rezitative, die durch bestimmte Nach- ohmung von Schrstt, Geste und Naturlaut den Eindruck Renardsch« Tiersilhouetten wiedergeben wollen. Das ist weniger Kunst als Kunstfertigkeit. Philipp Iarnach spielte die witzigen Kleinig. testen sehr pointiert und Manja Barkon ließ ihre beseelte Stimme wohlig über den Tasten schwingen. Mit Novitäten ähnlicher Art'suchte auch Hans Basser- mann sein letztes Konzert interessant zu machen. S i« g s r i e d Wolther-Millers Sonate opus 7 Nummer 2 ist anständig« Facharbeit, kurz und prägnant, ohne allzu deutliche, modernistische Abschweifung. Gerade das Frühlingsmäßige, das der Sonate zu einem besonderen Titel verhilft, sehlt den Sätzen und ein Aus- schwingen un persönlichen Gefühl kann der kurze langsam« Satz nicht vortäuschen. Keck, frisch und lustig dagegen der tänzerische Schlußsatz. D« viel schreibende Emil Bahnt« war mit einer Sologeigensonate opus 15 Nummer 3 hier vertreten. Es ist kein Zweifel, daß dieser ernste, zwischen Brahms und Reger vermittelnde Komponist für die Sologeige neue Klang- und Ausdrucksmöglichheiten geschaffen hat. Er macht sich die Arbest aber, was das musikalische Substrat anbelangt, etwas zu leicht und sollte doch bei seiner großen Begabung weniger bei Reger als bei Bach fein Borbild suchen. Hans Basscrmann spielte beide Werke in technischer Vollendung, zu- gleich virtuos und einfühlsam, mst großem schönen Ton. Von den Sängen, der Woche verdient Richard Mayer aus Wien den Vartrstt. Er sang in der Städtischen Oper den Sarastro und entzückte nicht nur durch das Volumen und das Edel» metall seines schwarzen Basses, sondern durch die vornehme musikali- sche Art, in der er die Zauberslötenarien aus seinem Atem zu uns schwingen ließ. Man sollte ihn sehr bald einmal als Sachs, Lepo» rello und Ochs von Lcrchenau hören, während man statt Fräulein Holmgren als Königin der Nacht die aus Engagement lauernde, für fölschuygssache, einen gewissen Roda und einen gewissen Im? an," namhaft gemacht haben. Auch sollen sie angegeben haben, daß nicht, wie bisher angegeben wurde 2Ü000 Stück, sondern 1 25 000, F a l s ch st ü ck e der Tausendsranknoten im kartogrophischcu Institut erzeugt worden sind» Wie die von der Polizei durchgeführten Untersuchungen ergeben hoben, sind die u n g a r i s ch c n P ä s s e für Iankowics, Dr. Schwetz, Jaray und Roda im Juni' vom Paßamt der Budapest« Polizei ausgestellt worden. Der Leiter des Paßamts, Oberstadthauptmann- Stellvertreter Hctenyi erklärte zwei Berichterstattern gegenüber, daß er seinerzeit die Pässe aus Weisung Nadossys ausgestellt habe. Thomas über üen Genfer Skandal. Keine„Erregung" in(Senf— aber„Beklommenheit" über die Hngenberg-Preffe! Dem.Reichsdienst der deutschen Presse" gab Gen. Albert Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, ein Interview, in dem er erklärte: Erregung hat die Behandlung der Sekretariotsfrage ln der deutschen Oeffentlichkeit in Genf nicht gerade hervorgerufen, das wäre zuviel gesagt. Aber es ist doch kein Zweifel darüber möz- lich, daß die Art und Weise, wie man die Verhandlungen über die Sekretariatsposten in der deutschen Presse auf die Straße zerrt, in Gens eine gewisse Beklommenheit aus- gelöst hat. Den Bekundungen des berühmten Aschmann-Tele- gram ms über die.Beunruhigung", die in Genf durch die Aufstellung angeblicher deutscher.Parteilisten" hervorgerufen worden sei, steht diese Erklärung des Direktors des Inter- nationalen Arbeitsamts diametral gegenüber. Nicht über „Parteilisten", die nicht existieren, sondern über den schmutzigen Lügenskandal, den die Hugenberg-Presse entfesselt, hat man sich in Genf.beunruhigt"._ Sanierungskampf in Zrankreich. Zuspitzung des Konflikts mit Toumer. Pari». 20. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der Konflikt zwischen der Mehrheit der Finanzkommission und der Regierung ist durch das Austreten des Finonzministers schärfer denN je. Die Finanzkommission wollte Doumer Gelegenheil geben, sich zu den von ihr ausgearbeiteten Sanienmgsoorschlägen zu äußern. Er hat dabei den Entwurf der Kommission einer Kritik unterzogen, und sich zu der Behauptung verstiegen, daß das Plenum der Kommer diese„Hirngespinste" wie Streu hinwegfegen»erde. Aber schon die nächsten Tag« dürsten Doumer darüber belehren, daß er sich verrechnet hat: denn für die Regierungsvarlage ist sicherlich keine Mehrheit vorhanden. Eirtscheidend ist für die weitere Entwicklung der Dinge, ob Domner im Namen der Re- gierung oder in seinem eigenen gesprochen hat und welch« Haltung die Mitglieder des Kabinetts zu seinen Ausführungen einnehmen werden. Die Finanzkommission hat beschlossen, den Ministerpräsidenten zu einer Aussprache einzuladen. Nach der persönlichen Zuspitzung, di« die Krise angenommen hat, wird D r i a i n d den offenen Konflikt mit der Linken nur noch vermeiden können, wenn« sich entschließt, seinen F i n a n z m i n i st e r z U opfern._ Veulsch-franzSsische Verständigung. In der deutschen Votschäft in Pari? fand am Mittwoch zu Edren von Thoiva» Mann und Alfred Kerr«in Emvfang statt, zudem mehrere französische Minister, darünier Painlcvs, Taladier. de Movzie, tcrver der Eenrral« sekrelär deS Auswärtipen Amte» Bertbelot. Rektoren der Pariser Universität und Akademie sowie führende Persönlichkeiten der Wisienschaft und de? Geistesleben» Frankreichs erschienen waren. Tboma» Mann hatte am Nachmittag in der Carnegie-Stistung über die neuen geistigen Strömungen in Teutschland. Kerr in einer Veranstaltung der republikanischen Verbände über die dramatische Literatur und ihre Aufgabe im Dienste der Völkerversöhnung gesprochen. diese Roll« prädestinierte Sabine Merzen bemühen dürste. Charlotte Berny Hot einen ausdrucksvollen, schönen und großen Sopran, der aber in d« Höh« krompsig klingt: dieses schreiende an einem an sich schönen Material bedarf der sofortigen und energischen Kur. L i l l I W i ck o p dagegen ist in den letzten Jahren zu einer Sopranistin von Rang emporgestiegen. Ihr Sopran ist sülliger, rund«, größer geworden, und es war«ine rein« Freude. zu hören, wie sie ihr« Musikalität in neuen W«ken von Othegraven und Kluge erwies. Allerdings hatte sie im Beethoven-Ehor unter glänzender Führung von Hans Meißner eine hervorragend« Unterstützung. Das Dohnhordtsche Quartett rnw Hall« spielt noch ein wenig robust, aber auch feurig. Del weiterer Ber- tiefung und Einordnung der vier jungen Leute in einen Gesamt- willen wird es noch von sich reden machen. Was ich von dem uraufgeführten Quartett von Hans Kleemann hört«, war gute, saubere, nachromantische Epigonenarbeit. Ceo Blech kehrt zur Slaatsop« zurück. Di« in den letzten Tagen von Erich Kleiber persönlich geführten Verhandlungen haben das Er- gebnis gehabt, daß Leo Blech am 1. April mit einem zunächst drei- jährigen Vertrage wieder als Generalmusikdirektor mit den gleichen Kompetenzen wie Kleiber in den Verband der Berliner Staotsopcrn tritt. Damit erhält dies« wertvolle, zurzeit brach lieamde Kraft eines der bedeutendsten Operndirigenten wieder ein fruchtbares Tätigkeits- feld. vnd zugleich erhält die Berliner Staatsoper endlich wieder einen überragenden musikalischen Leiter, der diesem Institut wieder die ihm gebührende führend« Stellung verleihen und hoffentlich auch besonders die Kroll-Oper, das Opernhaus der Volksbühne, aus ihrer Stagnation«mvorreißen wird. Leo Blech hat schon früher 14 Johre lang an der Berliner Staatsoper gewirkt und seine Stellung vor reichlich zwei Jahren wegen seiner Konflikte mit dem damaligen Intendanten Schillings verlassen. Da Blech mit dem größten Teile des Künstlerpersonals der Berliner Staotsop« noch gut eingearbeitet ist und ihm auch von der Oeffentlichkeit und der staatlichen Kunst. Verwaltung das größte Vertrauen entaegengebracht wird, darf man an seine Rückkehr auf. seinen früheren Posten die besten Erwartungen knüpfen. Arme Sowjcldlpkomaken! Tschitsch«in schlug dem Zentral- komite« der russischen Kommunistischen Partei die Unlformicrung d« nissischen Diplomaten vor. Das Zentralkomitee lehnte diesen Vor« schlag ab, da eine Uniformierung der Sowjetdiplomaten mit den üblichen UnijorMen den kommunistischen Prinzipien widerspreche» würde. Schade, daß die Welt um das lustige Schauspiel kommt, das uns di« Revolutionäre im gestickten Poradefrack und mit dem Galante ri«d«gen zweifellos geboten hätten. Und Orden hätten sie doch auch tragen müssen, um nicht allzusehr abzustechen. Die politi- sche Mimikry ist um ein lehrreiches Exempel gekommen. Z» tessiog-INusem» spricht DornteeMm 8 Mr Sottfried ve'» za LesswgS G-burtStag über;.Less in a und Herd«»." Selm« Hunia« berger spieU Bach und Handel. volksentstbeiü über§ürftenabsinöung. Tie Vermittlung des ATGB. Der VunÄesvorstand des Mgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsburides. der vom sozialdemokratischen Parteiausschuß aufgefordert worden war, zwischen den Parteien zu vermitteln, um dem Volksentscheid über die Abfindung der Fürsten eine einheitliche Grundlage zu geben, hat am Mittwoch beschlossen, sofort nach Erledigung der Vorarbeiten beide Parteien zu einer gemeinsamen Sitzung zu laden. Diese Sitzung wird voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche stattfinden._ Der Staat soll Sie Mätressen zahlen... Ter Ztrrlitzer Nbstndungsprozest vor dem Kammergericht Der schon erwähnte Prozeß gegen die Erben des früheren Großherzog» Adolf Friedrich V. von Mecklen- burg-streliß, dessen„Freundin", eine frühere Schauspielerin Urbas, jetzige„Contessa de Mazzenau", auf Weiterzahlung ihrer lebens» länglichen Rente von jährlich 20 000 Goldmarl besteht, ist noch nicht zu Ende gekommen. Vor dem dritten Senat des Kammergerichts zu Berlin wurde in mehrstündiger Sitzung von dem Vertreter der Großherzogserben die Abweisung der Forderung aus zwei Gründen beantragt. Di« Zulage des Großherzog» sei nicht durch ein regelrechtes Testament gegeben worden, fondern nur durch einen Brief, in dem der Adolf Friedrich seiner„Freundin" für die ihm er- wiesenen Freundlichkeiten dankte und ihr eine Iahresrente von 20 000 Mark aussetzte. Es sei nicht die Art mecklenburgischer Groß- herzöge, ihre Testamente in solcher Form zu Papier zu bringen, vielmehr sei es bei ihnen stets Brauch gewesen, ihre Testamente in der für ste vorgeschriebenen Form abzufassen und sie dem Mini- jierium zur Ausbewahrung zu überweisen. Aber selbst wenn der Brief als regelrechtes Testament gelten müßte, könnt« daraus für die Hinterbliebenen nichts folgern. Desto mehr folgerte der großherzogliche Vertreter daraus für den F r e i» st a a t Mecklenburg, der verpflichtet sein soll, ohne Rücksicht aus das Dolksinteresse für die„Freundin" des ehemaligen„Landes- vaters" bis an ihr Lebensende die geforderten 20 000 Mt. pro Jahr zu zahlen. Tatsächlich sei ja, führte er aus, der Staat Mecklenburg der Erbe des grotzherzoglichen Vermögens geworden, das— nebenbei bemerkt— auf ein bis anderthalb Milliarden Goldmork geschützt wird. Aus den Grund und Boden, der bis zuletzt Eigentum de» Großherzogs gewesen sei. habe der Staat die Hand gelegt und nur «in geringer Besitz sei den persönlichen Erben überlasten worden. Als Rechtsnachfolger des Großherzog» mäste nun der Slaat, de» hauptet« der Vertreter der Großherzogserben, jene Verpflichtung mitübernehmen. Für die Klägerin erwiderte ihr Rechtsbeistand, maßgebend sei hier-das Bürgerliche Gesetzbuch in Verbindung mit dem mecklen- burgischen Hausgesetz. Der Brief sel ein eigenhändige» Testament de» Verstorbenen, da könne die Klägerin sich mit ihrer Forderung nur'an seine Erben wenden. Wie weit der Staat von ihnen haftbar gemacht werden könne, sei«ine andere Frage. Ausführlich unterhielt man sich darüber, ob es den Erben mög- lich ist, die geforderten 20 000 Mk. zu zahlen. Daß 20 000 Mk. für sie keine Rolle spielen, hob der Rechtsbeistand der Klägerin hervor. Der Vertreter der Großherzogserben bestritt das und wollte glauben machen, daß es der verklagten Witwe und ihren Töchtern gar nicht gm gehe. Schließlich wurde die Verhandlung abgebrochen. Das Gericht will noch darüber beschliehen, ob Beweiserhebung nötig ist. Die öilöer öee Wolfen. Kommunistischer Unsiiui. qovnover, 20. Januar. lEigener Drahibericbt.) Die.Rote Fahne" behauptete am Mittwoch. Oberpräsident NoSke in Hannover habe genehmigt, daß l~3 wertvolle Bilder, die sich in Hannover befanden, vom früheren Herzog von Braun schweig zum Teil zun, Preise von 900 000 M. nach England verkauft worden sind. Für 900 000 M. hat die Provinz Hannover für da» Provinzialmuseum Bilder gekauft. die dadurch der Stadt und Provinz Hannover erKalle» wurden. Rad England ist ein Biid für mehr al» eine Million Mark aller- ding» verkaust worden. Der O b« r Präsident hatte keinerlei Genehmigungsrecht in der Angelegenheit. Die vergessenen berliner Arbeitslosen. Eine Antwort des Wohlfahrtsministers. Zu'Unserer Veröffentlichung im gestrigen Morgenblatt wird uns aus dem preußischen Wohlsahrtsministerium mitgeteilt: „Aus den zur Förderung von Notstandsarbeiten aus Mitteln der produktiven Erwerbelofensürlorg« verfügbaren Fonds sind bisher alle eingegangenen kommunalen Anträge, soweit sie den mit Zustimmung des Reichsrats«rlosienen Bestimmungen vom »0. April v. I. entsprechen, gefördert worden. Eine Zurückweisung von Anträgen aus Mangel an Mitteln ist bisher in keinem Falle Auch der Stadt Berlin sind olle ihr bisher eingereichte Anträge ohne Rücksicht auf das« i n st w« i l» n dem OberprS- sidenten für kW zugewiesene Kontingent bewilligt worden. Da- mit entfallen auch alle an die Anfteillmg de» Kontingents durch den Oberpräsidenten geknüpften Kombinationen. Die Förderung der durch die Deutsche Oedlandkult Urgesellschaft auszuführenden Melioration-arbeiten ersolcst au» besonderen Mitteln, so daß die Berliner Ratstandsarbeiten dadurch in keiner Weis? beeinträchtigt werden. Das von einer bureaukrotischei, Behandlung von Anträgen de? Stadt Berlin durch die Behörden nicht gesprochen werden kann, geht schon aus der Totsach« hervor, daß die Berliner An. träge innerhalb von drei Tagen durch die zuständigen Reich»- und Staatsbehörden genehmigt worden sind" Diese Mitteilung des preußischen Wohlfahrtsministeriums geht rnn den Kern der Angelegenheit vorsichtig herum. Wir haben keinesfalls behauptet, daß Anträge aus Mangel an Mitteln - zurückgewiesen worden seien. Wir haben nur festgestellt, daß der dem Oberpräsidenten für Berliner Notstandsarbeiten zur Verfügung gestellte Fond» insgesamt S Millionen beträgt und daß von diesen S Millionen Millionen der Dentchsen Oedlandkulmr- gesellschast überwiesen worden sind. Dies« Tatsachen werden von der Mitteilung de» Wohlsahrtsministerium» nicht bestritten. Da, Wohlsahrtsministerium erklärt, daß dem Oberpräsidenten die von uns mitgeteilte Summe„einstweilen bewilligt worden fei. Damit scheint gesagt, daß auch das Wohlfahrtsministertum diese Summ« keineswegs für ausreichend hält. Auch die weitere For- musiemng der Erklärung ist sehr vorsichtlg gehalten. Sie spricht ausdrücklich von den kommunalen Anträgen, aber nicht von den Anträgen des Landesarbeitsamts Berlin. Da» Wohlsahrtsministerium sagt auch, daß alle Anträge g«. fördert worden seien, soweit sie mit den Bestimmungen vom Z0 April i» Uedereiusttmmung sei««. Damit wird stillschweigend zugegeben, daß nicht alle Anträge gefördert wurden. In den Bestimmungen vom 30. April heißt es, daß solche Notstandsarbeiten besonders gefördert werden müßten. „die geeignet sind, die Menge einheimischer Nahrungsmittel. Roh- stoffe und Betriebssiosfe zu vermehren: die in hohem Meße menschliche Art ci'elraft beanspruchen und in geringem Maße fach- lichm Auswand verbrauchen: durch deren Ausführung für die Dauer eine»orteilhaitere Verteilung der Arbeits- k r ä s t e herbeigeführt oder neue Arbeitsgelegenheit geschassen wird; vor allem auch solche Arbeiten, die dem Uebergang großstädtischer Arbeitsträste in ein ländliches oder kleinstädtisches Arbeitsverhältnis dienen." Legt man diese Bestimmungen engherzig-bureaukratisch aus, dann wird man in Verlin überhaupt kaum Notstandsarbeiten finden. Aber wir glauben, daß die in einer Großstadt wie Berlin besonders notwendige Anlegung von Spielplätzen durchaus den Punkten 2 und 3 dieser Bestimmungen entspricht. Trotzdem v e r» weigert das Oberpräsidium die Anlegung von Spielplätzen als Notstandsarbeiten zu betrachten. Wir verkennen keineswegs, daß an der Vernachlässigung der Berliner Notstondsarbeiten der Magistrat der Stadt Berlin nicht schuldlos ist. Wenn dem Magistrat aber von vornherein durch eine engherzige Auslegung der Bestimmungen vom 30. April die Hände gebunden werden, und wenn dem Oberpräsidenten nicht die notwen- digen Gelder zur Verfügung gestellt werden, dann nützen auch die besten Anträge nichts. Aus der Mitteilung des Wohlsahrtsministerium» scheint immer- hin hervorzugehen, daß es nunmehr Sache des Mogistrats ist, ent- sprechende Anträge zu stellen. Wir werden nicht verfehlen, die Oesfentlichkeit von dem Schicksal dieser Anträge, die wir nunmehr erwarten, zu unterrichten. Kürzung von Lohnen unö Gehältern. Ein Zentrumsautrag im Staatsrat. Der Preußische Staatsrat berät in diesen Tagen den Haushalt für das Jahr 192S. Auch hierbei machen sich die Bestrebungen bemerkbar, die öffentlichen Ausgaben auf Kosten der Mafien des Volkes herabzusetzen. Visher aber war es den Rechtsparteien vorbehalten, einen derartigen Vorstoß zu machen, der mit den sozialen Grundsätzen in so schroffem Widerspruch steht. Nunmehr aber scheinen diese Bestrebungen euch bereits im Zentrum wirksam geworden zu sein. Von dem Zentrumsmitglied des Preußischen Staatsrats, dem Abg. Kaiser, einem Stadtrat in Dortmund, ist nämlich ein Antrag gestellt morden, der folgend« unerhörte Forderungen an die preußische und die Reichsgesetzgebung stellt: Diesen dauernden Ersparnismöglichkeiten gegenüber verlangt die gegenwärtige Lage noch weitere Maßnahmen vorübergehender Art, selbst wenn ste dazu führen sollten, daß auf ein oder einige Jahre diese oder jene an sich durchaus notwendig« Einrich- tnng öffentlichen Charakter» teilweise oder ganz stillgelegt werden müßt«. Jedenfalls dürfen für das Jahr 1926 keine neuen Stellen gegründet werden. Soweit in einigen Lerwaltungszweigen«ine Vermehrung notwendig ist. nrüfien Stellen aus anderen Verwaltungszweigen dorthin über- nommen werden. Die durch natürlichen Abgang freiwerdenden Stellen dürfen nicht wieder besetzt werden. An Arbeitszeit und Leistung der Beamten, Angestellten und Lehrer müssen vorübergehend erhöhte Anforde» rungen gestellt werden. Durch rdchsgesehllche Bestimmungen sollen die Bezüge aller Lohn- und Gehallsempsänger öffentlicher und privater Verwaltungen und Betriebe(nach oben zu gestaffelt) verkürzt werden. Ein Teil der dadurch freiwerdenden Slusgoben wäre zur Herabsetzung der Steuern, ein Teil zur Vergebung größerer Aufträge und Belebung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts zu verwenden. Wir möchten einstweilen annehmen, daß dieser Antrag eine Privatarbeit des Abg. Kaiser ist und nicht durch die Zentrumspartei gedeckt wird. Es erscheint jedoch unbedingt notwendig, daß darüber sehr bald Klarheit geschaffen wird. Denn auch im Zentrum dürfte man sich doch keiner Täuschung darüber hingeben, daß der Versuch einer allgemeinen Ausdehnung der Arbeitszeit und einer Kürzung der Löhne und Gehälter zu den f ch w« r st e n politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen führen müfie._ Die Umgemeinöungen in Westfalen. Beratungen im tvemeindeausschust. Der Gemelndeousschuh de» Landtags beschloß am Mitt- woch bei der Beratung des Gesetzentwurfs zur Neuregelung der kommunalen Grenzen in Rhetnland-Wejt- falen. daß eine Mittelstadt Wattenscheid bestehen bleiben soll. Die Gemeinde Günnigfeld kommt zu Wattenscheid, ebenso die Gemeinde Höntrop und Eppendorf mit Ausnahme des Walzwerkes der Abteilung Bochumer Verein, das auch gemeindlich mit dem Hauptwerk des'Bochumer Vereins verbunden wird. Der Ortstell Haferfeld fällt cm Steele, Weitmar wird Bochum«inge- meindet, Altenbochum kommt nach der Regierungsvorlog« zu Bochum, ebenso Hordel, dagegen die Kolonie nomggrude zu Warme: die Kolonie Hannover wird Hordel angegliedert. Rienkcn wird zu Bochum geschlagen mit Ausnahme des Rordzipfels. der nach Wanne kommt. Gegen die sofortige Regelung der Umgemeindung Solingens werden von der Regierung Bedenken geltend gemocht: auch die Frage der Umgemeindung Bergens noch Herne oder nach Bochum ist noch ungeklärt.— Der Gemcindeausschuß setzt am Donnerstag seine Beratungen fort. Knebelung öer Gelstesfreihelt? Unmöglich« Anträge im BildungSausschuh. Im Bildungsausschuh des Reichstags versuchen die Rechtsparteien immer wieder, das ohnehin schon unmögliche Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutz- s ch r i s t e n noch weiter zu verschlechtern. Jetzt wollen st« sogar ollen„öffentlich-rechtlichen Körperschasten". also den kirchlichen Ge- meinden und oll den frommen Vereinen, das Recht geben, die Auf. nahm« von Schriften auf die schwarze Liste beantragen zu können. Außerdem sollen von den Landesregierungen bezeichnete Stellen das Recht der sofortigen Beschlagnahme erhalten, um ohne Prüfung sofort die Verbreitung einer Schrift unmöglich zu machen. Das schönste ist, daß mir dem Reichsanzeiger, dem Buchhändler-Börsen- tlatt und den offiziellen Amtsblättern das Recht der Bekannt- machung der aus die schwarze Liste gesetzten Schrisde» zugestanden werden soll. Demgegenüber vertrat Geiwsie Löwen st«in die Auffassung, daß die Landesjngendämter die allein antragsberechtigt« Instanz sein dürften. In ihnen sind alle Organe der Jugendpflege. auch die kirchlichen, vertreten. Den dautschnationalen Wunsch aus i orläufige Beschlagnahme bezeichnete er al» einen Eingriff in die Recht? reichspolizeilicher Maßnahmen. Vor allem wandte er sich dagegen, aus den Verösfentlichungen der verbotenen Schriften eine Heimlichkeit zu machen, wodurch zahllose kleine Buchhändler mit dem Gesetz in Konflikt geraten würden, well ihnen da» Verbot gar nicht zur Kenntnis kommt. Preußen unä Reichsrat. Ter Staatsrat gegen einheitliche Stimmenabgabe. Der Berfas sungsauSschuß de» Preußischen SiaaiSrat» hat am Mittwach nach einem Referat de» StaatSselretäis Weiß« mann über die Siellungnahme de» Kabinetis zu dem Landiag»- beschluß über die einheitliche Stimmabgabe Preußen» im RcichSrat gegen bis Sozialdemokraten beichlofien, dem Plenum de» Staatsrat» vorzuschlagen, gegen diese» Gesetz Einipruch zu erheben. Nur keine Neinungsfreibeit! Ein Moskauer Tagesbefehl an die Komintern. Schon wührend der Debatten des Parteikongrcfies kam bei allen Diskussionsrednern deutlich die Sorge zum Ausdruck. daß die Meinungsverschiedenheiten in der russischen kommu- nistifchen Partei auf die kommunistischen Parteien Europas übergreifen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde werden schon die Berichte in der„P r a w d a" fein säuberlich stilisiert und einer strengen Zensur unterworfen, ehe sie erscheinen. So kommt es, daß z. B. die mehr als vierstündige Schlußrede Sinowjews in der Debatte über die allgemeine Politik der Russen sich in der„Prawha" wie eine kleine, verhältnismäßig belang- lose Diskussionsrede liest. Für den Handgebrauch der euro- oäischen Kommunisten erscheint dann eine besondere Zlusgabe der sogenannten„Jmprekorr"(Internationale Presse- korrespondenz) und deren Berichte sind wiederum so gekürzt, daß nur das unbedingt Rotwendige bis zu den Gläubigen Westeuropas gelangt. Jetzt veröffentlicht die„Prawda" am 14. Januar ein Schreiben der russischen Partei(wohl- Hemerkt nicht etwa der Leitung der Komintern) an alle übrigen kommunistischen Parteien. In diescan Schreiben. dessen Bedeutung am 15. Januar in einem besonderen Leit- artikel unterstrichen wird, heißt es in deutlicher Befehlsfonn: „Das Zentralkomitee der Partei ist vollkommen einmütig in der Auffafiung, daß die Ueber tragung der Diskussion über die russische Frage in die Reihe der Komintern unerwünscht ist. Das Zentral- komitee ist ebenso einmütig, daß der Führung der Komintern wie früher volles Vertrauen und Unterstützung erhalten bleibt und er- halten bleiben muß. Da» Zentralkomitee hofft, daß die Bruder- Parteien gemeinsam mit der RKP. in geschlossenen Reihen aus dem historischen Wege unter dem Banner der KI. marschieren werden." Dieser Defehlsanweisung geht ein« ebenso abrupte, wie inhaltslos« und schiefe Darstellung der Diffe- renzpunkte in der russischen Partei voraus. Rur an einer Stelle wird ein wenig verraten, wie stark die Wirtschaft- l i ch e n Schwierigkeiten im getobten Lande des sozialistischen Aufbaues sind. Dort heißt es: „Das beim augenblicklichen Stand der Dinge zu beobachtende Anwachsen der gesellschaftlichen Widersprüche, das sich daraus er- klärt, daß im Dorf ein« große Meng« überflüssiger Bauernhände an-- wächst, ober In der Stadt Arbeitslosigkeit ist, und es außer- dem große Schichten minder qualifizierter und vorläufig auch noch schlecht bezahlter Arbeiter gibt(besonders diejenigen, die neu vom Dorf in die Stadt Übersiedelt sind), dieses Anwachsen der gesellschast- lichen Widersprüche stellte die Partei vor die Frage der konkrete» Wege der weiteren Entwicklung de» Landes in der Richtung auf den Sozialismus." Solche Zugeständnisse erfolgen aber nur in lichten Momenten. Im übrigen bleibt es bei der primitive« orthodoxen Auslegung, nach der in R u ß l a n d man sich zum Sozialismus entwickele, während im„faulen Westen", wo die„faule Demokratie" herrscht, alle Welt sich zur Hölle des Kapitalismus entwickelt. In dem Leitartikel der „Prawda" wird den Agenten der rufiischen Partei in West- europa klargemacht, daß sie sich um die russischen Angelegen- Herten nicht allzu sehr zu kümmern haben, daß sie im übrigen als Grundlage des Studiums dieser Dinge sich an die o f s r- zielten Konareßdotumente halten müssen. Allen Ernstes vertritt die„Prawda" als höchsten Inbegriff marxistischer Weisheit folgend« Theorie: „Der grundlegende Unterschied zwischen unserem Problem und den Problemen unserer westeuropäischen Genossen besteht darin, daß wir ein« Barkel sind, die die Regierungsgewall(lies Mlnlslersessel) in der Hand hat. während unsere ausländischen Genossen die Er- oberung der Macht erst vor sich haben und infolgedessen sie die Frage de» sozialistischen Ausbaues, ohne in Reformismus zu ver- fallen. Überhaupt gar nicht stellen können." Nach dieser genialen Weisheit wird also durch allerhöchstes Dekret der Moskauer Päpste festgestellt, daß sozialistische Ele- mente der Entwicklung nirgends möglich sind, so lange ihre Leute nickst oben auf sind. Ist das aber erreicht, dann voll- zieht sich diese Entwicklung von selber. Man weiß nicht, wor- über man mehr staunen soll, über die Naivität dieser Theorie oder über die Unverfrorenheit, mit der die Moskauer Machthaber glauben, daß es ihnen für immer möglich sein wird, die Erhalwng ihrer Position in den Augen ihrer Anhänger und vor allen Dingen der russischen Arbeiterschaft mit der Frage des Schicksals einer sozio- listischen Entwicklung zu identifizieren. Auch die Ideali- sierung des„Rep" und die Verherrlichung der russischen Staats- Wirtschaftspolitik wird auf die Dauer die russischen Arbeiter nicht abhalten, sich nicht nur um die Interessen der sie be- herrschenden Staatsbureaukratie. sondern auch um ihre eigenen zu kümmern. Und die kommunistischen Arbeiter Westeuropas werden zweifellos auch aus den rationierten Dosen, in denen ihnen über die russischen Probleme Bericht erstatte� wird, genug lernen, um den r i ch t i g e n Schluß aus diesen Debatten zu ziehen, den Schluß, daß die Volschewiki nach jahrelangen Umwegen schließlich zum Ausgangspunkt ihrer Revolution zurückkehren und daß sie damit wider Willen nachträglich die Berechtigung der sozial- demokratischen Kritik an ihrer utopistischen 5)altung anerkennen._ Die Ränmung der Kölner Zone wirb offiziell am 2R Januar mittag» 12 Ubr, beendet fein. Die N e cb t» k r e i s e rüsten ou» diesem Anlaß fcbon jetzt überall an großen Sieciei seierm In Bonn soll z. B. nach dem Abzug der Besatzung die Regimentösahne de» ehemaligen 7. Bonner Husarenreriment» seierl'ck» eingebolt werden. Da» Reichsbanner hat sich durch die geplanten antirepubli» konischen Beranstaltungen veranlaßt gelehem ebenfalls auf den Plan zu treten und in Köln zu einer Demonstration aufzurufen, zu der alle Reichsbannerorgant'otionen de» Reiche» Abordnungen entsenden. Di« vorliegenden Meldungen zur Beteiligung lassen ans eine ontzergewöhnlich« Mafiendemonstration für die Republik schließen. Graf kanih, der ausscheidend« Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Hot«in Dankschreiben de» Reichspräsidenten«r- halten. SerySiBschofisbewegung Die Arbeitslosigkeit der Fabrikarbeiter. ?ic Arkicitslosixikelt im Fabrikarbeiterverbande hat in den letzten Monaten einen ungeheuren Umsang erreicht. Man muh schon in der(Beschichte der Organisation auf die Störung der Wirtschast in den ersten Monaten des Weltkrieges oder auf die unheilvollen Zu- stände in der deutschen Wirtschast, z. B. des Währiingszusammen- bruchs Ende 1923, zurückgreisen, um ähnliche große Zahlen von Ar- beitslosen festzustellen wie gegenwärtig. Nach den statistischen Er- Hebungen warew am Ende Dezember nicht weniger als 18.3 P r o z. aller Mitglieder arbeitslos und die durchschnittliche Zahl der durch Kurzarbeit in ihrem Verdienst beschränkten Mitgliedeer betrug IS, 4 P r oz. Von 317473 Mitgliedern in 419 Verwaltungsstellen waren nicht weniger als SS 1S4 Mitglieder arbeitslos. 47 898 arbeiteten verkürzt. Die absolute Zahl der arbeitslosen und verkürzt arbeitenden Mitglieder ist noch wesentlich höher, da die Erhebung nur 0 0 P r o z. der Mitglieder und Verwaltungsstellen erfaßt. Die Nelatiozahlen dürften jedoch zutreffen. Mit welcher befremdender Schnelligkeit sich die Zahl der Er- werbslosen und Kurzarbeiter in den letzten Monaten vermehrt hat, geht aus der nachfolgenden Aufstellung hervor. Von je 100 BerbandSniitgliedern waren arbeitslos arbeiteten verkürzt 1923 Juli..... 3,8 2L Oktober.... 6,2 7,7 November... 11,1 13.3 Dezember... 18,3 13,4 Nach alledem, was wir über die Wirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft wissen, scheint die Ware„Arbeitskrast" am stärksten in Mitleidenschast gezogen zu sein. Jene Auffassung, daß die Arbeit- gebcr weit größere Arbeiterentlassungen vor- nehmen, als nach dem Beschäftigungsgrad der Betriebe not- wendig wäre— eine Auffassung, die auch das„Zentralblatt der Christlichen Gewerkschaften" vertritt(Nr. 1, 1926)— hat große Berechtigung. Von den einzelnen Industriezweigen, deren Arbeiterschaft im Fabrikarbciterverbonde ihre wirtschaftliche Interessenvertretung findet, ist es insbesondere die B a u st o s s i n d u st r i e. die Kautschukindustrie, die Spielworenindnstrie, teilweise auch die Papiererze ugungsindu st ri« und die chemische Industrie, in denen die Erwerbslosigkeit besonders großen Umfang angenommen hat. In Hannover, dsm /Haupt- fitz der deutschen K a u t s ch u k i n d u st r i e. hat sich die Gesamtzahl der darin Beschäftigten mindestens um ein Drittel verringert. Trotz- dem Hot die K u r z a r b e I t einen gewaltigen Umfang angenommen. Hier gibt es eine große Anzahl Arbeiter, die schon seit August oerkürzt arbeiten und mit sehr beschränktem Verdienst nach Hause gehen müssen. In Neubeckum, dem Haupt- fitz der rheinisch-we st fä tischen Zementindustrie. arbeiten drei Fünftel der Verbandsmitglieder verkürzt, und zwei Fünltel find vollkommen arbeitslos. In Köslin i. P. lvaren wegen Stillegung der Papierfobrik und der Baustoff- industrte 66 Proz. arbeitslos und 13 Proz. unserer Mitglieder arbeiteten verkürzt. In einer großen Zahl von Orten, die hier wegen Raummangel nicht alte ausgeführt werden können, ist weit mehr als die Hälfte der Mitglieder arbeitslos oder erwerbsbeschränkt. Der Fabrikarbeiterverband ist selbst nach Kräften bemüht, die Notloge seiner Mitglieder zu lindern. Durch seine Unterstützungs» «nrichtungen hat er nach vorläufiger Schätzung im letzten Quartal zirka 850 006 Mark für Eriverbslosenunterstühong aufgewandt, wovon zirka 500 000 Mark auf Arbeitslosenunterstützung und zirka 350 000 Mark auf Krankeminterstützung entfallen. Die relamte von ibm geleistete Erwerbslosenunterstützung im Jahre 1925 betrug fast 2 Millionen Mark. Eine große Reih« von Verwaltungs- stellen hat im letzten Quartal 1925 weit mehr an Arbeitslosenunter- stützung ausgezahlt, als sie an Mitgliederbeiträgen aufgebracht haben. Dringend erforderlich ist eine Erhöhung der ungenügenden staatlichen Erwerbslosen unter- stützung und der Wiedereinführung der Unter- stützung der Kurzarbeiter, um die ungeheure Not der Krisenopfer zu lindern. Die Kurzarbeiter leiden nicht weniger darunter als die Dollerwerbslosen. In allen Fällen, in denen die Arbeitszeitverkürzunq 24 Stunden und mehr beträgt, erhalten nach unserer Statistik die Hälft« der Kurzarbeiter nach Abzug der Versicherung?- biiträge und Steuern weniger als die Empfänger der Erwerbslosenunter st ützuag. Wir führen hier einige krasse Fälle von den vielen, die uns berichtet wurden, an: In der Papierfabrik Elkau In Viersen(Rbld.). die 130 Per� sonen beschäftigt, 100 männlische, 30 weiblich«, wird nur 3 Tage oder 24 Stunden gearbeitet. Der Tariflohn beträgt für Vollarbeiter 6l Pf., für Vollarbeiterinnen 41 Pf. pro Stund«. Nach Abzug der Steuern. Krankengeld usw. gehen die Arbeiter mit 12 M., die?lrbeiierinnen mit 8 M. Wochenverdienst nach Hauie. In einer chemischen Fabrik In Retchenstein in Schlesien ist ein Teil unserer Mitglieder infolge schlechten Geschäftsganges mir 3 Taae in der Woche beschäftigt. Der Tariflohn beträgt pro Stund« 40,5 Pf. 4. 1 Pf. Sozialzulage für Verheiratete. In 3 Arbeitstagen zu je 8 Stunden erhält das Mitglied einen Lohn von 9.96 M. Der A r b e it s l o s e in Neichenstein erhält pro Woche bot 2 Kindern (Wirtschaitsgebiet Osten, Ortsklasse 10) 12.24 M. Der Arbeitslose erhält also pro Woche ohne Arbelt 2,28 M. mehr als derjenige, der in der chemischen Industrie 3 Tage in der Woche arbeitet. In einer Fabrik der Ehamotteindustrie Schlesien» wurde einem Mitgliede unseres Verbandes nach Abzug der Versicherungsbeiträge 1,35 M. als Wochenverdienst ausgezahlt. Angesichts des ungeheuren Umfange» der Kurzarbeit und der Erwerbslosigkeit fordert der Vorstand des Fabrikarbeiterverbondes in einer Eingabe an Reichstag und Regierung die Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung und die Ausdehnung der Erwerbslosenunterstützung aus die Kurzarbeiter noch den Vorschlägen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunde». Weiter wird darin an die Regierungen de» Reiches und der Länder die Forderung gestellt, energische Schritt« zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit zu unternehmen. Insbesondere die beschleunigte Verwendung der Hauszins st euer- «rtröge zum Wohnungsbau, die Durchführung öffentlicher Arbeiten, serner eine Handelspolitik. die den Absatz deutscher industrieller Erzeugnisie Im Ausland« er- leichtert und eine Wirtschaftspolitik, die darauf abzielt, die Bestrebungen der Sewerkschaflen zur Hebung der Kaufkraft der Arbeiterschaft zu unterstützen. G. R. Sehrens und Neper. Ein erledigter Sorrumplerungsoerfuch. In de? Tonntagsnummer des„Deutschen" war eine Erklärung des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften veröffentlicht, die zu dem Fall« Behrens-Meyer Stellung nahm. E» heißt dort unter anderem: ..Der Vorstand des Zentralverbandes der Landarbeiter teilte mit, daß feine beiden Vorsitzenden, die Abgeordneten Behrens und Meyer, aus ihren eigenen Wunsch, so lange ihre Vor- flandsämter nicht ausüben, bis die Angelegenheit restlos ge- klärt ist... Der Vorstand de« Zentraloerband«» der Laicharbeiter hat den Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften gebeten, zwei Bevollmächrigte zu bestelle», die bis zur restlose» Klarstellung der Anm Tarifftreit im tvankgewerbe. Gestern fanden im Arbeitsministerium unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Kuttig Beratungen statt über die von den Ange- stelltenverbänden beantragte Verbindlichkeitserklärung der am 23. Dezember gefällten Schiedssprüche, die sich auf die Verlängerung de» Manteltarifs und auf eine Gehaltsregulierung beziehen. Die Bestrebungen des Derhondlungsleiter» waren darauf gerichtet, die Tarifverhandlunq doch noch auf dem Wege einer freien V e r- einbarung herbeizuführen. Ein Resultat konnte aber, wie das Wolff-Bureau nntteilt, nicht erzielt werden, da die Vertreter des Reichsverbandes der Bankleitungen hinsichtlich der Arbeitszeit eine vom Schiedsspruch abweichende Formulierung zur Vor- ausfetzuug für die sanstiae Annahme und für die etwa abzuschließende freie Dereinbarung mochten. Hierzu verhielten sich die Angestellten» vertrete? entweder ablehnend oder sie erklärten, daß erst Beratunze« darüber stattfinden müssen. Angelegenheit in der Leitung de» Zentralverbandes mitwirken. Der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften wird diesem Ersuchen entsprechen." In der Erklärung wird das Verhalten der beiden Vorsitzenden des christlichen Zentraloerbandes der Landarbeiter ausdrücklich mißbilligt. Man scheint somit innerhalb des Gesamtoerbandes eine reinliche Scheidung für notwendig zu hallen. Wir haben zwar keinerlei Verlangen, uns irgendwie in die internen Angelegenheiten der christlichen Gewerkschaften einzu- mischen, im Interesse der Reinheit der Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen und des nun einmal nicht zu umgehenden Zusammen- arbeitens der verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen im praktischen Gewerkschaftskampfe können wir die Stellungnahme der christlichen Gewerkschaften nur begrüßen. Wenn wir recht unterrichtet sind, dann dürste die verhängnisvolle Roll«, die die Behrens und Meyer in der christlichen Landarbeiterbewegung gespiell haben, zu End« sein. Damit dürfte auch der Versuch der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, auf dem Wege der K o r r u m p i e r u n g die Gewerkschaften matt zu setzen, erledigt sein. Dieser Versuch konnte nur von Leuten unternommen werden, für die die Macht des Geldes olles ist. Bei der parteigenössischen Verbundenheit der Behrens und Meyer nüt den Führern der Vereinigung der Deutschen Zlrbell- geberverbände ist es freilich nicht sehr überraschend, daß die Meißinger und von Zengen gerade bei den Vorsitzenden des christ- lichen Landarbeiterverbandes einhakten. Di« ganze Politik der Behrens und Meyer lief so immer darauf hinaus, eine Art Synthese zwischen christlichen Gewerkschaften und gelben Verbänden zu finden. Bon Unternehmern in irgend einer Form Geld nehmen, ist gerade das Kennzeichen der gelben Verbände. Die Behrens und Meyer, deren geistige Verbundenheit mit den Unternehmern längst offen zu Tage lag und schon durch ihre politische Tätigkell unvermeidlich war, hatten auch diesen letzten Schritt getan. Damit scheint ihrer verhängnisvollen Tätigkeit endlich ein Ziel gesetzt zu sein._ Das Elenö in der ZigaretteninSustrie. Lohndruck trotz Schiedsspruch. Eine außerordentliche Branchenversammlung der Zigaretten- maschinensührer und Bctriebshandwerker beschäftigte sich mit dem Vorgehen einzelner Zigarettenfabriken gegen den Schiedsspruch, den der Schlichmngsausschuß Groß-Berlin am 4. Dezember gesölll hat. Durch diesen aufAntragder Unter- n e h m e r erfolgten Schiedsspruch wurde die beabsichtigte z m o n zi g p r o z c n t i g e L o h n h e r a b s e tz u n g abgelehnt und die Entlohnung der Gruppe bis 31. März 1926 wie bisher fest- gelegt. Trotzdem am 21. Dezember die Unternehmer diesen Schiedsspruch anerkannt haben, versuchen sie teilweise mit allen Mitteln, seine Durchführung zu sabotieren. Sie weigern sich nicht nur, den tariflichen Lohn zu zahlen, sondern verlangen an den Maschinen Leistungen, die unmöglich erreicht werden können und auch nach dem erst kürzlich in Kraft getretenen Reichstaris verboten sind. Große Entrüstung löste die Bekanntgabe der Firmen aus, der einzigen Betriebe, die noch voll arbeiten. Um den Maßnahmen dieser Firmen nachdrücklichst Widerständ zu leisten, wurde mit Zustimmung der Ortsverwaltung der einstimmige Beschluß gesaßt, daß kein Berufskollege zu niedrigeren als den im Schiedsspruch sestgtlegten Löhnen orbelten darf. Das Ergebnis des am 2l. Dezember 1923 unter Vorsitz des Gewerberats Körner gefällten, für beide Parteien verbindlichen Schiedsspruches, nach dem die Urlaubszeit und die Dauer der bezahlten Krankheitstog« verkürzt worden sind, wurde mit Bedauern entgegengenommen. Heftig kritisiert wurde welier die Auswirkung de» am 1. Oktober vorigen Jahres in Kraft getretenen Tabak st«uergefetzes. Während vor einem Jahr in Berlin 140Betriebe voll arbeiteten, sind heute diese Betrieb« bi» auf 12 Betriebe stillgelegt. Bon den 12 Betrieben arbeiten auch wicdenim nur fünf mit stark verminderter Beleaschoft voll. Roch dein Tabaksteuergesetz vom 10. August 1923 sollen die Arbeiter, die infolge dieses Gesetzes arbeitslos werden oder kurzarbeiten müllen, eine Sonderunter stützung erholten. Die ein Bierteljahr nach Inkrafttreten de» Gesetzes am 16. Dezember 1925 vom Finanz- und Arbeitsministerinm erlaflenen Aiisführungsbestimmungen machen aus dem R e cki t aus Unterstützung«in« Armenunter- stützung. Gegen diese Maßnahmen der Regierung, die auf vi« arbeitslosen und kurzarbeitenden Tabakarbeiter wie ein Hohn wirkt, protestierten die Versammelten ganz entschieden. Sie verlangten von den Hauptvorständen der Organisationen energisckie Abwehrmnßnohmen. damit nicht eine blühende Industrie, in der Tausend« von Arbeitern Beschäftigung finden können, ver- pichtet wird._ Die firbestslosigkeit der Säcker und Konditoren. Sie ist den Bäckermeistern noch ntchk groß genug. vom Deutschen Nahrung»- und Genußmittelarbsitervcrband wird uns geschrieben: Unter den Mitgliedern de» Deutschen Rahrungs- und Genuß. mittelarbeiteroerband» verdoppelte sich die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter von Anfang bis zum Ende des Jahres 1925. Auf je 100 Mitglieder enisielen am 1. Januar des voriaen Jahren 16,3 Proz. Arbeitslos» und Kurzarbeiter, am 31. Dezember jedoch 33,2 Proz. Di« Zahl der Arbeitelosen stieg allein vom November bis zum Dezember von 5393 auf 11930. darunter die der weib- lichen von 2365 auf 7200, die der Kurzarbeiter von 4l?0 aus 6034. Bon se 100 Verbandsmitgliedern waren im Dezember 22 Proz. ar- beitslos gegenüber 9,9 Proz. im November. Sprunghaft nimmt die Arbeitslosigkeit von Woche zu Woche bei den Bäckern und Kon- ditoren zu. Nach der amtlichen Arbeitsnachweisstatistik waren Ende November 14 000 Böcker und Konditoren arbeitslos gegenüber 10 782 im Monat Juli. Trotz einer starken Ueberfüllung des Benifes— infolge der Wirtschaftskrise sind zahlreiche bisher in anderen Berufen be- schäftigte Bäcker und Konditoren wieder in ibr Handwerk zuriickge- strömt— bemühen sich die Bäcker- und Konditorenmeister bei den Landesregierungen, eine Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen über die Zahl der Lehrlinge zu er- reichen. Demgegenüber muß alles getan werden, gerade in heutiger Zell der Lehrtingszflchierei in diesem Gewerbe einen Riegel vorzu. schieben. Auch all« Eltern und Vormünder müssen sich hüten, ihre Söhne oder Mündel ein Handwerk erlernen zu lassen, in dem sie nach der Lehr« mit langer Arbeitslosigkeit rechnen müssen. f Kongreß be* christliche» Gewerkschafte«. Der 9. Kongreß der christlichen Gewerkschaften wird am 17. April und die folgenden Tage in Dortmund stattfinden. Als Togesordnungsgegenstände sind außer dem Bericht des Aus- schusses.'den üblichen Wahlen und der Beratung eingegangener An- träge die Behandlung folgender Fragen in Aussicht genommen: Die christlichen Gewerkschaften und die Gestaltung des beut- schen Volkslebens. Die Ordnung des Derhältnisses zwischen Arbeitgebern und Ar- beitnchmern. Loge und Aufgaben der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Sozialpolitik in Dergangenhell und Zukunft. Das Wohnungs- und Sicdlungswcsm. Grundlogen und Wege des gewerkschaftlichen Bildungswesens. Die beiden einlellcnden Borträge grundsätzlicher Art werden von Stegerwald und I m b u s ch geHaften werden. Kommunistische Bibellehre. Auf die Erwiderung des ADGB., die wir in unserer Dienstag. Morgennummer veröffentlichten, antwortet die„Rote Fahne" mit einem langen Artikel, der in dem üblichen bolschewistischen To.re geHallen ist. Am Schlüsse wendet sie sich gegen den„Norwärts". indem sie triumphierend ausruft:„Wenn die Sowjetregierung die Bibel herausgib., dann haben die Menfchewisten des„Borwärts" wirklich keine Ursache, über die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Sowjetrußland zu jammern" Wir stellen nur bescheiden fest, daß die Sowsetregierung die Berösfenllichung s o z i a l i st is ch e r Zeitungen, Zeitschriften oder Broschüren unterdrückt. Dogegen gibt sie die Bibel heraus. Die„Rote Fahne" sagt:„Sie erzieht die Jugend in ihrem Geiste." „Tas Schicksal älterer Angestellten." Zu der von uns im gestrigen Morgenblott mit diessr lleberschrift gegebenen Darstellung der �Otsch. Konsektion" teill uns die Firma Gebr. Heller u. Horwitz. Komm.-Ges. auf Aktien, mit, daß der 48iäbrige Bertreter H« n s ch e l nicht entlassen worden sei. Seit den 1. März 1925 sei ihm nahegelegt worden, sich um eine andere Stellung zu bemühen, da er der einzig« Unoerheiratete war und eine Entlassung verheirateter Angestelfter vermieden werden sollte. Es sei Henschel auch am ehesten möglich gewesen, infolge seines Ansehens in der Branche eine andere Tätigkeit zu finden. Auch als ihm Ende Dezember erneut nahegelegt wurde, seine Stellung bei der Finna aufzugeben, sei ihm ausdrücklich gesagt worden, daß es auf einige weitere Monate nicht ankäme. Private Verhältnisse hätten mit dazu beigetragen, ihn zu dem Selbstmord zu bewegen. Gerüchte über weitere Entlassungen älterer Angestellten seien unwahr. Wir können den Fall nicht nachprüfen, den wir lediglich als Beispiel angezogen hatten für das Schicksal der älteren Angestellten im ollgemeinen. Die Schlußsolgerungen, die wir iür die Angestellten, die noch jung sind, insbesondere daraus gezogen haben, werden durch die Rechtfertigung der Firma in diesem Falle nicht berührt._ Abnahme der Arbeitslosigkeit in Essen. Essen, 20. Januar.(TU.) In der vergangenen Woche hat sich die Zahl der unterstützten Erwerbslosen um 3047 auf 13 598 ver- mindert. Der Rückgang Ist darauf zurückzuführen, daß die 4230 durch Hochwasser erwerbslos gewordenen Unterstützungsempfänger bis auf 118 die Arbeit wieder ausnehmen konnten. Die Zahl der Werlsbenrlaubten ist von 1413 auf 1211 zurückgegangen. Mit Not- standsarbeiten werden 532 Erwerbslose beschäftigt. 1266 ausgesteuerte Erwerbslose werden von den Wohlsahrtsömtern unterstützt._ Unternehmer gegen«inen verbindlichen Schiedsspruch. Köln, 30. Januar.(Emener Trahtbericbt) In der Rtein- scbilsahrt drobt ein Kcnstili auszubrechen, da sich der Arbeiloeber- verband der Rheinreedereien weigert, den SchiedSipruch anzuerkennen. Er droht, die Reedereien stillzulegen, wenn die Arbeiter nicht eine Lohnkürzung zugestehen. Ter Schiedsspruch in der Schwarzwalder Uhrenindustrie. Der Schiedsspruch des Schlichwngsausfchusses Donaueschinqen vom 23. Dezember im Lohnstreit der Schwarzwälder Uhrenindiistrie ist vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Tie Türen stehen weit offen. Amsterdam. 20. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In ,�)et Volk" erklärt Genosse Stenhuis, daß der Internationale Gewert- schaftsbund jederzeft zu Berhandlungen unter seiner Leitung bereit wäre, sobald die russischen Gewerkschaften den Wunsch aussprechen, sich an die Amsterdamer Internationale anzuschließen. Bei der Ausnahme würde ihnen unbedingt e i n Posten im vorstand des IGB. eingeräumt werden. und man würde ihnen auch zugestehen, daß sie nicht jede Ber- bindung mit den kommunistischen Gewerkschaftszentralen auszugeben brauchen. Jedoch müsse der JGB. seinen eigenen Standpunkt wahren, wenn die Russen versprechen wollen, eine neu« Gewert- schaftsinternationale ins Leben zu rufen. Sollten die Russen etwa befürchten, daß sie zu„Reformisten" gemacht werden sollten, so stehe demgegenüber fest, daß im JGB. jeder aus seine Art selig werden könne. Da» eine müsse der JGB. beanspruchen, daß die kommunistische Zellenbildung unbedingt eing«. stellt wird. Wenn die Russen bereit wären, mit der westcuro- päischen Gcw4»kschastsbewegung zusammenzuarbeiten, dann könnten sie die Brücke zwischen dem Proletariat des Westens und dem des Ostens bilden, und es würden sich neue ungeahnte Möglichkeiten für den internationalen proletarischen Klassenkampf ergeben._ Ter Kampf in der belgischen Schwerindustrie. Brüssel, 20. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der Versuch der Arbeitgeber, im Henncgau die Werke der Schwerindustrie trotz de» Streits in Betrieb zu setzen, ist völlig gescheitert. Trotz eines Kampfes, der schon sieben Monate dauert, haben sich kaum 8 Proz. der Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit gemeldet, was keines- wegs zur Ausnahme des Betriebe« genügt. Nachdem die sozio- listischen Minister den Innenminister veranlaßt hatten, die Gen- darmerie aus dem Stveikgebiet zurückzuziehen, blieb die Ordnung völlig ungestört. «nrtsch« i P*r»f T.«rtaUndulhlt. Wroge oDqemelne gunllionSrvcrscmmIuna«ller Betrieb« ät«, Obleute und Bcrtraueno» Männer moraen. greitoa. abend 7 Ubr im fllubvoi', Cbntftt.!.«bbouDKÄ- ncbwen der Arbeitaeber inne bald der BBM0.-Betriebe, weboltolllruunic» und Ab»ila« bei Arbeit»,-itverkiireun«. ae,. Rotbe. Achtun«. SPW..»»l,arbeiter, Bezirk««betten! beute abend 7>4' bei©ar'ulif). iZriedenkir. 88, michtia« Bersiwmluna aller Partciaeno'l-n. Jeder mun erscheinen. Der Be bcau.schug. Sattler-, Tapez�rer. nnb Bartefentlernerband. Di« Denosien und ttalleeen. die au» dem Boden der Amsterdamer Eewerlschafsointer- nationale sieben, werden acdeten. in der h«i-te abend im Dewerltchast»- bau» um 7 Ubr stattfindenden 3abr-earncraloertrmmInna»u erscheine» und selbst sstr oolUiibliaen Besuch zu saraen. D-er fftcUlausa ftairti. Berantmor'Iich Kit Politik: Cmst«entet: Wirtkchatt: A tue Snternn,: EewerkschatlSbeweauna:?rie»-. wtiko.»: geuilleton: Dr. Iobn Schtkowiki! Lokale» und Sanstiac» grill«arstäbt:»nzeicicn: Ad. Silaeke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Vo:wärt»-Vrrla, S. m. b. S.. Berlin. Druck: Barwär.s-Buchdruckrrei und Bersnoeanftalt Paul Sineer u. Co. BerZin SR 88 Lin�endr-lle t, t'tutM 3 Beilage».„Unkei tathng»nd«ige»- und„xraucnstimme-. Ztr. 33 ♦»3.?ohrgtmg 1. Seilage öes Vorwärts Vonnerstag, 21. Jatmat 1926 Niemond soll fürchten, wenn er die Ueberschnft liest, dost ihm fetzt gute Ratschläge vorgesetzt werden, wie er haushalten soll. Guter Rat ist teuer heute, wo es zum Haushalten hinten und vorne nicht langt, und der beste Rat schafst nicht mehr Geld, wenn e» einmal zu wenig ist. Aber es ist eine merkwürdige Sache um das Haus- halten und den Haushalt. Wenn man nämlich alle Gelehrten der West zusammenkommen ließe und fragte ste, was ste vom Haushalten und vom Hausholt wissen, so kämen sie in die allergrößte Verlegen- heit. Denn die Wissenschaft hat sich mit allen möglichen und unmög- Uchen Dingen befaßt, vom Haushalten und vom Haushalt aber weiß sie nichts. Wer den Hausvätern und Hausfrauen ginge es nicht bester, wenn man sie fragte: Was wißt Ihr von Eurem Haushall. Sie läßen genau so verdutzt da. Sie haben auch allerlei in ihrem Leben gelernt, und es gibt zum mindesten keine Hausfrau, die nicht alle Einzelheiten chres Haushalls bis ins Letzte kennt, aber was der Haushalt, das Haushalten ist. darauf wüßte kaum ein Hausvater, kaum eine Hausfrau«ine Antwort. Wofür man arbeitet. Und doch ist der Haushall und das Haushallen neben der Arbeit und dem Verdienen nicht nur die ganze zweit« Hälft« des Lebens. iic ist sogar die wichtigere. Arbeiten tut der Mensch nämlich nur für den Haushalt, und verdienen tut er nur zum Verbrauchen. Eine ander« Frage ist e», ob das Arbeiten und Verdienen immer ange- nehm ist, auch ob es langt und langen kann, was erarbeitet und verdient wird. Wer das verbrauchen und haushalten ist der Zweck des Ar bestens und verdlenens. Um so merkwürdiger, daß die ganze Well vom Arbeilen und Verdienen etwas weiß, nichts aber davon, wofür gearbellet und verdient wird. Allerdings, in der kapita- listiichcn Well, in der wir leben, ist es kein Wunder. Wem's gut geht, der hat keinen Grund über den Haushall und das Haus- hüten nachzudenken, und wem's schlecht geht, der hat keine Z et t dazu. Kommt noch hinzu, daß d i e im allgemeinen die Wstssnichüft machen, denen es gut geht und daß denen, die Wissen- fchoft für diejenigen machen, denen es schlecht geht, ihren Kops voll davon hoben, wie es bester gehen könnte. Wie dann das, was erkämpft wird, verbraucht wird, ist eine Privatsache der Familien- näter und Hausfrauen. Der Hwishalt und das Haushallen ist im kapitalistischen Snstern eine Privatsache. Ist das des Rätsels Kern, daß man nichts davon weiß? Aber auch d»s Produzieren ist ja Privatsache, Privatsache der Kapitalisten und Unternehmer, sogar eine Privatsache im allerengsten Sinn. Sein Zweck ist der Profit. und der Zweck de» Prosits ist der haushall der Kapitalisten und Uniernehmer. in den er hineingeht Und doch gibt es Millionen von Büchern über dos Produzieren, auch wie man Profil macht. Vom Produzieren lernt die ganze Well schon in der Schule(vom Prosit weniger) Vom Haushalten aber lernt man nichts, und was die Wissenschaft darüber geschrieben hat(es taugt nichts!), könnte man bequem unter einem Arm nach Hause tragen. Arbeit zum JTebeti. Daß es nun aber den Millionen und aber Millionen arbeitenden Menschen in der kapitalistischen Well nicht so geht, wie es gehen sollte und könnte, das hat den Kampf gegen diese unvernünftige kapita- listische Well und für eine bessere Welt erzeugt, den Kamps für den Sozialismus. Millionen und aber Millionen von Familienvätern und Hausfrauen führen ihn. Das Leben soll nickt zur Arbeit, die Arbelt soll zum Leben dienen, das Haushalten nicht für das Produ- zieren, und das Produzieren nicht für dos Profitieren zugunsten weniger— sondern das Produzieren für das haushalten und dos Profitieren für alle, und zwar nicht, damit wieder und wieder produ- ziert wird, sondern damit man was vom Leben hat. Die Millionen und aber Millionen von arbeitenden Angestellten, Beamten und Arbeitern wollen also dem Haushalt und dem Haushallen die Stellung geben, die ihm vernünftigerweise gebührt, und die er in der kapitalistischen Well nur bei ganz wenigen" hat: bei den Kapitalisten und Unternehmern, bei denen die„Arbeit" sin der Hauptsache aller- dings die der anderen) wirklich zum Leben, das Produzieren wirklich zum Haushalten da ist. Das ist der Sinn des Sozialismus und der Zweck aller Sozialisicrung. Nun kann den Kapitalismus jeden Augenblick der Teufel holen. Er wächst seinen Herren, den Unter- nehmern, über den Kops. Ms die Währung im Herbst 1923 zu- sammeickrach in Deutschland, hat das zugleich auch fast den Zu- sammenbruch des Kapitalismus bedeutet, wenn die Unternehmer am Steuer der wlrlschast oersagen, müssen andere an ihre Stelle. Die schwere Krise, in der Deutschland eben steckt, ist auch wieder nur der Unfähigkeit der Unternehmer zu danken, zu leisten, wofür sie da sind. Wir leben in einer Demokratie. Wenn der Staat das isteuer ergreifen muß, sind die Bürger der Steuermann der Wirt- schaft. Weil das zu 75 Proz. arbeitende Menschen sind, hängt es nur von der Geschlolsenheit der arbeitenden Masten und ihrer Fähig- keit ab, die gesamte Wirtscholl auf ihre Interessen umzustellen. Das beißt aber, die gesamte Produktion vom Profit aus den Verbrauch, das Arbeiten aufs Leben, die Erzeugung aufs Haushalten umzu- stellen. Wie das ober gelingen soll, wenn man zwar allerlei vom Produzieren, nichts aber vom Haushalten weiß, das ist ein Rätsel. zur die sozialistische wirlschastsorduung kommt es nämlich nicht daraus an. daß jeder seine eigenen Sorgen kennt und daß man weiß. was man gerne möchte, sondern daß man die Stellung und die Funktion des einzelnen Haushalts im ganzen volkshaushalt kennt, daß man weih, daß ein Familienhaushalt ein Wirtschaftsbetrieb ist, und was für«in Wirtschaftsbetrieb er ist, was der gesamte Volks- haushall im Verhällnis zur gesamten volkswirtschaftlichen Pro- duktion, im Verhältnis zum Staats- und Gemeindchaushait, im Verhältnis zu den Staats- und Gemeinde betrieben darstellt, und daß man endlich aufs genaueste und klarste Bescheid darüber weiß, wie praktisch der ganze volkswirtschaftliche Produktionsapparat iür die in ihm und für ihn Arbeitenden mit dem denkbar größten Nutzen für das Leben aller fruchtbar gemacht werden kann. Dieses Wissen fällt niemand in den Schatz. Wenn die Arbeiterschaft die Macht hat, steht es noch lange nicht fest, daß sie damit etwas Per» nünftiges anfangen kann. Gewiß ist olle Weisheit ohne Macht leer und zwecklos. Aber alle Macht ohne genügenden Sachverstand, sie anzuwenden, ist blind. Das ist ja die größte Tragik des Bolschewismus, daß er aus einem Meer von proletarischen Leichen, Blut und Tränen erst mühsam sich Hindurchsinden muß. wozu er seine Macht gebrauchen kann. « Die Umstellung auf den Soziaiismus kann auch nur eine allmäh- l'rche sein. Vor ollem in dem Industriestaat Deutschland, wo man nicht wie in Rußland die Bauern sich selbst überlasten und durch Requisitionen von Lebensmitteln und durch Naturalsteuern die Industriearbeiterschaft durchschleppen kann, bis man zur Führung der Wirtschaft gescheit genug geworden ist. Daher muß man, bevor die Arbeiterschaft das Wirtschosts- und Machtsteuer ergreist, den Kapitalismus, den man ja zum Sozialismus verändern und um- stellen will, aufs gründlichste kennen. Man kennt den Kapitalismus aber absolut nur halb, d. h. aber, man kennt ihn überhaupt nicht, wenn man wohl den Unsinn der Profitwirtschaft und die Sorgen der arbeitenden Masten, nicht aber das unendlich komplizierte Zusammenspiel zwischen Produzieren und Haushallen kennt, und zwar vvn allen Sellen, das erst das kapllalisttsche System ausmacht.. Gerade darüber könnte jeder arbeitende Mensch sehr viel misten, wenn er sich in seinem Haushalt wenigstens so auskennen würde, wie er sich in seinem Betrieb und Berus auskennt, wie auch die Arbeiter- schaft erst zur Führung der Wirtschaft fähig wird, wenn sie sich, wie in der Produktion, so auch im gesamten Voltshaushalt auskennt. 'Weitere Artikel folgen.'» Staütheizuag in ltharlotteoburg! Seit einigen Iahren sini» in verschiedenen deutschen Städten— Hamburg, Kiel, Barmen, Braunschweig, Leipzig, Dresden, Schwerin. Neukölln usw.— berells Fernheizwerke in Betriebe, welche inner- halb ihres Anschlußreichs Wärm« an die Häuser liefern, ähnlich wie Gas, Wasier und Strom seitens der städtischen Werke geliefert wird. Das Bezirksamt Charlottenburg plant zurzeit das in Eharlottenburg sell rund 1? Iahren für das Rathaus und die umliegenden städtischen Gebäude bestehende Fernheizwerk zu einem Stadtheizwerk auszubauen, um einen größeren Teil der Stadt mll Wärme für Heizung und Warmwaster zu beliefernd Bei genügender Beteiligung der Abnehmer soll der Stadtteil zwischen Elektrizitätswerk— Steinplotz— Untergrundbahnhos Kaiserdanun— Elektrizitätswerk Anschluß erhallen. Zunächst wird jedoch nur«in Teil dieses Stadtgebiets mit den nötigen Lellungen versehen werden können. In den nächsten Wochen sollen Beauftragte des Bezirksamts die wärmetechnischen Einrichtungen der für einen Anschluß in Frage kommenden Häuser aufnehmen. Es wird gebeten. diesen im amtlichen Auftrage erscheinenden Ingenieuren, die sich durch eine mll dem Bezirksamtssiegel versehene Karte als solche auszuweisen haben, Zutrllt zu den Kesselräumen usw zu gewähren und gegebenenfalls erbetene Auskünfte zu erteilen. Die Bearbeitung des gesamten Entwurfes selbst erfolgt im städtischen Maschinenbau- a m t— Rathaus, Zimmer Nr. 414/416, Fernsprecher Hausanschluß 131 und 160—, dessen Leiter, Magistrotsbourat Schmidt, jede weitere gewünschte Auskunft auf Ansuchen erteilen wird. Sprech- zell 10 bis 12 Uhr vormittags. 71] Die Passion. Roman von Clara Diebig. Eva hatte dann nicht mehr geleugnet. Wozu? Einem Arzt, der nicht dumm ist, der seine Sache versteht, dem etwas vorzumachen, konnte, ihr ja nicht gelingen; das wußte sie. Und was half es ihr. daß der Professor in der Charit� so beruhigt hatte, das glaubten die Peterseims doch nicht. Die waren ängstlich. So alte Leute schon, und doch noch so angst» lich. Das begriff Eva wiederum nicht. Jetzt, nun ihre Per- sicherung, ihre Tränen, ihre Bitten nichts weiter gefruchtet halten, als daß die Peterseims versprachen, den Grund der Entlassung ihr nicht ins Zeugnis zu schreiben, war sie ruhiger geworden. Und merkwürdig war e?, daß sie trotz aller Auf- regung sich jetzt wieder etwas gesünder fühllc. Sie hatte sich aitsgcrafft. Sie war den alten Leuten nicht gram darum, daß die sie entließen, es würde ja schon irgendwie wieder werden. Ihr Zeugnis war gut; Grund der Entlassung: vier Treppen zu anstrengend. So schmerstich es Eva auch war, als sie in der kleinen bebänderten Küche, darinnen sie einst gesungen hatte, sich zum letztenmal umsah, so ernst ihr Gesicht auch war. die Lippen schmal und ganz blaß, sie war sich bewußt: es war nun einmal ihr Los, zu wandern. 23. „Wo sind S'e denn die letzten vier Wochen gewesen? Als Tag des Austritts steht hier der 80. März, jetzt haben wir morgen den 1. Mai?" Der Herr sah sie fragend an. aber Eva sagte lächelnd:„Ich war vier Wochen zu Hause." Wenn Cva gesagt hätte:„Ich war in der Charitä," hätte er sie vielleicht nicht genommen. So aber hatte er Neigung. sie zu mieten, denn er brauchte jemanden für seine kranke Tochter, und da er nicht jedes hohe Gehalt zahlen konnte, hatte er bis jetzt noch niemanden gefunden. Und dieses Mädchen sah ged"ld'g und sankt aus. Daß es ein wenig schielle und auch nicht scharf zu hören schien, das war für ihn weiter kein Hinderungzgrund. Im Gegenteil. So« hiechen würde das wahrscheinlich gerade oeiallen. Ihr gefielen nur diejenigen nicht, die ganz" ohne Fehl waren. Sophie, die Tochter des Herrn In'sndanturrat Rothe, mar gelähmt, an den Rollstuhl gefesselt, und zudem war ihr Rücken verkrümmt. Wenn eine vor ihr stand» schlank gewachsen, mit einem frischen Gesicht, eine, der das volle Leben aus allen Poren zu sprießen schien, dann kehrte sie sich ab. das mochte sie nicht sehen, das machte sie boshaft. Sie konnte sehr boshaft sein, ihre Mädchen so quälen, daß die nach vier Wochen schon wieder gingen. Mit dieser Eva Wilkowski würde es vielleicht gehen. Herr Rothe sagte:„Wenn Sie meiner Tochter zusagen, können Sie morgen gleich eintreten." Und Eva hoffte es, denn der Mann hatte solch bekümmertes Gesicht, traurige Augen und viele Falten auf der Stirn; er war ihr sympathisch. Sie wurde vor das Fräulein Sophie geführt. Eva. die nichts weiter wußte, als daß hier ein junges Mädchen zur Gesellschaft und Be- dienung der leidenden achtzehnjährigen To6)ter gesucht wurde, blinzelte erschrocken: die und achtzehnjährig?! Ein kleines Ge- sichl, gelb wie vergilbtes Papier, sah sie an, ein altes Gesicht: das Gesicht einer völlig Buckligen. Ein Buckel hinten, ein Buckel vorn. Und nun streckte die kleine Bucklige eine kleine; kinderkleine Hand aus:„Kommen Sie doch mal näher!" Hurtige schwarze, kluge Augen musterten Eva. Diese Muste- rung halte etwas Verletzendes, aber Eva sagte sich:„Halt Stand, du brauchst eine Unterkunft. Aus der Charit«) bist du wieder enllassen, das Geld, um zu privatisieren, hast du nicht." So blieb sie ruhig stehen, lächelte und ließ sich ge- duldig mustern. „Du kannst sie mieten. Papa," sagte das Fräulein, winkte ihren Vater an ihr Sesselchen und flüsterte ihm noch etwas ins Ohr. Aber dies Flüsteru mit einer Stimme, die scharf war und quäkig wie die eines unartigen Kindes, hörte Eva doch.„Hübsch ist sie nicht im mindesten. Sie gefällt mir." » Sie dürfen meiner Tochter manches nicht übelnehmen," sagte nachher der Vater, als er Eva hinausließ.„Das arme Kind ist selber so unglücklich daran, daß sie Wert darauf legt, nicht durch besonders hübsche Menschen in ihrer nächsten Um- gibung zu sehr an das eigene Gebrechen erinnert zu werden. Sie sind aber doch ganz gesund, nicht wahr?" Eva bejahte. „Meine arme Tocbter war früher ein so schönes Kind— wir haben noch eine Photogravhie von damals—. bis das Unglück kam." Der Vater schien es nötig zu finden, Eva näher zu unterrichten. Seine Augen blickten ietzt noch trau- riaer als drinnen bei der Tochter. Seine Stimme zitterte: „Sie fiel aus dem Fenster. Das Unglück hat sie etwas ver- bittert, das ist zu verstehen." Verbittert— ja, das verstand Eva. Wollte et ste nicht auch manchmel wie Verbitterung beschleichen, wenn ihr un- verschuldetes Leiden sie quälte? Wenn sie andere sah, div gesund waren und doch ihre Gesundheit nicht so nötig ge- braucht hätten wie sie. Aber nun sie wieder einmal vier Wochen in der Charit� gelegen hatte, ging es ihr ja wieder besser; auch das Ohr war zugeheilt, und sie hatte sich aus- geruht: nun fühlte sie nichts von Verbitterung. Wenn sie ver- glich, war sie doch noch besser daran als diese arme Ver- wachsene, die, beinahe eine Zwergin, in einem Sesselchen saß und sich nicht ohne Hilfe bewegen konnte. Nun fuhr Eva fast alle Tage das Fräulein Sophie in einem Wägelchen, das nicht viel größer war als ein Kinder- sportwagen, auf den grünen Platz bei der Kirche. Sie wohnten in Friedenau. Wenn gutes Wetter war, dann machte Cva gegen Mittag ihre Dame zur Ausfahrt fertig: es war merkwürdig, daß Fräulein Sophie noch eitel war. Man mi ßte ihr den Spiegel vorhalten, sie steckte sich erst eine blaue Schleife an den großen weißen Spitzenkragen, von dem sie annahm, er verdecke ihre Gestalt in etwas, dann eine rote. Und auch die riß sie sich wieder ab und wählte zuletzt eine, die war quittegelb. ,.D i e Farbe, die harmoniert so schön mit meinem Gesicht," sagte sie dann mit einem Lachen, das Eva sich zuerst nicht recht erklären konnte, dann ober wußte sie es: es war das Hohnlachen über die eigene Mißfarbe. Wenn die Schleifenwahl zum glücklichen Ende gebracht war, stülpte Eva dem schwarzen, kurz gehaltenen Lockenkopf des Fräuleins den Hut mit den Maßliebchen auf, und der Portier wurde gerufen. Der nahm die kleine Bucklige wie ein Kind auf den Arm, trug sie ins Parterre hinunter, wo der kleine Wagen stand, und setzte sie in die Kissen. Stundenlang saßen Fräulein Sophie und Eva auf dem Platz in der Sonne. Eva häkelte, auf einer Bank sitzend, und das Fräulein neben ibr im Wägelchen las. Sie sprachen kein Wort, nur wenn es Kindern beikam, in der Nähe spielen zu wollen, hob die Bucklige den Kopf vom Buch. Dann fing sie an, so giftig zu blicken, daß die Kmder Anast bekamen vor den schwanen Auaen des„Fräulein Buckel" und fortliefen. Dann lachte die kleine Mißgestalt dasselbe Lachen, das sie lachte, wenn sie die Schleifen vrobierte:„Sie haben Angst!" Aber dann zuckte es um ihre Lippen, so wie Linpen zucken. wenn Tränen aufkommen wollen. Eva statte so oft schon Menschen weinen sehen, sie spähte in die schwarzen Augen. aber sie sah immer nur den gleichen unruhigen Elan.;, de» kein Naß trübte.(Fonsetzung folgt.) Eine grauflge Moritat. Tie„�ranko-Borussia". ?>! sal�cndcm tcilen mir eine Geschichte mit, die sich„ach den Ermittlungen der Polizei tatscichlich zugetragen hat und die ze t. wie sehr junge Leute in einem gewissen Alter ein Opfer ihrer PH intasic werden, wie sie bei ihren Erzählungen und ihrem Groß- tun keine Grenzen kennen. Mitte Dezember v. I. verschwand ein 17 Jahre alter Kauf- mennslehrling. nennen wir ihn Mirller, aus dem Süden Berins von feiner Arbeitsstelle und kam auch nicht wieder nach chause. Well er schon öfter ein paar Tage weggeblieben war, so machten sich seine C ern zunächst kein« all.zugrohcn Sorgen. Endlich ober meldeten sie ihn doch als vermißt bei der Kriminalpolizei. Deren Nach- fr schungsn blieben erfolgfo». Da hörten eines Tages die Eltern vru einem Freunde ihres Sohnes, er heiße Schulz, der junge Mann sei ermordet und in einem Schacht der Uillergrundbalm in tcr N.'hc des Tempelhojer Feldes vergrabe» worden. Schul,; hatte das wieder von einem sungen Manne gehört, der der„Franko- Borussia� angehöre, den er aber nicht weiter. Die Mord- iuspettion nahm sosort mit einem Stab von Beamten die Er- m-ttlungen auf. In dem Schacht der Untergrundbahn aber war trotz nüen Suchens keine Leiche und auch sonst nicht» Verdächtiges zu sinden. Jetzt spürte man der„Franko-Borusiia* nach und ermitte te sie auch. Sic hatte auch einen Präsiden, einen Fuchsmajor, und was sonst dazu gebört, war aber doch keine Stildentenverstnlgung. sondern ein Verein von K a u f m a n n s l c h r l i n g e n. die si h gegenseitig nach Kräften anschwindelten. Jeder verheimlichte vor den anderen seinen wirilichen Berus. Der eine spielte den Mediziner, der aridere den Juristen»iw. usw. Die„Franko- Borussia'" hielt ihre Konvente bald hier bald dort. Bei ihr hatte sich eines Tages auch Schulz gemeldet. Man hatte ihn zwar als Fuchs aufgenommen, gar bald aber"cum imiamii" als ungeeignet wieber ausgeschlossen. Deshalb wußte Schulz auch nicht recht Bescheid, als ihn die Kriminalpolizei über seine Mitteilung an die Eltern des Vermißten oernahm. Trotzdem gelang es, seinen Gewährsmann auf- zuspllren. Wir nennen ihn Schmid. Wie alle feine.Lommililonen" mit hervorragenden Leistungen auf diesem oder jenem Gebiete prahlten(der eine wollte ein Kunst- schütze, der andere ein Reiter gleich einem Cowboy sein usw.), so war Schmid ein Boxer, der, wie er behauptete, wegen seines „harten Schlages" gefürchtet war und bereits die Anwartschaft a»s die deutsche Schwcrgewichtsmeisterschaft besah. Schmid wurde zur Rechenschast gezogen und legte zur allgemeinen Ueberraschung vor der Kriminalpolizei ein umfassendes Geständnis ab. Wie er sagte, traf er eines abends Mitte Dezember nach einem K'neip- abend Müller, der nicht mitgemacht hatte, um 1l!H Uhr In der Bslle-Alliance-Straße. Bei dieser Gelegenheit erklärte Müller, daß er, Schmid, und alle seine.Kommilitonen" dumme Jungen seien. Auf der Stelle forderte ibn Schmid, wie sich das gehörte, auf krumme Säbel„sine-sine". Müller jedoch„kniff". Da versetzte ihm Schmid, um die Ehre der„Franko-Barusiia" wieder herzustellen, einen seiner berühmten harten Schläge. Müller sank in die Knie, brach dann gan; zusammen und war„e r l e d i g t", d, h. t o t. Schmid nahm die Leiche unter den linken Ar in, trug sie auf einen Sandberg neben dem Schacht der Untergrundbahn, ließ sie in den Schacht hinunterkollern, warf einige Steine und Straßen- bahnschienen nach und ließ dann noch so viel Sand hinunterg'eiten, daß sie völlig bedeckt war. Er hoffte, daß die Bauarbeiter sie am nächsten Tage gleich mit einbetonieren würden. Dann war jede Spur ausgewischt. So weit das Geständnis. Die Kriminalpolizei glaubte davon kein Wort. In dem Schacht wurde>a noch gar nicht 'letoniert und trotzdem war keine Leiche zu finden gewesen. Der .Mörder" aber blieb bei seiner Darstellung. Das Verhör hatte schon lange gedauert, ohne zu einem anderen Ergebnis zu führen, als es draußen klopfte.„Aha," sagte der oernehmende Beamte,„da kommt wohl der Vertreter der 300 Mann, die wir mit dem Suchen nach der Leiche beauftragt haben, um für seine Leute die Löhnung zu holen." Da erblaßte der.Mörder". Ganz erschrocken bekannte er, daß er nur noch 1,50 Mark besitze, erklärte sich aber bereit, die jedenfalls nicht ganz kleine Summe m Raten abzutragen, wenn die Kriminalpolizei so freundlich wäre, sie zunächst zu verauslagen. Man erwiderte ihm, das laste sich denn doch nicht machen, man müsse sich vielmehr, wenn er selbst nicht zahlen könne, an seine Eltern wenden. Das schlug ehr. Schmid, der Anwärter aus den Meister- schaftstltcl erblaßte noch um einen Grad mehr, verlor leine Haltung und bekannte, daß er sein ganzes Geständnis erfunden hatte. Seinen„Kommilitonen" hatte er die Geschichte als hervor- ragende Leistung aufgebunden und deshalb war er auch bei der Kriminalpolizei dabei geblieben, um nicht fein Ansehen zu schmälern. Aber die Aussicht, mit seinem Vater zu tun zu bekommen, brachte den angehenden Schwergewichtsmeister doch so weit aus dem Gleich- gewicht, daß er auf die Aüirechtcrluiltung seines Rufes verzichtet«. Mit seinem„Kommilitonen" Müller hatte er gar nichts vorgehabt. und er wußte auch nicht, wo der geblieben wnr. Erst nach Wocben taucht« dieser plötzlich zu Hause wieder aus, und nun war bald alles klar. In der„Franko-Borustia" hatte man eines Tages erkannt, daß man mehr Trinkgefäße brauche. Da erinnerte sich Müller, daß seine Eltern einige große Ainnkrüge besaßen, die sich für die Kneipe wohl eigneten. Er nahm sie heimlich aus dem Schrank, um sie der„Verbinbung" zu stiften. Der Präsid« nahm sie mit oer- bindlichem Dank im Namen der Korona in Empfang, entdeckte in einem der Krüge bO Mark, jagte davon nichts, hielt aber die „Kommilitonen" dafür den ganzen Abend frei. Sie hatten nie so wacker getrunken, wie an diesem Abend. Seine Mutter entdeckte. kaum, daß er aus die Kneipe gegange» war, das Verschwinden der Krüge, und erst jetzt erfuhr er, daß der eine(50 Mk. von ihren Er- sparniffen enthalten halle. Um einer Abrechnung mit dem Vater zu entgehen, lies e r davon und verschwand auch von seiner Arbeitsstelle. Die Wochen bis zu seiner Rückkehr ha: er sich in Kneipen herumgetrieben, nicht in der besten Gesevschait. Die „Franko-Borustia" hat sich noch nicht entschieden, ob sie ihn darauf« hin ebenfalls„cum imfamia" ausschließen soll. Für die Mord- inlpektion ist der Fall endgültig erledigt. TuZ Urteil im Zlktienfälsch.ungöptozes!. In dem großen Akticnfälschungsprvzeß wurde gestern das Urteil gcjailt. Das Schwurgericht Mitte entschied zunächst, daß Aktienfälschungen als Münz verbrechen zu bestrafen seien. Der Hauptschuldige des Unternehmens war der Angellagte R ö s n e r von B l u m e n t h a l, der sich des Münzocrbrechcns in drei Fällen und des fortgesetzten-gemeinschaftlichen vollendeten und versuchten Betruges schuldig gemacht hat. Wenn er auch zum Teil geständig war, so mußten ihm, als die treibende Kraft und mit Rücksicht auf seine Vorstrafen, mildernde Umstände versagt werden. Es wurde gegen ihn auf eine Gesamt st rase von 1 Jahren Zuchthaus erkannt. Wegen der bewiesenen ebrlosen Gesinnung wurden ihm die bürgerlichen Ebrenrechte auf fünf Jahre abge- sprachen. Da er während der Untersuchungshaft einen Teil der früher gegen ihn erkannten Sirafc verbüßt Hai, wurden ihm mir vier Monate Untersuchungshaft angerechnet. De» anderen Ange- klar'n wurden mildernde Umstänoe gewährt. Voeck erhielt wsoen gememsclxiftlichen Wünzverbrcchens und Betruges 2 Jahre 3 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Wer n i r I a c o b i 3 Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Wegen Beihilfe zum Betrüge und Münzverbrechen wurden vor- urteilt Wehrfritz zu I Jahr 7 Monaten Gefängnis und Haas zu 2 Jahren 3 Monaten Gefangnts und 1 Jahr Ehrverlust Der Anacklogto Römer konnte der Beteiligung am Miinzoerbrechen und Betrug nichi n verführt werden, und es wurde nur auf die Unterlastung der An;-ige des ihm bekannt- gewordenen Aerbreckic is angenommen. Dafür erh-elt er ö Monat e Gefängnis, welche Strafe durch die Uuiersuchungshajt verbüßt Ist. Bei Günther Ja codi wurde angenommen, daß er nur eine sehr untergeordnete Roll« gespielt hat und daß es ihm nicht nach- gewiesen werden könne, daß er von dem Verbrechen der andere» Kenntnis gehabt habe. Deshalb wurde er freigesprochen. Ebenfalls wurde freigesprochen die Angeklagt« Stör ck. Die Vcr- bandlimg hat nichts ergeben, daß sie von dem Treiben der anderen Angeklagten, die in ihrer Wohnung die Glanzstofsaktien bankserkig gemocht haben, etwas gewußt hat. Schließlich wurde auch der Stadtkassendirektor von Fürftcnwalde, Doubcr, freigesprochen._ Ein seltsamer Sport. ZS hoteldlebslähle. Einen etwas eigenartigen„Sport" Halle sich der angeblich« Journalist Bernhard Kiedorowcz ausgesucht. Er liebte die Gefahr und den damit verbundenen Nervenkitzel des Berufs eines Hoteldiebes. Nun mutzte er die Wahrheit des allen Sprichwortes erkennen, nach welchem man in der Gefahr auch sehr leicht„umkommen" kann und sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen 21 leichten und 7 schweren Dieb- stählen verantworten. Der Angeklagte halle sein dunkles Gewerbe recht lange nach altbewährtem Muster ausüben können. Auf ihn als formgewandten und elegant gekleideten Gast nur erster Berliner Hotels fiel niemals ein Verdacht. Seiner Sicherheit im Auftreten waren selbst die Privatdetektive nicht gewachsen, die als Angestellte der großen Gast. Häuser wegen der sich immer wiederholenden Diebstähle ganz be- sonders auf ihrem Posten zu sein glaubten. K. wußte die Gc- pflogenheit seiner Opfer genau ouszukundschalten, war über die Art Und Dauer ihrer Ausgänge so informiert, daß er in vielen Fällen mit ihren eigenen Schlüsseln die Zimmer öffnete und in aller Ruhe eine lohnende Auswahl unter den zurückgelassenen Gegenständen traf. Selbstverständlich befanden sich auch Dietriche und Nachschlüssel in seinem Besitz, die ihn in Fällen sofortigen Handelns erfolgreich unterstützten. So entwendete K. einer Dame, van der er wußte, daß sie sich nur für kurze Zell entfernt haben konnte und trotzdem diese ihr Zimmer verschlosien und die Schliisiel an sich genommen hatte, Brillanten und andere S ch m u ck- gegenstände von hohem Wert. Was die Beweisaufnahme weller an unverfrorener'Kühnheit und Geschicklichkeit dieses raffinierten Diebes zutage brachte, das stempelte ihn zu einem „Meister in seinem Fache". Als sich schließlich die Anzeigen bei der Berliner Kriminalpolizei von Tag zu Tag häuften, wurde eine ständige Kontrolle aller Arnneldezettel vorgenommen. Hierdurch ent- deckte man die Handschrift des An geklagten als die- je«ige, die sich immer wieder in den betroffenen H o t c l s v o r f o n d. K. wurde verhaftet und als guter Bekannter der Polizei, die über Ihn ein stattliches Register von 14 Vorstrafen besitzt, erkannt. Vor Gericht nützte nun auch das vornehmste und eleganteste Auftreten ebensowenig, wie die bestimmten Dersiche- rungen, daß es mir eine unglückselige Leidenschaft sei, die ihn diesem„nervenkitzelnden Sport" in die Arme treibe. Der Angeklagte wurde zu ö Jahren Zuchthaus und zum V e r- lust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 10 Jahren verurteilt. Außerdem wurde die Zu- lässigkeit der Stellung unter Polizeiaussicht ausgesprochen.— Also alles in Allem— ein ziemlich„gefahrvoller Sport!" Radio- �rühkouzertc. Um Amerika die Möglichkell zu geben. Versuche mit Europaempsang anzustellen, werden in verschiedenen deutschen Sendern Sonderkonzert« stallsirrden, und zwar morgens von 5 bis 6 Uhr. In Amerika ist für diese Zeit allgemeine Funkstille angeordnet, damit die amerikanischen Funkfreunde Gelegenhell haben, die deutschen Rundfunksender möglichst störungs- frei zu empfangen. Wie der„Funk" meldet, werden sich an diesen Versuchen die deutschen Rundfunksender Hamburg, Leipzig. Dresden, Münster, Breslau und Stuttgart beteiligen. Die Berliner Funk st un de hat für diese Frühkonzerte wertvolle Programme zusammengestellt! es wirken die ersten Kräfte der Staatsoper mit. Die Berliner Konzerte werden oerbreitet aus Welle 505 Meter und 576 Meter» sowie über Königswusterhausen auf Welle 1300 Meter. „GutSarbeiter." Vor kurzem hallen wir über Gutsarbeitcr berichtet, die auf dem Guts Blankenfelde entlassen worden waren und die gezwungen wurden, auch ihre Wohnungen zu räumen, trotzdem für sie keine anderen Arbeiter eingestellt wurden. Dazu teilt uns das Nachrichtenamt der Stadt Berlin folgendes mit:„Es ist richtig, daß am 27. November 1925 mehrere Schnitter (ein Ehepaar, ein Bursche, vier Mädchen) aus dem Gute Blankenseldc ihre Kündigung zum 15. Dezember 1925 er- hiellen, well die Arbeit für die Schnitter vollständig beendigt war. Die Leute waren mit der Kündigung einverstanden, wollten Arbeit in Berlin nehmen und baten, über die Feiertage die Wohnungen be- nutzen zu dürfen. Sie erklärten, aus Beschäftigung keinen Anlpruch zu machen, nur über die Feiertage wohnen zu dürfen. Das wurde genehmigt und die Schnitter blieben vom 15. Dezember 1925 bis j. Januar 1926 in den Wohnungen. Verabredungsgemäß fuhr der Wagen am-t. Januar 1926 vor, die Schnitter luden s e l b st ihre Sachen auf und wurden damit ihrem Wunsch gemäß nach) Berlin bi fördert. Da sie Wohnungen dort nicht hatten, übernahm sie das Obdach, von wo sie ihre neuen Stellen am nächsten Tage aufsuchen wollten. Die Entlassung der Schnitter(es waren Ausländer darunter) mußte den öffentlichen Bestimmungen entsprechend, unbedingt zum 15. Dezember 1925 erfolgen. Es ist unwahr, daß die Schniller mit Hab und Gut auf die Straße gesetzt worden seien. Sie gingen viel- mehr sreiwillig, was sie auch der Giiterdirckticm bestätigt haben." Unser Gewährsmann, der an dem genannicn Tage Zeuge des Vorsalles war und der sich auch für die Leute verwandt hat, um ihnen zu helfen, erklärt, daß er aus den Gesprächen und aus der Beobachtung des Dorsalle» zu der in unserem ersten Bericht wieder- gegebenen Auffasiung kommen mußte. Zeuge gesacht. Der Herr, der am 23. Dezember 1925. abends zwischen 7 und üb- Uhr, in der Frankfurter Allee zwischen Tilsit« und Mögliner Straße einen Mann von, Fahrdomm aufhob und ihn einem Pölizeibeomte» mit den Worten:„Der Mann ist vom?lutobus aestürzt!" übergab, wird um Angabe seiner Adresse gebeten an Wllwc Frau H. Kellelhut, O 112, Pettenkos« Str. 13, v. 2 Tr. Unkosten werden ersetzt. Dls Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 21. Januar. AuCer dem üblioben Tagesprogramm: 4 30- 6 Uhr nachm: Volkstümliches. 6 40 Uhr abends; Hans- nrodow-Sohnle(Bildungsktirse). Abteilang Technik. Professor Dr. H. Keck:.Die technischen RohstoSquellen. Erden, Steine und Salze". 7 Uhr abends: Otto Thiel. M. d. K. t rDie Ooivork- .»chaftcn in der Volkswirt? rhaft,*. 7.30 Uhr abends; tiokan'ntgnho des Piocraiuma ab 6 Uhr abends 8 Uhr abends: Uebcrtragung der Veranstaltung der Xordisc.hon Hurdfunk A.-G.(Xorag), Homburg. „Lorrzing-Gedcnkieier". Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagcsnaohrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Fümdienst. 10.30— 12 Uhr abends: Tanz- mnsik. Königswusterhausen, Donnerstag, den 21. Januar. 3— 3 33 Uhr neebm: Stndianrat Friobel und Herr Mann: Englisch:"r Anfänger. 3.30—4 Uhr naohm.:. Kriebel und Mann: Eng- liich fiir rortgc-chritreno. 4— 430 Uhr nachm.: Obcrschuilchrer Georg Wölkt: Die Durchlührung des Arbeitsgedankens im Deutschunterricht. 4.S0— 5 Uhr ncohia.: FiL Dr. med. Turnau: Die Trau als Aerztin. Ruftou in Charlottenbucg. In der Charlottenburger Bezirksversammlung kiun es gcstc: n abend zu w ü st e n R a d a u s z e n e n. Die Komyumijten hatten die Tribünen durch ihre Anhänger besetzen lasten. Diese versuchen die Verhandlungen durch laute Zwischcnufe zu st ö r e n, so daß der neu- gewählte Vorsteher Dr. Brix(Dem.) wiederholt eingreifen mußte. In vorgerückter Stunde wurde von der Fraktion der Mille und den Vügerlichen der Antrag gestellt, die Versammlung zu schließen. Diesem Antrag wurde von den Kommunisten widersprochen. Sie verlangten. daß unter allen Umständen noch Kapitel 5 des Etats beraten werden sollte, well sie dazu eine Reihe Anträge eingereicht haben, die Sonder- Unterstützungen für die Arbeitslosen aus Vorbehallsmlttcln fordern. Nach endlosen Geschöftsordnungsdebotlen stellten die Demokraten den Antrag, die Sitzung aus nächsten Mittwoch zu vertagen. Dieser wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokrat«., und Kommunäten angenommen. Jetzt erhob sich ein minutenlanger w ü st e r Lärm auf den Tribünen. Der Vorsteher forderte lange vergeblich Räumung derselben, bis dann endlich, als Polizei erschien. die Besucher nach und nach das Haus verließen. Die täglichen Glätteunfälle. Wieder kamen am gestrigen Tage 12 Personen aus den vereisten Bürgersteigen zu Fall und trugen schwere Verletzungen davon. Die Verletzt-"' die zunächst aus den Berliner Rettungsstellen behandelt wurden, körnten in ihre Woh- nungen entlassen werden. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich vor dem Grundstück der Verlin-AnHallischen Maschinenfabrik in der Reuchlinstraße in Charlollenburg. Hier stürzte die 62 Jobre. alte A n n o F u n k e und zog sich einen S ch ä d e l b r u ch zu. Die Schuld soll die Betriebsleitung der Firma treffen, da vor dem Gnirdstück gar nicht oder sehr manoelhast abstumpfende Mittel gestreut waren. Ein weiterer schwerer Fall ereioncte sich nachmittags am Potsdamer Platz Hier stürzte ein Mann in den mittleren Jahren so unglücklich, daß er sich einen kompli- zierten Unterschenkelbruch zuzog. Ein Wagen des Städtischen Rettunn-nmts brachte den Verunglückten nach dem Elisa- beth-Kronkenhaus. 200 neue Fervsprechstelleu in Berlln. Dem Mangel an öffeill- lichen Fernsprechstellen soll nun in etwas abgeholfen werden. Di- Reichsoost hat mll dem Magistrat einen Vertrag abgeschlossen wonach der Post für die Errichtung von 200 neue» Fernsprechllellea der nötige Raum zur Verfügung gestellt werden soll. Die Zellen sollen in den Verkehrshäuschen, Untergrundbohnhöfen usw.. auch innerhalb städtischer Gebäude Platz sinden, Mietszins oder sonstig' Abgaben soll die Reichspost an die Stadt nicht zahlen, solange der Sprechstellenbetrieb nicht eine Benutzung von durschnittlich 300 Reichsmark pro Stelle und Monat in drei aufeinanderfoloendcn Monaten überschreitet. Zutreffendenfalls sind 5 Proz. der Brutto- einnahm«, fowett sie 300 Mark pro Stelle und Monat übersteigt, an die Stadt zu zahlen. Ein recht vorteilhafter Vertrag für die Reichs- post. Immerhin wird man wünschen müssen, daß die Stadtverordnetenversammlung den, Vertrag zu stimmt, denn er kommt einem wirklichen Bedürfnis entgegen. D« Prozeß Holzmanu-Parkels wurde nach weiteren ins ein- zelne gebenden Zeugenvernehmungen auf Freitag vertagt. Ter beutige DonnerSiag bleibt zur Sichtung des' Ma'.eiial? vcr» handkungsfrci. wellerberlcht vom Aerienhewi.Swlcahaus' kThürlnger ITold): Rcuichnce 30 Zentimeter,— 6 Grad, slarkcr Raubreif, wolkenlos: iür Ski febr put.— Am Sonntag, den 24. Januar, findet hier ein St-kuriuS des Arbeiter- Zurn- und Sportbundes statt, an dem sich Interessenten noch beteiligen können. Da von Acrlln nach Oberbof am 23. Januar ein Sport- Zonderzug säbrl. Is fit die Gelegenheit günstig. Ton Oberbos fit das Ferienheim .StutenbanS" in 4 Stunden, oon Geblberg in 3 9, Stunden und von Schmiedeield kllmstcigen In Plaue) in> Stunde zu erreichen. lEohü- und Berpflegunzspreise sind ebenfalls besonders preiswert. Mac Namara- tzora» Sieger im Sechstagerennen. Rieger-Gicrgckti znieilcs pa r. Nach 143 Stunden wurden redlich 3601,640 Kilometer zurück- gelegt. Die letzte Runde passierte vor müden Augen, vor abgespannten Sinnen, die sich allgemach an den sechstagerennenlosen Alltag zu gewöhnen schienen. Die neuen Fahrerpaare führten noch bis zum Schluß die gespannten Sehnen, aber einige zeigten Ver- bände und Wnndpslast�: nach den erlittenen Stürzen. Es war alles nicht mehr ganz munter und auch die auffrischenden Zuruf« der obersten Galerie konnten Stimmung und Tempo nicht soin-erlich beleben. Die Kränze standen säuberlich aufgereiht und die Präsente an Schokolade, Wein und anderen Genüssen wiesen lockend aus das nahe End«. Als dann in der überheizten, roucherfüllten Halle d i c letzten Minuten der 1 45. Stunde sich ankündigten und der Sieg Mac Namara-Horan sicher schien, atmete alles erleichtert aus— einige non der Sporigemeinde mit Protest. Die Enlleerung der riesigen Halle geht unter den aufgeregten Gemütern nicht ganz reibungslos vor sich. Jedoch vor Mitternacht mar olles glücklich zu Ende. Die entscheidend« Schlußwert ung wurde pünktlich 10 Uhr abends begonnen. Das überfülltc Haus verfolgte mit starkem Interesse das Fahren der einzelnen Mannschaften hier und da er- regte Zwischenrufe ins Feld hineinweriend, die sich oft orkanartig steigerten. Bald gibt es einen großen Skandal. Ein wüstes Gellen und Pfeifen durch'.irtert die Halle: Das Fahren der belgischen Mannschaft Dewolf-Stockelynck erscheint dem Publikum nicht», ehr einwandfrei und das mit Recht! Lagen z. L. die Amerikaner im Rennen, so übernahm Dcwots oder »tockelynck die Führung. Einer der Amerikaner bemühte sich dem. das Hinterrad de» Belgiers zu bekommen und wenn er es glücklich erreicht hatte und der Spurt seinem Ende zuging, schlug sich der Belgier seitwärts und überließ dem Zlmerikaner mühelos dei> Sieg. Dieses Spiel wieverholte sich einige Male und rief immer mehr den lauten berechtigten Protest der Sporigemeinde hervor. Aber auch die deutlchen Fohrer wußte» jetzt, wonim es ging und handelte» danach. Die an zweiter Stelle liegenden Rieger- G i o r g e t I i konnten dann auch mehrere wichtige Spurts an sich bringen. Im Verlaus der Wertung gelang es dann noch der Mannschaft M o e l l e r- L e w a n o w noch eine d er Vcr- iu st runden unter lebhaiter Akklamation de; Hauses z u rück» Zugewinnen. Mehrere Schüsse zeigen den Schluß der Wertung an: Mae Namara-Horan sind mit ihrem 544 Punkten die Sieger. Das moralische Siegcrpaar Ricger-Giorgeiti folgt mit 509 Punkten an zweiter Stelle. An dritter«lelle domi- »ieren Moellcr-Lewanow mit 208 Punkten vor Habn-Tietz mit 197 Punkten. Fünfter Tonani-Sawall 179 Punkte. Eine Runde zurück: Sechster Dcwols-Stockelnnck 330, Siebenter Persrm-Van- denhave 251, Achter Baucr-Gotlfried 213, Neunter Lorenz-Krupkat 107 Vunktc. Dann schickte T a d e w a l d zuerst die Sieger, die Amerilancr, auf die Ehrenrunde. Als das mutige Paar Rieger-Giorgetti das Oval befahren, erhebt sich ein orkanartiger Beifalls- stürm, der nicht enden will. Noch einmal müssen die beiden flinken Fahrer die Bahn umkreisen. Als Dewolf-Stockelynck ihre Ehrenrunde absolvieren wollten, wurden sie mit Pfeifen, Brüllen und Schlebereufcn, worin sich auch viele Beisallskund- gedungen mischten, überschüttet. Bald sind die Ehrenrunden er« ledigt. Als letztes Paar beschließt die Mannschast Lorenz-Krupkat den Reigen. tvettkrbericbt der äffen IN dien Tveterdlenstfielle für Verlin.(Nnchdr. vetb.) Zuvddfit!>roft. rtfr Weier Tcmveraliir um Null, zcfiweil'a nuiliniernd, leine»«!i,ie»e!verte Niederschläge.— Mt veufichland In©Ml» und Süd- deullchlaud Temperaluren wenig über Null, in Lttttcl» und Qüdeulichland zunächst noch Frost, erst später Teinperatur» UM Null. Keine fttrteren Niederschläge, zeitweise aushecternd. vonaerstag 21. �anacr 192b Unterhaltung unö ANissen Settage des vorwärts öootsmann Uhl. Von Hans Blunck-Oldemoren. (Schlutz.) Wer weiß nicht von den Stürmen am Kap Horn, die wie Werwölse sind, als müßten Meer und Himmel oergehen vor ihrem brausenden Atem? Die die schweren Wolkenleiber jagen, daß sie sich zerrissen und kreischend über den Himmel wälzen und in die Fluten fallen, daß die Wogen wie scheue Rudel Wild über die Fläch« springen, alles Niederwersen in Ihrer Todesangst und Menschen und Menschenwert erdrücken aus ihrer Flucht. Als Üapilön Breckwold« Schiff, das die zwölfte Reise um Feuerland machte, im siebenten Tag gegen den Sturm stand, brach der Besan: es war die erste Havarie, die dos Schiff machte, aber sie war unglücklich, weil das Holz gegen den Großmast geschlagen war und sein Segel zerriß, well das Gestänge in den Tauen mit jeder Bewegung des Schiffes über das Deck schlingerte. Einer der Jungen wurde vom niedergehenden Baum getroffen und von einer Welle über Bord getragen. Ein Mann, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde von den schlagenden Rahen ausgehoben und dreimal hoch durch die Lust geschleudert. Die Leute lagen in Großmast, versuchten, ihn freizubekommen und arbeiteten mit Messern und Beilen wohl eine halbe Stunde. Der Kapitän stand auf der Brücke, gab ruhig einen Befehl nach dem anderen und versuchte, das schlingernde Schiff gegen den Sturm zu halten. Jan Uhl hatte das Steuerruder, starrte mit sestoerbissenem Mund über die grau« dämmernde Dünung und dachte an den Jung, den der Sturm über Bord gerissen hatte. War ein frischer, starker Bursche gewesen, den er gern gehabt hatte, war wohl ähnlich so gc. wescn, wie er selbst vor langer, langer Zeit.— Jan Uhl wußte nicht mehr, wie lange es her war. Hätte der Jung das Wort gehabt, das hätte wohl geholfen, dann hätte er nicht sterben brauchen.— Der alte Seemann richtete sich plötzlich hoch auf. Irgendwoher war ein Schrei gekommen, ein verzweifelter, schwirrender Schrei. Einen Augenblick wandte er den Kopf,— da sah er die junge Frau des Kapitäns hinten am Eingang des Deckoufboues. Sie war wohl ängstlich geworden, allein in der Kajüte zu sein, stand in der Luke und wußte sich nicht zu halten gegen das eindringende Wasser. Der Bootsmann starrte sinnlos hinüber. Zurück, dachte er, mein Gott, geh zurück. Deern! Der nächste Brecher konnte sie niederreißen oder ein unglücklicher Schlag der in den Tauen hängenden Rahen. Er taumelte plötzlich! irgendetwas sUeg in der Gurgel auf, als müßte er ersticken. Der Steuermann, der neben ihm stand, sprang hinzu, griss fluchend ins Rad und schrie ihn am Der Kapitän packte Jan Uhl von hinten und riß ihn zurück. Da merkt« der Bootsmann, daß er das Ruder hatte fahren lasten, brüllte w!« ein Tier und sprang plötzlich in großen Sätzen über die Reeling der Brücke an Deck, quer durch das überströmende Master. Der Kapitän blickte ihm nach, sah sah sein Weib, begriff, was Jan Uhl vor hotte, und stöhnte leise vor sich hm. als betete er. Der Steuermann, der sich nicht umsah, glaubte, daß beide irrsinnig geworden seien in der Rot, schob seinen Kapitän beiseite und führte an seiner statt das Schiff. Jan Uhl war zu dem gebrochenen Mast gekommen. Eine See warf ihn nieder, aber er klammerte sich an, und als das Wasser ver- lief, stand er auf wie aus einem Grab. Dann lief er mitten durch schlagendes Gestänge und Trümmer, als berührten sie ihn nicht, wurde zweimal niedergeworfen und stand doch wieder auf wie ein Kind, das fällt. Dann war er vor dem Kajüteneingano, hob die Frau auf und wollte sie in die Luke trogen. Aber die war wohl vollgelaufen. Er wandte sich plötzlich und begann noch einmal den furchtbaren Weg mitten durch die schlagenden, fegenden Trümmer. Der Kapitän fühlte, wie sein Herz still stehen wollte. Einmal sah ee deutlich, daß eine Rahe hart gegen Jan Uhr schlug, als mühte f.* 1*4 zerreißen, aber der ging ungebeugt vorwärts, wie in einem Wunder. Da fiel ihm ein, wie die anderen von dein Alten sagten- daß Jan Uhl nicht sterben könnte. Er sah mit sinnlosen Augen über die sagenden Master und fühlte, daß er in diesem Augenblick so fest an des Bootsmanns Wort glaubte, wie an das Evangelium. Dann stand der Alte vor ihm. Das Blut rann ihm aus Brust und Leib, die junge Frau sprang von seinen Annen, lotenbleich, aber unverletzt. Der Kapitän vergaß, sich nach ihr umzusehen. Er starrte den Jan Uhl an wie einen, der von den Toten kommt, sah, daß sein Leib von Wunden starrte und fühlte, wie ihn ein unsinniges Gefühl srost- kalt in die Knie kroch. „Du kannst nicht sterben, Jan Uhl?' „Nee, Kcppen!' Jan Uhl lehnte sich plötzlich an die Reeling, als taumelt« er. „Jk bin man'n beten möd, Kcppen!' Er sank plötzlich im Testäuge nieder. Da» Blut brach aus allen Wunden, als hätte es verhatten müsten bis dahin. Dann kam es noch einmal mit heisereer. sterbender Stimm«: „5f will slapcn, Keppen, man'n Onenblick slapen!' Em Doppeljubilaum wissenjchvst'icher Revolutionstheorien. Von Dr. Rudolf LS mmel. Die Jahrhundertwende hat die Entstehung zweier merkwürdiger und weittragender Theorien gezeltigt. deren universelle Bedeutung wir erst heute, ein Dierteljahrhundert nachher, würdigen können. Der holländische Botaniker Hugo de Vrics stellte die Mutation«» theorie auf, und der deutsche Physiker Max Planck ersann di: Quantentheorie. B-ude Anschc-uungen liefen der damals und viel- fach noch heute herrschenden Schulmeinung einer langsamen Entwick» lung, die aus lauter unendlich kleinen Aenderungcn aufgebaut ist, zuwider. Hugo de Dries kam nach jahrelangen Versuchen an Pflanzen dazu, die Entstehung der Arten durch sprungweise Acnderung der Eigenschasica. z. B der Größe und des Gewichts, anzunehmen. Cr ging dabei leineswegs von pbllasophischcn Erwägungen aus, sondern stützte sich aus Beobachinngen und rlchiige Auslegung der Erlahrun- gen anderer Züchter. Der erste Forscher, der den Gedanken der .diskontinuierlichen Entwicklung' klar sormuliert hat. war der Bcloier D o l l o(Itzöä). Er sprach den Satz aus:„I.'6ve>Iution eet irtis» cantirniä*, d. h. ,chi# Entwicklung ist sprunghost' De Brie« schul aus diesem Gedanken eine neue Lehre, die er durch zahlreiche Versuche in seinen a-oßcn Gartenanlagen zu Amsterdam ausbaut«. Der Muiatioasgedanle ist ein sehr lehrreicher Standpunkt, der nicht nur für die Entwicklung van Pflanzen und Tieren gilt, sondern osseubar auch sür die Geistesgejchichte und für die persönliche Entwicklung eines Individuums seine Bedeutung hat. Die letzte Runde. Der tote Punkt ist übenvunüeu. Man liegt schon in den letzten Hunden. Die Post geht ab. Herr Luther führt. Herr Stresemann wird schon massiert, ver hier, nach altem Spoeteprinzip Nach dunklen Punkten Sieger blieb. �uch Geßler weiß den Platz zu halten. Bor der Mutationshypothese galt es als nusgemackst, daß dl« verschiedenen Arten im Tierreich wie in der Pflanzenwelt dadurch custtonden sind, daß aus einer Urform— einem einzeiligen Wesen— nacheinander, durch unmerkliche Ucdcrgänge alle höheren Formen entstanden sind. Gegen diese Anschauung sind vielerlei Einwände erhoben worden. Der bedeutende englische Zdatursorscher B a t e s o n wies darauf hin� daß ja die verschiedenen Arten selbst eine dl-. kontinuierliche Kette bilden, keine kontinuierliche: daß daher zu ver- muten sei, daß die Acndcrungrn selbst, die Arten erzeugen, nicht stetig, sondern sprmigbast seien. Der als Dererbungstheoretiker berühmt gewordene G a l t o n bringt das schöne Bild vom rollenden Polyeder im Vergleich niit der rollenden Kugel: die letztere ist ein Bild für stetige Entwicklung, während die Art wie ein Polyeder s.z. B. ein Würfel oder ein Oktaeder) aus einer Ebene torkelt, die diskontinuicr- liche Entwicklung wiedergibt. .Neue Arten entstehen plötzlich, ohne Uebergänge." Dies ist in wenig Worten der Inhalt der Mutationstheorie von de Pries. Als ich den Gelehrten lülv in Amsterdam aufsuchte, zeigte er mir die von ihm gcsundenen verschiedenen Sorten der Oenotliern sNocht- kerze). Diese Pslanzen unterscheiden sich vor ollem durch ihre ver- schieden« Größe. Wir haben heute noch keinen Einblick in die Ilr- fachen der Mutationsbildung. Aber der Anblick der nebcneiiinndcr- siebenden Pflanzen, von jeder Art ein Acct voll, ist sehr interesiant. Man hat das Gefühl, daß die unscheinbaren Amsterdamer Blumen- beete ein neues Zeitalter der Forschung eröffnen. De Bries meint. daß es nur gelegentlich wirksame Ursachen seien, die Mutationen her- vorbringen. Aus seiner Bemerkung.die meisten Arten unserer Gegend befinden sich jetzt in einer immutablen Periode' kann man «ntnehifsen, daß der Altmeister der Botanik wohl hauptsächlich an solche Kräfte als arrbildenden Mächten denkt, die mit der Zeit und mit dem Ort wechseln, wie Klima, magnetische Einflüsse, elektrische Kräfte. Aber auch die„immanenten', d. h. eingeprägten Kräfte, die dem eigenen Gesetz der Pflanze entsprechen, drücken sich, wie de Pries meint, periodisch durch Entstehung von Mutationen aus. Ueberträgt man den Mutatiousgedauken auf die Geschichte, so findet man: nicht langsame, stetige Entwicklung, sondern sprung. Haftes, unstetiges Fortschreiten ist der Lebewelt eigen. Freilich sind die„Sprünge" hierbei nicht notwendig als große Umwälzungen zu deuten, denn nicht die absolute Größe macht das Wesen der Mu- tation aus, sondeni nur die Tatsache, daß es sich nicht um unendlich viele unendlich kleine Aenderungen handelt, vielmehr um endlich viele Umwälzungen von endlicher Größe. Es kommt also nur auf den Maßstab an, mit dein man betrachtet und mißt, ob man einen Vorgang schließlich als Evolution(lanolafne Entwicklung) oder als Revolution deutet. Das ist wichtig zu wissen, sonst entstehen hierbei betrübliche Irrtümer.... Die Lehren der jüngsten Vergangen- hcit sind danach anactan, diese Anschauung vollauf zu bestätigen. Ebenso läßt sich der Gedanke aus di' Entwicklung eines Einzelwesens ausdehnen, dessen Werdegang ebemalls im Passieren vieler avseia. andersolgevder Zustände besieht. Auch hier sind die mehr oder minder großen.Sprünge" zu beobachten, solang« noch Entwicklung stattfindet, also namentlich im Kiiid.esalter. Di« philosophische Verwertung des Gedankens sühn zu eigen. artigen Ueberlegungen. Nimmt man zunächst an, daß die Kräfte, die zu Mutationen führen, an sich stetig nerönderlich leien, so tan-, folgendes Bild den Zniammenbana.Ursache— Wirkung' be- schreiben: aus einem Wasierhahn fsießt ständig Waller In ein darunter befindliches Gesäß. Dieses kippt bei bestimmter Füllung um und entleert leinen Inhalt in ein zweites darunr.-r befindliches Gesäß. das beispielsweise bei zweimaliger lolcher Fülluna wieder kippt und seinen Inhalt in ein drittes darunter befindliches Gefäß entleert. So Es stürzen noch ein paar Gestalten, Heer koch ging kurz vorm Ziel in Trümmer. Sonst liegt das Zeld noch so wie immer.— Ganz hinten bleibt man b-oß in Uebung. Und»artet auf die nächste Schiebung.— Was sonst von ollem übrig blieb: Ein oberfauler Sxsrtsbetrieb! kann man einen Teil des Geschehens als diskontinuierlich, eineo anderen aber als stetig oujsasjen. Fragt man aber nach der wahre-', Natur der Ursachen oder Kräfte, so kann ihr Wesen schließlich in nichts anderem gesucht werden als cdenialls in Veränderungen: die Ursachen können nicht» Wesensoerschiedenes sein von den Folgen! Daher ist der Gedanke der Unstetigkeit als allgemeingüliig mu'.i- sehen. Auch!a� Anschwellen der Ursachen, das Wachsen der Kräfte ist ebenso unstetig wie die hervorgebrachte» Aenderungen es sind. ?im Jahr« ISü! fand Max Planck, daß sich die Strahlung erscheirningen am besten erklären ließen, wenn man annimmt, daß die Energie stoßweise odgegeben wird. Während bis dahin«r» Energie als stetig veränderliche Größe galt, wurde sie d rtch tr-> kühne Annehme ihres metaphysischen Che Kiers enikieidet. Dos bedeutet, daß man ou„Energie- genau jo wie die„Materie" als etwas auslaßte. das aus zahlreichen, zwar sehr kleinen, ober doch endlichen Teilen,„Ounnten", ausgebaut ist. Alle Veränderungen können vom rein physikalischen Standpunkt aus d» Energie-Wande. rungen betrachtet werden. Wenn min diese Wauderunac» „Sprünge" sind, so tritt an die Stelle de» uralten Satzes:»Alles fließt" die Erkenntnis:.Zllles springt". Hugo de Vrie? und Mar Planck leben beide noch, hochbetagt und hoch in Ehren stehend Die Muialloirdhcorie und die Quanten- theorie gehören.zu den wichtigsten Geistesschöpkunaen des modernen Menschen und sie lind bestimmend iär die Fv'lchung der nächsten Jahrzehnte. Ein Dicrteijahrhunderr ist wenig iiir eine Theorie des Werdens— beide Ansätauungen sind noch in stürmischer Entwick lung und voll dunkler Frage::. Unser Temperakursinn. Die Empfindungen, die bei der Reizung der Haut durch Wärm« oder.Kälte hervorgerufen werden, venmttett uns der Temperatursinn, über den«. Kupfer in Leipziger «Illustrierten Zeitung" intcresioule Angaben macht. Wir haben streng genommen zwei Temperatursinne, denn die Kälte- und die Wärmeempsindung sind von einander zu unterscheiden. Wir können nicht mit jeder Hautstelle Kälte und Wärme mahrnehmen, sondern auf der Haut befinden sich gewisse.Kältepunktc", deren Reizung nur Kälte bewirkt, und.Wärmepunkte", von denen die Wärmeempsindung ousgebt. Wärme- und Kältepunkte sollen iriemals zu» stimmen: ihr« Verteilung auf der Haut ist sehr ungleichmäßig: sie liegen meist in Gruppen zusammen, zwischen denen größere Lücken sind. Durch neuere genaue Unteisuchungen hat man sestgesiellt, daß unser« Haut mehr Kälte- als Wärmepunkte befitzt. Im Quadrat- Zentimeter Hont befinden sich durchschnittlich 13 Kättepunkte, ober nur 1 b!» 2 Wärmepunkte. Die Gesamtzahl der K ä l t e p u n k t e wird für die gesamte Körperobersläche mit ZSstölX) angegeben. die der Wärmepunkte mir mit Z sitz kl<1. Werden dieje Punkte aus andere Weise gereizt, z. B. durch elektrische ober mechanische Reize, so antworten sie stets mir mit Källe» und Wärmecmpfin- dnngen. Die KAtepunkte reagieren auch auf Temperaturen von äS Grad Wärme und darüber, vermitteln dann aber auch eine Kötte- empfindung, die.paradoxe Kültccmpstndung" genannt wird. Wirken Temveroturen von mehr als 4,5 Grad Wärme auf eine größere Hautfläck« ein, so werden Wärme- und Kättepunkte gleichzektia ge- reizt, und es entsteht die gesteigerte Empfindung, die wir als.heiß' bezeichnen. Unsere jeweilige Tmpcraturempfindung ist in sehr hohem Maße von der vorhergehenden abhängig. Taucht mau z. V. die Fingerspitzen der rechten Hand tn Wasser von 25 Grad, die der ttnken in Walser von 35 Grad und dann beide Hände in 3>l Grad warmes Wasser, so verspürt zuletzt die rechte Hand die Empfindung .warm', die llnke dagegen die Empfindung.kalt' MASKEN-ARTIKEL Besonders preiswertes Angebot Karnevalstoffe Tarlatan . 90 cm breit, Ä Q Meter �QPf. Sendelstojf ÄÄr:95pf. SdiärpenstojfÄ Masken{lanell Maskenflanell Damen- und Herren- Masken-Kostüme in mUMet&lldarcb-e 95 Meter Jl gemustert, 4 15 Meter 1 iders preiswert Sehuhm&ren Miedervertchnürunsen �l9095pt Japan. Munter, Meter p Brillen.................. s«-» 65pt Maskensamt�e1�Meb�l95 Haiske|ten 5� 1?° TwlflflnsÄÄ1.:? 30p.. 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Mijares Bros. uTrlü� Pesmondes, der Glpiel der Komik Rnacbea Bestattet"VESO Reichshallen- Theater Slelflner sanier Zum 301 Male „Du Deoisdie Heer" Lebende Lieder v Mc. sei äkw ftllw Pul,', wIk ibnifm Döntioll, Brettl liwyn'itatltntdl CarlHraun' ZenlralTtrbaBd der iaschinlsten and Heizer sowie Bernrsgenossen aeatsehlands —- Gescbältsstelle QroS- Berlin Sonnabend, 23. Januar, in den Oesantriamen des Gewerkscbaftsbanses, Engelufer 24/25 Großer Kostüm-Ball Anfang 7'/, Uhr Ende??? Kein Kostflmzwang 3 Streichorchester Oiv. Ueberrascbungen Eintritt 1,20 M. inkl. Steuer 172/2 Das Festkomitee SH«»«»«SOVDOOOOOODOSOOO«O«O»OOG Nease Welt fl. kchol«» Maeenheide IQS'IIA Donnerstag, dien 21. Januar, sowie tätlich i OoSbierfeslas 8 lapellen/lene Oekoratlonen/lQbajer.ladl IcsstoB d. berfibmlen BergsebloB-Jobil.-Boek und GroOes Sdiwclnesdiladi ten ElnlaB 6 Unr Anfang 7 Uhr Voranzeige: Sonnabend, den 23. Januar: Gff. ALPEN- BALL Groües Stkaaspielbaos Iriaaoii' Theater Tel. Zentr. 2301 Täglich 8 Uhr: Dos wamierM ' von Rud Lothar u. Oscar Ritter Ein lustiges Abenteuer an Bord Die Ein&scherung nnseres| ara 15. Januar verstorbenen| Mitarbeiters und Genossen Leo Marscbievski ändet am Sonnabend, den 23. Januar, vormittags 9'/, Uhr, im Krematorium Gericht- e trat! e statt. Vorwart*- 7er laü G. ra. 0.3. Verkäufe Raumoaa.RSdmatckiaea für ötisac- 1 kreuch urj> Scnerbe. Teitzcöwnk- Zii» ( paronit-SBcilftatt für alle Srüczic.. Emil frilbartb,®. m. b, Ktickrich. iftccHe 55a. Amt ßofcivbeihe 3857.__', Ätikjcuae /Rlchtcr-Vräziitcni. ic.act» | beits.tBoIbfanfebcdiatict Siitcojibcbcrts. i bous Cininct. bieuISUn. Roifer- : Stiebiidi-Cttofte 55/57.• Oanksagaag Sur hie vielen«ccetfe onfrichtigtr TcIInabmc fege ich dllen Be-wonbten i.nb Bchuuitim. euch der 33. Abttz der LLD. und dem Deutichen Mewllnrbciter-Pcr band meinen innigsten Dont 104 0 Beriiu.Ztratnu Witwe Hedwig Hans mann nebst Tochter. ßasino Theater »MölAkIilÜMU-MM 8'eliieidiiiiqsstücke. Wäsche us«r Setraeene ßcrrcnqarbtrob*, tcbeiio»- erteilen, ffieleaenbcustäuft in stklv weren. utofte Auswahl. btHlae Breite. Keine Eon-batbomte. Leihhaus öoiraet. Etaustctfr-nftc 7._*' Nu�!Lch288 yinuai'»w VenvalWgsMWeStt! Der HeiilariianBr �bt,-r'Sa e qdH das bonte Pngrantni! jAbFreit3g,29 Januar Helenes j Liebesabenteuer. II- i TsaaMWeileas Tägl. 8 Uhr: Das Spiel n. die Liebe Optittta nm Gilbert Frledenspreite M. 0,50 bU 10,- Itose-Thsater ». Uhr Wenn der nieder blühi 8 Uhr infernal. Varleft SMOiwikj-Jüiaep PrcIsermdOigung USnlPüriUxJtr. 8 Unr: Slaen lux will er sKD ptadiea I ,fefag=SanQgff 8 Uhr: Raltbaser»V 0 Li» iaciien 8 unr Tränen! SonoUB- Abend Prals. hsrabeMelet. Bonutag-Necbm..nniOigte Preis» Homboienlians 8 Uhr: DuteMeM DieiraiflM 8 Uhr Viduil Boadutpfird Circus Busch 21, Gr.Manege- / 2 Sensation I. Dt. idorillahraut Tornados Elefantenhad v'orh.: Breitbart i.d gr.Ciic.-Progr. -riedens-PreUe StgJU.bib Preise tni visls Wunsch Der Graf von Monte Christo ji i.d volle Uotpgp. 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Verschiedenes OcrBetcL ÄwifKUn, «büfte 57 58• Arbeitsmarkt Stcllcnanselpote: Vorarbeiter ans dem Metall flu nzengban mit heilen RcugntsTen als Btiemeifter für Konirolle und Bei rieh ,» solonigem Anlritt flcma». Selb'geschriebene Kewerbunge» mit Lebenslauf, steugnioobschrisle», Bild und Gehaitson peiicheu an Lflll-Falineü3-fi«eilJtra:i ffl.ll —"»tcalkurt Kr. 33« 43. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts doanerstag, 21. Januar 1426 wo bleibt üie /kbeitsbefthaffmtg? Zur Krise am Arbeitsularkt. In ük>c7N''s r n s 6) c m Tempo hnt die W i r t s ch a f t s. k r i s« um sich gegrisse». Seit dem Monat August v. I. bis heute, also innerhalb von sechs Monaten, dürfte sich die Zahl der unter« stützten Erwerbslosen in Deutschland etwa verzehnfacht hoben. Und immer noä) wirkt die Krise weiter. Immer neue Massen von Ar- bciiswilligcn sinken in Not»ud Elend, weil sie keine B e s ch ä s t i- g u n g finden. Die Ursachen der Krise gehen zurülk bis in die Kriegs- und Jnslationszeit. Was an Fehlern gemocht werden konnte, um sie hinauszuschieben und sie zu verschärfen, anstatt ihr vorzubeugen, das ist von den staatlichen Organen unter dem mahgebendcn Einfluß der Untcmehincroerbänds getan worden: angefangen van einer schematischen und darum für die»och gut ar- bettenden Betriebe schädlichen Verteilung der Kredite und einer sinn- und zwecklosen Zuwendung staatlicher Mittel an bankerotte Privatbetriebe bis zu jener verfehlten Schutz- Zollpolitik, die ebenfalls die Krisenkcinie geradezu hochzüchtete, anstatt sie rechtzeitig abzulöten. Man wußte, daß die Krise kommen würde. Aber erst heute beraten die zuständigen Parlamente über die Einleitung einer großen Enquete über Deutschlands Produktions, und Absatzbedingungen. Eine planvolle Wirtschasls- Politik hätte diese Enquete zur V o r a u s s c tz u n g für alle wirt- schaftspolitischen Maßnahmen des Reiches gemacht. Eine solche Untersuchung hätte erfolgen müssen, che die Ruhrindustrie ihre -Es) Millionen und andere Gcwerbczwcige andere Unterstützungen schluckten, che in der Zollpolitik eine Entscheidung gefällt wurde, und che man jene zerfahrenen Verhältnisse am deutschen Geldmarkt einreißen ließ, gegen die erst jetzt die Rcichsbank entschieden vorzugehen sucht. Das maßlose Anschwellen der Arbeitslosen« Ziffer ober zeigt, daß auf einem Gebiete die Politik der Regiernng vollkommen versagt hat, aus dem sie durch ein eigenes Ministerium besonders stark zu wirken in der Lage ist. Dieses Gebiet ist der d e u t s ch e A r b c i t s m a r k t. Es trifft sich gut, daß gerade jetzt ein bekannter Mitarbeiter des Reichsorbeitsminlitc- rlums. Ministerialrat Dr. Bcrgcr, in einem kleinen Band der Göschensammlung unter dem Titel ,.A r b e i t s m a r k t p o l i t i k" eine kritische und systematische Darstellung der im In- und Ausland getroffenen Maßnahmen zur Beeinflussung des Arbeits- Marktes herausgegeben hat und dabei das umfassende Gebiet der Arbeitsnachweise, der Erwerbslosenunterftützung und aller direkt oder indirekt damit zusammenhängenden Maßnahmen beleuchtet. Hier kommt nicht nur die soziale, sondern auch die Wirtschaft« l i ch e Seite der Frage zur Geltung. Das Buch, das durch die gegenwärtige Krije eine nicht gerade erfreuliche Aktualität bekomnieu hat, befaßt sich auch in einem Kapitel mit der sogenannten Arbeits« oerteikung. d. h. mit den Maßnahmen, dte der Staat als Auftraggeber zur Beeinflusiung der Wirtschaft treffen kann. Wir saßen den wich- tigsten Teil des Kapitels hier folgen, weil er mit feinen absolut fach- kichon Feststellungen heute geradezu eine Anklage gegen die ver- ontwortlichen Organe darstellt, die fast gor nichts getan haben, um der Krise am Arbeitsmarkt mit den verfügbaren Mitteln entgegen- zuwirken. Berger schreibt: „Das Maß der Arbeitsgelegenheit bestimmt sich jeweils nach dem Maß der wirtschaftenden Tätigkeit. Dieses Moß ist erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Es kann sich unter Umständen außer- ordenllich steigern, jo zwar, doß die vorhandenen Arbeitskräfte nicht mehr ausreichen, um die sich bietende Arbeitsgelegenheit auszunutzen. Es kann sich umgekehrt verringern, wenn Krisen den Pro- duktionsprozeß einengen. Frühzeitig schon ist der Gedanke auf- getreten, eine größere Gleichmäßigkeit des Produktionsprozcsies berberzuführen. Dieser Gedanke Hot nicht nur in dem Meinung-- streit zwischen sozialistischer und individualistischer Wirtschoftsaus- kasiung eine Rolle gespielt, sondern auch innerhalb der geltenden Wirtschaftsordnung ist er mannigfach erörtert worden. Man Hot als wünschenswert bezeichnet, durch örtlichen und noch mehr durch zeitlichen Ausgleich der Wirtschaftstätigkeit eine gleichmäßigere Gütcrversorgung, größere Stabilität der Preise, dauernde, weniger durch Schwankungen gestörte Arbeitsgelegenheit zu schaffen. linier den Bestrebungen in dieser Richtung lassen sich zwei Gruppen unterscheiden. Die eine besaßt sich mit der Wirtschaft- lichen Machtstellung, die dem Staat und den össentlichen Körperschaften überhaupt als Auftraggeber in der Wirtschaft zukommt. Die andere Gruppe will einen Ausgleich der örtlichen und zeitlichen Schwankungen der Wirtschaftskonjunktur und des Arbeitsmorktes auf noch breiterer Grundlage herbeiführen, indem sie von der Seite des Kapitals bzw. des Kredits her regulierend auf das jeweilige Matz der wirtschaftlichen Tätigkeit überhaupt einwirkt. Der Skaai al» Arbeitgeber und Verbraucher. Die erste Gruppe geht von einem sehr realen Faktor aus. Der Staat und überhaupt die öffentlichen Körverfchasten zählen zu den größten Arbeitgebern. Die von ihnen immittelbar gebotene Arbeitsgelegenheit hat denn auch in Zeiten gehäufter Arbeitslosigkeit, z. B. während der Demobilmachung, den Ärbeitsnmrkt wesentlich entlasten können, indem sie zeitweise Per- sonal über den engeren Bedarf hinaus aufnahmen. Vielleicht noch größer ober ist die m i t t o l b a r e Bedeutung der össentlichen Körperschasien für den Arbeitsmarkt, die sich aus deren Sachbedarf ergibt. Neben der Sachoerforgung des Personals(Dienstbekleidung) und d:m Bureaubedarf verschiedenster Art benötigen die öffentlichen Körpcrlchasten Baumaterialien oller Sorten, Betriebsstosse tKohle, Oek). Geräte, Maschinen usw. Der chinweis auf die großen D e- f ch a f? u n a s r e s s o r t s des Reiches: Reichswehrmiinsteriuin. Reichspostministcrium und Reichsverkehrsministerium. mii der— freilich letzt ein Rechtsgevilde besonderer Art darstellenden— Reichs- kahn möge diesen Bedarf erläutern Er wiederhost sich in den mannigfachen Formen in rast ollen Stufen der oftentlichen Gemcm- wesen und spiest eine besonders große Rolle be, der gemeindstchen Selbstverwaltung. Die groft ist der Bedarf des Staates au Sachgütern? Nimmt man den Sachbedars der sämUichen össentlichen Körper- schaften Deutschlands mit Einschluß der Reichsbahn auf jährlich 4 Milliarden Reichsmart an und unterstellt, daß zwei Drittel dieser Summe unmittelbar oder mittelbar sich als Arbeitslohn aus- wirken, so bedeutet das eine Lohnsummc von 2,7 Milliarden und— bei einem durchschnittlichen Lalmiatz von 30— 09 Pi. sur die Arbeits- stand.— etwa 5 Milliarde» Arbeitsstunde» oder 600 Miamiic!, Tagewerke. Diese 600 Millionen Tagewerte würden inmaestens den zehnten Teil der vom deutsche« Volk überhaupt geleisteten Ar- beilstnge darstelle». Das..Ausgleichsgewicht". Dem Arbeits, narkt stände also ein Ausgleichsgewicht in Hohe von 10 Proz. zur Verfügung, wenn es möglich wäre, die Auf- träge der öffentlichen Körperschaften nach Gesichtspunkten der Ar- beilsmarktlogc örtlich und zeitlich zu verteilen. Es liegt auf der Hand, daß diese Möglichkeit nur in beschränktem Umfange bestehen kann. Zunächst sind die Austräge ihrem Gegenstand noch durch die Art des Bedarfs bedingt, sie sind zum Teil— z. B. Baut»— örtlich gebunden. Für eine Reihe von Lieferungen wird außerdem Bindung an bestimmte, allein im Besitz der erforderlichen Produktivnsvoraussetzungcn— PoteiUc usw.— stehende Liese- ranten vorliegen. Eine zeillichc Bindung wird in gewissem Umfange gegeben sein durch die klimatischen Verhältnisie, sodann durch den zeitlichen Verlauf des Bedarf und der Gestaltung der Haushalts- rechtlichen Barschriften, die regelmäßig die Verivendung der Mittel an bestimmte Zeiträume binden. Vcr Ressortpartikularismus als Hindernis. Eine wettere Schwierigkeit ergibt sich daraus, doß eine zentrale Bergebungs stelle für dte Aufträge tat- sächlich nicht besteht. Selbst die veschassuagcu für das Reich erfolgen getrennt nach Ressorts, innerhalb deren wieder nur ein Teil der Aufträge von der obersten Stelle unmittelbar, andere aber van den nachgeordneten Behörden erteilt werden. Entsprechendes gilt von den Aufträgen der Länder und Gemeinden. Ein Zu- sammenwirten all dieser beschaffenden Stellen herbeizuführen, ist natürlich sehr schwierig, weil jede für sich oUet» die Ver. antwortung für die zweckentsprechende Durchführung ihrer Auf- träge zu trugen hat. Dabei werde» in aller Regel betriebstechnische. finanzielle, örtliche Rücksichten eine größere Rolle spielen als solche auf dein Arbeitsmarkt. Insbesondere«ine finanziell befriedigende Regelung der Aufträge soll nach' einer weitverbreiteten Meinung nur dadurch möglich sein, doß im Wege der össentlichen Ausschreibung möglichst billige Angebote erreicht werde». Gewiß haben alle diese Bedenken ihre Berechtigung. Aus der anderen Seit« ist ober nicht zu übersehen, doß eine gewisse Anpassung an den Arbeitsmarkt auch für die vergebenden Stellen finanzielle und unter Umständen auch technische Vorteile bringen kann. In vielen Fällen werden schwachbeschäftigte Betriebe in Gegenden mit großer Arbeitslosigkeit und demgemäß geringeren Löhnen billiger liefern können als stark beschäftigte Betriebe. Noch wichtiger wird es fein, daß die öffentlichen Aufträge nicht gerade in Zeiten der Hochkonjunktur vergeben werden, in denen Preise, Löhne usw. am höchsten liegen und Zeitaufwand und Sorg, sali für die Ausführung beschränkt sind. Auch wird die Tatsache, daß der Auftraggeber gegebenenfalls an anderer Stelle und zu an- derer Zeit kaufen wird, für den bisherigen Lieferaiiten ein Ansporn sein, seine Preise bejchciden anzusetzen, um im Geschäft zu bleiben. Man wird insgesamt zu dem Ergebnis kämmen, daß die Mög- lichkeit. dte ojientlichev Aufträge ohne technische und wirkschastliche Nachteile als Ausglclchqewlchlc für den Arbeitsmarkl zu benutzen. immerhin besteht, freilich nicht gleichmäßig für Aufträge jeder Art. Vfas ist»an geschehen? Soweit Berger, den wir wörtlich, bis auf einige redaktionelle Hervorhebungen, zitiert haben. Das ist nun seit August vorigen Jahres geschehen? Die Reichsbahn versagt al» Austrag- geber vollständig, obgleich sie auf längere Sicht hin für die E l e k- trifizierung großer Strecke« einen großen Sachbedorf Hot. Der Straßen- und Wegebau liegt seit Jahr und Tag i m argen. Der Wohnungsbau und die Siedlungstätigkeit lasten nach ieder Richtung zu wünschen übrig. Die laufenden Einnahmen der öffentlichen Körperschaften werden in wachsendem Maße von der Derwoltungstätigkeit aufgezehrt— wo aber eine Gemeinde den Mut findet, zur Bcrbilligung zukünftiger Produktion ihre A n» lagen auszubauen, da wird sie bei der Aufnahme von Aus- londsanleihen unter die Vormundschaft der Beratimgsstclle gestellt. Wollt« man in großzügiger Weis« oersuchen, den schon zetzt cngesammelten, zum Teil durch die Folgen des Krieges und der Inflation noch verstärkten Bedarf der öffentlichen Körperschaften zu organisieren und gerade jetzt in Zeiten der Krise die Befriedigung dieses Bedarfs durchzusetzen, so könnte manches rentable Wert angespornt werden, seinen Betrieb nicht nur in Gang zu halten, sondern ihn auch zu verbessern und seine Produktionskosten herabzusetzen. Es könnte dadurch auch in die Lage kommen, einen großen Teil der jetzt von Ihrer Arbeit ausgesperrten Belegschaften zu beschäftigen. Das dem nicht so ist, daß kaum die dringendsten Notstandsarbeiten in Fluß kommen wollen, daran trägt nicht nur die Negierung schuld: noch mehr sind es jene Industriellen, die den öffentlichen Auswand auch für produktive Zwecke dauernd zu beschneiden trachten und so die Produktion um ausgiebige sozial und wirtschaftlich zweckmäßige Betätigungs- Möglichkeiten bringen. Mit diesem System muß endlich einmal Schluß gemacht werden, an Stelle planloser Auftragsoer- tctlung muß eine planmäßige Arbeitsbeschaffung treten. Dazu Ist das Büchlein Bergers in seinen oben zitierten Ausführungen eine eindringliche Mahnung. Nichts ist törichier, als heute an die noch Arbeitenden die Forderung nach Mehr- arbeit zu richten, wenn die Sachwolter der Wirtschaftspolitik sich außerstande erklären, die Arbeit den Arbeitsuchenden zu erschließen, die sozusagen auf der Straße liegt. Ein Blick auf den Markt der Privatdiskeaten dürfte ollerdtugs de» Widerspruch zwischen der rückgängigen Inanspruch- nähme der Reichsbauk und der Dlskontermäßigung lösen. Ein riescii Haftes Angebot von flüssigen Geldern und von keiner Seite irgendwelche Lust, Wechsel mit der eigenen Unterschrift zur Ver- sügung zu stellen, um den Gelderu zur Anlage zu verhelfen. So stürzte der Zinssatz für Prioatdiskonten schon vor der Diskontermähi. gung zweimal: am 4. von aus 6)4, am 5. von 6)4 auf(PI». Wir haben mehrfach auf die schwere Vertrauenskrisis zwischen den großen Bank- und Jndustriefirmen hingewiesen, die die Neichsbonk x Selömorkt x visksotermäßigung. Dem ersten Reichsbank vericht nach der Diskantermätzigung mutzte man mit einem besonderen Interesse entgegensehen, Diskontennäßi- gungen regen die Kreditnachfrage an. Mit billigeren Wechselzinsen sinken die Spesen der Produktion. Diese Anregung ist auch der Zweck der Herabsetzung. Die diesmalig- Herabsetzung ließ eine besonders verstärkte Stachfroge erwarte». Sie traf nämlich mit einer Lockerung der Rationierungsvorfchriften zusammen. Prüft man daraufhin den Reichsbankbertcht vom IL. Januar. so ist man erstaunt. Wenn m di'ser Wochenbilan, auch nur vier Taoe lang zu dem neuen Satz von 8 Proz. diskontiert worden ist, so ist der Rückgang des Bestands an Inlondswechfeln gegenüber dem 7. Januar um über 200 Millionen Mark doch sehr ouffallend(1SZ7 gegen 1738 Millionen: am 31. Dezember 1915 Millionen). Das ist ein Wechselbestand, der nock um 30 Millionen hinter dem von Mitte Dezember zurückbleibt und nur um 90 Mulionen den von Mitte November übersteigt. Wechselbestände, d,e noch in der Zeit schärferer Rationierung und höheren Diskonts lagen. Die Anrequiig der Kreditnachfrage ist also o u s g e b l> e- b e n iiitd inöi, darf daraus schließen, daß die Auswirkungen der Wirtschaftskrise stärker sind als der Reiz zur Gejchäiiserwelteruug. der in der Herabsetzung des Diskonts und der Lockerung der Ratio. nütninfl tag._ � Ursache des iiesstanbes des Prioatdiskontsatzes ist. Tie Diskont« ermäßigung der Reichsbank hat daran nichts gebesiert. Im Gegen. teil. Am 19. ist der Privatsatz für erste Wechsel auf 614 und am Tage darauf aus 6% Proz. herabgesetzt worden. Aber selbst zu diesem Satz kommt kein Geschäft zustande. Die Banken töimen kein Geld brauchen, weil dos Mißtrauen bei der Weitergabe des Geldes an die Kundschaft nach wie vor zu groß ist. Der Rückgang der Wechselbestände der Reichsbant trotz der Vsrbilligung des Diskontsatzes ist also einfach deshalb erfolgt, weil die B a n k« n d a s Risiko fürchten, das in der Kreditgewährung an die Wechselkundschaft liegt. Sie haben in den letzten Krisenmonoten erhebliche Verlust« erlitten, und die Ermunterung der Industrie durch die Reichsbonk, die die Absicht der Diskont- ermäßigung war. stieß ins Leere. Man muß natürlich abwarten, wie die nächsten Bankausweise der Reichsbauk ausfallen, um ein endgültiges Urteil zu gewinnen. Jetzt läßt sich zum mindesten sagen, daß die Diskontermätziaung ein Schritt in der falschen Richtung war. und es ist nur zu höfseu, daß der falsche Schritt seine Korrektur über die Operationen erfahren wird, die die Reichsbank zur Gesundung des Kapitalmarktes mit de« Londwirtschastskredtten der Golddiskontbank eingeleitet hat. Der Notenumlauf und der Bestand an Rentenbankscheinen ist natürlich erheblich zurückgegangen bzw. vermehrt. Die Deckung durch Gold und Devisen betrögt 62,9 gegen 59 Proz. in der Vor- wache. Die Mechanisierung öer Lauöwirtschafi. Die Arbeitsgemeinschaft„Technik in der Landwirt. s ch a f t"(beim Verein Deutscher Ingenieure) hatte für den 20. Januar die Mitglieder der Ortsgruppe Perlin zur Iahrcstagung eingeladen. Das Ziel der Arbeit dieser Vereinigung ist es, die technischen Verrichtungen in der Landwirtschast durch eine Vereinheitlichung und Berbilligung der Geräte, Maschinen und sonstigen Hilfsmittel zu fördern, um dadurch den Wirkungsgrad der landwirtschaftlichen Tätigkeit zu heben. Einen breiten Raum nahm auf der Tagung die Frage ein, wonim die Technisierung der Landwirtschaft noch immer in den Anfangsftadien ist. Die Techniker meinten, daß es vor allem an der B« r e i t- fchaft der Landwirte zur Anwendung der vereinfachten, normalisierten Maschinen und Geräte und am Verständnis für die hier liegenden betriebswirtschaftlichen Aufgaben fehle, während die Landwirte den Technikern, insbesondere den Vertretern der Maschinenfabriken, den Vorwurf zurückgaben, daß sie eine Art Sabotage der Typisiemng und Normalisierung getrieben hätten, um auf diesem Wege möglichst wenig in Fabrikation und Vertrieb ändern zu müssen. Es war sehr interessant, als ein Mitglied der Zlrbettsgemeinschast das erste Produkt einer geglückten Typisierung — nach sieben Iahren Arbeit— auf den Tisch des Hauses weder. legte, nämlich einen Mähmaschinenbalken, dessen Teil«, die aus drei verschiedenen Fabriken stammen, dennoch ohne Schwierig- ketten zu einem vollkommenen Ganzen zusammengesetzt werden konnten, und es war noch interesionter. als daraufhin durch einen anderen der eniwesenden Ingenieure die Tatsache mitgeteilt wurde. daß dieses geglückte Beispiel einer Standardisierung von Maschinen- teilen nicht dank theoretischer Bemühungen zustande gekommen. sondern seinen Ursprung in den Massenbestellungen von Mähmaschinen durch die russische Regierung hat, die einen gewissen Zwang zur Arbeitsteilung auf die deutschen Fabriken ausgeübt hatte! Die große Aufmerksamkeit, die die Versammlung dem letzten aus der Reihe der fünf Redner, Herrn Dr. Rieß, Landwirt und Winicrschuldirektor in Landsberg o. d. W., widmete, ergab, doß gewiss« Vorbedingungen für die Anwendung von Maschinen und Geräten in der Landwirtschaft selbst noch keineswegs Allgemeingut geworden sind: nämlich die Herausarbeitunq der kalku- iatorischen Grundlagen, unter denen die Rentabilität der Maschinenoerweiidung allein festzustellen ist. Der Redner legte dar, daß die übliche Kalkulation aus Grund schematischer Berechnung der Umkosten von Arbeitskräften und Gespannen je Tag nicht zutrcssend ist, da der Wort einer?l r b c i t s st u n d e in der Landwirtschaft je nach der Jahreszeit außerordentlich stark wechselt. Wenn man dies berücksichtigt, und in die Kalkulation einsetzt, welche Er- sparnisse durch Verminderung des„Spitzenbedarss" an Arbeit in den Zeiten der Arbeitshäusung erzielt werden können, so wird man zu dem Schluß kommen, daß die Anwendung von Maschinen in sehr vielen Fällen noch rentabel ist, wo sie bei einer bloß schematischen Errechnung der eingesparten Unkosten nicht geboten erscheint. Neben den Ausführungen von Dr. Rieß, der ferner seststellte, daß jede Mehrverwcndnng von Maschine» n i ch t zu einer Frei- seyung von Arbeitskräften, sondern nur z» einer Stei- qeruna der Intensität führe, verdienen noch der Vortrag von Ingenieur Zander, der über die Methoden einer billigen Be> schasfung von Landmaschinen, insbesondere für den bäuerlichen Grundbesitz sprach, und die mit Beispielen aus der Praxis reich gewürzten, höchst temperamentvollen Ausführungen von Ober- amtmann Schurig-Marke besondere Erwähnung. Aus der sehr umfangreichen Diskussion, in der immer wieder die Notwendigkeit der gemeinsomen Arbeit betont wurde. hoben sich besonders die Darlegungen von Dr. Baad« hervor, der, von den Verhältnissen in der bäuerlichen Landwirt- schaft ausgehend, die Notwendigkeit einer nach einheitlichen GesichtspunkrenerfolgendeVersorgungderLand- Wirtschaft mit industriellen Hilfsmitteln feit- stellte. Nicht darin, daß die verschiedenen Kunstdüngerproduzenten und dte verschiedenen Maschinenfabriken einaudcr Konkurrenz machen, sondern darin eine einheitliche Zusammensassung der bisher in der Reklame und im Verkausopparat zersplitterten Kräfte und deren Anwendung für Betriebsberatung und landwirtschaftliche Schulung sieht B a a d e den Weg zu einer Intensivierung der Land- Wirtschaft mtt der weiteren Folge, daß dann, anstatt der einen Milliarde Gold mark, die jetzt etwa für industriell- Produk- tionsmittel von der Landwirtschaft ausgegeben wird, das Drei- bis Vierfache nutzbringend angelegt werden kann.— zum Segen der agrarischen Produktion ebenso wie zum Vorteil der Industrie, sei es. daß sie der Landwirtschast Produktionsmittel, sei es. daß sie Konsumgüter liefert. Die Vorbereitung öer Virtsckostskonferenz. Das Bölkerbundsfekretariat hat den Staatssekretär im Reich». Wirtschaftsministerium Tiendelenburg. den Reichstagsabge- ordneten Lammers, Vorstandsmitglied des Reichsverbondes der Deutschen Industrie, und den Gewerklchastssekretär Genossen Eggert ersticht, an der vorbereitenden Weltwirtschaftskol, ierenz teilzunehmen. Lammers gehört dem Zentrum an. Genosse Enaert bearbeitet im Allgemei rc» Deutschen Gerverkschastsbund die Wirt- schastsfragen und ist zurzeit Mitglied der deutschen Delegation für die daitsch-polaischea Haudelsoertragsverhandlungen. Etatberatung im Reichstag. Ein Fall Brnhn— DicReichsversicherungsordnung- Annahme der Ministeretats Der Ret 6) st dg überwies gestern zunächst eine Reihe vdn Anträgen zur Genehmigung der Strafverfolgung von Abgeordnelen dem GeschästsordnungSdusichiis;. Giaszc Heiterkeit erregt es, datz sich darunter nuch ein Strafverfolgungsantrag g e g e'r So n A b g. K ü l z(D c m.>, dein neuen Rcichsinnenministcr, befindet. Der GefchäftsordnuiigsausschuB beantragt vier Anträge aus Genehmigung der Strafocrsolgung von Abgeordneten abzulehnen, dagegen die Genehmigung zur Üinlcilung eines yrivalklageversahrens gegen den Abgeordneleu » Lruhn(Dnat.) zu erteilen. Abg. Gok(Dnat.) beantragt die Sache noch einmal an den Aus- ichuß zurückzuverweisen, da sie noch nicht genügend ge- tlärt sei. Abg. Lipinsti(Soz.) als Berichterstatter stellt fest, daß es sich in dem Falle des Abg. Bruhn um die Wiederholungen von Beleidigungen handele. Nachdem der Reichstag zuerst den Antrag auf'Straiverfolgung gegen Bruhn abgelehnt harte, hat Bruhn die Beleidigungen in seinem Blatte„Die Wahrheit"" noch einmal erhoben. lvcun unter dem Schuh der Immunität solche Beleidigungen wiederholt werden, dann kann dem Abgeordneten der Schuh des Reichstages nicht mehr zugebilligt werden. Das S ch l i ni m« an der Sache ist, dah die Beschuldigungen, auf die sich Herr Bruhn stügl, ihm von einem Konkurrenten zugetragen worden sind. Wenn Herr Bruhn die Wahrheit an de« Tag bringen will, dann muh er auch den Mut haben, für jeiii« Beschuldigungen vor Gericht einzustehen. Im Ausschuß hat sich die Mehrheit mit Ausnahme der Dentschnationnlen für die Erteilung der Geuchmiqung zur Sirasversolgung ausgesprochen. Abg. u. krardarss(D. Bp.): Es entspricht einem alteii� Brauch des Hauses, dah Folge geleistet wird, wenn eine große Fraktion die orrnktverweisung einer Sache an den Zlusichuh wünscht, weil sie noch nicht genügend geklärt sei. Abg. Ditlmatm(Soz.): Für unsere Fraktion bedarf die Sache in keiner Weise einer weiteren Darstellung. Es kommt auch nicht daraus an, ob es sich um eine Wiederholung alter Beleidigungen oder uni wiederholte Beleidigungen handelt. Da aber eine große Fraktion den Wunsch auf Zunirfverweisung äußert, so wollen wir ihm nach dem alten Brauche Rechnung trogen, trotzdem unsere Stelliingadme zu dieser Sache feststeht. Die Sache wird daraus an den Geschästsordnungsausschuß zurückverwiesen. Der Entwurf eines Gesetzes über Aenderungen im potentomtlichcn Berfohrcn wird in allen drei Lesungen verabschiedet. Die Vorlage betrisst den Geschäftsgang der?lnmell>c. abteilung im Einspruchsverfahren. dos Verfahren des großen Senats und Beschwerden gegev die Priisungsftelle. Der Entwuri eines Gesetzes über die Versorgung der V o l i z« i b e a ni I c n beim R e> ch s w o s s e r s ch u tz wird dein Hauptausschuß zur weitere» Beratung überwiesen. Die Ber: sorgung soll noch der Vorloge emiprechcnd den Bestiinmungen für die Schutzpolizei geregelt werden, cic erfüllt eine Zusage, die den Polizetbeamtcn bei der Gründung des Reichswasierschugcs gegeben wurde. Der Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Aenderung und Ergänzung des Hypolhekenbankgesetzes wird in allen drei Lesungen genehmigt. Danach sollen die Hypotheken- basten außer ihren bisherigen Geschäften auch die Aufnahm« von Darlehen bei der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt zwecks Ge- Währung hypothekarischer Darlehen und die Bestellung von Sicher- hellen für diese Darlehen betreiben. Die neue Borschrift kommt für.die Landwirtschaft in Betracht. Es soll dadurch die inn der Deutschen Nentenbank-Kreditanstalt im September 1923 obge- schlosscne Auslandsanleibe und weitere derartige Anleihen zur Ver- tcilung gelangen. Es folg» die erste Beratung eines Gesetzentwurfs über die Ab- ä N d e r u N g des zweiten Buches der Reichsversicherungs- ordnung in Verbindung ivit der ersten Beratung eines von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Gesetz- entwvrfs über die flenüerung Ser Neichsversicherungsorünung. Der Gesetzentwurf der Regierung will den Reichszuschuß für >le Kosten der Familienwochenhilfe beseitigen, weä Krankenkassen davon nur geringen Dorteil hätten, die Länder und Gemeinden aber eine unwirtschaftliche, Last. Der Reichsrai batte de', Wegfall der finanziellen Beteiligiing des Reichs an den Kosten der Familienwochenhilie abgelehnt, weil sie eine erhebliche Mehrbelastung der Krankenkasse« bedeuten würde. Der Reichsrat hat eine andere Fassung des Entwurfs beschlos'en und dieser steht jeßt zur Beschlußfassung. Abg. Frau Schroeder(Soz.) begründet hierzu den iazjaldemokratischen Gesetzentwurf, der eine Aenderung der Berechnung der Renten aus der Invalidcnnerficherun�»erlangt. Es sei unverständlick, daß dos Reichsarbeitsministcrinin sich aus die Mehrbelastung der Kranken- k äffen berufe, um die Reichsbeibilien für die Familienwochenhilfe zu beselligen. Die ärztlichen und die Wohlsahrtsorgani- s a t i o n e n haben gegen das unverständliche Borgehen der Regie- runq protestiert. Sie haben verlangt, daß nicht ein Abbau, sondern ein Ausbau der Familienwochenhilfe vorgenommen werde. Trotzdem will das Reichearbellsministcrium den Abbau durchsetzen. Ich habe es außsrordcilllich begrüßt, daß die Oefsenilichkeit dagegen protestiert hat. denn es zeigte sich, daß man sich mehr und mehr mit den Fragen der Bevölkerungspalitik beiaßt. Es wurde auch der Erfolg erreicht, daß der Reichsral den Gesehentwurs der Regierung ablehnte und ihn an die Regierung zurückverwies. Ich hätte es ober gern gesehen, wenn der Protest der Oefsentlichkeit eine posllivere Wirkung beim Reichsarbeitsministe> erzielt hätte. Was die Regierung jetzt vorlegt, ist nicht eine aeffere Arbeit, es ist nicht Fisch und nicht Fleisib.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Außer einigen technischen Verbesserungen ist nichts neschehen, was den Forderungen der Oefsentlichkeit Rechnung trüge. Aus die Rot der breiten Massen de? Volkes wird in keiner Weise Rücksicht genommen. Es hätte wohl eingegangen werden könne» auf die Feststellungen, die inzwischen über die Arbeil der schwangeren Frauen gemacht worden sind, wie sie besonders der Textilarbeiteroerband in vorbildlicher Weise vorgenommen hat. Auch wenn angeblich die Rot der Krankenkossen berücksichtigt werden soll,'so frage ich, was ist davon in diesem Gesetzentwurf enthalten? Der einzige Gedanke, der damit im Zusammenhang steht, ist der der Gemeinsckjastsorbeit. Dem gegenüber steht der Nachteil der Entziehung des Reichszuschuffes. Wir haben uns wiederholt schon mit der Notlage der Krankenkassen beschäftigen mülsen, besonders in der Inflationszeit. Jetzt ist infolge her wirtschaftlichen Krise eine neue außerordentl'iche Not- löge der Krankenkassen geschaffen worden. Durch die gewaltigen Zahlen der Erwerbslosen werden in erster Linie die Krantenkaffcn getroffen. In diesem Augenblick will die Reichs- regierung entgegen der öffentlichen Meinung und entgegen dem Einspruch des Reichsrots das Wenige nehmen, was noch' geleistet werden kann. Es darf nicht unausgesprochen bleiben, daß die Krankenkassen große Opfer für die Mutterschastspfleze bringen. Sie haben sich damll ein gewaltiges Berdienst um die Allgemeinheit erworben. Wenn trotz der Not des Volkes die Sterblichkell herab- gegangen ist, dann ist dos nicht zuletzt zurückzuführen auf die Opfer, die die Krankenkassen gebracht haben. Als Dank dafür will die Reichsregicrung trat; der Proteste von ollen Seite» das Geringe noch nehmen, was sie erhalten. Im Ausschuß werden wir uns mit diesen Fragen noch eingehend befassen müssen, besonders werden wir uns mit der Notlage der Krankenkaffen befassen, auch mit den Maß- nahmen, die notwendig sind, um die Volksgesundheit zu schützen. Die Rednerin legt zum Schlüsse eine Resolution der sozialdemokratischen Fraktto» vor, wonach der Reichstag diejenigen Maßnahmen beschließen solle, die notwendig erscheinen, um den Krankenkassen über die gegenwärtige Nottage hinwegzuhelfen. Wir bitten Sie, diese Entschließung anzunehmen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frau Arendscc(Komm.) bekänipft in ähnlicher Weise die Regierungsvorlage, die sie als einen Abbau der Wochenhilfe bezeichnet. Der Gesetzentwurf und der sozialdemokratische Antrag werden dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Dann wird üie dritte öeratung des Etats für 1925 fortgesetzt. Nach den Vereinbarungen im Haushaltsausschuß sollen dle noch zu erledigenden Etats in drllter Beratung ohne größere polllischo Debatten verabschiedet werden, da bereits in den nächsten Wochen die neuen Haushalte zur Beratung stehen werden. Ohne Debatte werden die Etats des Reichspräsidenten und des Auswärtigen Amtes angenommen. Beim Hausholt des Reichsinnen Ministeriums führt Abg. Buchmann(Lomm.) Beschwerde �uber die Polizeizustände in Bayern. Die bayerische Staatsanwoltschasl und Polizei setze sich bei kvinmunistischen Zlbgcordnetcn ohne weiteres über die Immunität hinweg und setze Kommunisten ohne jeden Grund wahllos in Hast. Die Versammlungsfreiheit verstorben ist der Genoffe Karl Rosenberger. Amtsvorsteher w Künzendors bei Neurode, im Alter von 68 Jahren. Der Der. storbene war in der Arbellerbewegung sehr tätig: 23 Jahre war er ununterbrochen Borsitzender einer berggcwerllichen Organisation.—- In Wiesbaden verstarb der Stadtverordnete, Arbeitersekretär Genoffe Wilhelm Licser im Alier von 39 Iahren.— In H ö ch it am Main verstarb Genosse Anton Waller. Er war der erste sozialdc in akratische Abgeordnete im Koburger Landtag, der erste Parteisekretär im Kreise Höchst, der erste sozialdemokratische Stadtverordnetenoorsteher, und seine Leiche ist die erste, die in dem neuerbauien Krematorium, dessen Bau durch ihn 1 besonders gefördert wurde, eingeäschert wird. parteinachrichten riulei>»»iig«> fSr diele SittdrU find Verl«» S». O. Lwd-nwotz» 3. für Groß-Serlin Net» an da»«c,trt»i«tret,nitl, 4. Hos, 5 Tre» recht». ,» richten. öezirksvorstaoS. Sonnabend, den 23. Januar, abends 6 Uhr. wichtige Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes im Jugendheim. Lindenkkr. 3. « Z.«rtt» Deddina. Stetio«. den 22. llanuor, abends 7 llbr. Sikun« des erweiterten yreisddrlwndcs an der bekannten Stelle. Heute, Donnerstag, den 21. Januar: se. Abt. Ertra«ll>lab«nb TU Ulir bei«raule. Belforter Etrafie, eck« Drenz. lauer Allee. Nenwabl der Äbteilunaslcituna. 73.«bt. Schiinebcr«. 6 Übe cufierordentliche Zunktionärfitiuna bei»öiua. Seurt«.. liefe Prins-Georq-Etvake.„ Znuasottolifiru. ibruvre Treptoi»! 7', Übt im guaendbrim Elsenstr. 3. ZZoc trofl:..Soiioloair und Vadaarnik". Referent Genosse Pemman.— Griuu-c Cbatlattenbor«: 7'; llbr im Zuernbbeirn Rofinenftr. 3. Bortraq:„3ot;a- ljficruna in Aufiland'.— Gmpee Pren�aner«ctfl: 7Vi Übt im lluaend. beim JVintijct Sir. 62 iVaraclen». Bortraa de» Genossen Frid S'ciliboN.- Hrnpv«??riedri.'i'sba?a: 7Vj Uhr im fteflcnhhclm Tilsitcr Sir. 4, Cortrött* ..Kriedrich Gufless*. Reserent Erich«uir..— Groppen Reulolln I nnb N: 7>4 Ubr In, sZilm'ndbeim Rcaatfir. U— 12. Bortraa:..Staat und Er. .iiebuna'2 Aekernt Tr. fturt Howeirficin. Morgen. Freitag, den 22. Januar: l«.. II!.. 1«.«dt. TU Übt im Swinrmvnder Gaseoschakisbau«. Swinemünber Etrafie 32. Nitalioderversommlnnq. Vortraa:„rtnltursroaen der Arbeiter, klasia". Refe--„t Emil?artb. Göll» willfoimnen. 33. Abt. S ir;.r in der ödiu-ouia Saaletltr. 3,«orfso«;..Die Ere cbuna dr« nernö-en Äinb-v'. Rcsercn! Herr Povn. Die interesfierlen Eltern find fierrlichfi einaeladen. Gaste willkommen. sei für Kommunisten noch immer in Bayern ousgehoben. Auch dos K o a l i t i o n s r e ch t der Arbeiter sei durch die bayerischen Polizei. z«. zti'1"» Uh�bX siartufrt.'° grüdenftr?' Ä. wichtige ffunltionärfifium,. schikaiien praktisch außer Kraft gesetzt Abg. Saenger(Soz.) bezeichnet die Klagen des kommunistischen Redners als durchaus berechtigt. Ebenso wie die Kommunisten wurden ober in Bayern auch die republikanischen Organisationen, vor allem dos Reichsbanner verolgt. Sobald ein veräntwortlichsr Reichsinnenminister vor dem Reichstag stehe, wird die Sozialdenin. kratie ihre begründeten Bojchwcrden Gegen die bayerische Wirtschast vorbringen. Der Etat des Innenministeriums wird bewilligt. Ado. Böhla(Komm.) führt Beschwerde über"ungerechte Der- teiluiig von Wohnungen im besetzten Gebiet. Der Hausholt wird bewilllitt. Beim Haushalt des W i r t s ch a f t s m i n i st e r i u m? wird ein Anlrag r>. Raumer(DBp.) angenommen, wonach die Mittel für das Reichskominifforiat für Ein. und Ausfuhr von 30 O» auf 90 000 M erhöht werden sollen. ?lbg. Bortschat(Dem.) begründet einen Antrag auf Berellstel- lung von 300 000 M. für die Forschungsinstitute des Handwerks. Abg. o. Raumer(DBp.) wendet sich gegen den Antrag, der schließlich abgelehnt wird. Abg. koeneu(Komm.) weist darauf hin, daß da» Rheinische Brannkohlensyndlkat. da» 10 SNMonen Ruhrentschädlgung erhalten habe. In setner Bilanz genau 10 Millionen Reingewinn aufweise. Die Ruhrentschädigung habe also nur zur Bereicherung der Ruhr. industriellen gedient. Von den Kommunisten werde ip einer Entschließung die Rückzahlung der von den Industriellen bezogenen Ruhrcntjchädigungen und die Verhinderung weiterer Betriebsstill- lcgungen verlangt. Der Haushalt wird bewilligt, ebenso der Haushalt des Reichs- wirtschastsrats und des Reichzwehrininisteriums. Auch der Haus- hall des Reichsverkehrsministeriumz wird angenommen unter Ab- lehniing eines Antrags der Wirtschaftlichen Vereinigung zur Streichung der für die Erweiterung der Reichsbeteiligung an den Frochtverkehrsgefellschaften eingesetzten 900 000 M. Um 6 Uhr wird die Wciterberatung aus Donnerstag mittag 12 Uhr vertagt. « In der heutigen Sitzung des A e l t e st e n ra t s des Reichisags wurde vereinbart, daß die Entgegennahme der Programmer- k l ä r» n g der neuen Reichsregieriing auf die Tagesordnung der Plenarsitzung vom Dienstag nächster Woche gesetzt werden soll. In den Togen bis dahin soll die dritte Lesung des Reichshaushall- plons für 1923 erledigt werden, und zwar in Anbetrocht des vor- gerückten Etatsjohrcs in abgekürller Form, mit ter Maßgabe, daß eine Diskussion nur bei de» Pnsllionen der Ministergchälter statt- findet und dabei jeder Partei eine Redezeit von 13 Minuten und für die Anträge zum Etat von 10 Mimiten freisteht. t' 82. Abt.«troli». Orssrntliche Brrrainniluna abends 8 Ubr IM s 1 ¥i Gmnnafium Sersellrafir Dartrao des Reickstoasabarordneten Seinrick c j � En»dkl über..gürsienabrindunq". Alle Gencsfinnrn und Genrfi.'N F! ! � müssen für rraen BewÄ der Lrrsarnn:-.nni S->r« trauen.- Zuapso/iialifte». Grnpne Laaktvifi: 8 Ubr bei der Eenasfin Mar-rirn, Kaiser Vilbeiin-Str. 2j— 2S. Zrrtkcnuua der Ardeilsaemeini'ckatt über das Heidcb be-raer Droarannn. vereinianna ssHialbemakratilcher Studenten. Heute. Dennerstaa. den 21. tzo. nuar, abends 8 Ubr. im So3ialmillensibaftlivicbtia-n Toacsordnunq weaen Erscheinen aller Mtaaeder drinaend er- kerderlich. keteribaaen-Zredertdars nnd Ilinaegend. Sonnabend, den 28. tzanuar. adeno'- - Übe, cn Vetersba«en im Lokal von Madei. Dorfsirafie, Ssfeniliche Volke nerlammlnna.?a?e�o--dnunai..Die �ürsier-abfinduno�. Referent Genosse W. Sieriiu». Sämtliche Darteieeirclsen mütlen erscheinen. Fraucnoeraoslaltungea am Fcelkag. den 22. Jauuar: K. Abt. eientenfilttdi. 8 Ubr im Lokas Heidekrua. ksichaber Dtarsanb. lsraü'N- nercammluua. Dartraai..Di» WriUschoflskrife". Zteferentin Hedwia Nochenbelm. All« Genossinnen müssen erscheinen. «. Abt. Halens««. 718 Ubr bei Klinaekeil. Iobann�bevna�tr. lZ. Tbema. „Politische Taaesfraaen Referent Erich ssraenkci. Zteuwabl der Leiterin. ?usenüveranllaltunyea. »Btchenanaschnfi: Leute 7>4 llbr Sibuna im Znaenbbei» Ltndenstr. 8. Heute, Donnerstag, den 21. Januar, abends TU Ahr: Säbwesten: tzuaendbeim Lindenstr. Z. Aussprache:..Friedrich Enocls: Grundsäfi« des Kommunismus".— ikriedcnau: tzuoendbeim Osi«nbacher Str.»3. Vcriraa:..Die?eit de» Absolutismus".— Zeblendorst Tnaendbeim SUdschlU- W-ib-lmstrofie. Aussprache:„Die deutschen lieiedensveriraae v->» 181- vi» beute".— Erkner: Iueciidbeim an der Rundfiedluna, Borrraa:..Bauernkrsca". — Baumschnlenwea: A-beitsaemeinschaft Stornmartc fällt am ZZreitaa aus. _ Werbebcnrk Tieraarten. Zreitaa, den 22. tzonuar, abend« llbr. f im Hoechet-Saal. 3n den gelten 10, Eike Bcetbovenstrafie. Boriraa:-: r-z..Zuaeud und seruelle sZraae". Redner Genosse Dr. Moonuz Siisch- i- seld. lüruppenveranitaliunaen fallen aus. Gülfc willkommen. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz- Rat�vold". Geschäfts Nelle: Berlin E. 13. Sebastian fir. ZTR. Kok 2 Tr. 7? us öer Partei. Ein Ebert�üedenkstein in Elberfeld. Das Reichsbanner Elber- icld wird zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Eberl einen Gedenkstein errichte». Eberl hat im Elberielder Bezirk vor mehr als 23 Jahren feine politische Laufbahn begonnen. Die zuständige Kommission der Stadtverwaltung hat bereits die Zu- stimmung zur Abtretung eines öffentlichen Platzes für diesen Zweck gegeben. Bei der Wahl eine» Lelgeordnelen(Vertreter für den Bürger- meister) in der Gemeinde Groß-Gerau(Hessen) erhielt der bürger- liche Kandidat 1220 Stimmen, der Kommunist 790 Stimmen und l-er Sozialdemokrat 788 Stimmen. Es mußte eine Stichwahl�zwischen Bürgerlichen und Kommunisten stattfinden. Bei dieser Stichwahl siegte der Bürgerliche mit 16-19 Sttmmen gegenüber dem Kommu- nisten, der 1387 Stimmen erhiell. Unsere Partei hatte in der Stich- wohl für den kommunistischen Kandidaten gestimmt. Glückliche Wahleulscheidung durch das Los. In EUenburg ist die Siadtverordnetenveriammlung durch 14 bürgerliche und 14 sozial- demokratische und kommunistische Stadtverordnete zusammengesetzt. Die kommunistische Taktik ließ bisher unsere Genoffen bei Bar- steher- und anderen Wahlen im Stich. Die Umkehr der Kommu- nisten von dieser Taktik brachte es jetzt zuwege, daß bei der Wadl des Stadtverordnetenoorstehers unser Kandidai 14 Stimmen bekam: der bürgerliche Kandidai erhiell ebensoviel. Das Los mußte ent- scheiden: es entschied zugunsten unseres Genoffen. Als sich das gleich« bei der Wahl des stellvertretenden Borsitzenden wiederholte, bei der als Stellvertreter ein Kommunist, als Schriftführer unser Genoffe durch das Los gewählt wurde, rief diese Entscheidung auf der Linken lebhafte Heiterkeit hervor, während die Rechte verdutzte Ge- sichter machte. Stadtverorduetenjubiläum. In Magdeburg gehört der Genoffe Richard Ritsch sett 25 Iahren der Stadtverordnetenversammlung an. Unser Genosse ist jetzt unbesoldeter Stadtrat. Der„A-ll der Repnblik-nee".Lii kiis:?!?,; VI« w»IU>«r0r>>m«r> Pfarrer Kneipo-Piüen tU» zuverlässige, blutrelnlijCLdc Abführmittel Rhenm u. Sapo Je X CaL z. Jualp.>, zjoc� Z* babea ta«Uca Äfotbckca Kk. v-