Nr. 153. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3.30 Marl, monallich 1,10 Ml., wöchentlich SS Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illuslr. Sonntags- Beilage„Neue Welt" lo Psg. Post-Abonnement: Z.soMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., sür das übrige Ausland sMl.pr. Monat. Eingetr. in der Post-geitungs- Preisliste sür ms unter Nr. 712». 12. Jahrg. Aiisertioni-Eebühr beträgt für die sünfgefpaltcne Petiizetle oder deren Raum«o Psg., für Vereins- und versaminlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr Nachmittag» in der Expeditio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis» Uhr Bor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1608. Teiegramm- Adresse: ..Koiialdrmoltrat �erlitt!' Verliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V.19. ZZeutö-Strilke 2. Sonnabend, den 6. Juli 1893. Srpedition: LV. l9. Aeuth-Straße 3. Deutsche Professoren-Wissen schast. Wir Teutsche sind— das heißt, wir sagen es uns selbst bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit— wir sind von allen Böllern der Erde das bescheidcilste. Wir sind sogar, wie wir in kühner Selbstkritik streng tadelnd uns manchmal vorwerfen, zu bescheiden. Aber einige gute Eigenschaften haben wir, die wir trotz unserer Bescheidenheit doch nicht unter den Scheffel zu stellen ein Recht haben. Wir sind wahrhaftig, treu und bieder— Hinterlist, Heuchelei und Verlogenheit sind „wälsche* Eigenschaften; die Teutschen lügen nicht, die Deutschen gehen stets den geraden Weg, und wenn ein Deutscher weiß sagt, ist es weiß, und wenn schwarz schwarz. Wer an dieser unserer Tugendhaftigkeit zweifeln wollte, dem halten wir den größten der Deutschen, den Nationalheros Bismarck hin, in welchem unsere christlich-germanischen Tugenden sich zu höchster Vollendung verkörpert haben. Und noch zwei andere gute Eigenschaften haben wir, die kein anderes Volk hat: wir sind gründlich und wir sind gerecht. Unsere Geschichtsschreiber sind die einzigen, die objektiv, rein sachlich sind gegenüber anderen Völkern; unsere Richter sind die einzigen, die sich nie von Partcisucht leiten lassen, die keinem Machtspruch von oben sich beugen, die lieber ans Amt und Würden verzichten, als das Recht auch nur um ein tausendstel Haaresbreite zu beugen. Und unsere Eründ- lichkeit! Kein anderes Land hat Gelehrte, die so gewissen- hast forschen, mit solchem Bienenfleiß Thatsache zu That- fache zusammentragen, um dann auf festgefügter Grundlage ihre Schlüsse aufzubauen. Das ist die Theorie-- Und die Praxis. Sie bietet uns freilich ein anderes Bild. Und sintemalen wir uns schon sehr oft mit unserer nationalen Wahrhaftigkeit, Treue und Gerechtigkeit zu beschäftigen hatten, und sintemalen wir vor unserer nationalen Be- scheidenheit einen heiligen Respekt haben, so wollen wir heute nur unserer nationalen Gründlichkeit einmal ins Gesicht leuchten. Und zwar wollen wir uns für dieses Experiment das klassischste Versuchsobjekt, nämlich den gründlichsten und zu gleicher Zeit berühmtesten, also dem nationalen Ideal am besten entsprechenden Vertreter der jetzt im Vordergrund stehenden Wissen- schaft hernehmen— den Professor der National- ökonomie Dr. Adolf Wagner. Herr Professor Wagner gilt in weiten Kreisen für den be- deutendsten deutschen Nationalökononi der Gegenwart und obendrein für einen großen Politiker, dem noch eine glänzende Zukunft bevorstehe— jedenfalls für einen grüud- lichen Gelehrten oommo il faut. Wir wollen nun hier— wo der Platz nicht ist— die Bücher des Herrn Prof. Wagner nicht zergliedern, wir wollen auch nicht seine politische Thätig- J'emlletou. INachdrua verbot«».) Kerliner Wärztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. 56 XVI. Stunde auf Stunde verrann, ohne daß von feiten des Militärs ein Angriff auf die Barrikade erfolgte. Bald nach ihrer Vollendung war Graf Arnim, einer der gemäßigten unter den Rathgebern des Königs, hoch zu Roß, vor dem trotzigen Schutzwerk erschienen. Zum Zeichen des Friedens winkte er mit eineni weißen Tuche. Er trug ein ganzes Packet von Proklamationen unterm Arme, in denen die Minister des Königs aufs feierlichste versicherten, daß die Schüsse auf dem Schloßplatz nur„zufällig" losgegangen wären und der entstandene Zwiespalt auf einem„traurigen Jrrthum" beruhe. In eigener Person las der Gras den Barrikadenmämiern die Erklärung der Minister vor und vcrtheilte die mitgebrachten Exemplare unter die Neugierigen, die sich um ihn gesammelt hatten. Allein das trüb- selige, vom bleichen Schrecken diktirte Schriftstück machte nicht den geringsten Eindruck auf die Zuhörer. ,Wat soll uns der Wisch?« „Ecn neier Schmindel!' »Zu spät, Eier Durchlauft!" tönte es von den Lippen des Volkes, das seine Macht zu fühlen begann, dem Grafen entgegen. „Schmeißt doch die Tinger in'n Dreck!" erscholl eine Stimme aus den Hinteren Reihen, und in tausend Fetzen zerrissen, flog die letzte Kundgebung eines u n v e r- antwortlichen preußischen Ministers in den Koth der Gasse. Unverrichteter Sache ritt der Graf nach dem Schlosse zurück, von beißenden Spottreden und höhnischen Zurusen keit unter die Lupe legen— der Erfinder des„Patrimoniums der Enterbten", der Busenfreund Stöcker's, der poli- tische Wagner hat für uns keine andere Bedeutung als zahllose andere Politiker, deren man höchstens erwähnt, wenn von der Heerde die Rede ist. Wir haben es nur mit dem gründlichen Wagner zn thnn. Und den stellen wir sofort den Lesern vor, wie der ihm befreundete „Rcichsbote" ihu vor wcnigcn Tagen präseutirt hat. Nämlich so: Professor Dr. Avolf Wagner in Leipzig. Ilm 29. Juni fand in dem großen Saale der Zcutralhalle auf eine Einladung des Vereins Tenlscher Studenten hin ein Vortrag des Herrn Geh. Reg.- Raths Prof. Dr. Wagner aus Berlin statt. Richt nur zahlreiche Kommilitonen aus der Studentenschaft, sondern auch eine ganze Reibe von Professoren waren freundlichst der Einladung des Vereins Deutscher Studenten gefolgt. Nach- dem der Vorsitzende,«tuä. ibeol. Maurerbrccher, gegen KV« Uhr die Versammlung eröffnet hatte, ergriff Herr Geh. R. Prof. Dr. Wagner, mit stürmischem Beifall begrüßt, das Wort zu seinem Vortrage:„Der Sozialismus und die neuere deutsche Nationalökonomie." Der Redner� ging von den Schwierigkeilen und Hindernissen aus.diesich cincrBeschästigung der Studenten mit sozialen und politischen Fragen entgegenstellten Ter Student habe ein Recht, sich mit solchen Fragen zu be� schäftigen, er müsse seine Studienzeit auch zur Vorbereitung aus die Aufgaben benutzen, die ihm im Lebe» als Glied seines Volkes entgegenträten. Auch dazu könne die studircnde Jugend Leitung und Hilfe von ihren Lehrern verlangen, und gerade die sozialen Wissenschaften nähme» jetzt eine zwischen allen Fakultäten ver mittelnde Stellung ein, wie sie früher die Philosophie inne gehabt habe. Wenn nun aber die Jugend den Lehrern dieser Wissenschaft folge und sich mit den bewegenden Problemen der §eit befasse, so werde sie von den verschiedensten Seiten vor dem ozialisuius der Professoren und deren umstürzlerischem Wirken ge- warnt. Das Ungerechtfertigte dieser Vorwürfe wolle er nach- weisen. Zunächst behandelte der Herr Vortragende sodann die Berührungen zwischen dem Sozialismus und der akademische» nationalökononi ischen Wissenschaft in ihrer geschichtlichen Entwicke- lung. Er schilderte mit mannigfachen Beispiele» aus seiner eigene» Erfahrung, wie sich die wissenschaftliche N a t i o n a l- ökonomie allmälig zur Würdigung der berechtigten Punkte sozialistischer Kritik durchgearbeitet habe; daneben sei von ihr aber auch nicht die nothwendige Polemik gegen die Schwächen und Jehler des Sozialismus ver- säumt worden. Tie Sozialdemokratie würdige viel zu wenig die psychologischen Schwierigkeiten, die einer sozialistischen Ordnung der Gcsellschafts- und Wirthschaftsver- Hältnisse entgegenständen. Diese zeigten sich schon jetzt bei de» großen Staatsbetrieben wie bei den preußischen Eisenbahnen. So sehr er selbst ein Freund solcher Verstaatlichungen sei, so wenig verschließe er sein Auge vor solche» Mängel». Es sei aber gerade der große Fehler des Sozialisinus, daß er in seinen Z» k u n f t s p l ä» e n nicht a u f f e st e m G r u u d e baue. So gut man von einem Architekten verlange, daß seine Bauplätze den Grundgesetzen der Technik entsprächen, so müsse man von jedem sozialpolitischem System verlangen, daß es den wirth- s ch a f t l i ch e n und psychologischen Grundgesetzen Rech- nung trage. Die Menschennatur, die in ihrer mangelhaften sündigenArt selbst durch den mächtigen verfolgt, die ihm über die„Stimmung der Bevölkerung" keinen Zweifel mehr ließen. Bei den Streitern des Volkes hatte dieser Zwischenfall die Zuversicht und den Kampsesmuth beträchtlich erhöht. Sie wußten nun, daß der Gegner sie fürchtete, und brannten vor Ungeduld, sich mit ihm zu messen. Schon war in einigen Vierteln, namentlich in der Friedrichstadt, der Kampf anfs heftigste entbrannt. Salven auf Salven hörte man knattern— und hier sollte man warten, bis es den Feinden beliebte, das Feuer zu eröffnen. Man hatte im Schlosse eine solche Kraftentfaltung auf feiten des Volkes nicht im entferntesten erwartet. Unsicheres Schwanken kennzeichnete von Anfang an die Maßnahmen des Oberstkonimandirendcn v. Prittwitz, der den General v. Pfuel ersetzt hatte. Man fühlte sich zu schwach, um mit den in der Stadt befindlichen Truppen die Erhebung niederzuwerfen, und wartete den Zuzug der Regimenter ab, die auf den Dörfern der Umgegend im Quartier lagen. Aengstlich suchte man die vorhandenen Truppen auf dem Schloßplatze und dem Gendarmenmarkt zusammenzuhalten, damit sie nicht in der Vereinzelung vom Volke überwältigt würden. Erst wenn die auswärtigen Streitkräfte die Stadtthore erreicht hätten, sollte von innen und außen zugleich der Hauptangriff auf die Barrikaden erfolgen. So bestand bis spät in den Nachmittag hinein der Kampf nur in flüchtigen Plänkeleien und kleineren, plan- losen Zusammenstößen. Der erste Soldat fiel kurz vor drei Uhr, es war der Posten vor dem Bankgebäude in der Jägerstraße, dessen Gewehr sich entlud, als man ihn entwaffnen wollte. Bald daraufkwurde eine in aller Eile an dieser Stelle errichtete Barrikade, die den Weg nach dem Gendarmenmarkte. versperrte, von Ab- theilungen des zweiten Garde-Regiments genommen, und ein harmloses Dienstmädchen,- das neugierig zum Fenster hinaussah, fiel dem Gewehrseuer des Militärs zum Opfer. Sie hatten Blut geleckt uud Gefangene gemacht— die Einfluß der Religionen im großen nicht geänder sei, n eide auch bei einer gründlichen Umwälzung der wirthschaftlichen Verhältnisse dieselbe bleiben. Es sei deshalb ganz ungerechtfertigt, wenn man die akademischen Natioualökouonien mit Sozialdemokraten und An- a r ch i st e n in eine Linie gestellt habe, wenn man glaube, erst wenn sie mundtodt gemacht seien, könne von einer energischen Bekämpfung der Sozialdemokratie die Rede sein. Eine geistige Bewegung, und das sei auch der Sozialismus, könne nur in offenem, geistigem Kampfe überwunden werden, und in diesem Kampfe nähme die akademische Wissenschaft nicht den letzten Platz ein. In eiucm Verein deutscher Studenten liege es ihm dann noch besonders nahe, zwei Unterschiede der akademischen National« ökonomie von der Sozialdemokratie hervorzuheben. Auch hierin seien die Professoren trotz mancher Verschiedenheit im einzelnen einig. Der erste Punkt sei die Betonung des Nationalen, die von List in die Wissenschast eingeführt und von der historischen Schule tiefer begründet sei. Der zweite Punki sei die geschichtliche Nothweudigkeit der Monarchie in Dentschland. Der Redner schließt mit einem Hoch auf die freie deutsche Wissenschaft. Ein nicht endenwollender Beifall bezeugte Herrn Geheimrath Pros. Dr. Wagner den Dank der Studentenschaft. Tics der Bericht des„Reichsbote". Auf die sämmt- lichen Sätze des Vortrages einzugehen, das können wir uns und den Lesern ersparen— und wir können es um so un- bedenklicher, weil ja unter den Sätzen sich keiner befindet, der durch Neuheit verblüffen könnte. Indem wir den braven List, und dessen„in die Wissenschaft eingeführte Betonung des Nationalen" dem Herrn Professor gern schenken, wollen wir blos zwei Sätze herausgreifen, die für uns ein besonderes Interesse haben und auch ein besonders guter Prüfstein sind für die Gründlichkeit. Ter Sozialismus beachtet nicht das psychologische Moment— er verkeimt, daß die Menschennatur„sündhaft" ist und auch durch eine gründliche Umwälzung der wirth« schaftlichen Verhältnisse nicht verändert wird— sagt der Herr Professor. Ein englischer Gelehrter, der allerdings nicht„gründ- lich" war, weil nicht deutsch, ein gewisser Darwin, hat uns dagegen gesagt, daß die Lebewesen sick den Verhält- nisscn anpassen, mit und nach ihnen sich ändern, und daß solche Veränderungen sich vererben. Und die Erfahrung zeigt uns, daß die Ver- schicdenhcit der Verhältnisse eine Verschiedenheit der Menschen bedingt: daß ein ans dem Lande lebender Mensch wesentlich verschieden ist von einem in der Stadt lebenden; daß jeder Stand, je nach den verschiedenen Existenz- bedingungen auch einen verschiedenen Typus besitzt; daß ein Mensch, der keinen Pflug hat, und nur von der Jagd uud dem Fischfang— auch von Mcnschenfleisch— lebt, sehr verschieden ist von unserem modernen Kulturmenschen. Das alles weiß unser Professor nicht— weil er „gründlich" ist. ersten Lorbeeren des Tages waren erfochten. Unter Flüchen und Aiißhandliingen wurde das erste Dutzend von„Em- pörern" nach der Schloßwache transportirt, nachdem man ihnen die Kleider vom Leibe gerissen und sie mit Koth be- sudelt hatte, damit sie das Aussehen von„Vagabunden" uud Verbrechern bekämen und die Erhebung des Volkes den Anstrich eines Pöbelaufstandes erhielte. Durch die Oberwallstraße rückten alsdann die Garden nach dem Hausvoigteiplatz vor. Hier empfing sie ein so heftiges, ivohlgezieltes Feuer, daß sie überrascht zurück« wichen und eine ganze Anzahl Verwundeter vom Kampf- platz tragen mußten. Es waretwas Unerhörtes, noch nie Dagewesenes: preußische Garden hatten vor gemeinem Bürgerpack das Hasenpanier ergriffen! Diese Schmach mußte abgewaschen werden, und so ward denn vom Gendarmenmarkt ein zweiter Angriff auf die Empörer nnternommeu. Aber auch die Mohren- straße, durch welche die Truppen diesmal vorzudringen suchten, erwies sich als so wohl vertheidigt, daß die von einem furchtbaren Steinhagel Ueberschütteten ans halbem Wege Kehrt machten und sich schleunigst nach dem Sammel- platz auf dem Gendarmenmarkt zurückzogen. Um dieselbe Zeit hatten Scharmützel in der Charlotten- und Friedrichstraße, am Monbijouplatz, am Neuen Markt und an verschiedenen anderen Punkten stattgefunden. Am Oranienburger Thore hatte der erste Kartätschenschuß die Straße mit dem Blute des Volkes gefärbt und den ganzen Norden der Stadt alarmirt. Das Arsenal der Ar- tillerie und andere militärische Gebäude waren in Flammen aufgegangen, die Thorwachen erstürmt, Soldaten entwaffnet, Offiziere gefangen genommen worden. Auf der Wache am Neuen Markt, im Aiilitär-Arrestlokal und an anderen Stellen hatte das Volk reiche Beute an Waffen gemacht, die im Handumdrehen ihre Abnehmer fanden. In der Louisen- und Jnvalidenstraße hatten heftigere Zusammen- stöße stattgefunden, bei denen bald die Bürger, bald die Soldaten im Vortheil geblieben waren. Und weiter sagt er uns: in Deutschland ist die Monarchie eine geschichtliche Nothwendigkeit. Woher weiß der Herr Professor das? Die Geschichte, auf die er sich Kernst, weiß nichts davon. Die alten Germanen Kalten keine Monarchie; Armin war kein Monarch, nur ein erwählter Führer; die Monarchie wurde von Karl dem Großen erst nach dreißigjährigem Gemetzel den Sachsen äußerlich aufgezwungen. Ueberhaupt hat in Deutschland die Monarchie niemals die systematische Ausbildung erlangt, wie z. B. in Frankreich, wo sie trotzdem längst durch die Republik ersetzt ist; und in ihrer b e st e n Zeit, im vorigen Jahrhundert, war die deutsche Monarchie nur eine plumpe Nachahmung der französischen. Die deutschen Friesen haben jahrhundertelang hartnäckig die Monarchie bekämpft; die deutschen Schweizer sind niemals unter das Joch der Monarchie gebeugt worden; und gedeihen konnte die Monarchie in Deutschland erst, nachdem durch die Reforma- tionskriege der letzte Rest der deutschen Volkskraft zerstört war. Nein, Herr Professor, nicht eine geschichtliche Nothwendigkeit ist die Monarchie in Deulschland, sondern eine Nothwendigkeit des Professoren gehalts und der„ C a r r i ö r e Und damit genug von der deutschen.Gründlichkeit". Wende man nicht ein: das war ja nur ein gewöhn- lichcr Vortrag vor Laien. Nun, Studenten sind keine Laien; doch geben wir zu, daß es sich um einen populären Vor- trag handelte. Ist das eine Entschuldigung? Ter eng- lische, und folglich nicht gründliche englische Naturforscher Hnxley hat auch populäre Vorträge gchalteu. Er sprach sogar vor Arbeitern. Allein er stand auf der Höhe der Wissenschaft, und er hob seine Hörer zu sich empor. Wir selbst haben bewundernd ihm gelauscht. Ob er„gründlich" war? Jedenfalls sprach er als Mann der Wissenschaft— als Forscher, der die Leuchte der Wissenschaft in bisher dunkle Gebiete getragen und diese der Wissenschaft erobert hat; und als Mann, der furchtlos die Konsequenzen zog und vor keiner Autorität sich beugte — weder vor einer weltlichen, noch vor einer geistlichen— vor keiner, außer der einen: der Autorität der Wissenschaft. Doch wozu„gehässige" Vergleiche? Herr Prof. Wagner ist ein deutscher Gelehrter, und alle deutschen Gelehrten sind gründlich. Volikifihe MebevNckr. Berlin, 5. Juli. Der deutsche Parlameutarismus ist bekanntlich ein sehr zartes Pflänzchen, und daher mag es wohl kommen, daß er die Sommerhitze nicht vertragen kann. Wenigstens bilden unsere Parlamentarier es sich ein; nach Pfingsten zu tagen, das gilt ihnen als eine entsetzliche Zumuthung, und unsere Herren Landtags-Abgeordueten, die ihre Diäten noch ein paar Wochen laug absitzen sollen, spielen sich als Märtyrer auf. In anderen Ländern sind die Herren Parla- mentarier nicht so schwachuervig und haben besseres Sitz- fleisch. In London, in Paris und in Rom sind die Parla- mente gegenwärtig versanimelt. In London allerdings nur noch für ein paar Tage, aber dann geht's in den Wahlkampf, der noch heißer ist als der Wortkamps in Westminster; und voriges Jahr— tagte das Parlament den ganzen Sommer hin- durch. In Paris und Rom denkt niemand daran, sich über das Tagen im Sommer zu beschweren. Und niemand wird doch behaupten wolle», daß London, Paris und Rom in der Sonnengluth des Sommers angenehmere oder kühlere Aufenthaltsorte seien, als Berlin. . Ww machen auf diesen Punkt aufmerksam, weil die gesetzgeberische Arbeit eine immer verwicfeltere wird und immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, so daß ein Zu- sammendrängen der Parlamentssessionen auf Winter und Frühjahr mit der Zeit ganz unmöglich sein wird. Warum thun wir nicht, was von unserer Seite schon vor Zähren vorgeschlagen wurde, und brechen mit der ver- alteten Mode des Zerschneidens der Legislaturperioden in Sessionen? Laste man den Reichstag zusammentreten, wenn Arbeit «tu'' vi machen, wenn keine da ist— dann läßt � sich � alles in der bequemsten Weise erledigen, das Vudget ivird rechtzeitig und ohne Uebcrstürzung durch- berathen, die Kommissionsarbeiten gehen nicht zum größeren Inzwischen hatte das Herannahen der auswärtigen Regimenter das Selbstvertrauen der Garden beträchtlich gehobeil. Bald nach 4 Uhr war von Charlottenburg her das Stettiner Königs-Regiment eingetroffen. Es nahm sogleich den Angriff in der Friedrichstraße auf, stieß aber schon an der Ecke der Tallbenstraße auf so hestigeu, ivohl- orgailisirten Widerstand, daß es in seinem Vordringen ein- halten und die Artillerie zur Unterstützung heranziehen mußte. All der Ecke der Französischen Straße fuhren zwei Geschütze auf und sandten Kartätschen auf Kartätschen die lauge, gerade Häuscrflucht hinab. Wie riesige Hagelkörner schlugen die Kaiioneiikugeln in die Barrikaden ein, aber die fest ver- rammelten Querstraßen boten den Bürgern treffliche Deckung. Von den Dächern und Fenstern herab schlugen die todt- bringenden Kugeln ihrer Büchsen in die Reihen der Grenadiere ein, und niancher pommersche Muttersohn fand da sein klägliches Ende ans hartem Berliner Pflaster. Wagen auf Wagen niit Todten und Verwundeten gefüllt, rollten die Behrcustraße entlang dem Brandenburger Thor zu, um ihre blutige Last an die Lazarethe und Leichenkähne abzuliefern, welche die Todten heimlich aus der Stadt heranslransportirten. Endlich� wurde die Barrikade an der Tauben- und Mohrenstraße im Sturme genomiilen. Aber von neuem eiitbrannte der Kampf an der Kronenstraße, Angriff auf Angriff ward von den Vertheidigern abgeschlagen, und der Abend war längst über den Kampfplatz hereingebrochen, als das Königs-Regiment aus dem Gefecht gezogen wurde und mit Gewehr ab in der Mohrenstraße stehen blieb. Die Tapferkeit des Volkes hatte siegreich den Platz behauptet und den Gegner zum Rückzug gezwungen. Fast gleichzeitig mit den Pommern waren die Truppen auf dem Schloßplatz in Aktion getreten. Sie sollten durch die Köuigsstraße nach dem Alexanderplatz vordringen und hier dem von Friedrichsfelde heranrückenden 8. Leib-Regi- ment die Hand reichen, um vereint mit ihm die benach- karten Stadttheile von den Ausrührern zu säubern. Als eineii�Spaziergang, einen Parademarsch durch die Straßen der Stadt hatten die Herren von der Garde sich dieses Manöver gedacht, allein �sie sollten rasch genug eines andern belehrt werden. Theil verloren, und die meisten Anträge und Gesetzes- vorlagen brauchen nicht in unanständigem„Massenmord" abgeschlachtet zn werden. Und wenn der Herr Staats- anmalt fürchtet, bei einer solchen Anordnung zu kurz zu kommen— nun das ist noch immer nicht so schlimm, als wenn, wie das jetzt der Fall ist, die Wähler und die Gesetz- gebung zu kurz kommen. Uebrigens würde berechtigten Forderungen der Justiz kein Reichstag ein Hinderniß in den Weg legen.— Ter Bnudesrath hat dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen in der vom Landesausschuß beschlossenen Fassung, ferner dem Entwurf einer Verordnung wegen Ein- führung der Strandungsordnung in Helgoland, sowie ver- schiedenen Vorlagen und Slusschußanträgen in Zoll- und Steuer- angelegenheiten die Zustimmung erlheilr. Von der vorgelegten Uebersicht der Ergebnisse des Heeres-Ergänzungsgeschästs für 1S94 wurde Kenntniß genommen. Außerdem wurde eine größere Zahl von Eingaben erledigt.— Die neueste BiSmarckspeude scheint so mager aus- gefallen zu sein, daß nicht einmal ein kleines Rittergut dafür beschafft werden konnte. Freilich herrscht über die Verrechnung der Gelder einige Unklarheit, so z. B. im Schivabenlande. Der„Beobachter", der absolut nicht heraus- finden kann, wo ca. 24000 M. der für Bismarck gesammelten Gelder verblieben sind, empfiehlt den Ueberschuß der für Bismarck in Württemberg gesammelten Gelder, den so schwer geschädigten Balingern zu überweisen. Fürst Bismarck hat aber anders entschieden. Wie heute der engere Vorstand des Bundes der Landivirthe in seinem offiziellen Organ bc- kanut macht, hat der Herzog von Lauenburg den Brot- vertheurern ein Geschenk mit der Bismarckspende gemacht. Die bez. Bekanntmachung lautet: Seine Durchlaucht der Fürst Bismarck haben über den ihm zu einem nationalen Zwecke übergebenen, aus den überschießenden Beiträgen, welche zu seiner Ehrung anläßlich des LO. Geburtstages eingingen, gebildeten Fonds in der Weise verfügt, daß er als Grundstock für das Heim des Bundes, unser neu erworbenes Grundstück zn Berlin, Dessauerstr. 7. verwendet werde» soll. Wir werden demgemäß verfahren und zum Andenken an den Stifter in der Eintriltshalle des Hauses sein Bildniß oder Büste anbringen lassen. Durch diesen Beweis hochherzigen Wohlwollens hat sich der Fürst ein neues unvergängliches Denkmal in den Herzen der deutschen Landwirthe gesetzt. Aber er zeigt uns auch, wie sehr er, von der Richtigkeit und Wichtigkeit der Bundesbestrebungen überzeugt, was an ihm ist, dazu beiträgt, feinen Bestand zu sicher» und seine Verhältnisse zu festigen. Diese abermalige Anerkennung unserer Thätigkeit von dem größten Staatsmanne des Jahr- Hunderts soll u»s ein neuer Ansporn sein, unentwegt weiter zu kämpfen bis zum Siege. Wir sehen aber darin auch eine'werlh- volle Bestätigung, daß unsere Bestrebungen auf nationalem Boden stehen. Wahrscheinlich wollte Bismarck damit den Bündlcrn feine Anerkennung ausdrücken, für die Schwierigkeilen, die sie seinen Nachfolgern mit unermüdlichem Eifer und ohne strenge Wahl der Mittel bereitet haben. Das deutsche Volk wird aber aus dieser Schenkung wieder ersehen, daß fder„nationale Heros" sich nicht als Glied des Volkes betrachtet, daß er" wahre nationale Interessen ignorirt, daß er heute noch ebenso wie im Jahxe 1847 nur als Junker fühlt, und die Interessen der brot- vertheuerndeu, lediglich von der Rücksicht auf ihre Sonder- interessen geleiteten Agrarier höher stellt als wahrhaft nationale Interessen. Wir freuen uns über diese Schenkung. Wirkt sie doch mit an der Zerstörung der Legende vom Nationalheros.— Ganz aus dem Hänöche» sind die nationalliberalen Fetischanbeter über unsere Notiz, betreffend die Einweihung des W i n d t h o r st- Denkmals. Sie sehen die sozialdemokratischen Abgeordneten schon als Festredner beim Einweihungssest, mit den Zeutrumsleuten Brüderschaft trinkend. Nun— die Herren Nationalliberalen mögen abwarten, was geschieht. Wir stellen einstweilen nur ihre Unfähigkeit fest, zu begreifen, daß man gegen anständige politische Gegner zu Anstand verpflichtet ist.— Zuckcrsteuer- Konferenz. In Wien verlautet, nach der „Voss. Ztg.". daß das Deutsche Reich in Verbindung mit Oesterreich-Ungarn, vielleicht nur Ungarn(??) allein, eine inter- nationale Konserenz zur Regelung der Zuckerprämiensrage für die europäischen Festlandstaaten einberufen wird.— Zur Jnnuugskonfcrenz schreibt die„Deutsche Tages- zeitung", das Organ des Bundes der Landwirthe: .Die Einladungen zn den Konferenzen von Vertretern des korporativen Handwerks, die am 29. und 30. d. M. in Berlin, Es war nicht mehr das wehrlose Volk der vorher- gehenden Tage, mit dem sie es jetzt zu thun hatten: es war ein ebenbürtiger Gegner, der sich nicht ungestraft mit Kolbcnstößcn und Bajonnetstichen traktiren ließ. Bleicher Schrecken bemächtigte sich der über die Kurfürstcnbrücke vor- stoßendelt Truppen, als die ersten Kugeln in ihre Reihen prasselten und Todte und Verwundete vor ihren Augen zusammenbrachen. Schon begann das Bataillon des ersten Garderegiments, das zuerst ins Feuer gekommen war, über die Brücke zurückzuweichen, als der Adjutant des Königs vom Schloßplatz her auf die Wankenden zusprengte und sie zum Stehen brachte. „Wie— die Garde weicht?" rief er den Fliehenden zu, die der preußischen„Neigung der Offensive" so arg ins Gesicht schltigen. Und so rückten sie denn, mit dem.nagenden Gefühl der Beschämung, von neuem vor, zum zweiten und dritten Male. Aber Salve auf Salve empfängt sie von den Barrikaden und den Fenstern und Dächern der Gebäude, und sie nmffeu unverrichleter Sache zurückgehen. Nur in den vorderen Häusern der Königstraße, die sie mit dem Bajonnet genommen, bleiben die grausigen Spuren ihrer blutigen Arbeit: Dutzende von Tobten, in blinder Bcrscrkcrwuth niedergestochen, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, ohne Frage, ob es kampsfähige Gegner oder nur harmlose Hausbewohner gewesen. Bon der Kurfürstenbrücke begannen nun Granaten und Kartätschen die Königstraße entlang zu fegen und die Barrikadenkämpfer in die besser geschützten Querstraßen zu treiben. Der friedliche Stadttheil, sonst der Schauplatz emsigen Geschäftsfleißes und gewerblicher Betriebsamkeit, ist in ein blutiges Schlachtfeld verwandelt. Die Häuser erzittern vom Tonner der Kanonen, zerrissene Leichen decken das Pflaster, Verwundete eilen vom Kampfplatz, um sich verbinden zu lassen. Dazwischen tönt das Slurmgeläut der Glocken und das Hurrahgeschrei der stürmenden Garden, dem von den Barrikaden die trotzigen Kampfrufe des Volkes Ant- wort geben. (Fortsetzung folgt.) voraussichtlich bei Hanf, Köpnickerstr. 62, stattfinden werden, sind bereits zur Versendung gelangt. Tie Miltheilnng ver- schiedener Blätter, daß die Kouserenz auf direkre Anregung des Handelsministers Freiherrn V.Berlepsch zurückzuführen sei, ist ebenso unrichlig wie die Annahme, daß der Minister sich erst nach längerem Widerstreben und auf wiederholte Vor« stellung bereitwillig gezeigt habe, Kommissare zur Theilnahme an der Konferenz zu entsenden. Der Gedanke eines nochmaligen Zusammentritts der berufenen Vertreter des korporativen Hand- werks Deutschlands ist im Jnnungsausschuß gereift und Freiherr v. Berlepsch hat, nachdem ihm der Zweck der Konferenz bekannt gegeben ist, bereitwilligst die Entsendung von Regierung-- kommissaren zugesagt. Man hofft, daß die Regierung den im Entwurf bereits fertigen Plan über die Organisation des Handiverks der Konferenz vorlegen wird, so daß er die Grund- läge der Besprechungen bilden kann. Nach unseren Informationen beabsichtigt der preußische Handelsminister zunächst die Bildung von Zwangs-Fachinnungen im Unterbau und von Handwerker- kammern, denen sämmtliche Innungen eines größeren Bezirks unterstellt sind. Die Handwerker sind mit diesen Vor- schlügen in der Hauptsache einverstanden, wollen aber darüber hinaus gemäß den Beschlüssen des Deutschen Jnnungs- und allgemeinen Handwerkerlages vom 9. und 10. April 1894 folgende den Befähigungsnachweis betreffende Bestimmung aufgenommen wissen:„Fünf Jahre nach Jnkraft- treten des Gesetzes dürfen nur solche Gewerbetreibende in die Innung aufgenommen werden, die eine ordnungsmäßige Lehrzeit zurückgelegt, eine Gesellen- und Meisterprüfung bestanden und das 24. Lebensjahr zurückgelegt haben. Denjenigen, welche sich nicht im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, ist das Stimmrecht und das Recht der Lehrlingsausbildung für die Zeil der Ehrenentziehnng, und denjenigen, die infolge gerichtlicher An- ordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt pud, für diese Zeit das Stimmrecht zu entziehen." Hauptsächlicher Zweck der bevorstehenden Konferenz wird nun sein, die in der Frage des Befähigungsnachweises bestehenden Meinungsver- schiedenheiten auszugleichen. Ob und wie weit dies gelingen wird, bleibt abzuwarten." Was auch das Ergebniß der Konferenz sein wird, es wird kaum bedeutungsvoller sein, als das der zahlreichen ihr vorangegangenen Handiverkertage und dies schon um desivillen, iveil auch in dieser Konserenz blos ein kleiner Bruchthcil der Handwerker seine Vertretung sehen wird.— Herr v. Kardorff erklärt in einem offenen Briefe, daß er sich bei der Nachwahl in Oels wiederum um das Mandat zum Reichstage bewerben werde. Da werden sich die amerikanischen Silberkönige noch mehr freuen, als die deutschen Krautjunker.— Zum Umstürze in der„Kreuz-Zeitung" veröffeut« licht Herr v. Hammerstein die folgende Erklärung: „Der„Tenips" vom 4. d. M. beschäftigt sich neuerdings mit meinem Aerhältniß zur„Kreuz- Zeitung" in einer Form. die mich nölhigt, den daselbst ausgesprochenen Ver- dächtigungen entgegenzutreten. Nach der Behauptung des genannten französischen Blattes hätte das Komitee der„Kreuz- Zeitung" verlangt, daß ich meine Stellung als Chefredakteur derselben endgillig aufgeben solle, sei aber vor der von mir ans- gesprochenen Drohung zurückgewichen, daß ich in diesem Falle nach der Schweiz gehen und dort eine Broschüre erscheinen lassen würde, in der für den Freiherrn v. Manteuffel und andere kon- servative Abgeordnete sehr unangenehme Thalsachen zur Veroffent» lichung gelangen würde». Man behaupte, so erzählt der Tenips weiter, daß in der Thal in meinem Besitz sich Bneie des Freiherrn v. Manteuffel befänden, in denen dieser die Politik und das Leben des Kaisers einer sehr respektwivrigen Kritik uiiterzogen habe. Diese Briefe stammten aus der Zeit, wo Freiher v. Manteuffel persona. Arabissima beim Kaiser gewesen sei, trotzdem aber keinen Anstand genommen habe, mir die oben erwähnten indiskreten Mittheilungen zu machen. 4-iese ganze Nachricht des Tenips ist in allen Theilen völlig aus der Lust gegriffen. Ich besitze keine Briefe des Freiherrn v. Manteuffel des bezeichneten Inhalts, überhaupt keine. deren Veröffentlichniig Herrn v. Manteuffel nach irgend einer Richtung hin zu kompromittiren geeignet wären. Schon aus diesem Grunde konnte ich die vom„Temps" behauptete Drohung nicht in Anwendung bringen, auch wenn ich einer so unanständigen Handlungsweise sähig wäre. Endlich hatte ich zu einer Drohung auch gar keine Veranlassung, da das Komitee der„Kreuz- Zeitung" von mir die e n d g i l t i g e A n s g a b e meiner Stellung als Chefredakteur überhaupt nicht ver- laugt hat, das Vertragsverhältniß aus dem November viel- mehr nach gegenseitiger Vereinbarung fortbesteht." Weiter unten schreibt ebenfalls Frhr. v. Hammerstein: „Beim Antritt meiner Ferienreise ersuche ich alle, die Verbindungen mit der„Kreuz-Zeitung" unterhalten, ihre etwaigen Zuschrifte», soweit dieselben für die Zeitung selbst bestimmt sind, nicht, wie bisher oft geschehen, an mich persönlich, sonder» zur Vernicidung unliebsamer Verzögerungen an dre Redaltion der „Kreuz-Zeitung" adressiren zu wollen." Ein recht eigenthümtiches Zusammentreffen ist es, dag der Ferienreise des Herrn v. Hammerstein die Meldung der „Volks-Zeitung" vorangegangen ist, daß Dr. Kropatscheck an stelle des Herrn v. Hammerstein in die Redaklton der „Kreuz-Zeitung" eingetreten sei. Thatfächlich zeichnet heute Abend Dr. pbil. E. W. Heffler die„Kreuz-Ztg.". Es dürfte wohl Herr v. Hammerstein nicht mehr nach der „Kreuz-Zeitung" zurückkehren. Was wird nun aus Herrn v. Hammerstein werden?— Zum Kall Schröder berichten unsere rheinischen Parteiblätter, daß am 3. und 4. d. M. Lokaltermine tn dem Saale in Baukau stattgefunden haben, wo sich die Szene zwischen dem Gendarm Munter und dem Bergmann Schröder abgespielt hat, aus der die Anklage herrührt. Außer den gestern genannten, ist nachträglich noch der Bergmann Max Willing wegen Meiticidsverdachts rn Haft genommen worden, so daß jetzt fünf Mann sitzen. Da zu dem Lokaltermin neue Zeugen geladen gewesen sind und jeder verhastet zu werden scheint, der anders aussagt, wie der Gendarm Miinter, so ist gar nicht ausgeschlossen, daß wir noch von weiteren Verhaftungen zn hören bekommen. Unter den Zeugen, schreibt die„Rh. Ztg.", befindet sich eine ganze Anzahl, die erst jetzt von der Vertheidigung benannt worden sind. Mehrfach konnte man von ihnen die Meinung äußern hören, daß ihnen bei w a h r h e l t s- gemäßer Aussage ebenfalls Anklage und Verhaftung drohe. Doch das solle sie nicht anfechten. Sämmtliche Zeugen mußten sich in den Saal begeben, und wurden hier auf- gefordert, diejenigen Plätze einzunehmen, die sie in der Februar- Versammlung innegehabt hatten. Bei dieser Gelegenheit wurde die Ordnung der Tische nach Angabe einiger Zeugen, korrigirt. Schließlich wurden die Zeugen wieder entlassen und es begann nun zunächst die Vernehmung der Auge- schuldigten, die sehr eingehend war und den größten Theil des Nachmittags in Anspruch nahm. Einzelne der Angefchnl- digten wurden mehrere Male vorgeführt, anscheinend um ihnen die Aussagen ihrer Mitschuldigen und einzelner Zeugen, wozu auch der Gendarm Münter zählte, vorzu- halten. Sämmtliche Verhafteten zeigen ein gutes Aussehen ihr Auftreten verrieth nichts von Niedergeschlagenheit noch Schuldbewußtsein. Ucber die Art, wie die Augeschuldigten zum Lokal- tenniu geführt wurden, wird ans Essen berichtet: � Gegen 8 Uhr kamen wir per Zufall in die Nähe des Bahn- Hofs und sahen dort eine große Menschenmasse versammelt. Straßenjungen übten sich in wenig harmonischem Gegröhle. Wir traten näher und sahen, daß man unsere Genossen Schröder, Meyer. Gräf und Jmberger unter Eskorte von 6 Polizeibeamten durch die Straßen führte. Meyer, der augenscheinlich der„gefähr- lichfte" war, schritt zwischen zwei Hütern des Gesetzes. sJeden ver- lumpten Aristokraten und gaunerischen Bankrotteur gewährt man eine Droschke,� um ihnen demüthigende Austritte zu ersparen. Unsere Genossen aber müssen zwischen Polizeibeamten auf offener Straße und zu einer solch belebten Tageszeit marschiren, Wir sind freilich an dergleichen schon ziemlich geivöhut. Aber das Blut gerälh dennoch immer wieder in Wallung. Und die Wirkung solcher Austritte nach außen hin? Na— die Beamten mögen erzählen, welche Mienen sie unter den Um- stehenden, von denen viele die Deliquenten persönlich kannten, • gewahrten. Wir haben nicht nur gesehen, sondern auch Enr- rüstungsruse der Menge gehört!!!! Daß die Entrüstung sich nicht gegen unsere Genossen richtete,! brauchen wir wohl nicht zu sagen. Aber auch nicht gegen die Personen der Beamten, die nur ihre Pflicht thaten, sondern gegen das„gleiche Recht für alle" in Preußen-Deutschland wandle sich der Uumuth."— Die Gesetzeövorlage betreffend die Bestellung der Orsövorstcher in größeren Stadtgemcinden bildete die Tagesordnung der Mittwochssitzung der württembergischen Abgeordnetenkammer. Mit diesem Gesetzentwurf sollte der er st eAn griff auf das allgemeine, gleiche und freie Wahlrecht gemacht werden, denn nach dem- selben sollte zwar die Lebenslänglichkeit der Orts- Vorsteher abgeschafft werden, aber die Orlsvorsteher selbst dürften in Gemeinden von über 10 000 Einwohner nicht mehr wie seither durch die G e m e i n d e b ü r g e r, sondern in Zukunft nur noch von den bürgerlichen Kollegien gewählt werden. Der ganze Gesetzentwurf ist ein Produkt der Sozialisten- furcht, wie ja der Minister des Innern v. Pischek bei der Begründung in erster Lesung anfangs März zugestand. Die Kommission, welcher nach der ersten Lesung der Entwurf zur Begutachtung überwiesen wurde, stellte den Antrag, den Entwurf abzulehnen und raffte sich auch die Abgeordnetenkammer zu dem Entschluß empor, diesen versteckten Angriff aus das allgemeine Wahlrecht abzulehnen und dafür das Ersuchen an die Regierung zu richten: „Dieselbe möge in bälde den Entwurf eines Gesetzes vor- legen, durch welches in s ä m m t l i ch e n Gemeinden des Landes eine periode Wahl der Ortsvorsteher aufgrund des be- stehenden direkten Wahlrechts der Gemeinde- b ü r g e r eingeführt wird unter sachgemäßer Regelung der Auf- gaben der Gemeindebeamten, insbesondere der polizeilichen Straf- defugnisse, übrigens unter Belastung der Geschäfte der freiwilligen Gerichtsbarkeit bei den Gemeinden." sozialpolitischen Frage» hatte sich in letzter Zeit Abgeordnetenkammer mehrmals zu be- schäftigen. Kaum hat die Kammer die Anträge unserer sozial- demokratischen Abgeordneten auf Einführung von Arbeiter- sekretären:c. abgelehnt, so kam sie in der letzten Donnerstags- fitzung wieder in die Lage, indirekt eine derartige Forderung zu zu bringen resp. auf die lange Bank zu schieben. Der Bund der deutschen Frauenvereine machte an die Kammer die Eingabe wegen Einsetzung weiblicher Gewerbe- rnspektoren und begründete diese Forderung ausführlich. Die Kammer faßte nach ganz kurzer Debatte den Beschluß, die Eingabe der Regierung zur„Kenntnißnahme" zu übergeben und dabei auszusprechen, daß die Kammer der Abgeordneten die Bei- zwhung weiblicher Vertrauenspersonen zur Gewerbe-Jnspektion für beachtenswerth halte. Es wäre nun zu hoffen, daß diese sogenannte„Kenntnißnahme" nicht unter staubigen Akten- decfeln begraben, sondern bald wieder den Landtag beschäftigen wird.— Ueber eine Eingabe eines Dr. Stolp in Eharlottenburg betr. die Erhaltung des Bauern- st a n d e s beantragt die volkswirthschaftliche Kommission Ueber- gang zur Tagesordnung, welchem Autrag tuich die Kammer eben- salls nach kurzer Beralhung zustimmt. Ter Petent erhofft die Rettung und Erhaltung des Bauernstandes davon, daß das Privateigenthum an Grund und Boden beseitigt, das Schutz- eigenthuin an der Feldmark der Gemeinschaft und nur das aus« schließliche Nutzeigenthum dem einzelnen übertragen wird. . Sanitätsrath Dr. Capellmaun sucht sich in einer„Maria« berg betitelten Broschüre über die Vorgänge im Alexianerkloster zu rechtfertigen. Seine Rechtfertigungsschrift bestätigt aber im wesentlichen das Ergebniß der Prozeßverhandlungen.— Gegen das KoalitiouSrecht der Beauite» sprach sich der österreichische Ministerpräsident im Abgeordneten- Hause aus. Er sagte: „Die Regieniug könne nicht dulden, daß die Beamten auf besonderen Tagen Beschlüsse fassen und Forderungen aufstellen. wenn schon ihnen das Petitionsrecht freistehe." , ,a Leider fand dieser schamlose Hohn auf das gesetzlich gewähr- leistete Koalitionsrecht durch den ersten Beamten des Landes keine gebührende Antwort.— .Der ueue schweizerisch> frauzösische Handelsvertrag, welcher der Schweiz nur minime Konzessionen gewährt, stößt, wie man uns aus der Schweiz schreibt, in allen Kreisen, welche sich damit beschäftigen, auf solche kräftige Opposition, daß an seine Zl nn ahme in der schweizerischen Bundes- Versammlung kaum zu denken ist. Der Grund der Opposition liegt aber nicht allein an den magere» Zugeständnissen der französischen Regierung, sondern eben so sehr an den viel weitergehenden Konzessionen, welche die Schweiz ge- währt, hat und von denen eine empfindliche.Schädigung der schweizerischen Industrie befürchtet wird. Da der neue Handelsvertrag aber wahrscheinlich von der französischen Kammer angenommen wird, so wäre es ein eigenartiges Schicksal. wenn ihn nun die schweizerische Bundesversamnilung verwerfen würde. Politische Gründe dürften das Schweizervolk kaum zum Entgegenkommen gegen die„Schwestcrrepublik" ver- anlassen, die aus dem Sumpfe der Skandale kaum herauskommen kann und mit dem russischen Unterdrücker der Freiheit Arm in Arm auf der Weltbühne herumstolzirt.— Zur Juterpcllatio» deS Genosse» Innres wird uns aus Paris unterm 2. Juli geschrieben: Am Sonnabend war, dank der Interpellation Jaures wieder einmal eine interessante Kammer- sitzung. Wenn dieselbe auch mit der Annahme einer der Regie- rung genehmen Tagesordnung geendigt hat, so waren doch die Sozialisten die eigentlichen Sieger. Denn bei der ganzen Jnter- pellalion handelte es sich in erster Linie um den vom Justiz- minister Trarieux dem Senate vorgelegten Gesetzentwurf, betr. das Streik- bez. Koalitionsrecht der Arsenal- und Eisenbahn- arbeiter.'Nun fand sich aber kein einziger,.nicht einmal der Ministerpräsident, der den Muth gehabt hätte, für diesen Ent- >vurf einzutreten. Herr Ribot wäre am liebsten der ihm so ein- dringlich gestellten Frage, ob er diesen Entwurf aufrecht erhalte oder ihm entsagen wolle, ganz ausgewichen. Man kann eben nicht den Mund mit Versprechungen demokratischer Reformen voll nehmen und dabei von einemEntwurfsprechen.dertausenden und aber- lausenden von Arbeiter:: ein ihnen selbst vom Kaiserreiche zu- erkanntes Recht raubt. Aber wie sehr er es auch vermied, diesen Punkt zu berühren und wie sehr er auch bemüht war, die ganze Diskussion aus das persönliche Gebiet hinüberzuleiten, er sab sich schließlich doch gezwungen, in den sauren Apsel zu beißen. Denn schon schickte er sich an, nachdem er in einer Schlußphrase noch erklärte, daß die Politik seiner Regierung aus demokratische Re- formen abziele, die Tribüne zu verlassen, als es ihm von der sozialistischen Gruppe kräftig entgegenscholl:„Und das Gesetz Trarieux?" Da konnte er denn nicht mehr ausweichen und mußte wohl oder übel Antwort geben. Obwohl er aber erklärt hatte, um die Antwort nicht oerlegen zu sein, war sie doch nichts weniger als klar. Der Senat, sagte er, hatte aus eigener Initiative einen Entwurf vorbereitet, der die Arbeiter der Staatsfabriken berühre, und da habe er erklärt, daß die Regierung ihn nicht annehmen könne;„aber alle Kriegs- Minister, von Freycinet angefangen, verlaugten dringend, daß man die Eisenbahnen, die Instrumente der Nationalverlheidigung, nicht den Streiks preisgebe." Das war alles, was er zur Vertheidignng des Trarieux'schen Entwurfes vorzubringen wußte. Aber selbst diese so malte Vertheidignng hatte er selber noch dadurch zu nichte gemacht, ja sie gerade in ihr Gegentheil verwandelt, daß er, zur sozialistischen Gruppe ge- wendet, hinzufügte:„Sie haben geglaubt, da einen Agitations- stoff gefunden zu haben; er entgeht Ihnen, denn diejenigen, die Sie die Opfer dieses Gesetzes nennen, stellen das Vaterlands- gesühl und die Nationalverlheidigung über alles." Warum also dann das Gesetz gegen die Eisenbahnarbeiter? Ja, Herr Ribot fühlte sich so wenig sicher in der Vertheidigung des Trarieux'schen Gesetzentwurses, daß, als ihm da ein regierungsfreundlicher Abgeordneter einwarf:„Sie haben recht, den Arbeitern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und Sie werden recht haben, dieses Gesetz nicht zu unterstützen", erwiderte: „lious verrons"— wir werden sehen, d. h. sehen, was sich nmchen läßt. Und wir haben gesehen; gesehen, wie ein Vertreter nach dem anderen von all den verschiedenen Gruppen der Linken, theils in uiündlich abgegebenen Erklärungen, theils in schriftlich eingereichten Tagesordnungen, sich entschieden gegen das Gesetz Trarieux aussprachen. Ja, das schönste ist, daß selbst die Tages- ordnung, für die sich die Regierung erklärt hatte und die von der Kammer angenommen wurde, von einem Gegner des Trarieux'schen Gesetzentwurfes, dem Abgeordneten Descubes her- rührt, nur daß er diese Gegnerschaft nicht in der Tagesordnung zum Ausdruck bringen wollte. Es war eine Verlegeuheits-Tages- ordnung, wie denn auch die ganze Debatte eine Ver- legenhcits- Debatte war. Herr Ribot hat, wie schon oben gezeigt, nur gezwungen von dem Trarieux'schen Entwürfe gesprochen; der selbstgefällige Deschanel, der, während Jaures sprach, seine„Stegreifrede" überlas, überhaupt nur von Dingen, auf die Jaures in seiner Interpellation nicht einmal angespielt hatte, lurd der stets faule Witze reißende Jourdan, der den früheren Wahlbezirk Clemencean's vertritt, davon, wie man denn im Zukunftsstante den Werth eines Hühner- eies oder einer Schüssel Spinat bestimmen werde. Von dem Trarieux'schen Gesetzentwurf natürlich keine Spur. Keine Spur davon auch in der angenommenen Tagesordnung. Darin allein schon, daß die Majorität der Kannner nur einer Tagesordnung beipflichten konnte, in der man es nicht gewagt hat, den Ent- wurf, gegen den ja die Interpellation in erster Linie gerichtet war, irgendwie zu erwähnen, geschweige denn, für iln: ein- zutreten, darin allein schon liegt ein unverkennbarer Sieg der sozialistischen Minorität in der Kammer. Aber selbst das, was in der Tagesordnung gesagt wird, bildet, wenngleich sie gegen die „kollektivistischen Lehren" gerichtet ist, auch noch einen Sieg der Sozialisten. Denn in der Tagesordnung wird gesagt, daß die Kainmer auf die Regierung rechnet, um den kollektivistischen Lehren eine Politik demokratischer Reformen ent- gegenzusehen. Als ob die Sozialisten von der herrschenden Klasse jemals etwas anderes verlangt hätten, als ob sie etwa von ihr fordern oder gar erwarten würden, daß sie die komm::- nistischcn Lehren verwirkliche. Nein, dafür wird schon das Proletariat sorgen. Also nur zu mit der Politik demokratischer Reformen, und je mehr sie geübt wird, desto lieber soll es den Sozialisten sein. Nur fürchten wir, daß die Herren nach wie vor zu dieser Politik stets werden gedrängt werden müssen und zwar gerade— und das ist der Humor der ganzen Geschichte— von den Anhängern jener Lehren, gegen die sich die von der Kammer angenommene Tagesordnung richtet. Zur Verfolgung Calvinhac's wird uns ans Paris unterm 3. Juli geschrieben: Das Verlangen um die Ermächtigung, Calvinhac verfolgen zu dürfen, ist von der Regierung zurück- gezogen worden. Als Grund wurde angegeben, daß der Schluß der Session bevorstehe und die Ermächtigung zur Verfolgung darum unnöthig sei. In Wahrheit geschah dies aber nur, weil vorauszusehen war, daß, wie die Kommission, sich auch die Kammer gegen die Verfolgung aussprechen werde und dabei zugleich höchst unangenehme Geschichten ans Tageslicht kommen würden. So hatte die Kommission aus den ihr vorgelegenen Akten allerdings ersehen, daß in Toulouse Wahlfälschungen vor- gekommen sind, aber nicht zu gunstei: Calvinhac's, sondern zu gunsten des berüchtigten ehemaligen Minister Constans, und daß obwohl die Urheber dieser Fälschungen ganz genau gekannt sind, sie doch nicht verfolgt werden. Dieser Enthüllung und der Diskussion darüber sollte eben ausgewichen werden und darum die Zurückziehung des Verlangens, Genossen Calvinhac verfolgen zu dürfen.— Die Uuentgeltlichkeit des Schnlnuterrichtö ist in Paris für die Volksschule bereits durchgeführt, und zwar so weit, daß den Kindern sogar eine Mahlzeit geliefert wird. Jetzt hat der Pariser Gemeinderath auch für alle übrigen Gemeindeschulen (Fachschulen, Gymnasien sLoIIägssj, Realschulen rc) die Un- entgelilichkeit beschlossen. Damit nun keine ungerechte Belastung der ärmeren Klassen stattfindet, deren Kinder nur ausnahmsweise in die höheren Schulen gehen können, so ist gleichzeitig eine progressive Schul st euer beschlossen worden, durch welche die tragfähigen Schultern getroffen und Bevölkerungsschichten, die den Hauptvortheil haben, auch in entsprechendem Maße zu den Kosten herangezogen werden. Ter Beschlutz des Gemeinderaths bedarf allerdings noch der Bestätigung der Regierung, und es ist keineswegs sicher, daß sie zu einer so gefährlichen Maßregel, wie der progressiven Schul- steuer, die ja eine Art progressiver Einkommensteuer ist, ihre Zustimmung geben wird. Die progressive Einkommensteuer ist für die französische Bourgeoisie ein wahrer Wauwau und gilt ihr— Herr Miguel braucht nicht zu erschrecken— als der denkbar rcvolntronärste Sozialismus.— Tie holländische zweite Kamm» hat die Behandlung des van Houten'schen Wahlrechtsgesetz-Entwurfs bis zum September vertagt. Alsdann wird Ver Entwurf in den Abtheilungen ge- prüft werden, um erst nach dieser Prüfung in öffentlicher Sitzung berathen zu werden. Inzwischen ist über den Inhalt des Ent- wurfes noch nachzutragen, daß vom Wahlrecht ausgeschlossen sind außer solchen Personen, die durch gerichtlichen Ausspruch ihr Wahlrecht verloren haben oder die sich im Gefängniß be- finden, auch diejenigen, denen durch ein gerichtliches Urlheil die Verwaltung über ihre eigencnGüter entzogen ist und solchePersonen, die in dem Jahre, das der Zusammenstellung der Wählerlisten voran- geht, von irgend einer öffentlichen Wohlthätigkeitseinrichtung eine Unterstützung in Geld oder Naturalien erhalten haben. Während ihrer wirklichen Dienstzeit sind auch die Militär- Personen unter Offiziersrang vom Wahlrecht ausgeschlossen.— Wie wenig uns dieser Entwurf bietet, ergiebt sich wohl daraus, daß zum Beispiel iu Amsterdam jemand, der bei einem Arbeit- gebcr jährlich 900 M. verdient, noch nicht das Wahlrecht er- halten soll.— Trotzdem hoffen wir. daß der Entwurf, der die Zahl der Wahlberechtigten immerhin um einige Hunderttausend vermehrt, diesmal ohne Unfall in einen sicheren Hasen gelangt.— Die letzten Arbeite» deS englischen Parlaments. Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der Auslieferungsbill und die dritte Lesung der Bill betreffend Abänderung des Gesetzes gegen unlautere und ungesetzliche Umtriebe an. Letztere Bill be- kämpft die ehrenrührigen Umtriebe gegen Wahlkandidaten. Das Oberhaus nahm die erste Lesung der Fabriken- und Werksrätten-Vill, der Marinebautcn-Bill und der Bill gegen un« lautere und ungesetzliche Umtriebe an.— DaS Wahlprogramm der englischen Regierung umfaßt folgende Punkte: Kräftige Reichspolitik, starke Marine, Entwich- lung Afrikas, Erleichterungen für den Verkehr zwischen Mutter- land und Kolonien, Reform der Armenpflege, Einführung einer Altersversorgung, billige und leichte Bodenbesitz- Uebertragung, Beseitigung gerechtfertigter Beschwerden be- treffs der Wählereinschreibung, Einschränkung der Einwanderung mittellos er Ausländer, sowie der Einfuhr in Gefängnissen verfertigter Waaren, fiskalische Reformen, Ergänzung des Arbeitgeber- Haftpflichtgesetzes. Verbesserung der Armenwohnungen, Vermehrung der kleinen Gehöfte, genaue Erwägung des Berichts der Kommission über die gedrückte Lage der Laudwirthschaft und der darin vorgeschlagenen Maßregeln zur Erleichterung der Boden- lasten, Nothbauten für die Westküste Schottlands. Ei» Wahlprogramm der englische»„Unabhängige» Arbeiterpartei". Der Generalsekretär der„Unabhängigen Arbeiterpartei", Tom Manu, hat jetzt auch sein Manifest an die Wähler von West Riding in Iorkshire erlassen. Er stellt nach der„Franks. Ztg." folgende Forderungen: 1. Arbeit für die Arbeitslosen; 2. Ermächtigung der Orts- behörden zum zwangsweisen Landankauf; 3. stetige Pachten; 4. gesetzlicher achtstündiger Arbeitstag; S. Erhöhung des Alters, wo Knaben und Mädchen halbe Zeit in Fabriken arbeiten dürfen; 3. völlige Berstädtlichung des Handels mit geistigen Ge- tränken; 7. Staatspensionen für alle über SO Jahre; 3. wirk- sames Gesetz über die Hastpflicht der Arbeitgeber. Das sind die sozialen Forderungen. Was die politischen anbetrifft, so ist Tom Mann für völlige Abschaffung des Oberhauses, dreijährige Legislaturperiode und Diäten der Abgeordneten.— Italic» hat die diplomatischen Beziehungen mit Argentinien abgebrochen.— MareScalchi, ehemaliger Präfekturrath zu Bologna, behauptete in der italienischen Dcpntirtenkammer. er habe einen Brief des Ministers des Innern an den Präfekten zu Bologna gesehen, worin der Minister gesagt habe, er habe an den Justiz- minister geschrieben, derselbe möge seine Beamten zur Ordnung mahnen. Ter Unterstaatssekretär des Innern, Galli, erwidert, die Behauptung Marescalchi's sei eine Lüge, der Brief mnffe ein Falsifikat sein.(Lärm, stürmische Zwischenrufe auf der äußersten Linken, von den anderen Bänken ertönt laute Zu- stimnmng.) In den Wandelgängen verlautet, Marescalchi und Galli haben sich infolge dieses Zwischenfalls duellirt und gegen- seitig verwundet. Jedenfalls verdient Marescalchi, der seine Stellung opferte, weil er an den ungesetzlichen Verfolgungen der Sozialisten nicht lhcil nehmen wollte, mehr Glauben als das Werkzeug der Crispinischen Schandpolitik, der Unterstaatssekretär Galli._ Es giebt freilich bessere Mittel als das Duell, un: die Wahrheit zu konstatiren.— I« Nortvegen hat das Parlament(der Storthing) mit 69 gegen 45 Stimmen das Budget der diplomatischen Vertretung und mit 72 gegen 42 Stimmen das Konsulatsbudget, beide für das Finanzjahr 1395/96, angenommen. Damit scheint also ein Waffenstillstand der Radikalen mit dem Könige geschlossen zu sein.— Madagascar. Nach einem Telegramm des Generals Duchäsne vom 4. d. M. ist ein Zehntel des Effektivbestandes des Expeditionskorps infolge Krankheit dienstunfähig.— Ein Staatsanwalt in Uöthen. Unter dieser Spitzmarke berichteten wir seinerzeit über einen all, der berechtigtes Aussehen erregte. Unser Genosse Hülle in rfurt, der dort Redakteur der„Thüringer Tribüne" ist, hatte sich am 20. November 1893 vor der Slrqfkammer wegen eines Preßvergehens zu verantworten; er sollte ein Militär- gericht beleidigt haben. Im Laufe der Verhandlung, die neben- bei bemerkt mit Hülle's Freisprechung endete, fielen nun seitens des ersten Staatsanwalts Lorenz Aeußernngen wie, Hülle sei ein gewerbsmäßiger Ehrabschneider und Ver- leuinder, und auch andere Sozialdemokraten betrieben das Geschäft der Ehrabschneiderei. Unser Genosse fühlte sich dadurch verletzt, weshalb er denn auch eine Privatklage gegen Lorenz wegen Beleidigung anstrengte. Das Amtsgericht lehnte jedoch die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Dasselbe nieinte. dem Staatsanwalt müsse eine gewisse Bewegungsfreiheit ge- stattet sein, auch stünde ihm der Schutz des Z 193 St.-G.-B. zu. Hülle, der innerhalb dreier Jahre 10 Mal wegen Beleidigung (Preßvergehen) bestraft wäre, habe nur charakterisirt werden sollen. Die Beschwerde beim Landgericht war von Erfolg, dieses beschloß die Eröffnung des Hauptverfahrens. Lorenz selbst hatte zugegeben, Hülle einen berufsmäßigen Ehrabschneider genannt zu haben. Nun sprang aber der Ober- Staatsanwalt in Naumburg seinem Untergebenen bei, indem er den Konflikt erhob. Der Bedrängte habe seine Befugnisse nicht überschritten, die sozialdemokratischen Zeitungen wimmelten von Schmähungen und Beleidigungen, und die Zahl der über Hülle wegen Beleidigung verhängten Strafen mache unwillige Aeuße- rungen des ersten Staatsanwalts erklärlich. So der Ober- Ankläger. Das Ober-Landesgericht in Naumburg war derselben Ansicht. Der erste Senat des Ober-Verwaltungsgerichts halte sich dann am S.April mit der zunächst strittigen Frage zu beschäftigen. ob die Privatklage an sich zulässig sei oder nicht. Rechtsanwalt Morris, welcher damals Hülle vertrat, hob hervor, daß der Redakteur eines zur Regierung in Opposition stehenden Blattes sehr leicht zu Strafen komme, und daß ihm gegenüber deshalb doch nicht wegen seiner Strafen alles erlaubt sein dürfe. Der Angeklagte stände geradezu schutzlos und rechtlos da gegenüber den Beleidigungen des Staatsanwalts. Der Senat beschloß dann, sich die Strafakten des Hülle einzu» fordern, um Beweis zu erheben darüber, ob und in welchen Fällen derselbe aufgrund des tz 187 des Str.-G.-B.(verleumderische Bs- leidigung) bestraft sei. Am S. Juli fand der neue Termin statt. Der Gerichtsreferent stellte nun fest, daß die Akten ergäben, Hülle sei in keinem Falle wegen verleumderischer Beleidigung (Z 187 St.-G.-B.) vorbestraft gewesen, als der erste Staatsanwalt Lorenz die in Frage stehende Aeußerung that. Außer den be- treffenden Akten waren noch andere eingereicht worden, so über sieben Beleidigungsklagen, welche Hülle nach dem 20. November 1893 hatte über sich ergehen lassen müssen, und über Ver» urtheilungen wegen Fahnenflucht(1877), und Ausreizung (1882), begangen durch Verbreitung eines Flugblattes. Rechts- anwalt Wolfgang Heine als Vertreter des Privatklägers sah in der Aeußerung, daß Hülle ein gewerbsmäßiger Ehr- abschneider und Verleumder sei, welche Aeußerung er als er» miesen annahm, ein Ueberschreiten der Amtsbefugnisse des beklagten Ersten Staatsanwalts. Dieser habe, führte er'aus, sich auf die häufigen Strafen des Klägers bezogen. Wie stehe es mit denselben? Sie seien zum großen Theil geringfügige Geld- strafen, die höchsten Strafen seien erst später ausgesprochen, von denen eine drei Monate Gefängniß betrage. Und dann wiegen die Bestrafungen Hülle's, des Redakteurs, viel geringer wie die von Privatpersonen, sei doch der Schutz des § 193 St.-G.-B. durch die Judikatur, welche das Reichsgericht eingeführt, den Redakteuren genommen. Rüge ein solcher öffentliche Uebelstände, so schwebe er bei der heutigen Judikatur stets in Gefahr, bestrast zu werden. Was jeden: anderen gestattet, werde ihn: ver- sagt. Heine geht dann auf verschiedene der Urtheile gegen Hülle e:n, um zu zeigen, wie wenig sie geeignet sind, ihn in: Lorenz- schon Sinne iu der Achtung anderer herunterzusetzen. Der Erste Staatsanwalt hätte wissen müssen, fuhr er dann fort, rvie leicht sich ein Redakteur Strafen zuziehe und vollends derjenige eines sozialdemokratische» Blattes; ebenso hätte Lorenz wissen müssen, daß Hülle aus tz 187 nicht bestraft war. Auch die Umstände, unter denen der Erste Staatsanwalt den Kläger beleidigte: die fragliche Aeußerung sei bei der Ver «ehmung des Klägers und damaligen Angeklagten gefallen, nicht im Plaidoyer. Hülle hätte erklärt, an die Wahrheit der von ihm veröffenllichlen Mittheilung geglaubt zu haben, und da sei ihm der Staatsanwalt dazwischen gefahren: Sie sind ja ein gewerbs mäßiger Verleumder! Aus Form und Umständen gehe schon hervor, daß die Aeußerung nicht gethan wurde in Wahrung der Pflichten, welche seine Stellung Dem Lorenz auferlege, sondern daß dieser aus Mangel an Selbstbeherrschung seiner Animosität gegenüber dem jetzigen Klüger Hülle Ausdruck verliehen Es sei das keine berechtigte Frage, sondern ein Urtheil ge� wesen, ohne anderen ersichtlichen Grund als de», zu beleidigen — Justizrath Wolf, der Vertreter des Staatsanwalts Lorenz. verwies besonders darauf, daß Hülle in den meisten Fällen nicht nur ans Z 185, sondern aus 185 und 188 verurtbeilt sei Tie Fälle des Paragraphen 186 würden nun, meint er, zu sammengefaßt als ehrenrührige Nachrede, hierzwische» aber und der verleumderischen Beleidigung des Paragraphen 137, der ja allerdings nicht in Anwendung gekommen sei, mache der allgemeine Sprachgebrauch absolut keinen Untev schied. Rechtsanwalt Heine trat dem entgegen und bestritt, daß, wenn es zuträfe, sich daraus Schlüsse zu gunsten des Ersten Staatsanwalts Lorenz ziehen ließen.— Der Konflikt wurde vom ersten Senat unter dem Vorsitz des Präsidenten Persius für«nbegrüudet erklärt. Gründe: Als festgestellt sei an- genommen worden, daß der angeklagte Erste Staatsanwalt in einer Zwischenbemerkung Hülle gegenüber die Worte gebrauchte, er sei ein gewerbsmäßiger und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider und Verleumder, und daß eine ähnliche Aeußerung im Plaidoyer fiel. Wenn es nun auch nicht angemessen gewesen sein möge. daß sich der Staatsanwalt mit der Zwischenbemerkung direkt an Hülle wendete, so würde doch in diesem Punkt allein eine Ueberschreitung nicht zu sehen sein. Ferner sei aber festgestellt, daß der damalige Angeklagte Hülle niemals wegen verleumderischer Beleidigung aus§ 187, sondern immer nur aus den 185 und 186 des Strafgesetzbuches bestraft sei, soweit Beleidigungen rn Frage kainen. Das Gericht nehme an, daß dies dem Ersten Staatsanwalt bekannt sein mußte. Es möge dahin gestellt bleiben, ob der gewöhnliche Sprachgebrauch den Ausdruck Ver« leumdungen auch auf Beleidigungen anderer Art ausdehnt, und ob es gegenüber dem Wortlaut des Strafgesetzbuches auf solchen Sprachgebrauch ankommen könne. Mindestens sei es fahrlässig, daß Lorenz den jetzigen Kläger Hülle einen Verleumder nannte. Jedenfalls aber würde für die Zwecke, welche der Staatsanwalt amtlich vertritt, es genügt haben, wenn er eine andere Form ge- wählt, und Hülle gefragt hätte, ob er nicht auch schon wiegen verleumderischer Beleidigung und aus§ 187 verurtheilt sei. S liege jedoch ein Ueberschreiten der Amts b e f u g n i s s e vor. patfeinatfitfätfeu« ..../ilu die Parteigenossen und Genossinnen; Die vor- lausige Schließung des Berliner Frauen- und Mädchen-Bildungs Vereins und die Verurthcilung der Mitglieder der Frauen- Agi- tationstommission haben sicher jeden etwa noch gehegten Zweifel über die Abneigung beseitigt, die in maßgebenden Kreisen gegen £)ie_ Bestrebungen der Frauen, welche auf die Erreichung einer besseren sozialen Stellung einwirken, vorhanden ist. Jede ein- sichtige Frau wird sich aber bewußt sein, daß mächtiger als zener feindliche Wille, möge er auch augenblicklich die Staats- gemalt als Stütze auf seiner Seite haben, die unabweislich und gebieterisch an die Frauenwelt herantretende Verpflichtung ist, für die Erringung ihrer Freiheiten und Rechte zu wirken. Unser Koalitionsrecht ist eine Illusion, weil die Auslegung und Handhabung des Vereinsgesetzes uns jede Vereinigung unmöglich machen kann. Dies Gesetz, 1856 unter ganz anderen wirthschaft- lrchen und politischen Verhältnissen zu stände gekommen, paßt mcht mehr»n unsere Zeit, es muß einem besseren Platz macheu Seck längerer Zeit wenden die Behörden den proletarischen Frauen ihre unausgesetzte Aufmerksamkeit zu, ein Zeichen dafür, daß man in jenen Kreisen von der Wichtigkeit der Rolle, welche die Frau in nächster Zeit im Völkerleben einnehmen wird. überzeugt ist. Frauen und Mädchen! Seid eingedenk der hohen Aufgaben, die wir zu erfüllen berufen sind, ermüdet nicht im Kampfe für Menschlichkeit und Menschenrechte, sondern werbt neue Streiter im Kampfe für die Sache des Proletariats, für die Befreiung der Menschheit. Um die Aufklärung namentlich i» Familienkreisen zu fördern, wird am Montag, den 3. d. M., eine öffentliche Volksversammlung Beuthstr. 26, im großen Saale abgehalten werden, in der Genosse Stadthagen über das Thema referiren wird:„Wie viel ist eine Frauensperson werth? unter Berücksichtigung behördlicher Ein- schätzungen." Auf diese Versainmlung machen wir die Genossinnen und Genossen besonders aufmerksam und ersuchen, für einen starken Besuch, namentlich der Frauen, rege zu agitiren. Die Einberuferin. -y* j.®!" Parteigenossen von Steglitz und Friedenau zur Nachricht, daß die Vereinsversammlung des Ardeiter-Bildungs- Vereins zu gunsten der Volksversammlung, welche Diens- tag, den 9. Juli, im„Schwarzen Adler" in Steglitz stattfindet, vertagt ist. Der Vorsitzende. Von der Agitation. In M ü h l h a u s e n i. Th. sprach der Genosse Psannkuch aus Berlin in einer gut besuchten Versammlung unter großem Beifall Iber die politische Lage. In seinem meiningischen Wahlkreis erstattete Reichstags- Abgeordneter R e i ß h a u s dieser Tage in mehreren Orten Bc- richt über die Thätigkeit des Reichstags. Die Versammlungen fanden in Oberlind, Effelder, Schierschnitz bei Neuhaus und S ch a l k a u statt und waren bis auf die in ersterem Orte durchweg gut besucht. Ueberall zollten die Wähler den Ausführungen ihres Abgeordneten lebhasten Beifall. Auf dem sagenumwobenen Hohentwiel, einem gewaltigen Felskegel Schwabens, wird am 4. August ein großes Fest abgehalten, an dem sich badische, schwäbische, bayerische, schweizerische und österreichische Parteigenossen betheiligen werden. Die Festrede hält Bebel. Den norddeutschen Parteigenossen wird der Hohentwiel vornehmlich aus der Geschichte des Bauern- kricges und aus Viktor v. Scheffel's reizvollem Roma»„Ekkehard" bekannt sein. Bayerisches. jAm 29. Juni sollte, wie die„Münchner Post" berichtet, in R e i s l a ch bei Frontenhausen(Rotbthal) eine von den Landshuter Sozialdemokraten einberufene Volksversammlung abgehalten werden. Das Lokal war gemiethet, die Plakate gedruckt, kurz, alles in schönster Ordnung; da, als die schaurige Kunde:„Ter Sozialdemokrat kommt!" in die Oeffenllichkeit drang, traten der Pfarrer, das Bezirks- a m t und der B ü r g e r m e i st e r— letzterer erklärt, in Reislach iverde überhaupt keine solche Versammlung abgehallen— auf den Plan und trieben das Lokal ab. Unser Genosse Witts aus München, der als Referent bestimnit war, wurde von einem gewissen Mittermeier telegraphisch und von der königlichen Polizeidirektion München durch einen Boten von dem Sieg der Staalsretter in Kenntniß gesetzt. Nicht viel besser als in Reislach ging es unseren Lands- huter Parteigenossen in L a n d s h u t selber. Auch dort wurde von der Behörde eine auf Sonntag den 39. Juni anberaumte Versammlung hintertrieben, jedoch, wie es scheint, aus purer Fürsorge für die Arbeiter. Das Neumeier'sche Lokal am Gries, wo die Versammlung stattfinden sollte, war zu niedrig, infolge dessen zu ungesund, weshalb das Verbot aus sanitären Gründen erlassen werden„mußte". Die Fürsorge, deren sich die blauweißen Staatszusammen- Halter gegen die„Sozi" befleißigen, ist wirklich rührend. Personalien aus der Partei. An stelle des verstorbenen Parteigenossen Fr. Meyer in Lübeck haben die Firmeninhaber des dortigen„Volksboten" den Parteigenossen T b e o d o r S ch w a r tz für den Posten des Geschäftsführers und Verlegers gewonnen. Die sozialistische» Gemeiuderäthe Frankreichs werden auf ihrem vom 13. bis 15. Juli in Paris stattfindenden Kon- greß über folgende Gegenstände berathen: 1. Ueberführung der Privatmonopole in Gemeindebesitz. 2. Errichtung von Gemeinde bäckereien und Apotheken. 3. Subventioninmg von Bauunternehmungen, die volkswirthschastlichen oder hygieinischen Zwecken dienen. 4. Begünstigung der Arbeitsbörsen. 5. Schutz der für städtische Rechnung produzirenden Arbeiter durch Aufnahme einer Klausel in die Lieferungsbedingungen, wonach das Unterhändlerthum beseitigt und ein Lohn- und Arbeitsminimum eingeführt wird. 6. Ausbeutung der Gemeindcbesitzthümer im Sinne des sozialistischen Prinzips. 7. Einsührung einer alle Kommunallasten ersetzenden Progressiv- steuer. 8. Haftpflicht der Fenerversicherungsgesellschasten bei Unfällen der Feuerwehrmannschaften. 9. Schaffung gesunder Wohnungen. 10. Versorgung der Greise und Arbeitsinvaliden durch die Gemeinden. 11. Umgestaltung der Wohlthätigkeits- bureaux. 12. Oeffentlicher Unterricht. 13. Haltung der Ge- meinden bei Streiks. 14. Errichtung von Auskunftsbnreaux in Rechtsangelegenheiten u. f. w. Todteuliste der Partei. In Luckenwalde hat ei» braver Parteigenosse, der Kassirer des Wahlvereins, Hermann Haubenreißer, die Augen für immer geschlossen. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Redakteur Z a p p a y in F r a» k f u r t a. O. gegen das Urlheil des dor- tigen Landgerichts eingelegt hatte, wonach er wegen Beleidigung des Lehrers Karntz in Gräfenhain zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt ist. In dem betreffenden Artikel der„Märkischen Volksstimme" war, wie diese mittheilt, der Lehrer mit keinem Wort erwähnt. Das Landgericht hat aber angenommen, daß er sich durch den Artikel habe beleidigt fühlen müsse», und an dieser Feststellung hat das Reichsgericht nichts ändern können. — Die Parteigenossen aus Delitzsch wollte» in dem Torfe Roitzsch-Jora eine Versammlung abhalten, wo A l b r e ch t aus Halle sprechen sollte. Alle Vorbereitungen waren getroffen. Da lief beim Einbernfer der Versammlung ein Schreiben folgenden Inhalts ein: „Löbnitz, den 27. Juni 1395. Nachdem der Gastivirth C. Hubert zu Roitzsch-Jora zu Protokoll erklärt hat, daß er keinesfalls geneigt sei, für eine Ver- sammlung am 30. Juni, deren Zweck aus dem eingereichten Ge- fnch nicht erkenntlich ist, seinen Saal bezw. zu Räumlichkeiten herzugeben. Kann seitens des hiesigen Amtes eine polizeiliche Genehmigung nicht ertheilt werden. Der Amtsvorsteher. Daß ich mit obigem einverstanden, auch dies ohne jegliche Beeinflussung zu Protokoll, gegeben habe, erkläre hierdurch aus- drücklich. Karl Hubert. Der Amtsvorsteher, E. Neubaur." Geht es de» Amtsvorsteher etwas an, was eine Ver- sammlung für einen Zweck haben soll? Hat er eine Ge- nehmigung zu ertheilen oder zu verweigern, oder ist er einfach verpflichtet, eine Bescheinigung über die Anmeldung der Ver- sammlung auszustellen? Antwort, Herr Amtsvorsteher, der Sie zum Wächter des Gesetzes bestellt sind. Auf die Erklärung des tapferen Wirths machen sich unsere Leser wohl selbst einen Vers. — Wegen Beleidigung des Leipziger Stadtrathes verurtheilte am 20. April das Leipziger Schöffengericht den verantwortlichen Redakteur L i p i u s k i von der„Leipziger Volkszeitnng" zu zwei Wochen Gefängniß. Das Landgericht hob dies Urtheil am 4. Juli auf und erkannte auf 150 M. Geldstrafe oder 10 Tage Gefängniß. — Zu 40 M. Geldstrafe wurde in Dresden der Vorsitzende des sozialdemokratischen Vereins Dresden-Altstadt, Hermann Eichhorn, verurtheilt, weil er einen 18 jährigen Mann als Mitglied in den genannten Verein aufgenomnien hat, während in Sachsen zur Mitgliedschaft an politischen Vereinen ein Alter von 21 Jahren nöthig ist. Eichhorn hatte den Angaben des jungen Mannes geglaubt und deshalb keine Legitimation von ihm verlangt. Soziale Usbeeftchk. Und abermals die Generalversammlung dcS Verbandes deutscher kaufmännischer Vereine. Der Chemnitzer„Be- obachter" scheint über dem Studium des in der„Sächsische» Arbeiter-Zeilung" veröffentlicht gewesene» Artikels:„Keine Stegmüllerei"?" die Tugend der Gerechtigkeit vollständig eingebüßt zu haben. Trotzdem ihm unsere Erwiderung gegen das Dresdener Parteiorgan bekannt war, bringt er einen Artikel, der durchaus auf de» von uns berichtigten Angaben der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" aufgebaut ist. er wiederholt also die von uns als un- berechtigt erwiesenen Angriffe auf den„Vorwärts", und da er unsere Erwiderung auf den Dresdner Angriff nicht wohl unerwähnt lassen kann, bringt er zum Schluß des Artikels, in einer„Anmerkung", unsere Erwiderung in einer Gestalt, wie sie ihm paßt, um den jedenfalls bereits geschriebenen, vielleicht schon gesetzten Artikel nicht abändern oder weglassen zu müssen. Unter solchen Umständen wäre es zwecklos, mit dem Chemnitzer „Beobachter" über die Angelegenheit ein Wort zu wechseln. Nun noch eine Bemerkung über die Ursache der Erregung in der sächsischen Parteipresse, nämlich über den Bericht über die Generalversammlung des Verbandes deutscher kaufmännischer Vereine selbst. Das Organ der auf s o zi al d e m o k r a- t i s ch e m Boden stehenden Handlungsgehilfen und-Ge- hilfinnen, der in Berlin erscheinende„Handels- angestellte", schrieb in seiner Nummer vom 15. Juni über die Beschlüsse der Generalversammlung des nichtsozialdemokratischen Verbandes deutscher kaufmännischer Ver- eine:„Die Beschlüsse kommen auch unseren Wün- ch e n, bis auf die kaufmännischen Schiedsgerichte, die wir ver- werfen, sehr nahe." War es also wirklich nöthig, daß der Vorwärts" zu diesen Beschlüssen und über den Charakter des auch rund 20 000 Prinzipale zu Mitgliedern zählenden Verbandes in dem von einigen sächsischen Parteiblättern so herb getadelten, durchaus sachlich gehaltenen Bericht noch eine Kritik lieferte? Wir glauben nicht, sondern meinen, daß der Bericht in keiner Beziehung zu berechtigten Mißdeutungen Anlaß geben konnte. Zur Revision der sächsischen Bergpolizei-Vorschriften. Eine B e r g a r b e i r e r- V e r s a m m I u n g im Plauen- ch e n G r u n d bei Dresden faßte nach einem Vortrage H o r n's aus Cainsdorf folgende Resolution:„In Erwägung, daß der vom königl. sächsischen Berqamle aufgestellte Entwurf zu einer Revision der Bergpolizei-Vorschriften Bestimmungen enthält, welche als ein Fortschritt in bezug auf die erhöhte Sicberheit des Lebens und der Gesundheit der Bergarbeiter zu betrachten sind, und daher die rechtskräftige Einführung derselben für die gesammte ächsische Bergarbeilerschaft in sanitärer Hinsicht von großem Stutzen ist, erwartet die Versammlung von dem königlich sächsischen Bergamte, daß es an diesem Entwürfe eine Aenderung, welche eine Abschwächung der darin enthaltenen Bestimmungen, Haupt- 'ächlich aber der tzß 101a, 101b, 132a, 132b, I32o zur Folge hätte, in Interesse der gesammte» Bergarbeiterschaft nicht vornimmt, andern den Entwurf in seiner jetzigen Form dem könig- lichen Finanzministerium zur Genehmigung empfiehlt. Und vom königlichen Finanzministerium erwartet die Versammlung, daß es dem Entwürfe die Genehmigung nicht versage, sondern diese im Interesse und zum Wohle der sächsischen Bergarbeiter erhalten möge." Tie Großen fressen die Kleinen. Von dem Augenblick an, wo der Kapitalismus sich eines Erwerbszweigs bemächtigt, fängt auch die Aufsaugung der Kleinbetriebe durch die Groß- betriebe an. Im Brauereigewerbe wird das seit langem bemerkt. Aus Bayern meldet man jetzt: Die Zahl der Brauereien in Bayern ist, wie nunmehr festgestellt worden ist, im Jahre 1894 um 395 zurückgegangen; mit ganz vereinzelten Ausnahnien kommt die Abnahme auf die kleinen Brauereien. Dies ist um so bemerkeuswerther, als der Malzverbrauch fast um 200 000 bl g e st i e g c n ist. Die Bierausfuhr aus Bayern scheint ihrem Höhepunkte nahe zu sein; denn 1894 betrug die Steigerung nur 29 321 bl. Ob der„Höhepunkt" bald erreicht sein wird oder nicht, das bleibe dahingestellt. Jedenfalls werden aber die kleinen Brauereien bald verschwunden sein. Arbeiterferien. Das gesammte Personal der Buchdruckerei unseres Parteigenossen Maximin Ernst in München erhielt unter voller Lohnauszahlung einen achttägigen Urlaub bewilligt; die Setzer der„Münchner Post" bekamen von dem Verlage der„M. P." und dem Drucker je einen Zuschuß von 20 M._ Ge»t»erkMlsktliÄies. Dekateure! Die Sperre über die Firma H. G r o ß k r« n z, Berlin, ist hiermit aufgehoben. Herr Großkreuz hat das Verbot, der Organisation anzugehören, zurückgezogen. Die Kollegen der Firma Mahr Nachf. haben durch einmüthiges Handeln die zehnstündige Arbeitszeit errungen; ebenso sind die Streitigkeiten der Firma B e h m a ck u. W e i ß b a r t zu gunsten der Arbeiter beigelegt. Der Vorstand. Die Maurer BraunschweigS stellten an die Unternehmer die Forderung, einen Stundenlohn von 42 Pf. zu bewilligen. Einige Unternehmer antworteten mit der Aussperrung ihrer Arbeiter. Die Maurer beschlossen deshalb in öffentlicher Ver- sammlung, über die betreffenden Bauunternehmer die Sperre zu verhängen. Alle auswärtigen Maurer werden um Fern- Haltung des Zuzugs nach Braunschweig gebeten. In Dresden hat der Streik der Stuhlpo lirer bei D. N e u m a n n. Zirkusstr. 29, mit dem Siege der Arbeiter ge» endigt. Ihre Forderungen sind sämmtlich bewilligt. AuS Fürth wird gemeldet, daß die bei den Mitgliedern deS Holzindustriellen-Verbandes beschäftigten Tischler nächste Woche sämmtlich ausgesperrt werden sollen, wenn bei Eyßer in Nürnberg die Streikenden nicht wieder zur Arbeit zurückkehren. Diesen sauberen Plan der Kapitalprotzen glossirt unser Nürnberger Partei-Organ, die„Fränkische Tagespost" wie folgt: Es kämen dabei etwa 800—1000 Arbeiter aus die einfachste Weise zur eineinhalbstllndigen Mittagspause. Denn daß die Arbeiter einen derartigen Gewaltstreich des mahn» witzigen Uuteruchmerthums mit Gegenforderungen beantworten werden, liegt außer allem Zweifel. Im übrigen beweist das Vorgehen der Holziudustriellen, daß die Lage des Herrn Eyßer und seiner Bundesgenossen eine verzweifelte ist.� Die Nürnberger Holzarbeiter siegen, wenn sie ausharren, dafür birgt die Er- reguug der Unternehmer. Zwischen drn Buchdrnckereibesitzer» und Buchdrucker- qehilfen Oesterreichs ist die Einführung eines Normal» iarifs für ganz Oe st erreich beschlossen worden. Die Herabsetzung der Arbeitszeit auf neun Stunden ist nach der Wiener„Arbeiter-Zeitung" so gut wie sicher. 340 Schuhmacher der Mödlinger Schuhwaaren-Fabrik in M ö d l i n g bei Wien haben infolge fortgesetzter Chikanen des Werkführers die Arbeit eingestellt. Zuzug ist aufs strengste fern» zuhalten. I» Bielitz-Biala hat der Möbelfabrikant Karl Zipser freiwillig den Zehnstundentag, ohne Herabsetzung des Lohnes, eingeführt. In Magdeburg sollte die von den Arbeitern eingesetzte Gewerbe-Besch iv erdekom Mission absolut zu einem Verein gestempelt werden, der auf grund des Vereinegesetzes ver- pflichtet sei, Statuten und Mitgliederverzeichniß der Behörde ein- zureichen. Zu letzterem war früher ein Mitglied der Kommisnon, Genosse G o r g a s, aufgefordert. Er lehnte dies ab und erhielt ein Strafmandat, gegen das er auf gerichtlichen Entscheid an- trug. Das Schöffengericht sprach Gorgas frei, da die Kommission kein Verein sei. Ein Verein setze die Erwerbung einer Mitglied- schaft voraus, was bei der Kommission nicht der Fall ist; so sagte sich das Schöffengericht. Gegen das freisprechende Urtheil legte die Staatsauwallschaft Berufung ein, und am Mittwoch fand der Berufungstermin statt. Das Landgericht verwarf die Berufung. Es erkannte die freisprechenden Motive des Schöyen- gcrichts an und hob hervor, daß die Kommission auch deshalb nicht als„Verein" angesehen werden könne, weil deren Mit- glieder selbständige Personen sind, leine Versammlungen abhalten und keine Beiträge zahlen. DetieWjeu: Wolfs's Telegraphen-Bnreau. Wien, 5. Juli. Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner heutigen Sitzung das Budget des Ministeriums des Innern und trat sodann in die Berathung desjenigen des Landes- vertheidignngs-Ministeriums. Ter Budgetausschuß überwies eine Petition der Aerztin Baronin v. Possauer um Gestattnng der Ausübung ver ärztlichen Praxis der Regierung mit dem Ersuchen, über die Ausübung der ärztlichen Praxis durch Frauen«ine prinzipielle Entscheidung treffen zu wollen. Bern, 5. Juli. Der Bundesrath beauftragte den schweize- rischen Gesandten in Rom, der italienischen Regierung vorzn» schlagen, möglichst bald diplomatische Verhandlungen zu eröffnen bezüglich der Vereinbarung eine? internationalen Vertrages über den Bau und den Betrieb der projektirteu Simplonbahn. London, 5. Juli. Die„Times" melden aus Hongkong: Die Ausländer in Taiwan auf Formosa flohen nach Takao unter Preisgabe ihres Besitzes in Taiwan. Er geht das Gerücht, die Japaner hätten 40 Meilen nördlich von Taiwan Truppen ge- landet. Boston, 5. Juli. Bei einem Aufzug der antikatholischen Vereinigung kam es gestern hier zu einein ernsthaften Zusammen- stoß. Ein Abzeichen der Vereinigung erregte den Zorn der Zu- schauer; diese griffen einen Wagen an, in welchem Frauen saßen. Ein Milizsoldat zog seinen Säbel, um die Jnsaflen zu schützen. Die Bienge umringte ihn, jedoch befreite ihn die Polizei. Beide Theile machten von den Revolvern Gebrauch und warfen einander n>it Steinen. Eine Person wurde gelödtet, mehrere verwundet.. �. Rew-Hork» 5. Juli. Nach einem Telegramm aus Habana fand zwischen 80 Freiwillige» unter Hauptmann Loöras il»d 400 berittenen Aufständischen unter der Führung von Guerra ein Gefecht bei Salmasalta statt. Dabei wurden auf Seite der Freiwilligen 17 grtödtet und 19 verwundet, ans Seite der Aufständischen wurde der Anführer Guerra, zwei weitere Offiziere und 60 Mann getöbtet. (Devescheu-Bureau Herold.) Frankfurt a. M., 5. Juli. D,e„Frankfurter Zeckung" meldet aus Bern: Der Bundesrath hat den schweizerischen Ge- sandten in Rom beauftragt, der italienischen Regierung mög- lichst bald die Eröffnung der diplomatischen Verhandlungen zwecks Vereinbarung des den Bau und den Betrieb der pro- lektirten Eisenbahn durch den Eimplon regelnden internationalen Vertrages vorzuschlagen. Verantwortlicher Redakteur: I. Dirrl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, LW., Beuthstraße 3. Hierzu zwei Beilage«. 1. Beilage zum„Vomkirts" Berliner Volksblatl Ur. 13Z. Sonuabend, den 6. Juli 1893. 1A. Jahrg. VÄvlettnenksvevrzhke. Abgeordnetenhans. 87. Sitzung vom 5. Juli 1895, II Uhr. Am Ministertische: v. Hammer st ein, Bosse und Komissarien. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Berathung des Jagdschein-Gesetzes. . In der Spezialdebatte werden sämmtliche Artikel mit un- erheblichen Aenderungen angenommen. Die definitive Abstimmung über das ganze Gesetz wird er- folgen, sobald die Zusammenstellung der heute gefaßten Beschlüsse gedruckt vorliegt. ....®i,?ol0t die Verlesung der Interpellation des Abg. R i n t e l e n(Z.) und Genossen: ob die Regierung beabsichtige, den Erlaß des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Dr. Falk, betreffend den k a t h o- l i s ch e n Religionsunterricht in den Volksschulen, vom 13. Februar 1873 aufzuheben, und bezüglich der Ertheilung des katholischen Religionsunterrichts in de» Volksschulen eine ander- weile Regelung unter Berücksichtigung des D o g m a s der römisch-katholischen Kirche herbeizu- führe n. Kultusminister Bosse erklärt sich auf die Frage des Präst- denlen bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Rintelen: Bei der Berathung des Goßler'schen Volks schul-Gesetzes erklärte die Regierung, daß es nicht Sache der Religionsgesellschaften sei, den Religionsunterricht in der Volks schule zu � ertheilen. Das ist auch der Grundgedanke, der dem Erlaß des früheren Kultusministers Falk durchzieht. Es wird darin angeordnet, daß die Bestiinmung der Lehrbücher für den Religionsunterricht und die Ver- theilung des Unterrichtsstoffes ic. Sache der Schul- aussichtsbehörde sei, nicht der Geistlichkeit/ und daß die Geistlichkeit, nur wenn sie diese Bestimmungen aiiaenominen, zum Religionsunterricht zuzulassen sei. Ueber Differenzen zwischen dem Geistlichen und dem Religionslehrer soll die Schul-Aufsichtsbehörde entscheiden, d. h. also eine weit- nche Behörde und in höchster Instanz der protestantische Kultus- numster. Die Bestimmungen über die Leitung des Religions- Unterrichts sind rein willkürlich; allerdings soll die Leitung den Religionsgesellschaften unterstehen, auch den katholischen, aber wenn die Aussichtsbehörde mit dieser Leitung nicht zufrieden rft, wird der Geistliche einfach entlassen. Und das heißt: Leitung des Religionsunterrichts seitens der Geistlichkeit. Nicht nur in den Jahren des Kulturkampfes, auch später bis in die neueste Zeit ist es vorgekommen, daß Geistliche aus dem Relrgionsunterricht ohne Angabe von Gründen entlassen sind, daß ihnen die wettere Ertheilung desselben untersagt ist auf grund von Denunziationen, die sich später als falsch herausstellten. Der Denunziation ist Thor und Thür geöffnet. Das Miß- trauen gegen die katholische Geistlichkeit spricht aus allen Erlassen. Alles, was den Religionsunterricht angeht, wird von der weltlichen Schul-Aufsichtsbehörde bestimmt unter dem obersten Einfluß des protestantische» Kultusministers. Der Religions- Unterricht ist eine Frage, die uns auf das tiefste bewegt, der Staat aber sagt: das ist meine Sache. Redner sucht des wetteren auszuführen, daß der Erlaß mit der Verfassung in Widerspruch stehe, und sucht dies durch zahlreiche Aeußerungen und Erklärungen früherer Minister und Mitglieder des Hauses zu beweisen. Im Verwaltungswege ivird das, was in der Ver- fassung steht, willkürlich über den Haufen geworfen, auch die Abgg. Gneist und Rönne haben ausdrücklich anerkannt, daß der Religionsunterricht Sache der Kirche sei. Ter Staat läßt in einer Schule lehren, die Messe sei eine gefällige von ihm angeordnete heilige Handlung und i u der anderen läßt er lehren, daß sie nach den« Ausspruche Luther's e i n e v e r m a l e d e i t e Abgötterei sei. Will man die Religion schützen, dann muß man die Schule der Kirche freigeben, damit sie ihre Kräfte frei entfalten kann. Was soll sich ein Kind denke», wenn der Staat durch seine Lehrer hier lehren läßt, dieses oder ,e»es sei Wahrheit, und dort lehren läßt, es sei Jrrthum! Jin Kulturkampf hat man den Grundsatz ausgestellt, daß man vor dem Dogma leinen Halt mache» dürfe. So geschah es auch i» dem Erlaß von 1876. Auch der Minister v. Goßler hat betont, daß die Religionsdiener lediglich als Organe des Staates anzusehen sind. Wie unter solchen Umständen die Einheit und Reinheit der katholischen Lehre ausrecht erhalten werden soll, verstehe ich nicht. Eine solche Auffassung richtet sich gegen den Bestand der kalholifchen Kirche in Preußen. Vor zwei Jahren haben die katholischen Bischöfe in Fulda eine Eingabe an den Kultusminister wegen Aufhebung des Erlasses gerichtet, es ist ihnen aber bis jetzt keine Antwort zu theil geworden. Ich richte an den Kultusminister die ausdrückliche Frage, woran das liegt. Formell besteht der Kulturkampf noch fort, denn der Erlaß wird noch gehandhabt. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Kultusminister Bosse verliest namens der Staatsregierung folgende Erklärung: Die Ministerialverfügung vom 13. Febr. 1876 hal den Versuch gemacht, die Ertheilung und Leitung des Religionsunterrichts in der Volksschule thatsächlich zu regeln; mit dem dogmatische» Inhalt des Religionsunterrichts beschäftigt sich die Verfügung überhaupt nicht. Dagegen wahrt sie das ver- fassungsmäßige Recht des Staates bezüglich der Aussicht über das gesammte Unterrichtswesen, also auch bezüglich der Aufsicht über den Religionsunterricht. Dadurch ist die Verfügung wiederholt der Ausgangspunkt für die Erörterung prinzipieller Gegensätze in diesem Hause geworden. Diese Erörterung hat an den Erlaß angeknüpft, sie geht aber über den Inhalt weit hinaus. Auf der einen Seite wurde und wird dabei die Anschauung vertreten, daß der � Religionsunterricht nach Gesetz und Verfassung, Gemäß der historischen Entwickelnng des preußischen Volreschulivesens, ein integrirender Theil des obligatorischen Bolls- und Schulunterrichts, damit aber auch der staatlichen Für- sorge und Aufsicht bleiben müsse, auf der anderen Seite ist die Ertheilung des Religionsunterrichts als ein ausschließliches Recht und Attribut der Kirche unter Wegsall jeder staatlichen Aussicht iu Anspruch genommen worden. Dieser mit der äußersten Schärfe hingestellle Gegensatz der staatlichen und kirchlichen Anschauungen ist auch durch die Verfügung vom 18. Februar 1876 nicht gelöst, wohl aber ergiebt eine nunmehr fast 20jährige Erfahrung, daß unter der Geltung dieser Verfügung Staat und Kirche i» wohlverstandenem beiderseitigem Interesse sich zur ge- »leinsame» Fürsorge ans dem Gebiete der religiösen Er- ziehung der Jugend und insbesondere auch des Religionsunterrichts zusammengefunden haben,(hört! hört! links), indem beide Theile bemüht sind, unbeschadet der Festhallung des prinzipielle» Standpunktes, Erörterungen der prinzipiellen Fragen zu vermeiden, um dem anderen Theile die freudige Mitwirkung a» der gemeinsamen Arbeit nicht durch einen aussichtslosen Streit zu verkümmern. Es sind so die staatlichen und kirchlichen Organen sich auf dem gemeinsamen Boden der thatsächlichen Hebung ihrer Pflicht soweit als möglich entgegengekommen. So hal sich in jahrzehntelanger Praxis nunmehr ein mockus vivendi in der Ertheilung und Leitung des römisch-katholischen Unter- richts herausgebildet, der dem Geist des konsessionellen Friedens, auf dem wir in unserem Vaterlande angewiesen sind, entspricht. Bei diesem Modus können Staat und Kirche wohl zufrieden sein. Die königliche Staatsregierung ist bestrebt, den konfessionellen Frieden, soviel an ihr ist, zu fördern. Sie würde glauben, die segensreiche Entivickelung auf diesem Gebiete zu gefährden, wenn sie den Versuch unternehmen wollte, den prinzipiellen Gegensatz zwischen Staat und Kirche auf dem Gebiete des Religions- Unterrichts durch den Erlaß neuer Vorschriften gegenwärtig zum Austrag zu bringen. Sie glaubt die begründete Hoffnung hegen zu dürfen, daß diese Anschauung auch von der zur Vertretung der Interessen der katholischen Kirche berufenen Stelle unier Wahrung ihres prinzipiellen Standpunktes getheilt wird. Wenn hiernach die königl. Staatsregierung es sich ver- sagt, aus Anlaß der vorliegenden Interpellation in eine prinzipielle zu einer Verschärfung der Gegensätze führende Erörterung einzutreten, und wenn sie sich dabei begnügt, in dieser kurzen Form die an sie gestellte Frage in verneinendem Sinne zu beantworten, so geschieht das in der klaren Erkenntniß, daß hierdurch das gegenwärtig bestehende freundliche und friedliche Zusammenwirken von Staat und Kirche an der gemeinsamen Fürsorge der religiösen Er- ziehung der Jugend unter den gegenwärtigen Verhältnissen am besten bewahrt wird, und zwar in gleicher Weise zum besten des Staats und der Kirche. Uebrigens hält sich der Erlaß vom 13. Febr. 1876 von einem Eingreifen in den dogmatischen Inhalt des Religions- Unterrichts völlig frei. Es versteht sich von selbst, daß der Staat weit davon entfernt ist, in dieser wie in jeder anderen dogmatischen Beziehung einen ohnehin wirkungslosen Zwang ausüben zu wolle».(Zustimmung.) Aus Antrag des Abg. v. H e e r e m a n(Z.) tritt das Haus in die Besprechung der Interpellation ein. Abg. Lieber(Z.): Der Kultusminister kann den kon- sessionelleu Frieden nicht besser fördern, als durch Aushebung des Fali'schen Erlasses und anderweite Regelung der Frage mit Rücksicht auf die katholische Kirche. Der Kultusininister rühmt sich des jetzigen erträglichen Zustandes. Gewiß, dem weiten Entgegenkommen unserer katholischen Behörden hat die wohl- wollende Haltung des jetzigen Kultusministers entsprochen, aber damit ist mit unseren Beschwerden noch nicht aufgeräumt. Es ist ein Jrrthum, daß der Falk'sche Erlaß dem katholischen Dogma nicht widerstreitet. Zur Er- theilung des Religionsunterrichts an katholische Kirchenangehörige ist niemand berechtigt als die katholische Kirche.(Zustimmung im Zentrum.) Als vollberechtigte katholische Staatsbürger in Preußen haben wir das Recht, zu verlangen, daß wir auch in bezug auf die Ertheilung des Religionsunterrichts nach den Lehren unserer Kirche leben können.(Zustimmung im Zentrum.) Tie Zeiten der Weißglühhitze des Kulturkampfs sind ja vorbei, und es ist ein weil verbreiteter Wunsch, sie nicht wieder herauf zu beschwören. Wenn man aber aus dieser Stimmung heraus uns zumuthet, daß wir darauf verzichten sollen, unsere grundsätzlichen Forderunge» geltend zu machen, so können wir soweit in der Friedensliebe nicht gehen.(Sehr wahr! im Zentrum.) Gewiß wollen wir alles vermeiden, was zur Wider- entfachung des Kullnrlampfes führen kau», aber wir müssen be- Haupte», die beste Sicherung für die Erhaltung eines dauernden Friedens ist die Ausräumung solcher alten Reste des Kultur- kampses.(Zustimmung im Zentrum.) Nicht besser könnte die Ne- gierung de» Frieden fördern. Solange über unsere Kirchenfürsteu das Damoklesschwert des Falk'schen Erlasses schwebt, sind wir in der Geltendmachung der kirchlichen Grundsätze in der Schule beschränkt. Ich meine, die Regierung wird sich die Sache bis zur nächsten Session nochmals überlegen. Man wird endlich demlängst abgcthanen Staatskirchenthum ein Ende mache» müssen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Kropatscheck(k.): Es ist für uns nicht erfindlich, warum gerade jetzt diese Interpellation gestellt ist. Abg. Lieber hat den Satz hingestellt, daß ausschließlich die Kirche berechtigt sei, den Religionsunterricht zu ertheilen und daran die be- herzigenswerthe Mahnung geknüpft, unserer Jugend eine reli- giöse Erziehung zu theil werden zu lassen. Gerade die Betonung des erste» Satzes aber führt dahin, den Religionsunterricht über- Haupt ls der Volksschule verschwinden zu lassen.(Widerspruch im Zentruni.) Ich kann im Namen meiner Fraktion folgende Er- klärung abgeben: Je mehr wir davon fest überzeugt sind, wie groß die Bedeutung des Religionsunterrichts für die Volksschule ist, um so mehr ist es uns unmöglich, in dem jetzigen Moment diese Frage zu diskutiren und zu einem gedeihlichen Schluß zu kommen. Wir wollen aber diese Gelegenheit gern benutzen, um zu betonen, daß es auf die Dauer ohne eine gesetzliche Regelung des Volksschulwesens nicht gehen wird, und wir sprechen die Erwartung aus, daß diese Frage demnächst eine baldige Regelung finden wird.(Beifall rechts.) Abg. Richert: Die heute hier angeregten Fragen haben wir bei dem Zedlitz'schen Volksschulgesetz-Enlwurs so eingehend erörtert, daß es überflüssig erscheint, jetzt darauf näher ein- zugehen. Wir werden bei der nächsten Etatsberathung die Frage erörtern, ob der Kultusminister nicht vielmehr schon zu weit den Fordernnge» des Zentrums entgegengekommen ist.(Lachen im Zentrum.) Der Gegensatz zwischen uns und dem Zentrum auf dem Gebiet der Schule ist ein unversöhnlicher und wird ein solcher bleiben. Das wird bei jedem neuen Schulgesetz von neuem zum Ausdruck kommen. Abg. V. Eynern(natl.): Meine politischen Freunde sind der Ansicht, daß kein Grund vorliegt, prinzipielle Grundsätze aus politischem Gebiet, welche niemals einen Ausgleich finden werden, von neuem zur Erörterung zu stellen und diese Frage nach den Wünschen oder den Vorschriften des Zentrums zu regeln. Wir werden allen solchen Bestrebungen den äußersten Widerstand entgegensetzen. Im übrigen können wir über die Erklärung des Ministers unsere �Befriedigung ausdrücken. Abg. v. Zedlitz(sk.): Auch ich kann seitens meiner Freunde über die Erwiderung des Kultusministers meine Befriedigung ausspreche». Wir erkenne» ein Bedürfniß zur Erörterung der von dem Abg. Rintelen angeregten grundsätzlichen Fragen nicht an. Wir glauben vielmehr es uns versagen zu können, uns an der weiteren Verhandlung zu betheiligen. Abg. Motty(Pole): Wir stehen ganz auf dem Boden der Interpellation und es würde von mir anmaßend sein, wenn ich mich erdreiste» wollte, dieselbe noch durch andere Gründe zu ersetzen. Der jetzige modus vivendi ist nur ein Waffenstillstand; wir Katholiken haben die Absicht, mit dem Staate einen ewigen Frieden zu schließen. Ein Waffenstillstand ist aber kein Frieden. Es fehlt die Grundlage der beiderseitigen Genehmigung. Abg. Bachem(Z.): Die Ausführungen des Ministers und der Redner waren reichlich kurz gewesen. Man flüchtet sich hinter den breiten Rücken des Ministers.(Heiterkeit.) Wenn Sie unseren Bestrebungen in dieser Weise weiter entgegenkommen, komme» wir zu keinem Ergebniß.(Lachen links. Znruf: Wollen wir auch gar nicht!) Der Staat ist etwas Wandelbares und diese Wandelbarkeit dars nicht ausgedehnt werden auf die Religion. Nach unserer Auffassung ist die Religion die Wahrheit nnd die Wahrheit steht fest von Ewigkeil an. Dieser Gesichtspunkt hat auch früher auf dem Gebiete des preußischen Volksschulwesens gegolten und ist durchgeführt, ohne daß der Staat zu gründe gegangen ist. Die Falk'sche Verfügung läßt das Dogma unberührt, aber sie hält dem Staat die Möglichkeit offen, wenn es ihm paßt, an dasselbe heranzutreten, hier eine Lehre zu entsernen, dort eine Lehre zu beeinflußen. Wir wollen Klarheit und wissen, wo der Staat Herr ist und wo die Kirche. Nur so können Reibungen vermieden werden. Ein neues Volksschulgesetz wollen wir mit den Konservativen, es würde die Falk'sche Verfügung beseitigen. Dazu kommen wir aber nur durch eine gegenseitige Aussprache, nnd diese verweigern die Kon- servativen eben so sehr wie die übrigen Parteien. Auch die Bischöfe Preußens haben versucht, eine Klarheit herbei- zuführe», sie haben aber auf ihre Eingabe trotz wiederholter Anfrage keine Antwort erhalten. Ich frage den Minister, ob er diese Stellung auch eingenommen hätte, wenn es sich um die Eingabe der offizielle» Vertretung der protestan- tischen Kirche gehandelt hätte. Fühlen Sie nid)t, Herr Minister, welche zweierlei Behandlung Sie damit der katholischen und protestantischen Konfession zu theil werden lassen? (Große Unruhe, lebhafter Widerspruch, Rufe: Schluß!) Ich hätte erwartet, daß der Minister wenigstens heute auf die direkte Anfrage des Abg. Rintelen geantwortet hätte, die Bischöse würden nunmehr eine Antwort erhalten, wie es sich gebührt. (Lebhafter Beifall im Zentrum, Zischen rechts nnd links.) Minister Bosse: Es ist richtig, daß die Regierung es sich versagt hat, die Kollektiveingabe der Herren Bischöfe amtlich zu beantworten; die Regierung hat dazu ihre guten Gründe gehabt, und diese Gründe liegen aus dem Gebiete des konfessionellen Friedens. Ich bin aber nicht verpflichtet, hier über diese Gründe Auskunft zu geben, die Sache liegt allein zwischen der Regierung und den Bischöfen. Ich muß aber ab- lehnen, daß irgendwie eine Nichtachtung der Herren Bischöse darin gelegen hätte, daß sie diese offizielle Antwort nicht be- kommen haben. Das wissen die Bischöfe auch und ich behaupte kühn, daß es keinen Bischof in Preußen giebt, der nicht die Ucberzeugung hätte, daß ihm von seilen der Regierung nickst die gebührende Achtung in vollem Maße erwiesen sei.(Lebhajter Beifall.) Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Es folgt die definitive Abstimmung über das Jagd« schein- Gesetz, welches gegen die Stimmen der Freisinnigen, der Mehrheit des Zentrums und der Minderheit der Konser- vativen angenommen wird. Der Präsident v. Kölker erbittet und erhält die Er- mächtigung, die nächste Sitzung je nach den Umständen an- zuberaumen. Wahrscheinlich wird sie schon am nächsten Montag stattsinden, wo zu erwarten ist, daß einer oder zwei Gesetzentwurse vom Herrenhause an das Abgeordnetenhaus ge- langt sind. Schluß 5P/« Uhr. Uoksles: Zur Lokalliste. Den Parteigenossen von Grünau zur Nachricht, daß die Differenzen mit den» Herrn Gastwirth tanke, Friedrichstr. 3 in Grünau, die zur Sperrung seines okals geführt habe», beigelegt sind. Eine am Donneifftag staltgehabte Sitzung der berufenen Personen hat einen dahin- gehenden Beschluß gefaßt nnd das betr. Lokal wieder für frei erklärt. Dasselbe wird in die nächste Lokalliste aufgenommen werden. Die Lokalkommissioii. I. 31.: Karl Scholz, Wrangelstr. 32. Die Ferienzeit beginnt heute und damit für die Kinder des Proletariats die Gelegenheit, durch ßlrbeit auf Kosten ihrer Gesundheit den Elter» für einige Wochen einen geringen Theil der schweren Sorgen von den Schultern nehmen zu können. Was es mit der Erholung auf sich hat, welche die Ferienzeit der Jugend bieten soll, das erhellt unter anderem drastisch aus einer Zuschrift, die der„Voss. Ztg." zugeht. Es heißt darin:„Die von der Regierung festgesetzten Hundstagsserien können in der Gemeinde Dalldorf wegen der 3lrmuth einer großen Zahl von Familien nicht innegehalten werden; vielmehr hat die Schul- behörde sich veranlaßt gesehen, die Ferien einige Wochen früher beginnen zu lasse». Sobald nämlich der Tag graut, ziehen die Kinder mit ihren Müttern in den nahen Tegeler Wald hinaus, die reifen Erd- und Heidelbeeren zu sammeln, um da- durch zu dem Unterhalt der oft zahlreichen Familie bei- zutragen. Da»un in der Beerenzeit die Kinder zu einem regel- mäßigen Schulbesuche weder durch Geldstrafen noch andereZwangs- mittel anzuhalten sind, der Vater auch lieber Schulstrafe zahlt als daß er seine Kinder in die Schule schickt, da deren Verdienst die Strafe bei weitem übertrifft, so werden die Hundstagsferien als l sogenannte„Beerenferien" in eine frühere Zeit verlegt." Stellt sich der Inhalt dieser Zuschrift nicht als wahrer Hohn dar auf die Humanität unseres vielgerühmten Zeitalters? Mit naiver Offenheit wird da der Thatsache gebührend Rechnung ge- tragen, daß die Ferien für die proletarische Jugend nicht zur Erholung und Kräftigung, sondern zu erhöhter Arbeitsleistung da sind. Wie erbärmlich nehmen sich demgegenüber die voll- tönenden Lobgesänge aus, welche die kapitalistische Presse jetzt wieder anstimmt, weil es einigen bürgerlichen Philanthropen auch in diesem Jahre mit Mühe und Roth gelungen ist, einen ganz geringen Bruchtheil der dahinsiechenden Kinder des Proletariats in die Ferienkolonien zu schicken! Einen große» Eifer für das Wohlbefinden der Passagiere auf der Ringbahn entwickelte am vergangenen Sonntag der diensthabende Stationsvorsteher des Bahnhofs G e s u n d'v runnen. Unser Parteigenosse Kiesel wollte von dort nach Spindlersfeld fahren, um am Grabe des ertrunkenen Genossen Kowalsky den Kranz des sozialdemokratischen Wahlvereins vom 6. Wahlkreis nieder- zulegen. Er hatte aber nicht an den Stationsvorsteher gedacht, und das war sein Unglück. K., welcher bereits 20 Minuten vor Abgang des Zuges an Ort und Stelle war, wollte beim Herannahen desselben, nichts Böses ahnend, den Perron betreten, wurde aber von dem Billetschaffuer mit den Worten zurückgewiesen: „Mit diesem Kranz kann ich Sie hier nicht durchlasse», dazu müssen Sie erst die Erlaubniß des Herrn Stationsvorstehers ein- holen." K. ging nun möglichst schnell zu dem betreffenden Herrn und hier entspann sich dann folgendes Gespräch: K.:„Herr Stationsvorsteher, wie kommt es, daß der Beamte mich mit dem Kranz nicht durchlassen will?" St.-V.:«Der Kranz ist zu groß, damit belästigen Sie die Passagiere; der Kranz ist ja größer wie Sie". K.: Die Belästigung kann doch unmöglich stattfinden, da wir zwei Personen sind und den Kranz dicht an uns halten, so daß der Gang frei bleibt." St.-V.:„Ja, die Leute machen sich aber die Kleider schmutzig." K.:„Aber doch unmöglich an einen Lorbeerkranz." St.-V.:„Na, dann machen sie sich die Kleider uaß." K.:„Der Kranz ist ja aber ganz trocken." Einer von de» mitfahrenden Passagieren:„Dann kann der Kranz ja oben hingelegt werden". St.-V.:„Das geht auch nicht! Mit diesem Kranz lasse ich Sie überhaupt nicht fahren!" K. war nun gezwungen, von einer anderen Station zu fahren. wo man ihn auch durchaus nicht behinderte. 3Illerdings kam er infolge seines 3lbenleners zu spät am Begräbnißplntz an. Nach dem Gesundbrunnen zurückgekehrt, theilte er dem Vorsteher mit, daß / er von einer anderen Station aus habe unbehelligt fahren können, worauf der Herr sich also vernehmen ließ:„Das ist mir egal, hier mache ich es. wie ich will! Mit anderen Sachen lasse ich die Leute durch, aber niemals mit einem solchen Kranz mit einer rothen Schleife!!" Da haben wir's. Also die rothe Schleife hatte es dem Herrn angethan. Kein Mensch wird es auch begreifen können, daß das Publikum, welches an Sonntagen sogar daran gewöhnt ist, eng- gepfercht in einem Viehwagen befördert zu werden. durch einen Lorbeerkranz mit rother Schleife belästigt werden könnte. Der Zuzug nach Berlin, der Anfang der 90 er Jahre abzunehmen begann, hat 1393 und 94 wieder zugenommen, doch ist die Zunahme noch recht gering. Als zugezogen wurden ge- meldet: 1894 1893 1892 1891 1890 1889 134 655 180118 177 744 192 550 196 786 195 743 (1893 sind 3600 Mann Militärzuwachs ungerechnet) Eine Sonderung der Zugezogenen in Selbstlhätige und Angehörige und nach Geschlechtern ergiebt, daß bei der hauptsächlich in betracht kommenden Gruppe der S e l b st t h ä t i g e n von der Zunahme der Jahre 1893 und 94 nur ein geringer Theil, etwas über 1j5, auf das männliche Geschlecht, der Haupttheil dagegen auf das weibliche fällt. Als zugezogen wurden gemeldet: 1894 1893 1392 1891 1890 1889 Selbstthätige männl. 93 293 92 313 92 286 102 006 107 966 103 334 weibl. 63 650 67 232 64 967 67 553 63 522 63181 zusamm. 161 943 159 545 157 253 169 561 173 483 171 515 Angehörige Männl. 7 310 6 976 6 731 7 693 8 149 7 969 »veibl. 14 901 13 597 13 710 15 291 15 149 16 259 zusamm. 22 711 20 573 20 491 22 939 23 293 24 223 Ueberblickt man den ganzen Zeitraum 1839—94, so zeigt sich, daß der Zuzug Selbstthätiger sich beim weiblichen Geschlecht überhaupt anders bewegt hat als beim männ- lichen. Beim männlichen wurde bereits 1389 der Höhepunkt erreicht, während beim weiblichen, von einer vorübergehenden Unterbrechung(1392) abgesehen, die Zunahme seitdem fortgedauert hat. Die Gruppirung nach Berufen(von denen in den folgenden Tabellen nur die stärksten berücksichtigt sind) zeigt für die einzelnen Gruppen ähnliche Unterschiede in der Bewegung des Zuzugs. Bon männlichen Selbstthätige» wurden als zu- gezogen gemeldet z. B.: 1894 1893 1892 1891 1390 1389 Metall- Berar- beitnng... 5 492 5 632 5 576 6131 3 140 6 763 Holz- u. Schnitz- waaren... 3 891 4091 3999 4 539 5 611 5173 Nahrung, Genuß- mittel... 3 563 8177 8 219 8 314 8 503 8 951 Bekleidung, Rei- nigung... 6953 7092 6932 7803 3141 8484 Baugewerbe.. 7 073 8 001 8 386 9 801 9 370 12 713 Arbeiter ohne Angabe.. 13 166 13 885 13 363 15 390 17 324 17 200 Handel....11 704 11027 11306 11667 11735 11 681 Persönl. Dienst. 7 044 6 713 6 014 6 496 7 029 5 668 Von weiblichen Selbstthätigen wurden als zugezogen gemeldet z. B.: 1394 1693 1392 1891 1890 1389 Bekleldung, Nei« nigung... 4 736 4 497 4017 4130 4 190 4458 Arbeiterinnen ohne Angabe. 2 593 3 051 2 633 2 657 2 607 2 453 qZersönl. Dienst. 39 643 38 043 34 586 36 029 34 805 34 247 As kann nicht zweifelhaft sein, daß, wie in der Gestaltung des Zuzuges überhaupt, so auch in den Zahlen dieser besonderen Gruppen die Wirkungen der wirthschastlichen Lage sich wider- spiegeln. Dabei ist jedoch zu beachten, daß das Bild leider nur unvollkommen sein kann, weil ein von Jahr zn Jahr größer werdender Theil des eigentlich für Berlin bestimmten Zuzuges in die billigeren Bororte abgedrängt wird. Vom Dombau. In den Kreisen der baugewerblichen Ärbeiter gilt es als feststehende Thatsache, daß bei dem Zehn- Mllllonendom für die Arbeiter nichts zn holen ist. Tie königliche Bauverwaltuug hat es glücklicherweise dahin gebracht, daß die Beschäftigung an diesem„großen Kulturwerk" als die durchschnittlich schlechtbezahlteste angesehen wird.„Berliner kann ich nicht gebrauchen." So oder ähnlich äußert sich der Herr Polier, und nach dieser Maxime scheint man allgemein zu verfahren; man stellt vorzugsweise Lente ein, von denen man voraussetzt, daß sie gegen die unter der ortsüblichen Taxe stehenden Lohnsätze und gegen die zonitigen Annehmlichkeiten auf dem Bau der Firma Held u. Franke nichts einzuwenden haben. Kleine Ursachen haben daselbst oft große Wirkungen. Ilm Freitag voriger Woche legten drei Steinträger die Arbeit nieder. Eingeschaltet mag hier werden, daß man auch von dieser Arbeiterkategorie Klagen hört über den geringen Verdienst und besonders über den Umstand, daß die mangelhaften Wege auf dem Bauplatze die Arbeit ungemein erschweren. Die Folge dieser Arbeitseinstellung war, ßdaß die übrigen Steinträgcr, desgleichen die Maurer, die dort in ziem- licher Anzahl beschäftigt werden, veranlaßt wurden, den Bau zu verlassen; s i e durften erst am daraus folgenden Montag die Arbeit wieder beginnen. Es wird behauptet, was bei der gegenwärtig im Baugewerbe herrschenden Misere nichts Verwunderliches ist, daß sich für die genannten drei Steinträger sofort Ersatz gefunden hätte, man habe zedoch die sich Meldenden nicht eingestellt, weil es Berliner waren; wartete man vielleicht lieber, bis Ersatz aus der Provinz herangeschafft war? Neben den Klagen über schlechte Bezahlung erhebt man Be> schwerden über die unzweckmäßig eingerichteten Klosets. Jetzt werden die nach dem einfachen Tonnensystem eingerichteten Be- dürfnißanstalten auf dem Hauptabladeplatze an der Nordfront aufgestellt, nahe der Stelle, wo die Steinmetzen ihre Arbeit ver- richte». Wahrscheinlich fand sich kein Platz, wo die miasmatischen Dünste weniger belästigend auf die Menschen einwirken konnten. Die Einweihung des neuen Domes soll im Jahre 1900 er« /olgen; als Tag der Feier ist der 27. Januar in Aussicht ge- nommen. Doch werden die Besucher der Gewerbe-Ausstellung von 1896 schon das Vergnügen haben, den Zehnmillionenbau lbewundern zu dürfen, denn man ist gegenwärtig dabei, ein in Gips ausgeführtes Modell, das genau dem Original entspricht, in einem Atelier auf dem Bauplatze fertig zustellen. Der Unternehmer, der diese Arbeit im Austrage der Bauverwaltung ausführt, mag daran ein schönes Stück Geld verdienen, ob sein Personal, das diese künstlerische Arbeit zu leisten hat, entsprechend honorirt wird, ist eine Frage, die der königlichen Bauverwaltung hiermit zur dringenden Beachtung empfohlen sei. Arg enttäuscht ist die Arbeiterbevölkeruug des Südostens über die neue städtische Fluß-Badeanstalt an der Euvrystraße. Allgemein wurde angenommen, daß dort für 10 Pf. ein Bad zu haben sei; doch der Preis wurde auf die doppelte Höhe, auf 20 Pf. festgesetzt. Damit ist dem Proletarier auch hier die Möglichkeit genommen, seinem Körper täglich die Wohl« that eines Bades zu theil werden zu lassen. Welcher Arbeiter kann sich wohl gestatten, wöchentlich 1,40 M. oder gar auf einmal& M. für ein monatliches Abonnement zu opfern? Während an anderen Orten nach Möglichkeit Freibäder ein- gerichtet werden, scheint Berlin seinen Stolz darin zu setzen, dem Arbeiter die so schon geringe Gelegenheit zum Baden zu er- schweren. Amtsvorsteher kontra Einigkeit. In Großlichterfelde- Lanckwitz besteht der Gesangverein Einigkeit III, der harmlos die Interessen derer fördert, die der Lieder süßen Mund ihr eigen nennen. Der Amtsvorstcher von Mariendorf, ein Major außer Diensten namens Denk, wittert aber aus unersichtlichen Gründen, daß der Verein sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt. Eines Tages forderte er von dem Vorsitzenden die Mitgliederliste und die Statuten des Vereins. Es versteht sich, daß man diesem Verlangen nicht nachkam. Als Antwort auf die Weigerung erhielt der Vorsitzende ein Strafmandat, welches auf 15 M. Geldstrafe oder 3 Tage Haft lautete. Das Schöffengericht bestätigte diese Verfügung. indem es gleich dem Amtsvorsteher der Ansicht huldigte. daß der Verein sich wirklich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftige und mit anderen Organisationen in Verbindung stehe. Gegen diesen Entscheid wurde beim Landgericht II Berufung eingelegt. Aber bevor noch die höhere Instanz ihr Urtheil gesprochen, tritt der Amtsvorsteher schon weiter in Aktion. Vor kurzem erhielt nämlich der Wirth des Lokals, in welchem der inkriminirte Verein tagt, eine Zuschrift, die folgenden Inhalt hatte:„Hiermit unter- sage ich Ihnen, den Gesangverein„Einigkeit". Gr.-Lichterfelde— Lankwitz, seine Uebungen bei Ihnen abhalten zu lassen, da der- selbe seine Statuten nicht eingereicht hat, wozu er als Politik- treibender Verein verpflichtet ist. Der Amtsvorsteher. I.A.: Hast." Um nicht mit der obrigkeitlichen Gerechtigkeit in Konflikt zu kommen, mußte der Wirth dem Verein, auf dem wesentlich seine Existenz beruht, das Lokal verbieten und so seine Gäste ver- scheuchen. So geschehen zu Ehren der preußischen Staatsraison, der es zum nicht geringen Theil zu danken ist, wenn wieder ihren Willen der Sozialismus auch auf dem Lande immer mehr be- geisterte Anhänger findet. Mit der Aengstlichkeit, welche die gewissenhafte Wartefrau einer ihr überantworteten hoffnungslos Kranke» entgenbringt, schützt der Staat die Kirche vor jedem Unbehagen. War da in der Ausstellung„Italien in Berlin" neben Konzert und Klimbim eine„Sizilianische Hochzeit" veranstaltet worden, in der auch die Trauung markirt'wurde. Die Nachahmung der kirchlichen Formalitäten hierbei hat nnn die Aufmerksamkeit eines Muckers erregt, der flugs in der„Kreuz- Zeitung" ein frommes Geschimpfe anstellte. Das hat natürlich sofort geholfen, den» triumphirend meldet die katholische„Germania" jetzt, daß die Charlottenburger Polizeidirektion die„Karrikirung der kirch- lichen Trauungszeremonien" verboten habe. Die Kirche, der es zur Zeit ihrer Stärke nicht darauf ankam, sich selber durch Esels« und Narrenfeste zu verspotten, ist greisenhaft geworden und muß von ihrer gleichfalls hochbetagten und empfindlichen Wartefrau, dem Staat, vor dem geringsten Aergerniß behütet werden. Was aber beide nicht vor dem sicheren natürlichen Tode schützen wird. Die Schwartzkopff'schc Maschinenbau- Anstalt will am heutigen Sonnabend den 25. Jahrestag ihrer Umwandelung in ein Aktienunternehmen durch ein großes Arbeiterfest feiern. Die unerhörte, gesundheitsvernichtende Ausbeutung der Arbeitskraft in diesem Institut, die soweit ging, daß Arbeiter 30 und mehr Stunden hintereinander ohne nennenswerthe Pausen Mehrwerth schafften, wird also wenigstens für einen Tag einmal aufhören. Eigentlich ist dies prinzipicnwidrig. Abermals ein moderner Fortschritt im Reichöpost- wcse». Der„Voss. Ztg." theilt ein Abonnent mit, daß ihm eine der Post zur Beförderung übergebene Doppelpostkarte, die er sich selber durch Zusammenkleben zweier gewöhnlicher Postkarten her- gestellt hatte, am nächsten Tage mit dem Vermerk„Zur Beförde- rung unzulässig" zurückgeschickt worden ist. Auf eine direkte Anfrage bei dem Hofpostamle erhielt der betreffende zur Ant- wort, daß für Rückantworten bestimmte Formulare beständen und selbst hergerichtete Karten daher nicht zulässig seien. Schwerlich wird ein Mensch außerhalb der Postbureaukratie eine Autwort auf die Frage finde», warum eine derartige Be« schränkung, die der Postverwaltung auch nicht den geringsten ersichtlichen Nutzen einbringt, denn eigentlich erforderlich ist. TaS Wirken dcö Militärgerichts. Elf unglückliche L a n d w e h r m ä n n e r und 31 e s e r v i st e n, meistens ver- Heirath et, wurden am Donnerstag durch ein starkes Kom- mando des Füsilierregimcnts Nr. 35, nach dem Festungs- gesänguiß in S p a n d a ü transporlirt. Die Leute haben nach Beendigung der letzten Kontrollversammlung, in einem kleinen Ort bei P r e n z l a u. an welcher sie theil- genommen hatten, in der Trunkenheit auf der Straße gelärmt. Den Gendarmen, welcher sie zur 3!nhe verwies, griffen sie thätlich an und warfen ihn zu Boden. Als die Leute später fest- genommen werden sollten, leisteten sie Widerstand, so daß sich die Gendarmen veranlaßt sahen, von der blanken Waffe Gebrauch zn machen. Auch sollen sie Aeußerungen, welche als Majestäts- beleidig» n gen bestrast werden, gethan haben. Sie sind kürzlich vom Divisionsgericht der 6. Diviston abgeurtheilt worden, worauf jetzt ihre Einlieferung in das Spandauer Festungs- gesängniß zur Abbüßung der ihnen auserlegten Strafen erfolgt ist. Das Strafmaß selbst wird ihnen e r st im G e- f ä n g n i ß mitgetheilt werden.— Bekanntlich gelten die Theil- nehmer an den Kontrollvcrsammungen während der ganzen Dauer des Tages, an welchem die Versammlung stattfindet, als Soldaten und unterstehen als solche den Militärgesetzen.— Die Unglücklichen wird eine furchtbare Strafe getroffen haben und ihre Familien werden auf lange hinaus dem Elend über- antwortet sein. Z« der weiblichen Wendung der Vcnzinaffäre schreibt ein Berichterstatter:„Daß die Höllenmaschine, mit der ein Mordanschlag auf den Polizei-Obersten Krause gemacht wurde, in Fürstenwalde von einer Frauensperson in Männerkleidern auf die Post gegeben worden ist, erscheint immer mehr außer Zweifel. Diese Person ist nicht nur von dem Postbeainten gesehen und für eine Frau gehalten worden, sondern auch von verschiedenen Personen in Fürstenwalde und aus der Eisenbahn- fahrt nach Berlin. Hierhin nämlich ist sie von Fürsten- walde gefahren und nicht, wie man erst glaubte, nach Frank- furt a. O. Die Person siel u. a. einem Manne auf, der in Fürstenwalds hinler ihr herging, ebenso einem Barbier, der gerade an seiner Thür stand, als sie bei ihm vorüber kam. Der Barbier sprach seinen Verdacht, daß es sich um eine Frau in Männerkleidern handle, auch zu dem Manne aus, der ihr bis dahin gefolgt war. Während die beiden sich noch unterhielten, kam die Person eiligst zurückgelaufen und schlug nun die Richtung nach dem Bahnhofe ein. Sie hatte also vorher, mit den Ver- hältnissen Fürstenwaldes unbekannt, sich verirrt gehabt, oder den Bahnhos bis zum letzten Augenblick absichtlich gemieden. Als sie auf dem Bahnhof ankam, stand der Zug nach Berlin schon im Begriffe, abzufahren. Ein Schaffner schob den verspäteten Fahr- gast noch im letzten Augenblick in einen Wagen hinein. In diesem saß auch ein Eisenbahnbeamter, dem das Wesen der Mitfahrenden ebenfalls sofort ausfiel. Die Person wich aber weiteren Beobachtungen so viel als möglich ans. Sie sah fast beständig zum Fenster hinaus, so daß man ihr Gesicht nicht sehen konnte und vermied es vor allem, ein Wort zu sprechen. Ersichtlich war ihre Verlegenheit. Sie nahm an dem. was andere interessirte, keinen Antheil und spielte fortwährend an den Fingern herum. Der Eisenbahnbeamte halte sich, als er merkte, daß der Fahrgast in Berlin ans dem Schlesischen Bahn- Hofe aussteigen wollte, vorgenommen, ihn im Auge zu be- halten, um vielleicht abends mehr über die Persönlichkeit zu erfahren. Das gelang ihm jedoch nicht. Denn kaum hatte die Person den Zug verlassen, so war sie auch bereits verschwunden und nicht wieder zu entdecken. Wahrscheinlich hat sie den Bahnsteig eiligst verlassen, möglich ist aber auch, daß sie, um sich de» Beobachtungen des Beamten, die ihr nicht entgangen sein mögen, zu ent« ziehen, rasch einen anderen Wagen desselben Zuges bestiegen hat, um erst auf einem der anderen Bahnhöfe auszusteigen. Sie in Berlin nach Ablegung der Männerkleider wiederzufinden, wird nicht leicht sein." So der Berichterstatter. Merkwürdigerweise hört man noch kein Sterbenswörtchen davon, ob der Polizei-Oberst Krause sich etwa schon auf irgend ein weibliches Wesen besonnen hat welches ihm in derart infamer Weise nach dem Leben trachten könnte. Sittliche Studenten hatten sich am Donnerstag Abend ver« sammelt, um den Teufel der Wollust durch Beten und fromme Worte aus sich herauszutreiben. Sie verfluchten die moderne Literatur wie auch die Klassiker in Grund und Boden und stimmten den Ausführungen der Herren Dr. Albert und Professor Plath zu, die darin bestanden, daß fleißiges Beten gegen die Ge- fahren der Prostitution gefeit mache. Ein Graf Pückler empfahl den jungen Sündern noch als Universalmittel den Eintritt in den Verein christlicher junger Männer. Die Sittlichkeit soll am Donnerstag Abend unter der akademischen Jugend einen ganz monströsen Aufschwung genommen haben. Die Umwandlung des Nachtwachtdieustes ist nun auch in der 12. Polizeihauptmannschast vollzogen und die Nachtwächter in diesem Bezirk sind durch Schutzleute ersetzt. Zur Zeit existiren in Berlin noch zirka 100 Nachtwächter in zwei Polizei- hauptmannschaften und diese sollen bis Ende dieses Jahres eben- falls beseitigt werden. � V Als älteste Krankenkasse Beblins»vird in iJe'n Zeitungen die Neben'sche Sterbe- und Krankenkaffe Nr. 5 genannt, die heute hundert Jahre bestehen soll. In den Jahren 1775—1780 kam eine Anzahl Maurer und Zimnierleute nach Berlin, denen Friedrich II. ganz entgegen dem Grundsatz Jedem das Seine— nehmen, ein Terrain vor dem Hamburger Thor geschenkt(?) haben soll. Dort soll auch der Zimmerherr Neben für die bei ihm(hoffentlich nicht als Streikbrecher) in Arbeit getretenen Boigtländer die heute noch gut bestehende Kasse gegründet haben. Selbsthilfe gegen Bauschwindler. In der noch keinen Namen führenden Straße am Eckardtsberg, an der Tilsiterstraße, befindet sich unter den zahlreichen Neubauten auch ein im Roh- bau beendetes Gebäude, welches zu Oktober bezogen werden sollte. Wie so häufig, so waren auch hier die Bauhandwerker mit ihren Forderungen nicht befriedigt worden und dieselben mußten erwarten, bei etwaiger Subhastation auszufallen. Um sich vor großen Schaden zu schützen, beschloß eine Anzahl der mit Geldverlust Bedrohten sich durch Selbsthilfe ihres Eigen- thums zu versichern. Am Sonnabend Abend gegen zehn Uhr fuhren fünf Möbelwagen bei dem Neubau vor und nun ent- sefselte sich dort ein Bild regster Thätigkeit und eifrigster Zerstörung. Eine größere Anzahl Personen, die� geschädigten Handwerker und ihre Arbeiter waren damit beschäftigt, die Schlösser von den Thüren zu entfernen, Thüren und Fenster a»S den Angeln zu heben, Fensterrahmen und die Eisentheile der Balkons aus den Mauern kz» stemmen und das wieder zurück- eroberte Material auf die Möbelwagen zu laden. In kaum einer Stunde war die Arbeit vollendet, die Gefährte rollten unter dem Beifall vieler Hunderter von Zuschauern von bannen, das Haus als Ruine zurücklassend. Die Handwerker und Arbeiter sind wegen ihrer strafbar genannten Handlung bei der Hüterin deutscher Gerechtigkeit, der königlich preußischen Staatsanwaltschaft denunzirt worden. Tie viclerwähnten Detcutionözcllen beim ersuchten Amtsrichter haben nun endlich die in Aussicht genommenen und in sanitärer Hinsicht dringend erforderlichen Verbesserungen er- halten. Es ist nämlich Anschluß an die Wasserleitung geschaffen worden, und in den Zellen befinden sich Ausgußbecken aus Porzellan. 31 un ist der Pestilenzgeruch, der sich schon auf dem Korridor bemerkbar machte, und der in der Zelle selbst geradezu betäubend wirkte, glücklich beseitigt. Es ist nicht ersichtlich, warum nicht früher der ungeheuerliche Znstand beseitigt werden konnte. Am Bahnhof Zoologischer Garten sind probeweise neue Billet-Antomaten aufgestellt. Diese sind noch einmal so breit, als die bisher gebräuchlichen Apparate. Bei den neuen Auto- niaten fällt das Billet unmittelbar, nachdem das Geld in den Spalt gesteckt ist, in eine unten befindliche Rinne, ohne daß man, wie bisher, einen Hebel zu ziehen hat. Ist der Billet- vorrath erschöpft und fällt kein Billet mehr heraus, so muß man auf einen an der linken Seite befindlichen Knopf drücken, und alsdann erhält man das Geldstück zurück. Taxameter-Droschken zweiter Klasse sollen demnächst in Betrieb gesetzt werden. Eine einfache Tour von ein bis zwei Personen mit Gepäck bis 25 Kilogramm soll bis zu 2000 Meter Wegstrecke 50 Pf. kosten und für je fernere 10 Pf. soll bis zu .400" Meter Wegstrecke gefahren werden. Ob ein Selbstmord oder ein Unfall vorliegt, bedarf noch der näheren Untersuchung in einem Falle, der die Schlosser- famitie Kowalis in der Kesselstraße 24 betroffen hat. Als Frau Kowalis vorgestern Abend gegen 9 Uhr nach Hause kam, fand sie ihren 43jährigen Mann besinnungslos im Bette liegen. Vor dem Bette stand ein Glas mit einer Flüssigkeit, von der der Mann getrunken hatte. Kowalis wurde nach der Charitee ge» bracht und ist dort gestorben. Da kein Grund für einen Selbst- mord vorliegt, so ist es wahrscheinlich, daß er Flaschen ver« wechselt hat. Tnr ch einen Sturz auS dem Fenster hat sich der Ar- bester Johannes George, ein Mann von 32 Jahren, getödlet. George sprang am Dienstag aus seiner drei Treppen hoch ge- lcgenen Wohnung in der Wiesenstraße Nr. 29 auf� die Straße hinab und erlitt einen Beckenbruch, eine Gehirnerschütterung und verschiedene innere Verletzungen. Man brachte ihn mit eine!» Krankenwagen des Kopp'schen Institutes in ein Krankenhaus. wo er noch an demselben Nachmittage starb. Als Grund sür den Selbstmord gab er an, daß ihm seine Frau, von der er ge- trennt lebte, wegen lüderlichen Lebenswandels Vorwürfe gemacht habe, als er zufällig mit ihr zusammentraf. Wenn der Arbeiter alt geworden ist, bleibt ihm schließlich nichts übrig, als sich umzubringen. Diese alte Lehre sollte auch der am 20. Januar 1833 zu Wartha» geborene Ar- beiter Karl August Friese an sich erfahren, der dreißig Jahre hindurch in der Bachmann'schen Fabrik gearbeitet hatte. Nachdem dies Geschäft vor einem Jahre eingegangen war, irrte Friese arbeitslos umher; wo er auch um Beschäftigung anfragte, wies man ihn seines hohen Alters wegen zurück. In der Ver« zweiflung unternahm er schon am 31. Januar einen Selbstinordversuch, doch rettete ihn ern Herr Lorenz aus der Joachimsthalerstraße aus dem Kanal, in den er sich gestürzt hatte. Auf die Bemühung seines Retters hin erhielt er zweimal eine Armenunterstüuung in Höhe von 6M.; die sehnsüchtig verlangte Arbeitsgelegenheit konnte dem Verzweifelten jedoch auch von diesem Herrn nicht beschafft werden. Vorige Woche hatte Friese Besuch in seiner, Dragonerstr. 8, vorn 4 Treppen belegenen Schlasstelle; der Gerichtsvollzieher war bei ihm. Die Verzweiflung wird den Unglücklichen jetzt veranlaßt haben, den vor einigen Monaten vereitelten Selbstmordversuch auszuführen; seit Sonntag ist er aus seiner Wohnung verschwunden. Man nimmt an, daß der u alt gewordene Arbeiter sich das Leben genommen habe. Taö Elend. Mit Glst und Messer versuchte sich vor einigen Tagen die 44 jährige Wittwe Auguste Falk ans der Sorauerstr. 8 ums Leben zn bringen. Sie trank eine Phosphor- lösung und brachte sich zu gleicher Zeit einen Schnitt in das rechte Handgelenk bei. Da sie sich nicht sehen ließ, so schöpften die Mitbewohner des Hauses Verdacht und theilten ihn am anderen Tage dem Hauswirthe mit. Dieser ließ die Wohnung öffnen und fand die'Frau in einem hilslosen Zustande aus. Auf ärztliche Anordnung brachte man sie in das städtische Kranken- bans am Urban, wo es wider Erwarten gelungen ist, sie am Leben zu erhalten. Als Grund für den Selbstmordversuch gicbt Frau Falk unheilbare Krankheit und Nahrungssorgen an. Unvorsichtige Tchiesterei hat wiederum Unheil angerichtet. Der Rohrleger Wilhelm Krüger aus der Strelitzerstraße befand sich vorgestern Abend gegen S Uhr in der Gleimstraße in einem Garten. in dem einige Rurige Burschen mit einer Pistole nach einer Scheibe schössen, die in einer Laube aufgestellt war. Als Krüger hinter der Laube herging, siel ein Schuß, der die Scheibe fehlte, dagegen den jungen Mann traf. Tie Kugel drang ihm oberhalb der Leber in die rechte Seite. Tie Schützen geriethen nun in große Angst und mochten wohl fürchten, daß der Ge- troffene auf der Stelle todt bleiben werde. Um den Anschein zu erwecken, daß es sich um einen Selbstmord handle, steckten sie Krüger rasch ihre Pistole in die Tasche und liefen davon. Der Verletzte starb jedoch nicht, sondern vermochte ein Krankenhaus aufzusuchen, in dem er seiner Heilung entgegengeht. Polizeibericht. Am 4. d. Mts. nachmittags wurde an der Ecke der Bellealliance- und Barutherstraße ein 12jähriger Knabe durch einen Bierwagen überfahren und am Oberkörper und a» einem Arm erheblich verletzt.— An der Bärwaldbrücke fiel ein ILjähriger Knabe beim Spielen in den Landwehrkanal, wurde aber sofort wieder herausgezogen und seinen Eltern zugeführt. — Im Laufe des Tages fand ein unbedeutendes Feuer statt. Witteruugsiibersicht vom 3. Juli 1895. Wctter-Proguose für Souuabend, G. Juli 1895. Ein wenig wärmeres Wetter mit schwachen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Gevicklks-rZciUma. Direktricen und Zuschneiderinucu in Wäschefabrike» gehören zu den Arbeiterinnen, auf welche die Schutzparagraphen der Gewerbe-Ordnung Anwendung finden.— Ten Wäsche- fabrikanten Buchbolz hatte das Schöffengericht zu einer Geld- strafe von 10 M. verurtheilt, weil er nach Annahme desselben gegen den§ 137 der Gewerbe-Ordnung verstoßen und damit die Strafe verwirkt hatte. Dieser Paragraph bestimmt u. a., daß Arbeiterinnen in Fabriken des Eonnabends sowie am Bor- abende der Festtage nicht nach SVs Uhr abends beschäftigt werden dürfen, während K 146,2 desselben Gesetzes den Gewerbe- treibenden, welche dem tz 137 zuwiderhandeln, eine Geldstrafe bis zu 2000 M. androht. Die ziltrte Bestimmung des letztgenannten Paragraphen komme in bctracht. In der Berufung machte B. folgendes geltend: Erstlich sei er auf keinen Fall strafbar, weil er zur fraglichen Zeit gar nicht in Berlin gewesen sei, und die Leitung seines Geschäfts vollständig in den Händen seines Ge- schäftssührers liege, der schon seil 5 Jahren in seinen Diensten ftehe. Dieser sein Vertreter, dem alles übertragen ei, hätte auch für die Beachtung der Gesetze Sorge zu tragen. Er sei höchstens verantwortlich zu machen. Dann aber gehörten, und darauf komme es» wesent- lich an, die betreffenden Mädchen, welche am Tage vor dem Büß- tag noch nach b'/s Uhr thätig waren, nicht zu den Fabrik- arbeiterinnen im Sinne des H 137 der Gewerbe-Ordnung. Viel- mehr seien das Zuschneiderinnen und Direktricen gewesen, und ihre Beschäftigung habe nur im Stempeln, Sortiren und Zu- schneiden bestanden. Die Berufung wurde trotz alledem zurück- gewiesen, indem das Gericht annahm, jene Personen seien als Arbeiterinnen im Sinne des Z 137 der Gewerbe-Ordnung zu be- trachten und ihre strafbare Beschäftigung»ach S>/s Uhr am Vorabend des Bußtags, eines gesetzlichen Festtags, wäre mir dem Vorwissen des Angeklagten geschehen. Die Revision wies der Strassenat des K a m ni e r g e r i ch t s am 4. Juli ebenfalls zurück. Die Vor- entscheidung sei nicht rechtsirrthümlich. Zu den Arbeiterinnen einer Wäschefabrik gehörten alle die weiblichen Personen, welche in dem Etablissement zum Zwecke der Herstellung der Wäsche beschäftigt werden, auch Zuschneiderinnen und Direktricen. Wenn dieselben auch bisweilen im kaufmännischen Betriebe beschäftigt würden, so sei doch nicht anzunehmen, daß sie aufgehört hätten, Arbeiterinnen zu sein. Im übrigen seien die Feststellungen des Berusungsgerichts bindend, nach denen am Vorabend des Büß- tages über die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hinaus diese Arbeiterinnen mit dem Vorwiffen des Angeklagten beschäftigt wurden. VevrammUmsen. Tie Jahres-Generalversammluug des Vereins„Freie Volksbühne" wurde unter zahlreicher Betheiligung der Mit- glieder am 4. d. M. in Fiebig's Salon abgehalten. Der Vorsitzende Dr. Mehring widmete zunächst den verstorbenen Vereins- Mitgliedern Nowak und H o l z m a n n einen Nachruf, die Ver- sammelten ehrten deren Andenken durch Erheben von den Plätzen. Es folgte sodann die Erstattung des Verwaltungs- und Kassen- berichtes für das 5. Vereinsjahr vom 1. Juli 1894 bis 30. Juni 1895. Den Verwaltungsbericht erstatteten die beiden Vorsitzende» D r. M e h r i n g und D u p o n t, den Kassenbericht der Kassirer Türk. Den elfteren ist zu entnehmen, daß zu Beginn des Spieljahres einem hervortretenden Bedürfnisse entsprechend, zwei neue Abtheilungen, die 6. u. 7., gegründet wurden. Der Verein zählte im Durchschnitt 7600 Mitglieder. Die künstlerische Thätigkeit des Vereins wurde jäh unterbrochen durch die bekannte Verfügung des Polizeipräsidiums vom 13. April; nach welcher die aufzuführenden Stücke bei der Behörde zur Zensur einzureichen sind. Infolge dieser Verfügung, ivelcher sich der Verein auf grund seines proletarischen Charakters nicht unterwerfen will, sind bis aus weiteres die Theatervorstellungen unterblieben und wurde ein Rechtsstreit gegen das Polizei- Präsidium begonnen. Nachdem der Oberpräsident die Beschwerde des Vereins verworfen hatte, wurde die Klage beim Ober- Verwaltungsgericht eingeleitet, dessen Entscheidung noch aussteht. Der Kassenbericht wies als Bilanz eine Einnahme von 52 867,34 M., eine Ausgabe von 51 991,46 M. und einen ver- bleibenden Bestand von 875.88 M. auf. Das Vermögen des Vereins wird auf 1405,88 M. beziffert. Der Berichterstattung schloß sich eine langwierige Debatte an, da einige vermeintliche Beschwerden gegen den Vorstand, insbesondere gegen Türk, zum Nuslrag gebracht wurden. �Die Debatte endete mit der cinstimmigen Entlastung Türk's wie des ge- summten Vorstandes, deffen Neuwahl hierauf erfolaie. Es verblieben Dr. Mehring erster. D u p o u t zweiter Borsitzender und Türk Kassirer, dessen Gehalt bis zum Austrage des Rechtsstreites auf monatlich 50 M. festgesetzt wurde. Schriftführer wurden Dübel und Cohn. Der Aus- schuß wurde insgesammt wiedergewählt. Von der Veranstaltung eines Sommersestes wurde endgiltig Abstand genommen. Die Monatsschrift„Freie Volksbühne" wird nicht mehr erscheinen. Einer Anregung B ö r n e r' s auf andere Kontrolle der Karten wird Folge gegeben werden. Der Verein der Plätteriuuen und Venusgenosse« hielt am 2 Juli eine Versammlung ab, in der Frau R o h r l a ck in eingehender Weise die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren begründete. Nach einer kurzen Diskussion über das Thema unterbreitete die Kassirerin der Versammlung die Abrechnung vom letzten Quartal. Danach betrugen die Einnahmen 489,27 M. und die Ausgaben 105,63 M. Das Stiftungsfest hat mit einem Defizit von 105,65 M. abgeschlossen. In der Unterstützungskasse ist ein Bestand von 75,42 M. zu verzeichnen. Das Sommerfest des Vereins findet am 3. August in dem Lokal Brauerei Friedrichs- Hain statt. In einer Versammlung der Tapezirer, die am 2. Juli tagte, sprach Herr W a I d e k M a n a s s e in einem recht inter- essanten Vortrag über das Thema:„Kirchen und Kasernen", dem er als Motto„Du sollst nicht tödten" zu gründe legte. Unter „Verschiedenes" wurde den Anwesenden bekannt gegeben, daß sich eine Kommission gebildet hat, die dem Bauschwindlerthum energisch entgegentreten will. Es wurde deshalb gebeten, daß auch die Tapezirer, soweit sie Mittheilungen über derartige Fälle machen können, diese an geeigneter Stelle unterbreiten. Ferner stimmte man einem Antrags zu, die Werkstatt-Kontrollkoinmission zu beauftragen, den streikenden Töpfern 50 M. zu übermitteln. Verein der Einsetzer(Tischler). In der letzten Mitglieder- Versammlung hielt Genosse Roland einen beifällig auf- genommenen Vortrag über das Thema: Glaube und Wahrheit. Nach einer kurzen Diskussion über den Vortrag giebt der Vor- sitzende bekannt, daß in der nächsten Generalversammlung der Genosse M i l l a r g die Lohnschädigung durch Bauschwindler be- sprechen wird. Fricdrichöbcrg. Am 1. Juli beschäftigte sich hier eine Versammlung der Korbmacher mit der Firma Z w e r n e r. Wie von einem Redner mitgetheilt wurde, haben in genannter Werk- statt bereits mehrere Arbeiter Stellung genommen. Durch diese. die Ausständigen schädigende Handlungsweise wird natürlich der Kampf bedeutend erschwert und in die Länge gezogen. Die!?orb- wacher werden deshalb gebeten, streng darauf zu achten, daß der Zuzug nach hier ferngehalten wird. Vsr»niMzkes. Internationales Gauncrthum bei der Kieler Kanal- feier. Das Kieler Gerichtsgefängniß beherbergt zur Zeit eine echt internationale Gannerbande, die während der Kanalseierlichkeiten bei der Ausführung von Taschendiebstählen in üaAranti ergriffen wurden. Es sind dies: 2 Frauenzimmer aus Spanien, ein an- geblicher Kaufmann aus Kalkutta in Indien, ein Frauenzimmer aus Frankreich, eine angebliche Handelsfrau ans Ungarn, ein angeblicher Journalist aus Languarra in Venezuela und ei» an- geblicher Journalist aus Straßburg i. E. Die eigentliche Zahl der nach Kiel gekommenen Verbrecher ist natürlich eine viel größere und es haben die hinter Schloß und Riegel Sitzenden auch nur den kleinsten Theil der zur Anzeige gelangten Sache» ge- stöhlen. Polizei war bekanntlich genügend aus Berlin nach 5liel resp. Holtenau kommandirt. Die Schutzleute mußten jedoch Haupt- sächlich Anarchistenriecherei betreiben und hatten wohl auch wirklich kaum Zeit, auf unbekannte Verbrecher zu achten. Kollision zweier deutscher Panzerschiffe. Ans Kiel wird uns geschrieben: Am Mittwoch Nachiiultag näherten sich nach beendigter Schießübung mit scharfer Munition in der Höhe von Schleimiinde auf der Ostsee die beiden koloffalen Panzerschiffe „Baden" und„Kurfürst Friedrich Wilhelm", um den an Bord des elfteren Schiffes befindlichen Vizeadmiral v. Köster mittels Bootes nach dem letztgenanuten Panzer zurückzubringen. Die durch die nur noch sehr langsame Fahrt manöverir« unfähig gewordenen schweren Schiffskolosse wurden ein Spiel des starken Windes und hohen Seeganges, so daß der Panzer„Baden" an den Panzer„Kurfürst Friedrich Wilhelm" herangeworfen wurde, dabei mit seinem Rammsporn, (das ist eine an der vorderen Seite des Schiffes angebrachte, l'/s Meter lange, unter Wasser liegende spitzgesormte Verlänge- rung) in de» Doppelboden ein Leck machend und mehrere Bord- platten verbiegend. Sofort wurden sümmtliche Schotten dicht gemacht und das Schiff mittels Tauchers von Bord aus untersucht. Am Donnerstag Abend lief der„Kurfürst Friedrich Wilhelm" in das Trockendock der Kieler Werft. Die Besichtigung ergab ein Leck von 60 Zentimeter Länge und 20 Zentimeter Breite, durch welche zwei Abtheilungen des sogenannten Wallganges, des Hohlraums zwischen den Doppelboden, voll Wasser gelaufen waren. Wäre der Zusammenstoß unter einem etwas weniger spitzen Winkel erfolgt, wer weiß, welche verheerende Wirkung der so gefährliche Rammsporn des„Baden" für das 13 Millionen kostende und 500 Mann Besatzung habende Panzerschiff 1. Klasse „Kurfürst Friedrich Wilhelm" gehabt hätte!— Ein neuer S ch i f f s t y p u s ist auf dem Nord- Ostsee- Kanal zur Verwendung gekommen. Um bei dem Schleppdienst in den großen Schleusen ungehindert mit gleicher Kraft und Lenkfähigkeit vor- und rückwärts fahren zu können, sind aus der bekannten Schichau'schen Werft in Elbing 4 starke Schleppdampfer gebaut, die vorn und hinten sich ähneln als auch an beiden Enden Schraube» und Steuer haben, die bei der Fahrt des Schiffes stets entgegengesetzt zu einander arbeiten. Hierdurch wird die Straft und Manövrirfähigkeit eine besonders große. Zu längeren Fahrten dürsten die Schiffe sich aber nicht empfehlen. Modernes Dentschthum. Einen Bericht über den Empfang des Seehausener Gymnasialdirektors und einiger seiner Zöglinge beim Herzog von Lauenburg schließen bismärckische Blauer mit dem Satze:„Der Direktor durfte ihm(dem Herzog) noch die dargereichte Hand küssen, dann zog die ganze Schaar lautlos, mit leisen Schritten, in feierlicher und weihevoller Stimmung von bannen." So äußert sich im byzantinischen Zeitalter der deutsche Mannesmuth. O, du grundgütige Mutter Statur! Die württembcrgische Abgeordnetenkammer genehmigte in ihrer letzten Sitzung für die durch Ueberschwemmung heim- gesuchten württembergischen Bezirke, hauptsächlich das Oberamt Balingen, 400 000 M. als Unterstützung und sprach die Geneigt- heit aus, im Bedarfsfalle noch weitere Mittel zu genehmigen.— Wie der Minister des Innern bei dieser Gelegenheit miltheilte, sind bis jetzt im Wege der Privat wohlthätigkeit 463 263 M. eingegangen. Der Gesammtschaden beläuft sich nach der Einschätzung aus 1685 798 M. Also ist trotz der gewaltigen Anstrengungen der Schaden erst zum vierten Theil gedeckt. Nach Meldungen Wiener Morgenblätter hat ein Unwetter in der Nacht vom 2. zum 3. d. M. besonders furchtbar in den Donauorten Spitz und Marbach gewüthet. Daselbst sind sechs Personen verunglückt. Brückeneinstnrz. Aus Hannover wird vom Freitag berichtet: Die sogenannte Limmerbrücke, die unmittelbar vor der Schwanenburg über die Leine führt, ist gestern Nachmittag ein- gestürzt. Die Brücke war schon alt und daher seit längerer Zeit für Fuhrwerk gesperrt. DieUrsache des Zusammensturzes scheint darin zu liegen, daß die Widerlager für den durch das Erdreich aus- geübten Druck zu schwach waren und zusammenstürzten. Der zehnjährige Knabe Hoff, welcher sich zufällig auf der Brücke befand, wurde mit hinabgerissen und konnte erst später als Leiche unter den Sleinmaffen hervorgezogen werden. Nun wird er den Neger» sicherlich gefallen, der kaiser« liche Negiernngsrath Bumiller, der nächstens wieder in die Kolonien abgeht. Er hat sich unlängst als Sekundant bei einem Studenten- duell in Heidelberg ein Stück der Nase abschlagen und ein Augen- lied verletzen lassen. Es geht doch nichts über die Würde eines alten Korpsburschen!— In Antwerpen waren am Donnerstag Abend mehrere Soldaten damit beschäftigt, einen Behälter mit komprimirtcm GaS zu 180 Atmosphären Druck nach einem Fort zu bringen, als plötzlich der Behälter explodirte. Eine furchtbare Detonation erfolgte. Sechs Soldaten wurden tödtlich verletzt; ein vorüber- fahrender Fuhrmann wurde sammt Wagen und Pferd um- geworfen. Ein Brückeneinstnrz in Bristol, Staat Jndania, hat am Freitag furchtbare Folgen gehabt. Ein Kabeltelegramm meldet über den Vorfall: Eine Brücke stürzte hier ein, wodurch 600 Personen, welche einer Bootsregatta zusahen, aus einer Höhe von 40 Fuß ins Wasser sielen. Vierzig Personen sind ver- letzt, darunter mehrere schwer. Auf der Insel Java sollen furchtbare Ueberschwemmungen aufgetreten sein. Hunderte von Menschen sind angeblich ertrunken. Ein neues großes Fernrohr hat die Lick-Stern warte aus dem Mount Hamilton in Kalifornien geschenkt erhalten. Schon in dem ursprünglichen Plane für diese Sternwarte, der rm Jahre 1874 von den Professoren Newcomb und Holden entworfen wurde, war die Ausstellung eines großen Reflektors in Aussicht genommen worden. Prof. Holden hatte diesen Plan innner fest- gehalten, und seitdem er Direktor der Lick-Sternwarte geworden ist, hat die Beschaffung eines Reflektors von ähnlicher Größe wre der Riesenrefraktor ständig seine Gedanken beschäftigt. Besonders war dies in den letzten Jahren der Fall, wo sich der Mangel eines großen Spiegelteleskopes für gewisse auf dem Mount Hamilton in Angriff genommene Untersuchungen sehr fühlbar machte. Prof. Holden wandte sich daher von etwa 2 Jahren an Herrn Edward Croßley in Bermerfide, Halifax,� der aus seiner Privatsternwarte einen Reflektor von drei Fuß Oefsnung besaß, um mit ihm über den Ankauf dieses Instrumentes zu verhandeln, terr Croßley nun hat sich entschlossen, den Reflektor der Lick- ternwarte zu schenken, weil er dort unter den günstigsten klimatischen Bedingungen in weit höherem Maße der Wissen- schast nützen kann. Gleichzeitig schenkte er auch die Kuppel- von 33 Fuß Durchmesser, unter der das Instrument aufgestellt wird. Auf dem Mount Hamilton wird nun schon fleißig gearbeitet, den Boden für die Ausstellung herzurichten, die festen Pfeiler aufzu- mauern u. f. w. Prof. Holden hat durch eine Sammlung ,n San Franziska die Transportkosten aufgebracht— die Zialifornier, welche das Geschenk des Teleskops für ihre Sternwarte wohl zu schätzen wissen, hatten das nöthige Geld mit Freuden hergegeben. die Süd-Pazlsic-Eisenbahn-Gesellschaft hat die Beförderung des Instruments und der Kuppel auf ihren Linien kostenlos zu- gesagt. Herr Percy, einer der ersten Architekten San Franziskas, liefert die Pläne für die erforderlichen Neubauten ohne Entgelt. Eiugelaufeue Drucks chrlften. Unter dieser Rubrit zeigen wir sämmiltche der Nedaltton zugehende literarisch- Neuigkeiten an. Wir bitten unsere Leser die Nennung der Schritten ntchl als Empfehlung der Redaltton, �sondern lediglich als Empsangsbesläligung auszufassen. �„ o.r., Bios über diejenigen Erscheinungen, welche im Zntsrefss unserer Leser der.aus politischen Gründen besprochen werden müssen, verossentlichen wir, sow°'t dies der Raum unseres Blattes zuläßt, Kritilen. Genügt einer Verlags- buchhandlung die Ansührunq der übersandten Rezensions-xeinplars in dreier Rubrik nicht, so bitten wlr uon der Zusendung der Neuerscheinungen des Ver- lageS absehen zu wollen. KteUuug der Frau i» der escgenioart. Von Lily von Gizycki. Berlin, Dümmler'S Verlag. 2t Seiten, so Pf.,„ Armenische Greuel nnd englische Humanität. Ossenes Schreiben an Herrn Eladitoue. Bon Dr. Mehemed Emin Esendt. Würzburg, Verlag der Stahel'schen Buch- und Kunsthandlung. U Seiten, 50 Ps. kuthiilluugc» aus dem«Jrreich de» Irreuu-esens und»er»Ucht»- ptlra». Stuttgart mö. Verlag von Rodert Lutz. A. Gr. Zustände in der SraarS-Jrrenanstalt Winnenthal. 72 S. 5°. Stuttgart isos. Verlag von Robert Lutz. K»r,, Jos. Wend. Wie jman Querulant wird und ins Irren- haus kommt. 2S S. 8°. Stuttgart 1894. Verlag von Robert Lutz. »lall, Friedrich, Meine Erlebnisse in einer Irrenanstalt. Vitt und SS S. s". Stuttgart isss. Verlag von Robert Lutz. Cu»», E. de. Los Finanoos rusees et l'epargii« kräng»!» o. Repon!- a M. Wille. IV und so S. Gr. 8°. Paris, H. Le Soudter, n»6. Knni. Adolf, Unter der Touche. Alexianer Klosterbrüder-Aoupli». Musik von Max Eichler sMustlalischer Ulk Nr. 2).«erlin NO. Verlag von Adolf Kunz. Preis t M. Zoufle», Joseph, Spst-mNeu-WabilSberger. Korrespondenzschrtst. Haugeitau t. Elf. Selbstverlag des Verfassers. 12 S. gr.«f. 70 Pf. VviekkkKeu vsv Dedttkkton. Wir blten bei jeder Anfrage eine Chtfsre sZwei Buchstaden oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erthetlt werden soll. In Rechts» ngelegenheiten wird ausschließ- lich am Montag. Dienstag, Donner st ag und Freitag von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft er- t h e i l t. Freitag, Charlottenburg. Bringen Sie die Angelegenheit in Ihrer Vereinigung zur Sprache. W. L. Sprechen Sie in der Sprechstunde gelegentlich vor.— Unfall 19. Der betreffende soll schleunigst Antrag auf schieds« richterliche Entscheidung(mit dem Antrage auf Gewährung von 25 pCt.) stellen.— A. N. 42. Sachen, die Sie in Pfand haben, dürfen Sie nicht verkaufen. Sie können nur Ihre Forderung einklagen und sodann die in Pfand gehaltenen Sachen durch einen Gerichtsvollzieher auf grund des Urtheils verkaufen lassen.— Nr. 1 Zossen 42. 1. Ob und wo eine rheinische Stiftung für Preußens Krieger existirt, ist uns unbekannt. 2. Sobald Sie den Beweis führe», daß die Sachen Ihnen ge- hören(oder seitens der betreffenden Ihr Eigenthum schriftlich anerkannt ist), ist Ihr Recht gesichert.— Streitfrage. 1. Der- artige Scheine sind nicht unentgeltlich ertheilt. 2. Steht im Miethsverirage, die Kündigung müsse 3 Monate 3 Tage vor Ablauf des Vertrages erfolgen, so muß die Kündigung mindestens 3 Monate 3 Tage lang in den Händen deffen sein, dem ge- kündigt wird, also spätestens am 27. Juni. 3. Probsst — O. A. Ja.— W. N. An Sachen, die ei» Handwerker zur Reparatur erhalten hat, steht ihm ein gesetzliches Pfandrecht zu, d. h. er darf die Sachen so lange einbchalten, bis seine Forderung berichtigt ist. Verkaufen oder an Dritte verpfänden darf er die einbehaltenen Sachen jedoch nicht. Das Recht, nach einem gewissen Zeitablauf(in Preußen sechs Monate nach Verfall) Pfänder zu verkaufen, steht nur de» gewerblichen Pfandleihern zu. Der Handwerker kairn nur seine Forderung ausklagen und sodann nach erstrittenem obsiegenden Urthcil die eindehaltenen Sachen durch einen Gerichtsvollzieher verkaufen lassen.— A. B. 199. Dazu haben Sie kein Recht: Sie können nur auf Zahlung von Alimenten klagen.— 52 St. Beleidigungsklagen zwischen Ehe- lcuten sind an sich zulässig, enden aber, wenn verständige Richter urtheile», mit Abweisung der Klage.— C. L. Sie hätten sofort nach der Pfändung das Geschäft, das Ihnen die Sachen in Kommission gegeben hat, zur Erhebung einer Jnterventionsklage veranlassen sollen. Jetzt ist nichts mehr zu machen.— F. 03. Nicht verstündlich; sprechen Sie gelegentlich in ver Sprechstunde wr. — P. E. Die Arbeitsordnungen für Fabriken, in denen in der Regel unter 20 Arbeiter beschäftigt werden, unterliegen lediglich denselben Regeln, wie Vereinbarungen über den Inhalt des geiverblichen Vertrages überhaupt, d. h. sie unterliegen.freier Uebereinkunft". Uebcr Arbeitsordnungen für Fabriken, m denen in der Regel mindestens 20 Arbeiter beschäftigt werden, sind vor Erlaß die großjährigen Arbeiter oder der Arbeiterausschuß zu hören. Tie Strafbestimmungen solcher Fabrikordnungen müssen die Art und Höhe der Strafen, die Art ihrer Festsetzung, ihrer Einziehung und den Zweck angeben, für welchen die Straf- gelber verwendet werden sollen. Diese Strafgelder müssen zum besten der ArbeitcrderFabrikverwcndet werde». Daß sie vom Arbeiter- ausschuß v e r w a l l e t werden müssen, bestimmt das Geseg nicht. Der PassuS in der von Ihnen eingesendeten Fabrik» ordnung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen.— F. I. Die Kündigung kann jederzeit, durchaus nicht nur mährend der Arbeitszeit, stattfinden. 2. Eine Verpflichtung des Arbeit- gebers, nach erfolgter Kündigung dem Arbeiter Zeit zu geben sich nach Arbeit umzusehen, besteht nicht.— I. Annenstr. 14. Die polizeiliche Anmeldung der Wohnungsveränderung genügt.— — E. P. Friedrichsberg. Den Antrag auf Erlast eines Zahlungsbefehls müssen Sie unter Darlegung des Sachverhalts bei dem Amtsgericht stellen, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt.— F. Kraatz. Melden Sie den Unfall bei der Bau- Bcrufsgenossenschafl an.— P. S. 95. Uns unbekannt.— Paul. Ja. Wie wiederholt an dieser Stelle angeführt, be- stimmt in Preußen das Edikt vom 23. S. 1717, sowie das vom 2S. 9. 1736 und§ 43 IT, 12 allgemeinen Landrechts, daß„jeder Einwohner, welcher den nöthigen Unterricht für seine Kinder in seinem Hause nicht besorgen kann oder will, schuldig ist, dieselben nach zurückgelegtem fünften Jahre zur Schule zu schicken." Das General-Landschnl-Reglement vom 12. August 1763 führte als Regel die achtjährige Schulpflicht(vom 6. bis 14. Jahre) ein. Jedoch ist insbesondere nach den Bestimmungen des Z 46 II, 2 A. L.-R., Nr. 2 der Kabinelsordre vom 14. 5. 1825 und nach dein Schulaufsichls- Gesetz„der Schulunterricht so lange fortzusetzen, bis ein Kind nach pflichtmäßigem Ermessen des Schulinspektors die einem jeden vernünftigen Menschen seines Standes nolhwendigcn Kenntnisse gefaßt hat". Die Zurück- hallung eines Kindes über das 14. Lebensjahr hinaus ist daher dem Gesetz entsprechend. Es pflegt die Entlassung zu Ostern oder zu Michaelis nach vollendetem 14. Jahre stattzufinden. — P. D. 1. Welche Kündig ungsfri st gilt für Miethswohnungen? Zunächst ist hierfür die schriftlich oder mündlich getroffene Vereinbarung zwischen den Parteien über eine Kündigungsfrist maßgebend. Fehlt es an solcher Vereinbarung, so muß bei jahrlicher Miethsperiode spätestens in den ersten 3 Tagen des letzten Vierteljahres, bei monatlichen Miethsperioden spätestens am 15. jedes Monats ge- kündigt(das heißt dem Gegner mitgetheill) sein. — 95. I. K. Selbstverständlich steht Ihnen Rücksprache in der Sprechstunde frei; aber sollte fich die Reise lohnen?— E. F. 51. 1. Die Kosten hat die Krankenkasse zu zahlen. Der betreffende kann gegen die Charitee klagen. Diese bat kein Recht, das für einen Kranken bei ihr eingegangene Geld in Empfang zu nehmen oder zurückzubehalten. Der Fall läßt fich ohne mündliche Rücksprache mildem betreffenden nicht besprechen. 2. Unverständlich.— O. A. Der Mann hat jederzeit, solange ein Gerichtsbeschluß nicht entgegensteht, das Recht, die von seiner Ehefrau gemiethete Wohnung zu betreten. Die in der Wohnung befindlichen Sachen haften aber dem Wirth. — N. N. 100. Sie haben Anspruch auf Unfallrente und müssen diesen baldigst bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Wie es sich mit dem„Zuschuß" zum Krankengeld in Unfallsachen ver- hält, ist ausführlich im Briefkasten vom 18. Juni dargelegt.— H. C 1. Cessio» einer Forderung heißt Abtretung der Forderung. Eine Forderung cediren heißt: sie abtrete». 2. und 3. Betriebe, bei denen weder der jährliche Ertrag 1560 Mark, noch das Anlage- und Betriebskapilal, 3006 Mark, erreicht, bleiben von der Gewerbesteuer befreit. — A. S. Das Kind ist noch schulpflichtig.— B. G. 87. 1. Ja. 2. Es besteht darüber keine Vorschrift.— M. B. Wenden Sie fich an den Pfarrer, in dessen Bezirk das Mädchen wohnt. — Paul Liebig 45. An ein Seebataillo».— St., 50, A. A. 8, F. S. 13. Sprechen Sie in der Sprechstunde mit den betreffenden Papieren vor.— 3. 1. Ja, bis Ablauf der Polizeistunde.— O. K. S. D. 15. Es giebt weder im Reich noch in Preußen eine einheitliche gesetzliche Kirchenzeit. Viel- mehr wird die Kirchenzeit örtlich verschieden festgesetzt. Sie haben sich nicht strafbar gemacht. Theilen Sie den weiteren Verlauf der Sache uns mit.— H. 0. 15. Die Anmeldung bei der Ortspolizeibehörde genügt, eine Antwort der Behörde ist überflüssig. — Friek 100. Das für Kapstadt im Jahre 1836 giltig ge- wesene Recht ist entscheidend. Nähere Auskunft können wir nicht ertheilen, sondern nur vor Erbhoffnungen und unnützen Auslagen warnen.— Joneth. Ohne mündliche Rücksprache nicht zu beantworten.— S. C. 1. Nach richtiger Ansicht waren Sie als Hausgewerbetreibender krankenkaffenversicherungspflichlig, da Sie nur für ein Geschäft arbeiteten. Wenden Sie sich an die Krankenkasse. 2. An die Polizeibehörde ist das Gesuch zu richten. 3. Die Zahlstelle der freien Hilfskasse für Schuhmacher befindet sich bei Papke, Manteuffesstraße Nr. 31. — P. B. 15. Verjährung liegt nicht vor.— R. R. 90, 1001, H. I. 11, üt W. 55, Fr. St. 3, F. K. 3. Nein. — N. P. 15. Das ist zulässig.— 100 C. B. Ereignete sich der Vorfall vor dem 1. Oktober 1894, so war der Wirth im Recht. Ereignete er sich später, so können Sie mit Aussicht auf Erfolg beim Amtsgericht zu Görlitz auf Schadenersatz klagen. — M. W. Ehebruch ist Scheidungsgrund. Ihre Anführungen lassen nur auf eine unschuldige Begleitung schließen, die einen dringenden Verdacht der Verletzung ehelicher Treue— solcher wird dem Ehebruch gleichgestellt— nicht rechtfertigen.— Z. Ja. — R. K. 20. Der Wirth hat das Recht, für rückständige und für die während der Dauer des Vertrages zu entrichtende'Micthe alle der Pfändung unterworfenen Sachen einzubehaltcn.— Zl. G. 1. Kuppelei liegt nicht vor.— A. A. Sprechen Sie mit dem Urtheil gelegentlich in der Sprechstunde vor.— K. H. Wer Ihnen mitgetheilt hat, ein französischer Beamter werde aus dem Dienst entlassen, wenn seine Frau ihn mit mehr als zwei Kindern beschenkt, hat Sie angelogen.— H. H. 100. Ja.—F. T. 74. Stellen Sie den Autrag nusAuszahlung bei der Tresdener Verivallung. — V. W. 33. 1—3: Ja.— M. 7. Ist gekündigt, so muß der Miether dem Vermiether gestatten, die Wohnung besichtigen zu lassen. Darüber, zu ivelchsr Tageszeit die Besichtigung ge- stattet werden muß, existiren gesetzliche Vorschriften nicht. Es haben sich Miether und Vermiether über eine angemessene Zeit zu verständigen: eventuell entscheidet das Gericht, welche Zeit angemessen sei. Ist im Vertrage vereinbart,_ daß der Miether sich die Besichtigung zu jeder Tageszeit gefallen lassen müsse, fo hat es hierbei sein Bewenden; indeß darf auch dann Ver- miether die Besichtigung zu einer offenbar unpassenden Zeit(z. B. während schwerer Erkrankung, Entbindung u. s. w.) nicht vornehmen.— F. L. 123. Den Macherlohn für das Kleid müssen Sie zahlen. Ist der Rock durch Aenderung verpfuscht, so können Sie Schadenersatz verlangen. Daß Verpfuschung vor- liege, ist aber schwer zu beweisen, auch ist der Beweis(Ver- nehmung Sachverständiger) sehr kostspielig. Deshalb ist zur Klage nicht zu rathen.— F. G., Bromberg. 1. Nein. 2. Keiner. Der Gastwirthsbetrieb ist krankenversicherungs- nicht aber Unfall« versicherungspflichtig. Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger Sehenswürdigkeiten. Alte» und Neue» Museum am Luftgarten. Besuchszeit»iiglich, mit Ausnahme de» Montag» in den o Wtntermonaten von io— 3 Uhr, in den o Sommermonaten von s— s Uhr: Sonntag« im April— September li bt» s Uhr, Oktober und März is— 5 Uhr, November und Februar li— 4 Uhr, Dezember und Januar 12— 3 Uhr(Unentgeltlich).— Die National- g a l l e ri e in der Museumsstrabe. Besuchszeit Wochentag» von io— s Uhr (Montag» ausgenommen). Sonntag« im April— September von 12 bt» 6 Uhr, im März und Oktober 12—6 Uhr, Februar und November 12 MS 4 Uhr, Januar und Dezember 12—3 Uhr(Unentgeltlich).— K un st g ew er b e- Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montags ausgenommen) im Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von 10— 3 Uhr, Sonntags, April— September von 1 2— s Uhr. Oktober und März 12— s Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unent- gclllich).— Museum sür Bölkerkunde, Königgrätzerstr. 120. Besuchs- zeit wie im ftunstgewerbe-Museum(Unentgeltlich).— Hygiene-Museum, klosterstr. 3S. Besuchszeit Sonntags wie im Kunstgewerbe-Museum. Außer- dem Dienstags und Freitag« von io— 2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum für Naturkunde, Hnvalidenstr. 42. Besuchszeit Sonntags wie im«unst- gewerbe-Museum. Außerdem Montag» und Sonnabends von 11—3 Uhr.— Museum sür deutsche Volkstrachten und Erzeu gn isse de« Hausgewerbes, Klosterstr. 33. Jeden Dag mit Ausnahme de« Mittwoch» von Ii— 2 Uhr geöffnet. StnlrtllSgeld: Erwachsene 60 Ps., Kinder 2° Pf., Beieine Sonntags 10 Pf.— ReichSpo st- Museum, Letpzigerstr. IS. Ge- öffnet Sonntag« 12—2 Uhr. Montag», Dienstags, Donnerstags, Freitags von II— 2 Uhr lUnentgeltlich).— RathhauS, Königstraße. Geöffnet täglich außer Donnerstag und Freitag von II— 3 Uhr(Unentgeltlich). AuSfichtSthurm so Pf.— Kunstausstellung deS Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr.«2. Sonntags II— 2 Uhr, Wochentags 10—4 Uhr. so Pf. Enlree. — Sternwarte, Sntfeplah sa. Mittwoch» und Sonnabend» von 0 bis 11 Uhr vormittags.— Urania, WiffenschastlicheS Theater. Sternwarte. Jnvalidenstr. 67—62. Geöffnet von 6 Uhr Nachmittags bt» io>j Uhr Abend», Entree SV Ps. Zuschlag sür Theater von so Pf. bis 2 M.— Aquarium: Schadowstr. 14. Geöffnet von 9—6 Uhr. Entree Sonntags so Pf., an jedem letzten Sonntag im Monat 2s Pf.—(lastan�S Panoptikum, Friedrichstraße. Geöffnet 10—10 Uhr. Eintrittspreis so Pf.— Passage, Panoptikum 10-10 Uhr. Eintrittspreis so Pf.— Marine. Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonntag» von s— s Uhr. Entree so Pf.—» a i s e r- P a n 0 r a m a, Passage(Unter den Linden). Geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abend«. 300 verschiedene Reisen, Landschaft»- btlder. Jede Reise 20 Ps.— N eap el-Panorama am Bahnhof Thier- garten, zwei neu- Dioramen: Katakomben de? KapuzinerklosterS zu Palermo und Vesuvausbruch. Sonntag»»s Ps. Eintrittspreis. Da» Panorama ist bis!s7 Uhr Abends zu besichtigen.— Zoologischer»arten, Lützowufer. Sonntag« so Ps.— Borsig'Z Garten mit Palmenha u». Alt Moabit ss— so. Eintrittspreis so Pf. Für denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion deinPubliknui gegenüber keinerlei Verantwortnng Theater. Sonnabend, den 6. Juli. Uenes Ttzeater. Tata-Toto. Schiller- Tsteater. Die Augen der Liebe. Einer muß Heirathen. Aleranderplah- Theater. Ver- botene Liebe. Ziatianal- Theater. Im Irren- Hause. Theater Unter de»» Linde»». Miß Helyelr. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Lriedr.- Wilheltnstädtischer Park. Gastspiel der französischen Panto- mimen-Gesellschaft Leonardi). Flora-Charlottenburg. Cavalleria rusticana. Sehiller-Theater (Wallner- Theater.) Konnabend, abends 8 Uhr: Auge» derLiebe. Giner muß Heirathen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Journalisten. Abends 8 Uhr: Die Ue«ver»»ählten.— Gin Diener zweier Herren. Kaufrnaiin's Variete. Königatr., Kolonnaden. Letzte Woche. Humoristischer Abend der Neumann- Bliemchen's Leipziger Tlivger. Neumann, Villi. Wolff, Horväth, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermann. Ans. 8 Uhr. Entree 38 Pf. Der Floh! (La Puce.) Posse von Wilh. Wolff. Stürmischer Beifall. Ct is zun» piepe» BereinSzimmer, großes, ist noch einige Tage zu verg. Alte Jakobstr. 63. 19i)0b u p a n i a Anstalt für Tolksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhol). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Auschlagzettel. Friedrich-Wilhelmstädtischer Concert-Park 25/26 Chaussee-Straße 25/26. Täglich ausverkauft! Die Strömung geht zn. Bcirlin amiisirt sich. Thränen muss man lachen! Die grösste Zugkraft! I! Zum todtschreien! Zum trudeln! Zum platzen! Ferner: Cancan in Lumpen. Die Sünde von Nini Diva. Der üufassbare, große Pantomime. jßgT" 34 Nummern."VQ Entree 30 Pf. Mittwoch: Wien in Berlin. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. Passage- Panopticum. Täglich: Ntttnng aus Peiiei'sgesalil' durch die Wemelfl Markthalle Ackerstraße Grünkram. Genossen b. um Zuspruch Ottmann.* National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direklio»; Max Samst. Im Irrenhause. Seusations-Schauspiel mit Melodramen in 5 Akten und 8 Bildern von H. B. Regie: Max Samst. I. Bild: Zwei Hallunken. 2. Bild: Ei» tiefes Geheimniß. 3. Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die Geheimnisse des Irren- Hauses. 5. Bild: Ein Verräther. 6. Bild: Der Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 3. Bild: Ter Giftmord. Morgen: Dieselbe Vorslellung. Nationaltheater» Garten i Gr. Konzert U.Spezialitäten. Auftreten des vollständig neuen Spezialirälen-Personals. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Reservirter Platz 40 Pf. VoiksgaHten (ehem. Weimann's Volksgarten) Gesundbrnnnrn. Kadstr. 50. Direktion: Max Samst. Heute sowie täglich: Grosse» Koiuert n. Theater-Vorstellung. Charters Tante. Posse mit Gesang und Tanz. Spemlitateu I. Ranges. Auftreten des Berk. Original-Komikers Wilhelm Fröbel und Franz Becke. Chansonetten, Soubretten. Liedersänger, Lnstaymnastik jc. Täglich: Familien-Ball. Kassenöffnung 5 Uhr.— Anfang des Konzerts 6 Uhr.— Entree 20 Pfg. 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Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Im Saale: GrOSSOr Ball. pr gllliltllf Insel. Operette von Anton Anno. Bohert Dill, Liedersänger. Geschwister Morre, Duetlisten. Clara Jordan, Kostüm» Soubrette. Rappo-Trio, Equilibristen. AllsMüllMIiesiliKM Station Zoologischer Garte». Sonnabend, den 6. Juli 1895: Erste venetianische Nacht sowie Eine Hochzeit zn Portici im Jahre 1848. HtT" Entree 1 Mark."WL Schweizer Garten Am Königsthor. Am Frledrlohshain. Täglich: Theater. Entree 30 Pfg. Spezialitäten. Ball. Volksbelustigungen aller Art. Für die Wochentage ist das Etahliasemen mit Vorstellung und Tanz an Vereine zn vergeben. Ostbahn-Park RUdersdorfcrstr. 71. Am KUsfriner Platz, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie: R. Hinlsche. Garte» Tonrert von der 24 Mann starken Hauskapclle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlon's. Ansang Sonntags 4 Uhr. Eutrse20Pf. Wochentags 5 Uhr. Entree 15 Ps., niosür kin lZlas Bier verabreilht ml Uothobelnstiannge» jeder Art. 4 Kegelbahnen zur UersLgung. Gute Kiere, ansgezeichnete Küche z» soliden Dreis«». Möbl. Einrichl., auch einz., Naunyn- straße 3, Meyer. 1957b sind drei einzelne Stuben sür 3—12 Mark pro Monat an an- ständige Leute zum 1. Oktober zu vermietheu. Tie Hausverwaltung. Gen. kann bill. m. einwohnen Meyer, Reichenbergerstr. 115, H. 3 Tr. 1989b Ein Laden mit Wohnung, pass. sü* ein Pofamentiergefchäit, zu verm. Zu erfr. Hochstr. 33, l Tr., daselbst.[1988b Milchgeschäft zu verm. Inventar ev. käuflich Sorauerstr. 22, i. K. 1936b Beranlworlliwer Redakleur: I. Tierl(Emil Roland) m Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiug in Berlin. LW, Beutdstraße 2. Für die hiestge» Leser liegt der heutige» Dummer unsere» Blatte» die gestrig» bZcivinnliste der prenst. Lotterie bei. 2. Beilage zum„Vomarts" Berliner Volksblatt. Ur. 133. Sonnabend, den 6. InU 1895. Fabrik- nnd Heimarbeiterinnen. AuS Gewerkschaftskreisen wird uns geschrieben: Die gegenwärtig von den Arbeitern der Konfektionsindustrie eingeleitete Aklion gegen das Echwitzsystem rust die Geister auf T>er ganzen Linie wach. Eine viel umstrittene Frage ist die, ob der Fabrikbetrieb gegenüber dem Hausbetrieb Vortheile bietet und diesem vorzuziehen sei. Es versteht sich von selbst, daß die Beantwortung jener Frage bei den verschiedenen Jntercssenströmungen gar mannigfach ausfällt. Dem Unter- uehmerorgan„Der Konfektionär" gehen die zeilweise zur (Zchau getragenen arbeiterfreundlichen Allüren stets aus, wenn er Gefahren für den Kapitalprofil wittert. Daß er jetzt mit aller Kraft für die Aufrechterhaltung der„idyllischen" Zustände der Hausindustrie eintritt und die von einigen Personen be- triebene Gegenagitation in amerikanischem Reklamestil gegen die einheitlich eingeleitete Bewegung ausspielt, ist keineswegs vcr- wunderlich. Daß dieZwischenmeister, und namentlich die, welche nichts weiter verstehen, als den Profit von den Arbeiterinnen einzusacken, nicht selbst den Ast absägen werden, auf dem sie sitzen, kann man ihnen füglich auch nicht verdenken. Mehr ins Gewicht fällt die Stellung der betheiligten Arbeiter und Arbeiterinnen. Da soll nun irgend- wo eine geäußert haben:„Im übrigen sind wir noch nicht so tief gesunken, daß wir uns zu Fabrikarbeiterinnen erniedrigen würden." Dieser Ausspruch wird, aus welchen Gründen ist wiederum leicht erklärlich, als die Gesammtansicht der be- theiliglen Arbeiterinnen hingestellt. Im Anschluß hieran werden die Härten des Fabrikbetriebes aufgezählt: Bestimmt einzuhaltende Arbeitszeit, Strafen für Zuspätkommen, Abzüge, Entlassung u. dgl. Daß unsere Fabrikposchas in den weitaus meisten Fällen nicht die besten sind, ist männiglich bekannt. Der„Vorwärts" hat gar oft Gelegenheit, krasse Beiträge zu ihrer Charalterisirung zu liefern. Wenn man aus Unter- »ehwermunde die gleichen Anklagen hört, so findet unsere an die Arbeiterschaft dringend gerichtete Mahnung, sich zu organisiren, um diesen Mißständen mit Erfolg entgegen zu treten, dadurch den treffendsten Beleg ihrer Berechtigung. Den Fabrik- arbeitern ist hierzu ja auch eher die Möglichkeit geboten als den Heimarbeitern. Wenn aber die Fabrikznstände von den Unternehmern, welche in der Hausindustrie produziren lasten, herangezogen werden, um sich selbst rein zu waschen, so ist das sicherlich falsch. Die Herren erklären auch selber stets, daß sie jene Zustände nicht kennen, daß sie nicht mit ihren Arbeiterinnen zusammenkommen, auch gar keine Zeit dazu haben. Die Unternehmer der Konfeklions- iudustrie sind daher am allerwenigsten berufen, ein maßgebendes Urlheil abzugeben. Bei der sozialpolitischen Bedeutung, welche die Bewegung in der Konfektionsindustrie beansprucht, ist es angebracht, die„idyllischen" Zustände der Hausindustrie, wie sie sich in Wirklichkeit darbieten, näher zu beleuchten, wobei nicht verschwiegen werde» soll, daß die scheußlichsten Auswüchse leider im Dunkel gehüllt bleibe», weil den bclheiligten Arbeiter», die in stummer Ergebenheit ihr Dasein fristen, jedes Interesse für ihre eigenen Leiden abgeht. Bei den Konfektionsarbeiterinucn kann man drei Gruppen unterscheiden: die aus selbständige» Erwerb angewiesenen Arbeiterinnen, die für den Familienunterhalt mitarbeitenden Arbeiterfrauen und die größtcnlheils zur Bestreitung von Luxus gegenständen mitarbeitenden Beamlensrauen und-Töchter. Die Arbeilcriuncn der erste» Gri ppe arbeiten beim Zwischen- meister auf Werkstelle oder aber, weil meistens nur noch die Zwischenweifter, welche bessere Sachen arbeiten, Werkstellei balle», sie arbeiten als Astermielherinnen zu Hause. Tort sieht man eine Nähniaschine, die in der Regel auf Abzahlung genommen ist Von morgens früh bis abends spät wird gearbeitet. Nicht wenig Zeil geht verloren durch die Ablieferung und durch das Bügeln der Sachen, welches durch die bei Zwischenmeistern angestellten Bügler geschiebt. Abzüge für zu späte Lieserung, ja nicht selten der Gesammtlohn für ei» ganzes Stück, bilden die Regel. Dazu kommt noch die unregelmäßige Lohnzahlung und der Betrug gewissenloser Schwitzmeister an dem kärglich verdienten Lohn, wie krasse Fälle, die oft am hiesigen Gewerbegericht verhandelt werden, beweisen. Ten Arbeiterinnen, die beim Zwischenmeistcr auf Werkstelle arbeiten, geht es nicht besser. Bis spät abends, im Sommer bis zum Tunkelwerden, im Winter bis kurz vor dem Schließen der Häuser, wird beim Zwischen meister gearbeitet. Aber Feierabend giebt es dann für die ledigen Näherinnen noch nicht. Auch sie nehmen Arbeit nnt nacb Hause. Hier, in einem engen Raum, welchen oft mehrere Arbeilerinnen bewohnen, wird die Tagesarbeit fortgesetzt. Aus dem Rand der Bellen sitzend, vor sich die Nähmaschine mit der Lampe, so schuftet die lcdige Arbeiterin weiter, bis eins, zwei und drei Uhr morgens, bis der abgerackerte Körper energisch sein Recht verlaugt. Ter geringe Lohn stebt in keinem Vcrhällniß zu dieser Abhetzung. Werden wöchentlich einmal IS M. herausgeschlagen, oder wenn es hoch kommt, gar 20 M., so muß schon stramm geschuftet werden. Und selbst diesen ausnahmsweise hoben Lohnsatz er- reichen nur die Arbeiterinnen der besseren Branchen. In dcr mittleren und Stapelbranche gilt 10 M. pro Woche sckon als hoher Lohnsatz. Bei den. lhcuren Berliner Lebens- bedii gungen, sprechen diele Löhne für sich. Dazu lomnit noch die lange arbeitslose Zeit, die das Elend � vergrößert; zur Verzweiflung getrieben, von allen Seilen bedrängt, verfällt gar manche Arbeiterin der Prostitution. Tie Existenz der zweiten Gruppe, dcr Arbeiterfrauen, hat sicher nichts Verlockendes. Ist der Mann zur Arbeit gegangen, sind die größeren Kinder zur Schule, so wird, während die kleinsten noch schlafen, schnell darauf losgchastet. Es werden Sachen eingerichtet, bis zum Bügeln fertig gestellte zum Büglcr getragen, ausgescrtigle Stücke abgeliefert, dazwischen muß die Frau kochen und wirlbschaften, die Kinder werden zur Arbeit herangejogen, da sind Hefliäden zu entfernen, auch wohl kurze Nähre zu heften k. Viel Zeit geht der Frau mit der Ablieferung verloren, oft täglich 3 bis 4 Stunden und noch mehr. Der Ausfall an Zeil wird wett gemacht durch Nachtarbeit. Es muß ja sein, um die wenigen Groschen herauszuschlagen. welche die Arbeit einbringt. Denn bald ist die kurze Saison vorüber und kaum sind die Schulden gedeckt, so beginnt das Borgen von neucin. Die Kinder sind sich selbst überlassen, die Mutter hat keine Zeit zur Erziehung übrig. So gestaltet sich das Leben der verheirathelen Näherinnen, die zu Hause arbeiten. Nun erwächst noch den geschilderten beiden Gruppen dre ungeheure Konturrenz der Beamtenfrauen und Töchter. Diese Damen arbeilen gröülentheils nur zur Bestreitung ihrer Luxus» bedürfnisse, um standesgemäß repräsentircn zu können. Und extra dillig arbeiten sie. Es versteht sich daher, daß diese„Auch- arbeiterinnen" vom Unternehmer gern beschäftigt werden. Durch diese Einwirkungen und dadurcb, daß jedweder gesetz- licher Schutz fehlt, ist die Lage der Heimarbeiterinnen aus das gedenwärlige tiefe Niveau herabgedrückl. Jedenfalls steht sie weit unter dem Durchschiiittsvelhällwß der sozialen Lage der Fabrikarbeiterinnen. Und wie die Zustände liegen, ist bei dem Heimarbeitersystem eine erfolgreiche Interessen- Wahrnehmung, geregelte Arbeitszeit und stabile Löhne zu schaffen, leider unmöglich. Hier zu helfen giebt es nur einen Ausweg, Beseitigung des Schwitzsystems, Anbahnung des Fabrik- systems. Wie stellen sich nun die einzelnen Gruppen hierzu? Die aus selbständigen Erwerb angewiesenen Näherinnen sind sicherlich dafür, weil sie unter allen Umständen dadurch gewinnen. Und die Arbeiterfrauen? Unter den obwaltenden Verhältnissen und infolge ihrer isolirten Stellung ist ihr Gesichtskreis für sozialpolitische Fragen ziemlich eingeengt. Sie werden entgegnen, daß sie in Betriebswerkstellen nicht lange genug arbeiten können und infolge dessen zu wenig verdienen. Sie sind beherrscht von dem Gedanken, vielleicht ihre letzte, kümmerliche Existenz zu verlieren. Hätten sie aber die Aussicht, in geregelter Arbeitszeit einen an- ständigen Lohn zu erhallen, sie würden keinen Augenblick Be- denken tragen, die neue Betriebsform der alten vorzuziehen. Nicht selten gehr der Heimarbeiterin die Hälfte der in Fabrikbetrieben üblichen Arbeitszeit durch Warten beim Abliefern und dergleichen verloren. Wie immer ihre Lage sich unter dcr veränderten Form gestaltet, sie wird mehr Zeit haben, sich ihrer Familie widmen zu können als heule. Für die dritte Gruppe liegt die Entscheidung klar. Ist den Beamtenfrauen und Töchtern die Möglichkeit zum mitverdiencn genommen, so werden sie allerdings lieber auf Arbeit verzichten, als daß sie in geschlossenen Betrieben als wirkliche Arbeiterinnen thätig sind. Ihr angeborener Stolz, ihre Gewohnheit die Arbeiterinnen von oben herunter zu betrachten, verbietet schon, mit ihnen zusammenzuarbeiren. Es ist nothwendig, daß die begonnene Agitation weiter geführt, daß die öffentliche Meinung wack, gerufen wird. Die Unternehmer der Millionengewinne abwerfenden Konfektionsindustrie schreien schon Zeter und Mordio, daß die Konsektion diese minimalen Reformen nicht vertragen kann, die englische und amerikanische Konkurrenz verbiete es und ähnliche Gründe werden heran- gezogen. Wir sind der Ansicht, daß eine Industrie, die sich nur auf Kosten der zerrütteten Gesundheit taufender und abertausender Arbeiter und Arbeiterinnen hallen kann, keine Berechtigung hat, weiter zu existiren. Sie ist werth zu gründe zu gehen und zwar so schnell wie möglich. Unbeirrt um das Interesse dcr großen Unternehmer sollte der Staat sich verpflichtet halten, den Hausarbeilern den nöthigen Schutz zu gewähren. Die Sozialdemokratie hat ihre dahin- gehenden Anträge im Reichstage gestellt. Der Weg zur Abhilfe ist gezeigt. Und gegenwärtig ist die Frage dringender denn je. Bei uns in Teutschland läßt man freilich die Schnur erst zum zerreißen spannen, ehe die nöthige Einsicht ausdämmert. GsvWlks-Beikmia. Gcivcrbegericht. Die„Probezeit" schließt den Kündigungs- Ausschluß in sich, erkannte dieser Tage die Kammer lV unter dcm Vorsitz des Assessors Leo in der Klagesache eines Friseurs. Der Kläger war am 10. Juni unter Vereinbarung einer einwöchenllichen Probezeil bei dem Haar- und Barlvcrsckönernngs- Meister H a b st e r in Arbeit gelreien, l�/s Tage vor Ablauf der Frist aber bereits entlassen worden. Er hielt sich berechtigt, für die ganze Probezeit, also für 7 Tage, Lob» vcr- langen zu dürien. Für den Tag beanspruchte er 3, SO M. Der Beklagte halte für die SVe Tage, an weichen Kläger lhatfächlich bei ihm arbeitete, demselben 16,50 M. an- geboten, die dieser unter Vorbehalt„als Abschlags- zahlung" auch nabm. Es entsprach die Summe somit einem Tagelohn von 3 M. X SVs. Das Gericht billigte dem Kläger noch 4.50 M. zu, im ganzen 21 M., wovon die bereits erhaltenen 16,50 M. in Abzug zu bringen waren. Ter Vorsitzende gab folgende bcincrlcnswerthe Begründung des Urtheils: Dcr fi 128 der Gewerbe- Ordnung besage u.a., das Lehrverhältniß könne, wenn eine längere Frist nicht vereinbart ist, während der ersten vier Wochen nach Beginn der Lehrzeit durch einseitigen Rücktritt wieder aufgelöst werden, und weiter heiße es dann- in jenem Paragraph, eine Vereinbarung, wonach diese Probezeit mehr als drei Monate betragen solle, sei nichtig. Be- schästige sich der Paragraph auch ausschließlich mit dem Lehrverhältniß, so sei" er hier doch anzuziehen, weil in ihm die G e w e r b e- O r d n u n g die sogenannte Probe- zeit ein Verhältniß nenne, das jederzeit gelöst werden könne. Daraus sei zu entnehmen, daß die Annahme dem Geiste der Ee- werbe Ordnung entspreche, jede für ein gewerbliches ZI rbeilsvcr hält niß vereinbarte Probezeit schließe für ihre Dauer den Kündigungs- ausschluß in sich, wenn nicht eine besondere Ab- machung dein entgegenstehe. Aus dieser Auffassung heraus balle der Gerichtshof die Entlassung des Klägers vor Ablauf der Probezeil für berechtigt, womit der Lohnanspruch desselben hinsichtlich des letzten Tages der Frist, an dem er nicht arbeitete, hinfällig geworden sei. Dcr icchste Tag der Probezeit sei aber voll zu bezahlen, wenn auch 5lläger bereits mittags entlassen wurde; das Gcwerbegcricht habe in ständiger Praxis angenommen, dcr Entlassungslag sei als ganzes zu nehmen und der Arbeiter dementsprechend zu entlohnen. Was nun die Höhe dcr Forde- rung betreffs dcr Bemessung für den einzelnen Tag angehe, so sei nach einer gutachtlichen Aeußerung des(im Rlchtcrkollegium bcsindlichen) bekannten Barbicrherrn Wollichläger 3,50 M. als anaemesscne Tagesbezahlung für ei» provisorisches Verhältniß. wie es die Probezeil sei, erachtet worden. Hieraus ergebe sich die Höhe des berechtigten Theils dcr Gesammtsordernng. Tie drei noch jugendlichen Sandkutscher Fritz P r i e w e, Wilchelm W e g e n e r' und Gustav W e g e n e r standen gestern wegen einer schweren Ausschreitung vor der siebenten Straf- kammer des Landgerichts I. Die Angeklagten sind gleich dem bekannten Studenten Steinke Raufbolde der schlimmsten Sorte. Priewe und Gustav Wegener sind jeder fünfmal, Wilhelm Wegener ist dreimal wegen Gewalllhäiigkeitc» vorbestrait. An einem April-Nachmittage fuhren die drei Angeklagten mit einem leeren Sandwagen die Müllerstraße entlang. Gustav Wegener führte die Zügel. Als sie eine» Bierwagen eingeholt hatten, wurde Gustav Wegener von seinen beiden Kumpanen angereizt, an dem Bierwagen vorbei zufahren, demselben den Weg zu versperren und plötzlich still zu halten. Gustav Wegener führte dies mit großem Geschick aus. Wenn der Bierfahrer seine Pferde nicht schnell zur Seite gerissen hätte, daß sie den Bürgersteig betraten, würdeeszueinemZusammenstoßgekommen sein. Natürlich schalt der Biersahrer und nun halten die drei Angeklagten die erwünschte Veranlassung, eine Schlägerei anzu- zetteln. Sie sprangen vom Wagen und fielen über den Bier- fabrer her, den sie furchtbar zurichteten. Prieive schlug ihni mit einem Spaten, Gustav Wegener ihm mit dcm Peitschenstiel über den Kopf und Wilhelm Wegener stieß ihm sogar mehrmals die scharfe Seile eines Spatens inS Gesicht. Dcr Biersahrer wurde mit zertrümmertem Nasenbein und vielen anderen Vcr- letzungen nach der Sanitätswache gebracht. Tiefe Rüpel hatten aber im Gegensatz z» dem gebildeten Raufbold Steinke, der sich in brutalster Weise scgar an einem Mädchen vergriffen hatte, Pech vor Gericht. Während Steinke seinerzeit mit einer Geld« strafe davon kam, die ihn persönlich wahrscheinlich gar nicht getroffen hat, verurtheilte der Gerichtshof Priewe zu einem Jahr neun Monaten, die beiden Brüder Wegener zu je einem Jahr sechs Monaten Gefängniß und ordnete die sofortige Verhaftung aller Angeklagten an. Der Hunger vor dem Strafrichtcr. Der Arbeiter Hugo Renner kam an einem Oktoberabende zur Verwunderung seiner Schlafstellen-Vermietherin mit einem Hund, einem schwarzen Pudel, nach Hause. Er gab an, daß er das Thier auf der Straße gefunden und mitgeuommcu habe, um es zu verzehren. In der That schlachtete er den Pudel auch auf dcr Stelle und kochte das Fleisch. Am Abende waren von dem Pudel nur das Fell und die Knochen übrig. Es stellte sich heraus, daß Renner den Hund nicht gefunden, sondern gestohlen hatte. Er war der Begleiter eines armen Drehorgelspielers gewesen. Die neunte Strafkammer des Landgerichts I, welche gestern in dieser Sache verhandelte, hielt den letzterwähnten Umstand für besonders strafschärfend, während andererseits nicht verkannt wurde, daß der Angeklagte großen Hunger gehabt haben müsse. Das Urtheil lautete auf vier Monate Gefängniß. Der Gerechtigkeit ist somit vollauf genüge geschehen, Renner wird auf vier Monate im Gefängniß gesättigt. Möge der Fall allen zur Warnung dienen, die etwa serner auf den Gedanken kommen sollten, ihren guälenden Hunger durch gestohlenes Hunde- fleisch zn stillen. Ter Charakter der hamburgische» Bevölkerung vor dcm Ncichögericht. Unser Parteigenosse, der Bureauarbeiter Paul Friedrich Gustav W e i n h e b e r war beschuldigt, durch ein Flugblatt in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen- einander öffentlich angereizt und sich dadurch des Vergehens gegen K 130 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht zu haben. Ein schon früher gegen den Angeklagten in dieser Sache gefälltes frei- sprechendes Urtheil ivar auf Revision des Staatsanwalts aufgehoben worden. Nunmehr sprach das Landgericht in der Verhandlung vom 27. April den Angeklagten abermals frei, indem es das Thatbeslands- moment der Friedensgefährdung als nicht feststellbar ansah. Es handelt sich um folgenden Thnlbestand. Im März v. I. ließ der Angeklagte in Hamburg ein Flugblatt in 200 000 Exemplaren verbreiten, welches über die Arbeitslosigkeit sich ausließ und über die Februar-, März- und Kommune-Revolution Betrachtungen an- stellte. Der gegenwärtige Zustand, so hieß es weiter. sei ein Triumph der Bourgeoisie und des Kapitals. Das kapitalistische System kümmere sich nicht um den Untergang von taufenden von Familien, es interessire sich nur für die Dividende. Die Roth der Arbeitslosen wird dann in den lebhaftesten Farben geschildert, andererseits aber auf den Reichtdum hingewiesen. Viele tausende von Armen stünden einer kleinen Schaar gegenüber, denen alle Genüsse er- laubt seien.„Fürchtet man nickt", so fragt dcr Verfasser des Flugblattes,„den 13. März des Proletariats? Wie, wenn jene Verhungernden einmal zu der Ueberzeugung kommen, daß ein Ende mit Sckrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen ist?" Das Landgericht erkannte in dem zweiten Urtheils an, daß in diesen Worten eine Aufreizung zu Gsivalt- lhätigkeilen liege, aber, so wurde hinzugefügt. Diese Auf- reizung sei nickt in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise erfolgt. Auch nach den Gesichtspunkten, welche das Reichs- gericht in seinem Urtheile ausgestellt habe, könne eine Friedens- gefährdung nicht festgestellt werden. Das Gericht hat einen Polizeikommissar über die Wirkung derartiger Flugblätter ver- nomine» und sich dessen Auffassung zu eigen gemacht. Hiernack gehörte das inkriminirle Flugblatt noch nicht zu den „schlimmsten", das beißt, es sind schon andere Flugblätter in Hamburg verbreitet worden, welche eine kräftigere Spracke sühren. Dann heißt es im Urtheil weiter:„Die friedliebende, ruhige Bevölkerung Hamburgs ist an solche Flug- blätter schon gewöhnt und würde sich dadurch niemals zu Gewalt- thätigkeiten anreizen lassen; selbst wenn die Klassengegensätze noch größer wären, würde ein solches Flugblatt nicht geeignet sein, zu Gewaltthätigkeiten anzureizen. Andererseits ist die Hamburger Bourgeoisie sehr schwer aus ihrer Ruhe zu bringen. Auch diese betrachtet das Erscheinen eines solchen„phrasenhaften" Flugblattes als eine periodisch wiederkehrende Erscheinung; sie fürchtet nicht, daß die Masse zu Geivaltthäligkeiten schreiten könnte. Aller- Vings haben einzelne Personen bei der Polizei wegen der Vcr- breitung des fraglichen Flugblattes Beschwerde geführt, aber es waren immer nur einzelne, die sich beunruhigt fühlten, nicht die Gesammthcit des Publikums. Mit Rücksicht aus den Charakter der Hamburger Bevölkerung konnte also nicht fest- gestellt werden, daß die Anreizung zu Gewaltthätigkeiten in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise erfolgt sei."— Die Revision des SlantsanwaliS gegen das neue Urtheil kam vor dem 3. Strafsenate des Rcichsgerichls zur Verhandlung. Es wurde behauptet, das Urtheil enthalte einen Widerspruch, wenn es sage, es sei aufgereizt worden, andererseits aber behaupte, die Bevölkerung lasse sich nicht aufreizen.— Herr R e i ch s a n w a l t Schumann führte sodann folgendes aus:«Die Revision scheint begründet zu sein. Die Urtheilsgründe sind mehr als eigenthüm- lich gefaßt, und es ist in der Thal sehr naheliegend, daß aber- mals seitens des Gerichtes der Begriff der Friedensgefährdung verkannt worden ist. Es ist allerdings in dem Urtheile gesagt, die Verbreitung des Flugblattes sei in Hamburg erfolgt. Man wird aber die Möglichkeit nicht von der Hand weisen können, daß auch anderwärts, nämlich in Altona u. s. w. das Fluglatt gleichfalls zur Kenntniß der Bevölkerung gelangt ist, und man wird nicht sagen können, daß der§ 180 lediglich deshalb ausgeschlossen anzusehen sei, weil die Hamburger Be- völkerung sich durch das Flugblatt nicht in ihrem Sicherheits- gefühle beeinträchtigen läßt. Es mußte vielmehr geprüft werden, ob nicht eine solcke Friedensgefährdung auch anderwärts ein- treten konnte. Würde die Ausfassung des Land- g e r i ch t s gebilligt werden müssen, so würde die noth wendige Folge wenig st ens für Ha Ni bürg Wirksamkeit entbehrt. Mit man dann sagen, daß z. B. Berlin___.. Deutschland nicht aus seiner Friedensliebe und aus seinem Sichcrhcitsgefühl herausgebracht werden kann. Dann wäre durch einen einzigen Federstrich, ohne daß die gesetzgebenden Faktoren in Thätigkcit getreten iv ä r e n, d e r Z 130 aus der Welt geschafft."— Das Reichsgericht gab indessen der Revision nicht Folge, er- kannte vielmehr auf Verwerfung der staatsanwaltlichen Revision, indem es ausführte:„Das Landgericht folgt in seinem Urtheile den vom Reicksgerichle aufgestellten Grundsätzen. Wenn es jedoch jetzt aus befremdlichen Gründen ausgeführt hat, die Beschaffenheit der Hamburger Bevölkerung sei eine derartige, daß sie sich nicht aufreizen lasse, so kann doch, so wenig diesen Darlegungen auch beizutreten ist, nicht gcleugner werden, daß sie rein thalsächlicher Natur und deshalb auf dem Wege der Revision unanfechtbar sind." Reichsanwalt und Reichsgericht mögen sich beruhigen. Es wird, dank der Empfindlichkeit unserer Klassenjustiz, nicht zu fürchte» sein, daß die durchaus verständige Hamburgische Nussassnng Gemeingut deutscher Strasrichler wird."Die horrenden Nrlheile, die sein, daß der§ 130 jeder demselben Rechte könnte oder Leipzig oder ganz die gerade in den letzten Monaten nach der mißglückten Umsturz- kampagne von deutschen Gerichten gefällt morden sind, bürgen dafür, daß ein kräftig Mörtlein, melches ungeschminkt das schreiende soziale Mißverhültniß aufdeckt, nach mie vor mit harten Gefängnißstrafen gesühnt mird, mag auch das klaffen- bewußte Proletariat überall im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte ganz genau wissen, daß Putsche das ungeeignetste Mittel sind, den sicheren Untergang der heutigen Gesellschaft zu beschleunigen. Ein fürstliches Absteigequartier. Fürst Hugo zu Hohen- lohe, Herzog v. Ujest zu Slaweutzitz war von der Steuer- und Einquarlierungs-Deputation des Magistrats der Stadt Berlin zur Berliner Gemeinde- Einkommensteuer für 1832/33 mit einem Normalsteuersatz von 43 000 M. entsprechend einem jährlichen Einkommen von 1 075 000 M. bis 1 080 000 M. veranlagt morden, wovon 70 pCt. mit 30 100 M. zur Hebung gestellt wurden. Das Veranlagungsschrciben war vom 25. März 1893 datirt und am 29. März durch den Postboten dem fürstlichen Kanzlei- Inspektor Scholz im Amtsbureau der fürstlichen Domänen- direktion ausgehändigt. Da eine Reklamation erfolglos war, klagte der Generalbevollmächtigte des Fürsten im Namen des- selben beim Bezirksausschuß mit dem Antrage, die Stadtgemeinde Berlin zu verurtheilen. anzuerkennen, daß Fürst Hohenlohe vom 1. April 1592 bis zum 31. März 1893 der städtischen Einkommen- steuer nicht unterliege, und daß Beklagte daher schuldig sei, die 30 100 M. zurückzuzahlen. Geltend gemacht wurde, daß erstens die Einziehung(Zustellung der Veranlagung) nicht innerhalb des Fälligkeilsjahres erfolgte; der zur Zeit verreist gewesene Generalbevollmächtigte des Fürsten habe erst im April von der Veranlagung Kenntuiß erhalten. Weiter wurden eine ganze Reihe sachlicher Einwände erhoben gegen die Annahme des Beklagten, daß der Kläger 1892/93 einen zweiten Wohnsitz in Berlin gehabt. Zwar habe der Fürst während der fraglichen Zeit eine Miethswohnung(3000 M. jährliche Miethe) in Berlin besessen, die habe aber nur die Bedeutung eines Absteige- quartiers gehabt, und sei auch über diesen Zweck hinaus nicht benutzt worden. Der Fürst habe sich nur(was nicht be- stritten wird) im ganzen Jahre 30 Tage in Berlin aufgehalten; meistens sei er aus Reifen gewesen und der Arzt habe ihm ausdrücklich einen längeren Aufenthalt in der Stadtwohnung verboten. Die 30 Tage Berliner Aufenthalt vertheilten sich auf vier Zeitperioden. Dann sei aber die betreffende Wohnung für einen dauernden Aufenthalt des Fürsten, der die Annahme eines zweiten Wohnsitzes deffclben in Berlin rechtfertigen könnte, gar- nicht geeignet.(Soll heißen: nicht st a n d e s g e m ä ß.) Ein Vergleich zwischen ihm und den» Grafen Henckel von Donners- marck, der die Wohnung vorher iune hatte, sei ganz unzulässig, gehöre doch Fürst Hohenlohe dem„hohen" Adel und zener andere Edele n u r dem„niederen" Adel an u. s. w. Der Bezirksausschuß war der Meinung, die Zustellungsfrist sei durch die Auslieferung der Veranlagung an den Kanzlei-Jnspektor vor Ablauf des fraglichen Jahres gewahrt worden, da sie an den Generalbevollmächtigten zu recht adressirt war und ihre recht- zeitige Auslieferung im Bureau der fürstlichen Domänen-Direktion der rechtzeitigen Auslieferung an den Generalbevollmächtigten selbst gleich komme. In materieller Beziehung urtheilte der Be- zirksausschuß jedoch zu Ungunsten der Stadt. Aus verschiedenen Umständen, u. a. aus der Kündigung der Wohnung in Verbindung mit den kontraktlichen Miethsbedingungen, hlanbre derselbe entnehmen zu müssen, daß von einem zweiten Wohnsitz des Fürsten in Berlin für die fragliche Zeit nicht die Rede sein könne. Das Ober- Vcrwaltungsgericht(2. Senat) erhob nochmals Beweis über die Art der Zustellung, und änderte das Urtheil des Bezirksausschusses insofern ab, als es die Verurtheilung des Magistrats ausrecht erhielt, seinerseits aber im Gegensatz zum Bezirksausschuß die formellen Bedenken für durchgreifend erachtete und in die materielle Prüfung garnicht erst eintrat. Der Senat hielt die Zustellung doch für verfpätet.— Wäre das Ober-Verwaltungsgericht in der Lage gewesen, die Sache materiell zu prüfen, so wäre unserer unmaßgeblichen Meinung zu Ungunsten deS Fürsten entschieden worden..Das säumige Verfahren des Magistrats, welcher kurz vor Ablauf des Steuer- jahres erst daran denkt, einen so vorzüglichen Steuerzahler zur Gemeinde-Einkommensteuer zu veranlagen, befrenidet uns sehr, weiß er doch sonst jeden armen Arbeiter mit größter Pünktlich- keit zu seiner Sreuerpflicht heranzuziehen. Reichs- Versichernngsamt. Einer der vielen Mängel unserer Unfallversicherungs-Gesetzgebung trat klar in einem Prozeß zu tage, den der jugendliche Arbeiter Zacharias gegen die Stein- bruchs- Berufsgenossenschaft führte. Ter Kläger stand seinerzeit im Dienste des Sandbrnch- und Fnhrwerksbesitzers Braun- schweig. der bei der genannten Genossenschaft versichert ist. Eines Morgens, als im Betriebe nichts zu thun war, wurde Zacharias mit dem Zerkleinern von Brennholz beschäftigt, wobei er sich derartig verletzte, daß ihm der linke Zeigefinger abgenommen werden mußte. Seinen Renten anspruch wies die Genossenschaft mit der Begründung zurück, der Unfall sei nicht als Betriebsunfall anzusehen, wenn auch Braunschweig den Z. mit der Ausführung der betreffenden Arbeit beauftragt habe.— Nach dem polizeilichen Untersuchungs- Protokoll hak Braunschweig ausgesagt, daß er das zerkleinerte Holz nicht zu Betriebs, sondern zu privaten Zwecken ver- wenden wollte. Hierauf stützte sich die Genosseuschaft, auch in der Beantwortung der Berufung, welche der Vater des minderjährigen Klägers beim Schiedsgericht eingelegt halte. Dieser selbst machte gellend, sein Sohn sei, sowohl im erwähnten Fuhriverks-, als auch im Grubenbetriebe thätig ge- wesen, und sei daneben auch zu anderen Arbeiten verwandt worden, wie in dem sraglicben Falle. Das Schiedsgericht ver- urtheilte die Genossenschaft, indem es unter anderem aus- führte: Wenn ein Belriebsuntcrnehmer einen in seinem Betriebe beschäftigten Gehilfen beauftragt, während der Arbeitszeit Holz zu zerkleinern, so sei darin eine Betriebshandlung zu erblicken. Es sei nicht angängig, anzunehmen— wie Beklagte es lhut— daß der Kläger tags- über niit allen möglichen Verrichtungen, die zum Betriebe gehören sollen, beschäftigt werde, und daß er dann für wenige Minuten aus dem Banne des Betriebes austrete, um eine andere Verrichtung vorzunehmen, von der dann angenommen werde, daß sie nicht zum Betriebe gehöre.— So richtig nun der Stand- punkt des Schiedsgerichts an sich ist, hob doch das Reichs- Versicherungsamt das Urtheil auf, da„nach dem augenblicklichen Stande des Gesetzes die Arbeiter nur versichert sind gegen Unfälle im Betriebe". Im vorliegenden Falle wäre, führte das Gericht weiter aus, nicht ersichtlich, daß das zerkleinerte Holz einem Zwecke dienen sollte, der auch nur indirekt irgendwie mit deni Betriebe zusammenhing. Fälle, wie der berichtete, sind nun durchaus nichts seltenes. Zn den be- rechtigtsten Forderungen gehört deshalb die.'daß Gesetzesänderungen durchgeführt werden, welche auch dem Arbeiter eine Rente vor- kommenden Falles sichern, der im Interesse seines Arbeit- aebers, wenn auch nicht im direkten Interesse des Betriebes desselben, Leben und Gesundheit aufs Spiel stellt. Eine Vorlage, durch die unter anderen in diesen Beziehungen Besserungen des Gesetzes angestrebt werden, exislirt nun zwar schon lange, ruht aber immer noch ganz gewächlich im Schooße des Bundesrathes. Handelte es sich nicht uin das Wohl und Wehe von illrbeitern und Arbcitersannlien, fondern um Opfer für den Militarismus, dann hätte sich jedenfalls schon längst der Reichstag damit zu beschäftigen gehabt. So aber-- I st eine Berussgenossenschaft berechtigt, eine Unfallrente dem Bezieher derselben auch aus anderen Gründen, wie denen des Gesetzes, zn entziehen� Diese Frage verneinte das Rekursgericht in einer Rekurssache der landwirlh- schaftlichen Berufsgenossenschaft des Ober-Elsaß. Die Klägerin. Frau Bitschine, hatte eines Tages ihr Gespann benutzt. Aepfel zn holen, und war, weil das Pferd zu scheuen anfing, von, Wagen gesprungen, wobei sie sich erheblich verletzte. Die Polizei hatte hierauf Erhebungen darüber angestellt, ob die Frau das Obst für sich gekauft, und dann der Genossenschaft als Ergebniß der- selben mitgeiheilt, es sei dies der Fall gewesen. Ans grund dieser Erklärung billigte die Berufsgenossenschafl der Frau B. 50 pCt. Rente zu. indem sie sich sagte, der Obstkauf gehöre in den landwirthschaftlichen Betrieb der" Verunglückten. Ter bezüg- liehe Bescheid wurde rechtskräftig, da innerhalb der zulässigen Frist Berufung nicht eingelegt wurde. Später ermittelte jedoch die Genossenschaft, daß das Obst thatsächlich zum Wiederverkauf bestimmt und sie als laudwirth- schaftliche Genossenschaft also an sich gar nicht ent- schädigungspflichtig war. Sie stellte infolge dessen die Renten- zahlung ein. Schiedsgericht und Nieichs-Versicherungsaml waren aber der Meinung, daß die Berussgenossenschast nicht berechtigt gewesen sei, Frau B. die Rente wieder zu entziehen, nachdem der fragliche Bescheid rechtskräftig geworden sei. Ein Betrug liege nicht vor, ebenso wenig eine Befferung im Befinden der Verletzten, welch' letztere dann die Entziehung gerechtfertigt haben würde, wenn sie durchgreifend gewesen wäre. Tie Folgen der ursprünglichen, ungenauen Ermittelungen müsse die Bereinigung nun schon tragen. Verf«n»tt»luttgen. Tic Auarchisterei war in der letzten Zeit in Berlin so ziemlich eingeschlafen, jetzt macht Herr Wiese aufs neue den Ver- such, sie zu ermuntern. Er fühlt sich nämlich berufen, wie er in der von ihm geleiteten, am Donnerstag Abend in der„Königs- bank" abgehaltenen Versauimlung bemerkte, über das Wesen des Anarchismus„Klarheit" zn schaffe»; da die Presse fehlt, sollen die Versammlungen diesem Zwecke dienen. Der erste Theil der Wiesc'schen Rede, die von der ziemlich zahlreichen Zuhörer- schaft geduldig aufgenommen wurde, brachte„den Entwicklungs- gang des Anarchismus durch die Jahrhunderte hindurch". Wir verschonen die Leser mit all' dem— bis zum Jahre 1343 wurde(nach Wiese) der Anarchismus in utopischer Weise propa- girt, dann kam die Geschichte anders. Daß der Anarchismus ein Zweig der sozialistischen Bewegung ist, bedarf für einen Redner wie W. keiner weilereu Beweisführung. Nun kramte Herr Wiese die einzelnen Theile seiner Idee, die er„praktischen Sozialismus" getauft hat, fein sorgsam aus. Hier die Produklivgenoffenschaft, dort dieKonsumgenossenschaft. Es liegt nun blos an dem Proletariat, ob es glücklich werden will; Wiese ist gern bereit die Kur vor- zunehmen.... Bei dem eifrigen Bestreben, seinen„Plan" recht vlausibel zn machen— die Ehre der Priorität theilt der gute Mann gern mit dem Franzosen Proudhon— sparte W. nicht mit Liebenswürdigkeiten gegen seine einstigen Kampfgenossen. „Seit 30 Jahren wird der Anarchismus schon propagirt und doch ist der Einfluß auf die Masse gleich Null geblieben; wir haben keinen Einfluß auf die Masse gewonnen(Zwischenruf: Nanu?). Wiese fortfahrend: Was wollen die paar Tausend, die in der ganzen Welt verstreut sind bedeuten!(Sehr richtig!) Die Massen müssen wir haben, wenn wir nicht unsere Ideen um einige hundert Jahre vertagen wollen. Wir sind bisher Thoren gewesen. Die Gesellschaft ist im ganzen viel zu friedfertig, als daß sie an Gewaltakten Gefallen findet. Nur durch ihr prak- tische- Vorgehen haben die Sozialdemokraten ihre Erfolge bei den Massen erzielt. Wir müssen auch praktisch werden." Ten Generalstreik beute planen nennt er einen General- unsinn. Wenn die Genossen sich aus Sozialisten der Phrase in Sozialisten der That verwandeln wollen, schließt er pathetisch, bleibt nur der eine Weg, sei» Weg nämlich, offen.(Ver- einzeller Beifall.) Tie Hoffnung mancher Theilnehmer der Versammlung, die zweifellos gekommen waren, um sensationelle Enthüllungen abzuwarten— vielleicht den Altenläterich vom Polizei-Oberst Krause kennen lernen wollten— ging nicht in Erfüllung. Ter zweite Redner nach Wiese, Wiesenthal, führte die Versammlung schon ihrem traditionellen Ende, der„Auf- lösung", zu. Ter Redner erwähnte beiläufig, daß Ravachol und andere auch Menschen,„vielleicht sogar edle Menschen gewesen".. „Ich löse die Versammlung auf grund des s 5 des Vereins- gesetzes auf," schallte die Stimme des Ueberwachenden da plötzlich durch den Saal. Der Sozialdemokratische Wahlverein für den fünften Berliner Rcichstags-WahlkreiS hörte. in seiner am 2. d. M. stattgehabten stark desuchten Versammlung einen Vortrag des Genossen Dr. Zadel über„Mariaberg". Bei der Untersuchung und Beurtheiluug der Schuldsrage an den traurigen Vorgängen in dem Alexianer-Kloster kam der Vortragende zu dem Schlüsse, daß einzelneu Personen nicht die Schuld an den Vorkommnissen beizumessen sei, sondern dem verkehrten System, die Jrrenpflegc vorzugsweise kirchlichen Gemeinschaften zu übertragen unter Ver- nachlässigung der staallichen Irrenanstalten. Redner forderte eine durchgreifende Reorganisation der Jrrenpflege, den Bau einer hinreichenden Anzahl von Anstalten, um alle akute Geistes- kranke aufnehmen zu können, eine der fortgeschrittenen Wissenschaft entsprechende Einrichtung und Leitung dieser Anstalten unter Festsetzung ausreichender Garantien da- für, daß Mißbräuche und Mißgriffe ausgeschlossen sind, oder im Falle des Vorkommens doch rückgängig gemacht werden können. Ganz besonderes Gewicht legte der Vortragende auf eine materielle wesentliche Besserstellung des Wärterpersouals und eine bedeutende Verkürzung der Arbeitszeit desselben, ebenso auf die Anstellung einer genügenden Anzahl ausreichend dotirter, psychiatrisch vorgebildeter Aerzte und auf die Ilnierstellung der Anstalten unter eine fachwisscnschaftliche Kontrolle. Entschieden forderte Redner einen Bruch init dem jetzigen System, die Geisteskranken in privaten Anstalten unterzubringen, denen das Odium des privaten materiellen Interesses anhafte, dem die Geisleskranken unter allen Uniständen cutrückt werden müssen. Tie erwiesenermaßen stelige Zunahme der Geisteskrankheiten habe ihre Ursache in dem verschärften Kampfe ums Dasein, in den Begleiterscheinungen der heutigen Produktionsweise, Alkoholismus und Syphilis. Die heutige Gesellschaft habe leider für die Durch- führung dieser unserer Forderungen kein Geld. Aufgabe der Arbeiter sei es, dafür zu wirken, daß an stelle der Heuligen Ge- sellschaftsordnung eine andere trete, welche Vorgänge wie die in Mariaberg zur"Unmöglichkeit mache. Dem mit lebhastestem Beifall aufgenommenen Vortrage schloß sich eine Diskussion nicht an. Vom Vorsitzenden wurde darauf hingewiesen, daß die nächste Versammlung eine Generalversammlung ist und daß etwaige Anträge statutengemäß dem Vorstaude zu unterbreiten seien. Auch wurde den Genossen bei Ausflügen in die Umgebung Berlins die strenge Beachtung der Lokallifte nochmals nahe gelegt. Der Zentralverband der Maurer Teutschlands hielt am 30. Juni in dem Lokal von Henke, Naunynstr. 27, eine Wandcrversammlung ab. Da der Referent nicht erschienen war, wurde sogleich zur Erledigung der Vereinsangelegenheil über- gegangen. Bekannt gegeben wird, daß der Verein am 24. August in dem Lokal von Kliem, Hasenhaide, ei» Fest abhält. Bon dem Spediteur, welcher die Verbreitung des„Grundstein" be- sorgt, wird eine Erhöhung der Spesen verlangt. Tie Versamm- lung beschließt, mit der Parleispedition in Verbindung zu treten, um dieser die Besorgung des Fachorgaus zu übertragen. Tic nächste Mitgliederversammlung findet am 14. Juli bei Eohn, Bculhstraße, statt. Vom August ab werden die Mitglieder- versanuniungen regelmäßig jeden Sonntag nach dem 15. des Monats in demselben Lokale abgehalten. Zum Schleiß ermahnte der Vorsitzende die Anwesenden, recht fleißig die Sarnmellisten, die zur Unterstützung der streikenden Beruisgenossen verausgabt werden, zirkuliren zu lassen. Tie Listete sind beim Kassirer, beiin Vertrauensmann, sowie sämmtlichen Hilfskassirern zu haben. Tic Stellmacher hatten am 30. v. Mls. eine öffentliche Versammlung, in ee'clcher nach einem Vortrage des Eenofien W i tz über" die Pariser Komenunckämpfe die Neuwahl der Agiiationskommission zur Tagesordnung stand. Tie Kommission wurde auf ein Vierteljahr gewählt und besieht aus den Kollegen Michels, Baum, Schütz. Melcher und L a ni a i n. Zum nächsten Punkte:„Werkstattangelegenheiten" waren die Arbeiter aus den Wagenfabriken von Ditlmann, Kühlstein und Neuß besonders eingeladen. Nach den Erhebungen der bisherigen Agitationskommission beträgt die Arbeitszeit in Berlin 10 bis II Stunden, in Charloltenburg tzt/e— II Stunden, in Meißensee und Rixdorf je 11 Stunden. Ueber die Löhne in Berlin hat man keine sicheren Mitlheilungen erhalten können, in Charlotten- bürg wurde ermittelt: bei Kost und Logis 8,75 Mark per Woche(doch soll es hier an Sonntagen kein Vesper und kein Abendbrot geben); ohne Kost 18—24 M. Wochcnlohn. In Weißensee wurde mit Kost und Logis 7—8 M.. in Rixdorf mit Kost und Logis 8 M., Wochenlohn durchschnittlich 20,25 M. gezahlt. In Berlin ivnrde in einer Werkstatt in der Mühlen« straße für einen Aüsgelernten ein Wochenlohn von 15 M. er- mittelt. An die Kollegen der vorgenannten Wagenfabriten war auch seitens der Agilationskommission früher bereits Eiuladnug zu einer Werkstattssitzung ergangen. Leider war aber niemand erschienen. Es erscheint dies um so bedauerlicher, als gerade in den Wagenfabriken die Saisonarbeit vorherrscht und der Stunden- lohn höchstens 35 Pfg. beträgt. In vielen Werkstätten evird, wie mitgeiheilt wurde, auch Sonntags gearbeitet, und wurde der neuen Agitnlions- Kommission nahe ge- legt, auf diesen Ucbelstand besonders ihr Augen- merk zu richten. Ter Arbeitsnachweis in der Blumenstrabe wurde der Agitationskommission gleichfalls zur freundlichen Be- rücksichtigung empfohlen; dort giebt die Innung, wie es heißt, auch Arbeitsbücher für die Gesellen k 50 Pf. aus. In einem Schreiben sprachen die Nürnberger Kollegen, für die ihnen ivährend des Streiks gewordene Unterstützung ihren Dank aus. Eine gut besuchte öffentliche Bersammlung der Schmiede tagte am 3. Juli bei Buske, Grenadierstr. 33. Es galt Stellung zu nehmen zu der Neubesetzung der Stelle des jüngst verstorbenen Jnnmigs-Herbergsivirlhes Milde in der Mulakstraße. Brieflich eingeladen zu der Versammlung waren der Obermeister der Berliner Schniiede-Jniiung und der Altgeselle. Beide waren jedoch aus leicht erklärlichen Gründen nicht erschienen. Einleitend unterzog der Referent, Genosse M a t t u t a l die Wohlfahrtseinrichtnngen der Innungen und das Jnnungsherbergswesen einer eingehenden Beleuchtung. Aus der sich daranschließenden Diskussion ergab sich, daß die Behandlung der Schmiedegesellen durch den ver- torbenen Herbergswirth allgemeine Mißbilligung fand, somit das Verlangen durchaus berechtigt erscheint, hier für Abhilfe zu orgen. Auf Antrag wurde eine 3gliedrige Kommisston gewählt, mit dem Aetftrage, Unterhandlungen mit den Junungsmeisterie zu ühren bezüglich des neue» Herbergswirthes. Die Beauftragten haben dann in der nächsten öffentliche» Schmiede-Versammlung Be- eicht zu erstatten. Außerdem wurde die Kommission mit der tklus- arbeitung eines neuen Rcgleenents des Arbeitsnachweises beauftragt, dessen Junehaltung von einer Kommission ans der Gesellenschaft zu überevachen ist. Ferner wurde die Besetzung des Arbeitsnacheveises durch eine gänzlich unparteiische Person ver- langt. Tie Kosten für den Arbeitsnacheveis sind zur Hälfte von den Arbeitern, zur Hälfte von der Meisterschaft aeefznbringeet. Tas positive Resultat der Versammlung war der Beitritt einer erfreulichen Anzahl Theilnehmer zu der Organisation der Schmiede. Fr-«r«»gISst Gemrtxd». Tonntag, den 7. Juli, vormittag« q Uhr. Rosenihalerstr. es: Vortrag de« Herrn E.„Vogtherr über: Tie Grundsätze der Lemcindc." Um e°!. Uhr vormittag« ebendaselbst: Vortrag de« Herrn (i. Voatberr:„Religiöser Perkonentullu»". xiMiirr-D-ret«. Heute Abend 9 Uhr, Mclchiorstr. 15, Versammlung. |'rfliiui5>:<»f in Hoesbeardeitungs-Fadriken und auf Koiiplüt,«» brfiiiiftivtr» Arbeiter und Arbeiterinnen v-ntschland».(Ftlsale Verltn I.) Montag, den S. Juli, abend« SX Uhr, Mitgliederversammlung bei Witte, Audrcaösir.«6. Abrechnung vom 2. Quartal und von der Tampser- varthie. Arbeiter-Sildnngofchul». Sonnabend, 5. Juli, abend» 7�— Sit Uhr: Lektüre. ee bis I«!; ue>r: Tislulirübungen. Unentgeltlich. Nordschute, Müllerstr. e70a. tThema: Tic Kunst im Mittelatter. Referent: Dr. Pinn.) Süd-Oll-Schuie. Waldemaren:, u.(Thema: Wirthschaftliche Umwälzungen. Reserenr: Tr. Henmann.) Bei allen Unterricht«Iächern werden Damen und Herren jederzeit ausgenommen. Arbmrr-Knnarrbeind Kerlin»«»d zlmgegend. Vorsitzender Ad. Neumann. Pasewalkerslr. S. Alle Aenderungen im VeretnSkalender stnd zu richten an Friedrich«ortum, Manlensselstr.«D, v. 2 Tr. Kon, labend. Abend« «—II Uhr: Uebung«enmde und Ausnahme neuer Mitglieder. Gesangverein E«»> e r a l d a, Königsbergersir. 5 bei RaSkowsky.— Grüne Sich-, Rexdors, Hcrinonnstr. 48.(jete Herrsurthfnabe, bei Heichau«.— Lvranea. Landsberger Allee 166 bei Eoebel.— Sange«-Scho, Naunvnftr. 86, bei Zubeil. — G I ü et z e,, Pasewatterslr. 3 bei Neumann.— Gesundbrunner Männerchor, Prinzen- Allee to bei Bergmann— Männer-Aesang- verein L i« d e r t r a n, in Brandenburg a. d. Havel, Mengen'« Vottsgarlen. Berastr 6— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. d. Havel, Hauptsirahe. Winkel'« Salon.— Frisch aus I, FriedNchSberg, Rummelsdurgerstr. 69 bei Adam— Sängerlust, Luck-Nwald-, B-elitzerftr. 3t bei Otto Schulze.— Männer-Gesangverein Fortschritt, KönigSberaerstraße 23 bei Leichnitz— Hand in Hand II, Friedrichsberg. Friedrich Kariilr. ll bei Emil Hctnelle.— Männer-Gesangverein Im me rg rü n, Tegel, Span- oauersir.>5 bei E. Rentner.— M o a b t t, Havelbergerstr. 3t.— Freie Sänger, Schmargendors, Wirthshau« Friedrich.— Hand tn Hand l, Admtralstr. 33 bei Tutzauer.— Gesangverein„Frisch aus ll", Schönwalde in der Mark. Kund der geselligen Arbeiterverein» Kerli»»«»d Zl,»g»ge»d Alle Zuschriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine betressend sind zu lichten an: P. Gent,»raibertstr. 95. Konnabrnd: Tbcaterveretn L efstng, Raupachstr. 5, Restaurant Felseiigrott«(jeden 2. und t. Sonnabend). vesnng-. Turn» und gef-Uig« prrrine. Konnabend. Turnverein i ch te(Mitgl. d. Teuiichen Arb.-Turn erb.) turnt heute: l. Männer-Abth. ricdennr. 37.— 3. Männer-Ablh. Bocilhstr. 2l.— 2. Lehrltng«-Abrh. �laltycistr. 65—56.— Eemischtcr Ehor Gl-ich heil, Abends 9 Uhr. Eindenei straße, Aestaurateur Schtrmer.— Bühnenverband Normania, jeden letzten Sonnabend im Monat Sitzung bei G. Leichnitz, Konigsbeig-rsiraß- Nr. 2k.— Privat- Thealer- Gesellschaft S chtiler, Sitzung abends 9 Uhr bei Linte, Pulidusersir. 2t. Nach der Sitzung: FideiiiäS.— Theaierverein Bavaria, ASernraße 17 bei Manfras. - Privalthcatcr-Gesellschast Toni, Sonnabend 9); Uhr bei Zuleger, Swine- münderstroße uz.— Theaterverein Lustige Brüder II, Sitzung jeden Sonnabend, Abends 9 Uhr, be! Reichett, Hasenhaide Nr 46/47.~ Theoleigesellschajl Immer Lustig. Abends 9 Uhr, Sitzung bei Ruhl. Ehorinerstr. 53,— Theaterverei» Bohemia, jeden Sonnabend 9 Uhr, Nssiaurant S. Witzel, Aeterstr. 145.—«ergnügungsttub Oftend. Sitzung Abends 9 Uhr im Restaurant Rudolf,«raulstrabe 6.— Geselliger Arbeiter- Verein Proletarta, Sonnabend nach dein 1. und l5. jeden Monats, Abends 9 Uhr bei Sommer, Grünstraße 21.— Rauchtlud Blaue W o l k- jl. Kitzung jeden Sonnabend 9 Uhr im Restaurant F. Steuer, Wetnstraße 22.— Rauchtlub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abend» 9 Uhr, bei F. Krüger, Fennstraße 5.— Rauchllub Unverzagt, Abends 9 Uhr bei Vogel, Lebuserftr. 13.— Rauchllub Märlisch Kraul, Eisenbahnstr. 7 bei Engelhardt.— Stalllud Blau« Blouse. jeden Sonnabend bei Mullke. Graudenzerstr. 2.— Skaltlud Revolution, Sitzung leden Sonnabend 9 Uhr bei Hauptmann, Wienerstraße 1—6— ktutttub L r ü d e r i i ch l- i t, Sonnabend von s-ll Uhr Sitzung b-i Wiltwe Lehn. Stralsundcrsir. 1 9.— BergnügungSverein Alpenveilchen, jeden sonn, abend Kio Uhr Sitzung bei Ruppin, Blumenstr.«o.— Tainbourverein Ruf- Sonnabend, abend« 9 Uhr. beim Rellauralcur Sodlke, Jnfelitr. 1.- Ar- beiicr-Ziihcrtiub Frohsinn abends» Uhr im Restaurant Reich, Blumen- strebe 32.— Bergnügungsveretn Bruderteite, Sitzung abends« Uhr bei Paris,«ledilschstr. 23. Gäne roiutommc».— Echachtlub„Springer" b:i Wernau, Rosenihalerstr. 67 jeden Sonnabend 9 Uhr. Dansb! Forening Freja, Oranlenstrasse 51, Modeaflen hver Lordag Kl. 9. Bcsögende ere velkomne. Danske Aviser findes i Lokalet. Dentscher sonnldrmoUratischer geCcltluli in Paris. Rue St. Honore 214 Cafe du Lion de Belfort. Jeden Sonnabend osfenttiche Ber- sammlung; reictie Bidliothet, Zeitungen, französischer Unterricht. London. Ter einzige hiesige sozialdemokratische Verein Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels mv milbegrnnd le ßornmunistifche Arbeiter-Bildungsverein befuuet pch nach toU vor id Tottenham Slreel ,Toltenham Court Rd., W. London. SprerszsÄktl. Tie Redaktton stellt die Benuguna des Sprechsaal«, soweit der Raum dasür abzugeben ist, dem Publttum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Versügung: sie wahrt sieh aber gleichzeitig dagegen. Mir dein Inhalt desieiben idenliftznl zu werden. In der an> 1. d. M. stattgesundcneu öffentlichen Metcill- eirdeiier-Versamnilnng(st Kollege Näther über die Anschnffung des Beniners bei der Firma M. Fabian, Fennstr. 21, falsch unter- richtet gewesen. Tie Kosten desselben sind nicht aus der Straf- lasse gedeckt morde», sondern es hat Herr Fabian 40 M. und daS Komptoirpersonal 19 M. dazu gegeben. Tas Banner kostet aber laut Rechnung 55,50 M.; bleibt von obigen 59 M. ein Rest von 3,50 M., welcher ebenso wie die Strafgelder zum besten der Arbeiter verwendet worden ist. F. N ä t e b n s ch. E d. S t e f f e n. T h. F r ö h» e r. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Am Zonntag, de« 7. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokale von «evusii, Zlosenthalerstraße Zlr. 67: BrmchtvBnsmmlmg i»kr Biirße»-«O Pi»stl«ichtt. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommisfion. Referent Kollege Soyka. 2. Stellung» nähme zu den vorhandenen Mihständein 3. Verschiedenes. Kollegen! Agitirt für die Versammlung. 76/1 Montag, de» 8. Inlt» abends 8� Uhr, bei Henke, Uaunynstr. 37: Bezirks-Versammlung für den Südosten. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion. 2. Vorschläge zur Wahl eines Beisitzers und Ergänzung der Werkstatt-Kontrollkonimission. Die Kollegen folgender Werkstellen sind zu dieser Versammlung ein- geladen: vlolsobelckor, Kottbuser Damin 3; g. Knmss, Mariannenstraße 18; Schröpp& Ritler, Eisenbahnstr. 13, sowie sämmtliche Bautischler des Südosten. Hie Ortsverwaltung. VeMH der in Bnchbindereien, der Papier- und Ledergalanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, den Juli, bci Schmiedel, Alte Jakobftr. 32: tVütQllaäer-yepsaBnmluing. Tagesordnung: 1. Die Haltung des Verbandsvorstandes. 2. Unsere Verbandspresse. 3. Mitgliedschasrsangelegenheiten und Verschiedenes. KMer Unser Sommepfest findet am 15. Juli(Guten Montag) bei Rümpel in Treptow statt.— B i l l e t s ä 20 Ps. sind in allen Zahl- stellen zu haben. 23/1 Verbnnd kt Snttler nnd Imwi Sonnabend, 6. Juli, abends 9 Uhr: fS- Zwei Versammlungen. 5g 1. Centrum bei Herrn Pasch, Alte Iakobstr. 83. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung pro 2. Quartal 1895. 2. Verschiedenes. 2. Norden bei Herr» Mayer, Miillerstr. 7. Tages-Ordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Gleichzeitig machen wir auf die am 26. 6.». stattfindende liavkt- Vamplerpartie naed der Borussia-Brauerei aufmerksam. Brllets sind in den Versammlungen zu haben. Ui6/1 vi« OrtsverwaHung. Verein der Maschinisten, Heizer und Berussg. Berlins und Umgegend. General-Versammlung am Sonntag, 7. Juli, nachm. 3 Uhr, in den Oranicnhallen, Oranienstr. 51(am Moritzplatz). 138/1 Tagesordnung: 1. Halbjähriger Kassenbericht. 2. Anträge. 3. Ver- schiedenes. Der Vorstand. I Stuckatenre. Tie Wandervrrsammlung des Fachvereins findet am Hoatag, den 8. Juli, bei Sass, Kursürstenstr. 31, statt. 131/1 Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Schulz über: Die französische Revolution. 2. Gewerkschaftliches. ver Verstand. A. Jänicke, Lychenerstr. S. Achtung! Vergolder. Achtung! Montag, den 8. Juli, abends 8�2 Uhr, bei Vleneoke, Alte Iakobstr. 83: Große öffentliche Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. Wie stellen sich die Berliner Vergolder zum Generalstreik? 3. Ergänzungswahl der Agitationskommission. 4. Verschiedenes. 227/1 Kollegen! Zeigt durch den Versammlungsbesuch, daß Ihr ent- schlössen seid, das fluchwürdige Akkordsystem aus der Welt zu schaffen. Hie Agitationskommission. Hans Baake, flcrltw S., City pastaar. In meinem Kommissions-Verlage erschien: remme B rüder Reue Verse, gehauen und gestochen vom.[28462 sanften Bruder Heinrich. 32 Seiten mit Illustrationen ord. 10 Pf. Ueberall z» haben! HBBSBSDBBB wmwva 1 reusslitzer � Echter Malz-Kaffee jljy 1804 in Dresden prämilrt erwarb sich einen Weltruf durch seine Reinheit, seinen ausserordentlichen Wohlgeschmack und seine Ausgiebigkeit. Eine sparsame Hausfrau wird nicht versäumen, ihn zu versuchen. '/, Pfd.-Orlginal-Packet nur 20 Pfg. Zu haben in allen Colonialwaaren-, Mehl- und Vorkost-Handlungen. Haupt-Depot bei Carl Goebel, Berlin W., Gleditsch-Strasse 5, L Geueral-Deblteure: Pfaff& Schulze, Bernburg. 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Für die innige Theilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Bruders Adolf Otto sagen wir allen Be- kannten, sowie seinen Kollegen und seinem Meister und dem Verband der Porzellan- und verw. Arbeiter den besten Tank. R u m b u r g, Böhmen. lS84b Familie Otto. Brosso Versammlung der Stuhlarbeiter Berlins und Umgegeud Montag, den 8. Juli er., abends 3 Uhr, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Bericht über die am l. Juli er. abgehaltene Sitzung des Einigungsamles. 2. Besprechung über den in unserem Gewerbe herrschen- den Rothstaud. l9L0b Die Mitglieder der Weber« und Wirker-, Raschmacher-». Tuchmacher- Innungen, sowie alle selbständigen Stuhlarbeiter werden zu dieser Wer- sammlung ganz besonders eingeladen. A. K ö l z e r, Obermeister. Dm 500{, billiger »lere von nur Mk. 6 U Vi««sind«>ch "'dtelt vochfeine Schweizer Rsmontoir- Uhr inlikligamxiv- v>rl«m«hön SUVecgchiui- je.io-ich-ilitl» das Auiscden von sudil NN- virandert del- bidvli Die!« U!ir Vatiin vor- zUg'.icheS, genau reoniirtc» SS-ftundtgc» Gchwcijerwkrt. auiere �e>a«r- ftellung«mail- llrti» Zlffirdlatt L Jahr-« ranne iur aule» Eang Dazu pafitnd» Xtclci-I- tretteoin modernftcn FaeoniaM. 1 50. veriandt aegen Nachnahm« oder vorher. Seldeinjenvuns durchs sseith's Neuheiien-Verlrieb, XrODd-R.,«tnialtcheftr H. Berlin W., Sharlottenftr 63. Hamdnro, Si°i>e Thealerslr. Si. Carl Schindler Chausseestr.55 Amt III 8917. Empfehle alten■ma Nordhäuser Llr.-FlaschelM. 5 Fl. 4,80 M. I-iköre, Cognac, Bum, Uugarvein etc. Mdbel- Kaufgelegenheit. Zum Umzug passendste Gelegenheit für Brautleute, Hotels u. Wiederverkäufer. 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Tanz event. in beiden Sälen. Entree 25 Pf. An brr Kasse 39 Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie bei den Kollegen Ltöt�or, Waldeinarstraße öS: 0. Meyer, Strelitzerstraße 28; Prahm, Lichtenbergerstraße 14 und im Vereinslokal Annenstraße 16, zu haben. Die Adresse des Verwalters Collegen prskm, welcher vom Montag, den S. Juli, an die Geschäfte führt, ist Lichtrnbrrgerstr. 14 III. 20/1 deutscher Holzarbeiter-Verband. Am Sonnabend, den 6. Juli, feiert die Zahlstelle Spandan im Lokal des Herrn Bork, Staknerftr. 14, ihr 2. Z � Z ß K u n g s f S s 76/3 Das Komitee. Gäste willkommen. Grosses Somner-Fest des Turn-Vereius„Fichte" 1. M.-A. und des GOiigmellls..Wie Nkdertastl" am Sonnahend, 6. Juli, im LcKrosiieee' Garten, am Königsrhor— am Friedrichshain. Ke. KseteMliinei't. lliestee«. SpensIiMeii. sowie dreimaliges Auftreten von Mitgliedern des Turnvereins„HcMe" in Produktionen ganz neu einstudirter Triks. Im Saale: Großer Sommernachts-Dall. Volksbelustigungen aller Art. Die Kasseelm che ist von 3 Uhr ab geössnet. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf., im Vorverkauf 23 Pf. 28098_ Die Kommission» Bezugnehmend auf die Annonce vom Sonntag theilen wir hier- durch mit, daß dies nicht das Sommerfest des ganzen Turnvereins„Fichte" ist, sondern nur von der ersten Männer-Abtheilung(Nordost) des betreffenden Vereins. Die Kommifsto». I. A.: H. Gumpel. Schlotz Weihen lee. — � Zum Sternecker.-— Sonntag, den 7. Juli 1805: Achs sWldemkrMes Zslkssejt arrangirt von den_ gCT Parteigenossen des Kreises Niederharnim"MW unter Mitwirkung mehrerer Arbeiter-Gesangvereine. Grosses Konzert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil-Berussmusiker. Grillsni I-snel- unei Wasser- Feuerwerk der Kunstfeuerwerker Bock und Massow. Kinder- Fackelpolonaise, jedes Kind erhält eine Slocklaterne gratis. In den Festsälcn: Gr. Dali. _ Herren, ivelche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. � gy D i e Kaffeeküche ist den ganzen Tag geöffnet."ÄS Anfang 8 Uhr morgens. Kasseneröffnung 7 Uhr. Entree KS Pf., im Vorverkauf Ä0 Pf. Billets sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Um recht rege Betheilignng ersucht 59/11 Das Comitö, Faciiverein der Musiklnstrumenten-Ärlieiter. Montag, den 15. Jnli, in der„Neuen Welt", Hafeuhaide: Großes Sommerfest. Kr. Konzert. Spezialitäten-Vorstellung. Kr. Feuerwerk. ■Äuftrotc» des Gesangvereins„Edehveiss"(M. d. A.-S.-B.) Kinderbelustigungen aller Art. Stollilaterue gratis. Im großen Saale: BaiL SreTsoP?. SS Die Kaffeeküche ist von Z Uhr au geöffnet. 141/1 Entree 30 Pf. Anfang 4 Uhr. Der Dorstand. IM" Lspeniok.-MI Arbeiter-Gefangverem„Morgenrots (Mitgl. d. A.-S.-B.) Zur Feier des 4. Stittungstestes am Sonnabend, 13. Juli, im Lokal de» Krrru Klein(Stadtthrater): Grosses Vokal- und Instrumental-Konzert. Grosser Sominemaclitsball, komische Vorträge n. s. w., unter Mitwirkung der Gesangvereine Hsimatliklängs und Der Glasarbeiter. Kaffenöffnung TVa Uhr.— Anfang 8 Uhr.— Ende 6 Uhr. PUT" Eintritt: Herren 50 Pfennig, Damen 25 Pfennig.'9Q Bei günstigem Wetter findet das Konzert im Garten statt. Killet» sind vorher bei den Mitgliedern zu haben. Hierzu ladet ein 65/1 Das Komitee. Achtimg! jMT" Klein Kaufen Sie nur eckte Branntweine, alten Uordhänser, Cognak, Dum, Arrak. G. J. Engelke, Neue Jacobstr. 26. Kleinverkauf von 10 Pf. ab."SS®_ Möbel, Spiegel u. Polsterwaaren. Reelle Waare in Nußbaum it. Mahagoni. Küchenmöbel. Franz Tutzauer,«10�.�14. Sertdni) kt Möbeholirer. Nächsten Montag, ab. 8 Uhr, Badstr. 12: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Koll. Reuter. 2. Bericht über den Streik der Polirer in Dresden. 3. Ver schiedenes. 145/1 Der Vorstand. Kranken- und Storhekasse „Freundschaft" sucht Mitglieder. Aufnahme und Aus- knnft erlheilen die Herren Nitz, Vor- sitzender, Winterfeldtstr. 20, u. K l a f f k e, Kassirer, Kreuzstr. 15, Hof 2 Tr. 1978b Der Vorstand. Borßenbergefsije Sterhekasse Do. 31 gegründet 1845(Berlin) zahlt ein Sterbegeld von 45—90 M. bei einem jährlichen Beitrage v. 3,20 M. Beitrittserklärungen werden an jedem ersten Sonntag im Monat von 4 bis 7 Uhr im Kaffenlokal, Aekerstr. 13, entgegen genommen. 1983b Der Vorstand. Allen Rnnchm empfehle meine vorzügl. 5- u. 0-Pf.- Zigarren, außerdem offerire 25 Stück für eine Mark. Achtungsvoll Rnd. Langberg, 1979b 8. Mariannenstraße 6. Achtung! Achtung I Pankow u. Umgegend. Empfehle den Genoffen meine Brot- il. Weiß-Mlkerei. Durch Lieferung mir guter und schmackhafter Waare werde die mich Beehrenden zufrieden stellen. 2855b Fritz Krause, Maximilianstr. 2. Weissensee. Den Parteigenossen sowie meiner werthen Kundschaft hierdurch zur Kennt- niß, daß ich die Bäckerei Königs- Chaussee 45 a, wieder eröffnet habe, und bitte um gütigen Zuspruch. 28548] Achtungsvoll E. Hammelman. Allen Freunden und Bekannten zeige ergebenst an, daß ich in der Skalitzerstr. 114 eine Restauration eröffnet habe. Speisen und Getränke in allbekannter Güte. 1977b P. Drügemüller. Ken erekkuetl Oranienstr. 180. Empfehle meine Säle zu Festlich- leiten und Versammlungen. 1931b Rautenherg. Achtung!°Kein Laden. Kontroll-Schubmarke. Nur eigene Fabrikation, 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. Rippenlabak 2 Pfd. 7t) Pfg. 2323 L* K.£. Dinslage, Kotlbuserfir. 4, Hof park. Mart. Bern dt'8 Mrßelßuhe empfiehlt nach wie vor allen Freunden und Bekannten seinen vorzüglichen Frübsluolts-, Mittags- und Abendtisch. Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab: it. Eisdeine. Für gute Biere ist selbst- verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besuch bittet Martin Berndt, Oranien- u. Alexandrinenfiraßen- Ecke. W. Oründai's fcB-Snlc* Brunnenstr. 188 (150—500 Dersonen), Drreino- »immer, Garten, franz. Killard. Einige Tage sind noch frei. Kaffeeküche täglich von 3 Uhr ab geöffnet._ Boltz' Sommergarten Aite Jakobstr. 75. Täglich: Spezialitätcu-Vorstellung. Bei ungünstiger Witterung i. Part.- Saal. Für Saison 1895/98 Säle zu Festlichkeiten u. Versammlungen. Rarls-Carten, Karlsgartenstraße a. d. Hafenffaide (Aufgang Wißmann- n. Hermannstraße), k direkt a»» Walde gelegen! Angenehmer schalt. Aufenthalt. Volks- belustigungen aller Art, als: Karoussel- fahren, 12 Schaukeln, 3 Wippen, Ejel- u. Pony-Reiten u.-Fahren, Kaffeeküche, 3 Kegelb., groß. Tanz u. große Verloos. von Schinken, Speck, Wurst, Eieni:c. Hierzu ladet ergebenst ein R. Seyer. Bekanntmachung. Schmöckwitz, Gasthans„Zur Palme". Der angesagte Rauchklub zum 7. Juli hat sein Kommen abgesagt. Mein Lokal ist daher frei von jeder an- gesagten Gesellschaft. Ich bitte die Ausflügler, welche noch kein festes Ziel haben, nach hier zu kommen. Ganz ergebenst 1960b Varl Kurras, Telephon: Amt Grtinan 39. 2 Gärten, Kegelbahn, Tanzsaal, gute Getränke a.d. Norddahn und Küche empfiehlt den (im Dorf). Genossen A. Bergemann. StegBätz- Friedenau. Dienstag, den 9. Jnli, abends 8 Uhr, im„Schwarzen Adler" in Steglitz, Albrechtftraste Nr. 125: Oeffeutl. Volks-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Vagner über:„Klaffenkämpfe". 2. Tis- kussion.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Arbeiter und Arbeiterinnen ersucht 202/1 Der Dertraurnsmann. R i x d o r f s Sozialdemokrat! scher Uerem Uarwarto. Gene�sB-Mersemmlung am Dienstag, 9. Juli, abends 8V2 Uhr, bei Herrn Kummer, Berlinerstr. 55. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genoffen Rohrlack über: Arbeitslohn und Kapilal- einkommen. 2. Diskusfien. 3. Kassenbericht. 4. Bericht des Vorstandes und des Bibliothekars. 5. Vereinsangelegenheiien und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. 232/1 Die Mitglieder werden auf den§ 6 Absatz b aufmerksam gemacht.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Dorstand. RL. Der Urania-Besuch findet am Sonntag, den 11. August, mittags 1 Uhr statt. Fahpr Weiss- und Bairisch-Bier-Lokal HM Vi 9 LOtsowstr. 4(gegenüber Viktoria-Brauerei). Friedrichshagen, �7s�� Friedrich- Straße II*. 58, 2 Minuten von der Bahn. 2851b Gute Speise» und Getränke zu billigen Preisen. Kante Hoffmann. fäl 4«4«« Vf k �(Kahnstation Schmöckwitz) Ullywlllile, M.HermM'S Reßiillrll!lt,,FoOlli!s". Kasseekiiche, 2 Kegelbahnen; gute Speisen u. Getränke zu soliden Preisen. �HoftalPllvlH'inDn Spindler, Milhelmstraße Dr. 6� A I ICUl lUll&llay Cll. rechts die Linden-Allee entlang, empfiehlt den Genossen fein Meiß» und Zairisch- Hier- Fokal, Garten nnd Kegelbahn. 2801L BeeBltzliof, Wannsee. HaenseB's Restaurant. von den Stationen Schlachtensee und Wannsee in 20 Minuten zu erreichen, empfiehlt sich Vereinen und Gesellschaften bei Ausflügen und Landpartien. Großer schattiger Garten direkt am Walde gelegen. = Ausschank der Brauerei Pichelsdorf.= Vorzügliche Küche. 2 Kegelbahnen. Kaffeeküche. Großer Tanzsaal. Belustigungen aller Art. Stallungen für 100 Pferde. s2S58h,' Rtstanrant Sanssmi, Schmargendors Ruhlaerstr. 20 21(neben dem Schützenhaus), direkt am Wald, mit großem schattigen Naturgarten nnd angrenzender Wiese als Spielplatz. Dornigliche Speisen nnd Getränke zu zivilen Preisen; große Kassee» Küche, 2 gute ik egelbahnen, Volksbelustigungen aller Art. 400 Personen fassender Parquetsaal zu Versammlungen und Festlichkeiten. S!anuiaa?.» dTU»-5?.* II unter Leitung des Tanzlehrers Hrn. voldschmidt V01ullugl>» Viel-.(Mitglied des Tanzlehrervereins„Solidarität"). Um regen Besuch bittet Alfred Klalitn(früher Berlin, Annenstraß« 37) Waraemüilderstr. K Lokal v. Ecke Breitestr., unmittelbar am Grunewald, mit schattigem Garten. Familien-RatieeKüche. Jeden fö- Saal, 200 Personen fassend und Doreinstimmer zu Sonntag: Uli.-ilnU. Versammlungen und Festlichkeiten. Id. Schulre, MchshlWSchmrgMrs� Schmöckwitz Echolandt's GeseWilstshoils. ♦ Gr. Säle. Herrlich. Garten am Wasser. Vorz. Bier. Gute Speisen u. Getränke. M ü g g e 1 s e h! o s s L-l-l ,» d-r Aerstne. ßM- ss. Speisrn und Getränke zu soliden preisen.-NV Vereinen u. Gesellschaften gewähre bei vorheriger Bestellung ermäßigte Preise und vergebe einen Theil meines Lokals auch an Sonntagen. Bestellungen nehme durch Fernspr. Amt Ropenich No. 32 entgegen. Um allen Ansprüchen genügen zu können, bitte um zeitige Ätnineldung. Ren: Damptkähre! Hochachtungsvoll Paul Zlbslshy. R- Hohlwein's KeglerMWu, V V 4 v 1 Station für Fnhpartien ic., Gr Weiße 2- Pf. Köpnickrr Fand ltraße. Lagerbier ä Seid. 10 Ps Gr.Garten. Kegelbahiien Xwm WaBefihaus" auf Rauchfangswerder vic» vic(trttlfdl� Ultsag» Bequeme Ueberfahrt. 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