Abendausgabe Nr. 34 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 17 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife finb in ber Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Donnerstag 21. Januar 1926 Berlag und Angetgenabteilung: Gefchäftszeit 3-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Jerusprecher: Dönhoff 292-292 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Zahlen die Fürsten Steuern? Widerspruchsvolle Erklärungen der Regierungsvertreter. Der Rechtsausschus beschäftigte sich heute zunächst mit| hältnisses zwischen den Ländern und ihren ehemaligen Fürsten ist der Frage, ob und inwieweit die früheren Fürften Steuern gezahlt eine staatsrechtliche Angelegenheit, die nicht durch Reichsgefeg er hätten und ob sie alte Steuerprivilegien in Anspruch ge folgen fann; es sei denn, daß man die Berfassung ändert. nommen hätten. Abg. Richthofen: Bir wollen feinen 3wang auf die Länder ausüben. Hoffentlich ändert die bayerische Regierung noch ihre Stellung. Dr. Rosenfeld: Die bayerische Regierung ist die einzige die dem Rechtsausschuß des Reichstages nicht die Abschrift der mit den Fürstenhäusern abgeschlossenen Verträge vorgelegt hat. Bir müssen das verlangen. Außerdem müssen wir wissen, wie hoch der Wert ist, der dem bayerischen Königshaus übergeben wurde. Er wurde im bayerischen Landtag auf 100 bis 150 Millionen geschätzt. Der Bertreter des Reichsfinanzminifteriums: Solche Brivilegien find von feinem Fürsten beansprucht und feinem gewährt worden. Dr. Rosenfeld( S03.): Haben die Fürsten seit der Revolution alle in dieser Zeit ausgeschriebenen Steuern bezahlt? Abg. Brodauf( Dem.): Sind die Fürsten auch zum Notopfer herangezogen worden? Regierungsvertrefer: Sie sind zu allen Steuern herangezogen worden, auch zum Notopfer. Vorf. Kahl: Es sind also keine Tatsachen bekannt geworden, aus denen hervorgeht, daß irgendwelche Widerrechtlichkeiten vor gefommen feien. Dr. Rosenfeld: Bezüglich des Coburger Fürsten sei be Abg. Brodauf: Der Herzog von Coburg hat die Aufwertung feiner Einfünfte verlangt. Sind auch seine Steuern auf gemertet worden? hauptet worden, daß er Steuern nicht bezahlt habe. Regierungsvertreter: Zu den Steuerzahlungen der einzelnen Fürsten tann ich nichts erklären, weil das unter das Steuer. geheimnis( 1) fäút. Pauschalierungen der Steuern find vorgenommen worden. Der preußische Bertrefer: Auch für das Hohenzollernvermögen find alle Abgaben entrichtet worden. Ab. Neubauer( Komm.): Die allgemeinen Ausführungen reichen nicht aus, um unser Mißtrauen zu widerlegen. Dr. Rofenfeld: Wir müssen bestimmte Erflärungen über die Steuerzahlungen jedes einzelnen Fürsten verlangen, menn unfer Mißtrauen beseitigt werden soll. Die Berufung auf das Steuer geheimmis gibt dem Mißtrauen nur neue Nahrung. Aba. Brodauf: Meiner Frage wegen des Coburger Fürften it der Regierungsvertreter aus dem Wege gegangen. Wir müssen fontrete Mitteilungen fordern Abg. Wegmann( 3.): Der frühere Herzog von Oldenburg foll Steacefreiheit verlangt haben. Renierungsvertreter: Ueber die einzelnen Fälle fann ich nicht Auskunft geben.( Bewegung.) Ich habe nur gesagt, daß mir nichts barüber betannt ist, be Steuerprivilegien geltend gemacht werden.( Widerspruch bei Sozialdemokraten und Kommunisten.) Dr. Rosenfeld: Die erste Mitteilung des Vertreters der Reichsregierung hat uns irreführen müssen. Der Regierungsvertreter bat ursprünglich gefagt, daß tein Fürst Steuerfreiheit beansprucht habe. Jegt aber fagt er nur, daß ihm nichts darüber befannt sei. Unfer Mißtrauen gegenüber der Steuerzahlung der Fürsten ist also nur gar zu sehr gerechtfertigt. 3ch beantrage: Die Reichsregierung um eine schriftlich spezialisierte Auskunft darüber zu erfuchen: 1. ob und inwieweit die einzelnen Fürsten Steuerfreibelt, insbesondere Reichsnotopfer, Vermögens- und Einkommensteuer, 3wangsanleihe, Brolverforgungsabgabe, Rhein- und Ruhrabgabe und Umiahsteuer besehlt haben. 2. Ob und von welchen früheren Fürsten Steuerfreiheit in Anspruch genommen worden ist. Regierungsvertreter: Ich muß den Borwurf zurüdweisen, als ob eine Irreführung in Frage fomme. Abg. Brodauf: Die bis. berigen Austünfte genügen nicht. Wir brauchen die Be. antwortung der Fragen, die Dr. Rosenfeld gestellt. Ich frage außerdem: Sind von den Fürsten, zu deren Gunsten Gerichtsurteile ergangen find, Steuernachzahlungen verlangt worden? Borf. Kahl: Ich werde die Anträge und Anfragen an die Regierung weiterleiten. Für die preußische Regierung erklärt ein Vertreter über den Braunschweiger Bilderverkauf: Die Bilder sind weder mit Genehmigung des Oberpräsidenten von Hannover noch des preußischen Innenministeriums vertauft worden. Eine Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden ist überhaupt nicht erforderlich. Dem Verkauf eines Bildes nach England hat der Oberpräsident von Hannover mider. prochen, und der Innenminister hat den Widerspruch unterstützt. Nur mit Rücksicht auf den nahen Ablauf der Kunstschuzordnung und auf Grund von Konzeffionen der Vermögensverwaltung ist das Bild aus der Liste der zu schüßenden Bilder auf Anordnung des zuständigen Kultusministers gestrichen worden. Der Ausschuß wendet sich nunmehr den banerischen Berhältnissen zu. Dr. Rofenfeld: Haben bayerische Fürsten Aufmertungs: ensprüche gestellt? Der bayerische Bertreter: Außer Kapital abfindungen find Aufmertungsansprüche, nicht gestellt worden. Nur wegen einer verhältnismäßig untergeordneten Summe, die feine besondere Rolle spielt. Dr. Rosenfeld: Wie hoch ist diese Summe? Bayerischer Berfrefer: Es handelt sich um das Berlangen einer Aufwertung auf die Summe von 18 000 Goldmart. Dr. Rosenfeld: Diese Zahl genügt uns nicht. Wir müssen wiffen, um wie viele Papiermart es sich handelte und melchen Goldwert diese Summe hatte. Bayerischer Vertreter: Es handelte fich um 60 Millionen Papiermart, die einen Goldwert von 12.000 m. hatten. Dr. Rosenfeld: Das bayerische Königshaus hat also immerhin eine Aufwertung von 150 Prozent verlangt. Das ist zwar nicht ganz so viel, wie andere Fürsten gefordert haben, aber immerhin boch weit mehr, als andere Opfer der Inflation erhalten haben. Bayerischer Vertreter: Der Aufwertungsanspruch der baneri schen Fürstenfamilie ist von der Regierung nicht anerkannt morden. Abg. Brodauf: Die banerische Regierung hat uns schriftlich erklärt, daß fie eine reichsgefehliche Regelung der Fürstenausein andersetzung als schweren Eingriff in die Rechte der anderen Länder betrachte und nachdrücklichst ablehne. Gegen diese Auffaffung muß ich widerspruch erheben, da ein Eingriff in die Rechte der Länder gar nicht beabsichtigt ist. Bayerischer Gesandter v. Preger: Der Ausschluß des Rechtsmeges und die Aufstellung besonderer Grundfäße für die Aufwertung gehen ber bayerischen Regierung& u meit. Die Ordnung des Ber Bayer. Gesandter v. Preger: Eine Berpflichtung zur Auskunftgebung über banerische Berhältniffe tönnen wir nicht anerkennen. Aus Courtoisie verweigern mir aber nicht die Auskunft. Aus den amtlichen Drucksachen des Landtages fann sich jeder informieren. Bayerischer Regierungsvertreter Dr. Neumeyer: Der Wert der Wittelsbacher Immobilien ist überhaupt nicht gefchäht worden, weil es im Jahre 1919 mur einen ganz flüssigen Begriff des Geld wertes gab. Die unfruchtbare Arbeit einer genauen Bertfeststellung hat sich die Regierung erspart. Bon 100 Millionen Bert fann teine Rede sein. Bei der Konstruierung eines solchen Wertes waren also politische Gesichtspunkte maßgebend. Das Haus Wittelsbach ist bem Staat meit entgegengetonunen. Die Weiterverhandlung in der bayerischen Angelegenheit wird auf die Nachmittagssigung vertagt. In dieser Sizung erflärt nur noch der Bertreter des Reichsfinanzminifteriums: Ich fann jest bezüglich der Steuerzahlung der Fürsten nähere Angaben machen, wenn ich auch auf den Coburger Fall bes Steuer: geheimniffes megen nicht eingehen fann Man muß amei Gruppen pon Steuern unterscheiden: 1. Motopfer, Cintommentsteuer für 1921/22, 3wangsanleihe, Bermögenssteuer für 1922 find durch die Aufwertungsordnung und die Steuernotverordnung außer Sebung gelegt. Eine nachträgliche Einziehung tann nicht mehr erfolgen 2 Die auf Golbwert bafierenden Steuern( Brotversorgungsabgabe, Rhein und Ruhrabgabe, Ber mögenssteuern 1923/24 müssen erhoben werden. Ein Anspruch auf Steuerfreiheit ist niemandem gemährt geworden, auch nicht im Oldenburger Fall. Der Ausschuß vertagte sich dann auf heute nachmittag 3 Uhr. Zusammentritt des Reichskabinetts. Das neue Reichstabinett tritt heute im Laufe des Nachmittags zu seiner ersten tonstituierenden Sigung zusammen, an der sämtliche Kabinettsmitglieder teilnehmen werden. Zur Beratung steht in erster Linie die Formu lierung der Regierungserflärung, die Luther am tommenden Dienstag im Reichstage abgeben soll. Die„ Meuterei" in der Marine. Tittmann spricht im Ausschuß über die Marineereigniffe bon 1917 and 1918. Die Not in Ost- Oberschlesien. Zollfrieg und Zlothfturz. Aus Oft- Oberschlesien wird uns geschrieben: In Deutschland wird die Wirtschaftstrife immer brüden. der und das Herr der Arbeitslosen vermehrt sich von Tag zu Tag. Trotzdem also der deutsche Arbeiter gerade jest tatfächlich nicht auf Rosen gebettet ist, so sollte er doch sein Inter effe auch seinen Brüdern zuwenden, die ein unglückliches Geschic vom Deutschen Reich abgetrennt hat, die aber noch fchen Gewerkschaften angehören. Dies ist bekanntlich heute auf Grund besonderer staatsrechtlicher Berträge de ut durch den Genfer Bertrag für Polnisch- Oberschlesien möglich, wo noch viele Tausende von Arbeitern und vor allem auch Angestellte den deutschen Mutterverbänden angehören. Die jezigen mirtschaftlichen Ereignisse haben Polnisch Oberschlesien besonders schwer getroffen. Die Grenze ist bekanntlich mit einer feltenen Rücksichtslosigkeit mitten durch blühendes Industriegebiet gezogen worden. Zusammenhängende Berwaltungen sind durchschnitten worden, so daß ein Teil der Werte auf der deutschen und ein anderer Teil auf der polnischen Seite liegt. Bohl wurde durch den Genfer Bertrag versucht, wenigstens für eine Uebergangszeit die Einheitlichkeit des Wirtschaftsgebietes zu erhalten. Seitdem aber seit Mitte dieses Jahres der deutsch- polnische Zollkrieg ausbrach, ist die Trenmung nun eine vollständige. Die Folgen find geradezu tatastrophal. Der größte Teil der oftoberschlesischen Kohlen, Eisen- und Zinkproduktion ging nach Deutschland. Noch bis zur Mitte dieses Jahres wurden zwei Drittel der geförderten Tonnen Kohle nach Deutschland per schickt. Der Absatz in das Innere Bolens mar bisher nur ein fehr minimaler. Bolen selbst hat um Dombroma und um Kratau Kohiengruben, und im Osten des Landes wird int allgemeinen nur mit Holz geheizt. Wohl versuchte die ober. schlesische Industrie den Kohlenabsag nach dem Auslande mit allen Mitteln zu fördern, ohne allerdings bei ber allgemeinen Absazstockung in der ganzen Welt für Kohle größere Erfolge zu haben. Die fürchterlichen Folgen diefer Wirtschaftspolitik blieben nicht aus. Mehr als 70 000 arbeitslose Familienpater hungern auf den Straßen in den oberschlesischen Industriegemeinden. Diese Zahl ist ungeheuerlich, menn man überlegt, daß die ostoberschlesische Bevölkerung noch nicht eine Million beträgt. Die 3ahl ist auch um so schredlicher, wenn man an den Kinderreichtum der oberschlesischen Fami stens 210 000 Famillenangehörige. Auch stellt die Zahl von lien denkt. Zu diesen 70 000 Familienvätern gehören minde70 000 nur die amtlich registrierten Arbeitslosen dar, es gibt noch viele Taufende von Arbeitslosen, bie nicht unter die staatliche Erwerbslosenfürsorge fallen. Zu diesem Schrecken der Arbeitslosigkeit ist in der letzten Zeit noch ein weiteres schweres Unglüd über Oftoberschlesien hereingebrochen. Das ist der fatastrophale 31oty fturz Man kann sich in Deutschland gar keinen Begriff machen, wie verheerend und deprimierend gerade dies auf die Gemüter gewirkt hat man stelle sich nur nor, daß nach zmeijähriger Stabilisierung die Kertenmarf unter die Hälfte Die Marineereignisse von 1917 und 1918 merden jegt im vierten ihres Wertes finten würde! Der letzte Ministerpräsident und Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsaus. gleichzeitige Finanzminister Grabiti hat für die Stabili Ichusses über den Weltkrieg zur Erörterung gelangen. fierung des Zloty ganz ungeheuerliche Opfer von den polMorgen, Freitag, wird der Unterausschuß im Saal des Haushaltnischen Wirtschaftskreisen in Gestalt von rigorosen Steuern ausschusses früh 10 Uhr zu einer Sizung zusammentreten, zu der sämtliche Abgeordnete Zutritt haben und auch die Breffe zugelaffen wird. Auf der Tagesordnung steht das Referat des Genoffen Dittmann. Man wird von diesem Referat, das auf forgfältigem Studium des bisher noch ganz unbekannten Attenmaterials beruht, manche überraschend wirkende Aufklärung zu erwarten haben. Völkerbundsaufnahme im März. und Vermögensabgaben gefordert. Speziell Oberschlesien wurde in dieser Hinsicht als befonders ertragreiche Kuh angesehen. Dieses Land hat einen verhältnismäßig hohen Prozentsaz der polnischen Steuern aufbringen müffen. Die Schwerindustrie hielt sich natürlich an ihren Arbeitern und Angestellten schadlos, ein unerhörter Lohnund Gehaltsabbau wurde durchgesetzt, so daß die Löhne und Gehälter in Oftoberschlesien noch niedriger sind als in Deutschland, wo doch tatsächlich das Einkommen des Arbeitnehmers auch sehr niedrig ist. Verschiebung der Abrüstungskonferenz? Alle diese Opfer sind mun umsonst gewesen! Die Regie Genj, 21 Januar.( Eigener Drahtbericht.) Gegenüber den rung Grabfti hat es wohl verstanden, die Einnahmen bis vielen Meldungen, die täglich über die Verschiebung der vor aufs äußerste zu erhöhen, hat aber auf der anderen Seite bereiten den Abrüftungstonferenz, die Teilnahme vergessen, vor allem die Ausgaben einzuschränken. Allein der Rußlands und Amerikas und die schweizerisch- russischen MeinungsRußlands und Amerifas und die schweizerisch- russischen Meinungs- Militäretat verfchlang bisher die Hälfte sämtlicher Ein verschiedenheiten durch die Welt schwirren, läßt sich die Sachlage wie nahmen. Auch auf Oberschlesien dehnte man die Militärdienstfolgt zufammenfassen: Mit einer Berschiebung der ersten Abrüstungspflicht aus, trotzdem durch Beschluß des Ministerrats eine konferenz tann bestimmt gerechnet werden. Der neue Zeitpunt achtjährige Militärfreiheit für Schlesien garantiert war! ihres Zusammentritts dürfte im Zusammenhang mit der Festsetzung der außerordentlichen Bölferbundsversammlung für die Aufnahme Deutschlands festgelegt werden. Die Anberaumung der Böllerbundsversammlung hängt aber von der Anmeldung Deutschlands ab, die nunmehr, nachdem die neue Reichsregierung gebildet ist. bald erwartet wird. Erfolgt fie ipäErfolgt fie fpåfestens bis in die ersten Tage des Februar, so dürfte die Einberufung der Bölferbundsversammlung etwa auf den& März stattfinden, den regelmäßigen Zeitpunkt der Märztagung des Bölferbundsrates. Während der ganzen Dauer der Versammlungen, die taum länger als eine Woche fein wird, bürfte auch der Rat in Genf versammelt bleiben, um nach der Aufnahme Deutschlands mit den deutschen Bertretern noch einige Ratssigungen abzuhalten Die brüftungstonferenz würde sich wenige Bochen später dann anschließen Stresemanns Pariser Reise. Die feit der Condoner Unterzeichnungskonferenz angefündigte Reife Stresemanns nach Paris foll, dem Parifer Journal" zufolge, in der 3melten Februarhälfte stattfinden. mit einer merkwürdigen Ruhe auf. In anderen Gegenden Alles dies nahm bisher die oberschlesische Bevölkerung Bolens bleibt man nicht so ruhig. In 3 a wierze in Kongreßpolen stürmten neulich die Arbeitslosen das Rathaus und hielten es drei Stunden besetzt, ehe die Polizei sie daraus wieder vertrieb. Bor einigen Tagen fam es dort zu erneuten Zusammenstößen. Die polnische Verwaltung trägt das Ihre dazu bei, um fich nicht gerade sehr beliebt zu machen. Die 3011fchitanen, bie gerade jetzt an der deutsch- oberschlesischen Grenze ausgeübt werben, fchreien zum Himmel. Entwürdigende förperliche Unterfuchungen sind an der Tagesordnung. Kommt jemand mit einem Koffer über die Grenze und erregt er dadurch den Verdacht, daß er aus dem Innern Deutschlands. ohne Baß fommt( nach Deutschoberschlesien fann man nämlich mit Hilfe der Verkehrstarte hinüberkommen), so wird sein Koffer auf das peinlichste untersucht. Die Brieftasche muß geöffnet werden und jeder Brief wird gelcfen, um Anhalts punfte für den Aufenthalt des Reisenden festzustellen. Das eine solche Untersuchung oft 20 Minuten dauert, und dadurch der Reifende feinen Zug versäumt, ift dem Zollbeamten gleich gültig. Gerade dieje fleinlichen Zollschilanen reizen ben Oberschlesier ganz besonders, der es bisher gewöhnt war, ohne Schwierigkeiten zu seinen Verwandten im anderen Teile Oberschlesiens hinüberzufahren. Ein gutes haben diese traurigen Erfahrungen doch gehabt. Der Deutsche wird wieder als foldher anerkannt. Niemals war das deutsche Vereins- und Verbandsleben so lebhaft mie gerade jetzt. Während früher in einzelnen verrufenen Orten fich taum jemand traute, auf der Straße deutsch zu sprechen, so finden jetzt dort gut besuchte Feiern und Versammlungen statt. Aber auch das deutsche Gewerkschaftsleben blüht wieder auf, soweit man bei der fatastrophalen Arbeitslosigkeit von einer Blüte überhaupt sprechen kann. Verlegene Diktaturpolitiker. Eine Diktatur zerschlägt die Reichseinheit! Bährend immer noch gewisse Rreise mit dem Gedanken einer Dittatur spielen, sind die lautesten Rufer im Streit neuerdings etwas stiller geworden. Die Berliner Börsenzeitung", die die Politit der Muray- QuaazzGruppe vertritt und in überzeugter völkischer Treue die Börsianer zum Nationalismus zu rziehen sucht, gehörte zu diesen lautesten Schreiern. Jetzt schließt sie eine längere DisPussion über die Diktatur mit Ausführungen, die festgehalten zu werden verdienen, weil sie zeigen, in wie leichtferti ger Weise diese Rufer im Streite bisher fich für die Diftatur eingesetzt haben. In dem heutigen Leitartikel des genannten Blattes heißt es mörtlich: Es sei angenommen, ein Diktator, etwa nach dem Stil Mussolinis, fäme in Deutschland hoch oder nähme die Gewalt an sich und faßte das ganze Bolt so straff zu einer nationalen Einheit, die gleich mäßig schlagfertig gegen außen und innen ist, zusammen, mie mir das in Italien por uns sehen. Aller Voraussicht nach würde dann boch bei unseren bis an die Zähne bewaffneten Nachbarn die größte Besorgnis entstehen und der Entschluß gefaßt werden, jeber möglichen, von Deutschland her tommenden Gefahr gründ lichst vorzubeugen. Es wäre also mit einem rücksichtslosen Eingreifen zum mindesten Frankreichs und feiner Bafallenstaaten zu rechnen. Würde dann ein Diktator fich in Deutschland halten tönnen, felbst wenn eine große Mehrheit hinter ihm stande? Würde er gegen politische und wirtschaftliche Repressalien Frankreichs und Englands die materielle Lage bessern können? Würde Mussolini den Faschismus materielle Bage beffern fönnen? Bürde Mussolini den Faschismus in der Herrschaft erhalten können, wenn z. B. England und Frant reich eine wirtschaftliche oder gar direkt maritime Blockade gegen Stalien durchführen würden? Man wird doch wohl ehrlicherweise alle diese Fragen mit Nein beantworten müssen. Man sieht, Dittatpolititer verstehen es glänzend, abzu fchreiben, men fie in Verlegenheit sind. Dieselben Argumente, die hier als Beweismittel gegen eine Diftatur angeführt werden, bestimmen und bestimmten bisher den ganzen außenpolitischen Kurs der deutschen Republik. Die Männer, die ihn leiteten, wurden deshalb von der reaktionären Meute als Landesverräter angebellt. Jeht ist es die Rücksicht auf das Ausland, die die überzeugten Anhänger der Diktatur veranlaßt, ihre Auffassung zu ver leugnen. Man wird sich das merfen müssen. Es fommt aber noch besser: Ferner: Gibt es jemand bei uns, der wirklich glaubt, daß gegenwärtig in Deutschland ein Mann, und fei er der aller färtste, mutigste und ein politisches Genie ohnegleichen, hervor. treten, sich zum Diktator ausrufen und etwa übermorgen oder in einer Woche oder in zwei, drei Monaten die Macht fest in Händen haben könnte, daß ein in Berlin auftauchender Uebermensch sofort auch in München, Stuttgart, Karlsruhe, Dresden, Hamburg, Königsberg, Stettin, Breslau ufm. Er. folg haben würde? Notschrei der Wissenschaft. Die Kaiser Wilhelm Institute zur Förderung der Bissenschaft hatten Vertreter der Presse zur Besichtigung ihrer Institute in Dahlem eingeladen. Es war ein glüdlicher Gedanke, die Deffentlichkeit auf diese Forschungsstätten hinzuweisen, deren stille und intensive Arbeit für Deutschlands Wirtschaft und wissen schaftliches Ansehen von Bedeutung ist. Die Kaiser Wilhelm- Gesellschaft ist vor fünfzehn Jahren mit dem Ziel gegründet worden, Männern der Wissenschaft -im Gegensatz zu den Universitätinstituten Gelegenheit zu geben, ihren Forschungen unabhängig von Lehrverpflichtungen zu leben. Betanntlich war dieser Gedanke schon in Amerita, England, Frant reich und Schweden früher als in Deutschland in die Wirklichkeit umgefeßt worden. Es entstanden in furzer Folge 25 Institute. Bon diefen dienen die einen theoretischer Wissenschaft: die Institute für Chemie, für physikalische Chemie, für Phyfir, für erperimentelle Therapie und Biochemie, für Biologie, für Arbeitsphyfiologie, für Hirnforschung, die deutsche Forschungsanstalt für Binchiatrie in München und die Aerodynamische Versuchsanstalt in Göttingen. Den zweiten Typus stellen Institute dar, die ihre Aufgabe darin sehen, bie für die deutsche Industrie wichtigsten Rohstoffe chemisch- biologisch zu untersuchen. Die Mittel flir diese Institute hat die deutsche Inbuftrie bereitgestellt. Die Geldbörsen hatten die Erkenntnis geöffnet, daß aus der Arbeit der Institute eine rationelle Ausnutzung des meistoermandten Materials fich ergeben würde. Die Leiter diefer Art von Forschungen behalten der Industrie gegenüber ihre völlige Unabhängigfeit. Die Direktoren find vom Staat angestellt. Am betanntesten sind die Institute für Kohlenforschung in Mülheim und in Breslau, für Eisenforschung in Düssel dorf, für Metallforschung in Lichterfelde und für Lederforschung in Dresden. Die Gesellschaft verfügte por dem Kriege über ein Vermögen Don 15 bis 20 millionen Goldmart, das bis auf einen winzigen Rest durch die Inflation verloren gegangen ist. Sie erfuhr vom Reich und den einzelnen Ländern nach dem Krieg eine Unterstüßung, die aber heute nicht ausreicht, die Institute Dor einer Gefahr zu bewahren: fie drohen zu veralten. Augenblicklich ist es ihnen schon nicht mehr möglich, mit den reich ausgestatteten Forschungsstätten in Amerifa in Wettbewerb zu treten. Die wissenschaftliche Führung hat Deutschland bereits verloren. Selbst in einem wirtschaftlich so armen Lande mie Frankreich ist für die Wissenschaft scheinbar mehr Berständnis und daher mehr Geld vorhanden als im Deutschen Reich, das neben anderen Sorgen auch noch die Geldsorgen seiner emeritierten Fürsten zu tragen hat. Da sich fast alle preußischen Forschungsinstitute durch eine bemertensmerte Zurüdgebliebenheit auszeichnen, wäre es sehr zu wünschen, daß Länder und Reich sich mehr als bisher um die Wissenschaft fümmern, deren Arbeit ja schließlich dem Volksganzen zugute tommt. Budh biefe Fragen bärften ehrligermeile mit Rein| burg, Beleslogue, der über ihn nicht fehr erbaut wat, had in feinen beantwortet werden müffen. Mit anderen Worten: Jeber Berfuch einer Dittatur ist ein Schlag gegen die Reichseinheit! Auch hier plappert die Börsenzeitung" nur das nach, was sie bisher zu bestreiten fuchte, was jedoch die stärkste Begründung für die Not wendigkeit der Demokratie in Deutschland ist. Es gehört nun schon einige Courage dazu, im Anschluß an folche Feststellungen eine Art legale Dittatur zu fordern, nämlich ein Beamtentabinett, das den Reichstag befragt, wenn es ihm paßt und sich um die Volksvertretung den Teufel fümmert, wenn diese etwas anderes beschließt, als es den Herren Beamten von Gottes Gnaden gefällt. Das deutsche Bolt ist genug politisch aufgeflärt, um sich eine folche verlappte Diftatur nicht lange gefallen zu laffen. Und wenn es wirklich dazu kommen sollte, so wird der Unverstand und die Anmaßung der Reaktionäre schon dafür sorgen, daß ein solches System in fürzerer Zeit, als es zu feiner Aufrichtung bedurfte, abwirtschaftet. Die Partei der Arbeiter. Nach kommunistischem Urteil: Die Sozialdemokratie. Je schmeigsamer die Rote Fahne" über die Borgänge im eigenen fommunistischen Lager ist, je hartnäckiger fie es vermeidet, auf die Wandlung der russischen Politik einzugehen, desto eingehender beschäftigt sie sich mit der Sozialdemokratie. Dabei fann man einen erfreulichen Wandel des Urteils fonstatieren. Früher war die Sozialdemokratie nach kommunistischer Meinung eine Partei, in der die Bonzen das große Wort führen und in der die Arbeiter nichts zu sagen haben. Die schlimmste Mumienkammer verfalfter Bonzen war immer der sozialdemokratische Parteiaus schuß, der war noch schlimmer als die„ Vorwärts" Redaktion. Jetzt ist das beffer geworden. Die Arbeiter haben jetzt in der Sozial demokratie nach kommunistischer Meinung einen Erfolg nach demanderen. Die große Koalition ist nicht zustande gekommen, denn bie fozialdemokratischen Arbeiter haben sie ver hindert. Die Fürstenenteignung wird befchloffen, weil die sozialdemokratischen Arbeiter es verlangt haben. Die Bonzen haben überhaupt nichts mehr zu sagen. Es ist eine Luft, zu leben! Bie wohltuend muß es gerade die Kommunisten berühren, zu feben, daß es doch noch eine Bartei gibt, in der die Arbeiter und nicht die Bonzen das große Bort führen. Die Kommu nistek werden dabei nicht umhin fönnen, für ihre eigene Bartei gewiffe naheliegende Barallelen zu ziehen. Dort haben nicht einallmächtig, und wie man aus den russischen Debatten hat entnehmen mal die eigenen Bonzen etwas zu vermelden, dort ist das Etti tönnen, dieses Etfi muß hin und herschwenfen nach den Wandlungen der ruffischen Innenpolitit. Die deutschen Arbeiter sind jedenfalls die allerlegten, die auf die Politit der Arbeiter find jedenfalls die allerlegten, die auf die Politik der KPD. auch nur den geringsten Einfluß haben. Sollte nicht doch ziehen, daß er lieber einer Partei angehört, in der die Arbeiter der eine oder andere Kommunist daraus die richtige Konsequenz ziehen, daß er lieber einer Partei angehört, in der die Arbeiter wirklich etwas zu sagen haben? Wenn die Rote Fahne es felbft uns bescheinigt, baß in der Sozialdemokratie das der Fall selbst uns bescheinigt, daß in der Sozialdemokratie das der Fall ist, wozu dann noch zaudern. Also: Fort mit der Zersplitterung, hinein in die Partei der Arbeiter, in die Sozialdemotratie! Was will Albert Thomas in Berlin? Er will den Bolschewismus einführen!! Schredliche Dinge gehen vor. In der Deutschen Zeitung" lieft man es: Albert Thomas ist in Berlin und die arme Deutsche Zeitung" weiß sich vor Angst um Deutschlands bedrohtes Schicksal nicht mehr zu halten. Wenn Albert Thomas nach Berlin tommt, nicht mehr zu halten. Wenn Albert Thomas nach Berlin tommt, dann hat er selbstverständlich irgendeine furchtbare Gemein heit gegen das arme deutsche Bolt im Schilde. Da die Deutsche Beitung mangels geeigneter Beziehungen nichts genaues nicht weiß, so framt sie in ihrem Geschichtsarchiv. Albert Thomas ist be kanntlich während des Krieges 1917 als französischer Minister in Rußland gewesen. Der frühere Betschafter Frankreichs in Peters zusammen arbeiten tönnen. Hier ist erwähnenswert, daß sich unter ben 66 im Institut für physikalische Chemie arbeitenden Herren 26 Ausländer befinden. Einerseits will die Gesellschaft ihren Dank für die anerkannte Bereitwilligkeit ausdrüden, mit der deutschen Wissenschaftlern im Ausland geholfen wird. Andererseits erhofft sie aus einer solchen gemeinsamen Arbeit mit Recht erheblichen Nutzen. Es würde zum Beispiel vermieden werden, dasseibe Problem an wei in verschiedenen Ländern gelegenen Stätten zu bearbeiten. Die Kaiser- Wilhelm- Gesellschaft steht hier in wohltuendem Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Korporationen. Bor furzem wurde einer amerikanischen Aerztekommission die Besichtigung deutscher Kliniken offiziell verboten. Die Besichtigung der einzelnen Institute machte mit einer Fülle von Problemen befannt. Hier tönnen mur einige herausgegriffen werden. Prof. Warburg arbeitet über den Chemismus in der lebenden Belle und über Krebsgeschwülste. Er untersucht die wich tige Frage, warum Krebszellen den normalen Gewebezellen überBefruchtung, des Todes und des Alterns, Dr. Mangold mit der legen find. Prof. Hartmann beschäftigt sich mit der Frage der Frage, wie es tommt, daß aus dem einzelligen Ei fich ein fompli zierter Organismus aufbaut. Fräulein Prof. Meitner hat sich die Untersuchung der modernen Atomtheorie zur Aufgabe gemacht. Die Erklärung der Arbeit jedes einzelnen Gelehrten würde den hier zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten. Jedenfalls nahmen alle Besucher neben der Hochachtung vor wissenschaftlicher Arbeit die Ueberzeugung mit, daß die Kaiser- Wilhelm- Institute nicht durch Mangel an Geldmitteln verfümmern dürfen. Kirchstraße 9. Der Mensch steht und flagt Ein finnloses Schicksal hat ein Haus seiner Stadt gespalten, zerschmettert in wenigen Gefunden hst das Wert von Generationen vernichtet, ein tindisch- teuflisches Spiel hat gehauft und Entsetzen ausgeschüttet. Straße, die Stadt, die Zeitung haben ihre Senfation. Für eine In Mauern steht das Mitleid ringsum und die Neugier. Die Weile dann sind die Trümmer fortgeräumt und die Toten be, graben. Balb wird von den Unbeteiligten alles vergeffen sein. Resten der Verwüstung, vor den Bildern und Beilen der Berichte Hat einer von den Taufenden aber, die vor den grotesken Resten der Verwüstung, vor den Bildern und Zeilen der Berichte standen, einen Augenblid daran gedacht, daß dieses Schicksal vom Menschen gewollt sein tann und hundertfach in gleicher Weise und viel schlimmer noch bewußt entfesselt wird. Haben dieselben Leute, die mit Grauen die Minuten des Schredens jeßt nachzu fühlen imftande find, nicht befriedigt die Heeresberichte des Welt. trieges gelesen: Unfere tapferen Flieger belegten bie Orte I. und D. erfolgreich mit Bomben ohne fich Einzelheiten dabei auszumalen? In der Mitte Deutsch lands, besonders in allen Kladderadatsch" Redaktionen, las sich das fo schön. Aber draußen, in Belgien, in Frankreich, in Rußland, so schön. Aber draußen, in Belgien, in Frankreich, in Rußland, auf dem Balfan, ja im Elias usw. spielte jahrelang täglich: Kirch auf dem Balfan, ja im Elsaß ufm. spielte jahrelang täglich: Kirchh Die Kaiser Wilhelm- Institute scheinen troß des Namens, an dem fie ebenso wenig Schuld haben, wie jeder Sterbliche an feinem eigenen, eine höchft erfreuliche gedankliche Einstellung zu befizen. Der Hauptwunsch der Gesellschaft besteht darin, eine Stätte für ausländische Gelehrte zu besigen, an der diese mit den Deutschenstraße 9! Memoiren eine Darstellung gegeben, nach der Albert Thomas das Berbrechen begangen hat, die ruffischen Sozialisten und die Kerensti- Regierung moralisch zu sehr unterstüßt zu haben. Albert Thomas war also ein Schrittmacher der Sowjets, denn die Kerenski. Regierung ftügte sich bekanntlich auf die Sowjets. Benn Thomas nach Deutschland tommt, hat er natürlich dieselbe gemeine Abficht. Die Sowjets wurden bolichemistisch, in Deutschland wird das auch der Fall sein. Also ist erwiesen, daß Albert Thomas den Bolschewismus in Deutschland vorbereiten will! Es ist wirklich ein Glück, daß das deutsche Baterland noch über ein se patriotisches Organ wie die Deutsche Zeitung" verfügt. Sonst müßten mir ja gar nicht, in welcher furchtbaren Gefahr wir schwe ben. Unser Gedächtnis ist ja ohnehin so kurz und deswegen ist auch der Deutschen Zeitung" wohl ganz entgangen, daß die Belschewiti eigentlich durch Ludendorffs plombierte Waggons nach Rußland geformen find. Ludendorff wäre. also eigentlich genau so schuldig an der Entwicklung, wie Albert Thomas. Aber das ist eine Sache für sich. Jetzt gilt es, das Baterland vor diesen gemeinen französischen Giftmischern zu retten. Heil der„ Deutschen Zeitung", Sie hat uns rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht! Die Thüringer Reaktion. Rückwärtsredigierung der Gemeinde- und Kreisordnung. Weimar, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Aus der in den legten Tagen von der Thüringer Ordnungsregierung dem Landtag legten Tagen von der Thüringer Ordnungsregierung dem Landtag porgelegten neuen Gemeinde- und Kreisordnung er fahren wir, daß das Wahlalter vom 20. auf das 25. Lebens. ahr heraufgesetzt werden soll. Das Bestätigungsrecht für die Gemeindevorsteher und Beigeordneten foll wieder eingeführt werden. In den Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern soll der Bürgermeister den Vorsiz in dem Gemeinderat ohne Stimmrecht erhalten, und durch Ortsgesetz will man darüber hinaus sogar be stimmen, daß der Bürgermeister stimmberechtigt ist. Ferner soll die Amisdauer der Gemeinde- und Stadträte von drei auf vier Jahre heraufgesetzt und das Aufsichtsrecht der Regierung in unerhörter Weise erweitert werden. Der Kampf gegen die Schulreaktion. Gründung weltlicher Schulen in Braunschweig. Braunschweig, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Als vor Monaten ber Kultusminister Marquardt seinen befannten Eriag Beider versagte nicht nur die Demokratische Partei, sondern auch der herausgab, versuchte zunächst eine Anzahl freigeistiger Organisationen die bisher bestehende Gemeinschaftsschule mteberguerobern. Landeslehrerverein, ter noch furz zuvor eine Entschließung gegen ständen wurde der Kampf um die Gemeinschaftsschule aussichtslos. den Reichsschulgefeßentwurf losgelassen hatte. Unter diesen Um Um die besonders in Braunschweig zahlreichen vom Religionsunter richt befreiten Kinder vor der Vergewaltigung in der BekenninisSchule zu bewahren, schritten die Anhänger der freien Schulen wenig Bochen ist dieser Bund in der verbereitenden Arbeit begriffen nun zur Gründung eines weltlichen Elternbundes. Seit und schon sind in der Stadt Braunschweig weit über 1500 Anmel bungen zu verzeichnen. Der Antrag auf Einrichtung weli licher Schulen ist mun gestellt. Braunschweig wird infolgedessen zu Oftern 1926 zweifellos die ersten weltlichen Schulen errichten. Luppe's Gegner. Ein Verweis für völkische Stadträte. Nürnberg, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Disziplinar fammer des Oberlandesgerichts hat die beiden nationalsozialistischen Stadträte Streicher und Holz mit einem Verweis bedacht, weil fie in dem von ihnen herausgegebenen Standalblatt„ Der Stürmer" mehrfach gegen die ihnen obliegende Pflicht zur Amts. verschwiegenheit verstoßen hatten, indem sie Nachrichten aus vertraulichen Sizungen der Ausschüsse des Stadtparlaments in die Deffentlichkeit brachten. Und wie viele von denen wollen weiter Schicksal machen und Berstörungsmittel schaffen, damit immer wieder gedroht wird: Kirch straße 9.( Aber bitte nicht bei ihnen selber!!) Willibald Krain Alexej Maximowitsch Bieschkow der berühmte Schriftsteller Marim Aus Magim Gorfis Bäderzeit. Wie aus dem Bäderjungen Gorti murde, erzählt eine italienische Zeitschrift an Hand der Aufzeichnungen eines gewissen Fedorow, der als Offizier in einem Regiment, das in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seinen Standort in Rajan hatte, in den radikalften Jungmännerflubs der Stadt zu verfehren pflegte. Als Bersammlungsort zahlreicher Jünglinge diente die Wohnung eines gewissen Andrej, der die Arbeiter und die Studenten, die zu ihm tamen, mit Büchern zu ver forgen pflegte. Einer der fleißigsten Besucher dieser Bersammlungen war der Bäckerjunge Alerej Bjejchtow, der sich bald durch seine ungewöhnliche Intelligenz und durch den Eifer, mit dem er sich an den Debatten beteiligte, bemerkbar machte. Fedorom beschloß eines den Auftrag, ihn in die Geheimnisse des Lesens und Schreibens einTages, den Jungen etwas lernen zu lassen. Er gab einem Studenten zuweihen, und der fleine Junge machte schon nach furzer Zeit riesige Fortschritte, so daß die Mitglieder des Klubs, um ihm das Weiter lernen zu erleichtern, eines Tages den Beschluß faßten, ihm auf ihre Kosten mitten in der Stadt ein kleines Bäckergeschäft zu er öffnen. Biefchtow nahm das dankbar an und suchte sich der unabhängigen Stellung, die man ihm verschafft hatte, würdig zu ermeisen: zu jeder Klubfizung brachte er für seine Freunde und Gönner selbstgebadenes Brot mit, Eines schönen Tages aber ging er mit einer fleinen Geldsumme, die er sich zusammengespart hatte, aus Kafan durch, um sich nach feiner Baterstadt Nishnij Nowgorod zu begeben. Hier begann er dann sein berühmtes, von ihm selbst so anschaulich geschildertes Landstreicherleben. Zehn Jahre später veröffentlichte die Tifliser Beitung Kamtaz" seine erste Novelle Es mag noch erwähnt sein, daß Gorki vor seiner Schriftstellerzeit nicht bloß Bäderjunge gewesen ist, sondern noch mancherlei anderes, wie Schuhmacherlehrling, Gärtner, Schiffstoch, Hoizknecht, Lastträger, Bahnwärter, Schreiber in einem Anwaltsbureau ufm. 1888 brachte ihn der innere Widerspruch seiner Lage zu einem Selbstmordversuch. Tanzmatinee Mar Terpis im Theater am Bülowplatz. Bei der 3. Sta tinee der Boltsbühne am Sonntag, ben 24. Kan., vorm. 11, Ubr, bringt Mag Terpts zusammen mit einer Zanzgrubbe der Staatsoper vier Totentanze und eine Reihe von Kammertången zur Vorführung. Einlaßkarten 1 Mart. Kleines Theater. Die Premiere non An- Shs Dybut( Der Dämon) findet am Montag, dem 25., um 7 Uhr statt. Das erste Wiederauftreten von velle Guilbert findet am Sonntag, bem 31., nachmittags 5 Uhr, im Theater am Kurfürstendamm statt. Frau filles", und„ La Glu. Builbert fingt u. a.,. O'est le Mai"," Malborough"," Ecoutez jeunes den 30. Januar, in fämtlichen Räumen des Hauptrestaurants Boologifer Preffeball. Die Kartenausgabe für den Breffeball, der am Sonnabend, Garten stattfindet, beginnt am Montag, den 25. Januar. Die Karten werden bei Einführung durch ein Mitglied des Vereins nur im Zoologischen Garten, Eingang Adlerportal, in der Beit von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags ausgegeben, the auch Bläge belegt werden können. Der Sozialetat im Reichstag. Die Sozialdemokratie für die Kurzarbeiter. Der Reichstag trat heute schon um 12 Uhr zusammen, um die Reste des Etats für 1925 zu erledigen. Man hält beim Kapitel Reichsarbeitsministerium. Die Aussprache beginnt mit einer Rede des Abg. Rädel( Komm.), der die Passivität des Amtes beflagt. Abg. Simon Franken( S03.) weist auf die Lage der Kurzarbeiter hin, die vielfach nur 24 Stunden in der Woche arbeiten und oft weniger verdienen, als was den Arbeitslosen an Unter stüßung gezahlt wird. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch bie Kurzarbeiter zu unterstützen. J Ein Locarno des Nordens. Skandinavische Friedenspolitik. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Im Dezember vorigen Jahres wurde zwischen Schweden und Norwegen ein Schiedsvertrag abgeschlossen, dem jetzt die Unterzeichnung einer ähnlichen Bereinbarung zwischen Schweben und Dänemart gefolgt ist. Am Sonnabend haben auch Norwegen und Dänemart einen Schiedsvertag vereinbart, so daß jetzt die drei alten skandinavischen Staaten in ihren nachbarlichen Beziehungen durch außerordentlich umfassende Schiedsgerichtsabkommen verbunden sind. Gewiß hat dieser standi navische Schiedsvertragsbau nicht die Bedeutung eines Schiedsvertrages zwischen Großmächten oder eines Vertrages der Balfanstaaten bzw. Osteuropa. Die Gefahr eines Krieges zwischen den flandinavischen Staaten ist seit 1905 mehr als unwahr. scheinlich, ihre gegenseitigen Grenzen find unbestritten und die einzige Streifrage zwischen Norwegen und Dänemart über den Zu gang zu Grönland würde in Zukunft auch ohne Schiedsvertrag ein Objekt friedlicher Auseinandersetzung geblieben sein. Immerhin ist die absolute Bindung der drei Staaten an Schiedsgerichtsverfahren und die Ausschaltung jeder Art von Waffengewalt, die in allen diesen Verträgen ausdrücklich ge fordert wird, erfreulich als Symptom für den Fortschritt der Bölkerverständigung. Man hüte sich aber, in diesen Berträgen einen neuen Standi navismus, einen ersten Schritt zum Zusammenschluß unter der einen oder anderen Form der drei Staaten zu sehen. An einen folchen Zusammenschluß denkt man in Standinavien heute weniger als je. Man ist sich bewußt, daß hierzu weder die notwendige wirtschaftliche Bafis vorhanden ist noch das außerordentlich nationale Selbstbewußtsein der drei Völker die Beugung unter eine gemeinsame Regierung zuläßt. Diese Absonderung und Zurüdhaltung von allzu engen Binbungen spielt eine altuelle Rolle in dem Berhältnis der alten standi. napischen Staaten zu dem neuen vierten, zu Finnland. Seit der Einleitung der Schiedsvertragsverhandlungen unter den alten ( tandinavischen Staaten ist das Verhältnis zu Finnland nicht aus der Diskussion der dänischen, norwegischen und schwedischen Tages. presse verschwunden. Die Haltung der drei Staaten zu Finnland aber ist nicht einheitlich. Böllig hält sich& B. Norwegen zurück, das sich ausschließlich auf ein gutes vertragliches Berhältnis zurück, das sich ausschließlich auf ein gutes vertragliches Berhältnis zu Schweden und Dänemark beschränft. Schweden wieder befürchtet eine Festlegung zugunsten Finnlands gegen Rußland, mährend für Dänemart eine solche Festlegung überhaupt undis Putabel ist, da Finnland außerhalb der Kreise liegt, für die Dänemark größeres Interesse hat. Dänemart hat im Juni 1924 mit Finnland Die Errichtung einer Schiedsfommission vereinbart, der alle Streitigkeiten zwifchen Dänemart und Finnland vorzulegen find, ohne daß ihre Entscheidung aber ohne weiteres bindend für die beider Staaten ist. Wahrscheinlich wird Dänemart, vielleicht auch Schweden, in der nächsten Zeit einen Schritt weiter gehen und mit Finnland ein Schiedsgerichtssystem in festeren Formen vereinbaren. Darauf kommt es aber Finnland wenig an. Ernsthafte Zwiftig feiten zwischen Finnland und den übrigen flandinavischen Staaten find taum zu erwarten. Der vor einiger Zeit bekanntgewordene Borschlag eines Ostfee Locarno zeigt, worauf es Finnland antommt: auf eine Garantie feiner gegenwärtigen Grenze gegen Rußland, auf ein Bündnis zur Berteidigung feiner Unabhängigkeit. Die Gefahr einer ruffischen Revanche ist das beherrschende Problem der finnischen Bolitit. Aber dieses Problem können und wollen die alten skandinavischen Staaten nicht lösen von einer fleinen Strömung in der schwedischen von einer fleinen Strömung in der schwedischen Bolitif abgesehen. Weder fönnen Dänemart, Schweden und Norwegen einzeln oder vereint mit Waffengewalt etwas gegen Rußland ausrichten, noch wäre es einer Regierung in den drei Ländern mögfid), parlamentarische Zustimmung für einen Vertrag, der Waffenhilfe gegen Rußland einschließt, zu erreichen. Dazu tommt, daß Schweden wie Dänemark aus wirtschaftlichen Gründen an einem gutnachbarlichen Verhältnis zu Rußland interessiert sind, während Norwegen, wie schon gesagt, bem. Ostseegebiet und seinen politischen Fragen völlig gleichgültig gegenübersteht. Es ist also begreiflich, wenn das neue standinavische Bertragsmert die Frage der Südgrenze Finnlands, überhaupt die Frage der Sicherung der Randstaaten oder der Befreiung der Ostsee unberührt läßt. Diese Einschränkung aber gibt den skandinavischen Berträgen foniel an höherer innerer Geltung und Wirkung, als sie ihre Bedeutung in der Weltpolitik vermindert. Locarno- Debatte in Belgien. Einmütige Annahme in der Kammer. Brüffel, 21. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch fand eine große Kammerdebatte über den Bertrag von Locarno statt, an der die früheren Außenminister Jaspar und Hymans teilnahmen, ferner der Böllerbundsdelegierte Ban Cauvelaert und Außenminister Vandervelde. Abgeordnete der flämischen Frontpartei marfen bei diefer Gelegenheit bie Frage der Neutralität Belgiens auf und verlangten Auskunft über das belgisch- französische Militärabfommen. Bandervelde ant wortete, daß die belgische Neutralität durch den Krieg hinfällig geworden sei und daß sowohl der Bertrag von Bersailles wie der von Locarno stillschweigend den neuen Zustand anerkennen. Belgien sei mit gleichen Rechten und Pflichten Mitglied des Böllerbundes und müsse seine Sicherheit mit anderen Mitteln als dem der Neutralität schützen. Was das französisch- belgische mi litärabkommen von 1921 betreffe, so sei es ein reiner Defensivvertrag und durchaus vereinbar mit dem Bertrag von Locarno. Das Abkommen sei übrigens veröffentlicht und beim Völkerbund angemeldet, ausgenommen natürlich die rein technischen Abmachungen zwischen dem belgischen und franzöfifchen Generalstab zur Durchführung des Vertrages, der aber feinerlei Bindung erhalte, sondern beiden Regierungen völlige Freiheit darüber laffe, ob der Vertrag gegebenenfalls in Wirkung tritt rber nicht. Der Bertrag von Locarno wurde von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten gutgeheißen. Wirtschaftskrise und Erwerbslosigkeit. Die Not der jugendlichen Arbeiter. Diefe Maßnahme erfolgte affe lebtglid aus bem Grumb, well ble Bflegeeltern nicht mehr der Kirche angehörten( Sozialdemokraten find sie übrigens auch). Sie haben aber gleichwohl dafür gesorgt. daß das Kind zur Bibelstunde und zum Religionsunterricht ging. Als das Kind hörte, daß es von seinen Pflegeeltern, die es lieb gewonnen hat, wieder fert soll, erfitt es eine ich were maßt sich das Zehlendorfer Jugendamt eine Minderbewertung der feelische Erschütterung. Mit seinem unerhörten Vorgehen Konfessionslosen an, die unerträglich ist. Explosion in einer Filmfabrik. Begen einer Explosion wurde am Donnerstag vormittag die Berliner Feuerwehr nach der Friedrichstraße 12 alarmiert. Dort hatten sich in einem Kellerraum der Lothar Filmgesell ihaft, wo angeblich vorschriftswidrig Filmstreifen gelebt wurden, solche Streifen entzündet. Durch eine Drud. welle wurden sämtliche Rabitzwände im dritten Stod eingedrückt und großer Schaden verursacht. Die Feuerwehr unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp war schnell zur Stelle und es gelang glück. licherweise die furchtbare Gefahr zu beseitigen. Zusammenbruch der Komischen Oper? In einer Mitgliederversammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin in der Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymnasiums in der Kochstraße sprach der Vorsitzende des Sentralverbandes der Angestellten, Genosse Gottfurcht, über das Thema Wirtschaftsfrise und Erwerbslosigteit: Die große Aula war dicht gefüllt, als der Vorsitzende Diederichs die Veranstaltung eröffnete. Gottfurcht zeichnete eingangs seiner Rede ein Bild der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation und betonte, daß es Wirtschaftskrisen solange gegeben habe und geben werde, als das fapitalistische Wirtschaftssystem existiere. Die Symptome dieser Krisen feien allerdings verschiedene. Das gleichfam Tragische der jezigen Krise bilde ihre in gewisser Beziehung öriliche Beschränkung. Sie sei mitteleuropäisch begrenzt, während in anderen Staaten eine Konjunkturwelle zur erheblichen Steigerung des Waren abfazes geführt habe, so in Frankreich. Die Unternehmens. tonzerne sind verhältnismäßig ungebrochen, die deutschen Unternehmungen sind noch finanziell so start, Aufträge ablehnen zu können, da fie sich auch ohne sie zu halten vermögen. Der Unternehmer operiert im allgemeinen mit dem Schlagwort vom fehlenden Betriebsmaterial. Das ist für gewöhnlich eine Ausrede. Eine intensive Hebung der Beschäftigung der Industrie fann erst Begen den Direktor der Komischen Oper, James Klein, ift eintreten, wenn das gegenwärtige schlechte Zollsystem guten Handels vom Amtsgericht Berlin- Mitte ein aftbefehl erlassen worden, verträgen gewichen ist. Die Auswirkungen des Zollum ihn zur Leistung des Offenbarungseides zu zwingen. Direktor Klein stems sind überaus tatastrophale. Die Inflationszeit ist heute morgen wieder in Berlin eingetroffen, um mit seinen Gläu hat uns eine Uebervölkerung mit überflüssigen und hemmenden Be- bigern ein Arrangement zu treffen. Klein hofft, noch im Laufe des Hier ist ja nun ein unfreiwilliger Abbau erfolgt. Die daraus resulfo daß der gegen ihn schwebende Haftbefehl dann aufgehoben würde. trieben gebracht, die nur verteuernd wirken und Schädlinge darstellen. heutigen Tages zu einer grundlegenden Berständigung zu kommen, tierenden Konkurse verstärken naturgemäß die Arbeitslosigkeit in nur unter dieser Boraussetzung will er, der vorläufig burch seinen An erschreckendem Maße. Der Industrielle sieht streng darauf, daß das walt mit dem Bersonal und den anderen Gläubigern Fühlung ge fogenannte Betriebserhaltungskonto die Eriftenz seines Unter nehmens sicherstellt. Das Existenzerhaltungstonto des da Passiven in Höhe von 150 000 Mart Attiven gegenüberſtänden, nommen hat, verhandeln. Nach seiner Angabe bestehe teine Gefahr, Arbeiters, Angestellten und Beamten erscheint bie immer nach seiner Angabe das Sechs bis Siebenfache der ihm aber vollständig gleichgültig. Es muß die Stei. genannten Summe übersteigen. gerung der Rauftraft durch herabseßung der Breise und die sodann ein Bild der schweren Arbeitsnot in Berlin und be Beseitigung des Schutzzollsystems gefordert werden. Gottfurcht gab tonte, daß die Reichshauptstadt zurzeit 22-24000 jugendliche Arbeitslose habe. Auf einem örtlichen Stellennachweis feien am 1. Januar 1926 von 1400 Arbeitslojen 424 Jugend. liche im Alter von 14 bis 20 Jahren gewesen. Dieser erschütternde Brozentjag stelle die zuständigen Behörden vor die dringlichsten Aufgaben. Der Redner formulierte sodann die notwendigsten For derungen: Einbeziehung der Kurzarbeiter in die unter tützung, sowie die der nichtversicherungspflichtigen faufmännischen Angestellten, Verabschiedung eines Arbeitslosenversicherungsgefeges und durchgreifende Maßnahmen, damit der§ 165 der Reichs verfassung Schuß der Erwerbslofen vor wirtschaft. licher Not" nicht nur auf dem Papier stehe. Die Unterstützungsfäße feien überhaupt völlig unzureichend. Die Arbeitslosigkeit des Jugendlichen habe ihre besondere Seite. Sie unterbreche nicht nur die Ausbildung in bedrohlichem Maße, sondern gefährde ihn auch fittlich und moralisch. Nach einer kurzen Diskussion, in der u. a. die Genoffin Toden hagen sprach, wurde folgende Resolution angenommen:„ Die Mit gliederversammlung der SAJ. Berlin begrüßt den Dringlich teitsantrag der fozialdemokratischen Stadtner ordnetenfrattion vom 20. Januar 1926 aur Frage der er werbslosen Jugend. Der Inhalt des Antrages deckt sich völlig mit den Forderungen der Organisation. Die SAJ. erblickt in der gleichen Forderung der freien Gewerkschaften( ADGB.- Ortsausschuß und AfA- Ortsfartell) eine energische Unterstügung zur Durch führung der notwendigsten Maßnahmen und zur Linderung der großen Not der arbeitslosen Jugend. Es wird allen Mitgliedern unserer Organisation zur Pflicht gemacht, überall im Simm des Antrags zu wirfen." Das Unglück in der Kirchstraße. Drohende Einsturzgefahr des Hauses. Verkehrsstörung auf der Hochbahn. Auf der Hochbahnftrede Gleisbreied- Hallesches Tor, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Mödern brüde, entstand heute vormittag furz vor 12 Uhr eine febr empfindliche Verkehrsstörung. Aus bisher noch unbekannter Ursache sprang der Schlußwagen aus den Schienen. Der Wagen sperrte bas Gleis und der Verkehr erfitt eine erhebliche Störung. Der Fahrgäste des Unglückszuges bemächtigte sich eine starte Erregung. Ein Gerätezug behob die Störung, so daß gegen 1 Uhr der Verkehr wieder fahrplanmäßig durchgeführt werden konnte. Wintersport im Freibad Wannsee. Eine Fahrt nach dem Freibad Bannsee lohnt sich auch jegt im Winter. Natürlich fallen die auf den Blafaten angekündigten Strand und Wellenbäder fort, dafür gibts aber eine Eisbahn, die sich sehen laffen tann und eine Robelbahn, die direkt„ tnorte" ift. Die Geschäftsleitung dieser städtischen Sport und Erholungsanlage hat den Strand planieren lassen und für den Ausbau und liches Stud Arbeit, den schräg zum Wasser abfallenden Strand die fportgerechte Anlage der Rodelbahnen gesorgt. Es war ein reich wagerecht aufzufchippen. Wenn man die Aufsichtsbeamten darauf aufmertfam macht, daß doch dieselbe Arbeit, mur umgekehrt, im Frühjahr wiederholt werden müsse, beschwichtigen fie schnell: det machen die Berliner alleene, den Gand haben je schnell wieder in't Wasser jeschleppt! Und die Berwaltung( part den Arbeitslohn. Der Besuch ist durchaus gut. Wochentags sind es meist Schulen, aber Sonntags fommen die Berliner in hellen Scharen. Dabei braucht aber feiner Furcht zu haben, etwa feinen Blah mehr zu bekommen; das Freibad ist groß und der Grunemaid noch größer. Cin preiswerter Restaurationsbetrieb sorgt für die Verpflegung nur Grog gibt es nicht. Der Stadtausschuß hatte zwar eingesehen. daß ein heißer Grog beim Wintersport sehr dienlich sein fann, aber Die Polizei verweigerte die Genehmigung zum Ausschant. Der Film Feeles Bolt fommt zur Borjührung: Vom 29. Jan. bis 1. Febr. Nordische Ateispiele, Swinemünder Str., Biopbon- Lichtspiele, Char S lottenburg, Berliner Str. 101; 22. bis 28. Jan. Corio- Lichtibiele, Swinemünder Str. 44; 5. bis 8. Febr. Westend Lichtspiele, Charlottenbung. ftr. 8; 9. bis 15. Febr. Welt- Kino, Lichtenberg, Boghagener Gbaufice; 12 bis Spandauer Berg 31; 9. bis 15. Febr. Schiller- Lichtspiele, Lichtenberg, Schiller 15. Febr. Luna- Lichtspiele, Reukölln, Kaiser- Friedrichstr. 158/69; 12. bis 18. Febr. Artusbof- Lichtspiele, Moabit, Berleberger Str.; 19. bis 25. Febr. Moderne Lichtiptele, Lichtenberg. Wilhelmstr. 78/79; 19. bis 22. Febr. B. B. T., Barschauer Str.; 5. bis 11. Febr Univer hum- Lichtspiele, Belle Alliance- Str.; 16. bis 18. Febr. Treptower Lichtspiele, Baumschulenweg. Männerchor Harmonie, Charlottenburg. Freitag, 22., fällt die Uebungs unbe aus; dafür Bersammlung im Bereinslotal, Schloßstraße 45. ProDie Aufräumungsarbeiten an der Unfallstelle begegnen im Augenblid sehr großen Schwierigkeiten, da, wie wir erfahren, die Gefahr eines Einsturzes des ganzen Hauses von Stunde zu Stunde größer wird. Die Feuerwehr mußte aus diesem Grunde gestern noch nicht wieder aufnehmen fönnen. Um die im Reller arbeitenben mittag zurüd gezogen werden und hat auch heute ihre Tätigkeit Feuerwehrleute zu schüßen, hatte man die Westmauer burch starte Holzsteifen abgestüßt, doch zeigte es sich nach wenigen Stunden schon, daß die Balfen dem ungeheuren Drud, der sich immer weiter überneigenden Mauer nicht gewachsen waren, sondern anfingen, sich in ihren Lagern zu drehen. Sorgfältige Meffungen ergaben, daß die Westmauer innerhalb eines Tages sich um 10 3entimeter, die Borderfront des Hauses um etwa sechs Bentimeter hafter Beschleunigung weitergeführt und fobald fie vollendet sind, über geneigt haben. Die Abstüßungsarbeiten werden mit fieber- stamm- Runbsendung! Nächste Nebungsstunde, Piontag, 25., in stens abtragen. Wegen der hohen Einsturzgefahr werden auch wird man die gesamte Westmauer und auch das Borderhaus schnell wahrscheinlich die letzten Mieter des Hauses, die den einen Seitenflügel bewohnen, ihr heim räumen müssen, da die Strebemauern des Hausflures Riffe zeigen, die sich von Tag zu Tag vergrößern. Heute vormittag ist wiederum eine Kommission mit der Untersuchung der Schuldfrage tätig gewefen. Die Arbeiten leiden jedoch darunter, daß man noch immer nicht an die wichtigste Stelle, nämlich an das offenbar defekt gewordene Gasrohr unter dem Mans'schen Laden herankann. Troß aller Bemühungen der Berliner Polizei war es bis in den heutigen Morgenstunden nicht möglich, das vermißte Ehepaar Müller, das an dem Unglüdsmorgen im Hause Kirchstr. 9 bei einer Familie zu Besuch meilte, aufzufinden. So verbreitete fich das Gerücht, daß beide Eheleute wahrscheinlich tot unter den Trümmern liegen. Wie wir aber erfahren, hat sich das Ehepaar Müller gegen 11 Uhr vormittags auf der Polizei gemeldet # Die Geschäftsleute der Kirchstraße in Moabit, vor allem die Inhaber der fleineren Läden, sind durch die Straßensperrung empfindlich geschädigt worden. Viele von ihnen hatten schon dadurch Echaden erlitten, daß ihnen bei der Explosion die Schaufenster ger. trümmert, die Ladeneinrichtung arg beschädigt und die Ware zum Teil vernichtet wurden. Durch die dann über die Straße verhängte Sperre, die nicht nur den Wagenverkehr, sondern auch den Fuß gängerverkehr unterband, ist den Läden auch die Kundschaft fern atmen die Ladeninhaber auf, und sie rechnen auf um so regeren gehalten worden. Nachdem die Sperre aufgehoben worden ift, Besuch ihrer Läden. Entrechtung der Konfessionslosen. Aula. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 108. Abt. Röpenid. Unser alter Parteiveteran, Genosse Karl Fischer, Nubower Straße 28, ift verstorben. Einäscherung am Freitag, den 22. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumfchulenweg. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Sport. Endkampf. Der Schluß des Sechstagerennens. Gliedern der vielen Tausenden nachzittern, die ihn erlebten. Die Das war ein Endlampf! Noch lange wird er in den routinierteste Regie hätte die Spannung nicht geschickter erhöhen fönnen, als es der Zufall tat: beide Favoritenpaare, die Amerikaner und die italienisch- deutsche Mannschaft, traten die legte Stunde, jene lang erhoffte und auch vielfach gefürchtete Schlußstunde der zahl an! Und mun ging es los! Aber bald wurden die brobelnden ununterbrochenen, höherbewerteten Spurts mit gleicher Punkt Leidenschaften entfeffelt, als man merkte, daß das belgische Paar Dewolf- Stocelynd, das übrigens am Schluß besser ging denn je, Fahrradfirma fuhren: wieder ein Schulbeispiel fapitalistischer Un die Geschäfte der Amerikaner systematisch besorgte, die für die gleiche anständigkeiten auf Koften des Sports. Als nun der große Lorenz, dessen Glanzzeit vorbei ist und der feine eigene Chance mehr besaß, demonstrativ den Paar Rieger Giorgetti zu Hilfe kam, bekam der Beifall und die Erregung vorübergehend einen etwas nationalistischen Einschlag. Es war gut und die höchste Zeit, daß die Belgier ihre Hilfsdienste daraufhin einstellten, die übrigens überflüssig waren: benn Mac Namara und Horan waren die besseren, das zeigte sich gerade in der letzten Viertelstunde. Eine recht befremdende Rolle hat das Jugendamt in Die fleineren und jüngeren Giorgetti und Rieger schlugen fich Zehlendorf in einer Kinderpflegefache zu spielen über tapfer, ja heldenhaft, fie waren aber fichtlich erschöpfter als ihre nommen. Ein Ehepaar in Bannjee hatte den Wunsch, ein Kind Gegner. Aber noch ehe fie das Alter und die Erfahrung der gestriin Pflege zu nehmen, also jedenfalls ein Wunsch, der für sozial- fittgen Sieger erreichen, werden sie schon die Besseren sein. Dann liches Wollen spricht. Die Familie wandte sich deshalb an das aber werden schon wieder neue, jungere Kräfte auf den Blan treten, die Jugendamt Spandau und erhielt von hier auch ein Kind über gestern vielleicht als Lehrlinge in der Zielturve oder ganz oben wiesen, das sich bald bei der Familie eingewöhnte. Später wurde faßen. Und diese neuen, heute noch unbekannten Sieger von morgen überwiesen. Eines Tages tam eine Schwester vom Jugendamt der Lauf der Zeit! das Kind dem Jugendamt Zehlendorf zur Beaufsichtigung werden dann selbst die Lieblinge des Publikums sein. So will es Behlendorf, erkundigte sich nach dem Kind und fand auch alles in schönster Ordnung. Wie erstaunt aber waren die Pflegeeltern, als fie bald darauf vom Jugendamt Zehlendorf die Mit teilung erhielten, daß ihnen das Kind wieder abgenommen werden müffe und zwar unter Berufung auf den§ 5 der Richtlinien des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 30. Juli 1925, nach welcher Pflegefinder, soweit wie irgend möglich bei Pflegeeltern der gleichen Konfession unterzubringen find, meinte es, daß diese, Bestimmung nicht erfüllt worden sei, und verlangte fategorisch, daß das Kind an das Jugendamt Spandau zurüdgegeben merben müße, Das genaue Ergebnis des 15. Berliner Sechslagerennens ist folgendes: 1. Reggie Mac Namara- Harry Horan 569 Puntte; 2. Willi Rieger Franco Giorgetti 509 Puntte; 3. Mar Hahn- Ostar Tieg 199 Punkte; 4. Alessandro Tonani Walter Sawall 179 Punkte. 1 Runde zurüd: 5. Maurice Dewolf- Henry Stocelynnd 330 Bunfte; 6. Alons Berfyn- George Bandenhove 251 Bunfte; 7. Friz Ba Gottfried 213 Bunfte; 8. Erich Möller- Emil Lewanow Lorenz Franz Kruptat 107 Buntte. Die zu jelegte Gesamtunite; 9. in ftrede beträgt 3604,640 Rilometer. Gewerkschaftsbewegung Die Bekämpfung der gewerblichen Unfallgefahren. Die Arbeiterschaft nur Objekt. Um die Zusammenarbeit der ftaatlichen Gewerbeauf. lichtsbeamten und der Beauftragten der Berufsge nossenschaften bei der Bekämpfung der Unfallgefahren in den gewerblichen Betrieben zu fördern, haben sich, einer Mitteilung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes zufolge, die genannten Auffichtsorgane zu einer Arbeitsgemeinschaft für die Durch. führung der Unfallverhütungsvorschriften zusammengeschlossen. Die von ihnen vereinbarten Grundfäße sehen insbesondere gemeinfame Betriebsbesichtigungen und Austausch von Be obachtungen auf dem Gebiete der Unfallverhütung vor. Im Hin blid auf die großen Vorteile, die aus dieser Gemeinschaftsarbeit für die Unfallverhütung erwachsen fönnen, hat der preußische Hendelsminister den staatlichen Gewerbeaufsichtsbeamten die Be achtung der erwähnten Grundsätze zur besonderen Pflicht gemacht. buftion unb meint babel bie Berfflanung des faffenben Menschen. Daß fich der in dem Bertrag zum Stlaven erniedrigte Bandarbeiter die Peitsche selber halten muß, mirtt wie ein Symbol Wir fragen: Ist es nicht Pflicht der Regierung, die Landarbeiter vor einer solchen Bersklavung zu schüßen? Bezirkskonferenz des AfA- Bundes. Der AfA- Bund, Bezirkstartell Brandenburg, hielt am Sonntag, den 17. Januar, unter zahlreicher Beteiligung aus der ganzen Provinz in Rottbus seine erste Bezirkskonferenz ab. Der Borsigende des AfA- Bundes, Genosse Ståhr, behandelte in einem großzügigen Referat das Thema: Die Wirtschaftslage und die Angestellten". Ueber die Bildung und Tätigkeit des Bezirksfartells gab der Geschäftsführer des Kartells, Beil, einen ausführlichen Bericht. Die Hauptaufgabe des Kartells war es bisher, die schon bestehenden Ortsfartelle mit frischem Leben zu erfüllen und in all den Orten, in denen sich die Ortsgruppen ber AfA- Organisationen noch nicht zusammengefunden hatten, Drts fartelle zu gründen. Auf diesem Gebiet sind erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen, so daß es bei der nächsten Konferenz wohl taum noch einen Ort in der Provinz Brandenburg mit vorhandenen Ange stelltenorganisationen geben wird, in dem nicht ein AfA- Ortsfartell besteht. Besonderer Wert wurde auf die Zusammenarbeit mit den Körperfchaften des ADGB. gelegt. Benn die Vertreter der Berufsgenossenschaften auch ein natür- leber die Aufgaben der Ortstartelle fprach liches Interesse an der Herabdrückung der Unfallziffer haben, fo mill Günther vom Butab. Er betonte besonders, wie notwendig es uns doch scheinen, daß die am meisten dabei Interessierten die für die Angestellten sei, ihre Klassenlage zu erfennen, damit es in Arbetter selbst sind. Schon deshalb wäre es notwendig und 3Zukunft verhindert wird, daß die Zusammenarbeit mit der Arbeiter im Interesse der Unfallverhütung, daß auch die Bertreter der 2r.chaft von einzelnen Gruppen ober einzelnen Richtungen in der Angestelltenbewegung abgelehnt wird. Das Unternehmertum forgt beiterschaft bei einer solchen Arbeitsgemeinschaft mizubeſtimmen durch seine jezigen Maßnahmen allerdings dafür, daß den An haben. Das ist aber auch zu fordern, weil die Arbeiterschaft es fich ganz gestellten des Bewußtsein ihrer Klaffenlage eingehämmert wird. entschieden verbitten muß, nur als Objett von Bereinbarungen Die von etwa 200 Delegierten und Beauftragten der Ortsfartelle zwischen Behörden und Unternehmervertretern behandelt zu werden. befuchte Konferenz ist als der Auftatt zu neuen organisatorischen Kämpfen für die freie Angestelltenbewegung ein erfreulicher Erfolg gewejen. Verfklavung der Landarbeiter. Arbeitsvertrag, wie er nicht sein darf. Die Flucht der Arbeiter aus der Landwirtschaft glauben die Agrarier durch die Anwendung von 3 mangsmaßnahmen abwehren zu fönnen. Wie die Agrarier diese Theorie in der Braris anwenden, dafür zeugt ein Arbeitsvertrag, den wir unserem Chem. nizer Barteiblatt entnehmen. In dem Arbeitsvertrag, den ein Ritter gutsbesizer Ernst Hoffmann in Oberleutersdorf, D.-L., feinen Dienstboten zur Unterschrift vorlegt, heißt es: § 2. Der verpflichtet sich, die ihm übergebenen zwei Pferde gewissenhaft und vorschriftsmäßig zu behandeln, zu füttern und zu warten, allen Anordnungen des Gutsherrn oder seines Stellvertreters unbedingt Folge zu leisten, alle ihm aufgetrage nen Arbeilen, auch solche ohne Pferde, willig, fleißig und ordnungsgemäß auszuführen. Während der Ernte und in anderen dringenden Fällen ist er verpflichtet, auch Sonn- und Feiertags außerhalb der Kirchzeit zu arbeiten. § 3. Die Arbeitszeit dauert vom 1. April bis 1. Oktober von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Der Derpflichtet sich, jeben Morgen zwei Stunden vor der festgefeßten Arbeitszeit mit der Fütterung und Bflege der ihn anvertrauten Pferde zu beginnen, ebenjo mittags und abends die zum Füttern vorgeschriebene Zeit von einer halben Stunde innezuhalten. nete § 4. Besondere Dienst vorschriften. Der unterzeich verpflichtet fich: 1. die ihm anvertrauten Pferde fach gemäß zu behandeln und durch gewissenhafte Pflege und Fütterung ihre dauernde Leistungsfähigkeit zu erhalten, bei roher Behandlung zur Bermeidung fofortiger Entlassung einen Gelb betrag von 3 Mart in die Armenfasse zu zahlen. Futter jeder Art, fowie Strohstreu selbst heranzuholen und den Stall. mist täglich nach Borschrift zu beseitigen, das von ihm benutte Inventar Jorgjam zu behandeln und stets an den dafür bestimmten Blag aufzubewahren, deffen Instandsegung und Ersatz rechtzeitig an zuständiger Stelle zu beantragen und mutwillig oder fahrlässig be. fchädigte bzw. verlorene Gegenstände zu ersehen, die Peitsche fich selbst zu halten. Um den Schiedsspruch im Bankgewerbe. Zu unserer Notiz im heutigen Morgenblatt erhalten wir vom Allgemeinen Verband der Banfangestellten noch folgende ergänzende mitteilung: In den Berhandlungen wurde den Arbeitnehmerorganisationen zugemutet, fich damit einverstanden zu erklären, bei gleicher Gehaltsregelung, wie sie der Schiedsspruch vorfieht, eine Ueberftundenentlohnung erst nach der 52%. Wochenstunde eintreten zu laffen. lebereinstimmend wurde von sämtlichen Angestelltenorganisationen eine derartige Anregung als volltommen undisputabel bezeichnet und darauf verwiesen, daß die Angestelltenorganisationen trotz der unzulänglichen Gehaltsregelung gerade aus dem Grunde den Schiedsspruch angenommen hätten, weil er endlich die Arbeitszeitregelung im Banfgewerbe fortschrittlicher geftalte und damit gleichzeitig einen wirkungsvollen Kampf gegen den Abbau der Banfangestellten ermögliche. Die Organisationen hätten einstweilen zu dem Arbeitsminister das Vertrauen, daß er sie in diesem Kampfe durch die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches, fo mie er lautet, unterstüßen werde. Jm anderen Falle sei der Reichstarifvertrag für das deutsche Bankgewerbe durch die unnach giebige Haltung des Arbeitgeberverbandes endgültig ger flagen und mit einer Reihe örtlicher und betrieblicher Kämpfe und Auseinandersetzungen im Banfgewerbe zu rechnen. Die Zeithilfe" in Gemeindebetrieben. Ein Krankenpfleger, der zehn Jahre im Dienst der Stadt Berlin tätig war, wurde im Jahre 1923 entlaffen, weil er wegen Beteiligung an einem Zusammenstoß mit Streifbrechern, den das Gericht als Landfriedensbrud aufgefaßt hatte, unter Bubilligung Don Bewährungsfrist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt war. Im Jahre 1924 wurde der Pfleger wieder in der Irrenanstalt Buch eingestellt und zwar auf Beithilfe". Hiermit wird ein Arbeits verhältnis bezeichnet, das sich von einem dauernden Arbeitsverhält nis dadurch unterscheidet, daß dieses mit monatlicher, jenes aber im ersten Monat mit täglicher und dann mit 14tägiger Kündigungsfrist gelöst werden kann. Als das neue Arbeitsverhältnis des Pflegers nach längerer Dauer beendet war, wurde er balb darauf in der Irrenanstalt Buch wieder auf Beithilfe eingestellt und neuerDiese Entlaffung focht der Angestelltenrat durch Klage beim Ge. merbegericht als un billige Härte an. Die beklagte Berwaltung vertrat den Standpunkt, die Beithilfe" sei fein festes Arbeitsverhält § 5. Aus wichtigen Gründen, zu denen insbesondere Diebstahl, Trunkenheit, Widersetzlichkeit, beharrlicher Ungehorsam, Andings nach 14tägiger Kündigung wieder entlassen. reizung der Mitarbeiter zum Bertragsbruch mie frift den. auch schlechte Behandlung der Tiere gehören, ist der Gutsbesiger berechtigt, ohne Einhaltung einer Kündigungs. 32 entlassen. In diesem Falle hat..... mur den bis zum Tage der Entlassung verdienten Lohn zu beanspruchen. Die Wohnung ist bei sofortiger Ent: affung binnen brei Tagen zu räumen. tönnen. Das Arbeitsverhältnis bes Rlägers unterfcheibet fich aber Don dem Arbeitsverhältnis anderer Angestellten nur durch eine türzere Kündigungszeit. Der Kläger fonnte fich also wie jeder andere Angestellte auf 84 BRG. berujen. Da die Lösung des früheran Arbeitsverhältnisses durch die Bestrafung des Klägers begründet war, fonnte ihm für die Entschädigung nicht wie er beantragt hatte die ganze elfjährige Dienstzeit, sondern nur die 15 Monate der beiden letzten Arbeitsperioden angerechnet werden. www Die Berliner Eisenformer. Ueber die augenblickliche Lage in den Berliner Eisengießereien" sprach in einer Branchenversammlung der Eisenformer am Dienstag im Metallarbeiterverbandshaus der Branchenleiter Gröber. Er zeichnete zunächst ein Bild von den sonderbaren„ Rationali. fierungsmethoden" der Unternehmer, wie sie in der bekannten Dent schrift des Reichsverbandes der deutschen Industrie festgelegt sind. Die Rationalisierung laufe darauf hinaus, durch Mehrarbeit, Berminderung der Belegschaften, Lohndrud und Abbau sozialer Er. rungenschaften der Arbeiter, die Betriebe in Gang zu halten oder wieder in Gang zu bringen. An eine technische Umstellung und Verbesserung der Produktionsmethoden dente man nicht. Ein typisches Beispiel dafür feien augenblicklich die Eisengieße reien. Anstatt die fleinen und wenig lebensfähigen Betriebe zu fammenzufaffen oder ganz aus der Produktion auszuschalten, lasse man diese Betriebe weiter vegetieren und schließe die großen und leistungsfähigen Betriebe. Es sei eine unbestrittene Tatsache, daß fast alle Berliner Eisengießereien technisch zurückgeblieben Die wenigen noch nicht still und start erneuerungsbedürftig sind. gelegten Eisengießereien versuchen ihre technische Rüdständigkeit durch Lohnabbau mettzumachen, was ihnen auch teilweise in den Betrieben gelungen ist, in denen ein schlechtes Organiſationsverhält nis besteht. Die Gleichgültigkeit der Arbeiter räche sich in Krisenzeiten wie der jetzigen doppelt schwer. Es müsse daher die nor. nehmste Aufgabe der Berufsgenossen sein, trotz der ungeheuren Arbeitslosigkeit( o on 2000 in der Branche Beschäftigten waren am 7. Januar 1400 arbeitslos) die noch abseits Stehenden für die Organisation zu gewinnen. Die noch in Arbeit stehenden Kollegen müßten aber darauf halten, sich ihre schwer errungenen Bofitionen nicht rauben zu lassen und jede von den Unternehmern geplante Verschlechterung dem Berband anzeigen. Der Metallarbeiterverband hat trop der großen finan ziellen Belastung infolge der Erwerbslosenunterstützungen noch feiner Gruppe die Santtionen zum Abwehrkampf verweigert. Die Ausführungen des Redners, die noch durch den Verbands. vertreter och I ergänzt wurden, sind durch die fachlichen Ausführungen der Diskussionsredner voll unterstrichen worden. In der Aussprache wurde noch besonders darauf hingewiesen, daß dem Be streben der Unternehmer Widerstand geleistet werden müsse, die fogenannte Ausschußarbeit, deren Bezahlung durch das Ausschußabtommen geregelt ist, nicht mehr zu bezahlen. Zum Schluß fanden zwei Entschließungen Annahme, gegen die Fürstenabfindung und für Maßnahmen zugunsten der Erwerbslosen. Befferung der Arbeitslage in Duisburg. Duisburg, 21. Januar.( Mtb.) Zum ersten Male ist hier in der Arbeitslofenbewegung eine Besserung festzustellen. Die Sahl der Erwerbslosen hat sich um rund 3000 vermindert, so daß fie jest 13 600 beträgt. Der Großindustrie, die einen Teil der Betriebe noch nicht wieder eröffnen fonnte, gehört immer noch ter größte Teil der Erwerbslosen an. Das ganzlich stilliegende Baugewerbe hat 2000 Erwerbslose zu verzeichnen. Mit Notstands. arbeiten fönnen über 500 Arbeitslose beschäftigt werden. Konferenz der Internationale. Paris, 21. Jamuar.( EP.) Im Bureau tes Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes tagte gestern eine aus Bertretern des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Internationale bestehende vorbereitende Konferenz für einen Inter nationalen Arbeiterfongreß für Auswanderungsfragen. Lohnbewegung der französischen Bergarbeiter. Paris, 20. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der National rat des franzöfifchen Bergarbeiterverbandes bat in einer Entschließung die Regierung aufgefordert, bei den Grubenbefizern augunsten einer fofortigen 2obnerhöhung von mindestens 15 Proz. einzuwirken. Falls diese Forderung der Bergarbeiter nicht bis um 31. Januar erfüllt sei, werde der Verbandsborstand eine Abtimmung über die Proflamierung des Generalstreifs vornehmen. Berantwortlich für Bolitif: Eraft Reuter: Wittfchaft: Artur Saternus: nis, die Kündigung fönne also nicht als unbillige Härte im Sinne des Betriebsrätegefeges angesehen werden. Nur bei einem dauern. den Arbeitsverhältnis sei die Berufung auf das Betriebsrätegefeß Gewerlichaftsbewegung: Friebr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Schilowsti: Lotales zulässig. Im übrigen sei die Entlassung des Klägers mit Rücksicht auf seine Bestrafung, die er im Jahre 1923 erlitten habe, erfolgt! Das Gericht verurteilte die Beklagte, den entlassenen Pfle ger wieder einzustellen oder ihm eine Entschädigung von 234 M. zu zahlen. Zur Begründung des Urteils führte der Borsigende, Magi § 9. Im Falle des Verkaufs oder des Berpachtens des Gutes ist der Gutsherr berechtigt, mit dem Käufer oder Bächter dessen Eintritt in diesen Bertrag zu vereinbaren, ohne daß es der 3ustimmung des..... bedarf. Und der§ 10 ist ein Beweis von der königstreuen Gestratsrat Schulz, aus: finnung unserer Agrarier, denn er lautet:„ Für alle aus diesem Arbeitsverhältnis etwa entstehenden Rechtsstreitigkeiten ist das Königl. Amtsgericht Groß- Schönau zuständig. Also eine fünfzehn bis sechzehnstündige Arbeitszeit, denn die Pflege und das Füttern der Pferde ist nicht gerade eine Erholung. Ber die früheren Gefindeordnungen fennt, wird finden, daß viele der vorstehend wiedergegebenen Bestimmungen fast wörtlich mit dem Tert der Gesindeordnung übereinstimmen. Das beweist, daß der Deutsche Landarbeiterverband durchaus im Recht ist, wenn er immer wieder behauptet, ein Teil der landwirtschaftlichen Unternehmer sehnt mit wahrer Wolluft wieder den alten empörenden Sklavenzustand herbei. Man spricht von dem Schuß der landwirtschaftlichen Pround Sonstiges: Frik Rarftäbt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwäris- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderei und Berlaasanstalt Baul Sinaer u. Co.. Berlin 623 68. Lindenstraße 8. KrausePianos Zahnpraxis.Ohly" Miete Ansbacher Str. 1. Ecke Rurfürstenstrate Der Kläger war als Zeithilfe auf unbestimmte Zeit ein gestellt. Die Dauer seines Arbeitsverhältnisses war durch den Arbeitsvertrag nicht begrenzt. Demnach tann das Gericht nachprüfen, ob die Entlassung als unbillige Härte anzusehen ist, und es ist zu der Anficht gefommen, daß hier eine unbillige Härte vorliegt. Mit der früheren Berfehlung des Klägers fann die Entlassung nicht begrünbet werben, denn er ist ja trog feiner Bestrafung zweimal in Traneripenden die Irrenanstalt Buch wieder eingestellt worden. Daraus folgt, daß die Berwaltung ihn für fähig und geeignet hielt, den Dienst als tiefert preiswer Pfleger auch nach seiner Berfehlung zu versehen. Wenn der Kläger Paul Golletz. als Aushilfe für eine bestimmte Zeit eingestellt worden wäre, dann Mariannenstr. 3. hätte er nach Ablauf dieser Zeit ohne weiteres entlassen werden lamt Morigpl. 108 08 jeder Art Dormals Robert Meyer Ansbacher Str. 52( am Wittenberg- Platz) Tel.: Steinplatz 15122. Garantie für kunstgerechte Anfertigung von Zahnersatz, Plomben in Porzellan, Gold, Kronen und Brücken. Schonendste Behandlung. Mäßige Preise. Evtl. Teilzahlung. Inventur- Ausverkauf zu staunend billigen Preisen Ermäßigung bis 50% Leihhaus Moritzplatz 58a Einen Posten Gummi- Mäntel Stück 12.50 M. Keine Lombardwaren Radikaler Preisabbau! Damen- Halbschuhe 1.95. Herren- Halbschuhe 5.90. Pelzmäntel 100.- Pelzjacken 75.- Sportpelze mit Op.Futter 60.- Schofförpelze( früher 200.-) 100.- Kreuzfüchse 12.- Anzüge Serie I: früher bis 45-, jetzt 18.- Serie II: elegant 31.50. Einen Posten Damen- Mäntel u. Kleider unglaublich billig Billige Preise Herrenstiefel u. 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