Nr. 3943. Jahrg. Ausgabe A nr. 20 Bezugsvrets: voraus Böchentlich 70 Bfennig. monatlic B. Reichsmart zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzia Saar und Memelaebiet, Defterreich Litauen Luxemburs 4.50 Reichsmart. für das übrige Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Sied lung und Aleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäalich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe pastries) b Vorwärts Berliner Volksblatt mid era m 15 Pfennig Anzeigenvreite: Die einfvaltiae Stompaveide seile 80 Biennia. Reflamescile 5. Reichsmart. Alcine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Brennis ( auläffia zwei fettgedruckte Wortes. jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Bfennig. tebes meitere Bort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für amei Borre Arbeitsmarkt Reile 60. Bfennia. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für bie nächste Rummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft Berlin S 68, Linben. Azake 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin GW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 24. Januar 1926 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 538 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten und Beamten. Wallftr. 65: Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Binbenftr. 8. Q Das Bolf entscheide! Enteignung der Fürstenhäuser. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Bar tei, der Kommunistischen Partei und des Ausschusses für den Boltsentscheid traten gestern nachmittag abermals unter dem Borsig eines Vertreters der Gewerkschaften zusammen. Entfprechend den Vorschlägen des Unterausschusses, der am Tage zuvor eingesetzt worden war, wurde beschlossen, dem zum Boltsbegehren einzureichenden gemeinsamen Antrag zur entschädigungslosen Enteignung der Fürften folgende endgültige Fassung zu geben: Gesetz zur Enteignung der Fürstenvermögen. Auf Grund Art. 153 der Reichsverfassung wird bestimmt: Art. 1. Das gesamte Bermögen der Fürsten, die bis zur Staatsum. wälzung im Jahre 1918 in einem der deutschen Länder regiert haben, fowie das ganze Vermögen der Fürstenhäuser, ihrer Familien und Familienangehörigen werden zum Wohle der Allgemeinheit ohne Entschädigung enteignet. Das enteignete Bermögen wird Elgentum des Landes, Das enteignete Bermögen wird Eigentum des Landes, In dem das betreffende Fürstenhaus bis zu seiner Abfehung oder Abdantung regiert hat. Art. 2. Das enfeignete Vermögen wird verwendet jugunften: a) der Erwerbslosen, b) der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, c) der Sozial und Kleinrentner, d) der bedürftigen Opfer der Inflation, e) der Landarbeiter, Kleinpächter und Kleinbauern durch Schaffung von Siedlungsland auf dem enteigneten Landbesitz. Die Schlösser, Wohnhäuser und sonstigen Gebäude werden für allgemeine Wohlfahrts-, Kultur- und Erziehungszwede, insbesondere zur Errichtung von Genesungs- und Versorgungsheimen für Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene, Sozial- und Kleinrentner, sowie von Kinderheimen und Erziehungsanstalten verwendet. Art. 3. Alle Verfügungen einschließlich der hypothekarischen Belaffungen und Eintragungen, die mit Bezug auf die nach diesem Gesetz enteigneten Bermögen oder ihre Bestandteile nach dem 1. November 1918 durch Urteil, Vergleich. Bertrag oder auf sonstige Weise getroffen wurden, sind nichtig. Art. 4. Die Ausführungsbestimmungen zu diesem Gefeß werden durch ein Reichsgeseh festgelegt, das innerhalb dreier Monate nach amtlicher Feststellung des Abstimmungsergebnisfes zu erlaffen ist. Dieses Reichsgefeh hat insbesondere die näheren Beffimmungen zur Ausführung des Artikels 2 diefes Gesetzes über die Verwendung der enteigneten Fürstenvermögen durch die Länder zu treffen. Weiter wurde vereinbart, daß der Antrag, mit der Unterfchrift von je einem Vertreter der Sozialdemokratischen Partei, der Kommunistischen Partei und des Ausschusses für den Bolfsentscheid versehen, Montag, den 25. d. M., nachmittags, im Reichsministerium des Innern eingereicht werden soll. Die beteiligten Organisationen werden die Aktion jede für sich selbständig führen Sie sind sich jedoch Sie sind sich jedoch einheitlich dessen bewußt, daß die gesamten Kräfte des werttätigen Boltes aufgeboten werden müssen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Es gilt jetzt für jeden einzelnen, fein Bestes für den Sieg einzusetzen. 0 Die Sozialdemokratische Partei hat also beschlossen, gemeinsam mit Organisationen, die in der Frage der Fürstenenteignung das gleiche Ziel erstreben wie sie, einen Antrag auf Einleitung des Volksbegehrens und des Bolfsentscheids einzureichen. Sie wird von heute ab ihre ganze Kraft dafür einfegen, daß der gigantische Kampf, der durch ihren Beschluß eingeleitet worden ist, bis zum Siege durchgeführt wird. Es ist fein Geheimnis, daß es langer forgsamer Erwägungen bedurft hat, um diese Entscheidung herbeizuführen. Der Streit um die Auseinandersetzung zwischen den Ländern und Den ehemaligen Fürstenhäusern währt nun schon Jahre. Wenn er sich in der letzten Zeit bis zum äußersten verschärft hat, so trägt die Schuld daran die empörende Anmaßung der Fürstenhäuser, die wesentlichen Teile des deutschen Volksvermögens als ihr Familieneigentum in Anfpruch nahmen. Sie taten das auf Grund von Rechts titeln, bie nicht beffer und nicht schlechter find als jene, auf benen ihr Herrschertum von ehedem beruhte. Jene Rechts titel, die sie als Herrscher von Gottes Gnaden einstmals bejaßen, find durch die Staatsumwälzung von 1918 pernigtet. Damals legten sie leicht und willig ihre Morgen Einreichung der Anträge. Kronen nieder, feiner von ihnen leistete Widerstand. Desto hartnäckiger flammern sie sich an das Kronvermögen, das sie durchaus in ihr Privatleben mitnehmen wollen. Offen: bar ist es für sie leichter, auf den Thron zu verzichten, als auf Gut und Geld. die Kreise der Monarchisten hinein empfunden. In den Massen Das ,, Unkönigliche" dieses Verhaltens wurde bis meit in des Boltes, die bittere Not leiden, ftieg die Empörung mit jedem Tage höher. Dieses Geschacher und Gepracher um Schlöffer, Güter, Kapitalsvermögen und Mätreffenrenten muß endlich ein Ende haben. Ein Ende fann aber nur ein Boltsentscheid bringen, der die widersinnig gewordenen ,, Rechtsansprüche" der Fürsten durch einen Aft der Gesetzgebung radikal vernichtet. Dann ist endlich reiner Tisch gemacht! Heute vor einer Woche war hier vom Schicksal Wolfgang Freilig raths die Rede. Dieser Sohn eines großen Dich ters, des Sängers der Republik und ihrer Farben, haust als mittellofer Bandarbeiter, 79 Jahre alt, im Hunsrüd. Die Ge meinde verweigert dem Greis die Altersrente von 15 Mt. monatlich, weil er nicht nachweisen kann, daß er schon leiblichen Hunger leidet. Wolfgang Freiligrath hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelentt, weil er der Sohneines großen Baters ist, eines Mannes, dessen Werf geistiges Gemeingut unferes pochen, aus deutschem Volksvermögen fürstlich erhalten zu Volkes geworden ist Auch die Fürsten, die auf ihr Recht werden, sind Söhne von Vätern, aber nicht von großen. Kein einziger von ihnen hat sich Verdienste um die Algemeinheit erwerte Fähigkeit gezeigt, und man muß in der Geschichte weit worben, feiner hat auf irgend einem Gebiet eine nennens zurückgreifen, um Ahnen von ihnen aufzufinden, von denen man mit einem gewissen Recht behaupten kann, sie hätten für ihre Zeit Nühliches geleistet. In der großen. Schidsalszeit des Krieges haben sie alle versagt. Sie wußten, daß ein Mann des Unheils an der Spitze des Reiches stand, aber sie stützten und deckten ihn eus monarchischer Solidarität. Jetzt fizen sie auf ihren Schlössern; mancher von ihren träumt von einer Wiederkehr der alten Herrlichkeit, und wenn sie mit ihren Forderungen so unerfättlich sind, so sind sie es zum guten Teil deshalb, weil sie ihr Fürstenvermögen als ihren Kriegsschaz im Kampfe gegen die Republit betrachten. Jekt heißt es: Schluß damit! Sohn Freiligraths, so schlecht wie der ungeheuren Masse des Barmherzigen Gemütern sei gesagt: So schlecht wie dem Bolles wird es den enteigneten Fürsten gewiß niemals gehen. Bir hätten vielmehr den Wunsch, es möchte allen im Lande so gut gehen, wie es den Fürsten nach ihrer Enteignung gehen wird! Ganz abgesehen davon, daß nach der Bernichtung ihrer midersinnig gewordenen Rechtsansprüche" nichts und niemand sie daran hindern kann, durch eigene Tätigkeit Einkommen und Vermögen zu erwerben, werden ihnen doch gewiß die weitgeöffneten Portemonnaies ihrer Anhänger zur Verfügung stehen. Gut und Blut für den König!" wie oft haben wie diesen Ausruf gehört! Auf das Blut haben die Könige erfreulicherweise verzichtet, desto mehr sind sie auf das Gut erpicht. Fast alle reichen Leute in Deutschland find reaktionär und monarchistisch gesinnt. Halten fie es für nötig, den Glanz ihrer angeftammien Herrscherhäuser aufrechtzuerhalten, so mögen sie aus freiem Willen das ihre dazu beitragen! Deutschen jo vor dem Berhungern geschüßt, wie es die eheDarum feinen Appell an die Tränendrüsen! Bären alle maligen Fürsten auch nach ihrer Enteignung sein werden, dann wäre Deutschland das glücklichste Land der Welt. Kampf wird sich auf dem Boden des Gefezes und der Der ungeheure, in folchem Ausmaß noch nirgends erlebte Berfassung abspielen. Zum erstenmal machen große Organisationen von dem Recht der außerparlamentarifchen Demokratie Gebrauch, das ihnen die Weimarer Verfassung verleiht. Zum erstenmal werden rund 40 Millionen erwachsene Bolfsgenossen aufgerufen werden, nicht nur ihre Vertreter zu wählen, sondern über einen Ge210000 Arbeitslose in Berlin. Gewerkschaftliche Forderungen an den Magistrat. Der Berliner Drtsausschuß des ADGB. hat unterm 21. Januar| lung des Drtsausschusses Berlin des Allgemeinen Deutschen, Ge folgende Eingabe an den Magistrat der Stadt Berlin gerichtet: werkschaftsbundes beschäftigt. Diese mußte feststellen, daß die bisIn unserer Eingabe vom 28. November v. J. haben wir her getroffenen Maßnahmen der staatlichen und komden Magistrat der Stadt Berlin ersucht, bei den zuständigen Reichs- munalen Behörden bezüglich der unterstützenden und produktiven und Staatsbehörden dahin zu wirken, daß die Unterstützung Erwerbslosenfürsorge durchaus ungenügend find. Wir sind fügungsdauer verlängert wird. 3ur Behebung der derungen zu unterbreiten: für die Erwerbslosen erhöht und die unter: beauftragt, dem Magiftrat der Stadt Berlin deshalb folgende ForArbeitslosigkeit sollten ausreichende Mittel für Notstandsarbeiten und reguläre Arbeiten bereitgestellt werden. Weiter forderten wir die Wiedereinführung der Kurzarbeiterunterstützung. Die Antwort des Magistrats vom 28. Dezember 1925 auf unsere Eingabe läßt erkennen, wie dies auch schon durch die Presse bekannt geworden ist, daß zwar eine Erhöhung der Unterstügungsfäge eingetreten ist, aber alle anderen Forderungen unberücksichtigt geblieben find. Gewiß ist anzuerkennen, daß der Magistrat eine weitgehende Unterstüßung aller ausgesteuerten und nicht bezugsberechtigten Arbeitslofen, soweit die Bedürftigkeit bejaht wird, durch die Erwerbslosenhilfe durchgeführt. Auf dem Gebiete der Arbeitsbe fchaffung ist seitens des Magistrats nicht alles geschehen, was gefchehen tonnte. Es dürfte dem Magiftrat befannt sein, daß die für die Genehmigung von Anträgen auf Förderung von Notstandsmaßnahmen und Bewilligung von Darlehen und Zuschüssen zuständigen Reichs- und Staatsbehörden diesen Vorwurf ebenfalls In der Deffentlichkeit und Gewerkschaftsvertretern gegenüber erhoben haben. Die befchloffene fofortige Inangriffnahme des Baues der AEG- Schnellbahn und die damit im Zusammenhang stehende Buschüttung des Luisenstädtischen Kanals bieten sicher einigen tausend Erwerbslosen Arbeitsmöglichkeiten. Was bedeutet dies aber gegenüber den 210 000 Arbeitslosen, die wir jetzt in Berlin haben? 1. Schleunigste Jnangriffnahme aller genehmigten Notstandsarbeiten und regulären Arbeiten und Anfordern der von Reich und Staat dazu bereitgestellten Gelder, 2. Darüber hinaus sind alle Borbereitungen zu treffen für die Genehmigung weiterer prüfungsfähiger Anträge von Notftandsarbeiten in großem Ausmaße. Bei den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden ersuchen wir einzutreten für: 1. Eine weitere Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung, 2. Zahlung der Erwerbslosenunterstühung während der Dauer der Arbeitslosigkeit, 3. Einführung der Kurzarbefferunterstützung. 4. Aufhebung der Bestimmungen über die Bedürftigkeitsprüfungen, 5. Einschränkung der Betriebsftiflegungen, 6. Maßnahmen gegen das Ueberffundenwefen. 7. Baldige Berabschiedung des Arbeitslosenversicherungs gefehes. Wir ersuchen den Magistrat dringend, im Sinne unserer Forderungen zu wirken. Durch Erfüllung dieser Forderungen ist es möglich, der ungeheuren Arbeitslosigkeit und den daraus entstehenden Gefahren einigermaßen zu steuern und Not und Elend zu lindern. Wir erwarten vom Magiftrat, daß er den Ernst der Situation pöllig erkennt und durch entsprechendes Handeln dem Rechnung trägt. Die Gewerkschaften werden nach wie vor den meiteren Ber lauf der Dinge im Auge behalten und in ihrem Drängen nicht na chlaffen, bis alle Möglichkeiten, den Arbeitslosen zu helfen, Mit diesem Stand der Dinge hat sich am Montag, den 18. Januar, eine außerordentlich start besuchte Delegierten perjammerschöpft find." fegesantrag von grundsäßlicher Bedeutung ihre direkte Entfcheidung zu treffen. Jeder wird sich zu diesem Gesezesantrag stellen müssen mit seinem Ja oder mit seinem Nein. Die Frage ist aufgeworfen. Jeder Mann und jede Frau ist verpflichtet, über sie nachzudenken und zu entscheiden! Bis in das lyte Dorf hinein, bis zu dem letzten weltverlorenen Weiler soll der Kampf ausgetragen werden zwischen Fürstenanmaßung und Boltsrecht! Damit ist für die Sozialdemokratische Partei die Gelegenheit gegeben, alle Geister wachzurütteln und einen großen Werbungsfeldzug zu unternehmen für die Re publif, für den Geist echter Demotratie, der, mit fozialem und sozialistischem Geist untrennbar ver bunden ist. Doppelt millkommen muß uns dieser Kampf sein in einer Zeit, in der sich alle Ungeiſter der Vergangenheit übermütig regen. Die Enthüllungen der Justizmorde in der faiferlichen Marine, die Rebellion der Admirale, die blutige Saat der Reaktion, die in den Fememorden so üppig in die Halme schossen ist, vervollständigen das Bild, das sich aus dem Streit um die Fürstenvermögen ergibt: ein Bild, das jedem, dem die nationale Ehre" nicht nur eine leere. Redensart ist, die Schamröte bis in die Stirne treiben muß. Schluß mit dieser Bergangenheit! Freie Bahn für eine freie neue Zeit! * Es geht nicht nur darum, dem Bolt materielle Werte zu erhalten, die zu Zweden der sozialen Wohlfahrt ver wendet werden sollen. Es geht nicht nur darum, Hunderte von Millionen für Arbeitslose, für die Opfer des Krieges und der ihm folgenden Not zu retten, es geht nicht nur um die Kolonisation von Großgrundbesit, nicht nur um Gefundungs, Versorgungs- und Kinderheime, es geht auch um ein hohes ideelles Gut: um die 3 erstörung der monarchi stischen Legende, um die Stärfung der republikanischen und sozialen Gesinnung im deutschen Wolfe. Morgen wird der Antrtag eingereicht. Bald wird an alle, die ihn durch öffentliche Befundung zu unterstützen gewillt find, der Ruf ergehen, sich in die Listen einzutragen. Sind die vier Millionen Unterschriften beisammen lieber ein paar Millionen zuviel als eine einzige zu menig!- dann ist der Kampf zur letzten Entscheidung frei. Es wird ein heißer Kampf werden, und harte Arbeit wartet unser! Aber am Ende opferreicher Wochen steht der Sieg! Ein Kompromiß der Mittelparteien? Die Angst vor dem Volksentscheid. Wie die Boffische Zeitung" zu berichten meiß, find zwischen den Mittelparteien Berhandlungen über eine reich s gefeßliche Regelung der Fürsten abfindung im Gange. Die Grundzüge eines Gesezentwurfes find schon aufgestellt, der ein besonderes Gericht zur Prüfung und Ent scheidung über die Ansprüche der Fürstenhäuser norfieht. Das Gericht soll ein Sondergericht beim Reichs gericht sein und neun Mitglieder haben, die die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsgericht befigen müffen Den Borfiz führt der Reichsgerid; tspräsident oder fein Stellper. treter, der wie das übrige Gericht auf Borschlag des Reichsrats nom Reichspräsidenten ernannt wird. Dieses Schiebs. gerich fall über alle schwebenden Streitfragen nach den Bor jchriften des Reichs- und Landrechts entscheiden, dabei aber auch Billigkeitsermägungen berücksichtigen, so die wirtschaft lichen Berhältnisse der Parteien und einen billigen Ausgleich anstreben. Es soll nicht nach formalem Zivilrecht, sondern nach sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten unter Berücksichtigung der Notlage des Boltes entscheiden. Dabei soll den Fürsten eine durchaus angemessene Abfin Fahrt unter der Erde. Bon Cola Candau. Das Licht in der Untergrundbahn erlosch einen Augenblid. Völlige Finsternis verschlang die starren, teilnahmslosen Gesichter der Menschen, die dichtgedrängt wie auf einer Bogelflange neben einander hodten. Es war amei Uhr nachmittags, und während die Fahrenden im Dunkel unter der Erde dahinjagten, dachten fie faum daran, daß auf Blägen und Straßen helle Sonne praffelte. Als das gelbe Lampenlicht nach einer Sefunde mieder aufzudie, glitt es ſtumpf über die unbewegliche Reihe der Menschen, die sich nicht geregt hatten. Immer noch starrte der fleine, graublaffe Mann mit der Attenmappe auf den braunen Mantel der jungen Frau, die ihm gegen über faß, als betrachte er die öde Maserung eines Holzmusters. Blöglich schob fich ein toter meißer Fled, ein neues, gleichgültiges Menschengesicht vor seinen Blid. Immer noch verbarg sich sein Nachbar, ein gutgefleideter Mann mit blitzendem Kneifer und hoher, geröteter Stirn hinter der Zeitung, die er groß wie eine schwarz weiße Tapetenwand vor fich aufgeschlagen hatte. Immer noch strich fich die Dame mit dem roten, fpöttisch aufgeschlagenen Hut ihre Haare glatt, als befände fie fich allein vor einem unsichtbaren Spiegel. Und immer noch schielte die alte Frau mit dem zitternden Kinn mißmutig auf die Lackschuhe des jungen Mädchens, das ebenso wie vorher immer noch in dasselbe Lächeln einer abgetragenen Erinnerung vertieft war und hinter diesem Lächeln wie hinter einem Schleier verhüllt faß. mar. Das Gespenstische dieser stummen Bersammlung aber empfand nur ein junger Mensch in der Ede des Wagens, der vor einigen Tagen aus der Provinz zum erstenmal in die große Stadt gekommen Ein Flüchtling seines Berufes, war er von seinem engen Ladentisch und der geschwäßig murmelnden fleinen Straße aufgebrochen, um fich an der Universität der Hauptstadt dem Studium hinzugeben. Aber schon bei der Ankunft vor der lieblofen Bahnhofshalle erdrückten ihn die Häuser mie böse Felsen, die Menschen massen drohten, ihn in einen seelenlosen Wirbel einzuftampfen. Jetzt juchten hinter dem Schug eines Buches seine Augen, Dom vielen Sehen wund, vergeblich einen festen Halt. Sie glitten ab, tafteten angstvoll die lange Reihe der Gesichter entlang. Da lehnen fie num Schulter an Schulter," dachte er, wie gemeinsame Gäste eines phantastischen Unbekannten in dieses fahrende Zimmer geladen. Aber sie sprechen fein Bort miteinander, fie sehen sich nicht einmal an. So sausen vielleicht Tote oder emig Berdammte unter der Erde hin." Und in seinen meitgeöffneten, überwachten Augen entzündete fich ein seltsamer Traum: Die Glastir des fahrenden Zuges schlug plößlich zurüd, wie von einem heftigen Bindftoß aufgeriffen. Eine weiße lange Tafel, mit Speifen und ftrogenden Früchten geschmüdt, murbe von unficht barer Hand in den Wagen zwischen die Menschen hingerollt, bie, mie aus einem Starrframpf erlöst, fich auf ihren Sigen hochrichteten, nach den Speifen langten und bald in heiteren und schönen Gesprächen einer feftlichen Tafelrunde vertieft waren. Der gutgetleidete Herr faltete feine Zeitung zusammen und legte seiner Nachbarin, ber alten mürrischen Frau, felber mit der flebevollen und scherz haften Bewegung eines Bohnes bie Speisen auf ben Teller. Der | hörigen des Reiterregiments bezüglich ihrer Fähnchen, daß sieimmer bloß als fchwarzroimostrich" bezeichnet wurden mit dem Zusage: Diese Fezen reißen wir noch herunter." dung" zuteil werden. Angeblich sollen auch Sicherungen da-| habe sie sich auch vielmals über gehässige Aeußerungen von Ange gegen getroffen werden, daß die Fürsten die ihnen gewährten Zu mendungen nicht in einer dem Staatsintereffe widersprechenden Weise nerwenden. Den Fürstenfamilien fann die Berpflichtung auf erlegt werden, daß die ihnen zugesprochenen Kapitalien und Renten Der Bertreter des Privatklägers, Justizrat Sanfe, bezeichnet 25 Jahre lang nicht zu ungeschlichen Bestrebungen, die sich den Erlaß des Reichswehrministers zunächst als mit der Bergegen die bestehende Staatsform richten, verwendet fassung unvereinbar, worüber zu entscheiden allerdings nicht Sace werden dürfen. Bei Aufwertungsstreitigkeiten soll ein dem Gold- des Gerichts sei. Dem Privatkläger stche aber der in der Berfassung ge mert der festgesetzten Leistung übersteigender Betrag nicht zugewährleistete Anspruch auf die Unversehrtheit der Woh billigt werden.( Bekanntlich werden Aufwertungen verlangt, die nung zu und es habe niemand ein Recht hier einzubringen, ganz fich auf ein Mehrfaches des ursprünglichen Vermögenswertes be- gleichgültig, ob die Wohnung in einer Kaserne sei oder nicht. Ge laufen.) radezu ungeheuerlich sei die Begründung des Beklagten, daß er von diefen einfachen Rechtsverhätnissen teine Kenntnis habe. Die Verteidigung meint, es sei ein Unding, von einem Offizier zu verlangen, in einem solchen Falle den zivilrechtlichen Weg einzuhalten; wollte man ihm sagen, daß er eine Feststellungsflage zu machen und eine einstweilige Verfügung zu erwirten habe, jo tönne man ebenso guf„ affyrifch" mit ihm sprechen. Die Hoffnungen, die die Bossische Zeitung" an diese Kompromißverhandlungen fnüpft, vermögen mir nicht zu teilen. Unseren grundsäglichen Standpunkt in dieser Angelegenheit haben wir an anderer Stelle ausführlich dargelegt. Für uns gilt es, die widerfinnig gewordenen Rechtsansprüche der ehemaligen Fürstenfamilien durch den Spruch des Boltes selbst ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Hausfriedensbruch auf Befehl Geßlers! Schwarzrotgoldene Blumentöpfe verboten. Aus Kassel wird uns geschrieben: Man erinnert fich des Borgehens des Leutnanis v. Ro. gifter beim Reiterregiment Nr. 16 in Kassel, der am Ber. fassungstage vorigen Jahres aus einer in der Reiterfaserne gelegenen Brivatwohnung in einem Blumentopf stedende schwarzrotgoldene Fähnchen mit eigener Hand fernte. Dieser Angelegenheit wegen hatte der Wohnungsinhaber Baumbach, Lagermeister beim Finanzamt in Kaffel, gegen den Leutnant v. Rogifter Strafantrag gestellt, welche Kilage gestern bei dem Schöffengericht in Raffel zur Verhandlung anftand. Der Angeklagte rechtfertigt sein Berhalten damit, daß er sich auf einen Erlaß des Reichswehrministers vom 14. Juni 1925 beruft, der bestimmt, daß militärische Gebäude nur mit der Reichskriegsflagge- schwarzweißrot mit schwarzrotgoldener Gösch Das Gericht folgt im wesentlichen den Ausführungen des Berteidigers und spricht den Angeklagten frei. Die Kosten des Berfahrens werden dem Privattläger Baumbach auferlegt. Der Leutnant v. Rogister ist ob seines wunderbar schneidigen Vorgehens gegen die Reichsfarben in der Zwischenzeit die Treppe hinauf gefallen und Oberleutnant geworden. Um die Knappschaftsrente. Debatte im sozialpolitischen Ausschuß. politischen Ausschusses über die Novelle zum KnappIn der am Sonnabend fortgesetzten Debatte des Sozial chaftsgesetz vertrat Ministerialdirektor Griefer mit befon politischen Ausschusses über die Novelle zum knapp. haftsgesetz vertrat Ministerialdirektor Griefer mit besonderem Nachdruck die Auffassung, daß die Industrie der Steine und Erden nicht ohne weiteres aus der Knappschaftsversicherung entlaffen werden dürfe. Man müffe versuchen, diese Industrie zu halten und ihr Ausscheiden von der übereinstimmenden Willensfundgebung der Unternehmer und Arbeiter abhängig machen. Boraussetzung für das Ausscheiden müsse die Sicherung der Deckung für erworbene Renten und Anwartschaften bleiben. Die Rückzahlung der seit 1924 geleisteten Beiträge müsse ausgeschloffen bleiben, weil bei einer Risiko für eventuelle Zahlungsunfähigkeit ausgeschiedener Betriebe Reichs- Einigung über die Deckungsfrage der Knappschaftsverein doch das trage. Pensionsempfänger müßten aus dem Bergbau ausscheiden. Gen. Janschef wandte sich gegen die weitgehenden Forderungen auf Ausscheiden von Bergbaubetrieben, besonders aber ei schon deshalb eine Unmöglichkeit, weil die Renten( teilweise gegen ein Verbot der Weiterarbeit von Invaliden. Das Verbot 40 m. pro Monat) zum Leben nicht reichten und andere Erwerbsmöglichkeiten für die Invaliden in vielen Bergbaubezirken nicht beständen. Notwendig sei jedoch die weitere Beitragszahlung für die Invaliden, damit für die Unternehmer der Anreiz wegfällt, die Invaliden gegenüber gesunden Arbeitern zu bevorzugen. beflaggt werden dürfen. Es heißt dann weiter in dem Erlaß: Die Eigenschaft des militärischen Dienstgebäudes als Reichseigentum ist durch die Abmietung einzelner Zimmer an Zivil. personen nicht verändert. Jede anderweitige Beflaggung ftellt eine Beeinträchtigung der dem Reichseigentum unterstehenden Hoheitsflagge dar. Das Flaggen durch Privatpersonen an militärischen Dienstgebäuden ist daher unstatthaft." Der Angeklagte, der in seiner Eigenschaft als Kasernenvorstand gehandelt hat, gibt an, die Widerrechtlichkeit seines Borgehens sei ihm nicht bewußt gewesen. In der Abwesenheit des Privatklägers Baumbach habe er am Verfassungstage vormittags von der Frau Baumbach die Entfernung der Fähnlein verlangt. Er habe um so mehr darauf gedrungen, als er am Tage vorher schon vom Privat fläger die Entfernung der Fähnlein verlangt habe, was B. auch getan habe. Die Frau Baumbach habe aber anderen Tages nicht nur diese Fähnlein wieder in die Blumentöpfe hineingestedt, fondern noch einige weitere dazu, was er als Herausforderung be trachtet habe. Die Frau Baumbach verwehrte ihm das Eindringen in die Wohnung, verbot ihm das Betreten mit dem Hinweis, daß er sich eines Hausfriedensbruchs fchuldig mache, schloß die Zimmertür ab und stellte sich davor. Daraufhin faßte der Angeflagte die Frau Baumbach an beiden Armen, schob fie auf die Seite, schloß das Zimmer auf und entfernte felbst alsdann die Fähnchen aus den Blumentöpfen. Frau Baumbach als Zeugin gibt an, daß fie fich über das barsche, gemalttätige Vorgehen des Leutnants um so mehr geärgert babe, als bei anderen Gelegenheiten schwarzweißrote Fähnchen, die 3. B. anläßlich der Präsidentenwahl von anderen Privatmietern der Reiterfaserne in Blumentöpfe geffect waren, nicht entfernt zu werden brauchten, und sie habe sich deshalb für besonders berechtigt gehalten, die schwarz rotgoldenen Fähnchen vor ihrem Fenster anzubringen, als sie überzeugte Republitanerin fei und am Berfassungstage der Republit auf diese Weise ihrer Ueberzeugung wohl Ausdrud geben dürfe. Geärgert graublaffe Mann mit der Aftenmappe erflärte, indem er Daumen und Beigefinger forgfältig zu einem Ring frümmte, der Dame mit dem jpöttischroten Hut eine neue Erfindung, während sie ihm mit unbeschreiblicher Anmut das Glas vollschentte. Er selbst, der Fremdling aber, mar irgendwie neben das junge Mädchen als Tischnachbar geraten, und als sie nun langsam ihr Gesicht vor ihm entschleierte, rauschte vor ihrem Antlig der zarte Vorhang des Lächelns hoch, und er fah dahinter die Erinnerung, fie selbst und ihren Geliebten in schäumte. 3u alledem ertönte aus der Holztafel der Tür, wie aus einer gelben brennenden Dünenschlucht, hinter der das Meer einer großen Schallplatte, zauberische Mufit, bei der sich alle An wesenden an den Händen faßten und sich fanft hin- und herwiegten. Der schleudernde Stoß einer Kurve rüttelte den Träumer auf. Eben rasselte die Bahn in eine Halle, Menschen stießen sich heraus, Menschen stießen hinein, und die gespenstische Reihe der stummen Gefichter füllte sich mit neuen Köpfen auf. Nur fiel in dem Gedränge dem Fremden eine Frau mit blauer Schürze auf, die einen schweren Korb mit gelben und rotflammenden Blumen trug. Höchst sonderbar schien da mit einem Male sein Traum sich in der Wirt lichkeit fortzusetzen. Lodernd glühten in dem fahlen Zwielicht unter der Erde die Blumen, ein Springbrunnen aus allen Sonnenfarben zischte aus dem Rorbe hervor, daß er glaubte, alle Augen müßten ich, plöblich in einem Aufleuchten in diesem Neg verfangen. Uebertraf nicht die phantastische Wirklichkeit seinen Traum! War nicht mie durch Zauber ein Garten in diesen Wagen unter der Erde hineingefegt und blühte zwiſchen armen staubgrauen Menschen, zwischen den toten Steinen dieser Gesichter empor! In ungeheurer Spannung beugte er sich vor. Aber fein einziger wandte sich den Blumen zu, niemand beachtete die Frau, die keinen Blaz gefunden hatte und den Korb mühsam wie ein schmeres Kind auf den Armen hielt. Und allmählich, wie sie schief, mit breiten Füßen unter der Last ächzte, übertäubte der Armengeruch aus ihrer Schürze den Duft der Blumen, die nun im Gewühl völlig versanten. Der Fremde erhob sich und gab der Frau seinen Plaz. Hilflos und traurig schwankte sein Körper, von den Stößen des Wagens geschüttelt. Als das junge Mädchen den Wagen verließ, stolperte auch er hinaus und holte sie mit großen, verzweifelten Schritten ein. Er riß seine Lippen auseinander, wie Blut strömten die Worte ihm aus dem Munde: " Sahen Sie, sahen Sie vorhin die herrlichen Blumen?" Das junge Mädchen jah einen Augenblick erschreckt zu ihm auf. Dann verzog sich ihr schönes Lächeln zu einer überlegenen Heinen Grimasse von Spott. " Sie versuchen es auf eine neue Weise, Frauen anzusprechen. Aber ich liebe nicht, auf diese Art Bekanntschaften zu machen. Und sie eilte weiter, schon im nächsten Augenblick in der Menge aufgelöst und verfchollen. Der Frembe stand starr, er fühlte feine Füße wie leblose Blöde in den Boden gerammt. Un demselben Abend verließ er die große Stadt, und das Leben schleuderte ihn in einer wilden Kurve dorthin zurüd, woher er gefommen war. Im Kupferffichkabineff der Staaffichen Museen werden die Ausstellungen ber Berte Grünewalds und deutscher Landschaften in der Lommenden Woche geschlossen. An ihrer Stelle werden Beichnungen englischer Maler des 18. Jahrhunderts und Selbstbildnisse von Graphileru bes 19. und 20. Sahr. Humberts ausgestellt. Die Weltwirtschafts- Vorkonferenz. Briefwechsel Genf- Moskau. Genf, 23. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Auf die Zustim mung der Sowjetregierung zur Einladung der Professoren Günfel und Rhinisut, des Präsidenten des russischen GenossenschaftsInternationalen Birtschaftsfonferenz antwortete das Generaljefre amtes, als Mitglieder der Kommission für die Borbereitung der tariat des Bölferbundes mit der gewünschten Zusendung der Brotofolle der Bölferbundsversammlung und des Böllerbundsrates über die bisherigen Beratungen darüber sowie mit der Mitteilung, daß die Einladung an die Genannten umgehend abgesandt werde. Den Schlußfaz der russischen Note, daß die Teilnahme der beiden Dele gierten an den Kommissionsarbeiten mir dann erfolgen fönne, wenn die Kommission nach einem anderen Lande als der Schweiz ein mit der Erklärung, daß mitteilungen über den Zeitpunkt des Zusammentritts der Kommission, der voraussichtlich nicht vor dem 15. April erfolgen dürfte, und den Tagungsort n ä ch ft ens erfolgen merden. Damit bleibt die Bestimmung des Tagungsortes bem im März tageuden Bölterbundsrat vorbehalten. Leni Riefenstahl. Faft zwei Jahre hat sie fich auf Berliner Bodien nicht sehen laffen. Provinz, Krankheit, Film. Jest zeigte fie fich wieder im überfüllten Blüthner Saal der Gemeinde ihrer Berehrer, die die freundlich Lächelnde mit Jubelstürmen und Blumen über schütteten. Genügt ihr dieser Erfolg, so mag fie zufrieden und fröh lich sein. Aber ich hoffe, er genügt ihr nicht und sie ist nicht zu höhere Biele tannte, als mit einem„ Sonnenftrah!" Bartettreihen frieden. Es gab eine Beit, wo Leni Riefenstahls Ehrgeiz zu bezaubern. Wo sie sich nicht nur ihrer reichen äußeren, sondern auch ihrer retcheren inneren Gaben und der idealen Pflichten be mußt war, die der Besitz solcher Gaben der Besizerin auferlegt. Als eine unerhört starte und wurzelechte tänzerische Natur, der sich alles Erleben zwanglos in rhythmische Bewegungsform umjeßt, rang fie um die Siegespalme der hohen, der ernsten, der großen Kunst. hätte sie nichts weiter geschaffen als das Programm ihres ersten Debuts, ihr Name fönnte in der Geschichte des modernen Tanzes nicht vergeffen werden. Wollte sie weitergehen, so ftanden ihr zwei Wege offen: der an Arbeit und Mühen reiche, entfagungs- und ge fahrvolle Aufstieg zum höchsten Ziel, oder die sichere, bequeme Bromenade als schönste Tänzerin der deutschen Bühne". " Wer Leni Riefenstahl jetzt sah, fonnte nicht zweifelhaft sein, welchen Weg fie gegenwärtig mandelt. Ich sage gegenwärtig, denn ich hoffe, nicht endgültig. Ich hoffe es im Interesse der Kunst und im Interesse der Künstlerin. Die rein äußeren Mittel, mit denen sie heute zu wirken sucht, werden in einigen Jahren nicht mehr wirken. Was bleibt dann übrig? Wer die„ Unvollendete Sinfonie", müde, läffig, glatt routiniert vorgetragen, hier zum ersten Male erlebte, der fonnte nicht ahnen, was dieses Wert einmal bedeutet hat. Ver zuckert und verwässert auch die feine, flimmernde, zwinkernde, leicht erotische Lyrik der blütenduftigen Arabeste", ungenießbar der monotone Walzer in Moll", der füßlich- fade Sonnenstrahl". Der hatten wenigstens Einzelheiten, in denen das echte, heiße, herbe Walzer in Dur" und das Furiejo"( mit einem bösen Fehlsprung) Temperament der Riefenstahl funkelte und sprühte. Auch die Blaue Blume", namentlich in ihrem Schluß mit den zögernden, auf halbem Bege erwartungsvoll einhaltenden, gleichfam fragenden Rhythmen, war schön. Und die wertvollste der neuen Schöpfungen, der Tanz an das Meer", in tonzentrierter Ballung und rein abstrafter Form gebung zugleich den Hauch des Wellenlusses und das Gefühl des Kämpfens mit den Wegen hervorzaubernd, bewies, welche Gaben in dieser Tänzerin schlummern und wieder wach werden. ich hoffe noch immer bald John Schifomsti " ST Dr. S. Neffriepte spricht heute abend 7%, Uhr im Jugendheim, Linden ftraße 3, über Arbeiterjugend und Theater. Die Ver anstaltung geht von der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin aus. Museumsführungen. Sonntag 10 Uhr. Jm Neuen Museum Dr. Kurth: Graphit unserer Seit Expreffionismus, im Kaiser Friedrich Museum Dr. Sühnel: Drientteppiche. Bulaßtarten zu 50 Pf. die Zahl der des Lesens uno Schreibens nicht stundigen in den östlichen Analphabelen in Polen. Nach einer jegt veröffentlichten Statistit befrug Bojwobichaften Bolens am 1. Dftober 64,5 Broz, und zwar in Nowogrudol 54,6, Bilna 56,7, Wolbanien 68,8 und Boležje 71. Auf 100 Männer famen dabei 55, auf 100 Frauen 74 Analphabeten. Gegen die Arbeitslosigkeit in Oesterreich. Ein sozialistisches Wirtschaftsprogramm. Die feit langem anhaltende große Arbeitslosigkeit in DeutschDefterreich dort sind bei 6 Millionen Einwohnern eine Viertelmillion Arbeitslose hat im Wiener Parlament wieder lebhafte Debatten über die Betämpfung der Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Die Sozialdemokratie Deutsch- Desterreichs hat zu fammen mit den Gewerkschaften und den Konsumgenossenschaften in Form von 14 Fragen Borschläge zur wirtjamen Be fämpfung der Arbeitslosigteit gemacht; diese Bor schläge verdienen auch bei uns Beachtung, da die deutsche Republit ebenfalls, wenngleich unter wesentlich anderen Voraussetzungen, den Kampf gegen die schwere Krise am Arbeitsmarkt aufnehmen muß. Die deutschösterreichische Sozialdemokratie verlangt zunächst Maßregeln zur Förderung der Warenausfuhr nach Sowjetrußland. Für die innere Wirtschaft fordert sie den Abbau der drückenden Banttonditionen und die Einrichtung einer Sanierungsstelle. Ferner soll die Vergebung öffent licher Arbeiten und Lieferungen, sowie der Straßenbau beschleunigt werden. Die Lieferungsverodnung foll nach Vorschlägen der Sozialdemokratie abgeändert, die produttive Arbeitslosenfürsorge ausgebaut und ein Kartellge Arbeitslosenfürsorge ausgebaut und ein Kartellge setz vorgelegt werden. Die Arbeitslosenversicherung will man so fetz vorgelegt werden. Die Arbeitslosenversicherung will man so ausgestaltet wissen, daß der Staat ein Drittel des Auf wandes für Erwerbslose auf sich nimmt. Besondere Förderung verlangen unsere österreichische Genoffen für den Wohnungs. bau und für die Entstehung neuer Industrien. Bien soll einen Freihafen erhalten. Weitere Forderungen wenden sich gegen die Beschränkungen der Auswanderung und gegen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in der Landwirtschaft. Durch eine Novelle zum Reichsvolksschulgesetz soll die Schulpflicht bis zum Ende desjenigen Schuljahres verlängert werden, in dem der Schüler das 15. Lebensjahr vollendet. Schließ lich verlangt man die Verwirklichung der Alters- und Invalidenversicherung in Deutsch- Desterreich. Diese vierzehn Forderungen sind die Antwort der deutschöfter. reichischen Sozialdemokratie auf die Bestrebungen der bürgerlichen Barteien, ein rein fapitalistisches Wirtschaftsprogramm zur Bekämpfung der Krise zusammenzustellen. Das sozialistische Brogramm ist getragen von dem Gedanken einer gemeinwirt. schaftlichen Produktions- und Sozialpolitik und stellt so den Versuch dar, in wirklich systematischer Weise die Krife zu beseitigen. Man wird abwarten müssen, wie sich die bürgerlichen Parteien zu den Vorschlägen stellen werden. Die beschlagnahmte Horthy- Munition. Ein Dementi. Der Standal Canaris. Auf Michaelis' Spuren.dedista ein politischer Unsinn entsteht, wenn die parlamentarischen Indein diese Fragen gestellt werden, zeigt sich sofort, welch Minister der Republit sich berufen fühlen, die Bertretung für Handlungen des halbabsolutistischen Raisertums zu übernehmen. Die Verhandlungen des schusses über die Ursachen des militärischen Zusammen- Depesche nach Merito übernehmen? Untersuchungsaus| Barons Holstein oder für die 3 immermannbruchs sollen der Aufklärung darüber dienen, welche Fehler in der Kriegsführung begangen worden sind, und welche äußeren Einflüffe mitgewirkt haben, um den Zusammenbruch herbeizuführen. Die Republik, die durch die freigewählte Nationalversammlung als verfaffungsmäßge Staatsform errichtet worden ist, hat alles Interesse daran, festzustellen, ob und wieweit der Zusammenbruch und die aus ihm Nöte des Landes Fehlern des alten Systems geresultierenden wirtschaftlichen und politischen schuldet und inwieweit daran Persönlichkeiten mitschuldig geworden sind, die als Repräsentanten des Obrigkeitsstaats amtierten. minister der Republik einen offiziellen Bertreter der Um so verwunderlicher ist es, daß der Reichsmehr republitanischen Marineleitung in den Ausschuß schicht, um dort eine Berteidigungsrede für die faiserliche Marine von ehedem zu halten. Wir sprechen hier nicht davon, ob die Offiziere der alten Marine persönlich sich durch die aftenmäßigen Darlegungen Dittmanns getroffen fühlen und ob sie daraus das Recht herleiten können, für sich als Personen, sei es als Zeuge oder Sachverständige, vor dem Unterausschuß als einem republitanischen Gericht gegenteilige Meinungen vorzutragen. Das Ungeheuerliche an dem Vorgang ist vielmehr, daß der Reichswehrminister Dr. Geßler durch die Entsendung eines Offiziers der jeßigen Reichsmarine die kaiserliche Marine als ganzes verteidigen läßt und dabei sich berufen fühlt, eine republikanische Partei in einer Form angreifen zu lassen, als wäre das Reichswehrministerium und die ihm unterstellte Marineleitung eine Filiale des All deutschen Verbandes oder eine Zweigabteilung des Berlages der Süddeutschen Monatshefte"! Es ergibt sich die Frage: Ist die Marine der Republik die gradlinige Fortsetzung der kaiserlichen Marine von ehedem? Fühlt sich Dr. von Geßler als gradlinige Fortsetzung des Staatssekretärs von Capelle? Will Dr. Don Geßler die Verantwortung für alles übernehmen, was in der faiser lichen Marine und in dem alten Heere vorgegangen ist? Dazu scheint uns, würde selbst die Berantwortungsfreudigkeit dieses Reichswehrministers nicht ausreichen. Eine weitere Frage: ist die Regierung Luther- Rülg Reinhold Marr Geßler die gradlinige Fortführung Regierung michaelis helfferich Capelle? Fühlt sie sich, faum ernannt, dazu berufen, die Fehler zu wiederholen, die zum Sturz jener Regierung führten? zu wiederholen, die zum Sturz jener Regierung führten? ollen die demokratischen Minister der Republit sich in allen Punkten identifizieren mit den Handlungen der vom Raifer eingefegten Regierungen der Kriegs- und Borkriegszeit. Wien, 23. Januar.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Das Heeres ministerium versucht den Munitionstransport aus Italien nach Under garn, der am Freitag in Graz angehalten wurde, als eine durchaus harmlose Sendung von Jagdmunition hinzustellen, wofür Durchfuhr erlaubnis erbeten und erteilt worden sei. Dem widersprechen jedoch wichtige Tatsachen. Es handelt sich zwar zum Teil um ungefüllte Patronen; die gefüllten enthalten aber keine Schrot, sondern Geschoßladung, und außerdem ist das Kaliber nicht das von Jagdgewehren, sondern ein durchaus friegsmäßiges. Ferner wird festgestellt, daß ein major der italienischen Militär. mission in Wien die Genehmigung zum Transport durch Defter reich nachgesucht hatte. Dazu sei noch bemerkt, daß Deutschösterreich eine geradezu berühmte Industrie von Jagdwaffen und Munition befigt 250 000 Arbeiter stehen in unserem Bruderland ohne Arbeit da. Gesetzt, es wäre nur Jagdmunition, die es gewiß nicht ist - wäre es dann nicht patriotische Pflicht der Regierung, den Beziehern nahezulegen, daß sie ihren Bedarf doch mindestens ebenjogut und dabei näher, also bequemer, in dem Nachbarland decken könnten? Deutschösterreich noch nicht genug entwaffnet? Wien, 23. Januar.( Tul.) Im Namen der Pariser Botschafter: fonferenz sprachen die Gesandten von England. Frankreich, Italien und Japan beim Bundeskanzler Ramef vor, um Befch mer be dagegen zu führen, daß in Desterreich in Betrieben immer noch Maschinen aufgestellt seien, die zur Munitions erzeugung verwendet werden können. Der Bundeskanzler hat erklärt, daß unmittelbar nach der Ratifikation des Friedens eine Revision des Maschinenbestandes ergeben habe, daß die in Betrieben aufgestellten Maschinen auf die Friedenserzeugung umgestellt find. Defterreich habe restlos feine Pflichten erfüllt. Hierzu wäre lediglich zu sagen, daß dieselben Ententegroßmächte die ungeheuren Kriegsrüstungen Horthy- Ungarns durch stillschweigende Duidung ta t fräftigt fördern! Analphabetismus in Frankreich! Jetzt soll der Schulbesuch gesichert werden. Paris, 23. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Unterrichtsminister Daladier hat einen Gejegentwurf zur Kontrolle der Schulpflicht erfüllung ausgearbeitet, der vom Ministerrat gutgeheißen ist und demnächst der Kammer zugeht. Borgesehen ist die allgemeine Schulpflicht bis zum vollendeten 13. Lebensjahr. Mer schulpflichtige Rin Der in Fabriten, Geschäften und sonstigen Betrieben beschäftigt, macht sich strafbar. Zur Durchführung der Kontrolle in den einzelnen Städten und Gemeinden sollen Schulräte ins Leben gerufen werten, die aus Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, des Lehrtörpers und Vertretern der Eltern bestehen. Interessant ift die in Der Begründung des Gefeßentwurfs angeführte Tatsache, daß, eb. wohl die allgemeine Schulpflicht in Frankreich feit 1882 gefeßlich festgelegt ist, die Zahl der Analphabeten noch sehr groß ist. So beziffert die amtliche Statistit die Rekruten, die genügende Schulbildung nicht befizen, auf ein Fünftel jedes eingezogenen Jahrganges. Sowjetultimatum an China. Drei Tage Frift! Mostau, 23. Januar.( WEB.) Tschiffcherin richtete anläßlich der Berhaftung des Direttors der Offchinabahn Jwanoff auf Veranlassung der chinesischen Militärbehörden in Charbin eine Note an Karachan zur Mittellung an den Chef der chinefifchen Eretulive und den chinesischen Außenminister fowie an Tichangtfolin durch den Sowjeffonful in Mukden. In dieser Rote heißt es: Die Sowjelreglerung erwartet von der chinesischen Regierung innerhalb von drei Tagen, daß fie alle notwendigen Maßnahmen zur friedlichen Löfung der Streiffragen ergreift, ohne daß dadurch einer Untersuchung der Verletzungen des Bertrags über die Ostchinabahn ausgewichen wird. Die Sowjelregierung fordert weiter volle wiederherstellung der Ordnung an der Offchinabahn, die Verwirklichung des Vertrags über die Oftchinabaha and die Freilaffung Jwanoffs in nerhalb von drei Tagen! malige Admiral Brüninghaus seine Meinung daher fagt, Wenn schon der volksparteiliche Abgeordnete und ehedie Meinung eines Parteimannes, der zudem so ist nichts dagegen einzuwenden. Man wird sie werten als noch als Angehöriger der alten Marine in starkem Maße für fich selbst und seinen einstigen Beruf spricht. Und wenn der Admiral von Scheer, der die Bestätigung und Bollstreckung trägt, als voltsparteilicher Agitator im Lande der Todesurteile gegen die beiden Matrosen auf dem Gewissen umher reist, so wird man die Volkspartei nicht beneiden, um die Verantwortung, die sie für die Handlungen dieses ihres Mitgliedes übernimmt. Ein anderes aber ist es, wenn die Regierung einen Canaris als offiziellen Vertreter in den Untersuchungsausschuß schickt und dort mit dem Schwergewicht amtlichen Auftrags politische Reden gegen eine nepublikanische Partei halten läßt, von der dieser Mann beim besten Willen nichts versteht und nichts verstehen kann. Wir zweifeln nicht, daß dieser Vorgang noch ein parlamentarisches Nachspiel haben wird. Er ist ein neues Warnungszeichen, das gegen die neue Regierung aufgesteckt worden ist. Daran ändert auch nichts, daß das Reichswehrministerium eine seiner üblichen vieldeutigen Erklärungen durch WTB. verbreiten läßt, wonach die gegen Canaris im Ausschuß erhobenen Vorwürfe schon vor Jahren gerichtlich untersucht und widerlegt worden seien. Dr. Geßler hat in der gestrigen Kabinettssigung, wie er durch Wolff- Bureau weiter melden läßt, mitgeteilt, daß nach der Flucht des Oberleutnants Vogel, der wegen Mordes an Rosa Luxemburg zu Gefängnis verurteilt worden war, auf Veranlassung des damaligen Reichswehrministers Noste gegen Canaris wegen der Beschuldigung, dem Mörder Beihilfe zur Flucht geleistet zu haben, eine gerichtliche Untersuchung star gefunden und die„ völlige Haltlosigkeit" der Beschuldigung ergeben habe. Tatsächlich sei Canaris zu der angegebenen 3eit in Süddeutschland gewesen. Aus diesem Grunde sei er auch in seiner Vertrauensstellung beim Reichswehrministerium verblieben. Wir erinnern uns nicht, von einem öffentlichen Gerichtsverfahren gegen Canaris etwas gehört zu haben. Daß aber die Berufsgerichte der Offiziere be sonderes Vertrauen verdienen, können wir um so weniger annehmen, als ja erst wieder durch Dittmanns Enthüllungen aus den Akten bestätigt worden ist, mit welchen Mitteln gewiffe Offiziere im sogenannten Kriegsgerichtsverfahren operiert, wie andere den Reichstag und selbst Noste angelogen haben. Das System des Verschweigens und Bertuschens, das System des Anlügens fogar gegenüber dem Reichstage Will Stresemann, weil er jetzt das Reichsmini- war in der kaiserlichen Zeit schon geradezufprichwört fterium des Auswärtigen leitet, die parlamentarische Berlich. Wir haben teine Lust, dieses System auch in der antwortung für die Börsenfpetulationen des Republit weiter zu bulben! Will die Regierung Luther- Marg- Stresemann- Reinhold Külz- Geßler noch nachträglich die Kriegserflärung an Belgien decken und die irreführenden Kriegsberichte des Herrn Ludendorff? Agent In dem Telegramm, in dem die Forderungen begründet werden, heißt es weiter: Falls die chinesische Regierung aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage sein sollte, eine friedliche Lösung der Streiffragen in der erwähnten Frist gewährleisten zu können, union zu erlauben, mit eigenen Kräften die Verwirklichung ersucht die Sowjetregierung die chinesische Regierung, der Sowjetdes Bertrags über die Oftchinabahn zu sichern und die beiderseitigen 3ntereffen an dieser Bahn zu schüßen. Nutzlose Verteidigungsversuche. Das Korreferat des Abg. Brüninghaus. Im weiteren Verlauf der geftrigen Sitzung des Untersuchungsausschusses hielt Abg. Brüninghaus( D. Bp.) das Korreferat. Er erklärte es zunächst als eine in der parlamentarischen Geschichte aller Länder wohl noch nicht dagewesene Tatsache, daß der Referent eines Untersuchungsausschusses, der sich mit den Ursachen des Zusammenbruches im Kriege zu beschäftigen hat, in eigener Sache, daher ein seitig eingestellt und noch dazu in der breitesten Deffentlichkeit seine persönliche Stellungnahme wiedergeben konnte. Die von Dittmann wiedergegebenen Auszüge aus den Aften find lediglich darauf eingestellt, ihn selbst und die USP. zu entlasten, und die Sache so darzu stellen, als ob sie von dem beabsichtigten Vorgehen der Haupträdels. führer auch nicht die leiseste Ahnung gehabt hätten. Die Sammlung der Unterschriftenlisten für die Stockholmer Friedenskonferenz wird dargestellt als eine ganz harmlose Sache, während doch in Wirklich feit allein das Hineintragen der Parteipolitik in die Wehrmacht stets von allen Parteien, abgesehen von den Kommunisten, schon im Frieden als verderblich hingestellt worden ist. Die Behauptung, die Bentrale der USP. hätte dieser Sache überhaupt teine Bedeutung beigelegt, auch nichts von ihr gewußt, wird widerlegt durch ein Schreiben der Frau 3ieß, in der sie den Empfang der Listen bestätigt. Herr Dittmann hat in seinem Referat selbst zugegeben, daß er die ihn besuchenden Matrosen ermuntert habe, fräftig tonung ausruft, der Sinn des Krieges sei doch für jeden Menschen, der überhaupt noch denten fönne, mur der, daß Deutschland der Krieg aufgezwungen wurde, ruft Abg. Höllein( Komm.):„ Es jei Als Abg. denn, daß es sich um chinesische Gedankengänge handelt." vieles aus den Aften weggelassen habe, quittiert die Linke mit Ge Brüninghaus die Feststellung macht, daß der Abg. Dittmann, der dem Ausschuß ein objektives Bild des Aftenmaterials hätte geben sollen, lächter und Zurufen:„ Sie haben die Allgemeine Bater landspartei weggelassen. Schließlich unterbricht der Borsitzende den korreferenten mit der Erklärung, daß gegenüber den Vorwürfen der Einseitigkeit der Referate zu bemerken sei, daß es sich ja nicht um Berichte des Untersuchungsausschusses an den Reichstag, fondern nur um Materialberichte für den Untersuchungsausschuß handele. Der Abg. Brüninghaus würde auch noch Gelegenheit bekommen, ausführlich auf die Darlegungen des Abg. Dittmann zu antworten, wenn er sein Aftenstudium habe durchführen können. Gegen Schluß seines Rorreferates bemerkt der Abg. Brüninghaus( D. Bp.), die Vorwürfe gegen die Dffiziere der Staiserlichen Marine würden in sich zusammenbrechen, wenn festgestellt sei und das sei festgestellt, daß die beabsichtigte Flottenattion gegen England das Einverständnis der Reichsregierung gefunden habe.( Buruf des Abg. Dittmann: Abwarten.) Dann müßten auch die Schlußfolgerungen fallen, in denen die Admiralitäi und die Offiziere der Marine als Vaterlandsverräter hingestellt werden. Man sollte mit seinen Vorwürfen, wer letzten Endes das Vaterland verraten hat, auch in der Deffentlichkeit vorsichtig sein. Ich finde es unerhört, daß im Reichstag dem ruhmgekrönten alten Heere derartige Unterstellungen gemacht werden. will, bann muß man auch die Mannschaften, die treu zu den Offizieren Wenn man die Offiziere als Verbrecher am Baterland bezeichnen will, dann muß man auch die Mannschaften, die treu zu den Offizieren gestanden haben, mit dazu rechnen.( Großer Lärm links und zurufe: Billigen Sie die Hinrichtung der beiden Matrosen? Höllein( Komm.): Er billigt sie natürlich!) In einer persönlichen Bemerkung stellt Abg. Dittmann Abg. Abg. Brüninghaus bemerkt dazu, daß man nicht von ihm verk langen könne, daß er nach einer so anstrengenden Reichstagsfession seine Sommerferien zum Aftenstudium benuze. für die Usp. und ihre Kriegsziele( anneffionslosen Frieden) zu wirken. Er unterstreicht in seinem Referat, daß die Menagefommission erst nach der Unterredung des Reichpietsch ihre fest, daß die Akten, aus denen er sein material entnommen hat, Tätigkeit ausgedehnt hätte auf Fragen, die an sich mit der Verwährend der Reichstagspause mehr als zwei Monate im Reichspflegung gar nichts mehr zu tun hatten, sondern sich vor allem auf marineamt gelegen haben, so daß der Abg. Brüninghaus genügend das Gebiet der Politik erstreckten. Damit steht fest, daß die Zeit gehabt hätte, sich mit ihrem Inhalt vertraut zu machen. Unterredung, die Reichpietsch in Berlin mit einigen Abgeordneten der USP. vor allem Herrn Dittmann gehabt hat, der Ausgangspuntt gewesen ist für jene unglückseligen Verhältnisse, wie sie in der Marinemeuterei von 1917 dann ihren Niederschlag gefunden haben. Wir haben von Herrn Dittmann Auszüge aus den Protokollen zu hören bekommen, die feinerzeit über die Unterredungen der Regierungsstellen mit den Parteiführern verfaßt worden sind. Es hätte den Wert seiner Ausführungen wesentlich erhöht, wenn er 3. B. uns mitgeteilt hätte, wie fo besonnene Politiker, wie der Demokrat v. Bayer und der Zentrumsabgeordnete Fehrenbach über die moralische Schuld der USP. urteilten. Die Ausführungen des Abg. Brüninghaus wurden durch Kundgebungen und Zwischenrufe wiederholt unterbrochen, namentlich auch als der Redner das Spintifieren der Mannschaften in der vielen freien Zeit über einen Frieden ohne Annexionen als„ chinesische Gedankengänge" bezeichnete. Abg. Hente( S03.) rief ihm zu: Die chinesischen Gebantengänge sind aber tief und gut. Abg. Brüninghaus( D. Bp.): Ich war lange genug in China, um über diese Gedankengänge Be Schelb zu wissen.( Gelächter lints.) Als ber Storreferent mit BeDann vertagt sich der Ausschuß auf Montag, den 25. Januar: Fortsetzung der Entgegnungen auf den Vortrag des Abg. Dittmann, und zwar zunächst Erflärung des Bize admirals n. Trotha. Das Reichskabinett trat gestern nachmittag zu einer Sizung zusammen. Es erörterte eine Reihe von grundsäßlichen, in der Regierungserklärung zu behandelnden Fragen. Die Budapester Machthaber schreien schmerzlich gepeitscht auf. Sie erlaffen ein Dementi gegen unseren Artifel Frankreich und die Franfenfälschung vom Sonnabend früh. Dabei bementieren" die Horthysten Angaben über Abfichten der französischen Re gierung und Aeußerungen des französischen Gesandten in Budapeftalio Dinge, die nur diefe franzöfifchen Stellen dementieren fönnten. Es ist wirklich erstaunlich, daß das WTB. sich zur Verbreitung eines berartigen, echt Budapester Dementis" hergibt spin ausH- sunuronne Gewerkschaftsbewegung Betriebsrätewahlen. Arbeiter! Angestellte! 3 Den Betriebsrätewahlen des Jahres 1926 tommt eine besondere Bedeutung zu: Auf der Arbeiterschaft laftet der ungeheure Drud der Birtschaftstrife. Das Unternehmertum versucht, alle Laften auf die Schultern der Arbeiter und Angestellten abzuwälzen. Es übt einen starten Drud auf die Löhne aus und greift zu der ebenso gefährlichen Maßnahme der Stillegung ganzer Betriebe und von Betriebstellen. Gegen solche und eine Reihe anderer Maßnahmen fann sich die Arbeiterschaft nur dann wehren, wenn ihre Betriebsvertretungen ihren Posten in jeder Beziehung ausfüllen und ihren tomplizierten Aufgabentreis absolut beherrschen. Die Macht und der Ein fluß der Betriebsräte ist nur dann groß und weitreichend, wenn sie im engften Einvernehmen mit ihren Gewerkschaften stehen. Eine weitere Bürgschaft für den Erfolg ihrer Wirksamkeit ist auch die engste 3usammenarbeit von Angestellten und Arbeiter n sowohl bei den Wahlen zu den Betriebsräten als auch in der weiteren Tätigkeit dieser Körperschaften. Diese Geschlossenheit ist um so notwendiger, als um den jetzt vorliegen den Entwurf zu einem neuen Arbeitsgerichtsgesetz noch heftige Rämpfe zu erwarten sind. Borbehaltlich weiterer Beschlüffe des Betriebsräteausschusses bes Drtsausschuffes Berlin. des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Ortstartells Berlin des Allgemeinen freien Ange. ftelltenbundes fordern wir die Arbeiter und Angestellten Berlins schon jetzt auf, alle Vorbereitungen für die Betriebsrätewahlen zu treffen. Die Wahlen müssen bis zum 15. April d. 3. zum Abschluß gebracht werden. 3u ihrer Durchführung sind die§§ 23, 42 und 43 des Betriebsrätegefeßes und die Wahlordnung zu beachten. Die unterzeichneten Spizenförperschaften halten es für selbstverständlich, daß die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten nur einheitliche freigewerkschaftliche Kandidatenliften aufstellen werden. Für die Tätigkeit im Betriebsrat ift nicht bas revolutionäre Temperament und der gute Wille, sondern vor allen Dingen genaue Kenntnis des Arbeitsrechts und tiefe Einsicht in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Betriebes entscheidend. Ruhiges und selbstsicheres Zielbewußtsein sichert auch hier am besten den Erfolg. Wahlmaterial zum Selbstkostenpreis und Auskunft über die Betriebsrätewahlen ist zu erhalten: Im Arbeiterfekretariat des Ortsausschuffes Berlin des ADGB., Berlin, Engelufer 24/25, I, 3immer 23, täglich von 4 bis 46 Uhr, Sonnabends von 11 bis 1 Uhr; im Bureau des Ortstartells Berlin des AfA- Bundes, Engel ufer 24/25, IV, Aufgang A, täglich von 9 bis 3 Uhr, Sonnabends Don 9 bis 1 hr. Außerdem erteilen Auskünfte: Alle Ortsverwaltungen der ADGB. und AfA- Gewerkschaften in Berlin. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin: Sabath. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin: Flatau, Reichelt. Instanzenweg und Notstandsarbeiten. Schläft der Magiftrat? Um den schwerfälligen und umständlichen Instanzenweg etwas abzufürzen, hat sich das preußische Wohlfahrts ministerium entschlossen, die zur Beschleunigung der Inangriffnahme der Notstandsarbeiten vor furzem in Düsseldorf eingeschlagene Methode, wo Bertreter des Wohlfahrtsministe riums und der Reichsarbeitsverwaltung zusammen mit den nachgeordneten Behörden die Schwierigkeiten flärten, auch bei ben übrigen Hauptwirtschaftsgebieten anzuwenden. So wird am 25. Jamuar über die oberschlesischen Rotstands arbeiten in Berlin verhandelt und, wenn Zeit genug bleibt, soll das Düsseldorfer Beispiel auch in den anderen Provinzen nachgeahmt werden. Wir erwarten, daß man auch in Berlin der Instanzenweg abkürzt und ein den Berliner Berhältnissen angepaßtes Notstandsprogramm fofort in Angrif nimmt. 210 000 Arbeitslose warten darauf! Schläft der Magiftrat? Deutschland im Internationalen Arbeitsamt. Albert Thomas und Dr. Brauns. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, Herr Albert Thomas, hatte gestern eine längere Unterredung mit dem Reichsarbeitsminister. Es wurden alle wichtigen, zwischen der Deutschen Regierung und dem Internationalen Arbeitsamt schwebenden Fragen erörtert In der Frage einer erhöhten Geltung der deutschen Sprache wurde festgestellt, daß in dieser Richtung ein beträchtliches Entgegen tommen des Internationalen Arbeitsamts bereits erreicht ist. Was die Anstellung von Deutschen beim Internationalen Arbeits. amt anbetrifft, so hat Direktor Thomas die Notwendigkeit einer Vermehrung, und zwar insbesondere auch in den oberen Beamtenstellen des Internationalen Arbeitsamts, anerkannt, und Schritte in dieser Richtung getan. Im übrigen wurde insbesondere noch die Frage der Ratifizierung des Ach tft unbentagsübereintommens erörtert, Auch hier fonnte eine weitgehende Uebereinstimmung der Ansichten festgestellt werden. Gelbsucht im GdA. Geradezu als Dreiffigkeit muß es empfunden werden, wenn der nun noch die AllgemeinverbindlichteitsGb. erflärung seines für die Angestellten ruinösen Tarifvertrages beantragt, wobei feststeht, daß er noch nicht einmal bei den taufMitgliedern zählen fann, ganz abgesehen davon, daß er überhaupt feine Legitimation zum Abschluß von Tarifverträgen für Werk meister und Technifer haben tann, da solche bei ihm nicht organi fiert find. Es ist beschämend, und man fann es nicht anders als Gelbfucht bezeichnen, daß der Gd2. sich derart vom Arbeitgeberverband der chemischen Industrie mißbrauchen läßt. Vergebliches Lügen. Die„ Rote Fahne" bleibt bei der Fälschung. Als wir in unserer Abendausgabe vom Freitag die beispiellofe Fälschung aufzeigten, die in der Roten Fahne" gegenüber Albert Thomas begangen wurde, hatten wir angenommen, daß das Blatt eine Erflärung veröffentlichen werde, in der es von der Fälschung abrückt. Wir hatten angenommen, daß das Blatt das Opfer eines der Statt vielen bolſchemistischen Propagandakomitees geworden war. an versteckter Stelle folgende Notiz: dieser selbstverständlichen Erklärung veröffentlicht die„ Rote Fahne“ " Der Borwärts" versucht in seiner gestrigen Abendnummer die Tatsache abzustreiten, daß Albert Thomas 1925 erflärte, man fönne Deutschland eine Längerarbeit zwecks Erfüllung seiner Reparationsverpflichtungen nicht verweigern. Bergebliches Leugnen! Die Tatsache steht fest, daß Albert Thomas die deutsche Bourgeoisie selbst auf den Artikel 4 des Washingtoner Abkommens aufmerksam machte, der aus Notstandsgründen eine Suspensation des Achtstundentags zuläßt. 3war nicht der Artikel 14, sondern der Artikel 4 soll auf die Reparationsverpflichtungen anzuwenden sein. Diese Tatsache ist so allgemein bekannt, sie war fe ausführlich Gegenstand der Breffeerörterungen, daß es vom„ Bormärts" wirklich lächerlich ist, sie abstreiten zu wollen. Wir stellen also fest, daß die" Rote Fahne" ein angebliches Zitat aus einem Artifel von Albert Thomas bringt, das teilweise in dem Artikel gar nicht enthalten ist und teilweise eine von Albert Thomas angeführte und von ihm bekämpfte Aeußerung diesem als seine eigene Ansicht unterſtellt. Hintergehung der Angestellten der chemischen Industrie. Seit Herbst 1924 läßt sich in der chemischen Industrie bezüglich des Arbeitsverhältnisses der Angestellten der Gewerkschaftsbund der Angestellten von dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie, Fälschung zu berichtigen, fandern fie besteht noch weiter darauf. Bes Die Rote Fahne" weigert fich nicht nur, diese unglaubliche Settion la, zu fortwährenden Verschlechterungen dauernd mißzeichnend ist es auch, daß das Blatt einen Artikel 4 angibt, der mit brauchen. Diese Verschlechterungen find so weitgehender Natur, daß der ganzen Angelegenheit gar nichts zu tun hat. Wir stellen im die früher am Tarifvertrage beteiligten AfA- Berbände die Berantübrigen fest, daß bei dem Vortrag im Gewerkschaftshaus nicht ein einziger der anwesenden fommunistischen Gewerkschaftler es gewagt wortung für solchen Tarifabbau nicht tragen fönnen. Nachdem der GdA., vertreten durch den bekannten Herrn hat, mit dieser Fälschung zu operieren. Vielleicht haben sie fich getrempel, bereits für das Jahr 1925 hinsichtlich der Urlaubsschämt. bestimmungen, des Aufbaues der Gehaltsstaffel und der Frage der Arbeitszeit bedeutsame Berschlechterungen tariflich vereinbart hatte, hat er in dem für 1926 abgeschlossenen Tarifvertrag weitere geradezu ffandalöse Verschlechterungen geschaffen. Ein ganzes Heer von arbeitslosen Kollegen liegt auf der Straße. Herr Krempel vom GdA. berinbart aber in seinem Tarifvertrage, daß in Zukunft nur dauernde Mehrarbeit mit einer Ueberstundenbezahlung abgegolten werden soll, wodurch den Arbeitgebern Tor und Tür geöffnet wird, unzählige unbezahlte Ueberstunden zu ver langen. Aber damit nicht genug. Der schon für 1925 gegenüber den früheren Urlaubsbeftimungen an denen allerdings die AfA- Verbände mitgewirkt hatten reduzierte Urlaub wird weiterhin abgebaut. Herr Krempel gestattet dem Arbeitgeberverband tariflich, eine Teilung des Urlaubs zu verlangen und, falls der Angestellte mit einer solchen Teilung nicht einverstanden ist, den Urlaub um 25 Broz. zu fürzen. Dabei versteht sich am Rande, daß in der Gehalts. gruppierung wieder bedeutsame Verschlechterungen vorgenommen find. 19. Es ist fehr intereffant, die Stellungnahme des Schlichtungsausschusses zu diefer ganzen Tarifpolitik des GdA. in der chemischen Industrie zu erfahren. In einem Beschluß der Kammer des Schlichtungsausschusses vom 2. Dezember 1925 heißt es wörtlich: Es wird vielmehr Sache der Spikenorganisationen der Antragsteller sein( gemeint find Af- Verbände und Gedag), auf den Bundesvorstand des Gemertschaftsbundes der Angestellten einzumirfen, daß seine Ortsverwaltung Berlin( gemeint ist hier die Abteilung Krempel beim Gd2.) ihren nicht im allge. meinen Intereffe und auch nicht im Intereffe der Angestelltenschaft liegenden bisherigen Standpunkt aufgibt Lohnkürzung in der Maßschneiderei? Der Arbeitgeberberband hat den Gehilfenverbänden das jetzt geltende dritte Berliner Lohnabkommen zum 13. Februar gefündigt und für die Herrenmaßichneiderei eine 2ohnherabfegung um 10 Broz verlangt Gleichzeitig wurde der Antrag gestellt, eine vollständige Neuregelung der Städtegruppierung vorzunehmen, sowie bei verschiedenen Ortsgruppen außerdem die Neufestiezzung der Reichslohntlassen vers zunehmen, den Heimarbeiterauid lag ebenfalls herabauießen. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband nimmt be reits in einer Branchenversammlung am Dienstag dazu Stellung. Mitglieder der Gesellenausschüsse der Junungen! Die Jugendzentrale des Drisausschusses des ATGV. ruft für Montag, den 1. Februar 1926, abends 7%, br, im Sigungsiaal des Einheitsverbandes der Eisenbahner, Berlin, Beibanienufer 10, die freigewerkicaftlich organisierten Mitglieder der Gesellenausschüsse der Innungen und der Handwerksfommer u einer wichtigen Besprechung aufammen. Wir bitten die frei gewerffchaftlich organisierten Mitglieder des Gefellenausschusses, bestimmt zu erscheinen. Mitgliedsbuch der Gewerkschaft, wie auch die Einladung der Drganisation legitimiert. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Seite der 3. Beilage.) Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Sateznus; Gewerkschaftsbewegung: Fricbr. Ekkoru: Feuilleton: Dr. John Cchikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt: Anzeiaen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderei und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co. Berlin SW 68. Lindenstrake 3. Sierzu 3 Beilagen, Aus ber Film Welt, nterhaltung und Biffen" und Jugend- Borwärts. Erweitertes Möbel Faus Ständige Ausstellung fertigerWohnräume Immen Architektur Einzelmöbel Fachmännische Beratung • HA srae GEGR. 1815 BERLIN O SPANDAUERSTR. Besonderer Eingang zum Einrichtungs- Haus Königstr. 7 Vorteilhafte Angebote Für Ball u. Gesellschaft Kleid reins. Crêpe de 29.00 Chine, m. Perlen best. Kleid Crepe marocain 39.00 mit Stickerei. 39.00 Kleid aus Silberspitze mit Crêpe- GeorgetteUnterkleid u. Garnitur 69.00 Voll- Voile Farbe Mr. 1.75 Eolienne Wolle mit Seide in vielen mit Silber Herrenkleidung Tarlatan fäden Mr. 0.30 Ballhemd mit seidenen Trägern Smoking- Anzug schwarz Atlas u. Velvet für Karneval- Kleidung, Mtr. 1.90 Maskenkleid in vielen Farben 13.00 Maskenkleidcolombine 17.00 Maskenkleid Perrot 26.00 in neuen Pastellfarben 4.50 Taft in Ballfarben. 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Gewiß ist etwa» damit getan, daß die Sarge um die körperlichen Bcdürfnisie von gewertschaft- sicher und kommunaler Seite eine gewisse wirtschaftliche Garantie für den Erwerbslosen geschaffen hat. die auch als sittlicher Halt au». reichen könnte, wenn nicht die Hoffnungslosigkeit, die sich bei der fetzigen Dirtschastsdeprefsion einstellen muß. einen weit geiährllcheren Gegner als den wütend knurrenden Magen gebieren würde. MbelterbllSvngsfthule. Was könnte wohl geeigneter fein, den Feiernden vor geistiger Erschlaffung zu bewahren, als diese Gemeinschaft, in derem Schoß« proletarische Lildungsarbeii gedeiht. Befreit von den ttörgebübren kann hier der Erwerbslose in den Zlrbeitsgcmeiaschasleu je nach Vor- blldung und Veranlagung ZDiffen schöpfen, mit dem er sich hinaus- schwingen könnte aus der Enge, in die er sich mit seinem Los ge- dräiigr sieht. Aber der Anteil von Erwerbslosen an den Kursen ist verschwindend gering gegenüber tätigen Teilnehmern und ver- schwindet fast in der Gesamtzahl der Erwerbslosen Groß-Berlins. «o ungefähr sieht es auch mit der zur freien Benutzung bereiten Bibliothek der Arbeiterbildungsschule aus, die sich eines Umfanges von etwa 10 000 Bänden erfreut. Wenn man auch die örllichen Ber- llältnisse berücksichtigt, die für manchen Opfer an Fahrgeld und Stiefelsohlen bedingen, so muß man doch zu einem bedauerlichen Schluß aus die Auswirkungen der Epidemie„Erwerbslosigkeit" kcmmen. Etwas erfreulicher wird das Bild schon, wenn man andere Beranstallungcn der Kreisbildungsausschüsse auf die Beteiligung Er w erbsloser prüft. Selbstverständlich erfreuen sich künstlerische Dar- bietungen in jeder Form, als Konzerte, Theatervorstellungen und Kino- Vorstellungen mit leicht aufzunehmender Kost eines größeren Zu- loufev. Aber die Mittel für solche Veranstaltungen, die weiteren Kreisen zur Verfügung stehen, sind zu knapp, um sich im Dienste am Erwerbslosen wirkungsvoll zu zeigen. Es sind Stunden, die man nur wie Perlen schenken kann, selten, zu selten für die Mono- trnie quälender Müßigkcit. Um Sie Jagend. Der größte Teil jugendlicher Erwerbsloser braucht noch nicht die oanze Härte seines Schicksals zu fühlen, aber darum gerade ist die Ge. fahr, daß das Müßigsein leichter seine sprichwörtlichen Folgen zeigt. bedeutend größer, die Pflege, die ihm zuteil wird, ist in erster Linie darauf gerichtet, ihn von der Straße mit ihren großen Gesahreo fort- zubringen.— Aber auch hier nur Versuche, rnil denen Endgültiges nicht erreicht wurde. Die Zusammenfassung Fortbildungsschulpflich- tiger zu besonderen Kursen an mehreren Wochentagen mußte ausge» aeben werden, ver ständige Wechsel, durch eintretenden Erwerb, durch Aushilsslätigkeit und verschiedene andere Jaklocea zerstörten von vornherein schon die Alögllchkelt für einen festen Vildungsplaa. ?tvtstandsorbeiten mußten unterbleiben, um Familienvätern nicht die Möglichkeiten eines Verdienstes zu nehmen. Hilfsdienste in Schulen und gemeinnützigen Anstalten, z. B. Volksküchen, wurden für die erwerbslose Jugend organisiert, mit dem Erfolg, daß nach kurzer Zeit auf einlausend« Klagen auch dieses Werk aus Gbsunb- heitsrücksichten ausgewischt wurde. Bis jetzt, wo man dem Problem erneut und wie es scheint, energisch zu Leibe geht, bat man sich lediglich darauf beschränkt, geistige Werte durch Lehrfilme und Führungen durch Industriebetriebe und Museen zu vermitteln. So groß wie diese« Unternehmen anmutet, konnte es in Wirklichkeit doch nur«inen geringen Teil derer, für die es wirken wollte, er- fasten, wenn es auch in den meisten Fällen zum Zwange griff. Aus diesem negativen Versuche, die in der Hauptsache vom Land«»- arbeitsomt unternommen wurden, hat sich jetzr der Plan heraus, kristallisiert, Tagesröume zu schaffen, dle wärme und vi-fäustigiing spenden sollen. Von anderer Seite ist man dazu bereits bereit, so wird in den nächsten Tagen schon im Gewerkicha!lc.hau» ein der- artiger Raum szioe Pforten für jugendliche Erwerbslose öffnen. Ob das Werk, zu dem die Dezirksvsrwaltungen in gemeinsamer Arbeit mit dem Arbeitsamt jetzt schreiten wollen, den erwarteten Erfolg bringen kann, ist fraglich, hat doch die Erfahrung g-zeiat, daß in solch« Stätten dann in der Hauptsache«in Publikum einzieht, deren Berührung der anständige Mensch gern meidet. Daß es aber«inen Weg gibt, die Feierstunden für den Erwerbslosen produktiv zu ge- stalten, zeigen die Versuche, die die Stadt Düsseldorf zur Er- ziehung der Jugend unternommen hat und dabei in erster Linie mit Werkstätten und Gememschoftcn zur Garten- und Landarbeit dem erstrebten Ziel nahe kam, wie ja auch diese Stadt mit ihren vor- bildlichen Werkstätten für Erwerbabeschränkt« wertvolle soziale Arbeit leistete. Was noch dieser Seite in Berlin getan wird, verschwindet, auch wenn man die private Fürsorge berücksichtigt, die hier und da einig, Leute beschäsligt, Adressen schreiben läßt, Näharbeiten oergibt und auf ähnlich« Weis« Verdienste vermittelt. /luch Dienst am Erwerbslosen. Man kann es so bezeichnen, wenn man beobachtet, welches vor- zuges sich einig« zweisclhaste Unterhallungsstötten durch die Erwerbs- lolen erfreuen. Da ist der Tageskino in der Münzstraße mit seinen erzieherischen Filmen, wie:„Die rote Marie",„Eine dunkle Tat" usw., mit seiner kreischenden Automatenmusit. Da sind die Schieß- hallen mit den Glllcksautomaten, wo der Erwerbslose seine wenigen Groschen los wird. Da sind die üblen Lokale, die sich vom Morgen bis zum späten Abend bevölkern. Der um die Existenz sorgende, findet allerdings nicht dahin. Er muß den Boden unter sich festigen und Verdienste suchen. Es fällt doch auf. wie die Zahl der Händler gewachsen ist. die die Straßen umsäumen, wie der Hausierhandel zugenommen hm— Erwerbslose, die sich unabhängig machen von der Ungunst der Verhältnisse. Es lassen sich bei Geschick und Unter- nehmungslust schon einige Mark am verdienen, Ne ein karges Leben sichern.— Manch einer, der vor Monaten die Feder führte, schwingt gerne jetzt den Teppichklopscr, für wenige Pfennige. Es gibt manche« zu tun, um zu verdienen, wenn man nicht müßig z» Hause sitzen oder Warenhäuser und Wartesäle bevölkern will, und wartet, bis der Zufall hilft. * Wer heute mit den Papieren in der Tasche vor dem Fabriktor steht, dem ist die Zukunft ein Fragezeichen. Damit schafft er sich seinen eigenen Feind, der da drinnen mit jedem vergeblichen Schriti um neue Arbeit wächst und gedeiht, der sich von dem schwindenden Mute mästet und nichts übrig lassen will von dem für freudiges Schaffen Bereiten. Dos ist der Gegner, um den im„Dienst am Erwerbslosen" Probleme geboren und in der Geburt vernichtet Das Kino als JttgeodverlOhrer. wurden. Konnten doch selbst die bisher organisierten Notstands- arbeiten nichl eine restlose Lösung bringen, ein« feste Brücke zur Freude des Werktags bauen. Wie konnten da die Versuch«. geistig« Werte in das Grau der Feierstunden hineinzutragen, restlos gelingen. Aber es ist Beweis, daß der Gedmike der Arbertsfürsorge gegenüber der rein unterstützenden Fürsorge seine Berechtigung hat und Menschen und Organisationen noch in weit größerem praktischen Außmaße für sich gewinnen muß. Die Sladtverordnelenversammlung hat in dieser Woche chre Sitzung am D o n n e r s t o a um Uhr. Weil aus der vorigen Sitzung wieder ein tüchtiges Paket Reste übernommen werden mußte, ist die Tagesordnung wieder sehr reichlich. An den Zö Anträgen, die diesmal auf der Tagesordnung stehen, Ist die sozialdemokratische Fraktion mit 9 Anträgen beteiligt. Noch unerledigt sind unter anderen auch unsere Anträge über die Anstellung von weitere» zwei Bau- iomrolleuren aus Arbeitnehmerkreisen, die Umbeneniuma des .Lönigsplatzes" in„Platz der Republik", die Benachtelligung Berlins durch die Hohenzollernabfindung, die besser« Reinigung der Straßen vom Schnee, den drohenden Abbau des iMeterschutzes. Auch 6 Anfragen stehen auf der Tagesordnung: zwei sind von der jozialdcmo- kratifchen Fraktion eingereicht. 71] Die Passion. Roman von Clara viebig. Es war ein alücklicher Tag. und es folgten noch ander« Tage, die ebenso schön waren. Ob sie im Zimmer saßen— Sophie las öfter vor, Eva hatte sie darum gebeten— oder ob sie mit dem Wägelchen draußen auf dem Platze waren, immer war da eine zufriedene Stimmung.„Die sind ja ein Herz und eine Seele," dachte freudig überrascht Herr Rothe. Seine Tochter kam ihm ganz oerändert vor. Er zitterte sonst vor ihren Launen, schon wenn er in ihre Zimmertür kam. Aber er brauchte ietzt nicht zu zittern. Wenn das die Eva fertiggebracht hatte?! Er wagte es nur noch nicht, sich ganz restlos zu freuen: würde Sophiechens Wohlgefallen an dein Mädchen vielleicht auch nur eine Laune fein? Doch schien es nicht so. „Du bist schön, für mich bist du wunderschön— du bist Nug, du weißt alles." das lag immer auf Eoas Lippen, wenn sie es auch nicht aussprachen. Es lag in ihren Blicken, und die andere las es ab und es schmeichelte sie. Die Buckllge fühlt« so etwas wie Bewundertwerden, und das nahm ihr die gallige Laune: es machte sie liebenswürdiger. Ihr verkniffener Mimd öffnete sich jetzt auch zu anderem: es machte ihr Spaß, Eva zu belehren. Was war diese Eva eigenllich für ein gescheites Mädchen!„Schade, daß du nicht mehr gelernt hast!",,.. �vas hätte ich wohl gemocht, ich konnte aber doch nicht, ich war ja krank... Krank? Krank war man doch nur, wenn man ver» wachsen war. seine gesunden Glieder nicht mehr hatte! Andere Krankheit kam gar nicht in Betracht. Uno anderes Unglück ai ch nicht. .T> doch," sagte Eva. Und nun fühlle sie. jetzt war end- lich der Augenblick da. in dem sie von sich selber sprechen konnte, jener hier, die so schwer an ihrem Unglück krankte. zeigen mußte, daß es doch auch noch anderes Unalück gab. Lange schon hatte Eva sehnsüchtig auf diesen Augenblick gewartet fest jenem ersten Abend schon, an dem Sophie gesagt hatte:„Du mußt mir einmal von dir erzäblen.* Sophie war nicht mehr darauf zurückgekommen, hatte nicht weiter gefragt. Aber sie. sie hatte immer daran gedacht. Nur war noch immer nicht die richtige Stunde dafür gewesen, sie mußte erst fühlen, daß die andere ihr ganz ungetellt alles Interesse zuwandte. wenn sie der anvertrauen sollte, was ihr Geheimnis war, und wozu es sie doch drängte, sich zu offenbaren. „Ich möchte dir gern alles erzählen." murmelte Eva. Sie war jetzt auf einmal fast scheu. Ohne Sophie anzusehen, setzte sie sich vor dem niedrigen Sesselchen auf den Boden und lehnte ihren Rücken an die spitzigen Knie der Buckligen. Und so erzäblte sie. Wohl eine Stund«. Sie machte keine Pausen, stockte nicht, dle Erzählung floß ihr. Das war wie ein Roman, spannend, aufregend, aber das spannendste, auf- regendste kam ja noch. Sie war erst bei der alten Bensch. Eva war so rückhaltlos an ihren Roman hingegeben, daß sie fast zusammenschrak, als Sophie jetzt gähnte und sagte:„Sehr interessant. Nun ist's ober für heute genug, ich bin müde. Du bist eine Scheherozade. ein« Märchenerzählerin!" Märchen, Märchen?! Sophie glaubte, das wäre ein Märchen? Was würde sie aber jetzt erst sagen? Eva fieberte dem nächsten Abend entgegen. Sie fühlte einen gewisien Stolz — so viel durchgemacht und doch noch am Leben! Und immer noch bereit, sich durchzukämpfen. Sophie würde staunen, und weinen würde sie über ihre arme Eva. so wie damals Lenchen geweint hatte— nein, noch weit mehr, denn Sophie wußte besier, was Unglück beißt, und erst Sophie erfuhr ja auch alles. Alles auch das Schlimmste von allem! Das aber zuletzt. Und dann, o. dann würde das Mitgefühl sie überwältigen, sie würde in Schluchzen ausbrechen, ihre arme Eva küsien. Aber sie. die tapfere Eva. würde dann sprechen:„Du brauchst nicht zu weinen, es ist ja nun mehr bloß bald so schlimm. Sieh, ich kann wieder froh sein, ich bin ja bei dir. Ich habe eine Heimat gefunden und ein« Schwester Wir tragen miteinander, dein Leid ist mein Leid, mein Leid ist dein Leid!" Und Eva erzählte an diesem Abend, wie sie von der toten Bensch wegkam und dann zu Frau Doktor Bayer. Und dann erzählte sie weiter und weiter. Und dann von ihrer Krankheit zuletzt. „Laß den Portier mal heraufkommen," sagte Sophie zu Ihrem Vater. Sie saß ganz zusammengesunken in ibrem Scsselchen. ihr Gesicht erschien heute noch blutleerer, noch gelber. chre Lugen waren noch unruhiger.„Laß Evas Bett in die kleine Stube drüben am Korridor bringen. Ich will mein Zimmer für mich haben." „Aber," wagt« Herr Rothe einzuwenden,„wenn du nun nachts eine Hilfe brauchst." „Ich brauche keine. Wenn ich sie haben will, werde ich klingeln. Das hört sie da auch." Die Stimme der Buckligen hatte den Ton. den der Dater schon geglaubt hatte, nicht mehr hören zu müssen. Was war denn nur los, hatte Sophiechen sich über etwas geärgert, oder war die Vorliebe für das Mädchen schon wieder vorbei? Eva war aufs höchste von dieser Anordnung überrascht. Sie wollte dagegen sprechen, aber die kleine Verwachsene sagte so energisch:„Es ist mir lieber so," daß es ihr die Sprache verschlug. Warum wollte Sophie das. Sie konnte es sich gar nicht erklären. Sophie würde doch wohl nicht denken. daß das laut« Raffeln und Schnarren ihr die Nochtruhe nähme? O. die gute Sophie konnte ruhig sein, sie schlief jetzt so tief, so friedvoll, das störte sie nicht. Und wenn es sie auch gestört hätte, was war dann dabei? Sie war doch dazu da. um Sophie zu bedienen, ihr die stützenden Kissen anders zu legen, sie höher zu betten, wenn ihr das Atmen gar zu erschwert war. Eva war froh, daß sie in der Charit� so vieles gelernt hatte. manchen Kunstgriff sich abgesehen, wie hätte sie es sonst wohl fertig gebracht mit ihren schwachen Kräften, ganz allein Sophie zu heben, sie sogar zu tragen?! „Du klingelst doch ganz gewiß," bat sie. als sie am Abend Sophie zu Bett gebracht hatte,„versprich es niir. Sonst traue ich mich nicht zu schlafen. Rufe nur. ich höre dann gleich, meine Tür laffe ich offen." Sophie nickte: ja. Aber als Eva sich dann über sie beugte, ihr den Gutenachtkuß geben wollte, wendete sie den Kops weg. drückte ihr Gesicht gegen das Kiffen. Sophie mußte sehr müde sein. Sonst hatte sie es gern gehabt, wenn Eoa noch ein wenig bei ihr blieb, auf ihrem Bett- rand saß. Heute sagte sie rasch aus dem Kiffen heraus:„Gute Nacht." Es klang kurz und verstimmt. Was war geschehen? Hatte Sophie etwas gegen sie? Eva war plötzlich erschrocken. Was für ein« Absicht war es gewesen, daß die ihr Gesicht versteckte? Sie konnte die ganze Nacht deswegen nicht schlafen. Sophie mußte böse auf sie sein — aber warum, warum? Sie zermarterte ihren Kopf. Das war das erstemal, so lange sie hier war, d«cß sie sich ernstlich kränkte über Sophie (Fortsetzung folgt.) 20 con Lappland im Zoo. Herr Niels Nielsen, genannt ligg, Obmann( b. h. Bürger. meister) im eifigen Lappland und begeisterter Renntierfänger, hat fich aus Storvallen nach Berlin begeben, um seine Künste im Lasso werfen und sein Training im Schlittenfahren zu zeigen. Der Zoologische Garten ist durch einen neu eingetroffenen nordischen Ziertransport( acht Renntiere, barunter zwei Fahrhirsche) be reichert worden. Die Presse hatte am Sonnabend Gelegenheit, dieses Haustier des Lappländers eingehend zu besichtigen. Die Tiere, die ungemein flüchtig sind, treiben sich in Rudeln von 1000 bis 2000 Stüd im hohen Norden herum; fie find bedürfnislos, fönnen Temperaturen Don 30 bis 40 Grad Kälte mit Leichtigkeit aushalten und sind sehr zahm, von einigen verwilderten Typen abgesehen, die jedoch der Lappe systematisch abschießt. Das Einfangen diefer lappländischen Renntiere geschieht mit dem Lasso. Man faßt die Tiere an ihrem prachtvollen, ungewöhnlich start entwidelten Geweih und hat sie auch nach wenigen Minuten trotz einiger Oppofitionsneigung zur Raison gebracht. Herr Pligg gab von der Tattit, dieser Widerspen ftigen- Bähmung einige amüsante Beispiele. Die Krönung der fleinen Renntier- Revue bildete eine Jagd, die der lappländische Gaft mit einem tahnartigen Schlitten das übliche Verkehrsmittel in Lappland quer über die Dreisternpromenade des 300s machte. Ein primitiver, jedoch ganz bequemer Schlittenfahn, vorn ein Renntier, fehr naiv gezügelt, und schon raft der halsbrecherische Artist im Eilzugtempo durch die Bäume des Zoologischen Gartens. Die Tiere tönnen ohne sonderliche Anstrengung eine erhebliche Geschwindigkeit leiften. Herr Bligg beteuert, daß ein normales, Renntier mit üblicher Rahnbefagung 15 Kilometer in 50 Minuten schafft; ein Tempo, das fich sehen lassen tann. Im übrigen waren die Renntiere sowie Herr Nielsen nicht die einzige Attrattion. Es gab da weiterhin noch zu sehen: einen jungen Stier und zwei Rühe der weißen, schwarz shrigen nordischen Rinderrasse, die, ein intereffanter Fall, völlig hornlos ist. Ein Transport Lappen- und Elchhunde ist unterwegs. Man hatte noch Gelegenheit, die Nüglichkeit des Renntieres an einigen Beispielen zu sehen. Die Belze, die der Lappe im 300 zum Bertauf auslegt, ver. zeichnen aber einen durchaus westeuropäischen Preisturs. Keine Mieteerhöhung im Februar. Bie der Amtliche Breußische Breffebienft mitteilt, tritt in der Berechnung ber gefeglichen Miete für den Monat Februar 1926 gegenüber dem Bormonat teine Benderung ein. Es bleibt bei bem Januarsaz in Höhe von 84 bezw. 80 Broz. 934, Rönigsberger Str. 87( Baber): 2. Wittfchuk 84, Ben Der Verkehr zwischen den Berliner Fernbahnhöfen. ( Reftaurant): Rarl Melle, D 84, Petersburger Blak 4( Spedition): B. Biez, GO 26, Raunnnftr. 9( Restaurant); 3. Vette, GD 36, Glogauer Str. 30, v. IV; Böhm, 60 36, Laufiger Blas 14/15( Spedition), Für Treptow- Baumschulenweg: B. Gallas, Baumschulenweg, Schrader fake 16, 3 r.: B. Hak. 60. 36, Sarzer Str. 117. v. 3 St.: Rekler, Treptow, Grachstr. 50( Spedition). Für Schöneberg- Friebenau: Frau Alamitter, Schöneberg, Apostel- Baulus Straße 7:. Betrie, Schönebera. Cbersitt. 70; Rathmann, Schöneberg, Belaiger Straße 27( Spedition); G. Schaubt, Friedenau, Bacheftr. 8. Für Lantwis, Lichterfelbe und Steglik: Emil Riege, Lichterfelbe- Dft, Lorenz frooke 15: Rarl Schönme'ter, Lichterfelde- Weft, Sändelplas 5: Fris Sambura. Stealia, Schloßftr. 105: Wilh. Stubia, Stealis, Rinaftr. 7. Gartenhaus 3 Ez.: Allgemeine Funktionär- Bersammlung Dienstag, den 26 Januar 1926 abends 71, Uhr im Deutschen Hoj, Ludauer Straße 15 Zeges ** A: Fürstenabfindung und Bollsentscheid Referent: Reichstagsabgeordneter Wilhelm Dittmann 1926. Mitgliedsbuch muß vorgezeigt werden. Zutritt haben nur Junffiondre mit dem Parteiausweis für Selmut Krüger, Steglik, Siemensftr. 76: Günther Helgentren, Sanfwik. Char lottenftr. 34: Frau Ungerer, Wilmersdorf. Sanauer Str. 43, Siedlung. Für Charlottenburg( im Schiller- Theater), Grolmanstraße): 3. Sinriden, Banreuther Str. 25a:. Gdmidt, Rofinenfte.( Laden): Osbar Borftig Sidingenfte. 56; 6. Rakenstein, Niebuhrstr. 61; Borwärts- Spedition, Railed bamm 102, Gartenhaus 1 Tr. Für Bantow unb 19. Rreis( in der Aula des Engeums Bankow. Göric fake 42/44): Ronfumverkaufsstellen Bantom, Bollantfir. 102, Berliner Str. 47 und Breite Str. 16; Ronsumverkaufsstellen Niederschönbaufex, Raifer- Bilbel Straße 79 und Raifermec 60. in nachfolgender Reihenfolge ftati: Am 14. Mära um 1 Uhr im Cecilien 17. Rreis 2idhtenberg. Die Jugendwethen finden fie bie einzelnen Schulen neum, Rathausstraße, die 87. Schule; am 21. März um 1 Uhr im Cecilien Enaeum, Rathausstraße, bie 35. Schule; am 28. Mära ut 10 Uhr im Reform Gymnasium, Bartaue, die 36a. und 36b. Schule; am 28. März um 1 Uhr im Reform- Gymnasium, Bartaue, die 34. und 38. Schule. Anmeldungen an folgenden Stellen: Ratemia, Gärtnerstr. 6, III, Wilde, Mozartstr. 7, Grosche Bürgerheimstr. 5, E. Richter, Bozhagener Straße( Borwärtsspedition) und bei ben Schulleitern der weltlichen Schulen in der Scharnweber., Pfarr, Friedrich, Leopold, Markt und Solteiftraße. Einschreibegebühr 50 Pf. Die Lebens hunbevorbereitung beginnt Ende dieses Monats und wird bei ber Anmeldung bekanntgegeben. 109 Abteilung Friebrichshagen. Anmeldungen aur Jugendwethe nimmt Fran Mahling, Friedrichshagen, Friedrichstraße 57, entgegen. 136. Abteilung Reiniden bort- Ost. Die Jugendweihe findet am Sonntag, ben 28. März, vormittags Uhr, im Realgymnaftum, Reinickendorf- Oft, Berner Straße, ftatt. Anmeldungen auch aus den angrenzenden Orten des Bezirks nimmt der Schulleiter der Schule 6a in Reinidendorf.Oft, Solländer. traße 25, in den Bormittagsstunden oder in der Brivaimohnung, Amende ftrage 109, I, entgegen. 141. bteilung Rafenthal Anmeldungen zur Sugenbweibe nimmt der Genoffe Dehmel, Schillerstr. 13, entgegen Sie hatten Hunger. Harte Paragraphen. mert aus dem Rahmen der allgemein üblichen Aburteilungen herausEine Gerichtsverhandlung, die in jeder Hinsicht sehr bemertens fiel Staatsanwalt und Richter, beide in ihrem schweren Amte zuerft Menschen, eingestellt auf die Binche der Angeklagten, verständnisvoll der bitteren Not der Zeit gebenfend. Auf der wieder der gute Bille, fie für den Berurteilten so erträglich mie mög. anderen Seite die oft unnötige Härte des Gesetzes und dann doch lich zu gestalten. Schade, daß solche Berhandlungen zu den Seltenheiten gehören. 4 Die Jugendweihan der Berliner Arbeiterschaft. Alljährlich verlassen Taufende von Arbeiterfindern die Schule. Für die meisten vollzieht sich dies in alter, langgewohnter Form, die mit der Ueberzeugung und Denfmeise der meisten Eltern und Rinder nicht das mindeste mehr zu tun hat. Man ist es jo gewohnt und deshalb muß es immer fo fein. An und für sich steht man der Kirche völlig gleichgültig gegenüber aber bei gemiffen Bräuchen erinnert man fich ihrer. Die Einſegnung ist wie Laufe, Hochzeit und Begräbnis die einzige Gelegenheit, bei der viele noch in die Kirche Formen vollzogen und geht neu geschaffene Bege. So hat die gehen. Eine Minderheit jedoch hat den Bruch mit altgewohnten die neue Form geschaffen und immer weiter entwickelt, die bie Ein. Jegnung nicht bloß erlegt, sondern hinter sich läßt. Bon Jahr zu Jahr wächst daher die Schar der jungen Menschenfinder, die die Bor dem Schöffengericht Berlin- Mitte hatten fich Jugendweihe empfangen, besonders hat sich im Großen Schau. bie Arbeiter Sch. und C megen bandenmäßigen Dieb. Spielhause auch der würdige und besonders geeignete Raum stahls und ein gewisser G. wegen gewerbsmäßiger heh. dafür gefunden. Erste Künstler, Arbeiterfänger und Jugend mettlerei zu verantworten. Beide Antlagen betrafen Verbrechen, eifern, die Feier würdig zu gestalten. für die das Gesetz in der Hauptsache nur 3uchthausstrafe fennt, also als mindest maß ein Jahr. Beide Taten ohne Frage grobe Berstöße gegen Gitte und Recht, die eine Sühne erfordern. Sch. und C. stahlen in unbemachten Augenblicken Risten mit Delsardinen und anderen Lebensmitteln von Roll. wagen und Geschäftsfuhrwerfen, G. hatte ihnen in vier Fällen die entwendete Ware abgefauft. Also Bandendiebstahl und gewerbs und gewohnheitsmäßige Hehlerei Die Angeflagten hätten unweigerlich ins Zuchthaus wandern müs. fen, wenn auch diesmal das Ergebnis der Beweisaufnahme allein ausschlaggebend gewesen wäre. Alle drei waren aber noch so jung, hatten die Zwanzig wohl noch nicht um viel überschritten! Und der Borsitzende wandte sich den ersten Beiden mit den Borten zu: Nun sind Sie schon einmal leicht mit dem Strafgeset in Konflikt gekommen, jezt stehen Sie wieder hier, was soll denn da aus Ihnen werden?" Die Angeklagten: Herr Vorfigender, wir waren damals aus dem Gefängnis entlassen, niemand fümmerte sich um uns, wir hatten Hunger, was follten wir denn machen. Borsigender:„ Das ist natürlich menschlich höchft beflagenswert, berechtigt boch aber unmöglich zum Ausstellen eines Freibriefs für Diebstähle! Die Angeklagten:" Und wenn man uns jetzt wieder einsperrt und es geht uns dann ebenso.?"- Der Bertreter der Anklage billigte dann selbst den beiden Angeklagten Sch. und C. mildernde um stände zu und brachte für jeden 1 Jahr Gefängnis in Bor Schlag. Für G. aber bebauerte er unendlich, die vier hintereinander liegenden Fälle der Hehlerei ließen sich nicht aus der Welt schaffen. Mildernde Umstände tenne das Strafgesebbuch leider in diesem Falle nicht und so müsse er die Min deftstrafe von 1 Jahr Zuchthaus beantragen. Während der Beratung des Gerichts trat der Staatsanwalt dann zu den Angeklagten und sprach mit ihnen über die Möglich feit, auf dem Gnadenweg eine Milderung zu erzielen. Das Gericht aber ging noch weiter, es verurteilte Sch. und C. nur zu je 9 Mo naten Gefängnis, nahm bei G. mur einfache Hehlerei in vier Fällen an und verhängte über ihn das gleiche Straf ma B. Hier wurde also Recht in wahrhaft menschlicher Weise gesprochen! Bis auf den legten Raum ist das Rund von mehr als 5000 Menschen besetzt, gleichsam symbolisch für die Malfe, ber bas Jungwolf entstammt und mit der es verbunden ist. Das ist der erste Einbrud, der fich einem aufdrängt. Den helldunklen Riesenraum erfallen Orgelflänge und herein schreitet das Jungproletariat, Jungen und Mädel, im hellen Festkleide, mit Blumen in den Händen. Ein Sprecher, ein Rünstler vom Staatstheater, tritt vor und grüßt in ernstem Brolog die vor ihm fißenben Jungen und Mädel. Arbeiter. fänger laffen den Festgesang ertönen, und nun steigen die Klänge der Geigen und der Cello, begleitet von der Orgel, geführt von Meisterhand, zur Kuppel empor. Beethovens Wert zwingt die Maffe in seinen Bann und alles lauscht den feierlich- ernsten Klängen. Der Rebner tritt heran, einfach, schlicht, und spricht den jungen Menschen von dem Leben, das ihrer harrt, richtet ihren Blid auf die Aufgaben, die das Leben an fie ftellen wird, spricht von ihren Pflichten, die sie haben als Mitglieder des werttätigen Boltes. Zu Herzen gehende Worte widmet er auch den Alten. Ohne Rührseligkeit und ohne Pathetit, erfüllt von der Zuversicht, diese Erde den Menschen als glüdliche Heimat zu gewinnen, wird die Weihrede den Jungen und Alten zur Stunde der Erhebung. Noch einmal spricht Mufit zu den Herzen und nun grüßt Jugend im Sprechhor die Jugend. Ein furzes anfeuerndes Wort, Bunsch und Gruß des Redners und die Jungen und Mädel ziehen hinaus unter Orgelflang, ernst- feierlich, doch froh und hochgemuten Blids, nicht von Tränen und Rührjeligteit. Eine tnstlerisch, inhalts. reiche Buchausgabe wird ihnen die Erinnerung an diese Feier. stunde ihrer Jugendweihe wacherhalten. So erfolgt die Auf nahme des Jungproletariats in die Gemeinschaft der Werftätigen. Wenn mehr Arbeitereltern diese würdigen Feiern fennen wür den, so ließen sie ihre Kinder nicht zur Einsegnung in die Kirche führen. Auch Gegner haben sich dem Eindruck der Jugendweihen nicht entziehen tönnen. Wie schnell find die Verwandten, um derent willen viele Eltern, besonders Mütter, oft nicht ihre Einwilligung zur Jugendweihe geben wallen, gewonnen. Immer wieder hört man es, auch aus dem Munde der Berwandten vom Lande:" Daß das fo feierlich sein würde, hätte ich nicht gedacht. Alle Arbeitereltern follten einmal Gelegenheit nehmen, einer Jugendweihe der Berliner Arbeiterschaft beizuwohnen und sie werden Freunde und Förderer dieser Form merden. Für unsere Frühjahrsjugendweihen werden Anmeldungen unter gleichzeitiger Bezahlung von 50 Bf. Einschreibegebühr in den nachstehenden Anmeldeftfellen angenommen: Für Berlin( im Groken Schaufpielhaus, am 2. April[ Rarfreitag), Jugend fetrenariat Grok- Berlin, Lindenftr. 3, 2. Sof. 2 Treppen( Rimmer 11). geöffnet non 9 bis 4 Uhr, Mittwochs und Freitags von 9 bis 7 Uhr: S. Sofeph. N 21, Wilhelmshavener Str. 48( Spedition):. Sönifch, 65, Miller, Ede Utrechter Straße( Spedition):$. Mäde, N 65, Barfusftr. 13; B. Kroll, Utrechter Straße 21( Restaurant): Soffmann, 958, Buchener Str. 8( Restaurant): 3. Obft. R 89, Aderftr. 174( Svebition): B. Dobrohlaw, 37, Gwinemünder Grooke 11( Reſtaurant): R. Anderson, NR31, Stralfunder Gtt. 19: Fischer, 20. Baltianstr. 7: Gerth, 113, Greifenbogener Str. 22( Spedition): 3. Güibe, NO 18, Landsberger Allee 451: B. Dola, ND 55, Ammanuelfizh fake 24( Spedition): Arnbt, O 17, Martusftr. 36( Spedition); M. Bartmann, bet -Die Explosion in der Kirchstraße. Das Berkehrsforschungsinftitut. Die Städtische Berkehrsdeputation nahm in ihrer gestrigen Sitzung Kenntnis von dem durch die Reichsbahn in Breslau eingerichteten Omnibus- Verbindungsverfehr zwischen den Breslauer Bahnhöfen. Die besonderen Verhältnisse in Berlin lassen nach Ansicht der Verfehrsdeputation eine solche Einrichtung neben den bereits bestehenden Linien der Berliner Straßenbahn und der Aboag nicht erforderlich erscheinen. Diese Unternehmungen seien durchaus in der Lage, für den Stoßverfehr beim Eintreffen der Fernzüge und für den Durchreise und Bendelverfehr zwischen den Fernbahnhöfen ausreichende Vorkehrungen zu treffen. Erörterungen darüber find bereits im Gange. Die Auftlärung des eintreffenden Reifenden über die nächste und schnellste Berbindung nach dem anderen Fernbahnhof wird fünftig hierbei zu verstärken fein. Sofern die Reichsbahn beabsichtigen sollte, nach Art des Breslauer Unternehmens ein ähn liches auch für Berlin zu schaffen, müßte die Städtische Behörde beanspruchen, zu den Verhandlungen hinzugezogen und gemäß $ 37 und 76 der Gewerbeordnung gehört zu werden. Die Tagesordnung fah ferner eine Beratung der Umgestaltung des Nollendorfplates vor. Die Deputation beschloß, zunächst noch einmal durch den Unterausschuß diese sehr wichtige Frage unter Anhörung von ersten Verkehrssachverständigen prüfen zu laffen. Schließlich nahm die Deputation Kenntnis von den bisherigen Verhandlungen, die über die Einrichtung eines Vertehrsforschungsinstituts und verkehrswissenschaftlicher Vorlesungen an der Handelshochschule fchweben. Die Deputation sprach fich grundfäßlich für die zweckmäßigkeit und Förderung eines solchen Instituts aus. Streit auf dem Viehhof. Engroshändler und Fleischer. In Berlin ist augenblidlich ein Kampf zwischen Engroshändlern und den Fleischern auf dem Zentralvichhof ausgebrochen. Dazu wird uns von interessierter Seite folgendes geschrieben: Am Montag, den 18. d. M., haben die Berliner Hammelgroßschlächter einstimmig den Beschluß gefaßt, so lange feine Hammel, Schafe, Lämmer, Ziegen und Böcke zu taufen bzw. deren Fleisch zu verkaufen, bis eine generelle Regelung der Frage des Verkaufs von trächtigen Schafen erreicht ist. Der tiefere Grund zu diesem Vorgehen liegt in der Ablehnung der Regierung, Trächtigkeit von Tieren unter die Gewährschaftsmängel in juristischem Sinne aufzunehmen, ferner in der Erwägung, daß tas Schlachten trächtiger Tiere eine ungeheure Schädigung des deutschen Volksvermögens bedeutet. Den Anlaß zu dem wohlerwogenen Entschluß der Großschlächter, hinter dem geschlossen die Berliner Fleischerinnung und die gesamten Ladenfleischer und Markt fchlächter stehen, gab die Tatsache, daß in lezter Zeit der Auftrieb trächtiger Tiere auf den Viehmarkt in geradezu erschreckender Weise zugenommen hat. Es ist höchste Zeit, daß auch die Allgemeinheit über diese Mißstände endlich einmal aufgeflärt wird. Es ist wieder holt vorgekommen, daß von einer Zahl von 100 Tieren und mehr, diese Tiere in den Berkaufsbuchten gedrängt stehen, ist die Festbie ein Händler zum Bertauf stellte, alle Tiere trächtig waren. Da ftellung der Trächtigkeit, auch wenn fie schon weit vorgeschritten ist, meist nicht möglich. Erst bei der Schlachtung stellt sich der Schaden heraus. Das durchschnittliche Gewicht der Trachten pro Tier beträgt 10 Bi. pro Pfund teurer bezahlen muß und dafür noch minder. zirka 8 Bfund, die von vornherein verloren gehen. Den Schaden trägt legten Endes der Berbraucher, der das Hammelfleisch um zirfa wertiges Fleisch erhält Wünschenswert erscheint in der Tat ein Gejezz, das verbietet, trächtige Tiere zu schlachten oder sie zum Zwede tes Schlachtens zu vertai fen. Gabe dieses Gefeß die Möglichkeit, Uebertretungen dieser Art zu bestrafen, hüteten sich die meisten Händler, solche Tiere in den Handel zu bringen. " P Paul- Singer- Straße." Im Sommer 1925 hatte im Berwaltungsbezirt Friedrichshain die Bezirksverfammlung an das Bezirksamt die Aufforderung gerichtet, auf den Magistrat dahin einzuwirken, daß die im Bezirk liegende Straße Grüner Weg in Baul Singer Straße" umbenannt wird. Die Sozialdemokratische Frattion der Bezirksversammlung begründete diese von ihr vorgefchlagene Ehrung damit, daß unser Genoffe Paul Singer auf die Entwicklung Berlins durch seine Mitarbeit in der Stadtverordnetenversammlung einen vorwärtstreibenden Einfluß ausgeübt hat. Die Bresse der rechtsstehenden Parteien erhob dann ein wütendes Geschrei über den Beschluß der Bezirksversammlung und die Deutsche Volkspartei wollte fogar den Magiftrat aufputschen, dem Vorschlag die Zustimmung zu versagen. Jetzt hat, wie wir erfahren, die Tiefbau deputation der Stadt Berlin sich gleichfalls dafür ausgesprochen, daß der Grüne Beg" in" Paul- Singer- Straße" umbenannt werden soll. Nun kann das Geschrei der Schwarzweißroten von neuem beginnen. Der Kobold im Lindenhof. Lindenhof in Lichtenberg draußen, der ist wohl sicher eine der fortschrittlichsten und freieſten Fürsorgeanstalten" im Land, denn hier regiert nicht Sankt Bureaufratius, sondern Berständnis, nicht Zwang, sondern Liebe. Sieht das nicht einer schon an den Gefichtern der verwahrlosten" Jungen, dann mertt er's bei einem Gang durch die Heime, die Lehrzimmer, die Werkstätten bestimmt. Gestern hatten sie einen großen Tag da draußen, 3öglinge und Freundinnen des Hauses spielten luftiges Theater auf der großen Turnhallenbühne, zu der die Stadt Berlin ihnen dankensmerter Weise verstehend verhalf. Man gab in geschichter, raumnußender Regie Calderons Dame Kobold. Johanna Blum, die die Titelrolle mit viel Laune und Herzlichkeit formte, hatte die zwar hoffmannsthalsche, aber sehr verschlungene Verdichtung in leichter verstehbares Brosadeutsch gewandelt. Der Beifall war so groß wie die Freude beide wollte fich nicht legen. " Ueber 35 millonen R. 2 Brämien, bie in der Haupt- und Schlußklaſſe betragen aufammen die 166000 Gem nne und ber 26./252. Breußisch- Gübbeutschen Klaffenlotterie zur Ausspielung fommen. Das vielbegehrte Große Los" beträgt 500 000 RM, und bei feinem Zusammenfall mit der Prämie von 5000.0 RM. entsteht der größte Gewinn im günftigften Falle von 1 Million RM, der fogar auf 2 Millionen RM anwachsen tann, wenn der Bufall es fügen follte, daß der glüdliche Gewinner bte in Betracht kommende Nummer in den beiden Abteilungen( I und 11) spielt. Außer dem Großen Los von 2 × 500000 9312 werben u. a noch ausdeſpielt 3 × 300000 92, 2 x 200 000 9-17. Gestern nachmittag fand im Schauhause eine von Geheimrat Straßmann und Prof. Strauch vorgenommene gerichtsärzt. liche Besichtigung der Zeichen des Seifenhändlers Karl Mahns und der Frau Marie Hoder statt. Die Besichtigung ergab, daß Mahns, der in seinem Bett gefunden wurde, zweifellos bura Gasvergiftung den Tod gefunden hat, bei Frau Höder tonnte die Todesurfache noch nicht mit Bestimmtheit fest- 120x5000 9, 850X3000 RM, 600X2000 9102, 1250 1000 RM In Ber gestellt werden. Für die Sammler von Bolf und Zeit gibt die Borwärtsbuch. bruderei eine Einbanddecke( Leinen) zum Preise von 1,50 M. heraus, welche durch sämtliche Filialen und Ausgabestellen des Vorwärts bezogen werden kann. Auch die Botenfrauen nehmen Bestellungen entgegen. " X RM.. ferner an Mittelgewinnen die befanntlich fehr beliebt find, bindung damit wird darauf hingewiesen, daß die Lotteriegewinne nach dem neuesten Reichseinfommensteuergefeg frei von der Ein'ommensteuer find Nur wer das Los 5. claffe befigt und vor Beginn der Ziehung bezahlt hat, hat nach ben bestehenden Bestimmungen im Gewinnialle Anspruch auf den Gewinn Riemand verfäume es baher, fein Los zu der großen Haupt- und Schlußatehung rechtzeitig zu erneuern oder zu bezahlen. Die Erneuerungsfrist läuft am Mittwoch, den 27. Januar, abends 6 Uhr, ab. liften erscheinen etwa am 12. März. Die ziehung beginnt am 3 Februar unb enbigt am 27. Febrnat. Die GewinnPersil für Wollwäsche Waschen Sie Ihre farbigen Wollsachen in einfacher kalter Lauge PERSIL sichert sorgsamste Säuberung Ein Königreich für ein Buch! Aus den Erfahrungen eines Berlages. Proletarier haben feine Rönigreiche zu verschenken. Aber daß sie das Lehte, das ihnen die bittere Not einer bitteren Zeit ließ, für fulturelle Bedürfniffe, für geistige Klarheit, für seelische Erhebung zu opfern bereit sind, dafür haben die letzten Tage einen so übermältigenden Beweis erbracht, daß auch der fritischste Spötter über die materielle Einstellung der deutschen Arbeiter verstummen muß. Berufene und Unberufene haben über das Thema„ Der Arbeiter und das Buch" philosophiert. Seit Lassalle die heilige Allianz zwischen Arbeiterklasse und Wissenschaft proklamierte, ist es nicht ftille geworden an tiefsinnigen Betrachtungen darüber, wie man den Arbeiter dem Buche gewinnen tönne. Man hat gerätfelt und geraten, Wege gesucht und Ziele gewiesen. Und die Lösung ist doch so einfach, so verblüffend einfach. Hier der Schlüssel, den die Erfahrung einiger Tage, faft möchte man sagen: einiger Stunden, uns in die Hand gab Um die Mitte der vorigen Woche erschienen in der Presse der Arbeiterschaft Anzeigen und Betrachtungen über die kulturelle Notstandsaktion unferes zentralen Parteiverlages, die eine bisher nicht gefannte Berbilligung je eines Buches Woche für Woche anfündigte und die es den durch die wirtschaftliche Not am härtesten betroffensten Schichten unjeres Boltes ermöglichen sollte, wenigstens einmal fich auch in Beiten schwerster Bedrängnis ein Buch zu erwerben. Der Aftion lag der Gedanke zugrunde, daß die sich ihrer Berantwortung bewußte Bartei es nicht ruhig mit ansehen fönne, wenn die breiten Schichten notleidender Genossen gerade in den Tagen mangelnder Arbeit und Beschäftigung, gerade in der Zeit verzweifelter Stimmung von jeder Fühlung mit den geistigen Quellen ihres Glaubens und ihrer Taffraft, ihrer Ueberzeugung und ihrer Einsicht abgeschnitten wären. Deshalb der schnelle Entschluß: in jeder Woche ein Buch zu einem fleinen Bruchteil seines wirtlichen Bertes und Preises. Deshalb die Ankündigung der Bücher der Woche", deren erstes( Erich Kuttners Schicksalsgefährten") für 1,50 M. ftatt 5,50 m. angeboten wurde und in wenigen Tagen vergriffen war. Das Buch der zweiten Woche: Josef Maria Frank Redarfahrt", von dem der Verlag 10 000 Exemplare zur Berfügung stellte( 0,90 m. statt 2,50 M.), ist nur noch in wenigen hundert Exemplaren vorrätig. Etmas ähnlich leberraschendes, leberwälti gendes hat es selbst in unserer Zeit faum gegeben. Es ist wirklich so, als ob die geistig hungernden Massen unserer Arbeiterschaft nur auf ein solches Zeichen gemartet hätten. Ein Buch ein Buch ein Königreich für ein Buch!" Bu vielen Hunderten liefen die Be stellungen an jedem Tage ein, voller Angst, pielleicht zu spät zu tommen, mit dem Ersuchen, wenigstens das nächste Buch auch für fie zu reservieren, Sammelbestellungen der Arbeiterschaft großer Betriebe, Dauerbestellungen.„ Ein Buch ein Buch! Ein Buch für 3, für 4, für 5 Mart fonnte ich mir bisher nicht leisten, aber die eine Mart, die anderthalb Mart für ein mertvolles Buch will ich mir gern absparen. Wie ein Blizz hat hier die Kunde von dem Buch der Woche eingeschlagen. Alle wollen eins haben." Brolet und erwerbslos fann ich mir Bücher zum üblichen Preise nicht faufen. Aber mit der einen Mart will ich es doch versuchen. Für diesmal werde ich wohl zu spät kommen, aber das nächste Buch muß ich unbedingt haben, ich tonnte mir ja das ganze letzte Jahr fein Buch kaufen. So geht es fort in die Hunderte und Tausende. Kaum eine Bestellung ohne eine aufatmende Zustimmung zu dem Gedanken. Wir wollten, wir fönnten einmal all den Philosophen über das mangelnde Interesse der Arbeiterschaft am Buche diese Hunderte, tiefe Tausende von Bestellungen, Karten und Briefe zur Einsicht überlassen. Sie würden die schlichte Weisheit lernen: Das Interesse des Arbeiters am Buch feiner Weltanschauung ist eine Geldfrage. Jawohl. Eine Geldfrage. Und weiter nichts. Das Buch ist zu teuer. Zu teuer im Verhältnis zum Gesamteintommen, zur Lebenshaltung, zu den notwendigsten wirtschaftlichen Bedürfnissen der arbeitenden Klasse. Der Erfolg des Buches der Woche" unferes Barteiverlages beweist es so schlagend, daß alle Philosophie davor verstummen muß. Tausende und aber Tausende von Arbeitern, von Proletariern, von schaffenden Männern und Frauen warten nur darauf, einmal für eine Summe, die ihnen, wenn nicht entbehrlich, so doch erschwinglich erscheint, ein wertvolles Buch ihres Geistes erwerben zu können. Berbil.igt das Buch und es zieht in die Häuser ein, in denen mir es fehen möchten. Darum ist dieses Buch der Woche des Dies- Berlages eine fulturelle Tat Tausende deutscher Arbeiter und Arbeiterinnen haben hier zum ersten Male oder jedenfalls zum einzigsten Male in der jezigen Notlage die Möglichkeit zum Erwerb eines Buches von innerem Werte für fie und ihre Lebensauffassung. " Das Buch der Woche ist jeweilig in allen Borwärts. speditionen zu dem angefündigten verbilligten Preise erhältlich. Gegen 10 Pf. Zuschlag wird es von jedem Zeitungsboten ins Haus gebracht. Unsere Zeitungsboten nehmen Bestellungen entgegen. Das Buch der 1. Woche( Kuttner, Schicksalsgefährten") ist ver. Griffen. Das Buch der 2. Woche: Frant, Medarfahrt ( 0,90 m.). Das Buch der 3. Woche: Baader, Steiniger Weg" Drei Bopp, Jugenderinnerungen", Geschichte einer Arbeiterin. Frauenbücher zusammen für 1 M. Das Buch der 4. Woche: Tschulot, Entwidlungstheorie", 1 m. Arbeiter Kultur Kartell Groß- Berlin 3. Proletarische Feierstunde pielhaus, Starliftraße, dritte Proletarische Feierflunbe Stimmen ber am Sonntag, den 31. Januar 1926, vormittags 11 Uhr im Großen Schauspielhause, Karlstraße Stimmen der Völker= Rezitafionen Lieder- Gruppentänze- Orgel Bioloncello Acht Harfen Mafitalife Cettung: Profeffor Mag Seal Mitwirkende: Karl Ebert( Staatstheater), Ilona Kelmoy( Städtische Oper), Frih Aleiner( Orgel), Godfried Zeelonder( Violoncello), Tanzgemeinschaft Hertha Feift( Berliner Laban- Schule) Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 24. Januar. 9 Uhr vorm. Morgenfeier. 1. Präladium( Paul Schmidt, Harmonium). 2. a) Reinhold Succo: Wenn ich dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, b) A. Becker: Gott ist die Liebe( Kirchenchor der Glaubenskirche, Dirigent: Organist Grabbe) 8. Bibelrezitation( Johannes Schulzke). 4. Ansprache des Herrn Ernst Wilhelm Balk. 5. A. Becker: Ich hab' dich lieb und will dich lieb behalten( Kirchenchor). 6. Postludium( Paul Schmidt). 11.30-12.30 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebenden. Zum 60. Geburtstage von Herbert Eulenberg. 1. Einleitende Worte( Hermann Kasack). 2. Aus Eulenbergs Werken( Paul Bildt, Rezitation). 2.20 Uhr nachm.: Schachfunk( E. Nebermann). 3 Uhr nachm.: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abt. Landwirtschaft. Direktor Willi P. Hamm: Die Versorgung der großstädtischen Viehhaltung mit Futtermitteln. 3.30 Uhr nachm.: Goldhärchen in der großen Stadt" aus Goldhärchen und Funkheinzelmann von Hans Bodenstedt, erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30 Uhr nachm.: Friedrich der Große. 1. Einleitende Worte( Theodor Kappstein). 2. Aus Dichtungen Friedrichs des Großen( Ferdinand Gregori, Rezitation). 5.15-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.05 Uhr abends: Prof. Dr. Roeder: Die bevorstehenden Ausgrabungen in Aegypten. 7 Uhr abends: Einführung zu dem Sendespiel Figaros Hochzeit am 26. Januar. 7.25 Uhr abends: Gustav Hochstetter: Lustiges aus dem Hundeleben". 7.50 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Dr. James Simon: Die neuzeitliche Klaviermusik". 8.30-10 Uhr abends: E. T. A. Hoffmann.( Zu seinem 150. Geburtstage). 1. Einleitende Worte( Dr. Fritz Landsberger). 2. Trio E- Dur( Nach der Handschrift der Breslauer Stadtbibliothek) Allegro moderato Adagio Allegro molto Allegro vivace( Bruno Seidler Winkler, Klavier; Johannes Lasowski, Violine; Paul Walter, Cello). 8. Ritter Glack"( Theodor Loos, Rezitation). 4 Quintett für Harfe und Streichquartett in C- Moll Allegro moderato Adagio Allegro( Johannes Lasowski, 1. Violine; Georg Diettrich, 2. Violine; Friedrich Schnitt, Bratsche; Paul Walter, Cello; Anschließend: Bekanntgabe der Anna Hopf- Gaidel. Harfe). neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Funk- Tanzkapelle. Leitung: Konzertmeister Frans v. Szpanowski). • Königswusterhausen, Sonntag, den 24. Januar. 11.30-12.50 Uhr nachm.: Konzert. Mitwirkende: Margarete Timner, Sopran; Streichmusik: Alfred Schmidt, 1. Violine; Kurt Heinze, 2. Violine; Fritz Henning, Viola; Hans Didẞosseit, Cello; Heinz Streich, Flöte; am Flügel: Rudolf Henning. 1. Haydn: Streichquartett Nr. 17. 2. a) Blech: Heimkehr vom Feste, b) Mahler: Hans und Grete. 3. Mendelssohn- Bartholdy: Frühlingslied( mit obligater Flöte). 4. Adagio und Rondo sus dem Duett Nr. 1 für Violine und Viola. 5. 8) Bizet: Arie aus Die Perlenfischer", b) Puccini: Arie der Mimi aus, Bohême. 6. Beet hoven: Allegro aus der Serenade op. 25. 7. Rossini: Arie der Rosine aus„ Der Barbier von Sevilla. 8. Mozart: Trio in G- Dur. 12 Uhr mittags: Esperanto. Montag, den 25. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30 Uhr nachm.: Novellen: Das edle Blut, von Ernst von Wildenbruch.( Gesprochen von Elsa Wasa). 5.15-6 Uhr nachm.: meister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: KonzertFran 7 Uhr abends: Prof. Dr. Karo:„ Die deutsche Wissenschaft im Urteil des Anslandes". 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus Frankfurt a. M. Orchesterabend. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Königswusterhausen, Montag, den 25. Januar. 3-3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm.: Friebel und Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.: Oberstudiendirektor Schlemmer. Frankfurt a. O.: Jugendkunde. 4.30-5 Uhr nachm.: Frau Drewitz: Die Frau in Haus, Hof und Garten. Besiefsblibungsausius Groß- Berlin. heute, pitch the nach mittags, tm Staatlichen Schiller- beater, Charlottenburg, barleys Zante. Sonntag, den 31. Januar, vorm. 11 Uhr, im Großen Schaut 25ller. Rezitationen, Lieder, Gruppentänze, Drgel, Bioloncello, acht Harfen, unter Leitung von Herrn Prof. Mar Saal Einzelfarten zuin Breise von 1 M. in allen befannten Berkaufsstellen. Ausstellung und Verlauf von Radierungen und Holzschnitten her borragender Künstler( St åt be Roll mig, Helmuth Krommer usw.) im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Treppen, Bimmer 8. Arbeiterbildungsschule. Montag, den 25. Januar, beginnen folgende Arbeitsgemeinschaften. Genoffe Erwin Marquardt Die Hauptfragen der deutschen Weltpolitit, abends von 7-9 Uhr, im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Genosse Albert Horliz Grundlagen der Arbeiterbildung abends von 8 bis 9, br, im Lotal midley, Behlendorf, Potsdamer Str. 25. Teilnehmertarten am Eingang des Schullotals. Gorgebühr 1 M. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefä& ftstelle: Berlin 6. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof& Tr. Reukölln- Brik: 1. Rua Mo., b. 25., abends 7 Uhr, Rottbusser Alaufe, Rottbuffer Damm, Rugversammlung. Bortrag: Wirtschaftsfragen". Brenzlauer Berg, Königstor: Di., d. 26. d. M., 7% Uht, gemeinschaftlicher Bortragsabend in den Union- Festfälen, Greifswalder Str. 222. Bortrog bes Kameraden Landtagsabgeordneten Hartmann über die Grundailge ber Weimarer Beufaffung. Charlottenburg, Kameradschaft Wittenberg: Am 26. Januar, 7% Uhr, Stollendorf- Rafino, Kleiftitt. 41, Lichtbildervortrag, Glaßbrenner- Abend. Kreuzberg: Jungmannschaft Südost: Mo., d. 25., 8 Uhr abends, Bollversammlung bei Fuhlbrügge, Noftiz, Ecte Arndtstraße. Nächste Pflichtveranstaltung Sonntag, ben 31. Januar, in Botsdam. Wilmersdorf: Bollversammlung Mo., d. 25. Jan., abends 8 Uhr, in den Johann- GeorgSälen, Johann- Georg- Strake. Republikaner. auch Damen, find herzlich will tommen. Ab 7 Uhr führerbefprechung unter Leitung des Borstandes. Gemeinschaft proletarischer Freibenker, Bezirk Groß- Berlin. Freie Bolkshochschule: Dienstag, ben 26. Januar, abends 7% Uhr, Astanisches Gymnasium, SM., Sallesche Str. 26( am Anhalter Bahnhof). Bortrag Dr. P. Krische: ,, Der Schidialsmeg der Frau. Das Rätsel der Mutterrechtsgesellschaft". Deutsche Entomologische Gesellschaft, e. B. Montag, den 25. Januar, abends 8 Uhr, Vortrag mit Lichtbildern von Prof. Dr. Wilhelmi über Bekämpfung ber Gefundheitsfchädlinge" im Söifaal des 8oologischen Instituts, Invaliden ftraße 43. Eintritt frei. Gäste willkommen. Berein der Freibenter für Feuerbestattung, c. B. Bezirk 3( Bebbing): Dienstag, den 28. Januar, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Schulaula Pant, Ede Böttcherstraße. Tagesordnung u. a.: Reichsschulgefes und Elternbeiratswahlen. Bezirk 17( Lichtenberg): Mittwoch, den 27. Januar, abends 7 Uho, im Lokal non Sugo Wegener, Lichtenberg. Frankfurter Allee 236, Ede Müllerstvake, Mitgliederversammlung. Tagesordnung u. a.: Vortrag: Bezirk Liebe, Che und Familie". Referent Frau Cläre Mener- Lugau. ( Prenzlauer Berg): Donnerstag, den 28. Sanuar, abends 7 Uhr, in den Rafinp- Sälen, Bappelallee 15, Mitgliederversammlung Tagesordnung u. a.: Vortrag. Referent Genoffe Sodann. Deutschösterreichische Liebertafel zu Berlin bt jeben Dienstag 8 Uhr int Bereinsheim, Dresdener Str. 52, City- Festfäle. Gäste herzlich willkommen. Anmeldungen zum öfterreichischen Frauendor nimmt Franz Siete, Charlottenftraße 87( Dönhoff 9509), entgegen. Arbeiter- Abftinentenbund, Ortsgruppe Berlin. Heute, 6 Uhr abends, in Sophien- Gymnasium, Steinstraße, Generalversammlung.( Vortrag, Borstands bericht und Wahlen, geselliges Beisammensein.) Erscheinen aller Mitglieder ift Bflight. Seute Fahrt in den Grunemal. Treffpunkt 10 Uhr Unter grundbahnhof Thielplaz. Im Anschluß zur Generalversammlung. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berfin.( Nachdr. verb.) Größtenteils trübe, Temperaturen etwas über 0, später wieber leichte- NiederFür Deutschland. Jm Westen Zaumetter, im äußersten Süden, läge. Südosten und Nordosten noch leichter Frost. Im Westen neue Niederschläge. Warum sollen Sie nicht am Rundfunk teilnehmen?! Für Mark 1,50 wachent. Teilzahlung dieser RadioPräzisionsApparat neuester Konstruktion, ein schl. Kopfhörer, Uhr, An tenne, kompl, hörfert. angebracht.( Nach Telefun ken- Bauerlaubnis. Röhren- Apparate mit und ohne Lautsprecher gegen wöchentliche oder monatl. Teilzahlung Verlangen Sie unverbindlichen Vertreterbesuch. Berliner Radio- Gesellschaft m. b. H. Berlin W 50. Kurfürstendamm 17 Fernspr.: Bismarck 4273 4274 Verkauis- und Vorführungsstellen: Pflugstraße 18 Andreasstraße 13 Landsberger Straße 99 Senefelderstraße 30 Elsasser Straße 45:48 Forster Straße 39 Alexandrinenstraße 15 Alexandrinenstraße 42, 1 Immanuelkirchstraße 12 Frankfurter Allee 311 Müggelstraße 31 Turmstraße 48 Friedrichstraße ST Weddingstr. 5, Zigarrenladen Charlottenburg. Mommsenstraße B Friedenau, Rheinstraße 60 Friedenau, Isa'destraße 9, II Neukölln, Okerstraße 6. Steglitz, Bergstraße 81. Ecke Jeversin Weißensee, Berliner Allee 39 Oberschöneweide, Edisonstraße 58 Spandau, Lynarstraße 5, L. E age Reinickendorf- West, Scharnweberst. 53 Nowawes, Kirchstraße 8 Luckenwalde, Neue Friedrichstr. 14 Neuruppin. Schinkelstraße 1 3 K B Konsumgenossenschaft Berlin u. Umgegend 182 Lebensmittel- Verteilungsstellen Vom 27. Januar bis zum 6. Februar E. G. m. b. H. K B G 10 billige Tage für Gemüse- u. Obstkonserven Dose% Dose Stangenspargel sehr stark 3.45 1.75 Kaiserschoten Brechspargel stark. 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Auf diesem Gebiete Spindeln vorhanden. Ebenso ist in diesen Ländern die Zahl der hat es obwohl die breiten Voltsmassen einen großen Bekleidungs- Motorwebstühle im Steigen. Sowohl in Italien mie in bedarf haben, der infolge unzureichender Kaufkraft bei allzu hohen Belgien war ebenso wie in Frankreich der innere Konjum zus Preisen nicht befriedigt werden konnte außerordentlich viel 3 urückgegangen.( In Italien gegenüber der Vorfriegszeit um 17% Millionen Kilogramm.) In beiden Ländern ist aber die Ausfuhr sehr fammenbrüche gegeben. Diese ungünstigen Verhältnisse in der erheblich gestiegen, in Italien die Baumwollwarenausfuhr von deutschen Textilindustrie lenten die Aufmerksamkeit auf die Verhält 60 000 Tonnen 1913 auf 68 000 Tonnen 1924, in Belgien von 6000 nisse in den übrigen europäischen Staaten, die über Tonnen 1913 auf 15 000 Tonnen 1924 bei gleichzeitigem Rückgang eine große Tertilindustrie verfügen. der Einfuhr. In der Wollindustrie fehren die gleichen Er scheinungen, wenn auch in geringeren Ausmaßen, wieder. Hier fant die italienische Einfuhr von 28 auf 22 Millionen, dagegen stieg die Ausfuhr von 4,5 auf 15 Millionen Pfund. Die Produktion steht in beiden Ländern ungefähr auf der Vorfriegshöhe. Die Mehrausfuhr wird durch den Unterfonsum im Inland ausgeglichen. Italien befindet sich in bezug auf seine Ausfuhr in der günstigsten Lage unter den bisher behandelten Ländern. Seine billigen und der Qualität nach minderwertigen Waren können in den Balkanländern und im Nahen Osten überall Absatz finden. In allen Ländern beklagen sich die Unternehmer darüber, daß bei den unerhört niedrigen italienischen Löhnen eine Ronkurrenz auf dem Weltmarkt mit den italienischen Waren fast unmöglich sei. Im übrigen befleht auf dem Gebiet der Kunstseibenindustrie dieselbe age. Die englischen Unternehmer, welche die Hälfte der Kunstseidenproduktion der Welt( darunter auch einen großen Teil der amerikanischen Produktion) unter ihrer Kontrolle haben, erflären, daß sie der italienischen Schmutzkonkurrenz auf dem Weltmarkt nicht Selbst nach Indien wird gegenwärtig mehr gewachsen seien. italienische als englische Kunſtſeide verkauft. Englischen Aus. wöchentlich 80 Lire, d. h. 14 Schilling, gegen 38 Schilling in England. Die Lage der französischen Textilindustrie. Die in Südfrankreich beheimatete Seidenindustrie hat eine günstige Entwicklung hinter sich. In der Seidenproduktion ist Frankreich bekanntlich der führende Staat in Europa. Sein Verbrauch. Don Rohseide betrug 1924 über 6 Millionen Kilogramm. Es beschäftigt 80 000 Arbeiter, darunter mehr als 50 000 meibliche Arbeiter und 13 000 Kinder. Ihr kommt in Europa nur die italienische Seidenindustrie mit 5% Millionen Kilogramm Rohjeidenverbrauch und 84000 Arbeiter 1 nahe. In der Weltproduktion nehmen freilich die Bereinigten Staaten weitaus die erste Stelle ein: Drei Viertel der Rohseidenerzeugung der Welt werden dort verarbeitet. Die Seidenausfuhr Frankreichs machte riesige Fortschritte und betrug 1924 8600 Tonnen, das Bierfache der italienischen Seidenfertigwarenausfuhr. Auch die Kunstseidenindustrie Frankreichs ist in der Entwicklung begriffen. Die 11 jüngst errichteten Fabriken to inten bereits 6 Millionen Kilogramm bei einer Weltproduktion von 69 mil. lionen herstellen. Es sind aber 11 weitere Fabriten im Bau, nach deren Fertigstellung der innere Markt durch die eigene Produktion versorgt werden kann. Nicht so günstig gestaltet sich die Lage der Baumwoll- und Wollindustrie, deren Betriebe vor allem in Nordfra freich liegen. 3war zeugen wichtige Tatsachen für die Entwicklung dieser Industrie seit dem Krieg. Der Beschäftigungsgrad war mit furzen Unterbrechungen immer gut, ja, es besteht in der Baumwoll industrie seit längerer Zeit ein beträchtlicher Arbeitermangel. In der Wollindustrie wurde in diesem Jahr in zwei bis drei Schichten gearbeitet. Die Zahl der Baumwollspindeln erhöhte sich seit dem Krieg um zwei Millionen. Der Zuwachs ist allerdings zum größten Teil dem Anschluß Elsaß- Lothringens zu verdanken, das für 23 Broz. der Garnproduktion und 26 Broz. der Baumwollstofferzeugung verantwortlich ist. Wichtiger als diese Zunahme ist die Moderni fierung der Betriebe sowohl in der Baumwoll- wie in der Woll industrie. Die während des Krieges zerstörten Spindeln und Webstühle sind fast durchweg neu errichtet worden und die alten Spindeln und Webstühle wurden gegen die modernsten ausgetauscht. Die Ausfuhr zeigt große Fortschritte, es wurden 1913 Fertigprodukte der Baumwollindustrie im Gewicht von 55 000 Tonnen, 1924 dagegen 67.000 Tonnen ausgeführt. Bei Wollstoffen, die im übrigen überwiegend für den inneren Konsum hergestellt werden, ist eben falls eine große Steigerung zu verzeichnen, für Wolfleider von 12 auf 15% Millionen Pfund, für Wollstoffe von 28 auf 39 Millionen Pfund. Trotzdem find Schwierigkeiten vorhanden, welche die Baumwoll und Befrie mit Zukunftssorgen erfüllen. Die Rob stoffbelhaftung stößt infolge der Geldentwertung auf Hinder nisse und die jüngst eingetretene Sentung der Baumwollpreise to ante angesichts der andauernden Geldentwertung diese Schwierigteiten nicht beheben. Desgleichen ging der inländische Berbrauch seit dem Krieg troß der Erweiterung des Produktionsapparats erheb lich zurück. Nur 87 Proz. der Vorfriegsproduktion fonnten 1925 im Inland selbst abgefeßt werden. Infolge der Geldentwertung und niedriger Löhne fonnte die inländische Bevölkerung die mit teuren Rohstoffen hergestellten Waren nicht aufnehmen. Was aber die Ausfuhr anbelangt, so war deren Steigerung in den letzten Jahren tor allem auf die außerordentlich große Einfuhr DeutschIands zurückzuführen. Deutschland, das vor dem Kriege nur 1½ Proz. der französischen Baumwollausfuhr aufnahm, hat in den vergangenen Jahren bis zu 30 Proz. der franzöfifchen Ausfuhr in Empfang genommen. Mit dem Wegfall der zollfreien Einfuhr aus Elsaß- Lothringen Anfang Januar 1925 hat aber die franzöfifche Ausfuhr nach Deutschland wesentlich nachgelassen und ist infolge der im Oftober in Kraft getrnen deutschen Hochschutzölle noch weiter gefallen. Bei Ausschaltung der deutschen Ausfuhr würde jedoch die franzöfifche Ausfuhr nur 87 Proz. der Vorkriegsausfuhr betraget. Demnach ist anzunehmen, daß die franzöfifche Textilindustrie nunmehr der Geldentwertung ein Ende machen möchte, um erstens ihre Rohstoffbeschaffung zu erleichtern, dann aber, um die inländische Ronfumtraft zu stärfen. Die italienische und belgische Textilindustrie. Die dauernde Geldentwertung hat in Belgien und Italien ähnliche Erscheinungen wie in Frankreich zutage gefördert. Auch in be. zug auf die Modernisierung der Anlegen haben diese beiden Länder mit Fra ikreich Schritt gehalten. Mehr als die Hälfte der belgischen Baumwollspindeln wurden im Krieg vernichtet, und an Stelle der zerstörten Mule- Spindeln wurden die modernen Ring Spindeln angeschafft, so daß 1925 von 1,8 Millionen Spindeln be reits 1,3 Millionen Ring- Spindeln waren. In Italien sind bei einer Die englische Textilindustrie. Die Krise der englischen Textilindustrie, vor allem der Baumwollindustrie, ist im allgemeinen bekannt. Der Produktionsapparat ist auch in England seit dem Krieg größer geworden, in der Baumwollindustrie um 2 Millionen Spindeln.( In Asien wurden 9 Mil lionen, in Amerifa 7 Millionen neue Spindeln aufgestellt.) Der in ländische Konsum blieb in England, im Gegensatz zu Frankreich, Italien usw., ungefähr auf der Friedenshöhe. Das Krisenmoment liegt demnach in den Schwierigkeiten der Ausfuhr. Vor dem Krieg wurden 80 Proz. der in England erzeugten Baumwollstoffe ausgeführt, woraus die überragende Wichtigkeit der Ausfuhr ersicht lich ist. Gegenwärtig werden nur 60 Broz. der Borkriegsausfuhr, und zwar sowohl für Baumwoll- wie für Wollstoffe erreicht. Für diesen Ausfall ist für die Baumwollindustrie fast ausschließlich der Rückgang der englischen Ausfuhr nach dem Fernen Osten verantwortlich. Der Ferne Osten hat vor dem Kriege 61 Proz. der Gesamtausfuhr aufgenommen, 1924 dagegen nur 46 Broz. Mengen mäßig aber hat der Ferne Osten 1924 nur die Hälfte der Bor triegsmengen aufgenommen. Vor allem kommt dabei Indien in Betracht, das sowohl infolge der eigenen, erheblich gesteigerten Produktion und der gesteigerten Einfuhr aus Japan, aber auch infolge der sehr verminderten Konsumtraft der Bevölkerung viel weni. ger als früher zu kaufen permag. Für die englische Bollindustrie, bie, 260 000 Arbeiter beschäftigt, und ebenfalls eine Tehr wichtige Exportindustrie( die dritte nach der Baumwoll und Eisenindustrie) darstellt, ist die Grportfrise ebenfalls vorhanden. Auch hier wurden vor dem Krieg 60 Proz. der Produktion ausgeführt, gegenwärtig nur etwa 45 Broz. Der Ausfall wird hier jedoch nicht durch den Fernen Often, wo die englische Ausfuhr weiter ihre Monopolstellung behauptet hat, sondern durch den Rüdgang auf den europäischen Märkten verursacht. Schweiz und Tschechoslowakei. Trog feiner Edelvaluta konnte die Baumwoll- und Wolfindustrie der Schweiz sich nach dem Kriege gut entwickeln und ihre Aus fuhr gegenüber der Vorkriegszeit erheblich steigern, was für dieses Land um so wichtiger ist, weil im Inland nicht mehr als 32 Broz. der Erzeugung verbraucht werden können. Die Ausfuhr. von Baum wollgarn erhöhte sich von 3600 Tonnen 1913 auf 7000 Zonnen 1924, bei Baumwollstoffen von 4280 Tonnen 1913 auf 8609 Tonnen 1924. Die schweizerische Baumwollindustrie ist hochgradig vertikal ton zentriert, die meisten Unternehmungen verarbeiten das Material vom Rohstoff bis zum Fertigfabrikat. Auch wurde der Maschinen apparat durchgehend modernisiert. Die Mule- Spindeln wurden zum großen Teil durch Ring- Spindeln ersezt. Die Bedeutung der Wollindustrie ist geringer. Doch steigerte sich auch hier die Ausfuhr von Wollstoffen von 5,8 Millionen Franken 1913 auf 16 Millionen 1924. Durch die Schutzzollgefeße, im vergangenen Jahr durch die englischen Tertilzölle, wurde die Lage der Schweizer Textilindustrie erheblich verschlechtert. Die tschechoslowatische Baumwoll industrie steht ihrer Größe nach an der sechsten, die Wollindustrie an der fünften Stelle. Nach Aufteilung der alten, österreichisch ungarischen Monarchie verblieb der größte Teil der Anlagen bei der Tschechoslowakei. Die besonderen Schwierigkeiten erwachsen eben aus der Zerreißung der Gebiete. Der Inlandsverbrauch reicht bei weitem nicht aus, die Produktion aufzunehmen,-66 Broz der ES GIBT NUR Join 16 Sonntag, 24. Januar 1926 Produktion wurden im vergangener Jahre ausgeführt. Die Aus fuhr in die Nachfolgeftacten ist jedoch aus mehreren Gründen, wegen der Schutzollpolitik und der Einfuhrverbote, die zum Teil auf die Entstehung eigener Textilindustrien zurückzuführen sind, außer ordentlich erschwert. Der Baumwollverbrauch betrug a gesichts dieser Schwierigkeiten trotz andauernder Verbesserung 1924 immer noch nur 63 Proz der Vorkriegshöhe. Die Konjunktur für die Wollindustrie war 1924 günstig, 1925 fonnte jedoch die Belegschaft nur zu 80 Proz. beschäftigt werden. Die gleichfalls wichtige Seidenindustrie der Tschechoslowakei ist weitgehend von Desterreich abhängig, weil die meisten Betriebe für die Weiterverarbeitung wie auch die A. H. Handelsorganisationen immer noch dort liegen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsmarttlage stand nach dem Bericht des Landesarbeitsamts Berlin weiterhin in ihrer Gesamtheit im Zeichen anhaltender, und zwar wiederum recht erheblicher Ver. schlechterung. Der Zugang Erwerbsuchender bei den Arbeits nachweisen betrug rund 21 000, so daß die Gesamtzahl nunmehr rund 210 000 erreicht hat. Betriebsschließungen und stillegungen sind noch immer nicht zum Stillstand gekommen. Die ungünstige Arbeitsmarktlage ist in den maßgebenden Industriezweigen, wie Metall, Holz- und Betleidungsgewerbe, am fühlbarsten. Daran ändern auch nichts einige hier und da in diesen Betriebszweigen auftretende kleine Besserungserscheinungen durch Wiederaufnahme der Arbeit in einigen Betrieben. Zur Verschärfung des Arbeitsmarttes trägt auch die Behinderung der Außen- und Bauarbeiten durch den Einfluß der Witterung bet, wovon hauptsächlich das Baugewerbe und die Gruppe ungelernte Ar beit unmittelbar betroffen ist und auch die Ausführung von Nots standsarbeiten beeinträchtigt wird. An der Gesamtzahl der Arbeit suchenden stellen Facharbeiter der Metallindustrie ungefähr 7, des Bekleidungsgewerbes/ und der Holzindustrie/ Anfeil. Gewerbliche Arbeiter aus Handel und Verkehr stellen auch einen nicht unwesentlichen Prozentsatz an der Gesamtzahl der Arbeit suchenden, abgesehen davon, daß auch die Angestellten in hohem Maße beteiligt sind. Es waren 210 551 Personen bei den Arbeitsnachweisen einge tragen gegen 189 337 der Borwoche. Darunter befanden sich 147,928. ( 131 509) männliche und 62 623( 57 828) meibliche Personen. Unters ftügung bezogen 104 316( 94 984) männliche und 34 614( 30 688) weibliche, insgesamt 138 930( 125 672) Personen, davon bei Notstandsarbeiten beschäftigt 626( 679). Die Die Entwidlung des preußischen Sparkaffenwesens. günstige Entwidlung der Einlagenbestände im Spar- und bantmäßigen Sparkassenverkehr hat angehalten. Der Gesamtspar einlagenbestand hat sich um 52,6 millionen Mark oder um 5,3 Broz. vermehrt und mit 1051,1 Millionen Mark die erste Milliarde etwas überschritten. Die Spareinlagen haben sich seit Beginn des Jahres 1925 um 645,6 Millionen Marf erhöht; der abfolute Novemberzufak war um 2,01 Proz. größer als der des Vormonats. Ebenso hat der bankmäßige Bertehr der Sparkassen eine günstige Entwicklung genommen. Die Einzahlungen beliefen fich im Berichtsmonat auf 1348,0 Millionen Mart. Die Einzahlungen betrugen dabei das 2,3 fache( gegen das 2,5 fache im Oktober) der Guthaben. Abgesehen von Berlin, Niederschlesien, Sachsen, Han nover und Hessen- Nassau sind die Auszahlungen überall größer ge mesen als die Einzahlungen. 11 Der Poffschedverkehr 1925. Das Jahr 1925 brachte für be Bostscheckverfehr eine beträchtliche Zunahme. Die Zahl der Bost schecktonten bei den 19 Boftfchecämtern des Deutschen Reiches ift von 809 000( Ende 1924) auf 857 000 Konten, alfo um 48 000, ge stiegen. Der Umfaß betrug rund 111 000 mill. m.( 1924: 79 000 Mill. m.) in 526( 408) Millionen Buchungen. Von dem Umsat wurden 87 000 mill. m.( 1924: 62 000 mill. m.) oder 79 Prozent bargeldlos abgewidelt. Das Guthaben der Postschecktunden hat infolge der allgemeinen Geldknappheit nicht zugenommen; es betrug im Jahresdurchschnitt 572 Mill. M. gegen 575 Mill. M. Ende 1924. Durch leberweisungen wurden 81 000 mil. M.( 1924: 57 000 Mill. M.) in 291( 236) Millionen Buchungen beglichen. Auslandskredite für die Mittelindustrie. Wir berichteten fürz lich über die gemeinsame Gründung der Discontogesellschaft Berlin und der New Yorker Großbant Dillon, Read Co., die insbesondere die deutsche Mittelindustrie mit Auslandskapital versorgen will. Wir haben die Gründung begrüßt, weil sehr vielfach gerade die trebit würdigsten Betriebe mit leinerem Kapitalbedarf selbst nicht auf den ausländischen Kapitalmärkten als Kreditsucher auftreten könnten. Vorläufig scheint die Sache aber nicht zum Funktionieren zu kommen. Eine angesehene Chemnitzer Textilfirma erhielt nämlich auf ihr Kreditgefuch an die Discontogesellschaft Berlin die Antwort, daß Kredite unter 500 000 Dollar nicht in Frage tommen. 500 000 Dollar sind über 2 Millionen Mart. große Zahl hochleistungsfähiger Betriebe hat nicht einmal ein Be triebsvermögen in dieser Höhe. Andere haben ein größeres Betriebs vermögen, fönnen aber mit geringeren langfristigen Anleihen ausfommen. Es wäre aber ein unmöglicher Widersinn, wenn, um nur überhaupt zu Sanierungsgeldern zu fommen, fleinere Betriebe sich überschuldeten oder die erreichbaren Kapitalien für die größeren Mittelbetriebe reserviert blieben. EINE Fritzi Massary Zigarette 38 In dieser Preislage bietet sie Außergewöhnliches KEINE MACHT IHR DEN RANG STRITTIG Eine 4 mis 97 Aus der Partel. als Ausschluß aus der Partei. Heute, Sonntag, den 24. Januar: 24. bt, Die Funktionärausweife filz 1926 merden sormitions son 10 bis 12 hr genen Umtausch der alten im Restaurant Seibler, Bins, Ede Sablonstiftoaße, ausgegeben. Desgleichen aud bie neuen Bezirksstempel. Die Gruppenfülhver werden erfucht, ein genaues Berzeichnis fämtlicher Be airfsführer mitzubringen. 73. bt. Die Genoffen treffen fich vormitions 11 Uhr zur Sandsettelver breitung. Die Funktionärausmeise tönnen dort gleichzeitig entgegen genommen werden. lumasfibrern abzuholen. 128. Abt. bei Anuppe, Schule Raifer- FriedrichStraße: 129. Abt. bei Barbels. Mühlenstraße: 130. bt. bei Bejid, Soulze traße 17, 1 Tr. Auf Grund des§ 28 Absatz 5 des Organisationsstatuts wurde bas bisherige Mitglied der Partei aper Freiberger in München durch Beschluß des Parteivorstandes ausgefchlof 128.30. Abt. Bankow. Die Funktionärtarten für 1926 find bei den Abtei fen Freiberger war der eigentliche Führer der Rußland. Delegation und betrieb seit seiner Rückkehr im engsten Einbernehmen mit der RẞD. einen müften Agitationsfeldzug gegen unjere Partet Erfolgreiche Werbearbeit verrichtet zurzeit unsere Pfälzer Parteiorganisation. Selbst in kleinen Orten sind sehr beachtensmerte Mitgliederaufnahmen zu verzeichnen. So hatte u. a. die Frauen agitationstommission von Ludwigshafen in einem nahegelege. nen Orte an einem Sonntage feit morgens früh eine Hausagitation burageführt. Nachmittags 3 Uhr fand dann eine Versammlung ftctt, in ber 61 Frauen und 2 Männer für die Partei gewonnen mauron Genoffe Otto Sidow im Ruhestand. Der Geschäftsführer unse tes Brandenburger Parteiblattes, Genosse Otto Sidow, ist nach 35jähriger Tätigkei in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Durch eine fleine Geschäftsfeier, an der alle diejenigen teilnahmen, Die unserem Genossen in seiner vielseitigen Tätigkeit nahestanden, murde der tüchtige parteigenössische Geschäftsmann geehrt. Als Bertreter des Parteivorstandes war Otto Wels, der auch durch personliche Freundschaft mit Sidom verbunden ist, zu der Feier erschienen. Genosse Sidow steht im 69. Lebensjahre. Hat er die gefchäftliche Bürde auch abgelegt, so wird der alte Kampfgenosse ein Wirten für die Partei hoffentlich noch recht lange fortsetzen tönnen. Parteinachrichten Ginfendungen für diese Rubrik find Berlin 68. 68. 2inbenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Tres. rechts. au richten 1. Atreis Mitte. Seute, Sonntag, 10 Uhr vormittags, bei Dobroblam, Smine münder Straße, wichtige Befprednung. Jede Abteilung muk unbedingt Bertreten fein. Montag, den 25. Januar, abends 7 Uhr, Sichtbilder. Dortrag im Rosenthaler Sof, Rofenthaler Str. 10-11. Göfte millkommen. Referent Dr. Georg Löwenstein. 8. Kreis Webbing. Auf die heute, Gonntag, flattfindende Beranstaltung ber 17. Abteilung in der Hochschulbrauerei, Gee, Ede Amcumer Straße, mind befonders hingewiesen. & Reis Brenzlauer Berg. Montag, den 25. Januar, abends 6 Uhr pünktlich, Sigung der Bezirksverordnetenfrattion mit dem engeren Rreisvorstand im Um 7 Uhr ebenda Bezirksamt, Danziger Str. 64, Groker Gikunassaal. erweiterte Rreisvorstandssituna. K. Areis Friedrichshain. Die Abteilungsleiter werben gebeten, am Montag ober Dienstag wichtiges Parteimaterial beim Genossen Buchmann, Etra Mittwoch, den Tauer Allee 25, Geitenflügel, 2. Aufa., 3 Tr., abzuholen. 27, Januar, abends 6% Uhr, Bezirksversammlung im Rathaus. Eingang Königstraße, Stadtverordnetenfikungsfaat. Einiaßkarten beim Genossen Fischer. Mitgliedsbuch dient als Legitimation. Reger Besuch erwünſcht. Dienstag, den 26. Januar, abends 7 Uhr, bei Rosin, Gubener Str. 19, Funktionärinnentonferenz. Da wichtige Tagesordnung, müssen alle Funk tionärinnen erfcheinen. 2. Kreis Charlottenburg. Montaa, ben 25. Sanuar, abends pünktlich 7½ Ubn. michtige Sigung der Fraktion mit den Bürgerbeputierten im Charlottenburger Rathaus, Gigunaszimmer 1. Montag, den 25. Sanuar, abends 7% Uhr, im Jugendheim Rofinenftr. 4. Bortrag: Die Hauptfragen der Sörenkarten find beutfchen Weltpolitit". Referent Genoffe Marquardt. noch zu haben. 9. Areis Wilmersdorf. Abteilungsleiter heute, Sonntag, den 24. Jammt, 11 Uhn, fehr wichtige Besprechung bei Rroihs, Solsteinische Str. 60. Jede Abteilung mus unbedingt vertreten fein. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Engerer Borstand und Abteilungsleiter treffen fich au einer tutzen, fehr wichtigen Besprechung bei Rönig, abends 7% Uhr. 11. Rreis Schöneberg- Friedenan. Mittwoch, den 27. Sanuar, abends Th Uhr, in der Gdyloßbrauerei Schöneberg, Sauptstraße, Raisers Ger burtstagsfeier. Bolitisch- fatirischer Abend. Extra startes Orchefter. Tombola patriotifcher Andenten. Aufführung der großen Revue Der Teufel Reaktion". Unkostenbeitron 50 Bf. Erwerbslofe gegen Bartei Rarten find bei und Ermerbslofenausweis haben freien Eintritt. ben Abteilungsleitern und an der Abendtaffe zu haben. 13. Kreis Tempelhof. Kreisvorstandssitung Montag, den 25. Januar, T½ Uhr, hei Niendorf, Mariendorf. Chauffee, Ede Strelik ftraße. Alle Abteilungen müffen vertreten fein. 15. Areis Treptow. Montag, den 25. Januar, abends 7 Uhr, in Nieder fchönemeibe, Berliner, Ede fennftraße, wichtige Rreisvorstandssikuna. Abteilungsleiter müssen erscheinen. 16. Kreis Ropenid. Montag, den 25. Januar, abends 7% Uhr, Kreisvor fandsligung bei Rabel, Freiheit 5. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 28. Januar, abends 7% Uhr, Bov trag des Genoffen Baul Levi: Das Seidelberger Brogramm", in den Bibliother, Weichselftr. 28. 18. Areis Weißenfee. Montag, den 25. Jamuar, abends 7 Uhr, Frattions fikung im Rathaus. Simmer 21. 19. Areis Bantow. Montag, den 25. Januan, abends 6% Uhr. Frattions fthuna mit den Bürgerdeputierten im Rathaus, Rimmer 17. Mufilaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Mufiterverbandes, Berlin O 27Andreasstr. 21( önigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbefuch 亏 K G B Morgen, Montag, den 25. Januar: 32. t. 7 Uhr bei Balentin, Roautfit. 36, wichtige Funktionärkung 42. Abt. Achtung. Beairtsführer! Abrechnung abends 7% Uhr bei Söhle, Bergmannstr. 69. 45. Abt. 7 Uhr bei Wolff, Forster Str. 44, Funktionärsikuna. Mitteilungen und Berichte. Ausfprache über die Roalitionsregierung. Neukölln. 90. Abt. 7 Uhr in der Aula der Anabenmittelschule, Dorau ftraße 120, Abteilungsversammlung. Bortrag: Wie gewinnen wir ote Jugend?" Referent Dr. Rurt Löwenftein. 92. Abt. Bersammlung der meiblichen Mitglieder abends 7% Uhr Berthelsdorferftr. 9. Bortrag: Der Kampf der Frau um die Würdigung ihrer Arbeit". Referentin Marie Runert, M. d. L.-95. Abt. Sikung der Bezirksführerinnen abends 8 Uhr bei Sirtler, Brinz- Sandiern- Str. 34. Der Vorstand trifft sich bestimmt um 7 Uhr dafelbft. 141. Abt. Rofenthal. Deffentliche Bersammlung abends 71 Uhr bei Manthen, Reftaurant Baulinenhof, Sauptstr. 2, Bortrag: ArbeitsLoftaleit und Mietzinssteuer". Steferent Bandrichter Ernst Ruben. Die Genoffen müffen für regen Besuch der Versammlung Gorge tragen. Die Genoffen des Rreises Reinidendorf merden gebeten, fich unbedingt Iau beteiligen. Dienstag, den 26. Januar: 28. t. 8 he bei Büttner, Schwebter Str. 23, bteilungsversammlung Neuwahl der Abteilungsleituna. Die funktiondne lommen abends 7 Uhr au einer wichtigen Befprechung aufammen. 94. Abt. 7 Uhr findet die Besichtigung des Krematoriums Gerichtstraße ftatt. Treffpunkt 6 Uhr bei Schröder. Steinmekftz. 52. file Genollen, bie fich in bie Bifte eingetragen baben. Mittwoch, den 27. Januar: P. 2164. Die Bezirksführer werben gebeten, aber Mitgliederversammlung einzuladen. Die Funktionärfikung fällt aus. 8. Abt. Die Bezirksführer laden zur Mitgliederversammlung im National bof, Bülow ftr. 37, ein. Bortrag des Genoffen Sildebrandt über..Bolizei und Arbeiterschaft". 42. bt. Die Beairtsführer werben gebeten, an der Mitgliederversammlung in den Bricherfälen einzuladen, Werbeansschuß ber Beft und Telegraphenbeamten. Am Montag, den 25. Januar, abends 8 Uhr, Findet in Saverlands feftfälen, Saal 1, Neue Friedrichstraße, Eingana Rochstraße, unfere Versammlung ftatt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit im Jahre 1925. 2. Neumabi des Borstandes. 3. Verschiedenes. Erscheinen aller Mitglieder in Bflicht. Gäste pillkommen. Rein Trinizwang. Der Saal ift geheist. Vereinigung sozialdemokratischer Studenten. Dienstag, den 26. Sanuar, abends 84 Uhr, im Sozialmilienfchaftlichen Klub, Wilhelmftr. 48, 3 r., Arbeitsgemeinfchaft über Renners Wirtschaft als Gesamtprozeß und die SoziaLifterung". Junglozialisten. Gruppe Neinidenbort: Montag, ben 25. Sanuar, vinit lich abends 8 Uhr, im Jugendheim Seebad, Reinidendorf- Oft, Residenzft. 45, Rurfus: Einführung in den Marrismus". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Tiergarten: Dienstag, ben 26. Januar, nachmittoas 4½ Uhr, im Jugendheim Bielefftr. 6, Bimmer 6, Mit aliederversammlung. Mitgliedstarte ift mitzubringen. Frauenveranstaltungen am Montag, den 25. Januar: 1. Kreis Mithe. Rosenthaler 71 Uhr im Rosenthaler Sof, Strake 10-11, Lichtbilbervortrag: Tuberkulose und Alkoholismus". Referent Dr. Georg Löwenftein. 2. Kreis Tiergarten. 7 Uhr bei Krüger, Butlikte. 10, Rreisfrauenabend. Bortrag: Biochemie". Referent Dr. Maner- Rachert. 6. Abt. Die Genoffinnen beteiligen fich an dem Lichtbilbervortrag im Rofen. thaler Sof. Unfostenbeitrag 20 Bf. 7. Abt. Die Genoffinnen beteiligen fich an dem Lichtbildervortrag im Rosenthaler Hof, Rofenthaler Str. 10/11 & Abt. Abends 7 Uhr bei Ridert, Steinmekte. 86a, Bortrag ber Bevölke tungspolitit. 14., 15., 16. bt. Abends 7% Uhr, in ber Grauen Schule, Butbusser Str. 8, Bortrag: Die Frau im neuen Strafgefeßbuch". Referent: Dr. Moses. Gäfte herzlich willkommen. 18. Abt. Abends 8 Uhr beim Gen. Müller, Uferfte. 12. Referent: Genoffe Mendelsohn. Gebächtnisfeier für Rofa Luremburg und Rarl Liebfnecht. Ge noffen sowie Gäste find herzlich willkommen. 23. Abt. Abenbs 7% Uhr bei Tieße, Barfusste. 9, Bortrag ber: Seinrich Heine und die deutschen Fürsten. Referent: Paul Schacht. Gäste mill. tommen. 25. Abt. Der zweite Kursusabenb findet nicht Montag, den 25. Jannar, sondern am Donnerstag, den 28. Januar, statt. 31. Abt. Abends 7 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Bortrag: Ber faffung". Referentin: Clara Bohm- Schuch. Gäfte und Genossen herzlich willkommen. 35. Abt. Abends 7 Uhr bei Beter, Schreinerstr. 36, Arbeiterdichtungen. Bortragender: Theo Maret. 36. Abt. 7 Uhr bei Busch, Tilflter Str. 27, Bortrag: Seguelle Fragen in der Erziehung". Referent: Wilhelm Miethte. 38. Abt. Bei Bartusch, Friebenſtr. 88, 7 Uhr Vortrag über Rindergruppen. Referent: Genoffe Müller. Rege Beteiligung erbeten. 41. Abt. Abends 7 Uhr bei Schulz, Mariendorfer Str. 5, Bortrag: Sohen. zollernabfindung" Referentin: Stadtverordnete Liesbeth Riedger. 42. Abt. 7% Uhr bei Söhlfe, Bergmannstr. 69, Neuwahl der Leiterin. 74. Abt. Behlendorf. 7 Uhr bei Schnorre, Botsdamer Str. 8, IIL Rurfus. abend: Geschichte der Frauenbewegung". Referentin: Hedwig Schwarz. 78. Abt. Schöneberg. 7 Uhr in der Wohnung ber Genoffin Krone, Tempel hofer Str. 16, Vortrag des Genossen Wendt und gemütliches Beifammen. fein. Gäste willkommen. Sex5.7% e bel Deste, Camber. 24 Decimagtas bat Geschichte der Frauenbewegung. Referentin: Agnes Fahrenwalb.83. bt. 7 hr bei Ruppelt, Raiser- Friedrich- Str. 171, Bortrag Brostitution.$ 6. bt. 7 Uhr bei Lohan, Bipperstr. 18, Bortrag ber Genoffin Stabtverordnete Minna Tobenhagen. 39. Abt. Brig- Budom. 7 Uhr im Jugendheim, Brig, Chauffeeftr. 48, Bortrag: Die Frau im Cherecht". Referentin: Elfe Scheibenhuber. 101. Abt. Treptom. 7 Uhr bei Dettinger, Riefholzftraße, Ede Elsenstraße, Bortrag der Genoffin Elfriede Ryned. 106. Abt. Johannisthal. 7 Uhr bei Gobin, Roonstr. 2, Bortrag: Bas i und was will der Sozialismus?" Referentin: Dr. Clara Senrique 108. Abt. Röpenid. 7 Uhr bei Stippekohl, Schönerlinder Straße, Bortrag der Genossin Minna Schilling, Md. R 139. Ab Segel. 7½ Uhr im Jugendheim, Bahnhofstr. 15, Bortrag: Sozial politit in Breußen. Referentin: Genoffin Rähler. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 26. Januar: 94. Abt. Rentölln. 7% Uhr bei Günther, Schillerpromenade 11, Seiterer Abend. Bortragender: Theo Maret. 97. Abt. Neukölln. 7 Uhr bei Rugti, Leineftr. 1. Referentin: Erma Rteffe 109. Abt. Friedrichshagen. 7% Uhr bei Otto, Kirchstraße, Ede Wilhelmstraße, Bortrag: Die Wirtschaftstrife". Referent: Erich Fraentel. 111. Abt. Bohnsdorf. 7 Uhr bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100, Bortrag: " Frauenftaat und Männerstaat. Referentin: Hedwig Schwarz. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 17. Abt. Am Mittwoch, den 20 Januar, verstarb unser Genosse Hugo Brose. Einäscherung am Montag, den 25. Januar, vormittags 10% Uhr, im Rrematorium Gerichtstraße. Ferner verstarb am Mittwoch, ben 20. Januar die Ehefrau unferes alten, langjährigen Genossen Gustav Friz. Einäscherung am Montag, den 25. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Su beiden Fällen bitten wir um rege Beteiligung. Jugendveranstaltungen. Arbeiterjugend und Kunst. Dez 2. Abend( Arbeiterjugend und Theater) findet am tourmenden Coun tan abends 7 Uhr, im Jugendheim Sindenfte, 3 Batt. Referent Genoa Dr. Reftrients. Einzelfarten 20 Bf. Heute, Sonntag, den 24. Januar: Charlottenburg: Jugendheim Rofinente. 4, Bakbrenner- benb. Göne bera 1: Functionärfihung um 4 Uhr im Sugenbbeim Rubens, Ede Bauptftrahe. Der Heimabend fält aus. Dafür Treffen um 6% Ube aur Rentralvepanfaltung am Raifer- Wilhelm- Blak. Schöneberg III: Sugendheim Hauptstr. 15, Bicht bildervortrag abends 7 Uhr. Stealis I: Rabat. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Güldende. Brik: Jugendheim Rathaus, Chauffeeftr. 48. Bir peranstalten heute abenb 18 Uhr einen Rart- Liebknecht- und Rofa- Buxemburg- Gebenbabend. Intereffierbe Sugendgenossen find hierzu herzlicht eingeladen. Werbebezirk Kreuzberg. Bormittags 9 Uhr im Jugendbeim Reichenberger Str. 66, Delegiertenversammlung. Tagesordnung: 1 Referat: ..Die Wirtschaftskrise. Referent Genofle Buttfamer. 2. Jahresbericht. 3. Wahlen. 4. Unsere filnftige Arbeit. Das Werbebegir! Rentöln. Abends 8 Uhr im Sugenbheim Conner Straße, Löns- Abend. Bortrag, Borlefung. Bieber zur Saute. Seim mird um 6 Uhr geöffnet. Werbebezirk Oberspree. Alle Abteilungen werden ecfucht, on ber Einweihungsfeier des Adlershofer Jugendheims, Roonftr. 16( Eingang Rinderhort), teilzunehmen. Beginn 4½ Uhr. Werbebegir! Ostbahn. Abends 7 Uhr im Jugendbeim Barbane 10. Referent Genosse A. Soffmann: Dem 27. Januar. Werbebezirk Reinickendorf. Werbebezirksfahrt Tegel: Sumurter See, Mühlenbeder See, Briefethal, Birkenwerder. Treffpunkt 8 Uhr Dor dem Tegeler Jugendheim. Salitten mitbringen. Morgen, Montag, den 25. Jannar, abends 7% Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Stepbansplak, Bortrag: Reformfleidung". Sidoft( Görliker Biertel): Jugendbeim Reichenberger Str. 66. Bortrag: Bas tit Gott? Wer ist Gott?" Schöneberg III: Jugendheim Sauptstr. 15, Bop frag: Schundliteratur und Rinoſchund". Beften: Jugendheim Sauptstr. 15 ( Rheinlandaimmer), Heine- Abend. " Werbebegir! Kreuzbera. Mädchenabend in ber Schule Stallschreiber. ftvake 54( 1. Eingang). Boriraa: Die Stellung der Frau in der Ber gangenheit. Revue.Probe. Schöneberg: Sonntag vormittag 10 Uhr Neues Rathaus, alte Bierschänke. Treffpuntt 10 Uhr Rudolf- Bilde- Blak. Alle Spieler müssen niluftlich da fein. Es tönnen fich noch Genoßen und Genoffinnen beteiligen. Geschäftliche Mitteilungen. Die Konfum- Genoffenfchaft Berlin und Umgegen eilt uns mit, bak fie am Donnerstag, den 28. Januar, ihre erfte Rweiafpoffe eröffnet, und war in Neukölln, Berliner Str. 96. Raffenftunden von 9 und 3-7 Uhr. Alle Spar faffen- Ein- und Auszahlungen werden hier mie auch in den Warenhäusern der Ronfum- Genoffenfchaft fofort in die Sparlaffenbilder eingetragen. Es bann alfo ieber fein Buch sofort wieder mitnehmen. Außerdem nehmen fämtliche Bebensmittelabgabestellen der Konsum- Genoffenfchaft nach wie vor Einzahlungen an und leiften Rüdzahlungen wie bisher. Bir tönnen diese Einrichtung unferen Lefern nur empfehlen und meifen auf das heutige Snfevat der Ronfum. Genoffenschaft Berlin und Umgegend hin. Teppiche M.Lammfremm & Dogel mur 127 Potsdamer- Str. Berlin Konsumgenossenschaft Berlin u. Umgegend Am Donnerstag, den 28. Januar 1926, eröffnen wir in Neukölln, Berliner Strasse 96( Laden) dle Sparkassen- Zweigstelle Nr. 1 Hier sowohl, wie in unseren Warenhäusern: Brunnenstraße 188/190, Reinickendorfer Straße 21, Charlottenburg, Rosinenstraße 4 und Gräfestraße 21, sowie in unserer Zentrale Lichtenberg, Rittergutstraße 17/18, werden alle Ein- und Auszahlungen sofort in das Sparbuch eingetragen. Wir verzinsen die Spargelder, beginnend mit dem auf die Einzahlung folgenden Tage, zurzeit: kurzfristig( ohne Kündigung). mit 6% mit 8% mit 9% bei vereinbarter einmonatlicher Kündigung bei vereinbarter vierteljährlicher Kündigung. Zum Aufsparen kleinerer Beträge sind neu eingeführt ,, Heim- Sparbüchsen" Geschäftszeit von 9 bis 1 und 3 bis 7 Uhr recobrt Unsere 182 Lebensmittelabgabestellen nehmen nach wie vor Einzahlungen entgegen und leisten auch Rückzahlungen Sonatag 24. Januar 1426 Unterhaltung unö �Villen SeNage ües vorwärts E. T. K hoffmann. An seinem 150. Geburtstag am 24. Januar. Nicht in einer Zügellosigkeit und einem wilden Zusammen» «ürieln der Motive und Erfindungen liegt die suggestive Wirkung von choffmanns Dichtungen, nicht in einem vagen Träumen von gespensternden Kobolden liegt die Einmaligkeit seiner Gestalten: sondern die straffe Komposition der Handlung, die psychologische Durchdringung seiner Helden bis in die entlegenste Seelcnfaser und die greisbore Vorstellung chres Handelns und Lebens, macht sie uns wirklichkeitsnah und glaubhaft, oller Phantasie zum Trotz. Nicht erklügeltes Geschehen, sondern künstlerisch zwhlgevd« Notwendigkeit spricht aus Hoffmanns Dichtungen. In ihrer Zeit viel gelesen und sogar nachgeahmt, fielen Hoff. manns Werke in Deutschland bald der Vergessenheit anHeim, während er in Frankreich auch nach seinem Tode zu den beliebtesten Autoren zählte. Im Wert Viktor Hugos und dem der französischen Romatiker ist der Einfluß dieses Deutschen unverkennbar: und es bedeutet kein« Verminderung der Leistung, wenn man daran erinnert, daß von Musikern Richard Wagner und Robert Schumann, von Dichtern Hein«, Hebbel, Hauff, Otto Ludwig der Gespensterdichwng Hoff. manns manche Anregung verdanken. Das Verlangen der Zeit und die Wesensoeranlagung«ine» Menschen vereinigten sich in der Dichtung E. T. L. Hoffmanns und schufen ein Werk, das alle dämonischen Hintergründe, all« St«psi» und all« Ironie enthält. Schon die Gestalt des Dichter» hat diesen seltsamen Ilmriß, nicht minder sein Leben mit dem Zwiespalt von bureaukratischer Pedanterie und verborgener Wildheit d«» Tempera- ments. Man denke sich nur die Jugendzeit Hoffmanns.— Di« Eh« seiner Estern zerbrach an der Dcrschiedenartigkest der hyperbürger» lichen und pietistischen Frau und einem talentierten, phantastischen und ausschweifenden Mann.«Die Mutter kehrte mit dem Kinde in das estsrliche Haus zurück, wo eine nüchterne und pedantisch« Weiber. Herrschaft das Szepter schwang. Von Männern kannte der Knabe nur einen fast schwachsinnigen Bureoukraten von Onkel, den Ohldo. Onkel. Jede Bewegungsfreiheit war dem Jungen versagt, dessen künstlerische Phantasie nach innen flammen mußt«. Dies« Jugend- eindrücke, dos alte tote Haus, in dessen erstem Stockwerk die Muster des verrückten Dichters Zacharias Werner hauste, das auto- matisch sterile Dasein dieser Menschen, die sich nutzlos und wichtig um sich selbst drehten,— hat sich erschreckt und erhöht in die Wesen- heit des Kindes eingegraben. Aus diesen Eindrücken setner Jugend schöpfte Hosfmann später seine schauerlichsten Gestalten. Die Kinder- zeit schuf in ihm den Zwiespast zwischen Menschenscheu und wilder Expansivstät; zwischen leidenschaftlichem Idealismus und skeptischer Nüchternheit. In allen Bezirken der Kunst war Hoffmann heimisch. Er war Musiker. Maler und Dichter: manchmal war es, al» ob fem« Fähig. testen sich gegenseitig stn Wege stünden. Oft hat er nur unter dem Antrieb der Not künstlerisch gearbestet. E» gab Jahre, in denen er sich begnügte, ein tüchtiger Jurist zu sein, in denen sein« Schöpfer» traft brach lag: und Perioden, in denen sich Produkttonen aller Art jagten: Kapellmeister» und Musiklehrertätigkeit, trittsche Arbesten. Dichtungen und Kompositionen entstanden, und wo er die Nächte beim Alkohol versaß, um die verzehrend« Leidenschaft zu ein«»» blut- jungen Mädchen zu betäuben. Man hat da» Gefühl, daß Hoffmann sich selbst geeneint hat. wenn er den Archivoriu» im„Goldenen Zopf', de» Professor I in „Automate" und den Pate in„Nußknacker und Mausekömg" zeichnet: jene Gestalten, in denen Ironie und Bosheit. Lüsternhest und Der- langen nach dem Edlen so bstter gemischt sind. Wer auch die Gegen- spieler sind Hoifmonn selbst: der Bruder Medardus, der gute Anfel- mus und Ferdinand: sie olle sind Abspaltungen von Hoffmanns Seele. Durch die Person Kreisler» läßt der Dichte? einen närrischen Musiker feine Urteile über Beethoven. Mozart. Gluck und Dach vortragen. Das neu erwachte Interesse am Werk C. T. A. Hoffmanns in Deutschland fällt mst den Iahren nach dem Kriege zulammen. Diese Zuneigung ist ei» Reflex der chaotischen, zerklüfteten Zeit, des inneren menschlichen Ungenügens, das sich aus der harten Realstät in Spuk- dichtung und Mystik flüchtete Die in diesen Jahren rasch ins Kraut schießende Belletristik mit okkustisttschem Einschlag war nur von vor- übergehender Wirkung, weil sie lediglich eine billige Flucht vor der Zest spiegelte: nicht aber, wie bei Hoffmann, den ewigen Zwiespast menschlichen Seins und ein« Gesellschaftskritik, die über den Tag hinausreichte, gestaltete._ Kurt Offenburg. Julia. <£. Th. A. hoffmaao zum GeMchwis. Bon Hermann L. Scha efer. (Schluß.) Ein Bück Julias streifte Hosfmann. innig, warm. Gröppel wurde ihm vorgestellt.... Hossmann sah über ihn weg. Julias Nähe beglückte ihn: er war glücklich. Aller Haß war verschwunden. Man nötigte ihn an den Flügel. In Beethovens E-Moll-Sin- fonie legte er all seine Leiden, seine Schmerzen, sein Entsagen und schauderndes Entsetzen. Julias bittendes Auge traf Hofsmann: Er ließ ab vom Spiel. Gröppel drängte Julia zum Singen. Hoffmann wurde ein Blatt seiner Kompositionen gereicht. Er erschauerte, faßte sich ober, und schon quollen unter seinen Händen die Töne hervor. „Ah che mi niauca l'anirna in sil fatal inornento,'' klang Julias Stimme Schimmernden Schwänen gleich stieg sie aus dem Meere der wogenden Klänge, rang sich empor und erstarb im wilden Schrei des Schmerzes im legten Addiv, weltentrückt.... Hoffwann war bleich wie der Tod. Gröppel strahlte vor Glück. Nur Julia war ruhig: frei wie immer ihr Blick. Die Gäste zerstreuten sich, plauderten, scherzten. Am g-öfsneten Fenster der dunklen Veranda stand Hoffmann und sah w die Rächt.„..._ „Sie hier. Herr Kapellmeister? horte er Julias stimme Hinte, sich. „An den Tod dachte ich: an den Tod. der alles auslöscht und Ruhe gibt, allem Abschied ein Ende macht' „öst ist der Tod näher als man denkt, sagte Julia. � „Alle Musik bedeutet mir immer einen Abschted. ebt Hinüber- gleiten in eine bessere West. Musik und Liebe heben das Leben über es selbst hinaus, wo es keine gezogene Ganzen mehr gibt." „Auch die Liebe...?" fragte Julia. Sie stand nahe bei ihm. Er vermeinte, shren Atem zu ver- nehmen. Ihre kühle Hand fühlte er in der seinen. Sl« zittert« vernehmlich. Da übermannt« es Hoffmann. Seine Lippen sanken herab.,. Es gibt noch Richter.... Deutsche! Sollea Eure abgebauten aber hochverüientea fürstlichen Mätrestea am Huugertuche nagen! In den Saal stürmte er dann, ausgelassen, lärmend. Sein Witz. seine Laune zündeten, verblüfften. Em Feuerwerk von Anekdoten prasselt«. Die Gesellschaft hing an seinen Lippen, stand unter seinem Bann: Nie hotte Bamberg einen Kapellmeister wie diesen besessen. Grausige Gespenstergeschichten ließen die Gäste erschauern und in heimlichem Grause« näher aneinanderrücken. Spät brach man aus. Seit langem hatte Nsscha ihren Man» nicht so in Laune gesehen. Stundenlang noch saß er am Schreit». ttsch. .Bist du noch nicht zu Bett?' fragt« Mischt nach Stunden hinter den, Vorhang hervor. »Jetzt ist es Zeit, ernstlich in llttert» zu arbeiten. Störe mich nicht!' Sie hörte, wie sein« Feder basttg über das Papier rascheste. Am Morgen sah er Gröppel abreisen. Licht und west schien tyosf- mann die Welt... und Julia war nur für ihn, ihn allein. „Göttliche Ironie!' Auf sein Herz faßte Hofsmann:„Dich kenne Alle. Torheiten brechen hervor. Dämon? Genie?... Oder Herrliches Mittel, Verrückthest zu bemänteln und he wir peil' ich. Kunst vielleicht? zu oertreiben, stehe Auf die Arbeit warf er sich in Besessenheit. In sein Innere« brach Julia mst doppelter Kraft, verwuchs mit dem Wunsch seines Herzens: Undine, um in eins zu verschmelzen. „Morgen so hell, morgen so hell!' In Musik flössen die Worte: Erstes Klimmen auf Stufen der Unsterblichkeit. Nie hotte er so leicht gearbestet. Die Ideen strömten, über- schütteten ihn wie einen Sturzboch. Kaum fand er Zeit, sie zu bannen. Oft vergaß er Julia über der Arbeit, versank ganz in den Bau einer neuaeschafsenen West und verlor sich im Traumbezirk seiner ins Unendliche strebenden Seele, indem er all« Grenzen der Wirklichkeit durchbrach. Boote und Flotten aussandte zu Usern ewiger Musik. Dann aber wieder raffte er sich plötzlich auf. Erwachte aus der Verzückung. Suchte Julia, fand sie irgendwo im Garten, in den Gassen der Stadt. Dann liefen sie über selber, rannten zum Flusse hinab, stürinten die Berge hinan und Ab vor ihrem Flügel. hiiran rugs: ieb Haber und das reine Mädchen. Hundert Hoffnungen keimten saßen zusammen im Dämmern eines Landtrug Der seltsam« und starben, wie auch seine Leidenschaft wuchs. „Euch will ich hallen! Warum soll ich'den kühnsten Esperanzen nicht nachjagen, wenn sie auch nie erfüllt werden?' Neben der Dichtung und Musik wart er sich auf die Malerei. Einen Pavillon im Markschen Garten stattete er mit Fresken aus. Wochen, lang hing er im Kittel vom Morgen bis zum späten Abend auf dem Gerüst. Hörte er Julias Schritte im Garten, sprang er herunter. Scherzende Neckereien, mutwillige Streiche, ernstliche Zerwürfnisse und herrliche Versöhnungen wechselten zwischen den Liebenden ob, die unter den Bäumen, zwischen Rosen und Blumen dahinschritten, tollten und lärmten. Ein Sommer in Glück verging. An den Tagen ding Hossmann und sab sie langsam dahinsterben mit wachsender Wehmut und Melancholie. Gröppel kündigte seine Ankunft an Julias Verlobung, welche die Mutter betrieb, stand vor der Tür. Zlufs neue erwachten in Hoffmanns Herzen die Qualen. Was konnte er tun? Die Heirat war beschlossene Sache. So stand er ratlos mit gebundenen Händen. In den Sommer des Glücks war der Becher tiefsten Schmerzen ge- schleudert. Aber eine neue Erkenntnis, wenn auch noch in dunklen Umrissen, dämmerte in Hoffmann auf: Immer schon hatte er Julias Bild in sich getragen, schon Jahre vorher, ohne sie je erblickt zu haben. Der Inbegriss des Höchsten war dies Ideal In Julia glaubte er die Verwirklichung gefunden zu haben. Aber Julia war ein Kind der grde, kein Phantom wie seine Seeleubraut, zu der sie Hosfmann erhob. So mußte sie wieder zurück zur Erde, als das Leben sie rief mtt den Forderungen der Erde. „Das ist das Traglsche alles Seins." schluchzte Hossmcmm„Da flattert das Schöne dahin und vergeht. Jfts nicht ein Verhängnis zwischen Leben und Kunst, zwischen Körpei und Seele, ein Der» hängnts allen Daseins, das uns mtt Schmerzen zerstört oder" ... eine Hoffnung wachte in dem Nimmermüden auf„über die Erde hinaushebt? Die Verlobung fand statt. Auch Hossmann war mtt Mi|ba ge. laden. Ungehemmt sprach er in Qual und VerzweifluiH dem Alkohol zu. Die Katastrophe geschah: als Gröppel die Hapd um Julia» Leib legte, verlor Hofsmann alle Beherrschung. Me«in Vulkan brach der Gequälle aus. Alle Fessel fielen von dem Ge» bundenen ab. Aus tief verschütteten Quellen längst begrabener Hoffnungen stieg jäh der Haß in Wut und Entsetzen. Mit maßlose» Beleidigungen überschüttete er Gröppel und die Konsulin Mark. I» Ohnmacht war Julia» zusammengebrochen. Regungslos standen der nüchtern gewordene Groppel, die Konsulin und die Gesellschaft. Lange noch tobte der verrückte Musiker in der Nacht durch den Gatten. Vergebens suchte ihn Mischa zu beruhigen. Leer war es in Hoftmann. Zlusgebrannt schien ihm die Welt. „Dos ist der Tod", dachte er.„Ich warte auf dich." Willenlos, dumpf lag er am Tage, wälzte sich nachts schlaflos vor Qual auf seinem Lager. Aber sein widerstandsfähiger Körper überstand dlcscn Schlag. „Vielleicht war» nur der Dämon, der mich in Julias Maske äffte? Wer kann es wissen! Vielleicht wars eine Gestall des Dämons, der lebenszerstörend mich jagt und zu Tode zu hetzen sucht. Widerstehen muß ich, muß Um bezwingen immer wieder und wieder. Nur dies ist Rettung für mich. Wenn nicht, bin ich sein Opfer und Wohnsinn mein Los. Mit übermenschlicher Kraft raffte er sich auf. Er fühlte den An- arund, dem er entronnen. Und wieder lächelte fern das Leben, ver- lockend, mtt rätselhaften Gesichtern. Noch einmal traf er Julia. Sie wich ihm nicht aus. Frei rulste ihr Auge in seinem. Ihre Hand fühlte sich kühl an wie immer. Hoffmanns Herz schluchzte, aber er war ruhig. Er wußte, daß Julla für ihn immer entschwunden. Oder sow« er ihr wieder begegnen? Dunkel und merkwürdig war das Leben. Den Abschiedsgruß an die verlorene Geliebte sang er in die Un- sterblichkett: Ombra ad 0 rata.... Neu wieder erstand u» der Tiefe seiner Seele ihr Idealbild, die wirtliche Gestalt wett erdenwärts hinter sich zurücklassend. Als Julia aus dem Stadttor mst ihrem Verlobten einem neuen, ihr unbc- kanntem Leben entgegenfuhr, jagte Hosfmann dämonbesessen, erden. entrückt in die unendliche Welt seiner Romantik, der alles Irdische nur Gleichnis und Most« erschien. Jan hinnerk. Von Erna Vüsing. Jan Hiunerk ist ein alter Kapitän, der in irgendeinem Stift auf Jan Kiopperbeen, den Tod, wartet. Jan Hinnerk, dickköpfig, steif- nackig, treu und herzensgut, gehört einer aussterbenden Generation an. Viele Anekdoten von ihm sind schon ousgezeichnet, andere wer- den weitergetragen von Mund zu Mund, bis sie im Nichts verloren gehen. Darum sollen hier etliche ausgeplaudert werden, zumal man mit dem Namen Jan Hinnerk leinen Bestimmte» metitt, denn in der Gegend der Nordsee heißt man entweder Jan oder Hinnerk oder— Jan Hinnerk. Ion Hinncrks Sprache ist drastisch und herzhaft. Sobald er sich mit anständigen Leuten unterhält, redet er echt Bremer Platt, wenn er mit Preußen zu wn hat, spricht er hochdeutsch, und falls er sich sonst verständlich machen kann, wählt er englischen Slang. Mtt der schwarzwcißroten Fahne ist er Zett seines Lebens nicht ins reine gekommen. Nach seiner Ansicht wollte nämlich zu dem Rot-Wciß der Hansastädtc de Prüß sien vcrmuckles Swatt hebben nennt. Ebenso anerkannte er bloß eine ssiationalhymne, der er freilich internationale Bedomung zumaß. Diese war:„Ja, wir Bremer sind das größte Volk der Welt." Und er kriegte das Schwitzen vor Aerger. wemr de Homborger Gehlgöfe(die Hamburger Gelbgänse) sagten:„Iie Bremer Grootfnuten sie, sie Grootsnuten"(„Ihr Bre» wer Großschnauzen Ihr. Ihr Großschnauzen"). Der Binnenländer, namentlich ter Preuße, war für ihn ein ember. Hierbei handelte es sich um eine ererbte Ansicht, denn schon sein Vater, ein Segelschifffapitän, hatte gesagt:" Id hew jo'n goden Slag Fohrenslüde an Bord"( Ich habe solchen guten Schlag Fahrensleute an Berd")," Alle uferglieten“(„ Alle unserergleichen"), Dänen un Sweden, Norweger un Engländer, nur de Stürmann, de paßt nich mang, dat is'n Brüß." Jan Hinnert lernte auf einem Segelschiff Damals machte ein Schiffsjunge noch Bekanntschaft mit dem Tafel( mit einem Tauende) und aus reiner Langeweile wurde ihm auch mancher Schaber nad gespielt Bei langen Fahrten geriet der Borrat oft in sehr fchte Beschaffenheit. So erzählt Jan Hinnerf folgendes Erlebnis. Das Bret wimmelte von Maden. Da sagten die Matrosen:„ Jung, go mal no'n Stürmann un frog, ob he ne Klederborst ha, wie wull'n de Worms ut Brot borsten."( Junge, geh' mal nach dem Steuermann und frage, ob er eine Kleiderbürste habe, wir wollen die Würmer aus dem Brot bürsten.")" Nee, dat mag id nich"(„ Nein, bas mag ich nicht"), fagte Jan Hinnerf. Da sagte der Leichtmatrose: Disse Panzen von hüte"( Diese Göhren von heute"), und Jan Hinnerf bezog eine Tracht Prügel. Infolge dieser Auffrischung ging er zum Steuermann. Stürmann, ob Se uns wohl mal ere leder: horst liehn wull'n( Steuermann, ob Sie uns wohl mal Ihre Kleiderbürste leihen wollten"). Matt wullt jie denn damit?" fragte der Steuermann„ De Worms ut Brot borsten," sagte gang langgezogen Jan Hinnert." Nee, disse Panzen von hute," sagte der Steuermann und Jan Hinnert bezog abermels eine Tracht Brügel. Jan Hinnert wurde hart angefaßt, aber er wurde ein handfefter Kerl. Er sagte von sich: As id Bullmatrose weer, Junge, da schrew ick die ne Handschrift; wen id eene langte, den schnoterten de Kusen in't Mul"(" Als ich Bollmatroje war, Junge, da schrieb ich eine Handschrift, wem ich eine langte, dem schnatterten die Back zähne im Maul"). " Für städtischen Krimskrams und ländliche Vergnügen war Jan Hinnerf gerade nicht, dennoch wurde er einmal mit auf ein Krieger Dereinsfeit gefchleift. Mie rich to fett, feggt San Moger"(" Mir nicht zu fett, sagt Johann Mager"), sagte er und ging mit. Es war ein großer Redner anwesend, mit Orden behangen( he ha dat ganze Blicgeschirr anleggt), der viel vem Erbfeind und dergleichen erzählte. Als man sehr höflich den Herrn Kapitän( Jan Hinnert) um seine Meinung fragte, antwortete er: Jo, he quaddelt wie'n Afflußrohr." Als Jan Hinnerts Reederei zur Dampfschiffahrt überging und man nach Jan Hinnerfs Meinung doch nicht mehr ordentlich unterwegs sein fonnte, vergaß er, daß er Patent auf große Fahrt hatte. Er tat, als ob er nur ein Nickelstangenpatent( Stichlingspatent), Batent auf fleine Fahrt, hätte und fuhr einen Tender. Da kam zur alljährlichen Refrutenvereidigung Majestät an die Nordküste. Er geruhte, mit dem bewußten Tender eine Fahrt zu machen. Jan Hinnert war gewohnt, stets seine Pflicht zu tun, folglich brachte ihn nichts aus seiner Ruhe. Er stand auf der Kommandobrücke, und als ihm ein Schiff im Hafen mit dem Achterdeck in der Fahrbahn lag, schrie er:„ Treck den Steert in!"( 3ieh den S-tern ein!") Das imponierte Majestät. Den Kapitän wollte er kennen lernen. Folglich fam erst eine Borbereitungstommiffion zu Jan Hinnert. Der sagte nur: Up de Broch hew ick dat Kommando!"( Auf der Brücke habe ich tas Kommando!") Dennoch wurde er in die Anredeformel eingeweiht und ihm beigebracht, er müsse unbedingt Majestät" sagen. Jan Hinnert meinte:" Se brugt mie jo nich antoquaffein!" Und Majestät fam und unterhielt sich mit Jan Hinnerf, ter hochdeutsch sprach. Am Schluß der Fahrt überreichte ihm Majestät höchsteigenhändig eine diamantene Schlipsnadel. Da sagte Jan Hinnerf:„ D, Majestät, wie schall ick dat wedder got mofen!" ( ,, O, Majestät, wie soll ich das wieder gut machen!") Als Jan Hinnert 75 Jahre wurde und seine alte Reederei gerade einen Schnelligkeitsreford mit einem Dampfer erzielt hatte, gedachte man des früheren Schnelligkeitsreferds mit einem Segler und seines damaligen Kapitäns Jan Hinnert. Da feierte man die Refcrde und feinen Geburtstag. Jan Hinnert bestellte als Festmahl Bußkohl un Speck( Grünkohl und Spec). Es tamen viele Gratulanten in Lack und Alad. Es war ein Scharmenzeln und höfliches Begrüßen und die Bucklinge nahmen fein Ende. Da fagte Jan Hinnert, der effen molltesim altgewohnten Kommantoton: Gönnt ju'n Steert man Roh, fett ju doch endlich hen!"(" Gönnt Euern tern man Ruhe, setzt Euch doch endlich hin!") Neue Strahlen aus dem Weltenraum. In letzter Zeit ist die Kenntnis der Physik des Weltenraums worden. Wissenschaftliche Beobachtungen haben ergeben, daß aus um mannigfache neue und überraschende Entdeckungen bereichert dem Weltenraum bisher unbekannte Strahlen auf die Erde kommen, die an Kraft sogar noch die Gammastrahlen übertreffen. Bis vor furzem jah man die Gammastrahlen, die vom Radium ausgehen und den Röntgenstrahlen gleichen, aber noch intensiver wirken, als die durchdringendsten an, die man kannte. Diese Strahlen durch bringen dide Panzerplatten und legen in der Luft einen Weg von ungefähr 700 Meter zurück. Ihre Wellenlänge ist so flein, daß Hunderte von Millionen Bellen auf einen Millimeter gehen, und diese Bellen verbreiten sich wie das Licht mit einer Geschwindigkeit ron 300 000 Kilometer in der Sefunde. Um die Gamma und die anderen durchdringenden Strahlen nachzuweisen, benuste man ihre Eigenschaft, die Luft elektrisch leitend zu machen. Um während des Berjuchs andere, weniger durchdringende Strahlenarten auszuschließen, mußte man die Luftmasse nach allen Seiten mit diden Metallwänden umgeben. Das Leitungsvermögen wurde mit äußerst empfindlichen Apparaten gemessen. Mit einem solchen Apparat kann man z. B. Gammastrahlen, die von einem Milligramm Radium ausgehen, noch in zehn Meter Abstand vom Apparat nachweisen; die Strahlen breiteten sich vom Radiumpräparat durch die Luft bis zu dem geschlossenen Metallgefäß aus, gingen durch die Metallwände hindurch und vergrößerten das elektrische Leitvermögen der Luft in diesem Gefäß. Nun hatte man schon längst beobachtet, daß es überall auf der Erde Strahlen gibt, die Metall durchdringen und den Gammastrahlen ähnlich sein mußten. Es glückte auch, nachzuweisen, daß die solche Strahlen aussendenden Stoffe in äußerst fleinen Mengen allerorts vorhanden sind; sie fanden sich in der Luft, im Wasser, im Erdboden und besonders zahlreich in tiefen Kellern. Dieser äußerst wertvolle Stoff, das Radium und seine Umwandlungsprodukte, die Radiumemanation usw., waren also ausgebreiteter als man glaubte, aber genau genommen, doch äußerst sparsam verteilt in einem Rubit. filometer Luft war nicht mehr als ungefähr ein Zehntel Gramm enthalten. Man wollte nun untersuchen, ob sich diese durchdringen den Strahlen mit der Höhe über dem Meer veränderten. Die darauf bezüglichen Untersuchungen Kolhörsters in den Jahren 1913 und 1914 hatten ein überraschendes Ergebnis. Er führte den Bersuch im Ballon bis zu 9300 Metern aus und fand, daß die Strahlung zuerst, bis zu 2000 Meter Höhe, abnahm, dann aber an Stärfe wieder zunahm und immer kräftiger wurde, je höher man in die Atmosphäre hinauffam. Das deutete darauf hin, daß man vor einer neuen feltsamen Erscheinung stand, nämlich vor Strahlen, die von außerhalb der Erde fommen, und die bedeutend durchdringender sein mußten als die Gammastrahlen. Kolhörster war sich flar darüber, daß dieser Versuch auf einem hohen Berggipfel nachgeprüft werden müsse, und es gelang, besonders durch die Unterstützung Professor Nernfts, im Jahre 1923 aufschlußreiche Versuche auf einem Gletscher am Jungfraujoch, 3550 Meter über dem Meeresspiegel, auszuführen. Von den Ergebnis dieser Beobachtungen gibt das vor kurzem bei 3. A. Brockhaus in Leipzig erschienene ausgezeichnete Buch des bedeutenden norwegischen Phyfiters Karl Störmer Aus den Tiefen des Weltenraumes bis ins Innere der Atome" einen Auszug. Es galt zu untersuchen, wie die seltsamen Strahlen aus dem Weltenraum von Eis des Gletschers absorbiert wurden. Hieraus fonnte man nämlich das Durchdringungsvermögen der Strahlen genauer berech nen. Der erste Versuch wurde in einer Eishöhle des Eigergletsjers in einer Höhe von 2300 Meter unter einer Eisschicht von 1½ bis 3 Meter Dide vorgenommen. Die Versuche wurden fortgesetzt in einer Gletscherspalte des Jungfraujochs bei 3550 Meter Höhe. Hier wurden die Apparate in einer Tiefe von 2,5 und 4,5, sowie in einer Eishöhle 9,7 Meter unter der Oberfläche des Gletschers aufgestellt. Diese Anordnung bot hervorragend günstige Bedingungen für die Untersuchung der aus dem Weltenraum kommenden durchdringenden Strahlen. Eie waren in der Eishöhle auch deutlich bemerkbar, chwohl sie durch eine Eisschicht von faft zehn Meter Stärke hatten hindurchgchen müssen. Durch eine ganze Reihe von Beobachtungen wurde einwandfrei nachgewiesen, daß in der Tat einige äußerst merkwürdige Strahlen arten aus dem Weltenraum die Erde treffen, Strahlen, die ungefähr zehnmal so durchdringend sind wie die Gammastrahlen. Die Strahlen zeigten auch eine auffallende Periodizität in ihrer Stärte, aber diese Beriode schien in keinem Zusammenhang mit der Sonne zu stehen; die Strahlen famen also nicht von dort. Dagegen zeigte sich eine gerade über der Gletscherspalte stand, war die Strahlung träftiger, merkwürdige Abhängigkeit vom Stand der Milchstraße. Wenn diese als wenn sie nahe am Horizont lag. Da sich nun diese Strahlen als Aetherschwingungen mit derselben Geschwindigkeit wie das Licht fortpflanzen und gleichzeitig mit diesem die Beobachter erreichten, schien der Schluß berechtigt, daß die Milchstraße etwas mit den neuen Strahlen zu tun habe. Kolhörster und Nernst deuteten diese Erscheinung dahin, daß die Strahlen wahrscheinlich von Sternnebeln oder von Fixsternen innerhalb oder in der Nähe der Milchstraße fommen, was von unschätzbarer Bedeutung für das Verständnis der Sternentwicklung und des Energiefreislaufs im Weltall werden fann Bereits 1921 entwarf Nernst in einem Vortrag über den Weltbau phantasievolle Bilder über die Grundfrage der Weltentwidlung, die mit den merkwürdigen Strahlen aus dem Weltenraum zusammenhängt. Da diese weit durchdringender sind als die Gammastrahlen der irdischen radioaktiven Stoffe, ist es wahrscheinlich, daß fie durch den Zerfall von radioaktiven Grundstoffen hervorgerufen werden, deren innerer Aufbau noch verwidelter ist als bei den Stoffen, die sich auf der Erde finden. Sie müssen ein noch höheres Atomgewicht als alle bekannten irdischen Stoffe haben und auch die Energiemengen, die bei ihrem Berfall in einfachere Stoffe frei werden, werden wahrscheinlich noch sehr viel größer sein als die des Radiums. Nach Nernst enthält eine Sonne im Beginn ihrer Ent wicklung als gasförmiger Sternnebel oder als Riefenstern große Mengen dieser unbekannten radioaktiven Grundstoffe, deren stetige Umwandlung reichliche Wärmemengen liefert und gleichzeitig große Energiemengen in Form von furzwelliger Strahlung in den Raum aussendet. Besonders die durchdringendsten Strahlen sollen von diesen im Anfangsstadium befindlichen Sonnen herfommen. nun die Milchstraße sehr reich an Sternen dieser Entwicklungsstufe ist, muß nach Nernsts Meinung die Strahlung von dort stammen, cine Annahme, die nach den Versuchen auf dem Jungfraujoch berechtigt zu sein scheint In demselben Vortrag entwickelte Nernft auch seine Ansicht über die Energieumwandlung im Weltenraum. Indem er von Einsteins Hypothese Gebrauch macht, daß Materie in Energie und Energie in Materie übergehen fönne, fommt er zu folgender Darstellung der Entwicklung der Sonnen und des Kreislaufs der Energie: Die riesigen Energiemengen, die die Sonnen in Milliarden von Jahren in den Raum aussenden, rühren unter anderem davon her, baß sich die Sonnenmassen in Energie und zwar in Form von Strahlen verwandeln. Durch einen anderen, noch unbekannten Bor gang fann diese Strahlungsenergie wieder in Stoff verwandelt werden, indem sie dann hauptsächlich die Atome der stärksten radio. aftiven Elemente von hohem Atomgewicht bildet. Diese sammeln fich wieder zu Gasnebeln, die sich später zu einem Riefenstern zusammen ziehen. Das ist die Anfangsstufe des Lebenslaufs einer Sonne. Die Riefensterne entwickeln sich weiter, indem sich ihre höchst radioaktiven Bestandteile in einfachere umwandeln. So entsteht eine immer mehr strahlende Sonne, die ihre eigene Masse wiederum umbildet, indem sie unfaßlich große Energiemengen ausfendet. Da Wenn man auch noch keine Tatsache entdeckt hat, die darauf hindeutet, daß strahlende Energie Atome bildet, mit anderen Worten, in Stoff übergehen fann, so muß man doch zugeben, daß Nernsts Sypothese äußerst geistreich ist. Auf alle Fälle liegen hier Fragen von grundlegender Bedeutung für die Wissenschaft der Zukunft vor. Teure Bilder. In New York fand fürzlich eine Bersteigerung moderner Gemälde statt, bei der für insgesamt 31 Bilder ein Erlös von 401 300 Dollar erzielt wurde. So wurden für„ Die Badenden der Borromäischen Inseln" von Corot 50 000 Dollar, für den ,, Reiter in der Landschaft" des gleichen Künstlers 30 000 Dollar und für eine andere Landschaft von Corot 27 000 Dollar. gezahlt. Der Weiden baum" des englischen Malers John Crome brachte es auf 47,000, eine Landschaft von Théodore Rousseau auf 25 000 und der heu Schober von Millet auf 26 000 Dollar. Leider haben die Künstler nichts mehr von diesen hohen Summen, die in die Taschen der Sammler und Händler fließen. Aussergewöhnlich billige Angebote Baumwollstoffe Sportflanell für Blusen Crêpe marocain bedruckt, doppeltbreit Kunstseide ..Meter ...... Meter mit Baumwolle, gestreitt und kariert....... Meter Crêpe marocain Kunstseide mit Baumwolle, doppeltbreit, Meter 125 175 Damen- Bekleidung 195 Mantel Kleiderstoffe Reinw. Popeline doppeltbreit, in vielen Farben.......... Meter Reinw. Schotten ca. 100 cm breit, nene Stellungen......... Meter Eolienne Wolle mit Seide, in vielen Farben...... Meter Wollrips ca. 180 cm breit, grosse Farbensortimente, Meter 5.⁹⁰ 295 3.90 90 Seidenstoffe Bemberg- Adlerseide 90 moderne Streifen. Foulard reine Seide, doppeltbreit Meter .... Meter ca. 140 cm breit, schwere Qualität...... 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Der Reichstag jezte gestern zunächst die Abstimmungen| Von den 28 Mördern, die Anfang Dezember 1925 abgeurteilt waren über die noch unerledigten Anträge zu den Haushaltungen fort. oder in Haft faßen, find nicht weniger als 18 Offiziere Abgelehnt wurde u. a. ein sozialdemokratischer Antrag auf schleunige oder Feldwebel Bon 16 der Fememorde fallen 10 auf das Borlegung eines Reichsmilchgesezes. Ein Antrag des Zen Konto der schwarzen Reichswehr. Ich mill mit diesen Dingen nicht trums, den Winzern die zu dersteuer in diesem Jahre zu er die Gesamtheit des früheren und jezigen Offizierkorps belasten, aber lassen, wird auf Antrag Herz( Soz.) dem Steuerausschuß über ein breiter Schatten fällt doch auf sie, und auf den deutschen Mili. wiesen. Ein anderer Antrag auf Wiederherstellung des Real. tarismus, von dem wir uns heute im Rechtsausschuß eine Vorstellung tredits in der Landwirtschaft wird dem Volkswirtschaftlichen machen tonnten. Eine Anzahl früherer Offiziere hat sich auf ehrliche Ausschuß überwiesen. Gewerbe umgestellt, aber noch heute gibt es noch eine große Sahl von Offizieren, die ihre frühere Eriftens verloren haben und daher wurzellos geworden sind. Sie huidigen dem gefunden Landsknecht geift", von dem Roßbach gesprochen hat. Das Charakteristikum dieser Mordorganisationen ist, daß ihre Mitglieder nicht den Mut haben, für ihre Taten einzutreten. In den Satzungen heißt es zwar, daß die Mitglieder für ihre Ueberzeugung unter Einsab thres Lebens an Ehrhard haben wir erlebt, daß diese Leute, menn fie ihre Taten ausgeübt haben, feige über die Grenze geflohen find. Nunmehr folgt tie Beratung eines sozialdemokratischen Antrags, einen Untersuchungsausschuß einzusehen, der die em es organisationen und die mit ihnen im Zusammenhang stehen den Fememorde und sonstigen strafbaren Handlungen zu untersuchen hat". Abg. Saenger( Soz.): Die schwarze Reichswehr trug die Uniform der richtigen Reichswehr. Die Offiziere grüßten sich, nur die Abler auf den Mügen waren verschieden. Aufgabe der Rechtspflege und der Behörten ist es, die Schuldämpfen sollten, aber an Hitler, an Oberleutnant Robach, der Mörder und ihrer Helfer aufzuklären. Die Beltsvertretung hat die Tatsache der Fememorde politisch zu untersuchen und zu klären. Wir sind es dem Lande schuldig, tiese Untersuchung zu führen angesichts der Entwicklung, die die Dinge genommen haben. Bir Sozialdemokraten insbesondere werden vor der Deffentlichkeit den Beweis führen, daß der Mort als politisches Kampfmittel das Vorrecht der politischen Reaktion ist. Ich werde dafür die Beweise führen, es handelt sich dabei um eine so ernste Sache, daß nichts unbeweisbar vorgebracht werden darf. Aber diese Beweise sind so furchtbar und so erbärmlich zugleich, taß es schwer ist, dabei fachlich zu bleiben. Bis Anfang Dezember 1925 waren 16 Jememorde aufgedeckt und 28 Verdächtige saßen in deutschen Untersuchungsgefängnisfen. Es vergeht in Deutschland wirklich taum ein Tag, an dem wir nicht von neuentdeckten Fememerden hören. Es ist ganz unmöglich, fich die einzelnen Fälle und Namen zu merten. Wir müssen ten preußischen Behörden dankbar dafür sein, daß es mögfich geworden ist, wenigstens einen Teil davon aufzudecken. Wenn man die Schuld an den Mordtaten, die Frage nach dem Woher und mohinaus feststellen mill, so muß man an die drei hauptsächlichen Schuldfattoren denken: die Verhältnisse bei der Reichswehr, die deutsche Justiz, die nationalistische Atmosphäre. ( Sehr richtig! bei ten Soz.) Nachdem der Minister Erzberger er mordet mar, hat das Innenministerium zum ersten Male eine Beröffentlichung über das Wesen der geheimen Mordorganisation ge bracht. Das Statut dieser Organisation ist das Vorbild für alle Späteren Geheimorganisationen gewefen. Es heißt darin als 3med der Organisation: Pflege und Berbreitung des nationalen Gedankens, Bekämpfung aller internationalen, jüdischen und sozialistischen Betrebungen, Bekämpfung der Weimarer Berfaffung durch Wort und Taf, Schaffung eines Staatswejens auf föderalistischer Grundlage. Das letztere macht es erflärlich, daß die Geheimorganisationen in Bayern besondere Bedeutung hatten. Es wurde weiter die Ein fegung einer nationalen Regierung gefordert, die die Wiederkehr ber heutigen Berhältnisse unmöglich machen sollte. Die Organisation bestimmte: Berräter verfallen der Feme. Eine folche Organisation fann nicht ohne Kontatt mit einer polifischen Organi fation fein. Es ist besonders interessant, was über tie aufge= löften Turnerschaften der deutsch- völkischen Freiheitspartei in Mecklenburg nach ihren Statuten als Ziel angegeben murde: Pflege der Kameradschaft. Wer unseren Bestrebungen widerhandelt, ist ein Schuft und daher vogelfrei, die Strafe an ihm ist von uns felbft zu volstreden. Wir verpflichten uns, nur im Einverständnis mit dem Borstand der Deutsch- völtischen Freiheitspartei zu handeln."( Hört! hört!) Auf ähnlicher Grundlage ist auch der Bund Oberland und Wicking aufgebaut. Ich darf also feststellen, daß die Femeorganifallonen, die Mordorganisationen in Deutschland in engstem Zusammenhang mit politischen Organisationen stehen und daß ihr Treiben mit Parteiabfichten verbunden ist. Wer waren die Angeklagten in den Schweriner eme mordprozeffen? Es waren alles frühere Angehörige der alten Armee, es waren Offiziere und Unteroffiziere. Ich be greife nicht, daß das Schwurgericht in dieser Sache, die die breiteste Deffentlichkeit interessiert, die Oeffentlich feit ausgeschloss fen hat. Nach meiner Ueberzeugung tonnte sich das Schwurgericht nicht auf die Bestimmungen des Strafgesehbuchs be rufen, wenach bei Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit auszuschließen fei. Die Staatssicherheit erfordert gerade, daß auch das Volk sieht, was diese Femeorganisationen fine. Ein anderer Fall In Landsberg a. d. Warthe fißt der Oberleutnant Schulz in Haft wegen schwerer Mordtaien. Auf diesen früheren Oberleutnant find die Behörden schon längst aufmerksam gemacht worden, aber er hat fich damit gebrüstet: Wenn ich in Haft tomme. dann laffe ich andere hochgehen, darunter auch Offiziere der Reichswehr.( Hört! hört!) Am Preußischen Landtag ist bereits festgestellt worden, mit welcher Furchtbarkeit die politischen Widersacher der Geheimorganisationen niedergemezelt worden sind. Ein Katholik, der aus Gewissensbedenken die Taten der Geheimorganisationen nicht decken wollte, wurde vor der katholischen Kirche ermordet und dann in die Kirche hineingelegt.( hört! hört!) Alle die Personen, die noch wegen Be teiligung an den Fememorden gesucht werden, sind ehemalige Leut sents oder Feldwebel ter alten Armee. Es find Angehörige der ehrmacht, jei es der legalen Reichswehr, sei es ter hwarzen Reichswehr. Ihre Bestrebungen richten fich gegen die Berfaffung von Weimar, unter Berufung auf den Batriotismus und alle stehen sie auf dem Boden der völti chen Freiheitspartei. Die Einzelheiten darüber festzustellen, wird bie Aufgabe des Untersuchungsausschusses sein. Nun zur Schuld. frage. Die Zustände in der Reichswehr, das Verhältnis der Leitungen der Geheimorganisationen zur Reichswehr ist nicht bedeutungslos für die Berhältnisse in den Femeorganisationen felbft. Wie die Verhältniffe in Döberih und in der Zitadelle von Spandau lagen, das fonnte dem Chef der Reichsmehr unmöglich verborgen gewesen sein. Die Döberiger schwarze Reichswehr hat sor dem Reichswehrminister und vor dem General Geedt in Berbindung mit der legalen Reichswehr in einer Barade mit marschiert. Die freien Gewerkschaften haben eine Unterfuchung der Zustände in der Zitadelle in Spandau verlangt, sie ist aber per hindert worden. In diesem Zusammenhange muß der Fall des Schüßen Banier von der schwarzen Reichswehr betrachtet werden, der ein Opfer eines Fememordes geworden ist. Eines Tages ift er in seiner Wohnung von einem Oberfeldwebel und einem Obergefreiten der schwarzen Reichsmehr verhaftet worden. Botsdamer Plaz in Berlin wandte er sich an einen Schupomann, dieser verlangte die Ausweise, fie maren vom Reichswehrkommando ausgestellt. Auf telephonischem Anruf beim Reichsmehrtommando wurde geantwortet, daß Banier abgeführt werden solle. Diese Antwort gab der im Reichswehrtommando jigende Oberleutnant Schulz, trotzdem auf ihn schon früher aufmertfam gemacht worden war. Am In militärischen Kreisen herrscht leider noch immer die Ansicht, baß bie republikanischen Organisationen der Ration feindlich gesinnt feien, nur so ift es zu erflären, daß ber Erlaß des Reichs. wehrministers fich gegen das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, gegen die Arbeiter- Naturfreunde, gegen den Arbeiter- Samariterbund wendet, daß aber bei der Ueberführung des Fliegerleutnants Richthofen die Kriegervereine mit ihren Fahnen teilnehmen fonnten, auf denen zu lesen mar: mit Gott für Kaiser und Reich. Der Reichswehrminiffer müßte doch wissen, daß die Berbindung zwischen Reichswehr und schwarzer Reichsmehr unbedingt zur Korruption führen muß. Mit Kompromiffen tommt man hier nicht weiter. Auch im Kaiserreich gab es feine Wahl zwischen Monarchie und Republit, die Republit muß auch hier fest sein und feine Propaganda für den Monarchismus dulden. Die Hauptschuld an den Dingen, wie sie sich in der Frage der Gememorde entwidelt haben, trägt die deutsche Jufti 3. Wir Sozialdemokraten erheben den schweren aber in jeder Richtung hin erwiesenen Vorwurf, daß die deutsche Justiz dafür gesorgt hat, daß die Ueberzeugung fich festlegen konnte, daß das Leben eines Margiften, eines Arbeiters, eines Republikaners habe wenig zu bedeuten. Das Bolt macht seine eigenen Gedanken über folche Prozesse wie Grevesmühlen, Striegau und ähnliche Fälle. Das sind alles Dinge, die die Rechtspflege nicht fördern. Diese Dinge sind ja befannt genug. Aber man muß den Satz aussprechen, je roher und frevelhafter der nationalistische Landsknecht, je feiger ihr Berhalten als Angeklagte, desto mehr fönnen sie damit rechnen, daß ihre nationale" Gesinnung ihnen als Milderungsgrund ange rechnet wird. Der bayerische Innenminister Schweyer hat vor furzem in einer Darstellung selbst geschildert, mit welcher Milde jene hochperräter behandelt worden sind, die zwei Minister festgenommen hatten. Sie wurden vom Gericht freige prochen. In München konnte in einer Studentenversammlung ein hoher Beamter des Landes fagen:„ Wir haben keine Beranlaffung, einen Ehrhard zu ächten. Auch die Erzberger- Mörder hätten ruhig bei uns bleiben tönnen, niemals wären sie ausgewiesen worden." Der das fagte, war der Freiherr v. Auffe B. Man darf sich unter solchen Umständen nicht wundern, daß in Deutschland Fememorde geschehen. Es ist höchste Zeit, daß die strafgeseßlichen Bestimmungen in dieser Beziehung eine Berschärfung erfahren. In den Köpfen der Berbrecher tann sich die Anschauung befestigen, daß sie doch nicht bestraft werden. Der Redner erinnert an das Urteil im Ber lacher Prozeß, in dem die Mörder von 12 Arbeitern freigesprochen worden find. Dabei hat der Staatsanwalt, als er feinen Antrag auf 10 Jahre Buchthaus wegen Totschlags stellte, betont, daß die Schuld der Angeklagten erwiesen sei. In demselben Augenblid aber, in dem die Witwen der ermordeten Arbeiter den Saal verließen, brachen die Gesinnungsgenossen der Angeklagten in Hochrufe aus. Das ist in Deutschland geradezu eine politische Niedertracht, daß von den nationalistischen Kreisen geächtet wird. So geht es ja auch jetzt dem Reichspräsidenten v. Hindenburg, dem von der nationalistischen und völkischen Preffe Vaterlandslosigkeit nachgejagt wird. Der Rebner verliest eine Reihe von bezeichnenden Breſſe. wird. Der Redner verliest eine Reihe von bezeichnenden Bresse äußerungen und bemerkt in diesem Zusammenhange, es sei nur in Deutschland möglich, daß ein solcher Mann wie Ludendorff Mitglied des Reichstages fel. Bon der Schuld, die Mordatmosphäre in Deutschland verursacht zu haben, ist die nationalistische und die deutschnationale Preise nicht freizu [ prechen. Die Rreuzzeitung schrieb über den Erzberger Mord, man sollte die Motive der Mörder nicht schmähen, die Nach melt urteile manchmal anders, und der Kampf gegen Erzberger fet ein Abwehrkampf gemesen. Aehnlich hat sie sich beim Rathenau. Mord ausgesprochen. Das Deutsche Lageblatt nannte die Erzberger Mörder die„ Bollftreder" des nationalen Gewissens. Ich Banner Schwarz Weiß Rot. Ich weise endlich auf das Attentat gegen Stresemann hin, sowie auf die Stimmen der völkischen Presse darüber. Am 19. Ottober 1925 farieb der Bölkische Courier" Ludendorffs über Strejemann: Ein Mann, der jo etwas( wie Stresemann in Locarno) für Frankreich unterschrieben hätte. wäre in Baris wie ein und erschlagen worden. Im bayerischen Landtag hat ein völkischer Redner gesagt, es sei verständlich, wenn ein Elfäffer einmal Stresemann über ben Haufen schieße.( Ruf bei den Bölkischen: Wir sind doch keine Elsässer!) Die Arbeitgeber haben zur Unterstützung der Fememörder ein Darlehn von 5000 Mart gegeben. Die Berbindung von Arbeitgeberverbänden mit den Fememördern muß gründlich aufgeklärt werden. Einem Angeflagten hat das Gericht zugeftanden, daß er der Meinung fein fonnte, daß seine Tat von seiner Bartet gebilligt wurde.( Unruhe bei den Böltischen.) Die politische Hege ist an den Fememorden schuld, Alle Fememorbe ftehen miteinander im Sufammenhang. Im Brozeß GrütteLehder ist das festgestellt worden. Der Boltische Courier schrieb über die Feme: Die Feme mar das ordentliche Gerichts. verfahren in Westfalen. Der Gedanke mar, das fittliche Bewußtleix des Boltes zum Ausdrud zu bringen, menn die staatliche Gemalt nicht eingreift." Die Bölfische Partei ist der Schuhengel der Fememorde, fie foll fich rechtfertigen, wenn fie es fann.( Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg. Neumann( 3.) nimmt den deutschen Richterstand in Schuh. auf den mir stolz fein Lönnten. Daß die Fememorde einer AutIntereffe daran, über diese Dinge aufgeflärt zu werden, und es flärung bedürfen, fei flar. Das deutsche Bolt habe ein berechtigtes tonne fordern, daß die geheimen staatsfeindlichen Organisationen be feitigt werden. Wem auch ein Untersuchungsausschus unter den gegebenen Berhältnissen nicht restlose Aufklärung schaffen tönne, so fet er heute doch die einzige Möglichkeit, einen Einblic in die Berhältnisse zu gewinnen. Deshalb stimme die Zentrums. frattion dem fozialdemokratischen Antrag zu. gleichfalls zu. Der Redner bespricht einzelne sememorde und wirft Abg. Schneller( Komm.) stimmt der Etsegung des Ausschusses ben Rechtsparteien var, mit diesen Organisationen Verbindung z haben. Das Schwergewicht der Fememorde habe in der Schwarzen Reichswehr gelegen. Insofern feien auch der Reichswehrantwortlich. Erst 1925 habe der Reichsmehrminister zugegeben, minister und General Seedt für diefe Zustände mit per daß eine Schmarze Reichsmehr bestanden habe. Die Entente fei Ihon vorher vertraulich darüber unterrichtet gewese.. Abg. Rouneburg( Dem.) gab namens feiner Fraktion eine Er flärung ab, in der es u. a. heißt: Die Beunruhigung der Deffent lichkeit, die wegen der Fememorde entstanden ist, wird verstärkt burde bie Tatsache, boß bie bisher über Fememorbe geführten Geridis. perhandlungen meist unter Ausschluß der Deffente liteit por fich gegangen und zu einem 2bschluß geführt worden find, für den meiteste Kreife unseres Bottes feinerlei Verständnis befigen. Es fam tein 3weifel fein, daß sich Geheimorga isationen angemaßt Jaben, unter Nichtachtung von Leib und Leben deutscher Staatsbürger über politisch Andersdenkende felbft Gericht abzuhalten. Berantwortlich für diese unerträglichen Zustände und entfehliche Bergiffung und Berrohung des politischen Lebens in Deutschland ift eine makloje nationalistische Agitation Das deutsche Bolt hat Anspruch auf volle Klarheit über die Geheimorganisationen, ihre Geldgeber und die Barteien und Bersönlichkeiten. die hinter ihnen stehen. Die Demokratische Graftion hält darum die Einsegung eines interjugungsausschusses für drin. gend geboten, der auch prüfen muß, ob die bestehenden ge feglichen Bestimmungen ausreichend zum Abwehrkampf sind. Bizepräsident Bell ruft nachträglich den Abg. Saenger( Soz.) zur Ordnung wegen deffen aus dem Stenogramm festgestellter Rede wendung Ludendorff fet verrüdi Abg. Stöhr( Bölt.): Wir lehnen den politischen Mord ab aus fittlichen, moralischen und religiösen Gründen, aber auch aus Gründen der politischen Vernunft. Man tann mit der gewaltsamen Be feitigung des Trägers einer Idee die Idee selbst nicht beseitigen. Ge möhnlich tommt auch nichts Befferes nach. Das ergibt sich schon in der Reihe der Außenminister aus der Aufeinanderfolge Strejemann nach Rathenau. Wir sehen dem Untersuchungsausschu mit vollkommener Ruhe entgegen; wir lehnen ihn aber ab. weil wir nicht glauben, daß aus ihm etwas herauskommen wird. Als der Redner zum Schluß mit einer Handbewegung zu den Sozialdemokraten hin von euchlern spricht, fommen stürmische Protest rufe der Sozialdemokraten. Auf eine Frage des Bizepräsidenten Dr. Bell erklärt Stöhr, er habe mit diefem Ausbruck teine Abgeordneten gemeint. Darauf rufen die Sozial. demokraten ihm zu: Wie fann man mur fo feige sein?" Erſt nach einigen Minuten legt sich der Lärm. Damit schließt die Aussprache. " Da mehr als ein Drittel der Abgeordneten es beantragen, ist nach der Geschäftsordnung der Untersuchungsausschuß ohne weiteres befchloffen worden. Er soll mit 21 Mitgliedern befeht werden. Um 6 Uhr verlagt sich das Haus auf Dienstag nachmittag 2 Uhr mit der Tagesordnung: Entgegennahme der Regierungs. ertlärung. jeder, der Deutſchland liebt, aber nicht auf schwarzweißrot schwört, Keine Schmerzen im Magen mehr, genommen vertreibt alle Berdauungsbeschwerden in fünf Minuten. denn ein halber Teelöffel Biserirte Magnesia in etwas Baffer ein. 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Die spekulative Einwidelungstaftil der KPD. läuft darauf hinaus, die Zustimmung unserer Genossen zu der einen mehr oder weniger strittigen Frage zu erhalten, um sie dann auf kommunistische Parolen festzulegen, und sie schließlich von ihrer Partei und der Amsterdamer Gewerkschafts Den Moskauer Gerechten muß alles zum Besten dienen. Da die Bellenbildung in den Gewerkschaften es allein noch nicht getan hat, murde sie in die Betriebe verlegt. Für die Betriebs| ratswahlen hat die KPD. fich folgendes Rezept verschrieben: „ Schon rechtzeitig vor Einleitung der Betriebsrätewahl müssen die Kommunisten Verbindung suchen mit nichtkommunistischen, vor allem sozialdemokratischen Arbeitern, um sie für unsere Blattformnrichtung zu trennen. Da es unter unseren Genossen noch manchen und für gemeinsames Vorgehen bei der Wahl und der Nomi nierung der Kandidaten zu gewinnen." gibt, der mitunter mehr gefühlsmäßig als aus reiflicher Ueberlegung handelt, muß auf diese Einmidelungstaftit der KPD. auf mertfam gemacht werden, der gegenüber es nur eines geben fann: fich auf keinen Fall einwideln lassen! Im Borwärts" wurde am Dienstag auf die Einheitsfront" hingewiesen, die die KPD. für ihre 3wede mit unseren Genoffen machen will. Dafür wird uns vorgeworfen, wir hätten dieses Zitat gefälscht, weil wir non linfen" fozialdemokratischen Arbeitern Sei es bei den Betriebsrätewahlen oder sonstwo. schrieben, denen die KPD. ihre Gunst erweisen will. Da die„ Rote Fahne" tagtäglich ihr Mißfallen über die rechten" SPD.- Lente betundet, dürfte man schließlich annehmen, daß mit ihnen die KPD. nichts zu tun haben will, sich vielmehr an die linten" SPD.Arbeiter wendet. Doch auf das Wort fommt es uns nicht ant, es dreht sich um den Begriff. Und da läßt sich wohl nicht bestreiten, daß die RD. d 3 die Bildung eines linken Flügels in der deutschen Arbeiterbewegung propagiert, der außer seinem KPD.- Kern lintsstehende" Arbeiter erfassen soll, die der KPD. nicht angehören. Das hat wenigftens August Enderle in einer fürzlich in den Sophien- Sälen abgehaltenen Instruktionsstunde der KPD. Metallarbeiter zum Ausdrud gebracht. Dieser linke Flügel sei nicht so leicht zu schaffen, da die Arbeiterschaft durch die bisherigen Vorgänge in der Arbeiterbewegung apathisch geworden fei. Begreiflicherweise legte Enderle teinen Wert darauf, das„ BerDienst der KPD. an der fatalistischen Stimmung der früher organi. fierten, jetzt aber unorganisierten Arbeiter zu betonen. Helfen tönne nur eine systematische Bearbeitung der Arbeiter im Sinne der KPD. Es müsse versucht werden, die Arbeiter für einzelne Affionen der PD. zu gewinnen. In England bilde die Kommunistische Partei zwar eine schwache Gruppe, allein fie habe es ausgezeichnet verstanden, die englischen Gewerkschaften vollkommen zu beeinflussen. Das müsse auch in Deutschland geschehen. Als weiteres Beispiel für den Erfolg der Einwicklungstheorie zog Enderle die Verhältnisse in München an, wo es gelungen sei, den SPD. Mann Freiberger zur Teilnahme an der Rußlanddelegation zu gewinnen. Der Ein fluß der KPD. habe sich dadurch, wie auch durch den folgenden Ausschluß Freibergers aus der SPD. in der Münchener Arbeiterschaft wesentlich verstärkt. Dieser Ausschluß müsse von der SPD. noch beffer agitatorisch ausgenügt werden. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Metallorüder u. Polierer Groß- Berlins! Dienstag, den 26. Januar, nahm. & Uhr. im Reichenberger Hof", Reichenberger Straße 147 Branchen- Bollversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht. Branchenangelegenheiten. 8. Berschiedenes Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung And da besonders zur Krise und deren Eluswirtung Stellung genommen werden foll, muß der legte arbeitende und alle Erwerbslosen Kollegen restlos erscheinen. Rächfte Erwerbsloien- Bersamm bing am Sonnabend, ben 30. Januar, mittags 12 Uhr, im Gewerkschaftshause, Ennelufer 24 25. Mitgliedsbuch legitimiert. Dienstag, den 26. Januar, abends 6 Uhr. im parterreiaal bes Derbandshauses, Linienste. 83/85: Branchenversammlung und der Maschinen-, AutoReparaturschlosser. Tagesordnung: 1. Lichtbilder Bortraa bes Ingenieurs Richard Wolbt: Das Ford- System". 2. Distuffton. 3 Branchenangelegenheiten Ohne Mitghedsbuch ein Zutritt. Pflicht aller Branchenkollegen ist es, in der Bersammlung zu erscheinen. Achtung! Mechaniker, Optiker, Achtung! Uhrmacher, Elcher und Eicherinnen. Dienstag. den 26. Januar, abends 01 2hr, im großen Saal des Gewert fchaftshauses, Engeiufer 24/25: Versammlung aller arbeitslofen Branchenkollegen Dienstag, den 26. Januar, abends 7 Uhr, in demselben Saal: Versammlung der Gesamtbranche. Tagesordnung: 1. Die Grund. ailge der wissenschaftlichen Betriebsführung. Referent: Rollege Schnell 2. Distusston 3. Branchenangelegenhetten. Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Berure versehen, legitimiert. Achtung! Drahtarbeiter Achtung! Mittwoch, den 27. Januar, abends 7 2hr, im Cofal von Schneider, Tilfiter Straße 27: Branchenversammlung Die Tagesordnung wird in ber Berjammlung betanntgegeben. Achtung! Gold- u. Silberschmiede! Mittwoch, ben 27. Jannar, nachm. 4% 2hr, im Dresdener Garten". Dresdener Straße 45: Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Bericht von Ber Berhandlung über den Manteltarif 2. Franchenangelegenheiten.& Ber. fchiebenes Jeter Rollege hat in biefer Bersamm lung zu erscheinen. Achtung! Schwarzblechic! offer! mooch. den 27. Januar. abends 7uhr, im Sigungsfaal des Verbands. haufes, Linienfte. 83/85: Branchenversammlung der Schwarzbiech chloffer. Tagesordnung 1 Vortrag: Die wirtschaftliche Lage in der Berliner MetallInduſtrie". 2 Branchenangelegenheiten 3. Berstiebenes. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tages Prdnung muß jeder Rollege unbedingt chmefend fein. Die Ortsverwaltung. " Entlaffung von Micum"-Bergarbeitern im Saargebiet. Wie dem Mtb. aus dem Bergmannsort Altenwald bei Saar brüden gemeldet wird, entläßt die Grubenverwaltung neuerdings zahlreiche sogenannte Micum- Leute, die nach Beendigung des Rubr fampfes in den franzöfifchen Saargruben Unterkunft gefunden hatten. Man vermutet, daß diese Säuberungsaktion auf die Initiative des franzöfifchen Arbeitsminister de Monzie zurüdzuführen ist, der im Dezember die Saargrubenverwaltung inspizierte und u. a. auch den Abbau überflüssiger Beamten einleitete. Berreumakfanelber. Diension, den 26. Jamant, abends 6% Uhr, Ber Jammlung in den Arminsälen, Rommandantenftr. 58-59. 1. Die augenblid. Tiche Wirtschaftslage, unter befonderer Berücksichtigung der Tarifkündigung durch die Arbeitaeber, 2. Borfdläge für die Neuwahlen. 3. Stellungnahme Aur Generalversammluna om 9. Februar. Nur Mitalieber, welche mit ihren Beiträgen nicht über vier Wochen im Rückstande find, haben Autritt. Erscheinen Die Branchenkommiffion. alles Kollegen ift Pflicht. Die Freie Gewerkdaftsjugend veranstaltet am Sonntag, den 31 Januar, abends 7½ Uhr, im Leibniz- Gymnaftum Berlin GO, Mariannenplan 28, einen Lichtbildervortrag. Der Genoffe Friedrich Wendel spricht über ,, Leben und Werk Hans Balufdels". Nachfolgend spricht der Genosse Profeffor Hans Baluschef über das Thema Die proletarische Frau in meiner Runst". Der Eintrittspreis beträgt 30 Bf. Rarten find noch zu haben in der Freigemerk. fchaftlichen Sugendzentrale des Ortsausschuffes des ADGB., Engelufer 24-25, 1 Treppe. Rimmer 7. Dentseer Baugewerksbund, Radaruppe Stud- und Gip- ban. Am Diens Mitaliederversammlung. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ift es tag, den 26. Januar, abends 7 Uhr, im Dresdener Rafino, Dresdener Str. 96, Bflicht aller Kollegen, die Berfammlung zu besuchen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Gruppenleitung. Rentralverband der Schuhmacher. Am Mittwoch, den 27 Januar, nach mittags 3 Uhr, Bersammluna eller Erwerbslofen und Ruraarbeiter der Santh industrie und Handwerk in Bökers Feftfälen, Weberstr. 17. Nach der Ber fammlung gemeinsame Demonstration nach dem Luftgarten, der fich die Bollarbeiter um 5% 4 Uhr in der Beberstraße anschließen. Achtung! CPD.- Konfum- Angestellte! Dienstag, abends 8 Uhr, im Gemert[ haftshaus, Engelufer 24/25( Eaal 1), Bersammlung aller Parteigenoffen. Tagesordnung: 1. Bortrag über: Unsere Parteiagitation im neuen Jahre. Referent: Genosse A. Sol. 2. Bericht der Delegierten zur Generalversammlung. 3. Bericht und Wahl des Fraktionsvorstandes. Erscheinen aller unbedingt notwendig. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Am 21. Januar 1926 verschied nach längerem Leiden Herr Dr.- Ing. e. h. Ernst Huhn Mitglied des Vorstandes der Ludw. Loewe& Co. A. G. im 61. Lebensjahre. Der Verstorbene, der im Jahre 1888 in die Dienste des Unternehmens getreten war, hat von 1901 bis 1918 die Maschinenfabrik I geleitet und seit dem Jahre 1919 dem Vorstande der Gesellschaft angehört. Seine Verdienste um die Förderung der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie sind bekannt. Seine Lebensarbeit galt der technischen Ausgestaltung des von ihm geleiteten Unternehmens in allen Teilen seines weitverzweigten Betriebes. Wir selbst verlieren in dem Dahingegangenen einen stets wohlwollenden Vorgesetzten und Berater von unermüdlicher Arbeitskraft und nie versagender Schaffens freude. Seine Persönlichkeit wird über den Kreis seiner Mitarbeiter hinaus fortleben; sein Wirken und sein Name werden bei uns unvergessen sein. Berlin, den 23. Januar 1926. Die Prokuristen, Betriebsleiter und leitenden Angestellten der Ludw. Loewe& Co. Act. Ges. In der Nacht vom 21. zum 22. Januar starb nach schwerem Leiden Herr Dr.- Ing. e. h. Ernst Huhn Seine äußerst eindrucksvolle und dabei schlichte Persönlichkeit hat sich allen, die mit ihm in Berührung kamen, unauslöschlich eingeprägt. Wir schätzten seinen strengen Gerechtigkeitssinn und sein mannhaftes Wort. Die kaufmännischen Angestellten der Ludw. Loewe& Co. A.-G. In der Nacht vom 21. zum 22. Januar verstarb Herr Dr.- Ing. e. h. Ernst Huhn Mit ihm ist ein Mann mit klarem Blick für praktische, technische Ziele, ausgerüstet mit der Energie sie zu erreichen und jeden mitzureißen, dahingegangen. Objektiv und gerecht bei seinen Entscheidungen besaß er unser vollstes Vertrauen und unsere Verehrung, die wir ihm über den Tod hinaus bewahren werden. Die technischen Angestellten der Ludw. Loewe& Co. A.-G. In der Nacht vom 21. zum 22. Januar verstarb nach schweren Leiden Herr Dr.- Ing. e. h. Ernst Huhn. Seine persönliche Anteilnahme und sein menschliches Mitfühlen in den Nöten der schweren Zeit werden uns unvergeßlich bleiben. Die Arbeitnehmer der Ludw. Loewe& Co. A.-G. In Achtung! Bezirksamt Brenzlauer Berg! Dienstag nachmittag 4 Uhr im Altersheim, Danziger Str. 64, Berfammlung aller SBD.. Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: 1. Bortrag über Sozialismus und Wirtschaftspolitit". Referent: Genoffe Landrichter E. Ruben. 2. Verschiedenes. Erscheinen ist Pflicht. Parteiausmeis mitbringen. Der Fraktionsvorstand. Er und Du Er" lacht aus vollem Herzen. Warum? Well er die Nachteile der heutigen nährfalzarmen Roft für sich durch die täglichen 2 Prisen Dr. Schröder's Aufbaufalz ausgleicht. Er fühlt sich dadurch wohl und gesund.„ Du" auch? Nein! Und warum nicht? Weil Du nicht handelst wie Er. Läglic 2x1 Drife Dr, Schröder's Aufbau Salz = 1 ganzes Leben Jugend Wissenschaft und Nährsalztrage: 2.) Dr. med. Steintel schreibt: Unsere ganze Ernährungsweise, die auf der einen Seite die wertvollen Nährsalze zerstört, auf der andern Seite minderwertige und giftige Surrogate in ibren Bereich einbezieht, verdirbt unfer Blnt." Dr. Schröder'sAufbausalz ( Zwölfersalz) Groß- Aur Mart 2.50, Alein- Aur Mar? 1.Jn Apotheken und Drogerien zu haben, font durchs Generalvertrieb: Vita" Vertriebs- Handelsges. m. b. H, Bertin SW 48, Besselstr. 19, 1. Stock. Ecke Chariottenstr. Telephon: Dönhotf 349 Haten Sie sich vor minderwertigen Fabrikaten ausländischer Herkunft. dar Morgenstunde Kinder- Strickmäntel gute schönenen Farben für reine Wolle. 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Januar entschlief fanit nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine innigftgeliebte treusorgende Frau Marie Fritzb Kaffube im 77. Lebensjahr. Jn tiefer Trauer im Ramen der Hinterbliebenen Gustav Frit Berlin N 39, Lynarstr 24, Die Trauerfeier findet am Montag, den 25. Januar, nochm 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Arb.- Radfahrer- Bund Solidarität“ Ortsgruppe Berlin, 2. Abt. Allen Mitgliedern zur Kenntnis, bağ unser Benoffe [ 13876 Georg Bernert am 22. Januar verstorben ist.- Wir betrauern in dem Verstorbenen einen treuen, eifrigen Sportgenoffen, deffen Andenken wir ftets in Ehren halten werden Cinäsch. Dienstag 46 Rre mat Baumschulenweg Zahlr Betei ligung erbittet Die Abt.- Leitung. Alice Blum Dr. Kurt Messing Bochum Rosenstr. 8 Verlobte Charlottenburg Droysenstr 18 Arzt für Dr. Jacobson Biochemie 8-10, 2-5% Humb 4.97 Weißenburger Str. 80 Gänsefedern mit allen Daunen zum Selbstreiber Piund 3.-M., füllfertige konkurrenzlos billig. Preishiste frei. W. 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Sie geben «in Stuck der Alpenwelt mit bisher unerreichter Natursrische, sie führen uns das Leben ihrer Tiere mit einer Eindringlichkeit vor Augen, wie fie die wenigstens Alpenbesucher je persönlich erschaut haben. Paul Spien hat mit der Kamera Eroberungen gemocht, die uns weit wichtiger erscheinen als alle Bravourstücke der Jäger: er hat Neh- und Hirschwild in ganzen Rudeln, er hat Gemsen und Steinböcke, die schon so außerordentlich selten geworden sind, und Murmeltiere belauscht und auf der Platte festgehalten. Ein Adler, der ein Zicklein stößt, das Adlernest mit seinen Jungen, kämpfende Brunsthirsche sind seine Beute. Nicht minder prächtig ist von Gustav P r e i ß die Alpenlandschast in dem Wandel der Beleuchtungsesfekte in jeder Stimmung und jedem Wetter malerisch erschlossen. Zur Belebung ist eine etwas wilde und romantische Handlung im Stil der üblichen Aelplerdromen, wie wir sie von den Schlierseern her kennen und wie sie Ganghofer im Roman verarbeitete, hinein- komponiert. Das Darstellermaterial hat der Regisseur Johannes Meyer gut auszunutzen verstanden. Karl de V o g t ist ein Jager. der auch in natura bestehen würde, Rudolf R i t t n e r ein kernhaster Bauer, den seine Jagdleidenschaft zum Wilderer macht, und in Abenteuer verstrickt, die ihn und seine Tochter ins Unglück stürzen müssen. Aber der Regisseur erfindet rechtzeitrg Mittel, um mit Hilfe eines edeldenkenden Grasen alles wieder ins rechte Gleis zu bringen. Der Jager kriegt seine Marie, die Tochter des Bauern, die Helga Thomas mit viel gesundem Instinkt, ober doch nicht naturecht genug zeichnet, der Jager und der Bauer kommen von ihrem wahnwitzigen Kampf, der sie zum Schluß noch waghalsigen Berfolgungen über schrone Felsen zum Absturz bringt, mit dem Leben davon. Der Schleicher, ein reicher Dorfkaufinann(von Beterhans ganz im Stile des seligen Bolksstückes verkörpert), der sich die Liebe des Mädchens durch Geldanleihen an den Bater erkaufen will, erleidet die verdiente Niederlage(im Leben geht es häufig anders zu). Szenen aus dem Leben der Bauern und Jäger, die sie im �kampf mit den Bergen� und den Elementen von der zum heroischen Seite zeigen, sind als Milieumalerei eingestreut. Schluß gibt es noch ein« grandiose, ober etwas theatralisch wirrenoe Borschüttung der Maria, so daß für Spannung und Unterhaltung in ichstem M' reichstem Maße gesorgt ist. starken Beifall. Der Film hotte bei offener Szene D. »die Hesunkenea.' (MozartSaal.) Durch Zille ist die Welt der Elende« und Bertommenen in denielben prächtigen Filmtheatern in Mode gekommen, in denen sonst die Luxusgesellschaft mit ihren großen Bergnügungen und kleinen Interessen gezeigt wird. Es wäre interessant, zu unter- suchen, wie dieses Publikum innerlich zu diesen Filmen steht, die ihnen ganz andere Welten erschließen. Ob sie wirklich Äntell nehmen, ob sie erschüttert werden, oder ob sie bloß die Kuriosität reizt, wie es denn früher ja schon Sitte gewesen ist, daß solche Kreise nach einer Schlemmermahlzeit die Kaschemme gewissermaßen als Variete besuchten. Zille umkleidete seine Typen mit dem Schimmer des Humors, Paul S i m m« l, der dem neuen Film als künstlerischer Beirot diente, hat von seinem Humor und feinem Berliner Witz wenig oder nichts dazu getan. Alles bleibt düster und grau, der Fusel regiert in dieser Umwell der Kaschemme, rohe Brutalität gibt den Ton an. und nur zwei Menschen retten sich— so oersichert tröstlich der Schluß— aus dem Sumpf. AI» Gegen- stück sind parallel, nur allzu schematisch parallel lausende Szenen p-6 dem Milieu einer moralisch ebenso verkommenen Lebe- und b.�sskewelt von dem Regisseur Rudolf Walter hineingearbeitet. Aber die Manuskriptversasser(Leo Heller und Ruth Götz) wissen sie uns weder interessant zu machen, noch etwa» Neues zu zeigen. Di« Elendsbilder freilich können Zuschauer, die ihr menschlich« Emp- finden auch den Verkommenen nicht verweigern, erschüttern und argreifen, auch wenn sie spüren, daß größere Kunstleistung diesen um selbst die bloßen Typen, sei es aus der Kaschemme, sei e» au« der lewelt.._ W Leistung Asfa Nielsen, die den Leidensweg ihres von Stuf« zu Stufe Lebewesi zu charäkteri�eren. Aber der Regisseur nützt das Material nicht voll aus, und so versickern die Episoden. Die best« Leistung bot Eindruck noch vertieft hätte. Erstklassige Darsteller sind aufgeboten, " Kaschemme, sei ur nützt dc Die best« L von Stuf« zu t versinkenden Mannes, ein Straßenbahnschafsner, der im Fusel oer- kommt, und durch eine leichtsetrig heraufbeschworene Explosion zu Tode- getroffen wird, gedrückt und gepeinigt mitgehen muß. Mtt wie spärlichen Mitteln mit einem kaun, merklichen Zug des Munde» oder der Augen zeigt sie ihr Empfinden, nur in ein paar Szenen flackert es auf in ihr und ihr großes Können tritt zu Tage. Der Mann, in dem sie den Leidensgefährten ihrer Art erkennt, der schuldlos aus den besseren Kreisen gestoßen wurde, ein weltfremder Dichter wird von Otto Gebühr in seiner ganzen Hilflosigkett gezeichnet. Mit ihm wird sie. die Totkräftiger«, ein neues Leben der Aufopferung und Hingabe beginnen. Den Mann gibt Wilhelm D i e t e r l e— in all seiner Körperstärke ein Schwächling, der dem Alkohol rettungslos erliegt. Wüst und übertrieben ist der Lude des Fritz G r e i n e r. Hans Albert und Olga Tschechow» geben die beiden wurmstichigen Vertreter der Lebewelt, die hinter äußerer Aufmachung ihre moralische Gesunkenhett verbirgt. r. »Mein Zreunö, See Chauffeurs (Tauenhienpalasl.) Es geschieht in diesem Film wenig. Episodische» täuscht über eine dünnblütige Handlung hinweg. Ein Lord in Geldoerlegenhett entschließt sich, aus den Rat seine» Freundes hin. Bergnügungssahr- ten mit reichen Amerikanerinnen an der Riviera zu unternehmen. Die Angelegenheit endet mtt drei Berlobungen. Dazwischen noch eine mißglückt« Entführung und eine verfehlte Spekulation mtt einem verfallenen Schloß. Erich Waschneck und Hans Behrendt arbeiteten dieses Manuskript nach dem gleichnamigen Roman von Williamson. Der Film ist ohne jede Problematik, es fehll auch Marmorhaus Täglich 720 aad 9« Sonntags SM 7» 9" Der Kampf gegen Berlin mtt Carlo Aldini— Jenny Jago ZtgUi Max Reichmann Buster Keaton la 1 Trautes Helm— Glück allein die Spannung einer schnell abrollenden Handlung. Episode» müssen den Film dehnen, aber diese Episoden sind so außerordentlich oe- schickt mtteinonder verwebt, daß das Ganze durchaus einhettlich wirkt. Der Film spiell an der Riviera, in Oberitolien und Dal- motten, die Aufnahmen sind teilweise dort gemacht worden, doch der Regisseur Erich W a s ch n e ck vermeidet es. immer wieder Straßenszenen und Naturauinahmen zu zeigen, nur um den Film zu füllen. Waschneck komponiert die Landschaftsbilder in den Ab- lauf der Handlung hinein, gewissermaßen als Auftakt oder Abschluß einer Szene, oder er braucht sie al» Kulisse, vor der da» Geschehen spielt, manchmal gelingen dabei vorzüglich geschlossene Bilder, immer bleibt der Schauspieler die Hauptsache. Der Akzent liegt auf der darstellerischen Leistung. Dosselbe bei den Episoden, die manch mal im Herkömmlichen stecken bleiben, aber immer sind sie bi» zum Letzten schauspielerisch gestaltet. Im Grund« ist dieser Film etwas kindlich, aber er hat Leichtigkeit und spielerische Grazie ohne daß die Darsteller starke Persönlichkeitswerte zeigen. Es fehlen auä, die überflüssigen Großaufnahme« von allen möglichen Dingen und Menschen, und das Tempo, über das die Handlung nicht verfügt. wird durch rasende Autofahrten vorgetäuscht, die allerdings zu oft gezeigt werden. Hans A l b e r» hat sich neuerding» für weit- männische Biederkeit entschlossen, die ihm besser steht als feine ehe- mal» kultivierte Verführerhaltung, Lioio Pivanelli wahrt die liebenswürdige Haltung eines gefeierten Tenors, Empörung glaubt man ihm nicht recht, Oskar Marion gibt seinem Lord ein de- seeltes und leicht senttmentoles Aussehen, während Ferdinand von Alten etwas ins Groteske entgleist. Barbara von A n n e n t o f f, Alice Kempen und My O r s k a, als Amerikanerinnen verkleidet. machen in Selbstverständlichkeit, Eleganz und Dollarscheckbuch, Olly Orska»erfügt daneben noch über einen himmelnden Augenauf- schlag. Im ganzen fit dieser Film kein« Spitzenerscheinung, aber ein sehr gut gearbeitete Unterhallung. F. S. »Grüßt' mir öos blende Rind am Rhein. � fpiccadilly.) Ach nein, die Herzigkeit ist noch nicht tot. wenigsten» im Film nicht. Schwillt dem Menschenfreund unter den Kinobesuchern nicht da» Herz, schon wenn er nur den Titel liest? Der Inhalt ist seiner würdig, beseligter Unsinn in einer Reinheit, wie man ihn. Gott sei dank, heute selten zu sehen bekommt. Da sind zwei, die sich nach dem Rezept der Jungmädchenbücher lieben: Dann geht e» in den Krieg, und sie bleibt in süßer Wehmut trauervoll zurück, bis der Krieg au» ist und die Schieberei beginnt. Sie ist standhast und .harrt de« Geliebten', der zurückkommt und fie in sein« braven Arme schließt. E» wird sein geliebt in dem Film, da» golden« rheinisch« Herz strömt über, es wird auch geschossen und Krieg aespiett, und alles ist so echt und dem Leben abgeguckt, wie zu jener Zett, al» die deutsche FUmindustrie ihren zweiiährige» Geburtstag feierte. E» heißt, es handle sich hier um einen ausgesprochenen Publikums- und Gejchäftsfilm. Man unterschätzt, scheint'», da« deutsche Publikum allzusehr._ »Mrnvarr der Che.' sRIchard-Oswald-OIchlspiele.) Diesmal verfilmten die Amerikaner die alte Geschichte, die skr viele Menschen täglich neu bleibt. Eine- Frau, die ihrem Mann« alle» opferte, kann ihn in der Ehe nicht,— was man so nennt,— halten, denn er geht einer aufdringlichen Schönen ins Netz. Prompt folgen der wirtschaftliche Zusammenbruch, der angesetzt« Scheidungstermin, die Reue des Manne» und das Verzeihen der Frau. Diese» Manu» skript wurde mit einer fllmisch recht guten Einstellung auf da» große Publikum benutzt. Man beobachtet viel Feinmolerei und ein« ge- schickte Ausmalerei. Da der Mann, um den sich alle» dreht, der Erfinder de» Fernseher, ist, hatte der Photograph ein reich«, Arbeit». selb, da» ihm offenbar behagte. Ein muntere« Kind fand herzlichen Beifall, ja, e» wurden im Publikum Ausrufe des Entzückens bei offener Szene laut. Die Hauptrolle spielte die bekannt« Virginia L a l lq. deren durchdachtes Spiel große Erfolge sichert.— g. VERBORGENE GLUTEN IN DEN HAUPTROLLEN i ■ MÖGEN ROBERTSON UND ALFONS F R Y L A N D DER GROSSE ERFOLG SCHAUBURG 12,1 KONIOGRÄTZERSTRASSE 121 Gekloge des vorwärts , Seemanns los.' (Apollo-Thealer.) Man muß«• eingestehen, den smarten Amerikanern, denen das Geschäft über alle» geht, hätte man einen derartigen Film nicht zuge- traut. Wie soll nur der Walfischsänger, aus dem sich alle» Geschehen abspielt, bet einer solchen Reiseroute aus seine Kosten kommen? Er geht von einer kleinen, vermutlich grönländischen Hafenstadt au» in See, und sein Kapitän erlebt unter dem Aequator Liedesabenteuer mtt dunklen S General- Versammlung Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Kaffenbericht. 8. Bericht der Revisoren. 4. Borftandswahl. 5. Bahl der Rebiforen. 6. Anträge, Berschiedenes. Butritt nur für Mitglieder Mitglieds Der Vorstand. bud Legitimiert. 15 11 Casino- Theater: Der Fremde inden in Vorwärts Berliner Ulk- Trio Täglich 8 Uhr: Nur bis 28. Januar Der Meisterboxer und das bante Programm! Die offizielle Ab Freitag.29 Januar Frau Helenes Operette in 3 Akten Liebesabenteuer. Preise 1 M. bis 10 M. Walhalla- METROPOL Theater Weinbergsweg 8% Täglich 8 Das auserlesene JanuarDas Mädchen Programm ohne Ehre Sensationsstück mit Musik Parkett nur 50 Pf. Theat. d.Westens Tägl. 8 Uhr: Das Spiel Operette von Gilbert u. die Liebe Friedenspreise M. 0,50 bis 10, 8 Uhr Trianon- Th Tel. Zentr. 2391 Premiere! d. Eintr. 1, 2 u. 3 M. Uhr: Heute Blashnersaal 8 Uhr: Konzert des Berl.Sinf.- Orch. Dir: Emil Bohnke Sol.: Frieda Kwast- Hodapp Karten von M. 1.- an Mittagskasse( 11-1) und Abendkasse taueripenden jeber Art ( tefert preiswer Paul Golletz. Dormals Robert Meyer. Mariannenstr.3. Amt Morigpl. 103 03 Patz. Elite- Sänger Tagl. 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