Abendausgabe Nr. 4043. Jahrgang Ausgabe B Nr. 20 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlia 10 Pfennig Montag 25. Januar 1926 Vorwärts== Berliner Dolksblatt Berlag und Angetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Wie sie lügen! Die Geschichte eines Flugblatts. Trotha und die Rebellion der Admirale. In den kritischen Herbsttagen von 1918 rief mich Schelde. mann an und bat mich, schleunigst zu ihm ins Reichsamt des Innern zu kommen, wo er damals als Staatssekretär ohne Bortefcuille amtierte. Als ich tam, teilte mir Scheidemann mit, in Riel feien unangenehme Dinge passiert. Bei den Mannschaften sei das Gerücht verbreitet, es sei geplant, der englischen Flotte noch eine legte Schlacht zu liefern. Da die Leute keine Luft hätten, ihr Leben in sinnloser Weise zu opfern, sei unter ihnen Unruhe entstanden und es sei zur Verweigerung des Gehorsams gekommen. Natürlich sei die Geschichte von der Seeschlacht unsinn, da das Waffenstillstandsangebot schon heraus sei, aber die Mannschaften glaubten sie, und mun handle es sich darum, fie aufzutlären und zu beruhigen. Es liege der Entwurf eines Flugblatts vor, das diesem Zwed dienen solle, aber der rechte Ton sei nicht getroffen, und darum bitte er mich, ein Flugblatt zu schreiben, tas mit dem Namen des Reichstanzler Brinzen Mag und dem seinen versehen in Riel verbreitet werden solle. An der Richtigkeit der von Scheidemann gegebenen Darstellung fonnte ich feinen Augenblid zweifeln. Denn daß Scheidemann als Bertrauensmann der Sozialdemokratischen Bartei im ersten parla mentarischen Kabinett Deutschlands" über die Dinge falsch unter richtet sei, tonnte ich nicht annehmen. Das Friedensangebot war heraus, am 5. Oktober hatte die Regierung auf Drängen der Heeresleitung um einen Waffenftillstand ersucht, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Die Heeresleitung selbst wollte also tein weiteres Blutvergießen". Außerdem war sie der Zivilregie rung unterstellt. Und von alledem abgesehen, war der Blan einer großen Seeschlacht unter den einmal gegebenen Umständen ein fo fraffer Abermiß, daß man ihn einem normalen Menschen gar nicht zutrauen fonnte. Ich setzte mich also hin und schrieb an die Matrosen, daß fie irregeführt worden seien, daß kein Mensch an eine Seeschlacht dente und daß sie wieder zur Disziplin zurückkehren sollten. Ich fuhr dann noch in das Reichsmarineamt zum Staatssekretär Ritter D. Mann und sprach mit ihm über die Dinge. Ich erhielt auch von ihm teine andere Darstellung und nehme ohne weiteres an, daß er ebenso getäuscht worden war wie die anderen Mitglieder der Regierung Leider habe ich über das weitere Schicksal des Flugblattes nichts erfahren können. Ich weiß nicht, ob Prinz Mar es unterschrieben hat, ich meiß auch nicht, ob es nach Riel gelangt ist. Ich will hoffen, nein. Denn dann hätte ich ja den Matrofen Lügen vorgefeßt, über die sie sich, da sie besser unterrichtet waren, mit Recht empört hätten. Ueberfall auf Hörfing. Bölkische Horden greifen das Reichsbanner an. Erfurt, 25. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand in Gotha in einem der größten Säle eine undgebung des Reichsbanners statt, die überfüllt war. Als sich Genoffe Hörsing, der die Rede gehalten hatte, nach der Veranstaltung in Begleitung einiger Reichsbannerleute nach seinem Hotel begab, tourden fie aus dem dunkeln Hinterhalt von einer völfischen Horde angefallen. Bon den Reichsbannerleuten wurden einige erheblich verleht, so daß fie fich in ärztliche Behandlung begeben mußten. Genoffen Hörfing gelang es, fein Hotel zu erreichen. Auch an anderen Stellen provozierten Böllische blutige Zusammenftöße mit Reichsbannerlenten. 4 Wie war der Berlauf der Dinge? Offenbar so: Bring Mar und Ritter von Mann waren belogen worden. Sie gaben gutgläubig diese Lügen an Scheidemann weiter. Der wieder an mich. Und ich sollte sie nun den Matrosen vorsezen! So ist der gute Bille der Sezialdemokraten, dem deutschen Bolte in schwerster Not zu helfen, in schamloser Weise mißbraucht worden. Man hat uns belogen und betrogen. Unser Fehler war, daß wir einen solchen Mangel an Wahrheitsliebe bei Leuten, die eine ganz besondere Ehre für sich in Anspruch nahmen, nicht vermuteten. Der Borwärts" hat ein paar Tage später die Wahrheit über die Borgänge in Kiel als erstes Blatt aufgedeckt. Friedrich Stampfer. Trotha und das Lügensystem. Im Reichstag wird heute Admiral v. Trotha zu dem Dittmannschen Bericht vernommen. Gerade er ist ein typischer Repräsentant jenes Systems der Unwahrhaftigkeit, das hier bereits gegeißelt wurde, bei den militärischen Stäben aber zur Birtuofität ausgebildet mar. Der Borwärts" hat als erstes Blatt am 14. Nopember 1918 die Admiralsverschwörung und den geplanten Todesritt der Flotte enthüllt. Am 16. November 1918 erschien darauf Admiral v. Trotha in der Redaktion des„ Borwärts" und verlangte ein Dementi. Er fuchte in längerer Unterhaltung dem damaligen Redakteur Genossen Suttner flarzumachen, daß die Flottenausfahrt lediglich defensive 3wede verfolgt habe, nämlich den Schutz des rechten Flügels der fich aus Flandern zurückziehenden Armee. Eine Seeschlacht mit den Engländern sei nicht beabsichtigt gewesen, man hätte fich nur auf eine solche eingelaffen, wenn die Engländer angegriffen hätten. Der Borwärts gab damals dieser Erwiderung Raum. " Sechs Jahre später enthüllte in den bekannten Dolchstoßheften des Herrn Coßmam der Konteradmiral v. 2 e vezow, erster Berater des Chefs des Stabes und rechte Hand des Admiral v. Trotha, das genaue Gegenteil. Levezom stellte in den„ Suddeutschen Monatsheften feft, daß der Zweck des Auslaufens der Flotte war, die englische Flotte auf jeden Fall zum Schlagen zu zwingen. Konteradmiral v. Levezom betont ausdrücklich, daß mehrere Bläne zur Auswahl standen und daß dem Plan der Borzug gegeben wurde, der die größte Sicherheit dafür bot, daß er die englische Flotte zum Schlagen zwingen würde. Aus feiner Dar. stellung geht auch flar hervor, daß Admiral v. Trotha voll tommen in diesen Blan eingeweiht war, daß er ihn nicht nur mit Als Zwed des ganzen Bor gemußt, sondern mitbestimmt hat. Als Zwed des ganzen Borgehens bezeichnet Levezom ausdrücklich:„ daß die Flotte zum Endtampf einzusehen sei". Aus Levegows Darstellung geht flar hervor, daß Admiral v. Trotha seinerzeit der Borwärts"-Redaktion bewußt die Unwahr heit gesagt hat. Daraus tann man ermessen, welche Glaubwürdigteit die Ausführungen dieses Herrn vor dem Ausschuß verdienen. Dieser gemeine Ueberfall follte aber nicht der einzige sein. Einzelne Kameraden, die sich nach der Bahn begeben wollten, wurden ebenfalls überfallen. Die völlischen Rotten hatten sich im Bart fest. gefeßt und geschickt die dunklen Stellen auserwählt, wo sie die Kameraben von hinten mit allen möglichen Mordwaffen bearbeiteten. Als Führer der Bande betätigten sich Karl Vogelen, Hohmann, Howelfa und Galonska, die sämtlich in Gotha bekannt sind und dergleichen schon mehr auf dem Gewissen haben. Wie schon erwähnt, sah bereits in der Stadt die Polizei un tätig diesem Treiben zu. Trotzdem sie aus den Drohungen entnehmen mußte, daß Ueberfälle geplant waren, hatte sie nicht für Sicherung gesorgt. Das Reichsbanner ist eben Freiwild, so wie im April des Jahres 1925. Die Polizei hätte aus diesen Fällen ohne weiteres Lehre ziehen müssen. Erft als die Ueberfälle überhand nahmen und die Empörung unter den Reichsbannerfameraden nicht mehr zu bändigen war, erschien Polizei und sicherte die Straßen, um auch einige Berhaffungen Panik vor der Wahrheit. Die Schande des alten Systems soll verborgen werden. Als Genosse Dittmann im Untersuchungsausschuß des material vortrag, das die Schändlichkeiten der Admirale und der Kriegsgerichtsräte, die Spigelwirtschaft, den Justizmord, den Hochperratsversuch der Flottenleitung enthüllte, ging tiefe Bewegung und Erschütterung durch alle, denen die Wahrheit über politische Hetze geht. Sie fühlten alle: es geht nicht um die Person Dittmanns es geht um die Feststellung von Tatsachen. Die Sprache der Aften, der amtlichen Niederschriften der Beteiligten und Schuldigen rief die Erschütterung hervor. Reichstags in seinem streng fachlichen Referat das AttenDamit die Wahrheit ins Bolf dringe, hat nicht nur die linksstehende Presse ausführlich über das Referat Dittmanns berichtet, sondern das Referat selbst mit allen Aftenstücken ist als Broschüre veröffentlicht worden. Dagegen hat sich bei den Rechtsparteien und in der Rechtspresse ein gemachter Entrüstungssturm erhoben. Sieben rechtsstehende Mitglieder des Untersuchungsausschusses, sieben von achtundzwanzig, haben den Reichstagspräsidenten ersucht, die Broschüre beschlagnahmen(!) zu lassen, da sie eine Jrreführung der Deffentlichkeit" sei. Auf dem Titelblatt ist nämlich vermerkt, daß Dittmann Bufammenhänge und Aftenmaterial im Auftrag des Unterfuchungsausschusses dargestellt habe. Nun diskutiert die ganze Rechtspresse um die Frage: durfte die Broschüre veröffentlicht werden? Durfte sie mit dieser Feststellung auf dem Titel veröffentlicht werden? Was wird der Untersuchungsausschuß natürlich dazu sagen? Die Hugenberg- Presse meldet schon falfch der Reichstagspräsident habe die Verbreitung der Broschüre inhibiert, und die Tägliche Rundschau" martiert moralische Entrüstung über die Schamlosigkeit" der Beröffentlichung der Dittmannschen Broschüre. Ist denn die Wahrheit so peinlich? Sind wir denn noch in den herrlichen Zeiten der Diftatur Nicolais gegen die Wahrheit, in denen furzerhand jede Wahrheit über Gemeinheiten des faiserlichen Regimes verboten wurde? Die Herren, die so beschlagnahme und verbotslüstern sind, fönnen ihre Diktaturgelüfte gegen die Wahrheit heute nachmittag im Untersuchungsausschuß vortragen, der sich mit der Frage dieser Veröffentlichung befaffen wird. Daß ein Recht Dittmanns besteht, sein im Auftrag des Untersuchungsausschusses vor dem Ausschuß, den Abgeordneten, der Presse gehaltenes Referat zu publizieren, so ist außer aller Frage, daß darüber kein Wort verloren zu werden braucht. Im übrigen mögen sie sich daran erinnern, daß sogar der Ausschußvorsitzende Philipp selbst nach der letzten großen Veröffentlichung des Ausschusses über die Ursachen des militärischen Zusammenbruches in einem privaten Verlag eine Broschüre hat erscheinen lassen, deren Titel sich wörtlich deckt mit der amtlichen Veröffentlichung und in deren Vorwort auf die Eigenschaft Philipps als Vorsitzender und auf die damit verbundene besonders große Sachkenntnis hingewiesen wird. Die Wahrheit tommt ans Licht trotz des Berbotsgeschreis der Rechtspresse und der Abgeordneten von der Rechten, trotz der schamlosen Haltung der Rechtspresse, deren Leser nichts von dem Aftenmaterial erfahren drüfen, das Genoffe Dittmann vorgetragen hat. Nie ist ein Tatbestand frecher gefälscht worden, als es jegt in der Rechtspresse geschieht. Dittmann hat amtliches Attenmaterial vorgetragen, Selbstzeugnisse von Beteiligten die Rechtspresse aber täuscht ihren Lesern vor, es handele sich um einen Streit Dittmann- Brüninghaus, Meinung gegen Meinung, Ansicht gegen Ansicht. Wenn man die Wahrheit schon nicht mehr verbieten fann wie in den Zeiten, da die Nicolai und Bauer, die Scheer und Trotha, die Capelle und Michaelis die Wahrheit ans Kreuz schlugen, so kann man sie doch vielleicht-verchieben. Aber es handelte sich beim Referat Dittmanns nicht um ein Plädoyer, wie es die Herren Brüninghaus und Canaris für die schuldigen Admirale und Kriegsgerichtsräte, für das faiferliche System bei der Marine gehalten haben, sondern um die Borlegung von amtlichem Aftenmate rial. Der Offenlegung dieses Materials, den Tatsachen, gilt die But der Rechtspresse den Aften und den Tatsachen, die fie der Deffentlichkeit nicht mitzuteilen magt. Von diesem fachlichen, für sich selbst sprechenden, erschütterndem Material will sie ablenten. Daher die Heße gegen Dittmann, daher der Ablenkungsversuch auf die Frage, ob Dittmann sein Refe rat veröffentlichen durfte. Ueber den Borfall wird uns aus Gotha geschrieben: Seit ein deutsches republifanisches Gericht es fertig brachte, die Mörder der zwölf Perlacher Arbeiter freizusprechen, wittern auch ihresgleichen in Gotha Morgenluft. Schon in der Friedrichstraße wurden im Laufe des Tages die Teilnehmer des Zuges in der gemeinsten eise pronoziert. Noch ärger wurde es an der Ede Arnoldiplatz- Erfurter Straße, wo sich ungefähr 40 bis 50 dieser Gesellen angesammelt hatten. Die Bedrohungen erreichten in der Jüdenstraße und am Barkpavillon ihren Höhepunkt. In der Jüdenstraße fielen Ausdrücke, wie: Heute abend schlagen wir euch noch tot" und Freut euch auf diese Nacht, da tönnt ihr noch etwas erleben". Am Parkpavillon" erschollen anläßlich des Hochs dem er angehörte, verboten. Vogelen war der erste, der damals Aufgabe hat Dittmann erfüllt. Herr Brüninghaus freiauf die und " in der unflätigsten Beise. Nur der Ruhe der Reichsbannerfameraden ist es zu verdanken, daß diesen Gesellen nicht die nötige Abreibung zuteil murde. Die Polizei, die den Jug begleitete, dachte nicht daran, gegen die Provofateure einzugreifen, fie ließ fie ruhig gewähren, Wahrscheinlich hatten sie nur den Auftrag, auf Ausfälle" der Reichs bannerleute Obacht zu geben. vorzunehmen. Aber es wird den Verhafteten ebenso wenig paffieren als denjenigen, die den Ueberfall am 26. April 1925 ausführten. Es handelt sich zum großen Teil um dieselben Bersonen. Der Haupttäter Bogelen ist fein unbeschriebenes Blatt. zum erstenmal machte man die Bekanntschaft dieses Subjekts während des Rathenau Mordes. Damals wurde der Jungbo, ausriß. Später betätigte er sich dann als Spigel. Die Gerichtsaften geben über ihn weitere Auskunft. Man wird neugierig auf die Schritte sein dürfen, die der Staatsanwalt in diesem Fall unternehmen wird. Weißer Schreden Im Shanghai Thangtfolins. Nach einer im Was die völlischen Rabauhelden prophezeiten, machten sie nachgentur- Melbung aus Schanghai ist in Bufih ein tom munistiEinbruch der Dunkelheit zur Wirklichkeit. Besonders hatten sie es auf unseren Kameraden hörfing abgesehen. Als dieser in Becher Agitator hingerichtet worden. gleitung von acht Kameraden sein Hotel aufsuchen wollte, wurden fie in den Bartanlagen aus dem Hinterhalt über. fallen. Drei Kameraden aus Cijenach wurden dabel fo schwer verlegt, daß fie fich in Behandlung begeben mußten. Dem Rameraden Hörfing gelang es glücklich, jein Hotel zu erreichen. Einreise nach Australien gestattet. Die australische Regierung bat die Bestimmungen bes Enwanderungsgeleges über die Bebin derung der Einreife deutscher Staatsangehöriger nach Auftralien aufgehoben. Das bezieht sich nicht auf Papua, die Norfolk infel und Neu- Guinea Seinerzeit internierte Deutiche. die ausgewiefen wurden, müssen besondere Erlaubnis zur Rüdlehr haben. Dies Aftenmaterial mußte dem Untersuchungsausschuß mitgeteilt werden, damit er sich ein Urteil bilden fönne. Diese nicht gefümmert. Sie standen zwei Monate lang zu seiner lich hat sich um die Akten, die Dittmann durchgearbeitet hat, Verfügung. Er hat sie nicht eingesehen. Seine Sommerferien waren ihm lieber, wie er selbst erklärte. Wozu nach Wahrheit forschen? Er hat seine Aufgabe darin erblickt, ein Plädoner für die Dolchstoẞlüge zu halten. Wo ist das Material, das er ben amtlichen Aftenstücken, die Dittmann mitgeteilt hat, entgegenhalten könnte, Er hat sich nicht darum bemüht. Und bann lügt die„ Tägliche Rundschau", es wäre Herrn Brüningheus nicht möglich gewesen, einen Blick in die von Dittmann benutzten Akten zu werfen! Wie Herr Brüninghaus, hat der Vertreter des Reichswehrministeriums, Herr Canaris, sich um die Urkunden nicht gefümmert. Er hat- angeblich im Auftrag des Reichswehrminifteriums- ein Plädoyer für die Dolchftoß lüge gehalten, er hat die Lügen des Herrn von Capelle wiederholt. Abgeordnete von rechts, Rechtspresse, Militärs des alten Systems im Bunde gegen die Wahrheit! Der Herr Korvettenfapitän hat dabei unbedenklich, wie Herr Geßler dem demokratischen Parteiausschuß mitteilte, feinen Auftrag überschritten. Er wird nicht mehr in den interfuchungsausschuß zurüdtehren, die Ber treter des Reichswehrministeriums werden darauf beschränkt werden, Auskunft zu erteilen und nicht Plädoyers für das System Michaelis- Capelle- Scheer- Trotha zu halten. Banik vor der Wahrheit hat die Herrschaften ergriffen, die heute immer noch die Vertreter des fa serlichen Systems decken und verteidigen wollen. Aber die Wahrheit fommt ans Licht! Die aktenkundigen Tatsachen, die Dittmann mitgeteilt hat, lassen sich weder durch die Schamlosigkeiten der Rechtspresse, noch durch eine Diskussion über die Formulierung der Dittmannschen Broschüre vertuschen. Während des Krieges konnten die Herrschaften das Recht vergewaltigen, Unschuldige erschießen lassen und die Wahr heit knebeln. Heute stehen ihre eigenen aftenmäßigen Zeug niffe gegen sie auf. und das System der Lüge zerbricht, wenn die Wahrheit ins Boff dringt. | gehörte zu ihnen. Wir fannten das Erfurter Programm, besonders| Fassung gebracht, sprang dieser Außenpolitifer ber Bergischinteressierte uns der Absatz über die Stellung zum Krieg. Was dar Märkische Zeitung" auf und offenbarte fein wahres außenpolififches über im Erfurter Programm stand, entsprach unserer Auffassung. Jnneres. Er bekannte mit leidenschaftlichem Enthusias Brogramm handelten, sondern den Militaristen die Kriegskredite land ist der Hort der Freiheit. Wir haben jeht nur eine einzige Mehr nicht. Wir fahen, daß die Sozialdemokraten nicht nach ihrem mus: Lenin ist der größte Staatsmann der Weltgeschichte und Rußbewilligten. Das verstanden wir nicht. Viele von uns sehnten sich land ist der Hort der Freiheit. Wir haben jeht nur eine einzige nach Beendigung des Krieges. Blieb uns doch das Elend, die Not, schwere Aufgabe, nämlich die nationale Bewegung aus ihrer einstigen durch den Strieg verursacht, nicht unbekannt. Wir spürten es ja antibolichewiftischen Haltung zu einer probolichewistischen umzuam eigenen Leibe. Die Berpflegung war hundsmiserabel für stellen." die Mannschaften, die Offiziere schwelgten, fie lebten gut. Sie hatten gut reden vom Durchhalten. Bir aber wollten den Frieden. Als dann die 19 unabhängigen Sozialdemokraten sich gegen weitere Be willigung von Kriegskrediten erklärten, wurden unsere Hoffnungen auf baldigen Friedensschluß lebendig. Unsere Sympathien wandten sich ihnen zu. Ueberhaupt gehörte unsere Sympathie allen, die gegen die Fortführung des Krieges waren. Die Forderung eines Friedens ohne Annerionen und Kontributionen", wie fie die USP. aufgestellt hatte, fand unseren Beifall. Für die Stockholmer Konferenz zeigten wir ein großes Intereffe. Um unsere Friedenssehn fucht zu dokumentieren, fammelten wir unterschriften. Auseige nem Antrieb, nicht aufgefordert durch die USP. Das war damals unsere politische Tätigkeit. Rein Mensch Das war damals unsere politische Tätigkeit. Kein Mensch bei uns dachte an bewaffneten Aufstand. Gonit fümmerten wir uns nur um Borbangelegenheiten, wie Berpflegung und Dienst. Im verstärkten Maße taten wir das, als wir auf Anweisung des Kommandos März 1917 eine soDie Panik der Männer des alten Systems vor der genannte Beschwerdekommission bildeten. In dieser Tätigkeit erWahrheit beweist nur, was sie davon fürchten. blidten die friegsbegeisterten, weil guternährten Offiziere ein VerSie wird ins Bolk dringen! Erklärung des Reichswehrministers. Der Reichswehrminiffer hat an den Vorsitzenden des Unterfuchungsausschuffes des Reichstags, den Abgeordneten Dr. Philipp, folgendes Schreiben gerichtet: In Uebereinstimmung mit dem Chef der Marine. leitung hatte ich den Kommiffaren des Reichswehrminifteriums die Weifung erteilt, sich jeglicher Parteinahme bei Abgabe ihrer Erklärungen zu enthalten, wie dies in jahrelanger reibungsloser Zusammenarbeit mit dem Ausschuß auch bisher geschehen ist. Die Aufgabe des Reichswehrminifteriums und der von ihm entfandten Kommiffare fann nur sein, den Ausschuß bei sich fung und Benuhung des ungeheuer umfangreichen Materials 3u unterstützen, damit der Ausschuß der ihm gestellten Aufgabe, zu einem objeffiven Gutachten zu gelangen, gerecht werden fann. Ich habe mich in völliger Uebereinstimmung mit dem Ausschuß geglaubt. Bevor ich weiter Kommiffare zu den Berhandlungen abordnen tann, scheint es mir erforderlich, die Gren zen ihrer Mitwirkung erneut flar abzuffeden. Soweit darüber hinaus eine Stellungnahme des Reichswehrministeriums erforderlich werden sollte, muß ich mir diese selbst vorbehalten. Soweit gutachtliche Aeußerungen oder Zevgenvernehmungen von attiven oder verabschiedeten Angehörigen der Reichswehr verlangt werden, muß ich darüber einen förmlichen Beschluß des Ausschusses zur Klarstellung der Berantwortung erbitten. Ein Zeugnis aus der Flotte. In der Roten Fahne" veröffentlicht ein ehemaliger Oberheizer auf„ Moltke", 2. Rebe, folgende Darstellung: Die USB. war weit davon entfernt, auf die Soldaten im allgemeinen und auf die Marine im besonderen revolutionär einzu wirken, den imperialistischen Krieg in den Bürgerkrieg umzumandeln, die proletarische Revolution zu organisieren, die Waffen gegen die herrschende Klaffe zu richten, um diese niederzufämpfen und die Herrschaft des Proletariats aufzurichten, wie es Lenin lehrte, und wonach das russische Proletariat im Oftober 1917 handelte. Was sich auf den Schiffen der deutschen Flotte im Juli 1917 ereignete, war nicht einmal ein schwacher Anfah dazu. Es gab damals in Deutschland nur wenige, die Lenins Lehren tannten, es gab teine Bolschewifi, auch nicht bei der Marine. Es gab bei der Marine auch teine Spartatus"-Anhänger. Ich glaube fagen zu fönnen, daß auf nicht einem Schiff die Spartatus Briefe bekannt waren. Der Wille zur Revoltion, das bewußte Daraufhinarbeiten, war nicht vorhanden. Und die Schuld der halben US- Führer war es ja gerade, daß sie den Frieden als Ziel aufstellten, uns aber nicht ben revolu. tionären Weg dazu zeigten. Es gab bei der Marine nur Anhänger, teils frühere Mitglieder der Sozialdemokratie. Auch ich Die Zarenkrone. Von Hans Bauer. Jenes runde, schildlose Käppi, dessen wir uns von der Refruten zeit her erinnern, war ein Bestandteil jenes wohldurchdachten preußischen Erziehungssystems, das seine Aufgabe darin erblickte, es den Untertanen und Untergebenen recht deutlich vor Augen zu führen, daß fie eigentlich gar feine richtigen Menschen, sondern nur Objekte der Befehlsgewalt seien. Das Käppi auf dem Kopfe erniedrigte. Mehr als dies: Es machte nicht nur vor den anderen lächerlich, es tötete auch bei dem Träger selber das Selbstbewußtsein. Kein Bauernjunge sah zu dämlich aus und fein Gelehrtentopf war fein genug, als daß das Verhältnis der beiden zueinander sich nicht völlig gewandelt hätte, wenn nur der Bauernjunge in eine Offiziersuniform gesteckt und der Gelehrte in einen Drillichanzug geworfen und mit einem Räppi bedeckt wurde. Die Kopfbedeckung machts! Denn, wie die Persönlichkeit durch das Käppi zur Null degradiert werden fonnte, so fonnte eine beliebige Null durch die Kopfbedeckung zur Persönlichkeit erhoben werden. In harmlosen Fällen genügte schon ein Zylinderhut, um diese Berwandlung vorzunehmen. In schwierigen Fällen aber bedurfte es einer weiteren Steigerung: da war eine Krone nötig. Das tostbarste dieser Requisiten einer verfinfenden Zeit, die bereit war, Aeußerlichkeiten für Charakteristika von inneren Fähig teiten zu nehmen, war die russische Zarenfrone. 400 Jahre war sie das Symbol ungeheuerlicher Macht. Aber die Macht zerbrach, und das Symbol wanderte nach New Yort, wo es in diesen Tagen in öffentlicher Auktion versteigert werden soll. brechen." Politische Giftmischer. Jungdo und deutsche Nationalbolschewiften. Seit durch das Berfahren gegen den Hochmeister" des Jungdeutschen Ordens", Mahraun, diese Organisation etwas näher in das Licht der Deffentlichkeit gerüdt wurde, fommt auf Umwegen auch einiges über die wahren Absichten der Baterländischen Verbände" an den Tag. In der Abwehr gegen Angriffe, die gegen ihn erhoben werden, macht Mahraun in seinem Berliner Blatte jetzt auf die Urheber dieser Angriffe und ihre wahren 3iele aufmerksam. = # Als einen der Haupttreiber bezeichnet er den sattsam befannten Bacmeister, Herausgeber der„ Bergisch Märkischen Zeitung", der seinerzeit auch das Rügen bureau Kluge Knoll finanzierte, um es zu einem fchamlosen Feldzug mit Hilfe gestohlener Briefe gegen die Sozialdemokratie zu benugen. Von diesem Bacmeister und feinen Gehilfen erzählt Mahraun folgende interessanten Einzelheiten: Bacmeister, eine in den Kreisen der Dittaturanhänger bekannte Persönlichkeit, gehört zu den geistigen Führern des Alldeutschen Berbandes. Mit hämischen Bemerkungen verziert brachte die B. M. 3." jebe für den Jungdeutschen Orden ungünstig lautende Meldung, deren sie habhaft werden konnte. Ihr Außenpolitiker, ein Dr. Oldag, erschien vor einiger Zeit unter gleichzeitiger Ankündigung des Blattes an feine Leser bei der Ordensleitung und bat unter Abgabe einer Befuchs farte, die feinen offiziellen Titel bei der betreffenden Zeitung enthielt, den Hochmeister Mahraun um ein Interview über außenpolitische Fragen. Der Hochmeister erflärte fich einverstanden, falls Frage und Antwort fofort stenographisch festgelegt und die Tentschrift ausgetauscht würde. Die Angaben des Hochmeisters chienen aber doch zu sehr geeignet zu sein, die Bedenken der Leser der Bergisch- Märkischen Zeitung" gegen die außenpolitischen Anfichten Mahrauns zu zerstreuen. Der mit großem Pomp angekündigte Interviewer veröffent. lichte sein Interview nicht, veröffentlichte aber weiter hin ungünstige Mitteilungen über den Jungdeutschen Orden.... Bei weiterer Unterhaltung stellte sich heraus, daß Herr Dr. Olbag nur in dem Phrasenschatz der„ bolichemistischen Propaganda für das nationale Deutschland" redete. Nachdem der Hochmeister dies zur Genüge festgestellt hatte, sagte er ihm ganz offen:„ Herr Doktor, Sie find Bolschewist!" Böllig aus der Matinez für Herbert Eulenberg. Die Komödie" feiert Eulenbergs 50. Geburtstag. Sie läßt Einleitendes sprechen, das fast auch den Gutwilligen vertreiben fonnte durch die pathetischen Banalitäten, wie die zweite Mondhälfte des Lebens", das Schmeben der Romantifer" und das geräusch und geruchlose Berduften ihrer Gestalten". Erst ter zweite Teil, der Vortrag Eulenbergscher yrit, Epit und Dramatik vermittelt und das Erlebnis seiner Dich Belinde"," Mäch tungen, die wir für uns lasen und esen müssen tiger als der Tod" weil man sie, wie vieles Wertvolle, nicht auf führt. Gertrud Enfoldt sprach aus den Deutschen Sonetten" Gertrud Ensoldt sprach aus den Deutschen Sonetten" mit der Meisterschaft, die wir immer an thr bewundern, die uns aber noch stärker padt als in dieser ich möchte sagen leisen" Lyrif, in den Anrufen, Aufrufen, ten Mahnrufen der ihr zu tiefst verwandten Kameraden der Menschheit. Epit lasen Willi Schaeffers, der Conférencier, der Schauspieldirektor Berthold Held und Karl Etlinger, während Paul Bildt Szenen aus lebhafie Beifall ihn immer wieder zugeben" ließ, so daß schließlich " Belinde" so prächtig, in Stimme und Gebärde, vortrug, daß der aus der Morgenfeier eine Nachmittagsvorstellung wurde. Gewe. Ein wichtiger Fund aus der Goethezeit. Karoline Jagemann, die geniale Schauspielerin und Sängerin, die mit der Geschichte der klassischen Weimarer Theaterzeit für immer verknüpft ist, hat als einflußreiche Geliebte des Herzogs Karl August, der sie zur Frau von Hendendorff erhob, noch eine besondere Rolle in der Goethezeit und im Leben Goethes gespielt. Ihre Memoiren galten bisher für verloren; sie sind aber mun durch den Darmstädter Prof. Eduard von Bamberg im Befiz eines Urenfels der Künstlerin aufgefunden worden. Die Papiere waren als Familienheiligtum bewahrt und Wunsch der Verfasserin dahin ging, mit ihrer für die Deffentlichkeit vor der Einsichtnahme Dritter streng gehütet worden. Da aber der bestimmten Schrift den unwahren Nachrichten über ihr Verhältnis zum Herzog Karl August und zu Goethe entgegenzutreten, hatten hervorragende Persönlichkeiten bereits während der Entstehung von einzelnen Kapiteln Kenntnis genommen. Der jetzige Eigentümer der Bapiere hat sich daher entschlossen, den ganzen handschriftlichen Nachlaß feiner Urgroßmutter, in dem sich auch unveröffentlichte Briefe und Aeußerungen von Goethe, Herder, Wieland, Iffland, E. T. A. Hoffmann, Devrient u. a. befinden, der Forschung zu der deutschen Literatur, Kultur- und Theatergeschichte bilden, werden nun, ergänzt durch die noch völlig unbekannten Handschriftenfchätze, von Prof. von Bamberg im. Sibyllen- Verlag zu Dresden herausgegeben. 2800 Karat prima Diamanten! Wer bietet? Das Blut von Tausenden, das an ihnen flebt, der Haß von Millionen, der sie umwittert hat, das alles gibts umsonst dazu. Wer kriegt den Zugänglich zu machen. Die Memoiren, die eine überaus wichtige Quelle Schlag? Ein amerikanischer Milliardär wird ihn bekommen. Aber Milliardäre sind zu unromantisch, als daß fie in der bombastischen Aufstockung des Kopfes nicht eine Lächerlichkeit empfänden und viel mehr in dem Bestand ihres Effektentontos und ihres Bankguthabens das wahre Kriterium modernen Machtbesizes erblickten. So wird die Zarenkrone ins Museum wandern. Es läßt sich nichts Recht schaffenes mit ihr anfangen. Wie der ganze Monarchismus ist sie nur ein kostbarer Plunder, gerade gut genug, um begafft zu werden. Aus dem Infignium der Kaiserherrlichkeit wird ein Schauftück werden, ein besseres Feuerwert, eine feierliche Unnüßlichkeit. Die Romanows unterm Hammer! Welch ein Fortschritt, daß fie nicht jelber mehr den Hammer spielen fönnen, der die Untertanen zerschmettert! Goldbergbau in Offfibirien. Das Geologische Institut in Wladiwostot, hat die Nachricht erhalten, daß in Kamtschatka etwa 100 Kilometer oberhalb des Flusses Bjelaja reiche Goldvorkommen festgestellt worden sind. Auch sind Anzeichen beobachtet worden, die für das Vorhandensein eines Platinlagers sprechen. 7 Kilometer Don Ticheljabinsk zwischen dem Fluß Miaß und dem See Krementul find neuerdings in einer Ausdehnung von 5 bis 6 Kilometer mehr als 30 mächtige Goldadern in einer Länge von 60 bis 300 Meter feftgestellt worden. Der von einer Reise nach dem Aldangebiet zurüdgekehrte Borsitzende des Rates der Volkskommissare der Jafuten fowjetrepublit teilte mit, daß das Produktionsprogramen des Trusts Albanjoloto" auf 400 Bud festgesetzt ist. diesem Geständnis des außenpolitischen Mitarbeiters der Bacmeister und Co. geht also ganz eindeutig hervor, daß die„ Baterländischen" ihre Bolitik darauf abstellen, gemeinsame Sache mit den Bolschewiften zu machen, wozu natürlich auch gehört, daß man das vaterländische" die deutschen Bolschewisten in Ferg schließt. Um die Spuren zu verwischen, läßt Bacmeister das Märchen verbreiten, die Aktion gegen den Jungdeutschen Orden habe Severing und zwar nur zu dem Zwecke eingeleitet, um die Baterländischen" Verbände zu sprengen. Severing wiffe, daß dabei nichts herauskomme und er wolle auf diese Weise die Leitung des Jungdeutschen Ordens auf jeden Fall im Amte erhalten. Diese Behauptungen stehen ganz auf der Höhe der sonftigen völlischen Angriffe gegen Severing, d. h. sie sind von Anfang bis zu Ende erlogen. Wichtig aber ist, zu wissen, daß die ganze Tätigkeit der Alldeutschen und der Baterländischen darauf hinausgeht, aus einer antibolfchemistischen eine probolfchemistische Liga au schaffen und so mit Hilfe einer deutschen nationalbolschemistischen Diftatur ein Kriegsbündnis mit Sowjet Rußland herzustellen. Gemeinwirtschaftliche Sanierung der Hugenberg- Bank Hilfe für die Grenzmarkfiedler. Durch den Zusammenbruch der unter Leitung des Zeitungsfönigs Hugenberg stehenden Land bank ist bekanntlich eine große Zahl deutscher Siedler der Grenzmark in ihrer Eristenz bedroht. Es scheint nun, daß man endlich einen Ausweg gefunden hat, der es ermöglicht, die Landbant als gemeinwirtschaftliche Siedlungsbant zu reorganifieren. So wird gemeldet: Der Provinziailandtag der Proving Grenzmart( Posen- Westpreußen) hat, entsprechend dem Beschluß des Provinzialausschusses, mit fämtlichen Stimmen, ohne Ausnahme der Parteien beschlossen, sich als Aktionär maßgeblich an der Landbank zu beteiligen, wenn der Staat den für die Sanierung und Weiterarbeit erforderlichen Kredit zu tragbaren Bedingungen zur Verfügung stellt. Des weiteren hat der Provinziallandtag die Staatsregierung gebeten, diesen Kredit zu bewilligen. Mit dem Eintritt des Provinzialverbandes Grenzmart als des nächstbeteiligten Provinzialverbandes würde die Aktienmehrheit in die öffentliche Hand übergehen. Die Gruppe der Ostdeutschen Privatbank, die unter Leitung des Geheimrat Sugenberg steht, hat sich bereit erflärt, im Intereffe der vorstehenden Lösungsmöglichkeiten aus der Landbank auszuscheiden. Wie uns dazu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, trifft diese Meldung zu. Die Provinz Grenzmart soll das Hugenbergsche Aktienpatet für 23 000 m. übernehmen, so daß die Provinz zusammen mit dem preußischen Staat die mehrheit der Landbankaft ien hat. Das eröffnet die Möglichkeit einer Reorganisation des Unternehmens auf gemeinwirtschaftlicher Basis, durch die viele Siedler, meist Optanten und Flüchtlinge, vom wirtschaftlichen Ruin bewahrt bleiben werden. Allerdings ist dazu noch ein Anfurbelungskredit notwendig. Man fann hoffen, daß der preußische Staat dazu seine Hilfe nicht versagen wird, da ein wirtschaftlicher Zusammenbruch der Siedler nicht nur den öffentlichen Organen wesentlich höhere Roften bereiten würde, als die geplante Reorganisation der Bant und da das öffentliche Interefse an der Sache von allen Parteien des Provinziallandtages gleichmäßig vertreten wird. Weltpropaganda gegen Darwin. Die Gegner der Darwinschen Lehre, die fich offenbar im Affenprozeß noch nicht genug blamiert haben, leiten nunmehr unter der Führung eines ehemaligen Häuptfings des Ku- Klur- Klans eine umfassende Agitation ein, die in der ganzen Welt gegen die Verbreitung der fakrilegischen" Lehren Darwins anfämpfen soll. Im fommenden Auguft wird die zu diesem 3wed gegründete Gesellschaft Geschäftsstellen in Kanada, Australien, England und in fämtlichen Städten der Bereinigten Staaten eröffnen. In Atlanta, dem Siz der neuen Organisation, soll mit einem Roftenлaufwand von 500 000 Dollars ein großes Gebäude errichtet werden, das als Hauptquartier der Fundamentalisten gedacht ist und das mit einer großen drahtlosen Station ausgestattet werden soll. um den Kampf gegen den Entwicklungsgedanken in die entlegenften Gegenden der Erde zu tragen. Grab 7000 X. Jetzt fommt abermals aus dem scheinbar ungrabes. Dieses Haus der Ewigkeit" wie es die Aegypter nannerschöpflichen Aegypten die Kunde von der Entdeckung eines Königsten soll beispiellose Schäße bergen und ungeahnte Runde von einer Zeit geben, die fast 6000 Jahre zurückliegt. Es steht bereits jetzt fest, daß felbst wenn fich dieses Grab, das die Forscher vorläufig mit dem Signum 7000 X" bezeichnen, nicht als das des Königs Snefru bestätigen follte es sich doch um das bisher ungeplünderte Grab eines der mächtigsten Pharaonen handelt. Die Entdeckung ist das Werk tes Führers der Harward- Boston- Expe ditien Dr. Reisners, der schon seit nahezu 20 Jahren im Gebiete der Pyramiden von Gizeh arbeitet. Die Kammer selbst wurde bisher nur durch eine kleine Deffnung mit Hilfe eines Spiegelsystems oberflächlich untersucht. Man weiß, daß in ihr ein Sarkophag aus ist mit vielfältigen Geräten, Möbeln und Kunstgegenständen bedeckt. Alabaster unter einem großen goldenen Baldachin steht. Der Boden Man hat jedoch vorläufig die Kammer wieder vermauert, um die Rückkehr Dr. Reisners aus Boston abzuwarten. Theater für Erwerbslose. Im Düsseldorfer Stadttheater wurde zweimal Kiesaus ,, Aladdin mit der Wunderlampe" ausschließlich für Erwerbslose gespielt. Diesen in ihrer traurigen Lage auch geistige Nahrung zu bieten, erscheint als eine Forderung der Stunde. Das Düsseldorfer Beispiel ist auch noch in dem Punkte vorbildlich, daß die Mitwirkenden auf eine besondere Honorierung für dieſe Sonderaufführungen freiwillig verzichteten! Eine Görres- Gedächtnisfeier fand Sonntag im Reichstage aus Anlaß seines 150. Geburtstages statt. Die Corinth- Ausstellung der Berliner Sezession wurde Sonnabend eröffnet. Eine Gedächtnisfeier für den Meister ging voraus. Die Ausden ersten Bersuchen seiner Stnabenjahre bis zu seiner legten Epoche. stellung umfaßt etwa 500 Blätter der Corintaschen Handzeichnungen von Vorträge im Museum für Meeresfunde. Dienstag, den 26., abends 8 Uhr, Dr. M. Grotewabl, Kiel: Mit Efi und Faltboot, Forscherfahrt durch Spißbergens Polarwelt". Karten find täglich und am Vortragsabend m Museum für Meereskunde, Georgenstr. 34/36, zu erhalten. fchaft ging ein Antrag des Sentats zu, in dem 40000 M. zum Ankauf des Erwerb des literarischen Nachlaffes Dehmels. Der Hamburger Bürgerliterarischen Rachlasses des Dichters Richard Dehmel angefordert werden. Jm Wiffenschaftlichen Berein spricht Mittwoch, 8 Uhr, Georgenftr. 34/36 Prof. Dr. D. Herzog über Neue Fortschritte in der Erlenninis der Faserstoffe". Konflikt in Ostasien. Ultimatum der Sowjet- Union au Tschangsolin. Monatelang hat der Kampf der chinesischen Generäle und ihrer Armeen von Landsknechten feine internationalen Berwicklungen zur Folge gehabt. Die militärischen Erfolge Tschangfolins, des Gewalthabers der Mandschurei, aber haben nun eine scharfe Spannung in Ostasien heraufgeführt. Das Rampfobjett ist die Herrschaft über die chinesische Ostbahn, die vertragsmäßig von der Sowjetunion betrieben mird, während der japanische Imperialismus fich ihrer bemächtigen möchte. Nach den bestehenden Verträgen sind die Militärtransporte, die die chinesische Ostbahn ausführt, zu bezahlen. Tschang jolin dagegen übt feit langem die Bragis, feine Truppen widerrecht lich unentgeltlich befördern zu lassen. Seine Schulden bei der Bahn betrugen zuletzt über 14 Millionen Dollar. Er war von der Bahnverwaltung nicht dazu zu bringen, seine Zahlungsverpflichtungen anzuerkennen. Als die Direktion der Bahn die Militärtransporte unterbinden wollte, machte Tschangfolin, nach der Darstellung der Sowjetregierung ,,, der Direktion die Ausführung ihrer Funktionen unmöglich". Das Militär Tichangjolins zwang die Bahnbeamten sich schriftlich zu verpflichten, die Befehle des Militärkommandos und nicht die der Bahnverwaltung auszuführen. Wer sich weigerte, wurde verhaftet, Züge wurden von militärischen Kommandos eigen mächtig befördert, der Eisenbahntelegraph besetzt, die Gewerkschafts. verbände der Eisenbahnbeamten verboten und ihre Räume versiegelt. Schließlich ließ Tschangfolin den russischen Direktor ber Ostchinabahn Iwanow und drei seiner höheren Beamten ver haften. Daraufhin hat Tschitscherin, durch den Sowjetbotschafter Kara chan in Beting, an den Chef der chinesischen Erefutive und durch den Sowjetkonsul in Mukden an Tschangfolin ein ultimatum ge fandt:„ Die Sowjetunion erwartet von der chinesischen Regierung innerhalb dreier Tage, daß sie alle notwendigen Maßnahmen zur friedlichen Lösung der Streitfragen ergreift... fie fordert die volle Wiederherstellung der Ordnung und bie Freilassung 3wanows innerhalb von drei Tagen... Falls die chinesische Regierung aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage sein sollte, eine friedliche Lösung der Streitfragen in der erwähnten Frist gewährleisten zu fönnen, ersucht die Sowjetwähnten Frist gewährleisten zu fönnen, ersucht die Sowjetregierung die chinesische Regierung, der Sowjetunion zu er= lauben, mit eigenen Kräften die Verwirklichung des Bertrages über die Dftchinabahn zu sichern und die beiderseitigen Interessen an dieser Bahn zu schüßen." Dieses Ultimatum richtet sich an China und an Tschangjolin; es ist mit feinem Worte darin die Rede davon, daß die Sowjet union hinter dem Borgehen Tschangsolins eine andere Macht vermutet. Auch die offiziöse Sowjetpreffe ift bemerkenswert vorfichtig mit Hinweisen darauf, daß man Japan als Treiber hinter Tschangfolin zu suchen habe. So spricht 3. B. die sweftija" nur von der unfelbständigkeit Tschangfolins, der durch irgendeine an Berwicklungen in Oſtaften interessierte Macht gelenkt wird". Und eine offiziöse Darstellung der Sowjettelegraphenagentur über die Borgeschichte des Ostbahnkonflikts deutet ebenfalls mur vorsichtig an, daß der japanische Konful auf jede Weise versuche, das Konsul forps in Charbin, zu einem Eingreifen in den Konflikt zu veran laffen". *** Sucht so die Sowjetunion den offenen Konflikt mit Japan offenfichtlich zu vermeiden, so tut auch Japan so, als ob hinter dem ruffi schen Konflikt mit Tschangfolin nicht der Gegenfag mit der Sowjet union über die Beherrschung der Mandschurei stünde. Der japa nische Außenminister hielt am Sonnabend im Barlament zu Tofio eine Rede, in der er einen Rückblick auf die Unruhen in China gab und u. a. ausführte: Obwohl wir nicht daran zweifeln, daß Tschangsolin wie General Kuo bei ihren militärischen Operationen die Rechte Japans voll achten würden, mußten wir doch befürchten, daß die Kriegführenden gegen ihren Willen nach der Eisenbahnzone zu drängen würden. Daher hatte sich die Regierung Mitte Dezember entschlossen, die japanischen Truppen in der Mandschurei auf die normale Stärte zu erhöhen; nach der Bieberherstellung des Friedens, hat fie sie wieder zurüdgerufen Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß Japan in ber Mandschurei und in ber Mongolei mesentliche Rechte und Intereffen besitzt. Um diese zu schüßen, waren wir gezwungen, die erforderlichen Bor tehrungen zu treffen. Obwohl die Wiederherstellung der Ruhe somohl im Interesse der dort lebenden japanischen Staatsangehörigen als des chinesischen Wolfes zu wünschen ist, ist China hierfür allein verantwortlich. Würde Japan ohne triftigen Grund die Berantwortung für die Herbeiführung friedlicher Zustände übernehmen, so würde dies im Widerspruch zu den grundlegenden Begriffen über die internationalen Beziehungen stehen. An einer folchen Aktion fönnen wir fe in esfalls teilnehmen.(!). Unsere Beziehungen zur Sowjetunion find erfreulicherweise auch weiterhin noch in ständiger Entwicklung begriffen. Der erfolgreiche Abschluß der Berträge über die Del- und Kehlentonzessionen in Nordsachalin sind ein Beweis dafür, daß die Gefühle guter Nachbarschaft beide Bölker in gleicher Weise beseelen. Gerüchte, die der Sowjetunion gewiffe Angriffsabfichten in der nördlichen Mandschurei vorwerfen, find nach meinen Informationen nicht glaubhaft. Seit der offiziellen Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Japan seit einem Jahre, haben wir mit der Somjetregierung in ständiger inniger Verbindung gestanden und von Zeit zu Zeit alle Fragen im offenen Meinungsaustausch besprochen." • So dämpfen die beiden Hauptträger der ostasiatischen Bolitif, die Sowjetunion und Japan, ihre Sprache. Aber die Schwäche Chinas, des Objektes ihrer Politit, macht den Zusammenstoß der Sowjetunion mit Tschangfolin zu einer ernsten Gefahr. Noch ist nicht abzusehen, ob Tschangfolin zurückweicht und das gefährdete Prestige der Sowjetunion wiederherstellt. Es ist schwer zu be urteilen, wie weit Japan Tschangsolin in der Hand hat. Spitzt sich der Konflikt um die Militärtransporte der Ostbahn schärfer zu, so droht ein Zusammenprall bes japanischen und des Sowjetrussischen 3mperialismus. Freilaffung Iwanoffs? Peking, 25. Januar.( Reuter.) Der russische General fonful in Charbin hat an den Sowjetbotschafter Karachan ein Telegramm gesandt, in welchem er ihm mitteilt, daß Tschangtfolin gestern abend die Freilassung Iwanoffs und aller anderen Sowjetbeamten und Arbeiter, die in Charbin ver. haftet worden waren, angeordnet habe. Andere amtliche Telegramme erwähnen die Freilaffung Iwanoffs nicht, sondern heben hervor, daß der russische Sekretär der Ostchinabahn erklärt habe, wenn China das Ultimatum nicht erfülle, so würden die roten Truppen vorrüden und die Leitung per Bahn übernehmen Arbeiterjugend und Theaterkunft. Im Arbeiterjugendheim in der Lindenstraße sprach am Sonntag abend der Dramaturg der Boltsbühne, Genosse Dr. Neftriepte, über das Thema: Arbeiterjugend und Theater". Er zeichnete das Verhältnis der Jugend zur Problematik des Theaters, das bei der Kunst im besten Sinne immer ein innigeres als das der Erwachsenen gewesen sei. Insbesondere die Arbeiterjugend, die früh zeitig die Not des Alltags fennen lernte und weniger oberflächlich an die künstlerisch dargestellten Konflitte des Lebens herangeht, habe eine lebendigere Einstellung zum Theater. Nestriepte tnüpfte an die primitiven Stegreifipiele und die kultischen Darstellungen der Naturvölfer an. Dieses unbewußte Komödiantentum sei von einem unerhörten Gemeinsamkeitstrieb, einem Kollektivrausch getragen worden. Tie moderne Bühne mit ihrer Ballung technischer Effekte erziele ihre Wirkung nicht aus dem Bolt heraus, sondern wirke von außen auf es ein. Wenn auch auf dieser Bühne starte Wirkungen erzielt werden können, so hat sie doch an unmittelbarer Beeinflussung sehr starf verloren. Ihre Erschütterungen sind sehr selten geworden. Das Theater von heute ist zum Geschäftstheater geworden. Birt schaftlich wie ideell herrschen anarchische Brinzipien. Das System der Barenerzeugung, das unsere Theater pflegen, führt zur Berflachung der Amüsierinstitute. Der Redner schilderte sodann die organi satorische Gliederung der Boltsbühne, die eine Kollektivgemein fchaft mit planwirtschaftlichem Aufbau set. Wenn auch die ideelle Homogenität der früheren Bolksbühnengemeinschaft durch die zahlen: mäßige Entwicklung einem gewissen unvermeidbaren Lavieren gewichen sei, so zeigten sich hier doch neue Wege zu einer theatra Jedenfalls stände die Iischen Gemeinschaftsfultur. Boltsbühne mit ihrem ernsthaften Spielbetrieb meit über dem Niveau der heute üblichen Theatermacherei. Neftriepte behandelte sodann furz die Bersuche, das traditionelle Berufstheater zu überwinden, berührte die Laienspiele, die eine Nachahmung des Theaters mit unzulänglichen Mitteln seien, sowie den kommunistischen Proletkult, ( Mitspielen des Publikums und vollständiges Fallenlaffen des Berufsschauspielers), den er für ein beachtliches, aber gefährliches gibt ihm aber nur so weit Existenzberechtigung, als es neue Jbeen Experiment hält. An fich lehnt der Sprecher das Laienspiel nicht ab, und Wege aufweist. Zum Unglück in der Kirchstraße 9. Einer, der sich selbst bezichtigt. Das Explosionsunglüd in der Kirchstr. 9 hat bei dem 19jährigen Musiker Ernst hippe, der im Unglüdshause als Untermieter junge Mann tam gestern in das Birchow- Krankenhaus, wo er angab, gewohnt hatte, eine Art von Verfolgungswahn erzeugt. Der daß er durch seine Unachtsamkeit die Explosionstata strophe verschuldet habe. Er gab weiter an, daß sich in dem Hause Kirchstr. 9 ein großes Munitionslager befunden habe, daß noch jetzt große Munitionsbestände dort seien und daß er fich fürchte, dorthin zurückzukehren. Der junge Hippe verdient feinen Lebensunterhalt als Musiker, und er behauptete, daß sein Kapell. meister ihn in das Krankenhaus geschickt habe, da er über heftige Kopfschmerzen flagte und seinen Beruf nur mangelhaft ausüben fonnte. Die Aerzte untersuchten den H. auf seinen Geisteszustand und find zu der Ansicht gekommen, daß er an Berfolgungswahn leide. Sie hoffen jedoch, daß sich der Zustand des Unglück lichen bessern werde, wenn einige Zeit vergangen sein wird und die Erinnerung an das Unglüd verblaßt ist. Ergänzend wird gemeldet, daß sich auch andere ebenfalls bei den Behörden mit der Selbstbezichtigung, das Unglück verschuldet zu haben, gemeldet hatten. Auch bei ihnen fonnte festgestellt werden, daß es sich um Wahnvorstellungen handelte. Die Kinderpflegerinnenschule des Fröbelvereins. Eine Schule für Kinderpflegerinnen war vom Berliner Fröbelverein schon vor mehr als sechs Jahrzehnten gegründet worden. Nach stätte durch die Not der Kriegsjahre und durch die als Hinterlassen einem halben Jahrhundert erfolgreichen Birkens wurde diese Lehrfchaft des Krieges über uns hereingebrochene Geldentwertung in schwere Bedrängnis gebracht, und in der schlimmsten Zeit von 1923 mußte sie ihre Arbeit völlig einstellen. Nachdem sie dann im Frühjahr 1924 wieber eröffnet worden war, erlangte sie ziemlich rasch wieder eine beträchtliche Zahl von Schülerinnen. Jezt ist die Kinderpflegerinnenschule nach Niederschönhausen hinausper. legt worden, und sie hat dort das Haus Lindenstr. 14b bezogen, das fie mit dem Heim für Kriegerwaisen der Stadt Berlin 3ogen, das sie mit dem Heim für Kriegerwaisen der Stadt Berlin find, wurden am Sonnabend mit einer fleinen Feier eröffnet. Unter teilt. Die neuen Räume, die zweckmäßig und freundlich eingerichtet ben Gästen des Vereins waren Bertreter des Jugendamtes der Stadt Berlin, der Bezirksjugendämter von Bankow und anderen Bezirken, des Provinzialschulfollegiums, des Ministeriums für Handel und Gewerbe. Die Bereinsvorsigende, Frau Wiener Pappen heim, eine Tochter des Professors Pappenheim, der einst den Berliner Fröbelverein gegründet und Fröbels Erziehungsgrundsäge zu verbreiten sich bemüht hat, schilderte in ihrer Feftrede die Entwid lung der Kinderpflegerinnenschule. Mehr als 2000 Mädchen sind durch diefe Schule hindurchgegangen, die ihnen eine Ausbildung nicht nur in der Kinderpflege, sondern zugleich in der Hauswirtfchaft gibt. Zu den Schülerinnen, deren Zahl sich bei Beginn des Schuljahres 1925/26 schon wieder auf 120 belief, gehören auch die in dem Hause wohnenden Kriegerwaisen. Glückwünsche wurden von den Bertretern des Ministeriums, des Berliner Magistrats und des Bezirksamtes Bantom überbracht. Stadträtin Genoffin Beni, die als Beauftragte des Magistrats sprach, betonte den über alle Schwierigkeiten hinweg in bie 3utunft blidenden Dp timismus, der dieses Werk zustande gebracht hat. Auch die Kleinen aus den Kindergärten des Vereins waren durch Deputationen" vertreten, die glückwünschend Blumen und andere fleine Spenden brachten. Die Schülerinnen verschönten die Feier durch Gesangvorträge. Polizeihilfe für Fortbildungsschulen. In den Pflicht- Fortbildungsschulen hat die Erzwingung des Schulbefuches oft Anlaß zu Klagen gegeben. Daß bei den herangezogen werben fann, ift mit dem Wesen der Schule, Zwangsmaßregeln sogar die Polizei zur Mitwirtung auch der Fortbildungsschule, schwer in Einklang zu bringen. Wie dabei verfahren wird, zeigt folgende Anfrage, die in der Stadt verordnetenversammlung von ber fozialdemokra tischen Frattion an den Magistrat gerichtet worden ist: ,, An Berliner Fortbildungsschulen werden die Schülerinnen für Schulverfäumnis mit Strafftunden Sonntag vormittags von 10 bis 1 Uhr bestraft. Wenn die Kinder zu diesen Stunden nicht erscheinen, werden sie durch die Polizei vorgeführt. Bei solcher Gelegenheit werden die Kinder häufig schon um 6 Uhr aus der Wohnung geholt und bis um 10 Uhr auf der Bache gehalten. Sind dem Magistrat diese unglaublichen Mißstände bekannt und gedentt er für schleunige Abstellung zu forgen?" Der Magistrat hat sich schon zur Beantwortung dieser Anfrage bereiterflärt. Sie steht auf der Tagesordnung der nächsten Stadt. verordnetenfißung. Eine Protestkundgebung des Handwerks. Am Sonntag vormittag fand eine Brotestfundgebung des Innungsausschusses der Bereinigten Innungen zu Berlin in dem überfüllten Saal der Handwerkskammer in der Teltower Straße statt. Der Redner, Abgeordneter Holzammer, wandte sich gegen das Gesez des Preisabbaues und unterzog die einzelnen Paragraphen einer scharfen Kritit. Das Handwerf fönne verlangen, auch in dieser Frage gleich behandelt zu werden. Neben der Aufhebung des Gesetzes wurde eine Herabfegung der für das Handwert unerträglichen Steuern gefordert. An die Regierung wurden perschiedene Forderungen gerichtet, die sich auf Bereinfachung der aufgeblähten Wirtschafts- und Steuergesch gebung in Reich, Ländern und Kommunen, sparsame Berwaltung, Anpaffung der sozialen Lasten an die Notlage der Wirtschaft, Ermäßigung der Eisenbahn- und Posttarife sowie eine wirtschaftsfördernde Kreditpolitik und Beseitigung aller wirtschaft und produktionshemmenden Maßnahmen, besonders auf dem Gebiete des Wohnungsbaues bezogen. In einer Entschließung wurden den zuständigen Stellen die in dem Referat dargelegten Forderungen unterbreitet. Der Wetterumschlag. Berkehrsstörungen neues Hochwasser? die üblichen Begleiterscheinungen für den Fußgänger, Straßen- und Das am Sonnabend überraschend einsetzende Tauwetter hats Fuhrwerfsverkehr gezeitigt. Während noch gegen die Mittags stunden ein Gemisch von Regen und Schnee herabriefelte und den Boden mit einer Glatteisfläche überzog, stieg die Temperatur in den Nachmittagsstunden auf etwas über brei Grad Bärme. Es entstand so ein rechter Berliner Matsch". Auf den Straßenbahnverkehr wirkte dieser Bitterungsumschlag einige Zeit lähmend ein. So fonnten an Straßenfreuzungen, hauptsächlich aber an den Weichen endlose Ketten von Straßenbahnen beobachtet werden, die infolge Verschlammung der Weichen zum unfreiwilligen Halten gezwungen wurden. So ist auch wahrscheinlich eine größere Verkehrsstörung, die an der Kreuzung Französische Straße und Martgrafenstraße entstand, auf Berschlammung einer Weiche zurüdzuführen. Ein Triebwagen der Linie 61 sprang aus den Schienen und stieß dabei auf den Anhängemagen eines aus entgegengesetter Richtung kommenden Straßenbahnzuges der Linie 60 E. Durch den Anprall wurde der 47 Jahre alte Schaffner Wilhelm Barchert aus Weißensee, Berliner Allee 216, Don der Plattform geschleudert. Er zog sich Quetschungen und starte hautabschürfungen zu und wurde auf der nächsten Rettungsstelle verbunden. Bie wir bereits in der Sonnabend Abendausgabe mitteilten, verunglückten infolge der Glätte allein am Sonnabendvormittag nicht weniger als 18 Personen. Diese Zahl wird um weitere 30 Glätteun= fälle, die fich in den Nachmittagsstunden ereigneten, vermehrt. Glücklicherweise waren die Verlegungen leichterer Art und der größte Teil der Berunglückfen, außer zmei Frauen, die infolge schwerer Berlegungen in ein Krankenhaus übergeführt werden mußten, fonnten die in allen Straßen zu beiden Seiten lagerten, haben so durch den in ihre Wohnungen entlassen werden. Die ungeheuren Schneemassen, niedergehenden Regen und die warme Temperatur einen recht natürlichen Abgang gefunden. Trotzdem arbeitet die Berliner Straßenreinigung noch immer mit vielen Hilfskräften, um den letzten Rest des Schnees aus dem Straßenbild zu beseitigen. Die Ermärmung hat sich am Sonntag noch fortgesetzt und es wurden Temperaturren von plus 8 Grad gemeldet. Die Wetteraussichten für die nächsten Lage befagen, daß eine meitere Erwärmung eintreten wird, und daß mit wiederholten Regenfällen zu rechnen ist. Besonders hart wurden durch das Tauwetter die vielen wintersportlichen Veranstaltungen, die für gestern vorausgesagt waren, betroffen. Aus Thüringen, aus dem Harz, sowie dem Erzgebirge wird gleichfalls Tauwetter gemeldet. Allerdings vollzieht sich der Witterungsumschlag nicht so plöglich wie in der Tiefebene. Die Wassermassen, die wieder zu Tai gehen, lassen zwar die Flußläufe start anschwellen, doch ist ein Uebertreten über die Ufer in dem Umfange, wie es fürzlich bei der Hochwassertatastrophe, in Westdeutschland der Fall war, vorläufig nicht wahrscheinlich. In Bayern und im Riefengebirge dauert der Frost noch an und es sind auch noch keine Anzeichen für einen Wetterumschlag in diefen Landesteilen vorhanden. Reichsbanner- Rundgebungen gegen die Fürstenabfindung! Am kommenden Mittwoch, den 27. Januar, abends 8 Uhr, ver anstaltet das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold in Gemeinschaft mit den republikanischen Barteien sieben große Rundgebungen gegen die Fürstenabfindung. Zu dem Thema werden das Wort ergreifen: Reichstagspräsident Paul Löbe, die Reichstagsabgeordneten Künstler, Mofes, Scheidemann, Sollmann, Stelling fowie Hellmut von Gerlach, Senatspräsident Dr. Großmann, Bürgermeister a. D. Heßlein, Heinrich Löffler, Dr. Sonnenschein und Redakteur Wilh. Nowad. Weitere Redner werden noch bekanntgegeben. Die Bersammlungen finden in folgenden Lokalen statt: Germania- Säle, Chausseestr. 110, jäle, Hafenheide, Mörners Blumengarten, Oberschöneweide, Hennings Neuer Saal des Schweizergartens, Am Friedrichshain, Kliems FestFestfäle, Am Bahnhof Lichterfelde- Dft, Stadt- Theater Röpenid, Seiz Festfäle, Spandau, Wittenbergplak, Charlottenburg. RePublitaner, forgt für guten Besuch der Beranitaltungen! Rigorose Kürzungen der Erwerbslosenunterfügung. Die Not der Erwerbslosen ist riesengroß und sie zu mildern eine der wichtigsten Aufgaben der Behörden. Aber ebenso notwendig ist es schon aus pinchologischen Gründen, großzügiger vorzugehen, als dies im allgemeinen geschieht. So ift mit Gewißheit anzunehmen, daß von einer Hebung der Arbeitsfreudigkeit nicht die Rede sein kann, wenn auf Grund gefeßlicher Borschriften die geringe Wochenunterstüßung von 9,75 m., die z. B. der Arbeitslose, dessen Frau arbeitet, verdient, um rund 6 M. gekürzt wird, wenn es ihm gelungen ift, für zwei Tage in der Woche Arbeit als Schneeschipper zu bekommen. Der Erwerbslose befam für 17 Stunden schwerer Arbeit, die naturgemäß auch Unfoften entstehen läßt, 11,50 m., so daß es mehr als fleinlich ist, so radikale Kürzungen vorzunehmen. Die Möglichkeit des Nebenverdienstes besteht sowieso nur in Ausnahmefällen. 6 Uhr auf bisher nicht geklärte Weise im Alpendorf" ein Brand Feuer im„ Alpendorf". Im la p" brach gestern früh um aus. Aus diesem Grunde bleibt das Etablissement auf 8 Tage geschloffen. Billige Fischtage. Wegen großer Heringsfänge finden am Montag, Dienstag und Mittwoch, vom 25. bis 27., billige Fischtage statt. Es fommen zum Verkauf: prima lebendfrische grüne heringe pra Pfund 25-30 Pf. Auch frische Ostseefchollen find preiswert am Markte. Die Verkaufsstellen find durch Plakate fenntlich gemacht. ginnt am 26. Januar 8 Uhr abends mit einer Forscherfahrt durch Spiz Deffentliche Vorträge im Museum für Meerestunde. Die 2. Reihe bebergens Polarwelt mit Sti und Faltboot. Weiterhin werden an den darauf folgenden Dienstagen behandelt: Die Bedeutung des Erdöls für Schiffahrt und Seemachtpolitit; erfahrten des Odysseus; Mittelmeermad te und Türkei; Zehn Jahre Rheinschiffahrt; Bogelberge im Meer; Trodenlegung der Zuider See. Karten für die Reihe( 2,50 W.) und für einzelne Borträge( 50$ f.) jederzeit und an den Vortragsabenden im Museum Georgenstr. 34/36. Groß- Berliner Parteinachrichten. 108. Abt. Röpenid. Der zu heute, Montag, angelegte Frauenabend muß wegen besonderer Umstände ausfallen Die Genoffinnen beteiligen fich reftios an ber Rundgebung des Reichsbanners am Mittwoch, den 27. januar, im Großen Saal bes Stadttheaters 125. Abt. Weißensee. Die neuen Fun'tionärfarten find vom Genoffen Daeichner, Gebanftr. 49, jofort abzuholen, da am Dienstag große Functionärversammlung. Vorträge. Dereine and Derfammlungen. Arbeiterabftinentenbund, Ortsgruppe Berlin, heute abend Bortrag des Gen. Brof. Dr. Magnus Hirschfeld über Altohol und Geschlechtsleben", um 8 Uhr im Saedeljaal bes Gegual hygienischen Instituts, In ben gelten 10. 7, Uhr Mitgliederversammlung in be Sehengonjenjälen, Stoßer Saal Berelu der Freibenter für Feuerbestattung, 6. Desirt, Kremberg. Sente abend Rottbujer Damm, Gewerkschaftsbewegung Die italienischen Gewerkschaften. Sie laffen den Mut nicht sinken. 3B.) Troß der Bernichtung ihrer Organisationen und der Werbrüdung ihrer Breffe laffen die italienischen Kameraden den Rut nicht sinken, sondern sind bestrebt, als gute Tattifer das Unabänderliche in überlegener Weise zu meistern und im Rahmen des Möglichen die Grundlagen für günftigere Zeiten zu legen. Als zirkular Nr. 1 erscheint soeben furz nach dem großen Schlag Mussolinis bereits wieder tas erste Zeichen neuen Lebens. Unter der Parole" Das freigemert chaftliche Haus muß wieder aufgebaut werden" wird darin über die legte, sehr bedeutungsvolle Sigung der Landesegetutive des Italienischen Gewerkschaftsbundes berichtet und Zeugnis dafür abgelegt, daß die italienischen Kameraden den dunklen Machenschaften des schwarzen Diktators nicht mit ähnlichen Mitteln, sondern mit jener Offenheit begegnen wollen, die ein Grundprinzip sozialistischer Weltanschauung ist. In den die neuen Grundlagen betreffenden Erwägungen heißt es u. a.: Die freie Gewerkschaftsbewegung fann sich ihrer Natur nach nicht in finsteren Kellern entwickeln und nicht im Finstern leben. Sie darf und will sich nicht einer Maste bedienen, die eine Atmosphäre dauernder Berdächtigung um sie schafft. Sie braucht Licht und Sonne. Bei der Errichtung des neuen Hauses muß den durch die Gesetze geschaffenen Bedingungenen Rechnung getragen merden. Wir haben vorläufig die Möglichkeit, als de facto Ge mertschaften zu leben. Nun, se nehmen wir dieses gesetzliche Recht in Anspruch! Die Funktionen unserer Organisationen werden in Zukunft ziemlich eng begrenzt sein und sich vor allem auf positive fritische Studien, sozial- gewertschaftliche Erziehung und technische fowie moralische Hilfe leistung beschränken." 9 In einer Resolution, die zunächst die durch die neuen Gesetze geschaffene Lage schildert, wird die neue Struktur der Bewegung dargelegt. Die Diftrittsorganisationen, d. h. die Arbeiterfam. mern und Sefretariate, werden durch Vertrauens männer ersetzt, die von der Landesexekutive ernannt werden, und zwar wenn möglich im Einvernehmen mit ten lofalen Set tionen. Diesen Bertrauensleuten werden von den interessierten Seftionen oder Gruppen gewählte beratende Komitees beigegeben. Als einzige tatsächliche Organisationen werden demnach für den Augenblick die nationalen gemischten und Berufsföderationen übrig bleiben. Die Berufsföderationen, die nicht über die nötigen Mitglieder( laut Gesetz 10 Proz. der in der resp. Intustrie beschäftigten Arbeiter) und finanziellen Mittel verfügen, um sich autonom machen zu fönnen, werden unter Mithilfe gemischter beratender Komitees der resp. Kategorie von der gemischten Föderation vermaltet. Aus der Pianomechanikfabrik von Fauth. Malfräfierung eines Kriegsbeschädigten. Wirtschaft Bodenschätze in der Weltwirtschaft. " Bir berichteten schon an dieser Stelle, daß in der Pianomechanit. fabrit von Fauth, Schlesische Straße 18, die Arbeitnehmer feit dem 7. Dezember gegen einen 25 prozentigen LohnIn der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft sprach am Freitag abend abzug in einem Abwehrkampf stehen. Der Betriebsleiter Vizepolizeipräsident Dr. Friedensburg über Bodenschäze Sedert hat bisher große Anstrengungen gemacht, um Arbeits= als Faftoren der Weltwirtschaft". Nach einleitenden willige, insbesondere weibliche Jugendliche anzu Worten über die allgemeine Bedeutung von mineralischen Bodenwerben. Es ist ihm auch gelungen, mit den Vorarbeitern des schäzen in wirtschaftlicher, politischer und handelspolitischer BeBetriebes unter Zuhilfenahme einiger weiblicher Streifziehung tam der Vortragende zu dem Schluß, daß man im allgebrecher den Betrieb notdürftig aufrecht zu erhalten. Mit größter meinen zu einer Ueberschätzung der Wichtigkeit des Vorkommens Anstrengung wird unter Heranziehung aller Angestellten, die augen- von Mineralien hinneige. So seien z. B. die den Laien bekannten blicklich geringe Nachfrage an Mechaniken notdürftig gedeckt. Minerale Gold und Silber relativ wenig bedeutend, sobald man Im Betriebe arbeitete u. a. auf ein schwerbeschädigter Kollege fie vom Standpunkte weltwirtschaftlicher Betrachtungsweise ansehe. Kretschmer, den die Streifenden verpflichteten, die Arbeit im An dem Beispiel des Kupfers, wo die Verhüttungstechnik in den Betriebe beizubehalten. Dieser Kollege, der langjähriges Mitglied Bereinigten Staaten die Roherze anderer Länder und Erdteile zu des Deutschen Holzarbeiterverbandes ist, hatte nicht die Sympathie fich hinzieht, und am Beispiel der Blei- Zinkerze, in deren Verhüttung des Herrn Heckert, weshalb es zu wiederholten Zusammenstößen ge= Deutschland eine Ari Monopol vor dem Kriege besaß und jetzt fommen ist. Am 18. Januar vor Arbeitsbeginn unterhielt sich der wieder erlangt hat, wurde die Wichtigkeit des technischen ApKriegsbeschädigte Kretschmer mit einer Streitposten stehenden Ar- parates und der technischen Leistungsfähigkeit eines Landes darbeiterin, was er schwer zu büßen hatte. Als er im Betrieb seinen getan, das, gestützt auf diese Vorteile, selbst dann zu einer weltArbeitsplatz einnahm, trat der Herr Betriebsleiter wirtschaftlich wichtigen Position gelangen fann, wenn die eigenen edert mit pöbelhaften Beschimpfungen an ihn heran und er Bodenschäze relativ geringfügig sind. Am Beispiel des Verhält laubte sich ehrenfräntende Beleidigungen, gegen die Kretschmer mit niffes von Kohle und Eisenerz ,, bas Erz wandert zur Kohle", meil aller Entschiedenheit Verwahrung einlegte. Als er sich den auf ihn die Frachtunkosten für Kohle ein mehrfaches wie diejenigen für entwickelte Dr. Friedensburg dann seine Hauptthese, daß eindrängenden Hedert versuchte vom Leibe zu halten, sprang sein in Eisen Bereitschaft stehender Schwager hinzu, pacte den schwerbeschädig die Borkommen an Kohle für die weltwirtschaftliche Stellung ten Kretschmer, der wegen einer Beinverlegung an sich nicht stehen eines Landes in erster Linie oder sogar allein maßgebend seien. fann, um den Hals und würgte ihn, warauf edert und Da etwa 40 Prozent der gesamten Kohleförderung für die Eisenfein Schwager mit Fäusten auf ihn einschlugen. Nur mühsam industrie gebraucht werden, ist die Orientierung der Eisenindustrie an gelang es Kretschmer, sich dieser Beiniger und Raufbolde zu ent- den Fundstellen der Kohle und nahe an den Stätten des Verbrauchs ledigen und eilte auf die Straße, um die Schupo, die zum Schutz das wichtigste Beispiel, dem jedoch für andere industrielle Rohstoffe, des Betriebes vor dem Tor Aufstellung genommen hatte, auch für so Textilien und Chemikalien, weitere Beispiele anzufügen wa.en. fich in Anspruch zu nehmen. Zwei Beamte leisteten seiner Auf- Nach einem furzen Ausblid auf die Bedeutung von Erdölen und forderung Folge, so daß es ihm auf diese Weise möglich wurde, feine Rali fchloß Dr. Friedensburg seine Ausführungen mit einer MahKleider aus dem Betrieb zu holen. nung, unangebrachten Pessimismus angesichts der günstigen Kohlenlage Deutschlands nicht entstehen zu lassen. Diese Borgänge erhellen mit aller Deutlichkeit die Gefahren, denen sich Arbeiter, die in diesem Betrieb Arbeit nehmen wollen, ausfeßen. Klassenbewußte Arbeiter werden sich schämen, mit solchem Gesindel Verbindungen anzuknüpfen und die in der Musikinstrumentenindustrie beschäftigten Arbeitnehmer werden es sich angelegen sein lassen, diesen schmutzigen Elementen zur gegebenen Zeit das Handwerk zu legen. Arbeiter und Arbeiterinnen! lehnt es ab, Arbeitsangebote in diesem Betrieb anzunehmen, da der Be. trieb vom Holzarbeiterverband gesperrt ist. Ab- und Aufbau bei Aschinger. Die bekannte Firma Aschinger hat am Sonnabend über 100 Angestellte gekündigt. Wie die Geschäftsleitung mitteilt, würden noch weitere Kündigungen erfolgen. Merkwürdig bei diesen Kündigungen ist, daß die Firma bisher jede Arbeitsstreckung, die im Gastwirts Die nationale Exekutvie, die ihre früheren, durch die neue Sachbetriebe ohne irgendwelche technische Schwierigkeiten leicht durchzulage ergänzten Befugnisse hat, setzt sich aus dem Generalsekretär führen ist, abgelehnt hat. Sie hatte gleichzeitig die Anfündigung Buozzi und den Sefretären Carlo Azimonti und Battista dieser Entlassung dazu benutzt, um auf das Personal, das sich nicht bei der Firma beföstigen läßt, einen Drud auszuüben. Die Firma Maglioni zusammen. In wichtigen Fällen wird die Exekutive die Genossen Bentivoglio, Galli, Galbiati, Reina, Bensi und Viotti geht so weit, in einem Rundschreiben an die Angestellten zu be haupten, daß viele der Angestellten sich von der Firma beföstigen hinzuziehen. ließen, ohne dafür zu zahlen. Diese Behauptung wirft ein eigen tümliches Licht auf die Organisationsfähigkeit der Betriebsleitung. Jahresversammlung im Sattlerverband. 85 Prozent Arbeitslose und Kurzarbeiter. Der Verband der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller hatte am. Donnerstag im Gewertschaftshaus seine Jahresgeneralversamm lung, die sehr gut besucht war. Aus dem gedrudt vorliegenden Kassenbericht, der vom Kassierer Weyher erläutert wurde, geht hervor, daß der Einnahme der Hauptkasse von 179 576,70 m. eine Ausgabe von 176 935,40 m. gegenübersteht. Die Einnahmen der Lokalkaffe belaufen sich auf 84 185,99 M., die Ausgaben auf 48 973,44 M. Der Mitgliederbestand belief sich am 1. Januar 1925 auf 4038 männliche und 689 weibliche Mitglieder, am 31. Dezember 1925 auf 4207 männliche und 607 weibliche Mitglieder. Den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr gab der 1. Bevollmächtigte Müller. An verschiedenen Beispielen mies er nach, daß bei den Kämpfen im Berichtsjahr, die hauptsächlich um die Erhaltung des Achtstundentags gingen, die Berufskollegen nicht immer ihre volle Pflicht getan hätten. Der größte Streit war der der Tapezierer, denen es nach 6½wöchiger Streifdauer gelang, den seit 1½ Jahren nicht mehr bestehenden Tarifvertrag mit unwesentlichen Aenderungen wieder in Geltung zu bringen. Der Beschäftigungsgrad hat wie in allen dem Berbande angeschlossenen Berufen besonders gegen Ende des Jahres start nachgelassen. Am 20. Januar waren auf dem Arbeitsnachweis insgesamt 2774 männliche und weibliche Arbeitslose eingetragen, das sind etwa 45 Pro3. der in der Gesamtbranche Beschäftigten. Der Rest der noch in Arbeit Stehenden arbeitet zu etwa 75 Proz. furz. Die Agitationstätigteit muß in diesem Jahre mehr als bisher getrieben werden. Es müssen besonders die vielen der Organisation noch fernstehenden Lehrlinge gewonnen werden. Daran anschließend ging Blume noch besonders auf die Verhältnisse einzelner Branchen, hauptsächlich der Karosserie- und Lederwarenbranche, ein. Bei dem guten finanziellen Stande der Lokalkaffe war es möglich, an die ausgesperrten Autofaftler besondere Extraunterftügungen zu zahlen. Ebenso wurde an etwa 250 ausgesteuerte Erwerbslose eine Extra- Weihnachtsunterstüßung gezahlt. Die Fühlung der Betriebsräte mit der Gewerkschaft muß noch inniger werden als bisher. Bei den Betriebsrätewahlen müssen die gesetzlichen Formvorschriften gewahrt werden, um zu vermeiden, daß Betriebsräte bei Klagen nicht abgewiesen werden, weil sie nicht vorschriftsmäßig gewählt und nach dem Gefeß feine rechtlichen Betriebsvertretungen find. In Wirklichkeit handelt es sich nur um eine bemeislose Behauptung, die zu dem vorhererwähnten Zwed aufgestellt wurde. Während die Firma zu Sonnabend die Kündigungen ausgeiprochen hat, eröffnet sie gleichzeitig in dieser Woche einen Groß betrieb, wo selbstverständlich Neueinstellungen vorgenommen werden müssen. Die Angestellten werden kommenden Mittwoch zu diesen Tatsachen Stellung nehmen. Der Niedergang der KPD. Effen, 25. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Neuwahl der Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes endete mit einem Siege der Amsterdamer über die kommunistische Liste, und zwar mit 866 gegen 794 Stimmen. Damit hat zum ersten Male feit fünf Jahren die Sozialdemokratie wieder die Mehrheit in der Ortsverwaltung. Dieser Sieg ist um so bedeutungsvoller, weil er inmitten der großen Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit erfechten werden konnte und weil er ein deutlicher Beweis für den unaufhaltsamen Rückgang der Kommunisten ist, die bis zum Jahre 1924 unter der Effener Metallarbeiterschaft so start waren, daß überhaupt keine sozialdemokratische Liste aufgestellt werden konnte. Inflationskampf der französischen Bergarbeiter. Paris, 23. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die von der franzöfischen Bergarbeiterschaft eingeleitete Bewegung zur Anpassung der Löhne an die gefteigerten Lebenshaltungskosten hat bisher nur in einzelnen Bezirken Erfolg gehabt. Boll bewilligt wurden die Forde rungen der Bergarbeiter bis jetzt nur in den allerdings beiweitem bedeutendsten nordfranzösischen Revieren der Departements Nord und Pas de Calais. Dort haben die Grubenbesitzer sich bereit erlärt, die im November 1923 bewilligte Teuerungszulage in einer Höhe von 3 Franken pro Schicht, die bereits im November des vergangenen Jahres um 40 Prozent erhöht worden war, um weitere 60 Prozent heraufzusetzen, so daß der Teuerungszuschlag seit dem 16. Januar 6 Franken pro Schicht beträgt. Dagegen haben die Lohnverhandlungen in den Kohlenbezirken des östlichen, mittleren und füdlichen Frankreichs zu feinem Ergebnis geführt, so daß der Borstand des Bergarbeiterverbandes, nachdem ein Schritt beim Arbeitsministerium ohne Einwirkung auf die schwebenden Verhandlungen geblieben ist, beschlossen hat, eine Abstimmung über einen Generalstreik durchzuführen, wenn die Forderungen der Bergarbeiter bis zum 31. Januar nicht bewilligt find. In der Diskussion fonnte an dem Jahresbericht teine Kritit Eine Maffenversammlung der christlichen Gewerkschaften am geübt werden. Bei den Neuwahlen der Angestellten der Orts Sonntag in Essen forderte nach Referaten von Giesberts und verwaltung wurde der bisherige 1. Vorsitzende Müller( KPD.) mit loft, zur Belebung des Baumarktes die Erträgnisse der Haus 290 Stimmen wiedergewählt, gegen 258 Stimmen, die auf Often zinssteuer in verstärktem Maße tem Wohnungsbau zuzuführen. ( SPD) entfielen. Der 2. Vorfigende Blume( SPD.) wurde ohne Neben einer notwendigen Reform der Erwerbslosenfürsorge forderte Begenfandidaten wiedergewählt, ebenso der bisberige Staffierer die Bersammlung vor allem die sofortige Einführung der KurzWeyher( SPD.) Die übrigen bisherigen Angestellten Osten und arbeiterunterstügung. Zur Reform der Erwerbslejenfür. Heinrich( SPD.) wurden mit 344 bat. 367 Stimmen wiedergewählt. forge forderte die Versammlung u. a. eine Erhöhung der Untergegen 191 bzw. 161 Etimmen, die auf die fommunistlichen Gegenstügungsfäße für Alleinstehende, die Einbeziehung der Jugendlichen fandidaten entfielen. Ferner wurde ein Antrag für die entschädi- Don 17 bis 18 Jahren in die Fürsorge und Erleichterungen in der gungslose Enteignung der Fürsten einstimmig angenommen. Prüfung der Bedürftigkeit. Deutsches Theater Städtische Oper 7 Uhr Das Käthchen von Heilbronn Charlottenburg Heute 7 Uhr: Die Fledermaus Kammerspiele Abonn- Turnus II 6122 Uhr 3 Nächte Die Komödie Kurfürstendamm 206/7 8 Uhr Gesellschaft Grobes Schauspielhaus Für Dich CHARELEREVUE TÄGLICH 1. a. 12 G WINTER RTEN Ein Varieté- Spielplan mit nur Höstleistungen unerreichte Elite- Sänger Tägi. Kottbuser Str. 6 Sonntag 8 Uhr Sie lachen 8 Uhr Tränen! Nachm ermäs Preise volles Abd.- Progr Mijares Bros. Darbietungen Desmondes, der Gipfel der Komik Neues Th. am Zoo! Sonntag nachm. 31, Uhr halbe Preise Allabendl 8 Uhr. Rauchen gestattet Reichshallen- Theater Steffiner Sänger Zum 302. Male: Das Deutsche Meer" Lebende Lieder v. Meysel Machm. helbe Preise, volles Abendprog. Dönhoff- Brettl Komponistendarstell. CariBraun! Guido KrausePianos Thielscher miete הי Stöpsel KleinaPreise: Parkett1-2M. Patent 5. Sessel& Faulenil M Ververtent enanterbrochen Ansbacher Str. 1. Erke Kurfürstenstraße Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Barlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen BorwärtsAusgabefellen. Pelzwaren Exportzoll auf Weizen in Polen. Die polnische Regierung hat in Abänderung des ursprünglichen Gedankens einer Getreideausfuhrverbotes eine Berordnung erlassen, wonach auf den Doppelzentner Weizen ein Er portzoll von 15 3loty zu erheben ist. Es verlautet, daß in kurzem auch die Haferausfuhr gedrosselt werden wird. Aus der Partei. Emil Vandervelde 60 Jahre alt. Heute vollendet der Führer der belgischen Arbeiterpartei und jetziger Außenminister Belgiens Emil Bandervelde sein 60. Lebensjahr. Er entstammt einer bürgerlichen Familie, midmete sich aber schon in jungen Jahren dem sozialen Problem und tra. Ingleich der Partei bei. Rit 28 Jahren wurde er sozialistischer Abgeordneter und galt schon nad, turzer et als der Führer der an bervorragenden Köpfen stets so reichen belgischen Partei. Ais das Seiretariat der zweiten Internationale nach Brüssel verlegt wurde, wurde Vandervelde Berfiger.der des Erelutivkomitees. Im Kriege fämpfte er für fein riderrechtlich angegriffenes und heseztes Baterland, an dessen Befreiung er als Mitglied der nach Le Havre geflüchteten Regierung eifrig milarbellcie. Ebenso wirfte er nach Kriegsende am Wiederaufbau seines schwer mitgenominen Landes mit. Aber auch in der Opposition, in der die belgische Partei mehr als drei Jahre lang verharrte, von 1921 bis 1924, nahm Bandervelde die führende Stellung ein. Kaum der Lasten der Regierung lebig, trat er wieder an die Spike der Internationale und nahm an allen ihren bahnbrechenden Arbeiten für die Wiederherstellung eines wahren Friedens hervorragend teil. Im Sommer 1925 murde er nach dem Wahlfieg unserer belgischen Genossen wieder Minister, und zwar übernahm er das verantwortungsvolle Amt des Ministers für auswärtige Augelegenheiten. Kurz nach seinem Amtsantritt zeigte er demonstrativ, daß man auch als Minister die aktive Betätigung für den internationalen Sozialismus nicht zu vernachlässigen brauche: er, der seit einem Menschenalter nie auf einem internationalen Rongreß gefehlt hatte, fuhr nach Marseille und führte in einer Plenarsizung neben Möller, dem sozialistischen Wohlfahrtsminister Schwedens, den Borfiz. Am deutlichsten bewies Bandervelde, daß man, obwohl Minister oder vielmehr gerade als Minister den Idealen der Arbeiterklasse treu und wirksam dienen tann, auf der Ronferenz von Locarno. Seine ausgleichende Tätigkeit ist ganz besonders von den deutschen Unterhändlern Luther und Stresemann anerkannt worden. Aber darüber hinaus erwarb sich dort Banderpelde ein neues Mal die Sympathien und die Dankbarkeit der gesamten Arbeiterinternationale durch seine fühl abweisende Haltung gegenüber den faschistischen Unterhändlern Muffolini und Grandi. Die wüsten Beschimpfungen durch die faschistische Presse und durch Mussolini selbst, die ihm diese würdige Haltung eingetragen hat, haben jedenfalls dazu beigetragen, die Bande zwischen dem europäischen Proletariat und dem heutigen Jubilar noch enger zu ziehen. Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fricbr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 8. 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