Nr. 45 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 23 Bezugsvreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzia. Saar und Memelgebiet, Veſterreich. Litauen. Luxemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Boll und Reit" mit Gied Lung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme ericheint mochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Ronpareilleseile 80 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Biennis ( auläffia awei fettgebrudte Borte. febes weitere Wort 12 Biennra. Stellengesuche das erite Wort 15 Bfennig, tebes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für awei Borje Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Bfennia. Anzeigen für bie näd) fte Stummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. Frake 3, abgegeben werden. Geöffnet Uhr früh bis 5 Uhr nachm. son 8 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Donnerstag, den 28. Januar 1926 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedfonts: Berlin 87 536 Bankfonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballftr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Luther gegen die Deutschnationalen. Er fordert ein Vertrauensvotum.- Heute Entscheidung. 3 Bon Müller zur Klarheit aufgefordert, von Weftarp gim Widerstand gereizt, sprach gestern Reichskanzler Luther zum zweitenmal in dieser Debatte über die Stellung feines Kabinetts. Seine in Tönen stärkster Erregung vorge tragene, von wiederholten Fauftschlägen begleitete Rede bildete den dramatischen Höhepunkt der Sizung. Sie schloß mit der Aufforderung an den Reichstag, sich durch ein Bertrauensvotum zur neuen Regierung zu bekennen. Auf allen Bänken erhebt sich die Frage: Wo soll das Bertrauensvotum hertommen? Bölkische und Kommunisten haben Mißtrauensvoten eingebracht. Die Deutschnationalen haben nach fünfstündiger heißer Sigung desgleichen getan. Bestarps Rede war eine Kampfanfage. Hörte man fie, fo fonnte man glauben, die neue Regierung fei durch und durch marristisch verseucht" und fenne fein höheres Ziel als„ Sozialisierung". Ja, diese zweite Luther Regierung ist von der Sozialdemokratie ab hängig, und darum fagt ihr der Graf Kampf bis aufs Meffer an. Von da aus alio teine Hilfe. Höchstens, daß sich ein paar Deutschnationale bei der entscheidenden Abstimmung perfrümeln fönnten Inzwischen liegt schon ein Antrag der Mittelparteien bor: Die Reichsregierung besitzt das Bertrauen des Reichstags." Befigt fie es? Es ist flar, daß sie es nicht besitzt. In der Koalition der Mitte selbst traut die Rechte nicht der Linken und die Linke nicht der Rechten; die Sozialdemokratie fieht dieses Spiel, sieht die inneren Untlarheiten und WiderSprüche. Die Antragsteller können ihren Antrag höchstens als eine Formalität betrachten, die ausgeführt werden foll, um der Regierung zunächst einmal das Leben zu lassen; foll, um der Regierung zunächst einmal das Leben zu lassen; daß feine Mehrheit da ist, die ein innerliches Vertrauen zu biefer Regierung befizt, wissen sie auch. Kann man von anDeren mehr verlangen, als was man selber hat? " Hermann Müllers fluge, geschickte und wirkungsvoll vorgetragene Rede fonnte nach der Lage der Umstände feinen anderen taftischen 3wed haben, als Aufklärung über die Absichten der Regierung zu erlangen. Dieser 3wed ist, soweit die Außenpolitik in Betracht kommt, erreicht. In der Innenpolitik ließ fich der Reichskanzler nicht aus seiner Referve herausloden. Von den wie wir gern annehmen- ehrlich gemeinten Erflärungen des guten Willens fönnen sich die Arbeitslosen nichts taufen. Wilhelm II. und Baron v. Holstein Zickzackpolitik betrieben haben, find vorbei. Mir brauchen die flare Linie einer ehrlichen Außenpolitit, ohne die ein wirtschaftlicher Aufbau Deutschlands überhaupt nicht möglich ist.( Sehr richtig! bei den Soz.) Und deswegen kann nünftigen Menschen ein 3urüd überhaupt nicht geben. es in bezug auf Locarno und in bezug auf London für jeden ver( Erneute 3uftimmung bei den Soz.) Sehr richtig war es, wenn der Reichsfanzler gestern fagte, die wichtigste Entscheidung der Regierung betreffe den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Aber wann soll diese Entscheidung getroffen werden?( Sehr gut! bei den Goz.) Es femmt darauf an, daß das möglichst bald geschieht. Deshalb sage ich dem Reichskanzler: Hierin ist eine besonders flare Politit notwendig, und er muß den Mut haben, auszusprechen, daß diese Entscheidung feinen Aufschub duldet.( Sehr wahr! bei den Soz.) Was die Haltung der sozialdemokratischen Reichstags: fraktion betrifft, so wird sie voraussichtlich fe in Mißtrauensvotum einbringen und auch für feines stimmen. Sie war aufgefordert, mit den Parteien der Mitte eine Regierungsgemeinschaft zu bilden, sie hat das mit guten Gründen abgelehnt, aber sie war nicht abgeneigt, eine Weile zuzusehen, was die Parteien der Mitte aus eigenem zu vollbringen vermögen. Ob dazu noch eine Möglichkeit vorhanden ist, nachdem sich die Mittelparteien mit ihrem Vertrauensantrag vorschnell fest- feine Macht der Welt fönne den Reichspräsidenten zwingen, die gelegt haben und nachdem Herr Luther mit seinem innerpolitischen Programm weit hinter bescheidenen Erwartungen zurüdgeblieben ist, wird die Reichstagsfraktion heute zu prüfen haben. In der Fortsetzung der Besprechung der Regierungserklärung nahm nach Fehrenbach das Wort Abg. Müller- Franken( Soz.): Die Ausführungen Fehrenbachs waren im Grunde genommen weiter nichts als eine Umschreibung der Rede des Reichstanzlers. ( Sehr wahr! bei den Soz. Zuruf links: Nur etwas öliger!) Beide Redner haben darauf aufmerksam gemacht, daß das Kabinett eine Minderheitsregierung ist, das die Mithilfe anderer Parteien braucht. Aber wie soll diese Mithilfe verlangt werden, wenn das Programm so wenig präzise ist, wie das gestern der Fall war.( Sehr richtig! bei den Scz.) Wenn sich der Reichskanzler auf die Programmerklärung beruft, die er für eine Rechtsregierung abgegeben hat, so ist das am allerwenigsten die Klärung, die wir erwarten mußten.( Sehr wahr! bei den Soz.) Nach der gestrigen Rede des Reichsfanzlers fann man beim besten Willen nicht sagen, daß die jeßige Regierung Luther vom Geist der Linken beeinflußt ist Aufgabe der Debatte ist es, die allgemeinen Formulierungen des Reichstanzlers flarzustellen und dafür zu sorgen, daß sie annehmbar werden. Soz.) Die nofleidenden Maffen tönnen verlangen, daß eine verantwortliche Regierung da ift und daß sich der Zustand nicht wiederDie Ausleger find geschäftig. Luthers Ziel," sagen die einet ,,, war von vornherein eine Beamtenregierung. Er will die parlamentarische Regierung der Mitte untergehen Taffen, um zu zeigen, daß es nicht so weitergeht und daß eine Beamtenregierung fommen muß- natürlich mit ihm an der Spize". Nein, sagen die anderen ,,, eine Beamtenregierung muß doch auch eine Mehrheit haben, wenn sie nicht einen Staatsstreich begehen will. Luther will die Auflösung, und bis auf meiteres will er mit dem Artikel 48 regieren." All das ist gar nicht so tragisch zu nehmen," sagen die Wir befinden uns außen- und innenpolitisch in einer Lage, die britten. Luther rechnet mit einer Stimmenthaltung der So- zielflares Handeln verlangt.( Lebhafte Zustimmung bei den zialdemokraten, dann halten sich seine Anhänger und seine Gegner die Bage, und weil es dann auf jeden Mann anfommt, darum fämpft Luther um die paar Stimmen, die er zum Sieg braucht, mit so großer Leidenschaft." Berbirgt sich hinter den Absichten des Kanzlers wirklich ein bestimmter Plan? Wir haben Grund, es zu bezweifeln. Luther möchte zunächst einmal durch die erste Abstimmung durchkommen. Gelingt ihm das nicht, so wird er sich mit seinem Rabinett noch einmal überlegen, was zu tun ist. Seine Wut gegen die Rechte ist offenbar ehrlich. Seine Fauftschläge sind nicht vor dem Spiegel einstudiert, wie einst der berühmte Fauftschlag, mit dem Bülow im Jahre 1907 die Auflösung des Reichstags anfündigte. Jede Regierung kommt auf dem Gebiet der Außenpolitit immer wieder in Gegensatz zur Rechten, jede erfährt an sich selbst, daß man verantwortliche Politik nicht nach den Rezepten der nationalistischen Demagogie machen kann. Man denkt an Bethmanns Rede gegen die Piraten der öffentlichen Meinung". Mit einer Leidenschaft, die aus nüchterner Ueberlegung herauswächst, befennt sich Luther zu Locarno und zum Bölferbund. Hätte der Reichskanzler für seine Innenpolitik die Logischen Folgerungen aus seiner außenpolitischen Haltung gezogen, so wäre die Aufgabe der sozialdemokrati fchen Reichstagsfraktion, die heute vormittag zu entscheidender Beratung zusammentritt, leicht. Das war ja der Widerspruch, an dem die ganze Luther- Politik bisher immer frankte, daß sie mit antirepublikanischen und antifozialen. Elementen eine Politik der internationalen Verständigung treiben wollte. Daran ist das erste Luther- Kabinett zugrunde gegangen. Und das zweite scheint durchaus nicht auf dem Wege, zwischen äußerer und innerer Politik die notwendige Harmonie zu erreichen. Hier alfo, auf dem innerpolitischen, dem wirtschafts- und fozialpolitischen Gebiet liegen die Klippen, an denen das Regierungsschiff zu scheitern droht. Und selbst wenn es ihm noch gelänge, die erste zu umschiffen, wäre es lange noch nicht aus der Gefahrenzone heraus. holt, den wir jetzt viele Wochen lang erlebt haben. ( Buruf aus dem Zentrum: Durch Ihre Schult!) Ich verwahre mich gegen diesen Borwurf auf das entschiedenste.( Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Als am 25. Oftober die Deutschnationalen ausbrachen, haben wir der Regierung nicht den Rat gegeben, die De mission bis zum 5. Dezember zu verzögern. Ich glaube, das Programm, das uns gestern vorgetragen werden ist, hätte au ch damals in wenigen Tagen gemacht werden fönnen.( Bustimmung und Heiterkeit bei den Goz.) Nach der Demission haben wir nach langwierigen Berhandlungen am 16. Dezember ten flaren Beschluß gefaßt, die große Koalition abzulehnen. Unsere Schuld ist es nicht, daß die heutigen Regierungsparteien bis zum 12. Ja nuar es nicht zuwege gebracht haben, ein so inhaltloses Programm aufzustellen, wie das gestern gehörte, sondern daß sie noch einmal an uns herantraten, um unseren Beschluß noch einmal zu hören. Man wußte doch, daß unser Beschluß aus sachlichen Gründen erfolgte und daß in keiner Weise eine neue Situation geschaffen war! Man hätte nun annehmen müssen, daß nach dem 12. Januar in ganz furzer Zeit die neue Regierung zustande fam, da tas Programm, über das man sich während der vorhergehenden Verhandlungen mit uns bereits geeinigt hatte, fertig auf dem Tisch lag. Es war nicht unser Programm. Denn uns hatte es in fünf Bunkten nicht genügt. Aber plöglich war dieses Programm nicht mehr die Grundlage. Ich nehme doch nicht an, daß das Programm Bassagen enthält, die man nur um der Sozialdemokraten willen aufgenommen hatte, sondern daß das, was damals als Programmwille formuliert war, auch In halt des politischen Bestrebens der beteiligten Parteien gewesen ist. Anstatt der rafchen Einigung fam es aber nach dem 12. Januar zu einem Kampf um die Ministerien, der bewiesen hat, wie berechtigt unser Mißtrauen und unsere Haltung war.( Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Auch die Tatsache, daß in der geftrigen Regierungserklärung das Wort Republit" überhaupt nicht vorkommt, und taß sich der eben noch designierte Kanzler Koch diesen Regierungsparteien für das neue Kabinett als Innenminister untrag bar erwies, beweist die Berechtigung des Mißtrauens. Glaubt man elma, daß das Haus Bayern uns mehr entgegengekommen wäre, als dem Abg. Koch?( Heiterkeit bei den Srz.) Daß fich der Reichstanzler für eine Fortführung der bisherigen Außenpolitit erklärt, ist selbstverständlich. Die Zeiten, in denen = Die Erklärung des bayerischen Ministerpräsiden es nicht nachteilig, wenn es dem Böllerbund fernbliebe, und eine ein Staatshaushaltsausschuß in München, für Deutschland wäre Rede des Abg. Hergt vom 13. Dezember, in der er sagte, Unterschrift zum Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund zu leisten, und die nationale Opposition müsse ihn durch ihren Druck in diefer Richtung unterſtügen, beweisen, daß Kräfte am Werk find, die den Eintritt Jabotieren möchten.( hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch der vorliegende Antrag der Deutschnationalen denfet darauf hin. Die Wünsche, die da serviert werden, find dieselben, die man dem Abg. Schiele auf den Weg gab, als er in das erste Kabinett Luther eintrat. Dieser Minister blieb bekanntlich im Kabinett, machte die Juli- Note mit und stellte damit die Ber= antwortlichkeit der deutschnationalen Fraftion für diese Politit ausdrücklich fest.( Sehr richtig! bei den Sozialdemotraten.) Wir haben gestern dafür gestimmt, über den deutschnationalen Antrag mit zu debattieren, weil wir überzeugt sind, daß in der Debatte über die Regierungserklärung Klarheit über diesen Antrag geschaffen werden muß. Jedenfalls fann tein Zweifel darüber sein, daß die Deutschnationalen aus ihrer Einstellung der Außenpolitit der Reichsregierung gegenüber bereits im verfloffenen Sommer die Konsequenzen häffen ziehen müssen. Ueber die Gründe, die für den Eintritt in den Völkerbund sprechen, ist es eigentlich kaum notwendig, noch etwas zu sagen. Nur im Völkerbund fann man in der Abrüstungsfrage der anderen denjenigen Einfluß bekommen, der uns nach dem Versailler und die deutsche Abrüftung nur als Vorgänger der allgemeinen Bertrag gegeben ist, in dem eine allgemeine Abrüstung vorgesehen ausdrücklich ins Auge gefaßt ist.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo= fraten.) Auch die neuesten aus Frankreich herübergekommenen Be richte, die angeblich General Walsh erstattet haben soll, sprechen für den Eintritt in den Völkerbund, um dort das zu veranlassen, was zugunsten Deutschlands veranlaßt werden kann.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir begrüßen die bevorstehende 2brüftungskonferenz. In der Abrüstungsfrage befinden wir uns in voller Uebereinstimmung mit den sozialistischen Parteien der anderen Länder. Was für die Abrüstungskonferenz gilt, gilt natürlich erst recht für die Wirtschaftstonferenz, da das Dumping der valutaschwachen Länder auch die deutsche Wirtschaftskraft schädigt und die Ronkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt hindert. In Zufammenhang mit der Bölferbundfrage möchte ich auch an dieser Stelle betonen, daß es uns notwendig zu sein scheint, Männer zum Bökerbund nach Genf zu schicken, die mit dem Herzen bei der Sache find.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen, daß da schon allerhand Vorschläge gemacht worden sind. Ich habe hier vor mir ein Heftchen, das unter der Patronanz des Bürgerrats, des Herrn v. Loebell, herausgegeben wird. ( Buruf links: Feine Nummer!) Darin ist ein Artifel: Achtung, der Hund beißt!"( 3ustimmung und Rufe links: Sehr gut!) Da wird empfohlen, einen Mann nach Genf zu schicken, dem man ein Schild um den Hals hängen fann mit dieser Empfehlung: Erreichen können wir im Bölferbund nur etwas, wenn wir uns so unbequem wie möglich machen.( Heiterkeit links.) Wenn der deutsche Vertreter gefürchtet wird, nur dann wird er und mit Ihm Deutschland geachtet und beachtet werden.( Zustimmung rechts. Lachen links.) Deutschlands Bertreter in Genf muß in Wahrheit die Rolle des Hechts im Karpfenteich spielen.( Sehr gut! rechts.) Es ist besser, er fommt in den Ruf, ein Querulant zu fein( Heiterfeit links), als daß man ihm nachsagt, er ist ein liebenswürdiger, umgänglicher, fcharmanter Herr.( Zustimmung rechts und Lachen links.) Das sind die Empfehlungen des Bürgerrats, der sich zum Ziel gefeht hat, alle bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zu einigen. Ich glaube, wer es ernst mit der deutschen Außenpolitik meint, tann fich zu dieser Querulanten politit nicht betennen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das würde ja wieder zu jener berühmten Politik der Randbemertungen Wilhelms II. zurüdführen, der in bezug auf die Haager Ronferenz erklärte, daß er sich auf sein blantes Schwert verließe und im übrigen auf diese ganzen Abmachungen pfiffe. Er hat einen anderen Ausbrud gebraucht, aber ich fann ihn hier nicht wiederholen. Zu den Rüdwirtungen möchte ich erklären, daß wir mit allen Parteien dieses Hauses darin einig sind, daß die in der Botschafternote vom 16. November 1925 gemachten Zusagen nicht erfüllt find. Aber wenn wir für die Erfüllung der Zufagen| fämpfen, müffen wir auch da den Hebel ansehen, wo unsere Bolitif den Widerstand der anderen vermehrt.( Sehr richtig bei den Soz.) Der Widerstand tommt nicht aus den Reihen der Ententeregierungen, sondern von den Ententemilitärs( Sehr richtig bei den S03.), die genau so sind wie die deutschen Militärs während des Krieges. Und diese Ententemilitärs stützen sich auf den triegerischen Geist, der in Deutschland gepflegt wird. Noch vor acht Tagen erflärte Profeffor Roethe auf einer jogenannten Reichsgründungsfeier, die deutsche Jugend ersehne den Tag, wo sie wieder das blanke Schwert schwingen fönne. Durch solche Redensarten und ähnliche Breffeäußerungen, die man in den Organen der Regimentspereine finden tann, wird in den Ententestaaten das Gefühl der Unsicherheit genährt. Ich möchte den Reichsaußenminister und den Reichsfanzler fragen, ob in den Befprechungen in Cocarno nicht auch von Ententefelte auf diese Aeußerungen der Preise der Baterländischen Berbände und der sogenannten Behrorganisationen hingewiesen worden ist. Better stigen sich die franzöfifchen Militärs auf die Erklärung einer jo großen Partei. wie der Deutsch nationalen. die Locarno Geseze feien nicht rechtmäßig zustandegekommen, weil sie nicht mit ber qualifizierten Mehrheit der Verfassung angenommen worden find. ( hört, hört im Zentrum.) So unhaltbar diese Konstruktion ist, so schlimm ist es, daß immer wieder den franzöfifchen Militärs dieser Ball hingeworfen wird.( Sehr wahr bei den Soz.) Und ich glaube, es gibt manchen frommen franzöfifchen General, der alle Abende betet: Gott erhalte uns die Deutschnationalen, und erhalte fie in ihrer politischen Berbohrtheit.( Lebhafte Zustimmung bei den Sos. Lachen rechts.) In der Frage der Rüdwirtungen tann ich mit dem Reichs außenminister anschließen; aber von einem Bertragsbrug fönnte erst nach Infrafttreten der Verträge die Rede sein. Und in diesem Zeitpunkt muß man sich nicht mir für Ber= Pürzung der Befagungsfristen überhaupt, sondern auch für jene Erleichterungen im Saargebiet einfegen, die wir jeit Jahr und Tag verlangen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich eine Behauptung des Abg. Stegerwald in der„ Germania" zurüdmeiſen, unsere Außenpolitik bebeute für uns wegen unserer pazifistischen Grundeinstellung tein Opfer. Bir verurteilen nicht nur den Bertrag von Versailles ebenso scharf mie nur irgend eine Partei, sondern haben auch nie einen Zweifel darüber gelaffen, daß uns in der oberschlesischen Frage unrecht ge fchehen ist.( Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Benn wir, und amar mit der Zentrumspartei gemeinsam, schwereres auf uns ge nommen haben, so nur deswegen, weil wir überzeugt maren, daß Deutschland nur so vor der zerreißung bewahrt werden fann.( Sehr richtig bei den Goz.) Der Borwurf aus den Reihen des Zentrums ift um so bedauerlicher, als er einen ähnlichen Angriff bedeutet, wie er in jener Hehe der Rechtsparteien zutagegetreten ist, der Erzberger zum Opfer fiel. Wir werden alfo bie Außenpolitik der Regierung unterstützen, solange fie der Politik von London und Locarno treu bleibt, in dem jelben Augenblick aber befämpfen, in dem sie sich der Rabaupolitik der Baterländischen Berbände unterwerfen wollte.( Sehr wahr! bei ten Sez.) wenn man eine Ermäßigung der Besigsteuern planen tann, merden diese Mittel wohl auch da sein. Die Mieterhöhungen, die am 1. April bevorstehen, sind ein deutliches Beispiel dafür, daß man immer und immer wieder versucht, neue Laften auf die Schultern der Erwerbslosen mie überhaupt der gesamten Arbeiter- und Angestelltenfreise zu legen, obwohl von einem Erfolg der Preissenfungsaftion nicht das geringste zu spüren ist. Dieser Mißerfolg ist eine Folge davon, daß die Regierung nichts Durch greifendes gegen die Sartelle und Synditate unternommen hat. Wenn froh der furchtbaren Wirtschaftskrise teine Barenbestände auf den Markt geworfen wurden und dadurch automatisch eine Preissenkung hervorgerufen wurde, fo liegt das an der Uebermacht der Kartelle und Syndikate. Benn Birtschaftstreise darüber lagen, das Steigen der Soziallaften behindere die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, so ist darauf zu antworten, daß in England die Löhne allein höher find als die deutschen Löhne plus joziale Lasten. Das bemeist, daß die deutschen Soziallaften einen vorenthaltenen Bohnanteil für die Arbeiter und Angestelltenfreise darstellen. Man ist sehr schnell bei der Hand, sich auf die Berfassung zu berufen, menn es die Ansprüche der Fürsten gilt. Das sollte auch in der Frage der ErmerbsInfen geschehen. Artifel 163 der Ber. faffung verspricht ausdrücklich denjenigen, die unverschuldet erwerbs los geworden sind, die notwendige Unterstützung. Wir sehen mit Spannung der Lösung entgegen, bie uns der Reichskanzler in bezug auf die Rurzarbeiterfrage persprochen hat. Es ist selbst nerständlich, daß hier eingegriffen werden muß. Besonders möchte ich daran erinnern, daß eine Unterstützung der außerordentlich großen Zahl der Arbeitslosen im Rhein Ruhr Gebiet, die Ben Separatismus in jahrelangem Kampfe abgewiefen haben, geradezu vaterländische Pflicht ist. In seinen Ausführungen über die Arbeiterfuggefeg: gebung hat der Reichskanzler auf den Achtstundentag mit feinem Wort Bezug genommen. Das ist um so auffälliger, als er im Gegensatz zum Programm Kochs die Ratifizierung des Washing toner Abkommens nicht nur pon der gleichzeitigen Zustimmung Belgiens und Frankreichs, sondern auch Englands abhängig macht, das eine fürzere Arbeitszeit als die in Deutschland übliche und bie durch das Washingtoner Abkommen vorgesehene hat. Das ermedt in uns den Verdacht, als ob diese Einbeziehung nur ge schieht, um die Ratifizierung in die Länge zu ziehen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Solange wir darüber feine Klarheit haben, tönnen wir um so weniger zu dem Arbeiterschuhprogramm des Reichstanzlers Berfrauen haben, als der Reichsverband der deutschen Industrie am 18. Dezember eine Dentschrift herausgegeben hat, in der gegen jede Schematisierung der Tarifverträge und der Anwendung des Achtstundentages Front gemacht und erklärt wird: Die betriebliche Regelung der Arbeitszeit im Einvernehmen mit der Belegschaft darf durch öffentlichen Zwang nicht unterbunden oder gehemmt werden. | ( Sehr wahr bei den Soz.) Und Mussolini?( Suruf von den Soz.: Der ist verrückt. Heiterfeit.) Wer die Rede Mussolinis über das Imperium romanum gehört hat, wer seine Aeußerungen über Südtirol gehört hat, hat doch gefunden, daß hier nicht ein starter Diktator vorhanden ist, sondern meiter nichts als tie blöde Kraftmeierei eines geistig und sittlich Ent. gleisten.( Sehr wahr bei den Soz.) Wenn man das annimmt, kann man wohl jagen, daß auch die Tage dieses Diftators nur noch gezählt sein werden. Und ein Dittatorin Deutschland? Er müßte dieselbe Erfüllungspolitik treiben. Er müßte die legten Reste der Schwarzen Reichswehr beseitigen, weil in der ganzen Welt niemand ihm traute. Er müßte mehr als jeder andere Pfennig für Pfennig den Dames Blan erfüllen, und die Vaterländischen Verbände würden den Diltator bald verfluchen. Deshalb glaube ich, wird das deutsche Bolf auf dieses ebenje gefährliche wie fostspielige Programm verzichten. Was uns anbelangt, so werden mir versuchen, durch unsere Balitif die Waffen bestmöglichst an die Republif zu fesseln, indem mir ihre 3nteressen wahrnehmen. Das werden wir auch außerhalb der Regierung tun; mir merden außerhalb der Regierung für unser Brogramm wirken und die Angestellten, Arbeiter und Beantenfreie werden bas begreifen. Wir tun das aus höchster Berantwortung gegen das Schicksal der breiten Massen. Wir wissen, daß nur in schwerster Zeit der Staat zu Hilfe tommen muß. Wir fennen auch unsere Pflichten gegen den Staat, aber zu ihnen gehört nicht, daß wir etma jebe Regierung zu unterstützen haben. Die gestrige Rede des Herrn Reichstanzlers war feine Berberede für das neue Rabinett. Sie sollte nach rechts und nach links bin neutral sein. Die Seiten sind zu ernft für Rechnungträgerei nad zwei Seiten.( Sehr wahr! b. d. Soz. Die neue Regierung lann vor dem Auslande und dem Inlande nur bestehen, wenn fie Farbe befennt. Deshalb, Herr Reichskanzler, heraus mit der Sprache! ( Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Graf Westarp( Din.) erflärt, daß seine Partei ben Regierungstahn habe verlassen müſſen, als er auf dem Lago maggiore von Nebeln umhüllt worden sei. Es handle fidy jetzt darum, unter welchen Bedingungen die Regierung in den Bölferbund eintreten wolle. Der deutschnationale Antrag habe den 3med, au erfahren, ob die Regierung troß der Enttäuschungen der legten Zeit und unter melchen Bedingungen sie den Eintritt Deutschlands pornehmen wolle. Die herabjegung der Befagungsstärte in der zweiten und britten Sone müffe por bem Eintritt in den Bälterbund vorgenommen sein. In der Politif, die mit dem Februar- Memorandum begonnen habe, jei ein Berzicht auf deutsches Land niemals ausgesprochen worden. Auch die Minderheitenfragen, die Abrüstungs- und Entwaffnungs frage, die Frage der deutschen Kolonien müffen vor dem Eintritt in den Bölkerbund gelöst werden. Der Eintritt in den Bölferbund sollte vor allem von dem Ergebnis der Abrüstungskonferenzen abhängig gemacht werden. Zu Herrn Stresemann fönnen wir bak ber Dawes Blan unausführbar fei. Zur Frage der Innenpolitit muß ich zunächst fordern, daß der Referentenentwurf zum Schulgesen, der aus der Zeit des Innenministers Schiele stammt und der einen Ber- nötigte, fassungsbruch bedeutet, zurüdgezogen wird. Sollte der Kamp trauen zu verjagen, das notwendig ist, wenn Barteien gemeinsam worden sei. Das frühere Kabinett habe doch Männer enthalten, bie um das Schulgefeg beginnen, dann werden mir verlangen, daß auch die weltliche Schule ten ihr gebührenden Blag erhält( Gehr richtig! bei den Soz.) ( ört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die nadte Breistein Bertrauen haben. Die Regierung müsse dem Bolke sagen, gabe des achtstündigen Arbeitstages. Meines Erachtens ist es not wendig, daß die Herren aus der Deutschen Boltspartei ganz flar dahin Stellung nehmen, ob sie in dieser Arbeiterschuhfrage fie die Formulierung akzeptieren, bie der Reichsverband der deutschen auf dem Standpunkt der Kochschen Formulierung stehen oder ob Industrie vorlegt. Dieser Bunft war der Hauptanlah. der uns Bas das Wahlgejeg anbelangt, sind mir mit einer Ber fleinerung der Wahlkreise einverstanden. Aber die fleine Wahl reform darf nicht dazu benutzt werden, um irgendetwas am Bahl recht zu ändern, das grundsäglich in der Berfaffung festgelegt ist.( Bustimmung bei den S03.) Wenn der Reichskanzler tie Hoffnung ausspricht, im Reichs. tag eine Regelung der vermögensrechtlichen Auseinandersehung der früheren Fürstenhäuser herbeizuführen, so weiß ich nach den bisherigen Erfahrungen im Rechtsausschuß nicht, morauf er die Hoffnung gründet. Die Unruhe, die der Kanzler dem Bolf ersparen möchte, ist feine Folge des Bolfs entscheids, sondern der Boltsentscheid ist eine Folge der Unruhe ( Cebhafte Zustimmung bei den Goz.), wenn das Wort Unruhe hier überhaupt am Blaze ist; denn es handelt sich doch jest draußen um einen Boltszorn( lebhafte 3uftimmung bei den Sog.), der fich angesammelt hat und der elementar ausbricht, je mehr Einzelheiten über dieses schamlose, erpresserische Borgehen der früheren Fürsten auf Kosten des deutschen Boltes befannt werden( Stürmische 3 stimmung bei den Soz. zurufe rechts; erneute lebhafte Zustimmung bei den Goz.) Das ist um so verwunderlicher, als für das Unglüd des deutschen Bolles die deutschen Fürsten solidarisch haftbar find. Denn nach der often Bismardichen Berfassung war ja das Deutsche Reich ein emiger Bund der Fürsten, und wir haben nicht gehört, daß irgendwie einer der während des Krieges regieren den Fürsten eingegriffen hat, als mahnmigige Annegions. pläne von fast allen größeren Staaten von den Fürstenhäusern aus gehegt worden sind.( Bustimmung bei den Sez.) Neulich ist allerdings ein einziger Brief bekannt gemarden, den der frühere Herzog von Meiningen an den bayerischen Prinzregenten oder König damals abgefchidt hat, morin er darauf aufmertfam macht, daß es mit dieser Hausmagtpolitit mährend des Krieges fo nicht weitergehe. Ich glaube, das Blut muß doch jedem Deutschen zum Kopf fleigen, wenn er daran denkt, wie während des Arieges die Mittelsbacher und Hohenzollern sich um das Elsaß in Dent. schriften herumgebalgt haben( Gehr richtig! bei den Goz.), das durch ihre wahnmihige Kriegspolitit jetzt wieder an die Franzo. fen zurüdgefallen ist.( 3uruf rechts: Bahnwigig?) 3a, wahnwikige Kriegspolitik Wilhelms II. und feiner Generate!( Sehr richtig! bei den Soz.) Darüber ist doch kein Zweifel. Sellen wir Ihnen denn immer wieder nachweisen, wie diefe Annerionspolitik dazu geführt hat, daß alle Friedensmöglichfeiben perpast morben sind?( Sehr gut! und Zustimmung bei den Soz.) Ich glaube, Sie täuschen fich über die Stimmung im Volfe. Die Stimmung zugunsten eines Bolfsentscheides geht weit über die Kreise unserer Partei hinaus.( Nach rechts:) Denfen Sie an die Kolonialdeutschen, an die Musianbsbeutigen, die mit schäbigen Entschädigungen abgefunden worden sind und jezi fehen müssen, wie die Fürsten zu 100 und mehr Bros. aufgewertet merden. Denken Sie vor allem an die tägliche Abfindung ber Rriegsanleihezeichner. Glauben Sie, beim nächsten Krieg wird sich im deutschen Bolle noch ein Efel finden, der Kriegsanleihe zeichnet? Einstweilen tann ich den Fürsten und ihren An mälten nur unseren Dank für die glänzende Ugitationsgelegenheit aussprechen, die sie uns gegenüber der Monarchie verschafft haben. Die wohlwollenden und mitleldigen Bersprechungen der Reichsregierung zur Sozialpolitif haben felnen Nährwert regieren follen. Die Erfahrungen aus dem Jahre 1923 haben uns in dieser Hinsicht vorsichtig gemacht. Wir werden alle Bemühungen der Regierung unterstügen, bie bezweden, den Export zu fördern und beffere Hanbelsnerträge zu schaffen. Im Jahre 1924 erklärte der derzeitige Außenminister im hamburger Fremdenblatt, die großen Fragen wir Schaftlicher Natur bei der Schaffung internationaler Handelsverträge und der Steuerreform feien bei der dogmatischen Einstellung weiter fozialistischer Kreise mit einer fozialistisch- bürgerlichen Koalition nicht zu Lösen. Das Experiment mit der Rechten ist ja jest gemacht morden. Und die Folge? Der Synbitus des Bereins Deut her Maschinenbauanstalten hat por furzem erklärt, das kabinett Luther- Neuhaus- Schlieben- Schlele habe wirtschaftsfeindlicher als irgend ein Kabinett der Bergangenheit regiert. An einer anderen Stelle fagt er: Je lüdentojer unser 3olltarif, desto lüdenhafter unsere Handelsverträge.( hört, hört bei den Goz.) Wenn sich die Herren aus der Fertigindustrie die Bescherung des letztes Jahres ordentlich ansehen, werden viele von ihnen der Ueber geugung fein, daß mit den Sozialisten zufammen immer noch zu einer vernünftigen Handelspolitik und besseren Erportförderung gefommen wären als das mit den Herren von rechts der Fall war. Diesen Teil des Programms des Reichsfanglers werden mir also unterſtügen und wir hoffen dabei auch die Förderung des Wirtschaftsministers zu finden, obgleich er ber rechte Flügelmann der Boltspartei gewesen ist, der die Tuhfühlung nach den Deutsch nationalen hin aufrechtzuerhalten hatte. ( Widerspruch bei der Deutschnationalen Boltspartei.) Sie fennen boch den berühmten Brief, in dem Gie bin 50 prozentige Unterstützung dafür hergeben mußten, daß Sie die Regierungs beteiligung angeboten befamen? Bir wiffen nicht, mie fich Dr. Curtius bemähren wird. Wir haben ja die Herren Schola. n. Raumer und Beder schon als Wirtschaftsminister gehabt, so daß, wenn das in weiter geht, die Boltspartei bald aus lauter früheren Wirtschaftsministern bestehen wird, falls bei jeder Ra binettsbildung uns ein neuer Fachminiftererfaß vorgeführt werden foll.( Sehr gut! und Heiterfeit bei den S08-) Nach der Vergangenheit des Abg. Curfius haben wir flarte Bedenten, daß er feine wirtschaftspolitit im Rahmen des gestern vom Reichskanzler vorgelegten Programms führen wird. Wenn der Reichstanzler sich mit der Notwendigkeit des Sparens beschäftigt, follte er vor allem fein Augenmerk auf das un geheuere Anshmellen bes Bensionsfonds und auf eine Reform der Bielgestaltigteit unferer 2änder Dermaltungen richten.( Sehr mahr! bei den S03) Wenn Sie hier zusammen mit uns bafür eintreten wollen, daß burch eine Ber. einheitlichung eine Verbilligung erfolgt, dann werben Sie dem ganzen deutschen Bolte nügen.( Sehr richtig! bei ben S03.) 3ch glaube, die einzelnen deutschen Stämme werben bei einer billigeren Berwaltung ihre Eigentümlichkeiten noch viel beffer entwickeln tönnen, als das unter der teuren Berwaltung der Fall ist, die wir zurzeit haben.( Bustimmung bei den Soz.) Zum Schluß noch einige Anmerkungen über die Drohungen mit einer Staatstrife, tie während der Regierungstrife in auffälligerweise gemacht wurden. Ich muß Berwahrung dagegen einlegen, daß die Tatsache einer Minderheitsregierung irgend etwas mit ben Borausfeßungen oder Borbedingungen einer Staatsfrife zu tum bätte.( Sehr richtig bei den Soz.) In England. Frant. reich und Schmeben hat es öfters derartige Regierungen ge geben, ohne daß auch nur von einer Staatstrise die Rede war. Es besteht deshalb tein Grunt zur Annahme, daß in Deutschland eine folche Minderheitsregierung bie Borläuferin einer Dittatur ist. Es ift doch fein Zufall, daß nicht einmal im Jahre 1923, als die Fluten der Inflation aufs höchfte stiegen, eine Dittatur zur Regierung ge langte. Dittatur in Deutschland würde lediglich Omnipotens der Bureaufratie hebeufen.( Sehr wahr bei den Soz.) And auf diefem Gebiet haben wir unter der Rechtsregierung des ver. gangenen Jahres genug erlebt.( Sehr wohr bei den Soz.) Die Dittatur ist in Europa in Berruf geraten. Die bulga Das Heraufschnellen der Arbeitslofenziffer zwischen dem 1. und 15. Januar por 1,5 auf 1,7 millionen sollte alle Barteien hazu antreiben. balb und ausreichend zu helfen. Dabei mus Barauf hingewiesen werden, daß die Hilfe, die hier geleistet mird, zum größten Teil burch Beiträge aufgebracht wird, die jetzt erhöht murben, so daß die somerite Last wieder auf die Arrische ist tet, tie griechische tobt sich gegen zu furze Frauen. beiter und Angestellten abgemälgt worden ist. Aber röde qus( Heiterfeit), die spanische ist im Abbau und in un such aus den allgemeinen Mitteln milfsen laufend Summen zur Bergarn haben wir einen Sumpf unter der Diftatur, mie er noch fügung gestellt werden zur Linderung der Arbeitslojemnot. Und niemals in einem anderen zivilisierten Lande erlebt morden ist. lints). In der inneren Politik hat die Regierungserklärung manches gejagt, was auch für uns unannehmbar ist. Aber es tommt doch auf bie hinter ihnen stehen. Es stehe feft, daß das Kabinett ein reines bie Bersönlichkeiten an, die die Regierung bilden, und die Kräfte Parteiminifterium, meit mehr als por Jahresfrist gebildet parteipolitisch nicht abgestempelt gewesen seien( Heiterfeit und Zurufe Wir dürfen diefer Regierung nicht geftatten, fich auf wechselnde Mehrheiten zu stützen. Vor allem aber steht fest, daß sie nicht die notwendige II na b hängigkeit gegenüber der Sozialdemokratie beligt. Die in das Recht der Bänder und in das Eigentum. Das Berhältnis der Enteignung der Fürsten sei der erste unitarische Eingriff des Reiches Regierung zu ber Sozialdemokratie zwingt uns zu ft artem miß. trauen gegen die neue Regierung. Die Vorgänge bei der Neubitbung des Kabinetts haben das parlamentarische System distreditiert.( Stürmische Zurufe lints.) Es mird jetzt darauf an. tommen, Sparmaßnahmen zu treffen und dazu Berwaltungsorgane u schaffen, die von den parlamentarischen Körperschaften unab. hängig find. Unser Mißtrauen gilt also der Außenpolitik der neuen Regierung und in der inneren Bolitik dem unheilvollen Einflußz der Sozialdemokratie.( Bebhafter Beifall bei ben Deutschnationalen.) Reichskanzler Dr. Luther: Es ist ausgesprochen worden, daß eine ganze Reihe von Fragen in der gestern vorgelegten Regierungserklärung nicht im einzelnen beantwortet find. Das ergibt sich aber aus der Lage, in der sich die Regierung der Mitte befindet. Wenn eine Mehrheit in ber Regierung fich zusammengeschloffen hätte, dann hätte man wohl vorher eine ganze Reihe von Einzelfragen in prägnanterer Form barlegen fönnen. So mie der Tatbestand ist, handelt es sich um eine ganz andere Frage, nämlich um die politische Frage, ob der Reichstag bereit if, dieser Regierung die Möglichkeit zu prattlicher Arbeit zu geben. Die Regierung hat sich zusammengefunden, nachdem und meil Bildungen von Mehrheitsregierungen nicht möglich gewesen find. Irgendwie muß Deutschland schließlich regiert werden.( Große Heiterkeit.) Es ist leicht darüber zu lachen, aber hier gilt es nicht ben Humor parteipolitischer Auseinanderlegungen malten zu laffen. Die Männer, die jezt in die Regierung gerufen worden sind, ist es garnicht um Humor, um fleine Bige zu tun, sie haben es mit einer Lage unseres Baterlandes zu tun, für die einfach der äußere Ernst eingefegt werden muß.( Beifall und Unruhe, Suruf bei den Rommunisten: Mißwirtschaft!") mit solchen Bolabein wie Mißwirtschaft" und überhaupt mit einzelnen Borten mird man ganz bestimmt der Lage, wie sie entstanden ist, nicht Herr, sondern nan wird ihrer überhaupt nur Herr werden, wenn man mit Erfolg an Die praktische Arbeit herangeht. Nun ist gefagt worden, es fei feine Regierung der Mitte. Ich frage Sie, wie foll benn eine Regierung der Mitte aussehen? Wenn es nicht eine solche ist, bie die Barteien der Mitte umfaßt? Es ist weiter gefagt worden, es fei teine neutrale Regierung. Ja, wie soll denn eine neutrale Regierung aussehen, wenn es nicht diejenige ist, zu der sich die Parteien der Mitte zufammengefunden haben? Es ist ausgesprochen worden, es fei zuviel mit den Parteien verhandelt worden; ja auf welchen Grundlagen sollte denn eigentlich gebaut werden? Es ist hin und hergegangen in den Erörterungen. Es ist auf der einen Seite mit der Deutfcnationalen Partei in Berbindung getreten worden, auf der anderen Seite mit den Sozialdemokraten. Bir wiffen, daß eine Mehrheit dieses Hauses sich in den großen außenpolitischen Fragen ohne die Deutschnationale Boltspartei zusammen gefunden hat. Wie soll mun eine einheitliche Regierung geführt werden? Benn mir andererseits der Borsigende der Sozialdemo fratischen Partei zuruft, ich müßte mich endlich entscheiben und klar Stellung nehmen, ja, warum hat denn bie Sozialdemokratische Partei fich nicht entschieden, in die Regierung hineinzugehen.( Sehr wahr! bei ben Parteien in der mitte.) Wenn das der Fall gewesen wäre, würben mir jetzt hier vor einer mirtlichen Mehrheitsregierung ftehen und fönnten auf einer ganz anderen Grundlage arbeiten. Nachdem diese beiden Borauslegungen rechts und fints nicht gehalten find, sollte man eigentlich im ganzen deutschen Bolle den Barteien der Mitte dankbar seun, daß sie sich in NotgemeinIchaft zufammengefchloffen haben, um die Regierung zu tragen. Wir haben gestern das Bild erlebt, daß bei der Abstimmung über eine an fich faftische Angelegenheit, bie gemiß nicht von entscheibender Bedeutung ist, sich sofort die ganze Oppofition oder sagen wir, alle unsere Tattifen- Gegner fich zufammengefunden haben. Das war bis zu einem gewiffen Grabe lehrreich. Ich habe mit aller Deutlichkeit ausgesprochen: Hier steht eine Minderheitsregierung. JW) awifc so kp't mie sie alle, daß man damit, mit einer Minderheit als solcher nicht regieren kann, sondern immer oine Mehrheit braucht. Aber gerade in dieser schweren Zeit ist es unmöglich, daß die Regierung etwa ihre Arbeit Übernimmt aus der Hintertreppe abgeieyntcc Üstißlraucnr-votcn. Aus dieser Grundlage können und wollen wir nicht arbeiten.(Beifall bei den Parteien in der Mitte.s Zch bin einig darin mit sämtlichen Kabinettstollegen. daß wir ans eine positive Vcrtrauenstnndgebung nicht verzichten können.(Beifall bei den Parteien in der Mitte.) Wir wollen keine Regierung sei«, die geduldet ist, sondern die vom Retcho- tag getragen wird. Allein ans dieser Grundlage werden wir die Arbeit überaehme» und durchführen. (Lebhafter Beifall bei den Parteien in der Mitte.) Wie richtig der Standpunkt der Regierung ist. Einzelheiten der Außenpolltit in die heutige Erörterung nicht einzubeziehen, ist durch die bisherigen Per- handlangen klar geworden. Im jetzigen Zustand« Halle ich es für ganz unmöglich, namens der Regierung Stellung z� nehmen zu dem, was Graf W e st a r p in den Fragen der Außen- palitik aus seinen Zettelkasten zum Bortrag gebracht hat. Die Entschciduug über den Eintritt Deutschland» in den Völkerbund ist grundsätzlich in diesem Hause gesalle«. Mr können nicht darauf verzichten, eine klar« einheitliche Linie unsere» handeln» durchzuführen, um unser Volk in der Welt wieder zur Geltung zu bringen. Der Satz meiner Novemberertlörung. daß die» die glicht- linie unseres Handelns ist, ist für mich einfach selbstverständlich. Ich habe den Wunsch. Deutschlands Stimme auch im Völkerbund«teder zur Geltung zu bringen. Es Handell sich nur darum: Können wir unsere berechtigten Belange besser zur Gel, lung bringen draußen oder drinnen?(Zuruf recht»: Draußen!) Ich antworte: Drinnen. Ob ich da, immer so gewollt habe? Bevor ich einen Vertrag abschließe, versuche ich selbst. nerstandlich, b!» zur äußersten Grenze de« nach Log« der Verhältnisse Möglichen meine Interessen wahrzunehmen. Nachdem ich aber »inen Vertrag abgeschlossen dab«. steh« ich zu diesem Doriraaa unter der Voraussetzung, daß auch di« anderen dazu stehen. Sie selbst, Herr Graf v. Westarp, haben vorhin gesagt, die Einladung zur Abrüstungskonferenz anzunehmen, hielten Ei« für richtig. Das ist ganz mein Grundsatz. Wenn m sich darum Handell, di« michtigsten Fragen des Vaterland«» zu verhandeln, dann bin ich dabei. Wir werden solche Männer hinschicken, hie unsere Interessen vertreten weiden. Entschließen wir va» im Rahmen de» Völkerbünde», mit den Mitteln de» Völkerbund«, zu arbetlea, dann müssen mir auch Leute dorthin schicken, die da» eine große Ziel, die Erholung und»rSstignng unsere» vaterlande», betreiben, lleber die schwebenden veehandlungen irgendwelche Auskunst an dieser Stelle zu geben, muß ich ablehnen.(Lärm recht».) Sie müssen mir und dem Außenminister hierfür schon die Derant» wortung Überlossen.(Erneute Unruhe rechts.) Man kann die Sache organisatorisch doch nur so anpacken, daß man Angelegenheiten, die mitten im Fluß sind, in der Hand der Verhandelnden läßt. Die Regierung kann sich nicht hinstellen und über jede außen, politische Frage, die ihr vorgelgt wird. Auskunft geben.(Unruhe rechts.— Zuruf in der Mitte: Wo bleibt denn Ihr Führerprinziv?) Irgendein sachlicher Einwand gegen meine Ausführungen wird nicht erhoben. Zur Innenpolitik sind mir auch eine ganze Reihe Einzet. fragen vorgelegt worden. In unserer harten wirtschaftlichen Rot. lag: sind wir doch immer darauf angewiesen, da. Mögliche mit dem Erwünschten gegeneinander abzuwägen. Wir dürfen nicht auf der«inen Seite die Grundlage unserer Wirtschast vernichten und auf der anderen Seite die Notlage der verzweitelten Menschen ver- gessen, die jetzt draußen nicht mehr wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen. Wir werden im Schöße der Regierung und bei der Einzelberatung des Etat» alle Fragen sorgfältig untersuchen, ich bin aber nicht in der Sagt, heute«ine Erklärung abzugeben. Wir wollen nicht ein« Aenderung des Wahsrichts, sondern eine Aenderung der Wahlgesetzgebung. Wir wollen ver» suchen, einen Weg zu finden, durch den das Verhältnis zwischen dein deutschen Wähler und seinem Vertreter im Reichstag, überhaupt In den Parlamenten, wieder unmittelbarer gestaltet wird.(Sehr gut! bei den Regierungsparteien.) Ich bin persönlich der Heber» Zeugung, daß gerade in der Demokratie der groß», erzieherisch«, kulturtragende Gedanke de? ist, daß der einzeln« Wähler durch die Vermittlung des Gewühlten ein persönliches Bertrauen»verhSllni» zu der Leitung der Dinge gewinnt. Die fetzige Hebung hat sich nidjt bewährt, weil sie an die Stelle de» gewählten einzelnen Menschen die List«, die Partei, gesetzt hat. Hnser Ziel wird es sein, dem einzelnen Wähler wieder unmittelbar eine Persönlichkeit wählen zu lassen. Di« Regierung und die Männer, die sich zum Eintritt in sie bereit erklärt haben, glauben ihr« Arbeit aber nicht übernehmen zu können, wenn ihnen nicht ein positive» Vertrauen»- votum gegeben wird.(Lebhafter Beifall bei den Regierung», Parteien.) Die Regierungsparteien haben solgmdes Vertrauen»- votum eingebracht: .Die Reichs regicrung besitz» da» Vertrauen de, Reichstag,.' Abg. Meckert(Komm.) meint, daß die gestrige Erklärung der Re- gicrung recht inhaltlos gewesen sei. Aber das jetzig« Kabinett werde ohne Zweifel«ine Politik treiben, die nichts anderes sei, al» die Fortsetzung der Politik de« vorigen Kabinetts.(Do« Hau» hat sich bei dieser Rede fast geleert, auch bei den Kommunisten hören nur etwa 10 Mann zu.) Der Redner wird wegen beleidigender An- griffe auf Geßler unp Strescmann dreimal zur Ordnung gerusen usw fahrt fort: Jetzt gell« e» beim Volksentscheid über die Fürsten- obftndungen d«e Massen zum Sturm gegen diese» System, gegen diese Reglerungspolllik zusanunenzuichweißen. Die Reaktion werde nur ermöglicht durch die Große Koalition. Dorum will die Sozial- bemokratie die Stimmen d:z arbeitenden Volke» nicht hören? Worum mußte heut« Hermann Müller wieder«in« halbe Zusage an die Regierungspolitik machen? Di« sozioldemokrattschen Führer müssen auf den Ruf ihrer Mitglieder hören und mit uns«in« Einheit bilden.(Sehr richtig! bei den Komm.) Weg mit dieser Re- gierung und mit diesem Rei»»tog.(Bravo! bei den Komm) Abg. kzeuh(Dem.) stellt fest, daß die Außenpolitik seit Jahre». frist unoerkennbar beb er geworden sei.»er Völkerbund sei da» Kainpsseld. aus dem die Auseinandersetzungen zwischen dem alten Gewallgeist und dem neuen Volksoeist geführt werden müssen. Der Redl,«setzt sich dann für den An, ch l u ß de» deutschen Brudervolks in Oesterreich«n. Die Italiener haben in Südtirol die Tradition ihrer eigenen Geschichte umgedreht, indem sie gegen ein waffenloses Volk so streng vorgehen Auf der Weltwirt- schaftskonferenz müssen vor allem d»« Währungswirren Europas gelöst werden, auf die die deutsche Arbeitslosigkeit zurück- "oin" einzelnen wünscht der Redner dem neuen Finanz. m i n i st e r ein festes Herz, wenn er sich zum K ampfmitfeinem Staät.s�retär ausmacht(Sehr richtig! bei den Dem.), ver. langt Neuregelung der Umsatzsteuer und wesentl'che Herabsetzung der'Kapilalvcrkehrssteuern. Dann wurden auch die Preissenkung?- oktwnen mehr Erfolg hoben,(sehr richtig, bei den Dem.) Da» 2lrb«it»toseno«rslcherungsgeletz mule bold kommen. Die Frage der Unterstützung der Regierung � I-tz kein« P°rtei. frage, sondern wenn dos Vaterland in seiner 9tot rufe, dürsten die Parteien nicht zurückbleiben.(Beifall bei den Dem.) ?lbg. ham?e(Wirtlch. Vag.) behauptet, daß dos Grund übel der heuttgen Krise das p a r l a m« n« a r i s ch e S q st e m s«i und die neue Regierung sei ein Geschöpf dies»» System». Der Redner erklärt weiter, daß die Preisscnkungsmoßnohmen deshalb bwyer un- wirlsam gewesen seien, weil man gegen die Kartelle uitt» Syndikate nicht vorgegangen sei. In der Frage der Fürstenabfindung müsse mau eine Lösung sinden. die auf der einen«eue das Recht». gafülll nicht verletzi. au? der anderen Seite ober auch d'.e Notlage de» Bol'r, berücksichtige. Ein Volksentscheid würde nur zu neuen un- licbjamen Auseinandersetzungen im Dolk« führen. Der Redner schließt mit der Erklärung, daß seine Partei zwar inder Opposition zu der Regierung stehe, daß sie sich aber an d e r( o ch- lichen Arbeit beteiligen wolle. sBravo! b. d. Wirtsch. Agg.) Die Beratungen werden um 6 Uhr abgebrochen. Vizepräsident Rießer schlägt vor, die nächste Sitzung Donnerstag nachmittag 2 Uhr abzuhalten mit der Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Debatte in Berbmdung mit den zu der Regierungserklärung gestellten Anträgen. Abg. v. Graes«(Dölk.) bezweifelt die jBeschlußsähigkeit des Hauses. Die Slbgeordnctcn strömen in den Saal hinein und nach «inigen Minuten tetll der Präsident mit, das Bureau sei einio darüber. daß da» Haus beschlußfähig sei. Der Antrag der Böllischen, ihren Antrag auf Aussetzung der Zahlungen aus dem Dawes-Plan morgen mit zu oerhandeln, wird unter großer Heiterkeit gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die vom Präsidenten vor- geschlagene Tagesordnung wird angenommen und die Sitzung ge- schlössen. vor See«kntfiheiSung. Di« sozialdemokratische Reichstagsfraktiou hiell gestern abend nur»ine kurze vitzung ab. Sie oertagte an- gesicht» der Tatsache, daß zahlreich« Mitglieder den Reichstag schon verlassen hatten, um in Versammlungen Referate zu übernehmen. Beratung und Beschlußfassung auf heute vormittag. Der Reichskanzler wird heute vormittag mit dem Führer der Wirtschaftlichen Vereinigung eine Besprechung ab« hallen, an d-r auch Reichsaußenminister Dr. Stresemann und der Reichswirtschastsminister Dr. Eurtius teilnehmen werden. Zw« den Ergebnissen der Besprechung wird die Stellungnahme der Wirtschaftlichen Vereinigung bei der Abstimmung über da» ver. trauen»votum abhänge». Die Parteien, die ein Vertrauensoottun für die Regierung einbrachten(Demokraten, Zentrum, Deutsche und Bayerische Volks- partei) zählen zusammen 171 Stimmen. Die Parteien, die Miß- trauenzvoten einbrachten(Deutschnationale, Völkisch« und Kom> munisten) zählen 170 Stimmen— eine weniger! Die Mittel» Parteien glauben jedoch, mit einer stärkeren Anwesenheitsziffer für sich rechnen zu können als für die Opposition. Nicht durch eigene Anträge in ihrer Haltung festgelegt sind die 131 Sozialdemokraten und die 21 Wirtschastsparteiler. De» Beschluß, ein positive» Vertrauensvotum m fordern, hatte da» Kabinett unmittelbar vor Beginn der gestrigen Reichstägssitzung gefaßt. Die Tatsache, daß auch die Deutsch- nationalen einen Mißtrauensantrag eingebracht hatten, gab dazu den Anstoß. Regierung unÜ Jlottenvorftoß. Ritter». Mann wuhte von nichts. Der Oberpräsident von Echleswig-Holstein, Genosse Kürbis, schreibt uns: Luch ich kann bestätigen, daß der Staatssekretär des Reichs- marineamts Ritter von Mann von einem beabsichtigten Vorstoß der Flotte im Oktober nichts gewußt hat. Als ich am 4. November ISIS im Austrage Ebert» in der Reichskanzlei sowohl Scheidemann ol» auch Ritter v. Mann Bericht über die Vorgänge in Kiel erstattete. erklärten beide, daß da» Gerücht von einem beabsichtigte» Vorstoß der Flotte vollständig au» der tust gegriffen sei. Ritter«. Rlana cnmächi.gtc mich sodann noch ausdrücklich, von dieser Erklärung in Niel de» Atalroseu gegenüber Gebrauch zu mache». Am Tage darauf, am 5. November, wurde das mehrfach erwähnte Flugblatt der Reichsregierung an die Seeleute, das gleichfalls die Absicht eine, Flottenvorstoßes entschieden in Abrede stellt», verfaßt und verbreitet.... örüninghaus. Sine Erinnerung au seine Tätigkeit alS Seeoffizier. Man schreibt uns: Brimingbaus prägte in feinen Ausführungen vor dem Unter- suchung»ou»sch»sse den Satz, daß.das Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften M der Marine stet, das denkbar beste' gewesen sei. Dieser Satz verdient auf seine Richtigkeit genau untersucht zu «erden, da Koitteradmirol Brünighau» persönlich da» Beispiel für da»„denkbar beste Verhältnis zwischen Offizier und Mannschaft in der Marine'«vor. Es ist notwendig, Herrn Brüninghaus an sein Kommando auf dem Linienschiff»Kurfürst Fried- »ich Wilhelm' tu den Iahren ISO? bis 1Sl)7 zu erinnern. Herr Brüninghaus wirb dann zugeben müssen, daß er mehr als einmal die Worte aussprach, daß auf keinem Schiff der Flotte so viel Strafen oerhängt worden seien, wie auf»Kurfürst Friedrich Dil- helm', auf dem er Erster Offizier war. Die Berhöltniss« zwischen Offizier und Mannschaft waren derartig, daß stch um die Osterzeit 19Gi Dinge entwickelten, die an Meuterei grenzten. Brüninghaus wird wisse», daß an einem Morgen lll Mündungsdeckel von den Gewehren, eine Reih« Gewehrschlösser. Geschützteile und sonstige Ding, fehlten, daß die Seile am Rettungsboot durchschnitten waren. daß sonstige Dinge vorkamen, die Gegenstand einer Untersuchung würben. Er wird«» nicht vergessen haben, weil ja auf seinen Befehl hin lange Zell«In« vioiston Posten stehen muht« an Gewehrständern. Geschützen und an den Rettungsbooten und daß eine andere Di- visson im Schiff patrouillieren mußte. Das gute Verhältnis zwischen Offizier und Mannschaft' wurde so schlimm, daß im November 1306 der Obermatrose Heinrich Meier aus Bremen, weil er von»rüninghau« wegen eines kleinen Vergehen» vor das Kriegsgericht gestellt werden sollte, über Bord sprang und dabei ertrank. Daß anläßlich dieses Vorfalls Brüninghau» nach kurzer Zell bis ganze Besatzung auf dos Achterdeck befahl und dann zwei anonym« Schreiben bekannt gab, wovon eins sein« Gattin, da» zweite der damalige Flottenchef Prinz Heinrich erhallen hatte, sollte Herr Brüninghaus auch noch wissen. Der Inhalt des Schreibens, das die Gattin des Herrn Brüinnghaus de- kommen hatte, hotte ungejähr folgenden InHall: „In der Stund« der höchsten Rot wendet sich die Besatzung de, Linienschifse«.Kursürst Friedrich Wilhelm' mit der Bitte an Sie, auf Ihren Gemahl einzuwirken, daß er sich uns gegenüber«ine» anderen Tones bedient und uns eine bessere Behandlung zukommen läßt. Das schroffe und scharfe Lorgehen Ihre» Gemahls Hot dazu geführt. daß einer unserer besten Kameraden sich das Leben nahm, der der einzige Sohn seiner hochbetagten Mutter, die Witwe ist. war Sollte sich Ihr Gemahl in der nächsten Zeit un» gegenüber nicht einer anderen Hmgongsjorm bedienen und uns behandeln, wie Menschen es verdienen, so sehen wir uns veranlaßt, ihm den Dolch bi» an« Her, an die Brust zu setzen. Im Brief an Prinz Heinrich hieß es dem Sinne nach etwa so: „Die Besatzung des Linienschiffes.„Kurfürst Friedrich Wil- helm' wendet sich an Eure Königlich« Hoheit mit der Bllte. uns von dem Kommando des Korvettenkapitäns Brüninghaus zu befreien. Die Behandlung, die wir durch den Herrn Korvettenlapitän Brünighau« erfahren, ist nicht dazu angetan, in uns di« Liebe zum Doterland zu wecken und wir werden es schwer zu überlegen haben, ob wir in der Stund« der Gefahr, wenn dos Doterland uns ruft, unter solchen Offizieren kämpfen werdenl' Als Herr Brüninghaus diese Briese vorlas, rollten ihm die Tränen über die Backen. Das üblich« Spitzelsystem letzte ein, den Verfasser dieser anonymen Schreiben ausfindig zu machen. Zwar hatte Brüninghaus kraftvoll erklärt, er habe keine Furcht, aber es war doch eigenartig, daß er einen Posten gestellt bekam, der ihn auf Schritt und Tritt begleitete. Saß Herr Brüning- hau» in seiner Kabine, stand der Posten mit gezogenem Seiten- gewehr davor, saß er in der Ossiziermcsse beim Mittagsmahl oder einer Flasche Wein, hatte der Posten am Eingang Ausstellung zu nehmen. Nahm Brüninghaus ein Bad oder ging er zum stillen Ort, der Posten mit gezogenem Sellengcwehr blieb am Eingang postiert. Wenn er sich an Deck bewegte, begleitete ihn der Posten auf zwei bis drei Schritt Abstand. Das Spitzelsystem hatte einige Wochen gedauert, bi» man endlich glaubte(es war acht Tage vor Weihnachten 10061, den Töter in der Gestalt des Matrosen Wilhelm Vahle aus Porta bei Minden entdeckt zu haben Vahle wurde, da sich„Kurfürst Friedrich Wil- Helm' in der Nordsee befand, an einem Samstag nachmittag in da« Hntersuchungsgefängni« noch Kiel gebracht. Er hat ungefähr drei bis vier Monate in Untersuchungshaft gesessen, sein« Schrift wuttie von Schviftsachverstöndigen untersucht. Nachdem man nicht» entdeckt«, wurde Vahle emlossen. ohne daß ein Verfahren«nge- leitet wurde. Für diese erlittene Unlersuchungshait bekam Dohle von dem stellvertretenden Ersten Offizier(Brüninghau» war in Hr- laub), einen längeren Erholungsurlaub. So sah da»»gut« Berhölln!»' zwischen Herrn Brüninghaus nnd seiner Besatzungmnannschost damol, au»! verpuffte Sensationen. Die Gtrafverfahre« muhten emgestellt werden! Die Korrespondenz B- S. meldet: Durch Beschluß der Straf- kammer ist das Verfahren gegen den früheren Direktor der Staats- dank. Dr. Rühe, sowie gegen Iustizra» Dr. Werthauer und Rechtsamvali Engelbert« i n g e st« l l t worden. In dem Verfahren gegen di« Gebrüder Barmat war der Name Dr. R ü h e» vielfach genannt worden. In der Voruntersuchung Segen Barmat war bekannt geworden, daß Dr. Rühe und sein olleg« Hellwig als Schiedsrichter in einem Streit zwischen dem Inhaber de« Banthauses Michael und Kutisker zugunsten Michaels entschieden und für dies, Schiedsrichtertötigkell von Michael 40 wo M„ von Kutisker 20 000 M. Honorar erhalten hotten. Gleich daraus war»in Wechsel Kutisker», den er für sein« Schuld an Michael ausstellte, von Direktor Rühe für die Staats- dank angenommen und diskontiert worden. Die Staatsanwallschast erblickte in ditser Handlungsweise«ine versteckte Bestechung und so wurde gegen Dr. Rühe die Voruntersuchung eingeleitet, die fast ein Jahr gedauert hat. Nunmehr hat die Strafkammer jedoch cnt- schieden, daß di« gegen Hellwig erhobenen Vorwürfe nicht haltbar seien und daß auch seine Kutisker gegenüber bewiesen» Kreditpoktit sich erttären loe aus der U e b e r b ü r d u n g der Stootsbankbeamten während der Inflationszeit. Dieselbe Strafkammer kam zu dem Ergebnis, daß bei Iustizxat Dr. Werthauer und seinem Sozius, Rechtsanwall Engelbert, sine strafbare Handlung nicht vorliege. Die sehr beträchtlichen Kosten des Verfahrens in de» drei Hntersuchungsföllen wurden der Staatskasse auferlegt. Hemeinüen unü Erwerbslosenunterstützung. Eine kommunistische Verdrehung. In der letzten Zeit laufen die Kommunisten gegen ein« Rund- Verfügung de« Regierungspräsidenten Genossen Grützner in Merseburg Sturm, in der er angebllch die Semeindsvorstände aufgefordert haben soll,„Gemeindebeschlüsse, die irgendwelche Zusatz- leistungen von Kommunalverbanden an Arbeitslose bewilligen, zu beanstanden'. Liefe Behauptung der Kommunisten ist unzutreffend. Der Re- glerungspräsident hat nur pflichtgemäß darauf aufmerksam gemachl, daß Gemeindebeschlüss«. die ohne individuelle Prüfung Erwerbslosen allgemein Zuwendungen über die Unterstützung»- Pflichtige Grenze hinaus bewilligen, sofort zu beanstanden sind. Selbstverständlich ist den Lezirtssürsorgeoerbänden überlassen ge. blieben, inbesandersgelogertenFällcn nach individueller Prüfung auch Empfänger der Enverbslosenunterstützung oder ihre Angehörigen aus der allgemeinen Fürsorge zu unier- stützen. Di« Verfügung bezweckt also, eine unnötig« Enttäuschimg von Bevälkerungsschichten zu vermeiden, di« in den Glauben versetzt werden, durch einen Stadtverordneten- oder Magistratsbeschluß würden sie einen Rechtsanspruch auf höhere Unterstützung erwerben. während nach der Lag« der Gesetzgebung ein so allgemeiner Anspruch nicht erhoben werden kann. Di« kommunistische Hetze setzt regelmäßig ein. wenn ein sozialdemokratischer Beamter seine Amts- pflicht erfüllt. Van den Reaktionären, die auch persönlich den sozialen Pflichten fremd oder feindlich gegenüberstehen, schweigt sie beharrlich. Ungarn sabotiert. Budapest. 27. Zauvar.(Eigener vrahtbericht.) Der fron- zösische Gesandte Elluchoul hat tn einer Verbalnote energisch gegen da» VerHolle» der ungarischen Behörden bei der Untersuchung der Franksälschuag protestiert. Der Gesandte soll dabei erklärt hoben, die französisch« Regierung müsse daraus bestehe«, daß die von Frankreich nach Budapest entsandten Beamten in alle Einzel- Helte» der Untersuchung eingeweiht werden und bei der Aus- klöruog mitwirke» können. Sollte di« ungarische Regierung die wünsche Frankreichs nicht erfüllen, dann werde die französische Regierung vor aller Welt und namentlich vor dem V ä l k e r b u« d die Erklärung abgebe», daß Ungarn ei» Herd der Wühlerei gege» de» europäischen Frieden sei; außerdem werde Frankreich vom Völkerbund eine Reihe von Maßregeln gegen Ungarn verlange», wl«««lautet, hat der Ministerpräsident erklärt. daß llvgar« in der Teilnahme französischer Beamter einen Ein- griff in sei»« inneren Verhältnisse sehen müsse: di- Regierung werde jedoch, um jeden Schein zu vermeiden, als ob sie die Untersuchung verhindern wolle, gegen eine Teilnahme fron- zösischer Beamter nicht» einwenden. Sethlen vor dem Untersuchungsausschuß. Budapest. 27. Januar.(Eigener Drohibericht.) Der parlomen« tarisch« Umerjuchungsausjchuß hat am Mittwoch den Minister- Präsidenten Bethlen verhört. Lsthlen gab zu. an den Präsidenten de» ungarischen Nationaloerbandes. Baron P e r e n y i, einen Brief geschrieben zu haben, als er von den Frankenialschungcn erfuhr. Bethlen sieht seinen Brief als«inen Beweis für sein sofortiges Ein- greifen an. Er persönlich hott« nichtsunternehmenkönncn. da er damals vor feiner Abreise noch Genf gestanden hob». Er Hobe aber seinen Staatssekretör mit der weiteren Verfolgung dieser Angc- legenheit beaustragt und dieser sei nun. ohne von eine? Mittäter- schast des Landespolizeichef» Nadvssy etwas zu ahnen, zu diesem gegangen, um ihn um die notwendig erscheinenden Schritte zu ersuche». Die Notstandsarbeiten in Berlin. ,, Nur Arbeit kann uns retten!" Am Dienstag gaben wir den Erwerbslosen den Rat, nicht überall hinzulaufen, wo sie Arbeitspläge vermuten, die durch Not standsarbeiten geschaffen werden. Dieser Rat war notwendig, um ihnen Enttäuschungen und unnüße Bege und unnüße Ausgaben für Fahrgeld zu ersparen. Wir empfahlen den Erwerbslofen, sich wegen Notstandsarbeiten an ihren Arbeitsnachweis zu wenden. An fich ebenfalls richtig. Leider haben wir damit unbeabsichtigte Hoff wungen erwedt, die fich als trügerisch erwiesen. Die Arbeitsnachweise haben bis jetzt teine Notstandsarbeiten zu vermitteln. Mörgler behaupten, es gäbe in ganz Groß- Berlin auch heute noch teine offtandsarbeiten. Das stimmt nicht ganz. Denn nach dem verlegten Bericht des Landesarbeitsamts wurden in Berlin sechshundertneunund fiebzig Rotstandsarbeiter beschäftigt. Nach dem legten Bericht des Landesarbeitsamts ist jedoch diese Anzahl der Notstands arbetter um 50 Mann zurüdgegangen. Nach der letzten Zählung wurden also in Berlin in Groß- Berlin 629 Motstandsarbeiter beschäftig.. Sechshundertneunundzwanzig von 147 928 männlichen Arbeit fuchenden, außer 62 623 meiblichen, insgesamt 210 551 Arbeit. fuchenden. Jedes Wort der Kritif müßte die peinliche Wirkung dieser Ziffer der Notstandsarbeiter im Bergleich mit der der Arbeit „ Die Tradition der alten Armee." Auf die Tanzmusit gekommen. Militärmufiter, Beamtenmufiter und Nebenbeimufifer er schweren den Berufsmufitern die Existenz. Erst fürzlich veröffent lichten wir im ,, Borwärts" eine Liste von Kinobetrieben, in welchen dauernd Beamte als Musiter beschäftigt werden. Für die außerordentliche öffentliche Mufiftätigkeit der Militärmusiter bestehen zwar besondere Bestimmungen, die darin gipfeln, daß die Intereffen der Zivilberufsmufiter nicht geschädigt merden sollen, allein es fommt darauf an, daß diese Bestimmungen auch beachtet werden. Wie es jedoch damit steht, ergibt sich aus einer Beschwerde, die die Ortsverwaltung Berfin des Deutfchen Mufiterverbandes an den Kommandeur einer in Botsdam liegenden Abteilung richten mußte. Es handelt sich hierbei um die Uebernahme einer Spielverpflichtung des Trompetertorps dieser Truppe, entgegen dieser Bestimmungen, wonach die außer dienstliche Mufiftätigkeit der Militärfapellen auf mufitalisch wert volle Musitaufführungen“ beschränkt bleiben soll. Der Mufitauftrag aber, den das in Rede stehende Trompeterforps über. nommen hatte, bezog sich auf die Ausführung einer öffentlichen Zanzmusif auf dem Gesindeball" der Funkstunde. Die Berufsmusiker führten bei dem betreffenden Truppentommandeur Be schwerde, worauf sie von dem Abteilungsfommandeur die Antwort erhielten, daß das Trompeterforps von der Direktion der Funt. stunde gebeten worden sei, bei dem betreffenden Gefindeball" mitzuwirken. In dem Bescheid steht dann wörtlich: " ,, Als Begründung ist hierbei ausdrücklich hervorgehoben wor den, daß die Abteilung, da fie die Tradition der ehemaligen Funker. truppe vertritt, mehr als bisher zu derartigen Veranstaltungen herangezogen werden soll, da sich das Publikum bei diesen Gelegenheiten zum großen Teil aus alten Angehörigen bzw. Gönnern der Telegraphentruppe zusammensetzt und mit diesem Wunsch an die zulässige Stelle herangetreten ist. Aus diesem Grund soll z. B. auch das Trompetertorps der Abteilung demnächst in der Funkstunde selbst spielen. дос Borstehenden Gründen kann ich mich als Kommandeur ber Abteilung voll und ganz anschließen, da ich mich frene, wenn mein Trompeterkorps in der Deffentlichkeit die Pflege der Tradition der alten Armee wachhalten und fortsetzen tann. Der Herr Major mag diese Pflege für seine persönliche Aufgabe halten, allein die vom Reichswehrministerium aufgestellten Bestimmungen für die Militärmusiter brehen sich um die Beschrän tung auf mufitalisch wertvolle Mufitaufführungen und nicht um die Tradition der alten Armee", die uns offen gefagt, gestohlen bleiben tann. Der traditionsbegeisterte Herr Major muß fich daher wohl oder übel an die von seiner vorgefeßten Behörde, dem Reichswehr. ministerium herausgegebenen Vorschriften halten. D6 Tanzmusit die Tradition der alten Armee" wachhalten tann, sei dahingestellt, doch daß sie zu den musikalisch wertvollen Beranstaltungen gehört, fann nicht behauptet werden. Zum Tarifftreit der Bankangestellten. Reichsministerien und Großbanten. Die Sozialdemokraten haben folgende ffeine n frage Aufhäuser und Genossen eingebracht: Im Tarifftreit der Banfangestellten war am 3. November 1925 ein Schiedsspruch ergangen, der für die in den legten zwei Jahren ohnehin äußerst gedrüdten Tarifgehälter die bescheidene Erhöhung von 5 Prozent vorjah. Die von den Angestelltenorganisationen be antragte Berbindlichteitsertlärung ist vom Herrn Reichsarbeitsminister mit folgender Begründung abgelehnt worden: " Der Schiedsspruch sieht eine Erhöhung der Gehälter der Banfangestellten um 5 Broz. vor. Diefen Borschlag haben die Bantleitungen als für sie nicht tragbar abgelehnt und zur Be gründung unter anderem angeführt, daß das Banfgewerbe bei feiner an sich schon schwierigen Lage auch noch durch zahlreiche ihm im öffentlichen Interesse aufgebürdeten Arbeiten, die feinen Gewinn abwerfen, belastet sei. Die Richtigkeit dieser Angaben hat durch die vom Reichsarbeitsminifterium eingeleitete eingehende Teachprüfung nicht widerlegt werden fönnen. Die gefeßlichen Borauslegungen der Verbindlichkeitserklärung waren hiernach nicht gegeben, wenn auch nicht verfannt werden soll, daß eine Erhöhung der Gehaltsbezüge der Angestellten an fich wünschenswert erscheint. Außerdem bestand die Befürchtung, daß sich bei einer Berbindlichkeitserklärung die Auswirkung der gegenwärtigen schweren Krise auf dem Arbeitsmarkt für die Bankangestellten noch verschärfen würde." Der Allgemeine Verband der Banfangestellten behauptet auf Grund von Erklärungen des Reichsarbeitsministeriums und an deren Informationen, daß die eingehende Nachprüfung der für die Banken gegebenen finanziellen Tragfähigkeit des Schiedsspruches burchaus einseitig erfolgt fei. Das Reichsarbeitsministerium hätte lediglich Gutachten des Reichswirtschafts, des Reichsfinanzminifte do | fuchenden abschwachen. Wir wollen diese Ziffer für fich selber sprechen laffen, als eine Mahnung und Warnung, die Dinge so nicht weitergehen zu lassen. Gewiß, der Magiftrat hat weder die riesige Arbeitslosigkeit verschuldet, noch fann er ihr abhelfen. Aber nachdem soviel über Not standsarbeiten geschrieben, geredet, beraten und beschlossen ist, müßte man annehmen, daß dabei etwas herauskommen würde, bevor der Winter zu Ende ist. Nach allen bisherigen Erfahrungen aber wird das weniger sein als ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Apparat hat versagt. Es ist die Rede vom Bau der G. Schnellbahn. Dazu ist bis heute noch fein einziger Arbeitsloser angefordert und auch nicht ein einziger vermittelt. Ein neues Projeti soll in Angriff genommen werden, die Abtragung der Rehberge und ihre Blanierung zu Sportund Spielplägen. Der Magiftrat hat 150.000 m. dafür bewilligt. Ob dabei 100, 150, 200 oder 300 Mann beschäftigt werden, ist ziem fich belanglos für den Umfang der Erwerbslosigkeit, immerhin läßt es den guten Willen zur Abhilfe erkennen, leider zugleich auch tie engen Grenzen, die der Jnangriffnahme von Notarbeiten von Bornherein gezogen find. Doch innerhalb dieser Grenzen muß unverzüglich alles getan werden, was irgend geschehen fann. Biel wird es nicht werben, nachbem bereits zwei Monate größter Biel wird es nicht werden, nachdem bereits zwei Monate größter Erwerbslofigfeit verstrichen find. Darüber muß in den Reihen der Erwerbslofigfeit verstrichen sind. Darüber muß in den Reihen der Arbeitslosen Klarheit bestehen. riums und des Reichsbankdirektoriums eingeholt, die sich wesentlich auf Borstellungen des Reichsverbandes der Bankleitungen fügten, während den Arbeitnehmervertretungen versagt blieb, sich vor der Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums zu den Behauptungen der Arbeitgeberseite zu äußern. 1. Trifft diese Behauptung des Allgemeinen Berbandes der Bantangestellten zu? 2. Ist der Herr Reichsarbeitsminister bereit, die ihm vom Reichswirtschafts-, Reichsfinanzministerium und der Reichsbant gegebenen Gutachten vorzulegen? 3. Ist dem Herrn Reichsarbeitsminister bekannt, daß diese drei Stellen erneut von dem Bantenverband aufgefordert wurden, auf ihn einzuwirken, daß er auch den am 23. Dezember 1925 unter Vorsitz von Staatssekretär a. D. Dr. August Müller gefällten Reichstariffchiedsspruch nicht für verbindlich erklären soll? 4. Was gedenkt der Herr Reichsarbeitsminister zu tun, um fünftig eine solch einseitige Einflußnahme der Arbeitgeberseite auf die für seine Entscheidung maßgebenden Gutachterstellen im Reichswirtschafts, Reichsfinanzministerium und im Reichsbankdirektorium zu verhindern? Reichstarifverträge der Buchbinder. Bei den Verhandlungen in Weimar über den Neuabschluß eines Lohnabkommens forderten die Buchbinder eine Erhöhung des Spigen lohns um 10 Broz, d. h. einen Spizenlohn von 1 M. Auch der Atfordtarif sollte erhöht werden. Die Unternehmer dagegen forderten einen Lohnabbau von 10 Proz., da die Lage der deutschen Wirtschaft tatastrophal und noch nie ein so schlechtes Beihnachtsgeschäft zu verzeichnen gewesen sei. Nach mehrſtündigen Berhandlungen tam es zu einer Einigung mit dem Berband deutscher Buchbindereibefizer, das bestehende Lohnablommen bis zum 7. April zu verlängern Auch mit dem Arbeitgeberverband der papierverarbeiten den Industriellen( Api) tam es bei den Verhandlungen in Berlin zu einer Berständigung, wonach der Lohnvertrag bis zum 28. Februar verlängert wird, da dann auch der Mantelvertrag ablauft. Gegen eine Abänderung des geltenden Dris tlaffenverzeichnisses, die vom Buchbinderverband beantragt worden war, wandten sich die Unternehmer, worauf auch die Regelung dieser Angelegenheit bis zur Neuberatung des Mantelbertrages zurudgestellt werden mußte, nachdem der Vorschlag der Unternehmer, den Manteltarif um ein Jahr zu verlängern, nicht die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter gefunden hatte. Der von der Schlichtungskammer des Reichsarbeitsministeriums für die Kartonnagenindustrie am 11. Januar gefällte Schiedsspruch wurde von beiden Parteien angenommen, womit die Lohnregelung bis zum 31. Mai erfolgt ist. Berhandlungen für die Bellpappenindustrie führten zu unveränderter Berlängerung des Bohnabkommens bis zum 31. Mai. Jahresgeneralversammlung der Zextilarbeiter. In der Jahresversammlung ber Berfiner Tertilarbeiter am 25. Januar gab Genosse Gruh I den Geschäftsbericht. Während das erste Halbjahr noch zufriedenstellend in der Beschäftigung war, sant diese im legten rapide. Immer mehr Betriebe ließen verkürzt arbeiten oder schloffen ganz. Diese Situation versuchen die Unternehmer auszunuzen, indem fie fich an tarifliche Vereinschaft ist aber nicht gewillt, jo ohne weiteres ftillschweigend dabei barungen nicht mehr gebunden halten. Die Textilarbeiter. zuzusehen. Roch ist die Drganisation intatt und sie wird auch über diese Krise hinwegtommen. Der Mitgliederbestand tonnte Mitglieder. fich fogar erhöhen, und zwar um 318 männliche und 229 weibliche Der Organisation ist es nach vielen Mühen gelungen, eine Arbeiterinnenfommission zu gründen, die besonders unter den zahlreichen Arbeiterinnen aufffärend tätig ist. Leider ist es bisher nicht möglich gewesen, die Jugendlichen enger zusammenzufassen. Das wird eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Jahres jein. Der Raffenbericht, den Kollegen Schein gab, weift eine erfreuliche Entwicklung des Berbandes aus. In einem großangelegten Referat des Genossen Reichstagsabgeordneten Rotte über die wirtschaftliche Lage zeigte der Redner die heutigen Unterlaffungsfünden des Unternehmertums, die mitfchuldig find an der jetzigen Krise. Die sogenannte Opposition predigte wie üblich die Einheitsfront" und glaubte damit die Unternehmer über den Haufen zu rennen. Daß dabei weidlich auf unsere Bartei und Gewerkschaften geschimpft wurde, versteht sich eigentlich von selbst. In glänzender Weise wurden diese Revolutionäre von den Kollegen Jädel, Schrader, Jung und Koßte abgefertigt. Bie gering der tommunistische Einfluß ist, zeigte sich bei der Neuwahl der Ortsverwaltung. Mit übergroßer Mehrheit wurde die alte Berwaltung wiedergewählt. Die kommunistische Liste fiel glatt unter den Tisch. Auch der letzte Versuch, zu retten, was noch zu retten war, nämlich ein Antrag, Versammlungsanzeigen des Verbandes auch in der Roten Fahne" und" Welt am Abend zu veröffentlichen, wurde abgelehni Damit haben die Tertilarbeiter gezeigt, daß fie von Phrasen nichts halten, sondern mehr Wert auf prattisches Arbeiten in der Organisation legen. Die Arbeitslosigkeit in der Lederindustrie. Bon den 40 344 Mitgliedern des Verbandes der Lederarbeiter waren im November 1925 rund die Hälfte Kurzarbeiter, während 10 Broz. arbeitslos waren. Allein in der 2oh- und Chromgerberei waren von 34 081 erfaßten Personen 19 361 oder 57 Proz. Kurzarbeiter. In der Weißgerberei und Färberei wurden 887 Kurzarbeiter und 751 Arbeitslose gezählt, in der Lederhandschuhindustrie 881 Rurzarbeiter und 345 Arbeitslose. Im Dezember ist die Zahl der Kurzarbeiter in der größten Branche zwar um 2761 zurüdgegangen, doch ist dafür die Zahl der Arbeitslosen um 369 gestiegen. In einer Eingabe an die Reichsregierung fordert der Zentralvorstand eine angemessene Unterstützung der Kurzarbeiter und die Erhöhung der ErwerbslosenunterStügung. Bom Internationalen Arbeitsamt. Genf, 27. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Einweihung des neuen Gebäudes des Internationalen Arbeitsamtes, deſſen Bau feiner Bollendung entgegengeht und im Laufe des Monats Februar bezogen werden soll, wird am 6. Juni stattfinden. Mit der Uebersiedlung in das neue Amtsgebäude soll auch die öffentliche Beratung des Verwaltungsrats des Arbeitsamts in Erwägung gezogen werden. Die Arbeitgebergruppe soll allerdings nach wie vor dieser Forderung abgeneigt fein, doch besteht trotzdem Aussicht, daß fie durch bringen wird. Die während der legtjährigen Arbeitskonferenz in Aussicht genommene konferenz der Arbeitsminister von Deutsch land, England, Frankreich und Belgien zur Erreichung einer Verständigung über eine einheitliche Durchführung des blommens über den Achtstundentag wird wahrscheinlich im März stattfinden. Telephoniftinnenstreik in Warschau. Warschau, 27. Januar.( Tul.) Gestern find die Telephonistinnen wegen Lohndifferenzen in den Streif getreten. Die Bierundvierzigftundenwoche in Amerika. Aus einer fürzlich erschienenen Studie des Internationalen Ar beitsamts über die Arbeitsdauer in den Bereinigten Staaten geht herpor, daß im Jahre 1922 bereits 14 Millionen Ura beiter eine nur 44 stündige wöchentliche Arbeits. eit hatten, am Sonnabend nachmittag, bei achtstündiger Arbeitszeit an den anderen Wochentagen, also arbeitsfrei maren Unter diesen find große Gruppen der Maler, der Zim merer, der Arbeiter in der Betleidungsindustrie und in der Damenkonfektion. Ferner ist die 44- Stunden- Woche vor herrschend bei den Kürschnereiarbeitern, Granitschleifern, Bleis arbeitern, Bauhilfsarbeitern, Tagelöhnern und bei anderen mehr. Bei den Musterzeichnern und Raddrehern sind sogar Normal arbeitszeiten von 42 und 40 Stunden wöchentlich häufig. Ein großer Teil der Glasarbeiter hat nur eine 38 stündige mo che n ta liche Arbeitszeit. Welchen Gegenjazz dazu bildet die Tatsache, daß es den Glasofenarbeitern der Niederlaufig bei ihrem letzten Streit nicht gelungen ist, auch nur den Achtstundentag durchzusehen! Unter den Arbeitern, welche im Jahre 1922 eine 44 bis 48 stun. dige wöchentliche Arbeitszeit aufwiesen, sind vor allem die Maschi nisten zu nennen, ferner die Buchdrucker, Schmiede, Zigarrenarbeiter und andere. 47 Stundenwoche für Seelente. Das füdaustralische Parlament hat mit 45 gegen 33 Stimmen den Gesezentwurf angenommen, durch den die Arbeitswoche für Seeleute auf 47 Stunden feſtgeſetzt wird. Betriebsräfe, Betriebsvertrauensleute und Barfeigenoffen! Ab 1. Januar ist bei den Berliner Sandtud fahrern die ontrolltarte bon roter Farbe. Die muß auf ihrer Borderieite die Ueberschrift Deutscher Verkehrsbund, Drtsverwal tung Berlin, Handtuchfahrer- Legitimationstarte tragen fowie Mitgliedsnummer, Namen und Eintrittsdatum des Inhabers enthalten. Die Innenseite muß für den laufenden Monat abgestempelt fein. Da ein Teil der Berliner Wäscheverleihgeschäfte sich immer wieder den tariflichen Berpflichtungen zu entziehen fucht, richten wir an alle Barteigenossen und gewerkschaftlich organi fierten Arbeiter die bringende Bitte, nur organisierte Handtufahrer zu unterstügen und jeden Handtuchfahrer auf seine Organisationszugehörigkeit zu prüfen. Die Branchenleitung der Handtudfahrer. Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien bezifferte fich am 18. Januar auf 1215 900. Das find 5503 weniger als in der Boche vorher und 53 833 weniger als im gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten .- G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. = Aus der Partei. Der Häußer- Schwindel. Die von einem Berliner Montagsblatt aufgegriffene und weiter gegebene Meldung, die fozialdemokratische Abgeordnete Genossin Dr. Stegmann Dresden sei Mitglied des Häußer- Bundes und zeichne verantwortlich für die Häußer- Beitung", ja, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wolle ihren Ausschluß beschließen, ist von uns schon als eine leichtfertige Sensationsmeldung gekennzeichnet worden. Genoffin Dr. Stegmann selbst, die sich zur Kur in der Schweiz aufhält, sendet uns, nachdem sie Nachricht von dem Unfug erhalten, das folgende Telegramm: Häußersche Nachrichten Bluff. Bin weder Häußerbunds mitglied, noch für Zeitung verantwortlich. Stegmann. Es sollte zwar nicht erst notwendig sein, daß solche Erklärung meldungen dieser Art in die Welt gesetzt wurden, kann sich die komabgegeben werden muß. Aber nachdem leichtfertige Sensations munistische Bresse einen solchen Happen nicht entgehen laffen. Wir wagen faum zu hoffen, daß die bündige Erklärung der Genossin Stegmann den Schwindel aus der Welt schafft. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eklorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwäris- Buchdruderel und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin G 68. Lindenstrake 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. Cigaretten 54 ACO 58 Unperändert SILBER in Preis u. Vr. 45 43. Jahrgang Vonnerstag, 28. Januar 1H26 WW�>>W>W»�W»W»>»>»»��»»»N»�>MWWW»»>»»W»»W»UW«WW>»�W>»W»>»W>WW»»>M»W>W>»W»>?»w«W>»W»>»>»»>MM»M«W»»»«»�>»W0»»e»W»»»W»»>«W»W»»»W»»»W>»»�� Es gibt Oasen in der Großstadt, jene kleinen Kunstläden, vor denen man eine Zeit im Betrachten der ausgestellten Kunstwerke sein« Umgebung oergesjen kann. Die ausgestellten Bilder locken Kunsteifrige heran, die einige Minuten im Betrachten verharren und wieder untertauchen im hastenden Gedränge. Di« Bilder locken schon und doch geht selten die Tür in ihren Angeln, um einmal einen Kauflustigen einzulassen. Ganz selten einmal verlaßt ein Kauf- lustiger mit einem kleinen, noch viel seltener mit einem großen Paka den Laden. Das Geld wird zu Wichtigerem gebraucht. Der Umsatz sinkt ständig, selbst die herabgesetzten Preise helfen nicht mehr. Große Werte stellen sie dar. die reihenweis aufgehängten Bilder. Und doch jetzt, wo ihr Wert realisiert werden soll, wo der Hauswirt drängt, die Miete einstreichen zu dürfen, und in den großen Berkehrsstraßen ist die Miete wirklich nicht billig, da bleibt eben nichts übrig, als eines Tages das kleine Schild»Versteigerung wegen Aufgabe des Geschäfts" an Stelle der Bilder ins Fenster zu hängen. wie wirü versteigert. Um den Inhaber sommell sich ein kleiner Kreis. Der Ler- kaufspreis der einzelnen Bilder wird aufgerufen, und jede» Bild, für das ein Angebot vorliegt, wird versteigert. Eine Zeit treiben die Bietenden den Preis höher, ruckweise, bis einem das Bild zu- geschlagen wird. Die Angabe de« Berkaufsprelses wird von allen Bietenden ignoriert. Anders sind die Angebote nicht zu begreifen. Ein Sinderblld, Originalgemälde, wenn auch von keinem bekannten Maler, ungeiähr 60 mal 80 Zentimeter groß, in einem goldenen Rahmsn. mit einem Berkaufsprei» von 1S00 M., bringt nach ver- zweifelten Kämpfen und Aufmunterungen tn der Versteigerung lOO M. Das erst« Gebot lautete aus»zwanzig" Mark. Ein Pen- dant zu diesem Bilde gelangt in der Versteigerung noch nicht auf 100 M. und wird vom Inhaber aus der Versteigerung zurück- gezogen. Äm Hinteren Laden wird versucht, dem Käufer des ersten Bildes das zweite zum gleichen Preis« zu verkaufen. Beinahe flehentlich versucht e» der Inhaber, man sieht es ihm an, er will seine Bilder nicht verschleudern lassen. In der Zwischenzelt werden vorn kleinere Bilder versteigert. Klein« Kopien— in Oel. von wenig bekannten Malern, mit fabelhaften Rahmen, die im Verkauf }00_-1,50 M. kosten würden, werden mit 17—23 M. versteigert. Eine kleine Mönchsstudie mit schwarzem, breitem Ebenholzrahmen wird mit 22 M. losgeschlagen. Sicher kostet der Rahmen mehr. als für dos ganze Bild erziell worden ist. Am besten gehen ver- HSKnismäßig noch die billigsten Sachen weg. Der Kitsch triumphiert. Kleine HolzrclcCcn, mit Landschaften oerziert oder mit ein- gebrannten Sprüchen, werden mit 5—10 M. bezahlt und würden im Verkauf auch nur 15— 20 M. erzielen. Hier wagt mancher mit- zusteigern, und so wird der Preis höher getrieben. Rechnet man, daß ein Maler an einem Gemälde in der Größe HO mal 80 Zentimeter mindestens vier bis fünf Wochen zu arbeiten hat, daß der Rahmen mindestens doch mit 20—30 M. eingesetzt werden muß und das Geschäft mindestens doch 20— 30 Promille für sich rechnet, so bleibt für den Maler eine Bewertung von 100— 120 M. für seine Arbeit. Zumeist wird ja der Künstler bei Ankauf des Bildes ent- lohnt. Loch ist es auch in einigen Kunsthandlungen üblich, daß der Maler erst einen Ayteil des Verkaufspreises nach Bertauf des Bildes erhält. Bei den kleineren Bildern würde die Errechnung der Summe, die der Künstler vom Versteigerungspreis bekommen müßte, noch erheblich schwieriger, in den meisten Fällen würde der Künstler leer ausgehen müssen. wer kaust! Der kleine Kreis, der dem Inhaber von Bild zu Bild folgt, hat sich mehr und mehr vergrößert. Neben uns hat eben eine Frau ein kleines Bild erstanden. Stolz geht sie zur Kasse und empfängt es. Ein älterer Herr bietet bei einer Studie mit, man sieht es ihm an— ein wirtlicher Kunstkenner— der mit Sorgfalt ausgewählt und nun ängstlich um sich blickt, ob seine bescheidenen Gebote nicht über- schritten werden. Und als mehr geboten wird, hält er krampfhaft mit, bis er endlich sein Bild zugeschlagen erhält. Erfreut über seinen neuen Schatz, mustert er noch einmal die langen Reihen, sein Blick haftet noch einmal an einem großen Bilde, einer düsteren Wald» landschaft, reißt sich los und verläßt mit seinem Schatz den Laden. Bei dem Versteigern eine» Bildes läßt sich hinter mir eine Stimme kunstverständig hören:„Dct is ober dicke bezahll, det bisken Leine- wand und de Farbe und der Rahmen, det zählt doch nich mit." Ein kleiner, dicker Kerl, mit einer Joppe, Kniehosen und Gamaschen, Stock in der Hand, steht hinter uns. Er steigert nur sachgemäß, das heißt nur bei ganz günstigen Angeboten, er will ja auch nur als wiederverköuser steigern. Wütend blickt er aus die Laien, dl« sich immer überbieten müssen, die sollten man auf ihn hören, er würde den ganzen Ramsch schon für die Hälfte kriegen. Einige Neugierig«, die von der Straß« aus den vollen Loden gesehen haben und»wißbegierig" schnell hereingehuscht sind, eine Gelegenheit, billig zu kaufen, erkannt haben, bieten mit. aber nur bei den kleineren Bildern. Sie wollen nur»was mitbringen". Einigen unter ihnen sieht man an, daß kein Schwärmen für die Kunst Anlaß ist, mitzubieten. Einige Bilder werden heiß umstritten, jeder möchte es haben, doch aber nur recht billig. Wütend gehen die Blicke von einem zum anderem Treibt einer den Preis um 5 M. höher, freut sich schon, als der Inhaber zum letztenmal fragen will, dann kommt sicher einer, der routiniert ist und eine Mark mehr bietet. Der Kamps beginnt von neuem. Der Inhaber kann, man merkt es ihm an. die routiniert Bietenden nicht leiden, zwischen ihnen besteht heftig« Feindschaft, bei der der Inhaber des Geschäfts die bessere Rolle spielt, er kämpft um seine Werte. Ja, er stellt soaar einige Bilder mehrmal» zurück, weil die gebotenen Vreise zu schlecht sind. Er kann es. denn noch droht nicht das Gespenst der Zwangs- Versteigerung. Der heutige Kunstmarkt liegt sehr im argen. Die wirtschaftliche Not macht sich hier am stärksten mit bemerkbar. Und sie über- trägt sich naturgemäß auf den Künstler. Wird sein Werk nicht be° lohnt— wird sein Ansporn nachlassen. Die Sorglosigkeit, mit der heute Werke zu Ausstellungen geschickt werden, die nicht den Anspruch als Kunstwerk haben, ist zum Tell zurückzuführen auf die Nichtachtung der Kunst. Wieviel Wut und Begeisterung gehört heute für den begabten Künstler dazu, sich treu zu bleiben! Sehekmrat Moll und Sie Serllner Okkultisten. Ein Sieg der Wiffenschafi. Bor der Berufungskammer des Landgerichts II fand umer Vorsitz von Londgcrichtsrat Busch die neue Dcrhandlung in der Be leidigungstlage, die der Eisenbahnobersekretär Rudloff gegen den Geh. San.-Rat Dr. Moll wegen Beleidigung seiner Ehefrau, dem in der Okkultistenwelt vielgerühmten Reifenmedium Maria D o l l h a r t, statt. Wie erinnerlich, dreht es sich bei dem ganzen Streitfall um eine Sitzung Berliner O t t u l t i st e n. in der das Medium Maria Vollhart ihr berühmtes Reifenphänomen produzierte. Nach dem die Teilnehmer am Tisch Platz genommen hatten und nach Ausschaltung eine Händekette gebildet hatten, verfiel das Mediun, in Zuckungen und auf den Oberarmen der beiden Nachbarn des. Medium», zweier Aerzte und Okkultsstensührer. erschienen die Reifen. Professor Moll bemängelte in seiner Kritik, daß das Medium vorher nicht untersucht worden sei, und sprach von einem geschickten lieber- streisen, wobei er die Ausdrücke»plumper Trick" und„Manipulation" gebraucht« und das Ganze als Farce bezeichnet«. Das Amtsgericht hatte Geheimrat Moll unter Zubilligung des 8 103 frei- gesprochen, indem es ihm glaubte, daß er das Medium selbst nicht Hobe beleidigen wollen, sondern nur eine sachliche Kritik als Wissenschasller geübt Hab«. Geh.-Rat Moll fei zu glauben gewesen. daß er überzeugt sei von der physikalischen Unmöglichkeit der Durchdringung der Materien ohne mechanisch« Nachhilfe. Gegen das 77] Die Passion. Roman von Clara vicblg. Alle m der Gesellschaft dachten längst, daß die Karonin einen Geliebten hätte. Einen Mann für ihre Lebensfülle, für ihren Lebensdurst, einen wirklichen Mann neben dem, der seit Jahren schon an zwei Stöcken die haltlos zappelnden, nicht mehr richtig dirigierten Beine mühsam dahinschleifte. Schwere Tränen tropften aus den Augen der Frau. Sie sah sich täglich neben dem Rollftuhl des Gatten daherschreitcn, sie seh sich mit ihm wieder nach Oeynhausen reisen. Ach, was machte das für ein unliebsames Aufsehen auf dem Bahn- steig, wenn der Diener den Rollstuhl heranschob und zwei kräftige Gepäckträger den aufs erste Ansehen hin noch immer statllichen. einst so eleganten flotten Kavalier heraushoben und die schwere Last mühsam in das Coup6 erster Klasse ver- stauten. So viele Dlicke, so viele Bemerkungen, die sie nicht hören sollte und doch Hörtel Und doch irrte sich die Gesellschaft— die schöne Frau stieß einen sehnsüchtigen tiefen Seufzer aus— leider! Eva hatte eine tiefe Ohnmacht bekommen, nachdem sie sich schon tagelang seltsam matt gefühlt hatte. Dieses Mal waren es nicht die Ohren, auch nicht die Nerven, dieses Mal war es das cherz, das ausspannte. Sie war, ohne daß sie sich noch wehrte, zusammengebrochen. Als sie sich auf ihrem Bett fand, auf das man sie gelegt hatte, und darüber zu sich kam. daß das andere Mädchen versuchte, sie zu entkleiden, wußte sie sofort, was mm kam. Der Arzt— Untersuchung— Kündigung. Das wiederholte sich mm wieder.., .�st Ihnen letzt besser?" fragte das Madchen, em gut- msstioes Ding Herneh. was haben wir irns erschreckt! lind erst die Frau Baronin! In der ihrem Toilettcn'immer sind Sie umgefallen. Gott im Himmel, nee so was! Mtt Ihnen ist wobl was los. Eva? Und darum!" „Wie dumm." murmelte Eva und versuchte, sich aufzu- richten und sich zu besinnen..... v „Bleiben Sie doch nur ruhig siegen, nef ängstsich das Mädchen.„Die Frau Baronin hat telephoniert. der Doktor kommt gleich." Ja. ja. der Doktor kam gleich, und die Fragen kamen mich, ein« Frage nach der anderen— ja» der Doktor— er bestellte sie zu sich— ausfragen, Untersuchung— und dann — und dann?! Ena hob die Füße vom Bett.«Nun geht es schon wieder," sagte sie langsam, ihre Gedanken sammelnd. „Ich danke Ihnen, Hannchen, es geht wirklich schon wieder." Aber es ging doch nicht.--------- Als Coa gekündigt wurde binnen vierzehn Tagen, war sie gar nicht erstaunt. Das hatte sie ja erwartet. Aber er- staunt war sie, daß der Herr Baron sie zu sich auf sein Zimmer beschied. Er saß am Schreibtisch in seinem Sessel, an dem die Krückstöcke lehnten, vor ihm auf der Tuchplatte des eichenen Tisches lag Evas Dienstbuch. Die Baronin war nicht im Zimmer. Sie mochte nicht dabei sein. Sie hatte Eva nickt gefragt, überhaupt nichts mehr, auch über ihr Kranksein nllyt gesprochen, sie schwieg die Sache tot. Stumm hatte Eva ihre Obliegenheiten in dieser letzten Zeit noch erstillt, noch mehr versunken in sich als sonst, sie sah gar nicht auf. Und so hatte sie auch die Blicke nicht gesehen, die die Baronin aus ihr ruhen ließ. Verwunderung lag in diesen Blicken, auch Bor» wurf— aber vor allem Mitleid. Mitleid mit diesem armen Geschöpf, das unselig krank war, Mitleid mit dem eigenen Geschick— und nicht auch Mitleid mit ihm, mit ihrem Gatten? Nein. Das Mitleid mit der eigenen betrogenen Jugend war größer, als das Mitleid mit ihm. „Die Frau Baronin läßt Ihnen noch Adieu sagten." sagte der Baron. Seine kalten blauen Augen richteten sich nicht auf Eva, er sagte alles so vor sich hin, als seien die Worte nur an den Schreibtisch gerichtet.„Meine Frau hat noch eine Entschuldigung für Sie und wünscht Ihnen alles Gute. Aber—" und nun hob sich sein gleichfönnig-halblauter, etwas nasaler Tonfall und wurde stärker, und nun sah er auch Eva an—„aber wie konnten Sic sich überhaupt ver- misten? Das ist eine Dreistigkeit. Wußieg in MM«lo- einge- V-- Dampfkrastwert gUung wwtstiuidm W— Waslerlrastweri Lftilonxut(adgerund.) Nördliche Preußische Krafiwerke .Oberweser' A.-G. in Kastel...... ac & a i r u p p«: t Großkraftwerk Hannaver l D 87 500 49 S..B.M Hannover,-j Dörverden Vu.v 4 500 13 «- �w�uttche Kraft.«�«»«0 10000 42 werte A.-G. in Ham-. � 19 000 8» ....... i Farge v IS 000 IS 3. lleberlandwerke u. Stra-i ßenbahnen Hannover> Fremdstrom— 20 A.-G. in Hannover.. J Gwsatz) Südliche Gruppe: Hemfurth W 16 700 50 Helmingbausen W 880 2 Mainkraflwerke>V 6 900 13 Letzter Heller W 4 160 13 Fremdstrom— 30 B. Cewerlschaft Großkrastw l Vorke» D 32 800 50 Main-Weser in Kastel/ In den vorgenannten Unternehmungen besitzt der preußische Staat entweder die Gesamtheit des Aktienkapitals oder besten Mehr- heit. Außerdem ist Preußen, wenn auch nur mit einer Minderheit des Kapitals, noch an mehreren anderen Elektrizitätsunternehmun- gen finanziell betelligt. Unter diesen letzteren sind zu nennen: die Ostpreußenwerk A.-G. in Königsberg, die lieber- landwerk Oberschlesien A.- G. in Reiße, das Rhei- nisch- Westfälische Elektrizitätswerk A.- G. in Essen und die Rhein-Main-Donau A.-G. in München. Die folgend« Tabelle zeigt die Höhe der�inanziellen Pe- teiligung des preußischen Staates an den verschiedenen Unter- nehmungen: � Unternehmen 1. Großkraftwerk Hannover A-G. in Hannover.. 2. Rordwesideutiche Kraft» werke A.-G. in Hamburg 8. lleberlandwerke und Siraßenbabn. Hannover A.-G. in Hannover.. 4. Preußische Kraftwerke .Oberweser' A.-G. in Kastel....... 5. Geweilschaft Großkrafi- Werl Main- Weser in Kaklel....... 6. Ostpreußen Werk A.-G. in Königsberg.... 7. UeberlandwerlOberschle- fien A.-N. in Neiße.. 8. Rheinisch- Westfäli'ches Elektrizitätswerk A.-G. Esten....... 9. Rbein-Main-Donau A-G. in München.. Di« Aufgab- jedes öffenilid)cn Elektrizitätswerkes ist es, die Bevölkerung und die Wirtschaft mit billigem und gutenr Strom zu oersorgen. Gut ist in diesem Falle gleichbedeutend mit betriebs- sicher. Auch die staatlichen Elettrlzitätsunternehmungen können nach keinem anderen Kriterrmn beurteilt werden, als dem ihrer tat- sächlichen Leistung m der Stromlieserung. Im besonderen muß verlangt werden, daß die Elektrizitätswerte sich nicht damit be- gnügen, nur gewiste mittlere Abnehmerschichten zu beliefern. Viel- mehr müssen sie dahin streben, sowohl die größten wie auch die kleinsten Abnehmer an Ihre Leitungsnetze anzuschließen. Di« größten Abnehmer sind im allgemeinen Fabriken, Dahnen, Hotels, Warenhäuser usw. Die kleinsten Abnehmer sind die un- bemittelten Schichten der Arbeiter, Angestellten, Beamten, Klein- rentner und dergleichen. Die Großkonsumenten verlangen niedrige Strompreise, well sie andernfalls die elektrische Energie sich selbst in eigenen Moschinenanlogen erzeugen. Die kleinsten Abnehmer müstca ebenfalls niedrige Tarife haben, well ihr« begrenzten Mittel ihnen größere Ausgaben für elektrischen Strom einfach nicht gestatten._ Niedrige Stromoerkaufspreise setzen geringe Produktionskosten voraus. Geringe Produkttonskosten aber sind nur bei Massen- a b s a tz und Massenerzeugung möglich. Unter diesem Ge- sichtspunkte betrachtet, muß von den preußischen Elektrizilätsunter- nchmungen gesagt werden, daß sie zwar bestrebt sind, sich zu Groß- betrieben auszuwetten, daß sie aber im gegenwärtigen Moment noch Mittelbetriebe sind. Die oben unter 1 bis S aufgeführten Werke bilden den Kern der preußischen staallichen Elektrizitäts- Unternehmungen. Die Summe der Jahresleistungen dieser Werk« hat unter Weglastung des von auswärts her bezogenen Fremdstromes im Jahre 1SSS rund 316 Millionen Kilo- Wattstunden betragen. Diese Energiemenge wird in 11 Jen- traten, teil» Dampf-, tells Wasterkraftwerken erzeugt. Die Bezeich- nung als Großkraftwerk für Hannooer imd Main-Weser ist vor. läusig noch mehr ein Programm als Wirklichkeit, wenngleich die beiden Dampfzentrolen Ahlem und Borken auf dem Wege sind, wirkliche Großkraftwerk« zu werden. Die preußischen Elektrizitätsunternehmungen befinden sich erst im Anfange ihrer Entwicklung. Es ist notwendig, das begonnene Werk zu fördern. Die vorhandenen Betriebe müssen intensiv und extensiv ausgebaut werden. Der intensive Ausbau, d. h. die Vermehrung des Stromabsatzes, ist eine Frage der richtigen Strompreispolitik. Die extensiv« Erwetterung muß durch Angliede- rung neuer Bersorgungsbezirke an die schon vorhandenen Werk« erfolgen. Einen großen Fortschritt in letzterer Hinsicht bedeutet der Erwerb der Mehrheit des Aktienkapitals der Norddeutschen Kraftwerke A.-G. in Hamburg, früher»Siemen«' Elektrische Betriebe. Der Kauf dieser Aktien erfolgte be» kamttlich Mitte des vorigen Jahres zu einem Preise, der weit über dem damaligen Börsenwerte der Aktien log. Ohne zu der Höhe des Kaufpreises selbst Stellung zu nehmen, möchte ich doch erklären, daß der Erwerb der Akttenmasorität grundsätzlich irichtig und ein großer Fortschritt war, indem er das Einflußgebiet der preußischen Elektri- zitätsverwaltung wesentlich erweiterte. Das deutsche Elettrizitätswesen in seiner gegenwärtigen Per- fossung leidet unter einer ungeheuren Zersplitterung. Es gibt viel zu viel klein» und deshalb leifwngsunfähige öffentliche Elektrizttätswerke. Diese müssen verschwinden und tn größeren Organisationen ausgehen. Solch« Organisationen übergeordneten Charakters sind die iwrschiebenen Landeselektrizitätsunternehmungen. die in den letzten Jahren entstanden sind. Wer sich die Zukunft Deutschlands in einem unitarischen Sinne vorstellt, der wird es bedauern, daß der Partikularismus, das alle Erbübel der Deutschen, auch au� dem jungen Gebiet« des Elektrizitäts- wesens Platz gegriffen hat. Di« Clektrizttätsversorgung müßte, ihrer technischen und wirtschaftlichen Natur nach, eigentlich Sache des Reiches sein. Aber auch der Anhänger des Gedankens der Reichselektrizität wird sich der Tatsach« nicht verschließen können, daß die Landeselektrizitätsoersorgungen nun einmal Wirklichkett sind. Stellt man sich aber auf den Boden der gegebenen Tatsachen, so kommt es nur noch darauf an. die staallichen Unternehmungen auf einen möglichst hohen Stand der technischen und wirtschaftlichen DolUommcnheit zu bringen. Für die Sozialdemokratische Partei ist es«ine wichtige Ausgabe, darüber zu wachen, daß auf dem Gebiete de? Elektrizitätswesens nicht zu den vorhandenen eine neue bureaukratische Staatsverwallung hinzutritt, die langsam und unbefriedigend arbettet. Vielmehr muß unsere Partei sich dafür ein- setzen, daß eine großzügige, leistungsfähige staalliche Elektrizitäts- organisation geschaffen wird, die ihr« Aufgab« im Wirtschaftsleben. besonders auch gegenüber der unbemittelten Bevölkerung gut erfüllt. Dr.-Ing. W. Majerezik. Ergebnisse üer Konjunkturforsthung. Das vor einem halben Jahre mit Unterstützung der össenllichen Körperschotten und der Wirtschastsverbände. auch der Gewerkschaften. gegründete Institut für Konjunkturforschung bringt soeben seine erste Beröffentlichung unter dem Titel»Die weit- rrirtschastliche Lage Ende 1925' heraus. In einem Band von 245 Seiten und einer großen Zahl von Tabellen und Graphiken sind die wichtigsten Statistiken zur Beurtellung der Wirtschaslslage in der ganzen Welt zusammengefaßt, um damit Anhallepuntte für die Beurteilung der Beschästigimg der Industrie, ihrer Lage und ihren Gewinnaussichten zu geben. Im Anschluß daran sind die wichtigsten Unterlagen zur Beurteilung der deutschen Wirtschast zusammengestellt und kritisch gewürdigt. Hier erstreckt sich die Statistik in der Hauptsach« auf die Jahre 1924 und 1923. Die kurvenmähige Darstellung zeigt ganz deutlich, wie die deutsche Wirt- schaft insbesondere im letzten Biertel des Jahres 1925 immer stärker von der Krise ersaßt wurde, deren Anfänge sich bereits in den ersten Monaten des Jahres an Hand der wichtigsten Marttbe- wegungen voraussagen ließen. Erkennbar ist dabei, daß die deutsch« Konjunktur sehr stark abhängig ist von der Gestallung der Wirischastslag« aus dem Weltmarkt, insbesondere aber in den übrigen europäischen Staaten. Zu Beginn des neuen Jahres verzcichnei man eine ganze Reihe von Merkmalen, die aus eine etwas günstiger« Wendung in der Wircschastslage schließen lajsem Der Bericht läßt jedoch die Frage offen, ob dieser leichte Umschwung nur vorübergehenden Eharoller trägt, oder ob er nicht oielleicht teilweise nur durch die Saisonschwankungen bedingt ist. Ueberhaupt ist das Wesentlich« an dem großen Zahlenwerk. daß es die wichtigsten, statistisch erfaßbaren Merkmale der Wirischosts- laxe verzeichnet und miteinander systematisch vergleicht. So entsteht eine Dmgnos« des tatsächlichen Wirtschaftsoarlauses. Konkret« Schlüsse au» den einzelnen Zahlen zu ziehen, da» bleibt in der Hauptsache den Stellen und Leuten überlassen, die sich mit der Wirt- schastskritik beschäftigen. Bor den bisherigen statistischen D-röffenilichungen Shnliäier Art zeichnet sich die vorliegende nach zwei Richtungen hin aus: Einmal sind die Zahlen, besondere wo die deutsch« Wirtschaft in Betracht kommt, bis in die allersüngste Arft htnei» berflcf» sichtigt. Zum anderen aber ist nicht nur das Material befreit von allem stettstijchcn Ballast, der für die Frage der industriellen Be- scllästigung und des Lonjunkturoerlaufes von untergeordneter Be- deutung ist: auf vielen Gebieten sind vielmehr auch die wirffchaft- lichen Vorgänge in feste Beziehung zueinander gesetzt, so daß man überall exakte Bergleiche, teilweise auch unter Ausschaltung saisonarttger Schwankungen ohne weiteres ablesen kann. Da» erleichtert natürlich dem Kundigen den Gebrauch des umfassenden Materials zu wirts chafllichem Studium. Die Schrift ist noch keine eigentliche Berichterstattung der neu gegründeten Stelle, sondern vielmehr ein Anfang und eine Art Grundlegung fitr die ferneren Arbeiten des Konjunkturforschungsinstituts. Als solche ist sie durchaus zu begrüßen und dabei anzuerkennen, daß sie in der denkbar kürzesten Zeit wichtige Ergebnisse der statistischen Forschung zum Gebrauch der Konjunkturlehre mitzbar gemacht hat. ver Einzelhandel zum Preisabbau. .Der Einzelhandel im Wirtschaftskampf der Gegenwart'— unter diesem Thema hatte der Verband Deutscher Wäschegeschäft« und Wäscheher st eller zum Dienstag die Textileinzelhändlcr von Berlin und Brandenburg zu einer Tagung zufammenberufen, die wegen der Ausführungen des Hauptredners, des Warenhausbesitzers Schocken(Zwickau), be- sonder« Beachtung verdient. In einer vorhergehenden Rede hatte der Münchener Prioatdozent Dr. Lampe versucht, vom.wissen- schaflllchen' Standpunkt aus Interessenpolttik zu treiben und seinen Hörern möglichst angenehm« Ding« zu sagen. Indem«r den Preisabbau als Unmöglichkeit(!) hinstellte, die Preis- Politik der Kartelle In Schutz nahm und gegen die.handelsfeindliche" Standardisierung und Typisierung zu Felde zog. Demgegenüber betonte Herr Schocken als Praktiker gerade die Notwendigkeit de» Preisabbau» im Preiskampf zwischen dem Handel einerseits, der.schwerindustriellen'(durch Kar- telle gebundenen) Gruppe Spinner-Deber-Ausrüster andererseits. Nach seiner Ansirist ist der Preisabbau nicht nur nokwendig, sondern gegenwärtig sogar unvermeidlich, weil die großen Lagerbe st önde der Spinnereien und Webereien zu herab- gesetzt« Preis« Absatz suchen müssen. Ausgab« und Pflicht des Textileinzelhandels ist es, den Preiskampf mit dem Bertäufer (Fabeitanten) auch wirklich auszukämpfen und die klaffende Spanne zwischen Preisstand und Kaufkraft der Massen zu überbrücken. Wie groß diese Spanne ist, geht daraus hervor, daß der Index der Massenkaufkraft jetzt auf 116 steht(wenn 191Z— 100). während der Preisindex für T ext i la rt i k el insgesamt auf 1 7 4 zu beziffern ist. für einzelne wichtige Waren aber noch weit höher, z. B. auf 207 bei Rohnessel, 220 bei Leinenzwirn. 318 bei Ncchgarn usw. Die Schuld an dieser Ilebersteigerung der Preise liegt, wie Herr Schocken ausführlich beweisen konnte, nicht etwa an einer Borteuerung der(ausländischen) Rohstoff«, sondern fast ausschließlich an der lleberhöhung der Berarbei- tungskosten(der Spinn-, Web- und Ausrüstungspreife). die, trotz der relativ niedrigen Löhne, aus das 2,3fache(Rohnessel) bis zum 2,8fachen(Ausrüsterlohnsatz) und Sfachen(bäum wollenes Strickgarn) gestiegen ist— als Folge der Preispollllk der Kartelle und der Zollpolitik der Regierung! Es wird z. B. bei Nessel die Spinn-Webespanne(also der Spinner« und Weber.lohn'). die je KUogramm früher 85 Pf. betragen hat. jetzt mtt einem Zoll von 1,20 M. geschützt, der heute(wo die Marge 2,84 M. beträgt) voll in Erscheinung tritt, während der früher vorhandene Zollsatz von 0,60 M. bei praktisch freier Konturrenz keine lleberteuerung gegenüber dem Auslande zur Folge hatte. Als bemerkenswert ver» dient hervorgehoben zu werden, daß bei W o l l w a r e n(z. B. Strickwollgarn, Cheviot) nur eine Steigerung der Verorbeitungs- spannen um etwa 60 bis 65 Proz. eingetreten ist, während die schlimmste lleberhöhung der Sätze bei den im Lohnoertrag arbettendcn(also von allen Preis« und Derkaufsrisiten befreiten!) Ausrüstungsanstalten vorliegt. Zur Frage der Typisierung und Normalisierung entwickelte Herr Schocken sein« Ansicht, in schroffem Gegensatz zu den allgemeinen Anschauungen des Detailhandels, dahingehend, daß es die vornehmste Aufgabe des Handels fei. aus der Hochflut von neuen Mustern und Modellen, die von den Fabrikanten immer wieder neu angeboten werden, einige wenige heraus- zugreifen und st« dem Käuferpublitum vorzulegen. Allein auf diesem Wege sei ein« Erziehung des Publikums und der Fabrl- kantenschaft zu erreichen und dl- Zersplitterung der Produktion auf unzählig viele Muster in schnell wechselnden Moderichttingen zu vermeiden— zum Segen des Einzelhandels, der damst bei großem(und billigem) Einkauf relativ weniger Artikel die Lagerhaltung verkleinern kann und das Risiko herab- mindert, auf Beständen sitzen zu bleiben, die einer neuen Mode- und Geschmacksrichttmg nicht mehr entsprechen. vie Einlagen öer prevßifihen Sparkassen imFohre 1 925 Nachdem nunmehr auch hie Zahl« der preußffchen Sparkassen. statistik für Dezember vorliegen, ist es möglich, den Verlauf der Spartätigkeit für das ganze Ia.hr 1925 zu überblicken. Nach ihnen ergibt sich für die einzelnen Monat« des vergangenen Jahres folgende Bewegung der Sporeinlagen. In Millionen Mark stellte sich der Zuwachs: im Januar auf 78 200(Bestand Anfang 1925: 404.1 Mill. M.) » Februar. 7t 645 , Mär,. 67 775 . April, 60 577 , Mai. 60 8«9 . Juni. 54 379 . Juli. 49 326 . August, 52 008 , September, 46 167 » Oktober» 51 557 , November, 52 697 . De,?mb,r, 45 682(Bestand End« 1925: 1096,4 Mill. M.) Zahreszuwach» 690 802 Die Gesamtzunahme stellt sich also aus etwa 7 00 Mil- lionen Mark, wodurch die Spareinlagen von 400 auf 1100 Millionen Mark oder um 175 Proz. gestiegen sind, ist also sehr erheblich größer als im Vorfahre. Interessant« 2lui schlösse über die Entwicklung der Svartätigkett gibt folgende Betrachtung. Der monat- liche Durch schnittszu wachs stellte sich auf 57,6 Millionen. Da man jedoch die Ziffern für den Monat Januar wegen der hierin enthaltenen Zinsgutschriften und die für Monat Dezember wegen des Weihnachlsfestes und der erfahrungsgemäß tZcnit verlutnÄenen geringeren Zunahme des Einlogenzuwachses für Zne Durchschnitt», berechnuug zweckmäßig nicht mtt verwendet, ergibt sich für die übrigen 10 Monate des Jahres ein Durchschnittszuwachs von 56,7 Millionen Mark. Für den Kopf der Bevölkerung stellt sich die Zunahm« im Jahr« 1925 aus 18.8 Mark. Anfang des Jahres entfiel am jeden Einwohner Preußens ein Einlagen/atz von 10,5 Mark. Ende 1925«in solcher von 288 Mark. Dl« Keparationslosteu der Industrie für 1926 uoch nicht Proz. Im Jahre 1926 hat die deutsche Industrie zum ersten M a l e direkte Reparationslasien aufzubringen, und zwar ZU Proz. am die 5 Milliarden Industrieobligationen, die für den Reparalionsdienst ausgestellt worden ünd. Dazu kommt ein Rcichszufchlag von 1lu auf die Z'/i Proz. zur Bildung einer Ausgleichung»- und Sicherungsrück- läge. Insgesamt sind 1926 also 137,5 Millionen aufzubringen. Am 30. Dezember v. I. haben wir die Belastung auf 0,458 Proz. des auf 30 bis 33 Milliarden angenommenen aufbrir.gungspflichtigen De- triebsoermögens geschätzt. Inzwischen ist der Prozentsatz von den Finanzbehörden je st gesetzt worden. Cr lieg! noch niedriger als unsere Schätzung: er betrügt nämlich nur 3,75 pro Mille oder 0,375 Proz. 1927 sind die vollen Zinsen fällig. Die Belastung wird dann 0.75 Proz. betrogen: ab 1928 kommt die Tilgungsrate hinzu, so daß mit einer Belastung von höchstens 0,9 Proz. zu rechnen sein wird, die sich ober auf OB Pia)- ermäßigen wird, well der lOprozentigc Reichsziistf>lag wieder gutgeschrieben werden muß. Wie bekannt, hat die Industrie schon bei der Auswertung der Hypotheken und Obligationen durch den Hinweis auf ihre Reparationslasten ein gutes Geschäft gemacht. Die Industrie- obligationen wurden nicht wie die Hypothekenschulden auf 25 Proz., sondern nir auf 15 Proz. ausgewertet. In den weiteren kämpfen um die Verteilung der Kriscnloft-n wird die Reparationsbelastung der Industrie eine sehr große Rolle spielen, vor allem auch bei dem Kampf um Löhne und Arbeitszeit. Die Arbeiterschaft tut daher gut. sich die tatsächliche Belastung der Industrie, die für 1926 noch nicht'/s Proz. ausmacht, gründlich zu merken. keine Monopolisierung der Züadholzladnflrle. In einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde auf angebliche Bestrebungen hingewiesen, die Zündholzindustrie zu monopolisieren und an den Schwedentrust zu oerpachten, wodurch«in« schwer« Schädigung der deutschen Zündhol, Industrie und ihrer Nackbargebiet« berbeiaeführt würde. Noch dsr Antwort des Preußischen H-'ndel-minister« kst dem Staaisministerium von einer derartigen Monopotisiorungsabsicht nichts bekannt, ebensowenig, daß ein solches Monopol an den Echwedentrust für eine jährliche Pocht von 40 Millionen Mark ver. pachtet werden soll. Etwaige Bestrebungen dieser Art wird da» Staatsministerium mit Aufmerksomkeft verfolgen. Ein gekündigter h-mdelsverkrag. Paraguay hat durch Gesetz vom 19. Januar 1926 die Kündigung sämtlicher Handelsvertrag« mit europäischen Ländern beschlossen. Demgemäß hat di« Regierung von Paraguay auch den Meislbcgünstigungsoertrag mtt Deutschland vom 21. Juli 1887 am 22. Januar 1S26 gekündigt. Dieser tritt damit frühest«» am 22. Januar 1927 außer Kraft. Vr. 45 ♦ 43. Iahrgaag 2. Seilage öes vorwärts Voaaerstag. 24. Faavae I92ö Das Volk gegen Sie Mrstenforöerungen. Sieben Massenversammlungen des Reichsbanners.— Ungeheure Beteiligung in allen Bezirken. Auf ein«m repudlikamschen Abend in Wilmersdorf, den unsere Partei veranstaltete, sprach Genosle Philip» Scheidemonn. Lange vor Deainn war der Saal übersüllt. taufende mußten wieder umkehren, taufende warteten geduldig im Garten auf eine zweite Leranstaltung nach Schluß der Dersammluna. Nach-inleitenden Worten des Genossen Dr. W i« p r e cht begann Scheidemann sein Referat der Aufzählung der Sün- den der Reaktion, die ja jetzt nicht einmal mehr chinoenburg al» Hüter der politischen Moral anerkennen wolle. Er wies dann nach, daß alle ihre Sünden schließlich nur die konseguente Fort- fegung der alten konservativen Politik darstellen, die Iich schon bei den Flottenvorgängen herrlich revrösenticrte. Dir >ürfen davon überzeugt sein, daß eine einige Arbeiterschaft in der Revolution von ISIS und in späteren Iahren nicht eine solche Situation ermöglicht hätte wie die gegenwärtige der Fürsten- Unverschämtheit. Aber wir sollten endlich soviel gelernt haben, daß alle Arbeiter genau wissen, daß die Folgen der sinnlos« radikalen Politik stets die größte Reaktion sein muß. Jetzt möchten also die Fürsten der kleinen und kleinsten Staaten und zu allererst die Hohenzollern wieder einmal einen kleinen Sieg über dos Polt erfechten. Uebriocns ist es falsch, zu sagen, daß die Fürsten.enteignet" werden. Die Lage ist vielmehr so, daß das Volk behalten will, was ihm ae- hört und ihm nur von seinen.Londsevätern" im Laufe der Jahrhundert« gestohlen wurde. Herr v. Berg, der Vertreter der Hohenzolleren,' nennt sie in seiner Denkschrift an die preußisch« Regierung.äußerst bescheiden". Wir nennen sie unverschämt und denken nicht daran, uns ihre Unoerjchäintheit gefallen zu lassen. Die Hohenzollern wurden noch der Ansicht de» Abg. Bredt sehr rasch reich, weil sie sehr sparsam gewesen sind. Tatsach« ist, daß sie durch Betrug und Räuberei sich in den Besitz ihres Vermögens gesetzt haben. Das Geld der Republik, das den Fürsten geschenkt werden soll, würde als Betriebskapital zu einem ge- Heimen Kampf gegen die Republik verwandt werden. Wir denken nicht daran, die Gegenrevolution zu finanzieren. D i« Fürsten sind un» alles schuldig, wir ihnen gar nicht»! Der Volksentscheid steht bevor. Wir werden aus ihm als Sieger hervorgehen, wenn es uns gelingt, da» ungeheure Heer der Kleinrentner, der Kriegsopfer und der E r« werbs losen von der Schmach der Fürstenonsprüch« zu über- zeugen. Die Versammlung gatttierte die Ausführungen des Genossen Scheidemann mit ungeheurem Veifall. der auch während der Red« wiederholt laut wurde. Mit einem Hoch auf die Revublit und die Sozialdemokratie ichloß die demonstratio« Deranstalmng, der eine zweit« entsprechende im Garten folgt«. vle Neichsbaaaerkuuügebuagea. In sieben großen Kundgebungen, die da» Reichs» bernner S ch w a r z-R o t- S o ld gestern abend veranstaltet-, protestiert« die Bevölkerung Srvß-Derlin» gegen die unerhörten Forderungen der Fürsten. Di« Versammlungen waren durchweg sehr gut besucht, teilweis« sogar überfüllt und zeugten von den G«» suhlen, die die groß« Mass« de» Berliner Volkes den Hohenzollern und ihren Freunden«ntgegenbringt. Soweit ist den späten Nacht- 'stünden Nachrichten vorliegen, ist es nirgends zu nennenswerten Störungen gekommen. Hafen Heid«. Die Kundgebung in Kliem» Festsälen war«in glänzender Erfolg. Schon lange vor Beginn war der groß« Saal dicht gefüllt, im Garten fand ein« Parallelversammlung statt. Hier standen Tausende und ober Tausend«, für die der Saal bereits ge- sperrt war. Redakteur N o w a ck erntete stürmischen Beifall, al» er qegen die unglaublichen Forderungen der Fürsten zu Felde zog. Reichsiogsabgeordneter Genosse Dr. Moses, der im Saal sprach. fand die brausend« Zustimmung der Aersammelien, als er die Po- roler den dovongelauienen Fürsten keinen Pfennig Abfindung, ausgab. Alle die. die llllä nicht wagten, auch nur das Maul aufzu- reißen, haben sich eingefunden» um ans dem notleidenden Volke Millionen herauszupreisen. Meuiernde Zldmirole und verkalkte Osfi- zierspensionöre wittern Morgenlust. Das ist der Dank der Ex- votentaten dafür, daß sie da» Volk in den Sturmtogen de« Zu» sommenbruchs so vornehm behandelt hat. Genosse Mose» zitiert« sodann au» den von uns schon veröffentlichten aufsehenerregenden Gutachten des Obersten Schwerdtfeger und de» Professors Delbrück. um die gemeine Verleumdung des Dolchstoßes der Heimat gebührend zu charakterisieren. Leidenschastlich rechnet« Genosse Moses mit dem Admiral v. Trotha und einer Presse ab, die es wagte, von.Trotha, dem Gewissen eines sündigen Volkes" zu reden. Unter minutenlangem Beifall schloß der Redner mit den Worten:„Hinein in den Kamps aegen die Fürstenabfindung! Der Auf- marsch ist im Gang«! Reichsbanner an die Front!" Jriedrichshain. Im überfüllten Saal des.Schweizer Garten" am Friedrichshain sprach Genosse S o l l m a n n. Er führt« au»: Alle deutschen pursten hätten Grund, ihrem Gott zu danken, daß ihnen am S. November Leben und Freiheit erhalten blieb. Niemand hätte damals einen Finger gerührt, wenn die Schlösser und Paläste zer- stört worden wären. Die Schreier von heute waren verschwunden. Die Fürsten müßten dem deutschen Dolk« ewig dankbor sew. Statt dessen führen sie aber seit sieben Iahreu einen widerwärtigen Kampf um ihr Vermögen. Keiner nimmt Rücksicht auf die Leiden des Volkes. Welcher Fürst brachte während des Krieges Opfer? Vor dem Krieg« waren sie steuerivei, im Kriege haben sie geschlemmt, und die ganze Frechheit von Gottes Gnaden gehört dazu, heut- Eni» fchädigung zu verlangen. Wenn sich das deutsch« Volk in letzter Stund« nicht entschließt, dann erhalten die Fürsten die geforderte Summe. Denn die Entscheidung liegt in der Hand der Nichter. Und welcher Richter! Viele Abgeordnete in den deutschen Parla- nwnten sprechen von der Heiligkeit des Eigentums. Aber ist dieses Fürfteneigenmm heilig? Wurde es nicht zusammeng« stöhlen, erheiratet oder erpreßt in Zeiten, da es keine Parlamente gab und der Befehl de» Fürsten olles galt? Wie sich Bismarck nicht stet der Kassierung der Fürstentümer 186« um.juristische Zwirns- säden" kümmert«, so wenig darf heute das deutsch« Bolt darauf Rücksicht nehmen, und an dos Märchen von den oerhungernden Fürsten glaubt heut» nicht einmal mehr der Dümmst«. Sollte heilte, in einer Zeit, da Millionen arbeitslos sind, da» deutsche Dolk den Fürsten Entschädigungen geben, dann perdient e» wirklich, daß e» verhungere.„Wir wollen aber ein« Republik der Republi. kaner.' Darum nieder mit den Fürsten! Hoch die sozial« Republik!" Nachdem der Redner geschlossen, erhob sich langanhaltender, be» geisterter Beifall. Die Kapellen intonierten den Reichsbannermarsch, die Formationen traten zusammen und marschierten in geschlossener Ordnung ab. Dieser Abend war mehr als die Kampferklärung gegen de« Fürstenahsindung, er bedeutet« ein begeistertes De- k enntnls zur sozialen Republik! witteubergplatz. Am Wittenberg platz hatten sich berests gegen 14S Uhr ungeheure Menschenmassen angesammelt. Als dann die Reichs- bannergruppen aus Wilmersdorf und Eharlotten» bürg mit klingendem Spiel anrückten, um zusammen mit den bereit» versammelten Volksgenossen gegen die Fürstenabfindung machtvoll zu protestieren, war der Platz überfüllt. Van einer pro. oisorischen Rednerbühne herab sprach beim Fackelschein Genas!« Heinrich Lösfler. Mit beißender Ironie gedachte der Redner des Geburtstages des Hollandflüchtigen. der sein Dolk in der größten Not verließ und sich mit seinen Fürstenkollegen wie Eulen, die die Togeshelle fürchten, im Schlupfwinkel verkroch. Damals war dos Fürstenpack zufrieden, daß es fein nacktes Leben in Sicsterheit bringen konnte. Heute stellen diese Nichtstuer unerhörte Forde- rungen an das deutsch« Volk. Und da» tn einer Zeit, in der Mil» lionen Deutsche nicht wissen, woher sie da» Brot für morgen, woher sie ein Obdach für d!« nächste Nachl nehmen sollen. Die Scham« röte muß jedem Republikaner in das Gesicht steigen, wenn er er» fährt, daß den Hohenzollern bisher schon Itzll Millionen Mark nach« Siworsen wurden. Das klein« Thüringen, an da» von den ürsten Ansprüche in 25 Fällen gestellt wurde, mußte allein«in« Million Mark in seinen Etat für Prozeßkosten aufnehmen. Aehnlich sieht es in Mecklenburg aus. wo der Staat noch Zlenten für die M ü t r e f f« n des verstorbenen Großherzoas zahlen soll. Weiter sprach Bürgermeister H« ß l« i n für die Demokratisch« Partei. der es in scharfen Warten gleichfalls ablehnte, den Fürst«, auch nur«inen Pfennig zu geben. Kamerad Holz« sprach im Namen des Reichsbanners. Er bracht« zum Aus« druck, daß das Reichsbanner bereitsteh« mit den übrigen Volks- genossen gegen die Fürstenabfindung zu kämpfen. Brausender Bei- fall folgten den Ausführungen der Redner. Roch Beendigung der Kundgebung zogen dann zwei gewaltige Demonstration»» züge dem Westen zu. 3n Köpenick. Die Nachricht, daß der Reichsiagspräsident Genosse Löb« sprechen würde, hat» ganz Köpenick auf die Beine gebracht. Lange vor Beginn der Versammlung war das Stodttheater übersüllt, so daß eine Porallelversommlung im Freien vor dem Ctodliheater stattfand, und in der zuerst Genosse Weinsrhild vom Parteivorstand, dann Genosse Löb« vom Balkon emes Nebenhauses aus zu den Anwesenden sprach. Im Stadttheater selbst lauschte ein« mehrtausendköpfige Meng« den Aus- führungen Löbes, die häufig von Beifall und dott, wo er die An- sprüche der Monarchen in Einzelheiten darlegt«, von Psuirufen unterbrochen wurde. Genosse Löbe ist der Ansicht, daß die Frage eine rein politische Frage sei. Denn auf dem politischen Wege haben die Fürsten das, was sie jetzt mit Hilfe d-utjcker Richter als ihr Eigentum reklamieren können,„erworben". Aber selbst dort, wo persönliche Arbeit zur Vermehrung dieses Vermögens beigetrogen bat, reicht dieses nicht aus, um die Gegenrechming zu begleichen sür die Schoden, die die Fürsten dem Volke durch den Krieg an- getan haben. Wenn jetzt die Anwälte der Fürsten dieses ganze Vorgehen als einen Verstoß gegen da» Privateigentum hinstellen, so ist demgegenüber hervorzuheben, daß dasRechtdes Privat« « i g« n t u m s durch die Gesetzesvorschriften. mit deren Hilfe die Auslandsdeutschen enteignet worden sind, und mit deren Hilf« die Inflotionegeschädigten ihrer Rechte beraubt wurden, durch« brachen worden ist. Es ist mit allem Nachdruck durchzusetzen, daß den Fürsten, den schärfsten Gegnern der Republik, nicht Gelder zugeführt werden, die sie nur gegen den heutigen Staat verwenden würden. Mit großer Begeisterung wurden die Vorträge de» Männergesanaverein» angehört, und ein« Resolution gelangt««in- stimmig zur Annahme. Ein imposanter Reichsbannerzug gab dem Genossen Löb« das Geleit zum Bahnhof. Vle Kommunistische Partei hotte gestern abend inf Lustgarten ihre Anhänger zur Protestdemonstration gegen die un- verschämten Forderungen der Fürsten und gegen die unzureichend« Unterstützung der Erwerbslosen aufgerufen. Unter Vorantntt der Musikkapellen de» Roten F�vntkämpferbundes marschierten die einzelnen Züge vor dem Schloßplatz auf. Zahlreiche Transparente, die oft in sehr drastischer Weise die Forderungen der Hohenzollern oersinnbildlichten. wurden witgeführt. Nach Beendigung der Reden hatte die Demonstration gegen 7 Uhr ihr End« erreicht. Ohne jede Störung ging der Abmarsch vonstatten. Neue Zreuöen-neue Schmerzen Sonzertumschau oon fintl Singet. Wilhelm Furtwängler dirigierte zu soinem<0. Sc- burtstag und zum Besten der Philharmoniker den Sittelschen Thor. Programm des Abends: das Zugstück.Deutsch« Requiem" von Brahms. Da die Einnahmen des Abends in die Pensionskasse des Philharmonischen Orchester» ttießen, vor dessen künstterischem Hoch. stand die Wirtjchaftslagc auch nicht haltmacht; da das Schicksal der großen Ehorvereinigunaen«in müde» und tatenloses Dahinleben oder Studieren ohne öffentliche Betätigung ist, so muh au» sozialen Gründen gepriesen werden, was aus prinzipiellen und künstlerischen Gründen verurteilt wird- Es kann nicht Aufgab« der sogenannten Prominenten sein« sich Chorwerk« einstudieren zu lassen und dann mit den von anderen erreichten Resultaten öffentlich zu paradieren. Täuschen wir un» dach nicht: was Kittel in 20 Iahren mit seinem Chor an Disziplinierung und Klanggut erreicht hat, kann im Hand- umdrehen weder ein Furtwängler noch ein Walter al» sein eigen ausgeben, zum Guten oder zum Bösen gewandelt. Gerade dem gemischten Chor gegenüber ist nachdrücklichst die einstudierende Hand auch als die vorführende zu verlangen. Brahmsfche Herbheit auch in der Melodiensühe liegt unserem ßurtwangler besonders gut. So kam«ine nicht nur würdige, sondern auch schöne Aufführung zu. stände, die der großen Stimmung des Werkes gerecht wurde und das orchestrale Element zu einem gleichberechtigten, vielleicht aller- dings überbetonten Faktor machte. Die Leistung des Thor« gewarm klanglich nicht. Durch außerordentlich« Verschleppungen der Tempi wurden die.�-aeppella-Stücke unsauber, und auf der anderen Seil« schien sich Furtwängler durch sein Temperament zu Der- hetzunoen zu verleiten(wie etwa da« choralisch«„Denn du bist würdig zu nehmen Preis und Ehr"), so daß die Kontraste überakzcntuiert schienen. All solche Siilnuancen können nur vermieden werden. wenn ein Dirigent die Leistung und die Grenze seine» Ehores durch dauernden Kontakt kennen kernt. Heinz Unger leitete lein<. Konzert mtt der Sommernacht»- traum-Ouvertür« oon Mendelssohn ein. die«r sehr sangessroh und witzig gestattete, doch so bewußt, als ball« er niemals unter Nikisch das gleich, Stück schwebend leicht und in breitem Humor spielen boren Die aroß« Einleitung zum O-Moll-Klovierkonzert von Chopin nahm er breit und sentimental, wie ern kleine» Klavierstück de» polnischen Halbfranzosen.« r tu r Schnabel bewies ihm schnell, wie man da» Feminine au» dem Melodiegefuge dieses ver« alteten Stückes herauskomponieren kann. Eine virtuose und musikontisch« GroßleisMng. � � m r%. An derselben Stelle macht- Julius Prüwer das Erveri. ment. Beethoven, Os-Dur-Konzert selbst»u spielen und ohne Dir,. genten begleiten zu lassen. Ich halle di-s-n Lersuch. mag«auch Im annzen gelungen sein, sür gefährlich und überflüssig. Mit Phtl« harmonikern kann man sich schon manches leisten, man kann sogar im Solopart etnen Takt auslassen, ohne in die Gefahr m geraten. daß dies« brillanten Musiker diesen einen Takt im Orchefterpart spielen. Aber es ist doch nicht zu umgehen, d-ß stch die Muss- Bieren de« durch Kopsbeweaungen hinter dem Rücken des klavier» zielenden Meisters Zeichen geben, daß die synkopierten Bläser- Partien nicht präzis kommen, und daß zwischen Konzert- und Tum. sätzen»in« innere Verbindung fehlt. Schattete sich Prüwer hier also als Führer aus, so wußte er deiinoch den schweren Klavierpart mit großer Fingerfertigkeit und musikalischer Durchführung zu ge- stallen. Verlin braucht seine Sensation; Hai es sie nicht auf Lager, so importiert Verlin die Sensation, dos Ereignishoste aus Amerjka. Iascha Hei fetz ist so fest mit unseren Erinnerungen an«in herrliche» Wunderkindertum verbunden, daß er nicht nötig hätte, durch amerikanisierte Reklome noch mehr zu wirken, als durch sein Spiel. Dieses Geigenspiel trägt den Stempel des in-fich-Vollenoeten. Einzigartigen, soweit es Sinnlichkeit und Süße. Silbrigkeit und Brovour. Kraft und Elastizität des Tons, soweit es eine fulminante und gar nicht zu überbietende Paganini-Tenchik anbelangt. Ich kenne keinen Ton einer Geige, der so immer-schön und klingend ist. selbst im Stakkoto, wie der oon Heisetz. Ohne Pose, ohne jedes Kokettieren mll seiner Berühmtheit ipiell der genial« Jüngling die Kreutzersonate. die Ehaconn« und die Nippsachen. Bach hat er als Zwölfjähriger wohl unter dem Einfluß deutscher Lehrer größer, durchdachter, fulliger gespielt. Aber, wenn man auch ein Plus von Empfindung und Herzlichkeit noch gern hinnähme, lo bleibt doch des Bewunderungswürdigen genug. Isidor Achron erweist sich als ein brillanter Begleiter und(in der Beethovenschcn Sonate) mehr als das: ein künstlerisch geladener und technisch virtuos?? Mttstreiter. Ein neue» Trio, genannt das Weimar- Trio, stellte sich mit zwei Konzerten vor. An der Geige sitzt Hilde Elgere,«ine feinsinnige, jugendliche und beherzte Spielerin, Wolsgang Rose führt mit ihr im Bunde vom Klavier aus rhythmisch stark. Hermann Wolfs streicht«inen großen Celloton. In der Kantilene dürfte die Geigerin viel mehr aus dem Dollen ihrer deutlichen musikalischen Empiinduag heraus schöpfen, wa» vielleicht durch den Wechsel des Instruments ermöglicht wird. Da« Programm des ersten Abends war interessant. Ich börtv leider das Trio von Thomas nicht, dagegen ein H-Moll- Trio von Lothar Winbsperger, dos sich mehr wie eine rhapsodisch freie Phantasie gibt, als wie ein sinnvoll gestustes und gesonntes Werk. Die Einzelzüge fesseln, die inner« Harmonie gebt verloren. Das Weimar-Trio nahm sich dieser Erstausführung mtt sehr viel Liebe an und zeigt« dann in einem Deethovenschen Trio nicht nur. was eigentlich Kammermusik ist(selbst wenn sich die Beethoven- Tatze noch nicht zeigt), sondern auch, wie drei Menschen von musi. kantischer Kultur an ihren Ausgaben wachsen. Der Pianisten Zahl ist Legion. Größte Freud«, aus vielem Guten«in Außergewöhnliches herausbeben zu können, vieler Außergewöhnlich« heißt Erwin B o d k y. Sin Schüler Busm-Is. hat er mtt bet Siebe zum Klovierklang das größere Deroirtwortungs- gefühl vor dem Geist eines Werkes geerbt. Es ist ein Doppeltes in seinem Wesen verankert, einmal die Liebe zur Form und zur Zsus- prägunq straff konturierter Linien, das andere Mal eine weiche, singend« Hingabs an Liedlichtetten de» Satzes. Diese beiden El«- mente streiten miteinander und überkvmpensteren sich gelegentlich so. daß eine Unalelchhett zustande kommt, dl« nur psychologisch und nicht technisch erklärvar ist(etwa in der Tokkata von Bach). Dann ober versenkt sich Bodky in hübsche Variationen vor Murichbauser und eine Pbaviasie von Telemann, die er wirklich nl» Kleinodien aus der Musik des 17. Jahrhunderts in uns« Her, h-'ieinsingt. Das Größte aber, und das. was ihn al» einen außergew.' hnliche« Mutz« ker kennzeichnet, leistet« er In den Telemann-Bariarionen von Reger. Dos war in Kraft und Weichheit, in Fülle und Glan;, im Aufbau und im Gesang eine Meisterleistung. Bodky brachte es zuwege, den vielen, allzuoielen Variationen individuell« Züge abzulauschen und sogar den Klang eines nicht gerade erstrangigen Flügels bald als den eines Spinetts, bald als den einer Orgel zu modeln. Bodky hatte einen großen Publitumsersolg. Auf eine Deronstaltnng des Bezirksamts Mitte der Stadt Berlin soll an dieser Stell« hingewiesen wevden. Der Konzertzykli:? trägt den Namen„Deutsche Hausmusik", will sagen„Deulfche Kammer- musik" und setzte außerordentlich vielversprechend«in mit dein von der Kammermusikervereiniaung der Staatsoper nollendet iitter« preticrten Mozart-Dläserqumtett, worauf Margot Stahl die etwas antiquirierten Schottischen Lieder von Beethoven zu kammermusi- talischer Begleitung vortrug. Verantwortlich sür die Abend«, denen im Interesse einer Kunsterziehung großer Zuspruch zu wünschen ist, zeichnet neben dem Bürgermeister Schmidt Dr. Felix Günther. In Felieia Posener lernten wir eine ungewöhnlich musikalische Pianistin kennen. Sie wußte die Orgel-Tökkota und Fug« v-Moll oon Bach-Tausigk groß zu gestalten, wobei die Tresssicher- heil ihres Spiels und die Männlichkeit des Anschlags so eindrucksvoll wirkten wie in ihrem Chopin-Spiel die Färbung eine» Gesangton» auf dem Klavier. Auch Annerose Cramer darf zu den Pianistinnen gerechnet werden, die zu Großem geboren sind. Noch steht sie am Anfang einer Laufbahn, noch ist sie mehr auf das Spiel eingestellt als auf die Idee, die Art aber, wie st« Schubertfche Klein- tunst und Chopinsch« Noeturn/s spielt, ist erfreulich musikalisch und oon einer Lieblichkeit des Ausdrucks, daß man sie bald an größeren Aufgaben erfolgreich sehen möchte. Auch das Dach-Spiel des jungen Mädchens gefiel.___ Renaissoace- Theater(„Sturm na cht' von Friedrich Lichtnecker.) Mit Wehmut wird gebucht, daß gor nichts eitt- deckt werden tonnte. Die fünf sehr kurzen Akt« des Dramatikers Lichtnecker, der zum erstenmal erfchemt,«nihallen nichts, was irgendwie zu Hoijnung oder zum Widerspruch Anlaß gibt. Die Tragödie Im Bahnwärterhaus, die aufgeführt wird, ist verollet, zu primitiv in der Charakteristik und es geschehen nur Dinge. die schon der Literatur und nicht mehr dem Leben fett Menschen- gedenken angehören. Die Mutler des Bahnwärterjungen kann sich nicht daran gewöhnen, daß ihr Sohn ein junges Weib in» Hau» nimmt. Erst entsteht Kroch, dann unterliegt die Mutter, indem sie sich vor die Räder des heranbrausenden Zuge, wirft. Zu diskutieren oder zu überlegen gibt et gar nirfit«. Da» geschieht, ist vom ersten Moment ab so durchsichtig, daß Knaben sich weigern würden, da» Problem als ausreichend für ihren Verstand gut- zuheißen. Frau Rose Liechtenstein, Fraulein Ilse Bär« w a l d und Herr Hansel waren beschäfttat. Man bedauerte sehr, daß Frau Liechtenstein kein« anderen Aufgaben findet und so ein Opfer der Zeitannut wird, die da» Theater besonder» überlistet. beetrogsreis« nach Ztaliev. Der il-Iiem'ch- S»I!ch-ss«r t« Snlm.«ras DoSderst bat Lerlin„vl-ffen. um enbvrechend einer bereis? vor Monatrn cuiaeoanfleneif Berpslichtung, in Otalien eine Reih« iterarischer Vorträge,«. a. auch über»erhart Hauptmann, zu hall«,. Ein Ende der Zersplitterung! Dafür Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. Bon Hermann Müller, Lichtenberg. redhilide körperlhaften, bie, wie oben bargetan, aus unzulänglichen Gründen provinziell gegliedert wurden. Die Versicherten haben an dieser Einteilung gar kein Intereffe, im Gegenteil. Richtig ist, daß die Provinzen ein gewisses Interesse Die Bildung der Provinz Oberschlesien rüdt daran haben, denn es ist aus der Einteilung nach Provinzen auch die Frage in den Bordergrund, ob die Landesver herausgewachsen, daß in den Vorständen der Versicherungsauch die Frage in den Vordergrund, ob die Landesveranstalten Provinzialbeamte ein gut bezahltes Austommen ficherungsanstalten Organe sind, die einer Bro- finden. Aber ist das ein politisches Interesse? Oder glaubt vinz wegen oder der Versicherten wegen geschaffen worden sind. Es wird so gern davon geredet, daß auch die wirklich jemand, daß die Oberschlesier polnisch werden, wenn Organe der Invalidenversicherung auf dem Grundsatz der sie nicht eine von vornherein zahlungsunfähige Selbstverwaltung beruhten, aber wenn sich die BerwaltungsLandesversicherungsanstalt auf die Nase gesezt bezirke ändern, dann zeigt sich immer sofort, daß die Versicher bekommen? Die oberschlesischen Bersicherten glauben das bezirke ändern, dann zeigt sich immer sofort, daß die Versicher nicht; ihre Vertreter im Borstand und Ausschuß der LVA. ten hin- und hergeschoben werden, willenlos, ohne Rücksicht Schlesien haben gegen die Teilung geftimmt. auf ihre Interessen. Um also jeben Schein zu vermeiden, als richte sich die Als die Provinzen Bosen und Westpreußen bis auf fleine Ablehnung gegen Oberschlesien, muß diese Gelegenheit benutzt Reſte an Bolen fielen, entstand die Landesversicherungsanstalt werden, mit den nicht lebensfähigen Versicherungsträgern Grenzmart, und als Groß- Berlin zustande kam, schieden ganz überhaupt aufzuräumen. Zugleich muß, um derartige Anmechanisch die Berlin zufallenden Versicherten aus der Landesgelegenheiten aus dem Bereich provinzialen Be versicherungsanstalt Brandenburg aus und fielen der Landes: zänts herauszunehmen, die wirkliche Selbstverwalversicherungsanstalt Berlin zu. Die LVA. Grenzmart ist, auf tung auch in den Bersicherungsanstalten eingeführt werden. fich felbft gestellt, natürlich nicht lebensfähig, und Branden Es wird zwar gern behauptet, daß diese Selbstverwaltung burg frankt heute noch an der Teilung. da sei. Und es wird dann darauf verwiesen, daß Arbeiter und Unternehmer im Vorstande vertreten seien, und daß der Ausschuß weitgehende Rechte habe. Aber wer die Berhält nisse fennt, weiß, daß alles nur eine Fassade ist, hinter der sich die nahezu uneingeschränkte Herrschaft der beamteten Borstandsmitglieder abspielt, auf deren Wahl weder die Unternehmer, noch die Bersicherten den geringsten Einfluß haben. Es wäre sehr interessant, einmal festzustellen, wieviel Borstandssigungen in den einzelnen Bersicherungsanstalten stattfinden, wie oft der Ausschuß zusammentritt und was der Begenstand der Berhandlungen ist. Nahezu alles liegt in den Händen der beamteten Leitung. Ein Beispiel: Als von ihm eine Rommiffion eingefeßt, die größere Einfäufe für Dr. Freund noch Vorsitzender der LBA. Berlin war, wurde die Heilstätte Beelitz vorzuprüfen hatte. Ihr gehörten auch ein Unternehmer- und ein Bersichertenvertreter aus dem Bor stande an. Das wurde vom Reichsversicherungsamt, der zuständigen Aufsichtsbehörde, für unzulässig erflärt und Dr. Freund bekam zugleich einen Rüffel, weil bemerkt wurde, daß er den nichtbeamteten Bor ftandsmitgliedern einen zu weitgehenden Einfluß auf die Verwaltung einräume. So sieht es mit felbstverständlich gewesen, daß der Verband der Landesverficherungsanstalten zunächst nur ein Verband der be amteten Berwaltungen war, in dem die anderen Intereffenten fich nur sehr mühsam einen Plaß, der auch heute noch sehr bescheiden ist, erobern tonnten. Solche Erfahrungen sollten vorsichtig machen. Das ist aber nicht der Fall. Oberschlesien erhebt Anspruch auf eine selbständige Landesversicherungsanstalt, und die Behörden, bis hinauf zum Reichsarbeitsministerium, tragen diefem Wunsche Rechnung. Irgendeinen gefeßlichen Anspruch auf die Bildung einer selbständigen Landesversicherungsanstalt hat Oberschlesien nicht. Es fann sich in dieser Beziehung nur darauf berufen, daß jede Provinz eine Landesversicherungsanstalt hat, und daß, wenn beim Infrafftreten des Alters- und Invalidenversicherungsgesekes eine Selbständige Provinz Oberschlesien dagewesen wäre, höchftwahrscheinlich auch diese Provinz eine Landesversicherungsanstalt bekommen hätte. anstalten beim Mangel jeglicher Erfahrungen gewissermaßen Nun steht aber fest, daß all die Landesversicherungsin die Luft gebaut wurden, und die Folge hat dann gezeigt, dak eine ganze Anzahl in der Luft hängen geblieben sind, während nur die Boden fanden, wo die industrielle Bevölke rung den Anschlag gibt. Es wurde ursprünglich angenommen, daß innerhalb aller Provinzen die Rilitenverteilung derart sei, daß jede Landesversicherungsanstalt lebensfähig wäre. Das war falsch. Die Provinzen mit überwiegend landwirtschaftlicher Bevölkerung sind nicht in der Lage, einen lebensfähigen Bersicherungsträger zu bilden. Das hat schon im Jahre 1899 dazu geführt, daß für alle Landesverficherungsanstalten die Laften aufgeteilt wurden in eine Gemeinlaft und eine Sonderlast, d. h. die gut fundierten Landesverficherunasanftalten wurden verpflichtet. auf dem Boden der Gemeinlaft den schlecht fundierten Berfiches rimasträgern zu Hilfe zu kommen. Auch das erwies sich schließlich als unzureichend, und deshalb ist iekt die gesamte Rentenlaft Gemeinlaft aller Versicherungsanstalten. Das im Jahre 1889 gemachte Experiment, jeder Broving eine Versicherungsanstalt zuzuteilen, hat fich als ein total ver fehltes herausgeftellt. Auf diefen Erfahrungen muk anfae baut werden. Es tann unmöglich die Teilung oder Verände rung von Verwaltungsbezirken dazu führen, rein mechanisch die Bersicherungsträger zu verändern. denn diefe haben doch einen bestimmten Rwed. Und es nibt Leute, die so boshaft find, anzunehmen, diefer Rmed bestehe darin, die Interessen der Versicherten zu wahren. Heute haben Oberschlesien und und NiederSchlesien zusammen die Landesversicherungsanstalt Schlefien. Diefe steht nach der Einwohnerzahl und nach Der Rohl der versicherungspflichtigen Berinnen an vierter Stelle der Bersicherungsanftalten. Die Rififen find in ihr gut verteilt, fie ist eine der lebensfähigen Versicherungsanstalten. Bird Oberschlesien davon losaeriffen, dann wird die neue A. Oberschlefien zu den Versicherungsträgern gehören, die, auf sich selbst gestellt, nicht lebensfähig find. Das steht fest. Die Beitragseinnahmen der LVA. Oberschlefien werden bei weitem nicht ausreichen, auch nur die Renten zu deden. Im Jahre 1924 betrug die Beitragseinnahme im Bezirk Oberschlefien 4 996 971 m. die Oberfchlefier behaupten 5 135 944 m. während die anteiligen Renten vermutlich 5 832 214,50 M. Ausgabe verursachen würden. Oberschlesien ist demnach ein Bezirk mit schlechten Risiken, eine LVA. Oberschlesien ist nur lebensfähig auf Grund der bestehenden Vorschriften über die Rentenlaft als Gemeinlaft. Damit rüdt aber die Frage, ob eine solche Bersicherungsanstalt aufaebaut werden soll, augenfällig aus dem oberfchlesischen Rahmen heraus und wird zu einer Frage aller Bersicherten. Das werden wohl selbst diejenigen einsehen, die vom Standvunkt beschränkter Kirchturmspolitik aus meinen, eine solche Frage geht nur die an, die aufällig in dem betreffenden Bezirk wohnen. Nein, es ist keine Frage der oberschlesischen oder auch der schlesischen Versicherten, fondern aller deutschen Versicherten überhaupt, ob in Schlesien fostspielige Experimente gemacht werden dürfen. Ob eine neue teure Berwaltung aufgezogen wird, die vollständig überflüffig ist, weil die Geschäfte von Breslau, dem Sike der heutigen LBA. Schlesien. aus ebensogut und noch beffer be forgt werden fönnen, während die jekige Verwaltung gestört und damit für die eventuelle neue LBA. Niederschlesien auch teurer arbeiten würde, das geht alle deutschen Bersicherten an und diese sagen: Nein! Es gibt in der Tat vom ver ficherungstechnischen Standpunkt aus angesehen nicht einen einzigen Grund, der für eine selbständige LBA. Oberschlesienspricht; alle sprechen dagegen. Und wenn gefagt wird, daß die Intereffen der oberschlesischen Arbeiter in der gemein famen Landesversicherungsanftalt Schlesien nicht genügend gewahrt würden, dann fann Abhilfe geschaffen werden durch gleichmäßige Befehung der Stellen der beamteten Borstands mitglieder und entsprechende im Statut festgesetzte sonstige Bertretung im Vorstand und Ausschuß. Dies garantiert auch, daß teinerlei Störungen in Schlesien eintreten, daß auch die fogenannten freiwilligen Leistungen der Versicherungsträger, deren wichtigste das vorbeugende Heilverfahren ist das täme in einer selbständigen LBA. Oberschlesien ganz unter dem Schlitten ausgebaut werden könnten. Nun werden allerdings politische Gründe geltend gemacht. Oberschlesien ist seinerzeit bei der Abstimmung ver prochen worden, daß es eine felbständige Provinz mit all deren Einrichtungen werden solle. Ift dabei auch eine LBA. versprochen worden? Sicherlich nicht. Denn die Versiche rungsanstalten sind feine Einrichtungen der Provinzen, fondern auf Grund des Reichsrechts errichtete öffentlich. Der Borstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat deshalb beim Reichsarbeitsministerium einen Borstoß gemacht, der zum Ziel hat die Schaffung mirtlich leistungsfähiger Versicherungsträger aunächst soll die LVA. Grenzmark beseitigt werden und die Selbstverwaltung, Wahl der beamteten Borstandsmitglieder durch die Ausschüsse und entsprechenden Einfluß bei der Führung der Geschäfte. Hoffentlich findet dieses Vorgehen Berständnis bei den politischen Parteien. Ohne Schaltung -O Der preußische Haushalt. Der Zwang der Verwaltungsreform. Auf der Tagesordnung des Landtags stand gestern die erste Beratung des Haushalts für 1926. Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff: Die Finanzverwaltung verfügte bei Beginn des Rechnungsjahres 1925 über einen Betriebsfonds von 200 millionen Daraus sind aber vorschußweise erhebliche Beträge zur Deckung von Anleiheausgaben verbraucht, für den Ausbau der Elektrizitätswerke, der Häfen und der Bergwerke und für Zwecke der Landeskultur. Außerdem muß der Betriebsfonds dazu dienen, die erheblichen Gehlbeträge abzubeden. Nach dem Haushaltsplan für 1925 beläuft sich der Fehlbetrag des laufenden Jahres auf 229,1 Millionen. Nach der bisherigen Entwicklung darf damit gerechnet werden, daß dieser Fehlbetrag sich ermäßigen wird. Die leberweisungen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer werden voraussichtlich dem preußischen Staat im laufenden Jahr ein Mehr von etwa 40 Millionen und die Einnahmen aus preußischen Steuern ein Mehr von etwa 20 millionen erbringen. Wenn also auch das Defizit sich verringern wird, so wird doch der Betriebsfonds am Ende des Rechnungsjahres voraussichtlich verbraucht fein, zumal durch die Hochwasserschäden und die Erwerbslosigkeit dem Staate zurzeit außergewöhnliche Ausgaben entstehen. Um so mehr wird es notwendig sein, den Haushaltsplan für 1926 unter allen Umständen ins Gleichgewicht zu bringen. Der Etat für 1926 schließt in Einnahme und Ausgabe mit einer Gesamtfumme von 3 322 331 000 m. ab. Wenn man die durchlaufenden Bosten ausscheidet, so ergibt sich, daß sich die bauernden Ausgaben gegenüber dem Jahre 1925 um 73,9 millionen vermindert, die einmaligen Ausgaben um 2 millionen vermehrt haben. Eine ge wisse Verbesserung gegenüber dem Haushaltsplan für 1925 ist nicht zu verkennen. Da aber der Haushaltsplan für 1925 mit einem Fehlbetrag von 229,2 Millionen abfchloß, reicht diese Verbesserung nicht aus. Es muß vielmehr aus der Hauszinsftener noch ein Betrag von 92 millionen für den allgemeinen Finanzbedarf des Staates bereitgestellt werden. Diefe Notwendigkeit ergibt sich aus dem Reichsfinanzausgleich, der den Anteil der Länder an den großen Reichssteuern verkürzt und die Länder zum Ausgleich ihrer Fehlbeträge auf eine Erhöhung der Hauszinssteuer verwiesen hat. Es läßt sich nicht verkennen, daß auch der Haushaltsplan für 1926 noch immer eine viel zu starte Steuer belastung vorsieht. Es wird daher Aufgabe der Staatsregierung und des Landtags sein müssen, durch weitere Eriparnismaßnahmen den Bedarf bes Staates einzufchränken. die Solche Ersparnisse sind im großen Ausmaß nur möglich, menn Berfonalausgaben vermindert werden. Schon in 751 Köpfe vermindert worden. Eine weitere Verminderung fann diesem Jahre ist die Zahl der Beamten gegenüber dem Vorjahre um nur durch eine großzügige Verwaltungsreform herbeigeführt werden, zu der die Borarbeiten mit allem Nachdrud be gonnen werden müssen. Dem Beschlusse des Aeltestenrats entsprechend wurde hierauf die allgemeine Aussprache zum Haushalt auf Donnerstag vertagt. Dann lehnt das Haus gemäß dem gleichfalls ablehnenden Aus schußbeschluß einen deutschvolksparteilichen Urantrag ab, der die Preußische Verfassung dahin abändern will, daß die von einem Strafverfahren erfaßten Handlungen vor Abschluß des Strafver fahrens nicht zum Gegenstand des Berfahrens vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß gemacht werden können. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 1 Uhr nachmittags: Be ginn der Etatsberatung für 1926. Schluß nach 3 Uhr. Die 10/20 PS Ford Kleinkraftdroschke Nach polizeilicher Vorschrift der Dajag ist da! Preis 6900.- Mark bei bequemer Teilzahlung Mit Vierrad- Bremse ca. 85% rein deutsche Arbeit und Leistung Vierrad- Bremse Das größte Spezial- Ford- Reparaturwerk Deutschlands mit 5fache Ballonbereifung, seinem Riesen- Ersatzteilelager verbürgt den Hauptvorteil Linkssteuerung, des Ford- Wagen- Besitzers: keine Betriebsunterbrechung, mhedernes tiefliegendes weil schnellste Auswechs'ung aller Teile, Ersatzteile Chassis, konkurrenzlos billig, Verwendung von Spezial- Fordelegante Linienführung Reparatur- Maschinen, jahrelang geschulte Monteure. Ford Depot der Dajag ohne Schaltung, daher absolute Schonung des Getriebes, unvergleich ich schnelles Anfahrmoment, Gewicht des kompl. Wagens nur 960 kg, daher geringster Gummiverschleiß DEUTSCH- AMERIKANISCHE AUTOMOBIL- INDUSTRIE A. G. Berlin W15, Kurfürstendamm 206-207:: Telephon: Bismarck 4654-55, 7041, 8023 AUTORISIERTE Ford VERTRETUNG Donnerstag 28. Januar 1926 Unterhaltung und Wissen Der Himmelstischler. Bon Adolph Hoffmann. Im Gegenteil," war die Antwort, es ist alles bis auf den legten Blazz beseßt. Unzählige stehen draußen und können nicht mehr hinein." Na, das ist doch fein," meinte der Himmelstischler" schmunzelnd. Ich schloß mich meinem geehrten Borredner mit dem Worte „ großartig an. Wir wendeten uns, um nach dem Kronprinzen zu stiebeln. Da pacte uns der Lauchstädter Vertrauensmann an den Rodschößen und hielt uns fest mit den Worten: ,, Um Himmels willen, auf feinen Fall nach dem Kronprinzen". Bon den umliegenden Rittergütern find die Inspektoren mit ihren mit Knüppeln bewaffneten Knechten angerüdt und haben den ganzen Saal befeßt. ,, Das ist ja glänzend," meinte der Himmelstischler. ,, Da müssen wir doch hin und die günstige Pofition ausnügen," ergänzte ich. " Die schlagen Euch ficher tot," jammerte, die Hände ringend, unser Schneider. ,, Da müssen wir doch dabei sein," entgegnete mit himmlischer Ruhe der Himmelstischler". Jezt ließ der Lauchstädter unsere beiden Rodschöße los, padte mich dafür an beiden Rockaufschlägen und, alle Rücksicht vergeffend, schrie er mehr als er sprach:„ Um Ihre Person dreht es sich haupts fächlich. Sie find verloren, wenn Sie dort erscheinen. ,, Geben Sie sich keine Mühe, lieber Freund," entgegnete ich. ,, Sie meinen es gewiß gut, aber die Versammlung ist einberufen. Wir sind hier, und da fomme, was da will. Wir müssen wenigstens versuchen, fie abzuhalten. Nochmals versuchte der Lauchstädter, uns von dem Borhaben abzubringen. Wir sind doch keine Feiglinge," sagte der Himmelstischler", sich in die Brust werfend, die der arme dürre Kerl nicht besaß. ,, Na, Spaß," sagte ich, Julius auf die Schulter flopfend,., wer fo oft im Sarge gelegen mie Du, fennt feine Furcht." Bor dem Kronprinzen" war alles schwarz von Menschen. Besonders Frauen, die damals noch nicht in politische Versammlungen durften, und fast alle Kinder aus Lauchstädt hatte die Neugier her. getrieben. Der Himmelstischler" fragte eine Frau, die mit dem Säugling auf den Armen nahe der Haustür stand: ,, Was ist denn hier los?" Ach, wir warten auf den Sozialdemokraten. Wir möchten auch mal so einen sehen. Julius entgegnete: Na, dann guden Sie mal uns beide an, bann sehen Sie gleich zwei." Der große Saal war gestopft voll. An jeder langen Tafel saßen mit tüchtigen Knüppeln bewaffnet Knechte und ihr Inspektor als Tonangebender. Als mir den Saal betraten und sie uns erfannt hatten, ging ein ohrenbetäubender Lärm und ein Geschrei los, wie ich es selbst in den Stöcker und Ahlwardt- Bersammlungen nicht fennen gelernt habe. Es waren wirklich feine Schmeichelworte, die uns begleiteten. Kaisermörder und Verbrecher maren barunter die nobelsten. Rnüppel wurden geschwungen, die mit langen Stiefeln befleide ten Beine uns in den Weg geftredt, über die der Himmelstischler" dant feiner eigenen langen Beine verhältnismäßig leicht hinweg. poltigierte. Mir leistete meine in der Jugend betriebene Gymnastik Hilfe, und so erreichten wir trotz aller Hindernisse bei diesem Hürden Ohne dem liebenswürdigen Empfang eine Silbe zu widmen, fing der„ Himmelstischler" an. Er war an diesem Tage firer als der flotternde Apotheferlehrling, der da fang: Im Keller brennt der Spiritus und alles steht in Flammen. rennen doch unser Ziel, das Bodium. Mit einer Wupptizität", die ich ihm nie zugetraut hätte, stieß er nur die fünf Worte heraus: " Der Redner hat das Wort." Schon stand ich auf dem Sprunge, aber die unten auch. Ein fürchterlicher Lärm feßte eir. Der imponierte mir nicht, denn ich hatte in den antisemitischen Versammlungen das eine gelernt: Man tann länger schweigen, als die anderen lärmen, wenn auch das will ich ehrlich zugeben mir selbst das Schweigen nicht ganz leicht wurde. Aber ein Teil der Knechte war durch den von den In spettoren spendierten Fufel in Biertelquartflaschen aufgeregt und drohte das Podium zu stürmen Gelbst der Himmelstischer", den so leicht nichts aus der Ruhe bringen fonnte, war aufgeftanden und sah sich hilflos um. In diesem Moment ließ der Lärm ein flein wenig nach, und ich schrie mit allen mir zu Gebote stehenden Stimmitteln in die Ber. fammlung hinein: Verständigungsfrieden. VERSTÄNDIGUNGS FRIEDEN Die ihn nicht gewollt श्री. Das erste Telephon und sein Erfinder. Bon Dr. B. Borchardt. HIER RUHEN 500 MUSKETIERE JNF. RGT.36 Cambrai 1917 Beilage des Vorwärts HIER RUHEN 300 MUSKET. VOM. J.R. 56 SOMME 1917 HIER RUHEN 400 JNFANTERISTEN VOM JNF. RGT. 76 VERDUN 1916. haben das erreicht. wird und seinen Namen mit der Entdeckung resp. Erfindung für immer verknüpft. Natürlich ist es berechtigt, die Namen folcher Männer in ehrendem Andenken zu behalten, nur soll man ihre Berdienste nicht übertreiben und ihre Vorläufer nicht völlig vergessen. Philipp Reis arbeitere unablässig an seiner Erfindung weiter, aber er blieb allein und ohne Mittel. Andere Probleme standen in der Mitte der sechziger Jahre und zu Anfang der siebziger Jahre im Mittelpunkt des wissenschaftlichen und namentlich des technischen Interesses und absorbierten die Hauptmaffe der technisch eingestellten Stopfe und des dafür zur Verfügung stehenden Kapitals. In ersier Linie ist hier die unterseeische Kabeltelegraphie zu nennen. Ihre Entroidlung begann in den fünfziger Jahren, und auch in den sechziger Jahren nahm sie alle Kräfte in Anspruch, um den Atlantischen Ozean zu überwinden und Europa mit Amerifa zu verbinden. Weiter tam 1866 die Entdeckung des elektrodynamischen Prinzips, die ziemlich gleichzeitig durch Werner Siemens in Deutschland und Wheatstone in England geschah. Hierdurch erhielt die Entwidlung elektrischer Motoren einen gewaltigen Anstoß. In die gleiche Zeit fallen ferner die erfolgreichen Anfänge der elektrischen Beleuchtung. Ec sehen wir drei große Aufgaben, die bis zu einem gewissen Grade gefördert sein mußten, che für das Fernsprechen das nötige Intereffe und damit zugleich das nötige Kapital aufgebracht werden fonnte. Als dann kurz nach Reis' Tode die der seinen ganz ähnliche Erfindung in Amerika gemacht wurde, fand sie einen günstigen Boden, so daß sie fich schnell entfalten und entwickeln konnte. Aber auch das Andenken an Reis, dem während seines Lebens die Anerfennung versagt blieb, soll nicht vergeffen, sondern in Ehren gehalten werden. Bor wenigen Wochen wurde gemeldet, daß das Telephon auf eine 50jährige Geschichte zurückblicken kann. Vielfach wurde bei dieser Gelegenheit auch des deuischen Lehrers Philipp Reis gedacht, der mit den einfachen Mitteln der Schule in dem kleinen Dörfchen Friedrichsdorf bei Homburg und zum größten Teil mit selbstgefertigten Apparaten schon im Jahre 1860 gelungene Versuche, Mufit und auch die menschliche Sprache mit Hilfe des elektrischen Stromes zu übertragen, anstellte und bereits 1861 einen von ihm Telephon genannten Apparat konstruierte, der recht gut zum mindesten bei der Uebertragung von Mujit funktionierte. Warum ist Philipp Reis faft vergessen? Warum hat sich an seine Erfindung teine Entwid lung angeschlossen, während dies 15 Jahre später bei dem Bellschen Telephon sehr rasch der Fall war? Der Grund liegt leinesfalls in der Unvollkommenheit des Reisschen Apparates. Bell sprach gegen eine vor einen Magneten befindliche Platte aus Eisenblech, und ihre dadurch hervorgerufenen Schwingungen beeinflußten den Bustand des Magneten. In einer ihn umgebenden Induktionsspuie entstanden dadurch elektrische Ströme von veränderlicher Stärke, die zu einem ganz gleichen Apparat geleitet werden, dessen Platte dadurch in analoge Schwingungen gerät, die sich der Luft mitteilen und vermittels unseres Ohres im Gehirn die entsprechenden Tonempfindungen auslösen. Das Bellsche Telephon ist noch heute als Empfänger in Gebrauch, während es als Sender sehr bald durch das Mitrophon von Hughes ersetzt wurde, eine Platte, deren Schwin gungen eine lofe Kontaktstelle eines Stromes ein wenig ändern, so daß die so bewirkten Stromschwankungen an Stelle der inbuzierten Ströme im ursprünglichen Telephon treten. Betrachten wir den Reisschen Sender, so unterscheidet er sich von dem Mikrophon sehr wenig. Auch Reis erzeugt durch das Sprechen Schwingungen einer tierischen Membran, auf der eine Platinipige spielt, die ein Platinblättchen, das mit einer Stromquelle in Verbindung steht, bald be rührt, bald sich von ihm loslöst, wodurch der Strom bald geschlossen, bald unterbrochen wird. Es werden also Stromunterbrechungen statt Stromschwankungen benußt. Wer erfennt nicht, daß von hier zum Mikrophon nur ein kleiner Schritt war, und ähnlich verhält sich ein Empfangsapparat gegenüber dem Bellschen Telephon. Entwick lungsfähig war diese Erfindung also durchaus, und Reis war auch vollkommen überzeugt, daß fie eine große Entwicklung haben werde. Was ist also der Grund, daß sie lediglich eine physikalische Spielerei blieb? Ich weiß ja, daß Ihr angerückt seid, um mich zu verhauen. Einen Moment trat Berblüffung ein. Ich vermute heute noch, daß es gefchah, weil man sich wunderte, daß so ein kleiner Mund eine so große Schnauze sein fann. " Sie wollen mich verhauen, weil ich dummes Zeug schwaße und das Bolt aufhebe," fuhr ich fort. Alle möglichen Zwischenrufe, die sicher nicht in Knigges„ Umgang mit Menschen" stehen, und ein Knüppel schwirrten durch die Luft. Die ersten fauften bei mir vorüber, ohne zu verlegen, ber Letztere brach seine Schwingungen an dem neben mir stehenden Tisch. Nur eine energische Kopfbewegung schützte den Himmels tischler" vor seiner Bekanntschaft. Ich nahm den Knüppel, der auf dem Tisch liegen geblieben war, und sagte, ihn wieder runterreichend: „ Den brauchen Sie ja necher noch, wenn Sie mich verhauen wollen. Gleich würde ich nämlich dazu nicht raten, denn bis jetzt habe ich weber Unsinn geshwägt, noch gehegt. Ich mache Ihnen also fol. genden Borschlag: Sie laffen mich zwanzig Minuten reden und dann verhauen Sie mich Dann wird jedermann sagen, die Prügel hat er für seinen Blat und fein Aufputschen reichlich verdient." Natürlich waren während dieser Worte Zurufe erfolgt, wie: Du triegst die Reinigung schon noch früh genug"," Dir hauen wir die Hude so voll, daß du nicht Biep fagen fannst, Schmeiß ihm doch ein Glas in die große Freffe!" haben. Die Inspektoren redeten auf die Knechte ein, sich nicht befabbern au laffen. Die Knechte aber wollten einen Grund zum Berholzen Mir war in diesem Augenblick zu unserem Glück eine Lehre eingefallen, von meinem alten Gesinnurgsfreund Baumeister Reßler, wie man zu ganz Indifferenten sprechen müsse, und nach diesem Rezept mischte ich meinen Trant. Daß der Himmelstischer" die Sache schon für uns als gewonnen ansah, bemies, daß er sein wertvollstes Kleinod aus der Tasche zog feine Glode, mit der er die erste fozialdemokratische Bersammlung in Merseburg mit Fritsche als Redner geleitet hatte, und die er mie einen Schatz hütete. Er flingelte und fagte:" Ich bitte nun, während der zwanzig Minuten, die Sie dem Redner bewilligt haben, alle Störungen und 3mischenrufe zu unterlassen." ( Fortegung folgt.) Der Grund ist recht einfach, wenn auch für Reis wie für manchen Erfinder, der das gleiche Schicksal geteilt hat, überaus tragisch: Die Erfindung fam feinem Bedürfnis entgegen, oder anders ausgedrückt, die Zeit war für diese Erfindung noch nicht reif. Die bürgerlichen Geschichtsschreiber verdammen gleich ihren Politikern den bösen Marrismus und namentlich auch die von Marg begründete materialistische Geschichtsforschung bekanntlich in Grund und Boden. Sie möchten gerne glauben machen, daß die Menschheit nur durch einzelne hervorragende Geister in ihrer gesamten Kulturentwicklung weitergeführt worden ist und weitergeführt werden kann, und daß ohne solche bevorzugten Köpfe die Menschheit heute noch in einem fast barbarischen Zustand verharren würde. Ach nein! so verhält es sich nicht. Das Streben nach Verbesserung und die Einsicht, die zu Verbesserungen führen kann, ist auf jedem Gebiet menschlicher Tätigkeit so überaus weit verbreitet, daß einzelne große Geifter, an deren Namen fich irgendein bedeutender Fortschritt tnüpft, recht wohl hätten ausfallen fönnen, ohne daß der Fortschritt selbst aus. gefallen wäre. Verfenti man sich in irgendeine bedeutende wiffen schaftliche Entdeckung oder technische Erfindung, so wird man das immer deutlich erkennen. Es gibt feine Entdeckung und Erfindung, die nicht ihre Vorläufer gehabt hat, die aber in den Anfängen steden bleiben mußte, weil die Zeit für sie noch nicht gefommen war. Bar die Zeit aber reif, so sehen wir stets eine ganze Reihe hervor ragender Geifter mit den in Frage stehenden Broblemen beschäftigt, und es ist mehr oder minder zufällig, mem es gerade gelingt, die Form zu finden, die dann die Grundlage der weiteren Entwidlung Die erfte USA- Stadt mit Gummipflaster. Die Stadt Cicinnati im Staate Ohio ist als erste Stadt in USA. zur Gummipflasterung übergegangen. Es wurden, wie die Umschau" mitteilt, Gummiplatten von 30: 15: 2½ 3entimeter auf Beton verlegt, und zwar auf eine Zwischenschicht einer heißen Masse, die mit Stampfafphalt eine gewisse Aehnlichkeit hat, aber vornehmlich aus Zement und Gummt besteht. Die Blatten find miteinander verlappt und werden auf die Unterlage feftgenagelt, um ein Werfen zu verhindern. Acht Mann verlegten 60 Quadratmeter stündlich. Der Verkehr Weber die Hufeisen der wickelt sich nun völlig geräuschlos ab. Pferde noch die Eisenreifen schwerer Laftfahrzeuge hinterlassen auf dem Gummi Eindrücke. Wieviele Bulfane gibt es? Die Zahl der Vulkane auf der Erde muß früher einmal außerordentlich hoch gewesen sein. Kann man doch heute noch von etwa 100 000 Erhebungen mit ziemlicher Sicherheit nachweisen, daß sie früher einmal vulkanischen Charakter gehabt haben. Ob alle zur gleichen Reit, das ist natürlich eine Frage. Heutzutage dagegen zählt man nur noch etwa 300 Bulfane. Der vulfanärmste Erdteil ist Europa. Auf dem europäischen Festland gibt es überhaupt nur noch einen Vulkan, den Besuv. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß die meisten Bultane sich auf Inseln oder an der Meeresfüfte befinden. Der Stille Ozean ist von ganzen Vulkanreihen förmlich umrandet. Warnungsfarbe zum Anffrich von Maschinenteilen. Die unzulässige Erwärmung von Maschinenteilen( Lagern u. a.) ist eine stete Sorge des Betriebs. Eine Farbe, die bei etwa 60-70 Grad, also beim Gefahrpunkt, ihr Aussehen auffallend ändert, bei Abkühlung aber wieder das alte Aussehen gewinnt, ist daher im Interesse leich ter Ueberwachung der zu beaufsichtigenden Teile erwünscht. In Amerifa werden bereits solche Warnungsfarben verwendet, und neuerdings find Proben ähnlicher Farben dem deutschen„ Ausschuß für Energieleitung" eingereicht werden. Die Untersuchungen find aber noch nicht abgeschlossen. Berichtigung. In der gestrigen Fortsetzung des Himmels. tischler ist vor der 18. Beile von unten eine Stelle ausgefallen, ohne die das folgende unverständlich bleibt. Sie lautet: Hier hatte die Sozialdemokratie natürlich noch nicht Boden gefaßt. Ein einziger Mann hielt zu unserer Partei, ein fleiner, etwas verwachsener Schneider, der, da er selbständig und von Landkundschaft abhängig war, nur heimlich in Attion treten fonnte Unsere Weiße Woche beginnt Montag 1. Februar Verlangen Sie unseren Spezialkatalog der Weissen Woche HERMANN.TIETZ LEIPZIGER STRASSE Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Tb. 8 Uhr: Der befreite Tägl. 8 Uhr: Don Quichotte Maiermax Morgen 8 Uhr: Wer weint m Judienadi? Staats- Theater 7: Die Bohème Opernhaus Opernhaus am Königsplatz Musik v. H. Hirsch Kleines Th. 8 Uhr: Dybuk ( Der Dämon) von Au- Ski 7: Evangelimann Regie: Viertel Schauspielhaus & U: Im weißen Röß'l Großes Schiller Theater Schauspielhaus 8: Wallenst. Lager Die Piccolomini Städtische Oper Fr Charlottenburg 6 Uhr: Parsifal Abonn- Turnus II Dich RELREE TAGLICH 84 Deutsches Deutsches Theater Künstl.- Theater 71 Uhr: Tägl. 8 Uhr: DO DODO ALEXANDERPLATZ Residenz- Th Walhalla- Central Theater 8 Uhr: Die Durch gängerin Erika v. Tellmann Kurt Vespermann Thalia- Th. 8 Uhr: Lene, Lotte, Liese Josefinens Töchter Molly Wessely Josefine Dora Oskar Sabo Georg Baselt Theater in der Kommandantenst. Letzte Vorstellungen! 8 Uhr: Annemarie 8 Theater Uhr: Der Fremde Weinbergsweg Berliner Theater 81% Täglich 84 8 Das Mädchen Uhr: Messalinette ohne Ehre Parkett nur 50 Pl. Metropol- Theater Sonnt nachm. 4: Rotkäppchen Tägl. 8 Uhr Diegr.Revueposse Theater i. d. Lützowstraße No no Nanette Lagl. sewwe. Lemke's 01 AltberlinerVolksstick m.Gesang and Tame in 5 Bilder ven E Graeser und G.Burghardt Sonntag, 31. cr. mittags 12 Uhr: Niddy Impekoven Musik v. Dr.R.Hirsch Neue u. alte Tänze ( Autoren der Koblanks".) Volkstümliche Preise 1-4 M. Im Vorverkauf Theaterkasse Bote& Bock Werth. 20% Ermi Trianon- Theater Tel. Zentr. 2391 8 Uhr: Ein Stück aus d. Circusleben: Das Herbstlied von Paula Busch Jed Sonnabd. 11 U. Theat.d. Westens Nacht vorstellung Tägl. 8 Uhr: Das Spiel a. die Liebe Herrnfeld Operette von Gilbert im Intim.Th. 8U. Friedenspreise Familie Schmock M. 0,50 bis 10, Rose- Theater Kleine Preise Das Käthehen Kronprinzessin Luise 8 Uhr: Wenn der nur 1-5 Mk. yon Hellbronn Th.a. Kurfürstendamm Tägi. 8 Uhr: Kammerspiele Die Nacht 7 Uhr: der Nächte Tägl. 8 Uhr: Zum ersten Male Th.a.Schiffbauerdamm Die letzte Geliebte Der fröhliche Weinberg Lustspielhaus Ab heute bis inkl. 4. Febr. 8 Uhr: Die Komödie Der kleine Kuppler Kurfürstendamm 206/7 Wallner- Theater 8 Uhr Gesellschaft 11 Uhr: Nacht vorstellung ,.Der blaue Vogel" Tägl. 8 Uhr: Kolportage Flieder bitht Casino- Theater Täglich 8 Uhr: Barnowsky- Bühnen Nur is 28. Januar Preisermäßigung! 8 Uhr: Königgrätz.Str. Der Meisterboxer Einen Jux will Ab Freitag, 29. Januar und das bunte Programm! Komödienhaus Liebesabenteuer. er sich machen 8 Uhr: Der dreizehnte Stuhl Die Tribüne 8 Uhr: Die neuen Herren Neues Th. am Zoo SCALA Allabendl. 8 Uhr: 8 Uhr: Internat. Th. a. Hollendorfpl. Varieté 8 Uhr: Die offizielle Sonnig, 31.1. Frau Operette in 3 Akten Preise 1 M. bis 10 M. vorm. 1150 Uhr Box- Matinée Guido Thielscher in Stöpsel KleinePreise: Parkett1-2M. Park.- Faut.3-4 M. Orchest.Fauteuil 5 M. Sessel 6 M Vorverkauf ununterbrochen Helenes Circus BUSch Täglich 7 Uhr Breitbart nur bis 31. einschl Januar HürdenLama Sprung a.d. übr.gr Progr Zum Schluß: Manege- Sensat. Die Gorillabraut StashalbePreise Der gr.Nachfrage wegen wiederum Vergiss nie FEINKOST- MARGARINE CARTEF FRANKFURTER ALLEE Blauband FRISCH GEKIRNT Fordern Sie die ,, Blauband- Woche" zu jedem Pfund. WINI BATEN Sport Dalast CORTEN 40 internationale Künstler zeigen im Der Graf von Januar- Spielplan Monte Christo Täglich: Voller Eislaufbetrieb u.d.voll.Abendor. Höchstleistungen der Varletékunst Sonntag, nachm. 31 Uhr, halbe Preise Rauchen gestattet KrausePianos Ztta Ansbacher Str. 1, Miete Ecke Kurfürstenstraße 81% Komische Oper 84 Direkt: James Klein Größte Revue der Welt von A bis Z in 40 Bildern mit 300 Mitwirkenden Kleine Eintrittspreise. Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr and Sonntag nadm 3 Uhr: Stettiner Sänger Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. Theater im KLEINE NZEIGEN Admiralspalast Tärlich 8, Uhr: ( Meysel, Briston, Steidl, Girardi, Nebe, in der Gesamtauflage Volkstümliche Schröter, Robin, Fuchs, Brauer, Hamann, Wälde and Rudi Schrader.) Nachm. halbe Preise, volles Abendprog. Dönhoff- Brettl des Vorwärts sind besonders wirksam und trotzdem Wodic der Sonnabend, d. 30. Benifiz Carl Braun Schr billig! Haller- Revue WWW Darum .. und dann noch eins, Du bist doch ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher und rauchst mit Genuß, während mir eine Pfeife nie so recht zusagt, wie kommt das eigentlich? Weil ich immer bei ein und derselben Marke bleibe, die nur aus überseeischen Rohtabaken hergestellt wird. Und das ist? Komische Frage für einen Raucher, natürlich Kiepenkerl von Oldenkott- Rees, kennst Du den nicht? Doch, aber der ist mir nicht fein genug geschnitten. Aber Menschenskind, das ist doch gerade der Witz, weil er nicht fein geschnitten, ist der Kiepenkerl so gut und so leicht. Schlechte, schwere Tabake werden fein geschnitten, sonst brennen sie nicht, und dann steckt mindestens zur Hälfte Pfälzer Tabak drin. Ein solches Kraut rauche ich nicht, Feinschnitt kann mir niemand aufhängen. Nun weiß ich Bescheid, das Zeug habe ich bisher geraucht, und deshalb ist es mir immer schlecht geworden. Ich werde jetzt sofort einen Versuch mit Kiepenkeri machen. Tue das, Du wirst zufrieden sein; und dann noch eins, auch die Marke Madastra ist von Oldenkott- Rees, das ist speziell etwas für einen Sportsman wie Du bist. verlängert nur b.Sonntag 31. inkl. Preise von 1-8 M. APOLLO THEATER Friedrichstr. 218 Der elektrische Stuhl ( Unschuldig verurteilt) Das große Varieté programm Ab 6 Uhr Dauervorstellung Achtung! Vorz.dies Inserats zahlt a all Plätzen halbe Preise tellenangebote finden im Vorwärts von 10 Uhr morgens ab abends Eisballet 112 Theater. Lützowstraße 112 Wiedereröffnung unter der neuen Direktion Gotthard Schierse Heute, Donnerstag, den 28. Januar 81/ A URAUFFÜHRUNG Lemke's sel. Wwe. Altberl. Volksstück mit Gesang u. Tanz von Erdmann Graeser u. George Burghardt Musik von Dr. Richard Hirsch den Autoren des erfolgreichsten Volksstückes Die Hoblanks Volkstümliche Eintrittspreise 1-4 Mark Neue Welt a A. Scholz:: Kasenheide 108-114 Donnerstag, den 28. Januar, sowie täglich: in den bayer. Bockbierfest Ainen 8 Kapellen/ Heue Dekorationen 80 bayer. Madl Ausstoß d. berühmten Bergschloß- Jubil.- Bock und Gr. Schweineschlachten Einlaß 6 Uhr Anfang 7 Uhr Voranzeige: Sonnabend, 30. Januar 1926: GROSSER ALPEN- BALL Elite- Sänger Traueripenden Tägl leber Art Verkäufe Naumann- Nähmaschinen für Hausgebrauch und Gewerbe. Teilzahlung. Reparatur- Werkstatt für alle Gnfteine. Emil Halbarth, G..m. b. S., Friedrichftraße 55a. Amt Hafenheide 5857. Reikzeuge( Richter- Bräzision). Simer heits- Goldfüllfederhalter. Bureaubedarfs haus Lindner. Neukölln, KaiferFriedrich- Straße 36/37. Bekleidungsstücke Wäsche usw. Getragene Herrengarderobe, tadellos erhalten, Gelegenheitstäufe in Bela maren, aroße Auswahl, billige Breife. Reine Lombardware. Leibhaus Spiegel. Chauffeeftrake 7. Wenig getragene Ravaliergarderobe von Millionären, Meraien, Anwälten. Fabelhaft billige Breise. Empfehle Taillenmäntel, Baletois, Frads, Smo. Sport, tings, Gehrodanzüge, Sofen, Gehpelze. Gelegenheitstäufe in neuer Garderobe. Beitester Beg Lohnend. Lothringerstraße 56, 1 Treppe, Rofenthaler Blag. Möbel Rüchenschränke 65. Besenschränke 48. Gelegenheitskäufe. Anrichteküchen 135. Rahmenküchen 75. Abwaschtisce 58. Wäschetruhen 18 Goldmart. Möbelhaus Ramerling, Raftanienallee 56. Möbelspeicher. Neue und gebrauchte Möbel. Teilzahlung ohne Auffchlag. Lilkomftrake 95. Geöffnet bis 7. Möbelkredit und bar an jebermann Heine Anzahlung. Gärisch, Stralauer vlak 1 Schleftfcher Bahnhof. Batentmatragen, Auflegematragen, Me tallbetten, Chaiselongues. Balter. Star aarberitrake achtzehn. Langen Arcbit gewähren wir Ihnen bei Anschaffung gut gearbeiteter Eveife. simmer, Serrenzimmer, Schlafzimmer, Küchen, Einzelmöbel in Nusbaum, Eiche, Mahagoni, Teppiche, Bortieren, Mäkige Preise. Deden, Läuferstoffe. Moabiter Kredithaus, Thurmstraße 81, eine Treppe. Seltene Kaufgelegenheit! Schlafzim mer Beate", echt Eiche, großer AnFleibefdirant mit Reisballspiegel, echter Marmor. Brima Drellauflagen! Romplett 510- Mart. Berliner Möbelbaus Morik Hirschowiz, Sildoften, Sta likerstraße 25, Hochbahn Rottbuffer Tor. Musikinstrumente Flügel 450.- Steinmener Rongert piano( Flügelton), leinster Flügel, 150 Tana. Sarmonium 100.-, Ronzertharmo nium. Rahlungserleichterung. Stein mener Pianofabrit, Oranienstraße 166 III. Bianos preiswert. Klaviermacher Lint. Brunnenftraße 35. Kaufgesuche Fabrraber fauft Linienftrake 19 Unterricht Franzöfifch, Schnellkurse. Englisch, Deutich. Rorrespondena, Auslands ftudium. Urbanstraße 176. Verschiedenes Am schönsten ist's bei Rellers, Roppenftraße 29. Mittwoch. Freitag, Sonnabend, Sonntag größter Betrieb aller Witwenbälle. Berrliche Ballmufit. Golide Preife. Rommen, sehen, ftaunen. Gerberei. Neukölln. Brina- Sandiern ftrake 87/88. Ich erkläre hiermit, daß ich die Serrn E. Wiedermann, Manteuffelstraße 76, augefilate Beleidigung mit Bebayern aurüdnehme. Emil Schiffner, Reichenbergerstraße 155, 15/13 Arbeitsmarkt Stellenangebote Chromolithographen, Hichtige( Feder), gefucht. Sagelberg, Marienstraße 21. In lebhafter Industrieftadt( 14 000 Einw.) Kottbuser Str. 6 Sonntag terert preiswer mit fog liftischer Mehrheit ift bie Stelle des 8 Uhr Sie lachen 3 Uhr Paul Golletz. Tränen! beste Beachtung Sachm armas. Preise, volles Abd- Progr. Dormals Robert Meyer. Mariannenstr. 3. Amt Morinol. 103 08 Bürgermeisters freigeworden und alsbalo zu besegen. Geeignete Bewerber werden um Meldung gebeten unt. Bürgermeister" Borwärtserp.