• Nr. 47 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 24 Bezngsbrets: 238dentlid 70 Bfennig, menalid 8- Reichsmart soraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutſchland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart. fülr bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gied lung und Kleingarten fowie ber Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpateille teile 80 Brennia. Reflamezeile -Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 25 Bfennis ( auläffa amei fettgebrudte Worte). febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Pfennig. tebes meitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch fraben zählen für awet Worbe Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Engelgen für bie nafte Summer mufen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linben #rake 8, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Uhr früb bis 5 Uhr nacho. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Freitag, den 29. Januar 1926 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 538 Bankkonto: Bank ber Arbeiter, Angestellten and Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Binbenftr.& 160 Ja, 150 Nein, 130 Enthalten! Eine Regierungsmehrheit, die keine ist. Der Reichstag ffimmfe gestern mit 10 Stimmen Mehr-| ganz andere Ziele verfolgen, zufammen für ein Mißtrauens| heit- bei Enthaltung der Sozialdemokraten und der Wirt- votum stimmen. Wenn die Kommunisten deswegen über fchaftsvereinigung- dem Vertrauensantrag der Regierungs- Arbeiterverrat" schreien, so fann das den Kenner nur humoparteien zu. Damit ist einstweilen die Weiterexistenz der Re- ristisch stimmen, für die Kommunisten ist es ja immer Ar gierung Luther ermöglicht. beiterverrat", wenn man nicht mit den Deutsch nationalen zusammen stimmt. Die Stimmenthaltung der Sozialdemo traten wurde durch folgende vom Genoffen Breitscheid perlesene Erklärung begründet: Die Erklärungen des Reichskanzlers vom 26. und 27. Januar tönnen nur insoweit die Zustimmung der sozialdemokratischen Frat. tion finden, als sie die auswärtige Bolitit betreffen. Die Fraktion begrüßt es, daß die Reichsregierung in Fortsegung der Politit pon Locarno den alsbaldigen Eintritt DeutschLands in den Bölferbund in sichere Aussicht gestellt hat. Sie erwartet, daß die Reichsregierung innerhalb des Bölferbundes alles tun wird, um den raschen Abbau der fremden Besatzung herbei. zuführen. Unbefriedigend ist für die sozialdemokratische Reichstags: frattion das innerpolitische Programm der Regierung. Wir vermiffen besonders das entschiedene Bekenntnis zur Ratifizierung des Abkommens von Washington und zu einem dem Acht: stunden tag sichernden Arbeitszeitgefeß. Unzureichend find auch bie angefündigten Maßnahmen zur Linderung der Not der Er. merbslosen. Gründe der auswärtigen Politik bestimmen uns, Mißtrauens anträge gegen die Regierung abzulehnen. Ein Bertrauens. notum anzunehmen, find wir jedoch aus Gründen der inneren Politit nicht in der Lage. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird sich daher bei der bevorstehenden Abstimmung über bas von den Regierungsparteien eingebrachte Bertrauensvotum der Stimme enthalten. Die Kölner Zone am 31. Januar frei. Der Abbau der Besazung in der zweiten und dritten 3one auf ans nähernd die normale Friedensstärke folgt, sobald der Eintritt Deutschlands in den Bölferbund vollzogen ist und der Bertrag Don Locarno in Kraft tritt. Diese Tatsachen, von Herrn Stresemann in der gestrigen Sigung mitgeteilt, besiegeln die Niederlage der völlerbund feindlichen Opposition, nicht die zehn Stimmen, mit denen sie in der Minderheit geblieben ist. Der Erfolg der Luther- Regierung bei der Abstimmung ist mehr als zweifelhaft, der Erfolg der von der Sozialdemokratie unoblässig geforderten und geförderten Außenpolitif ist unzweifelhaft. Um dieser Außenpolitik willen hat die sozialdemokratische Rechstagsfraktion dem zweiten Kabinett Luther das Leben gelaffen. Sie will den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund noch in diesem Frühjahr. Sie will dieses Etappenziel her internationalen Berständigung nicht gefährden, indem sie die Regierung, mit der sie in diesem Punkt einig ist, stürzt. Zu einem Bertrauensvotum fonnte sie sich nicht entschließen. Es ist in der Fraktion gesagt worden, wer das Biel wolle, müffe auch das Mittel wollen; das geeignetste Mittel aber, um den Sturz der Regierung in diesem Augenblid zu verhindern, sei die Annahme eines Bertrauensantrags: Die Mehrheit befürchtete, daß eine solche Politik der reinen 3weckmäßigkeit draußen im Lande nicht verstanden werden würde, daß man im Volf nicht verstehen würde, den feinen Unterschied zu machen zwischen einem nur formalen Bertrauenspotum zu bestimmten taktischen Zwecken und einer Sundgebung echten, wirklichen Vertrauens. So entschied sich die Fraktion mit 67 gegen 38 Stimmen für die Enthaltung, während eine noch fleinere Minderheit der Meinung war, man hätte durch förmliche Befundung des Mißtrauens den Sturz der Regierung oder die Auflösung herbeiführen sollen. Die große Mehrheit der Frattion wünschte in diesem Augenblid die Auflösung nicht, weil der Eintritt in ben Bölferbund zu vollziehen ist und weil die notwendigen Kredite zur Milderung der Wirtschaftskrise, die Verbesserung der Lage ber Erwerbslosen einfach unmöglich werden, wenn monatelang fein Reichstag da ist und alles in Ungewißheit schwebt. Sie erwartete, baß die Regierung Luther, wenn sich die Fraktion der Stimme enthielt, mit einer fnappen Mehrheit aus der Affäre herauskommen werde, und diese Erwartung hat sich erfüllt. Die Mehrheit der Fraktion wollte aber auch in diesem Augenblid nicht mit den Deutschnationalen, bie dabei bod " Die Regierung Luther hat zehn Stimmen Mehrheit, selbst die sind nicht gewiß. In dem Augenblick, in dem sich die Sozialdemokratie der Opposition zugesellt, ist sie erledigt oder fie muß den Reichstag auflösen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion befindet sich also, dank der Haltung, die sie gestern eingenommen hat, in einer nicht ungünstigen tattischen Lage, auf deren Ausnutzung man vielleicht einige bescheidene Hoffnungen sehen darf. Wäre die Sozialdemokratie mit in der Regierung, fo würde alles im Schoße des Kabinetts entschieden, und die Regierung hätte dann die Stimmen der Sozialdemokratie sowieso. Jetzt ist das Verhältnis der Sozialdemokratie zur Regierung elastischer; es fann sich bessern oder verschlechtern, je nachdem wie sich die Regierung verhält So mag die Regierung der Mitte nun zeigen, was sie will und was fie fann. Es ist leicht möglich, daß es in absehdemokratische Fraktion ist in der Lage, fich Gelegenheit und barer Zeit doch zum Konflitt mit ihr fommmt, aber die sozialdemokratische Fraktion ist in der Lage, fich Gelegenheit und Beitpunkt dazu selber zu wählen. Daß sie nicht unbedingte Krisenpolitik treibt was ungeheuer einfach ist, aber nicht immer zu den gewünschten Resultaten führt, hat sie gestern durch ihr Verhalten gezeigt. Der Abstimmung ging eine intereffante und stellenweise stürmische Debatte voraus. Der völkische Henning proDozierte in feiner tölpelhaften Weise einen dramatischen 3wischenfall, wobei es einen Augenblid so aussah, als ob der nervös start erregte Herr Lutherihnohrfeigen wollte, so aufgebracht war er über den Ausdrud Regierung der Hente.sinechte", den ihm Henning bei seinem Abgang ins Gesicht schleuderte. Henning blieb ungeohrfeigt, wurde aber durch den Spruch des Bizepräsidenten Bell von der Sitzung ausgeschlossen. Und das führte wieder zu einer interessanten Entwidlung. Präsident Löbe schlug vor, eine zweite Gigung abzuhalten, an der auch Henning teilnehmen könnte. Die Abstimmung sei zweifelhaft, und es fönne alles von einer einzigen Stimme abhängen! Die Parteien aber zeigten fein Erbarmen, es wurde ohne Henning abgestimmt, und es er gab sich, daß es auf seine Stimme nicht anfam. Ein Glüc für den Reichstag, der unheilbar ftompromittiert gewesen wäre, wenn sich herausgestellt hätte, daß seine Entscheidung von der Stimme feines dümmisten Mitgliedes abhing! Die Auffassungen der Sozialdemokratie murden von dem Genossen Breitscheid mit glänzender Redegewandtheit Die Besprechung Briand- Chamberlain Beide sind hochbefriedigt. Pariser Finanzdebatte. Die Linke gegen Doumer. Paris, 28. Januar.( MTB.) Die Außenminifter Chamberlain| regierung mit, daß die Räumung der Kölner Zone am 31. 3anuar und Briand hatten heute vormittag 10 Uhr eine Unterredung, die um Mitternacht beendet sein werde.( Vergleiche die Ausführungen bis gegen 12,15 Uhr dauerte. Den Vertretern der ausländischen des Außenministers Dr. Stresemann im Reichstagsbericht. D. Red.), Presse erklärte Brian d, Chamberlain und er hätten nur einen einfachen, Meinungsaustausch gepflogen und bezüglich der verschiedenen von ihnen gestreiften Fragen teine ent scheidenden Beschlüsse gefaßt. Chamberlain habe infolge feines längeren Aufenthalts im Süden etwas die Fühlung mit der Politik verloren. Bevor er also irgendeinen Beschluß false, sei es ganz natürlich, daß er die Angelegenheiten näher prüfe, die heute vormittag gestreift worden seien. Aber es habe sich auch hier wieder der außerordentlich lebhafte Wunsch nach einer engen und herzlichen Zusammenarbeit in allen Fragen fundgetan. Chamberlain äußerte, dieses Verfahren sei bis jetzt ziemlich gut geglückt. Es sei die Grundlage alles dessen, was man im vergangenen Jahre getan habe, und auf diesem Wege sei man nach Locarno gelangt. Briand erklärte: Wir sind entschlossen, auf diesem Wege fortzufahren. Chamberlain bemerkte alsdann unter Hinweis auf seine zweimonatige Abwesenheit von London, der Meinungsaustausch, den er soeben über gewisse Frankreich und England besonders interessierende Fragen mit Briand gehabt habe, laffe teinen 3weifel darüber, daß Briand und er das Mittel finden würden, in Zukunft ebenso zusammenzuarbeiten wie bisher. Wir find, so fuhr Briand fort, auf feine unüberwindlichen Hindernisse gestoßen; die Entscheidungen werden sehr rasch getroffen werden. Ueber die deutschen Forderungen betreffend die Stärke der alliierten Befahzungstruppen im Rheinlande befragt, erflärte Briand, diese Frage sei von den deutschen Zeitungen polemisch behandelt worden. Sie werde im Geiste von Locarno geregelt werden, dadurch, daß man einerseits die aft en der deutschen Bevölkerung auf ein Mindestmak herabfeze und andererseits der Sicherheit der alli ferten Truppen Rechnung tragen werde. Seit Locarno fei übrigens ein großer Teil der Wünsche Deutschlands bereits verwirklicht worden, was noch übrig bleibe, werde leicht zu regeln fein. Ebenso werde auch die Frage der Entwaffnung dem nächst ihre Lösung finden. Chamberlain erflärte, man dürfe nicht auf das fehen, was noch zu tun sei, sondern müßte vielmehr das überblicken, was feit Locarno bereits getan worden sei. Das stelle einen ungeheuren Fortschritt dat, und wenn man derartige Ergebnisse für Anfang dieses Jahres vorausgefagt hätte, hätte niemand daran geglaubt; das müsse für die Zukunft Mui einflößen. Abkürzung der Räumung Kölns. Paris, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Entente Botschaftertonferenz teilte am Donnerstag der Deutschen Reichs Paris, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) In der französi fchen Rammer hat am Mittwoch zunächst der radikale Abgeordnete Dumesnil( Ermarineminister unter Herriot) seine am Dienstag abend abgebrochenen Ausführungen zu Ende geführt und nach einer vernichtenden Kritit an dem Vorgehen des Herrn Doumer ein eingehendes Exposé der von der Linksmehrheit der Finanzfommission gemachten Gegenvorschläge gegeben. Diese habe sich bei ihrer Ausarbeitung in erster Linie von dein Bestreben leiten lassen, neue Steuern nach Möglichkeit zu vermeiden durch rücksichtslose Bekämpfung der Steuerdefraudation, um auf diese Weise dem Staate die Milliarden zuzuführen, um die er Jahr für Jahr betrogen wurde und die mehr als hinreichen, um das Defizit auszugleichen. Dumesnil gab dafür eine Reihe sehr eingehender 3iffern. Im Jahre 1924 hat in Frankreich die Einkommensteuer faum 4 Milliarden gebracht, während England nicht weniger als 26 Milliarden Frant durch die Besteuerung der Einkommen erzielt hat. Im vergangenen Jahre haben in ganz Frankreich nur etwa 30 000 Steuerzahler ein Einkommen von 100 000 Frant und darüber deklariert, und für statistisch nachweisbare 23 Milliarden Einkommen aus mobilen Vermögenswerten sind noch nicht einmal 6 Milliarden versteuert worden. Die Sozialisten kürzen die Debatte ab. Paris, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Finanzminister Doumer soll sich nunmehr entschlossen haben, die von ihm vorgefchlagene und von der Finanzfommission abgelehnte Bahlungs. fteuer fallen zu lassen und sie durch eine Produktionsabgabe zu erfeßen. Am dritten Tag der Finanzdebatte hat die sozialistische Fraktion, nachdem von 26 vorgesehenen Rednern erft 5 zu Wort gekommen waren, auf Grund eines Fraktionsbeschlusses durch Leon Blum, von 4 Rednern 3 zurückgezogen; sie wird ihren Standpunkt lediglich durch Gen. Auriol darlegen lassen. Blum gab der Erwartung Ausdruck, daß die anderen Barteien dem Beispiel der Sozialisten folgen werden. Der erste Teil der Donnerstagfißung der Kammer war ausgefüllt mit der Rede des Abg. Landry, des Wortführers der neuen aus den gemäßigten Republikanern hervorgegangenen Gruppe der unabhängigen Linten sowie mit der Bericht. erstattung über die Kommissionsverhandlungen durch den Abg. amoureur. = vertreten. Dabei gelang es ihm durch gefchickte Fragestellung| ftimmung war, besonders hinsichtlich der Stimmenthaltungen, unden deutsch nationalen Locarno Schwindel richtig. Die amtliche Nachprüfung ergab die Zahlen: gründlich und für immer zu erledigen. Herr Strefe mann mußte bestätigen, daß die fromme Legende von ber Mannhaftigkeit, mit der die Schiele und Konsorten in der Regierung die„ völtischen Belange" vertreten haben follen, nicht zu halten ist. Gine Vertrauensgrundlage" mollte Herr Luther haben. Tun hat er fie, und er wird zugeben müffen: sie ist nicht sehr berühmt. 160 haben ihm das Bertrauen gegeben weniger als ein Drittel des Reichstags! 280, eine starte Mehrheit, haben ihm in verschiedener Weise ihr Bertrauen vorenthalten. Aber da zehn weniger als 160 mit Rein stimmten, ist die verfassungsmäßige Formalität erfüllt, die dem zweiten Luther- Kabinett das Leben ermöglicht. für das Bertrauensvotum gegen bas Bertrauensvotum Stimmenthaltungen 160 Stimmen 4 . 150 Stimmen 130 Stimmen Nur ein einziger Abgeordneter ist der offiziellen Parole seiner Frattion nicht gefolgt, und zwar der Abgeordnete Kerschbaum, der als Bayerischer Bauernbündler der Wirtschaftlichen Vereinigung angehört und für die Regierung gestimmt hat. Die sonstigen an mesenden 17 Mitglieder der Wirtschaftspartei haben blane Ent haltungszettel abgegeben, ebenso wie 113 Sozialdemo. traten. Eine doppelt abgegebene Stimme wurde für ungültig erklärt. Ein neuer Tendenzprozeß. Das Gerichtsverfahren gegen Oberstaatsanwalt Asmus. Chemnih, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag begann vor dem großen Schöffengericht der seit langem angekündigte Prozeß gegen den Freiberger Oberstaatsanwalt, Ge noffen Dr. Asmus. Das äußere Bild ließ schon auf einen großen Tag schließen. Der Zuhörerraum war lange vor Beginn der Berhandlung überfüllt. Als Berteidiger fungieren die Genossen Dr. Levi- Berlin, Dr. Günther- Dresden und Dr. Brandt- Berlin, während der Amtsgerichtsdirektor Dr. Magirius die Verhandlungen leitet und Oberstaatsanwalt Dr. Weber als Vertreter des Generalstaatsanwalts von Sachsen die Anklage vertritt. Genosse Asmus wird beschuldigt, fich in fieben Fällen gegen den§ 346 StGB. vergangen zu haben. Der angezogene Paragraph bedroht Beamte, die abfichtlich die Verfolgung der gefeßlichen Strafe zu entziehen, mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren. Mehr als eine Notlösung fann das nicht sein. Wohin Die Landbank gemeinnütziges Unternehmen einer strafbaren Handlung unterlassen, um jemanb geht der Weg? Wahrscheinlich in absehbarer Zeit in einen Wahlkampf, aus dem die Sozialdemokratie gestärft hervorgehen muß, wenn nicht das alte Elend von neuem beginnen foll. Unser Ziel: das nächstemal für uns allein starter zu werden, als es die Regierungsmehrheit" Luthers von gestern gewesen ist. Das Abstimmungsergebnis. Bährend des ganzen Nachmittags herrschte im Reichstag große Spannung, weil das Ergebnis der Abstimmung über bas Bertrauensvotum als im höd sten Maße zweifelhaft erschien. Bei voll besetztem Hause hätten die Regierungspartelen über 171 Stimmen, die Oppositionsparteien über 170 Stimmen verfügt. Als mun feststand, daß fowohl die Sozialdemokratie wie die Wirtschaftliche Bereinigung Stimmenthaltung beschlossen hätten und als ferner befannt wurde, daß, entgegen anders lautenden Gerüchten, die Deutschnationalen nicht nur teine Abtommandie rungen, fondern im Gegenteil Fraktionszwang gegen tas Ber trauensvotum beschlossen hätten, da tonzentrierte fich das Intereffe vor allem auf die Frage der Präsenz stärte der einzelnen Fraktionen. Die Zahl der fehlenden sozialdemokratischen und mittelFraktionen. Die Zahl der fehlenden sozialdemokratischen und wirt schaftsparteilichen Abgeordneten war in diesem Falle nebenfächlich, da es ausschließlich auf die" Ja" Stimmen und die Rein- Stimmen anfam. So drängten sich Regierungsvertreter, Presseberichterstatter und Abgeordnete um die in den Wandelgängen aufgestellten Bulte, wo die Anwesenheitsliften ausliegen, in die sich die Abgeordneten eintragen. Die Schicksalsfrage war nun, in welchem Lager fich die größere Anzahl von Abwesenden befinde, rb bei der Regierungstoalition oder bei den Oppofitionsparteien. Man erfuhr bald, bag von den Regierungsparteien etwa 10 bis 12, von den Opposi tionsparteien etwa 13 bis 20 Abgeordnete fehlten. Damit war das Eichickfal ber Regierung im Sinne der Annahme tes Bertrauens. Datums mit fnapper Mehrheit für die Eingeweihten bereits ent schieben, noch ehe die Abstimmung vorgenommen wurde. Bei den Regierungsparteien fehlten fünf 3entrumsleute, barunter ber württembergische Innenminister Dr. Bo18, fomie Dr. Birth, bei den Demotraten Professor Schüding und Pfarrer Storell, bei ber Deutigen Boltspartei Dr. Heinze, Dr. Gildemeister, Dr. Hugo und der a& ndbundführer Hepp, sowie ein bayerischer Boltsparteiler. Bei den Oppositionsparteien waren die Süden absolut und proportional am stärksten bei den Böltischen, die von ihren 15 Mann nur 9 anwesend hatten; es fehlten bei ihnen namentlich Lubendorff, Dr. Beft und Straffer, wobei noch hinzufam, daß der Ab. geordnete Henning noch im Laufe des Nachmittags von der Sizung durch den Bizepräsidenten Bell ausgeschlossen wurde. Auch bei den Kommunist en fehlten 5 Abgeordnete, darunter Ruth Fischer und Alara Bettin. Schließlich fehlten bei ben Deutih nationalen acht Abgeordnete, darunter, wie oft fchon in ähn fichen Situationen, ber mürttembergische Staatspräfident Bazille, fomte Tirpis. Das zunächst im Blenum auf Grund der schnellen Zählung durch ble Beisiger verfündete porläufige Ergebnis ber Romain Rolland. ( 8u feinem heutigen sechzigsten Geburtstag) Bon Heinz Liepmann. J. b. Zunächst Biographisches, das dann für das Berständnis des Wertes diefes Dichters wichtig ist, weil er sein Leben nach den Grundsägen eingerichtet hat, die die Jbeen feiner Berte bestimmen. Er wurde am 29. Januar 1866 in Clamech( Frankreich) als Sohn einer bemittelten Bürgerfamilie geboren, studierte nach Abfolpierung heimatlicher Schulen in Baris und Rom Kunstgeschichte und murbe zur Abfaffung größerer Werte tunstgeschichtlichen Inhalts staatlich beauftragt. Mit 31 Jahren las er in der Barijer Sorbonne über Muffgeschichte. Kurz vor Ausbruch des Krieges fiebelte er in die Schweiz über und arbeitete von 1914 bis 1916 beim Roten Kreuz in Genf und betätigte sich auch späterhin stets als Kriegsgegner. Den Robelpreis für Literatur erhielt er im Jahre 1916. Nach Be endigung des Krieges lebte er noch zwei Jahre in Baris und faufte fich bans endgültig in der Schweiz an. II. Benn ein Dichter bei Lebzeiten, an seinem fechzigften Geburts: tag, bereits der anerkannteste und prominentefte feines Erdteils ist jo liegt das entweber an feiner technischen Genialität oder an feiner Ethit. Während die technische Genialität eines Bernard Sham diesen zum Interpreten des intellektuellen Elprits machte, ift Rolland ber einzige und der Dollkommene Nachfahre der großen religionsrevolutionären Dichter Rußlands- Loistois und Dosto Tolstois und Dosto jewitis- geworden. Das eben ist das feltsame und erhebende an dem Wert diefes Dichters, daß er nicht die französische Schule der Zola, Balzac, Flaubert fortsetzt: bie Dichter des steptischen Realismus und des Grundjages: Form über Idee, fondern daß er, als Erbe Tolstois und ber vorchriftlichen Klaffiter, das Motio des Gebantlichen und Menschlichen vor das der formalen Ebenmäßigkeit ftellt. Daß fein breibändiges Bert Johann Christoph die Züge des von ihm innigft verehrten Beethoven trägt, und das Buch zur Bredigt wird, zur Kanzelpredigt eines lebendigsten Lebenstampjes und Bieles Das fein Meifter Breugnon fern jeder geschnörkelten Form, bie erschütternb frohsinnige, berbe und herzliche Formel für einen Bebensinhalt preisgibtDaß er nur einmal das Gebet an den Eros im Sommer, ein Gedicht schreibt und trotzdem ein dramatischer Lyriter Mozartscher Art wird, denn seine Lebensform verwirklicht den Uebergang in der Reifung von Beethoven zu Mozart Daß er Revolutionsbramen schrieb, voll tieferer Dramatit und Genfibilität als die Revuebaftigkeit der modernen Bühnenregiekunft ke verlebendigen tann, weil diese Dramen der erotischen Momente zu wenig und der gedanklichen zu viele haben Daß er Bücher über das Leben Tolstois, Beethovens, Michelangelos, Händels, Mahatma Gandhis und Millets( legeres ist nur In englischer Sprache erschienen) schrieb, sich diesen blutsvermandter Seele jühlende mekhe Bücher für sachliche Biographen als nicht Eingreifen des preußischen Staates. Die Sanierung der Landbank ift perfeft, fie mitb gemeinnügiges Unternehmen und der Einfluß des bisherigen Großattionärs und Aufsichtsratsvorsißenden Hugenberg ist be fettigt. Das ist das Ergebnis eines Schreibens, das der preu Bifche Landwirtschaftsminister an den Landeshauptmann der Grenz mart Bosen- Westpreußen gerichtet hat. Danach ist die preußische Staatsregierung bereit, nachdem die Provinzialbehörden der Grenzmart Posen- Westpreußen 23,5 Millionen Landbundattien übernommen haben, der Landbank zur Fortführung ihrer Siedlungs tätigkeit die erforderlichen Betriebstrebite zu gewähren, für die die Bedingungen noch zu vereinbaren find. Gleichzeitig über nimmt der preußische Staat feinerseits 14 Millionen Landbundattien( Papiermart!) und zwar zum gleichen Preise von je 1 Reichsmart auf bie 1000 Papiermarfaftie, zu dem die Grenzmartbehörden die Attien übernommen haben. Damit ist die weitüberwiegende Mehrheit der Land bundattien in Staatshände übergegangen. Von den 65 Millionen Attien befinden sich nach der Neuordnung beim preußischen Staat 14 Millionen, bei den Provinzialbehörden 23,5 Millionen, bei der Breußischen Staatsbant 9 Millionen, bei der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Eigene Scholle 5 Millionen, zusammen 51,5 Millionen. Nur der fleinere Rest von 13,5 Millionen befindet sich im Verkehr. Der gemeinnützige Charakter der Landbank ist also garantiert, und jede Majorisierung in der Generalversammlung, die dem gemeinnützigen Zwed gefährlich werden könnte, ist aus geschlossen. Es ist jetzt zu hoffen, daß die Siedlung der Oftflüchtlinge und polnischen Optanten munmehr mit Nachdruck gefördert und die Wirtschaftlichkeit des Siedlungsunternehmens nicht neuer bings gefährdet wird. Bisher find 6000 Flüchtlinge angefiedeft worden. Am ersten Tage der Verhandlung wurden nach der Feststellung der Bersonalien an Hand riesiger Aftenstöße die sieben Fälle- bei ben über tausend von Dr. Asmus bearbeiteten Prozessen ein verschwindender Bruchteil- behandelt. Nachdem das Gebäude der Anflage in der Nachmittags verhandlung wie ein Kartenhaus zusammengefallen war, gab es plöglich eine Sensation. Im Interesse der Schöffen, die sich über den Fall angeblich noch kein flares Bild machen fonnten, meinte der Vorsitzende, lebhaft unterstützt von dem Anflagevertreter, wäre die Behandlung noch weiterer Attenstöße angebracht. Man wollte aus den längst erledigten und auch von dem Generalftaatsanwalt eingestellten Berfahren neues Material holen. Dieses material fönnte zwar nicht, wie man sagte, die eventuelle Strafe beeinflussen, weil die Verfahren ja eingestellt find, aber es würde wesentlich zur Orientierung über die Erledigung der Dienstgschäfte durch den Angeklagten beitragen. Der Borfißende wollte am näch stn Verhandlungstag zwei oder drei Stunden lang aus den Aften, die den Berteidigern durch ein„ Versehen" des Gerichts bisher nicht zugänglich gemacht wurden, referieren. Gegen diesen unglaublichen Versuch, sich über die Prozeßordnung hinwegzusetzen, stießen der Vorsitzende ebenso wie der Anklagevertreter auf den heftigsten Widerspruch der Berteidigung. Das Gericht wird sich im Laufe des heutigen Abends mit der neuen Rechtslage befaffen und seinen Beschluß zu Beginn der morgigen Sizung verkünden. Faschistische Vertragstreue. Bruch der Handelsverträge durch Einschränkung Des Niederlaffungsrechtes. Jansbrud, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Alle drei Barteien im Landtag( Chriftlichsoziale, Großdeutsche, Sozialdemokraten) haben an den Landeshauptmann eine Interpellation gerichtet, die ein Einschreiten der Bundesregierung gegen das von der italienischen Regierung erlaffene Defret über die Ausweisung ausländischer Handels- und Gewerbetreibenben in ben innerhalb einer Entfernung Don 30 Kilometern von der Grenze entfernt liegenden Bezirken ver Die Gefahr, die den Siedlungsbeftrebungen im Osten ohne das Eingreifen der Provinzial- und Staatsbehörben gebroht hätte, iſt evident. Es wären nicht nur die bisherigen Siedlungen In ihrer Eriftenz gefährdet worden, fondern es wäre auch der sehr wertvolle Grundbesitz von 32 000 Morgen Land mit großer Mehr fcheinlichkeit verfchleudert oder zum mindesten den Siedlungs zmeden entzogen und erwerbswirtschaftlichen Spekulationen zu geführt worden. Das ist nun verhindert. Bei dem relativ niedrigen langt. Die Interpellation schlägt vor, Vorstellungen bei ber italie Erwerbspreis der Attien scheint die Neuordnung angesichts des nischen Regierung, und, falls diese ergebnislos bleiben follten, folché großen Grundbefizes für die Beteiligten auch ein durchaus zwed. beim Bolterbund zu erheben. Sollten diese Schritte teinen Er mäßiges und vernünftiges Geschäft. Benn auch nicht zu überfolg haben, so werden Gegenmaßnahmen im Sinne der einfehen ist, daß mit dem Erwerb der Attien die Staatsbehörden schlägigen Bestimmungen des österreichisch- italienischen Handels auch die beträchtlichen Schulden übernehmen werden müssen, pertrages in Borschlag gebracht werden. so scheint die solide Geschäftsgrundlage für die Zukunft infolge der niedrigen llebernahme der Aftien doch gesichert. Die Sanierung der Landbank ist übrigens nicht herrn Hugenberg, sondern im mesentlichen der Initiative eines ausgerechnet fozial. bemotratischen Landeshauptmanns zu banten. Nach Katos Tod ist die japanische Regierung aurüdgetreten. Die Regierungspartei leitet als vorläufiger Nachfolger Katos 28 afatiuti. eraft gelten, die aber Dichtungen find, welche das geistige Dasein ber Bejchriebenen refonstruieren-O Dies alles ist für seine Driginalität typisch und deshalb zu er wähnen. Wenn ich mein Empfinden fo zu lösen vermöchte und mit einem Sak alles von ihm sagen will wie er es in seinen Biographien ton.te, fo würde ich es folgendermaßen tun: Er ist ein Prediger des sozialen Geistes in der Realität und in der Idee ein Brediger, dessen Rede einer Form gehorcht, die wertvoller ift als die literarische: die persönliche. Und da feine Bersönlichkeit eine ewig fämpfende, an den Sieg des Guten glaubende, also innerst religiöse ist, gibt er feinen ethischen Gebanten dramatische Form. Ich glaube, daß dies alles ift, was man über ihn fagen muß, um ihn lieben zu tönnen. Er felbft teilte lächelnd diese Ansicht. III. Der Mensch: Selten erlebte ich eine derartige Harmonie zwischen Dichter und Persönlichkeit. Er ist der ewige Kämpfer und der ewige Gläubige, der ewige Johann Chriftoph. Er ist mir Bruder, verstehend für die Leiden bes feinsten und fremdeften Menschen, liebenswert und herzlich. Unter Einsamkeit innerst, wie jeber tiefere und innigere Dichter leidend. Er weiß, daß er fein auch, daß er der ist, der heute als der reinste Dichter von der Gerie ist, daß ihm hierzu das Universum fehlt. Aber er weiß Jugend Quropas geliebt wird. und alles an ihm außer seinem Kopf an sich unbemerkenswert. Die Groß und fchlant, eine repräsentative Figur, ist seine Hand Figur und deren Haltung und Bewegung ist nicht typisch. Ganz im Gegenteil: fie ift fast als tonventionell zu bezeichnen, Ausbruck einer Konvention, die aus Unraffiniertheit gegenüber den Wundern des Lebens entstanden sein mag. Auch sein Kopf wäre ohne die Augen nur darum bemertens Reuschheit feiner gewölbten Stirn im edelsten Sinn einfältig und wert, weil er verraten läßt, daß er in der Jugend durch die weiße ichön gewirkt haben muß Aber diese Augen: blaue Grotten, aus denen abgrundtief, wie ftrahlen. Augen, wie ich solche auf tause to Reisen nie wieder fah. aus Bronnen Ehrlichkeit, Liebe und eine tiefinnere Gläubigfeit Bpr ihnen schämt man fich jeder Raffineffe, vor ihnen lernt man lieben. Auch ich lernte es bort. IV. Sachlich muß noch bemerkt werden, daß Romain Rollands Ein fluß auf die jüngste beutsche Literatur unverkennbar ist. Und, ich glaube, daß es so gut ist. Das ist sogar sehr gut. Denn ein Genie fäßt sich nicht beei fluffen( wenn es eins geben sollte), aber der Schar junger Dichter sei Romain Rollands gläubige Ideehaftigkei bas in diefer pubertätischen Zeit sehr zu wünschende Borbild. Romain Rolland schenke uns noch viele Werfe, ihm zu Ruß feiner endlichen Bollendung und uns unserer gläubigen Menschlichkeit wegen! Staatsoper. Das 7. Sinfoniekonzert findet ausnahmsweise Mittwoch, den 3. Februar, statt. Das Programm bringt eine Sinfonie von H. J. Rigel und die O- Dur Sinfonie von Schubert. In die 30- Kilometer- Zone fallen der ganze Bintschgau einschließ lich der Stadt Meran mit ihren hotels, die zum Teil auch im Befih von Reichs deutschen sind, das Eisadtal bis nach Brigen und das Pustertal bis Franzensfeste. Gegen Fremdennepp. Die nordamerikanische Regierung bat ihren Gesandten in Athen angewiefen, gegen den Erlaß des Generals Bangalos au protestieren, wonach allen ausländischen Louristen eine Sonderfteuer von 1 Pfund Sterling auferlegt wird. Die Empfindlichkeit der chemischen Analyse hat in jüngster Zeit eine besondere Steigerung erfahren durch die Arbeiten des Wiener Chemiters Dr. Feigl, der über diese Arbeiten in der Deutschen Chemischen Gesellschaft berichtete. Die chemische Analyſe tann oft den an sie gestellten Ansprüchen nicht mit völliger Eindeutigkeit und Schärfe entsprechen, es fehlen ihr häufig die spezifi schen und empfindlichen Reaktionen, die ganz geringe Mengen einer Substanz, neben anderen oft der Menge nach überwiegenden Stoffen erkennen laffen. Vor allem aber fehlte ein Wegweiser, der das fyftematische Aufsuchen und Finden folcher Reaktionen ermöglichte. hier greift Feigl ein, indem er die in den legten Jahren ausgebaute Komplexchemie der Analyse dienstbar zu machen fucht. So lassen fich einerseits durch den Einbau der Elemente in hochatomige Ber bindungen Reaktionen schaffen, bie Eindeutigkeit und Empfindlichkeit vereinen. Man tann gleichsam feststellen, welche Atomgruppierungen vorhanden sein müffen, um einen bestimmten analytischen Nachweis zu führen und dann unter den Substanzen mit dieser Atomgruppie rung diejenigen auswählen, die praktisch die geeignetste ift. So er schließen die Gedankengänge Feigis nicht nur weites wissenschaftliches Neuland, sondern haben schon zu sehr beachtlichen Ergebnissen geführt. Er konnte verschiedene neue von ihm ausgearbeitete Reaktionen Dorführen, die durch einfaches Zufammenbringen von je einem Tröpfchen Flüssigkeit auf Filtrierpapier ertennen lassen, ob ber gesuchte Stoff vorhanden ist oder nicht. So läßt sich die Anwesenheit von 0,000 002 Gramm Phosphorsäure auf die einfachste Weise sicher nachweisen. Dieses eine Beispiel mag genügen, um zu zeigen, daß hier wissen vorliegen. schaftliche Fortschritte von theoretischer und prattischer Bedeutung B. B. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung gab Die Flugschrift des Kultusminifters zum Fall Schillings. vor einiger Zeit die von ihm im Preußischen Landtag am 14. Dezember v. 3. gehaltene Rede als Flugschrift unter dem Titel„ Die preußische Kunstpolitik und der Fall Schillings" in einem Leipziger fraktion fragten das Staatsministerium, ob die Herstellung der FlugBerlage heraus. Einige Abgeordnete der deutschvöllisen Landtags. fchrift aus öffentlichen Mitteln erfolgt fei, ferner ob das Staatsministerium diesen außerordentlichen Schritt des Ministers Grund der Antwort des Kultusministers mitteilt, ist die Herstellung für gut heiße. Bie der Amtliche Preußische Pressedienst auf der Flugschrift nicht aus öffentlichen Witteln erfolgt. Der be anstandete Schritt des Ministers ist nicht außerordentlich", sondern entspricht einer bei Ministerien häufig geübten Braris. Sprechtechniffurfe. und unterricht veranstaltet wieber Sprechtechnikfurie für Anfänger Das Bentralinititat i Erziehung und für Fortgeschrittene. Sie sollen der Lehreischaft Gelegenheit geben, fich im gefunden, mühelosen, Hangrichtigen, lautreinen Sprachgebrauch zu üben. Die Sturie finden unter Leitung von Universitätsprofeffor Dr. Dia flatt; Beit nach Bedürfnis, auf Vereinbarung in Zeilfurfen( zweistündig), die am Montag, Mittwoch. Donnerstag im Spätnachmittag stattfinden tönnen. Dauer: bis zu den Dsterferien, Gebühr 10 M. Die Bösen Buben im Sportpalast. Für den Driginal- Rinderball der Bösen Buben baben sich die nambafteften Ausstattungstünstler der Berliner Bühnen und die bekanntesten Maler und Zeichner zusammengetan, um ben Sportpalaft am 6. Februar in einen Kinderspielplak völlig umzuwandeln. Das Ballbureau befindet sich im Palast- Hotel, Potsdamer Play, und ist von 10 bis 7 1hr geöffnet. Max von Baden gegen die Admirale. Die Reichsleitung war nicht unterrichtet. Gestern wurde im Untersuchungsausschuß des Reichs tages eine Darstellung des früheren Reichstanzlers Prinzen Mag von Baden über die Vorgänge bei der Flotte im NoDember 1918 verlesen. Nach dieser Darstellung steht feft: Der Reichstanzler war von der geplanten Entscheidungsschlacht der Flotte nicht unterrichtet Er wurde selbst dann nicht unterrichtet, als die Nachricht von der Weigerung der Mannschaften nach Berlin fam. Es steht feft, daß Prinz Mag von Baden jenes Flugblatt, das die Mannschaften beruhigen sollte, im guten Glauben unterzeichnet hat. Mag von Baden erhebt gegen die Leitung der Marine die schwersten Vorwürfe. Er beschuldigt sie, der Reichsleitung teine präzise Meldung von ihrem Borhaben gemacht zu haben, so daß die eidliche Aussage der Herren von der Marine vor dem Gericht in München, er sei von dem geplanten Vorstoß der Flotte vorher in Kenntnis gesetzt worden, nicht richtig fein tann. Er beschuldigt bie Flottenleitung, daß sie aus Mißtrauen gegen ihn der Reichsleitung feine Mitteilung gemacht habe. Er verweist weiter darauf hin, daß ein solcher FlottenDorstoß während der Waffenstillstandsver handlungen nicht hätte erfolgen dürfen. Er erflärt es für seine Meinung, daß der Vorstoß der Flotte nach dem Bekanntwerden der harten Baffenstillstandsbebin gungen hätte unternommen werden müffen, und er glaubt, daß dann die Waffenstillstandsbedingungen und der Friedens vertrag leichter ausgefallen wären. Die Erklärung des Prinzen Max von Baden ist der schwerste Borwurf, der gegen die Flottenleitung erhoben worden ist. Er bestreitet ausdrücklich ben Admiralen von damals das Recht, die Anklage gegen die Flottenmannschaften zu erheben, sie hätten der nationalen Berteidigung das Rüdgrat gebrochen. Was Mag von Baben über die Möglichkeit eines weiteren Widerstandes fagt, ist teine Entschuldigung für die Admirale. Es liegt in diesem Teil seiner Darstellungen eine merkwürdige Halbheit: er flagt einerseits die Admirale an, daß sie die Beigerung der Flottenmannschaften während der Berhandlungen über den Waffenstillstand provoziert haben, anderer feits brandmarkt er die Mannschaften als Meuterer. Seine Tatsachenfeststellungen aber find tiar, eindeutig, vernichtend für die Admirale. Die Schuld an den Borgängen auf der Flotte tragen sie. Sie waren die Meuterer. Sie haben noch im Augenblid der Ratastrophe die Reichsleitung gemissenlos im Unflaren gelassen. In ber nicht öffentlichen Sigung des vierten Unterausfchuffes des Untersuchungsausschusses über die Kriegsfragen wurden gestern folgende Darlegungen aus dem im Drud befindlichen Buche des Brinzen Mag von Baden als Arbeitsmaterial für den Aus. fuß belanntgegeben, die des Bringen in den legten Tagen mieder halt erörterte Stellungnahme zur Frage des beabsichtigten legten Flottenvorstoßes im Diteber 1918 enthalten. Auszug aus dem Manuskript meines Buches, gez. Mar, Prinz von Baden: 3. 11. 18.... Bon der Marine lagen alarmierende Meldungen ver: Gehorsamsverweigerung auf mehreren Schiffen vor Wilhelmshaven. Roch maren die Mitteilungen nicht durchfichtig: War die Manneszucht wieder hergestellt worden? Lagen bolichemistische Umtriebe zugrunde oder nur lotale Unzufriedenheiten? Ritter v. Mann sei mit einem sehr ernſten Geficht in der Kabinettsfizung vom 2. 11. erschienen und habe folgendes berichtet: Die Mannschaften mehrerer großen Schiffe hätten fich geweigert, den Befehl zum Auslaufen( am 29. und 30. 10.) Folge zu leisten, Sie hätten offen gemeutert und sich verbarrikadiert, so daß Admiral n. Hipper sie von Torpedobooten umzingeln, ja, die Torpedos auf sie richten ließ. Alsdann seien die Gehorsamsverweigerer verhaftet worden. Die Meuterer gäben als Bemeggrund an: Die Offiziere und das Floftenfommando wolfen den Frieden nicht. Sie hätten die Flotte in einer großen Schlacht opfern wollen. •.. Staatssekretär v. Mann erbat einen Aufruf der Regierung, der eine Ermahnung zur Disziplin, aber fein Amnestieversprechen enthalten follte. 4. 11. 18. Am Morgen bes 4. Nevember fand zwischen dem General v. Winterfeld und Staatssekretär Scheide. mann ein bezeichnenter Bortwechsel statt. General v. Winterfeld:" Wir rechnen mit schweren Bedingungen. Sollten diese zu schwer sein, so würden wir fie ablehnen unter Borlegung der Bedingungen, die wir für erträglich hielten. Die Entente rechne selbst damit, daß wir ihre Bedingungen nicht sofort annehmen würden. Schwere Beschuldigungen gegen Admiral Scheer. Auch die Herren von der Marine fahen in diefem Augenblid nicht flar, aber sie verfügten über eine sichere Kenntnis von entscheidender Bedeutung. Warum wurde sie mir noch an diesem Tage vorenthalten? Tatsächlich follte am 28. Oktober die Flotte zur Entscheidungsschlacht ausfahren. Tatsächlich wurde am 31. Ottober der Befehl zurüdgezogen unter dem Eindruck der Meuterei und mir wurden am 4. No. Dember aufgefordert, die Legende DON ber Tobesfahrt burg Flugblätter zu zerstreuen. Gewiß, bie Marine erwartete nicht ben Untergang der deutschen Flotte, sondern ihren Sieg. Das Dementi war daher formal richtig, wurde aber allgemein dahin verstanden und sollte dahin mißverstanden werden, daß die Ausfahrt teineswegs einem Kampf mit England gelten, sondern nur eine der üblichen Fahrten sein sollte, die man in letzter Zeit schon öfters machte, um die Mann schaften zu beschäftigen".( Bitat aus dem Bericht des Gesandten eines Bundesstaates, den dieser auf Grund der ihm erteilten amtlichen Informationen am 6. November absandte.) Bor Gericht in München haben die Herren von der Flotte vorher in kenntnis gefeht worden, ehe diese Marine ausgefagt: Jd wäre von dem geplanten Vorstoß der eidlichen Henßerungen vorlagen, hätte ich es auf meinen Eid genommen, daß ich durch keine Silbe im voraus informiert worden war. Heute fleht für mich fest, daß Admiral Scheer in Gegenwart des Konteradmirals v. Levehow mir am 20. Oftober dem Sinne nach gejagt hat: Daß der Hochjeeflotte nach Einstellung des U- Boot- Krieges die volle Freiheit des Handelns zurückgegeben werden würde.( 2dmiral Scheer:" Dom Segelschiff zum U- Boot".) Aber nie und nimmer fann ich diese allgemeine Wendung, die nicht einmal sehr afzentuiert gewesen sein fann, als eine genügend erleuchtende Ankündigung betrachten: Die deutsche Flotte wird innerhalb der nächsten zehn Tage den Kampf auf Leben und Tod mit der englischen Flotte fuchen. In jedem Falle hätte die Reichsleitung vor der endgültigen Befehlsausgabe präzise Meldung erhalten müffen. 3d fann die Erklärung nicht gelten lajien, daß mir aus Gründen der Geheimhaltung Zeitpunkt und Ziel der Unternehmung verfchwiegen werden mußten. Dem Reichstanzler durften militärische Angelegenheiten von jo weiftragender politischer Bedeutung teine Geheimniffe bleiben. Aber ich bin überzeugt, daß ein misfrauen anderer Art der lehte Beweggrund gewesen ist. Rüdfichten der militärischen Berschwiegenheit fonnten nicht mehr wirksam sein, nachdem Hipper den Vorstoß aufgegeben hatte; und auch dann wurde ich nicht aufgeflärt Die Marine- das ist heute meine Ueberzeugung- besorgte, die Reichsleitung würde nicht genügend Berständnis und Glauben aufbringen, um die gewaltige Unternehmung gutzuheißen. Richtig ist, daß ich den Optimismus nicht durchaus geteilt haben würde. Wenn reale Grundlagen für eine solche Zuversicht gegeben waren, warum hatte dann der Admiral Scheer alle Hebel in Bewegung gefeßt, um die Einstellung des U- Boot- Krieges zu verhindern? Er hätte sie vielmehr fordern müssen: Denn erfiens fonnte der U- Boot- Brieg nicht raich genug wirken, um das Schickjal des Krieges noch zu wenden; zweitens war fein Aufhören Borbedingung für die Entscheidungsschlacht: er band einen guten Tell der Hochfeeflotte, und die 2- Boote wurden bei dem geplanten Borstoß gebraucht. Ich gebe aber zu, menn die Entscheidungsschlacht einmal beSchloffene Sache war, jo mar es Pflicht der Flottenleitung, fich zum ficheren Glauben an den Sieg hinauf zu stimmen. Wenn ich nun auch dieser Hochftimmung gegenüber nüchtern geblieben wäre, so hätte ich doch dem Grundgedanken des Marineunternehmens zuge ftimmt, und zwar aus den folgenden Erwägungen heraus: Wenn der Sieg erfochten wurde und das war nicht unmöglich bei unserer Führung, der Schulung der Mannschaft und der lleber legenheit unseres Materials dann wäre dem bedrängten Heere und der mit täglich steigender Ungeduld leidenden Heimat ein gewaltiger Auftrieb zum Durchhalten gegeben. Nach einem deutschen Flottensiege wären Revolution und Kapitulation am 9. und 11. Rovember nahezu eine seelische Unmöglichkeit geworden; obgleich mir uns hätten sagen müssen, daß die Engländer durch ihre Niederlage fefter denn je an unseren Todfeind Frankreich geschmiedet worden Wenn aber unsere Flotte eine ruhmreiche Niederlage erleiden, ja menn wirklich ihre legte Fahrt die Todesfahrt sein würde, so mar dennoch die militärisch- politische Zweckmäßigkeit unbedingt zu bejahen. Bon der Opfertat mürde eine beschämende Kraft aus gegangen sein, der sich auch viele Treulose und Berzagende nicht bätten entziehen tönnen. Man hat mit Recht an die Thermopylen erinnert... Ich stelle feft: Das Mißtrauen der Marine war nicht gerechtfertigt wären. Allerdings: Wenn Admiral Scheer mir vertraut und mich in den gewaltigen Plan eingeweiht hätte, fo glaube ich, daß ich meine Pflicht als Kanzler getan und iha befchworen haben würde, nicht auf eigene Faust nationale Berteidigung zu machen, sondern erst zu schlagen, nachdem wir fiber die Waffenftillstandsbedingungen öffentliche Klarheit hätten. Denn erst damit wäre das Vertrauen zu Wilson als graufame Täuschung nachgewiesen worden, vor dem ganzen Bolfe, insbesondere aber vor den Matrofen, die schon seit 1917 als infiziert gellen mußten und die nun ihre fühnste und gefährlichste Unternehmung des ganzen Krieges durchführen sollten. Wenn heute die Marine die Verräter und Meuterer in ihren Reihen brandmarkt, so sage ich: fie hat Recht. Die Aufrührer auf der Flotte haben der nationalen Verteidigung das Rückgrat ge brochen. Seidemann: Die DHL. muß genau orientiert werden über die Lage im Innern. Bir werben feinen Wider ftand mehr leisten tönnen. Die Lage hat sich sehr ver schärft. Seine Worte erhielten einen unheimlichen Nachdruck durch den Bericht, den gleich darauf Staatssetietär v. Mann ers stattete, dem Kabinett und mir persönlich. Das dritte Geschwader war in Kiel eingetroffen, hatte sich sehr aufrührerisch benommen. " Forderungen revolutionärer Natur geftellt und mit dem Er. fchlagen von Offizieren gedroht. Zwischen Mannschaften des dritten Geschwaders und einer marschierenden Truppe jei es zu einem blutigen Busammenstoß gekommen. Es habe Lete und Bermuntete ge- Che der Feldherr die Entscheidungsschlacht fucht, hat er der Zuver geben, der Führer der zuverläffigen Truppe fel schwer verlegt woräffigfelt seines Instrumentes ficher zu sein, der Moral der ben. Die Lage sei sehr ernst. Man hätte militärische Hilfe von Menschen nicht minder, als der materiellen Machtmittel. Der Feldherr so fordert Clausewißmuß bet längerer Kriegsbauer Razeburg und Lübed erbeten. die fubversiven Tendenzen in feine Rechnung einstellen. Die Nachrichten tlangen noch verworren, aber in dem einen Bunft waren sie deutlich genug. Die Marineleitung war nicht mehr Herr der Lage. Die Sozialdemokratie wurde zu Hilfe gerufen; der Staatssekretär des Reichsmarineamts bat, auch im Namen der lokalen Behörden, das jozialdemokratische Abgeordnete nach kiel gefchickt würden, um beruhigend zu wirken. In der Redaktion des Bormärts, jo teilte er mit, werde foeben ein auftlärendes Flugblatt bergeftellt: es folle von der Regierung und den militärischen Stellen unterzeichnet werben. Die Kommandoftellen wünschten sofortige Verbreitung. Bei den Marinemannschaften müsse der 3rrtum beseitigt mer. den, daß die Offiziere die Absicht hätten, die Flotte au vernichten, um fie nicht ausliefern zu brauchen. Das Flugblatt murde von mir, tem Staatssekretär Scheidemann und dent Staats fetretär Ritter D. Mann unterzeichnet. Es hatte folgen. den Wortlaut( folgt der Wortlaut, den wir bereits wiedergegeben haben). Wir entfandten noch an demselben Tage ben Abg. Roste, der als Marinereferent der sozialdemokratischen Bartei bei den Matrofen große Achtung genoß. Staatsjetretär außmann begleitete ihn als Vertreter der Regierung. 5. 11. 18. Ueber Riel trafen noch im Laufe des Tages wider spruchsvolle Nachrichten ein. Offenbar funktionierte die Verbindung fchlecht. Wir warteten mit großer Spannung auf Nostes und Hauß manns erste Mebung. Aber die Admirale von damals dürfen diefe Anklage nicht erheben. Der Borstoß der Flotte, unternommen während der schwebenden, mit 100 falschen Hoffnungen begleiteten Berhandlungen mußte an dem Gefühl der Mannschaften scheitern: Morgen ift Frieden. Was hat es für einen Sinn, noch heute zu sterben?" Anders, wenn nach dem Eintreffen der Bedingungen die Flotte ausgefahren wäre, um eine Schmach abzuwenden, die sie am schwersten treffen sollte. Dann hätte das große Unternehmen gelingen und die nationale Erhebung einleiten und beflügeln tönnen. Bei einer rechtzeitigen Aussprache zwischen den leitenden Instanzen wäre es mohl jo gekommen, daß ich entweder den Udmiral Scheer bazu vermocht hätte, au warten, oder aber ich hätte eingesehen, daß aus technischen Grünben ein Aufschub unmöglich war; dann mußten wir versuchen, durch eine dirette Anfrage bei och die Bedingungen beschleunigt herauszu holen in der Hoffnung, daß die Flottenattion biefe Demütigung wieder gutmachte Noch heute stehe ich vor einem Rätsel: Warum hat fich die Marine mir nicht anvertraut? Ich fann nur die eine nieberbrüdende Erklärung geben: Wohl hat Bismard die Sonderbündelei der deutschen Staaten aufs Haupt geschlagen, und zwar so entscheidend, daß sie sich auch nach der Revolution nur schüchtern zu erheben wagte; aber der Partitularismus fist wie ein eingeborener Fluch in der deutschen Ratur, und hat sich vor dem Kriege, vor allem aber während des Krieges, in die Ressorts, in die Behörden geflüchtet; in die Marine, in den Generalstab, in das Auswärtige Amt; sie haben sich gegenseitig nicht ver traut und felten in bundesgenössischem Handeln so zusammen. gewirkt, wie das Wohl der Nation es erforderte. tulation am 11. November." Ohne Kiel feine Revolution, ohne die Revolution feine RapiDieser schweren Anflage gegenüber wird immer geltend ge macht: die nationale Berteidigung wäre in jedem Falle finnlos und aussichtslos gewesen. die materiellen Machtmittel, sondern den Willen der feindlichen Darauf habe ich zu sagen: Es handelt sich darum, nicht mir Böller abzuschäßen. Wenn es gegolten hätte, Elsaß- Lothringen zu erobern, dann wären die allierten Machthaber in der Lage gemefen, ihren Völkern noch einen jahrelangen Krieg zuzumuten. Am 11. November aber war eine andere Situation denkbar. Die Wilson- Bedingungen wären angenommen; die Räumung Belgiens und Nordfrankreichs zugestanden, ja, die Räumung ElsaßLothringens gegen die Forderung aber, uns zu entwaffnen, stünde das Nein einer zum äußersten entschlossenen Nation. Dann ist es meine Ueberzeugung, daß fich unser Bille zum Berzweiflungstampfe nur wenige Wochen hätte zu bewähren brauchen, um den Feinden das Ziel unserer Bernichtung zu verleiden. Aus ihren Bölfern wäre ein übermächtiger Schrei aufgeftiegen. Wir müssen noch Hunderttausende opfern, bis wir über den Rhein sind. Der Preis ist zu hoch, nur um Fochs Waffenstillstands. bedingungen zu erzwingen. Von ihren Heimatfronten wäre die Stimmung auf die allierten Heere übergesprungen, die mit der schlimmsten Jahreszeit und ungeheuren Transportschwierigkeiten zu fämpfen gehabt hätten. Und schließlich wäre der notwendige Offenfivwille erloschen. Neue Berhandlungen wären dann wohl eingeleitet worden. Die Waffenstillstandsbedingungen, die wir dann hätten annehmen müffen, mären sehr hart gewesen; aber fie hätten, das ist mein Glaube, Deutschland dem Bersailler Diftat nicht mehrlos ausgeliefert. Eine Erklärung Friedrich Payers. Sachverständiger Dr. Ludwig Herh verlas einen Brief, den ihm der frühere Bizetangler Friedrich Bayer in Erwiderung auf eine Anfrage hatte zugehen lassen. Auf die Anfrage, ob eine Absicht der Marineleitung, im Herbst 1918 die Engländer zu einer großen Seeschlacht herauszufordern. mit dem Kriegstabinett beraten worden sei, ja, ob dem Kriegs fabinett überhaupt eine Mitteilung von einer solchen Abficht gemacht worden sei, bechre ich mich zu antworten, daß mir von einer Absicht, die Engländer um jene Zeit zu einer großen Seefchlacht herauszu fordern, überhaupt erft durch die Berhandlungen im Münchener Dolchftoß- Brozeß etwas befannt gemorden ist. Dem Kriegsfabinett ist von einer solchen Abficht niemals Mitfeilung gemacht worden. Auch in der längeren Besprechung, die ich als Stellvertreter des er tranften Reichstanzlers am 25. Oftober 1918 mit der Obersten Heeresleitung, mit Admiral Scheer und dem Kriegs. minister Scheuch hatte, war von einer folchen Absicht mit einem Bort die Rede. Es hätte übrigens ja auch mir evil. über einen solchen Plan gesprochen werden fönnen. Denn solange die anfangs Detober auf Berlangen der Obersten Heeresleitung ein of geleiteten Waffenstillstandsverhandlungen mit dep literten nicht von einer der beiden Seiten durch Kündigung des Waffenstillstands abgebrochen wurden, war selbstverständlich auch die Marineleitung daran gebunden, auch wenn das Kriegsfabinett eine ihr nicht genehme Entscheidung über die Fortsetzung des unbeschränkten U- Boot- Krieges getroffen hatte. Ein Abbrechen der nun einmal aufgenommenen Waffenstillstandsverhandlungen hatte ich aber wenigstens für die Lage am 25. Oftober bei dieser Be Sprechung für meine Berfon abgelehnt und auch ein solches durch das Kriegsfabinett nicht in Aussicht stellen können. Das Kabinett hat sich am 25. Oftober vormittags ausdrücklich und einmütig zu derselben Auffaffung bekannt.( Meine Erinnerungen D. Bethmann Hollweg bis Ebert Seite 141 bis 145). Der Waffenstillstand wurde ja aud bekanntlich von feiner Seite gefündigt, so daß die ganze Frage nie unmittelbar praktische Bedeutung gewann. Ob dem damaligen Reichskanzler, dem Prinzen Mag von Baben, der in jenen Tagen frant war, vielleicht von einer solchen Absicht der Marineleitung etwas mitgeteilt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Mir ist auch nichts bekannt." Korreferat Bergsträßer. Auf der Tagesordnung ftand die Entgegennahme eines Rorre ferates des Abg. Bergstraßer zu dem früher erstatteten Referat des Abg. Rosenberg über das Problem und die Be handlungsweise der Dolch stoßfrage. Der Rorreferent betonte in Uebereinstimmung mit dem Referenten die Wichtigkeit, die USP. von den linksradikalen Gruppen zu unterscheiden und ging dann hauptsächlich auf die psychologischen Boraussetzungen des allmählichen Schwindens des Bertrauens auf ein gutes Kriegsende sowohl in der Heimat wie im Heer ein. Er arbeitete den Gedanken heraus, daß das entscheidende Erlebnis aller Menschen im Kriege das von der Ungerechtigkeit der Welt gewesen sei. Obwohl diese Ungerechtigteit auch im Frieden bestehe, werde sie im Kriege weit schärfer empfunden und begünstige schließlich eine Art von chiliaftischer Stimmung. Bemer tenswert war die scharfe Abrechnung, die der Redner mit den Ausführungen des Majors Röder mm Münchener Dolchstoß- Prozeß hielt. Die Beratungen werden am nächsten Donnerstag fortgesetzt. Revision im Perlacher Prozeß. München, 28. Januar.( WIB.) Jm Perlacher Prozeß, bei dem Leutnant pölying und Bizewachtmeister Prüfert wegen Erschießung von 12 Perlacher Arbeitern angeklagt und freigesprochen waren, hat der Staatsanwalt gegen das freifprechende Urteil Revision eingelegt. Jm füdwestdeutschen Kommunistenprozeß wurde nach dreitägiger Berhandlung folgendes Urteil gefällt: Die Angeflagten werden wegen Vorbereitung zum Hochberrat, Bergeben nach§ 7 bes Sprengftoffgefeges und§7 des Republitschußgefeßes und unbefugten Baffenbefizes berurteilt, und zwar: Köd, Haafe und Gronen zu fe 8 Jabren Gefängnis und 300 M. Geldstrafe. Langer und Sobeifel zu je 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis und je 200 M. Geldstrafe und Bappert au 1 Jahr 2 Monaten Gefängnis und 200 m. Geldstrafe. Gegen Klüber und Schüßler wird das Verfahren auf Grund des Amnestiegefeges eingestellt. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Jm babiichen Landtag haben Sozialdemokraten und Bentrum einen Antrag eingebracht, aur Bekämpfung der infolge der großen Arbeitslosigkeit in Baden entstandenen schweren Notlage solle die Badische Regie. rung fofort Mittel in Höhe bis zu brei Millionen Mart bereitstellen. Bräfidentenbüffen im Reichstag. Der Ausiamüdungsausschus des Reichstags hat heute befchlofien, durch Aufstellung von Scha blonen in den Nischen der Kuppelhalle die Aufstellung von Büsten der Reichspräsidenten praktisch auszuproben.. Gewerkschaftsbewegung Das deutsche Buchdruckgewerbe. Gliederung, Löhne und Preise. Rach der Statistit der Reichsarbeitsverwaltung vom Jahre 1921 betrug die Zahl der Buch- und Zeitungsdruckereien in Deutschland 7308 mit 148 997 Arbeitern, und zwar 111 019 männlichen und 37 978 meiblichen. Diese statistischen Ergebnisse bleiben jedoch hinter den genaueren Feststellungen der Deutschen Buchdruder- Benoffenschaft wesentlich zurüd. Denn nach den Ermittelungen der letzteren maren vorhanden im letzten Jahre vor dem Kriege 8494 Buch- und Beitungsbrudereien in 2568 Orten mit 184 381 versicherungspflichtigen Bersonen. Und nach der jüngsten berufsgenossenschaftlichen Statistit für das Jahr 1924 wurden am Jahresschlusse gezählt: 8039 Betriebe in 2487 Orten mit insgesamt 163 867 Bollarbeitern( zu je 300 Arbeitstagen). Auf die Hauptgruppen der Buchdruckergehilfen entfielen davon: Handseter 35 152( 1913: 41 883), Maschinenseger 7615( 5685), Druder 15 009( 15 332), Gegerlehrlinge 6644( 11 974), Druderlehrlinge 3542( 6004). Die Zahl der männlichen Hilfs arbeiter in den Buchdruckereibetrieben betrug in beiden Bergleichs. jahren 26 893 und 16 914, die der weiblichen 14 073 und 13 786. Die Eigenart des Buchdrudgewerbes tritt hervor, menn man beffen Gliederung nach den Betriebsgrößen und der Ber. teilung der dort Beschäftigten untersucht. Die Betriebe mit 1 bis 2 Beschäftigten betrugen 1924 27,6 Proz. der Gesamtbetriebe, mit 3 bis 5 Beschäftigten waren es 21,7 Broz, mit 6 bis 10 Be fchäftigten 17,6 Broz., mit 11 bis 25 Beschäftigten 17,4 Broz, mit 26 bis 50 Befchäftigten 7,6 Broz, mit 51 bis 100 Beschäftigten 4,8 Broz, mit 100 bis 200 Beschäftigten 1,9 Proz, mit 200 bis 300 Beschäftigten 0,6 Proz. und mit über 300 Beschäftigten 0,8 Broz. ber Gesamtbetriebe. Umgefehrt ist allerdings das Verhältnis der Beschäftigten in den Klein und Großbetrieben zur Gesamtzahl der Arbeiterschaft des Buchdrudgewerbes. Während in den Betrieben, die bis zu 10 Personen beschäftigten, insgesamt mur 12,4 Broz der Versicherten beschäftigt waren, waren in den Betrieben, die mehr als 50 Personen beschäftigten, 44,5 Proz. der Bersicherten tätig. Die Zahl der Kleinbetriebe steht also im umgefehrten Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Diese Kleinbetriebe haben sich, wie sich aus der Erhebung der Buchbrucerberufsgenossenschaft ergibt, zum guten Teil nur durch Lohndrud über Waffer halten können. Während in den Betrieben non 1 bis 2 Beschäftigten 1913 der durchschnittliche Wochenverdienſt einschließlich Mehrarbeitsbezahlung für die Hauptgruppen der gelernten Buchdrucker, für Handsezer 24,32 Mt. betrug und 1924 27 Mr., betrug der Lohn in der Gruppe von mehr als 300 Befchäftigten 38,54 bzm. 43,33 Mt. Zwischen diesen Mindest und Höchstverdiensten liegt eine graduelle Steigerung, je nach der Größe des Betriebes. Bei den Druckern betrug der Durchschnittsverdienst 1913 25,05, 1924 27,17 Mt. in der niedrigsten Gruppe und in der höchsten Gruppe 40,23 Mt. bzw. 45 Mt. Bei den Maschinensetzern schwanken die Löhne zwischen 38,54 Mt. im Jahre 1913 und 38 mr. im Jahre 1924 in der niedrigsten Gruppe und 47,36 Mt. bzm. 58,52 m. in der höchsten Gruppe. Auf weitere Einzelheiten statistischer Art, wie auch auf das thre Drganisation mieder etwas vorwärtsbrachte, fo daß man im allgemeinen von einer etwa 15 Broz. höheren Entlohnung sprechen fann, als fie der Reichstarif vorschreibt. Die durch Abbau der früheren Tarifgemeinschaft DON den Unternehmern erhoffte Schwächung des Verbandes der Deutschen Buchdruder, der etwa 90 Broz. aller gelernten Buchdruder umschlingt, ift vorbei. gelungen. Wenn auch in anderer Form als früher, so bildet boch auch der heutige Buchdrudertarif, der nur noch als Orga nifationstarif Geltung hat, in fast allen Drudereien Deutschlands nicht nur eine rechtlich allgemeinverbindliche, fondern schlechthin gemerbeübliche Grundlage der Arbeitsund Lohnverhältniffe für das ganze Buchdruckgewerbe. 2 Allerdings hat auch die jetzige Wirtschaftskrise das Buchdrud gemerbe nicht verschont und nach einer sehr guten Konjunktur feit Mitte 1924 bis in die letzten Monate des vergangenen Jahres die Unternehmer dieses Gewerbes wieder breifter werden laffen. Betriebseinschränkungen und Lohnabbau tendenzen megen Mangels an Betriebskapital, der aber zum größten Teil auch in diesem Gewerbe mie in manchen anderen Gewerben und Industrien auf eine noch mit Inflationsfieber bebaftete eft legung in Sachwerten zurückzuführen ist, werden auch im Unternehmerlager des Buchdrudgewerbes als Allheilmittel betrachtet. Die Arbeitslosenzahl der Buchdruder ist in legter Zeit teilweise auf 10 Broz. gestiegen, Kurzarbeit wieder stärker geworden. Aber troßbem gestattet es die gemertfchaftliche Kraft der deutschen Buchdrucker, diesen Gefahren gegenüber geschlossen und vorausfichtlich auch überall erfolgreich zur Abwehr gegenüberzustehen. Nicht unerwähnt sei zum Schluß, daß z. B. der Anteil des Lohnes im Buchdrudgewerbe im Durchschnitt nur etwa ein Drittel der Drudpreife ausmacht, gegenüber rund 40 Broz vor bem riege, und daß 3. B. auch von den heutigen Bücherund Zeitungspreifen nur in feltenen Fällen der Anteil des Buch. drudgemerbes für Sag und Drud ein Drittel der Verkaufspreise ausmacht. Städtische Sozialfürsorge. Die Bankleitungen find unnachgiebig. Am Donnerstag fanden im Reichsarbeitsministerium neue Bere gleichsverhandlungen über den Tarifftreit im Bankgewerbe statt. Die Arbeitervertreter betonten ausdrüdlich, daß nur der vorliegende, fchon bor längerer Zeit gefällte Schiebsspruch zur Vergleichsbasis gemacht werden könne; denn dieser Schiedsspruch sehe für die Bant angestellten nur ein Mindest maß an Verbesserung in der Arbeitszeit und Gehaltsfrage vor. Die Verhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen, da der Reichsverband der Banlleitungen erklären ließ. er fönne den Schiedsspruch nicht annehmen. Daraufhin sprachen die Vertreter der Banfangestellten den Wunsch aus, dem Reichsarbeitsminister persönlich noch einmal alle bie Argumente vortragen zu dürfen, die für eine Verbindlichleitserklärung des Schiedsspruchs fprechen. Am Freitag findet im Reichsarbeitsministerium eine neue Be fprechung statt. Anscheinend dient fie der Vorbereitung der von den Arbeitnehmervertretern gewünschten Aussprache mit dem Reichsarbeitsminister. Bei Aschinger stimmts wieder nicht! In der Bersammlung der Arbeitnehmer der Firma Aschinger A.-G. am 27. Januar murde folgende Resolution einstimmig angenommen: „ Die Versammlung der Arbeitnehmer der Firma Aschinger er hebt entschiedenen Protest gegen den Tarifbruch der Firma, die die Arbeitnehmer zwingt, die oft einzunehmen, um nach fachverständiger Berechnung des Wertes der bei der Firma verabreichten Roft eine Mark pro Tag von jedem Arbeitnehmer verdienen. zu Die gegebenen Unterschriften find gefeßlich ungültig. Wenn auch ein Rüdgang der Umfage infolge der Krifis eine getreten ist, fo fann einem Gastwirtsbetriebe nicht zugestanden werben, Entlaffungen vorzunehmen, weil die Gastwirtsbetriebe ohne große Kredite in Anspruch nehmen zu brauchen, über tägliche Einnahmen verfügen, ohne Kredite geben zu müffen. Entlaffungen find in feinem Gastwirtsbetrieb ohne Stredung der Arbeitszeit vorgenommen worden. Solange bei der Firma Aschinger leberstunden geleistet werden, fann auch ein Recht zu einer folchen Streckung nicht anerkannt werden. Der Betriebsrat der Firma Aschinger wird aufge= Ruhelohn- und Hinterbliebenen- Rentenempfänger. forbert, auf jeden Fall den Einsprüchen gegen Ründi. Entsprechend den Anregungen des Verbandes der Gemeindegungen statizugeben, um dadurch Entlassungen unmög und Staatsarbeiter ist mit Berfügung vom 12. Januar 1926( Dienstlich zu machen. Bevor irgendwelchen Betriebseinschrän blatt Teil I Nr. 12/1926) eine Erhöhung der ruhelohn fähigen Monatsbeträge mit Birkung vom 1. Januar 1926 erfolgt. Die Beträge, die in Zukunft bei Berechnung des Ruhe lohnes zugrunde gelegt werden, find folgende: tungen zugestimmt werden kann, muß der Betriebsrat auf die Ueberreichung der Bilanz, Gewinn- und Verluft- Rechnung und des Vierteljahrsberichts nach§§ 71 und 72 des Betriebsrätegefeges bestehen. Männliche Arbeiter: 1. Ungelernte Arbeiter 132 M. Ehe nicht diesen gefeßlichen Anforderungen ent( bisher 120 M.); 2. Angelernte Arbeiter 144 m.( 129 m.); 3. Ansprochen wird, wird verlangt, daß der Zentralverband jede Bergelernte Arbeiter mit besonderer Tätigkeit 159 M.( 147 M.); 4. Hand fürzung der Arbeitszeit unter das tarifliche Maß verhindert. merter 174 M.( 159 M.); 5. Mindererwerbsfähige 96 m.( 84 m.). Der Zentralverband der Hotel, Restaurant- und CaféangeWeibliche Arbeitsfräfte: 1. Ungelernte Arbeiterinnen stellten wird beauftragt, fofort in Berhandlungen einzutreten, um ( Scheuer und Reinigungsfrauen) 102 m.( 90 m.); 2. Angelernte die Kündigungen und den Tarifbruch rüdgängig zu machen." ( 117 M.); Mindererwerbsfähige 69 M.( 60 m.). Arbeiterinnen 108 m.( 96 m.); 3. Qualifizierte Arbeiterinnen 126 m. Arbeiter und Arbeiterinnen der städtischen Güter: 1. Maschinisten, Handwerker, Handwerker ohne Deputat, Molter 159 m.( 147 m.); 2. Baumwärter, Aufseher, Feldbahn märter, Feldhüter, Schäfer, Viehmeister, Viehpfleger, Schweine mäfter, Riefelwärter 144 M.( 129 M.); 3. Gespannführer, Ochsen fütterer, Tagelöhner, freie Arbeiter, freie Arbeiterinnen, Frauen, Dom Gut, Nachtwächter 132 m.( 120 m.). Arbeiter und Arbeiterinnen der Die Zahl der dänischen Arbeitslosen sawantte in den legien Bochen zwischen 80 000 und 90 000 bon insgesamt rund 270 000. So ist also nahezu ein Drittel der dänischen Arbeiterschaft arbeite los. Man hofft, daß diese Bablen Höchstzahlen bleiben und sich die Arbeitsverhältnisse nicht nur nicht verfchlechtern, sondern mit dem kommenden Frühjahr verbessern werden. Der Sozialminifter hat inzwischen beantragt, den an die Arbeitslojen in den Beihweiterzuzahlen. Berhältnis der Entlohnung im Buchdruckgewerbe zur jeweiligen Forten: L Freie Forftarbeiter, Forstarbeiter( Deputanten), nachtswochen gezahlten außergewöhnlichen Zuſchuß auch im Februar Rauftraft des Geldes soll hier aus Raumgründen nicht eingegangen werben. Jedenfalls zeigen die Bergleichszahlen von 1913 und 1924, daß& B. von einer ungefunden Steigerung der Buchdruderlöhne" ・ im Berhältnis der Kauftraft des Geldes gegenüber der Friebenszeit lon feiner Beise gesprochen werden kann. Denn der Durchschnitts: verdienst der Buchdruder war nominell im Jahre 1924 nur etwa 10 Broz. höher als im Jahre 1913, während die Kaufkraft des Gelbes im Jahre 1924, muir an der damaligen noch viel unzulängTcheren Reichsinderziffer gemessen, um mindestens 25 Prog. geringer war. Zuzugeben ist, daß das Jahr 1925 die Buchdrucker auf lohn. tariflichem Gebiet, infolge besonders guten Geschäftsganges, durch 1 Forstarbeiterinnen mit und ohne eigenen Haushalt 132 M.( 120 m.); 2. Borarbeiter 144 m.( 129 m.) Bei den nichtständigen städtischen Angestellten tritt teine Veränderung ein. Ruhe usw. Gelber und laufende Unterſtüßungen find nur infomeit zu fürzen, als fie mit der Invaliden usw. Rente oder dem Ruhegeld aus der Angestelltenversicherung zusammen den Monatsbetrag von 135 M. übersteigen. Die Mindestfäße ohne Frauen und Kinderbeihilfe betragen wie bisher monatlich 40, 50 bzw. 60 m. Die Erhöhung entspricht leider nicht den tatsächlichen Löhnen, bleibt vielmehr um zirfa 17 M. hinter dem tariflichen Monatseinkommen bei den männlichen Arbeitern, um zirka 8 bis 17 M. bei den weiblichen Arbeitsfräften zurüd. E Achtung, SVD.- Holzarbeiter Tempelhof, Marienbort, Marienfelbe, Lichtenrabe! Gonatog vormittag 10 ht im Zokat von Maak. Marien dorf, Chauffeeftr. 27, wichtige Bersammlung aller Batteidenoffen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Berbeausschus. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Sateruns: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Calorn: Feuilleton: Dr. John Schifowsti: Solales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sieran 3 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen. A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz mit Knochen, Pfund Frisches Fleisch Rinderkamm u. Brust Pind 66 P. Schmorfleisch und Roastbeef 85 P. Kalbskamm und Brust Pfund 73 Pf. Kalbsrücken.... Pfund 80 PL. Schweinebauch. Rücken Pfund 105 Schweineschinken.. Blatt Pland 110 Liesen u. Rückenfett .. Pfund 95 PL. Gehacktes Fleisch... Pfand 70 PL Kaẞler Kotelett u. Kamm Pfand 130 Prima Gefrierfleisch EB- u.Kochäpfel Pland 10Pl. Eiseräpfel..Pfand 25 PL Felgen Hallen, Pland 25 PL Mandarinen Pfund 28 PM. Apfelsinen Dubend 35 PL 75, 50, VOR Rotkohl Pland Pland 8pt. Blumenkohl Kop! 10 PL. an Bayr.Rettiche Stick 10 PL Bayr. Rettiche Stick 10 PL Sellerie rod 15 PL Pfund 15P Köpfe Schwarzwurzeln 28 PL Limburger 62 PL Stang- Allg. Pid. Rinderkamm u. Brust Pfund 56 Pt. Romatour We Konserven 1 Dose Grün-, Rot-, kol 48PL Junger Spinat... 48 PL Rosenkohl....... IM Pfefferlinge...... 110 Gemüse- Erbsen..55 PL Junge Erbsen... 60 PL Jg. Erbsen mitteltein 80 Pt. Kaiserschoten... 225 Gem. Gemüse sehr fein 225 Prinzeßbohnen fein 195 extraextraBruchspargel stark 290 1 Dose Stangenspargel 50/60( Dose 140) 265 extra stark( ½ Dose 180) 345 Apfelmus...... 58 PL mit Pflaumen ohne Stein 80 Pl. Stein 65 PL Stachelbeeren..90 Pf. Birnen halbe Frucht.. 105 Mirabellen los Erdbeeren........190 • PfdPreiselbeeren 5 Eim. 210 Oelsardinen Klub portug., Dose 60 dose 45PL Konfitüren Pfund- Elmer Orange, 110 Plan- 90 Pt. Johannisb. men Romatour..smk 20 PL. Harzer... Kiste 62 PL Gouda dänisch, Plund 72 Pt. Tilsiter Pfund 75 volle 15 Steinbuscher Phund 120 Plund vollfett Pfund Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Landleber. A Rotwurst Pld. 120 Mettwurst grobe, Pid. 140 Gefüllt. Schinken Pla. 140 fetter u. magerer 150 Speck the Vara), Pid. Fleischwurst. Pfand[ 55 Filetwurst. Pfand 155 Jagdwurst... Phund 155 Sülzwurst... Plund 155 Fein. Leberwurst Pid. 175 Mettwurst Art Pund 175 Zervelat- u. Salamiwurst Holsteiner, Pid. 190 Schinkenspeck ca. 1- Pid.- Stücke, Ptd. 190 Braunschw. Brat- u. Suppen110140 gestrelitu.ausSpeiseHasen geworl., P.d. 98,80 Pt. Margarine 58PL. Hirschfleisch Kokosfett 1- Pid- Talel 68 Pt. Bratenschmalz mit Grieben, Pfund 98 PL. Molkerei- Butter -Pfund- Pakete 87,94PL Tafelbutter. .. Pland 28 Blätter Ragout 42 PL und 95 PL Plund Rücken Keulen Plund 10 Plund 140 Gänse- Pökelfleisch Kenlen u. Bruststücke Plund 135 ausgenommen Pid. 16PL. Grüne Heringer 5 Pland 65 PL Grüne Heringe sed. 5 Pland 75 PL Dorsche Schellfische Pland 25 PL. Kabeljau ganz. Pische, Pid. 22, 28 PL. Bratschollen Plund 22 PL Bleie frische, Plund 28 Pt. Lachs getroren Plund 70, 95 PL Bücklinge 28 PL. Norwegische, Pid. Ahlbecker Plund Flundern 42 Pf. Schellfischegeruch 42 PL Sprotten... Kiste 48 PL Räucher- Aale Bund 55 PL Tafelreis Ptd. Tafelreis Ptd. 19 PL Weizenmehl. Pfund 20 Pt. Auszugmehl Pfand 23P. Haferflocken Pland 24 Pt. Pflaumen bosn, Pld. 38 PL. Pflaumen kallt, Pfd. 45 PL Backobst gem., Pfd. 52 PL Backobst kalif., Pfd. 72 Pt. Kakao stark / Plund- Paket 17PL 1 Pralinenbrote 100- Gr- Stick 35 Gr. 70 PL Blockschokolade ( Haushain) Pfund Leipziger Str. Abteilung Frische Blumen Keine Zusendung Erd- 150 Blühende Primein Topt 30,50PM. Kirsch, Him- 140 beer beer, Aprikos. Bhende Talpen Tapt 3 St. 65 Pj. Blühende Hyazinthen Topt 70 Pl. M Frische Ananas feine Pland 85 Pl.. Italien. Feigen King ca. 18 Pid. bratte 385 560 Messina- Apfelsinen ca. 200 Stck. Kaliforn. Aepfel( 43) 1475 Kiste ca. 45 Pfd. bratte oldemor Rösterel us elgener Frisch gebrannter Kaffee Konsum" Pid. 240 Haushalt" Pfd. 280 Wein Heblicher 95PL Preise für Flasche einschließt. Stener ohne Glas Besondere Gelegenheit! 1923 Oppenheim. Garten Rhe'nwels 1922 Zeller Schwarze Katz 1918 Margaux, Medoc ep Vermouth Cordello Stärkungswein... 145 1924 Wöllsteiner Mosel 130 milder Tischwein 80 PL 1924 Nitteler Leiterchen Riesling spritz 05 1923 Forster Straße feinblumiger Pfalzwein Hebl. well 1921 Barsac Bordeaux 1921 Hatvaner Riesling feln. ungar. Tatelwein 240 1921 Chat. Gallais Propr.Lepré, eleg Bord. 250 180 A. W. Spezial Cuvée guter suffiger Mosel 125 Bordeaux 130 1919 Beaujolais Superieur haltvoll, kraft. 275 Tarragona Tawny ( Vercherre& Co.) sub, portweinähnlich 135 Samos Muskat 2x delikater Inselsamos 2 M Lagrimas Christl edelsüßer Goldmalaga Kirsch- u.Zwetschenwasserkraftig.original 5 M Allasch Marke Delpey 46 Vol%, Originalflasche 3M Tafelsekt, Plaschengärung 4 M Weiße Woche, Beginn 1. Februar Nr. 47 ♦ 4Z.�ahrga«g 7. Seilage ües vorwärts 5rettag, 24.�aaoar 1426 Was tut Serlin für Und was tragen der Staat und das Di« Berliner Stadtverordnetenversammlung hatte gestern nochmals ein« Arbeitslosendebatte, die infolg« eines Dringlichkeitsantrages der Kommunisten noch vor Eintritt in die Tagesordnung anhub. Da die Rechte die Dringlichkeit bestritt, so forderten die Kommunisten, unterstützt von den Sozial- demokraten, vom Magistrat eine sofortige Aeuherung darüber, was zur Arbeitsbeschaffung bisher geschehen ist. Oberbürgermeister Böß gab eine Antwort, von der er sich eine Beschwichtigung ver- sprach, aber die Kommunisten waren hiermit nicht zufrieden. Auch die sozialdemokratische Fraktion erklärte durch ihren Redner. Ge- Nossen Krause, der Magistrat habe schärfer darauf zu dringen, daß Staat und Reich die von ihnen geplanten Ar- beiten baldig st und in vollem Umfang ausführen. Tenosie Krause richtete an den Magistrat die dringende Mahnung, daß er den Staats- und Reichsbehörden kräftig die Meinung der Berliner sagen möge. Ueber den Dringlichkeitsantrag konnte, weil die Rechte bei ihrem Widerspruch blieb, noch nicht verhandelt werden. » In der gestern abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Vorlage des Magistrats ohne Diskussion angenommen. nach der der Vau der Strecke Hermauuplah— Söpealcker Strohe der UEO.-SchueObaha sofort in Angriff genommen werden soll. In einem Drlnglichkeits- antrag forderten dl« Kommunisten sofortige Auskunft vom Migiftrat über feine von ihm unternommenen Schritte zur Milderung der Erwerbslosigkeit. Der Dringlichkeit wurde nicht widersprochen, so daß Oberbürgermeister Böß sofort das Wort nehmen konnte. Er betonte, daß der Magistrat alle» aufgeboten habe, um zu helfen, wo er kann. Der Beginn der Arbeiten an der Schnellbahn, die Vorbereitungen für die Zu- schüttung des Luisen städtischen Kanals und diese selbst stehen unmittelbar bevor. Wenn auch die Frage der Finan- zierung noch schwebt, so muß doch sofort mit den Arbeiten begonnen werden. Der Magistrat steht ferner in Verhandlungen mit der Staatsregierung wegen des Ankaufs der Rehberge bei Plötzensee, die abgetragen werden sollen. Sobald etwas Posi- tives feststeht, wird der Stadtverordnetenversammlung eine dies- bezügliche Lorlage zugehen. Der Magistrat weiß selbstverständlich auch, daß all diese Arbeiten die Erwerbslosigkeit nicht restlos be- seitigen können. Im Rahnien der zur Lersügun a st e h e n- den Mittel geschehe das Menschenmöglichste. Roth(KPD.)' ging in unglaublicher aggressiver Weise gegen den Oberbürgermeister vor. Er gab sich mit der erteilten Auskunft nicht zufrieden und meinte, der Oberbürgermeister solle sich schämen, mit einem so kläg- lichen Programm vor die Versammlung zu treten. Der Redner sprach von einer Sabotage des Magistrats, wofür er vom Vorsteher zur Ordnung gerufen wurde. Der Oberbürger- m e i st« r entgegnete m scharfer, sachlicher Weise. Cr betonte, daß da» Vorgehen des Stadtverordneten Roth keineswegs geeignet sei, den Erwerbslosen zu helfen. Im übrigen kann naturlich die Stadt Berlin allein die Rot der Erwerbslosen nicht beheben. Während der Entgegnung de» Oberbürgermeister» tat sich Stadtverordneter Holzfäller in Zurufen ganz besonder» hervor, er störte dl« Verhandlungen empfindlich. Genosse Urich rief ihm zu:»Sei still, Streikbrecher! Gegen diesen Zuruf wehrt« sich be- merkenswerterweise Holzfäller nicht.— Für unsere Fraktion sprach Genosse Krause: Wir können un» in die Lage de» Magistrats ver- setzen, soweit die Beschaffung der notwendigen Mittel in Frage kommt. Wir glauben aber, daß der Magistrat bei den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden auf mehr Betriebsamkeit hätte drängen können. Der Magistrat könnte darüber hinaus seinen Einfluß geltend machen, daß Reichsbahn. Post und andere Reichsbetriebe ihre notwendigen Arbeiten sofort in Angriff nehmen lassen. Es darf auch nicht vorkommen, daß beispielsweise beim Bau des E �oßtraftwerkes Rummelsburg noch heute, trotz riesiger die Erwerbslosen� Reich zur Arbeitsbeschaffung bei? Erwerbslosigkeit aller Bauhandwerker, Ueber st unden gemacht werden. Im Zusammenwirken aller Stellen kann viel Arbeit ge- schaffen werden, so daß den Erwerbslosen endlich gezeigt wird, daß etwas in ihrem Interesse geschieht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Merten(Dem.) hält den Kommunisten vor, daß gerade sie seinerzeit gegen den Bau des Großkraftwerkes Rummelsburg gestimmt hätten. Wenn es also nach dem Willen der KPD. gegangen wäre, so hätten die Arbeiter selbst bei diesem Bau keine Arbeit gefunden. Der Redner nahm den Magistrat gegen die Angriffe des Kommunisten Roth in Schutz.— Nunmehr konnte sich die Versammlung der eigentlichen Tagesordnung zuwenden. Genossin Dr. Aronkeulhal begründete namens unserer Fraktion eine Anfrage, nach der an Fort- bildungsschulen für Schulversäumnisse Straf st unden an Sonntagen verhängt werden. In diesen Strafftunden sind Schülerinnen von der Polizei vorgeführt worden. Vom Magistrat erklärte Stadtrat B e n e ck«, daß er keine Auskunft geben könne: er- wolle aber trotzdem eine Auskunst erteilen. Die Antwort war aber so dürftig, daß beschlossen wurde, die Be- sprechung zu vertagen, bis Stadtrat Benecke in der Lage ist, ein« erschöpfende Auskunft zu geben.— Ueber einen Antrag der Kom- munisten, den städtischen Arbeitern und Tarif- ange st eilten eine Teuerungszulage zu geben, berichtet« als Ausschußmitglied Genosse Heitmann. Wir haben den Aus- schußbeschluß bereits im„Vorwärts" mitgeteilt. Ohne Debatte stimmte die Versammlung zu. Annahme fand bei der Gelegenheit eine Entschließung des Ausschusses, die eine Abschaffung der Z e i t h i l f e n fordert und die Einstellung von Hilfskrästen nur nach den tariflichen Bestimmungen vorgenommen wissen will.— Das Philharmonische und das S i n f o n i«� Orchester waren bei der Stadt vorstellig geworden, ihnen eine weitere Unterstützung zukommen zu lassen. Bofde Orchester haben bereits für 1925 je 60 000 Mark erhalten. Die außerordent- lich schwierig« Zeit hat auch beide Orchester in eine große Rot- lag« gebracht. Die Kunstdeputation hat beschlossen, nur dem Phil- harmonischen Orchester eine nochmalige Unterstützung von 40 000 M. zl> gewahren, weil es untragbar sei, zwei Orchester neben der städtischen Oper zu unterstützen. Nach längerer Debatte, in der der Antrag gestellt wurde, beiden Orchestern eine Zuwendung zu machen, wurde die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung an die Kunstdeputation zurückverwiesen.— Stadtverordneter Hesse(KPD.) begründete einen bereits im November v. I. eingebrachten Antrag, nach dem dem Fahrpersonal der Straßenbahn. betriebegesellschaft eine Lohnzulage von 10 Pfennig und der ungeteilte Achtstundentag zu gewähren fei. Ge- nosse Klose vertrat den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion. Die Lohaverhandlungen seien seinerzeit von der DireMoa der Skrahenbahn maßlo» verschleppt worden. Die R e ch t« der Belegschaft und Ihrer gesetzmäßigen Der- tretung, des Betriebsrates, find abgebaut worden, so daß ein Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse kaum noch möglich ist. Ein« Durchführung des ungeteilten Achtstundentages dürft« mit den Bedürfnissen des fahrenden Publikums schwer in Einklang zu bringen sein. Eine andere Frage ist es allerdings. ob bei der Aufstellung der Dienstpläne nicht die Forde- rungen de» Personals mehr al» bisher berücksichtigt werden können. Der geteilte Dienst, wie er jetzt vorherrscht, ist eine Ouälerek für das Personal. Der tägliche Dienst bei der Straßenbahn sst bedeutend länger, als die Direktion angibt. Dienst- zelten von 10 bi» 11 Stunden find kein« Seltenheit, sondern fast die Regel. Daraus erklärt sich auch die Unfreundlichkeit des Fahrperfonals. Genosse Klose betont, daß die sozialdemokratische Fraktion den Achtstundentag als eine ihrer Grundforde- rungen stets hochhält. Am Schluß seiner Ausführungen be- gründet Klose einen Zusatzantrag unserer Fraktion, der sol- genden Wortlaut hat: .Bei Aufstellung der Dienstpläne, sowie bei«enderungen her- selben sind die Betriebsräte zur veraulwortlichen Mitwirkung heranzuziehen." Stadtrat Genosse Schöning betont die Bereitwilligkeit des Magistrats, auch in Zukunft den Lohn und die Arbeitszeit bei der Straßenbahn durch Tarifverträge regeln zu lassen. Gegen über der Einführung des ungeteilten Achtstundentages machte der Redner starke Bedenken geltend. Der Verkehr der Straßenbahn ist ein Spitzenverkehr, der seinen Höhepunkt morgens und abends habe. Etwa von 10 Uhr ab werden bis zu 42 Proz. der Wagen aus dem Verkehr gezogen, wodurch der geteilte Dienst erforderlich wird. Die L e i st u n g« n der Straßenbahn dem Publikum gegenüber sind bedeutend besser, als vor dem Kriege. Die Fahrpreise seien beispielsweise billiger als früher, besonders hinsichtlich der Umsteige- berechtigung und der Abonnements. Daneben sind viele Linien Zuschußlinien, die aber im Interesse des Verkehrs ausrecht- erhalten werden müssen. Der Stadtrat betont mit erhobener Stimme, daß Berlins Straßenbahn sich sehen lassen könne, und daß wir im Hinblick auf andere Städte durchaus konkurrenzfähig sind.— Nach längerer Fortführung der Debatte wird zunächst der Zusotzantrag unserer Fraktion an- genommen. Zustimmung finden ferner mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten die Forderungen nach Er- höhung des Lohnes und des ungeteilten Achtstundentages.— Nach Erledigung einer ganzen Anzahl weiterer Vorlagen und Anträge tritt die Versammlung in eine geheime Sitzung ein. hallo Amerika! Um jene graue Morgenstunde herum, die nicht mehr Nacht ist und noch nicht Tag, so um vier, um fünf, wenn die letzten Bummler heimkehren und die ersten Fleißigen zur Arbeit ziehen, um mit dem mühselig verdienten Groschen abends das Brot kaufen zu können, da» jetzt schon warm au» dem Backofen geholt wird, um diese Zeit» die sich die meisten wohltuend schlafend oder sorgenvoll sinnend im Bette drehen und wälzen— da fängt seit ein paar Tagen im Radio- hau» in der Potsdamer Straße der Betrieb schon an. Der Portter schimpft, man kann e« ihm nicht verdenken, der Fahrstuhlführer flucht, und die anttottenden Künstler lächeln auch nur süßsauer, falls das reichlich zeitfüllende Gähnen diesen Luxus gestattet. Aber was ist da» auch, morgens um fünf mit vollem Orchester, großen Sänge- rinnen, berühmten Sängern, mit Haydn, Mozart, Beethoven, mit Wagner. Kreisler und Johann Strauß zu kommen— klingklang- gloria, nichtwahr, wir sind alle für die Musik, zum allergrößten Teil für das Radio, aber morgens um fünf? Aber so komisch ist das nun in der Welt: während wir noch schlafen, rückt Mr. Smith in New Fort zwei Klubsessel zusammen, setzt sich bequem auf den einen, legt noch bequemer die Füße aus den anderen, schmeckt die letzten Dissen seines Dinners noch, sucht in der Zeitung, wer sich hat scheiden lassen und wer sich verlobt hat, hört dabei im Lautsprecher Berliner Radiomusik: Treu— lich— geführt — zl«— het— dahin... In ein paar Wochen oder Monaten werden w i r wohl auch mit den kleinsten Detektorapparaten über Königswusterhausen New Dork hören können. Dann haben die amerikanischen Radiomacher das Vergnügen unserer Abendunterhaltung wegen in aller Herrgotts- frühe auszustehen.„Uns kann teener", sagt der New Jorkcr Ober- radiosendeleiter Brown und schickt auch Orchesterklang und mensch- lichen Gesang über den großen Teich, der nun schon zur belanglosen Pfütze wurde. Und es bestärkt uns in der Hoffnung, daß nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich der Abstand zwischen den Völkern allmählich geringer werde. Und wieder... Amtsvergehen: Wegen schwerer Urkundenfälschung mußte sich Wes« mal der Kreisbuchhalter Georg V vor dem Schöfstn- gericht Berlin-Mitte verantworten. Seine Betrügereien zeugten von ganz besonders gemeiner Gesinnung, da die veruntreuten Gelder für die Witwen und Waisen bestimmt waren. Trotzdem D. schon einmal, und zwar als Kriminalbeamter, wegen Un- regelmäßigkeiten aus dem Dienste scheiden mußte, gelang es ihm durch Bewährungsfrist, um die Vsrbüßung seiner ersten Strafe zu kommen. Die Vermittlungen eines Regierungsrats verschafften ihm die Stelle eines Buchhastcrs in einer Kreiskasse. Er lohnte mit schlechtem Dank«. Wo Rentnerinnen, Witwen und Waisen ihre armseligen Groschen zu erheben hatten, setzte der gewissenlose Buchhalter bald wieder mit Fälschungen und Betrüge- reien ein. Durch seine Schuld wurden diese Konten um 7 0 0 0 Mark überzogen, bis schließlich der Staat als der end- gültig Geschädigte eingreisen muhte. Der Staatsanwalt wollte eigentlich in Anbetracht der fortwährenden Zunahme dieser 781 Die Passion. Roman von Clara Viebig. Und so mor es weiter und weiter gegangen. Wenn Eva sich all der Plätze erinnern wollte, an denen sie gewesen war, mußte sie ihre zehn Finger zu Hilfe nehmen, an denen zählen: aber sie reichten nicht. Und dieses Zählen hatte etwas noch mehr Verwirrendes. Diese letzten neun Monate mit ihrem ewigen Wechsel, mit ihrem steten Hin und Her, mit ihren Aufregungen— wenn Eva selber sich auch gar nicht mehr aufregte, die anderen regten sich desto mehr auf— hatten ihren Kopf schwach gemacht. Als sie heute sich auf der Straße befand, ohne Stellung, ohne zu wissen, wo sie diese Nacht schlafen würde, dachte sie nicht viel nach. Geld hatte sie ja noch, es würde schon auf ein paar Tage für Kost und Logis reichen. Oder ob sie wieder zu einer Vermieterin ging, der mehr als die übliche Taxe versprach, wenn die ihr für sofort eine Stellung ver- schaffte? Ach was! Eine gute bekam sie doch nicht: ihr Buch war nicht danach. Auf die Zeugnisse von Peterseims und Herrn Rothe— auch das von der Baronin war noch gut— folgten schlechter«, zuletzt ganz schlechte.„Krankheitshalber" stand meistens darin, und dann noch etwas von„verstecktem Charakter".„Unaufrichtig.„Nicht wahrheitsliebend" und dergleichen. Das war zum Lachen! Ob andere Leute wohl wahrheitsliebend sein würden, wenn die in ihrer Haut steckten? Eva setzte sich auf eine Bank, die in den Anlagen stand, und lachte. Sie lachte das gleiche Lachen, das sie bei der Baronin gelacht hatte, ein Lachen, von dessen Klang, aus Hohn, aus Schmerz und Verzweiflung gemischt— ein greller Akkord— sie selber nichts wußte. Als Vorübergehende sich nach ihr umsahen, stand sie auf und ging weiter. Sie ging und ging. Straßen, Anlagen, Plätze und wieder Straßen, schöne menschenbelebte Straßen, weniger schöne und zuletzt häßliche. Hohe Hauswände, die feuchte Schatten warfen, Fassaden, die stellenweise abbröckelten, Däcker. die gleich schweren Lasten drückten: alle hoch wie Berge, düstere Steinberge, an deren Fuß keine Blume wächst. Eva hielt hier an vor einem Haus, vor einem ganz grauen Haus. Sie wär sehr müde. Ein paar Stufen führten hinauf zur Eingangstür, auf eine von diesen setzte sie sich. Ueber der Tür stand eingemeißelt:„Magdalenenstist" und darunter, ein wenig kleiner:„Mädchcnhort". Evas matte Augen suchten die Schrift zu lesen, aber sie entzifferten die nicht. Ihre Augen waren zu müde, so müde wie ihr Kopf, wie ihre Füße— alles entsetzlich müde. Es wollte schon Abend werden. Da sagte eine Frau, die vorüberkam und die auf der Treppe Sitzende musterte:„Sie müssen läuten, Fräulein!" „Was ist das hier für ein Haus?" „Na, das ist doch das Magdalenenstist— für gefallene Mächens. Sie sind ganz richttg, Fräulein. Läuten Sie man tüchtig!" „Ich will ja da nicht hinein," sagte Eva. „Ach so! Na, ich meinte. So sitzen hier manche." Die Frau ging kopfschüttelnd weiter und dachte bei sich: sieh einer an, noch den 5)ochmutsteufel? Die sollte froh sein, wenn sie ihr Bett und ihre Ruhe hätte. Eva wäre auch froh gewesen— ach, Bett und Ruhe!— aber hier doch nicht, hier nicht, da hätte sie ja auch bei Lenchen bleiben können. Sie ermannte sich plötzlich, stand auf und ging fort. Wie düster die Straßen wurden und immer düsterer. Es war so ähnlich hier wie in Lenchens Gegend. Sie hatte sich jetzt ganz verirrt.„Wo bin ich hier?" fragte sie ein altes Weib, das gebückt an rissigen Hauswänden entlang schlich. Die Alte war ganz verwundert, hier einen Menschen zu finden, der sich nicht auskannte: denn wer das nicht tat. der kam nicht hierher.„Sie wollen wohl auch nach'» Asyl? Denn komm' Se man!" Sie faßte vertraulich Evas Arm, drückte sich näher an sie, strich sich an ihr herum wie eine schnurrende Katze, ganz dicht.„Wenn die am Einlaß dich fragt:„mit oder ohne", denn sag nur immer dreist«„ohne". Dir glauben se noch, du hätt'st keene. Mir schicken se gleich unter de Dusche und die Bürste mit grüner Seife." Die Alte kicherte.„Als ob se damit die Läuse totkrichten!" Eva machte sich von der Alten frei, stieß sie hefttg zurück: „Da will ich nicht hin!" Die Stimme der Alten schrillte kichernd hinter ihr drein. Das Weib war Ihr unheimlich, alles hier unheimsich, sie sah nicht mehr, daß es auch Leute hier gab. die von der Arbeit kamen, anständige Menschen, Männer und Frauen, die sich ehrlich ihr Brot verdienten, die nur zu arm waren, um in besserer Gegend zu wohnen. Sie sah nur lauter Gesindel. Wie eine Vision tauchte plötzlich die G estall eine» Menschen vor ihr auf, dm sie nur einmal gesehen hatte in ihrem Leben — damals, als sie noch ein Kind war— fadenscheinig, schmierig der Ueberzieher, ausgetretene schlorrende Schuhe— ah, diese Augen, diese Augen, frech, unruhig—„Komm, da steht'ne Bänke, komm!"— Schnee, Schnee überall, hohe große, weiche Massen über ihr, wie in lauter weiche, nach- gebende Masse sank ihr Fuß ein; sie Härte kejnen Tritt. Und es waren doch viele Füße, die neben ihr, hinter ihr, vor ihr hergingen. Aber für sie war die enge Straße, die jetzt belebt war, nur ein Kirchhof, ganz still, eine weite, unendlich lautlose, unendliche einsame Einsamkeit. Und da— da kam er wieder! Er trat auf sie zu, trat dicht neben sie, grinste sie an— o, und kein Posizist in der Nähe! Eva flüchtete entsetzt.— Evas Herz zuckte und ruckte, wollte ihr fast aus dem Munde springen. Sie war lange Trab gerannt. Nun drückte sie die Klinke nieder an der Tür einer kleinen, wenig ein- ladend aussehenden Konditorei. Könnte sie hier vielleicht eine Tasse Kaffee bekommen? Und etwas zu essen dazu? Sie mußte essen, sie fühlte es, sonst gab sie sich nach. So mußte es Verschmachtenden zumute sein, die am Wege liegen bleiben. Aus ihrem Magen stieg eine Leere auf und stieg bis ins Gehirn. Das gab Bilder, allerlei Bilder, die Wirk- l'chkeit dünkten, und von denen sie jetzt zu wissen glaubte, daß doch nichts von ihnen wahr gewesen war. Oder doch? Eva drückte sich die Nägel der einen Hand bis zum Schmerz in die Handfläche der anderen: sich besinnen, zu sich kommen! Sie durfte hier nicht umfallen. Der Kaffee tat ihr gut, sie fühlte deutlich, wie er wirkte: immer weiter zogen die Bilder zurück und die Gestalt des sie so beängsttgenden Mannes: sie wurden blasser, und jetzt oerschwanden sie ganz. Als sie noch eine zweite Tasse Kaffee getrunken und einen altbackenen Kuchen gegessen hatte, war sie soweit, daß sie ausstehen konnte. Sie sagte der Ver- käuferin, die hinter dem Ladentisch stand und Bonbons lutschte:„Bitte, ich möchte zahlen." Aber als sie in die Tasche faßte nach ihrem Geld, da war das weg. Sie suchte an sich herum, suchte in ihren Sachen, es war umsonst, sie wußte ja auch ganz genau, daß sie das Portemonnaie in ihrer Iackentasche gehabt hatte. Nun konnte sie nicht bezahlen: sie mußte die feine weiße Stickorci'chüre. ein Geschenk der Baronin, aus dem Karton nehmen»nd dem Frä''le>n alz Ersatz für die Bezahlung bieten. Und das Fräulein war noch so gut und gab ihr zwanzig Pfennig heraus:„Damit Sie doch nach Haufe fahren können."— (Fortsetzung folgt.) Amisverbrechen nichts von Milde wiffen. Da B. aber im Felbe mehrfach verschüttet war, in der Verhandlung selbst einen schüchternen und zerfahrenen Eindruck gemacht habe, glaubte der Bertreter der Anflagebehörde noch einmal von der Berhängung einer Zuchthausstrafe abfehen zu können und beantragte 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht folgte seinen Ausführungen, ließ nochmals Milde walten und erkannte nur auf eine Gefängnis rafe von 9 Monaten. Mieter, seid auf dem Posten! Nichtswürdigkeiten eines Trunksüchtigen. Ein Rabenvater wurde in der Person eines 37 Jahre alten Fleischers Konstantin M. aus der Fennstraße feftgenommen. m. verdiente möchentlich 75 M., gab aber seiner Frau für die Wirtschaft nur 15 M. Dafür mußte sie ihm auch noch jeden Morgen, wenn er zur Arbeit ging, ein halbes Pfund Wurst, 30 3igaretten und 50 Pf. bar auf den Tisch legen. 60 m. gab der Mann jede Woche für sich aus. Fast jeden Abend fam er betrunten nach Hause und mißhandelte dann nicht nur seine Frau, sondern auch seine elfjährige Tochter, an der er sich auch sonst noch verging. Einmal entzog fich das Mädchen den Mißhandlungen durch die Flucht aus dem Fenster der im ersten Stod gelegenen so fiel die Aermite auf den Hof hinab. Zum Glüd kam sie ohne Wohnung. Es hielt sich am Blizableiter fest, dieser riß jedoch, und Wo bleiben die bezahlten Instandsetzungsgelder? Der Mieterausschuß der SP D. schreibt uns: Die Mieter haben vom 1. bis 10. Februar 1926 wiederum die Verpflich tmg, fich um die Verwendung desjenigen Teils der Miete zu beschmere Berletzungen davon. Nur ein Armgelent war ausgefugelt. fümmern, der für die Instandsegungsarbeiten be ftimmt ist. Es sind dies zurzeit 11 Broz. monatlich. Bei dem immer weiter fortschreitenden Verfall der Häuser liegt es im öffentDies lichen Interesse, wenn die Mieter ihnen diese nach§ 6 des Reichs: mietengefeges zustehende Kontrolle gewissenhaft ausführen. geschieht, indem man schriftlich vor dem 1. Februar den Vermieter auffordert, Zeit und Ort zu bestimmen, wo man die Abrechnung und die Belege für das Halbjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 1925 einsehen kann. Dieses Recht ist im Klage mege erzwingbar. Die Verweigerung der Nachweisung der Bor: legung der Abrechnungen und Belege kann dazu führen, daß das Wohnungsamt der Mietervertretung diese Gelder zur selbständigen Berwendung überweist. Das Recht steht in erster Reihe der Mietervertretung selbst zu, sonst aber auch jedem einzel nen mieter. Die Wahl einer Mietervertretung ist nicht nur deshalb dringend geboten, sondern auch weil insbesondere bei den zahlreichen Häusern, die im Besitz von Ausländern sind, die öffent Fiche Sicherheit durch den Berfall der Häuser start gefährdet ist. Die Mieter felbft haben Schuld daran, wenn infolge ihrer Nachlässigkeit in der Wahrnehmung ihrer Rechte täglich schwere Unfälle durch Herabstürzen von Shid und dergl. in Berlin geschehen. Außerdem dient die restlose Berwendung der Instandsetzungsgelder auch dazu, in der jeßigen Zeit Arbeit zu verschaffen. So tann jeder Mieter zu feinem bescheidenen Teil selbst sich nüßlich machen. Besteht noch teine Mietervertretung, fo braucht nur ein Mieter eine Sigung anzu fegen und von dieser sämtliche Mieter im Hause in Kenntnis zu fegen. Die Mietervertretung gilt als ordnungsmäßig gewählt, wenn fie die Mehrzahl der Stimmen der Mieter auf sich vereinigt. Hierbei find die Untermieter ſtimmberechtigt, wenn der Hauptmieter nicht in ber Bohnung wohnt. Ueber die Wahl ist ein Protokoll aufzunehmen und von den Mietern zu unterzeichnen. Die Wahl ist dem Vermieter mitzuteilen. Am besten wird mit dieser Mitteilung gleich die obige Aufforderung verbunden, über die Verwendung der Instandsetzungs. gelber Rechnung vorzulegen. Mieter! Nehmt euer Schicksal felbft in die Hand! Nuht die Rechte, die ihr habt, im allgemeinen Inter effe aus. Bei Schwierigkeiten mendet euch an euren Abteilungsmieterobmann oder an eins der Mitglieder des Mieterausfhuffes( Ruben, W. 9, Köthener Straße 17; Lange, Elfasser Straße 86/88; Most, Carmen- Sylva- Straße 60; Güldemeister, Griebenowftr. 14; Meißner, Sedanstr. 67; Roszat, Wartenburg ftraße 7; Rohde, Allerstr. 7/8). Cin Nachspiel zu dem Landespfandbriefprozeß. B. Ehdorf und v. Karstedt verweigern die Aussage Bor dem erweiterten Schöffengericht mitte begann gestern eine neue Berhandlung gegen den Kaufmann Hans v. Carlowig, einen der Hauptangeflagten aus dem großen Prozeß gegen die Landèspfandbriefanstalt. Es handelt sich um einen Fall, der auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Alsberg seinerzeit von dem Hauptverfahren abgetrennt worden war. ids Der Angeklagte v. Carlowig hatte von den damaligen Mit sangetlagten v. Ehdorf und v. Karstedt seinerzeit 10 echsel 250 000 Mart erhalten, damit er sie auf Grund seiner guten Beziehungen bei der Dresdener Girozentrale disfontieren follte. Es gelang ihm jedoch mur, auf einen Wechsel 50 000 Mart zu erhalten, bie er für persönliche Zwede verwendet hat. Deshalb ist gegen ihn Antlage erhoben worden. In dem Vorverfahren hatten v. Ehdorf und v. Karstedt ausgesagt, daß es eine Erfindung des n. Carlowiß sei, daß fie ihn berechtigt hätten, den Betrag für persönliche 3mede zu verwenden. Der Angeklagte vertrat heute den Standpuntt, daß er sich verfügungsberechtigt gehalten habe, da er von ben Geschäftsführern dazu ermächtigt worden sei, um aus seiner Schufbenwirtschaft herauszukommen. Als dann Rüdiger v. Ezdorf als Zeuge aufgerufen wurde, erklärte er, daß er von seinem Zeugnis verweigerungsrecht Gebrauch machen müsse, weil er sich der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung aussehen würde. Nach längerer Beratung entschied das Gericht, daß dem Zeugen v. Ezdorf ein allgemeines Recht der Zeugnisverweigerung nicht zustehe, da bei der Rechtslage nicht anzunehmen sei, daß er sich durch eine Aussage in diesem Strafverfahren felber belaften könnte. Landgerichtsdirektor Lehmann erflärte dem Zeugen v. Ezdorf nochmals, er fönne fich jebe an ihn gestellte Frage in Ruhe überlegen, da das Gericht feineswegs beabsichtige, den Zeugen hineinzulegen". Das Gericht beschloß daraufhin, v. Ehdorf zu vereidigen. Auf die Frage des Borsigenden, ob Eßdorf seinerzeit Herrn D. Karstedt mit nach Dresden geschickt habe, um zu verhindern, daß v. Carlowig die 10 Wechsel im Werte von 500 000 Mart für sich privat vermentbe, verweigerte der Zeuge die Antwort. Bors.: Haben Sie den Angeklagten ermächtigt, einen der Wechsel für sich zu vermetten? Zeuge: Auch darüber verweigere ich die Aussage. Ich bin bereit zufchmören, daß ich deshalb eine Verfolgung befürchten muß. Borf.: Dann haben Sie also in der Boruntersuchung falje Behauptungen gemacht? Beuge: Absichtlich nicht, aber ich fannte niele Zusammenhänge nicht. Darauf zog sich das Gericht zurüd, um die Frage des Rechts der Zeugnisverweigerung erneut zu prüfen und verkündete, daß v. Ehdorf berechtigtfei, die Aussage zu verweigern, wenn er eine Strafverfolgung zu hefürchten habe. Auch der folgende Beuge, Herr v. Karstedt, befolgte die Taktik Ezdorfs und verweigerte die Aussage. Daraufhin beantragte Staatsanwaltschaftsrat Zimmermann die Aussetzung bieles Berfahrens bis zur Rechtskräftigkeit des Urteils im Prozeß ber Landespfandbriefanstalt. Der Borsitzende verkündete darauf, daß die Berhandlung ausgesetzt werde, um der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, die Anlage auf eine neue Basis zu stellen. 400 m po danud Arbeiterbildungsschule. Hente, Freitag, beginnen folgende Kurse: Ar Beitsgemeinschaft des Genoffen Alexander Stein: Einführung in die Soziologie, pünktlich abends 7-9 Uhr im Bentral- Jugendheim, Linden ftraße 3, 2. of III. Arbeitsgemeinschaft des Genossen Kreuziger: Jm Stampf um die Schule, pünktlich abends 7-9 Uhr in der Dorotheen shule, Köpenid, Freiheit. Tr Frau M. machte endlich Anzeige, und jetzt nahm die Kriminalpolizei den Unmenschen fest. „ Lokal- Anzeigers" Lügenheze gegen das Reichsbanner. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep, rechts, an richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Montag, 1. Februar, 7% Uhr, im Ledigenheim, Bappelallee 15, große Frauenmerbeveranstaltung. Gesang, Rezitationen, Mufitporträge, Lieder zur Laute, Ansprache der Genofsin Clara Bohm- Schuch. Karten zu 30 Bf. find bei den Abteilungs leiterinnen zu haben. 9. Kreis Bilmersdorf. Sonnabend, 30. Januar, 8 Uhr, im Turnerheim. Württembergische Ede Swingerstraße( unweit Fehrbelliner Blog) gemitt licher Frauenabend. Unterhaltung durch Boltstänge der Jugend, Rezi tationen, Mufit, Ansprache der Genoffin Stadtverordnete Minna Toden hagen. Gelegenheit zum Raffeelochen und billiger Konfuntuchen vor handen. Gäste, auch Männer, find willkommen. Eintritt frei. 11. Kreis Echöneberg- Friedenau. Freitag, 29. Jamuor, nachmittags 4½ Uhr. bei Will, Schöneberg. Martin- Luther- Str. 60, Bersammlung fämtlicher ermerbslofen Barteigenoffen. 19. Kreis Bankow. Montag, 1 Februar, Fraktionsfigung mit den Biloger deputierten im Rathaus. Bankow. Simmer 17. Heute, Freitag, den 29. Januar: 24. Abt. Die Programme zum Unterhaltungsabend an Monbog. 1. Februar im Ledigenheim Vappelallee 15 und Rarten für ben Runstabend in der Stadthalle am 9. Februar find bei der Genoffin Snbow, Immanuelfirch ftraße 12, abzuholen. Der Berliner 2otal- Anzeiger" behauptet bereits in feiner Donnerstagmorgenausgabe, daß bei den Zusammenstößen am Wilhelmplah in Charlottenburg am Mittwochabend auch das Reichs b'anner sogar in geschlossenen Zügen beteiligt gewesen sei. In der Abendausgabe hat der Lotal- Anzeiger" die Stirn zu schreiben, daß sich selbverständlich auch Reichsbanner Jungsozialisten. Gruppe Mitte: 8 Uhr in ber Gäule Gipsfit. 23a gemein leute und Rote Frontkämpfer des Widerstandes, der Zusammenrottung, des Landfriedensbruches ufm. schuldig gemacht haben. Das Reichsbanner bittet uns festzustellen, daß es sich bei dieser Be hauptung um eine freche Cüge handelt: Reichsbannerleute find, wie auch durch die polizeilichen Feststellungen erwiesen tst, nicht an den 3ufammenftößen beteiligt gewesen. In dieser gewiffenlosen Heze tobt sich eine wahrhaft hilflose hysterische But über den eindruds pollen Aufmarsch des Reichsbanners und die musterhafte Disziplin der republikanischen Maffen aus. d Verworfene Revision. arch Der Zweite Straffenat des Reichsgerichts berhandelte am Donnerstag als Revisionsinstanz gegen den Jnstallateur Richard Barbonowsti aus Charlottenburg. Bardonoweli hatte im Berlaufe eines Streites am 6. September 1924 ben Angestellten Müller aus dem zweiten Stod feiner Wohnung in der Müller trug so schwere Verlegungen der Schädeldede davon, daß er lurze Zeit darauf starb. Das Schwurgericht hatte Barbonowski am 9. Dt tober 1925 wegen Totschlages au 10 Jahren Zuchthaus und Aber. fennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre verurteilt. Gegen dieses Urteil batte Bardonowski Revision eingelegt. Der Straffenat tam nach längerer Beratung zur Verwerfung der Revision. 72 000 Zigaretten gestohlen. famer Gruppenabend mit der 649. Gruppe Schöneberg: Bünktlich 7 Uhr im Jugendheim Rubensstraße, Mufitaimuner, Arbeitsgemeinschaft: Die philofophifchen Strömungen an der Bende des Reitalters. Rotis Bücher nicht vergessen! Gruppe Zankwik: Bünktlich 8 Uhr im Restaurant Sportede, Raifer- Bilheim- Str. 43, Mitgliederversammlung mit anfchließen dem Unterhaltungsabend. Um 7 Uhr findet die Funktionärligung statt. Gruppe Neukölln 1: 8 Uhr im Jugendheim Rogatstr. 11/12, Bortvog Aber: Liberalismus und Sozialismus". Referent: Gen. Ermin Marquardt, Morgen, Sonnabend, den 30. Januar: 11. t. Sichtenberg. Sigung der Ronfimmmitglieder 8 Uhr bei Mene, Möllen dorf Ede Rittergutstraße. Es wird dringend gebeten, zahlreich au en fcheinen. Bortrag des Genossen Börbel. 128./130. bt. Bantom und seinersdorf. 7 Uhr Siung bes Borfiandes mit ben Abteilungsleitern und den Gruppenführern im Restaurant Mews, Bindenpromenade Ede Berliner Straße. Tagesordnung: Organisations fragen 181. bt Rieberschönhausen, Th Uhr Munitionärftung bei Subofch. Funktionäre milffen unbedingt erfdeinen. Jungfosialisten. Gefomineran faltung am Sonning,& 1. Samum, 7 Whe in Gaal& bes Gewertidaftshauses, Engelufer 24/25. Bortrag des Genoffen Engelbert Graf, Rebatteur der Jungfosialiſtiſchen Blätter, über: ,, Sosiologie ber Jugend. Alle Gruppen müffen sich beteiligen. Gäfte willfommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 89. bt. Wilmersbort. Unsere Genoffin Martha Behrens ist im Schöne berger Krankenhaus verstorben und mind am Sonnabend, 30. Januar, nach mittags 5% Uhr, im Krematorium Bilmersdorf eingeäschert. Eros thres fchweren Beidens bat Genoffin Behrens bis alekt ihre Barteipflicht erfüllt: mir erwarten daher rege Beteiligung. 128./130. 26. Bantom. Am Dienstag verfarb unfer Tangiähriger Genoffe Friedrich Bala. Schmidtstr. 6, im Alter von 61 Jahren. Einäfcherung am Berliner Straße. Wir erwarten rege Beteiligung ber 8. und 2. Gruppe. Jugendveranstaltungen. Einen erfolgreichen Beutezug machten Einbrecher in der Nacht Sonnabend, 30. Januar, admittags 4 Uhr, im Krematorium Bilmersdorf, zum vergangenen Dienstag in der 8igarettenfabrit Mu ratti in der Köpenider Str. 126. Das große Industriegebäude, bas mehrere Höfe hat, wird ständig von Wächtern, die von Hunden begleitet sind, kontrolliert. Zrozdem baben es die noch unbekann ten Verbrecher verstanden, in die Räume einzubringen. In dem Lagerraum, dessen Tür sie mit Dietrichen öffneten, erbeuteten fe 72000 3igaretten, die zu je 500 Stud für den Boftversand unend für Februar( Februar- Jugenb soran ist noch nicht berens). fertig gepadt auf den Tischen standen. Die bestohlene Firma hat auf die Biederbeschaffung der Zigaretten eine Belohnung von 500 m. ausgesetzt. Zurüdnahme englischer Ausweifungsbefehle. Bon der RheinIandtommission find 28 Ausweifungsbefeble auridgenommen worden, bie feit 1919 berhängt waren Bierbei handelt es sich in der Hauptsache um Bersonen, die im englisch befesten Gebiet ihren Wohnfig hatten. Theaterbrand in Budapest. Auf der Bühne, des befannten Unterhaltungslokales Royal Orfeum in Budapest tam am Donnerstag vormittag 10 Uhr ein Feuer aus, das, obwohl die Feuerwehren von fünf Stadtbezirten in furzer Zeit zur Stelle waren, und das Feuer innerhalb zehn Minuten lofalifieren tonnten, die Bühne vollständig eindscherte. Es gelang, die auf der sogenannten unteren Bühne untergebrachten Dekorationen zu bergen. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 29. Januar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 5-6 Uhr vorm.: Versuchskonzert für den Empfang in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Kanada. 1. Mozart: Ouvertüre Figaros Hochzeit( Dirigent: Georg Széll von der Staatsoper). 2. Mozart: Arie der Gräfin aus Figaros Hochzeit 3. Nicolai: Ouvertüre„ Lustige ( Gräfin: Emmy Bettendorf). Weiber"( Dirigent: Selmar Meyrowitz). 4. Rich. Wagner: Gralserzählung aus der Oper, Lohengrin"( Lohengrin: Eugen Transky). 5. Rich. Wagner: Lied an den Abendstern aus der Oper Tannhäuser"( Wolfram: Cornelis Bronsgeest). 6. Joh. Strauß: Donauwalzer( Dirigent: Bruno Seidler- Winkler). Das große Orchester der Funkstunde Berlin. 3.45 Uhr nachm.: Dr. C. F. W. Behl: Romain Rolland, der Künstler und Mensch". 4.80 Uhr nachm ,: Marc Twain: 1. Die Geschichte vom artigen kleinen Jungen. 2. Frau Mac Williams und der Blitz( gesprochen von Martha Ferber). 5-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner FunkZehn Minuten für die Frau. 7.15 Uhr abends: Personenverzeichnis kapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: und Inhaltsangabe zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7.30 Uhr abends Uebertragung aus der Staatsoper. Spielzeit 1925/26. 12. Uebertragung. La Traviata, Oper in drei Akten von Guiseppe Verdi. Personen: Violetta Valery, Flora Bervoir, Annina, Dienerin Violettas, Alfred Germont, Georg Germont, sein Vater, Gaston, Vicomte von Létorières, Baron Douphal, Marquis ein Diener bei Flora, Freunde und Freundinnen Violettas und Floras, von Aubigny, Doktor Grenvil, Joseph, Diener Violettas, Matadore, Pikadore, Zigeunerinnen, Diener Violettas und Floras, Masken. Ort der Handlung: Paris und Umgebung. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10 30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik( Rapées Jazzsinfoniker, Dirigent: Ernö Rapée). Königswusterhausen, Freitag, den 29. Januar. 3-3.30 Uhr nachm.: Dramaturg H. Römer: Praktische Uebungen für gesundheitliches, konzentriertes und beseeltes Sprechen. 3.30-4 Uhr nachm.: Frau Mathes Wimermark: Schwedisch für Anfänger. 4-4.30 Uhr nachm.: Einzelvortrag. 4.30 bis 5 Uhr nachm.: Frl. Margot Grupe: Die Frau als Pflegerin häuslicher Kunst. Achtung, Abteilungskassierer! Beute 7 The Abrechnung ber Beitragsmarten, uspabe berarbeit Arbeiterjugend und Kunst. Dritter Battragsabend( Arbeiterjugend nub Muft) am Sonntag, 31. 30 mur, 7 Uhr, im Jugenbbeim Sindenftr. 3. Steferent: Genoffe Brof. Les Resten beta Einzelfarten zum Breile non 20 Bf. inb am Eingang an haben. * Razten zur Braletarischen eierfunbe.am Sounbog. 81. Sanmart, fiab: a ersüßigten Breise im Sugenbfetrebariat an haben. Heute, Freitag, den 29. Januar, abends 7½ Uhr: Reabit 1: Schule Balbenferfir. 20. Bortrag: 2ebensreform" Moebit I: Gemeindeschule am Stephansplat. Bortrag: Die Sohenzollern". Nordost I: Jugendheim Neute Rönigftz. 21. Bortong: Bie entsteht eine Reitung?" Rorboft II: Jugendheim Danziger Str. 63. Bortrog: ,, Bruno- Bingel- Abend". Often Str.- B.: Jugendheim Goklerite. 61. Glaßbrennerabend. Warschauer Biertel: Jugendheim Tilfter Str. 4. Wilhelm- Busch- Abend mit Lichtbildern. Luifenstadt: Badeanstalt Bärwaldstr. 64. Airsprache: Eine Stunde Tages. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bortrag: Organisation der Arbeit oder der Arbeiter". Halensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35. Bortzag: Die Geschichte der Arbeiterbewegung. Fortlekung. Reuföllu I: Jugendheim Sobrecht Ede Sanderstraße. Sermann- Löns- Abend. Johannis thal: Rathaus Rönigsplan. Bortrag: Rörperhultur" Niederschaneweide: Schule Berliner Str. 31. Regibationsabend. Raulsdorf: Schule Adolfftr. 25. Bortrag: Rußland". Süboft K.- B.: Schule Wrangelstr. 128. Arno- Holz Abend. politi Borkkenbenkonferens Gonnabend 7½ Ubr Jugendbeim Sindenftr. 3. Betterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin. Nachdr. verb.) Vorübergehend ausbeiternd und etwas fühler, Später Eintrübung, Tempes raturzunahme und Regen. Für Deutschland: 3m Besten warm, trübe und Regenfälle, im Dsten nach vorübergehender Aufheiterung Eintrübung. hr Auge betrügt Thre Kasse Schilleruder Glanz entsteht immer auf Roften des Kerns. 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Auf der Tagesordnung der letzten Bezirksverordnetenversamm lung stand die dritte Lesung des Haushaltsplanes. Bei der zweiten Lesung war der Haushaltsplan von den Deutsch nationalen und den Kommunisten gegen die Stimmen der Sozial demokraten und der Demokraten abgelehnt worden. Jetzt machie der Borsitzende der KPD. langatmige Ausführungen über die un erhörten Forderungen der Fürsten. Die Form feiner Ausführun gen, sprachlich und fachlich, war derart, daß die Versammlung durch stürmische Heiterfeit quittierte. Unser Fraktionsredner, Genosse Blaschzit, sagte den Bürgerlichen, daß ihre Ausführungen Spiegelfechterei seien. Sie lehnten lediglich den Etat ab, weil ihr Antrag. 15000 m. für den Evangelischen Elternbund(!) zu bewilligen, abgelehnt wurde, und zweitens weil der Name des Kaiser- und Kaiserin- Friedrich- Krankenhauses" unigewandelt werden solle. Ihre Ausführungen ständen mit der Wahrheit im Widerspruch. Sie hätten der GBD. eine Berständigung angeboten, aber wir lehnen eine Berständigung ab und suchen statt dessen eine Berständigung mit der Fraktion, die uns als Arbeitervertreter näherstehe. Genosse Urig ent gegnete den Deutschnationalen auf den Vorwurf, daß die SPD. in der Stadtverordnetenversammlung für die Hundesteuer gestimmt hätte, und daß dadurch viele Berliner Familien gezwungen mären, thre Lieblinge zu vergiften. Genosse Urig erklärte, daß die SPD. den Rotstand der Erwerbslojen lindern molle und daß sie Deckung für die erforderlichen Ausgaben fuche. Darum habe sie für eine Steuer auf Lurushunde gestimmt. Es sei die Meinung der SPD., wenn eine Frau ein Geschöpf brauche, um ihm ihre Liebe zu ermeijen, so solle sie ein armes Kind aus dem Waisenhause in Pflege nehmen. Nicht zuerst Liebe für die Hunde, sondern für hilflose Menschenfinder. Der Redner der bürgerlichen Vereinigung warf der SPD. vor, sie habe ein Hundeverständnis, worauf die Verfamm. lung mit schallendem Gelächter antwortete. Der Etat wurde bei der Abstimmung mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Demokraten und der Kommunisten angenommen. Die SPD. brachte Men Antrag ein, die Straßenbahnen 35 und 99 zu ver längern, die 99 bis zum Nordufer, die 35 bis zur Müllerstraße. Der Antrag wurde ebenso angenommen wie der Antrag, die 3ug. folge der Nord- Süd- Bahn so zu steigern, daß ein Fünf minutenverkehr und in den verkehrsreichen Tagesstunden ein 3mei. einhalbminutenverkehr stattfindet. Friedrichshain. STADTE BEILAGE RK VORWARTS baden betreibt, im Oktober vorigen Jahres beim Bezirksamt durch| Schulkinderspeisung von 38 400 m. auf 80 000 m. zu erhöhen, den ihren Geschäftsführer einen Oberstleutnant a. D. den Antrag auf Ueberlassung der Schwimmhalle im Stadtbad an einem Abend hoher sittlicher Stufe stehenden Verein die Benutzung der in der Woche gestellt habe. Damals gestattete Dr. Kahle diesem auf mitgliedern niemand Zutritt zu den Badeabenden habe. Cine vom Halle gegen llebernahme der Garantie, daß außer den Vereins. Stadtrat Stor und Mitgliedern der Gesundheitsdeputation u. a. auch von zwei Frauen vorgenommene Kontrolle überzeugte die Depu wandfrei seien. Ferner wurde festgestellt, daß der Vorsitzende tation, daß vom ethischen Standpunkte diese Badeabende ganz eindes Vereins vor dem November 1918 bürgerlicher Stadtverordneter in Neukölln und jetzt Prokurist einer großen Versicherungsgesell fchaft, mit einer Attade gegen die sozialistische Mehrheit im Be zirksamt also nichts zu machen sei. Unsere Genossen Sidert und Maier sowie die Redner der Kommunisten und Demokraten ließen es an Deutlichkeit in der Zurückweisung der deutschnationalen Angriffe mit dem Hinweis auf die Schweinereien, die die Herren Difiziere in der Etappe Gent und anderswo getrieben haben, nicht fehlen. Auch wurde betont, daß unter den deutschen Fürsten bis in die jüngste Zeit wahre Mustereremplare" nachzuweisen und daß die Deutschnationalen die Lezten seien, die über Nactfultur" zu Gericht zu fügen berufen feien. Die Butanfälle einiger Herren der Rechten die Balksparteiler machten diesmal nicht mit be miefen, daß die Hiebe saßen. aller Parteien, auch der Kommunisten, angenommen. In der weiteren Beratung wurde der Etat mit den Stimmen 7. Bezirk THOTO Charlottenburg. Aus der Sizung vom 20. Januar ift noch folgendes nachzutragen: Es wurden zwei von den Sozialdemokraten ge stellte Anträge angenommen Der erste fordert, daß den bedürftigen Rindern aller Schulen morgens Sem. mel, Milch oder Ratao verabreicht wird und ihnen Effenmarken zur Einnahme einer Mittagsmahlzeit in der nächst gelegenen Boltsspeiseanstalt verabfolgt werden. Alle Kinder, deren Eltern nicht mehr als 3000 m. jährlich verdienen, sollen alle Lern mittel unentgeltlich erhalten. Ferner wurde beschlossen, in der falten Jahreszeit nachmittags die Schulräume den Kindern für Spiel und Arbeit zu überlassen. Die Beauf fichtigung soll durch stellenlofes Lehrpersonal erfolgen. Um die Mittel dafür aufzubringen, wird der entsprechende Ausgabetitel um 5000 m. erhöht. Beim Kapitel Boltsbüchereien und Lesehallen Beim Kapitel Boltsbüchereien und Lesehallen murde beschlossen, die Stadtbüchereien im Winter mit Rüd ficht auf die Zahl der Arbeitslesen auch Mittwochs und Sonnabends nachmittags geöffnet zu halten. Außerdem wurde beschlossen, daß in Zukunft unter den in den Lesehallen ausliegenden Zeitschriften und Zeitungen auch solche der sozialistischen und fommunisti. fchen Bartei und der Gewerkschaftsorganisationen gleichmäßig berücksichtigt werden. 5. Bezirk Die jetzt schon zweimal vertagte Bezirksversammlung fand am letzten Mittwoch endlich ihren Abschluß. Zu Beginn gaben die Kommunisten eine langatmige Erklärung ab, in der sie die Verantwortung für die Störungen in der letzten Sigung den SozialdemoIn der Sizung vom 27. Januar murde der Bezirtshaus. dann schnell erledigt. Sodann ging man zur Beratung einiger Erhaltsplan für das Rechnungsjahr 1926 in allen Kapiteln durch werbslofenanträge über. Unsere Frattion hatte hierzu be beraten und der Gesamtetat gegen die Stimmen der Rommu antragt, das Bezirksamt möge beim Magistrat vorstellig werden, nisten angenommen Zum Rapitel Unterstügungs. mejen hatten die Kommunisten eine Reihe von Anträgen gestellt, um folgende Bunfte zur Durchführung zu bringen: 1 Sofortige Jnangriffnahme der beschlossenen Rotstandsarbeiten und Durch zu deren Durchführung rund eine Million Mart erforderlich wäre. führung der regulären Arbeiten, somie die Anforderung der erforder- find nur 28 000 m. vorhanden, die Durchführung der fommunistischen Borbehaltsmittel, aus denen diese Summe entnomem merden sollte, lichen Mittet; 2. die schleunigste Vorbereitung weiterer Anträge auf Anträge ist also unmöglich. Die sozialdemokratische Frat Rotstandsarbeiten; 3. die Bewilligung von Mitteln zur Durchführung tion, bemüht, alles zu hum, mas möglich ist, beantragte, allen Für einer Berjchidung erholungsbedürftiger jugendlicher Arbeitslosen. Bei den Reichs- und Staatsbehörden soll sich fernerhin der Magistrat forgeberechtigten Charlottenburgs zu den bereits gelieferten zwei für die schnelle Durchführung folgender Buntte einsehen: 1. Erhöhung merbslosen soll eine einmalige Mietsbeihilfe in Höhe Zentnern Kohlen noch einen Zentner zu gewähren. Den Er. der Erwerbslosenunterstützung: 2. Zahlung derselben für die ganze ihrer Wochenunterstützung gegeben werden und jeder Fürsorgeberech Dauer der Arbeitslosigkeit; 3. Einführung der Kurzarbeiterunter- tigte, Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Sozialreniner foll stügung: 4. Aufhebung der Bestimmung betr. Bedürftigkeitsprü nach Prüfung der Bedürftigkeit durch die zuständige Stelle einen fungen; 5. Einschreiten gegen die Betriebsstillegungen; 6. Maß Rubitmeter Brennholz und drei Zentner Rar. nahmen gegen das leberstundenwesen; 7. schleunige Berabschiedung toffeln erhalten. Leider wurde der Antrag gegen die Stimmen des Arbeitslosen- Bersicherungsgesetzes. Zur Begründung führte Gen. der Sozialdemokraten und Rommunisten von den Bürger. Siegle u. a. aus, daß der Magistrat in der Durchfühlichen abgelehnt Das Charlottenburger Wohrung der Rotstandsarbeiten völlig persagt habe. nungsamt hat die Zahl seiner Beamten, welche im Jahre 1923 Bei der Berteilung der Mittel des Reiches sind auf Berlin statt 20 noch 150 betrug, bis auf 64 im Jahre 1926 abgebaut. Leider nur nur 2% Millionen Mark entfallen. Hiergegen muß der Magistrat bei den unteren Beamten. Die Zahl der höheren Beam. mobil gemacht werden. Auch sei es Pflicht der Reichs- und Staats ten ist mit jieben diefelbe geblieben. Das sind wesent. behörden, selbst Arbeiten herauszugeben, damit der Arbeitslosigkeit lich mehr leitende Beamte, als sie andere Bezirke mit gleicher Eingesteuert werde. Der Kommunist Bittorf begründet einige neben- mohnerzahl in ihren Wohnungsämtern beschäftigen. Ein von uns fachliche Anträge und wendet sich im Hauptteil seiner Ausführungen gestellter Antrag, unter Berücksichtigung des Sparsamkeitsprinzips mie üblich gegen die sozialdemokratische Fraktion. In der Gesamt die Zahl der oberen Beamten von 7 auf 4 herabzusetzen, wurde ab abstimmung wird der Antrag gegen die Stimmen der Deutschnatio. gelehnt. Die Neubildung und Besetzung der Bezirksdeputationen nalen angenommen. Die Kommunisten enthalten sich der Stimme. mußte leider zurüdgestellt werden. Für die Herstellung einer Einstimmige Annahme finden einige Anträge zur Behebung Freibadeanstalt auf dem Gelände der städtischen Wasserwerte der Verkehrsnot im Osten, der besonders vernachlässigt an der Spandauer Chaussee werden 60 000 m. bewilligt. Sämtliche wird. Danach soll die Straßenbahn wieder die Linien 75 und 81, mit der Ausführung verbundenen Ertarbeiten sollen von Er femie zwei Linien durch den Grünen Weg- Romintener Straße und merbslofen ausgeführt werden. In einer Anfrage murde das zum Baltenplatz führen, sowie die Linie 66 bis zum Ferienspielpla Bezirksamt ersucht, zu verhindern, daß die Arbeitslosen, Bartenberg durchführen. Zwei meitere Anträge betreffen die melche sich ver dem Arbeitsnachmeis in der Berliner Straße auf Durchführung der Heizung in den Straßenbahn- halten müssen, durch die Polizei vertrieben, oder wagen und die Berlegung einer Autobuslinie durch die wie es in einzelnen Fällen geschehen ist verhaftet werden. StadtLandsberger Allee. Ein Berkehrsausschus non nein Mitgliedern rat Rarrer teilt mit, daß durch die starke Vermehrung der Zahl der mird gleichfalls eingesetzt. Arbeitslosen in den letzten Wochen die in der Berliner Straße zur Berfügung stehenden Räume nicht mehr ausreichen. Es wird aber in den nächsten Tagen soviel Raum beschafft merden, wie zur bequemen Unterbringung der Arbeitslosen erforderlich ist. 6. Bezirk Kreuzberg. In der legten Bezirksversammlung machten die Deutschnatio malen im weiteren Verlaufe der Etatsberatung beim Kapitel Bade anstalt wieder einmal in hochtönender sittlicher Entrüstung. Herr Bezirksverordneter und Reichstagsabgeordneter Schulze rügte, daß man regelmäßig an einem Abend der Woche im Stadtbad Kreuzberg einen Berein Männlein und Weiblein nackt baden lasje, natürlich mit Zustimmung des sozialistischen Bezirksamts. Das sei eine Schweinerei, gegen die der Magistrat einschreiten müffe, zumal an der Spitze dieses Vereins ein Neuköllner Stadtrat stünde. Der dem Zentrum angehörige Stadtrat Stor, der nach dem Ableben des Gen. Dr. Kahle vorübergehend deffen Dezernatsgeschäfte übernahm, berichtete dazu, daß die Deutsche Luftbadgesellschaft", welche nach dem Muster der nordischen Länder das„ Nackt 8. Bezirk Spandau. Bei der Etatsberatung in der letzten Bezirksversammlung fam es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der SPD. und KPD., zum allseitigen Ergötzen der bürgerlichen Parteien. Der Bezirksverordnete Sellheim( KPD.) hatte vor Eintritt in die Tagesordnung Generalbebatte über den Etat beantragt. Seine Ausführungen beschränkten sich dann aber doch nur auf Bemerkungen zu einzelnen Etatstiteln, die ebensogut bei den einzelnen Bunften hätten gemacht werden können. Es handelte sich dabei um den Schuletat und den Etat über Wohlfahrts- und Jugendpflege. Bei diesem Titel stellten die Kommunisten den Antrag, die Mittel für Fritzi Massary die proletarischen Organisationen, wie Arbeitersportfartell, ArbeiterSamariter, Arbeiter Gesundheitsdienst und Freie Turnerschaft, je gestellt werden fennte, stimmten unsere Genossen diesem Antrage an 500 M. zu gewähren. Da dieser Antrag erst bei dem Titel Bereine pflege die Erhöhung der Mittel für Jugendwanderungen dieser Stelle nicht zu. Dafür beantragten wir bei dem Titel Jugendvon 1440 m. auf 5000 m., was auch allseitige Annahme fand. Bei dem Titel Unterstützungsmesen stellten die Kommunisten gleich. Positionen, wie Unterstützung der Sozialrentner um 50 Broz, der falls sehr weitgehende Anträge über Erhöhung der Mittel einzelner Erstattung der Begräbniskosten um 100 Proz- und Wiedereinführung der Boltsspeisung für Minderbemittelte mit 11 500 m. Die Anträge Antrag der Rechten auf Ueberweisung der Anträge an den Ausschuß maren technisch so menig vorbereitet, daß mir empfahlen, sich dem anzuschließen. Darüber entwickelte sich eine Redeschlacht zwischen den Vertretern der KPD. und unseren Genoffen, rbgleich von uns erklärt worden war, den Anträgen im Ausschuß zuzustimmen. An der Beratung der Anträge im Ausschuß lag natürlich den Kommu nisten nichts. Sie legten vielmehr Wert darauf, wie Sellheim das auch offen zugab, daß ihre Anträge in der Deffentlichkeit verhandelt wurden, um sich den Anschein zu geben, daß sie die einzige Arbeiter. partei"(!) feien, die für das Wohl der Proletarier eintrete. Diese demagogische handlungsweise der Kommunisten veranlaßten den Vorsitzenden der Versammlung, den Genossen Mün singer, das Wort als Bezirksverordneter zu nehmen und das Berhalten der Kommunisten in gehöriger Weise zu fennzeichnen. Bei der darauf folgenden Abstimmung stimmten die Genossen für die Anträge der Kommunisten, um die Etatsverhandlungen nicht in die Länge zu ziehen. Bei dem Titel Wohnungsamt versuchte der Bezirksverordnete Degenhardt( Fr. B.) einen 2b bau des Wohnungsamtes und des Mieterichuzes herbeizu führen, er mußte sich von seinen eigenen Parteifreunden fagen laffen, daß an einen Abbau des Wohnungsamtes und des Mieterschutzgesetzes nicht zu denten sei. Ein Dringlichkeitsantrag der Kom munisten betr. Lieferung von Milch an erwerbslose Familien murde einem gemischten Ausschuß übermiesen. 10. Bezirk Zehlendorf. Die Bezirksversammlung Zehlendorf feßt sich aus 18 Mib gliedern zusammen: 4 Sozialdemokraten, 2 Demofraten. 4 Deutsche Volkspartei und 8 Deutschnationale. Es verfügt feine Bartei allein über eine Mehrheit. Infolgedessen hatten sich nach den Wahlen die Deutschnationalen an die Volkspartei gewandt, um die beiden anderen Parteien vollkommen auszuschalten. Die Demofraten hatten inzwischen erklärt, daß fie im engsten Einvernehmen mit den Sozialdemokraten arbeiten würden. Diese Erklärung machte der Deutschnationalen Volkspartei einen Strich durch ihre Rechnung. Die Hauptrolle in den Verhandlungen zwischen den Rechtsparteien beanspruchten die Wahlen der drei un befoldeten Stabräte Die Deutschnationalen beanspruchten die ersten beiden, den legben wollten sie der Volkspartei überlaffen. Die Demokraten durchtreuzten diese Pläne, indem fie fich für ben Randidaten der Sozialdemokratie einfekten. Die Deutschnationalen hielten an ihren beiden ersten Kandidaten fest. Dadurch ging der Rechtsblod in Zehlendorf in die Brüche. traten und Volkspartei, die zu guten Ergebnissen führten, so dah Die Demokraten leiteten Verhandlungen ein amischen Sozialdemo im Borstand der Bezirksversammlung fein Deutschnationaler fizt. trotzdem sie die stärkste Partei sind. Bolkspartei hat den 1. Borfizenden, Demokraten den 2. Borsigenden, 1. Schriftführer Genoiſe schüssen arbeiteten die drei Parteien zusammen, so daß in feinem Flöde( SPD.), 2. Schriftführer Boltspartei. Auch in den Ausa Ausschuß ein Deutschnationaler zum Borsitzenden gewählt wurde. standen auf der Tagesordnung eine Anfrage und zwei Antroge In der Bezirksversammlung, die am 20. Januar stattfand, unserer Partei, die Genosse Holz begründete. Ferner eine VorReiches auf einem Gelände, das als Freifläche von demselben lage des Bezirksamts über den Bau größerer Siedelungen des Bezirksamt vor nicht allzulanger Zeit ausgewiesen wurde, trobem noch genügend Bauland in anderen Teilen des Bezirtes vorhanden ist. Sämtliche Fraktionen wandten sich gegen diese Vorlage an r fich, sowie dagegen, daß fie der Bezirksversammlung mur Kenntnis vorgelegt werden sollte. Bei einer anderen Gelegenheit mird näher auf dieses recht sonderbare Berhalten des Bürgermeisters eingegangen werden. Unjer Genoffe Holz murde zum unbesoldeten Stadtrat neben einem Boffsparteiler und Deutschnationalen gewählt. Dem Schulausschuß gehört Regierungsrat Genoffe Donau, der Schulheputation die Genoffen Flöde und Müller an. Ferner stand der Haushaltsplan 1926 zur Beratung. 12. Bezirk Steglit Die erste Bezirksverfammlung des Jahres brachte insofern eine Sensation, als der langjährige Vorsteher Schwarz nicht wieder gewählt wurde, sondern, da unsere und die KPD.- Stimmen aus fielen, in die Stichwahl mit dem Deutschnationalen Bunge tam. Letterer wurde durch das Los gemählt. Es war unseren Genoffen nicht möglich, den einen oder den anderen der bürgerlichen Kandi boten zu unterstützen. Unser Kandidat, Genosse Kloje, erhielt wur unsere 10 Stimmen. Stellvertreter wurde Genosse Heinig. Un. befoldete Stadträte wurden außer vier bürgerlichen die Genossen Leimbach und Hermes. Vier Tagesordmmgspunkte befaßten sich allein mit Erwerbslosenfragen. Unsere An träge wurden sämtlich angenommen, der letzte, der Gesezesände rungen wünschte, nur zur Hälfte. Ein weiterer Antrag bemängelte die Straßenreinigung, die ja nicht nur in unserem Bezirk z münschen übrig läßt. Das Bezirksamt wandte ein, daß die Mittel von der Zentralverwaltung zu gering bemeffen würden, so daß 3. B. diejenigen für die Schneebeseitigung schon wieder aufgebraucht feien. Ein Antrag, den Erwerbslosen für ihre Versammlungen geeignete Räume auf Bezirkskosten zur Verfügung zu stellen, wurde angenommen; doch dürfte kaum damit zu rechnen sein, daß das Bezirksamt hier zustimmt, da es eine zentrale Regelung dieser Angelegenheit wünscht. Dann wurde beschlossen, den Rathausplatz Zigarette gehailvolle 33 vergißt man nicht so leicht has die Erwerbslosen den Wunsch aus, recht oft ähnliche Unterhaltungen| Fredensborf. Lichtenberg II gegen Aslania in elebrichsfelbe, Sorbelloch. zu veranstalten, damit sie nicht in eine troftlose Berzweiflungs. Friedrich bogen gegen Lichtenberg I in Friedrichshagen. Sparta gegen Bri bannia in Lichtenberg, Sauffstraße. Germania gegen Eintracht 25 in Beißen ftimmung verfinten, sondern der Glaube an eine bessere Zukunft fee, Rennbahn. bes werftätigen Rolfes in ihnen immer wieder angefeuert werde. Der Dezernent des Boltsbildungsamtes sagte auch die Erfüllung dieses Wunsches zu und gab gleichzeitig bekannt, daß in Zukunft die Erwerbslosen zu allen Beranstaltungen des Boltsbildungsamtes freien Eintritt haben merden. Beair! Sübweft: Boltersdorf gegen Berolina in Woltersdorf. Rehlendorfer Ballspielklub gegen Neukölln in Rehlendorf. Kreuzberg gegen Ludenwalde auf dem Tempelhofer Feld. Nüftig- Borwärts gegen Rolzenburger Sportverein in Reutöln, Grenzallee. Wilmersdorf gegen Frisch- Auf in Wilmersdorf, Birttem beraische Straße. Bittoria gegen Lantwik in Tempelhof, verlängerte RaiferinAugufta- Straße. Ludenwalde II gegen Charlottenburg in Ludenwalde. Teltom gegen Filterbog in Teltow. Neuköllner Ballspielflub gegen Trebbin auf bent Tempelhofer Feld. Botsdam gegen Zudenwalde III in Botsdam, Bornstedter beffer zu beleuchten. Interessant jedoch war wiederum die Haltung der Bolksparteiler zu den Wünschen der Kleingärtner. Sie, die sich vor der Wahl gar nicht genug tun fonnten, ihre Liebe zu den Kleingärtnern zu betonen, zeigten diesmal, als es um die Rolonie Birtbush ging, die talte Schulter, weil es sich um angeblich hochwertiges Bauland handelt. Man muß jedoch berüc fichtigen, daß der Wunsch der Kleingärtner, nicht an die Bezirks grenzen gedrängt zu werden, durchaus verständlich ist. Er fand aber nur auf der linten Seite des Hauses Verständnis, Eine Opferwoche für die Hungeraden und Frierenden wird infolgedessen wurde diesem Plane, soweit er die Kolonie Birkbusch vom 6. bis 14. februar in Berlin burch einen Bertrieb von Bohlfeld. Gamangendorf gegen Fußballring in Schmargendorf. betraf, nicht zugestimmt. Auch der Bürgermeister hatte sich aus fahrtsbriefmarken durchgeführt. denselben Gründen dagegen ausgesprochen. 20. Bezirk Reinidendorf. Kommunale Literatur. Die lekte Bezirksversammlung vom 20. Jamuar beschäftigte Der Kalender für Kommunalbeamte", der alljährlich vom Bersich mit der Etatberatung. Während die demokratische und unsere bande der Kommunalbeamten( Romba) Breußens herausgegeben Fraktion bei einigen Abänderungen dem Etat zustimmen wollten, wird, als Komba- Kalender bekannt, ist für das Jahr 1926 im Ber erklärte die bürgerliche Fraktion, daß sie gegen den Etat stimmen lag von Reinhold Kühn A.-G., Berlin S. 68, Kochstraße 5, merde, weil nicht genügend gespart werde. Die Kommunisten erschienen und vom Verlag oder durch Buchhandlungen zum Preise wollten nur dann zustimmen, wenn alle ihre Anträge angenommen von 3,60 M. zu beziehen. Dieser zwei Bände umfassende Kalender werden. So beantragten sie beispielsweise für die unteren Beamten ist namentlich in seinem zweiten Band ein außerordentlich eine Erhöhung, für die höheren Beamten eine Herabſegung der wertvolles tommunalpolitisches Handbuch. In Gehälter, sowie eine Aenderung der Schlüffelzahlen, was beides ihm sind alle wichtigen einschlägigen Gefeße und Berordnungen bis über die Befugnisse der Bezirksversammlung hinausgeht. Unſere in die neueste Beit hinein aufgeführt. Der Ralender ersegi babura) Genossen fonnten darauf hinweisen, daß sowohl die Bürgerlichen, wenigftens für den Handgebrauch die verschiedenen amtlichen Ge als auch die Kommunisten bei den Borberatungen in den Depu- fetesblätter, und sein Preis ist nicht höher als der Preis für die tationen feine derartigen Anträge gestellt hatten. Unsere Fraftion Ausgabe eines einzigen ber vielen hier wiedergegebenen Gesetze. beantragte beshalb, den Etat nochmals der Finanzdeputation zur Die Benutzung wird durch ein ausgezeichnetes Sachregister wesentlich erneuten Beratung zu überweisen, was beschlossen wurde. erleichtert. In dem Sachregister für Gefeße, Berordnungen und Er laffe ift gleichzeitig Datum und Erscheinungsort des betreffenden Gesezes oder Erlaffes angegeben. Der erste Band des Kalenders enthält ein vollständiges Behörden und Organisationsverzeichnis, in dem auch Beamtenorganisationen verzeichnet sind. Der Kalender ist namentlich wegen seines zweiten Bandes sehr zu empfehlen. Die Ausdehnung Berlins. Jubilden. Sermann MahIto mefeiert am 29. Januar fein 25jähriges treue Lebensgefährtin. Berlin ist mit seinem Flächenumfang von rund 346200 morgen die größte aller Weltstädte, denn New Yort hat eine Ausdehnung von 336 000 preußischen Morgen, London Don 120 800, Wien von 109 200 und Paris von nur 31 600 Morgen. Bon dieser Riesenfläche entfällt in Berlin fast die Hälfte auf Bauterrain. Große Flächen entfallen auf Dienftfubiläum beim Eichomi Mendelssohnfte. 10. Genoffe Ibert Waffer, Garten- und Parkanlagen, Acer, Wiesen und Forsten. Alt. Rogge aus Reutölin beging fürlich feinen 60. Geburtstag. Seit mehr Berlin hat 48 Proz. bebautes und nur 10 Broz. noch bebaubares als 40 Jahren ift er in Bartei und Gewerkschaft tätig, ihm zur Seite feine Gebiet. Im Bezirk Berlin- Mitte ist die Gesamtfläche in einem Umfang von 65 Broz. bebaut, in den übrigen Bezirken ist noch umfangreiches Gelände auf dem Wedding, Gesundbrunnen, Schönhauser Allee, an der Greifswalder Straße usw. bebaubar. In Neufölln ist noch ein Gelände von 74 Pro 3. der Gesamtfläche bebaubar, in Reinickendorf von 57 Pro3., in Spandau von 54, in Treptow von 48 Proz. usw. Bartanlagen sind am ausgedehntesten in den Bezirken Tiergarten, Treptow, Friedrichshain und Wedding, Dauerwaldungen in Wilmersdorf, Köpenid und Reinidendorf Tegel Schöneberg und Friedrichshain haben das ausgedehnteste Eisenbahnneg. Spandau verfügt über große Waffer, Wiesenund Forstflächen. Eine Radfahrerfalle. Der Radfahrweg in der Hauptstraße in Lichtenberg ist durch Hochspannungsmaste so verbaut, daß es in der Dunkelheit höchst gefährlich ist, den Weg zu befahren. Auch am Tage muß man auf den Promenadenweg ausbiegen, wenn man ausweichen oder überholen will. Ein Mitglied des Arbeiter- Radfahrerbundes„ Solidarität" hatte das Pech, als er einmal zwei unsicher radelnden Rindern ausweichen mußte, beim ausweichenden Befahren des Promenadenweges von einem Schupobeamten aufgeschrieben zu werden. Der weitere Berlauf dieser Angelegenheit, die mit einem Strafmandat von 15 mart endete, hat für die Oeffentlichkeit insofern Intereffe, als der Schupobeamte bei der Gerichtsverhandlung befuntete, daß die betreffenden Hochspannungsmaste nicht in der Mitte des Radfahrweges, sondern in gleicher Höhe der Baumreihe ständen. Der einfache Augenschein straft diese Behauptung des Beamten Lügen. Im öffentlichen Interesse bedarf dieser Bor fall beswegen einer eingehenden nochmaligen Untersuchung. Die Anforderung von Krankenwagen. Das Bezirksamt Treptow teilt folgendes mit: In den Bagen ber Berliner Straßenbahn befindet sich neuerdings ein Hinweis, daß Krankenwagen durch tele phonischen Anruf angefordert werden können. Für den Bezirk Treptow trifft dieser Hinweis nicht zu. Die Einwohner dieses Bezirks berlangen durch Fernruf Amt Oberschöne weide 515 einen Krantenwagen. Die Unterkunftsstelle des Wagens für den Bezirk Treptow befindet sich bekanntlich in Johannistal. Ist es nicht möglich, auch für den Bezirk Treptow die Bestellung von Krankenwagen über das Amt Norden zu leiten, um hier die doch sicherlich wünschenswerte Einheitlichkeit in Berlin auch auf diesem Gebiete au erzielen? Der Dichter bei den Erwerbslofen. Die vom Boltsbildungsamt Treptow im Januar zum erstenmal allein nur für die Erwerbslofen angesezte Beranstaltung im Imbergschen Gesellschaftshaus in Oberschöneweide war ein ermunternder Anfang für die geplanten späteren Unterhaltungsabende. Der in den weitesten Kreisen bekannte Arbeiterdichter Bruno Schönlant hatte es in felbstloser Weise übernommen, die Erwerbslosen in die Arbeiterdichtung" einzuführen und ihnen den ethischen Wert derselben zu Gemüte zu führen. Seinen Ausführungen folgten die Zuhörer, größtenteils Jugendliche, mit größter Hingabe, so daß sich bald ein enges geistiges Band zwischen dem Dichter und den Zuhörern fnüpfte. Eigene Dichtungen, die tief bewegten, da sie Selbsterlebtes, Selbsterschautes gaben, folgten den Ausführungen und hielten die Zuhörerschaft in ihren Bann bis zum Schluß. Am Schluß der Veranstaltung drückten 128.- 130. Abteilung( Pankow). Den Mitgliebern bie traurige Nach. richt, baß unser langjähriger, treuer Genoffe Friedrich Walz am Dienstag, den 26 Jannar, früh Derftorben ift. Friede seiner Asche! Die Einäscherung findet am Sonnabenb, ben 30. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, ftatt. Recht rege Beteiligung erwartet Die Abtellungsleitung. 104/7 Nachruf Am Mittwoch, den 27 Januar, früh 8 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerem Leiben unfer lieber Bater, Bruber, Schwager und Ontel Paul Plettig im 59. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt, um stille Teilnahme bittend, an Die trauernden Hinterbliebenen Erich Plettig. Walter Plettig. Budower Str. 12. Einäicherung: Sonnabend, den 80 b. M., mittags 12 Uhr, im Krematorium Berlin Baumschulenweg, Rief holzstraße 221. Am Sonntag, den 24. d. M., verschied unser Kollege, der Werkmeister Paul Neuling im Alter von 48 Jahren. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin SO, Januar 1926. 15/18 Die Angestellten der Firma W. Gurlf& m. b. H. Telephon- u. Telegraphenwerke 1593 b Arbeitersport. Fußballspiele am 31. Januar. Bezirk Rorben: Wader 20 gegen Bernau auf dem Eperzierplak Sönbaufer mee. Teutonia gegen Selvetia in der Chriftianiaftreke. Arbeiter- Turnverein Bantom gegen Nordiska in Bankow, Andreas- Hofer- Blag. Seegermühle gegen Arbeiter- Sportverein 24 in Seegermühle. Abler 12 gegen eifenfpalteret in bet Chriftianiaftraße. Union gegen Bantom 08 in Bankow, Maximilianstraße. Fichte- Nord gegen Alemannia in Reinidendorf, Gemeindesportplan. Minerva gegen Boruffia in Borsigwalbe, Neue Ernststraße. Borwärts gegen Bertha in Sennigsdorf, Bökowstraße. Nathenow gegen Fichte- Gesundbrunnen in Rathe now. Sportverein 22 gegen Amateure in Eberswalde. Einigkeit gegen Staaten in Repernid. Siemensstabt gegen Birkenwerder in Siemensfbabt, Exersierplak. Bezirk Often: Fichte- Gülboft gegen Stralau in Trepiom, Turnplah. Trep tower Ballspielflub gegen Luftig- Fidel in Treptow. Al- Glienice gegen Frisch frei in Alt- Glienide am Riesbera. Oberfpree gegen Ablershof in der Muhl heide. Merkur gegen Berein für Bewegungsfotele in Grilnau. Lichtenberg II gegen Berliner Sportverein 22 in Lichtenberg, Stadion. Sertha 22 gegen Reuenhagen in Lichtenberg, Wagnerplan. Borwärts gegen Beikenfee in Boben Schönhausen, Sommerstraße. Tasmania gegen Berliner Sportverein 16 in Zentralverband der Maschinisten und Heizer, sowie Berufsgenossen Deutschlands. Geschäftsstelle Groß- Berlin. Wir erfüllen hiermit bie traurige Bflicht, ben Tod unferer langjährigen Kollegen Ernst Paschke verftorb. 26. Jan. vom Bezirk Neukölln, Jäckel verstorben 24. Jan, von Beşir! Often, bekanntzugeben. Ehre ihrem Anbenten! Die Ortsverwaltung. Die Beilegung bes Rollegen Genft Baschte findet tatt am Sonnabend, ben 30. Januar. nachm. 5 Uhr, tm Rrematorium Baumschulenweg, Rief die des Rollegen Jädel holafte 221, am Freitag, ben 29. Januar, Abfahrt 105 Uhr nachmittags vom Briegener Bahnsteig nach Marzahn Am 26. Januar 1926, früh 12, Uhr, entschlief fanft und unerwartet nach furzem, fchwerem Leiden im 59. Lebens jahre meine innigftgeliebte Frau, unfere treuiorgenbe Mutter, liebe Tante und Großmutter, Frau Emilie Liefeld geb. Edert Dies zeigen tiefbetrübt ant Friebrich Stefelb und Kinder. Berlin RB 52, Alt- Moabit 181. Die Einäscherung findet Gonnabend, ben 30. Januar, nachmittags 1, Uhr, im Krematorium Gerichtftr. 37/38 ftatt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäfcherung meines lieben Mannes fpreche ich allen Beteiligten, insbesondere ben Herren Barnst und Thöns flir thre froitzeichen Borte, sowie ben Organi fationen für die Ehrung des Toten meinen innigften Dank aus. Aber auch all den guten Freunden und Bekannten, bie meinen lieben Mann während seines schweren Kran tenlagers burch Besuche und Aufmertfamteiten ben leidenden Zustand erträglicher geftaltet haben, bante d für diese liebevollen Beweise herzlichſt. Im Namen der Hinterbliebenen Frau Wwe. Anna Lehmpfubl. Am 24. Jan. verschied der Werkmeister Paul Neuling im 49. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Berlin, Januar 1926 Die Arbeiterschaft der Firma W. Gurit&.u.h.L. Telephon- u. Telegraphenwerke Die Einäscherung findet Sonnabend, den 30. d. M., nachm. 2 Uhr. im Kremstorium Baumschulenweg statt. 15/17 Touristenverein„ Die Naturfreunde", Rentrale Bien. Ortsgruppe Berlin: Für die am 31. Januar ftattfindende Gaulonferens werden noch Quartiere benötigt. Genoffen, die auswärtige Delegierte aufnehmen wollen, mögen fich beim Genoffen Damnis melden. Abt. Friedenau: Freitag, 29. Januar, int Seim Offenbacher Str. 58, 28 Uhr, Jahresgeneralversammlung. Mitglieds. Barten mitbringen, Photogemeinschaft. Montag, 1. februar, 8 Uhr, int Thema: Jugendheim des Dftens, Rimmer 5, Große Frankfurter Str. 16/17. " Bie ftelle id einen Bergrößerungsapparat her?" Gäste herzlich willkommen. Abt. Charlottenburg: Freitag, 29. Januar, 8 Uhr, im Jugendheim Haefeler ftraße 16b, Sans- Sachs- Abend. Gonntag, 31. Januar, Wanderung BildparkSmielomfee- Linnewikfee Michendorf. Abfahrt früh 8,10 Uhr Bhf. 800, Gäfte willkommen. Abt. Gesundbrunnen: 8.16 Uhr hf. Charlottenburg Freitag, 29. Sanwar, bein löns- Abend, mie angekündigt, fondern Unter Seim Kopfftr. 53( Schule) Borttag des Genossen Marsch: Im Lande ber bend. haltungsabend: Die Seide". Abt. Neukölln: Freitag, 29. Januar, 8 Uhr, im miden". Gäfte willkommen. Borher 7-8 Uhr Jugendgruppe: Liederabend. Berliner Arbeiter- Schachklub. Wegen des Maskenballs am Sonnabend, am Sonntag aus. Die Runde muß nachgespielt werden. Der Termin wird von der Spielleitung festgefekt. Abt. Schillerpart fpielt jeden Freitag von 8-11 Uhr in der Müllerstr. 126 bei Bener. Schachspieler oder die es werden 30. Januar. fallen die Abteilungswettkämpfe, alfo die 6 Runden der C- Gruppe, mollen, find herald willtommen Arbeiter Rabfahrer- Verein Groß- Berlin. Sonntag, 31. Sanuar, mittags puntt bort um 1 Uhr. Nachdem nach Rehlendorf- Mitte bei Geride, Rariftr. 12. Start: Waldemarstraße Ede Mariannenplak. Gäfte millkommen. 12 Uhr, nach dem Berkehrs- und Baumuſeum in der Invalidenſtr. 50. Treff3.( Arbeiter- Wintersport- Interessengemeinschaft). Alle Abteilungen: Generalverfaminlung Donnerstag, 4. Februar, 7 Uhr, auf dem fichte" Wintersportfeft. Dasselbe mußte am 24. Ja Sportolak in Baumfäulenweg. muar megen bes eingetretenen Tauwetters ausfallen, findet aber bestimmt in voonefchener Aufammenstellung am nächsten Sonntag mit Schnee ftatt. Urbeiter Rabfahrer- Bund Colibarität". Bez. 1: Donnerstag, 4. februar, Touren filt Sikung ber Schlichtungstommiffion Rungestr. 17, 7% Uhr. Sonntag. 31. Januar: 1. bt.: Jugendtour Nauen. Start 8 Uhr Billowstr. 55. Rachmittags 5 Uhr gemütliches Beisammensein in Rehlendorf bei Gerede, Rarlite. 12. 3. Abt.: Muſeum 2. Abt.: Abends 6 Uhr Gewerkschaftshaus. 4. Abt.: Sternfür Bölterkunde. Treffpunkt 10 Uhr Röniggräger Str. 120. Gäste willkommen, marte. Treffpunkt aur Fuktour 2 Uhr Weberwiese. 7. Abt.: Siel 1 Uhr 6. bt.: Riel 1 Uhr am Start Ropenhagener Str. 26. am Start Rolonieftr. 46. Bea. 2. - 9. Abt.: Begirts portfest Bharusfäle, Driegt. Reu Driegt. Charlottenburg: Riel 1 Uhr am Start Galvaniſtr. 18. Bn: 1 Uhr am Start Goale Ede Ranner Straße bei Fleik. Bea. 21. Detsgr. Tegel: 9 Uhr am Start Schlieperftr. 64. Das Arbeiter- Sportlartell 3. Bezirk Webbing veranstaltet am Sonntag 81. Januar, in den Pharusfälen eine Werbeveranstaltung. Anfang 2 Uhr. Bon 2-4 Uhr findet ein Simultanschachspiel statt. Bon 4-11 Uhr Bor führungen der Bereine des Rartells: Turner, Radfahrer, Athleten, Brobebari fche Spielgemeinschaft. Eintritt 50 Bf. Rartellverband für Sport und Körperpflege. 15. Kartellbezirk Treptow: Montag, 1. februar, Bezirkskartellfigung im Jugendheim Oberschöneweide, Laufener Str. 2, 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Bericht, 2. Raft, 8. Werbewoche 26, 4. Beranstaltungen der Vereine im Jahre 1926, 5. Berschiedenes. Jeder angefchloffene Berein hat 2 Delegierte aut entfenben. Spattliche Bereinigung Nord- Oft". Sonnabend, 80. Januar, 8 Uhr, Generalversammlung in den Union- Festfälen, Greifswalder Str. 222 Athletil- Sport- Club. Das Interne Sallensportfest findet nunmehr bestimmt am 7. februar, nachmittags 3 Uhr, in der Rentralturnhalle Prinzenftvaße ftatt. Reben einigen sportlichen Wettkämpfen, außer Staffeln, Handball- und Stod ballspiel werden verschiedene Sondervorführungen der einzelnen Abteilungen gezeigt. Am Dienstag, 2. februar, nach dem Baden Vorstandssigung. Freitag, 5. Februar, Monatsverfammlung bei Lehnigt, Mühlenstraße. Geschäftsstelle: Banns Rahn, Berlin, Marienburger Str. 47. IHRE VERDAUUNG but das Ah!! und das Oh!! Ihrer Gesundheit! Sie haben etne schlechte oder mangelhafte also kaufen Sie sich in der Verdauung Apotheke Boesonsalz"! Berelten Sie sich mit Boesonsalz" in einem Glase frischen Wassers jeden Morgen nüchtern sowie jeden Abend vor dem Schlafengehen das köstlich schmeckende kohlensaure Boesongetränk"! Sie werden aberrascht und beglückt sein, wie schnell und wohltuend Boesonsalz" Ihre Verdauung regelt und dadurch Ihre Gesundhelt fördert. Dankbar werden Sie sein und dem„ Boesonsalz" tren bleiben! BOESON G. M. B. H. Chemisch- pharmaz. Erzeugnisse, Hamburg 5 . JUHL Fehlfarben ERSPARNIS BIS 40% SEIT 1869 Nr. 47 43. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die Entscheidung im Reichstag. Ausschluß des Abg. Henning COREVIO Freitag, 29. Januar 1926 Breitscheid gegen die deutschnationalen Henchler- Stresemann berichtigt Weftarp. Im Reichstag wandte sich gestern vor Eintritt in die Tages| ordnung Abg. v. Guérard( 3.) gegen den Bersuch des Grafen Bestarp in dessen gestriger Rede, seine Stellungnahme zu den Fragen des befesten Gebietes für die deutschnationale Politit fruchtbar zu machen. Der Redner spreche im vollen Einvernehmen mit seinen politischen Freunden, wenn er sage, daß die politische Haltung der Deutschnationalen Partei die Interessen der BeDölferung der besegten Gebiete aufs fomerfte gefährde Gegen einen tommunistischen Antrag, die polizeilichen lieber griffe in Bayern auf die Tagesordnung zu setzen, wird von rechts Einspruch erhoben. Abgelehnt wird der Antrag der Bölkischen, ihren Antrag auf vorläufige Einstellung der Dames- Zahlungen heute mit zu ver. handeln. Die Besprechung der Regierungserklärung wird fortgefekt Abg. Henning( Bölt.) erklärt, daß die Bölfischen fein Bertrauen zu einem Kabinett hätten, in dem die Demokraten einen so großen Einfluß ausübten. Die Regierungsbildung sei erft in Fluß gefommen, nachdem eine Freimaurerversammlung in Harburg die Parole dazu ausgegeben habe. Im Falle einer Enteignung der Fürstenhäuser müßten auch sämtliche Dstjuden enteignet und alle Inflations- und Deflationsgewinne eingezogen werden. Der Redner schließt: Die Regierung habe ihre absolute Unfähigkeit bewiesen mit ihrer Wirtschaftspolitit, die zu einer immer weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit geführt habe. Diese Regierung der Erfüllungspolitik müsse gestürzt werden, fie sei eine Regierung der Hentersinechte am eigenen Bolte. Bei diesen letzten Worten springt Reichskanzler Dr. Luther er regt auf, tritt auf Abg. Henning, der die Rednertribüne verläßt, zu und ruft: Ich verbitte mir derartige Bemerkungen ganz energisch!" Es entsteht ein ungeheurer Lärm im ganzen Hause, in dem die einzelnen Worte nicht mehr verstanden werden. Henning scheint sagen zu wollen, daß er den Reichstanzler persönlich nicht habe beleidigen wollen. Minutenlang wird gerufen: Raus mit ihm! Raus!" Bizepräsident Dr. Bell fann sich erst nach einiger Zeit Ruhe schaffen. Er erklärt: Der Abgeordnete Henning hat mit seinem legten Worten einen so schmeren Verstoß gegen die Ordnung des Hauses begangen, daß ich mich gezwungen lebe, ihn von der Sigung auszuschließen. Ich ersuche den Abg. Henning, den Saal zu verlassen. 4 Die Erklärung des Bräsidenten wird von der übergroßen Mehr heit des Hauses mit lautem Beifall aufgenommen. Abg. Henning Derläßt den Saal von Zurufen der Linten be. gleitet. Abg. v. Cindeiner- Wildau( Dnat.) mißbilligt das Auftreten : Hennings auf das entschiedenste.( Lebh. Beifall bei der Mehrheit. Die Böllischen rufen: Echt deutschnational!) Der. Redner bezeichnet dann die jeßige politische Krise als eine Krise des parlamentarischen Regierungsfystems überhaupt. Die Deutschnationalen tönnten sich nicht auf Stimmenthaltung be fchränken, denn fie wollten nicht mitschuldig werden an der Bertuschung des Zusammenbruchs eines Regierungssystems, das in der Braris und im Bewußtsein unseres Volkes längst innerlich über munden sei. Sie hätten zu der heutigen deutschen Außenpolitik nicht das Bertrauen, daß fie dem ganzen Ernst der internationalen Lage gerecht werde. Wir denken noch an die peinliche Ueberraschung, die uns das Regierungsmemorandum brachte, mit der der Locarno Baft eingeleitet wurde. Auch wir sind der Meinung, daß wir eine erfolgreiche Außenpolitit nur treiben tönnen auf dem Bege einer Berständigung mit unseren früheren Feinden( hört, hört! in der Mitte), aber wir wollen nicht allein die Gebenden sein. Nach den Enttäuschungen mit den Rüdwirtungen aus dem Locarno Bertrag dürfen wir nicht wieder unseren legten Trumpf ohne sicht bare Gegenleistungen aus der Hand geben, den wir mit dem Eintritt in den Böllerbund haben. Darum legen wir so großen Wert auf unseren Antrag, der diesen Schritt von dem Borliegen ganz bestimmter Boraussetzungen abhängig machen will. Bir verchließen uns nicht den großen idealen Gedanten einer überstaatlichen Organisation, die geeignet ist, die Welt nach Möglichkeit von der furchtbaren Geißel gewaltsamer Lösungen internationaler Ronflitte zu befreien, aber wir müssen ernst prüfen, ob dieser Völkerbund nach seiner Entstehungsgeschichte und feinen bisherigen Taten geeignet ist, dieser Friedensbringer zu sein. Bis her fehen wir nur, daß angesichts des bevorstehenden Eintritts Deutschlands in den Bölferbund immer neue Barrikaden errichtet werden, um Deutschlands Einfluß zu verringern, vor allem in der Frage des Schuges der nationalen Minderheiten. Deutschland muß vor dem Eintritt in den Bölkerbund die Rüdgabe seiner Rolonien verlangen.( Beifall rechts.) Es muß sein Selbstbestimmungsrecht haben, nicht nur hinsichtlich der Vereinigung mit den deutschen Bolfsgenossen in Desterreich, sondern auch mit den vielen an. deren Ländern zugesprochenen Deutschen.( Beifall rechts.) Deutschlands Beitritt zum Bölferbund würde die Erreichung dieses Hochzieles wenn nicht ganz verhindern, so doch sehr erschweren. Der Ranzler meinte, die deutschen Belange fönne man im Bölferbund beffer vertreten als draußen. Wenn aber das Eintrittsgeld die Aufgabe der nationalen 3iele sei, dann bleibe man lieber draußen. Auch in der Opposition werden wir um die höchsten nationalen Güter ringen.( Lebh. Beifall bei den Deutschnationalen.) Biezepräsident Bell teilt mit, daß von den Regierungsparteien ein Antrag auf namentliche Abstimmung eingelaufen fei. Abg. Koenen( Komm.) fordert, daß der hinausgewiesene Abge ordnete zur Abstimmung wieder zugelassen wird. Bizepräsident Bell unterbricht ben Rebner mit der Erflärung, daß die Hinausweisung des Abgeordneten Henning ausschließlich burch den amtierenden Präsidenten erfolgt sei und daß darauf weder der Reichstag nach der Reichstanzler Einfluß gehabt hätten. Er ersuchte den Redner, die Maßnahme des BrasiSALAMANDER- SCHUHE SCHÖN PREISWERT- GEDIEGEN denten nicht zu fritisieren, eine Aussprache darüber könne nicht zugelassen werden. Abg. Koenen erklärt dann weiter, es sei jetzt schlechte Konjunktur für eine Dittatur Seedt und überhaupt für starte Männer. Die Regierung stehe auf sehr schwachen Füßen. Wenn sie die Ballmacht zur Auflösung des Reichstages in der Tasche habe, darum müsse fie erst recht verschwinden. Der Redner zitiert den Lokal.An. zeiger", monach der Reichskanzler nach der Berfaffung den Reichs tag gar nicht auflösen fönne, weil er noch kein Bertrauensvotum erhalten habe. I rozdem müsse man die Auflösung verlangen. Bräsident Cobe teilt mit, daß zum deutschnationalen Antrag auf Aussehung des Eintritts in den Böllerbund vier Anträge auf namentliche Abstimmung eingegangen seien. Abg. Drewitz( Wirtsch. Bg.) erklärt, seine Freunde hätten sich ftets zur Mitarbeit bereit gefunden, aber die jetzige Regierung müsse fich erst Bertrauen erwerben. Die Regierung habe hisher noch nichts gegen die Synditate und Berbände unter nommen, tagegen bedrche ihre Preissenfungsaftion den gewerb lichen Mittelstand mit dem Untergang. Gegenüber dem Breisbittat der Kartelle sei die Regierung ohnmächtig. Durch ihre Taten müsse die Regierung beweisen, daß fie besser sei als ihr Ruf. Berde die Regierung ihre Bersprechungen nicht halten, so werde seine Frattion aus ihrer heutigen Neutralität heraustreten und der Regierung den Kampf anfagen Abg. Feder( Bölt.) wünscht, daß die Regierung auf Besserung Der Kreditverhältnisse in der deutschen Wirtschaft hinarbeite. Heute herrsche noch die Gewalt der Börse. Abg. Breitscheid( Soz.). Es ist nicht meine Absicht, in dieser Situation noch lange Morte zu machen. Jede Fration weiß jegt, wie sie ihre Abftinumung ein richten foll. Es ist auch zwedlos, in diesem Augenblid noch auf die verschiebenen Fragen einzugehen, die der Vorredner aufgeworfen hat. Bei anderen Gelegenheiten werden wir diese Fragen besser erörtern fönnen. Nur noch ein paar Worte zu den Ausführungen des Herrn Lindeiner Wildau, die immerhin auf einem höhe ren Niveau gestanden haben, als man sie sonst von deutschnationaler Seite zu hören bekommt. Wir sind die letzten, die die Lage der deut schen Wirtschaft, die Not des Boltes, die das große Elend in Abrede stellen wollten und tie nicht jedes brauchbare Mittel anmenden wür. ben, um diese Not zu lindern. Aber Herr Lindeiner hat fein Recht dazu, seine Freunde von der Schuld dieser Not freizusprechen. Sie hatten doch bis vor kurzem noch den maßgebenden Einfluß in dem ersten Kabinett Luther. In dieser Regierung haben fie die wichtigsten Bosten besetzt gehabt, mit Herrn D. Schlieben als Finanzminister und Herrn Neuhaus als Wirtschaftsminister.| Die Deutschnationalen hätten doch damals mit ihren Rezepten her austommen sollen. Sie hatten damals aber nur das Rezept der Bell und Steuerpolitit. Wenn die Deufidhnationalen erklären, daß diese Wirtschaftspolitik Fiasto erlitten habe, dann geben fie zu, daß die Wirtschafts politif zu Bruch gekommen ist, die sie geführt haben.( Beifall bei den Soz.) Herr Lindeiner sprach davon, wie notwendig es fel, die Absah märtte für die teutschen Erzeugnisse zu ermeitern. Glauben Sie, daß Ihre Wirtschaftspolitik dazu beigetragen hat? Ich erinnere 3. B. an Ihr Berhalten beim deutsch spanischen handels. vertrag. Sie haben also nicht die aktive Legitimation dazu, über die Schädigung der Wirtschaft durch die Bernachlässigung der Aus landsmärfte zu flagen. Herr Lindeiner hat bei der Besprechung des Problems des Bölterbuntes Wert darauf gelegt, festzustellen, daß die Deutschnationalen bis Locarna immer eine tonEs ist verdächtig, fequente Politit betrieben hätten. daß diese Beteuerungen über die Kenſequenz der deutschnationalen Bolitit fich fo häufen. Das läßt den Schluß zu, daß die Quantität die Qualität ersehen soll. Sie haben ja durch den Mund des Herrn Schiele erklären laffen, taß Sie das Memorandum vom Februar nicht gefannt hätten. Wenn das aber auch richtig sein sollte, dann haben Sie doch die Juli- Rote gefannt, als Deutschland zum ersten Male fich bereit erklärte, in den Bölkerbund einzutreten. Sie fönnen hoch nicht bestreiten, daß das die Fortsetzung der Politif war, die mit dem Februar Memorandum eingeleitet worden ist. Wenn Sie Locarno nicht wollten, und den Völkerbund nicht wollten, dann wäre es damals schon Ihre Aufgabe gemefen, gegen diese Politik zu protestieiren und aus der Reichsregierung auszufcheiden.( Sehr richtig!) Sie hätten das noch in dem Augenblid tun können, als Luther und Stresemann von diesem Kabinett nach Locarno gefandt wurden. Es fommt nicht darauf an, welche Richtlinien Sie( zu den Deutschnationalen) aufgeftellt haben, sondern nach welchen Richtlinien Ihre Vertreter in der Regierung gehandelt haben. Es wäre von höchstem Intereffe, feffzustellen, ob die Deutschnafionalen in diesem Kabinett Bedingungen gestellt haben, in denen fie fagten, daß ohne die Annahme ihrer Richtlinien Locarno nicht angenommen werden fönne, und ob die Regierung diefe Bedingungen angenommen hat.( eft arp ruft Jawohl!", Luther ruft„ Nein!") Herr Bestarp, es ist doch sehr interessant, daß Sie zu den damaligen Berhandlungen hinzugezogen wurden! Haben Sie gesagt: Kommt Ihr aus Locarno zurüd, ohne daß unsere Bedingungen erfüllt find, dann werden wir unsere Minister zurückziehen? Sie baben das erft nachher gesagt. Es tommt darauf an, ob Herr Schiele es damals gesagt hat. Sind aber andere Richtlinien im Rabinett auf. geftellt worden, wäre nicht dann schon Herr Schiele verpflichtet ge gestellt worden, wäre nicht dann schon Herr Schiele verpflichtet ge mesen, zurückzutreten? Ich tann alio teinerlei Ronse quena in 3hrer Haltung zur Außenpolitit er. tennen. Warum war diese Außenpolitit nicht tonfequent? Darüber haben wir uns schon ausführlich unterhalten. Es war für Sie ungmedmäßig, die außenpolitit abzulehnen, solange die 3ollpolitit nicht erledigt mar.( Sehr richtig bei den Sox.) Herr v. Lindeiner hat von der Schandstunde gesprochen, in der der Bölkerbund geboren wurde in Versailles. Es ist doch aber feftAuch zustellen, daß die erste Regierung, die fich für den Eintritt Deutschlands in den Böllerbund ausgeipochen hat, die Regierung Cuther war, in der die Deutschnationalen faßen. Wer so zum Bölkerbund steht, der muß diesen Schandfled" ablehnen, ohne erft Bedingungen für den Eintritt aufzustellen. Ich kann es darum nicht verstehen, baß die Deutschnationalen nicht ichon bei der Juli- Note den Eintritt in den Bölkerbund abgelehnt haben. mir haben Forderungen aufgestellt, und ich bedauere, daß unfere Ansprüche nicht schon im Februarmemorandum zur Geltung gebracht worden find. Aber etwas anderes ist es, wenn wir wünschen, daß durch den Eintritt in den Böllerbund alles versucht werden muß. um unsere berechtigten Forderungen durchzuführen, als den Eintritt in den Bölterbund überhaupt nicht zu wünschen und dann noch zu bebauern, daß nicht rechtzeitig gesagt worden sei, mas mir für Forderungen aufzustellen hätten. Die Tatsache, daß auch wir den Bertrag von Bersailles ablehnen, ist zu allgemein befannt, als daß ich jetzt noch weiteres darüber ausführen müßte. Diefer Bertrag entspricht nicht den Grundsägen der Gerechtigkeit. Benn wir in unserer Ablehnung des Bertrages von Bersailles einig waren, so haben wir doch in der National. Bersammlung dafür gestimmt, und wir taten es damals unter der Toleranz der Deutschnationalen Wenn wir jetzt den Eintritt in den Böllerbund verlangen, so fun wir es, weil wir uns der Hoffnung hingeben, daß wir dort für unsere berechtigten Forderungen auf Gehör stoßen. Deshalb find wir wohl Gegner des Bertrages von Versailles und doch Freunde des Eintritts in den Bölferbund.( Beifall bei den Soz.) Herr Lindeiner hat weiter davon gesprochen, daß unserer Jugend neue Ideale gegeben werden müßten, und er hat auch von einer Germania Irredenta geredet. Es mag für einen Teil der deutschen Jugend schmerzlich sein, das alte System begraben zu sehen, für manche aus materiellen, für andere wieder aus ideellen Gründen Bie Sie aber der deutschen Jugend an neuen Idealen" geben wollen, das find in Wirklichkeit sehr alte Ideale. Statt der Jugend zu sagen, fie foll in die Zukunft bliden, fordern Sie fie auf, in die Bergangenheit zu schauen. Damit tommt man aber bei der Jugend niemals weiter, wenn man sie den Blick in die Vergangenheit richten täßt. Ich will noch gar nicht von unserem sozialistischem Ideal sprechen, aber versuchen Sie doch der Jugend wenig. ftens die Ideale zu geben, die in der gegenmärtigen Ber faffung begründet liegen. Das alte Ideal des waffenstarrenden Deutschlands werden Sie ihr niemals wiedergeben tömmen. Das alte Ideal des Kampfes mit den Baffen ist dahin. Suchen sie die Jugend doch dazu zu erziehen, das Ideal einer Gemeinschaft der europäischen Wölfer schäßen zu lernen.( Lachen rechts.) Sie lachen und Sie spotten. Aber wieviele find in Ihren Reihen, die aus materiellen Gründen die europäische Gemeinschaft wollen. Wenn Sie dieses Ideal ablehnen, dann müssen Sie es auch aufgeben, nach einer wirtschaftlichen Gemeinschaft Europas zu suchen, die doch nur der erste Schritt auf dem Wege zu der politischen Gemeinschaft ist. Wir sind nicht mit allem einverstanden, was der Reichstanzler ausgeführt hat. Aber ein Satz findet unsere Zustimmung: Wir müssen versuchen, innerhalb des Völkerbundes zu erreichen, mas mir von außen nicht erreichen wollen. Gerade deshalb lehnen wir das Wort von der Irredenta Germania ab. Sind die politischen Streitfragen ohne Anwendung von Waffengemalt gelöst, dann tönnen wir Kulturpolitik treiben, auch über unsere Grenzen hinaus. Von den verftaubten Idealen der Deutschnationalen wollen wir nichts wiffen. Noch ein Wort zur Frage des Eintritts in den Völkerbund. Abgesehen von der Frage der 50 000 Mann Besatzung ist die notwendige Konsequenz von Locarno die völlige Räumung des befehten Gebietes.( Sehr richtig! bei den Eoz.) Mit vollem Recht hat mein Freund Müller gesagt, daß die französischen Militärs gerade ihre schlechtesten Argumente aus den deutschnationalen Reden und aus dem Rasseln mit dem Schwert entnehmen. Das Gleiche ist von anderer auch für Sie höchst autoritativer Seite gesagt worden. Der Bölkerbund in seiner jeßigen Ge ftalt ist nicht unser Ideal, aber die deutsche Regierung fann auch jetzt schon im Völkerbund deutsche Interessen vertreten. Ich sehe nicht, wie Herr Lindeiner behauptet hat, daß der deutsche Parlamentarismus fich in einer Krise befindet. Ich wüßte auch nicht, was etwa an deffen Stelle gesetzt werden sollte. Etwa der verstorbene Wilhelminimus, glauben Sie, daß der ein Bor teil für Deutschland sei? Etwa beswegen, weil Wilhelm sich seine Minifter nach feinem eigenen Gusto gewählt hat und nach ihrer Fähigkeit im Statspielen?( Sehr richtig! bei den Goz.) Sie waren ja auch nicht mit allen Ministern Wilhelms einverstanden, ich erinnere mur an Ihre Stellung zu Bethmann Hollweg. Zusammenfaffend fann ich feststellen, daß meine Fraktion der Außenpolitit des Rabinetts zustimmt, in der inneren Politit aber teine Möglicht eit sieht, ihr das Bertrauen auszufprechen. Abg. Breitscheid verliest hierauf die Er lärung, die mir auf der ersten Seite des Hauptblattes wieder. gegeben haben. Abg. Dr. Scholz( D. Bp.) beantragt leberweisung des deutschnationalen Antrags über den an Bedingungen getnüpften Eintritt Deutschlands in den Völkerbund an den Aus= wärtigen Ausschuß. Man müsse das Ergebnis der Ber handlungen mit der fremden Mächten abwarten. Abg. v. Graefe( pölf.) behauptet, daß der Ausschluß des Abg. Henning aus der heutigen Sigung grundlos erfolgt sei, denn seine legten Worte hätten mur im Zusammenhang mit den vorhergehenden betrachtet werden müssen. Abg. Graf Westarp( Dnat.) behauptet, die Deutschnationalen hätten in der Locarnofrage eine fonfequente Politit ge frieben und bestimmte Bedingungen gestellt, die auch von der Re gierung atzeptiert worden feien. Als der Paft ohne Erfüllung dieser Bedingungen abgeschlossen wurde, seien die Deutschnationalen aus dem Kabinett ausgetreten. Reichsaußenminister Stresemann: Die schwebenden Verhandlungen über die Rüdmirtungen von Locarno hoben sich inzwischen so weiter entwickelt, daß ich im MARKE SALAM ANDER SALAMANDER Musmärtigen Ausschuß darüber nähere Mitteilungen machen werde. Ich will dort auf alle Fragen eingehen, die mit Deutschlands Eintritt in den Bölkerbund zusammenhängen. Zu den Ausführungen des Abg. Graf Westarp habe ich zu erklären: Es ist nicht richtig, daß das erste Kabinelt Luther deutschnationale Richtlinien akzeptiert hätte. Das Kabinett felbst hat Richtlinien aufgestellt, die in einzelnen Punkten mit einer deutschnafionalen Denkschrift übereinstimmten, in anderen von ihr abwichen( Hört, hört!) Sie enthielten nicht nur Bedingungen und Voraussetzungen, fondern auch Forderungen, die nach Möglichkeit durchgefcht werden wollten. Die 100progentige Durchsehung aller Forderungen fommt felten bei Berhandlungen vor. Ich werde im Auswärtigen Ausschuß darüber nähere Mitteilungen machen, es hier zu tun, würde nicht im Interesse des Landes liegen. Wir haben jeht über die Rückwirtungen folgende Mitteilungen erhalten: Die Regierungen der Besagungsmächte haben entgegen gewissen Breffemeldungen teinerlei Entschließung in dem Sinne gefaßt, daß die Stärke der Besaßungs gruppen in der 2. und 3. 3one 75 000 Mann oder annähernd diese Zahl betragen soll. Die Besatzungsmächte, besonders Frankreich, bleiben bei der wiederholt von ihnen befundeten Auffassung, dah die Zahl der Bejahungstruppen in sehr furzer Zeit auf das dentbar geringfie Maß herabgemindert werden soll derart, daß der in der Note der Botschafterkonferenz vorgesehene Zustand durch geführt wird, sobald die Berträge von Cocarno in Kraft getreten effbettres 13,80 m. ebbing. Rameraben, welche Go., d. 30., das Stiftungsfeft in Briefelang mitmachen, treffen sich um 7 Uhr bei Müller, Uferstr. 12. Hamburgfahrer müssen bis zum 3. februar ihre Anmeldung bei Müller vor Krez nehmen und dortselbst bis zum 8. Februar das Fahrgelb einzahlen. Zehlendorf. Seute, Freitag, 8 Uhr, Gildichule. aur Fahrt nach Botsdam. Die in der legten Reit Ferngebliebenen werden aufgefordert, restlos zu erscheinen. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Mitglieder Bezirk Lichtenberg: Lokal verfammlungen Montag, 1. Februar, 48 Uhr. Gdarnweberfir. 60. Referat über Grundlagen der Biochemie. Anschließend Fragebcantwortung. Bezirk Prenzlauer Berg: Lokal Kopenhagener Str. 74. Referat über: Tod und Krankheit durch die Smpfung vom Standpunkt der Snipffreunde und Impfaeaner". Dr. med. Dr. fur. Bußmann. Gäfte in beiden Beranstaltungen willfommen, Bereinigung für Schul unb Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, 29. Januar, 8 Uhr, Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule. Wildenbruch ftraße 53, 3 Trp. Gemeinschaftserziehung und ihre Grenzen"( Schulleiter A. Domben). Eintritt fret. nach meiner Erinnerung etwa 50 Broz. vorbestrafter, teilweise recht schwer vorbestrafter Leute an Bord tommandiert wurden. Bou Anfang an war es ungemein schwer, bei einer fo zusammengesetzten Besatzung, die, wie aus dem Gesagten hervorgeht, einen Einzelfallberg. Jungmannschaft Südosten trifft sich um 9½ Uhr Rottbuffer Tor( Normalvorstellte, die Manneszucht und die Ausbildung aufrecht zu erhalten Spiel, Sport und Turnabend. und zu fördern. Ich habe es mir troß der großen entgegenstehenden Schwierigkeiten von Anfang an angelegen fein lassen, durch ſtete Sorge für die Mannschaften ihre Dienstfreudigkeit zu erhöhen. Das geht aus den Aften, die später auf Grund des höchst bedauer lichen Vorfalls entstanden sind, klar hervor. Selbstverständlich mußte ich gegenüber der ausgesprochenen Renitenz eines Teiles der Leute scharf zugreifen, wenn ich nicht meine Pflicht vernachlässigen wollte. Eines Morgens, während das Schiff zu Torpedofchießübungen in See ging, wurde ich als stellvertretender Kommandant gebeten, zum Rapport zu fommen. Hier wurde mir gemeldet, daß der Obermatrose Meyer sich in höchst ungebührlicher Weise benommen und den Gehorsam verweigert hätte. Ich fannte Meyer haltungsabend. Borführung des Reichsmieterfilms„ Das Recht muß hiegen", persönlich und hatte ihn, obgleich er auch einiges auf dem Kerbholz hatte, zum Obermatrosen befördert. Gerade deswegen wurmte mish Freie Bereinigung von Sternfrennden, Berlin. Sonnabend, 30. Januar, pünktlich 8 Uhr, bei Freund, Halenfee, Westfälische Str. 27a, 1 Trp., Fortfein Benehmen um so mehr. Ich befahl daher dem anwesenden Ge richtsoffizier, zunächst eine Darstellung des Sachverhalts aufzufekung: Romelen 1925/1926" Bortrag des Borfihenden Freund: Der Sinus nehmen, da ich immer die Ansicht vertreten habe, man folle nicht und feine Anwendung befonders in der Sternkunde". Aufnahme von neuen Mitgliedern. Gäste durch Mitglieder willkommen, im 3orn Leute bestrafen, che alle Begleitumstände wirklich flarge. stellt wären. Als ich auf der Kommandobrüde war, ertönte plötzlich stehen und ließ das Rettungsboot zu Wasser führen. Wie mir dann gemeldet wurde, Denticher Esperanto- Bund, Ortsgruppe Berlin, Freitan, 29. Sanuar, 8 Uhr, Ronditorei Dobrin, Hadescher Markt: Uebungsabend. Gäste willkommen. Mieterverein ,, Sanja". 8 Uhr Tiergartenhof( amt Bhf. Tiergarten) Unders Eintritt 1 M. Gäste willkommen. Berein ber Schleswig- Holsteiner( gegr. 1888). Sonnabend, 30. Januar, großer Maskenball Sotel Deutscher Sof", Qudauer Str. 15, Sandsleute und Gäfte willkommen. find. Für die Räumung der Kölner Bone ift als Endtermin der ber Ruf„ Mann über Bord". Ich brachte das Schiff fofort zum Sind Sie müde nach dem 31. Januar mitternacht bestimmt. Abg. Stoeder( Romni.) verlieft eine längere Ertlärung zur Begründung ihres Mißtrauensvotums, die der Sozialdemokratie die Schuld daran zuschreibt, wenn es der Regierung Luther ermög-) licht würde, weiter zu amfieren. Damit ist die Aussprache geschlossen. Präsident Löbe erklärt zum Ausschluß des Abg. Henning: Es ist nicht ausgeschloffen, daß durch die Stimme des ausgeschlossenen Abgeordneten das Schicksal des Kabinetts wesentlich beeinflußt wird. ( Heiterfeit.) Ich schlage beshalb vor, da ber Abg. Henning nur für diese Sigung ausgeschlossen ist, die Sigung zu schließen und in 5 Minuten eine neue Sigung einzuberufen, an der Herr Henning teilnehmen fönnte. Abg. v. Guerard( 3.) lehnt diefen Borschlag ab, weil die Beleidigung nicht nur dem Reichskanzler, sondern dem ganzen Reichstag mit faltem Blute ins Gesicht geschleudert worden sei. Abg. Müller- Franten( Soz.) schlägt vor, den ausgeschloffenen Abgeordneten zu fragen, ob er sich vor dem Hause entfchuldigen wolle.( Große Unruhe.), Bräsident Löbe teilt mit, daß der Abg. Henning diese Frage bereits verneint habe. war Meyer über Bord gesprungen. Ob er dies aus Reue über seine begangene Disziplinwidrigkeit, aus Furcht vor Strafe oder in einem Anfall von Lebensüberdruß getan hat, vermag ich naturgemäß nicht anzugeben. Wenn die Sache jetzt so hingestellt wird, als ob die Diszi plinwidrigkeiten an Bord, die in der Zusammenfeßung der Besatzung begründet maren, auf schlechte Behandlung meinerseits zurückzuführen gewesen wären, so ist das eine volltemmene Ber. drehung der Tatsachen. Wie aus dem Bericht des„ Borwärts" hervorgeht, waren die Leute sogar so weit gegangen, die Nutterläufer anzuschneiden. Damit trieben sie ein freventliches Spiel mit dem Leben ihrer Kameraden. Daß derartigen Vorkommnissen gegenüber nur rüdsichtslose Strenge Es erfolgen darauf die schon im Hauptblatt gemeldeten Abwesentlichen unsere Darstellung. Seine Stellung zu den stimmungen. Dann vertaat sich das Haus um 7% Uhr auf Freitag nachmittag 2 11hr( Kleine Borlagen). Brüninghaus. Eine Erklärung über seine Tätigkeit an Bord. Zu Beginn der heutigen Sigung des Untersuchungsausschusses gab Abg. Brüninghaus folgende Er flärung ab: „ Die Morgenausgabe des Bermärts" vom 28. Januar bringt unter ber lleberschrift Brüninghaus, eine Erinnerung an seine Tätigkeit als Seeoffizier" unter der Firma Man schreibt uns", Darstellungen, die darauf zugeschnitten find, mich in der breiten Deffentlichkeit als einen hartherzigen, das Wohl und Behe seiner Mannschaften vollkommen außer Acht laffenden Offizier hinzustellen. -Zu der Darstellung im ,, Borwärts" habe ich folgendes zu bemerken: Das Linienschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm" ftellte im Winter 1905/1906 in Dienst. Ich war als 1. Dffizier fommandiert. Da Gußerordentlicher Mannschaftsmangel in der Marine herrschte, mußte, um die Besatzung aufzufüllen, alles genommen werden, was in den Landmarineteilen vorhanden war. Hieraus entwickelte sich der höchst unerquidliche Zustand, daß notgedrungen eine sehr große Anzahl 21 am Plaz war, wird jeder objektiv denkende Mensch zugeben müssen. Die Erklärung von Herrn Brüninghaus bestätigt im Mannschaften geht daraus hervor, daß er sich nicht scheut, fie als minderwertig, schon vorbestraft, zu bezeichnen. Man weiß, wie man im alten System zu schweren militärischen Borstrafen tommen fonnte. Die Schuld lag dabei in der Hauptfache an den Borgesetzten, ihrer Willfür, ihrer Brutalität, ihrer Unmenschlichkeit. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin 6. 14, Sebastianite, 37/38. Sof 2 Tr. Raulsdorf. Co., b. 80., in Hübners Restaurant, Bahnhof- Ede Bilhelmfiraße, 8 Uhr, Generalversammlung. Mitte: Sonntag, d. 31., nadm. 12% Uhr, Antreten Roppenplak mit Fahnen und Mufit. siergarten. Sonntag. 5. 31, Pflichtveranstaltung Fahri Botsdam. 9 Uhr Bhf. Bellevue. Weften 9 Uhr Magdeburger Blak. Kreuzberg. Sonntag, b. 31., Pflichtfahrt nach Botsdam. Treffpunkt 10% Uhr Potsdamer Haupt. bahnhof. Fahrpreis hin und zurild 1 m.-Wilmersdorf. Sonntag, b. 31, 10.16 Uhr vormittags, Bflichtfahrt nach Botsdam. Antreten 10 Uhr Bhf. Charlb. mit Fahnen und Mufit. Radhaibaler 11 Uhr Botsdam, Ronzerthaus Wilhelm ftraße 29. Lichtenberg nebft Untergruppen. Sonntag, b. 31., Antreten der Ramerabfchaft 9 Uhr Bhf. Stralau- Rummelsburg. Eingang Sonntagstraße, Aur Fahrt nach Botsdam. Bankow( Kreis). Sonntag, d. 31., vorm. 9 Uhr, Schönhaufer Allee Ede Bornholmer Straße fämtliche Mannschaften mit Fahnen und Maßt nach Botsdam. Mo., b. 1., 8 Uhr, Rufammenkunft Bollantir, 131. Beißenfee, Sonntag, b. 81, vorm. 9 Uhr, Antreten in Bannerkleidung mit Fahnen bei Gallas, Lebber. Ede Berliner Allee, aur Fahrt nach Botsdam. Sauvorstand. Achtung, Samburafahter! Kameraben, die am 20. und 21. fe bruar bie Fahrt nach Sambuva im Sonderauge mitmachen wollen, melden fich umgehend bei ihren Reisleitungen. Fahrpreis hin and suclid einschließlich Sind Sie nach dem Mittagessen müde, so nehmen Sie Kruschen- Salz- Ihre Müdigkelt wird verschwinden. Sie fühlen sich müde, well Sie zu viel drinnen sitzen, sich zu wenig körperliche Bewegung verschaffen. Deshalb ist Ihr Verdauungsapparat nicht in Ordnung. Kruschen- Salz fördert die Verdauung und erhält den Magen in guter Funktion; es erfrischt den Darm und hält Leber und Nieren, die Hauptorgane des Stoffwechsels, in guter Ordnung. Mittagessen? Kruschen- Salz hilft Ablagerungen und Schlecken, deren Folgen Rheumatismus, Gicht, Ischias sind, aus dem Körper entfernen. Kruschen Salz In Apotheken und Drogerien M.3. pro Glas, für 3 Monate ausreichend. Beuthien& Schultz G. m. b. 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Sic hatte Ringe unier den Augen, bleich, schroff, aber in einer ganz fremdartigen Schönheit leuchtend, war sie zugleich schöner und häßlicher als sonst, wie wenn all ihre geheimsten Kräfte empor- rerufen wären.— Im Panzer ihrer chofsart, wie umlauert von kalter Feindseligkeit, sah sie Sylvia groß an und ließ stumm den lustigen Unsinn an sich abgleiten, den diese wie gewöhnlich zum besten gab, daraufhin ging sie fast ohne Gruß aus dem Zimmer... Sylvias Schwatzen brach mitten im Wort« ab. Sie trat auch au» dem Zinmier und sah Annette nach, wie sie die Trepp« hinunter- stieg... »Aha*, dachte sie. Annette hatte Tullio gesehen, der in der Hall« saß, und schritt quer über den ganzen Raum schnurstrack» auf ihn zu. Er erkannte auch auf den ersten Blick, daß sich die taktische Lage geändert hatten Sie setzte sich nahe bei ihm nieder. Sie plauderten von gleichgültigen Gegenständen, chocherhobenen Hauptes iah das Mädchen gerade vor sich hin und mied es scheinbar, ihn fest onzu- Micken. Aber— er war keiner Sache gewiß—, sie sah ihn doch starr an. Dieser Blick, der sich unter den bläulichen Lidern oerbarg, wie wenn er da» grelle Licht scheuen müßte, sagte eindringlich: .Willst d» mich?" Indes er selbstgefällig irgendeine gerstlose Geschichte zum besten gab. wobei er sich misschließlich in die Betrachtung seiner glänzenden Fingernägel zu versenken schien, warf er wie ein geduckter Riesen- -xinther lauernd« Seitenblick« nach den gestrafften Brüsten diese» Frauenkörpers, und in diesen Blicken lag die Frage: „Du willst also auch?" . Ich will, daß du mich willst!" war die Antwort. Da gab es für Sylvia kein Zaudern mehr. Nach einem spiele» rischen Rundgang um die Halle tänzelt» sie hcibei und nahm einen Sessel zwischen Annette und Tullio. Annetten» Wut oerriet sich in einem einzigen Blick, aber der eine Blick war schon genug: ein vernichtendes Geschoß höhnischer Verachtung. Sylvia» Wimpern zuckten, aber sie tat, als hätte sie nichts bemerkt: doch alle« an ihr il raubt« sich, wie das Fell einer Satze, die einen elektrischen Schlag bekommen hat. Lächelnd lauerte sie auf die Gelegenheit, ihre Zähnchen Annett« in» Fleisch zu graben, llntcr der Hülle süßlicher Freundlichkeit trat sie nun al» Dritte in den Kampf ein. Annette schien Sylvia» Anwesenheit nicht zu bemerken, überhörte ihre Worte imd redete über sie hinweg mtt Tullio, dem sehr unbehaglich zumute n-ar: weim Annett« aber in die Zwangeloge kam. von irgendeiner ReUßerung Sylvia» Notiz zu nehmen— deren Mundwerk wußte sich schon durchzusetzen. so hob sie mtt ironischem Lächeln oder iin«m bissigen Wörtchen einen der kleinen grammatischen Schnitzer hervor, wie sie dieser immer noch unterliefen strotz aller Gewandt- heil hatte das klein« Plaiidermäulcben feine Wortbeete noch nicht >;c:nz durchgejätet.) Tödlich verletzt sah nun Sylvia in der anderen Vicht mehr die Schwester, nur noch die Nebenbuhlerin: sie dacht«: „Das zahl ich dir heim." Ihre aeschürzte Oberlipp« Boß die scharfen Eckzähne, die Reiß- zähnchen, sehen, und da» sollte heißen:.Zahn für Zahn, Luge für Auge... nein, beide Augen für eines.. Nun warf sie sich erst recht in den Kampf. Wie unllug war doch Annett« gewesen! Snloio ließ sich nicht durch Stolz hemmen; ihr erschien fed« Waffe re-yt. wenn sie nur im Gefecht zu brauchen war. In ihrer schweren Rüstung vornehmer Selbstachtung hätte Annette sich für entehrt gehalten, wenn sie Tullio ihre Begierde im mindesten verraten hätte. Die andere aber setzte sich leicht über solch« Bedenken hinweg: sie wollte dxm Herrchen da just die Stücklein vor. spielen, die seine Eitelkeit am meisten kitzeln mußten .Was ist dir lieber? Edle Berachtung oder Bewunderung für deine werte Person?"... jagt« ihm ihr Blick. Sie wußte aus Erfahrung, daß der Mann ein höchst eitle« Ge- schöpf sei. Tullto liebte Weihrauch über alles. Sie kargte nicht damit. Mit einer schamlos unbefangenen Seelenruhe begab sich die durchtriebene Verführerin auf eine wahre Rundfahrt um die Boll- kommenhetten de« sunaen Mode-Adonis(Prachtausgabe für Paloee» Hotels): fetn Körper, fein Geist, seine Kleidung wurden gebührend aewürdigt Bor allem die Kleidung, denn sie spürt«, daß ihm dies da» Wichtigste war. Gewiß war er für jede Art von Huldigung empfänglich. Aber daß er schön sei. braucht« man ihm nicht erst zu sogen, und was Seist anbelangt, so war er fest überzeugt, daß«» dem Träger eine» so stolze« Ramens nicht daran fehlen könne. Aber jcine Art. sich zu kleiden. a>ar ein« ganz perfönsiche Leistung, und das Lob einer erfahrenen Pariserin gast ihm viel. Sylvia prüft« ihn mit Kennermiene(wie sehr sie sich über seine etwas naive Vorliebe für schreiende Farbe« belusliate, behielt sie wohlweislich für sich) von Kopf bis Fuß und bewundert« rein alles. Annette errötete vor Scham und Zorn: die List der Kleinen erschien ihr so plump, daß sie sich fragte: „Das hält er aus?" Ader er hielt es ganz vortrefflich aus: es war ihm wie Honig- seim, er tonnte gar nicht genug davon bekommen.?lls Sylvia in systematischem Fortschreiten von der orangefarbenen Krawatte über den fliederblauen Gürtel bei seinen grün und gold gestreiften Socken anoelanqt war, hiett sie inne: der entscheidend» Einfall war ihr gekommen! Als sie dabei hielt. Tullios zierlichen Fuß zu bewundern, auf den er so stolz war, stellte sie auch Ihr« sehr hübschen Füßchen ungeniert zur �chaa In unbedeullicker Koketterie schob sie ihren Rock bis zum Knie hinauf und hielt ihr« Beine vergleichend neben die Tullios. Während Annett« sich verachttingsvoll in ihrem RocVinf-chtir zurückgelehnt hatte, wandt« sich Sylvia mit einem bezaubernden Lächeln ihr zu:.Schätzchen, zeig dein« doch ouch!" MU raschem Griii legte sie dies« massigen Knöchel und etwa« schweren Säulen der Beine gründlich frei. Nur für zwei Sekunden, denn Annette stieß die böse klein« Kralle energisch weg: ober die zog sich befriedigt zurück: Tullio hatte gesehen, wo» er sehen sollt«. Doch dabei blieb sie nicht stehen. Den ganzen Bormittag ersann sie immer neue Dergleichsmöglichketten, die sich scheinbar ganz ungewollt im Laufe des Gespräches ergaben unh die jedesmal die Schwester in ungünstigem Lichte erscheinen ließen. Unter dem Bor» wände, daß Tullio mit seinem überlegenen Geschmack ihnen al» Schiedsrichter dienen soll«, in Sachen eines Krägeichens, einer vius« oder Schäl pe. wußte st« sein« Aufmerksamkeit gerad« auf da» zu lenken, was an ihr nicht eben da» Häßliche und bei Annette nicht eben das Schönste wo, Dutzltternd tat Annett«, al» höre sie nicht, und mußte mtt aller Gewott an sich hatten, um die Schweiler nicht einfach zu erwürgen. Sylvia blieb dabei innner entzückend lieben»- würdig und warf ihr zwischen den zierlichsten Boehetten oft mtt zwei Fingern«in Kußhändchen zu. Aber manchmal stießen ihr« Augenblitze hart aneinander:.Ich verachte dich! „Meinetwegen. Aber mich siebt er, dich nicht! „Nein, nein!!" „0 doch, o doch!!-. Dann wechselten sie noch einen heraueiardornden Blick. Annette war nicht mehr Imstande, ihr« Feindseliakett unter einem Lächeln zu verbergen wie die Nein« Schlange drüben. Sie hätte laut auf- schreien müsien, wenn sie länger geblieben wäre. Endsich überueß sie der Jüngeren das Feld. Hoch erhobenen Hauptes entfernte sie sich, tzidem sie der anderen noch»inen letzten Blick entschlossenen *) Aus: Romain Rolland„Annette nnd Sylvia"(Knrt Wölfl Berka g, München). Trotze» zusandte. Aber Sylvia» lachend« Augen führten de» Gegenstoß: „Wirst schon Nein werden." Am nächsten und an den folgenden Tagen ging die Schlacht weiter, jetzt aber schon unter den Blicken höchlicb belustigter Kamps- zeugen: im Hotel war man auf die Sache ausmerkfam geworden; zwanzig müßige Augenpaare lauerten in boshafter Neugierde auf jede Wendung des kleinen Drama»: e» wurden sogar Wetten abge- schlössen. Di« beiden Nebenbuhlerinnen aber waren viel zu sehr mtt Zug und Gegenzug beschäftigt, um nach dem verholten der Um» gcbung zu fragen._ „ der himmelstisihler. von Adolph Hoffmaoo. Ich zog meine Uhr und legte sie vor mich hin. Indem ich sagt«: „Alle Störungen sind meiner Redezeit autzurechnen." Da, Zwischen- brüllen und die Tumulte härten natürlich nicht gleich aus. Aber die Knecht« wurden immer aufmerksamer und vergaßen schließsich ganz. Radau zu machen. Ich hatte ganz kurz flizziert etwa folgende» gesagt: „Sie glauben, ich sei hierher ockommen. um Sie aufzuklären. „So siehst« du aus," rief ein Inspektor. „Da haben Sie ganz recht," war mein« Antwort. JStb habe nämlich keine Ahnung von der Landwirtschaft und um INich über dieselbe zu orientieren, kam ich hier her." �la. den»«och man die.Kolpen' gut aus!" so jchwirte es durch die Luft. „Ich bitte um Ihr« freundliche Mithilfe. Wohl ist mir bekannt, daß Sie, die ländlichen Arbeiter," wandt« ich mich an die Knecht«, „da» Feld düngen, pflügen, säen, vom Unkraut reinigen, hegen und piiegen. dann abernten oder abmähen, das Getreide ausdrefche« und«» dann zur Stadt fahren. Di« Rübe« nach der Zuckerfabrik. Machen Sie das alles olleine?" „Na. wer denn sonst, du Schafstopf?" „Na," sagte ich,„da seht Ihr doch, wie dringend ich der Aufklärung bedarf." „Aber nun sagen Sie mir, bitte, noch da»«ine: Warum fahren Si» da» Getreide nach der Stadt? Ihr könnt e» doch selber gut gebrauchen?" Na, da wird's varkeept." schallte es von zwei Sellen. „Ach so," sagt« ich gedehnt„Ja. Run sehe ich«in, daß hier kein« Boden für dt« Sozialdemokratie ist. Sie hoben nicht nöiig. Sozialdemokraten zu werden. Si« haben ja alle», wa» Sie sich nur wünschen können. Sie düngen, Si« pst.igen, ernte«, dresche� oerkaufen da« olle« und stecken dann da» Gell» in Ihre Taschen. .fs«,* erschallte in diesem Augenblick des Schneiders Stimme aus dem Hintergrund, „das Geld steckt der Gutsbesitzer eint" „Was." sagt« ich eistamit,...der Rittergutsbesitzer? Ja. hat den» der auch gedüngt, gepflügt, gemäht, gedroschen'" „6» dumm ist der nicht!" erscholl«« au» dem Hintergrund«. „Sa. do» ist ja ganz sonderbor, entgegnete ich,„Sie haben all« Arbeit gemacht und der. der nicht, geta» hat. steckt da» Geld ein?" Und nun legte ich lo». schilderte die Zustände unserer«ell. sprach von den Arbeitsbienen und den Drohnen usw. Erst kamen vereinzelt und schüchtern einige Zustimmungen. Ei« wurden aber immer lauter und voller, bis ganz« Deisallsstürm« den Saal durchbrausten. Unser„Himmelttischler" saß so verklärt da. alt hätte er einen Heiligenschein erhalten.- Roch der Uhr blickend, sagt« ich:„Aber, wie ich sehr, habe ich die mir zugebilligt« Redezeit schon etwa» überschritten. Ich muß Si« daher cnst fragen: Wollen Si« mich mm verhauen, oder ioll ich weiterreden?� „Während mir Julius dos liebevoll« Wort„SchoGknpp" halblaut zurief, ertönt« von ollen Seiten„Weiterreden". Unser Manager»on Lauchstädt war der lautest» Rufer im Streite. Die Ickspettor«« hatten noch und nach den Saal»erlassen, ai» sie sahen, daß ihnen die Fell« sottaefchwomme« waren. vorn tm HoteWsteswurant, nn Herrenstübl, spülten sie mü Steinhäger,»ermut und anderen schönen Genesung«tropfen lhren «erger huwnter und schimpften, wie uns der Wirt hinterher erzählte, auf das nndankbore Gefindel, die Knecht«, die wohl den spendierten Schnaps gesoffen hätten, sich aber dann von dem Hetzer erst recht mtt R»d«n»arten besoflen machen ließen. Da» Resultat bei der Wahl war. daß wir in Lauchstädt 137 Stimmen für die Vozioldemotratie zähsten und— wa» die Hauptsache war—»ine Verbindung geschossen hatten, die nicht wieder verloren ging. Letztere» war Iuliu»' alleinige« Verdienst und des treuen Llliichstödicr Schneider», der un» nach der Versammlung allen Ernste» küssen wollt«. Manche wunderliche und gefährsich« Fahrt Hab« ich unterm So- stalstlenacsetz noch mtt dem„Himmelstischler" gemacht, zu der«in, im Walde zwischen Merseburg und Schkeuditz die halsbrecherischste war. Hier hasteten sich sogar rettend« Gendarmen an unsere Fersen. vor denen wir un» nur dadurch retten konnten, daß wir im dichtesten Dickicht über Büsch« und Klöstern wie jung« Rehe sprangen, hinter denen die Hundemeut« her ist. Wir entkamen all« glücklich, nur der„Htmmelsttschler" war nicht zu finden. Er mußte wohl erwischt sein, wa« doppelt unangenehm war, we« er«inen kleinen Koffer mtt Material und Abrechnungen bei sich hatte._ Einige Merseburg er Genossen gingen sofort nach seiner„Burg. stiegen durch« Fenster und«achten all«,„sauber", falls die Polente kam und haussuchte.> Sie kam nicht, sondern am anderen Tag« gegen Mittag»er .Limmelstischler". Er hatte seinen Handkoffer ine Gebüsch versteckt und war in der höchsten Not aus einen Baum geklettert,»on dort hatte er die„Schnitzeliagd" der Gendarmen beobachtet und. da er Sorg, hatte, der Wald sei umstellt, so war er. der ja in Himmel»- regionen m>t vertraut, die Nacht auf dem Baum geblieben. (Fortsetzung folgt.) Achten Sie auf das tlo Schuhhof phy Sonderangebo am Sonntag DER CHUHHO LST ந Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Th. 8 Uhr: Wer weint um Tägi. Uhr: Großes Sehauspielhaus Für Dich Judienak? 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Wer die Preffe der Rechten und die Haltung des Reichsland| Das interessiert die Rechtspresse naturgemäß nicht; sondern auf bundes in der letzten Zeit aufmerksam verfolgt hat, wird bemerkt Grund der von uns wiederholt als falsch nachgewiesenen Theorie, haben, daß seit einigen Wochen von neuem die Agitation daß der deutsche Weinbau durch einen hohen 3011schuß zur Blüte gegen den Abschluß eines Handelsvertrages mit gebracht werden könne, fordert sie noch immer eine Handelspolitik, Spanien eingelegt hat. Dabei wird zunächst wie üblich mit die den deutschen Export nach Spanien vernichten würde. Das Erstaunlichste hierbei ist vielleicht das Schweigen der Presse unvollkommenem Zahlenmaterial gearbeitet. der Industrie; ja, ber handelspolitische Spezialiſt der deutschen Schwerindustrie, der Deutschnationale Reichert, hat es sogar wagen dürfen, wohl um der schönen Augen des Reichslandbundes willen, eine Lanze gegen die deutsche Exportindustrie und für den vermeintfichen Schuh des deutschen Weinbaus zu brechen, wobei er freilich nicht mehr Wissen und leberlegung angewandt hat als für die befannten Manöver, mit denen er den Eisenzoll zu rechtfertigen versucht hat. Die deutsche Ausfuhr nach Spanien hat in den letzten Bierteljahren einen stetigen Aufschwung genommen, bis der Zollkrieg diese Entwicklung jäh unterbrach. Im Jahre 1924 nahm Spanien insgesamt 90,4 millionen Mart deutscher Waren auf, in den ersten neun Monaten des Jahres 1925 129,4 millionen. Im Jahre 1924 stand Spanien an der 21. Stelle der wichtigsten deutschen Abfazländer, im dritten Bierteljahr 1924 an 15. Stelle. Diese Zahlen beweisen deutlich, daß die Entwicklung des deutschen Exports nach Spanien unter dem deutsch- spanischen Handelsvertrage eine auferordentlich günstige war. Als die Reichsregierung unter dem Drud der unverantwortlichen deutschnationalen Agitation den deutsch- spanischen Handelsvertrag fündigte, brachte es die Lässigkeit und die Ungeschicklichkeit ihrer Unterhändler dahin, daß ein 3olftrieg ausbrach, in dem die spanische Ueberlegenheit so groß war und durch den der deutsche Export so schwer geschädigt murde, daß die Unterhändler des Reichs die Nerven verloren und ein Provisorium ab= fchloffen, das für die Spanier sehr vorteilhaft, für den deutschen Export sehr nachträglich war. Wie ungünstig Zollfrieg und Provisorium den deutschen Export nach Spanien beeinflußt haben, zeigt die folgende Uebersicht: Es betrug die Ausfuhr Armaturen ant Bohrer, Ahlen usw. gangen. Megwerkzeuge Aerte Ofenrohre usw. Solinger Waren Hauswirtschaftliche Geräte. Schlösser und Schlüffel Metallbearbeitungsmaschinen Schreibmaschinen Kartoffelstärke Steinkohlen Anilinfarben Alizarinfarbstoffe Indigo Ultramarin | Die Haltung der Regierung. Dagegen hat es reichlich Anzeichen dafür gegeben, daß auch Regierungsstellen noch immer der Politik des Reichslandbundes nicht allzu fern stehen. Ein Artikel der Deutschen Tageszeitung" enthält Angaben über die deutsch- spanischen Berhand Kurven des Elends. Wie die Arbeitslosigkeit stieg. Die Arbeitslosigkeit 1762.3 669.1 11112 1 1 1 1 1 1 1 1. 16. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. JFMAMJ ASONDJ 6 1926 Die Arbeitslosigkeit 810.69 Z 620 217. 31. 28. 12. 26. 2. 23. 2 22& 16 15. 22 10 24 7. 21& 19. 2. 16. 30, 14 88 12 Juli August Septemb Okt. Novemb. Dezemb Jan 1 오 5 1926 lungen, die entweder erfunden sind oder aus Indiskretion amtlicher Stellen herrühren müssen. Vor etwa 14 Tagen spielte sich außerdem eine eigentümliche Diskussion zwischen einem offiziösen kommuniqué 13930 in im Monatsdurchschnitt des 3. Biertelim November 1925 jahres 1925 in Deutschland Januar 1925- Januar 1926 a Berlin 170 Juli 1925- Januar 1926 dz 821 131 141-00 117 50 1051 137 25 In 1000 Personen" In 1000 Persones 130 13 4 228 54 113 31 595 152 10 531 60 131 63 2088 679 Etd. 477 23 dz 427 0 220 845 29 375 627 19 27 0 44 0 201 0 Bronzefarben 54 3 Lade. 162 19 Fischernege 20 5 45 0 Ziegenleder Std. 2 189 0 Ladiertes Rindleder 7218 0 Feine Lederwaren dz 7 0 Waren aus weichem Rautschut 247 26 Gefpinftwaren mit Kautschutfäden 10 1 Diverie Hartlauticufwaren 45 7 Beien, Bürsten und Pinsel. 25 2 Drudplatten aus Holz 42 4 Kämme und Knöpfe aus Belluloid, Galalith uiw. 92 14 Papiertapeten 78 Photographisches Papier. 92 Schreibhefte und dergl. 125 38 Feuerfeste Steine 2723 320 Borzellanifolatoren 376 65 Porzellangeschirr 992 318 Luxusporzellan 56 22 4 Beige Glasflaschen 607 37 Trodenplatten für photogr. Zwede 197 5 Photographische Linfen u. Apparate folierflaschen aus Glas 19 4 59 15 118 8 1694 0 11 365 212 Oberleder für Schuhe Glasinstrumente • • Schienen Eisenbahnräder und dergl.. 63 Diese Auswahl von Exportpofitionen, die noch nicht 1/30 der Nummern des statistischen Warenverzeichnisses umfaßt, weist nach dem Wert, soweit sich dies ungefähr berechnen läßt, einen Rüd gang der deutschen Ausfuhr nach Spanien um 2% bis 3 Millionen Mark aus. Dieser Rückgang bedeutet, auf das Jahr gerechnet, rund 33 Millionen Mart. Freitag, 29. Januar 1926 Herrschaft über den Geldmarkt, soweit sie die Förderung der Wirtschaftsentwicklung zum Zweck hat, ist nicht verstärkt, sondern geschwächt. Ob dieses Ergebnis durch die letzten Eingriffe der Reichsbank auf dem Kapitalmarkt gemildert werden tann, müssen die nächsten Ausweise zeigen. Im übrigen zeigt der Reichsbanfausmeis nur Beränderungen, die dem Rückgang der Kreditvermittlung entsprechen. Der Rüdgang der Gesamtanlage in Wechsein, Schecks, Lombards und Effekten um 189,0 Millionen entfällt mit 186,1 Millionen fast ganz auf die geringere Wechselkreditinanspruchnahme. 48,6 Millionen find an öffentlichen Stellen neu weitergegeben( Gesamtrediskont Millionen, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 48,5 auf 1238,6 585,8 Millionen). Der Notenumlauf ist um 167,0 auf 2341 Millionen zurüdgegangen. Die unverwertbaren Notenbestände sind also beträchtlich gewachsen. Der Goldbestand ist durch Verkauf von Devisen um 41,4 auf 1249,8 Millionen erhöht. Trotz der Devisenverwandlung in Gold sind die deckungsfähigen Devisen noch um 10,9 auf 379,0 Millionen angewachsen. Die Reichsbank hat heute also Bestände an Noten, Gold und Devisen, die ebenfalls einen Reford darstellen und noch deutlicher die eingeschränkte Funktion der Reichsbant als Kreditversorger der Wirtschaft beleuchten. Die Gold und Devisendeckung hat eine für ein verarmtes Land geradezu groteste Höhe erreicht; sie beträgt 69,6 Proz. Die zinslosen Guthaben der Reichsbankkunden liegen mit 922,2 Millionen ganz außergewöhnlich hoch und sind ein weiteres Merkmal der Vertrauenskrise in der Wirtschaft. Alle diese Momente deuten klar darauf hin, daß der flüssige Geldmarkt, der für die Reichsbank der Ausgangspunkt für die Diskontermäßigung war, nach wie vor als Krisensymptom zu bewerten ist, das die Herabsetzung unzweckmäßig machte. Wegen der neuerdings noch größeren Leichtigkeit des Geldmarkts eine erneute Distontherabseßung zu fordern, ist mit diesen Tatsachen unvereinbar. Die Reichsbahn ermäßigt die Frachtffundungszinsen. Die Deutsche Verkehrs- Kredit- Bant A.-G. hat die Gebühren für die von ihr gewährte halbmonatliche Stundung der Eisenbahngüterfrachten im Einvernehmen mit der Hauptverwaltung der Deutschen ReichsbahnGesellschaft ab 1. Februar von 3 vom Tausend auf 2 vom Tausend herabgefegt. Die Glas- und Porzellanindustrie im Januar. Der Monat Januar brachte in der Glas- und Porzellanindustrie, wie der„ Kon junktur- Korrespondenz" auf Umfrage mitgeteilt wird, zwar weitere Entlassungen bzw. Einschränkungen und Stillegungen, doch hielt die nicht ungünstige Lage in einzelnen Teilen des Gewerbes, z. B. in der Oldenburgischen Glasindustrie, in den Bremischen Steingut werfen und in der Brandenburgischen Ofenindustrie an. Die Tafelund Hohlglasfabriken, die Glasschleifereien in Brandenburg und Sachsen verzeichneten Rückgang des Auftragbestandes; zu Einschränkungen fam es u. a. auch bei der Meißener Staatsmanufattur wie im ganzen Freistaat Sachsen, ebenso in Westfalen und im Rheinland. Die Industrie feuerfester Erzeugnisse wie die Oberfränkische Porzellanindustrie berichtet über weitere Ent lassungen, doch hat der Bezirk of fast noch volle Beschäftigung. Die thüringische Glas- und Borzellanindustrie ließ bei schwachem und teilweise noch weiter rückgängigem Beschäftigungsgrad ver schiedentlich erkennen. Eine zellanfabrik nahm Betrieb voll auf; im HolzmindenNiedersachsen wurden werksbeurlaubte Angestellte wieder eingestellt. Boll beschäftigt im ganzen blieb die Glasindustrie in Oldenburg, die Steingutfabrikation in Bremen und die Ofenindustrie in Sommerfeld. Die Steingutindustrie Sachsen- Anhalts verzeichnet weiteren Beschäftigungsrüdgang. identic efferungserscheinungen entenem Begirt Solaminbera Abwidlung und Wiederaufbau bei der Reihersfiegwerft Hamburg. Die vor einigen Wochen gemeldete Erwerbung der Reiher scheint infolge der noch immer sehr schwierigen Lage vieler deutschen Werften eher zum Abbau als zum Wiederaufbau der alten Hamburger Werft zu führen. Das große Schwimmdock soll für und dem Verein Deutscher Maschinenbauanstalten in der Industrie und Handelszeitung" ab. Der Verein hatte die Handelspolitik der Regierung aufs schärfste tritisiert und auf Grund der offiziellen Statistik nachgewiesen, daß im dritten Quartal 1925 im deutsch- spanischen Warenverkehr die Handelsbilanz für Deutschland aktiv geworden war. Die öffiziöse Mitteilung beftritt diese offenkundige Tatsache mit törichten und unbegründeten Argumenten und mußte es sich gefallen lassen, daß der Vereinstiegwerft Hamburg durch die Wezel- Freytag Komm.- Gej. a. Aktien Deutscher Maschinenbauanstalten Wort für Wort das offi= zielle Gerede widerlegte! Immerhin der Reichs verband der deutschen Industrie hat zu dem handelspolitischen Standal, der hier vorliegt, bis heute immer noch ge schwiegen, und die Partei des Reichsverbandes, die Deutsche Boltspartei, begeistert sich noch immer für den Schutz des deutschen Weinbaus". Jedenfalls läßt sich bisher nur so viel feststellen, daß in der Deffentlichkeit die Breffe der Arbeiterschaft das Exportinteresse der deutschen Industrie am tatträf tigsten wahrnimmt, während ihre amtliche Bertretung es vorzieht, sich zurückzuhalten. Rekordtiefstand der Wechselkredite. Zum Wochenausweis der Reichsbank. Der Wechselbestand der Reichsbank ist eines der wichtigsten Merkmale der Wirtschaftsentwicklung. Den starten Rückgang des Wechselbestands in der 2. Wochenbilanz troß der Diskont ermäßigung haben mir unter dem Vorbehalt, daß die an2 Millionen Mart an eine holländische Werft( Wilton in Rotterdam) verkauft werden, die sich früher schon für" den Damit geht für Ankauf des Gesamtwerts interessiert hatte. die Belegschaft ein großer Teil der Beschäftigungsaussichten Aus dem Erlös sollen die Gläubiger endgültig verloren. abgefunden werden, darunter auch der Phönigkonzern mit 1½ Millionen, der in der Inflation zwar schnell zur Hand war, für menig Geld Großaktionär zu werden, nachher aber das alte Unternehmen ruhig fast unter dem Hammer kommen ließ. Der Rest der Betriebe wird in Gemeinschaft mit der Werftfirma BlohmBoß Hamburg bewirtschaftet werden. Letztere stellt einen Umlaufskredit zur Verfügung, wofür sie mit einem bestimmten Prozentfaz an den Aufträgen der Reiherstiegwerft beteiligt wird. Außerdem foll zwischen Wezel- Freytag, dem neuen Besitzer und Blohm- Voß noch eine Verengerung der Beziehungen erfolgen. Wie nun ge melbet wird, haben der hamburgische Senat und eine andere offizielle Stelle gegen die Uebernahme der Werft durch Wetzel- Freytag Einspruch erhoben und die Erfüllung einer Reihe von Be dingungen verlangt. Der Verkauf der Schwimmbods findet also # doch nicht statt. Dagegen wird das Abkommen mit Blohm- Voß = Statt des bisherigen regelmäßigen Aufschwungs hat die deutsch- regende Wirkung der Diskontermäßigung vielleicht noch eintreten bestätigt. Nach vollzogener Fusion erfolgt gegen Zahlung von sondern zu einem starten Rüdgang geführt. Dieser Tatbestand wird freilich den Lesern der Rechtspreffe immer noch vorenthalten. Genau so wie sie auch nichts über die tatsächliche Lage und die Produk tionsbedingungen des deutschen Weinbaus erfahren. Darum sei hier noch einmal festgestellt, daß der Berlust, den Deutschland durch die unverantwortliche Politit des Kabinetts Luther in der Frage des deutsch- spanischen Handelsvertrages erleidet, viel größer ist als der Schaden, den die spanische Weineinfuhr dem deutschen einbau zufügen fann. Die gesamte spanische Einfuhr von Weinen nach Deutschland betrug in den 21 Monaten vom Januar 1924 bis September 1925 einschließlich 26 Millionen Mart. Sie fann für die Monate Oftober und November auf etwa 13,2 Mil lionen Mart geschätzt werden, sodaß im Monatsdurchschnitt weniger Wein nach Deutschland aus Spanien importiert wurde ( 1,7 millionen Mart), als im November 1925 die deutsche Aus fuhr vermindert worden ist. Dieser Exportverluft bedeutet Arbeitslosigkeit für 10 000 bis 15 000 3nduftriearbeiter. tönnte, als schwerwiegenden Beweis für die Vertrauenstrife zwischen Industrie und Banken bezeichnet und als Beweis für die Un 3wed mäßigkeit der Herabsetzung. Die 3. Wochenbilanz hat unfer Urteil gerechtfertigt; der Wechselbestand ist neuerdings ganz bedeutend, um 186,1 Mill. auf 1350,6 millionen Mart, gesunken. Nun ist seit der Erklärung Schachts vom 12. Januar vor dem Zentralausschuß der Reichsbank bekannt, daß im Wechselbestand auch noch Auslandsdevisen stecken, so daß der Be stand an Inlands wechseln und Schecks noch geringer ist. Man wird daher annehmen können, daß der Tiefstand des Wechselgeschäfts der Reichsbank vom April 1925, wenn man jeweils die dritte Monatswoche vergleicht, heute bereits unterschritten ist. Wenn daher die Reichsbank in ihrem Kommentar sagt, daß die Diskontermäßigung auch für die dritte Januarwoche ohne erfennbaren Einfluß geblieben ist, so kann das irreführen. Der Status der Reichsbant hat sich zwar nicht verschlechtert, für die Kreditdienste der Reichsbant gegenüber der Wirtschaft ist die Diskontermäßigung jetzt aber als zwedlos erwiesen. Die den beiden Gesellschaften. Beteiligung Badens an den Kaligewerkschaften. Der badische Landtag hat den Gesetzentwurf betreffend die Beteiligung des Staates Baden an den Kaligewerkschaften in Baden gegen zwei tommunistische Stimmen bei zwei Enthaltungen von Abgeordneten der Deutschen Volkspartei angenommen. Der Gesezentwurf er mächtigt den Finanzminister, außer dem durch das Gesetz bereits bewilligten Betrag von 2,8 Millionen Mart noch insgesamt 5,74 millionen Mart, wenn nötig auf dem Wege eines Staatskredites, zum Ausbau der Kalimerte flüssig zu machen. Außerdem wird der Finanzminister ermächtigt, für etwaige von den badischen Raligewerkschaften aufzunehmenden Anleihen über den bisherigen Höchstbetrag von 7,5 millionen Mark hinaus für eine Gesamtanleihe im Auszahlungsbetrag von 11,65 Millionen Mart die selbstschuldnerische Bürgschaft zu übernehmen oder bis zu einem Betrag, der diesem Höchstbetrage entspricht, den Unternehmungen gegen Sicherstellung Darlehen zu gewähren und hierzu die erforderlichen Mittel, wenn nötig im Wege des StaatsFredits, flüffig zu machen. Fastnachtsgebäck, zubereitet mit dem reinen Cocosfett, Palmin wird delikat! Die Etatdebatte im Landtag. Genoffe Waentig gegen übertriebene Sparbureaukratie. Im Landtag eröffnete gestern Abg. Dr. Waentig- Halle( S03.) die Aussprache über den Haushalt für 1926. Er führte aus: Der Haushaltsplan für 1926 schließt in Ein- und Ausgaben mit einem Gesamtbetrag von 3322 Millionen Marf ab, einer Riefen summe, die allerdings nach Abzug der größeren durchlaufenden Besten auf 1885 Millionen zusammenschrumpft; das find 834 Mil lionen mehr als 1913 und 72 Millionen weniger als 1925. Es ist gelungen, die dauernden Ausgaben uin 74 Millionen herabzudrücken, mährend die einmaligen Ausgaben um 2 Millionen gestiegen find. Betrachtet man den Nettohaushalt, dann ist das Bild noch etwas günstiger. Da der Zuschuß an die Hoheitsvermaltungen gegenüber 1925 um 125 Millionen Mark zurüdging und die Betriebs. verwaltungen einen Ueberschuß von 21 Millionen aufweisen, sind n Steuern und Abgaben 146 Millionen weniger aufzubringen als im Vorjahre. Trotzdem fann das Gleichgewicht im Haushaltsplan für 1926 nur aufrecht erhalten werden, menn aus der Hauszinsstener meitere 92 Millionen für den allgemeinen Finanzbedarf herausgeholt werden. Das ist in großen Zügen das preußische Finanzbild. So erfreulich es ist, daß der Haushaltsplan für 1926 unter den angegebenen Voraussetzungen balanciert, so bedauerlich find die Mittel, mit welchen man das Gleichgewicht zu erhalten sucht. Ausgaben für neue Aufgaben sind zurückgeführt worden, der Be darf für die bisher vom Staat erfüllten Aufgaben und die eigentlichen Verwaltungsaufgaben auf das unbedingt notwendige Maß herabgescht worden; neue Bantenstellen hat man nur in ganz vereinzelten Fällen zugestanden. Also viel Verzicht auf Kultur und. schlimmer als das: viel Elend verbirgt sich hinter den 3ahlen des Haushaltsplanes für 1926. Um jo peinlicher hat es in meifen Kreifen des deutschen Bolkes herührt, daß die früheren deutschen Fürsten für dieje Noflage des preußischen und des deutschen Belfes tein Verständnis haben, ja, daß fie diese Notlage benußen, um maßlose Abfindungsansprüche geltend zu machen. Man vergleiche mit dem Berhalten der deutschen Fürsten einmal die vornehme Art, in der sich nach der japanischen Revo. Iution von 1867 die ja panischen Lebensfürsten die Lage ihres Landes in der damaligen Beit läßt sich recht gut mit der unjerigen vergleichen in das Unvermeidliche gefügt haben. Nur 10 Proz. ihrer früheren Einfünfte wurden ihnen zugestanden und selbst diese Sumune schrumpfte aus allgemeinen Gründen noch meiter zusammen. Damit der politischen Tragödie auch die Groteske nicht fehle, erleben mir es heute, wie ehemalige Fürstenliebchen um die Auswertung fonfolidierter Liebesschulden rrozesfieren. Aber auch dieser Borgang hat seine guten Seiten. Die Lage ist in, wie sie vor einigen Wochen bereits ein Bigblatt charakterisierte: die deutschen Fürsten werden auf ihre Art au Republikanern. Das franzöfifche Rechtssprichwort der Roplaisten le roi est mort, vive le roi" läßt sich heute umwandeln in die Form: le roi est mort, vive le bourgeois!" In der Tat, man muß die Hoffnung auf die Restauration endgültig aufgegeben haben, wenn man so auf der Suche nach einer bürgerlichen Nahrung ist. Es wird unsere Aufaabe sein, dafür zu sorgen, daß die fürstlichen Herrschaften nicht auf Irrmege geraten. Bir merden fic darüber belehren müssen, daß in dem modernen Arbeitsstaat für fürstliche Drohnen teine Stätte lichung der Grundbewertung fehle noch. Bebauerlich sei, daß die Bermaltungsreform noch nicht gefommen ist. Notwendig sei die Hebung der Rauftraft des Inlandsmartftes, während eine große Anleihepolitit megen der Zinsenlast abgelehnt werden müffe. Daneben bestehe die Gefahr einer tatastrophalen Ueberfremdung der deutschen Wirtschaft. Der Staat sollte lieber einer notleidenden Industrie Rredite zum Weiterarbeiten geben, als nach Schließung der Betriebe Erwerbslosenunterstützung aus zuwerfen.( Lebhafte Zustimmung rechts.) 3ulegt habe die Wirtfchaftstrife namentlich außenpolitische Gründe. Als der Redner den Sozialdemofraten vorwirft, daß sie sich, wie die Kommu niften, mur von Agitationsabfichten leiten ließen und auf Neid und andere niedrige Instinkte der Massen spekulierten, wird er von der Linfen mit lebhaften Zurufen, wie„ Aufmertungsschwindler!" ufm. bedacht. An realisierbaren Berten würden aus dem Fürstens vermögen faum 50 Millionen übrig bleiben, wenn die Bermögen durch Boltsentscheid ganz enteignet mürben. Damit tönne man den Erwerbslofen nicht helfen.( Gelächter links und Zurufe: „ Jeder blamiert Sie sind ein fauler Anmalt für die Fürsten!" fich so gut, wie er fann!") Schließlich fegt sich der Redner dafür ein, daß die Zahl der Abgeordneten in den Barlamenten verringert und der Staatsrat zu einer ersten Rammer ausgebaut werde, und zwar zugunsten einer wirksameren Vertretung der wichtigen Berufsgruppen. ift. Someit es sich um die Fürftenabfindung bandelt, scheint uns| fes mirb, gang erhebliche Mehrausgaben bringen, Eine Bereinheite in der Tat die äußerste Sparfamteit geboten und bier wird der Herr Finanzminister unsere volle Unterstügung haben. Eine Sparpolitif, die sich lediglich auf eine Herablegung der Ausgaben beschränkt, ist vom Standpunkt der Finanz- und Bolts mirtschaftspolitik nicht empfehlenswert. Wenn in Berbindung mit der Verwaltungsreform ein organischer Beamtenabbau erfolgen soll, so werden wir uns diesen Blänen nicht verjagen, soweit das ohne Benachteiligung wichtiger öffentlicher Intereffen und ohne unnötige Härten gegen die Opfer dieser Politit geschehen fann. Im übrigen aber stehen mir der Sparmanie, non der jetzt alle Belt ergriffen zu sein scheint, skeptisch gegenüber. Bir dürfen nicht vergessen, daß Finanzpolitit lezten Endes doch Bolts wirtschaftspolitit fein muß. Das Sparen in der Privatmirtschaft darf mit dem Sparen in der Finanzwirtschaft nicht ver. wechselt werden. In der Privatwirtschaft tann Sparen, d. h. Berzicht auf die Berausgabung von Einkommen zur Bermögensbildung und damit zur Konsolidierung der Wirtschaft beitragen. Treibt man aber in der Finanzwirtschaft das Sparen auf die Spize, dar bedeutet das nur Schwächung und Abbau der Finanzwirtschaft selbst. Schließlich ist es auch höchst fraglich, ob der Berzicht auf die Erhebung privater Mittel wirklich eine Bermögensbildung in der Boltswirtschaft bedeutet. Es tann sehr leicht so tommen, daß diese Mittel einer weniger zweckmäßigen Berwendung zugeführt werden, als menn fie der öffentlichen Birtschaft erhalten geblieben mären. Wir müffen also die Frage aufwerfen, ob die Notwendigkeit von Ersparniffen in dem Umfange, wie fie der Finanzminiffer in Aussicht gestellt hat, in der tatsächlichen Lage der Boltswirtschaft begründet ift. Abg. Schmedding( 3.) würde für Erhöhung der Hauszins steuer, durch die der Fehlbetrag im Haushalt gededt werden foll, Dorziehen, wenn entweder höhere llebermeifungsbeträge aus den Reichssteuern oder höhere Erträge aus der preußischen Grundvermögenssteuer oder aus den staatlichen Be eihe aufgenommen werden könnte. Boraussichtlich würden aber, fo führte der Redner aus, folche Mittel versagen. Man müsse aber, um menigstens eine Ermäßigung der Erhöhung der Hauszinssteuer ermöglichen zu können, Es wird zu untersuchen sein, ob das Absinken der steuerlichen Betrieben erlangt werden fönnten, oder wenn eine besondere Anträge nicht bei einer fonfequenteren Anwendung der Steuergesetze hätte verhindert werden können. Ich erinnere nur an die Antwort auf die von fozialdemokratischer Seite eingebrachte Kleine Anfrage über die Steuererhebungsmethoden in Ostpreußen, aus der hervorgeht, daß in dem Kreise Insterburg von den Großgrundbesitzern mit über 400 morgen vorläufig nicht weniger als 60 Proz. von der Zahlung der Einkommensteuer freigestellt sind. ( Hört, hört! links.) Der Beffimismus, den der Finanzminister an den Tag gelegt hat, scheint uns nicht ganz berechtigt zu fein. Gemiß, wir flehen in einer Wirtschaftskrise, einer Sanierungsfrise. Diese Krise hat jedoch gegenwärtig ihren Höhepuntt bereits überschritten. Das Steigen der Kurse wichtiger Wertpapiere darf als Symptom dafür betrachtet werden, daß die kauffräftigen Kreise des Auslands die Chancen der deutschen Volkswirtschaft heute bereits günstiger beurteilen, als noch vor einem Monat. Das Bertrauen des Aus landes drückt sich ja auch in der Bereitwilligkeit zur Gewährung von Anleihen aus. Bir begrüßen es, wenn der Finanzminifter jett den Weg der Anleihepolitit für produktive 3wede beschreiten will. Freilich wird es notwendig sein, die Verwendung diefer Anleihe genau zu übermachen, damit es mit diesen Anleihen nicht geht, mie mit den Krediten, die jetzt eingefroren sind und viel fach recht wenig produktiv gewirkt haben.( Sehr richtig! links.) Jedenfalls follten mir uns bei aller Berücksichtigung der Schwere der Wirtschaftslage nicht durch einen übertriebenen Beffimismus ins Bockshorn jagen lassen. Rüchternheit in der Beurteilung der Situation und Hoffnungsfreudigkeit gegenüber der Zukunft bas allein ist die richtige Seelenstimmung für ein Bolt, das leben will und leben wird.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. d. Often( Dnat.) bezweifelt, daß die Regierung mit dem nötigen Ernst an die Sparmaßnahmen herangeht. Die neue 2andgemeindeordnung zum Beispiel mürbe, menn fie Ge an den Ausgabepofitionen Abftriche machen, und dies nicht nur bei den Personalkosten, die 74,3 Broz der fämtlichen Ausgaben betrügen, sondern auch bei den fächlichen Rosten. Er empfiehlt als Raditalmittel einen Abstrich DDR 10 Broz überall da, wo nicht gefeßliche oder vertragsmäßige Eine Verwaltungsreform murde fich Berpflichtungen vorliegen. erst 1927 frühestens auswirken fönnen und nur Ersparniffe bringen, menn entweder die Oberpräsidenten oder die Bezirksregierungen beseitigt würden. Abg. Dr. Wiemer( D. Bp.) seht sich für die Vorschläge des Borredners ein. Die Anspannung der Hauszinsfteuer fordert schärffte Bedenten heraus; das gilt auch von der rohen Form mit ihrer Ungleichartigkeit und Ungerechtigkeit. Die Steuer muß schleunigst abgebaut werden! Wir müssen durch Berkleinerung des Staats apparates zu einer durchgreifenden Bereinfachung der Berwaltung tommen. Wesentliche Ersparnisse freilich werden nicht erzielt werden durch Zusammenlegungen in der Gerichtsorganisation, wie sie geſtern in Aussicht gestellt wurden. Wir brauchen eine große Bermaltungsreform. Wir müssen von 74,3 Broz wieder auf der früheren Zustand von etwas über 50 Broz. zurüdgelangen!( Sehr wahr!) Berbende Ausgaben dürfen nicht aus laufenden Einnahmen gededt werden, sondern im Wege von. Anleihen. Preußen muß auf dem inneren Anleihemartt erscheinen. Hierauf vertragt der Landtag die meitere Aussprache auf Freitag 12 Uhr. Außerdem. Wahrung der preußischen Intereffen bei der Reichsbahn. Schluß gegen 5 11hr. Kaiser's Sonderangebote: KAFFE KAISER'S IST DER B BESTE! ½ PAKET KAISER'S KAFFEE Marke Kaffeekanne 75 Freitag und Sonnabend in allen filialen Gross- Berlins KAISER'S TEE 1/10 tb 1/5 to Ceylon Spezialmifchung 0,60 PAKET 120 919dur N. 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