Abendausgabe Nr. 52 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 26 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 1. Februar 1926 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Dönhoff 292-292 Fernsprecher: Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der Fememordprozeß in der Dunkelkammer Ausschluß der Oeffentlichkeit während der Ganzdauer der Verhandlungen. Die unberechtigte Einwirtung Stresemanns und Luthers auf das Berliner Schwurgericht ist nicht ohne Erfolg geblieben. Das Gericht hat, was man trog allem nicht für möglich gehalten, heute für die ganze Dauer des Berfahrens gegen die Fe memörber die Deffent. lich feit ausgeschlossen! Dem deutschen Volke soll dadurch die Möglichkeit verfperrt werden, die Wahrheit über die Schwarze Reichswehr" und ihre Mordbuben zu erfahren. Das Gericht erflärt, im Intereffe der Staatssicher. heit sei der Ausschluß der Oeffentlichkeit notwendig. Das heißt mit anderen und klareren Worten: Wenn das, was hier verhandelt wird, bekannt wird und besonders dem AusIand bekannt wird, dann bedeutet das eine Gefahr für das Deutsche Reich! Die Geheimnisse der Fememörder find Geheimnisse des Deutschen Reichs! Die Schlußfolgerungen, die das Ausland aus diesem Gerichtsbeschluß ziehen wird, liegen auf der Hand. Der Reich s außenminister mußte, wenn er wirklich dem Deutschen Reiche nach außen dienen wollte, diese Schlußfolge. rungen vorhersehen und deshalb mit allen Mitteln uf die Durchführung der vollsten Oeffentlichkeit des Berjahrens dringen. Schon um zu zeigen, daß der„ Geist von ocarno" wirklich und wahrhaftig den schwarzen Geist der " Schwarzen Reichswehr" verdrängt habe und heute nichts mehr von dem Sput vorhanden sei, der einst Deutschland und die Welt beunruhigte. Statt deffen hat Stresemann augenscheinlich unter bem Ein luß gewiffer Reichswehrstellen sich dafür start ge mecht, daß der Eindrud erwedt wird, als ob noch heute Schwarze Reichswehr besteht, als ob ihr Bestehen auch heute noch vertuscht wird. Die außenpolitischen" Gründe, die diesen Drud auf das Gericht herbeiführten, bedeuten feine Entlastung, fondern eine schwere Belastung des heutigen Deutschland. Schon die Begründung, die der deutschnotionale Rechtsanwalt Sad feinem Antrag auf Geheim fizung auf den öffentlichen Weg gab, zeigt, daß das Interesse der Reichswehr bie Geheimfizung erfordere! Es foll verborgen bleiben, was längst alle Spaßen von den Dächern pfeifen, was die Entente beffer weiß, als die Deutigen, was schließlich auch in den deutschen Parlamenten längst öffentlich ausgesprochen wurde: daß die Schwarze Reichswehr" zumindest von gewiffen Stellen der offiziellen Reichswehr geduldet und geradezu groß gezogen worden ist! Der Ausschluß der Deffentlichkeit bedeutet ein Eingeständnis der Schuld dieser Regierungsstellen. Er bedeutet, darüber hinaus das Geständnis, daß die politischen Zustände, die die Zeit der Fememorde tennzeichnen, derartige waren, daß ihr Geruch noch heute verpestend in Deutschland wirken würde. 6. der Volontärinspektor Hauptmann a. D. Mag Gut fn echt aus Nienburg, 7. der landwirtschaftliche Volontär und Oberleutnant a. D. Eber hardt Freiherr v. Senden aus Zehden( Oder), 8. der Angestellte beim Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband Gerhard Steelba ch aus Berlin, 9. der Elfenbeinbildhauer Franz Meder aus Berlin, 10. der Kandidat der Bolkswirtschaft Rolf Zeitler aus Neukölln, 11. der ehemalige Gefreite und jetzige Beamtenanwärter Ostar Snethlage. Die Verteidigung der Angeklagten haben die Anwälte Justizrat Hahn, Rechtsanwalt Bloch, Rechtsanwalt Dr. Sad, Red towsti und Grünwald übernommen. Die Anklage wird von Oberstaatsanwalt Sethe und Ersten Staatsanwalt Jäger vertreten. Wie erinnerlich, war in Döberih unter dem Kommando des Hauptmanns Gutknecht eine Formation der Schwarzen Reichswehr aufgestellt worden, deren eine Kompagnie unter dem Kommando des Leutnants Benn stand. In dieser Kompagnie war der Ermordete, der Schüße Panier, eingereiht. Eines Tages geriet Banier in den Berdacht, ein kommunistischer Spiel zu sein. Er merkte aus fleinen Anzeichen, daß er, beseitigt' werden follte und entfloh nach Berlin zu seinen Eltern, wurde | ftellen?- Oberstaatsanwalt: 3ch habe keinen Anlaß, derartige Anträge zu stellen. R.-A. Bloch: Ich schließe mich dem an, da Freiherr v. Senden von der linksstehenden Presse derart angegriffen murde, daß er Anspruch darauf hat, öffentlich sich zu rechtfertigen. Es wird auch feine Senfafionen hier geben, da der Sozialdemokrat Saenger und der kommunistische Rechtsanwalt Obuch im Parlament die Dinge derart behandelt haben, daß die Oeffentlichkeit nichts Neues mehr erfahren wird. R.-A. Dr. Sad: Ich bitte aus§ 172 des Gerichtsverfassungsgesetzes die Deffentlichkeit auszuschließen und sogar während meiner nun folgenden Begründung die Oeffentlichkeit auszuschließen. Die Presse hat zum Teil mit offensichtlichen Unrichtigkeiten vor diesem Prozeß gearbeitet. Aber die Rücksicht auf außenpolitische Fragen und die Rücksicht auf das Reffort des Reichswehrministers wingt mich, den Antrag auf Ausschluß zu stellen. Justizrat Hahn schloß sich dem an. Das Gericht beschloß daraufhin, während der Begründung des fchließen, und zwar wurde dieser Beschluß nach einer noch Antrages durch Dr. Sad die Deffentlichteit auszu maligen furzen Beratung auch auf die anwesenden Pressevertreter ausgedehnt. Nach längerer unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführter BerBeschluß: jedoch von dem Angeklagten, Feldwebel Schirmann, zurüd- handlung verkündete Landgerichtsdirektor Bombe folgenden geholt. An diesem Tage gab der Angeklagte, Leutnant a. D. Benn, dem Angeklagten Afschenkampff zu verstehen. daß Panier beseitigt werden müsse. d nach einigem Zögern willigte Afchenfampff ein, und am nächsten Tage wurde der Mord in einem Gehölz bei Döberitz von den Angeflagten Schirmann, Stein und Aschentampff gemeinfam ausgeführt, die Panier durch Bellhiebe töteten, wobei der Angeflagte Schmidt Beihilfe leistete. „ Das Gericht hat beschlossen, die Deffentlichkeit auszufchließen, da fie eine Gefährdung der Staatsficherheit bedeutet; nur den Bertretern des Minifteriums des Innern und des Polizeipräsidiums wird die Anwesenheit gestattet." Hierauf wurde der Saal geräumt. Der Beschluß des Gerichts, die Deffentlichkeit während des ganzen Brozelfes auszuschließen, löfte überall großes Aufsehen und beträchtliche Erregung aus. Bor der Verhandlung liefen bereits Gerüchte um, daß die Berhandlung vertagt werden würde. Es wurde behauptet, daß das Justizministerium die Anweisung gegeben habe, sämtliche schwebenden Am Schluß der Mitteilung des Borsigenden sprang Rechtsanwalt Verfahren zu verhindern, da alle Fäden dieser Straftaten zusammen- Dr. Sa d auf und fiel dem Vorfizenden mit der Frage ins Bort: laufen bei dem in Untersuchungshaft befindlichen Oberleutnanthält der Herr Oberstaatsanwalt feinen Antrag aufrecht?" Dieser Schulz. Offenbar ist man zu der Ansicht gekommen, daß man ein Antrag des Oberstaatsanwaltes ist wahrscheinlich der gewesen, den Hauptverfahren gegen Schulz eröffnen und alle Fälle in diesem ganzen Prozeß zu vertagen, wie zu Eingang des Beweitgespannten Rahmen verhandeln soll. richtes angedeutet worden ist. Die Angeflagten find fast alle noch jüngere Leute, die bei der Bernehmung über ihre Personalien die Haden zusammennehmen und in militärischer Haltung die Hände an die Hosennaht legen. Lediglich der Angeklagte Stegelberg, ein Mann mit weißgrauem Haar und Bart, macht den Eindruck eines älteren kleinen Bureaubeamten. Borf.: Sind Anträge wegen Ausschluß der Deffentlichkeit zu Das Gericht war übrigens sehr streng darauf bedacht, die Deffentlichkeit restlos auszuschließen, denn als der Reichstagsabge. ordnete Dr. Kurt Rosenfeld um die Erlaubnis bat, den Verhandlungen als Barlamentarier beiwohnen zu dürfen, wurde ihm vom Gericht dieser Wunsch stritt abgelehnt mit der Begründung, daß nur den Vertretern von Behörden Zutritt zur Geheimerhandlung gewährt werden könne. Die Kölner Befreiungsfeier. Gleichzeitig aber bedeutet der Ausschluß der Deffentlich feit jogar einem Reichstagsabgeordneten wurde der Zutritt verweigert eine Kampfansage an die deutschen Vor dem Dom um Mitternacht. Republikaner. Die Morbbuben werden vor der öffentlichen Belichtung geschütt. Ihnen wird ein„ nationales" Mäntelchen umgehängt, um ihnen mildernde Umstände zu verschaffen. Inzwischen aber find in ganz Deutsch land Hunderte von Arbeitern nicht nur fommunistischezu langjährigen 3uchthausstrafen verurteilt worden, weil sie sich zur Abwehr der Schwarzen Reichswehr Banden organisiert hatten! Die Mörderorganisation hat jahrelang unter dem Schuß gewiffer Reichsstellen gestanden. Es ist nicht das Verdienst Dieser Reichsstellen, wenn der Sumpf schließlich doch ausgedeckt und eine Gerichtsverhandlung ermöglicht wurde. Aber ihr Bestreben ist, den Sumpf wieder zuzu decken und das deutsche Bolt im Dunkel über die reaktionären„ nationalfommunistischen Haufen" zu laffen, über die man es jahrelang angeschwindelt hat. Aber selbst der Beschluß der Bombe- Kammer fann nicht verhindern, daß die Mörderkumpanei vom ftaat. lichen Schießplag Döberig und ihre Hintermänner vollkommen ins Licht der Deffentlichkeit gerückt werden! Vor dem Schwurgericht des Landgerichtes III begann heute vormittag unter Borsiz des Landgerichtsdirektors Bombe der erfte Berliner Fememordprozeß wegen Ermordung des Schüßen Banier, bzw. wegen Beihilfe, Mittäterschaft und Mitwisserschaft haben sich folgende Angeklagte zu verantworten: 1. Der Fahrstuhlführer Fritz Schirmann, 2. der Polizeiwachtmeister Johann Stein aus Steglit, 3. der Feldschutzbeamte Alfred Aschentam pff aus Kranzien, regierung an alle reise der Bevölferung! Um diesen Dant persönlich in der jetzigen mitternächtlichen Rundgebung auszusprechen, bin ich hier nach Köln gecilt. Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Ministerpräsidenten von Preußen. Köln, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Punkt 12 Uhr nachts begann vor dem Kölner Dom die mitternächtliche Befreiungsfeier, die durch das Geläute der neuen großen Domglocke eingeleitet wurde. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich auf dem Domplatz und in den anschließenden Straßen zusammengedrängt. Als erster ergriff Oberbürgermeister Dr. Adenauer das Wort, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß mit der Räumung der ersten Besatzungszone auch ein neuer Geist in die Völker Europas einziehe. Die Grundfäße des Rechts und der Moral, die jeden Menschen als frei und gleichberechtigt erflären, müßten auch in Wahrheit nicht nur in Worten Geltung erhalten für die Gesellschaft der Völker. Die Ansprache, in der der Oberbürgermeister anerkannte, daß der abgezogene Gegner auf politischem Gebiet rechtes Spiel habe walten laffen, flang aus in dem Schwur zur Einigkeit, zur Treue dem Volte, zur Liebe dem Vaterland. leberraschenderweise hatte sich zu der nächtlichen Feier der preußische Heißesten Dank zollen wir und werden wir immer zollen dafür, daß Rheinlands Männer und Frauen im Bewußtsein ihrer nationalen und wirtschaftlichen Verbundenheit mit dem unbelegten Baterland in den vergangenen sieben Jahren eine unerhörte Fülle feelischen Leides und herben unge. machs, wirtschaftlicher Not und harter Prüfungen erbuldet haben! nicht oft und nachdrücklich genug betont werden fann, von der BeDie Drangfale und Entbehrungen der Besazungsjahre sind, was bölferung des Rheinlandes für uns alle im unbefeßten Deutschland getragen worden! Diese Erkenntnis ist heute Ge meingut aller Deutschen geworden! geie bewußt und ehrlich troß aller Gorgen Ministerpräsident Gen. Braun eingefunden, der von der Menge mit stürmischen Hochrufen empfangen wurde, als sie von seiner Anwesenheit Renntnis erhielt. Der Ministerpräsident führte aus: Sieben schwere Jahre der Fremdherrschaft hat die Bevölkerung der nunmehr geräumten ersten Rheinlandzone ertragen müssen. Wenn die militärische Besatzung eines Gebietes stets und überall eine starke Belastung der Bevölkerung bedeutet, jo mußte das fremde Joch für die rheinische Bevölkerung um so schwerer und drückender sein, als das rheinische Bolt immer ein Volt von einer ganz ausgeprägten Freiheitsliebe gewesen ist. An der berechtigten Freude, welche die Bevölkerung des ge4. Der Gärtner und Schüße beim Reichswehrinfanräumten Gebietes in der gegenwärtigen Stunde über die langterieregiment 6, Arnold ch midt in Schwerin, erfehnte und jetzt wiedererhaltene Freiheit empfindet, nimmt die 5. der Ungestellte im Reichslandbund, Leutnant a. D. Theodor preußische Staatsregierung den herzlichsten Anteil. Mit dieser Freude Benn aus Schwerin, verbindet sich der un auslöschliche Dank der Staats. das Verantwortungsgefühl des rheinischen Volkes und die Liebe dieses Volkes zu der Bevölkerung Gesamtdeutsch lands gewesen ist, das tam in erhebender Weise zu fraftvollem Ausdruck in der denkwürdigen Rede, die der Kölner Oberbürger meister Dr. Adenauer bei der rheinischen Jahrtausendfeier am Abend des 19. Juli des vorigen Jahres im historischen Gürzenich faal in Köln gehalten hat. Damals lebten wir in einer Stunde außenpolitischer Spannung. Die Kölner 3one hätte nach dem Friedensvertrag schon geräumt fein müffen. Die Konferenz non Locarno war faum in Sicht. In diesem Zeitpunkt außenpolitischer Schwierigkeiten bat der Kölner Oberbürgermeister in seiner Gürzenich Rede die anwesenden Bertreter der Regierung und der Volksvertretung, man möge freiwillig in feine neuen Lasten und Ketten für Deutschland einwilligen, lieber wolle die rheinische Be völkerung Rot und Qual weiter tragen, bis Recht und Gerechtigkeit, auf deren Sieg das Rheinland fest vertraue, dem rheinischen Bolf die Freiheit zurückgebe. Diese Bitte Adenauers fand in den folgen. ben Tagen allüberall im Rheinland ein lautes und uneingeschränktes Echo. Jm unbefeßten Deutschland löste sie das Gefühl wärmsten Dantes und aufrichtigster Bewunderung aus! Als dann in den Oktobertagen des vorigen Jahres in Locarno die Paltkonferenz tagie, da war es der W i r t s ch a f t S> ausschuß für das besetzte Gebiet, der am 12. Oktober 1925 von Düsseldorf aus eine Drahtung an unsere Delegation nach Locarno sandte, in der gebeten wurde, die deutsche Delegation möge bei den schwebenden Verhandlungen nur die Interessen des gesamten deutschen Vaterlandes berücksichtigen und auf die Losten des besetzten Gebietes keine Rücksicht nehmen, wenn diese Rücksicht etwa nur durch Nachteile�fur Gesamtdeutschland erkauft werden müßte. Die Geschichtsschreiber künftiger Jahre werden, wenn sie über die rheinische Besatzungszeit das endgültige Urteil zu fällen haben, auf diese beiden und ähnliche Dokumente noch oft zurückgreifen. Die preußische Staatsregierung ihrerseits wird, das versicher« ich in dieser mitternächtlichen Stunde feierlichst als preußischer Minister- Präsident, sich immer dankbar und stolz der in der Zeit natio- naler Not von der Bevölkerung ihrer westlichen Grenzprovinz be> wiesenen mannhaften Treue und beispiellosen Opserwilligkeit erinnern und in dieser Erinnerung, die stets lebendig bleiben soll, ihre besondere Fürsorge und Pflege dem rheinischen Volke an- gedeihen lassen! Zu solcher Fürsorgebereitschast rechne ich ganz selbstverständlich auch, daß die preußische Staatsregierung festen Willen» ist, dem so- zialen und kulturellen Bedürfnissen des Rheinlandes in größtmöglichem Umfange Rechnung zu tragen. Auf diese Weise glaubt sie am ehesten, das ibr porschwcbcnde Ziel erreichen zu können, die letzten Ueberbleibfel des Mißtrauens, die im Rheinland aus einer früheren Zeit gegen Berlin»och vorhanden sein sollten, restlos zu beseitigen. Zu irgendwelchem Mißtrauen ist ja auch jeder Grund fortgefallen, nachdem durch die Verfassung des neuen Freistaates Preußen die Gesamtheit des Volkes, wie es Joseph von Görres, der große Sohn des Rheinlondcs, schon vor mehr als hundert Jahren gefordert hatte, zum Träger der Staatsgewalt geworden ist. Die Bevölkerung der Rheinlande stellt ein Fünftel und die Bevölkerung Rheinlands zusammen mit der in Wirtschaft, Kultur und Schicksal besonders verwachsenen Bevölkerung Westfalens e i n Drittel der Gesamtheit des preußischen Volkes dar. Den p o- l t t i f ch e n Willen und die kulturelle Eigenart, die so. zialen und wirtschaftlichen Wünsche dieses Drittels de» preußischen Volkes wird keine preußische Staatsreyierung jemals vernachlässigen sönnen, zumal es sich um ein Doltsdrittel handelt, dos ein so ent- wickelte» Wirtschaftsleben und eine so hochstehenden Volkekultur auf- weist, wie sie sich in solcher Gedrängtheit, Fortgeschrittenheit und Mannigfaltigkeit vielleicht an keinem Punkte des Kontinents zum zweiten Male vorfinden. Dies stark zu unterstreichen liegt mir in dem jetzigen historischen Augenblick vornehmlich am Herzen, wo ein großer Teil des rheinischen Volkes, der seit der Schaffung de» re- publikanischen Preußen unter der Besatzung leben mußte, die Frei- heil wiedererlangt hat! Unsere Freude am heutigen Tage wird freilich noch getrübt durch die schmerzliche Tatsach«, daß mehr als vier Millionen Volks- genossen weiterhin unter fremder Besatzung leben müssen. All diesen unseren noch leidenden Brüdern und Schwester« an Rhein, Mosel und Soor gelten in dieser Stunde unsere herzlichsten Grüße, unser aufrichtigster Dank und die unbedingte Versicherung, daß wir nicht» unversucht lassen wolleo. um ihre Leiden zu lindern und abzukürzen. Daß diese Abkürzung in nicht zu serner Zeit eintritt, ist unsere zuverlichNiche Hoffnung und bestimmte Erwartung! Diese unsere Erwartung stützt sich auf den Geist d« r g e g e n- seit igen Dölkerver stand iL ung, von dem der Pakt von Locarno getragen ist und der im Rahmen der europäischen Völker- tamilie, deren Elnzelglieder setzt gleichberechtigt sein sollen, Ber- fländnts und Entgegenkommen- auf allen Seiten zur Voraussetzung hat. Aus Innerstem herzen und ve» der friedfertigsten Gesinnung geleitet, bejaht die Regierung der Republik Preußen jenen neuen und viclvcrheißenden, auf die moralische Entwaffnung Europas hinzielenden Geist von Locarno! Sie ist gewillt, in ihrer ganzen Verwoltunaspraris mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gewissenhast und treu Sorge zu tragen, daß der Gedanke de» verständigen Ali»gleiches und der friedlichen Schlichtung zwischen de,, Rationen sich mehr und mehr in dos lebendige Bewußtfeirf aller Schichten unseres Volkes und nament. lich auch der heranwachsenden Jugend, die nach der Reichsverfaffung im Geiste der Aölkerversöhnung zu erziehen ist, umsetzt. Da» sind wir unserem ganzen Volk, dessen durch den Welt- krieg zerrüttete Zivilisation nur in einer Aera dauernden Friedens wieder hergestellt werden kann, und— nicht an letzter Stelle— dem rheinischen Volke schuldigl Unser« Freude am heutigen Tage wird aber auch weiter noch beeinträchtigt durch die traurige Mrtschostskrise. die unseren gesamten Volkskörper erfaßt und über die weitesten Kreise Arbeitslosigkeit, Entbehrung. Hunger und Verzweiflung ge- bracht hat. Wenn die bedrohliche Zahl der Erwerbslosen, der Kurz- arbeitcr und der mitbetrofsenen Familienangehörigen an sick schon iu größtmöglicher staatlicher Sorge und Hilfe Anlaß ist. o gilt die, in verstärktem Umfang hier im Westen, wo >Ie Arbeitslosigkeit nicht nur zahlenmäßig größer ist, sondern in den vorwiegend großstädtischen und industriellen Gebieten sich auch drückender und entmutigender auswirkt. Es wird des vereinten Zusammenwirkens aller Teile unseres Volkes bedürfen, um über die gegenwärtige Voltsnot, dieser schwersten Au»- Wirkung des verlorenen Krieges, hinwegzukommen und unserem arbeitsamen Volt in langsamem wirtschaftlichen Aufstieg eine lichtere Zukunft zu bereiten. Leicht wird«» un» nicht gemacht, besonders hier im Westen. Denn zu all dem Leid und Elend, das sich aus der Wirtschaftskrise ergibt, ist die rheinisch« Bevölkerung nun aucb noch um die Jahres- wende von der verheerenden, ln solchem Umfang seit mehr als hundert Jahren nicht beobachteten Hochwasserkatastrophe getroffen worden! Wie die Preußische Staat sregierung unmittelbar auf den ersten Bericht des Oberpräsidenten der Rheinprovinz eine halbe Million Mark zur Einleitung einer staatlichen N o t st a n d s a k t i o n zur Verfügung gestellt hat. so hat sie sich sogleich auch wegen Bereitstellung von ReichsmIUeln mit der Relchsregirriing in Verbindung gesetzt Die Preußisch« Staat»- regierung hat in der Folgezeit für die Hochwassergeschädigten noch weitere Beträge von insgesamt zwei Millionen Mark zur Per. sügung gestellt. Dies hat die Preußische Staatsregierung trotz der großen Finanznot des Staates freudig und gern getan. weil sie jetzt und in jeder späteren Zeit keine Gelegenheit versäumen wollte und will, um da» in den schwierigsten Augenblicken der ver- gongenen Besatzungsjahre der rheinischen Bevölkerung mehrfach zu- gerufene Wort.Treue um Treue*" auch ihrerseits zur lebendigen Tat werden zu laflen und die Schicksalsverbundenheit der Rhein- lande mit Preußen und dem Reich erneut zu bekräftiaen! Möge die weihevolle historistde Stunde, in der wir hier am Fuße de» heiligen Kölner Domes zusammengetreten sind, uns in dem erneuten Gelöbnis vereinen, treu zu Preußen, treu zum Reich zu stehen und nun, befreit von dem lähmenden Druck der Besatzung, in gemeinsamer zäher Aufbauarbeit unser deutsches Vaterland durch das Dunkel der trüben Gegenwart einer besseren Zukunft«ntgegenzuführen. Die Feier selbst mit dem einleitenden Klang der deutschen Glocke. mit den Ansprachen des Oberbürgermeister» und des Minister- Präsidenten, dem Beifall und dem Deutschlandlied waren durch die Köln-Tlberfeld-Dortmunder Sendegesellschaft im Rundfunk über das gesamte Reich und weit über die Grenzen Deutschland» hinaus ver- breitet worden. » Aus Anlaß der endgültigen Räumung der ersten Zone des Rheinlandes hat der Reichspräsident an den Oberpräsidenten der Rheinprooinz in einem Telegramm die Grüße und besten Wünsckze und der Bevölkerung und den Behörden den Dank d?» Vaterlandes für das treue Ausharren übermittelt. Das Telegramm schließt mit dem sehnlichsten Wunsch aller Deutschen, daß au ch d«m übrigen besetzten Gebiet bald der Tag der Freiheit kommen möge. Auch Reichskanzler Dr. Luther hat der Bevölkerung der ersten Zone tn einem Telegramm den Dank der Reichsregierung ausgesprochen und darin hervorgehoben, daß sich die Gedanken der Reichsregierung vor allem auf die noch andauernde Not der zweiten und dritten Zone richten. Die Reichsregierung werde weiterhin ihre ganze Kraft daran setzen, für die Reichsteile, die noch unter fremder Besatzung bleiben, die Last z» erleichtern und die Dauer der Besatzung zu vermindern. Köln im 5ahosn)chmuck. Köln, 1. Februar.(Eigener Drahtbcricht.) Aus Anlaß der Räumung Köln» tragen seit Sonntag die öffentlichen Gebäude der Stadt und auch viele Prioathäuser F l a g g e n s ch m u ck. In den Arbeitervierteln wehen durchweg schwarzrotgoldene Fahnen, während die Geschäftswelt in der inneren Stadt vielfach die städtische Flagge gehißt hat. SchwarzweißroteFahnen sieht man fast nirgendwo. Der Kölner Dom, an dessen Portal in der Nacht vom Sonntag zum Montag viele Zehntausende zu einer großen Bcfreiungskundgebung zusammengeströmt waren, hat bezeichnenderweise keine einzige Fahne in den Reichssarben geflaggt. öefreiungskunögebung im Landtag. Landtagspräsident Bartels eröffnete heute das Haus mit folgender Ansprache: Gestern ist die erste besetzte Rheinlandzone endgültig geräumt worden. Etwa ein Fünftel de» besetzten Gesamtgebiets ist damit von fremder militärischer Besatzung befreit. Mehr als ein Jahr haben unsere Brüder und Schwestern in dem Gebiet länger aus diese Stunde warten müsien, als es vertragsmäßig hätte sein sollen. Mit unseren herzen waren wir bei ihnen, als sie in der vergangenen Nacht in einer würdigen Feier vor dem Kölner Dombau die endliche Befreiung begrüßen konnten. Dieses Ereignis gibt auch dem Preußischen Landtag lebhaften Anlaß, seiner besonderen Freude über da» endlich Erreicht« einmütig Ausdruck zu geben. Er entbietet der Bevölkerung des jetzt befreiten Gebiets seine herzlichen Glückwünsche und dankt ihr zugleich für ihr treues Be- kenntnis zu Preußen und Deutschland, indem sie auch in den schwersten Zeiten nicht wankend gewesen sind. Der Landtag spricht dabei zugleich die hossaung au», daß auch die Räumung der beiden weiteren Zonen tu absehbarer Zeil. jedenfalls ober vor dem Ablauf der vertraglich bedungenen Fristen erfolgen möge. Immer wird die Lesatzung, ganz gleich, in welchen Formen sie sich vollzieht, als etwas Demütigendes empfunden werden, und solange sie besteht, wird sie nur' geeignet sein, die so notwendige friedliche Annäherung der Völker zu erschweren. Das letzt befreite Gebiet aber wird nun in der Lage sein, mit uns gc- meinsam die Schäden der Besatzungszeit zu beseitigen und unge- hindert am Wiederaufbau des Baterlandes mitzuarbeiten. Ins- besondere gilt es, die schwere w i r t s ch a f t l i ch e K r i s e, unter der unser Land und besonders auch das niederrhcinische Gebiet so schwer leidet, zu beseitigen oder doch zunächst zu mildern. Daß dazu olles denkbar Mögliche getan wird, darin ist sich der Preußische Landtag einig und nicht» sehnlicher wünschen wir in dieser Stunde, als daß neben der Befreiung von fremdem Druck unser Volk, ins- besondere seine arbeitenden Schichten, auch von dem Druck wirt- schaftlicher Notlage recht bald befreit werden möge. Mit dem Glückwunsch an das besetzte Gebiet bekundet der Landtag zugleich diesen Wunsch und diesen Willen.. Da« Haus hörte die Ansprache stehend an und begleitete sie mit lebhaften Beifallskundgebungen. Besonders der Schluß wird mit stürmischem Beifall aufgenommen. Klärung im Sacksenkonflikt. Befriedigendes Ergebnis des Landesparteitags. Am Sonnabend und Sonnlag togke ln Dresden der Landes- parleilag der sächsischen Soztaldemokratte. Die Verhandlungen führten zu clnem befriedigenden Ergeb- n l»: es wurden Beschlüsse gesaßl. die eine Klärung in, Sachseukonslik« ln sich schließen. Dem Parkeitag gingen Verhandlungen der Landlagsfraktion und der Bezirksvorstände voraus. die in Anwesenheil der Senosscu Stelling und Stahl vom parleivorstand stattfanden, lieber da» taktische Vorgehen wurde« in den beiden KSrperschaflen überelnstimmeude Beschlüsse herbeigeführl. Ter Verlauf der Landesversammlung. Dresden. 1. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Di« Landesoer. sammlung der Sozialdemokratischen Partei Sachsens, die am Sonn- abend und Sonntag stattiand, nahm einen guten Verlauf. Es ist zu hoffen, daß sie die Sozialdemokratie in Sachsen um ein gutes Stück vorwärts bringt. Der erste Tag war ausgefüllt von dem Referat des Genossen Edel über den organisatorischen Ausbau der Partei ln Sachsen. Trotz aller Hemmnisse ist es möglich gewesen, die sächsisch« Organisation stark und festgefügt zu erhalten. Trotz aller politischen Wirren ist auf vielen Gebieten gute Pionierarbeit geleistet worden, die chren vollen Wert erst dann erhalten wird, wenn die Folgen des Sochsenkonflikts überwunden sein werden. Der zweite Tag war vor allem der Behandlung des Sachsen- konflikts gewidmet. Stundenlang harrten hunderte von Partei- Frühlingsahnung. Von Alfred Fritzsche. Leise schwankend verläßt der hochbohnzug den Bahnhof Gleis- dreieck. Fährt hin über die große, eiserne Brück«, unter der die Züge der Ezsenbahn rollen. Und in diesem Augenblick fällt warmes. goldenes Sonnenlicht in die Wagen, an deren Glasscheiben Eisblumen blühen. Das Sonnenlicht oerzaubert die Menschen: der schläfrige Lebemann, der mir gegenüber sitzt, sieht plötzlich hoch, blinzelt wie erwachend mit den Augen und ein vergnügte» Lächeln macht die blasierten Linien, die um seinen Mund gegraben sind, wieder weich. Die Dame, die ihn begleitet, lüftet ihren Pelz«in wenig. Neben ihr trifft das Sonnenlicht ein kleines Ladenmädchen. Das Blondhaar, das sich traus um ihre Stirn« ringelt, wird golden. durchflutet. Auch sie muß lächeln. Die Hände hat sie über einen Hutkarton gesallet. Auf ihm ficht: Lcvin u. Co. Sie aber ist eine Madonna. Auf dem Schoß einer Frau sitzt ein kleines Mädchen. Fast ge- blendet starrt es in dos hereinbrechend« Sonnenlicht. Reißt die Augen auf— lacht— klalstht in die Hönde.... Alle, die im Wagen sind, lächeln. Lächeln in diesem einen Augenblick, in dem die Sonne in den sausenden, leise schwankenden Wagen dringt. Fahren wir? Fliegen wir? Fliegen wir all« nicht in einem goldenen Zauber- wagen durch die Luft— hinweg über den Alltag? Ach. es war nur ein Traum, ein ganz kurzer, schöner Traum. Denn schon ist wiedsr kalter Schatten im Wagen, der Zug fährt langsamer, dann hält er____ Bülowstraße. Ich steige au». Fahre mit der Straßenbahn weiter. Steige übermütig auf den Vorder- perron. Dem Führer hängen ein paar gefrorene Tropfen im Bart. Eisig ist der Wind und schneidend. Der Führer dreht sich zu mir hin und sagt:.Nun wird noch mal Winter!*" Ach, denke ich, da» ist nur sein leyter, wütender Abschied— denn uns hat heute die Sonne geküßt. Un»— uns alle! Und olle hoben wir gedacht, daß da» der Frühling war! völkischer Goethe-Ersotz. In der Münchener Gesellschaft für Rassenhygien« hielt der bekannte hygieniter Prof. Max von Gruber jüngst einen Vortrag über.Das rasjenhygienisch« Ideal**. Gegen die Ausführungen dieses, soviel wir wissen, streng nationa- listischen Gelehrten polemisiert in zwei ausgewachsenen Spalten des „Völkischen Beobachter»'" ein Ungewisser.Loses S t o I- zing". Er rügt, daß der Geheimrat»die menschliche Vernunft allzu sehr in den Lordergrund rückte', und er bezeichnet die.Grund- auffassung, daß es höchiies Ziel menschlicher Arbeit sein müsse, den Menschen dt« Summe der Leiden zu lindern' als.einen bedauer' lichen Rückfall in längst überwundene Anschouimgen'. Die Behauptung Grubcrs, daß die Deutschen stets für Mischung ihrer Rasse eingetreten seien, wird als.oolleg unrichtig"" zurückgewiesen und dafür Goethe, der bskannte Rassenantisemit, als Zeuge zitiert. .Da Goethe', heißt e» welter,.nicht mehr in der Lage ist, vom Herrn Geheimrat zu verlangen, daß er sich als Glied der deutschen Nation ausweist, stell« ich'— Josef Stolzing—»diesen Antrag und verlange dasselbe von ihm, wa» Goethe auch oerlangt hätte... Di» Studentenschast Münchens darf und muß wissen, ob hier ein Mann aus deutscher Ueberzeugung heraus zu ihr gesprochen hat oder ob der Sohn oder Enkel eines Juden das deutsche Volk zu be- lören sucht.' Wenn ein Artitelschreiber de»„Völkischen Beobachters" sich als Goethc-Ersog aufspielen darf, so dürfen wir es schließlich auch. Und so verlangen wir von Herrn Stolzing dasselbe, was er von Prof.Gruber verlangt. Man kann sich nämlich Joses Stolzing nennen und trotzdem von seinen Vorfahren her rasiefrcmde». bei- spielswcise— Pfui Deubel!— tschechisches Blut in den Adern haben. Zweifelhafl« Geburkslagsehrung. Herbert Eulenberg, der nunmehr Fünfzigjährige, ulkt selbst darüber, wie wenig und wie unaern seine Dramen aufgeführt werden. Mancher Seitenhieb fällt aus da» nach Eulenbcrgs Meinung verständnlsarme Publikum und auf den kunstfremden Theaterdirektor. Woran liegt es, daß Eulenberg» Dramen Mauerblümchen bleiben? Robert Pirk machte gestern in seinem Theater in der Klosterstrahe die Probe auf» Exempel. Er feierte den 50. Geburtstag des Dichters, indem er sein Spiel aus W Bildern„M ü ck e n t a n z' aufführte. Diese ■28 Bilder gingen in flottestem Tempo in Szene, da Pirk die vor- handene dreigeteilte Bühne benutzte. Und das war gut. Sonst wäre es vor Langeweile nicht zu ertragen gewesen. Die schau- spielerischen Leistungen de» Abends überraschten. Da» muß von vornherein festgestellt werden, um zu untersuchen, auf wessen Konto der zweifellose Mißerfolg des„Mückentanzes" zu buchen ist. Eulen- berg liebt es, mit sorgloser Naivität und grenzenloser Phantastik träumerische Sonderlinge hinzustellen. Die Mückentanzfiguren be- wegen sich in einer Linie: sie haben durchweg einen Spleen. Und st» sind aus einem Material, nämlich au» Holz. Das groteske Gebahren dieser verstiegenen Menschenkinder, da» Eulenberg mit ältesten Witzchen untermalt, erinnert an ein Kasperie-Theater, mit dem einen Unterschied, daß im Kasperle-Theater die Darsteller wirk- lich aus holz sind und bei Eulenberg die Schauspieler hölzern wirken, und mit dem anderen, daß im Kasperle-Theater die Fröhlich- kelt kindlicher ist. Bei Eulenberg stören die literarischen Ansätze, ja. e, stört sogar in diesem Zusammenhang die häufig hervor- quellende, lyrisch. romantische Dichtergestaltuna. Der Mehrzahl der Bilder sind neckisch« Lichter ausgesetzt, alles ,st pittoresk und leider auch verniedlicht. Zwei von den 28 Bildern, die firlefanzfreien, ernst empfundenen, reizten gestern zu unterdrücktem Kichern, was bei dem gutherzigen, geduldigen Goethebühnenpublikum allerhand bedeutet. Harry Förster. Gert F r i ck e, Jngols Kunze, Nora N i k i f ch. Maria Hofen und Maria Maria N e w e s suchten dem Dichter mit allen künstlerischen Mitteln gerecht zu werden. Sie gaben ihr Bestes. Wenn es ihnen nicht gelang, so lag es nicht an ihnen. Ein« mißglückte Geburtstagsehrung. Dgr. Zur vorseier de» TO. Gebort« läge» von Seraorb Shaw bält Siegincd Zreittsch am S. Februar in der Serliner Sezession ei»cu Vortrag »Der deutsche«usstteg Vernarb Shaw».' Zoelte(Bullbert trat nach zwölfjähriger Paus« am Sonntag zum erstenmal wieder vor das Berliner Publikum. Der jubelnde Beifall, der sie begrüßt«, galt nicht nur der bekannten großen Künstlerin, sondern war ein merkliches Zeichen der geistigen Wieder- Vereinigung zweier Nationen, von denen sie die französische als beste Repräsentantin der Sprech- und Gesangskunst vertritt. Was sie darbot, ist die reifste Frucht einer Kunstgattung, die so unnachahmlich französisch, wie das Lied deutsch ist. Jedes ihrer Chansons ist ein« kleine Schauspielszene, voll von Anmut und hinreißendem Tempera- ment, ganz gleich, ob sie den beleibten Herrn Pfarrer, die treulose Ehegattin, tue resignierte Großmutter darstellt. Diese Frau, deren Alter anzudeuten bereit» mehr als unzart wäre, beherrscht da» naiv Sinnliche wie das tragisch Sentimentale. Nur im Grausigen, wie in dem bekannten Chanson.La Glu', wo die Geliebte den Sohn anfeuert, der Mutter da» Herz au» dem Leibe zu reißen, schlägt ihr« Charakteristik ins Pathetische und zu sehr gewollt Stilisierte um. Wa» sie aber sonst an Beherrschung und Sparsamkeit der Mittel leistet, könnte für deutsche Vertreterinnen dieser Kunst vorbillilich sein, von dem Umfang ihres Darstellunasgebietes ganz zu schweigen. Es wäre aber falsch, hier auch nur andeutungsweise vergleichen zu wollen, da diese Kunst zwischen Gesang und schauspielerischer Dar- stcllung au» einer nationalen Tradition von Jahrhunderten erwachsen ist und sich nur mit der sprachlichen und körperlichen Anmut der Franzosen vereinigen läßt. Die Begeisterung de» Publikums aalt daher zum gewissen Teil auch der Offenbarung einer fremden Volksseele. P. G. Die Stimmen der Völker, ihr» Ruf« nach Freiheit und Brüder- lichkeit, werden auch in der Kunst, in der Dichtung und der Musik dem laut, der sie hören will; das ungefähr wäre die Zusammen- fassung der Rede, die in der Dritten proletarischen Feierstunde im Großen Schauspielhaus Genosse Crispin hielt. Er zeigte an der geschichtlichen Entwicklung des Proletariats in den großen Kulturstaaten den Weg, den es weiter- zugchen hat und den es mit Gewißheit auch weitergehen wird, den Weg, dessen Weiser da» Wort ist: Proletarier aller Länder, ver- einigt euch! Karl Ebert vom Staatstheater sprach im Zu- sammenhang damit Worte europäischer, amerikanischer und chincsi- scher Dichter, die die Sehnsucht der Welt nach Frieden, nach Einig- keit lautwerdcn ließen, die den Krieg und seine Greuel verdammten. Tänze und Musik aber brachten in diese ernste Stunde einen helleren Klang. Orgelspiel, eine Tokkata des Orgelmeisters Joh. Seb. Bach, von Otto Dunkelberg ausdrucksvoll vorgetragen. hotte sie eingeleitet: dann folgten Vorführungen der Tanzgemein- schaft Hertha Feist, an die sich Gesangsvorträge der Sopranistin der Städtischen Oper. Ilona K e l m a y. reihten. Besonder» her- vorgehoben zu werden oerd-cnen aber dl« Cellooorlräge God'ried Zeelanders, der. von Harfen begleitet, eine Sarabande van Händel, Saint-Saens„Der Schwan' und Gabriel Maries„La rinquanfaine" brachte. Andächtig lauschten die Hörer, d!« da» Große Schauspielhaus bis auf den letzten Platz füllten, seinem meisterhaften Spiel.___ Tes. ffioe SauausfieUaBg in Moskau. Ts« Baukomitee de» Stadtraiee iu Moskau bat beschlossen, da» Angebot der deuischeu Lrchitettiuzejelljchaj� «in« Bauautstellmig in Rostau zu er öffne«, anzunehmen. eine durchaus ungeeignete Kandidatur endgültig erledigt wäre. genossen auf den Tribünen aus, als endlich das erlöfende Bort| Uns fönnte übrigens ein amtliches Dementi nur recht sein, da somit gesprochen und mitgeteilt werden konnte, daß endlich ein Weg zur Lösung gefunden worden sei. Boller Freude wurden die Mitteilungen des Genossen Lipinfti aufgenommen, aus denen hervorging, daß in den Verhandlungen, die die Instanzen geführt haben, ein befriedigendes Ergebnis erzielt worden sei. Als einziger Referent nahm Genosse Arzt das Wort, der in seinen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen die Probleme der Politik und der Sozialpolitik behandelte. Das Heer der Erwerbslosen sei zu Millionen angeschwollen. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags hat sich beretterklärt, im Landtag energisch vorzugehen, um die Not der Massen so weit wie möglich zu mildern. Dieses Referat des Genossen Arzt auf dem Parteitage wird von der ganzen sozialdemokratischen Arbeiterschaft im Lande mit Freude begrüßt werden. Die Parteigenossen find des Streites müde und ver langen mit Recht, daß sich ihre Führer zusammenfinden in gemein semer Arbeit und alle Streitigekiten beiseite stellen. Ueberall wird es begrüßt werden, daß die Genossen von der Mehrheit der Fraktion das von ihnen verlangte Beispiel von Disziplin gegeben haben. Kriegsgerichtsrat Loesch: ,, Wenn einer die Wahrheit gesagt hat, ist es Calmus." Ueber die Glaubwürdigkeit des Zeugen Calmus äußert sich jetzt auch der Zollassistent Feuersänger, der im Jahre 1917 Obermaat auf der Rheinland" war und der Vernehmung beigewohnt hat, im Deutschen Tageblatt". Er versichert: Wenn Calmus das Geständnis erpreßt worden wäre, so hätte er nach meiner Ueberzeugung ganz anders gesprochen; in dieser Hin sicht kannte ich Calmus sehr gut. So machte er aber auf mich den Eindruck, daß er gefehlt hatte und jetzt fühnen wollte. Kriegsgerichtsrat Loefch war davon überzeugt, daß C. die reine Wahrheit gesagt hatte und brachte es den übrigen Untersuchungsgefangenen gegenüber zum Ausdruck. Bei der Gegenüberstellung war ich zu gegen. Es war ein erregtes Durcheinander, so daß ich mich der Einzelheiten nicht mehr genau entfinnen tann. Nur die Worte des Kriegsgerichtsrats Loesch weiß ich noch bestimmt. Indem er auf C. deutete, sagte er:„ Wenn einer die Wahrheit gefagt hat, so ift es Calmus." Den Eindruck hatte ich damals auch und habe ihn heute noch. Ich bin bereit, meine Aussagen vor dem Untersuchungsausschuß zu wiederholen. Abgesehen davon, daß die Aussage des Matrosen Calmus der berühmte Kinoroman" vom Schwur auf den Degen und dem Getlimper mit dem Geldbeutel für jeden nicht völlig verblödeten Menschen von vornherein den Charakter einer fomischen Erfindung trägt, hat Calmus inzwischen betanntlich selbst feine damalige Aussage für erfunden erflärt. Belastend ist die Erklärung Feuersängers daher nur für den Kriegsgerichtsrat Loesch und für die Methode, nach der Todesurteile zustande gebracht und hochpolitische Attionen inszeniert wurden. Wir hoffen mit Herrn Feuersänger, daß sich der Untersuchungsausschuß mit dieser Methode noch sehr genau beschäftigen wird. Gegen die Fürstenabfindung. Gewaltige Kundgebung in Kiel. Stel, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag vor mittag fand in Kiel in der neuen Messehalle eine von den Ge= Warum Dr. Beer für einen Völkerbundsposten ungeeignet sei, haben wir ausführlich begründet. Der Korrespondent der„ Kölnischen Zeitung" bestreitet zwar nicht, daß er bis vor kurzem zu den Gegnern des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gehörte und daß er in seinem Blatte die deutschen Propagandisten dieses Eintritts als freiwillige diplomatische Fremdenlegionäre Frankreichs" bezeichnet hat, eine Bezeichnung, die seither wiederholt und mit Wonne von der deutschnationalen Presse übernommen wurde. Er leugnet lediglich jeden Konneg mit dem Standalfeldzug der Hugenberg- Presse. Wir bringen dieses Dementi zur Kenntnis unserer Leser, müssen aber hinzufügen, daß der Korrespondent der Rölnischen Zeitung" diesem Feldzug durch eigene Telegramme an sein Blatt( siehe zweite Morgenausgabe der„ K. 3." vom 29. Dezember) Nahrung geliefert hat. Bar es also fein Zusammenarbeiten, so doch zumindest ein paralleles Arbeiten zwischen den Hugenberg- Organen und dem Genfer Bertreter der Kölnischen Zeitung". Hannoverscher Provinziallandtag. Die Groß- Hamburger Frage. Wahlen zum Staatsrat und Ausschuß. Hannover, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der neugewählte Hannoversche Provinziallandtag, der vom Mittwoch bis Sonnabend voriger Woche tagte, hatte sich unter anderem mit der Groß- hamburger Frage zu befassen. Es wurde hierzu ein fast einstimmiger Beschluß gefaßt, in dem eine baldige Klärung dieser Frage von der Preußischen Regierung gewünscht wird. Gebietsabtretungen Preußens follen nur so weit in Frage kommen, soweit es die Entwicklung des Hamburger Hafens unbedingt verlangt. Der Provinziallandtag spricht sich aber entschieden gegen eine Abtretung der Stadt Wilhelms burg an Hamburg aus. In der Frage der Unterweservertiefung wurde dagegen protestiert, daß das Reich im einseitigen Interesse Bremens vorgegangen sei. Bei der Wahl der Mitglieder zum Staatsrat tam eine Liftenverbindung zwischen SPD., Demokraten, Zentrum und Sparerfraktion zustande. Gewählt wurden: von den Sozialdemofraten Landesrat Andrée Hannover und Arbeiterfekretär Andreas Müller Harburg. In den Provinzialaus: schuß, der sich aus 13 Mitgliedern zusammensetzt, wurden fünf Sozialdemokraten, 6 Vertreter der Rechtsparteien, 1 3en trumsmann und 1 Demokrat gewählt. = Bei der Wahl des Mitgliedes zum Reichsrat unterlag der bisherige Bertreter der Provinz, Landschaftsrat von der Winse- Bargfeld, Deutschhannoveraner, mit einer Stimme Mehrheit wurde Landgerichtsdirektor Breitenstein Hildesheim( 3tr.) gewählt. = Die Bertretung Ameritas in Genf bewilligt. Der Senat hat Freitag die Vorlage angenommen, die 50 000 Dollar für die Ver tretung der Vereinigten Staaten auf der vorbereitenden Konferenz für die Abrüstung in Genf vorfieht. Da das Repräsentantenhaus bereits am 18. Januar der Borlage zustimmte, hat die Teilnahme Ameritas an den Genfer Berhandlungen somit die nötige Billigung der beiten gefeßgebenden Körperschaften gefunden. Kölner Glocken. Für Geschädigte nichts für die Fürsten alles! Kundgebung im Friedrichshain. Die Arbeitsgemeinschaft der Interessenver. tretungen für den Erfag von Kriegs- und Verlands- und kolonialdeutscher Organisationen, hatte für Sonntagvor drängungsschäden, eine Dachorganisation verschiedenster ausmittag zu einer Protesttunbgebung gegen die Entschädi gungstomödie der Reichsregierung in den Saalbau Friedrichshain aufgerufen. Der riefige Saal war bis zum Brechen gefüllt, auf den Treppen ftauten sich die Maffen, so daß eine Parallelverfammlung im fleinen Saal stattfinden mußte. Die Versammlung nahm einen sehr erregten, teilweise tumultarischen Verlauf. Als erster Redner ergriff Geheimrat Groffe vom Bund der Auslandsdeutschen das Wort. Er betonte, daß den Ausgleichsschuldnern volle Entlastung hinsichtlich ihrer Verbindlichkeiten im Auslande, und zwar in Höhe von 2,3 Milliarden zuteil geworden wäre. 600 Millionen in Gold, also rund 25 Proz. der Schulden, habe das Reich davon in bar abgetragen. Die Abdeckung sei zu einer Zeit erfolgt, da man den liquidationsgeschädigten Auslands- und Grenzlandsdeutschen nur nichtsbedeutende Promillesäge im Entschädigungsverfahren angeboten habe. 5 Prez. erhielten die Geschädigten, 95 Broz. wurden anderweitig verbraucht. Der Redner kam dann Privateigentum zu refpeftieren" fei. Dieses rief einige Unruhe auf die Frage der Fürstenabfindung" zu sprechen, betonte, daß das hervor. Dr. Purper vom Hilfsbund für die Elsaß- Lothringer im Deutschen Reiche bewies an Hand zahlreicher Tatsachen, wie jämmerlich schlecht für die Bertriebenen und Liquidierten gesorgt worden ist. Der Redner forderte zum Schluß eine Notstandsaktion Bundesdirektor Ginschel vom Deutschen Oftbund gab weitere für die alten gebrechlichen und erwerbsunfähigen Bertriebenen. Einzelheiten der ungenügenden Entschädigungssätze. Dann kam Herr Laverrenz im Namen der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Er sprach unter häufigen erregten Zwischenrufen und starter Unruhe. Stürmische Zustimmung fand der Genosse Künstler, als er mit aller Entschiedenheit für eine gerechte Entschädigung im cintrat. Die Regierung aber, die den Ruhrindustriellen 700 MillinRahmen der finanziellen Möglichkeiten des notleidenden Landes nen nachgeworfen hätte, sei für die Kleingeschädigten nicht zu sprechen. Genosse Künstler ging dann in Ermiderung auf die Ausführungen von Grosse und Laverrenz auf die Fürstenabfindung" ein. Es handele sich bei den Fürsten um das Eigentum des Volkes, das der Nation gehöre.( Stürmischer, anhaltender Beifall.) Obendied von den Kommunisten unterstrich Künstlers Ausführungen. Eine Resolution, die die Linderung der Not der höhung des Härtefonds, insbesondere zugunsten der alten und erBeschädigten verlangt, ftellt folgende Forderungen auf: eine Erwerbsunfähigen Vertriebenen, Gewährung von Mittelstandsdarlehen. Gewährung von Entschädigungen oder Kredithilfe für folche Geschädigte, deren anerkannte Schäden nach den geltenden Richtlinien nur zum Teil berücksichtigt werden. 3249 Verkehrsunfälle im vierten Quartal 1925. Folgen des schnellen Fahrens: 36 Tofe. in Charlottenburg entnehmen wir, daß die Zahl der zuAus einer Statistik der Hauptverkehrsstelle des Polizeipräsidiums jammenstöße im letzten Quartal des vergangenen Jahres gegen das dritte Vierteljahr infolge der Zunahme der Verkehrsmittel ge= stiegen ist, und zwar von 3034 auf 3249. Insgesamt lind dabei 36 Berjonen( gegen 33) getötet und 1339( 1369) verlegt worden. An der Spige der Berursacher dieser Unfälle marschieren die Personentraftwagen mit 718( 693) Fällen. Dann folgen die 5945( 5040) Rraftdroschten mit 675( 649), die 8309( 8255) Lastkraftwagen mit 389( 368), die Treträder mit 357 ( 332), die 3335( 3218) Straßenbahnmagen mit 304( 306), bied9625 ( 9578) Krafträder mit 281( 229), die Pferdegespanne mit 274( 285) Zusammenstößen. Die geringste 3ahl von Unfällen. gegen 64. Bemerkenswert ist, daß am Jahresschluß nur 14823 Bersonenkraftwagen gezählt wurden gegen 14970 am Ende des 3. Quartals. Die Schuld an den Zusammenstößen wurde zugeschrieben in 448( 442) Fällen den Personenkraftwagen, in 390( 364) den Kraftdroschten, in 258( 297) den Treträdern, in 243( 193) den Lastkraftwagen usw. Als Ursache ist in den weitaus meisten Fällen übermäßig schnelles Fahren ermittelt worden, auf Truntenheit sind 63( 59) Fälle zurückzuführen. Bon den beteiligten Kraftfahrzeugführern befaßen 23( 26) teinen Führerschein, 58( 93) flüchteten nach dem Unfall. In diesem Zu fammenhang jei erwähnt, daß in der legten Zeit die Beleuchtung der Nummern sehr zu wünschen übrig läßt. Hier muß schnelle Aenderung einsetzen. wertschaften und der Sozialdemokratischen Partei Röln, vielleicht etwas weniger, und in der Zeit der Postkutsche mußte haben die etwa 300 Kraftomnibuffe aufzumeifen, nämlich 81 veranstaltete Rundgebung statt. Es hatten sich über 10000 Per sonen, eingefunden, die den Worten des Referenten, des Reichstagspräsidenten Genossen Löbe und der Reichstagsabgeordneten Genoffin Luise Schröder lebhafte Zustimmung zollten. Folgende Entschließung gelangte als Willenskundgebung der Kieler Bevölke rung einstimmig zur Annahme: Die heute am Sonntag, den 31. Januar, in Riel in der Nordostseehalle tagende, von über 10 000 Bersonen besuchte Versammlung fordert die Enteignung der Fürsten chne Entschädigung. Das enteignete Bermögen foll zugunsten der Erwerbslosen und Rentenempfänger verwandt werden. Um die immer größer werdende Not der Erwerbslosen sofort zu lindern, wird ferner von den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden gefordert: 1. Eine weitere Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung: 2. Zahlung der Erwerbslosenunterstützung während der Dauer der Arbeitslosigkeit; 3. Einführung der Kurzarbeiterunterstützung; 4. Sofortige Verabschiedung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes. Die Bersammelten erklären, daß sie gewillt sind, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung dieser Forderungen Nach Schluß der Versammlung formierte sich ein Demonstrationszug, der unter Borantritt der Reichsbannerkapelle durch die Stadt marschierte und viel Aufsehen erregte. zu fämpfen." Kundgekung in Königsberg. Königsberg, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Eine vom Reichsbanner veranstaltete Rundgebung gegen die Forderungen der Fürsten an das notleidende Bolt gestaltete sich zu einer riesigen Demonstration. Als Redner waren bestellt worden: der frühere Reichskanzler Wirth, der Landtagsabgeordnete Hermann und der Abgeordnete Scheidemann. Wirth war durch den Tod seiner Mutter am Sprechen verhindert. Für ihn sprangen Königsberger Redner ein. In drei großen Sälen mußten Scheidemann und Siering reden. Scheidemann begann in dem größten Saal der Stadthalle mit dem Hinweis auf die Befreiung Kölns und schloß mit den Worten: Treu wie das Rheinland zum Reich geftanden ist, wird auch der Often zur jungen deutschen Republik ftehen". Die Demonstration nahm einen für Rönigsberg ungeahnten Verlauf. Die ganze Stadt war auf den Beinen, und Tausende konnten teinen Zutritt zum Versammlungslokal finden. Eine Resolution, die die Zutritt zum Versammlungslokal finden. Eine Resolution, die die Forderungen der Fürsten ablehnt, wurde überall einstimmig angenommen. Völkerbundsfeinde als Völkerbundsbeamte? Eine Erklärung von Dr. Max Beer. Zu unserer Notiz in der Sonnabent- Abendausgabe erhalten wir aus Genf eine telegraphische Erklärung des Korrespondenten der Kölnischen Zeitung", Dr. Mag Beer, der entschieben be. streitet, daß er sich um einen Bosten beim Völkerbund beworben hätte; ferner stellt er in Abrede, daß er irgendwelche Beziehungen zur Hugenberg- Breffe unterhalte und mit dem Genfer Standalfeld zug dieser Blätter etwas zu tun gehabt hätte. Auch Dr. Kriegt dementiert in einer Zuschrift an uns tie Eriftenz besonderer Bes ziehungen zwischen ihm und Dr. Beer. Wir nehmen von diesen Erklärungen Renntnis, müssen aber bemerken, daß hier nicht behauptet wurde, Dr. Beer hätte sich um eine Stellung im Bölferbund beworben". Wir schrieben nur, doß er in Aussicht genommen" sei. Diese, uns von ver schiedenen durchaus gut unterrichteten Stellen zugegangene Mitteilung wird weber von Dr. Beer, noch amtlicherseits bestritten. Mit dem Schnellzug fährt man zehn Stunden von Berlin bis man als gewissenhafter Mensch vor dieser Reise ein Testament machen. Ehemals zwei getrennte Welten, heute eine verbundene Einheit! Die moderne Technik schlägt Brücken, gleicht aus, schweißt zusammen. Eben beendete die Jazz- Kapelle im Borhaus den letzten Step, eben verklang das Deutschlandlied, und man hört die Deutsche Glode" in Köln, man vernimmt den verworrenen Lärm der begeisterten Menge auf dem Kölner Domplaß. Gibt es noch Entfernungen? Was sind heute siebenhundert Kilometer? Entfernungen trennen nicht mehr. Ein summendes Geräusch, verwirrt, verklingend, dann wieder anschwellend, ein gestaltloses Wogen, dazwischen zählt jemand, um Brausen zu einem ohrenbetäubenden Lärm. Ja, es ist, als ob man die Einstellung der Apparate zu prüfen. Allmählich wächst das selbst unter der Menge wäre, selbst auf dem Kölner Domplatz stände und darauf warte, daß die Deutsche Glocke" die Stunde der Befreiung verkünde. Plößlich verstummt der Lärm, mit schweren Schlägen setzt der Gesang der Glocke ein. Aber das fann nicht Köln sein, in irgendeiner Berliner Kirche wird geläutet, so nah und start klingt alles. Die Töne erfüllten das Zimmer. Und selbst im Garten hört man noch die Glocke. Dann spricht Oberbürgermeister Adenauer, feine Stimme flingt voll und klar, als ob er vom Borhaus einen Bortrag halte. Er spricht Worte der Versöhnung und Berständigung, er widmet den abziehenden Engländern Anerkennung für ihr muster haftes Betragen. Die Menge singt das Deutschlandlied. Tausende Menschen müssen auf dem Domplatz sein, das Zimmer dröhnt. Und selbst hier in Berlin wird man mitgeriffen von der Begeisterung. Dann wird es undeutlicher, Brauns Rede klingt hin und wieder ver wischt, die Illusion läßt nach. Doch manche Säge werden scharf gegeben, Sätze, in denen er den Dank der Regierung den Rheinländern ausspricht. Die Menge jubelt, die Glocken läuten, ein Chor fingt. Der Gongschlag verkündet das Ende der Uebertragung, der Anfager spricht einige abschließende Worte. Der Zauber ist verftummt. Das Zimmer liegt wieder still da. Schwere Autounfälle. Wieder einmal am Kaiserpavillon in Wannsee. blieben. Es murde die Feuerwehr alarmiert, die bei ihrem EinAm Sonntagnachmittag gegen 2 Uhr ereignete sich auf der Chaussee Wannsee- Stahnsdorf in der Nähe der Bahnunterführung der Bismardstraße in Wannsee am Raiserpavillon ein schwerer Automobilunfall. Ein mit vier Personen besetztes Automobil fuhr gegen einen Baum, überschlug sich, so daß die Insassen herausgeschleudert wurden und besinnungslos liegen treffen nur den zertrümmerten Wagen vorfand. Einige von den zahlreich hier vorüberfahenden Automobilen hatte die Berlekten mit genommen. Ein weiterer Unfall ereignete sich am Vormittag in Botsdam in der Nähe des Luftschiffhafens, wo ein gleichfalls mit vier Personen befeztes Automobil gegen einen Wagen der Straßenbahnlinie A fuhr. Die Infaffen des Autos, ein Ingenieur Dierts aus Schönfließ, dessen Frau, sowie zwei weibliche Begleiterinnen wurden erheblich verlegt und mußten in das Potsdamer Krankenhaus transportiert werden. Während Frau Dierks, die schwerer verlegt ist, im Krankenhaus verbleiben mußte, tonnten die anderen am Abend nach Anlegung von Berbänden nach Berlin zurückgebracht werden. Zu dem Unfall in Wannsee wollen wir darauf hinweisen, daß an dieser Stelle, die zu den gefähr lichsten in Groß- Berlin gehört, am geftrigen Sonntag abend gegen 6 Uhr fein Polizeiposten zu fehen war. Um diese Zelt fonnten in 5 minuten 45 Automobile, und dabei einmal in einer minute 16 Automobile gezählt werden. Eine foiche Stelle, die durch ihre Autounfälle berüchtigt ist, muß am Sonntag ft ändige Aufsicht haben, Die neue städtische Autosteuer beschlossen. Heute vormittag hat sich im Rathaus unter Beteiligung des Stadtbaurats Hahn der Stadtverordnetenausschuß zum legtenmal mit der Magistratsvorlage über die Erhebung von joge nannten Vorausleistungen zur Wegeunterhaltung beschäftigt. Es wurden noch einmal Interessentenvertreter gehört, u. a. ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer und ein Ber treter des Verkehrsbundes. Für die Vertagung der Steuervorlagen bis zur endgültigen Verabschiedung der neuen Reichskraftfahrzeugsteuer erhob sich nur eine Stimme. Der Ausschuß trat der Auffassung des Stadtbaurats Hahn bei, daß Berlin niemals bei der Berteilung der Steuererträgnisse besser, megfommen wird, solange es nicht durch die Einführung einer eigenen Steuer felber einen Druck in dieser Richtung ausübt. Deswegen erfolgte schließlich in der Endabstimmung die Annahme der Steuer auch einstimmig durch die Bertreter aller Fraktionen. Gegenüber der ursprünglichen Vorlage find nur insofern Veränderungen vorge nommen worden, als die Kraft broschten nur mit dem halben Satz herangezogen werden sollen und die Belastung der Aboag auf höchstens 1 Proz. ihres Bruttoumfazes zu begrenzen ist. Die Borlage felber foll am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Berabschiedung kommen. Sie steht bereits auf der Teges ordmung. Ihre Annahme ist nach dem Gang der Ausschußverhandlungen, wie wir bereits vorausgesagt haben, absolut sicher. Ein Neubau in Flammen. Großfeuer, bei dem mehrere Be amte der Feuerwehrver letzt wurden, entstand am Sonntag nachm. gegen 2 Uhr in einem Neubau in der Trühfchlerstraße ohne Nummer in Niederschönemeide, angeblich durch einen brennenden Kotsforb. Als die Feuerwehr an der Brandstelle anfam, brannte schon das Erdgeschoß, sowie das erste und zweite Stod werf in solcher Ausdehnung, Schlauchleitungen von Motorsprizen stundenlang tüchtig föschen mußten, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten, Der Schaden ist sehr erheblich. Der Neubau sollte in einigen Wochen fertiggestellt werden. Baurat Sauer erlitt eine Mustelzerrung, Feuerwehr mann Chrift el Berlegungen im Rüden durch herabfallende Glassplitter und sein Kollege Barujul Brandwunden an beiden Händen. baß die Feuerwachen aus dem Drt und der Nachbarschaft mit vier Der Versuchung erlegen. Mit 8500 m. verschwunden ist seit Sonnabend nachmittag die 17 Jahre alte Stenotypistin Elisabeth R., die bei ihren Eltern in der Rudolfstraße wohnte und seit sechs Wochen bei einer Firma in der Mauerstraße angestellt war. Das Mädchen hatte den Auftrag erhalten, das Geld noch vor Bankschluß bei einer biesigen Bant ein zuzahlen, tam aber nicht wieder ins Geschäft zurüd. Eine Anfrage bei ihren Angehörigen ergab, baß sie sich auch dort nicht hatte sehen lassen. Es wird daher vermutet, daß die R. mit dem Gelde dura gebrannt ist. In ihrer Begleitung befindet sich möglicherweise ein ihr bekannter junger Mann, Reichsbanneraufmarsch in Potsdam. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold hatte gestern seine Rameradschaften nach Potsdam gesandt. Da der vorgesehene Garten des Restaurants Sanssouci die vielen Tausende nicht zu fassen ver mochte, fand die Veranstaltung, an der etwa 8000 Berfonen teilnahmen, auf dem Bassin play statt. Dr. Mischler begrüßte die Kameraden: Wenn die Kronprinzessin, die Fürstlichkeiten und all die Generale beten wollen, dann ist das Privatsache. Wenn aber der Prediger das Gotteshaus in ein Heg haus verwandeln will, dann soll er sich nicht wundern, wenn all denen, die treu zum heutigen Staat stehen, einmal die Kirchenfteuer zuviel wird. Polizeioberst Schützinger erinnerte in ergreifenden Worten an all die Kriegsopfer, die als Abfindung für ihre Berlegungen und zugrundegerichteten Existenzen wenig oder gar nichts erhalten haben; er vergleicht damit die schamlosen Ansprüche der Fürsten: Wir haben, so rief der Redner aus, eine Regimentsiolonne alter Frontsoldaten herbeigeholt, um zu zeigen, daß es sehr, sehr viele Lumpen" gibt, wie Sie, Herr Hofprediger, alle die bezeichnet haben, die nicht treu zu Milheim dem Doornigen stehen. Und es gibt deren viel mehr als Sie und Ihre Generäle glauben. Ja, wir sind auch Lumpen" genug, um mit den Fürsten abzurechnen." Jubelnder Beifall dankte dem Redner. In langem Zuge gings dann durch die Stadt und auch an der Wohnung des Herrn Hof" predigers Vogel vorbei. Die Tausende der traftvollen Männer und mutigen Jünglinge, geschmückt mit den fchwarzrotgoldenen Farben, überwallt von den schwarzrotgoldenen Bannern, wurden von der republikanischen Bevölferung Potsdams freudig begrüßt. Kamerad Nowat vom Gauvorstand schloß die Rundgebung mit dem Ausruf: Bolt hab acht! Sei auf der Bacht!" " 25 Jahre Gereertschaftskartell in Trebbin. Der Ortsausschuß Trebbin des ADGB. beging am Sonnabend die Feier seines 25jährigen Bestehens. Genoffe Vollmershaus Berlin überbrachte die Glückwünsche des Bundesvorstandes. In seiner Fest ansprache schilberte Vollmershaus die rasche Entwicklung des Drts ausschusses seit der Gründung. Im Jahre 1901 fchloffen fich fünf Organisationen mit insgesamt 88 Mitgliedern zu einem Kartell zusammen. Die Mitgliederzahl stieg von Jahr zu Jahr und erreichte mit einer Unterbrechung während des Krieges ihren höchften Stand in den ersten Jahren nach der Revolution. Der Ortsausschuß zählt gegenwärtig rund 600 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von annähernd 4000. Das ist ein Beweis von der Stärke der freien Gewerkschaften. Der Redner hob besonders hervor, daß neben dem Kampf um die Besserstellung der Arbeiterschaft die Pflege der Solidarität eine der vornehmsten Aufgaben der Ortsausschüsse geworden sei. Ein Schwindler, der sich teils Emile nennt und als Franzose ausgibt, teils unter dem Namen Mohamed reist, versucht. u. a. unter Berufung auf den Stadtarzt Genossen Dr. Ho dann, Genossen um Geldmittel anzugehen. Es wird empfohlen, den Betrüger, der sich als Genosse ausgibt, feststellen zu lassen, falls er sich irgendwo zeigt. Eine Wanderung durch Balaina lautet das Thema des LichtbilderBortrages, den heute abend 7, Ubr der Bund religiöfer Sozialisten, Drts: gruppe Reutön, Herthastraße 9( Gemeindesaal) veranstaltet. Eintritt frei. 300 Kinder in Rußland in Güterwagen erfroren. Einen in feiner Ungeheuerlichkeit taum glaubhaften Vorfall meiß die Telegraphen Union aus Moskau zu berichten. Danach hat die Sowjet- Regierung nach der Gefangennahme einer Kinderräuberbande etwa 300 minderjährige Kinder in ungeheizten Güterwagen nach Woronesch geschickt. Als der Bug in Woronesch anlam, waren sämtliche Kinder er frozen. Jugendveranstaltungen. Werbebezirk Neukölln. Die arbeitslosen Genoffen fommen morgen, Dienstag, um 3 Uhr im Heim Nogatstraße 53 zu einer wichtigen Besprechung zusammen. Er scheinen ist Pflicht. Sport. Herse neuer Weltergewichtsmeister. In der Stala ging gestern der vom Berband deutscher Fauft. täinp er angesezte Kampf um die deutsche Weltergewichtsmeisterschaft zwischen dem Titelhalter Ernst Grim in und Hermann Herse vor sich. Erstaunlich war der schwache Besuch, den das Haus aufwies. Es hat tatsächlich den Anschein, als ob die Borgemeinde nur Schwergewichte im Ring fehen will. Der Kampf Grimm- Herse fonnte durchaus als offen bezeichnet werden, und die ersten Runden hatte Grimm für sich. Go ging es bis zur 5. Runde. Dann geht aber Herse, der noch sehr frisch erscheint, zum Angriff über, und in der 7. Runde gelingt ihm ein rechter af en gegen die Rippen, der den Meister über die Zeit auf die Bretter bringt. Der Meistergürtel ging unter starkem Beifall des Publikums in den Besitz Herses über. Weiter fämpften im Rahmen der Beranstaltung Harry Stein, deutscher Meister im Fliegengewicht, und Kurt Aust Berlin. Die beiden ersten Runden waren ausgeglichen, doch gelang es dem ringerfahrenen Stein, seinen Gegner in der 4. Runde durch einen linfen Aufwärtshafen t. o. zu schlagen. Alex Kiausch und 2. Antonowitsch fämpften um die Ausscheidung im Mittelgewicht. Nach reichlich hartem Rampf über alle 8 Runden fiegt Riausch knapp nach Punkten. Der letzte Kampf sah A. Schell und Young Spears( England) im Ring. Young Spears borte reichlich unsauber, so daß er drei Berwarnungen wegen Genid Schlages erhielt, die ihm in der 6. Runde die verdiente Disquali fitation brachte. Schell ist sehr hart und hat sich in letzter Zeit start verbessert. Young Spears zeigte sich jedoch als gewandter Kämpfer, und es ist bedauerlich, daß der Kampf diesen Ausgang nahm. Niederlage Houbens in Amerifa. Bei dem 40- yard- Rennen( etwa 36,5 meter) in Boston unter lag der deutsche Meisterläufer Houben nach schlechtem Start. Er ging hinter Miller, Hussey, Morrill und Planffy als fünfter durchs Ziel. Deutsches Theater Städtische Oper 7% Uhr: Juarez und Maximilian Charlottenburg 7 Uhr Kammerspiele Aida 8 Uhr Die letzte Abonn- Turnus III. Geliebte Die Komödie Theater L. d. Lutzowstraße WINTERTEN De Revue der Liliputaner im sensationellen Februar- Spielplan Dazu Kurfürstendamm 205/7 lagl. 8% 10 internationale Attraktionen 8 UMT Gesellschaft 11.15 Uhr: sel.Wwe.U Altberliner Volksstück im Gesang and Tanz in 5 Bilders von E Graeser und G.Burghardt Musik v. Dr.R.Hirsch ( Autoren der ,, Roblanks".) Velkstümliche Preise 1-4 M. Im Vorverkauf Theaterkasse Nachi vorstellung Bete& ak Warth.200/ Ermäß ..Ber blaue Yogel" Elite- Sänger Tägi. Ketibuser Str. 6 Sonntag 8 Sle lachen 8 5hr Rauchen gestattet Gewerkschaftsbewegung Abrechnung bei der Knorr- Bremse. Der Betriebsrat der Knorrbremse hatte für Sonntagmorgen eine Betriebsversammlung nach dem großen Saal der Sophienjäle einberufen. Die Belegschaft war der Aufforderung außerordentlich zahlreich gefolgt. Saal und Galerien waren überfüllt. Genosse Kurt einig referierte über deutsche und amerikanische Wirtschaft. Die Knorrbremse mar gewerkschaftlich früher einer der besten Berliner Betriebe. Nach der Umwälzung fenzentrierte sich dort die wildeste kommunistische Bewegung. Aus ihr erwuchsen die phantastischsten Gebilde, so eine Organisation der Unorganisierten und ähnliche Berrücktheiten. Dann jetzte aber mehr und mehr die zähe Kleinarbeit der freien Gewerkschafter wieder ein. Ihr Erfolg wurde langsam, aber immer deutlicher sichtbar. Allein die Betriebsleitung der Knorrbremse schien die politischen Verrückt heiten unter den Arbeitern zu vermissen. Solange die freien Gewerkschafter sich dauernd gegen die Kommunisten im Betriebe zu mehren hatten, war die Betriebsleitung der lachende Dritte. Jezt marschierte die freie Gewerkschaft in immer rascher werdendem Tempo. Man stand vor der Aussicht, in kürzester Zeit wieder einer einheitlichen Auffassung der Belegschaft gegenüberzuftehen. Da ging die Betriebsleitung. wohl durch den Verband Berliner Metallindustrieller ermuntert, ebenso wie Siemens, dazu über, im Betriebe die völkische Bewegung großzuziehen. Unter Umgehung der städtischen und öffentlichen Arbeitsnachweise holte die Betriebsleitung ausschließlich gelbe Werfgemein schaftler und Bölkische in ihren Betrieb. . Die gestrige Betriebsversammlung führte zu einer fürchter lichen Abrechnung mit den von der Betriebsleitung unter Auf wendung großer Mühen herangezogenen Elementen. Nach dem Referat des Genessen Heinig sprachen vier Lieblingstinder der Knorrbremse Einer davon wurde von vornherein nicht gewertet, weil er der Gesamtbelegschaft als Streitbrecher befannt war. Ein fünfter Diskussionsredner, beachtlicherweise ein Vertreter des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, setzte den Völkischen ganz gründlich zu, aber zu einer endgültigen Berurteilung und zum Begräbnis der Knorrschen Direktionslieblinge tam es nach dem Schlußwort des Genossen Heinig erst dann, als die Vertreter des Betriebsrates ohne Kommentar die Schmußigkeiten und die Gesinnungslumpe reien der sogenannten nationalen Gewerkschaf ter aufzählten. Da fonnte man hören, daß es der Leitung der Rnorrbremje gar nicht darauf ankommt, Förderer der Berhezung in der Belegschaft während der Arbeitszeit zu unterhalten. Es wurde festgestellt, daß der Vertrauensmann" der von der Knerr bremse geförderten Unruheftifter Beschwerden über den Betriebsrat vorlegt, die er vorher mit der Betriebsleitung vereinbart, daß die Werksgemeinschafter un geniert Betriebspropaganda betreiben, aber jeden Ge wertschaftsfunktionär, der es auch nur auf dem Klosett wagt, einen Berbandsbeitrag einzufassieren, sofort denunzieren. " Man fann nur sagen, alles, was man an mißverstandenen Auffassungen sich auch nur ausdenten fann, das wird von diesen Wertsgemeinschaftern vertreten, und alles das, was man sich an 3erstörungsmethoden gegen die Einigkeit der Arbeiter eines Betriebes nur ausmalen kann, das wird von diesen Leuten gepflegt. Das Charakteristische ist dabei, daß es mit Wissen und Willen überlegter unter. ftübung der Betriebsleitung der Knorrbremse erfolgt. Es ist an der Zeit, daß man ebenso gegen völkische SiemensDynamos wie gegen völlische Knorrbremsen in der Deffentlichkeit, soweit fie auf anständige Gesinnung hält, etwas fritischer wird, als tas bisher der Fall war. 509 Ein netter Betrieb! angeblich Man schreibt uns: Ganz unhaltbare Zustände sind im Berlaufe des lezten Jahres bei der Firma Julius Scheibe A.-G., Brig, Rudower Straße 23, eingerissen. Dieser Betrieb arbeitet ausschließlich für die Berliner Elektrizitätswerte. Der Inhaber der Firma, unterſtüßt von seinem Wertmeister Heyde ehemaliger Arbeiterrat bei der AEG. setzt sich in rücksichtsloser Beise über die Bestimmungen des Tarifvertrages, der zwischen dem Schutzverband der Berliner Schlossereien und dem Deutschen Metallarbeiterverband besteht, hinweg. Während dieser Tarif eine a chtstündige Arbeitszeit porsieht, welche in anderen Bauschlossereien auch innegehalten wird, hat dieser Unternehmer vor Jahresfrist eine Arbeitsordnuna eingeführt, die eine neunstündige Arbeitszeit verlangt. Damit nicht genug, wurden Ueberstunden verlangt, die das Menschen mögliche weit übersteigen. 33 Stunden mit je zwei Baufen von ½ Stunde, war nicht selten. Arbeiten, die bei sauberer Ausführung drei Tage dauern, wurden abends um 25 Uhr in Auftrag gegeben und mußten morgens um 7 Uhr verladen sein. Ueber die Qualität dieser Arbeit wird sich jeder Laie ein Bild machen können, doch die Fachmänner der Bewag sahen nichts. Bei ihrem Millionenumsatz im vergangenen Jahr und dem entsprechenden Reingewinn wäre es der Firma sehr wohl möglich gewefen, die Garderoben, Wasch und Klosettanlagen anständig herzurichten. Dafür ist aber anscheinend fein Geld vor. handen. Zur Anschaffung von sechs Automobilen hat es gereicht. Eine fortlaufende Arbeitszeit von Pflicht des Gewerbeaufsichtsbeamten wäre es, fich die Toilettenräume einmal genau anzusehen, und für Abhilfe zu sorgen. Den Arbeitern der Firma sei gesagt, daß es höchste Zeit ist, sich Sie der Pflichten gegenüber ihren Arbeitsbrüdern zu erinnern. haben gesehen. daß der Unternehmer mit ihnen macht, was er will, wenn er weiß, daß er eine unorganisierte Arbeiterschaft vor sich hat. Hinein in den DMV! Quertreiberei bei den Eisenbahnern. Erft fürzlich haben wir auf das Klimbim- und Vereinsunwesen bei den Eisenbahnern hingewiesen, durch das die Eisenbahner syste matisch von der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben abgelenkt werden. Obendrein versucht jetzt Schmidtke mit dem Rest seiner Getreuen vom Freien Eisenbahnerverband, die Indifferenten. Mörgler und Bierbankphilister für sich zu gewinnen. In einem in schwülstigen Redensarten gehaltenen Flugblatt macht er Propaganda für seinen„ Industrieverband für das Verkehrsgewerbe". Unter anderem faselt dieser blaurote Arbeiterführer" von einem angeblichen Freundschaftsverhältnis der Reformisten mit den Unternehmern, ohne auch nur den Schatten eines Beweises für die dreiste Unterstellung zu erbringen. Dagegen tann der Nachweis dafür erbracht werden, daß eine erfleckliche Zahl seiner Getreuen in einem innigen Freundschaftsverhältnis mit den reaktionärsten Dienſtvorstehern stehen, die die größten Widersacher des Einheitsverbandes find. Der Tag ist nicht mehr fern, wo diese Schädlinge der Eisenbahnerschaft für die Freundschaftsdienste ihre Quittung erhalten. Im übrigen arbeitet Schmidtke mit allen Mitteln, um seinen Laden offenzuhalten. Eisenbahnern, die seit Wochen zu ihrer Mutterorganisation zurückkehren wollen, werden ihre Verbandsbücher vorenthalten. Auf der anderen Seite wird der Mitgliederfang im großen betrieben, indem man Arbeitern, die seit 5 bis 7 Jahren feine Beiträge leisteten, einen großen Prozentsatz nicht geleisteter Beiträge anrechnet und sie auf diese Weise für den tot geborenen Industrieverband" zu gewinnen sucht. Diese Leute reihen sich würdig an die blaugelben Eisenbahnerorganisationen, nennen sich aber revolutionäre Klassenfämpfer. Diesen Schädlingen der Eisenbahnerorganisation muß das Handwerk gelegt werden. Schlichterei im Kalibergbau. Am 12. Oftober 1925 wurde von dem amtlichen Schlichter Regierungsrat Dr. Claßen ein Schiedsspruch gefällt, der für die Löhne in der Kaliindustrie eine Erhöhung von 5% Proz. vorsah. Der Arbeitsminister lehnte die Verbindlichkeits. erklärung des Schiedsspruchs a b. Die Arbeiter versuchten nun auf andere Weise eine Erhöhung ihrer Löhne zu erreichen. Sofort fetzte auf Antrag der Unternehmer das Reichsarbeitsministerium ein neues Schlichtungsverfahren an und der gleiche Schlichter, der sich bereits für eine Lohnerhöhung von 5% Proz. entschieden hatte, fällte am 30. Januar einen Schiedsspruch, der zirfa 92 Proz. der Kaliarbeiter gar nichts bringt und den Stundenlohn der Vollarbeiter von 42 Pf. um 1% Pfennig erhöht. Das Reichsarbeitsministerium geht, wie man sieht, mit den Kalinuznießern durch dick und dünn. Es bemüht sich nicht einmal, feine Parteinahme zu verhüllen. Erst wird der Schiedsspruch abgelehnt mit der Begründung, eine Erhöhung der Schichtlöhne sei erwünscht, und dann folgt die Verbindlichkeitserklärung eines Schiedsspruchs, der so gut wie gar nichts bringt. Widersprüche über Widersprüche für die Arbeiter, einfach und flar für die Kaliunternehmer. Sie haben wirklich feinen Grund, über das Reichsarbeitsminifterium zu weinen. Belgischer Gewerkschaftskongreß. Gegen die Heranziehung von Lohnbrüdern. Brüffel, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand in Brüssel ein außerordentlicher Gewerkschaftstongreß statt, um die in verschiedenen belgischen Industrien, ferner im Antwerpener Hafen brennend gewordene Ausländerfrage zu regeln. Nach ausführlicher Diskussion wurde eine Resolution angenommen, die das Recht der Ausländer, in Belgien zu arbeiten, zwar im Einzelnen verteidigt, jedoch eine systematische Maffeneinfuhr ausländischer Arbeitskräfte durch die Unternehmer, die auf diese Weise den Lohn drücken wollen, befämpft. Außerdem verlangt die Resolution die Einfegung einer paritätischen Rommission, die gegebenenfalls die im Interesse der Industrie als notwendig erachtete Arbeitereinwanderung fordert. Für die Zuführung der ausländischen Arbeiter zu den belgischen Gewerkschaften sollen besondere Ausschüsse Sorge tragen, und wo die Zahl hinreichend, sollen be sondere ausländische Abteilungen in den Gewerk fchaften gewählt werden, um mit den ausländischen Gemertschafts, zentralen zwecks Anstellung fremdsprachiger Gewerkschaftsführer zu verhandeln. Streifabstimmung der Bergarbeiter in Frankreich. Paris, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Gewerkschaftsverband der französischen Bergleute hat beschlossen, sofort über einen Generalftreit durch die Mitglieder entscheiden zu lassen, falls die Lohnforderungen der Bergleute nicht bis zum 1. Februar erfüllt seien. Da bisher nur die Zechen der nördlichen Reviere die geforderte Lohnerhöhung bewilligt haben, hat der Gewerkschaftsvors Giftand die Bezirksverbände beauftragt, die beschlossene Abstimmung über den Generalstreik in die Wege zu leiten. Man glaubt, daß die Regierung einen neuen Vermittlungsversuch machen wird. Jezt ist man dazu übergegangen, den Stundenlohn um 10 bis 23 Pfennige zu fürzen, mit der Begründung, die mirtschaftliche Krise verlangt, daß Arbeiter und Unternehmer die Lasten zu tragen haben. Sollten deswegen im Betriebe Unruhen ausbrechen, müsse der Betrieb still gelegt werden. Berband der Maler. Morgen, Dienstag, abends 7 Uhr, im Gewerkschafts haus, Engelufer 24/25, Mitgliederversammlung Gewert chaften, Arbeitslote und Arbeitsbeschaffung." Referent: Kollege Klotz. Die Ortsverwaltung. Sind die Leiter der Bewa g" von den hier ganz kurz geschilderten Zuständen im Betrieb ihres Hauptlieferanten informiert? Berantwortlich für Politik: Graft Renter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gedenkt die Bewag" auch weiterhin ihre Aufträge einer Firma zu übergeben, die in solcher Weise Schmußtonturrenz gegenüber anderen Berliner Bauschlossereien betreibt? Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin. Der XXIV. Nachtrag der Sagung bete Aenderung der§§ 10 und 22 ist vom Ober versicherungsamt Berlin am 18 Januar 1926 genehmigt worden. Druckstücke derl Sagungsänderung werden demnächst im] Raffenlokal ausgegeben. Berlin, den 25. Januar 1926. Der Vorstand. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin- Lichtenberg. Der am 22. Januar 1926 beschlossene 18. Nachtrag zur Kaffenfagung hat unter dem 26. Januar 1926 die Genehmigung des Oberversicherungsamtes Berlin ge funden. Danach werden die Beiträge auf 7 vom Sundert erhöht. Berlin- Lichtenberg, den 1. Februar 1926 Der Borstand. G. Budde D. Geifel Schriftführer. Borsigender. Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr und Sonntag nachm 3 Uhr: Stettiner Sänger ( Meysel, Brinton, Steidl, Girardi, Nebe, II B K. 32/26 Schröter, Rosa, Fuchs, Brauer, Ha mann, Wilde und Radi Schrader.) Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borrätig in allen VorwärtsAusgabestellen. 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