Str. 55 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 28 Bezugsprets: dhentlich 70 Bfennig, monate 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Eaar- und Memelgebiet, Wefterreich, Litauen. Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit„ Gied lung und Kleingarten fowie bez Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäalich ameimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Cozialdemokrat Berlin F860057 Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonparelle Beile 80 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 fennts ( aulaffia zwei fettgebrudte Morte), febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erite Wort 15 Bfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch faben zählen für amet Borte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Rummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin G 68, Linben. Brake 8, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Mittwoch, den 3. Februar 1926 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankfonto: Ban! ber Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Sinbenstr. 3. Vier Todesurteile im Femeprozeß. Die Höheren freigesprochen- Mordbegünstigung aus vaterländischen Motiven! Geffern abend kurz vor 7 Uhr erschien der Gerichtshof, nachdem| zum Tode Berurteilten durch ihre Berteidiger sofort Revi| feinerlei Würdigung der Beweisaufnahme, wohl aber einen er drei Stunden beraten hatte, wieder im Saal und Landgerichts- fion einlegen ließen. direktor Dr. Bombe verkündete folgendes Urteil: Die Angeklagten Sirmann, Stein und Aschentampff werden wegen gemeinsamen Mordes zum Tode verMorde zum Tode verurteilt. Der Angeklagte Schmidt urteilt. Der Angeklagte Benn wird wegen Anstiftung zum wird wegen Beihilfe zu einer Strafe von drei Jahren Zuchthaus verurteilt, auf die vier Monate Untersuchungshaft angrechnet werden. Der Angeflagte Stekelberg wird nach § 139 StGB. zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, von denen vier Monate, auf die Untersuchungshaft angerechnet werden. Te Angeklagten Gutknecht, v. Senden, meder, Zeitler und Snethlage werden freigesprochen. Die Kosten werden der Staatstaffe auferlegt. Jie Urteilsbegründung. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Bombe us: Die Verhandlung hat ergeben, daß der Bäcker Panier von oen Angeklagten Asch entampff und Stein durch Beilhiebe nach ihrem eigenen Geständnis getötet worden ist. Der Ingeflagte Schirmann hat Banier den beiden genannten un jetlagten zugeführt und er hat ihn veranlaßt, mit ihm den Weg om Lager Döberiz nach dem Bahnhof Wustermart zurückzulegen. Dort in einem Meinen Bäldchen erwarteten Aschenkampff und Stein den Schirmann mit Panter und dort haben die drei Angeklagten auch die Tat gemeinsam ausgeführt. Alle drei haben den Tod des Banier gewollt und haben demnach die Tat mit Bewußtsein ausgeführt. Der Angeklagte Schmidt hat dann geholfen, die Leiche zu verscharren, wobei ebenfalls Schirman, Aschenkampff und Stein geholfen haben. Dadurch hat sich Schmidt der Beihilfe des Verbrechens des Mordes schuldig gemacht. Die Angeklagten sollen zu der Tat durch die Mitargeflagten Gutknecht, Benn und b. Senden angestiftet worden sein. Was nun die Anstiftung durch Benn betrifft, so ist sie durch die Aussage der Angeflagten schenkampff, Stein, Schirmann und Schmidt erwiesen. Benn ist es gewesen, der am Abend vor der Tat den Aschenkampff in der Nähe des Lagers beiseite genommen hat, und Aschenkampis hat uns befundet, daß Benn ihm die Ermordung Paniers geradezu befohlen hat. Der Angeflagte Stegelberg hat zugegeben, daß er von dem Mord Kenntnis hatte, aber eine Anzeige nicht erstattet hat. Er habe aus vaterländischen Motiven gehandelt, infolgedessen sind ihm mildernde Umstände zugebilligt worden. Den anderen Angeflagten fonnte nicht nachgewiesen werden, daß sie in Begünstigung des Mordes behandelt haben, obwohl fie wußten, daß die Leiche des Panier später aus dem ersten Loch, in das man sie gefan hatte, herausgenommen und an anderer Stelle vergraben worden ist. Trotzdem waren diese Angeklagten freizusprechen. Dem Angeklagten Stehelberg ist vom Gericht eine Bewährungsfrist zugebil ligt worden. Bor der Urteilsverkündigung spielte sich im Gerichtssaal noch eine hochdramatische Szene ab. Die Frau des zum Tode verurteil ten Angeklagten Stein hatte schon am Vormittag das Gericht gebeten, man möge fie als Zeugin vernehmen, und hatte in der Gerichts schreiberei behauptet, daß sie fehr Belastendes über die Angeklagten v. Senden und Benn aussagen tönnte, da sie bei Besuchen ihres Mannes im Lager Elstergrund dort viel fennen gelernt hätte. Das Gericht vernahm dann auch Frau Stein. Als dann am Nachmittag fich die Kammer zurückgezogen hatte, um über das Urteil zu beraten, Stürzte Frau Stein in den Saal und suchte weinend in höchster AufTegung ihren Mann zu bewegen, er folle doch endlich aussagen, was er wiffe. Es gehe um feinen Kopf und er tönne nicht länger schwelgen. Der Angellagte Stein, der selbst durch den Antrag des Staats. anwalts ebenso wie Schirmann, Benn und Aschenkampff sehr er. fchüttert war, versuchte die Frau zu beruhigen, die dann schließlich burch Gerichtsdiener in den Zuhörerraum gebracht werden mußte. Im letzten Moment begab sich dann Frau Stein zu dem fommunistischen Abgeordneten Obuch und bat ihn, in die Verteidigung ihres Mannes einzutreten, da dieser nach ihrer Ansicht mindestens mil bernde Umstände erhalten müßte. Obud) erschien auch am Nach mittag noch im Gerichtssaal, unternahm aber selbstverständlich keinen Schritt mehr, um etwa die Beweisaufnahme noch einmal eröffnen zu laffen. Die Angeklagten nahmen das Urteil äußerlich ruhig auf. Die zu leichteren Strafen verurteilten Angeklagten Stegelberg und Schmidt erklärten, daß sie das Urteil annehmen, während die Der Fememordprozeß hat mit vier Todesurteilen geendet. Ein Angeklagter wurde zu drei Jahren Zuchthaus billigung mildernder Umstände zu neun Monaten Gefängnis, verurteilt. Ein anderer wegen Begünstigung unter Zufünf Angeklagte sind freigesprochen worden. Die Verhandlung ist von Anfang bis Ende unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführt worden. Die Urteilsbegründung war öffentlich. Das Gericht hat die Deffentlichkeit wegen Gefährdung des Staatsinteresses ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hatte den Ausschluß der Deffentlichkeit nicht gewünscht. Sowohl die Reichsregierung als auch die preußische Regierung legen Wert auf die Feststellung, daß sie sich in gemeinsamen Berhandlungen dahin entschieden haben, daß ihnen eine Berhandlung in voller Deffentlichkeit erwünscht sei. Die preußische Regierung hat dem Gericht ein Gutachten über die angebliche Gefährdung der Staatssicherheit vorlegen wollen. Das Gericht hat dies Gutachten nicht entgegengenommen. Es hat im Gegensatz zur Reichsregierung und zur preußischen Regierung entschieden, daß eine Gefährdung der Staatssicherheit mit der öffentlichen Führung der Verhandlung verbunden fein würde. Es hat damit eine politische Entscheidung gefällt, die be fonderes Gewicht durch die eigenartige Urteilsbegründung erhält. Die Urteilsbegründung war öffentlich aber sie war teine Urteilsbegründung. Diese Urteilsbegründung enthält i Saz, der auf die politischen Motive des Gerichts ein mertwürdiges Licht wirft. Der Angeklagte Stegelberg ist wegen Begünstigung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte gegen ihn eine Strafe von weil er, wie es in der Urteilsbegründung heißt, aus vaterdrei Jahren Gefängnis beantragt. Das Gericht hat dem Angeflagten Steelberg mildernde Umstände zugebilligt, ländischen Motiven gehandelt hat. Es hat ihm Bewährungsfrist zugebilligt, so daß er die Strafe nicht anzutreten braucht. worden. Die Mörder sind zum Tode verurteilt worden Ein scheußlicher und feiger Fememord ist begangen aber der Angeklagte, der um den Mord gewußt hat, der ihn nicht verhindert und nicht Anzeige erstattet hat, hat aus vaterländischen Motiven gehandelt. Wieso? Dieser Sah der Urteilsbegründung hätte selbst einer besonderen Begründung bedurft. Nach der unter völligem Ausschluß der Deffentlichkeit geführten Berhandlung und diesem Satz der Urteilsbegründung muß der Eindruck entstehen, als ob auch den Mördern mildernde Umstände zugebilligt worden wären, wenn das deutsche Strafrecht beim Verbrechen des Mordes mildernde Umstände zulassen würde. Wenn es vaterländische Motive find, die zur Nichtverhinderung und zur Nichtanzeige eines Mordes führen, warum sollen es nicht auch vaterländische Motive sein, die zum Morde selbst geführt haben? Es ergeben sich aus diesem Saß der Urteilsbegründung die ungeheuerlichsten Konsequenzen. Wenn der Angeklagte Stegelberg sich aus vaterländischen Motiven der BeDer Konflikt bei der Reichsbahn. Erklärung des Reichsarbeitsministeriums. In der Sitzung des Reichstagsausschusses zur Prüfung der Rechtsverhältnisse der Reichsbahn tam auch der Konflift zur Sprache, der zwischen dem Reichsarbeitsministerium und der Reichsbahngesellschaft dadurch entstanden ist, daß diese sich weigert, ben für verbindlich erflärten Schiedsspruch in der Lohnfrage durchzuführen. feien überdies teine unmöglichen Lasten durch die Er. höhung der Grundlöhne um 1 und 2 Pf. pro Stunde zugemutet worden. Die Jahresauswirtung sei etwa 20 Millionen Mart, die beim Etat der Reichsbahngesellschaft gar feine Rolle spielen. Ministerialdirettor Sigler vom Reichsarbeitsministerium er Der Reichsarbeitsminister sei schließlich der Auffassung, daß das flärte hierzu etwa folgendes: Die Reichsbahngesellschaft stelle fich Eisenbahnschiedsgericht für den vorliegenden Streifall unzuständig dabei auf den Standpunkt, daß die Verbindlich feits er sei und werde vor dem Schiedsgericht einen entsprechenden Antrag flärung des Schiedsspruches gefeßlich unzulässig sei. stellen. Wenn der Reichsarbeitsminister mit seiner Ansicht durchDemgegenüber vertrete der Reichsarbeitsminister die Ansicht, daß dringe und die Reichsbahngesellschaft sich trotzdem weigern sollte, den gegen die Verbindlichkeitserklärung feine rechtlichen Bedenken be- für verbindlich erklärten Schiedsspruch durchzuführen, so werden die ftehen. Solche Berbindlichkeitserklärungen feien bereits mehrfach Arbeitnehmerverbände beim Gericht eine Festgegenüber anderen Behörden und auch der Reichsbahn vorgestellungsflage erheben müssen. Der Richter soll dann zu enttommen. Diese habe sie dann allerdings unter Vorbehalt auch durch scheiden haben, was rechtens sei. Man habe verschiedentlich die Abgeführt. In diesem Fall stehe der Reichsarbeitsminister schaffung der Möglichkeit verlangt, einen Schiedsspruch für verbind. der Reichsbahngesellschaft übrigens nicht als Reichsministerium oder lich zu erflären. Immer aber habe man betont, daß diese Möglich ein Ressort der Reichsregierung, sondern als Organ des Schlich feit in gemeinnügigen Betrieben und ganz besonders bei der Eisentungswesens gegenüber. Die Reichsbahngesellschaft ftüße sich bahn erhalten bleiben müffe. Hier sei fie eine soziale Not. nun darauf, daß ihr nach der Personalordnung das Recht zustehe, mendig feit und die einzige Möglichkeit bösen Konflikten zwischen die Verhältnisse ihrer Angestellten usw. selbst zu regeln, soweit Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorzubeugen. Die den Reichsbahnsie nicht vereinbart werden." Das Reichsarbeitsmini arbeitern durch den Schiedsspruch zugebilligten Löhne seien mit fterium fage hierzu, daß diese Bereinbarung" im Wege des denen der Metallindustrie durchous vergleichbar. Schlichtungswesens zustande käme und daß die Zustimmung zu dieser Vereinbarung auch ersetzt werden könne durch die Zustimmung der zuständigen Behörde. So könne die Personalordnung der Reichs: bahn 3. B. auch die Arbeitszeit nicht einseitig festsetzen. Der Zwed des Reichsbahngesetzes sei, der Reichsbahngesellschaft gewissermaßen die Stellung als Reichsreffort zu erhalten, die sie früher vor Er richtung der Reichsbahngesellschaft gehabt habe. Es tönnen ihr natürlich deshalb feine Rechte zugestanden werden, die über die der anderen Reichsrefforts hinausgehen. Gegenüber anderen Reichsrefforts selen jedoch Berbindlichkeitserklärungen zuläffig, also auch gegenüber der Reichsbahngesellschaft. Eine Sonderstellung fänne ihr nicht eingeräumt werden. Allerdings fönne die Reichsbahngesellschaft gegen die Reichsregierung angehen, wenn ihr die Zustimmung zu einer Tariferhöhung durch den Reichsverkehrsminister verweigert werde. Sie könne dann das Eisenbahnfchiedsgericht anrufen. Jedoch müsse sie natür lich, wenn fie glaubt, infolge einer Erhöhung der Löhne ihre Tarife cbenfalls herauffeßen zu müssen, dies thr aber verweigert wird, beim Eisenbahnschiedsgericht auf Zustimmung zur Tariferhöhung flagen. Unmöglich fönne fie zuerst verlangen, daß das Schiedsgericht die Verbindlichkeitserklärung verwerfe. Der Reichsbahngesellschaft Der Vertreter des Reichsverfehrsministeriums fügte hinzu, daß die Reichsregierung natürlich vor dem Eisenbahnfchiedsgericht erscheinen werde, um dort den bereits angedeuteten Antrag auf Unzuständigkeit zu stellen. In der Aussprache warf Abg. Behrens( Dnat.) die Frage auf, ob man den Reichsbahnarbeitern das unbeschränkte Streit. recht zugestehen tönne. Er verneinte diese Frage, verlangte bafür aber, daß sie einen Schutz durch das Schlichtungswesen haben müssen. Die Reichsbahngesellschaft müsse den Schiedsspruch anerkennen, die Sozialgesezgebung gelte auch für sie. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob es schon vorgekommen sei, daß ein für verbindlich erklärter Schiedsspruch von Behörden oder Privatunternehmern nicht durchgeführt wurde, erklärte Minifterialdirektor Sigler, daß ihm tein Fall befannt geworden sei, in dem eine Behörde die Durchführung des Schiedsspruches abgelehnt habe. Hinsichtlich Privatunternehmern seien im Laufe der Jahre drei bis vier Fälle bekannt geworden, die sich aber auf Formfehler ftüßen, die bei der Fällung des Schiedsspruches vor. gekommen seien. Alsdann wurde die Debatte abgebrochen; sie dürfte am 3. Fe bruar im Haushaltsausschuß bei der Beratung des Haushalts bea Berkehrsministeriums ihre Fortsetzung finden. günstigung schuldig gemacht hat, wie das Gericht anerkannt, fo gesteht das Gericht zu, daß ein Konflikt zwischen Achtung des Rechts und des Lebens von Mitmenschen einerseits und gemeinen Berbrechen aus Baterlandsliebe andererseits möglich ist. Dieser Sag der Urteilsbegründung wirkt wie eine Rechtfertigung und Anerkennung jener verworrenen und gefährlichen Gesinnung, die Betätigung von Patriotismus durch Berbrechen für möglich hält. Weit entfernt davon, der Zers Störung des verhängnisvollen Geistes zu dienen, der zu dem fcheußlichen System der Fememorde geführt hat, wird dieser Saz in den Kreisen, die dieses System für vaterländisch halten, als eine Bekräftigung empfunden werden. Aber weiter: Haben die, die das Berbrechen aufgedeckt haben, die die Mörder öffentlich schonungslos verfolgt und sie dem Richter zugeführt haben, etwa vaterländische Pflichten verlegt? Kann man nicht aus dieser Urteilsbegründung einen stillen Borwurf gegen die anerkennenswerte Tätigkeit der Kriminalpolizei herauslesen? Wir gestehen: für die Baterlandsliebe, die dadurch be tätigt wird, daß scheußliche Mordtaten nicht verhindert und vertuscht werden, daß man Mörder ungehindert morden läßt, haben wir auch nicht einen Schimmer von Verständnis. Bir haben auch kein Verständnis für die Dentweise von Richtern; die folche Auffaffung von Vaterlandsliebe für eine Begründung für mildernde Umstände halten. Eine solche Auffassung bedeutet im Grunde genommen eine Herabwürdigung des Begriffes der Baterlandsliebe. Wahrlich, die Deffentlichkeit müßte Kenntnis von der gesamten Beweisaufnahme haben, wenn sie für dies Urteil und diese merkwürdige Begründung Verständnis aufbringen soll. Benn die Schwarze Reichswehr eine vaterländische Einrichtung ist, deren Berrat Landesverrat ist und diese Auffaffung leuchtet aus dieser knappen Urteilsbegründung nach geheimer Verhandlung hervor, soll denn das Staatsinteresse, das Geheimnis im Interesse des Landes, auch die Berbrechen in der Schwarzen Reichswehr decken, auch das scheußliche System der Fememorde? Es ist ein System! Haben die Richter nicht empfunden, welchen schweren Schlag fie mit der Zubilligung mildernder Umstände für die Begünstigung eines Fememordes aus vaterländischen Motiven" gegen das Staatsintereffe geführt haben? Und nicht nur gegen das Staatsintereffe, fondern zugleich gegen die Ethik der Baterlandsliebe? Nach dieser Urteilsbegründung muß mit aller Kraft bes ftritten werden, daß das Gericht mit dem hermetischen Ausschluß der Deffentlichkeit dem Reichsinteresse gedient hat. Diese geheime Berhandlung ist nicht nur eine Gefährdung der Staatsintereffen, sondern zugleich eine Gefährdung des Anfehens der Jufti. Troß aller Dunkellammernolitif ergibt sich das folgende Bild: der Leutnant Benn befiehlt den Mord. Drei Untergebene führen ihn aus. Die Werkzeuge, die feiner Befehlsgewalt unterstehen und bei Beigerung fich felber vor der feme verdächtig machen! führen den Mord aus. Die Werkzeuge und der unmittelbare Befehlsgeber werden aum Tode verurteilt. Der Begünstiger erhält mildernde Ilmstände ,, aus vaterländischen Motiven". Die höheren Borgesetzten werden freigesprochen. Sie haben gewußt, daß die Leiche beiseite gebracht worden ist. Warum haben sie nicht eine Unterfuchung eingeleitet? Was haben sie aetan, um dem fememorbinstem ein Ende zu machen? Wollten sie dem Sememordsystem ein Ende machen? Haben sie es gebilligt? Die Deffentlichkeit erhält auf diese Fragen feine Antwort. Die Verhandlung war geheim. Hat der unmittelbare Befehls geber, Leutnant Benn, aus eigenem Antrieb gehandelt? Hat er felbst einen Befehl erhalten. oder war es gar nicht nötig, weil er in geiftiger Uebereinstimmung mit seinen Vorgefeßten es für felbstverständlich hielt, daß Berräter von der Feme beseitigt werden mußten. Die Justiz faßt die unmittelbaren Werkzeuge. Sie sollen mit dem Tode büßen. Die Spuren nach oben gehen verloren. Die moralische Schuld fließt aus dem System der geheimen Organisation der Schwarzen Reichswehr. Das System hat die Feme bedingt, Fürstliche Abfindung. Bon Emil Rath. Ich für meine Berson begreife nicht, wie man etwas dagegen haben kann, daß die Fürsten abgefunden sein wollen. Ja, manche find nicht einmal fo unbescheiden, sondern wollen fich mit einer Leibrente begnügen. Wenn nun diese Rente entsprechend dem Leibes. umfang ebenfalls umfangreich sein soll, sehe ich darin nur ein geometrisches Berhältnis. Und daß gerade bei Berhältnissen die Abfindung eine bedeutende Rolle spielen kann, weiß wohl jeder Erwachsene zwischen zehn und achtzig Jahren. Im übrigen heißt es ja auch in der Bibel: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist. Womit F860058 Das Syftem der die Feme die scheußlichen Mordtaten. Schwarzen Reichswehr gilt als vaterländische Einrichtung die einzelne Mordtat als Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wird. Das Gericht stellt sich schüßend vor das System der Geheimorganisation, aber es verurteilt die Werkzeuge des Fememords zum Tode. Eine Bermengung von Politik und Recht, die in schroffem Widerspruch zu jedem gefunden natür lichen Rechtsempfinden steht. Amtsvertreterwahlen in Mecklenburg. Günstiges Ergebnis für die Sozialdemokraten. Rostod, 2. Februar.( WTB.) Das vorläufige Ergebnis des Amtsbezirtes Malchin: Bürgerliche 12 482( 12 Sige), Sozialdemokraten 12.045( 12 Sige, Kommunisten 1023( 1 Sig). Schwerin: Bürgerliche 6711( 9 Sige), Sozialdemokraten Grevesmühlen: 5997( 8 Sige), Kommuniffen 339( fein Sig). Sozialdemokraten 4887( 6 Sige), Demokraten 1787( 2 Sige), Candbund 4342( 6 Size), Bauerabund 834( 1 Sig), Kommunisten 154( fein Sig). Nach dem Ende dieses Prozesses wird eine dramatische Szene bekannt, die die Unvereinbarkeit dieses Berfahrens mit dem natürlichen Rechtsempfinden beleuchtet. Die Frau eines der zum Tode verurteilten Angeklagten beschmor ihren Mann, alles zu sagen, um seinen Kopf zu retten, weil fie mußte, daß Der Angeklagte es im System lag, daß er morden mußte.. wurde zum Tode verurteilt die Spuren nach oben sind nicht verfolgbar. Es lagen teine Beweise vor. Wird diese Frau an Aufstieg und Untergang eines Schuldigen am Weltkrieg. die Gerechtigkeit eines Urteils glauben, daß den Kopf ihres Mannes fordert, aber das System nicht angreift? ... Ein Syftem, das derartige Ungeheuerlichkeiten bedingt, ist verwerflich! Ein Syftem, das automatisch zum Verbrechen führt, hat mit Baterlandsliebe nichts zu tun. Jede Forderung, ein folches System aus vaterländischer Pflicht zu schonen, bedarf der schärfsten Zurüdweisung. Es wäre die Aufgabe der Justiz, den Zusammenhängen in einem folchen System nachzuspüren, fie in voller Deffentlichkeit aufzubeden, um ein System unmöglich zu machen, daß die Baterlandsliebe for rumpiert und das Recht zerbricht. Das Gericht hat diese Aufgabe nicht erfüllt. Es hat schematisch pier Diener des Systems zum Tode verurteilt, und fich um tiefere Zusammenhänge nicht gefümmert. Es fann nicht erwarten, daß das Rechtsempfinden des Volt: sein Borgehen und fein Urteil billigt. Auswärtiges Amt und Fememordprozeß. Eine Erklärung im Reichshaushaltsausschuß. In der gestrigen Sigung des Ausschusses für den Reichshaushalt wurde u. a. eine sozialdemokratische Entschließung angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, für eine Vermehrung der sozialen Attachés zu sorgen. Auf eine Anfrage, wie viele deutsche Kriegsgefangene noch in Frankreich und Rußland zurückgehalten werden, erwiderte der Staatssekretär, daß nach sorgfältigen Ermittlungen nur noch ein deutscher Kriegsgefangener fich in französischen Händen befinde. Dieser sei wegen Raubmordes an zwei Zivilisten zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde dann in lebenslängliche 3wangsarbeit umgewandelt. Ein von der Mutter fürzlich einge gangenes Gnadengesuch ist befürwortend an die franzöfifche Regierung weitergegeben worden. In Rußland hält sich nach ne nauer Prüfung der Sowjetbehörden und der deutschen Konfulate unfreiwillig fein deutscher Kriegsgefangener mehr auf. Die 3ahl der früheren Kriegsgefangenen aber, die freiwillig in Rußland geblieben find, war nicht zu ermitteln. Ein Antrag der Deutschnationalen und der Böttischen auf Streichung der Mittel für die Reichszentralen für Heimatdienit wurde abgelehnt. Das gleiche Schicksal hatte das fommunistische verlangen, die deutsche Botschaft beim Vatikan in Rom aufheben. Auf eine Anfrage, ob vom Minifterium irgendwelche amtlichen Schritte unternommen worden feien, um die Deffentlichkeit bei dem jüngsten Fememordprojeß auszufhließen, erklärte der Reichsminister Dr. Strefemann: Gs find feinerlei amfliche Schriffe von mir dem Gericht gegenüber unternommen worden, um die Deffentlichkeit bei den Fememordprozeffen auszuschließen. des Schlesischen Vandbundes, hat fein Reichstagsmandat für Fehe. v. Richthofen- Boguslawig, der deutfcnationale Führer Breslau niebergelegt. M18 Rachfolger fritt der Schweiniger Staatsanwaltsrat Dr. Schaeffer in den Reichstag ein.- Die Demagogie der deuticnationalen Reichetagsfraktion in beaug auf Locarno foll den eigentlichen Anlaß zu dem Mandaisverzicht des Febrn. v. Richthofen gebildet habent. seinem Lohn weder hin noch her, und dabei trintt, raucht und spielt er nicht. Das begreife ich nicht. Ich habe in anderen Ländern Arbeiter gesprochen, die waren beffer bezahlt und auch unzufrieden. Das lag nur an den hohen Preisen. Daran kann es in Deutschland boch wirklich nicht liegen. Denn seit einem halben Jahre wird dauernd gesenkt. Alles senft sich: der Lohnt, die Arbeitszeit, die Köpfe der Arbeitslosen, die Steuern der Großbesizer, die Rente der Invaliden, der Aufwertungstoeffizient furz, das ganze Lebens. und Kulturniveau. Warum sollten sich die Preise da nicht auch fenten? | Suchomlinow gestorben. Gestern starb in einem Berliner Krankenhaus der russisches Kriegsminister von 1914, General Suchomlinow. Suchomlinow, der einer ukrainischen Familie entstammte, ge langte in feiner Heimat Kiem zu dem Bosten des Oberbefehlsbabers und Generalgouverneurs. Nach dem russisch- japanischen Kriege führte er die Opposition gegen den Großfürsten Nitolajewitsch, der die Einrichtung eines Reichsverteidigungsrats erstrebte. Nach feinem Fehlschlag, drei Jahre später, wurde Suchomlinow Chef dés Generalstabes und bald Kriegsminister. Als solcher erfüllte er, was er in seinen Erinnerungen nennt ,, f eine historische Aufgabe: bie russische Armee zu reorganisieren. Er war der stärffte Träger jener Armeepolitik, die die Vernichtung der deutschen Heere als das erste und grundsätzliche Ziel der mit der französischen verbündeten russischen Armee" aufstellte. Suchomlinom war meniger Bolitifer als Soldat. Seinen Mangel an politischem Blid bewies der berüchtigte Artikel vom 14. Juni 1914 in der Birschewyja Bjedomosti": Rußland ist fertig, Frankreich muß ebenfalls fertig sein," der die Breffepolemit gegen Rußland beruhigen sollte, während er fie aufwühlte. Suchomlinow war ein Werkzeug des Außenministers Safanoff. Er war aus militärischen Gründen gegen den Kriegsausbruch 1914, da die russische Armee erst einige Jahre später fertig sein würde. Als aber die Mobilisation dem Saren abgerungen wurde, war er ber Gegner der Teilmobilisation und führte die Gesamtmobilisation der russischen Armee herauf. geAls der galtzische Feldzug im Sommer 1915 fehlschlug, wurde er auf Antrag des Großfürsten Nikolajewitsch seines Postens enthoben und ein Jahr später gefangengesetzt. Im Herbst 1917 fand unter der Kerensti- Regierung der Prozeß wegen ungenügender Bersorgung der Armee mit Kriegsmitteln gegen ihn statt. Suchom linow hat hier die Borgänge, die zur russischen Gesamtmobilmachung führten, erst aufgebedt und damit eine Brefde in das Mär. che n Don der Alleinschuld Deutschlands chlagen. Unter der Sowjetregierung freigelassen, fristete er in Petersburg als Straßenhändler sein Leben und gelangte schließlich nach Deutschland, wo er Ende 1923 feine Erinnerungen herausgab. Er lebte bis zu seinem Tode in dürftigen Berhältnissen. Sein Abstieg und Untergang ist typisch für das Glück und Ende jenes Syſtems der Militärautotratten, die der Weltkrieg hinweggefegt hat, um Platz zu machen für die friedliche Demotratie Deutsches Völkerbundsprogramm. Werkündet vom deutschen Zentrumsführer. In feiner Begrüßungsaniprace an den Chriftlichen Parteitag in Wien fagte der Vorfizende der Zentrumsfraktion im Teutiä en Reichstag, Abg. v. Guérard: Wir geben jezt auch in den Völker. bund, nicht leichten Herzens, aber festen Willens. Wir gehen in der feften Abficht hin, um zu wirken für das Deutschtum in der Welt und im Bunde mit Ihnen wahrzunehmen die Nechte der deutschen Minderheiten. Backhäusern und alten Kranen geben Danzig noch heute das malerische und altertümliche Gepräge. Prächtige Bartanlagen im Umfreis, die stattlichen neuen Quartiere, die vor dem Kriege aufblühten, die Technische Hochschule in Langfuhr zeigen, daß Danzig einer neuen Blüte entgegenging. Es wird auch in Zukunft eine schöne und troz der polnischen Einflußnahme( man sah den polnischen Brieffaften!) eine deutsche Stadt bleiben. Der Film gab viel Stimmungsvolles, aber mußte um den berühmten Lachs eine ganze Szene gebaut werden? Strafzumeffung durch Geschworene. Der französische Senat hat diefer Tage einem bedeutsamen Gesezentrag des Senators Bonnevet seine Zustimmung erteilt. Der Antrag, der eine grundsägliche Reform des schwurgerichtlichen Verfahrens herbeiführt, ist bereits von der Regierung angenommen worden und dürfte auch in der Deputierten. fammer Zustimmung finden. Danach sollen die Geschworenen in deutlich gesagt ist, daß man ihm das geben soll, was ihm gehört. Volt mit Schlössern, mit großen Wäldern, mit riesigen Landflächen, Bukunft mit den Richtern zweds Feststellung des Strafmaßes zu als Reservist ins Feld zog Aber man sieht wieder, daß ein Mann aus dem Bolle die Bohltat der Abfindung nicht zu schäzen weiß. Die einstigen Fürsten find in der Lage, dies zu tun. Man soll die Perlen nicht vor die Säue werfen. Dann schon lieber vor die Fürsten. Was will das Bergwerken und Delquellen? Deren Verwaltung verschlingt nur un heimlich viel Geld. Die Fürsten wissen wenigstens, was sie damit anfangen. Die ganz Vorsichtigen haben sich schon Käufer aus Dollarien verschrieben. Denn wie sollen sie zutrauen zur Währung eines Landes haben, das nicht mehr ihre segensreiche Hand spürt? Man schiebe doch einmal alle Unvoreingenommenheit beiseite und überlege fich. was wohl ein Holzhauer beginnen würde, dem man plöglich das Zepter in die Hand drüdt! Der Mann wäre dem Bahnsinn nahe. Und wieviel schmerzlicher muß es sein, wenn die hand, die mit Anmut das Zepter schwang, plöglich die Schrotfäge finden wie mit einer Milliarde Goldmart. Jedem fein suum cuique! hat schon Homer gesagt, von dem das berühmte Gelächter stammt, das sämtliche Fürsten gemeinsam anstimmen werden, wenn sie erſt alle einmal abgefunden sind. Gebet ihnen, was das Ihre ist. Wenn sie nichts gehabt haben, tönnen sie eben nichts befommen. Schulb oder Unschuld des Angeflagien zu urteilen, bleibt davon unberührt. Die Erfahrung hat gelehrt, daß häufig Geschworene einen Angeklagten, der überführt ist, trotzdem freisprechen, weil sie das für die betreffende Stroftat beantragte Strafmaß als zu schwer erachten und es deshalb vorziehen, den Schuldigen straflos ausgehen zu laffen. Um derartige Freisprüche, die nicht selten in der Deffentlichkeit nicht verstanden werden, zu verhindern, wurde der erwähnte Antrag eingebracht. Falls der Antrag Gesezeskraft erlangt, wird sich das Schwurgerichtsverfahren in Frankreich fortan in folgender Weise abspielen: der Vorsitzende wird sich mit seinen Beifizern nach Schluß der Berhandlung mit den Geschworenen in das Beratungs maß schlüssig zu werden. Nach einer Rechtsbelehrung über die in der von ihm gewählten Strafe abgeben, die der Vorsitzende, der mit Frage fommenden Strafen wird jeder Geschworene einen Zettel in den Beisigern als letter seine Stirime abgibt, in einer Urne fammelt. Nach der Mehrheit der Stimmen wird dann die Strafe feftgefeßt. Bleibt die Abstimmung ergebnislos, so werden die schwersten Strafen ausgeschieden und in erneuter Abstimmung das Strafmaß festgesetzt. In juristischen Kreisen steht man der Reform, die vom Senat ange regt wird, durchaus sympathisch gegenüber. Leider dürfte dann die Abfindung recht mager ausfallen. Denn was gehört denn den Fürsten? Aber wiederum steht in der Bibel nicht, daß man dem Bolke gebe, was des Volkes ist. Denn das Volk hat keinen Bogel. Wenigstens nicht den, der so schön im Hofe predigt. Aber abgefunden werden müssen die Fürsten. Sind doch die meisten Menschen abgefunden worden. Biele haben sich selber abgefunden, je nach Charakterart: der eine mit dem Hungern, der eine mit dem Leben, der eine mit seiner Blindheit, der andere mit den steigenden Preisen. Das weiß ich aus sicherer Quelle. Ich habe nämlich einen Onfel, der ist auch abgefunden worden. Obwohl er bas gar nicht verdient hat. Es war doch 1914 seine Pflicht, daß er führen muß. Mit einem solchen Geschid ist man nicht so leicht abzu. 8immer begeben, um fich dort in geheimer Sigung über das Straf ng also. Und wenn er dabei brei Finger von der rechten Hand verlor, ist das schließlich seine eigene Schuld. Wie kann man so unvorsichtig sein, die Flugbahn eines Geschosses zu freuzen! Das haben die Fürsten nie getan... Im übrigen fann er zufrieden sein, daß es nur die Finger und nicht andere edele Teile waren, wie z. B. der Kopf! Troß dieser erschwerenden Umstände hat ihm der Staat doch eine Rente gewährt. Sie war allerdings flein, und davon konnten fünf Menschen schlecht leben. Aber er, der von Beruf Maurer war, hätte ja Orgeldreher oder etwas anderes, nüßlicheres werben fönnen. Er war eigen finnig und wurde Straßenbahnschaffner. Kein Wunder, daß seine Frau immer blasfer wurde und schließlich erkrankte. Und in diese Zeit o göttliche Fügung! fiel die Abfindung: man zahlte dem Fingerlosen seine Rente auf einmal aus. Er mudte natürlich in seinem Unverstand auf, wie eben immer die Menschen tun, die nie das Gute anerkennen. Es mar ja nun gerade teine große, runde Summe, aber fie reichte doch beinahe aus, um Arzt und Medizin für bie frante Frau zu bezahlen. Und mußte es nicht ein wunderbares Gefübf fein: abgefunden? Man bente, wie die Fürsten aufatmen würden, wenn man sie in der gewünschten Weise abfände! Leiber reichte die Abfindung nicht ganz aus, die frante Frau zu turieren. Sie starb. Mein Onkel behauptet, doch er tann sich ja auch irren. Er ist überhaupt ein unzufriedener Mensch. Er reicht mit .. Das schöne Danzig. Schade, daß dieses nordische Nürnberg, eines der interessantesten deutschen Stadtbilder, jo meit abliegt und jetzt infolge der polnischen( Korridor) Wirtschaft außerdem nur mit gewillen Schwierigkeiten zu erreichen ist. Es verdiente den Besuch. So müssen wir uns begnügen, es im Bilde zu genießen, wozu ein Filmvortrag in der Urania Gelegenheit bietet. Danzig hat, wie Oberstudienrat von Bildi in seinem begleitenden fuitur historischen Vortrag hervorhob, eine an Wechselfällen reiche Gee fchichte. Der Deutsche Orben hat der Stabt feinen Stempel auf gedrückt, feit 1360 ft fie Sanjamitglied. Die gotischen Kirchen flammen aus dieser Blütezeit. Troß der polnischen Oberhoheit blieb bie freie Stadt deutsch. Crit 1793 wurde fie preußisch. Obwohl die Jeftungswälle eingeebnet sind, hat die Altstadt doch viel von ihrem firche, die alten Tore und Türme, bas Renaissance- Rathaus mit alten Charafter bewahrt. Die alles überragende Maffe der Marien seinem schlanken Turm, die langen Straßenzeilen mit den Giebel häufern des 15.- 18. Jahrhunderts, bie pielen Wasserarme mit den Lehrgang für Einheitsfurzfchrift. Am Montag, den 8. februar, 6 Uhr, beginnt im Bentralinftitut für Erziehung und Unterricht, Boisdamer Straße 120, ein neuer Einführungslehrgang in die beutige Einheitsturaichrift unter Leitung des Professors Amsel unterricht ist auf Montag und Donnerstag, abends 6-7%, 1hr, feftgefest. Zeilnahmegebühr: 10 m. Der Jur modernen franzöfiften Liferafur" foricht ans Jacob am 4 abends 8 Uhr, in der Buchhandlung Ferdinand Ditertag, Aleiftstraße 20, Elisabeth Bergner left auf bem Arthur Snisler.Abenb des Berbandes Deutscher Erzählet am 7., abends 7½, 11br, im Stdtage bie Ropelle: Gräulein Elfe. Arthur Snigler lieft bie Novelle: Leutnant Guht mit Ernst Hardt übereingekommen, ihre Bestehungen zu lösen. Der große Die Löfung der Kölner Infendanten trije. Die Stadtgemeinde Köln in Theaterausschus bat beschloffen, aus finanziellen Gründen den Intendanten poften an der Rölner Bühne nicht wieder zu belegen. Paul Boncour über den Anschluß. Eine französische Betrachtung zum deutschen Nationalproblem. In der Zeitschrift Europäische Revue veröffentlicht Genoffe Boncour einen Auffah über das Desterreichische Problem". Bir bringen einige Abfäße aus seinen bemerkenswerten Darlegungen, Entspannung das internationale Berständnis für den nationalen die zeigen, wie die durch Locarno geschaffene deutsch- französische Einigungswillen der republikanischen Barteken Deutschlands fördert. " Desterreich grenzt an Deutschland. Man spricht in Desterreich deutsch. Die Bewohner gehören der deutschen Rasse an. Und obwohl das Bündnis Desterreich sehr teuer zu stehen tam, hat es die Erinnerung an Sadowa verwischt, es brachte die beiden Länder während der langen Jahre seiner Dauer ein ander näher. Es ist also nicht erstaunlich, daß Desterreich in seiner Not die Blide nach Deutschland richtet. Weniger erstaunlich noch, daß Deutschland durch diese bedeutende Annegion(!) des Südens, durch die Angliederung von Millionen Defterreichern an die deutsche Familie, durch die Beflzergreifung dieser hiſtoriſch so bedeutsamen Länder, durch die engere Berbindung mit der durchgebildeten, feinen österreichischen Kultur seine Verluste im Osten und Westen wett zumachen trachtet. So tommt es, daß die Anschlußfrage heute vor dem Gewissen Europas und dem Forum der Diplomatie eines der beängstigendsten Probleme in nationalem wie in menschlichem Sinne darstellt. Hat nun eine wünschenswerte wirtschaftliche Orientierung nach der Kleinen Entente hin, hat der Abschluß von Handelsverträgen mit den Nachfolgestaaten irgendeine Aussicht, die Empfindlichkeiten, die Leidenschaften, die übrigens vollkommen achtbar sind, zu überwinden? Das österreichische Problem wird in Deutschland aus einem paradogen Gesichtswinkel betrachtet. Die Rechtsparteien, die Parteien der Nationalisten( die Bölkischer, die Deutschnationalen und die Volkspartei) sind diejenigen, welche dem Anschluß Oesterreichs am wenigsten wohlgesinnt sind. Hingegen scheinen die Linksparteien, jene, die für den Frieden eintreten( die Sozialisten, die Demokraten, das fatholische Zentrum), den Anschluß an Deutschland in die erste Reihe ihrer politischen Programme zu rüden. Wie soll man dieses Parador erklären? Durch die Geschichte. Die Protestanten, deren Einflußzentrum in Ostpreußen, in pommern und Schlesien liegt, haben nicht das Bedürfnis, dem Reich etwa zehn Millionen Katholiken und Sozia listen einverleibt zu sehen, die die wirtschaftlichen Interessen des Landes nach der Donau hin orientieren und Nachkriegs deutschland davon ablenfen würden, was für sie seine erste Pflicht ist: die Wiedereroberung des Korridors von Danzig und die Ausdehnung gegen Polen. Aus anderen Gründen ist die Volkspartei, die mit den Nationalisten einige Berührungspunkte hat, nicht für den Anschluß. Als Partei der Industrie und der Hochfinanz, die zu ihrem Schaden erfahren haben, was es einem Lande foftet, sein entwertetes Geld und seine zerstörte Wirtschaft wieder aufzurichten, fürchtet sie, daß an Deutsch land, das kaum erst in die letzte Phase seiner Erneuerung eintrat, ein Desterreich angeschlossen werde, das wirtschaftlich in Schwierigfeiten ist. Andererseits war für die Linksparteien, insbesondere für die am meisten republikanischen unter ihnen, der„ Anschluß“ ein sehr beliebtes Propagandamittel. Es sind die Erinnerungen an die Republit des Jahres 1848, die in der öffentlichen Meinung das schwarz rotgoldene Banner darstellt, und es ist der Wunsch, dem eroberungslustigen Nationalismus der Rechtsparteien eine friedliche Eroberung(!) auf Grund des demokratischen Brinzips der Boltsabstimmung entgegenzustellen, die Nachkriegs. deutschland und der jungen Republit einen Blang verleihen würde, der ihr noch fehlt. Benn man die Evolution der Geister in den letzten zwei Jahren verfolgt, so bemerkt man, daß sich die Anschlußidee eher im Rüd. schritt befindet.( Hier irrt Boncour. Die Anschlußbewegung hat unter der Oberfläche an Breite und Tiefe mächtig zugenommen. Die Red.) Es ist festzustellen, daß, wenn sich die Tendenz einer Annäherung auch weiter zeigt, fie mehr und mehr die Form von Handelsverträgen, Paßerleichterungen, also vertragliche und ge mäßigte Normen annimmt, die im Grunde an bem politi. schen Problem nicht rühren. Zu diesem Punft ist nichts zu sagen: Das ist ja gerade der Plan, für den sich der Bölferbund selbst erklärt hat." Britische Thronrede. Besprechung der schweren Wirtschaftskrise. London, 2. Februar.( WTB.) Die Thronrede sagt, die britische Regierung teile von Herzen den Wunsch der türkischen Regierung nach Schaffung der freundlich sten Beziehungen zwischen der Türkei und Großbritannien. Der Bertrag mit dem Irak, der die Entscheidung des Bölterbundsrates zur Ausführung bringt und der nom Jrafparlament bereits genehmigt ist, wird dem britischen Barlament unverzüglich zugehen. In der Thronrede heißt es weiter: Einer meiner Minister wird nach Genf gehen als Bertreter Großbritanniens, um an den Vorarbeiten für eine allgemeine Konferenz zur Herabsehung der Rüstungen teilzunehmen. Nach Ansicht meiner Regierung müßte jetzt ein wesentlicher Fortschritt in diefer Richtung auf Grund des durch den Vertrag von Locarno und die ergänzenden Bereinbarungen geschaffenen Sicherheitssystems möglich sein. Die Thronrede gibt der Freude über die Regelung ber italienischen Schulden zu fairen und ehrenhaften Bedingungen" Ausdrud und erwähnt die Ein. ladung an Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien zur Teilnahme an einer Konferenz in London, welche über die Möglichfeit des Zustandebringens einer wirffamen internationalen Vereinbarung zur Regelung der Arbeitszeit beraten soll. Hierauf betont die Thronrede die dringende Notwendigkeit von Ersparnissen und teilt mit, daß Borschläge zur Verminderung der öffentlichen Ausgaben ausgearbeitet werden. In der Thronrede heißt es weiter: Die Befferung in Handel und Industrie Ende 1924, von der damals ansehnliche Abnahme der Zahl der Arbeitslosen erwartet wurde, ist leider im letzten Jahr durch die ausgedehnte Depreffion im Bergbauaufgehalten worden. Seit dem Herbst des letzten Jahres haben sich wieder Beichen einer Neubelebung der Industrie gezeigt, aber die Zunahme des Vertrauens, von der diese Wiederbelebung abhängt, wird durch die Besorgnis vor industriellen Swiftig. teiten aufgehalten. Der König appelliert an alle Barteien, Handlungen zu vermeiden, welche die Rückkehr der Wohlfahrt und guter Handelsbedingungen verzögern würden. Weiter werden Borlagen angekündigt, betreffend Reform der Elektrizitätswirtschaft, Förderung der Landwirtschaft, Einführung pon handelsmarten, burch bie landwirtschaftliche Produkte und Fabrifmaren, die aus dem Auslande importiert werden, von englischen und aus dem britischen Reich ftammenden Produkten und Waren unterschieden werden fönnen, schließlich eine Anzahl Gefeßentwürfe über Gesundheitspflege, Arbeitslosenversicherung usw. ཞེས་ Fürstenkompromiß und Rechtsausschuß Sperrgesetz- Steuern Der„ Entwurf eines Gesezes über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern" stellt sich formal als ein Entwurf der Regierungs parteien bar, ist aber auf Grund von Kompromißverhandlungen zwischen diesen Parteien von Batronang für ihn schon in feiner Programmrede übernom amtlichen Stellen ausgearbeitet. Der Reichstanzler hat die men, da er fagte, daß durch einen solchen Entwurf dem Bolt die Unruhe eines Boltsentscheids erspart werden solle. foll, ist nicht ersichtlich. Denn gegenüber dem Antrag der Wie dieser Zweck durch diesen Entwurf erreicht werden Demokraten bedeutet er einen Rückschritt. Der demokratische Antrag wollte die Auseinandersetzung unter Ausschaltung des Rechtsmegs den Ländern überlassen; der neue Entwurf dagegen schaltet den Rechtsweg wieder ein und erläßt für ihn in prozessualer und materieller Beziehung besondere Bestim mungen, aus denen der Sah hervorleuchtet, daß den ehe maligen Fürsten eine würdige Lebenshaltung" gewährleistet werden soll. Was ist run würdige Lebenshaltung"? Für uns ist die würdige Lebenshaltung eines ehemaligen Fürsten in der Republik die Lebenshaltung eines Staatsbürgers, die dieser durch eigene Arbeit erwirbt. zusetzende Fürstengericht wird wohl auch anders interpretieren, Aber die Gesetzgeber meinen es wohl anders, und das einund zwar in einer Weise, die dem Rechtsbewußtsein des Boltes entschieden widerspricht. Mit einem solchen Gericht und einem solchen Gesetz fann man dem Bolt die Unruhe, in der es sich befindet, nicht ersparen, sie wird vielmehr durch jedes neue Urteil von neuem Gerade dieser Entwurf mit seinen hervorgerufen werden. fomplizierten Bestimmungen, mit den jahrelang schwebenden Berhandlungen, die er in Aussicht stellt, beweist am besten, daß nur durch eine klare und glatte Lösung Ruhe gefchaffen werden kann. Und wenn Herr Oberstaatsanwalt Schulte in der„ Germania" befürchtet, durch diese flare und glatte Lösung fönnten die Mitglieder der Fürstenfamilien mit ihm zu wetten, da die Fürsten auch nach ihrer Ent,, aller Unterhaltsmittel beraubt werden", so sind wir bereit, eignung immer noch mehr zu verzehren haben werden als das Gehalt eines Oberstaatsanwalts. " Auch das Berliner Tageblatt" wendet sich gegen das geplante Sondergericht, da die ganze Materie ihrer Natur nach für eine richterliche Entscheidung durchaus ungeeignet ist", und es meint, der Entwurf fei nicht annehmbar, wenn er nicht noch eine sehr weitgehende Umgestaltung erfahre. Ganz dunkel ist, woher die Regierungsparteien, die doch nur eine Minderheit sind, die Mehrheit, und wie manche für notwendig halten, sogar die qualifizierte Mehrheit für ihren Entwurf hernehmen wollen. Scheitert aber dieses ganz unsichere Experiment, dann werden Millionen, die heute noch abseits stehen, mit uns zu der Erkenntnis fommen, daß es nur einen Weg zur Lösung gibt: den Boltsentscheid! In der gestrigen Sigung des Rechtsausschusses fündigte vor Eintritt in die Tagesordnung der Aug. Schulfe( 3.) den kom promißantrag des Sentrums, der Demofraten, der Deutschen Bolkspartei und der Wirtschafts; artei zur Frage ber Fürstenausein andersetzung an. Er betortte dabei, daß die diesen Parteien angehörenden Abgeordneten nicht auf den Wortlaut des Antrags feftgelegt feien und daß sie sich für ihre Personen und ihre Frattionen Abänderungsanträge vorbehalten. Eine 3meidrittelmehr heit werde zur Annahme des Antrags erforderlich sein und des. halb müßten alle Parteien mitarbeiten, damit die nötige Mehrheit zustande käme. Abg. Neubauer( Komm.): Es handelt sich doch wohl um einen neuen Antrag, der erst im Plenum gestellt werden müßte. Abg. Kahl: Es handelt sich nur um einen Abänderungsantrag zum demokratischen Antrag Dr. Rofenfeld: Bleibt det demokratische Antrag bestehen? v. Richthofen( Dem.): Unser Antrag bleibt bestehen. Ich werde aber beantragen, erst den gemeinsamen Antrag meh= rerer Parteien zu beraten. Der Ausschuß seht nunmehr die Beratung des Sperrgesehes fort. Die juristischen Erörterungen über die Frage der Zuständig. teit des Reiches werden von den Abgeordneten der Boltspartei und des Zentrums im Sinne der Zuständigkeit, von den Bertretern der Deutschnationalen im Sinne der Unzuständigkeit erörtert. Dr. Rosenfeld: Die Sache eilt. Schon am 5. Februar werden von dem Oberlandesgericht Raumburg wieder zwei Fürstenprozesse gegen das Land Thüringen verhandelt. Pensionen. Bei der Abstimmung wird schließlich das Sperrgeseh dahin angenommen, daß alle Rechtsstreitigkeiten zwischen Fürften und Ländern über die Auseinandersetzung und alle damit zusammenhängenden Fragen auf Antrag einer Partei bis zum Infrafttreten einer reichsgefehlichen Regelung auszusehen sind. In der Gesamtabstimmung werden 19 Stimmen für das Gesez und nur Der Ausschuß beschließt weiter, das Sperrgefeß so schnell an das die 6 Stimmen der Deutschnationalen gegen das Gesetz abgegeben. Plenum zu bringen, daß bereits am Mittwoch das Gefeß verabschiedet sein fann. Die Besteuerung der Fürstenvermögen. zeinen Fürstenfamilien und wegen der Militärpensionen, welche die Dr. Rosenfeld: Es sind noch unsere Fragen wegen der Besteuerung der Fürstenvermögen, wegen des Brivateigentums der ein. Mitglieder von Fürstenhäusern beziehen, zu beantworten. Der Vertreter des preußischen Finanzministe. riums: Alle Steuern find ordnungsmäßig zu zahlen. Dr. Rosenfeld: Die Hofkammer ist aber erst im Januar aufgefordert worden, zum ersten Male eine ordnungsmäßige Steuererklärung abzugeben. Der Vertreter des Finanzministeriums bleibt dabei, daß die Steuern immer bezahlt sind, auch von der Hofkammer. Abg. Frid( Bölt.): Nach der Erklärung des Reichskanzlers über die Fürstenfrage müßte die Regierung zunächst Auskunft darüber geben, ob sie selbst eine Vorlage zu machen gedenkt. ehne mich erft an die Regierung zu wenden. Vors. Kahl: Ich glaube diese Frage verneinen zu können, Dr. Rosenfeld: Es wäre doch notwendig, daß die Regierung selbst eine Auskunft gäbe. Der Reichsfangler wollte doch die durch den Volksentscheid hervorgerufene Beunruhigung des Boltes zu verhüten suchen. Dann müßte die Regierung doch selbst ein Gesetz vorschlagen. Reichskommissar Kuenzer: Namens der Reichsregierung fann ich die Erflärung abgeben, daß eine Gesetzesvorlage über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern zurzeit bei der Reichsregierung nicht in Arbeit ist seitens der Reichsregierung noch nicht erfolgt. Sie beabsichtigt, ist. Eine Entschließung über die Einbringung einer Gesezesvorlage den Gang der Berhandlungen dieses Ausschusses und des hohen Hauses selbst abzuwarten. Ueber die Fragen nach dem Privateigentum der Fürsten und über ihre Militärpenfionen find die Landesregierungen angefragt worden. Sobald genügende Auskünfte vorliegen, werden wir dem Ausschuß Nachricht geben. Ein preußischer Regierungsvertreter: Bon den Mitgliedern des Dormals preußischen Königshauses beziehen nur fünf Militärpensionen: Eitel Friedrich als Divisionstommandeur jährlich 10 074 M.; Adalbert als Rorvettenfapitän jährlich 4830 m.; Ostar als Oberst jährlich 7554 M.; Heinrich als Großadmiral jährlich 17 127 m.; Joachim Albrecht als Major jährlich 3030 2. Everling( Dnat.): Dicse Pensionen sind erst im Jahre 1923 beantragt worden, als es den Brinzen schlecht ging. Jeder, der in Botsdam einigermaßen bekannt ist, weiß, daß Prinz Oskar selbst die Defen geheizt und auf Diener verzichtet hat.( Heiterfeit bei den Sozialdemokraten und Kommunisten.) Abg. Landsberg: Betreffs der Militärpenfienen müssen mir auch wegen der nichtpreußischen Fürsten Auskunft bekommen. Reichskommissar Kuenzer: Diese Auskunft wird später gegeben merden. Abg. Landsberg: Es fehlt auch noch die Auskunft wegen des reinen privaten Vermögens ber Fürsten. Darüber muß doch das Reichsfinanzministerium auf Grund der Veranlagung zur Vermögenssteuer Auskunft geben fönnen. Borf. Kahl: Wir werden das Reichsfinanzministerium um Ausfunft ersuchen. Nunmehr ist die Materialjammlung des Rechtsausschusses abgeschlossen und zur Begründung des fommunistischen Antrags erhält Abg. Neubauer das Wort. In einstündiger Rede gibt er eine zahlenmäßige Berechnung des Landbefizes jedes der einzelnen deutschen Fürstenhäuser. Er fommt auf Grund vorsichtiger Schätzung zu dem Ergebnis, daß der Landbesiz der deutschen Fürsten 484 406 eftar beträgt. Ferner kommen in Betracht: für aufgewertete Jahresrenten 1818 700 m., aufzuwertende Renten jährlich 865 500., aufzuwertendes Kapital 102 805 000 m. Dabei ift immer nur eine Aufwertung von 100 Proz. zugrunde gelegt. Das Privatvermögen der Fürsten mag 300 millionen betragen. Dazu fommen Runstschäße im Werte von 500 Millionen. Insgesamt berechnet der Redner ein Fürstenvermögen von 2600 millionen Mart.( Burufe bei den Sozialdemo fraten: Das ist noch zu niedrig geschätzt!) Der kommunistische Redner schließt mit der Erklärung: Solche Werte dürfen nicht dem Bolle entzogen werden. Entschädigungslose Enteignung ist notwendig Der Ausschuß vertagt sich dann auf Donnerstag. Preußens 150- Millionenanleihert werden soll Bom Landtag einstimmig bewilligt. Der Landtag beschäftigte fich gestern mit dem Gefeßentwurf, der das Staatsministerium ermächtigt, eine Anleihe von 150 millionen Mart aufzunehmen und diesen Betrag für die Ausgestaltung des staatlichen Besizes an Bergwerfen, Hafen und Elektrizitätsmerken sowie zur Förderung der Landeskultur zu verausgaben. Der Ausschuß hat den Finanzminister ermächtigt, die Mittel im Wege des Krebits zu erlangen. Die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschreibungen nebst Zinsscheinen fönnen sämtlich oder teil. weise auf ausländische oder auch nach einem bestimmten Wertver. hältnis gleichzeitig auf in- und ausländische Bährungen sowie im Auslande zahlbar gestellt werden. Der Landtag erteilt nachträglich feine Genehmigung dazu, daß für die erwähnten 3wede verfchuß weise insgesamt 70 135 558 m. verausgabt worden sind. zum Anlauf von Domänen wird unverzüglich ein Betrag von 7 Millionen M. zur Verfügung gestellt, der insbesondere für die westlichen Landesteile und in Schleswig- Holstein Berwendung findet. Zur dauernden und vollständigen Unterrichtung des Land. tags über die wirtschaftliche Betätigung des Staates und der ihm eigenen Unternehmungen wird ein zwölfgliedriger Ausschuß eingesetzt. Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff betonie zu der Borlage unter anderem, man wolle teir Dionopol schaffen, sondern im Einvernehmen mit der Privatwirtschaft und den Reichsmerten das Biel verfolgen, das ganze Land mit billigem Strom au verfergen. Bezüglich ber Bergmerte barble es sich um die Umstellung in die Form der Privatwiris aft Abg. Dr. Waentig( Soz.) erklärt die Suftimmung feiner Graf tion zu den Ausschußbeschlüssen. Bei der ungeheuren Bedeutung ber Kraftwirtschaft habe der Staat ein Intereffe baran, die let trizitätswirtschaft au tontrollieren. Abg. Heden( Dnat.) weift unter lebhafter Suftimmung seiner Parteifreunde darauf hin, daß auf dem durch die Borlage beabsich tigten Wege zielbewußt die talte Sozialisierung durchgeAbg. Hermes( 3.) betont die Wichtigkeit des Kontrollausschusses. Abg. v. Richter( DBp.) betont, daß die Berteilung der Summen ben Einzelporlagen porbehalten bleibe, mobei seine Fraktion noch jeweils Stellung nehmen werde. Den Beschluß betr. Einsetzung eines Kontrollausschusses werde die Deutsche Volkspartei ablehnen. Abg. Killan( Komm.) ftimmt grundfäßlich der Vorlage zu. Auch Abg. Fall( Dem.) und Freiherr v. Wangenheim( W. Bg.) stimmen der Vorlage zu. Abg. Weisermel( Dnat.) ertlärt, die Deutschnationalen würden dabei nur um einen Informationsausschuß handelt. dem Kontrollausschuß unter der Bedingung zustimmen, daß es sich Die Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung sowie in der Gegen die Schlußabftimmung einstimmig angenommen. Deutschnationalen und Kommunisten wird dem Finanzminister die bemnität für die vorweg ausgegebenen 70 Millionen bewilligt. Der Kontrollausschuß findet ebenfalls die Zustimmung der Mehrheit. Nächste Sizung Mittwoch 12 Uhr: Städteordnung und fleine Borlagen. Der Aeltestenrat des Landtages beriet am Dienstag über Die Geschäftslage. In den Plenarberatungen soll am 9. Februar eine Bause bis zum 22. Februar eintreten. Man will in dieser Woche die zweite und dritte Lesung der Städteordnung erledigen. Um Montag nächster Woche soll möglichst die auszinssteuer auf die Tagesordnung gelegt werden. Außerdem steht in dieser Boche der Einspruch des Staatsrats gegen das Gesetz über die ein. heifliche Stimmabgabe im Reichsrat zur Erledigung. Die zweite Beratung des Gesetzes über die umlegung im Industrie bezirt wird am 9. Februar auf die Tagesordnung gefeßt werden. Bom 23. Februar will der Landtag wieder bis zum 6. März Blenarligungen abhalten, die Tage vom 7. bis 15. März sollen frei bleiben von Bollsigungen. Dann sollen wieder Plenarsigungen stattfinden vom 16. bis 26. März. Die Osterpause foll sich erstrecken vom 27. März bis zum 13. April. In den Baufen soll besonders der Hauptausschuß sich mit der Vorberatung des Haus halts beschäftigen. Gewerkschaftsbewegung Eine Einladung und eine Antwort. Zur Einheitskomiteemache. Der sogenannte Ortsausschuß Spandau zur Durchführung des Boltsentscheids, dem ausschließlich kommunistische Organisationen angehören, wandte sich mit einem Schreiben, datiert vom 30. Januar, ca den Gesamtbetriebsrat des Siemenskonzerns, in dem er den Gesamtbetriebsrat aufforderte, dem Ortsausschuß beizutreten. Sh dem Schreiben wird der Beschluß der SPD., KPD. und des 2.0GB., wonach jede Organisation ihre Kampagne für den Bolfs. entscheid selbständig führt, als eine„ albheit" bezeichnet und gegen eine Kundgebung des Reichsbanners polemisiert. Der GesamtLetriebsrat des Siemenskonzerns hat unterm 2. Februar dem Orts ausschuß Spandau folgende Antwort erteilt: Das Rundschreiben vom 30. Januar 1926 bezüglich fammengehens in Sachen des Volksbegehrens haben wir erhalten. Bir müssen unser startes Befremden darüber aussprechen, taß man schon wieder versucht, die so großzügig angelegte Bewe. gung in den fleinlichsten Parteikampf hinunter= zuziehen. In Ihrem Schreiben wird ausdrücklich hervorgehoben, daß tie zentralen Instanzen, SPD., KPD. und ADGB., beschlossen haben, getrennt zu marschieren, um dem Kampf um so ficherer einen Erfolg zu sichern. Wie in allem anderen halten wir uns auch in dieser Anges legenheit streng an die Weisungen der für uns in Frage kommenden Gewerkschaften. Der ADGB. it in der Zentralinstanz für das Volksbegehren vertreten und so ift auch unsere Beteiligung an dem einheitlichen Gesamtvorgehen gewährleistet. Jede Einmischung aber von irgendeiner anderen Geite lehnen wir auf das Entschiedenste ab. Diefe Berwirrungstaftit mag für eigennütige politische Umricbe von Borteil fein; niemals aber wird eine große einheitliche Bewegung dadurch gefördert. Falls der RFB. in Spandau selbst in dieser Situation das dringende Bedürfnis hat, sich am Reichsbanner zu reiben, mag er es tun. Bir aber bitten, uns dabei völlig aus dem Spiel zu laffen. Gesamtbetriebsrat: gez. Rögler. Walter. Diese Antwort trifft den Nagel auf den Kopf. Die KPD. foute doch endlich begreifen, daß die Arbeiter nicht so dumm sind, toic fie schlau zu sein glaubt. Wenn die KPD. die Kampagne für Die entschädigungslose Enteignumg der früheren Fürsten weiter jo betreibt, wie bisher, so wird sie sich um den letzten Rest von Kredit bringen, den sie in der freigewerkschaftlich; organisierten Arbeiter fheit vielleicht noch genießt. Der Ladenfchluß in Deutschland. Eine internationale Erhebung. Der letzte Kongreß des Internationalen Bundes der Privatange ellien beauftragte die angeschlossenen Organisationen, für eine internationale Angleidung der sozialpolitischen Ghuggefeggebung für die Angestellten in der Form einzuret, daß die jeweils fortschrittlichsten Bestimmungen überall eingeführt werden. Um einen Ueberblick über die geseglichen und tatsäch fichen Berhältnisse zu gewinnen, wurde das Sekretariat beauftragt, enisprechende Erhebungen anzustellen. Die erste Erhebung ist nunmehr eingeleitet in der Frage des Cobanschlusses. Der dem Internationalen Bunde der Privatengestellten angeschlossene Zentralverband der Angestellten hat in einer Dentschrift über die Verhältniffe in Deutschland, Saar. gebiet und Danzig berichtet. Die Denfschrift ftüßt sich ins. besondere auf eine Erhebung des 3dA., die sich auf 680 Ortsgruppen erstreckte. Nach dieser Erhebung besteht in 94 Städten der Sechsober Sechseinhalb- lhr- Badenschluß. Diese Ladenschlußzeit ist teil reise durch Tarifvertrag vorgesehen, teilweise beruht sie auf örtlichen Gepflogenheiten, teilweise ist fie eine Ber. efnbarung zwischen Angestelltenrat und der einzelnen Firma. Dieser fürzere Ladenschluß gilt teilweise für alle offenen Verkaufs stellen, häufig erstrect er sich nur auf einzelne Geschäftszweige, wie Textilhandel, Waren- und Kaufhäuser, Schuhwaren; im Lebens. mittelhandel sind es vorwiegend die Konsumvereine. Die gefeßlichen Bestimmungen schreiben den Sieben hr= Badenschluß vor, und lassen in beschränktem Umfange Aus. nahmen zu. Die Erhebung des Zentralverbandes der Angestellten zeigt, daß ein Bedürfnis für solche Ausnahmen nicht besteht. In den Tarifverträgen, die für den größten Teil aller in den offenen Berkaufsstellen beschäftigten Angestellten gelten, find solche Ausnahmen nicht vorgesehen; es entfällt damit auch die Möglichkeit weitergehender Ausnahmen durch behördliche Anordnungen. Die Ortspolizeibehörden haben deshalb nur in ganz beschränktem Um fange von ihrer Befugnis Gebrauch gemacht. Auf Grund der Ergebnisse dieser Erhebung des ZDA. wurde im badischen Landtag ein Antrag, der weitergehende Ausnahmen durch Aenderung der Reichsgesetzgebung forderte, abgelehnt. Es wird Aufgabe des angekündigten Arbeitsgesetzbuches sein, die Einführung eines früheren Ladenschlusses durch behördliche Anordnungen zuzulassen, wie es der 3d2. wiederholt angeregt hat. Vor der Londoner Arbeitskonferenz. Die Reichsregierung ist zur Teilnahme bereit. Die offizielle Einladung zu der von englischer Seite angeregten Konferenz über die Natifizierung des Washingtoner Abkommens ift bisher noch nicht in Berlin eingegangen. Die dentiche Regierung hat jedoch vor kurzem in London ihre Bereitwilligleit erflären Jasien, an einer derartigen Konferenz mitzuarbeiten. er die deutschen Vertreter sein werden, ist einstweilen ungeflärt. Insbesondere ist noch die Frage zu lösen, ob neben Delegierten der Regierung auch Arbeitgeber und Arbeitnehmerbertreter hinzu gezogen werden sollen. Zum Teil dürfte dies auch von der Form der bisher noch nicht bekannten Einladung abhängen. Die Not der Transportarbeiter der Zigarettenindustrie. Die in der Groß- Berliner Zigarettenindustrie beschäftigten durch Transportarbeiter, die das Tabalsteuergesetz meistens arbeitslos wurden oder schon seit Monaten verfürzt arbeiten, haben in einer gut besuchten Versammlung im Gewerkschaftshaus ibre Gruppenleitung neu gemählt und alsdann einen Bortrag über die Lage in der Zigarettenindustrie entgegengenommen. Der Referent wies im besonderen darauf hin, daß von einem dauernden Arbeitsverhältnis in dieser Industrie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht gesprochen werden kann. Geradezu tatastrophal haben sich die Dinge jetzt ausgewirkt. Nachdem ein Teil der Betriebe vollständig geschlossen, werden in den übrigen Unternehmungen immer noch weitere Entlassungen vorgenommen, so daß fich eine gemaltige aber auch berechtigte Erregung bemerkbar macht. Der Artikel III des Tabaffteuergesetzes, der vorfieht, daß die infolge des Tabaksteuergesehes durch Kurzarbeit geschädigten Arbeitnehmer Interftüßung aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge erhalten, ist von den hier bestehenden 20 Berwaltungsbezirken überall verschieden gehandhabt worden, so daß die Beteiligten von einer Stelle nach der anderen gefchickt wurden, ohne Unterftüßung zu erhalten. Biele haben es aufgegeben, sich weiter zu bemühen, was auch der Zweck der Uebung zu sein scheint. Weiter wurde fritisiert, daß Ausführungsbestimmungen erst drei Monate inäter erlassen sind und dies auch erst auf Drängen der Gewerkschaften. Charakteristisch ist dabei, daß Finanz- und Arbeitsministerium darüber stritten, welches Ministerium dazu befugt ist. Erwartet wird ,, daß das Unrecht, welches man den in Mitleidenschaft gezogenen Arbeitnehmern zufügt, durch den von der Sozialdemofratischen Bartei eingebrachten Antrag, die im alten Tabaffteuergesetz geltenden Bestimmungen wieder einzuführen, durch Annahme im Reichstag wieder gut gemacht wird. Eine Resolution, die mit aller Schärfe dagegen protestiert, daß den davongelaufenen Fürsten Entschädigungen gewährt werden, sondern alle verfügbaren Mittel den erwerbslosen Arbeitern, Angestellten, Kriegsbeschädigten und Witwen zur Verfügung zu stellen, fand einstimmige Annahme. Die Beratungen des Internationalen Arbeitsamts. Der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts sprach sich in seiner Schlußfizung mit 13 gegen 10 Stimmen für die Deffentich feit der Sigungen aus, mit der Beschränkung, daß jederzeit die Sigungen als nicht öffentlich erklärt werden können, wenn dies von der Mehrheit der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmergruppe oder von einem Regierungsvertreter verlangt wird. Sodann beschloß der Rat, bei der Arbeitskonferenz zu beantragen, eine Sonderfommission einzusetzen, welche die Möglichkeit einer aus giebigen Berwendung der von den Regierungen über die Durch führung der von ihnen ratifizierten Konventionen gemachten Mitteilungen prüfen soll. Der britische Regierungsvertreter sprach über die bevorstehende konferenz der Arbeitsminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Belgien zur Prü fung der Möglichkeit einer gleichzeitigen Ratifizierung des Abkommens über den Achtstundentag. Die britische Regierung wird unverzüglich die nötigen Anordnungen treffen, damit die Konferenz in naher Zeit zusammentreten kann. Das Gesuch der Arbeitgebergruppe betreffend den Konventionsentwurf über die Nachtarbeit in den Bäckereien, der darauf abzielt, die Frage der Zuständigkeit der internationalen Arbeitsorganisation hinsichtlich der Regelung der persönlichen Arbeit der Meister dem Internationalen Ständigen Gerichtshof zu unterbreiten, wurde in folgender Form an den Bölkerbundsrat weiter. geleitet: Ist die Internationale Arbeitsorganisation zuständig, eine Regle mentierung auszuarbeiten und vorzuschlagen, welche zur Sicherung des Schutzes der Lohnarbeiter gleichzeitig auch die von den Meistern geleistete gleiche Arbeit umfaßt? Die nächste Session wurde auf den Monat April festgesetzt. Gegen die Lohnpolitik der Reichsbahn. Köln. 2. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Ortsgruppe Köln des Einheitsverbandes der Deutschen Eisenbahner hat in einer Entschließung threr Entrüstung Ausdrud gegeben über das Verhalten der Hauptverwaltung der Reichsbahngefellschaft gegenüber dem ergangenen Schiedsspruch. An den Reichs arbeitsminister wird die Aufforderung gerichtet, nichts un versucht zu lassen, um der Reichsbahngesellschaft die nötige Achtung vor den Reichsgesetzen beizubringen, und die Beachtung des ergangenen Entscheides zu erzwingen. Zu diesem Zwecke soll alles daran gefeßt werden, um die gewerkschaftliche Organisation zu stärken und zu notwendigen Kämpfen zu rüsten. * München, 2. Februar.( TU.) In einer Versammlung des baye rischen Eisenbahnerverbandes wurde eine Entschließung angenommen, die das gesamte Eisenbahnerpersonal zu geschlossener Abwehr dagegen aufruft, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft sich weigert, den im Lohnstreit gefällten und verbindlich erklärten Schiedsspruch anzuerkennen. Außerdem wird nachdrücklich Einspruch gegen die beabsichtigte Beseitigung der Unwiderruflichkeit für die Beamten der Besoldungsgruppen I bis IV sowie gegen die syfte. matische Aushöhlung des Berufsbeamtentums erhoben. Menschenopfer unerhört... Bochum, 2. februar.( Eigener Bericht.) Die jüngste Explosions. fatastrophe auf Zece„ Bismard", die am vergangenen Sonnabend wieder neun Opfer forderte, lenkt die Aufmerfiamfeit auf die Schreckensziffern der Unfallstatistik des deutschen Bergbaues. Mit Entfegen vernimmt man die Zahlen der Unglücksfälle und Todess opfer, die der Ruhrbergbau im Jahre 1925 verzeichnet. Fait 75000 Bergarbeiter wurden verlegt, mehr als 1000 getötet. Bon den Toten waren rund 660 verheiratet und 340 ledig. Rentralverband ber Schuhmacher. Heute nachmittag 5% Uhr allgemeine Mitgliederversammlung bei Boeker, Weberstr. 17. Ohne Mitgliedsausweis fein Zutritt. Berantwortlich für Bolitik: Ecnft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Gonlines Frik Karllabt: Anaciaen: Th. Glone; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wifen. Underbery Semper tha Ven Jahoe 20 Gar grüngsten R Thresht Gegründet 1846. Underberg Albreakt Badoers in Abeleters Adniger Fabrian des Semper ide Underberg Das Publikum, welches meine Ware kaufen will, verlangt nicht immer ausdrücklich ,, Underberg", sondern Boonekamp oder echten Boonekamp und glaubt, besonders im letzteren Falle, dass ihm dann mein Fabrikat ,, Underberg" geliefert werden müsse. Diese Auffassung ist irrig. Das Wort„, Boonekamp" ist Freizeichen und kann deshalb von Jedermann gebraucht werden. Darum bringe ich seit dem 14. Oktober 1916 mein Fabrikat, dessen Zusammensetzung streng gewahrtes Geheimnis meiner Firma ist, nur noch unter der Warenbezeichnung Underberg in den Verkehr. Die Warenbezeichnung ,, Underberg" und der Wahlspruch ,, Semper idem" sind mir gesetzlich geschützt. Unter diesen Bezeichnungen darf daher nur mein Fabrikat feilgeboten oder verkauft werden. Ausserdem sind mir auch Ausstattung, Etikett und Vignette meines Fabrikats( vergl. nebenstehende Abbildung) geschützt, und zwar sowohl in ihrer Gesamtheit, wie in den charakteristischen Einzelheiten. Die Fabrikation des„ Underberg", welcher aus den edelsten Kräutern und feinstem Weinsprit hergestellt wird, erfordert viele Monate. Derselbe ist deshalb nicht mit anderen Bitterfabrikaten, speziell mit solchen, welche aus Essenzen hergestellt und in 1-2 Tagen trinkfertig sind, zu vergleichen.„ Underberg" bildet eine Klasse für sich. Sein Wert liegt in der einzig dastehenden, anerkannt vorzüglichen Qualität, die seit der Gründung im Jahre 1846 stets dieselbe geblieben ist, getreu seinem Wahlspruch Semper idem Bei Magenverstimmungen und Verdauungsstörungen hat sich ,, Underberg" seit beinahe 80 Jahren als wirksamstes Hausmittel bewährt. Underberg" sollte in keiner Familie fehlen. Man verlange stets ausdrücklich ,, Underberg". H. Underberg- Albrecht in RHEINBERG( Rhld.) Lager: Berlin SW 48, Friedrichstr. 237. Telephon: Lützow 3073. Gegründet 1848. Nr. 55 ♦ 45. Fahrgang 7. Sellage ües vorwärts Mittwoch, 5. Jebruar 1H2ö l Gegen öie Auspowerung Serlins. Ungerechtigkeiten des Finanzausgleichs und der Hauszinssteuerverteilung.— Die Stadtverordnetenversammlung unterstützt einmütig den sozialdemokratischen Protest Kann die Stadt Berlin länger die Derschlechterung der Go- meindefinanzen ertragen, die mil dem Finanzausgleich über sie ge> kommen ist? Kann sie länger mit ansehen, dah bei der Verteilung der Houszinssteuer die Berliner aufs schwerste benachteiligt werden? Die Stadtverordnetenverfammlung hat gestern dem von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Antrag, der zum P rote st gegen diese Ungerechtig. keit aufrief, einmütig zugestimmt. Unser Genosse Reuter. der den Antrag begründete, wies überzeugend nach, welche Wir- kungen auf die e u e r p o l i t i k der Stadt sich aus solchen Benachteiligungen ergeben müssen und wie sehr durch sie die Stadt. Verwaltung in der Erfüllung ihrer Aufgaben behindert wird. Stadt- kämmerer Ä a r d i n g machte aufsehenerregende Mitteilungen über die Unzulänglichkeit der Steuereinnahmen und unterstützte die in dem Antrag aufgestellte Forderung einer gerechten Der- teilung der Steuermittel. Mit den Antragstellern waren die Redner aller Fraktionen darin einig, daß es nicht so weiter gehen kann. Selbst die rechtsstehenden Parteien, die sonst bei allen der Stadt Berlin bereiteten Erschwerungen schadenfroh schmunzeln. schlössen sich dieser Protestkundgebung an. » Die gestrige außerordentliche Stadtverordnetenversammlung wurde vom Borsteherstellvertretcr Fabian mit einem Nachruf für den verstorbenen Slodtverordneten Genossen August Schmidt «rössnet. Genosse Schmidt ist in der Oeffentlichkeit weniger hervor- getreten, er hat aber in den verschiedensten Ausschüssen und Depu- tationen in erfolgreicher Weise die Interessen der arbeitenden Be- völkerung vertreten. Die Versammlung ehrte dos Andenken in der üblichen Weise.— Anschließend gedachle Fabian der am Sonntag erfolgten Befreiung des Rheinlandes von der Be- s e tz u n g. Ohne Debatte und Widerspruch wurde dann die aus Aistrag unserer Fraktion vom Magistrat vorgelegte Vorlage, d i« Hilfsmaßnahmen für die erwerbslose Jugend vor- sieht, angenommen. Genosse Reuter begründete einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der den Mogistrat und die Berliner Vertreter im Deutschen Städtetag auffordert, mst größter Energie gegen die Hetze gegen die Großstädte auf- zutreten und für eine gerechtere Verkeilung der Steuermittel bei den Regierungen und Parlamenten zu wirken, damit Berlin seinen sozialen kulturellen Aufgaben gerecht werden kann. Der Sprecher unterer Fraktion betonte, daß die Sonder- behondlung Berlins bei den verschiedenen Finanz- ausgleichsgcsetzcn ein Maß erreicht Hobe, das die Grenzen des Erträglichen weit übersteige. Er wies serner auf die ungeheure Ungerechtigkeit des Verteilungs- schlüssels bei der Houszinssteuer und bei den E r t r ä g- visse n der Automobil st euer hin. Die gegen Berlin ge- richtete feindliche Politik der Parlamente ist ein Erfolg, dessen sich unsere sogenannten Wirtschaftstreife rühmen dürfen. Dieser Erfolg kommt der Winschah aber teuer zu stehen. Er führt nur dazu, daß die Stadt gezwungen wird, ihre eigenen Steuern und Ab- gaben immer stärker anzuspannen. Die Verhandlungen über die Neueiizsuhrung der Wcgeabgabe sind ein treffender Beweis für die K u r z s i ch c i g k e i t und Widersinnigkeit der Taktik, die die Wirtschaft im Kampf gegen vertln eingeschlagen hat. Die Industrie schneidet sich damst nur selber ins eigene Fleisch. Es ist das einmütige Zusammenstehen der ganzen Stadtverordnelenoersammlung und eine Aufrüttelung der öfsent- licben Meinung notwendig, um endlich das Steuer wieder herumzn- reißen und zu verhindern,' daß die Entwicklung des größten deutschen Industriezentrums durch eine Ausnahmegeseggebung gegen Berlin künstlich einaelcbräntt wird. Pom Magistrat antwortete Siadtkämmerer Sarding: Er be- dauerte, daß dieser Antrag der Sozialdemokraten erst letzt komme, da dicte Frage schon lange akut ist. Er bestätigte im vollen Umfange die Ausführungen des Genossen Reuter. Berlin hat im laufenden Rechnungsjahr beispielsweise im ersten Quartal eine Steuerein- nähme von Millionen gehabt. Dieser Betrag senkte sich im nächsten Quartal auf 75 und im dritten Quartal aus 68 Millionen Mark. Dos sind 20 Millionen Steuereinnahmen weniger. Im ganzen werden es etwa 23 bis 25 Millionen steuerliche Ein- nahmen weniger sein, als im Vorjahr. Dieser Ausfall muß natürlich auf eine andere Art und mit anderen Mitteln ausgeglichen werden: eine starke Steigerung der städtischen Steuern ist unabwendbar. Berlin hat sich stets im Rahmen der ihm anempfohlenen Sparpolitik bewegt und trotzdem wurde es steuerlich ständig gedrückt. Von der in Berlin aufgebrachten Hauszins st euer oerbleibt der Stadt nur ein Drittel, von der Krastwagensteuer ein so lächerlicher Betrag, daß es ehrlicher wäre. Berlin überhaupt alles zu entziehen. Der Kämmerer schloß: Es gibt Grenzen an der Benachteiligung Berlins, die allerdings längst überschritten sind. Die Einsicht, daß diese Berhältnijje baldigst behoben werden müssen, wird den betreffenden Behörden allerdings so schnell nicht kommen. Berlin soll für die Hunderttausende Erwerbsloser i o r g e n. Berlin soll und will Häuser bauen. Durch die Finanzgebarung von Reich und Staat wird aber der Stadt jede Möglichkeit dazu genommen.(Zustimmung.) vtadto. Steiniger (Dnat.) bemängelte den Standpunkt der Regierungen, daß die Be- völkerung der Städte steuerlich leistungsfähiger sei als die sonstige im Lande. Vor allem müsse im Landtag für eine Veslerstellung Verlins gesorgt werden. Steiniger erklärt die Zustimmung seiner Freunde und bringt einen Zusatzantrog ein, daß auch auf die Berliner Vertreter in den Parlamenten eingewirkt werden soll.— Die Redner der anderen Fraktionen stimmen dem Antrage ebenfalls zu.— Im Schlußwort gab Genosse Reuter seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß der sozialdemokratische Antrag so einstimmige Zustimmung gefunden hat. Er betonte, daß er mst Absicht jede Polemik gegen die Wirtschaft oermieden habe, um eine möglichst einwandfreie Stellimgnahme der Versammlung�zu erreichen. Es reizt zwar, gegenüber gewissen Ausführungen Steinigers auf die Deutsch rist des Reichsverbandes der deutschen Industrie einzugehen, er wolle da» aber unterlassen.— Der Dorsteherstellvertreter stellte die einmütige Annabme des Antrages fest. — Der Kommunist Luscher vertrat einen Antrag seiner Fraktion wegen der Zustände aus den Arbeitsnachweisen der gostwirtschastlicheu Arbeitnehmer. Die hygienischen Zustände seien äußerst mangelhaft, besonders in der Tieckstraße. Darüber hinaus wird eine Zusammenfassung der vielen oaslwirtschafllichen Nachweise und die Konzessionsentziehung der vielen Winkelnachweise gefordert. Stadtrat Genosse Brühl er- klärte, daß die Unterbringung der vielen Nachweise auch dem Mogistrat nicht gefalle. Jedoch seien seit Monaten Bestrebungen zur Schaffung geeigneter Räume im Gange. Genosse klrich forderte eine Derbesierung der hygienischen Zustände auf den Nachweisen, die oft jeder Beschreibung spotten. Die Nachmeise machen teilweise einen tro st losen Eindruck, deshalb sollte der Magistrat so bald als möglich geeignetere Räume finden. Urich fragt den Magistrat, wes- halb jetzt, ein Jahr nach der Annahme eines diesbezüglichen An- trage», noch immer nicht die damals geforderte Neueingruppierung der Nachweisangestellten durchgerührt jei. Die Abstimmung über den Anrtag wurde auf Donnerstag vertagt. Im Dezember vorigen Jahres hatte die sozialdemdokratische Fraktion den Antrag eingc- bracht, den Konigsplatz in »Blaß der Republikumzunennen. Genosse Czemlaskl begründete ihn kurz, indem er auf die geschichtliche Bedeutung des Platzes bei der Ausrufung der Republik hinwies. Die Umbenennung hätte auch schon mit Rücksicht auf die Gleichnamigkest vieler Berliner Plätze längst durchgeführt sein können.— Göbel(Komm.) forderte in einem Antrage die Be- zeichnnug„Platz der Revolution-, Der Höhepunkt der Debatte— natürlich nicht etwa in geistiger Beziehung— wurde durch die„Rede- des bekannten deutschnationalen Pastors koch erreicht. Heber den Inhalt seiner Rede sind die Zuhörer stets schon beim Beginn unterrichtet, so daß er sich immer nur Mühe gibt, durch schnoddrige Bemerkungen zu provozieren.— Dose(Dem?) stimmt« namens seiner Freunde dem Antrag zu. Der Fraktionsgenosse Herrn Kunzes, Kaufmann houoetle, wurde von den Kommunisten mst dem Zuruf empfangen: J)at der Mann eine jüdische Nase!- (Schallcndcs Gelächter.) Der Redner tobte gegen die Revolution und die Republik, oft von dem stürmischen Widerspruch der Linken unterbrochen. Das Ende seiner„Rede- wurde mit„HeU rufenbegleitet. Genosse Ezeminskl rechnete im Schlußwort mit Postor Koch gehörig ab. Unser Genosse hiest Koch vor, daß es sein Beruf zu sein scheine, bei jeder erdenklichen Gelegenhest die Republik in den Schmutz zu ziehen, dieselbe Republik, von der er, ohne daß ihm die Schamröte»ins Gesicht steigt, dos Geld nimmt. Er kennzeichnete eine gewisse Sorte von Beamten, die früher vor Demut auf dem Bauch lagen,»nd sich nun in ibrem Haß gegen die Republik nicht zu losten wissen. Die Ausführungen Kochs lagen unter dem Niveau, aus dem anständige Menschen miteinander verkehren. Das kennzeichne den Gostesdiener ebenso wie den Menschen. Der Redner bot um Annahme des Antrages, koch entgegnete in seiner Art.— Die Abstimmung findet erst am Donnerstag stall: die Rechte hat namentliche ASstimmung beantragt.— Bor fast leerem Hause be- gründete dann noch Raddah(Komm.) mehrere Anträge seiner Fraktion, die die Aufhebung des Kost- und Logiszwanges in den städtischen Anstalten, eine Gewährung von Arbeits, und Schutzkleidung in den Krankenpflegeanftallen und die Einführung der 48-Stunden-Woche in Form de» u n g e t e i l t en Achtstundentages verlangen. die öerliner Mete. Erhöhung für Februar und ZNärz. Bekanntlich hatte der preußische Minister für Volkswohlfahrt eine Erhöhung der gesetzlichen Miele für Preußen zum 1. Februar nicht eintreten lasten wällen. Es besteht aber bereits seit längerer Zell eine Verfügung des Ministers, daß die gemeindlichen Zuschläge zur Grundoermögcnsteuer, soweit sie 100 Proz. der staatlichen Grundvcrmögenssteuer überschreiten, aus die Miel er umgelegt werden rönnen. In Anweirdung dieser Ver- ordnung hatte der Berliner Magistrat unter 24. Dezember v. I. seine Bekanmmachung zur Mietzinsbildung dahin geändert, daß auch in Berlin die Zuschläge zur Grundvormögenssteuer, sswsst sie 100 Proz. übersteigen, von den Hausbesitzern auf denJDlieter umgelegt werden können. Infolge der Finanznot der Stadt Berlin halben alsdann die städtischen Körperschaften beschlossen, die Grundvermögens st euer von 100 Proz. auf 112'/- Proz. monatlich rückwirkend vom 1. April 1025 ab zu erhöhen. Da aber ein- rückwirkende Mieterhöhung nach § 11 RMG. nicht zulässig ist, versagte der Minister dem Gemeinde- beschluh seine Genehmigung. Das Endergebnis der Verhandlungen zwischen Magistrat und Ministerium war der Beschluß, daß der Zuschlag zur Grundvermögenssteuer für xzebruar d. I. um 200 Proz. und für März auf 1.5 0 Proz. festgefetzt wurde. Demnach können die Hausbesitzer für Februar 100 Proz. und für Mörz 50 Proz Zuschlag zur Grundvermögens- steuer noch dem Verhältnis der Friedensmieten auf die Mieter des Hauses umlegen. Das bedeutet, daß die Februormiete im Wege der Umlage durchschnittlich um 4 Pro z.,� die M ö r z m i e t e durchschnittlich aber nur um 2 Proz. erhöht wird. Bedauerlicherweise werden viele Mieler, namentlich die Er- werbslosen, durch die Bestimmung hart betrossen, um so mehr müssen diese sich nun darum bemühen, daß der Vermieter sür sie den A n trag aus Stundung der Hauszins st euer stellt. Nm den Ttadtbaurat. Unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Geheimrat Detthleffsen trat am Dienstag vormittag der Stadtoerordnetenausschuh zur Vor- bcrestung der Wahl eines Sladtbaurotes für Hoch- und Städtebauwesen, an Stelle des Stadlbnurates Geheim- rat H o f f m a n n, zusammen. Nach längerer Beratung wurde beschlossen, von den gemeldeten Bewerbern fünf Herren zur 821 Die Passion. Roman von Clara Diebig- (Schluß.) Am Abend hörte Eva plötzlich ein Geklirr, ein Gepolter. Das schreckte sie auf. Sie hatte eine Stunde auf ihrem Bett geruht. Darin war das Fräulein immer sehr nett, sowie ihr nicht gut war, mußte sie sich hinlegen. Nun fuhr sie auf. Herr Zlli-heim mußte gekommen sein: sie hatte ihn nicht auf- schließen hören, aber nun lauschte sie ängstlich in den Flur: der tobte drinnen mit ihr! Die Männerstimme, die Frauen» stimme schrien so laut gegeneinander an, man mußte jedes Wort hören. Er machte ihr Vorwürfe:„noch spionieren— unverschämt!" Eva zog ihre Kammertür wieder zu: nein, nein, sie wollte nichts hören! Aber nun wurde drüben die Tür des Zimmers aufgerissen, Herr Alsheim brüllte:„Raus mit dir! Hier ist m e i n e Wohnung, du hast gar nichts darin zu smlien!" „Doch hob' ich das!" Sie schien sich zu widersetzen. Er hatte sie wohl am Arm gepackt, sie kämpften! Eva börte es stampfen, schleifen über den Korridor. Was sollte sie tun? dem Fräulein zu Hilfe eilen? Sie wollte gern hellen, aber sie konnte ia nicht, durch ihr Herz fuhr plötzlich ein S ich. Die Arme sanken ihr schlaff. Das war immer so: wenn das Herz aussetzte, dann wurden die Arme wie gelähmt. Sie stand in hilllosem Zittern. Ach, wie töricht, wenn die doch still wäre! Aber sie schrie immerfort:„Zch zeige dich an. ich Zeige dich an!" Jetzt— Eva fuhr entsetzt zusammen— jetzt hatte er sie wohl gar ins Eesicbt geschlagen!? und jetzt sie auf den Boden geworfen! Sie hörte das Fräulein wimmern. D°e Zimmertür krachte zu. Aber Eva hörte nichts weiter mehr, sie war a„f jhx Bett zurücknekonmelt. Schlief sie, trä"mte sie? S'e war doch schon wieder bei sicb. Nein, sie mußte wohl noch träumen! Eva rich'ete sich mühsam auf, ihre Augen blin-elken. Nun öllneten sift die ganz ftarr, wie vor Staunen aufgerissen: da stand Fräulein Frid"! Stand da in dem duftigen NegligS. das sie besonders gut kleidete, da? Haar schön' frillert. die Stirnlöckchen frisch gebrannt, das Gesicht, das heute zerstört gewesen war vom vielen Weinen, jetzt glatt, sehr gepudert. Sie hatte auch Rot aufgelegt. Ihre Augen funkelten noch erregt, aber nicht böse mehr. Und sie war auch nicht traurig mehr, sie war ganz vergnügt, ihre Stimme klang hell:„Eva, geschwind, machen Sie nur schnell! Wir feiern heute abend Verlobung." Sie lachte.„Nun Hab' ich's endlich doch durchgeletzt. Morgen schon bestellt er das Aufgebot. Ach. Eoa"— sie kam näher an das Bett und streckte die Hand hin:—„Es war ein harter Kampf. Aber nun, nun gratulieren Sie mir!" Eva murmelte etwas Undeutliches und zog sich die Decke ganz über den Kopf. „Ihnen ist wohl nicht gut?" „Nein." „Können Sie nicht aufstehen?" ..Nein." „Ach, wie dumm!" Das Fräulein war erst etwas ärger- lich; nun hatte sie alle Arbeit, aber dann besann sie sich: es war vielleicht ganz gut so, wenn sie allein ihm alles nett machte.— Eva blieb liegen: das Licht, das das Fräulein angeknipst hatte, knipste sie wieder aus. So lag sich's besser im Dunkeln und dachte sich!? auch besser. Nun war es aus hier. Es ekelte sie. Sie machte müde die Augen zu. und obgleich ihre Lider geschlossen waren, sah sie doch. Es traten Gestalten in ihre Kammer, liebe Gttftalten, aber heut drängten sich auch andere da'wischeru die Tante, Frau Lämmlein, noch manche, sie kannte nur ihre Namen nicht mehr— und da, da war auch wieder der Mann, der sie einstmals geängstigt hatte. Nein, Männer, viele Männer. Die lagen im Mollsaal, wo sie ein- mal mit Lenchen gewesen war. S'-e lagen in Betten, d'e keine Betten waren, sie schwatzten durcheinander— horch, wirres Getöse! Es rauschte in Evas Ohren. Der da, der in jener Ecke — o, der faßte, plötzlich aufsckireiend. nach ihr. Aber fte fürchtete sicb jetzt nicht mehr vor ihm. Der arme Mann! Sie trat neben ihn. leg�e ihre knfte Hand sanft auf seine olühende, verw'rrte Stirn:. Schlägel" N"n möchte sie muh scblafen. Eva legte sich beruhigt auf ihrem Kissen zurecht. „Ich weiß nicbt, wie merkwürdig das Mädchen oft ist," sagte drinnen Frä'llein Frida zu ibrem Herrn Alsheim. .Leute abend war sie direkt verwirrt." „Stell auf alle Fälle den Gashahn im Korridor ab. Man kann bei so verrückten Fra"en'immern nie wissen! Wir wer- den sie jedenfalls nicht als Mädchen behaften. Na. laß man, Schatz, prost!" Herr Alsheim zog die zukünftige Frau Als- heim auf leinen Schoß. Und sie legte den Ann um seinen Nacken.. Es war lange nach Mitternacht, als Eva aufwachte. Sie war eben bei ihrer Mutter gewesen. Ach, sie hatte doch nur geträumt! Das war aber schade. Und was tat sie nun? Das wußte sie jetzt. Sie kletterte behutsam aus chrem Bett. Daß nur niemand sie hörte! Aber es war still, ganz wunderbar friedvoll still. Mondlicht zitterte zu ihr in die Kammer, spielte ihr auf den nackten Füßen: weih und makellos standen die auf der Diele, kleine zarte Füße im Mondschein. Ohne zu knarren öffnete sich die Kammertür nach der Küche, die hatte sonst immer widerwillig gequietscht, heute gab sie lautlos dem Druck nach. In die Küche schien der Mond ganz ungehindert hinein, da waren keine Gardinen. Es stand noch allerlei vom Abendessen herum, aus dem Gasherd eine geleerte Sektflasche. ein Tablett mit Geschirr und verschiede- neu Resten. Eva schob alles achtlos weg, sie hörte es nicht, wie Gläser und Teller klirrten. Sie löste den Gasschlauch von der Schraube des Kochers—- hah, da strömte es ja schon heraus! i Sie kniete nieder, führte durstig den Gasschlauch an ihren Mund— o, trisiken, trinken! Tief atmend zog sie den Gas- geruch ein. Er war ihr heute nicht widrig. Er legte sich, immer mehr zusammenschnürend, ihr auf den Hals— hah. das war schon die Hand des Todes, die auf ihre Kehle drückte! „Komm, lieber Tod, komm!" Aber er war es doch n'cht gewesen. Das Gas hatte auf- gehört zu d"nsten, sein betäubender Atem drang nicht mehr aus dem Schlauch. Wa? war das?! Umsonst?! Sollte es wieder umsonst sein?! Eva fühlte eine namenlose Ent- täuschung, eine ungeheure Aufregung bemächtigte sich ihrer: wollte der Tod denn noch nicht kommen, hatte sie ihn wieder umsonst gerufen? „Mutter, Mutter!"„Vater!" Sie rief nach ihnen. Taumelnd richtete Eva sich aus, halb betäubt wankte sie zum Fenster, instinkttv riß sie es auf. Himmlische Luft strömte herem. himmlische Klarbeit. Eva sank auf die Knie nieder, sie konnte nicht stehen mehr. Sie sah noch den Mond— und da. freundliche Sterne, sonnenbeglänzte Wege in blumigem Garten! Und da— da tat sich der Himmel jetzt auf! Himmlische Ruhe, versöhnender Friede. Es war vollbracht. Das war überwältigend. Mehr als Freude war das. Ein Glück, zu groß für ein Menschenherz. Allzu groß für das kranke Herz von Eva Wilkowski. Der Tod stand schon hinter ihr, er nahm sie sanft In den Ann. nächsten Sigung einzuladen, damit fie fich vorstellen und jeder einen Bortrag halten fönne. Außerdem sollen die Herren gebeten werden einige Arbeiten einzureichen, und eventuell Stellung zu nehmen zu den jetzt zur Beratung stehenden neuen Sagungen für das Bauwesen der Stadt Berlin. Borgeschlagen murden die Herren Bizepräsident der Preußischen Bau- und Finanzdeputation Benno Kühne. Berlin, Regierungsbaurat Martin Kießling Röln, Baurat Körner Essen, Baurat Schmidt Effen und Stadtbaurat Paul Wolf Dresden. Die Berliner Notstandsarbeiten. Besprechungen mit der preußischen Regierung. Der Minister für Volkswohlfahrt hat auf dringende Bor stellungen des Magistrats für heute, Mittwoch, vormittags 10% Uhr, eine Besprechung im Ministerium anberaumt zwecks Er örterung der Anträge der Stadt Berlin auf Förderung: 1. Der Buschüttung des Luisenstädtischen Kanals, 2. des Baues der AEG. Schnellbahn, 3. der Errichtung von Sport und Spielplägen, 4. besonders geeigneter Hoch- und Ingenieurbauten mit 80 Broz. der Gesamtkosten. Auch die preußischen Minister des Innern, der Finanzen und für Handel und Oberpräsident sowie ein Bertreter des Reichsarbeitsministeriums an der Besprechung teil. Der Magistrat ist durch den Oberbürgermeister, den Stadttämmerer sowie die Stadträte Brühl und Wuzfy Jowie den Stadtbaurat Hahn vertreten. Wegen der entscheidenden Bedeutung der Besprechung hat der Magistrat seine heutige regel mäßige Mittwochfizung schon für 8% Uhr morgens angefeßt und wird noch in dieser Woche am Sonnabend eine außerordentliche Magistratsfizung abhalten. hatte, mit solcher Kunstfertigkeit um den Oberleib band, als ob er diese Prozedur an einer Bersuchsperson vorher forgfältig eingeübt hätte. Als der mit Säden umwundene Kläger seine Kleidung wieder angelegt hatte, zeigte sich der schlanke Mann so unförmlich ge. schwollen, daß man kaum annehmen kann, er habe in diesem Zu stande der Aufmerksamkeit des Pförtners entgehen können, der die Hinausgehenden scharf zu beobachten und Berdächtige zu untersuchen hatte. Ein Zeuge erflärte es auch als unwahrscheinlich, daß jemand wochenlang unbemertt Säde aus dem Fenster werfen und mitnehmen fönne. Andererseits murde festgestellt, daß zur fraglichen Beit tatsächlich eine größere Anzahl von Säcken verschwunden ist und daß der Kläger aber nicht er allein- Zutritt zu dem Lager: raum der Säde hatte. Angesichts der Sachlage und der Unmöglichfeit einer reftfofen Aufklärung riet das Gericht zu einem Vergleich, der denn auch dahin zustande tam, daß die Firma dem Kläger, der eine Ent fchädigung von 289 M. gefordert hatte, eine solche von 130 M. zahlt. Im Zeichen der Sterne. Endlich wollten alle betrogen sein! An das Astrologische Institut, Berlin, Poft amt 33, Boft 1 bis zum 1. Ottober zu zahlende Buße von 5000 m. Der Staats anwalt legte fofort gegen dieses Urteil bei der Großen Straffammer des Landgerichts I Berufung ein. Die verräterischen Fußtapfen. Zuchthaus für einen Zwanzigjährigen. Der Artist" Harry Stanislaus Sachmilewski, ein Bursche von jezt erst 20 Jahren, war erst im Herbst nach Berbüßung einer einjährigen Gefängnisstrafe, die er wegen verschiedener Einbrüche erhalten hatte, wieder in Freiheit gesetzt worden, als er auch schon sofort wieder seine alte Tätigkeit aufnahm. Er führte ein sehr flottes Leben, hatte mehrere Freundinnen, denen der Artist" imponierte. Er war Befizer eines Motorrades und hatte in seinem Kleiderspind mehrere Pelze und 12 Anzüge. Gewerbe find zu der Besprechung eingeladen. Ferner nimmt der I agernd." Diese für reelle Geschäftsunternehmen immerhin etwas aufzusuchen. Da man bei ihm nichts Berdächtiges fand, wollte die Das letzte Opfer aus der Kirchstraße 9. Gestern nachmittag wurde im Krematorium in der Gericht, straße die Leiche des bei der Explosionstatastrophe Kirchstraße 9 tödlich verunglückten Kaufmanns Gustav Krey unter größerer Beteiligung eingeäschert. Nachdem seiner Zeit von dem größten Teil der Leidtragenden eine Anregung des Bezirksamts Tiergarten, die Toten gemeinsam zu bestatten, abgelehnt worden war, ist mit Krey der legte der Verunglüdten bestattet worden. Wie mir noch erfahren, ist ein Ausschuß gewählt und eingesetzt worden, der zusammen mit den Behörden die Versorgung der Hinterbliebenen regelt und die Verteilung der eingegangenen Spenden vornimmt. Auf Anfrage aus dem Kreise der Bewohner von Häusern der Kirchstraße, die dem Unglückshause gegenüber liegen, teilt die SP D.Bezirksverordnetenfraftion des Bezirks Tier: garten mit, daß nach ihrer Auffassung auch Geschädigte aus anderen Häusern der Kirchstraße Anspruch auf Entschädigung haben, sofern sie von der Katastrophe betroffen murden. Entsprechende Anträge mären beim Bezirksamt Tiergarten, Klop. stod straße 24, zu Protokoll zu geben. Gefälschte Eintrittskarten. Eine recht beträchtliche Nebeneinnahme hatte sich der Hilfs falfierer Br., der am Adlerportal des Zoologischen Gartens befchäftigt mar, zu verschaffen gewußt. Unter Mitwirkung eines Kellners B. hatte er eine Reihe Blods von Eintritts: farten nachdrucken lassen und am Schalter verkauft. Außer dem aber hatte er auch weggeworfene Eintrittskarten aufgesammelt und sich den Zeitpunkt zunuze gemacht, daß er während der Bause des Kontrollbeamten auch gleichzeitig deffen Aufgabe mit verfah. Dedurch mar es ihm ein Leichtes, tie schon benutzten Eintrittsscheine noch einmal auszugeben. Diese Sammeltätigkeit übte er früh morgens aus. Da es aufgefallen mar, daß er schan se früh im Zoologischen Garten erschien, hatte er angegeben, daß er selbst eine Brunnentur mitmache. Direktor Heitmann vom 3oologischen Garten berechnete den Schaden auf mehrere tausend Mart. Auf die Spur war man dem Angeflagten durch einen 3ufall gefommen. Die reichen Nebeneinnahmen hatten ihn übermütig gemacht. In seinem Stammlokal veranstaltete er mehrmals große Settgelage. Seine eigenen Stammtischfreunde schöpf. fen Berdacht und machten der Direktion des Zoologischen Gartens Mitteilung von den greßen Ausgaben des Hilfstassierers. Das Schöffengericht Schöneberg verurteilte Pr. wegen Urkundenfälschung und Betruges zu 7 Monaten Gefängnis, P. wegen Beihilfe zu H 4 Monaten. ungenaue Adresse gab feinem der zahlreichen Kunden zu denken. Sie lockte der geheimnisvolle Glanz der Sterne, ihre magische Ge walt und Einwirtung auf Zukunft und Schicksal des Menschen. Ein harmloses weißes Stück Papierchen, in Form eines vielversprechen den Prospektes, mit dem Schluß jener vielfagenden" Wohnungsangabe, hatte viele Neugierige zu einem Blick in die Zukunft ver führt. Als aber die Logik der Gestirne bedenklich zu hinten begann, ta wurden selbst die Gläubigsten irre nicht an den Sternen, wohl aber an der Astrologin. Und deshalb sollte sich diese, ein Fräulein Alma Bl., vor dem Einzelrichter in Moabit wegen Betruges verantworten. Die Angeklagte wußte zunächst von recht harten Schicksals. schlägen zu erzählen, die sie in bitterste Not brachten. Mit Eifer und Hingebung habe sie sich in dieser Zeit dem Studium der Astro lagie gewidmet und sei deren überzeugteste Anhängerin gemorden. Was sie nun den Mitmenschen versprach, sei nur das längst bekannte Ergebnis eingehender wissenschaftlicher Forschungen gewesen, an deren Erfolge sie selbst aufrichtig glaube. In den Zetteln, die Fräulein BL zur Werbung der Kundschaft verteilen ließ, stand es ja auch zu lesen, was fie alles versprach. Zukunft und Vergangenheit, selbst die Charakteranlage eines jeden wurde bis ins fleinste gedeutet. Wie wichtig in Liebe, Chesachen, Geld und allen anderen Angelegen heiten!. Der Prospekt selbst aber enthielt einen Astronomischen Lebensführer mit dem schönen Untertitel: Was in jedem Zeichen, Man in dem der Mond gerade steht, zu tun und zu lassen ist. durfie daraus mit Andacht unter anderem vernehmen:„ Benn Frau Luna im Zeichen des Widders, des Stiers oder der Fische freundlich lächelt, tönne man getrost baden Schaut der gute Mond aber mißmutig drein, und dies im Zeichen des Steinbods oder Wassermann, laffe man sich unter feinen Umständen bie Haare schneiden! Konnte es wunder nehmen, wenn nun alle betrogen sein? Nein, selbst das Gericht war ganz # angesichts solcher Tatsachen viele Gläubige famen? Sie wollten anderer Meinung. Es glaubte Fräulein BL die gute Absicht und ihre überzeugte Meinung. Auch den Gedanken des groben un fugs, der für einen Augenblick auftauchte, mußte es wieder fallen laffen. Denn schließlich feien nicht lie öffentliche Ordnung, sondern nur einzelne Personen in den Kreis dieser Angelegenheit gezogen werden. Der Mond mußte pohl für Gerichtsverhandlungen zurzeit im Kreise ganz besonders günstiger Gestirne stehen Aftrologin wurde freigefprochen. bie Millionenbetrng an der Stadt Gelsenkirchen. Die Stadt Gelsenkirchen suchte Anfang 1924 ein großes Darlehen durch Bermittlung von Banfgeschäften und fam da durch mit dem Inhaber einer Berliner Handelsgesellschaft G. m. b. H., dem Kaufmann August Merten, in Berbindung, der sich melchem die Stadt 700 000 mt. erhalten sollte, wofür sie ihren Atien mit Finanzierungen beschäftigte. Es tam zu einem Vertrag, nach befig, der damals einen Wert von annähernd 2 Millionen Mark hatte, auf ein gesperries Konto bei der Distontegesellschaft hinterlegte. Die Sperrung war so gedacht, daß Merten nur in Gemein schaft mit der Stadt über die Aftien verfügen fonnte. In diesem Ginne wurde auch der Sperrschein ausgestellt. Merten aber übertrug eigenmächtig den Sperrschem an einen inzwischen wegen Betruges und Beamtenbestechung verurteilten Bankdirektor Rohde in Frankfurt a. M. Er erhieit auf das Affienpaket 850 000 m., gab aber der Stadt Gelsenkirchen nur 500 000 m. davon als Darlehen ab. Als Rohde mit Aufdeckung des Schwindels drohte, verschaffte fich Merten unter Uebertragung des Sperrscheins bei der Gesellschaft der Attienbefiz durch Kurssteigerungen inzwischen erheblich wert. für gewerbliche Unternehmungen 24 millionen Mart, da voller geworden war und löste die Schuld bei Rohde ein. Zu seiner Verfügung blieben noch über 1 millionen Mart, die Merten einfach einstedte. Inzwischen wollte die Stadt Gelsenkirchen einen Teil der wertvoller gewordenen Attien selbst verwerten und verlangte Rückgabe. Nun stellte sich heraus, daß das Aftien patet von Merten ohne Eriautnis der Stadt weiter verpfändet worden war. Das Aktienpalet. das jetzt einen Wert von 3% Millionen Goldmark befigt, hat die Stadt bisher nicht wiederbekommen und es schweben deswegen Zivilprozesse. Merten, ber diesen großzügigen Schwindel und Millionen. betrug eingefädelt hat, hatte sich jetzt vor dem Großen Schöffen gericht Mitte wegen Untreue zu verantworten. Nach der Behauptung des Angeklagten ist die Riesenfumme restlos ver. mirtschaftet worden. Er steht jetzt vor dem Offenbarungseid. Das Gericht nahm entgegen dem Antrage der Anklagebehörde nicht Untreue, sondern Betrug an, da Merten bie Aktien dadurch in Ein junger Mühlenarbeiter führt eine Scheidungsklage gegen feine Hand bekommen hatte, daß er von der Stadt Gelsenkirchen seine Frau. Diese, von fanatischem Haß erfüllt, beschuldigt ihren Mann Nachbarn und Bekannten gegenüber der ehrenrührigsten zahlen mußte. Das Urteil fiel außergewöhnlich milde aus und nur 9 Broz. jährliche Zinsen verlangte, während er selbst 20 Broz. Das Urteil fiel außergewöhnlich milde aus und Handlungen. Unter anderem schrieb sie an den Betriebsrat lautete auf vier Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist gegen eine Probleme des modernen Straßenbanes. In der Technischen Hochschule Charlottenburg fprach Dr.- Ing. Bösenberg im Rahmen einer geselligen Beranstaltung des Architektenvereins über den modernen Straßenbau, gemeint war weniger die architektonische und fünstlerische Gestaltung des Straßenbildes als die Technik und die Wirtschaftlichkeit des Straßenunterbaues und der Pflasterung. In den Großstädten ver. schwindet immer mehr das Straßenpflaster, eine Stadt, die im Zeichen des Automobils lebt, braucht anderen Straßenunterbau, und selbst kleinere Städte haben die Notwendigkeit eingesehen, ihre Straßen wegen des wachsenden Autoverkehrs mit Asphalt zu belegen. Hier ist vor allem eine Verminderung der Materialabnuzung festzustellen und die Möglichkeit der schnelleren Abwicklung des Berkehrs. Bon der englischen, speziell Londoner Technic, die Straßen mit 5013 zu belegen, ist man auf dem Fest lande teilweise abgekommen, da die Abnuzung des Holzbelegs ziemlich beträchtlich und damit eine größere Staubentwicklung verbunden ist. Troz einiger Nachteile bleibt Asphalt immerhin in Zeiten gesteigerten Verkehrs das erträglichste Material zur Straßen belegung, besonders in Form des Walzasphalts. Ob dieses Material bei einer noch größeren Steigerung des Verkehrs ausreichen wird, bleibt eine Frage der Zukunft. Aber schließlich würde dann eine neue Möglichkeit des Straßenbelags gefunden werden. Vom Haß seiner Frau verfolgt. feiner Arbeitsstelle, der Dampfmühle von Salomon u. Co., eine Bosttarte des Inhalts, der Mann habe 40 leere Säde aus der Mühle gestohlen und in seiner Wohnung aufbewahrt. Die Karte wurde im Kontor der Firma gelesen. Daraufhin wurde der Arbeiter entlassen und Strafanzeige gegen ihn erstattet. Bei der polizeilichen aussuchung fand man in der Wohnung des Beschuldigten nur einen Sad, der aber sein rechtmäßig erworbenes Eigentum mar. Das Strafverfahren wurde eingestellt. Der Arbeiter focht beim Gewerbegericht seine Ent. Iaffung als unbillige Härte an. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 3. Februar. Woher er die Mittel zu seinem luguriösen Leben hatte. zeigte sich, als er in der Nacht zum 17. Dezember in Dahlem feftgenommen wurde. Ein Wächter beobachtete ihn, wie er auf einem Billengrundstück den Zaun überkletterte und nahm ihn fest. Auf der Polizeiwache redete sich der Festgenommene damit heraus, daß er über den 3aun geflettert wäre, um eine verschwiegene Stelle Polizei ihn schon freilassen, als die Meldungen von mehreren Billen einbrüchen famen. 1. a. war in einer Villa ein Perserteppich, ein Belz und mehrere andere Sachen gestohlen worden. Nun hielt man Sachmilewsti, trozdem er den Unschuldigen weiterspielte, feft. Die Täterschaft festzustellen, wurde der Kriminalpolizei dadurch sehr erleichtert, daß damals hoher Schnee lag und daß sich die Fußspuren genau verfolgen ließen. Die Stiefel des Festgenommenen paßten genau in die Schneespuren, und hinter dem 3aun, über den der Berdächtige auf die Straße geflettert war, fand man unter dem Schnee die gestohlenen Wertsachen. Auch ein Schraubenzieher, der in der Tasche des S. gefunden worden war, paßte genau in die Einbruchsspuren bei den beiden Billen. Troß diefer Belastungen leugnete Sachmilewsti vor dem Schöffengericht Charlottenburg jede Schuld, bis er sich schließlich unter der Bucht der Zeugenausfagen zu einem Geständnis bequemte. Das Schöffengericht verurteilte ihn trop feiner Jugend zu 1½ Jahren 3uchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Angeflagte schien zufrieden zu sein, daß man seiner weiteren Tätigkeit nicht näher nachgeforscht hatte, denn er nahm, fichtlich erleichtert, unter Verzicht auf eine Berufung die an sich recht schwere Strafe sofort an. Jnnungen und Preisabbau. Eine infereffante Gerichtsentscheidung. Der von der Reichsregierung ausgearbeitete Gesezentwurf zur Förderung des Preisabbaues, der den Innungen und Handwerks organisationen verbietet, Richtpreise festzusehen, hat in den Kreisen des Handwerks starken Widerspruch hervorgerufen. In diesem Zus fammenhang gewinnt eine Gerichtsentscheidung aktuelle Bedeutung, in der die Frage geprüft wurde, ob die Innungen berechtigt sind, die öffentliche Unterbietung der von ihnen festgefeßten Richtpreije zu untersagen und zu bestrafen. Wie in der Nummer 1 der neuen Mitteilungen der Landespreisprüfungsstelle für den Freistaat Preußen mitgeteilt wird, lag der Anklage folgender Sachverhalt augrunde: Zwei Schuhmacher in Essen hatten durch Schaufensteraushang Besohlpreise befanntgegeben, die etwa 34 bis 35 Broz. unter den Richtpreisen der Schuhmacherinnung lagen. Die beiden Meister erhielten von der Innung die schriftliche Aufforderung, die Breistafeln unverzüglich aus dem Schaufenster zu entfernen. Inter Etellung eines dreitägigen Ultimatums wurde eine Strafe von 1000 m. bei Zuwiderhandlung gegen die Berfügung und darüber hinaus für jeden weiteren Tag des Aushangs die gleiche Strafe angedroht. Die Meister famen zwar der Aufforderung nach, brachten aber an Stelle der entfernten Preistafeln das Schreiben der Innung mit dem Hinweis an, daß die Preise im Geschäftsraum zu erfahren feien. Nun forderte die Innung fie auf, unverzüglich das Schreiben mit dem Zusatz zu entfernen. Die Anflage erblickte in dem Vorgehen der Innung die Aufforderung zum Leistungswucher. Während tam die 4. Straflammer des Landgerichts zur Berurteilung zu das Amtsgericht Eisen die angeklagten Innungsmeister freisprach, einer beträchlichen Geldstrafe. Das Gericht vertrat die Auffassung. daß unter der allgemeinen Berarmung und der wirtschaftlichen Not des deutschen Boltes sämtliche Schichten, also auch das Schuhmacherhandwert sich eher mit weniger als mit mehr Berdienst begnügen müffe. Dem Einwand, daß die Innung durch ihr Borgehen nicht eine Herauffehung der Preise erzwingen, sondern marttidreierische und unfautere Reklame unterbunden wolle, folgte die Straffammer nicht. Die von den beklagten Innungsvertretern eingelegte Revision wurde vom Oberlandesgericht Hamm zurückgewiesen. Tödliche Straßenunfälle. In der Burgstraße Ede Rleine Präsidentenstraße wurde gestern nachmittag die Ehefrau Eli Großmarn aus der Bauhofstraße 5 in Neukölln von einem Ealachierwagen überfahren. Die Berunglückte wurde durch einen dagen des Städtischen Keitungsamtes nach dem Hedwigskrantenhaus gebracht, wo eine schwere Schädelverlegung festgestellt wurde. Der Tod trat furz nach der Einlieferung ein. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Ein weiter tödlicher Infaff ereignete sich um 6 1hr abends an der Burg. Ede Kleine Präsidentenstraße. Hier wurde ein älterer Mann von einem Straßenbahnwagen der Linie 76 erfaßt und schwer ver left. Der Berunglückte trug einen schweren Schädelbruch davon, so daß der Tod bereits auf dem Wege zum Krantenhaus eintrat. Der Tote ist etwa 60 Jahre alt und trug feinerlei Papiere bei sich. Ein bedeutender Dachstuhlbrand rief am Dienstag abend gegen 7 Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Köpenicker Straße 126. Dort war unmittelbar neben dem V. Feuerwehrzuge der Dachstuhl des vierstödligen Hauses aus bisher noch nicht ermittelter Ursache in Brand geraten. Unter Leitung des Baurats Maeder wurde sofort mit mehreren Schlauchleitungen über die verqualmten Treppen und über eine mechanische Leiter energisch vorgegangen und gelang es nach mehrftündiger Tätigkeit des Brandes Herr zu werden. Die oberen Stodwerfe haben durch eindringendes Wasser erheblich gelitten und der Dachstuhl ist fast vollständig ausgebrannt. Für die Frauen der Koufumgenoffenschaft Beginnt am Montag, den 8. Februar, abends pünktlich 7, Uhr, in den Sophienfälen, Sopbienftr. 17/18, ein genoffenfaftlicher gebrgang, der sich über vier Vortragsabende erfiredt. Frauen, die gewillt find, an diesem Kurius teilzunehmen, tönnen sich unter Die Zeilnahme ist unentgeltlich. Borlegung ihres Mitgliedsbuches bort melden. Seine Frau, die den Cindrud einer franthaft überreizten Person macht, trat als Be laftungszeugin auf. Sie hielt ihre Beschuldigung in vollem Umfange aufrecht und behauptete, der Mann habe wochenlang jeden Tag drei Säde mitgebracht und ihr mitgeteilt, er werfe die Säcke aus dem Fenster feines Arbeitsraumes im zweiten Stoc auf den Hof, nehme fie pon da mit in den Umkleideraum, binde sie sich um den Leib und nehme sie so mit nach Hause. 400 Säde habe er auf diese Weise entwendet und mit seinem Motorrade zum Verkauf gebracht. Der Kläger blieb allen Borhaltungen gegenüber dabei, daß an den Angaben feiner Frau auch nicht ein wahres Wort fei. Es fei ihm ein Rätsel, wie die Frau zu diesen Behauptungen fomme. Sie gehe in ihrem Haß so weit, daß sie die furchtbare Beschuldigung gegen ihn verbreitet habe ,, er treibe mit feiner Mutter, die in einem angefehenen Inftitut als Krantenpflegerin angestellt sei, blutschänderischen Berkehr. Das Gericht bemühte sich, durch weitere Beweismittel feit zufteilen, ob die Entwendung von Säcken in der von der Scugin angegebenen Beife überhaupt möglich sei. Der die Firma rertretende Obermüller mußte drei Säde zur Stelle schaffen, die er dem Kläger, nachdem sich dieser des Rockes und der Beste entledigt Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm: Jugendbühne( Unterhaltungsstunde). Die Funkprinzessin erzählt: Gebrüder Grimm: 1. Die Bremer Stadtmusikanten. 2. Die Scholle. 3. Die Sternthaler. 4. Der Fuchs und die Gänse. 5. Der Zaunkönig. Die Funkprinzessin: Ilse Fischer- Ramin. Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der 6.45 Uhr abends: Gartendirektor Ludwig Lesser: Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde( Besuch bei einer Blumenfreundin)". 7.15 Uhr abends: Dr. Hans Sachs: Lockere Zähne 7.45 Uhr abends: General Schlee- Pascha: Die großarabische Frage". 8.30-10 Uhr abends: Mendelssohn- Abend. Unter Mitwirkung von Konzertmeister Josef Wolfsthal, Violine. Dirigent: Bruno SeidlerWinkler. 1. Einleitende Worte( Siegmund Pisling). 2. ViolinAnschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten TagesnachKonzert E- Moll. 8. Schottische Sinfonie( Berliner Funkorchester). richten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterund Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Funk- Tanzkapelle, Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Mittwoch, den 3. Februar. 3-3.30 Uhr nachm.: Frl. Maria Schmitz: Die Berücksichti4 Uhr nachm.: Cesar Maria Alfieri und Frl. G. van Evseren: gung der weiblichen Eigenart in den Mädchenschulen. 3.30 bis Spanisch für Anfänger.-4-4.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. F. Lampe: Allgemeine Wirtschaftsgeographie. 4.30-5 Uhr nachm.: Frl. Anna v. Gierke: Die Frau als Wirtschafterin, Arbeiter- bftinentenbund, Ortsgruppe Berlin. Geschäftsstelle: Engelufer 29, Seute 6 Uhr Arbeitsabend. Drei Arbeiter bei einem Gerüsteinsturz getötet. Beim Bau eines Schornsteins auf der Hütte Phönig bei Ruhrort stürzte ein Gerüst mit drei Arbeitern in die Tiefe, die dabei den Tod fanden. Geschäftliche Mitteilungen. Die Zeit der Abendbesuche ist wieder gekommen, er aber bei feinen Gaft. gebern und bei den übrigen Gästen einen vorteilhaften Einbrud machen mill. ber nehme fich die Reit, vor dem Fortgehen rasch noch die Schuhe mit Erdal au pusen. Erbal verleiht den Schuhen einen spiegelnden Sochglana, wodurch auch ältere Schuhe wie neu erfcheinen. Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Mufilerverbandes, Berlin 027, Andreasftr. 21( Königstabt 4310, 4048) Gefchäftszeit 9 his 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbejn Mittwoch 3. Februar 1926 Unterhaltung und Wissen Die Entstehung der Rassen. Bon Margot Rlages.Stange. Nordeuropa ist von mehreren hellen Varietäten der weißen ( faufassischen) Raffe bewohnt, die nach der Schädelform unterschieden werden. Eine Gruppe befigt hohen Wuchs, einen Langschädel, dessen Breite im Berhältnis zu jeiner Ausdehnung von der Stirn zum Hinterhaupt geringer ist, dazu meist tlonde oder rotblonde Haare und graue Augen. Eine andere ist von mittlerem, gedrungenem Wuchs, mit breitem, vorderbetonten Schädel, dunklen, tiefliegenden Augen und strähnigem, schmarzen Haar. Die erste Gruppe entspricht dem Ideal der Germanen, die legte umfaßt die Slawen und Finnen. Daneben finden sich Mischungen beider Typen, auch find dunkel haarige Elemente mit braunen Augen in mehr oder minder großer Bahl zwischen die hellfarbigen eingesprengt. Bietet somit nicht einmal der Norden Europas, der etwas abseits vom Weltverkehr liegt, das Bild einer reinrajfigen Bevölkerung, so ist das noch weniger in Mitteleuropa der Fall. Hier stießen die von Norden vorgedrungenen hellhaarigen Langlöpfe und von Often tommende helle Rundköpfe mit einer bodenständigen Bevölkerung von geringer Körperhöhe zusammen, die durch starke Kurzköpfigkeit und dunkles Haar gekenn zeichnet wird. Nach ihrem heutigen Hauptverbreitungsgebiet wird fie als alpine Rasse" bezeichnet, doch erstreckt sie fich auch nach Südfrankreich einerseits und über die Baltanhalbinsel andererseits bis nach Kleinasien hin, wo sie als„ armenische" oder„ hethitische" Rasse bekannt ist. Dieselben Merkmale wie die alpine Rasse bejizt die im Nordwesten der Balkanhalbinsel und den angrenzenden Gebieten ansässige„ dinarische Rasse", doch unterscheidet sie sich von jener burch hohen Buchs. Die Bosniaken sind ihre befanntesten Vertreter. Der Süden Europas endlich ist von einer langschäbeligen, brünetten Raffe pon niedrigem Buchs( im Vergleich zur nordischen Rasse) bewohnt, die sich auch über Nordafrifa erstreckt und als mediterrane Raffe" bezeichnet wird. Sie grenzt im Süden an die Hamiten, die den Uebergang zur Negerrasse bilden und selbst vielfach mit Regerblut durchsetzt sind. In Zentralafien und Sibirien stößt die weiße Raffe zusammen mit Böltern mongolischer Rasse, und auch hier find die Uebergänge oft fließend, da Mischungen an Lötstellen verfchiedener Raffen unvermeidlich find. Bie entstehen nun die Rassen? Die Kenntnis von den vor gefchichtlichen Formen des Menschengeschlechts ist noch jung, noch jünger ist der biologische Einschlag in Bölferfunde und beschreibung, das anthropobiographische Berfahren. Birchom tonnte noch ber Irrtum paffieren, doß er ein Schädeldach der prähistorischen Neandertalraffe für das eines gichtischen Individuums der Jeztzeit anfah, und der Forscher Cuvier behauptete angesichts der belgischen Funde des Dr. Schmerling aus der paläolitischen Zeit, es gäbe feine foffülen Menschen. Man ftelle bem gegenüber den Fund des Homo Mousteriensis Hauserii Klaatsch aus dem Acheuléen, dem sein Ent decker Hauser ein Alter von 140 000 Jahren zumißt. Aber selbst dieser Fund und viele andere, deren ältester der in Mauer bei Heidelberg ausgegrabene Schädelteil ist, haben noch feine Klarheit in die Entstehung der menschlichen Raffen gebracht, es sei denn, daß die Hypothese einer Abstammung der menschlichen Formen( Hominiden) von den fogenannten Menschenaffen( Anthropoiden) abgetan ist und statt deffen eine gemeinsame Wurzel für die Entstehung beider gesucht mird. Uebrigens zeigen sich schon bei den foffilen Menschenfunden fo große Unterschiede, daß die Paläontologen von verschiedenen Rassen sprechen, von der Neandertalrasse, der Cro- Magnon usw. Hauser spricht, freilich unter starter Anfechtung, von einem gorilloiden, schimpansoiden und orangoiden Inp. Ungeklärt ist auch die örtliche Entstehung der Menschheit. Daß fie ehemals auf den Bäumen lebte und bei Bildung der Steppe und ihrer Uebersiedlung in diese sich der jetzigen vorm genähert hat, wird allgemein angenommen. Aber wo auf der Erde vollzog fich dieser Borgang? Luschan nimmt ihn in einer Linie zwischen dem heutigen Spanien und Australien an. Sind die Menschen aber an einer Stelle entstanden, wie die Monogenisten behaupten, die sich mit einem„ llrahn" begnügen, oder an mehreren Stellen, wie die Polygenisten mutmaßen? Hätten lagtere recht, dann dürfte gegen die Annahme von vornherein vorhandener verschiedener Menschenraffen gewiß nichts einzuwenden sein. Aber die Wissenschaftler stehen überwiegend auf dem monogenistischen Standpunkt, auch Luschan verteidigt diefen. Er nimmt nur eine Spezies des homo sapiens an und erklärt die trennenden Eigenschaften der sogenannten Raffen im wesentlichen durch klimatische, soziale und andere Faktoren der Umwelt. Das Borhandensein van an sich minderwertigen Raffen verneint er. Den Unterschied der Rassen, besonders in bezug auf moralische Eigenschaften und Intelligenz, hält er für nicht entfernt fo groß, mie den zwischen Individuen ein und derfelben Raffe. Er fieht auch Mischlinge niemals a priori für minderwertig an: fie würden es nur, wenn ihre Eltern minderwertig waren. Daß staatliche Abgrenzungen und Religionsbekenntniffe mit Raffeeinteilung nichts zu tun haben, ist selbstverständlich; weniger flar ist den meisten, daß die Begriffe Bolt" und" Rasse" grundverschieden sind. Das deutsche, russische, französische Bolk sind keine Raffen, sondern geschichtliche Gebilde mit gemeinjamen, verbindenden Kulturformen. In ihnen sind verschiedene Raffen enthalten. Man fann sogar von einzelnen europäischen Bölkern, z. B. von dem Deutschen, schweizerischen, franzöfifchen, belgischen, fagen, daß fie aus denselben Rassen zusammengesezt sind, nur in variierenden Mischungen, wobei es fich im wesentlichen um die nordische, mediterrane, alpine und dinarische Raffe handelt. Endlich kann man mit Hilfe der Sprache allein die Raffen voneinadner nicht abgrenzen. Es gibt aber immer noch Leute, die z. B. alle diejenigen, die indogermanische Sprachen haben, in eine„ arische" Raffe zusammenfassen wollen, die nie existiert hat! Aus den menschlichen Wanderungen wissen wir auch, daß der erobernde, offupierende Teil manchmal allmählich verschwand, während sich aber feine Sprache, unter Umständen dominierend, in dem besiegten Teil erhielt. Auf der anderen Seite darf die hervorragende Bedeutung der vergleichenden Sprachwissenschaft für die Raffenbestimmung nicht unterschägt werden. Mit Sicherheit jedoch kann man Raffenunterschiede nur unter Hinzuziehung der Naturwissenschaft, der Biologie, feststellen. denn das Kriterium biefer Unterschiede find die physischen und pinchischen Erbanlagen. Bor läufig allerdings müssen wir uns in der Hauptsache an die förperlichen Erbwerte helten; die Bererbung der seelischen ist noch wenig ergründet. Um Raffen festzustellen, ist es nötig, nach Menschen gruppen zu suchen, die eine Einheitlichkeit darin aufweisen, daß ihnen dauernd gewille Erbanlagen eigentümlich find, die eine Trennung von anderen Gruppen deutlich erkennbar machen. Natürlich bereitet diefes Verfahren große Schwierigkeiten, und zwar deshalb, weil die Wanderungen bis in die Eiszeit zurildreichen und zweifellos von pornherein Mischungen stattgefunden haben. Trobem laffen sich Ralfenurformen herausschälen, von denen einzelne fich bis in die Gegenwart typisch erhalten haben. Auf diese wendet man die Bezeichnung Urraffen" an, obwohl sie nach dem vorstehend Gefaaten nur bedingt richtig ist. Man spricht auch von Raffen zweiter Ordmuna. die durch einmaline Mischung entstanden sind und infolge von Ausschluß weiterer Mischungen einen erkennbaren Typus angenommen und behalten haben. Wie aber sind die ersten voneinander abweichenden Raffen formen entstanden, wenn sie doch einen gemeinsamen rahn" haben, also die Urahnen des Menschen nur eine Raffe bildeten? Man fann das in folgender Weise erklären: Abkömmlinge unterscheiden fich mannigfach von ihren Vorfahren. Diese Unterschiede haften entweber mur dem einen Nachkommen an, ohne daß sie erblich sind Beilage des Vorwärts Gefährdung der Feme- Interessen. Berichte der interallierten Kontrollkomission über eutsche illegale Verbände Ehrhardt lente Vaterl.Sportverbande Schwarze Reichswehr Roßbacher Wehrwolfe Zurück, Michel! Was das Ausland weiß, geht Dich nichts an!" man nennt das Baravariationen, oder es entstehen Abweichungen durch Veränderung des Keimplasmas, und dann ist Erblichkeit die Folge. Für letzteren Vorgang gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens die Kreuzung. Die hierbei erfolgte Mischung der elterlichen Erb. anlagen bedingt einen Unterschied der Nachkommen von beiden Eltern( Migovariation). Zweitens die Idiovariation. Dies ist ein und aus Gründen, die im wesentlichen unbekannt sind, verändert sich uns noch ziemlich geheimnisvoller Borgang. Zu irgendeiner Zeit bei einem Individuum das Keimplasma, und dadurch wird naturgemäß eine Differenzierung der Nachkommen bewirkt. Die Idio variation( bisher meist mutation genannt) ist bei Pflanzen sehr häufig, bei Tieren weniger oft festgestellt worden. Es ist auch gelungen, fie auf dem Wege des wissenschaftlichen Versuchs zu erzeugen. Daß Joiovariation beim Menschen vorkommt, ist sicher, und war schreibt man dem Altohol und anderen sogenannten" eim giften" eine derart abändernde Wirkung zu. biovariationen aber tönnen wir die Entstehung verschiedener Rassen Mit Hilfe dieser auch vom monogenistischen Standpunkt erklären, befonders menn mir has Mendelsche Gesez und die Wirkungen der Auslese heranziehen. zum besseren Verständnis sei ein einfaches pflanzliches Beispiel gegeben. Samen von einer großen blaublühenden Pflanze gelangt, etwa durch einen Zugvogel, in eine ganz andere Gegend. Die neuen peristatischen( Umwelt-) Einflüsse sind jo start, daß dieser Samen burch Ibiovariation eine erbliche Veränderung in zwei Richtungen erleibet: es entstehen fleiner Buchs und weiße Blütenfarben. Damit ist eine neue Raffe geworden. Haben alle Samenförner die gleiche 3biovariation erlitten, dann sind die Nachkommen auch alle gleich artig und gleicherbig, homozygot. Untereinder gekreuzt ergeben sie immer die Formen dieser neuen Rasse. Trifft die Abänderung jedoch nur einen Teil der Samenförner oder fommen die abgeänderten zufällig wieder mit der Stammraffe zusammen und freuzen fich mit ihr, dann entstehen abermals neue Formen, die nach dem Mendelschen Spaltungsgefez zu berechnen find. Angenommen, daß die beiden Erbunterschiede, Größe und Blütenfarbe, sich gleich start in der Vererbung zeigen, wie man sagt: intermediär wirken, so erhalten wir nach dem erwähnten Gesez je ein Sechzehntel großblaue und fleinweiße Formen, die den Eltern entsprechen und unter sich gefreuzt immer dasselbe ergeben. Außer einer Reihe nicht reinerbiger anderer Formen erhalten wir zwei ganz neue, die reinerbig sind, auch zu je einem Sechzehntel, und zwar fleinblaue und groß weiße, das heißt: jede diefer beiden neuen Raffen, unter fich gefreuzt, bleibt fonftant. Die gieichen Vorgänge find beim Menschen möglich und durch Wanderungsfolgen durchaus erklärbar. Da er viel mehe Grbeinheiten hat als eine fleine Blume, wahrscheinlich Tausende, ergeben sich auch viel mehr Bariationsmöglichkeiten. Wie sich infolge der Idio- und Migovarationen die entstandene Rasse vereinheitlicht, und zwar unter Hinzutritt von Auslejevorgängen, das zu erläutern würde hier zu weit führen. Es sei nur kurz bemerkt, daß viele der neu entstehenden Formen wieder verschwinden, meil sie nicht genügend anpassungsfähig. Diese biologische Erflärung erweist auch die Möglichkeit, daß die Erbwerte, die geistigen sowohl wie die förperlichen, verschieden verteilt werden können, und es ist unzweifel. bait, daß durch die Gunst oder Ungunst der drei gestaltenden Faftoren( Idio- und Migovariationen sowie Auslese) die eine Raffe viele gute, die andere viele schlechte oder wenigstens geringere Erbeigenschaften erhalten hat. Zum Schluß sei noch die Frage nach der Wertung von Misch fingen gestreift. Im allgemeinen wird sie im ungünstigen Sinne beantwortet, doch sei betont, daß gerade hier noch manches zu flären ist. Züchtungsversuche in Fauna und Flora haben auch bei nicht verwandten Arten zu erfreulichen Ergebnissen geführt. Bei der Beurteilung menschlicher Mischungen darf man insonderheit nicht übersehen, daß die Bastarde, speziell die einer weißen und einer farbigen Raffe, in der Regel von beiden Seiten ausgefaftet werden, und damit wird die Entwicklung der psychischen Eigenschaften des Individuums regelmäßig sehr nachteilig beeinflußt. Es ergibt sic also oft ein Trugbild in bezug auf Vererbung. Generell muß aller dings gesagt werden. daß nach gültiger biologischer Auffassung die Kreuzungen um so schlechter find, je verschiedener die Erbanlagen, daß demnach mindestens von extremen Rassetreuzungen gute Produkte faum erwartet werden können. 【 原 品 Menschenhandel. Bon Rüdiger. " Der feierliche Ernst, mit dem ein Teil des deutschen Volkes die Auseinandersetzung mit den früheren regierenden Häusern befinnung, von der heute noch viele Untertanen" den„ Landesvätern" handelt, ist ein besonderes Kennzeichen der knechtschaffenen Gegegenüber erfüllt find. 3u tief figt in diesen Menschen vielleicht der Ausruf ihres allerhöchsten taiserlichen Herrn, Wilhelm II.", den er bei der Flottenvorlage getan hat:" Die Hunde sollen zahlen!" Daß wir, das heißt die breite Masse des Boltes, den allerhöchsten Landesvätern faum mehr als Sunde gewesen fint, wird Wir Menschen allmählich dem Einfältigsten flar geworden sein. Weise die einzelnen Landesväter ihre großen Vermögen erwerben vergessen allzu leicht. Es wäre interessant, zu erfahren, auf welche treffliche deutsche Fürsten erhebliche Geminne aus dem Handel mit haben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts haben noch verschiedene ihren Landeskindern gezogen. Bir hören heute schaubernd vom internationalen Mädchenhandel, bedauern die unglücklichen Opfer und verfolgen die intensiven Bemühungen der Polizei zu seiner BeJahren lieferten deutsche Fürsten im amerikanisch englischen Kriege tämpfung mit größter Spannung. Bor wenig mehr als hundert den Engländern ihre eigenen Landestinder als Kanonenfutter aus; fie betrieben einen regelrechten Menschenhandel. Schlözers Staatsanzeigen" enthalten im 6. Bande folgende Aufstellung: Es fielen an 2 600 000 fb. Sterl. Heifen- Raffel. Braunschweig. Hannover Hanau Ansbach Walded Verschiedene 780 000 448 000 885 150 " P 305 400 122 670 535400 5 126 620 Pfd. Sterl 84 177 466 Thlr. Die hohen und allerhöchsten Herrschaften haben sich stets frei von jeder Sentimentalität gefühlt, wenn es galt, den eigenen Beutel zu füllen. Auch jezt ist die Sentimentalität mehr auf ſeiten derer, tie von Gottes und Rechts wegen den Daumen auf den Beutel des verarmten Volkes drüden sollten, statt durch ein Eingehen auf die jeder Vernunft hehnsprechenden Forderungen den Fordernden Es ist eine wahre Tragikomödte: immer mehr Mut zu machen. menige Jahre nach ihrem schmählichen Abgang machen die Fürsten aus dieser Schlußszene noch ein Geschäft, dessen Kosten letzten Endes die breite Maffe des Boltes zu tragen hat. Tiere als Millionenerben. Frau Sara Grady, fürzlich als Greifin von 84 Jahren in London gestorben, hat nahezu ihr ganzes Vermögen, das auf 600 000 Pfund Sterling geschäßt wird, den Tieren hinterlassen. Unter den Legaten der Tierfreundin find 50 000 Bfund, die der Poliklinik und Speiseanstalt für franke Tiere zufallen, und 10 000 Pfund, die die Londoner Tierschutzgesellschaft bekommt, unter der Voraussetzung, daß sie immer von Männern und Frauen, die gegen die Vivisettion find, geleitet wird. Andere bedeutende Legate sind bestimmt für Institute und Vereine, die sich die Bekämpfung der Bivisektion und anderer Versuche mit Tieren zur Lebensaufgabe gemacht haben. 200 Pfund befommt die Begetarische Gesellschaft, die gegen das Fleischefsen Stellung nimmt, und 2000 Bfunt die Gesellschaft zum Schuße der fleinen Pferde, die in ben Rohlenbergwerfen arbeiten müssen. Die Menschen temmen im Teftament der Frau Grady weit schlechter meg: 4000 Pfund erhält das Hospital der Unheilbaren, 2000 der Bensionsfonds für Blinde, 500 die Bibelgesellschaft und 100 die Gesellschaft zur Verhütung der Bestattung Scheintoter. Ein paar Vermächtnisse im Betrage von je 400 Pfund find für einige Tierfreundinnen, die zugleich Freudinnen ter verstorbenen Sara maren, bestimmt. Was dann von den 600 000 Pfund noch übrig bleibt, soll das Grundkapital einer noch zu gründenden Gesellschaft gegen die den Tieren schädlichen Sports bilden. Deutscher Sparkassen- und Giroverband Allgemeine Verbandsangelegenheiten. Die Öffentlichkeit hat sich während des abgelaufenen Wirtschafts Jahres in früher nicht beobachtetem. Umfange mit Sparkassenfragen beschäftigt. Dies ist an sich erfreulich; denn die Frage der Nenbildung von Sparkapital ist z. Zt. weitaus die wichtigste für das ganze deutsche Wirtschaftsleben. Wenn auch bei diesen Erörterungen vereinzelte Mißstän le im Sparkassenwesen berührt wurden, so konnte doch eine öffentliche Kritik, sofern sie sachlich blieb, nur von Nutzen sein, indem sie die Abhilfe beschleunigte. Was aber bei der Behandlung von Finanzproblemen häufig geradezu auffällig hervortrat, ist die Tatsache, daß noch heute in weitesten Kreisen teils Unkenntnis, teils Verkennung des Wesens und des Aufgabenkreises der Sparkassen und Giroorganisation herrscht. Während sonst überall in der Wirtschaft die weitestgehenden Veränderungen im letzten Jahrzehnt rückhaltlos anerkannt werden, beharrt man bei Beurteilung der Sparkassenentwicklung auf einem außerordentlich konservativen Standpunkt. Diese Auffassung trat besonders deutlich bei der Diskussion über die öffentlichen Gelder. die Reichsbankpolitik, das Realkreditproblem und die kommunalen Auslandsanleihen hervor, so daß es notwendig erscheint, auch im Rahmen dieses Geschäftsberichts karz die vorbezeichneten Fragen vom Standpunkt der Sparkassenorganisation zu beleuchten. Bei der Diskussion über die öffentlichen Gelder wurde nicht klar genug unterschieden zwischen Geldern, die aus öffentlichen Quellen stammen, und solchen, die lediglich von öffentlichrechtlichen Instituten verwaltet werden. Indem dieser wichtige Unterschied unberücksichtigt blieb, wurden auch die von den Sparkassen und Girozentralen verwalteten Kapitalien schlechthin als öffentliche Gelder bezeichnet, während tatsächlich der ganz überwiegende Teil aus Einlagen privater Wirtschaftskreise stammt, genau wie bei den privaten Banken. Öffentliche Gelder im engeren Sinne sind ausschließlich die Steuern und Verwaltungsgebühren von Reich, Staat und Gemeinden. Auch die aus den kommunalen Wirtschaftsbetrieben herrührenden Mittel werden ganz zu Unrecht als öffentliche bezeichnet. Der Anteil der öffentlichen Gelder im engeren and richtigen Sinne an den Depositen der Sparkassen und Girozentralen ist, wie statistisch erwiesen, außerordentlich gering. Daraus folgt, daß grundsätzlich Sparkassen und Girozentralen die gleiche Funktion der Kapitalsammlung ausüben wie die Privatbanken, und daß sie daher insoweit ohne berechtigten Grund in die Kritik über die Verwendung der öffentlichen Gelder einbezogen worden sind. Für die Kapitalverwendung ist aus der Herkunft der Gelder und auch aus dem öffentlich- rechtlichen Charakter der verwaltenden Geldanstalten an sich nichts zu folgern, höchstens, daß die Kapitalien möglichst den Einlegerkreisen wieder zugeführt werden sollten, und daß bei ihrer Verteilung noch mehr als bei privatwirtschaftlich eingestellten Instituten das volkswirtschaftliche Gesamtinteresse im Auge zu behalten ist. Das sind auch die beiden maßgebenden Gesichtspunkte für die Kreditpolitik der Sparkassen and Girozentralen: Dezentralisation und Gemeinnützigkeit. Damit ist zugleich auch ihr spezieller Charakter, ihre Sonderstellung in der deutschen Kreditorganisation gekennzeichnet. Ob dabei das kurzfristige oder das langfristige Geschäft mehr gepflegt wird, ist keine Prinzipienfrage, sondern hängt letzten Endes von den jeweiligen bankpolitischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten ab, läßt sich aber keineswegs schematisch ein für allemal festlegen. Bisher mußten die Sparkassen wegen der dringenden Liquiditätsrücksichten und wegen der Unklarheit im Grundbuchwesen das langfristige Geschäft zurücktreten lassen; sie werden es aber wieder stärker aufnehmen, sobald es ihr eigener Status und die Lage der Wirtschaft zulassen. Völlig verfehlt ist es dagegen, diese Entwicklung durch gesetzliche Eingriffe erzwingen zu wollen, sai es, wie der Vorschlag des Centralverbandes des Deutschen Bankund Bankiergewerbes lautet, durch Besteuerung aller über den Sparverkehr hinausgehenden Geschäfte, sei es, wie die Denkschrift des Beichsverbandes der Deutschen Industrie empfiehlt, durch Erlaß eines Sperrgesetzes für die Kapitalanlage der Sparkasse. Eine derartige gesetzliche Regelung stände nicht nur in krassem Widerspruch zn jeglichen Entwicklungsgesetzen der Wirtschaft, sondern würde auch nicht dem Willen der Einleger entsprechen, die sich aus allen Berufskreisen zusammensetzen. Das Problem der Kreditverteilung, das im BerichtsJahr im Vordergrund stand, kann im Rahmen der Gesamtwirtschaft nur dann zufriedenstellend gelöst werden, wenn von seiten der öffentlichen Kreditgeber( Reich, Staat und deren Betriebe sowie Reichsbank) der gegenwärtige und nicht der Stand der Kreditorganisation in der Zeit vor dem Weltkrieg zum Maßstab genommen, d. h. wenn neben den privaten Banken auch die Sparkassen und Girozentralen entsprechend ihrer Bedeutung für die Wirtschaft berücksichtigt werden. Während bei den Sonderkrediten von Reich und Staat, freilich nur zögernd und unzureichend, aber wenigstens doch grundsätzlich dieser berechtigten Forderung Rechnung getragen worden ist, hat sich die Reichsbank gegenüber dem Verlangen der Girozentralen und Sparkassen nach Einräumung eines höheren Wechselkreditkontingents, wie es auf dem letzten Sparkassentag in Köln gestellt wurde, bisher ablehnend verhalten. Bei großen Sparkassen liegen infolgedessen häufig die Dinge so, daß diese Sparkassen nur einen Bruchteil desjenigen Wechsel- Kontingents beanspruchen dürfen, das weit weniger bedeutenden Privatfirmen des gleichen Ortes zusteht. Nachdem sich die Reichsbank kürzlich zn einer Lockerung ihrer allgemeinen Kreditkontingentierung entschlossen hat, erscheint für die Erfüllung des Wunsches der Sparkassen und Girozentralen nunmehr die Möglichkeit gegeben, ohne daß der bisherige Anteil der Privatbanken irgendwie gekürzt zu werden braucht. Wir hoffen daher, daß weitere Verhandlungen mit der Beichsbank nicht erfolglos bleiben werden; denn eine Fortdauer des bisherigen Zustandes müßte zu einer immer nachhaltigeren Schädigung der produktiven, Kleinwirtschaft führen, die zur Kundschaft der Sparkassen gehört. Von einer starken Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse zeugt ferner die wiederholt in der Presse aufgetauchte und auch im Bericht des Reparationsagenten wiederkehrende Behauptung von der Übersetzung unserer Wirtschaft mit öffentlichen Banken. Es wird da mit Zahlen operiert, die bestenfalls Schätzungen darstellen, soweit die privaten Banken in Betracht kommen. Da mag es zutreffen, daß die Zahl von 1913( 2500 Banken) sich bis heute verdoppelt hat; gänzlich unhaltbar aber ist die Be hauptung, daß es z. Zt, 3300 öffentliche Banken gäbe. Die rund 3000 Sparkassen, die hier als Banken gezählt werden, bestanden auch schon vor dem Kriege und sind heute trotz gewisser bankmäßiger Betätigung ebensowenig Banken wie damals. An Girozentralen sind, von den Zweiganstalten selbstverständlich abgesehen, ganze 12 neu gegründet, und auch die selbständigen Kommunalbanken( Kreis- und Stadtbanken) überschreiten im ganzen Relche kaum die Zahl 60. Tatsächlich ist also die Ziffer der Neugründungen bei den Sparkassen und Girozentralen verschwindend gering, stellt jedenfalls nur einen winzigen Prozentsatz der Bankneugründungen dar. Ebenso übertrieben sind die Mitteilungen über SparkassenSusammenbrüche. Es kann natürlich nicht bestritten werden. daß bei einer Anzahl von Sparkassen in der Berichtszeit Mängel der Betriebsführung aufgedeckt worden sind, die zu Verlusten geführt haben. Die entstandenen Schwierigkeiten wurden, soweit die Ver luste nicht aus eigenen Mitteln gedeckt werden konnten, regelmäßig durch Unterstützung seitens der zuständigen Girozentrale bzw. Landesbank mit langfristigen Darlehen behoben. Nirgends werden diese Vorkommnisse mehr bedauert, als bei der Organisation selbst. Falsch ist es aber, anzunehmen daß derartige Erscheinungen als Nachwirkungen der Deflation typisch für Sparkassen wären; man könnte vielmehr behaupten, daß sie dort infolge der öffentlichen Geschäftsführung nur schneller aufgedeckt worden sind als bei Privatinstituten gleichen Geschäftsumfanges, die die Liquidierung ihrer Verlustgeschäfte vielfach hinauszögern konnten, Noch ein Wort zu den kommunalen Auslands. anleiben! Sie dürfen nur ein Aushilfsmittel sein. sind allerdings zurzeit als solches kaum entbehrlich. Sie können aus volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Gründen pur dort gebilligt werden, wo sie zur Schaffung produktiver Anlagen dienen, deren Ertrag die Verzinsung und Tilgung der Anleihe gewährleistet. Daß aber andererseits werbende Anlagen der Konimunen, die aus Dringlichkeitsgründen nicht mehr zurückgestellt werden können, grundsätzlich ebenso produktiv im volkswirtschaftlichen Sinne sind wie gleichartige Anlagen privater Unternehmungen, sollte auch von den schärfsten Kritikern der Finanzgebarung der Kommunalverhände in der Zeit nach dem Kriege nicht bestritten werden. Die kommunalen Selbstverwaltungskörper haben. abgesehen von den üblichen Ausnahmen, immer, auch in den letzten Jahren, ihre starke Verantwortung gegenüber dem Staat und der Gesamtwirtschaft be wiesen und sollten nicht bei jeder Gelegenheit und für alle Dinge Angriffen ausgesetzt werden. Daß anf diesem Gebiet in enger Znsammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde und der für kommunale Auslandsanleihen von der Reichsregierung eingerichteten Beratungsstelle" gerade die kommunale Giroorganisation am besten imstande ist, die Durchführung solcher Anleihen in die Hand an nehmen, liegt greifbar nahe; daher ist auch bei ihr der Gedanke einer ausländischen Sammelanleihe entstanden und wird hoffentlich in Kürze verwirklicht werden können. 1. Abteilung für das Sparkassenwesen. Die Vertretung der Sparkasseninteressen, die satzungsgemäß der Abteilung für das Sparkassenwesen obliegt, war im Berichtsjahre vor besonders vielseitige Aufgaben gestellt. Aufwertung, neue Steuergesetze, Neuordnung des Revisionswesens, Zweimonatsbilanzen, Beamtenfortbildung. Werbetätigkeit, Auseinandersetzung mit Konkurrenzinstituten bezeichnen die einzelnen Gebiete, die ununterbrochen die Zentralstelle und die zuständigen Ausschüsse be schäftigten. Beherrschend im Vordergrund stand die Aufwertungsfrage. insbesondere nach der nunmehr hoffentlich endgültigen Regelung durch die Gesetze vom 16. Juli 1925. Hierbei erstreckte sich die Verbandstätigkeit auf die Bearbeitung: 1, der Hypothekenaufwertung, 2. der Aufwertung der Sparguthaben, 3. der Anleiheablösung. In das Berichtsjahr fällt weiter die Beratung und Beschlußfassung über die neuen Steuergesetze, von denen insbe * Deutsche Girozentrale/ Deutsche Kommunalbank Geschäftsbericht 1925 und sondere die Gesetze über die Vermögens- und Körper. schaftssteuer Sparkassen und Girozentralen direkt angehen. Die praktische Steuerpflicht der Sparkassen soll davon abhängen, ob inwieweit die von ihnen betriebenen Ge schäfte für Sparkasseneigen e" oder sparkassenfremde" in den Ausführungsbestimmungen des Reichsfinanzministers erklärt werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat in einer Eingabe an das Reichsfinanzministerium und in einer Denkschrift an die Länderregierungen auseinandergesetzt, daß der Umfang des Geschäftskreises der Sparkassen durch Gesetz, Verordnung und genehmigungspflichtige Satzung im einzelnen festgelegt und umgrenzt sei, so daß zwangsläufig alle durch Satzung und Aufsichtsbehörde erlaubten Geschäfte als s par. kasseneigene" anzusehen wären. Dieser Standpunkt, den auch die Badische und Hessische Regierung teilen, trägt allein der historischen Entwicklung des Geschäftsverkehrs der Sparkassen und den Bedürfnissen des auf den Kredit der Sparkassen hauptsächlich angewiesenen Mittelstandes Rechnung, während die Privatbanken bei ihrer Forderung übersehen, daß die Sparkassen infolge der weitgehenden Beschränkung ihres Geschäftskreises und ihrer Anlagepolitik und neuerlich infolge ihrer Belastung mit der Aufwertung bei weitem nicht die gleiche Bewegungsfreiheit und damit auch nicht die gleichen Voraussetzungen für einen Wettbewerb wie die Privatbanken besitzen. Durch Bunderlaß des Preußischen Innenministers vom 16. Oktober 1925 wurde für die preußischen Sparkassen das Anlegungs. gesetz wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß vom Einlagen bestand am 31. Dezember 1924 auszugehen und dann vom jeweiligen Zuwachs die vorgeschriebene Quote in mündelsicheren Inhaberpapieren anzulegen ist. Die volle Quote gilt aber erst von 1926 an; für 1925 ist eine Ermäßigung auf ein Viertel zugelassen. Oberster Leitsatz für die Geschäftspolitik der Sparkassen mußte angesichts der ständig sich verschärfenden Wirtschaftskrise strikteste Innehaltung einer ausreichenden Liquidität sein. Aufgabe des Zentralverbandes und seiner Mitgliedsverbände war es daher, unablässig in den Verbandszeitschriften, Rundschreiben, Versammlungen und in persönlicher Rücksprache auf Beobachtung dieser wichtigsten Regel der Anlagepolitik zu dringen, Es wurde den Kassen geraten, grundsätzlich mindestens 15 bis 20% ihrer Aktiven bei den zuständigen Girozentralen oder Landesbanken als flüssige Anlage zu unterhalten. Das Bestreben, die Überwachung der Geschäftsführung, insbesondere der Kapitalanlagepolitik der Sparkassen zweckmäßiger und wirksamer zu gestalten, führte zu dem Plane einer Zentrali. sierung des gesamten Sparkassen- Revisionswesens beim Sparkassenausschuß des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und den Mitgliedsverbänden. Ihnen wurde von der Aufsichtsbehörde das dieser zustehende Recht der unvermuteten Sparkassenrevision übertragen. Die einzelnen Punkte sind in dem Erlasse des Preußischen Ministers des Innern vom 31. Dezember 1925 geregelt worden. Vorerst bezieht sich diese Regelung nur auf Preußen; es wird aber angestrebt, sie auf alle deutschen Sparkassen auszudehnen. Zur Aus- und Fortbildung der Revisoren wurde erstmalig im Februar 1925 in Weimar ein Lehr- und Aussprachekursus abgehalten, der sehr gute Ergebnisse zeitigte und zu einer ständigen Einrichtung des Verbandes werden wird. In der Zentralisierung und Verbesserung des Revisionswesens liegt eine starke Gewähr für eine ordnungsmäßige und den gemachten Erfahrungen angepaßte Abwicklung des Geschäftsverkehrs der Sparkassen, Ans dem Gebiete der Werbetätigkeit, die überall, ins besondere aber in Schule und Haus intensiv betrieben wurde, verdient besondere Erwähnung der Weltspartag, der zum erstenmal am 31. Oktober 1925 veranstaltet wurde, in Presse, Schule und Offentlichkeit große Beachtung fand und den Sparkassen gute Erfolge einbrachte. Die Reichsregierung hatte mit einem kurzen Geleitwort den Auftakt gegeben. Erfreulicherweise haben die Schulaufsichtsbehörden fast aller Länder in Erlassen auf die unbedingt notwendige Erziehung der Jugend zu sparsamer. einfacher Lebenshaltung hingewiesen und den Lehrern die Mitarbeit an dieser hohen volkserzieherischen Aufgabe dringend ans Herz gelegt. 2. Abteilung für das Girowesen. m Zur Zuständigkeit der Abteilung für das Girowesen gehören nicht nur die Fragen des reinen Zahlungsverkehrs( Giroverkehrs), sondern auch alle bankmäßigen Aufgaben der Organisation. Vordergrund standen Kredit. und Anleihefragen. Von besonders einschneidender und grundsätzlicher Bedeutung war der in der ersten Jahreshälfte gefaßte Beschluß, das Privatkredit. geschäft der Girozentralen einzuschränken. War von jeher die Betätigung auf diesem Gebiete nur Nebenzweck, um durch Erweiterung der Anlagemöglichkeiten eine bessere Liquidität und Rentabilität herbeizuführen. so zwang die nach Stabilisierung unserer Währung sehr bald wieder einsetzende Kreditnot der Kommunalverbände zur Beschränkung des Kreditgeschäfts im wesent lichen auf die Kommunen und die ihnen nahestehenden Unternehmungen. Dadurch sollte zugleich verhütet werden, daß die Girozentralen von der schweren Stabilisierungskrise unserer Wirtschaft and den durch sie verursachten Insolvenzen zu stark berührt würden. In den beiden Fällen Bayern and Ostpreußen( wegen Danzig), in denen leider trotzdem infolge besonderer Umstände Verluste aus dem Privatkreditgeschäft eingetreten sind, welche von den betroffenen Girozentralen nicht ohne weiteres aus eigenen Mitteln gedeckt werden konnten, sprang die Gesamtorganisation freiwillig helfend in der Weise ein, daß durch Hingabe eines Darlehns zu besonderen Bedingungen an den beteiligten Giroverband eine Sanierung ohne Rückgriff auf die haftenden Kommunalverbände in die Wege geleitet wurde. Da aus Anlaß dieser unliebsamen Fälle in bezug auf die Haftungsfrage wiederholt irrige Auffassungen auch in den Kreisen der Kommunalverbände aufgetaucht sind, so möchten wir hiermit ernent feststellen, daß zwar die einzelnen Giroverbände and die der Organisation angeschlossenen Landesbanken für die Verbindlichkeiten der Deutschen Girozentrale haften, nicht aber die letztere für die Verbindlichkeiten der einzelnen Girozentralen bzw. Landesbanken. In fast allen Fällen der Sonderkredite mußte eine unzureichende Bericksichtigung der Sparkassen und Girozentralen festAktiva. gestellt werden, die zu Lasten Ihres mittelständischen Kundenkreises ging. Um eine zu starke Benachteiligung des letzteren zu ver meiden, sal- en sich infolgedessen die Girozentralen verschiedentlich veranlaßt, aus eigenen Mitteln wenigstens noch einen gleich hohen Betrag, wie ihr Anteil an den Sonderkrediten ausmachte, zur Verfügung zu stellen. Wenn auch anzunehmen ist, daß die Bereitstellung von Sonderkrediten aus öffentlichen Mitteln mehr und mehr aufhören wird. so müssen doch die Mängel einer solchen einseitigen Kreditverteilung hier festgehalten werden. Die Hauptaufgabe der Girozentralen, das Kommunalkreditgeschäft. stand im Berichtsjahre ununterbrochen im Vordergrund: soweit die Geldmarktverhältnisse es irgend zuließen. wurden den Kommunalverbänden kurzfristige Darlehen gewährt. Die schwierige Frage der Beschaffung langfristigen Kommunalkredits tildete ständig einen Hauptgegenstand der Be ratungen in der Organisation. Diese führten schließlich Ende d. J. zur Emission einer einheitlichen inländischen Kommunalanleihe. Durch Privileg vom 15 Dezember 1925 erhielt der Deutsche Sparkassen- und Giroverhand die ministerielle Genehmigung, in Gemeinschaft mit seiner Bankanstalt, der Deutschen Girozentrale Deutschen Kommunalbank eine langfristige Inhaberanleihe Deutsche Kommunalanleihe in Form Von Schuldverschreibungen auf den Inhaber im Inlande bis zum Betrage von 20 Millionen Reichsmark auf Feingoldbasis aufzulegen. Berlin, im Januar 1926. Der Präsident: Dr. Kleiner. Geb. Regierungsrat. Jurseh, Stadtrat a. D. Die Geschäftsführer: Cremer. Direktor. Graf Reventlow, Landrat a. D. Deutsche Girozentrale Deutsche Kommunalbank Die Geschäftspolitik der Bankleitung war auch im abgelaufenen Geschäftsjahr im wesentlichen darauf gerichtet. die der Deutschen Girozentrale zugewiesene Stellung als Zentralbank and Geldausgleichsstelle der Sparkassen und Girozentralen auszufüllen. Eine Reihe von Widerständen war zu beseitigen. Das Mißtrauen, mit dem noch immer manche öffentlichen und privaten Stellen den Be strebungen der kommunalen Giroorganisation begegnen, wirkt sich in mannigfacher Weise hemmend aus. Trotzdem muß auch die äußere und innere Entwicklung der Bank als befriedigend bezeichnet werden. Sie ist gekennzeichnet durch das Anwachsen der Bilanzsummen von rund 197 Mill, RM. Ende 1924 auf rund 309 Mill. RM. Ende 1925. Daß nicht eine Steigerung des Gewinnes im gleichen Verhältnis eingetreten ist, findet seine Erklärung im wesentlichen dem Rückgange der Zinsmarge zwischen Debet- und Kreditzinssätzen während des Berichtsjahres, dem Fortfall eines Gewinnes aus den eigenen Wertpapieren und den erhöhten Aufwendungen. die die Aufrechterhaltung einer einwandfreien Liquiditätspolitik, namentlich im zweiten Halbjahre, erforderte. Die Entwicklung des Geldmarktes in der letzten Zeit erleichterte zwar die Aufrechterhaltung der Liquidität, die, wie die Bilanz zeigt. am Schlusse des Jahres einwandfrei ist. Die gleichen Umstände verschlechterten aber indirekt in gleichem Maße die Rentabilitätsaussichten des neuen Geschäftsjahres. Selbst wenn eine allgemeine Seckung der Habenzi issätze innerhalb der Organisation eintritt, wird es schwierig sein. kurz fristige Geldanlagen mit Gewinn zinstragend zu belegen, da aus Zweckmäßigkeitsgründen eine Erhöhung des im Privatkreditgeschäft arbeitenden Kapitals vermieden werden soll, mit kurzfristigem Kredit den Kommunalverbänden nur in beschränktem Maße gedient ist und die Diskontierung von Warenwechseln in höherem Umfange wegen der fehlenden Rediskontmöglichkeit sich ver' letet. Wie in dem die Abteilung für das Girowesen behandelnden Abschnitt bereits erwähnt, hat die Deutsche Girozentrale das Privat kreditgeschäft stark eingeschränkt. Nach der Bilanz vom 31. Dezember 1925 beträgt die Gesamtsumme des im Privatkreditgeschäft der Dentschen Girozentrale und ihrer Zweiganstalt Frankfurt a. M. investierten Kapitals weniger als 1/ der Gesamten Bilanzsumme. Hieraus ergibt sich. daß die im Privatkreditgeschäft arbeitenden Beträge im Verhältnis zu den im Kommunalkreditgeschäft und ant Nostrokonten angelegten großen Summen keine entscheidende Rolle spielen. Die Hergabe von Privatkrediten ist in jedem Falle nur gegen vorschriftsmäßige Deckung erfolgt. Soweit bei einigen noch aus der Zeit der Überbewertung der Sachwerte stammenden Krediten der derzeitige Verkaufswert der Unterpfänder im Falle einer zur Abwicklung der Kredite erforderlichen Veränßerung dieser Pfänder den Kreditbetrag nicht vollständig decken sollte. ist einer solchen Wertminderung vor Aufstellung der Bilanz für 1925 durch Rückstellungen Rechnung getragen worden. Emissionsgeschäft. Die Verhältnisse am Anlagemarkt haben sich im Berichtsjahre wenig verändert. Wenn auch die Unterbringung gering Beträge von langfristigen Kommunalanleihen möglich war. so konnte dies doch nur zu Bedingungen geschehen, die uns für die Kommunalverbände nicht tragbar erschienen. Wir haben deshalb während des abgelaufenen Jahres zunächst davon Abstand genommen, mit neuen Kommunalanleihes an den Markt zu gehen. Erst am Ende des Jahres 1925 war insofern eine Besserung der Verl.ältnisse eingetreten, als sich ein Absatz von Kommunalanleihen unter wohl immer noch harten, aber doch einigermaßen erträglichen Bedingungen ermöglichen ließ. Elgene Wertpaplere. Unter den Beständen an eigenen Wertpapieren( insgesamt RM. 6 474 072,66), die gemäß den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches bewertet sind, befinden sich festverzinsliche. Wertpapiere im Bilanzwert von RM. 4 205 776,19. Das Effekten Kommissionsgeschäft war während des größten Teiles des Berichtsiahres der Börsenlage entsprechend wenig rege; die daraus fließenden Erträge reichtan daher nicht aus, um die Kosten des zur Abwicklung des Geschäftes im Interessa der Gesamtorganisation unterhaltenen Apparates zu decken. Bilanz per 31. Dezember 1925 1. Noch nicht eingezahltes Betriebskapital 2. Kassenbestand a) Bar b) Bestand an Zinsscheinen u. fremad. Geldsorten 3. Guthaben bel Noten- und Abrechnungsbanken... 4. Weehsel. Seheeks und unverz. Sehatzanwelsungen a) unverzins). Schatzanweisungen 5. Guthaben bel: Passiva. 1. Betriebskapital...... 2. Rücklagen........ 3. Gläubiger a) Verpflichtungen bei der Reichsbank und der Staatsbank b) seitens der Kundschaft bei dritten benutzte Kredite( Akkreditive) e) Guthaben anderer Girozentralen, Bowie deutscher Banken und Bankfirmen RM Pt 1 250 000 169 062,90 388 008,20 557 071 10 1 174 303 44 13 472 875,90 b) Wechsel und Schecks......... .58 698 987,05 73 171 862 95 a) Staatsbank and öffentl.- rechtl. Kreditanstalten 43 891 320,42 b) sonstigen Banken 2 923 084,94 46 814 405 36 23 384 500 6474 072 66 6 741 379,07 4. Langfristige Antelhen 2009 375, ......... 40 376 898,34 49 127 652 41 6. Lombarddarlehen an Banken und sonstige( Tägliches Geld) 7. Eigene Wertpapiere.. 8. Außenstände in laufender Rechnung a) bei Sparkassen............ b) bei Kommunalverwaltg. u. deren Verbänden o) sonstige...... Avaldebitoren 5 157 054,07 9. Darlehen mit festen Laufzeiten a) kurzfristige Termingelder( auf 1 bis 12 Monate). b) langfristige teste Darlehen 1 und mehr. Jahre).. e) langfristige Tilgungsdarlehen d) aufwertungspflichtige Papiermarkforderungen Darleh Papiermk. 1 169 404 375,65 d) Einlagen auf provisionsfreier Rechnung I. innerhalb 7 Tagen fällig II. darüber hinaus bis zu 3 Mon. einschließl. fällig 200,-> 37 233,55 63 657 732,20 RM 【 H- 8 20 000 000 1989.376 06 • 48 455 451,10 118 438 444,70 282 479 360 81 III. später als nach 3 Mon. tällig 51 890 299,26 Avalverpflichtungen......... 5 157 054,07 a) langfristige feste Gelder 2 500 000, 1 011 615,15 Papier b) im Umlauf befindliche Obligat. o) aufwertungspflichtige markverpflichtungen a) Darlehen Papiermark Anleihen Pa piermark 1 076 198 532,69 *** 706 695 000, 5. Noeb nicht eingelöste Zinsscheine.. 6. Am 31. Dezember 1925 autellig fällige Zinsen .... 97 643 374,85 ( saf 4 308 757,20 865 569,91 1, 102 817 702 96 7 Betriebsübersehns 19545 75 30 510 806 745 67 3 930 174 69 485374 70 1 10. Am 31. Dez. 1925 anteil. fäll. Darlehnszinsen 11. Disagio- Konto 12. Dauernde Beteiligungen 13. Bankgebäude 14. Sonstige Gebäude und Grundstücke 15. Inventar. Soll 309 043 922 69 Gewinn- und Verlust- Rechnung per 31. Dezember 1925. 1. Geschäfts- und Verwaltungskosten, einsohl. der Goschäftsunkosten des Verbandes 2. Abschreibungen auf Gebäude und Inventar. 3. Betriebsübersehuß Berlin, im Januar 1926, Dz Kleiner Jursch Haben 2, 991,36 3 511 616 15 158 844,92 28 159836 903 733 39 309 043 922 69 RM 4250 249 52 415468 88 903 733 39 PI RM Pt 1. Gewinns: an Zinsen 3 927 536,28 59 Provisionen. Zinsscheinen und Sorten....... 1 621 523,19 17: 392,32 5: 569-451 79 5569 451 79 5.569 451 79 Deutsche Girozentrale. - Deutsche KommunalbankGebrka Oeffentliche Bankanstalt. Das Direktorium. Müller Schneider. Sobosla Seats Wiechert Nr. 55 43. Jahrgang thud 2. Beilage des Vorwärts Die Roggenbrotpropaganda. Neue Zwangswirtschaft- ein untangliches Mittel. Aus Genossenschaftstreifen erhalten wir folgende, noch als ein großes Brot berfaufen. Hinzu kommt, daß sich, Ausführungen: Das Jahr 1925 brachte uns eine gute Ernte; namentlich in Getreide war die Ernte sehr gut. Ein alter taufmännischer Grundsatz besagt, daß sich die Preise nach Angebot und Nachfrage regeln. Es war deshalb ganz erklärlich, daß infolge dieser sehr guten Ernte die Preise für Getreide, namentlich für Roggen und damit im weiteren Verfolg für Roggenmehl gegenüber dem Vorjahr einen niedrigeren Stand erreichten. Die Landwirtschaft, nicht zus frieden damit, daß sie eine gute Ernte hatte, fie wollte für diese gute Ernte auch hohe Preise haben bemüht sich seit Monaten um einen Schuß der Regierung. Dieselben Kreise, die sonst nicht laut genug gegen Zwangswirtschaft wettern konnten, verlangten von der Regierung, daß die so verhaßte, in Liquidation befindliche Reichsgetreidestelle weiter bestehen bleibe und in größeren Mengen Getreide auftaufe, um dadurch die Preise in die Höhe zu treiben. Der Plan ist bis jetzt noch nicht geglückt. Seit einigen Wochen gehen dafür andere Pläne durch Presse und Barlament. Um die Absatzfrisis im Roggen, wie man so schön sagt zu beseitigen, soll durch gesetzgeberische Maßnahmen veranlaßt werden, daß dem Publikum die Möglichkeit genommen wird, Weizengebäd in feitheriger Weise verzehren zu können; wenigstens am ersten Tage, das Brot länger feucht erhält und somit den Gewichtstontrollen der Polizei eher Rechnung getragen werden kann. In späteren Tagen ist allerdings ein mit Weizenmehl start vermischtes Roggenbrot nicht mehr gut, es ist strohig, wie man zu sagen pflegt. Wir haben uns überzeugt, daß das Brot der Konsumgenossenschaft noch einen sehr guten Geschmad hat, auch wenn es schon einige Tage alt ift. Schrippen und Schwarzbrot. Die Konfumgenossenschaft stellt auch Schrippen unb Rnüppel her. Um einmal festzustellen, welche Berechtigung denn das Gerede, daß die Arbeiterschaft fein Roggenbrot haben will, überhaupt hat, stellte uns die Konsumgenossenschaft folgende Zahlen zur Verfügung. Sie hat im November 1925 rund 1416 000 Kilogramm Brot und Kleingebäd hergestellt. Davon ent fallen rund 91 Pro3. auf Roggenbrot, 6 Prog. auf Schrippen und knüppel, die übrigen 3 Broz. entfallen dann auf ihre Spezialbrote. Die Mitgliedschaft der Konsumgenossenschaft setzt sich zu 95 Proz. aus Lohn- und Gehaltsempfängern zusammen. Wenn hier solche Resultate vorliegen, ist wirklich nicht einzusehen, wie man es wagen fann zu sagen, im brot betrieben werden. Nein, hier soll jedenfalls nichts anderes getan, als der Roggen bauenden Landwirtschaft ein be. sonderer Liebesdienst erwiesen werden. 頸 鹿 Mittwoch, 3. Februar 1926 richt start zu; mie start, sieht man wegen ber fehlenden Speziali fierung leider nicht. Die Summe der Wechselschecks und unverzinslichen Schahzanweisungen ist jedenfalls nur von 166,9 auf 168,5 Milhtonen erhöht. Das Vermittlungsgeschäft in Berk. papieren ging( abgesehen von den letzten Monaten) zurüd. Die Börsentätigkeit ist offenbar sehr lebhaft, wie sich aus der Erhöhung der Reports und Lombards von 4,5 auf 24,0 millianen ergibt. Die sonstigen Schuldner find von 108 auf 128 Millionen erhöht und reichlich( mit 109,9 Millionen) gedeckt. Unter den Passiven find die ganz furzfälligen Verpflichtungen sehr starf erhöht, Don 104 auf 215 Millionen; die längerfristigen starf zurüdgegangen, von 230 auf 182 Millionen. Ein Zeichen, wie sich die imgesunde Flüssigkeit des Geldmartts auch hier ausmirit. Der Reingewinn( die Gewinne aus dem Geschäft der Auflegung und Vermittlung von Wertpapieren ist vorweg reserviert) beträgt 5,46 gegen 4,60 Millionen. Daraus fommen 2 Millionen auf den Reservefonds, der danach mit 10 Millionen ½ des Attienkapitals ausmachen wird, 1 Million wird auf das Bankge bäude abgeschrieben( bisher 6 Millionen), 6 Broz. fommen auf die Dividende und 0,38 Millionen werden vorgetragen. Trotz des größeren Umfanges der Geschäfte sind die Geschäftsunfosten nur unwesentlich höher als im Vorjahr, was auf eine rationelle Betriebsführung schließen läßt und erfreulich ist. Erfreulich ist auch, daß Geschäftsbericht und Bilanz sehr früh, schon 4 Wochen nach Jahresabschluß herausgebracht wurden. Das Ergebnis der Börsenhause. Im Laufe des Monats Januar erlebte die Börse wieder einmal Kurssteigerungen von größerem Ausmaß. Das Ergebnis dieser Privatbant folgendermaßen dar. also Zwangswirtschaft auf der anderen Seite. Bei den in Betracht Intereffe der Volksernährung müsse Propaganda für mehr Roggen Hausfebewegung stellt sich nach der Statistik der Kommerz- und fommenden Regierungsstellen scheint ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt zu sein. Die sonst von anderen Stellen gemachten Vorschläge gehen dahin, daß das Baden von Weizenbrot nur an einigen Tagen in der Woche gestattet sein soll. Man will die Einfuhr von Weizen vollständig unterbinden. Man beabsichtigt, das Roggenmehl nicht mehr so hoch wie heute ( 70 Broz.), sondern nur zwischen 50 und 60 Broz. auszumahlen, um ein weißeres Roggenbrot auf den Markt zu bringen, wodurch erreicht werden soll, daß sich das Publikum von dem Verzehren des Weizengebäcs abwendet und zum Roggenbrot zurückkehrt. Die deutſche Bevölkerung hat auch eigen in den letzten Jahren ein größeres Verlangen nach Weizengebäd gehabt, als in den Borkriegsjahren. Das ist auch ganz erklärlich, denn nach dem jahrelangen Genuß von dem manchmal recht fragwürdigen Brot, das gegen Karten ausgehändigt wurde, fann man es wirklich dem Publikum nicht verdenken, wenn es sich einmal nach einem anderen, ihm mehr zusagenden Gebäck gesehnt hat, ganz abgesehen davon, daß ja die Berfeinerung des Geschmads schließlich mit ein Bestandteil der fulturellen Entwidlung ist. Weißes Roggenmehl- teureres Brot! Um den Roggenabsatz zu heben, wird nun von Mühlenbesitzern vorgeschlagen, in Zukunft ein recht weißes Roggenmehl zu verbaden. Auch in den Kreisen der Bäckermeister scheint dafür Stimmung vorhanden zu sein. Das hätte jedoch nur zur Folge, daß das Brot teurer werden muß, denn ein zwischen 50 und 60 Broz. ausgemahlenes Roggenmehl muß natürlich mehr fosten, als ein zwischen 65 und 70 Broz. ausgemahlenes. Je niedriger der Roggen ausgemahlen wird, desto geringer ist auch die Ausbeute des Mehles, d. h. es gibt aus 1 Sad 50prozentigem Mehl nicht so viel Brote, als aus 1 Sad 70prozentigem Roggenmehl. Die in Aussicht gestellten Maßnahmen der Regierung, das Roggenmehl niedriger auszumahlen, um das Bublifum anguregen, Roggenbrot zu essen, hätten also zunächst eine Verteuerung des Roggen brotes zur Folge, wobei dann die Frage noch offen bleibt, was denn aus dem Nachmehl werden soll, welches entsteht, wenn der Roggen so niedrig ausgemahlen wird. Der Absatz am Roggenbrot. Es wird geklagt darüber, daß der Roggenbrotumfaz überhaupt toloffal zurüdginge, ja, die Bäckermeister erklären sogar, daß sie Roggenbrot mir noch verkaufen können, wenn sie dem Roggenmehl mindestens 25 Proz. Weizenmehl beimischen. Wir haben uns in der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend erfundigt; von dort wird diese Angabe ganz entschieden bestritten. Die Konsumgenossenschaft mischt, mit Rücksicht auf die derzeitige Betriebsweise, ihrem Roggenbrot mur einen ganz geringen 3ufchuß von Weizenmehl bei. Sie verarbeitet andererseits erstklassige 70prozentige Berliner und 65prozentige Provinzmehle. 3hr umfaß an Roggenbrot hat der Menge nach eine Steigerung zu verzeichnen. So wurden z. B. bei der Konsumgenossenschaft im November 1924 1 185 000 Kilogramm Brot hergestellt, im November 1925 1 277 000 Rilogramm. Die Genossenschaft ist der Meinung, daß diefe Steigerung des Umsatzes an Roggenbrot sich daraus ergibt, daß sie 1. ein sehr gutes Qualitätsbrot auf den Martt bringt, andererseits mit ihrem Brot pro Pfund um 2 bis 3 Pf. billiger ist, als es sonst in Berlin der Fall ist. Wenn in der größten Bäckerei diese Resultate zu verzeichnen sind, dann dürfte wohl auch in anderen Bäckereien die Notwendigkeit zur Beimischung von größeren Mengen Weizenmehl nicht vorliegen. Wenn es trotzdem geschieht, so werden, wie uns scheint, andere Motive mitspielen. Zunächst ist es ja bekannt, daß das Weizen mehl mehr Wasser annimmt, als Roggenmehl. Je höher also der Prozentsatz Weizenmehl ist, den man dem Roggenmehl beimischt, Im so verhältnismäßig größer wird auch die Ausbeute, d. h. die Gewichtsmenge Teig sein, die sich aus der Gewichtsmenge Mehl ergibt. Außerdem wird infolge Beimischung des Weizenmehles die Gärkraft gesteigert; das Brot bekommt ein größeres Aussehen und man kann dem Publikum ein im Gewicht leichteres Brot immer Arbeitslosigkeit und Brotfonfum. Wir sind der Meinung, wenn infolge eines guten Erntejahres die Preise niedriger werden, dann soll man dem Volte das gönnen, umso mehr, als wir zurzeit uns noch in einer der größten wirtschaftlichen Krisen befinden, die wir je durchlebt haben. Es dürfte aber auch noch zu beachten sein, daß gerade diese Krise den Konsum von Roggenbrot wesentlich einschränkt. Der Erwerbslose und der Kurzarbeiter wird nicht in dem Umfange im Laufe des Tages Stullen zum verzehren mitnehmen, wie er das macht, wenn er normalerweise zur Arbeit geht. mit den fargen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, muß die Frau viel mehr Einschränkungen sich auferlegen in der Wirtschaftsführung, als es bei regulärem Verdienst der Fall wäre. Es werden deshalb Kartoffeln das Brot des armen Mannes" und Gemüse durcheinandergefocht, und zu der Zeit, wo man sonst zu Stullen greift, wird, wenn nicht überhaupt gehungert werden muß, eben dieses durcheinandergekochte Essen verzehrt. Es geht dabei, wie bei manchen anderen Fragen auch: gebt dem Arbeiter Arbeit und lohnenden Verdienst, es wird damit er den Konsum heben fann, und Niemand Veranlassung haben, über nicht genügenden Konsum unserer heimischen Getreidearten sich beklagen zu müssen. Aber jeder ge feßliche Eingriff ist überflüffig, muß daher abge. wiesen werden! Die Großbank des Reiches. Der Abschluß der Reichskreditgesellschaft. Benn man den Geschäftsbericht der Reichskreditgesell schaft A.-G. durchsieht, merkt man nicht viel davon, daß es sich um ein Bantunternehmen des Deutschen Reiches handelt. Beachtet man, daß im Aufsichtsrat außer hohen Beamten und Direk toren von Reichswerten nur der Reichsverband der deutschen In dustrie, die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, und der Anilintrust vertreten sind, so könnte man eher auf eine feudale In dustriegroßbant, als auf eine öffentliche Bankanstalt schließen. Jeden falls hatte man start den Eindruck in den letzten zwei Jahren, in denen der Einfluß der Industrie auf die Reichspolitik sehr groß war, daß bei der Reichskreditgesellschaft ihr ausgesprochen gemeinwirtschaftlicher Charakter nicht sehr deut lich wurde. Es ist bedauerlich, daß der Geschäftsbericht diesen Ein drud keineswegs abschwächt. Wir wollen das heute nur einmal feststellen. Prüft man Geschäftsbericht und Bilanz der Reichskredit A.-G. auf ihren Charakter als Großbant, so ist man enttäuscht: Drei Seiten über die Wirtschaftslage, eine Seite Bilanzbemerkungen und endlich eine Bilanz, wie sie summarischer faum eine private Großbant aufstellt. Obwohl sie weitgehend Vermittlerin zwischen öffentlichen Geldern einerseits und Geldbedarf von Börse und Industrie andererseits ist, unterbleibt jede Aufklärung über die Größe und die Dienste der öffentlichen Gelder für Börse und Wirtschaft. Kein Wort auch über die Beteiligung bei Industrieftützungen und Interventionen auf der Börse, in denen die Reichskreditgesellschaft mehrfach hervorgetreten ist. Die Geschäftszweige der Reichs: treditgesellschaft sind gewiß noch nicht so zahlreich wie die alter Großbanfen, aber die Schazanweisungen sollten wenigstens don den Wirtschaftswechseln getrennt, die Borschüsse auf Waren und Warenverschiffungen müßten nach der Deckung und die eigenen Wertpapiere nach ihrer Zusammensetzung spezialisiert sein. Dasselbe gilt für den Gläubigerposten. Bon den in Berlin notierten Werten standen Ende Januar auf und über Parität 15 Broz. gegenüber 9,8 Proz. Ultimo Dezember. 85 Proz. notierten noch unter Bari gegenüber 90,2 Proz. am Ende des Vormonats. Die Zahl der unter 50 Pro 3. stehenden Werte hat sich erheblich vermindert, und zwar auf 38,9 Proz. gegenüber 46,4 Broz. Ende Dezember. Die verhältnismäßig größte Zunahme haben diejenigen Attien erfahren, die zwischen 75 und 100 Proz. und zwischen 100 und 150 Broz. notieren. Auch die Zahl der über 150 Broz. stehenden Aktien hat fich recht beträchlich gehoben. Das sich Ende Januar ergebende Bild entspricht ungefähr dem Stande von Ende September bzw. Mitte Oktober 1925, ein Zeichen dafür, daß die Aufwärtsbewegung im ganzen feineswegs über den noch vor wenigen Monaten herrschenden Stand hinausgegangen ist. Nur Schiff. fahrts und Montanmerte haben sich in stärkerem Maße als die übrigen befestigt und übertreffen das Ende September bzw. Mitte Oktober vorigen Jahres bestehende Niveau. Gegenüber dem Dezember haben sich außerdem noch die Aktien der Elektri 3itätsgesellschaften, der Braunkohlen- und Kalibesondere diejenigen Aktien, die voraussichtlich mit einer Dividende werfe und auch der chemischen Industrie beträchtlich erholt, insverbunden sein werden. Arbeitsbeschaffung und Reichsbahnaufträge. Ueber den Umfang der im Laufe des nächsten Jahres fälligen Arbeiten der Reichsbahn und den Geldwert der Aufträge verbreitet eine Korrespondenz folgende Mitteilungen: Die Erneuerung des Oberbaues auf der Eisenbahn sowie die Nachholung der Rückstände aus den Jahren 1915 bis 1924 hat sich als eine dringende Notwendigkeit erwiesen. Diese Rückstände an Gleiserneuerungen erstrecken sich auf rund 9600 Kilometer. Die Gesamtkosten für diese Arbeiten sind wie die Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen" schreibt auf mindestens 430 Millionen Mark zu schäzen. Dazu kommen noch die Kosten für die planmäßige Erhaltung und Erneuerung, so daß in den nächsten Jahren insgesamt etwa 520 Millionen Mart jährlich aufzuwenden sind. Inwieweit dieses Programm ganz durchgeführt werden kann, hängt von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft ab. Es erscheint notwendig, daß die Reichsbahnaufträge jetzt mit größter Bejchleunigung in Angriff genommen werden. Die Bemühungen des Reichswirtschaftsministeriums gehen bekanntlich dahin, zunächst einmal Aufträge in Höhe von 40 bis 60 Millionen Mart beschleunigt zu vergeben. Auch für die übrigen Arbeiten der Reichsbahn muß sich eine Möglichkeit der Finanzierung finden. Gerade der gegenwärtige Zeitpunft ist zur Ausführung solcher Arbeiten um jo mehr geeignet, als man damit vielen Zehntausenden von Erwerbslosen Beschäftigung und Lohn sichern kann. Der Dezemberreford der Konfurse im Januar überholt. Wie die Konkursziffer im Dezember, die mit 1683 Konfurien bisher den die Zeitschrift Die Bank" nach einer eigenen Statistit feststellt, ist Reford stellte, im Januar noch weit übertroffen worden. Es wurden danach 2104 Konkurse neu eröffnet. Auch die Ziffer der Geschäftsaufsichten ist erhöht, und zwar von 1397 auf 1573. Diese Stei gerung ist eine leberraschung, die man nach dem Weihnachtsgeschäft und den Inventurverkäufen faum hätte erwarten sollen. Ein Zeichen, daß der Höhepunkt der Krisenwirkungen zum mindesten im Januar noch nicht überschritten mar. Reparationslaften und Reparationsgewinne. Aus dem Dollar anleiheprospekt der Rhein- Elbe- union erfährt man allerlei Interessantes. Den Wert ihres Befiges schäzen die drei Montan merke auf 214 Mill. Dollar oder mehr als 850 Mill. Mark(!). Die Gesamteinnahmen( wohl Einnahmeüberschüsse. D. R.) betrugen 1925 über 35 Millionen Mark. Der Gesamt eg port hat 1925 den Betrag von rund 122 Millionen erreicht; darunter Repara tionslieferungen von über 28 Millionen Mart. Die letzte Ziffer ist besonders beachtenswert. Die Reparationsliefe rungen betragen fast ein Biertel des Gesamterports. Dabei ſteden in ihnen die höchsten und sichersten Gewinne. Man sieht, die lebt auch von ihnen und freut sich an ihnen. Das Schimpfen dürfte Schwerindustrie schimpft, nicht nur auf die Reparationslasten, fie Wie bei dem 1925 gewachsenen Wirtschaftsumfang Deutschlands natürlich, hat sich der Umsaß der Reichstredit A.-G. gegenüber dem Vorjahr erhöht; von 22,2 auf 28,6 Milliarden. Die Bilanz summe ist gestiegen von 382 auf 442 Millionen. Das Geschäft in Warenwechseln und Bantatzepten nahm nach dem Be- e daher ruhig denen überlassen, die die Reparationslasten tragen und bezahlen. Fritzi Massary die unvergleichliche Js Zigarette erfreut täglich Tausende Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Bindenitrage 3. Geburtstage, Jubiläen uf. für Groß- Berlin 20. st. tente. Unter Genoffe Albert Lautenschläger, Benefiz. 6. felezi ffets an das Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Eres. rechts, au richtea SPD.- Genossen des Bezirksamtes Kreuzberg! Donnerstag, den 4. Februar, 7 Uhr abends, im Restaurant von Bieler, Dieffenbadyfir 76, Berfammlung aller SPD.- Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: Bichtige allgemeine Aussprache. Erfcheinen Pflicht. Der Fraktionsverftand. 3..: Menet. 7. Areis Charlottenburg. Donnerstag, ben 4. Februn, abends 7 Uhr. Schillerftr. 26, im Erbgefchos rechts. Dhertertia, Bortrags- und Ausforache. abend der Freien Schulgemeinde. 1. Die meltliche Schule und ihre Gegnerfchaft. 2. Sbre Einführung au Oftern 1926. 14. Areis Reutölin, Donnerstag, den 4. Februar, abends 7 Uhr, erweiterte Areisvorstandsfihung an der befannten Stelle. 12. Areis Bantom. Am Donnerstag, ben 4. februar, abends 9 Uhr. frat tions und Rreisdelegiertenversammlung in Bankow, Rothaus, Breite Stroke, Sikunastaal. Heute, Mittwoch, den 3. Februar: 33. Bt. Am Mittwoch findet eine Funktionärligung ftatt. Dafür findet diefelbe am Sonnabend, den 6. februar, nachmittags 5% Uhr, bei Loja?, Benmeftr. 8. ftatt. 104. Abt. Niederschöneweibe. 7 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38. Borftands Thung. Morgen, Donnerstag, den 4. Februar: 11. t. 7 Uhr bei Berger, Levekemffe. 21, Funktionärihung. 30, bt. 7 Uhr bei Soffmann, Endener Str. 8, Funktionärfihung. 78. Abt. Schöneberg. 8 Uhr bei Könia. Feurig, Ede Bring- Georg- Straße, Funktionärsikung. 107, bt. Alt- Glienice. 8 Uhr bei Neumann, Gartenstadtstraße, Borstands fikuna. 6, heute fein 25jähriges Barteijubiläum. Bir gratulieren ihm beralichft. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 131. Abt. Rieberichönhausen. Genoffe Herbert Bebr. Siethenftr. 35, in ver ftorben. Beerdigung heute nachmittag 3 Uhr Friedhof Germanenstraße( Nähe Schönhola). 137. Abt. Mcinidendorf. Am Freitag, den 3. Februar, nadmittags 5 Uhr, findet die Einäfcherung unferes verstorbenen Genoffen Auguft Schmidt im Krematorium Gerichtstraße statt. Die Genoffinnen und Genossen, welche tant die lekte Ehre erweisen, treffen sich nochmittags 41 Uhr im Boltshaus Scharne weberftr. 114. SPD.- Holzarbeiter! Am Donnerstag, abends 7% Ahr, findet in den Andreasfestfälen Andreasstr. 21, eine Vollversammlung aller im Deulichen Holzarbeiter- Verband organisierten Genoffen ffaff. Tagesordnung: 1. Unser Kampf in den Gewerkschaffen". Referent: Genosse H, Harnisch. 2. Aussprache und Verschiedenes. Parteiausweis legitimiert. Reftlose Beteiligung erwartet Der Werbeausschuß. Jugendveranstaltungen. Achtung, Raffierer! Seuie, Mittwoch, Abrechnung von 5-7 2hr. Title: Samenbbele Doffefte. 23 Stenberg Norb: Teriaus t- tes Lichtenberg: Befalossi- Engeum. Prins Albert- Str. 44. Subast( Re.Henberger Viertel: Reichenberger Str. 66, Bortrag: Indische Falire". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin G. 14. Sebaftienftr. 37/38, Sof 2 r. Baffer portabteilung: Fr., b. 5., abenba 8 Uhr. Bollverf. in Alub haus, Ohmyftrake. Bortrag des Ram, Rechtsanwalt Racharias über Strafufa und Reichsbanner Rite:.. b. 5., abends 7 Uhr, im Hafenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11-12, Kreispolveri, Bericht von der Gay. tagang. Bebbing: Sugendkameraben heutz, Mi., pünktlich 7½ Uhr, im Ledigenheim Schönstedtstr. 1 Bortrag. Kreuzberg: Der Film Freies Boll" Täuft som 5.- 8. Februar in den Univerfum- Sidtfpielen, Belle- Alliance- Str. 99. Rarten für Kameraben aum Breife von 50 B. bei den Abteilungsführern. Rovenid unb Hutergruppen: r., b. 5., abends 6 Uhr, Antreten mit Tambour forps im Forsthaus der grünen Trift zum Ausmarsch nach Grünau. Deffent fiche Rundgebung gegen bie Fürftenobfindung. Weißenfee: Mi.. b. 3., abends 7 Uhr, Turn- und Uebungsabend in der Turnhalle. Antreten 7 Uhr Grüner Baum. Do., b. 4., abends 8 Uhr. Monaisvollverf. Grüner Baum, Bericht non Reinidendorf bar Gautaguna, Rahiebenb. nerfchiedene wichtige Machrichten. ( Areis): Ramt. August Schmidt, Orisoruppe Reinickendorf.Beft, ift geftorben. Die Einäfcherung erfolat t.. d. 5.. nadm. 5 Uhr, int Arematorium Gerichts freaße. Die Rameraber werten um recht achlreiche Beteiligung erfuht. Treff punkt 3½ Uhr Sportplak Sdarmmeberfirake. Reinidendorf- Bef TNT Beltliche Schulen Gotenburger Straße. Freiben. 3. Februar, abends 7 Uhr, in der Schulaula Citernuerfammlung, auch der Eltern, deren Rinder Oftern in die Schule lommen. Tagesordnung: 1. Bortrag über Bas bietet unfere Sdule?" 2. Besichtigung ber Edule. Berein Sosialistischez Berate. Generalversammlung Montaa. 8. Februar, 7 Uhr, im Rahnäratebaus( Bibliothefaimmer), Bülowftt. 104. Berliner Handwerker- Berein. Mittmodh. 8. Februar, 8 Uhr, Sophien( fr. 18, Vortrag von Wilhelm öllmer: Die Befteigung des Ailimandfchazo", ez Täutert durch Lichtbilder. 113. Abt. Schmödwin. 8 Uhr im Cafe Landhaus, Risternallee, Mitgliederver Abteilungsmitgliederversammlungen heute, Mittwoch, 7% Uhr: bruer, 8 Uhr, im Ulev, Alt- Moabit 10. Bortrag mit Lichtbildern. Referent fammlung. Alle Mitglieder milffen unbedingt erfcheinen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, Gruppe Neuögn: Die Selferfihung finbet nicht am Freitag, den 5.. fondern am Dienstag, ben 9. Februar, statt. Jungsozialisten. Gruppe Tiergarten: Mittwoch, den 3. februar, abends 8 Uhr, in der Vorwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 48, Bortrag der Genoffin Räthe Kern über Soziologie der Familie". Sonntag, den 7. Februar, abends 7 Uhr, im Internat der Sozialen Frauenfchule. Magdeburger Straße 7, Bunter Abend( Arbeiterdichtung). Gäfte ftets millkommen. Wedding: Schule Antonftrake. Selmholtplan: Schule Eberswalder Straße 10. Rofenthaler Vorftadt: Schule Gipsfir, 25a. Norbring: Schule Scherenbergstr. 7. Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 102-103. Fried richshain: Jugendheim Diestelmenerfte, 6-7. Often( Frankfurter Biertel): Jugendheim Rigger Str. 102-103. Luisenstadt: Schule Stallfchreiheritr. 54, Lantwik: Gemeindefdule Schulstraße. Tempelhof: Enzeum Germaniaſte. 4-6. Wannsee: Schule Charlottenstraße, Friedrichshagen: Jugendheim Scharn weberftr. 105, Riederschöneweide: Echule Berliner Str. 81. Friebrichsfelbe: Schule Berliner Straße. Kaulsdorf: Schale Adolfstr. 25. Lichtenberg Reitsbund ühischer Froniselbaten. Bezirk Moebit: Donnerstag. 4. Dr. Feliz Theilhaber. Bezirk Roa: Donnerstag, 4. Februar, 8 Uhr. Bereins Total Restaurant Raufmann. Alelfite, 14. Bortragsabend mit Damen. Referent Chefredakteur Egon Jacoblohn. Welterbericht der öffentlichen Welferdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Wolfig, nur unbedeutende Niederschläge, warm. Für Deutschland: Ueberal wollig und warm, in Westdeutschland mäßige, in Mitteldeutschland nur ge ringe Rieberschläge. Kaffee Hag der feinste Bohnenkaffee Hag- Probierstube Berlin, Kurfürstendamm 28. ist stets anregend, aber nie aufregend Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Tb. 8 Uhr: 8. Uhr Der Kaufmann Gastspield Saltenvon Venedig Morgen 8 Uhr Der befreite Don Quichotte Staats- Theater Opernhaus 12 Uhr: Sinfonie. Mittagskonzert 7% U: 7.SinfonieKonzert Opernhaus am Königsplatz 7% Cavalier. rusti cana- Bajazzo burgs Bühnen Kronprinzessin Luisc Kleines Th. 8 Uhr: Dybuk ( Der Dämon) von An- Ski Regie: Viertel Schauspielhaus Residenz- Th 8 Uhr: Ostpolzug 8 Uhr: Schiller Theater Die Durchgängerin 8: Wallenst. Lager Die Piccolomini Erika v. Tellmaus Kurt Vespermann Städtische Oper Thalia- Th. Charlottenburg 7 Uhr: Lohengrin Abonn- Turnus III. Deutsches Theater 8 Uhr: Juarez und Maximilian Kammerspiele 8 Uhr 8 Uhr Lene, Lotte, Liese Josefinens Töchter Wessely, Dora, Sabo, Baselt Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Anneliese v. Dessau Donnerst u Freit. Gastspiel von Ed. Lichtenstein Theat. d.Westens Tägl, 8 Uhr: Die letzte Gelicbie Das Spiel a. die Liebe Operette von Gilbert Die Komödie Friedenspreise Kurfürstendamm 206/7 M. 0,50 bis 10, 8 Unr Zum 125, Male: Deutsches Gesellschaft kunstl- Theater Nachm./ Uhr Tägl, 8 Uhr: 1. Kindervorstellung Paganini ..Der blaue Vogel" 11.15 Uhr Nacu vorstel ung Der blaue Yogel" Th.a.Kurfürstendamm Tägi. 8 Uhr. Die Nacht 26a verlorene Welt Der Kampf moderner Menschen mit vorsintflutlichen Tieren nach der berühmten Novelle von Conan Doyle First National- Film der Ufa Uraufführung: Freitag, d. 5. Febr. Ufa- Palast am Zoo Großes Sehauspielhaus Für Dich TÄGLICH 84 Central Theater Der Vorverkauf hat begonnen! Th. a. Kollendorfpl. Rose- Theater Neues Th. am Zos 8 Uhr: 8% Uhr: August Die offizielle der Starke Frau Altabendl. 8 Uhr: Guldo Operete na Aken Herrnfeld Thielscher in 3 Preise 1 M. bis 10 M. intimes Th 8 U.: Barnowsky- Bühnen Theater Höniggrätz.Sir. 8 Uhr: Zwei groß Schlager: Famil. Schmock תי Stöpsel lainePreise: Parkett1-2M. Park.- Faut.3-4 M. Orchest WINT BARTEN Die Ragruf Am 30. Januar, nachm. 5 Uhr, verfchied nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unfer guter Bater, Bruder, Schwager und Onlel, ber Stadtjugendpfleger und Stadt verorbuete 1608b Revuc der Liliputaner August Schmidt im sensationellen Februar- Spielplan Dazy 10 internationale Attraktionen Rauchen gestattet Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr und Sonntag nachm 3 Uhr: Stettiner Sänger Nachm balbe Preise volles Abendprogramm! Donhoff- Bretų Mario Costa, Anja Aroschewa, Geschw Saitgoff. 10 große Nummern im Alter von 37 Jahren. Elfribe Schmidt und Aiaber Reinidendorf. Scharnweberite 61. Einäfcherung findet Freitag, den 3. Februar, nadm 3 Uhr, im Strema torium Gerichtstraße ftatt. Für die vielen Bewelfe herzlicher Teil nahme bei der Einäfcherung unferes Baters fprechen wir allen Beteiligten, insbesondere denHerren Robft, Molden hayer und Rammermeler famle ben Organisationen für die Ehrung des Foten unferen heralichsten Dant aus. Erich Plettig, Walter Piettig. Budower Etc 12. 116045 Restaurant, tauichlos, 2 Rimmer, Rüche, doppelte Verbandskegelbahn, er forderlich 4000.- Roch u. Jande, Dirdfenstraße 2. Aönigstadt 3484 und 9566. Lebensmittelgeschäfte, Rigarrenge fchäfte fowie Seifen- unb Ronfitürenaefchäfte in allen Breislagen und Gr genben finden Sie in aroñer Ausmah! bei ber altbekannten Wafferfirma Rea u. Jande, Dirdfenstraße 2. Ränigftedt 3484 und 9586. Rokealofer Gefäftsnameis: Restau rents. Lebensmittel, Seifen-, Ronfi titreneefbäfte in allen Breislagen. Roch 1. Jande. Dirdfenstraße 2. Möbel Sonderangebote. Herrenzimmer 290, Gobelinklubgarnituren. Lampenilfde. Nauditifche 15. Teemagen 35. Alube tliche 35 Colbmart. Möbelhaus Ramer Tina. Raftanienallee 58. 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