Abendausgabe Nr. 58 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 29 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife fub in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 gernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Boreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstag 4. Februar 1926 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berleg und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Generalabrechnung mit den Drohnen. Die Fürstenforderungen vor dem Rechtsausschuß. Jan Rechtsausschuß des Reichstags wurde heute unter dem Borsiz des Abg. Dr. Kahl( D. Bp.) die Generaldebatte über die Anträge zur Fürstenabfindung fortgefeßt. Bor Eintritt in die Tagesordnung erflärte Ministerialdirektor Erythropel vom preußischen Finanzministerium zu einer früheren Anfrage des Abg. Dr. Rosenfeld( Sog.) und zu einem orwärts Artitel über bie Steuerzahlung der Hohen zollern, daß die Hohenzollerniche Hoftammer bisher die Steuern ordnungsmäßig bezahlt habe. Die Hoftammer habe die Auskunft erteilt, daß sie zum erstenmal 1922 eine Steueraufforderung erhalten habe. Für 1922 stehe die Steuerzahlung wegen der Beschlagnahme Huseinandersetzung noch aus; für 1922 würben vorauslichtlich breißigtausend Goldmart nachzuzahlen sein. Für 1923 seien zu verschiedenen Terminen 26 602 Billionen Papiermart, für 1924 670 116 Goldmart, für 1925 898 000 Goldmart an ReichsSteuern gezahlt. Für 1920 und 1921 fei nach der zweiten Steuernotoerorommg eine Beranlagung und Zahlung nicht erforderlich. Abg. Dr. Rofenfeld( S03.) bemerkt dazu, daraus gehe hervor, dag bis 1922 teine Steuern gezahlt worden seien. Der Redner verweist weiter auf ein der Heftaminer zugegangenes Schrift. stüd vom 19. Januar 1926, des Inhalts, daß nun zum erstenmal oromungsmäßige Einkommensteuererklärungen abzugeben seien. Ministerialdirektor Erythropel erklärt, das angezogene Schrift. stüd jei ihm unbekannt. Nach der Auskunft der Hoffammer sei die erfte Einkommensteuererklärung schon 1922 abgegeben worden. Er merde der Sache weiter nachgehen. Abg. Everling( Dnat.) erklärt, die in einigen Blättern erschie nenen Berichte, monach er von dem Honorar des früheren fozial. demokratischen Ministers Heine als Rechtsvertreter des medlen burgischen Fürstenhauses gesprochen habe, seien unzutreffend. Er habe die Honorarfrage nicht berührt. Abg. Landsberg( Sez.) meint, diese Melbung hätten sich deutsch nationale Blätter mohl aus den Fingern gesogen. Aus dem Ausschuß jei ein solcher Bericht nicht gefomment. Borfigender Abg. Dr. Sahl( D. Bp.) meist darauf hin, daß der demokratische Gefeßentwurf mit Rücksicht auf den Rompromißantrag zurüdgezogen fei. Bon den Kommunisten wird bestritten, daß der Kompromis antrag ein Menderungsantrag fei. Es sei ein ganz neuer Antrag, Diefer Auffassung wird von den Bertretern aller anderen Barteien, auch der Sozialdemokraten, widersprochen. In der Fortsetzung der General debatte nimmt zunächst das Wort der erst das Plenum beschäftigen müßte. Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.): Die Fülle des dem Ausschuß vorgetragenen Materials habe gezeigt, daß einmal das Eigentum der Fürsten vielfach recht zweifelhaften Charaliers jei, und daß auch andere Ansprüche der Fürsten in recht merfmürdiger Beise begründet werden. Neben dem Fall Enerling jei caratteristisch für die Bertretung der Fürsten die Tatsache, daß zur Zeit der ersten Berhandlungen des Rechtsaus fauffes der frühere Herzog von Koburg den bekannten Anfirepublikaner Rapitánleutnant Ehrhardt empfing und daß bald darauf derselbe Ehrhardt im Reichstagsgebäude und und daß bald darauf derselbe Ehrhardt im Reichstagsgebäude und vor den Türen des Rechtsausschusses mit deutschnationalen Abge ordneten verhandelte. Merkwürdig berühre auch die Gründung einer besonderen Bereinigung als Propagandaffelle für Fürsten cbfindungen, die unter dem harmlofen Deckmantel einer Bereinigung für einen rechtlichen Ausgleich des Staates mit den Hohenzollern niedrigste 3ntereffenpertretung betreibe. Herr n. Berg, der Intereffenvertreter der Hohenzollern, habe bisher auf die öffentlich an ihn gerichtete Frage, ob er hinter dieser Bereinigung stecke, nicht geantwortet. Das jage genug. Offenbar werde die Bereinigung von den Hohenzollern finanziert. Sie bearbeite die Presse rechts und links und wirte bei den Links parteien für die Hohenzollern, indem sie das Berhalten der onderen Fürstenhäuser tritifiere. Die Fürsten kämpfen um jeden Fehen Land, um jeden Groschen. Man dente dabei fofort an das Feilschen der Fürsten um die Kronen während des Krieges. Der Leiter dieser Bereinigung habe bisher die Frage nicht beantwortet, mer die Sache finanziert. Bezeichnend für die Ansprüche der Fürsten sei weiter die Tatsache, daß allein in dem kleinen Land Thüringen 25 Abfindungsprozesse geführt wer. den. Bei der Prüfung des Brivateigentums der Fürsten müsse auch untersucht werden, ob fürstliches Eigentum in einer Weise erworben worden sei, die mit den heutigen Anschauungen von Gittlichkeit und Moral nicht vereinbar ist. Der Redner geht dann auf das hohenzollernsche Privateigentum ein und weist nach, daß auch die von den Hohenzollern als ihr Privateigentum bezeichneten Herrschaften Flatow- Krojante, Busterhausen, Dels, Babelsberg, Schwedt- Bierraben zu den nach dem preußischen Landrecht als Staatseigentum geltenden Domänen gehörten, die eigenmächtig von den Hohenzollern burch Rabinettsorders oder Scheinfäufe zum Hauseigentum gemacht wurden. Die Hohenzollern hätten als Fürsten zugunsten ihres Brivatvermögens die Gesetzgebung benuht, indem sie als Gesetzgeber zweifelhafte Fragen zugunsten ihres eigenen Hauses enischieden. Und solche Entscheidungen würden auch noch heute von den Gerichten anerkannt. Man müsse allerdings zufrieden sein, daß die Hohenzollern heute nicht mehr wie im Jahre 1848 den Standpunkt verträten, daß ihnen vor Jahrhunderten die Mart Brandenburg verliehen set und daß sie eigentlich Privateigen. tum an der ganzen Broving Brandenburg behaupten fönnten. Oft feien bie Brozesse durch Gerichte ohne rechtliche Unterlege zugunsten der Hohenzollern entschieden worden. Auch Irrtümer feien ihr zugute getommen, indem. selbstverständlich ohne jede Abht, in Grundbüchern Privateigentum der Hohenzollern" ftaft Staatseigentum eingetragen worden sei. Hinterher habe dann der Staat folche Grundstüde zurüdtaufen müssen. Sehr bedenkliche Manöver feien auch beim Antauf der Selly. fchen Bildersammlung gemacht worden. Das Geld dafür sei tatsäch lich aus der Staatstaffe geflosser. Der König habe es zwar aus feiner Brivatsdhatulle genommen, in diese sei es aber aus der Staatstaffe getommen, indem nach den Freiheitstriegen behauptet wurde, der König habe seinem Lande in der Zeit der Not Darlehen gegeben. Es sei zur Ehre des Königs festzuhalten, daß er felbst jogar Bedenten äußerte, Bedenken, die sich die heute prozessierenden Fürsten merken sollten. Er habe geschrieben: Meine Untertanen haben ihr Bermögen verloren und große Opfer gebracht. Ich will nichts voraus haben, sondern das Unglüd mit ihnen teilen." Bedenken nicht durchgedrungen. Er habe sich fügen müssen und Aber es sei merkwürdig: der absolute König sei mit diesen das Geld genommen. Damals schrieb ein Minister:" Wenn die öffentliche Stimme über diese Sache Aufschluß erhält( und sie wird sie erhalten), so wird sie ein strenges, aber gerechtes Urteil über dieselbe fällen." Bis jetzt sei das Geheimnis gewahrt worden. Jeft müffe das Urtell gefällt werden. Die Schad Galerie fei als Gegenleistung für die Berleihung des Grafentitels in den Besiß der Hohenzollern gelommen. jo jei die Schack- Galerie Staatseigentum! Die Hohenzollern hätten immer ihr Privateigentum behauptet außer Damals, als sie deshalb zur Steuer herangezogen werden follten. Da jagten auch fie, es sei Staatseigentum! Biele Fürstenhäuser, nor allem heffen- Caffel und Braunschweig, hätten ihr Vermögen erworben durch den Berfauf ihrer Landestinder an England während des nordamerikanischen Unabhängigkeitstrieges. In Falle Koburg- Gotha habe ein höchst bedenkliches Reichsgerichtsurteil ein rechtsgültig zustande gekommenes Landesgefez aufgehoben und dem Herzog alle Vorteile, dem Lande alle Caffen auferlegt. Dieser Herzog flage sich mit den armen Feuer. arbeitern berum, meil er ihnen das seit altersher geltende An recht auf menige Raummeter Rohleholz bestreitet. Er verklagt jegt sogar den früheren Boltsbeauftragten Tenner auf Miet zinszahlung, meil Tenner einige Monate nach der Revolution ein Bimmer bes herzoglichen Echloffes bewohnt hatte. Der Herzog batte 1914 ein ausgefes gemacht, das die Ansprüche der belgischen, englischen und portugiesischen Agnaten feines Hauses auf: hob. Jezt aber beruft fich dieser ,, deutsche" Fürst auf den Bersailler Bertrag, um, darauf gestützt, die. Wiederanerkennung der Ansprüche dieser ausländischen Agnaten zu verlangen. auch die ohne jeden Drud und Zwang zustandegekommenen Ab findungsgefeße werden jeßt, mie in Schwarzburg- Sonders hausen, Schmarzburg- Rudolstadt, Altenburg, angefochten, teilweise mit Erfolg. Aufwerfungsansprüche von 100 bis 1400 Proz. werden gestellt und zum Teil bewilligt, während den armen In flationsopfern das Legte genommen worden ist. Im Jahre 1923 feien die Kriegsbeschadigten mit 15-20 Bros. Rente mit ein Paar Goldpfennigen abgefunden worden. Da dente niemand an die Aufwertung. Bruchteile vieler gänber, daß eine gefunde Entmidlung in Wenn es nach den Fürsten gehe, befämen fie so erhebliche Frage gestellt sei. Die Schäßung des Abg. Reubauer, nach der die Fürsten fast drei Milliarden Werte ferderten, sei sicherlich viel zu niedrig. Die Fürstenforderungen gefährden die Entwicklung Deutschlands und der einzelnen Länder so sehr, daß selbst rechtsstehende Landesregierungen erflären, daß der jeßige Sustand unhaltbar ist, und daß eine reichsrechtliche Regelung unbedingt erfolgen muß. Der volksparteiliche Abg. Gildemeister hat in einem Artikel die Ansprüche der Fürsten zurüdgewiesen und betont, der Begriff des Privateigentums müsse hinter Staatsnotwendigkeiten zurüdtreten. Der demo fratische Antrag ist auch in demokratischen Bersammlungen als unbefriedigend bezeichnet worden. Auch in Zentrumsver fammlungen wurde die entschädigungslose Enteignung gefordert. Abg. Giesberts habe in einer Sentrumsversammlung nicht meitersprechen tönnen, als er erklärte, daß den Fürsten Renten gegeben werden sollen. Der Kompromißantrag hat uns sehr enttäuscht. Nach den früheren Ankündigungen hätten wir doch etwas mehr erwartet. Bedenklich ist, daß der Reichspräsident die Richter des Sondergerichts ernennen soll und daß die Entscheidung überhaupt Beleggebungsaktion gerade durch den Unwillen über die Urteile Berufsrichtern übertragen werden foll, obwohl die ganze dieser Richter veranlaßt worden ist. Die rechtsfräftig entschiedenen Fürstenstreitigkeiten fönnen nicht als erledigt angesehen werden. Die Fürsorgeverordnung. Ihre notwendige Aenderung. Von August Karsten. Die im Februar 1924 gegen den Willen der Sozialdemofraten geschaffene Fürsorgepflichtverordnung sichert den Hilfsbedürftigen feinen ausreichenden Lebensunterhalt. Diese Verordnung und die dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen- die in jedem Lande verschieden sind verpflichten die Gemeindeverwaltungen, Gemeindeverwaltungen, den Fürsorgeberechtigten den notdürftigen Lebensunterhalt zu geben. Der alte Arbeiter, der die Fürsorge in Anspruch nehmen mill, weil er mit seiner Invalidenrente von 20 bis 30 M. im Monat nicht leben fann, muß eine Reihe von daß er seine wenigen Habseligkeiten der Gemeinde ver Verpflichtungen eingehen. Man fann von ihm verlangen, Pfändet. Er muß den geringsten Betrag, den er vielleicht hier und da noch verdient, angeben, damit ihm dieser Betrag von der Unterstützung gekürzt werden kann. Man kann die Invaliden( 66% Pro3. Arbeitsunfähige) zur Arbeit heranziehen. Die Kinder des Unterstügungsempfängers müssen über ihr Einkommen Auskunft geben. Sie sind dem Fürsorgeamt zur Erfahleistung verpflichtet. Die Behandlung der Fürsorgeempfänger läßt oft zu wünschen übrig. Häufig fehlt es an dem genügenden sozialen Verständnis der ausführenden Beamten. Dort, mo unsere Genossen Einfluß haben, wandt. Damit tönnen jedoch nicht alle Mängel beseitigt wird die Fürsorgepflichtverordnung sozial verständig anges merden. Eine grundlegende Aenderung fann nur durch die Reichs- oder Landesgesekgebung erfolgen. Das Tempo, das die Reichs- und Landesgesetzgebungen einschlagen, ist ungemein langsam. Der erfolgreiche Borstoß, den unsere Reichstagsfraktion im Juli 1925 gemacht hat, ist bis heute noch nicht zur Ausmirkung gekommen. Gegen den am 14. Juli im Reichstage gefaßten Beschluß, daß% der Invalidenrente nicht angerechnet werden darf bei der Gemährung von Fürsorgeunterstützung, wurde bekanntlich Dom Reichsrat Einspruch erhoben. Der Reichstag hat bann am 12. Auguft den Einspruch mit der erforderlichen 3meidrittelmehrheit zurückgewiesen. Daraufhin erklärte die Reichsregierung auf Wunsch des Reichsrots, daß ein Gefeß, das von ihr unterschrieben werden müsse, nicht vorliege, weil gegen den Einspruch des Reichsrats im Reichstage nur einmal und nicht dreimal abgestimmt morden ist. Mit dieser Erklärung der Reichsregierung ist die Frage zu einem Berfassungsstreit geworden. Beim Wiederzufammentritt des Reichstages murde der Reichsregierung zu prüfen. Der Geschäftsordnungsausschus Geschäftsordnungsausschuß beauftragt, den Einwand der stellte sich nach einem Referat unferes Genossen Lands= berg einmütig auf den Standpunkt, daß der Reichstag bei Einsprüchen des Reichsrats nur einmal abzustimmen hat. Reichstags noch nicht endgültig erledigt. Der Reichsrat mill Durch die Regierungstrise ist der Fall im Plenum des fich dem Botum des Geschäftsordnungsausschusses nicht beugen. Er hat ein Gutachten anfertigen lassen, das zwar aber für den gefunden Menschenverstand um so unbegreifan juristischer Spigfindigkeit nichts zu münschen übrig läßt, licher ist. Schließt sich das Plenum des Reichstags dem Beschlusse seines Geschäftsordnungsausschusses an und daran ist faum zu zweifeln, so wird der Streit zwischen Reichsrat, Reichsregierung und Reichstag vor den Staatsgerichtshof tommen. Bis jetzt ist ein halbes Jahr seit der Beschußfassung im Plenum verfloffen; bis zur Erledigung des Verfassungsftreits fann vielleicht die jekige Generation der Fürsorgeempfänger ausgestorben sein. Auf Kosten der notleidenden Schichten spielt sich dieser Verfassungs= streit ab. Berordnung erlassen, die den von ihr nicht durchgeführten Die Reichsregierung hat am 7. September 1925 eine Beschluß des Reichstags ersehen sollte. Die Berordnung will den Sozial- und Kleinrentnern in der Regel ein Biertel in der Gemeinde beträgt. Diese Verordnung bringt bei an Unterstützung mehr geben als der Unterstüßungsrichtsak weitem nicht das, was das Gefeß den Sozialrentnern gebracht hätte. Aber das Beschämendite ift: Die Berordnung wird von den Gemeinden und Bezirksfürsorgeverbänden nicht oder nur zu einem Teil durchgeführt. Der ZentralDem Gesetz muß rückwirkende Kraft gegeben werden. Die Richtlinien, nach denen entschieden werden soll, sind so fautschukartig und binden die Richter nicht genug. Was sollverband der Arbeitsinvaliden hat Ende Oktober eine Rundes heißen, wenn den Fürsten eine„ würdige Lebenshaltung gewähr. leiftet werden soll? Wir werden auch an diesem Gefeß mitarbeiten und es zu verbessern juchen; eine befriedigende Lösung fann aber nur unfer Antrag auf entschädigungslose Enteignung bringen. Ministerialdirektor Erythropel fommt noch einmal auf das vom Abg. Dr. Rofenfeld( Soz.) erwähnte Schriftstück in der Steuerfrage der Hohenzollern zurüd. Es handele sich dabei um den Antrag eines Hostammersetretärs auf Stellung einer Hilfskraft mit Rüd ficht auf die jetzt schwieriger werdende Beranlagung. Irgendeine hinterziehungstendenz gehe aus dem Gesamtinhalt des Schreibens nicht hervor. Die weitere Aussprache wird dann auf Dienstag nächster Boche vertagt. frage bei seinen Ortsgruppen über die Durchführung der Reichsverordnung vom 7. September gemacht. Bon den 597 Antworten lauten 448 mit nein", 84 fprechen von teilweifer Durchführung und nur 65 Antworten bestätigen die Durchführung der Verordnung. Nach dreimonatigem Bestehen der Berordnung ganze 11 Broz, die die Verordnung durchgeführt haben. Dabei muß man berücksichtigen, daß in den befragten Orten eine Intereffenorganisation besteht. Wie mag es da erit in den anderen Orten aussehen. Die Unterstüßungsrichtsätze in den 597 Orten betragen für ein paar in 1 Broz. bis 25 Dt. 8 Gemeinden 76 13 163 183 27 80 40 T 31 50 22 über 50 21 182 35 Jm Auswärtigen Ausschuß des Reichstages wurde unter Borsik des Abg. Hergt( Dnat.) zunächst die Frage des Luftverkehrs behandelt. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung mit allen gegen eine Stimme angenommen, in der der Wunsch ausgesprochen wird, daß bei den Bariser Berhandlungen die Beschrän- 129 fungen der deutschen Luftfahrt beseitigt werden. Es folgte eine um fangreiche Diskussion über das Minderheitenrecht und die damit zusammenhängenden Schiedsgerichtsverträge, wobei es jedoch zu Beschlüssen des Ausschusses nicht tam. 161 haben feine Richtiäke baben teine Ertra- Frauenzulagen und geben keine böberen Säge für den Unterhalt von Kindern Das find Säge für Sozialrentner, also die jeweils höchsten Säge in den Gemeinden, und in diesen Säßen ist Rente und sonstiges Einkommen einbegriffen. 72 Broz, der unterstügten Ehepaare müssen mit einem monatlichen Einkommen bis zu 50 M. ,, haushalten". Dann müssen sie aber noch zu sehen, daß ihre Unterstützung von den Kin= dern wieder eingetrieben wird. Manche alte Mutter muß erleben, daß darum ihren Enkelfindern die Kost geschmälert wird, weil der Sohn von seinem Lohn wöchentlich 3 oder 5 M. für die Unterstützung der Mutter zum Fürsorgeamt tragen muß. Gibt es ein bittereres Brot für unsere Alten? Viele unserer alten Beteranen müssen, ehe sie einen Pfennig Unterstützung befommen, erst mit zitternder Hand einen Revers unter schreiben, daß nach ihrem Ableben die Gemeinde sich an dem zu hinterlassenen Hausrat für die gewährte Unterstügung schadlos halten kann und daß sie kein Veräußerungsrecht mehr über ihre Sachen haben. Wer mit unseren Arbeiterveteranen denken fann, empfindet das Furchtbare einer solchen Lage. Mit diesem Fürsorgesystem muß aufgeräumt werden. Der Zentralverband der Arbeitsinvaliden hat nachstehende vordringlichen Forderungen auf Aenderung der Fürsorgepflichtverordnung gestellt: 1. Einführung von Mindestunterstüßungsfäßen, also Existenz fäße, die den unbedingten Lebensunterhalt garantieren; feine foge nannten Richtsätze. 2. Die Freilaffung von Arbeitseinkommen bis zu einer bestimmten Höhe: ebenso Freilassung von Rententeilen, insbesondere der Steigerungsfäge. einkommen freilassen. 4. Bei Anstaltsinsassen, soweit es sich um Rentenempfänger 5. Ein ausreichendes Mitbestimmungsrecht im Verfahren und in der Beschwerde. Diefe Forderungen sind durchaus berechtigt. Jeder fozial Dentenbe muß mithelfen, daß endlich Anstand und würde in der Fürsorge heimisch werden, und die Fürsorgeberechtigten eine Behandlung erfahren, auf die sie als menschen Anspruch haben. handelt, Auszahlung eines Teiles ihrer Rente. ihre Parallele finde, fonnte dem Feldmarschall die Bürde des Reichs-| zu machen. Den gehorchenden Untergebenen dürfe nur die präsidiums zugemutet werden. Mit dem jetzt viel gebrauchten Wort Strafe des Teilnehmers treffen, wenn ihm bekannt war, Dittatur" werden noch recht untiare Begriffe ver- daß der Befehl eine Handlung betraf, die ein bürgerliches oder bunden. Und daß die nationale Entwidlung weifer wäre, wenn wir militärisches Vergehen oder Berbrechen bezwede. weder einen Kapp- Puffch noch einen 9. November in München erlebt hätten, und daß jedes illegale Borgehen, mögen seine Motive noch so ideal sein, Deutschland mit der Gefahr des Untergangs bedroht, ist doch wohl communis opinio( gemeinsame Ueberzeugung) aller Bernünftigen. Aller Bernünftigen? Die Redaktion des Hugenberg„ Tag", die diesem Artikel Aufnahme gewährt hat, fügt vorfichtigerweise hinzu, daß sie in ihrer eigenen Stellungnahme sich nicht an die gedankenreichen Ausführungen des befannten deutschnationalen Parlamentariers" binden wolle. Wieviele von seinen Reichstagskollegen darf Herr v. Dryander zu den Bernünftigen" zählen, die seiner Schwen tung aur republitanischen Staatsgesinnung in ,, allergetreuester Opposition" Folge leisten möchten? Bombe gegen Obuch. Der kommunistische Verteidiger nicht vorgelaffen! Wie erinnerlich, hatte am letzten Tage des Fememord prozesses die Frau des angeklagten ehemaligen Feldwebels Stein sich an den kommunistischen Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt Obuch gewandt, damit er in die Verteidi gung eintrete und die Interessen ihres Mannes wahrnehme. Obuch teilt jetzt über die Geschichte dieses Auftrages mit, er habe sich noch vor Berkündung des Urteils mit einer vor 3. Die Geftfegung von Einkommensgrenzen für unterhaltsläufigen Bollmacht der Frau Stein zum Vorfizenden pflichtige Angehörige, die einen angemessenen Betrag vom Arbeits- Bombe begeben, aber er sei nicht einmal vorgelassen worden: Frau Stein überreichte mir einen Brief, den fie felbft an ihren Mann geschrieben hatte, und in dem sie ihn beschwor, mir Vertrauen zu schenken, nachdem sich herausgestellt hätte, daß sein Verteidiger seine Interessen zugunsten der Offiziere in so furchtbarer Weise verlegt habe. Sie bat mich flehentlich, mit diesem Brief als Legitimation zum Gericht zu fahren, um eine Rüd prache mit ihrem Manne herbeizuführen. Ich fühlte mich felbstverständlich verpflichtet, diesem Rotschrei zu folgen, um festzuftellen, welche dunklen Machenschaften hier hinter verschlossenen Türen sich abgespielt hatten. Ich fuhr zum Kriminalgericht, wo das Gericht sich bereits zur Beratung über das Urteil zurückgezogen hatte. Hier schickte ich dem Vorsitzenden die Vollmacht der Frau Stein mit dem Antrag, daß ich den Angelagten Stein zu sprechen wünschte, ins Beratungszimmer. Obwohl die Beratung noch über eine Stunde dauerte, erhielt ich einfach teine Antwort. Als das Gericht den Saal betrat, verkündete der Borsigende sofort die Todesurteile. Selbst nach Schluß der Sigung verweigerte er mir jebe Rüdiprache mit Stein, um schließlich zu erklären, er erbitte sich bis zum nächsten Tage Bebenfzeit. „ Allergetreueste Opposition." Tie Deutschnationalen wollen jetzt Republikaner werden. Tie Dentschnationalen wollen jetzt Republikaner werden. Ihr Ausbruch aus der Rechtsblodregierung scheint der deutschnationalen Reichstagsfraktion nachträglich sehr leid geworden zu sein. 3war übt fie nach außen gemeinhin die Gesten eines„ starten Mannes", aber die Tatsache, daß die Regierung auch ohne ihre Hilfe und sogar gegen ihr betontes Mißtrauensvotum zustandegekommen ist, macht ihr begreifliche Kopfschmerzen. Aus dieser Stimmung heraus ist augenscheinlich ein Arfitel über Deutsch nationale Möglichkeiten" geschrieben worden, den der Abgeordnete Dr. D. Dryander in der Hugenberg- Bresse veröffentlicht. Darin legt er, fo fd; wer es ihm anfommen mag, sogar ein Bekenntnis zum heutigen Staat ab, indem er schreibt: Daß die Aufstellung und Wahl Hindenburgs zum Reichs präsidenten einen grundlegenden Wechsel unseres Berhältniffes zum heutigen Staat bedeutet, mußte jedem politisch Denkenden flar fein. Die Eidesleistung des Feldmarschalls ist der Ausdrud dafür, daß die Verfaffung von Weimar troh ihrer schweren Mängel und ihrer sehr dringlichen Verbesserungsbedürftigkeit den allein 3täffigen Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung darstellt. Eie wirfte wie ein Signal an alle, die sich innerlich an den alten Staat gefnüpft wußten, in positiver Mitarbeit nach seinem Borbild dem neuen Staat zu dienen. Nur im Vertrauen darauf, daß er diese Gefolgschaft finden würde, und daß die Opposition, auf die große politische Barteien selbstverständlich nie verzichten fönnen, in der allergetreusten Opposition" der preußischen Geschichte Pastor Vogel. Bon Hermann Schützinger. Als das Berliner Reichsbanner fürzlich mit fräftigen Soldatenfehlen dem Hofprediger" Dr. Bogel in Potsdam ein Ständchen fang und auf dem Bassinplay gegen die Herausforderung des repu blitanischen Deutschland durch einen von der Republit bezahlten Pastor im Hofpredigerrang demonstrierte, da drückte mir ein ehemaliger Gardefavallerist ein Büchlein in die Hand, das mit einem Schlag die Gehirnfanäle dieses sonderbaren Staatsdieners bloßlegt, nämlich die Kriegserinnerungen des Felddivifionspfarrers der Garde Ravallerie Division"; Dr. Bogel. Das Büchlein heißt: 3000 kilometer mit der Garde Ravallerie" und ist„ Seiner Erzellenz, Herrn Generalleutnant v. Storch, Kommandeur der Garde- Kavallerie- Division, in gehorfamster Berehrung gewidmet". Der Titel schon ist bezeichnend: 3000 Kilometer! Großartig, diese Leistung eines kräftigen Gefäßes auf dem Sattel eines föniglichen Gardegauls! Uebrigens pflegen die Herren Geistlichen seit Abraham a Santa Klara und seit der Kapuzinerpredigt in Wallensteins Lager in geräumigen Rutschen die Kilometer zu fressen", wie denjenigen allgemein bekannt sein dürfte, welche die oft recht unterschiedliche Tätigkeit der Herren Feldgeistlichen( es hat auch sehr tapfere darunter gegeben) bei den " Sanitätstompagnien" und den„ Divisionsstäben beobachten fonnten. Herrn Bogels Kriegsbuch ist ja recht erbaulich zu lesen. So lag schon beim Ausmarsch eine Sonntagsstimmung über dem ganzen Bestfalenland; die Glocken läuteten, und Kirchgänger zogen in dichten Scharen auf allen Straßen und wegen in die Gotteshäuser zur Feier des für unser ganzes Bolt angesezten Kriegsbuß- und Bettages". Bir haben damals gar nichts davon gemerkt, daß man unfertwegen einen eigenen Bußtag eingeschoben hat. Im übrigen freut sich der Herr Hofprediger darüber, daß die Mannschaft eine so gute und würdige" Haltung zeigte, weil ihr nämlich der Alkohol verboten war, und daß hiemand unter dem sonst üb. lichen Gesang von Soldatenliebern zu leiden hatte. Den Herrn Hofprediger hätte wohl der Schlag getroffen, wenn einer dieser Lümmel in Anwesenheit des hochvornehmen Feldgeistlichen die Lindenwirtin" oder ein anderes ordinäres" Soldatenlied gesungen hätte! Wirklich sehr wichtige Dinge verzeichnet der Herr Hofprediger von dieser herrlichen Zeit, in der die ersten Massengräber um die Festung Lüttich aufgerissen wurden! In dem Stil geht es dann weiter. Wigeleien, Episödchen aus den fliegenden Rasinos einer feudalen Kavallerie- Division; Histörchen, wie etwa das folgende:" Am nächsten Morgen waren die Truppen frühzeitig weitergezogen, und die Türen der Häuser zeigten allerlei Inschriften, die unsere Solbaten zu hinterlassen pflegten. Man laß zum Beispiel:„ Gute Leute, Schonung; geben, was sie tönnen. Hier warnend: Neun fleine Kinder!" Dort empfehlend: 3 wei heiratsfähige Töchter!" Aber was mochte das heißen: Sirach 31. 13"? Als ich später nachschlug, fand ich die Stelle: nd dente nicht, hier ist viel zu freifen." So laufen an dem Herrn Divisionsgeistlichen die 3000 Kilometer vorbei, mie ein niedlicher Kinoroman mit schourigen KasinoDiese Abweisung eines zur Verteidigung vorläufig bevollmächtigten Anwalts in einem Prozeß, der um das Leben des Angeklagten spielt, erscheint uns so ungewöhnlich, daß man von der politisch verantwortlichen Stelle im Bar lament darüber Auskunft fordern muß, weshalb diese Abweisung vor der Beendigung der Beratung erfolgt ist. 11 Hier wird also ganz offen zugegeben, daß die an dem Fememord beteiligten Kreise in einem militä= rischen Vorgesezten und untergebenenverhältnis zueinander standen. Die von der Reichswehr bisher fälschlich als Arbeitstommandos" be 3eichneten schwarzen Banden sind nach dem gewiß unverdächtigen Zeugnis der Deutschen Zeitung" militä. rische Formationen gewesen, in denen Borgesetzte Befehle erteilen und untergebene" sie auszuführen hatten. Dieses Zugeständnis eines in die Geheimnisse der Schwarzen Reichswehr in höchstem Maße eingeweihten Organs wird noch in der Deffentlichkeit mehrfach zu erörtern sein. " Die Ertappten. " Wie die Kommunisten sich dumm stellen. Unsere Veröffentlichung über das geheime Rundschreiben der Berliner fommunistischen Bezirksleitung zwingt die Rote Fahne" zur Erwiderung. Die Unschuldslämmer haben selbstverständlich fein Wäfferden trüben wollen. Mit erstaunlicher Frechheit wird sogar der geheime Charakter des Rundschreibens geleugnet, trotzdem es ausdrücklich mit dem Bermert versehen war, daß es nicht zur Verbreitung bestimmt ist. Die„ Rote Fahne" druckt aus dem Rundschreiben einige Stellen ab, die sich auf die Durchführung der Agitationstompagne beziehen. Dadurch soll bei ihren Lesern der Eindrud erweckt werden, als ob die Kommunisten wirklich ehrIich die Kampagne für die Fürstenenteignung nurum der Sache willen betreiben. Die entscheidenden Buntte aber lassen sie aus. Wir wiederholen deshalb noch einmal den be= treffenden Passus im Rundschreiben: ,, Bon der Reife unserer Partei ist es abhängig, ob die Partei dieser revolutionären Aufgabe gewachsen ist oder nicht, ob sie in der Lage ist, die jetzt noch chaotisch für die Fürstenenteignung intereffierten Maffen in ein organisatorisches Verhältnis zu bringen. Das ist jetzt die wichtigste Aufgabe der KPD. Das ist seit Jahren die günstigste Gelegenheit, nicht nur breite Arbeitermaffen, sondern auch weite Schichten des Mittelstandes aus der Gefolgschaft der SPD. und zweifellos auch aus der Gefolgschaft der übrigen bürgerlichen Parteien loszulösen, und fie in die Gefolgschaft der KPD. zu bringen. Diejem 3wed sollen die Aktionsausschüsse in den Berwaltungsbezirken dienen." Jeder fozialdemokratische Arbeiter, der diese ausdrückliche Anweisung liest, versteht den Sinn dieser Anweisung. Für die Kommunisten soll der Kampf um die Fürstenabfindung der Förderung ihrer besonderen Parteizwede und dem Kampf gegen die Sozialdemo fratie dienen. Für die Kommunistische Partei ist die Bolfsbewegung gegen die Fürsten Mittel zum 3med. Sie geben sich wieder der naiven Illusion hin, als ob sie es wie in Rußland mit einer unaufgeklärten und leicht beeinflußbaren Masse zu tun hätten, die von einem Rader entschlossener Revolutionäre unter Berschweigung der wahren Biele für die bolichemistische Revolution ausgenutzt werden fönnte. Diese Illusion gebrauchen die fommunistischen Führer ihren eigenen Anhängern gegenüber um so notwendiger, je mehr der Bankrott ihrer früheren Tattit sie zum Einlenten gegenüber der Taftit der Sozialdemokratie zwingt und je mehr sie selber wider Willen sich zur refor mistischen Prag is bekennen müssen. Für die sozialdemokratischen Arbeiter genügt aber der dokumentarische Hinweis auf die Verwirrungs- und Spaltungsabsichten der In der Deutschen 3tg." wird übrigens heute eine neue Kommunisten nach den bitteren Erfahrungen der letzten Rechtsfonstruttion aufgestellt. Es wird behauptet, Jahre vollständig, um sie dagegen gefeit zu machen. daß drei der zum Tode Berurteilten den Mord an Panier Die sozialdemokratischen Arbeiter denten gar nicht daran, auf Befehl eines Borgesezten" ausgeführt haben. fich von Wirrköpfen und Phantasten ins Schlepptau nehmen Nach militärstrafrechtlichen Grundsägen sei aber der bezu lassen. Sie führen den Rampf gegen die Fürsten um des fehlenbe Borgefeßte allein verantwortlich Erfolges und nicht um des Parteizwed's millen. Der Berdacht, daß ein besonderes 3 usammenspiel der Berteidigung erfolgte, um die beteiligten fom mandierenden Offiziere, vor allem den Oberleutnant v. Senden zu entlasten, wird immer stärker. Es wird sogar be hauptet, daß die Verteidiger aus einem gemeinsamen unbe fannten Fonds bezahlt worden sind, und daß vor allem der Berteidiger Sendens, Dr. Bloch, gleichzeitig und unentgeltlich die Berteidigung des zum Tode ver urteilten Schirmann übernommen hatte. erzählungen von Reiterattaden und Patrouillenritten, von Frantti reurromanen und malerischen Schlachtenbildern und vorne, vorgepeitscht durch die Befehle des Korps und der Armee, schwigt und feucht, blutet und stirbt die Infanterie. Dazu dauert der Filmstreifen von der fechtenden" Kavalleriedivision auch nur wenige Bochen; dann erstarrt über den Leibern zerfetzter Infanteristen und zer schmetterter Geschüße die ganze Front. Dann bleibt der feudalen Kavallerie und ihrem hoffähigen Feldpastor nichts übrig, als den Ravallerie und ihrem hoffähigen Feldpaftor nichts übrig, als den Rest der 3000 Kilometer am Dorfplatz im 3irfel" zu reiten und fpazieren zu gehen. Doch lassen wir den Herrn Pastor selber reden: Bar das eine Bracht, als nun vollends die hohen Rhododendron büfche in vieltausendfältiger Blütenpracht ihre Knospen erschloffen und die Partanlagen der herrlichen flandrischen Schlösser in ihrer An den Sonntagnachmittagen vergrößten Schönheit zeigte. einigten fich die Leute zu großen sportlichen Wettkämpfen auf den weiten Rasenplätzen; sie erhielten auch Bier und Zigarren und hatten es so schön und sorgenfrei, wie es viele von ihnen mohl niemals wieder im Leben bekommen werden. Es war eine Luft, das schöne Land zu durchreiten oder seine alten Städte zu besuchen. Wie im Mittelalter steht noch eine Kunst in Blüte, die Anfertigung von Spitzen. Manch rauher Kriegsmann ward zum Fachmann auf diesem zarten Gebiet und fonnte daheim durch seine Sendungen viel Freude bereiten!" Der Mann fann allerdings was vom Krieg erzählen! Wir anderen saßen ja viereinhalb Jahre in dem öden Ginerlei der Schüßengräben und des Trichterfeldes und da war ein Tag wie der andere: voll Sorgen und Entbehrung, voll Not und Tod! Und trotz alledem hat dieser Pastor niemals das Geficht des Krieges gesehen! Die Spitzenhöschen der Etappe sind noch lange nicht der Krieg! Er soll uns vom Leibe bleiben, der Potsdamer Gardekavalleriefuperintendent. in das der Physiologie, gab Dr. Gehrte nicht. Aber durch den Namen, den er der Gruppe der vorgeführten Erscheinungen gab, Bewegungsnachbilder", scheint die Erklärung zum mindesten angedeutet. Sie hängt mohl mit der Eigenschaft der Reghaut des Auges zusammen, Lichteindrücke noch eine furze Zeit festzuhalten, menn die Lichtquelle, von der sie ausgegangen sind, auch schon erloschen ist. So erscheint eine glühende Streichholze, die schnell an dem Auge im Kreise vorbeigeführt wird, als teuriger Kreis, so sieht man, wenn man eine elektrische Glühbirne ausdreht, ein Nachbild noch längere Zeit selbst bei gefchloffenem Auge. Im Zusammenhang mit diesen Erscheinungen stehen wohl auch die Bewegungsnachbilder. Bürgerliche Kulturpolifit". In der Bielefelder Stadtverordnetenfißung vom 3. Februar wurde der Antrag des Theaterund Musikausschusses, das Stadttheater und das städtische Orchester für die Spielzeit 1926/27 mit einem städtischen Zuschuß von 300 000 m. zu führen, abgelehnt. Es stimmten gegen das Theater die Völkischen, die Bürgerliche Bereinigung und die Demokraten, für das Theater die Sozialdemokraten und Kommunisten. Ein Mitglied des Zentrums enthielt sich der Stimme. Der Ablehnung ging eine heiße Redeschlacht voraus, in der der Oberbürgermeister die finanzielle Möglichkeit der Weiterführung der Institute zugab. Die bürgerlichen Parteien aber fürchteten eine eventuelle Gewerbesteuererhöhung und zerschlugen zwei kulturelle Einrichtungen, die in mühseliger Arbeit von langen Jahren aufgebaut wurden. Ueber 3bjens Peer Gynt spricht Julius Bab in seinem von der Bolts bubne veranstalteten Vortragssyklus Vom religiösen Drama der Gegenwart" am Sonntag, den 7., abends 8 Uhr, im Ritterfaal der Oper am Rönigsplat Am Sonntag, den 14. folgt ein Vortrag über Shaws Heilige Johanna". Einlaßfarten 0,60 m. am Saaleingang. Not der Schriftfieller". Au diesem Thema veranstaltet der Schut= verband deutscher Schriftsteller( Ortsgruppe Berlin) eine öffentliche Versammlung, die am Dienstag, 9. Februar, im Sigungssaal des Herrenhauses stattfindet. Aufnahme in Arnold Schönbergs Meisterschule. Der vom Kultusminister zum Verwalter einer Meisterschule für musikalische Komposition bei der Akademie der Künste berufene Prof. Arnold Schönberg aus Wien ist in Berlin ein getroffen und hat mit der Erteilung von Unterricht begonnen. Musitstudierende, die beabsichtigen, sich um Aufnahme in die Meisterschule des Prof. Schönberg zu bewerben, werden gebeten, sich an die Akademie der Künste, Berlin, Bariser Blatz 4, zu wenden, durch deren Museums, Brinz- Albrecht- Straße 7a. Bureau die für die Aufnahme in Prof. Schönbergs Meisterschule maßgebenden Bestimmungen zu beziehen sind. „ Bewegungsnachbilder". Das Gebiet der optischen Täuschungen ist ein sehr weites und oft durchforschtes. Ganz neue, bisher un bekannte hierher gehörige Erscheinungen führte Dr. Gehrte in der Gesellschaft für technische Physi? vor, nämlich folche an bewegten Figuren. Wir erwähnen zwei besonders auffallende. Drehen sich zwei Scheiben auf einer Achie, also völlig gleich schnell, und richtet man den Blick fest auf die eine, so daß die andere nur im sogenannten indirekten Sehen wahrgenommen wird, so scheint diese leßtere schneller, die feft ins Auge gefaßte langsamer zu rotieren. Halt man eine rotierende Scheibe plöglich an, so scheint es dem fest auf fie gerichteten Auge, als ob fie fich noch ein fleines Beilchen langfam rüdwärts, also entgegengefeßt bemege. Eine Erklärung dieser Erscheinungen, die ja über das Gebiet der Physif-hinausgreift Ueber Amerikanische Baufanft" spricht Prof. Adolf Rading. Breslau am Montag, den 8., 8 Uhr abends, im Hörsaal des ehemaligen KunstgewerbeDie Lohelandschule für Körperbildung, Landbau und Handwerk gibt am 15. und 19. Februar, abends 8 Uhr, amei Gymnastikabende im Blutbner. jaal, an denen durch Vorführung und Bortrag die gymnastische Bewegungsschulung der Zebrweise von Rohden- Langgaard gezeigt wird. Gesamtaus ellung von Ollo Dig. In der Galerie Neumann u. Nierendorf, Lükowstraße 38, wird am 6., nachmittags 3, Uhr, die erste umfasfende Ausstellung der Gemälde von Dito Dig eröffner. Sie enthält Berke aus den Jahren 1919 bis 1925. Der Freundeskreis der Schule Reimann veranstaltet das Zweite Gauller. fest am 24. februar in den Gesamträumen des Zoologischen Gartens. Durch den Hermeltanal. Imme: wieder werden von fühner Schwimmern Bersuche unternommen, den Aermelfanal zwischen Galais und Dover zu durchqueren. Auch für den kommenden Sommer bereiten sich wieder eine Reibe hervorragender europäischer und amerikanischer Schwimmer und Swimmerinnen für dieses Unternehmen vor. Der junge japanische Profeffor der Rechtswissenschaften an der Universität Zolio, Setia Mishimura, der zurzeit in Europa meilt, gedenkt, fich an den Versuchen zu beteiligen. Die Entwicklung der Sozialpolitik. Brauns vor dem Haushaltsausschuß. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beriet heute vormittag die Reste der Etats des Reichstags und des Reichsverkehrsministeriums. Es folgte die Etatberatung des Reichsarbeitsministerium s. Zu Eingang dieser Beratung gab Reichsarbeitsminiffer Dr. Brauns einen furzen Ueberblick über die Arbeiten des Amtes auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gefeßgebung im Jahre 1925. Dieses Jahr brachte die Wiederherstellung der Rentenversiche rung für Invalide, Angestellte und Unfallver. legte. Die Wiederherstellung erfolgte nach den Grundsäßen der Borfriegszeit unter Anpassung an die Bedürfnisse der Gegenwart in Form und Ausmaß. Besondere Hervorhebung verdienen die Sach leistungen auf Grund der neuesten Reform, wie beispielsweise die Unfallverhütung, der Betriebsschuß, die Krankenpflege, die Berufsfürsorge beim neuen Unfallgefeß. Ueber die Kosten der Sozial perficherung im engeren Sinne verglichen mit der Borkriegszeit, gibt eine ausführliche Dentschrift auf Grund der Rechnungsergebnisse des Jahres 1924 Auskunft. Bon besonderer Bedeutung waren die Arbeiten des Ministeriums für die Fortbildung des Ar beitsrechts. Nach langem Hin und Her der Meinungen steht nunmehr das Arbeitsgerichtsgefes unmittelbar vor dem Abschluß im Reichsrat, und vor der Borlage an den Reichstag. Sehr schwierig und umfangreich waren die Arbeiten für das neue Arbeiter schutzgesetz und das dieses ergänzende Bergarbeitsgele B. Die Arbeit an diesen Entwürfen ist im Ministerium abgeschlossen, sodaß die Beratung mit dem Arbeitsrechtsausschuß und den Reichsministerien und Landesregierungen unmittelbar bevorsteht. Alsdann wird das Reichskabinett Beschluß fassen fönnen. Das Arbeiterschutzgesez bringt nicht bloß eine formale 3u sammenfassung der zerstreuten Arbeiterschutzbestimmungen, sondern auch materielle Berbesserungen. Der wichtigste Teil des Gesetzes sind die Bestimmungen über die Arbeitszeit, die den Erforderniffen des Washingtoner Abkommens angepaßt sind. Die schwerste Aufgabe für das Ministerium bildet zurzeit die Arbeitslofenfürsorge. Die letzte Erhöhung der Unterstüßung fand unmittelbar vor Weihnachten statt. Die einschlägigen Verordnungen wurden durch wesentlich neue Bestimmungen ergänzt. Neu aufgenommen in die Arbeitslosenfürsorge wurden die Angestellten bis zu einer Gehaltsgrenze von 6000 Mart. Die Beiträge wurden allgemein auf drei Prozent des Lohnes erhöht; es wurde außerdem für einen Reichsausgleich gesorgt. Die Beihilfen aus Reichs- und Landesmitteln für Rotstandsarbeiten wurden beträchtlich erhöht und die Bedingungen für Darleben wesentlich erleichtert. Der neue Entwurf einer Arbeitslosenversicherung ist dem Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrat Dorgelegt. Die Novelle zur Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenenfürsorge vom Juli 1925 brachte eine einmalige Mehrausgabe von 50 Millionen Mark und laufende Mehraufwendungen von 150 Millionen Mart für die KriegsbeschäDigten. Der Einfame. Einsam steht er auf dem Schulhof. Die Kameraden meiden ihn, sie weichen ihm scheu, aus. Früher spielten sie mit ihm, luden ihn zu sich ein. Er war beliebt, alle mochten ihn gern. Dan fom es plöglich anders. Er wurde trant; es war nichts Gefähr= liches, nichts Ernsthaftes. Der Arzt meinte nur, Luftveränderung sei notwendig. Die Lungen wären angegriffen, aber der Aufenthalt in einem Sanatorium fönne alles bessern. Er reiste ab und fam bald als ausgeheilt wieder. Jetzt fonnte er wieder turen, laufen und spielen. Wieder war er von seinen Kameraden umgeben, er war ja gesund, teine Ansteckungsgefahr war vorhanden. Aber dann wurde es doch anders. Er begann zu huften und hin und wieder zeigte der Auswurf Blutspuren. Die Winter in der Großstadt sind unangenehm und empfindliche Lungen leiden darunter. Wieder meinte der Arzt, es sei nichts Ernsthaftes, aber Luftveränderung sei doch empfehlenswert, die Schule könne er weiter besuchen, zu Bett liegen brauche er nicht. Einsam steht er mun wieder auf dem Schulhof, ein Ausge. stoßener, ein schuldlos Verfemter. Der Lehrer hat die Kinder gewarnt; zwar sei nichts erwiesen, aber Vorsicht wäre dennoch zu empfehlen. Leicht tönnen die Batterien übertragen werden, be sonders auf Kinder, die nicht gut ernährt sind, die nicht immer in einwandfreien Wohnungen leben. In scheuem Kreis gehen die Kinder um den Jungen herum. Sie lachen nicht über ihn. Seltsam fremd erscheint er ihnen. Der Junge steht aber einsam da, seine Augen fragen traurig: Was hab ich euch getan? Warum meidet ihr mich? Er kann nicht begreifen, warum er plötzlich ein Einsamer geworden ist. Was Seine kleine Welt ist ihm in Trümmer gesoll er nun tun? gangen. Vielleicht ahnt er auch, daß sein Leben bald erfüllt sein wird. Städtische Notstandsaktion. Der Haushaltsausschuß hat heute vormittag die Magistratsvorlage über den Erwerb der Rehberge vom Fiskus und über die Einleitung von not standsarbeiten auf diesem Terrain mit großer Majorität angenommen. Zwar wurden von deutschnationaler Seite einige Bedenken finanzieller Natur vorgebracht, schließlich ergab sich aber doch eine sehr breite Front für die Annahme der Vorlage. Infolgedessen kann damit gerechnet werden, daß die Vorlage heute nachmittag von der Stadtverordneten versammlung verabschiedet wird. Gerade diese Vorlage ist bekannt lich für die Beschäftigung von Notstandsarbeitern besonders geeignet und bedeutet eine wesentliche Förderung der städtischen Aktion zugunften der Erwerbslosen, Grünpolitik. Zum Schluß seiner Darlegungen sprach der Minister die Bitte aus, man möge doch auf der einen Seite die sozialpolitischen Ausgaben nicht nur unter dem Gesichtspunkte der Belaftuna" fehen oder gar als übermäßige Belastung ab= lehnen. Man möge aber auch auf der anderen Seite das un wahre Schlagwort vom„ Abbau der Sozialpolitik" burhäfthetische Forderungen des Bauproblems erfüllt werden, plant der tie Reichsregierung oder das Reichsarbeitsministerium endlich aufgeben. Die Tatsachen beweisen das Gegenteil, so schwierig im ein zelnen auch die Berhältnisse im Lande liegen mögen. Die Schuld daran trifft nicht die Sozialpolitik, und Wirtschaftskrisen fann man nur auf wirtschaftlichem Wege überwinden. Jarres wiedergewählt. Duisburg, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Duisburger Oberbürgermeister Dr. Jarres, dessen Amtsperiode in den kommen den Wochen abläuft, wurde am Mittwoch von dem Stadtverordnetenkollegium mit 41 Stimmen gegen 12 Stimmen der Kommu niften auf weitere 12 Jahre wiedergewählt. Jarres hat sich als Rommunalpolitiker über Duisburg hinaus zweifellos große Berdienste erworben. Seine Wahl erfolgte mit den Stimmen der Jozialdemokratischen Frattion. Putsch in Lissabon. Der HauptParis, 4. Februar.( Eigener Drahbericht.) Aus Lissabon wird gemeldet, daß am Mittwoch eine Militärbewegung revolutionären Charakters ausgebrochen ist, die jedoch von der portugiesischen Regierung im Keime erstidt werden fonnte. Die Revolutionäre versuchten in die Rajerne von Campolido bei Lissabon einzubringen, fie murden aber zurückgeschlagen. rädelsführer, Oberst Esteves, sowie mehrere andere Offiziere wurden verhaftet. Nachdem den Aufständigen eine Beschießung ihrer Quartiere durch Artillerie angedroht war, ergaben jie sich bedingungslos. Nur in Almada hält sich noch eine kleinere Abteilung, die fich dort mit einigen Geschüßen verschanzt hat. Budapest, In der Stürme in Budapest. Bethlens Rücktritt gefordert. 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) ungarischen Kammer fam es am Mittwoch anläßlich einer Debatte über die Fälschungsaffäre wieder zu stürmischen Szenen Als der Abg. Nagy behauptete, Beweise dafür zu haben, daß Ministerpräsident Graf Bethlen bereits von der Beteiligung des Bolizeichefs Nadossy Kenntnis hatte, als er ihn mit der Untersuchung des Standals beauftragte, schrien die Fraktionen her Regierungsparteien wie aus einem Munde:„ Lüge, Verleumbung". Auf Grund dessen erflärte sich Nagy bereit, dem parlamentarischen Unterfuchungsausschuß seine Beweise zu unterbreiten. Anschließend hielt der fozialdemokratische Abg. Beyer eine lange, in tiberaus leidenschaftlichem Tone gehaltene Rede, in der er die Frage der politischen Berantwortlichkeit des Kabinetts Bethlen, namentlich aber des Ministerpräsidenten felbft, aufwarf. Er tennzeichnete bei dieser Gelegenheit die Entwicklung der letzten Jahre, zu der die Regierung durch ihre milde hand gegen rechts und die indirekte Unterstilgung von geheimen Formationen beigetragen habe. Insofern befize die heutige Regierung die Pflicht, die Konsequenz aus der Tatsache zu ziehen, daß ihre Tätig feit für das Land erfolglos war und sie nichts anderes getan habe, als Geheimorganisationen zu züchten. Im übrigen verwies Bener auf die merkwürdige Absicht des Kabinetts, sich eine Ermächtigung zur finanziellen Weiterführung der Verwaltung er teilen zu laffen. Die Regierung verfolge damit offenbar den 3wed, das Haus zu vertagen, und dadurch eine große politische Angelegen heit der Deffentlichkeit zu entziehen. Beyer schloß mit der Berlejung einer Erflärung, die m Namen der gesamten Opposition verfaßt war und in der es unter anderem heißt: „ Die politische Berantwortung für die in der Frantfälscherangelegenheit unterbreitete Anklageschrift der Budapester Staatsanwaltschaft fällt dem Justizminister zu. Mit den juristischen Fehler dieser Anklage wollen wir uns nicht befassen, und doch fönnen wir es nicht hinnehmen, daß die Anklage einen der Wahrheit nicht entsprechenden Sachverhalt der Deffentlichkeit unterbreitet. Die Erklärung fordert im Namen der gesamten Opposition den Rädtritt des Rabinetts Bethlen. " Mitmenschen zu erschließen vermag, baß fie alle, die sich eingehend mit ihr beschäftigen, instandsetzt, weniger leichtfertige Urteile, als es gewöhnlich geschieht, über ihre Rächsten au fällen. Die Beamten im neuen Staat. dener Republikaner" sprach Ministerialrat Genoffe FalAuf Einladung der Arbeitsgemeinschaft entschie fenberg am Mittwoch über das Thema:„ Der neue Staat und die Beamten". In seinen etwa anderthalbstündigen Ausführungen gab der Redner eine scharfumriffene Analyse der geistigen Entwicklung des deutschen Beamtentums von der wilhelminischen Aera bis zur demokratischen Republik. Falkenberg zeigte den Zwiespalt auf, der heute noch bei so vielen, insbesondere höheren Beamten zwischen ihrer offiziellen republikanischen Pflicht und ihrer eigentlichen Gesinnung besteht. Die Sabotage der geheimrätlichen Bureaukratie hat unzählige fertschrittliche und reforme rische Ansäge im Reime erstickt. Die routinierten Bureaukraten find Virtuosen im Umbiegen ihnen gefährlich scheinender Entwidlungen. Man müßte annehmen, so führte Faltenberg aus, daß die Beamtenschaft ein großes persönliches Interesse am Boltsstaat und seinen weitgesteckten Rechten haben müßte. Früher, zur Zeit der Monarchie, hatte der Beamte nichts weiter zu tun, als vor allen Dingen den Mund zu halten. Ein Kommunalbeamter besaß nicht einmal die Befähigung, Stadtverordneter zu werden. Gewiß seien mancherlei psychologische Fehler gemacht worden. In einzelnen Ministerien habe es an der nötigen Energie beim Reinigen des Beamtentörpers gefehlt. Es gibt feine unwahrere Phrase als die von der republikanischen Futtertrippenwirtschaft". Wir müssen von der Papierrepublit zur wirklichen Republit gelangen. Aus der leergelaufenen Maschinerie eines ausgebeuteten Beamtentums gilt es, einen lebendigen Organismus zu schaffen. Denn wir find troß allem auf dem Wege, aus der Masse zum Bolt zu werden. Wie start sich die Sabotage gewiffer Bureaukratencliquen auswirft, hat sehr drastisch der Beamtenabbau erwiesen. Man hat ihn zu einer großzügigen Rampagne gegen die freiheitlichen Beamten benutzt. Einmal definierte ein höherer Beamter den Sinn der Personalabbauverordnung so: Es gelte, den Gefundungsprozeß der Beamtenschaft durchzuführen. Das heißt auf gut Deutsch: Wir wollen wieder unter uns sein. Raus mit denen, die unsere Kreise stören. Falkenberg behandelte sodann die Vorteile, die die Republit den Beamten gebracht hat und betonte, daß durch den der Verfassung" Die Staatsgewalt geht vom Bolte aus" die Beamten Volfsbeauftragte im besten Sinne des Wortes amtenschaft zu selbständigem Denken zu erziehen. Die Besol. feien. Es gilt, gemisse fubaltern empfindende Schichten der Bedungsfrage ist eine staatspolitische Frage ersten Ranges. Nach einer ausgedehnten Diskussion faßte Falkenberg seine Forderungen nach einem voltsbewußten, entschieden republitanischen Beamtentum noch einmal zusammen Ein rücksichtsloser Autofahrer. Am 21. Dezember v. 3. abends um 8% Uhr wurde auf der Treptower Chauffee in der Nähe des Spreetunnels der Rutscher Otto Pawel aus der Pistoriusstraße 17 von einem Auto, das sehr scharf fuhr, überfahren und so schwer verlegt, daß er längere Beit im Krankenhause liegen mußte. Als der Führer merkte, was er angerichtet hatte, gab er, statt sich um den Berunglückten zu fümmern, noch mehr Gas, jagte davon und schaltete fogar die Nummernbeleuchtung aus. Es fonnte bisher nur feftgestellt werden, daß es sich um ein befferes Privata ut o handelt. Im Interesse der Allgemeinheit wäre es erwünscht, den rücksichtslosen Fahrer zu ermitteln, damit er zur Berantwortung gezogen werden kann. Angaben zur Aufklärung, die vertraulich behandelt werden, an die Kriminalpolizei beim Polizeiamt Treptow. Schwerer Unfall in der Spandauer Gasanstalt. Die Bestrebungen zu tatkräftiger und rascher Beantwortung der sozialen Zeitfragen ziehen immer weitere Kreise. Das Uebel der Wohnungsnot so zu lindern, daß gleichzeitig hygienische und Städtebau Gesezentwurf des Wohlfahrts ministers. Dieser Entwurf wurde innerhalb eines fachmännischen Kreises am Mittwoch abend im Hause des Herrn Dr. Adolf Damaschke, des Vorfizenden des Bundes Deutscher Boden reformer", nach einleitendem Referat des Herrn Geheimrat Pauly Dom Wohlfahrtsministerium in eingehender Besprechung behandelt. Nirgends wohnt die Masse der Bevölkerung so übel wie in Deutschland ist nicht nur ein Satz des Einleitungsvortrags, sondern auch eine Erkenntnis, die schon sehr weit nach oben gebrungen ist. Nun soll, wie befannt, das Städtebaubeschäftigt sich mit der Planung und erstrebt weiterhin möglichst weitgehende Beherrschung der Wohnungsfrage durch die Kommunen. Will man sich nun einigermaßen dem Biele, beffere und schönere Städte, also gartenumfäumte und weiterhin flachbauumgebene Siedlungen zu schaffen, nähern, so ist eine beschweren Schädelbruch wurde der Unglückliche mit lebensgefährlichen friedigende Entwicklung nur zu erwarten, menn man fich zu einem großzügigen und vor allem auch zu einer mutigen Grünpolitik entschließt. Solange im Gegensatz zu London und anderen Städten bei uns das Betreten des Rasens polizeilich verboten" ist, ist hierzu faum ein Anfang zu spüren. Bielleicht fann uns nun die Neuwahl des Berliner Stadtbaumeisters Hoff nungen erweden. Deutschnationale in Verlegenheit. Dem in dem Reinigungshaus der Spandauer Gasan st alt beschäftigten Arbeiter Neumann aus der Lynarstr. 42 in Spandau fiel aus beträchtlicher Höhe ein 10 3entner schwerer eiserner Trichter auf den Körper und begrub ihn unter sich. Mit schweren Arm- und Rippenbrüchen sowie einem Verlegungen in das Städtische Krankenhaus Spandau eingeliefert, wo er hoffnungslos darniederliegt. Die Ursache des Unglücks ist bisher noch nicht bekannt. Zur Fürstenabfindung. In der Delegiertenversammlung der Freireligiösen Gemeinde Berlin, welche legten Sonntag tagte, murde folgende Resolution angenommen: Die Mitglieder der Freireligiösen Gemeinde erwarten, daß die Boltsabstimmung über die geplante Fürstenabfindung auf jeden Fall vorgenommen wird und zu einer Ablehnung dieser Forderung führt. Sie eriparten aber weiter, daß das gesamte Privatvermögen dieser Personen, someit es zu erfassen ist, beschlagnahmt und benutzt wird, um den riesengroßen Schaden, welcher dem deutschen Bolle von den ehemaligen Fürsten zugefügt worden ist, soweit wie möglich zu decken." Wie uns aus Petershagen an der Ostbahn mitgeteilt wird, tagie dort vor furzem eine von der Deutsch nationalen Bartei einberufene Versammlung, in der Landtagsabgeordneter ürtgen( Dnat.) über die Fürstenabfindung sprach. Ob: wohl die Versammlung außerordentlich gut besucht war, so waren doch die meisten der deutschnationalen Anhänger nicht erschienen. Nachdem der Referent sich mit vieler Mühe seiner undankbaren Aufgabe entledigt hatte, wurde unser Standpunkt in dieser Frage von je einem Redner der SPD. und KPD. in wire tungsvoller Weise vertreten. Eine von den Sozialdemokraten eingebrachte Resolution fund mit jämtlichen gegen eine einzige Stimme Annahme. Auch alle Bürgerlichen hatten dafür gestimmt. Die Resolution sprach sich im Sinne des Volks entscheids aus und wünschte die gemeinsame Arbeit aller Wert- fahrtsinstitution der Odd Fellow Logen, die in Zusammenarbeit tätigen. Fener in den Eisenbahnbetriebswerkstätten Tempelhof. Ein gefährliches Feuer tam gestern nacht furz vor 2 Uhr in den Eisenbahnbetriebswerkstätten Tempelhof zum Ausbruch. Auf den Ruf Mittelfeuer eilten zwei Löschzüge an die Brandstelle. Beim Eintreffen der Wehren stand bereits der Da ch stuhl der Eisenbahnwertmeisterei in hellen Flammen. Da große Gefahr bestand, daß sich das Feuer auf die dicht beieinander liegenden Gebäude ausbreiten würde, mußte aus drei C- Rohren etwa zwei Stunden lang Wasser gegeben werden. Der Dachstuhl ist voll ständig niedergebrannt. Die Aufräumungsarbeiten zogen fich bis nach 4 Uhr morgens hin. Die verräterische Handschrift. Segualwissenschaft leitete ein Referat ein über Sexualität und Die Vortragsfolge Seguelle Ausbrudsformen" des Instituts für Handschrift, das Karl Bejser, der Vorsitzende der Deutschen Graphologischen Studiengesellschaft, hielt. Der Bortragende gab zunächst einen knappen leberblick über die Graphologie und ihre Grundbegriffe. Ein gewisses Verständnis dafür ist natürlich als Bafis nötig, wenn man von der Handschrift auf die Sexualität schließen will. Proben haben ergeben, daß zierliche, rechtsgerichtete Schrift meist von Frauen, kräftige, mehr steil gestellte Buchstaben aber von Männern geschrieben werden. Doch fann man aus der Handschrift nur den Geschlechtscharakter, nicht das wahre Geschlecht herauslesen. Es gibt Frauen mit männlichen, Männer mit meib lichem Geschlechtscharafter; besonders bei Homosexualität, bei Sabismus und Masochismus geht das natürliche Geschlecht mit dem Geschlechtscharakter, das die Handschrift zeigt, oft durchaus nicht zu fammen. Ein ftarfes Triebleben, so führte der Bortragende weiter aus, zeigt sich in breiter, verschwommener,„ breiiger Schrift". Doch fönnen einzelne Veränderungen davon auf vorhandene Hemmungen hindeuten, die das Triebleben trotzdem nicht zur Auswirkung fommen lassen. Beffer glaubt, daß man auf Grund der Graphologie in Einzelfällen fogar vorausfagen fann, ob zwei Menschen, die fich heiraten wollen, füreinander pajfen. Vor allen Dingen aber wies er darauf hin, daß die Handschriftenfunde das Berständnis für unfere Zugunften erholungsbedürftiger Berliner Kinder veranstaltete der Hilfsausiauß der Berliner Odd Fellow. Logen am Sonntag in den Räumen der 700 ein startbesuchtes wohltätigkeitsfest, das durch wertvolle Darbietungen erster Künstler, durch Tänze der Solomitglieder des Staatsopern ballets und durch frischen Gesang des Schwarzmeier fchen Kinderchors verschönt wurde. Der starke Besuch der Veranstaltung läßt reichen materiellen Zufluß für die Wohlmit dem Jugendamt der Stadt Berlin monatlich 50 erholungs. bedürftige Berliner Kinder wirtschaftlich schwacher Eltern zit unentgeltlichem Aufenthalt ins Boffener Kinderheim verschidt, erhoffen. Ueber englische Schwebungsschallung findet in der Abteilung Schöne berg des Arbeiter- Radiollus heute, abends 8 Uhr, in der Sedanstraße 53 in Schöneberg ein Vortrag statt. Schweres Flugzeugunglück. In Broßniz in Mähren hat sich ein schweres Flugzeugunglück zugetragen. Ein Militärflugzeug verlor im dichten Nebel die Orientierung und manövrierte hilflos über der Stadt. Es stieß plöglich an den Kirchturm, stürzte aus einer Höhe von etwa 50 Metern auf das Dach eines benachbarten Hauses und explodierte dort. Durch die Erschütterung brach der Dachstuhl des Hauses durch und stürzte zusammen. Der Pilot und der Beobachter wurden tödlich verlegt. Mit dem Gummiknüppel gegen das Stadtoberhaupt. In Budapest wurde der Oberstadthauptmannstellvertreter Andreta in der letzten Nacht in einem Straßenbahnwagen von einem ihm gegenübersizenden jungen Mädchen mit einem Gummifnüppel geschlagen. Das Mädchen nahm, als es zur Oberstadthauptmannschaft geführt werden sollte, Veronal. Nachdem eine Magenfpülung vorgenommen morden war, erlangte es das Bewußtsein mieder und wurde verhört. Es stellte sich heraus, daß die Täterin mit einer Universitätshörerin Bidefn identisch ist, die megen tommunistischer Umtriebe perurteilt worden war und eine längere Strafe verbüßt hatte. Sie hat die Tat aus Rach gegen Andrefa verübt, der zur Zeit ihrer Festnahme der Leiter politischen Abteilung der Oberstadthauptmannschaft war. Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, 51. Abteilung, nicht, wie irrtümlich angegeben, 52. Abtellung, Char lottenburg. Bom 5.- 8. Februar mird der Film Freies Bolt" im Bestend- Rins, Spandauer Berg 31, aufgeführt. Alle Genoffinnen und Genoffen müffen dafür rege Bropaganda unter Freunden und Betannten betreiben. Freitag, den 5. Februar, s uhr, bei Lehmann, Rönigsmeg 8: Funktionärsigung. Gewerkschaftsbewegung Eisenbahner und Reichsbahn. In der Bersammlung der Eisenbahner am Mittwoch, über die wir bereits furz berichtet haben, gab Scheffel eine Uebersicht über die Lohn, Gehalts- und Wirtschaftspolitit der Reichsbahn. Seit die Goldlöhne bestehen, haben die Differenzen zwischen Eisenbahnern nicht aufgehört. Der Widerstand der Reichs bahn hat sich verdoppelt und verdreifacht, seitdem die Eisenbahnerlöhne einigermaßen an die Industrielöhne herangekommen find. Das Streben der Reichsbahn, die völlig unter dem Einfluß der Schwerindustrie unter Führung des Herrn v. Siemens steht, geht dahin, die Beamten von den Arbeitern zu trennen und dann durch Einführung zahlreicher Lohn- und Gehaltsklassen, Sonderzu lagen und Brämien eine weitere Trennung herbeizuführen. Die Reichsbahnverwaltung steht zwar auf dem Standpunkt, daß die Eisenbahn ein Ronjuntturbetrieb ist, aber fie mill feine Ronjunkturlöhne zahlen. In dem Widerstand gegen diese Taktik waren fich zuerst alle Richtungen der Arbeitnehmer einig, aber die Einigkeit dauerte nicht lange. Das Spiel der Reichsbahn wurde sehr erleichtert durch die große Zahl der Arbeitslofen. Die gegenwärtig schlechten Gehaltsverhältnisse werden zu ftabilifieren verfucht. Es ist der Verwaltung gelungen, den Beamten der Besoldungsgruppen I- IV die Unfündbarkeit zu nehmen und sie will ihnen jezt das Recht absprechen, sich durch Streits zu wehren. Diese Besoldungsgruppen haben eine Ründigungsfrist von vier Wochen erhalten und auch weiteren Gruppen der Beamten will man den Beamtencharatter entziehen; allerdings foll hier die Kündigungsfrist etwas länger bemessen werden. Die Reichsbahn hat sich bereit erflärt, die Unfündbarfeit wieder herzustellen, wenn die Beamten auf das Streitrecht verzichten. Der Einheitsverband war hiermit unter der Bedingung einverstanden, daß die Beamten in ihrer Existenz so gestellt werden, daß sie auf das Streifrecht verzichten tönnen. Das lehnt die Berwaltung ab. Es ist richtig, daß die Reichsbahn mit erheblichen Reparationslasten beschwert ist, aber diese Lasten drücken doch nur die unteren Beamten. Für die oberen Beamten werden 16 bis 20 millionen Leistungszulagen gegeben. Für Bahnschut" ist Geld da. Auch die unproduttiven Ausgaben für Pensionen und Wartegelder sind außer ordentlich hoch. Aber diese Belastung ist eine Folge der falschen Wirtschaftspolitit und der falschen Tarifpolitit der Reichsbahn. Die Reichsbahn hat seinerzeit die Gütertarife um 10 Broz. ermäßigt mit der Motivierung, auf diese Weise die Preisabbaupolitik der Regierung zu unterstüßen. Die Preisermäßigungen sind ausgeblieben, aber der Reichsbahn find durch diese Ermäßigungen der Tarife 300 millionen pro Jahr ver loren gegangen. Dieses Geld ist restlos in die Taschen der Rapitalisten gefloffen. Bei der Fällung des sehr unbefriedigenden Schieds. spruches, der von den Gewerkschaften lediglich unter dem Drud der allgemeinen Wirtschaftslage angenom men worden ist, ist es interessant festzustellen, daß diesem Schiedsspruch auch die Beifizer der Eisenbahnverwaltung zugestimmt haben. Das Gefährliche bei der Berwaltung der Reichsbahn ist, daß alle thre Berwaltungssigungen hinter verschloffenen Türen stattfinden und daß im Berwaltungsrat fein Ber treter der Arbeitnehmer vorhanden ist. Das muß anders werden. Außerdem fühlt sich, wie jest ja mieder die sattsam erörterten Borgänge beweisen, die Reichsbahn frei von jeder gefeglichen Bindung, sie fühlt sich nicht einmal den parla. mentarischen Instanzen und der Regierung gegenüber verantwortlich. In der sehr lebhaften Distuffion versuchte ein Eigenbrötler, der einen Verband mit einem Bäderdugend Mitgliedern gegründet hat, auf fommunistisch- synbitalistischer Grundlage in radikalen Phrasen sich zu betätigen. Er wurde von allen nachfolgenden Rednern und auch von Scheffel felbst in seinem Schlußwort gründlich abgefertigt. Die Refolution, deren wesentlichen Inhalt wir bereits in unserem Bericht gegeben haben, gelangte einstimmig zur Annahme. Berufsausbildung und Gewerkschaften. Mißflände und Reformen. In der Nr. 28 vom 18. Januar haben wir unter der Ueberschrift: Unternehmer gegen die Berufsschule" das Verhalten der Unternehmer in den Fragen der Berufsschule zur Kenntnis gebracht. Besonders traß lag der Versuch der Firma Schebera Tempelhof, die den Arbeitsausfall der wegen Lohndifferenzen ausgesperrten ermadylenen Arbeiterschaft wettzumachen suchte durch besondere Arbeitsleistung der Lehrlinge, die zu diesem Zwed von dem Besuch der Berufsschule beurlaubt werden sollten. In der Karosseriefabrikation scheint das Beispiel Schebera Schule zu machen. Die erwachsene Arbeiterschaft fämpft gegen den unberechtigten Lohnabzug und liegt auf der Straße, die Lehrlinge haben bei Berlust des Schulbesuches etwaige eilige Aufträge auszu führen. Diesmal find es die Firmen Boll u. Ruhrbed, Charlottenburg, und Buhne, Schulzendorfer Straße. Die Jugendzentrale und die Gewerkschaften haben auch in diesen Fällen die Schulleitungen auf die Sachlage aufmerksam gemacht. Es ist jedoch notwendig, daß generell von dem Fachschuldezernat eine entsprechende Berfügung erlaffen wird, die bestimmte Richtlinien für eine Beurlaubung enthält. Nicht unbekannt ist es, daß der fürzlich gebildete Arbeitsausschuß für Berufsausbildung sich auch den Fragen der Berufsschule eingehend zuwendet und sicher Sträfte birgt, Mißſtände abzustellen. Zu begrüßen sind die Bestrebungen des Aus schusses, die Ausbildungsverhältnisse in Echule und Werkstatt mit sachlichem Ernst zu pflegen, denn diesen 3wed hatte wohl die Tagung des Arbeitsausschusses am 29. Januar, in der u. a. auch über zmedmäßige Berufsschulorganisation und über den Sinn der Berufspflichtschule und ihre Zusammenarbeit mit der beruflichen Braris verhandelt wurde. Was die Gemertfchaften in der Berufsschule fehen, fommt in der Entschließung, die auf der Hamburger Jugendfonferenz gefaßt wurde und der der Breslauer Gewerkschaftsfongreß zustimmte, flar zum Ausdrud. Ein Unterausschuß soll ein Bufammenarbeiten zwischen Wirtschaft und Berufsschule erstreben. Wir empfehlen dem Unterausschuß, auch auf die hier fritifierten Firmen sein Augenmerk zu richten. Benn unter Berücksichtigung Heinrich u. Therese Peege Dem goldenen Jubelpaar Bringen ihre Wünsche dar Die Reste der Alten Garde des Hahnschen und Eichkatzenkeller- Stammtisches ( 4. Wahlkreis Osten) Bähr- Stiefel A ( früher Bärenstiefel) haltbarster Qualitätsstiefel für nur bei Strasse und Sport H. Bähr, Spittermarkt 7 ber für ben Nachwuchs, file bie Boltsmirthaft umb file unfer Boll notwendigen Gefichtspunkte, unter Ausschaltung bestimmter einfeitiger Intereffen, gearbeitet wird, ist wohl auch in gemerfschaftlichen Kreisen Verständnis für eine fachgemäße Zusammenarbeit in Fragen der Berufsausbildung zu erwarten. n Ein netter Betrieb." Brig, gibt uns zu der mit dieser Ueberschrift in Nr. 52 des Die Firma Julius Scheibe G. m. b. 5., Berlin. Borwärts" erschienenen Beschwerde folgende Erklärung: " „ Der Betrieb arbeitet nicht für eine Firma, sondern für eine größere Anzahl von Kunden. Eine Verlegung der Bestimmung des Tarifvertrages ist nicht erfolgt. Eine Arbeitsordnung, die eine neunstündige Arbeitszeit verlangt, gibt es bei uns nicht. Es besteht die a cht stündige Arbeitszeit. Im Sommer und Herbst vorigen Jahres wurde wegen starfer Beschäftigung zur Fertigstellung von Anlagen für die Berliner Stromvers forgung neun Stunden gearbeitet. Die Dringlichkeit dieser Arbeit ist allgemein befannt. In besonders dringenden Fällen mußten für diese Anlagen auf Berlangen der Kundschaft innerhalb der fürzesten Zeit Konstrultionen geliefert werden. Arbeitszeiten von der angegebenen Dauer find jedoch nicht vorgekommen, da meist in zwei Schichten gearbeitet wurde. Ueberschreitungen der Arbeitszeit für lebenswichtige Betriebe sind zulässig und sind im Einverständnis mit der Belegschaft ausgeführt worden Die Werkstatt war voll besetzt und brauchbare Facharbeiter zurzeit nicht arbeitslos. Die Entlohnung erfolgt ohne Ausnahme zum Tarif, Spigen gruppe 6 Bf. über Tarif. Durch starte Konkurrenz, besonders der Metallindustrie, gezwungen, mußten wir unsere Breise teilweise erheblich herabseßen, und haben infolgedessen im Januar d. J. eine mur für vorstehend erwähnte Zeit der guten Beschäftigung gewährte. Konjunkturzulage, die außerhalb des Tarifes lag, wieder abgebaut. Der Betrieb ist zurzeit fehr schwach beschäftigt und halten wir über die Hälfte der jezigen Belegschaft durch Vorrats- und Instand haltungsarbeiten so lange als möglich. Die sanitären Anlagen find ,. mie mir zugeben, nach den heutigen Verhältnissen mangelhaft, jedoch war eine Besserung nicht möglich, da sich der Betrieb in Erdgeschoßbauten auf einem Bachtgrundstüd befindet, das mehrere Meter unter dem Niveau der nächsten Straße liegt. Einen Neubau an anderer Stelle aufzuführen, war bisher wegen Kriegs- und Inflationszeit nicht möglich, jedoch wird noch in diesem Jahr in Rudow damit begonnen. Auf die sanitären Anlagen wird dabei besonderer Wert gelegt. Alle Anschaffungen wurden nur für vorstehende Berlegung des Betriebes und zur Hebung der Produktion gemacht. Bezüglich der gewerkschaftlichen Frage bemeifen wir, daß wir lieber mit einer organisierten, als mit einer nichtorganisierten Belegschaft arbeiten." Schiedsspruch im Kölner Bankgewerbe. Köln, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Im Kölner Bantgewerbe ist ein Schiedsspruch gefällt worden, der in der Lohngewerbe ist ein Schiedsspruch gefällt worden, der in der Lohn und Arbeitszeitfrage folgende Entscheidungen trifft: Für Januar werden die Gehälter um 4 Broz., ab 1. Februar um 5 Broz. erhöht Im übrigen bleibt der Manteltarif unverändert bestehen bis Ende Februar 1927. In der Arbeitszeitfrage wird den Bantleitungen das Recht zugesprochen, in Bedarfsfällen die Arbeitszeit bis zu 52% Stunden pro Woche zu verlängern. Bei Arbeiten, die durch Aufwertungsarbeiten bedingt find, fann vorübergehend die Arbeitszeit bis zu 54 Stunden pro Woche ausgedehnt werden. Somohl die Arbeitgeber als die Angestellten haben den Schiedsspruch, deffen Erklärungsfrist bis zum 8. Februar läuft, abgelehnt. Weitere Betriebseinschränkungen. Effen, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Stahlwert Beder A.-G. zu Willich schreitet zu weiteren Einschränkungen ihres Betriebes. Die frühere Belegschaft von 4000 Mann ist in der letzten Zeit auf etwa 1000 herabgemindert worden Beschlüsse der Bergarbeiter- Internationale. Genf, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der hier tagende Ausschuß des Internationalen Bergarbeiterverbandes erklärte fich nach einem orientierenden Bericht des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas mit der begonnenen Untersuchung über die Berhältniffe in der Kohlenindustrie und mit ihrer Durchführungsmethode einverstanden. Die ersten Resultate mit ihrer Durchführungsmethode einverstanden. Die ersten Resultate der Untersuchung hofft man bereits dem Internationalen Bergarbeiterfongreß, der im Auguft in Krafau stattfindet, vorlegen zu tönnen. Als Arbeiterfachverständige der sechsgliedrigen Kommiffion des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes für die fortlaufende Beaufsichtigung der Untersuchungsergebnisse wählte der Ausschuß den Deutschen Dr. Berger, den Belgier Desjardins und zwei Engländer Smith und Hodges. Auf die Tagesordnung des Krafauer Kongreffes wurde neben der Diskussion über die ersten Resultate des vorgenannten Untersuchungsberichts bereits der Achtstundentag und die Verhütung von Arbeitsunfällen gesetzt. Ferner beschloß der Ausschuß noch eine Solidaritätstundgebung an die rund 200 000 nord amerikanischen Kohlengrubenarbeiter, die seit 5 Monaten im Streit stehen. Die Arbeitslosigkeit in Polen. Warschau, 2. Februar.( Eigener Drabtbericht.) Die Republit Bolen hat jest mit 341 000 Arbeitslofen ben höchsten Stand der Erwerbslosigkeit feit ihrer Wiedererrichtung. Monatlich müssen 10 Millionen Bloth zu ihrer Unterstüßung ausgegeben werden. Dabei beträgt diese Unterstügung im höchftfall 1, Sloth täglich für eine Familie. Die Zahl der unterstühlen Arbeitslosen Wiens ist in der zweiten Hälfte des Monats Januar um 4380 auf insgesamt 99 427 gestiegen. Hierzu kommen noch etwa 5000 Arbeitslose, die im Bezug der außerordentlichen Beihilfe stehen, so daß mit 105 000 Arbeitslosen in Wien gerechnet werden muß. Satarbeiterverband. Morgen, Freitag abend 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus! Gaal 4( großer Gaal) Jahresgeneralversammlung. Erscheinen aller Mitglieber it Pflicht! Mitgliedsbuch legitimiert, wird abgestempelt. Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Breis 1 Mart. Borto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Lachen Links Das affuelle republikanische Wigblatt erscheint jetzt in neuem Gewand und tosiet trotz der besseren Ausstattung statt bisher 25, nur noch 20 Pfg.pro Nummer. Su beziehen durch fämtliche Ausgabestellen und Botenfrauen des„ Borwärts Wirtschaft Ausdehnung der preußischen Elektrowirtschaft. Die Aftienmehrheit der Brauntohlenindustrie- Aktiengesellschaft Zukunft( BIAG) ist von dem preußischen Staat erworben worden. Für den Ankauf maren elettrowirtschaftliche Beweggründe bestimmend. Die BJAG. betrieb in Weisweiler. gestützt auf einen beträchtlichen Rohlenfelderbesis, in wärmewirtschaftlicher Berbindung mit ihrer Brifettfabrikation ein Braunkohlenfraftwerk von 42 000 Kilowatt. Das Versorgungsgebiet der BJAG. umfaßt folgende Kreise: Aachen- Stadt und Land, Düren, Jülich, Schleiden, Monschau, Daun, Brün und Adenau. Die Grundbelastung übernimmt das Brauntohlenkraftwert, während zur Spizendedung das von der Ruhrtalsperren G. m. b. H., der BJAG. zum Betriebe übertragene Kraftwerk an der Urftalsperre in Heimbach( Eifel) zur Verfügung steht. Der Erwerb der BJAG. liegt also in der Richtung, die bereits durch den Ankauf des RWE.- Aktienpatetes vorgezeichnet worden ist, nämlich einer stärkeren staatlichen Beteiligung an der Stromver forgung des bejezten rheinischen Gebietes. Es ist beabsichtigt, die Brivatwirtschaft auch weiterhin an dem Unternehmen zu beteiligen und ihr Raum zur Mitwirkung zu geben. Auch soll die Leitung unverändert beibehalten werden. Der für das Aktienpaket vom preußischen Staat gezahlte Kaufpreis ist angesichts der großen in dem Unternehmen vorhandenen Sachwerte und feiner, modernen Betriebseinrichtungen sowie der für den Staat sich ergebenden elettrowirtschaftlichen Möglichkeiten als durchaus vorteilhaft zu bezeichnen. -34= Schutzzollpropaganda der vertruffeten Delmühlen. Die Greg betriebe der deutschen Delmüllerei, die bekanntlich fast ausnahmslos in den Händen ausländischer Trusts und Konzerne sind, erheben unter Berufung auf ihre angeblich schwierige finanzielle Lage nächst noch vorsichtig neue schuß3öllnerische Forde rungen. Angeblich hat sich der seit dem 1. Oftober 1925 einge führte Delzoll als völlig unzureichend erwiesen. Dem gegenüber ftellt die Konjunktur- Korrespondenz" durch Umfrage bei freien, d. b. nicht vertrufteten Delmühlen und sonstigen Interessenten der einschlägigen Branche fest, daß die Schwierigfeiten einiger größerer Fabrifen in der Hauptsache auf verfehlte Spetu. lationen in Rohmaterial zurückzuführen sind. Diese Betriebe haben 3. B. Soyabohnen schon vor langer Frift zu weit höheren Breisen als heute geltend getauft und sehen sich nunmehr genötigt, ihre Erzeugnisse zu Preisen abzustoßen, die den heutigen Rohmaterialpreisen ungefähr entsprechen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Mühlen auch heute noch für rohes Soyaöl einen Breis fordern, der mindestens um den 3oll von 7,50 m. höher ist als die ausländischen Forderungen. Die Berteuerung durch den Zoll hat sich also in vollem Umfange ausgewirkt. Der Versuch, Spefulationsverlufte auf die Abnehmer, d. h. auf die ölverarbeitende Industrie und die Konsumenten durch weitere Bollerhöhungen abzuwälzen, follte von den zuständigen deutschen Stellen rechtzeitig erkannt und abgewehrt werden. Berschlechterung der Konjunkfur in der Filminduftrie. Die Bro duktionstätigkeit in der gesamten deutschen Filmindustrie hat im Januar einen erheblichen Rüdgang erfahren. Bon 750 zur Ber fügung stehenden Ateliertagen maren nur 407 besetzt. Auch der Theaterbefuch ließ nach. Die hieraus entstandene ungünstige Geschäftslage der Theaterbefizer wirft sich ungünstig auf das Berleihgeschäft aus. Aus denselben Gründen flagen die Kopieranstalten über Beschäftigungsrüdgang, namentlich am Berliner Blag Aus der Partei. Werbearbeit für die Jugend. Bon der Zentrale unserer Jugendorganisation wird für die Zeit vom 20. bis 28. März eine Reichswerbewoche vor bereitet. Die Jugendgruppen sind aufgefordert, wegen der Borbe reitung und Durchführung dieser Werbewoche überall mit den Barteigruppen in Verbindung zu treten. Ebenso wird die Unterstügung der Parteivereine gewünscht, um eine fruchtbare Zusammenarbeit in die Wege zu leiten. Bald stehen wir wieder vor der Schulentlassung. Dem jungen Menschen, der dann in die harte Fron des Erwerbslebens eintritt, für seine freie Zeit nützliche geistige und förperliche Erholung zu verschaffen, ist der 3med unserer Jugendbewegung. Spiel, Sport, Bandern, Reigentanz und Gefang wird in ihr gepflegt. Der Jugendliche fühlt sich bold recht wohl in diesem fröhlichen Kreis feiner Altersgenoffen, in dem auch starte geistige Regiamkreis herrscht. In Borträgen, Arbeitsgemeinschaften und naturwissenschaftlichen Banderungen werden die Jugendlichen über Fragen der modernen Weltanschauung belehrt und davon abgehalten, fich öden Bergnügungen hinzugeben. Geist und Körper merden gejtählt. Unjere Jugendbewegung hat in dieser Kulturaufgabe schon unendlich viel getan, ihr dazu weiter behilflich zu sein, werden sich unsere Parteiorgani fationen gewiß gern angelegen lassen sein. In allen Fällen der agitatorischen und organisatorischen Bor. bereitung steht mit Rat und Tat die Jugendbezirksleitung, die mit dem Parteisekretariat in engster Fühlung steht, ebenso der Hauptvorstand des Berbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend, Berlin SB. 61, Belle- Alliance- Platz 8 II, den Organisationen zur Seite. Ein Beteran der Thüringer Partei. Genoffe Emil Betterlein in Gera beging am 2. Februar feinen 70. Geburtstag. Schon unterm Ausnahmegese war Genosse Betterlein für die Partei tätig. Om Wahlkreise Meerane, dessen Mandat August Bebel damals inne hatte, lernte er zuerst die sozialistischen Ziele fennen. Fast drei Jahrzehnte ist Betterlein fommunalpolitisch tätig und ihm ist es zu danten, daß unser thüringisches Parteiblatt sich zu der Höhe entwickelte, auf der es heute steht. Ein volles Bierteljahrhundert leitet er in Reuß die Barteibewegung. Möge dem alten Kampfgenoffen noch lange die geistige Frische verbleiben, der er sich heute noch erfreut. Berantwortlich für Bolitik: Gruft Renter: Wirtschaft: Artur Sateruns: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lofales und Sonstiges: Krik Raritäbt: nacigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G 68. Lindenitrake 3. Gardinen Korbmöbell Sonderangebot! Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- and Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Heukölln, Bergstr.67 am Ringbahnhot. SCHUTE Quifiungs Raban u Reklamnemarken terhofen 45 Jahren de Spezialitat: Conrad Müller Schkeudit Leipzig. An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Monbijonplatz 12. Hof part. Nähe Hackescher Markt Zahlungserleichterung Telephon: Alexander 4112 Photoapparate, Feldstecher kaufen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 Nagelpflege- Garnituren Kopp& Josepà BERLIN W in vornehmer Ausstattung. Potsdamer Str. 122.