Abendausgabe Nr. 6643. Jahrgang Ausgabe B Nr. 33 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Dienstag 9. Februar 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Pensionen der Prinzen. Deutschnationale Abgeordnete verhandelten mit Wilhelm von Oels. Bel der Weiterberatung der Fürstenauseinander. jegung legte die Regierung eine Nachweisung über die Mili tärpensionsbezüge ehemals regierender Häuser vor. Danach beziehen im ganzen 19 Fürst en resp. ihre Witwen Militär. pensionen, und zwar Prinz Heinrich 17 127. M., Prinz Eitel Friedrich 10 074 m., Prinz Leopold von Bayern 16 983 m., Prinz Rupprecht von Bayern 16 347 m. Die anderen Beträge zwischen 1503 m. und 7554 m. jährlich. Dr. Rosenfeld zur Geschäftsordnung: Vor Eintritt in die Tages. ordnung habe ich eine Frage an die Deutschnationalen zu stellen: Ist es wahr, daß deutschnationale Abgeordnete in den letzten Wochen mit dem ehemaligen deutschen Kronprinzen über die Frage der Auseinandersetzung mit den Hohenzollern ver handelt haben, auch über die Tattit, die einzuschlagen ist, um das sogenannte Hohenzollernvermögen zu schützen? Abg. Barth( Dnat.): Das ist eine ganz ungehörige Frage. Unsere Beziehungen zu den Hohenzollern gehen niemanden etwas an. Ich will aber die Erklärung abgeben, daß wir mit Seiner faiserlichen Hoheit, dem Kronprinzen, feine Berhandlungen gehabt haben. Dr. Rosenfeld: Ich muß entschieden zurüdweisen, daß meine Frage als ungehörig bezeichnet wird. Diese Frage war notwendig, weil im Interesse des deutschen Bolles festgestellt werden muß, ob Mitglieder des Reichstages mit interessierten Fürsten über die im Reichstag bei der Verhandlung der Fürstenauseinandersetzung 3 zu beobachtende Tattit sich verständigen. Am 28. und 29. Januar haben im Miederländischen Palais und bel Hiller zwei 3usammenfünfte stattgefunden, an denen der ehemalige deutsche Kronpring, Bertreter der hohenzollernschen Bermögensverwaltung und deutsch nationale Reichstagsabgeordnete teilgenommen haben. Der Kronprinz iff unmittelbar darauf nach Holland gefahren. Nach dem Fall Everling, der schon gewisse Aufflärung gab über die Beziehungen deutschnationaler Boltsvertreter zu einem Fürfienhaus, ist das jeht der zweife Fall in dem sich herausstellt, daß deutschnationale Abnete im Reichstage nicht als Vertreter des Volkes, sondern als Bertreter von Fürstenintereffen mitarbeiten. Abg. Barth( Dnat.): Die Mitglieder des Rechtsausschusses, die der Deutschnationalen Boltspartei angehören, haben nicht die Ehre gehabt, mit der kaiserlichen Hoheit, dem Kronprinzen, zu sprechen. Abg. Everling( Dnat): Ich muß mich dagegen verwahren, daß die getränkten Rechte der Fürstenfamilien und die Intereffen des Boltes in Gegensatz gesetzt werden.( Allgemeine Heiterkeit.) Ein Rechtsbruch, wie der hier erstrebte, belastet das Bolt, in dessen Namen er versucht wird, mit einem Makel. Bir aber wollen nun nicht, daß das deutsche Volk durch die Enteignung der Fürsten mit einem Makel belastet wird. Im übrigen ist es meine Sache, mit wem ich verkehre. Ich habe nicht die Ehre, Seine faiserliche Hoheit seit anderthalb Jahren zu sehen. Preußischer Landtag. Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Im preußischen Landtag wurde heute zu Beginn der Sigung auf Berlangen des Genossen Lüdemann ein fozialdemokratischer Antrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf die Tagesordnung gefeßt und zur raschen Erledigung im Zu sammenhang mit den Beratungen über die neue Hauszins steuer ohne Besprechung dem Hauptausschuß überwiesen. Der Antrag fordert vom Staatsminifterium 1. einen namhaften Teil der im Haushaltsplan für 1926 vorgesehenen Mittel für öffent. liche Bauten schon jetzt zur Verfügung zu stellen und 2. für die Finanzierung des Wohnungsbaues vorschußweise einen Betrag von 50 Millionen Mart den Kommunalverbänden zu überweisen. Y Angenommen wird ein Antrag, der die Anerkennung der in Oberschlesien durch Aufruhr und Boleneinfall verursachten Schäden als Reichsschuld und die Beschleunigung in der Zahlung der Ent schädigungen verlangt. Ferner wird angenommen ein fozialbemo fratischer Urantrag zur Befämpfung der Stillegung von Zechen im Ruhrgebiet aus spekulativem Interesse, ebenso ein Antrag zur Erhöhung der Bezüge der Angestellten in den Staatsbetrieben des Recklinghausener Bezirks. Nach Ueberweisung eines Zentrumsantrages zur Stundung der Saatguttrebite an den zuständigen Ausschuß geht das Haus an die zweite und dritte Beratung des Gefeßentwurfes über die Reuregelung der tommunalen Grengen im rheinisch- westfälischen Industriebezirk. Zusammenhalten der Linken. Niederlage Doumers. Paris, 9. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die franzöfifche Binte hat am Montag dem Finanzminister Doumer eine neue fchmere Niederlage beigebracht. Der von diesen gestellte Antrag auf 3urudstellung ber non der Rommission vorgeschlagenen Umwandlung der Inhaber in Namenspapiere wurde von der Rammer mit 287 gegen 233 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag baben gefchloffen die drei Parteien des Rartells gestimmt. Der gestern in einer Beratung der Fraktionsvorstände beschlossene Appell an die Parteidisziplin hat demnach bereits seine Appell an die Parteidisziplin hat demnach bereits seine erften Früchte gezeitigt. Doumer, der noch am Montag nachmittag fedes Rompromiß in der Finanztommission sehr von oben herab Abg. Korsch( Komm.) protestiert gegen das Berhalten Deutschnationalen, die die Interessen des deutschen Volkes schwerste verlegen. aufs Abg. Lohmann( Dnat.): Niemand hat ein Recht, uns einen Bor. wurf zu machen, wenn wir mit Fürsten verhandeln. Solche Verhandlungen fönnen uns nur helfen, ein gerechtes Urteil zu bilden. Dr. Rosenfeld( Soz.): Jeder Versuch, bei der Bertretung von Fürsteninteressen den Eindrud hervorzurufen, als ob diese mit den Bolfsinteressen nicht im schärfsten Widerspruch ständen, muß entfchieden zurüdgewiesen werden. Die deutschnationalen Abgeord. neten, die mit Fürsten darüber verhandeln, wie am besten Tschechoslowakisches„ Locarno". Mit Hilfe der Sprachendrosselung. Von Senator Johann Polad( Brünn). Die tschechoslowakische Republik hat sich in ihrer„ revoberlutionären" Nationalversammlung, die dem legalen Barla mente vorausging, Geseze über die Verfassung, über die Grundsäge des Sprachenrechtes, über die Errichtung von Gauen und Bezirksbehörden, über die Gemeindeordnung gegeben. Alles, ohne die Minderheitsvölker den Beratungen beizuziehen oder zu befragen, wiewohl die Deutschen allein die stattliche Zahl von 3% Millionen in einer Gesamtbevölkerung von 13% Millionen bilden. Bei der Schaffung der verfassungsmäßigen Grundlage waren die damaligen Gesetzgeber in erster Linie und in stärkstem Maße darauf bedacht, den Charakter der Republik als eines Nationalstaates festzulegen, bei welchem gesetzgeberischen Geschäfte sie natürlich niemanden brauchen konnten, dessen bloßes Dasein die stärkste Widerlegung der Grundvorausseßung ihrer Verfassung verförperte. Zu diesen Gesezen fügten sie dann noch eine parlamentarische Geschäftsordmung, welche die durch die nationale Staatsidee geschaffene und befruchtete allnationale Roalitionsregierung vor allen Fährlichkeiten bewahren, die Opposition auf parlamentarischem Boden wehrlos machen fellte. Aber alle Vorsicht scheiterte an der Entwicklung der Dinge. die Vermögensintereffen der Fürsten im Reichstag gewahrt werden, verdienen den schärfsten Vorwurf. Sie verlegen aufs schwerste die elementarsten Pflichten jedes Volksvertreters. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. In der Fort fegung der Generaldebatte nimmt das Wort Abg. Freiherr v. Richthofen( Dem.): Das dem Ausschuß vorge tragene Material hat die Notwendigkeit einer reichsgefeßlichen Regelung der Abfindungsfrage Llar bewiesen. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, daß den fürstlichen Familen durch Urteile, die dem Boltsempfinden nicht immer entsprechen ein Landbesitz von 500 000 Hektar, also ein Gebiet fast so groß wie der Freistaat Oldenburg, zugesprochen worden ist. Für eine reichsgefeßliche Rege lung sprechen auch außenpolitische Gründe Wenn Deutschland so große Mittel und Vermögenswerte den fürstlichen Familien über läßt, so fönnte im Ausland leicht ein falsches Urteil über die finanzielle Leistungsfähigkeit des deutschen Boltes entstehen. Die Schwierigkeiten der Auseinandersetzungs. frage sind hauptsächlich dadurch entstanden, daß man 1919 bei der Schaffung der Weimare: Verfassung diese Frage nicht mit geregelt hat. Man hat damals nicht vorausgesehen, daß sobald schon große Boltsteile fich für die Ansprüche der Fürsten einsehen und daß die fürstlichen Familien so wenig der Notlage des deutschen Bolles Rechnung tragen, vielmehr im großen und ganzen das Bestreben zeigen würden, aus der Liquidationsmasse für sich herauszuholen, mas irgend möglich Die von den Kommunisten und Sozialdemokraten beantragte vollständige Enteignung halten wir Demokraten nicht für gangbar. Sie würde nicht die Beruhigung bringen, tie min brauchen. Sie würde auch nicht den Grundfäßen der Gerechtigkeit entsprechen. Man braucht nur daran zu denken, wie ungerecht es wäre, einem so aus. gezeichneten Mann wie dem Prinzen Mag von Baden alles zu nehmen. Der ursprüngliche demokratische Antrag ist nicht vollständig zurückgezogen, sondern zunächst nur zurückgestellt worden, um die Bahn für den Kompromißentwurf freizumachen. Es ist nicht zu leugnen, daß der demokratische Antrag eine gewiffe Ungleichheit bringen würde, weil er die Regelung den ganz verschieden zufammengefeßten Landesparlamenten überläßt. zurückgewiesen hatte, hat sich nach der Abstimmung bereit erklärt, die Zusammenarbeit mit der Kommission wieder aufzunehmen. England für Rußlands Mitarbeit. Chamberlain über die Abrüftungsvorkonferenz. London, 9. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Außenminifter Chamberlain beantwortete am Montag im Unterhaus die an ihn gerichtete Frage über die Stellungnahme Sowjet. Rußlands zur vorbereitenden Abrüstungstonferenz. Er teilte mit, daß Rußland bisher auf die Einladung des Bölferbundssekretariats amtlich noch nicht geantwortet hat. Borläufig seien die Schwierig feiten, bie bisher einer Teilnahme an der Konferenz in Genf entgegenstanden, noch nicht behoben. Die englische Regierung habe zwar feine Veranlassung, sich irgendwie ein Urteil bezüglich dieser Schwierigkeiten zu erlauben, aber das Kabinett hege doch die Hoffnung, daß die Schwierigkeiten beseitigt und die Mitarbeit Rußlands auf der Entwaffnungstonferenz gesichert werden könne. Aus dieser Verlautbarung des englischen Außenministers wird ersichtlich, daß entgegen den bisherigen Meldungen über die Wieder aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Moskau doch noch weitere Verhandlungen geführt werden. Völkerbundsrat am Freitag. Uebergabe der deutschen Note am Mittwoch. Genf, 9. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Diens fag gegen mittag hat der deutsche Generalfonful Aschmann dem Generalsekretär des Böllerbundes die Boranzeige gemacht, daß die Note der deutschen Reichsregierung mit dem Eintrittsgesuch a m Mittwoch übergeben werden wird. Darauf wurde die außerordentliche Sihung des Bölkerbundsrates auf Freitag nachmittag 5 Uhr einberufen. Jm Auswärtigen Ausschuß des Reichstags wurde bente in furzer Sigung eine Bereinbarung über die Rednerfolge bei der heutigen Debatte im Reichstage getroffen. An erster Stelle wird der Reichsaußenminister Dr. Stresemann sprechen. Dann wird im Namen der Regierungsparteren Abg. Dr. Schulz( D. Bp.) eine formulierte Erklärung abgeben. Für die Sozialdemokraten wird bann der Abg. Stampfer sprechen, für die Deutschnationalen der Abg. Dr. Martin Spahn, Die Wahlen im November haben die Oppo fition mächtig verstärkt, ihrer Kritik an der Politik der Regierungstoalition neue Argumente und erhöhte Kraft verliehen. Sie haben aber auch in der eingeschrumpften Regierungsmehrheit Gegenfäße ausreifen lassen, die von allem Anfange bestanden und die jetzt den Parlamentaris. mus selbst funktionslos machen. Seit den Wahlen sind mehr als 2% Monate verflossen. Doch über die provisorische Konftituierung der beiden Häuser ist es noch nicht hinausgekommen. Zur Wahl der definitiven Präsidien ist es noch nicht gefommen, obwohl die Verpflichtung dazu einen Monat nach der Wahl der provisorischen Präsidien besteht. Dringende termi nierte Gesetzgebungsaufgaben haben sich innerhalb der Regierungsparteien zu heftigen Streitgegenständen ausgewachsen; es fnistert im Gebält der Koalition. Num hat sich des gefährdeten Parlamentarismus die beutsche Sozialdemokratie angenommen. Sie hat unter Benutzung des§ 40 der Geschäftsordnung, nach welchem über Verlangen von Zweifünfteln der Abgeordneten das Haus binnen drei Tagen einberufen werden muß, die gesamte Oppofition für diesen Schritt mobilisiert. Das hat die Regierungsparteien in heftigsten 3orn versetzt. Das Präsidium des Abgeordnetenhauses, das die von den Zweifünfteln geforderte Einberufung verfügen follte, hat die Behandlung des Antrags verweigert, meil die Unterschrift einzelner Abgeordneter des oppofitionellen Klubs( natürlich mit deren Einwilligung) von anderen beigebracht wurden. Ein von Abgeordneten aller Parteien( auch der Regierungsparteien) geübter Brauch wird mun als Fälschung" bezeichnet und zum Anlasse eines ganz unangebrachten und den Regierungsparteien wenig zustehenden moralischen Entrüstung genommen. Hinter der„ moralischen" Aufgeregtheit birgt sich der Zorn, daß bei der so vorsichtig gemachten Geschäftsordnung doch noch eine Lücke für die Opposition übriggelassen wurde, die es dieser ermöglichte von den Regierungsparteien die Erfüllung ihrer parlamentarischen Pflicht zu verlangen. In diese künstlich erregte Stimmung, in die vergiftete Atmosphäre warf mun die Regierung die Sprachverord Diese hinein. nung Verordnung ist das Schlimmste an nationaler Entrechtung, was man sich vorstellen fann! Gie bedeutet eine fataftrophale Berschlechterung des Rechtszustandes, den das Gesetz über die Grundsätze des Sprachenrechtes geschaffen. Die auf die Tschechisierung gerichteten Maßnahmen haben ihre Krönung erfahren. Die Sprachenverordnung ermöglicht es, den Rest der deutschen Beamten, den das Abbaugefeß im Staatsdienste übrig gelaffen, aus dem Dienste her. auszudrängen, fie beseitigt die in der Verfassung festgelegte Bestimmung, wonach Richter gegen ihren Willen vom Orte ihrer Tätigkeit nicht versetzt werden dürfen, indem diese Bersegung zweds Erlernung der Staatssprache" verfügt werden fann. Sie nimmt deutschen Gemeinden ihre Autonomie, indem sie vom Bürgermeister und seinen Vertretern die Beherrschung der tschechischen Sprache ver langt, von Gemeinden mit über 3000 Einwohnern die Beftellung einer genügenden Anzahl von der Staatssprache in Wort und Schrift mächtigen Beamten verlangt und auc von den kleinsten Gemeinden, in denen auch nur ein einziger tschechischer Gemeinderat figt( dieser versteht als eingesessener Bürger der Gemeinde in der Regel auch die deutsche Sprache) die Vorsorge für die tadellofe Erledigung der Schriftstücke in tschechischer Sprache begehrt. Das ist nur ein kleiner Teil der von Chauvinismus und Gehäffigfeit gegen das Deutschtum getragenen Bestimmungen. Seit Jahren haben die Deutschen, hat die deutsche Sozialdemokratie die Erlassung der Sprachenverordmungen verlangt, um dem Zustande der Unsicherheit und Bermirrung eine Ende zu setzen. Als das Begehren unter der Regierung Tufar gestellt wurde, hat der damalige Innen minister und jetzige Ministerpräsident Schmehla feierlich versprochen, die Sprachenverordnung dem Parlament Dorzulegen und den nationalen Minderheiten Gelegen200 fragen und in den von Italienern bewohnten französischen Gebiet." Die Gesinnungsgemeinschaft der deutschen Reaktionäre mit dem größenwahnsinnigen Diftator Mussolini geht den Bateninationalen über den Schutz bes Minderheitsrechtes der Deutschen in Südtirol. Der Plan der Kommunisten. Thälmanns Geständnis. Man schreibt uns aus Dortmund: daran ermessen, was die Arbeitslosen und Kurzarbeiter von diesem Geheimrat erwarten dürfen. Mit um so größerem Nachdruck wird die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihren Kampf für die Arbeitslosen und Kurzarbeiter führen. Presseskandal in Wien. Der„ Abend" als Erpresserblatt. heit zu geben, rechtzeitig bazu Stellung suhat Italien scharfe Gegenfäße zu Frankreich in allen Mittelmeer.| wärtigen Unterfügungsfäge als zu hs. Man tann nehmen. Tusar bot als Ministerpräsident eine gewiffe Gewähr gegen den Mißbraud eines Gesetzes, das das Zusammenleben der Nationen im Staate erleichtern soll, zu niedrigen chauvinistischen Zweden. Der damalige Innenminister Schwehla aber hat als Ministerpräsident fein Wort glatt gebrochen. Die Sprachenverord nung wurde mit den Bertretern der Minderheiten vor der Beröffentlichung nicht besprochen. Ihr Inhalt und der Zeitpunkt ihrer Beröffentlichung sind eine Konzession an die fchlimmste der chauvinistischen Parteien, an die Nationaldemokraten, die durch dieses Geschent für die Anerkennung von Räterußland gewonnen werden sollen. An der Spitze der Nationaldemokraten, die übrigens bei den Wahlen eine vernichtende Niederlage erlitten und die von Tag zu Tag deutlicher zur Partei des tchechischen Faschis mus werden, steht der aus dem altösterreichischen Parlamente zu trauriger Berühmtheit gelangte Dr. Karel Kramarich. in deffen Herzen neben dem Schmerze über das Ende des von ihm heißgeliebten Zarismus nur noch ein maßloser, durch feine noch so große Unterdrückung des Deutschtums zu fätti gender Deutschenhaß lebt. Den Haßbedürfnissen dieses Mannes und seiner Partei wurden nun die spärlichen Refte der nationalen Minderheitsrechte geopfert! " " Als vorfurzem die Entscheidung des Obersten Berwaltungsgerichtshofes erging, die die Ungefeßlichkeit einer Er awingung doppelsprachiger Schilder, Speisenfarten und Ge tränteverzeichnisse aussprach, da war auf tschechischer Seite die Antwort eine allgemeine Entrüftung. Der Vorwärts" aber fchrieb damals: Noch gibt es Richter in der Tschechoslowate." Damit ist es nun zu Ende. Der tichechische Chauvinismus wird sich in Zukunft über seine höchsten Richter nicht mehr zu entrüften brauchen, denn feine höchsten Richter werden nicht mehr Gelegenheit haben, nach ihrer Ueberzeugung zu judizieren. Das„ inner: Locarno der Tschechoslowate i", von dem Herr Dr. Benesch spricht und das seine flinten Federn im Auslande preisen, hat ein rasches und unrühmliches Ende gefunden. Die Sprachener ordnung ist geeignet, auch dem Auslande zu zeigen, wie der wahre Geiste diefes Locarno beschaffen ist. Die deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoslowatet fehen ihre Bemühungen um Bölferverföhnung erschwert, wenn nicht gar vereitelt und fönnen nicht ohne Bitterteit die Worte in der Einleitung zur Verfassungsurkunde lesen: wir, das tschechoslowakische Volk, find von dem Wunsche beseelt, gerechte Normen in der Republit einzuführen, die ruhige Entwicklung der tschechoslowakischen Heimat sicherzustellen, dem allgemeinen Bohle aller Bürger dieses Staa fes zu nügen und die Segnungen der Freiheit fünftigen Generationen zu sichern." Das ist die Theorie, die Sprachenverord nung aber ist die pragis! Mussolinis Verteidiger. Deutschnationale nehmen ihn in Schutz. Die patentnationale Berliner Börsen- Zeitung hat Muffolini Dant abgestattet. Die Niederbeutsche Bei tung", nationales Tageblatt für Nordwestdeutschand, gibt zu verstehen, Mussolini habe eigentlich recht; denn er fei von der deutschen Linfspresse gereizt worden: Berbrecherisch aber ist es von unseren 2intsparteien und ihrer Preffe, wenn sie bei ihrem persönlichen Haß gegen den italienischen Staatsleiter Mussolini wegen seiner inner politischen Gegnerschaft gegen die Sozialdemokraten und Freimaurer Italiens so freien Lauf laffen. Bekanntlich ist die romanische Freimaurerei nicht mit der in Deutschland gleichzustellen. Unsere Lintsleute tönnen fehen, wie sie es durch ihre Heze gegen Muffolini und etwa gar burch gefliffentliche falsche Meldungen über Südtirol zu einer verhängnisvollen außenpolitifchen Span nung zwischen unserem Reiche und Italien bringen. Mit Italien braucht das Deutsche Reich feine Gegenfäße zu haben, wohl aber Das National- Epos. Bon Rudolf Roeßler. Das deutsche Volt soll jetzt das von seinen Professoren längst schmerzlich erwartete Nationalepos" bekommen. Professor Coßmann von den Süddeutschen Monatsheften" und sein Kreis haben es endlich geschafft. Sie haben auch schon einen Aufruf in einen großen Teil der deutschen Bresse lanciert, und den Aufruf haben nicht nur viele deutschnationale Herrschaften, sondern auch ein paar liebenswürdige Andersgläubige, so ter Profeffer Hermann Renserling und der Erzbischof Seeberbloem, unterzeichnet. Es be steht also alle Gewähr, baß ter 3wed der Kundgebung erreicht und besagtes Epos in feiner ganzen Dice von über eintausend Drudseiten mit Hilfe edler Spender demnächst hergestellt wird. Das Ganze ist als eine Art Geburtstagsgeschent für den sechzig jährigen Berfasser, den Schriftsteller Baul Ernst, gedacht. Ihm und sich selbst zuliebe soll das deutsche Volk wieder einmal das Scherflein der Witwe spenden. Das alles wäre ganz schön, wenn es nicht wieder nur ein Nationalepos für unsere rechtsgerichteten Professoren und Gym nasiasten wäre. Wenn es Dichtung und nicht Reimerei, wenn es Geschichte und Leben und nicht Langeweile und lehrhafte, teutsch tümelnde Einfalt wäre. Wenn es nicht versuchte, in rund 40 000 Berszeilen deutsche Bergangenheit chronologisch durchzureimen, wenn es nicht voll des Wahnes wäre, daß ein Epos weder bes Geifts noch der Form bedürfe. Ja, wenn es Dichtung wäre! Wenn es in dem 360 Seiten starten, bereits erschienenen ersten Band z. B. nicht Stellen gäbe, Seite für Seite, wie diese: Ihr habt die Hölle und die Seligkeit, Denn jeder Mensch ist anders, jeder hat Die Seele, und mit seiner Seele tun Rann jeder, was er will; Benn noch ein Zweifel bestand, ob die sozialdemokratische Preffe Recht hatte, wenn fie fchrieb, daß mit den Kommunisten eine ge meinsame Front nicht herzustellen sei, weil die Kommunisten es ein fach an dem ehrlichen Willen. felbft in ber Frage der Fürsten abfindungsstandale, fehlen laffen zu gemeinsamen Borgehen, so muß der legte 3weifel nach dem„ Roten- Frontkämpfer- Tag" für den das rheinisch- westfälische Ruhrgebiet umfassenden Ruhrgau in Dort mund schwinden. In der Westfalenhalle sprach hier am Sonntag morgen der Bundesvorsitzende des Roten Frontfämpfer- Bundes" Ernst Thälmann. Die Rundgebung war als Rundgebung gegen die Fürstenabfindung" angekündigt. Davon hörte man recht wenig. Thälmann faßte feine von Oberflächlichkeit dittierten Aus. führungen dahin zusammen: Ihr müßt arbeiten. Bis die Bourgeoisie schwach und die Sozialdemokratie per mirrt ist Gegen den ADGB., gegen Gewerkschaften, gegen die Sozialdemokratie müssen wir in den Betrieben die Einheitstomitees bilden. Der ADGB. hätte nicht die Kommunisten zur Drdnung rufen müssen, sondern den Bergarbeiterverband im Ruhr gebiet, der mit den Generaldirektoren verhandelt, statt zu fämpfen. Wenn die Bourgeoisie schwach, wenn die Sozialdemotratie vermirrt, dann fiegt die Revolution. Diesen Saß noch einmal mieberholend schloß Thälmann wörtlich seine Rede. Also auch diesmal stedt hinter dem ganzen Einheitsfrontgeschrei der Sommunisten wieder nichts anderes, als die Absicht, Verwirrung in die Reihen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu tragen. Was ten Kommunisten aber bisher nicht gelungen ist, das soll ihnen auch diesmal nicht gelingen. Geheimrat Weigert. Wien, 8. Februar.( Eigenet Drahtbericht.) In Wien ist man einer Breffetorruption auf die Spur gekommen, die größies Aufsehen erregt. Dem Berleger der linksradikalen Zeitung„ Der Abend", dem früheren faiserlichen Rat Colbert, dem Chefredakteur Alexander Weiß und dem Geschäftsführer Fuchs wird der Vorwurf gemacht, daß sie sich großer Erpressungen an Banken und Industrieunternehmungen schuldig gemacht haben. Es soll bereits feststehen, daß das Blatt, das in der Hauptsache auf sensationelle Aufmachung von Standalen und Enthüllungen eingestellt war, Millionen erpreßt hat. As Opfer werden einstweilen die Länderbant, eine verfrachte Depositenbank, ferner Castiglioni, Sklarz und der Generaldirektor der Ankerbrotfabrik genannt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft sich bereits um die Klärung der Angelegenheit bemüht. " Die Arbeiterzeitung stellt am Montag zu dem Stan bal des Abend" fest, baß das Blatt mit der Sozialdemokratischen Partei in feiner Weise verbunden war und die Partei meber auf seine journalistische Führung, noch auf seine administrative Gebarung irgendeinen Einfluß ausgeübt hat. Der Abend" war ein pollfommen unabhängiges Blatt. Es stand ehemals den Kommunist en sehr nahe und hat seit einigen Jahren, als die Kommunisten in Desterreich ganz einflußlos wurden, wiederholt die Politif der Sozialdemokraten unterstüßt. Es ist aber nie in nähere Beziehungen zur Partei getreten. Einzelne Rebatteure des Abend" waren allerdings Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Der tompromittierte Redakteur Werander Weiß war aber nie Parteimitglied. Der Herausgeber des„ Abend", Colbert, hat am Sonntag an den sozialdemokratischen Parteivorstand ein Schreiben gerichtet, in dem er ausdrüdlich feststellt, daß sein Blatt tein Parteiorgan war, daß er felbständig fozialistische Politif gemacht hat und daß er, als die Berfehlungen des Weiß bekannt murden, ihm sofort von seiner Stellung fuspendiert hat. Colbert Er findet die Erwerbslosenunterstützung zu hoch. richtet an den fozialdemokratischen Parteivorstand In Nr. 4 des Reichsarbeitsblattes"( chreibt der Geheime Regie die Frage, ob dieser bereit fet, entweder selbst oder in einem von rungsrat und Abteilungsdirigent im Reichsarbeitsministerium, thm bestellten Ehrengericht die finanzielle und adminiferative Ge Dr. D. Weigert, über„ Die Erwerbslosenfürsorge in der Wirtschafts- barung des Abend" und die gegen den Abend und seine Mittrife". arbeiter erhobenen Beschuldigungen zu untersuchen, und ob der Der Artikel gewährt einen interessanten Einblid in die geistige Barteivorstand eventuell bereit wäre, die journalistische Führung und Berfaffung eines Mannes, ber im Reichsarbeitsminifterium ma Bbie finanzielle und administrative Gebarung des Abend unter die gebend für die Fragen der Erwerbslosenfürsorge ist. Weigert Kontrolle der Parteiinstanz zu stellen. war es, der in den Dezembertagen alles aufbot, um den Kampf der fozialdemokratischen Reichstagsfraktion für die Erhöhung der Er werbslosenunterstügungsfäße erfolglos ausgehen zu lassen. Das ist ihm nicht gelungen. Jezt leitet er im Reichsarbeitsblatt" einen neuen Feldzug gegen die dringend notwendige Erhöhung der Unter ftügungssäge ein. Nach seiner Auffassung ist die legte Erhöhung der Unterstüßungssäge nur eine vorübergehenbe, weil die Säße vom 17. Dezember 1925 eine Höhe erreichen, bie wirtschafts- und sozialpolitisch nicht unbe. bentlich ist. Die Höhe der Unterstützungsfäße ist nach Auf faffung Weigerts deshalb bedentlich. weil namentlich ihre Spigen beträge bis in die Löhne ganzer Arbeitergruppen hineinreichen. Wenn das wahr wäre, würde es nur beweisen, wie unerträglich tief das deutsche Lohnniveau ist. Für die Pragis will diese Ueberschnei dung jedoch nichts besagen. Weigert weift felbft darauf hin, daß die Unterstügungssäge Höchst fäße sind und daß bort, mo Ueber schneidungen zu verzeichnen find, die Säße nur in Beträgen bezahlt werden dürfen, die einen angemessenen Abstand von den vergleich baren Löhnen aufweisen. Wie unzureichend die gegen wärtigen Unterstügungssäge sind, muß Weigert indi. rett felbst zugeben, wenn er darauf hinweist, daß vielfach auch die Leistungen der öffentlichen Fürsorge er gänzend hinzutreten. Dennoch: Der Geheimrat des Reichsarbeitsministeriums bezeichnet die gegenUnd seße einen neuen Papst uns ein; Ein Mann, der uns von deiner Hand gegeben, Wird uns zum Guten führen durch sein Leben." Der Kaiser sprach:" Die Rede mir gefällt. Benn einen tugendhaften Mann ihr fennt, So sei er auf den Ort Johanns gestellt." Die Menge rufend Leos Namen nennt. Bum zweiten, drittenmal der Kaiser fragt, Die Menge stets denselben Namen sagt. Der Raiser spricht: 3hr müßt den Mann ja fennen. So will ich Leo denn zum Papst ernennen." Wer schüttelt nach solchen Proben nicht verwundert den Kopf über bie literarische Anspruchslosigkeit jener Männer, die in ihrem Aufruf für dieses Nationalepos sagen, es sei Paul Ernsts„ t ühnstes und dichterisch bedeutendstes Wert und die Arone feines Schaffens". Und taß sie gerade in diesem Zusammen. hang Paul Ernft als„ ben Dichter" feiern, der in der grenzenlofen Berzerrung und Unnatur der Gegenwart wieder richtige, natürliche und vorbildliche Gefühle darstellte, der, statt zielloser Auflösung zu bienen, den Weg zur Gesundung des Menschen und zu einer neuen religiösen Haltung zeigte". Eine deutsche arktische Flugzeug- Expedition. Ja, wenn epische Kleinmalerei und Liebe zum Jbyll für Paul arktischen Landes hat neben der wissenschaftlichen Bedeutung aud, Ernst sich nicht stets erschöpften im primitivsten Erguß: - Sauber ist gefehrt Der Raum vorm Haus; das Milchgeschirr steht rein Bum Trednen auf der Bank im Sonnenschein, Die Kaze friedlich sigt dabei, fich leckend, Bor Jeiner Hütte fißt der Hund sich streckend." Ja, und davon hängt alles ab: wenn die Geschichte, wenn die stolze deutsche Vergangenheit im Dichter dieses Nationalepos nicht Bilder erstehen ließe, wie sie sich Klein- Hänschen erträumt: „ Das Bolt stand ba, bie Briefter, wie ein Mann; Sie Sprachen: Herr Kaiser, wir bitten dich bei Gott: Sau unfrer armen Kirche Unglüd an, Und mache ledig uns von uns'rer Not Befehl gib: Abgefeßt Johann soll sein Neben Edners Luftschiffahrt nach dem Nordpol, die jetzt vorbereitet wird, soll auch eine deutsche Flugzeugexpedition nach der Arttis in Angriff genommen werden, die der durch zahlreiche Polar expeditionen befannie Frankfurter Forscher Theodor Lerner leiten wird. Die Umschau ist in der Lage, nähere Mitteilungen über dieses Unternehmen, das mit dem für dieses Jahr in Aussicht genommenen zweiten Nordpolflug Amundsens in Konkurrenz tritt, zu machen, und zwar berichtet darüber Dr. ing. von Langsdorff, der bie technische Borbereitung der Expedition leitet. Die deutsche Fugzeugerpetitien beabsichtigt, Beobachtungen über die Berteilung von Land und Waffer im Polargebiet zu machen, die über die bis herigen Forschungen hinausgehen. Die Auffindung eines hoch. noch einen praktischen Wert, denn es wäre dann möglich, die Luftverkehrstinien zum Teil über die Arktis zu leiten. Durch eine der artige Linie ließe sich die augenblickliche Reisedauer von Europa nach dem fernen Often, die mindestens 2% Wochen beträgt, auf 5 bis 7 Tage herabfeßen. Das etwa gefundene Land foll dann mit Hilfe von Aufnahmen aus der Luft topographisch aufgenommen werden. Des weiteren kommt die Klärung wichtiger ozeanographischer Fragen in Betracht, z. B. die Gestaltung der Strömungsverhältnisse im Eismeer und damit zusammenhängend der Eisdrift, Fragen, die für die Seeschiffahrt großes Interesse haben. Dasselbe gilt von den meteorologischen Problemen, die Schiffahrt und Luftfahrt in gleicher Weise zugute fommen. Die Flugzeugerpedition, die für dieses Jahr in Aussicht genommen ist, wird zu ihrer Basis die Amsterdaminsel in Spizbergen wählen. Es sind auch Flüge über das Nordostland nach Franz- Josephs- Land und darüber hinaus sowie nach Grönland geplant. Dabei soll festgestellt werden, ob ein früher bestehender Der Parteivorstand faßte am Montag abend einen Beschluß. in dem er feststellt, daß der„ Abend eine von der Sozialdemokratischen Partei vollständig unabhängige Zeitung ist. Der Barteivorstand nimmt das Angebot des Herausgebers des„ Abend" zur Kenntnis, die journalistische Führung und die finanzielle und administrative Gebarung des Abend" unter bie Kontrolle der Parteiinstanz zu stellen. Der Parteivorstand tönnte aber dieses Angebot nur dann annehmen, wenn die näheren Bedingungen biefer Rontrolle, bie erft festzustellen fein werben, der Partei hinreichende Bürgschaft bieten. 10 Milliarden Gewinn, aber ,, kein wesentliches Material? Wien, 9. Februar.( WIB.) Wie die Blätter melden, haben die polizeilichen Erhebungen in der Angelegenheit Alexander Weiß bisher fein wesentliches Material für eine strafrechtliche Beurteilung des Falles ergeben, es sei aber festgestellt worden, daß teils unmittelbar, teils mittelbar namhafte Geldzuwendungen dafür gemacht wurden, daß Angriffe, welche schon im„ Abend" im Gange waren, ober die angebroht maren, unterblieben. Die Polizeidirektion werde wahrscheinlich schon heute das gesamte Material der Staatsanwaltschaft übergeben. Der Gesamtbetrag der Zuwendungen, die Alexander Weiß widerrechtlich empfangen haben foll, würde in unterrichteten Kreisen auf ungefähr zehn Mil tiarben geſchäßt. Landrüden hier versunken ist. Die beiden Dornier- Wal- Metallflugboote, mit benen die Flüge unternommen werden, haben einen Aktionsradius von 2000 Kilometer. Ueber den deutschen Aufstieg Bernard Shaws sprach sein beut scher Uebersetzer Siegfried Trebitsch in der Berliner Sezession. Noch vor etwa fünfundzwanzig Jahren war Englands größter lebender Dramatiter, obgleich schon eine stattliche Anzahl seiner Werfe gebrudt vorlagen, in England mie im Auslande einem weiteren Bublifum fast unbekannt. Außer auf der Londoner Stage, bie als Bersuchsbühne für unaufführbare Dramen galt, war nichts von ihm aufgeführt worden. Trebitsch schilderte anschaulich und humorDoll Jeinen und also auch Shaws- Leidensweg in Deutschland. Trebitsch hatte von Sham bas Uebersehungsrecht für drei Dramen erhalten, bie er in einem Jahre übertragen wollte.( Der Teufel Schüler, Candida" und Helden".) Aber diese, wie auch die späteren Werte Shaws erwiesen sich weder in Deutschland noch in England, das jetzt ebenfalls Shaw aufzuführen begann, als Zugftüde. Den ersten Aufführungen brachten Publikum wie Breffe wohl lebhaftes Intereffe entgegen, das aber nach wenigen Abenden fchon erlahmte. Erst seit Pygmalion", der am Wiener Burgtheater in deutscher Sprache seine Uraufführung erlebte, trat eine Wandlung ein, und von da an wurde Shaw zu dem bühnenwirtsamen Autor, als den wir ihn heute sehen. " Trebitsch sprach dann über sein Verhältnis zu Shaw und seine eigene Uebersebertätigkeit. Man hat Trebitsch oft zum Vorwurf gemacht, seine Shaw- Uebersezungen feien nicht forreft. Nun wies er darauf hin, wie er seine Arbeit oft übereilen mußte, um der Gefahr zu entgehen, daß die beutsche Schußfrist vorher ablaufe. Dadurch feien wohl Flüchtigkeiten vorgekommen, die er aber in späteren Auflagen stets nach Möglichkeit berichtigt habe. Tes. 3500 deutsche Kinder ohne Schule! Auf der Tagung des Kulturverbandes der Deutschen Litauens in Kowno machte ein deutscher Sejmabgeordneter über die Lage der deutschen Schulen in Litauen folgende Angaben: Obwohl die Deutschen nach dem Ergebnis der Bolkszählung von 1923 Anspruch auf 60 Schulen und 107 Lehrer hätten, haben in Wirklichkeit die Deutschen im Januar 1922 nur 23 Schulen mit 35 Lehrern und am 1 Januar 1923 nur 20 Schulen mit 33 Lehrern gehabt. Die neueren Zahlen ergeben, daß etwa 3536 teutsche Kinder entweder überhaupt feinen Unterricht, jedenfalls aber feinen deutschen Unterricht haben und nur 1380 Kinder zurzeit deutschen Unterricht genießen. Die Deutschen Litauens haben nur etwa 28 Proz. der Schulen, die ihnen nach dem Gesetz zustehen müßten. Ein Lehrerseminar ist nicht vorhanden, seine Gründung ist vem Kultusminister nicht genehmigt worden. Allmählich können die deutschen Schulen aus Mangel an Lehrern nicht weiterbestehen. Die Boltsbühne veranstaltet am Sonnabend 1,8 Uhr im Konzertsaal der Hochschule für Mujit ein Stonzert, bei dem die Bläservereinigung der Staatsoper Duintette von Mozart und Beethoven zur Aufführung bringen wird. Der Klara Krausesche Frauenchor bringt Berte alter und zeit genössischer Komponisten zu Gehör. Spielplanänderung. Im Trianon- beater wird Dienstag und Freitag Sadie vom Broadway, Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend und Sonntag Das Gespensterschiff gegeben. Mittwoch und Sonnabend 11 Uhr: atborstellung Sie Steuernot der Agrarier. Randbemerkuugeu zu einer Regieruugsantwort. Die eigenartige ilntwcrt de» Reichsftnanzmlntst«. r t u ms auf eine sozialdemokratische Anfrag« über die Besteuerung des ostpreuhischen Grundbesitzes ist von uns bereits kurz gewürdigt worden. Genossin Annemarie Oe st reicher sendet uns dazu noch folgende interessanten Aussührungen: Ausfallend in der Entgegnung ist, dag bei den kleine n Besitzern unter 60 Morgen rein landwirtschaftliche Betriebe sich befinden, die Einkommensteuer zahlen: bis 400 Morgen sind dies 28 Proz. Dazu kommt die Tatsache, dag immer nach der Entgegnung jetzt. Im Jahre 1926, die Nachprüfungen der Betriebe über 400 Mvrgen in ihrer Gesamtheit n o ch nicht ab- geschlossen sind. Warum umgeht die Antwort die in meiner Anfrage gegebene Einteilung der Betriebe über 400 Morgen, von denen ich sagte, daß 80 Proz. und über 1000 Morgen', von denen ich sagt«, daß 90 Proz. keine Einkommensteuer zahlen? Wenn von den Besitzern über 1000 Morgen nur 10 Proz. Einkommensteuer zahlen, so beweist das die Richtigkeit einer alten Feststellung der Sozialdemokratie, daß Betriebe, die je nach der Bodenbeschaffenheit«ine gewisie Größe überschreiten, volkswirtschaftlich unrentabel sind. Da- neben haben wir z. B. in Ostpreußen 15 Proz. zu kleine landwirt- schaftlich« Betriebe, die durch Sabotage der Großgrundbesitzer noch immer nicht zu volkswirtschaftlich leistungsfähigen Betrieben ver- größert werden konnten. Hier muß Wandel geschaffen werden. In der CInkommensteuerfreiheit de« Präsidenten der Landwirtschafts kammer, Besitzer von 5000 Morgen, findet der Herr Reichssinanzminister feine Deran lassung zum Einschreiten. Es sei hierbei daran erinnert, daß Herr Dr. Brandes der Borsitzende der gleichen Landwirtschaftskammer(Königsberg) ist, die anläßlich der Verbindlichkeitserklärung der Erhöhung der be- sammernswcrt geringen Landarbetterlöhne durch Schiedsspruch vom 6. November 1924 eine Entschließung faßte, in welcher sie dagegen protestierte,.daß staatliche S ch l I ch t u n g s i n sta n- zen auf die Gestaltung der Arbetterlöhn« einwir. fen*. Nun. dieser„sczial'denkende Herr gehört ja zu den Land- Wirten, die sich des Vertrauen» ihrer Standcsgenojsen ersreuen. den Steuerprüfungsstellen als.besonder» zuverlässiger' ausübender Sachvcrständigen-Gutachter empfohlen werden und den Herren Großagrariern als leuchtende» Vo r b i l d dienen. Der Herr Finanzmiuister hat offenbar nicht die geringste Per- anlassung genommen, die landwirtschaftliche Steuerveranlagung ganz allgemein nachprüfen zu lassen. Vielleicht Helsen da folgende spezielle Fragen: Ist dem Herrn Reichsfinanzminister bekannt, daß, se nachdem 500 0—6000 M. den Großgrundbesitzern eines Kreises als an- gemessen für ihren Haushalt steuerfrei gelassen wurde? Ist ihm bekannt, daß in einem Kreis ein Besitzer, der 4000 bis 5000 Morgen schlogfähigen Eichenwalde» hat. zirka 10000 M. Verlust«rrechnet. während ein a n d e r» r de« gleichen Kreises zirka 450 000 M. Einkommen oersteuert? Ist ihm aus einem anderen Kreis« bekannt, daß Pferde- v-rkäuse von zirka 20 000 M. nicht in der Deranlagung er- schienen? Diese Beispiele lassen sich in allen Bezirken beliebig vermehren. Hot der Herr Finanzmwister wohl einmal Feststellungen unter- nehmen lassen, welches die Gründe dieser hohen Verschuldung der Großlandwirte sind? Ich denke hier außer a» Mißernten an die Finanzierung der verkrachten Landbundgenossenschaften, der Wahlen, wo die Beiträge pro Morgen eingezogen wurden, der Unterhaltung der nationalistischen Putschoerbände usw. Noch ein paar Worte über einen Vergleich des Einkommen- steueraufkommens in Stadt und Land in Ostpreußen. lltach Uebersichten des Reichsfinanzmimsteriums betrug die Zahl der Borauszahlungspflichten in Land- und Forstwirtschaft Ost' preußens 59 500 gegenüber 99 300 Einkommensteuerpflichtigen im Jahre 1922. Die Zahl der landwirtschaftlichen Einkommensteuer- zahler ist im Jahre 1924 um zirka 59 Proz. der Zahl von 1922 g«- funken. Die Zahl der gewerblichen und vorauszahlungspflich- tigen aber nur auf 71 Proz, Die Ziffern für die Einkommensteuer au« Lohn und anderen Einkommen betrugen in Königsberg in 1000 M des Jahres 1924 aus Lohnabzug au» anderer EinL-St. 1. Quartal.... 2971 8944 2.».... 4018 4561 S...... 5442 4883 <-..... 6711 4607 3n keinem anderen?l nanzbezirk ist das Sieueraufkommen der folgenden Quartale so stark hinter dem ersten Luorkol pmuS- geblieben. In den stark industriellen Bezirken log das Aufkommen der Einkommensteuer der Selbständigen— trotz der Krise der In. dustrie'— über dem des ersten Quartals. Diese neun industriellen Bezirke brachten im ersten Quartal 33.3 Proz.. Im letzten 43,8. da gegen Ostpreußen tm ersten Quartal 3.6 Proz., im vierten nur 1.9 Proz. des Gefomtaufkommens der Einkommerssteuer der Selbst- ständigen auf. In den drei typisch städtischen Landesfinanz- bezirken(Berlin, Unterweser. Unterelb«)' entfallen an Einkommen- st euer für Selbständige auf den Kopf der Bevölkerung zirka 8M Um einen indirekten Schluß der Verteilung der Einkommensteuer zwischen Stadt und Land in Ostpreußen zu finden, kann man diese Zahlen für Königsberg zugrunde legen. Es würde dann für die Stadt Königsberg ein Steueraufkommen der Selbständigen von rund 2195000 M. für das vierte Quartal 1924 sich ergeben. Da» würde bedeuten, daß ein Achtel der Bevölkerung der Provinz Ostpreußen, nämlich die Stadt Königsberg. 47.6 Proz. des Aufkommens an Einkommensteuer des ganzen Bezirke» Ostpreußen im vierten Quartal 1924 aufgebracht hat. Zahlen, die zum Nachdenken reizen. Wie schrieb doch die Zeitung„Deusscher Bauernbund' zu diesem Neujahr: .Im Bollbewußssein unserer Verantwortung gilt heute dos harte Wart:.Der schamlos« Vorkriegsstand einer völligen De- freiung von der Einkommen st euer eines großen Teiles, vielleicht der überwiegenden Mehrheit de» Großgrundbesitze» ist wieder hergestellt, während die Lauern zahlen." Auch ein großer wirtschaftlicher Erfolg der deutschnationalen Regierung Neuhaus— Schlieben— Schiele— Könitz! Zeit im Winkel. Nur ungern und selten duldet die wohlgeordnete Geradlinigkeit der Berliner Straßenzüg« Gassen und Winkel— wo sie aber zu finden sind, birgt sich zuweilen eine recht bemerkenswerte Kleinwelt dahinter, Werke der Kunst oder geschichtliche Erinnerung wie in der Altstadt, Kleinwelt des Fleißes, der Arbeit und auch bis zum letzten ausgebeuteten Mierskasernentum wie allenthalben, wo der Stadt Atem und Raum zu eng und karg bemessen ward. In diese Kleinwelt der Arbeit, in die Welt der kleinen viel- geplagten Leute brennt hell die Fackel einer unruhig flackernden Zeit hinein und läßt un» in einem starken Abbild die ganze große Welt und die Zeit an sich schauen und erkennen. Viel Arbeitsmenschen. viel tausend Arbeit suchende gehen täglich die kleine, schmale Gasse im Südosten der Stadt, hinein in einen Winkel und heraus aus einem abgelegenen Reiche, wo früher einmal der Pulsschlag der Arbeit reg« und gesund ging— die Wusterhausener Straße zum stattlichen S p r e e h o s. der zu all feinen reichen Betrieben auch den Metallarbeiternachweis beherbergt und— das schafft und vervollkommnet ein ganz lebendiges Bild unserer Wirtschoftskreise— die Gewerkschaft der Bekleidungs- arbeiter zu Gast hat. Zweitausend Menschen der Arbeit und große Betriebe von der Zigaretten- bis zur Moschinen- fabrik— für uns ist das ein« bunt und reich belebte Kleinwclt. Aber sehen wir näher zu, dann steigt ein Großes, ein Gewaltiges vor uns auf, wo eine weite und breite Häuserfront in blaugrün und gelb ein« wirklich schön« Stätte des Fleißes umkleidet. Da lebten denn auch Gasse und Winkel davon, die kleinen Händler, die emsigen Gastwirte und was alles Brot aus Händen der Broterwerbenden nimmt.— Und heute? Stille, recht still ist es im stolzen Gebäude geworden. In einem Betrieb, der fünfhundert Menschen beschäftigt. wird drei Stunden gearbeitet— aber die armen und gedrückten Menschen, die Arbeit suchen, strömen herbei einen ganzen langen Tag und In lhren blossen Gesichtern ist alles andere, nur nicht Freud« zu lesen. Leer, fast verödet sind die Gassstuben, die Straßen- tzändler predigen vor Ohren, die taub sein müssen, niemand macht Geschäfte, denn jeder ist froh, wenn es nur noch zum nackten Leben überhaupt langt. Da» ist die böse Zeit, die hier laut er. aber leider noch zu wenig vemehmbar spricht als in den munteren Straßen de» Verkehrs. Und kein Mensch weiß, wie lange da, noch dauern kann, jeder aber fragt den anderen danach und keiner findet Antwort. Fast scheu und gebeugt schleichen wir mit den vielen die kurze, schmale Gasse zurück und lassen uns von der sorglosen Ge- fchwätzigkeit der Köpenick«? Straße ablenken. Ablenken? Wenn das so leicht wäre, denn auch hier fragt ein Wie-longe-noch, auf das un» die Antwort gar nicht gut und freudig dünken will. hvadesperre süülich der Spree. von heute ab. Da« Polizelpräsidimn teilt folgendes mit: Bot einem Hunde in Neukölln, der in den Tierhort des Deutschen Tierschutzverein» gebracht wurde und dort verendete, ist omtstierärztlich und durch Unterfirchung des Gehirns in der Tierärztlichen Hochschule Tollwut festgestellt worden. Der Polizeipräsident hat daher von sofort ab die Hundesperr« über die folgenden Stadtteile von Groß- Berlin verhängt: Die südlich der Spree gelegenen TeU« der Bezirke 1(Mitte) und 2(Tiergarten), die Bezirke 6(Äreuzberg), 9(Wilmersdorf) mit Ausnahme von Gnxnewald-Forst, den Orts- teil und die Gemarkung Dahlem(zum Bezirk Zehlendorf gehörig), die Bezirke 9(Schöneberg). 12(Steglitz), 18(Tempelhoff, 14(Neukölln) und 15(Treptow) mit Ausnahm« der Ortsteile Oberschöne- weide und Wuhlheid«.— Ja dem gesamten Sperrbezirk müssen alle Hunde fe st gelegt, angekettet oder eingesperrt werden. Aus der Straße sind sie mit einem Maulkorb zu versehen und an der Leine zu führen. Auf der Laudstraße überfalleu and deraubt. Auf seinem Wagen wurde der Kutscher Franz Pczewozy au» der Hermonnstratze, der bei einer LebensinIUclgroßhandluiig in Neukölln angestellt ist, überfallen und beraubt. P. hatte gestern auswärtig« Kundfchast bedient und 120 M. eingezogen, die er in einer umgehängten Ledertasche bei sich trug. Als er abend kurz vor 7 Uhr auf dem Rückwege von Buckow das Krankenhaus ein Stückchen hmter sich heute, traten drei unbekannte Männer auf der Chaussee dem Fuhrwerk in den Weg. Während einer dem Pferde in die Zügel kiel und es festhielt, stiegen die beiden anderen rechts und link» auf den Bock. Einer versetzte dem Kutscher einen Faustschlag, der andere bedrohte ihn mit vorgehaltenem Revolver. Sie entrissen ihm die Geldtasche, sprangen ab, ergriffen die Flucht. Der Beraubte benachrichtigt« das 218. Revier in Neukölln, aber die sofort auf. genommenen Ermittelungen blieben erfolglos. Z�ünf Jahre VerständigungSarbeit. Gestern konnte die.Bereinigung der Freunde von Religion und Bölkerfrieden' auf ein fünfjährige» Be- stehen zurückblicken. Am Abend hatte sie in der Aula der Bismarck- Schule, Sybelstraße, eine Jubiläumsfeier veranstaltet, in der Genosse Pfarrer Bleier die Festansprache hielt. Nach einem kurzen Rück- blick auf die bisherige Tätigkeit der Bereinigung sprach Blcicr über ihre Tendenzen. Ueberpartellich und frei von Dogmen jeder Art wolle sie den Glauben an die Wirksamkeit van Ideen im Menschen erhalten. Der Mensch brauche Ideen, eine ideenlose Welt sei hohl und ohne Möglichkeit der Weiterentwicklung. Revolutionen sind an diesem Mangel zu Grunde gegangen, verheißungsvolle Ansätze Im Keim erstickt worden. Darauf sprach Blcler über die nächsten Auf- gaben der Bereinigung, die hauptsächlich darin beständen, gegen �5 tjurfenabfindung zu kämpfen. Musikalische und rezita- torische Darbietungen umrahmten die Feier. Musiklehrer Franz spielte auf der Orgel dl«.Morgenstimmung' von Grieg und den Schlußchor aus der 9. Sinfonie von Beethoven. Irene Triesch sprach Klopfstock. Goethe und Schillers.Lied an die Freude�, Elisabeth Böhm sang.Den Wanderer' und„Wanderers Nachtlied' von Schubert und Handels.Largo'. Eine eindrucksvolle Feier, die den Geist, der in der Vereinigung herrscht, voll zum Ausdruck brachte. Der Kampf um die Demokratie. Der dritte.Aufbau'abeich der Freunde der.Sozialistischen Monatshefte' galt dein Thema.Parlamentarismus. Dik- tatur oder Wirtschaftsdemokratie?' In der ieyr interessanten, doch wenig fruchtbaren Diskussion kamen die Ver- n-etcr aller drei politischen Ziele zum Wort. Das einleitende Referat hielt Oberregierungsrat Dr. Hans Simons, der das Für und Wider der parlamentarischen Denwkratte mit einiger Skepsis abwog. Als wichtigstes Moment bezeichnete Simons den präzise definierten Verzicht auf den geistigen wie auf den verfassungsmäßigen Absolutismus. Diese klare Linie der Demokratie muß in unserem Bekenntnis zu ihr das Entscheidende sein. Die Diskussion eröffnete Genosse Dr. Kaliski, der unter teilweisem Widerspruch sein oft propagiertes System der Arbeitskammer(Wirt- schaflsdcmnkratie) erörterte. Die Reichstagsabgeordnete Frau Dr. B äu m e r sprach als Parlamentarierin und ging kritisch aus die Darlegungen von Simons und insbesondere Koliskis ein. Nach Prof. Nelson, dessen antidemokratisches Programm der Führer- auslese bei der Mehrheit doch einiges Kopsschütteln auslöste, sprach Ernst Mcv er, Staatsraismilglied und Kommunist, und begründete in dialcttisch gewandter Art sein Diktaturvotum. Genosse Prof. Schmidt und Genosse Abramowitsch antworteten den Geg- nern der parlameniarischen Demokratie, wobei Abramowitsch gegen die sowjetrussische Diktatur zu Felde zog. Weiterhin sprachen der Abg. Ivos(Ztr.) und Polfzeiprässdent Dr. Friedensbnrg. Frtsdensdurg bemerkte, daß die Anhänger der Demokratie den real»' tionären Gegnern die Wege für ihr- Machinationen erst durch ihr Mißtrauen ebneten, weil ihnen einzelne» Stückwerk mißfall«. Zrauenkunft. Der letzte.Funstabend für die Leserinnen und Freunde der Frauenwelt' fand� in der akustisch nicht sonderlich vorteilhaften, aber sonst sehr schönen Stadthalle in der Mostertraße statt. Nach d-m Verlauf der bisherigen vom B e- zirksbildungsausfchuß der SPD. veranstalteten Kunst. abend« durfte man mit großen Erwartungen diesem Abend entgegensehen. Den hohen Erniarwngen entsprach im Wesentlichen auch der Verlaus des Abends selbst, Frauendichtungen und Frauentompositipnen war er gewidmet. In Interesse tieferen Verständnisse» und der Kunsterziehung überhaupt, wäre ein« andere Einleitung zum Thema..Frauenkunst' notwendig gewesen, als die, die man von Dr. Felix Günther zu hören bekam. Als Be- gleiter am Flügel aber bot er ebenso Meisserl'ches wie in ihren Liedern Else Jansen, mit ihrem Vwlinlpies Carola Zellenka, mit melodiösen Flöten Alfred Lichten st ein, mit herrlich unpathetischer Vprachkunlt Ida O r l o f f s. Das Pro- gramm war im ganzen schön, sehr schön sogar, und der reiche Beifall, der den ausübenden Künstlern dafür gezollt wurde ebenso verdient wie die dankbare Zustimmung, die die Genossin Klara Böhm- S ch u ch für ihre sehr feinsinnige und kluge Ansprache fand. Sie sprach den Frauen de» Proletariats, die die Alltogsnot aufreibt und sich gerade deswegen nach besreienden, schönen Stunden in Gesilden der Kunst, der Natur, der Schönheit überhaupt schncn, wahrhaft aus bedrängtem Herzen. Genossin Todenhagen sprach am Schluß sicherlich im Namen aller, als sie den Künstlern für die schönen Stun- den dankte. Ein großer Vachstuhlbrand kam gestern nacht kurz nach 12 Uhr In Lichtenberg in der Herzbcrgstraße 128—124 zum Aus- bruch. Auf dem Dachstuhl des Fabrikgebäudes der Firma S l« m e n s u. Co. war aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer entstanden, das mit großer Schnelligkeit um[ich griff. Auf den Alann Großfeuer eilten sechs Löschzüge an die Brandstelle. Fast drei Stunden lang mußte aus zwei ö- und zwei E-Rohren Wasier gegeben werden, ehe die Hauptgesahr beseitigt war. Kurz nach 2 Uhr tonnten vier Löschzüg« abrücken, wichrend zwei Lösch- zöge noch bis nach 4 Uhr mit der Ablöschung und den Auf- räumungsarbeiten beschäftigt waren. Eine Brandwache blieb zu- rück. Der Dachstuhl ist in größerer Ausdehnung ein Opfer der Flammen geworfen. Der Schaden soll durch Versicherung ge- deckt sein. Leim Aufspringen ködlich verunglückt. Heute morgen, kurz vor VÄ Uhr, versuchte der 39 Jahre alte Schlosser Wilhelm Gabriel aus der Zorndorfer Str. 10 vor dem Hause Greifs- walder Straße 201 auf einen Triebwagen der Straßenbahn- linie 63 in Richtung Känigstor aufzuspringen. Er kam zu Fall und geriet unter den Anhänger. Passanten und ein gerade an- wesender Kontrolleur bemühten sich um den Schwerverletzten und befreiten ihn aus seiner entsetzlichen Lage. Mit einer Kraftdroschke wurde G. nach dem Krankenhaus am Friedrichshoin gebracht, wo der Arzt ober nur noch den inzwischen«ingetretenen Tod fest- stellen konnte. Im..Ihealcr am Weinbergsweg' residiert setzt mst Gesang und Tanz.Dt« Königin oer Rocht'. Franz H o f e r schrieb ein Abenteuer aus der Zirkuswelt. aber so, wie er's tat. gelang es ihm nicht, einem aufnahmewilliaen Publikum Tränen des Leids und der Freude zu entlocken. Trotzdem wurde man irgendwie beim Spiel der sehr verschieden begabten Darsteller gepackt. War es, weil dies Stück einfach so entsteht, daß die Kulissenpracht, das Rückwärtige des Scheinglonzes, der das Publikum so oft be- zaubert, dem Zuschauer zugekehrt ist? Das Spiel war meist Routine, die Sprache fast durchweg Klischee, ober gerade deshalb stimmte das Menschliche, das Echte, das wider Willen gleichsam hin und wieder noch zum Dirrchbruch kam, nachdenklich. Auch im Bor- stadtcheotrr bestehen Beziehungen zur großen Kunst, die letztlich nur edelgesormtes Leben uns Erleben ist— dann nämlich, wenn man vergißt, die große Kunst zu»machen'. Eine Probeabstimmimg für oder gegen den Alkohol fand auf Veranlassung der Reichshauptstelle gegen den Altoholismus in einem Teile von Hannover-Nord statt. Durch etwa 100 freiwillige Helfer wurden den Einwohnern AlljnmmungszeUel in die Häuser gebracht, auf denen gefragt wurde, ob aas Gemeindebestimmungsrecht zur Verminderung oder Vermehrung der Gastwirtschaften eingeführt werden und auch zur Festsetzung der Polizei st unde dienen solle. Nach wenigen Tagen gingen die Helfer mit lirnen in die betreffenden Hausholtungen und ließen die Zettel hineinstecken. Zur Kontroll« des Verfahrens waren die Zahlen der Stimmberechtigten vorher listenmäßig genau festgestellt. Es wurden 10 607 Stimmen abgegeben. Es stimmten mit „ja' 3367 Männer und 8893 Frauen, mit»nein' 076 Männer und 953 Frauen. Ungültige und unbeschriebene Stimmzettel gaben ab 674 Männer und 744 Frauen. Bon den Abstimmenden waren also 79 Proz. für und 21 Proz. gegen da» Gemeinde- bestimmungsrecht. Ein Erfolg, der um so bemerkenswerter ist, als die Gegner des Gemeindebestimmungsrecht» während der Abstimmungszeit eine sehr stark« und kostspielige Gegenpropaganda betrieben haben. Der prügelnde Seelsorger. Die Beichtkinder der Johannis- pfarre in Osnabrück hatten eine unbändig« Angst, bei dem Pfarrer die Beichte abzulegen, besonders fürchteten seine sehr strengen auferlegten Bußen die jungen Mädchen. So beichtet« in der vorigen Woche auch ein 18 Jahre alte» Mädchen seine Sünden, und da sie wahrheitsliebend toar, oerschwieg sie auch nicht, daß sie mit einem jungen Burschen einer anderen Konfession ein Liebes- Verhältnis unterhalte. Der Geistlich« war wegen dieser schweren Sünde entsetzt und bestellte dos Mädchen in sein« Wohnung Nach- dem er die.Sünderin' dort wieder die ewige Verdammnis prophe« zeit hatte, nahm er mit den Worten»Um dein« Seele zu retten, muß da. Fletsch gezüchtigt werden' einen derben Stock zur Hand und ichlug so heftig auf dos Mädchen ein, daß dieses wsolge schwerer Verletzungen nach dem Kranken- haus geschafft werden mußte. Gegen den„strengen' Seelsorger ist Anzeige bei der Staatsanwaltschast wegen Körperverletzung erstattet, desgleichen fft er von der vorgesetzten Behörde fernes Dienstes enthoben worden. Groß-Serliner parteinachrichtea. 88. Mt. Licht«»r»t>». Ächtung! Di« Adteilung-vettmnnilm,« findet nicht Di«n»taa. sondern erst am Mittwoch, den 10. abend« in der Echule Roonstraße statt. Wichtige Tageeordnung. Sport. vieaer— paoliao. Am 12. Acbrnar. Wie bekannt, haben die Unternehmer de» Sroßkampfta«e» Breitensträter— Diener nach der Ertrankung Breiten» sträiers sofort zwei Vertreter nach Paris geschickt, um den baskischen Holzfäller P a o l i n o gegen Franz Diener zu verpflichten. Tele» graphische Meldungen au» Frankreich besagten, daß Paolino in Paris nicht angetroffen wurde Dt« Unterhändler haben sich dann sofort weiter nach dem Trainingequartier La Guerch« in Marsch gesetzt. Ein letzte« Telegramm aus Frankreich meldet, daß Pooflno gegen Diener kämpfen will und bereits engagiert ist. Die Unternehmer geben bekannt, daß der Vorverkauf(ohne Auf- schlag!) wieder eröffnet fft. Der Kampftag ist auf den letzten Termin, Freitag, den 12. Februar, verlegt worden. Gewerkschaftsbewegung durch die allein in Berlin etwa 19 000 Bekleidungsarbeiter erwerbs gegenüber dem englischen Siebenstundentag in Tat und Wahrheit Der Arbeitsnachweis gegen die Arbeiter. Das Reichsarbeitsministerium muß eingreifen. Nach dem durch das Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums Nach dem durch das Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums gescheiterten Versuch, den öffentlichen Arbeitsnachweis des Kreises Hörter zum Lohndrud zu benußen, wird uns aus Hirschberg in Schlesien berichtet: Die Arbeiterschaft der Grafschaft Glaz ist nachgerade schon daran gewöhnt, als zweiter Klasse behandelt zu werden. Nicht genug damit, daß man die in jedem derartig industriell durchsetzten Bezirk felbstverständliche Errichtung eines Gewerbegerichtes wahrscheinlich, weil die Industriellen zum Schutz der eigenen Intereffen ein solches nicht für notwendig halten vom Kreis bis zum Regierungspräsidenten verweigert und sie damit eines wichtiges Rechts beraubt, versucht man jetzt, mit Hilfe des Rreisarbeitsnachweises einen unerhörten Lohn abbau bei den Glasarbeitern durchzusetzen. --Schon im Dezember v. J. hatten alle dem Verband der Glas. industriellen angehörenden Firmen wegen Auftrags- und Geld mangel die Stillegung bei der Regierung angezeigt, die Ründigung aller Arbeitnehmer durchgeführt. Kurz vor Ablauf der Kündi gungsfristen und Ablauf der Tarifverträge wurde von den Belegschaften unter Ausschaltung der Organisation- ganz plötzlich die Forderung auf einen etwa 40 Proj. betragenden Cohnabbau und die Berlängerung der Arbeitszeit auf 10 Stunden verlangt. Selbst. verständlich wurde diese Forderung abgelehnt. Die Unternehmer schritten darauf zur Stillegung der Betriebe, nicht ohne seitens der Arbeiterschaft in einem Betriebe mit einer Woche Probearbeit die Unmöglichkeit einer solchen unwirtschaftlichen und unfinnioen Forderung erwiesen zu bekommen. Gelangen die damaligen Versuche auf Entziehung ber Erwerbslosenunterstügung nicht, meil ja die In dustriellen wiederholt betont hatten, teine Aufträge und fein Geld mehr zu haben, so soll es jetzt aber möglich werden, nachdem man wohl der Ansicht ist, einige Wochen Erwerbslosenunterstützung werden die Arbeiter für die Durchführung des Lohnabbaues mürbe gemacht haben. Als erschwerend kommt für die Arbeiterschaft hinzu, daß in einzelnen Gemeinden nach drei Wochen Erwerbslosigkeit noch nicht einmal die Unterstützung ausgezahlt Das Hilfsmittel zur Durchführung des Lohnabbaues ist der Arbeitsnachweis des Kreises Glaß, der in feiner Sigung vom 4. Februar von den Glasarbeitern eines Betriebes vers Langte, daß sie zu den von den Industriellen verlangten Berschlechterungen der bisherigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse die Arbeit aufnehmen müssen, anderfalls ihnen die Erwerbslosenunterffügung entzogen wird. worden ist. Damit erweist sich der Kreisarbeitsnachweis als Helfershelfer der Industriellen für die Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen und damit der Lebenshaltung der Arbeiterschaft. Be gründet wird dieses Vorgehen damit, daß nach den Angaben ber Industriellen(!) noch genügend Berdienst" erzielt werden fönnte. Also ein völlig einseitiges Vorgehen des Arbeitsnachweises entsprechend den Wünschen der Industriellen. Zu bemerken ist, daß die letzteren jede Verhandlung mit der Gemertschaft ablehnen. Auf diesem Wege sollen die Grundlagen eines neuen verschlechterten Tarifvertrages geschaffen werden. In der Abendausgabe des Bormarts" vom 26. Januar wurde auf einen ähnlichen Fall im Kreise Hörter hingewiesen. Durch das Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums ist diesem Skandal ein Ende gemacht worden. Der vorstehend geschilderte Fall in der Graffchaft Glatz liegt noch viel schlimmer. Hier wird durch den Arbeits nachmeis, unterstügt von der Gewerbeaufsichtsbehörde, die die Etillegungsanträge der Unternehmer genehmigte, der Versuch gemacht, einen gültigen Tarifvertrag außer Kraft zu feßen, einen ungeheuerlichen Lohnabbau und gleichzeitig eine gerade in der Glasindustrie mörderische Verlängerung der Arbeitszeit vorzunehmen. Es wird in diesem Falle nicht genügen, daß das Reichsarbeitsministerium den Leiter des Kreisarbeitsnachweises zur Ordnung tuft. Er muß wegen grober Berlegung seiner Pflichten von dem zu ständigen preußischen Wohlfahrtsministerium zur Verantwortung gezogen werden. Es ist aber offenbar auch notwendig, daß das Reichs arbeitsministerium als Aufsichtsbehörde durch ein Rundschreiben die Arbeitsnachweise auf die gefeßlichen Bestimmungen hinweist. Wenn man vermeiden will, daß es zu einem offenen Konflift tommt, dann muß eine Biederholung dieses Standals unterbunden werden. Versuchter Lohnabbau in der Konfektion. Uebersetzung der Betriebe- Verschlechterung der Löhne. In der Mitgliederversammlung des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes, die für die in der Herren, Knaben, Burschenund Gummifonfektion und der Uniformlieferungsbranche Befchäf tigten am Montag nach den Residenzfestfälen einberufen war, sprach Genosse Alde über die Situation in den einzelnen Branchen. Stermit die traurige Mitteilung. daß meine herzensgute, treue Frau Anna Relchelt, geb. Steinkopf, in ihrem pollenbeten 48 Lebensjahre nach 8%, monatigem fchweren Letben heute morgen 8 Uhr in Krankenhaus Subertus au Lichtenberg ver fchieben ist Berlin- Rarlshorst, 9. Februar 1926. Der tieftrauernde Gatte Albin Reichelt. Zeit der Einäscherung wird noch bekanntgegeben. Berliner ElektrikerGenossenschaft Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2- G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Er ging zunächst auf die Ursachen der Wirtschaftskrise ein, 1 Ort und Stelle der Achtftunbentag in den deutschen Bergwerfen los find. Von der ungesunden Aufblähung des Produktionsappa- nur auf eine längere Arbeitszeit von höchstens 7 bis 10 Minuten rates in der Konfettion sprechen folgende vom Redner angeführte hinauslaufe. Die Hebung der englischen Industrie müsse darum nicht Zahlen: Es gab 1913 in Berlin 138 Betriebe der Blusen und in einer Erhöhung der Arbeitszett gesucht werden, sondern in einer Kleiderkonfektion, Ende 1925 dagegen 765. In der Großkonfektion befferen Ausnutzung der vorhandenen Zeit durch moderne Arbeits( Damenkonfektion) maren es im Jahre 1913 erst 390 Betriebe, 1925 methoden. bagegen 740. Die Herrentonfettion produzierte 1913 in 172 Betrieben, 1925 dagegen in 532. Damenwäsche wurde 1913 in 58 Betrieben hergestellt, 1925 in 390, Herrenwäsche 1913 in 54 Betrieben, 1925 in 118. Bei dieser Uebersetzung ist es zu verstehen, daß die Waren verteuert werden und nicht abgesezt werden können. Die Unternehmer. der gesamten Ronfeffion versuchen aber durch rücksichtslosen Lohnabbau über die Krise hinwegzukommen. So haben die Unternehmer der Herrenkonfektion den Reichstarif zum 31. Januar gefünbigt, um eine Ber. lieferungsbranche ist aus dem gleichen Grunde das Lohnabkommen schlechterung der Serien durchzusehen. In der Uniforms und der Manteltarif zum 4. Februar gekündigt worden. Da in den Verhandlungen am 21. bis 23. Januar eine Einigung nicht erzielt wurde, ist das Lohnabkommen und der Tarifvertrag bis auf weiteres verlängert worden. In der Gummifonfektion ist das Lohnabkommen schon zum 50. November gekündigt und ein genereller Lohnabbau von 20 Broz. burchgeführt worden. In Berlin und Hamburg steht ein Teil der in der Gummikonfektion Beschäftigten seit Wochen im Abwehrstreit. Ebenso ist das Lohnabkommen in Knaben und Burschentonfettion von den Unternehmern gefündigt worden. Man sieht, daß das gesamte Unternehmertum der Konfektion zum Generalangriff übergeh:. der Die Bekleidungsarbeiter müssen endlich aus dem organisierten Borgehen der Unternehmer die Lehre ziehen, sich selbst restlos ihrer zuständigen Organisation anzuschließen. In den nächsten Wochen muß deshalb in den Betrieben eine lebhafte Agitation getrieben werden. Auf den Generalangriff der Unternehmer muß mit einer Generalagitation geantwortet werden. Nur durch einen festen organisatorischen Zusammenschluß wird es möglich sein, den Ansturm der Unternehmer abzuwehren und die bereits verloren gegangenen Pofitionen wiederzuholen. Nach einer längeren Diskussion und dem Schlußwort des Referenten wurden die Vorschläge der Delegierten zur Generalver fammlung entgegengenommen. Unberechtigte Entlaffung. Die Musiker, die im Café ,, Baterland" in der Turmstraße fon zertierten, wurden nach erfolgter Kündigung entlassen, weil die Direktion des Cafés der Meinung ist, fie müsse, um sich einen guten Geschäftsgang zu sichern, den Gästen neue Gesichter auf dem Mufifpodium zeigen. Der Kapellmeister fand mit einem Teil der Mufifer sofort ein neues Engagement. Die übrigen Mitglieder der Rapelle fochten ihre Entlaffung durch Klage beim Gewerbegericht als un billige Härte an. Sie gingen davon aus, daß, falange ihre Leistungen feinen An laß zum Tabel geben, die Entlassung nicht berechtigt jei. Wenn man den Gäften ein neues Mufitprogramm bieten wolle, so sei wohl ein Wechsel des Kapellmeisters, aber nicht ein Wechsel der ganzen Kapelle begründet. Die beklagte Direktion erflärte es für ihr gutes Recht, mit den Mufilern beliebig zu wechseln. Das sei eine das ganze Gewerbe intereffierende Angelegenheit von grundsäglicher Bedeutung. Die Direktion bot deshalb einen großen Apparat von Zeugen und Sach verständigen auf, um ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Es follte im allgemeinen bewiesen werden, daß es im geschäftlichen Interesse der Kaffeehausbefizer notwendig sei, von Zeit zu Zeit mit den Musikern zu wechseln und im besonderen sollte dargetan werden, daß die Kläger den an sie gestellten Anforderungen nicht genügten. Schließlich wurde den Klägern auch noch eine zur fristlosen Ent. laffung berechtigende Arbeitspermeigerung zum Vorwurf gemacht. Sie sollen nämlich in der Silvesternacht, als die Kündigungsfrist abgelaufen war, um 4 Uhr nicht haben weiterspielen wollen, obgleich sie sich vorher verpflichtet gehabt hätten, für doppelte Gage bis zum Geschäftsschluß am Neujahrsmorgen zu spielen. Die Beweisführung der Direktion mißlang. Sie wurde verurteilt, die Kläger wieder einzustellen oder jedem derfelben eine Entschädigung von 150 Mart zu zahlen. Internationale Eisenbahnerkonferenz. arbeiter- Föderation wird am 30. und 31. Märg in Amsterdam eine Die Eisenbahnfettion der Internationalen Transport. Die Eisenbahnfektion der Internationalen Transport Internationale Konferenz des Aufsichts- und Verwal tungspersonals abgehalten. Behandelt werden it. a. folgende Fragen: Die Organisierung des Aufsichts- und Verwaltungsverfonals und der übrigen Eisenbahner in den verschiedenen Ländern. ( Referent: N. Nathans, Sekretär der Eisenbahnerfektion der JTF) Die Entwidlung der Organisationen des Aufsichts- und Verwaltungspersonals im Kampfe um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und im allgemeinen Kampfe der Arbeiterklasse. ( eferent: ein Mitglied des Hauptvorstandes der REA.) Die Aufgabe der höheren Beamten im Stampfe um das Mitbestimmungsrecht und für die Sozialisierung des Eisenbahnbetriebs( Referent: ein Mitglied der schweizerischen Eisenbahnerorganisation). Die internationale Arbeitszeitregelung. London, 9. Februar.( EP.) In den Berichten über die eng lischen Lohnfämpfe wird stets von neuem angeführt, daß die deutsche Konkurrenz mit höheren Arbeitsstunden arbeite. Demgegenüber stellte gestern der frühere Chefinspektor der englischen Bergwerke fest, daß nach seinen eingehenden Studien und Unterredungen an Bekanntmachung. Auf Grund des Wahlausschreibens gereicht sind. Die Stimmabgabe ist an Dom 13./14. Januar 1926, betr. die Wahl bie Wahlvorschläge gebunden. Die Der Arbeitgeber und der Versicherten Wahlvorschläge müffen von mindestens zum Ausschuß der Straffe, ift seitens der 30 wahlberechtigten Raffenmitgliedern Arbeitgeber nur ein giltiger Wahlvor unterzeichnet fein. Mit den Wahlvor. schlag, beginnenb mit bem Ramen Carl schlägen ist von jedem Bewerber eine Linde und endigend mit dem Namen Erklärung darüber vorzulegen, daß er Mar Fischer, eingereicht worden. Die aur Annahme der Wahl bereit ist. Die auf diefem Wahlvorschlag verzeichneten aus den eingereichten Wahlvorschlägen Berfonen gelten fomit nach§ 9 ber fich ergebenden Anstände müssen bis zum Wahlordnung als gewählt. 9. März b. 3. beseitigt sein. Die WahlDie für den 1. März 1926 angefekte porfchläge fönnen nach ihrer Rulaffung Bahlhandlung findet demnach nicht ftatt. im Raffenlokal, hier, Rörnerftr. 55, Für die Berficherten find zwei giltige während der Dienftitunden von 9-1 Uhr Wahlvorschläge eingegangen, bie iebo vormittags eingefehen werden, ebenfo beide in der in der Wahlordnung vor vom Tage dieser Bekanntmachung an aefehenen Frift aurudgesogen worden die Mitalieberverzeichniffe. Etwaige find. Da fomit ein gültiger Wahlvor Einsprüche gegen bie Richtigkeit ber fich fchlag für die Verficherten nicht mehr aus dem Mitgliederverzeichnis ergebenvorliegt, fann bie für den 1. März 1926 den Wahl- und Stimmberechtigung find angefekte Wahl ebenfalls nicht ftatt bis zum 23. Februar 1926 beim Raffenfinden. Sufolgebessen wird die Wahl vorstand, unter Beifügung von Beweis Für die Berficherten hiermit nochmals mitteln, au erheben. Auf Antrag mer ausgefahrieben. ben vom 9. Mära d. 3. ab WahlausAuf Grund des§ 95 der Sakung find weise im Raffenlotal während der Filr die Wahlperiobe 1926-1929 40 Ber- Dienftihinden ausgestellt. fichertenvertreter und 80 Etfagmänner Die Bahlberechtigten werden dringend au wählen. Die Wahr findet am Mitterfucht. fich die Wahlausweise zu be mom ben 24. Mära 1926, nachmittags fchaffen, ba bie Bablausschiffe die Don 4-8 Uhr, im Raffenlotal. hier, Bohl- und Stimmberechtigung prüfen. Rörnerftr. 55. für die bei der Firma Die Stimmaettel milffen von weiker Zelerhonfabrik Gubitatis A.-G. Beschäf Farbe fein. tiaten im Lokal von Otto Thiel, Im übrigen gelten für die Bohl die Stealik, Siemensstr. 29( Ede Birtbusch entsprechenden Bestimmungen ber Gahung ftrake), ftatt. und ber Wahlordnung. Berlin- Steglik, den 9. Februar 1926. Allgemeine angeschl. dem Verb.soz. Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit werden hiermit aufgefordert, dem Bor- Oristrantentaffe für Berlin- Steglig ftand der unterzeichneten Raffe Bahlwirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN vorschläge einzureichen. Es tonnen nur Der Borkiand: Besonders folie Wahlvorschläge berüfatiat w rick and nur Die Wahl ist geheim und wird burch ben Borstand geleitet. Die wahlberechtigten Arbeitnehmer Get billig best, bie bis au 28. Februar 1936 sin des Farwick" debates Moedel, Berithenber Roglin Garififibrer Bund der technischen Angestellten und Beamten( Ortsverwaltung Berlin). Gemeinsame Mitgliederversammlung der Fachgruppen Baugewerbe, Architelten und Steinmestechniker am Donnerstag, abends 7 Uhr, im Lotal Bur alten Geheimratstneipe", G., Jerusalemer Straße 8 am Dönhoffplay. Wirtschaft Die größten Konsumvereine der Welt. Eine dem englischen Peaple's Year Book 1926" entnommene Bufammenstellung, die sich in der„ Konsumgenossenschaftlichen Rundbau" wiederfindet, enthält folgenden interessanten Vergleich der größten Konsumvereine der Welt und ihrer Umiazzablen für 1924: Land England Irland Desterreich Belgien Tschechoslowakei Finnland. Frankreich Deutschland Holland Italien Norwegen Schweden • • • • Genossenschaft Slonsumverein Mährisch Mit 1924 glieder Umfäge Umfas je Mitglied Mr. M. Konsumberein London St. Cuthbert's Edinburgh Konsumverein Belfast 117 266 55 692 585 Ronsumverein Wien Koniumverein Lüttich 66 765 28 700 167 698 70 678 77 969 065 474.92 1167.80 20 034 050 12 700 360 21 057 335 698 05 75,75 297,95 60 109 20 168 960 385,55 Stonfumverein Elanto", Helsingfors 30 754 21 201 160 689,35 L'Union Coopérative, Paris 83 849 19 105 015 227,85 115 407 82 372 834 281,50 Volharding", Haag 14 440 Konsumverein Triest. 42 860 11 023 170 260,25 Konsumverein Dslo 9414 7 053 440 749,25 994.90 965,65 Ditrau Production", Hamburg . Wenn in den Konsumverein Stocholm 23 258 23 138 975 Stonsumverein Basel. 41 844 40 406 510 liefern, da z. B. in Deutschland sowohl der Geſamtumiaz als auch Das Jahr 1925 wird bereits ein wesentlich anderes Bild der Durchschnittsumfag je Mitglied erheblich gestiegen sind, was in England bei der hier angeführten Genossenschaft mindestens hinsichtlich der Mitgliederzahl auch der Fall ist. britischen Vereinen der Durchschnittsumiaz febr hoch ist, io beruht das zum Teil darauf, daß die 3 ahl der Waren, die verteilt werden, viel größer ist als in den meisten anderen Ländern. Vor allem ist das aber natürlich auf größere genoffenschaftliche Treue der Mitglieder zurüd zuführen, die sich auch in den Nordländern weit besser geltend macht als in den mitteleuropäischen. Deutschland ist allerdings in dieser Hinsicht zweifellos im Bor mariche begriffen. Den deutichen Genossenschaftern müssen die glänzenden Ergebnisse vieler anderer Länder ein Ansporn sein, bessere Leistungen zu erzielen. Deutsche Industrie- Werte Attiengesellschaft, Spandau. Durch die Mitteilungen über die Liquidation der Deutsche Werke Aftiengesellschaft, die vor furzem der Deffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind, ist vielfach der Eindruck entstanden, als ob auch die D011 dieser Spandauer Werte Liquidation mitbetroffen worden sind. Wie aus den späteren ausführlichen Mitteilungen hervorgeht, trifft das nicht zu. Von der Deutsche Industrie- Werke Aktiengesellschaft in Spandau erfahren wir dazu, daß die vor einem Jahre in Aussicht genommene Umstellung, die im wesentlichen eine Zusammenziehung der Fabrikationsgebiete und Spezialisierung auf einzelne Typen mit sich brachte, zum großen Teil durchgeführt werden konnte. Es geschah das mit dem Erfolg, daß nicht nur trotz der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage die gleiche, sondern eine etwas gesteigerte Arbeiterzahl Beschäftigung fand. Die Landmaschinenfabrik hat ihre neuzeitlichen Arbeitsfamen. Die Karosseriefabrik hat eine in der Automobilindustrie verfahren fo weit entwickelt, daß fie in diesem Jahre erstmalig für Erntemaschinen zur praktischen Anwendung von Massenlieferungen viel beachtete Entwicklung genommen. Der Beschäftigungsstand ist im allgemeinen auch im Hüttenwerk, der Gießerei, der Schrau ben-, Holzbearbeitungsmaschinen- und Bettstellen- Fabrik in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage als gut zu bezeichnen. Wie wir hören, wird die Deutsche Industrie- Werke Aktiengesellschaft auf der Leipziger Frühjahrsmesse als Ausstellerin erscheinen, und zwar wird fie bemerkenswerte Neuerungen auf dem Gebiete der Holzbear beitungsmaschinen vorführen. Amerifa- Anleihe der Bremer Hypothekenbanken. Nach einer New Yorker Meldung find die Berhandlungen zwischen einer amerikanischen Bantengruppe unter Führung von Brown Brothers und der Vereinigung Bremer Hypothekenbanken über eine 7%, proz. Goldanleihe im Betrage von 10 Millionen Dollar fo gut wie abgeschlossen. Die Anleihe wird am 1. Februar 1951 fällig sein. Berantwortlich für Bolitik: Craft Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Korbmöbel! Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gedierenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bel Wilhelm Schulze Monbijouplatz 12, Hof part. Nähe Hackescher Markt Zahlungserleichterung Telephon: Alexander 4112 Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pi. Riefenauswahl in allen Breislagen herrliche Muster Tapeten für Puppenstuben Linoleum u. Fußmatten Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Ctage, fein Laden. ( Ringfrei, daher fonkurrer glos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. V Gegr. 1891. tepp. u. 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