Nr. 7343. Jahrg. Ausgabe A nr. 37 Bezugspreis: 23öchentlich 70 Bfennig, monatlic B Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuaband für Deutschland, Danzig Saar und Memelgebiet, Defterreich. Litauen. Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Sied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adrese: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreife: Die einfpa Itiae Nonpareille eile 80 Brennsa. Reklamezeile 5. Reichsmart. Sne Arteigen das fettgedruckte Mort 25 Brennta ( auläffia zwei fettgedruckte Worte. jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Sonnabend, den 13. Februar 1926 Die Pariser Abrüstungsverhandlungen Luftfahrteinigung.- Günstige Ergebnisse in den Schupofragen. Die Verhandlungen über die Schuhpolizei. Paris, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschafter-| daß die Einrichtung der beiden in Aussicht genommenen FlugKonferenz hat sich heute mit dem Stande der deutschen Ent- verkehrslinien Enon- München und Paris- Köln- Berlin als gewaffnung, dem Problem der rheinischen Besa hung und den sichert gelten kann. deutsch- franzöfifchen Luftfahrt beziehungen beschäftigt. Ihr Vertreter erfährt von gut unterrichteter Seite, daß die seit einigen Wochen zwischen Deutschland und den Alliierten geführten Berhandlungen über die Aufhebung der dem deutschen Flugzeugbau und Luftverkehr auferlegten Beschränkungen fich endgültig dem Abschluß nähern". Die Botschafterkonferenz war zur Erfüllung der von Deutschland auf diesem Gebiete gestellten Forderungen grundfählich bereit. Sie hatte jedoch die endgültige Zuftimmung zu der von Deutschland verlangten Aufhebung der sogenannten" Begriffsbestimmungen", die der deutschen Flugzeugindustrie ihre Bewegungsfreiheit wiedergibt, von einer Reihe von Garantien gegen militärische Berwendung der deutschen Luftfahrzeuge abhängig gemacht. Darüber ist es nach anfänglichen Schwierigkeiten nunmehr zu einer Einigung gekommen und die beiden Berhandlungsdelegationen find augenblicklich mit der Faffung des endgültigen Abkommens beschäftigt, das voraussichtlich schon in den nächsten Tagen veröffentlicht werden wird. Auch die zwischen Deutschland und Frankreich geführten Verhandlungen, die der Erleichterung des Luftverkehrs zwischen den belden Ländern gelten, dürften fehr bald zu Ergebniffen führen, so Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheatonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depoßitenkaffe Lindenstr. 3. Krösus Reinhold. Und seine Klienten. Der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold hat am Freitag nachmittag in die Etatsdebatte eingegriffen. Im allgetragenen Gedanken. Immerhin soll seine Erklärung vermerkt meinen wiederholte er lediglich seine am Mittwoch vorgewerden, daß er bei den Ausgabeverininderungen nicht an weitere Verminderungen für soziale Zwecke gedacht" habe. Wenn er im Anschluß daran betonte, man dürfe nicht art Symptomen herumfurieren, es gebe vielmehr nur eine Im Rahmen der Pariser Abrüstungsverhandlungen, dauernde Hilfe für die Erwerbslofen, und das sei eine ge= die zwischen der Botschafterkonferenz und einer deutschen Delegation unde Wirtschaftspolitit, so fann man ihm darin unter Führung des Geheimrats Nord vom Auswärtigen Amt feit durchaus zustimmen. Aber bedeutet der Abbau von mehreren Wochen im Gange find, werden auch gewisse Fragen der Steuern allein bereits eine gesunde WirtSchußpolizei endgültig geregelt werden. Hierzu ist als Sach- schaftspolitif? Wir verneinen das und halten deshalb verständiger auch Ministerialdirektor Abegg vom preußischen den Steuerabbau fo lange für eine halbe und volkswirtschaftMinisterium des Innern zugezogen worden, wobei die banerische lich zweifelhafte Maßnahme, solange nicht durch eine verRegierung„ natürlich darauf bestanden hat, ebenfalls durch einen nünftige Handelspolitik und durch eine rücksichtslose BeSachverständigen vertreten zu sein. Es handelt sich bei diesen fämpfung der schädlichen Kartelle eine vollkommene Abkehr Pariser Verhandlungen um die Klärung gewisser technischer Einzel- von der falschen Wirtschaftspolitit der Rechtsregierung vorfragen im Rahmen der generellen Beschlüsse, die die Botschaftergenommen wird. tonferenz im Herbst 1925 unmittelbar nach Loarno gefaßt hat. Im allgemeinen sind diese Verhandlungen bisher günstig verlaufen. Der französische Generaistabschef De stider ist, wie wir hören, in verschiedenen Punkten, die den deutschen Delegierten am Herzen liegen, entgegengekommen. Das gilt namentlich für die Frage der Zerstörung von Maschinen, die Kriegsrüftungen dienen könnten, sowie auch für gewisse Wünsche hinsichtlich der Schutzpolizet. Sozialdemokratie und Fürstenvermögen.[ zöfifchen Handelsintereffen gegeneinander auszuwiegen und Gerede über Selbstverständliches. Das„ Nachrichtenbureau des Vereins deutscher Zeitungsverleger" meldet: Im Reichstag fand heute eine unverbindliche Besprechung zwischen Vertretern der Mittelparteien und einigen Sozialdemofraten über die Frage statt, ob der Kompromißantrag so geändert werden könnte, daß er auch für die Sozialdemokratie annehmbar wird. Wie wir von sozialdemokratischer Seite hören, handelte es sich um eine persönliche Fühlungnahme. Offiziell sind die sozialdemokratischen Mitglieder des Rechtsausschusses noch nicht zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Die sozialdemoPratische Fraktion habe also keine Veranlassung, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. zu einer vertraglichen Regelung des Warenverkehrs zu gelangen. Die Schwierigkeiten wurden noch vermehrt durch die Haltung der deutschen Schwerindustrie, die durch private Berhandlungen den Ergebnissen der amtlichen deutschen Unterhändler vorzugreifen suchten; die Inflation in Frankreich hat dann das Thrige getan, um die Widerstände mancher deutscher Industriegruppen gegen ein Handelsabkommen zu stärken. Das provisorische Abkommen, das jetzt vorliegt, fann natürlich als eine befriedigende Lösung für längere Zeit nicht angesehen werden. Es ist dringend zu wünschen, daß Deutschland und Frankreich bald zu dem endgültigen Vertrag gelangen, der nach obiger Anfündigung in naher Aussicht steht. Der Abschluß von Handelsverträgen ist eben die befte und nachhaltigste Förde: Daß Sozialdemokraten über eine Materie der Gesetz diese um so weniger verzichten, als die gegenwärtige Wirt rung der Ausfuhr deutscher Waren. Wir können auf gebung auch außerhalb der offiziellen Sigungen mit Bertretern anderer Parteien reden, ist ein alltäglicher und selbst- fchaftskrise zur Steigerung des deutschen Warenexportes zwingt. Auf der anderen Seite wird man aber auch von verständlicher Vorgang. Zu einer Mitteilung über ihn ist das Frankreich erwarten müssen, daß es über die AugenNachrichtenbureau" von einer sozialdemokratischen Seite blidsintereffen hinaus die Notwendigkeit eines langfristigen ermächtigt. Natürlich werden die Genossen, die mit der Be Handelsvertrages mit Deutschland anerkennt und der deut arbeitung dieser Materie beauftragt find, in der Fraktion beschen Wirtschaft dabei diejenigen 3ugeständnisse macht, richten, und die Fraktion wird dann beschließen. Auch das ist nur selbstverständlich. Richtig bleibt also nur, daß Sozialdemokraten mit anderen Abgeordneten unverbindlich gesprochen haben. Das aber hätte man, wenn man es überhaupt für mitteilenswert hält, weniger umständlich mitteilen fönnen. die zur Anbahnung eines handelspolitischen Freundschaftsverhältnisses der beiden Staaten unerläßlich sind. Völkerbundversammlung am 8. März. Weitere Bewerbungen um Ratssige in Sicht. Genf, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Bölkerbunds Deutsch- französisches Wirtschaftsabkommen. rat bat am Freitag nachmittag in einer halbstündigen nicht offiziellen Nach fast eineinhalbjährigen Verhandlungen! Paris, 12. Februar.( WTB.) Die franzöfifchen und deutfchen Bevollmächtigten haben heute abend ein Handelsabtommen unterzeichnet, das für gewisse Erzeugnisse aus dem einen und anderen Lande Zollvergünstigungen einräumt. Auf Grund dieses Abkommens erhalten franzöfifche landwirtschaftliche Saijonartitel bei der Einfuhr nach Deutschland die meistbegünstigung und Zollbindungen. Deutschland seinerfeits erhält den Minimaltarif oder Abschläge auf den Unterschied zwischen den beiden französischen Tarifen für geschnittenes Holz, gewiffe chemische Produkte, gewiffe Gruppen von landwirtschaftlichen Maschinen, Haushaltungsgegenständen und Möbel, andere als aus gebogenem Holz.. Diese Zugeständnisse sind für gewiffe deutsche und franzöfifche Waren an kontingen te gebunden. Außerdem find Sicherheiten vorgefehen für Verbrauchssteuern, innere Abgaben sowie Zollnebenabgaben, die auf den Waren liegen, ebenso für die Behandlung der Handlungsreifenden und Muster. Diefes Abkommen ist für die Dauer von drei Monaten geschloffen, wobei die beiden vertragschließenden Teile die Hoffnung haben, daß fie beim Ablauf der Geltungsdauer des Abkommens die Verhandlungen über den endgültigen Vertrag abge. fchloffen haben werden. Das soeben abgeschlossene deutsch- französische Abkommen ist der erste sichtbare Erfolg der nun schon seit fast anderthalb Jahren zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Verhandlungen über den Abschluß eines Han belsvertrages. So schwer war es, die deutschen und die franSigung unter dem Vorsiz des italienischen Gesandten Garbasse Bern beschlossen, die Einberufung der außerordentlichen Völker bundversammlung zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund auf den 8. März nachmittags anzuberaumen, an welchem Tag vormittags fich der Völkerbundsrat versammelt. Die Tagesordnung der Bersammlung umfaßt vier Punkte: 1. Aufnahme Deutschlands. 2. Stellungnahme der Bersammlung zu den eventl. Borschlägen des Völkerbundsrates betr. die Ausführung des Artikels 4 des Bölterbund pattes. 3. Budgetfragen. 4. Neubauten. Der Artikel 4 bestimmt in seinem ersten Teil die erstmalige Susammensetzung des Rates und sagt in feinem zweiten Teil, daß die Völkerbundsversammlung weitere ständige Ratsmit glieder bezeichnen sowie die Zahl der durch die Bersammlung zu wählenden nichtständigen Ratsmitglieder erhöhen kann. Die gezu wählenden nichtständigen Ratsmitglieder erhöhen kann. Die gewählte Faffung der Biffer 2 der Tagesordnung deutet ziemlich beftimmt darauf hin, daß weitere Anmeldungen auf stän dige Ratssige vorliegen, über deren Berücksichtigung oder Ab. lehnung die im Rat vertretenen Regierungen unter sich noch nicht im flaren sind. Heute ist diese Frage nicht diskutiert worden. Daß die Meinungsverschiedenheiten über die Schaffung weiterer ständiger Ratssitze auch eine Berichiebung des Beschlusses über den deutschen Ratssitz zur Folge haben fönnten, wird, wie unser Bertreter aus verschiedenen gut informierten Quellen erfährt, als sehr unwahrscheinlich, wenn nicht ganz ausgeschlossen, be. trachtet. Die Eröffnung der Völkerbundsversammlung wird durch den japanischen Böllerbundsvertreter erfolgen. -Wenn Herr Dr. Reinhold weiter erklärte:„ Wir haben zu wählen zwischen Steuererleichterung oder Erhöhung unAlternative. Wir halten eine ausreichende Unterstützung der produktiver Ausgaben," so ist das eine durchaus einseitige mattgefehten Arbeitskräfte nicht für unproduktiv. Wir sehen Boltes vielmehr eine Maßnahme von allerhöchster in der Erhaltung der Arbeitstraft des deutschen Produktivität. Ohne sie ist ein gesundes Wirtschaftsleben nicht möglich. Ohne sie ist auch die Durchführung der Rationalisierung des Produktionsrpozesses nicht denkbar. Ebensowenig sind die Maßnahmen unproduktiv, die darauf hinauslaufen, wichtigen Zweigen unseres Wirtschaftslebens durch Reichsmittel die Möglichkeit zu geben, die Produktion wieder aufzunehmen oder auszudehnen. Dahin gehört in erster Linie die Förderung des Exports sowie die Ermöglichung umfangreicher und sonst in der Zukunft auszuführender Arbeiten der Reichsbahn. Dazu gehört aber auch die Förde rung der Elektrizitätsversorgung Deutschlands, die einen wichtigen Bestandteil jedes Rationalisierungsprozesses bilden muß, und die Ausführung eines großen Wohnbauprogramms. Wir müssen an der Auffassung, daß diese Ausgaben den Vorrang vor dem Abbau der Steuerlasten, insbesondere der Besitzsteuern, haben müssen, durchaus festhalten, zumal der Reichsfinanzminister gestern eine noch rosigere Darstellung der Finanzlage des Reiches gegeben Jahren die ordentlichen, aber auch die außerordentlichen Aushat als am Mittwoch. Er erwähnte, daß wir in den letzten gaben aus den laufenden Einnahmen bestritten haben. Auch ferner noch Hunderte von Millionen für die Kriegsbeschädigten die Kosten für den Rücklauf der Goldanleihe. Wir hätten und 620 Millionen für den Ankauf der Vorzugsaktien der Reichsbahn ausgegeben. Trotzdem sei noch neben dem Betriebsfonds ein erheblicher Kassenbestand vorhanden, der es erlaube, die Steuerermäßigungen vorzuschlagen. Geld ist also vorhanden. Das Reich braucht deshalb die Opfer einer falschen Wirtschaftspolitik nicht dem bittersten Elend zu überlassen. Es fann ihnen helfen. Die Sozialdemokratie wünscht daher, daß diese Hilfe erfolgt, bevor denjenigen Kreisen, deren Opferfreudigkeit für das Reich nie groß ge= wesen ist, Geschenke gemacht werden. Herr Dr. Reinhold dürfte inzwischen bei ruhiger Ueberlegung selbst finden, wohin seine Politik zu führen droht. Wollte er vielleicht nur den kleinen Finger reichen, so verlangt man jetzt von ihm die ganze Hand. Eine Lawine Steuerermäßigungsantägen steht in von Aussicht, die aufzuhalten feine leichte Aufgabe sein dürfte. Dem Geheiß des Reichslandbundes entsprechend machen die Deutschnationalen den Anfang. Es wiederholt sich die Tragödie der Aufwertung. Die Deutschnationalen find in der Opposition und hemmungslos werden sie sie betreiben, wie ehemals, als fie das bittere Brot der Verantwortung noch nicht gekostet hatten. Anträge auf Ermäßigung der Erbschaftssteuer um die Hälfte, der Vermögenssteuer um zwei Fünftel find in Vorbereitung. Ein Antrag auf Herabſegung der Einkommensteuer ist bereits eingebracht, der die fast völlige Steuerbefreiung der Landwirtschaft herbeiführt. Die Befreiung der Großgrundbesizer ist vom Reichslandbund zum erheblichen Teil bereits durch eine zweckentsprechende Buchführung" erreicht worden. Jetzt soll auch der übrige Teil der Landwirtfchaft fa ft völligsteuerfrei gemacht werden. Zu diesem Zwecke fordert der deutschnationale Antrag bei der veran lagten Einkommensteuer die Freilassung eines besonderen Existenzminimums für jeden im Betrieb des Steuerpflichtigen arbeitenden Familienangehörigen, ferner die Erhöhung des Eristenzminimums und die Erhöhung der Familienermäßi gungen. Was dieser Antrag bedeutet, foll furz dargelegt werden, damit man fich ein Bild machen kann von der Demagogie, deren die Deutschnationalen in der Opposition fähig sind. 1. Die Erhöhung des Eriftenzminimums und der Familienermäßigungen für die Veranlagungspflichtigen würde den Unterschled zwischen Lohnsteuer und veranlagter Einkommensteuer nahezu völlig beseitigen. Bisher waren die Ermäßigungen bei der Lohnfteuer höher als bei der Einkommensteuer, a) weil die LohnSteuerpflichtigen ihr Roheinkommen versteuern müssen, während die Landwirte und Gewerbetreibenden nur ihr Rein einkommen zu versteuern brauchen, b) weil bei den Arbeitern das Einkommen bis auf den letzten Pfennig erfaßt wird, während es im Belieben der Veranlagungspflichtigen liegt, ob sie ihr Einfommen voll versteuern wollen oder nicht, c) weil die Ermäßigungen bei der Lohnsteuer außerdem die Aufgabe haben, bei dem gleichmäßigen Steuersatz von 10 Proz. eine Staffelung der Belastung nach der Höhe des Einkommens durchzuführen, während das bei der veranlagten Einkommensteuer durch den Tarif erreicht wird. 2. Während den Lohnsteuerpflichtigen nur die einfachen, befanntlich recht niedrigen Familienermäßigungen zustehen, sollen die Familienangehörigen bei den Candwirten und Gewerbetreibenden doppelt berücksichtigt werden. Für jeden Angehörigen soll einmal ein jährliches Existenzminimum von 960 m. freibleiben und außer dem sollen noch dieselben Familienermäßigungen gewährt werden, mie sie den Lohnsteuerpflichtigen zustehen. Die Boraussetzung dieser Bestimmung, daß die Familienangehörigen im Betriebe des Steuerpflichtigen mitarbeiten müssen, wird sich überall leicht umgehen lassen, Eine besonders grobe Ungerechtigkeit stellt die doppelte Berücksichtigung der Kinder dar. Obgleich Arbeitseinkommen der Rinder nicht beim Bater versteuert wird, soll er doch für jedes Rind das volle Eristenzminimum freihaben. 3. Zahlenmäßig bedeutet der deutschnationale Antrag, baß die Veranlagungspflichtigen doppelt bis dreifach so viel steuerfrei haben follen wie die Lohnsteuerpflichtigen. Es sollen danach jährlich steuerfrei bleiben: berheiratet ohne Kinder. 2. Kinder 4 Kinder " Bei einem Landwirt oder Lohnsteuer Gewerbetreibenden pflichtigen 1820 m. 1680 2.880 • . • . 2040 Mt. 4320 7440 " Die Konkurrenz der Deutschnationalen hat bereits Bir fung auf die Bayerische Volkspartei, eine Regierungspartei, ausgeübt. Ihr Redner, Dr. Horlacher, hat nicht nur den deutschnationalen Antrag begrüßt, sondern auch gefordert, daß alle gestundeten Steuern erlassen werden, ohne jede Prüfung im Einzelfall. Es handelt sich dabei um einen Betrag von 301 Millionen am 1. Oftober 1925, der gegenwärtig wahrscheinlich nicht weit hinter 400 Millionen zurückbleiben dürfte. Er hat außerdem die Aufhebung der Erhöhung der Biersteuer verlangt, trotzdem sie mit Zustimmung der Bayerischen Volkspartei beschlossen wurde. Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß nun auch andere Parteien diesem Beispiel folgen werden. Gewiß find einige Steuererleichterungen möglich, wie das die Linke stets von Herrn Schlieben verlangt hat. Aber die optimistischen Schilderungen von Dr. Reinhold haben jetzt auch diejenigen in Bewegung gefeßt, denen je de Steuerlaft als zu drückend und für sie unbillig erscheint. Und mag Herr Dr. Reinhold noch so sehr den Willen haben, keinerlei Gefährdung des Gleichgewichts des Budgets zuzulassen, es taucht drohend die Gefahr auf, ob ihm das gelingen werde. Der Standpunkt der Sozialdemokratie ist flar: Sie verlangt in erster Linie ausreichende Fürsorge für alle Opfer der Krise und wird den Abbau von Besitzsteuern, der das gefährdet, entschieden bekämpfen. Der Staatsrat tritt am Montag, den 22. Februar b. J., zu feinem nächsten Tagungsabschnitt zusammen; die erste Bolligung findet am 23. d. M. statt. Die Dauer der Tagung dürfte sich auf höchstens drei Volfizungen beschränken. Die Zeifungsbomben im Balfifum. Gegen die Redaktion des Rigaer Lettischen Blattes Latvijas Sargs" wurde ein Bombenanichlag berübt, bereits der dritte in furzer Zeit! Bar. Bon Offip Kalenter. In mauvefarbenes Licht, Khafana und Heliotrop, den Duft von vergossenen Drinks, Orchideen und zertanzten Abendtoiletten schlägt raffelnd die Jazzband, flirrt das Banjo, geistert die Stimme des Schwarzen Trommlers: " I wont to be down home in Dixie Das Dorf der Heimat tritt in seinen Blid, Wipfel der Palmen, Streuz des Südens, im Rausch von Reiswein durchzechte Nächte, schwarze Mädchen down home in Dixie. Aber in seinen Traum steigen lange feidene Beine, weiße Schultern, im Latte des Tanzes sich wiegend, Rücken mit weißer Haut, die schimmert, wenn das Licht darauf fällt, schlanke Mädchen down home in Berlin. De Jazzband raffelt von Tanz zu Tanz. Die Tänzerinnen schweben in ewiger Bewegung. Gespräche schwirren. ,, Meine erste Geliebte war die Tochter eines Lehrers. Gie hatte blaue Augen und einen Mund, an dem die Unterlippe faft gar nicht vorhanden war." " Die ganze Richtung paßt mir nicht. Der Hindenburg wird feine Sache schon machen. Glauben Sie nur nicht, daß der Mann in seinem Herzen uns untreu würde." " Sag Bubi zu mir. Namen flingen auf: Briand, Franz Werfel, Müller. Ein breiter Mann mit gelbem Gesicht, in dem an den Mundwinkeln blonde Bartstoppeln stehen, sagt ölig: Wollnfe Nippsachen toofn?" Und zieht einen eleganten Schlagring aus der Tasche, scharf gezadt. Ein Interessierter führt einen scheinbaren Schlag gegen ihn aus. Mensch, stoßen, das is doch roh," sagt der Gelbe, ziehn mußte, da jeht die Pelle mit ab!" Meine dritte Geliebte war gewiß nicht ohne Fehler, aber ich liebte sie sehr. Sie hatte schwarzes Haar und Augen, deren Iris grau mit goldgelben Punkten war. Sie sah schlecht." " Bergessen Sie nicht die Bolschewistengefahr. Wenn uns auch England hilft. Den Gaskrieg hamse uns ja verboten. Aber vorige Boche sind sechs Offiziere aus Kiel direkt nach London abkomman diert worden. Zur Erlernung des Gafens, verstehnse. Wenns los geht, wird glatt die ganze Grenze abgegaft. Mit englischem Gas." „ Bubi. Namen flingen auf: Einstein, Schulze, Ludendorff. Jemand ruft nach Ruhe. Bei der Kopelle steht ein unluftiger Herr. Er hält eine fleine Ansprache. Es werde jetzt gesammelt, fagt er. Für vaterländische Zwecke, jagt er. Beifall. Musit. Es find die alten Schwerter noch. Der Nigger trommelt Reveille. Es ist das deutsche Herz. Meine fünfte Geliebte ermangelte nicht der geistigen Gaben, aber ihr Rörper ließ in der Partie der Hüften zu wünschen übrig. Die Kurzarbeiterfürsorge. 185 Der Verwaltungsrat für Berbesserung der Regierungsvorlage. Freitag wurde im Ausschuß die Befreiung ber Idnbwirtschaft lichen Wohngebäude von der Hauszinssteuer mit 14 geçt 13 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen angenommen. Die beiden Zentrumsarbeiterabgeordneten loft und Meginger Im weiteren Berlauf der Beratungen des Berwaltungsrats brachten nicht den Mut auf, für die Einbeziehung der landwirtschaft. erfuhr die Regierungsvorlage wegen ihrer unzureichenden lichen Wohngebäude zu stimmen, obwohl doch auch sie nur zu gut Regelung in der Bemessung der Kurzarbeiterunterstützung wissen, was die Freilassung der landwirtschaftlichen Wohngebäude eine sehr gründliche Kritif. Wie bereits im gestrigen Abendblatt in der Praxis bedeutet. Sie schafft den unerträglichen Zustand, berichtet, forderte die große Mehrheit des Verwaltungsrats daß draußen auf dem Lande jeder arme Schuster für die Beseitigung der in der Regierungsvorlage vorgesehene feine Hütte auszinssteuer bezahlen soll, wäh Benachteiligung der Ledigen und Berheirateten rend die Schlösser der Großgrundbesizer frei bis zu einem Kind. Mit allem Nachdruck forderten die Ber- bleiben. Auch im Staatsrat hat man das Unerträgliche dieser treter der Arbeitnehmer die Zahlung der Kurzarbeiterunterstützung Bevorzugung der Großlandwirtschaft empfunden. Dom zweiten ausgefallenen Tage ab. Kein Zweifel wurde darüber gelassen, daß es eine ungeheure Empörung aus lösen würde, wenn die Regierung auf ihrem Standpunkt bestehen bleibt, daß bei fünf ausgefallenen Arbeitstagen nur zwei, bei Berheirateten mit zwei und mehr Kindern nur 2½ Unterstügungstage angerechnet werden sollen. Der Verwaltungsrat sprach sich mit Mehrheit dafür aus, daß auch der fünfte ausgefallene Arbeitstag zur Anrechnung fommen muß. Die Unterstützung foll für volle ausgefallene Arbeitstage gewährt werden. Der Verwaltungsrat sprach sich weiter dafür aus, daß in begründeten Ausnahmefällen, wo Kurzarbeit nur durchführbar ist durch Berkürzung der täglichen Arbeitszeit, eine Umrechnung er. folgen soll, so daß auch in diesen Fällen Anspruch auf Kurzarbeiter unterstützung besteht. Die Entscheidung darüber soll der Berwaltungsausschuß des öffentlichen Arbeitsnachweises treffen. Bezüglich der Wartezeit sprach sich der Verwaltungsrat ebenfalls für eine Verbesserung der Regierungsvorlage aus. Die Vertreter der Arbeitnehmer forderten die Streichung der Bestimmung über die Bezugsdauer von sechs Wochen, ebenso die Streichung der zeitlichen Beschränkung der gesamten Rurzarbeiterfürsorge bis zum 1. Mai. Der Berwaltungsrat hat sich also mit großer Mehrheit für die Berbesserungsvorschläge des sozialen Ausschusses des Reichstages ausgesprochen, er hat darüber hinaus weitere Berbesserungen der Regierungsvorlage gefordert. Die Regierung wird diese Forde. rungen bei der endgültigen Fassung ihrer Anordnung berücksichtigen müssen, wenn diese den Anspruch erheben will, den bescheidensten Anforderungen an eine Kurzarbeiterfürsorge zu genügen. Ende Februar tritt der Verwaltungsrat wieder zu einer Bollversammlung zusammen, um seine Ausschüsse neu zu wählen und insbesondere zu den Fragen der produktiven Erwerbslosenfürsorge Stellung zu nehmen. Gefordert wurde von Vertretern der Arbeit nehmer, daß auch die Frage der Arbeitslosenunterstützung mit auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Das wurde zugesagt. Gegen die Fürsten. Kundgebungen in Hamburg. Hamburg, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Sozialdemokratische Partei des Hamburgischen Stäbtegebietes hatte für Donnerstag abend nach den 18 größten Sälen der Stadt zu einem Bolfs proteft gegen die Fürstenhabgier aufgerufen. in den Bersammlungen sprachen u. a. die Reichstagsabgeordneten Rosenfeld, Sollmann, Stelling, Rabert Schmidt, Marie Juchacz, Mathilde Wurm, Kirschmann, Schiller und Hünlich. Die Ber fammlungen waren namentlich in den volksreichen Vororten über. füllt, so daß an mehreren Stellen Parallelversammlun gen abgehalten werden mußten. Besonders bemerkenswert war die für Hamburg ganz ungewöhnlich zahlreiche Beteiligung bes In der Aussprache Bürgertums an diesen Kundgebungen. In der Aussprache nahmen an mehreren Stellen bürgerliche Demokraten das Wort, um sich für die entschädigungslose Enteignung aus. zusprechen. Der Kampf um die Hauszinssteuer. Die Steuerfreiheit der Landwirtschaft. Die sozialdemokratische Fraktion ging gegenüber dem Versuch der Agrarier, wesentliche Stüde aus der Hauszinssteuervorlage, wie sie nach den Beratungen im Staatsrat gestaltet war, heraus. zubrechen, zum Gegenstoß über. Sie forderte, daß nunmehr alle minderbemittelten Schichten, ganz gleich, ob Eigentümer oder Mieter, die nicht mehr Einkommen haben als die Gruppe VI der Beamten, von der Steuer befreit werden. Das würde in der Praxis bedeuten, daß fast die gesamte Arbeiterbevölkerung von der Hauszinssteuer frei wäre. Selbstverständlich würde damit der Steuerertrag beträchtlich sinken und das Programm des Finanzministers über den Haufen geworfen. Die Rechtsparteien traten nun auf einmal auch für den sozialdemokratischen Antrag ein, und so entstand eine völlige Bermirrung. Wenn es auf dem bei den Beratungen bisher eingeschlagenen Wege weitergeht, dann ist damit zu rechnen, baß die gannze Borlage in Stüde geht. Schuld an dieser unmöglichen Situation sind die Zentrumsagrarier, die unbetümmert um alle Folgen rüdfichtslos aus allen Borlagen das herausbrechen, was ihnen nicht paßt. Diese Rücksichtslosigkeit fann aber unmöglich dauernd stillschweigend als Selbstverständlichkeit hingenommen werden. Hilfe für Tabakarbeiter. Keine Bedürftigkeitsprüfung bei Erwerbslosigkeit. Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Freitag mit einem von seinem Unterausschuß vorgelegten Ge feßentwurf zur Berbesserung der Fürsorge für erwerbslose und kurz arbeitende Tabafarbe ter. Dadurch soll Artikel 3 des Tabaksteuergefezes vom August 1925 folgendermaßen geändert werden: a) dem Absatz 2 wird folgender Satz hinzugefügt: Das Reich erstattet den Bezirtsfürsorgeverbänden neun gig vom Hundert der Kurzarbeiterunterstügung. b) hinter Absah 4, werden folgende Borschriften eingefügt: 5. Die Bedürftigkeitsprüfung bei Absatz 1 und 2 tommt in Fortfall, jedoch mit der Maßgabe, daß bie Kurzarbeiterunterstügung den reinen Lohn- und Verdienstausfall nicht übersteigen darf. 6. Der für die Unterstügungen( Abfaz 1 bis 5) notwendige ursächliche Zusammenhang zwischen dem Lohnausfall und der Abgabenerhöhung aus diesem Gefeh darf mit Wirfung vom 15. Februar 1926 an nicht mehr verneint werden, sofern bisher die Betriebsstillegung oder seinschränkung auf eine übermäßige Versorgung mit Rohstoffen oder Waren zurüdgeführt wird. Obwohl die Sozialdemokratie weitergehende Anträge gestellt hatte, erklärte sie sich mit dem Kompromiß einverstanden, da es eine wesentliche Berbesserung der jetzigen Praxis bedeutet. Bon der Reichsregierung wurde besonders gegen die Erhöhung der Zuwendung an die Bezirksfürsorgeverbände von 80 auf 90 Broz. der Kurzarbeiterunterstützung Bedenten erhoben. Die Mehrheit des Buwendung an die Bezirksfürsorgeverbände von 80 auf 90 Broz. Ausschusses stimmte jedoch gegen die Deutsche Boltspartei und einen Teil der Deutschnationalen dem Abfaz a zu. Absatz b wurde vom Ausschuß einstimmig angenommen. Wegen der finanziellen Birkung bedarf dieser Beschluß der Zustimmung des Haushaltsausschusses, die am Montag eingeholt werden soll. Ratifizierung des belgisch- amerikanischen Schuldenablommens. Die belgische Rammer hat mit 76 gegen 6 Stimmen bei 18 Stimm enthaltungen das belgisch- ameritanische Schuldenablommen rati Der Kampf um die Gestaltung der neuen Hauszins. fteuer, der gegenwärtig im Preußischen Landtag ausgefochten wird, hat bis jetzt recht wenig erfreuliche Ergebnisse gebracht. Amfiziert. Sie hieß Liane und war achtzehn, als ich sie tennenlernte. Später widmete sie fich aus Sinnlichkeit dem Studium der Medizin." Solche Kerle müßten glatt an die Wand gestellt werben. Das einzige, was uns retten tann, ist ein gesunder frischfröhlicher Krieg. Und nich solcher Schwindel. Das ganze Locarno is Ich wäre fähig, für dich ein Schedbuch zu flauen. Namen flingen auf: Lehmann, Steinach, Radet. Der Mann, der für die vaterländischen Zwede fammelt, läßt die Hymne intonieren. Man erhebt sich. Deutsche Frauen, deutsche Treue über alles in der Welt. Der Nigger trommelt: I wont to be. Das Dorf der Heimat tritt in seinen Blid. Kriegstanz der funkelnden Leiber. Palmen in heißem Winde. Ajritari, aje Conne... Der Nigger reißt sich grölend den Stehkragen vom Hemd. Millionäre. Vor ein paar Tagen hatte mein Junge eine Aufgabe aus feinem Rechenbuch zu lösen, wonach er die täglichen Zinsen eines Rapitals von 1 Million Mart bei 4 Prozent Berzinsung pro Jahr berechnen sollte. " P 865 " . . " So haben fie schon Geld?" Die find alle reich. Manche Familien schätzt man auf 100 mil. fionen oder mehr Vermögen." zinjung 100x200 Mart jeden Tag an Zinsen einnehmen, also 20 000 Mart jeden Tag!" , 100 Millionen! Dann würden bie ja bei 8 Prozent Ver Ja, über 20 000 Mart." " Und die wollen immer noch mehr haben? Gibt man es ihnen benn? Es haben ja so viele Leute boch gar nichts und müssen sogar hungern! Karl R. in meiner Klasse hat schon mehrere Tage fein Frühstüd mitgebracht. " Du fragst, ob die Fürsten es bekommen werden, was sie fordern. Das weiß man noch nicht; es wird darüber wohl abgestimmt werden vom ganzen Bolte. Mutter und ich stimmen mit ab, und deine große Schwester darf auch mit abstimmen. Du weißt vielleicht: alle Leute über 20 Jahre." Oh, wie schade, daß ich noch nicht mit stimmen darf!" Damit wandte er sich wieder seinen Schulaufgaben zu. Walter Bendt. Der gestohlene Dorffowjet. Die offiziöfen Mostauer, fweftija" Er rechnete in aller Gewissenhaftigkeit: berichten über folgenden geradezu unglaublichen Borfall: Im Kreise Lugansk im Donezbassin zeichnete sich das Dorf Borowitowstoje durch 100 M. Kap. bringen in 365 Tagen 4- M. 8infen einen besonders gut eingerichteten und fleißig arbeitenden Dorf 1 000 000 40 000, sowjet aus. Die Bauern des Nachbardorfes Allegandrowfa, bie 1 000 000 1 Sage 40.000 109,58 überhaupt noch feinen Sowjet organisiert hatten, sahen voll Neib auf " Dha!" entfuhr es seinem Munde, als er die Lösung hatte, ihre Nachbarn. Schließlich reifte in ihnen der Plan, fich des gut Gedacht, Bater, kann das wohl stimmen, über hundert Mart jeden Tag, funktionierenden Sowjets mit Gewalt zu bemächtigen. und dabei braucht der Millionär nicht einmal zu arbeiten?" getan! Eines Nachts fuhren die Bauern von Alexandrowka mit zahlreichen Fuhren vor dem Hause des Dorffowjets Borowikowstoje vor, erbrachen die Türen, luden die Schreibtische, die Aften und das Ranzleigerät auf ihre Wagen und wedten schließlich auch den Bor. fizenden und den Sekretär, um sie, ungeachtet ihrer Proteste, ebenfalls zu verladen und mit dem gesamten Zubehör des Sowjets nach Alexandrowfa überzuführen. Diese unerhörte und jedenfalls origi. nelle Entführung wird in nächster Zeit die ukrainische Sowjetregierung beschäftigen. Die ganze Bauernbevölkerung der betreffenden Gegend erwartet mit größter Spannung den Ausgang der Affäre. Nur die so ungewöhnlich energischen Männer von Alegandromfa bewahren faltes Blut und find fest davon überzeugt, daß fie ben eroberten" Sowjet behalten werden. " Ja, mein Junge, das stimmt allerdings, und in Wirklichkeit ist es sogar noch mehr, denn heutzutage gibt es viel mehr Zinsen als 4 Prozent. Bielleicht haft du es selbst schon irgendwo gelejen? " Ja, Vater, in der Beitung stand eine Anzeige von einer Spartasse, die will 8 bis 10 Prozent 3insen geben. " Ganz recht, Junge, 4 Prozent gab es vor dem Kriege; dein Rechenbuch ist wohl veraltet. Wenn es also 8 Prozent gibt, Dann hat der Millionär ja jeden Tag über 200 Mart 3insen," fiel mein Sohn rasch ein; und sein Gelb wird nicht weniger, das bleibt immer 1 Million?" " Allerdings, von dem Kapital braucht er nichts zu nehmen; es bleibt ihm und bringt ihm jeden Tag, Sonntags und Werktags, 200 Mart 3insen." ,, Bater, bei dir dauert es doch lange, ehe du 200 Mart verdient haft, und dann mußt du dafür doch auch arbeiten." Ja, ohne Arbeit fann ein armer Schluder nicht existieren, und schwer und viele Leute würden für 200 Mart gern arbeiten arbeiten und zwar einen ganzen Monat larg, wenn fie nur Arbeit bekommen fönnten." -habe doch in diesen Tagen in der Seitung gelesen, daß der frühere Ich weiß, Bater, es gibt jetzt so viele Arbeitslose. Aber ich Raiser schon viel Geld hat und noch viele Millionen dazu haben will; ich glaube, 50 Millionen." Ja, der frühere Kaiser und die vielen anderen Fürsten, die wir in Deutschland hatten, wollen noch viele, viele Millionen. zu dem vielen Gelde, das sie schon befizen, hinzu haben." Hermann Wilfe, der bekannte Karikaturist, Mitarbeiter an der Unter" haltungsbeilage unseres Feuilletons, feiert beute feinen 50. GeburtstagHeinrich George von der Wolfsbübne( beater am Bülow blag) wurde vom Moskauer Kammertheater eingeladen, in deutscher Sprache mit ruffifchem Ensemble den Haarigen Affen", in der Inszenierung bon Tairoff zu spielen. Außerdem pielt Heinrich George in Moskau mit eigenem deutschen Ensemble Sinkemann von Ernst Toller.„ Wer Robert Bistar" unbozzet weint um Sudenad von Hans J. Rehfisch und von den deutschen Klassitern Boltsbühne, Theater am Schiffbouerdamm. Die Bollsbühne eröffnet am 1. März ihr neues Theater mit Claudels Tausch in der Uebersetzung von Jakob Hegener. Oskar Fried dirigiert das Berliner Sinfonte. Drefter am Sonntag, den 14. b. M., im Blüthnerfaal Die Selbstmorde im Heer. Beratungen des Reichshaushalts- Ausschusses. Zur Spezialdebatte des Heeresetats waren somohl van fozialdemokratischen wie den Lommunistischen Mitgliedern des Ausschusses zahlreiche Anträge auf Streichung oder Herabsegung ven Etatsansätzen eingebracht. Die Anträge wurden sämtlich dem Unterausschuß zur Vorberatung überwiesen. Bei den Abschnitten Bildungs- und Sanitätswesen fam Genoffe Dr. Moses aff die vorjährige ausführliche Debatte über die Selbstmorde im Heer zurüd. Wenn er auch zugeben wolle, daß die Verwaltung dieser so überaus wichtigen Frage ihre Auf merffamteit zuwende, so seien die Ziffern doch noch immer er fdredend. Durch Selbstmord endeten im Jahre 1921: 105, 1922: 106, 1923: 117, 1924: 132, 1925: 129 Heeresangehörige. Durch Unglücksfälle perunglückten tödlich 1921: 80, 1922: 50, 1923: 61, 1924: 65, 1925: 154 Mann. Das toloffale Anschwellen der tödlichen Unfälle in 1925 fei auf das Weser- Unglüd zurüdzuführen. Die Etatsdebatte im Reichstag. Ende der ersten Lesung. In allen drei Lesungen wurde in der geftrigen Sigung des Reichstags zunächst ohne Aussprache ein Gesezentwurf ange nommen, der die Reichsregierung ermächtigt, die schafft habe. Diefe Erwägung fann mich aber nicht zur Unterlaffung von Steuerjenfungen bestimmen, wenn ich sie mit dem Staatsinteresse für vereinbar und im Interesse der Wirtschaft und des Volkes für unbedingt notwendig halte. Auf Grund sorggefeßlichenfältigster Berechnungen fann ich erklären, daß fürsorgerechtlichen Beziehungen zum Saargebiet im Wege der Verordnung abweichend von den gesehlichen im Bege der Berordnung abweichend von den Borschriften zu regeln. Der Haushaltsplan für 1926 wird weiterberaten. Abg. Neubauer( Komm.) bestreitet, daß mit dem neuen Reichsfinanzminister ein neuer finanzpolitischer Kurs eingeleitet werde. Tatsächlich werde die deutsche Finanzpolitit nach wie vor von Dr. Luther gemacht, und Herr v. Schlieben sei sein junger 2 ann gewesen, wie es jetzt Dr. Reinhold sei. Luthers Finanz politik fei eine einseitige Begünstigung der Besigen ben auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Benu Dr. Luther im legten Winter erflärte, es fei fein Geld vorhanden für die Erwerbslosen und Kriegsopfer, so habe er bewußt die unwahr. heit gesagt, denn jezt habe ja Dr. Reinhold riesige Ueberschüffe mit in den neuen Etat hinübernehmen fönnen. Dr. Reinhold sei nur ein gefügiges Werkzeug für die Fortsetzung der arbeiter feindlichen Finanzpolitik Dr. Luthers. feindlichen Finanzpolitik Dr. Luthers. An Krankheiten starben 1921: 137, 1922: 164, 1923: 158, 1924: 116, 1925: 113 Mann. Während also die Zahl der Todesfälle infolge von Krankheit Während also die Zahl der Todesfälle infolge von Krankheit eine langjame aber stetige Abnahme zeige, wäre ein Zurüdgehen der Selbstmorde noch nicht oder nur in minimalem Maße zu verzeichnen. Dr. Moses schlug vor, den parlamentarischen Beirat zu ersuchen, das Problem zu bearbeiten und sorgfältig den Gründen für die Häufung der Selbstmorde nachzugehen. Im Unter richtswesen fet gegen früher ein erfreulicher Fortschritt zu per zeichnen, und es sei durchaus zu begrüßen, daß vor allem Bert barauf gelegt werde, den Leuten nach ihrer Entlassung das Fortführungen des deutschnationalen Abg. Sergt. Abg. Dietrich- Baden( Dem.) wendet sich gegen einzelne Aus. tommen im Leben zu erleichtern. Manche Lehrbücher laffen aller cichsfinanzminister habe Der verfloffene es verfäumt, rechtzeitig die dings noch die notwendige Objektivität vermiffen. Seine volle Steuern abzubauen, die sich als untragbar für die Wirt Billigung finde das Streben, durch den Unterricht die Mannschaft erwiesen. Falsch sei die Darstellung, daß bei der Annahme schaften auf die Gefahrender Geschlechtstrankheiten des Dawes- Planes die mit Ja stimmenden deutschnationalen Abgehinzuweisen. Ein Mangel sei es, daß zu wenige hauptamtliche ordneten diese Haltung gegen den Willen ihrer Frattion Lehrkräfte beschäftigt werden. eingenommen hätten. Tatsächlich, das jei jetzt auch durch GerichtsGenoffe Schöpflin pflichtete den Au.sführungen des Geurteil festgestellt, hätten sie auf Beschluß der Fraktion gehandelt, die nossen Dr. Moses über den Unterricht bei und tadelte nur, daß sich der Deutschen Bollspartei gegenüber verpflichtet halte, die zur von manchen Lehrern zu großer Wert auf militärische Haltung beim Zweidrittelmehrheit für das Reichsbahngefeh erforderlichen JaUnterricht gelegt werde. Dr. Schreiber( 3) glaubte durch ge Stimmen zu liefern. Hätten die Deutschnationalen das nicht getan, steigerte Seelsorge eine Stärkung der Willensbildung und dadurch so würden sie den ganzen Dawes- Baft zum Scheitern gebracht haben. eine Einschränkung der Selbstmorde erzielen zu fönnen. Der Redner begrüßt das Finanzprogramm des neuen Ministers und betont, es sei nur durchführbar, wenn es von einer Genosse Künstler tadelte, daß durch den Erlaß vom 19. Juli 1925 die milfenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten der Heeres fachschullehrer unter Kontrolle des Militärs gestellt werden. Dadurch werde die Arbeit der Fachschullehrer sehr erschwert und eine wiffenschaftliche Tätigkeit ihnen unmöglich gemacht. Offiziere, die gute Soldaten find, brauchen noch lange nicht gute Bädagogen zu sein. Der Bertreter der Heeresverwaltung gab an, daß zurzeit 449 hauptamtliche Lehrer und die mehrfache Anzahl nebenamtlicher Lehrer beschäftigt werde. Aus Mangel an Mitteln fönne die Zahl nicht erheblich vermehrt werden. Der Verwaltung läge nichts ferner als die wissenschaftliche Betätigung der Lehrer zu beeinflussen. Aber eine gewisse Kontrolle über ihte Beröffentlichungen müffe geübt werden. Die Heeresverwaltung befize Kuranstalten in Königstein, Reichenhall, Bad Elster und das Lazarett Kolberg. Größenwahnsinnige Militärs. Enthüllungen des Generals Schönaich. Der bekannte General Schonaich läßt unter dem Titel Mein Damastus" im Berlag der Neuen Gesellschaft" Lebenserinnerungen erscheinen. Durch die Erlebnisse des Zusammen. bruchs hat Schönaich sich von der Notwendigkeit einer vollständigen Umstellung. Deutschlands überzeugen lassen. Einzelheiten feiner Darstellung sind außerordentlich wertvoll Geradezu flassisch sind die Angaben, die er über bent naiven Optimismus macht, mit dem die leitenden Militärs bis zum Ende des Krieges lähe schmiedeten, U. a. schreibt er: So war geplant, für den. Chef des Generalstabes eine dem Zoologischen Garten gegenüberliegende Villa in der heutigen Budapester Straße zu erwerben. Der Plan war schon. so weit gediehen, daß General Ludendorff fich die Billa in Begleitung feiner Frau angesehen hat und Anordnungen für den Umbau traf. Das zeigt, daß Ludendorff damals fest darauf rechnete, in fürzester Zeit Chef des Friedensgeneralstabs zu werden. was doch nur nach einem Siegfrieden möglich war. Im Kriegs, minifterium wurde nicht nur die Demobilmachung vorbereitet, sondern gleich die neue Mobilmachung, und zwar doppelt. 1. Für den Fall eines baldigen neuen Arieges, folange die Jahrgänge infolge der Kriegsverlufte noch schwach waren und 2. für den Fall des Krieges bei pollen Jahrgängen. Die neue Heereseinteilung nach dem fiegreichen Kriege war fertig. Sieben neue Armeekorps befamen wir, mit den Standorten des Generalfommandos in Luxemburg, Riga, Mitau, Bialyst of usw. Die Staatsverträge mit Polen, Litauen, Lettland und Finnland wurden von einem besonders dazu bestimmten Referenten bearbeitet. Bolen fam in den deutschen Zollverein, und bei Verhandlungen über Zölle sollte der deutsche Reichstag um 70 polnische Abgeordnete verstärkt werden. Die Pläne für das Arlegs- Sieges- Museum waren fertig. Darüber, ob die Infanterie in den ersten oder zweiten Stod des Gebäudes fommen, ob die Beterinäre 100 oder 200 Quadratmeter Blag befommen sollten, fanden lebhafte Boten wechsel statt. Für einen verlorenen Krieg war dagegen fein Federstrich vorbereitet." Heute versteht mancher besser als 1918, warum der Weltkrieg mit einer jo plöglich hereinbrechenden Katastrophe enden mußte. Bei solcher Führung fonnte fein Bolt, und wenn es noch zehnmal ausdauernder gewesen wäre als das deutsche, den Krieg gewinnen. Nur ein gänzlich unpolitisches Volt fonnte solche Führung haben und nach solch furchtbarer Katastrophe solchen Führern wieder nachlaufen. Für Deutschfüdtirol. Rundgebung des Defterreichisch- Deutschen Volksbundes. Der Desterreichisch- Deutsche Volksbund veranstaltete gestern abend im ehemaligen Herrenhaus eine Kundgebung für Deutschfüdtirol und gegen die Versuche, die deutsche Kultur in Südtirol Das Hauptreferat hielt Dr. Bembaur, Stadtrat von Innsbrud und Mitglied des Tiroler Landtags: Außer ihm sprachen die Reichstagsabgeordneten Riara Mende ( DBp.), Stampfer( Soz.). Hofmann( Str.) und v. Richt. hofen( Dem.). ten zu unterdrüden. Der Vorsitzende des Bundes, Hermann Kienzl, erflärte: Der Desterreichisch- Deutsche Boltsbund und die hinter ihm stehenden Boltstreise denken nicht daran, gewalttätige Instinkte zur Be feitigung der in den Friedensverträgen festgelegten Staatsgrenzen zu erregen. Der Protest des Desterreichischen Volksbundes richtet fich an die gesamte gefsittete Welt gegen den Versuch der Ausrottung des Deutschtums, der geistigen Absperrung und Aushungerung der Deutschen in Südtirol. Sämtliche Reden wurden von den Teilnehmern der eindrucks. vollen Kundgebung mit stürmischem Beifall aufgenommer Britischer Profeft gegen Merito. Der britische Gesandte in Merito hat eine formelle Brotestnote gegen die ausländerfeindlichen merikanischen Land- und Betroleumgefeße überreicht. Der Protest entspricht im wesentlichen dem Proteft der Bereinigten Staaten von Amerita. brutalen Sparfamkeit im Reiche begleitet ist. Beim Arbeits, Berkehrs- und Finanzmini. fterium fönne am Berwaltungsapparat wesentlich gespart werden. Hier muß ein systematischer Abbau einsehen. Bei der Abwicklung der Verpflichtungen des Reiches aus dem Aufwertungsgesetz darf nicht bureaukratisch verfahren werden. Zu einer großen Kampagne gegen die Dawes- Gefeße ist die jetzige Zeit nicht geeignet. Es stellt sich vielleicht einmal heraus, daß die anderen unfere Repa. rationszahlungen nicht annehmen, weil sie uns ihren Markt nicht öffnen wollen. Die Ermäßigung der Umfahsteuer ist ein Fort schritt, aber wir müssen die völlige Beseitigung dieser rohen und unjozialen Steuer verlangen. In Uebereinstimmung mit dem Programm des neuen Reichsfinanzministers muß verlangt werden, daß die Finanzpolitik der steuerlichen Leistungsfähigteit der Wirtschaft angepakt wird. Abg. Drewih( Wirtsch. Vg.) begrüßt die angekündigte Steuerfenfung und die Erklärung des Ministers, daß mit der überhafteten Steuergefeßesmacherei Schluß gemacht werden soll. Am besten wäre Die vollständige Beseitigung ber umfassteuer. Wenn das heute noch nicht möglich ist, müßte wenigstens die erhöhte Umsatzsteuer, die sogenannte Lurus steuer, in vollem Umfange beseitigt werden. Der neue Minister würde sich viele Sympathien erwerben, wenn er dafür sorgte, daß in den Finanzämtern das Bublifum höflicher und entgegenkommender behandelt wird. Der Redner fordert, die Beseitigung der Hauszinssteuer. Die Durchführung des Steuerabbaues fai mur möglich, wenn der Reichstag den Beschluß von Mehrausgaben unterlasse. Die Wirtschaftliche Vereinigung werde den Minister in seinem Kampf gegen solche Mehrausgaben unterstüßen. Von den Wirtschaftsführern werbe jegt die Sentralisierung der Wirtschaft nach amerikanischem Muster gepredigt. Deutschland tönne aber nur gefund werden und gefund bleiben, wenn möglichst viele Staatsbürger als unabhängige selbständige Mittelstands. eristenzen leben fönnen. Die staatliche Wirtschaftspolitit müsse auf die Erhaltung eines gefunden Mittelstandes bedacht sein. Würde die Bermögenssteuer erst mit einem höheren Sah be ginnen, dann würden sich die Spareinlagen wesentlich vermehren, der Wirtschaft und dem Reich zum Nuzen. Notwendig sei eine radi fale Vereinfachung des Steuersystems. Reichsfinanzminiffer Dr. Reinhold: Alle Parteien, die bisher zum Wort gekommen find, haben sich im großen und ganzen mit der Tendenz meines Programms ein. verstanden erklärt. Selbstverständlich sind Steuerherabsehungen immer mit einem Einnahmeausfall des Staates verbunden. Man hat mir fast einen Vorwurf daraus gemacht, daß ich mir infolge der Ankündigung der Steuersentungen nicht das für einen Finanzminister normale Maß der Unpopularität ver Kammerfieg Briands. Erschütterung des Linkskartells. swaz| Batis, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der Rammer ist es heute bei der Abstimmung über die Maßnahmen zur Ber schärfung der Kontrolle der Einkommensteuer zu einer in ihren Folgen sehr weitfragenden Spaltung zwischen den Sozialisten und den beiden bürgerlichen Gruppen des Kartells gekommen. Die sezialistische Fraktion hatte die Wiederaufnahme des Artitels 79 der Ausschußvorlage in der ursprünglichen Fassung( obligatorische Umwandlung der Inhaber in Namenspapiere) beantragt. Dieser Antrag, gegen den zusammen mit den Mittel- und Rechtsparteien die Rabitalfozialen und die Re. publitanischen Sozialisten stimmten, ist mit 301 gegen 149 Stimmen abgelehnt worden. Mit annähernd der gleichen Mehrheit wurde das von der Regierung vorgeschlagene und von der Ausschußmehrheit gutgeheißene Kompromiß angenommen. Er. mutigt durch das Gelingen dieser erften gegen das Rartell gerichteten Sprengungsattion, hat die Regierung dann die 3urüd stellung der vom Ausschuß beantragten Reform des Erb rechts zugunsten des Staates verlangt und Briand stellte dazu die Bertrauensfrage. Darauf sind die beiden bürgerlichen Gruppen des Kartells auch hier umgefallen. Gegen den Wider spruch der Sozialisten wurde diese Zurückstellung zugestanden. Frankreich und Locarno. Vorbehalte und Bedenken im Auswärtigen Ausschuß. die Steuerfenfungen nicht zu einem Defizit führen oder Unleihen notwendig machen fönnen. Es bleibt auch ein ausreichender Betriebsmittelfonds bestehen. Durch den Berwaltungsabbau in Reich, Ländern und Gemeinden rechne ich auf ganz gewaltige Ersparnisfe. Notwendig ist freilich eine Zurückhaltung in den Ausgaben. So sehr wir die Pflicht haben, die Not der Erwerbslosen zu er leichtern, so müssen wir uns doch daran gewöhnen, nicht an den Symptomen herumzuturieren, sondern bas lebel an der Wurzel zu paden, nämlich durch eine gesunde Wirtschaftspolitit, durch gute Handelsverträge und ein gut aufgebautes Steuersystem die Ursachen der Arbeitslosig äußerte, daß das Vertrauen des Auslandes zur deutschen feit zu beseitigen.( Beifall.) Wenn Abg. Her gt die Befürchtung Finanzpolitit schwinden könnte, so ist darauf zu antworten: Gerabe durch die als Folge übermäßiger Steuerbelastung eingetretene Not der Wirtschaft ist das Vertrauen des Auslandes gefunken. Wenn wir durch eine schnelle, mutige Tat die Wirtschaft entlasten und ihr neue Bewegungsfreiheit geben, dann wird auch das Ausland wieder größeres Bertrauen in die deutsche Wirtschaft setzen.( Beifall.) Wir dürfen nicht in übertriebenem Peffimismus die schlechte Zeit, die wir jeht durchmachen, als normale ansehen, sondern müssen davon ausgehen, daß eine gesunde Wirt chaftspolitit gesunde Staatsfinanzen mit sich bringt und daß wir darum die Steuerlast gerecht und wirtschaftlich tragbar machen müssen.( Beifall.) Selbstverständlich ist die Vorausfetung für den Steuerabbau, daß wir nicht die Ausgaben in großem Umfang erhöhen. Das werden wir auch nicht nötig haben, wenn wir durch eine gefunde Wirtschaftspolitif das Uebel an der Wurzel packen.( Beifall.) Abg. Dr. Horlacher( Bayer. Bp.) bezeichnet die angekündigten Steuererleichterungen als unbedingt notwendig für die deutsche Wirtschaft. Beunruhigend sei die gewaltige Steigerung der Repa rationslaften. Leider habe der Minister sich nicht ausführlich genug darüber geäußert, toie er sich die finanzielle Selbstverantwortung der Länder und Gemeinden denkt. Das jetzt geltende unglückliche Dotationssystem müsse verschwinden. Notwendig sei eine flare, systematische Abgrenzung der Aufgaben von Reich und Ländern. Darüber müßte eine Verständigung gesucht werden durch eine Konferenz, auf der Reich und Länder gleichberechtigt vertreten find. Die Senkung der Umsatzsteuer fei nicht zu groß. Es sei zu befürchten, daß fie feine preis fenfende Wirkung haben wird. Die Bayerische Boltspartei werde sich sehr überlegen, ob sie der Senfung der Fusions und Börsen- lmfaß steuer zustimmen fönne. Bei den Voraus zahlungen zur Einkommensteuer seien Erleichterungen bringend notwendig. Abg. v. Graefe( Bölf.) betont, die Rede des neuen Finanz minister habe etwas Bestechendes gehabt und Ideen enthalten. Diefe Rede sei eine vernichtende Kritik der Finanzpolitit seiner Amtsvorgänger von Erzberger über Hilferding und andere bis zu D. Schlieben, eine vernichtende Kritit aber auch des früheren Finanz ministers Dr. Luther.( Heiterfeit.) Das Programm des neuen Finanzministers dece sich in den meisten Punkten mit den Forde rungen, die die Völtischen schon seit Jahren gestellt hätten. Als der Redner die unerfüllbarkeit der deutschen Berpflichtungen auf die Erzbergersche Steuerpolitif zurüidführt, ruft ein Sozialdemokrat ihni zu: Darum habt Ihr ihn wohl erschossen!( Große Bewegung bei den Bölkischen.) Damit schließt die Aussprache. Die Etats werden dem Haushaltsausschuß überwiesen. Ein demokratischer Antrag über die Unterbringung ermerbsloser Angestellter geht an den Sozialpolitischen Ausschuß. Um 47 Uhr vertagt fich das Haus auf Sonnabend mittag 12 Uhr: Deutsch litaui. scher Handelsvertrag. Das deutsch- französiche Handelsabkommen. Nach Schluß der Bollsigung des Reichstags frat der Aus. wärtige Ausschuß des Reichstags zusammen, um das mit Frankreich in Aussicht genommene provisorische Handelsabtommen zu beraten. Zunächst erstattete Gesandter Dr. Ritter über die Regierungsvorlage Bericht. In der hierauf folgenden Diskussion sprachen die Abgg. Graf Lerchenfeld( Bayer. Bp.), Dr. Quaaz( Dnat.), Dr. Dernburg( Dem.) und Dr. Kaas( 3.). Beschlüsse wurden nicht gefaßt. wisse Einschränkungen und Vorbehalte. Er habe ermogen, ob die Vorteile, die die Verträge mit Frankreich mit fich brächten, ausreichend seien und scheine in seiner Mehrheit zur Auffaffung zu neigen, daß das juristische System, das die Berträge an die Stelle der Bündnisse feßten, Frankreich die notwendigen Garantien nur dann lieferten, wenn dieses System im Geiste des guten Willens angewandt würde. Frankreich sei infolgedessen nicht der Notwendigkeit und Verpflichtung enthoben, über feine Sicher. heit zu machen. Die Fortsetzung der Disfuffion wurde auf Dienstag vormittag verschoben. Der Ausschuß hot beschlossen, in einer seiner nächsten Gizungen den Ministerpräsidenten zu hören. Frankfälscher in Deutschland? Regierungsdirektor Dr. Weiß fährt nach Paris. Nachdem sich in den letzten Tagen die Nachrichten, vor allem aus Paris, verdichtet haben, wonach man bei der Untersuchung der Frantfälschungsaffäre auf Spuren reichsdeutscher Beteiligter gestoßen fei, hat sich am Freitag abend der Chef der Ber liner Kriminalpolizei, Regierungsrat Dr. Weiß, nach Paris begeben, um an Ort und Stelle Material für ein etwaiges Eingreifen der deutschen Behörden zu erlangen. Die Nachricht, daß der preußische Ministerialdirektor Abegg aus demselben Anlaß nach Paris gereift ist, trifft nicht zu. Uebrigens spricht man davon, daß auch französische Kriminalfommissare in Berlin eintreffen follen. int Mussolinis Emigrantenkontrolle. Ein Kontrolleur als Dieb mit falschem Paß verhaftet. Die franzöfifche Polizei hat dieser Tage auf dem Bahnhof einen italienischen Staatsangehörigen namens in Nizza Porzio war Borzio megen Diebstahls verhaftet. Besize eines vom italienischen Konfulat in Nizza ausgestellten Basses. Es wurden bei ihm Dokumente gefunden, die einen pollständigen Plan zur Heberwachung italienischer Antifashisten im Auslande enthielten. Der vom Stonſulat in Nizza ausgestellte Baß lautete, wie festgestellt wurde, auf einen Paris. 12. februar.( Eigener Drahtbericht.) Im Hinblick auf die bereistehende Besprechung der Verträge von Locarno in der franzöfifchen Stammer, die nach der Absicht der Regierung im An fchluß an die Berabschiedung des ersten Teiles der Finanzvorlage erfolgen foll, hat der Auswärtige Ausschuß der Kammer am Freitag vormittag die Beratung des Berichts des Abgeordneten Paul Boncour über die Verträge begonnen. Der Temps" glaubt, bas Ergebnis der Aussprache, in beren Berlauf zahlreiche Rebner das Wort ergriffen haben, folgendermaßen zusammenfassen zu können: Der Ausschuß sei einmütig der Auffassung, daß die Ber. träge angenommen werden müßten, aber nicht ohne ge- falschen Namen. Gewerkschaftsbewegung Wie steht's mit dem gefehlichen Arbeiterschuh? Er ist jetzt notwendiger denn je! Aus allen Tarifvertragskündigungen der letzten Zeit und den dabei bekannt gewordenen neuen Tarifvertragsentwürfen der Unternehmer geht ganz flar hervor, daß es im Laufe dieses Jahres bei der Regelung der fünftigen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu scharfen Auseinandersetzungen kommen muß. Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung Idas ist das A und D der Unternehmerweisheit. Obwohl die Preis abbauatiton bis zur Stunde noch immer nicht über den toten Punkt hinausgefommen ist, wird der Lohnabbau im Unternehmerlager bereits als selbstverständlich betrachtet. Die Lohnabbaupropagandisten find es auch, die in gewiffen Abständen immer wieder die Gerüchte über einen Abbau der Beamtengehälter" bis zu 20 Proz. ausstreuen. Diesen Gehälterabbau hat der Reichsfinanzminister mit allem Nachdruck abgelehnt. Das wird die Scharfmacher im Unternehmerlager faum abhalten, nun erst recht mit aller Energie den Lohnabbau, die Arbeitszeitverlängerung, die Einschränkung der Rechte der Betriebsräte, furz, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf der ganzen Linie zu betreiben. Alles, was unter dem Druck der Arbeitslosigkeit an Verschlechterungen in der Praxis an vielen Stellen bereits verwirklicht ist, soll in den kommenden Tarifverträgen bindend festgelegt werden. Unter diesen Umständen gewinnt die neue Arbeiter fchußgefeßgebung, wie sie vom Reichsarbeitsministerium vorbereitet worden ist, besondere Bedeutung. Bei der drohenden Gefahr der allgemeinen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch die neuen Tarifverträge fann es nichts Wichtigeres geben, als rasche Berabschiedung der neuen Arbeiterschuhgefehe, vor allem des neuen Arbeitszeitgefepes; denn das neue Arbeitszeitgeset bringt, wie wir hören, gerade im Gegensatz zu dem bisherigen Bustand schärfere Bindungen in der Arbeitszeitfrage zugunsten des Arbeiters. Der neue Arbeitszeitgefehentwurf des Reichsarbeitsministeriums ist fertig; wenn es jedoch nach der üblichen Methode geht, dann wird das Gesez frühestens mit dem Beginn des Jahres 1927 in Kraft treten. Muß das sein? Das Gesetz wird im Laufe des Februar und März mit den Ressorts der Reichsregierung und mit den Ländern durchberaten werden. Warum danach noch fast ein ganzes Jahr bis zur Berabschiedung des Gesezes verstreichen soll, ist einfach nicht zu verstehen. Bei der Bedeutung der Vorlage für die deutsche Arbeiterschaft wäre ein schnelleres Tempo in den Arbeiten der gefeggebenden Körperschaften fehr angebracht. Jedenfalls follte die organisierte Arbeiterschaft mit allem Nachdruck dafür eintreten, daß so schnell wie möglich in der Arbeiterschußfrage eine feste gefeßliche Grundlage und damit ein Damm gegenüber den Unternehmerscharfmachern aufgerichtet wird, die, unterstützt durch den Druck der Arbeitslosig feit, alle erdenklichen Verschlechterungen bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen erpressen wollen. Einigung im Karosseriegewerbe. Nachdem die Karosseriearbeiter den Vergleichsvorschlag des Schlichters von Groß- Berlin am 30. Januar abgelehnt und die Fortführung des Kampfes beschlossen hatten, machten die Unter nehmer den Organisationen am Dienstag ein neues Angebot. Sie erklärten sich bereit, den im Vergleichsvorschlag vor gesehenen Tariflohn vom 98 Pf. auf 1 M. und die Akkordbasis von 93 auf 95 Pf. zu erhöhen. Die übrigen Bestimmungen des Ver gleichsvorschlags, wie die Zurücknahme der Kündigung des Mantel " vertrags und dergleichen, sollten bestehen bleiben. Die Tariforgani| Besserung der Lage auf dem Hörder Wert der Phönig A.-G. noch fationen hatten zu gestern nachmittag eine Vollversammlung verfrüht sein. der ausgesperrten Karosseriearbeiter nach dem Ge wertschaftshaus einberufen, die zu dem neuen Angebot der Unternehmer Stellung nahm Nach einer lebhaften Diskussion wurde das Angebot gegen eine starke Minderheit angenommen. Die Betriebsräte werden nunmehr heute und am Montag mit den Betriebsleitungen über die Wiederaufnahme der Arbeit verhandeln. Damit ist der über acht Wochen dauernde Kampf der Karosseriearbeiter gegen einen Lohnabbau, der zunächst 20 Proz., dann 10 Broz. betragen sollte, insoweit abgewehrt, als nur noch eine Lohntürzung von etwa 5 Proz. bleibt. Amerika und Deutschland. ,, Die Betriebsräte der Lithographen und Steindruder zum amerikanischen Wirtschaftswunder und der Krise in Europa." zu diesem Thema nahmen am Donnerstag abend die Betriebsräte obiger Organisation ausführlich Stellung. Gn. Landa als Referent zeigte in seinem zweieinviertelstündigen Vortrag die Entwicklung des heutigen Amerifa zum Industriestaat mit allen modernen Errungenschaften der Technik. Ausführlich behandelte der Redner auch die Lohn- und Ar beitsbedingungen und die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters, ohne dabei zu vergessen, die Licht- und Schattenfeiten genau abzuwägen. Während der amerikanische Unternehmer ausfömmliche, zum Teil fogar hohe Löhne zahlt, sehen wir bei uns gerade das Gegenteil. Der deutsche Unternehmer mit seinen par alteten Betriebsmethoden glaubt am besten aus der Krise heraus zukommen durch Lohndrud, statt die Kauftraft der großen Masse zu heben und dadurch den Innenkonsum zu steigern. Europa müsse sich amerikanisieren. Das geht, abgesehen von vielen anderen Umständen, schon deshalb nicht, weil der Reichtum des Landes fehlt. Ein großer Fortschritt wäre es schon, wenn sich die Staaten vereinigen würden. Solange dies nicht der Fall ist, muß Deutschlend alles versuchen, zu einer Rationalisierung, Typisierung und Uniformierung überzugehen und auf der anderen Seite durch Abschluß günstiger Handelsverträge den Auslandsabsatz zu steigern. großem Beifall aufgenommen. Bedauerlich war nur, daß in der Der inftruftive und äußerst lehrreiche Vortrag wurde mit Disfuffion von zwei Rednern der Eindruck dieses tiefschürfenden Referats wieder verwischt wurde. " Während Gen. Münkle die Zusammenhänge des heutigen Wirtschaftssystems flar erfaßte und mit Recht darauf hinwies, daß man beim Lesen des Wirtschaftsteils des Vorwärts" schließlich auch etwas denken muß, was von vielen anderen Zeitungen nicht gesagt werden fann, legten die beiden anderen Diskussionsredner ihr Schwergewicht darauf, die Gewerkschaften für die Fehler in der Wirtschaft verantwortlich zu machen. Der Kommunist utrow sieht für Deutschland nur das Heil in Rußland als dem Staat, der in nächster Zeit ein Aufnahmeland von ungebeuren Ausmaßen sein wird! Auch die Einheitsfront" wurde ins Feld geführt. In seinem ausführlichen Schlußwort gab ihm Gen. Landa die gebührende Antwort. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch aufmerksam auf die am 25. Februar stattfindende Generalversammlung und die bevorstehenden Betriebsrätewahlen. Noch keine Befferung im Ruhrgebiet. Bochum, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Infolge Absatzmangel mußten im alten Walzwerf der ,, Gute HoffnungHütte" in Oberhausen wieder Feierschichten eingelegt werden. Ferner sind für die nächste Woche größere Betriebseinschränkungen vorgesehen. Man rechnet mit Arbeiterbeurlaubungen, Das Feinwalzwert des hörder Vereins wird am Montag wieder in vollem Umfang in Betrieb genommen. Wenn auch die Arbeit bei den Grob- und Mittelstraßen wieder aufge. nommen wurde, so dürfte die Hoffnung auf eine fortschreitende Die Bestrebungen, die Zeche Alte Haase" im südlichen Ruhrrandgebiet wieder in Betrieb zu nehmen, scheinen jetzt endlich zu einem Erfolg geführt zu haben. Allerdings verhält sich der Lothringen- Konzern ablehnend. Dagegen soll das Gemeinschaftswert in Hattingen bzw. das Verbands Elektrizitätswert Westfalen für die Wiederaufnahme des Betriebes mit Hilfe von Staatskrediten in Frage kommen. Rheinhausen, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die FriedrichAlfred- Hütte gab am Freitag bekannt, daß wegen Mangels an Aufträgen vom Sonnabend früh bis Montag früh alle Betriebe stillgelegt werden müssen. Das Drahtwalzwerk wird sogar von Donnerstag abend bis Montag abend stillgelegt. Die Knappschaftskaffe. Bodhum, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der Generala. der Rechnungsversammlung der Ruhrknappschaft wurde u. abschluß 1924 verhandelt. Einnahmen und Ausgaben schließen mit 42 693 000 bzw. 41 427 214 M. ab. Das Vermögen der Krankenkasse beträgt 18 773 130 m. Es ergibt sich also ein Ueberschuß in Höhe rund 1 266 000 M. Dazu kommen ausstehende Zinsforderungen und rückständige Beiträge von rund 5 390 000 M. sowie die Beitragsforderung für Dezember in Höhe von 4 Millionen Mark. Es er= gibt sich daher unter Berücksichtigung der notwendigen Abschreibungen Don 272 000 m. ein Ueberschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben von rund 10 378 000 m. Der Wirtschaftsplan für 1926 fieht an Einnahmen für die Krankenkasse allein 50 400 000 und an Ausgaben 50 Millionen vor. Die Zahl der Mitglieder ist von 491 276 am 1. Januar 1924 auf 382 313 vom 1. Januar 1926 zurückgegangen. Die Konferenz der Arbeitsminister. Genf, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitsministerfonferenz in London soll am 15. März zufammentreten und 2 bis 3 Tage dauern. Trotzdem man noch tief in den Vorarbeiten stedt, rechnet man im Wölferbundssekretariat ernstlich damit, den Sachverständigenausichuß für die Vorbereitung der Internationalen Wirtschaftskonferenz gegen Ende April nach Genf einberufen zu fönnen. Die Beilegung der amerikanischen Bergarbeiterstreiks. stätigte, daß der Streit im Anthrazitbergbau beigelegt ist. Die BeiWashington, 12. Februar.( WTB.) Der Arbeitssekretär belegung des Streifs ist auf einer Grundlage erfolgt, daß die Löhne des gegenwärtigen Tarifs fünf Jahre lang beibehalten werden mit der Maßgabe, daß neue Verhandlungen eröffnet werden sollen, wenn eine von beiden Parteien es wünscht. Achtung, AEG.- Konzern! Am Montag, 15. Februar, 7 Uhr, findet im Lokal Schula. Elisabethstr. 30, eine wichtige Ronferenz aller SBD.Funktionäre des AEG.- Konzerns statt. Restlose Beteiliauna erwartet Der Fraktionsvorstand. SPD.- Holzarbeiter, Bez. Südwesten( Schöneberg. Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade). Am Sonntag vormittag 10 Uhr im Lokal Schuld, Berlin SW. Mariendorfer Str. 5, wichtige Versammlung aller SPD.- Genossen. SPD.- Holzarbeiter, Bez. Often III! Am Sonntag vormittag, 9% Uhr im Lobal von Schwarzer, Gabriel- Mar- Str. 17, wichtige Zusammenkunft aller Parteigenossen. Regen Besuch erwartet Der Werbeausick. Verantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Zb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderel und Berlaasanfalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage und Unterhaltung und Biffon 2te WEISSE WOCHE Heute Schlusstag Wir bringen weisse Waren sowie zum andere vorteilhafte Angebote zu enorm billigen Preisen verkauf Louisianatuch Louisy such 65 Zephir 85 Kopfkissen- 115 Deckbett- 645 ca. 130 cm breit, Meter 45 Stuben80 cm breit, Meter Handtücher reinlein. Gerstenkorngew., vollw. gebl., ca. 48/110, ges. u. geb..... St. Jumper aus gutem Vollvoile, mit EinBätzen reich garniert... Damen80 cm Meter 140 Trägerhemden 165 15 50 aus gutem Hemdentuch, mit Sticke rei und Hohlsaumträgern reich garniert...... Kasak 575 gut. baumw. Crêpe, lange Aermel Kragen, moderne bunte Dessins a. 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Besonders aus dem letzten Grunde legten die Anhänger der christlichen Religionen mehrfach unterirdische Grabgewölbe, sogenannte Katakomben, an. und mancher Reisende durchschreitet heute mit leisem Gruseln diese Totenstätten, die in einigen Gegenden geradezu als Sehenswürdigkeit gegen ein Ein- trittsgeld Fremden zugänglich gemacht werden. Bekannt find so die Katakomben in Paris; aber auch in Italien findet man häufig ähnliche Grabstätten, zumal in alten Klöstern. Auch in Deutsch- land gibt es an einigen Orten solche unterirdischen Gräber. Di« bekanntesten sind wohl die sogenannten Blei- oder Silbertommeru in Bremen, in denen die Toten, ohne besonders präpariert zu sein, durch die trockene Luft, die darin herrscht, vollständig mumifiziert wurden. Die meisten Grabstätten dieser Art mögen freilich längst verfallen und vergesien sein, und nur dem Zufall ist e» häufig zu verdanken, wenn die Osffentlichleit wieder davon erfährt. So gibt es sogar in der nächsten Umgebung Berlins solch« unterirdischen Gräber, von denen kaum jemand weiß, obgleich L ü b b« n. al« Ein- gangstor zum Spreewald, von zahlreichen Fremden aufgesucht wird. Aber selbst die wenigsten Lübbener kennen ja diese Ruhestatten chrer Toten. Saag Surch Lübbe». Der Reisende, der das Svreewaldstädtchen betritt, glaubt sich um' Jahrzehnte, um Jahrhunderte viclleichl zurückversent. Kein Industriebetrieb hat sich hier entwickelt, der da» Stadtbild hätte um- gestalten können. Die freundlichen, bescheidenen chäuschen erwecken oft einen fast mittelalterlichen Eindruck, und auf dem romantischen Marktplatz erhebt sich die Nikolaikirch« noch unverändert wie vor zweihundert Jahren, als der Liederdichter Paul Gerhardt an ihr als Pieditzer amtierte. Auch die Menschen der kleinen Stadt scheinen dun«4»- und lärmgevuthnten Großstädter ost altmodisch umständlich. Aber wer sich's nicht verdrießen läßt, bei seiner Wanderung durch die Stadt ein wenig hin- und hergeschickt zu werden, bekommt manches Interesiante zu sehen und zu hören. Da gibt es auf. den Kirchbösen alte Grabsteine mit seltsamen Inschriften, in denen längst vergangene Generationen ihrer Toten gedenken, und wenn der Küster, der dem Fremden als Führer dient, sieht, daß er Sinn und Liebe für diese Vergangenheit bat, so erzählt er auch wohl mehr von den eigenartigen Bcgräbnissitten ferner Zeiten. Die besonders Vornehmen wurden damals in Lübben nicht in der Erde beigesetzt, sondern in unterirdischen Slrcheagcwölben. Unter der Mkolaikirche soll sich eins betinden, dos noch vor Iahren von der Sakristei der benochbanen Wendenkirche aus zugänglich gewesen sein soll. Aber als die Keller baufällig wurden, mauerte man den Eingang zu. Doch auch die hospltalkirche soll solche Totenkammeru haben Di« chospitalkirche ist das erste Gotteshaus, dem der Besucher Lübbeas begegnet, wenn er vom Bahnhof kommt. Sobald man den kleinen nach faulendem holz schlägt dem Besucher entgegen, obwohl gleich unten an der Treppe der erste Sarg steht, zusammengefallen, die Streu, die ehemals dos Lager des Toten bildete, aus der Erde ver- streut. Der Sorgdeckel schirmt ihn noch. Hebt man ihn auf, so sieht mau die Leiche, zur Mumie zusammengetrocknet, vollständig erhalten. Dann betritt man die erste Totenkammer. In doppelter Reihe stehen hier etwa dreißig Särge, darunter auch Kindersärge. Alle sind aus schweren eichenen Bohlen hergestellt, die reiche Schnitze» reien ausweisen. Ueberoll blinken Metallbeschläge, und größere Platten tragen ost die Namen der Talen. Der ganze Prunk der Särge läßt daraus schließen, daß nur begüterte Leute sich einst den Luxus dieser Grabstätte leisteten. Fast an ollen Särgen sind die Deckelschrauben ossen; doch zeigt sich nirgends an den Toten eine Spur von Verfall. In einem offenen Kindersarg liegt eine kleine Mumie, zusammengekrümmt. Arme und Beine eingeknickt, den Kops fest in die Unterlage gedrückt. Unter einem losen Deckel sieht man in einem anderen«arg die Leiche einer Arao in einem blauseidenen Kleid; Jatbe und Stöfs sind noch voll'länöig erhallen. Die unver» schlossenen Särge erwecken zuerst den Anschein, als habe das G� wölb« früher einmal nur als Totenkammer gedient, und durch irgendwelche Umstände seien plötzlich die Beerdigungen der hier Aufgebahrten unterblieben. Aber die Namensschilder wisien es anders; aus verschiedenen Jahrzehnten, ja, wie sich nachher in dem benachbarten Gewölbe heraubstellt, aus verschiedenen Jahrhunderten 6 gar, stammen die Toten. Es muß also doch von vornherein die bsichi bestanden haben, sie hier dauernd zu lassen..Richter, ver- unglückt auf der Jagd 27. Februar 1819" kündet eins der reich- verschnörkelten Metallschilder in dem ersten Raum. Nebenan findet man dann Särge noch aus dem Jahre 1694. wie man mit einiger Mühe entziffern kann. Auch hier gibt es einen Toten namens Richter,»geboren 15. September 1765, gestorben 11. Dezember 1670". Also kaum mehr als«in halbes Jahrhundert ist es her, daß dieser chundertfünjjöhrige hier beigesetzt wurde. Der Küster der Wendenkirche will sogar wissen, daß 1873 zum letztenmal Särge hier «ingestellt wurden. Im übrigen macht diese zweit« Kammer nicht mehr den geordneten Eindruck der ersten. Die Särge scheinen hin- gesetzt, wo sich gerade Platz für sie fand. Wahrscheinlich sind sie allerding» erst nachträglich so durcheinandergetürmt, um Raum für Später Verstorbene zu schaffen. Von einem Teil der Särge fehlen lier bereit» die Deckel. Aber auch hier liegen die Toten vollständig erhalten auf ihrer Ruhestatt, anscheinend ohne Derwesungsanzeichen zusammengetrocknet. Selbst ihre Kleider und Schuhe sind noch un- zeAtört. und kelu Sarg zeigt auch vor den Aascheia faulenden tiolze». Dabei befindet sich unmittelbar neben der zweiten Kammer eine Oesfnung. die für Lustzufuhr sorgen soll, und daß sie funktw niert. beweist da» welke Laub, das die Füße de» Ruhestörers um» raschelt. » Langsam steigt man schließlich die Treppe wieder empor. Mit einem letzten dösen Lechzen gegen den Eindringling schnappt dos Borhängefchloß zusammen, und dann schläft wieder hinter ihm. unwirklich und spukhast fast, die Vergangenheit, die hier Jahr- hundert« überdauert«. «i» KrankenkaffenhauS in Köpeuick. Die Allgemeine Ort»trant«ntass« Köpenick hat sich ein eigene» Geschäftshaus errichten müssen, das bei der an- dauernden Mehrung der Mitglieder nicht länger entbehrt werden konnte. Di« bisher benutzten Räume waren unzulänglich geworden. wirklich geeignet« Räume liehen sich an anderer Stell« in Miet- äusern nicht beschaffen und die geforderten Mieten waren auch zu och. Das eigene chaus, da» auf einem für die Krankeukass« getauf- ten Grundstück m der Gutenbergstraße gebaut worden lst, wurde am Donnerstag mit«wer kleinen Feitr eingeweiht. Unter den Teilnehmern, die sich mit dem Vorstand, den Aus- schußmitglledern, dem Aussichtsrat, der Geschäftsleitung und dem Verwaltüngsperfonal in dem neuen Heim oersammelten, waren die Vorstände anderer Krankentasien und de» Berliner Krankenkasien- Verbandes, Vertreter des Dersicherungsamts und des Bezirksamts Gesang eine« Schülerchors und«in Prolog leiteten die Feier«in. Die Union-Baugesellschoft, die den Bau ausgeführt hat, übergab durch den bauleitenden Architekten Schweizer das fertige Gebäude dem Porftand. Der Borsitzende Nickel, der sich um da» Zu» standekommen de» Werke« unendlich bemüht hat. hielt die Weihe- red«. Er schilderte die Entwicklung der Allgemeinen Ortskranken- kasie Köpenick, die im Jahr« 1908 nur 2000 Mitglieder zähste, aber jetzt bereits«inen Mitgliederbestand von 11 000 hat. Die Beschaffung de» Baugeldes zur Errichtung des notwendig gewordenen eigenen Heims war schwierig. Sie wurde ermöglicht tell» durch eigene Hai« durchschritten hat, hinter dem da» Städtchen deginnt, erblickt man an seinem Eingang« die Kirche, vor der eine atte sächsische Postsäule als Wahrzeichen längst vergangener Tage steht. Ein« greis« Schwester des �chofpiz zum helligen Geist" führt den Fremden durch das Innere der Kirche und geleitet ihn wohl auch, verwundert ob des sellsamen Begehrens, durch ihre unterirdischen Grabräum«. Die Lübbener Katakombe». Mit einer Petroleumlampe bewaffnet wird der Weg in» Ge- wölbe angetreten. Ein alles oerrostete« Vorhängeschloß bewacht die Toten. Es bedarf einiger Anstrengung, bis es widerwillig knarrend eine Störung der Toten gestattet. Kein Modergeruch, kein Geruch D/e Hospltalkirche In Lübben. „ GnKel Moses. Romao voll Schalom Asch. »Onkel Moses ist nicht hier. Was willst dp von ihm?� »Ich weiß schon, was ich will." Das Mädchen ging weiter und fragte einen anderen Burschen. .Ich will den Onkel Moses sehen." Onkel Moses, welcher, noch immer die große Schneider- schere in der Hand, die er sein ganzes Leben lang nicht los ließ, im Hintergnmd seines Geschäftes zwischen der Tur zu seinem Privatkonwr und dem Treppenaufgang zu den Arbeitsräumen stand, hörte die Frage des Mädchens. So fragte er denn von weitem, ohne feinen Blick von seinen Nägeln zu erheben: »�Vdnt is the matter?"(Was gibt's?) An dem Ton der Frage erkannte das Mädchen, daß dies Onkel Moses war; sie ging rasch aus ihn zu und sagte in kindlich bittendem Tone: »IMeaoe, Onkel Moses, de pood to my father.(Bitte, Onkel Moses, sei gut zu meinem Vater.)' Du kannst ihm helfen. Please. hilf ihm." »Wem gehört die da?" fragte der Onkel seine Angeslellren. Die Burschen zuckten mit den Achseln, um pantomimisch auszudrücken, daß sie es nicht wüßten. »What is your narne?(Wie ist dem Name?) Dem gehörst�du?�� � Mascha. Ich bin Aarvn Melniks Tochter. Du bist' sein Onkel. I Koov. Hu bist Onkel Moses— Pa Ä�dem gehörst du! Ich weiß schon. 1 tnow— was willst du?" .Ich will, du sollst Pa hundert Dollar borgen. Pa will dnsiuesp(Geschäft) an'angen. Er bat tein Geld. Du hast Geld. Please. borge chm hundert Dollar. Please. Onkel." Onkel Moses erhob seme Augen. Er wollt« dem Mädchen etwas sagen. Doch als er die zwei feuchten, schwarzen Zopf« und die weiße Schürze sah. senkte er die Augen wieder. rGo hoTno. kid(Geh heim. Kleines), go zr-r Mutter. Ich will sehen, was ich tun kann." �. »Wirst du P« hundert Dollar borgen, wenn er Busineß anfangen will. Onkel? Bes?" »All right, Ko hörne. Ich will sehen, was ich tun kann. Maüto stand noch vor dem Onkel, als die Tür ausging und ihr Vater Äauon NU» sei V»«lbijt« Sruöer La! eintrat. Beide schoben sich ängstlich Herein und steuerten furchtsam auf den Onkel zu. »Da ist Pa!" rief Mascha, als sie den Vater sah.»Weißt du. Bater, Onkel Moses hat gesagt, daß er dir Geld borgen wird, um Busineß anzufangen. »Was tust du hier? Geh nach Haufe. Nach Haufe geh." Aaron schämte sich vor den Leuten, well sein Kind gekommen war. um für ihn zu bitten. Mascha drückte sich in eine Ecke. »What is the matter?" schrie der Onkel schon von wettem, als er die beiden Brüder eintreten sah. Dieses „What is the matter?" zwang die Brüder, stehen zu bleiben. Sam, ein kräftiger Bursche von einigen zwanzig Jahren, lief herbei, hiett die Brüder an und flüsterte ihnen etwas zu. Sam war Onkel Moses Liebllng. Er war der Sohn seiner«Schwester, den Onkel Moses nach Amerika gebracht und ins Geschäft genommen hatte. Sam war dem Onkel sehr ergeben und wahrte immer und überall des Onkels Interessen. Der Onkel wußte dos und schenkte dem jungen Manne mehr Vertrauen als allen anderen. Er machte ihn zum Kassierer. Niemand durfte Gelder in Empfang nehmen, wenn er etwas verkaufte, außer Sam. Onkel Moses liebte Sam, well er ihm ähnlich sah. So hatte Onkel Moses ausgesehen, als er in der Heimat noch Fleischerburfch« gewesen war. Sam konnte beim Onfest alles erreichen, und alle Landsleute, die etwas vom Onkel wollten, wandten sich zu erst an Sam. damit er ihr Fürsprecher sei. »Sam, leg ein gutes Wort führ ihn ein. Du tust etwas Gutes damit. Sam. tu Aaron den Gefallen, tu ihm den Gefallen, sei gut," bat Verl Sam für seinen Bruder. Sam ging zum Onkel und sagte: »Onkel. Aaron Melnik aus Kusmin ist wieder zur Arbeit gekommen— sollen wir ihn wieder aufnehmen?" »Nothing doivp!"(Nicht zu machen.) Der Onkel be- gann sich mit der Schere zu beschäftigen, was bei ihm das Zeichen war, daß»alle Tore geschloffen waren".»Er kann ja mit dem Bruder nach Brooklyn Schürzen nähen gehen. Zusammen mit den Italienermädeln, ich brauche ihn nicht mehr. Mr mich ist er schon zu alt." Sam gab Berk einen Wink mit der Hand und verzog die Lippen. Das sollte bedeuten, daß er nichts tun konnte. »Onkel, habt doch Mitleid mll ihm." Verl raffte sich auf, «iit«n Schritt näher vor den Onkel zu treten.„Er hat doch Weib und Kinder. Der Onkel muß doch Mitleid haben mit ferner Frau und seinen Kindern. Der Onkel wird wirklich ein gute» Werk tun. Es ist ein« gwße Mizwah."_ »Ich tue kein« Mizwah. Davon Hab ich schon genug. Ich ernte dafür ohnedies nur Schinwfworte und Flüche. Was at er mir gesagt? Sag' doch. Sam. was er zu mir gesagt at, wie er von oben Heruntergelaufen ist." »Der Onkel braucht sich wirklich nicht zu kümmern, was er gesagt hat und wer es gesagt hat. Lauter Schnorrer. Ohne den Onkel wären sie doch alle in Kusmin verfault. Der Onkel hat ihn hergnommen, mll Sack und Pack, ihm Geld geschickt und Schiffskarten. OH, und er wagt es, gegen den Onkel etwas zu sagen. Es ist fein Glück, daß ich damals nicht im Geschäft war. Ich hätte ihm gezeigt, was das heißt, gegen den Onkel etwas zu sagen." In mächtigem Wortschwall er- hitzte sich Sam plötzlich für den Onkel. »Ach was, man sagt soviel. Er hat etwas gesagt. Weiß er denn, um Himmelswillen, was er redet? Es geht ihm schlecht, da redet er— Gott verzeiht doch auch— er hat Unsinn geredet. Da kann ihm doch..." »Unsinn. Bei mir wirb kein Unsinn geredet: bei mir wird gar nicht geredet— bei mir wirb geschwiegen. Ver- standen? Schweigenl" Der Onkel hob die Brauen.»Wie hat er doch daheim geheißen. Sam?" »Aaron Gorgel." »Gorgel hat man ihn genannt," der Onkel lachte aus vollem Halse»Gorgel, sehr gut— aber hier in Amerika wird nicht gegurgelt, in Kusmin wird gegurgelt, nicht hier in Aaron stand die ganze Zeit mit gesenktem Kopf, den Blick in die Erde gebohrt. Geduldig ließ er über seinen Kopf allen Spott niederpraffeln und schwieg. Er hatte nur den einen Wunsch, so schnell als möglich wieder ins oberste Stock- werk zur Maschine zu kommen und wieder in das Triebrad seines bisherigen Lebens«ingespannt zu sein. »Der Onkel kann doch Mitleid haben, wenn schon nicht mit ihm, so mit seiner Frau und seinen Kindern. Was sind denn sie daran schuld, wenn er Unsinn schwatzt? Er wird schon nicht mehr reden« wird schon daran denken fem Leben lang..." .Nothing doing!" Mascha stand im Winkel; sie sah und hörte, wie ihr Bater verspottet und beleidigt wurde. Are Wangen glühten und ihr« Hände zitterten. Zuerst war sie verwundert, daß dar Vater alles über sich ergehen ließ und schwieg. Dann aber schmerzte es sie. Sie wollte weinen, schreien. Gewaltsam hielt sie sich zurück. Sie sagte sich: Es find mächtige Leute, sie wissen, was sie tun.< ___________ alIä!« fflterffcfcwa f-wu Mittel der Krantenfaffe, teils durch eine Hypothet, teils durch 3u. schuß der Wohnungsfürsorgesellschaft, die sich beteiligen konnte, weil die oberen Räume des Hauses zu Wohnungen hergerichtet wurden. Nickel gedachte auch des kurz vor der Einweihung verstorbenen Bor standsmitgliedes Obermeister Rohrbed. Er hob dabei hervor, in der Allgemeinen Ortsfrankenkasse Köpenick habe stets zwischen den Ber tretern der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber erfreuliche Einigkeit und volles Einverständnis darüber bestanden, daß alle Arbeit dem Wohl der Versicherten zu gelten hat. Auch mit der Aufmendung von Mitteln der Kaffe zur Errichtung dieses Hauses sei nur den Bersicherten gedient worden. Den Reigen der Redner, die dann ihre Glückwünsche überbrachten, eröffnete Bezirksbürgermeister Rohl als Leiter des Bezirksamts. Er wies hin auf den in den Krantentaffen zum Ausdruck kommenden Gedanken sozialer Aufbauarbeit. | nur in fünf Fällen die Mitarbeit bzw. Anordnung des Angeklagten| Bartels bei der Ausgabe von Nansen- Pässen festgestellt werden. Somit scheint der Beweis dafür erbracht, daß die Bersorgung Holzmanns, dessen Frau und Geliebten mit Nansen- Pässen auf Anordnung Bartels doch Ausnahmefälle bedeuten. Ueber Holzmanns Berhaftung in Brüssel sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Von dem Eintreffen des Kriminalkommissars Müller erhielt Holzmann recht bald Kenntnis und ließ jeden seiner Schritte durch seine Freunde beobachten. Dadurch war seine Festnahme aufs äußerste erschwert. Als Holzmann schließlich den Kriminalfommissar Müller nach dessen Aba ftecher in Paris aus den Augen verloren hatte, wurde er im Haufe eines seiner Freunde verhaftet. Heizwert minderwertigen Breßtohlen zum Teil auch darum handelt, daß die Brifettfabriken die Feuchtigkeit aus dem Kohlenbrei nicht vollkommen herauspressen. Die Fabriken laſſen es bei dem cr höhten Winterbedarf offenbar an der gebotenen Sorgfalt fehlen. Das neue Ambulatorium Oranienstraße 6. Bor furzem eröffnete der Berliner Kassenverband in der Oranien straße das 39. Ambulatorium. Gerade dieses Ambulatorium kommt einem dringenden Bedürfnis in diesem dichtbesiedelten Prole tarierviertel entgegen, wie ja auch die schon nach kurzer Zeit in die Tausende gehende Besucherzahl beweist. Das Ambulatorium verfügt außer den Spezialärzten für alle Sondergebiete der Medizin über eine große phyfitalische Abteilung, die Heißluft- und Massagebehandlung usw. in weitestem Maße geAn die Feier schloß sich eine Besichtigung des Hauses, in dessen zweckmäßig eingerichteten Räumen die Verwaltung und ein Ambu- Freie Sozialistische Hochschule mähren kann. Diese modernen Behandlungsmethoden, die nur bei latorium untergebracht sind. Aus Anlaß der Einweihung war das Gebäude nach der Straße hin mit schwarzrotgeldenen Fahnen geschmüdt. Die verbrannte Wurst. Auf dem Tisch in der Abfertigung für zollpflichtige Postfachen liegt ein großes Paket in Papier eingeschlagen. Davor steht ein Mann, der verzweifelt den vielfach gefnoteten Bindfaden betrachtet und den beiden Beamten, die hinter dem Tisch, in dem Bereich der offiziellen Bollpersönlichkeiten, Aufstellung genommen haben, er flärt, daß in dem Paket tatsächlich nur gebrauchte Gegenstände seien, Wäsche ufw., das stände in der Deklaration und auch in tem Brief, den er aus Danzig erhalten hätte. Die Beamten sehen interessiert den Mann, das Batet und den Brief an und verlangen energisch die Deffnung. Die Beamten finden nur Wäscheſtücke, die sorgfältig gewogen werden, aber ganz unten auf dem Boden liegt ein kleines, harmloses Bäckchen. Ja, auch das müsse geöffnet werden. Zum Borschein kommen zwei Zigarren, eine Schere und eine Tafel Schokolade, Dinge, die nicht weiter bas Intereffe der 3ollbeamten in Anspruch nehmen; dech in einem Bergamentbogen eingehüllt findet sich eine fleine Dauerwurst vor. Die Beamten prüfen lange die Wurst, fehen zweifelnd den Herrn an und fragen ihn endlich, ob er nicht wisse, daß die Einfuhr von Wurstwaren verboten fei. Nein, das wiffe er wirklich nicht, aber trotzdem wolle er gern tie Burst verzollen. Darum handle es sich nicht, die Burst müsse vernichtet werden, aus dem Ausland dürfe teine Wurst eingeführt werden; sanitäre Gründe seien dafür ausschlaggebend. Bergebens versucht der Herr den Beamten auseinanderzusehen, daß Danzig nicht in Sibirien liege. Nein, Danzig ist eine europäische Stadt, das Fleisch wird dort auch untersucht, und die Fleischbeschauer sind in Danzig auch ehrenfeste Leute. Der Beamte beachtet diese Ausführungen überhaupt nicht mehr, seine Aufmerksamkeit gilt allein einem Dokument, an dessen Ausstellung er fieberhaft arbeitet. Nachdem eine weitere Viertelstunde vergangen ist, wird es dem Herrn zur Unterschrift vorgelegt. Darin steht, daß eine Wurst trotz der Beftimmungen eingeführt worden sei, scheinbar läge Unkenntnis des betreffenden Paragraphen vor, die Wurst müffe vernichtet werden. Der Herr unterschreibt, und der Beamte ergreift die Wurst mit gespreizten Fingern und wirft sie in einen eisernen Ofen, in dem ein Plaines Feuer mit dem Verlöschen kämpft. Langsam verkohlt die Burst, und eine fleine Rauchsäule steigt in die Höhe, sie ist faum zu sehen, fie steigt in die Luft jener Stadt, in der tausende hungern, denen es aber verboten wird, fich an ausländischer" Burst zu er. gößen. Die Zuschüttung des Luifenstädtischen Kanals. Die Arbeiten bereits in vollem Gange. Heute, Sonnabend, 7, Uhr abends, im Sitzungssaal des chem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Vortrag des Genossen Prof. Dr. Sinzheimer- Frankfurt a. M.: ,, Die Kulturidee des Sozialismus rationell bie Ambulatorien mit den Beiträgen der Versicherten wirtEintrittskarten zum Preise von 50 Pf. an der Abendkasse sowie im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstraße 3, II. Hof 2 Treppen, Zimmer 8, in der Vorwärts- Buchhandlung, Lindenstraße 2, im Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, im Tabakvertrieb GEG., Inselstraße 6, beim Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jakobstraße 5 und in den Vorwärtsspeditionen Der Tisch, der zum Kronleuchter fliegt! Eine merkwürdige spiritistische Sigung. Ein Gegenstück zu den letzten großen Spiritistenprozessen war eine Berhandlung vor dem Schöffengericht Neukölln, die ein eigenartiges Licht auf das sonderbare Treiben gewiffer Spiritiftenfreise warf. Im Herbst vorigen Jahres hatten sich in Neukölln mehrere Leute zusammengefunden, die sich lebhaft für überirdische Dinge intereffierten. Besonders fühlten sie sich durch die Bemerkung spiritistischer Schriften angezogen, daß die Wissenschaft sich gegen den Spiritismus ablehnend verhalte. Sie glaubten nun, hier als Forscher bahnbrechend tätig sein zu tönnen. Nach langem Bemühen fanden sie den geeigneten Mann, der die Sigungen veranstalten sollte, in dem Kartographen Kurt Wolf. Dieser genoß ein gewisses spiritistisches Ansehen und wußte beson ders durch eine Sigung in München, von der er berichtete, Eindruck zu machen. Er sollte damals als Betrüger hingestellt werden und habe 32 Professoren, die feiner Sigung bei wohnten, den Beweis erbracht, daß der Spiritismus fein humbug sei. Es habe sich ein Tisch bis an den Kron leuchter gehoben, der durch den Zusammenstoß zertrümmert worden sei. Wolf erklärte sich bereit, die Sigung zu veranstalten, jedoch brauche er dazu ein Mädchen unter 14 Jahren, um magnetische Kräfte zu wecken. Einer der Teilnehmer der Sizung fand auch ein Mädchen, das dem Angeklagten recht schien und bot, als dieses nicht zur Sigung erschien, feine neunjährige Tochter als Kräftemeder an. Ihre Kraft mußte aber nicht genügen. Endlich hatte man ein 13jähriges Märchen gefunden. Wolf gewann diese Kräfte dadurch, daß er das Mädchen an die Waden und an den Hals faßte, um die Schlagader zu suchen und den Duft ihres Haares einzuatmen. Allmählich aber genügten die magnetischen Kräfte nicht mehr, die er in der Dunkelheit aus den Baden des Mädchens zog. Der Angeklagte suchte schon vorher die Kräfte zu wecken, indem er das Kind in sein Zimmer nahm und an ihm Handlungen vor nahm, die nichts mit Magnetismus zu tun hatten. Um das Mädchen zum Schmeigen zu veranlassen, erzählte er, wenn fie plaudere, würden die Geifter erzürnt und sie beide töten. Endlich aber fam der fträfliche Umgang des Angetlagten zutage. Die Beteiligten hatten von dem ftrafbaren Borgehen während der Sigungen nichts bemerkt, da sie ständig nur Geister sehen wollten. Auch das neunjährige Töchterchen hatte W. unfittlich berührt. Die Teilnehmer an spritistischen Sizungen überzeugt und glaubten wenig an die Berfehlungen des Angeklagten. Erft als ihnen der Borsitzende mit teilte, daß Wolf in München nicht vor 32 Profefforen experimentiert habe, sondern des gleichen Bergehens wegen zu drei Jahren drei Monaten Gefängnis verurteilt war, tamen die ersten Zweifel. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverfuft. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr 3 Monate Buchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Renovierung des Brandenburger Tores. Die Zuschüttungsarbeiten an dem Luisenstädtischen Ranal sind, nachdem auch die Stadtverordnetenversammlung fürzlich dem Broder Sigung waren bis zum letzten Augenblick von dem Wert ihrer jett zugestimmt hat, nunmehr in vollem Gange. Zur Zuschüttung des Ranals dienen bekanntlich die beim Bau der AEG.- Schnellbahn ausgeschachteten Erdmassen, und man hofft, die neue Schnellbahnftrede innerhalb zweier Jahre fertigstellen zu fönnen. Die 3u Schüttung des Kanals erfolgt derart, daß in der Mitte angefangen und dann nach beiden Seiten in der Richtung des Landwehrfanals und der Spree weiter vorgegangen wird, so daß die Wassermaffen felbfttätig in den Landwehrkanal und die Spree abgedrängt werden. Das Straßenbauamt der Stadt Berlin hat ferner einen Bepflanzungsplan der durch die Zuschüttung neugewonnenen Flächen ausgearbeitet, nach dem eine 3 Kilometer lange, etwa 38 Meter breite Grünfläche entstehen wird, die an beiden Seiten von Straßen begrenzt werden soll. Um diese Grünfläche in dieser Breite anlegen zu können, follen auch die bisherigen Bor gärten verfchwinden. Die Straßen werden dann dirett an den Häusern angelegt werden, um die jeßige Straßenbreite mit als Grünfläche benutzen zu können. Den Plan, das Engelbeden inmitten der neuen Grünfläche als Waffer: anlage zu erhalten, hat man aufgeben müssen, da sich eine Spülung des Beckens, fowie Neuzufuhr frischen Wassers, ohne die eine Ber schmutzung und Verschlammung des Wassers eintreten muß, sich als nicht durchführbar erwiesen hat. Die Zuschüttung des Kanals macht ferner eine Berlegung der dort einmündenden Notaus. tasse notwendig. Es wird ein unterirdischer Abflußtanal erbaut merden, ber die Abwässer durch die Annen, Roß- und Breite Straße über den Schloßplag in die Spree führen soll. Der Prozeß Bartels. Die Preußische Regierung hat insgesamt 22 Millionen Mart zur Verfügung gestellt, mit denen zur Linderung ber Arbeitslosigkeit Ergänzungs- und Unterhaltungsbauten an ftaat lichen Gebäuden, ferner aber auch Neuanlagen in Angriff genommen werden sollen. Für Berlin ist dabei von besonderem Intereffe, daß für eine gründliche Instandsegung des Branden: burger Tores die Summe von 256 000 m. bereitgestellt ist. Seit zirfa 12 Jahren beabsichtigte man, die erheblichen Schäden, die am Fries des Tores unterhalb des Hauptgefimfes entstanden waren, zu beseitigen. Ferner wird die Bedachung des Tores und der beiden Torgebäude, die bisher aus Zinkblech bestand der beiden Torgebäudé, die bisher aus 3intblech bestand bas Kupferdach zu beiden Seiten der Quadriga war während des Krieges entfernt worden wieder in Kupfer ausgeführt werden. Umfaffende Renovierungsarbeiten sind weiterhin, mie durch Unterfuchungen Sachverständiger festgestellt wurde, an dem Viergespann Der sogenannten Quadriga felbst notwendig geworden, deren innere Eisentonstruktion völlig verrostet ist und zusammenzubrechen droht, während die Kupferplatten der Figuren zahlreiche Schußlöcher aus den Mirren der Revolutionszeit auf Mit den Arbeiten wird voraussichtlich im Frühjahr begonnen werden. Heute soll die Gerichtsverhandlung fortgesetzt werden. Am Donnerstag war sie nur von ganz furzer Dauer. Kriminalfommissar Müller, der Holzmann in Brüssel verhaftet hat und über den Zeitweisen. punkt, an dem er vor Gericht als Zeuge erscheinen tönnte, berichten follte, war nicht erschienen. So mußte die Verhandlung abgebrochen werden. Vorher begründete noch Rechtsanwalt Dr. Straßner aus führlich einen Antrag hinsichtlich der Bernehmung Holzmanns. Er foll zu 15 Punkten befragt werden, u. a. darüber, ob er Bartels Borteile gewährt habe, ob legterer wirklich gelegentlich einer Gesell schaft bei ihm angetrunken gewesen sei, ob Minzer ihm mehrere Dokumente entwendet habe und dergleichen mehr. Der Staatsanwalt behielt sich vor, zu diesem Antrage in der heutigen Sigung Stellung zu nehmen. Zu Beginn der Donnerstagsigung berichtete noch Bolizeirat Appelt über die Resultate der von ihm vorgenommenen Durch sicht der Akten des Fremdenamts. Unter etwa 600 Borgängen, die ein Drittel der in Frage fommenden Atten vorstellen, tonnte Schlechte Preßkohlen. Aus den Verbrauchertreifen wird in legier Zeit lebhaft Klage geführt, daß die Kohlen, die von den Kleinhändlern geliefert werden, zu, einem erheblichen Prozentsaz Abraume und Erde enthalten. Wie wir an zuständigen Stellen festgestellt haben, wird tatsächlich auch von den Kleinhändlern darüber geklagt, daß seit Dezember sehr schlechte Kohlen durch das Syndikat den einzelnen Händlern zugeteilt werden. Anscheinend sind die Kohlen ungenügend gereinigt, so daß ein erheblicher Teil der sonst nicht verwendeten Abfallstoffe in den Kohlen verblieben ist. Die Kleinhändler haben auf die Auswahl der ihnen zugeteilten Kohlen keinerlei Einfluß. Die Kohlen werden zu geteilt und ganz gleich, ob es sich um gute oder schlechte Kohle handelt, wird ein Einheitspreis dafür verlangt. Die Berbraucher haben nun leiftung, Heizkraft ziehen können. In der legten Zeit sind erhebliche Mengen solcher schlecht gereinigten Kohle( in einem Falle festgestellt mit einem Gehalt von 46 Broz. Abraume und Erde), an die Ber Von der Berliner Brenn braucher abgegeben worden. stoffgesellschaft m. b. H. erfahren wir, daß es sich bei den im Asthma- u. Lungenleidende den Nachteil, daß fie aus den meniger guten Koblen weniger Mußßerzielen glänzendsten Erfolg durch peruvian. Lungenbalsam ,, Nymphosan" ( ges. gesch.). Tägi, einlauf. Anerkennungen, wie:„ Es ist ein wahrer Segens strom. der von Ihrem Werk ausfließt" oder: Ein wahres Wunder wirkt dieser Nymphosan- Sirup", bestätigen dies. Preis pro Flasche Mk. 3,50. Erhältlich in Apotheken. Alleinhersteller: Nymphosan A.-G., München 38. Probemuster kostenlos! einer entsprechenden Besucherzahl eine rationelle Verwendung der Apparatur gestatten, fönnen von den Kassen nur in ihren Instituten gewährt werden, da der frei praktizierende Arzt für die einmalige Behandlung eines einzelnen Patienten 2 M. berechnen würde. Wie schaften, beweist auch allein schon die Tatsache, daß die Behand. pro Monat nur 30 Goldpfennige, im ganzen Jahr also nur 3,60 m, toftet, wobei außer den ärztlichen Leistungen einschließlich der Operationen noch die Gewährung von Stärfungs mitteln, die obenerwähnte physikalische Behandlung und die Anwendung von Salvarsan usw. eingerechnet ist. Ferner ist im Ambulatorium Oranienstraße eine geprüfte Sportärztin tätig, die jederzeit die von den Sportvereinen verlangten Untersuchungen auf Sporteignung vornimmt, ohne daß die Vereine pro Mitglied, wie es bei den frei praktizierenden Aerzten üblich ist, 2 Goldmart zu zahlen haben. Von der Möglichkeit einer eingehenden Unterfuchung ihrer Mitglieder haben bis jetzt schon Arbeitersport. vereine Gebrauch gemacht, die ca. 20 000 Mitglieder umfaffen. Am Sonntag, den 7. Februar, hatte die Arbeitsgemeinschaft für Sozialpolitik an der Berliner Gewerkschaftsschule des Chefarztes Dr. Bendig dieses neueste und modernst eingerichtete Genossen Dr. Norbert Mar Gelegenheit, unter der Führung des Ambulatorium zu besichtigen. Diese Führung, bie den organisierten lung des einzelnen Familienmitgliedes Arbeitern einen tleinen Einblick in das Birken der Berliner Krantentaffen im Interesse des Proletariats gab, hat den Ambulatorien manchen neuen Freund gewonnen. Auf Wunsch ist die Geschäfts. leitung der Berliner Krantenfassenambulatorien, Meganderstr. 39/40, jederzeit gerne bereit, Besichtigungen für Interessenten in Form von Führungen in einem ihrer Ambulatorien zu veranstalten. Boxkampf Diener- Paolino unentschieden. Der fpanische Meister Paolino, der einst Breitensträter ohne allzu große Mühe besiegte, hatte es gestern nicht ganz so leicht. Ein Beweis, daß er einem Gegner gegenüberstand, der unstreitig heute schon höher bewertet werden muß, als der derzeitige deutsche Schwergewichtsmeister. Der Kampf wurde hart über zehn Runden und mit den schärfften Mitteln, über die beide Gegner verfügten, ausgefochten. Die ersten zwei Runden verliefen abe wartend. In den folgenden acht Runden wechselte das Glüd der Gegner zu beiden Seiten. Paolino bewies feine ungeheuerliche Schlagkraft. Es gelang ihm aber trotzdem nicht, den etwas be hender fämpfenden Diener zu Boden zu bringen. Diener selbst zeigte eine überraschend gute Technik und eine Härte, die man ihm diesem Gegner gegenüber nicht zugetraut hätte. Nach zehn Runden murde der Kampf als unentschieden erklärt. Das Publikum, das den ungeheuren Raum der Arena am Kaiserdamm bis faft auf den letzten Winkel füllte, nahm heftig für den Deutschen bei jedem geglüdten Schlag Partei. Man hat die Empfindung, daß etwas weniger Temperament der Zuschauer für den Sport günstiger ge. wesen wäre. Borher fämpften Wiefmann gegen Schmehling. Auch dieser Kampf wurde nach acht Runden als unent. schieben erklärt. Der zweite Kampf des Abends war ein Ber fager. Mehling mußte nach fünf Runden gegenüber Hay mann aufgeben. " Freies Volk" in Nürnberg verboten. Der neue Schildbürgerstreich, den uns die Bayern schon lange schuldig sind, hat sich folgendermaßen zugetragen: Als sich der Vertreter der Veritas Filmgesellschaft" nach Nürnberg begeben hatte, um die Vorführung des Films Freies Bolt" im dortigen Alhambra Theater abzuschließen, machte ein Polizeikommissar, der von dieser Absicht erfahren hatte, den Direktor des Lichtspielhauses darauf aufmerksam, daß der Polizeipräsident plane, den Film zu ver bieten. Der Bertrag fam troßdem zustande, die Vorführung bes Films, der vom 2. Februar an laufen sollte, wurde pflichtgemäß angemeldet, aber Mitte Januar teilte der Nürnberger Bolizeipräsi dent Gareis mit, daß jede Borführung von Freies Bolt" untersagt werden würde, weil Ausschreitungen 3u befürchten feien. Um nun zu verhindern, daß dieses Verbot, dem man sich zunächst fügen mußte, generell auf ganz Bayern ausgedehnt werden wird, wandte sich Genoffe Crispien an den Reichsinnenminister Dr. Külz, der sich in dieser Angelegenheit vermittelnd an die bayerische Regierung gewandt hat. Ein Kind unter dem Autobus. Gestern abend kurz vor 7 Uhr lief ein zwölfjähriges Mädchen, aus dem Warenhaus Tiez fommend, über die Leipziger Straße und geriet dabei untereinen Autobus. Das Kinb lam so unglüd. fich zu Fall, daß ihm der Wagen über den Hals ging und es sofort tötete. Unbegreiflich ist es, daß die Polizeibeamten, statt sich zunächst sofort mit der ganz nahe gelegenen Rettungsstelle 12 am Dönhoffplay in Verbindung zu setzen, erst die Rettungsstelle Berlin anriefen, um einen Sanitätswagen anzufordern; infolgedessen mußte die Leiche des Kindes etwa 40 Minuten auf der Straße liegen bleiben, und der Rettungswagen der Stadt Berlin brachte sie dann nach dem Leichenchauhaus; die Personalien konnten dortselbst noch nicht festgestellt werden. Sonntag, den 7. Februar, fand in der Städtischen Die feftlichen Eintrittspreise der Städtischen Oper. Am Oper eine angebliche Festvorstellung mit Ball statt. Festliche der eigentlichen Vorstellung bestand aber nur in den Ein Das M. SCHULMEISTER MSchulmeister Mabe Kleidung Hochbahnstation Kottbusser Tor Einsegnungs- Anzüge in vollendetster Ausführung Mark 25.- 29.- 32. 36. 39. 43. 49. 54.in großer Prüfungs- Anzüge Auswah Durch eigene Fabrikation schalte ich den Zwischenhandel aus. MAGGI SUPPEN Konigin Teller MAGGY SUPPEN GIT SUPPEN Grünkern MAGGI SUPPEN Erbs Die geplagte Hausfrau muß entlastet werden! Sie spart Mühe und Zeit, wenn sie zur Herstellung guter Suppen MAGGIS Suppenwürfel verwendet. Das lange Zurichten fällt weg. Auf einfachste Weise nur noch durch Kochen mit Wasser bereitet sie daraus köstliche Suppen, achtet aber sorgsam auf die auf jedem Würfel befindliche Kochvorschrift. Große Sortenauswahl, deshalb reiche Abwechslung. 1 Würfel für 2 Teller 13 Pfg. Zwei Arbeiter von einem Auto überfahren. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 13. Februar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: mr Rentralveranstaltung 8% Uhr am Railer- Wilhelm- Plak. Seimabend fällt aug.- Schöneberg II: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Kirchplat. Echmargendorf: Rathaus am Berlaez Biak. Nachmittags 3 Uhr Vortrag: Der Anarchismus in der proletarischen Bewegung". Tempelhof: Enzeum Germaniaſtr. 4/6. Abends 7 Uhr Löns- Abend. Neukölln III: Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Neukölln. Befuch der Arbeiterwohlfahrtsausstellung. Abt. Faltenberg: Abends 7 Uhr im Jugendheim Ortsamtsstelle Alt- Glienice. Bichtbilbervortrag: Freizeit der Jugend". Werbebezirk Reinidendorf: Abends 6% Uhr Werbebezirksmitglieder versammlung. Berbebezirk Brenzlauer Berg II: Montag, 15. februar, 7½ Uhr, in der Aula ber Schule Danziger Str. 23. Werbebezirtsmitgliederversammlung. Thema: Die politische Bage". Redner: Genoffe Martin Stem. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. trittspreisen, die durchweg verdoppelt waren. Dafür hatten die Besucher freien Zutritt zum Ballbergnügen. D. h.: nicht alle Besucher. Die des dritten und vierten Ranges waren ausgefchloffen, fofern sie nicht ein Ertraentree von 10 m. zahlten. Durch dieses Ertraentree mar der Billett3.45 Uhr nachm: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abpreis für den vierten Rang nicht verdoppelt, sondern verzwölfteilung Sprachunterricht. Esperanto( Direktor Julius Glück). facht. Buschriften aus unserem Leserkreis geben der berechtigten 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner FunkEntrüstung über dieses Berfahren der Städtischen Oper Ausdruck.kapelle, Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.05 Uhr Es wäre wünschenswert, daß die vorgesezten Instanzen mit der abends: Dr. Richard H. Stein: Einführung zu der Uebertragung Direktion energisch Rücksprache nehmen. aus der Staatsoper am 14. Februar". 6.45 Uhr abends: Medizinischhygienische Plauderei( Sanitätsrat Dr. Paul Frank). 7.15 Uhr abends: Reichsbahnrat Dr. Schultz:„ Die Güterwagenverteilung bei der Reichsbahn". 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Hochschulkurse). Abteilung Photochemie. Geh Regierungsrat Dr. A. Miethe: Ziele und Wege der Naturfarbenphotographie. Additive Dreifarbensynthese auf photographischem Wege". 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1925/26. 9. Veranstaltung. Die große Stunde".( Ein Gesicht der Seele), Kammerspiel in einem Akt von Karl Tietsch. Personen: Lena, ein junges Mädchen von 17 Jahren: Faber. Die Handlung spielt im Sprechzimmer eines BlindenGretel Jacobsen; Rudi, ein junger Mensch von 19 Jahren: Erwin arztes in der Gegenwart. 9-10 Uhr abends: Kunterbunt. 1. Holzmann: Blackberries, Marsch( Berl.Funkkapelle, Konzertmeister Ferdy Kauffman). 2. Berliner Typen( Senta Söneland). 3. a) Die Grott- 1 Uhr, Antreten Bbf. Mariendorf. Spiellente zur Stelle. kauer Kirmeß( schlesisch), b) Der Herrgott auf'm Baum( süd- Sonntag. d. 14. 8 Uhr 30 Antreten Bannertleidung. Grüner Baum. Propaganda deutsch), c) Schön ist das Soldatenleben( süddeutsch)( Emil Autofahrt. Kübne, Lieder zur Laute). 4. Bendix: Tanz der Derwische( Berliner Funkkapelle). 5. Berliner Typen( Senta Söneland). 6. a) Fr. Th. Vischer: Merkwürdiges Strafgericht, Schauerballade, b) Und da will er wieder runter, und da kann er nicht, c) Die Arbeet ( aus Berlin)( Emil Kühne). 7. Lehár: Wir gehen ins Theater, Tanzlied aus der Operette Paganini"( Berliner Funkkapelle). Am Flügel: Artur Andrae. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Funktanzkapelle, Leitung: Konzertmeister Franz von Szpanowski). Königswusterhausen, Sonnabend, den 13. Februar. Die Rücksichtslosigkeit mancher Kraftwagenführer auf den Chausseen in der Nähe Berlins nimmt überhand. Auf der Lichtenrader Chaussee wurden die Arbeiter Walter Preŋ und Willi Wallmann, die sich in früher Morgenstunde mit ihren Rädern nach ihrer Arbeitsstelle begeben wollten, von solch einem Kilometerfreffer" angefahren und zu Boden gerissen. Die beiden Arbeiter trugen bei dem Sturz erhebliche Verletzungen davon, ihre Räder wurden total zertrümmert. Ohne sich um die Ver unglückten zu fümmern, fuhr der Chauffeur schleunigst davon, so daß er nicht zur Rechenschaft gezogen werden fann. Bon Bassanten murden die Berunglückten nach ihrer Wohnung gebracht. Außer dem durch die Krankheit hervorgerufenen Verlust des Arbeitslohnes haben die beiden Männer auch ihre Fahrräder eingebüßt. Nationalisten unter sich. Welchen Unsinn der Nationalismus hervorbringt, zeigte eine Beleidigungstlage vor dem Amtsgericht Neukölln. Ein Angehöriger des Helmut- v.- Mücke- Bundes, ausersehen als Adjutant des Grafen p. Ludner für seine Weltreise, ist mit seinen Eltern entzweit, und hinterbringt den Damen des Augusta- Viktoria- Bundes für Kriegsbeschädigte" beleidigende Aeußerungen seines älteren Bruders über sie.„ Säue" soll sie der ältere Bruder genannt haben, weil der Jüngere von ihnen angeblich verführt und verhett ist. Er schreibt: Die sittlichen Forderungen, die Sie an meinen Bruder stellen, sind dieselben, die ich von einem blöden Niggermeib verlange. Suchen Sie lieber eine anständige deutsche Frau zu werden, als bei Kaffee und Bier über Schicksal und Menschheit zu entscheiden." Die be treffenden Damen haben dann den Jüngeren beim Grafen Luckner unmöglich gemacht. Das Entseßlichste für diese heldischen Jünglinge aber war, daß ihnen eine Heße gegen den Augusta- Vittoria- Bund angeblich in der Linkspresse zum Vorwurf gemacht wurde. Da empörte fich ihr vaterländisch Herz. Es war eine Privatflage. Die Herrschaften haben ja das Geld dazu. Leute, die hinzitiert und hingekommen waren, um politische Enthüllungen zu hören, famen nicht auf ihre Rechnung. Die Richter aber müffen mit solchem Klatsch die Zeit vertrödeln. 3.30-4 Uhr nachm.: Prefessor Dr. Amsel, Oberschullehrer Westermann:„ Einheitskurzschrift". 4-4.30 Uhr nachm.: C. Maria 4.30-5 Uhr Alfieri, Frl. G. van Eyseren: Spanisch für Anfänger. Erläuterungen zum Familienrecht". nachm.: Rechtsanwalt Dr. Margarete Berent: Mutter and Kind, Bevölkerung teilnehmen. In Madrid fand vor dem Denkmal des Kolumbus eine Massenfundgebung statt, an der die Behörden und das diplomatische Korps teilnahmen. Der Außenminister erklärte einem Interviewer, die spanische Regierung sehe diesen Flug nicht als eine vereinzelte Tatsache an, sondern als Ausgangspuntt zur Herstellung schnellerer Berbindungen mit merita. Hierbei handele es sich zunächst um die Beförde rung von Post und Zeitungen gweds weiteren Ausbaues des gemeinsamen geistigen Lebens mit den amerikanischen Nationen. Der Minister erklärte meiter, daß die Regierung über den herzlichen Empfang des Fliegers äußerst befriedigt sei. Der Offizier und die Republit. Zu diesem ungemein wichtigen Thema wird Polizeioberleutnant Rolle in einem vom Reichs. banner Schwarz- Rot- Gold veranstalteten republifanifden Vortragsabend am Montag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, im Blenarsizungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, iprechen. Reichstagsabgeordneter Freiherr von Richthofen spricht auf derfelben Veranstaltung über die deutsche Ginsendungen für diese Rubrik find Republik. Außerdem wird Martin Wolfgang vom Staatstheater Rezitationen vortragen. Eintritt ist nur gegen Karte gestattet, die im Gaubureau des Reichsbanners, Sebastianstr. 37/38, erhältlich find. Das Sophien- Realgymnafium, C 54, Steinftr. 31/34, das feit Dftern 1924 in der Umwandlung in ein Reform Realgym nasium mit Englisch als erster Frembiprache begriffen ist, nimmt werltäglich 11 bis 12 vorm. Anmeldungen für alle Klassen entgegen. Solche für die unterste Klasse( Serta) müssen umgehend borgenommen werden. Pinchoanalyfe und Sozialismus. Im Jüdischen Studentenverein e. V. Friedrichstr. 115 I( am Dranienburger Tor), hält Herr Dr. Siegfried Bernfeld( Wien) einen Sturs über Biychoanalyse und Sozialismus" ab; Beginn am Montag, den 15. Februar, abends 8 1hr. Boraussichtliche Dauer 4-5 Doppelstunden. In Anbetracht der beschränkten Raumverhältniffe mirb empfohlen, rechtzeitig im Sekretariat des genannten Bereins Teilnehmerfarten zu besorgen.( Sprechstunde 1-3 Uhr nachmittags.) Jm Flugzeug über den Atlantik. Der spanische Südamerikaflug. Am 23. Januar 1926 stiegen in Madrid in einem Dornier Flugzeug der spanische Flieger Major Franco mit einem Begleiter, Leuinant Alda, zu einem Fluge nach Südamerika auf. Am 27. Januar hatten fie in Clappen die Kapverdischen Inseln erreicht Bon hier flogen fie am 31. Januar nach Ber= nambuco in Brasilien ab, wo sie am 2. Februar eintrafen, nachdem fie faft einen Tag Berspätung erlitten hatten, da ihnen der Benzinvorrat ausgegangen war. Aus Schiffen füilien fie ihre Benzintanks, so daß sie das Ziel glücklich erreichen fonnten. Die von den Fliegern über dem offenen Ozean zurückgelegte längite Strede beträgt 2650 kilometer. Ganz Spanien hat dem Berlauf dieses Fluges das größte Interesse entgegengebracht. Bon Bernambuco stiegen sie zum Weiterfluge nach den größten Städten Südamerikas auf. Pressemeldungen berichten jetzt über den äußerst begeisterten Empfang der Flieger in Buenos Aires, wo eine Menschenmenge von 200 000 Röpfen ihnen stürmische Rundgebungen bereitete. In der ganzen spanischen Bresse fommt die aufrichtige Begeisterung für die Flieger zum Ausdrud, an der alle Schichten der Dog Ginet Tabletten in affen Apothefen u Drogerien Mt. 1.für Sänger, Sportsleute, Raucher do- 2-20 Parteinachrichten Berlin S. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin fets a bas Bezirkssekretariat. 2. Sof. 2 Tres. rechts, zu richten Bezirksvorstand. G Heute abend 6 Uhr: Sigung des erweiterten Bezirtsvorstandes im Jugendheim Lindenstraße 3 6. Arris Arensberg. Die 40. unb 47. Abteilung milffen fofart hie Dittmann Broschüre abrechnen bei Boigt, Salobitirdiftr. 8. Richt perkaufte find zurüdzugeben. 9. Ateis Bilmersdorf. Achtung. Abteilungsleiter! Die Sanbaatter für bie Arsismitgliederversammlung aut Mittwoch, 17. februar, find bei Rraibs, Solsteinische Str. 60, abzuholen. Seute( Sonnabend) 9 Uhr geselliges Beifammensein der Parteigenoffen bei Rroihs. Solsteinische Sir. 60. 3ahlreiches Erscheinen erbeten. 15. Kreis Treptow. Die Dittmann- Brofdiren sind umgebend beim Kreis. taffieror Genoffen Gafomsty abzurechnen. Rur aahlreichen Beteiligung an der Rundgebung in Baumschulenweg am Sonntag, 14. februar, Dop mittags 10 Uhr, werden die Genoffinnen und Genoffen des gesamten Kreises aufgerufen. Heute, Sonnabend, den 13. Februar: 80. Abt. Schöneberg. 7 Uhr gefelices Beifammensein in ber Menzelflaufe. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Abholen der Flugblätter in den Lokalen von Anders und Breidau. Die Mitarbeit affer Genoffinnen und Genoffen ist unbedingt erforderlich. 137. bt. Reinidenbarf.Beft. 8 Uhr im Boltshaus Scharnweberfte. 114 treffen fich die Genoffinnen und Genoffen zum gemittlichen Beisammenfein. 11. Morgen, Sonntag, den 14. Februar: t. 5 Uhr bei Berger, Lepekomstt. 21, Bunter Abend. 103. Abt. Oberschöneweide, Morgens 814 Uhr Ahmarsch mit dem Reichsbanner nom Rönigsplek zur Rundgebung nach Baumschulenweg. 104. Abt. Rieberfchönemeibe. Morgens 8% Uhr Bahnhofsvorplak: Treffpunkt zur Teilnahme an der Rundgebung in Baumfchulenweg. Jugendveranstaltungen. Generalversammlung morgen, Sonntag. 14. februar, vormittags 9 Uhr, in der Aula der Schule Rochstr. 13. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch tein Rutritt. Arbeiteringend und Aunft. 5. Bortragsreihe: Arbeiterjugend und Tan tunit". Sonntag, 14. Februar, 7 Uhr, im Augenbheim Lindenstr. 3. Ref.: Dr. Silter. Karten zum Preise von 20 Vf. find noch ein Gaaleingang zu haben. Heute, Sonnabend, den 13. Februar, abends 7½ Uhr: Wilmersdorf: Sugendheim Silbegarbitr. 4. Bortzea: Die englisch- ameri Zanische Jugendbewegung". Morgen, Sonntag, den 14. Februar: Belm Schönhauser Bortabt 1: Schule Schönfließer Str. 7. Beinnabend. bolgplak: Jugendheim Eberswalder Str. 10, Rimmer 7. Gigung der Arbeits gruppe. Senefelber- Biertel: Fahrt: Strumme Lante. Treffpunkt 7 Uhr Stadtbahnhof Schönhaufer Allee. Warschauer Viertel: Jugendheim Tilsiter Straße 4. Chinesisch- Japanischer Märchenabend. Schöneberg I: Treffpunkt Wie immer „ Sie Tacko བ Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 Sc Bernau Börnide. So., b. 13., 7% Uhr, Antreten am Bahnhof zin Fahrt nach Röntgental. Mi., b. 17., 8 Uhr. Monatsversammlung bei Mobifch. Bafferfportabteilung. Sonntag. b. 14., pormittags 9 Uhr ift mitzubringen. Arbeitsdienst auf dem Bootsplak im Bentenfchlok, Marienstraße. Sanbwertszeus Mitte. Samburgfahrer Mo., d. 15., 8 Uhr, in Bannerkleidung Turnhalle Gartenstr. 108. Kreuzberg. Berichtigung: Sonntag. d. 14., Dob Straße 126( Bundeskleidung). mittags 10 Uhr, Antreten Rug und Gruppenführer bei Ewald, Staliger Steglik. Gonntag, d. 14., nachmittag Weißensee Freibenker- Bolkshochschule. Dienstag, 16. Februar, 7% Uhr, Astanische Gnmnasium, Sallesche Str. 26( am Anhalter Bahnhof). Braktische Erziehungs fragen, Reftor Mar Staubefand: Craieberische Aufgaben der proletarisches Eltern". Mieterverein bes Groß- Berliner Bestens E. B. Dienstag, 16. Februar 8 Uhr, in Rehlendorf- Mitte, im Lindenpark", Berliner Str. 8, öffentlich Mieterverfammlung. Rechtsanwalt Dr, Gockel fpricht über ben neuesten Stand der Mieterschuhgefekgebung, die Abbaupläne der Regierung und die Lockerun des Mieterfchukes, Wohnungsneubau und Siedlungsfragen. Ruberverein ,, Borwärts", Berlin, E. B. Sonntag nachmittag 4 Uhr ordent Tiche Mitalieberversammlung. Bortrag der ruffifchen Sportärztin Frau Dr. Bur meister: Sport in Rußland". Mitglieder werden noch aufgenommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr Bappelallee 15. Bos trag bes Herrn A. Domben: Enippe zum Licht". Sarmonium: Auch id war ein Jüngling" aus Waffenschmied"( Lorking). Gäste willkommen. Geschäftliche Mitteilungen. Ersparnis en Reit und Gelb bebeutet file jebe Rüche bie Berwendung vo Magai's Fleischbrühmilrfeln zu 4 Bf. 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Auftragseingangs und Beschäftigungsgrades nicht mehr so ftell ab märts gerichtet wie in den Bormonaten. Am ungünstigsten liegt nach wie vor das Inlandsgeschäft, bei dem besonders beflagt wird, daß jezt auch die Rahrungsmittelgewerbe von der vollen Kraft der Krise erfaßt zu sein scheinen. Bei ben Auslandsaufträgen war zum erstenmal wieder eine bescheidene Zunahme zu verzeichnen. Diese Aufwärtsbewegung Iminer wieder beschäftigen sich die Zagungen fommunaler Ver. Er erwähnt die Tatsache, daß das Mißtrauensvotum gegen scheint allerdings zunächst in erster Linie durch vereinzelte größere bände und Fachorganisationen mit dem Kampf der privaten Severing mit der ungenügenden Handhabung der Kommunal- Auslandsabschlüsse, z. B. in Erz- und Kohlenaufbereitungs- und Birtschaft gegen die Gemeinden. Dieser Kampf hat aufficht im Landtag begründet worden sei, daß ferner die volls. Delgewinnungsanlagen hervorgerufen zu sein. Der Bericht flagt im weiteren über die bedauerliche Entwidbei der ausschlaggebenden Stellung der sogenannten Wirtschaft in fichtsbehörden angewiesen werden follen, die gemeindlichen Berlung der Reparationslieferungen, die bei ber jeßigen parteiliche Landtagsfraktion Anträge vorbereitet, wonach die Aufder Reichsregierung und an anderen Stellen zu so starken Rüdgnügungssteuern herabzusehen und die Getränkesteuern aufzuheben. Handhabung dazu führen müssen, daß die Maschinenindustrie fich von schlägen in der Gemeindewirtschaft geführt, daß es einer langen Hansemann erklärt sehr deutlich dagegen: Ich sehe hierin, ohne mich diesem Geschäftszweig vollkommen zurückzieht. Arbeit bedürfen wird, ehe die Nachteile wieder aufgehoben werden, um geringsten darauf einzulaffen, über die Notwendigkeit der gedie den Gemeinden in diesem Kampfe entstanden sind. Der meindlichen Getränkesteuer und der Bergnügungssteuer in ihrer Teutsche Städtetag hat diesem Treiben gegenüber eine er- gegenwärtigen Höhe ein Urteil abzugeben, eine bedenkliche Tendenz, ftt unliche Bassivität an den Tag gelegt. Er hat es nicht vers tommunalpolitische Forderungen auf dem Bege des Abbaues der Selbstverwaltung durchzufezen. Diefe Tendenz fann ftanden, eine geeignete Breffeabwehr zu organisieren. Er hat es auch nicht verstanden, in der Deffentlichkeit die genügende Aufflärung Einstellung eintragen." der Deutschen Bolkspartei den unberechtigten Ruf antifommunaler über die wirkliche Lage der Gemeindewirtschaft zu verbreiten. Es mußten erit fataſtrophale Rückschläge eintreten, che ein gewiffer Bandel fich bemerkbar machen konnte. Die Berufung des preußischen Ministerialdirektors Dr. Mulert in die Geschäftsstelle des Deut fchen Städtetages ist ein Zeichen dafür, daß man in den führenden Kreisen der deutschen Kommunalpolitifer endlich begriffen hat, daß nur eine energische Gegenwehr zum Ziele führen fann. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat befchoffen, der befannten Denkschrift des Reichsverbandes der Industrie eine Gegenfchaft denkschrift des Städtetages entgegenzustellen, deren Beröffent. lichung möglichst noch im Februar erfolgen foil. Man wird abwarten müssen, ob diese reichlich spät einsetzerbe Gegenaktion Erfolg haben wird. Snzwischen scheinen aber manche Kreise der Industrie selbst eingejehen zu haben, daß ihre feindselige Haltung gegen die Ge meinden schließlich auch für die Wirtschaft verhängnis voll merden fann. So hat der Deutsche Industrie und Handelstag vor einigen Tagen nach einem Referat des früheren Oberbürger meisters Dr. Most, jezigen Syndikus der Handelstammer Duisburg, eine Entschließung über die Finanzpolitik der Gemeinden angenommen, die in der Tonart schon bedeutend gemäßigter ist und in der endlich einmal auch zum Ausdrud gebracht wird, daß eine untrennbare Verbundenheit des gemeindlichen und wirtschaftlichen Leben s" besteht und in der sogar der Aufrechterhaltung der gemeindlichen Selbstverwaltung das Wort geredet mird. Noch bezeichnender für eine gewisse Wandlung der Anschauung ist die Tatsache, daß die Kommunale Umschau", bas offizielle Organ der Deutschen Bolfspartei, in ihrer neuesten Nummer einen Spigenartikel des Beigeordneten Dr. von Hanjemann bringt, auf den in der parteioffiziösen Rationalliberalen Korrespon deng" ausdrüdlich hingewiesen wird. Hansemann erwähnt die sozialdemokratische Kritit, die an das Erscheinen der ersten Nummer dieser Zeitschrift geknüpft worden war. Damals wurde festgestellt, daß fich zwar eine Reihe befannter Oberbürgermeister zur Deutschen Bollspartei rechnet, daß aber die Partei felbft als typische Intereffenvertretung und als Widerspiegelung materieller Bedürfnisse so sehr antikommunal eingestellt ist, daß eine Ver bindung zwischen ihren Idealen und den Bedürfnissen der Gemeinden nur sehr schwer herzustellen ist". Sanjemann betont, daß diefe Rritit aus Jozialdemokratischen Reihen bis zu einem gemiffen Grade durch die Entwicklung gerechtfertigt fet. Er weist besonders darauf hin, daß die Deutsche Boltspartei sich mehr wie einmal in einen durchaus„ unerwünschten Gegensatz zu allen mit der fommu nalen Selbstnermaitung zusammenhängenden Kreifen" gebracht habe. さい Genossenschaften zum Wiederaufbau des Realkredits. Der freie Ausschuß der deutschen Genoffen schaftsverbände, denn auch der Zentralverband deutscher Kon Jumpereine angehört, hat eine Denkschrift über die Neuordnung und den Wiederaufbau des Realkredits mit Hilfe der Spartaffen ausgearbeitet und den zuständigen Regierungsstellen des Reiches und der Länder zugestellt. In der Einleitung wird über die gegenwärtige Geldmarttlage berichtet, die durch Kapitalmangel, nicht etwa durch Geldmangel gefennzeichnet ist. Die Möglichkeit, auf ähnlichem Wege mie bei der Landwirtschaft durch die Rentendant- Kreditanstalt für den städtischen und gewerblichen Grundbesig langfristigen Kredit zu erreichen, ist nicht gegeben. Hier kann auf anderem Wege geholfen werden. Die Hauptinstitute für die Unterbringung von langfristigen Krediten, bie Sparfaffen müssen in die Lage verfegt werden, ihre frühere Aufgabe zu übernehmen. In der Nachkriegszeit sind die Spartassen mehr und mehr zum bantmäßigen Kontotorrent- Kreditgeschäft übergegangen. Tatsächlich ist der Anteil der echten" Spareinlagen der Sparlaffen schwer zu schätzen. Eine gefeßliche Verpflichtung der Sparfaffen, ihrem Zmedgedanten nach ber Träger des Hypothekentredits zu werden, ist unmöglich. Es muß eine finanzielle Rüdendedung geschaffen werden, die es den Sparkassen ermöglicht, ohne Sorge für ihre Liquidität in höherem Maße als bis her Realkredite zu geben. Die Mittel für diese Sicherungs. und Ausgleichstaffe tönnten aus den Erträgniffen ber Hauszinssteuer abgezweigt werden. Ein Betrag von 300 il lionen Mark würde zunächst ausreichen. Auf mehrere Jahre ver teilt tönnte diese Summme ohne Beeinträchtigung der Bautätigkeit aus den Erträgnissen der auszinssteuer aufgebracht werden. LOLYM LOLYM Wie berechtigt die Bezeichnung der DBP. als einer antitommunalen Bartei ist, zeigt im übrigen ber ganze außerordentlich intereffante Auffah, der sich in allen Einzelheiten wie eine fozial demokratische Kritik ber furzsichtigen, stellenweise direkt wider. finnigen haltung der Wirtschaft gegenüber den Bedürfnissen der Gemeinden anhört. Bunft für Punkt widerlegt Hansemann die landläufigen Angriffe. Er legt den Finger in die Bunde, wenn er den Vorwurf mangelnder Bertretung der Wirtschaft in den Gemeindevertretungen an die Adresse der Wirt fchaft selbst zurückgibt, die sich um die Dinge nicht genügend fümmere und nachher in verhängnisvoller Berkennung ihrer eigenen Interessen fich in eine einseitig feindselige Haltung hineinmanövriere. Einzelne Abschnitte lesen sich direkt als ein Privatissimum für gewisse volksparteiliche. Abgeordnete,& B. den bekannten Bandtagsabgeordneten n. Ennern, den Berichterstatter für die Preußische Städtes ordnung. In der deutlichsten Weise widerlegt er das Gerede von unwirtschaftlichen Grundstüdsantäufen der Ge. meinden: Die Entwicklung der Städte gerade im rheinisch- westfälischen Industriegebiet zeigt, wie wenig weitsichtig auf diesem Gebiet häufig die Bergangenheit gehandelt hat. Die Aufstellung Don weitausschauenden Bebauungsplänen, die fyftematische und weitsichtige Planung der Berkehrsent midlung des Wohnungsbaues ist heute eine dringende Forde tung. Es muß gerade in der jeßigen ftillen" Zeit die Bor. arbeit für fünftige Entwidlungsarbeiten geleistet werden, damit die Fehler der Vergangenheit auf diesem Gebiet nicht wiederholt und nach Möglichkeit ausgeglichen wer den. In dieser Hinsicht sind diejenigen Gemeinden, die eine aftive Grundstückspolitik getrieben haben, denjenigen, die hierzu nicht in der Lage waren, meit voraus. IInd darüber hinaus ist eine aftive Grundstückspolitik die Grundlage einer gefunden Kreditfähigkeit und einer gefunden Entwicklung ber fom munalen Berhältnisse im allgemeinen, insbesondere auch auf dem Gebiet des Wohnungsbaues. Man fann deshalb grund sätzlich auch vom Standpunkt der Wirtschaft aus Ausgaben für Grundstüdsantäufe nicht mißbilligen." Eine Schwalbe macht noch feinen Sommer. Aber vielleicht fchen doch die vellsparteilichen Wirtschaftsführer endlich einmal ein, daß ihre arrogante und beschränkte Ablehnung der Gemeindearbeit furafitig wie nur möglich gewesen ist. Die Gemein. den werden jedenfalls gut daran tun, fich viel mehr als bisher attiv gegen die Angriffe zu mehren, denn der Seitpunkt eines gemijjen Stimmungsumfchwunges scheint gefommen. Der mehrfache Betrag diefes Gründungs- und Betriebskapitals würde dann dem Bauwesen durch Anlage der Spargelder in Hypotheken zugeleitet werden können. Eine Kenderung der Dritten Steuernowerordnung ist dazu nicht einmal nötig. Es fommt darauf an, daß die Länder, die ab 1. April 1926 mindestens 15 bis 20 Broz. der Friedensmiete zur Bautätigkeit zur Verfügung stellen müffent, die Ausführungsbestimmungen des Steuernotverordnung ändern. Die preußische Regierung plant zurzeit eine weitgehende Wenderung der bisherigen Bestimmungen über die Berwendung der Hauszinssteuer. Danach find 16/ des Steueraufkommens zur Förde rung der Bautätigkeit zu verwenden. Dieser Sag murde vom Staatsrat auf 18/6 erhöht. Bei einem Gesamtauftommen von einer Milliarde Mart tönnten in einem Jahre 92 Millionen Mart zurüd gestellt werden. Die Menderungen der Berordnungen zugunsten der Sicherungs- und Ausgleichstaffe bei den Spartassen fönnen einheit lich vorgenommen werden; follte Preußen diesen Anträgen ftatt geben, würden die übrigen Länder von selbst diesem Beispiel folgen. Die deutsche Maschinenindustrie im Januar. Der Berein Deutscher Maschinenbauanstalten schreibt in feinem lehten Monatsbericht u. a. folgendes: Die peffimiftische Beurteilung der wirtschaftlichen Lage herrichte in der Maschinenindustrie im ganzen auch Ende Januar noch vor. Der Auftragsbestand der meisten Betriebe ift nach den vielen während der legten Monate fehlgeschlagenen Bemühungen um neue Aufträge weiter zusammengeschrumpft. Die durchschnittliche Arbeitszeit ist im Januar noch weiter gefunten, eine sehr große Zahl von Betrieben hat ihre BelegSchaft weiter einschränken müssen. Immerhin find die Kurven des Fords Pläne für Berlin. Die Fordmotor Company Aft.- Ges.. Berlin, die deutsche Zweigstelle der Fordfabrit in Detroit, hat jetzt ein mehrere Morgen großes Fabritgelände am Westhafen in Berlin erworben und will in Kürze bort mit ber fabritatorischen Zusammenstellung von Wagen, die für den Bertrieb in Deutschland bestimmt find, beginnen. Wie es heißt, sollen zu diesen Wagen bis zu 80 Proz. deutsches Material verwendet werden. Zunächst soll sich das Fabritationsprogramm auf 30 Wagen täglich belaufen. Im fich nur Ausländer. Für die deutsche Autoindustrie sollte der Blan Aufsichtsrat und Borstand der deutschen Ford- Gesellschaft befinden orbs, in Deutschland die Produktion aufzunehmen, ein starter Anporn fein, sich durch eine rasche Durchführung der Rationalisierungsarbeit und vor allem durch Preissenfung auf die verschärfte Konfurrenz einzustellen. Ausdehnung des Metallbanffonzerns. Die Generalversammlung der Metallbant und Metallurgischen Gesellschaft genehmigte die bekannten Regularien und fiiminte der Berteilung von 100Dividende auf die Stammaftien zu. Einer demnächst einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung der Berzelius Metallhütten A- G., die bereits zum Metallbantfonzern gehört, wird die Fusion mit der Metallbant in der Weise vorge Schlagen werden, daß gegen 4 Berzelius- Attien zu 100 Mart eine Eine KapitalMetallbant- Attie zu 160 m. eingetauscht wird. erhöhung der Metallbant tommt nicht in Frage. Die bereits seit Jahren bestehende Zusammenarbeit wird dadurch noch enger gestaltet werden; beschleunigt wurde diese Transaktion durch die finanzielle Lage der Berzelius A.-G. Lage der Berzelius A.-G. Fusion in der Industrie für Eisenbahnfignatban. In der Industrie für Eisenbahnsignalbau haben sich zwet alte und führende Werte zum Zusammenschluß ihrer Betriebe entschlossen. Die Deutsche Eisenbahnsignafwerfe A.-G., Bruchsal und Marienhütte, gehen in der Eisenbahnsignalbauanstalt Mag Jüdel u. Co., Braunschweig, auf. Die Dividende der letzteren foll mit 6 Broz. vorgeschlagen werden. Die Deutsche Eisenbahnsignalwerte A.-G. bleibt ohne Dividende. Es handelt sich um die Bereinigung zweier seit langem in Interessengemeinschaft stehender Werte. Ein Affienpaket der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbaut in Amerifa. Nach dem Beispiel einiger Berliner Großbanten hat auch die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, München, ein Aftienpaket nach New York verkauft. Die Größe des Batets und ber llebernahmeturs der Aftien ist noch nicht bekannt Bermittler mar, wie beim Barmer Banfperein, das Berliner Banthaus Hardn u. Co. Die Aktien sollen an der New Yorker Börse freihändig verfauft werden. Interessant ist, daß bei diesem Verkauf zum erstenmal ein 3med ber Berläufe genannt wird. Der Erlös foll zur Etärtung der liquiden Mittel verwandt werden. Vielleicht gibt ber Geschäftsbericht über den Sinn dieser Verwendung Auskunft Erfte Februarwoche der Reichsbant. Der Rüdgang ber Ins auch im Ausweis für die erste Februarmoche zum Ausdrud. Noch anfpruchnahme der Reichsbant feit der Distontherabjegung fommit in der ersten Januarwoche diefes Jahres war trotz des um 1 Broz höheren Distonts bie Gntiaftung im Ausmaß heitiger als dieses Mal Der Wechselbest and ging in der ersten Februar wodye nur um 53 Mill. zurüd( 1411 Mill.) gegen 177 Mill. in der erften Januarwohe. Die Giroeinlagen der Reichsbanftundschaft stiegen um 187( 177) Mill. auf 765 Mill. Die Zunahme des Bostens der sonstigen Attiven, in denen die Reichsban! hauptsächlich die nicht zur Notendedung bestimmten Devisen aus meift, ist mit 187 mil ebenfalls größer als in der ersten Januar woche( 177 Mill.). Einem größeren Rüdgang der Inanspruch nahme der Reichsbant entspricht also eine ftärtere Sunahme der unverwerteten flüssigen Mittel. Ein Zeichen, daß die Reichsbank die frankhafte Flüssigkeit des Geldmarkts trotz der Diskont ermäßigung auch bis heute noch nicht verringern tonnte. Notenumlauf der Reichsbant ist um 85,7 auf 2563 Mill verringert, der Umlauf von Rentenbankscheinen um 80,5 of 1369,7 mil. Die Bestände an Gold und dedungsfähigen Devisen sind mit 1674,2 mil gegen die Borwoche fast unverändert. Durch die Berringerung des Notemumlaufs ift die Gold- und Devisendedung von 63,2 auf 65,3 Bros. erhöht. Der Die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G. teilt mit: Außer den bisher bestehenden Zahlstellen der Arbeiterban bei den Drtsausschüffen des Allgemeinen Deutschen Gemertschafts bundes in München, Frankfurt a. M. und Liegnis find in letzter Beit Sahlstellen in Dresden und Halle errichtet mor det. Auch an diesen Blägen wickelt sich der Einzahlungsverkehr glatt und reibungslos ab. Beitere Möglichkeiten, die Gemertschaftsgelber bei der Arbeiterbant zu fonzentrieren, sollen demnächst in Rostoc und Offenbach geschaffen werden. Die Spartaffe der Bank der Arbeifer, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Wenn Hühneraugen sprechen! Ob- o- oh O- W- O- Weh M A TO T KATOT КАТОТ Vom Montag, 15. bis Sonnabend, 20. Februar HOSEN WOCHE KOHNEN& TORING Hauptgeschäft: Berlin, Alexanderstraße 12 Zweiggeschälter Rosenthaler Str. 53 Brunnenstr. 126 Boxhagener Str. 30 Wiener Str. 11/ Landsberger Allee 148 Frankfurter Allee 223/ Neukölln, Bergstraße 65 Friedrichshagen, Friedrichstr. 76/ Niederschöneweide, Brückenstr. 18 Arbeits- Hosen Berufs- Hosen Herren- Hosen Engl. Leder, Zwirn und Manchester Köper, Drell und Leinen Buckskin, Cheviot und Kammgarn Breeches- Hosen Etwa 20 000 Hosen vorrätig! Sport- Hosen Ungewöhnlich billige Preise! КАТОТА КАТОТ КАТОТ Zichen Sie das Hühnerauge heraus völlig schmerzlos ohne Pilaster! 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Ich habe nur eine Fahne getannt, Wie Glut und Bluten ein Morgenrot, Und ärmste Steine der Bettlernot, Die habe ich Heimat und Weg genannt. Sie zwangen Leben in Totenhemd, Ich hab aus Gräbern den Sturm gemühlt, An Eisenwänden das Herz gefühlt, Ich ging zu Menschen, den Menschen fremd. Sie warfen Liebe ins Totenhaus, Und wo ein Elend in Aengsten rief, War Mut wie Meer des Erbarmens tief Und spie Berachtung der Großen aus. Die Sonne währt und es geht vorbei Ein Schatten nur vor dem starren Sinn, Und wie ich fieghaft im Sterben bin, So sei, du Lebender, start und frei. Franz Rothenfelder. Zwei Freunde. Bon Lydia Seifulina. ( Schluß.) Eines Nachts, außerhalb der Stadt, fagte Betjta zu Andrejka in bezug auf die Zukunft: Man muß dazu sehen, für den Winter Geld beisammen zu haben, damit man mit irgendeiner Ware zu handeln beginnen fann. Im Winter betteln ist eine schwere Sache. Ueberhaupt bei der Kälte, chne Kleider und ohne Quartier. Vergangenen Winter schlief ich auf ciner Lokomotive. Der Maschinenführer hatte es mir erlaubt. Aber in der Früh war meine ganze Fresse voll Ruß; geht man betteln, läßt man dich nicht einmal ins Haus eintreten mit so einem verfchmierten Gefrieß. Man muß jetzt unbedingt irgendwo viel Geld fehlen, dann wird's schon wieder eine Weile geh'n. Der schielende Betita zum Beispiel hat eine eigene Wohnung, eine Liebhaberin und ist dabei noch fleiner als id)." Und er holte Andrejka nach allem Wissenswerten aus, wer sein Bater war, wer seine Mutter war, auf welche Weise er in die Stadt gekommen war, von sich selber aber erzählte er niemals etwas. Eines Tages hängten sie sich an einen Herrn mit offenem dicken Hals. „ Bitte, schenken Sie uns etwas. für ein Stückchen Brot!" Der Herr aber schüttelte zornig mit dem Bauch, an dem das rohjeidene Hemd straff anlag und sagte laut zu der Gnädigen, die, ganz in Weiß, neben ihm ging: Wieviel folcher Minderjähriger fieht man jetzt an jeder Straßenede. Richtige Verbrecherfandidaten! Diese zerzausten, zerfeßten Jungen find eine richtige Gefahr für die ganze Stadt!" Betjta fchrie ihnen einige faftige Schimpfmorte für die Gnädige nach. Dann liefen sie beide davon. Als sie stehenblieben, um ein wenig zu raften, meinte Betjta: " Das ist eine üble Sache, Bursch, wenn Vater und Mutter Hungers fterben müssen!" ,, und die deinen find also gestorben?!" ,, Das geht dich nichts an!" Dann tamen sie zu einem Jungen mit nadten Knien. Der stand vor einem Haustor. Sie neckten ihn. Der Fünf bis Sechsjährige erwiderte mit dünner, wohlerzoge ner Stimme: " Ich bin fein Junge, ich heiße Nadja!" Nad-- a? Und warum in Hosen?" " Weil es heiß ist, im Sommer fann man sich als Junge an ziehen!" Petjta fand dies begreiflich: ,, ja, man tann. Und ist deine Mutter zu Hause?" " Nein, sie ist mit Nastja auf den Markt gegangen. Großmutter ist zu Hause. Wo ist eure Mutter? Ist sie auch auf den Markt gegangen, um einzufaufen?!" Ja, sie ist auch auf den Marft gegangen, um zu Stehlen. Hore! Bring uns Brot! Du brauchst nicht zu sagen, daß es für uns ist. Sage, du selbst willst es effen. Oder, für einen Hund.." Das Mädchen brachte wirklich einen mürben Wecken und ein paar Stüd Gebäck. Sie aßen es auf und begannen mit ihr zu spielen. Es spielte fich recht angenehm mit ihr, fie plauderte die ganze Zeit. Auch brachte sie ein Hündchen in den Hof, mit dem begann man auch zu Spielen. Sie bemerkten gar nicht, wie die Gnädige mit dem Dienstmädchen in den Hof kam. " Nadja, mit wem spielst du da? Wo ist denn die Großmutter? Was sind das für Knaben?" Und sie selbst blickte gar ängstlich unter dem Hut herver: " Woher seid ihr?" Nadja zur Mutter: Bellage 1901 des Vorwärts Schloß- und Höhlenbewohner. Abfindung? Auf der schönen Welt hienieden Sind die Begriffe eben stark verschieden. Behaglich sitzt der eine, Schlösser zählend, Betjta!... Betj!.... Aber es tam feine Antwort. Es fam der Herbst. Der Straßenschmutz steht so hoch, daß Andrejka gar nicht bis zum Friedhof tommen tann. Und da ereignete es sich, daß es ihm gelang, in einem Kinderheim unterzukommen. Er vergaß Betjfa, wenn auch nicht ganz. Manchmal, nachts, packt es ihn am Herzen, wie mit scharfen Reibeisen: Wohin verschwand Petita?" Ueber Bater und Mutter weinte er nicht, aber über seinen verlorenen Freund wollte er gern weinen. Aber an einer Fabrikmauer flebte ein von dem Wind noch nicht fortgetragener, vom Regen nech nicht verwaschener Fetzen Zeitungspapier. Auf ihm stand mit kleinen Lettern gedruckt und für jeder mann ganz unnütz die Nachricht von einem mißglückten nächtlichen Einbruch: die Räuber flohen, schießend. Bei der Schießerei wurde ein Mitglied der Bande getötet, ein minderjähriger Berbrecher." ( Berechtigte Uebertragung aus dem Ruffifchen von A. M. Wasserbauer.) Die Liebe der Arbeitsbienen. Ihre Mutter ist auf den Markt stehlen gegangen. Jetzt aber ausgeübten offiziellen Propaganda, jo läßt eine folche tief mensch sollen sie mit mir spielen!" Die Gnädige, baftig: „ Was?... Wie?... Wohin stehlen?" Und im nächsten Augenblick sausten sie durch das Tor auf und davon. Die Füße fonnten sie gar nicht schnell genug tragen. An diefem Tage sammelten sie nichts mehr für ihren Unterhalt. Auch am darauffolgenden Tage aßen sie nur ein wenig Kartoffeln. Petjka wurde traurig. Wahrscheinlich von der Hitze. " Das ist ein Leben! Merger als ein Hundeleben! Man müßte irgendwo eine anständige Summe Geldes stehlen!" Am dritten Tage nachher verließ er den Friedhof, wo sie zu übernachten pflegten, allein, ohne Andrejka. Als er mit ihm auf der Straße zusammentras, blieb er nicht stehen. Nur so im Vorüber gehen sagte er zu Andrejka: Heute Nacht habe ich ein Geschäft abzuwideln. Ich habe eine Berabredung. Barte auf mich morgen früh bei dem Grab, wo wir gestern übernachtet haben." " Und ich?!" „ Ich sage: warte auf mich! Du bist zu schwach! Du fannst nicht mit!" Und lief davon. Andrejka wartete auf ihn einen halben Tag lang. Aber er tam nicht. Bergingen noch ein paar Tage aber Andrejta betam Betjta nicht zu Gesicht. Eine volle Woche fand er für sich feinen Platz vor Einsamfeit. Allabendlich fam er zum Friedhof: Das sensationelle Buch einer Sowjet- Diplomatin.*) Wenn jemand, der berufen ist, im Ausland für Ideen, Ziele und Taten des fommunistischen Rußland mit allen Mitteln zu merben, in einem ganz persönlich geschriebenen Buche sein Land und dessen Menschen so schildert, wie er fie ganz für sich mit seinen eigenen Augen sieht, und durch diesen Blick seines eigensten Ich uns Sowjetrußland aus einer ganz anderen Perspektive zeigt als aus jener der von der anderen Hälfte der Verfasserpersönlichkeit liche Offenbarung auch den nicht ungerührt, der politisch ein scharfer Gegner der viel angefeindeten Verfasserin ist. Aber Frau Alexandra Kollontan, die Siplomatische Vertreterin des Sowjetftaates in Norwegen will in diesem Buche nur Mensch sein. Die Sowjetdiplomatin ist hier zur wirklichen Dichterin geworden, ohne opportunistische Absichten und daher ehrlich und wahr aus dem Inneren sind ihr diese Offenbarungen in ſtillen Stunden entflossen, wo sie der unaufhörlich betriebsamen Arbeitsmaschine des illufions losen Verstandes müde war und nur das Gefühl sprechen ließ. Das Buch besteht aus drei Charakterzeichnungen von Frauengestalten. Die erste ist eine typische Vertreterin jener jungen Kleidchen, die überall die Amtsstuben der Sowjetbehörden bevölkern und in deren Kopf sich die Ideen der neuen 3eit mit einer solchen jugendlichen Schärfe und Erbarmungslosigkeit feſtgewurzelt haben, daß die Idee, die doch bei einem jungen Wesen immer ein Ideal sein soll, zu einer steinernen Fraze erkaltet ist. In diesem neunzehnjährigen Geschöpf, das der Mutter den geliebten Mann abspenstig macht und das feimende Lebewesen unter ihrem Herzen nach hierzu eingeholter offizieller Erlaubnis der Behörde im Keim vernichten läßt, weil sie bei ihrer der Partei gewidmeten Arbeit feine Zeit zu so etwas hat", ist scheinbar jedes Gefühl erstorben. Aber das ist noch nicht so furchtbar wie die Tatsache, daß das Mädchen selbst glaubt, sein eisiger Intellekt, der mit schreckhaft flarer Logit für jede ihrer Handlungen eine formvollendete Erflärung Alexandra Rollontan: Wege der Liebe, brei Erzählungen. Malit Verlag, Berlin. WS FÜRSTEN= ABFINDUNG gesam Bellevu Schloss 73 Schlösser 38 Herrschaften 92 Nutzgrundstücke 6 Theater 50 Fidei komisse Es schleppt der andre Lumpen sich herbei. Abfindung heißt beim Bettler Not und Elend Und bei den Fürsten Prunk und Schlemmerei. weiß, sei das einzig Birkliche und vermöge mit seinen Erklärungen die Mutter zu trösten. Diese Charakterstudie ist in ihrer Offenherzigkeit sehr interessant, wirft aber in ihrer niederschmetternden Schärfe zu unerfreulich, als daß man sie mit Befriedigung lesen fönnte, und die Verfasserin, die das Ganze in der Schform so erzählt, als hätten sich ihr während der Amtsstunden die Mutter und die Tochter mit dieser ihrer Beichte anvertraut, steht den Schrecken dieser jede Weiblichkeit tötenden Ideenverwirrung nicht dieser Niederschrift nicht nur ein Erlebnis, sondern viele Erlebnisse zugrunde, die der Verfasserin diesen bedauernsmerten Jugendtyp des freudlosen Verstandes vor Augen gebracht haben. In der zweiten Novelle Schwestern" wird die an sich schöne Idee der Schwesternliebe in dieser Ausführung nicht recht glaub Erzählung, wo die Autorin ihren Gestalten alles andere als Beichhaft, dies vielleicht unter der Einwirkung der vorangegangenen heit eingehaucht hat. Sehr erschütternd und als bezeichnendes Kulturbild aus dem neuen Rußland wirkt dagegen das ungeschminkt geschilderte nackte Elend aller alleinstehenden arbeitslosen Frauen, die hier, weil sie ohne Geld find, ohne daß der Staat einen Finger zu ihrer Hilfe rührt, dem schrecklichen Schicksal der Straße entgegengehen, wie es im fapitalistischen Amerika nicht schlimmer und rücksichtsloser sein könnte. Um fo angenehmer, und zwar vielfach mit Stellen großer Echönheit und voll mit frohem Auge gesehener Stimmungsfeinheiten ausgestattet, ist die dritte Novelle Bassilissa", die sowohl wegen ihres einem fleinen Roman gleichkommenden Umfanges als auch wegen der Vertiefung der Charaktere und der Hervorhebung der Idee als die Hauptarbeit und bestgelungene Arbeit des Buches zu betrachten ist. Wassilissa, eine fleine Arbeiterin, die von der Flamme der Revolution mitgerissen wird, sich zur Parteiführerin und Organisatorin heraufgearbeitet und sich bei aller Verstandes schärfe ein weiches gefühlvolles Gemüt und ein Herz für die auch im gepriesenen Sowjetstaate schwer und gedrückt lebenden wirt schaftlich Schwachen bewahrt hat, verliebt sich in einen jungen Arbeiterführer, wird seine Lebensgefährtin natürlich ohne die bürgerliche Formalität der Ehe, gerät mit ihm in Konflikt, sobald er, der Bolschewit, als Direktor einer sozialisierten Fabrik ein Bourgeoisleben führt, macht alle Qualen der immer wieder hoffenden und dann wieder refignierenden Liebenden durch, die sich verschmäht glaubt, übersteht die schwere Erschütterung eines Selbstmordversuches ihres Mannes und findet endlich nach einer maßlos langen Stufenleiter seelischer Pein durch den Verzicht auf den ge liebten Mann die versöhnende innere Klarheit, und ihr Leben will sie wieder der Idee und der Arbeit widmen, dem Schaffen und Aufbauen, eifrig wie das der Bienen! In dieser Arbeit ist Alexandra Kollotan ganz schlicht und menschlich geworden, so daß jeder den politischen Hintergrund vergißt und sich nur der Gestaltungskraft der Dichterin erfreut, die hier in das Grau der Moskauer Mietfasernen, die Dede der von 3ank und Streit erfüllten Gänge und Amtslokale der Sowjetbehörden und den voll Frühlingsjaft gärenden Boden Südrußlands mit seinen weißen Akazien und Wiesen das Hoffen und Zittern einer Seele legt. Alles in allem sind diese drei Studien ein ausgezeichnetes Kulturund Sittenbild aus dem neuen Rußland, wie es noch selten in der modernen Literatur des Somjetreiches geboten ist. Eine besondere Eigenart liegt noch in diesem Buch: durch das Ganze geht ein ge quälter Zug der Befümmerung über die alles auffaugende Arbeitsmaschinerie des großen Bienenhauses. Wir haben ja teine Zeit! heißt die überall herauszuhörende Klage, wir steden ja in der Tret mühle von Politit, Parteizwift, Reformierungsfieber und haben in unserer Sklavengehegtheit feine Zeit zu lieben und Menschen zu sein! Hermann Rößler, Stockholm. ... aber was? Deutscher Metallarbeiter- Verband Dienstag, den 16. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Zimmer 14 des Berbandshauses, Linienfle. 83/85: Versammlung der Betriebshandwerker der Zigarettenindustrie. Die Tagesordnung wird in ber Bersammlung bekanntgegeben. Die Ortsverwaltung. Theater, Lichtspiele usw. Rahma- buttergleich Großes Schauspielhaus Central- Theater 8 MARGARINE ur: Der Fremde Sport Palast Uhr: Berliner Theater 8 Für Dich CHARELE REVUE TAGLICH 8 Metropol- TheaterUhr: Messalinette Berliner Schlittschuh- Club Metropol- Theater Freitag 12, Sonnabend 13, Sonntag 14.: Heute: Einzige diesjährige Redoute Th. a. Nollendorfpl. Morgen u folg Tage 8 Uhr: 8: No no Nanette Die offizielle Dienstag 16. WohlFrau Volksbühne Lessing- Tb. Operette in 3 Akten 8 Uhr: 8 Uhr: Der Kaufmann Gastspield Saltenvon Venedig Morgen 3 Uhr: JUDITH burgs Bühnen Kron8: Der Kaufmann Drinzessin von Venedig Luise Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus 7% Uhr: Mignon Opernhaus am Königsplatz 8 U: Ritter Blaubart Schauspielhaus 8 Uhr: Faust. I. Schiller Theater 8 U.: Kapitän Brass8 Uhr: Dybuk ( Der Dämon) von An- Skl Regie: Viertel tätigkeits- Nachtvorstellung und Ball Preise 1 M. bis 10 M. WalhallaBarnowsky- Bühnen Theater Höniggrätz.Str. T.:Hasenheid.2110 8U.: Exzesse Homödienhaus Tel.: Norden 6304 8 Uhr: Der Garten Eden Die Tribüne Th. Weinbergsweg 64 Täglich 8 Königin der Nacht 1. Preisr.- Stückm Ges. u. Tanz i. 7 B Sonnt nachm. 4: Rübezahl Admiralspalast Täglich 8 Uhr Zur 200. Aufführg Billige Tel: Wilhelm 5365 Jubiläumswoche 8- Uhr: Die neuen Herren bounds Bekehrung Uhr: Trianon- Th. Herrnfeld Städtische Oper Charlottenburg 8 Uhr: Don Pasqualc Abonn- Turnus IV Zentr 2391 Gespenster schiff Intimes Th. 8 U. Zwei große Schlager: Haller- Revue Achtung Welle 505 bis 14.cr. inkl. Preise 1 bis 8 M. Stg nachm. 8 U u abends 8%, U.: die ganze Vorben Preisen Ein lustiges Aben- Famil. Schmock Stellung zu halteuer an Bord Heute 11 Uhr Klabriaspartie Nacht- Vorstellung Kleine Friedenspr Deutsches Deutsches Theater Künstl.- Theater Mem 8 Uhr: Juarez und Maximilian 8 Uhr: Paganini Th.a. Kurfürstendamm 8 Uhr Kammerspiele Die Nacht 8 Uhr der Nächte Theater am Casino- Theater Kottbusser Tor Täglich 8 Uhr Kottbusser Str. 6 Nen! Der große Erfolg Tägl. 8 U.- Stg. 3 U. Helenes Liebesabenteuer and das bante Programm LunaDie letzte Tha. Schiffbauerdamm Lichispiele Gelichte 8 Uhr: Der fröbliche Weinberg Neukölin Kais.- Friedrich- Str.168 Die Komödie Lustspielhaus Nur bis Montag Kurfürstendamm 206/7 8 Unr Gesellschaft 4 Uhr nachm: Der blaue Vogel" Heute und morgen! 8 Uhr: Dicky Wallner- Theater 8 Uhr: Holportage Freies Volk Beginn 6 Uhr Sagen Sie alles ab was Sie im MonatFebr. hindern könnte, die ElifeSänger Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf Internationales Eis- Hockey- Turnier Heute 9 Uhr morg. bis 6 Uhr abds.: Training 70 abds.: 1. Els- Hockey- Wettkampf Canada- Wien 9 abds.: 2. Els- Hockey- Wettkampf Prag- Berlin Eintrittspreise M.2- bis M. 10, Vorverkauf hat begonnen. I301 Die Revue der Liliputaner im sensationellen Februar- Spielplan Sonntag 3%, Uhr: halbe Preise Rauchen gestattet Zillertal a. Moritzplatz vorm. Buggenhagen mit ihrem Heute Sonnabend 8 Uhr Pracht Programm zu besuchen! Eintritt 0,50-2,50 M. MARKE Quittungs- Rabalt u Reklamemarken fertig seit 45Jahren als Spezialitat alle Plätze 2 u. 4 M. Th. In d. 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Februar 1926, nachmittags Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 2 Gewinne zu je 25000 m. 38258 2 Gewinne ju je 5000 Mr. 90755 8 Gewinne zu je 3000 m, 12064 118246 120048 220761 10 Gewinne su je 2000 7943 30867 110192 189065 215123 24 Gewinne zu je 1000 Mr. 8593 13531 40630 54231 54460 63298 68170 101316 191876 240530 264462 283412 78 Gewinne au je 500.3999 7984 10304 35620 58102 66654 68278 81433.83338 99953 107046 128212 136732 142020 162712 164479 167385 172367 176022 178250 182538 183335 193070 196603 212063 227657 239264 243707 244357 252772 260284 267240 270198 274872 275381 285590 286137 291119 295869 226 Gewinne ju je 300 t. 167 4011 8323 9348 10089 11590 12937 15227 19417 21021 27320 31775 32121 37415 38792 41670 42855 43065 44250 47390 50821 52484 54088 55110 58939 61446 62929 64677 66118 70368 73803 75444 80100 81029 82387 88451 89660 94220 94724 97150 103029 105189 107532 110385 110524 115884 116305 116340 122430 122448 127693 129056 129096 133458 133888 138131 139365 140866 142094 142712 142968 145311 146926 148798 149431 156517 160449 160525 162367 168932 169404 172774 174025 176991 178423 178559 178757 179705 180363 180657 200617 202250 205250 205606 214505 217314 217475 221104 222561 223555 226355 234961 238675 241964 250618 255190 257328 258413 258988 260372 261416 265669 267915 268413 269485 272889 280165 284835 285847 292467 295710 297225 298973 9. Siehungsfag 12. Februar 1926, vormittags Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 4 Gewinne au je 8000 t. 130135 143974 4 Gewinne zu je 3000 R 108642 198967 18 Gewinne ju je 2000 t. 12569 61356 80884 112798 113430 148435 192379 207187 218875 22 Gewinne au je 1000 M. 12208 52180 85319 86889 100356 142707 164113 166406 176385 178186 269658 84 Gewinne an je 500. 1697 25789 26031 30433 33780 33920 89989 44619 55692 65843 71923 79798 91682 101685 109528 114165 114667 124508 136793 154445 176327 177096 178379 183878 186895 188950 193243 209781 209973 215204 245919 247331 252106 253192 256874 264142 265792 279271 280881 294534 294566 297066 194 Gewinne ju je 300 R 4914 8376 6423 15302 16790 18923 20572 21724 32524 41223 46896 51116 52693 60420 61919 62334 68689 69439 69983 76550 80200 83777 85129 86091 88960 88975 89135 94235 98271 100332 103915 112207 113315 114643 122484 123888 124208 125694 131320 134262 134340 135963 150289 151722 163137 163292 166279 166365 169726 172984 173469 175764, 176889 177154 177218 177502 177707 183786 188829 189065 190216 191264 192508 192590 195468 195732 200757 201842 207845 208313 211687 216604 216961 218983 220386 225427 229053 229351 233563 237096 239693 246769 254079 255583 258329 259601 263497 268753 270723 273556 276272 283261 284384 289250 297033 298869 299125 Der Ernst Schlaubitz beabsichtigt bie Aufstellung eines Buftdrudhammers auf dem Grunbitüde Biebenwalder Str. 2/3. Etwaige Einwendungen gegen diefe An lage find bei dem unterzeichneten Stabb ausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nach ber Beröffentlichung ab gerechnet, schrift lich in Doppelter Ausfertigung oder zu Brotokoll anzubringen. Nach Ablauf biefer Frift tönnen Einwendungen nicht mehr erhoben werden. Beschreibung und zeich nungen der geplanten Anlage liegen in unferem Bureau, Berlin C 2, Bailenftr. 27, Aufgeprüngene wiffingo forms Unferem lieben langjährigen Genoffen und Funktionar Albert Ulrich Frankfurter Allee 287, aum 50. Geburtstage die herzlichft. Glüdwünsche. SPD. 35. Abt eeeeeee Für die mir erwiesene. wohltuende Tellnahme beim Heimgange meines Iteben, guten Mannes, unseres inniggeliebten Baters, bes Stadtverordneten August Schmidt fage ich hiermit allen Freunden und Be tannten, insbesondere der sozialdemokrat. Stadtverordnetenfrattion, der Bezirksverordnetenfraftion, Bez. 20, den Genossen bes Kreises und der Abt 187, dem KreisundOrtsverein des Reichsbanners SchwarzRot- Gold, den Angestellten des Bezirksamts 20, ben Stadijugendpflegern von Berlin meinen herzlichsten Dank. Auch bante ich dem Stabtrat Genossen Henke für feine troftreichen Worte.[ 1621b Elfriede Schmidt geb. Lange, Reinickendorf, Scharnwekerstr. 61. Allen Berwandten u. Genossen der 36. Abt. fowie dem Berl. Holzarb.- Berb. für die aufrichtige Teinahme bei der Einäfcherung meines lieben Mannes Ludwig Reese unseren tiefgefühlten Dank. Frau Reese nebst Kindern. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pt Anzeigen, welche für die Fettgedrucktes Wort 25 Pf. ( zulässig 2 fettgedruckte Worte).- Stellengesuche das 1 Wort( feitgedruckt) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. 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