Abendausgabe Nr. 7443. Jahrgang Ausgabe B Nr. 37 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-29% Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Sonnabend 13. Februar 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berleg und Anzeigenabteilung: Geschäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-287 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Reichsbahn vor dem Reichstag. Kritik von allen Seiten. Die heutige Sigung des Reichstags wird um 12% Uhr Dom Präsidenten Löbe eröffnet. Der Entwurf über das vorläufige Handelsabkommen zwischen dem Deutschen Reiche und der Türkischen Republik wird in erster und zweiter Beratung ohne AusSprache angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Haushaltsplanes, beginnend Haushalt des Reichsverkehrsminifteriums. mit dem ringen Aenderungen. über die Differenzen zwischen Reich und Reichsbahnverwaltung. Die Eisenbahn sei auch unter den heutigen Verhältnissen EigenDie Eisenbahn fei auch unter den heutigen Verhältnissen Eigen tum des Reiches, es habe also das Recht, volle Klarheit über Einzelheiten des Unternehmens zu verlangen. Noch heute, sechs Wochen nach Jahresschluß, habe die Reichsbahnverwaltung ihren Abschluß noch nicht fertiggestellt. Aber man fönne doch schon berechnen, daß die Belastung der deutschen Wirtschaft durch Frachten und so weiter von 3 Milliarden vor dem Kriege auf 5% Milliarden Der Ausschuß empfiehlt die Annahme des Etats mit einigen ge- mehr als 1 Milliarde betragen. Es sei eine falsche Rechnung. im vorigen Jahre gestiegen ist.( Hört! hört!) Der Rohertrag habe daß die Reichsbahn mit ihren Neuanschaffungen trotz der Wirt Der Berichterstatter Dr. Quaah( Dnat.) nennt den Reichsverschaftstrife so außerordentlich zurückhaltend sei. Wie widerfinnig tehrsminister einen armen Mann, weil ihm die besten Bissen fort die Tarifpolitit der Reichsbahn sei, zeige folgendes genommen worden feien. Der Redner berichtet dann über die Beispiel: Bolnischer Zucker kostet von der Grenze bis Aachen 3,63 M. Widerstände, die von den Ländern der einheitlichen Regelung Fracht, dagegen deutscher Zucker von Breslau bis Aachen 5,67 M. der Verhältnisse bei den Wasserstraßen durch das Reich ent-( Webhaftes Hört! hört!) Der Reichsverkehrsminister müsse endlich gegengesetzt werden. Es müffe bei der Neuorganisierung darauf der überspannten fistalischen Tarifpolitik der Reichs gedrungen werden, daß die wasserbautechnischen Aufgaben besser bahn em Ende machen. Es sei an Haupt und Gliedern eine Re. gelöst werden. Der Minister habe bei der Besprechung der Kanal- form bet der Reichsbahn notwendig. Landrat werde hart!, rust baupläne die besondere Forderung des Mittellandfanals zugesagt. der Berichterstatter zum Schlusse namens des ganzen Hauses dem Die von der Regierung beabsichtigte Auto steuer werde mit Rüd- Berkehrsminister zu. ficht auf die noch in der Entwicklung stehende Automobilindustrie Für die sozialdemokratische Fraktion spricht als erster Redner wohl feine Gegenliebe im Reichstag finden. Der Redner berichtet Schumann- Frankfurt( Soz.). Ratssik nur für Deutschland! Keine Einstimmigkeit für andere! Die internationale Preisedebatte über die Frage der Ratsjige, über die Störung oder Aufrechterhaltung des Mächteausgleichs im Bölferkamde geht mit unverminderter Heftigkeit weiter. Aber die aus Deutschland und England einhellig herübertönende Opposition gegen eine Vergrößerung des Rates über den einen ständigen Siz Deutschlands hinaus hai dort nun dazu geführt, die Steilung der Regierungen deutlicher zu machen. Chamberlain hat es im Unterhaus zwar vermieden, klar sich auszudrücken. Aber er hat dem Oppositionsführer Macdonald zugesagt, daß er nach einigen Bochen, aber vor der auf den 8. März festgesetzten Bundestagung den Entschluß der englischen Regierung befanntgeben, es also nicht Genfer Kuliffenverband Iungen überlassen werde, wie der Rat nach der Aufnahme Deutschlands zusammengefeßt sein soll. Die Haltung der englischen öffentlichen Meinung hat ihren Eindruck in Frankreich nicht verfehlt. Am Quai d'Orsay wurde gestern erklärt, Frankreich werde Polen nicht im Stich laffen, wenn ein anderer Staat feine Ratsmitgliedschaft beantrage". Das heißt, die französische Regierung wird im Rat night den Antrag stellen, Bolen einen ständigen Sitz einzuräumen. Da die Tschechoslowakei oder andere der fleineren Ratsmächte ihre Selbstverleugnung nicht so weit treiben werden, einem anderen eine bessere Bosition im Rate zu verschaffen, als fie felbft innehaben, so wird es Polen vermutlich überlassen bleiben, sich durch eine fluge Friedenspolitik eine solche Stellung im Bölkerbunde zu schaffen, daß es eines Tages in den Rat hineingewählt wird. Zugleich hat der. Spanische Vertreter in Genf Journalisten gegenüber erklärt, daß Spanien nicht daran dente, seine Stimmabgabe für Deutschland davon abhängig zu machen, daß es selbst einen ständigen Ratsfig erhalte. Da auch aus Frankreich feine Meldungen gekommen sind, die die Deutschland gegebene 3u fage an Bebingungen fnüpfen wollen, so ist mit einiger Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, daß die Aufnahme Deutschlands in den Bund der Eintritt in den Rat programmgemäß unmittelbar folgen wird. Jedenfalls ist allen Berjuchen, etwa aus der Mitte der Bollversammlung eine Aenderung der Ratszusammensehung herbeizuführen, dadurch ein Riegel vorgeschoben, daß einzig auf Borschlag des Rates eine Aenderung feiner Zusammenfezung möglich ift. Dieser Vorschlag muß einstimmig erfolgen. Eine solche Einstimmigkeit ist bislang nur Deutschland gegenüber durch diplomatische Zusagen gewährleistet. Die Zahl aber der mittelgroßen Staaten, die einen ständigen Siz mit Recht beanspruchen, wenn nur einer von ihnen ihn erhält, ift fo groß, daß in der Zahl der möglichen Wettbewerber die befte Gewähr dafür gegeben ist, daß feiner zum Ziel kommt. So ift eine gewiffe Sicherheit dafür vorhanden, daß der Rat, allein durch Deutschland vergrößert, durch seine Zusammenfegung allmählich zu einem Drgan internationalen Ausgleichs wird. Die Luftfahrtverhandlungen. Noch keine Einigung. Zu unserer Pariser Meldung über die nahe bevorstehende Einigung in der Luftfahrfrage erklärt das deutsche Reichsverkehrs. ministertum, dem die Luftfahrt untersteht, daß diefe Meldung den Tatsachen wohl vorauseilen dürfte. Bei der Menge und Kompliziertheit der zu lösenden Fragen sei nicht anzunehmen, daß die Einigung schon so weit gebiehen sei, und daß bereits an der Formulierung des Abkommens gearbeitet werde. Richtig sei es, daß die Bereinbarungen über den deutsch- franzöfifchen Luftverkehr davon abhängen, daß uitb wann die Botschafterkonferenz die Bedingungen für den Bau deutscher Luftfahrzeuge mildert oder aufhebt | Vor einer Kabinettskrise? Wirrwarr in Paris. Politische Rückwirkungen der Finanzkrise. V. Sch. Paris, im Februar. Wer die Flitterwochen des Linkskartells im Sommer 1924 in Paris erlebt hat, als Herriot feine Kampfregierung gebildet hatte und Genosse Leon Blum sein einflußreichster Berater mar, den muß die gegenwärtige politische Lage Frankreichs mit Bitterfeit und Sorge erfüllen. Mag sein, daß jemand, der die Entwicklung dieser 1½ Jahre an Ort und Stelle fortlaufend miterlebt hat, den Unterschied nicht fo start und peinlich empfindet wie jener, der sie nur von felbft einatmet, die im Balais Bourbon gegenwärtig herrscht. der Ferne verfolgen fonnte und plötzlich die Atmosphäre der Konfusion, Intrige und Ratlosigkeit Wer einen einstmals gefunden Menschen nach Jahren wieder erblickt, dem fallen die Krankheitsmerkmale viel deutlicher auf als denen, die ihn in der Zwischenzeit ständig umgaben. Deshalb vermag ich leider den relativen Optimismus mancher französischer Genossen nicht zu teilen, die noch immer auf eine Auferstehung des Linksblocks in seiner ur( prünglichen Geschlossenheit, in seinem urwüchsigen Elan, in seiner einstmals überragenden Volkstümlichkeit bei den breiten Massen hoffen. Noch ist freilich der Linksblod nicht tot, aber er ist schmer tranf; er trägt alle Merkmale des Zerfalls, der Unentschlossenheit und, mas vielleicht das Schlimmste ist, der beginnenden Unpopularität. Die Ursachen? Ach! Sie find mannigfacher Art. Nur zum Teil find es eigene Fehler und Schwächen der Führer des Linksblods gewesen, die diesen Niedergang verschuldeten; zum größeren Teil waren es höhere Gewalten, waren es die Berhältnisse schlechthin, denen die Macht der Regierenden, ihr guter Bille, nicht gemachfen waren. Um die Maffenbelastung in Frankreich. Paris, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die am Freitag in den Reihen des Startells eingetretene Spaltung läßt die parlamentarische Situation in Frankreich start unbestimmt erscheinen. Gewiß, das Linksfartell hat etwas Großes vollbracht: Es hat Durch die Zurüd stellung der auf die Reform des Erbrechts zugunsten des Staates bezüglichen Artifel und durch die mit der auswärtigen Politit des Nationalen Blods zahlreichen Abänderungen der von der Kommissionsvorlage ge- gebrochen und eine neue Politik der Verständigung angemachten Borschläge zur stärkeren Erfassung der Einkommensteuer bahnt. Die Völker Europas, und nicht zuletzt das französische ist ein großer Teil der von der Kommissionsvorlage ursprünglich erbaß sie mit den turzsichtigen Gewaltmethoden von CleBolt selbst, tönnen Herriot und Briand dafür dankbar sein, warteten mehreinnahmen hinfällig geworden. Anderer. daß sie mit den turzsichtigen Gewaltmethoden von Cle seits hat Briand, auf den vom Senat ein starter Drud ausgeübt menceau und Poincaré Schluß gemacht haben. Insofern hat wird, sich verpflichtet, die zum Ausgleich des Budgets erforderlichen fich das Kartell der Linken ein bleibendes Verdienst an Europa erworben; benn selbst, wenn morgen der Linksblod Mehreinnahmen spätestens bis zum Montag in der Kammer zur zerfällt und eine neue Regierungsmehrheit nur mit Hilfe von Berabschiedung zu bringen. Die Regierung wird also heute verfuchen, nicht nur die von der Kommission vorgeschlagenen in. Elementen des Nationalen Blods gebildet werden kann, so ist biretten Steuern, sondern auch die Doumersche 3 ahlungs. ein Rückfall in den Poincarismus unmöglich: die Grundlagen abgabe durchzupeitschen. Gegen diesen Versuch, die ganzen und der Eintritt Deutschlands in den Bölferbund- werden der neuen Bolitik- der Dawes- Plan, die Locarno- Berträge Lasten der Finanzreform einseitig auf die Schultern der Ber- und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund brauchermassen abzuwälzen, wird mit den Sozialisten und unabhängig von der jeweiligen Regierungstonstellation be Kommunisten auch ein beträchlicher Teil der Radikalsozialen und stehen bleiben und eine Rückkehr zu den Gewaltmethoden aus Republikanischen Sozialisten stimmen. Die für die Existenz des die Fortsetzung und den Ausbau der Politit von Locarno den Jahren 1919 bis 1923 unmöglich machen. Freilich ist für Kabinetts Briands entscheidende Frage ist nun die, wie weit das Weiterbestehen einer Linksregierung in Frankreich ebenso Die Mittel- und Rechtsparteien bereit sind, die Lücken zu füllen, wünschenswert wie die Berhinderung einer Rechtsregierung um der von ihnen bisher befämpften Regierung eine Mehrheit zu in Deutschland. fichern. Die Neigung dazu dürfte faum allzu groß sein, so daß die feit 24 Stunden auftretenden Gerüchte von der Möglichkeit einer Rabinettstrife vielleicht schon heute oder morgen greifbare Gestalt annehmen fönnen. Der Budapester Skandal. Die Angeklagten ftreifen. Der Untersuchungsausschuß machtlos. Budapest, 13. Februar.( WTB.) Die drei vor den parlamen. tarischen Untersuchungsausschuß vorgeladenen Beschuldigten in der Fälschungsangelegenheit, Na bossy, kurz und Gerö, sind im Laufe des gestrigen Tages vor dem Ausschuß nicht erschienen. Die Blätter fnüpfen hieran die verschiedensten Bemerkungen und wollen erfahren haben, daß die Genannten ihr Erscheinen vor dem Ausschuß verweigert hätten. Bester Lloyd" meint, daß, wofern dies in der Tat der Fall sei, die oppositionellen Mitglieder des Ausschusses fich feineswegs bereit finden würden, auf ihre Bernehmung zu verzichten. Besti Hirlap verweist darauf, daß im Sinne der Strafprozeßordnung die Angeklagten wohl vor dem Gericht zu erscheinen haben, daß aber die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage set, sie zum Erscheinen vor einem politischen Forum zu zwingen. Standesfragen in der Republik. Aerztliche Ehrengerichte. Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags beriet am Mittwoch, Donnerstag und Freitag den Neuentwurf eines Gesetzes über die ärztlichen Ehrengerichte. Der Entwurf weicht von dem feit 1900 in Geltung befindlichen Gesetz nur in unwesentlichen Kleinigkeiten ab. Die Sozialdemokratie lehnte den Entwurf als solchen ab, weil er ein mit dem demokratischen Staatsgedanken nicht zu ver einbarendes Raftenpripileg schafft. Die Redner unserer Bar tei, Genoffin Kuhnert, Genossen Leinert und Kuttner, wiesen an Hand der bisherigen Rechtsprechung des ärztlichen Ehrengerichtshofs nach, daß die ärztlichen Ehrengerichte vorwiegend ein Mittel des Ronkurrenzneids und des Kampfes gegen politisch oder gefellschaftlich mißliebige Aerzte find. Im Kampf des Leipziger Aerzte vereins gegen die Krankenkassen haben fie in der Richtung eines un moralischen Koalitionszmanges gemirft, mofür die unglaublichen Urteile gegen tassentreue Aerzte zeugen. Die bürgerliche Mehrheit nahm indeffen den Gesezentwurf fast unverändert an und lehnte auch alle Anträge der Sozialdemokratie ab, die dahin zielten, für den angeklagten Arzt die Garantie einer wirtlich unparteilichen Gerechtigkeit zu schaffen. den ersten, den wichtigsten Monaten feiner Regierungszeit Es war nun die Tragit Herriots, daß er sich in auf die Probleme der auswärtigen Politit tonzentrieren mußte und erst dann an die Lösung der Finanzprobleme heranging. Inzwischen verschlechterte sich die finanzielle Lage des Landes: Währungssturz, Teuerung, Mißstimmung waren die Folgen. Im Jahre 1924 hätte sich die Mißstimmung noch gegen die wahren Berantwortlichen gerichtet, gegen den Nationalen Blod und feine auf allen Gebieten verhängnisvolle Politik. Aber die Völker find bekanntlich vergeßlich ( nicht nur in Frankreich). Jetzt, im Jahre 1926, neigt man leicht dazu, den neuen Kurs für die Verschlimmerung der finanziellen Lage des Landes verantwortlich zu machen. Die fapitalistischen Kräfte unter Führung der Hochfinanz und der Schwerindustrie haben sich wieder gesammelt; ihre Preffe stellt in demagogischer Weise die Wahlversprechungen des Linksblocks der tatsächlichen Entwicklung gegenüber. Gleichzeitig organisiert sich der Widerstand dieser kapitalistischen Kräfte gegen die demokratischen Lösungen des Finanzproblems. Und da gleichzeitig das Lintsfartell politisch rechte Flügel der Radikalen mit Caillaug, neuerdings sind es abbrödelt erst war es die Gruppe Loucheur, sodann der Briand und seine Freunde, die in einem zunehmenden Gegenfat zu den Sozialisten geraten fo wird ein einheitliches, zielficheres Borgehen der Linksparteien immer schwieriger, besonders in den Steuerfragen. Ob man diese Entwicklung hätte verhindern können? Bielleicht. Nachträgliches Kritifieren ist leicht. Aber es zeigt fich immer deutlicher, daß die Ablehnung der Sozialisten, sich an der Regierung Herriot sofort nach den Wahlen zu be teiligen, der Grundfehler war. Damals ftand die übergroße Mehrheit der Wähler hinter dem Kartell. Eine ungeheure Welle der Begeisterung ging über das Land. Man er= wartete im Bolte eine Rampfregierung des Kartells. Da mals hätten weder der Senat noch das Banttapital gewagt, jenen Widerstand zu leisten, den sie heute jeder entschiedenen Linkspolitik entgegenstellen. Man hat aber den günstigen Augenblid verpaßt. Im rechten Flügel des Kartelis mehrten sich mit der Zeit die murrenden Stimmen, die es für einen unerträglichen Zustand erklärten, daß die Regierung unter der Kontrolle der Sozialisten stehe, ohne daß fich diese an der Regierungsverantwortung zu beteiligen brauchten. Seither find die Borauslegungen und die Aussichten für eine Roalitionspolitit immer ungünftiger geworden. Erschien noch vor fünf Wochen die Beteiligung an der Regierung vielen Sozialisten als möglich, so hat fich inzwischen die Situation von Woche zu Woche, ja von Tag zu Tag ver. schlechtert. Nachdem der Spruch des sozialistischen Parteitages gegen die Koalition gefallen ist, hat sich Briand feine Mehrheit immer mehr nach rechts gesucht. Das war auch unvermeidlich. So erklärt sich auch seine zwei deutige Haltung gegenüber dem Finanzprojekt der Linken. Er selbst hält sich zurück, aber er läßt den Finanz minister Doumer teils passive, teils sogar Resistenz gegen diesen Entwurf üben, läßt einige seiner Minister, darunter den ehemaligen Kommunisten und Freund Caillaug', Laval, hinter den Kulissen gegen die Linke intrigieren. Er denkt fich wohl: Wozu soll ich mich mit einem Projekt der Links parteien solidarisch erklären und mich einer wahrscheinlichen Niederlage im Senat aussehen, nachdem die Sozialisten ihre feste Mitarbeit an der Regierung endgültig abgelehnt haben? Und so geht das Kartell der Linken seinem baldigen und ficheren Ende entgegen. Die Beratungen der Kammer voll ziehen fich in einem Zustand der völligen Konfusion. Die unglaublichsten Zusaganträge, die faulften Kompromiß. formeln werden mitten in der Debatte eingebracht und ohne Kommissionsberatung blindlings angenommen, zum Teil aber gleich wieder umgestoßen; die niedrigfte Demagogie tobt sich aus, ohne daß man den Mut hat, ihr entgegenzutreten. Man hat völlig die Nerven verloren. Jeder handelt auf eigene Fauft, nach eigenem Gutdünken; fogar in der sozialistischen Fraktion fommen Fälle von Undisziplin vor, die ungerügt bleiben. Die im Vergleich zum Reichstag lebendigere Art des Palais Bourbon, die gewiß auch ihre Vorteile hat und der Tradition und dem Charakter des französischen Boltes sicherlich mehr entspricht als der etwas allzu genau geregelte, monotone Gang des deutschen Parlamentarismus, ist plötzlich zu einer ungeheuren Gefahr geworden. Denn bas parlamentarische System ist seit einigen Wochen plöglich in Mißtredit geraten wie noch nie. Das Gefühl, daß das Parlament nicht fähig ist, der Finanztalamität zu stettern, breitet sich aus. Es äußert sich nicht nur, wie in früheren, ähnlichen Fällen, in allgemeiner Gleichgültigkeit, sondern bereits in Spott und Abneigung. Die reaktionäre Presse schürt diese Unzufriedenheit mit allen Sträften, obwohl die Abgeordneten der Rechten mindestens ebenso sehr an diesen jämmerlichen Verhältnissen schuld find. Auch in Frankreich ertönt jekt immer häufiger und lauter der Ruf nach einem ,, starten Mann". Unter diesen Umständen dürften wohl diejenigen Genoffen so wie jetzt die Dinge liegen schon recht haben, die erklären, die Partei müsse im Hinblick auf die nächsten Barlamentswahlen( die vielleicht infolge einer Kammerauflösung schon vor 1928 stattfinden fönnten) so schnell wie möglich mit dem Linksfartell endgültig Schluß machen und in die Opposition gehen. Der gegenwärtige Schwebezustand -weder Regierungspolitik noch Opposition ist in der Tat auf die Dauer auch für sie gefährlich und unhaltbar! zulaffen! Wir haben bie fefte Zuversicht, daß auch blefer Borftos| poftttfche Rebe, bie nach mancher Richtung interessant ist. Es Landsbergs und seiner Hintermänner von den sozialdemokratischen leistete sich z. B. folgenden Wiz: Arbeitern im Reime erstidt werden wird. Die Abwehr der frechen Vorstöße der Fürstenknechte wird die werktätigen Massen immer fester zusammenschweißen, wird ihren eisernen Willen stählen. Und in einem anderen Artikel: Aufgepaßt auf die offenen Saboteure der mächtigen Bolts. bewegung, auf ihre heimlichen Hintermänner, bie Borwärts" Stampfer und Co. Berräter find am Werke, die Bolfs bewegung gegen die Fürsten zu zerschlagen, das Wort, das euch der Arbeiterklasse verpflichtet, zugunsten der Fürsten und Fürstenknechte zu brechen, eure proletarische Ehre den Fürstenknechten zu ver handeln. Landsberg geht um.( Entsetzlich! Red. d.„ B.") Soll Lands berg, ungestört von den Arbeitermaffen, sein Komplott für die Fürsten zu Ende führen dürfen? Auf zum Gegenstoß gegen Landsberg! Worin besteht Landsbergs gräßlicher Verrat? Genosse Landsberg hat in der Ausschußdebatte das Kompromiß der Regierungsparteien scharf kritisiert. Er hat ihm gegenüber ben alten sozialdemokratischen, von den Demofraten wieder aufgenommenen Antrag, die Auseinanderfezung mit den Fürsten unter Ausschluß des Rechtsals besser bezeichnet. Und er hat dazu bemerkt, nach seiner wegs durch die Landesgefeßgebung zu regeln, persönlichen Auffassung könnte dann der Volksentscheid statt einheitlich im ganzen Reich eventuell länderweise vorgenommen werden. Stampfer u. Co."? Sie hatten diese gelegentliche AnUnd worin besteht der Berrat der Borwärts". merfung Landsbergs nicht bemerkt und über fie gar nicht berichtet! Damit ist bewiesen, daß sie mit Landsberg im Komplott sind! " Daß ist das Komplott der rechten SPD.- Führer", das die Rote Fahne" in sechs Spalten enthüllt. Tatsächlich besteht in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion volle Uebereinstimmung darüber, daß man auch im Reichs tag herausholen muß, was herauszuholen ist, bevor die lehte Entscheidung durch die Boltsabstimmung fällt. Und jeder, der fein Brett vor dem Kopf hat, wird diese Tattit für richtig halten. Die Rote Fahne" sollte sich bemühen, es etwas weniger dumm anzustellen. So wie sie es macht, muß doch jedes Kind erkennen, daß ihr die Frage der Fürstenverniogen ganz gleichgültig ist und daß es ihr nur auf den Krafeel rit der Sozialdemokratie antommt. Und vor allem: sie sollte etmas weniger schreien, sie könnte sich sonst einen Bruch zuziehen. Landbündler- Politik. ,, Wer intensiviert, begeht Selbstmord." In der Deutschen Tageszeitung", dem Organ des Agrarier bundes, findet sich ein sehr ausführlicher Bericht über die Tagung des Bundes der Landwirte im sogenannten Fürstentum Lübeck, einer Dunkle Pläne der Vorwärts". Stampfer u. Co.- Aber in Holstein gelegenen fleinen Proving des Freistaates Oldenburg. die„ Rote Fahne" zerreißt sie. „ Landsberg geht um!" " Das ist eine schöne Geschichte, die uns heute die Rote Fahne" enthüllt. Die rechten SPD.- Führer" waren schon drauf und bran, den Fürsten zu ihrem Milliardenraub zu verhelfen. Die rechten SPD.- Führer" denken befanntlich an gar nichts anderes, als daran, wie sie den Fürsten ihre Milliarden retten tönnen. Ja, aber wenn die„ Rote Fahne" nicht wäre! Die sieht alles, der entgeht nichts, die kennt jeden geheimen Gedanken der rechten SPD.- Führer" und besorgt es ihnen gründlich. Man lese nur: Soll es jetzt einer Gruppe verbürgerlichter sozialdemokratischer Führer gelingen, die gemeinsame Front doch zu zerschlagen, den Fürften zu ihrem Milliardenraub zu verhelfen? Die Massen des werftätigen Bolkes werden diesen Berrat nicht Hohenzollerndank. Der Freiherr vom Stein, einer der tüchtigsten Staatsmänner des alten Preußen, war von Friedrich Wilhelm III. als ein widerspenstiger, troẞiger, hartnädiger und ungehorsamer Staatsdiener" entlassen worden. Stein hatte vergebens die Aufhebung des Geheimen Kabinettrats" gefordert, durch den die Hoffamarilla den König beherrschte. Nach wenigen Menaten war der König gezwungen, den trohigen Staatsdiener wieder zu berufen. Preußen lag vernichtet am Boden; der Frieden von Tilsit war geschlossen, Breußen fast um die Hälfte verfleinert. Stein follte helfen, die Reorganisation des Staates vorzunehmen, den Wiederaufbau zu vollführen. Er fam. Aber der willensstarte Mann ist dem schwächlichen, stets schwankenden König immer unbequem gewesen. Und auch die stockreaktionären Junter haben dem Schöpfer der Städteordnung, die den Städten zum Teil ihre frühere Selbständigkeit wiederbrachte, und dem Bauernbe freier nie verzeihen können. Im Jahre 1812, als das Schicksal Napoleons sich wendete, feine Heere im Innern Rußlands aufgerieben wurden, war Stein zum Kaiser von Rußland geeilt, um ihn zu einem Bündnis mit Breußen gegen Napoleon zu bewegen. Sodann machte er, tregdem er start an Pobagra litt, die weite Reise nach Breslau, wohin der König fich in Sicherheit gebracht hatte. Denn dieser mußte zu jedem Schritt förmlich gezwungen werden. Nur der starke Wille eines Stein war imftande, den König zu Entschlüssen zu bewegen. Wie schon so oft, beugte sich schließlich der schwankende König auch diesmal dem gewaltigen Willen dieses Mannes und ging auf das von Raiser Alexander angebotene Bündnis ein. Zu danken war dies dem geschickten und energischen Handeln des Freiherrn vom Stein. Wie aber dankte ihm der preußische König? Er war höchst unwillig über die Entschiedenheit, mit der sein Minifter die Einwilligung zum russisch- preußischen Bündnis von ihm forderte. Er gab dem Manne, dem er so viel verdankte, nicht ein mal eine Wohnung im Schloß. Er überließ es ihm, fich eine Woh nung im Gafthef zu suchen. Selbst in diesem geschichtlich für das ganze Bolt jo bedeutsamen Augenblick verließ ihn die fleinliche Gehäffigkeit nicht nur durch die Hilfe eines Majors v. 2üom erhielt nach langem Suchen denn die Gasthöfe waren überfüllt der mächtige Minister ein feines Dachstübchen im Gasthof 3 um Szepter. Der Feldmarschall altreuth, jein alter Feind, ter Gegner jeber preußischen Boltserhebung, denunzierte dem französischen Gesandten, daß Stein, ber unermüd liche Agitator, im Szepter" wohne. Sofort umgaben französische Kundschafter das Haus, um zu beobachten, wer den gefährlichen Mann besuchen würde. Scharnhorst, Boyen und andere, als Franzosenfeinde bekannte Männer, tamen im Abenddunkel nach dem Gasthofe, die Hofleute aber blieben aus. Der ängstliche König hatte ihnen jede Verbindung mit Stein verboten. Selbst als wenige Tage nachher der Retter Preußens aus tiefster Ret" an einem Nervenfieber erfranfte und einige Stunden in Lebensgefahr schwebte, blieb er doch einfam in seiner Dachstube. " Erst als am 15. März 1813 der Kaiser Alerander in Breslau einzog, fofort au Stein eilte und sich mit ihm einige Stunden über Die Tagung erhält ihr Gepräge durch die Namen der Redner, die sie beherrschten. Da ist zunächst der Vorsitzende, Herr v. Levezom, dann Graf Kaldreuth, ferner die Gräfin Bülow, der Kraf Rielmannsegg und schließlich der Erbgroß herzog( foll heißen a. D.) Ritolaus von Oldenburg, der in dieser Provinz seines Heimatstaates jetzt als Gutsbesizer sich zur Ruhe gesetzt hat. Der von Levehow erhob Proteft gegen das geplante Reichs bodengefeß, das nach seiner Meinung das Eigentum in Stadt und Land aufs äußerste gefährde" und der Reichsverfassung wider spreche, die das Eigentum gewährleiste. Das Privateigentum der Großagrarier steht ihm augenscheinlich so hoch im Werte, daß darüber die Interessen des Gesamtvolles ruhig in die Brüche gehen dürfen! Graf Kaldreuth, Präsident des Reichslandbundes, hielt eine Wir erkennen jetzt, wie recht jener Amerifaner hatte, der sagtes Ich verstehe gar nicht, daß das deutsche Volk eine Republit macht, das kann es ja nicht bezahlen.( Heiterfeit.) Wir haben nun eine ganze Menge Republiken und Re publitchen gemacht und können feine bezahlen.( Sehr richtig.) In Gegenwart des Erbgroßherzogs" hat Graf Kald reuth es begreiflicherweise unterlassen, auf die unverschämten For derungen hinzuweisen, die die abgefegten Landesväter und ihre Mätreffen an die Republik und die Republikchen erheben. Aber ehrlicherweise hätte er doch daran erinnern müssen, daß der ganze Stab von 22 Monarchen mit ihrem Anhang früher Millionen über Millionen gekostet hat, daß der preußische König alljährlich über 20 millionen Goldmart als 3ivillifte" bezog! Und das, wenn heute das Bolt seine Lasten nicht mehr tragen kann, der von den Fürsten angezettelte Weltkrieg daran schuld trägt. Aber auch das war in Gegenwart des„ Erbgroßherzogs" zu sagen ficher peinlich Kaldreuth gab aber auch den Landwirten einen sehr praf* tischen Wink. Er erklärte nämlich: Im vergangenen Jahre haben wir gesagt: intensiviert soviel wie möglich. Heute müssen wir leider sagen, wer infenfiviert, betreibt Selbstmord.( Sehr richtig!) Das heißt mit dürren Worten: Betreibt eure Wirtschaft nicht fo. daß ihr möglichst viel Produkte für die Ernährung des deutschen Bolles auf den Markt bringen fönnt, sondern treibt Er= nährungsfabotage, bis eure Wünsche erfüllt werden! Das ist die Politit des Reichslandbundes, dessen Präsident Graf Raldreuth ist! Ein„ Deutscher Tag". Unterschlagungen im Werwolf". " Die B. 3. am Mittag" berichtet über Unterschlagungen in der völlischen Bewegung. Die Vorgänge haben sich in Freiberg( Sachsen) abgespielt. Ein von der dortigen Ortsgruppe veranstalteter " Deutscher Tag" hatte mit einem völligen moralischen und finanziellen Mißerfolg geendet und insbesondere den Gastwirten der Stadt, die sich zur Versorgung des angekündigten Massenbesuchs mit großen Borräten eingedeckt hatten, schwere Berlufte gebracht. Angeblich um die hohen Schulden der Organisations leitung zu decken, wurde in den rechtsstehenden Kreisen daraufhin eine Listensammlung veranstaltet. In Wirklichkeit jedoch floffen bie eingehenden Gelder in die Taschen der sammelnben Werwölfe. Als dies ruchbar wurde, erfolgte ein Polizeiverbot der Samm lungen und eine Anflage gegen die Sammler. In der vor dem Landgericht nunmehr durchgeführten Hauptverhandlung wurde ber am stärksten belastete Werwolfmann, ein wie fich jetzt herausstellte, bereits mehrfach vorbestrafter Mensch namens Bücher, zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis Derurteilt, während ein weiterer Angeflagter Hofmann acht Monate Gefängnis erhielt, und ein dritter namens über mit drei Tagen daponkam. Die Freiberger Ortsgruppe als solche ist der Auflösung verfallen. Auch bei der Sammlung von Ruhrhilfegelbern durch die Deutschvölkische Freiheitspartei in Berlin im Jahre 1923 scheint nicht alles gestimmt zu haben. Der damalige Bureauangestellte der Partei, eigl, ist zu folgenden eidlichen Befundungen bereit: Die Bartei fammelte damals unter ihren Anhängern Gelder für die Ruhrhilfe teilweise auf das Postschecktonto, dessen Inhaber der Parteischahmeister Buhlmann war, teilweise auf ein Banffonto, das der Abg. Bulle bei einer Bant in der Mohrenstraße besaß. Feigl hat wiederholt Ruhrhilfsgelder von diesen Konten abheben müssen und ist bereit, zu befunden, daß diese Beträge für Gebaltszahlungen an Parteibeamte, für Bezahlung von Plakat- und Werbefoſten usw., statt für die Ruhrhilfe verwendet wurden. Der Abgeordnete mulle wird nicht umhin tönnen, sich zu diesen ganz fonfreten Angaben zu äußern. das Schickfal Europas beriet, änderte sich das Verhalten des Hofes.| Wohl taum! Uns hat das Großstadtleben mit seiner Haft stumpf Jeßt mußte der König und feine Hoffchranzen dem Ratgeber Alegan ders die gebührende Aufmerksamkeit schenfen. Steins Bemühungen, Deutschland zu einen unter österreichi scher Kaiserfrone, seine Absichten, einen deutschen Reichstag mit freiem Bahlrecht zu bilben, scheiterten. Den in Wien auf dem Rongreß versammelten Fürsten tam es nur darauf an, ihre Dynastien zu erhalten, ihre Hausmacht zu erweitern. Auch die fleinsten Duodezfürsten wollten ihre Souveränität aufrechterhalten. Des Volkes Wohl fümmerte sie nicht. zurüd. Und so zog sich Stein, der Preußen gerettet, ins Privatleben Der Dant vom Hause Hohenzollern. H. Poetich. Großstadtgewissen. Winterabend ist's. Kalt ist die Luft, flar der Himmel, an dem Kein Windhauch regt sich, vereinzelt ein paar Sternlein glühen. überall traumhafte Stille. Nur von fern ein dumpfes Geräufá von Räderrollen. Ist das Abendfrieden? Oder ist es das Schweigen der Nacht, das in Wahrheit viel lauter spricht als der Tag. Was der Tag mit all seiner Haft, seinem Lärm übertönt, das läßt die Nacht nicht mehr ruhn. Ganz leife, unmerflich fajt, tam sie heran, schob die letzten hellen Wölfchen beiseite und steht nun dunkel, geheimnis voll, fragend vor uns. Mühsam verdrängte Bilder des Taas steigen herauf, wachsen zu unerbittlicher Größe und fordern das Recht, eingeordnet zu werden. Irgendwo taucht ein blaffes Kinderköpfchen auf, das am Tag seine Hände zu uns hob, bittend um Geld, um ein Stückchen Brot. Wir hatten feine Zeit, ihm etwas zu geben. Ein altes, blindes Mütterchen gefellt sich jezt hinzu, hockend auf den eiskalten Steinen. Wo ,, Streichhölzchen gefällig", murmelt der eingefallene Mund. faben wir fie? Vielleicht in der Potsdamer Straße unter hellſtem Vielleicht in der Potsdamer Straße unter hellftem Lampenschein. Wir sind irgendwo im Bureau, Raufhaus, in einer Werfftatt angestellt. Das Geficht einer vergrämten, finderreichen Mutter fommt uns wieder ins Gedächtnis. Ihr war der Stoff für die Kinderkleider, für Schuhe zu teuer. Was sagte sie noch? Mein Mann ist seit Wochen arbeitslos und dann 5 Kinder, der Stoff und die Schuhe find wirklich zu teuer." Ein leichtes Achfelzucken; andere Stunden wollen bedient sein Dazwischen flingt das Weinen eines Kindes, das einen Fünfziger verloren hat, für den es Brot holen sollte. Mer verhalf ihm zu einem neuen Geldſtüc? So reiht sich in unendlicher Fülle Bild an Bild. Klarer, härter formt die Nacht sie. War wirklich feine Zeit, dem Kinde vom eignen Frühstück ein Stüd Brot zu schenken; dem blinden Mütterchen ein Streichholzschächtelchen abzunehmen? Warum suchten wir nicht etwas länger nach einem billigeren Stoff für jene finderreiche Mutter? Und hätte nicht das ,, Bedauere sehr" in eine andere Form gebracht werden können? So fragt die Nacht und flagt uns für des Tages Tun und Treiben an. Und wir? Finden mir den Mut, die Kraft, uns zu verteidigen? gemacht. Täglich zeigt es uns dieselben Bilder erbarmungslos wieder, so daß sie wie Schattenbilder flüchtig vorübergleiten. Lange noch liegen wir ruhelos. Ein leises Weinen hält uns wadh Ein Beinen um das Weh der Welt. Und wir wissen. daß einzelne es nicht werden lindern können, daß nur der Bu sammenschluß einer großen, fämpfenden Masse Befreiung bringen Herta 3öld. fann. Revolution im Bodensee? An einer Stelle im Bodensee wird feit längerer Zeit das Emporsteigen schwarzer Schlammassen beobachtet, die einen gasartigen Geruch haben. Aus Lotungen an dieser auf der Höhe von Langenargen gelegenen Stelle ergibt sich, daß an diefer mit 180 Meter tiefsten Stelle des Bodensees sich noch ein zwanzig Meter tiefer liegendes Loch befindet, aus dem die Schlammmaffen herausgeschleudert werden. Man vermutet, daß der See durch dieses Loch die Verbindung mit einem unterirdischen Feuerherde habe, ähnlich den isländischen Geisern. Das Institut für Seeforschung in Langenargen plant in Verbindung mit der Drachen station in Friedrichshafen und der biologischen Station in Wasserburg eine neue Untersuchung der rätfelhaften Dertlichkeit. Madrid ohne Oper. Ein Ausschuß von Bausachverständigen hat dieser Tage noch eingehender Besichtigung des Königlichen Opernhauses von Modrid erflärt, daß das Theater unverzüglich geschlossen werden müsse, da der bauliche Zustand eine ständige Be fahr bilde. Daraufhin ist das Gebäude geschlossen worden. Madrid ist somit ohne Oper; niemand weiß, für wie lange. Man will das Gebäude abtragen und auf dem Blag einen großen Part anlegen. Donnerst Sonsab. Erftaufführungen der Woche. Mont. Sleines Theater: Gin Spiel von Tod und Liebe." Mitimo. Leffing b.: Königin Luise." Renaissance- b.:„ Paterna magica."( 10% Ubr.) Staatsoper: Boris Godunow." Freif. Kammerspiele: Der entfesselte Botan." Jofephine. Die Tribune: Staatstheater: Duell am Libo." Theater am Bülowplay: Sturmflut." Urania- Borträge. Mont., Mittw.( 7), Donn., Freit.( 5): under der Schöpfung.- Mont.( 9), Dienst., Mittw.,( 5), Freit., Sonnab.( 7): Wege zu Kraft und Schonbeit.. Mittw.( 9), Donn.( 7), Freit. ( 9), Connab. u. Gonnt.( 5 u. 9): Die Bunberstadt New york im Film". Donn.( 9): Die weiße Roble.Sonnab.( 7): Formen des U.S.A. Bildungswesens. Zum Filmvorirag Ueber die Unfallgefahren im Steinfohlenbergbau", der am 16. februar in der Urania stattfindet, werden noch Starten im Beschäitszimmer des Grubensicherheitsamts( Leipziger Str. 2) unentgeltlich abgegeben. Weimarer Opernübertragung im Rundfunt. Am 15. Februar wird die erfte Weimarer Opernübertragung aus dem Deutschen Nationaltheater auf den Leipziger mitteldeutschen Sender erfolgen. Es handelt sich um die Sändelsche Over Kerres". Die musikalische Leitung bat Kapellmeister Dr. ato. Die Uebertragung wird in ganz Europa gehört werden. Gründung einer Rinoftadt bel Kiew. Die ftaatliche Stinoverwaltung der Ukraine bat vom Sowjet ber Stadt Riet die Buteilung eines größeren Geländes erbeten, um dort eine Stinofabrit zu gründen. Es ist aber ge plant, um diese Fabrit allmählich eine ganze Filmstadt entstehen zu laffen, mie solche in Besteuropa und Amerila bereits exiftieren. Bermutlich wird der Borort Nafowla zu diesem Zwed ausgewählt werden. Schule Geßler. Der Leutnant von der Reichswehr. In Bennedenstein feierte fürzlich der Kriegerverein sein Stiftungsfest. Dazu erschien auch eine Stiabteilung des Inf. Reg. 12 cuf Einladung. Bekanntlich ist es den Reichswehrtruppen verboten, an Veranstaltungen politischer Vereine teilzunehmen, und man hat nach berühmtem Muster das Reichsbanner für für politisch" erklärt. Wie ging es aber beim„ unpolitischen" Kriegerverein in Benneckenstein zu? Dort hat der Leutnant Hummel, der Leiter der Stiabteilung des Reichswehr- Infanterieregiments Nr. 12 folgende Szene aufgeführt( nach der Hohensteiner Zeitung): Tatlose Jugend. Das Thema der ermerbstofen Jugend erfuhr fürzlich im Borwärts" eine ausführliche Darlegung. Die folgenden Zeilen, von einem guten Renner der Verhältnisse stammend, mögen als Ergänzung dienen. die für die Pflege der erwerbslosen Berliner Jugend von der Stadt Manch einwirtschaftlich veranlagter" Mensch mag denken, daß Berlin ausgeworfenen 150 000 m. besser verbraucht würden, wenn statt der Veranstaltungen, wie Wanderungen, Spiel und Sport, statt der Beranstaltungen, wie Wanderungen, Spiel und Sport, Führungen u. dgl., dieje Summe in bar den jungen Leuten und damit den Familien gegeben wäre. Manche Mutter mag sich das für ihren Jungen bei einer Wanderung aus diesem Fonds verwendete Geld in ihre Wirtschaft wünschen, um damit die allgemeine Rasse zu stärken. Und doch, wenn man die Lage unserer Jugend betrachtet, Herr Leutnant Hummel entbot den alten Beteranen feinen fieht man, wie notwendig dieser Schritt der Fürsorge war. Lagen und liegen doch bisher die erwerbslosen Jugendlichen den echt militärischen Gruß unter Neigung seines Degens. Er ganzen Tag auf der Straße, ohne zu wissen, was sie eigentlich anschilderte, wie die fleine neue Armee mit aller Kraft unter der Flagge Schwarz- Weiß- Rot mit dem neuen Reichsadler in der wenigstens einige Stunden beim Kartenspiel mit ihren Jugendgenossen fangen sollen. Frühmorgens gehen sie zum Arbeitsnachweis, froh, Ede daran arbeite, die Schmach zu tilgen und das deutsche Volk von seinen Blutsaugern zu bezusammen sein zu können. Oder man kann sich doch wenigstens einen Schlag erzählen. Vielleicht erbt man auch eine Zigarette, wenn man freien. Wenn die Stunde der Befreiung schlage, würde das nicht selbst in der Lage ist, den anderen davon abgeben zu müssen. Bolt die Armee auf ihrem Plaze stehend finden. Seine fernige Die Zigarette ist die Hauptbeschäftigung. Die Arbeitslosigkeit macht Rede flang aus in ein Hurra für das Vaterland." Nach der Reichsverfassung soll in der Schule im Geifte der ben Jugendlichen zum Rettenraucher. Die paar Pfennige dafür hat man fast immer, und wenn man die schlechteste nimmt und dabet Völkerversöhnung und Bölkerverständigung unterrichtet werden. Da- hungern muß. hat man so bis 10 Uhr die Zeit mit Zigarettenmit hat man den Willen Deutschlands, künftig in Frieden zu rauchen, Kartenspielen und im Innern mit der leisen Hoffnung auf Icben, an hervorragender Stelle zum Ausdruck gebracht. Was fagen Arbeit verbracht, so wird man, in dieser Hoffnung getäuscht, auf Sie zu der Rede des republikanischen Offiziers in Benneckenstein, die Straße gefeßt, oder beffer gesagt, man wurde es; denn seit Ende Herr Reichswehrminister? voriger Woche weiß man ja, daß man dort nicht fizen bleibt, sondern schon wo anders unterkommt. Nach Hause fann man nicht; benn da ist man in den seltensten Fällen allein und langweilt fich, oder die ganze Bude ist voll, und man hat auch da teine rechte Lust. Und wenn man so vierzehn, fünfzehn ist und hat schon mal Geld verdient, so will man sich auch nicht den ganzen Tag Mutterns Klagen und Schelten anhören. So geht man also jetzt auf den Sportplaß oder ins Jugendheim, oder aber man hat sich schon vor dem allgemeinen Rausschmiß" einem Fürsorger des Jugendamtes angeschlossen, ber vielleicht jetzt schon samt den Jungs im Hallenbad herumschwimmt oder schlittschuhlaufenderweise die Beine bewegt, so er nicht etwa im 300 den Unterschied zwischen Mensch und Affen oder im Aqua den zwischen einer Wanze und einer Schildkröte beweist( da man alle beide dort betrachten tann!). Sollte man sich jedoch schon in früher Morgenstunde am Bahnhof zu einer Fahrt nach dem bekannten Außerhalb" getroffen haben, so schlägt man jetzt auf irgendeinem Waldplaß eine gute Kelle; denn ein Junge ohne Ball ist wie ein Radio ohne Hörer. Und fommt man denn von diesen Beschäftigungen am Abend zurück, dann hat man gerade genug, um geruhsam bis zum nächsten Morgen zu schlafen. Himmel nach mal! Du mit deiner produttiven Arbeit! Gib ihm doch welche!!" Lehrwerkstätten! Woher die mit einemmal hernehmen für diefe Menge und Schule? Davon hat der junge Mensch im allgemeinen genug, wenigstens von der auch jetzt noch üblichen!" Die Wohnungsnot in Rußland. Geständnisse der„ Prawda". Die deutschen Kommunisten können sich bei ihrer Agitation in Uebertreibungen gegen die deutschen Verhältnisse gar nicht genug tun. Jede Bezugnahme auf Rußland pflegen sie dadurch zu erledigen, daß sie von menfchemistischen Lügen reden. Da die Prawda" vorläufig noch ein menschewistisches Lügenblatt, fondern ein tommunistisches Parteiorgan ist, so beziehen wir uns vorsichtshalber auf sie. In ihrer Nummer 19 vom 24. Januar findet sich ein Bericht über die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung. In diesem Bericht heißt es wörtlich: Der Bolfskommissar für innere Angelegenheiten, Genoffe Beloborodoff, teilte mit, daß die Hauptmonente, die für die augenblickliche Lage charakteristisch feien, folgende sind: ein ungeheures Defizit an Wohnraum, fortschreitende Zerstörung der Häuser und endlich eine nur schwache Bautätigkeit. Die festgelegte fsanitäre Mindestnorm von 16 Quadratarschin ist Die feftgelegte sanitäre Mindestnorm von 16 Quadratarschin ( 8 Quadratmeter!) ist zurzeit in einer ganzen Reihe von Bezirken ein unerreichbares Ideal Es gibt Fälle, in denen der Wohnraum eines einzelnen Arbeiters auf vier bis fünf Quadratarschin( also 2 bis 2% Quadratmeter) heruntergeht. So ist die wirtliche Lage in der Wohnungsfrage. Bei jenen Veranstaltungen lernt er bedeutend mehr, als bei einem theoretischen Unterricht. Hier wird sein Geist und Körper ge bildet und gestärft. Und wer sagt, das hierfür ausgeworfene Geld fei hinausgeworfen, ist ein Augenblicksmensch, der nicht bebentt, daß 2, Bahnhofsring. Zur Herstellung unmittelbarer Berbindungen zwischen den Fernbahnhöfen Anhalter, Potsdamer, Stettiner, Schle fischer und Görlizer Bahnhof wird ab Montag, den 15. Februar ,, eine neue Linie unter der Bezeichnung Bahnhofsring" Königgräger Straße( Botsdamer Bahnhof), Friedrich- Ebert- Straße, eingerichtet. Die Wagen verfahren vom Anhalter Bahnhof über Brandenburger Tor, Dorotheenstraße, Luisenstraße, Neues Tor, Invalidenstraße( Stettiner Bahnhof), Brunnenstraße, Rosenthaler Blak, Lothringer Straße, Brenzlauer Allee, Prenzlauer Berg, Königstor, Friedenstraße, Strausberger Straße, Große Frankfurter Straße, Andreasstraße( Schlesischer Bahnhof), Engelufer, Kopenider Straße, Adalbertstraße, Waldemarstraße, Laufizer Platz, Wiener Straße bis Görlizer Bahnhof. Der Betrieb erfolgt in Abständen von 15 Minuten ab Anhalter Bahnhof von 5.55 bis 11.40( Sonntags von 8.10 bis 11.40), ab Görlizer Bahnhof zu denselben Zeiten. Doppelter Kindesmord? Ein mutmaßlicher doppelter Kindesmord beschäftigt die Kriminalpolizei. An der Aguftabrüde wurde gestern von dem Brückenwärter ein mehrfach verschnürtes Patet aus braunem Backpapier aus dem Landwehrkanal gelandet. Man öffnete es und fand darin die Leiche eines neugeborenen Kindes. Man brachte es nach dem Schauhause. Hier entdeckte man unter der ersten noch eine zweite Kindesleiche. Die beiden waren mit einer Schnur zusammengebunden. Das Batet war dann mit Steinen beschwert und in der Hülle von Packpapier ins Wasser geworfen worden. Ob die beiden Neugeborenen eines gemaltsamen Todes gestorben sind, wird erst die Obduktion feststellen fönnen. Die Ermittelungen nach der Mutter wurden sofort eingeleitet. Schwere Betriebsunfälle. Der in der Jutespinnerei in AltStralau beschäftigte 40jährige Arbeiter Georg Lehmann aus Lichtenberg, Blumenthalstraße 14, geriet heute vormittag mit dem linken Arm so unglücklich in die Maschine, daß er zerquetscht wurde. In bewußtlosem Zustande wurde 2. in das Rummelsburger Krankenhaus eingeliefert. Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich in der Frankfurter Allee 281. Hier fiel dem 48 Jahre alten Arbeiter Hermann Heise, der bei der Firma Lange und Gutzeit beschäftigt ist, eine zentnerschwere Eisenschiene auf beide Füße. Mit sehr schweren Quetschungen wurde H. durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes in die Unfallflinik Johannisstraße eingeliefert. Republitanischer Vortragsabend im Herrenhaus. Am Montag, dem 15. 2., abends 8 Uhr, veranstaltet das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold im Blenarsizungssaal des Preußischen Staatsrates, Leipziger Str. 3( Serrenhaus), einen Bortragsabend, bei dem Reichstagsabgeordneter Freiherr von Richthofen zu dem Thema:" Die deutsche Republit" fpricht. Polizeiober leutnant Rölle wird Ausführungen zur Frage: Der Offizier und die Republit!" machen. Einen besonderen Charakter werden die Rezitationen, bie Martin Wolfgang vom Staatstheater bringen wird, dem Abend geben. Eintrittskarten find im Gaubureau, Sebastianstr. 37-38, erhältlich. Groß- Berliner Parteinachrichten. Diese Wohnungskrifts wird dadurch vertieft, daß wir eine fort. Gelb, zur Ertüchtigung der Jugend benut, sich tausendmal perzinst. Junosozialistengruppe Neukölln 2. Treffpunkt zur Fahrt nach Strausberg air fchreitende 3erstörung der Häuser haben. In Tula haben wir nur 18 Proz. aller Häuser, die feine Reparaturen er. fordern. Im Ural find 7 Broz. der Häuser vollständig zerstört und infolgedeffen für die Bewohnung ungeeignet, und 80 Broz. er. fordern eine grundlegende und laufende Reparatur. Diefe Lage iff das Resultat unferer falschen Politik auf dem Gebiet der Wohnungswirtschaft. Als die wichtigste Frage der Wohnungspolitit sieht der Genoffe Beloborodoff die Frage der Miete. Das Volkskommissariat für Inneres verfügt zurzeit über ein sehr großes Material, das aus der Bearbeitung einer Wohnungsenquete in der Broving gewonnen ift. Dieses Material beweist vor allen Dingen, daß die im Sommer feine vorgenommene Erhöhung der Miete wesentliche Befferung in der Hausbewirtschaftung herbeigeführt hat. Während im März( vor der Mietserhöhung) ein Quadratsaschen ( 1 Quadratsaschen sind 9 Quadratarschin, also 4% Quadratmeter. Red. d.".") durchschnittlich mit 44% Ropeten bezahlt wurde, foftete er im September nach der Mietserhöhung etwa 60 Ropeken. Weder die erste noch die zweite Bahl entspricht bei weitem nicht den Selbst toften, die sich auf zwei Rubel und mehr belaufen. Ferner charakterisiert Genosse Beloborodoff die Frage des Wohnungsneubaues. Er erklärt, daß wenn wir bei dem jeßigen Tempo des Neubaues bleiben, wir nicht imftande sein werden, den vorhandenen Wohnraum zu behaupten. Aus diesem Grunde müffe die Frage des Lempos der Neubautätigkeit geprüft, aber gleichzeitig damit auch eine Feststellung unserer Baumaterialien vorgenommen werden, da der Wohnungsneubau wegen Mangel an Baumaterialien zum Stillstand tommen tönne. Den einzigen Ausweg aus der so entstandenen Situation fieht der Genosse Beloborodoff in einer Erhöhung der Wohnungsmiete in einem folchen Ausmaß, daß fie die Selbstkosten decken würde. Er ist der Meinung, daß der Rat der Volkskommiffare feine Wohnungspolifit grundlegend ändern muß, daß man auf das Prinzip der Wohltätigkeitspolitik verzichten und zum Prinzip der Wirtschaftlich feit übergehen muß( fapitalistische Rentabilität d. R.), wie das auf allen anderen Gebieten unserer Wirtschaft bereits geschehen ist. Nach einer längeren Debatte beschloß der Rat der Boltstommisfare eine Reihe von Maßnahmen, die die Bernichtung des Kapitals an Wohnraum zum Stillstand bringen sollen. Um die Einschränkung des vorhandenen Fonds an Wohnraum zu verhindern, beschloß der Rat der Volkskommissare in Anerkennung der Notwendigkeit, einen defizitlosen Zustand bei der Bewirtschaftung der Häuser zu erreichen, eine Neuregelung( lies Erhöhung) der Miete. Diese Miete soll freilich ihre flassenmäßige Grundlage noch behalten. Für die Arbeiter und Angestellten der niedrig bezahlten Kategorien soll die Wohnungsmiete zurzeit sich aufbauen auf den Sosten für die Unterhaltung und Erneuerung der Wohnung, für die höher bezahlten Kategorien foll sie eine Amortisation und Verzinsung für das aufgewandte Baukapital ermöglichen." Dieser Bericht, der sich im übrigen wohl hütet, die furchtbare Lage auf dem ruffischen Wohnungsmartt anschaulich zu schildern, spricht doch in mehr wie einer Beziehung Bände. Schritt für Schritt wird der utopische Weg verlassen. Es ist klar, daß der Rat der Volkskommissare bei seinen jezigen Maßnahmen nicht bleiben wird. Um nur zu einigermaßen erträglichen Zuständen zu kommen, bedarf die russische Regierung heroischer Leistungen. Sie wird die dazu nötigen Mittel nur aus weiteren Steigerungen der Miete entnehmen tönnen. Jedenfalls haben die deutschen Kommunisten nicht die geringste Veranlassung, sich über die Schwierigkeiten in anderen Ländern zu beschweren. In Wien, wo die Sozialdemokraten die Gesetzgebung beeinflussen können, hat man von Anfang an eine Bolitik betrieben, die den wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprach, ohne die besonderen Intereffen der Arbeiter schaft außer Acht zu lassen. Mit Hilfe der gestaffelten Wohnungssteuer find Tausende und aber Tausende von Wohnungen entstanden, lange ehe man in Rußland auch nur daran dachte. Hand anzulegen. Der türkisch- ruffische Vertrag ratifiziert. Nach einer Meldung aus Angora hat die türkische Nationalversammlung einstimmig die Ratifizierung des am 17. Dezember 1925 in Paris abgeschlossenen türkisch- russischen Vertrages beschlossen. Amerika bereitet die Abrüftungsvortonferenz vor. Der amefanische Gesandte in Bern, Gibson, fährt zu Besprechungen über die Abrüftungsvortonferenz nach Washington indem es geiftige und förperliche Kräfte stärkt und vermehrt, die sonst erheblich geschädigt worden wären. Bolfstraft ist das tost barste Gut eines Gemeinwesens und kann durch Geld erhalten, aber nie ersetzt werden. Deshalb ist dieses Hilfswert eine Tat, die ihre Früchte nicht sichtbar tragen, aber befto reicher tragen wird. Der Brandleitetunnel. Die Aeußerung einer Zuständigen Seite"! Zu dem Eisenbahnunglück im Brandleitetunnel bei Oberhof gibt eine Buständige Seite durch WIB. folgendes bekannt: ,, Seitens der Reichsbahnverwaltung waren alle erdenklichen Sicherheitsmaßregeln getroffen worden, die bei Bauarbeiten im Tunnel nötig sind. Besonders waren an der Unfallstelle erhöhte Sicherheitsmaßregeln nötig, da ja im Tunnel bekanntlich starke Rauchentwicklung durch die durchfahrenden Züge entsteht. Die Ent lüftung von Tunneln ist stets Sorge der Eisenbahnverwaltung. Nach den Betriebserfahrungen im Oberhofer Tunnel lag feine Beranlassung vor, die bestehende natürliche Lüftung durch künstliche zu unterstützen, da sich bisher keine Anstände bei der Entlüftung ergeben haben. Die angewandten erhöhten Sicherungen bestanden darin, daß Sicherheitsposten an beiden Seiten der Arbeitsstelle aufgestellt waren, die durch Fernsprecher mit den Bahnhöfen an den Mündungen des Tunnels Oberhof und Gehlberg verbunden waren. Diese Sicherungsposten hatten die Verpflichtung, das Nahen eines Buges nach telephonischer Meldung der Abfahrt von der Station durch Hornsignale der Arbeitsfolonne befanntzugeben. Sie mußten zu diesem Zwed so nahe an die Arbeitstolonne beran gehen, daß das Hornsignal unbedingt gehört werden mußte. Für die Beleuchtung der Arbeitsstelle war durch Scheinwerfer gesorgt. Bei dieser Beleuchtungsart haben sich nach den bisherigen Erfahrungen in Tunneln feine Anstände ergeben. Als weitere verschärfte Sicherungsmaßregel war von der Reichs bahnverwaltung angeordnet worden, daß bei angekündig tem Nahen eines 3uges beide Gleise verlassen werden mußten. Die Arbeiter sollten sich in die im Tunnel angebrachten Nischen begeben, die durch weiße Farbe gekennzeichnet find. Das Ueberschreiten eines Gleises dabei war verboten, da das Gleis, auf dem der Arbeitszug herangebracht wurde, wechselte. Troß dieser verschärften Sicherungsmaßregeln hat sich das bedauernswerte Unglüd ereignet. Nach den bisherigen Feststellungen sind die Arbeiter nicht in die Nischen getreten, sondern haben den Zug auf einem Gleis erwartet, auf dem diefer herankam. Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks ist seitens der Reichsbahnverwaltung alles geschehen, um den Opfern jede nur mögliche Hilfe zu bringen. Das Verbandszeug der nebenliegenden Stationen war auf schnellstem Wege zur Stelle, ebenso die dort befindlichen Tragbahren." Diese Ausführungen, die wahrscheinlich von der zuständigen Reichsbahndirektion inspiriert wurden, stehen in schroffem Gegensatz zu den auch von uns fürzlich veröffentlichten Mitteilungen. Es muß gefordert werden, daß die Verhältnisse im Brandleitetunnel unparteiisch untersucht werden. Es scheint, als ob in dem Tunnel doch vieles im argen liege. Arbeiter, die täglich unter Lebensgefahr Schaffen müssen, mögen diese Gefahren unterschäßen. Um so größer ist die Verpflichtung der Lettung, die Möglichkeit der Gefahr auf ein Mindestmaß herabzudrüden. Und gerade das scheint hier nicht geschehen zu sein, trotz der teilweise sehr bestimmten Ausführungen der zuständigen Seite". Die Aufgaben des deutschen Judentums. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete im großen Saal der„ Gesellschaft der Freunde" einen Vortragsabend. Direttor Dr. Ludwig Holländer hielt eine Ansprache, die sich mit den positiven Auf gaben des deutschen Judentums und der Unbilligkeit der systematischen antisemitischen Kränkungen beschäftigte. Eine gewisse demagogische Agitation habe insbesondere erhebliche Teile der Jugend zu einem„ nationalen Mythos" erzogen. Ein großer Teil der öffentlichen Unmoral wende sich gegen das Judentum, um die notwendigen Barias zu fonstruieren. Das Bündnis zwischen Geift und Leben im Kampfe gegen die zerstörenden Einflüsse der Unduldsamkeit müffe die Barole der deutschen Juden sein. Dem Redner dankte der starke Beifall der Bersammelten. Anschließend sprach Irene T riesch Psalmen, u. a. Deborahs Siegeslied, dessen fünstlerisch wuchtig schattierter Vortrag besonders starken Einbrud erzielte, und Hesetiel 37, sowie Hölderlin, Goethe, Klodstod und Schiller. Goethe, Klodstock und Schiller. Die Schauspielerin erntete den stürmischen Dant ihrer aufmerksamen Hörer. Sonntag, 14, vormittags 7 Uhr, Ringbahnhof Neukölln. Sport. Der gestrige Boxgroßkampftag. Su bem bereits in der heutigen Morgenausgabe veröffentlichten Bericht über den Borgroßkampftag in der Arena am Kaiserdamm geben wir noch folgende Einzelheiten: Lange vor Beginn des ersten Kampfes war die riefige Arena faft bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor der Halle das übliche Treiben. Lange Automobilschlangen, Hunderte von Sportbegeisterten, die natürloch ohne Karten Einlaß begehren, aber von der doppelten Schupotette zurückgehalten werden. Allgemein wird die Meinung vertreten, daß Baoline einen R. o.Sieg erringen wird. Bünftlich nahmen die Kämpfe ihren Anfang. Als erstes Baar freuzten im Mittelgewicht Dietmann und Schmehling- Köln die Handschuhe. Diefmann, der in Schmehling auf einen harten Gegner trifft, bort mit viel Bech. Wiederholt gehen linte und rechte Schwinger ins Leere, während Schmehling gut bedt und überaus hart schlägt. Bis zur 6. Runde liegt Schmehling mit einem kleinen Plus vor. In der 8. Runde holt Dietmann mächtig auf und erreicht ein Unentschieden. Als zweites Paar trafen sich die Schwergewichte Ludwig Heimann und Mehling Würzburg. Heimann, von jeher als famoser Techniker bekannt und beliebt, geht ungeftüm zum Angriff vor und trifft den schwerfälligen Mehling dort, wo er ihn treffen will. Er leidet merklich an Luftmangel. In der 5. Runde werfen die Sekundanten Mehlings das Tuch in den Ring, da Mehling infolge des Luftmangels taum noch fähig ist, seinen Gegner zu gefährden. Unter größter Spannung ftieg Baolino. Diener wird bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt. dann die Sensation des Abends, der Hauptkampf DienerKurz darauf erscheint auch Boalino im Ring, während zu gleicher Zeit die Musir die spanische Nationalhymne spielt. Dann ertönt der erfte Gengschlag. Diener zeigt sich äußerst beweglich und bis zur 2. Runde verläuft der Kampf abwartend. Auf beiden Seiten ein Fühlen und Abtasten. In der dritten Runde gehen beide Gegner hart aufeinander los, und Dieners Taftit, mehr auf dem Körper feines Gegners zu landen, fällt auf. Diener deckt Magen und Herz gut ab und schlägt viel aus der Verteidigungsstellung. In der 4. Runde glänzt Diener und treibt Baolino einen Augenblick in die Enge. Aber auch Baolino teilt furchtbare Hiebe aus, die Diener, der lehr leicht über die Bretter geht, nicht zu Fall bringen können. Be bann schlägt, wenn er gut und sicher landen kann. Nach 10 Runden merkenswert ist die Technik Dieners, der fabelhaft abdeckt und nu: trennen sich die Gegner unter ungeheurem Jubel des Publikums unentschieden. Den letzten Rampf, beftritten die Schwerge wichtler Rosemann und Larry Gains Kanada. Wer hier noch einen flotten Kampf erwartete, wurde enttäuscht. Rösemann zeigte faft nichts und muß sich vor dem ungeftüm auf ihn eindringen ben Kanadier, der flink und fagengewandt ist, lediglich auf die Defenfive beschränken. Kurz vor Ende der 1. Runde muß Rösemann bis 9 zu Boden. Er kommt sehr schwer über die Runde und nur der Gongschlag rettet ihn. Die 2. Runde verläuft ebenso. In der 3. Runde vollzieht sich dann das Berhängnis. Die Sekundanten Rösemanns werfen das Tuch in den Ring. Die Zusammenstellun dieser Gegner war mißglückt, da Rösemann Larry Gains sich teiner Weise gewachsen zeigte. Eishockeykämpfe. Die Weltmeisterschaftstämpfe nahmen am Freitagnormittag mit dem Traininglaufen der Teilnehmer ihren Anfang. Abends fanden Eishodentämpfe statt, die gewissermaßen den Auftaft zu den Weltmeisterschaftstämpfen bilden. Die tschechische Eishodeymannfchaft, die gegen den Berliner Schlittschuhtlub" antreten sollte, traf verspätet in Berlin ein. Der Sportklub Charlottenburg" sprang dafür ein. Die Mannschaft des Berliner Schlittschuhflubs mar vorzüglich in Form, so daß der Kampf 6: 1 für den Berliner Schlittschuhflub endete. 3wischendurch zeigte die osterreichische Weltmeisterin Jarosz Szabo ihre Eisfünfte. Dann trat bie Eishockey- Kanadier- Mannschaft Paris gegen ben Wiener Eislaufverein" an. Beide Mannschaften waren überaus gut, und Watson, der stärkste Mann der Wiener, übertraf sich fast selbst. Bis zur Bause erzielten die Pariser drei Tore. Nach der Halbzeit sind die Pariser noch zweimal erfolgreich, während es den Wienern nur gelingt, zwei Tore erfolgreich zu schießen. Mit 5: 2 Toren müssen Sich die Wiener geschlagen geben. Gewerkschaftsbewegung Uebertretung des Berggesehes. Ein Strafverfahren eingeleitet. Die Geschäftsleitung des Deutschen Bergarbeiterverbandes, Bes zirt Hamm i. W., erstattete, wie in einer kleinen Anfrage eines fozialdemokratis hen Landtagsabgeordneten ausgeführt wurde, gegen ben stellvertretenden Betriebsführer der Zeche Werne, Schacht III, in Rünthe, wegen Uebertretung des§ 93 c des preußischen Berggefeßes beim Oberbergamt in Dortmund im September v. J. Anzeige. Nach§ 93c darf für Arbeiter, die an Be triebspunkten mit einer gewöhnlichen Temperatur von mehr als 28 Grad Celsius nicht blos vorübergehend beschäftigt werden, die Arbeitszeit täglich 6 Stunden nicht übersteigen. Es wurde u. a. gefragt, ob das Oberbergamt in Dortmund auf die Anzeige hin etwas unternommen habe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund der Antwort des preußischen Handlesministers mitteilt, wurden die Be schwerden an Ort und Stelle von dem Bergrevierbeamten durch Bernehmung der Beschuldigten sowie einer großen Anzahl von Zeugen eingehend untersucht. Auf Grund der getroffenen Feſt. stellungen erscheint für einzelne Betriebspunkte der Steigreviere 5 und 7 der Verdacht einer 3uwiderhandlung gegen § 93c des Berggesetzes begründet. Die Anzeige wurde daher unter Beifügung eines Verhandlungsberichts, eines Attenauszuges und eines Gutachtens dem Oberstaatsanwalt in Dortmund zur Entscheidung über die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die verantwortlichen Betriebsführer vorgelegt; das Berfahren schwebt gegenwärtig. Im übrigen findet eine unzulässige lange Arbeitszeit an heißen Punkten auf der Zeche nicht mehr statt; Beschwerden der Belegschaft liegen nicht mehr vor. Einheitsverband der Eisenbahner. Generalversammulng der Berliner Ortsgruppe. In der Jahresversammlung am 11. Februar in den Musiker jälen gab der 1. Bevollmächtigte, Kollege Winkler, den Geschäfts bericht. Der Redner ging auf den Zusammenschluß mit der früheren Reichsgewerkschaft und den Wiedereintritt der FEB.- Kollegen in den Einheitsverband ein und konnte erfreuliche Fortschritte in organisatorischer und agitatorischer Beziehung feststellen. Die Auswirkungen der Krise, der Zusammenbruch einer großen Anzahl in der Inflationsperiode aufgekommener unrentablen Geschäftsunternehmungen, machen sich durch einen Berkehrsrückgang auch bei der Reichsbahn bemerkbar.. Winkler erörterte dann die seit Monaten geführte und immer noch nicht abgeschlossene Lohnbewegung, wobei er mit dem Verhalten der Reichsbahngesellschaft scharf abrechnete. Das wahre Gesicht der Gesellschaft fommt darin zum Ausdrud, daß sie jetzt persucht, eine Erhöhung der Ortslohnzulagen vorzuschlagen, natürlich soweit Mittel zur Verfügung stehen und lediglich zu dem 3wed, die Eisenbahner gegenseifig und gegen ihre Organisation auszuspielen. Mit allen Mitteln versuche die Verwaltung große Teile der Eisenbahnbeamten von der jezigen Besoldungsordnung loszulösen. Der Zeitpunkt, auch für die Beamten den Kollettivvertrag einzuführen, rüdt immer näher. Zu dem rigoros durchgeführten Personalabbau fommt erneut die Schließung der Lokalabteilung Grune wald. Mit aller Macht muß die lleberstundenschieberei im Betrieb und in den Bahnmeistereien bekämpft merden, damit die bier vorgesehenen Kündigungen möglichst verhindert werden. Der Redner schildert dann die überaus schwierige Arbeit der Drtsverwaltung mit verschiedenen Berufsgruppen. Insbesondere bei der Gruppe der Kriegs- und Unfallbeschädigten, denen man unter Bezugnahme auf 8 10 des LTB. das Einkommen türzte, murde versucht, die gemachten Lohnfürzungen wieder aufzuheben. Auch den Schreibhilfen mußte manche bittere Wahrheit gejagt werden betr. Einstufung in höhere Lohnklassen und der Einftellung gegenüber der Drganisation. Interessant, aber auch charatte ristisch für die psychologische Einstellung des AEB. waren die Ausführungen Winklers in bezug auf die Berpachtung der Ge pädaufbewahrungen und die damit in Verbindung stehende Bersonalfrage. Festgestellt wurde, daß der AEB. auf diesem Gebiete fich bon feinem anderen Arbeitgeber unterscheidet. Kollege Winkler gedachte noch der verstorbenen Kollegen und derjenigen, die bereits 25 Jahre ununterbrochen für die ArbeiterDie Distuffion bewegte fich mit wenigen Abweichungen im| verband der Banflettungen und Algemeiner Berband der Deutschen Sinne des Geschäftsberichts. Unter Bezugnahme auf die Verschleppungstaftit der Berwaltung betr. Nichtanerkennung der Verbindlichkeitserklärung und bes propotatorischen Auftretens des Staatssekretärs Stieler wurde folgende Resolution angenommen: ,, Die am 11. Februar 1926 tagende vollzählig besetzte Generalversammlung erhebt schärfsten Protest gegen die vom Staatsfefretär Stieler in Stuttgart gemachten Ausführungen betr. eigenmächtiger Festsetzung von Löhnen und Gehältern durch die Reichsbahngesellschaft. Die Generalversammlung spricht diefer demagogischen und diktatorischen Handlungsweise Stieler's das Recht ab, zu der Loslösung von der Gehaltsordnung des Reiches das Wort zu nehmen, weil Stieler einer, der schlimmsten Reparationsgewinnler ist und selbst sehr gut versteht, neben feinem Jahreseintommen von 60000 mart noch ansehnliche Nebeneinfünfte einzufteden, entgegen der hundsmiserablen Bezüge der Arbeiter und unteren Beamten. Die Generalversammlung legt außerdem energischen Proteft gegen ben Telegrammbrief der Hauptverwaltung ein, bezüglich der dikta torischen Festsetzung teilweiser Erhöhungen von Ortslohnzu lagen auf die alten Löhne. Sie verlangt, daß über die Festsetzung Don Ortslohnzulagen nur mit der zuständigen Organi sation verhandelt wird. Die Eisenbahner werden aufgefordert, sich dieses erneute Täuschungsmanöver der Berwaltung unter feinen Umständen gefallen zu lassen und nach wie vor bei ihren gerechten Lohn- und Gehaltsforderungen zu beharren." In die Ortsverwaltung wurden gewählt: Als Befoldete, Carl Wintler, 1. Bevollmächtigter; Rudolf Schubert, Friz Jaser, Karl Beilschmidt; als Unbefoldete: Albert Bietmann, Friz Meißner, Otto Johl, Georg Mick, Friedrich Graf, Karl Schüler, Richard Rüdiger, Bernhard Lieske und Albert Schulze. Jahresversammlung der Gemeindearbeiter. Feftigung, Erfolge, fommunistische Abfuhr. Der Verband der Gemeinde und Staatsarbeiter hatte am Freitag im Gewerkschaftshaus feine Jahresgeneralversammlung. Ge nosse Bolenske, der den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr gab, ging zunächst auf die Wirtschaftskrise und die damit zufammenhängende Arbeitslosigkeit ein. Beschämend für die größte Stadt Deutschlands fei es, daß gerade in Berlin so wenig und so irät Erwerbslose zu Notstandsarbeiten herangezogen worden sind. Die Arbeitslosigkeit ist in den Gemeindebetrieben infolge ihrer Eigenart gering. Es sind zurzeit etwa 0,5 Proz. der Gemeindearbeiter erwerbslos. 1 Bankangestellten, natürlich aus entgegengefeßten Gefichtspunkten heraus, sich gegen die Verbindlichkeitserklärung aussprachen. Es ist also in Balde mit einer Entscheidung des Arbeitsministeriums zu rechnen. Bergarbeiterstreik in Polen. Um den Achtstundentag. Warschau, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Im Dombro. maer Kohlenrevier ist am Freitag vormittag ein Bergarbeiterstreif ausgebrochen, an dem bis jetzt 26 000 Bergleute beteiligt sind. An der Spizze der Streitbewegung steht ein Komitee, in dem alle Bergarbeiterorganisationen vertreten find. In den am gestrigen Nachmittag abgehaltenen Streifverfammlungen wurden Entschließungen angenommen, in denen mit dem Generalstreit gedroht wird, wenn die Industriellen sich nicht entschließen, die Aufhebung des 8 stündigen Arbeitstages rückgängig zu machen. Borläufig wird noch versucht, die Bergarbeiterverbände Bolnisch Oberschlesiens zum Eintritt in einen Sympathiestreif zu bewegen. Die Regierung hat bereits eine Vermittlungsaktion eingeleitet, während die Industriellen vorläufig noch ein Entgegenkommen an die Arbeiter ablehnen. Luxemburgische Eisenbahnerbewegung. Curemburg, 13. Februar.( WTB.) Der Luremburgische Ge werkschaftsbund der Eisenbahnbeamten protestiert gegen die ungenügende Teuerungszulage( 300 Frank) und fordert den soforti gen Zusammentritt der Kammer, um der unhaltbaren Lage der Luxemburger Eisenbahner ein Ende zu machen. Im Zusammenhang hiermit wird in der Presse scharf dagegen Einspruch erhobe 1. daß die französische Verwaltung auf den Wilhelm- LuxemburgBahnen durch die bedeutend erhöhten Tarife große Gewinne erzielt, von denen sie auch nicht einen Centime den luremburgischen Eisenbahnern zukommen lasse. Infolgedessen müsse der luremburgische Haushalt hierfür auffommen. Die zu diesem 3med beftimmten Summen würden nach der neuesten Berechnung eine febr bedeutende Höhe erreichen. Die Eisenbahnerföderation in Kalfuffa hat sich laut Beschluß ihres unlängst in Madras abgehaltenen Kongresses als neue Mitgliedorganisation bei der Internationalen Transportarbeiterföderation angemeldet. Theater der Woche. Bom 14. Februar bis 22. Februar 1926. Bollsbühne: 14., 15., 17., 18., 19. Der Kaufmann von Benedig. 16. Judith. 20., 21., 22. Sturmflut. Opernhaus: 14. Carmen. 15. Madame Butterfly. 16. Der fliegende Holländer. 17. La Traviata. 18., 21. Boris Godunow. 22. Bozzed. Schau19. Figaros Bochzeit. 20. Hoffmanns Erzählungen. spielhaus: 14., 17., 19. 3m weißen Rößl. 15. Candida. 16., 22. Dilpolang. Kroll- Opez: 14. Bar und 18. Nathan der Weise. 20., 21. Duell am Lido. Bei den 20 Lohntarifen, die in Berlin Geltung haben, maren die Verhandlungen in vielen Fällen oft überaus schwer. Es ist trotzdem bei allen Lohntarifabschlüssen gelungen, die eingetretene Steigerung der Lebenshaltungskosten auszugleichen. Die Löhne maren am Schluß des Berichtsjahres im Durchschnitt 20 bis 25 Brozent höher als im Januar. Die erzielte Lohnerhöhung beträgt immermann, 15. Martha. 16. Mignon. 17. Cvangelimann. 18. Barbier von etwa 6 bis 7 Millionen Mart. Nicht erreicht werden konnte die Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe für die städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen. Trogdem die Stadtverordnetennersammlung die Gewährung einer Beihilfe zweimal beschlossen bai, lehnte der Magistrat fie jedesmal ab. Dagegen tonnten die Bezüge der Ruhelohnempfänger zweimal erhöht merden. Alles in allem fönne man mit dem, was trop der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage erreicht worden ist, zufrieden fein. Wenn die Funktionäre auch in diesem Jahre genau jo rührig fein und für die weitere Stärbung der Organisation sorgen werden, wird es auch möglich, die Lohn- und Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern. Der Kassierer 3iefemann gab darauf einen Ueberblid auf die Kassenverhältnisse der einzelnen Bierteljahre. das letzte Vierteljahr balancieren die Einnahmen und Ausgaben der Hauptkaffe mit 121 197,52 M., der Lokalkassenbestand erhöhte sich um 20 244,55 m. Der Mitgliederbest and belief sich am Schlusse des Jahres auf 24 267. " Nach einer regen Diskussion, in der die Kommunisten die fälligen Parolen" mit lautem Wortschwall vertraten, ohne aber an der Tätigkeit der Ortsverwaltung Kritik üben zu fönnen, wurde eine Entschließung angenommen, die gegen die Ablehnung der Wirtschaftsbeihilfe durch den Magistrat protestiert. Es fanden dann die Wahlen zur Ortsverwaltung ftatt. Die„ Opposition" erhob gegen die Vorschläge der erweiterten Ortsverwaltung Widerspruch: Sie beantragte, die Besetzung der Bosten der unbesoldeten Ortsverwaltung nicht nach der gewerffchaft. lichen Tüchtigkeit, sondern nach dem Stärkeverhältnis der politischen Richtungen. Bei Ablehmung dieses Antrags follte eine Urabstimmung darüber entscheiden. Beide Anträge murden Sevilla. 19. Boheme. 20. Sauberflöte. 21. Zieflond. 22. Mabante Butterfin. Biccolomini. Schiller. Theater: 14., 15., 17., 19., 22. Ballenfteins Lager. 16. Rapitän Brakbounds Belehrung. 18. Jugend. 20. Maria Stuart. 21. Char lens Tante Theater in der Röniggräger Straße: Einen Jur will er fich 15. Die Zauberflöte. machen. Städt. Oper Charlottenburg: 14. Elektra. 16. Die Entführung aus dem Serail. 17. Der fliegende Holländer. 18. Tosen. 19. Mignon. 20. Die toten Augen, 21. iba. 22. Die Boheme. Großes Theater des eftens: 14., 15., 18. Bis 22. Das Schauspielhaus: Für Dich. Die Spiel um die Liebe. 16., 17. Gaftipiel: Tongaruppe Marn Bigman. b 19. Der entfeffelte 9Boten. Tribune: 14. bis 18, Die neuen Herren. Ramabienhaus: Der Garten Cben. Deutsches Rünftler- Theater: Baganini. Berliner Theater: Meffalinette. Residenz Neues Theater am Rao: Gtöpsel. Theater in abeater: Die Durchgängerin. Bentral Theater: Der Frembe. Romilaje der Kommandantenstraße: Lene. Lotte, Siefe, Josefinens Töchter. Metropel Theater: No. Na Oper: Bon A bis 8. Lustspielhaus: Didn. Thalla Ranette. Theater am Schiffbanerdamm: Der fröhliche Beinberg. Theater: Der alte Deffauer. Theater am Rollendorfplak: Die offizielle Frau. Wallner- Theater: Theater am Kurfürstendamm: Die Nacht der Nächte. Rolportage. Theater in ber Klosterftrage: 14., 15., 16. Chre. 17., 18. Müdent Balhalla- Theater: fans. 19. Frau Warrens Gewerbe. 20., 21. Goboms Ende. Rose Theater: Bis 16, Königin der Nacht. Ab 17. Marschall Borwärts. Schlokvart August der Starte.- Rafino- Theater: Selenes Liebesabenteuer. Theater Steglig: 14. Die Frau ohne Ruk. A5 13. Die sier Schlaumeier Theater im Admiralspainft: Theater in der Lükowstraße: Lemkes fel. Mme. Saller- Revue Achtung, Belle 505!. Wintergarten und Scale: Saternatio Leffing- Theater: 14. bis 17. Gastspiel der Soltenburg- Bühnen: Kleines Theater: 14. Dnbus. 25 18. Rönigin Luife. nales Barieté. Kronpringeffin Luife. Deutsches Theater: ( Der Dämon.) Ab 15. Ein Spiel von Tod und Liebe. Rammerspiele: 15. bis 18. Die Ichte Geliebte. Suarez und Maximilian. Ab 19. Josephine. Romödie: 8 Uhr: Gesellschaft. 11% Uhr( Nachtvorstellung): Der blaue Bogel. Rachmittagspozellungen. Boltsbühne: 14. Subith. 21. Don Schiller- Theater: Quichotte.. Rroll- Oper: 14. Ronzert. 21. Fault I. Theater in ber Königgräger Stzages 21. Kapitän Braßbounds Belehrung, Großes Schauspielhaus: 14., 21. Für Dich.14.. 21. Wie es euch gefällt. Die Tribune: 14., 21. 8urid au Romische Nose- Theater: Schloßparl- Theater Theater in ber Likewstraße: Theater im Abmiralspalaft: 14. Lügenmänlchens Wahrheitsmilndchen. Leffing- Theater: 14. Die Braut 14., 21. Haller Revue Achtung, Belle 505! Don Messina. Romöbie: 21. 12 Uhr: Berband Deutscher Erzähler: Morgenfeier air Ehren von Bilbelm Schmidtbonn. Theater des Bestens: 14., 21. Mignon. Methusalem. Refidenz- Theater: 14., 21. Die Durchgängerin. oper: 14. Bon A bis 8. Balhalla- Theater: 14. Ribezahl. 20. Hänsel und Gretel. 21. Als ich noch im Flügelflcide. bewegung gefämpft haben und unserer Organisation angehören. abgelehnt. Die Borschläge der erweiterten Ortsverwaltung, die Stealik: es un chtbetismind Der Kassenbericht, der gedruckt vorlag, wurde von dem Kollegen Iaser ergänzt. Als ein besonders erfreuliches Ergebnis mußte die jetzige Beitragsleistung im Verhältnis zum Mitgliederstand bezeichnet werden. Dieser Gesundungsprozeß tommt auch dadurch zum Ausdruck, daß eine nennenswerte Besserung in der Bargeldabfindung eingetreten ist. Die arbeitslosen Kollegen fowie die Pensionäre konnten zu Weihnachten in angemessener Weise unterstützt werden. Für die Agitation wurden ganz enorme Summen ausgeworfen. Vor allen Dingen hat sich das Betriebsvertrauensmänner- und Kaffiererfyftem zu aller Zufriedenheit ausgewirkt. Die Einstellung einer weiteren weiblichen Hilfskraft machte sich notwendig und ist durch die Brüfungskommission bereits vollzogen worden. Mit der Ermahnung, alles daran zu feßen, um die Ortsgruppe organisatorisch und agitatorisch sowie finanziell aus zubauen, schloß Jajer seinen Bericht. pezialbehandl. Hur für Ischias in Hüft., Gesäß and Bein, wenn ärztl.festgestellt In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Reilerfolge Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. Invalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonntag 10-12. Jacobs Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borrätig in allen VorwärtsAusgabestellen. Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten günstig an Priv. Kat. 650 fr Eisenmöbelfabr. Suhl Thür Pfänder! die in den Monaten Juni und Juli 1925 bei unseren Abteilungen versezt und nicht erneuert wurden, fommen zur Versteigerung ab 15. Februar d. J. und folgende Lage, Jägerstr. 64. Beginn 9 Uhr bormittags. Staatliches Leihamt. nur Mitglieder der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung umfaßten, wurden mit erdrückender Mehrheit gegen eine Fraktionsführung hatte in Erwartung ihrer Niederlage die Barole Pleine kommunistische Minderheit gewählt. Die fommunistische der Stimmenenthaltung ausgegeben, woran sich jedoch die meisten Oppofitionellen" in der Hiße des Gefechts nicht fehrten. Go endete die Versammlung mit einem erfreulichen Aus Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin GB 68. Sindenitzake 3. flang. Nochmals der Schiedsspruch im Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Berband der Deutschen Bantangestellten mitteilt, haben die heutigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über die Verbindlichkeitserklärung des am 3. Februar b. J. gefällten Schiedsspruches zu feiner Einigung geführt. Seitens einiger Angestelltenverbände liegt der Antrag auf Verbindlichkeitserklärung des zuletzt gefällten Schiedsspruches vor, während Reichs. Die schönsten Einsegnungs- Kleider 17.50 292 Unsere 39.75 Frühjahrs- Neuheiten in Kleidern, Kostümen, Mänteln, Complets sind sehenswert W. Bernhard Nachfg. Berlin SW, Belle- Alliance- Str. 105 u. 101, am Halleschen Tor Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Zb. Glode: fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin Landhausstraße 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Berliner- Elektriker- Genossenschaft Berlin N24, Elsässer Str.86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher: Norden 65 25 u. 63 26 Elektrische Anlagen jeder Art u. jeden Umfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram- Lampen zu Fabrikpreisen. Rheumatisme Warum leiden Sie denn? Der seit 30 Jahren bestens erprobte und bewährte Apoth. P. Grundmanne aut rheumatische Vulneral- Blutreinigungstee dieser bösen wird auch Sie bestimmt von Plage befreien. 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