Nr. 77 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 39 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig. monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Defterreich. Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, fülr bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten fomie dez Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille Beile Reflamezeile 80 Pfennig. 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennia. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Anlaß zu diesem Schritt dürfte weniger die Polemik gegeben haben, die, mehr oder minder inspiriert, seit acht Lagen die Weltpresse erfüllt, als die amtliche Auskunft des englischen Außenministers Chamberlain, der auf eine Anfrage des Genoffen Macdonald nur ausweichend erwiderte, er halte es nicht für opportun, im gegenwärtigen Zeitpunkt der diplomatischen Erörterungen hierüber bindende Erklärungen abzugeben. Diese offizielle Erklärung berechtigte und verpflichtete die Reichsregierung, nun ihrerseits die Frage aufzu werfen, was mit diplomatischen Erörterungen" anderer Mächte gemeint sei, die die Neuzuſammenſegung einer Körperschaft in den Augenblick betreffen, wo Deutschland in sie eintritt. So sehr Deutschland durch den Hinweis auf die Illoyalität eines solchen Verfahrens einen starken diplomatischen Druck ausüben fann, man wird wünschen müssen, daß die Reichsregierung nicht nur mit Deutschlands Interessen und ihm still schweigend gegebenen Zusagen ihn national, sondern daß fie auch international begründet hat; mit dem Hinweis darauf, daß der Ausgleich der Mächte und die unparteiische Autorität des Völkerbundes gemindert statt gefördert werden, wenn die durch Deutschlands Beitritt eintretende Wandlung des Völkerbundes durch die Aufnahme oppofitioneller Mächte wieder paralysiert wird. Je stärker Deutschlands auswärtige Politif internationale Gründe Luppe gerechtfertigt. | Sir Eric Drummond im Auswärtigen Amt. Amtlich wird gemeldet: Der Generalsekretär des Völkerbundes, Eir Eric Drummond, der in Berlin eingetroffen ist, um dem deut schen Außenminister einen Höflichkeitsbesuch abzustatten und mit den für Völkerbundsangelegenheiten im Auswärtigen Amt zu ständigen Stellen Fühlung zu nehmen, suchte gestern morgen Herrn Staatssekretär von Schubert in der Wilhelmstraße auf. Hinsichtlich des Verfahrens der Sondertagung der Bölkerbundsversammlung, die vom Völkerbundsrat auf den 8. März einberufen wurde einen Tag, der für die nächste Ratssitzung bereits festgefeßt war wurden verschiedene Fragen einer Prüfung und Aussprache unterzogen. Außerdem wurden allgemeine Fragen hinsichtlich des Völkerbungssekretariats, die zur besonderen Buständigkeit des Generalsekretärs gehören, erörtert. Die Besprechungen werden fortgesetzt. In Ergänzung dieser amtlichen Mitteilung erfährt der„ Sozialdemokratische Preffedienst" weiter, daß am gestrigen Nachmittag die erste Aussprache mit Stresemann stattfand. Ein amtliches englisches Dementi. London, 15. Februar.( WTB.) Wie Reuter von autori fierter Seite erfährt, entbehrt die Nachricht gänzlich jeder Begründung, wonach Großbritannien den Borschlag, Polen, Spanien und Brafilien ständige Sige im Bölferbundsrat einzu räumen, angenommen haben soll. eine Herabsetzung der Gesellschaftssteuer, besonders der Fusions. steuer, der Wertpapier- und Börsenumsatzsteuer, der Grunderwerbssteuer, Beseitigung der Wertzuw a dh se steuer, Erleichterung bei der Obligations steuer, Angleichung des infommensteuertarifs an die im ursprünglichen Regie rungsentwurf vorgesehenen Säße, Vereinfachung der Lohnsteuer, Beseitigung der Lurussteuer. In diesem Katalog, dessen wichtigstes Stück die Herabsetzung der Einkommensteuer ist, fehlt also die Forderung der Herabfegung der Umsatzsteuer. Nach dem Bericht der„ Täglichen Rundschau" verlangt der Reichsverband der Industrie ihre Herabsetzung nur bedingungsweise, und zwar nur dann, wenn die Balancies rung des Etats dadurch nicht beeinträchtigt wird". Befiß steuer ermäßigung also ohne Rücksicht auf die Reichs finanzen, Ermäßigung der Verbrauchssteuern nur in zweiter Linie, und nur dann, wenn der Besitzsteuerabbau noch die Möglichkeit dazu läßt. Die Strafkammer Nürnberg seht ihn außer Verfolgung. Nach fünfwöchigen Berhandlungen hat endlich gestern Nach fünfwöchigen Verhandlungen hat endlich gestern die Straffammer des Landgerichts Nürnberg beschlossen, das Hauptverfahren gegen den des Meineids angeschuldigten Oberbürgermeister Dr. Luppe nicht zu eröffnen und ihn außer Berfolgung zu setzen. Mit diesem Beschluß, dem die Wiedereinsegung in das Amt hoffentlich ebenso die Wiedereinsetzung in das Amt hoffentlich ebenso prompt auf dem Fuße folgen wird, wie feinerzeit die Amtsenthebung unter Bezugnahme auf das eröffnete Verfahren erfolgte, erleidet die Reaktion in ihrem Kampfe gegen den verhaßten Nürnberger Oberbürgermeister eine jetzt wohl end gültige Niederlage. Der Versuch, Luppe des Meineids zu ver dächtigen, war der legte Streich, der einen jahrelangen Rampf gegen den reichstreuen Republikaner zum Abschluß bringen follte. Eine niedrige und gemeine PresseverleumdungsDie Sozialdemokratie hat mit Unterstüßung der Abgg. fampagne, wochenlang sich hinziehende Beleidigungsprozesse Dr. Brüning( 3.) und Schneider- Berlin( Dem.) im Steuerausichuß hatten Luppe nicht aus dem Sattel heben können. Im Gegen den Antrag eingereicht, die Reichsregierung zu ersuchen, dem Austeil, im Laufe diefes Kampfes gewann Luppe selbst bei einem Teil seiner Gegner an Ansehen. Das Bezeugten die Entschuß unverzüglich eine Uebersicht über die dem Tabatschließungen des Nürnberger Stadtrats, der noch kürzlich ihm mit großer Majorität sein Bertrauen aussprach. Die Eröffnung des Meineidsverfahrens war die letzte Karte, die seine Geg ner ausspielten. Diese Karte hat nicht gestochen. Damit bricht der Kampf endgültig zusammen. Neben ihm ist auch der Stadtfefretär Genosse 3 apf außer Berfolgung gesezt, der in der gleichen Angelegenheit des Meincids beschuldigt wurde. Jeder, der auf die Austragung politischer Kämpfe mit ehrlichen und anständigen Waffen hält, wird sich dieses Sieges gegenüber Gemeinheit und Niedertracht freuen. Die Steuerabbaulawine. Auch die Deutsche Volkspartei beteiligt sich. Dem Borbild der Deutschnationalen entsprechend hat nun auch die Deutsche Volkspartei einen Antrag eingebracht, die Reichsregierung zu ersuchen, umgehend Maßnahmen zu treffen, daß die am 15. Februar 1926 fälligen Vorauszahlungen auf die Ber mögens- und auf die Einkommensteuer je zur Hälfte bis auf weiteres ginslos gestundet werden, ohne daß das Recht des Steuerpflichtigen volle Stundung zu beantragen, hierdurch berührt wird. Die Bayerische Boltspartei hat entsprechend ihren Anfündigungen den Antrag gestellt, die Erhöhung der Biersteuer aufzuheben. Sehr interessant ist die Stellungnahme der Industrie zu dem Programm des Reichsfinanzminifters. Nach Mitteilungen in der Täglichen Rundschau hat der Reichsverband der Indu strie am Sonnabend folgende Forderungen beschlossen: Aufstellung eines Probeetats, dessen Ausgaben um etwa 20 Pro3. herabzusetzen feien, ferner Einräumung eines Betorechts für den Reichsfinanzminister gegenüber den Ausgabebewilligungen des Reichstags, der Länder und Gemeindeparlamente, entsprechend dem englischen Vorbild. Ferner sei die beschleunigte Durchführung der in ber Novelle zum Finanzausgleichgefeß vom August vorigen Jahres angeordneten Finanzstatistit zu fordern. Anzustreben sei gewerbe überben gefeßlich festgelegten Zahlungstermin hinaus gewährten Steuerstundungen und Moratorien vorzulegen. Die sabotierte Finanzvorlage. Doumers Durchpeitschungspläne. Paris, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Montag das 3erstörungswert an der Vorlage der Kom mission fortgesetzt. Sie hat für die von der Kommission an dem Regierungsentwurf übernommene Ausdehnung der Umsatzsteuer auf den Export, die eine Einnahme von 720 Millionen bringen sollte, sowie für die beantragte Erhöhung der Abgabe auf Automobile mit einem finanziellen Ergebnis von 50 Millionen die Zurückstellung beschlossen, die einer zum mindestens provisorischen Ablehnung gleich tommt. Der Rest der Borlage foll noch am Montag in einer Nachtfigung durchgepeitscht werden. Zur Diskussion stehen u. a. noch die Erhöhung der Einnahmen aus dem Tabakmonopol, der Bofttarife und verschiedener kleinerer Lugusabgaben. Selbst wenn sich für die eine oder andere eine Mehrheit finden sollte, dürfte das Gesamtergebnis der von der Kammer angenommenen Artikel der Kommissionsvorlage taum mehr 1 bis 1,2 Milliarden übersteigen. Bufammen mit den 3 Milliarden des Loucheurschen Projektes, deren Eingliederung in das Budget von der Regierung verlangt wird, würde also eine knappe Dedung für das Defizit des Haushalts für 1926 vorhanden sein. Wenn auch von der Regierung eine halts für 1926 vorhanden sein. Wenn auch von der Regierung eine definitive Erklärung noch nicht vorliegt, kann es doch nunmehr als definitive Erklärung noch nicht vorliegt, fann es doch nunmehr als ficher angesehen werden, daß diefe es nicht wagen wird, auf ihre ursprüngliche Idee, in letzter Minute die Zahlungssteuer zu präsentieren, zurüdzukommen. Dadurch aber ist der Hauptteil des Sanierungswertes wieder einmal ins Wasser gefallen und Herr Doumer, der über die Mittel zum Ausgleich des Budgetdefizits hinaus 4½ Milliarde zur Amortisierung der Schuld verlangt hatte, wird seine gegen die Linke gerichteten Intrigen mit dem völligen 3usammenbruch seines Reformplanes bezahlen müssen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr. 3. Heereslieferungen! Ein Staatssekretär, ein Generalmajor, ein Obersts leutnant a. D. als Vermittler. Im Anfang des Krieges hieß das große Zauberwort aller Geschäftemacher: Heereslieferungen! Die Heeresverwaltung wer Ware brauchte Material, sie zahlte Phantasiepreise anbot, war des Absatzes und des Gewinns sicher. Ein Zimmer, ein Schreibtisch, ein Telephon- mehr brauchte es nicht, um im Zwischenhandel Kriegsgewinne zu machen. Doch noch eins: die Beziehung. In Berliner Zeitungen erschien damals ein Inserat, das das ganze Wesen dieser schmuhigen Geschäfte furz und knapp zusammenfaßte. Neben dem Text: Heereslieferungen, beste Beziehungen zu allen Reichsbehörden" ein Gesicht mit verschmitt zugefniffenem Auge, daneben ein erhobener Zeigefinger. Heereslieferungen, beste Beziehungen in diesen Worten lag die ganze Erklärung für jene Schiebergeschäfte, in denen Millionen verdient wurden. 11 Heereslieferungen, beste Beziehungen: mit diesem System wurden die Parasiten des Krieges großgezüchtet, das Heer der Schieber, der Kriegsverdiener. Es waren nicht nur die Agenten, die mehr smarten als soliden Kaufleute, die sich zwischen die Heeresverwaltung und die Produzenten schoben, die Ware von Hand zu Hand gaben, Provisionen für Beziehungen und Zwischengewinne im Rettenhandel einstedten! Das System war faul, faul von oben bis unten, und die Schieber rekrutierten sich ebensogut aus den obersten Schichten der Gesellschaft wie aus dem Handel. Man hat im faiserlichen System das Bereichert euch!" sehr gut verstanden. Wenn die Fürsten Staatseigentum in Privateigentum überleiteten, jagten die Herren vom Adel dem Geschäft und der Spefulation nach. Der Fall Holstein war fraß schließlich nur eine Uebersteigerung eines Brauches. Spekulation ging um- wer ihr nicht fröhnte, war ein Außenseiter. Schmählich das Verhalten der unmittelbaren Ümgebung Wilhelms I. beim Ende des Krieges von 1871, die Spekulation gegen den Frieden und auf den Frieden, schmählich Holsteins Privatsystem aber im Grunde war es allgemein. Im Weltkriege deckte die militärische Zensur das Treiben der Schieber und Spekulanten bei der Vergebung von Heereslieferungen. " aber Die Lange nach dem Ende des Krieges wurden schmachvolle Beispiele von der Beteiligung hoher Offiziere an diesem System bekannt. Der„ Vorwärts" deckte vor fast zwei Jahren den Fall des Generals von der Golz auf, der mit Hilfe der Luftfahrerdant G. m. b. 5." und dank seiner„ besten Beziehungen" für seine G. m. b. H. Heeresaufträge erhielt und umfangreiche Vermittlungsgeschäfte bei Heereslieferungen abschloß, nebenbei sich auch noch am Bertrieb von Wohlfahrtsmarken bereicherte, die angeblich Luftfahrern und ihren Hinterbliebenen zugute fommen sollten. Alle Einzelheiten dieses schmählichen Falles find bekannt. Die Exzellenz, die 13 470 m. Benfion jährlich bezog, erhielt aus diesem Geschäft ein festes Einkommen von 6000 m. jährlich und außerdem eine Tantieme, die im Jahre 1915 23 101,45 m. betrug wovon der Herr General nachträglich erst seinen Geschäftsanteil einzahlte. Der Krieg ist lange zu Ende die Zeit der Kriegslieferungen ist vorbei. Aber wir haben eine Reichswehr und eine Reichsmarine. Wenn die Reichswehr auch nur 100 000 Mann start ist und der Marine wesentliche Kampffraft nicht zukommt, so haben sie doch ansehnlichen Materialbedarf, und ihr Etat marschiert an der Spize. Wir haben aber auch noch die Schieber mit Erfahrungen aus der Kriegszeit, und das Bauberwort Heereslieferung, beste Beziehungen zu Behörden" tut seine Wirkung noch heute. Der Zentrumsabgeordnete Ersing hat gestern im Hauptausschuß des Reichstages einen Fall vorgetragen, der in allem an die Schiebergeschäfte aus dem Kriege erinnert. Er verlas einen Brief, den eine Industrie- Erzeugnis A.-G. für den Vertrieb industrieller Erzeugnisse" an verschiedene Firmen gesandt hat. Der Inhalt des Briefes läßt sich kurz und knapp zusammenfaffen in den Worten:„ Heereslieferungen, befte Beziehungen zu Behörden". Die Industrie- Erzeugnis- A.- G. teilt mit, daß sie in der Lage sei, durch ihre vorzüglichen Verbindungen mit maßgebenden Behörden Aufträge für Heer und Marine hereinzubringen, die sonst an andere fallen würden. Sie bietet sich also nicht nur zu Schiebungen an, sondern droht gleichzeitig mit der Absperrung von Lieferungen. Als Entgelt fordert sie 2 Pro3. Provision, nicht nur von allen Geschäften, die die vertretenen Firmen durch die Bermittlung der Gesellschaft, sondern auch von allen Geschäften, die die Firmen direkt mit den bezeichneten Behörden machen. Zum Aufsichtsrat dieser Industrie- Erzeugnis- A.- G." gehören Staatssekretär a. D. Feld. mann, der früher dem Reichswehrministerium angehörte, Oberstleutnant a. D. Karl von Pressetin, Generalmajor a. D. Hugo Ziegler, dann noch ein Stadtrat, ein Rechtsanwalt und ein Direktor. Die Gesellschaft wurde im September 1921 mit einem Attienkapital von 500 000 Papiermark- damals gleich etwa 20 000 Goldmart gegründet. Es muß in die Einzelheiten der Geschäfts. gebarung dieser Firma hineingeleuchtet werden. Hat sie Ge schäfte mit den ,, maßgebenden Behörden" vermittelt? Welche Gewinne hat sie gemacht? Haben die Herren wie von der Gol das Aftienfapital auch erst von den Gewinnen eingezahlt? Wer sind die maßgebenden Behörden und die guten Beziehungen? Das Reichswehrministerium hat strenge Untersuchung des Falles zugesagt. Wir hoffen sehr, daß gegen alle Beteiligten nicht nur disziplinarisch, sondern auch strafrechtlich vorgegangen wird, und daß nichts vertuscht wird! Der Staatssekretär a. D., der Generalmajor a. D. und der Oberstleutnant a. D. beziehen von der Republik sehr ansehnliche Pensionen. Stramin national sind sie natürlich auch, und auf die Republik, die ihnen die Pensionen zahlt, schimpfen fie bei jeder Gelegenheit. Aber sie wollen nicht nur Benfionen von der Republit, fie wollen auch durch forrupte Beziehungen mit Behörden der Republik Provisionen verdienen. Eine feine Gesellschaft! Die Korruption des alten Systems foll in die Reichswehr der Republik verpflanzt werden. Diese Herrschaften schwärmen sicher für eine Vermehrung der Reichswehr. Mehr Soldaten, mehr Geschäft! Es gibt Deutschnationale und Bölkische, die die Reichswehr liebend gern zu einem putschistischen Instrument gegen die Republik machen möchten. Es gibt aber auch, wie diefer Fall zeigt, eine andere Spielart, die direkter an die Dinge herangeht. Die will die Reichs wehr zu einer mellenden Kuh für Schieber und forrupte Offiziere und Heereslieferanten machen. Zahlt die Republik Leuten diefes Schlages hohe Pensionen warum sollen fie nicht durch ein wenig Korruption noch mehreres hinzuverdienen auf Kosten der Republit? Denn die Provision wird selbstverständlich in die Preise einfaltuliert, und die Republik muß zahlen. Was verschlägt ein wenig Korruption bei Diesen nationalen Herrschaften sie wird ja gegen die Reichs wehr der Republik betrieben! Der Fall liegt heute schon flar genug. Wir sind begierig, ob die deutschnationale Preffe in diesem Falle wieder auf die fauberen Ausreden verfallen wird, auf die sie nach wochenFür die Kriegsbeschädigten. Einmalige Entschädigung. Meldefrift 28. Februar. Allen Kriegsbeschädigten, die nach dem Reichsversorgungsgesetz mit 20 Pro3. Erwerbsbeschränkung verforgungsberechtigt waren und infolge Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit von weniger als 25 Broz. nur aus diesem Grunde durch die Novelle zum Reichs verforgungsgeleg vom 30. Juni 1923 aus der Rentenversorgung ausgeschieden sind, wird auf Antrag eine Entschädigung Don 50 Mart unter näheren Bedingungen gezahlt. Wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten mitteilt, läuft nach Artikel II des britten Abänderungsgesetzes zum Reichsversorgungsgeleg vom 28. Juli 1925 die Frist zur Antragstellung mit dem 28. Februar 1926 ab. Der Antrag auf diese Entschädigung ist von den Beschädigten, denen die Rente entzogen wurde und deren durchschnittliches Monatseinfommen nach Abzug von Frauen- und Kinderzulage 200 Mart nicht überschreitet, unverzüglich burch die nächstgelegene Ortsgruppe des Reichsbundes bei dem zu ständigen Versorgungsamt zu stellen. Erfing verlangt vom Minifter schärfftes Borgehen gegen alle Stellen, die irgendwie mit dieser Gesellschaft in Berbindung stehen, um ein für allemal solche Dinge unmöglich zu machen. Der Minister erwiderte sofort, daß er wie die Marineleitung jetzt zum ersten Male von dieser Gesellschaft gehört hätte. Er werde sofort in der Heeres wie in der Marineabteilung genaue Untersuchungen veranlassen und in der verlangten Beise gegen aufgedeckte Mißstände einschreiten. In der folgenden allgemeinen Aussprache erklärte Genosse Hünlich, daß auch ihm Klagen über die Art der Vergebung von Arbeiten zugegangen seien. Das Vergebungswesen in der Marine fei entschieden jetzt schlechter als vor dem Kriege. Zu bedauern sei auch, daß manche Marinestellen noch immer scharf gegen links eingestellt seien. Benoffe ünlich führt zum Beweise dafür einige traffe Fälle an. Bisher hätte sich die Marine ferner freigehalten Don dem Unfug der Zeitfreiwilligen. Auch das fei leiber jetzt anders geworden. Ihm sei bekannt, daß 3. B. in Rüftringen Zeitfreiwillige eingestellt wurden und zwar betrage die Ausbildungszeit ein halbes Jahr von Ottober 1925 bis März 1926. In der Instruktionsstunbe Gleichzeitig läuft die Frist ab für die Stellung eines Antrages erhielten die Leute Anweisungen, wie sie bei etwaigen fünftigen auf die einmalige Entschädigung von 1000 m. gegen Rüd. Butschen sich zu verhalten hätten. Er bäte um genaue Auftlärung. gabe des Bersorgungsscheins( Beamtenscheins) für diejenigen Ber- Anzuerkennen sei, daß das Auftreten der Marine zu keinen Klagen forgungsanwärter, die ihren Versorgungsschein infolge Veranlassung gebe, und daß auch die Beziehungen zwischen den schwerer Leiden nicht haben ausnutzen können. Nähere Auskunft Marinestellen und der Werftarbeiterschaft nichts zu wünschen übrig über die besonderen Bedingungen hierzu erteilt ebenfalls jede Orts- ließen. gruppe des Reichsbundes oder aber der Bezirksfürsorgeverband( Für. forgestelle für Kriegsbeschädigte). Die Marine vor dem Haushaltsausschuß. Schiebungen von pensionierten Offizieren. Der gräfliche Schlupfwinkel. wurde. Graf Graf Lynar will Abfindung vom Staat. Die Verhaftung des Fehmemörders Umhofer im Forsthaus Eiche bei Lübbenau lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für den Reichshaus, die Kreise, von denen die Finanzierung der Fememörder und halt wurde die Beratung des Marineetats aufgenommen. Die geŋnar ist für das Forsthaus Eiche gleichzeitig als Amtsvorsteher rechtsradikalen Terrororganisationen betrieben famten Ausgaben belaufen sich auf rund 202 Millionen, davon laufend rund 128 Millionen, einmal 74 Millionen. Die Mehr- das Forsthaus zweifellos auch aus diesem Grund bevorzugt worden Mehr.ortspolizeilich zuständig. Als Schlupfwinkel der Fememörder ift anforderung gegen 1925 beträgt rund 48 Millionen. und es ist sehr zu wünschen, daß die polizeiliche Untersuchung fich vorsteher erstreckt, denn die Unterbringung des Fememörders trägt alle Anzeichen der Mitwisserschaft und Beihilfe zum Der Referent, Genoffe Stüdlen weist darauf hin, daß sowohl langem Schweigen im Falle Holstein gefommen ist. Ein bei den laufenden wie bei den einmaligen Ausgaben erhebliche beswegen auch auf den Grafen Lynar in seiner Eigenschaft als Amts. Staatssekretär D., leutnant a. D., der eine heißt Feldmann, der andere Pressen- Abstriche vorzunehmen sein werden. Besonders scheint leicht begibt sich die deutschnationale Breffe jekt auf die Suche tin und der dritte Ziegler- das find doch keine Juden? Biel Bestände werden verwaltet von acht verschiedenen Abteilungen, bie Mord. Graf Lynar gehört übrigens auch zu den Herrschaften, die nach dem Juden, der diese Ehrenmänner verführt hat? Im Zusammenhang mit diesem Fall find zwei politische Forderungen zu stellen. Die Republit muß sich ihre Pensionäre näher ansehen. Sie zahlt hohe Benfionen an Fürsten, die wie Rupprecht von Bayern mit dem Gedanken des Staatsstreiches gegen die Republit spielen. Sie zahlt Pensionen an Leute, die ihre Lebensaufgabe in der Bepuckung der Republik erblicken, von der sie leben. Sie zahlt Pensionen an Leute, die wie die Feldmann, Breffentin, Ziegler und Co. Korruption in republikanische Behörden tragen mollen. Sollen diese Herrschaften weiter Pensionäre der Republik bleiben? die Vorratswirtschaft eine übertriebene zu sein. Die Beschaffung erfolgt von einer Stelle aus. Ein Vergleich der Ziffern ergibt, daß Vorräte für dreiviertel Jahre vorhanden sind. Es genüge aber, wenn durchschnittlich Bestände nur für drei Monate auf Lager gehalten werden. Die vorhandenen großen Bestände verursachten Berluste an Zinsen sowie Kosten für die Ueberwachung. Lagerung, Instandhaltung usw. Hier fönnte also ebenso wie bei den Bauunterhaltungskosten erheblich gespart werden. Die Hauptmehrforderungen finden sich bei den einmaligen Ausgaben, und zwar durch die beantragten ersten Teilbeträge für den Bau von zwei fleinen Kreuzern, sechs großen und einem fleinen Torpedoboot, Da der Bau eines fleinen Kreuzers mehr als 28% Millionen verschlingt, erhellt ohne weiteres, welche Riesensummen hier angefordert werden. Ueber die Bergebung von Heeresaufträgen wird seit langem Klage geführt. Das Reich hätte die Möglichkeit, den Bedarf von Reichswehr und Marine und von anderen Behörden zu einem großen Teile in reichseigenen Betrieben oder in Betrieben, an denen das Reich beteiligt ist, zu decken. Man denke in diesem Zusammenhang an das Kapitel„ Deutsche Werte". Es muß dahin gestrebt werden, daß dieser Bedarf nicht bei der Privatindustrie, sondern in Reichsbetriezeichnet ein Dr. Helmuth von Rautter. Unter den sechs Aufsichts. ben gedeckt wird. Damit wäre die Möglichkeit zur Rorrup tion unterbunden, und Leuten vom Schlage der Feldmann und Co. ein für allemal das Handwerk gelegt. Die Reichswehr ist kein Instrument zur Bereicherung der Brivatindustrie und von Schiebern. Die Republit darf nicht dulden, daß penfionierte Offiziere Schiebermethoden erneuern, zu denen die Zeit des Weltkrieges nach der Formel Heeres lieferung, befte Beziehung zu Behörden" das Vorbild ge geben hat. Der Mitberichterstatter, Abg. Erfing( 3tr.), lenft die Auf. merksamkeit des Ministers auf die in Berlin bestehende, im September 1921 gegründete Industrie- Erzeugnis- Att.- Gef. für den Ver trieb industrieller Erzeugnisse". Der Zwed der Gesellschaft ist nach dem Anschreiben Vertretung erster Firmen bei den Ausschreibungen der Reichs, Staats- und Kommunalbehörden. Das Attienkapital bestand bei der Gründung aus 500 000 Papiermart. Als Direktor ratsmitgliedern befinden sich u. a. der frühere Staatssekretär im Reichswehrministerium von Feldmann, ein Oberstleutnant von Breffentin und ein Generalmajor Hugo Siegler. Die Ge fellschaft verlangt eine Provision von 2 Broz. von allen Geschäften, die die vertretenen Firmen durch Vermittlung der Gesellschaft oder direkt mit den bezeichneten Behörden machen. In dem Anschreiben wird ausdrücklich bemerkt, daß durch die vorzüglichen Verbindungen der Gesellschaft mit den maßgebenden Behörden Aufträge herein. gebracht werden können, die sonst an andere fallen würden. Abg. Musik, Parademarsch und Liebe. Daß wir nicht daran benten, deshalb auf Parademarsch und Uniform Ein offener Brief. Sehr geehrter Herr Reichswehrminister! Sie haben fürzlich im Reichstag die Gemeingefährlichkeit der sogenannten vaterländischen Verbände belächelt und scherzhaft davon gesprochen, daß diese ja nur die Aufgaben zu erfüllen hätten, die die Köchinnen dem alten Militär stellten, nämlich die, ihr Herz durch Mufit, Parademarsch und Liebe zu erfreuen. Ich, geehrter Herr Minister, bin Köchin und glaube, im Namen der meisten meiner Standesgenoffinnen zu sprechen, wenn ich Ihrer Ansicht durch die folgenden Zeilen entGegentrete. Es ist nicht ganz unrichtig, daß wir unser Herz in früheren Beiten häufig an die Soldaten hingen und daß ihre schmetternde Musit uns willkommen war. Aber wir müssen es uns doch ver bitten, zu unterstellen, daß Uniform, Marschmufit und durchgebrüdte Beine ein für allemal unser Ideal seien. Wir hatten zu dem Sodaten von früher ein inniges Verhältnis, weil er unsersgleichen war. Er war Bolf wie wir. Er hatte seine leiblichen Sorgen, von denen wir ihn, wie in jedem älteren Wigblatt nachzulesen ist, burch Knackwürste und Schinkenstullen zu befreien suchten. Er schimpfte wie wir auf den Dienst und seine Borgesezten. Er war wefensver. wandt mit uns und wenn er durch die Straßen zog und seine Lieber sang, da hörten wir sie gern, weil wir für flotte Musif etwas übrig hatten und weil unsere Gedanken dadurch auf den sonntag, lichen Tanzsaal getragen wurden. Wie anders ist das heute geworden! Der Jungdo, Wiking, Werwolf, Stahlhelmer und was alles es gibt: was hat der noch mit unserem Ostar oder Emil zu tun? Wenn Ostar sang, dann trieb ihn die Lust zum Gingen, und es war ihm letzten Endes ganz gleich, wie der Text war. Die Uniformierten von heute, die singen Haß- und Rachelieder. Ostar war ein einfacher, schlichter Mann, den sie zum Dienst geholt hatten. Die Heutigen find zum Dienst aus freien Stücken gekommen, und fie tun größtenteils so, als ob sie was viel Besseres wären als unfereiner. Sie sind schließlich auch was Befferes. Der Sohn meiner Herrschaft zum Beispiel gehört dem Stahlhelm an und der Rechtsanwalt von nebenan und der Bankbeamte von gegenüber auch. Musik und Parademarsch allein sind eben noch lange nicht imstande, unser Herz gefangen zu nehmen. Wir sind nicht so primitiv, wie Sie denten, Herr Minister! Es war nicht das Schnedderenteng und der Drill, die uns zu unseren Soldaten zogen, es war das Gefühl, daß wir zueinander paßten, daß wir fürein ander geschaffen seien. Wir waren eines Fleisches und Blutes. Wir lehnen es daher entschieden ab, die vaterländischen Verbände für uns zu reklamieren. Zwar ist die Herzensneigung, selbst bei einer Köchin, Herr Minister, ein viel zu feines Ding, als daß sie sich bedingungslos dem starren 3wang politischer Leitfäße unterordnen ließe und es mag wohl sein, daß hie und da in einer Nische abends eine von uns mit solch einem neumodischen Vaterlandsretter tändelt. Da will ich nichts dreinreden. Im allgemeinen aber ist zu sagen, zu schwören, weil dies die Kennzeichen unserer Liebsten von gestern waren. Die vaterländischen" Fabrifdirettorenföhne, Abenteurer und Handlungsgehilfen von heute haben mit ihnen nichts gemein. Wenn ein Unglüd passiert, reden Sie sich, Herr Minister, nicht darauf hinaus, daß Sie uns nur unserer Ideale nicht hätten berauben wollen. Es scheint mir auch, daß Sie, wohl nicht zum erstenmal in Ihrem Leben, die Situation gründlich verkennen, wenn Sie annehmen, daß es den lächerlich herausgepußten Befreiern Deutschlands nur darauf anfomme, uns zu imponieren. Diese Leute haben andere Sorgen. Seien sie begrüßt und nehmen Sie diese freimütige Stellungnahme nicht übel Ihrer Hansa Bauer, Köchin. Der Milliardär als Vagabund. Der falifornische Milliardär Edwin Brown ist wohl einer der verrücktesten Sonderlinge, welche Amerika aufzuweisen hat. Seine Liebhaberei besteht darin, als Bagat und vom Betteln zu leben und dabei in ärmlichster Kleidung umherzugehen. In dem Armenviertel der Stadt San Diego wurde er laut amerikanischen Blättern in Lumpen gehüllt von einem Polizisten aufgefunden, als er gerade auf einer Bant schlief. Er hatte furz vorher in einem Haufen von Blättern auf einer Wiese übernachtet. Der Polizist weckte den jungen Mann und forderte ihn auf, seinen Ausweis zu zeigen. Da er aber feinen bei sich hatte, so wurde er zur Wache gebracht und hier vom Polizeirichter zu einer Kerferstrafe von acht Tagen verurteilt. Da er in einer Einzelzelle untergebracht wurde, so fand er an dieser Ber haftung einen besonderen Spaß und schrieb an den Direktor der Strafanstalt durch den Gefängniswärter folgenden Brief: " Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich der ziemlich un angenehm bekannte Edwin Brown bin. Ich bin Besizer von sechzig großen Fabriten, 30 Häusern und mehreren Gütern, deren Inventar allein auf über 30 Millionen Dellar versichert ist. Sie werden sicher. lich schon von mir gehört haben. Ich schreibe Ihnen diesen Brief, da ich die Einzelhaft nicht aushalte und wieder gern meine Rolle als Milliardär spielen möchte. Ich bitte Sie, meine Enthaftung zu verfügen und bin gern bereit, eine Buße zu zahlen, wie Sie sie bis. her wohl taum erhalten haben dürften." Dieser Brief wurde zuerst dem Gefängniswärter zugestellt, der den Mann für geistesgestört hielt. Aber er fühlte sich verpflichtet, den Brief an den Direktor zu senden. Der Direktor des Gefäng. niffes stellte Nachforschungen an, wobei er erfuhr, daß tatsächlich der in San Diego bekannte Milliardär hier im Gefängnis fize. Er ging in seine Belle und befreite ihn, nicht ohne über seine in Lumpen gehüllte Gestalt zu lächeln. Der Milliardär fuhr nun in ein Zugus. hotel, wo er sich standesgemäß ankleidete, und fuhr dann beim Bürgermeister von San Diego in einem prachtvollen Automobil vor. Dieser Besuch beim Bürgermeister hatte eine eigenartige Befrühere fürstliche Hoheitsrechte. Graf Lynar ist einer der vielen rom Staat eine Rente verlangen als Abzahlung für frühere fürstliche Hoheitsrechte. Graf Lynar ist einer der vielen Großgrundbefizer, die die Schwarze Reichswehr durch Geld und persönliche Dienste seit Jahren unterstüßt haben. Das Forsthaus Die Untersuchung muß sich jetzt endlich einmal gründlich auf die Eiche hat mehr wie einmal als Unterschlupf der Fmemörder gedient. Hintermänner dieser Banditenorganisationen erstreden, die die ihnen von den Prozeßleitern zuteil geworden ist, im Hintergrunde bisher bei allen Prozessen dank der bewußten Unterstützung. die ihnen von den Prozeßleitern zuteil geworden ist, im Hintergrunde bleiben fonnte. Die Verhandlungen des preußischen Untersuchungsausschusses, die heute beginnen, werden an dieser wichtigsten Aufgabe nicht vorübergehen können. Das ganze Geschmeiß, das mit be. zahlien Bravos und Meuchelmördern gegen die Republik jahrelang gearbeitet hat, muß endlich zertreten werden. Amnestie in Sachsen. Kein Gefallenengedenktag in diesem Jahr. Dresden, 14. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Das Gesamtminifterium hat in feiner Sigung vom 12. Februar beschlossen, dem Landtag ein Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit in Sachsen zugehen zu lassen. Von der Veranstaltung des für den 28. Februar angeregten Ges denttages für die Opfer des Krieges soll für das Gebiet des Frei staates Sachsen abegesehen werden, zumal da eine würdige, für das ganze Deutsche Reich einheitliche Feier an diesem Tage nicht zu er reichen war. Die Veranstaltung eines solchen Gedenktages zu einem späteren Zeitpunkt des Jahres, vielleicht mit der endgültigen Totenfeier am Totensonntag, bleibt vorbehalten. wandtnis. Edwin Brown, der Milliardärvagabund, hatte nämlich an diesem Tage das Jubiläum seiner 100. Berhaftung. Hundertmal mar er bereits wegen Vagabundage und Bettelns von der Polizei ins Gefängnis geſtedt worden. Es gab fast feinen Rerter mit dem er noch nicht persönliche Bekanntschaft gemacht hatte. Er hat diese Rolle eines Bagabunden angenommen, um gewissermaßen als moderner Harun al Raschid die Ungerechtigkeit der Welt zu studieren und glaubt dies am besten in der Unterwelt der amerikanischen Großstädte tun zu fönnen. Er hat bereits ein ungeheures Material gesammelt, um zu beweisen, daß die meisten Verbrecher nicht durch schlechten Charakter, sendern durch die Schuld der Verhältnisse ins Gefängnis tommen. So gibt es in San Diego nicht ein Asyl für Obdachlose, so daß ein arbeitsloser und mittellofer Mensch gezwun gen ist, irgendwo im Freien zu übernachten, wo er bestimmt von der Bolizei verhaftet und ins Gefängnis geſtedt wird. Edwin Brown übermittelte dem erstaunten Bürgermeister einen Sched von 500 000 Dollar als erste Anzahlung auf den Bau eines Obdachlosenasyls zur Erinnerung an das Jubiläum seiner 100. Berhaftung. Die Not der Schriftsteller. Ernst Toller schreibt uns: Die Ergänzung von Hans Ostwald zu dem Bericht des Bor wärts" enthält einige Irrtümer. In feinem Sah der Resolution mar gefordert worden, daß die Ergebnisse der Fürstenenteignung den Schriftstellern allein zugute fommen sollten. Alle Redner hatten besonders hervorgehoben, daß der Staat, der vorgibt, sich für das deutsche Schrifttum verantwortlich zu fühlen, feine Verantwortlichkeit durch sofortige Uebermittlung von Geldern an die Organisation der Schriftsteller beweise. Hans Ostwald irrt sich, wenn er meint, daß die Einbringung oder Unterſtügung der Refolution eine rein fommunistische Parte. attion darstellt. Er verfennt das Wesen dieser Forderung, die heute nicht nur rom werttätigen Bolt, sondern von breiten Schichten des Bürgertums ihrem Wesen nach als gerecht und notwendig empfun den wird. Der Sinn der Einbringung war, daß die Subventionen, die heute vielleicht erfolgen, sehr rasch um ein Vielfaches gesteigert werden können, wenn Gelder, auf die das Volk ein Anrecht hat, zur Berfügung stehen. So bedauerlich es ist, daß die Bersammlung, die eine gefchloffene Aktion der deutschen Schriftsteller darstellen sollte, jenen peinlichen Ausgang hatte, darf doch nicht verfannt werden, daß in öffentlichen Rundgebungen der Bersammlungsteilnehmer das Recht hat, Refo lutionen einzubringen und daß es ein taktischer Fehler des Ver. fammlungsleiters war, das Berlesen der Resolution zurückzuweisen." Das Berliner Werte- Drchefter longertiert am 16., abends 8 Uhr, in der Strettor Dr. Sulius Kopich. Sodiqule für Mufit, Harbenbergstraße. Leitung: Generalmufit. Prof. Mendelssohn- Bartholdy, Leiter des Hamburger Instituts für auswärtige Politit, spricht Dienstag 8 Uhr in der Hochschule für Politit ( Schinkelplatz 6) offentlich über.Bündnisse, Friebensmittel und Kriegsursagen. Mißbräuchliche Kreditwirtschaft. Ift die Angestelltenversicherung deutschnational? Die Kreditgebarung der Reichsversicherungsanstalt war bereits vor einem Jahr Gegenstand lebhafter, für das Institut recht peinlicher Erörterungen. Auf Grund des damals vom AfA- Bund unterbreiteten Materials hat das Reichsarbeitsministerium als Aufsichtsbehörde eingegriffen. Das üble Vermittlerwesen, das dabei zutage getreten war, hat inzwischen die notwendige Korrektur erfahren. Im übrigen aber bleibt die Auswahl der zu gewährenden Kredite nach wie vor ein reichlich dunkles Rapitel. Es steht fest, daß piele nach wie vor ein reichlich dunkles Kapitel. Es steht fest, daß piele Brivatangestellte, die Darlehen zum Kleinwohnungsbau beantragen, ohne Angabe von Gründen abgewiesen werden. Um fo bemerkenswerter muß es sein, gelegentlich immer wieder zu erfahren, welcher Art denn nun die einzelnen Kreditempfänger find. Am 24. Dezember 1925 schrieb das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt folgenden Brief: III F 170 An den Herrn Vorsitzenden des Kuratoriums der evang. Johannisftiftung Spandau Schönwalder Allee. Hierdurch erkläre ich mich bereit, der evangelischen Johannisftiftung in Spandau unter selbstschuldnerischer Bürgschaft des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverban des in Hamburg nach Maßgabe des als Anlage 1 beigefügten des in Hamburg nach Maßgabe des als Anlage 1 beigefügten Entwurfs einer Schuldurkunde ein weiteres jährlich in Bierteljahrsraten mit 6% Broz. zu verzinsendes und mit 3 Proz. auf Grund eines noch aufzustellenden Tilgungsplanes unter Zuwachs der ersparten Zinsen zu tilgenden Darlehns von 57 344 Gramin Feingold das sind zurzeit ungefähr 160 000 Reichsmart gegen erststellige gesamthypothetarische Belastung der in der Schuldurkunde näher bezeichneten Grundstücke zu gewähren.... ( Es folgen die weiteren formalen Bedingungen.) Unterschrift des Direttoriums der Reichsversicherungsanstalt. Wir wollen zunächst zugunsten des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und des Direktoriums der Reichsversicherungsanstalt annehmen, daß der billige Kredit von 160 000 m. nicht etwa über die Firma Johannisstiftung" dem genannten Verbande selbst gegeben ist. Tatsächlich hat nämlich der DHV. über seine sogen. Kapitalschaßgesellschaft" das Johannisstift aufgetauft und einen Teil seiner Verbandsgeschäftsstelle dort untergebracht. Sollte das Geld für den Verband bestimmt gewesen sein, dann hätte er auf wenig einwandfreie Art die selbstschuldnerische Bürgschaft" für sich selbst geleistet. Also für wen und zu welchem 3 med ist der weitere" Kredit gegeben worden und wie hoch war der vorhergehende? Wenn das Geld nicht für den Deutschnationalen Handlungs. gehilfenverband bestimmt war, sondern für das in dem Hause noch befindliche Johannisstift, dann werden hier Bermögensbestände einer Reichsversicherungsanstalt für bestimmte kulturpolitische und politische Kampforganisationen in Form günstiger Darlehen bereitgestellt. Das Johannisstift war früher zu verschiede nen Schul- und Erziehungszwecken auf religiöser Grundlage begründet worden, ging dann ein und stellt heute unter der alten Firma einen veränderten, in seiner politischen Zielfezung reichlich undurchsichtigen Betrieb dar. Die Deffentlichkeit hat sich Die Deffentlichkeit hat sich wiederholt mit den Umtrieben dieses Johannisstiftes beschäftigen müssen, ohne daß bisher volle Klarheit geschaffen worden wäre. Auch die Evangelisch- soziale Schule", die unter Vorsitz des betriebſamen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Fränzchen Behrens und unter der Geschäftsführung des deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Hartwig steht und zum Johannisstift gehört, ist nicht gerade parte politisch und religiös neutral". In ihrem Programm heißt es u. a.: GBF Die evangelisch- soziale Schule sollte der evangelischen Arbeiter bewegung, den evangelischen Arbeitervereinen und dem evange lischen Teil der christlichnationalen Gewerkschaften das geben, was der katholische Flügel und die marristisch geführte Arbeiterschaft längst besaß: ein Bildungswesen. Angestellten veranlaßt werden müßten. Offenbar dienen diese Antrage nur zur Agitation, während im entscheidenden Augen blid die älteren Angestellten von ihren eigenen Organisationsver tretern im Stich gelassen werden. Aufklärung erwünscht. Der Kampf im nationalen" Lager. An der Spize feiner Sonntagsausgabe veröffentlicht der Jungdeutsche" einen Aufruf Artur Mahrauns an die Jungdeutschen Ordensbrüder, die„ Nerven zu behalten" und der„ Ordensverpflichtungen eingebent" zu sein. Die Ordensleitung müsse in dem ,, schweren Rampfe unterstüßt" merden, der von einer über weite Teile des Reiches verbreiteten Organisation" gegen den Orden und ins besondere gegen die Ordensleitung mit den großzügigsten Mitteln aufgenommen" worden sei. Zahllose Agenten dieser Organisation, die sich den Anschein" staatlicher Autorität gegeben zu haben scheint", bereisten die einzelnen Bruderschaften, verbreiteten die übelsten Verleumdungen gegen Herrn Mahraun und seine Mitarbeiter und versuchten, der Ordensleitung die Geldmittel abzuschneiden, indem sie die Beitragszahlungen hintertreiben wollen. Die Ordensleitung befände fich in einer außerordentlich schweren Lage", weil sie um der Belange des Staates willen noch zögern müsse, die Wahrheit über diese Vorgänge zu veröffentlichen". Diese Veröffent lichungen, die noch erfolgen werden, würden aber für die | Gegner des Ordens vernichtend auslaufen. Es sei jedoch damit zu rechnen, daß die Gegner des Drbens einstweilen ihre Bemühungen noch verstärken würden. Man kann nur wünschen, daß Herr Mahraun bald für Auftlärung sorgt. Dieser Froschmäusefrieg im sogenannten ,, nationalen" Lager zeigt nur, wie lächerlich die anmaßende Betonung der befonderen ,, nationalen" Eigenschaften all diefer fleinen Gernegroße ist. England gegen die Ratsvergrößerung. Stimmen der Presse. London, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die letzten Tage haben zu einer beutlichen Klärung der öffentlichen Meinung in der Frage der Erweiterung des Bölferbundsrats geführt. Es ist nach den legten Zeitungskommentaren und auf Grund zahlreicher, von einflußreichen Persönlichkeiten an führende fonservative Blätter ge schriebenen Briefe nunmehr eindeutig flar, daß die öffentliche Meinung Englands, mit Ausnahme einer fleinen, allerdings auch im Kabinett vertretenen franzosenfreundlichen Gruppe, die fran 3ösischen Intrigen zweds Erweiterung des Rates ver. urteilt. Benn auch die Bemerkung des diplomatischen Korrespondenten des„ Daily Telegraph", daß die Minister über diese EntHebertreibung darstellt, so kann doch kein Zweifel mehr darüber bescheidung der Deffentlichkeit glücklich seien, zum mindesten eine stehen, daß diese Einmütigkeit der öffentlichen Meinung auf die tommende Entscheidung im Ministerrat nicht ohne Wirkung bleiben wird. Verkehrsdebatte im Reichstag. Fortsetzung der Etatsberatung. Das verläufige Handelsabkommen mit der Türkei wird zunächst in dritter Beratung debattelos angenommen. Dann wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsverkehrsministeriums fortgesetzt. Diese Abg. Schüh( Komm.) verlangt die Einstellung größerer Mittel für die Fortsegung der angefangenen Kanalbauten. Arbeiten würden die beste Gelegenheit zu einer großzügigen ErKanals, mit der Fortsetzung der Werra Kanalisierung Mit der Fertigstellung des Sippe. und dem Weiterbau am Mittellandkanal tönnte Tausenden von Arbeitslosen Beschäftigung geboten und der Wirtschaft geholfen werden. Der Redner richtet heftige Angriffe gegen die Reichsbahnverwaltung. Die Korruption habe dort einen ungeheuren Um. fang angenommen. Die leitenden Beamten der Reichsbahnverwaltung gehörten an die Laterne.( Der Redner erhält einen Ordnungsruf.) Schiebungen und die Annahme großer Geschenke seien ert an der Tagesordnung. Der Rebner führt verschiedene Einzelfälle dieser Art an. Die Bestechung hoher Beamten habe es ermöglicht, daß von einzelnen Firmen Millionenbetrügereten an der Reichsbahn verübt werden konnten. Abg. Keil( Soz.) Ist der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns der Auffassung, daß für diese Bildung" das Geld der Angestelltenver ficherung hergegeben wird? Befommen der Boltsverein für das katholische Deutschland", München- Gladbach und die Arbeiter bildungsschulen der freien Gemertschaften auch Kredite der Angestell. tenversicherung für ihr" Bildungswesen? Ist es nicht ein groberzeugungsort in Heizung und Kraft umgewandelt werden soll. Mißbrauch, daß aufgesparte Versicherungskapitalien von Angestellten oller Richtungen einer Schule zugute fommen, die nach ihrer eigenen Erklärung den Margismus als Weltanschauung mit innerer Notwendigkeit zu befämpfen hat, wo sie sie auch trifft"? Es kann auch nicht gut gehen, etwa mit den Versicherungsgeldern die politischen Kollegs zu fördern, die in Verbindung mit dem Johannisstift stehen. Bielleicht erkundigt sich die Reichsversicherungsanstalt nach den Dozenten und sie wird finden, daß dort für evangelische Republifaner fein Raum ist, um so mehr für pöltische Lehrer! Wenn das Reichsarbeitsministerium neben diesen schweren poli tischen Mißgriffen der Angestelltenversicherung sich einmal die Ge famtverteilung der Kredite betrachten wollte, über die noch zu sprechen fein wird, so wird es finden, daß diese Sozial versicherungsanstalt für großtapitalistische landwirtschaftliche und industrielle Kreditnehmer alles, für ihre Versicherten nur wenig übrig hat. Die deutschnationale Selbstverwaltung, die sich dort auf Grund eines schreienden Wahlunrechts etabliert hat, ist unerträglich geworden. Das Reichsarbeitsministerium macht sich für diese Zustände mitverantwortlich, wenn es weiter zögert, die dem Reichstag im Juli 1925 angekündigte Wahlrechtsreform endlich herauszubringen und ordnungsgemäße Neuwahlen zu veranlassen. S. Aufhäuser. Zwangsbenutzung der Arbeitsnachweise. Ein sozialdemokratischer Antrag. Im Sozialen Ausschuß des Reichstages stand am Montag ein Antrag der Sozialdemokraten zur Beratung, in dem der Melde. und Benuzungszwang zum öffentlichen Arbeitsnachweis gefordert wird. Die Genoffen Richter, Aufhäuser und Dißmann wiesen nochmals eingehend auf die Notwendigkeit einer ftraffen zentralen Organisierung der Arbeits. beschaffung hin. Es liege umfangreiches Material vor, aus dem fich ergibt, daß geeignete Bewerber nicht eingestellt werden, da ihre politische oder gewertschaftliche Gesinnung als unangenehm empfunden werde. Andererseits haben sich in einzelnen Betrieben, wie z. B. in den Siemenswerten, ohne Rücksicht auf die berufliche Befähigung ganze Nefter von Dölfischen Angestellten und Arbeitern gebildet. wendet sich gegen den deutschnationalen Antrag, die Kosten für die Hanamann, ber diesen Antrag begründete, im Hauptausschuß an nedarbauverwaltung wieder abzusetzen. Wenn der Abg. wesend gewesen wäre, dann würde er gewußt haben, daß alle diese Etatpofitionen ohne Debatte genehmigt worden sind. Er hat sein hödistes Ziel darin erblickt, Württemberg vor Schaden durch die Neckarfanalisierung zu bewahren. Natürlich hat er das nur aus neigennutz getan, wie ja stets bei dem Verhältnis zwischen den deutschen Ländern volles Einvernehmen geherrscht hat. Heiter. feit.) Andere badische Kreise beurteilen diese Dinge anders. So hat die Mannheimer Handelskammer ausgeführt, daß Baden non der Neckarfanalisation großen Nugen haben wird. Auch die badische Regierung halt felbstverständlich an den Berträgen über die Kanalisierung feft. Die Frage, wie der Ausbau in Zukunft erfolgen jou, fönnen mir ruhig unseren Kindern überlassen. Wir fönnen auch nicht mit dem Ausbau warten, bis die andere Frage gelöst ist, ob die Kohle transportiert werden oder am Er. Wir haben mit dem Bau des Kanais doch jezt schon reichlich lange genug gewartet. Die Fachmänner des Berkehrsministeriums find nach Abwägung aller Gründe zum Ergebnis gekommen, daß an dem Baufestzuhalten ist. Als im württembergischen Landtag über einen Kredit für den Neckarfanal abgestimmt werden sollte, der von der deutschnationalen Regierung beantragt war, haben wir Sozialdemokraten die Probe auf das Erempel gemacht, ob die deutschnationalen Abgeordneten es wagen würden, die Borloge zu Fall zu bringen. Und siehe da: als Gegner der Vorlage blieben nur die übrig, für die die Welt an den Grenzen ihrer Gemeinden zu Ende ift. Die Mehrheit war noch nie jo groß wie bei dieser Abstimmung. Niemand hat es gewagt, die Vorlage zu Fall zu bringen. Auch die Landwirtschaft drängt dahin, durch den Neckarfanal zum Anschluß an das große Berkehrsnes zu fommen. Selbst wenn die ästhetischen Bedenken gegen den Kanal berechtigt wären, dann müßte er doch gebaut werden, sonst fönnte es ebenso fommen wie bei dem Bau der ersten Eisenbahnen, wo später manches mit großen Opfern nachgeholt werden mußte, mas zuerst verfäumt worden war. Man könnte ja auch ästhetische Gründe gegen die zahlreichen Masten, Drähte und Antennen verbringen, die der Aufnahme von Radiowellen bienen. Aber so ernst auch solche ästhetischen Erwägungen sein mögen, so dürfen sie doch nicht die technische Entwicklung zum Opfer bringen. Wir werden aus allen diefen Gründen gegen den deutschnationalen Antrag stimmen.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Wieland( Dem.) begründet einen Antrag auf Belegung des Postens des Staatssekretärs mit einem Techniker. Die Erhaltung und Erneuerung des Eisenbahnoberbaues fei unzuläng lich. lieber den Stand der Elektrifizierung der Bahnen müffe Auskunft verlangt werden. Bei dem Unglüd im Tunnel bei Oberhof sei offenbar viel bei den Sicherheitsvorkehrungen versäumt worden. Darüber müsse Klarheit geschaffen werden. Das Bersonenwagenmaterial müßte erneuert werden. Auf dem Gebiete des Kraftfahrwesens dürfe das Reich tein Monopol einrichten. Für die kommenden Verhandlungen über die internatic. nale Regelung des Luftverkehrswesens müßten rechtzeitig die geeigneten Sachverständigen gesucht werden. In der Automobil besteuerung müsse das Reich einschreiten gegen die hohen städtischen Sondersteuern nach Berliner Muster. Man dürfe nicht zu Berhältnissen kommen, bei denen wieder vor jeder Stabt Schlagbäume stehen. Aba. Mollath( Wirtsch. Bg.) wendet sich gegen die übertrieben hohen Anliegerbeiträge zur Wegeunterhaltung. In der Um gebung Berlins fei in manchen Fällen der Anliegerbeitrag von 40 Eine auf 1600 m. erhöht worden. Das Kanalne müsse vervollstän digt und der Ausbau der Hafenanlagen gefördert werden. Ueberspannung der Gütertarife auf der Reichsbahn könne die deutsche Wirtschaft nicht vertragen. Die Der Regierungsvertreter erfannte an, daß manches für die Meldepflicht spreche, wandte sich aber gegen den Benuzungszwang. Die Kommunistische Bartei schloß sich vollinhaltlich dem sozialbemo fratischen Antrage an, während die Bertreter aller bürgerlichen Parteien fich für die sogennannte Freiheit in der Arbeitsvermittlung baldige Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn einfegten. Es ist bezeichnend, daß auch der demokratische Abgeordnete fei notwendig. Die jest teilweise ungenugten gewaltigen Strom. Schneider in dieser Ausschußsigung die sozialdemokratischen Bor. fräfte des Ichenfee Kraftmerts follten zur Elektrift. fchläge ablehnte, obwohl er selbst erst vor einigen Tagen zur Lin- zierung der bayerischen Bahnen verwertet werden. Die Bahn. derung der Not der ältesten Angestellten beantragte, daß die Arbeit hofswirtschaften dürften nicht zu fleinen Warenhäusern gegeber zur vorzugsweisen Einstellung der verheirateten und älteren macht werden, in denen man Tag und Nacht alles bekommen kann. Abg. v. Rheinbaben( DBp.) bespricht die mißliche Lage im niederschlesischen Kohlenbergbau, die sich neuer dings noch verschlechtert habe. Der zur Verfügung gestellte Kredit sei fast aufgebraucht. Dem niederschlesischen Bergbau fönne nur geholfen werden, wenn die Reichsbahn mehr Diensttohle von bort beziehe und die Tariffrage zugunsten der niederschlesischen Kohle Löfe. Abg. Groß( 3.) wünscht ein gemeinsames Arbeiten von Reich, Ländern und Gemeinden in der Organisation und der Berwaltung der Wasserstraßen. Der Bau von Wasserstraßen sei teine Konturrenz für die Cifenbahnen, sondern diene der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Unverständlich sei es, daß jetzt ein Sturm gegen den Nedarlanal gerade von folchen Kreisen entfacht werde, die sich früher für seinen Bau eingesetzt hätten. Für Württemberg bedeute die Frage einer Berbindung mit dem Weltmeer eine Lebensfrage. Die Zahl der höheren Boften beim Reichswasserschutz sei im Ber hältnis zur Gesamtzahl der Beamten viel zu hoch. Der Rebner be handelte dann Fragen der Reichsbahn. Es seien große Erneuerungsso arbeiten an Brücken und sonstigen Anlagen notwendig, fo daß wohl auch umfangreiche Aufträge an die Industrie vergeben werden fönnten. Die monopolijierung in der Vergebung von Aufträgen durch die Reichsbahn fei nicht zu billigen. Reichsverfehrsminister Dr. Krohne meint, daß die hier vorgebrachten Bedenten gegen eine einheitliche Wasserstraßenorganisation zu sehr lokale Färbung ge tragen hätten. Die außerordentlich tomplizierten Berhältnisse ließen es empfehlen, eine eingehende Aussprache darüber zurüdzustellen, bis der in Arbeit befindliche Gesegentwurf dem Reichstag vor liege. Die Differenzen zwischen dem Reich und der Reichsbahn perwaltung fönnten sich nur nach jach fischen Gesichtspuntien löjen lassen. Der Bau von Kanälen habe sich in ben lezten Jahren deshalb nicht schneller fördern lassen, weil die Möglichkeit zur Aufnahme von Anleihen für diesen Zweck nicht gegeben war. Ueber die Finanzlage der Eisenbahn folle ein leberblick gegeben werden, sobald der Abschluß der Verwaltung vorliege. Die Beteiligung des Reiches am Luftverkehrswesen solle in einer Weise er folgen, daß dadurch der freie Wettbewerb nicht gehindert werde. Bei den Bauten für die Wasserschußpolizei solle das Handwert berücksichtigt werden. Die Verkaufsstellen auf den Bahnhöfen müßten sich nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung richten. ordnung richten. Was die Notlage des niederschlesischen Rohlenbergbaues anlange, so sei die Regierung bemüht. das Notwendige zu tun. Leider fonnten aber weitere Tarifermäßigungen bei der Reichsbahn nicht erreicht werden. Die Abnahme pon Diensttohle sei dagegen gesteigert worden. Die Nedarkanali. fierung werde durchgeführt. Ministerialdirektor Gutbrod behauptet, daß die Arbeiter im Brandleitetunnel( bei Oberhof) rechtzeitig über die imleitung eines Buges unterrichtet gewesen seien. Das unsichtige Wetter habe einen Teil der Arbeiter daran gehindert, den einfahrenden Bug rechtzeitig zu bemerfen. Durch die bisherige Unter juchung sei festgestellt worden, der Unfall sei darauf zurückzuführen, daß die von der Reichsbahnbirektion Erfurt erlassenen Beftimmungen nicht beachtet worden waren. Der Rottenführer sei mit dem notwendigen Verbandszeug ausgerüstet worden. Die Verlegten habe man erst im Bahnhof von Oberhof verbunden und dann ins Krantenhaus geschafft. Die starte Rauchentwidlung sei auf die Verwendung englischer Kohle zurückzuführen, aber es feit an die Lokomotivführer Ant meifung erteilt worden, bei der Feuerung vor der Einfahrt in den Der Regierungsvertreter Tunnel darauf Rücksicht zu nehmen. wendet sich dann gegen die Auffassung, daß die Zahl der Ünfälle bei Der Eisenbahn start zugenommen habe. Sie verringern sich im Gegenteil von Jahr zu Jahr und erreichen bald wieder die Zahlen von 1912 und 1913. Auf den deutschen Bahnen seien die Un= fallgiffern weit günstiger als im Auslande. Die Elettrifierung der Eisenbahnen folle auch in der nächsten Zeit gefördert werden. Für Bayern werden im nächsten Jahr 70 Broz. aller vorgesehenen Mittel aufgewendet. Die Pläne zur Elektrisierung der Anschlußbahnen an die Schweiz lägen schon seit zwei Jahren fertig vor, aber aus Mangel an Mitteln fonnten sie bisher nicht ausgeführt werden. Das Projekt ter Elektrisierung der Berliner Stadtbahn jei jetzt neu bearbeitet worden, um eine dem Verkehrsbedürf nis entsprechende und nach den verfügbaren Mitteln mög liche Lösung zu erreichen. Abg. Stöhr( Bölt.) führt die Mißhelligkeiten mit der Reichs bahnverwaltung auf die Dawes Gefeße zurüd. Die Ber hältnisse würden sich abet mit der Steigerung der Reparationslaften noch verschlimmern. Im Gutachten der Sachverständigen set schon alles vorausgejagt worden, mas jezt eingetreten jei. Der Reichsverkehrsminister Dr. Krohne wendet sich gegen die Behauptung, daß der Generaldirektor 200 000 m. jährlich an Gehalt beziehe. Die Bezüge der leitenden Beamten der Reichsbahnverwaltung richteten sich nach dem Reichsbeamtengeles. Die des Generaldirektors erreichten bei weitem nicht die Summe von 100 000. Abg Alpers( Wirtschv.) begründet einen Antrag, in Verbindung mit den Uferländern schnellstens Maßnahmen zu treffen, durch die dem Ufer abbruch an der Unterelbe Einhalt getan werde. Gegen 7 1hr vertagt sich bas Haus auf Dienstag 1 Uhr: Fortjeßung der heutigen Beratung. Wer vertritt die Interessen der Holzarbeiter? Treue um Trene muß die Antwort sein. Die oppofitionellen Gewerkschaften müffen in Berbindung mit den revolutionären Betriebsräten sofort die usammenfassung der Unorganisierten beginnen. Die bevorstehende Arbeit kann nur dann erfolgreich geleistet werden, wenn jedes Barteimitglied diszipliniert den Weisungen der Partei folgt. Rein Parteimitglied hat das Recht, die freien Gewerkschaften zu verlassen, bevor die Partei es nicht im Intereffe der im Ent. Rote Fabne" vom Dienstag, den 25. März 1924. Der angekündigte Mai- Rongreß darf kein zweites Weimar werden, sondern muß der Schlußtein für feine fajon vorhandene Bewegung sein." ,, Rote Fahne" vom 14. März 1924. die gebührende Antworf gebe... Die Berliner Mitglieder haben in zähem Ringen gegen das Arbeitgebertum und sonstigen Feinde der Arbeiterbewegung ihre Organi fation fampffräftig gehalten. Die Erfolge des Vorjahres fonnten nur dadurch erzielt werden, daß die Organisation ideell und tehen begriffenen Industrieverbände geftattet." finanziell dem Angriff der Arbeitgeber gegenüber gewappnet war. Selbst die große Zahl der Unorganisierten, die auf Konto der kommunistischen Propaganda zurückzuführen find, vermochten nicht die Errungenschaften zu verhindern, wenn auch bei besserem Organisationsverhältniß die Errungenschaften größer gewesen wären. Ein Rückblick auf die Geschehnisse des Vorjahres zeigt, daß die Berliner Holzarbeiter fich ihrer Erfolge nicht zu schämen brauchen. Die Mitglieder der Branchen und Bezirfe werden deshalb Kommissionen wählen, die getreu den Grundsäßen der Amsterdamer Internationale und den Beschlüssen des Berbandstages handeln. Gie werden ihre Organisation vor allen Angriffen zu schüßen wissen, damit sie nach Abschluß dieser Krise dem Arbeitgebertum gegenüber gerüstet ist. Der vorstehenden Zitate werden sich die Berliner Holzarbeiter entfinnen. Wir bringen sie hier in Erinnerung, um die Agitationsmethoden der Kommunistischen Partei zu kennzeichnen. Ziel und Er gebnis dieser Machenschaften war die Spaltung der deut[ chen Gemertschaften. Die Verbände der Bauarbeiter, der Bekleidungsarbeiter und der Buchbinder waren die ersten Opfer. Die Weyer- Union in der Metallindustrie wurde als diejenige anerkannt, die vorbildlich geführt sei und wahren Klassenkampfcharafter" trage. Doch sehr bald sahen die Arbeiter ein, auf welche Bahn sie geführt wurden. Die abgetrennten Splitterorganisationen gingen zur Bedeutungslosigkeit zurüd, und alle Agitation, trot fommunistischer Unterstützung, blieb erfolglos. Jeßt sprach Moskau jein Dittat. Unterm 1. September veröffentlichte das Erfutivkomitee der kommunistischen Internationale seine Befehle, nach der die tommunistische Zentrale sich selbst enthaupten und die bis zur Stunde angehimmelten Halbgötter, Ruth Fischer und Scholem, beseitigen mußte. In diesem Brief heißt es in bezug auf Arbeit in den Gewerkschaften:" Die Fehler unserer Gewerkschaftsarbeit bestehen vor allem in dem Unvermögen, die uns günstigen Stimmungen und Strömungen breiter Arbeiterschichten politisch organisatorisch zu erfassen und festzuhalten. Die Parteileitung verstand es nicht, auf diese neuen Erscheinungen zu reagieren, vor allem nicht, sie für unsere Gewerkschaftsarbeit aus= zuwerten." Aus diesen Zitaten ergibt sich die wechselnde Gewerkschaftspolitik der Kommunisten. Nicht eigene leber zeugung für den Gewertschaftsgedanken ist es, die zu den Parolen Veranlassung gab, sondern es waren taktische Maßnahmen, wie die Gewerkschaften zu erobern find, um sie dem kommunistischen Parteiapparat unterzuordnen. Der Vorstand des Holzarbeiterverbandes vermochte mit seiner Agitation im Frühjahr des Vorjahres die durch jahrelange wüste Hetze der Kommunisten entstandenen Lücken zum größten Teil wieder auszufüllen. Die Kraft des Verbandes war in dem zurückliegenden Jahr so stark, daß die Kämpfe um den Acht stundentag und eine DON den Arbeitgebern inszenierte Generalaussperrung erfolgreich abgeschlossen wurden. Wäre dieser Kampf nach fommunistischem Muster geführt worden, tann würden die Holzarbeiter um ihre Früchte betrogen worden sein. Diese Beispiele allein beweisen zur Genüge, wer die Interessen der Holzarbeiter vertritt. In Berlin stehen die Holzarbeiter heute vor den Neu= wahlen. In demagogischer Weise versuchen die Kommunisten, die Tätigkeit der Gewerkschaften im allgemeinen und die der Berliner Berwaltungsstelle im besonderen herabzuwürdigen. Die Anweisungen Mostaus, die Gewerkschaften von innen heraus zu erobern, müssen durchgeführt werden. Das Prinzip der Kommunisten, die Gewerkschaften ihrer Partei unterzuordnen, ist un= verändert und wird mit allen mögitchen Barolen betrieben. Eine äußerst starte Propaganda wird zurzeit für die Bildung von„ Einheitskomitees" entfaltet, um mit deren Hilfe fommunistische Parteipolitik zu treiben. Der Boden für dieje Politik ist:„ nie so günstig gewesen", schreibt die Rote Fahne", wie im Augenblick. Die ungeheure Arbeitslosigkeit in der Berliner Holzindustrie bietet den Kommunisten Gelegenheit, ihre Phrasen an den Mann zu bringen. Die große Zahl der Indifferenten leiftet ihnen Gefolgschaft. Jedoch viel größer die Zahl derer, die dem Verbande die Treue bes wahrt haben und den Phrasenhelden den Rücken kehren. Am heutigen Nachmittag, gleich nach Arbeitsschluß, finden in allen Bezirken und Branchen die Neuwahlen der Bezirks und Branchenkommissionen statt. Die Berliner Holzarbeiter, insbesondere die auf dem Boden der 2 m ft erdamer Internationale stehenden Mitglieder werden bis auf den letzten Mann in diesen Versammlungen erscheinen und den Kommunisten auf ihre Tiraden Kollegen aller Branchen! Erkennt, was auf dem Spiel steht; geht in eure Versammlungen und wählt nur Kollegen der Richtung Amfterdam. Um den Achtstundentag. Eine internationale Arbeitsministerkonferenz. Das Wolff- Bureau meldet: Im nächsten Monat wird dem amtlichen englischen Funkdienst zufolge wahrscheinlich eine Konferenz der Arbeitsmini Italiens stattfinden, die von der englischen Regierung einberufen wird. Sie soll die Möglichkeit eines wirksamen internatio nalen Abkommens zur Regelung der Arbeitszeit erörtern. Der Premierminister hat bereits mitgeteilt, daß, wenn dieses Abtommen erzielt wird, die Ratifitation des Washingto= wird, und auch England werde es ratifizieren. Italien hat ner Abkommens durch die teilnehmenden Mächte möglich sein die Washingtoner Ronvention unter dem Vorbehalt ihrer Ratififation durch Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und die Schweiz bereits ratifiziert. Ein Gesez, das Frankreich zur Ratifitation ermächtigt, sobald Deutschland ratifiziert hat, ist in der französischen Rammer angenommen worden und liegt zurzeit dem Senat vor. Die belgische Rammer hat ein Gesetz zugunsten einer bedingungslosen Ratififation gutgeheißen. Das internationale Ar beitsamt teilt mit, daß das Zusammenwirken einer legislativen und diplomatischen Aftion, das jetzt Fortschritte macht, entscheidende und wertvolle Ergebnisse erhoffen läßt. Kaltschnäuzige Scharfmacher. Was die Zechenbefizer sich herausnehmen. Bochum, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Bei der Bezirkspersammlung der Ruhrknappschaft hatten die Arbeiter und Ange stelltenvertreter eine Erflärung eingebracht, deren Berlesung auf Antrag der Arbeitgeber abgelehnt wurde! Die Arbeiter und Angestellten der Ruhrknappschaft geben die Erklärung beshalb auf diesem Wege der Deffentlichkeit und den Regierungsstellen zu Gehör: Die Arbeiter und Angestelltenvertreter in der Bezirksversammlung sprechen ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß durch den ablehnenden Standpunkt der Wertbefizer und des Vorsitzenden die von den Arbeitnehmern gewünschte Behandlung und Einführung der Familienhilfe in der Bezirksversammlung verhindert worden ist. Die Arbeitnehmer- und Angestelltenvertreter lehnen jede Verantwortung für die Folgen der weiteren Verweigerung der Familienhilfe ab und weisen nochmals darauf hin, daß die mehr. zahl der verheirateten Bergleute heute Schuldner der Wohlfahrtsämter sind und trotzdem die Krant heit und Verelendung in erschreckendem Maße in den Familien der Bergleute zunimmt. milienhilfe reichsgefeßlich einzuführen. Besonderen Wert legen die Vertreter auf die Erhaltung und Berbesserung des§ 26 des Reichsfnappschaftsgesetzes." Die Bankleitungen fügen fich". Der Reichsverband der Bankleitungen nahm gestern zu der vom Reichsarbeitsminister ausgesprochenen Verbindlichkeitserklärung des im Banffonflikt gefällten Schiedsspruches Stellung. Nach eingehenden Beratungen wurde beschlossen, sich den gesetzlichen Bestimmungen zu fügen. diese in der Presse mitteilen ließen, sie müßten erst noch einmal zur Der Schiedsspruch befriedigt nur die Bankleitungen, und wenn Verbindlichkeitserklärung Stellung nehmen und erst von ihrer Entscheidung hänge der Tariffriede im Bankgewerbe ab, so ist das alles nichts anderes als Theater. Die Verschlechterung der Arbeitszeitregelung wird von den freigewerkschaftlich orga nisierten Bankangestellten nun erst recht mit dem schärfsten Kampf für die Wiederherstellung des Acht= stundentages und gegen den Abbau der Arbeitskräfte im Bankgewerbe beantwortet werden. Bedauerlich ist nur, daß die nicht freigewerkschaftlichen Organisationen der Bantangestellten sich dem Drud der Bankleitung so leicht gefügt haben. Wären sie etwas aftiver gewesen, hätten sie die ihnen nahestehenden Reichstagsfraktionen gegen den Schiedsspruch start gemacht und nicht die Hände in den Schoß gelegt, dann wäre die Verbindlichkeitserklärung des früheren vom Schlichter Dr. August Müller gefällten Schiedsspruchs vom 23. Dezember, der eine bessere Arbeitszeitregelung will, erzwungen worden. Die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums bringt teinen Tariffrieden. Was die Kommunisten verschweigen. Aus Stettin wird uns berichtet: Am 29. Januar hat in Stettin die Neuwahl der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes stattgefunden, bei der die Kommunisten, im Bergleich zu den Vorjahren, alten Ortsverwaltung, die sich nur eine ziemliche Abfuhr erlitten. Während die Mitglieder der aus Anhängern der Amsterdamer Richtung zusammensetzte, bis zu 437 Stimmen erhielten, entfielen im Durchschnitt auf die Kommunisten 125 Stimmen. Diese Niederlage scheint den Mostauern begreiflicherweise nicht ihrem Stettiner Ableger der" Roten Fahne" berichten, wird diesmal angenehm zu sein, denn während sie sonst über alles mögliche in in dem Bericht über die Generalversammlung der Metallarbeiter die Neuwahl der Ortsverwaltung und ihr Ergebnis ganz verschwiegen. Da die Redaktion des Stettiner Kopfblattes es fehr eilig mit der Einholung von Informationen über den Ausfall der Wahl der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte, fann nicht angenommen werden, daß sie für die Nichtveröffentlichung verantwortlich gemacht werden kann. Wahrscheinlich wird die Streichung der Mitteilungen über den Ausfall der Wahl durch den Berliner Zenfor erfolgt sein, um zu verhindern, daß neben der Hinauspofaunung der„ oppofitionellen Erfolge" in irgendeiner unbedeutenden Ecke des Reiches auch über die meistens fat astrophalen Niederlagen in den größeren Städten berichtet wird. Die Kaliherren können, aber wollen nicht. industrie abgelehnt. Die Bergarbeiterverbände nebmen den Die Arbeitgeber verbände haben den Schiedsspruch für die Stali Schiedsspruch, dessen Erklärungsfrist am 15. Februar abgelaufen ist. an. SPD.- Bau- und Geldschrankschloffer! Mittwoch abend 6 Uhr bei Braffer, Michaelfirchstr. 29a, wichtige Bersammlung aller Genossen. Parteiausweis mitbringen. Der Fraktionsvorstand. Afa- Ortskartell Berlin. Montaa, den 22. Februar, abends 74 Uhr, Reichswirtschaftsrat. Informationsabend für die erliner AF- HauptBandesarbeitsamt funktionäre. Erwerbslosigkeit Gemeinde Reich". Redner: Stadtrat Brühl, Stadtv. Reuter, Reichstagsabg. Aufhäuset. Eintrittsberechtigungen durch die Berliner AFA- Gewerkschaften. Jugendgruppe des RDA. Morgen, Mittwoch, abends 7% Uhr Gruppe Lichtenberg: Jugendheim Goßlerstr. 61, Borfrag: Entstehung und Bedeutung Gruppe Neulöln: Jugend des Tarifvertrages". Referent Walter Efchbach. heim Nogatstr. 53 Seiterer Abend. Gruppe Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bortrag: ,, Die Birtschaftslage in Rußland". Referentin Dr. Dora Fabian. Gruppe Schöneberg: Jugendheim Squptstr. 15, Glaßbrenner- Abend. Referent Georg Heilbrunn. Die Vertreter der Arbeiter und Angestellten erklären sich auch jetzt noch bereit, die Familienhilfe eventuell auf Kosten der Arbeitnehmer in der Ruhrfnappschaft einzuführen und bitten den Reichstag, unter feinen Umständen durch Verminderung der Invaliden, Witwen- und Waisenpension und durch weitere Verschlechte und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co. Berlin G 68 Lindenstrake 3. rung des jezigen bestehenden Reichsknappschaftsgesetzes die FaHEZ Leipziger Strasse M Alexanderplatz N N Frankfurter Allee 88 Versandabtellung: Leipziger Strasse Schriftl. Bestellungen werden prompt erledigt. Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. 80 Pf., die nur für Porto bzw. Verpackung in Anrechnung gebracht werden. Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Sa.ernus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". Billige Bücher Antiquarische Werke k Gustav Freytag Berühmte Romane der In neuen, bliligen und ungekürzten Ausgaben Soll und Haben Die verloreneHandschrift 1 Band, 784 Seiten 1 Band, 704 Seiten Ingo und Ingraban Das Nest der Zaunkönige 1 Band, 319 Seiten Schöner Druck 1 Band, 288 Seiten Holzfreies Papier in den mit einem bezeichneten Ausgaben Halbleinenbd. Ganzleinenbd.| Halblederband| Ganziederband 185 75.375 275 480 Die neusten Erfindungen Die Berliner Range. auf dem Gebiete der Elektrizität. be- Humoristisch- savirische Erzählungen sonders der Radiotechnik. Gemeinver- von Ernst Georgy. 10 Bändchen, 59 ständlich bearbeitet und herausgegeben gebanden. Früher 16.00..... jetas von Victor Aehenbach. 400 Seiten mit 270 Orig.- Abbildungen, 1924. Halbleinenbd. Früh. 6,60, je! zt 95Pt. Lichtenstein. von Wilhelm Hauff. Historisch. Roman 315 Seiten. Felicitas Rose, Provinz- goidschnitt.. eleganter Ganzlederband mit Kopt- 450 ... nur madel. Humorist. Erzahlungen. 550 Friedemann Bach. 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Die Dame mii dea Kamelien " Dumas, Millionenbraut " Dumas, Lady Hamilton " Dumas, Josef Balsamo, genannt Grat Cagliostro Dumas, Die Grätin Charny * Dumas- Mützelburg, Der Herr der Weit Dumas- Mützelburg, Die Totenhand Flaubert, Madame Bovary Flaubert, Salambo François, Die letzte Reckenburgerin * Gerstäcker, D. Flusspiraten Gerstäcker, Die Regulatoren * Gerstäcker, Gold bardier ' Hackländer, Europäisches Sklavenleben " Hauff, Lichtenstein Hugo, Die Elenden Hugo, Der Glöckner von Notre Dame Keller, Züricher Novellen Keller, Der grüne Heinrich Keller, Die Leute v. Seldwyla Kügelgen, Jugenderinnerungen eines alten Mannes ' Lagerlöf, Gösta Berling Lagerlöf, Jerusalem Ludwig, Zwischen Himmel und arde " Manzoni, Die Verlobten Marryat, Der fliegende Holländer " Murger, Zigeunerleben Nathusius, Elisabeth Prevost, Manon Lescant Sacher- Masoch, Katharinall Sacher- Masoch, Die Dame im Peiz Scheffel, Ekkehard Scott, Ivanhoe, Sienkiewicz, Mit Feuer und Behwort S'enkiewicz, Sintflut Sienkiewicz, Quo vadis? * Sue, Der ewige Jude * Sue, Die Geheimnisse von Paris * Tolstoi, Auferstehung Tolstoi, Kreutzersonate Tolstoi, Anna Karenina Turgenjew, Vater und Söhne Vischer, Auch einer Wallace, Ben Hur * Wilde, Bildnis des Dorian Gray Zola, Germinal Zola, Nana Gorki, Mustererzählungen Zola, Das Paradies d. Damen Die mit einem bezeichneten Titel sind auch in eleganten Ganzleinenbänden zu lietern . Jeder Band nur 275 Restauflagen Julius Wolff * Neuausgaben Werke: Tannhäuser. Ein Minnegesanz. 544 Seiten. Der wilde Jäger. Eine Weidmannsmär. Der fliegende Holländer. Eine Seemannssage. Zus. in 1 Bd. geb. 416 Seiten. - Der Renata, Eine Dichtung. 852 Seiten. fahrende Schfiler. Eine Dichtung. 33 Seiten.- Lurlei. Eine Romanze. Zus. in Till Eulenspiegel. Ein Sekelmenlied. 504 Seiten. O jetzt 195 1 Bande.- Assalide. Dichtung a. d. Zeit des gross. Troubadours. Die Pappenheimer. Ein Reiterlied. 400 Seit.- Jeder Band illustriert, Ganzleinenbd., früher 320 Belten. Goethe, samtliche Werke. Heraus- Stifter, Adalbert, Berg. gegeben u. eingeleitet von Fr. Sehulze. kristall- Brigitta- Die Narren45 Bände in 12 Leinenbände ge- 1803 burg. Drei Erzählungen. 240S. 95Pf. bunden, früher 38,00....jetzt Gottfried Keller, Die Leute von Seldwyla. Erzählungen. 568 8. Eleganter Ganzlederband mit Kopf- 450 goldschnitt.. Das Schönste von Bichendorf ( Das armorbild), Arnim( Die Verkleidungen des französischen Hoimeisters), Chamisse( Peter OPT. Schlemihi). 2388eiten. Gebunden Deutsche Lieder aus alter und neuer Zeit. Neue Folge. Innise und heitere Lieder. 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Keller, Der grüne Heinrich. 6. Vischer, Auch einer. 7. Keller, Züricher Novellen. 8. Scott, Ivanhoe. 9. Sacher- Masoch, Ein weiblicher Sultan. Jeder Band nur 375 10. Balzac, Die dreissig tolldreisten Geschichten. 11. Hugo, Der Glöckner Notre Dame. von 12 Retcliffe, Nena Sahib. 13. Dostojewski, Raskolnikows Schuld und Sühne. 14. Dumas, Lady Hamilton. 15. Scheffel, Ekkehard. 16. Sacher- Masoch, Katharina II. 17. Zola, Zum Paradies der Damen. 18. Sienkiewicz, Quo vadis? Die Sammlung wird fortgesetzt. Rr. 77 ♦ 4?.�ahrgtMg 7. Seilage ües Vorwärts dkenstag, Ib. Februar 1H2b mr\\mr Was das für Leute sind, die am frühen Morgen schon, wenn sich die Stadt noch verschlafen die Augen reibt, sich an die Gitter des großen Hauses da in Altmoabit drücken? Das sind Justitias tägliche Gäste, die Auhörer. Don sieben oder halb acht an warten die ersten und ihre Zahl schwillt mst den Bewegungen des Zeigers. zum Häufchen, zum drängelnden Haufen. Ein weiser Ratschluß hat denen, die da ungeladen gekommen, eigene Zugänge bestimmt, die sich für den eilenden Passanten schämig in den Boden hinein ver- kriechen; in der Straße Altmoabit und der Turmstraße. Es ist aber da noch einer, zu dem man über die breite Freitreppe gelangt: der öffnet sich aber seltener für die Einlaßheischenden—; wenn es aber der Fall ist, dann gibt es um jeden Zentimeter vorwärts eine lebens' gefährliche Balgerei. Das ist der Zuhörerzugang zum Schwurgerichts- saale, der sich in eine Ecke des großen Hauptportales verkriecht. vor Sem Tore. Geduldig warten nun Morgen für Morgen einige Hundert, zusammengeballt, auf den Augenblick, wo Justitia vom Schlaf erwacht, und sich die ersten Tore zum Vorraum offnen. Dann gibt's ein Drängen und Puffen, das einer verdienstvolleren Angelegenheit wert wäre. Drinnen schieben sie sich über die Treppen und bauen sich vor neuen Zugängen auf. Wo zwei stehen bleiben, hängen sich vier, fünf, noch viel mehr, viel, viel mehr an, es sind nur wenige. besonders bevorzugte Säle, wo sich sehens- und hörenswerte schicksalsschwangere Zugstücke für diese Augen und Ohren abspielen. Man erkennt leicht, wes Geistes Kind die sind, die sich hier vor den Zugängen zu den Gerichtssälen zusammendrängen. Das Gros der Zuhörer, junge Menschen, die sicher noch nicht viel selbst verdientes Geld, redlich verdientes Geld in der Tasche trugen, ist hier zu Hause. Sie kennen alle Gänge, sie wissen Bescheid, wo die dicksten Sachen verhandelt werden, sie kennen die Eigenart der Iustizbeamtn, wissen genau, ob sie da mit Humor, dort mit Frechheit oder Bescheidenheit o erreichen, daß sie noch schnell in den schon gefüllten Zuhörerraum schlüpfen können. Man sieht es in vielen Gesichtern, daß chre Träger auch schon jenseits der Zuhörerschranke als Akteure gestanden haben. Sie führen das Wort, wenn es sich um das hier bevorzugte Gespräch:.Recht, Gesetz, Strafe", handelt. Da sind Frauen, denen die ewigen Kochtopfsorgen zu langweilig geworden sind, die viel lieber in.den Abgründen menschlicher lleidenlchast, menschlichen Laster», schauen wollen: da sind unreife Dengel. kaum der Schule entwachsen, die hier eine Fortsetzung von Karl May, von Rick Karter oder sonst einen' Schundhesthelden erwarten. Dazwischen einzelne Wenige, die den Freund, den Bekannten auf der Zeugenbank oder auch auf der Anklagebank sehen möchten. Eine bunte Gesellschaft, die hier aus dem Schicksal anderer köstliche Unterhaltung, so ein bißchen prickelndes Wohlgesühl schöpfen, um sich ein Innenleben zu erzwingen, das ihnen der Alltag nicht bescheren will. Können sonst Menschen zu dem Schauspiel, wo Ringende, die strauchelten, vollends zertreten werden, wo der Zynismus von Verbrechern sich wie ätzende Säure in das denkende Hirn frißt? O, wie taubensriedlich sehen sie alle aus. wenn sie die Zuhörerbänke drücken, sie haben Freude im Herzen, denn sie wissen, draußen irren noch einige Dutzend Neu- gieriger auf Treppen und Gängen herum, huschen leise da hinein. dort hinein,— natürlich, wo nichts los ist, wo einige Kraftfahrer oerknackt werden. Das ist doch nichts, dazu setzt man sich doch nicht hierher. Hier unten, hier kommen die dicken Sachen, da bekommt man was zu hören Es geht schon los. ?m Gerichtssaal. »Also die Cache Straßmonnl* Der Justtzrat hat e» gerufen, der Amtsmann hat gehört. Straßmann kommt. Zwanzig Augen entkleiden den Angeklagten bis auf sein Vorleben. Ganz genau wird er laxiert, und über den suchend vorgebeugten Köpfen schwebt die Frag«:.Was ist das nur für ein Fall?" Die Anklage wird ver- lesen, und ausatmend hören sie:.Betrug.".Sie sind vorbestraft?" .Fünf Jahre Zuchthaus, vier Jahre Zuchthaus, fünf Jahre, sieben Jahre." Das ist Sache, da gibt es Bewegung im Zuhörerraum. Am liebsten möchte man Beifall klatschen,— aber muckmäuschenstill muß es hier hinten sein, sonst steht man bald wieder draußen, und das wäre doch jammerschade, wo es hier.richtig" ist. Aber ein Wispern hebt doch an:.So ein feiner Pinkel— und sowat läuft frei rum?".So'n richtijet Jalgenjesichte hat a aba,— Junge, Junge, den fein Knast!"— Und weiter geht es, während der An- ? geklagte sich zur Anklage äußert, während jede seiner Bewegungen, einer Gesten von den gierenden Augen oerfolgt werden:.Wat hat a lesacht?— wat, det ie allet unwahr?— nu kiken Sie sich det un- schuldije Gesichtekin an." Augen und Ohren arbeiten, nur nicht» verlorengehen lassen, nur nicht den dramatischen Höhepunkt ver- säumen. In jedem neuen Zeugen, der da kommt, der gleich mit seinem Eintritt Sympathie oder Antipathie in die Mienen zaubert und neuen Anlaß zum leisen Meinungsaustausch gibt, wittern sie ein neues Senfaliönchen, und feine Aussagen begleiten geflüsterte Gutachten..Nee, so ein Schas!".Nu sehn Se sich an, sieht der nich aus, als wenn er nicht bis dreie zählen kann,— und so schnüffelt a in andere Leute ihren Kochtopp..Ja, ja, die Sorte, det sind die Richtijen!" Was die Worte nicht sagen, das sprechen die Augen, das liest man aus einem zusammengezogenen Mund, aus zu- sammengekniffenen Augen, wie auf einer Rennbahn, wie im Kino. Das Häßliche im Menschen sonnt sich hier zur Gebärde. Ein Film nach dem anderen rollt sich gemächlich ab, bis es mal stoppt.„Zch beantrage Ausschluß der Oessenllichkeit." Der Justizwachtmeister unterstreicht Antrag und Genehmigung heftig, so daß die Hörenden unwillig zögernd, schnell noch ein Wort erhaschend, das Feld räumen. Draußen können sie schon freier ihrem Herzen Luft machen: „So'ne Jemeinhelt, und wo't so schön wird, müssen wa raus!" Da draußen lösen sich dann hinter fettigem Butterbrotpapier, von schmatzenden Lippen geformt, die Urteile, um die drinnen der Richter mit Paragraphen und menschlichem Empfinden ringt. Hier wird noch einmal Gericht. gehalten über die, die schon.angenommen" ? laben, die schon das zermürbende Frage- und Antwortspiel hinter ich haben. Hier draußen warten sie geduldig, auch wenn eine Mittagspause die»schöne Unterhaltung" stört. Schwurgericht. Da» ist lebensgefährlich, sich in diesen quirlenden Strudel der drängenden Menschen zu begeben, wenn man noch unten steht und es schon acht Uhr ist, dann ist es zwecklos, sich und seine Kleider in Gefahr zu begeben, denn die Trepp«, die da hinaufführt, ist schwarz von dichtgedrängten Menschen. Wer hinkommt, glaubt einen Platz im Himmelreich erworben zu haben— so sehen sie aus—, auch so andächtig, wenn sie einen guten Platz gefunden haben, möglichst ganz vorn, wo man alles, aber auch alles hören und sehen kann, denn mancher Zeuge, mancher Angeklagte und auch mancher Staats- otuoall ninnnt zu wenig Rücksicht auf die braven Zuhörer, und spricht viel zu leise. Kribblig vor Erwartung möchten sie wissen, was ge- spielt wird und sie erfahren es bald..Kindsmord"..Ol"— während von irgendwo ein leises Schluchzen, ein. Stöhnen in den Saal ge> atmet wird. Bekannte aus der Straße der Angeklagten und Zeugen habsn sich eingesunden, suchen, wo die anderen da vorne sitzen. „Sehn'se, det da is mein Bruder— und det da, sehn'se die olle Frau, da, daso— mit den jrünen Hut, det is meine Mutta, und det da, is die Mutta von'n Angeklachten,— sehn'se bloß, wie die arme Frau heult— die arme Frau—* erklärt eine Eifrige denen,, die es hören wollen. Vorn tut sich ein Abgrund auf, aus dem die Scheußlichkeiten an das Tageslicht gezerrt werden und hier hinten rutschen sie aus ihren Stühlen: immer mehr— immer mehr, wir verttagen's schon, und sie können nicht genug bekommen! * Ist da» Reden und Feilschen um die Tat, um das Schicksal de» anderen so viel wert, daß sie müßig dahocken, immer noch da hocke/» wenn draußen das Getriebe de» Werktags flutet? Die„Grüne Woche" am Kaiserdamm. Da» Berliner Messeamt hat. wie bei früheren Derel? staltungen, auch diesmal besondere Erleichterungen für den Besuch dl/ .Grünen Woche Berlin 1926", die am Sonnabend, dct» 29. Februar, vormittags 19 Uhr, im Funkhaus und in der alten AutoHalle am Kaiserdamm zur Eröffnung gelangt, geschassen. Der Eintrittspreis zu der Ausstellung und ihren Nebcnveranstaltungen— ausgenommen das in der neuen AutoHalle stattfindende Reit- und Fahrturnier— beträgt 1,50 M. Für alle diejenigen Besucher, die die Einlaßkarte im Vorverkauf bei einem der Berliner Verkehrs- Unternehmungen erwerben, ist in diesem Preis das notwendige Fahrgeld bi»zum Ziel« einbegriffen. Gleichgültig, welches Verkehrsmittel benutzt wird, ob Hoch- und Untergrundbahn. Stadt-, Ring- und nähere Vorortbahn und Straßenbahn der Linien 53, 72, 75 und 93.— überall sind an den Schaltern oder bei den Schaffnern gegen Entrichtung von 1,59 M. in den Tagen vom 29. bis 28. Fe- bruar Einlaßkarten zur Ausstellung zu haben, denen ohne jeden Auf- schlag die Fahrkarten(3. Klasse) oder Fahrscheine für die Hin- und Rückfahrt beigegeben sind. Besucher der.Grünen Woche", die bei NZ GnKel Moses. Roman von Schalom Asch. Nicht die persönlichen Bedürfnisse trieben Onkel Mose» zur ewigen Jagd nach Geld. Er selbst hatte sehr geringe Lebensbedürfnisse. Für sich selbst brauchte er gar nichts. Es machte keinen Unterschied für ihn. in mos für einer Wohnung er wohnte, in was für einem, Bett er schlief. Noch jetzt hatte er oft Sehnsucht danach, in einer Herberge zu schlafen, und das helle Zimmer mit dem weichen Bett und den graziös geschnitzten Möbeln, auf die er sich nicht ordentlich hinzusetzen traute, machte ihm eigentlich gar keine ,zreude.... Noch jetzt ging er oft zur Lunch, zeit niit seinen Arbeitern in einen billigen L'.mchroom und schlang dort stehend, in Eile, sich drängend. San'wich, eine Suppe oder eine Tasse Kaffee hinunter: mit den Eeschästsleutcn in einem vornehmen Restaurant zu essen, hatte er nie recht Lust, nicht deshalb, weil er etwa geizig gewesen wäre, sondern weil er an das erbärmliche Leben, in welchem er den größten Teil seiner Tage verbracht hatte, mehr Sm c wohnt war und daran mehr Freude hatte als an dem reichen I eben. Etwas anderes als das Geld war es. was ihn im kalten Winter so zeit'g aus dem Bette trieb, damit er nur ja der erste im Geschäft sei und sehen könne, ob die Arbeiter zur rechten Zeit zur Arbeit kämen: etwas anderes als das Geld war es auch, was ihn beweg, in den heißen Sommermonaten in der Stadt zu bleiben. Obwodl er sehr unter der Hitze litt. welche aus seinen dicken Körper schädlich einwirkte, wollte er doch nicht in eine Sommerfrische fahren, sondern stand in s.nnem Geschäft zwischen den Haufen staubiger Kleider, atmete schwer und fächelte mit dem steifen Hut sein erhitztes Gesicht. fuhr sich mit einem Toschentuch über den von der Hitze roten, schütter behaarten Kopf und wollte sich nicht einmal auf Sam verlassen, dem er doch sein Bertrauen schenkte. Es war nicht das Geld, es war etwas mehr als Geld— es war. als fei er ein Sklave seiner unerschöpflichen Energie geworden, die ihn wie e'ne Teu'elsmacht oorwärtstrieb. deren Befehlen er blind gehorchen mußte. � v Denn On"el Molcs hatte niemanden, für den er arbelten und dem er fein Geld hinterlassen konnte. Onkel Moses war Witwer. Er hatte wohl Kinder, aber nicht von seiner Frau. fondern von der Frau eines anderen Mannes, und wußte dabei nicht einmal, ob diese Kinder sein« eigenen waren.... Jedenfalls liebte er sie nicht. Das mar so gekommen. Als Onkel Moses noch ssmg war und den Lunchroom gegen ein Geschäft mit zurückgesetzter Männerkleidung vertauschen wollte, hatte er die Tochter �nes Kompagnons geheiratet. Diese Heirat war mehr aus geschast- lichen Gründen als aus Liebe erfolgt. Onkel Moses wußte in seiner Jugend nichts von Liebe. Er war von seinen Plänen und Geschäften so in Anspruch genommen, dag er für derlei Dinge keine Zeit fand.... Seine junge Frau aber, welche aus Galizien stammte und zur Sentimentalltät neigte, ein schwächliches, zartes Geschöpfchen, hatte ihn wirklich lieb. Nicht ihn persönlich— sie hätte jeden Mann, der sie heiratete, lieb gehabt, weil sie dazu geschafsen war, zu lieben, zu ver- göttern und zu dienen, wen es auch sein mochte.... Sie blickte zu ihm wie zu einem Gott empor, hatte Ehrfurcht vor seinem breiten Mannesnacken. Furcht vor seinem ernsten. sorgenvollen Anttitz und bewunderte seine Energie und seine Tatkraft. Doch er sah sie nicht. Er hielt sie für einen Gegen- stand.... Ost, wenn sie bei Nacht neben ihm lag, hatte sie Sehnsucht nach Liebkosungen, nach Zärtlichkeiten. Sehnsucht danach, sich an ihn anzuschmiegen, gestteichelt, wie ein Kind verzärtelt zu werden: doch er lag da. den schweren Könier zur Wand gekehrt, entweder laut schnarchend oder mit Ge- danken an seine Unternehmungen beschäftigt. Sein Kopf war stets voll von Röcken, Hosen, Westen, Knöpfen, Leinwand. Tuch— er dachte immer nur an diese Dinge und sab nicht um sich. Forderte die Natur ihr Recht, so tat er seine Pflicht, grob und ohne Senttment, wie man sein Mittagsmahl einnimmt. den Mund abwischt und sich vom Tisch erhebt.... Die junge Frau aber hatte Sehnsucht noch Liebe, nach Zärtlichkeit und Wärme... Das hotte er nicht und konnte es nicht geben. Er verstand ihr Verlangen nicht und wunderte sich. warum sie keine Kinder batte. Als er einmal bei einem seiner Freunde, einem älteren Manne, bei der silbernen Hochzeitsfeier mar und sah, wie die Kinder den Eltern eine Torte mit bren- nenden Kerzchen brachten und ihre Freude teilten, da kam er böse nach Hause und whr seine Frau brummig an: „Kinder.... Warum hast du keine Kinder?... Geh zu einem Arzt!" Doch die Frau hatte keine Sehnsucht nach Kindern, sondern nach Liebe, und der Durst muh Liebe verzehrte sie. Von Tag m Tag wurde sie schwächer und kränkelte immer mehr. Onkel Moses hatte großes Mitleid mit ihr. Sein Leben machte ihm keine Freude mehr. Wenn er einmal mit guten Freunden ausging, um den Abend in lustiger Gesellschaft zu verbringen. machte er sich Vorwürfe, daß er seine Frau allein zu Hause gelassen hatte. Er ließ seine Gesellschaft im Stich und eilt« heim; doch seiner Frau konnte er nichts geben. Er wußte nicht, warum sie kränkelte, und da er ratlos war, schrie er sie an:„ � „Was ist dir? Warum gehst du nicht zum Arzt? War» um bist du krank?" Schon einige Jahre vor dem Tode der Frau hatte er keine Frau mehr.i... Das war der Anlaß, daß er häufig darüber nachdachte und begann, den Frauen nachzusehen.... An einer jungen Frau in einem jüdischen Restaurant, in welchem er den Lunch zu nehmen pflegte, fand er Gefallen. Sie war brünett und hatte schmale, schwarze Augenbrauen: ihm gefielen die schwarzen Härchen, welche wie Schläsenlocken an ihrem Wangenansatz sproßten. Als er sie einmal sah, wie sie hinter dem Büfett in einer weißen Bluse und einer Schürze mit den Schlüsseln klapperte und dem Kellner Befehle erteilte. da erinnerte sie ihn an den jüdischen Hausfrauentyp in der alten Heimat, und er begann mit ihr zu kokettieren, über- häufte sie mit Aufmerksamkeiten und bat sie, mit ihm zusammen auszugehen. Alles wunderte sich über Moses Melnik; doch der fühlte sich sehr wohl mit dieser Frau, die ganz zu ihm paßte. Ihr Mann merkte, was vorging und merkte es auch nicht— in jedem Fall tat er, als wüßte er nichts. Onkel Moses lebte mit der Wirtin des jüdischen Ltinchrooms heimlich zusammen, und sie hatte jedes Jahr ein Kind, das auf seine Rechnung ging.... Er selbst wußte nicht, ob es seine Kinder waren oder die Ihres Mannes.... Der Mann kam von Zeit zu Zeit, um von Onkel Moses mit der Drohung eines Skandals Geld zu erpressen, und Onkel Moses gab es ihm. Dieses Ge- schäst oertraute er Sam an, der ihn auch stets von allen Sorgen auf diesem Gebiete befreite und alles ohne Aufsehen „arrangierte". Daß Onkel Moses mit einer anderen Frau lebte, gab seiner eigenen zarten Frau vollends den Rest. In kurzer Zeit starb sie, ohne ihm ein Kind zu hinterlassen. So hatte Onkel Moses eigentüch keinen Leibeserben. Die Kinder der Frau des Gast- wirtes gehörten offiziell diesem, und Onkel Moses war gar nicht sicher, ob es seine Kinder waren.... So lebte Onkel Moses zehn Jahre lang als Witwer. Alle Leute sagten, er sei noch ein junger Mann, und in seinem Geschäft gab ein Schadchen dem anderen die Türklinke in die Hand. Onkel Moses dachte nicht daran, zum zweiten Male zu heiraten. Er brauchte das nicht. Seine heimlichen Beziehungen zur Frau des Gastwirts hielt er weiter aufiecht. Doch als er sich den Fünfzigern näherte, fühlte er eine gewisse Einsamkeit und die Sehnsucht nach Familie. Seine geschäftlichen Energien be- gannen ein wenig zu erlahmen, er hatte nicht mehr die gleiche Lust wie früher, neue Häuser zu bauen oder neue Unter- nehmungen zu gründen, begann sich mit den alten Geschäften zu begnügen und bekam Sehnsucht nach einem warmen Heim, nach Kindern, die ihm gehörten, mit denen er an Feiertagen in der Schul' beten und sich vor seinen Bekannten zeigen könnte.... So dachte er viel ans Heiraten und ließ sich Partien antragen. (Fortsetzung folgt.) ter Fahrt auf Hochbahn oder Stadtbahn bie höhere Wagenflaffe zu benutzen wünschen, zahlen lediglich die Differenz des Fahr preises hinzu. Es empfiehlt sich also, die Eintrittsscheine bereits unter Benuzung eines der genannten Berkehrsmittel bei diesen selbst zu Taufen. Emmingers Strafprozeßnovelle. Im April werden es zwei Jahre, daß Emmingers Strafprozeß novelle in Kraft getreten ist. Eine Zeitspanne, groß genug, um aus ihrer Wirkung Schlüsse ziehen zu fönnen. Daher war es zu begrüßen, daß ein Vortrag, den Amtsgerichtsrat Karl Neumann in der Juristischen Gesellschaft hielt, Anlaß zu einer umfassenden Aussprache bat. Der Bortragende gehört zu denjenigen, die im großen und ganzen mit den Grundlinien den Neuerungen einverstanden sind. Der Einzelrichter in der jeßigen Form findet feinen Beifall. Die Schnelljustiz am Bolizeipräsidium habe sich bewährt. Bon 2200 Sachen, die vom 1. April 1924 bis zum 15. Dezember 1925 abgeurteilt worden sind, find die Urteile nur in 22 Fällen nicht rechtskräftig geworden; nur 270 Sachen mußten an das Schöffengericht abgegeben werden. Auch die erweiterte Hinzuziehung der Schöffen in den Straffammern und in den Berufungsinstanzen begrüßte der Bortragende. Am wenigsten hatte er aber an den Schwurgerichten" von heute auszusetzen. Während die früheren Schwurgerichte eine große Anzahl von Fehl urteilen aufwiesen, ließen sich die Schwurgerichte" von heute nicht mehr zu Stimmungsurteilen hinreißen. Allerdings erscheint es auch dem Bortragenden nicht richtig, daß für die Schwurgerichtsurteile, also bei den schwersten Berbrechen, eine Berufung unmöglich ist, die ja sonst fast durchweg eingeführt ist. Der Abbau der Justizbeamten sei der Justiz nicht dienlich gewesen. Die Bormürfe, die den Richtern gemacht werden, seien zum größten Teil gerechtfertigt. Jedenfalls sei eine bessere Ausleje von Strafrichtern vonnöten. Gerade bei ihnen wäre größte Menschenerfahrung und Humanität unbedingte Forde rung. Die Diskussionsredner waren in vielen Bunften mit dem Bortragenden nicht einverstanden. Die schärfste Abfuhr fand feine Bejahung der neuen Schwurgerichte". Prof. Gold. fchmidt und die Rechtsanwälte Alsberg und Klee setzten sich für die Wiederherstellung der alten Schwurgerichte ein. Prof. Goldschmidt bezeichnete ihre Abschaffung als Anfang des Endes in der Beteiligung der Laien in der Rechtssprechung überhaupt. Durch die Abschaffung der Schwurgerichte habe Deutschland die Fäden, die es in der Rechtsprechung mit anderen Kulturnationen verbindet, abgeschnitten. Es sei ein Unfug, die Schwurgerichte von heute überhaupt noch als Schwurgerichte zu bezeichnen. Entgegen den Ausführungen des Rechtsanwaltes Alsberg, der die völlige Aus= schaltung der Laien fordert, weil sie eine unnötige, irreführende Des foration und ein ungenügender Ersaß für den gründlichen Berufsrichter feien, stellten sich Prof. Goldschmidt und Rechtsanwalt Klee auf den Standpunkt, daß eine beffere Austese der Laten stattfinden müßte. Ministerialdirektor Dr. Hartung vom Justizministerium ist für die Beteiligung der Laien, weil dadurch das Bertrauen zum Richterspruch erhöht werde und der Richter selbst bei der Beratung in der Aussprache mit ben Laienrichtern zu größerer Klarheit über die Sache gelange. Mit Ausnahme von Rechtsanwalt Goldschmidt, der die geringe Bahl der Berufungen mit der Furcht der Angeklagten vor der Untersuchungshaft erflärt, waren faft alle Diskussionsredner für die Beibehaltung des Einzelrichters. Mit größter Entschiedenheit wandte sich aber Prof. Goldschmidt gegen die Beibehaltung der Boruntersuchung, wie sie eben ist, und gegen die inquisitorische Bernehmung der An geflagten durch den Vorsitzenden auf Grund der Borunterfuchungsatten. Durch diese Art der Bernehmung büße der Richter das Bertrauen des Boltes ein. Die größte Gefahr steht er aber darin, daß die Emmingersche Reform als Abschluß der Reformen betrachtet merden fonnte. So wurden die brennendsten Fragen der Strafprozeßreform berührt. Der Reichstag wird sich mit ihnen in Kürze mohl zu befaffen haben. * Der Bortragende, Amtsgerichtsrat Rarl Reumann, hat sich in seinen Ausführungen auch auf das Zeugnis des Vorwärts in feiner Bejahung des Einzelrichters berufen. 3u Unrecht. Der Borwärts" hat objektiv das Bestreben der Einzelrichter am Bolizeipräsidium, human Recht zu sprechen, betont. Er hat aber stets unterftrichen, daß der Einzelrichter als Rechtsinstitut nur dann seine Existenzberechtigung haben wird, wenn der sozial empfindende Richter zur Regel geworden sein wird. Solange dies nicht der Fall ist, muß eben auf die Teilnahme der Schöffen bestanden merden. Unter den heutigen Bedingungen ist der Einzelrichter nur dentbar, wenn in jedem einzelnen Falle dem Angeklagten ein Berteidiger beiseite stünde, und wenn besondere Fürsorger die erforder lichen Nachprüfungen über die Persönlichkeit des Angeklagten vornähmen. Der Borwärts" hat mit aller Entschiedenheit die summarische Schnelljustiz ftets abgelehnt. Beschimpfung der Reichsfarben. Begen Beschimpfung der Reichsfarben war der Maschinen. fchloffer Bederle vom Schöffengericht Charlottenburg an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe Don 2 Monaten zu 500 Reichsmart Geldstrafe verurteilt worden. Gegen has Urteil hatte er Berufung eingelegt, so daß sich die Große Straf fammer des Landgerichts III unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Siegert mit der Nachprüfung des Urteils zu befassen hatte. Die Beweisaufnahme ergab, wie auch schon das erste Urteil festgestellt hatte, daß am 11. Auguft, dem Berfassungstage, als einzige Mieterin eines Hauses in der Berliner Straße die Garderobenfrau R. eine Fahne in den Reichsfarben auf ihrem Balton ausgehängt hatte. Als fie das Haus verließ, sagte der in demselben Hause wohnende Angeflagte, der mit einem Bergschüler vor der Türe stand:„ Das ist die Frau mit der Mistfahne schwarzrotmostrich". Da fich Frau R. das verbat, soll ihr der Angeflagte zugerufen haben: Halt dich nicht auf, sonst bekommst du eins in die Schnauze!" Der damals erst 20 Jahre alte Angeklagte, der bereits wegen unerlaubten Waffenbejiges vorbestraft ist, bestritt, sich in diesem Sinne geäußert zu haben. Er berief sich auf einige Kameraden. Diese hatten aber den Anfang des Streites nicht gehört. Dagegen äußerten fich die beschimpfte Frau und deren Sohn sowie eine unbeteiligte Beugin im Sinne der Antlage. Die Straftammer hatte feinen Zweifel, daß der Angeklagte die Reichsfarben beschimpft habe. In der heutigen Zeit, so führte Landgerichtsdirektor Siegert aus, in der die Republik um ihre Eristenz fämpfe, müßten ihre Hoheitsrechte auch energisch geschüßt werden." Da die er fannte Strafe für ben zurzeit arbeitslojen Angeklagten aber zu hart erscheine, fei fie auf 300 m. herabgesetzt worden. Propagandakonzert arbeitsloser Musiker. Bie in allen Berufen, so ist auch in den fünstlerischen die Ar beitslosigkeit groß, wenn auch nur verhältnismäßig menig Menschen von dem Elend wissen, das in den Kreisen der geistig Schaffenden oft herrscht. Eine begrüßenswerte Demonstration für die arbeitslosen Mufiter veranstaltete daher die Ortsverwaltung Berlin des Deut. fchen mujiterverbandes mit einem Propagandatonzert, bas am Sonntagvormittag in den Andreasfestsalen stattfand. Das Programm verkündete, daß das Orchester aus 45 arbeitslosen Mitgliedern des Deutschen Musiker- Berbandes" bestehe. Alle diefe Männer faßen auf dem Podium, noch in schwarzen Anzügen und meißen Hemdbrüsten, noch im Befize ihrer Instrumente. Beides brauchen sie, wenn sie überhaupt auf ein Engagement rechnen wollen. Aber vielleicht fommt doch eine dunkle Stunde, in der der Hunger zu vernehmlich raunt ,, Trag den Frad zum Verleiher" oder„ Ber feg deine Geige". Und was dann? Diesmal war's für diese Fünf undoierzig noch nicht so weit. Sie spielten ihr langes Programm mit viel Liebe und schönem Können herunter, und daß es ein bißchen bunt zusammengewürfelt in der Aufeinanderfolge der Werte schien, hatte wohl feinen Grund darin, daß dies Propagandakonzert ihre | Bielseitigtett beweifen sollte. Zwanzig Pfennig mur hatte der Eintritt einschließlich Programm gefoftet. und der Saal war bis auf den legten Platz gefüllt. Der Borsigende der Berliner Ortsgruppe des DMB. nahm das in feiner kurzen Ansprache erfreut zur Kenntnis und verhieß den beifallspendenden Hörern, daß noch weitere Konzerte folgen würden. Gleichzeitig wies er auf den Sinn dieser Matinee hin: daß das Publikum Interesse daran nehmen solle, daß bei Vergebung von Musikaufträgen nicht Leute, die schon im Hauptberuf Beschäftigung und damit Verdienst haben, berücksichtigt werden, sondern nur Berufsmusiker, um hier der Arbeitslosigkeit zu steuern. | Warnung. Die Kommunistische Partei benutzt bei den Sammlungen für die Durchführung des Voltsbegehrens Sammellisten, die den Anschein erweden, daß es sich um gemeinsame Sammlungen handele. Dies entspricht keineswegs den Tatsachen! Der Kopf unserer Sammellisten hat folgenden Wortlauf: Bezirksverband Der SPD. Kassierer Sammelliste Nr. Name Für Die Zahl der Notftandsarbeiter bat fich felt dem 18. Februar von 2060 auf 2147, die Zahl der bei den Arbeiten der Stadt und der Werke beschäftigten Tarifarbeiter von 9875 auf 9966 erhöht. Die wahren Ursachen der Münchener Explosion. Zu dem Explosionsunglüd in der Rumfordstraße melbet bie Korrespondenz Hoffmann amtlich, daß als Ursache fol gendes anzusehen ist: Es ist einwandfrei festgestellt worden, daß zur Desinfektion der Zimmer des Bädermeisters Deindl Schwefelfohlenstoff verwendet und dieser mit einer Sprize zerstäubt wurde, wodurch sich Gase bildeten, die durch starte Erwärmung oder durch Funken zur Entzündung gebracht wurden und daher explosiv wirften. Es wurde eine außergewöhnlich große Menge, nämlich 19 Kilogramm, Schwefelfohlenstoff verwendet. Der Unternehmer hatte feine Fachkenntnisse. Bei sachgemäßer Ausführung der Desinfektion wäre der Unfall vermieden worden. Schloß Cheshire niedergebrannt. Am Sonntag wurde das Schloß Sir Philip Grey Egertons in Cheshire in England durch eine Feuersbrunst vollkommen eingeäschert. Fünf Bersonen, unter ihnen vier des Hauspersonals und ein Feuerwehroffizier, find in den Flammen umgetommen. Zahlreiche tostbare Kunstschätze, darunter Gemälde von van Dyd, Romney, Brueghel fielen den Flammen zum Opfer, desgleichen die gefamte Bibliothek von mehreren tausend Büchern und wertvollen geschätzt. Boltsbegehren, Bollsentscheid Manuskripten. Der Schaden wird auf über 5 Millionen Mart zur entſchädigungsloſen Enteignung der Fürsten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Bezirk Groß- Berlin. M Name alle anderen Ciften find zurückzuweisen. Sammelfiften unferer Partei find bei allen Abteilungsfaffierern und bei den Betriebsvertrauensleuten erhältlich. Der Bezirksvorstand. KPD.- Propaganda unter dem Reichsbannerzeichen. Die Kommunistische Partei läßt in den letzten Tagen ein Flugblatt Fürstenabfindung und wofür ist das Reichsbanner" verbreiten, das auf der Vorderseite in großem Format das Reichs bannerbundesabzeichen trägt. Der Zweck des Flug. blattes liegt in der Aufforderung: Die festgeschlossene Phalang der Roten Fronttämpfer und Reichsbannerkammeraden gegen alle Ent schlüsse der Reaktion und der fürstlichen Parasiten" zu bilden. Dieses Flugblatt beweist erneut, daß die Kommunisten bei der Durchführung ihrer Propaganda vor feinem Mittel zurückschrecken, und reiht sich vollkommen den Veröffentlichungen an, die im„ Borwärts" über die Absichten der Kommunisten, die Voltsentscheidfrage zum Stimmenfang für ihre Organisation auszubeuten, erschienen sind. Die oftpreußische Schupo für Berlin. Der Dampfer, Tilfit", mit 5%, Bereitschaften der ostpreußischen Säugpolizei an Bord traf am gestrigen Nachmittag, von Königsberg fommend, in Stettin ein. Der Transport, der bekanntlich auch die Pferde der berittenen Züge mit sich führt, wird in Stettin übernachten und dann am heutigen Dienstag früh die Reife nach Berlin fortsetzen, wo er in den Mittagsstunden eintreffen dürfte. Nene Untergrundbahnhöfe. Berlins Untergrundbahnnez wird immer vollständiger. Am Sonntag ist der Bahnhof Kreuzberg der Nord Süd Bahn dem Verkehr übergeben worden, Mitte April werden von der Neu töllner Strede brei weitere Bahnhöfe fertig fein, und zwar Sermannplay, Rathaus- Neukölln und Bergstraße. Die Eröffnung erfolgt am 11. April. Arbeiterphotographie. Um die Arbeiterschaft auch an einem sonst als Alleinrecht der besseren" Stände behandelten Kulturgut teilnehmen zu laffen, haben sich photographierende Mitglieder des Touristenvereins Die Naturfreunde vor Jahresfrist zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefchloffen, die nicht nur für die Mitglieder des Touristenvereins gedacht ist. Auch Genossen anderer Arbeitersport- und Kulturorganisationen, wie auch Parteigenoffen sollen zur Mitarbeit herangezogen werden, um der Photographie in Arbeitertreisen eine breitere Grundlage zu geben. Die Photogemeinschaft veranstaltet am Montag, den 22. Februar, abends 8 Uhr, im Jugendheim des Ostens einen Lichtbildervortrag über Bildmäßige Amateurphotographie". Eintritt ist frei. Die Vortrags- und lebungsabende finden jeden Montag, 8 Uhr, im Jugendheim Ebertnstraße 12 statt. Gäste stets willkommen. Für die Jugendweihe in Pankow beginnt die Lebenskundeborbereitung am Donnerstag, den 18. b. M., nachmittags bon 8-5 Uhr im Jugendheim Bankow, Breite Sr. 32( Eingang Finanzamt). Nofftandsvorstellungen für erwerbslose Arfiften. Die Notstands. borstellungen für erwerbslose Artisten, die von Mitgliedern der Inter. nationalen Artisten loge zur Linderung der dringendsten Not veranstaltet werden, finden am 16. d. M. im Gemerfichaftshaus, Engelufer, am 17. im Stonzerthaus Bankowo, am 18. im Etablissement Königebant, Gr. Frankfurter Str. 117, am gleichen Tage in Kliems Festfälen, Hafenbeibe, und am 23. im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee, statt. Einheitseintrittspreis 0,60 M. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 16. Februar. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.45 Uhr nachm.: Stunde mit Büchern: Romane und Novellen. Erich Ebermayer: Dr. Angelo". Felix Timmermann:„ Das Ernst Drach. A. Gräfin von Rantzau: Karen Thieß". Margarete Böhme: Die Maienschneider". 4.30 Uhr nachm.: Klarinettenquintett von C. M. von Weber. Allegro Adagio ma non troppo Licht in der Laterne". Haebler: Die Geschichte des Menschen " 7.40 Uhr abends; Gust. Menuetto( Capriccio Presto) Rondo( Allegro giocoso). Ernst Fischer, Klarinette; Konzertmeister Olaf Walter Gundvaldsen, 1. Violine; Josefa Kastert. 2. Violine; Alfred Schlesinger, Bratsche; Hermann Hopf, Cello). 5-6 Uhr nachm.: Zum 15. Todestag von Agnes Günther. 1. Einleitende Worte( Dr. Hans Gerhardt). 2. Von der Hexe, die eine Heilige war", gelesen von Elisabeth von Elka. 6.40 Uhr abends: Rudolf Paulsen: Josef Viktor v. Scheffel".( Zum 100. Geburtstag des Dichters). 7.10 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Englisch( R. Herdman Pender). Hochstetter: Ein lustiger Karnevalstraum. 8.11 Uhr abends: Große karnevalistische Sitzung mit Damen" im großen Festsaal der Funkstunde". Saalöffnung 8 Uhr; Beginn pünktlich 8 Uhr 11 Minuten. Devise: Allen wohl und niemand weh! Der kleine Rat. Der Präsident: Karl Wallauer. Ratsmitglieder: Robert Koppel, Wilhelm Graeff. Anschließend: Lustige Weisen. Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman, schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Rapées Jazzsinfoniker, Dirigent: Ernö Rapée). Königswusterhausen, Dienstag, den 16. Februar. An3-3.30 Uhr nachm.: Geb. Reg- Rat Dr. Kühne: Das Problem der Arbeiterbildung. 3.30-4 Uhr nachm: Frau Mathes Wimermark: Schwedisch für Anfänger. 4-4.30 Uhr nachm.: Wirkl. Geh. schulen: Amtsrechte, insbesondere Besoldung und RuhegehaltsOb.- Reg- Rat Dr. v. Seefeld: Recht und Verwaltung der Berufsberechtigung. 4.30-5 Uhr nachm.: Frau Dr. Heuß- Knapp: Die Frau als Erzieherin: Kindergedichte. Von Einbrechern niedergeschoffen. Am Sonnabend abend hatten in Raternberg bei Gelsenkirchen in dem Hause des Vorsitzenden der Einbrecher die Fenster erbrochen und waren gerade dabei, den Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei, Dr. Edert, Schreibtisch zu öffnen. Einwohner des Hauses riefen Nachbarn herbei. Ingenieur Liebig und ein Herr Niederdrai nahmen die Verfolgung der Diebe auf, die aber sofort auf die Verfolger schossen und beide durch Revolverschüsse niederstreckten. Vom Karnevalsfest in den Tod. Am Sonntag abend wurde auf einer belebten Berkehrsstraße in Essen ein 15jähriger Junge, der sich mit seiner vom Karnevalsfest zurückkehrenden Freundin auf der Straße neckte, von der Straßenbahn überfahren und sofort getötet. Der Junge war, um einer nach ihm geworfenen Papierschlange auszuweichen, direkt vor die in Fahrt befindliche Elektrische gelaufen, so daß der Wagen troß scharfen Bremsens über ihn hinwegfuhr. Rundfuntfonzert auf hoher See. Gelegentlich seiner ersten diesjährigen Ausreise nach Südamerika hat der Dampfer Cap Polonio" der Hamburg- Süd" einen interessanten Sendeversuch unternommen. Einige Tage nach dem Inseegehen von Hamburg wurde an Bord ein Rundfunttonaert veranstaltet. Die Darbietungen des Schiffsorchesters wurden durch den Telefunken- Schiffsröhrenfender der Bolonio" auf Welle 1750 Meter verbreitet. Troß der verhältnismäßig geringen Energie- der Sender, der mit Telephoniezuiaz ausgerüstet ist, hat eine Telegraphierleistung von magimal 1 Kilowatt im Antennenkreis, also etwa 250 Watt mittlere Telephonieleistung wurden die Darbietungen auch im deutschen Binnenlande sehr gut aufgenommen. " Schönhei Schönheit ist der kostbarste Besitz jeder Frau. Ihre Pflege verlängert die Jugend, macht begehrt und glücklich. Sisperse Elida- Idealseife ist reiner, milder und viel besser parfümiert. Sei schön durch ELIDA JDEAL- SEIFE Die Luxusseife für 80 Pfennige PARFUMERIE DELID Ad A. G., LEIPZIG- WAHREN Senden Sie mir kostenlos ein Probestück ELIDA- IDEALSEIFE. Name: Adresse: 103 Kleben Sie bitte den ausgefüllten Kupon auf die Rückseite einer Postkarte, Arbeiter Sport Die Frau im Wassersport. Neben dem umfangreichen Gebiet der Leichtathletik bietet der Wassersport der Frau Gelegenheit, dem in hohem Maße gerecht zu werden, was zur Erhaltung der Lebensfrische vonnöten ist. Hier findet sie im Rudern und Schwimmen die Möglichkeit, ihre Glieder elastisch zu machen und die Körperfrische bei gleich zeitiger Stärkung der Muskulatur zu fördern. Herz und Lunge finden bei dieser sportlichen Betätigung im Freien gute Durch bildung. Zum Wassersport gehören noch das Segeln, Paddeln und in beschränktem Sinn Motorbootfahren, das für eine Sportätigkeit jedoch kaum in Frage kommt. Das Interesse und die Teilnahme der Frau am Rubersport hat überall start zugenommen und die ganze Entwicklung des Frauenrudersports läßt auf einen guten zukünftigen Verlauf hoffen. Während das Rudern in Sportbooten bei uns seit etwa Mitte der fiebziger Jahre Plaz gegriffen hat und anfangs nur der Sport des Mannes war, sette es sich mit Anfang des 20. Jahrhunderts auch für die Frau durch, zuerst sehr zaghaft, dann, mit zunehmender Aenderung des Zeitgeistes, nahm es einen immer größeren Umfang an und ist heute zu einem abfolut populären Sport der Frau geworden. Es ist große Vorsicht vor einer Ueberlastung des Körpers geboten, der sich in der Pubertät befindet, ganz besonders vor einer Ueberlastung seiner Herzfraft. Gerade der Rudersport stellt an die Leistungsfähigkeit des Herzens die größten Ansprüche, und da er beim„ Bolzen" oder„ Kilometerfressen leicht schwere Ueber. treibungen zuläßt, droht jedem, gleichgültig ob Mann oder Frau, von dieser Seite die Gefahr, dem Organismus mehr zu schaden als zu nügen. Eine allseitige Leberanstrengung der Muskulatur bringt noch andere nachteilige Folgen mit sich. Während ein gleich mäßiges Steigen des Kräfteaufwandes zu pofitiven Resultaten führt, wird eine über das Vermögen des Körpers hinausgehende Kraftanwendung nichts für die Förderung der Gesundheit profitieren laffen, teils dadurch, daß sich infolge der Ueberanstrengung eine gefteigerte törperliche Erschlaffung einstellt, teils durch verursachte Schädigungen, die besonders am Herzen zu bedenklichen Komplifationen führen fönnen. Dies alles muß die Frau beim Rudersport berücksichtigen und darf sich nicht durch falschen Ehrgeiz verleiten Laffen, ihrem Körper mehr zuzumuten als er normalerweise schaffen fann. Dann wird auch das Rudern sie zur förperlichen Entfaltung bringen. In bezug auf die Technif des Ruderns sieht man das Stullen den Frauenrudersport beherrschen, was wohl im Wesentlichen darauf begründet zu sein scheint, daß das Stullen das Gepräge größerer frortlicher Eleganz trägt, als das Riemen, das in seiner ausgeführten Form eine starte und wuchtige Ruderarbeit erfordert. Abgesehen vom äußerlichen Unterschiede bietet der Rudersport der Frau die größte Möglichkeit zur harmonischen förperlichen Ausbildung, womit der Zweck des Sporttreibens erfüllt wird. Auch das Segeln ist ein sehr verbreiteter und beliebter Wassersport, doch tritt hier die Frau weniger aftio in Erscheinung als beim Rudersport. Durch die bessere Durchblutung des Körpers, durch tiefere Atemzüge in der reinen und sauerstoffhaltigeren Luft der freien Natur bedingt, wird aber auch bei dieser Sportart das Allgemeinbefinden gehoben. Beim Paddeln sieht man im großen und ganzen diefelben Verhältnisse, die einer Förderung der Gesundheit dienlich find, wie beim Rudern, da es den Rörper auch attin betätigt und der Frau durch die leichte Handhabung der Kellen" eine große Möglichkeit bielet, ihren Körper zu stärten. In ganz hervorragender Weise aber sehen wir die Forderung nach allgemeiner Ausbildung und Stärkung des Körpers durch das Schwimmen erfüllt. Rudern, Segeln und Paddeln sind Sport betätigungen auf dem Wasser; beim Schwimmen aber hat das Busammenspiel von Wasser und Mustelbewegung einen noch größeren gesundheitsfördernden Einfluß auf den Körper. Das eine stärkt und macht geschmeidig, das andere härtet ab und erhöht die Widerstandsfähigkeit des Körpers äußeren Einflüssen gegenüber. Hier ist das vereint, was eine lange Erhaltung der Körperfrische der Frau herbeiführen tann. Licht und Luft, neben Bewegung in und auf Waffer, ist, was den Wassersport zur gesundesten Sportbetätigung macht. Mostowitische Unehrlichkeit. Vom Angelsport. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Tren. rechts. zu richten 7. Kreis Charlottenburg. Freie Schulgemeinde: Donnerstag, den 18. Februar, abends 7 Uhr, Schillerstr. 26, Erdgeschoß rechts, Obertertia, Bortrags. und Ausspracheabend. Die Stellung des Bezirksamts zur Einführung der weltlichen Schule." Berichterstatter Bezirksverordneter Genosse Ragenstein. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch den 17. Februar, abends 7% Uhr, Kreismitgliederversammlung mit Gästen in der Aula der Hindenburg- Schule am Seepart. Vortrag des Genoffen Stadtschulrat Dr. Löwenstein über ,, Deffentliche Erziehungs- und Schulfragen". Rahlreiches Erscheinen erbeten. 14. Kreis Neutölu. Mittwoch den 17. Februar, abends 7% Uhr, erweiterte Kreisvorstandsfkung an bekannter Stelle. 18. Streis Weißensee. Dienstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Rathaus, Großer Sigungsfaal, Fortfehung des Vortrages des Genoffen Alexander Stein. 1 Heute, Dienstag, den 16. Februar: 79. Abt. Schöneberg. 8 Uhr im Botal Rettlik. Eedanftr. 60, Borftandsfihung. Sämtliche Bezirksführer müffen erscheinen. An dem Abend milffen fämtliche Dittmann- Broschüren abgerechnet sein. Morgen, Mittwoch, den 17. Februar: 6. t. 7% Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11, Gihung der Rom munalen Rommiffion. Wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen aler ehrenamtlich tätigen Genoffen und Genoffinnen ist Vflicht. Des weiteren ist es unbedingt erforderlich, daß die zuständigen Bezirksverordneten beftimmt erscheinen. 33. Mt. Ronfumgenoffenschaftler! 7 Uhr Mitgliederversammlung der 31. Ber faufsstelle in der Schulaula Hohenloheftr. 10. Bortrag: Die Entwicklung der Genossenschaften und ihre Bedeutung für den Verbraucher". Sämtliche Mitglieder milffen erscheinen. Die Einkaufsfarte gilt als Ausweis. Referent Genoffe Groppler. 46. Abt. 7% Uhr bei Vallentin, Görliger Str. 72, Funktionärsikung. Stel. Tungnahme aur Abteilungsleitung. 49. St. Camerhörige. 7 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Tr. Tints, Monatsversammlung. Bortrag:..Fürftenabfindung Bolfsent fcheid". Referent Paul Judrian. Sämtliche Mitalieder müssen erscheinen. 57. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Grunert, Schlüberstr. 47. Funktionär fikung. 82. Abt. Steglik. Uhr bei Schelbase, Ahornstraße, Mitaliederversammlung. Bortraa: Freidenfertum und Feuerbestattung". Referent Genoffe Roth. 84. Abt. Bankwik. 8 Uhr bei Lehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29-. Dis. tutierabend über Demokratie". Benn irgendeine Sportart unter der Boreingenommenheit des lieben Publikums zu leiden hatte, so ist es gewiß der Angel. port. Was an Bosheit und Dummheit aufzubringen war, ist über den Angelsport ausgegossen worden. Und doch hat in aller Stille, trok dieser Diskreditierung, der Angelsport seine Getreuen in allen Schichten gesammelt, so daß Weltfremde erstaunt heute fragen: Arbeiter Angler.Bund Deutschland", gibt es denn fo etwas auch? Jawohl, so etwas gibt es heute, und nicht nur das an fich ist bemerkenswert, fondern die Tatsache, daß, während an dere Sportorganisationen durch die Wirren der Zeit mehr oder weniger lahmgelegt sind, der Arbeiter- Angler- Bund Deutschland" als Arbeiter- Sportorganisation einig dasteht. Der Angelsport war bis vor etwa 50 Jahren fast ausschließlich das Privileg der soge nannten„ Besserfituierten". Es war ein fürstliches Bergnügen", wie das Schachspiel ein Spiel der Könige war. Heute ist der Angelsport Allgemeingut, Tausende von Werktätigen finden ihre Erholung und das durch schmere Fron, durch die Kleinarbeit des Alltags verlorengegangene feelische Gleichgewicht dadurch wieder. Ein Teil des Publikums sah im Angelsport die Ursache verschiedener Krankheiten. Dem stehen die Urteile maßgebender angesehener Mediziner gegenüber. Noch heute betrachten viele Zeitgenossen die Angelsporitreibenden als bedauernsmerte Menschen, die einer stupiden Beschäftigung nachgehen. Wie wenig dies zutrifft, ja wie außerordentlich vielfältig dieser schöne Sport ist, beweisen die Fragebogen des Bundes, die über Fangergebnisse an den verschiedenen Gewässern, Monaten, Betterumständen Bericht geben, die Aufschluß geben über die Gewohnheiten der Wasserbewohner, über die in vieler Gestalt auftretenden Feinde im Tierund Pflanzenreich, über die Schädigungen durch schädliche Inbustrieabwässer und auch über den nicht minder großen Fischfeind, ben Menschen selbst, der mit allerlei schädlichen Dingen Unfug treibt. Wer will da noch sagen, daß die Angelei stupide sei. Daß der Angelsport aber auch zum 3wede der törperlichen Ertüchtigung dient, dürfte vielen, die diesen Sport nur oberflächlich betrachtet haben, begreiflich werden, wenn sie hören, daß der Snort angler, der den Gebrauch der Spinnrute ausübt, oft Wegpartien bis zu 30 Kilometer in einem Angeltag zurüdlegt, beim ständigen Werfen des fünftlichen Köders, bis zu 500 Würfe rechts 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenſtr. 3, Vortrag: Technik und und links wechselseitig je nach dem Schilf- und Rohrbestand auch über den Kopf hinmea ausführt, so daß nach solcher Uebung der Angler in Armen und Beinen merflich die wohltuende Rückwirkung dieser Uebungen spürt. Daß bei diesen Uebungen im Freien auch die Atmungsorgane die notwendige Abwechslung haben, versteht im Jugendheim Barkaue 10, Bortras:„ Kommunalpolitik". Wichtige Gruppen. fich am Rande. Es sieht also doch etwas anders aus um den Angelsport, als es fich viele Neunmalfluge träumen laffen. Der Arbeiter- Angler. Bund selbst ist eine junge Organisation, die auch hoffentlich bald den Weg ins Sportfartell finden wird. Im Monat März veranstaltet der Bund eine großzügige Propaganda über das ganze Reich. Der Bund erwartet, daß die Werftätigen in Stadt und Land, someit fie Anhänger des Angelsports find, dieser Agitation ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Ausschreibung. Walblauf ber Leichtathletit- Bereinigung bes 1. Streifes ECB. Das Baufen findet in folgenden Klaffen ftatt: a) fir der 23. angefchloffene Bereine und Abteilungen; b) für der 2. bisher nicht angefchloffene Bercine usw.( Turner, Schwimmer, Fußballer, Turnspieler ufw.). 1. Männlich: Jugend 10/11 2. Jugend 08/09 3000 Meter: 2000 meter: 1a. Suoend 10/11 2000 Meter. Der Lauf wird fowohl als Einzel wie als Mannschaftslauf gewertet. 2a. Juaend 08/09 3000 Meter: 3. Anfänger) 5000 Meter; 3a. Anfänger) 5000 Meter: 4. Offene Klase( Senioren) 5000 Meter: 4a. Offene Klaffe ( Genioren) 5000 Meter: 5. Heltere( Jahrgang 96-91) 5000 Meter: 5a. Heltere ( Jahrgang 96-91) 5000 Meter; 6. Aeltere( Jebraang 90 u. mittlere) 5000 Meter: 6n. Weltere( Jahrgang 90 t, ältere) 5000 Meter; 7. Weiblich: Jugend 10/11 1000 Meter: 7a. Jugend 10/11 1000 meter; 8. Frauen 2000 Meter: 8a. 2000 Meter. Mannschaften müffen besonders gemeldet werben. jebe Mannschaft besteht aus vier Mann, von denen drei gewertet werden. Der erst einkommende Läufer ieber Slaffe erhält 1 Punkt, ber zweite 2 Buntte ufw. Läufer, die in einer mannfchaft mitlaufen, werden ohne weitere auch für den Einsellauf gemertet, Startoefb fülr Männer: Einzelläufer 30 Bf., ohne ertra Startgeld au zahlen. Mannschaften 1 M.: für Frauen und Jugende Einzelläufer 15 Bf., Mannfchaften 50 37. Umtleibelotel: Restaurant Wolfsfchlucht, Rehlendorf( zwischen Arumme Lante und Salad) tenice). Meldungen( Nachmeldungen werden nicht angenommen) bis 13. März an Erich Appelbaum, Berlin- Friedenau, Rubens 3. A.: Freie Sportvereinigung Schöneberg. ftraße 6a. Fußballresultate vom 14. Februar: Bezirk Norden: Nordiska mußte im Spiel gegen Abler 08 bie Tunkte ab geben. 1: 6 Tautete bas Resultat. Spandau 25 hatte gegen Alemannia nicht viel au fagen. Trok des eigenen Blakes mußte fich Spandau ein 0: 6 gefallen Taffen. Fichte- Nord fdlua Fichte- Gesundbrunnen mit 4: 2. Nur Inapp gewann Adler 12 mit 2: 1 gegen Arbeiter- Sportverein 24. Unentschieben mit 2: 3 trennten fich Belten und Wader 20. Rathenom mußte mit 2: 4 aeschlagen die Heimreise von Minerva antreten. Amateure schlug Wittenau hoch mit 13: 1. Im Often acmann Stralau gegen Oberfpree mit 2: 1. Luftig- Fidel mußte fich von Frisch- Frei mit 3: 1 gefchlagen bekennen. Brandenburg 02 fchickte Romet mit 11: 0 gefchlagen nach Saus. Friedrichshagen trat gegen Sparta unvollleicht mit 6: 1. Treptomer Ballspielflub gewann gegen Merkur mit 6: 2. Wegen unserer Auffaffung über Arbeitersportfragen sind wir von dem Berliner Bolschewistenorgan, der Roten Fahnc", stets angegriffen worden. Wir follten verbürgerlicht" fein, und die Abficht haben, dem Arbeitersport seinen Klassenfampfcharakter zu nehmen. Das Ganze nannten die Kommunisten in Moskau und ihre Papageien in Deutschland- Berlin fozialdemo fratischen Opportunismus". Zu unserem Erstaunen finden wir in dem offiziellen Programm des großen Borländig an und wurde mit 0: 4 oefchlagen. Askania gewann degen Weißenfee tampfes Paolino- Diener ein ganzseitiges Werbeinferat für die„ Rote Fahne". Soll das min ein Bekenntnis zum ( fozialdemokratischen!) Opportunismus sein oder vermutet die Rote Fahne" ihre„ tlassenbewußten" Anhänger gerade bei den privaten Borfämpfen? Die Titelseite des Programmheftes in fchwarzrotgoldener Umrandung, auf der zweiten Seite ein Inserat der Roten Fahne" wir wünschen viel Glück! Berliner Arbeiter- Schachklub, Abt. Webbing. Spielabend jeden Freitag bei Mak, Marftr. 12. Freitea 19. Februar, Vortrag des Schachfreundes Buchmann über Brobleme( Längsauges). Gäste willkommen. Turnerfparte 1. Besitt. Sonntag, 28. Februar, 2 Uhr, findet in Röpenic in der Tirenhalle der Rörner- Schule bas Sallenwetturnen des Bezirks statt. Die Bereine haben ihre Teilnehmer bis zum 21. d. M. an A. Hoffmann, Röpenid, Raifer- Wilhelm- Str. 3. anmelden. Die Kampfrichterfikung findet um 1 Uhr im Lokal Stadtpark, Bahnhofstr. 1, ftatt. Alles ist eingeladen. Am Dienstag, 16. Februar, findet in der Schule Raulsdorf, Abolfstraße, ein Aufammenturnen der Bereine Biesborf, Raulsdorf und Mahlsdorf ftatt. Freie Sportvereinigung Schöneberg. Fortsekumma ber JahreshauptversammTung am Sonntag, 21. februar, 5 Uhr, in ben Colibri- Sälen, Martin- LutherStraße 69. Mitgliedsbuch legitimiert, ohnebem fein Stimmrecht. Arbeiter- Sportlartell Charlottenburg. Da file die Generalversammlung Rartelliikung im Lokal von Rippel. Grün-, Ede Kirchstraße, flatt. SB. Sparta. Die Generalversammlung wählte folgende Sauptfunktionäre: 1. Borikender Georg Maffenth, Koppenftr. 81; Gefchäftsführer Walter Wächter, Brunnenſtr. 82: Sauptsportwart Willi Starka, Berlin- Tempelhof, NingbahnFreie Schwimmer Charloffenburg 04, E. B. In einer Buschrift an uns legt der Vorstand der FSC. Wert auf die Bekanntgabe der Namen der neuen Borstandsmitglieder. Vorsitzender ist Willi Herrmann, Charlottenburg, Lohmeyer straße 3; Kaffierer: Walter Seidel, Charlottenburg, Sophie- Char- tein Total au bekommen war, findet am Mittwoch, 17. Februar, 8 Uhr, eine lotte- Straße 106; Technischer Leiter: Walter Pisching, Charlottenburg, Kaiserdamm 26, bei Schmidt; Jugendleiter: Kurt Schmidt, Charlottenburg, Kaiserdamm 26. Wie uns mitgeteilt wird, ist gegen Herrmann und Schmidt wegen verschiedener Angriffe gegen den Spartenvorsitzenden der Schwimmer ein Ausschlußverfahren beantragt worden. Wenn die gegen die Genannten erhobenen Vorwürfe zutreffen wir haben feine Beranlassung, daran zu zweifeln- würde sich das Bild vervollständigen, das wir in unserem Bericht von der Generalversammlung der Freien Schwimmer Charlottenburg 04" por 14 Tagen von diesen Auch sportlern entworfen haben. Wintersportfest des A.- L.- und Sp.-B. in Oberwiesenthal. Die Teilnehmer an den Wintersporttämpfen des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, die am 20. und 21. Februar in Oberwiesenthal stattfinden, melden sich bei der Geschäftsstelle des Bundes in Leipzig, Fichtestraße 36. Quartiere beschafft Genoffe M. Richter in Oberwiesenthal. fommunistischen Presse, daß zehn Die Behauptung der fommunistischen Bresse, daß zehn russische Stifahrer an diesen Wintersportkämpfen teilnehmen, entspricht nicht den Tatsachen. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hat feine Einladung an die Russen erlassen und beim Bund ist auch nichts befannt von einer Einladung der deutschen Arbeitersportler durch Rußland zu den am 20. bis 23. februar stattfindenden Sportfämpfen in Moskau. Die Ankündigung der Arbeiter Wasser Sportler Berlins, daß an ihren Wassersportfämpfen am 6. und 7. März eine Russenmannschaft teilnimmt, ist, wie mir erfahren, mur als Wunsch zu bewerten. Zwischen den Verbänden haben feine Berhandlungen stattgefunden. Straße 49. AnsSportverein Moabit. Geschäftsstelle Bruno Broste, Waldftr. 42. hreibung zum Waldlauf am Sonntag, 21. februar. Start und Siel: Baffersportplak Blökensee. Männer etwa 5 Rilometer, Jugend etwa 2 Kilo meter, Sportlerinnen etwa 1 kilometer. Anaben und Mädchen Schnikeljagd. Start nachmittags 3 Uhr. Es wird erwartet, daß ich jedes Mitglied beteiligt und in die Teilnehmerliste einzeichnet. Alle Nichtteilnehmer müssen sich als Kampfrichter zur Verfügung stellen. Gäfte find herzlich willkommen. Touristenverein ,, Die Naturfreunde", Rentrale Wien, Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, 17. Februar, in der Aula Weinmeisterftr. 16-17. Fortfckung der Jahresgeneralversammluna. Zutritt nur gegen Vorzeigung der mit der JahresAbt. Anfang pünktlich 48 Uhr. marte 1925 verfehenen Mitgliedstarte. Webbing: Dienstag, 16. Februar, im Seim Lütticher Str. 48, Heiterer Abend: Gäste willkommen. Der Weg zum Lachen". Abt. Friedenau: Dienstag, 16. Februar, im Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Lefeabend:„ Bon und über Abt. Brenzlauer Berg: Donnerstag, Arbeiterdichter". Gäste willkommen. 18. Februar, 8 Uhr, im Jugendheim Schule Danziger Str. 23, Bortrag über ,, Arbeiterdichtung". Berliner Schwimmverein Freiheit 1907", e. V. Freitag, 19. februar, 8 Uhr. Mitgliederversammlung bei Seibel, Schönhaufer Allee 156. Gonnabend, 20. Februar, 8 Uhr, Großer Wiener Maskenball in der Brater- Diele. Rastanienallee 9. Die regelmäßigen Uehungsstunden bes Bereins finden Montags von 6-7 Uhr und Donnerstags( referviert) von 7-9 Uhr im Stadtbad Brenzlauer Bera. Oderberger Str. 56, statt. Rartell für Sport- und Körperpflege, 4. Beairt, Brenzlauer Berg. Gikung 17. Februar, 8 Uhr, bei Werner, Genefelderstr. 32. Der Berliner Schwimmverein Welle" veranstaltet Sonntag, 21. Februar, 3 Uhr, im Stadtbad Friedrichshain, an der Schillingsbride, ein internes Schwimmfeft. Das Schwimmfest foll ein Bild von der Vereinsarbeit widerfpicacin. Aus dem qut aufaeftellten Brogramm felen die Stafeitenfchwimmen, tie Lehr- und Rettungsvorführungen, Wasserballspiele, der Frauen- und der Lampionreigen zu erwähnen. Eintritt 50 Bf. Als Anfänger gelten nur die Teilnehmer, die noch niemals den erffen, aweiten ober dritten Blak belegt haben. 93. Abt. Neukölln. 82. und 97. Bezirk: 7% Uhr im Bofal Sturm- Ede", Raiser- Friedrich- Str. 143 2. Bortrag des Genossen Erwin Marquardt her ,, Kapitalismus und Sozialismus". Intereffierte Genoffinnen und Genoffen ber Nachbarbezirke find herzlichst eingeladen. 124. Abt. Mahlsdorf. Deffentliche Versammlung abends 8 Uhr im Lokal Emil Anders, Bahnhofstraße. Thema: Gegen die Forderungen der deutschen Fürsten". Referent Franz von Buttkamer. Wir erwarten zahlreiches Erscheinen. 44. bt. Die bestellten Dittmann- Broschüren find am Donnerstag, den 18. Februar, ebends von 6-7 1hr bei Eichberg, Reichenberger Str. 6, abgitholen. Jungfozialisten. Gruppe Güden: Heute, Dienstag, den 16. Februar, abends Wirtschaft". Gruppe Reinidendorf: Sente. Dienstag, den 16. februar, abends 7 Uhr, im Schükenhaus, Reinickendorf- Oft. Refidenzftr. 1-2, Beteiligung an der Kreisbelegierenversammlung der Partei. Vortrag: Das Heidelberger Brogramm". Referent Carl Wermuth. Parteimitgliedsbuch dient als Aus weis. Gruppe Lichtenberg: Seute, Dienstag, den 16. Februar abends 7½ Uhr, angelegenheiten. SAJ.- Mitalieber ftets millkommen. Bereinigung fozialdemokratischer Stubenten. Seite. Dienstaa, ben 16. F brutar, abends 84 Uhr, im Sozialwiffenfchaftlichen Marb, Wilhelmstr. 48, 8 Tr.. Arbeitsgemeinschaft über Renners Wirtschaft als Gesamtprozeß und Soziali fierung. Thema: Bank- und Börsenwesen". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde und Freie Schuloemeinde in Schöne bera. Donnerstag, den 18. Februar, abends 8 Uhr, in der Aula der Gemeinde fdmle Feurigftr. 56-57, Bericht unferer Charlottenburger Freunde der weltlichen Schule. Freunde und Gönner derfelben find befonders eingeladen. Frauenveranstaltungen: 2. Kreis Tiergarten. Arbeiterwohlfahrt: Dienstag, den 16. februar, abends 7 Uhr, im Bezirksamt, Klopftoditn. 24, Rimmer 4, 2. Rurfusabend. Bor trag der Genoffin Dora Fabian. 11. Streis Schöneberg. Streisausfdruk für Arbeitermehlfahrt und Kinderfchuk: Dienstag, den 16. februar, abends 8 Uhr, bei Rönia, Fenriq-, Ede Brin Georg- Straße Bollfonferenz. Bortrag: Fürsorgeerziehung". Referentin Genoffin Gener. 79. bt. Schönebera, Mittwoch den 17. februar, abends 7 Uhr, bei Grok. Sedanstr. 17, Bortran Erwerbslosigkeit und foziale Fürfonge". Referen tin Gertrud Sanna. M. d. 2. 116. st. Lichtenberg. Mittwoch, ben 17. februar, abends 7% Uhr. bei Ambrecht, Borhagener Str. 62, Ede Neue Bahnhofstraße, Heiterer Abend. Gäste find berzlichft willkommen. Jugendveranstaltungen. Gymnaffiffurfus heute, Dienstag, ab 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. Heute, Dienstag, den 16. Februar, abends 7½ Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2. Vortrag: Demokratie oder Diktatur?" Goethe- Abend. Norboft I: Jugendheim Neue Königftr. 21. Schönhauser Vorstadt I: Schule Ibsenstr. 17. Bortrag: Schundliteratur und Rinoschund". Bortrag: Prenzlaner Vorstadt: Schule Danziger Str. 23. ,, Körperkultur". Südweften: Jugendheim Belle- Alliance- Blak 1. Bortrag: Die Frau in bürgerlicher und fozialer Ethit". Salensee: Schule JoachimFriedrich- Str. 35-36. Glaßbrenner- Abend. Gabineberg I: Der Bortrag Jugend und Partei" findet nicht im Jugendheim Rubensstraße, fondern im Rahmen der Werbebezirksmitgliederversammlung im Neuen Rathaus( Mittelstandstüche) statt. Reinidenborf- Oft: Jugendheim ,, Geebad", Residenaftr. 46. Vortrag: Wie stellen wir uns zur deutschen Berfaffung?" Buchholz: Lokal von Roffad. Sauptstr. 71. Bortrag: ,, Aus dem deutschen Bauernfrieg". Webbing- Norb: Schule Millerstr. 48. Am Freitag, den 19. d. M., Vortrag: ,, Wir und die Wandernogelbewegung". * Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Gebastianftr. 87/88, Hof 2 Tr. Tiergarten: Mi., d. 17., abends 8 Uhr, Mitgl.- Berf. im Avtushof. Vortrag, Geschäftliches, gemütliches Belsammensein mit Damen, Tanz. 20 Bf. zur Deckung der Unkosten. 7 Uhr erweiterte Borstandssigung daselbst. Wedding: Mi., b. 17., abends 7% Uhr, Jugendabteilung und alle sportlich intereffierten Ramevaden im Jugendheim Schönstedtstraße, 5 Tr. Brenzlauer Berg, Baltan: Vollvers. bei Krause, Greifswalder Str. 50, am 17. 2., abends 8 Uhr( nicht 19. 2.). Bericht von der Delegiertenverf. Kreuz berg: Do., b. 18., abends 8½ Uhr, Entgegennahme der Fahrkarten für Samburg im Stadtbab Kreuzberg. Köpenid und Untergruppen: Do., b. 18., abends 6% Uhr, Köllnischer Blaz. Abfahrt nach Friedrichshagen, Saalfchuk. Meinerescher Männerchor Berlin 1900. Wegen Verhinderung des Chormeifters findet die Uebungsstunde am Mittwoch, 17. Februar, abends pünktlich 8 Uhr, ftatt. Arbeiter- Nabio- Klub Deutschlands, e. B., Oranienstr. 182. bt. Gilboft: Dienstag, 16. Februar, 8 Uhr, bei Deffin, Köpenicker Str. 9b, Vortrag. Funt freund Fischer spricht über die elementarsten Begriffe der Radiotechnit. Gäste willkommen. Berein der Schleswig- Holsteiner( gegr. 1888). Dienstag, 16. Februar, 8 Uhr, Blattdeutscher bunter Abend im Deutschen Sof, Luckauer Str, 15. Landsleute und Gäste willkommen. Bund entschiedener Schulreformer. Deffentliche Monatsversammlung Diens tag, 16. Februar. 7% Uhr, im Werner- Siemens- Realgymnasium, Hohenstaufen. ftraße 47-48. Gemeinsame Erziehung beider Geschlechter durch beide Gefchlechter." Nebner Paul Geheeb, Leiter der Odenwaldschule, Tamy Delften, Lydia Stoeder. Freie Aussprache. Unfostenbeitrag erbeten. Arbeiter- Abstinentenbund, Gruppe Südoft. 17. Februar, 7% Uhr, in der Geschäftsstelle, Engelufer 29, 1. Gruppenabend. Aussprache: Die Arbeit der Ortsgruppe". Mitoliederversammlung Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Steglik. und Elternabend Mittwoch, 17. Februar, 7½ Uhr, im Restaurant Wende, Berlinideftr. 1, am Rugeplak Bortrag des Genossen Friedag. Die Freunde der internationalen Kleinarbeit. Herzliche Einladung zu der am Mittwoch, 17. februar, ftattfindenden Zusammenkunft, die im Vorwärts haus, Lindenstr. 3( Juristisches Sprechzimmer), abends 8 Uhr beginnt. Frau Dr. Wegscheider, M. b. 2.: Erlebtes auf internationalen Rongressen". Intereffenten und Gäfte herzlich willkommen. Mieterbund Kreuzberg. c. B. Genevalversammlung Mittwoch, 17. Februar 7% Uhr, in den Blicherfälen, Blücherstr. 61. u. a.: Vortrag Ernst Ruben über Der Kampf um ein soziales Wohnungsrecht". Gäste willkommen. Der Reichsband der Kriegebeschädigten, Kriegsteilnehmer unb Ariegerhinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, veranstaltet Donnerstag. 18. Februar, 7 Uhr, im Etablissement Ravlsgarten, Rarlsgartenstr. 6-11, eine Mitglieder. verfammlung. Lichtbildervortrag: Bau und Entstehung unserer Erde". Eingeführte Gäfte haben Rutritt. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform t. V. B., Bezirk Hallesches Tor. Mitgliederversammlung Donnerstag, 18, Februar, 48 Uhr, bei Maak Bergmannstr. 97. Refervat des Biolocen Ruchel über Erkrankungen des Herzens und biochemische Seilung". Gäste willkommen. Bortrag Profeffor Dr. Moede, Leiter des psychotechnischen Laboratoriums der Technischen Sochschule Charlottenbura: Nationalisierung der Handarbeit", Freitag, 19. Februar, 71 Uhr in der Technischen Hochschule Charlottenburg, Berliner Straße, Gaal 301 E. B. Berein der Rosencr. Sonntag, 21. Februar, im Logenhause Kleiftstr. 12, Ball mit fünstlerischen Darbietungen Rofener Landsleute während der Tanzpausen. Beginn 7% Uhr. Eintrittskarten zu 2 M. einschl. Luftbarkeitssteuer an der Abendkaffe. Alle Bofener Landsleute find herzlich eingeladen. Keine Rationalisierung ohne Senkung der Gewinnansprüche! Ein Beispiel aus der Maschinenindustrie. zogen? Nein! Obwohl der gegenwärtige höhere Binsfuß, um den Aktien einen Kurs von 100 Broz. zu erhalten, statt wie 1913 eine Dividende von 7 bis 8 Proz., heute eine solche von mindestens 10 bis 12 Broz. verlangt, ist nach der reichsamtlichen Statistik das dividendenbeanspruchende Kapital der Maschinenindustriegesell fchaften noch um durchschnittlich 30 Bro3. höher angefeßt worden als 1913. 3ur normalen Berzinsung des Kapitals müssen also Gewinne in die Preise einfaltuliert werden, die ein um 30 Broz. höheres Kapital mit einer mindestens um 3 bis 4 Proz. höheren Dividende versehen. Solche Dividendenansprüche verteuern natürlich die Kalkulation, verringern die Konkurrenzfähigkeit, drosseln den Abfah. Das Mißverhältnis in den Bilanzen. Beil große Teile der deutschen Industrie weniger verkaufen, als| die Bemessung ihrer Gewinnansprüche die Konsequenzen gefie produzieren fönnten, weil ihre Preis kalkulation höher liegt, als der erzielte Preis, ist Rationalisierung der Industrie die große Forderung des Tages. Die deutschen Unternehmer haben diese Forderung anerkannt. Nur legen sie sie nach ihrer Art aus. Sie wollen Steuern, 3insen, Soziallaften, Lohn Jummen, auch Leerlaufs- und falsche Organi sationstoften sparen. Im Endeffekt heißt das, das zeigt die Millionenarbeitslosigkeit, fie legen still und verkaufen Betriebe auf Abbruch und Maschinen als Schrott. Auf die Gefahren dieser Art von Rationalisierung haben wir immer wieder hin gewiesen. Wir haben immer wieder mit Nachdruck unterstrichen, daß für die Reduktion der Produktionskosten und für die erfolgreiche Senfung der Preise die Bertleinerung der einfaltulierten Geminnansprüche viel wichtiger ist( abgesehen von der Berringerung der technischen Betriebskosten, der Zinsen und der Verwaltungskosten), als die Reduktion der Lohn, Sozial laften- und Steuersummen. Löhne, Soziallaften und Steuern, die der Einzelunternehmer un produttiv nennt, weil sie ihm die Dividende kürzen, find nämlich in gesamt wirtschaftlicher Be trachtung letztlich die einzigen produttiven Stoften; denn sie allein werden effektive Nachfrage der Konsumenten, die den Gewinn bringen müssen, während die Material, Abnutzungs- und Kraft foften im Betrieb immer wieder für die nächste Produktionsperiode voll zur Verfügung stehen müssen. Bevor man nicht unter Geschäftscufsicht oder vor dem Zusammenbruch des Unternehmens steht, Dentt fein Unternehmer an die Reduktion der Gewinnansprüche des Kapitals. Vor einigen Wochen haben wir aus den Goldbilanzen der deutschen Aktiengesellschaften nachgewiesen, daß in den meisten Industrien die Gewinnansprüche der Unternehmer um 30 bis 300 Broz höher find als in der Borkriegszeit, obmohl Produktion und Absatz dieser Industrien teilweise weit unter denen der Borkriegszeit liegen. Eine Untersuchung über die Entwidlung der Maschinenindustrie im letzten Heft des„ Hamburger Wirtschaftsdienstes" gibt uns Gelegenheit, das Mißverhältnis zwischen den Gewinnansprüchen und der Betriebsleiftung auch nach der Gesamtlage in der Maschinenindustrie und den Abfchluß bilanzen von neun der größten deutschen Maschinenfabriken nachzuweisen. Mißverhältnis von Gewinnansprüchen und Betriebsleistung. Für das Jahr 1924 wird die Gesamterzeugung der Maschinen industrie der Menge nach auf 2,0 bis 2,2 mill. Tonnen ange geben; dem Werte nach auf 2,6 bis 3,0 Millarden. Der Verein Deutscher Maschinenbauanstalten hat den Bert der Erzeugung des Jahres 1913 auf 2,5 milliarden Mark geschäzt. Berücksichtigt man eine Preissteigerung seitdem von 35 Proz., so tommt man für 1913 auf eine Mengenerzeugung von 2,6 Millionen Tonnen, also auf ein Mehr von mindestens 20 Broz. Die gewaltige Betriebsausdehnung der Maschinenindustrie in der Kriegs- und Inflationszeit ist bekannt. Sie kommt auch in der Vergrößerung der Belegschaft zum Ausdrud, bie von 450 000 Mann 1913 auf 600 000 bis 650 000 mann im Jahre 1924/25 gestiegen war. 80 Broz. der Bortriegsleistung stehen heute also vielfach vergrößerte Betriebe, damit auch vielfach ge fteigerte Abschreibungs-, Leerlaufs- und Berwaltungskosten und wenigstens im Geschäftsjahr 1924/25 eine mehr als 30 Broz gesteigerte Belegschaft gegenüber. Haben die Unternehmer der Maschinenindustrie aus der Berringerung der Leiftung und der Steigerung der unproduktiven Leerlauf und Verwaltungstoften für Kommunistische Wirtschaftskunde. Oder: ick dementiere mir auf derselben Spalte. Wir wissen uns wirklich frei con dem Vorwurf, den wirtschaftsmissenschaftlichen Exkursionen der Roten Fahne" mehr Be achtung zu schenken, als diese verdienen. Man tann eben nicht zu gleich Moskau und dem Sozialismus dienstbar sein. Was aber dieses angebliche Arbeiterblatt am Sonntag in feiner Wirtschaftsbeilage feinen Lesern an Kritiflosigkeit zumutet, das übersteigt schon fast die Grenzen des Erlaubten. Man lese bie folgende Lobpreifung für Die englische Bourgeoisie: Bergleichen wir die Behandlung des Krisenproblems in Eng land und in Deutschland, so bemerken wir, daß die flügere und weitsichtigere englische Bourgeoisie viel zurüdhaltender in ihrem Urteil und in ihrem Vorgehen ist als die deutsche. In England wird in großen Kommissionen die Frage von allen Seiten untersucht und beleuchtet, und die englische Bourgeoisie fommi letzten Endes zu dem richtigen Schluſſe, daß eine Befferung der Wirtschaftslage Englands nur von einem allgemeinen Aufftieg der Weltwirtschaft zu erwarten ist. Die deutsche Bourgeoisie und die deutsche Sozialdemotratie begnügen fich mit den Schlagworten: Reinigung und Rationalisierung der Produktion Also wir haben es nicht notwendig, das Rapital zu befferen Wirtschaftsmethoden zu zwingen meint die„ Rote Fahne". Eine Reinigung von den immer noch vorhandenen Schieberegiftenzen ringerung ber Belegschaft ausgewirtt hat, muß aber auch gu den sozialen Auswirkungen gebracht werden, die er er möglicht. Die erhöhte Förderung zu geringeren Kosten muß, menn nicht Kartelldiftatur es verhindert, in gesenften Preisen und diese in der Steigerung des Abfazes, vermehrter Beschäftigung und Verkürzung der Arbeitszeit ihren Ausdrud finden. Auf diese sozialen Schlußfolgerungen wird die Arbeiterschaft wie immer bei der Rationalifierung fo auch hier mit besonderem Nachdrud zu achten haben. Dieses Zitat ift eine glatte Widerlegung der oben wiedergegebenen Behauptung, die Sozialdemokratie molle mit dem Schlagworte„ Reinigung und Rationalisierung der Produktion“ der Krise freien Lauf laffen. Denn es belegt unsere überdies unausgesetzt wiederholte Auffassung, daß die Arbeiterschaft in den risenprozeß eingreifen, aus ihm ihre Schlußfolgerungen für die Gewerkschafts- und Wirtschaftspolitik ziehen Was sagt nun die Rote Fahne zu ihrem eigenen Dementi? Hier ist es: müſſe! Das sind gutgemeinte Phrasen der Refor miften." Und um zu beweisen, daß es wirklich nur Phrasen sind, schwindelt sie das Blaue vom Himmel herunter, so etwa, daß die Gewerkschaften nicht für den Achtſtundentag eintreten, daß sie die Opfer der Krise nicht schüßen und so weiter. Mit diesen haltlosen Methoden fann man beweisen", daß der mond ein Pfannkuchen ist. Mun handelt es sich bei diesen Ziffern um Schäzungen oder Durchschnitte. Ihre Beweistraft tönnte bezweifelt werden. Aber die Abschluß bilanzen von neun der größten Maschinenfabriken, deren technische Leistungsfähigkeit, Finanzkraft, Berbekraft gewiß den Durchschnitt übersteigen, unterstreicht nur unsere Feststellungen. Er handelt sich um die MAN., Bamag- Meguin, Schwarzkopff, Drenſtein u. Koppel, Ludwig Loewe, Deutsche Maschinen, Berlin- Karlsruher Industriemerke, Lindes Eismaschinen, Maschinenfabrik Humboldt. 1913 verteilten sie 7 bis 30 Broz, 1924/25 verteilten zwei 8 und 14 Bros., die übrigen blieben ohne Dividende. Die Bilanz summen betrugen 1913 insgesamt 475,77 mil., 1924/25 nur 363,03 millionen. 1913 erlangten aber nur 164,1 millionen eine Dividende, und zwar eine um mindestens 3 bis 4 Proz. niedrigere Dividende. 1924/25 waren es 192,88 Millionen, die, statt 7 bis 8 Proz. 10 und 12 Broz. beanspruchten. Dabei betrug das flüssige Betriebsvermögen, das den Umfang der Geschäfte erkennen läßt, 1913 324,50 Millionen; 1924/25 dagegen nur 211,04 Millionen, also um ein volles Drittel dagegen nur 211,04 Millionen, also um ein volles Drittel Herabsehung" der Verkaufsprovision für Pfandbriefe weniger. 1913 fonnten 7 bis 30 Proz. Dividende erzielt werden, obwohl noch 64,30 Millionen Obligations- und Hypothekenschulden zu verzinsen und zu tilgen waren. 1924/25 find infolge der Inflation daraus 7,12 Millionen geworden. . Benn also die deutsche Maschinenindustrie heute über zu hohe Rosten, über mangelnde Konkurrenzfähigkeit und geringe Beschäf tigung flagt, fo muß fie an diejenigen Bosten in ihrer Preiskaltu lation erinnert werden, die in schreiendem Widerspruch zu ihren Leistungen stehen. Das sind die Gewinnansprüche des Rapitals. Es heißt die Wirkung zur Ursache verfehren, wenn man mit der ungenügenden Dividende die schwierige Lage der Industrie begründen will. Viel richtiger märe es, die übersteigenden Geminn ansprüche als eine der Haupt ursachen aller Schwierigkeiten zu ertennen. ertennen. Wenn die Rationalisierung in der Maschinenindustrie Erfolg haben soll, so gehört dazu infolgedessen die Reduktion der Gewinnansprüche in allererster Linie. In sehr weitem Umfang würde sie von vornherein Stillegungen, Betriebsabbrüche und Berschrotungen überflüssig gemacht haben. Für feine Industrie ist es so widerfinnig wie für die Maschinenindustrie, von deren Produktion wenigstens 75 Broz. im Inland bleiben und die abhängig ist von jenen Konsum und Bertehrs industrien, denen sie die Maschinen und Werkzeuge liefert, die Rationalisierung der Betriebe über die Senfung der Konsumentenfauftraft durchzuführen, von deren Stärfung allein der Maschinenindustrie je ne Aufträge zuwachsen fönnen, ohne die alle Rationalisierung umsonst sein muß. und Profüpraktikern der Inflation brauchen die kommunistischen Ar beiter nicht. Die Preise sind ja so wundervoll niedrig. die Löhne so wohltuend hoch. Das ist wie gesagt, nicht unsere Meinung, aber die der Roten Fahne", der natürlich die sachliche Feststellung der Reinigungsfrise nicht in den Agitationsplan paßt. Dafür verweist sie auf England! Uns und vielen anderen war bisher nicht bekannt, daß das englische Pfund einmal gleich einer Billion Pfund war. Deshalb glaubten wir immer, daß die deutsche Wirtschaft und ihre Erfolgsaussichten immer noch etwas anders zu beurteilen seien als die englischen. Aber wir vertrauen fest auf den Erfindungsgeist des kommunistischen Wirtschaftsredakteurs, der uns morgen flar machen wird, daß Eng. land auch eine Riefeninflation( 1 Bfund gleich 1000 000 000 000 Pfund) durchgemacht habe... Aber weiß man, ob mosta u nicht noch einmal die Parole ausgibt, daß auch solcher Blödsinn von der Roten Fahne pertreten werden muß? Bei dem unbegrenzten Vertrauen in die Gutgläubigkeit ihrer Leser, das die Redaktion der Roten Fahne" auszeichnet, muß man das schon für möglich annehmen. Wir unserenteils werden das jedenfalls unseren Lesern dann nicht vorenthalten. Biel Lärm um nichts. Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Banfiergewerbes, Sonderausschuß für Hypothekenbankwesen, macht der Deffentlichkeit Mitteilung, daß die privaten Hypothekenbanken beschlossen haben, die Vermittlungsprovision für den Bertrieb von Pfandbriefen und Kommunalobligationen bedeutend zu ermäßigen. Die fo genannten Bonifitationen werden auf 2 Proz. herabgesetzt. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß auch die öffentlich rechtlichen Kreditanstalten und Landschaften eine entsprechende Vereinbarung treffen werden. 3 Es ist damit zu rechnen, daß auch diefer Schritt in uninformierten Streifen als ein Opfer betrachtet wird, das die Privatbanten der Gesundung des Rapitalmartts und der Wirtschaft bringen. So will es auch das Kommuniqué des Zentralverbandes. 33ie man aus mancherlei Erfahrungen mit derartigen Kommuniqués zu vermuten ein Recht hat, läßt die Lage der Dinge am Geldund Rapitalmarkt die Sache tatsächlich viel nüchterner erscheinen. Nach unseren Informationen entspricht der Satz von 2 Proz. der Durchschnittsvergütung, die schon in den letzten Wochen in aller Regel üblich mar. Die Zeiten, in denen 4 und 5 Broz. gezahlt wurden, find längst vorbei. Darüber hinaus lagen die Bonififationen der öffentlich- rechtlichen Realkreditanstalten schon immer ½ bis 1 Proz. unter denjenigen der privaten. Die Erwartung, daß die öffentlichen Realkreditanstalten folgen merden, ist also zum mindesten überflüssig. Daß diese Erwartung aber ausgesprochen wird und daß der Beschluß als eine große Sonderaktion im öffentlichen Interesse hingestellt wird, setzt die Bublikationsmethoden des Zentralverbands des Deutschen Bant- und Banfiergewerbes in ein merkwürdiges Licht. Übler Mundgeruch wirit ab toßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen das schönste Antlig. Beide Schönheitsfehler werden sofort in voll tonimen unschädlicher Weise beseitigt durch die Zahnpaste Chlorodont. Deutscher Metallarbeiter- Berband Achtung! Bert 16 Achtung! Mitch bus Sat 1928. Legitimations. Mittwoch, ten 17. Februar, nadim. Utrechter Straße 24: tarte für das Jahr Die Bertrauensmännerfonferenzflir 4½ Uhr, im Lofal von atinge. Achtung! Metalldreher Achtung! Benn man wirklich schon mogelt, so sollte man das doch wenigstens so gescheit machen, daß man sich nicht noch auf der Funktionärkonferenz unsere Branche fällt in diesem Monat aus. felben Spalte des gleichen Blattes dementiert. Gleich aller Bertrauensleute und Betriebsräte, nach dem ohne jeden Anspruch auf eigene Erfenntnis vor weldje Mitglied des DMV. und im Zigarettenmaschinenführer! 16. Bezirt täiig find. Die Branchen- Bertrauensmännergebrachten Angriff gegen die Sozialdemokratie fieht sich die Tagesordnung: Bortrag über fonferenz beginnt Umstände halber schon 5 Uhr im Zimmer 14 des Berbandshauses. Rote Fahne" genötigt, eine Stelle aus dem Borwärts" abzu- Arbeitsrecht. Mitgliedsbuch legitimiert. druden, in der wir unsere Auffaffung vom Wesen der Krise und den Aufgaben der Arbeiterschaft am Beispiel der BraunAm Donnerstag, den 18. Februar, schweigischen Kohlenbergwerte niedergelegt haben. Die inden in den befannten Sotalen bie Branchenvertrauensmännerkonferenzen, bei Samle. Stelle lautet: „ Dieser privatfapitalistische Erfolg, der sich auch in der Ber tatt. Zutritt nur gegen Bo: zeigung des " Ausgesperrte von Schebera! Alle ausgesperrten Kollegen treffen fich heute, Dienstag, vormittags Die Ortsverwaltung. Mai Juni Juli Aug Sept. Okt. Nov. Dez. Seit Eins führung Nach der Feuererhöhung vom 1.Okt.25 DIE UMSATZKURVE der ACO- SILBER beweist besser als Worte die dauernd fteigende Anerkennung. Die Conftantin- Cigarette mit dem aus reinem Aluminium hergestellten Mundstück 53 H m rw Vkeastag 16. ftbtttof 1626 Unterhaltung unö issen Seilage des vorwärts Zlorentinischer Karneval. Bs» Max varthel. Da» Albergo J&tont' war ein internationales Haus, llnschein- k�ar lag es in einer dunklen Gaff« hinter der Piazza della Signa m. Den lichte» Schimmer von Michelangelos erzürntem„David* auf jenem Platz nahmen viele Gäste in die Herberge mit. ober nicht feinen unbändigen Stolz, denn sie waren arme Tippelbrüder und kannten das Haupt der Medusa viel besser als Perseus, der Held, der sie besiegte. Bundschuh, der unter den Kameraden als Ballu» bekannt war, kam von Rom und landete in der verste«kten Albergo hinter dem Palazzo Vecchio. Zwei Mädchen begrüßten ihn, Mafalda und Gemma. die Töchter des unsichtbaren Wirtes, der in Amerika Dollar häufeln wollte, um später am Arno ein Stück Land kaufen zu können. Mafalda diente vor Iahren einige Monate in München und kannte einige Brocken Deutsch. Gemma sprach nur ihr ge° liebtes Toskanisch. Sie war das Aschenbrödel im Hause und der Schatten Mafaldas, die in stolzer Massigkeit die Herrin spielte, die Landstreicher bemutterte und den Ballu» ein wenig liebt«. Bundschuh liebte Maskerade und Verkleidung, und so gab er sich in Florenz als Holländer aus und versicherte, Maler zu sein. Ma- ,'alda konnte viele Maler und lächelte nur. Gemma glaubte an Ballus und bat um ein Bild. Mit dem schönen Leichtsinn junger Jahre versprach er ein Bild und vertröstete das Mädchen auf die Zeit nach dem Karneval. Mafalda war für irdische Dinge, und um sie in das rechte Licht zu stellen, hätte man schon Bildhauer sein muffen oder ein rettungslos Verliebter. In der Herberge kam Ballu» mit feinen römischen Bekannten zusammen. Er traf den Buchhändler, einen verkrachten Halbintellek- tuellen mit beinah« wimperlosen Augen, auch der Journalist war da. der schon lange für keine Zeitungen mehr schrieb, ein lunger Kerl, der unter dem Namen„Türke* lies, weil er lange in Konstantinopel gelegen hatte und zuguterletzt tauchten auch zwei Russen auf, schwere Hungens, die sehr oft abends auf Balance gingen, das Messer oder den Schlagring in der Faust, und mit diesen bestehenden und durch« schlagenden Argumenten einsame Leute in einsamen Gassen an- bettelten. In Florenz konnte man schon leben, besonder» die jungen, gut- gewachsenen Leute. Ein Herr Doktor am Arno zeigte sich dann von der liebenswürdigsten Seite. Vor den Toren der Stadt lebte ein englischer Professor, der nicht nur für antike Jünglinge schwärmte. Ballus hotte kein Verständnis für diese Art der Männer- sreundschaften, blieb lieber bei Mafalda oder Gemma sitzen und ue rächt et« auch die anderen Mädchen nicht. „Komm los.* sagt« eines Tages der Buchhändler zu ihm,„komm los, ich habe mit dir zu reden. Wir wollen uns die Stadt ansehen.* „Sett wann interessiert dich die Stadt?* fragte Ballu»,„du bist doch sonst nicht so. Oder willst du in die Uffizien?* „Du bist wahnsinnig,* lachte der Buchhändler,„aber komm los und laß dir erzählen. Mit dem Journalisten habe ich schon ge- svrochen. Uebermorgen beginnt der Carneoale und mein Plan ist, mitten im Jubel und Trubel die Leute anzuinucken. Wir brauchen dich als Staffage. Du haßt das anständigste Gesicht von uns allen. du deutscher Träumer mit die blauen Augen.* „Grane Augen,* lachte Ballus.„und nun erzähle weiter.* Der Buchhändler schwieg, bi» die letzten Häuser der Stadt I i Itter ihm waren. Er begann erst zu reden, als sie auf der Piazza Michelangelo standen und das bergumkränzte Florenz sahen und Ballus in Landschaften zu schwännen begann. „Mann Gottes, sei still mit dem Schmus und warte, bis der Karneval vorbei ist,* sagte der Buchhändler.„Wenn alle» bcne iit, schwärme ich mtt. Aber heute bin ich nicht der schönen Aussicht wegen hieraus geklettert, das kannst du schon glauben. Also der Karneval. Am Palazzo Vecchio beginnt der Humbug. Siehst du. dort. Das ist auch unser Spielplatz. Du stellst dich an der Säulen- balle„Wie heißt sie doch* auf, bei dem Mann, der die Medusa geköpft hat, und machst große Augen und sagst:„Armer Aus- linder, vier Tage nichts gegessen. Helsen Sie, edle Damen und Herren.* Da kommen wir angetürmt, denn die edlen Herren sind wir. Der Journalist ist zuerst etwas verstockt, aber dann hält er eine Rede an das Volk und sammelt für uns. Auch wir schmeißen Geld in den 5iut. Das wird dann verteilt. Schätze, daß fünfzig Lire zusammenkommen. Denselben Humbug spielen wir dann am Gase degli Alighieri und vielleicht noch an der Chiesa di Sante Croce. Hast du mich verstanden, armer Ausländer?* „Sehr gut. aber ich weih immer noch nicht, warum wir auf Ue Berge geklettert sind,* sagte Ballus. „Weil die zwei Russen eine ähnliche Sache schieben wollen, du Kirch,, und weil in der Penne die Wände Ohren haben. Und weil d:r General seinen Rekruten das Schlachtfeld zeigen will. Ver- zcanden?* „Benissimo. Generale.* lachte Ballus. Am übernächsten Tag stellte sich Ballus, als der Karneval begann, auf der Piazza della Signoria an der Säulenhalle„Wie beißt sie doch* auf, unter der Statue des Perseus, der das Haupt !er Medusa weit von sich streckt. Uebcr den Platz wogte schon die crsle Welle des beginnenden Festumzuges. Bunte Wagen rollten vorüber, in greller Verkleidung huschten einige Masken vorbei, der erste Konietti regnete. Ballus sah das alles und freute sich. Do kam der Journalist mit dem Buchhändler und dem Türken. „Mein Herr,* wandte sich Ballus klagend an den Journalisten, ..mein edler Herr, vier Tage habe ich nicht gegessen. Ein armer Ausländer bin ich und möchte gern in meine Heimat zurück.* „Niente!* sogt« der Angesprochene mit so großartiger Verach- i"ng," wie man sie nnr nachmachen, aber nicht selbst erfinden kann. ..Niente Vagabonde.* „Signor,* spielte Ballus weinerlich weiter,„davon werde ich 'acht satt, von dem niente!* �» Einige Masken drängten sich an dieses Zwiege,prach. Der Buchhändler griff in die Tasche und schmiß eine Lire aus die Erde. ..Bravo, bravo!* klatschte ein Mann Beifall. Dieser Mann war der Türk«. „Signori,* wandte sich der Journalist an die Zuschauer des Spieles.„Signori. ich bin gegen jede Bettelei, aber dieser Poverelli scheint wirklich Hunger zu haben.* „Ja. ja. viel Hunger,* stammelte Ballus und erschrak, denn plötzlich hatte er richtigen Hunger.,. Ein« Maske mit papageienhafter grünbemalter Nase gab eine Lire. „Und weil er Hunger hat und weil er nach Hause will, Signori, nrch weil sich seine Mutter um ihn die Augen auswentt, sein Va.er keine Arbett hat und die Schwester im Sterben liegt, nur darum. Potsdam über Nazareth. \\:\'/ /. »Sie werden sich wohl entschließen müssen, Matth. S,40 einer gründlichen Revision zu unterziehen!' edle Damen und Herren, sollten wir helfen. Um die Tränen seiner Mutter willen!„Eiiwu Saldo für den Man», der vier Tag« nichts gegessen hat!*, rief er laut über den Platz, riß den Hut voin Kopfe, schüttete vier Solbi hinein und ging unter die Zuschauer sammeln. Ballus stand starr, ein Standbild de» Jammers, unter dein Haupte der Medusa. Innerlich lachte sein Herz, lachte über die Tränen der Mutter, die Not des Vaters und die Sterbepein der Schwester, über die Schatten und Schemen, die der Journalist frech und überzeugend erfunden hatte, um einen schäbigen Hut mit gutem Geld« zu füllen. Viele der Italiener lachten und glaubten an«inen kräftigen Scherz, aber ihr Gelächter schüttelte nicht nur den Bauch, «z schüttelte auch die Börse. Als der Journalist mit seiner Samm- lung fertig war, ging er wie ein Wohltäter aus Ballus zu, stopfte mtt der Würde eines römischett Senatoren das Geld in die offene Bettlerhand. Dann verbeugt« er sich artig vor den Masken und dankte mit einer Neinen Red«.(Schluß folgt.) politifthe Anmerkungen zu Scheffels 1 00. Geburtstag. Von Pros. Reinhard Strecker- Berlin. Der hundertste Geburtstag Diktor von Scheffels(am 16. Februar) wird erheblich weniger geräuschvoll gefeiert als der fünfzigste. Damals stand Scheffel auf der Höhe seines Ruhmes. Er empfing den Adels- tttel und die Glückwünsche der ersten Mämier Deutschlands. Der „Trompeter von Söckinqen" und der„Ekkehard* waren die meist gelesenen Bücher Deutschlands. Alle lustigen Trinkgesellschaften waren von Scheffels Liedern beherrscht. Heute aber gehört Scheffel im Urteil der modernen Literaturhistoriker zu den Vertretern eines überwundenen Geichinocks. Mit Richard Meyer werden noch viele andere Scheffels Trankpoesie, die„Bummellieder*, wie der Dichter selbst sie nannte, für sein bleibendstes Werk hatten. Ob aber gerade diese Art von Poesie an sich bleibenden Wert hat, darüber bestellen wohl berecht-igte Zweifel. Uebrigens war Viktor von Scheffel selbst trotz aller Feiern bei seinem 86. und HO. Geburtstag schon halb ein toter Mann. Es ist ein trogischer Kontrast: in ganz Deutschland liest man seine Schriften und jubelt ihm zu, aber er selbst ist bereits cit Jahren unfruchtbar und bringt trotz glänzender Anlagen und großer Anläufe nur noch Bruchstücke und Kleinigkeiten hervor. Sein ganzes künstlerisches Schaffen drängt sich in die wenigen Jahre bis in die Mitte der Dreißig zusammen.. � In sein Leben fallen die größten geschichtlichen Ereignisse, die Jahre 1848/49 und 1870/71. Man sieht nicht, daß er innerlich davon besonders tief ergrifsen worden wäre. Allerdings interessiert er sich siir die revolutionäre Bewegung. War er doch auch in dem Lande geboren, wo diese ihren Mittelpunkt hatte, in Karlsruhe in Baden. Er war erst 22 Jahre alt und stand gerade damals im juristischen Examen. Seiner hohen Intelligenz nach wäre Scheffel wohl be- rufen gewesen, auch in der Politik eine führende Rolle zu spiele,,. Man setzte Hofsnungen aus ihn. Karl Theodor Welker, der Heidel- berger Professor und Abgeordnete, nahm vcheffel mit aus seiner diplomatischen Reis« nach Stockholm. Ein« beneidenswerte Gelegen- hett für den jungen Dichter, in die politische Welt einzudringen. Vorübergehend war er auch Redakteur der„Vaterländischen Blätter" in Karlsruhe und machte am 13. Mai die große Ossenbnrger Volks- Versammlung mit. Die revolutionäre Stimninng war auf dem Hohe- puntt. Die Bauern hatten ihre Pferde und Wagen mit roten Bändern und Blumen geschmückt. Aus dem Volke heraus sollte die Rettung kommen, nachdem das Frankfurter Parlament versagt hotte. Biktor von Scheffel wünschte damals, es möchte doch den rückständigen Herren in der Karlsruher Regierung„etwas von der trotz allen blutroten Hasses gesunden Luft dieses Volkstages um di« Nase wehen*. Die Rastatter Kanonier«, die an der Dersammlung teilge- nommen hotten, gaben am nächsten Tage da» Signal zur Militär- revolution, und der Großherzog mußte flüchten. Aber es war, als hätte Scheffel auch schon etwas von dem tragischen Ausgang vorausgeahnt, denn er schüeßi seine Schilderung mtt dem melancholischen alten Bers:„Wo's schneiet rote Rosen, da regnet's Tränen drein." Als Wilhelm„der Kariätschenprinz" in Baden einmarschiert«, war's mit den politischen Freiheitshofsnungen gründlich vorbei. Im Grunde genommen war Schessei doch mehr neugieriger Zu- schauer als aktiver Teilnehmer der Bewegung gewesen. Deshalb nahm er auch das Ende mit kühler Gelassenhett hin. Anerkannt werden soll, daß seine vornehme Gesinnung es nicht litt, in der Untersuchungskommission gegen die Revolutionäre mitzuwirken. Darüber verlor er sein« Stelle als Sekretär des Zivilkommissars von Orff. Aber dieser Verzicht wurde ihm auch dadurch erleichtert. daß er überhaupt nicht sehr an seinem juristischen Berufe hing. Nach mancherlei Auseinandersetzungen mit seinem Vater hing er die Juri- sterei nach kurzer Verwaltungspraxis in Säckingen endgüllig an den Nagel. Bor der Revolution während des studentischen Verbindungs- lebens waren die Trinklieder entstanden. Nach der Rcvolittuijn als Frucht einer Jtalienreis« und der germanistischen Studien des Dichters, die er neben seinen juristischen berrieben hatte, entstand der „Trompeter* und„Ekkehard*. Besonders letzterer wird immer lesenswert bleiben als historisches Kutturbild, auch wenn die beiden Hauptpersonen mehr Weisheit und Weltschmerz der Scheffel- schen Zeit als Art und Denken des frühen Mittelalters verkörpern. Natur, Humor, Wein, Romantik— das ist Scheffels Flucht aus der Wirklichkeit in die Illusion, aus der hoffnungslosen Gegenwart in eine Bergangenhett, in der sich di« Phantasie ungehindert noch ihrem Geschmack einrichten kann. In diesem Sinne ist Scheffel, seine Zeit und die Verehrung, die er in ihr genoß, typisch. An ungezählten Stammtischen wurden di« politischen Stimmungen und Berstimmungen zwecklos geäußert oder vertrunken, mit denen sich in der Aera der Reaktion sonst nichts anfangen ließ. Di« Romantik lenkte die Sehnsucht nach besseren Zeiten aus di« Bergangenhett ab, wo sie politisch ungefährlicher war, als wenn sie sich aus die Zukunft richtet. So ist Scheffels Schicksal nur zum Teil seine persönliche Schuld. Sein« dichterische Schassenskraft aber erlahmte nicht zuletzt unter der Einwirkung seines gewohnheitsmäßigen Trinkens. Was in Scheffel an politischen Interessen vorhanden war, wurde damit zugleich eingeschläfert. Die ganze Lustigkeit seiner Trinklieder be- ruht vielfach aus der übermütigen Verspottung alles dessen, was sonst im Leben ernst genommen sein will: Wissenschaft, Religion, Baterland. Idealismus. Die Kräfte, die fähig sind, die Well zu ver- jüngen, konnten allerdings aus studentischer Weinseligkeit und romantischer Poetenschwärmerei nicht kommen. Und deshalb ist die Ge- schichte, auch die Literaturgeschichte, über Scheffels Poesie zur Tages- ordnung übergegangen._ Die älteste Dynastie der Well. Die diplomatischen Vertretungen Japans im Ausland hatten dieser Tage anläßlich der Wiederkehr des Jahrestages der Thronbesteigung des Kaisers Iimmu, des ersten Kaisers von Japan, ihre Bureaus geschlossen. Dieser Tag steht als japanischer Nationalfeiertag hoch m Ehren. Kaiser Iimmu bestttg den Thron in Pamato vor rund 3600 Jahren. Er war der Gründer der Dynastie, die vom Jahre 600 v. Chr. an in ununterbrochener Folge die Herrschaft ausübt. Tamato blieb das Verwaltungszentrum Japans während der Regierungszett von über fünfzig Kaisern. Noch heute besteht in dieser Provinz der hölzerne Tempel von 5?oryusi. der vor mehr als 1300 Iahren errichtet worden ist und wertvolle Reliquien enthüll. Er ist wahrscheinlich das älteste hölzerne Bau- werk, dos heute noch in der Welt steht. Während der Regierung»- zeit der Kaisers Genmyo von 706 bis 715 n. Chr. wurde die Haupt- stadt des Landes vorübergehend nach Nora in der gleichen Provinz oerlegt, im Jahre 794 a. Chr. wurde Kyoto der Sitz der Regierung. die dann die Hauptstadt Japans blieb bis zum Beginn der Meist- Periode im Jahre 1868, in dem Tokio Landeshauptstadt wurde. Theater, Lichtspiele usw. Versuchen Sie die neue Volksbühne Lessing- Tb. 8 Uhr: Judith Morgen 8 Uhr 8 Uhr Gastspiel& Saltenburgs Bühnen KronDer Hautmann prinzessin Von Venedig Staats- Theater Opernhaus TU: Der fliegende Holländer. Opernhaus am Königsplatz Luise Kleines Th. 814 Uhr: Ein Spiel von 7% Uhr: Mignon Tod u. 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Februar: Großes Schweineschlachten MARKE GOLDSTUC WEINBRENNERCIENT Stuck A Hana REINER WEINERING Goldstück Deutscher Weinbrand Stück Sitöre k- Trio Lahnstr. 74/751 WINTO BRIEN Die Revue der Liliputaner im sensationellen Februar- Spielplan Sonntag 31 Uhr: halbe Preise Rauchen gestattet Berliner Konzerthaus ************ Mauerstraße 82**************** Heute Großer Fastnachts- Ball Ueberraschungen Belustigungen 2 Kapellen BALLON- SCHLACHT Anfang& Uhr Tischbestellungen bei den Geschäftsführern erbeten Der bekannte Roman des Abbé Prevost Die berühmte Oper von Puccini MANON LESCAUT Ufa- Film mit LIA DE PUTTI Wladimir Gaidarow Regie: ARTHUR ROBISON Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Sonntags: 3, 5, 7, 9 Uhr UFA- PALAST AM ZOO Freikarten ungültig Vorverkauf ab 11 Uhr Gewinn- Auszug 5. Klaffe 26. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lofferie Nachdruck verboten Ohne Gewähr Auf jede gezogene Nummer find sivet gleich bobe Ge. winne gefallen, und avar je einer auf die Lole gleicher Nummer in ben beiden Abteilungen 1 und 2 10. Ziehungstag 13. Februar 1926, nachmittags Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 2 Gewinne zu je 10000 r. 290750 2 Gewinne ju je 5000 ME 7263 6 Gewinne au je 3000. 42817 45356 156345 12 Gewinne zu je 2000 r. 27308 113118 126999 202893 205181 223434 34 Gewinne au je 1000 R 1497 16999 35656 47827 53557 77095 161141 197866 203300 211528 225327 227168 251398 264432 269936 274807 274927 104 Gewinne au je 500 t. 2760 21157 21646 22292 23276 36139 80574 54123 56453 58546 59177 64941 72731 77607 80037 82340 85128 85589 89613 89832 96885 112276 114061 121595 121643 124333 125852 130984 142877 145899 147324 147572 148711 150356 151019 158542 165065 167273 190570 208977 209824 032579 236014 241615 243610 251942 258168 266872 270125 284620 286911 295370 190 Gewinne au je 300 mt. 323 4092 8433 13784 18728 22900 26495 27070 33740 36093 36597 37219 39152 40180 42123 43492 46878 49812 50228 52819 53078 53811 53902 56542 60982 66299 66999 70351 70650 72768 88958 91481 93045 93513 103306 106402 109084 109842 113330 117514 120061 120310 120415 135590 136052 137094 139810 145222 148771 150375 156587 156009 165086 172149 172571 172865 179035 181843 187513 188195 189282 190801 197748 200381 208361 209027 209770 211208 218411 218610 222551 223565 228583 229544 229769 233678 236864 236887 2387187 240884 244456 247879 249208 255192 261500 262391 262896 270849 284149 284935 285548 292312 297128 297693 299136 11. Ziebungsfag 15. Februar 1926, vormiffags Es wurden Geminne über 150 Mark gezogen 2 Gewinne ju je 50000 L 195506 2 Gepinne ju je 10000 RT, 262840 2 Gewinne ju je 5000 m. 296134 12 Geminue au je 3000 1 6361 102607 106122 141988 148817 265893 12 Gewinne a je 2000 287713 t, 3380 27647 126580 144389 145440 24 Gewinne an je 1000 g 42791 45571 51623 62844 79871 89225 103460 136388 149153 230935 291680 292589 108 Gewinne su je 500 9 7968 11:44 11476 25718 33479 47441 57263 59534 63719 65355 67296 78284 78536 81613 90240 93717 94033 97428 99895 100095 101383 102976 116073 130426 133570 183788 134148 134648 135852 148814 156235 156471 159072 159176 164953 164999 169502 188509 198496 202532 212744 221727 223217 224017 224484 230471 231318 234885 243884 244321 247155 248362 281342 282335 222 Gewinne au je 800 Di. 2909 6113 13773 23782 25592 29152 31467 32851 35276 56322 38088 38239 38793 44962 46320 48812 50103 51293 52377 62421 66132 67419 67843 67985 75211 75253 75367 79738 79963 81887 81560 85446 85523 86437 86588 89663 90995 96304 98147 98668 101993 102943 108212 117984 128255 128379 130922 131404 132490 136935 138604 146906 155542 155543 161939 162081 163592 164585 165377 168463 172937 173700 130322 180732 183332 186322 189336 190486 197754 201873 202974 204293 207848 208189 209470 213650 213946 218046 215487 215960 217066 224070 225846 228795 230680 232476 238203 240646 240962 241158 243988 245430 246188 252541 257869 258984 259753 260536 260840 261308 264728 273287 275666 283137 285223 285581 286649 287671 291881 296254 296363 Seute nacht zu 12 Uhr verfchleb fanft nach langem schweren Beiben mein lieber Mann, unser guter Bater, ber Staffenangestellte Sex: Max Schüler Dies zeigen mit der Bitte um ftille Teilnahme an Bme. Klara Schüler, geh. Giese und Rinder Berlin- Schöneberg, 15. Febr. 1926 Golgstraße 12 Die Einäscherung findet Frei tag, ben 19. b. M., nachm. 4 Uhr, im Rrematorium Bilmersdort, Berliner Str 101/3, ftatt[ 56/3 Am 14. Februar dieses Jahres um Mitternacht verschied unsfer Angestellter Sere Max Schüler Wir verlieren in dem Berftorbenen einen guten Freund und langjährigen, trenen Mit arbeiter, der mit nie ermüdender Arbeitskraft und vorbildlicher Bflichter üllung uns stets zur Seite geftanben hat. Bir werben den Berblichenen ftets in treuem Andenken be halten Charlottenbg, 15. Februar 1926 Der Borstand, ble Berwaltung und das Verfonal ber Allge meinen Ortstrantentaffe Char lottenburg. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands Geschäftsstelle Groß- Berlin Wir erfüllen hiermit bie traurige Pflicht, den Tod unseres Kollegen Clemens Becker Beatr! Often, verftorben 12. Februar 1926, bekanntzugeben. Chre seinem Anbenten! 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Nach schwerem Leiden verstarb am Freitag, den 12 d M., meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Hermine Sabath geb. Hintzpeter Dies zeigen allen Freunden und Bekannten tiefbetrübt an Gustav Sabath und Kinder. Die Einäscherung findet statt am Donnerstag, den 18. Februar, nachm. 5 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. 173/17 Am 12. febr. nachm nerichted nach faum nollenbetem 21. Lebensjahr nach langem, schwerem Leiben uns, einziges, geliebtes Rinb, meine liebe Righte Elfriede Sn tiefer Trauer: 1627b Will Schreyer und Frau Margarete Frida Schreyer Griner, Gemnonenring 88 Einäscherung: Mittwoch, 17, nadim. 5 Uhr, im Reematarium Baum faulenweg Rie ho'afte. Verkäufe Serie 1 mit Steuer ohne Glas M. 0.90 Serie 2 mit Steuer ohne Glas M. 1.32 Serie 3 mit Steuer ohne Glas M. 1.80 Serie 4 mit Steuer ohne Glas M. 2.36 Erstklassige Spirituosen la Aquavit, 35% Ltr. 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