Abendausgabe Nr. 80 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 40 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Bebaffiou: S. 68, Lindenstraße 3 Zerniprecher: Däuho 292-292 Sel- Moreffe: Sozialbemotrat Berlin 10 Pfennig 17. Februar 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag unb Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Beclag Gmbh. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Danhof 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Sozialdemokratie und Volksentscheid. Eine unmißverständliche Erklärung. durchführen. Ich hoffe, daß diese flare Ertlärung über die Stellung der Sozialdemokratischen Partel von dem Abg. Neubauer an die ihm nahestehende Breffe weitergegeben wird und daß nunmehr alle Mißdeutungen und Unterstellungen unter bleiben, durch die nur Argwohn gegen die Sozialdemokratische Partei hervorgerufen werden soll. Ein Grund hierzu liegt nicht im ge ringsten vor. Der Bolfsentscheid geht seinen Gang. Im Rechtsausschus des Reichstags wurde heute die General| fratische Partei hat ihn beantragt und sie wird ihn selbstverständlich bebatte über die Fürstenforderungen fortgefeßt. Es fprachen n. a. bie Abgg. Dr. Bell( 3.), Pfleger( Bayr. Bp.), Frid ( völl.) und Neubauer( Romm.) Auf eine Anzapfung des legteren gab Genosse Dr. Rosenfeld folgende unzweideutige Erklärung ab: Die Frage des Abg. Neubauer, wie die Sozialdemokratische Bartet zum Bolfsentscheid, zur entschädigungslosen Enteignung und zum Kompromißantrag der bürgerlichen Parteien steht, gibt mir millkommenen Anlaß, den Standpunkt der Sozialdemokratischen Bartei barzulegen. Wir haben felbft im Rechtsausschuß einen An trag eingebracht, der die entschädigungslose Enteignung der Fürsten trag eingebracht, der die entschädigungslose Enteignung der Fürsten fordert und wir werber alles tun, biefem Antrage zur Annahme zu verhelfen. Den kompromisantrag der bürgerlichen Bar teten werden mir, wie bisher, 3 unà ch ft zu verbessern suchen, mie mir ja auch sonst bei allen Gesezentwürfen uns bemühen, ihre Gestaltung nach Möglichkeit zu beeinfluffen. Ob mir in der Lage sein werden, für den veränderten Stompromißantrag zu stimmen, wird davon abhängen, inwieweit es uns gelingen mird, unfere Abänderungswünsche durchzufeßen. Wir werden zu dem Kompromißantrag erst Stellung nehmen, wenn seine endgültige Formulierung feststeht. Der Bolfsentscheid hat mit den Beratungen im Rechtsausschuß nicht das geringste zu tun. Die SozialdemoNeue Luppe- Verfolgung. Der Staatsanwalt will sein Opfer. Nürnberg, 17. Februar.( WTB.) Nach einer Meldung der Fränkischen Tagespoft hat der Staatsanwalt Beiwerde eingelegt gegen den Beschluß der Nürnberger Straflammer, dem Antrag des Staatsanwalts belt. Einleitung eines meineid. verfahrens gegen Oberbürgermeister Dr. Cuppe nicht flattzugeben. Der Fall wird nunmehr das Oberste Landesgericht in München beschäftigen. An die Nachricht über die Außerverfolgungsfegung Luppes fnüpfte die Tägliche Rundschau" dieser Tage einige meiner liche Bemerkungen über die zunehmende Politisierung der Behandlung richterlicher Urteilssprüche. Die Tägliche", 70 Broz. deutschnational und 30 Broz. volksparteilich, hat thre eigenen Borstellungen von Politisierung der Justiz. Sie ficht die Politisierung nicht darin, daß in einer unerhört chamlofen Beile deutsche Richter sich zur Verfolgung lintsgerichteter Politiker hergeben, fie sieht sie nicht darin, daß immer wieder einseitige Urteile gegen links gefällt wer den, fie fieht die Politisierung nur darin, daß man auf der Linken sich gegen diesen Zustand, der eine Kulturschande ohnegleichen ist, energisch wehrt. Die Tägliche Rundschau", in diesem Falle einmal chriftlich- pazififtisch angehaucht, glaubt der Linken empfehlen zu können, daß fie gut tut, bie Linke und die rechte Bade hinzuhalten. Diese Berschiebung der Streitfrage wird aber menig nützen. Das Gefühl der Scham über unsere Justizzustände macht sich all mählich selbst in Kreifen bemerkbar, die der„ Täglichen Rund schau" naheftehen. Der fanatische Eifer, mit dem ein Mann wie Luppe verfolgt wird, muß meiter dazu beitragen, den Kampf gegen die beutsche Justiaschmach zu verstärken. Deutsche Richter haben nicht das Recht, sich in den Dienst einer einseitigen politischen Rampagne zu stellen, fie brauchen nicht zu denken, daß sie unangreifbar wie die Götter auf ihren Thronen figen. Sie haben dem Recht und dem Wolfe zu dienen. Sie werden gut tum, ihre Bragis zu ändern, ehe die Saat aufgeht, bie gefät wird. Drummonds Berliner Verhandlungen. Das Zeremoniell und die Stellenbesetzung. Der Generalfekretär des Böllerbundes wird heute abend feine Rückkehr nach Genf antreten. Seine Berliner Be Sprechungen galten in erster Linie den Formalitäten bei dem Eintrittsaft Deutschlands in den Bölkerbund und der Be fetzung gewiffer Aemter durch Reichsdeutsche. Die endgültige Entscheidung über die Hauptstellen bleibt im Einvernehmen mit der Reichsregierung natürlich dem Bölkerbundsrat vor. behalten, der nach Borschlag des Generalfefretärs entscheidet. Es ist zu erwarten, daß nach dem Eintritt Deutschlands zunächst nur eine Reihe der politisch weniger wichtigen Stellen be fezt wird, die Hauptämter, insbesondere das des zweiten Generaljefretärs und der von Deutschland zu stellenden Di reftoren dagegen erst im Laufe des Jahres. Die am 8. März beginnende Böllerbundstagung dürfte pier bis fünf Tage dauern, während der Rat acht Tage später beraten wird. Rechtsparteiler bei Trummond. Einem Mitarbeiter der„ B. 3." sagte Drummond, er glaube be. merft zu haben, baß jeßt auch die gemäßigten Rechtskreise in Deutsch lamb objeftiner über ben Bölferbund zu benten beginnen. Denn es haben auch bereits bentle Rechtsmänner mit den füb. renden Böllerbundstreifen Fühlung aufgenommen.( Diese Fühlungnahme wird doch nicht etwa der Stellenbejegung gegolten haben? Red.) Der Bertreter des Zentrums, Dr. Bett, sprach fich für eine 20jung auf der mittleren Linte aus. Er bezeichnete es als einen Erfolg der Ausschußberatung, daß allmählich ein gewisser Ausgleich gefunden sei zwischen der starren Ablehnung jedes Eingriffs in das formale Recht und der Forderung entschädigungsloser Enteignung. Die Beimarer Berfaffung hat pofitive Borschriften über die Fürstenenteignung nicht gegeben. Damals glaubte man, daß bei wechselseitigem Verständnis leicht eine Einigung möglich wäre. An diesem Berständnis hat es leider bei manchen Fürstenhäusern durchaus gefehlt. Man gewinnt den Einbrud, daß an ihnen die Kriegsmirkung mit dem furchtbaren Verlust an Rational vermögen fast fpurios vorübergegangen ist. Das hat auch in weit rechts stehenden Kreisen Befremden erregt. Briand und die Verfassung. Das Posen von heute. Reiseeindrücke. Bon Josef Kliche. Mehr als jechs Jahre find vergangen, seit die deutsche Oftmart nach fast hundertfünfzigjähriger Zugehörigkeit au Breußen aus deffen Staatsverband ausschied, um mit dem neu erftandenen Bolen vereinigt zu werden. Dieser neue Bolenstaat wurde bekanntlich schon während des Krieges durch Wilhelm II. und dessen damalige Regierung proklamiert; er follte ein schlauer Schachzug gegen die Entente sein, war aber in Wirklichkeit nichts anderes als eine sehr naive Spekulation auf den längst friegsmüde gewordenen polnischen Volks charakter innerhalb der eroberten Gebiete Ruffifch- Bolens. Was lag näher, als daß der Frieden von Bersailles aud ben wesentlichsten Teil des preußischen Bolen dem nun ein Etwa zwei mal angeregten neuen Bolenstaat auteilte! Millionen Menschen wurden dadurch vom bisherigen Mutterlande losgelöft und innerhalb des neuen Staates zur Wojwodfchaft( Regierungsbezirt) Bofen vereinigt. Behördlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt diefes Bezirks blieb wie bisher die Stadt Bosen. Bosen! Der Name läßt die Zeiten der jahrzehntelangen preußischen Germanisierungspolitik wieder lebendig werden. Eine Politif, die es in anderthalb Jahrhunderten nicht zuwege brachte, daß der größte Teil der ehemals polnischen Be wohner fich deutsch fühlte, die aber andererseits ein nicht zu unterschäßendes Quantum Kulturarbeit in diefen Be zirfen leiftete. Denn es wurden nicht nur selbst längst wieder niedergelegte Festungswälle, Kasernen und prunfvolle Regierungsgebäude errichtet; es wurde ja auch eine sehr umfassende Kolonisationstätigkeit in den weiten müften fändlichen Be zirken vorgenommen, es wurden Kulturstätten von hohem Rang geschaffen; an finanziellen Aufwendungen für die Ostmart hat es wahrhaftig nicht gefehlt. Wir wollen es uns hier und heute versagen, auf den Nationalitätenstreit von einftmals einzugehen, auf die wenig geschickten Kaiserreden, auf die Schachzüge der unentwegten Bolen gegenüber den hatatistischen Güterauffäufern ufm.; viel interessanter scheint die Beantwortung der fehr zeitgemäßen Frage: Wie sieht es heute in der einstigen deutschen Ostmart, wie sieht es insbesondere in der Stadt Bofen aus? Was ist aus all dem geworden, das feinerzeit den neuen Herren wie eine reife Frucht vom Baume mühelos in den Schoß fiel? Wie verwaltet man in Warschau oder Posen das preußische Erbe? Er will die Senatsrechte verfassungswidrig erweitern. Paris, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Absicht Briands, den Genat die von der Kammer abgelehnten finanziellen Maß nahmen wiederaufnehmen zu lassen, und dann geftigt auf diefes Botum in der Kammer die Kabinettsfrage zu stellen, ftößt auf ver faffungsrechtliche Schwierigkeiten. Der Artikel 8 der Berfaffung bestimmt ausdrücklich, daß der Senat ebenso wie die Deputiertenfammer die Initiative auf gefeßgeberischem Gebiete habe, jedoch mit Ausnahme der Finanzgefeße, die zuerst in der Rammer einzubringen und von dieser zu votieren find. In dem Augenblic", schreibt dazu der Quotidien", wo das ganze Land eine Beschräntung der Rechte des aus einem beschränkten Wahl. Nun, die Wandlung, die sich hier vollzog, ist instem hervorgegangenen Senats verlangt, versucht Briand, diese auf Roften des allgemeinen und gleichen Wahlrechts noch erheblich zu er. ganz außerordentlich groß. Betrug der deutsche Teil der Beweitern. Der Senat wird zweifellos diesen Vorschlag aufnehmen völkerung in der ehemaligen Provinz Bofen zu Beginn des und die von der Kammer abgelehnten Steuern wiederherstellen. Krieges etwa 42 Prog. der Gesamteinwohnerschaft, so dürfte Die große Frage ist jedoch die, ob die Kammer sich unter. er gegenwärtig nur noch tnapp 15 Broz. ausmachen. Bon werfen und diesen Staatsstreich eines vertappten rund 850 000 Deutschen verließen freiwillig oder gezwungen Faschismus ratifizieren wird. Tut fie dies, bann würde sie über 550 000 die ungaftlich gewordene Stätte ihres zum ihre eigene Abdantung unterzeichnen und im Lande einen Teil jahrzehntelangen Wirkens. Der Grund zu dieser AusSturm der Entrüstung auslösen, der sie selbst hinwegfegen wanderung lag in dem besonders 1919 und 1920 häufig anwürde. Soziale Unruhen und innerpolitische Erschütterungen gewendeten direkten oder indirekten Terror eines wüftvon unabsehbarer Iragmeite würden die unausbleib nationalistischen Teiles der polnischen Bevölkerung, dann in liche Folge sein, denn die Arbeiterschaft, die Angestellten, Beamten einem Furchtgefühl vor etwaigen fommenden Dingen, und und fleinen Raufleute würden wie ein Mann sich erheben gegen den fchließlich machte der polnische Staat selbst in sehr umfassenBersuch, sich dem Gesetz eines Barlaments unterwerfen zu sollen, in der Weise von jenem Ausweisungsrecht Gebrauch, das ihm dem fie feinerlei Einfluß besitzen und das ausschließlich eine Ber der Bersailler Bertrag gegenüber weiten Schichten des deuttretung der Intereffen einer privilegierten Schicht darstellt." fchen Elements gab. Daß mit dem Umschwung die bei den Das Gericht von der Absicht Briands, im Falle eines Konflitts Bolen wenig beliebten oberen und mittleren Beamtenzwischen beiden Häusern des Parlaments die Rammer aufaufreife ohne weiteres die Oftmart verließen bzw. durch öfen, hält das Blatt für unbegründet, denn Briand würde ben preußischen Staat umgepflanzt wurden, bedarf feiner besich zweifellos fehr reiflich überlegen, Neuwahlen zu provozieren, in fonderen Erwähnung. Mit der Abwanderung des deutschen denen der Linken mit dem an das Land gerichteten Aufruf, fich Elements schwand auch der deutsche Einfluß in den komzwischen den beiden Barlamenten zu entscheiden, der Sieg ficher fei. munalen Körperschaften des Bofener Bezirts fast Dollständig. Und es ist recht bezeichnend, daß bei den letzten Bofener Gemeindewahlen die Deutschen Bosens von der Aufftellung einer Sonderliste abfahen und dafür ihre Stimmen beschlußgemäß der sozialdemokratischen Liste zuführten, als der Bartel, zu der sie das meiste Vertrauen haben. Rücktritt der Linksminister? Paris, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der Kammer tauchte das Gerücht auf von einer Demission ber beiden radikale sozialen Minister Daladier und Chautemps. Dieses Gerücht hat bis jetzt noch teine Bestätigung gefunden. In den parla mentarischen Streifen hält man es jedoch für feineswegs ausge fchloffen, daß der im Kabinett schon seit langem bestehende Gegenfaz zwifchen Briand bzw. Doumer und den zu dem linken Flügel des Kartells zählenden Ministern schon in den nächsten Tagen zum offenen Ausbruch tommen tann. Kattowitzer Staatsrettung. Fortschung der Polizeiaktion. Hand in Hand mit der durch die Abwanderung der Deutschen herbeigeführten Bolonisierung geht die syfte durchgeführte der obersten matisch angestrebte und auch Staatsbehörde. Alle Städte und Ortschaften des Bezirks, also der Woiwodschaft Posen, erhielten wieder ihren einstigen früheren, zum Teil schon hundert Jahre vergessenen polnischen Namen; statt des Deutschen wurde polnisch die Amtssprache, bie blauen Brieftäften murben rot gestrichen, der schwarze Adler zog das weiße Gewand des einftiaen polnischen Bappen nagels an usw., usw. Bezüglich der Sprache ist es so, daß heute jeder Erwachsene zwar noch die deutsche beherrscht, daß aber das heranwachsende Geschlecht, abgesehen von einer Reihe noch bestehender deutscher Privatschulen, dem ftaatlichen polnisch- sprachigen Unterricht unterworfen ift. Moraus fich ergibt, daß in vielleicht zwanzig Jahren das Deutsche nur noch etwas Bereinzeltes darstellen wird. Breslau, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Deutschen verfolgungen in Dstoberschlesien sind noch nicht beendet. Das deutsche sozialistische Organ in Kattomi, der Bolfswille", murde bereits zum zweiten Male innerhalb einer Woche beschlagnahmt. Bon den verhafteten Deutschen ist einer im Gefängnis gestorben, angeb. fich infolge Selbstmords. Da die Haussuchungen und die Ber haftungen feinerlei Material zutage gefördert haben, mit dem die polnischen Behauptungen über angebliche Losreißungspläne und landesverräterische Absichten bewiesen werden können, fo find jest die Behörden dazu fibergegangen, die Korrespondenz der deutschen Gewerkschaften zu durchsuchen. Benigstens ist das den pollendsfied fingen. Das wirtschaftlich recht schmache, aber nischen Blättern zu entnehmen, die behaupten, daß landesverräte rische( 1) Berbindungen der deutschen Gewerkschaften von Ober fchleflen mit einigen Zentralen in Berlin aufgebedi" worden felen. Da durch den Genfer Bertrag die freie Betätigung ber deutschen Gewerkschaften in Ostoberschtesten garantiert ist, dürfte sich auch diese Beschuldigung als unhaltbar erweisen. Sehr im argen liegen die sozialen Dinge im Bofener Bezirk. Ist es auf diesem Gebiet infolac des langen Krieges allenthalben in der Welt nicht gerade beiser geworden. fo fann Bolen davon ein ganz befonders schaurig flingendes dennoch militärtolle Land tennt von Bosen bis Warschau einen einzigen großen Finanzdalles, Darniederliegen von Gewerbe nud andmer?, Arbelistofigfeit auf weiter Linie. Was bedeutet, daß es, mie überall in folchen Zeiten, am schlechtesten dem Broletarier geht. Günstig für Staat und Bolt war es, daß ein großer Teil der arbeitslosen Bevölke rung in bie Wiederaufbaugebiete Frankreichs und Belgiens abgeschoben werden konnte. Wurde so doch eine Menge effender Mäuler im Lande weniger, floß doch so regelmäßig ein gewiffer Geldstrom von auswärts ins Land der weiß roten Grenzen. Die nationalistischen Drahtzieher versuchen freilich, das heulende Wirtschaftselend und den Hunger des zu bedenklichster Untätigkeit verdammten Broleten durch nationalistische Formeln und religiöse 3e remonien zu beschwichtigen, indes, so sehr gerade die polnische Volkspfyche auf derartige Dinge reagiert: die breite Maffe der Bevölkerung steht heute diefem Treiben seiner Schreier sehr uninteressiert und sehr ungläubig gegenüber. Beiter: Posen liegt in der Mitte zwischen Barschau und Berlin. Die politisch wirtschaftliche Drientie rung geht, es liegt nahe, von Kongreß- Bolen aus. Schuhe und Textilwaren lommen von Warschau und Lodz. Die gleichen Schuhe und Textilwaren, die früher in der preußischen Beit in und um Posen selbst gefertigt wurden. Reisende Männer und Frauen überschwemmen das Land. Der Anzug, den der Bofener Pole trägt, das weite Kleid, die bunte Schürze für die Bäuerin um Schrimm und Schroda: sie werden nicht mehr in Posen gefertigt, Kongreß- Bolen ist ihre Heimat. Also schlendern auch die Posener Schneider und Schufter arbeitslos mit den Händen in den Hosentaschen in den Straßen umher. Aber nicht nur die Ware fommt aus ehemals russisch polnischen und galizischen Gebieten: auch Menschen tommen von dort ins Bofener Land. Viele, allzuviele. Sie fetzen sich an die Stelle der ausgewanderten Deutschen und finden auch, sehr zum Berdruß der eingesessenen Bevölkerung, in den behördlichen Bureaus und den sonstigen behördlichen Arbeitsstätten häufig leichter Arbeit und Brot gebende Beschäftigung als diefe. lleberhaupt find in der Stadt Posen Klagen der Art nicht selten, daß nur das aus dem ehemaligen Kongreß Polen stammende Bevölkerungsgros hundertprozentige Polen enthält, und daß andererseits das Randgebiet, also die Woiwodschaft Bosen noch immer als nicht ganz waschecht, als preußisch infiziert angesehen wird. Diese an gebliche Zurüdfegung hat eine gewisse Bitterfeit wach werden laffen, die es im Bunde mit der schlechten Wirtschaftslage und der daraus refultierenden umfangreichen Arbeitslosigkeit zuwege brachte, daß man in Bofen teineswegs mit den neuen Staatsdingen recht zufrieden ist. Zu denen, die durch den neuen Zustand start beein trächtigt und dezimiert wurden, gehören die Juden. Sie waren im Bezirk Bofen befanntlich früher außerordentlich zahlreich. Der int polnischen Nationalismus liegende Antifemitismus hat auf die Handel treibende jüdische Bevölkerung fo ftart eingewirkt, daß diese, ob deutsch oder polnisch, am stärtften, abwanderte. Ein großer Teil davon ging nach Berlin und nach schlesischen Mittelstädten. Fast verschwunden ist natürlich auch die vor dem Kriege in voller Blüte gestandene deutsche Gewerkschaftsbewegung: nicht beffer ging es unferer Parteibewegung, die gleichfalls feinerzeit hier sehr ansehnliche Ziffern aufmies. Mit dem Niedergange und der Einflußlosigkeit des Deutschtums wäre eine rein deutsche sozialistische Bewegung von vornherein ein belanglofes Gebilde geworden. An die Stelle der früheren deutschen Sozialdemokratie ist die polnische, die PPS., getreten. Doch läßt deren Stärfe im Vergleich zu den früheren Ruständen noch sehr zu wünschen übrig. Es wird eben auch für die den sozialen Gedanten vertretenen Organisatio nen in der heutigen Woiwodschaft Posen noch gar mancher Mühen bedürfen, ehe fie den Einfluß erreicht haben, der der Klassenstärke ihrer Anhänger zufommt. Ini übrigen ist zu hoffen, daß durch das Zustande tommen besserer Beziehungen zwifchen Deutschland und Polen sich auch die Lage des Deutschiums in der Wojmodschaft Bosen allmählich bessern wird. In den unteren polnischen Bevölkerungsschichten ist die nationalistische Welle zudem längst abgeebbt. Das sterbende Podium. Eine zeitgemäße Betrachtung von Reji Langer. Dem eifrigen Lefer unferer gewaltigen Tagespresse wird es vielleicht feit einiger Zeit doch schon aufgefallen fein, oder er merkt es auf diese Zeilen hin, daß der Konzertanzeigenteil von dem statt. lichen Umfange von fünf bis acht Seiten auf das Nichts von einer aber gar einer halben Seite zusammengeschrumpft ift. Und auf dieser tummeln fich auch faft nur ein paar ruhmfüchtige ausländische Namen, die ihr gutes Geld deutschen Agenten und ihre Billetts deutschen Freibergern zur Verfügung stellen. Von den bewährten alten Bodiumsfämpen findet man nur äußerst selten noch einmal eine bescheidene Annonce, die uns an Namen erinnert, die wir schon gestorben glaubten. Es gab doch einstens eine ganze Reihe nur der Halbbühne verschriebener Künstler aller Gattungen. Ich beklage nicht, baß manch ein Tenor, der fein feftes Theaterengagement fowieso hat, nunmehr nicht mehr von seinem Kothurn heruntersteigt und die Schar seiner jetzt bubigetopften Anhängerinnen ganz ungeSchminkt und aus nächster Nähe mit dem Schmalz seiner Kehle beglückt. Oder etwa, daß eine wild um fich retitierende höhere Tochter mit ihrem Lantenanhang die Berliner Kritit vors Forum ruft, um fie nachher stundenlang mit schlechtgetauter Literatur zu öben. Aber ich lehe viele Berufene" und ebenso viele Auserwählte" um die Bafis trauern, und zu deren Sprecherin mache ich mich. 3ft wirklich die Podiumskunft ein so unwichtiger Kunstzweig gewesen, daß man ihn fang und flanglos eingehen laffen foll? Gab es nicht viele Dinge in Mufit und Literatur, die das Eindimensionale ber Halbbühne direft verlangten? Und ist der Rundfunt, der ja nun als Totengräber hierbei fungiert, ein vollgiltiger Erfag dafür? Be. fonders in feiner so oft bemerkten Kunst- und Literaturfrembheit? Gewiß ist es ein sympathischer Gedanke, daß nun das berühmte alte Fräulein da draußen in Lichterfelde nur den Kopfhörer zu nehmen braucht, um für ganze 2 M. monatlich ihr Kunstbedürfnis am Abend oder auch zu anderer Tageszeit ihren Wissensdrang zu befriedigen. Aber gerade dieses alte Fräulein war es, das den Bodiumstünstlern die Bläze tatsächlich ablaufte, wenn es auch nur für den Wert einer einzigen Mart mar. Und wie begeistert fonnte fie sein, wenn aus des berühmten Raphfoden Munde ihr" Goethe erklang oder wenn fie nachher fonstatieren konnte, daß Wilhem Busch es hinter den Ohren hatte. # Soll man den nachschaffenden Künstler nun gar nicht mehr sehen? Kann sich der Mensch wirklich und in jedem Falle auf das rein Bhonetische einstellen, bas, zum Schmerz sei's gefagt, manchmal recht unmöglich in ber drahtlosen Wiedergabe erscheint. Und wenn das der Fall sein sollte, dann erblüht der neuen weltbewegenden Funt tethnit die Berpflichtung, fich der reinen Podiums. tünstler in viel großzügiger Form anzunehmen, als es bisher geschieht. Die Republik muß ja auch die fiegreiche Garde des vormaligen Kaiserreichs pensionsweise mitschleppen. Vielleicht schafft der Rundfunk diefen Abgebauten neue Möglichkeiten. Bielleicht bereitet er auch-, vermöge feiner großen Organisation dürfte das ein Leichtes fein diefen feinen Stieftindern Veranstaltungen, bei denen das Publikum nicht nur Hörer, fondern auch Seher ist, viel leicht fombinlest er. Es würde seiner Popularität nur dienlich sein. Morituri te salutant! Nationale Gefahren. Wozu die deutschnationale Presse schweigt. " Die Tägliche Rundschau", zu 30 Proz. deutsch volksparteilich, zu 70 Proz. deutschnational, beschäftigt sich mit der Frage der polnischen Landarbeiter. Sie for dert, daß mit der Einrichtung des polnischen Wanderarbeiter wesens Schluß gemacht werde. Man fulle nicht immer von den billigeren polnischen Arbeitskräften reden, fondern zu einer großzügigen Siedlungspolitik im deutschen Osten übergehen. Es ist eine Tatsache, die auch der„ Täglichen Rundschau" nicht unbekannt sein dürfte, daß der oftelbische Großgrund befiz, der sich besonders national gebärdet, nicht nur in ständig zunehmendem Maße polnische Banderarbeiter auf feinen Gütern verwendet, sondern auch polnische Arbeiter dauernd ansiedelt. Die„ Tägliche Rundschau", die nur zu 70 Broz. deutschnational ist, schlägt Lärm. Die deutschnationale Barteipreffe aber schweigt. Für sie eriftiert die Befahr für die nationale zusammenfeßung der Bevölkerung des deutschen Ostens nicht. Die Deutsche Tageszeitung" aber fördert das Banderarbeiterunwesen, indem sie Anzeigen veröffentlicht, die dem Menschenschmuggel nach Deutschland dienen. Die nationale Gefahr tommt also aus den nationalen ejahr kommt at Kreisen. Wulle berichtigt... ... aber für Aufklärung sorgt er nicht. in ber Affäre der Fälschunger hechoslowatischer Roter war unb den Hauptanteil an der Nie de richlagung der Affäre hatte. Bei der Darlegung der Fälschung tschechoslowakischer Noten in den Jahren 1920 bis 1923 hob Dr. Benefch insbesondere hervor, daß die Falsifikate tschechoslomatischer Hundertfronennoten im Jahre 1920 in der Ungarischen Lithographischen Anstalt in Budapest hergestellt wurden, daß die Bestellungen durch gewisse ungarische militärorgane erfolgt sind, daß die Herstellung der Hundert fronennoten- Klischees in der Druderei von Bettig auf Aufforderung zweier ungarischer Offiziere erfolgte und daß auch die Spur der Hauptschulbigen in der Affäre der tschechoslowakischen 500- Kronen noten- Falfifitate im Jahre 1921 in Wegelsdorf nach Budapest führte. Die gegenwärtige Franfenfälscheraffäre habe auch diese Ana gelegenheit in neuem Lichte gezeigt. Daher habe die Regierung am 17. Januar um Erledigung ihrer unbeantwortet gebliebenen Noten von 1922 und 1923 erfucht. Die ungarische Regierung antwortete am 28. Januar, daß die angeordnete Unter juchung infolge Mangels an Beweisen eingestellt wurde. Dr. Benesch erklärte: Mit Rücksicht auf die neuen Umstände erwarten wir, daß bie ungarische Regierung ohne äußeren Drud auf die Erweiterung der Untersuchung und der Anklage auch auf halten wir uns unser Vorgehen vor. unsere Affäre besorgt sein wird. Falls dies nicht erfolgt, be= Die ungarische Regierung wird sicherlich begreifen, was fie uns, ihrem Prestige und der Rechtsordnung in ihrem Staate fchuldig ist. Zur politischen Seite der ungarischen Fälscheraffäre bemerkte Dr. Benesch, vom Standpunkt der auswärtigen Politit stelle sie den Ausdrud der feindlichen Orientierung dar, welche den Rechtszustand in Mitteleuropa nicht anertenne und gegen die Konsolidierung der Verhältnisse gerichtet sei. Dies fei der Friedenspolitik. gefährlich. Die Fälschungen sollten Frant Herr Reinhold Mulle, M, d. 2., beehrt uns mit einer Bereich und die Nachbarn Ungarns schädigen. Die gefälschten Gelder richtigung. Er wendet sich gegen unsere Notiz, die sich mit der sollten zur Propaganda gegen die Nachbarn dienen und zu solchen Sammlung von Ruhrhilfsgeldern durch die Deutschvölkische Freiheits- innerpolitischen 3weden, welche einen Eirfluß auf die internationale Lage und insbesondere auf die partei im Jahre 1923 befaßt. Er erklärt: ,, Es ist unwahr, daß von den auf unser Ruhrhilfskonto im Jahre 1923 gesammelten Geldern auch nur ein Pfennig für die Deutschvölkische Freiheitspartei im Jahre 1923 verboten war, hat einen anderen als den angegebenen Zwed verwandt worden ist. Da fie als solche überhaupt teine Sammlung für die Ruhr hilfe veranstaltet oder veranstalten fönnen. Es ist unwahr, daß der unterzeichnete Abgeordnete Reinhold Bulle ein Konto bei einer Bant in der Mohrenstraße gehabt. Bahr ist vielmehr, daß der ehemalige Botenjunge Feige ( nicht Feigl) von uns wegen verschiedener Unredlichkeiten entuns wegen verschiedener Unredlichkeiten entlaffen ift." Mit dieser Berichtigung ist natürlich gar nichts aufgeklärt. 3war hatte man ein Bostichedtonto, aber man fammelt nicht! Belcher Widerspruch. Der entlassene Feige hat sich erboten, zu beeiben, daß die gesammelten Gelder zu Gehaltszahlungen ausgegeben wurden. Warum gibt Herr Wulle ihm nicht die Gelegen heit, eine solche Aussage vor Gericht zu machen. Die Berich tigung allein genügt faum. Lag die Bank vielleicht in der Tauben straße und nicht in der Mohrenstraße? Aus dem Prager Parlament. Präsidiumswahl- Benesch Rede- Mißtrauensantrag. Das Abgeordnetenhaus des Prager Parlaments wählte mal n. petr( tschechischer Agrarier) mit 159 Stimmen gestern zum Präfi denten. Auch einige Deutschbürgerliche stimmten für ihn. Auch einige Deutschbürgerliche stimmten für ihn. Unter den vier Bizepräsidenten ist auch ein Deutschbürgerlicher. Malypetr erklärte, daß er die Wahl annehme, und versprach, genau ben Ge. feßen entsprechend vergehen zu wollen. Darauf gab in Beantwor ting der Interpellation der Koalitionspartelen in der Angelegenheit der ungarischen Frankenfälscheraffäre Außenminister Benesch einen Ueberblick über die Entwicklung der Affäre. Er verwies auf den politischen Charakter der Affäre, so. wie auf ihren Zusammenhang mit den früheren Lösung der Königsfrage entgegen den Berpflichtungen Ungarns haben. Diese Aktion hatte ihre Agenten auch in Desterreich und allerdings ein Intereffe daran, daß über das Wesen der Ursache die Bayern. Der Minister sagte schließlich: uns wird diese Krink cus unserer ruhigen Friede tsarbeit nicht aufscheuchen. Wir haben ungarische Bevölkerung, welche teine Schuld hat, sowie die interrationale Deffentlichkeit in formiert werden. In unseren Be ziehungen zu Ungarn hatten wir und werden wir die Friedens. linie einhalten, bereit, heute und morgen, oder mann immer, mit ihm einen mitteleuropäischen Garantiepaft unter der Aegide des Völkerbundes abzuschließen und jederzeit Beweise dieses Willens zu geben. Wir woller die Affäre nicht ausnutzen. Wir werden uns nicht in sie einmischen. Wir wünschen nur deren unparteiische Unterfuchung, öffentliche Aufklärung und die Beftrafung der Schuldigen. nach den Ergebnissen werden mir unser Borgehen zur Sicherstellung der durch die Fälschung unserer Gelder bedrohten Interessen ein richten. Bir reservieren uns in dieser Angelegenheit auch das weitere Vorgehen auf dem internationalen Forum, ins besondere zur Erreichung von Garantien, unabhängig von diesem Falle gegen ähnliche Affären in der Zukunft. Wir wenden uns in dieser Angelegenheit an andere Regierungen und werden gemeinsam mit ihnen versuchen, Anträge zu stellen, wie in 3ufunft durch internationale 3ufammenarbeit joldhe Affären verhindert werden können." T Das Versprechen des Ministerpräsidenten. Die deutschen Sozialdemokraten haben beantragt, den Minister. präsidenten Schwehla zu einer Erflärung darüber zu veranlassen, marum er feine 3usage vom 10. Juli 1920 nicht eingehalten habe, daß nämlich die Sprachenverordnung vor ihrem Infrafttreten dem Verfassungsausschuß vorgelegt werden würde, um die Frage der Sprachenverordnung so zu lösen, wie fie den Lebensbedürfnissen der Minderheiten entspricht. Die Deutschbürgerlichen haben, unterstüßt von den Sozialdemokraten und den Kommunisten, einen von mehr als 100 Abgeord neten unterzeichneten Antrag überreicht, der Regierung wegen Ber legung des international verbürgten Sprachenschutzes der nationalen Minderheiten das Mißtrauen aus Organzusprechen. Fälschungen tschechoslowakischer Noten. als Beweis dieses Zusammenhanges betrachtet der Minister einer seits die Tatsache, daß Nadossy das untersuchende Stück zehn Pfennig. Ich habe einen guten Freund, der als Schriftsteller bereits einen recht geachteten Namen hat. Ein Novellenbändchen von ihm ist sogar mit wunderschönen Illustrationen eines unserer befanntesten Gra phifer erschienen. Von diesem Freund bekam ich fürzlich einen außer ordentlich freudigen Brief. Ich habe nun doch wieder ein möbliertes Bimmer gefunden, trotzdem wir doch ein faum drei Monate altes Baby haben," schrieb er mir. Und außerdem teilte er mir mit, daß er jegt bei einer Erportfirma als Rorrespondent für Englisch, Frans zösisch und Italienisch angestellt sei. Spanisch und Russisch lerne er noch, da er das ebenfalls für seinen neuen Beruf brauche. Natürlich antwortete ich hm ebenfalls fehr entzückt, gratulierte ihm zum möblierten Zimmer und zum festen Einkommen und äußerte die Anficht, daß seine neue Tätigkeit ihm wohl faum noch Zeit für feine Schriftstellerei lasse. Aber schließlich sei das lebendige Leben ja auch vielleicht besser und wertvoller als die Beschäftigung mit dem toten Wort. Diese dumme Phrase schrieb ich nicht etwa aus Bosheit, sondern weil ich wirklich sonst nichts zu sagen wußte Mein Freund aber antwortete mir, freundlich und buldsam wie immer: Ach nein, meiner Muse bin ich trotzdem nicht untreu geworden. Ich könnte gern wieder zwei Bändchen Gedichte und einen Novellenband heraus geben; aber es findet sich augenblicklich fein Berleger dafür." " An diesen Briefwechsel mußte ich denken, als ich fürzlich durch ein großes Warenhaus ging und dort einen Tisch mit Büchern fah, zu zehn Pfennigen das Stüd, das halbe Dußend wie Orangen" für fünfzig Pfennige. Das war nicht etwa Schund, fiel mir ein schauerliche Schmöker mit grellen Titelbildern, die gab's nebenan, und ein Buch davon foftete soviel wie hier sechs Lyritbände. Denn nichts anderes war es, was sich hier türmte, als Lyrit, Lyrit, Lyrit. Bekannte Namen waren dazwischen, die man in allen modernen Antologien findet, auch in Tageszeitungen bisweilen oder in perio. bijchen Zeitschriften. Und wenn einer von ihnen gerade feinen fünfzigsten Geburtstag feiert auch folche gab es darunter fo find die Beitungen feines Ruhmes voll und hier lagen nun seine gehefteten Werke, fünf verschiedene Bände fand ich heraus, das Stüd für zehn Pfennige. Andere Bücher wieder waren von unbekannten Berfaffern. Leise, stille Berse las man da oft, schön und zart, die aber die laute Jazzmusit des Lebens überschrien hatte, die auch hier vorübertofte, und vom Nebentisch, in Form gepreßt, herüberplärrte: D Eva, o Eva". Und andere Hände noch griffen nach den Büchern, verarbeitete und glatte, aber fast alle waren mager, sehr mager. Der Bücherberg wurde zusehends fleiner. Und wenn die Verfasser all dieser Gedichte gefehen hätten, wie begierig ihre Werte hier gekauft wurden, so hätten sie sich sicher darüber gefreut, und fein einziger von ihnen hätte sich wohl darüber befümmert, daß man nicht mehr dafür zahlte als für schlechte Orangen. Nur das Blinken in den Augen hätten sie geschen und das Bie schön der fleinen Näherin gehört. Da ist es dann fein Wunder, wenn jedes Buch von ihnen nicht Trude E. Schulz. mehr als zehn Pfennige einbringt. Eine neue ,, Wafferpest"? Die als Wasserpest bezeichnete Wasserpflanze ist bekanntlich vor vielen Jahren aus Nordamerika bei uns eingeschleppt worden und hat sich zeitweilig in den Flüssen und Seen fo start vermehrt, daß schwere Stockungen im Schiffsverkehr, Berftopfungen von Schleusen und andere Schädigungen recht häufig waren. Seit längerer Zeit ist diese Kanabische Wasserpest( Elodea canadense) auf ein erträgliches Maß zurüdgegangen. Neuerdings wird nun aus Westdeutschland gemeldet, daß sich ein neuer Einbringling in den Gewässern breitmacht. Es ist ein auf der Wasser. oberfläche schwimmender Wasserfarn"( Azolla carolinea), dessen Heimat in wärmeren Zonen zu suchen ist. Diese den Aquarienliebhabern wohlbefannte Schwimmpflanze vermehrt sich auffallender. weife auch bei uns im Freien sehr rasch, verdrängt die bekannte Bafferlinfe und überzieht die Gewässer mit einer diden, für Wasserpögel undurchdringlichen grünen Dede. Gewisse Kreise befürchten, daß durch den Wasserfarn eine ähnliche Safomität wie durch die Bafferpest hervorgerufen werden könnte. So schlimm dürfte es indessen nicht werden, da Azolla auf die Bafferoberfläche angewiefen ist, also nicht das ganze Gewässer durchsetzen kann, wie es bei Elodea der Fall ist. Auswanderverbot in Estland. Im legten Sommer wanderten aus Estland Männer und Frauen in großen Scharen nach Brafilien aus. Brasilien erschien ihnen als ein Wunderland, wo das Geld spielend zu gewinnen und das Leben angenehm sei. Ende des Jahres trafen von einer Reihe ausgewanderter Esten Bittschriften an die estnische Regierung ein. Der Staat möge ihnen helfen, in die alte Heimat zurückkehren zu können. Viele baten um das Reisegeld, bas fie bei ihrer Rückkehr abverdienen wollten. Gleichzeitig schilderten fie bie grenzenlose Not und Ratlosigkeit im fremden Lande, wo fein Efte Arbeit oder Unterkunft mehr finden könne. Zum Teil sei ihre Lage verzweifelt, da sie weder die Landessprache noch Deutsch oder Englisch verstunden und zugrunde gehen müßten. Die estnische Regierung hatte erst eine öffentliche Warnung an alle Auswander wanderverbot. Aber wie fam das nur? Bar es diefer gewaltige Bücherturm, dieser anklagende Ball, der nun doch erfolgreich fämpfte? Ebensoviel Menschen fast wie um den Tisch für billige Grammophonplatten hatten sich hier um die Lyrit verfammelt, ein fleines Fräulein, viel leicht hatte sie Garn oder Band und Futterstoffe für ihre Schneidereiuftigen erlaffen und, als dies erfolglos blieb, ein ſtrenges Ausgefauft, blätterte in den staubigen Bändchen mit vorsichtigen Fingerpigen und hauchte manchmal leise: Wie schön". und türmte fich fechs Bändchen auf, und legte zwei mieber weg, fünfzig Pfennig find heute doch schon viel Geld, und holte sich die zwei wieder. Am Abend hat sie dann wahrscheinlich darüber gebeugt gefeffen, ein bißchen zu tief, weil ihre Augen noch von der Näherei meh taten, und noch öfter gefeufzt: Wie schon", und vielleicht hat sie darüber vergessen, daß am nächsten Morgen ihr Tag schon vor sechs Uhr wieder beginnt, und ist viel zu lange aufgeblieben, bis ihr Kopf froer und müde herabfant und die Augen fein einziges Wort mehr aufnehmen fonnten. Die Tanzgruppe des Reuflichen Staatsthealers unfer Yvonne Georgi wird die blerte anzmatince der Bolts bubne E. B. befreiten. Dicle findet am Sonntag, den 28. februar. im Theater am Bülowlab ftatt. Ginlaßkarten 1 Mark in den Vorverkaufsstellen der Boltsbühne E. V. übungen im Staller riedrich Museum( Borderasten) Museumsführungen. Sonntag, den 21., 10 Uhr vorm., finden amtliche Dr. Gbelof und in ufeum Bring Albret Stroke 7 ( Troja) Dr. Unverzagt ftatr Jalakfarten: 50 1. fub rov Beginn der übringen am Gingang der genannten Museen in beschräni.es Anzahl erhältlich. Zeugenvernehmung im Feme- Ausschuß. Aussagen des Abgeordneten Lemmer. Im Untersuchungs- Ausschuß des Landtags wandte sich zu Be ginn der Sigung unter Heiterkeit des Ausschusses der Vorsitzende Abg. Goebel( 3.) dagegen, daß er im„ 8- Uhr- Abendblatt" so farifiert worden sei, daß nicht einmal sein eigener Sohn ihn erkannt habe. Oberjustizrat Würh teilt den Wortlaut eines Sachverständigen Gutachtens mit, das im Auftrage der Staatsanwaltschaft in der Straffache gegen Malettfe wegen Begünstigung" erstattet werden ist. Es handelt sich um ein Gutachten, das auf Grund der Einfichtnahme in fämtliche in Frage kommende Bücher Klarheit über den Geldverkehr zwischen der Bereinigung Deutscher Arbeitgeber Berbände und Dem Zentralverband Deutscher Landarbeiter bringen soll, insbesondere, um das viel erwähnte 5000- Mart- Darlehn einwandfrei flarzustellen. Die Sachverständigen geben ausführliche Auskunft über das Ergebnis ihrer Bücheruntersuchungen. Dadurch werden die Angaben über die Beziehungen zwischen dem Landarbeiter, verband und dem Arbeitgeberverband in allen Einzelheiten be stätigt. Auf Befragen durch Abg. Dr. Deerberg( Dnatl.) bestätigt Oberjustizrat Würk, daß die am 13. Juni 1925 gezahlten 5000 m. zunächst nicht zurückgezahlt worden sind, sondern erst später. Berichterstatter Abg. Kuffner( S03.) bestätigt aus den Aften die Richtigkeit der gefirigen ausführlichen Darlegung des Oberstaatsanwalts Rohrlad über die meuterei bzw. den Ausbruchs. versuch im Landsberger Gefängnis Abg. Rutiner fügt hinzu, daß der Strafgefangene Neugebauer ausgesagt habe, er ' ei aufgefordert worden, nach seiner Entlassung zugunsten der in Bandsberg fizenden politischen Gefangenen Beziehungen anzutnüpfen, u. a. auch mit der Braut von Schulz, einem Fräulein Lewandowski. Der Gefangene Schönide habe ausgesagt, Rafael habe ihm für seine Mitwirkung bei dem Fluchtverfuch 3000 mart von seiner„ Organisation" versprochen. Die gewechselten Kaffiber Es find, nach den Atten, nicht sämtlich aufgefangen worden. handelt sich u. a. um nach Berlin gerichtete Rasfiber mit der Bitte um Befreiung, die Schönide an ihre Adresse befördern sollte. Nunmehr wird Reichstagsabgeordneter Lemmer( Dem.), Generalsekretär des Deutschen Bewertschaftsringes, als Zeuge vernommen. " Er befundet: Im Organ des Deutschen Gewerkschaftsbundes„ Der Deutsche" erschienen schwere Anflagen gegen die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände wegen Hergabe von Geld für dunkle politische Zwede. Ich wunderte mich, daß diese schweren Anschuldigungen lange Zeit unwidersprochen blieben. Ich ging der Sache nach und fam zu der Annahme, daß in dem Artikel des Deutschen" ein Darlehen an Herrn Behrens für den Gefangenen Oberleutnant Schulz gemeint sei. Aber erst, als ich mit meinem vollen Namen und unter Einfaz meiner ganzen 3ersönlichkeit eine fonkrete Frage an Herrn von Borsig in dieser Richtung stellte, antwortete Herr v. Borsig: Davon sei leine Rede. Obwohl überall davon die Rede war, nur bei Herrn von Borsig nicht! Darauf erwiderte ich in einem zweiten Artikel am 15. De 3ember Soziale Vertrauenstrifis", indem ich Herrn von Borsig fragte, mie es mit dem Darlehen an Herrn Behrens wäre, und Herrn v. 3engen aufforderte, eine eidesstattliche Er flärung darüber abzugeben. Darauf hat Herr v. Hengen nicht geantwortet. Erst später teilte die Vereinigung Deutscher Arbeit gcberverbände mit, daß ein Untersuchungsausschuß gebildet fei, um zu prüfen, ob von Herrn v. 3 engen und Herrn Dr. Meisinger zur Ent roendein Bergehen vorliege. Die Untersuchung hat dann fassung des Herrn v. 3engen geführt. Dann fam der luchtpersuch des Oberleutnants Schultz. Da sah die Sache, le man vorher noch unter einem gewiffen moralischen Gesichtspuntt betrachten tonnte, doch anders aus, und es wurde ein Straf erfahren wegen Begünstigung eingeleitet. Hnjere Gewert jaftsbewegung war in der Richtung einer sozialpolitischen Klärung er Atmosphäre tätig. Dabei wurden wir von Arbeitgeber reifen unterstüßt, die dasselbe Interesse an der Reinigung der Atmosphäre hatien. Auf Befragen durch den Abg. Riedel( Dem.), ob dem Zeugen nicht gewisse fonkrete Mitteilungen über den Tatbestand, über Ber. fonen usw. gemacht worden feien, teilte Abg. Lemmer mit, das Borstandsmitglied des Landarbeiterverbandes Sauer, das politisch dem Zentrum angehöre, habe gegen seine Kollegen Meier und Behrens in einer Besprechung des Vorstandes schwere Vorwürfe und die Anschuldigung erhoben, daß ein Darlehn von 5000 M. an Oberleutnant Schulz gegeben worden sei. Das sei auch in der Redaktion des Deutschen besprochen worden. Mir ist mitgeteilt werden, so fährt der Zeuge fort, daß diese 5000 m. in der Form eines Dar lehns gegeben worden feien, aber mit dem von Anfang an festgestellten zwed, fie dem Oberleutnant Schulh, der im Gefängnis faß, zur Berfügung zu ftellen. In irgendeinem Zusammenhang hat der Zeuge auch den Namen des deutschnationalen Abg. Jahnke nennen hören. Die Namen der Personen, die ihm diese Mitteilungen gemacht haben, will der Zeuge unter Berufung auf die durch Artikel 38 der Reichsverfaffung gebotene Schweigepflicht zunächst nicht nennen. Auf eine Frage des Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) erklärt sich der Beuge auch nicht in der Lage, die Personentreise näher zu bezeich: nen, aus denen ihm jene Mitteilungen gemacht worden sind. Boli zeilich ist der Zeuge noch nicht vernommen worden. Daß das Borstandsmitglied des Deutschen Landarbeiterverbandes Sauer später nach einem anderen Drte versetzt worden ist, hört der Beuge durch eine Frage des Abg. Brandenburg( S03.) zum ersten Male. Ueber weitere bunfle politische Zwecke vermag der Zeuge, auf eine Frage des Abg. Roth( Dnat.), aus eigener Kenntnis nichts weiter zu befunden, er verweist aber auf die Redaktion der Zeitung„ Der Deutsche", die weiteres wissen müsse. ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Drohungen gegen Nitti. Wegen des Vorwärts"-Jnterviews. Die italienischen Blätter haben nur einen ganz oberflächlichen und tenbenziösen telephonischen Auszug aus den Erklärungen veröffentlicht, die der frühere Ministerpräsident Francesco Nitti in der ver gangenen Woche dem Vorwärts" abgegeben hat. Insbesondere wurden alle Hinweise auf das gute Verhältnis zwischen der italie nischen Regierung und den Südtirolern vor dem Faschismus forg fältig unterschlagen, obwohl diese Stelle offenkundig zu den wichtighten dieses Interviews gehörte. Um so gemeiner und gehässiger sind die Kommentare und Ueberschriften, mit denen die Faschistenpresse eine andere gibt es eigentlich taum mehr- jene Telegramme versieht. Nittider Schamlose" lautet die Ueberschrift des Popolo d'Italia". Impero ruft aus:„ Elende Schweinsfresse!" Die„ Tribuna" erklärt, daß das„ Vorwärts"-Interview zu den bereits vorliegenden Nitti. Akten gelegt werden und als Material für die Anwendung des Antiemigrantengefeßes gegen den früheren Ministerpräsidenten bienen würde. Messa gero" wirst Nitti vor, er ergreife gegen sein Baterland die Partei des Gegners. Und, um diese kleine Auslese abzuschließen, sei noch die sehr konkrete Drohung der Roma Fascista" erwähnt. ,, Warter nur ein wenig! Paris liegt nicht am Nordpol." Der gegenwärtige Senatspräsident Tittoni, der übrigens jest gegenüber dem osgelaffenen Muffolint eine recht flägliche Rolle spielt. hot por nicht allzu langer Zeit erflärt, er erachte es ais unwürdig, auf Angriffe der Faschistenpreffe zu antworten, denn Ihre Sprachweise sei gar zu niederfrächtig. Diesem Urteil wird man fich nur anschließen tönnen, Kunst des Volkes. Führerbitbung, um wirklich brauchbare Kräfte und eine ftarfe Führergeneration für die Arbeiterschaft heranzubilden. Daß Arbetter stehen vor den Bildern, Frauen mit Kindern auf dem ein gesunder Geist nur in einem gefunden Körper leben kann, hat Arm, Männer, die von der Arbeit tommen und noch Einfäufe ges auch unsere Jugend klar erkannt, denn auch das Wandern und macht haben, Proletarier sitzen an den Tischen und blättern in den Spielen werde in ihrer Organisation gepflegt. Im Laufe des ausgelegten Zeitschriften und in den Büchern, die Zille und Käthe Jahres soll eine Reihe von Ferienfahrten stattfinden, um den Kollwitz, die Zeichner des Bolles, behandeln. Nur yin und wieder Jugendgenossen eine sinnvolle Gestaltung ihrer Urlaubszeit zu er ein Mensch aus dem Westen, ein Künstler oder ein Kenner, der er möglichen. Durch engere Zusammenfassung der Wanderleiter foll schüttert diese sozialen Anklagen betrachtet, diese von Leid und Entferner versucht werden, das Jugendwandern vorbildlich behrung zerrissenen Gesichter, die aus den Bildern Nagels, Boll- zu organisieren. Der Werbeausschuß berichtete von den heims oder Baluschets starren. Diese Ausstellunn ist kein gesell Borbereitungen für die fommende Schulentlassung, wo es gilt, in schaftliches Ereignis, fie findet nicht im Westen statt, diese Bilder einer großzügigen Werbewoche die Schulentlassenen voll zu erfassen. hängen nicht in Räumen, die sich durch Helligkeit und bequeme Klub- In der Aussprache über die Berichte wurde eine ganze Reihe. feffel auszeichnen, fie bilden feinen Gegensatz zu ihrer Umgebung. Don Fragen erörtert, darunter besonders lebhaft das Verhältnis. und niemand kann sagen:„ Ich danke dir, daß ich nicht so bin wie zwischen Arbeiterjugend und Jungsozialistische Ber.. diese." In einem kleinen Raum des Warenhauses Stein in einigung und unsere Stellung zu den Reichsbannerder Chausseestraße, abends von drei Lampen fahl beleuchtet, Jugendgruppen sowie die Erwerbslosenfrage. Nach find die Bilder zusammengedrängt. Und über dem Eingang fönnte Erledigung der vorliegenden Anträge erfolgten die Neuwahlen zum der Bers aus Dantes Göttlicher Komödie stehen. Ihr, die ihr ein- Bezirksvorstand, die eine Wiederwahl der meisten bisherigen Mit tretet, laßt alle Hoffnung hinter euch!" Man muß an billigen Weiß glieder ergab. Es wurden gewählt zum 1. Borfizenden Gen. Diede waren vorbei. Eimge stehen davor und kaufen, an Teppichen und rich, zu Jugendvertretern die. Genossen Georg Albrecht, Karl BirnLäufern, die persische Muster nachahmen, ehe man den Raum baum, Marie Junker, Arthur Reichardt, Karl Tilch, Richard Zänfner. erreicht. Diese Bilder hängen in der Umgebung, die sie darstellen. Parteivertreter sind die Genossen: Rudolf Abraham, Felix Fechen und Menschen betrachten sie, die ihr Leid und ihre Aengste. hier bach, Käte Fröhbrodt, Otto Jänichen, Frieda Maether. wiedergespiegelt finden. Liefftes soziales Empfinden, Mitleid und Liede„ Brüder zur Sonne, zur Freiheit" murde die gut verlaufene wiedergespiegelt finden. Liefftes soziales Empfinden, Mitleid und rücksichtslose Antlage leben in diesen Bildern der Kollmig, Generalversammlung geschlossen. Sie war eine wertvolle Etappe 3ille, Sandtuhl und Dig. Schonungslos fällt hier die Maste. für die Sozialistische Arbeiterjugend, die dem einzelnen Kraft und Die Wahrheit ist schrecklich, niederdrückend. Hier ist feine Retusche, Mut gab zu neuem Wirken und Schaffen. fein Berschönern. Die Ausstellung ist wie ein einziger Schrei der Empörung, der denen in die Ohren flingen soll, die sich satt und zufrieden der Not des Volkes verschließen. Die ungetreuen Stadtinspektoren. Unterschlagungen bei den Steuerämteru. Die Unterschlagungen beim Berliner Magiftrat, über die wir in der heutigen Morgenausgabe turz berichteten, sind nach den neuesten Feststellungen umfangreicher als zuerst angenommen wurde. Im Interesse der Ermittelungen war bisher von einer Veröffentlichung Abstand genommen worden. Die Nachforschungen, die auf Grund einer anonymen Anzeige eingeleitet wurden, richteten sich nicht nur gegen den Stadtinspektor Ernst Gerhardt aus der Kleinen Frankfurter Str. 3, sondern auch gegen die Inspektoren Kleinen Frankfurter Str. 3, sondern auch gegen die Inspektoren Gottfried Schulz aus der Mittenwalder Str. 15 und Simon, die bel den Bezirksämfern Berlin- Mitte, Kreuzberg und Friedrichs hain beschäftigt waren. Die drei Inspektoren, noch junge, aber verheiratete Männer, die miteinander befreundet waren, hatten bei Veräuße rungen von Grundstücken die Grunderwerbssteuer festzufeßen. Sie werden beschuldigt, die Käufer in ihre Dienstzimmer be. stellt und dort von ihnen entgegenkommendermeise" sofort die Grunderwerbssteuer, die sie festsetzten, zum Teil auch mit Nachlässen, eingezogen und die Beträge in ihre Tasche geftedt zu haben. Alle eingezogen und die Beträge in ihre Tasche geftedt zu haben. Alle Belege follen sie vernichtet haben, so daß ihr Treiben lange unentdedt blieb. Als durch die anonyme Anzeige die Berunireuungen ans Licht famen, verschwand Gerhardt sofort aus seinem Amtszimmer im Lehrervereinshaus. Schulz folgte ihm am nächsten Tage. Simon wurde festgenommen, wegen Mangel an Beweisen aber von der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gefeßt. Er befindet sich in feiner Wahnung. Gerhardt und Schulz werden jezt von der Staatsanwaltschaft, sted brieflich gesucht. Gerhardt ist am 27. Juni 1899 in Berlin geboren. Er ist 1,70 Meter groß und schlank und hat ein blasses, frankhaftes Aussehen, dunkle Augen, schwarzes Haar und einen fleinen Schnurrbart. Während er früher eine fleine Wohnung befaß, hatte er sich neuerdings in der Kleinen Frankfurter Str. 3 für einen Abstand von 6000 m. eine größere verfchafft. Hier hat er seine Frau mittel. los zurüdgelassen. Die Wohnung wurde vom Wohnungs. amt beschlagnahmt. Schulz, der in der Mittenwalder Str. 15 wohnte, ist dorthin ebenfalls nicht zurückgekehrt. Er wird beschuldigt, Gerhardt Beihilfe geleistet zu haben. Schulz mar auf dem Bezirksamt Friedrichshain beschäftigt. Er ist am 13. August 1899 ebenfalls in Berlin geboren. Er ist schlank, hat ein längliches Gesicht, graubraune Augen und dunkles Haar. Die Höhe der Beruntreuungen festzuftellen ist sehr schwierig, ebenso die Herbeischaffung des Beweis materials. Die Bücher und Akten müssen gründlich geprüft werden. Haussuchungen, die von Kriminalbeamten in den Wohnungen der Berschwundenen und auch bei Simon vorgenommen wurden, förderten nichts zutage. Die vorläufige Festnahme Simons fonnte des. halb auch nicht aufrechterhalten werden. Simon wurde jedoch seines Dienstes enthoben. Zur Klärung wird es erforderlich sein, alle Grundstüdsverfäufe festzustellen und nachzuprüfen. Verkäufer und Käufer, die mit Gerhardt: Schulz und Simon zu tun gehabt haben, werden gut tun, sich selbst bei Kriminalfommissar Herber, 4. Kriminalbezirk des Polizeiamts Mitte, zu melden. Heute früh teilte, wie wir erfahren, die Reichsbahndirektion mit, daß der Reisepaß des flüchtigen Gerhardt am Morgen des 10. Februar im Nachtschnellzug Berlin Köln auf dem Char Lottenburger Hauptbahnhof gefunden worden sei. Es besteht demnach die Möglichkeit, daß Gerhardt sich augenblicklich in Berlin aufhält, daß er in der betreffenden Nacht den Kölner Schnellzug benutzt und dort seinen Reisepaß vergessen hat. Wahrscheinlicher ist es allerdings, daß das Ganze eine Finte vorstellt, um die Polizei irrezuführen, daß Gerhardt durch irgendeinen Bekannten den Baß in den Zug hat bringen lassen. Die weiteren Untersuchungen werden hoffentlich bald die Angelegenheit flären. Generalversammlung der SAJ. Groß- Berlin. Die Arbeit des DerDie Sozialistische Arbeiterjugend hielt am vergangenen Sonntag ihre ordentliche Generalversammlung ab, die von dem Aufstieg und der inneren Festigkeit der Organisation Runde gab. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Gen. Ludwig Diederich, gab der Jugendsekretär, Gen. Bruno Lösch e, den Geschäftsbericht vom verflossenen Jahre. Am Anfang des Jahres hatte am Ende die Organisation 67 Gruppen in Groß- Berlin, 74 Gruppen mit 2665 Mitglieder( 63,98 Prozent männliche, 36,02 Prozent weibliche). flossenen Jahres gipfelte in der Beteiligung der Berliner am Hamburger Jugendtag. Durch den Zuftrom junger Mitglieder wurde es notwendig. Schulungsfürfe einzurichten. Etwas vollkommen Neues in der Organisation stellen die Aus. schüsse des Bezirksvorstandes bar, die das Organisationsleben start befruchtet haben und deren Obleute im Anschluß an den Geschäfts Von besonders inten. bericht ihre Ergänzungsberichte erstatteten. fiver und fruchtbarer Arbeit berichtete der Bildungsausschuß. Im vergangenen Jahre wurden Bildungs, Funktionärkurse und Schulungstage abgehalten In einer Vortragsreihe behandelten wir das Berhältnis der Arbeiterjugend zur Runst, ver fuchten weiter durch Borträge der Jugend die Schäße der Literatur näherzubringen. Auf die Fortführung diefer Arbeit übergehend, fordert der Berichterstatter, daß fie fünftig noch mehr als bisher berücksichtigt werde, daß die Arbeiterjugend zweifache Bildungsarbeit zu leisten habe: Majsenbildung und Kulturpolitik der modernen Demokratie. Ein Vortrag des Kultusministers. Mit dem In einer von der Demokratischen Partei, Bezirf Berlin- Mitte, veranstalteten Rundgebung im chemaligen Herrenhaus sprach der Kultus und Unterrichtsminister Dr. Becker über das Thema Kulturpolitik der modernen Demokratie". Im Eingang definierte der Kultusminister Kulturpolitit als das bewußte organisatorische Eingliedern geistiger Riäfte in den Dienst des Bolkes. Ein scharfer Unterschied muß zwischen der ſtactlich geregelten Kulturpolitik und der frei wachsenden Kultur der souveränen Künste jeder. Art gemacht werden. Diese frei wachsende Kultur gilt es, in den Dienst der staatlichen Kulturpolitit zu spannen. Kulturpolitik hat nicht unbedingt etwas mit dem Begriff der Demokratie zu tun. Auch in absolutistischen Imperien gab es eine Kulturpolitit, ein Begriff, der allerdings ganz individuell aufzufaffen ist. Eine sehr energische Kulturpolitik treibt Frankreich, daß in wesentlichen Zügen der großen Politik durchaus fulturpolitisch eingestellt ist. Zwar ist trop des Umsturzes in Deutschland der foziologische Aufbau der Gesellschaft der gleiche geblieben. Aber eine neue Seele und damit neue Funktionen erfüllen das Staatsganze. Die fulturpolitische Zentralgewalt hat sich verschoben. die Lagerung der Kompetenzen ist eine völlig andere. Durch die weit ausgreifende Demokratisierung wie auch durch eine gewisse Autonomisierung der Länder ist naturgemäß ein erheblicher zentraler Machtverlust entstanden. Die Interessentengruppen. auf deren Informationen der Staat angewiesen ist, haben einen weit erheblicheren Einfluß erhalten. Dazu kommt die Machtsteigerung der Parteien, die auch auf der starken Um lagerung der soziologischen Schichtung bes beutschen Boltes beruht Attivität in ihrem Sinne entwickle. Dr. Beder erwähnte hier u. a. die Kirche, die eine sehr erhebliche Jede Kulturpofitit m Deutschland ist nur die des kompromisses. Es fehlt die Möglichkeit, dem republikanischen Staat eine einheitliche fulturelle Physiognomie zu geben. Der republikanische Gedanke hat noch nicht die fuggeftive Kraft wie der des früheren Staates, weil das monarchistische Kraftzentrum einheit licher eingestellt war. Es fehlt der Republifan Liebens würdigkeit. Das alte System operierte mit Orden, Repräsen tationen und ähnlichen Schmeicheleien. Die Wirkungskraft dieser Der demoBopularifierungsmittel darf nicht unterschäßt werden. tratische Parlamentarismus hat natürlich zu einer Komplizierung des Verwaltungsapparates geführt. Wichtiger aber als Beamtenabbau ist der Mißtrauensabbau. Unser Programm muß sein: det Gesinnungsschnüffelei nicht Tür und Tor zu öffnen, dabei aber unbedingt die Autorität der Republik zu wahren. Kultusminister Becker spielte dann auf den Fall Schillings an, indem er es als äußerst unbillig bezeichnete, wie die Mitarbeiter des Ministers von einer gewissen Presse( gemeint ist die Rechtspresse) durch den Schmuz gezogen worden seien. Die entscheidende Waffe der Reaktion gegen alle modernen Ideen ist die Finanzfrage. Der Kultusetat zwar betrug 1913 293, im Jahre 1926 559 millionen. 1913 machte der Kultusetat aber 21 Broz. des Gesamtetats aus, im Jahre 1926 jedoch nur noch 16,8 Proz. Bir müssen zu etnem einheitlichen tulturellen Willen und zu fuluturpolitischer Duldsamkeit formen. Das Reichsschul gefeß darf weder fonfeffionell noch fimultan sein. Notwendig ist meiterhin eine einheitliche Bildung unter Berücksichtigung der Differenziertheit der modernen Lebensverhält propaganda! Kulturelle Internationalität und Wiederausbau nisse. Keine aggressive, sondern suggestive Kulturder sozialen, geistigen, wissenschaftlichen Beziehungen zum gesamten Ausland ist dringende Notwendigkeit. Die Durchfezung der Kultur mit Locarno- Geist ist Voraussetzung der gesamtstactlichen Entwic lung. Die oftpreußische Schupo. Die ostpreußische Schupo, die gestern, mie gemeldet, in Berlin eintraf, hat auf der sehr stürmischen Seefahrt leider ein Todesopfer zu beklagen. Ein großer Teil der Mannschaft litt unter der Seekrankheit, der der Schupowachtmeister Jeschte aus Lnd infolge erzschlages zum Opfer fiel. Seine Leiche verblieb in Stettin, von wo sie nach Ostpreußen übergeführt wird. Gleich nach der Ankunft auf dem Lehrter Güterbahnhof wurde die Berteilung. der Schupomannschaften vorgenommen. Treptow und NeufölIn wurden zwei Bereitschaften zugeteilt, eine berittene Be reitschaft tam nach der Friesenstraße. Weißensee und Reinidendorf erhielten je eine und Berlin( Karlstraße) eine halbe Bereitschaft. Die Mannschaften werden zunächst nur für den Bereitschaftsdienst verwendet, da sie noch nicht für den Berliner Straßendienst geeignet sind. Nach und nach werden e für Berliner Berhältnisse ausgebildet, so daß die ostpreußische Schupo später Straßendienst geeignet sind. Nach und nach werden fe für Berauch in der Lage ist, den schwierigen Straßendienst, zu dem auch der Verkehrsdienst fommt, auszuüben. Der Umstand, daß gestern abend bei dem Empfang der aus Ostpreußen kommenden Schuh polizei auf dem Hamburg- Lehrter Güterbahnhof auch die Presse nicht zugelassen war, hat starkes Be fremben erregt. Wie jezt bekannt wird, soll der Herr Bahnhofs vorsteher des Hamburg- Lehrter Güterbahnhofs verfügt haben, daß weder Zivilpersonen noch Presseangehörige zuge Bolle Aufklärung durch die Reichsbahn laffen werben. bireftion Berlin wird hoffentlich nicht lange auf fich warten laffen, denn man fann sich nicht gut vorstellen, daß ein Güterbahnhofsvorsteher sich anmaßen darf, die Presse auszuschließen. Der Reichsbund Deutscher Mieter veranstaltet heute um 1,8 1бr in den Blücherfäien", Blücheritr. 61, eine croße Stundgebung über den Kamph um ein soziales Wohnungsrecht. Genosse Ruben spiicht. Gäste willfommen, Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag, ben 18. Februar: Oblente der Sommunalen Rommiffion abends 7 Uhr im Reftaurant zur Schneetoppe, Roftiz- Ede Arndtftraße, Sigung. Sebe Abteilung muß vertreten sein. Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Gewerkschaftshehe. Die tägliche Heze gegen die Gewerkschaften in ber fommunisti. ichen Breffe, die meist in die Form von Angriffen gegen ben ADGB. und die Leitungen der einzelnen Gemertschaften gekleidet ist, hüllt fich mitunter auch in ein scheinbar fachliches Gewand. Beteiligten. Es liegt aber auch im allgemeinen Intereffe, die Koften für die Erwerbslosenfürsorge zu vermindern. Diefer Gesichtspunti muß für Reich, Länder und Gemeinden, die Bauarbeiten zu vergeben haben, von besonderem, ja ausschlaggebendem Intereffe fein. Branchenversammlung der Musikinstrumentenmacher. Festfälen ihre Jahresmitgliederversammlung. Den Bericht für das Die Musikinstrumentenarbeiter hatten am Dienstag in Klienis Geschäftsjahr 1925 gab ber Branchenletter Genoffe Wilms. Außer 234 nerfchiedenartigen Differenzen, die durch Berhandlungen bei Der Aufruf des ADGB. und des AF- Bundes für die Neugelegt wurden, tam es zu Arbeitsniederlegungen in neun Fällen, wahlen der Betriebsvertretungen enthält den Hinweis, die für die Arbeiter von Erfolg waren. Durch die Quertreiberei der daß die Gewerkschaften bei der jezigen Krise und der damit Unternehmer fonnte der am 27. Sunt gefündigte Reichsmanteltarif verbundenen großen Arbeitslosigkeit alle Kräfte dafür eingesetzt wie auch der am 4. Auguft gefündigte Lohntarif nicht erneuert mer. haben, bie fich für die Arbeiter und Angestellten daraus ergebenden ben, so daß jetzt für die Branche weber ein Lohn noch ein Schäden zu mildern oder zu beseitigen. Daran anschließend wird an Manteltarif besteht. Nach dem Scheitern der Bertragsverhand lungen verfuchten die Unternehmer, in ihren Betrieben Lohn- und die gesehlichen Rechte der Betriebsräte bei der Durchführung des Affordabzüge vorzunehmen. Da diese Abfichten an dem Widerstand Achtstundentages, der Einführung von Werksbeurlaubungen und von der Unternehmer scheiterten, die in fünf Betrieben zum AbwehrKurzarbeit sowie bet Betriebsstillegungen erinnert und betont, daß it reif übergingen, griffen die Unternehmer zu bem jest jo beliebten die Gewerkschaften nur in Zusammenarbeit mit den Be. Mittel der Stillegungen. Es stellten 30 Firmen Stillegungs. triebsräten auf diesen Gebieten die Arbeitnehmerrechte wahren anträge, die auch in fast allen Fällen genehmigt wurten. fönnen. Ueberhaupt wird die Stillegungsverordnung von den Behörden fast nur zugunsten der Unternehmer ausgelegt. Die Beschäftigung verhältnismäßig gut. Sie ließ aber mertlich nach, als am 1. Juli war in der Branche in der ersten Hälfte des Berichtsjahres die englischen 3ölle in Kraft traten, die ja auch nur wieder eine Gegenmaßnahme auf die beutschen Schußzölle find. Burzeit hat die Branche unter einer überaus ft arten Arbeits. loligfeit zu leiden. Am 1. Januar 1925 waren auf dem Arbeits. nachweis 119 Arbeitslose eingetragen, im Dezember 1275 und im Januar dieses Jahres bereits 1817. Der Rebner ermahnte die Ber. fammelten zum Schluß, tros der ungeheuren Wirtschaftstrife weiter rege für die Organisation zu werben, um zu ben bei befferer Ronjunttur unausbleiblichen Kämpfen gerüstet und organisatorisch ge. junktur unausbleiblichen Kämpfen gerüstet und organisatorisch gefchloffen zu sein. Die Diskussionsredner der Oppofition zogen gegen Dorständen und im ADGB. los. Zur Behebung der Wirtschaftsfrise die sozialdemokratischen Gemertschaftsführer in ben Bentral wurde die Parole: ein außerordentlicher Gewerkschaftstongreß, der Generalstreit und dergleichen mehr empfohlen. Der ftellvertretende Branchenleiter Dorn wie auch der Referent in seinem Schlußwort wiefen nach, wieviel oder wie wenig von dem Gerede zu halten sei. Die„ Rote Fahne" zittert diesen Absatz des Aufrufs wörtlich, um daraus einen Gegenfas zwischen Gewerkschaften und Betriebsraten zu tonstruieren. Jeder Gewert schafter und Betriebsrat miffe, daß die in dem Aufruf erwähnten gemeinsamen Aufgaben nur dann erfolgreich gelöst werden könnten, menn die Betriebsräte auch das Recht erhalten, über die von Gewerkschaften und Betriebsräten einzuschlagende Lattit zur Abwehr der Schäden der Wirtschaftskrise und der Unternehmeroffenfine innerhalb der Gemertschaften mitzube stimmen. Diefes Recht müssen sich die Betriebsräte erfämpfen." In Birklichkeit weiß jeder Gewerkschafter mie jeber gemertfchaftlich organisierte Betriebsrat, daß er als Mitglied feiner Dr. ganisation über deren Tatfit mitzubeftimmen hat, daß die Delegierten der Ortsverwaltungen bzw. der Mitgliederwahlkreise auf den Ber. bandstagen die Taftil bes Gefamiverbandes zu bestimmen haben und die Bertreter der einzelnen Berbände auf den Gewerkschafts. tongreffen die Taftit bes ADGB. und des AfA- Bundes. Während jedoch die Gewerkschaften die Betriebsräte nicht als einen eigenen Organisationsförper betrachten, da ja die Betriebs räte zum größten Teil aus Gewertschaftsmitgliedern bestehen, geht die tommunistische Taftit zur Eroberung der Gemerfschaften für die fommunistische Partei darauf aus, die Be triebsräte als besondere Organisationen heraus. zubilden, sie gleich den Erwerbslojen als Sturmbod gegen die Gewertschaften zu benutzen. Zu ihren recht durchsichtigen 3weden fucht die APD. ben Betriebsräten die Auffassung zu fuggerieren, fie müßten von den Gewerkschaftsvorständen verlangen, daß ihnen weitgehende Rechte innerhalb der Organisation zuge. standen würden und die induftriegruppenweise Zusammenfassung der Betriebsräte erfolgen müsse. Die freigemerfschaftlichen Mitglieder der Betriebe werden die neuzuwählenden Kandidaten dahingehend verpflichten müssen." Nun die nicht tommunistisch gebundenen Gewerkschafts. mitglieder werden sich nicht vorschreiben laffen, ihre Betriebsrätekandidaten zu verpflichten, gegen ihre Gewerkschaften zu arbeiten, sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten. Angestelltenversicherung und Arbeitslosigkeit. Antrag der SPD.- Fraffion des Reichstags. Der Af- Bund übermittelte dem Reichsarbeitsministerium am 13. November vorigen Jahres eine Eingabe, in der er den Reichs arbeitsminister ersuchte, auf Grund 3iffer 5 des§ 170 des Angeftelltenversicherungsgefeßes zu bestimmen, daß die Beit ber Erwerbslosigkeit auf die Erhaltung der Anwart. schaft in ber Angestelltenversicherung angerechnet wird. Troh wiederholter Erinnerungen hat sich das Reichsarbeits ministerium noch nicht in zustimmendem Sinne geäußert. Auf Ber anlaffung des AFA Bundesvorsitzenden S. Aufhäuser hat nun. mehr die SPD. Frattion des Reichstages einen Antrag Aufhäuser, Giebel und Genoffen eingebracht, . den Herrn Reichsarbeitsminister zu erfuchen, von der ihm nach $ 170, legter bfaz des Angestelltenversicherungsgefeßes austehenden Befugnis zugunsten der stellenlosen Angestellten Gebrauch zu machen und zu bestimmen, daß für die Zeit der Stellen tofigkeit eine Anrechnung von Beitragsmonaten zur Erhaltung der Anwartschaft ftattfindet, ohne daß Beiträge entrichtet zu werden brauchen." Wir sind der Auffassung, daß sich für die Annahme dieses An trages eine Mehrheit finden muß, menn die Angestellten vertreter der bürgerlichen Berbanbe, die anderen Parteien angehören, sich für diesen Antrag einfeßen. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe. Amtlich wird gemelbet: Die Arbeitslosigkeit hat auch im Bau gewerbe einen bedrohlichen Umfang erreicht. Eine Besserung der Lage des Baugewerbes ist zu erreichen, wenn alle in Betracht fom menden Stellen sich entschließen, die Bauarbeiten, die jeßt ihon ausführbar sind und in furzer Zeit boch ausgeführt merden müssen, fofort in Angriff zu nehmen. Das sind vor allem die Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten im Innern der Gebäude, die von der Witterung nicht allzu fehr beeinflußt werden. Die sofortige Inangriffnahme folcher Arbeiten liegt im Intereffe aller 3 erline Putzwolle, Bei den folgenden Wahlen der Branchenfommission erhielt fition 422 Stimmen, fo daß die Befehung der Branchen die Liste Wilms 401, die 21ste agenführ( Oppo tommission je zur Hälfte aus Anhängern beider politischen Rich tunaen bestehen wird. Dieses Bahlergebnis ist auf den verhältnis mäßig schwachen Berjammlungsbefuch zurückzuführen. Für die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung wurden awei geschlossene Listen eingereicht. Betriebswohlfahrt in Amerika. und Nicht korruptionsmittel, sondern für Leiftungssteigerung. In den amerikanischen Industrie- und Handelsbetrieben, die in großem Umfang Bohlfahrtseinrichtungen unterhalten, gelten diese Einrichtungen nicht als Wohltätigteit", als ein mildtätiges Geschent bes Unternehmers an den Arbeiter, sondern man hat erfannt, daß Don dem förperlichen und seelischen Wohlbefinden des Arbeiters der Arbeitserfolg und damit natürlich auch die Rentabilität des Unternehmens abhängig ist. Daher sind dort Betriebs. Berfonalvermaltung eng miteinander verwachten. Die Aufgaben der Berfonalabteilung erstreden sich außerdem auch auf die zweckmäßige Gestaltung der Arbeitsbedingungen bei der Arbeit selbst. In einem Bericht der deutschen Fabrifpflegerin ob bin über die amerikanische Fabrit. pflege, die sie felbft brüben studiert hat, wurde betont, daß der ameritanische Unternehmer um jo mehr Berfonalpolitif treibt, je fchlechter das Geschäft geht, daß er einen Rüdgang feines Betriebes zu nächst darauf zurückführt, daß die Arbeitsbedingungen nicht nur technischer, sondern auch piychologischer Art nicht auf der Höhe find. Bir finden& B. in dem Betriebe der National Cash Register Co. in Dayton Fahrstühle nicht nur die Laften oder für die leitenden Angestellten, fondern vor allem für die Ar. better, da die Fabritleitung in ihrem eigenen Intereffe dem Arbeiter das ermüdende Steigen sehr hoher Treppen viermal am Tage ersparen will. An allen Arbeitsplägen befinden sich zwedmäßige Stühle mit Rüdenlehnen, was besonders für die meiblichen Arbeiter bei der Arbeit von großer Bichtigkeit ist. Soweit es technisch irgend möglich ist, wird die Arbeit im Sigen nerrichtet. Die Arbeitsräume find in bezug auf Heizung, Beleuchtung, Sauberteit, Staubabsaugung in der Schleiferei usw. mit den modernsten technischen Einrichtungen versehen. Für die Arbeiterinnen find an jeden Arbeitsfaal Ruberäume angebaut, die sie während der Baufen benußen tönnen. Daß mur acht Stunden mit genügenden Baufen gearbeitet wird, ist selbstverständlich. Da der Umfang der dem Unternehmer gefeßlich auferlegten es gibt bort Leistungen in Amerita vief geringer ist als bei uns, 3. B. feine obligatorische Krantenversicherung, rechnen auch eine ganze Reihe Einrichtungen dort zur Wahrts. oder Bersonal. politit, die bei uns der staatlichen Kontrolle unterliegen. Andererseits ist man in einigen Betrieben sehr stolz auf Einrich tungen, die bei uns mit Recht fehr tritisch betrachtet werden, 3. B. die Gewinnbeteiligung und die sogenannten eris. fomitees, die sich von unseren Betriebsräten dadurch unter. scheiden, baß fie ganz ausgesprochen als Mittel gegen die organisierte Arbeiterschaft ausgespielt werden. Benn der leistungssteigernde Einfluß von Gewinnbeteiligung und fage. nannter demokratischer Wertverwaltung von einigen amerikanischen Unternehmern immer wieder betont wird, so muß man sich dadurch nicht darüber täuschen laffen, daß dies nur folange gut geht, folange nicht darüber täuschen laffen, daß dies nur solange gut geht, folange ble organisierte Arbeiterschaft drüben noch nicht die Macht barstellt, ble organisierte Arbeiterschaft brüben noch nicht die Macht barstellt, wie bei uns. Sie ist ja baburch auch dem Mißbrauch solcher Einerliner Elektriker- Putzlappen, Küchen Genossenschaft angeschl. dem Verb. soz. Baubetriebe Schleifertuche haben abzugeben reb enaillert Küche Lottchen. 42.00 E0.00 Küche Adele... 70.00 125.00 Gebr. 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Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Berlin, Wallftr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 1hr und 5-7 lihr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Aus der Partei. Eine englische Arbeiterhochschule. Bor furzem hat der Generalrat der englischen Gewerkschaften das Geschenk der Gräfin Barwid, die der Labour Party angehört, entgegengenommen und sich entschlossen, das alte historische Schloß der Familie Barwid in eine Gewertschaftlige hoglufe umzuwandeln. Der offizielle Breffedienst der Labour Barin und der Gewerkschaften teilt nunmehr die nachfolgenden intereffanten EinzelBläne der englischen Gewerkschaften mit. Die Gräfin Warwid hat heiten über die Borgeschichte dieser Schenkung und die weiteren 25 Jahren Mitglied der Arbeiterpartet, hat die Gräfin ihren das Geschenk nicht in einer plöglichen Laune gemacht. Schon seit Familienbesis Easton Lodge seit einer Reihe von Jahren ber Arbeiterbewegung zur Verfügung gestellt. Es wurden dort Sommerschulen abgehalten, und das Schloß stand Dienste der Arbeiterbewegung tätig sind, zur Verfügung. Gegen ein als Wochenendaufenthalt Männern und Frauen, die im fleines Entgelt fonnten fie fich von den Mühen des Alltags in einem Milieu erholen, das an Großartigkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Ein breihundert Jahre altes Schloß mit getäfelten Wänden und Generationen hier zusammengetragen und behütet wurden, inmitten ungezählten loftbaren Einrichtungsgegenständen, die von vielen eines riesigen Parkes, der einen Teil des uralten Hainault- Forftes bildet, voll von Rafen und Blumenbeeten, ist nunmehr dazu be stimmt, denen zu dienen, die durch die gegenwärtige Wirtschafts ordnung davon ausgefchloffen waren, die Kultur vergangener Jahrhunderte anderswo als in Mufeen zu bewundern. Der Generalrat," fährt The Labour Preß Service" fort, hat auf welche Weise von diesem großartigen Geschent am besten Ge die allergrößte Aufmerksamkeit darauf verwendet, fich zu fragen, brauch gemacht werden tönne. Es ist in einem günstigen Augenblic gekommen. Auf dem letzten Gewerkschaftsfongreß in Scarborough hat der Generalrat über feine Bemühungen unterrichtet, einen allge mein annehmbaren Plan für die Bertiefung der Arbeiterbildung auszuarbeiten und zu einer Berständigung mit den ver schiedenen Arbeiterbildungsorganisationen, mie Rustin- College, Labour- College, Nationalrat der Labour- Colleges, der Arbeiter: Erziehungsvereinigung und dem Erziehungskomitee ber Genossen fchaften zu kommen. Ein Punft in diesem Plan war die Schaffung eines Erziehungsfonds und die Gewährung einer jährlichen Zu mendung von 2000 Pfund Sterling( 40 000 m.) aus eigenen Mitteln, wobei als erstes und nächftliegendes Ziel eine Berbindung und Bereinheitlichung der verschiedenartigen gewerkschaftlichen Bildungsinstitutionen vorschmebte. Dank der großzügigen Schenkung der Gräfin Warwid ist es nunmehr dem Generalrat möglich, den Blan einer zentralisierten Bildungsstätte auf der Basis des Inter.. nats in einer Weise zu verwirklichen, die der enthusiastischen Zuftimmung der Gewerkschaftsbewegung sicher sein fann. Augenblicklich werden die Bläne für den Bau eines Studenten wohnhauses und für die Umbauten erwogen, die sich aus der Um wandlung des Schloffes zu einer Gemerffchafts- Hochschule notwendig ergeben. Der Charakter des Hauses foll dabei möglichst wenig ange taftet werden. Ferner stehen die verschiedenen Pläne für die inanzierung des Studienaufenthaltes für die gewertschaft. lichen Hochschüler zur Beratung. Der Generalrat hofft, daß in furzer Zeit 200 Hochschüler und ein Stab qualifizierter Lehrer in Easton Lodge ihre Arbeiten werden aufnehmen fönnen. Jum erften Male in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung ist die Möglichkeit geboten, eine Hochschule zu errichten, die völlig den Gewerkschaften aehört und von ihnen fontrolliert wird, und deren ausschließlicher Zwed es iff. Gewerkschaftler für den Dienst innerhalb ihrer Draanisation zu schulen. Es foll also ein echtes gewerk. fchaftliches Bildungszentrum gefchaffen werden. Die Universitätsmethoben sollen Anwendung finden, soweit fie fich dem 3wede diefer Hochschule anpassen laffen, und das Colleae foll mit einem Lehrtörper und allen Lehrmitteln in einer Weise ausaeftattet werden, die eine wirkliche Erziehungsarbeit ermöglicht. Ein großer Teil der erforderlichen Lebensmittel für die Studierenden wird aus den landwirtschaftlichen Betrieben von Easton Lodge gefefert werden. Der Bart soll für Sofele und Erholungsstunden der Arbeiterstudenten dienen. Die Rasen und Bumienaarten, das Schloß selbst und der Hof werden dieser Arbeiterhochschule einen ebenso schönen und gepflegten Rahmen verleihen, wie ihn etwa die alten Universitäten von Orford und Cambridge befizen. Der fähige und ehrgeizige junge Gewerkschaftler wird hier für feine fünftige Arbeit unter idealen äußeren Bedingungen geschult werden, ohne die Fühlung mit seiner Klaffe zu verlieren und in die Bersuchung geführt zu werden, ein Snob oder Parasit der Wohlhabenden zu werden. Der Generalrat hat seine Mitglieder aufgerufen, Mittel aufzu bringen, die eine baldige Eröffnung der Arbeiterhochschule ermöglichen. Dazu find schäßungsweise 50 000 Bfund Sterling( cine Million Mark) nötia, und man hofft, daß der so oft von der Arbeiterschaft bewiesene Idealismus in furzer Reit den Generalrat inftanbieten wird, seinen großen Blan durchzuführen. inftanbieten wird, seinen großen Blan durchzuführen. Berantwortlich für Bolitik: Eraft Renter: Bittichaft: the Gaternus: Gewerffchaftsbewegung: 3. Steiner: feuilleton: Dr. John Chilowski: Lotale und Gonftiges rik Raritäbt: nacinen: Tb. Glede: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruders und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. clpeise herrenclchlafZimmer, bekannt gut und billig. ug CHARLOTTENBURG Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schiller Str. Kein Laden Enge Besichtigen die mein Korbmöbell Sonderangebot! Tane An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gedie enen Ausführungen kaufen Sie In gro er Auswahl und bling ber Wilhelm Schulze Monbijoup atz 12, Hof pari. 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