Abendausgabe Nr. 82 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 41 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 63, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Donnerstag 18. Februar 1926 Berlag unb Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der Kampf um die Fürstenenteignung volksentscheid und Reichstag. Wie die Kommunisten die Arbeit auffaffen. Der Rechtsauschschuß des Reichstages sept heute die General! debatte über die Fürstenabfindung fort. Zunächst spricht Dr. Rofenfrid( Soz.): Die bisher von den verschiedenen Rednern bürgerlichen Parteien gegen die entschädigungslose Enteignung vor gebrachten Bedenten fönnen wir nicht als begründet ansehen. Wir bleiben dabei, diese Forderung zu erheben, um jo mehr, als in letzter Zeit auch über die Kreise der Sozialdemokratischen Partei hinaus von Vertretern bürgerlicher Parteien mehr und mehr erfannt wird, daß nur die Enteignung eine den Boltsinteressen entsprechende Lösung der Fürstenvermögensfrage bringen fann. Wenn wir troß unserer Auffaffung, daß die entschädi gungslose Enteignung notwendig fei, an dem Kompromißantrag der bürgerlichen Barteien mitarbeiten, so geschieht dies nur, um diesen Antrag zu verbessern, ohne aber damit zum Ausdrud zu bringen, daß wir später den ganzen Antrag annehmen werden. Eine ähnliche Erklärung ist von uns schon gestern abgegeben worden. Trotzdem wirft uns die heutige Rote Fahne" Zustimmung zum bürgerlichen Kompromiß vor. Gegenüber solchen Entstellungen hilft feine Berichtigung. Es mag genügen, diese Umbiegung der Wahrheit öffentlich festzustellen. Das von den bürgerlichen Parteien vorgeschlagene Gericht fönnen wir nicht akzeptieren. Das Mißtrauen gegen die rechtsgelehrten Richter ist im deutschen Bolte zu groß. als daß wir ihnen das Borrecht einräumen fönnten, daß mur Juristen Mitglieder des Gerichts sein dürfen. Auch die Ernennung der Richter durch den Reichspräsidenten fönnen wir nicht billigen. Die Mitglieder des Gerichts sollten durch den Reichstag gewahlt werden. Die Berhandlungen des Gerichts müssen öffentlich sein, da in der Kontrolle der Deffentlichkeit eine gewisse Besserung der Bestimmungen liege. Unmöglich fei es, nach dem Wunsch der burger lichen Parteien an den zurzeit rechtsträftigen Urteilen und abgeschlossenen Verträgen vorüberzugehen. Das Gefeh muß rüdwirkende Kraft haben, mindestens wenn im einzelnen Falle das betreffende Land es ner. lange. Es sei auch ausgeschlossen, den Fürsten Ländereien oder Kapitalien zuzusprechen. Wenn die bürgerlichen Barteien an der Gewährung von Renten festhielten, so müßten diese Be stimmungen renigitens dahin erweitert werden, daß bei der Be meifung der Höhe einer Rente die Lage des Landes, der Rückgang der Lebenshaltung des ganzen Boltes und die Mog lichkeit des Ueberganges zu einem bürgerlichen Beruf berücksichtigt werden. Ob diese Berbesserungen ausreichen werden, um uns die Zustimmung zu ermöglichen, läßt sich im Augen blid nicht sagen. Wir fordern die entschädigungslose Enteignung und werden alles daransezen, diese, menn der Reichstag sie ablehnen Jolite, im Wege des Boltsentscheides durchzusehen. Abg. Everling: Die sozialdemokratischen Aenderungsvorschläge find für uns unannehmbar. Wir halten die Fürstenforderungen für berechtigt. Den Kompromißantrag fönnen wir nur annehmen, wenn uns nachgewiesen wird, daß durch ihn die Weimarer Berfaffung nicht verletzt wird.( Heiterfeit links.) Wir werden die Borlage in unserem Sinne, d. h. im Sinne( 3uruf links: der Fürften!) des Rechtsstandpunktes zu ändern fuchen. Abg. Schwarz( Romm.): Wir werden die sozialdemokratischen Anträge befämpfen. Wenn die Sozialdemokraten jest außer ben Kapitalien noch Renten(!) bewilligen wollen, so werden Abfindungen in größtem Maßstabe herauskommen. Abg. Dr. Rosenfeld: Der Abg. Schwarz ist heute zum erften Male im Rechtsausschuß, sonst würde er mich nicht so gründlich miß verstanden haben. Wir wollen nicht eine Rente zu den Kapitalien hinzubewilligen, sondern wir wollen überhaupt feine Rente bewilligen, wir wollen die entschädigungslose Enteignung. Damit schließt die Generalbebatte. Bei Eintritt in die Spezialdebatte stellt der Vorsitzende Rahl§ 1 des Antrages Dr. Rosenfeld und Genossen zur Beratung. Der Borsigende macht weiter darauf aufmerksam, daß auch der fommunistische Antrag auf Enteignung vorliege, Bei der Beratung dieser Anträge fragt der Vorsitzende, wer die Anträge begründen molle. Der allein anwesende kommunistische Abg. Schwarz wünscht das Wort nicht. Dr. Rosenfeld: Dann will ich die Anträge begründen, die ja übereinstimmend auf Enteignung lauten. Abg. Richthofen( Dem.): Wir werden nicht für den fozial. demokratischen Antrag stimmen. Wir bleiben in erster Linie bei unferem Antrag, die Fürstenauseinandersegung im Wege der Landesgesetzgebung zu lösen. Der Borsitzende schreitet zur Abstimmung. Der einzige tommunistische Abgeordnete hat inzwischen den Saal verlaffen. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratische Enteignungsantrag mit fämtlichen bürgerlichen Stimmen gegen fämtliche fozial. bemotratische Stimmen( 16 gegen 7) abgelehnt. Der Ausschuß tritt dann in die Beratung bes bürgerlichen Kompromisantrages ein. Abg. Barth( Dnatl.): Ohne unsere endgültige Stellungnahme festzulegen, wünschen wir, den Antrag zu verbessern. Nicht ein besonderes Gericht, sondern ein Senat des Reichs. gerichts muß die Entscheidung haben. Nach den Erfahrungen mit dem Staatsgerichtshof bildet das Reichsgericht die größte Garantie einer unparteiischen Rechtsprechung. Dr. Rosenfeld: Die deutschnationale Anregung würde die Zufammenfeßung des Gerichts noch verschlechtern. Die Mitglieder des Reichsgerichts find meist rechts orientiert. Eine Berbesserung wäre nur bei der Wahl der Mitglieder des Gerichts durch den Reichstag möglich. Abg. Wunderlich( DBp.): Ich halte einen Senat des Reichs gerichts für die richtigste Lösung. Bei der Stimmung im Lande wird aber die Uebertragung der Rechtsprechung an einen Senat des Reichsgerichts taum zu erreichen sein. Ich mache den Vermittlungsvorschlag: Das Gericht foll neben dem Reichsgerichtspräsidenten aus drei Reichs gerichtsräten und drei Richtern der obersten Ber. maltungsgerichte besteheen, Abg. Torgeler( Komm.) zur Geschäftsordnung: Die Mitglieder der Kommunistischen Partei sind leider durch die Verhandlungen im Haushaltsausschuß verhindert gewesen, an der Abstimmung über den sozialdemokratischen Enteignungsantrag teilzunehmen. Abg. v. Richthofen( Dem.): Die sozialdemokratischen Anregungen sind in hohem Maße beachtenswert. Der Gerichtshof muß das Vertrauen des Boltes haben. Das würde er bei der Wahl der Richter durch den Reichstag haben, wenn Einigkeit über die Persönlichkeit der Richter unter den Parteien zu erzielen wäre. Benn aber folche Einigung nicht zustande fäme! Ich schlage vor, daß der Reichspräsident neben dem Reichsgerichts präsidenten auf Vorschlag des Innen- und des Justiz ministers drei Richter und drei Laien zu Mitgliedern des Gerichts ernennen möge. Abg. Bell( 3.): Die demokratische Anregung ist mir sympathisch. Barum follen nicht Laien, warum sollen nicht Rechtsanwälte, warum sollen nicht Universitätsprofessoren im Gericht fizen.( Bors. Rahl: Caffen Sie die Profefforen weg. Allgemeine Heiterkeit.) Abg. Korich( Komm.): Das Fürstengericht wird nur eine verschlechterte Neuauflage des Staatsgerichts. bofes. Der Ausschuß vertagt sich auf morgen um 10 Uhr. Luthers Programm gegen Hungernde. Niederlage der Regierung im Hauptausschuß. Der soziale Ausschuß des Reichstages hat vor einigen Tagen eine Erhöhung der Unterstügungsfäße für Erwerbs lose beschlossen. Es sollten die Säße für Hauptunterstüßungs empfänger um 10 Prozent, die Säße für alleinstehende Erwerbslose unter 21 Jahre um 20 Prozent erhöht werden. Die Höchstfäße der Erwerbslosenfürsorge in den Ortstiaffen A, B und C werden gleichzeitig um 10 Prozent erhöht. In einer Entschließung fordert der Ausschuß die Reichsregierung auf, in der beabsichtigten Berordnung über Kurzarbeiterunterstüßung einige wesentliche Ber befferungen vorzunehmen. Diese Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefaßt. Gegen sie stimmten lediglich Deutschnationale und Beltsparteiler. Klarstellung. Bon Otto Landsberg. Die Prozesse, die die ehemaligen deutschen Fürsten bisher gegen die deutschen Länder geführt haben, lassen erkennen, daß die Fürsten reich bleiben und die deutschen Länder noch mehr verarmen werden, wenn die ordentlichen Ge= richte auch fernerhin darüber zu entscheiden berufen sind, was fürstliches und was Landeseigentum ist. Aus diesem Grunde und hauptsächlich, weil die Frage der Auseinander setzung zwischen Fürsten und Ländern nicht zivilrechtlich, sondern politisch ist, hat die Sozialdemokratische Partei schon vor einigen Jahren im Reichstage beantragt, den Ländern die gefeßliche Ermächtigung zu erteilen, die Auseinandera. fehung unter Ausschluß des Rechtsweges durch Gesetz zu betreiben. Wiederholte Reichstagsauflösungen haben den Antrag nicht zur Beratung gelangen lassen. Im Jahre 1925 hat ihn die Demokratische Partei wieder aufgenommen. Zentrum und Boltspartei wollen von dieser Art der Lösung der Auseinandersetzungsfrage nichts wissen; sie ers scheint ihnen revolutionär. Aber sie haben erkannt, daß die Intereffen der Länder bei den ordentlichen Gerichten schlecht gewahrt sind und die Auseinandersehung in viel zu hohem Maße eine politische Angelegenheit ist, um durch Urteile von Land und Oberlandesgerichten geregelt werden zu können. Sie sind auf den Gedanken verfallen, die Einsehung eines Sondergerichts zu beantragen, das seine Entscheidun gen nicht nach dem geschriebenen Recht, sondern nach Billiga feit fällen soll. Es liegt auf der Hand, daß der demokratische Antrag den Vorzug vor dem der Kompromißparteien verdient. Gegen eine den Fürsten günſtige Entscheidung des Sondergerichts würde es fein Rechtsmittel geben, gegen ein Gefeß, das das beteiligte Land schädigt, tann der Boltsentscheid in diesem Lande angerufen werden. Nies mand fann daran zweifeln, daß eine Befragung des preußis Schen Boltes über die Abfindung der Hohenzollern oder der Bürger des Freistaates Thüringen über die Ausstattung ihrer ehemaligen Fürsten noch bessere Aussichten bieten werde, als der allgemeine Boltsentscheid, an dem auch solche Länder teilzunehmen haben, für die die Fürstenfrage fein großes Inter effe hat, weil sie für sie gelöst ist. In der Donnerstagsizung des Haushaltungsaus. husses standen diese Beschlüsse zur Genehmigung. Auf Bunich der Reichsregierung sollte zugleich der Reichs finanzminister Dr. Reinhold Gelegenheit zur nochmaligen Darlegung der Lage der Reichsfinanzen erhalten. Schon das äußere Bild des Sigungsfaales zeigte, daß ein großer Schlag geplant war. Selbst der Reichstanzler war erschienen, mit ihm mehrere andere Minister und ein großer Stab von Beständen die Auseinandersehungsfrage von der Umflammes amten und interessierten Abgeordneten. Es war mit den Händen greifbar, daß dieses große Aufgebot in erster Linie dem 3wed dienen sollte, eine Zustimmung des Haushaltsausschusses zu den höheren Unterstüßungen für Erwerbslose zu hintertreiben. Die Rede des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold war daher auf einen ganz anderen Ton abgestellt als seine beiden früheren Reben. hatte er noch fürzlich den Barteien vorgeworfen, sie hätten Angst vor seiner Courage gehabt, fo zeigte er jetzt felbft die Angst vor der Wirkung seiner Rede. Man dürfte wohl auch nicht fehlgehen in der Annahme, daß Dr. Luther ihn inzwischen davon zu überzeugen gewußt hat, daß er Luthers reaffionären Kurs in der Sozialfürsorge unbedingt zu unterstützen habe. Reinhold gab ein Bild der Finanzlage des Reiches, das in Einzelheiten aufschlußreicher war als seine früheren Reben, das eGsamtbild aber nicht wesentlich verändert. Es bleibt die Tatsache bestehen, daß die Finanzlage des Reiches es gestattet, den Opfern der Wirtschaftskrise eine notdürftige Eristenz zu ermöglichen. Wenn die hierfür erforderlichen Ausgaben geleistet werden, ist immer noch die Möglichkeit zur Sentung einiger Steuern, insbesondere der Umsatzsteuer, möglich. Nach Dr. Reinhold ergriff der Reichstanzler Dr. Luther selbst das Bort. Er wurde deutlicher als sein Vorredner. Er ver über die Erwerbslosenfürsorge in eine Aussprache über das Bro langte, daß der Haushaltsausschuß vor der Erledigung der Anträge gramm der Reichsregierung eintrete. Es sei angestellt auf die lleberwindung der Notlage durch Zusammenfassung aller Kräfte, insbesondere durch den Abbau der Steuern und Bermeidung neuer Ausgaben Die Regierung wolle wissen, ob fie dabei die Unterstügung des Reichstags habe oder nicht. Auf Berlangen des Ausschusses sprachen dann der Arbeitsminister Dr. Brauns und der Wirtschaftsminister Dr. Curtius. Dürftig, sehr dürftig. Dr. Brauns beschränkte sich darauf, die Notmendigkeit des Wohnungsneubaues durch einige befannte Hinweise zu unterstreichen. Er warnte vor Optimismus; man müffe für lange Zeit mit einer hohen Erwerbslofenzahl rechnen. Dr. Curtis fagte ebenfalls nichts über das allgemeine Wirtschaftsprogramm der Regierung, von dem Dr. Luther gesprochen hatte. Er zählte eine Reihe von Einzelmaßnahmen auf, die in seinem Reffort beabsichtigt seien. Der Drud, den Dr. Luther auszuüben versuchte, rief namentlich auf der Linten starte Entrüstung hervor. Während aber Sozialdemokraten und Kommunisten sich trotzdem erklärten, lehnten nicht nur die Deutschnationalen, sondern auch die aur fofortigen Aussprache über die Ministerreden bereit Deutsche Volkspartel, das Zentrum und die Bölkischen den dringenden Bunich des Kanzlers, vor der Entscheidung über die Erwerbs Ifenunterstützung eine grundsätzliche Aussprache über das ganze Finanz- und Wirtschaftsprogramm der Regierung herbeizuführen, ab, Der Mehrheitsbeschluß, die Debatte bis morgen zu verschieben, verfekte den Reichskanzler ersichtlich in Zorn. Nach der sich nunmehr anschließenden Debatte über die Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung über die wir in der Morgenausgabe berichten werden wurde auch die Abstimmung barüber auf Freitag pertagt für die Kommunisten, Selbstzwed, sondern Mittel zu dem Uns Sozialdemokraten ist der Boltsentscheid nicht, wie für die Kommunisten, Selbstzwed, sondern Mittel zu dem 3med, unser Bolt von einer schweren Laft zu befreien. In den Dienst des gleichen Zieles stellen wir auch unsere parla mentarische Aktion. Wir wollen unter allen Uma rung durch das geschriebene Recht befreien. Der demokratische Antrag würde diese Befreiung, wenn er Gesetz würde, zweifellos mit größerer Sicherheit herbeiführen als der Koma promißantrag. Nun sind die Parteien, die die Auseinander fegung einem Sondergericht übertragen wollen, nicht nur von fachlichem, sondern auch von einem politischen Beweggrunde geleitet. Es ist ihnen bei dem Gedanken unbehaglich, daß die Beweise fürstlicher Bereicherungssucht wochen und monate lang dem ganzen Bolfe vorgeführt werden sollen. Aus dieser Beflommenheit habe ich für das Bolt Kapital schlagen wollen, deshalb habe ich im Rechtsausschuß, um die Bedenken der Rompromißparteien gegen den Antrag Koch zu beseitigen, Bolfsentscheid vorerst entbehrlich zu machen, es nur in der ausgeführt, daß, wenn es überhaupt ein Mittel gäbe, den Annahme des Antrages Roch bestehen könne. Der Wahrheit entsprechend erklärte ich, daß ich diese Bemerkung nicht im Auftrage meiner Fraktion, fondern lediglich für meine Perfon machte. Ich fügte hinzu, daß selbstverständlich die gefeßliche Regelung der Auseinandersetzungsfrage in dem einen oder anderen der deutschen Länder unbefriedigend aus fallen tönne und durch einen Boltsentscheid beseitigt werden müsse; man tönne sich aber meiner Vorstellung nach sehr entscheid überflüssig werde durch die Schaffung eines Reichswohl auf den Standpunkt stellen, daß ein allgemeiner Volks gefeßes, das die Auseinanderfegungsfrage nicht selbst löse, fondern lediglich die Bahn für ihre landesgesetzliche Regelung freimache. Daran aber ließ ich feinen Zweifel bestehen, daß die Einsehung eines Sondergerichtes, welche Richtlinien man ihm auch vorschreibe, unbedingt durch den allgemeinen Boltsentfcheid betämpft werden müsse. Das ist der Sachverhalt, der den wütenden kommunistigrunde liegt. Num ein erheiterndes Moment von der Art, schen Angriffen gegen die Landsberg- Clique" zu in der die Kommunisten von jeher ebenso unbestrittene wie unfreiwillige Meister sind. Die Rote Fahne" erzählte ihren Lesern, der Kommunist Neubauer habe sich unter dem Eindruck meiner Worte sofort in die Rednerliste des Rechtsausschusses eintragen laffen; der Schluß der Sizung habe ihn aber daran gehindert, mich zu zerschmettern. Am Mittwoch einer Silbe gegen mich polemisiert, und als er fritische Beist Herr Neubauer zu Worte gelangt. Aber er hat nicht mit merfungen über den Kompromißantrag machte, wußte er nichts Treffenderes zu sagen, als daß die Antragsteller beffer daran getan haben würden, den Antrag Koch anzunehmen. Ich begrüße Herrn Neubauer als neues Mitglied der Landsberg- Clique, die bisher aus mir allein bestand. Zentrum und Bolfspartei haben erklärt, daß sie in der Ablehnung des Antrags Roch verharren. Danach bleibt es unter allen Umständen bei dem allgemei nen Bolfsentidheid. Wir hoffen alle, daß sein Er gebnis ein Steg des Boltes fein wird. Aber es fann uns nicht gleichgültig fein, welche Rechtsfolgen eine etwaige Niederlage mit sich bringt. Sprechen sich weniger als 20 Millionen Deutsche für die Enteignung der Fürsten aus, fo werden voraussichtlich auf Grund von Entscheidungen der ordentlichen Gerichte ungeheure Werte aus dem Bolksvermögen in das Eigentum der Fürsten übergehen, während die Richtlinien, die die Regierungsparteien dem Sondergericht auf den Weg mitgeben wollen, bei richtiger Anwendung die Ansprüche der Fürsten immerhin vermindern müssen. Es ift die selbstverständliche Pflicht der Sozialdemokratie, an dem Antrag der Kompromißparteien mitzuarbeiten und die Richtlinien so flar, scharf und eindeutig zu gestalten, daß wenigstens die Forderungen der Fürsten auf ein Mindestmaß herabgedrückt werden. Parlamentarische und Bolfsaftion müssen nebeneinander hergehen. Nur auf diese Weise kann das Bolf vor schwerem Schaden bewahrt werden. Es ist uns flar, und das sagen wir auch offen, daß das Ringen um das Ziel des Volfsentscheids schwer sein wird. Wenn wir bemüht sind, das Volk im Falle des Scheiterns der Bolksbefragung vor der gänzlichen Ausplünderung zu bewahren, so erwerben wir uns damit ein Berdient. Berrat begehen nicht wir, sondern diejenigen, die ihre Aktion auf Siegen oder Sterben einstellen und die alle Brüden hinter den fämpfenden Maffen abbrechen auf die Gefahr hin, daß eine Niederlage zu einem Zustande führen muß, der eine starte Aehnlichkeit mit dem durch den Versailler Frieden geschaffenen haben würde. Borsig vor dem Feme- Ausschuß. Der schweigsame und uninteressierte Juduftrieführer. Die Bernehmung des ersten Borsitzenden der Bereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände des befannten Industriellen Ernst v. Borsig vor dem Femeausschuß des Landtages brachte wieder neue Einblade in die Tattit der Arbeitgeberverbände. Borsig ist außerordentlich zurückhaltend. Unterstützt von den Deutsch nationalen und dem Bolksparteiler im Ausschuß, sucht er allen Fragen auszuweichen, die allzusehe in die Interna der Propagandaftelle hineinleuchten könnten. Dabei ist diese Frage von der größten Bichtigket für den Ausschuß schon deshalb, weil die bisherige Bernehmung ergeben hat, daß mindestens einige maßgebende Herren der Geschäftsleitung der Bereinigung von Anfang an gewußt haben, wofür das Geld bestimmt sei, das sie den Abgeordneten Behrens und Meŋer auslieferten, offenbar ohne den geordneten Behrens und Meyer auslieferten, offenbar ohne den Borstand selbst zu verständigen. Der Gesamteindruck, daß es der Bropagandaftelle darum zu tun war, die Gewertschaften in die Hand zu bekommen", so heißt es in einem Briefe des Herrn v. d. Linde, dieser Gesamteindruck kann durch die Mitteilungen Borfigs nicht erschütert werden. Interessant ist, daß man es nicht für nötig befunden hat, gleich bei den er ft en Bresseveröffentlichungen über die ffandalösen gleich bei den ersten Bresseveröffentlichungen über die skandalösen Vorgänge in der Arbeitgebervereinigung eine eingehende Untersuchung anzustellen. Eigenartige Zustände enthüllen sich auch über die rechtliche Verfassung der Unternehmerorganisation. Der v. 3engen ist ausgeschieden, und zwar wie man sagt deshalb, weil er zur Vergebung eines Darlehens von 5000 m. nicht die Genehmigung seiner vorgesezten Stellen eingeholt hat. Man weiß aber aus anderen Borgängen, daß über viele Behntausende, ja felbft Hunderttausende von Mart zu Rormptions per suchen von der Propagandaftelle verfügt worden ist eshalb dat der schlichte Abschieb für 3engen wegen defer fleinen Rompetenzüberschreitung? Uebrigens erfährt man von Borsig, daß die Propagandaftelle mit ihren finanziell und moralisch sehr weitgehenden Aufgaben nicht einmal bestimmte Sagungen hatte. Man scheint im Unternehmerlager von den Notwendigkeiten einer fachlichen Organisation nicht allzuviel zu verstehen, und das macht es auch bis zu einem gewissen Grabe begreiflich, wenn die Borherrschaft und der Eigenwille der Syndici in der Wirtschafts- und Sozialpolitit Deutschlands eine so große Rolle spielen tönnen... Ein Feſtabend. ( Mary Wigmans neue Gruppentänze im Theater des Westens.) Ein Feſtabend in den Alltäglichkeiten dieses Tanzwinters. Die neuesten Gestaltungen der Wigman. Hinaus, weit hinaus über das Tanzmärchen". Der Meistergruppe fehlen einige Sterne. Balucca, Georgi, Rnjer werden zuweilen vermißt. Die Gesamtleistung aber ist über das frühere Niveau noch hinausgewachsen. Die Szenen bilder sind einheitlicher geworden in Farbe und Licht. Das Ensemble wirft trop mathematischer Craftheit und Korrektheit der Figuren nicht mehr als gedrillter Trupp, sondern als gewachsener Organismus, dessen Glieder scheinbar frei und naturgemäß funktionieren. Wunderbar und nicht genug zu preisen dieses Zusammenfühlen innerhalb der Gruppe. Ein Buls, ein Atem fenft und hebt die rhythmische Bewegung im Feierlichen Auftatt". Eine jammetweiche Meeresfläche wiegt, leise schwellend, abebbend, die Schwingende Reihe", Heliotrop, Silber, feines fernes Glockenläuten, Bellen fräufeln. Langfam, uninertlich faft, wandelt sich im„ Strahl" die Gruppe. Wie Pflanzenwachstum. Blößlich steht die veränderte Form vor uns. Die Knospe hat sich zur Blüte entfaltet, und Früchte segen an, die Einheit teilt sich. Neue Gebilde werden, heren jedes sein eigenes Leben lebt. Organischer Rhythmus ufert und schäumt wirbelnd gegen die eintönig ſtarre Mauer, müht fich ab im Rampf um die Geltung des Ich und vermag den" Bann der Schranke nicht zu durchbrechen, die das Reich des Lebens dom Jenseits scheidet. In starrem Entfeßen, in efstatischem Bahn rufen phantastische Träume die Abgeschiedenen zum" Totentanz gespenstischer Larven. Der„ Dunkle Zug" der Gefangenen schleicht und fegt über die russische Steppe. Auswärts gestreckte, flehende Hände wie ein deforativer Balmenfries über der Tänzerreihe scheinen das large Bild des eng geschmiedeten Blods" ins Un endliche zu vervielfältigen. Die ftillen, melancholischen Rhythmen eines„ Tanzliebes" erklingen, und in" Bariationen über ein melodisch- rhythmisches Thema" beschließt ein fröhlicher Kehraus den Abend. Ein Festabend. Sollen wir Einzelheiten preisen, sollen wir an ihnen nörgeln? Bon den wirkungsvollen Kontrasten der drehenden und der gradlinigen Bewegungsführung im„ Bann" sprechen? Konstatieren, daß der grandioje otentang" etliche schleppende Bartien hatte, daß hier das Pantomimische überwog, aber doch in eine so start suggestive Rhythmit gefaßt war, daß im ganzen der Eindrud des rein Tänzerischen blieb? Sollen wir die herrlichen Soli der Bigman rühmen, deren eines, asiatischen Formen sich nähernd, im Lotentanz und dann ein zweites im„ Dunklen Zug" Höhepunkte bildeten und doch organisch der Ensemblewirtung fich eingliederten? Sollen wir uns über die Einführung der Gesichtsmaste in den modernen Tanzstil grundfäßlich und tritisch äußern? Mich dünft, wir tun besser, zu schweigen, einfühlenb zu genießen und dankbar uns glücklich zu preifen, daß das Geschid uns das Erleben solcher Wunderleistungen befchieden hat, wie sie in Jahrzehnten, vielleicht in Jahrhunderten nicht wiederkehren werden. John Shilomsti | Der Feme Untersuchungsaussus des Breußischen Landtages jezte am Donnerstag in seiner dritten öffentlichen Berhandlung die Zeugenvernehmung fort. Zunächst wird Geh. Kom merzienrat Ernst von Borfig als Zeuge vernommen. Er erklärt, ihm sei die ganze Sache erst aus den 3eitungen Ende des vergangenen Jahres befannt geworden. Er habe sich dann als Leiter der Bereinigung Deutscher Arbeitgeber- Berbände informiert und erfahren, daß im Juni oder Juli ein 5000- Mart- Darlehen durch Herrn v. Zengen für eine Organisation des Zentralverbandes der Landarbeiter gegeben worden ist, und daß dieses Darlehen im Ottober oder November zurückgezahlt wurde. In einer Zeitungs notiz, die die Antwort auf einen Artikel des Reichstagsabgeordneten notiz, die die Antwort auf einen Artikel des Reichstagsabgeordneten Lemmer darstellte, hat der Zeuge erklärt, daß davon teine Rede sein könne, daß das Darlehen einem politischen 3wed dienen sollte. die 5000 m. für den megen Berdachts der Teilnahme an mehreren Bors: In den Zeitungen ist darauf hingewiesen worden, daß Fememorden inhaftierten Oberleutnant a. D. Schulz ver wendet worden find. Haben Sie in Ihrem Arbeitgeberverbande sich darüber informiert? Zeuge v. Borfig: Als die Zeitungsartitel deutlicher wurden, habe ich auch deswegen Ertundigungen eingezogen. Bir find übereingekommen, daß man fich ohne pofitive Unterlagen nicht auf eine Preffefampagne einlaffen sollte. Meine Ueberzeugung ist auch heute noch, daß von einer Unterstützung des Fememörders Schulz teine Rede sein konnte. Ich selbst habe von Schulz auch erst durch die Zeitungen gehört. Es hat auch eine Untersuchung bei der Arbeitgebervereint werden, als daß das Darlehen an die wirtschaftliche Stelle gung stattgefunden. Es fonnte aber nichts anderes festgestellt des Zentralverbandes gegeben worden ist. Herrn v. Bengens Verbleiben in der Bereinigung war nach der Darlehnshergabe aus internen Gründen nicht mehr zwedmäßig. Er hat das Darlehen hergegeben, ohne daß er dafür zuständig gewesen wäre. Das Bertragsverhältnis mit Herrn n. Sengen ift in gegenseiti. gem Einverständnis gelöst worden. v. Borfig: Die anderen Organe haben Herrn v. Jengen ni t irgend einen Auftrag erteilt, gegen die Gewerkschaften in irgend einer Weise vorzugehen. Abg. Suttner: Herr v. d. Linde soll sich im Oftober in einem Brief an Sie betlagt haben, daß er als Offizier durch die Tätig feit unter Herrn v. Zengen oft in Gewissenstonflitte täme. Ist das richtig? Zeuge D. Borfig: Herr v. d. Linde hat mir nicht im Oktober, v. sondern im Dezember oder Januar einen Brief geschrieben. Neues ist mir aber darin nicht mitgeteilt worden. Abg. Kuffner( Soz.) verliest eine Abschrift des Briefes, der vom 4. Januar 1926 datiert ist. Darin bittet Herr v. d. Linde um Gelegenheit zu einer persönlichen Aussprache. Herr v. Zengen habe ihm gegenüber, als noch niemand an eine derartige Entwicklung der Angelegenheit denten fonnte, mehrfach zugegeben, habe. Er, Zengen, habe diesen Zweck zwar nicht gebilligt, es habe daß er den in den Zeitungen genannten Zwed des Geldes gefannt fich für ihn aber darum gehandelt, die Gewerkschaften in die Hand zu bekommen. Abg. Kuttner zitiert weiter einen Teil der Aussage des Zeugen v. Borsig vor der Polizei vom 9. Januar, in der das Schreiben abgestritten worden sei. Zeuge v. Borsig: Ich habe Herrn v. d. Linde an den eingesetzten Untersuchungsausschuß verwiesen. Ich glaube, mich auch bestimmt aus der Bernehmung im Bolizeipräsidium zu erinnern, daß mir gesagt worden ist, es wären bestimmte positive Angaben zugekommen, daß dies Darlehen seinerzeit zur Unterstüßung des Fememörders Schulz gegeben worden jei. Es war ein nicht erinnern fann. Mit der Einsetzung eines Untersuchungsderartiges Durcheinander, daß ich mich an die Einzelheiten ausschusses hatte ich nach meiner Meinung es nicht aus der Hand gegeben, noch eine Nebenuntersuchung einzuleiten. Mit der Unterftügung des Fememordes hat sich unsere Untersuchung nicht befaßt. Im übrigen muß ich die Darlegung von Interna aus der Bereinigung, soweit fie fich nicht mit der Fememordangelegenheit befassen, ablehnen.( hört, hört!) Abg. Kuttner( S03.) stellt weitere Fragen, um Beziehungen zwischen der Arbeitgebervereinigung und Arbeiterorgani glieder und der Volksparteiler Eichhoff beanstanden die Frage. Auf die Frage des Genossen Kuttner, ob der Bersuch, gewert fchaftliche oder ähnliche Organisationen in die Hand zu befommen, mir ein einzelner all eines Systems sei, erflärt Herr v. Borsig, daß Zengen ein persönliches Syſtem hätte haben fönnen, ohne daß es deshalb das System der Vereinigung wäre. Die Frage nach den Der Zweck des Darlehens für die Arbeitgeber. Abg. Ruffner( Soz.): Bei Ihrer Bernehmung im Bolizeipräfi- fationen farzustellen. Die deutsch nationalen Mitdium haben Sie ausgelagt: 3u einer besonderen Nachprüfung der Angaben Zengens hatte ich keine Veranlassung. Bengen war nicht berechtigt, das Darlehen ohne Genehmigung zu geben. Daß er es tat, führe ich auf eine impulsive Handlungsweise zurüd. Ich nehme an, daß er das Darlehen gegeben hat, damit sich der Zentral. verband nicht mehr über die Unterstühung der gelben Berbände durch die Arbeitgeberverbände beschweren fonnte."( Bewegung.) Zeuge v. Borfig: Ich bitte doch festzustellen, ob diese Angelegen heit zum Beweisthema des Ausschusses gehört. Abg. Kuliner( Soz.): Für uns ist wichtig, ob herr 3 engen die unterstüßung des Fememörders Schulz beabsichtigt hat, oder ob er mit dem Darlehen einen anderen Zwed verfolgt hat. v. Zeuge v. Borsig: Die Bemerkungen, die ich da auf dem Polizeipräsidium gemacht habe, find Ausflüsse meiner Ueber legung darüber, was Herrn v. 3engen bewegt haben tönnte, das Geld hinzugeben. Zengens politischer Standpunkt ist so, daß er für eine Unterstützung der Fememörder nicht in Frage tommt. Ich suchte daher nach einem anderen Grund für die Geldhingabe durch Zengen. Ich glaube auch nicht, daß Zengen gewußt hat, daß das Geld für einen Fememörder bestimmt war. Ich fann mir nur denten, daß Zengen durch die Hingabe des Geldes gewisse Gefühle bei den Betreffenden, die das Geld betamen, hervorrufen wollte menn er nicht überhaupt nur an die Behebung der augenblidlichen Notlage einer wirtschaftlichen Stelle des Zentralverbandes dachte. des Darlehens ausgesprochen? Borf.: Hatte sich Herr v. Zengen über den 3med der Hingabe des Darlehens ausgesprochen? 173910 stelle des Zentralverbandes, die von Malette geleitet mird, aus v. Borfig: 3engen hat erfart, er wolle bie Berjorgungseiner augenblicklichen Roilage befreien, foweit mir erinner lich ist.( Auf weitere Befragung durch den Abg. Suttner.) Die Quittung über bie 5000 m. habe ich bisher überhaupt noch nicht gesehen, ich meiß nicht, ob fie zurüdgegeben ist. Ich glaube auch, daß die Unterschrift des Borsigenden des 3entral verbandes erhöhten Wert hat als irgendeine andere Unter fchrift. Das ist doch überall fo. Schulz unterstügen oder hatte man die Absicht, sich die Abg. Kuffner( Soz.): Wollte man auf der Unternehmerseite ben Arbeitnehmerverbände zu verpflichten? Haben die anderen Organe der Bereinigung etwas davon gewußt? Papierene historische Revue. Herr Dr. Ludwig Berger, der bekanntlich ben Lebensweg der Königin Luise zur dramatischen Bearbeitung für geeignet gehalten hat, zeigte gejtern, nachdem wir die zehn Bilder der Kronprinzessin Luife" haben über uns ergehen lassen müssen, den zweiten Teil feines Geschichtswertes Rönigin Luife" in zwölf Bildern und einem Nachspiel. dem In der Kronprinzessin Luife" war wenigftens noch etwas dramatisches Leben zu spüren. Die dreizehn fümmerlichen Szenen feiner Königin Luise bilden Ausschnitte aus Lesebuchanelboten monarchisch- preußischer Geschichte. Wäre es Herrn Dr. Berger gelungen, mit großem Wurf eine Persönlichkeit zu gestalten, so hätte er sich damit das Recht erwirft, die historische Treue seinem Willen gemäß umzubiegen. Da irgendein dichterischer Wert in dem Phrasengeflingel des preußischen Stückes nicht zu entdecken ist, bleibt dem Kritiker nichts anderes übrig, als es auf feinen historischen Wert hin zu prüfen. Herr Dr. Berger fucht um Luise und Friedrich Wil helm III. um jeden Preis einen Glorienschein zu weben, der zum mindesten bei dem willensschwachen, wantelmütigen und höchst fläglichen preußischen König wenig am Blag ist. Die wahrhaft großen Ideen der damaligen Zeit, die auch den Kopf der Königin Luise bewegt haben, tommen nirgendwo zum Ausdruck. Im Gegenteil, was historisch menschliche Kleinigkeiten waren, wird bei Berger zur großen tragischen Geste. Der Freiherr vom Stein verscherzt sich im Stück die Gunst der Königin, weil er an der Bersönlichkeit thres Gemahls zweifelt und dadurch der armen Luise das Herz zerbricht. Seit langem war es der Königin Luise sehnlichster Bunsch, In Wahrheit hat es sich dabei um etwas ganz anderes gehandelt. Kaiser Alexander von Rußland in Petersburg einen offiziellen Besuch zu machen, einen Besuch, der politisch wertlos und beinahe einer Taktlosigkeit gleich tam. Stein, ber das wußte und auf die Kosten einer solchen Reise hinwies, suchte die Königin von ihrem Blan abzubringen. Er drang nicht durch. Die Reise wurde trog ber schlimmen Notlage des Landes doch unternommen und aus einem Fonds gezahlt, der für viel wichtigere 3wede bestimmt war. Die Königin Luise hat Stein feine vernünftige Ansicht nie perziehen Eine einzige Szene in Bergers Komödie hat so etwas wie dramatischen Schmiß, nämlich die Begegnung der Königin mit Napoleon. In allen anderen knistert bedenklich papierenes Literatenium. Daran konnten auch die an sich vorzüglichen darstellerischen Leistungen des Leffingtheaters nichts ändern. Die zerriffene Handlung in der Bilderfolge schleppte fich( unter Herrn Bergers perfön licher Leitung) träge bahin. Es war Larmoyanz und Rührfeligkeit in Reinfultur. Rathe Dorfch hatte in ihrer faft- und fraftlosen Kolle feine Gelegenheit, ihre sonst blühenden Fähigkeiten zu zeigen. Sympathisch wirften Artur Kraus ned als Blücher, alter Steinbed als Kaiser Alexander und Ferdinand v. Alten als Hardenberg. Lichtblick in der sonstigen Trübnis war Walter Frand, der in der erwähnten Szene einen energischen, faft Ernst Degnet, beängstigenden Napoleon hinstellte. und 2o1a Landau, geht Sonntag, den 28., vormittags 11, 1hr, unter Nafif und Afif, bas türkische Puppenspiel von Arnim T. Begner der Regie von Baul Hendels als Morgenfeier in der, komödie" zum erften Male in Szene. allgemeinen Zweden des Propagandaausichuffes beantwortet Herr v. Borsig night. Als er bei seiner Berweigerung der Aussage von dem Deutschnationalen Deerberg unterstügt wird, erklärt der Zentrums abgeordnete Schwering: Ich finde es sehr eigenartig, daß die poli tischen Freunde des Abg. Dr. Deerberg immer auf eine Berengerung des Beweisthemas hinarbeiten. Beim, Barmat- Ausschuß haben die Deutschnationalen die entgegengesette Taftit verfolgt! v. Borsig befundet dann, daß für den Propagandaausschuß weder mündliche noch schriftliche Sagungen beständen. In ihm seien Angehörige verschiedener Parteien tätig. Die übrigen Auskünfte Borfigs halten sich sehr weitgehend von allen positiven Angaben zurück. Auf eine Frage des Abg. Brandenburg( Soz.) stellt ſi fi halten hat. heraus, daß v. 3engen bei seinem Abgang eine Abfindung ec Es folgt die Bernehmung Des Arbeitgebersyndikus Dr. Meikinger. Dieser stellt den hergang der Konferenz mit den chriftlichen Gemertfchaftlern im Beiniolal ähnlich dar mie der Abg. Behrens. Er habe sich in dem Glauben befunden, das Darlehen sei lediglich für wirtschaftliche Rwede bestimmt cewefen und er habe erst von der Verwendung für Souls durch die Preise erfahren. Auf die Einzelheiten der Bernehmung wird noch im Morgenblatt zurudzukommen sein. Der Pariser Botschafter von Hoefch fährt nicht, wie einige Blätter melden, nach Berlin zur Berichterstattung. In der Finanzfommiffion des Senats hat Doumer eine völlig neue Borlage eingebracht, bie nicht nur fämtliche von der Kammer abgelehnten indiretten Steuervorschläge des Kommissionsprojektes wieder aufnimmt, sondern darüber hinaus die Zahlungssteuer vorsteht, bie bem Genat teine gefeggeberische Initiative auf finansielem schlägt. Da dieses Borgehen im Widerspruch mit der Berfassung Gebiete zuerfennt, beabsichtigt die Linte, die Regierung darüber am nächsten Dienstag in der Kammer zu interpellieren. 4 Das neue Pergamon- Museum. Museums- Insel hat in der legten Zeit gute Fortschritte gemacht. Die Bollendung des neuen Bergamon Museums auf der Die Stüde des Bergamon- Frieses, diese wichtigste Großplastik bes antiken Barod, fonnten jezt schon ihren vorläufigen Unterkunfts. ort perlaffen: die bretterperschalte Halle vor dem Neuen Museum, in der sie lagerten, seit das frühere Pergamon- Museum abgerissen worden war. Der Bergamen- fries lagert schon im Nebenraume des Riefenſaales, der ihn fünftig aufnehmen soll. hält jetzt ein in originaler Größe aufgebautes Modell des BergamonDiefer große Raum im Mittelbau des Messelschen Forums entAttaliben. Es ist vorgesehen, den Altar hier nicht so aufzustellen Frieses und der dazu gehörigen Architektur des Opferaltars der wie in dem früheren Museum, wo man um den ganzen großen Aufbau herumlaufen mußte, um die Hauptstücke zu finden. Der Fries wird vielmehr an der Eingangswand des großen Saales abgerollt, bietet gewiffe Bortelle, indem man die besterhaltenen Stüde gleich anstatt hinten um den Altaraufbau herumgeführt zu werden. Das vorn sehen fann und überhaupt alles mehr nebeneinander hat. Der Eingang kommt dabei allerdings nicht in die Mitte des Saales, man am Forum. Indem man durch die verhältnismäßig fleinen Seitenbetritt das Bergamon Museum nicht von der. Mitte der Berhalle portale ins Bergamon- Museum hineinkommt, sieht man den Altaraufbau zuerst in Schrägansicht vor sich, wird aber auch nicht versucht, die große Altartreppe hinaufzulaufen, auf der man doch nur zu einem Raum mit Sachen minderen Wertes, Inschriften und dergleichen fäme. Ein Streitpunkt beim Pergamon- Museum ist noch, ob man den Fries in der Höhe anbringt, in der er ursprünglich war, und darüber die Säulenarchitektur in Nachbildung durchführt. Die archäologischen Fachleute wünschen das, um das Ganze möglichst im ursprünglichen Zustand zu zeigen. Andererseits find die großen Gipsergänzungen natürlich auch mir ein Reibehelf, wenngleich ein von den RiefenDon Architekturen, die einft als Marmororiginale im Freien standen, Dieselbe Frage taucht in den Nachbarsälen des Bergamon- Museums räumen der Messel- Bauten vielleicht sehr nahegelegter Rotbehelf. auf, die zurzeit gleichfalls mit großen Modellen gefüllt sind. Hier sollen die Architekturftüde von den Stätten der deutschen Ausgrabungen aufgerichtet werden: die große Rundbank aus Bergamon, das riesige Markttor von Milet, die Säulen von Briene, die Mar mor- Friese aus Baalbek ufu. In den Räumen, deren Rohbau mun fertig steht, wird ein ganzes Mujeum antifer Architettur geplant. Einiges von diesem Programm mußte schon abgestrichen werden. Aber es ist ja überhaupt des Nachdentens wert, ob die verhältnis mäßig doch wenigen originalen Stücke felcher Architektur, die von den deutschen Gelehrten nach Berlin gebracht worden sind, nicht in jedem Sinne besser wirten, wenn man sich beim Aufwande großer Ergänzungsaufbauten aus falschem Material etwas einschränft. Die Hauptsache ist, daß der Bergamon- Fries, den man heute nur unter allergrößten Schwierigkeiten fehen tann, möglichst bald und möglichst gut der Deffentlichkeit gezeigt wird. Die Schauspieler- Nachtvorftellung der Nelson- Nevue.Die Nacht des & chte im heater am Kurfürstendamm findet mun definiti am 28., abends 12 Uhr 15, in der Bremierenbelegung statt. Ein funger Bursch. 18. August 1914. Bor einigen Monaten hatte ein belgisches Kriegsgericht gegen den deutschen Schriftsteller Paul Ostar Söder in feiner Abwesenheit ein Todesurteil gefällt, weil er als Hauptmann in Belgien am 18. August 1914 die Ersoyießung eines jungen Belgiers befohlen hatte. Die Folge mar ein deutsches Ermittlungsverfahren, das der Oberreichsanwalt jegt eingestellt hat. In der Begründung heißt es: Nach dem Brigadebefehl vom 17. August 1914 waren die 3iviliften, die Waffen, Munition oder Sprengstoffe verborgen hielten, auf der Stelle zu erschießen. Der Befchuldigte führte den Befehl sehr milde durch. Wer seine verborgenen Waffen auf Aufforderung freiwillig ablieferte, dem geschah nicht. Am 18. Auguft 1914, im Gehöft Jungbusch bei Moresnet, versicherten die Bewohner, daß in ihrem Hause feine Waffen vorhanden seien. Bei der Durchsuchung fand man einen jungen Burschen auf dem Dachboden im Stroh versteckt, der ein geladenes belgisches Gemehr in der Hand hielt. Dieser Bursche wurde auf Befehl des Beschuldigten sofort erschossen. Das Borgehen des Beschuldig ten mar berechtigt; er hat auf Befehl gehandelt(§ 47 Milsier.). Daß er über den Brigadebefehl, der gemäß§ 18 der Raiserlichen Ber ordnung vom 18. Dezember 1899 zu Recht bestand, hinausgegangen ift, haben die Ermittlungen nicht ergeben. Die Einstellung des Berfahrens ist berechtigt, die Begründung richtig. Es verdient jedoch hinzugefügt zu werden, daß der junge Bursch als Verteidiger seines Landes handelte und daß er der Meinung sein konnte, die Bölkerrechts widrigkeit seines Berhaltens sei durch die Bölkerrechtswidrig feit des deutschen Einmarsches in Belgien kompensiert. Im übrigen war das belgische Urteil, wie alle anderen dieser Art, ein vergeblicher Berfuch, zwischen Krieg und Strafrecht ein vernünftiges Berhältnis herzustellen. Das wird erst möglich sein, wenn der Krieg felbst im Bewußtsein der Böller als einzige ungeheure Rechtswidrigkeit erkannt ist. Nachspiel zu den Mecklenburger Fememorden Ein Beleidigungsprozek in Moabit. Bor dem Amtsgericht in Moabit fand heute vormittag ein Prozeß statt, der im Zusammenhang mit dem Kampf der Linkspreffe gegen die völtischen Feme- Organisationen steht. Der Rittergutsbesizer von Treuenfels auf Herzberg in Mecklenburg hatte Beleidigungsklage gegen die verantwortlichen Redakteure des„ Ber liner Tageblattes", Erich Dombrowsti, und des Borwärts", Bittor Schiff wegen eines am 28. Juli 1925 im Berliner Tageblatt" erschienenen und vom Vorwärts" auszugsweise abgeduckten Artikels erhoben, in dem er unter den Geldgebern der völfischen Feme- Organisation genannt wurde. Es war ferner darauf hingewiesen worden, daß der Parchimer Fememord seinerzeit auf dem Treuenfelsschen Gut Herzberg und mit Hilfe eines dem Gutsbesizer gehörenden Jagdwagen verübt worden war. Die Geschäfte der Stadtinspektoren. maidando o Wie die Unterschlagungen möglich waren. Die Untersuchung gegen die ungetreuen Stadtinspektoren die ihm gur Erledigung übertragen morben maren. Gerhardt, Schulz und Simon ist bis zur Stunde nicht ab. Aber eine Unregelmäßigteit ist festzustellen. geflossen worden. Allerdings erwartet man in den nächsten Tagen Da tommt der Zufall dem Bezirksamt zu Hilfe. Mitte weitgehende Aufklärungen, die vor allem zeigen werden, mie hoch Januar erhält der Bürgermeister Schneider eine Mitteilung die unterschlagenen Summen fich belaufen und in wie vielen Fällen von vertrauenswürdiger Seite, die Licht in die Angelegenheit bringt. Bestechungsversuche unternommen worden sind. Es hoben sich bei Ein Herr beabsichtigte ein Grundstüd zu laufen. Die Beranlagung. der Kriminalpolizei des Bezirts Mitte bereits eine ganze Anzahl bem Käufer zu hoch erschien. Er begibt sich deshalb auf bas Bezirks zur Grundsteuer war auf 26 000. festgefeßt, eine Summe, bie von Personen gemeldet, die Mitteilungen verschiedenster Art ge- amt und verhandelt mit dem Stadtinspektor Gerhardt. Nach längerer macht haben, die gegenwärtig einer Nachprüfung unterzogen werden. Disfuffion erflärte Gerhardt: Sie zahlen statt 26 000 m. nur 8000 Der Fall stellt sich bis jetzt ungefähr folgendermaßen dar. plus 3000 m." Befremden auf der anderen Seite. Warum plus Mit 26 Jahren wurde Ernst Gerhardt Stadtinspektor, er 3000? Und schließlich läßt Gerhardt durchblicken, daß die 3000 m. bearbeitete im Bezirksamt Mitte das Ressort der Grund fein Bestechungsgeld bedeuten. Der Mann geht darauf nicht ein und steuer und fiel seinen Borgesetzten weder im guten noch im schlechten tritt von dem Kauf des Gebäudes zurüd, Und ein paar Tage barauf Sinne auf. Bei 350 M. Monatsgehalt ist er anscheinend glüdlich Sinne auf. Bei 350 M. Monatsgehalt ist er anscheinend glüdlich erfährt ein zweiter Fall feine Klärung. Jemand will fein Grund berheiratet, fügt sich in die Berhältniffe, während feines irlaubs ftüd verfaufen, und der Käufer zahit, um eine Sicherheit für die verläßt er mit seiner Frau Berlin, er pflegt Berfehr nur mit zwei Grundsteuer zu leisten, eine Borgrundsteuer. Die Sahlung ist erfolgt, als die Behörde einen Brief von dem Käufer erhält, in dem mitgleidhaltrigen Kollegen, den Stadtinfpeftoren Schulz und Simon von den Bezirksämtern Kreuzberg und Friedrichshain, geteilt wird, daß aus dem Raufgeschäft nichts geworden ist. Die er lebt im großen und ganzen wie alle feine Kollegen, ist ein Rab Borgrundsteuer wird zurüdgezahlt, allerdings erhält sie nicht der in der Berwaltungsmechanit, ein anonymer Beamter der Gehalts rechtmäßige Eigentümer, sondern Gerhardt läßt sie ftufe 8, der feine Pflicht tut. Da erhält der Bürgermeister Schneider am 2. Oftober einen Brief, der mit dem Namen Stübler unterschrieben ist und der sich mit der Person des Stabtinspektors Gerhardt befaßt. Der ganzen Form nach muß dieser Brief von einem find barin enthalten, bie nur ein Eingeweihter wissen fann. Der Beamten stammen, der mit Gerhardt zusammenarbeitet, Details Beamten ftammen, der mit Gerhardt zusammenarbeitet, Details Brief berichtet furz, daß Gerhardt ein anderes Leben führe als allgemein angenommen werde. Er hätte foftspielige Reifen nach Stalien unternommen, seine Frau befige mehrere große Wohnung in der Alexandrinenstraße gemietet. Zuerst glaubt teure Belziaden und vor einigen Tagen hätte er für 6000. eine man dem Brief nicht. Aber man zieht sofort Erfundigungen ein und erfährt bis zur Mittagsstunde, daß die Angelegenheit mit der Wohnung stimmt. Man weiß genau, daß wedere Gerhardt noch seine Frau von Hause aus vermögend find, und das Gehalt reicht gerade zu einem Leben ohne Ansprüche aus. Man schließt also auf unbekannte Einnahmequellen und fommt auf den naheliegenden Berdacht, daß irgend etwas in seiner Geschäftsführung nicht ftimmen worden sind, wird Gerhardt mitgeteilt, daß er vom nächsten Tage müsse. Kurz vor Bureauschluß, als bereits die Atten abgegeben in ein anderes Ressort verjetzt sei und man weiß es einzurichten, daß er nicht mehr an seinen Arbeitsplatz herankommt. Am nächsten Tage aber tritt Gerhardt jeinen neuen Dienst nicht an, er schidt ein ärztliches Attest, daß er schwer erkrankt sei. Auch der Vertrauens. arzt des Bezirksamts stellt eine bedenkliche Magenerfranfung und im Bureau, hin und wieder schickt er Attefte, die feine Krankheit einen Nervenzusammenbruch fest. Gerhardt erscheint nicht wieber bestätigen. In der Zwischenzeit werden eingehend die Steuerfälle geprüft, zum Selbstmord unzweifelhaft hervor, doch ist der Grund bisher noch unbetannt. Um den Plak der Republik. Und in die eigene Tasche fließen. mun stellt sich sich heraus, heraus, daß daß Gerhardt, der bei Kauf eine Art Bermittlerrolle biefem Spielte, cine bes Bertäufers befigt. Auf einem diefer Bogen teilt er sich selbst mit, Menge Briefbogen mit dem Firmenkopf und der Blantounterschrift daß das Kaufgeschäft rüdgängig gemacht worden sei. Es ist bis heute ungeklärt, wie Gerhardt in den Besitz dieser Bogen gelangt ist, ferner, mie er fich eine Regelung beim Grundbuchamt dachte. Ais mun ber Berhaftungsbefehl gegen Gerhardt erlassen wird, ist er aus Berlin verschwunden. Bielleicht ist er noch in Deutschland, vielleicht 60 000 m. veruntreut worden sind, aber es ist anzunehmen, daß die lebt er auch bereits im Ausland. Feft steht, daß auf diese Weise tatsächlich unterschlagenen Gelder diese Summe weit übersteigen. Und gleichzeitig mit Gerhardt ist sein Freund und Kollege Schulz Dom Bezirksamt Kreuzberg verschwunden. Scheinbar hat Gerhardt ihn darauf aufmerksam gemacht, auf welche leichte Art Geld zu verdienen ist. Bei einer Haussuchung bei Schulz fand man ein Proto foll, das über eine Besprechung zwischen dem Dezernenten und Gerhardt aufgenommen worden war. Wie hoch hier ist bis zur Stunde der Fall Simon. die Unterschlagungen find, ist noch nicht festgestellt, ebenso ungeklärt Das Ganze ein Betrug wie viele, ein Betrug, der nicht einmal besondere Erfindungsgabe zeigt, der aber, wie alle nur das Eine beweist, daß Krieg und Inflation das Ansehen von Staat und Gesellschaft untergraben haben, daß die moralische Berantwortung gewaren die Borteile, die fich ihnen tros der Bestechungsgelder boten junken ist. Der Fall Gerhardt ift aber auch in einer anderen Beziehung interessant. Warum schweigen die Betroffenen? so groß, daß ihnen das Schweigen leicht wurde? Oder welche Motive Spielen hier eine ausschlaggebende Rolle? werden. Selbit der banerische Meichsvertreter hat fürzlich erflärt. nahezu das volle vorfriegsmäßige Verfügungsrecht über feine Wohnungen zu. Die Mieter geraten jederzeit in die Gefahr, durch ein paar den Hausbefizern willfährige Baragraphen rüajihisios auf die Straße gefekt zu werden. Wie weit es heute schon kommen tann, fieht man cus der entfetlichen Tatsache, das wohnungslose Familien sich in Müllund Shutthaufen Wohnunas. höhlen eingewühlt haben. Wie soll das erst in Butunft daß für die bayerische Regierung diefe Novelle unannehmbar fei Die Ausführungen Dr. Goezels fanden die einhellige Suftimmung Der Bersammlung. Eine entsprecher.de Entschließung fand ein. Die Einführung der Stadträte. Proteft gegen die nichtbestätigung des Kommunisten Rebe. In der gestrigen Magistratssigung find die bisherigen unbefol deten Mitglieder des Magistrats zum letzten Male auf Grund thres alten Mandats tätig gewesen. Die ausscheidenden Mitglieder, das Oberbürgermeister verabschiedet. In der heutigen Sizung der Stadtrunter unser Beneffe Bürgermeister So hi( Köpenid) rourden vom verordnetenversammlung soll die Einführung der im Dezember neugewählten Stadträte stattfinden. Bon den 12 neuen Magistratsmitgliebern hat ber Oberpräsident nur den Kommunisten Rebe nicht bestätigt. Die Rote Fahne" hat das Strafregister Rebes veröffentlicht. Man muß danach annehmen, daß die Richtbestätigung fich lediglich auf eine während des Krieges verhängte Buchthaus. ftrafe megen angeblicher Meuterei gründet. Von den Angeschuldigten war nur der Vorwärts"-Redakteur anwesend, da der frühere Tageblatt- Rebatteur, Dombrowsti, nach Furchtbare Familientragödie in Schöneberg. Frankfurt a. M. verzogen ist. Der Privatkläger war mit RechtsDie Mutter mit zwei Kindern in den Tod. anwalt Dr. Sad erschienen, während die Sache der Beklagten, verAus der Wohnung der in dem Hause 3iethenstraße 6 in tretungsweise auch für das B. T." von Rechtsanwalt Otto Landsberg geführt wurde. Ursprünglich war der Strajantrag auch gegen Schöneberg wohnenden Mieterin Frau Martha Blas. die Chefredakteure der beiden Blätter, I heodor Wolff und feld brang heute morgen starter Gasgeruch. Hausbewohner wur Griebrich Giampfer, gestellt morben, jedoch, mie Amtsge. ben aufmerksam und als auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet murde, benachrichtigten sie die Polizei. Die Wohnung wurde ge richtsrat Lorging zu Beginn der Berhandlung bekanntgab, auf die maltfam geöffnet. Den eintretenden Beamten bot sich ein erverantwortlichen Rebatteure nachträglich eingeschränkt worden. R.. Landsberg machte daraufhin grundsäglich geltend, daßütternber Anblid. Die 41 Jahre alte Chefrau M. Blas nach der Strafprozeßordnung damit das gesamte Berfahren hin- felb, ihre 14 Jahre alte Tochter Hildegard und ber 12 Jahre alte ftimmige Annahme. fällig würde. Zur Sache selbst wieß er barauf hin, daß im Urteil Sohn Herbert wurden in der gasgefüllten Wohnung in ihren Betten des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republit in der Marb. liegend leblos aufgefunden. Ein sofort hinzugezogener Arzt fonnte nur noch den vor 3 Stunden eingetretenen Tod feststellen. Die sache kadom der Name von Treuenfels zweimal vorkomme, daß Zeichen wurden polizeilich beschlagnahmt. Frau B. lebte mit ihrem der Mord auf dem Gute und zum Teil von Arbeitnehmern des Bri Mann in Scheidung und hatte in einem Kinotheater einen SchofoDattlägers verübt worden sei und daß insbesondere der Geschäftslebenstand gepachtet. Aus hinterlassenen Briefen geht die Absicht führer des Gutes, Bormann, den Wagen zur Ausübung der grauenhaften Tat hergegeben und in Renntnis des Mordes die Täter zur Flucht verholfen hatte. Er fei vom Staatsgerichtshof wegen Beihilfe zur schweren Körperverlegung und Begünstigung zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden; Herr von Treuen- In der gestrigen Sigung des Hauptausschusses des Preußischen fels habe ihn dennoch als Geschäftsführer bis heute behalten, was Landtages hat Minister Severing erklärt, daß er die Umbenennung nicht nur auf persönliche, sondern auch fachliche Sympathien schließen des Königsplages in Blaß der Republit" genehmigen werde. Diefe laffe.( Bormann war als Zeuge von Treuenfels genannt und heute Erklärung des Ministers wedt die Erinnerung an bas Trauerspiel bei der Genehmigung der Friedrich Ebert Straße. Monatelang in seiner Begleitung in Moabit erschienen.) Dieses Verfahren des Oberpräsidenten muß im höchsten Grade R.-A. Sad wandte sich gegen die Rechtsauffassung Lands. mußte zwischen den Behörden hin- und herverhandelt werden, ehe befremden. Die während des Krieges verhängten Strafen fallen bergs, daß mit der Zurücknahme des Strafanirages gegen Wolff es möglich war, alle Schwierigkeiten zu beseitigen. Zu guter Legt unter die Amnestie, und es ist nicht einzusehen, mit weidjem und Stamper das gesamte Verfahren hinfällig geworden wäre und erließ auch noch das Bezirksamt Tiergarten einen geharnischter Recht auf Grund einer solchen unter ganz anderen Verhölinillen Protest, weil es um seine gewichtige Meinung nicht gefragt war. erfolgten Berurteilung heute noch einem Manne die Bestätigung stellte dem Richter eine Entscheidung hierüber anheim. Zur Bar: Der Geschäftsgang bei der Genehmigung der Umbenennung des versagt werden soll, gegen den sonst feinerlei Einwenchimer Mordsache beantragte er unter Zustimmung Landsbergs die Königsplages ist folgender: Der Beschluß der Stadtverordnetenver- dungen erhoben werden fönnen. Die kommunistische Fraktion hat Heranziehung der Aften vom Staatsgerichtshof oder zumindest die jammlung geht an den zuständigen Dezernenten, den Leiter des am Dienstag einen Dringlichkeitsantrag eingereicht, der gegen diese Berseung des Urteils. Indessen versicherte er, daß der Bri Tiefbauamtes, Stadtbaurat Hahn. Dieser hat den Beschluß dem Nichtbestätigung energisch protestiert. Ale Barteien haben es für vattläger von Treuenfels, der nur ganz furze Zeit der deutsch- zuständigen Bezirksamt Tiergarten zugeleitet, mit der Aufforderung, medmäßig gehalten, ber Dringlichkeit dieses Antrages nicht zu völkischen Freiheitspartei angehörte und sich wieder von ihr ge- fich in einer bestimmten Frist zu der Angelegenheit zu äußern. miberfprechen und haben dadurch zum Ausdrud gebracht, daß sie die Wenn die Aeußerung eines hohen Bezirksamts porliegt, wird die Berechtigung des fommunistischen Protestes zugeben müffen. Mögtrennt habe, durch die Veröffentlichungen des„ B. I." und des Sache auf die Tagesordnung der Magistratsfigung gefeßt und der licherweise wird dieser Antrag noch heute verhandelt werden. Die ,, Borwärts" Unrecht geschehen sei. Er appellierte an den guten Magistrat beschließt, ob er dem Wunsch der Stadtverordneten bei Haltung des Oberpräsidenten wirh jedenfalls auch von Willen der beiden Redaktionen, diesen moralischen Schaden durch treten will. Bejahendenfalls wird dann der Dezernent beauftragt, fozialdemokratischer Seite, wahrscheinlich aber auch von den Abschluß eines vom Amtsgerichtsrats Lorging angeregten Be reinen entsprechenden Antrag beim Bolizeipräsidenten einzureichen. anderen Barteien nicht gebilligt, und man fann mit einer gleiches meitzumachen. Da auf Befragen von Schiff R.-A. Sad Der Herr Bolizeipräsident feinerseits leitet zuständigkeitshalber den fehr starten Majorität für die Annahme des tommunistischen Anden guten Glauben der Rebatteure ausdrücklich bestätigte, Antrag des Magistrats unter Beifügung feiner eigenen Stellung trages redynen. ging R.-A. Landsberg auf den Bergleichsvorschlag ein, und zwar nahme auf dem Wege über den Oberpräsidenten an den Minister des Innern. Nach menschlichem Ermelsen fann man also annehmen, verpflichtet sich der Borwärts", folgende Ertlärung zu verdaß in vier bis sechs Wochen die Angelegenheit soweit gefördert ist. öffentlichen: stanzenzuge Oberpräsident, Polizeipräsident, Magiftrat, an das Be Der Entscheid des Ministers mardert dann auf dem schönen Inzirksamt Tiergarten, und das bedauernswerte Bezirksamt Tiergarten mit seinem deutschnationalen Bürgermeister an der Spize wird ficher blutenden Herzens dann den Auftrag geben müssen, die Schilder des Königsplatzes in Auftrag zu geben. Schilder des Königsplates in Auftrag zu geben. In Nr. 351 des„ Vorwärts" vom 28. Juli 1925 ist unter der Ueberschrift:„ Ein Band unter völkischem Terror" ein Auffaß der öffentlicht, den ich im Glauben an die Richtigkeit seines Inhaltes aus dem Berliner Tageblatt" entnommen habe. Diesen Aufsatz hat der Gutsbesitzer Herr Hermann von Treuenfels zum Gegenstand einer Privatflage gegen mich gemacht. Ich ertiäre, daß ich die Ab. ficht nicht gehabt habe, Herrn von Treuenfels eine Beteiligung am Parchimer Morb und die Hergabe von Geldern an Mordorgani fationen vorzuwerfen. Sollte aus dem Auffag ein solcher Bor. wurf herausgelesen werden fönnen, so stehe ich nicht an, ihn zurückzunehemen. Ich will auch die Behauptung nicht aufredyter. halten, daß Herr von Treuenfels völtische Organisationen mit Geldmitteln unterstügt hat." " Diese Erklärung soll auch in der Mecklenburgischen Volkszeitung" in Roftod und eine ähnliche im Berliner Tageblatt" er scheinen. Der Privattläger zog daraufhin seine Stage zurüd. Der Reichstagsausschuß zur Untersuchung der Fememorde trat geftern zu einer Sigung zusammen, um sich über den bisherigen Gang der Materialbeschaffung zu unterrichten. Nach längerer Debatte beschloß man, die Dentichrift des Preußischen Innen ministeriums abzuwarten und Anfang März wieder zu. fammenzutreten. Die Arbeiterpartei gewinnt einen Unterhausfih. Bei der Bar lamentserjagwahl in Darlington erhielt Shepherd( Arbeiterpartei) 12 965 Stimmen, Beaſe( Konservativ) 12 636 und Didie( Liberal) 8573 Stimmen. Die Arbeiterpartei gewinnt fomit einen Sih. 40 4 Zigeuner als Friedensstörer. In der vergangenen Nacht fam es in einem Lofal in der Straßburger Straße zu einer schweren Schlägerei mifchen 3igeunern, dem 35 Jahre alten Händler Richard Müller aus der Charlottenburger Straße in Wilmersdorf und bem 26jähri gen Kutscher Erwin Sonnenberg aus der Schönstraße. Letterer trug erhebliche Berlegungen an Rppf und Oberarm bavon, fonnte aber nach Anlegung von Rotverbänden in einer Rettungsftelle in feine Wohnung entlassen werden. Müller wurde ebenfalls fehr erheblich verlegt. Er mußte in ein Krantenhaus gebracht werden. Schwere Gefahren für die Mieterschaft. In einem überfüllten Saal des Lindenparts sprach Rechtsanwalt Dr. Goebel vor den mtetern Zehlendorfs über den neuesten Stand der Mieterschutzgesetzgebung, und seine Ausführungen waren eine einzige Warnung vor den großen Gefahren, bie der Mieterschaft in Zukunft brohen, wenn sie nicht auf dem Boften ist, um sich ihre Rechte zu sichern. Die Mieterichungelege laufen am 1. Juli b. 3. cb, werden nicht verlängert, und sollen durch eine Rovelle zum Mieterschußgefek abgelöst werden, beren unzulämalich teiten ber Rebner aufzählte, Den Hausbefigern weift diefe Revelle fuhr gestern eine Kraftdreichte gegen einen Baum. Dabei frugen die Autounfall in Rudow. Auf der Schönfelder Chauffee in Rudom Infassen der Droichte, ber 67jährige Kaufmann Hugo Schüler Arbeiter Wilhelm Schulz aus Marienfelder Weg 1 ebenfalls einen aus der Schierkestraße 20 einen Schädelbruch, der 20jährige Schädelbruch und der 23jährige Biolinist Baul Liebe aus der Schierbestraße 36 leichtere Kopfverlegungen davon. Sie wurden nach Anlegung von Notverbänden nach dem Neuköllner Krankenhaus gebracht. Der 22jährige Führer der Droichle, Herbert Bohlen aus der Bruno- Bauer- Straße in Neukölln, tam mit leichteren Kopfberlegunger bavou. Jugendweihe für Kaulsdorf am Sonntag, 28. März 1926, bormittags 11, Uhr, in der Turnhalle. Abolfftr. 35. Anmeldungen werden noch ents gegengenommen beim Gen. Schäffter, Friedrichstr. 16. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen treffen fidh am Freitag, ben 19. februar, abenbs 7 1hr, zur Beteiligung an der Einäfcherung unseres verstorbenen Genoffen Dams vor dem Krematorium Gerichtstr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 27. t, Unfer Genoffe Nathan Cohn, Milafte, 6, ift am Sonntag, den 14. Febr. perftorben. Beerbigung am Freitag, den 19. Februar, vormittags 11 Uhr, von ber Reuen Halle des jüdischen Friedhofes in Weißensee. Geschäftliche Mitteilungen. gende Berechnung der bekannten Teeeinfuhrflema Mehmer. 100 g ihrer feinen Bie fparfam fich mit Tee bei richtiger Bereitung wirtschaften läßt, zeigt fol wohlschmedenben Mischung Ceylon- Judien( Grüne Badung) ergeben durch die große Ergiebigleis ungefähr 100 Taffen, die Kaffe ftellt hich also auf noch nicht einmal Pfennig. Faft ebenso vorteilhaft ftet eine Taffe aus Diehmers berühmten, überaus gehaltvollen Hochland Tee( Mante ayi, sele), bet dem man mit geringften Hormingen almunt, ohne bag Behlgefchman and Aroma felben Gewerkschaftsbewegung Das Lohnabkommen im Baugewerbe. Ergebnis der zentralen Tarifvertragsverhandlungen. Bom 11. bis 13. Februar wurde in Berlin über den Abschluß eines Reichstarifvertrages verhandelt. Den Verhandlungen war eine erweiterte Beirats- und Vorstandskonferenz des Baugewerksbundes vorausgegangen, die zu den Tarifvertragsverhandlungen Stellung nahm. Die Arbeitszeitfrage stand dabei im Vordergrund. Hier wurde entschieden, daß die Verhandlungskommission an dem Beschluß des 1. Bundestages festzuhalten hat. Dieser Beschluß hält am Achtstundentag feft, gibt aber die Freiheit, bezirtlich eine längere norübergehende tägliche Arbeitszeit zu vereinbaren, falls fich die Notwendigkeit dazu ergibt. Die dann einsetzenden Reichstarifvertragsverhandlungen gestalteten sich wiederum äußerst schwierig. Auch hier drehte es fich hauptsächlich um die Frage der Arbeitszeit. Aber auch die Lohn frage bot große Schwierigkeiten. In der Arbeitszeitfrage war eine Einigung nicht möglich. Jedoch scheint es, als ob auch die Unternehmer es zunächst beim alten belassen möchten. Sie sehen ihre Hoffnung auf eine ihnen günstigere gefeßliche Regelung der Arbeitszeitfrage. Es bleibt also im Baugewerbe beim Acht ftundentag. Nach langen Auseinandersetzungen kam dann in der Lohnfrage eine Vereinbarung zustande, der auch die Bertreter der Gewerkschaften zustimmen zu fönnen glaubten. Diese Vereinbarung befagt im wesentlichen: Die bezirklichen Lohnabkommen fönnen spätestens am 8. März zum 31. März gefündigt werden, andernfalls gelten fie als verlängert bis zum 30. Juni. Wo ein bezirkliches Lohnab fommen gefündigt ist, muß über den Abschluß eines neuen Abkommens verhandelt werden. Bleiben die Verhandlungen erfolglos, dann ist das zentrale Schiedsgericht bis zum 30. März anzurufen. Die von dem Schiedsgericht festgelegten Lohn ablommen gelten bis 30. Juni. Die bis dahin gültigen Lohn abfommen fönnen spätestens am 8. Juni zum 30. Juni 1926 ge agte der Köchin Jagts dem Hoch Days die Borse hat ein Wo micht Loch Reichards herrscht am Haus Da geht Schmalhans ein und aus. Gralkakao nur spart gut, Macht die Wangen frisch wie Blut Schokolade sättigt fein, Nimmt Dir jede Nahrungspein tünbigi merben, fonft geften fle bis zum 30. September als verlängert. Das zentrale Schiedsgericht ist zuständig zur Entscheidung ausschließlich über Lohnstreitigkeiten, Ueberstundenzuschläge und sonstige Buschläge sowie besondere Entschädigungen, die Art und Weise der Lohnzahlung, Streitigkeiten über Ortsklasseneinteilung, Auslegung der eigenen Schiedssprüche und des neuen Abkommens. Seine Entscheidungen find endgültig. Die Parteien haben sich verpflichtet, während der Dauer des bis 28. Februar 1927 laufenden Abkommens in allen durch das Abkommen geregelten Fällen Kampfmaßnahmen zu unterlassen. Die Bauarbeiterverbände haben jedoch das Recht, bis zum 1. September 1926 gemeinsam zu erklären, daß fie eine Verlängerung des Abkommens über den 30. September 1926 nicht wünschen. Bis zum Mittwoch, den 17. Februar, abends 6 Uhr, mußten die an diesem Lohnvertrag beteiligten Parteien erklärt haben, ob sie diese Bereinbarung ablehnen oder annehmen. Der Borstand und Beirat des Baugewerksbundes, die Bertretung der Zimmerer, der Maschinisten, des Christlichen Bauarbeiterverbandes und die Unternehmerorganisationen haben der Vereinbarung zugestimmt. Im übrigen ist in den anderen strittigen Tarifvertragsfragen, wie den Ferien, der Regelung der Lehrlingsfrage, der Bauwertmeistertariffrage, der Lohnspanne zwischen den Gelernten und Ungelernten, eine Einigung nicht möglich ge= wesen. Es ist auch vorläufig nicht in Aussicht genommen, diese Berhandlungen noch fortzusetzen. Aus den ganzen zentralen Reichstarifvertragsverhandlungen erscheint nur für dieses Jahr die Lohnfrage geregelt. Hierzu sei gesagt, daß die Aufgaben des in der Lohnabmachung genannten zentralen Schiedsgerichts fich ausschließlich auf die Bunfte beschränken, für die es zuständig ist. In allen übrigen Fragen haben die Parteien unbeschränkte Bewegungsfreiheit. Zur Lohnfrage ist zu beachten, daß die Bedingungen für die Arbeiterorganisationen zum 30. Juni und 30. September lösbar sind, während die Unternehmer nur zum 30. Juni von der Bindung zurücktreten können. Soviel geht aus der Lohnvereinbarung hervor, daß in diesem Jahre feine ernsten Lohnfämpfe im Baugewerbe entstehen werden. Ob aus den übrigen strittigen Fragen fich Kämpfe entwidein werden, sei dahingestellt. Was in Ostpreußen möglich ist. 3m Namen des Königs. Bom Deutschen Landarbeiterverband wird uns geschrieben: Der Amtsvorsteher 3 acharias aus Kallinowen, Kreis Lözen, fühlte sich vor einigen Monaten verpflichtet, gegen einen landwirtfchaftlichen Deputatarbeiter einen Strafbefehl folgenden Wortlauts zu erlassen: 3m Namen des Königs! Nr. 28 der Strafliste des Jahres 1925. Sie haben den Befehl des Kämmerers Lindenbach, beim Dreschen das Stroh zu laden, trop wiederholter Aufforderung nachzukommen verweigert. Die Uebertretung wird bewiesen durch Kämmerer Lindenbach in Faulböden. Es wird deshalb gegen Sie auf Grund des§ 1 des Gefeßes vom 24. April 1854 eine bei der hiesigen Amtstaffe zu Camienten zu erlegende Geldstrafe Don 3 m. 40 Pf., an deren Stelle, wenn sie nicht beizutreiben ist, eine Haft von einem Tag tritt, hierdurch festgesetzt. Kallinomen, den 27. Oftober 1925. Alter preußischer Stempel mit Adler und Kroninfignien. Der Amtsvorsteher: gez. Zacharias. Wir haben schon mehrfach auf Verfügungen einzelner Amtsvorsteher hingewiesen, die in ihrer Art einzig dastehen und in denen 3. B. verfügt wird, daß das Polizeigefängnis, das Sprizenhaus, ein Stall oder gar die Schule als Rotobrach für einen obdachlosen Landarbeiter beschlagnahmt wird. Herr Zacharias erflettert jedoch mit seinem Strafbefehl den Gipfel des nur in Ostpreußen noch Möglichen. Das Gesez vom 24. April 1854 ist durch Berordnung der Beltsbeauftragten schon im OBERST Astoria Jahre 1918 aufgehoben worden. Was geht es jeboch Herrn Amis vorsteher Zacharias an, was die Voltsbeauftragten taten? Er ist Amtsvorsteher des Amts Camionken, Kreis Lözen, und in feine Geschäftsführung hat sich natürlich keine Regierung hineinzumischen. Er bestraft Gehorsamsverweigerungen" im Arbeitsverhältnis, selbst wenn die Gejege, die der Polizei das Recht hierzu gaben, seit 7 Jahren aufgehoben find. Für ihn gilt natürlich auch nicht die Anordnung des Innenministers, daß die alten föniglichen Stempel nicht mehr benutzt werden dürfen, sondern er behält sie ruhig weiter in Gebrauch. Ob dem Herrn Landrat für den Kreis Lözen in seinem amta lichen Verkehr mit dem Herrn Ortsvorsteher gar nicht einmal aufgefallen ist, daß der alte Stempel noch immer benutzt wird? Oder hat er in der Erwartung, daß die verdammte Republik doch bald wieder verschwindet, Nachsicht geübt? Vielleicht führt die Veröffentlichung dazu, daß auch den oft<< preußischen Polizeibehörden endlich zum Bewußtsein gebracht wird, daß im Jahre 1918 eine Veränderung der staatlichen Verhältnisse Deutschlands eingetreten ist. Protest der Breslauer Eisenbahner. " Breslau, 18. Februar.( WTB.) Die Breslauer Eisenbahner vers anstalteten am Mittwoch unter Führung der Ortsgruppe Breslau des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, auf dem Heumarkt eine Protestversammlung. Die Redner trilisierten, wie die Schlesische Zeitung" schreibt, in ihren An Sprachen übereinstimmend scharf die Stellungnahme der Reichsbahn gegenüber ihrem Personal. Es wurde schließlich einstimmig eine Entschließung angenommen, in der u. a. der Schuz deutschen Rechts und Eigentums, Einstellung des Personalabbaus, Sicherung der im Reichsbahngesetz und der Personalordnung der= brieften Rechte des Personals gefordert wird. industrie ist von den Bergarbeiterverbänden bei dem Reichsarbeits Die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für die kaliministerium beantragt. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GW 68, Lindenstvake 3. der Kehrreim. 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