Nr. 8543. Jahrg. Ausgabe A nr. 43 Bezugspreis: frisd Böchentlich 70 Bfennig, monatlia B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, fülr bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit Gied lung und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Abrene: -Sozialdemokrat Berlin 100 nagilag and fin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nortpareille Beile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennis ( zuläffia zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bach staben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Bfennia. 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Die Rede Ramets im Wiener Nationalrat war so gemäßigt und vorsichtig, daß man sich erstaunt fragt, über welche„ Punkte" Mussolini eigentlich noch Aufklärungen verlangen zu müssen glaubt. An scheinend ist ihm die Mitteilung Rameks sehr peinlich, daß Mussolini dem österreichischen Gesandten in Rom versichert habe, die italienischen Soldaten würden niemals die Brenner- Grenze über schreiten. Dieser Zurückzieher ist natürlich für den großmäuligen Mussolini eine schwere Blamage und war vielleicht nicht für die Deffentlichkeit bestimmt. Daher wohl die große diplomatische Aktion des mächtigen Italien gegen das kleine Deutschösterreich. Der deutsche Minderheitenschutz. Ein Interview mit Stauning. Kopenhagen, 19. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Kopen hagener Korrespondent des„ Soz. Pressedienst" erhielt von dem dänischen Ministerpräsidenten' Genossen Stauning die folDas Duellgesetz. Aussehung um zwei Monate beantragt. Die Regierungsparteien des Reichstags haben nunmehr, wie hier schon angekündigt wurde, den Antrag eingebracht, die Verkündigung des Duell gesezes, das über schuldige Offiziere die Dienstentlassung verhängt, um zwei Monate auszusehen. Ein solcher Ausfegungsantrag wird ohne weiteres wirksam, wenn er von einem Drittel des Reichstags gestellt ist, sofern nicht die Mehrheit das Gesetz für dringend erklärt und der Reichspräsident es daraufhin verkündet. Ein solcher Dringlichkeitsbeschluß ist in diesem Fall nicht zu erwarten, da feine Mehrheit für ihn vorhanden ist. Das Duellgefeß wird also zunächst nicht verkündigt werden. Der Antrag der Regierungsparteien bedeutet, wie gleichfalls schon gemeldet, ein Entgegenkommen an den Reichspräsidenten, der das Gesetz nicht verkünden will, weil es für Offiziere und Beamte ungleiches Recht schafft. Die 3weimonatefrist foll dazu benützt werden, diese Ungleichheit zu beseitigen und in einem neuen Gesetz für Duellvergehen der Offiziere und der Beamten gleichmäßig die Dienstentlassung als Strafe zu verfügen. Das ist ein ganz passabler Ausweg, um diesen Konflikt im kleinen aus der Welt zu schaffen. Er könnte jedoch leicht wieder verbaut werden, wenn man wirklich, wie von gewiffer Seite beabsichtigt sein soll, bei dieser Gelegenheit den gefeßlichen„ Ehrenschuh" verschärfen wollte.. Das bestehende Gesetz würde dazu vollauf genügen, wenn es die entsprechende Anwendung fände. Eine Verschärfung könnte, so lange unsere Justiz nicht das Vertrauen besitzt, daß fie rechts und links mit gleichem Maß mißt, eher Schaden stiften, als Nußen bringen. Man wird also diese stark umstrittene Materie mit der Frage des Duellgesezes nicht in Verbindung bringen dürfen, wenn man die Lösung nicht unnötig erschweren will. ad gott „ Noch nicht"... Deutsche Demokratische Partei und Volksentscheid. Der„, Demokratische Zeitungsdienst" veröffentlicht aus Anlaß der bevorstehenden Auslegung der Einzeichnungslisten für ein Boltsbegehren in der Frage der Fürstenabfindung nachstehende Mitteilung der Parteileitung: Die Deutsche Demokratische Reichstagsfraktion ist aus dem Bestreben heraus, die ungeheuerlichen Forderungen der Fürsten abzuwehren und das schwerleidende deutsche Bolt vor weiterer Belastung zu bewahren, nachdrücklichst bemüht, eine diesem berechtigten Verlangen entsprechende gefeßliche Regelung der Fürstenabfindung auf parlamentarischem Wege zu erreichen. Die Geftaltung des Kompromißentwurfes im zuständigen Ausschuß steht noch nicht fest. Die Hoffnung auf eine erträgliche Regelung ist somit noch vorhanden. Für die Deutsche Demokra tische Partei ist daher der Zeitpunkt für eine Stellung nahme zu einem Bolfsentscheid noch nicht gekommen. Diese Erklärung der demokratischen Parteileitung fennzeichnet den starten Drud, den die Stimmung aller Kreise der Be völkerung auf die bürgerlichen Parteien ausübt. Die„ Boffische Beitung gibt z. B. einen Bericht über eine demokratische mit gliederversammlung in Halle wieder, in der Georg Bernhard bei der Behandlung des Boltsentscheids sich offenbar nicht für die entschädigungslose Enteignung ausgesprochen hat. Nach dem Bericht „ Ich lenne die Einzelheiten in der neuen preußischen Schulordnung für die Gegenden südlich der dänischen Grenze nicht, aber soweit ich verstanden habe, trägt die Neuordnung den gleichen Charakter wie die nördlich der Grenze. Ich freue mich darüber, daß es hierzu gekommen ist. Ueber das Thema selbst habe ich vor langer Zeit Berhandlungen mit den leitenden Männern der deutschen Sozialdemokratie geführt, und sie haben seitdem dafür gearbeitet, daß Gesez wird, was wir damals planten. Eine Ordnung, die die kulturelle Freiheit in den Grenzgegenden sichert, habe ich für sehr wünschenswert angesehen, und es war für mich eine große Freude, daß die deutsch- dänischen Schulverhandlungen im Jahre 1924 fich dieser Ansicht ebenfalls anschlossen. Die gute Lösung dieser Frage ist indessen nicht nur national- fulturell von wertvoller Bedeutung, sondern sie ist auch wertvoll für das Berhält nis zwischen den zwei Bölkern, die als Nachbarvölker leben sollen. Die Lösung wird so manchen Anlaß zu Reibung und 3wiftigkeit entfernen und beitragen zu dem guten Berhältnis zwischen Nachbarn, das natürlich und nüßlich wäre. Ich sehe voraus, daß die praktische Ausführung der Neuordnung in dem Geiste erfolgt, in dem ich sie beurteilt habe, und in diesem Fall zweifle ich nicht daran, daß die Neuordnung großen Wert hat. Es ist genug Unfrieden in der Welt gewesen, es wäre gut, menn die Entwicklung nun in der anderen Richtung, in der Rich tung zum Guten, gehen würde!" muß er dabei auf stürmischen Widerspruch der Mitglieder versammlung gestoßen sein. Erst dieser Tage erklärte bei den Be ratungen des Rechtsausschusses ein poltsparteilicher Reichs tagsabgeordneter, daß er zwar einen Senat des Reichsgerichts für die beste Instanz halte, daß aber bei der Stimmung im Lande" es nicht möglich sein würde, diese beste" Lösung zu akzeptieren. Das Schwergewicht der demokratischen Erklärung ist infolgedessen auf das Wörtchen„ Noch nicht" zu legen. Das noch nicht" wird sich aber sicher in" Ja" verwandeln, wenn die bisherigen Kompromißverhandlungen im Rechtsausschuß nicht zu Ergebnissen führen, die die Sicherheit für eine erträgliche Lösung der Fürstenabfindung bieten. Das Abfindungskompromiß. Unannehmbare Beschlüsse in erster Lesung. Der Rechtsausschuß des Reichstags segte gestern die Aus prache über den§ 1 des Kompromißanirages zur Fürſtenabfin dung fort. Nach diesem Paragraphen soll ein Reichssonder gericht für die Vermögensauseinandersetzung zwischen den Ländern und den Fürstenhäusern eingesetzt werden. Abg. Dr. Bell( 3.) empfiehlt, 3 wischen erster und zweiter Lesung noch eine bessere Faffung für den§ 1 zu suchen. In erster Lesung würde seine Fraktion für das Kompromiß ſtimmen. Reichstanzler und dem Justizministerium in Verbindung zu sehen, Borsitzender Dr. Kahl erbittet die Ermächtigung, fich mit dem um die Stellungnahme der Reichsregierung zu er fahren. Die Beratungen sollen dann von Dienstag an in Gegenwart von Vertretern des Juftizministeriums erfolgen. Die vom Vorfizenden gewünschte Ermächtigung wird erteilt. Der fommunistische Antrag auf entschädigungslose Enteignung wurde dann in der Schlußabstimmung gegen die Stimmen der Kommunisten und Sozialdemokraten abgelehnt. abschnittsweise vorgenommen und ergab nach Ablehnung der vielen Die Abstimmung über den§ 1 des Kompromißantrages wurde dazu vorliegenden Aenderungsanträge mit wechselnden mehr heiten die Annahme in der Fassung der Kompromißparteien. Als Renderungen wurde nur beschlossen auf Antrag der Deutschen Boltspartei, daß der Reichspräsident die Mitglieder des Sondergerichts auf Vorschlag der Reichsregierung" er nennt, auf Antrag der Demokraten, daß die beiden von den streiten den Barteien zu ernennenden Beisiger wegfallen, so daß das Sondergericht nur aus Berufsrichtern bestehen soll. Jahnkes Geständnisse. Halle, 19. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Ueber den deutsch nationalen Landtagsabgeordneten Jahnke, Bezirk Halle- Merseburg, der demnächst in der parlamentarischen Untersuchung seine Rolle spielen wird, weiß das„ Volksblatt" unter der Ueber schrift Jahntes Geständnis" folgendes zu berichten: Jahnke war, wie er sich selbst in einer öffentlichen Versammlung in Lauch hammer, Kreis Liebenwerda, im letzten Reichstagswahlkampf bezeichnete, Chef der Sabotagemaßnahmen im Ruhrkampf", wozu er amtliche Gelder erhalten hat. Er beklagte sich bitter, daß ihm die preußischen Behörden bei seinen aktiven Abwehrfämpfen große Schwierigkeiten bereiteet hätten. Des weiteren brüstete er fich damit, daß er während des Weltkrieges in der deutschen Spionage in den Bereinigten Staaten von Amerika führend tätig gewesen sei, mobei ihm der damalige deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff, den er nebenher einen& umpen nannte, Hindernisse in den Beg gelegt habe. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Softscheckkonto: Berlin 37 536 Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Hilfe den Erwerbslosen! Heute Entscheidung im Reichstag. Im Vordergrunde der sozialpolitischen Auseinandersetzun gen steht die Forderung der sozialdemokratischen Reichstagsfraftion nach einer ausreichenden Erhöhung der Unterstützungsfäße für die Erwerbslosen. Wir haben in Deutschland seit Jahr und Tag den una erträglichen Zustand zu verzeichnen, daß die Unterstützungsfäße den Arbeitslosen nicht einmal die bescheidenste Existenzmöglich= feit gewährleisten. Dieser Zustand ist unvereinbar mit den bestreitet, daß die Millionen Arbeitslofer und Kurzarbeiter Bestimmungen der deutschen Reichsverfassung. Kein Mensch die unschuldigen Opfer der Wirtschaftstrije sind. Sie wünschen nichts sehnlicher, als durch volle Verwertung ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt bestreiten zu find. Sie wünschen nichts sehnlicher, als durch volle Verwer fönnen. Das ist jedoch unmöglich. Alle Bemühungen, Arbeit fönnen. Das ist jedoch unmöglich. Alle Bemühungen, Arbeit zu erlangen, sind vergeblich. Deshalb sind die Voraussetzungen der Reichsverfassung in vollem Umfange gegeben, wonach das Reich die Pflicht hat, für den notwendigen Lebensunterhalt dieser Arbeitslosen zu sorgen. ermüdlichen Kampfe gelungen, mit Wirkung vom 14. Dezem Es ist der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion im unber ab, die erste Erhöhung der Unterstützungssäge durchzusetzen. Diese Erhöhung ist immer noch unzureichend. Der neuen Regierung sollte es vorbehalten bleiben, eine weitergehende Regelung vorzunehmen. Es bedurfte wiedertischen Reichstagsfraktion, damit die Frage der um des nachdrücklichsten Drängens der sozialdemokra weiteren Erhöhung überhaupt in Fluß fam. Die Regierung hat sich erst nach langwierigen Berhandlungen dazu bereit gefunden, eine einigermaßen befriedigende Regelung der Kurzarbeiterfürsorge vorzunehmen. Der gleiche Widerstand mußte überwunden werden, um die Erhöhung der Unterstügungssäge zur Entscheidung zu bringen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Gesamtsituation, wenn im Berlaufe dieser Auseinandersetzungen der Sachbearbeiter des Reichsarbeitsministeriums, Geheimrat Weigert, allen Ernstes von der unzulänglichen Erhöhung der Unterstüßungsfäße im Dezember behauptete, daß die nunmehr festgefeßten Unterstützungssäge wirtschafts- und sozialpolitisch nicht unbedenklich seien. Bei einer solchen Beurteilung der Sachlage durch den Sachbearbeiter des Reichsarbeitsministeriums war es verständlich, wenn die Regierung ursprünglich gegen jede Erhöhung der Unterstützungsfäße war. Bei den Beratungen im Sozialen Ausschuß forderte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion eine Erhöhung der Säge für die Hauptunterstützungsempfänger um 30 Prozent und eine Erhöhung der Familienzuschläge und der Höchstsätze um 15 Prozent. Nach langwierigen Beratungen fam im Sozialen Ausschuß ein Kompromiß zu= stande, wonach die Unterstüßungssäge für die Hauptunterstützungsempfänger unter 21 Jahren um 20 Prozent, die Säße der übrigen Unterstüßungsempfänger und die Höchstsäße um 10 Prozent erhöht werden sollten. Gegenüber dieser Verständigung weist die Verein= barung der Regierungsparteien mit der Reichsmehr die Erhöhung nur gelten soll für die Ortstlaffen A, regierung Verschlechterungen insofern auf, daß nun nicht erfolgen wird. Die verheirateten Erwerbslosen werden B und C und eine Erhöhung der Höchst sätze überhaupt auch dadurch noch benachteiligt, daß die Erhöhung der Hauptunterstützungssätze erst eintritt, wenn die Unterstützung acht Wochen nacheinander gezahlt ist. Diese Art der Regelung schließt eine unbegründete Benachteiligung der verheirateten Bei den Auseinandersetzungen über die Kurzarbeiterfürsorge Erwerbslosen ein und erschwert zweifellos die Verwaltung. erklärte die Regierung, daß die Unterstützung auf volle ausgefallene Tage abgestellt werden müßte, damit die Verwaltung so einfach wie möglich wird. Im vorliegenden Falle trifft jedoch die Regierung eine Vereinbarung, die eine erhebliche Komplizierung der Verwaltung unbedingt zur Folge haben muß. Die Nichterhöhung der Höchstsätze bedeutet, daß der Arbeitslose mit drei Kindern bereits den Höchstsatz erreicht, während nach den gegenwärtigen Grundfäßen dieser Höchst= sazz erst bei vier Kindern erreicht wird. Die Vereinbarung der Regierungsparteien mit der Reichsregierung enthält also auch eine unbegründete Benachteiligung jener Arbeitslosen, die eine große Familie haben. Wenn die Vereinbarung der Regierungparteien gegen über dem heutigen Zustand auch eine Verbesserung bedeutet, so wird die sozialdemokratische Reichstagsfraktion durch Einbringung ihrer ursprünglichen Anträge dennoch nochmals versuchen, eine Regelung der Unterstützungssäge herbeizuführen, die den Grundsäßen der Reichsverfassung mehr entspricht. Die nachstehenden Vergleiche zeigen, daß die von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion geforderten Erhöhungen sich immer noch in einem bescheidenen Rahmen halten. Nach der gegenwärtigen Regelung erhält in Berlin der Arbeitslose über 21 Jahre pro Woche 9,80 M. Bei einer Erhöhung dieses Unterstützungssakes um 30 Bros. würde die wöchentliche Arbeitslosenunterstützung 12,75 M. betragen. Das von Kuczinsty errechnete wöchentliche Eristenzminimum beträgt| 18,91 m. Das arbeitslose Ehepaar erhält in Berlin nach der gegenwärtigen Regelung pro Woche 13,05 m. Eine Erhöhung der Unterstützungssäge nach den Vorschlägen der sozialdemofratischen Reichstagsfraktion würde in diesem Falle bedeuten, daß die Arbeitslosenunterstützung auf 16,50 m. pro Woche erhöht würde. Nach den Berechnungen Kuczinskis beträgt das wöchentliche Existenzminimum 25,95 m. Der arbeitslose Familienvater mit zwei Kindern erhält pro Woche in Berlin 17,70 M. Nach den sozialdemokratischen Vorschlägen würde fich die wöchentliche Unterstützung auf 21,83 m. erhöhen. Das wöchentliche Existenzminimum beträgt nach Kuczinsty 33,25 Mart. müssen, daß mir der in diefer Mitteilung in Aussicht gestellte Gnadenerweis nicht wünschenswert erscheinen fann, weil sich ein unter den angegebenen Voraussetzungen erteilter Gnadenerweis mit meinen fünstlerischen und menschlichen Ehrbegriffen in teiner Weise deden würde. Ich werde die Ueberreicher meiner Gnadengefuche, das Präfidium der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen und meinen Berteidiger, Herrn Rechtsanwalt Dr. Hamburger, noch bitten, den Herrn Reichsminister der Justiz von meiner Einstellung in dieser Angelegenheit in Kenntnis zu setzen, damit mir ein solcher Gnadenerweis, gegen den ich nach erfolgert Erteilung in aller Deffentlichkeit auf das Entschiedenste protestieren müßte, erspart Sehr ergebenft gez. Jos. Gärtner." bleibt. Auf diese durchaus berechtigte Vorstellung Gärtners hin hat. das Reichsjustizministerium beschlossen, daß Gärtner nicht begnadigt werden solle und seine Strafe Gärtner nicht begnadigt werden solle und seine Strafe absigen müsse. Dieser Beschluß ist dem Berteidiger Gärtners mit folgendem Schreiben bekanntgegeben worden: Für Pan- Europa! Selbst in agrarischen Kreisen dämmert es. Auf der gestrigen Tagung der preußischen Hauptlandwirtschaftskammer hielt der Präsident Dr. Brandes eine ausführliche Rede, in der er hauptsächlich die bekannten Wünsche der Großagrarier zur Handelspolitik vortrug, in vorsichtiger Weise gegen das parlamentarische System polemisierte, dann aber ein in Kreisen der Agrarier bisher ungewohntes Geständnis zur Einigung der zerrissenen europäischen Staaten in einem Wirtschaftsbündnis ablegte. Er führte aus: Ich möchte aber nicht schließen, ohne Ihren Blid auch einmal Es fann also feinem Zweifel unterliegen, daß die hier über bie Grenzen des deutschen Baterlandes heraus zu erheben. von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion geforderte wenn man sich heute Kontinentaleuropa, mit Ausnahme Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung durchaus not von England und Rußland, die ja große Weltreiche sind, ansieht, mendig ist. Auch die erforderlichen Mittel für eine solche Er wenn man sieht, wie durch den Weltkrieg an Stelle von früher höhung sind da. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion 21 Staaten jeßt einige 30 gebildet sind, wenn man die Länge der ist es gewesen, die immer wieder die einheitliche Reichs gegenseitigen Grenzen betrachtet und sich flar macht, wie un endgefahrengemeinschaft gefordert hat; die Vertreter der Arbeit Ich bin inzwischen in die in Aussicht gestellte erneute Prüfung ich viel Kraft in gegenseitigen Reibungen politischer wie wirtnehmer im Verwaltungsrat des Reichsamts für Arbeitsver der Frage einer Begnadigung des Schriftstellers Josef Gärtner ein schaftlicher Art in Europa verzehrt wird, und wenn man dagegen mittlung haben schon vor Wochen der höchftzulässigen Bei- getreten. Nach Mitteilung des Herrn Oberreichsanwalts hat der das große nordamerikanische Staatengebilde betrachtet, das aus tragsbelastung von 3 Proz. des Grundlohnes zugestimmt. Berurteilte an ihn die in Abschrift beigefügte Eingabe vom 3. Ja. 48 Staaten besteht, von denen jeder etwa so groß ist wie durchDamit ist den Arbeitnehmern in diefer außerordentlich nvar d. 3. gerichtet, in der er einen Gnadenerweis ablehnt. Gegen schnittlich ein europäischer Staat, wenn man sich dieses gewaltige schweren Zeit ein erhebliches finanzielles Opfer augemutet über dem Direktor des Landesgefängnisses in Freiburg i. B. hat zusammengeballte Wirtschaftsgebiet ohne innere wirtschaftliche Grenmorden. Sie haben deshalb erhöhten Anspruch er sich dahin geäußert, daß er eine Straftürzung mit Bezen mit seinem Reichtum an natürlichen Hilfsquellen und der Stoßdarauf, daß auch das Reich in vollem Umfange seine Pflicht währungsfrist ablehne und eine bedingungslose fraft, die solch ein mächtiges Gebilde gibt, vergegenwärtigt, dann, den Arbeitslosen und Kurzarbeitern gegenüber erfüllt. Der Begnadigung nur deshalb annehmen würde, weil in ihr zum meine Herren, tommen einem bech sehr ernste Gebanken, ob überReichshaushalt weist erfreulicherweise einen Ueberschuß von Ausdruc tomme, daß ihm durch Berurteilung Unrecht haupt das tontinentale Europa in feiner jehigen Zerrissenheit solch drei Biertelmilliarden auf. Das Reich ist also in der Lage, geschehen sei. Angesichts der aus diesen Erklärungen er einem Wirtschaftsgebilde wie den Vereinigten Staaten gegenüber die notwendigen finanziellen Opfer tragen zu fönnen. Wichfichtlichen Einstellung des Berurteilten zu der Gnaden wirtschaftlich noch konkurrenzfähig ist. Und wenn man weiter sieht, tiger wie Steuerermäßigungen ist eine ausreichende Unterftügung der Erwerbslosen. In der Erhaltung der jetzt brach- frage sehe ich mich nicht in der Lage, einen Gnadenerweis für wie in Europa die Note feineswegs nur auf Deutschland beschränkt ihn in Vorschlag zu bringen. find, wie auch andere Staaten, selbst die Siegerstaaten mit schweren liegenden Arbeitsfräfte obliegt dem Staat die wichtige soziale wirtschaftlichen Krisen und finanziellen Nöten zu kämpfen haben, Aufgabe, den späteren ökonomischen Aufstieg überhaupt zu muß dann nicht der Gedanke der Notwendigkeit eines ermöglichen. Der Reichstag wird hoffentlich diefen entwirtschaftlichen Zusammenschlusses der kontinental. fcheidenden fozialen Zusammenhang nicht übersehen und an europäischen Staaten entstehen? Ein Amerikaner sagte fürz gesichts der vorhandenen Mittel alles tun, um den Arbeitslich:„ Es wäre doch gut, daß sich die Amerikaner dem Bölkerbund lofen über diese schwere Beit hinwegzuhelfen. nicht angeschloffen hätten und sich um europäische Sachen möglichst menig fümmerten, denn Europa scheine ja nur wohl zu sein, wenn es fertwährend Streitfälle hätte." Und ein anderer sagte: „ Die amerikanischen Staaten der Union führen den Kampf ums Dasein gemeinsam, die europäischen Staaten führen ihn gegenein. ander!" Herbe Kritiken, meine Herren, aber ob nicht sehr viel wahres in ihnen liegt? Gnade mit Schikanen. Der schlecht beratene Reichsjuftizminifter. Der Staatsgerichtshof hat am 21. Juni 1925 den Schriftfteller Josef Gärtner wegen Hochverrats zu Gefängnis verurteilt, weil er Gedichte von Mackay, Mühsam, Herwegh und Toller vorgetragen hatte. Das Urteil war ein juristi sches Fehlurteil, es war ein Tendenzurteil, das allgemeine Empörung und den Brotest des gesamten literarischen Deutsch lands hervorrief. Es gehört zu den trübsten Kapiteln aus der Geschichte des Staatsgerichtshofs. Es lag in der Hand des Reichsjuftizminifteriums, das offenbare Fehlurteil zu forrigieren. Es hat sich auch in diesem Falle gezeigt, daß das Reichsjuftizminifterium bei feinen Gnadenaften die Fittion zu erhalten sucht, daß die Richter auch im Falle eines frassen Fehlurteils unbedingt recht haben, und der Angeschuldigte immer unrecht. So war die Praris im Falle Bandt, so ist sie auch im Falle Gärtner. Das fommt darin zum Ausdruck, daß als Form der Begnadigung eine Straffürzung mit Dewährungsfrist gewählt wurde. Gerade im Falle Gärtner ist diefe Braris besonders unangebracht. Soll die Bewährungsfrist bedeuten, daß Gärtner sich der vom Staatsgerichtshof angestrebten politisch literarischen Bensur unterwerfen soll, die mit der Verfassung im Widerspruch ist, und auf eine Vergewaltigung der Freiheit der Kunst hinauslaufen würde? $ Gärtner selbit lehnt diese Form der Begnadigung mit Schikanen ab. Er hat an den Oberreichsanwalt folgendes Schreiben gerichtet: " Auf die Mitteilung des Herrn Oberreichsanwalts vom 19. p. M. glaube ich nach reiflichster Ueberlegung erwidern zu " Arbeiterjubiläen." gez. Marg.". Entschluß und Begründung entsprechen nicht der hohen Stellung, die das Reichsjustizministerium einnehmen sollte. Weil das Chrgefühl und das beleidigte Rechtsgefühl eines zu Unrecht Berurteilten sich gegen eine fleinliche Gnade mit Schikanen auflehnt, feine Korrektur eines offenbaren Unrechts? Aus dieser Einstellung des Reichsjufti ministeriums zur Gnadenfrage spricht nur die Ueberheblichkeit eines Bureaufratismus, der in jedem Berurteilten ein Objekt, einen Berbrecher, einen Minderwertigen sieht, der jede Aeußerung der Behörde in Demut hinzunehmen hat. Wir hätten geglaubt, daß Herr Dr. Marr Verständnis hätte für die Empörung eines Idealisten, dessen belei big tes Rechtsgefühl durch die angebotene Form der Cnade mit Schikanen noch mehr verletzt wird. Wenn er in die Geschichte der Zentrumspartei zur Zeit des Kulturfampfes zurüdfchaut, wird er Beispiele genug finden für die Haltung, die Gärtner der Halbheit des Reichsjufti mini fteriums gegenüber einnimmt. Herr Dr. Marr war schlecht beraten, als er den unwürdigen, bureaukratisch überheblichen Beschluß des Reichsjustizministeriums gebilligt hat. Wir sagen laut: dieser Beschluß ist Unrecht, und die Empörung von Gärtner ist Recht. Verlängerte Anmeldefrist. Für die Ablösung des Altbefizes. Der Reichsfinanzminister hat die Frist für die Anmeldung der Reichsanleihen alten Befizes bis zum 31. März 1926 ver längert. Benn auch der weitaus größte Teil des erwarteten Anleihe aftbefizes bereits zur Anmeldung gelangt ist, so erscheint doch mit Rücksicht auf einige besondere Umstände( Kriegsanleihe- Versicherung, hinterlegte Anleihen, Sparkassendepots u. a.) eine Fristverlängerung unvermeidlich. Mit dem 31. März d. J. läuft die Anmeldefrist endgültig ab. Eine weitere Berlängerung ist ausgefchloffen. Auch die Anleihegläubiger, die ihre Anleihen bei Banten oder Sparkassen im Depot haben, müssen für die rechtzeitige Anmeldung Sorge tragen, da die Banten und Spartassen häufig die Altbefizeigen schaften der Anleihen nicht fennen oder nicht die nötigen Belege für die Altbesigbegründung haben. 1 Unfallverhütung im Bergbau. Im Auftrag des Reichswirt. schaftsministeriums sprach Prof. Wempe Oldenburg in der Urania über Berhütung von Unfällen im RohlenFür die Herren Diplom- und Medaillenfabrikanten bricht jetzt bergbau". Die Quote der Berlegten im Kohlenbergbau ist veranscheinend eine neue Glanzzeit an, besonders in Bayern und glichen mit anderen Industriebetrieben ungeheuer hoch. Durchschnitt Württemberg. Wirft man einmal einen Blid in die Berfonalnachlich beläuft sie fich täglich im westfälischen Rohlenrepier auf 4 Tote, richten der industriellen Fachzeitschriften, so muß man über die große 17 Schwer und 175 Leichtverletzte. Bielfach entstehen die UnZahl der Arbeiterjubiläumsmedaillen und Diplomverleihungsfeiern stumpft allmählich gegen die Gefahr, die ihn dauernd umgibt, ab. glücksfälle durch Nachlässigkeit. Selbst der sorgfältigste Bergmann staunen. Das Jubeln" der Unternehmer scheint wieder einmal nicht die Statastrophen erfordern relativ die höchste Opferzahl, jon. an der Tagesordnung zu sein, und feine Woche vergeht, ohne daß dern das Rutschen von Steinen und Kohlen und andere geringfügige in jeder Branche eine führende Fabrit eine Arbeiterjubelfeier Ereignisse, die durch Borsicht vermieden werden fönnen. Zu diesem arrangiert. Auch diese Art von Feiern für treues Ausharren der 3wed veranstaltet Prof. Wempe in den Kohlenrevieren FilmvorArbeiter" wie es so schön in den Jubiläumsgedichten heißt träge, die die Arbeiter über die Gefahren, die ihnen durch Verhat sich seit Beendigung der Inflation verreichlicht". Früher nachlässigung der Vorsichtsmaßregeln drohen, auftlärt. Prof. Wempe feierte man das filberne, bas goldene und schließlich noch das führte brei dieser Aufklärungsfilmie in der Urania vor. Sie zeigten eiserne Jubiläum, aber vor kurzem hat eine Neuköllner Klavierfabrik naben intereffanten Aufnahmen aus dem Bergwert, wie ein Berg mann Sprengpatronen legen soll, wie er den Stollen abzuleuchten schon ihr fünfjähriges Bestehen feftlich begangen. Eine Uhren hat, wie er die Wagen bei der Kohlenförderung führen und bremsen fabrit im Schwarzwald ließ sechs ihrer Arbeiter bejubeln, weil sie muß und wie er sich bei der Stügung der entleerten Gewölbe veres breißig Jahre bei ihr ausgehalten hatten, und die württem- halten soll. Fergische Musikinstrumentenfabrik Hohner in Troffingen nahm jüngst eine Art Generaljubelfeier vor. Sie galt vierzig Arbeitern, benen in den Jahren 1922 bis 1925 die Rönig- Karl- Jubiläumsmedaille für eine Dienstzeit von 35 und mehr Jahren verliehen" wurde. Selbstverständlich follen alle diese Jubelfeiern nur den 3wed haben, der Berehrung der„ braven Veteranen der Arbeit" Ausdruck zu geben und beileibe keine Reklame für die Firma zu sein. Auch die Verleihung des schönen neuen Titels Arbeiterrat" verfolgt lediglich diesen idealen Zwed. Die bayerische Regierung wäre übrigens mit ihrer neuesten Patentlösung" der sozialen Frage beinahe in Berlegenheit gekommen. Sie verlieh nämlich einem Ar heiter der Königlichen Hof- Orgel- und Harmoniumfabrit" Stein meyer u. Co. in Dettingen den Titel„ Arbeiterrat". Da es der Chef des Hauses auch schon zum Kommerzienrat gebracht hatte, so hätte sich jetzt das Schreckliche ereignen fönnen, daß bei einem Jubiläumsfeste die Frau Chef als" Frau Rat" die Gattin eines Arbeiters mit dem gleichen Titel hätte anreder müssen. Aber die banerische Regierung hat diese gefährliche Klippe flug zu umschiffen gewußt, indem sie den folgenden Erlaß herausgab:" Durch Beschluß des Ministerrats des Freistaats Bayern wurde bem Senior. chef der Firma Steinmayer, Herrn Kommerzienrat Steinmayer, der Titel eines Geheimen Kommerzienrates, dem in der gleichen Firma tätigen Orgelbauer H. der Titel„ Arbeiterrat" verliehen." Die Frau bes Arbeiters ist jetzt also eine Frau Rat" unb bie Gattin des Fabritherrn Frau Geheimrat", und jeder Konflittsstoff ist da mit im Reime erſtict. " Der Vortragende hat leider nicht untersucht, wodurch die Bergarbeiter unvorsichtig werden.( Ueberarbeitung, schlechte hygienische Berhältnisse, der Druck der gesamten Lebenslage usw.) Biel einer rationellen Unfallverhütung muß zudem die objektive Gefahren belämpfung sein, so daß schließlich die fubjektive Seite an Bedeutung verliert. Auf diesem Gebiete scheint eine Erfindung von großer Tragweite zu fein, über die aus Bochum berichtet wird: Dem Ingenieur Nellissen in Bielefeld ist es nach langjährigen Berfuchen gelungen, einen Grubengasanzeiger zu fonstruieren, der nicht nur schlagende Wetter, sondern auch matte Wetter anzeigt und dessen Einführung tatsächlich tie größten Gefahren im Bergbau auszuschalten vermag. Die staatliche berggewerbliche Bersuchsstrede in Derne bei Dortmund hat den bequem zu handhabenden Apparat glänzend begutachtet. In dem Gutachten heißt es, daß die Erfindung ellissens in der Tat berufen sei, die Explosions- und Erstickungsgefahr auf ein Mindestmaß herabzudrüden. Da der Nellissen Grubenanzeiger die in der Grube vorkommenden Gase selbst in Bruchteilen von Brozenten anzeigt, ist er absolut zuverlässig. Da er weber elektrischen Strom noch Glühhraht und auch keine Flamme oder sonstige entzündungsgefährliche Energien benötigt, so bildet er für den Grubenbetrieb teine Gefahr für Schlagwettererplosionen, b. h. er ist unbedingt fchlagwettersicher. Kreisen noch selten anzutreffen. Die Agrarier werden sich Derartige Meinungsäußerungen find in agrarischen aber darüber flar sein müssen, daß bei einer weiteren Berfolgung ihres Hochschußzollprogramms und inse besondere bei der start agitatorischen Ausnutzung ihrer Forderungen die Stimmung für einen derartigen Wirtschaftsbund in ihren eigenen Reihen nicht gefördert wird. Späte Ehrenrettung. Wegen falscher Beschuldigung in den Tod gegangen. Im Herbst 1924 murde in Köln von vollsparteilicher Seite tem sozialdemokratischen Beigeordneten und früheren Landtagsabgeordneten Schäfer der Borwurf gemacht, er habe sich als Kölner Lebensmitteldezernent von Kölner Konditoreien, denen er Mehl besorgte, bestechen lassen Schäfer ging in der erſten Aufregung über die ihm gemachten Borwürfe damals in den Tod. Jegt standen unter der Anklage des Bestechungsversuchs die in Frage tommenden Konditoren vor dem Kölner Großen Schöffengericht. Nach zweitägiger Berhandlung erlonnte das Gericht auf Freispruch in allen Fällen. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatstaffe auferlegt. In der Urteilsbegründung wird ausbrüdlich festgestellt, daß weber den beiden angeflagten Kondi toren, noch bem verstorbenen Beigeordneten Schäfer eine strafbare Handlung nachzuweisen sei. Wiederkehr großer Sonnenflede. Die schon Ende Jamuar aus gesprochene Bermutung, die damals sichtbaren großen Sonnenflecke tönnten nach einer Sonnenumdrehung noch einmal wiederkehren und würden dann, ihre Beständigkeit vorausgefeßt, com 11. bis 25. Februar erneut vorüberwandern und am 18. Februar den mittleren Sonnenmeridian erreichen, hat sich bestätigt. Es handelt sich hierbei um zwei gewaltige Eruptionsgebiete, von denen das eine Beide wurden durch die Sonnenumdrehung schon zweimal vor unserem der nördlichen, das andere der südlichen Fledenzone angehört. Auge vorübergeführt, und war befand sich die nördliche Fleckengruppe am 28. Dezember 1925 und am 27. Januar 1926, die südliche Fledengruppe am 25. Dezember und 22. Januar in der Sonnenmitte. Der ziemlich feltene Fall, daß Sonnenflede zum dritten Male wiederkehren, ist nun eingetreten. Unter einer großen Menge anderer neuer lede- am 16. Februar fonnte man in mehreren Gruppen insgesamt wenigstens 25 Einzelflede zählen man auch die beiden alten an ihrer Position wieder. Doch während die nördliche, etwa am 21. Februar in Sonnenmitte gelangende Gruppe fich bedeutend verkleinert hat, ist die am 18./19. die Mitte passierende fübliche Gruppe recht ansehnlich, obwohl sehr verändert geblieben. Ihr runder Hauptfled zeigt einen schwarzen Kern von 14 000 Kilometer Durchmesser, eingebettet in einen Hof, die soge. nannte Bänumbra, von 36 000 Kilometer Durchmesser. Erflärend lei noch bemerkt, daß eine Sonnenumdrehung zwar in bezug auf die Sterne 25% Tage währt, in bezug auf die Erde aber 27% Tage: inzwischen hat fich nämlich die Erde im gleiten Sinne eine zwei Tagen entsprechende Strede weiterbewegt. Darum find. Sonnenfl de gewöhnlich 13½ Tage, d. h. eine halbe Sonnenrotation, lang zu beobachten. erfennt Columbus foll heiliggesprochen werden. Der Borschlag be. geisterter Verehrer Christoph Colombus, den Entdecker der Neuen Belt, heilig zu sprechen, ist nicht erst von heute; schon vor vielen Jahrzehnten fam er auf und geriet bann in Bergessenheit, um nunmehr mieder auf neue vorgetragen zu werden. Die„ Columbus. Ritter von Merito haben beim päpftlichen Stuhl den Antrag gestellt, den Kanonisationsprozeß des Entbeders einzuleiten. Die Organisation der Columbus- Ritter erstreckt sich über ganz Amerifa. Die Drbensleitung in Merifo hot an ihre Schwestervereinigungen in der ganzen Neuen Welt den Aufruf gerichtet, ihre Bemühungen mit Wort und Tat zu unterstützen. Die Columbus- Ritter haben auch in Spanien bereifterte Zustimmung gefunden und beträftliche Geldsummen zur Durchführung der notwendigen Propaganda erhalten. Ein deu'scher Profeffor nach merita berufen. Dem Profeffor der Philofopbie an der Univerfi at Leibia, Bans Drieich, ist für hen Winter 1926/27 die Tarl- Schurz- Gedächtnis- Profeffu" an der staat' chen University of Bisconsin in Madison angeboten worden. Er wird dem Ruf Folge leiften. Die' nferna lonale Tagung der gelftigen Arbelfer. Das Internationale Rüdgrafverfrümmung und Sonderturnen. In vielen Städten Deutschlands wird Kindern mit drohender oder beginnender Rüd. gratverbiegung( Stolioſe) ein Sonderturnunterricht erteilt. Dieses orthopädische Turnen ist ein Heilturnen zur Gerabeziehung des Rörpers mit möglichst einfachen lebungen. Das Ziel ist die Kräfti gung der Muskeln, die an der Aufrechterhaltung des Körpers beteiligt nftitut für gefftige Aufammenarbeit in Baris bat die Tagesordnung für find. Ausgesprochene Stoliosen gehören jedoch in die Behandlung bes Jahrzehnt eine Zunahme erfahren, und es muß die Aufgabe forgordnung lautet: 1. Kelleltibbertrag. 2. Enquete über die wirtſchaftliche Den Diplombrudern und Ordens. und Medaillenfabrikanten Facharztes. Sicherlich haben die Haltungsabweichungen im legten die am 6., 7. und 8. April in fen ftattfindende Lagung der Inter nationalen Bereinigung der geistigen Arbeiter festgelegt. Die Tanes licher Gemeinden fein, für allgemeine Durchführung des orthopädi und moralische Lage der Beamten. 3. Geiftiger Austausch. Getftiges schen Turnunterrichts in ihren Schulen zu forgen. Eigentum. és schon zu gönnen, daß sie jest Arbeit in Hülle und Fülle be tommen, besonders, nachdem in der Faschingsartikelbranche bie tote Saifon eingetreten ist. Die uneinigen Spnöici. Ein deutschnationaler Reinfall.— Widersprüche im Arbeitgeberlager. Als der Syndikus v. Z e n g e n, der zugleich Propa» gandachef der Vereinigung deutscher Arbeitgeberoerbände war, gestern im Ausschuß wegen seiner korrumpierenden Tätigkeit zur Rede gestellt wurde, fand er einen rettenden Ausweg. Er wies darauf hin, daß die Arbeitgebervereinigung dem„Sozialdemokraten" Karl Erdmann ebenfalls Geld gegeben habe. Sie tat das, um damit Schriften des Firn-Verlages und der Neuen Gesellschaft zu finan» zieren, zu denen auch eine Broschüre des Genossen Fritz Ebert jr. gehört. 1 9 6 0 0 0 M. hat Herr v. Mengen dafür aufgewandt. um sich einen solchen Blitzableiter zu kaufen. So groß war nämlich der Betrag, den Herr Erdmann im Lause von wenigen Monaten aus dem Arbeitszeitfonds der Unternehmer empfangen hat. Manches kleine Unternehmen der Industrie hätte sich mit einer solchen Sumine vor der Pleite retten können. Die Arbeitgebervereinigung aber konnte es sich leisten, ihre Mitgliedsbeiträge derart zu verpulvern, ohne ihre moralische Pleite verhindern zu können. Aber obendrein ohne Erfolg, obwohl die deutschnationale Presse natürlich sofort sich der Sache mit einem Freuden- geheul annimmt! Denn der ,.V o r w ä r t s" war es ja, der die Geschäfts- Praktiken des Firn-Berlages gekennzeichnet hat. bis die So- zialdemokratische Partei durch Einleitung eines Unter- suchungsverfahrens bewirkte, daß E r d m a n n aus der Partei austrgt. Hier ist reiner Tisch ge- macht. Und das geschah längst, ehe die Arbeitgeber daran dachten, die Urheber ihrer korrumpierenden Politik kalt- zustellen. Wenn übrigens Herr v. Z e n g e n in diesem Zusammen- hang den Namen des Genossen Ebert nannte, so ist das mindestens eine grobe Geschmacklosigkeit. Wir wissen, daß Genosse Ebert zur Zeit der Abfasiung seiner Broschüre— über die man sonst denken kann, wie man will— von den Beziehungen Erdmanns zur Arbeitgeber- Vereinigung keine Ahnung gehabt und für seine literarische Arbeit nur ein Honorar bezogen hat, wie es bei vielen Verlagen üblich ist. Das konnte Herr v. Zengen wissen, wenn er sich bei seinem sauberen Busenfreund Erd- mann unterrichtet hätte. Aber das zu tun, wäre wohl von i h m zu viel ver- langt, die Wahrheit zu sagen, kann man der reaktionären Presse nicht zumuten. Weshalb wir die ganze Ange- legenheit niedriger hängen. In der Bormittagssitzung hatte der Syndikus der Arbeitgeber- Vereinigung v. Zengen feine besonder« Ausfassung von Ehrbe- griffen gegenüber den ausfragenden Ausschußmitgliedern damit be- gründet, daß er eine andere Weltanschauung habe. Nach- zutragen aus seiner Vernehmung ist übrigens noch, daß er nach seinen Angaben w e d e r m i t seinem Darlehen an die christlichen Landarbeiter noch mit seinen sonstigen Praktiken irgendeinen B e- si e ch u n'g s v e r s ü ch unternehmen wollte. Bestechung nennt man bekanntlich die Beeinflussung anderer mit geldlichen Zuwendungen zur Aenderung oder Zurückhaltung ihrer Uebcrzeugung. Aus einer früheren Vernehmung, die Herr v. Zengen gestern wider. rief, war hervorgegangen, daß er in der Tat beabsichtigt habe, mit der Gewährung des Darlehens den Kampf der Gewerk- schatten gegen die gelben Wertvereine zu schwächen. Daß er mög- lich erweise diese Absicht gehabt habe, wurde ihm auch von seinem früheren Chef. Herrn v. B o r s i g, vorgestern b e st ä t i g t. Man sieht, es gibt merkwürdige Weltanschauungen! Wenn Herrn v. Zengen zur Last gelegt wird, daß er einmal di-Ouittungdes Herrn v. Behrens zu veröffentlichen gedroht habe, so gibt v. Zengen das zu, er sagt aber, das sei von ihm nur ein taktischer Zug gewesen, um seine Widersacher zu entlarven. Er wollte sehen, ob diese angeblich gar nicht ernstgemeinte Drohung auch an die Oeffentlichkeit dringen würde. Ein derartiger Schachzug, der seinem Urheber doch nur allzu leicht den Vorwurf ehrenrühriger Handlung einbringen kann, muß srellich aus den Unbefangenen eigenartig wirken. In der Nachmittagsverhandlung wird als Zeuge zunächst Redakteur Dr. Dyk vom„S-Uhr-Abendblatt" vernommen, der einige Angaben des Göbel oeröfsentlicht hat. ohne daß di» mündliche De- kundung eine weitere Belastung des Behren- ergäbe, an den sich Göbel vergeblich hilfesuchend gewandt hat. Ein„vaierlandsfreund". Nach ihm seht sich der frühere Borsitzende des Kreislandbundes Niederbarnim. Wilhelm v. Oppen, an den Zeugentisch. Er hat. wie er bestätigt, an den Fememor�-r Eckulg. den er ans n-melns-imer Tälinkeil bei der Schwarzen Tlcl-Vwehr kennt. Zuschüsse zur Der- pslegung nach Lnndsberg geschickt. Durch Fragen des Genossen K u t t n e r stellt sich heraus, daß Herr v. Oppen über Foods aus Mitteln seiner Bekannten verfügt, über die er unbeschränkt verfügen kann. Den Namen seines Mittels- manncs, der die Gelder einsammelt, will er nicht nennen,.soliage es im Deutschen Reiche für unrühmlich gilt, etwas fürs Vaterland z« tun". Diese Bemerkung fordert den Widerspruch des Vor- sitzenden heraus, nachdem schon vorher Ausfälle des Zeugen ae�en den Parlamentarismus vom Ausschuß mit entsprechender Heiterkeit aufgenommen worden waren. Die knappe, abstrakte Form seiner Angaben, sein militärischer Typus kennzeichnen ihn als einen Vertreter des alten Ossizicrkorps und völkischen Organi- sators, wie er im Buche steht. Aber er ist wenigstens korrekt in der Form. Ein nationaler Arbeiterführer. Das Gegenteil davon gilt von dem Gesinnungsfreund des Herrn v. Oppen, dem Geschäftsführer des Reichsverbandes vater- ländischer Arbeiterveobände, Fritz Heß. Sein gedrungener Körper wird von einem Kops geziert, wie man ihn besser zur Karikatur der nationalistischen Arbeiterbewegung nicht finden kann. Der- schmitzthcit und Stupidität zeichnen sich in seinen Mienen ab. Und wie sein äußeres Wesen, so ist sein Austreten. Obwohl er schon früher über den Bormat-Ausschuß.sachverständige" Artikel ge- schrieben hat. spielt er zunächst das neugeborene Kind: er wisse gar nicht, wo er hier eigentlich fei und verlange Rechte- belehrung. Als ihm diese zuteil wird, verweigert er die Aussage oder gibt schnippische Antworten, die ein Maß von Miß- achtung gegen die Würde des Hauses bezeugen, wie man es selten findet. Aus den Brocken seiner Mitteilungen ergibt sich lediglich, daß er mit Fememördern nichts zu tun gehabt haben will, daß er von den Arbeitgebern ein Darlehen von Zllsiil Mark be- kommen hat, das er nicht zurllckbezahlen brauchte. Ueber die B c r w e n d u ng der Gelder sagte er, sie seien dazu verwandt worden, wozu sie benötigt wurden. Auf ähnlichem Niveau bewegten sich seine sonstigen Angaben. Mit Fememorden und der Schwarzen Reichswehr will er nichts zu tun gehabt haben. Die Verweigerung seiner Aussagen wird natürlich begünstigt von den Herren Decrberg(Dnat.) und E i ch h o s f(D. Bp.). Trotz seiner großen Geduld wird der Vorsitzende einig« Male energisch, ohne jedoch aus dem Zeugen mehr herauszuholen. Ein Zeuge gegen von Zeugen. Dann kommt als Zeuge Herr von der Linde zum Wort, seines Zeichens wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbcitgebervereinigung und besonderer Vertrauensmann o. Zcngens. Aus den Protokollen von der polizeilichen Vernehmung, von denen Bruchstücke früher zur Verlesung gekommen waren, weiß man bereits, daß Herr von der Linde Angaben gemacht hat, die die Harmlosigkeit des Herrn v. Zengen in einem ganz anderen Lichte erscheinen lassen. llnmitlelbar nach den ersten Presseverössenllichungen hol nämlich nach Angaben des Herrn von der Linde bereits Herr v. Zengen gewußt, daß die 5000 Mark zu politischen Zwecken weitergegeben worden sind und Herr von der Linde, seit 10 Jahren Freund Zengens, will aus dessen Aeußerungen ganz klar diesen Eindruck gewonnen haben. Er bleibt bei dieser Auffassung auch heute noch, obwohl die Be» treter der Rechten ihn gern davon abbringen möchten. Nicht al» ob v. Zengen die Unterstützung eines Fememörders gewollt hätte— das zu behaupten fällt Herrn von der Linde nicht ein—, aber er hat es mindestens geduldet, weil v. Zengen gemeint hat, damit die christlichen Landarbeiter sich zu verpflichten. Außer- dem stand für die Beteiligten noch nicht fest, ob der Untersuchungs- gefangene Schultz auch wirklich Fememörder sei: es gibt ja Leute, die jetzt noch nicht daran glauben. Die von Zengen jedoch bestrittene Tatsache, daß er sich über die Zuwendungen an Schultz an dem Zentraloerband gewährten Darlehen klar war. hält von der Linde trotz wiederholter Frage fest. Er hat sich deswegen an Herrn o. B o r f i g gewandt, weil er die Handlungsweise de» Herrn v. Zengen nicht für korrekt hielt. Herr v. Borstp oerweigerte ihm jedoch die mündlich und schriftlich nachgesuchte Unterredung und gab sein schriftliches Gesuch an den Untersuchungsausschuß der Arbcitgebervereinigung weiter. Gcgeuüberskcllung von der Lindes mit von Zeuzea. Dieser starke Widerspruch in den Angaben der beiden Mit- orbeiter der Gejchästsleitung der BdA. nötigt den Ausschuß dazu, die beiden Zeugen gegenüberzustellen. Don Zengen. der Geschästige, findet natürlich sofort eine Erklärung, wie sein Freund von der Linde zu seinem„Irrtum" gekommen sein könne, bestreitet ober, daß er im Oktober bereits das gewußt habe. Boy der Linde sagt darauf: „Zch kann nur wiederholen, daß ich den Eindruck gewonnen halte, daß das Darlehen für Schultz war." Ein dramatischer Höhepunkt. Beginnt sich der Scbleier zu lüften? Oder wird es vielleicht doch wieder neue Ausflüchte und Bemäntelungen geben? Wenn aber schon die nächsten Mit- orbeiter des Herrn v. Zengen der Meinung waren, daß in der Arbeltgebervereinigung mit der Darlehenrassäre ein unsaube.es Sp el getrieben wurde, so gehört doch eine unglaublich« An- m a ß u n g dazu, der Presse Vorwürfe zu machen, die vom ersten Augenblick des Bekanntwsrdens an auf eine Aufklärung dieser Angelegenheit gedrängt hat. Jetzt, nach der Aus- sage des Herrn von der Linde, ist es durchaus noch nicht sicher, daß die Arbeitgebervereinigung geläutert aus der Affäre hervorgehen wird. Während der ganzen Vernehmung hatte man den Eindruck, daß hier ein Zeuge ist, der sich unbekümmert um sein persönliches Schicksal und um das, was die anderen über ihn sagen, für das einsetzt, was er als wahr erkannt hat. Diesen Eindruck hatte man bei vielen anderen Zeugenvernehmungen sicher nicht im gleichen Maße. Springer. Tas Bild eines deutscheu Richters. Rechtsanwalt Alfred Oborniker- Berlin sendet uns diese Mitteilung: In seiner Reichstagsred« vom 16. Februar d. I. zum Justiz» etat brachte Genosse L e v i einig« unmenschlich hart erscheinende Urteile gegen schleslsche Arbeiter wegen Kartoffeldieb- st a h l s vor. In dem einen dieser beiden Fälle waren nach dem Reichstagsbericht dem Täter die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren aberkannt worden, damit der politisch als Dertrauensmann der Arbeiter tätige Delinquent nicht mehr an dem politischen Leben teilnehmen könnte, in dem anderen Fall war als strafoerschärfend für den Diebstahl auch ange- sehen worden, daß der Angeklagte Rädelsführer bei dem Land- arbeit er st reit war. Die politische oder gewerkschaftliche Betätigung ol» Straf-. erschwerungsgrund bei nicht politischen Delikten erössnet ungeahnte Perspektiven für alle politisch und gewerkschaftlich Jntercssterten, weim sie irgendwie und irgendwann einmal mit dem Strafgesetz in Konflikt kommen sollten. Auf Befragen Hot Genosse Leoi auch den Namen des Richters, Dr. Springer, verraten. Dieser Name ist uns aus dem Jahre 1325 vertraut. Amtsgerichtsrat Dr. Springer(Einzelrichter in Polk- w I tz) hat sich früher als ungewöhnlich nachsichtig erwiesen, aller- dings bei einem r c ch t sorientierten Täter. Er hat bereits einmal ein Urteil erlassen, das von uns als Derhöhnung der Ler- f a s s u n g und des Strafgesetzes empfunden wird. In Kummer- nick hatte ein„nationaler" Landwirt, Schwarzlose, in einer sozial- demokratischen Versammlung das Schlußwort des Rese- reuten dadurch unmöglich gemacht, daß er sich bei Beginn dos Schlußwortes an da» Klavier setzte, von einem völkischen Sprengtrupp einen grausigen Schlachtgesang intonieren ließ und sich dann der dreimaligen Aufforderung des Vorsitzenden, den Saal zu verlassen, widersetzte. Er wurde vom Amtsrichter Dr. Springer mit einer Begrün- dung freigesprochen, die im vorigen Jahre im„Vorwärts" vom 9. September veröffentlicht wurde und in der es hieß: Aus diesen Erwägungen ergibt sich die Berechtigung des Angeklagten zum klavierspiel im vorliegenden Falle und die recht- «che Beschränkung des Versammlungsleiters, dieses dem Ange- klagien verfafsungemäßig zustehende Recht durch Hinauswersen aus dem Saal verkümmern zu dürfen, selbst wenn man dem Ver. sommlungslelter«n relatives Hausrecht zuerkennen will." Der Oeffentlichkeit ist nicht bekannt geworden, was auf Grund dieses Urteils dem Amtsgerichtsrat Dr. Springer geschehen ist. Wenn überhaupt eingegriffen worden ist. so kann dies jedenfalls, wie die neuen Fälle beweisen, nicht in einer Weise geschehen sein, die Herrn Dr. Springer Respekt oder Furcht eingeflößt hat. Daß die großen Richtervereinigungen nichts gegen diesen Richter unternommen haben, daß die Regierung willen- oder m a ch t l o s einer solchen Rechtsprechung gegenübersteht, gibt diesen Fällen symptomatische Bedeutung und zeigt un», wie schwer krank unsere Justiz ist und welch harte Arbeit zu ihrer Heilung ersorderllch ist. Schulze belastet öle Unaarn. Ein abenteuerlicher Bericht. Der gegenwärtig im Moabiter Untersuchungegesängms sitzende Artur Schulze hat sein« Aussagen jetzt erweitert und hat Mitieilungen gemacht, die nicht nur von den deutschen Gerichten sehr ernst nachgeprüft werden, sondern die auch den gegenwärtig in Berlin weilenden französischen Kommissar D o u l c e t sehr interessieren, da Schulze, wahrscheinlich, um sich selbst zu entlasten, die in die Fälscher- ossäre verwickelten ungarischen Persönlichkeiten st a r k b e- lastet. Schulz« behauptet, daß er an sich an den Falsifikaten nicht mitgearbeitet habe. Bereits im Jahre 1922 sei er zum erstenmal nach Budapest gekommen, und damals schon habe Prinz Wind jch- grätz und dessen Sekretär Raba mit ihm verhandelt. Man habe ihm damals mitgeteilt, daß die ungarisch« Regierung zur Unterstützung ihrer eigenen Banknotendruckerei ein Sonderninstitut, eine' Art Laboratorium, schassen wolle, in der man versuchsweise Banknoten herstellen wolle, die nicht in Ungarn turssähia seien, oder ausgegeben werden sollten. Er habe damals seine Mitarbeit noch nicht zugesagt und sei erst 1923 definitiv nach Budapest übergesiedelt, nachdem man ihm finanziell sehr günstige Angebote gemacht Hab«. Während seines zweiten Aufenthaltes habe er wiederum viel mit dem Prinzen Windifchgrätz und einem Professor verhandelt, dessen Namen ihm im Augenblick nicht geläufig fei. Einmal in Budapest, hätten dann die Kreise, die ihn nach Ungarn gerufen, Schulze unter Drohungen gezwungen, im Lande zu bleiben, und man habe ihn in e'nem Hotel einquartiert, wo er nicht nur schlafen, sondern auch essen mußte. Die Kosten für den Gasthof seien von dem Sekretär des Prinzen Windischgräp bezahlt worden. Cr selbst habe, um nicht flüchten zu tonnen, dagegen überhaupt keine Mittel bekommen, so daß er nicht einmal zu seiner„Arbeitsstätte" die Straßenbahn habe bezahlen können. Man habe ihm serner offen mitgeteilt, daß er Verkehr m t Deutschen zu meiden habe, und daß man über jeden seiner Schritte sofort orientiert sei. Schulze behauptet weiter, er habe Tag und Nacht für sein Leben gefürchtet und au» diesem Grunde es auch nicht gewagt, stch an das deutsche Konsulat zu wenden. Seinen Auftraggebern gegenüber habe er serner zum Ausdruck gebracht, daß er sich unsicher fühle und erst dann in Tätigkeit treten werde, wenn die ungarisch« Regierung eine Lebensoersicherung für ihn zugunsten seiner in Deutschland lebenden Tochter ab- schließen würde. Darauf seien di« ihm bekannten Kreis« nicht ein- gegangen und er habe ssch auch vollkommen paisiv ver« kalten. Schulze hat bei seinen Vernehmungen den Betrieb in den Falschmünzerwcrkj.ätten au» seiner eigenen Kenntnis heraus ein- geheich geschildert und auch die Namen der Persönlich- leiten angegeben, die er dort kennen gelernt hat. Ueber seine Flucht aus Ungarn gibt Schulze einen abenteuerlichen Be- r> ch t. Seine Auftraggeber hätten schließlich, als sie merkten, daß er sich zu den Fälschungen nicht hergeben wolle, die Polizei ver- anlaßt, Schulze auszuweisen, und er hob« daraufhin ein« günstige Gelegenheit benutzt, um mit einem Zuge über die Grenze zu fliehen Än Passau bebe er dann in einem Hotel Wohnung ge- nommen und dort den Portier, dem er kurz seine Loge geschildert. veranlaßt, ihm Reisegeld nach Wien zu borgey. Erst nach längerer Zeit sei er nach Deutschland zurückgekommen, nachdem er sich in Oesterreich verborgen gehalten, well er befürchtet habe, daß er eventuell in der Heimat gefunden und beseitigt werden würde. Die Angaben Schutzes werden durch den Untersuchung-rtchter beim Landgericht II noch weiter nachgeprüft werden, da Schulze auch sonst Angaben gemacht hat. die die Frankfälscher nicht unwesentlich belasten._ Sozialdemokralische Anträge zur So'ialoersicherunq. Di« sozial- demokratische R-ichstagssrakt.on fordert in einem Antrag die E r- Weiterung der Versicherungspflicht in der Unsallver- sicherung, insbesondere Einbeziehung der Gauw>rtcgehut«n, d"? Krankenpflegepersonals. der Feuerwehrleute, der durch Rettungsmah. nahmen gefährdeten Personen und des gesamten Bühnenpersona!». In einem weiteren Antrage wird die Erhöhung der Grenze für die Krankenoersicherungspflicht der Angestellten auf 6000 M. gefordert,________ Demonstration am Grabe. Eine Gedenkfeier für die ungarischen Märtyrer. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in Budapest hatte durch einen Aufruf die Arbeiter ausgefordert, am Todestag der Genossen Somogyi und Bacso. am 17. Februar, vormittags 11 Uhr. beim Grabe beider Märtyrer zu erscheinen. Vor sechs Jahren waren die Leichen unserer beiden Genossen, schrecklich verstümmelt, in den Donauauen aufgefunden worden. Ein ossene» Geheimnis war es schon damals und ist es heute noch, daß die Schergen Horthys diesen Meuchelmord vollbracht haben: doch bis heute ist es noch nicht gelungen, sie zu fassen. Schon zw« Stunden vor der angesetzten Zeit begann der Auf- marsch der Massen: viele brachten rote Nelken und Kränze mit. Die Polizei hatte die Straßen zum Friedhos mit einem dichten Kordon gesichert, berittene Polizei und Radsahrerabteilungen rückten aus: auf dem Friedhof selbst waren Hunderte von Kriminalbeamte anwesend. Als die Witwe Somogyi» mit einem Kranz kam, wurde sie von einem Polizeiostizier, der bei dem Grabe Wache hielt, zur Ausweisleistung aufgefordert. Die Zahl der Arbeiter. die an der Feier teilnahmen, wird auf ä bis 6 Tausend geschätzt. Ein Abgeordneter der szoi-ildemokratischen Fraktion legt« Kränze auf beiden Gräbern nieder. Di« Polizei ließ nicht zu, daß sie mit roten Schleifen geschmückt waren. Der Fraktionsvertreter hielt im Namen des Parteiocrstande« und der Fraktion ein« kurze Ansprache, in der er die Persönlichkeiten der beiden Märtyrer würdigte: er nannte es eine Schmach und eine Schande, daß d» Mörder noch immer nicht ausgeforscht und bestraft wurden. Da wurden stürmische Zwischen- rufe laut:„Wir kennen die Mörder! Jedermann weiß ihreNamen! Es wird der Tag der Abrechnung schon kommen!" Nach der Rede zog die Masse an den Gräbern vorbei. Am Friedhofstor kam es zu Reibereien mit der Polizei, di« nicht dulden wollte, daß die Masse durch die Hauptstraße abziehe. Ein neuer französischer Schrill In Budapest. Der französische Gesandte in Budapest erschien abermals beim Ministerpräsidenten Grasen Bethlen, mit dem er eine längere Konferenz hatte. In politischen Kreisen verlautet, daß der Gesandte ein« Note seiner Regierung überreichte, in der darauf hingewiesen wird, daß die französische Regierung mit gewissen Einzelheiten in der Unter- juchung der Frankensälscherafsäre nicht übereinstimme. ver Senat korrlgierl die Kammer. Die von der Pariser Kammer einstimmig angenommene Bestimmung wonach die Einkommen- und Vermägensverhältnisse der Mtiglieder von Kammer und Senat oll- jährlich im„Journal Osficiel" zu verössentlicken sind, wurde von der Finanztommission des Senats einstimmig abgelehnt. vt« ersten amerikanischen Verträge registriert. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat gemäß ihrem jüngsten Beschlliß dem Völkerbundssekretariat die drei ersten internationalen Verträge zur Berössentlichung eingesandt. Es sind dies ein Räumungsvertrag mit der Revublit San Domingo, ein Schissahrtsabkommen mit Finnland und ein Abkommen mit Oesterreich und Ungarn über die auf Grund der Friedensverträge den Vereinigten Staaten zu zahlen- den Entschädigungssummen. Gewerkschaftsbewegung Reichsarbeitsminister und Landarbeiter. Zur Einbeziehung in die Erwerbslosenfürsorge. Die zurzeit geltenden Bestimmungen über den Umfang der Beitragsbefreiung und Bezugsberechtigung in der Erwerbslosenfürsorge haben zu unerträglichen Verhältnissen in der Landwirtschaft ge= führt. Das gab dem Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes Veranlassung, beim Reichsarbeitsminister vorstellig zu werden. Die Aussprache fand am Donnerstag statt. Die Bertreter des Deutscher. Landarbeiterverbandes belegten ihre Darlegungen mit einer Reihe von Angaben, die der Organisation aus dem Lande gemacht wurden. Die Gauleitung des Deutschen Landarbeiterverbandes in Liegnig z. B. berichtet: „ Es ist uns bekannt, daß allgemein versucht wird, durch Abschluß von Jahresarbeitsverträgen ohne Kündigungsfrist sich der Zahlung von Beiträger zur Erwerbslesenfürsorge zu entziehen. Kündigungen find erfolgt, weil Arbeiter Jahresverträge nicht unterschrieben, wo feine Kündigungsdauer enthalten ist. Aus dem Kreife Sprottau in Schlefien liegt folgende Mitteilung vor: Der Rittergutsbesizer und Borfizende des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes von Diebitsch entließ am 1. Februar eine Familie, weil sie sich meigerte, einen Vertrag zu unterschreiben. Am 9. Februar wurden zwei weitere Familien aus dem gleichen Grunde von demselben Arbeitgeber entlaffen. Das Dominium Neithardt zwang die Landarbeiter dadurch zur Unterschrift unter den Jahresvertrag, indem ihnen gejagt wurde: Wer nicht unterschreibt, wird sofort entlassen." Aus dem Kreise Striegau wird berichtet: " In Gäbersdorf, Befizer Siegfried von Richthofen, find Kinder von der Gutsverwaltung aufgefordert, für die Eltern die Unterschrift unter die Verträge zu jezen, was auch geschehen ist. In Häslicht, Eisdorf, Fehebeutel, Besizer v. Damniß. ist ein unbeschriebenes Blatt Papier zur Unterschrift vorgelegt worden, mit der Erklärung: Wer nicht unter zeichnet, ist entlassen." daß zu Beginn des Jahres 1926 gezählt wurden 4080 männliche| gesamt rund 100 Mann in der Bersammlung anwesend. Someit die und 213 meibliche arbeitslose Arbeitskräfte aus der Landwirt. Anwesenden nicht aus Kommunisten und Sympathisierenden" beschaft. stand, verschwanden sie wieder während eines Bortrags oder nach her des Kommuniſten Münzenberg. Die Bertreter des Deutschen Landarbeiterverbandes beschränk ten sich in der Aussprache mit dem Reichsarbeitsminister aber nicht nur auf die Aufzeichnung der Mißstände, welche durch die 5. Ausführungsverordnung zur Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge entstanden sind, fie legten auch dar, welche Wege gegangen werden müssen, um zu einer zwed mäßigen Regelung zu gelangen. Vor allem wurde der Standpunkt vertreten, die gesamte Landwirtschaft zur Beitragsleistung für die Erwerbslofenfürsorge Durch eine solche Regelung würde den besonderen Verhältnissen in heranzuziehen, eventuell zu Säßen, die niedriger find als die üblichen. der Landwirtschaft durch die niedere Beitragsleistung Rechnung getragen, jeder Streit in den Betrieben über die 3weckmäßigkeit der Beitragsbefreiung des einzelnen Arbeiters würde aufhören, die Landarbeiter würden nicht den Anspruch auf Bezugsberechtigung von Unterstützung in Fällen der Arbeitslosigkeit verlieren, die Krankenkassen und die Arbeitsnachweisbehörden würden von einer Unmenge überflüssiger Verwaltungsarbeit befreit. Der Reichsarbeitsminister sagte eine eingehende Prüfung der ihm gemachten Darlegungen zu. Der Deutsche Landarbeiterverband erwartet, daß das Ergebnis dieser Prüfung die Umgestaltung der jetzt bestehenden Borschriften ist, die zu unmöglichen Zuständen geführt haben. Die Bananschläger zur Abwehr entschloffen. Die Bauanichläger nahmen in der Versammlung am 16. februar Stellung zur Kündigung des Lohnabkommens durch den Schutzverband Berliner Schloffereien. Ein mütig stehen die Bauanichläger auf dem Standpunkt, daß unter feinen 11 m ständen an einen Abbau ihrer Verdienste zu denken sei. Sollten die Unternehmer dennoch versuchen, den Wirtschaftsfrieden zu stören, so sind die Bauanschläger gewillt, den ihnen aufgezwungenen Stampf mit aller Energie durchzuführen. Die Modell- und Fabriktischler. Die Branche der Modell- und Fabriftischler im Deutschen Halz arbeiterverband, hielt am 16. Februar im Rosenthaler Hof ihre Versammlung ab. Die, wie alle Branchen und Bezirke der OrtsIn einem Bericht der Gauleitung des Deutschen Landarbeiterverwaltung Berlin, an diesem Tage die Neuwahl der verbandes in München wird gesagt: Branchenkommission vorgenommen hat. „ Ohne den Arbeitern Mitteilung von der Aenderung des Kündigungsverhältnisses zu machen, wurden Befreiungsanträge mit dem Vorwand vorgelegt: Unterschreibt hier, damit Ihr von den Beiträgen zur Erwerbslosenfürsorge frei fommt." Besonders interessant sind die Angaben, die über den 11 mfang der Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft gemacht wurden. Es heißt dort unter anderem: " Bezirk des Landesarbeitsamts für Ostpreußen, Kreis Allenstein: Die Arbeitslosigkeit unter den Freiarbeitern ist eine fast vollfommene. Kreis Lögen: Arbeitslosigkeit besteht vorwiegend unter den Freiarbeitern. Kreis Kolberg: Arbeitslose Landarbeiter etwa 350. Kreis Schlawe: 200 arbeitslose Landarbeiter, vorwiegend Freiarbeiter. Kreis ledermünde: Starfe Arbeitslosigteit der Landarbeiter, besonders in der Bajewalter Gegend. Die Arbeitslosigkeit ist auch unter den Deputatarbeitern eine beträchtliche. Bezirk Landesarbeitsamt für Schlesien, Kreis Bres lau: Zahlen vom 31. Januar 1926: Verheiratete Landarbeiter 328, ledige Landarbeiter 99, ledige Landarbeiterinnen 75. Kreis Nimptsch: Arbeitslose Landarbeiter zirka 440. Bezirk des Landesarbeitsamts für Berlin: Das Landes arbeitsamt Berlin berichtet, daß bei den Berliner Arbeitsnách. meisen( landwirtschaftliche Abteilung) durchschnittlich 200 Landarbeiter täglich vorstellig werden. In den Beherbergungsstationen find vor einigen Tagen zirka 650 aus der Landwirtschaft stammende Personen gemeldet worden. Bezirk des Landesarbeitsamts für Brandenburg: Das Landesarbeitsamt berichtet, daß ar 15. Februar 1926 bei den brandenburgischen Nachweisen( es fehlen 10) 1156 männliche und 480 weibliche landwirtschaftliche arbeitslose Arbeitskräfte gezählt wurden. Bezirk des Landesarbeitsamts für Sachsen- Anhalt: Das Landesarbeitsamt in Magdeburg teilt mit, daß am 15. Januar 1926 arbeitslos waren: 2157 männliche Landarbeiter, 867 weibliche Landarbeiter. Bezirk des Landesarbeitsamts für Schleswig 5c1 stein: Das Landesarbeitsamt für Schleswig- Holstein teilt mit, Nachdem der 1. Branchenobmann Fubel einen vortrefflichen Jahresbericht über die Tätigkeit der bisherigen Kommission gegeben hatte, fam es in der Diskussion darüber zu erregten Auseinanderfezungen. Der Kollege Meyer, wie auch die andern Redner hatten zwar an dem Bericht selbst nichts auszusetzen. Mener erflärte, die Kommission habe ihre Pflicht getan. Aber an den Gewerkschaften im allgemeinen und am ADGB., müsse er Kritik üben. Er verbreitete fich in langatmigen Ausführungen über alles mögliche, und wurde durch Zwischenrufe, zur Sache zu sprechen, oft unterbrochen und nach zweimaliger Verwarnung veranlaßt, seine große Rede zu beenden. Zur Wahl der Branchenkommiffion hatte die Moskauer Richtung große Anstrengungen gemacht, um die Kollegen der Amfter. damer Richtung in der Kommission abzufägen. Sie hatte unter den 330 arbeitslojen Kollegen gehörig Stimmung gemacht und alle Kollegen ihrer Richtung zur Versammlung gebracht, fie sogar aus Spandau geholt und dennoch war der Erfolg gleich Null. Die Branche nahm nur 3 mei Kollegender radikalen Richtung in die Kommission hinein und wählte a cht Kollegen der Amsterdamer Richtung. Die Kommission bestand bisher aus acht Kollegen, wovon drei der Moskauer Richtung angehörten. Gegen die Wahl durch Handaufheben mit einfacher Stimmenmehrheit erhob sich großes Geschrei. Zur Wahl der Generalversammlungs- Delegierten am 9. März wurden zwei Listen, Amsterdamer und Moskauer Richtung aufgestellt. Die Kollegen der 2 m sterdamer Richtung haben nun die Pflicht, auch bei der Wahl der Delegierten zur General versammlung auf dem Posten zu sein, indem sie noch zahlreicher an der Wahl im Lokal von Waldt, Pflugstraße 5, teilnehmen. Der Einheitskomitee- Schwindel. Es ist richtig, daß diesem dort gebildeten Einheitskomitee" auch ein Mitglied der SPD. zunächst beitrat, aber, wie die Berichtigung angibt, den anderen Tag wieder aus fchie d. In der Berichtigung wird weiter behauptet, daß die KPD. ,, als Partei" mit der Einberufung jener Versammlung„ nicht das geringste zu tun" gehabt habe. Natürlich nicht! Münzenberg ist nur so nebenbei Kommunist. In der KPD. tann ja jeder machen, was er will. Wenn die KPD.- Leute in der Gerichtstraße ein sogenanntes Einheitskomitee bildeten, entsprechend den Anordnungen der KPD., so ist das eben ein Zufall. Und wenn dieses zufällige Einheitskomitee auch entsprechend den Anordnungen der KPD. die Betriebe des Bezirks Wedding zu einer Versammlung einberuft, so ist das kein fommunistischer Schwindel, sondern eine spontane Rundgebung der Arbeiterschaft". Reichstarif für die Techniker des Baugewerbes. Bom Bund der technischen Angestellten und Beamten wird uns geschrieben: Nach überaus langwierigen Verhandlungen, die ein wiederholtes Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums notwendig machten, ist am 15. Februar in freier Vereinbarung die Erneuerung des Reichstarifvertrages für die technischen Angestellten im deutschen Baugewerbe gelungen. Damit ist das seit 1919 bestehende Reichstarifwerk in seinen Grundzügen erhalten geblieben Der neue Tarif weicht nur in wenigen Punkten von der früheren Regelung ab. So ist die 48- Stunden- Woche, bei durchgehender Arbeitszeit die 45- Stunden- Woche beibehalten worden, ebenso der Magi malurlaub von 21 Tagen mit der Aenderung, daß nicht mehr nur nach dem Lebensalter, sondern auch nach Gruppenzugehörigteit gestaffelt wird. Bezüglich der Gehaltsregelung wurde für jede der pier Larifgruppen ein Mindestgehalt vereinbart. Ueber die Höhe der Mindestgehälter in den einzelnen Gruppen müssen nunmehr bezirfliche Vereinbarungen getroffen werden. Es fteht zu hoffen, daß diese zu einem baldigen gedeihlichen Abschlusse geführt und so dem Gewerbe für die beginnende Bauperiode Störungen ferngehalten werden. Beilegung des englischen Funkerstreiks. London, 19. Februar.( T11.) Der Streit der Funker in der englischen Handelsmarine ist gestern abend nach langen und schwic rigen Verhandlungen beigelegt worden. Sattler, Tapezierer und Portefeuiller! Heute ist Wahltag. Jedes Mitglied des Verbandes der Sattlers Tapezierer und Portefeuiller muß feine Pflicht fun und für die Liste Amsterdam: Blume, Hoffmann, Sillig, Often, Schüttfe ftimmen. Alle kollegen und Kolleginnen müffen herangeholt werden. Die Wahl muß ein Bekenntnis fein für die Einheit und Unabhängigkeit der Organisation. Achtung, SPD.- Metallarbeiter! Montag abend 7 Uhr in der Schul aula Weinmeisterftr. 16-17, Fraktionsversammlung aller SPD.- Metallarbeiter. Aeußerst wichtige Tagesordnung. Bollaähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Achtung, Zimmerer! Verbandskollegen, heute, Gonnabend, morgen, Sonntag, den 21., und Montag, den 22. Februar, finden in den be kannten Verkehrslokalen Bezirksversammlungen statt. Auf der TagesAlle Kameraden ordnung fteht: Stellungnahme zur Verbandswahl. werden ersucht, an den festgefeßten Tagen bestimmt zur Bezirksversamm Tung zu erfáeinen. Zentralverband der Rimmerer, Rahlstelle Berlin und Umgegend. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 1. Beilage.) Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Das famose Einheitskomitee der AEG. Gerichtstraße, das sich und Berlaasanftalt Baul Ginaer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und..Unterhaltung und Wiffen". unterfängt, sämtliche Betriebe des Bezirks Wedding zu einer Ver fammlung einzuladen, ohne dazu von irgend wem beauftragt worden zu sein, fchickt uns eine Berichtigung. Danach sei dieses Einheitskomitee in einer Versammlung der Belegschaft am 25. Januar gewählt worden. Diese Versammlung wäre gut besucht" gewesen. Tatsächlich waren von der etwa 1100 Mann starten Belegschaft insWochen- Engle Damen- Strümpfe Herren- Socken Paar gute Qualitäten 95% Paar gute Qualitäten 78. PL Einsatzhemden Überziehjäckchen gebleicht, mit modernen gestreiften Stück Einsätzen 165 DamenHandschuhe Glacé, farbig und weiss, mit 2 Druckknöpfen 275 Damen- Hüte in Kunstseide u. Stroh, moderne Formen 2,50 für Damen, reine Wolle, gute Qual. hübsche, moderne Machart Stück 245 EinkaufsZugbeutel aus kräftigem Rindleder mit 2 starken Griffen aus gleichem Leder, grosse Form, Stack 295 KnabenAnzugssioffe ca. 140 cm breit Meter 95 20 Sonnabend Herren- Hosen starke Streifen- haltbare stoffe bei Stoffe modern gemust., kammgarnartige Qualitäten gut gearbeitet, 550 825 1050 Breecheshosen Herren und Herren- und Herren- und Burschengrössen Burschengrössen Burschengrössen praktisch, durchweg dauer- Manchester- und gute Stoffe, z.Teil gemusterte Stoffe hafte Qualitäten Whipcordsqualitäten 4.50 750 950 Damen- Spangenschuhe braun, schöne, mod. 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Februar 7425 Me märkiMe KlemMöte aussehen: Eine ixchburg der Reaktion! Nicht dah völkische Roheit in den Gassen tobte— im Tempelgarten hat sie allerdings ihre Haken- treuzoisitenkarte abgegeben—, aber der Druck des umliegenden reich gesegneten Landes ist zu groß: kein Geschäftsinhaber, der sich öffentlich zur Republik bekennen wird und in der ganzen Stadt gibt es kaum mehr als ein halbes Dutzend schwarzrotgoldener Fahnen. Die jüngsten Ereignisse: Fürstenansprüche, Sabotage von Locarno, Fememorde, haben jedoch die Lauen und Verzagten auf- gerüttelt. Dos Reichsbanner zählt 300 Mitglieder. Rur eine starke organisierte Arbeiterschaft fehlt.... Die schone Staöt. Eine Hochburg der Reaktion— aber«ine schön« Stadt. Etwas »Potsdam"liches liegt hier m der Luft— man erinnert sich, daß Friedrich ILl. als Kronprinz hier einige Jahre zubrachte, sowie daß Fontane, der unübertreffliche Schilderer altmärkischen und neu. preußischen Wesens, und Schinkel, der Bauleiter einer künsterisch sich verirrenden Epoche, hier geboren sind. Aus den 3000 Ein- wohnern. die der jugendliche Oberst des Goltzschen Regiments 1732 hier vorfand, sind inzwischen 18 000 geworden, aber die Stadt ist geblieben, was sie war: Beamten- und Rentierstadt. zumal die irühcren Gewerbe, Tuchmacherei und Bierbrauerei, schon längst wieder verschwunden sind und nur wenig neue Industrie sich ange- siedcli hat. Eine große Feuersbrunst vernichtete 17S7 den größten Teil der Stadt: altertümlich wirkende Straßen finden sich nur in dem noch dem See hinunter sich neigenden Test. Der Brand war durchgreifend, über 400 Gebäude,' darunter Rathaus, Kirchen, Schulen, wurden niedergelegt. Friedrich Wilhelm ll., der»dicke Wilhelm", öifnete jedoch den Staatsschatz und bewilligte ein« Mit- lion Taler für den Aufbau, der nun nach einem großzügigen Plan erfolgte. Aus welchen Gründen die Stadt gerade 1829 dem bekanntlich in der Geschichte der preußischen Galanterie fortlebenden Herrscher ein Denkmal gesetzt hat, verschweigt der Chronist in dem neuesten Stadtführer. Aus der Ctadtgeschichte ist sonst nicht» De- sondercs zu erwähnen: das um ein von dem Grafen Ruppin er- bautes Kloster sich entwickelnde Städtchen konnte allmählich sein« Rechte, und seinen Besitz erweitern, da das Kloster gerade nicht über- mäßig reich ausgestattet worden war und 1541 aufgelöst wurde. Handel und Gewerbe blühten aus. wurden durch den 30jährigen Krieg geschädigt. Das IS. Zahrhunder« brachte einen langsamen Zleuausstieg: der Reichtum der Umgebung, die Erschließung des großen und schönen Touristengebiets. zu dem Reu-Ruppin die Eingangspforte ist, bequeme und reichliche Bahnoerbindungen haben dann dazu beigetragen, daß die Stadt dem jetzigen Besucher In glanzvollem Lichte erscheint. In den Läden ist nicht nur da» Retwendige, sondern auch das Ueberflüsstge zu kaufen und wer auch nur flüchtig die Auslagen mustert, wird überrascht sein, wieviel süße Leckerware von Mittag an zu sehen ist— das kuchenschmausende Reu-Ruppin gibt der Sage Nachdruck, daß man hier auch in der Kriegszeit gerade nicht gehungert hat. Gang öurch öle Staöt. Wer mit der direkten Bahnverbindung von Berlin(über Krem- men) kommt, tut gut daran, aus dem Bahnhos Rheinsberger Tor auszusteigen, der ttauptbahohof liegt etwas weiter hin auf ödem Felde. Die breit« Friedrich-Withelm-Straße, die wir betreten, zeigt sogleich die Weitläufigkeit dieser Stadt an: wenige Schritte, dann haben wir links den großen kirchplah mit der einfachen Pfarrkirche und rechts das longgestreckte Land- und Amlsgerichtsgebände. das auf dem Platze des alten Rathauses aufgeführt wurde. An dem Geburlshaufe Fontanes, der mit einer Gedenktafel geschmückten Löwenapotheke, vorbei, kommen wir gleich zu einem zweiten Platz, wo dos stattliche Gymnasium sich erhebt. Die Friedrich-Wilhelm- Straße hat sich hier auch noch verbreitert und auf diesem Platzende erhebt sich da» bereits besprochene Königsdenkmal. Und wieder einige Schritte weiter der dritte Riesenplatz(Königs-, Paradeplatz), dann aber erreicht die Straße bald ihr Ende, malerisches Grün und das bekannte Fontane- Denkmal— ihn als ausruhenden Wanderer darstellend— gibt einen Ruhepunkt. Kurz vorher einen Blick zur Stadtmauer, die aber nicht, wie im nahen Templin, drohend erscheint, sondern zumeist in geschickter Weije in da» landschaftliche Bild hineingearbeitet ist. Mit der begangenen Straße parallel laufen rechts die Ludwig-, links die Friedrichstrahe: senkrecht zu diesen kreuzen auf der ganzen Strecke etwa 10 Straßen, von denen die Schinkelstraße— an dem auf dem Kirchplatz errichteten Schinkel- Denkmal vorbei— und ihre Fortsetzung, die Fischbänkenstraße, zum »Hasen", die Kommandantenstraße zur Klosterkirche, die Wichmann- straße zum Rathaus und die Prästdentenstraße zum Kreis-(.Tem- pel".)Garten führen. Statt des geraden Weges durch die Stadt können wir vom Rheinsberger Tor zum Fontane-Denkmal auch auf dem Wallwege gelangen, der mit seinen hohen alten Bäumen auch im heißen Sommer einen kühlen Schatten spendet. Seltene Bäume und alte Sandsteinfiguren zieren den jetzt dem Kreise gehörigen Garten, der auch ein kleines Heimatmuseum enthält. Das alle Reu-Ruppin haben wir in der Röhe der Kloster- kirche zu suchen. Diese selbst enthält wohl noch im Eher einzelne Teile des ersten Baues von 1248, der Hauptteil stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Türme sind neu. Interessant ist die von der Kirche ausgehende Siechenstraße, wo die 1490 erbaute spätgottsche Siechenhauskapelle ein bemerkenswertes Portal(mit Tonreliefs) besitzt. Auch ein Blick in den Spitalhof mit dem Galerieholzbau ist lohnend. Sonstige architektonische Schätze weisen manch« der noch dem Brande hergestellten Bauten auf: Bersuche, die den Stempel des 18. Jahrhunderts tragenden Hausreihen durch Mietkasernen zu durchbrechen, sind nur ganz vereinzelt zu verzeichnen. Der äußere Kranz von Billen jenseits des Walles läßt auf Wohlhabenheit der Erbauer schließen. Soziales uoü politisches. Daß die Firma Kühn, bekannt durch die Reu-Rvppln« Bilderbogen und ihre Zeitung, noch heute das Wort»Hoflieferant" an der Fasiad« ihres Hauses in der Ludwigstraße zu stehen hat. ist kennzeichnend für den Geist der Stadt. Auch die Tatsache, daß die Stadtväter lachen, wenn die 6 Mann starke Gruppe der SPD. alljährlich den Antrag stellt, man möge aus der Inschrift der Land- Kirche* wirtschaftsschule:»Halt fest am Pflug, bleib treu Thron und ASar" da» Wort Thron durch ein zeitgemäßere» zu ersetzen, zeigt die reaktionäre Einstellung. Zm Sommer wird die Ruppiner Woche abgehalten, natürlich unter dem Zeichen Schwarz-Weiß-Rot und begnadet durch die Anwesenheit aller erreichbaren Bünde, die noch immer(mit dem Munde!) Frankreich siegreich schlagen wollen. Auch die Pankgrafen haben schon einmal die Stadt Reu-Ruppin beehrt und vom See aus.erobert". Ein Gegengewicht gegen diese völkische Bearbeitung bietet die Tatsache, daß unser Spandauer Parteiorgan, da es dauernd Nachrichten aus dem Kreise dringt, gut verbreitet ist. Als Maßstob für die Verteilung der Kräfte seien hier die Zahlen der Reichspräsidentenwahl 1926 angeführt: 2661 Stimmen für Braun, 6092 für alle übrigen Kandidaten. In der bietet das Bolkshaus den Mlllelpuntt für die Partei: r mannstraße, vortrefflich gelegen, steht es in Verbindung mit dem Konsumverein, der von dem nahen Wittstock beliefert wird. Man der Stadt selbst in der Wich- tksi GnKel Moses. Roman von S chalom Asch. Mascha nahm die Schokolade. »Oesfne das Paket, du wirst etwas darin finden." „Oeffne das Paket. Mascha, öffne es." rief der ganze Chor. Mit zitternden Händen öffnete Mascha das Schokoladen- Paket. Aus der Schachtel fielen einige Zehndollorftücke und ein paar Schmucksachen. „Das Geld ist für Mama, der Schmuck für dich, alles, weil du mich„Biest" genannt hast," sagte der Onkel lächelnd. Mascha hob ihre großen, schwarzen Augen; so kindisch sie noch waren, so voll Saft waren sie schon. Sie ließ sie aus Onkel Moses ruhen, eine Koketterie lag in dem Blick, welche die künftige Frau verriet, Koketterie, die in den Schleier kindlicher vcham gehüllt war.... Onkel Moses gefiel dieser Blick, er lächelte in sich hinein. „Danke doch dem Oukell Küß ihm die Hand!" rief der ganze Chor. Mascha wurde verlegen. Sie wollte tun, wo» alle sie hießen. Doch der Onkel ließ sich nicht die Hand küsien. Er nahm ihren Kopf in seine Hände und gab ihr einen Kuß aufs Haar. Alles war glücklich, in vielen Augen glänzten Tränen. und Bater und Mutter waren im siebenten Himmel. t,Jch kann auch, ich kann auch!" Mitten in die Feierlich» keit stürmte Cilli herein, halb nackt und ungewaschen. Sie hatte die Szene durch den Spalt der Küchentür mit angesehen und die Eifersucht trieb sie ins Zimmer. „Gott im Himmel!" die Mutter erhascht« sie und wollte sie verstecken. Doch Onkel Moses halle sie bereits bemerkt. -Wer ist das?" „Gar nichts, ein Kind." entschuldigte sich Aaron. »Und was kannst du?" fragte der Onkel. „Kino spielen." Cillis Acuglein glänzten in dem fchmutzi- gen Gesichtchen über dem Feiertagskleid der Mutter. „Kino spielen, das ist schön, komm her, komm her— ja. da hast du..." Aber die Mutter hatte ihre Armut bereits in einem Winkel versteckt, und dort schluchzte die»Armut" bitterlich. 10. Die Kusminer Landsleute. Onkel Moses Werkstatt gewerkschaftlich zu organisieren. war unmöglich. So sehr sich auch die jüdischen Arbeiteragita- toren bemühten, die Landsleute des Onkel Moses gewerk- schasUich zu organisieren, sie stießen stets auf eine eiserne Mauer Das hatte seine Ursache darin, daß das Verhältnis zwischen Onkel Moses und seinen Landsleuten nicht ein Geschäfts», sondern ein Familienverhältnis war. Onkel Moses war für die Kusminer Landsleute das Haupt einer Familie, der Regent eines kleinen Königreichs. Die Kusminer Lands- leut« waren stolz auf Onkel Moses' Vermögen. Wenn sie an einem Hause vorbeikamen, das dem Onkel Moses gehörte, so rühmten sie sich dessen, als wäre es ihr eigenes Haus. Onkel Moses kümmerte sich um alle ihre Familienangelegenheiten. Sie trugen ihre Rechtsstreitigkeiten vor ihm aus, und Onkel Moses fällte seine Urteilssprüche wie ein Patriarch der Urzeit über die Angehörigen seiner Sippe. Sie waren Onkel Moses treu ergeben, und wenn einer feiner Unzufriedenheit Aus- druck gab oder es wagte, ein Wort wegen der Gewerkschaft zu sprechen, so hinterbrachten es die Landsleute sofort dem Onkel Moses. Dann kam Onkel Moses in die Werkstätte hinauf, suchte sich den„Revolufionär" aus, blieb neben ihm stehen und betrachtete ihn zunächst lange und genau, so daß er glaubte, es sei sein Tod. „Sam, wie hat er, doch daheim geheißen?" fragte Onkel Moses dann seinen Gouverneur, indem er auf den»Revo- lutionär" deutete, der sich mit der Gewerkschaft abgab. „Mojsche Serngroß." antwortete Sam tun. Sooo, das bist du, Mojsche„Gerngroß"! Du willst also bei mir eine Organisation einführen? Bei mir nicht, lieber Freund. Bei mir wird am Sabbat und an Feiertagen nicht gearbeitet. Bei mir ist keine Werkstätte, in die man Orga- nisierte hineinläßt. Bei mir gibt es nur Landsleute, Familie. Gäbe es bei mir Arbeiter und eine richtige Werkstätte, so würde man bei mir am Sabbat und an Festtagen arbeiten, sogar am Roschaschana und Iom Kippur, wie in jeder Werk» statte, wo es Organisierte gibt. Ich brauche den ganzen Krempel nicht"— Onkel Moses deutete auf die Werkstatt— „ich zahle dabei nur drauf. Ich führe das Zeug ohnedies nur euch zuliebe, damit meine Landsleute leben können. Was hättet ihr ohne mich angefangen? Wer hat euch nach Amerika gebracht? Zu wem seid ihr um die Schisiskarten und um Geld gekommen, wie ihr eure Angehörigen habt her- bringen wollen? Zu wem kommt ihr, wenn es ein Unglück gibt? Wenn, Gott bewahre, einer von euch krank wird?" Onkel Moses schrie bereits so laut, daß die Landsleute wie Espenlaub zitterten..„Zu wem kommt ihr dann? Mit allem zu Onkel Mose», wie? Ist es nicht so? Und der will bei mir eine Organisatton einführen. Bei mir nicht, Freund! Mich wird niemand zwingen, daß man bei mir am Sabbat und an Feiertagen arbeitet. Bei mir gibt es keine Arbeiter. Bei mir sind Landsleute. Meine Familie findet bei mir ihr Auskommen, und ich arbeite genau so schwer wie ihr alle- Ihr seht es ja selbst. Und für wen arbeite ich? Für mich brauche ich es wirklich nicht! Rur für euch. Ich werde meine Werkstätte schließen und dann sucht euch irgendwo anders Arbeit. Wenn ihr ein paar Dollar brauchen werdet, so werde ich sie wie euch ja ohnedies geben. Ihr braucht keine Angst zu haben. Aber ich will nichts mehr damit zu tun haben." „Aber, was sagt der Onkel? Warum hört der Onkel auf das, was so ein dummer Kerl redet?" beginnen die Lands- leute Onkel Moses zu bitten. „Durch ihn sollen wir alle leiden?" fährt Aaron Mojsche, ein naher Bcrwandter des Onkels, hitzig drein, der in Kusmin ein Dorfgänger gewesen war, Wind und Wetter widerstanden hat und hier beim Bügeleisen steht.„Laßt mich nur zu ihm, ich will ihm schon eine„Organisatton" geben," schreit Aaron Mojsche mit erhobener Hand. „Pst. Ruhe! Bei mir wird nicht geprügelt." Onkel Moses hält den Hitzkopf zurück.„Doch, wem es bei mir nicht gefällt, der kann sich irgendwo anders etwas Besseres suchen. Sam, schau nach, wieviel er.zu bekommen hat und bezahle ihm bis zum letzten Heller; da. Hiar hast du noch em paar Dollar auf den Weg!" Onkel Moses Güte rührte alle. Er gewann sich stets die Herzen seiner Kusminer Landsleute durch seine freigebige Hand. Nie schlug er einem Landsmann eine Bitte ab. Der „Revoluttonär" selbst wurde gerührt über Onkel Moses' Rede und durch die paar Dollar und bereute schon seine Worte. „Bitte den Onkel Moses um Berzeihung! Augenblicklich bitte ihn um Derzeihuna," schrien die Kusminer Landsleute. „Er muß ihm die Hand küsien. Küß dem Onkel Moses die Hand,", schrie Aaron Moffche, der Dorfgänger, welcher hier beim Bügeleisen stand, den„Revolutionär" an. Das Ende war, daß Onkel Moses sich nicht die Hand küssen ließ. Den Landsmann entließ er nicht. Der bekam dann für seine Dummheit den Spitznamen der„Gewerk- schaftler".| Damit ist aber noch nicht gesagt, daß bei Onkel Mose» am Sabbat nicht gearbeitet woroen wäre. Im Gegevteil, der Sabbat war im Geschäft des Onkels Moses der stärfslr Tag.(Fortsetzung folgtö sollte meinen, daß im Beamten- und Kleinrentnerstande jeder er- sparte Groschen willkommen sein müßte, aber viele hält wohl die Furcht, als.rot"' zu gellen, von der Benutzung des Konsum- verein? ab. Der Sommer verwandelt Neu-Ruppin in ein Feldlager von Sommerfrischlern und Touristen, die mit Dampser, Auto oder zu Fuß die schöne Umgebung, namentlich die sogenannte Ruppiner Schweiz, aussuchen. Mit der Gründung des Reichsbanners wird es auch mehr als bisher möglich sein, durch Massenbesuch die Position der einheimischen Republikaner zu stärken. Selbst in den Hoch- bürgen der Reaktion wird es den Machthabenden auf die Dauer nicht möglich fein, die Tatsache, daß die Anhänger der Republik in der Mehrheit sind, aus der Welt zu schaffen. Und der Neu- Ruppiner Geschäftsmann wird sich letzten Endes sagen, daß auch »republikanisches Geld" nicht stinkt. Ankauf See Hochbahn! Die»Dossische Zeitung" berichtet über die gestrigen VerHand. »ungea der gemischten Deputation zur Finanzierung der SIEG.- Dahn. Die Deputation hat sich in Zusammenhang damit gestern mit den seit langem schwebenden Verhandlungen zwischen der Stadl und der Hochbahn beschäftigt. Sie hat den Magistrat ermächtigt, der Hochbahn ein bestlmmtesAngebot zu machen. Zu heute vormittag ist eine Sitzung de« Magistrats einberufen, die endgültig zu dem Angebot Stellung nehmen soll. Die Beratungen sind für vertraulich erklärt worden, wir hallen es deswegen nicht für zweckmäßig, in diesem Stadium aus sie einzugehen, trotz. dem durch die Publikation der„Bossischen Zeitung" bestimmte Zahlenangaben der Oesfeullichkeit übermittelt werden, wahr- scheinlich wird Im taufe des Heuligen Tage» eine offizielle pubti- kallon des Magistrats erscheinen. Zm Anschluß daran werden wir un» über den ganzen Fragenkomplex äußern, jedenfalls ist es sehr zu bedauern, daß durch die Indiskretion ein Teil der presse in die tage versetzt worden ist, vorzeitig über diese Verhandlungen zu berichten. Die Unterschleife öer Steuerbeamten. hat e» an der Kontrolle gefehlt? Die Haupt st euerverwaltung der Stadt Berlin teill zu den Betrügereien der Stadtinspektoren Gerhard und Schulz eine Reih« von Einzelheiten mit, die wir in früheren Be- richten bereits veröffentlicht haben. Interessant sind dagegen die Eröffnungen der Hauptsteuerverwaltung zu den Fragen: hat es an der«rforderlickien Kontrolle gefehlt? Können künftig ähnliche Fälle durch geeignete Maßnahmen unterbunden werden? Gerhard und Schulz waren in der Steuerverwoltunq der Bezirksämter Mitte und Kreuzberg mit der Bearbeitung der Grunderwerbs- und Wertzuwachssteuer betraut. Wird ein Grundstück verkauft, so ist von den Parteien oder dem Notar, der den Kaufvertrag aufgenommen hat. der Vertrag an das Steueramt einzureichen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen darf nämlich das Grundbuchamt die Eintragung des Eigentumswechsels erst vor- nehmen, wenn eine Bescheinigung über die Sicherstellung der Grund- erwerbsstouer vorgelegt wird. Die Tätigkeit des Steueramtes be- ginnt also mit einer provisorischen Prüfung des Bertrages, auf Grund deren die Höhe der Sicherheitsleistung für die Grunderwerbs- steuer sestgestellt wird. Diese„vorläufige Veranlagung" wird von dem zuständigen Steuerbeamten vorbereitet. Di« Festsetzung der Höhe selb st erfolgt durch den Steuerdezernenten, der Stabtrat des betreffenden Be- zirksamtes oder ein Magistratsrat ist. Der Steuerpflichtige zahlt den festgesetzten Betrag als Sicherheit bei der Steuertasse und reicht sodann die Bescheinigung über die Sicherheitsleistung an das Grund- buchamt ein. Beim Steueramt erfolgt nach diesem provisorischen Verfahren die gründliche Prüfung des Steuerstilles und die end- gültige Veranlagung und zwar für die Wertzuwachssteuer sofort, well sie an den Bertragsabschluß anknüpft, für die Grunderwerbs- steuer nach Eingang der Bestätigung von der Eintragung des neuen Eigentümers durch da» Grundbuchamt. Auch hier ist Aufgabe des zuständigen Steuerbeamten lediglich die Borbereitung d«r Beranlagung, die vielfach auch persönliche Verhandlungen mit dem Steuerpflichtigen notwendig macht. Die Veranlagung selbst erfolgt auch hier nur durch den Dezernenten, der in jedem Falle die Grundlagen eingehend nachzuprüfen hat. Für eine ausnahmsweise Ermäßigung der veranlagten Steuer aus ganz besonderen Grünben erfolgt die Entscheidung auch nicht durch den Dezernenten allein. sondern durch Beschluß des Bezirksamtes, Austimmung des Bürgermeisters u. a. in. Diese Regelung ist in den Verwaltungsbezirken nicht einheitlich. Im Bezirk Mitte erfolgten derartige Er- Mäßigungen durch Beschluß eines Ausschusses der Dezirkssteuerdeputation. Der Steuerbeamte selbst also halle weder die Steuer endgültig sestzusetzen, noch konnte er irgend welche Ermäßigungen durchsetzen, sosern der zuständige De- zernent die ihm vorgelegten Sachen richtig prüfte, was zunächst einmal unterstellt werden muß. Wie find nun die Ber» fehlunaen in» Wert gesetzt worden? In einigen Fällen haben die beiden Betrüger von dem Steuerpflichti- gen den Geldbetrag für die Zahlung ber Steuer persönlich in Empfang genommen und dafür ae- fälscht» Steuerquittungen ausgestellt. Di« Akten über den Steuerfall wurden vermchtet. Daß die Vernichtung von Akten durch die ungetreuen Beamten zunächst unbemertbar bleiben konnte, wird dadurch oerstänbkich, daß die Akten von den bearbeiten- den Beamten selbst»«-waltet werden, da In den städtischen Ber- waltunoen kein« Registraturen mehr bestehen. Gleicdwobl war eine Kontroll« dadurch gewährleistet, daß jeder GrundstÜckskausoertrag, noch ehe«e»berhaupt zur Bearbettung lommt, tn die vorgoschriebene Grunderwerdssteuerlist««nzueragen ist, au» der der Fortgang der Bearbeitung erstchllich ist. Wie es möglich war, die für dieie Kon- trolle zuständigen Beomtvn der beiden Steuerämter zu täuschen, wird durch die Untersuchung geklärt werden. Ein« weitere Kontrolle soll nunmehr noch dadurch eingeführt werden, daß vom Katasteramt in bestimmten Zeitabschnitten listemnäßige Nachweisungen über den Eigcfsttnmswechsel erbeten werden, um durch den vergleich mit dem Material des Steueramts die ordnungs- mäßige Erledigung aller Fälle nachzuprüfen. Als notwendige Er- «änzung aller Kontrollen ober ist die Mitwirkung des Publikum» selbst von größter Wichtigkeit. Auch im vorliegen- den Falle wäre die Einleitung des Strafverfahrens um Monate früher möglich gewesen, wenn ein Steuerpflichtiger, dem ein schmutziges Angebot gemacht worden war, dies sofort der Ausstchts- stelle mitgeteilt hätte, und wenn in den Betrugsfällen selbst nicht Zahlungen an einen Beamten erfolgt wären, der zur Empfangnahme nicht berechtigt war._ Der Prozcst Bartels. Ein endloser Prozeß. Holzmann soll unter allen Umständen als Zeuge vernommen werden. Holzmann muß aber erst von den Brüsseler Behörden ausgeliefert werden. Etwa» Langwieriges gibt es nicht. Erst muß da» belgische Gericht prüfen, ob dem Au»- lieferungsantrage der deutschen Regierung nach dem belgischen Ge- fetz stattgegeben«erden kann. Formalitäten auf Formalitäten sind zu erledigen. Da können noch vierzehn Tage vergehen. Es mag ja was Gute» daran sein, daß das Asylrecht der Ausländer in den verschiedenen Staaten so sorglich geschützt ist-, aber etwas muß an den Ausliefeqzngövtrträgetz doch nicht ig Ordnung sein, wenn iu Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 20. Februar. ÄnCer dem üblichen Tagesprogramm: 3.45 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler..Das geflügelte Mäusohen".(Erzählt von Dr. med. E. Mosbacher). 430—6 Uhr nachm.: Naohmittagskonzert der Berliner Pnnk- kapelle. Konzertmeister Ferdy Kaufiman. 6.85 Uhr abends: Uans- Bredow-Scbnle(Bildnngskurse). Abteilung Sprachnnterricht. Esperanto(Direktor Julius Glück). 7 Uhr abends: Dr. Franz Leppmann:.Johann Heinrich Voü.(Zum 175. Geburtstage des Dichters)". 7.25 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Hochschul- kurse). Abteilung Photochemie. Geh. Beg.-Rat Dr. A. Miethe: .Ziele und Wege der Naturfarbenphotographie".»Der Dreifarbendruck". 8 Uhr abends: Sendospiele. Abteilung Oper. Spielzeit 1925/28. Leitung; Oornelis Bronsgeest. 27. Veranstaltung.»Lucia von Lammermoor', Oper in drei Teilen von G. Donizetti. Dir.: Kapellmeister Georg Sz£ll von der Berliner Staatsoper. Lord Henry Aston: Artur Fleischer; Lucia, seine Schwester: Sahine Mayen; Edgar von Ravenswood: Engen Transky; Lord Artur Bncklaw: Gerrit Visser; Raimund Bidibent. Erzieher und Vertrauter Lucias; Dirk Magrä; Elisa, Lucias Kammerfrau; Emma Vümar Hansen; Normann, Befehlshaber dei Reisigen von Ravenswood: Edmund Hippler. Ort der Handlung: Schottland. Zeit: 1700. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnaobriobten. Theater- und Filmdienst 10.30— 12 Uhr abends: Tanzmusik(Funk tanz- kapelle. Leitung: Konzertmeister Franz V. Szpanowski). Königswusterhausen, Sonnabend, den 20. Februar. 3— 3 30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel: Einheitskurzschrift 3.30— 4 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel: Einbeitskurzscbrift. 4—4.30 Uhr nachm.: C. Mario Alfieri, Frl. G. van Eyseren: Spanisch für Anfänger. 4 30—5 Uhr nachm.: FrL Rechtsanwalt Dr. Margarete Ber�nt: Die Frau als Bürgerin:»Was koche ich zum Sonntag?" Erläuterungen zur rechtlichen Stellung der Ehefrau. Fällen, die so klar aus der Hand liegen, wie der eines Holzmann, so viel Zeit vergehen muß, ehe dem Auslieferungsantraae stallge- geben werden kann. Und wenn Ihm erst stattgegeben ist— wer weiß, ob Holzmann nicht plötzlich erklärt, daß sein Gesundheit?» zustand ihm nicht erlaube die weite Reise zu machen. Dann werden alle die Vertagungen des Gerichtes unnütz gewesen sein. Vorläufig ist aber das Gericht auf Grund der Strasprozeßordnung gezwungen, jeden dritten Tag zusammenzutreten: sonst müßte die ganze Be> wcisaufnahme von neuem beginnen. Der Bartels-Prozeß wird schon sein Ende finden. Und dann wird der Holzmann-Prozeß seinen Anfang nehmen. Wieviel Geld muß der internationale Abenteurer Holzmann dem preußischen Staate kosten? Der ostpreußische polizektransport. Die Zuschrlfl eines veleillgten. Zu unserem im Morgenblatt vom Freitag gebrachten Artikel über Mißstände beim Transport der ostpreußijchen Schutzpolizei- focmationen erhallen wir die Zuschrift eines Beamten, die die gerügten Mißstände vollauf bestätigt. Der Beamte beklagt sich bitter über die ungenügenden Platzoerhältnisie aus dem IKÜO-Tonnen-Schifs und stellt fest, daß die hygienischen Vorrichtungen völlig ungenügend waren. Insbesondere hat die verfehlte Unterbringung des Pferde- Materials die Beamtenschaft aus der Reise unerträglich belästigt. Für über Süd Beamte stand, wie wir schon feststellten, kein Polizei- arzt zur Verfügung. Die wenigen Sanitäter, die den Transport begleiteten, sollen nach den Angaben, die uns gemacht werden, völlig ohne medizinische Ausrüstung gewesen sein. Die Empörung der ostpreußischen Polizisten war eine allgemeine. Di« Zuschrist betont den überaus g u t e n E m p f a n g. der den Beamten in Stettin und auch in Berlin zutell wurde. Es ist zu hassen, daß die zu- ständigen Stellen die Affäre des so mangelhaft organisierten Trans- partes als auch die den Allensteiner»Stahlhelm-Abzug in gründ- ticher Untersuchung baldigst klären werden. Die fehlenden Lehrstellen. Bet allen Bezirksberufsämtern sind zahlreiche Knaben und Mädchen vorgemerkt, die nach chrer Schulentlassung zu Ostern einen Beruf erlernen wollen. Auch 15- und Itzjährige junge Leute sind in größerer Zahl als Lehrstellenhewcrber eingetragen, die zu sofortigem Eintritt bereit wären. Freie Lehrstellen da- gegen sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Es ergeht daher an alle Lehrherren die dringende Bitte, ihre freien Lehrstellen, und zwar für sofort wie Insbesondere für den Oster. termin schon jetzt ihrem Berufsamt schriftlich oder telephonisch be- kanntzugeben. Di« Ueberwelsung geeigneter Bewerber zur eigenen engeren Zluswahl erfolgt dann durch die Berussämter, deren An- schrist und Telephonanschluß aus nachstehendem erstchttich ist: 1. Be- rufsamt Mitte(für Mitte, Prenzlauer Berg und Weißensee), C. LS Alexanderstr. 41. Tel. Aleronder 141)6: L. Berussamt Ost (für Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow und Köpenick), 0. 17. Stralauer Platz M/ZI, Tel. Königstadt 5090; 3. Berufsami Süd (für Kreuzberg, Neukölln und Tempelhos), Neukölln, Thomasstraße- Holzhaus, Tel. Neukölln 1SS0: 4. Berussamt Südwest(für Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz und Zehlendorf), Schöneberg, Feurig- straße 7, Tel. Stephan 2680; 5. Berufsomt West(für Tiergarten, Charlottenburg und Spandau), Eharloitenburg, Spreestr. ZI, Tel. Wilhelm 73l)(): 6. Berufsamt Nord(für Wedding, Pankow, Rei- nickendcrf), N. 20. Pantstraße 47, Tel. Hansa 2580. Mehr Miete oder Tteuerzuschsagsumlage? Man schreibt uns: Im„Grundeigentum", dem Organ des Bundes der Berliner Hausbesitzer, lesen wir, daß den Eigentümern empfohlen wird, den durch Beschluß der städtischen Körperschaften für Februar und Mörz zur Erhebung kommenden Mehrzuschlag zur Grundvermögenssteuer mif die Mieter in der Form umzulegen. daß einfach für Februar 4 Proz. und für März 2 Proz. zur Frieden»- miete zugeschlagen werden. Dies« Derechnungsart vereinfacht zwar da» Umrechnungsgeschäft, ist aber kein« Umlage tm gesetzlichen Sinne de» Wort?» und deshalb unzulässig. Umlag» bedeutet auch vorliegend immer mir die Verteilung des Gesamtbetrages, den zu- nächst der Hauptzahlungspstichtige selbst zu decken hat. Der Haus- besttzer soll also, wie auch von maßgebender SteuerftelU bestätigt wirb, au» der Zahlung des erhöhten Geeneindezuschlage» nicht einen Profit herauswirtschaften. Er muß sogar auf Verlangen den Mietern die Höhe de» Steuerbetrages und der monat- lichen Gofamtfriedensmiete de, Hauses angeben, damit jeder Mieter. der es wünscht, sich nachrechnen kann, wie seine Februar- und März- miete berechnet ist. Nur zum Vergleich war in der ersten Meldung herangezogen worden, daß die neue Regelung für zwei Monate ein Mehr von etwa 4 plus 2 Proz. bedeutet. Bei richtiger Berechnung wird der Umlagebetrag des einzelnen Mieter» In den meisten Fällen geringer sein.— Erwerbslos«, denen die Hauszinssteuer ge. stundet ist, müssen den Umlagezuschlag ebenfalls zahlen. Wenigstens erklären mehrere angesraate Steuerkassen, daß sie bis jetzt keine Anweisung haben, Erwerbslos« auf Antrag auszuschalten. Fast eine halbe Million Rundfunkteilnehmer in Berlin. Im Laule de« Januar ist die gabt der Rundsunkteilnehmer in DeulscklandumbS 546 auf 1 108 84ö gestiegen. Berlin weist wieder die störlfte Zunahmeiabl auf. renn die. Teil- nebmerzabl in Berlin bat sich von 443 607 auf 481013 erhöbt. :'iudi in den anderen Sendebezirken ist ein starker Zuwad,» der Teilnehmer zu verzeickmen, s» bat Hamburg jetzt>36 603, Leipzig 117 673, München 96 238 Hörer der Eendebezirk Münster— Dortmund— Elberfeld 94 779, Frankfurt a. M. 73 710 Rundkunkteilnehmer; in den östlichen Sendebezirken Breslau— Gleiwitz ist die Hörerzahl um 6 000 ans 64 903 und in Königsberg auf 16441 gestiegen; Stuttgarts Teilnehmerzahl ist von 27 888 auf 28 482 gestiegen. Die Juristische Sprechstunde süllt heut«(Sonnabend) aus. vke Prügelstrafe. Zum Prozeh des Freiherrn v. Lühow. Wie bereits gemeldet, nimmt der Prozeß gegen Herrn v. Lützow am 22. Februar feinen Anfang. Sein Ende ist nicht oorouszusogen. Selbst wenn das Gericht aus den 363 von der Staatsanwattschaft benannten und den etwa 160 von der Verteidigung, den Rechts- anwätten Dr. Frey und Dr. Ballen tin, beantragten Zeugen eine Auslese treffen sollte, so dürfte der Prozeß doch mehrer« Monate beanspruchen. Um so mehr, als es sich hier um subtilst* Fragen handelt, deren Beantwortung von der Glaubwürdigkeit der jugend- lichen Zeugen, der Zöglinge des Freiherrn von Lützow, von den Landeserziehungsheimen in Buckow und Zosien, abhängen wird. Hier wird die eigenartige Psychologie der Pubertäts- und Bor- Pubertätszeit nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. 75 Fälle werden dem Angeklagten zur Last gelegt. In fast ollen soll er die Knaben, die im Atter von 10—16 Jahren stehen, gezüchtigt haben, manche von ihnen bis zu zwanzigmal, viele von ihnen äußerst bort. Und immer wieder soll er sie dabei vor der Züchtigung, während der Züchtigungspausen und nach der Exekution g« lieb kost, ge- tröstet und geküßt haben. Auch sonst soll er sehr zärtlich gewesen sein. Die Kinder halten ihn gern. Er war um sie besorgt. Die medizinischen Sachverständigen, Dr. Albert Moll, Dr. Magnus H i r s ch s e l d. Dr. Plaszek und Dr. S t ö r m e r. werden vor eine schwierige Frage gestellt sein. Sie werden aus der psycho- sexuellen Persönlichkeit des Angeklagten, aus besten Allgemeinver- halten den Zöglingen gegenüber und ans seinem besonderen Der- halten während der Züchtigungen zu entscheiden haben, ob er sich besten bewußt gewesen war, unzüchtige Handlungen vorzunehmen, und serner, ob diese Handlungen überhaupt als sexuell auszufasten waren, dem Geschlechtstriebe dienten und somit als kriminell zu bezeichnen sind. Allerdings ist stets in Fällen, wie dem eines Lützow, der Perdacht des sexuellen Charakters der Züchtigung nicht von der Hand zu weilen. Im Gegenteil, es ist das Gegebene. Die Geschichte der Kriminalistik kennt nicht wenig Fälle reinen Sadismus und des sadistischen„Eros paidagogikos", man könnte sagen, einer abstrusen Verknüpfung des Sadismns mit fürsorglich-erzieherischer Lieb«. Letzter« fehlte ganz in dem Falle des Miltschiner Prügelpastors oder des Hausvaters Colander aus der Schleswig-Holsteinischen Fürsorge- anstatt in der Bloemschen Wildnis, oder im Falle des Bayreuther Hauslehrers Dippold, der einen seiner Zögling« zu Tode geprügelt hatte. Deshalb lagen dort die sexuellen Beziehungen klarer. Ob krankhaste sexuelle Veranlagung oder sonst was im Falle Lützow im Spiele ist, mögen die Sackverständigen und das Gericht entscheiden. Bom pädagogischen Standpunkte aus ist der Freiherr gerichtet. Daß er aber leinen Züchtigunasunfug Jahre hindurch treiben konnte, daran tragen die Ellern der geprügelten Jungen die Mitschuld. Sie waren ia mit den„Erziehlings">Methoden" ein- verstanden. Sie hatten sich selbst dann beruhigen lassen, als der Großschlächter M., durch die Züchtigung seines Sohnes veranloßt, im Schöneberger Rathaus die Elternverfammlung einberufen hatte. Und selbst die Studienassessoren und Lehrerinnen des.Landes- erziehungsheims" hatten ja im Prinzip nichts gegen dies« Methoden. Nur die Maßlosigkeit ihrer Anwendung veranlaßt« st« schließ- lich zum Protest. Und hier beginnt das Interesse der Oeffentkichkeit am Prozeß Lützow: Prügelnde Erzieher und Lehrer. ob sadistisch oder nicht, ob tnebgereizt durch die rührende Hilflostgkett des Kindes oder nicht, sind nur möglich, weil die Eltern selbst von der unbedingten Notwendigkeit der körperlichen Züchtigung durch- drungen sind. Sie übertragen ihr„Prügelrecht" dem Erzieher. Für ihre Ideologen liegt der Sinn der Züchtigung allein in deren Schmerzhaftigkeit. Di« Grenze für die Ueberschrettung de» Züchtt- gungsrechte? ist somit schwer zu ziehen. Jede Züchtigung Ist aber eine Ueberschreittmg der Normen der modernen Pädagogik. Jede Züchttgung legt den Verdacht der sadistischen Lust des Züchtigenden nahe und birgt in sich für den Geprügelten die Gefahr sexueller Erregung. V. L Ü tz o w hat aber auch der Idee der Lanbeserziehunqsheim« durch seine Erziehungspraktiken einen argen Stoß versetzt. Dr. Litzs Haubinda, die Odenwaldschule Geheeb», Wynneken-Wickersdorf— man mag zu ihnen stehen wie man wolle, bedeuten als Versuchs- und Lebensschulen mit das Beste, was Deutschland auf dem Ge- biete der Erziehung zur Gemeinschaft und zum Kulturmenschen auf- zuweisen hat. Die Prügelstrafe ist mit ihren Grundideen un- vereinbar. Der Gedanke, daß in Landeserziehimgshelmen geprügell wird, ist unerträglich. Was die pädagogischen Sachverständigen, der vom Kullusministerium und die anderen, über das Erziehungssystem der Landeserziehungsheime, über die besonderen innigen Beziehungen zwischen Zögling und Erzieher innerhalb der Kameradschait auch aussagen mögen, über den Freiherrn v. Lützow als Erzieher ist der Spruch gefältt. Desgleichen auch über all« Ideologen und Anhänger der Prügelstraf«. Dies ist der tiefer« Sinn des Lützowfchen Prügel- Prozesses. Er heißt: Fort mit der Prügelstrafe! Vke öie Frauen wählen. Lehrreiche Feststellungen in Spanbav. Bei den Stadtverordneten- und Bezirks»«?- ordnetenwahlen vom 25. Oktober 1925 bat man im Ber- waltungsbezirk Spandau wieder, wie schon bei den Stodtverord- neten- und Bezirksverordnetenwahlen von 1921, in den meisten Abstimmunasbezirken die Stimmzettel der Männer und Frauen in gesonderte Wahlurnen getan. Di« Feststellungen, die danach über den Anteil der Männer und der Frauen an dem Spandouer Wahlergebnis der verschiedenen Parteien gemacht werden konnten und jetzt bekanntgegeben werden, sind wieder sehr lehrreich. Schon die Wohlbeteiligung zeiyt bei den beiden Ge- schlechter» beachtenswerte Unterschiede, die in 1925 ebenso wie In 1921 ausfallen. Die Wohlbeteiligung ging zurück von 1921 zu 1922 für die Einheitsgemeinde Berlin von 66.0 Proz. aus 63,7 Proz., für Spandau allein von 63,2 Proz. auf 58,7 Proz.. in Spandau für die Männer von 69,4 Proz. auf 64,7 Proz.. für die Frauen von 57,2 Proz. auf 53,7 Proz. Bei voller Wahlbeteiligung hätten in Spandau die Frauen die Mehrheit gehabt, da sie in der Gesamtheit der Wahlberechtigten die Meyrhett hatten. Von 70 389 Wahlberechtigten. die 1Ö25 in den Wählerlisten Spandaus standen, waren nur 33 282(= 47,3 Proz.) Männer und 3710?(- 52,7 Proz.) Frauen. Aber von den 41 473 abgegebenen Stimmen kamen 21 541(= 51L Proz.) von Männern und nur 19 932(— 48,1 Proz.) von Frauen. Wie die Stimmen der beiden Geschlechter sich auf die Par» t e i e n oerteilen, darüber konnte aus 33 von allen 42 Adstimmuna». bezirken Spandau» eine Feststellung gemacht werden: nur in. diesen 33 Abstimmunasbezirken wurde eine Gejchlechtertrennung durch- geführt. Eine Pergleichung zwischen 1921 und 1925 kann nicht gut oerfucht werden, da Inzwischen die Austeilung dex USPD. zwischen SPD. und KPD. erfolgt ist und andererseits der Spandauer Rechts- block sich wieder in Deutsche Dolkspartci und Deutschnationale Volks- Partei aufgelöst hat. Bei den Wahlen von 1925 waren in den 33 Bezirken die Anteile der Parteien an je 100 der dort abgegebenen güttigen Stimmen: Sozialdemokratische Partei 41,8, Kommunistische Partei 12,0, Demokratische Partei 4,9, Zentrumsparlei 3,8, Wirt- schaftspartei 5,7, Deutsche Bolkspartei 6,7, Deutschnationale Volt?« parte! 21.1: der Nest kam aus Splitterparteien. Im besonderen waren aber die Anteile der Partelen an je 100 Stimmen der Männer: Sozialdemokratische Partei 41,9, Kommunistische Partei 15,0, Demokratische Partei 5,4, Zentrumspartei 3,1, Wirt- schaftspartei 6.0, Deutsche Volkspartei 5,5, Deutschnationale Volts- partei 18,1(Rest Splitterparteien), dagegen an je 100 Stimmen der Frauen: Eozialdemokrotische Partei 40,9, Kommunistisch« Partei 9,7, Demokratisch« Partei 4,4. Zentrumsportei 5,0, Wirt- schastspartei 6,4, Deutsch« Volkspartei 5,8, Deutschnationale Volkspartei 23,6(Rest Splitterparteien). Di« Stimmenvertei- lung zeigt hier sehr lehrreiche Unterschiede. Bei der Sozial- demokratischen Partei sind jetzt die Prozentzahlen(41,9 Proz. der Männer, 40,9 Proz. der Frauen) nahezu gleich, Lei den Komma- niften( 15,0 Broz. ber Männer, 9,7 Proz. der Frauen) überwiegen die Männer. Diese überwiegen auch, doch nicht sehr beträchtlich, bei der Demokratischen Partei( 5,4 Proz. der Männer, 4,4 Proz. der Frauen) und bei der Wirtschaftspartei( 6,0 Broz. der Männer, 5,4 Broz. der Frauen). Dagegen überwiegen die Frauen besonders bei der Zentrumspartei( 3,1 Proz. der Männer, 5,0 Broz. der Frauen), bei der Deutschnationalen Bolfspartei( 18,1 Proz. der Männer, 23,6 Proz. der Frauen), und etwas auch bei der Deutschen Boltspartei( 5,5 Broz. der Männer, 5,8 Proz. der Frauen). Die Sozialdemokratische Partei ist unter den großen Parteien die einzige, die jetzt an den von den Männern und von den Frauen abgegebenen Stimmen mit nahezu gleichen Prozentzahlen beteiligt jft. Zu denken gibt aber, daß noch eine so große Bahl Frauen( 23,6 Proz. aller zur Wahl gelommenen, fast ein Viertel von ihnen) der Deutschnationalen Bolts partei nachläuft. Hier ist für unsere Werbearbeit noch viel zu tun. Rechtlose Siedler. Die Machtlosigkeit der Behörden. Der Basdorfer Siedlungsstandal, über den wir wiederholt berichteten, ist jetzt in ein neues, ebenfalls wenig erfreuliches Stadium getreten. Wie bekannt, sollte das gesamte der Basdorfer Bodengesellschaft gehörige Terrain Ende vorigen Jahres versteigert werden und nur infolge der außerordentlich erregten Stimmung der Siedler sah das Gericht in Oranienburg davon ab, die Bersteigerung durchzuführen. Der gegenwärtige Hauptgläubiger Basdorfer Bodengesellschaft, der eine Forderung von etwa 240 000 Mart vertritt, hat nunmehr jedoch den Antrag gestellt, zum 1. April einen neuen Bersteigerungstermin anzusehen, in dessen Verlauf auch die von den Siedlern erworbenen Grundstücke unter den Hammer kommen würden. In ihrer Not hatten fich die Basdorfer Siedler an den Regierungspräsidenten in Potsdam gewandt und dieser suchte von der Bas dorfer Bodengesellschaft das Zugeftändnis zu erreichen, daß endlich die Auflaffung der rund 70 Grundstüde von ihr genehmigt würde, damit die Siedlungen nicht unter den Hammer fämen. Umso mertwürdiger berührt es, daß die Basdorfer BodenDorträge, Vereine und Verfammlungen. Berein Sozialistischer Aerzte. Deffentliche Mitgliederversammlung Montag, 22. februar, 7% Uhr, im Reichswirtschaftsrat, Bellevueftr. 15. Nene Hochwassergefahr in Westdeutschland. stehenden Hochwassergefahr ist hier ein ständiger HochwasserKoblenz, 19. Februar.( Mtb.) In Anbetracht der dauernd bedienst für die Mosel in Tätigkeit getreten. Aus Trier wird gemeldet, daß die Mosel- Kleinbahn Trier- Bullay infolge des Hoch- Bororte. Es finden in der nächsten Woche folgende Mitgliederversammlungen wassers der Mosel zwischen Bernkastel und Zeltingen den Be trieb einstellen mußte, da das Hochwasser bereits die Geleise überflutet. D Saarbrüden, 19. Februar.( Mtb.) Infolge moltenbruchartiger Niederschläge im Quellgebiet der Saar( Bogejen) ist in Saar. brüden o unerwartet rasch hochwasser eingetreten, daß das Wehr am Hafen nicht mehr rechtzeitig gezogen werden tonnte. Seit heute morgen 8 Uhr ist mit 6,26 meter ein Stillstand erreicht, jedoch steht das Wasser noch 20 Zentimeter höher als im Dezember vorigen Jahres. Gestern war oberhalb des Saarbrüder Behres ein stündliches Steigen der Flut um 84 Bentimeter zu beobachten. Kaiserslautern, 19. Februar.( Mtb.) Start anhaltende Regen fälle haben am Mittwoch und Donnerstag die Bäche in der Westpfalz so start anschwellen lassen, daß die anliegenden Ortschaften wiederum vom Hochwasser bedroht sind. Nachrichten über Hochwasser fommen aus dem Hornbachtal, aus dem Glan, Lauterund Alfental. Zahlreiche Wege sind überschwemmt. In verschiedenen Ortschaften mußte das Bieh aus den Stallungen geschafft werden. Das regnerische Wetter hält an. W W ftimmte jugoslawische Dampfer Jabor meldete duro Funt Feuer an Bord. Der von Marotto nach Cardiff be fpruch, daß er bei schwerer See im Aermelfanal in Brand geraten fei. Der englische Berstörer Serene" wurde ihm zu Hilfe gefchickt und meldete, baß er den brennenden Dampfer gefunden habe und ihm Beistand leiste. Nach einer späteren Meldung dampft die Jabor" mit zwei fie begleitenden Kriegsfchiffen langfam nach Dften. Eine unmittelbare Gefahr für das brennende Schiff besteht nicht, obgleich ein Laderaum unter Wasser steht. gesellschaft auf mehrmaliges Schreiben bes Regierungs. Parteinachrichten präsidenten überhaupt teine Antwort gegeben und die Intervention dieser Behörde einfach umbeachtet lassen zu können glaubte. Es dürfte doch notwendig werden, die finanziellen Transattionen der Basdorfer Bodengesellschaft genauer nachzuprüfen, um so mehr, als die Untersuchung der Staatsanwaltschaft noch immer nicht abgeschlossen ist. Einer der Hauptgläubiger der Basdorfer Boden- A.- G. mar die Preußische Staatsbant, die eine Forderung von 70 000 Mart besaß, da sie der Gesellschaft auf das ihr gehörige 500 Morgen große Heideland einen Kredit von 70 000 Mart gegeben hatte. Diese Kredithergabe geschah deshalb, meil die Basdorfer Boden- A.- G. den Wert ihrer Terrains auf 2 Millionen Mart hatte schäßen lassen, während im günstigsten Fall der von Sachverständigen des Kreises angenommene Wert des Geländes etwa 250 000 Mart beträgt. Die Forderung der Staatsbant ist dann später durch einen Herrn B. vertreten worden, der auch jetzt die Bersteigerung der Grundstücke von neuem anstrengt. Kleintierausstellung der Grünen Woche". Das Berliner Messeamt weist darauf hin, daß die Eintrittsfarten zur Grünen Woche" nur zum einmaligen Besuch der Aus. stellung berechtigen. Die besonderen Interessenten der Kleintiersdau werden daher auf die verschiedenen Daten und Besuchszeiten für bie verschiedenen leintierausstellungen nochmals aufmerliam gemacht. Es finden statt: Jagdhundschau nur am 20. und 21. Februar( 10-6 Uhr). Rafiebundschau nur am 22. und 23. Februar( 9-6 Uhr), feine Kleintierschau am 24 und 25. Februar, Geflügel- und Kaninchenschau nur am 26. bis 28. Februar. Die allgemeine Wusstellung in der Funk balle ist im übrigen täglich vom 20.- 28. Februar von 10-7 Uhr, Sonnabends und Sonntags von 10-9 Uhr geöffnet. Bölfischer Schwindel. Der Bölfische Beobachter" brachte fürz lich eine Notiz, daß ein französisches Regiment nach der Mehrere Todes. fala bie 2ungenpest eingeschleppt hätte. fälle feien bereits zu verzeichnen und der Bevölkerung babe sich. eine große Erregung bemächtigt. Nach zuverlässigen Erkundigungen ber zuständigen Berliner Behörden wird mitgeteilt, daß an der ganzen Meldung fein wahres Wort ist. durchaus teine Gefahr einer Ausbreitung der Lungenpest in der Pfalz bor. Lediglich zwei Soldaten haben an schwerer Lungenentzündung frank danieder gelegen. Die Frau eines Offiziers starb an den Folgen einer Nierenfrankheit. Es liegt also durchaus fein Grund zu irgendeiner Beunruhigung vor. Es liegt Jm Seminar für Soziale Medizin hält Prof. Dr. Ebajes am 23. und 26. Februar, abends 8 Uhr, Kaiserin- Friedrich- Haus, Luisenplatz 2/4, einen Lehrgang für Groß- Berliner Aerzte über„ Die Ausdehnung der Unfallversicherung auf gewerbliche Erkrankungen und der be bandelnde Arzt". Eintritt fostenlos, jedoch nur gegen Karten, die auf fchriftliche Bestellung bei der Geschäftsstelle, San. Rat Dr. Peyser, Charlottenburg 2, Grolmanstr. 42/43, zugesandt werden. Elusendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Zinbenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjekretariat, 2. Sol. 2 Trev. rechts. an richten Bezirksarbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Beamten und Lehrer. Mittwoch, den 24. Februan, abends 6 Uhr, Gigung im Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Sof, 3 Tr. links. Sämtliche Kreis- und Bezirkswerbe ausschüsse müssen vertreten sein. Die nicht vertretenen gelten als eine gegangen und merden neu befeßt. Die Beamtenzentrale: Semmann Bäger. 7. Kreis Charlottenburg und Spandau. Juristische Sprechstunde findet am Sonnabend, den 20. Februar, nachmittags von 5-6 Uhr, im Jugendheim Rosinenftr. 4, statt. Die Sanbzettel und Blabate für den Republikanischen Abend am Mittwoch, ben 24. februar, find bei Kroihs, Holsteinische Str. 60, abauholen. 9. Kreis Wilmersdorf. Achtung, Abteilungsleiter! 11. Kreis Schöneberg- Friebenau und auch Wilmersdorf. Sonnabend, den 20, Februar, abends 7 Uhr, in der Schulaula Offenbacher, Ede Bau bacher Straße, Vorführung des Films Unser Konsum". Alle Genossen mit ihren Angehörigen müffen fich rege beteiligen. Heute, Sonnabend, den 20. Februar: Berein der Freidenfer für Feuerbestattung, e. B., Gau Groß- Berlin und ftatt, wo die Mitglieder sich nur in ihren Bezirken hinbegeben sollen. Mitgliedsbuch ist aur Kontrolle vorzuzeigen. Montag. 22. Februar, 28 Uhr, Bezirk 6( Kreuzberg), Hohenstaufen fäle, Rottbusser Damm 76. Bezirk 2( Westen), Schulaula Winterfeldtstr. 16. Dienstag, ben 23. Februar, 18 Uhr, Bezirk 9( Wilmersdorf), Labal Rulta, Lauenburger Straße 21, Ede Uhlandstraße. Bezirk 16( Köpenid), Weltrestaurant, Sirschgarten. Bezirt 20( Reinidendorf), Ramlows Raftanienwäldchen. Mittwoch, den 24. Februar, 48 Uhr, Bezirk 1( Mitte), Rofenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Begiet 8( Wedding), Bharusfäle, Mülleuftr. 142. Bezirk 8( Spandau), Roter Bezirk 11( Schöneberg), Lindenpart, Saupiftr. 18. Bezirk 15( Treptom), Lokal Abler, Botsdamer Straße. Bezirk 10( Rehlendorf), Lindenpart, Berliner Str. 8. Schöps, Riederfchöneweide, Grünauer Str. 8. Bezirk 17( Lichtenberg), Lokal Tempel, Friedrichsfelde, Brinzenallee 30. Donnerstag, 25. Februar, abends 28 Uhr, Bezirt 5( Friedrichshain), Heinrichs Festfäle, Große Frankfurter Straße 30. Bezirk 7( Charlottenburg), Ahlerts Festfäle, Berliner Str. 88. Bezirt 12( Steglig), Lotal Schelhase, Ahornftr. 15a. Bezirk 18( Tempelhof). Schulaula Rönigftr. 82. Bezirt 18( Weißenfee), Prälaten, Berliner, Ede Lehderftraße. Freitag, den 26. Februar, 48 Uhr, Bezirk 14( Neukölln), KarlsMontag, den 1. März, 28 1hr, Bezirk 4 ( Prenzlauer Bera), Ledigenheim, Bappelallee 15. Bezirk 2( Moabit), Arminius Gäle, Brunnenstraße. In fast allen Bezirken finden neben der Tagesordnung Kulturvorträge statt. garten, Rarlsgartenstraße. Reichsbund Deutscher Mieter, Gruppe Treptow- Baumsulenweg. Montag, 22. Februar, 7% Uhr, in der Treptower Sternmatte, öffentliche Mieterver fammlung. Borführung des Mieter- Grokfilms. 1. Das Recht muß fiegen! 2. Bortrag des Herrn Landgerichtsrat Ruben. Deffentliche Borträge über Geflügelzucht an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Dienstag, 23. februar, und an den fünf aufeinanderfolgenben Dienstagen, finden in der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, Snvaliden fraße 42( 18 Uhr im Hörsaal VI), über Fragen der neuzeitlichen Geflügelaucht öffentliche Borträge ftatt. Redner: Prof. Dürigen, Prof. Nachtsheim, Prof. Nöller, Geflügelfarmbefizer S. Engel und Dr. R. Fangauf. Besuch gebührenfrei. Sport. Ein Trainingsheim des BfB. Teutonia. Im Beisein des Bürgermeisters Genoffen Mielit vom Bezirksamt Friedrichshain und des Jugendpflegers Genossen Kohler fand Donnerstag vormittag in der Neuen Königstr. 4 eine Besichti gung der neugefchaffenen Trainingshalle des BfB. Teutonia" ( Berein für Bolfssport) durch Vertreter der Berliner Sportpresse statt. Dicht am Königstor liegt die neue Sporthalle. Etwas überrascht betritt man die Halle, die ganz in gelb- weiß gehalten ist und einen freundlichen Eindruck macht. Ein großer Borring, mehrere Bunchingbälle, Doppelendbälle, Sandbirnen und Sandsäcke bilden das zum Bortraining unentbehrliche Gerät. In allernächster Zeit werden noch einige schwedische Leitern angebracht. Ein Badezimmer mit mehreren Duschen soll für die Reinigung der Sportler forgen. Die Halle ist etwa 360 Quadratmeter groß. Noch zu Ende des vorigen Jahres war hier eine Gummipresserei in Betrieb. Der Borsitzende gab einen fleinen Ausschnitt aus dem Berdegang des Vereins. Genosse Mieliz und Genosse Kohler sprachen dem Berein Worte der Anerkennung in bezug auf seine förpererzieherischen Ziele Am Sonnabend, den 20. Februar, findet in der neuen Trainingsstätte anläßlich der Einweihung ein lokaler Borfampfabend statt, bei dem in erster Linie der Nachwuchs des Vereins in den Ring steigen wird. aus. Internationales Eishoden im Sportpalaft. Nachdem die polni fchen Studenten am Donnerstag im Eishockey den SCC. mit 7: 1 abfertigen fonnten, trat die polnische Mannschaft gestern gegen die 82. 264. Stealth. 7% Uhr bei Thiel, Ring, Ede Albrechtstraße, Funktionär Mannschaft des Berliner Schlittschuhflubs an. Bis zur Halbzeit fizung. Die Gewerkschaftsfunktionäre müssen unbedingt erscheinen. Jungfosialisten. Gruppe Tiergarten: Sonntag, den 21. Februar, gemein fame Fahrt nach Botsdam. Treffpunkt morgens 7% Uhr Stadtbahnhof Belle Due.->> Gruppe Süben: Sonntag, den 21. Februar, Treffen am Stettiner Bor ortbahnhof zur Fahrt nach Hermsdorf. Bereinigung sozialdemokratischer Stubenten. Unfere Mitglieder und Ge finnungsgenoffen werden gebeten, an einer ftudentischen Rundgebung am Mon tag, den 22. Februar, abends 8 Uhr, in der Schulaula Albrecht, Ede Schu mannstraße, Rahe Bahnhof Friebrichstraße, fich rege au beteiligen. Jugendveranstaltungen. Funktionärinnenkonferens Montag, ben 22. Februan, piinid abends 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Tagesordnung: Aussprache über Unfere Arbeit". Heute, Sonnabend, den 20. Februar: Apotheke. Reukölln V: Treffpunkt zur Besichtigung abends 46 Uho Sermannplak, Werbebezirk Prenzlauer Berg I: 28 Uhr in den Bavaden Borfigenben. zufammenkunft. Da sehr wichtig, unbedingtes Erscheinen Pflicht. Werbebezirk Teltowtanal. Heute abend 8 Uhr im Seim Steglik, Albrecht. ftraße 47, Borkendenkonferenz. Alle Abteilungen müssen unbedingt vertreten fein. Wichtige Tagesordnung: Berbearbeit und Veranstaltungen. Morgen, Sonntag, den 21. Februar: Funktionärschulungstage für Berbebezirksleiter, Abteilungsleiter, Bibliothetare und intereffierte Genossen. 1. Tag: Sonntag, den 21. Fe bruar, vormittags 9% Uhr, im zentralen Jugendheim, Lindenstr. 3. Genoffin Dr. Nathan spricht über Einführung in die schöne Literatur". Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Bergunglüd auf einer Thyffengrube. Durch Zubruchgehen des mittleren Teiles einer Strecke auf der Schachtanlage 2 bis 5 der Gewerkschaft Friedrich Thyssen, Hamborn, verunglückten gestern Steglik 1: Treffpunkt 2 Uhr nachmittags zum Spaziergang. abend drei Bergleute tödlich. Die Unfallstelle wurde sofort von der Direktion der Bergbehörde befahren. Zwei Fischer ertrunken Auf dem Dammiden See bei CamelsBerg fenterie ein Fischerboot, wobei der 60 Jahre alte Fischer Ferdinand Havenstein und sein 80 jähriger Sohn Gustav den Tod fanden. Beide find Familienbäter. Die Leichen sind geborgen. 1 Helmholzplag: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Gigung der Arbeitsgemein Tchaft. Often( Stralauer Biertel): Fahrt Rauenfche Benge. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Stvalau- Rummelsburg. Weften: Fahrt. Treffpunkt 17 Uhr Bhf. Bülowftraße. Mariendorf: Alte Schule, Dorfstr. 7, Heimabend mit Programm. Steglik II: Jugendheim Solfteinische Str. 2, Uebungsabend. Tempelhof: Fahrt. Treff puntt 28 Uhr Bhf. Tempelhof. Wannsee: Schule Charlottenstraße, Bunter Abend. Rieberschöneweibe: Schule Berliner Str. 31, Bunter Abend. Lichtenberg- Mitte: Fahrt Strausberg. Treffpunkt 7% Uhr Bhf. StralauRummelsburg. Lichtenberg- Nord: Fahrt Fintenkrug- Rauen. Treffpunkt 7 Uhr Ringbhf. Frankfurter Allee. Abends Vortragsabend, Bartaue 10. Werbebezirk Krensberg: 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, FerdinandFreiligrath- Feter. Referent Genoffe Friedrich Wendel. Barteigenossen find herzlichst eingeladen. war der Stand des Spiels 1: 1, der Torwächter der polnischen Studenten war wie am Vortage gut und verhinderte eine noch größere Niederlage seiner Mannschaft. Im zweiten Teil des Spiels landeten die Berliner noch fünfmal ins polnische Tor. Auf Berliner Seite glänzten Molander, Dr. Holsboer und Johannsen, die je zwei Tore fchoffen. Das Spiele endete 6: 1. 6 " Hometrainer- Radrennen in Berlin! In der Zeit vom 19. bis 22. Februar finden in dem Kino Barieté Frantenburg", Große Frankfurter Straße 74( nabe Aleganderplay) gut befeste Home. trainer Rennen statt, für die Fahrer wie der Däne Jennsen, Arthur Stellbrint, Erich Abraham, Binzelberg, Weber und der neue Berufsfahrer Rudolf Longard verpflichtet worden sind. Die Direktion ist bemüht, auch noch van Kempen, der soeben das Breslauer Sechs- Tage Rennen siegreich beendet bat, für ihre Veranstaltung zu gewinnen. Die Rennen beginnen allabendlich 7,15 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die Juristische Sprechstunde fällt heute( Sonnabend) aus. F. Anfang 1881. R. R., Röpenid 100. Wenden Sie fich an die Volks. fürforge, Berlin, Engelufer 28. R. 2. 8. Aus dem Bertrage ist nur Shre Frau verpflichtet. Sm Falle der Nichtzahlung ist Riage au gewärtigen. Confünstler. Sie fönnen fich an das Wohnungsamt menden oder die Klage beim Amtsgericht gegen den Sauswirt erheben. R. 8. 74. 1. 207 50 Gold. mart 2. 1,2 Brog. vom 1. Januar 1925, 2,5 Broz. vom 1. Juli 1925 und 8 Bros. vom 1. Januar 1926 ab. F. G. 7. Für die Krankenhauskosten haften Sie nicht. 2. C. Bon den Rindern fann Erstattung derjenigen Beträge ge fordert werden, die über die feftaefekte Rente hinaus aezahlt werden. Die Bulage wird nur im Falle der Bedürftigkeit den Rentenempfängern gewährt. $. R. 1874. 1. 860 Reichsmart. 2. 8 Bros. E. R. 63. Fragen Sie bei der Gefellschaft an. Wetterbericht der öffen lidhen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr verb.) Unbeständig, anfangs noch einzelne leichte Schauer mit etwas Abkühlung, dann zeitweilige Aufbeiterung. Für Deutschland. Im Dsten strichweise, im Besten vereinzelte Regenfälle. Übler Mundgeruch wirft ab Stoßend. Säßlich gefärbfe Zähne entstellen das schönste Antlig. Beide Schönheitsfehler werden sofort in voll tommen unschädlicher Weise beseitigt durch die Zahnpaste Chlorodont. 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Ueber Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Bolts fürsorge" sprach am Donnerstag im Gewerkschaftshaus vor den Delegi len zur Plenarversammlung und den Mitgliedern der engeren Ortsverwaltungen der dem ADGB., dem Af- Bund und dem ADB. angeschlossenen Gewerkschaften der Genosse Bär, Geschäftsführer der Volksfürsorge in Magdeburg. Er führte sinn gemäß etwa folgendes aus: Angesichts der ungeheuren wirtschaftlichen Krise ist es äußerst schwer, eine großzügige Werbelampagne für die Boltsfürsorge einzuleiten. Sind es doch hauptsäch fächlich die merttätigen Volksschichten, aus denen sich die Volksfür jorge refrutiert. Es ist aber nicht allein die wirtschaftliche Not des Boltes, die es von dem Beitritt zur Bolksfürsorge abhält, sondern das Mißtrauen gegen jede Versicherung überhaupt. Dieses Mißtrauen war auch angesichts der schlechien Erfahrungen mit privaten Versicherungsgesellschaften berechtigt. Doch stärker als alles Mißtrauen waren immer die Verhältnisse, die die Menschen in den Bann der Versicherungen hineinzogen. Bedauerlich ist es mur, daß noch viele Arbeitnehmer, jogar politisch und gewerkschaftlich muß die Pflicht jedes gewertschaftlich Organisier organisierte, Dividenzuträger der Versicherungsaktionäre find. Es ten sein, seine Gelder in seine eigenen Unternehmen zu geben, die die Gelder wieder im Interesse der Arbeiterschaft verwenden. Trotz der noch verhältnismäßig geringen Zahl der Verficherten wurden allein in den Jahren 1924/25 bereits 15 Millionen Mart an Arbeitergenossenschaften zum Wohnungsbau gegeben. Bei einem größeren Mitgliederbeftand könnte noch viel mehr zur finanziellen Unterſtügung der Arbeiterinstitutionen ge schehen. Die Funktionäre der Gewerkschaften sind die berufensten Agitatoren für die Bolksfürsorge. An ihrer Werbetätigteit wird es negen, die Volksfürsorge, die teinen Erwerbsaharafter, sondern sozialen Charakter hat, auszubauen zu einem Instrument der Arbeiter für die Arbeiter. Es folgte dann ein weiterer Vortrag des Geschäftsführers der Berliner Konsumgenossenschaft, Genossen Mirus, der an Stelle des verhinderten Genossen Groppler über„ Genossenschaft und Arbeiterschaft" sprach. Er zeichnete zunächst ein Bild von der historischen Entwicklung der Konsumvereine. In Berlin fonnte sich die Konsum genossenschaftsbewegung erst spät durchsetzen. Ihren eigentlichen Siegeszug trat die Genossenschaftsbewegung in Deutschland erst nach dem Kölner Gewerkschaftstongreß im Jahre 1905 an. Durch die rege Werbetätigkeit der Gemerfschaften in Verbindung mit dem Geschäftsgrundsatz der Konsumgenoffenfchaft, nur gute Waren zu vertreiben, fonnte sie in Berlin den gehörigen Aufschwung nehmen. Die Bewegung fönnte aber schon bedeutend weiter sein, wenn nicht die Kriegs- und Inflationszeit fie aufgehalten hätte. Nun aber müssen sich auch die Gemertschaften wieder mehr für die Förderung der Konsumgenoffenschaft einsehen. Es ist aber hier dasfelbe zu verzeichnen wie bei der Volksfürsorge. Ein großer Teil der Arbeiterschaft hat die Bedeutung der Konfumgenossenschaft noch nicht erkannt. Sie ist eine Etappe auf dem Wege zur fozialt tischen Gemeinwirtschaft, und muß im Interesse der Arbeiterbewe gung mit allen Kräften unterstützt und ausgebaut werden. Es ist doch ein Unterschied, ob die 548 000 Mart Rüdvergütungen, die im letzten Geschäftsjahr gezahlt worden sind, den Mitgliedern zugute gekommen find oder in die Taschen von Aftionären oder einzelnen Geschäftsinhabern geflossen wären. Wie würde der Preisstand der Berliner Lebensmittel fein, wenn nicht die Konsumgenossenschaft und der damit verbundenen Warenpreisfestsetzung preisregu lierend für den Berliner Lebensmittelmarkt wirkt. So tommt auch das Besfehen der Konsumenoffenschaft denen zugute, die nicht ihre Mitglieder find. Weiter ist zu berücksichtigen, daß die Waren, die in den Produktionsstätten der Konsumgenossenschaft hergestellt gen der Gewertschaften entsprechen. Der genossenschaftliche Gedanke beiter einmirten. Schließlich müßten auch die zunehmenben Zahlen der Ertrantungen und Unfälle für die Wirtschaftler von Bedeutung sein. Nehmen wir beispielsweise die Gußeifen- und Maschinenfabrik Remtrud", die im letzten Halbjahr von der Inspektion sechsmal revidiert wurde. Allein im Berlauf von neun muß wieder mehr in den Kreisen der Gewerkschaften propagiert Monaten wurden in der Fabrik 513 Krankheitsfälle registriert, d. h. werden. Die Gewerkschaften müssen sich der wirtschaftlichen 13,8 Erkrankungen auf je 100 Personen. In demselben Zeitabschnitt Macht, die sie durch die Zugehörigkeit zum Konsumverein haben, wurden 5142 Arbeitstage versäumt oder 16,5 Tage von jedem Arbewußt merden. Durch die Konsumgenoffenschaft helfen wir den beiter. Die Zahl der Unfälle nimmt in den Betrieben von Weg bereiten zur Sozialisierung der Wirtschaft, bilden wir Wirt- Monat zu Monat zu. Im Januar- März wurden 24 Unfälle re schaftler heran, die einmal imftande sein merden, unsere Wirtgistriert, im April- Juni 73, im Juli- August 64. Die letzte Zahl schaft zu führen. Es gilt, in den nächsten Monaten und Jahren in bedeutet teineswegs einen Rüdgang, da im Juli der ganze Betrieb den Gewerkschaftsversammlungen Aufklärung zu schaffen über den für zwei Wochen beurlaubt war, die Schmelzabteilungen jogar für Wert der Konsumaenossenschaftsbewegung und diese dritte Säule einen ganzen Monat. Nicht besser liegen die Dinge in den meisten der modernen Arbeiterbewegung ausbauen zu helfen zu einem wirt Textilfabriken. fchaftlichen Machtfaktor der Arbeiter. Eine Diskussion fand nicht statt, da hierzu in ben Bersamm ingen Gelegenheit sei, die sich in der kommenden Zeit mit der Genossenschaftsfrage eingehender befassen werden. Krife und Lohndruck. Nicht immer beschränken sich die Wirtschaftler bloß auf passive Resistenz gegenüber der Arbeitsinspektion. Es gibt Fälle, wo sie die Inspektion direkt en canaille behandeln. So weigerte sich der Direktor der Kaltwerke, in Grjafny nicht nur, die Inspektion bei der Revision zu begleiten und die Revisionsurkunde zu unterzeichnen, er erklärte auch verächtlich: Dies alles ist Unsinn. Man befaßt sidy hier mit Nichtigteiten." Unter diesen Umständen begreift man sehr wohl den Kampf der russischen Bolschewisten gegen das Internationale Arbeitsamt. Eine berartige Berachtung der Arbeiterschußgefeggebung können sich Mitgliedstaaten der internationalen Arbeitsorganisation nicht leisten. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband ber Hotel-, Restaurant- und Café Angestellten mitteilt, find bie folgenden Gastwirtsbetriebe für organisierte Arbeitnehmer gefperrt: Deutscher Hof, Ludauer Straße; Inh. König; Balais des Oftens, Inb. Pfeilstifter, Warschauer Str. 84/35; Brälaten des Ditens, Große Frankfuter Straße 16: Restaurant Fr. Baarmann, Oberbaumitr. 1, und Brangel- und Cuvryfstraße Ede; Reſtaurant Hoppe, Stottbuffer Damm 21. Die Sperre über das Restaurant Sadepeter, Frankfurter Allee Ede Betersburger Straße, Inb. Ernestine Bucholz, wird hiermit aufgehoben. Die Differenzen find beigelegt. Die Kauffraft ist den Unternehmern noch zu hoch. Bochum, 19. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Deutschuremburgische Bergwerts- und Hütten 2. 8. 2. ben mitgeteilt, daß fie dem Schiedsspruch, wonach ab 1. Oftober teilung Dortmunder Union, hat ihren Angestellten durch Rundschrei1925 eine fünfprozentige Gehaltserhöhung einzutreten hat, infolge der schlechten Wirtschaftslage nicht nachfommen tönne. Die Angestellten sollen innerhalb drei Tagen erklären, ob sie auf die Gehaltserhöhung verzichten oder nicht. Falls fie nicht ver zichten, gilt das Rundschreiben gleichzeitig als Ründigung!-Engelhardt- Sadepeter, Landsberger Allee, Ede Petersburger Str. Die Berwaltung der Metallwarenfabrit Manweg u. Wieder holz in Dortmund hat einen großen Teil ihrer Arbeiter entlassen. Diejenigen Werksangehörigen, die weiterarbeiten, erklären sich mit einem Lohnabzug von 20 Proz. einverstanden. Die Kruppsche 3echen verwaltung in Effen beabsichtigt, die Zeche Hannibal II in Eidel wegen Abfazmangel still zulegen. Von der Stillegung werden 1000 Arbeiter und 42 Beamten betroffen. Die Thn fenfche Hamborner Bergbauverwaltung teilt ebenfalls mit, daß sie sich gezwungen sieht, wegen der neuen Absatzschwierigkeiten ab 22. Februar 3000 Bergleute auf die voraussicht liche Dauer von drei Wochen zu beurlauben und der Erwerbslosenfürsorge zu überweisen, weil durch fortgesetztes Einlegen von Feierschichten das Eristenzminimum der Gesamtbelegschaft zu sehr herab. gedrückt wurde. Man rechnet damit, daß sich bis Mitte März der Rohlenabsag bessern wird, und die beurlaubten Arbeiter ihre Arbeit wieder aufnehmen tönnen. Arbeiterschutz in Rußland. Nach russischen Quellen. Das zentrale Gewertschaftsorgan Trub som 16. Jamar net. öffentlicht eine Korrespondenz aus dem Gouvernement Tambom, in der ein für die ruffische Provinz charakteristisches Bild gezeichnet wird: Ungeachtet der fortgesetzten Revisionen der großen Betriebe durch die Arbeitsinspektion sowie der nachdrüdlichen und sehr eingehenden Hinweise der letzteren darauf, was in den Betrieben getan werden müffe, um, wenn auch nicht vollkommen hygienische, so doch wenigstens erträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, werden die von der Inspektion gerügten Mängel jahrelang nicht befei tigt. Im abgelaufenen Jahre ist die Arbeitsinspektion dazu übergegangen, mit den Wirtschaftsorganen Vereinbarungen abzuschließen, daß die Mängel in einem bestimmten Zeitraum beseitigt werden. Es schien nun, daß die Wirtschaftler, als sie diese Bereinbarung unterzeichneten, ihren bestimmten Willen zum Ausdrud brachten, die daß auch diese Vereinbarungen nicht helfen. Die vorgenommene Nachprüfung der Betriebe nach Ablauf der vorgesehenen Fristen zeigt nicht nur das Vorhandensein jener Mängel, deren Be seitigung laut Vertrag vereinbart war, sondern noch eine ganze Reihe neuer Mißstände, die schädlich auf die Gesundheit der Ar Aus der Partei. " Haeußerliches." Genossin Dr. Margarete Stegmann schreibt uns: Mit dem Schlußfaß eines Briefes, den ich an Reinhard Goering, den Dichter der Seeschlacht, von" Scapa Flow" u. a. geschrieben habe, versucht Haeußer neuerdings, den Beweis zu er zwingen, daß ich doch dem Haeußer- Bund angehöre oder angehörte. Auch dieser Bemeis wird wider besseres Wissen zu führen versucht. Der Brief, dem der in Fatfimile an alle Zeitungen gesandte Schlußlag In treuer haeußerlicher Liebe" entnommen ist, ahmte in Anrede und Gruß die hochtrabende Phraseologie Haeußers nach, Beziehung zu einer Karte, auf der der Adressat des Briefes ſelbſt zu um fie zu verfpotten. Er stand in feiner Spottendenz in innerer den Tiraden Haeußers bemerkt hatte: Se non è vero ben trovato. ( Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden.) Der Briefempfänger tonnte auch nach dem Briefinhalt über den Sinn der Phrase nicht im Zweifel sein. Ich habe vor Gericht in einem ärztlichen Gutachten für H. den§ 51 in Anspruch genommen. Dadurch ist meine Stellungnahme bestimmt. Ich werde von feinen weiteren Aeußerungen Haeußers über mich mehr Notiz nehmen. An der historischen Tatsache der Haeußer- Bewegung habe ich ein wissenschaftliches Interesse. Ich arbeite an ihrer psychologischobjektiven Bewertung in einer wissenschaftlichen Arbeit, die zu gegebener Zeit veröffentlicht werden wird. vorhanden wäre, die infolge ihrer Barzahlung, ihres Großeinkaufes gerügten Mängel zu beseitigen. Es erweist sich aber in der Bragis, Asthma- u. Lungenleidende Großes Theater, Lichtspiele usw. Schauspielhaus sacococo acco exponanco Volksbühne Lessing- Tb. 71 Uhr Urauff hrung Sturmffrut Moren 8 U: Der befreite Don Quichotte 8 Uhr: Sturmflut 8 Uhr Gastspield Saltenburgs Bühnen Königin Luisc Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus 84 Uhr: 7% Unr: Hotimanns Ein Spiel Erzählungen Opernhaus am Königsplatz von Tod u. Liebe 7Uhr Zauberflöte v Romain Rolland Schauspielhaus 7U Duell am Lido Schiller- Theater Deutsches 8U: Marla Stuart Künstl.- Theater 8 Uhr: Städtische Oper Paganini Charlottenburg 8 Uhr Die foten Augen Abonn- Turnus 1 Th.a. Kurfürstendamm 8 Uhr Die Nacht Für Dich CHARELL- REVUE TÄGLICH 84 Residenz- Th Letzte Vorstellungen!& U. Die Durchgängerin m Claire Rommer Stg. 3% U.: KI Pr. D. Durchgängerin Thalia- Theater 3 Uhr: Der alte Dessauer Gustav Charlé Kurt Vespermann Werckmeister Pyrmont, Platen Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: der Nächte Lene, Lotte, Liese Tb.a.Schiffbauerdamm 8 Uhr: Deutsches Theater Der fröhliche Weinberg 8 Uhr: Juarez und Maximilian Lustspielhaus Molly Wessely Josefine Dora Komische Oper 8% Unwiderruflich 8 nur noch 12 Vorstellungen 12 der gewaltigen Revue Von A bis Z zu den billigen Preisen 1 M. bis 5,50 M. Sonntag 3 Uhr hat jeder Erwachsene 1 Kind frei! Premiere 4. März Dir.: James Klein Berlin ohne Hemd! ( nach der franz. Revue " Paris sans chemise") Die Revue der Zukunft Gea Tb. in d. Lützowstr. Berliner Theater Oskar Sabo Georg Baselt 8 Uhr: Dicky Theat. d. Westens Wallner- Theater 8 Uhr Kammerspiele Kolportage 8 Uhr Die letzte Th. a. Nollendoripi 8 Uhr:" Tägi. 8 Uhr: Das Spiel u. die Liebe Operette von Gilbert 0,50 bis 10 Mk. 8 Tägi. 8 Uhr: Uhr Messalinette Lempke's sel. Witwe Central Theater Musik v. Dr.R.Hirsch Uhr: Der Fremde Volkstümliche Preise 1-4 M. Im Vorverkauf Theaterkasse Bote& Bock Werth.20% Ermas Neues Th. am Zoo Stg. 4 Kindervorst Rampelstilzchen Altabendl 8 Uhr Guldo Friedenspreise Walhalla- T Gelicbic Die offizielle Metropol- Theater Frau Tägl. 8 Uhr Die Komödie Operette in 3 Akten No No Nanette Kurfürstendamm 206/7 Preise 1 M. bis 8 M * Unr Gesellschaft SCALA Admiralspalast 4 Uhr nachm.: Blauer Vogel Rastelli Heute und morgen alle Plätze 2 u. 4 M. 11.15 Uhr Nacht vorstel ung Blauer Vogel" alle Plätze 3 und 5 M Neues Programm! und 10 weitere VarietéSensationen! Sonntags 3 zu erRose- Theater mäßigten Preisen 4: Härsel u. Gre el 8% Uhr August Aer Starke das volle Progr Tärlich 8 Uhr Haller- Revue Achtung! Welle 505 Wir bleiben weiter billig! Sonntg.- Vorst. 3 Uhr nachmittags und 8 Uhr abds Th. Weinbergsweg Täglich 8: Marschall Vorwärts Mus ausg. v Dts Tonkünstl.- Orch. Stg. nachm. 4 Uhr: Die Puppentee Thielscher חי Stöpsel KleinePreise: Parkett1-2M. Park.- Faut.3-4 M. 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Februar) Kaninchenschau( 26. bis 28. Februar) Qualitäts- Holzmarkt ( Auktion am 22. Februar, 10 Uhr) Reit- und Fahrturnier BERLINER MESSEN Eintrittspreise für alle Veranstaltungen( ausgenommen Reit- und Fahrturnier) 1,50 Mark. Bei Lösung der Eintrittskarten an den Schaltern der Stadt- und 8 Hühneraugen heraus, Völlig schmerzlos- ohne Pflaster! Haben Sie Hühneraugen, schmerzende Füße, harte Haut, Schwielen, Fußschweiß oder andere Fugleiden, dann kaufen Sie sich sofort eine Originalpackung Krudox. Weshalb wollen Sie sich länger mit solcher Qual herumplagen, wenn Krudox Sie davon freimachen kann?! Das stark sauerstoffhaltige Krudox- Salz wirkt im heißen Fußbad auf die leblose Hautschicht, aus der das Hühnerauge besteht, macht dieses weich, so daß man das ganze Hühnerauge mit Wurzel ohne Mühe schmerzlos herausziehen kann. KRUDOX 625.GESCH HUHNERAUGENBAD In Apotheken, Drogerien und Parfümerien M. 3,- pro Packung BEUTHIEN& SCHULTZ G.M. B. H., BERLIN N 39 Uhr Trianon- Th. 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Bg.) die sofortige Beratung feiner Interpellation, die sich gegen Unbilligfeiten und Härten bei der Ablösung der Kriegsanleihen richtet. Die Sache sei dringlich, weil die Anmeldefrist mit dem Ende dieses Monats abläuft. In der Geschäftsordnungsdebatte, die sich an diese Anregung fnüpft, erflärt Abg. Philipp( Dnat.), ihm sei vom Finanzministerium mitgeteilt worden, daß die Anmeldefrist um vier Wochen verlängert wird. Abg. Hampe zieht daraufhin für die heutige Sigung seinen Antrag zurück. Das deutsch- französische Handelsabkommen wird ohne Aussprache dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Dann fährt man fort in der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums. Abg. Koch- Düffeldorf( Dnat.) begrüßt es, daß die Sozial. politit auch im vergangenen Jahre wesentliche Fortschritte gemacht habe. Die Deutschnationalen hätten allen diesen sozialpolitischen Maßnahmen zugestimmt; aber sie wüßten, daß ohne eine gefunde Wirtschaft eine gesunde Sozialpolitit nicht möglich ist. An Beitragserhöhungen sollte in der Sozialversicherung mit großer Borsicht hergegangen werden. Nicht Uniformität sei im sozialen Versicherungswesen angebracht, sondern Anpassung an die jeweiligen Bedürfniffe und Selbstverwaltung. Bei der Zusammenfassung des Arbeitsrechts müsse dafür gesorgt werden, daß auch die Reichs. bahn sich nicht den Vorschriften des Arbeitsrechts entziehen fann. Abg. Dr. Moldenhauer( D. Bp.) weist darauf hin, daß in Amerita trop des Fehlens einer eigentlichen staatlichen Sozialpolitik die Arbeiterschaft sich in sehr günstiger Stellung befinde. Das amerikanische System lasse sich aber nicht auf Deutschland mit feinen ganz anders liegenden Produktionsbedingungen übertragen. Der deutsche Arbeiter müsse durch eine verständnisvolle Sozialpolitit in seiner, Arbeitskraft und Gesundheit geschützt werden. Die Sozialpolitik müffe freilich auch den Bedürfnissen der Wirtschaft angepaßt sein. Die deutsche Wirtschaft könne nur wieder aufgebaut werden, wenn ihre Entwicklung nicht immer wieder durch umfangreiche Arbeitsfämpfe gestört wird. Ber ständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei notwendig, Die leider eingeschlafene Arbeitsgemeinschaft sollte wieder errichtet werden. Wenn große Arbeitskämpfe nicht anders verhindert werden können, müßte der Staat durch die Berbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen eingreifen; das sollte aber die Ausnahme, die Regel müßte die freiwillige Berständigung der Parteien sein. Die Deutsche Volkspartei werde mie bisher mitarbeiten an der Fortführung einer deutschen Sozialpolitit, die auch den breiten Massen der Arbeitnehmer einen Anteil gewährt an dem Aufschwung, den Deutschland hoffentlich bald wieder nehmen werde. Abg. Tiedt( Romm.) nennt den Arbeitsminister einen Minister gegen die Arbeiter. Das Arbeitsministerium habe mit seiner Schlichtertätigkeit planmäßig die Sentung der Löhne betrieben. In der Unfallversicherung seien die Verwaltungsfosten viel zu hoch im Verhältnis zu den jämmerlichen Renten. Auch in den übrigen Versicherungszweigen müßten die Renten wesentlich erhöht werden. Die Arbeitslosen würden mit Bettel. pfennigen abgespeist, für fie sei fein Geld vorhanden. Dagegen würden de Großunternehmer und Großlandwirte mit großen Kredifjummen aus Reichsmiffeln unterstützt. Sammervoll niedrig set die Unterstügung der Kriegsbeschä digten, während die Offizierswitwen durchschnittlich 342 2. im Monat erhalten. Fünf Prinzen aus den Häusern Hohenzollern und Wittelsbach beziehen heute allein an Militärrente von der Republit zusammen täglich 189 M.( Abg. Höllein[ Komm.]: Etappenschweine!" Präsident Lobe rügt diesen Ausdruc.) Als dann der nächste Redner, Abg. Erkelenz( Dem.) das Wort nimmt, tommt es im Saale zu einem Zwischenfall. Man sieht am Plage des Abg. 2oibl, von der Bayr. Bp., den fommunistischen Abg. Höllein stehen. Auf die zunächst wenig bemerkte Ausein andersetzung wird die allgemeine Aufmerksamkeit gelentt, als Abg. Loibl mit lauter Stimme den Abg. Höllein einen unver schämten Rer I" nennt und brohend auf ihn zugeht. Abgeordnete der Banr. Boltspartei bewichtigen die Streitenden und Abg. Höllein geht wieder an seinen Plaz. Bizepräsident Graef Thüringen ersucht unter großer Heiterkeit des Hauses, das 3 wie gespräch zu beenden. Abg. Erkelenz( Dem.) meift gegenüber den Klagen über die Berteuerung des öffentlichen Apparates darauf hin, daß die Verteuerung in der ganzen elt besteht. In Deutschland machen die Kosten ber öffentlichen Berwaltung im Reich, Ländern und Ge meinden einschließlich Reparationen, etwa 150 m. pro Kopf aus, in den Bereinigten Staaten von Nordamerika 500 m. Jm Reichsarbeitsministerium werde teine richtige Politit getrieben.( Hört! hört!) Die Sozialpolitik des Unterfanenftaates fei nicht mehr zu gebrauchen. Der Minister selber arbeite heute aber noch nach den Grundfähen, die der Kaplan Hihe zwischen 1890 und 1900 aufgestellt habe.( hört! hört!) Leider habe auch die Sozialdemokratie die Probleme des neuen Staates noch nicht durchdacht. Sie verfolge immer noch die Sozialpolitik Bismards und Stöders. Notwendig aber sei die Durchführung des Brinzips der sozialen Selbstverwal fung. Durch die Revolutionierung der Technit müsse man die Verarmung durch den Krieg überwinden. Die Fabritation eines bestimmten erstklassigen Automobils foftet in Amerita 7000 Arbeitsstunden, in Deutschland aber 21 000. Diese nadten Ziffern zeigen, daß man durch Verlängerung der Arbeitszeit und durch Kürzung der Löhne diese Spanne nicht überwinden tann. Deutsche Admirale. 1. Brüninghaus. Uns wird geschrieben: Die Notiz im Vorwärts über Brüninghaus als See offizier veranlaßte Herrn Brüninghaus, im Untersuchungs ausschuß des Reichstages eine Erklärung abzugeben. Wenn er die in der Notiz gemachten Angaben auch nicht zu bestreiten versuchte, so glaubte er doch, die Schuld an den Vorkommnissen auf dem Linienschiff turfürst Friedrich Wilhelm" allein auf das Konto der Mann schaften setzen zu können. Die Borstrafen der Leute Brüninghaus sprach nicht mit Bestimmtheit von 50 Proz. Borbestraften sollen ihn veranlaßt haben, die Zügel sehr straff zu spannen. Es ist not wendig, im Intereffe der Wahrheit, auf diese Angaben stmas näher einzugehen. Amerita habe die Technif von 1925, Deutschland arbeite noch mit der von 1913. Wir brauchen eine großzügige Berbearbeit für die Rationalisierung der Wirtschaft. Die eingefrorenen Gehirne müffen aufgetaut werden, und zwar fowohl bei Unternehmern wie bei Arbeitnehmern. Erforderlich find tunlichst hohe Löhne bei höchster Bro. buttivität der Arbeit In der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände müsse ein ganz anderer Geist einziehen. Wenn die Leiter der Trufte auch politischen Sinn hätten, bann wären die fczialen Gefahren dieser Trustbildungen nicht so groß. Die Automobilisierung Deutschlands sei nicht aufzuhalten. In den nächsten 10 Jahren dürfen nicht noch weitere Arbeitermassen vom Lande in die Stadt ziehen. Notwendig sei eine eingehende Brodut tionsstatistit. Abg. Beier( Wirtsch. Bg.) tritt für eine andere Form der probuttiven Erwerbslosenfürsorge ein. Nicht eine Erweiterung, fondern eine Vereinfachung und 3usammenfassung der sozial politischen Einrichtungen sei notwendig. Die sozialen Lasten seien außerordentlich gestiegen und machten jetzt schon 100 m. jährlich auf den Kopf der Einwohner Deutschlands aus. In der Krankenperficherung sei vor dem zwangsweisen Zusammenschluß der Kaffen zu warnen, denn erfahrungsgemäß werde von den großen Krankenkassen teurer und weniger gut gearbeitet als von den fleineren. Abg. Schwarzer( Bayr. Bp.) bezeichnet die Sozialpolitif als das beste Mittel, schwere Erschütterungen des Bolfskörpers zu vermeiden. Das habe sich wieder in diesem Winter gezeigt, der trop der allgemeinen Rot und der gewaltigen Zahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter ohne ernste Unruhen verhältnismäßig gut arbeiter ohne ernste Unruhen verhältnismäßig gut überstanden worden sei. Die Gesundung der Wirtschaft ist die Vorauslegung einer gefunden Sozialpolitik. Die großen Wirtschaftsbetriebe haben jeht nicht mehr Leiter von der Qualität, die wir früher tannten. Sie sind mit Diretforen überlastet, die die fostspieligen Gewohnheiten der Inflationszeit nicht aufgeben wollen. Darunter leiden die übrigen Arbeitnehmer und die Betriebe selbst. ständen über 3 Proz. des Lohnes hinausgehen. Die Arbeitsnach Der Beitrag zur Erwerbslosenversicherung darf unter feinen Umweife haben auf der Grundlage der neuen Gesezgebung im ganzen gut gearbeitet. Sie dürfen sich aber nicht zu Zwangsanstalten entgut gearbeitet. Sie dürfen sich aber nicht zu 3wangsanstalten entmideln. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklärt, er nehme die Ausführungen des tommunistischen Redners nicht tragisch. In dieser Zeit der wirtschaftlichen Not find die Auf gaben des Ministeriums und die Schwierigkeiten bei ihrer Lösung fehr gewachsen. Diejenigen, die die Dinge einseitig jozialpolitisch oder einseitig wirtschaftlich ansehen, find niemals mit der Tätigkeit des Arbeitsministeriums einverstanden. Das Arbeitsministerium fühlt sich durchaus unabhängig von den Vertretern beider Anschauungen, auch der Arbeitgebernerbände. Der Ge danfe der gefeglichen Sozialpolitit bricht sich jetzt auch immer mehr in den liberalen Staaten Bahn, die wie England vom Abg. Erkelenz als Mufter hingestellt wurden. Die Birt. fchaftsstatistit und sozialpolitische Statistit sollen weitergeführt und weiter ausgebaut werden. Ein Gefeßentwurf zur Ausdehnung der Krantenfürsorge auf die Seeleute ist in Borbereitung. Für Krantentassen muß eine Mindest mitglieber zahl vorgeschrieben werden. Der Entwurf zum Arbeitsrecht wird voraussichtlich noch vor dem Beginn der Sommerpause das Rabinett verlassen. Das Arbeitsministerium hat in Schlichtertätigkeit immer das feiner Bestreben gezeigt, die Löhne zu halten und ihre Gentung zu verhindern. Die große Wohnungsnot ist so schlimm, daß es einer Enquete zu ihrer Feststellung gar nicht bedarf. Ich wehre mich entschieden dagegen, daß man die Wohnungsfrage einseitig vom Standpunkt des Kapitals aus behandelt. Es ist gar nicht entscheidend, ob wir das für die ersten Hypotheten notwendige Rapital aus dem Ausland oder Inland bekommen. Wenn wir dabei nur auf die Hauszinssteuer angewiesen wären, dann könnte damit das Baugewerbe nicht aus reichend beschäftigt werden. Der einzige Weg zur Belebung der privaten Bautätigkeit wäre eine fo große Steigerung der mieten, baß der Wohnungsbau rentabel wird. Das wird aber niemand im Hause vertreten wollen. Auf dem Gebiet der pro. duttiven Erwerbslosenfürsorge haben wir schon viel getan; wir wollen in nächster Zeit die Siebelungsarbeiten lebhafter in Angriff nehmen. Die Frage der Arbeitszeit im Bergbau wird geregelt werden im Bergarbeiterschutzgeseß, das gleichzeitig mit dem allgemeinen Arbeiterschutzgesetz dem Reichstag zugehen wird. In der Sozialpolitif haben wir in den letzten Jahren ansehn liche Fortschritte gemacht. Wir wollen in dieser ruhigen Weise weiter fortschreiten.( Beifall.) Abg. Stöhr( Völk.) begrüßt die Stetigkeit in der Leitung des Arbeitsministeriums. Der Berliner Oberbürgermeister habe mit seiner Kritit dieses Ministeriums nur seine eigene Inzulänglichkeit bewiesen. Das Stöhnen der Industrie und der Banken über die unerträglichen fozialen Lasten sei ganz unbetechtigt, denn vielen Industriebetrieben gehe es jeht sehr gut. In einer Bant, deren Firma der Redner nennt, wurden den Ge schäftsführern und leitenden Proturisten monatlich zusammen 15 000 m., den 26 Angestellten zusammen nur 8000 m. Gehalt gezahlt. Dann wurden neun Angestellte entlassen, um die Rentabilität des Betriebes zu sichern. ( hört! hört!) Der Redner führt zahlreiche industrielle Firmen an, in denen auch verschwenderisch bei den leitenden Beamten verfahren, aber über Unrentabilität geklagt wird. ministers wird bewilligt. Die Einzelberatung wird um Die allgemeine Aussprache ist damit geschlossen. Das Gehalt des 7% Uhr auf Sonnabend, 12 Uhr, vertagt. Auf der Tagesordnung steht außerdem der Antrag auf Erhöhung der Erwerbs: lofenunterstützung. Die Befagung des Linienschiffes Kurfürst Friedrich Wilhelm" ( 580 Mann einschließlich Offiziere) setzte sich zufammen aus den Jahr. gängen 1903, 1904 und 1905. Vereinzelte Rapitulanten aus den Jahr. gängen 1901 und 1902 waren ebenfalls vorhanden. Das Gros der Befagung stellte der Jahrgang 1905 und diese Leute waren bis auf drei oder vier nicht vorbestraft. Beim Jahrgang 1904 stand es ebenfo, auch dort waren nur Bereinzelte mit fleinen Arrest strafen vorbestraft. Beim Jahrgang 1903, der nur einen verschwindenden Bruchteil der Besatzung ausmachte, waren einige bis zu 20 Tagen Mittelarrest vorbestraft. Als nun das Schiff in Dienst gestellt wurde, hagelte es unter dem Kommando des 1. Offiziers, Korvettenfapitän Brüninghaus, Bestrafungen über Bestrafungen. Die drei an Borb befindlichen Arrest 3 ellen sind im ersten Jahre seines Kommandos wohl nie leer gewesen. Nicht genug damit, fämtliche frei verfügbaren Räume an Bord, zum Beispiel ber Gefechts| verbandsplay, der vorbere und achtere Torpebo= raum ufw. wurden in Arreftzellen umgewandelt. Beim Aufziehen der Wache zogen oft vier bis fünf Arrest posten auf und jeder hatte drei bis vier Arrestanten zu bewachen. Die Zahl derer, die strafererzierten und des Abends, wenn sich andere schlafen legten, mit ihrer Hängematte auf der Schulter zwei Stunden an Ded stehen mußten, glich immer einer mittleren Rorporalschaft. Unter den jährig freiwillige Obermatrofen. Legtere hatten in ihrer Arrestanten befanden sich Unteroffiziere unb auch a wölf5-6 jährigen Dienstzeit ganz geringfügige Strafen, find aber unter dem Kommando Brüninghaus in ihrer Laufbahn unter den Schlitten gekommen. Allein diese Tatsachen führten dann zu dem geschilderten Ergebnis 1906 und fanden ihren Höhepunkt in dem Selbstmorb des Obermatrosen Heinrich' mener aus Bremen. Eine zweite Buschrift über den Fall besagt: Ihnen ergebenst mit, daß die betreffenden Ausführungen meines Zu der letzten Erwiberung des Herrn Brüninghaus teile ich Rameraden über die Berhältnisse der Mannschaft von„ Kurfürst Friedrich Wilhelm" zum 1. Offizier Brüninghaus in den Jahren 1905 bis 1907 vollständig der Wahrheit entsprechen. Auch ich war in diesen Jahren Matrose an Bord von„ Kurfürst Friedrich Wilhelm" und in die Meyersche Angelegenheit persönlich verwickelt. Der betagten Mutter Meyers wurde folgendes Tele gramm geschickt: Ihr Sohn Heinrich ist heute bei schwerer See über Bord gefallen und frog wiederholter Rettungsversuche nicht mehr gerettet worden. Kommando Kurfürst Friedrich Wilhelm". Als die Mutter Meyers später persönlich an Bord erschien, um den wahren Grund des Todes Ihres Sohnes zu erfahren, ist Brüninghaus persönlich bearbeitet worden. fie fofort streng von der Mannschaft ifoliert und von Der Grund des Selbstmordes hat Brüninghaus ebensowenig überrascht wie die betreffenden Offiziere, die der Bestrafung Meyers durch den 1. Offizier in der Batterie des Schiffes megen einer ganz geringfügigen Bagatelle beigewohnt hatten. Brüninghaus hatte hier nach Auffaffung der Mannschaft den schon lange gesuchten Grund endlich gefunden, um Meyer einen anständigen Denkzettel für die freiwillige Ablösung als seinen Burschen zu verabfolgen, und tatsächlich waren 5 Tage strengen Arrest für einen noch unbestraften und furz vor der Entlassung stehenden Menschen ein bißchen happig". bat wiederholt, Brüninghaus fprechen zu dürfen, Auch dem Meyer erschien diese Bestrafung ungerecht und er was dieser mit noch 5 Tagen strengen Arrestes megen Frechheit" quittierte. Brüninghaus muß tatsächlich ein sehr schwaches Gedächtnis haben, wenn er sich auf die weiteren Einzelhetten dieses Falles nicht mehr ganz genau erinnern fann. Die darauf folgende Zeit mar für die gesamte Befagung direkt fürchter lich, da dieser Brüninghaus als Schwiegersohn des Großadmirals v. Roster eine unbegrenzte Macht an Bord und überhaupt in der Marine hatte. 2. Schröder. Ueber den Admiral Schröder, dessen Auseinandersetzungen mit Ludendorff wir am Sonntag berichteten, hat der„ Bormärts" Anfang 1919 interessante Dinge veröffentlicht, an die heute wieder erinnert werden darf. Aus den Aften wurde felgendes festgestellt: Am 21. Oftober 1918 murde der Obermatrose Franz Scheyta von der 10. Kompagnie, 2. Bataillon des 1. Matrosenregiments, auf der Straße Straburg- Aardenburg, 100 Meter von der holländischen Brenze, festgenommen. Am 4. November fand gegen Schenka in Wachtepete unter den Vorsitz des Rorvettenfapitäns Regener die Berhandlung wegen Fahnenflucht statt. Es wurde Scheyta zur Last gelegt, daß er, auf Posten vor dem Feind stehend, über die holländiſche Grenze habe entfliehen wollen. Das Gericht verurteilte Schenka in dieser Verhandlung wegen Fahnenflucht zum Tode und das Urteil wurde durch den Marine- Oberkriegsgerichtsrat Köster dem Kommandierenden Admiral des Marineferps, Schröter, vorgelegt, der am 7. November verfügte: Ich halte die fofortige Strafvollfiredung zur Aufrechterhalfung der Manneszucht für nötig." Schenta machte darauf ein Gnadengesuch, das von seinem Rompagnieführer, Oberleutnant Teplin, unterstüt murbe. Dieses Gesuch wurde vom Gericht des 1. MR. nicht befürmor. tend weitergegeben. Darauf erfolgte folgender telegraphischer Befehl: " Der kommandierende Admiral befiehlt, daß die Eretution heute unverzüglich durchgeführt wird. Weitere Ermittelungen oder dergleichen follen nicht mehr stattfinden. gez. Frank Lindheim, Major." Marineforps standrechtlich erschossen. Am 10. November liefen Am 9. November wurde Scheyta mittags beim Bericht des vem Admiral Schröder zwei Telegramme ein: " Ich habe von der Erklärung des Verurteilten vom 8. November am Nachmittag des 8. November Kenntnis genommen und am 9. November die sofortige Bollft redung durch die Kommandantur S. Nikolaas ohne Rücksicht auf das Gnadengefuch des Berurteilten oder sonst etwa eingehendes Gnadengesuch mündlich befohlen, da mit Rücksicht auf wankende Disziplin und die zahlreichen Defertionen in letzter Zeit, insbesondere beim Matresenregiment 1, ich die sofortige Bollstredung zur Aufrechterhaltung der Manneszucht für nötig gehalten." Das zweite Telegramm lautet: Der Gerichtsherr der 1. MD. mar durch die Kriegslage, die räumliche Entfernung und die schlechte Berbindung verhindert, die Anordnung zur befohlenen fofortigen Bollstreckung des Urteils gegen Schenka zu treffen. Deshalb habe ich als höherer Gerichtsherr fie für ihn getroffen. gez. v. Schröder. Aehnlich lag der Fall bei dem ebenfalls wegen Fahnenflucht er schossenen Obermatrofen Karl Machery vom 2. MR. Admiral p. Schröder hatte in beiden Fällen ein Urteil gefällt, indem er dem zuständigen Gerichtsherrn vorgegriffen hatte. Dieser Admiral ist nicht verhaftet worden. Er bezieht von der Republit immer noch fette Bension und hat, wie er im Briefwechsel mit Ludendorff feststellt, sich mit seinem„ Nationalverband deutscher Offiziere" noch jedem Butschverfuch bereits willigst zur Verfügung gestellt! Der jächsische Provinzialausschuß wählte zum Bertreter der Pro Ding Sachfen in ben Reichsrat ben Dberpräsidenten oerfing ( Magdeburg) und zu feinem Stellvertreter ben früheren Staatsminifter Graf Bofabowsty- Wehner, Herkunft und Verteilung der Auslandsanleihen. Ueber 1 Milliarde öffentliche Produktivkredite. Mit den Dawesverträgen vom August 1924 ist für die deutsche Boltswirtschaft, wenn auch feine endgültige Festsetzung der Repa rationslasten nach ihrer Höhe, so doch eine gefegliche Ordnung der ganzen Reparationsfrage erfolgt. Beil die Dawesver. träge gleich die Garantie für die zufünftige Stabilität der deutschen Währung schufen, wurden sie der zeitliche Ausgangspunkt jener großen ausländischen Kapitalströme, die seitdem nach Deutschland fließen fonnten. Ueber die Gesamthöhe dieser Kapitalströme gibt es nun feine Statistik und kann es feine geben, da vor allem der private Verkehr zwischen den einzelnen Firmen des In- und Auslands und der bankmäßige Berfehr zwischen den Geldmärtten nicht tontrollierbar sind. Dazu gehören auch die großen turapfristig en Beträge, die an deutsche Konzerne gegeben wurden und die bei den Konzernstükungen eine so große Rolle spielten. Kaum erfaßbar sind auch die Summen, die durch offene und geheime Attienpertäufe ins Ausland und durch Beteiligungen des Auslands an deutschen Gesellschaften nach Deutschland geflossen sind. Feststellbar sind eigentlich nur diejenigen Auslandskapitalströme, die in Form von lang= fristigen Anleihen durch Prospekte der Deffentlichkeit deutlich erfennbar waren. Mit diesen Anleihen allein beschäftigen wir uns hier. Herkunft der Anleihen. Die Gesamtsumme aller seit dem Abschluß der Dawesverträge nach Deutschland geflossenen langfristigen Auslandsanleihen beträgt rund 2 Milliarden 900 Millionen Mart. Sie sind, abgesehen von 4. fleineren Auslandsanleihen in Reichsmart, in 4 Auslandswährungen abgeschlossen worden. Auf bie Dollar mährung fommen 59 Anleihen im Gesamtbetrag von 2632 Millionen Mart, in Pfund Sterling sind 6 Anleihen mit 222 Millonen Mart, in Holländischen Gulden 8 Anleihen mit 10,30 Millionen Mart und in Schweizer Franken 2 Anleihen mit rund 25 Millionen Mart abgeschlossen worden. Im einzelnen entfallen auf die verschiedenen Anleihegruppen: Dollar Pfund Soll Schweiz. Sterling Guld. Frant ( in Millionen Mart) 1 Dawes Anleihe( Reich) 200,00 3 Deutsche Einzelstaaten 20,50 19 Gemeinden u. Gem.- Verbände 125,25 16 Deff. n. gemeinwirtsch. Unterneh. 91,50 1 Rentenbanffrebitanstalt 25,00 28 Brivat- Industrie- Gef. u. Banten 165,25 10,85 1,00 7 Kirchliche Drganisationen 5,44 1,50 30,00 75 Anleihen 627,50 10,85 6,44 31,50 2 891 Millionen Mart bazu 4 fleinere Auslandsanleihen in Reichsmart mit 7,95 mill. M. Die Bereinigten Staaten sind weitaus der stärkste Kapitalgeber. Bei der Gesamtsimme von 2,9 Milliarden ist allerdings zu beachten, daß es sich um Nominal beträge handelt. Der Erlös ist in aller Regel mindestens um 10 Broz. geringer, da der Ausgabeturs beträchtlich unter 100 Broz. liegt und außerdem noch die Provisions prozente der vermittelnden Banten abgehen. Hinsichtlich der Dollar und Pfundkredite besonders ift auch die Einschränkung zu machen, daß die Währungsart nicht allein den Kapitalgeber fenn zeichnet. Zahlreiche Anleihen, die New Korf und London ausge geben wurden, wurden auch an anderen Weltbörsen aufgelegt und gezeichnet. Vorgehen gegen den Kartellwucher. Die Preispolitif der Verbände der Lertilveredelungsindustrie und die Handhabung der Schutstonto-( Treurabatt) Bestimmungen durch sie ist von anderen Gruppen der Textilindustrie nielfach als unbillig bezeichnet und mehrfach auch in der Preise angegriffen worden. Besonders lebhaft waren die Beschwerden über die Preisstellung der Konvention der sächsisch- thüringischen Färbereien in Greiz, die chenfalls durch Treurabattbestimmungen praktisch die Möglichkeit, billigere Außenseiterfirmen in Anspruch zu nehmen, für die Weber ausgeschlossen hatte. Nunmehr haben Feststellungen des Reichs= wirtschaftsministeriums in einer Reihe von Betrieben, die diesem Verbande angeschlossen sind, den Nachweis erbracht, daß offenbar unter dem Schuße der Treurabattbestimmungen dieser Berband übersegte Preise vorgeschrieben hatte. Der Reichswirtschaftsminister hat darauf unter Androhung einer Klage auf Richtigkeitserklärung der Preisbindung und des Schußrabatts von dem Berbande die Aufhebung der entsprechenden Bestimmungen und eine Herabsetzung der Preise gefordert. Unmittelbar vor Absendung der Klage hat der Verband diesen Forderungen entsprochen. Durch die Aufhebung der Schuhsfontobestimmungen sind die Weber nunmehr in der Lage, bei günstigerer Preisstellung auch bei Außenseitern des Verbandes ihre Aufträge unterzubringen. Durch diese Wettbewerbsmöglichkeit dürften der Preisstellung des Verbandes in Zukunft Schranken gezogen sein. Die Feststellungen bei der Konvention sächsisch- thüringischer Färbereien in Greiz und die aus ihnen gezogenen Folgerungen merden nicht ohne Rückwirkung auf die anderen Verbände der Textilveredelungsindustrie bleiben können, deren 3ahl 35 beträgt. Neue Werkskonsumpropaganda? Unter Führung der Berliner Metallindustrie sind Bestrebungen im Gange, dn Arbeitern Lebensmittel und sonstige Gegenstände des täglichen Bedarfs einschließlich Kohlen durch Werkskonsumanſtalten nach dem Muster der Kruppschen Einrichtungen in Essen zuzuführen. Wie die Konj.- Korr." hört, hofft man hierdurch den Reallohn Steigern zu können. Die Bestrebungen stoßen auf stärksten Widerstand beim Einzelhandel. Die Handelskammer Berlin wird sich demnächst mit der Angelegenheit beschäftigen. Solche Bemühungen der Industriellen sind nichts Neues. Die Organisationen der Arbeiterschaft haben immer den Standpunkt vertreten, daß Werkskonsumanstalten der Unternehmer ein mirt= schaftlicher Unfug sind. Nicht die 3ersplitterung der Warenverteilung sichert. die Versorgung der Arbeiterschaft mit guten Qualitäten zu billigen Preisen, sondern ihre 3 usammenfaffung. Dafür ist die Stärkung der zentralen Barenbeschaffung und wohlfeilen Verteilung durch die Konfumgenoffen fchaften das einzig zweckmäßige Mittel. Die Kauffraft der Arbeiterschaft zu steigern, ist die Verwendung von Betriebsmitteln zu höherer Entlohnung viel geeigneter, die Versorgung des Arbeiterhaushalts mit guten und billigen Waren wäre selbst durch den freien Handel noch zweckmäßiger, als durch einzelne mit hohen Koft en arbeitende Werkskantinen. Die Arbeiterschaft hat Berksgemeinschaften jeder Art noch immer teuer bezahlt. Das mögen sich besonders die hier betroffenen Metallarbeiter merken. In Thüringen will man jetzt schon Lohnfenfungen erzwingen. Dem scheinbaren Zuckerbrot der Werksversorgung werden die Unternehmer mit Scherheit zu gegebener Zeit den Lohndrud folgen laffen wollen. Darum Hände weg von solchen Danaergefchenten, die nicht einmal für den Augenblick Geschente sind, Ihre Berwendung. = Die ausländischen Anleihen brachten auch feineswegs immer neues Rapital nuch Deutschland oder in dem Sinne produt tives Kapital, das mit dem Eintreffen und der Verwendung des Anleiheerlöses das Geldkapital der deutschen Wirtschaft um die entDie Dames sprechende Summe vermehrt worden wäre. anleihe des Reiches mit 800 Mill. oder mehr als ein Biertel des Gesamtbetrages diente bekanntlich zur Reparationszahlung und brachte Deutschland mur Zinslaften. Die 100- millionen- Anleihe der Rentenbankanstalt dient in großen Beträgen zur Abdeckung früherer Schulden der Landwirtschaft; zu diesen Teilbeträgen war der Gegenwert der Auslandskredite bereits früher in der Land wirtschaft investiert. Dasselbe gilt für zahlreiche Anleihen der privaten Industriegesellschaften, die zur Tilgung furzfristiger Vrbindlichkeiten dienten, sei es gegenüber inländischen oder ausländischen Gläubigern. Der Vorteil dieser Umwandlungen Don furzfristigen in langfristige Kredite besteht ledig lich darin, daß der jährliche Waremumschlag nicht mehr mit der Rückzahlung der ganzen Rapitalschuld, sondern nur noch mit der 3inszahlung und der Tilgungsrate beloftet ist, während sich die Kapitalrückzahlung auf eine größere oder fleinere Zahl von Jahren verteilt. Berücksichtigt man diese Verschiebungen, so wird die Summe des auf längere Dauer zugefloffenen neuen Kapitals sehr viel feiner. Für den Geld und Kapital martt Deutschlands entsteht eine doppelte Entlastung: einmal werden festgefrorene Umschlagstredite für die übrige Wirtschaft als Umschlagstrebite wieder verfügbar, zum anderen wird die Summe der einlaufenden Kapitalien um die langfristigen Kredite größer. Beides trägt zusammen mit den niedrigeren Zinsen der Auslands fredite zur Senfung der Zinstoften in Deutschland bei. Die Berteilung der Auslandsanleihen. Bon befonderem Intereffe ist die Verteilung der Auslands anleihen. Dabei ist der große Anteil öffentlicher An leihen und der Anleihen für öffentliche und gemischtwirtschaftliche Unternehmungen eine leberraschung. Im Gegensatz zu der wohl allgemein vorherrschenden Meinung überwiegen nämlich nicht die privaten Industrieanleihen, sondern die öffentlichen Anleihen. Auf die Einzelstaaten, die Gemeinde- und Gemeindeverbandsanleihen und die öffentlichen und gemischtwirtschaftlichen Unternehmungen entfallen von der Gesamtsumme von 2,1 milliarden( ohne Dawes anleihe) nicht weniger als runb 1024 millionen. Auf Rentenbankkreditanstalt, Privatindustrie und Banten fommen insgesamt 1018 Millionen. Dabei ist zu beachten, daß die Anleihen für Staaten, Gemeinde- und gemischtwirschaftliche Unternehmungen, die bis auf verschwindende Bruchteile ausschließlich produktiven Zwecken dienten, im Gegensatz zu den Agrar- und Industrieanleihen den Kapitalmarkt und die Beschäftigung der Industrie im pollen Schulden nur in ganz seltenen Fällen abzutragen waren. Umfang des Anleiheerlöses befruchten konnten, da furzfristige Ein Kuriofum unter den Auslandsanleihen bilden die 7 in Holland aufgenommenen Kirchenanleihen( Kölnisches Domtapitel, Barochialgemeinde vom Heiligen Kreuz und Heiligen Georg Breslau, Kath. Gemeinde Düsseldorf, Kath. Kirche Bayern, Bistum Spener, Benediktinerabtei Lambach, Dom von Trier). Die produttiven Swede", denen diese Anleihen dienen, find der Deffentlichkeit unbekannt geblieben. Man hat auch nichts davon gehört, daß ihre Genehmigung der Kontrolle der Beratungsstelle unterstand. Vor dem Krummstab scheint auch die Allmacht der Rechsbank ein Ende gehabt zu haben. Die Währungsreserven der Reichsbank. Die nachstehende Graphit zeigt in außerordentlich plastischer Weise, wie der im Ruhrkampf vollkommen zusammengeschrumpfte Goldbestand der Reichsbant besonders seit der Annahme des Dawes Plans sich wieder zu einer stattlichen Höhe entwidelt hat, wie ferner seit dem Beginn des vorigen Jahres auch die Menge der verfügbaren dedungsfähigen Devisen der Rechsbank zunahmen. Der Bestand an Gold und deckungsfähigen Devisen bei der Deutschen Reichsbank 1922-1926 In Millionen Mark 1005 403 354 319 3340 253 Deckungsfähige 1003 Devisen 760 467 462 465 578 418 1255 19.08 Z 31.XII. 31.XII. 31. III. 30.VI.30.X.31.XII. 31. 30.VI.30.IX.31.XII. 31.I 1922 1923 1924 1925 1926 Die Reichsbant ist zur Bereitstellung so hoher Reserven an Gold und Devisen teilweise durch den Dames- Plan gezwungen; in den letzten Monaten hat aber auch die fortschreitende Wirt. schaftstrife und vor allem die Kreditkrije die Reichsbank dazu gezwungen, große Beträge zur Anlage in Währungsreferven ab zuzweigen. Reichsbank und Krise in der zweiten Februarwoche. Die Reichsbank verzeichnet am Ende der zweiten Februarwoche den tiefsten bisher erreichten Stand der Inanspruchnahme durch Wirtschaftskredite. Der Bestand an Wechseln und Schecks ist auch in dieser Woche wieder beträchtlich gesunken, von 1411 auf 1321 Millionen. Gegenüber dem gleichen Zeitpunti des Vormonats ein Rüdgang von 216 Millionen Mart. Da in dem Bosten noch Devisen in unbekannter Höhe stecken, fallen die an öffentliche Stellen meitergegebenen 17,5 Millionen Bechsel nicht ins Gewicht. Die Befferung" der Lage, die das Rommuniqué der Reichsbant glaubt feststellen zu fönnen, fann mit Rücksicht auf die Wirtschaftskrise nicht deutlicher gekennzeichnet werden als durch einen Ausspruch des Bizepräsidenten der Reichsbank Dr. Kauffmann auf dem gestrigen Giroverbandstag der städtischen Kredit genoffenschaften. Er sagte:„ Wechsel, die die Reichsbant taufen tann, sind nicht zu haben." Die Besserung der Lage der Reichsbant entspricht einer schlechteren Absatz- und Bertrauenslage der Wirtschaft. Die Diskontermäßigung hat auch bis Wie heute noch nicht anregend auf die Wirtschaft gewirkt. Dr. Kauffmann auf derselben Tagung mitteilte, will die Reichsbank die zwei prozentige Spanne zwischen Distont. und Lombardjag auf 1 Pro 3. verkürzen. Man wird damit einverstanden sein können, weil für viele Kreditgeschäfte dadurch die Wie Dr., Kauffmann 3instoften tatsächlich verkleinert werden. weiter ausführte, fommt eine neue Herabfehung des Diskonts nicht in Frage. Es wäre wohl auch besser gewesen, menn die Reichsbant sich am 12. Januar schon auf die Verkürzung der DisfontDie Giroeinlagen Lombardspanne beschränkt hätte. der Reichsbankkunden sind um 107 Millionen auf 873 Millionen erhöht( im Vormonat Senfung von 874 auf 860 Millionen). Die Lombardforderungen find geringfügig, um 4,15 auf 9,27 Millionen gesteigert. Die Verflüssigung der Reichsbank hat einen außerordentlich hohen Grad erreicht. Während die Goldbestände eine Zunahme um 51,6 und die deckungsfähigen Devisen eine Bermehrung um 13,9 Millionen zeigen, ist der Umlauf an Reichsbanknoten um 143,2 auf 2420 Millionen und an Rentenbankscheinen um 71,1 auf 1297 Millionen gesunken. Ob der gemeldete Ankauf von 21,5 millionen Goldbarren aus dem sowjetrussischen Staatsfchat schon ausgewiesen ist, ist nicht ersichtlich. Die Dedung des Noten. umlaufs durch Gold und Devisen ist die bisher höchst e, fie beträgt 71,9 Proz. Die Interessantes aus der ersten Hypothefenbankbilanz. Hannoversche Bodenkreditanstalt zählt mit ihrem Attienkapital von 1,8 Millionen nicht zu den großen Hypothekenaftienbanken. Aber sie ist in der glüdlichen Lage, bei einer Bermehrung der eigenen Hypothefen und Pfandbriefgeschäfte um 1 Proz. 12 Proz. Dividende zu verteilen. Sie hatte Ende 1924 einen Bestand an gewährten Hypothekendarlehen von 25,41 Millionen( entsprechend 25,41 Millionen Goldpfandbriefumlauf), am 31. Dezember 1925 25,66 Millionen( entsprechend 25,66 Millionen Pfandbriefumlauf). Es ist anerfennenswert, daß die Bant den Empfängern der Hypothekendarlehen feine Pfandbriefe in 3ahlung gibt, sondern bares Geld. Dabei scheint sie fic aber gründlich hochzunehmen; natürlich nicht mehr als andere Privat und Hypothekenbanten auch. An Neugeschäft für 1925 bei dem man Ertraverdienste annehmen fönnte, fommen Neugeschäft und die früheren Hypotheken brachten an Zinsen und nämlich mur 250 000 m. Hypothefen und Pfandbriefe heraus. Dieses Provisionen 2,38 Millionen. Dazu tamen 205 000 m. fonstige 3insen. Nach Abzug der Pfandbriefzinsen( 2,05 millionen), Emissionstoften, Steuern und Handlungsunfosten( zujammen 203 733 M.!) bleibt ein Reingewinn von 378 965 M., der 12 Proz. Dividende, eine Ertrareserve von 100 000 m. und noch einen Gewinnvortrag von über 45 000 m. erlaubt. Die Reichsbahn im Januar. Die Folgen weiterer Betriebsein schränkungen und Insolvenzen der Wirtschaft spiegelten sich in einer während rudläufigen Güterverfehrsbewegung, sonst im Januar infolge Hochwasser und Bereifung der BinnenmafferStraßen eine Zunahme der Bahntransporte einzutreten pflegt. Der Januar wies eine etwa 8 Pro3. geringere Güterwagengestellung auf als der Vormonat mit der gleichen Anzahl von Arbeitstagen. An diesem Verkehrsrückgang ist in erster Linie der Bertehr mit Zuderrüben und Schurigeln infolge Beendigung der Rampagne beteiligt. Die Beförderung von Brotgetreide und Mehl erforderte nur 49 700 Wagen gegen 53 900 im Dezember 1925, der Fischverkehr 116 Züge gegen 133 Züge von den Weser- häfen im Bormonat. Die Kohlenverladungen sind um faft 86 800 agen zurüd gegangen. Lebhafter gestaltete sich der Berfehr in künstlichen Düngemitteln( Anfang Januar täglich zirka 1200 Wagen, Ende Januar zirka 2900 Wagen). Infolge Hochwassers traten an etwa 100 Stellen Betriebsunterbrechungen ein, die jedoch bald beseitigt werden konnten. Die Frachtstundungs gebühr im Banfstundungsverfahren ist mit Birkung vom 1. Februar ab von 3 vom Tausend auf 2 vom Tausend der halbmonatlich geftunEs wurden 28,2 Millionen 3ugtilometer im Ber deten Beträge herabgesetzt worden. Der Personenverkehr war schwach. fonenverfehr im Dezember 1925 geleistet gegen 27,1 millionen im November. Der Güterverkehr erreichte 17,15 milli onen Zugfilometer im Dezember gegen 16,9 millionen Zugfilometer im November 1925. Die Urbarmachung von flacllichen Mooren. Das preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat einen Gesezentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Urbarmachung von staatlichen Mooren in den Provinzen Hannover und SchleswigHolstein zugehen lassen, mit der Bitte, die gutachtliche Aeuße rung des Staatsrats mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Vorlage möglichst bald herbeiführen zu wollen. Angefordert werden 2 500 000 m., die im Wege des Kredits zu beschaffen find, Dieser Kredit stellt einen Teilbetrag des durch das noch zu schaffende Gesetz über die Bereitstellung von Geldmitteln für die Ausgestaltung des staatlichen Besizes an Bergwerken, Häfen und Elektrizitätsmerken sowie zur Förderung der Landeskultur bewilligten Kredits von 150 000 000 M. dar. Die Erlöse aus dem Verkauf der mit Anleihemitteln urbar gemachten Moore, und zwar nicht nur die baren Kauffummen, sondern auch bei Verkäufen gegen Rentenzahlung die Renten, sind vorweg zur verstärkten Tilgung Don Anleihen zu verwenden. Aus der Begründung teilt der Amtliche Preußische Breffedienst mit, daß ausschließlich der Flächen, die zurzeit noch zur Torfgewinnung verpachtet sind und für die Kultivierung daher einstweilen ausscheiden, noch rund 10 000 Hettar zu kultivieren find. Die Kosten dafür würden sich heute etwa auf 10 Millionen Mark stellen. Europa bleibt der größte Abnehmer der Bereinigten Staaten. Die Außenhandelsstatistik der Bereinigten Staaten für das Jahr 1925 zeigt, daß der größte Teil der amerikanischen Ausfuhrwaren von europäischen Ländern getauft wird. Mehr als die Hälfte der Gesamtausfuhr im Werte von 2600 Millionen Dollar wurde von Europa ge fauft, während Nordamerika Waren im Werte von 1140 millionen, Südamerika 106 Millionen, Afien 485 Millionen, Australien 189 Millionen, Afrika 89 Millionen Dollar faufte. Anders steht das Verhältnis in der Einfuhr. Der größte Lieferant der Vereinigten Staaten war Asien mit 1320 Millionen, während die Einfuhr aus Europa mit 1238 Millionen Dollar viel weniger als die Hälfte der amerikanischen Ausfuhr nach Europa ausmachte. Diese Lage entspringt aus der Veränderung seit dem Weltkrieg, derzufolge die Vereinigten Staaten immer mehr als Käufer für Rohstoffe und Verkäufer für Fertigprodufte nach dem Ausland hervortreten. Aus Nordamerika kauften die Bereinigten Staaten Waren im Werte von 981 Millionen, aus Südamerika 519, aus Australien 78, aus Afrika 92 Millionen Dollar. Die deutsch- russischen Kreditverhandlungen vor dem Abschluß. Die dieser Tage wieder aufgenommenen Verhandlungen zwischen dem Otto Wolff Konzern, der 2 EG. und dem deutschen Banffonsortium einerseits und der Berliner Sowjethandels vertretung andererseits über Lieferungen für die Installation der russischen Industrie sind, wie der Ost- Expreß erfährt, soweit fortgeschritten, daß mit einem definitiven Abschluß gerechnet werden lann, so bald der Haushaltsausschuß des Reichstages der von der Reichsregierung für diese Lieferungen in Aussicht genommenen Ausfallgarantie seine Zustimmung gegeben hat. Da die Garantie des Reiches bekanntlich 35 Proz. erreicht, so stellt sich ihr Gesamtbetrag auf 105 millionen Reichsmart. Die vorberei tenden Berhandlungen über die Art der Ausnutzung des 300 Mill Mt.- Aredits werden inzwischen von den deutschen Firmen mit der Sowjethandelsvertretung fortgeführt, Sonnabend 20. Februar 1926 Unterhaltung und Wissen Das Ungeborene. Von Erich Grifar. Mitten in der Nacht wedte ihn seine Frau. Sie ſtöhnte. ,, Was ist?" mur eine ,, Ach, das Kind. Wenn du mich nur eine Stunde allein liegen laffen fönnteft." Ist es so schlimm?" Und er vergaß sein eigenes Müdesein. ,, Ach, es ist ein Leben darin, als drehe sich alles in mir um und um. " ,, Ja, es wird ein Junge," sagte er. ,, Aber ein frecher Junge." Benn's frech mirb, dann ist's ein Mädchen," scherzte er. Dann erhob er sich von dem gemeinsamen Lager. Sie nahm eine bequeme Lage ein. Er setzte sich auf die Bettfante und streichelte ihre Stirn.„ Bald ift alles vorüber," sagte er dann zu ihr, wie um sich selbst zu trösten. Ja, aber dann wird's noch schlimmer, wenn wir nicht bald Geld bekommen, ein neues Bett zu kaufen." ,, Wenn wir nicht Geld bekommen für ein neues Bett," sann er nach. Dann zog er seine Hosen an und setzte sich an den mit Küchengeräten verstellten Tisch vor das einzige Fenster der Stube. Der Mond schien auf die hohe Brandmauer des gegenüberliegenden Hauses. Er raffte die Gardine zur Seite, um etwas mehr als diese Mauer zu sehen. Es gelang ihm nicht. Er öffnete das Fenster ein wenig und steckte den Kopf hinaus. Er blickte so in einen engen Hof. Ein Hund hatte das Klirren des Fensters gehört und bellte laut. Vielleicht auch bellte er den Mond an, der eben jetzt über den Dachrand rollte. Ein Strahl fiel an ihm vorbei in seine Stube. Auf der Bettdecke, gerade da, wo der gewölbte Leib seiner Frau fichtbar wurde, blieb er liegen. Er drehte sich um und blidte lange auf diese Stelle. Er sah nicht, daß seine Frau jetzt lächelte, da er sie so im Mondlicht fizzen sah. Er sah, wie die Bettdecke sich hob und senkte. So regelmäßig hob und senkte, daß er es bald gar nicht mehr wahrnahm. Es war ihm, als stöhne seine Frau, und sogleich fühlte er das Leben in ihrem Leibe mit. Er blickte fich in seiner Stube um. Es war enge, sehr enge hier. Man hätte, wenn man mit Armen und Beinen um sich stieß, sich diese gewiß arg zerschunden. Aber er stieß ja nicht um sich. Ihn verlangte ja gar nicht, auf und ab zu gehen. Ihn verlangte nicht, fich aufzurichten. Still faß er auf seinem Stuhl und blickte vor sich hin. In einer Stunde, wenn die Fabrit tutete, würde er sein Brot in die Tasche stecken, seinen Rod anziehen, sich noch einmal zu seiner Frau niederneigen und durch die Straßen der Borstadt gehen zur Fabrik. Würde dort seine Arbeit tum und am Abend zurüdtommen. Gab es gerade Geld, würde seine Frau ihn abholen, und zusammen würden sie überlegen, mas am nötigsten war, und es faufen oder doch menigftens zu faufen wünschen. Bellage des Vorwärts Der Abfindungsvorschlag der Mittelparteien. MITTELPARTETEN rbers AVILHELMY PAS ABFINDUNGS- PEITSCHE YOLK ze Hundert Schlag, wie wir hören. Lassen Sie Gnade vor Recht ergehen und geben Sie ihm nur Es war wie Bitterfeit in ihm, da er an diese Enge dachte, die neunzig, Majestät!" ihn stieß und aus der herauszufonimen er vergeblich versucht. Neid fam in ihm hoch, da er das junge ungeborene Leben in seiner Frau ſah, das sich redte und bäumte, das heraus wollte aus seinem GeEine steinzeitliche Rheinfestung. fängnis. Gewiß, noch war es schwach, aber über den vergeblichen Versuchen, herauszukommen, wuchs es und wuchs und eines Tages mürde es start genug sein und heraustreten ins Leben. Bürde einfach da sein und er würde nichts tun können, als das eigene Brot und das feiner Frau noch fleiner zu schneiden, um dem kleinen Leben etwas zukommen lassen zu fönnen. Er würde es groß ziehen, sich freuten an der jungen Kraft, die da über ihn hinmegwachsen sollte. Frei sollte sein Kind wachsen, den Drang aus der Enge heraus in die Freiheit sollte es sich erhalten. Es war ihm, als schäme er sich, da er jetzt sein Kind schon groß vor sich hintreten sah. Er schämte sich, daß er selbst zu ihm hochsehen müßte, um ihm ins Auge sehen zu fönnen, denn sein Kind ragte mit dem Kopf bereits durch die niedere Decke in die Wohnung des Nachbarn hinein. Und seine Arme hatten auch ein Stück von der Wand mitgenommen. So sah er in eine leere Stube, die zu einer großen Wohnung gehörte. Ein weißes Bett stand darin, in dem mur zu den Feiertagen des Jahres jemand schlief, während er selbst Nacht für Nacht das einzige schmale Bett mit seiner Frau und tünftig auch mit seinem Rinde teilen müßte. Da er das sah, muchs er jäh aus seinem Berfümmertsein empor und er hätte sich gleich auf die Straße ftellen können, um seinen Arbeitsbrüdern zu sagen, daß auch fie fich reden sollen, daß es gelte, herauszudrängen aus diesem Zustand, daß es gelte zu machsen und zu wachsen, bis man start genug sei, alle Hindernisse zu überwinden. Er fühlte, wie fraftlos ihn das Leben gemacht hatte, und daß er nicht auf die Straße gehen würde, um zu kämpfen, daß er den Meinen Kampf weiterfämpfen würde, den Kampf um den Platz in der Enge, den Kampf um die Schmalfeite des Bettes, aus dem ihn bas lingeborene herausgedrängt. Und daß er sich heute morgen wie immer an seinen Arbeitsplatz begeben würde, um ihn nicht zu verlieren. Denn verlor er ihn, würde er nicht mir die eigene Hoffnung auf ein besseres freies Leben begraben, er würde auch das Kind hingeben müssen, das all seine Sehnsucht umschloß, das ihn einmal überragen sollte. Er würde es töten müffen, ehe es geboren war, oder sterben sehen müssen nach der Geburt, oder es wegschenken müssen an eine Klasse, die er haßte, die, selbst unfähig, Kinder zu zeugen, die Kinder der Armen aufnahm und sie zu Feinden der eigenen Eltern erzog. Nein, er wollte dies alles nicht, er wollte den Kampf um das Brot weiterfämpfen, auf daß sein Sohn( oder war es ein Mädchen?) einmal den Endkampf um die Freiheit durchlämpfen fönne. Und soviel Bitterfeit auch in ihm war und soviel Müdesein ihn niederzuwerfen drohte, er hafte Kraft genug, an die Arbeit zu gehen und die Grobheiten seiner Borgesetzten einzufteden, ohne die stille Heiter feit zu verlieren, die ihm der Gedanke an das Ungeborene geschenkt. So wie es muchs und wuchs, würde seine Klasse wachsen und wachsen und stark merden und einmal das ganze Leben mit ihrer Kraft on sich reißen und umgestalten, daß tein Raum mehr darin fei für die Grobheiten eitler Borgesetzter, fein Raum mehr für Hyunger und Not, für Haß und Finsternis. Viel Raum aber für Kraft und Freiheit, viel Raum für das Licht der Sonne und die Schönheit der Kunft. Und das kleine verschüchterte Männchen, das faum wagte, der Willkür seiner Vorgesetzten mit einem freien Worte zu begegnen, nun es an sein Kind dachte, wuchs es mit dieser Gewißheit, mit diesem Glauben über seine. Beiniger hinaus, daß seine Kollegen fich munder: ten nb feiner Geradheit und des heiteren Blickes feiner Augen. Leben der Völker zu haben, die an ihnen wohnen. Unter den deut Große Ströme pflegen auch immer eine große Bedeutung im schen Strömen ist der Rhein ein treffendes Beispiel hierfür. Etwa zwischen römischen und germanischen Bölfermassen. lleberreste römizu Beginn unserer Zeitrechming bildete der Rheinstrom die Grenze fcher Befestigungsanlagen, sogenannte Kastelle, sind in jener Gegend durchaus nicht selten. Als man vor einigen Jahrzehnten auf der Suche nach Cafars Rheinbrücke die Grundrisse zweier solcher Staftelle in der Nähe von Urmig nördlich von Koblenz freilegen konnte, stellte sich dabei überraschenderweise heraus, daß die beiden Römerkastelle innerhalb einer viel älteren Befestigungsanlage von riesigem Ausmah lagen. Diese gehörte der jüngeren Steinzeit an, mußte also richtet worden sein. Diese Steinzeitfestung bildet ein unregelmäßiges mindestens zwei oder drei Jahrtausende vor den Römerkastellen erOval, deffen eine Seite vom Rheinstrom geradlinig abgeschlossen ist. Auf dieser Wasserseite ist es 1275 Meter lang, bei einer Breite bis zu 850 Miter. Der Gefamtumfang beträgt fomit etwa 3500 Meter, der Flächeninhalt rund 100 Heftar. Das fast völlig ebene Gelände liegt 12 Meter über dem mittleren Wasserspiegel des Rheins, ist somit hochwasserfrei und gestattet eine ungehinderte Fernficht. Nach dem Strom hin fällt es steil ab. 3mei mächtige Doppelgräben umschlossen im großen Bogen das Gebiet, und dahinter sicherte noch eine hölzerne Palisadenwand den Ort gegen feindlichen Ansturm. Auf dem Geländestreifen zwischen den Gräben erhob sich der aus den aufgeworfenen Bodenmassen errichtete Ball, der vielleicht mit einer Holzbrustwehr betrönt war. Durchgänge und Tore in großer Zahl wohl an die zwanzig führten durch die Bohlenwand und durch die Wälle. Im Innern der Anlage, mehr aber noch auf der Sohle der Gräben, fonnte eine ganze Anzahl tiefergehender Herd- und Abfallgruben festgestellt werden. Die zahl: bezeichnenden Art, daß die Erbauer und Bewohner der Befestigung reich gefundenen Ueberrefte von Tongefäßen zeigen in ihrer ganz zur Bevölkerung der steinzeitlichen Pfahlbaufultur gehörten, wie sie aus den Pfahlbauten des Oberrheins feit langem bekannt ist. Die Forschungsergebnisse zeigen mit ziemlicher Sicherheit, daß im dritten oder vierten Jahrtausend vor Cristo ein größerer Stamm der Pfahlbaubevölkerung des Oberrheins gegen Norden zag und sich in der fruchtbaren Ebene des heutigen Neuwieder Bedens niederließ. Im Laufe längerer Zeit wurde diese Landschaft zum kulturellen Mittelpunkt des fich mehr und mehr ausbreitenden Stammes, dem die Errichtung der Erdfeftung und Stammesburg bei Urmig ebenso wie die Anlage vereinzelter Siedlungen zu beiden Seiten des Rheins und auf den Höhen zu verdanken ist. Ausstrahlungen von diesem Mittelpunkt reichen bis nach Belgien. Die Berührung mit den benachbarten Steinzeitkulturen wird lebhafter, bis endlich gegen Ende der Steinzeit, um die Wende des zweiten vorchriftlichen Jahrtausends, höherentwickelte, landfremde Völkerschaften aus dem ausgedehnten Kulturtreis an der unteren Donau die eingefeffene Bevölkerung in ihren Bann zwingen. Der erste zusammenfassende Bericht über Die fteinzeitliche Rheinfestung bei Urmig", der fürzlich durch Museumsdirektor A. Günther aus Koblenz im Mannus" veröffentlicht wurde, führt lebhafte Klage darüber, daß viele gefundenen Ueberreste von den umherziehenden Altertumshändlern verschleppt oder durch Teilnahmlosigkeit und Eigensucht vieler Fabrit und Grundstückbefizer auf immer zerstört worden seien. Zum vollen Erfolg ist das einträchtige Zusammenarbeiten aller in Frage kommenden Behörden, Museen, Bereine, Grundstücksbefizer und nicht zum wenigsten auch der Arbeiter nötig, denn, so sagt der Bericht wörtlich: Gerade die Arbeiterschaft befißt nicht nur ein sehr gutes Gefühl und feines Empfinden für die Ausfindigmachung und Entdedung von Alter tümern und naturwissenschaftlichen Gegenständen, als auch öfter mehr Interesse und Verständnis für Geschichte und Heimatkunde als mancher Gebildetfeinwollende." W. W. Der Hilferuf der Vögel. gegeben wird, ähnlich wie das Zeichen SOS.( Save our Souls), In der Bogelwelt gibt es auch ein Signal, das in höchster Rot bas in höchster Seenot um Hilfe ruft. Der englische Ornithologe ogelleben, die die Bedeutung diefes Alarmrufes tennzeichnen. Es Oliver G. Bife erzählt einige fein beobachtete Vorfälle aus dem ist kein allen Vögeln gemeinsamer Ruf, sondern jede Art hat ihr befofort von allen Bögeln verstanden, und sie eilen herbei, um zu sonderes Notsignal. Aber wenn das Signal ertönt, dann wird es helfen. Wenn sie auch nicht immer den gefährdeten Bruder retten tönnen, so tun sie doch ihr Bestes. Eine schwarze Kaze schlich sich leise nach einer Hecke, in der ein paar Schwarzbroffeln nisteten. Im test waren Junge, die schon bald ausfliegen sollten, und beim schrillen Hilferuf aus. Nahen der Kaze stieß die männliche Schwarzdrossel fofort einen Der Ruf wurde von einer anderen Drossel gehört, die sofort herbeiflog und ebenfalls zu rufen begann. Ihr Schreien rief andere Bögel herbei, die die Kaze umschwärmten. Dieser wurde das Gemimmel umheimlich und sie ließ von dem Angriff ab. Während die Katze davonschlich, erschien eine Misteldrossel auf dem Kriegsschauplah, die die Rufe aus der Ferne gehört hatte, dieser tapfere Bogel auf die Kaze und schlug ihr mit den Flügeln wo fie für ihre Jungen Futter suchte. Ohne Zögern stürzte sich auf den Rücken, so daß das Raubtier entfeht flüchtete. Als Bike einen Brachvogel im Rest photographierte, griffen ein paar Möwen das Nest an. Der Brachvogel ließ sofort ein weithin vernehmbares Pfeifen ertönen, und darauf famen andere Vögel feiner Gattung von allen Seiten herbei; auch ein Rotschenfel verließ sein Nest und erfüllte das ganze Moor mit herzzerreißenden Rufen. Die Mämen Bogelsprache wird selten im Walde spazieren gehen, ohne daß er wurden dadurch so beunruhigt, daß fie fortflogen. Der Kenner, der einen solchen SOS. Der Bögel hört. Lange bevor er die Vögel felbft ficht, fann er aus diesen Hilferufen ziemlich genau erkennen, worum in den Zweigen herumflattern sieht, so ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß ihm eine Eule auf den Fersen ist. Fliegt der Häher Kaze im Gehölz. Sitzen die Fasanen auf hohen Zweigen und stoßen niedrig, und andere Bögel flattern mit ihm herum, dann jagt eine daß ein Fuchs seine Beute sucht. mit langgestreckten Häljen Schreie aus, dann fann man sicher sein, es fich handelt. Wenn man einen Eichelhäher aufgeregt schreien und Arbeiterleben in Bombay. Bei der Bolkszählung im Jahre 1921 hatte die Stadt Bombay in Borderindien eine Bevölkerung von mehr als einer Million, unter der sich ungefähr 420 000 Lohnarbeiter be fanden. Sie stammen nicht aus der Umgebung, sondern sind nahezu in ihrer Gesamtheit aus fernen armen Landbezirken in die indische Großstadt zusammengeströmt. Einmal im Jahr eilt die Mehrzahl dieser Zugewanderten in ihre Dörfer zurück, gewöhnlich, um ihren Angehörigen bei der Bestellung der fleinen zerstreuten Aderflächen zu helfen, die dem Namen nach ihnen gehören, in Wahrheit aber immer schneller in der Hand des Geldverleihers im Dorf zusammen machsen. Dieser Geldverleiher ist gleichzeitig der Dorffausmann und Warenhausbefizer; ihn schützt das Gesez. Um die immer steigenden Zinsen zahlen zu fönnen, wandert der indische Ackerbauer, vom höheren Geldlohn der Fabriken angelodt, in die Elendsquartiere Bombays. Auch hier fällt er zunächst in die Hände des Geldverleihers; denn der Lohn wird erst am Schluß der Arbeitswoche ausgezahlt, und die ersten Tage lebt der indische Kuli auch hier vom Borg. Wer die Matadis, die Laftträger im Hafen, jemals beobachtet hat, wie sie unaufhörlich mit einem primitiven einschläfrigen Sing sang hin und her, vom Schiff aufs Land und vom Land aufs Schiff ziehen, schwere Lasten tragen, aus und einladen, der staunt sie an. Für das Wunder ihrer hertulischen Arbeit aber erhalten sie den fürstlichen Lohn von 1½ Schilling am Tage, das sind etwa 75 deutsche Reichspfennige, und eine Zulage fürs Effen. Die Hafengesellschaft zahlt diese fürstliche Summe lediglich dem Vorarbeiter aus, der seine Beute wieder nur löhnt, wenn es ihm gefällt. 95 Lindemann's PFENNI age Beginn Sonnsbd., 20. Februar, früh 9 Uhr Kaschmir- Schotten PL doppeltbrell...95 Blusenstoffe teils mit kunstseid. Effekten, 95 Pl. doppell breit, 95 P. Frotté gran gestreift .... Mir Marocain bedruckt Kunstseide m.Baumwolle in groß. Sortiment. 95 P 4 Wischtücher 95 P kariert 2 Handtücher mil roter Kanie od. graa Damasthandtuch Halbleinen Schürzenstoff ca 120 cm breit . 95PM. .95 P. 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Februar 1926, nachmiffags Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 2 Selvinne zu je 10000. 8893 8 Gewinne su je 3000. 71638 87166 221080 200557 16 Geivtume su je 2000 237820 286057 289267 r. 1189 3995 57080 177500 226588 24 Gewinne su je 1000 9, 25519 33996 39518 57941 64606 85765 140867 201910 212351 250860 272444 276248 78 Gewinne an je 500 mt. 3270 12701 21716 33894 34772 36902 38706 46814 52648 74417 88423 88709 104734 110806 119443 129624 135284 140766 152519 157177 157817 160208 163460 178013 180101 182277 206957 211772 214100 215534 227566 228116 229960 231420 233004 233871 269052 277576 277722 212 Gewinne a je 300 gr. 4456 10409 18851 20256 20311 22448 27271 29694 34768 86497 38114 40756 48939 51562 56244 57418 58176 59576 59881 65452 70378 70954 72392 72737 75347 76357 79804 80285 81025 82766 87786 88873 89935 90341 90680 92036 98656 97412 99269 99347 100659 112442 117915 125529 129037 133914 134982 136426 136712 136826 141437 142252 147816 150012 153209 158032 158592 166777 172422 175487 177367 180444 185238 187065 191573 194847 199591 202145 202160 207345 209744 212279 215766 216898 217289 218989 221511 221768 229241 229449 230086 231305 231443 233763 235960 239059 239876 240681 244104 244715 248874 256866 259489 260095 264605 265765 269675 275659 278536 279183 282065 290853 290928 294070 294092 298201 15. Ziehungsfag 19. Februar 1926, vormittags Es wurden Gewinne ber 150 Mark gezogen 5 Gewinne zu je 5000 9, 252714 253974 256071 14 Gewinne au je 3000. 2258 22144 94940 169898 194249 230694 276607 14 Gewinne gu je 2000. 44891 74838 95739 138050 165636 220044 231150 36 Gewinne an je 1000 m. 33982 46604 49441 81477 86106 92398 110881 158701 167046 188704 205848 222055 223679 258424 269080 281068 288710 299515 96 Gewinne ju je 500 m. 3217 7161 9971 10414 39270 46496 53111 59788 63140 66597 69548 75228 81883 124205 132150 133558 134002 137848 143241 147951 157065 168060 173358 174728 184361 185711 193180 203241 211454 211554 221150 225576 226373 227898 229440 229876 239711 243868 258064 262455 264927 266105 268878 275968 278395 281502 282998 299691 192 Gewinne zu je 300 m. 140 3405 5555 9756 10552 13754 13808 14276 19830 24613 25161 27359 27842 30559 38281 45100 56354 60148 62091 63689 73554 73950 79237 79360 80144 83700 90068 97504/100126 101091 101946 106288 107725 114849 114990 116296 117581 121780 124369 134629 139544 142211 146029 146253 147159 153291 153782 155006 158581 165090 173652 176340 176796 178584 183127 184412 185909 186119 187590 192365 200104 200647 202985 203487 206390 211468 211575 213669 214621 223015 223547 223678 223793 226076 226161 230545 232052 233503 233586 234602 240341 240857 240873 248889 259640 261865 265626 271707 273449 278514 284867 285444 289179 298466 298633 299406 ,, Brafegena" Brandenburger Benig getragene Ravaliergarderobe Don Millionären, Aeraten, Anwälten. 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