A Abendausgabe Nr. 88+43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 44 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Ferusprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 腐 10 Pfennig 22. Februar 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Reichsbannertag in Hamburg. 2010 Mehr als 130 000 Reichsbannerkameraden in Uniform. T. Hamburg, 21. Februar.( Eigener Bericht des„ Borwärts".) Während sich am Sonnabend abend in Altona der Empfang des preußischen Ministerpräsidenten Braun zu einer großartigen Huldigung für den republikanischen Gedanken gestaltete, fand in etwa 15 großen Sälen in Hamburg der Empfang der auswärtigen Kameraden bei Musik, gemeinsamem Gesang, künstlerischen Dar bietungen und Ansprachen von Rednern statt. Nicht wenig Teilnehmer hatten es jedoch vorgezogen, bei ihren Quartierwirten zu bleiben, um bei einem gemütlichen Abend die bewährte Hamburger Gastfreundschaft zu genießen. Auch der Sonntag vormittag gehörte den auswärtigen Gästen. Leider verhinderte ein entfeßliches Nebel- und Regenwetter, das bekannte Hamburger Schmierwetter". eine allzu große Aktivität. Um 11 Uhr versammelte sich in Sagebiels Etablissement, dem feinerzeit größten Saale Deutschlands. die Mitglieder des Bundesvorstandes und des Reichsausschusses des Reichsbanners, die Vertreter der Gaue, die eingeladenen Gäste und etwa 40 Hamburger und auswärtige Pressevertreter zu einem weihevollen Festakt. Auf dem großen Podium hatte das Bundesbanner, die roten und schwarzrotgoldenen Fahnen des österreichischen Republikanischen Schutzbundes, sowie die alten 48er Fahnen Aufstellung gefunden. Der Saal selbst war in den Nationalfarben und in den Farben der Länder und Provinzen geschmückt. Als erster Redner ergiff das Wort Bürgermeister Dr. Carl Petersen- Hamburg: Ich grüße Sie mit herzlicher Freude namens des Genats dieser alten freien Stadt, deren Bürger ihre Unabhängigkeit in hanseatischer Talfraft durch die Jahrhunderte hindurch zu wahren gewußt haben. Wir sind stolz auf diese Tatsache, wie wir stolz auf das sind, was im Zeichen dieser Bürgerfreiheit von Hamburg geschaffen worden ist. Aber wir verkennen feinen Augenblick, daß wir ohne die Arbeit des gesamten deutschen Volkes weder das geworden wären, was wir sind, noch es in der Zukunft bleiben fönnen. Einheit ist die Voraussetzung der deutschen Kraft. Einheit nicht nur der deutschen Stämme, die sich in der deutschen Republik vereinigen, sondern Einheit im Fühlen, Denken und Handeln aller, um die fich das Band deutscher Sprache und deutscher Kultur schlingt. Aus dieser Erkenntnis heraus rufe ich den hier anwesenden Brüdern aus Deutsch österreich noch ein besonderes, aus tiefem Herzen tommendes Willkommen zu. pererben wollen. Wir haben in Weimar die schwarzrotgoldenen Farben in der Hoffnung gewählt, daß sich die Sehnsucht einmal erfüllen möge, die an sie seit vielen Geschlechtern gefnüpft ist. Das ganze Deutschland soll es sein. Das ganze Deutschland wird es sein. Das ist der Glaube, den wir in die Herzen der deutschen Jugend Das ganze Deutschland soll es sein! Was ist anders geworden im deutschen Baterlande, seit sich unser Volk mit überwältigender Mehrheit die Verfassung von Weimar schuf? Ich will nur darauf hinweisen, daß heute die überwältigende Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft hinter dem Reichsbanner marschiert unter der Parole: Für den deutschen Volksstaat, getreu seinem Grundgesez von Weimar bis zum letzten Atemzug. Das tun diese Abertausende in der Erkenntnis: Das ist unser Staat! Wirdas Volk find die Quelle seiner Kraft! Ich sehe im deutschen Volksstaat die Bürgschaft für die deutsche Zukunft, denn die Kraft eines Volkes und die Stellung einer Nation in der Weltpolitik und der Weltwirtschaft wird bestimmt von den Willenskräften, die hinter seiner Staatsidee stehen. Reichsbannerleute vor die Front, wo der Friede im Innern und Aeußern bedroht ist. Reichsbannerleute vor die Front, wenn es gilt, das Deutschland der Zukunft zu schaffen, in dem die Not nicht zu Hause sein soll, wie in dem der Gegenwart. Mir scheint es ein ganz besonderes Verdienst des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold zu fein, daß es der deutschen Einheitsidee eine Armee von entschlossenen Kämpfern zugeführt hat. Bauen Sie mit am Bau des neuen Reiches, daß es eine feite Burg werde, die die Jahrhunderte überdauert. Ihr Staat ist es, um den es geht. Unser aller Schicksal ist es, das von uns geformt und geschmiedet wird im Feuer unserer Baterlandsliebe, in der Glut unseres Volksgefühls, in der Flamme unferes Glaubens an die Kräfte unseres Volkstums. inend Senator Eisenbart begrüßte im Namen der Gauleitung des Gaues Hamburg- BremenMordhannover die Anwesenden und dankte den Kameraden, die in fo großer Zahl aus allen Gauen des Reichs herbeigeeilt waren, um den Tag der zweiten Bundesgründungsfeier zu begehen, aufs herzlichste. Bitterste Not, so sagte der Redner, ist in unserm Lande und in den Reihen unserer Kameraden. Wir haben Ortsgruppen mit 60 Proz. Erwerbslosigkeit unter den Kameraden. Mit einer Opferwilligkeit ohnegleichen, mit einem Opferfinn, der nie vergessen werden darf, haben die Kameraden zum Teil unter den größten Entbehrungen die Teilnahme an dieser Gründungsfeier doch möglich gemacht. Dafür gebührt ihnen tiefer Dant. Mit ganz besonderer Freude und ganz besonderem Dank begrüße ich unsere Brüder und Kameraden des Republikanischen Schußbundes aus Desterreich. Wenn uns auch noch die Grenzpfähle trennen, die innerliche Verbundenheit und Stammesgemeinschaft ist hergestellt und kann nicht gestört werden. Ein halbes Hundert Re publikaner hat vor zwei Jahren in Magdeburg unter der Führung unferes jezigen Bundesvorsitzenden, Otto Hörfing, die Fundamente gelegt zu dem jetzt so stolzen Gebäude unseres Bundes. Vor einem Jahre standen in Magdeburg 130 000 Männer und Jünglinge auf dem Domplatz und legten ein Gelübde ab für die deutsche Einheitsrepublik. Lobeshymnen auf eine kleine Anzahl Führer werden hier ange= Heute wird fein rauschendes, pruntvolles Fest gefeiert. Keine stimmt. Hier huldigen hunderttausende republikanischer Bürger dem neuen Staat! Nach dem Gauvorsitzenden ergriff als nächster Redner das Wort Bundesvorsitzender Hörfing: Heute ist das Reichsbanner zwei Jahre alt, und wir begehen unsere Gründungsfeier auf historisch republikanischem Boden. Hamburg hat als Republik die Monarchie, die Kaiferzeit überlebt. Auf diesem Boden, in dieser historischen Stadt begrüßt der Bundesvorstand die Vertreter der Gaue und unsere Gäſte. Eine Woche nach unserem Magdeburger Tage schloß der deutschen Republik erster Präsident, Friedrich Ebert, die Augen für immer, tief betrauert von uns allen. Der nun folgende Wahlkampf um den Plaz des Reichspräsidenten fand uns bis auf den letzten Mann auf dem Plan. Die Reaktion siegte mit Hilfe der Reaktionäre in allen Parteilagern. Die Kommunisten erwiesen sich als deren beste und sicherste Stütze. Reichspräsident von Hindenburg leistete den Eid und übernahm den Platz des ersten Reichsbeamten. Als Hoffnung der Reaktion, als deren ,, Retter" war er gekommen. Und welch ein Bild heute! Wenn der Feldmarschall den Bertrag von Locarno tagsabgeordnete Profeffor Dr. Meyer, Borsigender der preußischen unterschreibt, dann lassen wir ihn fallen!" sagte wörtlich der LandLandtagsfraktion der Deutschnationalen Volfspartei. Diese Leute haben den Retter", ihren Feldmarschall" nicht nur fallen gelassen, sondern ihn sogar beschimpft und intrigieren in der erpräsidenten von der ersten Stunde an die Achtung entgegengebracht, bärmlichsten Form und Art gegen ihn. Wir haben dem ReichsDie dem Oberhaupt der Republik gebührt. Der Wahlsieg bei der Reichspräsidentenwahl flößte der gesamten Reaktion neuen Mut ein, die nun mit allen Kräften gegen uns anrannte. Der vorjährige Berfaffungsfag in Berlin, der einen Aufmarsch von mindestens einer Million Republikanern brachte, zeigte den Reaktionären aller Richtungen, daß sie mit gedämpftem Trommelschlag zu marschieren haben. Die deutsche Justiz, über die ich vor einem Jahre so bitter tlagte, hat ihr graufames Spiel gegen uns fortgelegt. Von den endlosen Prozessen, die alle nach einer Schablone geführt werden, seien nur die von Striegau und Grevesmühlen erwähnt, und man hat das Bild unserer heutigen Justiz mit ihren in der Mehrheit monarchistisch eingestellten Richtern und Staatsanwälten in aller Nacktheit vor sich. Arm in Arm mit den gegnerischen Verbänden, mit dem größten, dem monarchistischen Teil der Justiz sahen wir leider auch einige Länderregierungen im Kampfe gegen uns republi fanische Frontfämpfer! Troß allem aber, troß der zahlreichen Gegner und des wütenden Kampfes gegen uns haben wir im letzten Jahre nicht nur unsere Organisation vertieft, verankert und gefestigt, sondern wir haben auch im letzten Jahre eine halbe Million Mitglieder gewonnen. Der stärkste Zuwachs war dort, in jenen Ländern, wo auch die Regierenden mit aller Schärfe gegen uns stehen, zu verzeichnen. Schwer lastet die wirtschaftliche Not auf der überwältigenden Mehrheit unserer Volksgenossen. In einer Zeit, wo Kopf- und Handarbeiter, Sozial- und Kleinrentner darben, das mehr als zwei Millionen betragende Heer der Erwerbslosen die allerbitterste Not leidet, wirken die Forderungen der ehemaligen deutschen Fürsten wie eine Herausforderung und sind ein Skandal ohnegleichen. Daß dieselbe Justiz, deren Mehrheit gegen die Republik mit allen Mitteln arbeitet, auf Anruf gegen die Länder und für die ehemaligen Jürsten entscheidet, ist nichts anderes als eine Provokation des Volkes im allerübelsten Sinne, wenn nicht gar noch mehr. Niemand anders als die ehemaligen Fürsten, die Justiz und die berufsmäßigen Fürstendiener und-kuechte tragen die Schuld, wenn es jeht zu schweren Auseinandersetzungen zwischen dem notleidenden Bolf und den ehemaligen Fürften tommt. Wir werden in diesem Kampfe wie ein Mann gegen die Fürsten stehen; denn wir wollen nicht, daß diese Leute für alle Ewigkeit aus dem Ertrag der Arbeit des deutschen Volkes leben. Die deutschen Fürsten haben der Nation genug geschadet. Jest sollen auch sie sich endlich anschicken, von ehrlicher Arbeit und nichts anderem zu leben. Im Innern des Landes werden wir machen. Den republikanischen Regierungen sagen wir frei und offen: Sollten die Reaktionäre von rechts und links, die Femeorganisationen, die Nikolaier usw. es wagen, gegen die Republik anzurennen, dann wird neben der legalen Staatsgewalt das Reichsbanner Schwarz Rot Gold als ihr Bundesgenoffe, als das festeste Bollwerk der Republik stehen, kämpfen und siegen! Hierauf trat, lebhaft begrüßt, der preußische Ministerpräsident Otto Braun an das Rednerpult. Er führte etwa folgendes aus: # Gerade der Umstand, daß die Gründung des Reichsbanners einem dringenden, von den großen Massen der republikanischen Be völkerung tief empfundenen Bedürfnis entsprach, gewährleistet auch feine Lebensfähigkeit. Solange die deutsche Republik noch nicht von allen Teilen des deutschen Bolles als etwas Selbstverständliches und Unabänderliches betrachtet wird, solange die Republik nod) den heftigsten Angriffen ausgesetzt ist, solange müssen sich die Republifaner zur wehrhaften Verteidigung des neuen freiheitlichen Staatswesens zusammenscharen. 4000 Fahnen. Sie müssen den lebenden Schuhwall um den stolzen Wie lebensnotwendig dieser Bau der deutschen Republik bilden. Schutzwall, fein weiterer Ausbau und feine innere Kräftigung ist, haben die vergangenenen Jahre zur Genüge bewiesen und beweisen auch wieder die Tatsachen, die über das abscheuliche Treiben der Fememord und anderer sogenannter vaterländischer Organifationen neuerdings bekanntgeworden sind und den Abscheu aller Gefitteten ausgelöst haben. Leider stellen sich einzelne Organe der Rechtspflege in völliger Verkennung ihres hohen Berufes schühend vor diese Feinde der Republik und verhindern es, entgegen dem Staatsintereffe, daß mit dem hellen Licht der Deffentlichkeit in das dunkle Treiben diefer verbrecherischen Elemente und vornehmlich ihrer Hintermänner hineingeleuchtet wird.. Zum Glück gibt die republikanische Verfassung die Möglichkeit, auf parlamentarischem Wege die Schleier zu zerreißen, in die diese Justizorgane, sehr zum Schaden für das Ansehen der Justiz, bemüht sind, das Treiben gewisser nationalistischer Elemente einzuhüllen. Gerade das Reichsbanner, das rückhaltlos auf dem Boden der für unser heutiges Staatswesen geltenden republikanischen Verfassung steht, stellt die Keimzelle dar, aus der allein sich die Einheit Deutschlands und ein großes einiges deutsches Volk entmideln fann und entwickeln wird. die alte Fahne. Wir dulden aber auch nicht, daß die neue Fahne, Auch wir Republikaner achten die Tradition und schänden nicht das Banner der Republik, von nichtsnutzigen Burschen geschände Beit achten wir die alte Fahne. Wo aber diese alte schwarzweiß und beschimpft wird. Als geschichtliches Attribut einer überwundener rote Fahne als Kampf- und Parteifahne von denen entfaltet wird, die die Republik bekämpfen, da muß sie mit allen zu Gebote stehen. den Mitteln befämpft werden. Man rebet jetzt sovie! von der Abfindung der Fürften. An sich ein betrübendes Zeichen von der politischen linreife des deutschen Volkes. Denn im Grunde hat das deutsche Volk überhaupt nicht abzufinden. Abzufinden haben allein die etwa zwei Dizend. ehemaligen Monarchen, und zwar haben fie fich abzufinden damit, daß ihre monarchistische Herrlichkeit in Deutschland ein für allemal und unwiderbringlich verloren ist, und daß sie wohl in absehbarer hören wird.( Stürmischer Beifall.) Zeit in ganz Europa zu einer überwundenen Geschichtsperiode ge= Sie haben sich weiter abzufinden damit, daß die Zeit vorüber ist, wo sie ganze Völker beherrschen und in das Verderben mörderischer Kriege treiben fönnten. Und sie haben sich endlich abzufinden damit, daß die Zeit vorüber ist, wo sie mit den ihnen anhängenden Schmaroßern auf Kosten des schmer arbeitenden Volkes ein Wohlleben volier Pracht und Herrlichkeit führen konnten. Und schließlich müssen auch alle die in knechtseliger Fürsten, dienergesinnung Befangenen fich domit abfinden, daß iene angeblich herrliche Zeit nicht wiederkehrt, in der knechtische Untermürfigkeit, Eitelkeit und Eigennutz die hervorstechendſten Eigenschaften einer gewissen Sorte deutscher Staatsbürger maren, fie müssen sich damit abfinden, jezt dem Volke und dem Staate zu dienen.( Wiederholter stürmischer Beifall.) Die Millionen, die durchdrungen von der großen republikanichen Idee sich ohne Unterschied der Partei unter dem neuen Banner zusammengeschart haben, sind berufen, den einigen deutschen wahrhaft nationalen willen zu schmieden, der in seiner vollen Auswirkung allein das deutsche Volt aus der Trübsal der Gegenwart einer freudvolleren, lichteren Zukunft entgegenführen wird. Un in diesem Gedanken rufe ich zum Schluß allen Kameraden des Reichsbanners aus vollem Herzen zu ein kräftiges Freihei!! Preußischer Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff, der nach Braun zu Worte fam, behandelte ein Thema, das als Grundlage die Idee einer inneren Rechtfertigung der Republik und der republikanischen Berfassung hatte. Biemards Wort, daß das deutsche Volk eine Monarchie haben müsse, sei ein großer Irrtum, dem nur eine sehr kleine Wahrheit beigemischt sei. Die Männer von 1914 haben bestimmt nicht für die Monarchie gekämpft. Das Bolt von 1813 hat feineswegs allein die Befreiung Dom französischen Joch, sondern vor allen Dingen für eine politische Freiheit, eine Verfassung gekämpft. Die sehr kleine Wahrheit besteht darin, daß der Untertan alter Prägung, der Mann mit der nechtsgesinnung vor den Fürsten einer eigenen, hingebenden und tiefen Liebe zu dem eigenen Bolf nicht fähig sein fann. Das ist nur möglich in einem wahren Bolts- und Freistatt, einer Republik! Als letzter Redner sprach der badische Finanzminister Dr. Köhler: Die herzlichsten Grüße, die ich vom Rhein bringe, sind die Wünsche eines allzeit demokratischen Voltes. Für für ein Jahrhundert unentwegter demokratischer einen Badener ist es eine freudige Pflicht und eine stille Anerkennung Gesinnung des Landes, wenn er heute beim Sturmtrupp der deutschen Republik zu entschlossenen Männern offen reden darf. Gerade der Südwesten Deutschlands hat stets hart gefämpft und Opfer gebracht für die deutsche Freiheit und Einigkeit. Das Parlament der Paulsfirde nahm seinen Ausgang von Heidelberg. Das Sturmjahr 1848 brauste über Europa dahin. In meiner Heimat floß das erste und wahrlich nicht das schlechteste Blut für die deutsche Republik. Heute noch verfünden verschämte Leichensteine, weil eine wüste Reaktion fein Ehrenmal duldete, von dem Kampfe der ins Land gerufenen preußischen Sol daten gegen die eigenen Landesfinder. Und als es galt, das Bismardsche Reich zu gründen, da war es Baden, das als erftes bereit war, für die Freiheit des deutschen Volkes die größten Opfer zu bringen und sie auch tatsächlich gebracht hat. Es kam die Staatsumwälzung des Jahres 1918. Jm März 1919 stand bereits, von der Nationalversammlung genehmigt, die neue republitanische Berfaffung Badens da. Die Abfindung mit seinen Fürsten aber hatte das badische Bolt bereits vollzogen. Fest und in ruhiger Entschlossenheit steht Badens Bolt auf feinem harten Bosten: nach innen als stärkster Hort republikanischer Gesinnung und Betätigung, nach außen als altes Grenzland gegenüber dem stammverwandten Schweizer Bolt, als neues Grenzland gegen Frankreich. Nicht allein als ein starrer Wall mit tiefem Graben, sondern als eine lebendige Brücke fassen wir unsere Mission auf, über welche Menschen und Gedanken des Ausgleichs hinüber- und herüberziehen. Ein ftetes Geben und Nehmen, das, fo Gott will, einst dazu führt, daß die beiden großen Völker Europas sich verstehen und verständigen. Uns aber ist ein Symbol für ferne Zeiten, daß in des Badnerlandes schönster Erde Frih Ebert, der deutschen Republik erster Präsident, ruht. Sein Grabmal ist ein Pfand des badischen Landes, treu jederzeit der deutschen Republik zu leben. Die Republik selbst hat in unbegreiflicher Langmut ihr Haus in weitem Umfang den Feinden der Republik überlajen, die darin schalten und walten nach Belieben und mit den Mitteln der Republik die Republik bekämpfen. Die Zahl derer wachst in Deutschland, die die Meinung vertreten, für die Republi. kaner sei die Verantwortung, für die Monarchist en aber seien die Stellen an der staatlichen Futtertrippe. Das muß anders werden, hier muß Wandel geschafft werden. Eine tiefe Verbitterung geht durch weite Kreise unseres treuen Bolles. Fememorde und Fürsten abfindung sind zwei leuchtende Fanale. Täusche man sich nicht. Unser Bolt ist aufgewühlt und erbittert im Innersten über diese Ungeheuerlichkeiten, die seinem natürlichen Rechtsempfinden geradezu Schläge verfetzen. Jezt, Reichsbannerleute, vor die Front! Ihr müßt Hand an legen, bas Boltsdeutschland unferes Sehnens zu gestalten. injere Reichsbamerbewegung darf nicht nur eine Abwehrarmee bleiben und damit in Erftarrung fallen, fie muß angreifen und ergreifen, merben und wirken, denn mit ihr zieht die Zukunft. Ist es nicht ein Unterpfand kommender Erfüllung, daß die deutschen Geistigen mit den Männern vom Reichsbanner einig denken von Gerhart Hauptmann bis zu dem stürmischen Gesandten des Weit friedens, Friß von Unruh? Behaltet die Einigkeit und jetzt euch Ziele! Ihr feld eine deutsche Hoffnung, jeht, baß ihr nicht nur eine Hoffnung bleibt. Ein entscheidendes politische's Brogramm des Reichsbanners muß der Wegweiser der Republik werden. Birket, auf daß cure Kindeskinder den deutschen Ostertag erleben: frei der Rhein, mählig das Reich und immerbar die Republik!( Brausender Beifall.) Mit der vom Volkschor Barmbeck vorgetragenen republi Mit der vom Volkschor Barmbeck vorgetragenen republi. fanische Hymne mit dem Tegt von Karl Bröger, die auf Ver, langen des begeisterten Bublifums wiederholt werden mußte, und mit Dankesworten von hörsing schloß die erhebende Beran staltung. zu gleicher Zeit hatte in dem großen Gaal des Gewerkschafts. hauses eine Parallelveranstaltung stattgefunden, in der Reichtagspräsident Löbe und Bürgermeister 13ichler aus Wiener Neustadt sprachen. Auch diese Veranstaltung nahm einen erhebenden Berlauf und hinterließ bei allen Teilnehmern einen starten, nachhaltigen Eindruck Inzwischen hatten sich die Kameradschaften aus ihren Quartieren mit ihren Fahnen, Abzeichen, Musikkapellen nach der riesigen Versammlungsstätte im Freien, dem Lübecker Torplay, in Marsch gesezt. Pünktlich zur festgesetzten Zeit ein Beweis für das ausgezeichnete Funktionieren des Aufmarschplanes war der gesamte Aufmarsch vollzogen, der, wie sich nach späterer Auszählung ergab, 130 000 Reichsbannerleute umfaßte. Eine unabsehbare vortrefflich geordnete Menschenmasse, aus der überall die Fahnen und Abzeichen hervorragten. Zu dieser friedlichen und doch gewaltigen Armee des republikanischen Deutsch land sprachen, durch Lautsprecher über den ganzen weiten Platz bis in die fernsten Eden verständlich, Bundesrorfizender Oberpräsi dent Hörfing, Reichstagspräsident Löbe, preußischer Wohlfahrtsminister Hirtfiefer, anhaltischer Staatsminister Dr. Weber und Bürgermeister Pichler aus Wiener- Neustadt. Pünktlich, wie sie begonnen hatte, war zur festgesetzten Zeit diese machtvolle Demonstration beendet. Nun begann an dem Bundespräsidium ein Borbeimarsch diefer Maffen, der, um ihn nicht bis in den späten Abend ausdehnen zu müssen, sich in Behner, 3wölfer- und sogar Bierzehnerreihen vollziehen mußte und dann noch etwa 3 Stunden dauerte. Ganz Deutschland, von Königsberg bis Schleswig und bis tief in den Süden nach München und Desterreich, ließ hier seine Söhne vorbeimarschieren Da war nicht ein Land, nicht eine Propinz, nicht eine Stadt oder kaum ein Städtchen, die nicht durch Fahnenabordnungen vertreten gewesen wären. Machtvoll und im ponierend marschierte Magdeburg mit 3000 Mann und einem Musik-, Trommler- und Pfeiferchor von 300 Mann auf. Berlin mit seinen 1000 Mann machte guten Eindruck Kiel hatte prachtvolle Fanfarenbläser, die Musikkapelle der Desterreicher leistete Ausgezeichnetes. Immer wieder erregte es Bewunderung und Rührung, wenn eine der alten, zerschliffenen 48. Fahnen vorbeigeführt wurden. Annähernd 4000 Fahnen wurden Im Zuge getragen, viele zu prachtvoll wirkenden Gruppen vereinigt. Hunderttausende von Hamburger Einwohnern, Zehntausende aus der näheren und weiteren Umgebung, aus den Provinzen Helstein, Schleswig und Hannover waren herbeigeeilt und fäumten undurchdringlichen Massen den Weg Nordwestdeutschland hat seinen großen republi tanischen Tug und Schwarz- Rot- Gold gehabt und dieser Tag wird für jeden, der ihn erlebt hat, unauslöschliche Eindrücke hinterlassen. Hier oben im Nordwesten hat der Gedanke der einen, einzigen und großdeutschen Republik einen überwältigenden Sieg da von getragen. Mussolinis Krieg gegen Frankreich. Cramon bestätigt. vorbeigegangen ist, eines Weltfriegs, für den Poincaré auf der einen Seite, Mussolini auf der anderen die Verantwor tung getragen hätten. Wirths Mahnruf an das Zentrum. Für den sozialen Volksstaat. Dorfmund, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Vor 15 000 Personen, vorwiegend katholischen Arbeitern sprach am Sonntag in einer vom Zentrum einberufenen Kundgebung in der Westfalenhalle in Dortmund Reichskanzler a. D. Dr. Wirth über„ Der 1oziale Boltsstaat". Seine Ausführungen waren ein starter Mahnruf an das Zentrum, alle Kräfte, die zur Republik stehen, zu sammeln und mitzubauen an einem Boltsstatt mit sozialer Gerech tigkeit; mit den Demokraten und den Sozialdemokraten zusammen den Weg zur sozialen Republik zu gehen. Denen, die da sagen, das Zentrum stehe doch auf dem Boden der Tatsachen, es sei doch eine Verfassungspartei, antworte er: Wer sich auf den Boden der Tatfachen stelle, set oft allzu gern geneigt, fich morgen mit anderen Tatsachen abzufinden. Attiv sein für die soziale Repu blit, lebendig sein, sei sein Mahnruf. Er wolle keine neue Partei gründen, aber sagen wolle er, daß die bestehenden Parteien nicht zu Friedhöfen würden. Wenn er mit dem Zentrum in offenem Kampf gelegen habe, dann nicht, weil das Bentrum dies oder das getan, sondern weil das Zentrum sich in den letzten Jahren in der Aktivität und in der Leidenschaft von anderen Parteien habe übertreffen lassen. Birth bat seine Freunde im Zentrum, keinen roten Kopf zu friegen, wenn er fordere: Eingliederung des modernen Proletariats Sie in den Staatsförper, gleichberechtigt und gleich verpflichtet. einzubauen in den Staatsförper mit den demokratischen Mitteln des Staates, nicht mit Diktatur, müsse sich die katholisch- ökonomische Auffassung mit den weltanschaulichen Auffassungen der Demokraten und der Sozialdemokraten vereinigen. So nur werde man auch verstehen, warunt er in den letzten Jahren mit steigender Berbitte= rung gegen die Bürgerblockbestrebungen gekämpft habe.„ Wir brauchen feinen Bürgerblod, wir brauchen sozial gesinnte Staats bürger." Die Republik ist nicht verloren, wenn es wirkliche Repu blikaner gibt. Bor furzem erzählte der rechtsradikale Schriftsteller 2. Stein im„ Tag" und anderen Zeitungen, während des Ruhrkampfes sei Mussolini durch seinen Emissär, den General Capello, zunächst an die deutschen Rechtsverbände, dann auch an die deutsche Regierung herangetreten mit dem Anerbieten, Italien werde Deutschland zum Krieg gegen Frankreich bewaffnen. Mussolinis Plan sei damals gewesen, Frankreich einzufreisen und vernichtend zu schlagen, und erst infolge der Abneigung Deutschlands, auf diesen Plan einzugehen, sei der Duce ein Feind Deutschlands geworden und habe seinen faschistischen Feldzug gegen Südtirol begonnen. Als den deutschen Mittelsmann, durch den sich Capello in die deutsche Regierung wandte, nannte Stein den GeneralMussolinis Auftrag an die deutschen Rechtsverbände und an leutnant D. Cramon. Cramon wurde bald darauf von einem italienischen Journalisten interviewt, erklärte aber, einstweilen nichts sagen zu wollen. Inzwischen scheint er sich die Sache überlegt zu haben, denn er veröffentlicht in jegt in der Sonntagsausgabe der Kreuzzeitung" einen Artifel über Mussolini, der neben politischen Allgemeinheiten auch die folgenden Säße enthält: Aber Muffolini ist ja wandlungsfähig. Wie er felbit im Laufe seines Lebens verschiedene Färbungen angenommen hat, so sind seine Sympathien wandelbar. Bielleicht läßt er sich durch seinen ehemaligen F eund und Diener, den General Capello, der gegenwärtig wegen ds angeblichen Attentatsverfuches auf den Duce verhaftet wurde, mimche Begebenheiten aus seinem Leben ins Gedächtnis zurüdrufen! Man wird diese Aeußerung nicht anders auffassen können, denn als eine deutliche Bestätigung der Behauptungen Steins. Generalleutnant v.. Cramon bestätigt also, daß ber italienische General Capello während des Ruhrkampfes an ihn herangetreten ist mit dem Angebot der Bundeshilfe für Deutschland in einem sofort zu beginnenden Krieg gegen Frant reich. Nachdem Herr v. Cramon zu reden angefangen hat, ist er verpflichtet, alles zu sagen, was er weiß. Und wird M u ssolini schweigen fönnen? Er wird, wenn er zu reden beginnt, versuchen, den General Capello abzuschütteln, wir haben jedoch Grund zu der Vermutung, daß ihm das nicht gelingen wird. Die Welt hat ein Recht, zu erfahren, ob sie vor zwei Jahren wirklich am Abgrund eines zweiten Weltkriegs knapp Sturmflut" von Alfons Paquet. Filmfläche erfcht. Man spricht z. B. von Boltsaufzügen in China. Wolfsbühne. Eine neue Welt, die dem Drama gewonnen werden soll. Aber ein neuer Stil? Das Thema darum die russische Revolution. Noch ist nur die große Hoffnung da. Vorhanden ist zunächst allein nur die überschwängliche Sehnsucht danach, daß alle Völker auf der Erde sich verbrüdern. Diese gewinnende Phrase klingt zunächst. Sie flingt sogar etwas monoton. Die bisher Regierenden, denen das Geld und die Macht in den Händen blicben, überlisten die einfachen Naturfinder, die diese neue Welt aufbauen wollen. Diese geschickten Verführer sind in den Augen Baquets englische Imperialisten, die mit ihren Kapitalistenschlichen über das entfräftete Rußland herfallen. Imperialisten wollen den Gemeinschaftsidealisten ihre Hauptstadt durch Schwindel entreißen und ganz Rußland zur britischen Kolonie machen. Doch langsam fommt das Erwachen der primitiven Glückssucher, die den Segen der Heimaterde erkennen. Plötzlich wollen sie sich von dieser Sklaverei befreien. Führer der Primitiven ist der schlichte Riese, der Matrese, der mit seinen Riesentaßen und seinem weichen Herzen die Scholle wieder an sich reißt. Die Dieser Kampf wird auf der Bühne ausgefämpft. Zunächst sehr aufregend. Die Fragefteliung reizt unendlich. Auch an Buntheit fehlt es nicht. Die Typen des imperialistischen Briten und des idealen Urfommunisten und des sentimentalen Ueberpatrioten und das Weibervolt, das sich mit ihnen gattet, balgt und phantastischen Träumereien hingibt, all dieser geistige und lärmende Aufwand feffelt ungemein. Dazu noch in der Berson eines Ewigen Juden die Goldgier und die Tyrannet des Goldes symbolisiert. Und aus dem Shylock wächst die Milde. Und auch die Milliarden speiende Bosheit wird zum Herold der Ideale und des Bürgerstolzes. Das Chaotische scheint allein Zukunft zu rersprechen, wenn die Menschen ganz wie die Kinder werden. Das würde alles ein großartiges, wenn auch ein konstruiertes Beitgemälde allerjüngster Bergangenheit liefern. Es würde bühnenräumliche Plastik werden, die geistreichste und gütigste Geschichtsphilosophie. Es zeigt sich aber, daß die Theatertalente des Dramatifers Paquet nicht ausreichen. Soll der Knoten zersprengt werden, der so hübsch gebunden wurde, dann wendet der Dramatiker Methoden an, die sich bei näherem Zusehen als Kuiffe eines Schwäch lings entlarven. Der Menschenlärm und der Bühnendonner verfagen. Die geschwollene Redensart bleibt allein übrig anstatt der Kundgebung des großen Gefühls. Naturstimmen, Naturfolorit, Be tenntnisse, Aburieilung und Hinrichtung der Kräfte, die in diesem entschieden gesuchten und gefundenen Zukunftsreich ausgerottet werden müssen, alles das wird schließlich zur unsicheren Theaterspieleri. Ergebnis: die dichterischen Kräfte des Globetrotters und Dramatifers versiegen und versagen. Doch es lockte den Regisseur, den wirklich erfindungsreichen Regisseur Erwin Piscator, überall mitzuhelfen, damit die ganz leicht fühlbaren Schwächen des Stückes verschwinden. So jagt er denn die Massen des Aufruhrs mit Gewalt durcheinander. Er er findet, was die revcutionären Ruffen schon einmal im Theater angebracht haben, den Gebrauch der Kinoleinewand für das Sprechtheater. Der sonst starre Prospekt wird durch die Beweglichkeit der Filmfläche ersetzt. Man spricht 3. B. von Bollsaufzügen in China. Sofort mimmelt die Riejenarmee der gelben Menschen über die Leinewand. Und die Echiffserplosionen und die Aeroplane, die iber das Firmament flatiern, und der Sowjetwimpel, den der Wind knutet, alles das wird Kinolebendigkeit. Es geht entschiedener Anreiz von diesem Schaustück aus. Doch auch diesmal fann die Technit nicht den Geist ersetzen, meder finotechnisch, noch radiotechnisch. Die Kräfte, die das Drama schaffen, stammen eben aus einer tieferen Heimlichkeit. Die jahrtausendalte Energie, Bildlichkeit und Buntheit des gesprochenen Wortes ist eben nicht zu beseitigen und zu ent behren. Alles andere, was der Regisseur ausheckt, ist nur amisant, meistenteils auch nur Mumpig oder Reißerei. Die Schauspieler müssen sich in diesem Spiel wie in einem Käfig fühlen. Ihre Rollen werden nicht umschrieben durch den Bogengang des Gefühles und der inneren Entwicklung. Die Schau spieler haben nur Bariationen über das Gedankenthema zu sprechen, das der Dramatiker jedem der Typen in den Mund legt. Troßdem überwanden die Schauspieler die Starrheit, die ihnen soviel Zwang auflegte. Heinrich George, ein Matrose und Vollstribun, der durch die Gradheit seiner Rede und durch die blühende Erfindungsfraft seines sozialen Empfindens die ganze gedrückte Erde zum Lächeln bringt. Dieser Schauspieler ist wirklich eine ständig wachsende straft. Alexander Granach liebt die Stücke, die so leidenschaftlich in der sozialen Phrase schwelgen. Es scheint, daß er mit besonderem Ernst an derartige Rollen herangeht. Sein Ewiger Jude, Träger der Habsucht und schließlich Träger der Bekehrung zum Bürgerfinn, dieser erst verwaiste und schließlich doch gerettete Synlod unserer Lage wirkte denn auch ungewöhnlich bewegend. Von den Frauen hätte Maria eito, die paffionierte Frau der kommunistischen Masse, noch stärker und wilder aufregen tönnen, wenn Krankheit fie nicht beengt hätte. Frau Leito wor stofheiser, fie opferte ſich trotzdem. Man muß ihr danten. Mar Hochdorf. wiederholt unterbrochen. Nach der Kundgebung bewegte sich ein Von stürmischem Beifall wurde die Rede Wirths begleitet und langer Reichsbannerzug mit vielen schwarzrotgoldenen Fahnen durch die Straßen der Stadt. Mittelmann, der Amerikafahrer. Ganze vier Wochen war der Boltsparteiler Dr. Mittelmann Nordamerika. Diese Zeit hat für einen Mann seiner Begabunggenügt, alle politischen, sozialen, fulturellen Probleme des riesigen Bandes zu studieren und in endlosen Aufsägen seine Meinung in der Presse von sich zu geben. Unser Bruderblatt in Milwaukee, der Borwärts", ist über Herrn Mittelmann so erbost, daß es ihn für den oberflächlichsten Schwäger erflärt, der ihm jemals vorgekommen sei. Daß diefer Volksparteiler jede Gewissenhaftigkeit vermissen läßt, beweist er neuerdings in in einem in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Auffah, wo er dem Reichstagspräsidenten Benoffen Löbe alfoholfreundliche Worte gegen die Prohibition in den Mund legt, die dieser schon vor Wochen unter Darstellung seiner wirklichen Meinung als eines Freundes des Gemeindebestimmungsrechts in vielen Zeitungen, u. a. auch im Vorwärts", als falsch zurüdgewiesen hat. Man sollte toch von einem Reichstagsabgeordneten soviel Ge wissenhaftigkeit und Loyalität erwarten, daß er nicht mit obffurem Material arbeitet, wenn er den Präsidenten des Parlaments öffent lich zitiert. Diffmanns Marinerede unschädlich zu machen, bleibt nach wie vor das heiße Bemühen der Reaktion. Nachdem der Versuch, sie zu unterdrücken, vorbeigelungen ist, wird binnen 14 Tagen eine Gegendie Broschüre mit Dittmanns Rede. An der Stelle der Bilder der broschüre erscheinen, die die gleiche Aufmachung zeigen wird, wie beiden erschossenen Matrosen werden die Porträts von Dittmann und Emil Barth zu sehen sein. Berfasser des albernen Machwerts ift- Emil Kloth. achtet, es gehen Sonne und Wärme von Stimme und Haltung aus. Eine wundervolle Künstlerin, die mit dem ersten Ton zu sich bin zwingt und uns nicht mehr aus ihrem Banne läßt. In der Szene mit Maria Magdalena geschah es dann, daß die Oper zum Gottesdienst wurde: In blonder Schönheit fang die Difche wffa ihre Worte des Trostes, und das mar meit über den Moment, weit über den Wert des Werkes hinaus reichende Tiefenwirkung. Diese beiden Frauen Lehmann und Olschewska vermochten, aus Gefünfteftem höchste Kunst zu machen. Gotthold Gitter gefellte fich ihnen als schicksalhaft leidender Arcesius rührend hinzu. Eine Ueberraschung: Hans Zander dirigierte mit großer Bravour. Er hat das Recht, fich öfter in der Repertoiroper zu zeigen. Den weiteren Gaitspielen der Lotte Lehmann sehen wir mit größter Spannung entgegen. 2. S. Kammerlingh- Onnes ist Sonntag in Leyden nach kurzer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben, als Profeffor der Bhyfit an der Universität Leyden hat er sich besonders auf dem Gebiete der Erforschung ganz niedriger Temperaturen einen Namen gemacht. 1913 hatte er den Nobel- Preis erhalten. 1924 vertrat er die Niederlande auf dem Londoner Kältefongreß. Das Theater im freiesten Lande der Welt". Die Polizei von Los Angeles in Kalifornien hat auf Verlangen der Lehrerschaft und der Geistlichkeit ein Drama Don Eugen O'Neill ver boten und die 17 Darsteller des Stückes, das bereits seit zwei Wochen gegeben wurde, verhaftet. Die Borgänge des Dramas, in dem ein Greis eine junge Frau heiratet, die sich in ihren Stiefsohn verliebt, diesem ein Kind zur Welt bringt und sich schließlich tötet, wurde von den Antragstellern als unfittlich bezeichnet. Die ver. hafteten Schauspieler wurden gegen Stellung einer Raution von je 50 Dollar vorläufig freigelassen. Unjere jungen Dramatiter fönnen sich beglückwünschen, daß ihre Bronnen hier überfließen. Barbara Kemp bleibt der Berliner Etaatsoper erhalten. Sie wird in der Strauß- Woche zum ersten Mal wieder in der Staatsoper auftreten. Ausffellung ruffifcher Boltstunst. Solzschnitzereien, Solzmalereien und Spielzeuge ruifischen Ursprungs ftellt die Buch- und Kunsthandlung Reuß und Bollad( Surfürstendamm 220) zur Schau. Bei der 4. Tanz- Matinee der Volfsbühne wird neben der Tanzgruppe des Reußischen Staatstheaters in Gera unter Joonne Georgi auch ein Gefangschor diefer Bühne mitwirken. Die Matinee findet am Sonntag, den 28. Februar, vormittags 11%, 1hr, im Theater am Bülowplat statt. Ginlaßtarten 1 M. ,, Die fofen Augen."( Städtische Oper.) Man muß gewiß schon zwei lebende Augen zudrücken, um diese Toten Augen für fehr wertvoll zu halten. Zugegeben, es sei dieses Stück aus der Kompagniearbeit von Ewers und d'Albert ein schlimmer Reißer, mufifalisch eine nur dem äußeren Effekt dienende Arbeit, zugegeben, daß diefes Ganze fünstlerisch nur lebt von den Reizen der Lief. land"-Partitur, zu denen der Riese Wagner noch etwas hinzufügt. Dennoch ist Poesie in diesem Märchen, es schwebt reinigend eine herrliche Idee über den krassen Wunderdingen der Rahmenoper. Die blinde Frau, die, sehend gemacht, ihren häßlichen, tierhaft verwachsenen, aber gütigen Mann sieht, sich wieder von der Sonne blenden läßt, um im Dunkel ihrem Ideal weiter leben zu können das ist schön und menschlich empfunden. Myrtocle heißt dieses Griechenweib und für Lotte Lehmann aus Wien hat man diese Rolle hervorgeholt. Sie erhöht das Wunder ihrer mufifcnti- Spielzeit zu schließen, will der städtische Theaterausichuß versuchen, das schen Persönlichkeit, indem sie hier unglaubliches glaublich macht, indem sie blaffe Linien der Weichheit und Härte, des Sehnens und Erftarrtseins zur rechten Zeit bindet und bunt ausgestaltet. Die liebliche Stimme, zur hochdramatischen Leistung gar nicht geboren, wird im Hymnus an das Licht brünhildenhaft groß. Das Spiel ihrer Lippen und tastenden Hände ist edel, natürlich, flug beobFür die Erhaltung der Königsberger Oper sprach sich am Sonntag eine Bersammlung in der Königsberger Stadthalle aus. bom Goethebunde angeregte und von mehreren Tausend Personen besuchte Die Bielefelder Theatertrife. Entgegen dem Beschluß der Bielefelder Stadtverordnetenversammlung, das dortige Stadttheater mit Ablauf der Theater mit Beginn der Spielzeit 1926/27 zu verpachten. Er ersuchte ferner erneut zu prüfen, ob nicht die städtische Regie mit einem niedrigeren Zuschuß als 30 000. fortgeführt werden könne. Reform der englischen Orthographie? Baldwin ift eine Betition mit 15 000 Unterschriften überreicht worden, worin die Regierung ersucht wird, eine sonumiffion für die Reform der englischen Orthographie zu ernennen, Muster Grevesmühlen. Der Prügelpädagoge. Beginn des Prozesses gegen den Freiherrn v. Lükow. Hakenkreuzler- Ausschreitungen in Landsberg. Alf- Landsberg, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am In Moabit ist großer Tag" fünf Berteidiger, ein Sonntag vormittag tam es hier zu einer Schlägerei, die ein Nebenkläger der Mann, dessen geprügelter Sohn mit den AnTodesopfer und mehrere Schwer- und Leichtverlette forderte. In laß zum ganzen Strafverfahren gab ein Vertreter des Nebenbem Hotel Friedrichsluft wurde bis in den frühen Morgenstunden flägers, sieben Sachverständige und viel Presse. Im Zuhörerraum das Stiftungsfest eines Männergesangvereins gefeiert, an dem sich find noch einige Pläge zu vergeben. Das Publikum ist diesesmal auch Personen beteiligten, die ihre republikanische Ge gut bürgerlic. Der erste Eindruck des Angeklagten v. Lützow ist sinnung durch das Tragen eines schwarz rotgoldenen in wenigen Worten gezeichnet fünfzehn Monate Untersuchungs Bändchens im Knopfloch zum Ausdruck brachten. Schon während haft: entsprechende Gefichtsfarbe, haftige Bewegungen. Sonst breit der ganzen Nacht durchzeg ein größerer Trupp rechtsradikaler schultrig, von mittlerem Wuchs, großer Kopf, hohe Stirn. Alles junger Leute die Stadt, ohne daß sie von der Polizei daran in allem: In einer Galerie von Erziehern würde der Angeklagte ouch nur im geringsten gehindert worden wäre. In den ersten nicht aus dem Rahmen fallen. Zwei Momente scheinen den weiteMorgenstunden gingen die Prügelhelden daran, Teilnehmer an dem ren Gang der Gerichtsverhandlung vorauszubestimmen: die abgeStiftungsfeft, insbesondere Reichsbannerleute, zu übergebene Unbefangenheitserklärung des Lehrers, der als Schöffe Beifallen und ihnen die Abzeichen abzureißen. Es gelang dem Birt figer ist, und die Haftentlassung des Angeklagten. Man könnte zunächst, die Störenfriede aus dem Lokal zu weisen; als sie dann sagen: es herrscht vorläufig im Sigungssaal Berliner Borortaber auf der Straße eine junge Frau, die den Tonzsaal ver- ftimmung, der scharfe Moabiter Wind scheint draußen geblieben zu ließ, überfielen und mit einem Gummifnüppel blutig schlugen, sein. Ein Pädagoge als Beisitzer, drei Pädagogen als Sachver sowie ihre Verbrecherlust an den Hotelfenstern ausließen, strömten ständige liefern die Gewähr für eine gründliche und fachliche Er. die Festteilnehmer auf die Straße. Es tam zu einem allgemeinen örterung des fomplizierten Falles Lüßow, der einer juristischen, Handgemenge; die hatenfreuzler machten nicht nur von medizinischen und pädagogischen Wertung unterliegt. Eben solch Gummifnüppeln, sondern auch von Schußwaffen Gebrauch. eine Gewähr für eine ruhige und fachliche Untersuchung der fubSieben Verlegte mußten sich in ärztliche Hilfe begeben. Einer tilften Fragentomplexe des Prozesses scheint auch die Persönlichkeit der angreifenden Hafenkreuzler, ein Schmied aus Neuenhagen, erlitt des Vorsitzenden zu liefern. Aufmerksam, geduldig, objektiv und so schwere Kopfverlegungen, daß er nach seiner Einlieferung im nicht voreingenommen Beweis: Aufhebung des Haftbefehls-, Krankenhaus bald starb. lebenserfahren wird er wohl die Sprache finden, durch die die jugendlichen Zeugen veranlaßt werden fönnen, ohne Scheu die Wahrheit zu sagen, die den wirklichen Tatbeständen entspricht. Als Vorgeplänkel ist der Ablehnungsantrag der Verteidigung in bezug auf den Sachverständigen Dr. Moll zu betrachten. Mit dem medizinischen Sachverständigengutachten fällt und steht unter Umständen die Anklage. Von Lüzow glaubt sich durch eine Voreingenommenheit des Geheimrats Dr. Moll in feiner Lage gefährdet. Die Polizei traf erst ein, als das Unglüd schon geschehen war. Das Lotal wies nach dem Ueberfall eine geradezu unglaubliche Verwüstung auf. Stühle, Tische und Teller lagen zerbrochen zwischen den Glasscherben der zertrümmerten Fensterscheiben. Es ist anzu nehmen, daß im Laufe des Montags mehrere Berhaftungen in der Angelegenheit vorgenommen werden. Die französische Finanzreform. Opposition der Sozialisten. Paris, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Finanz fommission des Senats hat nach Anhörung des Finanzministers die Doumersche Zahlungssteuer mit 23 Stimmen bei 9 Enthaltungen angenommen, und die Beratung der Finanzvorlage Sonntag nach mittag zu Ende geführt. Außer dem von der Kammer votierten 1600 Millionen hat die Kommission im ganzen 3385 Millionen neuer, von der Kammer abgelehnter Einnahmen wiederhergestellt. Regierungsdruck auf die Kammer. Die Vormittagsfihung Fritz Zinke Kurz vor Redaktionsschluß erreicht uns die traurige Nachricht, daß unser langjähriger Expedient Genoffe Frig 3inte an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben ist. Genosse Zinke ben er mit unermüdlichem Eifer verfah. Bon 1900 bis 1912 war bekleidete seit dem Jahre 1906 den Posten eines Expedienten, er u. a. Mitglied der Agitationstommission für die Brovinz Brandenburg. Am 28. Januar feierte er seinen 65. Ge= burtstag und wenige Tage darauf ergriff thn die Krankheit, die jetzt seinen Tod herbeigeführt hat. Der Borwärts" verliert in ihm einen rührigen Mitarbeiter, die Partei ein eifriges Mitglied. " " ,, Lucia von Lammermoor" im Rundfunk. 3ettis Lucia", Lucrezia Borgia", Linda von Chamonis" Welches Theater spielt heute noch die großen Opern Donioder„ Die Favoritin"? Bielleicht die Wiener Staatsoper, die die Bettis eucia"," Lucrezia Borgia",„ Linda von Chamonis" Ueberlieferung der italienischen Oper pflegt, oder irgendeine italienische Opernſtagione. In Deutschland lebt Donizetti nur noch als der Komponist des Pasquale", des„ Liebestrant" und der Regimentstochter, man feiert in ihm den Komponisten geistreicher mufitalischer Komödien, Berdi hat ihn in der großen Oper verdrängt. Und doch kann man von ihm dasselbe fagen, was der füßen Melodien, die uns durch das Leben gleiten, die mir nie ver dänische Dichter Hermann Bang über Traviata" schrieb diese geffen können". Wir kennen alle die Melobien aus der Lucia", diese zauberisch zarten Klänge, vielleicht hörten wir sie im Café oder im Kino, vielleicht erinnern wir uns daran aus unserer Kindheit, als unsere Eltern fie fangen. Ja, in der ,, Lucia" ist viel Verstaubtes, Ueberholtes, romantisch Abgestandenes, ein Biergefang, den wir nicht mehr lieben, aber sie ist das Wert eines Genius, der reich an Cornelius Bronsgeeft zu danken, daß er dieses Wert übertragen Melodie war. Es ist dem Berliner Rundfunk und seinem Leiter Cornelius Bronsgeeft zu danken, daß er dieses Wert übertragen ließ und daß er beabsichtigt, weitere ältere italienische Opern wie Falle die Ergänzung zum Theater, das sich nicht dazu entschließen Bellinis, Norma" folgen zu lassen. Der Rundfunk bildet in diesem fann, auf diese Werke zurückzugreifen. Bon den Sängern stand an erster Stelle Eugen Transfy als Edgar von Ravenswood, ausgezeichnet dieses Mal in der Kantilene, die Stimme besonders in der Mittellage weich und voll klingend, Sabine Mayen als Lucia war in ihrem ersten Duett mit Edgar ausgezeichnet und fand sich mit der Wahnsinnsarie" zurecht, wenn auch manchen Koloraturen ofthon. Im ganzen geriet aber die Aufführung unter Georg die Leichtigkeit fehlte. Fleischer war ein zu sonor singender Lord Szell zu schwer troß vorbildlicher Exaktheit. Die Stadtverordnetenverfammlung hat in dieser Woche ihre Sigung am Donnerstag um 45 Uhr. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute vormittag furz nach 9 Uhr auf dem Potsdamer Ringbahnhof. Der 30 Jahre alte Rangierer Ernst Rottod aus Brig war mit dem Schließen der Türen eines ausfahrenden Zuges beschäftigt und wurde mit dem Mantel eingeflemmt. Er wurde mitgeschleift und geriet unter den Zug, Auf der naheliegenden Rettungsstelle in der Eichhornstraße fonnte nur noch der Tod des Verunglückten festgestellt werden. wurde mit einer großen Anzahl von Anträgen der Berteidigung aus gefüllt. Sunächst erhob sich nach Eröffnung der Sigung Rechtsanw. Dr. Stemmler und sprach die Bedenken der Berteidigung gegen die handlung aus, ohne einen formellen Antrag zu stellen. Bei Difzi Mitwirtung eines Lehrers als Schöffen an dieser Ber plinarverfahren sei es üblich, daß ein Angeschuldigter von Standes genossen abgeurteilt werde, bei Strafverfahren sei es jedoch umge. fehrt. Hier tritt der Fall ein, daß ein Beisiger felbft Er. zieher ist und bei der Verhandlung gegen einen anderen Erzieher In einer sozialistischen Bersammlung in Chalons erklärte Abg. mitwirken foll. Der Verteidiger bitte daher, daß der Beisitzer selbst Paul Faure, der Generalsekretär der Partei, daß nach dem entscheide, ob er unbefangen sei. Der Borsigende richtete an den neuen Auseinanderfallen des Kartells in der Kammer und nach Schöffen die entsprechende Frage und dieser erklärte ohne weiteres: den von der Finanzkommission des Senats gefaßten Beschlüssen die fühle mich durchaus nicht befangen." Die Berteidigung er. Ich Sozialistische Partei in die Opposition zurüdfehren werde. flärte hierauf, nach furzer Besprechung mit dem Angeklagten, daß fie feine Anträge zu stellen habe. Eine weitere Auseinander Faure fündigte an, daß nächster Tage an das Land eine Kundfehung entspann sich über die Zulassung des Schlächtermeisters gebung der Parteiinstanzen ergehen und die Gründe darlegen Matichte als Nebentläger. Entsprechend dem Antrag der werde, die die Partei zu diesem Schritte veranlaffen. Rechtsanwälte Dr. Ballentin und Dr. Frey wurde entschieden, daß dieser Nebenkläger nur für den seinen Sohn betreffenden Ginzelfall in Frage fäme. Nach längerer Beratung verfündete Amtsgerichtsrat Feußner, daß einem Antrage der Verteidigung stattgerichtsrat Feußner, daß einem Antrage der Verteidigung statt gegeben werde und das Gericht beschloß den Haftbefehl gegen den Angeklagten v. Lüzow aufzuheben, meil, obwohl ein Berbrechen in Betracht fomme, unter Berücksichtigung der Sachlage weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vorliege. Der Angeflagte hatte sich gemäß den Ausführungen der Verteidigung schrift aufzusuchen, noch mit den Zeugen schriftlich oder mündlich in Berlich verpflichtet, weder das 3offener Heim während des Prozesses fehr zu treten. Der Angeklagte v. Lüßow verließ hierauf die Anfchaften die Leitung übernahmen. Es wurde beschlossen, den Obflagebant und nahm auf einem Stuhl neben den Berteidigertisch Plaz. Aber noch immer fam das Gericht nicht zu einem Eintritt in die eigentliche Verhandlung, da die Verteidigung nunmehr mit Ablehnungsanträgen gegen verschiedene Sachverständige ins Feld rückte. Zuerst richtete sich ein Angriff von Rechtsanwalt Dr. Valentin gegen den Sachverständigen Geheimrat Dr. Moll. Auch die anderen Verteidiger schlossen sich diesen Einsprüchen gegen Dr. Moll in ausführlicher Begründung an, während Staatsanwalt schaftsrat Dr. Burczet dem Standpunkt der Verteidigung mit Entschiedenheit entgegentrat. Paris, 22. Februar.( WIB.) Der Homme libre" erfährt, Fi. nanzminister Doumer habe erklärt, die Regierung werde zurüd, treten, wenn die Kammer die vom Finanzausschuß des Senats wiederhergestellten Steuerbeſtimmungen ablehnen würde. Wahlerfolge der Linksparteien. Paris, 22. Februar.( Tul.) Die Erfahwahlen zu den Brovinzialgemeindevertretungen haben im allgemeinen einen Sieg der Linken gebracht. So wurde der frühere Finanzminister Marsal von dem Kandidaten des Kartells geschlagen. Bemerkenswert ist der Wahlfieg, der Kommunisten in einem Pariser Bezirk, in dem die Radikalfozialen faft 3000 Stimmen verLoren haben. Mussolini für Polens Ratssitz. Aus Rom wird dem Betit Parifien" gemeldet, Mussolini habe dem polnischen Gesandten in Rom versichert, daß die Warschauer Regierung bei ihrer Forderung nach einem ständigen Ratssitz für Bolen auf die Unterstügung Italiens rechnen könne. Gleichzeitig wird ziemlich bestimmt behaupet, daß Spanien einen ständigen Ratssig fordere. Eine solche Erklärung Mussolinis ist durchaus glaubhaft, da er boch jetzt wieder in Deutschland einen Feind sieht, den man auch im Bölkerbund niederhalten müsse. Es ist auch ganz logisch, daß alle Staaten, die ihre deutschen Minderheiten mißhandeln und entschloffen find, darin fortzufahren, eine Interessengemeinschaft oder einen Zweckverband bilden, um von vornherein das Eintreten Deutschlands im Bölkerbund für seine im Ausland mißhandelten Boltsgenossen möglichst wirkungslos zu machen. Diesem Zweck soll ja auch die ständige Ratsmitgliedschaft Bolens dienen. Das Gericht gab schließlich dem Ablehnungs= antrag der Verteidigung in bezug auf den medizinischen Sachantrag der Verteidigung in bezug auf den medizinischen Sachverständigen Geheimrat Dr. Moll statt. In der Begründung des Gerichts hicß es, daß lauf der Reichsgerichtsentscheidung allein die Tatsache ausschlaggebend sein mußte, daß der Angeflagte auf Grund eines Schriftwechsels, den er früher mal in Berbindung mit einem megen unzüchtiger Handlungen aus der Anstalt entfernten Bögling hatte, ihn für befangen halten kann. Die Verteidigung stellte dann den Antrag auf Ablehnung des zweiten Sachver ständigen Dr. Blaszed. Das Post- Hochhaus am Lichensee. Am geftrigen Sonntag fand auf dem posteigenen Gelände zwischen der Herbart und Dernburgstraße am Ließensee in Charlottenburg die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau eines Indessen hat es zur Erfüllung dieses polnischen Anspruchs- Verwaltungsgebäudes der Oberpoft direttion statt. das Bolen wohl erst eingeblasen wurde noch gute Bege. Es ist Auf dem mit vielen Fahnen in den Farben der Republik geschmüd bekannt, daß die Beschlüsse des Völkerbundsrats einstimmig ge- ten Bauplatz hatte sich eine zahlreiche Schar geladener Gäste einfaßt werden müffen, wenn sie Geltung haben sollen und da bisher gefunden, zu der sich auch furz nach 11 Uhr Reichspostminister vor allem Schweden wegen der Zuteilung eines Ratssizes an Stingi mit feinen Staatssekretären gefellte. Postdirektor Genzte von der Oberpoftdirektion Berlin begrüßte die erschienenen Bertreter Bolen entschieden opponiert, und auch bei der endgültigen Entder Behörden. Er betonte, daß es endlich gelungen sei, vor wenigen scheidung opponieren dürfte, kann die grundsägliche Einstellung Wochen diesen Bau zu beginnen und ihn so weit zu fördern, daß Staliens an der Situation nichts ändern. Voraussichtlich wird auch nunmehr die eigentliche Grundsteinlegung erfolgen fönne. Es habe der belgische, Außenminister Genosse Bandervelde gegen den fich als notwendig erwiesen, daß die Stadt Berlin ein größeres Berpolnischen Ratssig stimmen und, wie es scheint, hat auch waltungsgebäude erhalte, das ein ausreichendes und zeitgemäßes Chamberlain inzwischen die ihm während seines Aufenthalts Heim für die Oberpostdirektion Berlin darstelle. Poftdirektor Genzte ging dann furz auf die Geschichte der Postverwaltung Berlin ein. in Paris aufgedrängte Meinung aufgegeben. In zwei Jahren soll das große Gebäude, das die gesamte Verwaltung der Oberpostdirektion aufnehmen soll, beendet fein. Ein Metallkasten, der in den Grundstein versenkt wurde, enthielt folgende Dokumente: Eine Beschreibung der Lage des deutschen Wirtschaftslebens in den legten 25 Jahren, je ein Stück des deutschen geltenden Hartgeldes, einen Rentenbantfchein, einen Reichsbankschein, alle Wertzeichen der Deutschen Reichspost, die zurzeit geltenden Lebens. mittelpreise, eine Abbildung des legten Pferdewagens der Berliner Post sowie die eines modernen Bostautos und eines Bostflugzeuges. Minister Stingl tat die ersten drei Hammerschläge für Arbeit, Ordnung und Gemeinsamkeit". Ihm folgte Bürgermeister Scholz in Vertretung von Oberbürgermeister Böß und Bürgermeister Augustin für das Bezirksamt Charlottenburg. Zum Schluß nahm noch einmal Boftdirettor Genzte zu turzen Ausführungen das Wort. Er tat seine Hammerschläge für„ Einigkeit, Recht und Freiheit" und mit dem Gefang des Deutschland- Liebes schloß die Feier. Im März nur Deutschland. London, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der diplomatische Korrespondent der„ Sunday Times" schreibt zu dem Eintritt Deutsch lands in den Bölkerbund u. a.: In diplomatischen Kreisen wird jetzt allgemein angenommen, daß auf der Genfer Märztagung nur Deutschland zum Bölkerbund zugelassen und die Erörterung anderer Kandidaturen bis September aufgeschoben werden wird." Wenn Deutschland erst im Rat fißt, fann es jede Bermehrung Feiner Mitgliederzahl verhindern. Wieder ein Bombenanschlag in kattowik In der Nacht zum Sonntag wurde eine Dynamitbombe in das Haus Friedrichstr. 23 gelegt, in deffen Erdgeschoß das Lefal Mehner sich befindet, wo fast nur Deutsche verfehren. Die Bombe explodierte und richtete großen Schaden an. Obwohl sofort Leute herbeieilten, war es nicht möglich, die Täter zu faffen. Calonder foll eingreifen. Der deutsche Reichs- und Staatsvertreter bei der Gemischten Kommission für Oberschlesien hat Calonder gegenüber die gegen den Deutschen Volksbund in Oftober Schlesien gerichteten Berhaftungen und Haussuchungen sowie die durch die polnische Bresse in der deutschen Minderheit hervorgerufene große Beunruhigung zur Sprache gebracht. Der Präsident der Gemischten Kommission widmet der Sache, wie es amtlich heißt, die dem Ernst Der Lage entsprechende Aufmerkjamfeit", Toppelfelbstmord zweier Brüder. In ihrer Wohnung in der Markusstraße 15 wurden gestern früh die beiden Brüder Georg und Willi Lezius tot auf gefunden. Die 63 und 59 Jahre alten Männer, die beide zusammen als Junggesellen hauften, führten ihre Wirtschaft ohne jebe fremde hilfe. Da man sie feit mehreren Tagen nicht mehr gesehen hatte, so benachrichtigten Hausbewohner die Polizei. Die Beamten öffne ten die Wohnung und fanden beide tot auf dem Sefa fißend vor. Auf dem Tisch stand vor jedem der Männer eine Taffe Kaffee, die halb geleert war. Wahrscheinlich haben die Brüder mit Gift ihrem Leben ein Ende gemacht. Das Aktionsfomitee für Boden-, Siedlungs- und Wohnungspolitik( Berlin NW. 23, Leffingstraße 11) hat sich u. a. mit der Frage beschäftigt, wie die verschiedenen nebeneinander bestehenden Ausschüffe, Komitees usw. der Gewerkschaften und anderer Organisa tionen, die, ohne sich untereinander zu verständigen, sämtlich auf dem Gebiete der Boden-, Siedlungs- und Wohnungspolitik gleichen 3ielen zustreben, organisatorisch in einem Zentralfomitee für soziale wären, wobei der Wunsch geäußert wurde, daß die SpigengewerkBoden-, Siedlungs- und Wohnungspolitik zusammenzufalien mann des Aktionsfomitees zu beauftragen, eine entsprechende Anregung an die Gewerkschaften gelangen zu lassen. Das Reit- und Fahrturnier. In der Sonntagnachmittagveranstaltung konzentrierte sich das Hauptinteresse auf das Amazonenjagd= springen. Es stellten sich 13 Teilnehmerinnen, von denen fünf den Rurs fehlerfrei absolvierten. Folglich entschied die bessere Zeit. Siegerin blieb, von dem Bublifum lebhaft begrüßt, Frau Frante mit„ Hannepü". In der großen Dressurprüfung für Reitpferde blieb„ Gimpel" Sieger, was bei allen Leuten vem Bau großen Jubel auslöste, da der Reiter des siegreichen Pferdes, Herr Ostar M. Steensbeck, an diesem Tage gerade 68 Jahre alt wurde. Eisenbahnkatastrophe in einem spanischen Tunnel. Bisher 70 Verwundete geborgen. In der Nähe von Madrid stieß am Sonntag ein Personenzug mit einem Güterzug in einem Tunnel zusammen, wobei mehrere Wagen zertrümmert wurden. Die Bergungs arbeiten in dem verstopften Tunnel lassen sich nur mit größten Schwierigkeiten durchführen. 70 Verwundete tonnten bereits geborgen werden, jedoch müssen weitere Opfer befürchtet werden. 31 Personen haben lebensgefährliche Berlegungen erlitten. Ein Hamburger Dampfer gestrandet. Der Hamburger Dampfer Maron", der sich auf der Reise von Danzig nach Kopenhagen befand, ist an der Westküste von Schweden gestrandet und hat ein ed erhalten. Ein Bergungsdampfer ist an Ort und Stelle abgegangen, um den Dampfer wieder flottzumachen. Eine Brandkatastrophe in Britisch- Ostafrika. In Nairobi wurden vier Häuserviertel in der Hauptstraße der Stadt durch Feuer zerstört. Der Schaden beträgt etwa 100 000 Pfund Sterling. Groß- Berliner Parteinachrichten. 44. Abt. Seute, Montag, den 22. Februar, abends 7 Uhr, in den Hohenstaufenfälen, Rottbuffer Damm 76, Bersammlung des Vereins der Freibenter für Feuerbestattung. Alle Genoffinnen und Genossen müssen sich beteiligen. ELETTRELLESTITI]][[ 109. Abt. Friedrichshagen Oeffentliche Bersammlung am Dienstag, den 23. Februar. abends 8 Uhr, in Schröders Gesellschaftshaus, Friebrichitr 137. Reichstagsabgeordneter Löwenstein spricht über: Das wahre Geficht der Hohenzollern, ihre Einstellung zur hilturellen Entwicklung des Bolles, besonders der Schule. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Frauenveranstaltungen am Montag, den 22. Februar: 91. Abt. Reutöln. Frauenabend abends 7, Ubr bei Lübbide, Karlsgartenstr., Ede Fontaneftr., Bortrag über Fürftenabfindung. 96. Abt. Neukölln. Frauenabend abends 7 Uhr bei Lohann, Wipperstr. 18, Bortrag des Genossen Stadtrat Karl Schneider. Geschäftliche Mitteilungen. 80 Jahre frisch und kerngefund! Den bewährtesten Zeitfaden und Ratgeber bietet das im Inferatenteil der heutigen Nummer seitens der be annten Pestalozzi buchhandlung Sinte u. Co. in Salle angefündigte vorzügliche Bert Das neue heilverfahren von F. E. Bilz, dem Begründer des weltberühmten Sanatoriums in Radebeul bei Dresben. Bad Salzuflen am Teutoburger Balbe wird mit feinen bewährten Frühjahrsturen bereits am Montag, 1. März beginnen. Gegen Herz, Nerven, Frauen, Berbauungs- und Luftwege- Erfrankungen fowie Rheuma, Gicht, Jfchias, etrofulofe hat Salzuflen durch feine tohlensäurereichen Thermal- Solbäder, Fangopadungen, Inhalationen und Trinkbrunnen großen Ruf erlangt. Die Kurhaus, efe und Gesellschaftsräume werden gleich zu Beginn den Gäften zugänglich geMärz und April find bedeutende Kurtageermäßigungen geplant; auch werden zahlmacht; außerdem find ab 6. Mära tägliche Unterhaltungskonzerte oorgesehen. Für reiche Fremdenheime und Hotels für diese Zeit Borzugspreise einräuinen. Gewerkschaftsbewegung Für die Reinheit der Gewerkschaftsbewegung. Behrens„ Gewerkschaftsmethoden". Noch ist die dunkle Darlehensgeschichte im Femeausschuß des preußischen Landtages nicht abgeschlossen. Immerhin fann wohl heute schon festgestellt werden, daß die Versuche der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Gewerkschaftsbewegung zu forrumpieren, den Unternehmern zwar eine Stange Geld und eine große Blamage gekostet haben, daß aber diese Versuche vollständig gescheitert find. Der unrühmlich bekannte Syndifus Dr. Meisinger machte im Untersuchungsausschuß die unverschämte Bemerkung, daß die Gemertschaften es sich gleichfalls verbitten würden, ihre Geheimatten an die Deffentlichkeit zu bringen. Meisinger wollte damit unterstellen, die Gewerkschaften hätten gleichfalls unsaubere Geschäfte betrieben, die das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen haben. Und wenn der Kollege des Dr. Meisinger, Hauptmann und Syndikus außer Dienst v. 3engen in einer anderen unverschämt sein wollenden Bemerkung erklärte, daß seine Dentweise fich unterscheide von der der Sozialdemokraten, dann können wir ihm ausnahmsweise einmal zustimmen. Nein, die Gewerkschaften haben feine Geheimaften, die das Licht der Deffentlichkeit zu scheuen hätten. Die Gewerkschaften haben feine Dispositionsfonds", die zur Korruption der Deffentlichkeit und insbesondere zur Korrumpierung von Persönlich feiten dienen. Der Fall Behrens, Meyer, Malettke ist auch unter den christlichen Gewerkschaften ein Sonderfall. Der„ Deutsche" hat sich in den lezten Tagen etwas gereizt gegenüber den sozialdemokratischen Ausfchußmitgliedern geäußert und die Dinge so hingestellt, als wollten die freten Gewerkschaften die Angelegenheit benutzen, um sie gegen die christlichen Gewerkschaften auszuschlachten. Dazu haben die freien Gewerkschaften gar keine Veranlassung. Aber alle christlichen Gewerkschaftler, die wir keineswegs identifizieren mit den Behrens, Meyer, Schulze, Klapproth und Malettke, werden ohne weiteres begreifen, daß auch die freien Gewerkschaften ein lebhaftes Interesse an der Aufklärung dieser dunklen Angelegenheit haben. Wenn wir wiederholt gegen den christlichen Zentralverband der Landarbeiter schwere Antlagen erhoben haben, lange bevor die Korruptionsgeschichte bekannt war, so hatten wir unsere guten Gründe. Es dürfte wohl einzig in der Gewerkschaftsbewegung dastehen, daß ein Geschäftsführer der Unternehmerorganisation des Berufes von der Fachorganisation der Arbeiter als Angestellter übernommen wird, wie es mit dem Maleitte geschah. Wenn, wie behauptet wird, die Abteilung dieses früheren Geschäftsführers des Bommerschen Landbundes und Assessors sich in Geldschwierigkeiten befand, und wenn die momentan notwendige Summe 5000 M. betrug, dann fonnte es nicht schwer sein, vorübergehend ein anderes Konto der Organisation mit dieser gewiß nicht ungehuren Summe zu belasten, oder, wenn das nicht möglich war, bei einer Schweſterorganisation cine Anleihe aufzunehmen. Am allerletzten mußte aber eine Anleihe bei der, Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Frage fommen. Das Malettfe zuerst an die Bereinigung der Arbeitgeberverbände dachte, ist bei seiner Herkunft selbstverständlich. Unverständlich oder nur zu verständlich ist es aber, daß die anderen leitenden Mit glieder des Zentralverbandes bei diesem Gedanken, an die Vereini gung der Arbeitgeberverbände heranzutreten, nicht auf den Rüden fielen. Aber wenn man den Geschäftsführer einer so reaktionären und scharfmacherischen Unternehmerorganisation, wie der Pommersche Landbund, engagiert, wenn man einen ehemaligen Oberleutnant und Mitglied der Schwarzen Reichswehr als Gewerkschaftsbeamten an: fiellt, dann ist auch der Gang zur Vereinigung der Arbeitgeberver bände der natürliche. Diese Eiterbeule ist nun aufgestochen. Wir zweifeln nicht daran, daß der Gesamtverband der chriftlichen Gewerkschaften eine gründliche Reinigungstur im Zentralverband der Landarbeiter vornehmen wird. zur Gemeinwirtschaft. Die Gemeindearbeiter Konferenz des Gemeindearbeiterverbandes. Der Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hatte zum 20. und 21. Februar für die in den Gas-, Elektrizitäts- und Wasser werken der Wirtschaftsbezirke Berlin, Brandenburg und Bommern Beschäftigten nach dem Berliner. Gewerkschaftshaus eine Konferenz einberufen, die einen außererdentlich sturken Besuch aufwies. Erschienen waren 135 Delegierte und 16 Gäste. Nach der Begrüßungsansprache des Verbandsvorsitzenden Genossen Müntner wurden am ersten Tage der Konferenz folgende Referate gehalten:" Die Bafferpersorgung der Gemein WINT DORTEN Die Zwergenrevue im sensationell. Februar- Spielplan Sonntag 3%, halbe Preise Rauchen gestattet! Reichshallen- Theater Abends 8 U., Sonntag nchm. 3 U. Stettiner Sänger Nu: Der letzte Postillion Nachm. halbe Preise. Velles Programm Dönnoff- Bretu 10 Nummern! Tanz und Urfidelitas! Deutsches Theater Th. in d. Lützowstr. 8 Uhr: Juarez und Tägi. 8 Uhr: Lempke's sel. Witwe Maximilian Musik v. Dr.R.Hirsch Volkstümliche Preise 1--4 M. Kammerspielen Vorverkauf Theaterkasse < Uhr Bote& Bock Werth.200/ Ermäß Stg. 4 Kindervorst Die letzte Rumpelstilzden Geliebte eues Th. am Zoo Die Komödie Kurfürstendamm 206/7 8 Unr Gesellschaft 11.15 Uhr Kadu vestel.ung Allabendl 8 Uhr: Guido Thielscher in Stöpsel KleinsPreise: Parkett1-2M. Blauer Vogel" Park.- Faut.3-4 M. Orchest. alle Plätze Fauteuil 5 M. Sessel 6 M. 3 und 5 M. Vorverkauf anunterbrochen Neues Programm! Nachruf. Am 20. b. M entschlief nach langem Leiden unser Rolonnenführer, der Schloffer Robert Funke Wir verlieren in dem Entschlafenen einen unserer besten Mitarbeiter, der fich in jahrelangent unermildlichem Schaffen unsere vollite Anerkennung und Achtung verdient hat. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. [ 1646b Berlin- Reinickendorf. Deutsche Zundholz- Maschinen- Fabrik G. m. b. H. Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarran geschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. 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Ebenso haben sich Reich, Länder und Gemeindeverbände einen wesentlichen Einfluß in der Elektrizi tätsversorgung, dieser wichtigsten Industriegruppe unserer Volkswirtschaft, verschafft, so daß heute rund vier Fünftel der gesamten Elektrizitätsverforgung in ihren Händen liegen. Die Privatindustrie möchte diese Bewegung gern wieder rüd läufig machen und behauptet, daß reine Regiebetriebe teurer arbeiten als private Betriebe. Die Erfahrung zeigt aber, daß Regiebetriebe zumindest ebenso billig, meist aber billiger als die Privatbetriebe arbeiten. Die privaten und gemischtwirtschaftlichen Werke geben Gas, Wasser und Elektrizität an die Industrie zum Teil zu Selbst fostenpreisen auf Kosten der Bevölkerung ab. Nur deshalb bestehen heute in Deutschland Strompreise von 16 bis 65 Pf. für die Kilowattstunde, während die Industrie den Strom bis herab zu 5 Pf. bezieht. und verlangt, daß mit allen Mitteln dahin gearbeitet werden müsse, Der Redner ging dann auf die Arbeitszeitfrage ein den Achtstundentag wieder zu erobern und tariflich zu verin den Betrieben, wo noch länger als 8 Stunden gearbeitet wird, antern. Entrüstung löst das vom Redner bekanntgegebene Gut achten des Medizinalrats Dr. Bir f'holz aus, der als Gutachter des Arbeitgeberverbandes der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Mitteldeutschlands tätig war, die Arbeit in diesen Werken als leicht darstellt und in seinem Gutachten behauptet, die Arbeiterschaft dieser Betriebe verlange sogar den Zehnstundentag. Die Krankheits- und 11nfallstatistik spricht aber eine andere Sprache als das Gutachten. Nach dem Geschäftsbe richt 1924 der Berufsgenossenschaft der Gas- und Wasserwerke, die 3612 Betriebe mit 74 281 versicherten Personen umfaßt, wurden 4759 Unfälle 1923 und 5494 im Jahre 1924 gemeldet. Von den ersteren waren 282 entschädigungspflichtige Unfälle, von den letzteren 343. Im Jahre 1924 Letrug die Zahl der tödlichen Unjäre 12 gegen 37 im Jahre 1923. Ein besonderes Kapitel sind die Kohlenerydgasvergiftungen( CD- Vergiftungen). Regierung wie Unternehmer stehen auf dem Standpunkt, daß diese Vergiftungen als Berufstrantheit anzusehen seien und nicht unter die Ün fallversicherung falle. In den letzten Jahren sind laut Umfrage 142 Personen an CD.- Bergiftung erfranit, wovon man 99 Fälle, darunter 11 Todesfälle, als Gewerbefrankheit auslegte. Hiergegen muß cufs schärfste Stellung genommen werden. Genosse Orlopp wies weiter hin auf die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses und des Verbandstages, die für Abschaffung der Technischen Nothilfe eintreten. Etwaige Notstandsarbeiten müſſen allerdings sichergestellt werden, und zwar nach den vom ADGB. ausgearbeiteten Richtlinien. Auf Grund der Ringbildung und der Beteiligung von Reich Elektrizitäts- und Wasserwerksarbeiter eine einheitliche Set. und Staat an großen Betrieben ist nötig, für die Gruppe der Gas-, tion zu schoffen. Aus diesem Grunde hat der Verbandsvorstand die Forderung aufgestellt, daß alle in den für die öffentliche Belieferung arbeitenden Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerken beschäf tigten Arbeiter im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter zu erganisieren sind. Dagegen sollen alle Werke, die nur für den Eigenbedarf arbeiten( 3echen, Fabriken usw.) unbestritten zum Or ganisationgebiet der Berufsorganisationen gehören. Auf die Berriffenheit der Arbeiterschaft in den werbenden Betrieben sei es zurüdzuführen, wenn die heutigen Löhne feineswegs den berechtigten Forderungen entsprechen. Nach einer längeren Diskussion wurde neben mehreren Anträgen eine längere Entschließung angenommen, die die Forderun gen der Arbeiterschaft in bezug auf Arbeitszeit, Löhne, soziale Schutzbestimmungen, Mitbestimmungsrecht und Organisationsverhältnis enthielt. Beunruhigung der Speditionsarbeiter. Uns wird geschrieben: Seit etwa 50 Jahren wird die Abrollung der bahnamtlichen Güter von der Bahnamtlichen Rollfuhrgesellschaft besorgt. Wie verlautet, ist der Bahnamtlichen Rollfuhrgesellschaft gekündigt nunmehr von der Reichsbahn der Vertrag worden. An sich ließe sich gegen diese Kündigung nichts einwenden, wenn nicht besondere Umstände hierbei eine Rolle spielen würden. Eine Einrichtung, die sich feit 50 Jahren als durchaus gut bewährt hat, soll verschwinden, weil es einigen Speditionsfirmen, die bis jetzt nicht zu den sogenannten bahnamtlichen zählten, nicht mehr gefällt. Die alten Firmen, die über ein geschultes und zuverlässiges Personal verfügen, sollen ausgerechnet jezt nicht mehr in der Lage sein, die, Arbeiten zu verrichten, die sie seit 50 Jahren zur Zufriedenheit der Bahn und auch des Publikums ausgeführt haben. Verkäufe Teilzahlung. Gardinen. Stores, Bettdecken, Steppdeden. Diwandecken, Tev. piche und Möbel jeder Art, geringe An Reikzeuge( Richter- Bräzision). Sicher zahlung, bequeme Abzahlung. Möbel heits- Goldfüllfederhaltet. Bureaubedarfs baus Quisenstadt, Köpenider Str. 77/78 Ede Brüdenstraße. haus Lindner, Neukölln, Raiser Friedrich- Straße 36/37. Dreiröhrenapparate 30 Mart, Zweiröhrenapparate 25 Mark, BierröhrenBekleidungsstücke, Wäsche usw Getragene Herrengarderobe, tadellos waren, aroße Auswahl, billige Breiie. Teppiche, prima Wollqualität, 200 Reine Lombardware. Leihhaus Spiegel, mal 300, 48.-. Glufte, Grimmstr., 22. 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Nach Ansicht der Arbeiter fann dies aber nur unter gröblichster Ausnuzung der Arbeitskräfte und ganz erheblicher Beriängerung der Arbeitszeit vor sich gehen Ob die Berliner Speditionsarbeiter zu diesen beabsichtigten Maßnahmen, Abbau der Arbeitskräfte und Verlängerung der Arbeitszeit stillbleiben werden, ist mehr als unwahrscheinlich. Soll es im Berliner Speditionsgewerbe wieder zu kämpfen fommen? Haben die Kämpfe der letzten Jahre nicht zur Genüge bewiesen, daß sich die Berliner Speditionsarbeiter nichts nehmen lassen? Die Arbeiterschaft der Bahnamtlichen Rollfuhrgesellschaft hat ein Interesse daran, zu erfahren, was an diesen Gerüchten wahr ist. Selbst die Unternehmer der„ Bahnamtlichen" hüllen sich in Stillschweigen oder machen Ausflüchte. Vielleicht ist die Eisenbahndirektion in Berlin in der Lage, in dieser die Arbeiterschaft der Speditionsfirmen sehr stark berührenden und beunruhigenden Angelegenheit bestimmte Mitteilungen zu machen. 11 Zur Kurzarbeit noch Lohnabbau! Eine Betriebsversammlung der Daimler- Werke in Marienfelde nahm einstimmig folgende Entschließung an: Die am 17. Februar tagende Betriebsversammlung der DaimlerBerke Marienfelde nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem ge. planten Lohnabzug. Nicht genug damit, daß wir schon Monate lang 3 Tage arbeiten, wodurch sich unsere wirtschaftliche Lage immer mehr verschlechtert, erdreiftet man sich, mit Lohnabzug zu drohen. Wir protestieren dagegen, daß die Umstellung auf unsere Kosten geschieht. Baut die Gehälter der oberen Beamten ab, die einen Gehaltsabzug vertragen fönnen, wir lehnen den an uns geplanten Lohnabzug ab. Bon der Regierung fordern wir angemessene Unterstüßung der Kurzarbeiter. Arbeitskammer des Saargebiets. Saarbrüden, 20. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die bereits Dor vier Jahren anläßlich des Saarwellinger Sprengstoffunglüds vom Präsidenten der Regierungskommission den Arbeitnehmern des Gaargebiets versprochene Arbeitskammer, die aber erst am 18. Ceptember 1925 durch Verordnung ins Leben gerufen wurde, wird endlich am 2. März zum erstenmal zusammentreten. Die 36 Mitglieder der Kammer verteilen sich paritätisch auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eingetragene Kohlensäurereiches ThermalSolbad und Inhalatorium SALZ BAD Lippe. Teutoburger- Wald. 1.3.26. FrühjahrskurBeginn Herz Nerven Frauen Tägliche Konzerte Mineralpastillen in Apotheken u. Drogerien. Auskunft durch Lipp. Badeverwaltung und Reise- und Verkehrsbüros Sab. Knig Schutzmarke Naturheil- Methode Kneipp! Die weltberühmten Pfarrer Kneipp- Pillen das zuverlässige, blutreiniger de Abführmittel Rheum u. Sapo je 2, Cal. 3, Junip. 1, Aloe 4 Zu haben in allen Apotheken Mk. 1Berantwortlich für Bolitik: Cruft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa, G. m. b. S., Berlin. 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