Abendausgabe Nr. 9043. Jahrgang Ausgabe B Nr. 45 mi Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redatfiou: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin hna #nd 113 Bapt( 10 Pfennig Vorwärts Berliner Dolksblatt Dienstag 23. Februar 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Amerika und Mussolini. Der Appell des„ ,, Vorwärts".- Starker Widerhall unter den Senatoren. Die in der Sonnabend- Abend- Ausgabe des„ Vormärts" erschienenen Ausführungen über die Opposition im amerikanischen Senat gegen das italienisch- amerikanische Schuldenabtommen find vom fontinentalen Leiter der großen amerikanischen Nachrichtenagentur, International News Service", S. Dunbar Beyer, wie auch von anderen Vertretern der amerikanischen Preffe in Berlin nach den Bereinigten Staaten gefabelt worden. Der Borwärts" schrieb unter anderem, daß durch die Ratifizierung des Mellon- Bolpi- Abkommens die amerikanischen Staatsbürger sich unbewußt der Schürung eines fünftigen europäischen Krieges, der Erdrosselung der demokratischen Freiheiten in Europa und der Unterstützung eines Regimes mitschuldig machen würden, das kein Amerikaner auch nur fünf Minuten im eigenen Lande dulden würde. Daß die Ausführungen unseres Blattes im amerikanischen Volke einen starten Widerhall gefunden haben, geht aus nachfolgendem Telegramm hervor, das der„ INS." aus Washington erhalten hat und das er uns freundlicherweise zur Verfügung ſtellt: Washington, 23. Februar.( Durch Funkspruch.) Telle der amerikanischen Preffe haben den vor einigen Tagen vom„ Borwärts" an das amerikanische Bolf gerichteten Appell verbreitet, das Schuldenabkommen mit Italien nicht zu ratifizieren, weil damit indirekt Mussolini und fein Regime unterstützt würden. Der hiesige Korrespondent des„ Infernational News Service" befragte daraufhin eine Reihe von Senatoren um ihre Meinung über diefen Appell. Während die Mehrzahl der Senatoren eine Stellungnahme zu dem Artikel des„ Borwärts" mit der Begründung ablehnte, daß das italienische Schuldenabkommen Deutschland nichts angehe(!?), äußerten sich einige Senatoren in folgender Weise über den fraglichen Appell: Senator Kenneth Mckellar( Tenneſſee, Dem.):„ Ich halte Mussolinis Ansichten für eine Bedrohung des europäischen Friedens und für eine allgemeine Gefahr für die Freiheit überall. Man kann das geplante Schuldenabkommen nicht verteidigen. Wenn der Senat es ratifizieren sollte, würde er. damit eine koalition zwischen den internationalen Banfiers und einem Banditen billigen. Ich halte Muffolini für den störendsten und gefährlichsten Faktor der jetzigen europäischen Politik. Je eher das italienische Volt sich von ihm losmacht, desto besser." Senator Henrik Shipstead( Minnesota, Farmer and Labour Party):„ Mir erscheint die Sache auch jo. Ich bin fchon feit langer Zeit zu den Schlußfolgerungen des„ Borwärts" gelangt." Senator George W. Morris( Nebraska, Republikaner): „ Ich möchte, daß Italien den vollen Schuldenbetrag und die Zinsen zahlt. Wenn Jtalien bezahlen kann, fann Wallstreet uns bezahlen. Sollte Italien Banferoft madjen, so werden wir uns unsere Anteile nehmen, genau so, wie die anderen Gläubiger." Senator Pat Harrison( Mississippi, Dem.):„ Ich bin gegen das Schuldenabkommen, aber nicht aus denselben Gründen, die der Vorwärts" angibt. Das Abkommen ist unfair gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern, denn es fönnte eine Propaganda für die Revision anderer Abkommen ermutigen." " Senator William H. King( Utah, Dem.):„ Sicherlich wird der Senat alle mit der italienischen Schuldenregelung zufammenhängenden europäischen Probleme ins Auge faffen und besonders die Nationen, die eine Demokratie zu entwidein versuchen." Senator Smith W. Brookhart( Jowa, Republikaner: Jede Unterstützung Muffolinis gereicht der menschlichen Freiheit zum Schaden. Ich bin gegen die Ratifizierung des Schuldenabkommens." Fünf Hakenkreuzler verhaftet. Wegen des Ueberfalls in Alt- Landsberg. Wegen der Zusammenstöße am vergangenen Sonntag in Alt Landsberg sind gestern in Berlin drei Personen fest genommen worden. Heute werden zwei in Alt- Lands= berg festgenommene Leute nach Berlin gebracht, um den anderen drei Festgenommenen gegenübergestellt zu werden. Völkische Schießereien. Zusammenstöße in Unna. Dortmund, 23. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Bei einer pom Stahlhelm veranstalteten Rundgebung in Unna fam es auf dem Marktplatz zu einem Zusammenstoß zwischen Mitgliedern von Rechtsorganisationen und Angehörigen des Roten Fronttämpferbundes. Bei der sich entwickelnden Schlägerei fielen einige Schüffe. 10 Personen wurden angeblich durch Schußwunden verlegt. Die Polizei, die in Laftkraftwagen eintreffende Verstärkungen aus Dortmund und 3serlohn erhielt, stellte die Ruhe wieder her. Aeußerung mit der Begründung ablehnten, daß das italienisch Die Stellungnahme derjenigen Senatoren, die eine amerikanische Schuldenabkommen Deutschland nichts angehe, beruht auf einem doppelten Mißverständnis. Erstens nehmen wir für uns in Anspruch, daß wir mit unseren Ausführungen nicht im Namen und im egoistischen Interesse Deutschlands, sondern als ein Organ gesprochen haben, das die Meinung der internationalen Demokratie zum Ausdruck brachte. Dies war in diesem Falle um so mehr unsere Pflicht, als das amerikanische Bolt vergebens auf Stimmen der italienischen Demokratie zu dem in Frage stehenden Problem warten wird, da die Stimme der italienischen Demokratie durch Mussolini gefne belt wird. Zweitens müssen wir bemerken, daß weder der Borwärts" noch sonst jemand in Deutschland daran denkt, fich in inneramerikanische Angelegenheiten einzumischen. Aber das Mellon- Bolpi- Abkommen ist infolge seiner schon jetzt fühl baren internationalen Rückwirkungen teine rein inneramerikanische oder amerikanisch- italienische Angelegenheit mehr. Würde man den Standpunkt diefer Senatoren zum geltenden Grundsatz erheben, dann würden z. B. die Rückkehr Wilhelms II. oder die Besitzergreifung der Macht durch Ludendorff oder, um beim aktuellsten Thema zu bleiben, das Mussolinische Angebot eines Militärbündniffes an die deutschen Militärverbände gegen Frankreich während des Ruhrkampfes lauter Angelegenheiten sein, die die übrige Welt nichts angingen". Gegen einen derartigen Standpunkt, der letzten Endes zur völligen Lahmlegung der Weltfritif an geschichtlichen Vorgängen führen müßte, würden fich aber wohl gerade die Senatoren mit größter Schärfe und vollen Recht wenden, denen die Ausführungen des Vormärts" unbehaglich waren. Im übrigen beweisen die sonstigen Aeußerungen von Mitgliedern des amerikanischen Senats, daß unser Stand punft von anderen Politikern in Washington durchaus bes griffen und begrüßt wird. Mussolinis eigene Befehle. Den Gegnern das Leben schwer machen". Deutsche Geisteskultur. Zur Kundgebung der Geistesarbeiter. Das Schußkartell deutscher Geistesarbeiter hat gestern im Reichstag eine Kundgebung für deutsche Geisteskultur verdie des großen Schwungs ermangelten, man hörte eine Reichsanstaltet. Die Kundgebung stand unter einem unglücklichen Stern. Man hörte politische Reden, schlechte politische Reden, fanglerrede über die Laten der Regierung für die deutsche Kultur, hörte Zahlen und sozialpolitische Erörterungen über die Rückwirkung der deutschen Not auf die deutschen Geistesdeutsche Geisteskultur aber gehört mehr als das, gehört der arbeiter. Das muß alles sein. Zu einer Kundgebung für große Schwung, die Begeisterung für das Ideal, gehört ein Rörnchen Salz des deutschen Idealismus. an die Gesezgebung, Hoffnung auf Hilfe vom Staat. Eine Dazu gehört das Vertrauen auf sich selbst, nicht nur Appell Aristokratie des Geistes wird nicht mit sozialpolitischen Maßnahmen gezüchtet, und das wahre Genie schafft auch aus der Tiefe der Not erschütterndes Wert. Das Werf, geschaffen aus innerer Begeisterung und Notwendigkeit, trotz der Not der Zeit, ist eine bessere Kundgebung für deutsche Geistesfultur, als die laut betonte nationale Deflamation. Seine größten Werke gingen hervor aus dem Kampfe mit der Der Weg des deutschen Geistes war ein Weg des Kampfes. Not, dem Kampfe gegen den Ungeist und die flache Konvens tionalität des Adels von Geburt und Brivileg, gegen hemmende staatliche und monarchische Gewalt. Die Not und der Kampf um Freiheit standen den Kämpfern des deutschen Geistes zur Seite, ihr Werf ist der Sieg des Idealismus, der Begeisterung über die Mißgunst des Schicksals. Das Leben jedes großen Deuts schen aus dem Reiche von Dichtung und Wissenschaft ist ein eben voll Kampf, ein tragisches Gedicht, voll fehlgeschlagener und doch voll trozzigem Hoffnungen, vereitelter Entwürfe edlen Aufschmung gegen alle Hemmnisse durch Zeit, Mißgunst. ungeistige Unterdrückung durch Unverstand und stumpfe Mittelmäßigkeit in Gesellschaft und Staat. Deutsche Geistestultur ist unverkennbar verbunden mit deutschem Freiheitsstreben. Durch ihre größten Werke geht der frische Hauch der Sehnsucht nach Freiheit und des Kampfes nach Freiheit, das stolze Selbſtbewußtsein des freien Mannes, den feine Not und fein Un verstand der Zeit zu Boden wirft. Nicht die Werke der Mäzenaten der Mittelmäßigkeit haben sich durchgefeßt und find Eckpfeiler der deutschen Kultur, sondern die Werke derer, Stolz verkündet Schiller: Kein Augustisch Alter blühte, Keines Mediceers Güte Lächelte der deutschen Kunst; Sie wird nicht gepflegt vom Ruhme, Sie entfaltete die Blume Vor einigen Tagen starb in Paris ein noch junger italienischer die in Freiheit und Not fagten, was sie sagen mußten. politischer Schriftsteller, Piero Gobetti, der sein Land wie so viele andere wegen Verfolgungen durch den Faschismus hatte ver. laffen müssen: man hatte ihn wiederholt überfallen und mit Stöcken geschlagen, beschimpft, als Verleger und Journalist lahmgelegt und sogar eingeferfert. Der Pariser„ Quotidien" ist in der Lage, das Fatsimile eines von Mussolini eigen händig aufgesezten und unterschriebenen Telegramms zu veröffentlichen, in dem der Duce" folgende Anweisung erteilte: An den Präfekten in Turin. Man teilt mir mit, daß der bekannte Gobetti fürzlich nach Paris gefahren ist und daß er sich gegenwärtig auf Sizilien befindet. Bille mich darüber zu informieren und dafür zu sorgen, daß diesem blöden Gegner der Regierung und des Faschismus das Leben aufs neue schwer gemacht werde. Mussolini. Daraufhin setzten die Verfolgungen gegen Gobetti aufs neue liberale Revolution" unterdrückt wurde. ein, der wieder überfallen, eingefertert und dessen Zeitschrift„ Die Dieses Telegramm datiert vom Januar 1924, also aus der gleichen Zeit, in der nach den präzisen Anklagen seiner Spießgesellen Cesare Rossi und Filipelli der Ministerpräsident Mussolini in eigener Person jene unzähligen Ueberfälle auf Amendola, Nitti und andere anordnete, die schließlich zu der grauenhaften Tragödie Matteottis führten. Das Faksimile des„ Duotidien" ist ein neuer, unwiderleglicher Beweis der persönlichen Schuld Mussolinis an jenen blutigen Gewalttaten. worden sein. Dabei seien von den Angreifern Totschläger, Gummi. fnüppel und ähnliche Werkzeuge verwandt werden. so daß sich der Bevölkerung eine große Aufregung bemächtigte. Die Polizei griff ein, ohne jedoch der Lage Herr werden zu fönnen. Inzwischen wurden Ueberfallkommandos aus Dortmund und Iserlohn herbeigerufen, die in erster Linie dafür sorgten, die auswärtigen völkischen Elemente abzuschieben. Erst bei dieser Säuberungsaftion seien von verschiedenen Seiten Schüsse gefallen. Die Zahl der Verletzten betrage 15, darunter drei Schwerverlegte. Erst gegen 10 Uhr abends habe man die Stadt Unna von den unruhigen Elementen wieder befreien tönnen. Es wird behauptet, daß die Werwolf- Mitglieder durch Singen gegen die Juden- Republik" den Zusammenstoß veranlaßt hätten. Auch Brasilien erhebt Ansprüche. Auf einen Ratssitz. London, 23. Februar.( WTB.) Nach einer Reuter- Meldung aus Rio de Janeiro, hat der brasilianische Außenminister eine Erklärung abgegeben, in der er Brasiliens Anspruch auf einen Wie wir weiter hören, haben an der Tagung völfischer Berständigen Sib im Bölferbundsrat bekräftigt. Brafilien bebände auch Mitglieder der Schwarzen Schat" und der Deutsch absichtige nicht, Schwierigteiten zu verursachen, sondern völkischen Freiheitspartei teilgenommen, die gestern in iluna einen es wünsche lediglich zur Stärt und des Einflusses des jogenannten„ Deutschen Tag" abgehalten haben. Von Mit Bölterbundes beizutragen und in diesem Sinne an den Argliedern dieser Organisationen jollen Unnaer Zivilisten angegriffen beiten des Bölkerbundes teilzunehmen. 2 Nicht am Strahl der Fürstengunft. Von dem größten deutschen Sohne, Bon des großen Friedrichs Throne Ging fie schußlos, ungeehrt. Rühmend darf's der Deutsche sagen, Höher darf das Herz ihm schlagen: Selbst erschuf er sich den Wert. So mar es zu Schillers Zeiten, so ist es späterhin geblieben, in den Zeiten der Reaktion nach den Freiheitskriegen und nach achtundvierzig und in der milhelminischen Epoche. Einst 30gen die Heroen deutschen Geistes durch die Lande, von der Not von Stadt zu Stadt gejagt, fümmerlich ihr Brot ver dienend in Hauslehrerſtellen und in fleinen Aemtern. Als die Gnadenſonne wilhelminischer Gunst aufging über den mittelmäßigen Talenten, den Speichelleckern und Fürstenknechten, hungerten die wahrhaft Großen in ihren Dachlammern, schaffend neben der Fron der täglichen kleinen Arbeit, im ewigen Kampfe mit der Not und mit geistigem Ausbeutertum. besetzten Tische saß. Denn der Feuerhauch der Freiheit brachte Mancher ist untergegangen, mährend die Mittelmäßigkeit am nicht das Gold, das den Anbetern und Ausnußern der Mittelmäßiafeit zufloß. Wer in Deutschland ein Idealist wahrhaft war, in Runst und in Wissenschaft, der hatte nicht nur zu fämpfen mit der wirtschaftlichen Not, nicht nur mit der Stumpfheit der Nichtverstehenden, sondern mit der Willkür, der Ueberheblich feit, der Brutalität eines geistlosen Systems des Obrigkeitsstaates, mit der Polizei, den Paragraphen, den Staatsanwälten. mit Beamtendünkel, mit dem Unverstand der Spizen des Staates, mit dem Geiste der Reaktion und der Unfreiheit. Die geistige Not der deutschen Geistesarbeiter schrie gen Himmel. Wer auf der Menschheit großer Linken stand, dem verschlossen sich die Pforten deutscher Universitäten, über den fielen die Soldschreiber der Mittelmäßigkeit her, den verjagten sie vom Lehrstuhl, den bedrohten sie mit erdrosselnden Gesetzen und Verwaltungsmaßnahmen. Troy Wirtschaftsnot und geistiger Not sind die deutschen Geistesarbeiter ihren Beg gegangen, den Weg des deutschen Geistes und der deutschen Freiheit. Heute noch in der deutschen Demokratie müssen sie weiter. fämpfen. Noch lebt der Geist der Unfreiheit, der Ueberheblich feit und Willkür gegen Kunst und Wissenschaft in der deutschen Verwaltung und in der deutschen Justiz, noch herrscht an deutschen Universitäten ein Rorpsgeist der Mittelmäßigkeit und der bureaukratischen Unfreiheit, jener mit wahrer Freiheit der Wissenschaft nicht vereinbarer Gesinnung, die im wilhel minischen Zeitalter gezüchtet worden ist, und dem Hauch der neuen Freiheit Fenster und Türen nersperren möchte. Ernste und gefährliche Drohung erwächst den Trägern| Beit bebentlich perschlechteri hätten. Während der zweiten deutschen Geistes aus dem Mechanismus des kapitalistischen Hälfte des Januar sind Wechsel in Höhe von 3,6 Proz. des geWirtschaftssystems. Die Monopolisierung der öffentlichen famten Kreditbetrages der Reichsbank zu Protest gegangen, das Meinung in großen Zeitungstrusts, die wirtschaftliche Konzen ist genau fünfmal soviel wie im Durchschnitt der Vorkriegsjahre. tration im Verlagswesen, im Buchhandel unter dem Gesichts- Bezüglich der Distontpolitik stellte Bizepräsident Kauffmann punkt des wirtschaftlichen Gewinnes trägt die Tendenz zur fest, daß die Erleichterung der Restriktionsmaßnahmen seit Anfang Stagnation, zur geistigen Verflachung, zur geistigen Anpassung, Dezember 1925 die Lage faum gebessert habe, da zurzeit kaum nicht an die geistige Elite der Nation, sondern an den Durch zwei Drittel der Kontingente in Anspruch genommen wären; schnitt der Mittelmäßigkeit in sich. Nicht die Erziehung und die Politik der Kreditkontingentierung habe sich damit gleichsam von Bildung des Geschmacks und der Kultur der großen Massen selbst aufgehoben. Falls während der nächsten Wochen die Wirtfordern diese wirtschaftlichen Mächte von den deutschen Geistes- fchaftsfrise fich erleichtern und einem Wiederaufstieg Platz arbeitern, sondern das Herabsteigen vom hohen Kothurn des machen sollte, so sei zu hoffen, daß die Kreditansprüche der Wirtschaft deutschen Idealismus, die Herabwürdigung des Genius zur wieder größer würden. Falls das aber nicht der Fall sei, müsse eine Knechtsarbeit für den banalen Geschmack der Mittelmäßigkeit weitere Distontermäßigung eintreten, über die man und der Halbkultur. Schwerer noch als einst der Kampf großer fich erst in einigen Wochen flar werden könne. Die Ansicht deutscher Geister zur Zeit Schillers gegen die Not und den der Reichsbankleitung set, daß grundsätzlich die Zinssätze weiter Unverstand ist der Kampf freier deutscher Geister im Namen nach unten dirigiert werden müßten. des deutschen Idealismus gegen die herabziehende und versklavende Wirkung dieser Wirtschaftsmächte. Wirtschaftsnot und geistige Not- wie einst, hemmen sie heute die Träger geistiger Kultur. Wie einst, ist ihr Kampf gegen Wirtschaftsnot und geistige Not heute wahrhafte Kulturarbeit. Wer heute in Deutschland geistige Werte schafft, der bringt seinem Volke wahrhaft Opfer, der führt einen heroischen Kampf um Freiheit und Aufstieg für das allgemeine Wohl. Der darf nicht darauf rechnen, daß Mäzene ihm helfen oder die großen geistlosen wirtschaftlichen Konzerne ihn fördern, die sich des Buch- und Zeitungswesens bemächtigt habenaus sich selbst heraus, als Verbündeter aller freiheitlichen Bestrebungen auf der Menschheit großen Linken, getrieben von innerer Begeisterung, muß er sich den Wert schaffen und seinem Volke Beispiele geben. Die Not ist groß- um so heroischer muß der Kampf des deutschen Geistes, um so idealistischer der Aufschwung sein. In der Höhle des Löwen. Wenigstens des weißblauen. Ahlemann und Wulle. Ihre Verteidigung gegen Gruette- Lehder. Der an den Untersuchungsausschuß des Landtages gerichtete Brief Gruette Lehders hat auch in völlischen Kreisen großes Aufsehen erregt, da Gruette- Lehder zum erstenmal in fubftantiierter Form Anklagen besonders gegen den völkischen Führer Ahlemann vorgebracht hat. Hierzu erfährt die BS.- Korrespondenz, daß die Angegriffenen nunmehr bei der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen fidh beantragen wollen. Bulle erflärt, er hat bereits am 5. Februar bei der Polizei sowie bei der Staatsanwaltschaft darum gebeten, vernommen zu werden, aber bis heute sei keine derartige Aufforderung an ihn gelangt. Ahlemann bestreitet die Ausführungen Gruette- Lehders, er, Ahlemann, habe ein Attentat auf Minifter Severing geplant. Gruette- Lehder habe in Ueckermünde einem Oberförster Müller gegenüber damit renommiert, daß ihm von. Ahlemann die Erlaubnis gegeben worden sei, Severing umzulegen". Ahlemann sei darauf hin, als ihm diese Mitteilung zu Ohren ge mehrerer Herren Gruette- Lehder zur Rede stellen wollen. Dieser sei kommen, nach Ueckermünde gefahren und habe in Gegenwart jedoch nicht mehr an Ort und Stelle gewesen, so daß Ahlemann seine der Gruette- Lehderschen Be[ Diese gerichtlichen Zeugenaussagen sind der deutschnationalen Reichstagsfraktion begreiflicherweise unbequem. Sie erläßt deshalb eine Erflärung, die weder gehauen noch gestechen ist und die um die wesentlichsten Behauptungen vorsichtig herumgeht! Wilhelm im Spiegel. Seine Gier nach Reichtümern". Im Mühlhäuser Boltsblatt", unserem Parteiorgan in Mühlhaufen in Thüringen, lesen wir folgende erbauliche Geschichte von Wilhelm dem Doornigen: Er Das Mühlhäuser Stadtarchiv hat in dieser Woche die hohe Ehre gehabt, ein Blatt mit höchsteigenhändiger Widmung Wilhelms von Docrn zugewendet zu erhalten. Zur Erflärung mag eingeschaltet sein, daß ein mit Familienstudien beschäftigter, offenbar noch sehr faisertreuer Besucher des Archivs es von seinem Standpunkt als eine schmerzliche Lücke empfand, daß neben den zahlreichen Blättern mit Namenszügen der Kaiser des Mittelalters nicht auch ein Blatt mit den Schriftzügen feines vielgeliebten letzten Kaisers im Archiv vorhanden war. wandte sich mit einer entsprechenden Bitte an Wilhelm den Letzten nach Doorn, und siehe da, schon nach kurzer Zeit war der brave Monarchist so glücklich, dem Archiv ein Blatt mit einer eigens für die Stadt Mühlhausen beſtimmten Widmung Wilhelms überweisen zu können. Aber nicht so sehr auf diese Affäre als auf die von dem Ausgeriffenen dabei geleistete unverschämte Anrempelung der Demokratie fonumt es hier an. Diese neueste Errungenschaft unseres Archivs sieht folgendermaßen aus: ( Wappen.) Die Demokratie zeichnet sich durch unerfäftliche Gier nach Reichtümern und materiellen Dingen aus unter Bernachlässigung Plato. alles Uebrigen um des Geldes willen. 23ilhelm I. R. Dcorn, 17. 1. 1926. Der Narr in Doorn glaubt wieder einmal besonders geistreich gewesen zu sein, als er den Plato abschrieb. Aber er sah sich nur Reichtümern und materiellen Dingen" zeigt sich ge selbst im Spiegel. Denn die unerfättliche Gier nach rade in diesen Tagen bei Wilhelm und seinen Genossen so deutlich, München, 23. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Vorfizende der Demokratischen Partei Abg. Koch sprach am Montag abend in München über das Problem: Das Reich und die Länder. Seine Rede mar gewissermaßen als Antwort auf die hauptungen nur seinen Parteifreunden habe abgeben fönnen. daß die Ungezogenheit auf der Karte sie nur noch unterstreicht. Aber von der Bayerischen Volkspartei bei der letzten Regierungstrije Ahlemann erzählt weiter, daß er von der Polizei vor einiger mit Recht fragte unser Barteiblatt: Wir fragen die Stadtverwaltung mokratie zu betrachten. Koch führte u. a. aus: Niemand wird die Notwendigkeit einer gefunden Gliederung des Deutschen Reichs verkennen. Jeder Großstaat bedarf nicht nur der Einheit, sondern auch der Gliederung, um lebensfähig zu sein. Unitarismus und Dezentralisation gehören zusammen. Aber niemand wird behaupten, daß durch die Kriege, Raubzüge, erschlichene Beleh nungen, Heiraten, Erbverträge, Käufe und Tausch verträge eine gesunde Gliederung herausgekommen wäre. Die leimarer Berfassung habe dem auf sich selbst gestellten Wolfe in schwerem Zusammenbruch die Einheit erhalten. Sie wäre unter der Herrschaft der Fürsten und ihrem Anlehnungsbedürfnis an den Sieger längst verlorengegangen. Koch schloß: Bir brauchen heute in Deutschland keine Fürsten mehr, die einen ewigen Bund miteinander schließen, wir brauchen teine Bureaufraten dazu, daß sie Noten wie zwischen fremden Völkern untereinander wechseln, sondern wir sind Fleisch pon einem Fleisch und Blut von einem Blut. Wir sind ein Bolt, eine Nation, ein Staat. Weitere Senkung der Zinssäke? Bizepräsident Kauffmann über die Kreditpolitik der Reichsbank. Auf der ersten Tagung des Verbandes der deutschen Landmaschinenindustrie machte Reichsbankvizepräsident Kauffmann einige interessante Angaben über die Kreditpolitit der Reichsbanf. Er stellte u. a. fest, daß der Wechseleingang und die Qualität der zum Ankauf verfüglichen Wechsel sich in legter Alltagstragödie. Bon Henni Lehmann. Die Zeitungen brachten eine kurze Notiz aus einem benach barten kleinen Ort: Ein Mädchen ist ins Wasser gegangen. Man hat wenige Tage zuvor eine Kinderleiche gefunden. Ob das Kind gelebt hatte, wußte man nicht. Es war möglich, daß es tot geboren war. Aber man wußte in einem kleinen Drt bleibt so etwas nicht verborgen man wußte, wer die Mutter sein fonnte. Man wollte sie der Sicherheit wegen verhaften, Untersuchungshaft, da ging fie ins Waffer. Vielleicht war sie unschuldig und scheute nur die Deffentlichkeit und die Schande. Vielleicht war sie Schuldig. Die Frage wird faum noch zu entscheiden sein. Aber die Zeitungsnotiz nannte den Namen in seinen Anfangsbuchstaben, und da fiel es mir ein: ich habe dies Mädchen gekannt. Ich sehe sie heut noch vor mir. zu Ich bin in dem kleinen Ort gewesen zur Sommerzeit. Ich hatte ein bescheidenes Stübchen in einem einfachen Hause. Eine Witwe hatte es mir vermietet. Sie hatte eine einzige Tochter, die eben die Kinderschuhe austrat, ein blond haariges, frohfinniges, ftrahlendes Geschöpfchen. Der Bater war tot. Er war an der Bahn gewesen, die Witwe bezog eine kleine Bension. Außerdem machte sie Heimarbeit. Sie ftridte für eine Pfennigentlohnung. Aber die beiden, Mutter und Tochter, kamen durch, und es war entschieden, wenn die Tochter konfirmiert war, dann würde sie in Stellung gehen Kindern. Sie liebte Kinder. Die gesamten Rinder der Straße, und die Straße hatte viele Kinder, wie alle Straßen, in denen arme Leute wohnen, die gesamten Kinder liefen ihr nach wie kleine Hünddjen, sobald sie fich blicken ließ. Dann machte sie zuerst das kleine Mütterchen, fie strich unordentliches Haar glatt und flocht aufgegangene 3öpfchen neu. Sie wischte Rognäschen ab, fie trocknete Tränen, die über irgendein kindliches Mißgeschick flossen. Aber nach her, wenn sie alle diese notwendigen und nüßlichen Verrichtungen ausgeführt hatte, nachher wurde sie Kind mit Kindern. Sie jagte mit ihnen die Straße entlang, fie route Murmellügelchen in ein Loch, sie wußte sich so zu verstecken, daß die andern in atemloser Spannung fuchten, ohne sie zu finden. Und dann tanzten fie Ringelreihen. Anna so hieß die Kleine, tanzte gern. Es war ihre eine große Leidenschaft, und vielleicht ist diese Leidenschaft an ihrem Unglüd schuld gewesen. Denn sie ist sonntäglich zum Tanzen gegangen, als sie dann eine Stellung als Kinder- und Hausmädchen bei einem jüngeren Ehepaar inne hatte. Es ist das wohl die einzige Jugendlist gewesen, die das Leben ihr gönnte. Man weiß nicht, wer der Vater des Kindes war, sie hat es niemand gesagt, nicht der Mutter, nicht der Dienstherrin, als sie die Stelle wegen ihrer Schwangerschaft verlassen mußte. Manche sagen, der Bater sei ein junger Mann gewesen, mit dem fie„ ging". Beim Tanzen am Sonntag hatte sie ihn fennen gelernt. Sie war damals eben 16 Jahre alt geworden. Als sie das Kind geboren hatte, war eit aufgefordert worden sei, zu einer Bernehmung zu staatsanwalt Seethe geschrieben, daß er sich der Staatsanwaltschaft kommen. Er habe das abgelehnt. Dagegen habe er dem Obergeantwortet, Ahlemann müsse zunächst der Aufforderung der Polizei zu stellen bereit sei. Oberstaatsanwalt Seethe habe darauf hin Folge leiften, brauche jedoch nicht auszusagen. Ob die Staatsanwaltschaft überhaupt eine Bernehmung Ahlemanns beabsichtige, fei noch sehr fraglich! Ahlemann bestreitet auch ferner, den erordnet zu haben. mordeten Dammers näher gekannt oder seine Beseitigung ange Peinliche Feststellungen. Das Fragespiel in der Mampe- Fraktion. wird, daß jene dreiste Anrempelung der demokratischen Idee, auf der Kommune, Staat einverleibt wird? Es sollte selbstverständlich sein, daß jener Erguz und Reich aufgebaut sind, dem städtischen Archiv als bleibende Perle. dem Spender höflichst dankend wieder zurückgegeben wird. Ein Reichsgesetz für die nationalen Minderheiten. Im Reichs regierung ersucht, dem Reichstage mit möglichster Beschleunigung ange- tage ist ein Antrag Erkelenz( Dem) eingegangen, der die Reiche ein Gesez( Rahmengefeg) borzulegen, wodurch den nationalen Minderheiten innerhalb des Deutschen Reiches ein selbständiges Kulturleben gewährleistet wird. In einem Prozeß in Neubrandenburg, angestrengt von Gräfe Goldebee gegen einen deutschnationalen Unterhäuptling, musde vor tagsfraktion vor der Abstimmung über die Dawes Ge furzem die Stimmung erörtert, die in der deutschnationalen Reichssetze vorherrschte. Dabei sagte ein völkischer Zeuge aus, ein befanntes Mitglied der Mampe- Fraftion habe ihm unmittelbar nach der Abstimmung im Reichstag erzählt, daß Schlange Schönin gen, der in Pommern große Rundgebungen veranstaltete, ihm gegenüber die Aeußerung tat: Wie heilfroh bin ich, daß ich mir das Nein leisten kann!" Weiter wurde durch den gleichen Zeugen vor Gericht ausgefagt, daß dem Fraktionsvorsigenden Hergt ausdrücklich die Erlaubnis erteilt wurde, mit Rein" zu stimmen, weil das nach außen einen befferen Eindruck mache! fic noch foum 17 Jahre alt. Ja, der junge Mann hatte dann den Ort verlassen, man mußte nicht, wo er geblieben war. Vielleicht wußte es Anna, vielleicht auch nicht. Wenn der nicht der Bater war, so sagten die Leute, dann mochte es vielleicht der Bruder der Dienst herrin sein, der bei ihr im Hause lebte. Der war hinter hübschen Mädchen her, sagte man, und nachdem Annas Freund, mit dem sie gegangen" war. nicht mehr am Orte war, wollten Leute sie mit dem andern gesehen haben. Jedenfalls, der Bater ging ganz frei aus bei der Sache, ihn fonnte man nicht feststellen. Und so ist die gute schöne frohe Anna ins Wasser gegangen und hat ihre arme alte Mutter allein gelassen.„ Ach Gott," werden die sagen, die dies lejen, das ist eben die bekannte Alltagsgeschichte, die man von Faust's Gretchen her zur Genüge fennt!" Ganz recht, eine Alltagsgeschichte, aber eben darum, weil sie sich alle Tage ab spielt, welch ungeheure Antlage gegen uns alle, gegen die Gesellschaft, die immer noch nicht dafür sorgt, daß jede Mutterschaft heilig ist, daß jede Mutter in Freuden ihr Kind erwarten tann als die Krönung des Frauenlebens. Ja, meine Herrschaften, daß Tragödien zum Alltäglichen werden, das ist das Furchtbarste von allem. Kleine liebe Anna, wenn ich wiederkomme in den Ort, an dem du heimisch warst, bann werbe ich die schönsten Frühlingsblumen auf dein Grab tragen, auch wenn man dich vielleicht nach alter Eitte an der Friedhofsmauer eingescharrt haben sollte, an der man immer die Selbstmörder zu begraben pflegte. minifterium. Die Mitteilung eines Berliner Blattes, wonach der Keine Personalveränderung im Preußischen WohlfahrtsStaatsfefretär im Preußischen Wohlfahrtsministerium Scheiot fich mit Rüdtritte gedanten trage, ist, wie dem Amtlichen der Luft gegriffen. Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, vollständig aus Staatsjefretär Scheidt, der wegen einer leichten Erkrankung einige Zeit das Bett hüten mußte, bat nach Wiederherstellung seiner Gesundheit inzwischen die Dienfi Alle an seine geschäfte wieder in vollem Umfange übernommen. Nachfolge gefnüpften Kombinationen sind damit hinfällig. Beseitigung der Lurussfeuer. Das Steuerprogramm des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold fab u. a. auch die völlige Be des Ministers machten sich innerhalb der Regierung starke Witer seitigung der sogenannten Luguêsteuer bor. Gegen diese Maßnahme stände und Bedenlen geltend. Wie es heißt, sind diefe Widerstände nun überwunden, sodaß in fürzester Zeit mit der völligen Beseitigung der Lugussteuer zu rechnen ist. ,, Die Wüste am Meer." Sand, Sand, Sand das ist der erste Einbrud, den wir von der Kurischen Nehrung in diesem Film in der Urania empfangen. Sand in tompaften Maffen, in expressionistisch ausgefressenen Dünen, Klippen, Sand als feiner pulverförmiger Staub, der vom Wind getrieben dahinriefelt und alles einhüllt und mit dem Tode bedroht, wenn nicht Schuhpflanzen und Bannwälder seine Ausbreitung hemmen. Aber die 100 Kilonoch mehr Wunder( wenn dieses erste noch nicht genug wäre). Hier meter lange Nehrung, die sich von Kranz bis Memel erstreckt, bietet liegt die Bogelwarte Rossitten, in der ganzen Welt berühmt durch die Bogelberingung, hier ist ein wahres Bogelparadies der durchziehenden Wandervögel und der einheimischen, dort nistenden Vögel. In ganzen Schwärmen, wie weiße Wolken, bevölkern fällt ein Zug Krühen ein, gelodt von ihren angepflodten Möven die Küsten. Wir besuchen sie an ihren Nistpläzen. Dann Artgenossen, wird gefangen und durch einen Biß in den Schädel getötet. Einige Methoden und Ergebnisse der Vogelbeob achtung werden gezeigt. Erstaunlich ist das weite Buggebiet des Storches bis zur Südspike Afrikas. Einen breiten Rahmen nimmt die Vorführung der Abrichtung der Jagdfalten und ihrer Jaadausübung ein. Dazwischen Bilder von Land und Leuten: Fischfang und Volksszenen. Zum Schluß eine Ueberraschung: das feltjame Elchwild erscheint im Film und läßt die Gedanken sich verfenten in längst versunkene Borzeit. I. Neuordnung in Sanssouci. 3um Sommer soll in Schloß Sansfouci eine Neuerung eingeführt werden, die auch äußerlich die von der preußischen Krongutverwaltung dort durchgeführten Arbeiten zum Abschluß bringt. Das Innere wird wie ein Museum zugäng lich gemacht werden, ähnlich wie das in München mit dem Residenz1. April ab das Schloß besichtigen, ohne auf die Führung durch Museum und anderwärts schon geschehen ist. Man fann also vom einen Schloßbeamten angewiesen zu sein; man fann sich mit Ruhe in die architektonischen und stimmungshaften Reize des einzigartigen Bauwerks, in den Genuß seiner vielen einzelnen Kunstwerfe vertiefen, ohne weitergescheucht zu werden, weil die Karawane der Führung schnellere Befichtigung erfordert. In der Kunffausstellung Wedding( Warenbaus Stein, Chauffeeftr. 71) [ bricht am Donnerstag, abends 5 Uhr, Dr. Adolf Behne über das Thema Arbeiter und Kunst". Der Eintritt ist frei. Die Linten Leute geben ihren ersten Abend am Donnerstag, 8 Uhr, in der Gegeffion, Aurfürstendamm 232. Es lefen: Ernst Blais, Kurt Hiller, Richard Huelsen bed, Martin Raschte, Erich Weinert. find wundersam. Ins Intime Theater, in dem bisher französische Das Infime Theater als moralische Anstalt. Der Bühnen Wege und deutsche Zweideutigkeiten und dann Herrnfeldiaden das Pro gramm bildeten, ist mit einer neuen Direktion auch ein neuer Geist eingezogen. Ernst Bittlinger, im Hauptberuf Pfarrer in Berlin, im Nebenberuf dramatischer Dichter und Lebensphilosoph, Mensch auf. Es ist ein gutgemeintes Stück, diese drei ersten führt an dieser Stelle sein Drama„ Ein undankbarer Ausfahrten des Karl Bornhagen", wie der Autor sein dramatisches Erzeugnis nennt, und es werden viele Probleme hin und her ge wälzt, die vom Herrn Pfarrer für zeitbewegend gehalten werden, uns aber ziemlich gleichgültig lassen. Der Schüler und spätere Student Karl Bernhagen ist auf seinen ersten Schritten ins Leben furchtbar vielen Anfechtungen ausgesetzt. Da ihm von dem Pfarrer Bittlinger ein sehr moralfester Odem eingeblasen ist, besteht er die Prüfungen des Satans glänzend. Es wird zwar nicht ganz flar, was für eine Tendenz das Stück verfolgt, ob für oder gegen den blinden Gottesglauben, ob für religiöse Ethit oder liberale Weltanschauung. Die Gemeinde des Pfarrers aber verstand alles, war sehr erbaut und rief schon nach dem ersten Teil ihren Seelenhirten auf die Rampe, der sich glücklich verneigte. Die Borstellung unter der Regie von Rolf Wald stand auf der Höhe einer durchschnitt- in lichen Liebhaberaufführung. Nur Wolfgang Bilzer, den man für die Hauptrolle gewonnen hatte, wurde Berliner Ansprüchen gerecht. Entzückend war sein halb schüchternes und halb draufgänge risches frisches Knabentum in der Szene des ersten Liebeserlebnisses. Dgr. Prof. Hans Modowsky, Stuftos an der National- Galerie, hält auf Einladung der Vollsbühne am Sonnabend, 8 Uhr, im Hörsaal des Kunstge werbemuseums, Bring Albrechtstr. 7a, einen Lichtbildet bortrag über das Thema„ Berlin zur Kurfürstenzeit". Karten zu M. 0.70 in den Berlaufsstellen und an der Abendkasse. Die Große Internationale Kunffausstellung, die früher alle vier Jahre München stattfand, soll zum ersten Male wieder 1926 veranstaltet werden. Die Berte ausländischer Künstler sollen dabei allerdings nur in beschränkter Babl zugelassen werden. Die bayerische Regierung hält die Wiedereinfüurung dieser Ausstellung im Intereffe der Münchener Künſtlerschaft für dringens geboten. In Berbindung mit diefer internationalen Runstschaut ist eine Ausstellung für Baukunft geplant, die der bayerischen Architektenschaft Gelegenheit geben soll, ihr Schaffen zu zeigen. Revolutionärer Eiertanz. Sinowjew als Profeffor der Revolutionstheologie. Hochbahn- Phantasien. über Berliner Humor" und ein Filmlustspiel„ Charlens Tante" fanden ein dankbares Publikum, das aus dem Lachen nicht herausfam. Das Programm wird bis 25. Februar täglich wiederholt. Die„ Reform" der Hauszinsstener. Soll Berlin wieder benachteiligt werden? Gegen die Benachteiligung der Stadt Berlin und ihrer SteuerDas Angebot der Stadt Berlin an die Aktionäre der Hochbahn In Mostau ist das sogenannte erweiterte Plenum des ist bisher offiziell noch nicht beantwortet worden. Aus den Etti zu einer Tagung zusammengetreten. Nach dem Siege verschiedensten Kanälen läßt aber die Deutsche Bant durchsichern, Stalins über seine Gegner gilt es, die entsprechende Kon- daß dieses Angebot ihr nicht genügend erscheint. Ein Teil der fequenz gegenüber den europäischen Agenten zu Bresse spricht infolgedessen davon, daß weitere Berhandlun ziehen. Nach außen hin wird der Zweck der Uebung durch die gen über eine eventuelle Erhöhung des Angebots zu erwarten feien zahler durch die ungerechte Art der Verteilung der aus Aufrechterhaltung der formellen Stellung Sinomjews Ein Berliner Morgenblatt behauptet jogar mit absoluter Ahnungszahler faschiert. Er darf ein wunderschönes, stundenlosigkeit, daß der Magistrat„ unter dem Druck des linken Flügels der Hauszinssteuer fließenden Erträge hat die Berliner langes Referat halten. Dafür setzt aber das Etti eine der Stadtverordnetenversammlung" sich schließlich doch zu einer Er. Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sigung vom deutsche Kommission unter dem Vorsiz von Stalin höhung verstehen würde. Alle diese Pressemeldungen gehören in 2. Februar d. J. einmütigen Einspruch erhoben, indem sie ein. Die faktische Macht ist Sinom je w also auch in der das Reich der Phantasie. Wir haben uns über diese Frage ganz der den Magistrat und die Berliner Vertreter im Deutschen Städteeinen Antrag der sozialdemokratischen Frattion, Erefutive genommen, genau fo, wie er in Petrograd ausführlich geäußert. Das Angebot der Stadt Berlin ist der Ab. feine Posten hat niederlegen müssen. Denn auch bei den schluß von Verhandlungen. Man kann niemand zur Liebe oder tag zur Abwehr aufrief, einstimmig annahm. Jetzt verbreitet der Kommunisten funktionieren die sogenannten Duntel zum Glück zwingen. Wenn die Hochbahnaktionäre der Meinung Magistrat durch sein Nachrichtenamt eine Mitteilung über die fammern", lies Kommissionen, in denen die eigent sind, daß sie bei ihrer Gesellschaft in Zukunft eine höhere Divi irtungen, die der zurzeit dem preußischen Landtag vorliegende lichen Entscheidungen gefällt werden. Sinowjews Referat dende als 7% Proz. herauswirtschaften fönnen, dann fann man Entwurf eines Geseges über die Reform der Hausvor dem Plenum iſt deswegen nur noch als Symptom zu ihnen zu ihrem Optimismus nur gratulieren und sie im übrigen inssteuer in finanzieller Hinsicht für Berlin haben müßte, werten. Immerhin, da die Politik der Kommunisten nicht in ihrem Schicksal überlassen. Es kann gar keine Rede davon sein, daß wendung und Verteilung der Hauszinssteuer im Landtag angenomwenn die bisherigen Beschlüsse des Hauptausschusses über die BerBerlin, sondern in Moskau gemacht wird, ein noch interessantes die Linke der Stadtperordnetenversammlung ihre Zustimmung zu wendung und Verteilung der Hauszinssteuer im Landtag angenomSymptom. einer weiteren Erhöhung gibt. Die Linke hat vielmehr einschließlich einander die Verteilungsschlüssel, die im Gesezentwurf, im Beschluß men würden. Die vom Magiftrat gegebene Darstellung bringt nebenSinowjews Referat charakterisiert sich mit zwei Worten: der Kommunisten mit außerordentlicher Selbstverleugnung unter Revolutionärer Eiertan 3", einerseits- andererdem Druck der Tatsache, daß die Deutsche Bank mit einem Betrage des Hauptausschusses, im Gutachten des Staatsrates und im Vorfeits. Man möchte gern Revolution spielen, man weiß, von 50 000 m. unter dem Schutz der bürgerlichen Rechtsprechung schlag des Städtetages aufgestellt sind. Dann wird die finanzielle daß man es nicht fann, und so verkleidet man eine die Herrschaft über die Hochbahn ausübt, sich schließlich dazu ver Bedeutung dieser vier verschiedenen Berteilungsschlüffel für das opportunistische Taktik mit radikalen Redens standen, ein so ungeheures Opfer auf sich zu nehmen, wie es das Berliner Hauszinssteuerauftommen, das in 1926 arten. Dafür nur ein paar Belege. Wörtlich erklärt Sinowjew Angebot der Stadt Berlin bedeutet. Die Zinte hat nicht bie Absicht, auf 233 millionen Mart zu veranschlagen ist, in einer Deutsche Bank nicht will, dann ist es gut; weitere Berhandlungen dabei die Methoden des Pferdehandels einzuführen. Wenn die umfangreichen Tabelle zahlenmäßig nachgewiesen, und es werden daran folgende Betrachtungen geknüpft: werden nicht stattfinden. in seinem Referat hintereinander, oft in einem Atemzug: Bir arbeiten mit zwei Berspettiven. Wir sind und bleiben proletarische Revolutionäre. Das Rechnen mit zwei Perspettiven ist unbehaglich, aber notwendig. In der Marschroute stüßten wir und früher vielleicht zu viel auf Mitteleuropa. Nach der letzten Tagung blicken wir zu sehr nach England. Der Rapitalismus auf dem Balkan ist relativ stabili siert, doch müssen die revolutionären Möglichkeiten mitbeachtet werden. Wir sind berechtigt zu sagen, daß die Stabilisierung das Regime der Bourgeoisie teilweise stärkt, doch mit solchen Mitteln gurchgeführt wird, daß sie im Grunde genommen eine Revolutionierung der Lage bedeutet. Jetzt ist der englisch- amerikanische Antagonismus das wichtigste Moment. Doch darf diese Frage nicht allzu einfach behandelt werden. Doch darf der Antagonismus a uch nicht unterschätzt werden. Natürlich darf man in England nicht in einigen Monaten mit der Revolution rechnen. Aber die früher unflare Entwicklungstendenz ist jetzt ganz fraß geworden. Bir haben in Deutschland feine unmittelbare revolutionäre Situation, eben deshalb dürfen wir nicht die geringsten Zugeständnisse an die Ultralinken machen. Andererfeit s müssen wir feststellen, daß die Lage sich seit März 1925 bedeutend verschärft hat. Früher war unsere Aufgabe die Sammlung der revolutionären Minderheiten auch durch Spaltungen. Jetzt haben wir eine andere große Aufgabe, die Herstellung der internationalen Einheit der Arbeiterklasse. Der Feind( ließ die Sozialdemokratie) hat sich nicht ge spalten, sondern mur differenziert. Die sozialdemokratischen Führer in Deutschland wollen den Fürsten jezt, wo sie nicht einmal mehr Macht haben, zu einer Zeit der größten Arbeitslosigkeit, 3 milliarden schenten. Ist das nicht ein Flügel, manchmal der schlimmste Flügel der Bourgeoisie? Unser Beg ich richtig, wir müssen aber jede Abweichung betämpfen." Sinowjem bleibt, wie man sieht, der alte Schmäher. Sein Weg ist immer hundert Brozent richtig". Sein a B aß gegen die Sozialdemokratie bleibt immer das einzige an ihm, was ehrlich ist. Das ewige Spiel mit Illufionen und Phantastereien bleibt ihm immer wert Doller als wirkliche Arbeit. Er und seine Freunde bleiben immer die erbittertsten Feinde der europäischen Arbeiter bewegung. Sein Sturz fymbolisiert nur das Berfliegen des scheinrevolutionären Sputs. Was übrig bleibt, ist ein feichtes Geschwätz. Und auch das wird felbft den kommunistischen Arbeitern eines Tages zu bunt werden. Die Genfer Delegierten. Frühzeitige Anmeldungen. Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage der weiteren Finanzierung der AEG. Bahn. Falls die Hochbahn nicht von der Stadt übernommen wird, soll das Aktienkapital der Nord- Südbahn erhöht werden. Die Nord- Südbahn wird dann selber eine entsprechende Anleihe aufnehmen und natürlich wird die Deutsche Bant auch dabei gern verdienen wollen. Das hat sie schon vor Wochen erklärt und die Bereitwilligkeit zum Verdienen ist bei der Deutschen Bant wirklich nichts Neues. Der Prügelpädagoge verteidigt sich. In der gestrigen Gerichtsverhandlung gegen den Anstaltsleiter Freiherrn v. Lüßow war von den zur Anklage stehenden Dingen nur wenig die Rede. Lüßow verteidigte sich. Enthaftet fiei neben feinem Berteidiger, auf einem Stuhle sigend, sehr beweglich, ging er ohne weiteres zum Angriff gegen seine Widersacher über. Er nur sich selbst flagt an: Elternschaft, Lehrerschaft, Kinderschaft nicht. Und hätte doch allen Grund dazu. Nicht etwa wegen irgend welcher Verfehlungen 3öglinge, Lehrer und Sachverständige zu befragen jein. Aber wegen ob diese gewesen oder nicht, darüber werden pädagogischer Berfehlungen, wegen Untreue gegen sich selbst, gegen bie besonderen Prinzipien der Landeserziehungsheime, von deren Schönheit und Größe er heute noch mit faum verhaltener Erregung spricht. In Schöndorfs Landeserziehungsheim, in Dr. Liezz' sen burg, das er als Kinderparadies preist, in Haubinda lernte er das harmonische Gemeinschaftsleben der jungen Menschenkinder kennen, die unter Führung gleichgestimmter Erzieher ihrer großmöglichsten Höherentwicklung entgegenschritten. Und das Liebsche System fchwebte ihm vor, als er Budom übernahm und sich in 3offen vergrößerte. Er hat sich aber bitter verrechnet, jeine eigenen Fähig feiten und Kräfte überschätzt. Was vielen gegeben war, Lehrer- und Röglingsmaterial nach eigenem Willen zu formen und zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen, das mißlang dem Herrn Lühow völlig. Er war eben keine überragende Persönlichkeit. Und ohn mächtig gegen die widerspenstigen Jungen, gegen die intrigierenden Lehrer, gegen die spießerischen Eltern, riß er ein Stüd des Er ziehungsprinzips nach dem anderen aus seinem Herzen und landete schließlich beim Prügelftod. So wurde er Brügelpädagoge. Der Stod mußte für Disziplin sorgen, wo die Lehrer sie nicht zu halten verftanden. Lüßow beruft sich auf die Prügelpädagogil Englands, and in Bischofsheim, auf die Elternschaft, die mit der Brügelstrafe auf den Stocunfug in manchen Erziehungsheimen, wie in Jena einverstanden war. Mag jein. Aber Brügel als Erziehungsmittel sind vom modernen Pädagogen endgültig verurteilt. Blaubte Lügow bei dem nicht erstilaffigen 3öglingsmaterial nicht ohne Brügel auskommen zu fönnen, was sollten dann die Leiter der Fürsorgeanstalten sagen. Das von Herrn Lützow mit solchem Nachdruck in bezug auf die Landeserziehungsheime betonte„ Mit Liebe ist beim Rinde mehr zu erreichen", darf nicht vor dem„ unartigen" oder bösartigen" Jugendlichen Halt machen. Die Kunst des Er ziehens beginnt eben da, wo die Fehler des Kindes einsetzen. Daß er aber seine Hände von der Leitung der Anstalt nicht ließ, darin liegt sein Verbrechen, begangen auch an der Idee der Landeserziehungsheime, als deren Träger er sich aufipielt. Ob aber hinter den Prügeln noch etwas anderes als Verzweiflungspädagogik zu suchen ist, wäre abzuwarten. Genf, 23. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Hälfte der Bölkerbundsstaaten haben bereits ihre Delegationen für die Eine verhängnisvolle Schießerei. außerordentliche Völkerbundsversammlung angemeldet. AußenBorgestern nachmittag gegen 5 Uhr ging der Hilfsförster Ruger, minister entfenden Frankreich, Belgien, Großbritannien, Schweder bei der Oberförsterei Faltenhagen beschäftigt ist, von der Försterei ben, Tschechoslowakei, Jugoslawien und Norwegen. Von Bethlen Dammbruch ohne Waffen aus, um einen Spaziergang zu machen. ( Ungarn) und Ramet( Desterreich), die ebenfalls zur Ratstagung Kaum war er draußen, da hörte er mehrere Schüsse fallen. Er fommen, ist es noch unbestimmt, ob sie auch in der Bersammlung fehrte zurück, holte sich sein Gewehr, ging den Schüssen nach und fizen werden. Auch die pelnische Delegation ist noch unbekannt, pirschte sich auf zwei Männer heran, die ungefähr 200 Meter von der Försterei im Walde standen. Als er sie anrief, nahmen beide, wobei man annimmt, daß Außenminister Sfr 3 ynski sein Komdie nun sahen, daß sie es mit einem Förster zu tun hatten, Deckung. men von den Aussichten des polnischen Ratssizes abhängig machen Statt der Aufforderung, die Waffen niederzulegen, Folge zu leisten, wird. Dänemark wird durch den Minister Zahle, holland eröffneten sie ein Feuer auf Ruzzer. Dieser sprang hinter einen burch Kaarnebeck und die Schweiz voraussichtlich durch Motta Baum und griff ebenfalls zur Waffe. Er traf den einen der Männer, vertreten. Die britischen Dominions entfenden ihre Londoner Ober- der einen Schuß auf ihn abgegeben hatte, während der andere sechs kommissäre, Indien Sir Muhammad Rafique und die südamerikani- bis siebenmal geschossen hatte, so schwer, daß er tot zusammenbrach. schen Staaten delegieren ihren Gesandten in Europa. Die meisten Der zweite ergriff die Flucht, noch weiter schießend, und entkam. Die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei wird im Laufe Delegationen bestehen aus nur 1 bis 2 Vertreter. Bon der deutdes Tages die Vorgänge weiter untersuchen. Auch der zuständige ichen Breffe ist ein Riesenaufmarsch zu erwarten. Aus Berlin Amtsrichter hat sofort die Ermittelungen aufgenommen. allein sind bereits 50 Bertreter angemeldet. Rechnung mit Polens Anschluß an Rußland. ( WTB.) Ein französischer KorrefponLondon, 23. Februar. dent des„ Daily Telegraph" schreibt, in diplomatischen Kreisen in Paris glaube man, daß den Besprechungen zwischen dem briti schen Gesandten in Warschau und dem Grafen Skrzynski am vorigen Freitag eine gewiffe Wichtigkeit beizumessen sei. Wenn Bolen in seinen Bestrebungen nach Erlangung eines ständigen Sizes im Völkerbundsrat ein Mißerfolg bereitet werden sollte, so würde vermutlich Graf Strzynski und sein gegenwärtiges Kabinett zurüdtreten müssen, und ihre Nachfolger würden, wenn sie auch irgendwelche übereilten Schritte, wie den Austritt aus dem Völkerbund, vermeiden würden, doch sicherlich nach irgend einer Art von Rückversicherung Ausschau halten, vielleicht durch eine Art von Annäherung an Rußland. Als Tschitscherin im letzten September in Warschau gewesen sei, habe er Borschläge gemacht, die vielleicht heute angenommen werden könnten. Die Polygamie in der Türkei aufgehoben. Die Kammer bes schloß einstimmig die Einführung des Schweizer bürgerlichen Gesetz buches in der Türkei, wodurch Staat und Religion im öffentlichen und sozialen Leben des türkischen Volfes getrennt werden. Die Polygamie wird verboten und jeder volljährigen Person steht es frei, fich zu der Religion zu bekennen, der fie anzugehören wünscht. ,, Diese Uebersicht zeigt, daß nach dem Beschlusse des Hauptausschusses Berlin für Neubauzwede allein fiebzehn und eine halbe Million weniger erhalten würde als nach dem Gutachten des Staats: rates zu erwarten stand. Es würden wieder über vierzig Millionen des Berliner Auftommens für Neu bau3wede über den Staat an andere Gemeinden abfließen und Berlin für diese Zwecke nur fünfundfiebzig Millionen verbleiben. Was das angesichts der fatastrophalen Wohnungsnot gerade in den großen Städten und in Berlin in besonderem bedeutet, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Geradezu erschütternd ist die Auswirkung hinsichtlich des Anteils für Finanzzwede( Wohlfahrtszwede). Der Berlin verbleibende Anteil würde noch hinter den Vorschlägen des Gefeßentwurfes und des Staatsrates weit zurückbleiben! Dieser Anteil ist bekanntlich dazu bestimmt, die Mehraufwendungen für die der Stadt mit, der dritten Steuernotverordnung übertragenen neuen Aufgabe( Fürsorge für Sozialrentner, Kleinrentner, riegsbeschädigte usw.) zu decken. Mit diesen siebzehn Millionen würde nicht einmal die Hälfte dieser Mehraufwendungen gedeckt werden. Die notwendige Folge ist, daß alle diese Ausgaben durch eigene Gemeinde steuern, insbe sondere Gewerbe- und Grundsteuer, aufgebracht werden müssen. Die Berliner Gewerbebetriebe sind gerade durch die Hauszinssteuer gegenüber der Provinz schon start vorbelastet; eine Erhöhung der Grundsteuer bedeutet Erhöhung der Mieten für die gesamte Bürgerschaft. Bon anderen städtischen Steuern( Bergnügungssteuer, GetränkeSteuer, Hundesteuer, Wertzuwachssteuer u. a.) gar nicht zu reden! Im Landtag fällt jetzt eine sehr wichtige Vorentscheidung über die Höhe der Berliner Steuerlast in diesem Jahre. Bir können noch nicht daran glauben, daß es dabei bleiben foll, daß Berlin von seinem Aufkommen nur siebzehn Millionen für Wohlfahrtszwecke erhalten soll und daß mehr als dreiundzwanzig Millionen des Berliner Anteils zum gleichen 3wede an andere Gemeinden abfließen follen. Selbstverständlich wäre es faljá), wenn die Verfeilung des Gemeindeanteils nur nach dem örtlichen Aufkommen gefordert würde, aber wenn sie jetzt fast ausschließlich( vier Fünftel) auf die Bevölkerungszahl abgestellt wird. so erscheint auch dies nicht gerecht, weil die Aufwendungen für Wohlfahrts- und Fürsorgemaßnahmen in den Großstädten, auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, sehr viel größer sind als in fleinen Gemeinden und auf dem Lande. Deshalb erscheint der Vorschlag des Städtetages gerechtfertigt, der die Berteilung des Gemeindeanteils je zur Hälfte nach dem örtwir, daß diesen Gefichtspunkten noch mehr Rechnung getragen wird lichen Aufkommen und nach der Bevölkerungszahl fordert. Hoffen und daß besonders die Berteilung des Finanzanteils noch wesentlich geändert wird! Sonst würden die Folgen in der Höhe der Berliner Gemeindesteuern vom 1. April 1926 ab in Erscheinung treten." Der Tod auf der Landstraße. Geitern nachmittag verunglückte auf der Chauffee Buch- Karom auf bisher noch völlig ungeklärte Weise der 65 Jahre alte Arbeiter Gustav Duc aus Karow, Dorfstraße 65. Duc lenfte ein mit zwei ferden bespanntes Fuhrweit, das mit Kiefernholz beladen war. Kurz vor 4 Uhr passierte ein Privatautomobil die Chaussee, als es das herrenlose Fuhrwert stehen fah und ein Stück davon den Fuhrmann auffand. Dieser hatte scheinbar schwere innere Verlegungen. Man brachte den Berunglückten nach seiner Wohnung, wo ein sofort hinzugerufener Arzt aber nur noch den Tod feststellen fonnte. Tödlicher Unfall. Der Schlosser Ernit Sperling aus Weißen fee, Haielerfir. 2, war gestern nachmittag auf dem Güterbahnhof Weißenfee mit drei Hilfearbeitern der Berliner Kindl- Brauerei damit beschäftigt, eiserne Rübli& langen aus einem Waggon auszu laden. Blöglich kam eine Anzahl Röhren im Gewicht von etwa 20 Rentnern ins Rutschen und begruben Sperling. Er konnte nur als Leiche geborgen werden. Durch Straßenbahnzufammenstok. Heute mittag gegen 41 Uhr fuhr ein Wagen der Linie 65 in Richtung Schöneberg am Dönhoffplak infolge falscher Weichenstellung in einen aus entgegenkommender Richtung kommenden Wagen der Linie 74 hinein. Da die Wagen langfam fuhren, erlitten sie nur geringe Beschädigungen. diesen Unfall entstand aber eine ungebeure Berkehrsstockung, da dom Potsdamer Plaz bis zum Mollenmarkt die Wagen anhalten mußten. Auch die Autobusse tamen teilweise nicht weiter, da die Straßen vollkommen verstopft waren. Erst nach etwa 20 minuten war die Verkehrsstockung behoben. Arbeiter- Bildungsschule. Heute abend, pünktlich 7% Uhr, he ginnt die Arbeitsgemeinschaft des Genoffen Krauß über„ Wirtfchaftsgeschichte" in der Mädchenmittelschule, Neukölln, Donaustraße 120. Teilnehmerfarten sind am Eingang des Schullokals zu haben. Hörgebühr 1 M. Billige Fischlage! Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag kommen zum Verkauf: Stabliau ohne Kopf im ganzen Fisch pro Pfund 30 Pi., im Ausschnitt entsprechend teurer, frische Flundern pro Blund 25-35 11. je nach Größe, frische grüne Heringe pro Piund 20-25 Pi., frischer Ditsee. borsch ausgenommen bro Bfund 25 3f. Blafate fenntlich gemacht, und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Marithallen und auf den Wochenmärkten. Die Verkaufsstellen find durch Die Lichtenberger Jugendbühne, ein Unternehmen der Gemeinde, besteht jezt sechs Jahre. Sie wurde als Unterhaltungs- und Bildungsstätte gegründet, die feine Gewinnabfichten hat. In den sechs Jahren hat sie sich bemüht, zur Bekämpfung der bei Kinos gewerblicher Unternehmer oft beklagten Mängel und Mißstände durch Darbietung von Beſſerem beizutragen. Jugend bühne nannte sie sich, weil sie dem Wunsch, besonders auf die Jugend zu wirken, ihre Entstehung verdankte. Da fie auch als ein Hilfs mittel des Schulunterrichtes dient, so hat man sie in der Aula eines Schulhauses( in der Holteistraße am Bühlischplay) untergebracht. Die Jugendbühne wendet sich aber auch an Erwachsene und veran staltet Borstellungen auch für fie. Die Filme und Lichtbildervorträge der Jugendbühne bringen Unterhaltendes und Belehren des, an den Vormittagen für die durch ihre Lehrer geführten Shuttlassen, an den Nachmittagen in besonderen Kinderborstellungen( wochentags um 1 Uhr, Sonntags um 2 ühr), an den Abenden in Borstellungen für Erwachsene. Mit den Eintrittsgeldern der Erwachsenen sollen möglichst die Unkosten des Unternehmens gedeckt werden, das keinen Gewinn abwerfen, Gestern nachmittag 4 Uhr 40 minuten stieß nach einer Meldung aber sich selber erhalter will. Aus Anlaß der sechsten Wiederkehr aus Dortmund im Gelände des Bahnhofes Kamen eine Lotodes Gründungstages fand am Sonntag eine Festvorstellung statt, zu motive der Rangierabteilung mit einem einfahrenden Güterzug zuder die Mitglieder des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung fammen. Mehrere Wagen wurden ineinandergeschoben, 12 agen geladen waren. Stadtrat Köhler, der Dezernent des Boltsbildungsentgleisten. Der Zugführer des Güterzuges erlitt eine amtes, war durch Krankheit verhindert, den angekündigten Fest Schädelverlegung und mußte in das Krantenhaus Kamen vortrag zu halten. Ein Lichtbildervortrag von Stadtinfpettor Griepe gebracht werden. Das Gleis ist gefperrt. Relf- und Fahtfurnier. Der Hauptprüfung am Montag nachmittag im ohspringen stellten sich vier Pferde. Sieger blieben die beiden altbekannten Springpferde Fortunello unter feinem Befizer v. Budden brod und anto unter seinem Befizer v. Langen, die beide 1,95 fehlerfrei prangen. Bugzusammenstoß bei Dortmund. Gewerkschaftsbewegung Die Personalausgaben der Reichsbahn. Oben mit Scheffeln, unten mit Tropfenzählern. Da die Hauptverwaltung der Reichsbahn die Stirn gehabt hat, den verbindlich erklärten Schiedsspruch einer Stundenlohnerhöhung Don 1 Pfennig nicht auszuführen, wenn ihr nicht gleichzeitig eine Tariferhöhung bewilligt würde, erscheint es angebracht, der Deffentlichkeit einmal wieder einen kleinen Korruptionsfonds zu zeigen. Geld ist schon da; es bleibt nur an den Stellen, die es verteilen; diejenigen, welche es sehr gut brauchen können, erhalten es nur nicht. Die einzelnen Direktionen haben ihren Unterstügungs= fonds. Nun trug sich in einer mittleren Stadt Sachsens, nennen wir fie einmal Reichenbach i. Vogtl., folgendes Satyrspiel zu: Es läuft eine Verfügung der Direktion ein, derzufolge im Unterftügungsfonds noch einige Millionen rosten sollen, die aber im laufenden Etatsjahr ausgegeben werden müssen; deshalb sollen fofort die Namen bedürftiger Bediensteter zwecks Berüdfichtigung angegeben werden. Es meldeten sich 25 Beamte und 20 Pensionäre, die nun unter Beifügung von Rechnungen auf die Ausschüttung warten. Da man etma 10 000 M. Schulden nachgewiesen hatte, glaubte man wohl auf eine runde, nette Summe als Beihilfe rechnen zu können. Die Direktion Dresden fam nach langen Verhandlungen zu einem Ergebnis, das die soziale Einstellung unserer Bureaukratie im hellsten Lichte zeigt. Zur Verfügung wurden gestellt: 1. Für Pensionäre( 20 Teilnehmer) zusammen vierzig Mart; 2. für Beamte der Gruppen I- VI( 20 Teilnehmer) zusammen hundert Mark; 3. für Beamte der Gruppen VII- X( vier Teilnehmer) zusammen fünfhundert Mark. Wörtlich wurde bestimmt: Kein Teilnehmer darf unter 20 m. erhalten. Allgemeines Erstaunen; denn dieses Rechenerempel fonnte teiner lösen. Dann traten die Teilnehmer der Gruppen IV- VI zugunsten der Gruppe III zurüd, nachdem in dieser Gruppe die Kinderlosen zugunsten der Kinderreichen verzichtet hatten. Zwei Teilnehmer der Gruppe VIII verzichteten auf ihren Anteil zugunsten der Bensionäre. Der Dienststellenleiter mußte sich außer seiner recht ansehn lichen Leistungszulage einen größeren Betrag abziehen, alsdann verblieb für jeden Inspektor noch ein Betrag, höher als die vom Reichstage im Dezember beschlossene Entschuldungsbeihilfe für die unteren Beamten. Also: Untere Beamte und Pensionäre je 20 m., Inspektoren dagegen das Mehrfache davon. Die im Bereiche der ganzen Reichsbahn ausgeschütteten Gelder, über die bei den höheren Beamten gar feine, bei den gehobene ren mittleren eine gewisse, bei den unteren Beamten eine sehr scharfe Kontrolle stattfindet, beträgt das Bielfache der 11% Millionen, die zur Erfüllung des Schiedsspruches notwendig waren. Man will aber fein Personal, das ein gewisses Einkommen perlangen fann, sondern ein solches, das um seinen Lebensunterhalt betteln muß. Die Einführung modernisierten SklavenJums ist das Ideal der Industriebarone, die heute die Reichsbahn durch Einführung faufmännischer Betriebsführung" banferott wirtschaften. Generalversammlung der Steinarbeiter. Der Holzfäller bleibt unerwünscht. Die Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands jetzte am Montag die am 15. Februar vertagte GeneralDersammlung fort. Die Versammlung beschäftigte sich eingehend mit dem Borschlag des Zentralvorstandes, die Erwerbslofen unterstützung wieder einzuführen. Nach einer längeren Diskussion wurde der Vorschlag mit großer Mehrheit abgelehnt, da die Bersammelten die Befürchtung haben, daß bei der jezigen Wirtschaftslage die Durchführung dieser Unterstügungsmaßnahme nur durch eine erhebliche Erhöhung der Beiträge möglich sei. Im weiteren Verlauf der Versammlung mußte auch über den Wiederaufnahmeantrag des im Jahre 1922 wegen moralischer Lumpereien ausgeschlossenen fommunistischen Stadtverordneten Holz fäller abgestimmt werden. Nach einer zweifelhaften Abstimmung durch Handaufheben wurde per Stimmzettel abgestimmt. Welche Kräfte hier am Werfe waren, ungeachtet der moralischen Qualifikation des Aufnahmeantragstellers nur nach seiner parteipolitischen Einstellung zu urteilen, zeigte sich fehr schnell. Es wurde bekannt, daß ein Bersammlungsteilnehmer 3 Stimmzettel für die Wiederaufnahme ausgefüllt hatte. Darauf wurde die Abstimmung durch Stimmzettel nicht vorgenommen und nochmals durch Handaufheben abgestimmt. Nach diesem Manöver war das Abstimmungsergebnis nicht mehr zweifelhaft, denn die übergroße Mehrheit erklärte sich gegen die Wiederaufnahme des Ausgeschlossenen. In der Generalversammlung am 15. Februar erläuterte der Borsitzende der Berliner Zahlstelle, Genosse Nitsche, den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht für das Jahr 1925. Danach konnten die Spizenlöhne in den einzelnen Berufsgruppen von Anfang bis Schluß des Jahres wie folgt erhöht werden: Werfsteingruppe von 1,06 auf 1,45 M., Marmorgruppe von 1,03 auf 1,35 M., Grabmalgruppe von 0,98 auf 1,40 m., Steinsetzer und Steinhauer von 1,06 auf 1,45 m. Der für siebenstündige Arbeitszeit gültige Tages: lohnjaz der Bildhauer konnte durch Kleinkrieg mit Hilfe der Organisation von 8,50 auf 13 M. erhöht werden. In der Alabaster gruppe( Leuchtschalenbranche) fonnter: infolge der fast völligen Stilllegung der Branche die tariflichen Grundlöhne nicht geändert werden. Die zurzeit erzielten Löhne der Bildhauer und Dreher liegen in dieser Branche zwischen 1,10 und 1,70 m. Trotz der teilweise nicht guten, teilweise sogar sehr schlechten Arbeitsmöglichkeit( ausgenommen die Gruppe der Steinfeger) fonnten doch Löhne erreicht bzw. gehalten werden, die wenigstens annähernd den Lebenshaltungskosten entsprechen. Der Mitgliederbestand vermehrte sich von 1561 am Juformationsabend des AfA- Ortskartells. Das AfA- Ortsfartell Berlin hatte zum Montag nach dem Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats für seine Hauptfunktionäre Wirtschaft einen Informationsabend einberufen, der einen guten Be Die englische Industrie gegen eine Kohlenexportprämie fuch aufwies. Es referierten: Stadtrat Genosse Brühl über das Landesarbeitsamt, Stadtverordneter Genosse Reuter über die Gemeinde und Reichstagsabgeordneter Genosse Auf häuser über die Erwerbslosigkeit. Genosse Brühl zeichnete ein Bild von dem Aufbau und den Aufgaben des Landesarbeitsamtes und zerstreute die viel verbreitete Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslosen verantwortlich sei. Diese irrige Ansicht, daß das Landesarbeitsamt für die Mißstände in der Mißstände sind hauptsächlich auf den fleinlichen Verwaltungsbureautratismus der Behörden zurückzuführen. Alle Beschwerden gegen diesen Leerlauf der Verwaltung haben nichts genutzt. Genosse Reuter schilderte die Arbeit, die im Stadtparlament für die Interessen der Erwerbslosen wie auch für den Aufstieg der Einheitsgemeinde Groß- Berlin geleistet worden ist. Er wies an geschickt zusammengestelltem Zahlenmaterial nach, wie schwer es den Städten und Gemeindeverbänden durch die Steuerpolitit des Reiches gemacht wird, im Interesse ihrer Einwohner zu wirken. Eine wesentliche Belebung des Arbeitsmarktes wäre nur möglich durch eine gesteigerte Bautätigkeit, denn von dem Baugewerbe hängen alle anderen Industrien ab. Erreicht werden kann diese Belebung der Bautätigkeit aber nur durch eine bessere Verwendung der Hauszinssteuererträge und Vergebung erster Hypotheken mit erträg licher Berzinsung. Bum Schluß ging der Genosse Aufhäuser auf die Tätig feit des Reichstags in der Frage der Erwerbslosigkeit insbesondere der Angestellten ein und stellte fest, was zur Linderung der Not der Erwerbslosen erreicht worden ist und was noch gefordert werden muß. Er kritisierte besonders heftig die Kreditgebarung der Reichsversicherungsanstalt. In seinem furzen Schlußwort ersuchte der Aufklärung und zur Zerstreuung irriger Auffassungen zu verGenosse Flatau die Anwesenden, daß Gehörte in ihren Kreisen zur wenden. Auf dem Dummenfang. Der Einheitskomiteerummel hat nicht gezogen. Die KPD. verfuchte nun den Dummenfang auf andere Weise. So verschickt Marienfelde an Belegschaften anderer Firmen Einladungen zu der kommunistische Betriebsrat der Frizz Werner A.-G. in einer Bersammlung. Begründet werden diese Einladungen in Anbetracht der immer schärfer geführten Offensive der Unternehmer den Belegschaften der einzelnen Werfe gegenüber". Es wird hinzugefügt: Die Bezirksleitung des DMV. hat ihr Erschei nen zugefagt." Daran ist fein wahres Wort. Die Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist von diesen Veranstaltungen weder der= ständigt worden, noch hat sie ihr Erscheinen zugesagt. Die harmlos flingende Tagesordnung und der Zusatz, daß die Bezirksleitung des DMV. ihr Erscheinen zugesagt hat, ist der beste Beweis dafür, daß die KPD. fein Vertrauen mehr hat in der 3ug fraft ihrer Parolen und ihrer Bonzen. Es muß schon ein dreifach verfluchter reformistischer Bonze der Gewerkschaften fein, während man den wirklichen kommunistischen Dauerredner schamhaft verschweigt, um die Massen, an die man sich mit Gewalt herandrängt, anzuloden. Denn die ganze Veranstaltung in Marienfelde ist natürlich genau fe aufgezogen wie anderwärts. Irgendein Höllein oder Münzen. berg wird eine Dauerrede halten gegen die SPD. und die Gewert schaften, man wird die übliche Resolution annehmen und mit Sympathisierenden" und Parteilofen" ein sogenanntes Einheitstomitee zu bilden versuchen. Neugierige seien gewarnt. " Deutsch- österreichische Besprechung über den Arbeitsmarkt. Wien, 23. Februar.( WTB.) Wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, haben zwischen Bertretern der beteiligten Ministerien Deutschlands und Desterreichs dieser Tage in Wien Besprechungen über den Arbeitsmarkt stattgefunden. Es handelte sich insbesondere darum, die Unzuträglichkeiten abzustellen, die sich für die Angehörigen der beiden Staaten bei der Arbeitssuche im Gebiete des anderen Staates gelegentlich ergeben haben. Man kam dahin überein, daß durch fortlaufenden und rechtzeitigen Austausch von Beröffentlichungen über den Arbeitsmarkt Reibungen fünftig am besten vermieden werden. Lohnbewegung der Bergarbeiter in Luxemburg. Luremburg, 23. Februar.( WTB.) Da die lugemburgischen ( WTB.) Da die luxemburgischen Hüttengesellschaften bisher auf die Lohnforderungen der Arbeiter vom Monat Dezember noch nicht geantwortet haben, wurde der Berg- und Hüttenarbeiterverband deswegen bei der Regierung vorstellig. Diese antwortete, demnächst sollten Zentralausschüsse gebildet werden, die befugt sein würden, mit den Generaldirektoren der Gesellschaften die Lohnfrage zu regeln. Maffenkonflikt in Norwegen. Oslo, 23. Februar.( WTB.) Der Norwegische ArbeitgeberDer Norwegische Arbeitgeber: verein hat sämtliche Abmachungen, deren Kündigungsfrist der 1. März ist, gefündigt, darunter befinden sich u. a. die Uebereinkommen in der Bergwerks- und Metallindustrie. Mit Einschluß der früher ausgesprochenen Kündigungen werden von der neuen Maßnahme 35 000 bis 40 000 Arbeiter betroffen. Arbeitslosenunruhen in Polnisch- Oberschlesien? Warschau, 22 Februar.( Tul.) Im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit in Ostoberschlesien hat die Kommunistische Partei Bolens eine lebhafte Propagandatätigkeit unter den Arbeitslosen entfaltet. Die polnischen Behörden haben in ganz Oberschlesien umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Größere Abteilun gen der politischen sowie der Sicherheitspolizei sind von Warschau befürchtet. Der englische Verband der Industriellen hat am 18. Februar einstimmig eine Resolution angenommen, die den folgenden Wortlaut hat: " Die Zusammenkunft der britischen Industriellen wünscht die Regierung Seiner Majestät eindringlich darauf hinzuweisen, daß es für die englische Industrie eine Lebensnotwendigkeit ist, Kohle für industrielle Zwede zu einem wirtschaftlichen Preise erhalten zu fönnen. Demgemäß wünscht sie, die Regierung auf die Notwendig teit hinzuweisen, diesen Gesichtspunkt bei allen Maßnahmen im Auge zu behalten, die sie bei der Behandlung der Kohlenfrise ergreifen will." Damit hat der größte Verband der englischen Industrie energisch gegen die Einführung einer Kohlenerportprämie protestiert, deren Wirkung naturgemäß fein müßte, den Inlands. preis für englische Kohle auf die Höhe des Weltmarkt preises plus Exportprämie zu treiben. Die englische Kohlenenquete hat bereits eine deutliche Tendenz des englischen Bergbaues zum Kohlendumping vor Zahlung der Regierungssubventionen unwidersprochen festgestellt. Es ist selbstverständlich, daß sich jetzt die Industriellen gegen die Gefahr wehren, daß ein folches Dumping staatlich fonzessioniert und durch gesetzliche Maßnahmen geradezu herausgefordert wird. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat es bekanntlich bis heute noch nicht für nötig gehalten, im Interesse der verarbeitenden Industrie gegen die künstliche Hochhaltung der Kohlenpreise in Deutschland bei gleichzeitigem Dumping auf dem Weltmarkte seine Stimme zu erheben. Dr. Unblufig( kufirol) unter Geschäftsaufsicht. Wie gemeldet wird, ist die Firma Kutirol" Kurt Krisp in Groß Salze bei Magdeburg in Zahlungsschwierigkeiten geraten und hat Geschäftsaufsicht beantragt. Die Verbindlichkeiten betragen zirka 1,1 Millionen Mart. Der Gesamtverband der deutschen Terfilveredelungsindustrie teilt zu einer amtlichen Darstellung der Gründe der Beseitigung seiner Treurabatte mit, daß er sich nicht so sehr wegen des drohenden Prozesses am Kartellgericht, sondern vielmehr zur Herbeiführung eines Wirtschaftsfriedens die verteuernden Zollrabatte aufgegeben habe. Die Einigung mit den Abnehmern erfolgte bei Reichsverbandes der deutschen Industrie. einer schiedsgerichtlichen Verhandlung vor der Kartellstelle des An dem Tatbestand halten, ob eine gütliche Einigung so rasch zustande gekommen ändert diese Erklärung menig. Mindestens muß man es für fraglich märe, wenn nicht der Drud des Kartellrechtes über der ganzen Angelegenheit geschwebt hätte. Es ist ja nicht nur 3wed der Kartellverordnung, die Verbände zu sprengen, sondern auch der, sie zuz veranlassen, eine Berständigung mit denjenigen Kreisen herbeizuzufühen, die fich von der Preispolitik der Verbände benach teiligt fühlen. Dieser 3wed ist hier offenkundig erreicht worden. Einlösung der Dollarschahanweisungen. Am 15. April d. I. werden die Schazanweisungen des Deutschen Reiches von 1923 ( Dollarschaganweisungen) fällig. Die Rückzahlung erfolgt von diesem Tage ab mit dem auf den Stüden angegebenen Rüdzahlungsbetrage ohne Abzug in Scheck auf New York, auf Wunsch auch in Reichsmart zum amtlichen Berliner Mittelkurse für telegraphische Auszahlung New York. Die Einlösung findet vom 15. März ab bei der Reichs hauptbant Berlin( Beichnungs sehenen Reichsbankanstalten vermitteln die gebührenfreie Eins ziehung. Um eine glatte Abwickelung zu ermöglichen, wird eine möglichst frühe Einreichung dringend angeraten. Die Aushändigung des Gegenwerts erfolgt auch für die vor dem 15. April eingereichten Stüde erst vom 15. April ab. abteilung, Breite Straße 8/9) statt. Alle mit Stasseneinrichtung ver Bon den britischen Genoffenschaften. Nach dem soeben er fchienenen inhaltreichen" People's Dear Boot", mit statistischen Angaben über die Entwicklung der Co- operative Union" im Jahre 1924, waren ihr angeschlossen 1445 genossenschaftliche Pfund Sterling Anteil- und Leihkapital, 13 471 675 Pfund Sterling Organisationen mit insgesamt 4752 636 Mitgliedern, 140 770 676 Reserven, 207 211 Beschäftigten, die 25 596 987 Pfund Sterling Löhne und Gehälter im Jahre bezogen, 281 950 901 Pfund Sterling Gesamtumfaß und 21 396 596 Pfund Sterling Reinüberschuß. Die Ronsumvereine, 1314 an der Bahl, umfaßten 4 702 868 Mitglieder, besaßen 94 053 941 Pfund Sterling Anteil und Leihkapital und beschäftigten 134 419 Personen, die an Löhnen und Gehältern 17 534 892 Pfund Sterling bezogen, und erzielten bei 175 077 825 Pfund Sterling Umfaß einen Reinüberschuß von 18 947 448 Pfund Sterling. Ihre Zahl blieb gegen das Vorjahr stabil, ihre Mitgliederzahl nahm um 133 612, ihr Anteil- und Leihfapital um 6 130 884 Pfund Sterling, ihre Reserven um 430 040 Pfund Sterling, die Zahl der Beschäftigten um 5685, die Löhne und Gehälter um 596 665 Pfund Sterling, die Umsätze um 9587 787 Pfund Sterling, der Reinüberschuß um 3031 220 Pfund Sterling zu. Von den drei Großeinkaufsgesellschaften versorgen die englische und die schottische die Konsumvereine, die irische dagegen landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften. = Italienische Kunstfeide Riefengewinne. Die Snia- Biscofa- Gesellschaft Turin, die größte Kunstseideproduzentin des Rontinents, hat auf ihr 800 mill. Lire- Kapital einen Reingewinn von 148,4 mill. Lire erzielt.( Das ist ein Reingewinn von fast 25 Millionen Mark aus einer Jahresproduktion von 9,5 mill. kg). 100 Mill. Lire werden zur Zahlung der 12% prozentigen Dividende verwendet, 20. Mill. dem Reservefonds überwiefen und 52,2 Mill. Lire auf neue Rechnung vorgetragen. Für die Zerschlagung der sozialistischen Gewerkschaften wird die Snia Biscosa Herrn Mussolini sicher dankbar sein. Anfang auf 2406 oder um rund 55 Broz. zum Schlusse des Jahres nach Rattowiz geschickt worden, da man Arbeitslosenunruhen Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Den größten Anteil an dem Mitgliederzuwachs hatten die Steinfeger, die zu Beginn des Jahres 900, zu dessen Ende 1496 Mitglieder zählten. Nach dem vom Kassierer Martens erläuterten Kassen bericht belancierten die Einnahmen und Ausgaben der Zentraltaffe mit 99 847,95 M. Die Lokaltasse fonnte ihren Bestand von stellten der Zahlstelle, die Genossen Nitsche( Vorsitzender) und Martens( Kajfierer) gegen wenige Stimmen auf ein Jahr wiedergewählt. Ein Antrag auf Einstellung eines dritten Angestellten wurde dem Hauptvorstand überwiesen. 6748,53 m. auf 31 122,13 M. erhöhen. Es wurden dann die AngeGewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Gonftiges: Frik Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin G 68. Lindenstraße 3. Dieser Befürchtung fönnte man unseres Erachtens weit wirffamer begegnen durch bessere Unterstützung der Arbeitslosen. Die Polizei kann schließlich auf Arbeitslose einhauen und schießen, doch davon wird kein Arbeitsloser satt. Die Entfendung Bewaffneter Lausitzer Platz 16 gegen Arbeitslose ist ein Ausfluß des schlechten Gewissens, der Notlage der Arbeitslosen nicht gerecht geworden zu sein. Nähe Göritzer Bahnhf. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Pumpen 2.-G., Berlin, Walftr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend und Wasservon 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. schlauch- Vertrieb bleibt Marken- Zigaretten kaufen Sie am billigsten Berlin, Kaiser- Wilhelm- Str. 32 Treppe Versand nach auswärts franko. OBERST OBERST in Qualität, Format und Waldorf- Astoria CigareffenAusstattung unerreicht Fabrik Aktiengesellschaft.