Abendausgabe Nr. 9443. Jahrgang Ausgabe B Nr. 47 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Donnerstag 25. Februar 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berieger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Widerstand gegen das Volksbegehren. Amtsvorsteher Ostelbiens handeln wider das Gesetz. Der Versuch deutschnationaler Guts- und Gemeindevorsteher, das Boltsbegehren zu fabotieren, nimmt immer großartigere Formen an. Aus Ostpreußen wird uns gemeldet, daß dort bisher mehr als 100 Amts vorsteher die Annahme der Einzeichnungslisten verweigert haben. Charakteristisch für die Geistesverfassung mancher ost elbischer Gutsvorsteher ist das nachstehende, beim Parteivorstand eingelaufene Schriftstüd: Hentenhagen, den 23. Februar 1926. Kreis Regenwalde. An die Geschäftsstelle der Sozialdemokratischen Partei Berlin. Aufrichtig bedaureich, Ihrem„ Ersuchen" nicht Folge leisten zu können, da die Bereinigte Sozial- kommunistische Partei Deutsch lands noch nicht zu den mir vorgesezten Behörden Die Eintragungsliste anbei. ( Stempel.) zählt. J. A. gez. Pribbernom, Gutsvorstand. Nachdem inzwischen die Rundverfügung des Ministers des Innern hinausgegangen ist, wird ja wohl auch noch in OstpreuBen und Bommern den widerspenstigen Gemeinde- und Gutsvorstehern begreiflich gemacht werden, daß die Annahme und Auslegung der Eintragungslisten ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist. Man sollte freilich schon ohne eine besondere ministerielle Anweisung erwarten, daß Gemeindevorsteher die Geseze fennen. Besonders dem Herrn aus Henkenhagen, der in so schnoddriger Art versichert, daß die Sozial- kommunistische" Partei nicht zu seinen Borgesezten gehöre, würde es nicht schaden, wenn er einen Blick in das Gesetzbuch täte, bevor er seinen Ablehnungsbrief schreibt. Noch vielmehr gilt das für den Berband preußischer Landgemeinden" im Kreise 3 ei, dessen anmaßendes Rundschreiben wir gestern zum Ausdrud brachten. Würden sie in das Gesetzbuc; guden, so würden sie im Reichsgefeß über den Volks= entscheid vom 27. Juni 1921 unter§ 34 folgende Bestim mung finden: " „ Die Gemeindebehörden müssen den Eintragungsberechtigten mährend der Eintragungsfrist Gelegenheit geben, sich in die vorschriftsmäßigen Eintragungslisten, die ihnen von den Antrag stellern übergeben werden, eigenhändig einzutragen. Erilärt ein Eintragungsberechtigter, daß er nicht schreiben kann, so wird seine Unterschrift durch die Feststellung dieser Erklärung ersetzt." Und in der Reichsabstimmungsordnung vom 1. Dezember 1921 heißt es im§ 78: Die Vordrucke für die Eintragslisten find von den Antrag stellern oder ihren Beauftragten den Gemeindebehörden zu übergeben. Ueber den Eingang der Bordrucke ist dem Einlieferer auf Antrag eine gemeindebehördliche Bescheinigung zu erteilen." Verkürzte Kurzarbeiterfürsorge. Unzureichende Durchführung der Reichstagsbeschlüsse. Der Reichsarbeitsminister veröffentlicht in Nr. 45 des„ Deutschen Reichsanzeigers" seine Anordnung über Kurzarbeiterfürsorge. Die Anordnung tritt am 1. März in Kraft und gilt bis zum 1. Mai. Der Geltungsbereich erstreckt sich auf Arbeitnehmer eines gewerblichen Betriebes im Sinne des§ 105 b Abja 1 der Gewerbeordnung, in denen regelmäßig mindestens 10 Arbeitnehmer beschäftigt werden. Unter die Kurzarbeiterfürsorge fallen fomit: Bergwerke, Salinen, Aufbereitungsanstalten, Brüche und Gruben, Hüttenwerte, Fabriken und Werkstätten, Zimmerpläge und andere Bauhöfe, Werften und Ziegeleien sowie Bouten aller Art, die mindestens 10 Arbeitnehmer beschäftigen. Wird diese Beschäftigungszahl nicht erreicht, dann haben selbst die Kurzarbeiter dieser Betriebe teinen Anspruch auf Unterstützung; es find weiter vollständig insbesondere das gesamte Verkehrs ausgenommen gewerbe, Handelsgewerbe und Handwerk. Damit werden über 50 Broz. aller Kurzarbeiter von der Kurzarbeiterfürsorge ausgeschlossen. Bei den Verhandlungen im Reichstage ging man selbstverständlich davon aus, daß Anspruch auf Kurzarbeiter fürsorge alle Kurz arbeiter haben sollten. Die Bertreter der Arbeitnehmer im Berwaltungsrate des Reichsamts für Arbeitsvermittlung forderten ebenfalls die Einbeziehung aller Kurzarbeiter. Als Mindest= maß wurde von einer großen Mehrheit des Berwaltungsrats die Einbeziehung des Bertehrsgewerbes, Handelsgewerbes und aller gewerblichen Betriebe, also auch des Handwerks, gefordert, in denen regelmäßig mindestens 5 Arbeitnehmer beschäftigt werden. Selbst dieses Mindest maß hat der Reichsarbeitsminister in seiner Anordnung unberüdsichtigt gelassen. des Die Anordnung des Reichsarbeitsministers läßt vollständig unberücksichtigt die Forderung des Reichstages und des Berwaltungsrates, daß auch in den Fällen die Kurzarbeiterfürsorge zu gewähren ist, wo die Kurzarbeit sich auf alle Tage erstreckt und ein tagemeises Aussehen nicht möglich ist. Das ist häufig bei den An gestellten der Fall. Unberücksichtigt blieb auch der Mehrheitsbeschluß des Berwaltungsrats, die Wartezeit von 8 auf 6 Tage herabzujeßen. Die Reichsabstimmungsordnung legt den Gemeindebehörden, also auch den Gutsvorstehern, fogar noch weitere Pflichten auf. Im§ 79 heißt es: Unverzüglich nach Eingang der Bordrucke hat die Gemeindebehörde in ortsüblicher Weise bekanntzugeben, wo, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die Unterschriften während der Eintragungsfrist in die Eintragungslisten abge geben werden können. Die Bekanntmachung unterbleibt, wenn der Eingang der Eintragungsliste so spät erfolgt, daß nach den örtlichen Verhältnissen ein Erfolg von der öffentlichen Bekanntmachung nicht mehr zu erwarten ist. Die Eintragungstage und Eintragungsstunden find so zu legen, daß alle Eintragsberechtigten der Gemeinde die Möglichkeit haben, innerhalb der Eintragungsfrist sich in die Listen einzutragen." Man sollte meinen, daß diese Bestimmungen des Gesetzes außerordentlich flar und unmißverständlich sind. Amtsvorsteher und sonstige Gemeindebehörden, die die Annahme der Listen verweigern, die Listen zurüdsd; iden oder sonst das reibungslose Abwickeln der Eintragung zu ver hindern suchen, verdienen deshalb die schärfste disziplinarische zurechtweisung durch ihre vorgesetzten Behörden( wozu mir natürlich den Landbund nicht rechnen). Möglicherweise rechnen sie damit, daß, wenn sie sich dumm stellen und die ihnen rechtzeitig übermittelten Eintragungslisten wieder zurückschiden, sie nachher sich von der ortsüblichen Bekanntmachung brüden fönnten, meil dann der Eingang der Eintragungsliste so spät erfolgt fei"(§ 79 der Reichsabstimmungsordnung), daß sie eine bequeme Ausrede haben würden. Es Ueber alle Sabotageversuche solcher Art ist sofort bei den Regierungspräsidenten Beschwerde zu erheben. empfiehlt sich auch, das preußische Innenministerium direft zu benachrichtigen, damit von hier aus den fäumigen Gemeindevorstehern nachgeholfen werden kann. Wir hoffen, daß das umgehend und sehr nachdrücklich erfolgen wird. Die Abfindungsverhandlungen. Der Rechtsausschuß des Reichstags setzte heute vormittag unter dem Vorsiz des Abg. Dr. Kah!( D. Vp.) die Beratung der Anträge über die Fürste nabfindung fort. Abg. Dr. Barth( Dnatl.) gab vor Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab, in der er sich„ namens der Deutschnationalen Partei" gegen angeblich irreführende Presseberichte wehrte. Die Verhandlung wandte sich dann der gemeinsamen Beratung der§§ 2 und 7 zu, die von den Rückwirkungen der jetzt zu fassenden Beschlüsse handelte, und zwar, in welchen Fällen, in welchen Ländern die Rückwirtungsfraft ohne besonderen Beschluß erledigt sein würde. Fälle dem neuen Gesez eine Rüdwirtungstraft zu ver: Abg. Rosenfeld( S03.) begründete einen Antrag, der für alle leihen hätte. Mindestens müsse jedem Lande das Recht zustehen, eine solche neue Prüfung zu verlangen. Er bittet um Auskunft, welche Fälle die Regierung für erledigt halte. Für die Geltend machung des Anspruches auf Sturzarbeiter unterstüßung ist notwendig, daß der Arbeitgeber dem öffentlichen Arbeitsnach weis eine Anzeige erstattet, aus der sich ergibt, daß die Voraussetzungen für die Unterstützung und ihre Höhe erfüllt sind. Interläßt der Arbeitgeber die Anzeige, so fann sie von der Betriebsvertretung und, soweit eine solche nicht besteht, von jedem Arbeitnehmer des Betriebes erstattet werden. Die Unterstützung beginnt mit der Kalenderwoche, die auf den Eingang der Anzeige bei dem öffentlichen Arbeitsnachweis folgt. Es ist also notwendig, sofort Anzeige er statten zu lassen, damit die anspruchsberechtigten Kurzarbeiter bereits bei Inkrafttreten der Anordnung am 1. März ihre Unterstützung erhalten. Das ist möglich, weil nach den Uebergangsvorschriften die Wartezeit auch vor dem Inkrafttreten der Anordnung liegen fann. Der Verwaltungsrat des Reichsamts für Arbeitsvermittlung tritt am Freitag, den 26. d. M., zu einer Bollversammlung zu fammen; er sollte bei dieser Gelegenheit mit allem Nachdrud ver langen, daß die Anordnung über Kurzarbeiterfürsorge im Sinne seiner Beschlüsse geändert wird. Gegen Mussolini. Borah für Südtirol- gegen das Schuldenabkommen. New York, 25. Februar.( TU.) Zu dem Hilferuf der Tiroler bei den großen Kundgebungen in Innsbrud erflärte Senator Borah, daß die Loslösung Südtirols eine Folge der Geheimverträge sei, gegen die fich Wilson gewandt habe. Wilson sei bestrebt gewesen, den Abschluß von Geheimverträgen für die Zukunft unmöglich zu machen, was ihm jedoch nicht möglich gewesen sei. Borah sei wie Wilson der Ansicht, daß die Abtrennung Südtirols ein großes Unrecht der Tiroler Bevölkerung gegenüber sei. Wenn er dazu in der Lage fel, so würde er sofort Schritte ergreifen, um das den Südtirolern zugefügte Unrecht wieder gutzumachen. Solange Muffolini fein imperialistisches Programm aufrechterhalte, fönne er nicht dafür ftimmen, daß die Schuldver. pflichtungen Italiens mit 35 Cents für einen Dollar abgegolfen würden. Italien soll sein eigenes Geld und nicht das der Amerikaner für feine imperialistischen Zwede verbrauchen. Die Front der Demagogen. Reichssteuern als Handelsobjekte. In den nächsten Tagen wird der Gesezentwurf mit der angefündigten Senkung der Steuern veröffentlicht werden. Im Mittelpunkt dieses Programmes der Steuerermäßigungen steht die Herabsetzung der Umsag steuer von 1 Broz. auf 0,6 Proz. Damit entspricht die Regierung einer Forderung, die in früherer Zeit von allen. Barteien vertreten worden ist. Auch in der Erklärung der Regierungsparteien bei dem Antritt des zweiten Kabinetts Luther ist die Ermäßigung der Umsatzsteuer als der erste Schritt des Abbaus der Steuerlasten überhaupt bezeichnet worden. Um so erstaunlicher ist es, daß die Kritik an dem Programm des neuen Finanzministers vor allen Dingen der Senfung der Umsatzsteuer gilt. Wenn die Sozialdemokratie gegen die Pläne Dr. Reinholds Bedenken geäußert hat, so nur deshalb, weil sie unter allen Umständen die Fähigkeit des Reiches und der Länder zur ausreichen. den Fürsorge für die Millionen Notleidenden aufrechterhalten will. Können jedoch, ohne dieses Ziel zu gefährden, Steuern ermäßigt werden, dann ist selbstverständlich die Umsatzsteuer das geeigneteste Objekt. Das war bisher auch die Meinung aller übrigen Parteien. In den legten Tagen aber hat sich hierin eine auffällige Wandlung vollzogen. Sowohl vom Reichsverband der Deutschen Industrie als auch vom Reichslandbund merden mit einemmal Bedenken gegen. den Abbau der Umsatzsteuer erhoben und statt dessen wird die vorzugsweise Genfung anderer Steuern verlangt. Was bedeutet diese Schwenfung? Zunächst einmal ist sie das Eingeständnis, daß die bisherigen Angaben über die schädlichen Wirkungen der Umsatzsteuer außerordentlich übertrieben sind. Gleich zeitig aber auch das Eingeständnis, daß die angeblich zu hohen Steuerlasten feine ausschlaggebende Rolle bei der Wirtschaftsfrise spielen; denn würden diese beiden Gründe aufrechterhalten werden, dann müßte man ja froh sein, daß die schwere Last von der Wirtschaft genommen und die Wirtschaftskrise erheb= lich erleichtert würde. In Wirklichkeit denken die Unternehmer stets weniger an die Wirtschaft als an ihren Profit. Daher haben sie gar nichts gegen die Aufrechterhaltung der Umsatzsteuer einzuwenden, zumal sie auf eine Senkung der Einkommen- und Vermögenssteuer hoffen. Diesen Zusammenhang erkennt man ganz deutlich, wenn man sich die Wirkung der Senkung der Umsatzfte u er vorstellt. Für die gesamte deutsche Wirtschaft bedeutet die Sentung der Umsatzsteuer von 1 Proz. auf 0,6 Proz. eine Ersparnis von rund 400 millionen Mark jährlic;. Es ist auch möglich, daß infolge der hohen Schutzzölle und der großen Macht der Kartelle dadurch keine Ermäßi gung der Preise eintritt, so daß Produzenten und Händ ler den Gewinn in die eigene Tasche stecken können. Auf die Dauer aber werden sie diesen Vorteil nicht behalten. Bei freier Konkurrenz müssen die Warenpreise um den Betrag der Umfagsteuer wäre es natürlich umgefehrt. Da sie nach dem Steuererleichterung sinken. Bei der Aufrechterhaltung der Willen des Gesetzgebers abgewälzt werden soll, werden bei normalen Wirtschaftsverhältnissen mindestens die großen Erzeuger und Händler die Abwälzbarkeit auch erreichen. An diese Zeit denkt das Unternehmertum jetzt bereits. Es schätzt infolgedessen den augenblicklichen Vorteil durch die Senfung der Umsatzsteuer geringer ein als den großen dauernden Nachteil. Diesen dauernden Nachteil fieht man in der Tatsache, daß, wenn die Umsatzsteuer gesenkt wird, ein Abbau der Besitzsteuern schwer möglich ist. man rechnet aber auch damit, taß eine spätere Wiederherauffetzung der Umsatzsteuer schwer möglich und deshalb unwahrfcheinlich ist und man fürchtet schließlich, daß mit steigenden Reparationslasten und steigender Finanznot fogar eine weitere Anspannung der Besitzsteuern erforderlich wird. Die gleichen Unternehmer und Parteien also, die bisher die Umsatzsteuer mitverantwortlich machten für die hohen Preise, die Konkurrenzunfähigkeit Deutschlands und dadurch für die Wirtschaftskrise, suchen jetzt die Ermäßigung der Umsatzsteuer zu vereiteln. Die Träger dieser Anschauung sizen sowohl bei den Deutschnationalen als auch bei der Deutschen Volkspartei. Selbst im Zentrum scheinen solche Einflüsse wirksam zu sein. Daher begegnet man in all diesen Parteien dem neuen Finanzminister mit Mißtrauen und Ab= neigung. Man wünscht von ihm, daß er Steuererleichterungen lediglich bei der Besizbesteuerung eintreten lasse. Die Front der Demagogen aber reicht über die Regierungsparteien hinaus. Die Deutschnationalen, die das Steuerabbauprogramm für gefährlich und undurchführbar halten, haben gleichzeitig Anträge gestellt, die der Reichstaffe eine weitere halbe Milliarde entziehen wollen. Nach ihrer Logit ist Steuerfenfung um eine halbe Milliarde verderblich, um eine ganze Milliarde aber verdienstlich! Sie gefallen fich also in der gleichen plumpen Demagogie wie bei der Aufs wertung. Troßdem darf man die Gefahr, die mit ihren Anträgen verbunden ist, nicht unterschätzen, da die Instinkte, die mit ihnen geweckt werden, zum mindesten in der Deutschen Volkspartei auf starken Widerhall rechnen können. Natürlich fehlen auch die Kommunisten in diesem Reigen nicht. Sie haben etwa anderthalb Dugend Anträge vorgelegt, deren Erfüllung mit absoluter Sicherheit in fürzester Frist in eine neue Inflation und in außenpolitische Berwicklungen hineinführen müßte. Sie verlangen neben der Beseitigung der Lohnsteuer auch den völligen Abbau der Umsatzsteuer sowie der verpfändeten Zölle und Verbrauchssteuern, also glatte Beseitigung von drei Viertel aller Steuereinnahmen. Daß fie als Erfaz dafür eine Verschärfung der Einkommen, Bermögens und Erbschaftssteuer vorschlagen, ist im Prinzip richtig, zeugt in diesem Fall aber nur von ihrer Unfähigkeit, zu rechnen. Selbst wenn man nämlich, was aus anderen Gründen völlig unmöglich ist, den ganz maßlosen kommunistischen Vorschlägen bei den Besißsteuern folgen wollte, so würde dennoch ein so großes Defizit verbleiben, daß nur noch der Rückgriff auf die Notenpresse, also die Inflation, übrig bliebe. Eine bürgerliche Mehrheit würde natürlich vorher den Versuch unternehmen, die sozialen Ausgaben erheblich herabzusehen. Daher sind die Anträge der Kommunisten dem Besig völlig ungefährlich. Sie sind aber ein Schlag gegen jene notleidenden Schichten unseres Boltes, die auf eine öffentliche Fürsorge zwingend angewiesen sind. Diese ist eben nur möglich, wenn das Geld dafür vorhanden ist. Auch hier erweist fich also die kommunistische Demagogie als ein Feind der Interessen der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratie wird sich durch diese Ein heitsfront der Demagogen in feiner Weise beeinfluffen laffen. Ihr Ziel ist die Ueberwindung der Wirtschaftskrise und die Milderung der Not ihrer Opfer. Von diesen Gesichtspunkten aus wird sie zu den neuen Steuerplänen Stellung nehmen. 0 Täglicher Schwindel. Kommunistische Lügenfabrikation. Die von der„ Roten Fahne" veröffentlichte Notiz Erfurter SPD. Arbeiter gegen Landsberg ft von A bis 3 Schwindel. Die vom Erfurter Roten Echo" veröffentlichte Buschrift ist, wie einwandfrei feststeht, tommunistische Redaktionsarbeit. Diese Methoden, die hier an einem Beispiel festgenagelt werden, sind im übrigen bei der Roten Fahne" alltäglich. Ohne Lügen und Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie hätte sie ja auch keine Daseinsberechtigung. Ahlemann, Schultz und Cie. Erklärungen aber feine Klärung. Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags hat, wie schon mitgeteilt, der kommunistische Abg. Obuch ein Rundschreiben des Zentralverbandes Deutscher Landarbeiter angeführt, in dem es heißt, daß der Fememörder Schulz im Reichsministerium des Innern und im Polizeipräsidium aus- und eingegangen sei, wonach also nichts gegen ihn vorliegen könnte. Dazu erklärt nun die zuständige amtliche Stelle: Der ehemalige Oberleutnant Schuh ist vor seiner Verhaf tung lediglich zu einer Bernehmung auf die politische Abteilung des Polizeipräsidiums geladen worden, hat aber sonst die politische Polizei nicht besucht und es hat auch feinerlei fonstige Berbindung zwischen Schultz und dem Polizeipräsidium bestanden. Bahrscheinlich handelt es sich bei der vom Abg. Obuch zitierten Angabe um eine Renommage des Schulz gegenüber den deutschnationalen Abgeordneten Behrens und Meyer. Eine Erklärung des Reichsministeriums des Innern, ob Schulb auch mit dieser Behörde keinerlei Beziehungen gehabt hat, steht noch aus. Auf Grund der Beschuldigungen, die der Fememörder Grütte Lehder in der Schwurgerichtsverhandlung erhoben hat, war sofort ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Auch die Staatsanwaltschaft wor in Ermittlungen eingetreten". Die weiteren Ermittlungen wurden dann von Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam geführt, bis die Staatsanwaltschaft die weitere Aufklärung der politischen Polizei allein überlassen hat. Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Oberstleutnant Ahlemann ist anhängig; das Ermittlungsverfahren gegen die Abgg. Wulle und Rube muß bis zur Aufhebung ihrer 3; mmunität ruhen. Auch das Ersuchen Wulles, ihn zu vernehmen, fonnte nicht erfüllt werden, da ein Verzicht auf die Immunität auch nur mit Zustimmung des Parlaments möglich ist und Verdun. Bon Hans Bauer. Wir standen, ausgerichtet, in Reih und Glied, bas Gewehr fiber der Schulter, den Tornister auf den Rücken, auf dem Schulhof der fächsischen Kleinstadt. Heut zum letztenmal. Der Major trat vor uns hin und hielt eine Ansprache.. Biel Intereffe brachten wir ihr nicht entgegen. Aber, als er sagte: Ihr fönnt stolz fein. Shr kommt an eine Stelle, auf die die Augen der ganzen Welt schauen, da wor" Bewegung" in unseren Reihen zu registrieren. Nun also war es heraus: Nach Verdun ging unser Transport. Es läßt fich nicht sagen, daß der von dem Major verlangte Stolz unsere eine bloße Anhörung des Beschuldigten zu Mißdeutungen hätte| gesehen, während für die neue Lehrerbildungsanstalt noch nicht ganz Anlaß geben können. Ahlemann war bereits auf den 9. Februar dieses Jahres zur polizeilichen Bernehmung vor die Abteilung Ia geladen, lehnte aber das Erdeinen mit der Begründung ab, er fönne vor der Bolizet nicht aussagen, da solche Aussagen mehrfach in ten denziöser Weise von der Linkspresse ausgenutzt worden seien, er wolle nur vor den Untersuchungsrichtern sich äußern. Am 23. Februar ist Ahlemann abermals unter Androhung der zwangsweisen Vorführung zur polizeilichen Vernehmung auf den 26. dieses Monats geladen worden. Völkischer Krawall. Reventlow und Graefe niedergeschrieen. München, 25. Februar.( Tul.) Der aus der Spaltung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei hervorgegangene Nationalsozialistische Wolfsbund hatte gestern abend eine Boltsversammlung in das Hofbräuhaus einberufen, in der die Reichstagsabgeordneten Graf Reventlow und von Graefe sprechen sollten. Adolf Hitler hatte vorgestern in einem Aufruf seine Anhänger zum Besuch der Versammlung aufgefordert und an gekündigt, daß die nationalsozialistischen Führer als Diskussionsredner auftreten würden. Tatsächlich waren auch Eifer, Streicher und Hitler erschienen. Bereits vor Beginn der Ber. fammlung fam es zu Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Mitgliedern des Nationalsozialistischen Boltsbundes, die in wüste Raufereien ausarteten. Als der Einberufer Abg. Frühauf, die Bersammlung eröffnete, erhob sich minutenlanger Lärm. Der erste Redner, Graf Reventlow, wurde mit stürmischem Geschrei empfangen, so daß es ihm unmöglich war, bas Wort zu ergreifen. Die Nationalsozialisten fangen das Hitlerlied und ließen Hitler hochleben. Hitler danfte feinen Anhängern für bie ihm bereitete Dvation. Als der Lärm nicht nachließ, und eine geordnete Weiterführung der Bersammlung nicht möglich schien, räumte die Polizei mit Gummifnüppeln den Saal. München, 25. Februar.( WTB.) Wie der Polizeibericht meldet, fam es nach der Sprengung der gestrigen Bersammlung des Nationalsozialistischen Bolfsbundes München durch die National fozialisten, die sich nach der Räumung des Versammlungslotals durch die Polizei zu einem großen Teil in ein Restaurant begeben hatten zu einer Schlägerei, in der ein Mitglied des Bundes Cberland blutig geschlagen wurde. Mecklenburgisches Schulidyll. Deatschnationale Feinde der Volksbildung. Aus Rost od wird uns geschrieben: Mecklenburg hatte vor der Revolution den traurigen Ruhm, in fultureller Hinsicht ein Deutsch- Sibirien" zu sein. Heute ist die medlenburgische Landbund Regierung bestrebt, diesen Ruf für das Land wieder zu erwerben. Das zeigt auch ein Einblick in den Haushaltsplan des Unterrichtsministeriums für das fommende Etatsjahr 1926-27. der Gesamtausgaben des Staates, während man im Freistaat Sachfen Auf die Boltsschulen entfallen in Medienburg 18,5 Pro3. 23 Broz. dafür rechnet. Für die höheren Schulen dagegen will der mecklenburgische Unterrichtsminister nahezu den doppelten Brozent saß der in Sachsen dafür verausgabten Gelder auf menden. Von den bisher für unentgeltliche Lernmittel der Arbeiterkinder angefeßten Geldern macht die jetzige Rechtsregierung einen fräftigen Abst rich, indem sie diefe um 36 Pro3. her absetzt. Damit die einzige Aufbauschule des Landes mög lichst wenig von Kindern minderbemittelter Eltern besucht wird, wurde auch hier die Anzahl der Freistellen herabgesetzt( von 30 auf 20 Broz.). Eine einzige höhere Schule darf nahezu das Doppelte an Mitteln für Schreibhilfe und Bureauarbeit aufwenden wie ein Schul rat, der die fachliche Aufsicht über die Bolksschulen hat und außer dem noch mit Verwaltungsarbeiten beschäftigt wird. Weiter ist für die höheren Schulen ein Zuschuß von je 35 000 bis 183 000 m. vor. Dieser Angriff mar in Anlage und Ausführung verfehlt und daher von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der General von Falten hann hat sich halt geirrt gehabt. Die Hefatomben dürfte das nach träglich sehr interessieren. Die Tage von Berdun, die Tage, da vor den feuerspeienden Banzerbauten und maschinengewehrbestückten Betonnestern des Gasteins der französischen Front Deutschlands befte Jugend in die Massengräber fant, die Tage, da ein französisches Bataillon, das fich eben zum Sturm vorbereitete, von einer deutschen Gasmolte überrascht und, wie es stand und ging, bis auf den letzten Reft rernichtet wurde, die Tage von Berdun jähren sich zum zehnten Male. Deutschland, soweit es nicht von der Bayerischen Volkspartei Bruft geschwellt hätte, aber Ergriffenheit zog in unser Herz. Berdun oder von den Geschäftspatrioten der Leipziger Messe regiert wird, nat unendlich vielmehr als der Name eines Kriegsschauplatzes. Es schickt sich an, feinen Bolfstrauertag zu begehen. Bol'strauertag? war die Konzentration des Krieges, der Eckstein moderner Welt. Nein, Welttrauertag. Berdun gehört feinem einzelnen Bolt. Es ist Welt- chickt geschichte, der Inbegriff des deutsch- französischen Gegensages, die das Bolgatha der Entfühnung vom nationalistischen Irrfinn. Es ist Inappste Formel für einen hunderttausendfältigen Todesseufzer. der Blutschwur auf das neue Baterland Europa. Wenige Tage später verließen wir in Piennes den Zug. Biennes: das war eines der großen Reservoire, aus denen die Front sich immer wieder mit Menschen vollpumpte, der Bottich, cus dem die Lücken gefüllt wurden, die das Granatfeuer geriffen batte. Ich werde nie die beispiellose Melancholie vergessen, die über unserm Ankunftstage in Biennes lagerte. Der Feldwebel, dem wir unterstellt wurden, war ein roher Grobian, der uns mit Schnauzmorten empfing. Unsere Quartiere waren table, falte, fensterlose Zimmer. Am Abend wurde ein Tagesbefehl verlesen: Der Leutnant soundso von der soundsopielten Kompagnie des soundsovielten Regiments hat sich geweigert, an dem Sturmangriff auf die Panzerfeste Baur teilzunehmen. Er ist friegsrechtlich zum Tode verurteilt und heute morgen erschossen worden. Sogar die Natur war mißgeftimmt. Am Himmel jagten schmutzig- graue Wolfen, die von Zeit zu Zeit über diese troftlos- öde, reizlose Kasernenhoflandschaft Regenhuschen ausschütteten. Von Verdun her aber, dem franken Schoß, der fort zeugend immer tote Soldaten gebar", gellte der paufenlose Schrei des Trommelfeuers. Hin und wieder scharten wir uns um einen, der von vorn fam, um auf Urlaub oder in ein Heimatslazarett zu fahren. Diefe Leute erzählten nur wenig. Aber sie fahen uns mit dem traurig- lächelnden Gesicht des Bissenden an. Sie waren durch alle Qualen der Hölle gegangen und verzichteten darauf, die Unfaßbarkeit ihrer Erlebnisse, die Größe ihrer Erschütterungen in arm- jährigen Durchschnitt. Am wärmsten ist es in der flimatisch überfelige, nichtsfagende Worte zu faffen. Ein paar farge Namen warfen sie hin: Douomont, Höhe 304, Thiaumont, Toter Mann... Sie hatten einen schrecklichen Klang, diese Namen. Sie waren Todes fallen. Ste starrten von dem Blut der Ermordeten. Die unnennbare Summe von unvergeßlichem Herzeleid, die Verdun über Millionen von Männern diesseits und jenseits der Grenzen brachte, wird heute vow Militärsachverständigen auf eine ebenso einfache wie nüchterne Formel gebracht. Diese lautet etwa: Borfrühlingswärme. Obwohl die vorwiegend trübe und regnerische Witterung nicht eigentlich frühlingshaft anmutet, erinnern die für die Jahreszeit sehr hohen Temperaturen weit eher an den Früh ling als an den Winter, in dem wir uns falendarisch noch befinden. Ueberhaupt ist, von wenigen Tagen am Schluß der ersten Monats dekade abgesehen, der ganze Februar in Mitteleuropa viel zu warm stehenden letzten Monatstage einen beträchtlichen Wärmeüberschuß gewefen, und es steht so gut wie fest, daß auch die noch bevor bringen werden, da auf Grund der herrschenden Wetterlage an einen stehenden letzten Monatstage einen beträchtlichen Wärmeüberschuß nennenswerten Kälteeinbruch einstweilen nicht zu denken ist. Schon der Monat Januar war in den meisten Gegenden etwas zu marm gewesen. Und da der Dezember nur um ein geringes fälter war, als er nach langjährigem Durchschnitt fein soll, so läßt sich schon jetzt feststellen, daß auch der Winter 1925/26, vornehmlich durch den sehr milden Februar, zu den milden Wintern zu rechnen ist, wennt auch fein Wärmeüberschuß bei weitem nicht so groß ist wie der des lei Betterpropheten, die uns schon im vorigen Sommer und bis vorigen, abnorm warmen Winters. Jedenfalls haben die mancher gründlich daneben gehauen. Die zurzeit herrschenden Temperaturen in den Herbst hinein einen sehr strengen Winter prophezeit hatten, entsprechen im Mittel den Werten, die erst zwei Monate später normal sind, und liegen vielfach um 7 bis 8 Grab über dem langhaupt besonders begünstigten oberrheinischen Tiefebene, wo seit Wochen faft täglich etwa 13 Grad Wärme erreicht werden. Aber auch in anderen Teilen Nord- und Süddeutschlands find wiederholt 10 Grad Celsius überschritten worden. Da der Zustrom warmer nochmaligen Kälteeinbruchs vorderhand gering, und alle 2in Aequatorialluft auch weiterhin anhalten wird, so ist die Gefahr eines zeichen deuten darauf hin, daß dem ungewöhnlich milden Nach winter, der in Wahrheit schon den Charakter des Borfrühlings trägt, auch ein zeitiger und warmer Bollfrühling folgen wird. 34 000 M. eingestellt werden. Ja, für den sanft entschlafenen Landesschulrat hat die Regierung fogar ganze dreihundert Mart angefordert. Es ist aber fraglich, ob selbst diese geringe Summe nicht noch eingespart wird, da im verflossenen Rechnungsjahre die Regierung die Mitwirkung des durch Landesgesetz geschaffenen Landesschulbeirats nicht wünschte und diesen überhaupt midt zusammenberief. Auch für die Volkshochschule hat die Landbundregierung nicht viel übrig, fie will für diesen Zwed nur 3500 m. bewilligen; für die gesamten Boltsbüchereien 8500 M., dagegen für die Universitätsbibliothet 30 000 mt.! Man sieht, die mecklenburgischen Junter und die von ihnen abhängige Regierung halten fest an ihrem alten Wahlspruche: Beten und Arbeiten ist für die Kinder des Volkes die einzig nüßliche Beschäftigung! Stahlhelm in Köln. Köln, 25. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwochabend gab der Stahlhelm in Köln feine erste Gaſtrolle. Troz stärkster Propaganda war die Versammlung aber faum von 200 Berfonen besucht, die sich dazu noch in der Hauptsache aus Neu gierigen Mitgliedern des Reichsbanners und des Roten Frontfämpferbundes zusammensetzten. Redner war der Magdeburger Stahlhelmführer Seldt, der mit Rücksicht auf seine Zuhörer sich in seinem Bortrage sehr vorsichtig ausdrückte. Der Stahlhelm wolle die Arbeiter und Bauern, ohne die es teine deutsche Zukunft gebe, gewinnen, gleichriel ob sie links oder rechts stünden. Der Stahlhelm, der die Frontfoldaten auf der Basis der nationalen 3dee zusammenbringen wolle, fei auch nicht gegen die Form der heutigen Berfaffung. Bu einer Aussprache über den Vortrag ließen es die Stahlhelmführer nicht tommen. Zum Schluß der Ber fammlung fam es vor dem Lokal zu leichten Blänfeleien zwischen republikanischen Bersammlungsteilnehmern und Anhängern der Rechtsparteien. Verhafteter Reichstagsabgeordneter. Hamburg, 24. Februar.( TU.) Wie die Telegraphen- Union erfährt, ist der tommunistische Reichstags- und Bürgerschaftsabgeordnete Urbahns bei dem Versuch, unter Benugung eines falschen Passes die Ostgrenze zu überschreiten, in Endtkuhnen der= haftet worden. Es ist anzunehmen, daß es sich hier nur um eine Dorübergehende Festnahme beim Versuch der Grenzüberschreitung handelt. Eine Berhaftung ist bekanntlich ohne Beschluß des Reichstags nicht möglich, der im Falle Uhrbahns sogar ausdrücklich seinerzeit die Freilassung beschlossen hat.. nossen Scheidemann, zwischen Hugenberg und dem Oberst Nicolai Nicolai und Hugenberg. Gegenüber der Behauptung des Gebestehe eine enge Verbindung, versichert der Berliner Lokalanzeiger", daß zwischen ihm, dem Lokalanzeiger", und dem. Oberſt eine solche Verbindung nicht bestehe. Wir können diese anonyme Erklärung des Lofalanzeigers" nicht für voll nehmen. Wenn jemand in dieser Angelegenheit etwas zu erflären hat, so ist es Herr Hugenberg persönlich. Der Preußische Staatstaf ist jetzt nach den durch die Provinzial landtage vollzogenen Neuwahlen zusammengetreten. Während ihm bisher 77 Mitglieder angehörten, ist die Zahl seiner Mitglieder nunmehr auf 81 angewachsen. Die Sozialdemokratie hat ihren Stand behauptet, die Kommunisten haben 2 Man date gewonnen, das Zentrum verlor 2 Size und die Demokraten date und die Rechtsparteien( Preußische Arbeitsgemeinschaft) 5 Man1 Gig. Das jeßige Stärkeverhältnis ist folgendes: SPD. 24, KPD. 5, Zentrum 17, Demofraten 2, Preußische Arbeits gemeinschaft 32, Welfen 1. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich fonftituiert und zu Borfizenden die Genoffen Gräf, Eberle und Weinberg gewählt. einer Anfrage erflärte in der belgischen Kammer der Außen Keine Lichtvermerkaufhebung mit Belgien. In Beantwortung minister, daß die Aufhebung der Paßformalitäten und des Sichtvermerts für deutsche Reichsangehörige vorläufig noch nicht in Erwägung gezogen werde. Die geftörte Weinleje. Im Alten Theater in Leipzig fam es Mittwoch bei der Aufführung„ Desfröhlichen Weinbergs", wie bei der Erstaufführung am vorigen Sonnabend, zu LärmSzenen. Es wurden unter anderem Stintbomben und faule Eier Hausrecht Gebrauch zu machen, wenn die Kundgebungen nicht aufgeworfen. Nach dem 2. Aft drohte Direttor Kronacher, von seinem hörten. Darauf trat allmählich Ruhe ein. Diese Kundgebungen follten offenbar einem Dringlichkeitsantrag ber völtischen Fraktion an die Stadtverordnetenversammlung, das Stüd fofort von dem Spielplan abzusehen, Nachdruck verleihen. Dieser Dringlichkeitsan trag tam aber in der Stadtverordnetenfizung nicht mehr zur Verhandlung. Shaw gegen die Verfilmung seiner Werte. Der Filmdirektor Samuel Goldwyn hat( angeblich) Bernard Shaw vor furzem die Kleinigkeit von 1 Million Pfund Sterling( 20 Millionen Mark) für Shaw hat jedoch diesen Borschlag in seiner befannten ironischen Art das Recht der Verfilmung von Shaws Bühnenwerken angeboten. zurückgewiesen und dabei bemerkt, er wollte sich nicht den Markt für seine Bühnenwerte ruinieren. In Wirklichkeit dürfte er angesichts dieses fürstlichen Angebots, bei dessen Annahme er den Markt für feine Bühnenwerte gar nicht mehr nötig gehabt haben würde, wohl die Ueberzeugung gehabt haben, daß die charakteristische Wirkung feiner Schöpfungen ganz wesentlich auf dem Worte beruht. Uebrigens hat Goldwyn über seine Unterredung, die einen ganzen Tag gedauert hat, mitgeteilt, Shaw habe sehr viel mehr aus ihm herausbekommen als er aus Shaw.( Wahrscheinlich ist das Ganze eine Reklameveranstaltung des Mister Goldwyn.) Ameritas technisches Nationalmuseum. Der Ruhm des Münche ner ,, Deutschen Museums" läßt den Amerikaner feine Ruhe. Sie museums für Technik und Industrie, das natürlich das„ Deutsche machen eifrig die Propaganda für den Bau eines großen NationalMuseum" und das entsprechende englische South KensingtonMuseum" in jeder Beziehung weitaus übertrumpfen foll. Das Museum soll in Washington errichtet werden und sämtliche Originale der großen amerikanischen Erfindungen enthalten. Falls Industrie, Regierung und Deffentlichkeit die notwendigen 100 Millionen Dollar dafür aufbringen, follen auch zweigmuseen zunächst in New York errichtet werden. Uebrigens hatte Oscar von Miller, der Schöpfer durch Mittelamerika und die Bereinigten Staaten die Bläne für das des Münchener Deutschen Museums", anläßlich seiner letzten Reise Washingtoner Museum bereits gesehen und begutachtet. Humboldt- Hotfchule. Dr. Hedwig Michaelfohn hält Sonnabend, abends 8 1hr, in der Aula, Dorotheenstr. 12, einen Lichtbildervortrag: Humor, Wig und Satire in ber Runst Alt- Berlins". Das Freie Bolf in Nürnberg. Der Polizeipräsident von Nürnberg sich damit in bireften Widerspruch mit der Reichszenfurstelle gefest, die batte den Film Freies Bolt für seinen Befehlsbereich verboten. Er bat den Film zugelassen batte. Auf die daraufhin eingeleitete Beschwerde bat betraut, der das Berbot sofort aufgehoben hat. der bayerische Landtag einen Ausschuß mit der Untersuchung des Falles, betrug bie Sunahme der jübilchen Bevölkerung in Palästina durch Ein Zunahme der Einwanderung in Palatina. Nach einer amtlichen Meldung wanderung im legen Jahr 81 660 Stöpfe. Macdonald gegen die Rotsvergrößerung. Für den Wechsel der nichtständigen Mitglieder. London, 25. Februar.( WTB.) Macdonald fagte in einer Unter rebung mit dem Bertreter des„ Daily Herald", eine Abänderung des Bölferbundsrates sei durchaus nichts Sagungswidriges. Das einzige, worum es sich gegenwärtig handele, sei, daß die Frage in teiner Weise mit dem Eintritt Deutschlands in Berbindung ge bracht werden dürfe. Die Sigung des Völkerbundsrats, in der Deutschlands Aufnahme behandelt werde, dürfe sich nicht mit enderen Fragen befassen. Im übrigen aber sei der gegenwärtige Zustand gewiß nicht normal. Es sollte in der Besetzung der zeit. weiligen Ratssige ein regelmäßiger Wechsel eintreten, und zwar vielleicht alle drei Jahre, damit diese Sige nicht zum Vorrecht bestimmter Staaten würden. Polen fehlt's an Sympathien eine tapfere Aeußerung Warschau, 25. Februar.( TU.) Im Robotnik" veröffentlicht der Abg. Diamand einen Artikel im Zusammenhang mit dem Rampf Bolens um einen Siz im Bölferbundsrat, in der er darauf hinweist, daß Polen teine Sympathien in der zivilifierten Welt habe und unbeliebt sei, hauptsächlich deswegen, weil es feine Minderheiten sehr schlecht behandle. Bolen sei mehr als jedes andere Land von der Sympathie der anderen Länder abhängig, und um diese zu erreichen, müßte Polen in erster Linie die Minderheitenfrage bei sich regeln. Deutschland habe vor seinem Eintritt in den Bölferbund die Minderheitenfrage in Schleswig- Holstein zugunsten der dänischen Minderheit gelöst. Dagegen führe Bolen eine chauvinistische Politit, die nicht nur dem Lande selbst, sondern auch der ganzen Welt Schaden bringe Ratsvergrößerung gegen den Geift von Locarno. Amsterdam, 25. Februar( WTB.) In einem Leitartikel zur Frage des Völkerbundsrates sagt das Organ der Sozialdemokra. tischen Partei, Het Bolt". es stehe feft, baß sich die französische Bewegung hinsichtlich der Ratssiße gegen den Geist von Locarno richte und die unverminderte Feindschaft Frankreichs gegen Deutschland zum Ausdrud bringe. Niemand dürfe sich wun. dern, wenn Deutschland, falls der französische Plan zur Durchführung fomme, feinen Ausnahmeantrag beim Bölkerbund wieder zu rüdziehe. Einfuhrzölle auf Goldbasis. Der radikalfoziale Vermittlungsvorschlag. Paris, 25. februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Senat hat noch am Mittwoch abend, nachdem 6 der eingeschriebenen Redner zu Wort gelangten und die anderen auf das Wort verzichtet hatten, die General debatte über die Finanzvorlage ge schlossen. Die Beratung der einzelnen Artikel beginnt heute vormittag und soll noch im Laufe des heutigen Tages wahrschein lich in einer Nachtfißung zu Ende geführt werden. Die radikaljoziale Kammerfraktion und die Senatsgruppe der demokratischen Linten haben ihre Be mühungen, über die Zahlungssteuer zu einem Kompromiß zu gelangen, im Laufe des gestrigen Tages fortgesetzt und sich auf einen Borschlag des Senators Chapal geeinigt. Dieser schlägt zur Ersetzung des durch die Ablehnung der Zahlungssteuer entstehenden Fehlbetrages die Erhebung der durch das Gesetz vom 25. Juli 1920 festgesetzten Steuer auf eingeführte Waren auf der Gold bafis vor, bei Herabjeßung der Tare dieser Steuer auf 1 Broz. Die Gold basis soll jeden Monat nach dem Mittelfurs des Dol lars festgesetzt werden. Chapal verspricht sich von dieser Maßnahme eine Einnahme von 1800 Millionen. Die Zahlungssteuer sollte nach den Doumerschen Angaben 2400 Millionen einbringen. Antifaschistische Demonstration. In Löwen fam es nach einer faschistischen Versammlung zu ernstlichen Straßen trawallen, wobei bemerkenswerterweise die flämischen Studenten mit den organisierten Arbeitern gegen die Faschisten gemeinsame Sache machten. Die Faschisten wurden schließlich in die Flucht geschlagen. Diefer Borfall ist ein Symptom für die einfegende Reatilon gegen die faschistischen Brahlereien und Drohungen. Die Herren vom Lande. Sie fommen, fie fommen! In hellen Haufen tommen sie aus allen Himmelsrichtungen zusammen, teils per Eisenbahn, teils im eigenen Auto, nämlich die Herren Agrarier zur landwirt. Schaftlichen Woche. Oder vielmehr: Sie sind schon da, zum mindesten die eifrigsten Bertreter des sogenannten Nährstandes haben bereits Berliner Boden betreten. Ich fann dies beeidigen, denn mit einem von ihnen batte ich gestern morgen ein fleines harmlojes 2 benteuer. Wegen eines Beinleidens bin ich gezwungen, in der Untergrundbahn die zweite Klasse zu benutzen, und so habe ich die Ehre, neben einem unserer Gäste zu figen. Es ist ein ausgesprochener Landjunker typus, ftrogende Gesundheit der Kerl vom Scheitel bis zur Sohle, rotbraune Backen, ein kurzer blonder Bartansaz, helle Augen, die zuweilen reserveoffiziersmäßig rollen, ein gedrungener Körper in einem sauberen Reisebreß von jener peinlichen Eleganz, die bennoch ein flein wenig überholt, wie von gestern, wirft, die Deutsche Tageszeitung" in der Manteltasche. Ich meiner feits vertiefe mich in meine Zeitung und fange an, den Leitartikel des Borwärts" zu stubieren. Ein deutlich vernehmbarer Ruck mir zur Linken, der mich ausschauen macht: Mein Nachbar hat den Zwischenraum sichtlich erweitert und betrachtet abwechselnd mich und den„ Borwärts" mit Blicken, die voll sind von Entsetzen, Berachtung und Grauen. Und ich errate seine Gedanken: Auch so ein ver fluchter Sozi!" Auf der nächsten Station merfe ich, daß er in Verlegenheit ist: Er weiß nicht, ob er hier umfteigen muß, er derwechselt, wie viele Fremde, wir sind in der Nord- Südbahn-, die Station Stadtbahn mit der Station Friedrichstadt, Seine etwas unbeholfenen Fragen interessieren einige beleibte Herren sehr wenig, ich gebe ihm Auskunft. Und diesmal sieht.er mich mit einem Blicke ungläubigen Erstaunens an, und wieder errate ich seine Gedanken: Ja, gibt es denn so was! Ein Sozi muß mir Auskunft geben. Ich verstehe die Welt nicht mehr." Landwirtschaftliche Woche! Unsere notleidenden Bolksgenossen vom flachen Lande haben angesichts der ernſten Ge. schäfte, die sie in die Reichshauptstadt geführt haben, ihre Ehefrau vorsorglich zu Hause gelassen, und so stürzen sie sich denn, nachdem sie bei der großen heerschau" der Landwirtschaft welch schöne und treffende Bezeichnung! meidlich auf das verfommene Sündenbabel", den roten Wasserkopf Berlin" gewettert und getobt haben, mit offenem Herzen und offener Börse hinein in die lockenden Strudel der Großstadt. Und in jeder zweiten Straße findet sich am Fenster von dieser oder jener Kneipe ein Riesenschild mit der volltönenden Inschrift:„ Der Treffpunkt der Landwirtschaft!" 1 Es wäre intereffant, festzustellen, wie viele solcher Treffpunkte der Landwirtschaft" es in Berlin gibt. Ein Budifer, dessen Behatte, als fie mit dem Schimmelgespann auftrat. Wagen und Pferde lieh sie sich von verschiedenen Fuhrherren. Der Kutscher war ihr Geliebter. Ihre Brivatsekretärin", die ebenfalls verhaftet wurde, war eine 27 Jahre alte Henriette Denide. Die beiden dem Leihgespann auch Ausflüge nach Potsdam ufw. machen fonnten. Schwindlerinnen erbeuteten soviel, daß sie flott leben und mit Die Rechnung eines Fuhrherrn betrug für 8 Tage 226 Mart. ziehungen zu Aderbau und Viehzucht einzig und allein in biefem| Schwindelelen schon vorbestraft ist und faum das Gefängnis verlassen Kneipenschild bestehen, sagte zu mir. Man muß doch die Kon junftur ausnügen. Kommt so' ne Rotte Korah mal in die Bude, denn macht se ja eenen Mordstrach. Aber det sach ich dir: Die Leute sind jute Jäste. Sie lassen doch wenigstens Pintepinte!" Ja, Pinkepinte laffen sie, denn sie haben das nötige Kleingeld dazu. Trotz aller Alagen, trog allen Wehgeschreis! Und ungezählte Berliner denken: Ach, wenn wir doch auch mal so notleidend wären!" Gegen den Fürstenraubzug. Für Bolfsentscheid! Halensee sprach am Mittwoch abend Reichstagsabgeordneter In einer überfüllten Bersammlung in den Flora- Sälen in Genosse Dr. Kurt Rosenfeld über das Thema: Fürst en abfindung und Boltsentscheid. Die Stimmung der Bersammlung war augenscheinlich sehr erregt. Immer wieder durch brauste stürmische Zustimmung den Saal, wenn Genosse Rosenfeld die Schändlichkeit der fürstlichen Raubansprüche mit der notwendigen die Schändlichkeit der fürstlichen Raubansprüche mit der notwendigen Deutlichkeit charakterisierte. Die abgedankten Fürsten wollen von Intrigen und Spekulationen gegen den Bestand des Boltsitaates der Republik ungezählte Millionen erpressen, um sie nachher zu auszunügen. Ein unmürdiges Feilschen der fürstlichen Häufer um jedes Stück Land, um Schlösser und Geld hat eingesetzt. Das ganze Bolf ist durch den Krieg ruiniert. Sollen die Urheber des Unglüds in verschwenderischem Wohlstand leben? Wie steht es denn mit dem Brivateigentum der deutschen Fürsten? Man braucht gar nicht davon zu reden, daß die Vorfahren der heutigen Fürstengeschlechter im Mittelalter als Raubritter durch Totschlag und Plünderung Brivateigentum erwarben. Auch in der neueren Geschichte läßt sich zollern 3. B. es verstanden haben, dem Staat ein Stück nach dem an Dußenden von Beispielen erhärten, wie ffrupellos die hohenanderen für sich zu entreißen. Der Redner erinnerte hier an die Rabinettsorder Friedrich Wilhelms IV., die am 14. Januar 1842 Flatow- Krojanke zum Familieneigentum der Hohenzollern erklärte, ein Objekt im Werte von 26 Millionen Mart. Genosse Rosenfeld ging dann auf andere Fälle ein. Es muß geradezu von einem selben Richtung liegen die Fälle Gut Dels, auf dem heute durchaus legalisierten Raub der Hohenzollern gesprochen werden. In der Babelsberg, ein Wertbefiz von 27 millionen Mark, den die Hohen: unrechtmäßig der frühere Kronprinz fizt, und Schloß und Bart zollern im Jahre 1882 durch Druck für den empörenden Betrag von 906 Talern und 6 Pfennigen gefauft haben. Das Afademieviertel Unter den Linden" haben die Hohenzollern badurch erworben, daß sie sich einfach eines Tages als Eigentümer ins Grundbuch eintragen ließen. Im Jahre 1900 hatte der preußische Staat zwei Grundstücke in diesem Biertel nötig. Er wandte fich an die Hohenzollern und diese verkauften die beiden Grundstücke, die ihnen nicht gehörten, an den rechtmäßigen Eigentümer für 13 Millionen Marf. Als der preußische Finanzminister Miquel von der Affäre hörte, protestierte er dagegen und es gab einen Standal. Bei dem Protest blieb es, die Hohenzollern haben nie einen Pfennig zurüdgezahlt. Als der Kaufmann Solly int Jahre 1819 in Bermögensverfall geriet, verfaufte er seine foftbare Bildersammlung im Werte von vielen Millionen Mart an die Hohen. zollernfamilie auf Kosten des preußischen Staates, der für die Gelder aufzukommen hatte. Herr Schack in München, der eine kostbare Kunstfammlung fein eigen namite( Schad- Galerie), wollte gern Graf werden. Er wandte sich an die Hohenzollern und diese handelten für den Grafentitel die millionenwertige Schadsche Sammlung ein. Der Redner behandelte sodann die schändlichen Handels= geschäfte, die deutsche Fürsten mit ihren Landestindern" getrieben haben. Ans Ausland wurden deutsche Bürger verkauft, für jeden Gefallenen erhielten diese Edelsten ber Nation" thr Sündengeld. Mit brutalem 3ynismus ftellte im Jahre 1777 der Landgraf von Hessen- Kassel mit unausfprechlichem Bergnügen feft, baß faum 300 von feinen verlauften Untertanen and wellen die Fürsten haben. Dazu stellen sie noch ungeheure aus der Schlacht entfommen feien. Insgesamt 530000 Morgen Bargeldforderungen. Dem Fürsten Michael von Rußland, der als Artillerieoffizier im Weltkrieg deutsche Dörfer taputtschießen ließ, hat der mecklenburgische Staat 5 millionen Mart zahlen müssen. Fahnenflüchtige wurden im allgemeinen füfiliert, hier jedoch hat man fie wahrhaft fürstlich" beschenkt. Abfindungsvorschlag ist unerträglich. Helfen fann nur die entschädi Der mittelparteiliche gungslose Enteignung der Fürsten, das unerbittliche Gericht des Bolles über seine Schmarozer. Der minutenlange Beifall, den der Redner fand, bewies, meldhe Empörung die Fürstenforderungen in den breitesten Massen hervor. gerufen haben. Der Prozeß gegen den Freiherrn v. Zühow. Nach zweitägiger linterbrechung murde heute bie Berhandlung in dem Sittlichkeitsprozeß gegen Dr. Freiherrn von Lüzom wieder aufgenommen. Zunächst teilte der Borsigende, Amtsgerichts: rat eusener, mit, daß das Gericht im Laufe des Monats März eine Ortsbesichtigung in dem Landerziehungsheim Budow vorzu nehmen beabsichtige. Bevor es zu der Bernehmung der Zeugen fam, machte die Berteidigung nochmals einen Borstoß gegen den Sachverständigen der Anklagebehörde, San.- Rat Dr. Blaczet, und beantragte erneut dessen Ablehnung wegen Befangenheit. Die Berteidiger halten es aufrecht, daß der Sachverständige eine vorge faßte Meinung bewiesen habe, da er bereits durch die Gleich stellung der Fälle sadistische Handlungen vorweg nahm. Stanis anwaltschaftsrat Burczet beantragte die Ablehnung des Einspruches. Eine scharfe Auseinanderlegung rief das Eingreifen des zweiten Anflagevertreters, Assessor Deppert, hervor, macht werbe, jeden unbequemen Sachverständigen auszuschalten. ber erklärte, daß von der Berteidigung offensichtlich der Bersuch ge Bas gegen Dr. Blaczet vorgebracht werde, entbehre jeder fachlichen Begründung. R.-A. Dr. Frey widersprach in heftiger Erregung. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Burczet erklärte dagegen, daß der Einbrud, den die Eingangsmorte seines Kollegen, ber ihm nur zur Unterſtügung beigegeben worden sei und der die Akten nicht so genau fenne wie er, nur dessen subjektive Auffassung wiedergäben. Zu einem Vorwurf gegen die Berteidigung liege um fo meniger Anlaß vor, als man noch nicht wissen fönne, ob Dr. Blaczet auf Grund der Beweisaufnahme sich zugunsten oder zuungunsten des Angeflagten äußern werde. Nach längerer Beratung wies das Gericht es als unbegründet zurück, daß der Angeklagte fubjektives Mißtrauen gegen den Sachverständigen haben könnte. Dr. Placzek bleibt dem nach weiterhin Mitglied der Sachverständigenbant. Auch eine Wohltäterin". " Eine Schwindlerin, deren Borgehen einzig dasteht, wurde jezi endlich unschädlich gemacht. Im Juni 1924 wurden arme alte Frauen durch einen unerwarteten Besuch hoch erfreut. Bei ihnen fuhr mit einem Schimmelgejpann eine fein gefleidete Dame vor, die sich als Beauftragte des Wohlfahrtsamtes vorstellte und Notlage Lebensmittel aller Art und Kleidungsstücke zuzuwenden. ihnen mitteilte, baß diefes Amt beschloffen habe, ihnen wegen ihrer 3u zahlen seien dafür nur die Kosten für die Ueberbringung, die im voraus erlegt werden müßten. Die armen Frauen hegten um so weniger Berdacht, als neben der Wohlfahrtsdame im Wagen noch ihre Set retärin" und auf dem Bod ein Kutscher in Livree faß. Die Freude wandelte sich aber bald in die größte Enttäuschung. Die armen Frauen erhielten nicht nur nichts, sondern hatten für die " Transportfoften" auch noch ihre legten Ersparniffe ge opfert. Aehnlich erging es in der folgezeit anderen Frauen. Die Zahl der Opfer stieg im Laufe der Zeit auf etwa 400. Borgeftern wurde die Gaunerin endlich gefaßt, als sie es bei einer Studentin mit einem neuen Irid verfuchte. Auf der Bolizeiwache wurde sie als eine 37 Jahre alte Maria Ludwig festgestellt, die wegen Das große Lv.. Diesmal haben bei der Ziehung des großen Loses ganz besonders glückliche Umstände gewaltet. Gestern nachmittag fiel der Hauptgewinn von 500000 mart auf das Los Mr. 62099, in die Rollette eines Lotterieeinnehmers in der Bor hagener Straße, das andere in der gleichen Höhe nach der Ger traubenstraße. In beiden Fällen hat es sich um 2 chtellose gehandelt, so daß für jeden der Gewinner nach dem üblichen Steuerabzug noch immer ein Betrag von 50 000 m. bleibt. Nicht nur die Tatsache ist willkommen zu heißen, daß das große Los nach Berlin gefallen ist, sondern vor allem auch, daß die Glücklichen, die es plöglich beschenkt, Leute aus dem Bolte sind, denen eine gegönnt werden wird. A cht Arbeiterfamilien befinden sich reiche materielle Zuwendung in diefer Notzeit von jedermann herzlich unter den Glücklichen, unter ihnen auch ein greises Ehepaar, das arbeitslos und nahe der Berzweiflung am Rande des Elends lebte. Ein feltsames Schicksal widerfuhr bei dieser Losziehung auch einem Kaufmann, der tags zuvor gezwungen war, feinen Konkurs anzumelden. Nicht minder froh als er werden auch jene vier Handwerfer fein, die gemeinsam ein Achtel spielten; jeder von ihnen ist jetzt glücklicher Befizer von 15 625 M. geworden. Grundbahnstrecke Rollendersplaz Von einem Untergrundbahnzug überfahren. Auf der UnterWittenbergplag wurde gestern gegen 8 Uhr abends der 38 Jahre alte Bautechnifer Ritolaus Ofenstein, Köpenid, Siedlung Neubanern wohn haft, von einem Untergrundbahnzug überfahren. In bewußtiosem Zustande wurde der Berunglückte mit einem Krankenwagen der Feuerwehr in das Elisabeth- Krantenhaus gebracht, wo er mit einer erlangt zu haben. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht bekannt. schweren Kopfwunde daniederliegt, ohne das Bewußtsein wiederfische Museum hat nun endlich einen neuen Direktor bekomEin neuer Direffor für das Märkische Museum. Das Mär men, obschon seine offizielle Bestätigung erst noch zu erwarten ist. Dr. Walter Stengel fam vor ungefähr einem breiviertel Jahr ans Märkische Museum, das vorher von Dr. Otto Pniower ge leitet und ausgebaut worden war. Nun erwuchsen dem neuen Direk tor schwierige und verwickelte Aufgaben. Nach seinem Lebensgang, der unter dem Einfluß Wölfflins und Tschudis stand, und der Daten aufweist wie Arbeiten am Hamburger Kunstgewerbemuseum, am Dresdener Stadtmuseum und am Germanischen Museum zu Nürnberg, ist zu hoffen, daß er sie meistert. Ueber Segualität und kleidung und zwar unter besonderer Berücksichti gung der Gepflegenheiten der Transvestiten spricht am Donnerstag, den 25. Februar, im Ernst- haedel- Saal, In den Belten 9a, der Leiter des Instituts für Serualwissenschaft, San. Rat Dr. Magnus Hirschfeld, mit Lichtbildern und Demonstrationen. Museumsführungen. Sonntag, 28. Februar, 10 Uhr vorm., finden amtliche Führungen im Neuen Museum( Diympia), Führer Dr. v. Massow, und im Kaiser- Friedrich- Museum( Blämische Malerei des Barock), Führer Dr. Bolbach, statt. Bulaßfarten zu 50 Bj. find vor Beginn der Fübrungen am Eingang der genannten Museen in beschränkter Anzahl erhältlich. lermo wird gemeldet, daß auf dem Lande eine Verbrecherbande Eine Berbrecherbande von 164 Köpfen verhaftet. Aus Va von 164 Personen gefangen gesetzt und in 12 Automobilen nach Palermo gebracht wurde. Die Bande hat über hundert Verbrechen auf dem Gewissen, und zwar mehr als 30 Morde. Die übrigen Berbrechen bestehen aus Grpreſſungen, Diebstählen usw. Groß- Berliner Parteinachrichten. Die Sammellifte für das Volksbegehren Nr. 1211 ist in der 47. Abteilung verloren gegangen. Falls versucht wird, darauf zu Genossen Karl Jacobi, Köpenider Str. 176, vorn, fofort abzufammeln, ist die Liste anzuhalten und an den Abteilungsfassierer liefern. 3. A. Aler Pagels, Gewerkschaftsbewegung Gegen den Achtstundentag der Bauarbeiter. In Sowjetrußland. Auf dem vor furzem abgeschlossenen Kongreß der russischen Bauarbeiter hat der Volkskommiffar für Arbeit, Schmidt, einen Bortrag gehalten, in dem er sich gegen den Achtstundentag für einen Teil der Bauarbeiter ausgesprochen hat. Dieser Bortrag hat einen so peinlichen Eindrud ausgeübt, daß sich der Bolks tommiffar Schmidt genötigt fah, einige Tage später ein Schreiben an den Kongreß zu richten, in dem er folgendes ausführt: Ich muß mit aller Entschiedenheit erklären und nochmals unterstreichen, daß der Achtstundentag eine unveräußerliche Errungenschaft der Arbeiterflasie, darunter auch der Bauarbeiter, ist, und daß ich bei meinen Darlegungen über die Regelung der Arbeitsbedingungen bei Saisonarbeiten und die eventuelle Verlängerung des Arbeitstages hauptsächlich furzfristige Arbeiten im Auge hatte, bei denen vorzugsweise die bäuerliche Arbeitskraft ausgenutzt werden wird und bei denen in Anbetracht der kurzen Dauer der Saison die Arbeiten einen längeren Arbeitstag erforderlich machen. Aber auch unter diesen Umständen muß der längere Arbeitstag vom Achtstundentag ausgehen und durch eine entsprechende Erhöhung des Lohnes kompensiert werden."( Trud" vom 6. Fe= bruar.) Demnach soll nach der Erklärung des Volkskommissars Schmidt der Achtstundentag für einen bedeutenden Teil der Bauarbeiter au f= gehoben werden. Der letzte verworrene Saß der Erklärung soll bedeuten, daß der Lohn der Arbeiter, die mehr als 8 Stunden arbeiten, entsprechend erhöht wird, und zwar ausgehend vom Tariflohn( der in Rußland als Monatslohn festgesetzt wird) als von einem Lohn für einen Achtstundentag. Durch diesen schamhaften Berfuch, das Attentat auf den Achtstunden tag zu beschönigen, wird der gefährliche Charakter der Erflärung des Leiters der russischen Sozialpolitik noch schärfer unterftrichen. Daß man in diesem Feldzug gegen den Achtstundentag der Bauarbeiter bereits zur Tat übergegangen sei, wurde soeben in der Plenarsession der russischen Gewerkschaftlichen Landeszentrale bestätigt. Der" Trub" vom 11. Februar berichtet über eine Rede Gamins, des Bertreters des Zentralfomitees der Bauarbeiter, die in dieser Sigung gehalten wurde, folgendes: " Der Redner wies auf den Angriff der Wirtschafts. organe auf den Arbeitstag bin. Dieser Angriff finder stati in der Bauindustrie, insbesondere in Leningrad, wo in der Gemeindewirtschaft der Befehl ausgegeben ist, einen zehnstündigen Arbeitstag für die Bauarbeiter festzusehen, wobel, wie es im Befehl heißt, die Ueberstunden nicht in anderthalbfacher Höhe( wie es das Gesez fordert. D. Red.). sondern nach dem gewöhnlichen Tarif bezahlt werben." Hier ist also schon der Vorwand der Saisonarbeit" fallengelassen worden; die Bauarbeiter werden einfach laut Befehl von oben des Achtstundentages beraubt. Gegen diesen Raub des Acht| torische Zersplitterung und das Organisationsverhältnis in den Bestundentages sind die russischen Bauarbeiter fa ft wehrlos. Sie trieben überhaupt ein. haben weder Breß, Vereins- noch Koalitionsfreiheit. Wenn sie sich mit gewerkschaftlichen Mitteln dagegen wehren, risfieren sie, wegen ,, fonterrevolutionärer Umtriebe" auf administrativem Wege ins Ge fängnis gesteckt oder nach Sibirien verschickt zu werden. Ganz wie einst unter Bäterchen 3ar. Nur war es diesem nie eingefallen, seine Herrschaft als die Herrschaft der Arbeiter und Bauern auszugeben. Der Verkehrsbund und die Arbeitslosigkeit. Eine gut besuchte Versammlung der arbeitslosen Mitglieder des Verkehrsbundes tagte Montag mittag im Gewerkschaftshaus. Der Bezirksleiter Orthmann sprach zu dem Thema:„ Die Stellung der Bezirksverwaltung in der Be= fämpfung der Arbeitslosigkeit". An Hand reichhaltigen Materials gab Orthmann ein anschauliches Bild von der zur Befämpfung der Arbeitslosigkeit geleisteten Tätigkeit. Er verwies auf die überaus ernstlichen Anstrengungen, die nicht nur von der Ber= maltung selbst, sondern auch vom Drtsausschuß des ADG B. unternommen worden sind. Unausgesetzt wurde bei den Behörden auf die Beschaffung von Not standsarbeiten wie auf Erhöhung der Arbeitslosenunterstügungssäge hingewirft. Darüber hinaus hat die Verwaltung die in Arbeit stehenden Mitglieder ersucht, alles zu tun, damit die in den Betrieben vorkommende leberstundenarbeit befeitigt wird, um so der Neueinstellung arbeitsloser Kollegen die Wege zu ebnen. Die erzielten Erfolge befriedigen noch nicht. Deshalb will die Organisation auch in Zukunft alle Mittel ergreifen, um weitere Erleichterungen für die Lage der Arbeitslosen anzustreben. Von den Arbeitslosen wird erwartet, daß sie die geleistete Arbeit der Verbandsinstanzen zu würdigen wissen und durch ihr Verhalten mit dazu beitragen, durch größere Zielsicherheit weitere Erfolge auf diesem Gebiete zu erringen. Die Versammlung nahm einen durchaus günstigen Verlauf und die Aussprache erwies, daß die Mitglieder bereit sind, in Gemeinſchaft mit ihren Organiſationen für weitere Beſſerungen einzutreten. Jahresversammlung der Straßen- und Kleinbahner. Die Sektion der Straßenbahn-, Hochbahn-, Omnibus- und Industriebahnbediensteten des Deutschen Verkehrsbundes hatte am Mittwoch im Gewerkschaftshaus ihre Mitgliederversammlung. Der Seftionsleiter Genosse Hiller ging nach einem Rückblick auf die Lohnbewegungen in den drei Verkehrsbetrieben auf die erganisaUry Gebr. A.-G. Swinemünder Straße 86 Das große Warenhaus des Nordens In sämtlichen Ein großer Teil der Verkehrsbediensteten hat aus den Ausgängen ihrer Lohnbewegungen immer noch nicht die Lehre gezogen, sich in ciner freigemerfschaftlichen Organisation zusammenzuschließen, um dadurch zu einer angemessenen Entlohnung zu kommen. Dieses Nebeneinander von Organisationen, die sich einander den Rang ablaufen wollen, gereicht nicht zum Borteil der Bediensteten, sondern der Direttionen. Er forderte die Versammelten auf, in diesem Jahre rege für die Organisation zu werben und überall den Werbungen der mehr oder minder gelben Organisationen entgegenzutreten, deren Tätigkeit hauptsächlich auf der Züchtung des Standesdünkels und übelster Vereins meierei liege. Nach einer ausgedehnten Diskussion wurden die Wahlen der Seffionsleitung vorgenommen. Gegen die Wiederwahl der besolEntrich erhob sich kein Widerspruch. Ebenso wurden die übrigen deten Mitglieder der Sektionsleitung Hiller, Knobel und Berwaltung, zur Sektionsleitung sowie der Delegierten zur GeneralVorschläge der unbesoldeten Mitglieder zur engeren und erweiterten versammlung ohne Widerspruch angenommen. Aus Schlaf- und Speisewagenbetrieben. Die Gastwirtsgehilfen- Zeitung" gibt den Klagen der Schlafwagenschaffner der Abteilung Berlin der Internatio nalen Schlaf und Speisewagengesellschaft Raum, die auch von den Angestellten der Abteilung Paris geteilt werden. Es handelt sich um die Praktiken des Obertontrolleurs öbling, der feine Stellung zur Schifanierung der Angestellten mißbraucht. Weil der Mann bei der Kriegsmarine so viel grüßen mußte, verlangt er von den Angestellten militärische Haltung und militärischen Gruß. Er verbietet ihnen alles mögliche, um wegen Uebertretung seiner Gebote mit Strafe vorgehen zu Fönnen. Der kleine Bascha soul felbst die Reisenden ziemlich rüdsichtslos behandeln, so daß diese es vorziehen, die Wagen der Reichsbahn zu benutzen, wodurch die in der Hauptsache auf Trinkgelder angewiesenen Schaffner auch in ihrem Einkommen geschädigt werden. Da der Uebereifer des Herrn Obertontrolleurs fich so in jeder Beziehung als schädlich erweist, sollte die Direktion der JSG. versuchen, diesen Uebereifer gehörig zu dämpfen, zumal der Herr Oberkontrolleur den Angestellten angefündigt hat, noch schärfer gegen fie vorzugehen. 1 etlichen Wichtighuern von Kontrolleuren die Angestellten schifanieren. Ein Koch hatte sich vor der hohen Direktion wegen der Zusammenftellung eines Mittageffens zu verantworten, die den Herren nicht gefiel. Als er sich erfundigte, was daran auszusetzen sei, belehrte man ihn: Tomatensuppe mit Reis ist rot, Nudeln mit Schinken und Rauchfleisch, das Rauchfleisch ist auch rot, Kalbsschnitzel mit Erbsen und Möhren, auch die Möhren sind rot, alles ist rot eine solche Farbenzusammenstellung gehört sich nicht. Wenn die Mitropa" dazu gar noch Rotwein verfauft, dann ist die Wirkung auf einen vom Rottoller befallenen Speisewagengast allerdings faum auszudenken. " Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen. Wenn das Ge= schäft jegt nicht so flott ist wie sonst, dann ist dies fein Grund da für, daß die weniger beschäftigten Direktoren und Kontrolleure das Personal schifanieren, dem auf diese Weise seine Tätigkeit verekelt wird. = 17 Pfennig Stundenlohn ist viel zu viel. Es ist bekannt, daß das deutsche Unternehmertum die gegenwärtige Krise benutzt, um zu einem einschneidenden Lohnabbau zu fommen. Der Deutsche Textilarbeiterverband teilt uns zu dem Vergehen des deutschen Unternehmertums einen ganz besonders fraffen Fall mit: Für die Heimarbeiterinnen des Wirtfchaftsgebiets Apolda Erfurt( Häkel- und Handstricwaren) hat der Fachausschuß einen Richtlohn von 17 bis 22 Pf. pro Stunde festgesetzt. Es handelt sich hier nur um den sogenannten Richtlohn. In Wirklichkeit werden bei weitem niedrigere Löhne gezahlt. Trozdem hat die Interessengemeinschaft der Erfurter Teriilindustrie in Gemeinschaft mit den Textilunterneh= mern in Apolda bei dem genannten Fachausschuß den Antrag gestellt, die Löhne um 40 Prozent zu senken! Wird dieser Antrag an genommen, so werden sich die Löhne für die Heimarbeiterinnen des genannten Industriebezirks noch nicht auf 10 Pf. pro Stunde stellen. Cine fleißige Heimarbeiterin könnte demnach bei einer 50stündigen Wochenarbeit 5 m. verdienen. Ein Kommentar für das Vorgehen der Textilunternehmer in Thüringen erübrigt sich. Bemerken wollen wir noch dazu, daß die thüringische Textilindustrie für das abgelaufene Geschäftsjahr mit Dividenden aufwartet, die sich sehen lassen können. Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glocke: fämtlich in Berlin. Aehnliche Beschwerden werden von dem Personal der MitVerlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei ropa", Abteilung Köln, erhoben, wo die Herren Direktoren samt und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Volksversorgungstage Sensationell in Lebensmitteln Frisches Fleisch Pfund Hammelvorderfleisch 70 Pf. Hammelrücken 85 Pf. Hammelkeule Kalbsvorderfleisch 68 Pf. .. 90 Pf. Abteilungen des Hauses Kalbsrücken u.Keule 85 P Frühjahrs98 Pf. Schweinebauch Schweineschulterbl. 98 Pf. Schweineschinken 98 Pf. Schweinekoteletts 130 Pt. Schweineliesen... 90 Pf. 59 Fleisch- u.Wurstwaren Serien- Verkauf Delikatess- Salze Pf. 95 195 295 Piund 48 Pf. Blut- u. Leberwurst 55 Pf. Brühwurst nach Breslauer Art 98 Pt. Landleberwurst... 98 Pf. Berliner Mettwurst. 98 Pf. Polnisch. Mettwurst 120 Pf. Mettwurst n. Brschw. Art 140 Pl Jagdwurst.. Speck deutsche Ware..125 Pf. Schinkenspeck 140 Pi. 170 Pi Corned Beef n. Anschnitt. 80 Pf. Pa. Ochsenfleisch Pa. Ochsenschmorfleisch gefroren Pfd. 42 Pf. gefroren Pid. 80 Pf. Gelegenheitskauf Eine Ladung Obst- und Gemüsekonserven, allerbeste Qualität, solange Vorrat reicht m.Grünes 1- Pid- 2 Pid Dose billige Preise!!! Rotkohl 2 Pfd.- Dose .... 45 Pf. Blumenkohl... 50 Pt. Spinat 55 Pf. Schnittbohnen..65 PL .78 Pf. 45 Pf Gem. Gemüse Karotten ganz klein 45 65 Pf. Wachsbrechbohn. 75 Pf. Rouladen gefroren Pfd. 90 Pi. Hammelfleisch gefroren Pfd. 68 Pf. Kohlrabi in Scheib 125 Kaßler Pfd.... Ohren u. Schnauzen gepökelt Pfd. 60 Pf. Spitzbeine Schweinsköpfe gepökelt Pid. 29 Pi. frisch.... 54 Pf. Fettwaren u. Käse Plund mit mit Steinen Schoten Karotten Pflaumen Pflaumen ohne Birnen Steine weiß 1/2 Früchte 48 Pf. 65 Pf. 65 P. Preiselbeeren 60 Pt. Stangensparg. dinn 150 Pf. 95 Pf. Mirabellen 105 PE Aprikosen calif. 160 Pl. Schattenmorell. 65 115 P Ananas calif....175 Saure Kirschen 125 PL. Erdbeeren..... 195 PE Räucherwaren Ausgel. Wurstschmalz 58 P Pa. Makrelbücklinge Ausge Schweineschmalz 95 P Pa. Kieler Sprotten Tafelmargarine 56P Pomm. Speckflundern lassenes Rindertalg Tilsiter Käse Limburger.. Käse ... 56 P. Seelachs 56 Pf. 98 u. 75 Pf • Pfund Kolonialwaren 28 Pf Weizenmehl...... 40 Pt. Auszugmehl 45 Pf. Bruchreis 45 Pf. Tafelreis . Gelbe Erbsen. 45 Pf. Weiße Bohnen · Pfund . 18 Pf. 23 Pf. 18 Pf. 28 Pt. 18 Pt. • .... 20 Pl. 78 Pf. .. 42 Pf • 20 Pf. von 240 a an 15 Stück 40 Pf Pid.- Stück 98 Pf. la Suppenhühner 275 gefioren Stangen- Käse...... 48 Pf. Harzer Käse Tafelbutter Goldbars. Seelachs. Fettheringe.. in Scheiben 140 Pt. Weizen grieß 10 Stück 55 Pl. Röstkaffee . In der Konfitüren- Abteilung: Stück 75 und 95 Riesenauswahl in Ostersachen! 2№95 Radikaler Preisabbau Unsere Sonderangebote in über 100 Sorten Damen-, Herren- und Kinder- Schuhen bieten der Groß- Berliner Bevölkerung Vorteile, die infolge der rücksichtslosen Herabsetzung guter Ware alle unsere bisherigen ohnehin schon billigen Angebote tief in den Schatten stellen. Herren- Halbschuhe und Stiefel in braun, schwarz und Lack! Damen- Luxus- und StraßenSpangen- und Schnürschuhe in Lack, Wildleder, Boxcalf, Chevreaux, R'Chevreaux, moderne Formen und Modelle, moderne Farben. Kinderstiefel und Halbschuhe. Hausschuhe etc. etc. Unsere 21 Schaufenster setzen Sie In Erstaunen! Behrndt Schuh Lokal Detail Münzstraße 25 Schöneberg, Hauptstr. 160 Frankfurter Allee 54 Hottbusser Damm 13