Nr. 97 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 49 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic B- Reichsmart Doraus zahlbar. Unter Arenaband für Deutschland, Danzia, Gaar und Memelgebiet, Desterreich. Litauen, Lucemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat Der Bormärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit„ Sied. lung und Kleingarten sowie bez Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenstimme ericheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfpeltiae Nonpareille & cile 80 Bfenuta.. Reflamescile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettaedrudte Bort 25 fenais ( zuläffia amei fettgedruckte Borte). fedes weitere Wort 12 Biennig. Stellengefuche das ezfte Wort 15 Bfennig, febes weitere Wott 10 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben sählen für awel Borie. Arbeitsmarft Reile 60 Bfennia. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Biennia. nzeigen für die nähe Summer milffen bis 4 Uhr nochmittags im Sauptgeschäft. Berlin S 68, Linden Rraße 3, abgegeben werben. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonnabend, den 27. Februar 1926 Das Volksbegehren in Berlin. Ausführungsbestimmungen des Magistrats. Der Berliner Magistrat hat jetzt die Durchführungsbestim| dem Bezirksamt die Ausstellung eines Eintragungsscheines mungen für das Boltsbegehren in Berlin erlassen. Für die Durch beantragen.. führung sind die Bahlamter in den einzelnen Bezirken zuständig. Durch Säulenanschlag teilt der Magistrat heute für die Berliner Bevölkerung folgendes mit: Stadt Berlin Für die Eintragung sind in allen Verwaltungsbezirken der die Stunden von 1 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends an den Wochentagen, von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags an den beiden Sonntagen 7. und 14. März 1926 bestimmt worden. Für die Durchführung des Eintragungsverfahrens gelten folgende Bestimmungen: I. Eintragungsberechtigt ist, wer am Tage der Ein am Tage der Ein tragung Reichsdeutscher ist und das 20. Lebensjahr voll eudet hat. Personen, die vom Wahlrecht zum Reichstag auss geschlossen sind, deren Wahlrecht zum Reichstag ruht und die in der Ausübung des Wahlrechts zum Reichstag behindert sind, find fomit nicht eintragungsberechtigt und fönnen zur Eintragung nicht zugelassen werden. II. Zur Eintragung ist nur zuzulaffen: Ber feit September 1925 aus einem Verwaltungsbezirk in einen anderen umgezogen ist, muß bei dem Bezirksamt seiner früheren Wohnung die Ausstellung eines Eintragungsscheines beantragen. Wählerlisten für die Wahl des Reichspräsidenten in Berlin ihren Eintragungsberechtigte, die erft nach der Aufstellung der Wohnsitz genommen haben, demnach auch nicht in den Wählerlisten für die Wahl der Stadtverordneten und Bezirksverordneten in Berlin eingetragen sein können, müssen die Ausstellung eines Eintragungsscheines bei derjenigen Gemeinde beantragen, in deren Wählerlisten für die Wahl des Reichspräsidenten sie eingetragen worden sind. Eintragungsberechtigte, die erst nach der Aufstellung der Wählerlisten für die Wahl der Stadtverordneten und der Bezirks. verordneten das Wahlrecht zum Reichstag wieder- oder neu. erworben haben bzw. bis zum Schluß der Eintragungsfrist erwerben, müssen die Ausstellung eines Eintragungsscheines bei dem für ihre lebige Wohnung zuständigen Bezirksamt beantragen. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedlonto: Berlin 37 538 Banffente: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Wallitt. 65; Diskonts- Griekschaft, Deponitentaffe Lindenstr. 3. Britischer Faschismus. Die offene und die heimliche Bewegung. ( Von unserem Londoner Korrespondenten.)) E. W. Condon, 25. Februar. Der britische Faschismus ist, wie der gesamte europäische, ein Kind der Nachkriegszeit. Er ist eine ausgesprochene Nachahmung des italienischen Faschismus, von dem er auch die äußeren Merkmale, wie das Schwarzhemd und ähnliche Symbole, übernommen hat. Das ist insofern bezeichnend, als es hang mit der irischen Frage eine Art von bodenständigem gerade in England schon vor Mussolini im ZusammenFaschismus gegeben hat, der allerdings mit dem angio- irischen Friedensvertrag auch wieder in sich zusammengefallen ist. Der Faschismus teilt heute in England, wie in den meisten westeuropäischen Ländern, das Schicksal seines Zwillingsbruders, des Kommunismus. Sie sind beide durch geheime innere Fäden verbunden. Die Barallelität der beiden Bewegungen hat sich vielleicht nirgends so deutlich gezeigt, wie gerade hier, wo die Faschisten vom Hinweis auf das ,, Wachsen der fommunistischen Gefahr", die Kommunisten vom Hinweis auf die faschistische Gefahr" lebten. So weit ging die innere Berbundenheit der beiden feindlichen Brüder, daß viele Monate hindurch das Anwachsen der Faschisten mit einer zahlenin einer beliebigen Eintragungsstelle vornehmen. Der Antrag aufmäßig genau entsprechenden Mitgliederzunahme der KomVI. Inhaber von Eintragungsscheinen fönnen ihre Eintragung Ausstellung eines Eintragungsscheines ist in Berlin ausschließlich mündlich oder schriftlich an das zuständige Bezirksamt zu a) wer in die in der Stadt Berlin zulet abgeschloffene richten. Der Antragsteller hat den Grund zur Ausstellung eines Wählerliste eingetragen ist, es sei denn, daß das Wahl Eintragungsscheines auf Anfordern glaubhaft zu machen, über recht inzwischen verlorengegangen ist oder während der Eintragungsfeine Berechtigung, den Antrag zu stellen oder den Eintragungsfrit ruht ober das eine Behinderung zur Ausübung des Bahlschein zu empfangen, muß er sich gehörig ausweisen. rechts eingetreten ist, b) wer cinen Eintragungsschein hat. IH. Für die Abgabe der Stimme ift diejenige Eintragungsstelle maßgebend, in welcher fich die für den Eintragungsberechtigten in Frage kommende Wählerliste für die am 25. Oftober 1925 stoitgefundenen Wahlen der Stadtverordneten und Bezirksverordneten befindet. Die Bezirksämter werden die einzelnen Eintragestellen am 2. und 3. März durch Säulenanschlag öffentlich bekanntgeben und den Anschlag am 6., 7., 13. und 14. März sowie am 16. und 17. März 1926 wiederholen. Aus diesen Bekanntmachungen können die Eintragungsberechtigten, die ihre Wohnung seit September 1925 nicht gewechselt haben, ihre Eintragungsstelle selbst feststellen. IV. Einen Eintragungsschein erhält auf Antrag: a) ein Eintragungsberechtigter, der in einer Stimmliste oder Stimmfartei eingetragen ist, 1. wenn er während der ganzen Eintragungsfrist aus zwin genden Gründen außerhalb des Ortes fich aufhält, in dessen Stimmliste oder Stimmfartei er eingetragen ist, 2. wenn er infolge eines förperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfähigkeit behindert ist und durch den Eintragungsschein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstigeren Eintragungsraum aufzusuchen; b) ein Eintragungsberechtigter, der in eine Stimmliste oder Stimmfartei nicht eingetragen oder darin gestrichen ist, 1. wenn er wegen Rubens des Stimmrechts nicht eingetragen oder gestrichen war, der Grund dafür aber nachträglich weggefallen ist, 2. menn er Auslandsdeutscher war und seinen Wohnort nach Ablauf der Frist zur letzten Auslegung der Stimmliste oder Stimmfartei in das Inland verlegt hat. 3. wenn er nachweist, daß er bei der letzten Auslegung der Stimmlisten oder Stimmfarteien ohne sein Berschulden die Frist zur Einlegung eines Einspruches gegen die Stimmliste oder Stimmfartei versäumt hat, 4. menn er nachweist, daß er erst nach der zuletzt vorgenom menen Abstimmung stimmberechtigt geworden ist. V. Wer seit September 1925 innerhalb eines Berwal tungsbegirts umgezogen ist, kann entweder die für seine frühere Wohnung zuständige Eintragungsstelle auffuchen oder bei Stillstand der Krise. Keine Zunahme der Arbeitslosigkeit. Die Berichte der Arbeitsämter aus dem Reiche bestätigen in ihrer Gesamtheit den Eindruck, daß die krise am Arbeitsmarkt, die sich während der lehten Monate in verheerendem Tempo ausgedehnt hatte, zum Stillstand gekommen ist. Während der Monat Januar noch ein beträchtliches Anwachsen in der Zahl der unterstützten Erwerbslofen gebracht hatte, ist diese Jahl in der erften Hälfte des Februar im wesentlichen unverändert geblieben. Unverändert ist insbesondere die Jahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger mit 1773 000. Eine Zunahme, nämlich von 257 000 auf 285 000 hat bei den weiblichen Hauptunterstützungsempfängern stattgefunden. Insgesamt betrug die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger am 15. Februar 2059 000 gegenüber 2 031 000 am 1. Februar. Andererseits hat sich die Zahl der Zuschlagsempfänger( unterhaltsberechtigten Angehörigen von Hauptunterſtühungsempfängern) von 2361 000 auf 2 332 000 verringert. Die Entwidlung innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige it noch jehr ungleichmäßig unverkennbar hat im Berichtszeitteum wie alljährlich der Bedarf nach landwirtschaftlichen Arbeitsträften eingelegt. VIII. Die Eintragungsberechtigten müssen persönlich in den Eintragungsstellen erscheinen und alle Spalten der Eintragungslifte eigenhändig, vollständig und leferlich ausfüllen. Die Eintragung muß enthalten: 1. Vor- und Zunamen, bei verheirateten oder verheiratet los geworden ist, daß sich die Sachverständigen nicht ganz gewesenen Frauen auch den Geburtsnamen; 2. Stand, Beruf oder Gewerbe;. 3. Bezeichnung der Wohnung. Eine Bertretung durch andere Personen ist unzulässig. Gin tragungsberechtigten, die erklären, daß fie aus förperlichen Gründen oder weil sie nicht schreiben fönnen außerstande sind, die Ein tragungen eigenhändig vorzunehmen, wird die Erklärung von dem anwesenden Beamten beurfundet. IX. Bir empfehlen den Eintragungsberechtigten, fich mit ausreichenden Ausweispapieren zu versehen und die Eintragungsstellen möglichst schon in den ersten Tagen der Einfragung aufzusuchen, damit der Andreng gegen Ende der Frist vermieden wird. Diese Bestimmungen sind von außerordentlicher Wichtigkeit, Daraus geht hervor, daß jeder, der seit der Auslegung der Wähler: listen für die letzte Stadtverordneienwahl im Oktober vergangenen Jahres in Berlin seine Wohnung gewechselt hat, sich von dem Bezirksamt seiner früheren Wohnung einen Eintragungs schein besorgen muß. Nach einer Runbverfügung des Magistrats an die Bezirksämter sollen in der Regel für die Auslegung der Eintragungslisten diefelben Stellen in Betracht kommen, an denen sonst bei Wahlen die Wählerlisten zur Einsicht ausliegen. Nur in den Bezirken, in denen die antragstellenden Par. teien einen größeren Prozentjazz von Stimmen erhalten haben, soll die Zahl der Auslegungsräume vergrößert werden. Es muß dringend die Erwartung ausgesprochen werden, daß die einzelnen Bezirksämter, in deren Hand die Durchführung dieser Bestimmungen liegt, alles tun, um der Bevölfe rung die Eintragung zu erleichtern. Jeder Wahlberechtigte wird am 2. und 3. März an den Berliner Säulen fest stellen können, wo für ihn das zuständige Eintragungs: total liegt. munisten verbunden war, bis sich in legter Zeit allerdings die Lebenskraft der Faschisten als stärker erwies und zu einer Ueberholung der kommunistischen Mitgliederzijfern führte. ichen Faschismus der folgende: Die gesamte Bewegung ift In groben Zügen ist der gegenwärtige Stand des britierit etwas mehr als zwei Jahre alt. Ursprünglich einheitlich, brach sie schon 1924 in zwei bam. Drei verschiedene Gruppen auseinander: die sogenannte British Fascist"-Gruppe, die Nationale Fascisti" und eine dritte Gruppe, die„ Empire Fascisti", die allerdings so bedeutungsflar darüber sind, ob diese Organisation heute überhaupt noch existiert. Die größere Gruppe ist ohne Zweifel die der Britischen Faschisten". Organisatorisch zerfällt sie in Männer- und Frauenabteilungen, zu denen noch eine Kinderorganisation hinzutritt, deren Mitglieder unter 16 Jahre alt sein müssen und denen hier eine Art von Jingo Patriotismus eingehämmert wird. In FriedensReifen", sagt das Organisationsstatut der Britischen Fa schisten", besteht die Aufgabe der beiden Abteilungen darin, u propagieren, Mitglieder zu werben und antirevolutionäre Organisationen zu bilden. Im Falle einer Revo= lution oder eines Generalstreifs bildet die Männerabieilung die attive Truppe, die Frauenabteilung die Hilfstruppe." Das Statut sagt ferner über den Zweck der Orga nisation: Die Aufgabe der Organisation iſt ,,, gegen die ständig wachsende Gefahr des Kommunismus" zu kämpfen, Gewalt nicht au provozieren, aber der Gewalt, wenn es nötig ist, durch Gewaltanwendung zu begegnen"; die Organi fation sei feine Klassenkampforganisation", sondern umfaßt fämtliche Bevölkerungsschichten; sie habe mit Barteipolitik nichts zu tun, fie fei teine Streitbrecherorganisation", sei aber bereit, im Falle eines Generalstreits Hand in Hand mit den Behörden an der Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung zu arbeiten. In einem anderen offiziellen Dofument wird als die Grundlage des faschistischen Glaubensbefenninisies das Eintreten für König und Vaterland auf der Basis des Christentums bezeichnet. " 9 1 Die tatsächliche Mitgliederzahl der Britischen Faschisten" ist unbekannt; das Hauptquartier der Organisation vermeigert hierüber jede Mitteilung, behauptet jedoch, daß gegenwärtig rund 800 Ortsgruppen mit je 200 bis 5000 Mitgliedern beStehen. Nimmt man lediglich die niedrigere der beiden Ziffern zur Grundlage, so ergibt sich eine Mitgliederziffer von Tatsächlich dürfte die Organisation das erste Hunderttausend nicht erreicht, geschweige denn überschritten haben. In ihr spielen, nach bekanntem Muster, ehemalige Offiziere eine leitende Rolle. An der Spitze steht der unvermeidliche politisch- unpolitische General Gegen die Marokko- und Syrien- Feldzüge. beinahe 200 000, eine Bahl, die mehr als phantastisch flingt. Ein Demonstrationsantrag angenommen. Paris, 26. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Freitag Dormittag das provisorische Budgetzwölftel für den Monat März beraten. Bei der Debatte über eine 3 usazkredit forderung der Regierung zur Kriegführung in Marottound Syrien in Höhe von rund 41 Millionen tam es zu einer hef. tigen Diskussion. Von fommunistischer Seite wurde gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, daß sie die einzige sei, die augenblicklich Krieg führe, und dazu auf zwei Fronten. Während der Staatsichaz ohne jede Mittel fei, bereite man für das Frühjahr neue blutige Offensiven vor. Gegenüber den Großmächten rühme man sich des Geistes von Locarno, gegenüber den schwächeren Bölkern greife man zur rohen Gewalt. Als der Abgeordnete de Jardin von der Union Republicaine den General Sarrail für das Blutvergießen in Syrien verantwortlich machte, brach ein leb hafter Sturm der Entrüftung auf den Bänten der Kartellparteien aus. Nachdem ein fommunistischer Antrag auf Herabjegung der Kredite auf 10 Millionen abgelehnt worden war, wurde ein fozialiftischer Antrag auf Reduzierung des Sredits um eine million trotz des Einspruchs des Kriegsminiffers Painlevé mit 264 gegen 246 Stimmen angenommen. Neben dieser großen, sozusagen offiziellen faschistischen Organisation besteht noch eine fleinere, aber außerordentlich aktive, die National Fascisti", die größtenteils aus ganz jungen Menschen zusammengesetzt ist. Sie will Tafen, nicht Worte". Diese Leute sind es, die, wie die„ Socialist Review" feststellt, als echte, authentische, mit Schwarzhemden bekleidete und waffentragende raschisten bezeichnet werden müssen; das ist die Organisation der Raufbolde, derjenigen, die von Rizinusmethoden träumen. Sie schwören, rote Fahnen zu vernichten, wo immer fie sie auch finden mögen. Aus ihren Kreisen stammen die Helden, die fürzlich den Daily- Herald"-Wagen überfallen und die faschistische Bewegung in verschiedenen Fällen in eine nahe Verbindung mit dem Strafrecht gebracht haben. Ihre Gesamtstärke foll 500 nicht übersteigen. Eine unmittelbare politische Bedeutung tommt der gesamten faschistischen Bewegung nicht zu; die große Mehrzahl der Engländer, einschließlich einer Majorität der Konservativen, hat ein viel zu tief eingewurzeltes Mißtrauen gegen eine solche Maskerade, sie empfindet sie als viel zu unbritisch", als daß sie sich durch eine solche Bewegung ein- sangen ließe. Der Glaube an die Fähigkeit des Parlamen- tarismus und der Verhandlung am grünen Tisch, alle mög- liehen Situationen zu meistern, der in einer jahrhunderte- langen Schulung Fleisch und Blut gewordene Geist des Kom» promisfes, die Anpassungsfähigkeit auch der Reaktionäre an die als notwendig empfundenen fortschrittlichen Forderungen der Zeit, das alles zusammen gibt der Bewegung im Bürger- tum weniger Boden als in irgendeinem anderen Lande der Welt. Etwas anderes ist es freilich, ob diese verhältnismäßige Bedeutungslosigkeit der faschistischen Bewegung auch für die Zukunft gelten wird. Die Möglichkeit eines großen außer- parlamentarischen Ausnahmezustandes, wie es der drohende Generalstreik wäre, hat auch hier in England Symptome eines schleichenden Faschismus hervorgerufen, dessen Spuren bis in das Innenministerium weisen. Technische Rot- Hilfeorganisationen und andere Vorkehrungen für den Fall eines Ausnahmezustandes haben zum mindesten die Gefahr einer faschistischen Orientierung einflußreicher Kreise erkennen lassen, und die Art, wie man hier auf die Anbiederungsversuche der faschistischen Organisationen für den Fall des General- streiks antwortete, hat gezeigt, daß mindestens Im Leiter des Innenministers neben der konservativ-demokratischen auch eine konservatio-iaschistische Seele wohnt. In diesen zwei Seelen liegt zweifellos eine Chance für den britischen Faschismus, die seine Stellung unter Umständen mit einem Schlage verändern könnte. Wenn auch das britische Bürgertum unfaschistischer ist als irgendein anderes Europas, so ist doch die Frage noch nicht beantwortet, ob sich in einer großen Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit, oder etwa Im Falle einer antikapitalistischen parlamentarischen Ge- setzgebung durch eine kommende Arbeiterregierung nicht auch die Besitz- und Machtinstinkte des englischen Bürgertums als stärker erweisen sollten als seine demokratische Ueberzeugung. Erst eine wahrhaft kritische Situation wird eindeutig die Ant- wort auf die Frage nach dem Schicksal des Faschismus in Großbritannien geben können. Monarchismus unü Industrie. Kirdorf»nd Prinz OSkar. Jntereffante politische Zusammenhänge traten bei der Grün- dungsverhandlung über den Rheinisch-Westfälischen Mbntantruft zutage. Zur Vorbereitung dieses Trustes wurde, wie erinnerlich, am 14. Januar eine Gesellschaft mit dem Namen Vereinigte Stahlwerke A.-G., Düsseldorf, gegründet, die den Zusammenschluß der großen Montankonzerne organisieren soll. Vorsitzender des Aufsichtsrates wurde Emil K i r- darf, der bekannte Führer der Gelsenkirchener Bergwerks- und chütten-A.-G., der schon früher durch sein äußerst scharfmacherisches Auftreten gegenüber der Arbeiterschaft sich als Reaktionär hervor- getan hatte. Am 8. Februar wurde aber bereits der Gesellschaft?- vertrag abgeändert, cherr Emil Kirdorf befindet sich nicht mehr auf der Liste der Aufsichtsratsmitglieder, an seiner Stelle ist Generaldirektor Funcke benannt. Wie wir dazu von unterrichteter Seite hören, hat bereits bei den ersten Gründungsverhandlungen sich ein Widerstand gegen die Wahl Kirdorfs an die Spitze des größten deutschen Trustes geltend gemacht: dieser Widerstand wurde damit begründet, daß Kirdorf gleichzeitig führend in einem rechtsgerichteten Ver» band tätig ist, der sich die Wiederaufrichtung der Man- a r ch i e zum Ziele gesetzt hat. und an deren Spitze der ehemalige Vrinz Oskar von Preußen steht. Man fand es bedenklich, die wirtschaftlich« Tätigkeit des Verbandes mit einer durch einseitig politische Einstellung so außerordentlich vorbelasteten Persönlichkeit zu beschweren. Die Abänderung der Satzringen, die sich außer auf die Abänderung des Aufstchtsrates nur auf eine geringfügige Kapitalerhöhung sum 10 000 auf 60 000 TO.) bezieht, dürfte wohl größtenteils auf das Bestreben zurückzuführen fein, Herrn Kir» Silhouetten öer Mietskaserne. Von Erwin Frehe. Wie eine glühende Raupe windet sich der Zug durch die abend- siche Stadt. Steil, gleich zerborstenen Festungsmauern heben sich zu beiden Seiten die Hinterfronten der oerräucherten Großstadt- Häuser empor— es ist, als sause der Zug durch eine schwarze, gigantische Hohlschlucht, die sich hinter ihm wieder schließt. In den von flackerndem Licht erhellten Abteilen sinken die Köpfe der Heim- wollenden müde nieder, indes draußen gespensterhaft die Schatten der großen Häuser oorübertanzen.— Betrachtet man sich solch TOenschenhaus von vorn, so verbirgt die verzierte Fassade mit den verhängten Fenstern alles: nur von hinten, von den dunklen Höfen aus, in die die Lokomotive ihren grauen Rauch hineinspeit, offen- baren die unverhüllten Fenster vielgestaltige TOenschenschicksale. Tragödien liegen offen wie festliche Einträchtigkeit, Schmerz wie Jubel, stille Bescheidung wie taumelndes Verzagen— man muß nur schauen können, um in Sekunden verborgene Welten wie ein heim- sicher Schatzgräber dem Dunklen zu entreißen. Da strahlen vom schwärzesten Hof aus in jedem Frühling wunder- bar rote Geranien. Schwere purpurne Dolden hängen an der alterszerfrefsenen Hanswond herunter: sie saugen den Blick zu sich hin. Lange fuhr ich an diesen flammenden Blütenbällen vorbei, ohne zu wissen, wer sich hinter ihnen wohl verbarg.— Bis dann einmal, an einem Tag im schwellenden Vorsommer das Fenster offenstand und eine Nahmaschine sichtbar wurde, über die sich ein grauer, noch mädchenhaft gescheitelter Kops beugte. Sollte es also dies sein: ein lebendiges, frühlingshaftes Symbol im früh ver- greisenden, einsamen Leben, feurige Blüten im schalen Dasein einer armen Näherin?... Wer könnte es sagen! Aber künden nicht ourpurrote Bluten im Frühling von quälender Sehnsucht, von Liebe, die Erfüllung sucht und vielleicht schon stirbt in der Wehniut des Alterns?... Immer zuckt am Abend hinter all den Fenstern ein schwaches, stimmendes Licht, die kargen Stunden der Stille verkündend. Immer ehe ich um diese Zeit vom jagenden Zug aus in ein helleres Fenster, rnrinnen eine Frau sichtbar ist, die des Tages über schaffen muß: denn Nettengleich, w'e nach kurzem Wiedersehen, hangen Kinder an ihrem Kleide. Da ist dann immer dieselbe Gebärde: die mütterliche Hand mit dem Brote und die hastige, empfangende des Kindes. Fast kenne ich schon die fiebernden Kinderhände und die sorgsame der Mutter— aber da sitzt gleich daneben Tag um Tag. so, als wollte sie hier Tod und Ewigkeit erwarten, eine Greisin: fast niemals ist ihr Platz leer. Ausdruckslos sieht ihr Auge weit ins Unwirkliche— wie entfernt muß sie dem Donnern der Eisenbahnzüge und dem Trubel der Stadt sein! So kann nur jemand blicken, dessen Körper die Gefilde der Erde längst verlassen hat. und es beschleicht mich wie Furcht: wenn jetzt die silberne Glocke eines Kinderlachens herüber- tönte, die begehrenden Schrei« der Nimmersatten, was würde in dem zeitlosen Gesicht der Alten vorgehen? Vielleicht aber liegt jener unheimliche Gegensatz näher, denn aus einem gegenüberliegenden Fenster wippt in keckem, koketten Schwung dos, rankend« Grün einer Blattpflanze. Wer...? Einmal hing ein meergrünes Kleid mit goldenem Flitter weit über den Rand dieses Fensters hinaus— es darf auf harmlose Weise aus dem Aussichtsrat herauszusetzen. Es lohnt sich schon, die Beweggründe dieser in der Landwirtschost immerhin eigenartigen Handlung einer breiteren Oeffentlichkeit zu- gänglich zu machen. Man weiß dann wenigstens, wozu die Hohenzollernprinzen ihre Abfindungsansprüche oerwenden wollen und von welchen Kreisen sie Unterstützung zu erwarten haben. Der Meme!üs?eneral. Lüttwitz beschwert sich bei Severin,?. Der Meineidsgeneral Lüttwitz will non der Republik nicht nur Gnadengehalt i'.nd Aufwertung— er will auch Ersatz für die Kasten des elektrischen Lichtes, das bei einer Hanssuchung nach ihm auf seinem Gute verbraucht worden ist. Nächstens wird er mach noch die Rechnungen von den Hotels erltattet verlangen, in denen er als steckbrieflich oerfolgter*Flü.chtling gewohnt hat, und vielleicht verlangt er auch nach Reiseivesen für seine Flucht. Er will sogar noch mebr. Er will Straf- antrag stellen gegen die Kriminalbeamten, die ihn such'en, weil sie seinen Wach betreten bähen, und er beschwert sich beim Breslauer Regierungsvräsideuten darüber, daß man ihn ge- sucht bat— er, der Meiu-idsgeneral. der Hochverräter, der die Waffen wider die Verfassung erhoben hat. Seine Beschwerde wurde abgelehnt, und nun beschwert er ssch beim preußischen Innenminister, bei dem Republikaner und Sozialdemokraten Severing. Auf diese Frechheit hat der Meineidsqsneral folgende AntwortSeverings erhalten: .Bei Berücksichtigung Ihrer Lage zur Zc't der Durchführung der Durchsuchung und Im Hinblick darauf, daß Sie der weiteren Straf- Verfolgung nur durch einen AktderGnade entzogen worden sind, erscheint Ihre Beschwerde höchst unangebracht." Für die Unverfrorenheit und Schamlosigkeit des Lüttwitz ist diese Antwort bei aller Deutlichkeit viel zu sanft. Die Sabotage Ses Voltsbegehrens. Vergebliches Bemühen. Die Deutschnationale Fraktion des Landtages hält es offenbar angesichts der Unverfrorenheit, mit der In den gelobten agrarischen Gefilden einzelne Amtsvorsteher sich heraus- nehmen, das Volksbegehren zu sabotieren, für notwendig, eine kleine Entlastungsofsensioe zu unternehmen. Diesem Zweck dient eine.kleine Anfrage" an die Staatsregierung. Darin entrüstet man sich darüber, daß in einzelnen Fällen die Zustellung der Ein- tragungslisteu von einem Plakat begleitet worden ist.. Die .Pommersche Tagespost" glaubt jetzt den Dreh gefunden zu haben, wie man wenigstens in diesen Fällen das Volksbegehren unmöglich machen kann. Sie kommentiert die deutschnationale An- frage wie folgt: .Wenn nunmehr auch verfügt worden Ist, daß die Gemeinde- und Gutsvorsteher die Einzeichnungslisten auslegen und ihre Auslegung bekanntgeben müssen, so glauben wir nicht, daß diese Verpflichtung auch dann besteht, wenn der Listeiisendung gleichzeitig Plakate oder Aufrufe usw. beigefügt sind. Unseres Erachtens darf In dem Umschlag nichts enthalten sein, was mit den Bestimmungen nicht im Einklang zu bringen ist. Geschieht dies trotzdem, so erscheint die ganze Sendung ungültig(!) und es braucht von ihr keine Notiz genoinmen zu werden. Nach Recht und Billigkeit kann niemand dem Gemeinde- bzw. Eutsvorst.her zumuten, sich aus der Sendung das„herauszuklauben". was für amtliche Handlungen notwendig sein würde." Diese Konstruktion Ist leider zu schön. Sie wird den deutsch- nationalen Herrschaften gar nichts nützen. Die Sabotage einzelner Amtsvorsteher kann höchstens dazu führen, daß die Auslegung der Eintragungsliston später wiederholt wird. Es mag schmerzlich sein, es bleibt aber doch Tutsache, daß auch die Herren Ostelbier nicht werden umhin können, dos Volksbegehren über sich ergehen zu lassen. Als Rcichswahlleiter für das Volksbegehren und den Volks- entscheid fungiert der Präsident des Statistischen Reichsomts Dr. Wagemann, der diese Stellung während der ganzen Dauer der Sitzungsperiode des Reichstags bekleidet. war die Farbe des Kiefernwaldes, in desien Wipfelsaum die Sonne güldene Heimlichkeiten hineinflechtet. Wilde Jugendlichkeit und demütig wartendes Alter, smaragdenes Ia-Sagen zum Leben und flehender Glaube an das Niegekannte— das starrt einander ms Gesicht. Meine Freunde längs des Bahndammes sind viele, neue kommen und andere verschwinden. Lange blickten mich zwei verstaubte Fenster an, gleich blinden Augen— vor wenigen Tagen blinkten sie hell und eine Frau, mehr noch ein Mädchen, stand am Fenster und hob in jähem Gefühlsüberschwang beide Arme selig empor: wie jung mußte sie sein, um das tun zu können! Und sehe ich denn nur sie? Kann sie mir ihr Leben oerbergen, das bis jetzt hin- dämmerte und erst kürzlich aufsprühte im Rausch verwirrter Wünsche? Sie kann es nicht!... Da ist auch vom langsam fahrenden Zuge aus in einer vorhanglosen Stube ein Bücherbrett zu sehen— kaum habe ich es entdecken können. Jedoch, was liegt an einem Bücher- brettl Es war spät, sehr spät, als ich vor ihm im Kerzenlicht«inen jungen Menschen lesend sah. War er versunken Im Ungeborenen, sprach er Hosianna einem künftigen Sommer oder war es Brand im nächtlichen Erleben des täglichen Unrechts? Wieder weiß ich nicht, welcher Drang ih, um Mitternacht kettete ans Buch, aber der Morgen wird in seinen kargen Schlaf hineinheulcn wie in alle Träume, die mitternächtig Auferstehung feiern— das weiß ich! In der Mietskaserne stirbt die Sehnsucht früh.... Roch schaue ich jeden Tag vom brausenden Zuge aus die schmutzige Welt eintöniger Hinterhöfe. Viele Freunde von dort haben Wohnstott in mir und sind mir Vertraute, In der Flucht der Stunden, ohne daß sie es wissen. Aber wenn sie mir auch alle gegenwärtig sind in ihren schwarzen Höfen und dumpfen Kammern, so will und will das Bild jenes lesenden Arbeiters nicht aus meinem Gedächtnis. Es ist, als zögen ssch die vielen Häuser zu einem Koloß von Körpern zusammen, in dem er, mit dem schmalen Bücherbord zu seinen Häupten, die gestaltende Seele sei, oder auch das Herz, das schlagende Herz....__ Aullurbelräte bei den Aundfunkqesellschaften. Auf eine lm Preußischen Landtag eingegangene Anfrage hat der preußische Ministerpräsident erklärt:„Die Wahl der Beiräte bei den Rund- funksendegesellschaften wird unter Hinzuziehung aller Kreise der Be- völkerung, auch der Arbeiterschaft, erfolgen." Dieses Zugeständnis an die Arbeiterschaft ist der Initiative des Arbeiterradioklubs e. B., Berlin SO 26. Oranienftraße 182. zu danken. Es erf�eint aber nn- bedingt erforderl'ch, daß neben den Arbeiterkultur-, Radio« und Ge- werkschaftsorganisotionen auch die Teilnahme von proletarischen Künstlern und Wissenschaftlern an diesen Kullurbeiräten gewähr- leistet wird. Da, Bauhaus ln Dessau. Das Bauhaus, das im April ISZZ mit seinem gesamten Personal von Weimar nach Dessau überstedelte, arbeitet jetzt mit allen Abteilungen an der Ausgestaltung seines umfangreichen Neubaues, der im Herbst d. I. vor einer breiten Oeffentlichkeit eröffnet werden soll. Diese konkrete Aufgabe, die die Stadt Dessau dem Bauhaus gestellt hat, bietet d'e denkbar besten Ausbildungsmöglichkeiten für seine Werkstätten. Das Bauhaus ist gleichzeitig ein Lehr- und Dersuchsinstitut, sein Ziel ist die Aus- bildung bildnerisch begabter Menschen zu schöpferischer Gestaltung die Eintragung Zum Volksbegehren. Ein neuer Runderlah des Ministers Severing. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolg« hat der Preußische Minister des Innern den folgenden Runderlaß an die Ober- und Regierungspräsidenten, Landräte, Stadt- und Land- gemeinden(Gutsbezirke) hinausgehen lassen: „Mit Bezug auf meinen über die Durchführung des Eintragung-. Verfahrens ergangenen Runderlaß vom 20. d. M., der sämtlichen nachgeordneten Behörden im Abdruck zugestellt worden ist, mache ich es aus Anlaß zahlreicher Beschwerden den Regierungspräsidenten und Landräten zur Pflicht, ihr schärf st«sAugenmerk darauf zu richten, daß die bei der Durchführung des Eintragungsoerfahren, beteiligten Dienststellen die ihnen nach dem G e I e tz über den Volks- entscheid und nach der Reichsstimmordnung obliegenden Aufgaben genau erfüllen. Beamte, die es an der erforderlichen Pflichttreu« fehlen lassen sollten, werden mit aller Entschiedenheit zur Verantwortung gezogen werden."_ Gegen Kleinstaaterei. Ein Antrag der Mecklenburger Sozialdemokraten. Schwerin, 26. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Die sozial- demokratische Fraktion des mecklenburgischen Landtags brachte zu dem„Etat des Staatsministeriums" folgenden Antrag ein: „Die Staatsrcgierung wird ersucht, zu prüfen, ob und gegebenenfalls welche finanziellen Ersparnisse von einem Anschluß Mecklenburgsan Preußen zu erwarten sind." Der Antrag wurde mit Unterstützung der Deutschen Dolk-partel und der Völkischen gegen die deutschnationale Fraktion ange- nommen. » Mit diesem Antrag ist in einem Lande ein Schritt zur Prüfung der Frage getan, wie die deutsche Kleinstaaterei das deutsche Boll belastet und eine effektive Gestaltung der Vpr- waltung hemmt. Mehr Aktivität im Streben nach dem Ein- heitsstaat tut in allen deutschen Ländern not. Die Saarstbanöe. Wieder einmal GewissenSmahnung für den Völkerbund. Saarbrücken. 26. Februar.(Eigener Dmhtbericht.) Die Sozial- demokratische Partei des Saargebiets hat sich mit einer neuen Denk- lchrift an den Völkerbund gewandt. Sie verlangt darin die Uebcr- tragung der Präsidentschaft der Regierungskommission an ein nichtsranzösisches und den Dölkerbundsidealen ergebenes Regierungsmitglied. Sie fordert die Abberufung des jetzigen Präsidenten Rault und des belgischen Ministers Lambert. In der Uebertragung der Präsidentschaft an den von gewissen Seiten vorgeschlagenen Kanadier Stessens sieht sie keine ideale Lösung der Präsidentschaftsfrage. Sie erinnert den Völkerbundsrat an das der Saarbeoölkerung verschiedentlich von Rats- und Völkerbundsmitglledern gegebene Versprechen aus Ge- Währung des passiven Wahlrechts an alle Einwohner, der Immunität an die Abgeordneten und des Initiativ- rechts an das Parlament(das alles gibt's im Saargeblet nicht, das aber keine Negerkolonie, sondern ein vom Völkerbund ver- walteter Teil Deutschlands ist! Red.) und endlich an die Zurück- Ziehung des französischen Militärs. Außerdem verlangt die Sozial- demokratisch» Partei Verbesserung der Sozialversicherung, sozialer« Ausgestaltung der Lohnsteuer, fortschrittliche Lohnpolitik und Wahr »ung der wohlerworbenen Rechte aus Pensionen und Renten. D'.e Eingab- wendet sich sckzließlich gegen die K l e r i k a l i s i e r u n g und den rein konfessionellen Ausbau des Volksschulwesens im Soargebiet und verlangt Klärung der Schulpolitik im Saargebiet und Deseiti- (jung des französischen Uebcrgewichts in den höheren Leamtenstellen, Abg. Arbohns, der in Ehdttubnen festgenommen worden war. alZ er ti: d n sckililauische G:e>ze mit einem falschen Paß übe- scdreiten wollte, ist aus der Hast enilassen worden, weil ei» Pop- vergehen eine längere Fnbafiiernng nichi rechilert'gt. Sdg. Url-abuS war am Donnerstag bereits wieder in den AuSschußfitzungen de« ReichitagS anwesend. im Berufsgebiet des Handwerks, der Industrie und des Baufaches. Die Durchbildung oller in handwerklicher, technischer und formaler Beziehung mit dem Ziel gemeinsamer Arbeft am Bau dient als ein- heitliche Grundlage. Die gesamte Ausbildung gipfell in der für die Praxis bestimmten Dersuchsabteilung für Hausbau und Hausgerät. die mit den erfahrensten und begabtesten Kräften die Herstellung von Standard-Modellen für Handwerk und Industrie, im Bereich des Hausbaues und der Hauseinrichtung durch systematische Der- suchsarbeit erstrebt. Die Schule des Bauhauses findet durch die Verbindung m't der bisherigen„Kunstgewerbe- und Handwerker- schule" eine erschöpfende Ergänzung, da bei organischem Ausbau der vorhandenen Fachabteilungen(Handwerkerschule, Maschinenbau- schule, Bauschule) ein Ausbildunasorganismu» entstehen wird, der Schüler und Mitarbefter aller Befähigungsgrade ln engem Zusammenhang mit der Praxis einheitlich durchzubilden vermag. Es ist zu hoffen, daß die verschiedenen technischen und künstlerischen Abteilungen des Instituts regen Zulauf von Schülern und Mit- arbeitern finden werden. Eine Absage an da» faschistische Zlasien. Der Spitzenverband aller großen technischen und tünsllerischen Vereinigungen des beut- schen Städtebaues hat in seiner letzten Sitzung den Verbandsdirektor Dr. Robert Schmidt-Essen zu seinem Präsidenten ernannt. Zu einem Antrag von italienischer Seite wurde folgender Beschluß ge- faßt:„Die augenblicklichen allgemeinen Verhältnisse und vor allem die Tatsache, daß die italienische Regierung innerhalb ihre» Macht- bereiches auf die Erhaltung deutscher Kullur keinerlei Wert legt. lassen es vor der Hand nicht angezeigt erscheinen, daß sich die Kreise des deutschen Städtebaues an Italienischen Ausstellungen beteiligen." Der reformierte Stierkampf. Die spanische Tierschutzgesellschaft hat in ihrem Kampf gegen den Stierkampf einen bemerkenswerten Erfolg errungen. Ein« Verordnung ist erlassen worden, durch die den Picadore» die„Wendung" beim Stierkampf untersagt und das Töten von Pferden bei diesen Schaustellungen oerboten wird. Die sogenannte„Wendung" der Picadores besteht darin, daß sie dem Stier, wenn sie ihn mit ihren Lanzen gereizt haben, die Breiffeite des Pferdes zuwenden, sobald das Tier in wilder Wut heranstürzt. Der Stier sucht dann das Pferd mit den Hörnern aufzuspießen. wirft es in die Luft: der Pieador springt oder stürzt herunter, und so entsteht ein„malerisches" Chaos von Stier, Pferd und Reiter, worauf wieder andere Pieadores mit ihren roten Tüchern den Stier ablenken. Bei diesen Anfangsgefechten des Stierkampfes, bei denen das Tier in Raserei oersetzt wird, bevor der Torero ihm mit dem Schwert entgegentritt, werden viele Pferde getötet, und man wählt daher nur Schindmähren aus, die auf die elendeste Weise zugrunde Sehen. Zweifellos liegt in dieser Mißhandlung und langsamen olterung der Pferde die größte Grausamkeft de» Stierkampfe»: dl« aufgeschlitzten Tiere bieten auch dos gräßlichste Schauspiel dar. De»- halb ist e» immerhin schon eine beträchtlich« Reform des barbarischen Schauspiels, daß jetzt das Auffpießen der Pferde durch den Sti«r nicht mehr absichtlich herbeigeführt werden darf. Slao»«per. Wenen plätzlicker Erkrankung Alfred Pleeaver» muhten leine Salstdfel» an der Etaateoper um 14 Tag««ertchoden werden. An Stelle der„Ariadne- findet unter perlönlicher Leininz emt Richard Strang.DerRojeukaoalier' statt. Ansang 7'/, Uhr. Warum volksentlcbeiü! Eiue Zeutrumftimme für das Volksbegehren. Aus Zentrumskreisen wird uns geschrieben: In den bürgerlichen Parteien beginnt man sich zu regen, nach- dem in der zurzeit wichtigsten htnerpolüischen Frage, der Abfindung der ehemaligen Fürstenhäuser, bisher nur in den höheren Regionen der Politik ganz leise verhanidelt worden und der bekannte Kompromißentwurs der bürgerlichen Mitte her- au-gelommen ist. In össenllichen Versammlungen ist der Unwille des Volkes zum Ausdruck gekommen. Anscheinend sind aber diese Ruf« nicht m die Arbeitszimmer aller Fraktionen gelangt, und wenn es so gemütlich weiter geht, dann stehen wir eines Tages vor der vollendeten Tatsach«, die dem verarmten deutschen Volke schwerstes Unrecht zufügt Wenn wir hier vom Standpunkt des Christen zu den Dingen Stellung nehmen, so tun wir es aus Gewissenspflicht: denn die Erregung im christlichen Teil unseres arbeitenden Volkes fordert eine restlose Klarstellung. Es nutzt nichts, um die Dinge herumzu- reden und schließlich an Duldung und Opserwillen zu appellieren. Es hat keinen Zweck mit Paukenschlägen auf das formale Recht zu pochen, zu dem wir mehr und mehr das Vertrauen verlieren. Wir sind verpflichtet, den Dingen ins Aug« zu sehen und jede Art von Schönfärberei zu unterlassen. Es handest sich hier um die Grundsätze des sittlichen Rechtes, um die hohe Verantwortung, die der Christ dem Nächsten gegenüber zu trogen hat Gchen wir einmal von der Voraussetzung aus— die historisch nicht anzuerkennen ist—. daß die Forderungen der Fürsten tat- sächlich nur ihr Privateigentum betreffen, so besteht die Der- pflichtung, die Frage des Cigentumsbegriffes überhaupt zu klären. Nach christlichen Grundsätzen ist das Privateigentum heilig. Was heißt das? Das Eigentum ist mir von Gott gegeben zu seiner Verwaltung hier auf Erden. In dem Augenblick, da ich dieses Eigentum mißbrauche, um mir persönlich« Güter zum Schaden meiner Mitmenschen zu verschaffen, hört das sittliche Recht auf Eigentum auf. Unser Volk, das durch einen vier- jährigen Mord und durch seinen wirtschasllichen Ruin an Körper und Seele enteignet ist, das durch Wucher und Betrug an dem äußersten Stand seiner Lebensmöglichkeiten angekommen ist, dessen Hand- und kopfarbeitend« Schichten das Allerletzt« hingegeben und Gut- und»lutopfer nicht gescheut haben, soll Millionen an Land-, Kapital- und Staatsbesitz an einige wenige geben, die prasien auf Kosten der Annen? Christus würde noch einmal die Peitsche nehmen und den Tempel reinigen. Hinweg also mit allen Redensarten von Sittlichkeit, Gerechtigkeit, sondern ein Christentum der Tat Hinzu kommt noch eine zweite Frage, die kürzlich von hoher katholischer Seit« angeschnitten worden ist. die Frage noch dem Her- kommen de» persönlichen Eigentums. Dabei ist zu entscheiden: Ist das Eigentum erworben durch ehrliche Arbeit oder durch Befehl, durch Druck, durch Zwangsmaßnahmen auf Grund eigener Macht Wie dos„Eigentum" der Fürsten zusmnmenge- kommen ist. darüber zu debattieren ist müßig. Das Unrecht der Sklaverei, der Leibeigenschaft, des Raubrittertums und des Abso- wrismus kann niemals Rechtsnorm sein. Diese Herrschaftsformen find gestürzt und damit auch die Fassungen des damals gellenden Rechtes. Die Verhältnisse vor dem Kriege, die es nicht nötig hatten. die Eigentumsverhältnisse zwischen Staat und Fürstenhaus restlos zu klären, sind vorbei. Kraft der neuen staatsrechtlichen Grundlog«, die von der verfassunggebenden Nationalversammlung geschaffen worden ist. ist die Notwendigkeit neuer Rechts verhüll nisse zwischen Staat und Fürstenhäusern gegeben. Die Erfüllung dieser politischen Aufgabe ist von der Siational- Versammlung oersäumt worden. Werfen wir nicht die Schuldfrage aus. sondern beeilen wir uns das Versäumt« nachzuholen. Da der alte Rechtsbegriss nicht mehr existiert, kann auch noch..geltendem Recht" nicht mehr entschieden werden. Wir unterschreiben, was Dr. Eonrvd Verndt im„Berliner Tageblatt"(Nr. 73) ausgeführt hat:..Hier hat nicht der Richter zu entscheiden, der bestehendes Recht anzuwenden hat, sondern der Gesetzgeber, dessen Aufgab« es ist. Recht zu schaffen." Wer ist der Gesetzgeber? Wer hat das Recht zu schaffen? Da» Volk, oertreten durch sein« Abgeordneten. Finden diese nicht den Mut zur Lösung im Sinne des Volkswlllens, so hat dos Volk selbst zu entscheiden— selbst wenn darüber eine Regierung in die Brüche geht. Wer aber an diesem heuttgen Staats- recht rüttelt gibt dem Volke nicht das. was chm durch fein Wert, die Verfassung von Weimar, gewährleistet ist. Aus all dem ziehen wir die Schlußfolgerung, die der Zentrums- abgeordnete Adam R ö d e r in der.MHein-M-rnrischen Voltszeitung" (9lr. 34) ausspricht;„Das Eigentum der Fürsten fällt restlos an den Staat zurück, von dem es stammt Fürsteneigentum ist kein« Kate- gorie de» formalen Rechtes. Die politisch« und soziale Katastrophe hat den Rechtscharakter dieses Eigentums oerändert." Gebt dem Volk das Geld, damit es wieder Werte für die Menschen schaffen kann! Gebt dem Volke den Boden, damit seine Kinder wieder Hütte und Heimat bekommen. Wir sind gewiß, daß dann das deutsch« Volk sein« eliemaligen Fiststen nicht oerhungern läßt /?ud) noch Rentenansprüche! Ende der ersten Lesung im NcchtsanSschufj.— Wer alles Geld vom Ttaat fordert. Der Rechtsausschuß wandte sich gestern der Beratung de»§ g zu. zu welchem die Sozialdemokraten beantragt hoben, daß dos Reichs- fondergericht auch von den Steuerbehörden Au». künft« soll erfordern dürfen Dr. Rosenfeld: Wenn da» Reichssonbergericht Klarheit erlangen will über die Fürstenvermögen, dann muß das Steuergeheimnis gelüftet werden. Wir sind hier im Ausschuß selbst doch bei unseren Feststellungen vielfach daran gescheitert, daß die Regierungen uns erklärten, mit Rücksicht auf das Steuergeheimnis Auskünfte nicht geben zu können. Das Gericht muß vor ähnlichen Schwierig- leiten geschützt werden._, Abg. Bell(Ztr.): Der sozialdemokratisch« Antrag enthält-inen richtigen Gedanken. Der Charakter der Vertraulichkeit der Steuer. alten muß gewahrt bleiben. Wenigsten» dürfen Erörterungen nicht in öffentlicher Sitzung gegeben wer�n. Gras Meerseld(Dnat): Der sozialdemokratische Antrag wider- spricht dem geltende» Steuergeheiwni» und muß von uns daher abgelehnt werden. Nach weiterer Debatte wird der sozialdemokratische Antrag folgendermaßen formuliert: „Die Steuerbehörden sind verpflichtet die vom Reichssonder- aericht erforderten Auskünfte zu erteilen. Di« Verhandlungen vor dem Gericht sind öffeallich. soweit die Auskünfte der Steuerbehörden Orianö verteiöigt Loearno. Ein mutiges Friedeusbekeuntnis vor der Kammer. Paris, 26. Februar.(Eigener Drahtbericht.) In der Fortsetzung der Locarno-Debatte im französischen Parlament ergriss am Frei- tag der Ministerpräsident Briaad das Wort Er wies auf die stark auseinandergehend« Interpretotion hin, die die Verträge von Locarno in den beteiligten Ländern gefunden hätten. Ein großer Teil der deutschen Presse habe behauptet daß Deutschland in Locarno düpiert worden sei, während gleich- zeitig in England Chamberlain von verschiedensten Sellen der Vor- wurf gemacht worden sei. daß er sich„von Briand habe in die Tasche stecken lassen". We diese Polemiken hätten nur gering« Bedeutung. Das Entscheidende sei. daß die Verträge von Locarno keinem der belcUlglen Völker Unrecht zufügten. Sie seien redigiert und abgeschlossen in einem wahrhast«uro- päischen Geiste und mit dem Ziel der Konsolidierung des Friedens. Gewiß schafften sie nicht alle Kriegsgefahr aus der Well. Die einzig richtige Einstellung zu Locarno sei die Frag«, was vor dem Abschluß der Verträge gewesen sei und welche Folgen sie für Europa haben würden. Gegenüber den Ansätzen zu einer Neugruppierung der Mächte in Europa und den zahl- reichen internationalen Intrigen, die damll im Zusammenhang standen, habe Briand sich entschließen müssen, zu handeln. Als man den Vertrag von Versailles diskutiert habe, sei die Hauptsorge die Frankreich von seinen Verbündeten versprochene Garantie seiner Sicherhell gewesen, und Clemenceau habe selbst gesagt, daß, wenn die Dereinigten Staaten diese Garantie nicht ratifizieren würden, der ganze Friedensvertrag in sich zusammenstürzen müsse. Seine (Briands) auswärtige Politik sei deshalb fett dem Jahre 1921 unablässig darauf gerichtet gewesen, diese Lücke auszufüllen. Der Grundstein zu dem Protokoll von Gens sei in Cannes und in den vorbereitenden Verhandlungen zu der Konferenz von Genua gelegt worden. Erst die Verhandlungen zwischen Paris und London hätten Stresemann zu feiner Initiative vom Februar des vergangenen Jahres bestimmt Die französische Regierung habe in seinen Vor- schlagen einen geeigneten Weg zu dem von ihr selbst erstrebten Ziel gesehen und sie sich deshalb zu eigen gemacht. In den kritischsten Augenblicken des Ringen, um verdna. in dem Grauen der Menschenschlächierel habe er sich geschworen. den Rest seines Lebens ausschließlich der Sache des Frieden» zu widmen.(Stürmischer velsall auf allen väakcn.) Aber um den Frieden wirklich zu haben, genüge es nicht, ihn lediglich im Munde zu führen. Seine Sicherung verlange große Hingabe und Ausdauer und dulde keinen Zweiset Auch gegenüber Erzberger und Rathenau sei man(lies: P o i n c a r e. Red. d.„D.") in Frank- reich von äußerstem Mißtrauen gewesen, und doch seien diese beiden unter der Hand von Mördern gefallen. Auch dem neuen Versuch, den Frieden zu sichern, könne man mll ähnlicher Skepsis begegnen. Das allein Entscheidende sei, daß Locarno zur Wieder- Herstellung des Vertrauens beigetragen und in den Völkern d«n e r st e n Hoffnungsstrahl auf eine bessere Zukunft entzündet habe. Die Ausgabe der veraniwortlichen Staatsmänner müsse heute sein, Europa sür den Frieden zu organisieren und die Barriere, die der Krieg hinlerlassen habe, endgültig niederzulegen. Der Pakt von Locarno sei erst ein Anfang. Cr sei ein kleiner schonungsbedürftiger Keim, den man sich hüten müsse zu zertreten. Auf keinen Fall dürfe es ein französischer Fuß sein, der ein der- artiges Verbrechen begehen würde. Deutschland sei berellwilligst nach Locarno gekommen. Dort habe man europäisch gc- sprachen, und das sei eine neue Sprache, die alle Be- tciligten erst lernen mühten. Der Pakt beraube Frankreich keines seiner natürlichen Verteidigungsmittet Der Rhein sei «ine internationale Grenze geworden. Während der Vertrag von Versailles Deutschland auferlegt worden sei. habe dieses den Vertrag von Locarno freiwillig und ohne jeden Druck an- genommen. Es sei ein Nonsens, wenn man einem großen Land« wie Deutschland einen permanenten Sitz im Dölkerbundsrat ver- weigern wollte. Deutschland habe in Gens eine Rolle zu spielen. Rur so könne dem bedauerlichen Zustand ein Ende gemacht werden, daß zwet benachbarte Völker noch immer wieder eines ans da» andere stürzte und die europäische Kultur bedrohten. Alle diplomatischen Bemühungen der Zukunft müßten dem Gedanken der Schaffung eines einigen Europas gelten. Indem es die Verträge von Locarno unterzeichnet habe, sei Frankreich sich selbst seiner Der- gongenheit und seiner Zukunft treu geblieben.(Wiederholter stür- Mischer Beifall auf allen Bänken.) Die Weiterberatung wurde daraufhin auf Sonnabend vertagt * In der trüben Atmosphäre, die durch den Schacher um neue Ratssitze geschaffen worden ist, und an der Briand nicht ganz unschuldig ist, wirken die gestrigen Worte des fron- zösifchen Ministerpräsidenten wohltuend. Es hat hier wieder der Staatsmann von Locarno gesprochen, ebenso freimütig und weitblickend wie in seiner Schlußansprache in Locarno selbst und in seiner Rede bei der Ratifizierungsfeier in London. Obwohl sein Friedensbekenntnis durch die An- spielungen auf Bersailles, Cannes und Genua eine deutliche Polemik gegen Clemenceau, Millerand und Poincarö cnt- hält, scheint sie sogar auf die nationalistischen Gegner der Locarno-Berträge gewirkt zu haben, da der stürmische Bei- fall einmütig war. Wir hoffen, daß Briand, wenn er erst wieder in Genf die internationale Konferenzluft atmen wird. die ihm in Locarno so gut bekommen ist, auch in der Frage des polnischen Ratssitzes nach dem Geiste und der Methode von Locarno handeln wird. bekanntgegeben oder erörtert werden, ist auf Antrag einer Partei die Oeffentlichkeit auszuschließen.". Dieser Antrag wird mit 13 Stimmen gegen die Stimmen der Deutschnationalen angenommen. Bei d« Beratung de- 8 12. der die Bestimmungen des Gesetzes ausdehnen will auf die früheren landesherrlichen und diesen gleichgestellten Häuser und ihre Rechtsnacksolger, fragt Dr. Rosenfeld, ob mit dieser Bestimmung auch wirtlich all« dcpossedierten und mediatiflerten Fürstenfamilien getroffen würden, und um welche Ansprüche es sich handele. Geheimrat Mende: E» handest sich in Preußen um 33 ver- schieden« Fälle, in denen Renten an früher regierende Häuser oder frühere Standesherren gezahll werden und die jetzt Aufwertung verlangen. Wir haben daher ein Interesse an der Aufnahme des Z 12. Dr. Roseofeld: Handelt es sich denn nur um Aufwertung»- und Schadensersatzanlprüche? Ein preußischer Regierungsvertreter: Nur solche Ansprüche kommen in Frage, und zwar aus Grund von Auseiaandersehungen. die vor mehr als hundert Jahren slattgesuudea haben zwischen der preußischen Krone und den Fürsten. Bis zum Jahre 1923 sind jährlich gezahlt worden: An den Landgrasen von Hessen 512 030 Mark. au seinen Bruder 96 000 Mark, an die beiden hessischen Nebenlinien je 150 000 Mark. an zwei holsteinische Linien ISl 000 Mark und 195 000 Mark. außerdem an viele andere, insgesamt 1 S00 000 Mark jährlich. Die Sozialdemokraten beantragen, den Renten» a n s p r u ch dieser Fürsten für erloschen zu erklären. Dr. Levl: Es handelt sich hier um Jahrhunderte alte Rechts. die jetzt keine Spur von Billigkeit mehr haben. Würde man sie behandeln, wie das Reichsgericht viele durch die Inflation erledigte Ansprüche behandell hat, dann würde setzt gar nichts mehr zu zahlen sein. Die in anderen Fällen vom Reichsgericht aufgestellten Grund- sätzc mögen jetzt auf die Fürsten Anwendung finden. Zlbg. Munoerlich(D. Dp.): Das Reichsgericht hat niemals An- spräche für völlig erledigt erklärt, sondern sie höchstens nur auf minimale Beträge herabgesetzt. Den sozialdemokratischen Antrag muß ich ablehnen. Abg korsch(Komm.)' Die ungerechtfertigten Ansprüche dieser Fürstenfamilien hätten längst eingehend erörtert werden müssen. denn die Tatsachen sind ja schon lange bekannt. Die Sozial- demokraten werden natürlich sich begnügen, eine Herab- setzung der Renten zu fordern und etwas geringer« Renten bewilligen.(Zwischenruf Dr. R o j e n f e l d: Sie müssen niWiqslcns zuhören, was hier geschieht! wir haben längst beantragt die Rechte sür erloschen zu erklären.) Dr. Korsch: Wenn ein solcher sozialdemo- kratischer Antrag vorliegt, dann werden wir iür diesen Antrag stimmen. Mit den Renten dieser Fürsten muß Schluß gemacht werden. DaS Sündenregister der Kommunisten. Dr. Rosenfcld: Ich sonktatiere, daß die Kommunisten wieder einmal ohne jeden Grund uns angegriffen haben,. Sie werfen uns vor, daß wir Renten bewilligen wollen, und. dabei baben wir längst beantragt, die Renten für völlig erloschen zu er- klären. Erstaunlich ist. daß die Kommunisten jetzt anfangen, für unsere Anträge zu stimmen. Die Erleuchtung kommt nur etwa» spül: beim vorlehlen Para- grophen des Gesetze». Diese Veränderung der kommunistischen Taktik ist offenbar die Folge unserer Kritik an ibrer bisherigen Haltung. Sie haben weder aehollen, das Reichsgericht auszuschalten, noch den deutschnationalen Wunsch hinfällig zu machen, daß das Privat- «Igentum der Fürsten cköllig ausscheiden soll, noch gegen die Anträge gestimmt, dem Gesetz jede rückwirkend« Kraft zu nehmen, noch uns heute geholfen, das Steuergeheimnis der Fürsten zu lüften. Sie sind die letzten. die berechtigt sind, an unserer Haltung Kritik zu üben. Ich weise ihr« Vorwürfe entschieden zurück. v. Rickiiiiofen(Dem.): Die Staatsumwälzung hat die Verhält- nisse so verändert daß man uns heut« nicht zumuten kann, die allen Renten weiter zu zahlen. Der sozialdemokratische Antrag ist durchaus richtig. Die Renten sind durch die historische Entwicklung erledigt. Dr. korsch(Komm.): Wir verlassen unseren Standpunkt nicht, daß der K o m p r o m i ß a n t r a g der bürgerlichen Parteien un- annehmbor ist und auch nicht verbessert werden kann. Di« sozialdemokratischen Anträge, die angenommen worden sind, bedeuten keine Verbesserung. Wir werden weiter wie bisher stimmen, nur diesem Antrage der Sozialdemokraten stimmen wir zu. Bei der Abstimmung enthalten sich die Kommu» nisten, als es sich darum handelt, die früheren landesherrllchen und die diesen gleichgestellten Fürstenhäuser in den Gesetzentwurf einzubeziehen, der Stimme. Nachdem dies ohneihreStimmen beschlossen ist. stimmen sie sür den sozialdemokratischen An- trag, nach welchem das Gericht Rentenansprüche für er- loschen erklären kann. Dieser Antrag wird mit 11 gegen 7 Srimmen angenommen. Damit ist die erste Lesung im Ausschuß beendet Ii« zweite Lesung soll Ende der nächsten Woche beginnen. Sturm!n Lonöon. Gegen de«„iuternationalen Skandal". London, 26. Februar.(Eigener Drahlbericht.) Da» Echo der Birmlnghamer Rede Ehambeilain» Im Auslände, die Meldung von neuen Pariser Manövern mit dem Zwecke, Spanien an Stelle Polen vorzuschlcben und dadurch Polen einen nichtständige« Sitz im völkerbundsrek zu verschasfea, die aussehenerregeude Mel» düng, wonach die Pekinger Regierung entschlossen sei. den An» spruch Ehlna, aus einen Ratssitz anzumelden, falls eine Rats» crweiicrung in Gens e.öitert werde, und die Weigerung der eng- tischen Regierung, ihren Standpunkt össenllich zu verkünden, haben lu den politlsch- parlamentarischen Kreisen aller Parteien alarmierend gewirkt Die Regierung wird in der nächsten Mache im Unterhaus einem wahren Trommel» jener von Fragen über ihre Stellung ausgesetzt sein. Die Ar- belterpariel hat beschlossen, in der kommenden Donnerstag- sihung die Diskussion dieser Frage aus Grund einer gegen die Rats» erweilerung protestierenden Enlschließung zu erzwingen. Auch von tonseroallver Seile wird ein starker Druck aus die Regierung ausgeübt. Die„Times" verössenlllchen am Freitag den Protest von 6 konservativen Abgeordneten gegen jede Ratscrweiteruag. Da» völkerbund»komilee des llnterhause» hat inzwischen in einer außerordentllchea Sitzung beschlossen, seinen konservativen Vorsitzenden zum Ministerpräsidenten zu enlstuden, um im Namen der sämtlichen Parteien angehörenden Mitglieder gegen jede Rat». erweilerung zu protestieren. Der„Manchester Guardian" nennt die gegenwärtige Situation einen intern ationalen Stau- dal: sämtliche polllisch maßgebenden Wochenschriften protestieren ebenfalls gegen jede Nachgiebigkelt Englands, wobei„New States» man" so weit geht den Rücktritt Chamberlain» al» Außenminister zu fordern. Und6n bleibt fest. Stockholm. 26. Februar.(WTB.) Ein hiesiges Blatt hat den Außenminister U n d t n befragt, ob sich neuerdings etwas zugetragen Hab«, was Schweden veranlassen tonnte, seinen Standpunkt be- treffend die Erwesterung des Dölkerbundsrates zu S n d e r n.„Nein" lautete die kurz« und bestimmt« Antwort des Minister». Die Raklflkallonsurkunden zu dem deulsch-srauzöflfcbea Handel». abkommen sind gestern, Freitag, in Pari» ausgetauscht worden. Das Abkommen tritt um Mitternacht zwischen dem 2S. Februar und dem 1. März 1926 in Kraft. ver FoNer-vertreker in Rumänien. Iourgea-NagrlloshN. wurde enthaftet. Dagegen kommen Oberstleutnant Bervniade und Hauptmann Minen wegen Derfehlungen in der Angelegenheit der Fokker- Motorlieferungen vor da» Kriegsgericht Gewerkschaftsbewegung Der Arbeitsschutzgesehentwurf geht an die Länder. Der im Reichsarbeitsministerium ausgearbeitete umfangreiche Neuentwurf eines Arbeitsschußgejeges ist, wie mir hören, nunmehr fertiggestellt und soll in den nächsten Tagen den Länderregierungen mit dem Ersuchen um Stellungnahme zugehen. Der Entwurf, der das gesamte Arbeitsschutzrecht neu regelt, geht auch auf das Problem der allgemeinen Arbeitszeit. regelung ein. Eine Veröffentlichung des Gesetzentwurfs vor erfolgter Rücäußerung der Länder ist nicht beabsichtigt, da man eine vorzeitige öffentliche Diskussion unter allen Umständen vermeiden will. * feinen Anklang finden. Mahnung der Beamtenverbände. Kolleginnen zur Teilnahme an der Generalversammlung verpflichten.| Grundlagen, Tattiten, Prinzipien und festgestedtem Ziel. Nun haben Die Absichten der Zelle müssen nicht nur vereitelt werden, sondern sich im Laufe der Jahre zwei Splitter losgelöst, es muß ihr gezeigt werden, wie dies in der Funktionärversammlung die Heidenauer und die Zwickauer Richtung. Die der Fall war, daß die Sonderbestrebungen gewisser Leute bei uns Heidenauer sind zur Bedeutungslosigkeit herabgefunken, die 3wickauer dagegen vermeinen die wirklichen, die rechtDarum auf zur Generalversammlung des Deutschen Nahrungs- mäßigen AдÜE. Leute zu jein, trotzdem fie ein und Genußmittelarbeiterverbandes am Sonntag, vormittags 9 Uhr, Sammeljurium von allerlei Strömungen in sich im Gewerkschaftshaus. vereinen. Ihr Organ, der Proletarische Zeitgeist", ist das beste Abbild ihres inneren Widerspruchs. Alles fann dort abgeladen werden, jeder kann sich dort nach Herzenslust austoben, die Hauptfache ist, es geht gegen den Marrismus:„ Besser, ein Marg hätte Und doch nicht gelebt, wir wären weiter mit unserer Bewegung. hat man bei jeder Gelegenheit Margsche Zitate bei der Hand, um damit seine Daseinsberechtigung zu beweisen." Bir entnehmen dieses Zitat der Nummer 8 der„ Einheits= front", und zwar aus einem Artikel mit der zielbewußten Ueberschrift: Was geht's den Mond an, wenn die Möpse bellen", Der Mond ist die„ AAUE"., deren Anhänger auf dem Monde zu leben dann die Einheitsfront" weiter erscheinen könne. In der Besprechung zwischen dem Reichsfinanzminister und den Beamtenspitzenorganisationen vor 14 Tagen wurde von Dr. Reinhold eine Fortseßung der Aussprache über die wichtigsten Beamtenprobleme zugesagt. Der Reichsfinanzminister hat seitdem nichts mehr von sich hören laffen; die Organisationen haben deshalb in einem gemeinsamen Schreiben um umgehende Weiterführung der Besprechung gebeten. Hoffentlich ift den Ländern eine gewisse Frist für ihre Stellung finanzminister bei seinem Auftreten im Reichstag und vor den Ber glauben. Sie müssen zur Abrechnung gemahnt werden, da nur nahme gesetzt, so daß der Entwurf Nahrungs- und Genußmittelarbeiter! Die Besetzung der Vorstandsposten in den Gewerkschaften mit waschechten Kommunisten ist das Jdeal der Jünger von Moskau. Gewerkschaftliche Qualifikation kommt dabei nicht in Betracht. Nur so ist es erklärlich, daß sehr oft von den„ Zellen" aus in den Gewer? schaften Vorschläge gemacht werden, die von sachlichen Erwägungen nicht getragen sind und häufig nicht einmal der Ueberzeugung der Antragsteller entsprechen. In der Zahlstelle Berlin des Deutschen Nahrungs- und Genuß mittelarbeiterverbandes haben Versuche an diesem Grundsatz bisher zu feinem Erfolg geführt. Die Mehrheit der Mitglieder wie der Funktionäre haben sich noch immer davon leiten lassen, daß die parteipolitische Einstellung bei der Wahl des jeweiligen Vorstandes nicht den Ausschlag geben kann. Unter objektiver Würdigung der Eignung als Gewerkschafter wurde stets der Vorstand in Borschiag gebracht und gewähit. Troßdem die Richtung Amsterdam die Möglichkeit gehabt hätte, nur aus ihren Anhängern den Borstand zu besetzen, wurden unter Berücksichtigung der gewerkschaft lichen Betätigung und Fähigkeiten auch abgestempelte Kommunisten mit in Vorschlag gebracht und gewählt. Mit Ausnahme einer Wahl, we die vorgeschlagenen Kommunisten auf Befehl ihrer Zen trale ihre Kandidatur verweigerten, waren stets etliche Kommunisten im Vorstande. Die frische Farbe der Entschließung, die an dem neuen Reichsamtenvertretern angenehm auffiel, wird doch nicht schon jetzt von der Luft des Reichsfinanzministeriums angetränkelt sein?! Der Deutsche Industrieverband" in Nöten. Namens der Reichsleitung" der unter der Flagge Deutscher Industrieverband segelnden Weyer Union sah sich Paul Weŋer fürzlich zu einem Aufruf an seine Mitglieder gezwungen, da verjucht wurde, neue KPD.- Zellen zum Zwecke der Unterwühlung unserer Organisation zu organisieren". Die Reichsleitung" fündigte an, daß sie aus Selbsterhaltungstrieb jedes Mitglied aus ihren Reihen entfernen müsse, welches sich an den Eroberungstendenzen der KPD. beteilige. Die dringliche Mahnung, sich unter feinen Umständen an Fraktionsfigungen der KPD. zu beteiligen", wird durch die schlimme Drohung unterstützt: Wer für die freien Gewerkschaften eintritt, hat im Deutschen Industrieverband feinen Play." In der für jeden vernünftigen Arbeiter seit Jahrzehnten entschiedenen Frage, ob der Play in einer Gemertschaft dem in einer Splittervereinigung nicht vorzuziehen sei, hat Herr Weyer natürlich die ihm angenehmere Meinung, zu der ihn der Selbsterhaltungstrieb in jeinem eigenen Laden verleitet. Die KPD. hat nun die Beobachtung gemacht, daß in verschiede nen Betrieben und Versammlungen Werber für die Weyer- Gruppe auftreten. Sie hat daher den Aufruf der Weyer- Reichsleitung vervielfältigt, damit ihn die KPD.- Leute als Material in den Betrieben gegen das Auftreten der Weŋer- Leute benügen können. Die Zersplitterungsgeister, die sie heraufbeschwor, wird die KPD. so leicht nicht wieder los. Wenn wir nun auch nicht mit Kanonen nach den drei Spazzen mit den eigenen Läden schießen wollen, so ist doch selbstverständlich für unsere Genossen jedweder 3er splitterung in den Betrieben wie in den Gewert entgegenzutreten und damit auch den Schmarozergebilden der Weŋer, Kaiser und Schumacher. Auch in diesem Jahre haben die Funktionäre zu der Generalversammlung am Sonntag, dem 28. Februar, wo die Neuwahl des Vorstandes mit auf der Tagesordnung steht, einige Kollegen mit als Kandidaten aufgestellt und empfehlen deren Wahl, troßdem ihnen bekannt ist, daß diese Kommunisten sind. Der Belle" selbst genügt dies freilich nicht; alle Vorstandsposten will sie mit Kommu- faaften nisten besetzt wissen. In der Funktionärversammlung fielen die Bellenleute mit dieser Forderung allerdings gründlich ab. Zwölf bis fünfzehn Stimmen entfielen auf die sogenannten„ reinen Zellenvorschläge", gegen eine Mehrheit von etwa 200 Stimmen. Die Borschlagsliste der Funktionäre, auf welcher auch einige Kommu misten stehen, ist also nach gewerkschaftlichen Grundsähen aufgestellt und bietet die Gewähr gedeihlicher Wirksamkeit. Die kommunistische Zelle wird trozdem auch in diesem Jahre mit ihrer reinen Kommunistenvorstandsliste zur Generalversamm lung fommen, wie dies noch in jedem Jahre der Fall war. Die„ Rote Fahne" vom Freitag wendet sich an die ihr nahestehenden Verbandsmitglieder, auch an die jugendlichen Bäcker, Konditoren und Süßwarenarbeiter, mit der Mahnung, pünktlich und voll zählig zur Wahl zu kommen. Die Belle hat also noch die Hoffnung, wenigstens die Absicht, die Vorschläge der Funktionärversammlung zu Fall zu bringen. Das gesunde Empfinden der Mitglieder wird ihnen quch in diesem Jahre zeigen, daß sie den Gedanken der Einheitsfront anders auffassen, als es die Zentrale wünscht. Im so mehr wird es notwendig sein, daß auch unsere Genossen und Genoffinnen im Denag in der Generalversammlung anwesend sind und ihre gleichgesinnten Kollegen und AAU. und AAUE. Splitterer gegen Splitterer. " Die fapitalistische Gesellschaft geht ihrer Auflösung entgegen. In diesem Auflösungsprozeß nun, der mit jedem Lage(!) offensichtlicher in Erscheinung tritt, hat die AAUE. die historische Aufgabe, das revolutionäre Proietariat für den Klaffenkampf reif zu machen und darüber hinaus die Vorbereitungen zum Aufbau der neuen, tlaffenlojen, fommunistischen Gesellschaft zu treffen. Außer der AAUE. gibt es noch weitere Arbeiterorganisationen, die dem gleichen Ziele zuftreben, nur mit anderen Mitteln und auf anderen Wegen. Die AllE. hat aber noch eine Schwester, die AA U., beide stammen von einer Mutter, dem Spartatusbund. Beide haben die gleichen Grundlagen, die revolutionären BD., den revolutionären Marrismus, und im Berfolg desselben erkennen fie die Todesfrise des Kapitals an: Nur eines hat die AAUE. voraus und nennt es ihr eigen, fie lehnt jeden Dualismus( die 3meiteilung) ab, und deshalb auch die KAPD. Aber beide sind revolu tionäre Klaffenkampforganisationen mit gleichen Das Ende der„ Eroberung" in Erfurt. In Erfurt haben sich die Kommunisten bei der Neuwahl der Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes wieder eine Niederlage geholt. Eie beherrschten diese Berwaltung in der ganzen Nachkriegszeit bis zum vergangenen Jahre und machten bei den jezigen Wahlen alle Anstrengungen, um ihren einstigen Besiz zurückzuerobern. Aber auch ihre eifrige Agitation unter den Arbeitslosen hat nichts genutzt. Die noch vor zwei Jahren in ihren Händen befindliche Mehrheit im Gewerschaftstartell ist endlich ge= brochen. Sie bejizen jetzt lediglich noch die Verwaltung des Schuhmacherverbandes. Auch hier dürfte ihnen ein baldiger Auszug beschert werden. Stillegungsmanöver der Firma Krupp. Gelsenkirchen, 26. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die pon der Firma Krupp angekündigte Stillegung der Zeche Hannibal II, von der 1100 Mann betroffen werden, dürfte sich ähnlich wie bei Alte Haase" zu einem aufsehenerregenden Stille gunsskandal entwickeln. Amtmann Dr. Maßmann- Eidel, der sich für die Interessen der in seiner Gemeinde wohnenden Belegschaft eingesezt hat, teilte in einer Belegschaftsversammlung mit, daß die wahren Stillegungsgründe großindustrielle tommunalpoli= tische machenschaffen gegen die gefeßliche Regelung der Umgemeindungen in Industriebezirk darstellen. Die Firma Krupp habe bei den Eingemeindungsverhandlungen wiederholt die Forderung vertreten, ihre gesamten, von ihr als Wirtschaftseinheit bezeichneten Schachtanlagen in einer Gemeinde, und zwar in Bochum vereinigt zu sehen Nach der gefeglichen Regelung wurde die Zeche Hannibal II der neuen Mittelstadt Wanne- Eickel zugesprochen. Darauf hat die Firma Krupp, bie bis in die allerlegte Zeit hinein die Zeche Hannival felbft als eine ihrer rentabelsten Schachtanlagen bezeichnet und modern ausgestaltet hat, die Stillegung dieser Zeche angekündigt. Die Angelegenheit dürfte demnächst den Reichstag und Landtag beschäftigen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Sonntag vormittag 9% Uhr im Dresdener Rafino", Dresdener Etr. 96, Bersammlung der Akkord. maurer. Tagesordnung: Stellungnahme zur Kündigung des Attordvertrages". Es ist Pflicht jedes Kollegen, unbedingt zu erscheinen. Der Vereinsvorstand. Rentralverband der Angestesten. Für das Winterfest hente abend in der Philharmonie find sämtliche Einlaßferten vergriffen. Ein Kortenverkauf an der Abendkasse findet nicht statt. Saaleröffnung 8 Uhr. Beginn pünktlich 9 Uhr. Achtung, SPD.- 8immerer! Sente, Sonnabend, 8 Uhr, bei Ohngemach. Kommandantenstr. 88, Fraktionsversammlung. Wegen der Wichtigkeit ber Tagesordnung ist es unbedingt notwendig, daß jeder Fraktionsgenosse erscheint. Berantwortlich für Bolitif: Crnit Neuter: Rittschaft: Artur Sateritis: Gemertschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski Letales und Gonitices: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin.. Berlag: Vorwärts- Verlad G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Nur heute Sonnabend Kleider 975 Kleider 1650 Kasaks aus baumwollenem Musselin, offen und geschlossen zu tragen, mit Schleife und Täschchen nett verarbeitet 25 in Jumperform, jugendliche fesche Form Glockenform, gute Verarbeitung Unterröcke 90 Hemdhosen 495 Nachthemden ans gemustertem Foulardine oder Satin, in guter Ausfahrung ENORM BILLIG Lack- Spangenschuhe für Damen, eleg. Form, gute Verarbeit. 290 50 für Damen, Windelform, aus gutem Wäschestof, mit Hohlsaum garniert. Damen75. f. Damen, aus gut. Hemdentuch, mit schöner Stickerei und Hohlsaum garniert.... Herrenbox, Rabuenarbeit, schöne Form Strümpfe Schweißsocken Herren- Halbschuhe bran Einzelne DamenPaar Schürzen 295 in Satin u. Water, a Qual. DamenSchlüpfer Kunstseide, farb., gutes Fabr. 195 95 mit Doppelsohle u. Hochferse, farbig und schwarz PI. gut verstärkt.. .... 95 45 Herren Hüte 90 Herren- u. Damen4⁹ Schirme moderne Formen und Farben..... Büstenhalter 145 Marke Pundo", feines Garngewebe, tadelloser Sitz........ 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' ZltunA im Durchschnitt eine verhältnismäßig niedrig« ist und unsere nspruche an Bequemlichkeit und Schönheit recht gering sind. De- Die Schwere der Zeit hat es mit sich gebracht, daß nicht ein- mal der elementarste Anspruch jedes Menschen ersüllt werden kann, der Anspruch aus ein« menschenwürdige Wohnung. Die Grenze zwischen dem Lebensnotwendigen und dem Luxus ist verschieden für die verschiedenen Völker und für die verschiedenen Volksschichten. Nahrung, Wohnung und Wärme braucht in der ganzen Welt auch der Aermste zur Erhaltung seines Lebens. Das Telephon, das Automobil sind sür 99 Proz. aller Deutschen Luxusgcgenstände, für 90 Proz. aller Rordameukaner Selbstverständlichkeiten de» täglichen Lebens: so schwankt der Begrijs de» Luxus. Technik Luxus! Vielleicht wird in späteren Jahren auch bei uns da» Anrecht Kdes einzelnen auf eine ausreichende, halle und in hygienischer Bs- befriedigt sein: ganz ollmählich sich dann auch immer mehr das Bedürfnis herausbilden, den chausholt aus dem Primitivsten herauszuheben und ihm die Kräfte ziehung einwandfrei« Behausung iM ' stund Möglichkeiten dienstbar zu machen, die aus allen anderen Ge- bieten ganz selbstverständlich ausgenutzt werden. Wohnung. Tiahrung und wärme, diese drei Grundbedingungen soll der Hans- Holl, der dle kleinste Zelle de» Staate» ist. der Familie beschossen. soll sie dem Mann oder der Frau geben, die heimkommen aus der schweren Arbeit in der Fabrik, im Bergwerk, im Bureau. Wie er sie beschafft, also die Art und die Form, da» schwankt, aber es ist eigentlich unsinnig, den Uebergang zu einer neuen Form als Luxus zu bezeichnen. Wir hocken heute nicht mehr, wie die Wilden, um quemlichkeit und Schönheit aber soll uns der Haushalt geben, neben dem Allernotwendigsten: denn er soll eine Quelle der Erneuerung sein nicht nur sür die leiblichen, sondern auch für die seelischen Kräfte. Auch hier beginnt noch lang« nicht der Luxus. Der moderne Mensch lebt meist nicht in dem engen Zusammenhang mit der Natur, um aus ihr Stärke für seinen Geist und seine Nerven schöpfen zu können. Dem Großstadtmenschen muß hier der Haushalt Ersatz schaffen, wen» es auch hinausgeht über die Befriedigung der not- wendigsten Lebensbedürfnisse. voa öer In den meisten Haushaltungen der Großstadt wird man noch einen Kohlenherd zum Kochen vorfinden, in sehr vielen ist er oer- drängt durch den Gasherd, oder Gas- und Kohlenherd sind neben- einander vorhanden. Elektrisch wird so gut wie gar nicht gekocht; es wird auch im allgemeinen nicht auf die Einführung elektrischer Kochgeräte hingearbeitet, weil das kochen mit Elettrlzllä» heute noch wesentlich teurer ist als das kochen mit Gas- oder Sohlensener. Es handelt sich hier um ein Gebiet der Technik, das heute erst anfängt, sich zu entwickeln. Die Preisfrage ist für den kleinen Haushalt auf diesem Gebiet aber ausschlaggebend, vielmehr als z. B. bei der Frage der Beleuchtung. Die zum Kochen und— das hängt eng hiermit zusammen— zum Waschen benötigten Wärmemengen sind auch im kleinen Haushalt recht beträchlich, und die Ausgaben hierfür bilden einen großen Anteil des Gcsomtoerbrauches. Das Erstrebenswerte ist natürlich der elettrifche Kochherd. Die unmittelbare Er» wärmung durch elektrische Wideistände, bei der keine Verbrennung notwendig ist, keine Flamme mit Ruß. und Gasbildung, ist sicher die angenehmste und gesündeste im Haushalt, aber technisch ist sie noch so gut wie ungelöst, jedenfalls für den Durchschnittshaushalt. und vorläufig ist di« vollkommene Umstellung auf den Gasbetrieb das Gegebene, bis wir etwas Besseres haben. Das Kochen mit Gas Ist im allgemeinen nicht teurer als das Kochen auf dem Herde, der „Äochmalchine", wie der Berliner sagt. Die Wärmeoerluste der Ea». flamme sind allerdings beträ6)Iich. da sie nach ollen Seiten ungeschützt ist; aber allein dle Regulierbarkeit der Gasslamme ermöglicht große "fe; man braucht kein Kohlenseuer anzumachen, das den )erd wärmt, den halben Schornstein und die Küche, nur lim vielleicht einen Liter Wasser zu kochen; andererseits kann man großen Herd wärmt, den halben Schornstein und die Küche, nur ebensogut tO Liter Wasser für die große Wäsche aus dem Gasherd erwärmen Man braucht keine kohlen zu schleppen, keine Asche und Schlacke vom 4. Stock in den Hof zu schaffen, die Küche sieht nicht in wenigen Monaten rauchgeschwärzt aus wie eine Este, der Ranch kann nicht in Küche und Wohnung zurückschlagen, wenn e» dem Wind gerade mal gefällt, aus Süden zu wehen oder gar nicht, oder wenn sich der Kamin etwas vollgesetzt hat. Man gibt vielleicht ein llcin wenig mehr Geld aus für die Gasfeuerung, aber was spart man an Zeit und Acrger, was gewinnt man an Krast und vielleicht ouch an Gesundheit! 3st da» etwa Luxus? Oder nur ein klein wenig Ziollisolum? Warum sollen wir gar keine Ansprüche haben, wenn wir im 20. Jahrhundert leben? Hat nicht ein jeder das Recht, auch die Hausfrau, so viel Zeit zu gewinnen wie' möglich? Hoben wir es heute noch nötig, eine Stunde früher aufzustehen, um drei Tasten Kaffee auf dem Herde zu kochen, mllsten nach dem Stande der Technik unsere Frauen heute noch In dunklen Küchen stunden- lang am glühenden Herde stehen? Auch die alten Plöttbolzen werden hoffentlich bald verschwinden, und man wird nur noch mit Ga» oder, noch bester, elektrisch plätten. ver iSeale Ofen. Ob man im Haushalt der Zukunft auch elektrisch heizen wird, ist noch fraglich: vorläufig ist daran noch gar nicht zu denken; elektrische Raumheizung tostet ungefähr fünf- bis sechsmal soviel wie Kohlenheizung. Auch die Gasheizung ist zu teuer, sie tostet zwei- bis dreiinal soviel wie die Ofenheizung. Auch hier da» Er» strebenkwerte natürlich die elektrische Raumheizung, und wenn man eines Tages von der Ofen- oder Kestelheizung abkommt, wird man hosscntlich gleich zur elektrischen Reizung übergehen und nicht erst zur Gasheizung. Denn das Gas ist und bleibt ein gejährlicher Brennstoff, und wo man kann, soll man es in menschlichen Be» hausungcn vermeiden; täglich geschehen Unglücksfälle schon infolge der kleinen Gasmengcn, die dus Kochhorden austreten können; die Gefahr wächst natürlich, wenn sich Gasheizkörper mit ihren un- gleich größeren Gaszuslüsten mehr einführen als bisher. Di« große» Lorteile der Hausfrau, die nicht zu heizen braucht, sondern einen Schalter andreht, um die Wohnung zu wärmen, liegen aus der Hand: es ist nicht anders als beim Kochen. Die Zentralheizung, die sich für kleine Wohnungen immer noch nicht eingebürgert hat, ist nur ein Ttotbeheis und Uebergang, wenn sie auch den Schmutz und die Arbelt des Heizens aus der Wohnung fernhält. Aber sie hat den großen Nachteil, daß man sich mit feinen Mitbewohner« im Haufe über die Termine des Heizungsbeginn» und-ende» einigen muß, und da ist es manchmal schwer,"eine Einigung zu erzielen. Ver Triumph öer Glühlampe. Dann die Beleuchtang! Hier hat schon lange die Elektrizität den Sitz davon getragen. Sein Neubau wird mehr mit Gasbeleuchtung eingerichtet, oder aar ganz ohne Beleuchtungsanlage. Di« Zeit der Petroleumlampe liegt voch wohl ganz hinter uns mit ihren ewig blakenden und riechenden Lampen und der immer drohenden Gefahr, daß sie von Kindern oder auch Erwachsenen umgeworfen werden, und man das schönste Schadenfeuer hat. 2t1 GnKel Moses. Roman von Schalom ilfch. Diese Empfindung umgab ihr zartes mädchenhaftes Wesen mit einer Hülle von Trauer und Stille. Wenn Mascha mit jungen Freundinnen oder bekannten jungen Leuten bei einem Tee. einem Ball oder einem Ausflug mar, konnte sie selten so frei und glücklich lachen wie ihre Freundinnen. Es kam ihr vor. als schwebe etwas über ihr, etwas Fremdes und Trauriges, und alle sähen es: über ihrem weißen Allaskleid, das schöner und prunkvoller war als die Kleider aller ihrer Freundinnen, schien ein dunkler Gazeschleier zu schweben. in den eine tote Braut gehüllt wird. Mascha schien es, als habe sie kein Recht mehr, sich zu freuen und so laut und frei zu lachen wie die Mädchen ihresgleichen... Und oft erklang mitten in der Nacht, wenn alle fest und ruhig schliefen, ein Weinen, ein leises Schluchzen.— Mascha weinte und wußte nicht warum... 2. Der Bräutigam. Auf der Treppe knarrten Onkel Moses' neue gelbe Schuhc, und seine Stimme erklang: „Mascha, ready?" In der offenen Tür standen Maschas Eltern. Der ehe- inasige Arbeiter Aaron Melnit hatte Fett angefetzt. Rosa war voller und gesünder geworden. Beide sahen viel jünger aus. Aaron Melnik trug jetzt einen schwarzen, kurzen Bart, er hatte felste. rote Backen und einen roten Nacken vom Bier- trinken bekommen. Er stand ohne Rock da, in einem blendend weißen Hemd, und hatte gerade gefrühstückt. Rosa trug einen Seidenunterrock. Beide lächelten dem Onkel freudig zu: ..Roacky, Onkel ready!" Ebenso wie Mann und Frau einander in Armut ge» haßt hatten, so liebten sie sich im Reichtum. Ebenso wie sie einander früher unaufhörlich beschimpft und angeklagt hatten, so überboten sie sich jetzt an Zärtlichkeit und liebevollen Segenswünschen. Eines sorgte für das andere. Es schwirrte nur so von„lieber Aaron",„goldener Aaron", und„Rosa, du mögest mir nur gesund bleiben" und..du hast doch heute noch gar nichts im Munde gehabt" und ähnlichen Zärtlich- leiten! Beide faßten den Onkel untern Arm und führten ihn ins Zimmer. Bald erschien Mascha. Sie war in den letzten Iahren wirtlich groß geworden. Noch lag das kindliche Wesen auf ihrem- Gesicht, die Muttermilch auf ihren Lippen. Aber ihr« Gestalt und Erscheinung atmeten erfrischende Iugendreise. Ihre schwarzen, dichten Haare waren in zwei starke Zöpfe geflochten und durch ein Seidenband verbunden. Sie trug einen breiten Strohhut und ein weißes Kleid, wie es der Onkel gewünscht halte. Eine breite, weißseidene Schärpe um- schloß mit einer Schleife ihre jugendschmale Taille. Weiße Seidenstrümpfe lugten über den hohen, weißen Schuhen her- vor. Der Onkel umfaßte ihre Erscheinung mit einem einzigen Blick. Wie er gewöhnlich tat, wenn er im Geschäft zufrieden war— er spuckte in die Hände und fuhr sich übers Haar— diese Gewohnheit hatte er noch von seinen Fleischcrburschen- jähren in der Heimat her mitgebracht und konnte sie nicht ablegen. Behaglich lächelnd brummte er:„Gut!" „Ontelchen. vielleicht etwas zu essen gefällig: alles steht auf dem Tisch?" wagte Aaron Melnik einzuladen. «Keine Zeit, das Auto wartet." „Vielleicht doch, frische Eier, junger Rettich mit Rahm." bot Rosa an. Der Onkel blickte wütend auf Aaron Melnik. ,Lu hörst doch, es ist keine Zeit, das Auto wartet." fuhr Aaron seine Frau an und machte dabei eine bedauernde Handdewegung. „Mascha, komm. Wir werden unterwegs essen." Mascha solgte dem Onkel. Die Eltern riefen ihr in der Türe nach: »Laßt es euch gut gehen! Unterhaltet euch gut?" „All right," der Onkel winkte mit der Hand empor. „Run Mascha, you like it?"(„gefällt dir's?") Der Onkel faßte Mascha bei der Hand, während das Auto beide durch die Straßen ins Freie führte. „Surely. I do"(„Freilich), antwortete das Mädchen. „I am goin? to xive you a nice time, kid"(„Du sollst es gut hoben. Kleine"), der Onkel tätschelte ihre Hand. Mascha bekam Angst vor dem Onkel: es war das erste- mal. daß sie diese Empfindung in Gegenwart des Onkels hatte... Sie schaute ihn an: und wie sie sich so neben ihm im Auto sitzen sah. wie groß und breit er war, erschrak sie vor ihm. Sie hatte keine Lust, mitzufahren: viel lieber wäre sie ausgestiegen und fortgelaufen. Des Onkels Benehmen erschien ihr sonderbar. Er faßte sie plötzlich bei der Hand, sah ihr in die Augen und sprach: „Listen. Mascha, I like yon! Ich will, daß du mich lieben sollst, lieben very, rnntch!" „•Sureiy T like you, Onkel!" .La, ja, ich will, daß du mich sehr liebst. Den Onkel muß man sehr lieb haben," er faßte sie wieder bei der Hand und sah ihr in die Augen. Mascha bekam Furcht. Sie lächelt« kindisch: „Du bist heute so sonderbar, Onkel!" „Sonderbar? 5zaha, sonderbar— listen, kid, ich will dir heute etwas sagen, ein Wort will ich dir sagen: viele, viele haben auf dieses Wort gewartet, niemandem habe ich es ge- sagt, aber dir will ich es sagen." Mascha' hatte Furcht, zu fragen, was das für ein Wort sei. Sie hatte überhaupt Furcht, zu sprechen, und nur de» einen Wunsch, so schnell wie möglich fortzulaufen. „Höre. Mascha," der Onkel wurde plötzlich sehr ernst und nahm sie wieder bei der Hand,„I knov, du bist a derer Rirl, du verstehst— den Onkel muß man liebhaben und ihm gehorchen und vor ihm Respekt haben, großen Respekt: du siehst ja, wie alle vor dem Onkel Respekt haben— und das ist nicht umsonst, mein Kind, nicht umsonst. Der Onkel wünscht Gehorsam, wünscht, daß man alles tut, was er befiehlt, hörst du, alles— keine Widerrede, keine Widersetzlichkeit. Wenn der Onkel sagt, heute ist Sonntag, so ist Sonntag, und wenn er sagt, heute ist Montag, so ist Montag, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Und, was die Hauptsache ist, gehorchen, liebes Kind, folgsam sein, in allem, verstehst du, Mascha? „Du bist sonderbar. Onkel," lachte Mascha ihm plötzlich ins Gesicht. Der Onkel biß sich auf die Lippen, schwieg und dachte eine Weile darüber nach, was nun zu tun sei. Er entschloß sich, vorläufig das Gespräch abzubrechen und Mascha Zeit zu geben, seine Worte tief in ihr junges Herz eindringen zu lassen. Er sah, daß seine Worte auf sie Eindruck gemacht hatten. In der Nähe des Strandes war ein jüdisches Restaurant für vornehme Gäste: dort fuhr das Auto mit Onkel Moses und Mascha vor. Auf der Terrasse saßen dicke Frauen, deren Männern es gut ging, gepudert, ift Badekostümen, und spielten Karten. Da und dort tauchte bei einem Kranz von Frauen auch ein junger Mann auf, ebenfalls im Badekostüm. Doch er war auch so dick, daß man glauben konnte, er sei eine Frau... Die Eigentümerin des Restaurants, Mistreß Fleischmann, eine bekannte Heiratsvermittlerin, kam den Be- suchern entgegen. Die Gäste auf der Terrasse hielten einen Augenblick im Spiel inne und warfen neugierige Blicke auf das angekommene Paar. Alle kannten Onkel Moses, er ge- hörte zu ihrer Kaste, und sie wußten auch um sein Verhältnis zu Mascha. Die Frauen riefen ihm von den Tischen her zu: „Misicr Melnik. haben Sie nicht meinen Mann gesehen?" „Res, ich habe ihn gesehen." „Kommt er heraus?" „Cr schwitzt in der Stadt, Mistreß." antwortete der Onkel behaglich.(Fortsetzung folgt) Bald wird wohl auch die Zeit der Gasbeleuchtung in den Häusern hinter uns liegen und damit eine nicht geringe Gefahrenquelle ber Etädte abgeschafft sein; es wird dann feine geplagten Zylinder mehr geben und die empfindlichen Glühstrümpfe werden nicht mehr zerreißen, menn unsere Mitbewohner im oberen Stodwert einmal burch allzu fräftiges Herumtoben unsere flappernde Gastrone er schüttern, die meistens noch dazu ein Muster von Häßlichkeit iſt. Die elektrische Beleuchtung ist nicht feuer; denn die Kraft ist gering, die zum Erglühen des Metallfadens in der Birne benötigt wird, während die Gasflamme verschwenderisch beleuchtet, weil sie neben bei noch den Raum erwärmt. Für durchschnittlich ein Pfennig be leuchtet die 32terzige Glühlampe eine Stunde lang einen mittleren Raum ausreichend und muß frühestens nach einem Jahr durch eine neue ersetzt werden. Der Prozeß gegen den Prügelpädagogen. Weitere aufsehenerregende Zeugenaussagen. Wieder marschierten Eltern, 3öglinge und auch ein Studienprofeffor als Zeugen auf. Der Studienprofessor Bremer spielte den Verteidiger der Prügelpädagogif. Er macht es allerdings mit der Klaffe, die er an seinem Gymnasium zu führen hat, einfach: er setzt jeben einigermaßen gefährlich scheinenden Jungen an die Luft und schickt ihn unter Umständen zu Lützow ins Heim. So sammelte sich dort, wie sich der Herr Studienprofessor auszudrüden beliebte, ber ,, Abschaum" der Berliner Jungens wie eine Bodelschwingsche Verbrechertolonie". Dem Herrn Studienprofeffor ist wohl nicht bekannt, daß die Bodelschwingschen Arbeitertolonien nicht aus Berbrechern Gefäß, die Oberschenkel und Baben. Es. dürften feine bestchen, sondern aus unglüdlichen Arbeitslofen. Im übrigen, meinte er, hätte auch er an Lügoms Stelle geprügelt. Selbst in feiner eigenen Klasse käme er hin und wieder ohne gelinde Züchtigung nicht aus. Anklagen erhoben die Jungens. Direkt geschah es nur durch einen. Der fonnte selbst heute noch nur mit Mühe die Tränen zurückhalten ob der ungerechten Strafen, die er in Lühows Erziehungsheim erhalten hatte. Er meinte treffend und bündig:„ Man fühlte sich wohl im Heime. Man wußte nur nicht, wann man wieder Schläge bekommen würde. Sie konnten ganz plöglich kommen. Die anderen erklärten, die Prügel perdient zu haben- Slavenpfychofogie. Gar so minderwertig fahen die jungen Leute, die gestern im nahmen vielleicht Zweifelsohne aber hat die harte Erziehung zu Gerichtssaal vorbeidefilierten, aber nicht aus mit geringen AusSause Minderwertigkeitsgefühle in ihnen großgezogen und zu ihrem weiteren Anwachsen hat Herr v. Lützow gesorgt. In ihren Unarten Ein weiterer Zeuge, ein neunzehnjähriger Schüler v. B., hes hauptet, fast eine. Tag um den anderen geschlagen worden zu sein. Er fagt:„ Wir wurden meist zur Entgegennahme der Prügel in den Abendstunden in das hintere Schulzimmer bestellt, damit man unsere Schreie nicht hören tonnte. Die Zahl der Schläge, die er Der nächste Zeuge, ein 16jähriger Schüler, der von 1922 bis 1924 befommen habe, schäßt der Zeuge auf ungefähr 25 jedesmal. in 3offen war, hat sich dort sehr wohl gefühlt und über nichts zu flagen gehabt, wenn er auch des öfteren Brügel be. tommen habe. Schläge befam der Beuge auf das befleidete Die Prügelstrafe murde meist im Badezimmer oder im Privatzimmer des Angeklagten ver abfolgt. Ein anderer Junge foll einmal 61 Schläge befommen haben. Das hatten die anderen Jungen, die hinter der Tür horchten, durch Nachzählen festgestellt Muß noch erwähnt werden, daß das Rab im Hause auch tein Lurus, sondern eine Notwendigkeit ist? Wohnungen ohne Badezimmer gebaut werden! Aus Sparsamkeits gründen wird man zur Wassererwärmung noch vielfach den Kohlenbadeofen beibehalten, vor allem, weil er besser den Raum mitbeheizt als der Gasbadeofen. Wie lange wird es noch dauern, bis in jedem Hausstand ein elektrischer Staubsauger vorhanden ist, der gründlicher reinigt als es die Hausfrau mit noch soviel Staub wischen schaffen kann, wobei ja gar nicht zu vermeiden ist, daß der Staub aufgemirbelt und eher verteilt als fortgeschafft wird? Heute ist ja dieses nügliche Gerät leider noch für die meisten unerschwinglich teuer. Ebenfalls das Telephon, das ja eigentlich in der Großstadt unentbehrlich ist. Aber wer fann heute 80 bis 100 m. ausgeben nur für die Anlage des Fernsprechers! Und ein Stadtge spräch foftet leider immer noch fünfmal soviel wie eine Boftfarte. So müssen wir leider heute noch manches als Lurus ansehen, was, vor allen Dingen in der Großstadt, schon lange eigentlich unenthielten sie sich für die Schläge schadios. behrlich ist.. Unerlaubte Ringbildung. Machenschaften in der Schlofferinnung. 9 In einer Sigung der Deputation für Handel und Gewerbe fiefen bei der Stellungnahme zu einem Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe über die Stellung des Handmerts zum Preisabbau die Deutsch nationalen unter Führung des Tischlerobermeister Paeth Sturm gegen die Preisprüfung von seiten der Aufsichtsbehörde. Bon unferer Seite wurde der Erlaß des Ministers unterstützt. Dabei tam eine fonderbare Geschichte ans Tageslicht.. Es wurde von den Sozialdemokraten behauptet, daß bei Vergebung von Aufträgen auf dem Wege der Submission durch den Magistrat bei der Schlosserinnung Unregelmäßigkeiten vorgekommen feien, indem sich die aufgeforderten Firmen über den abzugebenden Preis verständigt und von vornherein gleich die Firma festgelegt hätten, die für den Auftrag in Frage fäme. Den anderen Firmen sei eine Entschädigung von 20 000 m. pro Firma in Aussicht ge= ftellt worden. Der Obermeister der Schlosserinnung, Herr Volkmann, stellte die Angelegenheit dahin richtig, daß die Besprechung, die in der Linkſtraße 16 stattgefunden hätte, vom Arbeitgeberverband der Brückenbauer einberufen worden sei und der Syndikus Dr. Groß vom Schußverband Berliner Schlossereien nur zur Information an diefer Sigung teilgenommen hätte und im übrigen nur drei Innungsfirmen bei der Angelegenheit in Frage fämen. Volfmann bestritt aber nicht, die Tatsache der Abfindung ber einzelnen Firmen. Mit dieser Korruption in der Schlosserinnung und der Kingbildung bei den BrüdenBaufirmen wird sich die Stadtverordnetenversammlung noch zu beschäftigen haben. Weiter wurde einer Berfügung zugeftimmt wegen verzugsweiser Vergebung von Bauarbeiten an Baugewerbetreibende, welche in ihren Betrieben Lehrlinge ausbilden mit der Maßgabe, daß auf höchstens ofer Gefellent ein Lehrling fommen darf. Eine weitere Einbeziehung von Straßen in das Netz der Straßen, in denen der ambulante Handel verboten ist, wurde abgelehnt. ENT Aufheiterung und kalte Nächte in Sicht. Die Aufheiterung, die sich von Osten her bemerkbar macht, ist fin Laufe des geftrigen Freitags bis zur Linie. Famburg- BertinMünchen vorgedrungen. Bestlich dieser Linie ist meist heiteres oder wenigstens aufheiterndes Wetter zu verzeichnen, während östlich dieser Linie noch eine zusammenhängende Nebeldecke trübes Wetter aur Folge hat. Der Luftdrud steigt unvermindert an und hat in Zentralrußland eine Stärke von 785 Millimetern überschritten. Das Luftdrudgebiet, das von Rußland über Mitteleuropa nach Frant reich hinzieht, scheint stabil zu sein, so daß mit einem meiteren, wenn auch geringen Temperaturrüdgang zu rechnen ist. Jedenfalls i energische Neigung zur Aufheiterung zu verzeichnen. Heute vormittag wird es noch ziemlich trübe und neblig sein, im Laufe des Tages soll dann Aufheiterung folgen. Sobald es flar wird, wird mit falten Nächten und auch mit leichten Frösten zur rechnen sein. Die Tagestemperaturen werden zwischen 3 und 5 Grad Wärme schwanken. Der Fall Dr. Hand in der Berufungsverhandlung. Der Fall Haud ist und bleibt einzig in seiner Art. Dr. Haud, ein erstklassiger Fachmann auf dem Gebiete der Autographenwissenschaft geriet eines Tages in den Verdacht, aus dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv und aus dem Charlottenburger Hohenzollern. schaft, geriet eines Tages in den Verdacht, aus dem Biener Haus-, fuchung förderte in Mengen die gestohlenen Archivalien an den Tag. Dr. Haud wurde in der Verhandlung erster Instanz, über die wir fehr eingehend berichtet hatten, zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Sein homofegueller Freund, Karl Hohenlocher, murbe freigesprochen. Dem Berteidiger, Rechtsanwalt Bahn, gelang es, die Enthaftung Dr. Hauds zu erreichen. Gestern fand mun unter dem Borsiz des Landgerichtsdirettors Siegert die Berufungsverhandlung statt. Seit der ersten Gerichtsverhandlung hatte sich nichts geändert. Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. Haud wegen Diebstahls zwei Jahre und sechs Monate und gegen Hohenlocher wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zwei Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte dem Antrage gemäß Dr. Haud zu zwei Jahren sechs Monate Gefängnis und Hohenlocher wegen einfacher Hehlerei zu gleicher Strafe. Das Urteil erscheint gegen dasjenige der ersten Instanz äußerst hart allerdings ist die Straf tammer unter dem Vorfth des Landgerichts direktors Siegert als eine sehr scharfe befannt. Juristisch im höchsten Maße anfechtbar ist unter alien Umständen die Berurteilung des Hohenlocher. Ueber das gegen Dr. Haud erkannte Strafmaß ließe sich noch streiten. Der Fetischismus war bei seinen Handlungen das primäre. Seine fpätere Sammelleidenschaft das Zu der gestrigen Sitzung war als ein weiterer Sachverständiger von der Staatsanwaltschaft Gerichtsarzt Geh. Rat Prof. Dr. Straß mann hinzugezogen worden. Als erster Zeuge wurde ein jetzt 13jähriger Schüler vernommen, der vor 2 Jahren bei dem Angeklagten v. Lühew in Boffen in Erziehung war. Wenn er eine 4 geschrieben oder in der Stunde gesprochen habe, so habe er Hiebe bekommen und zwar immer nur von Herrn v. Lützow, der ihn zu sich bestellte und dann übers Knie legte. Einmal habe er auch die Hosen herunterziehen müssen und die Hiebe auf die Unterkleider bekommen. Er habe infolge der Züchtigung sehr geschrien und gemeint, sei aver nachher von dem Angeklagten gestreichelt worden. Als der Vorfizende bei der Vernehmung des Jungen mehrmals die vor ihm auf dem Gerichtstisch liegenden Rohrstode in die Hand nahm, wich der Junge bezeichnenderweise ängstlich und scheu zurüd. So bann wurde Prof. Dr. Bremer, der auch als Sachverständiger geladen ist, zunächst als Zeuge vernommen. Er ist mit dem Schwiegervater des Angeklagten gut befreundet und dadurch auch zu Herrn v. Lüßow selbst in ein Freundschaftsverhältnis geraten. In den Fragen der Behandlung der Schiller habe er diefelben Grundfäße gehabt wie Herr v. Lüßow. Alle Kinder hätten felben Grundfäße gehabt wie Herr v. Lüzow. Alle Kinder hätten ihm beim Besuch der Anstalt gesagt, daß es ihnen dert gut gefiele. Auch er selbst habe von der Schule und den Schülern den besten Eindruck gewonnen. Auf Befragen erflärte der Zeuge allerdings, daß er von Schlägen in seiner Anwesenheit nichts gemerkt habe und auch bis zu dem Prozeß nicht gemußt habe, daß in der Anstalt viel geschlagen wurde. Su einer heftigen Ausein andersetzung zwischen Berteidigung und Sachverständigen tommt es, als dann der Sachverständige Dr. Placzek an diesen Zeugen eine ganze Reihe von Fragen richtet, die sich auf das beleben des Angeflagten, insbesondere auf die Empfindungen der Chefrau des Angeflagten beziehen Der Zeuge Dr. Bremer wird dann von dem pädagogischen Sachverständigen noch über das Schülermaterial in Buckow und Zoffen befragt und äußerte sich dahin, daß v. Lützow offenbar den Abschaum der Berliner Jugend hinbe fommen habe, so daß sich eine Art Bebelschwingsche Bere brechertolonie gebildet hätte, mit der ohne Schläge nicht auszutommen gewesen sei fefundäre. Sie fannte feine Grenzen. Der Befiz von Autogrammen wurde ihm zur Manie. Daß er aber im Charlottenburger Archiv so fret schalten und malten fonnte, von dieser Schulb werden die Beamten nicht ganz freigufprechen fein. Sie haben fontit die Diebstähle aufs äußerste erleichtert. Der Kampf um die Hochbahn. Die Hochbahngesellschaft hatte zu Freitag eine Sigung ihres Aufsichtsrats einberufen, der zu den Angebot der Stadt Ber. fin Stellung nehmen sollte. Diese Sigung ist verschoben wor den! Die Boffische Zeitung" berichtet nach Angaben aus den Kreifen der Hochbahn, daß diese Verschiebung nur daraus zu er flären sei, daß einzelne Mitglieder des Aufsichtsrats am gestrigen Tage an der Sitzung nicht hätten teilnehmen fönnen. Im übrigen wird intereffanterweise festgestellt, daß unsere Angaben zwar richtig sind, wonach die Hochbahn bedeutende Reparaturausgaben zu leisten hat, aber dafür habe man auch einen Reserve fonds ven nicht weniger als 20 millionen. Es ist erstaun lich, welche Naivität man bei den Lesern solcher Berlautbarungen voraussetzt. Dieser Reservefonds besteht nämlich darin, daß die gefamten Anlagen im Berte der Bahn mit rund 20 Millionen höher zu Buch stehen als das Attienkapital ausmacht. Der Refervefonds ist also ein rein ziffernmäßiger Begriff. Mit dem felben Recht fann man die buchmäßige Bewertung der Anlagen niedriger ansetzen. Die ganze Bewertung der Sachwert. substanz der Gesellschaft ist eine rein theoretische Sie hat mit der wirklichen Bewertung der Bahn gar nichts zu tun, diese hängt allein von der Rentabilität der Bahn ab. Ein Fonds im wirklichen Sinne des Wortes ist selbstverständlich nicht porhanden. Die Reparaturausgaben der Hochbahn müssen aus den laufenden Einnahmen bestritten werden. Sollte im übrigen die Verschiebung der Aufsichtsratssitzung unter Hinweis auf diesen schönen Fonds dafür zeugen, daß man sich doch noch einmal überlegen will, ob es für die Attienäre nicht zweckmäßiger wäre, das Angebot doch anzunehmen? Inzwischen haben sich die Deutsche Bank und die Hochbahn auch wohl davon überzeugt, daß eine Erhöhung des Angebots, auf die man offenbar spekuliert hat, nicht fommen wird. Bielleicht fiegt die Bernunft bei den Kaufleuten in der Deutschen Bant doch noch! -U Während der Schläge, deren Zahl bei dem Zeugen durch schnittlich 25 betrug, machte v. Cühow eine Erholungspause und nachher nahm er den Berprügelten oft auf den Schoß, um ihn zu tröften und sich mit ihm zu vertragen... Ein meiterer Beuge war der siebzehnjährige Schüler H., der sich darüber beschwerte, daß er einmal ungerechterweise Brügel bekommen hätte. Er habe ungefähr 40 Schläge als fogenanntes Trommelfeuer" befommen. Dazwischen wurden furze Bausen gemacht. Dann tam heraus, daß ein gewisser Karl F. der Schuldige war, und nun befann auch er seine Schläge. Bors: Hat sich Herr fagte mir, daß mir beim nächsten Mal die Brügel erlassen werden v. Lüzom nicht wegen seines Irrtums entschuldigt? Zeuge: Er sollte. Als es dann aber dazu kam, da hieß es, daß der andere Schüler, mit dem ich zusammen etwas verübt hatte, seine Brügel befommen müsse, und daß es nicht anginge, daß dieser allein geschlagen wurde. Ich habe etwa zehnmal Prügel bes Es war sonst, schloß der Zeuge seine Aussagen, ganz angenehm in der Anstalt, aber man wußte nie, wann die nächsten Schläge tamen". tommen. Der als Zeuge vernommene Tischlermeister M. hatte einen Sohn in der Schule, der eines Tages ausrüdte, von den Eltern aber zurüdgebracht wurde. Der Vater ersuchte Hern v. Lukom, feinen Sohn nicht zu schlagen. Er schrieb Herrn v. Lüzow, er habe ihm einen lebensfrischen Jungen hingeschickt. Die in der Anstalt angewandte Methode scheine nicht die richtige zu fein, denn jetzt mache der Junge einen verprügelten Gin. brud. Der darauf als Zeuge vernommene Sohn bestätigte die Aussagen seines Vaters und äußerte sich noch dahin, daß verschiedene Schüler als besondere Lieblinge des Angeflagten p. 2ühow galten, die dann auch in dem bevorzugten „ braunen Zimmer" wohnten, das in direttem 3ufammen hang mit dem Schlafzimmer des Angeklagten stand. Der Vater eines anderen Schülers, ein Bezirkshauptmann a. D., äußerte sich über die Erziehungsmethode sehr zufrieden. Sein Sohn habe einmal Brügel befommen, aber zugestanden, daß er fie verdient habe. Der Junge war früher in einer Kadetten. anft alt und wäre dort eine weit härtere Behandlung gewohnt gewesen. Die ganze Sache gegen Herrn v. Lükom set durch die Polizei und die Bresse fünstlich aufgebauscht worden. R.-A. Dr. Stemmler erhob auch scharfe Borwürfe gegen die Polizei, die die Sache aufgebauscht habe. Bisher fei das Antlage material völlig zufammengefallen. Staatsanwaltschaftsrat Burczet erflärte, die Verteidigung wiffe ja ganz genau, daß das eigent Liche Belastungsmaterial erft noch tomme. RA. Dr. ren gab dabei bem Staatsanwalt die Anregung, gemäß§ 156 ( Strafprozeßordwmg) das Verfahren auf die Hauptfälle zu be fchränken und in den weniger wichtigen Fällen das feien 60 bis 65 vorläufig einzustellen. Der Staatsanwalt äußerte sich über die von ihm beabsichtigten Schritte nach der Richtung der Einschränkung des Verfahrens noch nicht. Nach einigen weiterent Beugenvernehmungen wurde die Berhandlung auf Sonnabend früh, 9½ 11hr, vertagt. Die Stahlhelmausschreitungen in Weißensee. Die Feststellungen des Polizeipräsidiums in der Schießeret am Trianonpart in Weißensee haben einwandfrei er geben, daß die Bölkischen der schuldige Teil sind. Der Polizeibericht teilt mit, daß girta 10-12 Reichsbannerleute mit 25( nach einigen Zeugenaussagen fogar 40) Stahlhelmmitgliedern ihrem Verkehrsiofal von Rundfóaftern beobachtet worden sein. in eine Schlägerei geraten find. Die Reichsbannerleute sollen in Als nun ein Trupp Reichsbannerleute( 3irfa 10-12 Mann) das Lotal verließ, stieß er auf eine große Anzahl Stahlhelmer, die sic vor dem Lotal angesammelt hatten. Es fam zu einer schweren Schlägerei, die die Stahlhelmer provozierten. Ein Reichsbannermann alarmierie die Polizei. 3 Bersonen wurden durch Stockschläge verletzt. Die herbeigerufene Schutzpolizei nahm 7 Berhaftungen befindet sich der Führer des Jungitahlhelms Weißen Dor, 3 Reichsbannerleute, 4 Stahlhelmer. Unter den Berhaftetten fee, Schwarz, der gestanden hat, aus einer Pistole geoffen zu haben, glüdlicherweise ohne jemanden zu verlegen. Schwarz giht an, früher Mitglied des Spartatus= bundes gewesen zu sein. Bei den Mitgliedern des„ Stahlhelms" wurden Stöde, fomie Holzfnüppel gefunden und beschlagnahmt. Nach den bisherigen Feststellungen find die Stahlhelmer bie An greifer gemefen. Die rechtsradikalen Rowdies werden nach Abschluß der Ermittlungen dem Richter zugeführt werden. Ermittlungsverfahren gegen einen Landgerichtsdirettor. Der seltene Fall, baß die Behörden gezwungen sind, gegen einen hohen richterlichen Beamten wegen des Berdachtes betrügerischer Handlungen vorzugehen, liegt gegenwärtig in Berlin vor. Wie wir hören, schwebt gegen den beim Amtsgericht Charlottenburg tätigen Landgerichtsdirektor 3., der erst vor furzem aus Stargard i. P. hierher verseht worden ist, ein Ermittlungsverfahren, weil 3. im Berbachi steht, in 2-3 Fällen fich des Versicherungsbetruges fchuldig gemacht zu haben. Im Hotel eines Seebades waren ihm nach seinen Angaben Schmucksachen seiner Gattin im Werte von 18 000 m. gestohlen worden, die ihm durch die Versicherung ersetzt wurden. Ein andermal erlitt er in seiner Wohnung in Stargard in Bommern angeblich einen Einbruch, bei dem ihm gleichfalls namhafte Werte gestohlen worden sein sollen. Die rätselhafte Angelegenheit unterliegt zurzeit der Nachprüfung durch die Kriminalpolizei. 4444444 444 MOSLEM DIE BESTE CIGARETTE IN/ R PREISLAGE „ Gefährliche Arbeiterkunst. Der Lokal- Anzeiger" entrüstet sich wieder einmal heftig. Dies Oeffentliche Rundgebungen. mal ist das Objett feines Grimmes bie auch von uns besprochene für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten Arbeiterkunst ausstellung im Warenhaus Stein, Chausseestraße. Er fann es im idealen Intereffe feiner Inserenten und Abonnenten nicht ertragen, daß hier Bilder proletarischen Elends gezeigt werden. Bolksverhebung müsse bestimmt vorliegen, benn an fio führen die Proletarier ein beneidenswertes Dasein. Sie fennen nicht die Stenersorgen der Lokal- Anzeiger" Finanziers, und Bilder von Armut und Not, Kummer und Sorge fönnen nur einer böswillig- betzerischen Tendenz entspringen. O, rühret nie on dem mohltuenden Schlaf des Lotal- Anzeiger"-Lesers. Für ihn ist die Welt nur eitel bürgerliche Zufriedenheit, die höchstens durch den Vertrag von Locarno gestört wird. Scheinbar geht die ,, deutsche" Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit bei Hugenberg nur bis zu der Feststellung, daß die armen" deutschen Fürsten in den Leitartikeln des Lotal- Anzeigers" aufgewertet werden müssen. Doch vor der leidenden Kreatur schließen diese Erbpächter echten Deutschtums die Augen. Was heißt denn verheten? Ist die Wahrheit verheßend? Natürlich fehlt den Herrschaften um Hugenberg ein Organ für die Not des Boltes, sie verstehen nicht den Schrei der Empörung, der aus diesen Bildern tönt. Natürlich sieht man nicht gern die eigene Frage, die aus Blättern eines George Grosz dem Betrachter entgegenblidt. Es stimmt, daß als Gegenstüde zu den Elendsbildern folche Darstellungen ausgestellt sind, die zeigen sollen, daß sich die bürgerlichen Schlemmertreise nicht um die Not der Arbeiter füm mern". Natürlich stimmt das. Aber fümmert sich die Hugenberg Breffe vielleicht um die Not des bar benden Voltes? Weiß fie, daß diese Bilder noch nicht einmal die volle entsetzliche Wahrheit erreichen? Kennt sie die Not der Arbeitslosen? Rennt sie die giftigen Rellerhöhlen, in denen Kinder ohne Licht und Sonne aufwachsen? Jeder Bersuch, durch läppische Anträge Kunstausstellungen dieser Art zu hintertreiben, wird die Wahrheit nicht erdrosseln. Diese tommt auch ohne Hugenbergschen Gegen ans Tageslicht. Die Redner bei der Ebert- Gedächtnisfeier in Treptow Am Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, findet, wie bereits mitgeteilt, anläßlich der Wiederkehr bes einjährigen Todes tages des Reichspräsidenten Ebert auf der Treptower Spielwiese eine vom Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltete Gedächtnis feier ftatt. Redner find: Reichstagsabgeordneter Peter Graß mann, Abgeordneter Chefredakteur Otto Nuschte und Lehrer Felir Kellermann. An der Feier nehmen die Kameradschaften des Reichsbanners aus ganz Berlin teil. Auf der Spielwiese felbft nimmt das Reichsbanner in einem großen offenen Karree Aufstel lung, so daß die Zuhörer sich in der Mitte des Karrees fammeln tönnen. Die republifanifchen Barteien Berlins haben ihre Mit. glieder zur Teilnahme an der Feier aufgefordert. Die Dame und ihr Hund. Der große Kaiserfaal im Rheingold" war dicht gefüllt mit schönen Frauen und der Wahrheit die Ehre! noch weitaus schöneren Hunden. Die Prämiierung der entzückenden Tiere war für bie Jurn, der Frau Direktor Paula Busch präfidierte, wirfüich nicht leicht. Den ersten Preis eine vierwöchige Sommerreise nach dem Harz erhielt ein ganzes Bündel( es waren ihrer ungefähr fünf bis sechs) reizender Betinesen, Befizer Herr Warnte. Die cnderen Preise wurden unter die übrigen Schönheiten verteilt. Nun erfolgte die Damenschönheitsschau, Hier hatte die Jury, offengeftanden, nicht so edles Material zur Verfügung, da sich die wirt. lichen Champions"( und es gab deren eine stattliche Anzahl) nicht zur Prämiierung gemeldet hatten. Wahrscheinlich hielten sie eine neuerliche Bestätigung für überflüffig! Unter den Klängen eines flotten Raußschmeißers zogen Zwei wie auch Bierbeiner vergnügt nach Haufe. Kurzschluß durch einen Safer. Der Haustater eines Berliner Hotels stürzte durch einen schmalen Spalt in das Kabellager der Hoch fpannung. Dadurch trat fofort Kurzschluß ein, so daß in dem größten Teil des Hotels das Licht erlosch. Der Kater mußte fein Abenteuer mit dem Leben bezahlen. Ein gefährlicher Wohnungsbrand beschäftigte gestern abend gegen 11 Uhr längere Zeit die Feuermehr in der 3. Etage des Hauses Hufelandftr. 45. Es brannte das gesamte Bohnungsinven. for. Mit einem C- Rohr wurde Waffer gegeben, und mit großer Mühe gelang es, das Feuer zu löschen. Die Entstehungsurfache ist bisher noch unbekannt. Wohungsbrand in Mahlsdorf. Die Feuerwehr wurde am Freitag nachmittag nach Mahlsdorf Süd mehrere Male von verschiedenen Seiten alarmiert. Die Wehren von Mahlsdorf, Kauls. dorf und anderen Orten waren schnell zur Stelle. In der Königin Luisen- Str. 151 brannte ein zmeistōdiges Wohnhaus in solcher Ausdehnung, daß mit mehreren Schlauchleitungen längere Zeit Waffer gegeben werden mußte, um des Feuers, das an altem Hausrat und leicht brennbaren Borräten, wie Holz, schnell reiche Nahrung gefunden hatte, Herr zu werden. Der Dachstuhl ist vollständig niedergebrannt. Ein fommunaler Elendsinder. Der Beitrag in der Stadtbeilage, in dem der Berfasser einen Vorschlag zur Staffelung der Aus gaben für soziale Hygiene und Wohlfahrtspflege in den städtischen Haushaltsplänen machte, entstammt der Feder des Genossen Dr. Korach. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, bormittags 11 Uhr, Bappelallee 15: Bertrag des Herrn Baul Rogal: Religion und Sozialismus. Harmonium: Einleitung aus Bilhelm Tell"( Roffini). Gäfte tilllommen. heute, Sonnabend, den 27. Februar: Sport. Reit- und Fahr furnier. Am Freitag nachmiffag, wo das Programm namenttich mit Difizierspierbeprüfungen ausgefüllt war, jab man das Haus überfüllt, denn der Reichspraftbent hatte sein Stommen zugesagt. Hindenburg erschien um 5 Uhr in Uniform. Ferner maren von Bro minenten anwesend Generaloberst v. Seedt, der Generalinspeitor, der in Zivil Bei der Offiziersprüfung lief wieber Rittmeister Martint(.- S. 12) auf dem Fuchswallach Nih. Biesdorf- Süd: Abends 8 Uhr im Lokal Döhring, Köpenicker Str. Stavallerie, General v. Poffed, sowie Reichswehrminister Dr. Gegler, legterer Redner: Franz Künstler, M. d. R. Sonntag, den 28. Februar: Blankenburg: Nachmittags 4%, Uhr bei lug, Dorfstraße 2. Redner: Genosse von Putttamer. Einsturz eines Schornsteins. Arbeiter 80 Meter hoch abgestürzt. 10 Tote Auf der Hütte Michelville in dem unweit der lurem burgischen Minette Metropole Esch gelegenen französischen Bille. rupt stürzte der 80 Meter hohe Schornstein der Hochöfen III und IV mit großem Getöse zusammen, als gerade einige Arbeiter an der Spige mit Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt waren. Diese sowie mehrere am Fuße des Schornsteins stehende Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Eine Belegschaft von 20 Mann hatte gerade das Dach der durch das Unglüd zerstörten Gießhalle verlassen. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, beträgt aber schäßungsweise 10 Tote und viele Bermundete. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Nach der Buremburgischen Zeitung war der Fuß des Schornsteins ganz unterwaschen. Gründung einer Reichsrundfunk- Gesellschaft. Die Bertreter der Deutschen Rundfuntgesellschaft traten am Freitag in Stuttgart zu einer Tagung zusammen. Die Reichsrundfunk gesellschaft, in der die Einzelgesellschaften bereits zusammengeschloffen find, murde offiziell tonstituiert. Außer den leitenden Bersönlichkeiten aller Gesellschaften nahmen bekannte Fachleute des Rundfuntwesens sowie Bertreter der Reichspoft an der Tagung teil Staatssekretär Dr. Bredom sprach einleitend über die Neu. ordnung des Rundfunts". Deutschland befize heute 20 Rundfunksender, die höchftzahl, die uns international zu geftanden merde und technisch möglich set. Nach der Zahl der Teil. nehmer stehe der deutsche Rundfunk gleich hinter Amerifa und Eng land. Der Rundfunk sei ein Instrument der Kultur und in seinen Wirkungen besonders im Ausland wertvoll. Den Schluß der ersten öffentlichen Sitzung bildeten technische und organisatorische Referate. Heute und morgen finden Beratungen des Verinaltungsrates der Reichsrundfunkgesellschaft statt. Die polizeiliche Untersuchung des Winzeraufftandes in Bern. faftel führte am Freitag zu der Berhaftung von 12 Ber. fonen, die als Haupttäter gelten. Es handelt sich um jugendliche Leute, die nicht aus Bernkastel, sondern aus der Umgegend stammen. Die Untersuchung ist bereits der Oberstaatsanwaltschaft in Trier übergeben worden und dürfte voraussichtlich schon am Sonnabend abgeschlossen werden. Großes Bergwerksunglüd in Chile. Nach einer Meldung aus Santiago find bei einem Bergwerkseinsturz in den Bergwerken von Rio Blanco zahlreiche Bergleute verfchüttet wor ben. Die Rettungsarbeiten find im Gange. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 27. Februar. Außer dem üblichen Tagesprogramm? 4.30 Uhr nachm.: Die Violinsonate. 1. Bach: Sonate C- Moll: Siciliano Allegro Adagio Allegro. 2. Johann G. Platter ( geb. um 1700): Sonate E- Mell: Allegro non tanto Larghetto Minuetto Giga( Konzertmeister Josef Wolfsthal, Violine; Philipp Jarnach, Klavier). 5-6 Uhr nachm.: Heitere Stunde. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto( Direktor Julius Glück). 7.15 Uhr abends: Medizinisch- hygienische Plauderei( Sanitätsrat Dr. Panl Frank). 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Sehule( Hochschulkurse). Abteilung Photochemie. Geh. Reg- Rab Dr. A. Miethe: Ziele und Wege der Naturfarbenphotographie: Das farbige Kinobild. 8.30-10 Uhr abends: Konzert des Musikkorps des III. Bataillons 9.( Preuß.) Inf.- Regt. Leitung: Obermusikmeister Adolf Berdien. Einleitende Worte: Alfred Schattmann. 1. Kunstmärsche: a) Schubert: Militärmarsch Nr. 1, b) Ch. Gounod: Hochzeitsmarsch und Brautgesang aus der Oper Romeo und Julia", c) Strauß: Königsmarsch, d) Wagner: Marsch und Chor ans der Oper, Tannhäuser". 2 Präsentiermärsche: a) Altpreußischer Präsentier marsch König Friedrich Wilhelm III., b) Hackenberger: Flamme empor. 3. Langsamer Marsch: a) M Roland: Parademarsch der Langen. Kerls aus der Originalmusik Friedericus Rex", b) J. Möllendorf: Kavallerie- Parademarsch Nr. 1. 4. Geschwindmärsche: a) Rossini: Marsch nach Motiven der Oper, Moses", aus b) Marsch aus Petersburg( 1887), c) Joh. Strand: Radetzky. Marsch, d) W. Kollo: Lindenmarsch aus der Revue, Drunter und drüber. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterund Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( FunktanzJugendveranstaltungen. Me Jugendgenoffen beteiligen fl an der Ebert- Gebächtnisfeies am Sonntag, 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, auf der großen Eviel wiefe in Treptow. Heute, Sonnabend, den 27. Februar, abends 7% Uhr: Welteren- Konferens Jugendheim Lindenfe. 8. Thema: Die päda gogischen Aufgaben der Jugendbeiräte". Referent: Genosse Lösche. Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Barsane 10. Beginn des Bolkstanzturies, Morgen, Sonntag, den 28. Februar: Funktionärschulung. 2. Schulungstag sarmittags 10 Uhr Jugenbheim Einbenftr. S. Thema: Einführung in die allgemeine missenschaftliche Literatur". Referent: Genoffe Marquardt. Erscheinen der Bibliothelave, Berbebezirksleiter und Abteilungsleiter, tit flight Besichtigung des Antifriegsmuseums. Treffpunkt: 10 Uhr Serarantiples. Reukölln m: Fahrt Treffpunkt: 7 Uhr Bhf. Steufon. Rentals V: Apotheke. Werbebegirt Kreuzberg: 7 Uhr Jugendheim Zinbensfe. 3. Feler gunt Ge Werbebegir! Schöneberg: 8 Uhr Jugendheim Hauptstr. 13( Maison de santé). Friebrich Ebert Gebächtnisfeier. Alle Abteilungen des Berbebezirks beteiligen fidh an ber Feier. badtnis ber Revolutionsgefallenen. Barteigenaffen find herzlich eingelabert Berbebezir! Renta: 6 Uhr leben im Seim Rogatfte. 58. Te Gerber, die mitmachen, müssen bestimmt und pünktlich erscheinen. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Deutsche Landsmannschaft der Braving Polen, Graf- Berlin. Die Sends mannschaft it zum Maslenball von der Bereinigung beimattrener. Siffece on Sonnabend, 27. februar, in den Hohenstaufensälen, Berlin Rottbuffer Dunn 16, eingeladen. Ausweise bei Rogosh, Neukölln, Emfer Str. 102, I. Parteinachrichten Clusendungen für biefe Nabrit find Berlin 68. 6. Linbenstraße 2. für Groß- Berlin ffets en bas Bezieffekretariat, 2. Set, 2 Eves. rechts. a rites 2. Rreis Ziergarten. Die Sandsettel sur Runbgebung find ab heute, Sonne abend, 27. Februar, abzuholen von der Spedition Joseph, Wilhelmshavenes Straße 48. 8. Kreis Webbing. Sonnabend, 27. februar, Begirisverordnetenfraktion The im Lebigenheim, Simmer 122, Fraktionsfigung Morgen, Sonntag, 28. Februar, findet um 11 Uhr vormittags im Bharuslino, uerite, 142, eine Filmvorstellung Freies Bolt" ftett. Alle Genoffen mit ihren Fa milien find herzlicht eingeladen. Eintritt 50 Bf. Sarten an der Rose und bei den Funktionären erhältlich. 6. Rreis Kreuzberg. Montag, 1. mars, 75 hr, erweiterte Récisustfondse fikung bei Bieler, Dieffenbachftr. 76, 7. Sreis Charlottenburg. Die Abteilungsleiter werben gebeten, bie Sand settel für die Dienstag- Rundgebung abzuholen im Jugendheim Rosinen Straße 4( bei Bunge melden!). 14. Rreis Reutolla. Conntag, 28. Februar, ermelterie Rreisvorfindeligung Dormittags 10 Uhr im Rarlsgarten. Heute, Sonnabend, den 27. Februar: 85. t. Tempelhof. Die Flugblätter find bei ber Genoffin Sarsdorf abst holen. desgleichen die Handzettel für bie Dienstag Bersammlung. Die Bezirksführer haben bis Sonntag frilh die Dittmann- Brasilren beins Genoffen Wills Schlawe, Konradin str. 2, abzurechnen. Reukölln. 92. Abt. Die Bezirksfilhrer holen bie Sandsetter flle die Bffentliche Berfammlung der Abteilung au 4. Mära abends vom Geneffen Schlage. Raifer- Friedrich- Str. 79, hochparterre, ab. Bei Behinderung mus ein Ber frefer mit der Abholung betraut werden. 95. t. 7 Uhr bet Sürtler. Prinz- Sandjern- Str. 34, wichtige furze Besprechung aller Besittsführer bdes deren Stellvertreter. Material abholen. 119. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr Funktionärhikung und Ausgabe von Material bei Mene, Mollendorf Ede Rittergutstraße. Morgen, Sonntag, den 28. Februar: 9. st. n der Ebert- Gebächtnisfeier bes Reichsbonners, nodmitlags 4 auf ber Spielwiele im Treptower Bark, nehmen ale Genofsinnen und Genoffen teil. 16. t. Bormittags plintlich 10 Uhr wichtige Funktionärkung bei Krüger, Sufftienftr. 84. 21. Abt. Treffpunkt vormittags 10 Uhr zur Vorwärtsagitation bei Rrall, Utrechter Str. 21. 35. Abt. Sandzettelverbreitung vormittags 9% Uhr von ben bekannten falen aus. Die Gruppen bam. Beairfsleiter holen bie Rettel bereits are Sonnabend, 27. Februar, som Lofal Beter, Schreinerstr. 36, ab. 183. Abt. OberfcBneweibe. Bormittags 9% Uhr bei Imberg, Wilhelminenhof. Straße 34, wichtige funktionärstzung. kapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Sonnabend, den 27. Februar. 3-3.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel und Oberschullehrer Asthma- u. Lungenleidende Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30-4 Uhr nachm.: Dr. Delius: Entwicklung des ländlichen Frauenbildungswesens in der Jetzt zeit. 4-4.30 Uhr nachm.: Dipl.- Gartenbauinspektor Günther: Allgemeine Vorbedingungen für erfolgreichen Obstbau. 4.30-5 Uhr nachm.: Hetti Walter: Unser täglich Brot Die Frühjahrssaison beginnt! Wir bringen trotzdem noch.. erzielen glänzendsten Erfolg durch peruvian. Lungenbalsam..Nymphosan ( ges. gesch.). Tägi. einlauf. Anerkennungen, wie: Es ist ein wahrer Segonse strom. der von Ihrem Werk ausfließt oder: Ein wahres Wunder wirkt dieser Nymphosan- Sirup, bestätigen dies. Preis pro Flasche Mk. 3,50. Erhältlich in Apotheken. Alleinhersteller: Nymphosan A.-G., München 38. 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Andreasstr. 50 O, Frankfurter Allee 2 SO. Oranienstr. 2a SO. Wrangelstr 49 Spittelmarkt 13 C, Rosenthaler Str. 14 Neukölln, Bergstraße 30/31 Potsdam, Brandenburger Straße 54 Charlottenbura, Wilmere dorter Str. 122/23 104. t. Nieberschönemeibe. Nachmittags 3 Uhr treffen fid bie Genoffinnen und Genoffen, bie nicht Mitglieder des Reichsbanners sind, zur Teilnahme an der Beranstaltung im Treptower Bart( Spielwicfe) an der Straßen. bahnhalteftelle bei Siebel, Brüdenstraße. 138./130. Et. Pankow. Nachmittags 2 Uhr Ereffen auf dem Marktplag zum gemeinsamen Abmarsch zur Ebert- Gedächtnisfeier nach der Treptower Spielwiese. 121. Abt. Razishorft. Am Montag, 1. Mära. 7 Uhr, im Restaurant Bur Rennbahn", Tresdomallee 94, Funktionärsthung. Am Mittwoch, 3. März, 8 Uhr, öffentliche Bersammlung im Restaurant Fürstenhaus. Referent: Genaffe Saenger- München, M. b. R. Die Flugblattverbreitung findet erst am 4. März flatt. Wenn Hühneraugen sprechen! Oo- o- oh O- WO- Weh Weg mit den Hühneraugen! Ohne Pflaster, ohne Schmerzen! Haben Sie Hühneraugen, schmerzende Füße, harte Haut. Schwielen, Fußschweiß oder andere Fußleiden, dann kaufen Sie sich sofort eine Originalpackung Krudox, Das stark sauerstoffhaltige Krudox- Salz wirkt im heißen Fußbad auf die leblose Hautschicht, aus der das Hühnerauge besteht, macht dieses weich, so daß man das ganze Hühnerauge mit Wurzel ohne Mühe schmerzlos herausziehen kann. KRUDOX GES.GESCH HÜHNERAUGENBAD In Apotheken, Drogerien und Parfümerien M. 3,- pro Packung BEUTHIEN& SCHULTZ G. M. B. H., BERLIN N 39 Theater, Lichispiele usw. 8 Uhr: Volksbühne Lessing- Th. Sturmflu Gastspield SaltenMorgen 3 Uhr: JUDITH 8 Uhr: Stur 8 Uhr burgs Rubnen Königin Lulsc Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus 7 Uhr: Ariadne auf Naxos Opernhaus 814 Uhr Ein Spiel von Großes Schauspielhaus Residenz- Th. 8 Uhr: Foppke, der Egoist Claire Rommer Olga Limburg Oskar Sabo Stg 3 U. KI. Pr. Letzte Voiste ig! D. Durchgängerin Thalia- Theater Unr: Der alte Dessauer Gustav Charlé Kurt Vespermann Vidy Werckmeister Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr Lene, Lotte, Liese Molly Wessely Josefine Dora Georg Baselt Theat. d. Westens Tägi 8 Unr: Das Spiel B. die Liebe Operette von Gilbert 0,50 bis 10 Mk. Friedenspreise 8 Uhr: Trianon- Th Zentr 2.91 Berlin lacht von 8 bis 12 Die Revue Arbeitsgemeinschaft der Rinberfreunde. 2. Streis Tiergarten. Sonntag, 28. Fe bruar, Treffpunkt mittags 12 Uhr im Kleinen Tiergarten, Rriegerbentmal 20 Bf. Fahrgeld find mitzubringen. Junglozialisten. Gruppe Südost: Montag, 1. Mära. 8 Uhr, findet im Jugend heim Reichenberger Str. 66 ein Bortrag über das Rommunistische Manifeft ftatt. Referent: Hermann Wiggenhaufer. Gruppe Reinidendorf: Sonn tag. 28. Februar, Fahrt nach Bernau. Abfahrt Gesundbrunnen 7,46 Uhr früh. Treffpunkt: Borortbahnsteig Gesundbrunnen. Montag, 1. 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Siehungstag 266945 268763 270884 281610 293044 293489 297404 299989 26. Februar 1928, Es wurden Gewinne über 150 Mark gezogen 4 Gewinne zu je 10000 r. 34847 209930 6 Gewinne ju je 3000 9. 160196 185377 190710 8 Gewinne au je 2000 M. 93168 152391 166551 142583 30 Gewinne au je 1000 9. 7205 60882 24588 109717 128408 128441 185682 144445 148241 148399 158843 230273 247001 385999 287735 86 Gerpinue z je 500 r. 898 6165 20100 21090 31832 41117 51332 53740 86224 88664 88743 61253 73048 75186 91966 98326 102294 112714 117474 122354 123538 129934 133664 134775 139942 141116 142783 152727 164580 1593793 166183 173485 217097 217878 218858 218986 239042 251148 251176 252096 275718 277356 297608 7675 240 Gewinne zu je 300 10217 12228 14106 25250 25754 28031 29974 30924 36699 38048 41239 42600 46579 53346 53894 67884 61174 61311 68069 69118 69712 71739 72608 72793 75961 76754 78991 79724 80141 85880 68054 89587 89851 97000 97159 99011 99212 106282 110326 111392 112725 113153 115582 122030 122504 124527 181193 133612 137050 140719 144362 147315 149146 150147 151222 153597 156322 157497 157694 158091 159881 169650 180286 160559 161735 162070 164410 165294 169729 170979 170710 179099 183426 183477 184619 184944 188869 187890 189643 190922 191518 193174 196304 200785 204441 205832 208990 216696 218915 219188 219879 220177 220798 221649 223413 226442 229294 234045 238788 240055 240939 244934 245873 247816 249883 250385 251225 255458 257405 257564 257703 261662 286828 276048 276443 281646 288080 289786 294745 Nr. 97 43.Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Uebergewinne bei Kreditgenossenschaften. Womit werden sie erkauft? Nachdem für Handwerker und Kleingewerbetreibende mehrfach nicht unbeträchtliche Staatskredite zur Verfügung gestellt worden find, um den Kreditschwierigkeiten dieser Kreise zu begegnen, muten die mehrfach erklärten hohen Dividenden von kleingewerblichen Genossenschaftsbanfen für 1925 etwas merkwürdig an. Bor uns liegen die Geschäftsberichte von vier solcher Genossenschaften: der Handwerkerbank Altona mit 12 Proz. Dividende, der Creditbank e. G. m. b. H., Flensburg( 12 Pro3.), der Essener Bank e. G. m. H. ( 15 Broz.) und der Gewerbebank e. G. m. 5., Minden in Westf. ( 9 Proz.). Es handelt sich bei diesen Dividenden gewiß um keine hohen Auszahlungsbeträge. Außerdem werden sie an die Mitglieder der Genossenschaften, und zwar auf die von diesen gezahlten Geschäftsanteile verteilt. Es könnte alse so scheinen, als ob hinter diesen Dividenden fein volkswirtschaftlicher Schaden stecken könnte. Art und Gefahr der Gewinnpolitit. Durch das Studium der Geschäftsberichte und Bilanzen wird man aber eines anderen belehrt. Eine angenehme Ueberraschung zwar ist bei drei der Bilanzen die gute und genaue Gliederung der Bilanz. Die Anweisung des Genossenschaftsverbandes, einheitliche, den Zweimonatsbilanzen der Großbanken angepaßte Bilanzen aufzumachen, wird offenbar befolgt. Das ist ein erfreulicher Beitrag erfolgreicher Rationalisierungsarbeit der Zentralorganisationen der Kreditgenossenschaften. Schlimm aber steht es offenbar mit der Kredit- und 3inspolitik, die anscheinend viel stärker auf hohe Ueberschüsse, als auf wohlfeile Kreditversorgung der Mitglieder abzielt. So hat die Handwerkerbank Altona bei Geschäftsanteilen ven 95 000 m. Zins- und Provisionsüberschüsse von 74 000 m., die Creditbank Flensburg bei 575.000 m. Geschäftsanteilen Ueberschüsse von 264 666 M., die Essener Bank bei 500 000 m. Geschäftsanteilen 283 584 m. und die Gewerbebank Minden bei 67 500 M. Anteilen 39 000 m. Ueberschüsse erwirtschaftet. Die hohen Dividenden zusammen mit den sehr beträchtlichen Reserveſtellungen sind ein Beweis dafür, daß die Zinsspanne zwischen gewährten und verlangten Zinsen auch bei diesen Genossenschaftsbanken sehr hoch ist, wenngleich sie wahrscheinlich niedriger ist als bei den Privatbanken. Praktisch bedeutet das natürlich, daß diese Handwerkerbanken den Kreditbedarf ihrer Mitglieder unverhältnismäßig teuer befriedigen und vor allem die Mitglieder in zweifacher Weise direkt schädigen. Die vorfichtigen Mitglieder halten sie von der Kreditinanspruchnahme zurück, weil die Zinsen zu hoch sind; ihr Kreditbedarf bleibt aber unbefriedigt, ihre Geschäftstätigkeit beschränkt. Unvorsichtige Mit glieder verführt sie zur Verschuldung, was bei der Höhe der Zinslast natürlich zu Verlusten der Banken führt. Dazu liefern die Bilanzen zwei drastische Beweise. Die Handwerkerbant Altona hat zum Schluß des Geschäftsjahres in der Kaffe und bei Banken genau dreimal soviel flüssige Mittel( 231 000 m.), weil sie die Gelder bei ihrer Kundschaft nicht unterbringen fann, als Geschäftsanteilsfapital( 95 000 m.). Die Gewerbebant Minden muß, obwohl sie nur 50 100 m. Spareinlagen hat, 50 200 m. zweifelhafte Forde rungen ausweisen. Sehr deutlich gibt die Handwerkerbank Altona der befolgten Gewinn- und Zinspolitik Ausdruck, wenn sie die hohen Dividenden mit der Hoffnung begründet, die Mitglieder dadurch leichter zur Bollzahlung der Anteile zu veranlassen. Daß fie dabei das Pferd am Schwanz aufzäumt, sieht sie nicht. Denn die angerechnete hohe Zinsspanne, mit der die Dividende erwirtschaftet wird, verzehrt ja die Geschäftsüberschüsse der Mitglieder, aus denen die Anteile gezahlt werden können. Daß die Mitglieder sich bei dieser Zinspolitif tatsächlich eher geschädigt als gefördert fühlen, verraten im übrigen die sehr heftigen Sch mantungen der Eintritte in die Genossenschaften und der Aus fchlüffe und Kündigungen der Mitgliedschaft, wobei die Abgänge die Zugänge überwiegen. Bedeutung für die allgemeine Kreditwirtschaft. Bir würden den Geschäftsabschlüssen und der Geschäftsführung ter Handwerkerbanken fein solches Gewicht beilegen, wenn die Genoffenschaftsbanken des Kleingewerbes heute feine größere Rolle spielen würden, als in normalen Friedenszeiten. Auf dem 2. Giroverbandstag der bei der Dresdener Bant als Zentralgiroinstitut zusammengeschlossenen Kreditgenossenschaften hat sich gezeigt, daß die Großbanken die kleingewerblichen Kreditgenossenschaften in ihren Kampf gegen die öffentlichen und gemeinnüßigen Banken einspannen wollen. Nun ist es zu diesem Kampf nur gefemmen, meil die privatfapitalistischen Banten teurer find, als die öffentlichen Banken. In diesem Kampf ist die Stärkung der öffentlichen Banken eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Sie liegt auch im Interesse der Mitglieder der kleingewerblichen Kreditgenossenschaften, denn je höher die Zinsspanne der Privatbanken bleibt, um jo höher bleibt auch die Zinsbelastung für das Kleingemerbe. Das A11gemeininteresse an der Senkung der Zinskosten und das Spezialinteresse der Handwerkerbanken sind daher identisch. Es wäre bedauerlich, wenn eine unbesonnene Dividendenpolitik der fleingewerblichen Kreditgenossenschaften der allgemeinen Senkung der Zinskosten im Wege stünde. Zinskostensenkung. Die Reichsbank hat den Zinsfuß für Darlehen gegen Verpfändung von Wertpapieren und Waren ab 26. Februar auf 9 Proz ermäßigt. Der Lombardzinsfuß betrug seit dem 12. Januar, dem Tage der letzten Diskontermäßigung, 10 Proz. Die Reichsbant hat also ohne weitere Distontermäßigung die bisher 2 Broz. betragende Spanne zwischen Diskont- und Lombardfag auf 1 Proz. ermäßigt. Sie hat damit von sich die Möglichkeit der Verkleinerung der Zinsspanne auch für die privatkapitalistischen Banten gegeben. Hierin liegt die freditwirtschaftliche Bedeutung der Maßnahme. In Erwartung der Maßnahme hat die Berliner Stempelvereinigung den deutschen Bankvereinigungen vor einigen Tagen vorzuschlagen beschlossen, den Zinssatz für Banktredite( ohne Veränderung der Provisionssätze) um 1 Broz. zu senken. Erstkredite würden dann 11,4 gegen bisher 12,4 Proz. foften. Diese Senfung ist inzwischen ebenfalls ganz allgemein ab 1. März beschlossen worden. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Privatbanken auf der anderen Seite den Vergütungssatz für monatlich fündbare Gelder bereits von 6 auf 5% Proz. gesenkt haben. Die einprozentige Senfung des Debetjakes wird also zum Teil wieder aufgehoben. Immerhin erfolgt im ganzen eine Berringerung der Zinsspanne, die im gesamtwirtschaftlichen Interesse ringerung der Zinsspanne, die im gesamtwirtschaftlichen Interesse zu begrüßen ist, weil sie eine tatsächliche Erleichterung des Zinsdrucks in der Wirtschaft bedeutet. Von der Generalversammlung der AEG. Abbau der Arbeiter kein Abbau leitender Beamter. Wie alljährlich benutzte Generaldirektor Deutsch auch die dies= jährige Generalversammlung der AEG., um sich über die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland, über die Aussichten der Elektrotechnik und über die Geschäftslage in der AEG. zu äußern. Er schildert die Krisis und erhebt die Forderung nach dem billigen Massenfabrikat. Dazu sei mit Hilfe der Normalisierung und Vereinheitlichung der Produktionsmethoden eine Umstellung der deutschen Fabriken notwendig. Allein nicht diese Umstellung ist entscheidend für die Produktionskosten, sondern der wichtigste Faktor ist hier der Preis der Rohstoffe und der vorverarbeitenden Industrie. Diese muß auf die Bedürfnisse der Fertigindustrie mehr eingehen. Deutsch bricht, wie schon früher, so auch jetzt, eine Lanze für den horizontalen Aufbau und für die Ausbildung großer, Spezialitäten liefernder Fabriken. Nachdem er dann die üblichen Proteste gegen Eteuern und foziale Laften vom Stapel gelassen hat, beschäftigt er sich mit der Zukunft der Elektrotechnik, der er infolge der im beschleunigten Tempo fortfchreitenden Elektrifizierung sehr große Aufgaben in Deutschland zuweist. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, daß pro Kopf der Bevölkerung in Amerifa 415 Kilowattstunden, in der Schweiz 398 Kilowattstunden, in Deutschland nur 162 Kilowattstunden und in Eng land 141 Kilowattstunden fonsumiert werden. Zur Geschäftsent wicklung führt Deutsch aus: „ Die Art der Geschäfte bei uns hat sich im ganzen verändert aus Gründen, die in dem Mangel an Betriebskapital und der allgemeinen Depression zu suchen sind. Während früher die großen industriellen Aufträge etwa die Hälfte un seres Gesamtumiages ausmachten, fehlen heute die umfangreichen Anlagen vollständig, und der Umfaz seßt sich aus einer großen Zahl von kleineren Anlagen und laufenden Materialien zusammen, die naturgemäß größeres Bersonal beanspruchen und größere Unkosten machen. Zweifellos wird die Besserung der wirtschaftlichen Stabilisierung des französischen Frant und der Lira unserer Schwerindustrie wieder die Möglichkeit geben, sich zu modernisieren und neue Anlagen zu bestellen." SIE DIE SALAMANDER- SCHUHFABRIK. 1ST DIE GRÖSSTE DEUTSCHE SCHUHFABRIK. STELLT TÄGLICH 11000 PAAR SALAMANDER- SCHUHE FÜR DAMEN UND HERREN HER DIE SALAMANDER- SCHUHFABRIK HAT KEINE PRODUKTIONSEINSCHRÄNKUNG VORGENOMMEN, SONDERN MIT IHREN ecmat? Sonnabend, 27. februar 1926 Die mit dem Bau von Zentralstationen und Bahnen beschäftigte Abteilung der AEG. hat wegen der zahlreich vorliegenden Aufträge eine erhebliche Ausdehnung erfahren. Er erwähnt den Auftrag auf den Bau des Elektrizitätswerks Rummelsburg. Die AEG. Heschäftigt sich neuerdings mit dem Problem der Kohlenstaub= für die Zukunft bieten. Der Tatsache der allgemeinen Industriealisie= feuerung und Kohlenveredlung, weil sie große Aussichten rung Europas sieht Deutsch für die fernere Zukunft mit nicht allzu großer Besorgnis entgegen: „ Trotzdem glaube ich, daß die Entwicklung des fommenden Jahrzehnts so verlaufen wird, daß die verschiedenen Länder einsehen werden, daß ihnen Kapital, Arbeitskraft und Er. fahrungen und legten Endes technische Begabung nur in einem beschränkten Ausmaße zur Verfügung stehen. Sie werden sich also darauf beschränken müssen, je nach Barhandensein von Bodenschätzen und je nach dem Charakter und der Zusammensegung der volkswirtschaftlichen Kräfte wesentlich normale Produkte im eigenen Lande zu erzeugen und hochwertige Fabritate, 3. B. auf dem Gebiete der Werkzeugmaschinen, der Start- und Schwachstromtechnik, Spezialtertilmaschinen usw. vom Aus. land zu beziehen. Ich bin überzeugt, daß diese Arbeitsteilung sich zusammen mit dem Abbau der seit dem Versailler Friedensvertrag in Europa errichteten Zollmauern vollziehen wird, da es eine Unmöglichkeit ist, wenn jedes Land versucht, alle industriellen Bedarfsartikel selbst zu erzeugen. Wir müssen daher systematisch die Abkehr vom Hochschutzzollsystem in allen Ländern forcieren und propagieren, damit eine rationelle und planmäßige Verteilung und Produktion die Grundlage für eine neue wirtschaftliche Entwicklung und Erstarfung unseres Kontinents schaffen kann. Vorher hatte eine umfangreiche Debatte über den Geschäfts bericht und die Bilanz stattgefunden, und es war interessant festzustellen, daß die Verwaltung es nicht für notwendig hielt, auch nur mit einer Silbe auf eine der zahlreichen Anfragen, von denen einige sehr beachtenswert waren, einzugehen. So sind z. B. Steuern und soziale Laften in einem Posten verbucht und die Verwaltung, die sich doch stets über das Erdrückende dieser Lasten beschwert, wurde gebeten, anzugeben, was von den 15% Millionen auf Steuern, was auf soziale Lasten entfiele. Es wurde darauf verwiesen, daß trotz des starken Abbaues an Arbeitern und Beamten 6 bis 7 Pro= turisten in der letzten Aufsichtsratssitzung neu ernannt seien, daß fein Direktor abgebaut sei und daß das zahlenmäßige Mißverhältnis zwischen leitenden Angestellten und Arbeitern und Be amten vergrößert werde. Es wurden Angaben über die 3 a hl der Beamten und Angestellten und der leitenden Beamten verlangt. Die Lohnpolitif wurde scharf kritisiert, da sie gerade die befähigtsten Kräfte in andere Betriebe treibe, wo sie bessere Be zahlung erhielten. Auf diese und noch manche weniger erwähnens werten Anfragen und Beanstandungen hatte die Verwaltung keine Antwort. Moderne Probleme des internationalen Handels. Mit einem Referat über die modernen Probleme des internationalen Handels leitete Professor Dr. Julius Hirsch eine Vortragsreihe ein, die von der Berliner Handelsfammer über das Thema„ ll eberstaatliche Bilderungen Bochen veranstaltet wird und namhafte Wissenschaftler in den Einzelin politischer und wirtschaftlicher Hinsicht" in diefen fragen zu Wort kommen läßt. Hirsch wies darauf hin, daß erst etwa feit 1825, als die erste Eisenbahn über Schienen lief, von einem Welthandel die Rede sein könne und daß sich seitdem bis zum Kriege der auswärtige Handel aller Länder stärker entwickelt habe als in der ganzen voraufgegangenen Zeit. Er ist etwa auf das Neurzigfache gestiegen. Dennoch gelte dabei das von Sombart zuerst ausgesprochene Gesez von der abnehmenden rela die einzelnen Momente ein, die den Rüdgang des Belthandels nach tiven Bedeutung des Außenhandels. Hirsch ging auf dem Kriege herbeigeführt haben, und jah als wichtigste Ursache da für die Berarmung der Abnehmerländer an, die mindestens ebenso stark wie die Industrialisierung der überseeischen Länder gewirkt hat. Zu den wichtigen Ursachen der Erschütterungen der Weltwirtschaft und den Neubildungen im Welthandel rechnet er die Versuche der rohstoffliefernden Länder, durch Balorisatio. nen die Rohstoff- und Lebensmittelpreise hochzuhalten. Auf diese Weise nimmt das englische Reich seinen Kunden jährlich mehr ab, als Deutschland an Reparationen zu zahlen hat. Einen großen Teil dieses Mehrgewinnes steckt es aber wieder in eine andere künstliche Beeinflussung des Welthandels, in Subven tionen für seine Industrie. Das gilt insbesondere für den Brenn stoffmartt, auf dem durch die Verdrängung der Kohle durch das Petroleum gewaltige Verschiebungen eingetreten sind. Eine 4300 ARBEITERN UND ANGESTELLTEN VOLL DURCHGEARBEITET, DIE SALAMANDER- SCHUHFABRIK PREISEN BRINGT DAHER ZU DEN MÄSSIGSTEN EINE FÜLLE MODERNSTER FORMEN UND MODELLE IN DER WELTBEKANNTEN SALAMANDER- QUALITÄT. BEACHTEN SIE VOR ALLEM UNSERE PREISLAGEN: 1250 1450 1650 SIOLO GIB SSHUMFABRIKEN A. KORNWESTHEIM SALAM MARK MANDE 808 SALAMANDER SALAMANDE SALAMANDER SALAMANDER 66,65 66 65 66 66 66 66 EE SALAMANDER SALAMANDER machsende Bedeutung gewinnt auch die Kapitalfrage fm Außenhandel, die zu engen Schuldverpflichtungen mit weittragenden mirtschaftlichen Folgen zwingt. Ein großer Teil der schwierigen Probleme wird in der kommenden Wirtschaftskonferenz zur Be ratung gelangen, die nach der Konferenz von Genua die zweite sein wird. Hirsch zerstreute eine große Zahl von Irrtümern, die noch immer in der tapitalistischen Fachpresse verbreitet sind. Er mies insbefondere auf die Notwendigkeit der Ausnahme von Auslandsfrebiten hin. Der Handel in Deutschland sei noch immer zu start besetzt. Wenn sich der reelle Handel nicht selbst dagegen wehre, so werde er dem Schicksal anheimfallen, das in Amerifa die Aus. schaltung eines großen Teiles des Warenhandels bewirkt hat. In der engen Verbindung vom ersten Produzenten bis zum letzten Ber braucher, die teilweise auch durch die Warenhaustrusts hergestellt wird, zweigt sich die Tendenz zum geschlossenen Waren weg", eine Tendenz, die auch den deutschen Handel dahinraffen wird, wenn er nicht selbst versucht, mit den geringsten Kosten und Gewinnzuschlägen auszufommen und seinen Kunden die Vorteile einer besseren Organisation zu bieten. Fernab von allem Pessimis: mus, der heute noch weite Wirtschaftstreife beherrscht, sieht Hirsch den Ausmeg aus der gegenwärtigen Krise nicht in dem von Eng land befolgten Rezept der Subventionen, sondern in dem ameritanischen Mittel der Steigerung der Leistungen unserer Wirtschaft innerhalb der gegebenen Arbeitszeit. Rußlands Handel mit Amerika. Uns wird geschrieben: Preußische Etatsberatung. Der Landtag fährt fort in der ameiten Beratung des Haushalts der Handels- und Gewerbeverwaltung. Abg. Merg- Köln( 3.) fordert, daß bei der Reichsbahngesellschaft die Gruppe Preußen, die vertraglich Preußen zustehe, so schnell mie möglich eingerichtet wird. Der Leiter dieser Gruppenverwaltung müsse von Preußer gestellt werden und Siz und Stimme im Verwaltungsrat der Reichsbahn erhalten. Der jezige Zustand, daß Bayern alles früher pertraglich festgelegte erhalten habe, sei für Preußen als größtes Eisenbahnland unerträglich. Der Redner geißelt die unsoziale Personalpolitit der Reichsbahn, insbesondere den Bersonalabbau Abg. Stolt( Komm.) fieht in der gegenwärtigen Wirtschaftsfrise ein Anzeichen für den Niedergang des mesteuro päischen Imperialismus. Der Redner begrüßt jede Maß. nahme die dahin geht, die Elektrizitätswirtschaft im Interesse der billigeren Belieferung der Allgemeinheit zu monopolifieren, warnt aber davor, hier wieder indirekte Steuern herauszupressen. Abg. Berichte( W. Bgg.) betont, daß es 3eit merde, daß das Handelsministerium die Ausgaben abbaue und dafür dem Handel langfristige Kredite gebe. Wenn man gegen die Industrie so scharf vorgehen würde wie gegen den Kleinhandel, würde man bald nichts mehr von Preistreiberei spüren. Abg. Schmiljan( Dem.) begründet einen demokratischen Antrag auf Beseitigung der Notlage der Fremdenindustrie in den Grenzgebieten des Glazer, Riesen und fergebirges. Es seien Grenzgebieten des Glazer, Riefen- und Ifergebirges. dort fchwere Schäden durch Wetterfatastrophen entstanden, die ebenso repariert werden müßten wie die Hochwasserschäden im Westen. Außerdem müsse man im vorliegenden Falle den Grenz charakter des notleidenden Gebietes beachten. Die Tschechoslowakei versuche ohnedies, nach Möglichkeit dort festen Fuß zu faffen. Bei der Besprechung des Etatabschnittes „ Gewerbliches Unterrichtswesen" hebt Abg. Thiele( Soz.) hervor, daß hochwertige Qualitätsarbeit für die Geltendmachung und Gefundung der deutschen Wirtschaft notwendig sei. Es müsse also alles für die Heranbildung hochqualifizierter Arbeiter getan merden. Abg. Frau Dr.Cauer( 3.) verlangt Förderung des gewerblichen und kaufmännischen Schulwesens und fordert für Frauen einen fyftematischen hauswirtschaftlichen Unterricht. Abg. Heidenreich( D. Bp.) fordert höhere Staatsbeiträge zur Förderung des Berufsschulwesens, da nur durch Qualitätsund Facharbeiter unsere Wirtschaft wieder hochgebracht werden tann. Gegenüber parteipolitischen Einflüssen in manchen Kommunalverwaltungen muß auch hier das System wie bei anderen Beamten nach dem Dienstalter eingeführt werden, ebenso Abschlußprüfungen, praktische Ausbildung und Heranziehung von Kräften aus dem praktischen Beruf. Während vor dem Kriege der Handel zwischen Rußland und Amerito wenig bedeutend war, spielt er heute im russischen Außenhandel eine größere Rolle; trog der Ungunit der Verhältnisse übersteigen die heutigen Zahlen diejenigen der Borkriegszeit. Die Entwicklung der russischen Textilindustrie hauptfächlich brachte starte Nachfrage nach Baumwolle, die bis zur genügenden Ergiebigkeit der im Aufbau befindlichen Baumwollproduktion in Turkestan einstweilen größtenteils nur von Amerifa befriedigt werden kann. Auch der Absaz amerikanischer landwirts schaftlicher Maschinen nimmt auf dem russischen Markt wachsenden Umfang ein. Zumal die Produktionstapazität der Bereinigten Staaten und Kanadas an landwirtschaftlichen Maschinen den einheimischen Konsum übersteigt, nehmen die amerikanischen Firmen steigendes Interesse an den meiten noch unbebauten Landflächen Rußlands, die sie unter günstigen 3ahlungsbedingungen mit landwirtschaftlichen Maschinen zu versehen bestrebt find. Während ein Teil des Preises allgemein gegen die Konoffemente bezahlt wird, wird der größte Teil der Zahlungen über mehrere Monate perteilt, deren Zahl im vorigen Jahre 12 bis 15 betrug, neuerdings aber oft auf 18 bis 22 heraufgesezt ist. Durch diese günstigen Kreditgewährungen faßt Amerita leicht festen Fuß. Es ist bezeichnend, daß Ford sein Prinzip des Bertaufs nur gegen Kasse gebrochen und 10 000 Trattoren gegen Teilzahlungen nach Rußland exportiert hat. Auch der russische Markt für Elevatoren, Holzbearbeitungs- und Milchwirtschaftsmaschinen ist Amerika Abg. Rehbein( Komm.) erklärt, die Lehrmittel in den Berufsgünstig, während die amerikanische Stahl- und Lokomotivenindustrie und Lehrwerkstätten schaffen; da könnten auch die Lehrlinge Auf schulen feien zu primitiv; der Staat müsse größere Zuschüsse leisten ebenfalls versucht, in Rußland Absatz zu finden. Hinsichtlich der Elektrizitätsbranche find in letzter Zeit bedeutende Berträge abge- nahme finden, die nach Schließung von Betrieben auf der Straße schlossen worden. Der Hauptteil des russisch- amerikanischen Handels geht durch die Abg. Merten( Dem.) verlangt, daß alles, was zum tech. Hände der„ Amborg"-Handelsgesellschaft, die offizielle Handels- nischen Schulwesen gehört, dem Handelsministerium agentur der russischen Regierung. In dem vom 1. Ottober 1924 bis unterstellt werde, und daß Breußen tie Staatszuschüsse zu Die Berufs. 30. September 1925 laufenden Jahr belief sich der russische Export ben Berufsschulen erheblich erhöhe. nach Amerika dem Werte nach auf rund 21 millionen Rubel hullehrer müßten ebenso wie die Volksschullehrer eine neuzeitliche ( 10,5 Millionen Dollar); er verteilte sich hauptsächlich auf Belze, beffere Ausbildung genießen. Abg. Mohrbotter( W. Bgg.) wünscht, daß die Berufsschulen nicht Felle und Häute, Borsten und Leinen. Der Import aus Amerita eine Fortegung der Elementarschulen bilden, sondern eine ihrem hingegen bersteigt mit 188 Millionen Rube!( 95 Millionen Dollar) diese Zahl bedeutend. Gegenüber dem Borjahr weisen sowohl Im jeweiligen Charakter entsprechende besondere Note empfangen. port als auch Export eine Steigerung um fast das Doppelte auf. Ein Regierungsvertreter erklärt, die Fachschulen sollten eine Unter diesen Umständen gewinnt die Ausfallgarantie des Ergänzung zu der erprobten Lehre beim Meister darstellen. Dabei Reiches, die das deutsche Geschäft mit Rußland auf dem Wege lang. müffe man bebenken, daß die Berufsschulen für viele die legie fristiger Kredite in Gang bringen helfen foll, an Bedeutung. Sie dort auch alle Fragen mitberührt werden, die an den jungen Menschen hule sind, die sie im Leben besuchen können. Deshalb müßten fann, richtig angewandt, ein Hilfe im Bettkampf mit der trebitort starten amerikanischen Wirtschaft um den russischen Markt werben. Später herantreten werben. Es sei zu hoffen, daß die Staats. auschüsse für das Berufsschulwesen bald so gesteigert werden fönnen, mie es im Interesse der Jugend notwendig ist. Schwierigteifen des Hypothelengeschäfts. In der General versammlung der Rheinisch- Westfälischen Bodenkreditbant in Köln bestätigte ber Borfizende des Aufsichtsrats, der rheinische Finanzier Louis Hagen, daß im Januar der Berkauf von fandbriefen einen derartigen Aufschwung genommen habe, daß fich die Hypothekenbanten genötigt sahen, diesen Verkauf einzustellen und zwar in erster Linie deswegen, weil es nicht möglich war, die zur Dedung notwendigen Hypotheten unterzubringen. Er führt dies darauf zurüd, das Zinsfuß der Hypothefen und Zinsfuß der Pfandbriefe nicht miteinander im Einklang stehen. Die Hypothefenbanken sind natürlich bei der Unterbringung von Hypotheken sehr vorsichtig. Die Beleihungsgrenze ist sehr niedrig und auf der anderen Seite sind auch die Grundstücksbefizer in der Aufnahme von Hypotheken zurückhaltender. Die Folge ist, daß ein erheblich niedrigerer Hypothekenbestand den Banten zur Verfügung steht und daß dementsprechend der Verwaltungstoftenfab sehr hoch ist. Es kommt außerdem hinzu, daß bei der Berringerung des Geschäfte es natürlich schwieriger wird, die Dividendenansprüche auch eines verringerten Aftienfapitals zu befriedigen. 30% bmed Sammeln Sie Gutscheine bann erhalten Sie Bonbonniere eine prachtvolle lägen. Nachbem Aba. Manfte( Dnat.) noch feine Unzufriedenheit mit der mangelnden Finanzierung der Berufsschulen und den veralteten Lehrmitteln geäußert hat, schließt die Besprechung. Die Abstimmungen werden ausgesetzt, und es folgt die zweite Beratung des Gefehentwurfs einer Gebäudeentschuldungssteuer. mürde. Der Berichterstatter Abg. Falf( Dem.) legt dem Hause die An träge des Hauptausschusses vor. Danach wird der Name Haus 3inssteuer wieder hergestellt. Bei Einfamilienhäusern, die ausschließlich vom Eigentümer und seiner Familie bewohnt merden, soll die Steuer gestundet oder niedergeschlagen werden, wenn ihre Beitreibung eine unbillige Härte darstellen Die Steuerhaftung des Grundstüdes ist bedingt gestaltet worden. Die Steuer felbft beträgt jährlich 40 Pro3. des Gold martbetrages der Friedensmiete Der Ausschuß hat die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Gebäude in die Steuer beschloffen. Die Gültigkeit des Gefeßes ist bis zum 31. März 1928 befristet. Bon dem Aufkommen der Steuer sollen 0/0 für Neubauzwede( so an den Staat, 1 an die Stadt- und Landkreise) und die anderen 0/0 für den allgemeinen Finanzbedarf bereit gestellt werden. Auch hier sollen 40 an die Gemeinden und 13/40 an ben Staat fallen. Besonders sollen damit Wohlfahrtsaufgaben erfüllt merben. 20 Die Besprechung des Gesetzes wird erst am Sonnabend beginnen. Das Haus beschäftigte sich weiter mit der Einzelberatung des Handelsetats. Beim Titel„ Durchführung des Hausarbeitsgefeges" bedauert Abg. Fritsch( Soz.) die bedeutende Herabſegung der Mittel. Beim Titel„ Luftfahrtwesen" trat der Abg. BartelsKrefeld( Komm.) für eine Verstaatlichung der Luft* fahrt ein. Die Abstimmung über die angefochtenen Titel und die vor liegenden Anträge wird ausgesetzt. Um 5% Uhr vertagte sich das Haus auf Sonnabend 11 Uhr. ( Kleine Vorlagen, Gewerbesteuer und Hauszinssteuergeset.) Zwischenlösung zur Hauszinssteuer. Im Landtag gingen am Freitag Gerüchte, die Regierung werde den Entwurf über die Hauszinssteuer zurückziehen. Wie die BD3.- Korrespondenz von zuständiger Steile erfährt, trifft das nicht zu. Es soll vielmehr mit Rücksicht darauf, daß die volle Friedensmiete erst ab 1. Juli obligatorisch sein soll, eine Zwischenlösung dahin gefunden werden, daß am 1. April anstatt 40 Proz. der Friedensmiete, wie die Regierung vorgeschlagen hatte, für die Monate April, Mai und Juni 36 Pro3. festgelegt wird, und daß die Festsetzung auf 40 Broz. erst am 1 Juli eintreten soll. Es ist damit zu rechnen, daß dieser Vorschlag noch einmal dem Hauptausschuß zur Ueberprüfung überwiesen wird, so daß die Vorlage erst nach Abschluß der Beratungen im Hauptausschuß zur Verabschiedung gelangen kann. des Der sparende Reichstag. Das Reichsfinanzministerium vor dem Haushaltsausschuß Nach Abschluß der allgemeinen Aussprache über den Haushalt Reichsfinanzministeriums in der Sigung des Reichs haushaltsausschusses vom Freitag wurde über die in dieser Aus. sprache gestellten Anträge und Entschließungen abgestimmt. Einstimmig angenommen wurde ein vom Genossen Stücklen mit Unterſtüßung anderer Parteien gestellter Antrag, in dem die Reichsregierung ersucht wird, zur Berbilligung der Verwaltung 1. die Höhe der Reisekosten in allen Verwaltungen herabzumindern, 2. die Reichshaupttasse mit anderen Kassen zu vereinigen, 3. die Kanzleien und Registraturen zu vereinfachen, 4. durch maschinelle Einrichtungen in allen Berwaltungen Bereinfachungen zu schaffen, 5. die Zahl der Dirigenten in den einzelnen Ministerien zu vermindern. Auch ein kommunistischer Antrag mit folgendem Wortlaut: beim Reichsfinanzministerium ist eine 3entrafstelle für den Buch- und Betriebsprüfungsdienst einzurichten, deren Aufgabe in einer instematischen Organisation, Bervollkommnung und Zusammenfassung dieses Sonderdienstes zu bestehen hat. Die Zentralstelle ist im Haushalt des Reichsfinanzministeriums gesondert aufzuführen" fand die Zustimmung einer Mehrheit. Abstriche sowohl bei den personellen wie bei den fächlich en Ueber einen Antrag des Sparausschusses, der erhebliche Ausgaben vorfieht, entspann sich eine lebhafte Debatte, in deren Ber-\ lauf dem Finanzministerium vorgeworfen wurde, zwar sehr scharf im Abbau bei anderen Verwaltungen vorzugehen, im eigenen Hause aber beide Augen zuzudrücken. Es wurde gefragt, woher es denn fomme, daß der Sparkommissar sich über das Finanzministerium gar nicht äußere, und was er denn im Finanzministerium schon gespart habe. Ziemlich erregt antwortete lungen des Ministeriums genau durchgeprüft und erklärt, es sei ihm der Staatssekretär Popiß, der Sparkommissar habe die Abteiunverständlich, wie mit einer so geringen 3ahl von Kräften die große Maffe von Arbeit geleistet werden könne. Im Berlauf dieser Aussprache regte der Demotrat Dr. Fischer ant, das Ministerium zu ersuchen, bis zur dritten Lesung den Etat in der Weise neu aufzustellen, baß von der Gesamtheit aller eripart werden. Diese Anregung verdichtete sich dann zu der persönlichen Ausgaben des Minifteriums 5 Bro3. folgenden Entschließung: Der Minister wird aufgefordert, bis zur 3. Lefung den Etat in fönlichen Ausgaben des Reichsfinanzministeriums in Höhe von rund der Weise neu aufzustellen, daß von dem Gesamtbetrag der per347 Millionen zirka 5 Proz 17 Millionen gespart bzw. als durch den im Haushaltsausschuß angenommenen Antrag Nr. 693 fünftig wegfallend bezeichnet werden. Die Ersparnisse des Sparausschusses sind auf die insgesamt als Ersparnis geforderte Eumme anzurechnen." In der Nach Annahme der Anträge des Sparausschusses wurde dann auch diese Entschließung einstimmig angenommen. Epezialdebatte verlangte der Genosse Roßmann, daß die Monatsgelder der Altveteranen von 12,50 M. auf 30 m. erhöht würden. Gegenwärtig werden Altveteranen zu den 12,50 m. in Form von Teuerungszulagen noch 7,50 m. gewährt, so daß der sozialdemotratische Antrag eine Erhöhung von 10 M. bedeutet. Nach Begründung durch den Genossen Roßmann wurde der Antrag dem Eparausschuß zur Nachprüfung überwiefen. Es ist nach dem Gang der Debatte zu erwarten, daß eine Erhöhung der bisherigen Bezüge erreicht werden wird. Beim Reichsentschädigungsamt für Kriegsschäden" erklärte der Präsident auf Befragen, daß an Nachentschädigungen auf Grund der Nachentschädigungsrichtlinien und an Wiederaufbaudarlehen auf Grund der Wiederaufbaudarlehensrichtlinien in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1925 im ganzen 148 448 Fälle erledigt worden sind. Für diese Fälle find 202 589 847 m. bewilligt. Noch unerledigt blieben ab 1. Januar 1926 165 243 Fälle, so daß die im vorigen Etat bewilligten 270 Millionen für die NachentSchädigungen unter feinen Umständen ausreichen würden. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Seit Eins führung Nach der Steuererhöhung vom 1.Okt.25 DIE UMSATZKURVE der ACO- SILBER beweist besser als Worte die dauernd freigende Anerkennung. Die Conftantin- Cigarette mit dem aus reinem Aluminium hergestellten Mundflück 58 回 altung unö ■*tv 1.• Sellage ües vorwärts Sonnabeaö 27. 5ebruart92H Rio öe Janeiro. Don Hans Erasmus Fische r.*) Nach der schwülen Hitze San Saloadors, über dem ein matter. feuchtjiebernder Himmel stand, wurde die Lust immer reiner und klarer und das tropische Blau goß sich vor Rio wie blitzend ge- schlissenes Kristall um die orangefarbene, fröhlich funkelnde Sonne. Die Küste hob sich, scharf und erdgrau, in bewegter Zickzacklinie aus dem träumenden Horizont. Zwei hohe, gerade aus dem Wasser wachsende Kriegsschifse schössen pfeifend vorbei, dünne Rauchfahnen zogen in der Ferne still und sich kreuzend über das schlafende Wasser und bewiesen die Nähe des Hasens, braunbejpannte Fischerboote trieben tief unter uns vorbei, winkend und schreiend, die Maschinen pullten langsam, Häuser tauchten an der Küste auf, noch winziges Spielzeug, das Wasser verlor den grünlichen Schimmer des Ozeans und leuchtete wie das Bassinwasser eines Luxusbades. Wie immer, wenn das Schiff Rio anlief, herrschte auf dem Dampfer eine freudige Nervosität. Die es kennen, sehen mit brennenden Augen vorwärts, um noch einmal aufs neue das Wunder zu entdecken: die es nicht kennen, warten unruhig und aufgeregt, mit kindlich klopfendem Herzen auf das Geschenk, das da, noch eingehüllt in den tropisch verzauberten Himmel, vor ihnen ruht. Nirgends habe ich je wieder so gesunde, friedliche Luft geatmet, wie sie über dem blauen Spiegel und unter dem blanken Himmel vor der Einfahrt nach Rio liegt. Die Dampspseise heult wie ein Ritz durch die wesenlose Stille und nach einer Drehung des Schisses liegt, plötzlich, überraschend und phan- tastisch die Einfahrt in den schönsten Hofen der Welt vor uns. Versunken zwischen steile, palmenbewachsene, grünbewaldete, Himmel- hohe Berge fährt das Schiff in den duftigen, tiefen, tropischen Fjord. Nackte Felsen schießen empor, starren mit wolkenhohen Kuppe» in den Aether: sorbentolle, buntgewürfelte Gärten sprießen an ihren Abhängen, fallen mit herrlichen Palmen fast in das Wasser hinein, und wie ein himmelstürinender Spuk, riesig und toll, schießt der Corcovado aus den blühenden Gärten empor. Drohend und brutal grinst sein flaches Plateau über die schaukelnde Schwebebahn. Schross saust sein Abhang in eine erbarmungslose Tiefe und keines der Opfer, die zahllos und freiwillig von dies� königlich tyrannischen Fels hinuntersprangen, sah je wieder in das Gesichl des lodernden, erbarmungslosen Riesen. Ein neuerer, fltfnerer Berg verschluckt den Zuckerhut, nur die Spitze sieht wie das Auge eines Zyklopen wachend über die Stadt. Der Fjord weitet sich und wird zu einem zarten, zitternden See, in dessen Mitte, wie der schlafende Rücken eines schwimmenden Tieres, auf schneeigem Sand ein kanoncn- gespicktes Jnselfort liegt, das jetzt würdevoll den stummen Gruß unserer Flagge erwidert. � Und hinter dem Fort im Halbkreis, feenhaftes Geschenk einer im Märchen liegenden, zivilisationssreicn Vergangenheit, geisterhaft ein flirrendes Mosaik, hingewürfelt aus glückhaster Freude über die unwirkliche Wirkung, unsymmetrisch: die Stadt. Bor einem aus Granit gehauenen, zackigen Hintergrund, zwischen seeligen, begnadeten Pflanzen, sonnenspiegelnden Abhän- gen, blitzendweiße, hochsenstrige Paläste, deren marmorne Frei- treppen in den See sinken, nadeldünne, schimmernde Türme, flache, luxuriöse Villen, Schlösser aus mattem Stein gebaut, wie Perlen- ketten nebeneinander gereiht, und über allem, über allem: taumelnd und glühend, trunken und wild die Sonne des Südens. Obwohl am Mittag die Planken so heiß waren, daß die Sohlen der Schuhe beim Gehen brannten und das Eisen der Reeling glühte, die Braunen, mit riesigen Hüten auf dem Kopf, schliefen, konnte ich es, trotze der abratenden Reden meiner Freunde nicht unterlolsen, in die Stadt zu ziehen. Der Staub irrsausender Autos verdunkelte jede Aussicht, bis ich in eine stille Strotze kam, in deren Mitte ein hüpfender Bach floß, von haushohen, majestätisch bewegungslosen Palmen umstanden. Die Straßen schliefen um diese Zeit, waren ausgestorben, nur die Obsthändler riefen noch gewohnheitsmäßig ri\lt trockener Kehle monoton ihre Sätze, in denen sie ihre ein- getrockneten Früchte anpriesen. Ich besaß keinen Milrcis, da es erst heute nachmittag Landgeld gab, und pilgerte ziellos über das weich- geschmolzene Pflaster und kam aus vornehmen, eleganten Straßen aus ein freies Feld und vor mir lag, hoch und viereckig ein Felsen, der, nach der zahllosen Menge der Paläste, einen schaurigen und furchtbaren Eindruck machte. Die Hütten von Las Palmas schienen gegen diese Pestation noch das Paradies zu sein. Je näher man kam, desto ekelerregender wurde der Gestank. Von dem Felsen zogen sich streifenweise in den Stein eingefresiene Bäche herunter: der Abort der Tausende. Der Weg hinaus war gefährlich, führte an steilen Hängen vorbei, war mit tiefen Rissen und Gruben durch- fetzt. Die Fliegen und Moskitos tanzten gierig und wild in dicken Schwärmen.„Die Vogelnester" heißt diese Hölle, die wie das schlechte Gewissen über der palastbesäten Stadt liegt. Kaum jemals betritt der Fuß eines Europäers diesen grauenhaftesten Stadtteil der Welt. Der kochenden Sonne und den quälenden Tieren preis- gegeben, von den schlimmsten Seuchen durchsetzt, hausen unter, aus Fetzen geflickten Hütten aus dem tönernen Lehmboden wie Kriech- liere sterbende Menschen. Ohne Hilfe, ohne Aerzte, ja selbst ohne Wasier, das sie sich von dem Futz des Berges selbst holen müsien. Als ich die Hütten, vor denen, stumpf und den Tod in den verklebten Augen, die Insassen hockten, erreicht hatte, lief mir ein eisiges Grausen über den Rücken. Manche, die noch neu hier waren, hatten noch den Mut zu betteln, wiesen auf ihre loprazersressenen oder syphilis- zerbeulten, eiternden Körper und auf ihre rachitischen, verkrüppelten, blöde und irr glotzenden Kinder: ein armseliges Mädchen, das ihre schwindsüchtigen Eltern hier pflegte, bot sich mir. ihren traurigen und dennoch gut gewachsenen Körper zeigend, an. Ein zerlumpter. bärtiger Alter sprach deutsch. Drei Jahre wäre er hier in den Vogelnestern und das sei hier die längste Lebensdauer, denn die Batterien verseuchten die Luft.„O, wäre ich doch in Deutschland geblieben und hätte die vier Jahre abgesessen!" stammelte er hilflos und angstzerrissen. Der Lupus fraß ihn bei lebendigem Leib«. Ein Wahnsinniger tanzte stürzend und rasend wie ein Amokläufer durch die Wege. Ich floh, springend und kletternd, klapperndes Grauen im Rücken, die 50 Grad Hitze vergessend, in gestrecktem Lauf zum Schiff, während schwarze Phantasmagorien vor mir her eilten. Gegen die Logelnester Rio de Janeiros ist das Erwerbslosenheim in der Berliner Fröbelstraße ein Schloß und seine Bewohner sind Könige. Aus dem Schiff duschte ich mich mit Trinkwasser, gurgelte und wusch mich mit Sublimat. Tetje, dem ich als ersten mein schreckliches Erlebnis erzählte schüttelte verständnislos den Kopf:..Hans, dir is wall die Birne aufgeweicht bei die Temperatur!" Gotf/icb hotte hier einen Bekannten, der Legationssekretür war, dieser kam mit einem feudalen Auto' an das Schisf und Gottlieb, wieder ganz „up to datt", schüttelte ihm. sich kommentmätzig verbeugend, die Hand. Der Legationssekretär ließ sich uns allen vorstellen. Charlie besah sich den etwas dandyhafi oekleideten Herrn, lächelt« verächtlich und höhnisch und verschwand. Tetje jedoch bewies Lebenssicherheit. streckt« seine Hand hin und sagte:..Sehr angenehm, Herr Gesandterl Freut uns sehr!" Der Legationssekretär wohnte im Schloß seines Onkels, eines steinreichen' Oaklandaktionärs. der gleichzeitiq den Gcsamtvsrtrieb für Südamerika leitete. In das Haus Meies Onkels wurden wir für heut« abend zu einer Gesellschaft höflichst eingeladen. •) Aus einem demnächst im Verlag Neufeld u. Henius erscheinen» den Roman: �Transozcan. Die Erlebnisse eines Tellerwäschers." »Zwei Wagen würden die Herren um 8 Uhr am Schiff erwarten," sagte der sich verabschiedende Gastgeber.„Besten Dank auch!" rief Tetje, über das ganze kugelrunde Gesicht strahlend. Dem Ober- fteward, der neugierig wie eine alte Jungser angewackelt kam, um zu wissen, was der 5)err gewollt habe, sagte Tetje:„Wir sind'n büschen zum Abendsouper aus'ne Gesandtschaft eingeladen!" Dieses Gerücht verbreitete sich blitzschnell und wir Aufwäscher wurden von dem Obersteward acht Tage lang hervorragend respektvoll behandelt. Beim Nachmittagskossee erklärte Charlie, daß er unter diese„Lassen" nicht ginge. Tetje beschwor ihn jedoch:„Charlie, Mensch, sone Ge- legenhcit, mal in die bessere Welt zu kieken, hast du»ich alle Tage!" Da die Anzugfrage doch nicht standesgemäß zu lösen war, so be- schlössen wir, damit keiner dem anderen was voraus hätte, einfach in Ceemannstluft, wie wir sie bei der Arbeit tragen, nur frisch ge- Amerika unö Mussolini. Nehmt Ihr dem Kerl die Stütze von dem Leine, so seid Ihr verantwortlich für den Schaden, den er anrichtet! waschen und gebügelt, hinzugehen. Tetje fühlle sich ganz als Knigge: „Also, denn paßt man auf, was ich eüch sage: Immer links von die Damens gehen und wenn euch nach'm Essen einer hochkommt, denn haltet chn man ja fest. Und denn nich so viel fressen und nich mil'n Messer, das gehört sich nich bei bessere Stände. Und bei» Tanzen nich so schieben und nich aus Brust tanzen! Daß ich mich da nich mit euch schenieren mutz!" Ab 6 Uhr schickte Tetje die Schiffsjungen dauernd los, um nachzusehen, ob die Autos„von die Gesandtschaft schon klar wären". Um 7 Uhr kam er mit einer Blume für jeden wieder von Land,„ins Knopslich bohren, das macht Eindruck". Von 7 bis 7,30 atz Tetje vor Aufregung, rot wie ein Borsdorfer Appel, alle fünf Minuten einen neuen Priem und„peilte" die Gegend. Ich sah voll Andacht und Begeisterung gerade über die in allen Ecken und Winkeln ver- borgen«» Wunder der Schönheit dieser gesegneten Bucht, als Tetje wie ein wütender Fisch an der Angel hin und her zu hopsen begann und schrie, als müsse er bei Sturm einen Besehl von der Kommando- brücke heruntergeben:„Die Gesandtschastsautos! Die Klaßewagen! Der neuste Typ! Iungedi! Jungcdi! Los! Aber von die Treppe ab gemessen gehn, das is Usance bei die besseren Stände!" Ein rascher Blick nach unten genügte, um zu sehen, daß die beiden wartenden Wagen eine dreistellige l'L-Zahl besaßen und schlanke, dunkelblaue, herrlich mondäne und omerikanlike gebaute Wagen waren, in denen zu fahren ein exquisiter Genuß sein mußte. Wir trotteten nun. Tetse an der Spitze, einer noch dem anderen, in unseren blauweißgestreisten Kitteln und den weiten, schlenkernden hellen Hosen, über die Gangway und bewegten uns feierlich, unter den neidvoll angenehmen Blicken der Besatzung, wie eine Prozession, zu den Autos. Zwei Cbauffeure öffneten die Schläge, die Mützen in der Hand und Tetje winkte„gnädig" mit einem weihen Stofshcnd- schuh ab. Wie ein Tiger, geschmeidig und unhörbar, sprang das Auto, in den Kurven sich biegend, mit taghellen Scheinwerfern die Straße hinauf, warf sich, anderen Autos ausbiegend, knirschend zur Seite, flitzte höhnisch an den meisten vorbei und hielt mit einem Ruck, vierradgebreinst, im Beginn der Aoenida Rio Branco, der Hauptstraße Rio de Janeiros, die wohl gleichzeitig die lebens- durstigste, temperamentvollste Straße der Welt ist. Ärahlend, mit blendendem Glanz wie die Sonne des Tages scheinen hier Millionen- fach die Sonnen der Nacht. In sechsfachen Reihen nebeneinander hüpfen die Autos mit artistischer Geschicklichkeit von Ecke zu Ecke, braune, hünenhafte Schutzleute mit spitzen Helmen winken schwel- gend grüne Signale und die eben noch bewgungslose Straße tobt entfesselt davon. Wenn die Avcnida zu Ende geht, jagen die Autos im schwindelnden Galopp in den Kreis der lichtwcißen Paläste, deren Fenster silbern und schwarz blinken. Manchmal cm rascher Durchblick auf den stummen Eorcovadorlesen oder auf kleine, sandige Inselforts. Wir biegen ein in ein unsichtbar sich öffnendes Gitter, rutschen über gestampften Kies und halten neben einer Reihe anderer Autos vor dem Portal eines sich nind wölbenden, tempelähnlichen Schlosses. Uns wurde beim Anblick dieser Pracht etwas mulmig um die Nase, während Charlie höchst gleichgüliig in den Sand'spuckte. In einer geräumigen Halle kam uns der Legationssekretär mit seinem Onkel, einem dicken, kahlköpfigen, sehr jovial aussehenden Herrn entgegen und führte uns in den weiten, kronlsuchterglitzernden Speisesaal. Die Männer meist Deutsche und die Frauen meist Bra- silionerinnen klatschten bei unserem Anblick freudig in die Hände und schüttelten uns ohne jede konventionelle Zeremonie die Hände. Hier sind die Menschen der Gesellschaft viel freier, viel sicherer, viel salopper formooll als bei uns und ich glaube, darum wirklich gute Gesellschaft. An der spendid gedeckten Speisetafel wurde bunte Reihe gemacht und ich saß eingekeitt von zwei blutjungen, vollblütigen. pechschwarzen Brasilianerinnen, von denen«in warmer, aus- peitschender Duft ausging und die mir beide dauernd versicherten, wie glücklich sie seien, einen so„blonden" Tischherrn zu haben. Ich schien Glück mit dielen beiden durstigen, schlanken Geschöpfen zu haben, denn neben Tetje saß einerseits ein« spindeldürre, die Tage de» Lenzes erheblich überschritten habende alte Jungfrau und andrerseits die zentnerschwere Hausfrau. Nach einem paprikareichen Essen und kaum moussierendem, schwerem, dickem Sekt wurd«getanzt, wobei unsere klobigen Schuhe ein höllisches Gepolter verursachten. Drei Siunden später, während die Eektslaschen schon bataillonsweise die Tische beoölkterten, begannen sich die ersten Unterschiede zwischen guter und weniger guter Geselljchast bereits deutlich zu zeigen. Charlie schob beim Tanzen und hielt seine Partnerin mit unzer- brechlichen Arme» iimklammert. Tetje war gerade dabei, einer alten, würdigen, mit Billante» behängten Matrone Sekt in den Rücken- ausschnitt zu gießen, welche Manier nach dem entstehenden Geheul zu schließen, hierzulande unbekannt zu sein schien. Hein duzte die Männer und Emmerich erzählte schlüpfrige, jüdische Witze. Da ich das Gefühl hatte, es tönnle zu noch unliebsameren Szene» kommen, verließ ich mit meinen beiden Brasilianerinnen die gastliche Stätte, bestieg einen schweren Oaklandwagen und besohl dem Chausfeur scharf loszufahren. Wir schössen in den lautlos träumenden, noch hinter dichten. bläulichen Schleiern sich verbergenden Morgen. Saben durch Palmenwälder den magische» Schinimer des Meeres, dessen blauen Teppich ein tanzender Wind kräuselte, im Firmament irrten nach winzig und weit die letzten Sterne umher und die langgestreckten Piers glühten von sprühenden Licktern, die Aoenida de Branco durchfuhren wir mit 60 Kilometern Geschwindigkeit, den Lichterglanz fraß bereits die steigende Sonne, schwarz schaukelten die unHeim- lichen Waggons der Schwebebahn zum Corcovado, in der Ferne tauchte dick qualmend ein Dampfer auf, die steilen Straßen hinunter krachten wir senkrecht in die Gegend des Hasens hinunter, rutichtsn geschmeidig die Piers entlang, unter gewaltigen in Deutschland hergestellten Kränen und arbeitsruhcnden Schuppen und stoppten mit schweigender Hupe, kurz wie ein Blitzlicht, vor dem Koloß unseres Dampfers. Zwei schmale, bebende, mattrole Lippen küßten mich kurz und Sekunden später winkten zwei Hände aus dem in den Bergen verschwindenden blauen Bogel. Ich stellte mich, ver- zaubert von dem Land und den Frauen an Deck, war gar nicht müde, sondern wartete, bis die ersten glitzernden Fäden einer kugelnden, apselsinensarbenen Sonne über die herkulischen, starren, aus und niedergehenden Berge sielen, bis der Amerikaner fein Sternenbanner vor dem kleinen, kanonengespickten, so symbolischen Inselsort grüßend senkte. Der Amerikaner kam und von seinen hell- gescheuerten Decks scholl jauchzend schmetternder Jazz in diese grandiose, erotische Welt. An die Piers ratterte ein schunkelndes Auto, in dem ein runder, blauweißgeftreifter Koloß und eine dunkelhäutig«, dicke Frau saßen. Tetje nahte! Er schrie dauernd, aus seine höchst eindeutige Be- gleiterin hinweisend:„Frau Gesandte will» büschen bei mich die Koje bekicken!" Frau Gesandte aber wurde von dem Wachmann mit einem energischen Schubs abgeschoben und Tetje, der schwer nach der Seite lag und merkwürdig glucksende Töne von sich gab, schaukelte, laut nach„Frau Gesandte" ruscnd. in die Koje, wo er wie mit dem Gummiknüppel erschlagen Morpheus in die Arme rollte. Di« anderen Genossen kamen, mehr oder weniger lädiert, im Laus des Bermitlags an. Gottlieb behauptete, es hätten sich in meiner Abwesenheit Ding« abgespielt, die seine Zunge sich sträube, zu erzählen und von denen Tetjes Streich, mit der dicken Bra- filiancrin„Schinkenkloppen" spielen zu wollen, noch das Harm- loseste gewesen sei.. Am Abend fuhren wir aus dem Hasen. Der Himmel wurde von den Lichtern Rio? angezündet und noch einmal sahen wir aus dem tiefen Fjord in dieses köstliche Feuerwerk des Südens Der ewig schlaiende Rise Corcovado genannt, hielt, grau und sie»»der ewig schlafende Riese, Corcovado genannt, hielt, grau und steil»der Das Jubiläum öer Stearinkerze. Die rapiden Fortschritte der modernen Elektrotechnik, die es uns ermöglichen, einen beliebig großen Kompler augenblicklich durch einen einzigen Kontakt in ein Lichtmeer zu tauchen, haben uns die Misere früherer Beleuchtungsmethoden sehr rasch veraesien lassen. Und doch werden in diesem Iabrc erst zehn Dezennien vorüber bin- gegangen sein, daß der französische Chemiker E h e v r« u l durch seine Forschungen aus dem Gebiete der Zusammensetzung der anu malischen Fette die Möglichkeit zur Herstellung der rauch-, ruß- und geruchlosen Stearinkerze mit ibrem milden und beständigen Licht« gab. Dos Idiom Voltaires hat die beiden Worte ,. Chandelle" und „Bougie" geprägt. Ch?ndelle ist das uralte Ilnschlitt- oder Talglicht, für deisen Gebrauch die immer schmutzige Lichtschcre unerläßlicher Gegenstand war. Bougie leitet seinen Namen von der Stadl Bougy im Berberlande her, wo man zuerst Kerzen aus Hammeliett ber- gcstellt hat, die aber auch nicht wesentlich besser wie ihre Kollegen mit dem Namen Chandellc gewesen sind. �. Dieses Bougie minderer Oualität wird schon in einem Erlaß Philipp des Schönen aus dem Jahre IZl? erwähnt. Gerade ein halbes Jahrtausend mußte darüber hingehen, bis der Gelehrte Ehevreul zusammen mit dem Industr-elle» Gaq-Lussoc um die Er- loubnis nachsuchte, seine bedeutsame Entdeckung fabrikmäßig aus» beuten zu dürfen. Solches geschah im Jahre 1825. Man geht wohl kaum zu weit, wenn man behauptet, daß der von Ehevreul zurück- gelegte Weg von dem Talglicht zu der Stearinkerze so lang wie der von dieser zu der elektrischen Glühbirne war. Im Iabre 1823 hatte der Gelehrte seine Schrift..Ehemische Untersuchungen über die Fett- substanz tierischen Ursprungs" veröfsentlicht. � In ihr entwickelie Ehevreul oollkoinmen neue Ideen über die Verbindung von svelt und Aether. Er legte die erste Theorie der S-ifenfabrikat'on dar und wies auf die Trennung der Fettsubstanz in Säure und Glyzerin hin. Schon im Jahre 1770 war dem deutschen Chemiker Scheele die Isolierung des Glyzerins gelungen. Allein man war der Ansicht. daß solches nur bei gewissen Oelen möglich sei. Erst Cheoreuls Arbeiten sind aus diesem Gebiete bahnbrechend geworden. Sie haben zur Erfindung des Stearins geführt und damals«ine wahre Revolution des Beleuchtungswefens hervor- gebracht. Die Qualitäten der so von Ehevreul erfundenen Stearin- kcrze machen deren Siegeszug durch die ganze Welt nur allzubegreis- lich. Das neue Licht war nicht nur von bislang ungekannter Helle, es war auch reinlich, tropfte nicht und verwies die schreckliche Schere in den Antiquitöienkasten. Infolgedessen hat es das Talglicht in einein wahren Sturmlauf verdrängt. Zwar ist es rascher, als man wohl annehmen konnte, durch das Leuchtgas und dann durch die Elektrizität verdrängt worden... und doch, wenn wir ganz ehrlich fein wollen, dann muffen wir eingestehen, daß diese Sterinkerze auch heute noch nicht völlig unentbehrlich geworden ist. Ein jeder von uns hat das Versagen de» elektrischen Stromes schon selbst erlebt und dann..freudig" zu der alten, von Ehevreul erfundenen Stearinkerze gegrisscn. Das Wachs, das in Kirchen und Kapellen brennt, ähnelt dieser Kerze in mancherlei Beziehung, was die Zusammensetzung des Brennstofses angeht, und wenn wir einen Tisch recht festlich und gemütlich machen wallen, dann geben wie wohl auch ein paar Kerzen vor der elektrischen Lampe gerne den Vorzug. Ehevreul selbst hat, wie das ja so oft zu gehen pflegt, persönlich keinen materiellen Nutzen aus seiner Ersindung gezogen. Erst 27 Jahr« später ist er durch einen von dem Marquis von Argenteuck geftisteten Preis von 12000 Frank ausgezeichnet worden. Im Oktober diese» Jahres wird man in Erinnerung an den großen Chemiker das Zentenarium der Stearinkerze in Paris festlich begehen. Di«„Sockte be chimi« industrielle" hat sich der Sache angenommen und wird am 11. Oktober 1026 in einer feierlichen Sitzung Ehevreuls gedenken. Und zwar in der Schlußsitzung des fünften Kongreffes für industriell« Chemie, der am 4. Oktober in Paris seinen Ansang nimmt..... Dr. Ed. St. 95 Lindemann's Pfennig- Tage Kleiderstoffe Schottten oder Streifen Frotté doppeltbreit, Bandstreifen. Marokain Painette, bedruckt durchweg Meter Makotuch am breit.... 2 Mtr. Hemdentuch oder Rohnessel Küch- Handtücher rein Leinen 4 Wischtücher durchweg Jeder Artikel Damen- Hemden Dam.- Beinkleider Strumpfhalter Gürtel Damen- Schürzen bunt oder gestreift... 95 PL Pf.! 95 PL. durchweg Stück 2 Scheib.- Gardin. 1 Wachstuchdecke 60 × 100. 1 Balkon- Tischdecke durchweg 95 Pf. Das große Haupt- Angebot! Sonnabend folgende Tage Bettsatin Deckbeltbreite. 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