Nr. 103 43. Jahrg.testoms 3 Ausgabe A nr. 52 Bezugspreis: öchentlich 70 Bfennig, monafid B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzia. Saar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit Sied. Luna und Kleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltiae Nonpareille scile 80 Bfennia. Reflamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettnedrudte Wort 25 kennis ( auläffia zwei fettgedruckte Worte, fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Bfennig. tedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Bfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abacgeben werden. Geöffnet von 8% Ubr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Deutschland und Völkerbund. Eine Kanzlerrede in Hamburg. Reichskanzler Dr. Luther hat gestern abend in Hamburg eine Rede gehalten, die sich in ihren Hauptteilen mit dem bevorstehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und den Streitfragen, die durch ihn ausgelöst wurden, beschäftigt. Man fann sagen, daß mit der Grundtendenz dieser Rede alle Kreise in Deutschland einverstanden sind, die für den Eintritt in den Völkerbund gewirkt haben und noch wirken. Man hätte nach der großen Friedensrede Briands allerdings gerne aus Hamburg wärmere und stärkere Töne gehört. Aber das Klima von Hamburg ist nun einmal nicht das Klima von Paris, und das Temperament Luthers ist nicht Das Temperament Briands. Außerdem muß zugestanden werden, daß der widrige Streit um die Ratssize auf die Stimmung nicht nur des Reichskanzlers, sondern des ganzen deutschen Bolkes start dämpfend gewirkt hat. Große Ideen und kleine Intrigen sind nun einmal Dinge, die sich schlecht miteinander verträgen. Der Völkerbund ist ein Versuch, eine große Idee in die Wirklichkeit umzusehen. Der Streit um die Ratssize ist das Ergebnis von fleinen Intrigen, die der großen Idee schädlich sind. Die Rede Luthers hält den Standpunkt der Regierung deutlich aufrecht und läßt im Unterton ernste Warnungen vernehmen. Sie gibt aber nicht Anlaß zur Befürchtung, daß eine einmal als richtig erfannte Linie der Außenpolitik verlassen werden könnte, weil sich im Augenblid ärgerliche Störungen ergeben. Sie läßt Raum für die Hoffnung, daß es in Genf gelingen wird, diese Störungen zu beheben. Deutschland muß in den Völkerbund, damit es feine Aufgabe an Europa erfüllen kann. Diese Einsicht wird heute von der Mehrheit nicht nur des deutschen, sondern auch des franzöfifchen und des englischen Volkes geteilt. Die Ver träge von Locarno müssen in Kraft treten, wenn nicht der Fortschritt zur wahren Befriedung Europas eine verhäng nisvolle Hemmung erleiden soll. Ist dem aber so, dann muß cuf Pläne, die die Erreichung dieses Zieles gefährden, verzichtet werden. Die Staatsmänner follen nach Genf fahren, nicht um gegeneinander aufzutrumpfen, sondern, um sich im Geiste der Loyalität, den getroffenen Abreden entsprechend, zu verständigen. Die Kanzlerrede schlägt teine Tür zu und sperrt keinen Weg. * In einer Rede am Dienstag nachmittag vor dem Hamburger Senat führte Reichskanzler Luther a. a. aus: Es unterliegt keinem Zweifel, daß es nicht angeht, Außenpolitik zu treiben ohne Festhalten einer bestimmten Linie. Augenblidserfolge lassen sich vielleicht auch durch plötzliches Umschwenken erzielen. Auf die Dauer wird die internationale Handlungsfähigkeit nur dadurch erworben und festgehalten, daß auch die anderen Staaten die Sicherheit eines einheitlichen Handelns erkennen. Nachdem die Wege des Ruhreinbruchs sich als ungangbar erwiejen hatten, fonnten auch außerhalb Deutschlands die Mächte die Oberhand gewinnen, die danach strebten, mit friedlichen Mitteln das durch den Krieg zerstörte Europa wiederaufzurichten. Die deutsche Politik ist seit Abschluß des Weltkrieges aus den Voraussetzungen der Lage Deutschlands heraus diesen Weg gegangen. Aber nunmehr fonnte Deutschland mit erhöhtem Nachdruck um die Erreichung einer Lösung ringen, die den wirklichen Frieden bedeutet. Ein solcher wirklicher Frieden ist nur möglich, wenn Deutschland seiner Größe und seiner inneren Bedeutung entsprechend wieder als Großmacht in den Kreis der Bölker eintritt. Wir wissen alle, daß wir von der Erreichung des endgültigen Zieles noch sehr weit entfernt find. Um aber überhaupt voranzukommen, müssen wir den Irrfum überwinden, als fönnten wir den Weg zur Höhe wie durch ein Wunder mit einem Sprung zurücklegen. Worauf es für die praktische Politik ankommt, ist allein dieses: Jeder Schritt, den wir tun, muß uns weiter nach oben führen. Dabei wird oft streitig bleiben, ob der einzelne Schritt nicht hätte noch größer sein können. Daß aber die gesamte Richtung der politischen Arbeit seit dem Ende des Ruhrkampfes bei Anlegung solchen Maßstabes nicht falsch war, ergibt sich aus dem tatlichen Ablauf der Dinge. Ich meine damit etwa die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftsfreiheit im besetzten Gebiet nach der Londoner Reparationskonferenz, also die Beseitigung der fünftlichen Zollgrenze zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet, die Schließung des sogenannten Lochs im Westen, den Fort fall der Micumverträge, die das Leyte aus der deutschen Wirtschaft herauspreßten. Ich meine weiter den allmählichen Rückzug der Besatzung, dessen einzelne Abschnitte sind: die Räumung der sogenannten Flaschenhälse und Dortmunds im Spätsommer 1924, die Räumung des übrigen Ruhrgebiets und der Santtionsstädte Düsseldorf und Duisburg im Sommer 1925 und die endliche Räumung der nörlichen Rheinlandzone Ende Januar dieses Jahres. Dazu kommen die bereits durchgeführten Aenderungen im Bejagungsregime der zweiten und dritten Zone, die allerdings noch wichtiger Ergänzungen bedürfen, besonders der uns in einer Note der Botschafterfonferenz zugefagten Herabsetzung der Truppenzahl mit Annäherung an die Friedenspräsenzſtärke. Diese Ergebnisse, deren politische und juristische Zusammenhänge ich hier nicht schildern will, sind auf der geraden Linie der bisherigen Polit.t erwachsen. Dr. Luther rechtfertigte sodann die Unterzeichnung des Sicher heitspatts in 2ocarno und fuhr fort: Mittwoch, den 3. März 1926 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Auf zum Volksbegehren! An die Partei! Vom 4. bis zum 17. März liegen die Listen auf, in die fich jedermann einzeichnen muß, der unseren Gesetzesantrag Enteignung auf entschädigungslose der Fürsten zur Abstimmung durch das ganze Bolf bringen will. Rund vier millionen Unterschriften müffen aufgebracht werden, um der Forderung der Berfaffung zu genügen. Eine weit größere Zahl an Unterschriften ist notwendig, um den Sieg beim Boltsentscheid, felbft vorzubereiten. " die Die Sozialdemokratische Partei führt, den getroffenen Vereinbarungen entsprechend, ihre Aftion selbständig. Sie braucht zu ihrer Durchführung keine sogenannten Einheitsfomitees". Als die weitaus größte der beteiligten Organisationen trägt sie die schwerste aft diefes Kampfes und muß fie zum Sieg das Entscheidende beifragen. Wer die Sozialdemokratische Partei schädigt, gefährdet den Sieg! Genoffinnen und Genossen! Sorgt dafür, daß jedem Die entschädigungslose Enteignung der Fürsten be- Gelegenheit gegeben wird, sich in die Listen einzutragen. deutet die Vernichtung jener nur formalen widerjinnigen Behördliche Organe, besonders auf dem flachen und unfittlichen Rechtsansprüche", von einzelnen Lande, versuchen, der freien Befundung des Fürftenfamilien zu dem schamlosen Bersuch mißbraucht Bolts willens hindernisse in den Weg zu worden find, wesentliche Teile des deutschen legen. Man muß daran zweifeln, was größer iff: ihre Boltsvermögens in ihre Hand zu bringen. Während Unfenninis des Gesetzes oder die Unverschämtheit, mit der fie die Werktätigen, die Erwerbslosen, die Kriegsbeschädigten dem Gesetz Widerstand leisten. Erhebt gegen jede Gejetund Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, die klein- widrigkeit sofort Beschwerde und versäumt nicht, uns auf rentner, die Opfer der Inflation, die Auslandsdeutschen, die fürzestem Wege über sie zu unterrichten. Kolonialdeutschen, die verdrängten Elsaß- Cothringer und Ostdeutschen unerträgliche Not leiden wo blieb da der Rechtsgedanke? ftreden einige wenige Familien, die für die Republik nichts bedeuten, ihre Hand nach Milliardenwerten aus. Auf diese ungeheuerliche Herausforderung ist die entschädigungslose Enteignung durch Boltsbeschluß die einzige treffende Antwort. Darum ist es die Pflicht jeder Parteigenoffin und jedes Parteigenoffen, nicht nur fich felber jo fort nach Auslegung der Listen in diese einzutragen, sondern auch alle anderen Bolfsgenoffinnen und Bolfsgenossen, die ihrem Einfluß erreichbar sind, zu dem gleichen Handeln zu bestimmen. Arbeitet unablässig! klärt Unwissende auf! Rüttelt äffige wach! Es geht darum, ungeheure Werte dem Bolfsvermögen zu erhalten und sie sozialen Zweden zuzuführen. Es geht darum, der monarchistischen Reaktion einen entscheidenden Schlag zu versehen! Es geht darum, in dem größten Abstimmungskampf, den die Welt erlebte, die kraft unserer Partei zu beweisen! Es geht darum, die Grundlagen der Demokratie zu sichern, von denen allein ein Aufstieg der arbeitenden Massen zu den Zielen des Sozialismus möglich ist! Es lebe die Republik! Es lebe die Sozialdemokratie! Der Parteivorstand. fation und das Wohlergehen des Völkerbundes als solchen. Es ist für mich bei diesem Sachverhalt unfaßbar, daß man es durch Ablehnung dieses unseres Standpunktes in der Frage der Ratssize dahin kommen lassen könnte, daß die großen Ergebnisse der Politik des lezten Jahres zerstört und die Aussichten, die die Mitarbeit Deutschlands im Völkerbunde eröffnet, noch im legten Augenblid vernichtet werden. Deutschland steht mit seiner Auffassung nicht allein. Das bestärkt meine Hoffnung, daß diese Auffassung noch vor unserer Abreise nach Genf oder jebenfalls in Genf jelbst Geltung gewinnt. Ich spreche Deutschlands Stellungnahme hier mit aller Offenheit und in vollem Vertrauen darauf aus, daß auch die anderen Mitglieder des Völkerbundes dem Deutschen Reiche Bertrauen für seine fünftige Haltung entgegenbringen. Seit die Verhandlungen begonnen haben, die die Gesamtbezeichnung Locarno tragen, haben wir gesehen, welche Fortschritte erzielt werden können, wenn die politischen Fragen in Offenheit und Vertrauen behandelt werden. Die Bölker haben den Anspruch darauf, daß dieser aussichtsreiche Weg auch meiter verfolgt wird. Nun wissen Sie, meine Herren, daß der Locarnopaft er st| den einzelnen Mitgliedsstaaten handeln soll, sondern um die Organiwirksam wird durch den Eintritt Deutschlands in den Völker bund. Zunächst muß ich leider einen Umstand erwähnen, der alsbald nach der Absendung unseres Eintrittsgesuchs hervorgetreten ist, und der das ganze Werf von Locarno zu zerstören droht. Sie alle wissen, warum es sich handelt, da die deutsche Deffentlichkeit auf das tiefste von der Frage erregi worden ist. Bei allen Erörterungen über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund war es für uns ganz selbstverständlich, daß vor unserem Eintritt irgendwelche bedeutungsvollen Aenderun gen innerhalb des Bölferbundes nicht mehr vorgenommen werden konnten. Auch als die Vertragspartner die Verbindung zwischen Sicherheitspatt und unserem Eintritt in den Völkerbund anregten, ist keinerlei Anregung erfolgt, aus der etwas anderes entnommen werden konnte. Ebenso selbstverständlich war von vornherein, daß der Eintritt Deutschlands nur dann erfolgen fann, wenn wir einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalten. Dies ist von allen beteiligten Regierungen auch anerkannt worden. Alle Erwägungen in Deutschland über die Bedeutung unseres Eintrifts in den Völkerbund sind demnach von der Tatsache der jezigen Organisation, besonders der jetzigen Zusammensetzung des Rats mit der einzigen Ergänzung ausgegangen, daß Deutschland einen ständigen Ratssitz fofort bei seinem Eintritt bekommen sollte. Ich will aber sofort als Deutschlands Anschauung feststellen, daß Deutschland als Mitglied des Bölferbundes dem großen Gedanken der Völkerbundgemeinschaft dienstbar sein will und wird. Mit diesem Stand der Dinge ist es unverein r, wenn die Einräumung des ständigen Ratssitzes an Deutschland mit einer weiteren Aenderung in der Zusammensetzung des Rats verbunden würde. Wer auf Grund bestimmter Abreden feine Aufnahme in eine Organisation beantragt, darf erwarten, diese Organisation bei seinem Eintritt in unveränderter Gestalt vorzufinden. Es ist neuerdings ( von Chamberlain in Birmingham. Red. d. B.") gejagt worden, daß die Erweiterung des Rates ein längst in Aussicht genommener Plan sei, zu dessen Verwirklichung der deutsche Antrag jetzt die passende Gelegenheit biete. Wäre dem so, dann wäre doch wohl das Gegebene gewesen, die deutsche Regierung bei den Verhandlungen des letzten Jahres hiervon zu verständigen. Mir ist auch nicht bekannt, daß die jeßt erörterten Veränderungen jemals auf der Tagesordnung der Bundesversammlung oder des Rates, zum Beispiel im September oder Dezember 1925, gestanden hätten. Wir haben von derartigen Abfichten erst Kenntnis erhalten durch die Breffeerörterungen, die unmittelbar nach Absendung unseres Völkerbundsantrages einsetzten. Die Stellungnahme Deutschlands zu der Einzelfrage einer Ergänzung des Rates entspricht völlig der Auffassung, durch die Deutschland überhaupt seine Arbeit im Bölkerbundsrat leiten will. Wird die Frage des Eintritts aber bejaht, wie sie bejaht worden ist, so bedeutet das, daß Deutschland die großen Gedanken der Völkerbundsgemeinschaft sich zu eigen macht. Für seine besonderen Interessen erwartet Deutschland im Rahmen der Völkerbundsgemeinschaft in gleicher Weise Berücksichtigung und Verständnis, wie es sie selbst den Interessen der anderen Bölker entgegenbringt. Wir sehen im Völkerbunde eine Organisation, in der das Nebeneinander der verschiedenen Staatskräfte, auf allen Gebieten, die sich dafür eignen, zu einem Miteinander gesteigert werden soll, von dem die Gesamtheit der Staaten und Völker Nutzen hat. Wir wollen mit aller Kraft die Leistungsfähigkeit des Bundes erhöhen und seine großen Friedensgedanken entwickeln helfen. In diesem Ginn nehme ich das schöne Bild auf, das der französische Herr Ministerpräsident in seiner letzten Rede gebraucht hat, nämlich das Bild, daß wir in Locarno eine neue Sprache, die europäische Sprache gesprochen haben. Deutschland wird sich bei all seiner Betätigung im Bölferbund von dem Bestreben leiten laffen, die Ceiftungsfähigkeit des Bundes zu erhöhen und dem großen Friedensgedanken der Völkerbundsgemeinschaft zu dienen. Ich hoffe mit Bestimmtheit, daß Deutschland in kürzester Frist Gelegenheit hat, diesen seinen Vorjah in die Tat umzusetzen. Ich möchte mit einem Wort an meine deutschen Mitbürger Bon gleichem Schwergewicht aber ist für uns folgende Er schließen: Für einen großen Teil des deutschen Volkes bedeutet der Eintritt in den Völkerbund die Erfüllung eines lange gehegten wägung: Jede Meinungsäußerung über etwaige Verände rungen in der Zusammensetzung des Rates oder in der Organisation Wunsches, auf den große Hoffnungen gesetzt werden. Aber des Völkerbundes würde Deutschland in eine völlig un falls unser Eintritt nicht in letzter Stunde scheitert, ist auch für die mögliche Lage bringen. Um es fraß auszusprechen: Solange anderen, die nur zögernd zugestimmt haben oder ihre aus der EntDeutschland noch nicht Mitglied des Völkerbundes ist, ist es überstehungsgeschichte und einzelnen Entscheidungen des Völkerbundes haupt noch nicht zuständig, eine Meinung über etwaige stammenden Bedenken überhaupt nicht überwinden konnten, nunmehr tünftige Veränderungen zu äußern. Erst wenn Deutschland Mitglied die Stunde gekommen, sich positiv auf den Boden des Völkerdes Rates ist und durch praktische Erfahrungen Einblick in die Einzel- bundes zu stellen. heiten des Bölkerbundsorganismus gewonnen hat, tann es in be gründeter Weise zu etwaigen Anträgen auf eine anderweitige Bu fammensetzung oder Organisation des Rates Stellung nehmen, denn es muß doch daran festgehalten werden, daß es sich bei der Ent scheidung über alle Beränderungen nicht um die Beziehungen zwischen Die große innere Entscheidung über den Eintritt ist gefallen und jetzt tommt es dararuf an, alle deutschen Kräfte lebendig zu machen, um im Völkerbund an Deutschlands Wohl und am Wohl der Menschheit zu arbeiten. Der Eintritt in den Bölkerbund unter schew-t sich von anderen Stufen unferes mvhsamen Au ssileg, dadurch. daß er uns ohne jeden Zweifel eine neue Bahn zu praktischer Betätigung deutscher Krast eröffnet. Wollen wir die dadurch ge- gebenen Möglichkelten voll ausnutzen, so müssen wir dahin streben, daß ganz Deutschland geschlossen hinter unseren Vertretern im Völkerbund steht. Mit Sauertöpsischsehen ist es nicht �etan. Noch immer sind die Früchte des Lebens nur für den gereist, der mit starkem Willen und festem Glauben ans Werk gegangen ist. Laßt uns unerschütterlich an Deutschland glauben, aber laßt uns auch mit festem deutschen Willen darauf vertrauen, daß positive und hingebungsvolle Arbeit im Völkerbund die Welt weiter ooranführen wird zu einer Gestaltung, in der zum Segen der g a n z e n M e n f ch h e t t die starten Kräfte des deutschen Volkes und der deutschen Kultur sich in voller Freiheit wieder entfalten können!_ Neichsregkerung und Republik. Der Vorstost Tryanders. An Stelle des abwesenden Reichskanzlers hak gestern noch der Reichsinnenminister Dr. Külz auf die Rede des deutschnationalen Abgeordneten v. Dryander geantwortet. Wie von Herrn Dr. Külz nicht anders zu erwarten war. war diese Antwort ein würdiges und klares Bekenntnis zur Republik. Herr Dr. Külz hat leider nur nicht gesagt, ob er nur für seine Person und sein Ressort, sondern auch für den Reichskanzler und das ganze Kabinett gesprochen habe. Nach Lage der Dinge muß man annehmen, daß er nur für sich ge« sprachen hat, nicht auch für Luther, Stresemann, Curtius, Stingl usw. Wird nun auch noch der Reichskanzler selbst Herrn Dryander antworten? Nack) dem amtlichen Bericht soll Herr v. Dryander nicht den Reichskanzler selbst als Monarchisten bezeichnet, sondern nur gesagt haben, daß „Kollegen des Reichskanzlers und des Reichsinnen- Ministers" auf monarchistischem Standpunkt stünden. Danach wäre der Reichskanzler nicht für seine Person zur Antwort herausgefordert. Da aber die Verfassungstreue eines Teils des Kabinetts in Zweifel gezogen worden ist, in einer Weise, die in der republikanisch gesinnten Bevölkerung starke Beunruhigung hervorzurufen geeignet ist, bleibt die Pflicht des Reichskanzlers bestehen, als Haupt des Kabinetts bei der nächsten sich bietenden Gelegen- heit zu den Ausführungen des Herrn v. Dryander Stellung zu nehmen. Külz gegen die deutschnationale Denunziation. Zn der Fortführung der Beratung des Haushalts des Reichs- tnnemninisteriums im Haushaltsausschuß des Reichstages begrüßte Abg. v. Guirardssar der Wolga- deutschen Sowjetrepublik. Schönield. begibt sich ebenfall« in nächster Zeit nach Deutschland, um sich dort mit dem Schul- und BildungS- wesen bekanntzumache«. Häuser» die an einem Tage erstehen, hat die Berliner Baupolizei zu Dersuchszwecken zugelassen. Das neue im Ausland schon seit einiger Zett angewandte Verfahren benutzt für Bauzwecke Platten aus Eisenbeton mit Einlagen von einem Ausmaß bis zu 10 Metern Länge und 4 Metern Höhe. Nach Fertigstellung der Platten ist es möglich,«in kleines Haus oder zwei bis drei Wohnungen an einem Tage im Rohbau herzustellen. Gegenwärtig sind nach dem neuen Versahren in Berlin-Lichtenberg und Friedrichsfelde 138 Wohnungen für den Reichsbund der Kriegsbeschädigten serttggestellt worden. Die neue Bauart, zu der Kranen und sonstige schwer transportable Auf- bauten notwendig find, lohnt sich nur, wenn eine größere An- zahl von Wohnungen gleichzettig im Reihenbau errichtet werden kann. Die Wände werden aus der Erde ausgegossen. Alsdann werden sie nach der Erstarrung ausgerichtet und durch Oesen miteinander ver- Kunden. Fenster und Holzrahmen werden schon vorher mit«in- betoniert. Aeußerlich bieten die Häuser dasselbe Bild wie Bauwerke aus Ziegel. Die Dächer können flach oder in Dachziegelform her- gestellt werden. Die Baukosten sollen für den Rohbau nach Angabe oer Unternehmer 30 bis 40 Proz. billiger fein als im Ziegelbau. Ein Einfamilienhaus aus 2 bis 3 Zimmern, Küche, Kammer, Nebengelaß und Bad soll insgesamt 9500 M. tasten. Die Unternehmerfirma steht mtt der Stadt Berlin in Unterhandlung, um zunächst einige 100 Häuser an verschiedenen Stellen der Stadt zu errichten. Die Baupolizei hat keine Bedenken geäußert. Der moderne Unlerseekrenzer. Wie das Luftschiff und fast alle modernen Kampfmittel ist ja auch das Unterseeboot Deutschland durch den Friedensvertrag verboten, und infolgedessen ist man bei uns wenig über die weiteren Fortschritte im Bau dieser Schiffe unterrichtet, der ja im Krieg« von der deutschen Technik so hoch entwickett wurde. In einem kommenden Seekrieg dürfte ober, wie in der Leipziger.�Illustrierten Zeitung" ausgeführt wird, der Unterfeekreuzer«in« Rolle von größter Bedeutung spielen. Die englischen Unterseeboote, wie z. B. das jetzt verlorene„M. l" haben als Hauptwaffe ein 30-Zentimeter-Geschütz, das eine Rohrlänge von etwa 15 Meter besitzt und ein Geschoß von nahezu 400 Kilogramm Gewicht mit einer Mündungsgeschwindigkett von beinahe 900 Meter in der Sekunde abfeuert. Dies Geschoßgewicht stellt etwa das Drei- fache von dem dar, was ein kleiner Kreuzer der„Emden"-Klasse mit seiner ganzen Breitseite verfeuert. Wenn man dabei berück- sichtigt, daß diese neuen Unterseekreuzer in der Ueberwasserfahrt den kleinen Kreuzern ebenbürtig sind, über ein hochentwickeltes Tauch- oermögen verfügen und weite Strecken unter Wasser zurücklegen können, so tonn man ahnen, welche Roll« diese Unterseeboote im künftigen Kreuzertrieg spielen werden. Es ist übrigens mtt Sicher- hell anzunehmen, daß auch das Großkampfschiss mtt Tauchmöglich- tett in der Zukunft verwirklicht werden wird, und so wird sich em großer TeU des künftigen Seekrieges unter Wasser entfalten. Splelplaoävderong. Die Anstübrung ber ,Soibz«itSr«ise"von Sdols GrabawSty. die am 7. Mär, im Lellina-Theater stattfinden sollte, muh au» technischen Gründen verschoben werden. Schaa'pielervorstelhmg. Die Kartena»«zab« für die Tchauspielervor- fiellung von.DerSarten Eden" im Komödienbau« am 4., nach» mittag« 3 Uhr, findet nur im Bureau de« BezirtSverbande« der Senossen- fchast Deutscher Bühnenangehörige», Ketthstr. ll, Zimmer 10, statt. keflellt hat, daß Schulz bei der Landovlk-Genossenschaft zwei Zimmer gemietet hat. Oberjustizrat Mrl vom Justizministerium teilt dann aus den Akten mit, daß zu folgenden Zeiten die Voruntersuchung gegen Schulz in folgenden Fällen eingeleitet wurde: 16. März 192o von der Staatsanwaltschaft Landsberg wegen A n st i f- tung zum Morde im Falle Gröschke(am 36. März erfolgte die Festnahme des Schulz in Landsberg): IS. Oktober 1925 von der Staatsanwaltschaft lll Berlin wegen Anstiftung zum Mord im Falle Wilms: 17. Dezember 1925 desgleichen im Falle Sand: 3. November 1925 desgleichen im Falle Brauer: 11. Januar 1926 desgleichen im Falle Legner; 21. Januar desgleichen im Falle Gaedicke und dann eines noch unbekannten Zeitfreiwilligen: 25. Fe- bruar 1926 desgleichen im Falle Ianke. Der Vertreter des Justiz» Ministeriums teilt aus den Akten noch die Einzahlungen für Schulz in die Gefängniskafse Landsberg mit. Dorthin wurden für Beköstigung usw. für Schulz insgesamt 1371 M. von Rechtsanwalt Sack und Herrn o. Oppen eingezahlt. In die Berliner Gc- fängniskasse zahlten für Schulz nach und nach 166,75 M. ein die Herren H o l l i u s, Kommerzienrat Bloch und Buchrucke r.— Mit Erlaubnis des Untersuchungsrichters liest der Unter- fuchungsgefangene Schulz die„W e l t b ü h n e"', das„Ber- liner Tageblatt", die„Deutsche Zettung" und die„Berliner Jllu- strierte". Abg. Hellmann(Soz.): In der„Weltbühne" steht die Ar- tikelserie über die Fememorde. Nehmen Sie an, daß der Untersuchungsrichter das bei Erteilung der Leseerlaubnis wußte? Oberjustizrat Wirk: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Darüber habe ich k e i n e n Bericht. Dann erscheint nochmals Herr o. Zengen, früherer Mitarbeiter der Arbeitgebervereinigung, als Zeuge. Er erklärt zunächst: Ich bitte als Zeuge um eine Rechtsbelehrung darüber, welche Zwangs- maßnahmen nach der Verfassung der Ausschuh mir gegenüber ergreifen kann, wenn ich eine Frage beanstande und daher nicht beantworte. Lorsitzender: Darüber Ist der Zeuge schon früher belehrt worden und ich frage ihn nun, ob er aussagen will oder nicht. Zeuge: Selbstverständlich will ich aussagen, aber ich möchte unbedingt eine klare Auskunft vom Vorsitzenden dar- über haben, welche Zwangsmaßnahmen dem Ausschuh verfassungsmäßig zustehen, wenn ich bei einer Frage, die ich be- anstände, die Aussage verweigere.(Erregung links.) Vorsitzender: Sie haben keine(fragen zu beanstanden, sondern haben nur das Recht, die Antwort zu verweigern, wenn Sie fürchten, sich einer strafrechtlichen Verfolgung auszusetzen. Der Zeuge bestätigt dann auf Befragen durch den Ab- geordneten Kuttner(Soz.), daß er dem Abg. Meyer a u s d r ü ck- (ich erklärt habe, daß zum Zwecke der Unter st ützung des Schulz Gelder der Arbeitgebervereinigung nicht verwendet werden dürften. Dann ist seine Befragung beendet. Hierauf erstattet Abg. Kullnec(Soz.) noch den öffentlichen Bericht über das gegen Malettke angestrengte Begünstigungsver» fahren.� Dann vertagt sich der Ausschuß. örianös Kampf für üen Frieöen. Immer neue Meisterreden in der Kammer. Dans. 2. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Dienetagvonnittag die Debatte über die Verträge von Locarno fort- gefetzt. Der sozialistische Abg. Uhry erklärte, daß eine der logischen Folgen von Locarno die Aenderung der französischen Politik in den besetzten Gebieten und im Saargebiet sein müsse. Die noch von den Methoden des Nationalen Blocks inspirierte Politik des Wahnsinns müsse endlich durch eine wirtlich d e m o k r a- tische Politik ersetzt werden. Er übte dann scharfe Krttik an den Machenschaften der französischen Schwerindusttie im Saargebiet und gibt dem Wunsche noch Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich Ausdruck. Die Nachmittagssitzung brachte zunächst eine Interpellation des Vorsitzenden der außenpolitischen Kommission, Franklin Bouillon, über die Haltung, die die französische Regierung in der Frage der Erweiterung des Völkerbundrates Anzunehmen gedenke. Lriand erklärte darauf, daß diese Frage durch unangebracht« Polemiken ein völlig falsches Gesicht erhalten habe. Man habe vielfach in der Initiative Frankreichs eine gegen Deutschland gerichtete Vorsicht?- Maßnahme gesehen in dem Augenblick, da Deutschland seinen Ein- tritt in den Völkerbund vollziehe. In Wirklichkeit aber sei diese Frage schon viel äster. In Locarno habe die französische Regie- rung nach keiner Seit« hin irgendwelche Versprechungen gegeben. Akut sei die Frage erst dadurch geworden, daß m e h r e r« Nationen, die einen ständigen Sitz im Rate zu erhalten wünschten, von dem bevorstehenden Zusammenttitt der Völkerbundsversammlung pro- fttiert hätten, um solche Anträge zu stellen. Die französische Regierung habe von Anfang an kein Hehl daraus gemacht, daß sie für' die Erweiterung des Völkerbundrates sei, und zwar nicht zuletzt wegen der ständigen Ausdehnung des Aufgabentreifes, den der Rat zu bewältigen habe. Falls die Erweiterung beschlossen werden sollte, würde die französische Regierung mit besonderer Ge- nugtuung den Eintrttt P o l e n s in den Rat begrüßen und sie hoffe, daß Deutschland begreifen werde, daß dies in seinem eigenen Interesse liege, da der Völkerbund ein Organ derVerständigung sei. da es alle seine Beschlüsse mst Einstimmigkeit zu fassen habe. Die französische Regierung habe keine macchiaoellistischen Hintergedanken. Deshalb sei sie auch höchst e r st a u n t über die Polemik, die die Frage im Ausland ausgelöst habe. Im weiteren Verlauf der Diskussion richtete Franklin B o u i l- l o n scharfe Angriffe gegen die Politik der deutschen Regierung und die Mentalität des deutschen Volkes. Er führte u. a. aus, daß Deutschland von den gleichen Männern geleitet und von den gleichen Ideen beherrscht sei wie vor und während des Krieges. Der Präsident der Deutschen Republik sei hindenburg und die Kronprinzen von Preußen und Bayern hätten die Erlaubnis zur Rückkehr ins Land erhallen. Als Vertreter im Völkerbund Hab« Deutschland den Grafen Bern- st o r f f in Aussicht genommen! Es gebe kaum einen Deutschen, der die durch den Vertrag von Versailles gezogenen Grenzen anerkenne. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit verlange die Angliederung Oesterreichs, deren Realisierung einen Krieg mit Italien entfesseln würde.(Lächerlich! Die Anschlußbewe- gung will ihr Ziel über den Völkerbund erreichen! Red.) B r i a n d antwortete darauf, daß die Mentalität des Besiegten meist nicht die gleiche sei wie die des Siegers. Um den Geist der Ranküne zum Schweigen zu bringen, bedürfe es großer Anstren- gungen, die natürlicherweise der S i e g e r machen müßte. Da Frankreich keine hiutergedanken habe und wirklich den Frieden wolle, müsse es die Initiative ergreifen, um den Krieg ein für allemal ein Ende zu machen. Es gebe glücklicherweise beretts sehr viele Deutsche, die ebenso dächten »nd sich zu dieser Auffassung öffenttich bekennten. Man müsse diesen die Möglichkeit geben, ihre Thesen auf konkrete Tatsachen stützen zu können, und diese müsse ihnen Frankreich liefern. Penn Frankreich sei stark genug, um den anderen Völkern mst gutem Bei- spiel vorangehen zu können, indem e» den Beweis erbringe, daß es selbst wirklich und aufrichtig den Frieden wünsche. Die Kammer Hot heute abend die Ratifikation der Abkommen von Locarno mll 41S gegen 71 Stimmen beschlossen. Abrechnung mit öer Reaktion. Severing leuchtet seine» Angreifern heim. Im preußischen Landtag wurde gestern zunächst eine Reih� Kleiner Vorlagen erledigt. Sodann wurde die Aussprache zum Ministerium des Innern fortgesetzt. Abg. v. Eynern(D. Lp.) erklärt, bei Beratung der Städteord- nung habe sich Minister Severing nicht gerade als Fachminister ge- zeigt, als er bei den Sitzungen fast niemals anwesend war.(Zuruf links: Ach wären Sie doch erst da!— Heiterkeit.) Der Redner wendet sich gegen übertriebene politische Gesinnungsbeobachtung der Beamten. Dadurch mache man es den Beamten außerordentlich schwer, dem neuen Staat zu dienen. Auch in der Flaggensrage setze sich die Nadelstichpolitik fort und die Politik des mangelnden Volksempfindens zeige sich in dem Beschluß der Berliner Stadt- verordneten, den„Königsplatz" mit seiner großen geschichtlichen Be- detttung in„Platz der Republik" umzuwandeln.(Sehr richtig! rechts.— Gegenkundgebungen links.) Hierauf nimmt Minister Severing das Wort. Er führt u. a. aus: Der Abg. Baecker sagte zum Schlüsse seiner Ausführungen, die preußische Regierung dürfe nicht die Politik des Reiches durchkre uz e n: der Abg. Bachem, sein Fraktionssreund, wünscht, daß die preußische Regierung in die auswärtige Politik des Reiches eingreift und damit die Reichs- Politik durchkreuzt. Ich verstehe daher vichk. was die Deulschnakionalen nun eigentlich wünschen. Hätten wir uns dem Wunsche des Herrn Abg. Bachem gefügt, dann bin ich der festen Ueberzeugung, hätte sich Preußen nicht nur im Reiche, sondern in der ganzen Welt schwere Vorwürfe zugezogen. Also, nicht Dis- krepanz zwischen Preußen und Reich, sondern Diskrepanz zwischen Bachem und Baecker: das scheint mir wohl der Kernpunkt dieser Frage zu sein. Mir scheint auch, als ob es dem Abg. Bachem nicht so sehr darauf ankam, die leidende Bevölkerung der besetzten Gebiete zu schützen, sondern vielmehr nur darauf, neues Agitationsmaterial zu beschaffen.(Zuruf bei den Deutschnationalen: Wir sind nicht Sie Herr Minister!) Das wollte ich mir auch sehr verbeten haben.(Heiterkeit.) Liegt es an meiner Person, daß es mit der großen Der- waltungsreform nicht schneller ging? Sind nicht viele Mi- nffter vor mir schon damit besaht gewesen?(Zuruf des Abg. Stendcl (D. Vp): Schon feit fünftig Jahren! Da kommt es auf etwas mehr auch nicht an!) Wir dürfen aber nicht mehr lange warten. Die Lasten aus den Reparationen machen die Pflicht zum Sparen be- sonders dringlich. Auch der Landtag könnte sparen! (Sehr richtig!) Es liegt kaum im Interesse des Parlaments, wenn, wie aus der Pistole geschossen, hier Anträge auf die Tagesordnung gesetzt werden, die große Mittel verlangen. Herr v. Eynern sagte mir, daß ich die Verantwortung für das staatliche Bestätigungs recht nicht gern übernehmen möchte.(Zuruf bei den Kommunisten.) Ich scheue diese Derant- wortung nicht. Ich würde aber ein schlechter politischer Minister sein, wenn ich die Wandlungen in der kommunistischen Partei nicht beachtete. Jedenfalls werde ich die Bestätigung von Kommu- nisten nicht deshalb verweigern, w eil sie Kommumisten sind. Ich glaube auch, daß die Kommunisten in den Stadtparlamenten, wie z. B. in Halle, lange nicht so schlimm sind wie die, die in der„Roten Fahne" zur Arbeil'erbewasfnung aufrufen. Wenn Herr Thälmann in Hamburg erklärt: Haltet Eure Flinten rein, damit sie gebrauchs- fertig find!— so macht das bein mir keinen Eindruck. Ich bin nicht etwa, wie die Herren von der Rechten mir vorwerfen, nach links ge- rückt.(Lachen rechts.— Zuruf bei den Kommunisten: Nach rechts!) Jedenfalls werde ich jedem Versuche, auf dem Wege der Gewott ein« Aenderung der Verfassung herbeizuführen auch heute ebenso stark entgegentreten wie früher. Der Herr Abg. v. Eynern hat erklärt, daß ich dem neuen Staate wenig Freunde erworben habe, und hat das darauf zurückgeführt, daß die Oberpräsidenten in Pommern und anderen Landesteilen in ihrem Aufttsten Anlaß zur Kritisierung gaben. Nun, die republikanische Staatsform gilt nicht allein für Preußen, sondern auch für Mecklenburg, Thüringen und Bayern, und ich empfehle, einmal dorthin zu fahren und sestzu- stellen, ob dort größere Liebe für den heutigen Staat(zur Deutschen Volkspartei), insbesondere größere Liebe für die Politik Ihres Parteifreundes Stresemann vorhanden ist. Ihre(nach rechts) politischen Freunde haben es eben auch nicht fertig gebracht, Liebe zum demokratischen Staat zu schaffen. (Große Heiterkeit.) Die beiden Regierungspräsidenten in O st preuhen sind Kandidaten der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei gewesen. Soll für diese Regierungspräsidenten die Parteieinstellung nicht gellen? Entweder sind die preußischen Beamten frei in ihrer politischen Meinungsäußerung,— dann gilt das aber auch für die demokratischen Beamten: oder man spricht von parteiisch eingestellten Beamten: Dann sind es aber auch die Beamten der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen. Der Abg. v. Eynern hat mich heute aufgefordert, mit meiner Nadelstichpolittk aufzuhören. Er hat dabei auch die preußischen Erlasse in der Flaggensrage erwähnt. Ich möchte dazu ausdrücklich erklären: In der Frage der preußischen Fahne und der Reichsflagge gibt es in meinem Ministe- rium keinen Stteit.(Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Es gibt eine schwarzweiße Preußenfahne und eine s ch wp a r z- rot-goldene Reichsflagge.(Lebhafter Beifall.— Zuruf bei den Kommunisten:„Schmeißt die Lappen doch zusammen!"— Der kommunistische Zwischenrufer erhält einen Ordnungsruf.) Wenn auf Betreiben der Reichsregierung alle Länder aufgefordert werven. an den Berfassungstagen auch in den Reichsfarben zu flaggen, habe ich dafür zu sorgen, daß in Preußen den entsprechenden Erlassen der preußischen Regierung gefolgt wird. Und wenn ein Regierungs- Präsident oder sonst ein zuständiger Beamter diesen Erlasseu nicht Folge leistet, dann wird nicht mit Radelstichpolitik dagegen vorge- gangen, sondern mit gröbstem Geschütz.(Lebhafter Beifall links und in der M'tte.) Der Minister wendet sich dann den in der Etatberatung er- wähnten Einzelfällen zum Thema Perfonalpolitik zu. Man hätte nur ein Recht, ihm ein strenges Vorgehen in Einzel- fällen vorzuhalten, wenn er gegen die neuen Beamten etwa milder vorginge als gegen die alten. Es sei nicht zu bestreiten, daß es auch unter den alten Beamten einige Herren gäbe, die den Anforde- rungen nicht entsprächen, die an einen politischen Beamten zu stellen sind. Der Minister verliest hier, zu einen Bericht, ohne die be- treffenden Namen zu nennen, in dem von einem noch unter dem alten Regime ernannten Landrat gesagt wird, daß er sich in der Verwaltung solange grobe II n- r e g e lm ä ßi g k e i t e n zuschulden kommen ließ, daß er ihn nun nicht mehr halten könne, wenn er sein Auftreten nicht ändere.(Zu- ruf des Abg. v. Eynern(D Vp): hossentlich ist der Beamte nun weg?) Jawohl(Zuruf rechts: Na, also!) Aber al« ich ihn ent- fernen wollte, kam einer(zur Deutschen Volkspartel) Ihrer Poll- tischen freunde zu mir. um für diesen Landrat zu intervenieren. (Lebbaste« Hört, hört links.) Der Minister wendet sich dann den Ausführungen des deutsch- nationalen Abg Baecker zu, der dem Minister besonders sein vorgehen gegea den Landrat Sramer I vorgeworfen hatte. Zu dieser Angelegenheit verliest Minister Severing einen B r i e f, her an den Landrat Kramer gerichtet war, und in dem es u. a. heißt: „Gestützt auf vertrauenswürdige Empfehlungen gestatte ich mir, in einer nationalen Pflichtsache um Ihren Bei- stand zu bitten. Ich beabsichtige mit einigen ehemaligen Ossi- zieren die Grundgedanken des Scharnhorstschen Prinzips auch in Ihrem kreise ausleben zu lassen und will zunächst aus den Gütern Ihres Kreises ehemalige Soldaten und nalionatt Arbeiter in feste Anstellungen bringen, wie wir dies bereits auf einigen Gütern des Allensteiner Bezirks getan haben(Hört! hört! links.) Das Unternehmen trägt absolut wirtschaftlichen Charakter.(Gelächter links.) Ich bitte, mir die Möglichkeit zu geben, mit Ihnen per- fönlrch über die Angelegenheit zu sprechen." Der Minister erklärt hierzu: Wer nach diesem Brief nicht sofort Untersuchungen anstellte nach diesem Scharnhorst-Bunde, ver- diente in der Tat nicht, als politischer Beamter auf diesem Posten zu stehen.(Sehr tv-'"-! links) Denn mit den landwirtschaftlichen Arbeitern sängt es an, dann kommen die Fememorde.(Sehr richtig! links.— Gelächter bei den Völktfchen und Deutschnationalen.— Zurufe links: Wo ist Iahnke?— Die Geldgeber lachen!) Zum Thema„Personalpolitik" trägt der Minister dann aus den Akten des Innenministeriums einen Schriftwechsel aus dem Jahre 1912 vor. Darin wurde ein als zuverlässig und besähigt bezeichneter Be- amter dem Personalreferenten für eine Verwaltungsbeamtenstelle in B r e s l a u empfohlen. Der damaligePersonalreferent beantwortete die Empfehlung damit, daß er den Empfohlenen leider nicht berücksichtigen könne, weil er bei den letzten Wahlen zu weit nach links sich orientiert habe. Unter schallender Heiterkeit teitte der Minister mit, daß diese Linksorientierung sich in der Zugehörigkeit des Betteffenden zur Nationaliberalen Partei äußerte. In fetter weiteren Polemik gegen die Ausführungen des Ab- georneten Baecker kommt der Minister aus die verschiedentlich an- gebrachten Bismarck-Zitate zu sprechen. Aus Bismarck, der so unendlich viel gesagt hat, ließe sich sehr vieles zitieren. Aber, Vis- marck hin, Bismarck her, der Landrat Kramer ist„abgefeiert" worden. In seiner Äbschiedsrede hat er sich dahin geäußert, wir müßten das System Severing in Stücke schlagen. sonst seien wir unserer Väter nicht wert!(Lachen links) Er forderte weiter auf, auf das System Severing und die Barmat-Schieber einen Pereatschluck zu trinken.(Erneutes Lachen links.) Herr Baecker hat mir Feindschaft gegen die Presse vorgeworfen. Die Blätter. die die Wahrheit nicht sprechen und als Kreisblätter gegen die Regierung hetzen, sind selbst daran schuld, wenn ich gegen sie vorgehe. Meine Haltung nach der Rede des Generals Sixt o. Armin hat mit dem Andenken an die Opfer des Weltkrieges nichts zu tun. Auch ich achte die Vergangenheit. In meinem Amts- zimmer hängen noch die Bilder vom Alten Fritz und vom Großen Kurfürsten mit der Krone darüber.(Zurufe bei den Kommunisten: Das ist der beste Witz!) Meine Herren(zu den Kommunisten): Sehen Sie sich einmal die Tore der russischen Botschaft an, da werden Sie noch immer alte kaiserliche Embleme finden.(Große Heiterkeit) Wenn das Gemeinde Parlament in Berlin beschließt, den Königs- platz umzutaufen, so fthe ich nicht ein, welch« Gründe für mich dagegen sprechen sollen! Sie(nach rechts) müssen sich eben an dos Reue gewöhnen! Der Minister geht auf die Angriffe des Abgeord- neten Baecker wegen seiner Haltung im Ruhrkampf ein und erklärt, wenn die preußische Polizei seinerzeit nicht energisch gewissen rechtsgerichteten Organisationen zu Leibe gegangen wäre, dann gäbe es heute keinen preußischen Staat mehr, sondern nur noch das Ehaos. Der Minister oerliest den Brief eines früheren Obersten an den General o. Watter, in dem es heißt, die vaterländischen Organisationen würden sich mll der Waffe in der Hand gegen die Reichswehr wenden, wenn diese nach links rutsche. (Hört, hört!) Was die Aeußerung des Abgeordneten Baecker angeht. ich wäre schuld an dem schlechten Ausgang des Ruhrkampfes, so läßt mich ein solcher Angriff kühl. Ich habe in diesen Dingen ein so gutes Gewissen, daß mich solche Angriffe nicht berühren. Herr Baecker hat ja damals in Berlin gesessen!(Sehr richtig! link») Ich bin der Ueberzeugung, daß, wenn die Pläne der unverantwort- lichen Organisationen(Zuruf der Sozialdemokraten: Der Macht- und Katastrophenpolittker!) sich damals verwirklicht hätten, daß es dann nicht nur mit dem Rhein- und Ruhrkamps, sondern auch mit dem Leben der Bevölkerung aus gewesen wäre. Der Minister verliest eine Reihe von Aktenvermerken aus der damaligen Zeit, um darzulegen, daß unverantwortliche Organi- fationen. die sich nicht nur polizelliche. sondern auch militärische Befugnisse angeeignet hätten, damals großen Schaden gestiftet hätten. Die Behauptung, so erklärte der Minister, als ob die preußische Regierung damals die nationalen Interessen nicht genügend beachtet habe, ist e r f u n d e n. Allerdings unterscheide ich mich darin von dem deutschnationalen Redner, daß ich jede Gewaltanwendung in dem geschilderten Zeitraunt verwarf, da ich der Ansicht war, daß eine solche den- Ruin des Deutschen Reiches bedeuten würde. Um das zu vermeiden, habe ich olles getan. Nun soll ich das Ende des Ruhrkampfes herbeigefuhjft haben! Als das Kabinett Cuno demissionierte, befanden wir un» in einem derartigen Währungsoerfall, daß all« Parteien, auch die deutschnattonale— im Rheinland wenigstens— darauf drängten. den Ruhrkampf so schnell wie möglich zu beenden.(Sehr wahr! links.) Das deutsche Volk war im August 1923 nicht mehr in der Lage, die notwendigen Mittel bereitzustellen, um dem Rheinland und dem befetzten Gebiet in erforderlicher Weise zu helfen.(Zuruf des Abg. Baecker(Dnat): Am 11. August waren dach die neuen Steuern beschlossen!) Wenn das ein deutschnaklonaler Agikator siebenten Grade» gesagt hätte, könnte ich es verstehen. Aber bei einem Mann von der Bedeutung des Herrn Abg Baecker fehlt mir für diesen Zwischen- ruf jedes Verständnis. Die am 11. August beschlosienen Steuern waren a m 13. längst übt erholt. Wenn wir damals nicht schnell sozusagen Frieden geschlossen hätten, wer weiß, was dann aus den seporotisttschen Bestrebungen bei der Not des Volkes geworden wäre. Jedenfalls hat damals das preußische Innenministerium an jedem Tage nationale und deutsche Politik getrieben, und ich bin stolz darauf, daß Ich dabei mitwirken konnte.(Lebh. Beifall und Hände- klatschen links und in der Mitte.— Zischen bei den Deutsch- nationalen) In der fortgesetzten allgemeinen Besprechung des Etats des Innern greift Abg. Schwcnk-Berlin(Kam) die Haltung der Unter- nehmer während des Ruhrkampfes an, die überall mtt den Fron- zosen paktierten, weil ihre Lieferungen mit klingender Münze be- zohtt wurden und so ein glänzendes Geschäft machten, während die Widerstandskrost der Arbeiter durch den Hunger gebrochen wurde. Heute stelle sich ein Baecker hin und behaupte, seine Partei habe den Ruhrkampf geführt.(Gelächter bei den Kommunisten.) Das Haus vertagt die Weiterbsratuna auf Mtttwoch 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht auch das Gesetz zum Personal- a b b a u, die Zwischenlösung zur Hauszins st euer und die Gewerbesteuer. Ein deutschnationaler Antrag, die Große Anfrage der Deutsch. nationalen wegen der Behandlung der Saarfragen im Bölkorbundzrat als ersten Gegenstand auf die Tagesordnung zu setzen, wird abgelehnt. Gewerkschaftsbewegung Deutschland für den Achtstundentag. Gemeinsame Ratifizierung des Abkommens. Der von dem früheren Reichspressechef Dr. Spieter, einem führenden Zentrumsmann, herausgegebene„ Reichsdienst" weiß von den Absichten des Reichsarbeitsministers, der bekanntlich gleichfalls dem Zentrum angehört, folgendes zu melden: Die deutsche Delegation zu der Konferenz der Arbeits. minister wird voraussichtlich aus folgenden Persönlichkeiten beftehen: Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, Ministerialrat Dr. Sigler und Ministerialrat Feig. Entsprechend dem Programm des Arbeitsministers wird die Haltung der deutschen Delegation eine durchaus positive sein. Die deutsche Delegation wird, soweit es in ihren Kräften steht, die gemeinsame Ratifizie. rung des Washingtoner Abkommens zu fördern suchen und wird in erster Linie darauf drängen, daß eine gemeinsam authentische Auslegung der Washingtoner Vereinbarung festgelegt wird, damit möglichst umgehend eine Besserstellung der Arbeiterschaft in den maßgebenden europäifchen Industrieländern Plak greift. Das Wirtschaftsprogramm der Gewerkschaften. Und die Dreihundert- Millionen- Lieferung nach Rußland. Offenbar hält die„ Rote Fahne" die Denkschrift der gewerf. schaftlichen Spizenverbände für wichtig genug, um jeden Tag in spaltenlangen Artikeln Auszüge zu veröffentlichen und deren Inhalt durch eigene Bemerkungen zu betritteln. Nach ihren Darstellungen sei der Leitgedante der Denkschrift ein„ unüberbrüdbarer Wider fpruch". In einem der gegen die Denkschrift losgelassenen Bandwürmer heißt es u. a.: Wenn in dieser Situation die Spikenorgane der 6 Millionen starten freigewerkschaftlichen Proletarierarmee eine Dentschrift zur Wirtschaftskrise herausgaben, so erwarten nicht nur die freigemertschaftlichen Proletarier, sondern die ganze arbeitende Bevölkerung von einer derartigen Denkschrift die Aufzeigung eines wirt lichen Ausweges aus der unerträglichen Notlage." Wer aber der Ansicht sein sollte, daß die„ Rote Fahne" nun selbst den„ wirklichen Ausweg" sorgfältig darlegte, wozu sie nach ihren Schimpfepisteln reichlich verpflichtet wäre, der würde sich sehr täuschen, Die„ Borsfische Zeitung" hat in einer ihrer Besprechungen der gemertschaftlichen Denfschrift, als wollte sie der„ Roten Fahne" einen treffenden Staminvers schreiben, folgendes gesagt:" Man darf von Wirtschaftsprogrammen, mögen ihre Verfasser Minister oder Oberbürgermeister, Vertreter des Reichsverbandes der Deutschen Industrie oder der Gewerkschaften fein, niemals erwarten, daß sie ein Heiljerum für alle Wirtschaftsnöte enthalten. Unfehlbare die Mittel wissen für gewöhnlich nur Kur pfuscher anzubieten." Ein solches unfehlbares Mittel der„ Roten Fahne" ist ihr stereotyp geforderter" Kampf", den sie freilich in erster Linie gegen Die Gewerkschaften führt. Sie tut so, als sei die Wirtschaftsfrije in Deutschland nicht, wie es in der gewerkschaftlichen Denkschrift heißt, eine Folge der fehlerhaften Wirtschaftsführung, sondern als sei fie her Anbeginn eines Niederganges des deutschen und europäischen Kapitalismus. Also wieder einmal die nahende Weltrevolution". Die Rote Fahne" fann aber auch anders. Sie fann die deutsche Wirtschaftskrise beurteilen so und so, je nachdem, um welche Frage es sich bei ihren Betrachtungen handelt. So hat sie z. B. anläßlich der beabsichtigten Dreihundertmillionen- Lieferung nach Somjetrußland die deutsche Wirtschaftskrise genau umgefehrt gekennzeichnet als im Zusammenhang mit der gewerkschaftlichen Denkschrift. Ganz im Sinne der gewerkschaftlichen Dentschrift fagte sie, wo Sowjetrußland in Frage ― tommt, daß die Dreihundertmillionen- Lieferung für Deutschland ein Mittel fei, diese rife zu mildern", so daß die Beschaffung der dezu notwendigen Betriebsmittel in vollem Umfang auf der deutschen Regierung, den deutschen Banken und Brehunternehmern liege Deutschland stche man höre und staune! Infolge me: ner verderblichen falschen Wirtschaftspolitit in einer Wirtschaftskatastrophe und fchweren Kredit trife". Also fast wörtlich wie in der Gewerkschaftsdenkschrift. Dann aber kommt das schönste:„ Die Gewerkschaften sollten alle Kraft anstrengen, um diesen Stellen die BerantSozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Heute, Mittwoch, den 3. März, abends 7 Ahr, Schulaula, Kochstraße 13, Funktionär- Versammlung Thema:„ Aufgaben der SAJ. in der Gegenwart." Referent: Genojie Mar Westphal. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Zufriff. wortung flar zu machen, damit sie nicht ihrerseits bei ihren arbeitslofen Mitgliedern sich einer Versäumnis in der Arbeits beschaffung schuldig machen." Die Gewerkschaften haben mit den Spizenverbänden und mit den Unternehmern z. B. im Bergbau Besprechungen geführt, die der Wilderung der Erwerbslosigkeit galten. Schluß mit den Spizenverhandlungen!" rief hierauf die Rote Fahne". Sie sah in diesen Verhandlungen den Wiederbeginn der ZentralSie sah in diesen Verhandlungen den„ Wiederbeginn der Zentralarbeitsgemeinschaft"! Aber siehe da, wo es sich jetzt um die Dreihundertmillionen- Lieferung an Sowjetrußland handelt, da sollen sich die Gewerkschaften mit aller Kraft anstrengen", den Unternehmern flar zu machen, daß hier Arbeits beschaffung möglich ist. unt Man sieht auch hier recht augenfällig, daß die„ Rote Fahne" Sie fann die ihre Ueberzeugung" nach Belieben ändern kann. deutsche Wirtschaftsfrise als„ allgemeinen Niedergang des Kapitalismus", oder aber als die Folge einer verderblichen, falschen Wirtfchaftsführung beurteilen. Sie kann die gewerkschaftlichen Anstrengungen nach Milderung der Wirtschaftsfrise als Arbeitsgemeinschaft brandmarfen oder als wichtige Aufgabe hinstellen, für die die Gewerkschaften„ alle Kraft anstrengen" müssen. Die„ Rote Fahne" ist wirklich eine Fahne. Sie dreht sich nach allen Winden. Für besseren Bauarbeiterschuh. Bauarbeiterschuhkonferenz des ADGB. desregierungen auf, an allen technischen und Berufsschulen fowie bei den verschiedenen Prüfungen den Bauarbeiterschutz als besonderes Pflichtfach einzuführen. Der Schiedsspruch für den Kalibergbau verbindlich! Der Reichsarbeitsminister hat dem Antrag der Bergarbeiterverbände auf Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für den Kalibergbau stattgegeben. Verbindlicher Schiedsspruch für das graphische Hilfspersonal. Das Wolff- Bureau meldet: Der Deutsche Buchdruderverein teilt mit: Das Reichsarbeitsministerium hat den von Arbeitgeberieite abgelehnten Schiedsspruch, durch den der Reichstarif für das deutsche Buch- und Zeitungsdruder- Hilfepersonal bis zum 31. Mai 1926 berlängert worden ist, für verbindlich erklärt. Bürgerliche Regierungshilfe für Losowsky. Amfterdam, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Die niederländische Regierung hat dem Präsidenten der Roten( Moskauer) Gewerkschaftsinternationale, Losowsky, das Einreisevisum in die Niederlande verweigert. Damit ist die reaktionäre bürgerliche Negierung, die übrigens eine Minderheitsregierung ist, dem internationalen Gewerkschaftsspalter zu Hilfe gelommen. Sie schützt an das sich Losowsky gar ihn durch dieses lächerliche Verbot bor dem nicht fehren würde, wenn er es für notwendig hielte Zwang, sich zu demasfieren. Verbandstag des Teutschen Landarbeiterverbandes. Der Deutiche Landarbeiterverband beruft seinen 4. Verbands tag zum 15. März nach Berlin, Kammerfäle, Teltower Straße, ein. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Neuzeitliche Aufgaben der Landarbeiterbewegung.( Verichterstattei: Schmidt.) Lohn und Tarifbewegung in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Weinbau.( Berichterstatter: Bernier.) Frauen und Kinderarbeit in Verbindung mit der Flucht aus der Landwirtschaft.( Berichterstatter: Kwasnik.) Bezirksversammlungen des 3d2. Donnerstag, 4. März. Südosten Treptow: Grünauer Garten, Grünauer Str. 14. Beginn 8 Uhr. 1. Wohnungselend( Ursachen und Bekämpfung). Referent Bürgermeister a. D. Viktor Noad, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Bodenreformer. WeddingGesundbrunnen: Germania- Brachtsäle, Chauffeeftr. 110. Beginn 8 Uhr. 1. Lichtbildervortrag: ,, Eine Fahrt in die österreichischen Alpen". ,, Sehenswürdig Tempelhof, Marienfeiten aus aller Welt." Referent Rollege Erich Bredow. dorf, Marienfelde, Lichtenrade: Restaurant Ringler, Tempelhof, Berliner Straße 100. Beginn 8 Uhr. 1. Eine Stunde Cherecht. Referent Rechtsanwalt Dr. Theodor Tichauer. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Etralau, Rummelsburg, Berlin D. 112: Wegners Vereinshaus, Frankfurter Allee 236. Beginn 8 Uhr. 1. Hinter den Kulissen eines modernen Theaterbetriebes( Was alles zu einem modernen Theater gehört, welche Kräfte mitwirken, wie eine Borstellung entsteht). Referent Dr. Siegfried Restriepte.. Steglig, Lankwis, Südende, Lichterfelbe, Zehlendorf, Schlachtensee, Dahlem: Albrechtshof, Steglig, Albrechtſtraße 1a. Beginn 8% Uhr. 1. ,, Gibt es ein Weiterleben nach dem Tode?" Referent Pfarrer August Bleier. Weißensee: Restaurant Gallas. Lehderstraße, Revolutionäre Ede Berliner Allee. Beginn 8 Uhr. 1. Der 18. März". Süden- Südwesten: Restaurant Dichtungen. Bortragender Kollege Carl Zeit. Göbel, Tempelhofer Üfer 6. Beginn 8 Uhr. 1. ,, Die Wirtschaftslage in Deutschland". Referent Reichstagsabgeordneter Dr. Paul Levi. Schönhauser VorStadt: Schönhauser Festfäle, Schönhauser Allee 129. Beginn 8 Uhr. 1. ,, Was lehrt uns Amerifas Wirtschaft?" Referent Rollege Curt Smolinsky. WilmersWilmersdorf, Augustastr. 1. Beginn 8 Uhr. 1. ,, Die Angestellten und die Wirtschaftskrise Schuldige und Opfer". Referent AfA- Bundessekretär Kollege Bernhard Göring. Stuttgart, 2. März.( Eigener Drahtbericht.) Am letzten Sonntag fand in Stuttgart eine Bauarbeiterschutzkonferenz für Bayern, Württemberg, Baden und die Pfalz statt. Einberufer war der ADGB. Zweck der Tagung war, durch Besprechungen und Austausch von Erfahrungen eine einheitliche und nugbringende Aufgabenerledigung borf, Dalensee, Schmargendorf. Grunewald, Berlin W. 15, W. 50: Auguftahof. der Baukontrolle herbeizuführen, sowie eine engere Fühlungnahme mit den im Bauarbeiterschuh tätigen Vertretern der baugewerblichen Verbände und sonstigen interessierten Personen zu erreichen, um in geschlossener Front die Bekämpfung der Berufsgefahren im BaBugewerbe durchzuführen. Vertreten waren 166 Delegierte aus den Verbänden und Kontrollorganisationen. Vom Bundesvorstand war Sachs als Referent anwesend. Die starke Zunahme der Unfälle gerade in den Nachkriegsjahren wurde auf die Lüden im Bauarbeiterschußgefeß zurückgeführt. Die Renferenz hielt deshalb eine vermehrte behördliche Ueberwachung der Bauten zur Innehaltung der geltenden Schutzbestimmungen, eine Vermehrung und Erweite rung der Befugnisse der Kontrolleure sowie die herausgabe eines Anleitungsbuch es für Kontrolleure für dringend erforderlich. Weiter forderte die Konferenz die LanJugendgruppe des ZDA. Morgen, Mittwoch, abends 7 Uhr: Gruppe Lichtenberg, Jugendheim Schule Goßlerstr. 61, Mitgliederversammlung; Gruppe Neuköllu, Jugendheim Nogatstr. 53, Mitgliederversammlung: Gruppe BeddingGesundbrunnen, Jugendheim im Ledigenheim Schönstedtstr. 1, Gruppenbesprechung, anschließend Unsere Jugendblätter"; Gruppe Charlottenburg. Jugendheim Rofinenstr. 4, Gruppenbesprechung: Gruppe Schöneberg, Jugendheim Hauptftraße 15( Frankenlandzimmer), Heimbesprechung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egtorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin, Berlag: Borwärts- Verlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin GW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". GROSSER VERKAUF FRÜHJAHRS Seidenstoffe Paillette in grosser Farbenauswahl Helvetiaseide Meter ca, 85 cm breit, gross. Farbensortiment, Mtr. Bastseide handgemalt, aparte Muster...... 25 2 Besonders vorteilhafte Angebole 90 90 Meter Kunstseid. Crêpe 425 ca. 90 cm breit, moderne Karos.... Meter Toile de soie ea. 80 cm breit, in viel, modern. Farben, Mtr. Taffet reine Seide, doppeltbreit, gestreift und kariert, Meter Kleiderstoffe Wollmusseline 165 Crêpe marocain 390 in vielen Mustern ... Meter ca. 100 cm breit, in modernen Farben....... Meter 590 90 Knaben- Anzugstoffe 195 Reinw.Gabardine 390 Damen- Strümpfe oder Mako Seidenflor Qualitäten 95P Pa. 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Ihr Grundstoff sind alte verbrauchte Trockenplatten, die jeder Photo- graph für wenige Pfennige pro Hundert hergibt. Zwischen Bier- lachen, Kaffeetöpfen und Fettpapier reinigt der Glasmaler seine Platten, zeichnet er mit Tusche nach untergelegten Vorlagen seine Bilder und rahmt st« als Wandschmuck mit Kaliko. Er übt eine pri- mittue Kunst, wie die Sinder Figuren und Bildchen durchmalen. Seine Ware ist aber begehrt und das genügt ihm. Bequemer ist es noch und viel geübt, Postkarten, meist alle Ladenhüter, mit einem Kalikorahmen unter Glas zu bringen. Sarlenschniher und Bilder- macher sind überall anzutreffen und in keiner Stadt des Reiches fehlen fie. Originalitäten stnd seltener. Hier formt einer aus Brot- krumen Büste« historischer Persönlichtesten oder Körbchen und an- dere Zierstücke, dort biegt einer aus Prahl kafseeunterfeher, ein an- derer formt aus alten Gmnmischläuchen Patentfensterputzer. Bald sind sie hier, bald stnd sie dort, überall, überall. Wer wollte die Hof- könger zählen, die mit Sang und Klang ihre Groschen.zusammen- schallern'. Grganisatioa. Jeden Schaffenden umkreist eine Schar getreuer.Kumpels', die mit der Ware an die Türen gehen, ihr Spruchlein aufsage« und die .Platten' ranschaffen. Jeder hat fein System che«, mst dem er den Erfolg an sich kettet. Der eine reist aus Arbeiterhäuser, während dem anderen Doktoren, Direktoren oder Rechtsanwälte.lang stehen'. Eine besondere Klasse versteht es. sich mit dem Brustton nationaler Ueberzeugung Adressen national und völkisch Gesinnter zu verschas- fen, denen sie schwarzweihrot markierte Bilder mit Stahlhekmköpfen, Zttdericns Rex oder hindenburg verkaufe«. Nach Erfahrungen auf ihre Ertragfähigkeit rangiert, werden Stadtviertel, Strahenzüge oder einzelne Häuser beackert, systematisch, ' Es gehört schon zum selbstverständliche« Erleben eines jeden Tages, dah fünf, sechs, sieben und noch mehr Bettelnde vor der Tür stehen. Ein Zeichen, wie so viele, viele von dem Schicksal der harten Zeit in den zermürbten Bolls- körper gebrannt. Es ist«in harter Weg, o, ein Weg voll Dornen, aus der Geborgenheit fruchtbaren Wirkens, vom erlöschenden Herd vor die Türen der Mitmenschen. Willionen gehen ihn. müsten ihn gehen, müssen auf ihm ihren Stolz lassen, ihr Selbstbewußtsein zerfetzem.Klopfen gehen' ist bitter: wenn es auch mühevoll ist, das Notwendigste für den Körper zusammenzuschaffen, so versuchen doch viele, gerade die, welche der Elendsflut unserer Tage zum Opfer fielen, die Bitte um Unterstützung freundlich zu umkleiden. Das hat ein.Kundengewerbe' aufblühen lassen, das ungebunden an Ort und Zell gedeiht. An den Stätten, wo sie schlafen und essen, wird gesponnen und ersonnen, organisiert und gearbeitet. 3« üer Werkstatt ües stunüea. Zwischen düftevzrauen Wänden in einem geräuschvollen De- wühl schmatzender, ruheloser Menschen, im Nebel einer Tabakwolke arbestet emsig Zwischen bunte« Bildchen. Papierboge«. mit Schere. Sleisterkopf und Taschenmesser ein Alan«, der Karlenschnitzer. Aus großen Bogen schneidet er Karten, bepappt sie mst kstschigem Dekor. Schuhchen mst Blümchen, Täubchen mit Blümchen, Herzchen mst Blümchen usw. und dann schnitzt er einen Grat hinein Strahlen, Rosen. Sterne. Zacken und Jäckchen. Das zackige Werk sieht spielerisch la der„Werkstatt" wie der Landwitt sein Feld bestellt. Wenig beliebt stnd Häuser, deren Flurtüren verräterische Gucklöcher Hadem Der für den Bettel- gang bezeichnende Ausdruck.Klopsen' ist urnatürlich, weil die meisten .Kunden' es sorgsam vermeiden, die bequeme Türklingel zu benutzen, die durch ihr gleichmäßiges Ausschrillen von Tür zu Tür sein Kommen den ahnenden Seelen hinter den nächsten Türen signalisiert und da mst das Geschäft schädigt— sie klopfen. Die Iruchte üer Arbeit. Es find wohl nur kleine Summen, die täglich mst Bienenfleiß zusammengetragen werden. Die Taschen— unzählige hat der .Kunde'— sind gefüllt mit Stullenpaketen, Wurst, und Speckenden: Strümpfe, Hemde», Hosen und andere notwendige Dinge werden nach fettiger Fahtt ausgepackt— und meistens zu Geld gemacht. Man sollte meinen, bei solchen Etträgnissen wären Reichtümer anzu- häufen, o weh! Das Losgelöstsein aus dem Gefellschaslsgesüge gib» verderbliche« Begierden und Leidenschafkeu freien weg..Brenner', Bier und Kattenspiel machen schnell die Taschen leer, denn selbst vom Bettler zehren menschliche Parasiten, die ihm das Geld und sei es der letzte Pfennig, als Kumpan« aus der Tasche ziehen. Und der Kunde gibt und.schlemmt' selbst, weiß er doch, daß morgen die Menschen nicht wenlger mitleidig sind. So kommt es, daß es am späten Abend nach Schnapsfreude und Genuß nicht einmal zu emem Nachtlager reicht. * Litt«, viele gibt es aber, die nicht einmal das zusammenbttngen, um sich satt essen zu können, geschweige denn ein Nachtlager zu erwerben. Das sind die, in denen noch ein Schein der freundlichen Vergangenheit leuchtet, denen die Beine bei jedem Schtttt zu den fremden Türen zu Bleilasten werden, die bei jedem Geräusch hinter den Türen scheu davonschleichen, die Qualen leiden um ihre Hilflosig- keit, mit der sie dem Schicksal ausgeliefert sind. Serliner Verkehrsfragen. Heber dieses Thema sprach im Rahmen einer Sitzung des.Aus- schusses für die City-Bildung Berlins' Prof. Dr.-Ing. E. G i e s e im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses. Er führte aus, das Anwachsen der Vorstädte am Anfang dieses Jahrhunderts ließ zum erstenmal Berliner Verkehrsfragen als Problem erscheinen. Schon damals lautete die Frage, wie ist es möglich, den Verkehr der Vor- orte reibungslos in das Zentrum der Stadt zu leiten. Die Lösung dieser Frage ist heute noch brennender geworden, da der Auto- verkehr, verglichen mit der Dorkriegszeit, um das Vierfache gestiegen ist. Berlin besitzt heute etwa 40 OVO Automobile, eine Zahl, die klein ist, wenn man sie mit der großer, amerikanischer Städte ver gleicht, aber Berlin, seiner ganzen Anlage nach, wäre überhaupt nicht imstande, den Verkehr einer amerikanischen Weltstadt zu be- wälttgen. Di« Verhällnisse liegen heute so in Berlin, der A u t o v e r- kehr wächst, während der Straßenbahnverk�ehr ab- nimmt. Im Jahre 1913 passierten im Laufe einer Stunde die Leipziger Straße z. B. 278 Züge der Straßenbahn, während die Zahl heute aus 229 gesunken ist. Es machen sich immer wieder Be- strebunaen gellend, die Straßenbahn aus dem Innern der Stadt wie in London herauszuziehen, wobei aber vergessen wird, daß die Straßenbahn auch heute noch das billigste Massenverkehrsmittel ist. Ein Zug der Straßenbahn, bestehend aus zwei Wagen, faßt 149 Personen, während ein Autobus nur über zirka 39 Sitzplätze verfügt und ein Automobil höchstens fünf Personen außer dem Lenker befördert. Setzt man für eine Person in der Straßenbahn einen Quadratmeter der Straße, dann kommen auf einen Autobus- fahrgast 1,4 und auf einen Insassen des Automobils 29 Quadratmeter, ein Verhältnis, das für sich selbst spricht. Die Berliner Verkehrs- ftraßen sind wie die Londons, Chicagos und New Dorks von Autos überlastet. 63 Proz. aller Verkehrsunfälle wie Zu- sammenstöße und Ueberfahrungen ereignen sich mit Autos. Tatsachen, mit denen sich der Verkehrsfachmann abzufinden hat.— Es gibt nun Möglichkeiten, diese Verhältnisse auch in Berlin z» bessern. Ansänge sind bereits gemacht worden durch das Verbot des Wendens in den Verkehrsstraßen, durch das Verbot von kleinen Motorrädern und durch das System der Einbahnstraße. Aber auch die Einbahn straße hat Nachteile, sie kann nur angewandt werden, wenn zwei Straßen von ungefähr gleicher Breite in kurzer Entfernung von- einander liegen, außerdem ersordern Einbahnstraßen für den Fahrer 24Z Gnkiel Moses. Roman von Schalom Asch. L. Onkel Moses' Voraussicht. Doch Onkel Moses hatte alles vorausgesehen, und da er ein gewiegter Kaufmann war, so liebte er es, bevor er eine Unternehmung begann, sich nach allen Seiten sicherzustellen, damit keine Ueberraschungen vorkämen und ihm einen Strich durch die Rechnung machten. Bevor er also daran ging, sich mit Mascha zu verloben, ging er zu der Frau, mit welcher die Kinder hatte, ließ sich ihren Mann, den Restanrateur, holen und traf mit ihm ein Uebereinkommen. „Wieviel willst du?' Der Restaurateur war ein kleines, untersetztes schwarz- braimes Männchen: sein Gesicht, die Hände, der Hals, alle Teile des Körpers, die zu sehen waren, waren mit dunklen Haaren bewachsen, und aus diesem Haarwuchs glänzten zwei kleine schwarze Aeuglein heraus, die aussahen wie kleine schwarze Mäuschen. Er stand völlig unter dem Pan- toffel seiner Frau: sie führte den Lunchroom, wo sie süßen, nach heimatlichem Rezept selbstgebrauten Lemberger Likör ausschenkte. Zum Essen gab es dazu fette Hühnerlebern. Und weil die Frau ein kokettes, lebhaftes Geschöpf war und ein Paar Liebesgrübchen in den Wangen hatte, die lustig aus ihrem vollen Gesicht hervorlachten, übte sie auf die älteren Geschäftsleute des Viertels große Anziehungskraft aus. Sie sagten, sie sei so reizend, wie die fetten Gänse- und Enten- Hinterteile, die in ihrem Lunchroom zu haben waren... Die Frau führte das ganze Geschäft, der Mann half nur. Seine Hilfe im Geschäft bestand darin, daß er einigen von den besseren Stammgästeiz einredete, sie seien an den Kindern, welche seine Frau hatte, beteiligt. Er zog auch die Alimente ein, welche ihm daraus erwuchsen. Da er aber nicht mehr als drei Kinder hatte, war die Zahl seiner Klienten natur- gemäß beschränkt, und die Einkünfte aus diesem Erwerbs- zweig waren nicht allzu groß. Eigentlich wußte er selbst nicht genau, wem die drei Kinder, welche seine Frau geboren hatte, gehörten, ihm, Onkel Moses oder einem Kaufmann von der Dillonstreet. Doch das hinderte ihn nicht daran, den Kindern ein guter Vater zu sein und dafür zu sorgen, daß sie eine religiöse Erziehung erhielten. Er ging mit ihnen zum Gottes- dienst: die hebräischen Gebete hatte er sie selbst gelehrt. „Mr. Melnik, was soll das heißen? Wieviel ich will? Sind es denn meine Kinder? Es sind doch Ihre Kinder!' „Run, nun,' der Onkel kitzelte ihn scherzend mit dem Zeigefinger,„du hast auch teil an ihnen." „Mr. Melnik, es sind Ihre Kinder," entgegnete der Jude ernst,„übrigens fragen Sie Gitel'(so hieß die Frau),„fragen Sie sie nur!' „Aber ich weiß nicht, welches von mir ist, welches von dir und welches von dem Kleiderhändler auf der Dillonstreet,' erwidette der Onkel lachend. „M.r Melnik, sie war Ihre Frau weit mehr als die aller anderen Männer, bedenkten Sie doch das," versicherte der Mann treuherzig. All das sagte er, um vom Onkel mehr Geld herauszu- schlagen. Im Innern seines Herzens aber war er überzeugt, daß die Kinder ihm gehötten und daß Onkel Moses und der andere Kaufmann von seiner Frau an der Nase herumgeführt wurden, die ihnen die Kinder eingeredet hatte, weil das zum Geschäft gehörte... „Und wenn ich dich nun zum Administrator der Häuser in der Essexstreet mache, ist dann die Sache in Ordnung?' Der Mann wäre dem Onkel fast um den Hals gefallen und wollte ihm vor Freude beinahe die Hand küssen, denn sein größter Lebensehrgeiz war, Häuseradministrator zu.werden. Ewig unterdrückt, ständig unter dem Pantoffel seiner Frau, hatte das schwarzbehaarte Männchen nur den einen Traum, einmal zu herrschen und über andere Macht zu haben. Und da sein Ehrgeiz nicht über die Essexstreet hinausging, in der er wohnte, war es sein schönster Traum, Machthaber über die Einwohner der Essexstreet zu werden, in eine Wohnung ein- treten zu können und zu rufen:„Miete oder Kündigung!'— ganze Familien zu exmittieren, ein so strenger Administrator zu werden, daß die ganze Essexstreet vor ihm zittette. Doch jetzt fürchtete er. so ohne weiteres dem Antrag des Onkels zuzustimmen, um sich nicht später Vorwürfe zu machen, daß er mehr hätte erlangen können. Daher sprach er mit ver- schämter Miene: „Und noch hundert Dollar bar'(mehr zu fordern, traute er sich nicht). „Gut und noch einen Hunderter:' lächelnd willigte der Onkel ein. Den Mann verdroß es, daß er nicht zweihundert oder fünfhundert Dollar verlangt hatte. Er dachte eine Weile nach und begann dann zögernd: „Und ein Geschenk für mich.' „Was für ein Geschenk willst du?' „Eine goldene Uhr und... und...' der Mann dachte nach, was er verlangen sollte,„und noch fünfundzwanzig Dollar." „Die goldene Uhr bekommst du, die 25 Dollar nicht, keinen Cent mehr als hundert, unterschreibe das Papier hier, daß die Kinder dir gehören und daß du gar keine Ansprüche an mich hast." „Sofort, sofort, lieber Mr. Melnik:" das schwarzbehaarte Männlein war sofort einverstanden, da es fürchtete, der Onkel könnte von dem Geschäft zurücktreten, und zufrieden war, vom Onkel alles herausgeschlagen zu haben, was nur möglich war, und sich nicht später vorwerfen zu müssen, daß er zu wenig verlangt hatte. Der Onkel aber, welcher den Gedankengang des Mannes verstand, bereute später, daß er ihm nicht auch die fünfundzwanzig Dollar zugestanden hatte, so daß das Männchen üets von dem Gedanken gequält worden wäre, es habe noch iUhr herausschlagen können. „Gitel, mein Kind," rief der Mann in den Lunchroom, „komm einmal her." Gitel, deren Perlenohrringe in den Ohren baumelten, um die das Haar hin und her schwankte, trat mit einer koketten Miene ein, welche ihre Wangengrübchen noch mehr hervor- treten ließ. „Pinchas, mein Leben, du hast mich gerufen,' flötete sie, als sie den Onkel sah. „Mr. Melnik heiratet. Gratuliere ihm, Gitel, mein Kind,' sagte der Mann fröhlich. Gitel, das Kind, welche über die Verhandlungen zwischen Melnik und ihrem Mann genau unterrichtet war, tat, als wüßte sie nichts: „Was kümmert es mich, daß Mr. Melnik heiratet?" „Und ich werd' bei Mr. Melnik Administrator der Häuser in der Esserstreet: danke doch Mr. Melnik, Gitel, mein Kind." Als Gitel, das Kind, das hörte, brach sie in Tränen aus. Der Mann entfernte sich leise und ließ Gitel mit dem Onkel allein, damit sie Abschied nehmen könnten. Der Onkel sprach Gitel ins Gewissen, sie möge von jetzt ab ihrem Mann treu sein, einen besseren Lebenswandel führen und nicht weinen. Nach der Hochzeit werde er auch an sie denken. Als der Mann wieder eintrat, fand er seine Frau völlig gefaßt. Der Onkel rief auch ihn beiseite und schärfte ihm ein. er möge seine Frau gut behandeln und auf sie acht geben. Und beide, Mann und Frau, wünschten dem Onkel alles Gute: er möge glücklich sein für und für und Freude an seiner neuen jungen Frau erleben... (Fortsetzung folgt.) große Umwege. Der Kernpunkt des ganzen Berliner Verkehrs. problems liegt darin, daß die meisten Straßen und Plätze nicht für Autoverkehr eingerichtet sind und ihm überhaupt nicht angepaẞt werden. Fa ft alle Bläge müßten umgestaltet werden, Deffentliche Kundgebungen Ratten- oder Wohnkeller? Man tennt Berliner Kellerwohnungen, die Wände sind vers schimmelt, ganze Pilzkulturen haben sich gebildet, die Dielen, vermit flaffenden sind Ratten, vor allem Reichstanzler-, Stollendorf, Lüzow, Hermann, Kaiſerin für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten chwanten, wenn man ſeſt auftritt. Ein Fenſter führt auf den troft. Augusta- Platz, der Platz vor dem Brandenburger Tor und der Spittelmarkt. Eine Möglichkeit der Lösung ist hier durch den Kreis.verkehr gegeben. Die Aufteilung der Straße muß anders gestaltet werden. Die Wege für die schnellsten Verkehrsmittel, d. h. für Autos, müssen in der Mitte der Straße liegen. Ferner müßten die Oberflächenverfehrsmittel in Berlin vervollkommnet werden. Man denkt jezt an die Einführung zweistödiger Straßenbahnwagen, die allerdings nur auf einer beschränkten Anzahl non Strecken verfehren könnten, da die vielen Ueberbrüdungen eine bestimmte Höhe der Wagen vorschreiben. Der Bau von Straßenbahntunnels, für die Boston und Philadelphia in den U. S. A. Beispiele bieten, wäre empfehlenswert, gleichzeitig bedeutet der Ausbau der Untergrundbahn eine dringende Notwendigkeit. Aber alle diese Projekte und Maßnahmen lösen nicht den gordischen Knoten, denn die Leipziger Straße und die Königstraße werden folange überlastet bleiben, bis durch Straßendurchbrüche neue Berkehrsbahnen eröffnet werden. Was Hausmann in Paris im großen durchführte, muß auch in Berlin in fleinerem Maßstab ermöglicht werden. Der Verkehr muß dezentralisiert werden. Barallelen zur Leipziger Straße südlich und nördlich sind notwendig. Die Französische Straße fann zur großen Verkehrsstraße werden, wenn man nicht die Kosten für einen Durchbruch zur Tiergarten- und Linnéstraße scheut. Die südliche Parallele ist durch die Rochstraße mit Durchbrüchen zur Kurfürsten- und Schöneberger Straße gegeben, ebenso notwendig find Durchbrüche im Norden des Alexanderplates, um eine Entlastung der Königstraße herbeizuführen. Die alten Straßen könnten dann weiter dem Straßenbahnperfehr dienen, während die neuen Verkehrsadern den Autoverkehr aufnehmen würden. Die Kosten für die Durchbrüche würden sich auf zirka 44 Millionen belaufen. In der Distussion erklärte Polizeivizepräsident Dr. Friedensburg, daß die Polizei das größte Intereffe daran hätte, die Pläne zu einer Berbesserung des Berliner Verkehrs eindringlich zu unterstüßen. Der Hermsdorfer Postschwindel vor Gericht. Borläufige Bertagung der Berhandlung. Bor dem Schöffengericht Berlin- Wedding sollte gestern gegen den angeblichen Schriftsteller Knaus und den Postmeister Bartel verhandelt werden. Sie sind die beiden Hauptschuldigen, auf deren Konto die umfangreichen Betrügereien, durch welche die Kasse des Hermsdorfer Postamts um 45000 m. geschädigt wurde, in erster Linie fallen. Neben diesen mußten noch zwei Helfershelfer auf der Anklagebant Bláh nehmen, die wohl im mefentlichen die willenlosen Werkzeuge der ersten beiden waren. Wir hatten über die Vorgänge, die sich im Juli des vorigen Jahres in dem reizenden Hermsdorf abspielten, berichtet. Der Schriftsteller" Knaus wußte sich auf raffinierteste Weise derart Bestfrebite zu verschaffen, daß er gelegentlich beim Postschecamt tleinere. Beträge einzahlte. Hierauf hob er beim Postamt Hermsdorf größere Summen ab, deren Höhe in die Tausende ging. Diese Schwindeleien waren natürlich nur mit dem ftill schweigenden Einverständnis des Postmeisters Bartel möglich, der sich ganz in den Händen von Knaus befand. Dieser hatte sich ursprüng lich im Oktober 1924 mit dem fleinen Betrage von 100 m. ein Konto beim Poſtschecamt eröffnet. Mit diesem Ausweis ging er zu Bartel, der ihm aber nicht den eingezahlten, sondern den geforderten Betrag übergab. Und so ging es weiter. Holte fich R. von B. 3000 m., so zahlte er beim Postscheckamt 2000 m. bis das Defizit auf 45 630 M. angelaufen war. Das auf diese Weise ein, während er 1000 m. für sich behielt. Das wiederholte sich, erschwindelte Geld ist dann für Trinkgelage und große, Autofahrten angelegt worden. Wie Knaus, hatte sich auch Bartel in der deutschnationalen Bewegung betätigt. In dem Hermsdorfer Seeschloß befand sich eine Heimstätte für die Berliner Rechtsradifalen, zu deren Gründer die beiden Angeklagten zählten. Hier wurde an jedem Sonnabend und Sonntag geschoifenundererziert. Noch vor Eintritt in die Verhandlung baten die Rechtsanwälte Dr. Frey und Dr. Puppe das Gericht, den ols Sachverständigen geladenen Oberpoftrat wegen Befangenheit abzulehnen. Er habe die Ermittlungen der Vorunterfuchung nicht nur geleitet, sondern bei der Schwierigkeit der Materie die Abfaffung der Protokolle unbewußt beeinflußt. Seine Einstel lung müsse unbedingt gegen die Angeklagten voreingenommen sein. Das Gericht gab nach langer Beratung dem Antrage der Berteidiger statt und verta até die Verhandlung auf unbestimmte 3.ett. Gleichzeitig wurde die Ladung je eines Sachverständigen für das Poft schedamtwesen und eines solchen beschlossen, der Auskunft zu geben vermag über die Buchführung beim Postamt Hermsdorf. Ein von Rechtsanwalt Dr. Freŋ begründeter aftentlaffungsantrag für Knaus, der bereits 7 Monate im Untersuchungsgefängnis fizt, wurde abgelehnt. Die für den Angeklagten, den der Gefängnisarzt Dr. Bürger als einen start minderwertigen Psychopathen bezeichnete, dennoch zu erwartende Strafe sei so hoch, daß eine Entlassung nicht in Frage fame. Die anderen Angeklagten befinden sich auf freiem Fuße. Der Sittlichkeitsverbrecher. Vor dem erweiterten Schöffengericht Berlin- Mitte follte gestern die Gerichtsverhandlung in Sachen Wilhelm Mägig stattfinden. Der Fall ist in mancher Beziehung von Interesse und ist feinerzeit bereits ausführlich im„ Borwärts" behandelt worden. Kriminalpolitisch steht man hier vor einem der schwierigsten Probleme: was mit einem geistig hochstehenden, aber seruell hemmungslosen und frankhaft veranlagten Menschen zu machen sei. Als gang junger Mensch beging Mäßig sein erstes Sittlichkeitsverbrechen. Dann folgten im Laufe von sechzehn Jahren fünfzehn Strafen wegen Einbruchsdiebstählen, Unterschlagung, Hausfriedensbruch, Betrug, Körperverlegung, Sachbeschädigung, Aufruhr, versuchter Notzucht und Sittlichkeitsverbrechen, auch schwere Buchthausstrafen. Der Angeflagte hat auch diesmal eine Reihe minderjähriger Kinder in sein unfittliches Treiben. hineingezogen. Er ist schwerer Epilep fiter; in den Gerichtssaal wurde er auf einer Tragbahre gebracht, auf seiner Stirn sah man noch eine blutige Berlegung, die von einem epileptischen Anfall herrührt. Mit ihm zusammen ist eine junge Lederarbeiterin H. angeflagt. Während der Aufnahme seiner Berfonalien verhielt der Angeklagte fich noch ruhig, aber faum hatte der Borsigende die ersten Worte des Eröffnungsbeschlusses verlesen, da wurde Mägig von einem schweren Anfall betroffen. Mit dem Körper an die Bahre geschnallt, schlug er mit den Händen um sich und trümmte sich in heftigen Zuckungen. Das Gericht fah sich gezwungen, die Verhandlung zu vertagen. = Ringbildung bei Ausschreibung städtischer Lieferungen. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung muß die sozialdemokratische Fraktion zum Schuße des Stadtfädels einschreiten. Sie richtet an den Magistrat folgende Anfrage: Ist dem Magistrat bekannt, daß bei einer Ausschreibung von Teilarbeiten für den Bau der Fleischgroßmarkthalle in der Landsberger Allee Offertenabgaben auf Grund vorheriger Verabredung von Firmen erfolgten, die der Berliner Schlofferinnung bzw. dem Schußverbande Berliner Schlossereien nicht fern stehen, und daß diese Offerten in ihrem Gesamtbetrage um rund 65,000 Mart bis heute, Mittwoch, den 3. März: Spandau: Abends 8%, Uhr in der Jubiläums- Turnhalle, Ede Morit- und Moltkestraße Redner: Reichsinnenminister a. D. So I Imann, M. d. R. Um 7 Uhr ab Meter Platz: Demonstrationsfadelzug. Prenzlauer Berg( 27. Abt.): Abends 7, Uhr in den Schönhauser Festsälen, Schönhauser Allee 129. Redner: Staatssekretär Heinrich Schulz. Kreuzberg: Abends 7%, Uhr Fontanepromenade, Am Urban. Abmarsch zum Propagandaumzug. Lichtenrade: Abends 7%, Uhr im Lokal von Rohrmann, Hilbertstraße. Redner: Dr. Julius Moses, M. d. R. Neukölln( 95. Abt.): Abends 7, Uhr bei Lausch, Hermannstraße 199( Glashalle). Redner: Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg, Mitglied des Preußischen Staatsrats. Karlshorst: Abends 7 Uhr im Restaurant Zum Fürstenhaus", Treskowallee 92. Redner: Reichstagsabgeordneter Stelling. Buchholz: Abends 7%, Uhr bei Rossack, Hauptstraße 71. Redner: Eduard Zachert, M. d. L. Buch: Abends 7%, Uhr im Lokal von Göpfert, am Bahnhof. Redner: Stadtverordneter Robert Rohde. Morgen, Donnerstag, den 4. März: Tempelhof: Abends 7%, Uhr in Graffels Gesellschaftshaus, Mariendorf, Chausseestraße. Redner: Staatssekretär Heinrich Schulz. Neukölln( 92. Abt.): Abends 7%, Uhr in der Aula des KaiserFriedrich- Realgymnasiums, Kaiser- Friedrich- Straße, Redner: Dr. Julius Mofes, M. d. R. Neukölln( 93. Abt.): Abends 7%, Uhr in Wolffs Gesellschaftshaus, Kirchhofstr. 41, Ece Wipperstraße. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Neukölln( 95. 2bt.): Abends 7, Uhr bei Richter, PrinzHandjery- Str. 3. Redner: Dr. Rurt 25 wenstein, M. d. R. lofen Hof. Man sieht nur, wenn man auf das Fensterbrett Hettert, die verschmutzten Wände der Hinterhäuser, von denen der Stuck bröckelt. Kinder wachsen hier auf, die keine Sonne und Freude fennen, ein Geschlecht, das zum Untergang verdammt erscheint. Und doch gibt es Menschen, die sich weigern, diese Höhlen zu verlassen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, die hier ihr Leben beschließen wollen. Er ist siebzig Jahre alt, geborener Schlesier, früh fam er nach Berlin. Seinem Beruf nach ist er Schuhmacher. Jahrelang betrieb er sein Handwerf in der Fennstraße 19 am Wedding. Da kaufte er eines Tages einen Lederriemen. Nachher stellte es sich heraus, daß dieser Riemen gestohlen war. Er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Als er herausfam, überredet ihn sein Wirt, er folle ihm seine Kellerwohnung im Vorderhaus überlassen und eine Stube im Keller des Hinterhauses beziehen, er könne dort umsonst wohnen. Er ging darauf ein, seit zwei Jahren haust er dort, versucht noch hin und wieder Reparaturarbeit zu machen, aber er darf drauBen sein Schild nicht anmachen, niemand weiß, daß er hier wohnt. Der Hof sieht sauber aus. Dem Eingang gegenüber liegt ein Pferdestall, hier hält eine Kohlenfirma sechs Pferde. Links aeht es in den Keller. Ein langer, dunkler Gang führt zu der Stube. Eine dumpfe, verpestete Luft schlägt dem Eintretenden entgegen. Man fann im ersten Augenblick nichts unterscheiden. Durch zwei kleine, verschmutzte Scheiben fällt ein trübes Licht. Allmählich erkennt man die Gegenstände. An der Wand links, vom Eingang, liegen Ma tragen übereinander geschichtet, der Bezug ist zerfressen, das Roßhaar tommt heraus, der wacklige Aufbau wird von einem zerbrochenen Sofa getrönt. Davor liegt in einem Bett ein anderer alter Mann, bedeckt mit einer zernagten Steppdecke. Alles ist hier angenagt, überall liegt Staub mehr als fingerdid. In der Mitte der Stube steht ein kleiner, eiserner Ofen, in einem Topf wird eine Brotfuppe aus verschimmeltem Brot und Wasser gekocht. Der Geruch erregt Uebelfeit. ,, Mein Mittag", sagt der Inhaber der Stube. Ja, alles muß hier zugebedt werden, die Ratten nagen alles an, man ist ihnen hilflos gegenüber. Er zeigt auf ein Drahtgitter auf den Dielen. Eine tote Ratte liegt darunter, gefangen in dieser primitiven Falle. Er erklärt, das Drahtgitter richte er etwas auf, ftige es mit einer harten Brotfruste, die Ratte frißt die Krufte an und wird unter dem Gitter begraben. Ja, die Ratten. Nachts sei es manchmal nicht auszuhalten. Sie liefen ihm und seinem Freunde, einem alten, arbeitslosen Maler über das Geficht, aber man gewöhne sich daran. Alles haben sie angenagt, er zeigt auf seine Kleider, die Hosen, der Mantel sind zerriffen, ganze Stücke herausgenagt. Die Dielen sind vollkommen unterhöhlt. Und hier hausten die beiden alten Männer ohne Licht, ohne Hetzung in einer Luft, die sich beklemmend auf die Bruft legt, in einem pestartigen Gestant, in Gemeinschaft mit Ratten und anderem Un den, feuchtdunklen Stall heraussollen. Neukölln( 95. Abt.): Abends 7%, Uhr im Lokal von Zenkt, geziefer. Und sie sind unglücklich darüber, daß sie aus diesem stinken. Hermannstr. 213, Ecke Jägerstraße. Redner: Stadtrat Conrad. 135 000 mart höher waren als andere Angebote? Ist dem Magistrat durch Feststellungen, die vielleicht schon vorgenommen wurden, bekannt, daß Firmen, die sich an der gemeinsamen Preis abrede nicht beteiligten, von den ringbildenden Firmen bare Entschädigungen und weitere. Entschädigungen durch kleinere Auftrags. zuwendungen in bindender Form in Aussicht gestellt worden sind? Hat der Magistrat Vorsorge getroffen, daß bei Ausschreibungen Offerten von Firmen, die zum Zwecke willkürlicher Preiserhöhungen schreibungswesen in einer den Intereffen der Stadt und der steuerRinge bilden, nicht berücksichtigt werden und daß das gesamte Auszahlenden Einwohnerschaft völlig gerecht werdenden, anftändigen Geschäftsbräuchen entsprechenden Weise geregelf wird?" Die Affäre Jürgens. Die Jugendweihe in Neukölln findet am 28. März im Großen Saal der Neuen Welt statt. Anmeldungen werden nur noch bis 5. März im Unterricht Donaustr. 120 angenommen. Billige Fischfage! Am Mittwoch und Donnerstag lommen in bent Verkaufsstellen der Mitglieder des Bereins der Fischbändler von GroßBerlin zum Verkauf: frischer D ft seedorf( ausgenommen) pro Bfund 20 Bf. Diese Verkaufsstellen befinden sich in den Ladengeschäften, in den Marktballen und auf den Wochenmärkten, und sind durch Plakate kenntlich gemacht. Ein deutsches Riefenflugzeug foll, wie Dr. Edener bei einem hergestellt werden, follen alle bisherigen Konstruktionen übertreffen. Vortrag in Düsseldorf mitteilte, demnächst gebaut werden. Die neuen Maschinen, die von den Dornier- Werfen in Friedrichshafen Es wird eine Flügelfpannweite von 70 Meter befizen und mit Motoren bon über 80 000 pferdeträften aus geftattet werden. Der Die Vernehmung des schwer belasteten Ehepaars Jürgens Der 84jährige Auguft Thyssen mußte sich am Montag in Düssel wird in dieser Woche hauptsächlich durch den Stargarder Unterdorf einer Grauen Star Operation unterziehen, wobei das suchungsrichter Dr. Fuchs geführt, der im Moabiter Untereine Auge entfernt wurde, um die Sehkraft des andern zu iuchungsgefängnis, wohin die Beschuldigten am Montag erhalten. i bergeführt sind, ein eigenes Bimmer bezogen hat. Sowohl Landgerichtsdirektor Jürgens wie seine Frau wurden von Dr. Fuchs in den letzten Tagen eingehend vernommen. Beide leugnen vorerst noch die ihnen zur Last gelegten Verfehlungen. Uebrigens sollen fich neue Zeugen gemeldet haben, die die Stettiner Kommiffare Schepp und Blühe in Stargard vernehmen werden. Für nächste Woche ist die Zurückführung des Ehepaars Jürgens ins Stargarder Gefängnis vorgesehen. Die Kunstgemeinde Neukölln veranstaltete am Montag einen Tangabend. Mitglieder der Staatsoper, die erste Solotänzerin Elisabeth Gruhe und Harold Kreuzberg, alte Lieblinge der Neutöllner Kunstgemeinde, bestritten das Programm. Starter Beifall danfte für die guten Leistungen. Oft mußten ganze Tänze wieder holt werden. Auch der Kapelle, die unter Leitung von E. Huth spielte, wurde mit Begeisterung gedankt. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 3. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: S Trebitsch Lincolns Sohn in England hingerichtet. Kanonier John Lincoln, der Sohn des bekannten Abenteurers Trebitsch Lincoln, der auch beim Kapp- Putsch eine üble Rolle gespielt hat, ist wegen Mordes zum Tode berurteilt und am Dienstag morgen im Gefängnis Shepton Mallet gehängt worden. Sein Vater, der sich auf der Reise von Ceylon nach England befand, um ihn noch einmal zu besuchen, fonnte England nicht rechtzeitig erreichen, da er in Marseille seine Schiffsrechnung nicht bezahlen fonnte und dadurch einen unvorhergesehenen Reiseaufenthalt erlitt. König Alfons von Spanien will mit seinem gesamten Hofftaat, mit seiner Frau und dem Diktator Primo de Rivera, auf den Flugzeugen des spanischen Weltfliegers Franco nach Argentinien fliegen. Hierbei soll das höfische Zeremoniell bis in alle Einzelheiten gewahrt werden. Dorträge, Vereine und Verfammlungen. Geschäftliche Mitteilungen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. bliebenen, Abt. Kreuzberg. Die Mitglieder des Reichsbundes treffen sich zur Demonstration gegen die Fürstenabfindung am Mittwoch, den 3. März, abends 3.30 Uhr nachm.: Jugendbühne( Unterhaltungsstunde). Die 6 Uhr, in der Fontanepromenade. Reger Besuch ist im Interesse der Sache Fink. 2. Der Schornsteinfeger. Funkprinzessin erzählt: von Bob und Baby". erwünscht. 1. Der kleine Arbeiter- Radio- Klub Deutschlands, e. B., Oranienstr. 182, Tel. Morig3. Lernen( sämtlich von Felix plag 3420. Die Abteilungen tagen regelmäßig abends 8 Uhr in folgenden Salten). Die Funkprinzessin: Stella Hay. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: KonzertLokalen: Abt. Tiergarten: Freitag, Stendaler Str. 21; Abt. Wedding: Donners tag, Utrechter Str. 29; Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 4. März, Kopenmeister Ferdy Kauffman. 6.35 Uhr abends: Gartendirektor Ludwig hagener Str. 9, Mitgliederversammlung: Abt. Friedrichshain: Montag, WarLesser: Rundschau für Garten- und Blumenfreunde( Besuch bei fchauer Str. 59; Abt. Gülbost: Dienstag, Röpenider Str. 9b; Abt. Rottbusser einer Blumenfreundin)". 7. Uhr abends: Dr. Theodor Mayer- Tor: Donnerstag, Adalbertstr. 21: Abt. Charlottenburg: Dienstag, Wielandabends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung PhiloWilmersdorf: Vom Schönsein und Schönbleiben". 7.25 Uhr straße 4; Abt. Schöneberg: Donnerstag, 4. März, Fortfegung der Kurse und experimentieren; Abt. Neukölln: Freitag: Abt. Lichtenberg, Freitag, Weichselftraße 11 bei Lent; Abt. Wilmersdorf: Freitag, 5. März, Cisielsti, Auguftasophie: Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer: Psychologie der Straße 18. Bortrag: Detektorempfänger und Niederfrequenzverstärker". Gäste Gemeinschaft". 7.50 Uhr abends: Manfred v. Ardenne: Experimentalvortrag: Empfang mit Mehrfachröhren". au fämtlichen Beranstaltungen willkommen. 8.30-10 Uhr abends: Orchesterkonzert. Unter Mitwirkung von Lilian v. Granfelt, Sopran, und Kammersänger Eduard Habich, Bariton. Dir.: Bruno Seidler- Winkler. 1. Mozart: Ouvertüre zu der Oper, Cosi fan tute". 2. Mozart: a) Arie der Gräfin aus der Oper Figaros Hochzeit, b) Arie der Pamina aus der Oper„ Die Zauberflöte" ( Lilian v. Granfelt). 3. Tschaikowsky: Ouvertüre zu„ Romeo und Julia". 4. Gounod: Valentins Gebet aus der Oper" Margarete" ( Eduard Habich). 5. Meyerbeer: Arie der Selica aus der Oper Die Afrikanerin"( Lilian v. Granfelt). 6. Bizet: L'Arlésienne Suite I. 7. a) Massenet: Arie des Herodes, aus der Oper, Herodes", b) Bizet: Lied des Torero aus der Oper, Carmen"( Eduard Habich). 8, Meyerbeer: Fackeltanz I( B- Dur)( Berliner Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle der 3 ( Preuß.) Nachrichtenabteilung. Leitung: Obermusikmeister Walter Harmens). Königswusterhausen, Mittwoch, den 3. März. 3-3.30 Uhr nachm.: Lektor Mann und Studienrat Friebel: Englisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm: Lektor Mann und nachm.: Frau Dr. Agnes Molthan, Studienrätin: Die Eingliede Studienrat Friebel: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr rung der höheren Mädchenbildungsanstalten in das höhere Schulwesen. 4.30-5 Uhr nachm.: Frl Anna v. Gierke: Hauswirtschaftliche Berufe, 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Mißfarbene Zähne Bom Sungerkünstler" Jolly. Der Sungertünfffer" JoIIn, der fich vorgenommen hat, im Rrokodil" in der Friedrichstr. 124 in einem Glaskasten 44 Tage lang nur von Rigaretten und Selterwasser zu leben, hat bereits das erste Drittel feines Programms hinter sich. In 16 Tagen hat er 13 Pfund abgenommen. Außer einer vorübergehenden Augenentzündung, die durch die scharfe Beleuchtung des Ausstellungsraumes hervorgerufen war, hat sein Allgemeinbefinden wie feine gute Laune nicht gelitten. Das Jntereffe der Berliner, die zu einem Teil vergessen haben, wie sie in der großen Zeit" selber die Kunst des Hungerns ausübten, an dem Mann. im Glaskasten ist erstaunlich. Bisher haben sich hunderttausend Besucher den Hungerkünstler angesehen.-0. Die Seilwirkung der berühmten Emser Thermalquellen, wesentlich beruhend auf ihren einzigartigen Gehalt an Salzen, spricht sich in erster Linie durch ihre regulierende Einwirkung auf die frankhaft veränderte Beschaffenheit, Tätigkeit und Absonderung der Schleimhäute aus. Das nach allen Ländern der Erde verschickte Emser Waffer"( Kränchen) enthält als tein natürliche Füllung sämtliche Bestandteile in unveränderten Mengen. Durch Abdampfung wird das natürliche Emfer Quellfalz gewonnen, aus dem die bekannten echten Emser Pastillen hergestellt sind. Gegen Suften, Seiserkeit, Verschleimung, Asthma, Katarrhe aller Art( auch chronischer Form), Grippe und Grippefolgen, Sodbrennen usw. haben sich die natürlichen Emser Heilmittel von jeher hervor ragend bewährt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienſtſtelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Nach furzer Aufbeiterung erneute Eintrübung und leichte Regenfälle. Weiterhin warm. Für Deutschland. Ueberall warm, von Weit nach Dit fortschreitende turze Aufbeiterung mit nachfolgender Eintrübung. entstellen das schönste Antlitz. Ubler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden in vollkommen unschädlicher Weise beseitigt durch die Zahnpaste Chlorodont, wirksam unterstützt durch ChlorodontMundwasser, Achten Sie auf das herrlich erfrischende Pfefferminzaroma, das frei von jedem tranigen oder seifigen " Beigeschmack ist. Chlorodont steht darin unerreicht da und ist daher mit Recht von Millionen als tägliches Zahnpflegemittel im Gebrauch. Mittwoch 3. März 1926 Unterhaltung und Wissen Die dritte Klasse. Bon Iwan Bunin. Ber glaubt, wann und wo er will, dritter Klasse fahren zu tönnen, ist ein armer Tropf. Stellen Sie sich Ceylon vor, Colombo! Die Hize ist höllisch, dick, still- wahrscheinlich so ähnlich, wie vor jenem schrecklichen Gewitter, mit dem die Sintflut einsetzte. Ganz in weißer Leinwand gekleidet, mit weißem Tropenhelm, size ich in dem hißgetränkten, ladierten Wagen, einem ganz fleinen Zweiräder und an der dünnen, weißen Deichsel, etwas vornübergebeugt, faust mit regelmäßigen und großen Schritte der hochgewachsene schwarze Tamule, in seiner mächtigen, wunderbaren Nacktheit glänzend. Ich fahre auf den Bahnhof um, sagen wir, nach dem Pic- Adam oder zum Anaradschapura zu reisen. Bor mir sehe ich schon den leeren, weißen und blendenden Platz und dahinter das noch mehr blendende Gebäude, einem mauretanischen Palast ähnlich, beinahe erschreckend durch sein Weiß auf dem von der Hige ebenfalls weißen Himmel. Inmitten all dieser Weiße und der weißen Sonnenflamme schneidet der schwarze Rörper des Tamulen mit seinem schwarzen Haar in die Augen. Eine Minute später betrete ich das Bahnhofsgebäude. Hier ist es erträglicher. Die leichte angenehme Zugluft tut mohl. Ich nehme den Helm ab, wische mir die feuchte, eisige Stirn ab, an der unter dem Schweiß der Knochen unnatürlich fühlbar ist und eile auf den Bahnsteig. Der große, schwere Zug steht schon bereit. Er hat ein weißes Dach und wegstehende Borhänge an den Fenstern. Ich laufe zu dem Kasten, in dem der Kassierer fist, nehme unterwegs so viel Geld aus der Tasche, als ich zur Fahrt bis Anaradschapura benötige, dritter Klasse, dann flopfe ich mit dem Gelbe an dem Schalter, wo der Engländer heraussieht: ,, Third class, Anaradschapura! Dritte Klaffe Anaradschapura!" " First class? Erste Klasse?" antwortet er mit einer neuen Frage. No, third class, third class!" schrie ich. Yes, first class!" fchreit auch der Engländer und wirft beim Schalter eine Karte erfter Rlaffe heraus. Berstehen Sie mich denn nicht, zum Teufel noch einmal!" fchrie ich wütend und stede meine Nase zum Guckfenster hinein. Ich will die Sonderlichkeiten dieses Landes, das Leben und Treiben studieren, will alle Einwohner tennenlernen, bis herunter zu den Berachteten( wie sie gerne die Farbigen zu nennen pflegen) und die haben doch nicht das Recht, erster Klaffe zu fahren. Und jedesmal, wenn ich eine Karte britter Klaffe lösen will, beginnt dieser eftige Rampf mit dem Raffierer. Ich verlange tlar und deutlich dritte Klaffe. Deffen ungeachtet unterbricht er mich jedesmal vom Neuen, indem er den ähnlichen Klang der Worte ,, third" und ,, first" ausnüßt: ,, Sie wollten sagen: erster Klasse!?" Ich schrie: Dritte!" und trotzdem wirft er mir eine erfte" heraus. Ich werfe sie zurüd, dann beginnt der eigentliche Rampf: der Raffierer, außer sich vor Staunen und Entrüftung barüber, daß ein Weißer von dem niedrigen und wahnsinnigen Wunsche besessen fein tann, neben den Farbigen zu figen, beginnt zu schreien, will mir Angst einjagen, indem er vom Ungeziefer spricht, das ich von den Farbigen bekommen fann, hauptsächlich aber meint er, das wäre noch nie vorgekommen, daß ein Weißer so etwas getan hätte, das ist nicht Usus furz, er ist geradezu aufreizend anmaßend! Und ich mache energisch Schluß: Entweder Sie geben mir in der Minute das, was ich verlangt habe oder ich garantiere für nichts!!" Natürlich gab der Raffierer nach: über meine But erstaunt, fteht er einen Augenblid wie starr da, sieht mich aus seinen auf. geriffenen Augen mie eine toll gewordene Kobra an, dann wirft er mir eine Karte britter Klasse beinahe direkt ins Gesicht. Sieg? Oh nein, dazu ist es noch zu früh, um einen Sieg zu Feierlichen Schrittes gehe ich zum Waggon, steige ein, warte auf den letzten Pfiff der Lokomotive, noch mehr aber, selbstverständlich, auf meine Reisegefährten, diese verachteten" Farbigen. Aber verteufelt: es tommt niemand. feiern! Auf dem Perron, an meinem Kopfe vorüber, sauft der ununter. brochene, monotone Lärm schlürfender, nadter Füße. Barum aber faust dieser Lärm immer vorüber an meinem Rupee, immer weiter, irgendwohin? Wh, ich verstehe: mein weißer Helm schreckt sie, der Helm des weißen Menschen in dem Rupee, in das nach ihrer Meinung es besser ist, gar nicht einmal die Nase hineinzufteden. Ich nehme den Helm ab, drüde mich ganz in die Ecke und marte wieder: und wieder vergebens. ,, Warum kommt denn jetzt niemand?" denke ich, jetzt sehen sie mich doch gar nicht?" Inzwischen ertönt der Pfiff der Schaffner und der Zug setzt sich in Bewegung. Schluß. Ich bin allein. Aber warum, warum? Ich springe auf, beuge mich zum Fenster hinaus, um zu erfunden, worum es sich handeln fann. Die Sache erklärt sich sehr einfach: auf meinem Rupee steht mit Kreide in großen Lettern gefchrieben: besetzt! Raum nur hatte ich Zeit gehabt, den Waggon zu besteigen, als auch schon: besetzt draufgeschrieben worden war! Haft du dich einmal auf die Hinterbeine gestellt, hast dir eine DritteKlaffe- Rarte erpreßt, das heißt: fahre allein, Idiot! Und sonderbar: ich werde gefügig. Traurig mit den sich bewegenden Fenstervorhängen fächelnd, fize ich allein in ,, meinem" Baggon. Und der Zug saust durch die endlose Weite der blendenden Hige, die sich vom Himmel über diese heitere, paradiesisch reiche Erde er gießt. Und deutlich tönt das Echo vom Geräusch der rollenden Räder aus dem Balde, der längs der Strecke unendlich in seiner Größe an den Fenstern vorüberfliegt. Kurumba- a" schreien auf den Stationen bitter und laut die Berkäufer von Kokosnüffen. Das ist die Begleitmusik zu dem trockenen Lärm der bloßen Füße, die ununterbrochen an meinem Rupee vorübereilen. Und ich denke: PAS Sabaton Wotans Abschied. 器 Weh! Walvater mag nicht in Walhall mehr walten! Die Nacht naht! Es straucheln der Helden Gestalten! Was dumpf mir die Erde in dämmernder Weite Einst kündete, kommt jetzt: die völkische Pleite! Der weidliche Wulle ein Wunder erwimmert, Dem Kunze find seine Kredite verkümmert. Der Borsig ist böse. Es dämmert der Dalles Des Schwertgeklirres und Wogenpralles! 447 Kreuz Zeitung LOKA DER HAMME Beilage des Vorwärts мий HABEKING 26 Was ich mir von räudigen Ratten ließ raunen: Was ist das alles gegen Mahraunen! Jn fahlen Farben die Tage sich tünchen: Dem Reventlow blühte der Rausschmiß in München! Jch packe die Koffer. Lebt wohl unterdessen, Ihr schnaubenden Schnauzen, ihr freislichen Fressen! O mieser Aussicht miese Prozente: Perdu ist die Pinke und nah die Polente! Und wieber, unter dem deutlichen Lärm der rollenden Räder| Gefühl den Bogel sowohl in nord- südlicher als auch in umgekehrter fährt der Zug weiter, und wieder fliegen die Dschungeln vorüber, Richtung leiten fönnte. Die größte Wahrscheinlichkeit hat die Anparadiesisch hellblau hinter den Bäumen die Elefanten vergleich- nahme, daß in den Zugvögeln ein fombiniertes Empfinden lebendig ist, in dem sich der Zugtrieb als solcher mit einem gewissen flima baren Berggipfel und tiefe Täler... tischen Instinkt vereinigt. In der Richtung, in die dieses Emp finden die Vögel treibt, ziehen fie folange, wie der Zugtrieb in ihnen lebendig ist. Welch ein siegessicherer Lauf, was für ein frecher und mächtiger Bug, der da jo hochmütig diese ewigkeitshauchende Erde durch schneidet! ( Aus dem Ruffischen übertragen von A. M. Wafferbauer.) Das Rätsel der Zugvögel. Allmählich ist die Zeit da, wo die geflügelten Gäste aus bem Süden oder wenigstens ihre Quartiermacher wieder einzutreffen beginnen und damit regt sich aufs neue das Interesse an dem Geheimnis, das immer noch die Rätsel des Vogelzuges umwittert. Man hat sich in den letzten Jahren dieses Problems durch die Begründung von Vogelwarten an solchen Punkten angenommen, die irgendwie Brennpunkte der Bewegung der Zugvögel darstellen, wie z. B. die Bogelwarte in Rositten, die ein Hauptdurchgangspunkt der ffandinavischen Zugvögel ist. Die Bermutung, daß der Bogelzug mit der Witterung irgenmie in Berbindung ftände, ja, daß die Bewegungen der Zugvögelschwärme fogar fichere Schlüffe auf die Entwicklung der Witterung zuließen, hat sich im allgemeinen nicht bestätigt. Die Vögel ziehen fast bei jedem Wetter, auch bei Regen, wenn er nicht gar zu heftig ist, fie ziehen ohne Rücksicht auf die Richtung des Windes und auf das Steigen oder Fallen des Barometers. An Tagen, die einer längeren Schlechtwetterperiode folgen, unterbleibt häufig genug troß der Aufflärung der Bogelzug, während er sehr häufig an schlechten Tagen nach einer Schönwetterperiode in merkwürdig starkem Maße einsetzt. Biel eher kann man aus dem Benehmen der Zugvögel auf eine unerklärlich instinktsichere Vertrautheit mit der astronomischen Jahressituation schließen, woraus sich auch zwanglos die Tatsache erklären würde, daß so häufig große Zugvogelschwärme plöglich einsetzenden Schneestürmen oder Nachtfrösten zum Opfer fallen. Eine ausgesprochene Rücksichtnahme auf Wetter und Wind ist im allgemeinen bei den Zugvögeln mur dann zu bemerken, wenn ihr Weg sie zum Ueberfliegen großer Meeresftreden nötigt. Ueber die Höhe und die Schnelligkeit des Vogelzuges sind unählige mehr oder minder phantasievolle Märchen im Umlauf. Im allgemeinen glaubte man früher, daß die Zugvögel ihre weiten Reisen mit außerordentlicher Geschwindigkeit zurücklegten, tatsächlich beträgt aber ihre durchschnittliche Fluggeschwindigkeit, sofern sie teinen außergewöhnlich starken Rückenwind haben, nur etwa 60 bis 70 Stundenkilometer. Auch die Tagesetappen des Vogelzuges sind bei weitem nicht so groß, wie man sie sich vorgestellt hatte. Der weiße Storch legt zum Beispiel täglich nicht viel mehr als 150 bis 200 Kilometer zurüd, menn er nach dem Süden fliegt. Auf dem Frühjahrsflug hingegen beschleunigt offenbar das Verlangen nach der alten Heimat und der Bruttrieb das Reisetempo so, daß er es zu Tagesleistungen von 500 Kilometern bringt. Bon einer erstaunlichen Leistung des Regenpfeiffers, der in Sibirien und Alaska heimisch ist und im Herbst quer über den Stillen Ozean nach den Hawai- Inseln zieht, berichtet der amerikanische Ornithologe Henshaws. Nach seinen Angaben soll der Regenpfeiffer, der übrigens tatsächlich zu den besten und schnellsten Fliegern gehört, die 3000 Kilometer lange Strede in wenig mehr als 30 Stunden zurücklegen. Die Frage nach der Höhe, in der die Zugvögel fliegen, hängt vermutlich zusammen mit dem Orientierungsproblem. Tatsache ist, daß der Bogelzug im allgemeinen in der geringen Höhe von wenigen hundert Metern über der Erde vor sich geht. Damit aber, daß der Zugvogel die Erde offenbar nicht gern aus den Augen verliert, ist die seltsame Sicherheit seiner Drientierungsfähigkeit nicht erklärt. Dies ist vielmehr eine der schwierigsten Fragen des VogelJetzt werde ich aufspringen und diesem verfluchten Groß auges, der gegenüber man bisher fast ausschließlich auf bloße Anbritannien zum Troy in ein anderes Kupee hinüberlaufen, wenn es nahmen und Vermutungen angewiesen ist. Die endgültige Lösung sein muß, sogar in die vierte Klasse, in einen Waggon, der so über- der Fragen muß auf psychologischem Gebiete liegen, denn die Erfüllt mit fizenden und stehenden Schwarzen, mit ihren schokoladeflärung, daß die nach dem Süden hin zunehmende Wärme den farbenen Körpern, die nur an den Hüften mit schweißtriefenden Bogel leite, oder daß er sich nach dem Verlauf barometrischer Depressionen richte, fußt auf einem meteorologischen Schematismus, Fetzen umwickelt sind! der durch die tatsächlichen Verhältnisse fast stets Lügen gestraft wird. Die Theorie, daß ein magnetisches Gefühl den Bogel leite, hätte schon etwas für sich, wenn es nicht fraglich erschiene, ob dieses Aber während ich all dies denke, rühre ich mich dnnoch nicht pom Play. Irgend eine bittere Ergebenheit lähmt mich. Berhältnismäßige Untlarheit herrscht auch über die Zuständig feit der Zugvögel zu ihren jeweiligen Aufenthaltsorten. So ist zum Beispiel der Mauersegler, der sehr häufig als Schwalbe bezeichnet wird, ein ausgesprochener Tropenvogel, für den sein Aufenthalt im Norden lediglich eine Sommerfrische darstellt. Die eigentliche Schwalbe trifft bereits frühzeitig im April bei uns ein, vollzieht hier mehrere Bruten und verläßt uns erst im September oder Oktober, ist also in Nordeuropa zuständig" und als Zugvogel im Gegensatz zum Segler ein Winterflüchter. Die ersten Rüdlehrer sind meistens schon Mitte Februar bei uns zu beobachten, so der Bussard, der Star, Feldlerche und Gabelmeihe. Ihnen folgen als nächste Ringeltaube und Kiebig. Dann fommen Schnepfen, Bekassinen, Rotfchwänzchen, Falten und vor allem die Singdroffeln. In der letzten Hälfte des April zieht dann fast die gesamte geflügelte Macht in ihre alten Nefter ein: Grasmüden, Rotschwänzchen, Nachtigallen, Kudud, Schilf- und Teichrohrfänger, Rohrdommeln und Sprosser. Als letzte folgen dann die etwas verwöhnteren Herrschaften, wie die Gartengrasmüdke, der Pirol und die Wachtel. Stifter als Kattusfreund. Die Freude an den Kakteen, diesen seltsamsten Gesellen des Blumenreichs, ist heute meit verbreitet, dermeierzeit blühte. Damals, als Spigweg seine entzückenden Bilund man tehrt damit zu einer Mode zurück, die bereits in der Bie dermeierzeit blühte. Damals, als Spitzweg seine entzückenden Bilder von Kaktusverehrern schuf, wandelte der leidenschaftlichste Kaktusfreund der Literatur noch unter den Lebenden: Adalbert Stifter, der so wundervolle Schilderungen dieser Pflanzen geschaffen hat. Ueber die Kaktusleidenschaft des Schöpfers des„ Nachfommers" berichtet ein Brief von Amelie von Handel, der im neue sten Heft der Gartenschönheit" mitgeteilt wird. Mit Freude erinnere ich mich folgender Episode," schreibt die Dame. Stille Nacht im stillen Linz; jedermann in Schlaf versunken. 3mei Uhr mag es gewesen sein. Da wird Sturm an unserer Tür geläutet. Mein Mann öffnet das Fenster. Stifters Stimme tönt herauf: Sag habe ich nicht gefragt) aufblüht. Kommt!" Ich war schneller fertig als mein Mann. Stifter wartete auf mich, und wir rannten durch die dunklen Gaffen. Seit Tagen hatte die geschlossene Knospe des Kaktus uns beschäftigt wie ein Geheimnis. Nun stand die Knospe auf dem Tische, ven Lichtern umringt, wie auf einem Altar. Gottlob, auf uns zwei hatte sie gewartet! Mein Mann fam ein bißchen zu spät, denn nun spalteten sich die Blätter, erst ein ganz flein wenig, dann von Minute zu Minute mehr, dann quollen rotgoldene Staubfäden aus dem Kelche, die Knospe war Blume geworden. Die deiner Frau, daß der größte Kaktus( nach seinem botanischen Namen Blume war wunderbar schön und wir staunten sie an; aber der ersten Regung des Werdens, dem Deffnen der Knospenlippen lauschten mir atemlos.- als fönnten wir sie stören, die Stimme der Natur. Stifter hatte eine große Kafteensammlung. Manchmal dachte ich, seine Vorliebe für diese kristallisierten Pflanzenformen in ftachligem Ge wande ergänze ihm etwas allzu Weiches in seiner Seele. Caruso und der Wassereimer. Als Caruso das erstemal in Berlin sang, wäre es beinahe zu einem Konflikt gekommen. Es war in" Carmen". Caruso stand, als Don José, während er nicht auf der Bühne beschäftigt war, hinter den Kulissen und zündete sich eine Bigarette an. Doch kaum war das Ungebührliche geschehen, tam ein Feuerwehrmann angeschossen und machte den Sänger darauf aufmerksam, daß es streng verboten sei, im Theater zu rauchen. Caruso zerdrückte seine Zigarette und erklärte:" Gut, dann verlasse ich das Theater!" Der pflichteifrige Feuerwehrmann eilte mit rotem Kopf zu seinem Borgeseßten und dieser erschien rasch auf dem Plan, um dem Sänger nach kurzem Wortwechsel ganz ausnahmsweise" die Erlaubnis zum Rauchen seiner angeblich unentbehrlichen Zigarette mit den Worten zu geben:„ Aber Sie müssen sich der Bedingung fügen, daß in Ihrer Nähe stets ein Feuerwehrmann mit gefülltem Wassereimer zu stehen hat!" Tatsächlich stand während des ganzen Caruso- Gastspiels hinter dem Zigaretten rauchenden Caruso auf der Bühne des ehemaligen Berliner Hofopernhauses ein Feuerwehrmann angriffsbereit mit einem gefüllten Wassereimer.. Groß- Berliner Parteinachrichten. 8. Atreis Webbing. Freitag, ber 5. März, abends 7 Thr, Sigung bes es weiterten Areisvorstandes an belannter Stelle. Wedding- Gesund brunnen: Für die SPD.- Genofsinnen und Genossen, welche Mitglieder des Bereins der Freidenfer für Feuerbestattung find, Bersammlung am Donnerstag, den 4. März, abends 7% Uhr, im Löwen- Ausschant, Bad, Ede Hochstraße. Tagesordnung: Wie verhindern wir in unserer Rultur bewegung Rabauversammlung?" Alle parteigenössischen Mitglieder müssen bestimmt erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Kreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Rinderschuh: Donnerstag, den 4. März abends 7% Uhr, Lichtbilder. Referentin Minna Todenhagen. vortrag: Die Arbeiterwohlfahrt". Alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffinnen und Genossen werden gebeten, zu erscheinen. Barade, Altersheim, Danziger Str. 62. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 4. März, abends 7 Uhr, allgemeine Funktionärtonferenz im Ledigenheim Pappelallee 15. Tagesordnung: Sozialistische Kommunalpolitit". Referent Bürgermeister Ge noffe Dr. Ostrowski. Freitag, den 5. März, abends 7 Uhr, Sigung der Beitungskommission bei Burg, Prenzlauer Allee 189. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag, den 4. März, abends 8 Uhr, in ber Bezirksfürsorgestelle, Mariannenufer la, Arbeitsgemeinschaft für Selfer und Helferinnen der Wohlfahrtspflege. Bortvag: Borbeugende Gesundheits fürfonge". Leitung Genosse Stadtarzt Dr. Gilberstein. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 3. März, abends 7% Uhr, Sigung ber Reitungstommission in der Bibliothek Weichselstr. 28. Erscheinen aller Mitglieder dringend erforderlich. 18. Kreis Weißensee. Mittwoch, den 8. Mära, abends 7 Uhr, in ber Boruffia Mitgliederversammlung. Heute, Mittwoch, den 3. März: 42. bt. Die Mitglieder nehmen gefchloffen an der heutigen Demonftration teil. Antreten mit Banner abends 64 Uhr bei Biersdorff, Urbansta 6. 48. Abt. 7% Uhr Treffpunkt sämtlicher Parteimitglieder zur Demonstration bei Wertheim, am Morigplag. Donnerstag, beu 4. März, abends 8 Uhr, Funktionärsigung bei Breffe, Brinzenftr. 23. 73. Abt. Schmargendorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Gemeinbe schule Friedrichsfelder Straße. Bortrag: Fitrstenabfindung Bolts begehren". Referent Genoffe Biermann. Borstand und Funktionäre treffen fich bereits um 7 Uhr dafelbft. Die Bezirksführer laden schriftfich ein. 81. Abt. Fricbenan. Der heutige Geminarabend fällt aus, baffir Funktiondo fikung um 8 Uhr bei Rlabe, Sandjernftr. 60-61. 4. Abt. Bankwig. 8 Uhr bei Lehmann, Raiser- Bilhelm- Str. 29-51, Funktionärsigung. 108. Abt. Röpenid. Agitationsmaterial liegt fire bie Bezirksführer in ber Borwärts"-Ausgabestelle Rieger Str. 6 bereit. Sofort abholen. Morgen, Donnerstag, den 4. März: 1. st. 7% Uhr bei Juhnte. Artillerieftr. 11, Funktionärssung. Material verteilung. Anwesenheit aller Funktionäre bringend erforderlich. & Abt. 7% Uhr Funktionärsigung bei Roch, Schillingstr. 30. Bichtige Sages ordnung. 8. Abt. Ab 5 Uhr nachmittags von Ridert, Steinmekftr. 36a, Sandzette! für die Freitag- Rundgebung im Nationalhof verteilen. Jeder Bezirk mus vertreten fein. 87. Abt. 7 Uhr bei Pfeiffer, Sausburgstr. 2, Funktionärfißung. Alle Funktionäre werden ersucht, wegen der wichtigen Tagesordnung bestimmt und pünktlich zu erscheinen. nfw. 3.7 The wichtige Funktionärbeforedung bei WoW, Gröfe, Che Möllenhoffstraße. Die Genoffinnen und Genoffen werden ersucht, fich ax bem Umzug am Mittwoch, den 3. März, abends 6½ Uhr, zu beteiligen. Sammelplak: Fontanepromenade. 46. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Eichholz, Cuornftr. 23. Erscheinen aller Funktionäre unbedingt erforderlich. Neukölln. 89. Abt. 7% Uhr Extrazahlabende: 1. bis 5. Bezirk bei Brofe, Sanderstr. 10; 6.. 11., 12. Bezirk bei Gläser, Bannier-, Ede Bflilaerstraße; 7. bis 10., 18., 19. Bezirk bei Fischer, Sobrechtstr. 64. 92. Abt. Der Ordnerbienft tritt um 7 Uhr in der Aula des Raiser- Friedrich- Realgymna fiums vollzählig an, um mit dem Ordnerdienft der 90. Abteilung gemein fam den Saalfchuß zu versehen. 117. Abt. Lichtenberg. Sandzettelverbreitung um 6 Uhr von Emil Arüger, Rantstr. 33, aus. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin Leffe Beranffalfung: Infernationale Boffsfänge u. Volkslieder am Sonntag, den 7. März 1926, nachmittags pünffl. 33 Uhr, im großen Saal der Philharmonie", Bernburger Straße: Alte und neue Tänze( geiftliche und höfifche Tänze) Künstlerische Leitung: Herr Mag Terpis, Ballettmeister am Staatstheater. Mitwirkende: Elifabeth Grube, Harald Kreuzberg, Rudi Hölling. Walter Junt, Daily Spies und mehrere Damengruppen. Eintrittstarte 1.20 mt. Karten find in allen bekannten Verkaufsstellen zu haben! 138. st. Reinidenberf.D. Elternverfammlung 8 hr bei Mekler. Nefi benafte. 109, Ede Bankower Allee. Bortrag: Die Elternbeiratswahlen". Referent Lehrer Richard Schröter. Alle Genoffinnen und Genoffer willffen wegen der wichtigen Tagesordnung unbedingt erscheinen. Jungfezialisten. Gruppe Tiergarten: Mittwoch, ben 3. Märs, abends 8 The, in ber Borwärtsfpebition Wilhelmshavener Str. 48, Bortrag: Die Rolle bes Mannes im Rulturleben". Referent Genoffe Silber- Charlottenburg. Gäfte willkommen. Sonntag, den 7. Mära, abends 7 Uhr, im Heim ber Sozialen Frauenfchule, Magdeburger Str. 7, Bortrag: Fürftenabfindung und Boltsentscheid". Referent Genoffe Adler. Gruppe Neukölln 1: Mittwoch, den 3. März, abends 8% Uhr, 4. Bortragsabend des Genoffen Erwin Marquardt über Preußische Verfaffungsgeschichte". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Tiergarten: Donnerstag, ben 4. März, nachmittags 5% Uhr, findet in der Borwärtsspedition Wilhelms havener Str. 48 eine Rusammenkunft ftatt. Unfere Ofterfahrt. Alle Rinder müssen erfcheinen. Gruppe Renköln: Freitag, den 5. März, abends 7 Uhr, Selferversammlung in der Barade Ganghoferstraße. Frauenveranstaltungen! 1. st. Donnerstag, bex 4. Märs, abenbs 75 hr, bet Sibner, Bilenader Straße 34, Bortrag: Fürftenabfindung Boltsentscheib Referent Crich Fraentel 109. Abt. Friedrichshagen. Donnerstag, ben 4. März, abends 7% hr, in Lotal Otto, Ritch, Ede Wilhelmstraße, Bortrag: Die Rot unserer heutigen Jugend". Referent Bruno Lösche. 120. Abt. Friedrichsfelde. Donnerstag, den 4. Mära, abends 7 Uhr, im 2obal Schwarz, Capriviallee 42, Bortrag: Fürftenabfindung Boltsentscheid". Referentin Hedwig Schwarz. Großen Rheinischen Maskenball Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 3. März, abends 7% Uhr: Funktionärversammlung in der Schulaula Rochftr. 15. Thema: Aufe gaben der GAZ." Refert Genoffe Mar Westphal. Warschauer Biertel: Gruppenabend fällt aus. Treffpunkt zur Groß- Berliner Funktionärverfammlung 47 Uhr Weberwiese, Normaluhr. Südost( Reichenberger Biertel): Treffpunkt zur Funktionärverfammlung 147 Uhr Jugendheim. Abteilungslaffierer! Nehmt die Beitragsabrechnungen vor, Ausgabe der Jugend voran" und der Arbeiter- Jugend". Abteilungsmitgliederversammlungen: Bebbing: Schule Antonstraße. Selmholzplag: Schule Eberswalder Straße 10. Norbring: Schule Scherenbergftr. 7. Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 103. Friedrichshain: Jugendheim Dieftelmenerstr. 6-7.- Osten ( Frankfurter Biertel): Jugendheim Rigaer Str. 103. Often( Petersburger Viertel): Jugendheim Ebertnstr. 12. Luisenstadt: Schule Stallschreiber ftraße 54. Lantwig: Gemeindeschule Schulstraße. Tempelhof: Lnzeum Germaniaftr. 5-6. Friedrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105a. Friedrichsfelbe: Jugendheim Berliner, Ede Schloßstraße. Kaulsdorf: Schule Adolfftr. 25. Ren- Lichtenberg: Pestalozzi- Luzeum, Prins- Albert- Straße. Lichtenberg- Rorb: Jugendheim Bartaue 10. Braut Jede sollte wissen, dass sie noch als Großmutter Freude an ihrer aussteuer- Wäsche haben wird, wenn sie Dr. Thompson's Seifenpulver verwendet, das nicht nur gründlich wäscht sondern selbst die empfindlichsten Staf fe nicht angreift. Die vom Bösen Buben, vom V. D. R., vom Juryfreien, vom Alpen, vom Zille, vom Reimann, vom Karrikaturisten, vom Gesinde und allen Theater anderen Bällen, sie geben sich ihr lehtes Lichtfpiele Stelldichein auf dem letzten Maskenball diefes Jahres, auf dem Ball der Bälle, dem der berühmte Kölner Karnevalist, dirigiert mit feinen weltberühmten Schlagern das Ganze. Die schönsten Frauen sowie die besten Kostüme und Masten werden prámitert. Staats- Theater Eintrittspreise inkl. Steuer und Abgabe für die Sochwassergeschädigten am Rhein für Damen Vorverkauf: Theaterfassen Wertheim, Bote u. Bod, Funkhaus und im Ballbureau Weinhaus Brechler, Kurfürstendamm 22. Opernhaus TUhr: Pagoletto Opernhaus am Königsplatz Volksbühnel. Theater am P: Troubadour 8 Uhr: Schauspielhaus Wer weint um 8 Uhr: Minna von Barnhelm Sehilfbauerdamm Lessing- Tb. 8 Uhr: Juckenadi? Der Tausch Schiller Theater Morgen Uhr BU: D.Geschwister. Der befreite Morgen 8 Uhr: Der zerbr. Krug Don Quichotte Der Tausch Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Pique- Dame Großes Schauspielhaus Für ( Loite Lehmann) Dich Abonn- Turnus III Deutsches Theater CHARELL- REVUE 8 Uhr: Juarez und Maximilian Kammerspiele 8 Uhr TAGLICH 84 8 8 Uhr Gastspield Saltenburgs Bühnen D. fröhliche Weinberg Th. a. Nollendorfpl. Kleines Th. 8 Uhr: 8 Uhr: Die offizielle Ein Spiel Frau von Operette in 3 Akten Preise 1 M. bis 8 M. Tod u. Liebe Philharmonie 8 Uhr: v.Romain Rolland Konzert Rose- Theater d. Philharmon.Orch 8 Uhr: Die vier unter gefäll. Mitwirkung des Schlaumeier Berlin' r Theater Berlin.Aerzte- Chors Messalinette Dirig. Dr. Kurt Singer Josephine 17. Tag Die Komödie Kurfürstendamm 206/7 Heute und morgen geschlossen Freitag, den 5 März Zum 1 Male: Viktoria Regie: Max Reinhardt Residenz- Theat. 8: Foppke, d. Egoist Rommer, Sabo Limburg Thalia- Theater 8: D. alte Dessauer Charlé, Vespermann Werckmeister Tb.i.d.Kommandantenstr. 8 Uhr: Lene, Lotte, Liese Wessely, Dora, Baselt Theat.d. Westens 8 Uhr: Gastspie. Tanz- Gruppe Mary Wigman Das Spiel Ab Donnerstag tägl. 8 Uhr u. die Liebe SCALA 8 Uhr: Ratoucheff's Puppenladen und weitere 10 Künstlertruppen 8 von Weltruf Uhr Trianon- Th Zentr 2391 Berlin lacht von 8 bis 12 Die Revue der Einakter Central Theater 8 r: Eva Bonheur ungert eute H ungerkünstler Jolly وو im Krokodil" Friedrichstraße 124 am Untergrundbahnhof Oranienburger Tor. Reichshallen- Theater Abends 8 U., Sonntag nchm.3 U. Stettiner Sänger New: Der letzte Postillion Nachm. halbe Preise. Velles Programm Dönhoff- Brettl 10 Nummern! Tanz und Urfidelitas! Elite- Sänger Tägl Kottbuser Str. 6 Deutsches Künstl.- Theater 8 Uhr: Paganini Th.a.Kurfürstendamm Uhr: 8 Die Nacht der Nächte Lustspielhaus 7 U.: Premiere Die rote Cléo Wallner- Theater 8 Uhr: Kolportage Barnowsky- Bühnen Theater Der Andrang zu unserem Riesenprogramm: Reinhold Schünzel in„ Der Stolz der Kompagnie" Hoot Gibson in ,, Circus Wild West". ist so gewaltig daß wilden Händlern bis zu 10- Mark pro Platz geboten wurden. Wir empfehlen daher immer wieder: Benutzung des Vorverkaufs von 11-1 Uhr oder teleph. Vorbestellung unter Lützow 7095. 915 Uhr Täglich 3 Vorstellungen 5, 715, PRIMUS- PALAST Potsdamer Straße 19 Th. in d. Lützowstr. Circus Tägl. 8 Uhr: Lempke's in der Radiohalle( Funkhaus) am Sonnabend, den 6. März 1926, abends 8 Uhr. Willy Ostermann, Mart 4- und für Herren Mart 5.-. Telephon: Bismard 1835. WINTERGARTEN BUSCH WINTER GARTEN Königgrätz.Str. sel. Witwe Tägl. 7. Neues März Progr. T. Hasenheid.2110 Musik v. 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Aus dieser Ziffer tönne man schon ersehen, eine wie große Arbeit auf den Versorgungsbeamten laste, und wie falsch es sei, diese Beamten, die ohnehin schon bis auf 50 Broz. ihres früheren Standes abgebaut seien, mit neuen Abbaumaßnahmen zu bedrohen. Auch folle man sich davor hüten, die Versorgungsbeamten durch fleinliche Auseinandersetzungen mit dem Rechnungshof zu stören. Im Vergleich zu den Pensionen der Offiziere seien die Renten der Kriegsbeschädig ten trotz der Novelle des Vorjahres auch heute noch durchaus ungenügend. Die soziale Fürsorge für die Beschädigten und Hinterbliebenen sei durch die Fürsorgenpflichtverordnung ganz bedeutend ver= schlechtert worden. Das Reichsgericht habe sich mit den Unternehmern verbündet, um dem im Schwerbeschädigtengesetz vorgesehenen Einstellungszwang aufzuheben. Dadurch werde der ganze Arbeitsschutz der 300 000 Schwerbeschädigten und Unfallverlegten über den Haufen geworfen. Die Sozialdemokratische Partei werde durch einen Jnifiafivgefehentwurf Gelegenheit geben, diese Gefahr abzuwenden, wie fie überhaupt vom Reichstag verlange, endlich einmal eine Revifion des Schwerbeschädigtenrechtes vorzunehmen. Sie verlange weiter gefeßliche Seilfürsorge für die Kriegshinterbliebenen. Schärfste Kritik forderte das Ber halten der Regierung in Sachen Offizierspenfionen heraus. Während sie vorgegeben habe, gegen das berüchtigte Generalsurteil, das den Offizieren die Pension aus der Kriegsstelle zugesprochen habe und das dem Reich jährlich 20 Millionen fofte, nichts unternehmen zu fönnen, habe sie gegen die vorjährige Entscheidung des ReichsDersorgungsgerichts, die zum Vorteile der Versorgungsberechtigten getroffen wurde, sofort ein gesetzgeberisches Borgehen angefündigt. Wir haben von unserem Standpunkt aus nichts dagegen, wenn man gegen untragbare Entscheidungen höchster Gerichte gefeggeberisch porgeht. Dann aber darf man die Korrektur nicht nur einseitig bei den Kriegsbeschädigten vornehmen, sondern muß sie auch auf die Offiziere ausdehnen.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Nach weiterer Debatte berichtete Abg. Hoffmann- Ludwigshafen über das Ergebnis der Ausschußverhandlungen über das Saar: revier. Die Bewohner des Saarbeckens halten treu zum Deutschen Reich, obwohl sie durch die französische Inflation in eine äußerste Notlage gedrängt worden sind. Daraus ergibt sich für das Reich die Pflicht, den Einwohnern des Saargebietes zu helfen. Der Ausschuß empfiehlt eine Reihe von Hilfsmaßnahmen, die vom Redner einzeln angeführt werden. Beim Titel Siedlungswesen unterstüßt Gen. Hüttmann das Bestreben des Reichsarbeitsministers, sich im Auslande die Mittel zum Wohnungsbau zu verschaffen. Protestieren müsse man gegen die Verwendung der Mietszinssteuer für allgemeine Verwaltungszwede und gegen den außerordentlichen Wucher auf dem Gebiet der Baustoffindustrie. Die Sozialdemokratische Fraktion beantrage die Ausgaben zur Förderung des Baues von Wohnungen auf gemeinnütziger Basis von 15 auf 20 Millionen zu erhöhen und davon mindeffens fünf Millionen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zu verwenden.( Beifall bei den Soz.) Nach weiterer Debatte begründet beim Titel„ Einmalige Aus gaben für Sozialpolitik und Volkswirtschaft" Gen. Bohm- Schuch den sozialdemokratischen Antrag nach einem Gesetzentwurf zum Schutz der jugendlichen Arbeitskraft, nach dem die Schußbestimmungen bis auf das vollendete 18. Lebens jahr ausgedehnt werden, für erwerbstätige Jugendliche unter 16 Jahren drei Wochen bezahlte Ferien resp. zwei Wochen bis zum 18. Jahr vorgesehen werden. Die Arbeitswoche soll höchstens 48 Stunden betragen. Weitere Bestimmungen betreffen die fonn tägliche Arbeitsruhe, die Arbeitspausen und das Berbot der Nachtarbeit. Wie schlimm es um die Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter bestellt ist, führte Genoffin Bohm- Schuch aus, beweist eine Erhe bung der sozialistischen Arbeiterjugend, wonach von 3440 erfaßten Jugendlichen 60,5 Pro3. 48 Stunden, 14,4 Proz. 51 Stunden, 5,4 Pro3. 60 Stunden, 26 Pro3. 66 Stunden die Woche arbeiten müssen.( Hört, hört bei den Soz.) Im Mans: feldschen Bergbau gehen die jungen Arbeiter schon um 3 3 Uhr früh aus ihrer Wohnung fort, um rechtzeitig zur Arbeitsstätte zu fommen. Als man um Urlaub nachsuchte, erwiderten die Unternehmer, daß das nur geschehen könne, wenn den alten Arbeitern der Urlaub entsprechend gekürzt werde.( Hört, hört bei den Soz.) Die Löhne für die Jugendlichen feien außerordentlich gering. Das schon im Jahre 1923 versprochene Berufsausbildungsgesez müsse endlich vorgelegt werden.( Lebhafter Beifall bei den S03.) Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erwiderte der Rednerin, dem Reichstag werde in den nächsten Tagen ein Jugendschutzgesetz zu gehen, während das Berufsausbildungsgesetz demnächst dem Kabinett vorgelegt werden würde, Bei den Abstimmungen wird der Haushalt nach den Beschlüssen des Ausschusses angenommen. Den Ausschüssen werden einige fozialdemokra fische Anträge überwiesen, so daß die Finanzierung der fozialen Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene sowie der Wochenfürsorge vom Reich übernommen wird; ferner die Mittel zum Ausbau der bestehenden Einrichtungen zur Untersuchung und Verhütung der Unfallgefahren im Bergbau zu bewilligen und das in Borbereitung befindliche Bergarbeiterschusgesez beschleunigt dem Reichstag vorzulegen; schließlich die Regies rung zu ersuchen, von der Erhebung von Gebühren von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, die beim Reichsversorgungsgericht unterliegen, fünftig abzusehen. Einem Berlangen der Deutschnationalen, Kommunisten und Völkischen, eine Aussprache über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund auf die Tagesordnung zu sezen, wurde von demotra tischer und sozialdemokratischer Seite widersprochen. Ein völkischer Antrag, den Reichswehrminister herbeizubeordern, wird abgelehnt. Darauf beginnt die Beratung des Reichsmehretats. Berichterstatter Gen. Stüdlen: Der Reichswehretat hat eine wesentliche Steigerung der Aus: gaben erfahren, obwohl weder bei Reichswehr noch Marine eine Vermehrung der Kopfstärke stattfand. Der Zuschuß, den das Reich für die Reichswehr erstatten muß, beträgt rund eine halbe Mil liarde. Der Hauptausschuß hat an den einzelnen Positionen wesentliche Abstrie vorgenommen. Wenn man auch nicht ohne weiteres die Friedensziffern für den Kostenbedarf mit den heutigen Ausgaben vergleichen darf, so ergibt sich doch infolge der Monopolstellung der von der Entente zugelassenen Waffenfabriken ein wesentlicher Unterschied. Estofteten: im Frieden ein Gewehr 65 m., heute 200 m, eine Pistole 50 und 150 m, ein Maschinengewehr 1650 und 8800 m.( hört, hört!), eine leichte Feldhaubitze 20 000 und 50 000 21., eine schwere Feldhaubize 40 000 und 100 000 m., eine 10-3entimeter- Kanone 48 000 und 120 000 m, ein langer Mörser 90 000 und 225 000 2.( Hört, hört!) Aehnlich liegen die Berhältnisse bei den anderen Bedarfsartikeln der Reichswehr. Das liegt daran, daß wir jetzt genötigt find, von Fabriken, die früher überhaupt teinen Heeresbedarf her gestellt haben, den Bedarf zu beziehen. Aber wir sind nicht gezwungen, diesen Fabrifen alles abzunehmen, und wenn man den zwungen, diesen Fabrifen alles abzunehmen, und wenn man den Bedarf ganz wesentlich einschränken mürde, dann würden die Fabriten vielleicht dazu kommen, uns im Preis einigermaßen entgegenzukommen. Wir haben einen eigenen Fabriken. fonds, in dem die Summen enthalten sind, die mir ihnen beschlen müssen, wenn sie Munition und Waffen liefern. Das liegt daran, daß wir die reichseigenen Fabriken zerstören und den Bedarf bei vorgeschriebenen Fabriken decken mußten. Da bei sind uns Firmen angegeben worden, die noch nicht ein. mal die notwendigen Einrichtungen hatten, so daß das Reich den betreffenden Firmen die Summen für die Einrichtung zur Verfügung stellen mußte, an die dann das Eigentum an den Einrichtungen überging. So wurden der Firma Simson u. Co. in Suhl, der mir die Gewehre zu Monopolpreisen abnehmen müssen, für 12 Millionen Mart Aufwandsentschädigung gegeben. Rheinmetall erfordert 1 600 000 r., Rheinmetall Düsseldorf 7 450 000 m., die Fahrzeugwerfe Eisenach 1 100 000 m., Bochumer Berein, Dortmunder Union 9500 000 m2. usw. Weiter war das Reich genötigt, Patente im Werte von 1568 000 m. abzulösen. Derartige Ausgaben verschlingen im ganzen über 52 Millionen Mart.( Hört, hört!) Diese ungeheure Ausgabe, die furchtbar schwer zu fragen ist, hätte dem deutschen Bolte erspart werden können, wenn uns in beschränktem Umfange die reidseigenen Fabriken belassen worden wären.( Sehr wahr! lints.) besonderer Truppen abgelehnt. Er setzte uns weiter auseinander, die Formulierung Schwarze Reichswehr" stamme aus den Kreisen der Deutschvolfischen. Der Vertreter der Deutschnöllischen hat dem widersprochen, hat eine Erklärung im Ausschuß verlesen, worin das ganz entschieden in Abrede gestellt mirde. Es murde meiter ermähnt, im Jahre 1923 habe der General Ludendorff die Aufstellung einer Schwarzen Reichsmehr angeregt, beim Chef der Heeresleitung aber eine glatte Ablehnung erfahren. An den Vorgängen in Rüstrin, die auch im Ausschuß eripähnt worden sind, jei nicht die Schwarze Reichswehr beteiligt gewesen, sondern das maren die Reste des Oberschlesischen Grenzhuge s gewesen. Jedenfalls hat sich aus den Verhandlungen ergeben, daß sich ein ziemlich wirres Durcheinander von Verbänden aller Art in Deutschland herausgebildet hat: Schwarze Reichswehr, Grenzfchuß, Heimatschuh, Jungdo, Berwolf, alles mögliche. Aber es wurde erklärt, die Reichswehr stehe diesen Dingen fern, und wenn einmal gestattet worden sei, daß irgend eine Gruppe auf einem Schießstand üben fonnte, dann sei das eine Eigenmächtigkeit untergeordneter Organe gewesen, aber der Minister habe damit nichts zu tun. Am Ausschuß wurde dem Minister gesagt, daß er dafür forgen müßte, daß Leute, die sich derartige Uebergriffe erlauben, ridfichistos aus der Reichswehr beseitigt werden. Bor allen Dingen wurde betont, daß die Einstellung von Zeitfreiwilligen einzustellen jei. Der Minister hat uns versichert, daß er alles hun werde, um der Kritik fünftig den Boden zu entziehen. Dann ist sehr lebhafte Kritik an den Parademärschen vor Generälen der alten Armee geübt worden. Ein großer Teil der Mitglieder des Ausschusses war der Auffaffung, daß die Reichsmehr beijplchen Beranstaltungen nichts zu suchen hat, daß solche Dinge auch nicht mit der Tradition zusammenhängen, von der der Herr Minister sagte, daß er sie auf alle Fälle pflegen müsse. Eine Frage von grundsäglicher Bedeutung tritt in diesem Etat erstmalig auf. Das Reichswehrministerium wird den Bersuch machen, einen Teil des Bureaudienstes mieder durch Soldaten verrichten zu lassen. Der Reichsmehrminister wird weiter eine möglichste zusammenlegung der einzelnen Berwaltungszweige und Kassen in pen Garnisonen versuchen. Auf dem Gebiete des Beschaffungswesens haben sich Mißstände herausgestellt. die Seeresverwaltung für einen Mannschaftsschrank 140 So ist schon im Hauptausschuß darauf hingewiesen worden, daß Mart ausgibt, während die Marineverwaltung nur 90 m. dafür zahlt. Weiter hat Kollege Erfing, auf den Fall der Industrie. erzeugnisse- A- G. des Generals a. D. Feldmann, des bekannten früheren Staatssekretärs im Reichswehrministerium, hingemiesen, die sich zwischen Reichswehr und Lieferanten flemmte und für ihre Tätigkeit eine Brovision von 2 Broz. beanspruchte, durch die natürlich lezten Endes die Reichswehr belastet wurde. ( Hört! hört! links.) Darin liegt nach Auffassung des Ausschusses darin waren wir alle von links bis rechts einig eine sehr große Gefahr. Sowohl Heer wie auch Marine müssen in der Lage jeu, direkt mit den Lieferanten zu verfehren. Sie brauchen dazu feine Mittelspersonen. Die Generale jedenfalls, die ihre Benfionen beziehen, sollen sich nicht als Varajiten zwischen Reichswehr, Marine und die Lieferanten hineinschieben. Reichswehrminiſterium Marine sind gewarnt; wir hoffen, daß sie die Warnungen nicht in den Wind schlagen.( Beifall.) 444 und Um 7 Uhr nertagt sich das Haus auf Mittwoch nachmittag 1 Uhr mit der Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung des Haushalts des Reichswehrministeriums. Die Prüfung der Ruhrkredite. Zweierlei Handhabung festgestellt. Was nun die Abstriche des Ausschusses anbelangt, so bin ich der lleberzeugung, daß mir ruhig hätten weitergehen fönnen und doch ausgefommen wären. Ein Blick in den Etat zeigt, Der Reichstagsunterjudungsausschus für die daß wir in der Organisation der Reichswehr eine ganze Menge Abteilungen haben, die vielleicht hätten verringert oder zusammen- Ruhrfrebite trat am Diensteg nach längerer. Banse zu einer gelegt werden fönnen. Die Heeresverwaltung muß Rücksicht auf die Binanzen des Reiches nehmen. Hinsichtlich der Monopol preise fehe ich ja leider feinen Beg, in nächster Zeit zu einem anderen, meniger kostspieligen System zu kommen. Wenn in einer Kritik gesagt worden ist, daß die Reichswehr im Bergleich zur Friedenszeit heute für technische Institute, Berwaltungsfoften, llebungsgelber und dergleichen bedeutend mehr ausgibt, jo beruht das auf einer falschen Perspektive. Für llebungen zum Beispiel wird heute genau der fünfte Teil deffen ausgegeben, was das alte Heer gebrauchte, obwohl alles ganz erheblich teurer geworden ist. Bei den Berwal tungstoften muß man berücksichtigen, daß heute eine ganze Anzahl von Arbeiten von Angestellten und Beamten erledigt werden, die früher Soldaten ausführten. Aber auch das ist eine der Folgen des Versailler Vertrages. Die politische Einstellung der Reichswehr hat im Ausschuß eine große Rolle gespielt, vor allem die Frage der Schwarzen Reichswehr. Festgestellt ist, daß diese Schwarze Reichswehr militärisch eingekleidet war. Festgestellt ist auch weiter, daß der vielgenannte Oberleutnant Schulz tatsächlich beim Wehrkommando III in Berlin gesessen hat, aber nicht als Offizier, sondern als Angestellter. Es ist bei der Aussprache gar kein Zweifel darüber gelassen worden, daß man derartig gewagte Experimente nicht machen soll, da es im Interesse der Reichswehr liegt, wenn sie sich von allen Verbänden fernhält, gleichviel welchen Namen fie tragen mögen, ob sie den Namen Schwarze Reichswehr tragen, ob fie Heimatschutz" heißen, ob sie Grenzschutz" oder sonstige phantastische Namen sich beigelegt haben. Es liegt im Interesse der Reichswehr, daß sie von all diesen Organisationen weit abrückt, die letzten Endes der Entente nur wieder Anlaß bieten, mit Repreffiomaßnahmen gegen Deutsch Land vorzugehen. Das gab Anlaß, dem Reichswehrminister eine Reihe von Fragen vorzulegen. Der Minister ist sehr eingehend auf diese Fragen eingegangen, hat vor allen Dingen auch eine ganze Menge Dinge zurückgewiesen, die gar nicht behauptet worden waren. ( Seiterkeit.) Aber das ganze Bild war eben das, daß die Beantwortung der Fragen so ausgefallen ist, daß nach Auffassung des Minifters ein Vorwurf in gar feiner Weise erhoben werden fann. Der Minister stellte fest, daß sowohl er wie der Chef der Heerensleitung der Schwarzen Reichswehr stets ablehnend gegenüber gestanden haben. Im Jahre 1923 habe man mit einem Angriff aus dem Often gerechnet. Trotzdem habe er die Bildung Sigung zusammen. Der Vorsitzende, Abg. v. Cindainer Wildau ( Dnat.) teilte mit, daß der eingelegte- Unterausschuß inzwischen des umfangreiche Material gesammelt und gefichtet habe. Das Ergebnis ist ein dider Band, von dessen Bervielfältigung wegen der hohen Kosten zunächst abgesehen morden ist. Der Bericht des Unterausschusses schlägt vor, über die Frage der Berechnung der Rohlenpreise und der Angemessenheit der Entschädigung des Ruhrbergbaues Sachverständige zu rernehmen Bon fich dus hat der Unterausschuß folgende wichtige Feitstellungen gemacht: Bei der Handhabung der sogenannten Micum- ähnlichen Verträge stellte er eine unterschiedliche Behandlung des Ruhrbergboues und der übrigen Beteiligten fest. Während im allgemeinen eine Entschädigung von Zöllen und Abgaben ausdrücklich abgelehnt wurde, ist sie dem Ruhrbergbau bewilligt worden. Der Ruhrbergbau habe ferner. Bins vergütungen in Höhe von 26,7 Millionen erhalten, mährend sonst Binsvergütungen nicht gewährt würden. Bei der Erſazleiſtung der erpreßten Reparationslieferungen sind im allgemeinen bie Wiederbeschaffungspreise zugrunde gelegt worden, beim Ruhrbergbau aber die höheren Preise zurzeit der Beschlagnahme. Auch wird festgestellt, daß mit dem Infrafttreten der Micum Berträge cine Senkung der Arbeitslöhne und eine Berlängerung der Arbeitszeit eingetreten ist. Abschließend heißt es deshalb: „ Der Unterausschuß stellte deshalb eine wesentlich ungünftigere Behandlung der Schäden im Sonderverfahren gegenüber den Micum- Geschädigten fest." Der Bericht des Unterausschusses stellt ferner jest, daß auf seine Anregung eine Nachprüfung der Entschädigungen im Sondernerfahren eingetreten ist und eine besondere Entschädigung on die Arbeitnehmerschaft des Ruhrbergbaues geleistet wurde. Der Ausschuß genehmigte diesen Bericht und beschloß, von je einem Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter des Ruhrbergbques Gutachten einzufordern über die Höhe und die Begründung der an die Industrie gezahlten Entschädigungen. Die nächste Sigung des Ausschusses, in der die beiden Sachverständigen nach Eingang ihrer Gutachten vernommen werden sollen, wird frühestens im April stattfinden Sie wird sich auch mit der Frage zu beschäftigen haben, ob die Regierung berech tigt war, auf Grund eines einfachen Brief. wechsels und unter Ausschaltung des Parlaments Entschädigungszahlungen vorzunehmen. ... 4444 444 * MOSLEM DIE BESTE CIGARETTE I R PREISLAGE! Um das Getreidemonopol. Die Kontrolle der Steuerleistung. Getreideauffauf mit Staatsmitteln? Ergebnisse des Buch- und Betriebsprüfungsdienstes. Nachkontrolle der Umsatzsteuer Ein wichtiges Hilfsmittel bel der Beranlagung der direkten| Mehr an Steuern beträgt 800 000 Mart. Am mirtsamsten scheint Steuern und der Bekämpfung der Steuerhinterziehung ist demnach der Buchprüfungsdienst bei der der Buch- und Betriebsprüfungsdienst mit allen fetnen Hilfsorganen( Steueraußendienst usw.). Er ist im Jahre 1920 eingerichtet worden, da man erfannt hatte, daß die ordnungsgemäße Durchführung der neuen Reichssteuergesetze ohne eine fachkundige Nachprüfung der Selbfieinfchähungen nicht möglich ist. Infolge der Serrüttung der Wirtschaftsverhältniffe durch die Inflation, aber auch aus Abneigung gegen eine zu weitgehende Einmischung in die Bervon der Reichsfinanzverwaltung vernachlässigt worden. 3wei Forderungen beschäftigen gegenwärtig den 8. Ausschuß des Reichstags, beide in der gleichen Richtung, die Getreide. preise aus ihrem Liefst and herauszuheben. In Konsu mentenfreifen wird man, wenn von niebrigen Getreidepreisen heute gesprochen wird, verwundert fragen: Wie ist das möglich? Denn non niedrigen Brotpreisen, die doch eigentlich die Folge niedriger Getreidepreise sein müßten,( püren wir nichts. Und in der Tat, die niedrigen Roggenpreise tönnen gegenwärtig im Bratpreis nicht voll zum Ausdrud tommen. Wir haben es mit der Erscheinung zu tun, die wir so oft beobachten, daß der Rüd gang der Preise beim Endprodukt viel zögernder einsetzt als ihr Aufhältnisse der einzelnen Steuerpflichtigen ist er in den letzten Jahren stieg bei hohen Mehlpreisen. Im Herbst 1924 erlangten die Getreidepreise einen sc hohen Stand, besonders beim Roggen, daß die Preise weit über den Durchschnitt vor dem Kriege hinaus gingen. Die start gefunfene Steuermoral har inzwischen auch die ehemaligen Gegner des Buchprüfungsdienstes gezwungen, feine Be beutung anzuerkennen und seine Ausgestaltung zu fördern. Bei dem Hoffnungsfroh ging die Landwirtschaft auf diese Martt. Bestreben, die Steuerlaften gleichmäßig zu verteilen, fann auf die fonjunktur ein und erhöhte die Anbaufläche für Roggen Nachfontrolle der Veranlagungen durch geeignete Buchprüfer nicht nicht unerheblich, in der Annahme, dabei ein vorteilhaftes Geschäft verzichtet werden. Daher beschloß der Reichstag im August 1295 die Ausdehnung des Buchprüfungsdienstes durch die obligatorische zu machen. Nun trat der Umschlag ein. Zunächst hatte Deutsch Brüfung aller Großbetriebe innerhalb von drei Jahren. Diese Be land eine sehr gute Ernte, die im Roggen weit über den Bestimmung dürfte bis jetzt aber noch faum wirksam geworden sein, darf des Landes hinausging, und die rein rechnungsmäßig den meil vor allem die unzureichende Bahl von Buchprüfern eine stärfere Bedarf feiner Bevölkerung deckte, jogar einen fleinen Ueberschuß Ausdehnung der Tätigkeit verhindert hat. aufmies. So erfreulich dieser Zustand rein volkswirtschaftlich mar, bie Landwirtschaft war von diesem Segen weniger er. baut Die großen Getreideangebote aus der neuen Ernte d rüdten auf den Preis, der für Roggen zeitweise auf 135 M. die Tonne fant, während wir vor dem Kriege Preise von ungefähr 160 bis 165 m. verzeichneten. Das ganze Biderfinnige der tapitalistischen Produktionsweise trat start hervor, indem ein ertragreiches Jahr, wie es von uns allen freudig begrüßt werden sollte, Don der Landwirtschaft mit Rlagen und Berdruß aufge. nommen wurde. Die Preise waren unbefriedigend und wohl noch übler empfunden wurde Roggen fand überhaupt teine genügende Abnahme; auch für den Auslandsmartt war bei einen reichlichen Angebot von anderer Seite feine muzzbringende Verwendung. Der Preisdrud wurde damit erhöht. mas Hinzu kam aber die Einwirtung des Bolltarifs, der am 1. Dftober 1925 in Kraft trat. Aus spekulativen Gründen betrieb furz vor dem Inkrafttreten des wiedereingeführten 3olls, wie es die agrarische Mehrheit im Reichstag durchgesetzt hatte, der Getreide handel mit Hilfe ausländischer Kredite, eine starte Einfuhr von Brotgetreide, und zwar unmittelbar vor der Zeit als die deutsche Ernte auf den Markt fam. Die Folge mußte sein, daß auch diese Mengen auf den Markt drückten und zunächst die Hoffnungen der Agrarier, durch den Zoll zu höheren Preisen zu kommen, zerschlugen Tonnen Trotz alledem find die Ergebnisse des Buchprüfungsdienstes recht günstig. Er brachte der Reichstaffe im Jahre 1924 eine Einnahme an Steuern und Geldstrafen in Höhe von 94 Millionen Mart. Auch im ersten Halbjahr des Rechnungsjahres 1925( April bis September 1925) ist eine Mehreinnahme von 46,4 millionen an Steuern und von 4,3 Millionen an Geldstrafen, insgesamt also 50,7 millionen erzielt worden. Die Zahl der Prüfungsfälle betrug 39 785. Die Mehreinnahme verteilt fich auf folgende Steuern: Einkommensteuer 3,1 Millionen, Körperschaftssteuer 2,2, Boraus und Abschlußzahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer 8,5, Rhein- Ruhr- Abgabe 4,8. Dazu Geldstrafen bei diefen Steuern Auf diese verschiedenen Einkommenffeuern entfällt also ein Mehr von über 20 Millionen. 1,5 Millionen. Die Bermögenssteuer brachte ein Mehr von 7,6 Millionen, die Brotversorgungsabgabe von 0,4, dazu tamen Geldstrafen von 230 000 Mart. Die Vermögenssteuern zufammen ernaben also ein Mehr von von faft 8,5 Millionen. Bei der Umfassteuer wurden Mehrerträge von 16 Millionen erzielt, außerdem Geldstrafen in Höhe von 2,5 Millionen vers hängt, so daß auch hier ein Mehrertrag von 18,5 Millionen ge liefert wurbe. Die sonstigen Reichssteuern( Kanitafverfehraffeuern usw.) brad) ten eine Mehreinnahme von 2,8 millionen, die Geldstrafen betrugen hier nur 5000 Mart. Auch bei den Landessteuern, Kirchensteuern ufm. sind die Geldstrafen ganz unerheblich. Das hierbei erzielte es möglich sein, einen gleichmäßigen Breis festzuhalten; allerdings erscheint es bei dem gegenwärtigen Verbrauch von Roggen im Inland fraglich, ob sich nicht erhebliche Schwierig. feiten ergeben würden. Anders beim Weizen, da Deutsch land auf absehbare Zeit vom Ausland Weizen aufnehmen muß. In diesem Fall wäre die Preisbestimmung für Weizen ficher in den Händen des Monopols. Aber auch hier will der Antrag tereffenten legen, wenn gleich die Höchstpreise, die gebunden fein sollen, fich an die Bortriegspreise anlehnen. Inbeß diefe Ueber laffung der Preisgestaltung an die Intereffantenfreise brängt zu fehr das agrarische Verlangen in den Vordergrund und läßt das Intereffe der Allgemeinheit außer Betracht. Die Regierung war nun bereit, hier der Landwirtschaft einen Dienst zu ermeifen, indem sie die Reichsgetreibestelle, die nach einem Beschluß des Reichstags aufgelöst werden sollte, zu neuem Leben verhelfen wollte. Die Reichsgetreidestelle sollte, nach einer Vorlage der Regierung, die im Dezember vorigen Jahres von dem Minister v. Kanik eingebracht wurde, Roggen in größeren Mengen in der Begründung der Vorlage hieß es bis zu 200 000 auf dem freien Markt auftaufen. Man versprach fich davon eine Einwirkung auf die Preisgestaltung. Die Mittel für diese Transaktion sollte die Reichsgetreidestelle aus ihren nicht unerheblichen Ueberschüssen bereitstellen. Im Reichstagsausichuß ersteller die Preisbestimmung in die Sände der In gab sich für dieje Borlage teine rechte Unterstügung. Bon der Sozialdemokratischen Partei wurde ber außerordentlich fpetu Latine Charafter bes Unternehmens betont und barauf hin gemiesen, daß ein Geschäft auf diefer Grundlage mit einem großen Verlust abschließen kann, mobei es fogar fraglich erscheint, ab auf diese Weise ein Ergebnis erzielt merden wird, wie es die In tereffenten der Landwirtschaft erwarten und fordern. Cine günstige Ernte für 1926 würde unzweifelhaft die Reichsgetreide stelle in die Lage versetzen, ihre Bestände noch weiter aufagern oder zu niedrigen Breisen abzustoßen und damit auf dem Getreide markt abermals einen Breisdrud ausüben. Eine Wiederholung des abermaligen Auftaufs durch die Reichsgetreideftelle fönnte unter diesen Umständen wohl faum in Erwägung gezogen werden. Mit Staatsmitteln eine solche Spefulation zu betreiben, lehnt die Sozialdemokratie a b. Bei den Interessenten her Landwirtschaft war auch feine rechte Begeisterung für die Re gierungsvorlage zu verspüren. Man erklärte, daß die Abneigung negen die Reichsgetreideftelle in der Landwirtschaft so start sei, daß jebe Stügungsaktion von dieser Seite mit einem nicht auszu rottenben Mißtrauen begegnet merde. Hier hatte also die Hetze gegen die Reichsgetreidestelle eine fachliche Einstellung unmöglich gemacht. Ob das Monopol bei den bürgerlichen Parteien Zustimmung finden wird, ist noch nicht erkennbar. Man möchte zunächst im schnellen Tempo die Preisbeeinflussung den privaten Gesellschaften überlassen, um dann später das Monopol als dauernde Einrichtung zu planen. Die Regierung selbst hat zum Monopol noch keine Stellung genommen, findet sich aber offenbar mit der privaten Ge fefchaftsgründung ab. Im Grunde zeigt die Wirtschaftspolitik ber Regierung ein schwankendes Hin und Hertasten, aber feine Klarheit, um ein Problem von großer Bedeutung zur sicheren Lösung zu bringen. Sie läßt sich vielmehr von dem sehr start agrarischen Einfluß treiben, der allerdings sich auch nicht gerade durch Klarheit und Eindeutigkeit seiner Bünsche auszeichnet. Aus dem Prospekt des RWE. Das Rheinisch Westfälische Elettrizitätsmert 2.-G., das wegen feines Kampfes gegen Preußens Elektrizitätswirtschaft in legter Beit viel genannt worden ist, legt anfäßlich der Zulaffung von 13,6 Miu Mar? neuen Attien zum Börsenhandel einen Prospett vor, in dem intereffante Angaben über die gegen märtige Situation des Unternehmens gemacht werben. Die gesamte Maschinenleistung aus dem GoldenbergWert, dem Kraftwerk Reisholz, dem Kraftmert Effen, dem Kraftwer Ibbenbüren, dem Kraftmert Niederrhein bei Wesel und den sonstigen verschiedenen fleineren Werten stellt sich auf 475 000 kilomati. Alle diese Straftwerke find untereinander durch Leitungen perbunden bis auf das Kraftwerk Ibbenbüren, mit dem eine Berbindung erst geplant ift. Bon dem 100 000- Bolt- Net find zurzeit 1000 Kilometer in Betrieb und weitere 160 Kilometer in Bau. Für die Fernüber. Bolt fibergangen. Außer einer derartigen Beitung nach Osten ist eine solche Hauptleitung nach Süben im Bau, durch die eine Berbindung mit den Maintrastwerten A.-G. hergestellt wird, modurch wiederum der Zusammenschluß mit den füddeutschen Waffer. Berbindung durch eine 100 000- Bolt- Leitung mit dem Bayern fräften herbeigeführt wird, da die Mainfraftwerke ihrerseits eine wer! herstellen. Der Ausschuß des Reichstags hörte nun in der Sigung am 2. März zwei Sachverständige, Herrn Surig und Brof. armbold, die zum Bortrag brachten. daß man den in der Regierungsvorlage ausgesprochenen 3med durch eine private Gründung erzielen wolle. Es fei bereits eine Gesellschaft gegründet, die 15 Millionen Mart aufgebracht habe, und zmar unter Beteiligung der Landwirtschaft, der Düngemittelindustrie, des landwirtschaftlichen Maschinenbaus und wahrscheinlich auch mit Hin zutritt des Handels. Bur Durchführung der gestellten Aufgabe, die, mie schon bemerkt, ganz im Sinne der Regierungsvorlage gehalten ift, verlange man 35 Millionen Marf aus den Mitteln ber Reichsgetreibestelle Diese Umstellung der Gründung von der Reichsgetreidestelle zu einer Gesellschaft, an der alle Intragung ist die Gesellschaft jetzt zu einer Spannung von 220 000 tereffentengruppen beteiligt find, und non hier aus eventuell die Breisbestimmung in ihre Hände zu bekommen, ist noch weniger fympathisch als das Projeft ber Regierung. Nun tauchte in der Beratung die Frage eines Getreidemonopots Außenhandel für den Außen handel auf. Die Anregung geht von Herrn p. Dewi( Dnat.) aus; dieser Führer des Landbundes hat für bas Projekt Richtlinien entworfen, die für den Aufbau des Monopol maßgebend sein sollen. Anscheinend stehe hinter dem VorSchlag jedoch nicht die Deutschnationale Partei in ihrer Gesamtheit, sondern gewiffe Kreise der Landwirtschaft. Mit dem Außenhandelsmonopol soll erreicht werden, daß von dieser Stelle der Martt beherrscht wird. Das kann geschehen durch Sperre oder mäßige Einfuhr, sowie bei einem Ueberschuß durch Auftauf und Lagerung oder Berkauf nach dem Ausland. Sicher würde hier am ehesten ... aber was? Die jährliche Stromabgabe des gesamten Wertes be trug 1921/22: 960 Millionen Kilowattstunden, 1922/23: 990 Millionen Kilowattstunden, 1923/24: 696 Millionen Stilowattstunden und 1924/25: 1,1 milliarden Kilowattstunden. Die Gesellschaft betreibt außer den Elektrizitätsmerken eine Gasfernverforgung mit einer 240 Kilometer langen Hochdrudleitung; der Gasabjah 1924/25 betrug 61,5 Millionen Subitmeter. gewefen zu fein. Die Höhe der dabei verhängten Strafen läßt zu gleich erfennen, daß es sich im wesentlichen um strafbare Tatbestände gehandelt hat. Das Gegentett scheint bet der Kapitalverkehrssteuer und den Landessteuern der Fall zu sein. Von besonderer Bedeutung ist auch die Tatsache, daß nicht unwesentliche Beträge von Steuern aus der Juflationszelf herrühren. Das gilt sowohl von der RheinRuhr- Abgabe mie von der Brotversorgungsabgabe. Hier ist also der Beweis geliefert, daß der dem Reichstag vorliegende Antrag der Deutschnationalen auf Erlaß der aus dem Jahre 1923 rüdständigen Steuern in der Hauptsache einen Schuß der Steuerdefray= banten herbeiführt. Die Ergebniffe in den einzelnen Bezirken. Untersucht man die Ergebnisse des Buchprüfungsdienstes nach einzelnen Bezirten, fo gelangt man zu folgendem Ergebnis: An der Spize marschiert das Landesfinanzamt Berlin mit einem Er gebnis von 12,8 Millionen, ihm folgt im weiten Abstand Düsseldorf mit 4 Millionen, Hannover mit 3,3, Münster mit 3,2, Karlsruhe mit 3,1, Köln mit 3 Millionen und Dresden mit 2,2 Millionen. Bes träge zwischen 1 und 2 millionen haben aufgebracht: Brandenburg, Breslau, Leipzig Magdeburg, München, Nürnberg, Stuttgart und Unter- Elbe. Alle übrigen Bezirke bleiben zum Teil wesentlich unter einer Million Die schlechtesten Bezirke find auch hier diejenigen mit im wesentlichen agrarischer Bevölke rung. Das ist aber nicht etwa die Folge pünktlicher und gemisien. hafter Steuerzahlung. Es geht vielmehr auf die Tatsache zurüd, daß die amtliche Buchprüfung bisher vor der buchführenden Großlandwirtschaft stets halt machte und so das hart an das Betrügerische grenzende Verhalten der Buchführungsstellen der Landbünde unterstützte. Es ist deshalb dringend erforderlich, daß der Büchprüfungsdienst erheblich ausgedehnt wird. Die Zahl der Buchprüfer muß vermehrt, ihre Anstellungsverhältnisse müssen durch Uebernahme als höhere Beamte verbessert werden, damit sich auch die geeignetesten Persön lichkeiten dafür zur Verfügung stellen. Vor allem aber muß die Schonung der landwirtschaftlichen Großunternehmer aufhören. Dazu ift gerade jetzt die geeignete Zeit und ausreichender Anlaß. Die Veranlagung der buchführenden Landwirtschaft zur Einkommensteuer ift beendet. Sie hat die völlige Steuerfreiheit zahlloser Großgrundbefizer gebracht, die mit Hilfe einer raffinierten Buchführung er reicht wurde. Bleibt es bei diesem Zustand, dann droht die Steuer. freiheit der gesamten Landwirtschaft. Man fann bie fletnen Landwirte nicht besteuern, wenn die großen steuerfrei sind. Die hieraus drohenden Gefahren auch für die Steuermoral aller übrigen Kreise fönnen nur gebannt werden, wenn rechtzeitig mittels des Buch- und Betriebsprüfungsdienstes eingeschritten wird. Ferner betreibt die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einigen Kreis und Gemeinbenerbänden ein halbes Dugend Klein und Straßenbahnen. Die Zahl des Perfonals ausschließlich der Kohlengruben beträgt 1100 Angestellte und 3500 Arbeiter. Die Entwidlung in den ersten Monaten des laufenden Geschäfts jahres war befriedigend. Kursbefferung und Wirtschaftslage. Rach dem foeben erichienenen Monatsbericht der Commerz und Brivat Bant ftanden Ende Februar auf und über Barität 18 Broz aller Berte gegenüber 15 Broz. Ende Januar; 82 Bros. notierten bementsprechend unter pari gegenüber 85 Bros. am Schluß des Bormonats. Es zeigt sich also hierin eine leichte Berbefferung des gesamten Rursniveaus; por allem hat sich die Sturssteigerung bei der Kategorie derjenigen Werte bemerkbar ge macht, die zwischen 100 und 150 Broz. der Goloparität notieren, und die gegenüber dem Bormonat eine Zunahme um 3,3 Broz. erfahren hat. Die leichte Berminderung der Zahl der Werte, die über 150 Bro jent notieren, erklärt sich zum Teil daraus, daß einige Brauerei attien um die Dividende gekürzt worden sind. An der Aufwärtsbewegung im Monat Februar nahmen in ganz besonderem Maße bie Bantatiien teil. gegenwärtig vorhandenen günstigeren Momente der Wirt Bur Ermittlung der Wirtschaftslage faßt dieselbe Bank die fchaftslage- das Entgegenkommen der Reichsfinanzverwaltuna, bie Aufträge der Reichsbahn, die Exportbelebung( vor allem nach Ruk land), bie erheblichen Mittel für die Bautätigkeit, die Arbeitsauf. nahme der Landwirtschaft, die Flüssigkeit des Geldmarftes, die event. Freigabe der deutschen Vermögen in Amerika, die freundliche Haltung bes trebitgebenden Auslandes, die Befferung des Kursniveaus und zusammen die Dividendenertlärungen verschiedener Gesellschaften und tommt zu dem Schluß, daß in Anbetracht all dieser Tat fachen eine peilimistische Auffaffung nicht am Blaze fein dürfte. In diesem Jahr wird voraussichtlich trotz der zeitweise ungünstigen Ronjunttur die Zahl der Dividenden verteilenden Ge fellschaften weit größer sein als im Vorjahr. Bom Arbeitsmarkt im Reiche. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die vierte Fe bruarmoche und Anfang März hat sich die Arbeitsmarktlage nicht wesentlich geändert. Benn auch in einer Reihe von Bezirken die Bahl der Arbeitslosen weiter langsam zurüdgegangen it, so ist sie doch in anderen wieder angewachsen, besonders in Westfalen, im Rheinland, in Berlin, in Baden und Nürnberg. Nach frage nach Arbeitskräften feitens der Landwirtschaft hat ftlich der Elbe etmas lebhafter eingesetzt, doch wird sie in anderen Bezirken ebenso wie die Nachfrage des Baugewerbes als zögernd und zurückhaltend, besonders im Vergleich zu früheren Jahren bezeichnet. Im rheinisch- westfälischen Steinfohlenbergbau und allge mein in der Metallindustrie haben wieder Entlaffungen zahlreicher belaften, staitgefunden. Auch in den anderen Induſtriegruppen, mit Ausnahme der chemischen Industrie, des Vervielfältigungs- und Arbeitskräfte, die den Arbeitsmarkt bei der gegebenen Lage start Berfehrsgewerbes, iftunter Schwankungen im einzelnen, die Lage unbefriedigend geblieben. echte Sodener Pastillen gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung Fay's Rahma- buttergleich