Abendausgabe Nr. 110 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 55 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Sonnabend 6. März 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Welle steigt! Am Freitag rund 50000 Eintragungen in Berlin. Die Eintragungen zum Voltsbegehren haben am geffrigen Freitag gegenüber den Zahlen vom Donnerstag in erfreulicher Weise zugenommen. Eingetragen wurden am Freitag( in Klammern die Zahlen für Donnerstag) in den Verwaltungsbezirken Mitte 3178( 2082), Tiergarten 2767( 2183), Wedding 5939 ( 4465), Prenzlauer Berg 4488( 3546), Friedrichshain 5787( 3935), Kreuzberg 6302( 4702), Charlottenburg 2212( 1541), Spandau 1392 ( 761), Wilmersdorf 862( 604), Zehlendorf 113( 72), Schöneberg 2094( 1583), Steglik 583( 521), Tempelhof 653( 465). Neukölln 5237( 4679), Treptow 1879( 1517), Köpenid 1253( 724), Lichtenberg 2046( 792), Weißensee 527( 396), Pankow 1009( 727). Reinickendorf 1224( 818). In ganz Berlin 49545( 36144). Lügenbund der Hohenzollernfreunde. Genannt: Deutschnationale Partei! Der Terror der Deutschnotionalen und Landbündler gegen das Boltsbegehren tritt immer unverhüllter zutage. Ebenso aber auch die Verlogenheit, mit der dieser Terror begründet wird. Inmittelbar por den Toren Groß- Berlins erscheint diese Anzeige im Gemeindeblättchen: Achtung! Ber für die Enteignung, d. h. Beraubung der Fürsten feine Stimme abgibt, macht die Bahn frei für den praktischen Bolfchemismus, für die Wegnahme jeglichen Brivateigen tums. Den Fürsten folgen die größeren Besizer, diesen die kleineren. Haus und Hof, Ersparnisse jeder Art, Renten und Pensionen, das Eigentum der Kirche, der Gewerkschaften, der Konsumvereine usw. werden enfeignet", d. h. geraubt. Die Aufwertung wird rüdgängig gemacht, Moskau will es so. Elend und Verzweiflung werden uns das Leben zur Hölle machen. Wer unterschreibt, darf sich über die geschilderten Folgen nicht beklagen. Darum gebt eure Stimme dem wahnwizigen Begehren nicht. In Berlin erscheinen in Abwesenheit der Ehemänner bei den Hausfrauen starte Kerls und erzwingen die Unterschrift. In diesem Folle ruft Hilfe herbei. Schützt euch gegenseitig mit allen Mitteln gegen den roten Terror! Deutschnationale Bolfspartei. Ortsgruppen Kleinschönebec Fichtenau und Schöneiche. Enteignung der Fürsten bedeutet danach Enteignung der Gewerkschaften, Enteignung der Konsumvereine, Beseitigung der Aufwertung! Die Lüge ist nicht mehr bloß ich am los, sie ist deutschnational! Und sie wird nur noch übertroffen durch die Behauptung von den starken Kerls", die in Berlin den Frauen die Unterschriften abzmingen. Diese Behauptung ist fogar dumm, denn auch deutschnationale Wählerinnen missen, daß sie zur Eintragung ins Eintragungslokal gehen müssen. Die Landbundsabotage. Wie der Landbund Behörden einschätzt. Der Brandenburgische Landbund hat eine Anweisung an ihm nahestehende Guts- und Ortsvorsteher erlassen, die Listen auslegung nicht vorzunehmen. Diese Anweisung zeichnet sich durch ihre besondere Form aus. Sie lautet: Brandenburgischer Landbund. Gesch. Nr. 1298. Lfd. Nr. 53. Du. Wir haben selbstverständlich teinerlei Beranlassung,| bereits so weit, daß einzelne Wahlkreise gar nicht den Entscheid des die Ortsvorsteher über diese für sie rechtlich zweifellos bestehende Pflicht aufzuklären, andererseits wird man dem Ein zelnen dann, wenn er direkt danach fragt, eine fachliche Aufklärung im obigen Sinne nicht vorenthalten können. Schaumann. Das Zirkular fagt den Gemeinde- und Gutsvorstehern: wir fönnen euch keine Anweisung geben, was ihr tun sollt; denn würden wir euch sagen, was wir von euch erwarten, so würden wir sagen: sabotiert. Dann sind wir aber strafbar, und deshalb sagen wir nur, wir sagen gar nichts und ver= laffen uns auf euch. Sabotieren wollen sie schon- aber sie sind zu feig, es offen zu machen! Preußen und die Fürstenforderungen. Vorläufige Suspendierung des Hohenzollernvergleichs. Zu der von verschiedenen Seiten erwogenen Frage, wann Der zwischen Preußen und den Hohenzollern geschlossene Vergleich, der bekanntlich bis zum 1. April angenommen sein muß, dem preußischen Landtag zugehen wird, hören wir von gut unterrichteter Seite: Es besteht vorläufig nicht die Abficht, diesen Vertrag durch Vorlage an den Landtag zur Annahme zu bringen, obwohl die Hohenzollern, falls die Annahme nicht bis zum 1. April erfolgt, nicht mehr an die Vergleichsabmachungen gebunden sind. Man beabsichtigt bei der preußischen Regierung, nun auf alle Fälle mit Der eigenen Stellungnahme zu warten, bis das Reich in der Fürstenabfindungsfrage sich endgültig entschieden hat. Der Hohenzollernvergleich und die fich aus ihm ergebenden Folgerungen sind somit vorläufig fus pendiert, auch auf die Gefahr hin, daß derselbe nach dem 1. April völlig annulliert wird. Im übrigen ist man der Ansicht, daß die Hohenzollern auch nach Ablauf des vereinbarten Apriltermins so wie die Dinge liegen, an ein Zu rücktreten von den Vereinbarungen nicht denken werden. Die Demokraten für Volksbegehren. Die Wähler handeln. Darmstadt, 6. März.( Eigener Drahtbericht.) Die große Erregung in Kreisen der demokratischek Wähler über die Haltung der Reichstagsfraktion in der Frage der Fürstenabfindung geht Parteiausschusses abwarten, sondern eigenmächtig ihre Anhänger auffordern, sich dem Volksbegehren anzuschließen. Der Landes vorstand der Deutschen Demokratischen Partei, dessen Vorsitzender der Amtsgerichtsrat Schreiber ist, hat folgenden Aufruf an die demofralischen Wähler des Volksstaates Hessen erlassen:„ Der Landesvorstand der Demokratischen Partei Hessens fordert alle De mofraten auf, sich ausnahmslos in die offenliegenden Listen für das Volksbegehren zur Fürstenabfindung einzuzeichnen. Da der Reichstag bis jetzt feine auch nur irgendwie befriedigende Lösung in der Frage der Fürstenabfindung gefunden hat, besteht die Gefahr, daß die Fürsten die lachenden Erben sein werden." Hamburger Demokraten für die Eintragung. Hamburg, 6. März( Eigener Drahtbericht.) Die Bolksbewegung zum Einzeichnen für das Boltsbegehren gewinnt an der Wasserfante täglich mehr an Kraft. Waren es am ersten Tage rund 7000 Personen, die sich in die Listen einzeichneten, so zeichneten fich am zweiten Tage bereits 10100 ein. Die moralische Wirkung dieser Bewegung macht sich jetzt bemerkbar durch eine Kundgebung der Hamburger Demofraten. Der Borstand der Demokratischen Partei Hamburgs hat am Freitag beschlosser, die Mitglieder, Anhänger und Wähler der Deuts schen Demokratischen Partei zur Unterstügung des Boltsbegehrens aufzufordern. Er gibt dazu in der Presse eine nähere Begründung, in der ausgeführt wird, daß die Demokraten das Bolksbegehren schon deswegen unterstützen müßten, damit unter diesem Drud der ersten Volkskundgebung der Reidstag zu besseren Beschlüssen komme. Je wuchtiger das Boltsbegehren ausfalle, desto besser würde das Reichsgesetz. Reichstag und Volksbegehren. Der Aeltestenrat des Reichstages beschäftigte sich heute vor der Plenarsizung mit der Frage, ob der kommunistische Antrag über die Durchführung des Boltsbegehrens heute noch auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Die Frage wurde bejaht, doch soll die Entscheidung darüber, an welcher Stelle der Tagesordnung der Antrag behandelt wird, vom Plenum selbst entschieden werden. Beiter beschloß der Weltestenrat, die erste Beratung des Gesetzentmurfes über Steuermilderungen zur Erleichterung der Wirtschaftslage am Montag mit der zweiten Beratung des Haushalts des Finanzministeriums zu verbinden. Krise der Regierung Briand. Keine Störung der Völkerbundsversammlung. Paris, 6. März.( WIB.) Die„ Agence Havas" veröffentlicht heute vormittag folgende Auslaffung: Entgegen seiner anfänglichen Ansicht hat Ministerpräsident Briand nach Beendigung des Ministerrats, in dessen Verlauf er dem Präsidenten der Republik die Demission des Kabinetts überreicht hat, wissen lassen, er werde Paris heute abend verlaffen, um sich nach Genf zu begeben. auch Briands Entrüstung und Enttäuschung über Kammerniederlage noch durchklingt. die Der plögliche Rücktritt Briands am Vorabend der Bölferbundskonferenzen wird manchen an den Sturz desselben Staatsmannes auf der Konferenz von Cannes 1922 erinnern. Aber damals handelte es sich um einen Sturz, der nur aus Nachdem er während des heutigen Tages Besprechungen außenpolitischen Gründen von der Poincaré- Gruppe mit den Bertretern im Bölferbund, die gegenwärtig in Paris ander Kammer gegen die Außenpolitik des Briand- Kabinetts Berlin SW. 11, den 1. März 1926. wefend feien, vor allen Dingen mit dem polnischen Ministerpräsi- mit der Abficht unternommen wurde, die Konferenz auffliegen Dessauerstr. 30. denten Skrzynski gehabt habe, werde Briand mit Austen Chamber- zu lassen. Diesmal ist Briand vor der Konferenz aus inner= lain zusammen die Reise antreten. Er werde morgen den vorberei- politischen Ursachen gestürzt. Ein weiterer, wichtiger tenden Berhandlungen beiwohnen, die der auf Montag fest- Unterschied ist aber auch dadurch gegeben, daß es in Cannes gefeßten Tagung vorangehen. Bekanntlich dürften diese vor sich um eine lose internationale Konferenz handelte, die bereitenden Berhandlungen einen entscheidenden Einfluß auf die durch Beschluß der gerade regierenden Kabinette zustande kam kommenden Beratungen des Rates und der Völkerbundsvollver- und scheiterte, als nur eine von ihnen zurüdtrat. Diesmal handelt es sich um Konferenzen des ständigen fammlung haben. Bölkerbundes, der festen, dauernd bestehenden internationalen Organisation. Diese aber ist unabhängiger von den Bertraulich! An die angeschlossenen Verbände. Betrifft: Enteignung der Fürstenvermögen. Einer unserer Kreislandbünde regt an, es sollten vom Land" Band aus die zu seinen Mitgliedern zählenden Gemeinde- und Gutsvorsteher über thre Pflichten bei Auslegung der Listen für das Boltsbegehren aufgetlärt werden. Die meisten Ortsvorsteher seien nämlich der Ansicht, daß sie nicht verpflichtet jeien, die ihnen von den Sozialdemokraten und Kommunisten zugesandten Listen auszulegen. Wir sind der Auffassung, daß man der Sache am meisten dient, wenn man über diesen Punkt so wenig wie möglich spricht und dem gefunden Empfinden unserer Ortsvorsteher die Entscheidung darüber überläßt, was sie mit den Listen talsächlich machen. Je mehr darüber gesprochen und geschrieben wird, desto mehr wird die Bevölkerung auf dem Lande auf die Eintragung aufmerksam gemacht, während sonst hoffentlich die meisten nichts davon erfahren. Lediglich zur internen Benußung für unsere Kreisgeschäftsstellen wollen wir hier feststellen, daß die Ortsvorsteher rechtlich verpflichtet sind, die ihnen von den Antragstellern bes fogenannten Boltsbegehrens, also von den Parteien der Sozialdemokratie, der Kommunisten und dem sogen. Ausschuß zur Durch führung des Bolfsentscheids usw." zugehenden Listen zur Eintragung auszulegen.(§ 34 des Reichsgesezes über den Boltsentscheid vom 27. Jan. 1921.) Briand werde jedoch nicht an den offiziellen Arbeiten der Völkerbundstagung teilnehmen, er fei der Ansicht, daß er, da er in der kammer gestürzt sei, nicht in der Lage sei, die französische Regierung zu vertreten. Der Sturz des Kabinetts Briand ist eine innenfranzöfifche Angelegenheit, die ohne wesentliche Rückwirkung auf die Genfer Verhandlungen bleiben wird. Briand hat zwar, vor Abstimmung über das Bertrauensvotum, der Kammer damit gedroht, er werde Frankreich in Genf nicht vertreten, und er hat in dem ersten Born über seine Niederlage Journa listen beim Berlassen des Palais Bourbon heute morgen furz vor 8 Uhr erflärt, er werde nicht nach Genf fahren, furz vor 9 Uhr aber, nachdem das Kabinett dem Staatspräsidenten seine Demiffion überreicht hatte, dementierte die amtliche französische Nachrichtenagentur alle Gerüchte über die Abfagung der Reife mit der knappen und unzweideutigen Feststellung, daß Briand heute abend programmgemäß nach Genf reisen werde. Die oben abgedruckte, noch später ausgegebene Havas- Meldung bestätigt nur die 9- Uhr- Meldung, wenn in ihren legten Sägen Regierungskrisen der einzelnen zu ihr gehörenden Staaten. Ist einmal eine Bölkerbundskonferenz einberufen, so ist es fast eine Selbstverständlichkeit, daß die dem Bunde angehörenden Staaten sich dort vertreten lassen. Gerade die Tat fache, daß Briand nur gedroht hat, daß er Frankreich nicht vertreten werde- während er nicht drohen fonnte, daß Frankreich nicht vertreten sein werde und daß er seine Drohung nicht wahrgemacht hat, ist ein Beweis für das Drohung nicht wahrgemacht hat, ist ein Beweis für das die sich den nationalen Willkürlichkeiten einzelner Staaten Schwergewicht der internationalen Bölkerbundsorganisation, gegenüber allmählich immer mehr durchsetzt. Der Verlauf der Kammerfizung. Paris, 6. März.( WTB.) Als sich der erste 3wischenfall wegen Erhöhung der Tabatpreise ereignete und Briand eine ernste Mahnung ergehen ließ, wurde die Sigung nachts um 2 Uhr 40 Minuten unterbrochen. 40 Minuten unterbrochen. Um 3 Uhr 15 Minuten verlangte der Berichterstatter die Erhöhung des Tabafpreises von 1,50 auf 2,10 Grant. Die Kammer fchloß sich diesem Vorschlag mit 250 gegen 165 Stimmen an Hierauf wurde in die Beratung des Artikels 53 des Steuer, gefeßzes, betreffend die prozentige Besteuerung des 3ahlungs verkehrs eingetreten. Der Abg. Bedouce erklärte namens der Sozialisten, die Zahlungssteuer ablehnen zu müssen. Fi nanzminister Doumer trat für die Bewilligung der Zahlungssteuer ein und machte besonders auf die Notwendigkeit aufmerksam, fofortige Einnahmequellen zu erschließen, dann nur könne man die Krise beschwören, die das Land bedrohe. Gehe das nicht, dann müsse ein anderer als er die Verantwortlichkeit für die Geschäfte übernehmen. Namens der demokratisch- republikanischen Linken fordert der Abg. Lafarge, der Ministerpräsident müsse klar eine Politik der republikanischen Einigkeit verfolgen, die sich von der sozialisti schen Bevormundung befreie. Dann werde setne Partei für die Regierung stimmen. Hiergegen wandte sich der Abg. Blum. indem er erklärte, seine Fraktion wolle der Regierung nicht Bedingungen stellen, damit sie für sie stimme. Dadurch, daß die Regierung die Zahlungssteuer fordere, mache sie es den Sozialisten unmöglich, ihr zu folgen. Der radikale Abgeordnete Hesse erklärte, man möge wohl bedenken, was man tue, denn man mache sich schuldig, wenn man eine Ministertrife am Vorabend des Tages heraufbeschwöre, an dem der Ministerpräsident Frankreich im Völkerbund vertreten müsse. Auch der Abgeordnete Raoul Peret, der Führer der Fraktion Loucheurs, erklärte, man möge in dem Augenblick, in dem der Ministerpräsident sich nach Genf begeben müsse, ihm die notwendige Autorität, Frankreich zu vertreten, verschaffen. Seine Partei werde die Zahlungssteuer annehmen. Die Regierung ftellt hierauf gegen den Antrag Lafont die Bertrauensfrage. Es wird abgestimmt. Die Sozialisten und die Kommunisten stimmen gefchloffen gegen die Regierung, die Radikalen und die sozialistischen Republikaner ftimmen für das Kabinett, ebenso die radikale Linfe. Die Cinfsrepublikaner haben fich getrennt, während die Rechte, einschließlich der Fraktion Couis Marin, gegen die Regierung ffimmf. Da die Abstimmung zweifelhaft ist, wird eine Auszählung not wendig. Um 6 Uhr 50 verfündet der Bizepräsident der Kammer das Abstimmungsergebnis. Der Antrag Lafont ist, wie bereits berichtet, mit 274 gegen 221 Stimmen angenommen. Hierauf erheben sich die Radikalen und die Mitglieder der Mittelparteien und rufen „ Es lebe Briand!" Briand erhebt sich und verläßt unter dem Beifall der Linken und der Mittelpartelen mit sämtlichen anwesenden Ministern den Saal. Die Sigung wird um 6 Uhr 55 geschlossen. Briand erklärte in den Wandelgängen der Kammer, er werde sich unmittelbar ins Elysée begeben, um die Demission des Kabinetts zu überbringen. Er jei jetzt gezwungen, auf seine Reise nach Genf zu verzichten. Der Eindruck in Berliner amtlichen Kreisen. Die deutsche Aberdnung zur Bölferbundstagung trifft heute abend um 29 Uhr in Genf ein. Die Nachricht von den Vorgängen in der franzöfifchen Kammer dürfte die deutsche Abordnung beute vormittag im Zuge, etwa in der Gegend von Heidelberg, erhalten haben. An amilichen Berliner Stellen ist man ohne dirette Nachricht aus Paris, man hat jedoch nicht Besorgnis, daß die Bariser Borgänge eine dirette Einwirtung auf die Bölkerbundstagung haben werden, da Briand und Paul Boncour als Vertreter Frankreichs im Bölferbundsrat und in der VölkerbundsBörsenbeginns ein Teil der eingelaufenen Provinz- und Kundschaftsorders nicht mehr gestrichen werden konnten. Später setzte sich auch hinsichtlich der politischen Lage eine wesentliche Beruhigung durch. Doch blieb das Bestreben der Spekulation deutlich erfennbar, sich über den Sonntag freizu machen. Montanattien gaben etwa 1 Broz. nach, Kaliaktien waren fest, während chemische eher zur Schwäche neigten, von Elettropapieren Affus sehr feft, von sonstigen Industrieaktien befestigt NAG., Schubert- Salzer, Telephon, Berliner. Schiffahrtsaktien gaben in der ersten Börsenstunde nur etwa 1 Broz, nach mit Ausnahme von Hansa, die schwächer waren. Von Banken banfelektrischer Werte und Braubank recht fest. Am Rentenmarkt zeigten sich wenig Verände rungen. Egoten matter, Kriegsanleihe 0,382, Schuggebiet 6,70. Der Geldmarkt bleibt unverändert leicht. Der französische Franken gab infolge der Krisis schnell von 130 bis 134% nach. Die Delegationen in Genf. Rekordzahlen an Ministerpräsidenten und Außenministern. Genf, 6. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Liste der Dele. gationen zur Völkerbundsversammlung umfaßt 7 Minister präsidenten und 13 Außenminister. Das ist die bisher höchste Zahl. Stresemann geht ,, mit innerer Ruhe" nach Genf. London, 6. März.( WTB.)„ Daily Expreß" veröffentlicht eine Unterredung mit Stresemann. Danach erklärte der deutsche Außenminister, wenn Deutschland in den Völkerbund eintrete, erwarte es, die Organisation des Bundes unverändert vor zufinden. Für die Berhinderung von Beränderungen im Bölkerbundsrat anläßlich des deutschen Eintritts müsse von den Locarno Mächten Sorge getragen werden. = Die Linie der deutschen Bolitik ser gerade geblieben. Er gehe nach Genf nicht mit dem Argwohn, daß ihm dort eine Falle gestellt wird. Er gehe jedoch auch nicht mit der Zuversicht, die er haben würde, wenn gewisse Pläne bezüglich der Erweiterung des Bölkerbundsrats ihm nicht zuerst durch die Zeilungen bekannt geworden wären. Solange Deutschland nicht Mitglied des Bölkerbundes fet, erachte er sich nicht für zuständig, eine Ansicht über irgend welche fünftige Henderungen in seiner Organisation auszusprechen, insbesondere in der Zusammensetzung des Rats. Stresemann schloß: Ich begebe mich auf die Reise nach Genf weder mit einem übertriebenen Pessimismus noch mit einem allzugroßen Optimismus, sondern mit innerer Ruhe und in der Gewißheit, daß Deutschland, wenn ihm der Eintritt in den Bölferbund ermöglicht wird, sich von teinem Lande in der Wahrung der Interessen des Bölterbundes über treffen lassen wird. Proteft gegen Bethlen. Grafen Bethlen als Delegierten zum Bölferbund scharfe AnDie sozialistische Presse der ganzen Schweiz richtet gegen den anstaltet gegen seine Anwesenheit eine Brotest versammlung. griffe. Die Sozialdemokratische Partei des Kantons Genf verDie Genfer Polizeibehörden lassen Bethlen im Hotel und auf seinen Fahrten zum und vom Bölferbundssekretariat durch Detektive be gleiten. Im Finanzkomitee des Bölferbundes, wo Bethlen am versammlung bereits bestimmt sind und die französische Kammer Freitag über das ungarische Budget für 1926 und über die Umgevor wenigen Tagen mit einer gewaltigen Mehrheit die Ratifizierung ftaltung des zentralen Geldinstituts Aufschluß erteilte, sind die Frankder Locarno- Berträge beschlossen und damit die Locarne Politit gefälschungen nicht zur Sprache gebracht worden. In einer Unterbilligt hat, zu der ja auch der Eintritt Deutschlands in den Böllerbundsrat und die Einräumung eines ständigen Ratssizes an Deutschland gehören. Bestürzung an der Börse. Die heutige Berliner Borbörse war infolge des Sturzes des Kabinetts Briand sehr bestürzt und geneigt, große Positionslösungen vorzunehmen. Bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs jedoch erwies sich die Tendenz als sehr wider standsfähig und teilweise neuerlich behauptet, da infolge des frühen Der Kuß um Mitternacht. Bon Mar Bernardi. redung erklärte Bethlen, daß er keinen Anlaß habe, etwas über die Frankfälschungen vorzubringen, wenn von feiner Seite ein Angriff erfolge. Die Absicht gewisser Regierungen soll dahingehen, nach Maßnahmen des Bölkerbundes gegen die Herstellung falschen Geldes zu rufen, doch dürfte dies wahrscheinlich erst nach dem Urteilsspruch der ungarischen Gerichte der Fall sein. Reise Wirths nach Rußland. Dr. Wirth wird in den nächsten Tagen eine Reise nach Rußland antreten, von der er voraussichtlich erst nach Ostern zurückkehren wird. von Bernard Shaw viel gelernt hat, veralbert höchst pikant die hohle noble Gesellschaft, die mit verbindlichem Lächeln herzlos ist, lächerliche Banalitäten und Kleinigkeiten für den Sinn des Lebens und entwickelte Kultur hält. Diese pikanten Spizchen gegen den Zeitgeist Nicht ein Kuß. Viele. Und viele Zärtlichkeiten. gehen in Reinhardts Inszenierung verloren, ohne daß damit der GeVom Himmel rieselt es, auf den Straßen flitscht es und in den muß des Abends geschmälert würde. Denn die Aufmachung ist so grotest, daß das Parkett in rosigste Laune gerät und eine Lachfalve nach Haustoren steht es. Das Paar. Die Pärchen. der anderen die vornehme Komödie" am Kurfürstendamm erschüttert. Der Erfolg gibt ihm recht. Reinhards Victoria" wird mehr Aufführungen erleben als die Victoria" des Theaters in der Königgräger Straße. Diese Feststellung ist interessant, weil die Inzenierung in der„ Komödie" im Grunde eine Veräußerlichung und Berflachung darstellt. Bogenlampen schwimmen im Nebel. Elektrische singen monoten durch die Nacht. Ein Auto hupt fern die Pärchen stehen eng aneinandergedrängt vor den Haustüren. Vor fremden. Bummler frafelen nach Hause. Dirnen gähnen müde Pärchen stehen im fremden Haustor. die Du erschrickst, wenn du auf dem Heimweg an den düsteren Straßenfronten vorübereilst. Wenn du vor deiner Haustüre schläfrig in den Manteltaschen nach dem Hausschlüssel tastest und vor dir wächst aus der Finsternis eine Belsboa wie ein unheimliches Getier und auf dem Rücken dieses Tieres sigt eine rote, frabbelnde Hand ei, natürlich erschrichst du! Und es, das Getier mit der roten Hand es rührt sich nicht. Nicht im mindesten. Hab' dich längst temmen sehen und steht ja an einem fremden Haustor. Ein Pärchen Liebender? Nein. Berliebter? Nein. Bersessener! Und füssen und zärteln seit sie Abschied voneinander nahmen, seit sie aus dem fleinen Café, aus der Bierstube traten. Sönnen sich in müder Seligkeit nicht trennen. Selbst von Mitternacht bis Eins ist der Kuß zu furz. Er verspricht so viel und fann doch nichts halten deshalb ist er doch wieder zu lang, dieser Kuß um Mitternacht. „ Victoria." Wieder ist es Mag Reinhard gelungen, aus einer faden fcheinigen Komödie einen brillierenden Theatererfolg zu machen. Und dabei ist Reinhard offenbar nicht mit dem Herzen bei der Sache gewesen, sondern hat die Regie so nebenher aus dem Handgelent geschüttelt. Bor anderthalb Jahren schon, als W. S. Maughams Bictoria" im Theater in der Königgräger Straße zum ersten mal aufgeführt wurde, tam uns das Stüd etwas verspätet vor. Es spielt in der Nachfriegszeit, wo die Versorgung mit Lebensmitteln noch nicht flappte und wir alle lauter Tricks anwandten, uns welche zu verschaffen. Das und die Mittelchen, mit denen man sich vom Schüßengraben gedrückt hatte, war schon damals nicht mehr aftuell. Reinhard hat, obwohl er Maughams Etück erheblich umgearbeitet hat, diese nicht mehr interessierenden Stellen nicht ausgemerzt. Ihm tam es nur darauf an, aus dem Schwank eine Farce, eine Grotesfe zu machen. Und das ist ihm, weiß der Himmel, gelungen. Bictoria" lebt von einem durchaus witzigen Einfall, von der Umbiegung des tragischen Enoch Arden- Stoffes ins Spaßige. Der Totgefagte fehrt zurück, seine Frau ist verheiratet und beide rechtmäßigen Ehe männer wollen die Frau los fein. Sie verzichten, sich überstürzend, in gespieltem Edelmut auf ihre Rechte. Der englische Autor, der Lilliy Darvas aus Wien geholt. Aber so weit her war es Für das hohe Salonpüppchen Victoria hatte sich Herr Reinhard mit ihr doch nicht. Camilla Spira mit ihrem ständigen leeren Lachen hat es damals besser gemacht. Lilly Darvas ist zwar entzückend anzusehen, spielt auch eine innerlich ausgehöhlte Dame von Welt mit konventionellem Lächeln, aber sie ist noch fonventioneller und noch gezierter als es ihre Rolle verlangt. Auch Hedwig Bleibtreu vom Wiener Burgtheater hätte mehr Spaß in ihre Schwiegers mutter legen fönnen. Dafür waren die übrigen Darsteller Kurt Goez, Paul Otto, Richard Romanowsti( ein Schieber in ganz neuem, schüchtern- verschwiegenem Spiel) und May Gül storff faftige Luftspielfiguren. Und überall sprühte das Schwantund Tanztalent des unvergleichlichen Curt Bois. Sein Tanz lehrer Edward ist darsteller sche Groteske in Reinfultur. Reinhard hat zu der Groteske eine musikalische Untermalung ( Kammerspiel am Flügel) erdacht. Eine eigenartige Idee. Wann werden, um das Theater zu heben, Wohlgerüche durchs Parkett Ernst Degner. ziehen? Bom Seelenleben der Frau. Prof. W. Liepmann vom Institut für Frauenkunde leitete in der Urania eine Bortrags reihe über neue Erkenntnisse des Seelenlebens der Frau und ihre joziale Bedeutung" mit einem Aufriß und Vergleich der Seelenforschung und der Entwicklungsgeschichte ein. Ausgehend von Häckels Entwicklungslehre, daß die Einzelentwidlung vom Ei zum fertigen Individuum die Entwicklungsstadien der ganzen Art von der Urzelle an wiederhole, stellt Liepmann die Grundeigenschaften der gefunden Frau bzw. des Mannes als die gleichen wie die Ureigenschaften von Ei, bzw. Samenzelle dar: das botterreiche, unbewegliche, träge, erdgebundene, wesentlich passive Ei und der vagabondierende, lebendige, findige, wesentlich aktive Same. Die Eizelle, die Frau, ist, weil sie da sie allein unter der Last der Fortpflanzung leidet auch an anderes als sich selbst, an die Zufunft denkt, nach Liepmanns Ansicht die Trägerin des sozialen Gedankens". Dieser die ganze Ethit begründende Faktor fehle der Camenzelle, dem Manne. Dieser sei auch wenn er nicht gerade im Kriege oder Gasthaus raufe unverwundbar, während der Träger des weiblichen Prinzips, die Eizelle und die Frau, naturgegeben verwundbar feien( Blutungen beim Berlassen des Eierstocks, der Gebär: mutter, bei der Geburt usw.). Diese naturgegebene Verwundbarkeit bedinge und erkläre die stärkere Reizbarkeit und Erregbarkeit im Wesen der Frau. Diese Ureigenschaften des Trägers des weiblichen | Um den Platz der Republik. Die ,, Vaterländischen" drohen. Dem Führer der sogenannten Vaterländischen Verbände, General Grafen v. d. Gol 3, will es nicht in den Kopf, daß der Plaz, in den die Siegesallee mündet, Platz der Republik heißen soll. Darum wendet er sich in der Deutschen Zeitung" an die preußische Regierung mit der folgenden Drohung: Die preußische Regierung steht vor einem entscheidenden Ent schluß, der unendlich viel mehr als nur hauptstädti sche Bedeutung hat... Nachgeben unsererseits wäre Verrat an Volk und Baterland. Man soll das bedenken. Will man den Kampf, nun gut, wir sind bereit, aber wir sind dann unschuldig. Es werden dann schwerste Zeiten tommen. Aber international, paneuropäisch, sozialistisch und bolfchemistisch( beides find am legten Ende dasselbe) werden wir niemals werden. Niemand verlangt vom General v. d. Golz, daß er etwas von der Art der gräßlichen Dinge wird, die er da nennt. Auch wäre es unbillig, von ihm zu verlangen, daß er lernt, die politischen Begriffe auseinanderzuhalten, die er durcheinander wirft; das würde jeine geistigen Fähigkeiten übersteigen. Dringend notwendig aber ist, ihm und den Seinen Berständnis dafür beizubringen, daß sie die bestehende Staatsordnung zu respektieren haben und daß sie eins auf den Kopf bekommen werden, wenn sie daran denken sollten, Unfug zu treiben. Wer Deutschland mit schwersten Zeiten" bedroht, wenn ein Platz einen Namen bekommt, der ihm nicht gefällt, der verdient, von der Polizei besonders sorgfältig behütet zu wer= ben. Die preußische Regierung wird aber schen aus pädagogischen Gründen vor Drohungen nicht zurückweichen dürfen. Jene vaterländischen" Herrschaften haben vor der Republik doch erst dann Respekt, wenn sie sich Autorität verschafft! Die Antwort Severings. Der preußische Minister des Innern hat auf die Anfrage der Deutschen Boltspartei und der Deutschnationalen über die mbenennung des Königsplages in Berlin nachstehende Antwort erteilt.: als" Blaß der Republit" liegt mir noch nicht vor. Da ich „ Ein Antrag auf Umbenennung des Königsplates" in Berlin aber die von den Fragestellern gegen die Umbenennung erhobenen Bedenken als berechtigt nicht anzuerkennen vermag, würde ich keinen Anlaß fehen, einem entsprechenden Antrage die staatsministerielle Einwilligung zu verweigern." Diese Antwort ist klar und eindeutig. Sie gilt nicht nur den Volksparteilern und Deutschnationalen, sie gilt gleichzeitig dem v. d. Goltz und feinen Trabanten. Sportwesen und Leibesübungen. Aus dem Haushaltsausschus. haltsausschuß bei der Beratung des Etats des Ministeriums des In einer besonderen Abendsizung beschäftigte sich der Haus Innern mit der Förderung des Turn- und Sportwesens. Genosse Schred hielt in mitternächtlicher Stunde eine großangelegte, von allen Parteien mit sichtbarem Interesse auf höherer Mittelbewilligung als der im Etat vorgesehenen genommene Rede, in der er als alter Sportler die Notwendigkeit 400 000 m. eingehend begründete. Der Reichsausschuß für Leibesübungen, deffen Bersizender Ge- p noffe Schreck ist, hatte 3 Millionen gefordert. In der Debatte wurden hiergegen gewisse Bedenken geltend gemacht, so daß auch in Rücksicht auf die vorgerückte Stunde sich der Ausschuß auf heute Sonnabend vertagte. Bei der heutigen Beratung wurde auf Grund eines An trages aller Parteien, mit Ausnahme der Deutschnationalen und der Kommunisten, die Summe von 400 000 m. auf 1 million erhöht und ferner eine Entschließung angenommen, die besagt, daß je nach Bedarf vorbildliche Anlagen der Sportvereine in einem Nachtragsetat berücksichtigt werden sollen. Prinzips faßt Liepmann im Gesetz vom dreifachen Grunde" zusammen, deren erster das Hemmungsgesetz ist( das wesentlich Passive), der zweite das Gefeß der Verleßlichkeit( das die Reizbarkeit erflärt und darstellt), der dritte Träger der ganzen Ewigkeitsidee. Biepmann zeigte am Schluß des Vortrages, den er am 10. und 17. März weiter. führt, einen von Prof. Hans Friedenthal fehr gut zusammengestellten Aufklärungsfilm" von der Entwicklung des Menschen", derwissenschaftlich ausgezeichnet und doch leicht verständlich wie er ist durch alle Schulen wandern müßte. Gewe. Fünfzigjähriges Bestehen der Nationalgalerie. Die Berliner Nationalgalerie fann in diesem Monat auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken: der 21. März 1876 war der Geburtstag der Galerie. Das Museum begeht diesen Tag nicht etwa mit einer Feier, sondern als Arbeitstag: der jeßigen großen Beranstaltung, der CorinthAusstellung wird im April die Ausstellung neuer schwedischer Malerei folgen, die jetzt in Hamburg ist und die noch nach Lübed geht, ehe fie im April nach Berlin tommt. Die drahtlose Filmübertragung macht auch in England weitere Fortichritte. John Baird hat die Erfindung eines Apparats dafür fo weit ausgearbeitet, daß er vom englischen Bostminister die Erlaubnis erhalten hat, in London eine Fernbildübertragungsftation einzurichten. Von hier aus follen ilmaufnahmen an Rundfunkteilnehmer, deren Empfangsapparate eine Aufnahmefläche für die zu übertragenden Filme baben, verbreitet werden. " • Erlaufführungen der Woche. Sonntag. Oper am Rönigsplay: Wertber". Dienstag. Edhiller- Th.: Spiel des Lebens". Donnerstag. Tb. des Westens: Brinzessin ufch". Frei eg. Liebesintermezzo". Tb. in d. Königgrater Schlorparttb.: Straße: Mrs. Cheyneys Ende". Kleines Th.:„ Grab. mal des unbetannten Soldaten". Urania- Vorträge Mont.( 5, 9). Dienst.( 5, 7, 9), Mitim.( 5), Donnerst u. Freit.( 5,9), Gonnab. u. Eonnt.( 5, 7, 9): Die verlorene Belt".Mont., Donnerst., Felt.( 7): Marotto, Algerien, ueften im Bandel ber Beiten". Mittw.( 9): Die weiße Roble". Mittw.( 7): Reue Ertenntnisse des Seelenlebens der rau." Muleumsfahrungen. Sonntag, den 7., 10 Uhr vorm., finden amtliche Führungen im Neuen Museum( Aegypten um 1000 v. Chr.). Dr. Wolf und im se aiier- Friedrich- Musenm( Holländische Geniemalere), Direktor Demmler ftatt. Bulaẞtarten au 50 f. sind vo Beginn am Eingang der genannten Museen in b.schränkter Anzahl erhältlich. Haller- Revue. Die Direktion des Theaters im Admiralspalast hat sich Vollstümliche Woche der Haller Revue Achtung! entschlossen, eine Welle 505 au berantaiten, bei der die ganze Borstellung zu balben reifen( von M. 1.- bis M: 8.-) gegeben wird. Die vollstümliche Woche läuft vom 7. bis zum 14. März einschi. Das erbältnis grif en kunft und Gemeinschaft mitb am 8., 8 1br, im Reichswirtschaftsrat, Bellevueftr. 15, von der Gesellschaft der Freunde der Sozialistischen Monatsheite zur fontrabiftorischen Disfuifion gestellt. Referate: Wolfgang Deine über die Ge fährdung des freien Kunstschaffens in der deutschen Republik, und Adolf Behnes über die Aufgaben und Pflichten der Stunft in der Gemeinschaft. Berwaltungsalademie Köln. Es ist geplant, in Berbindung mit der Universität Köln eine Verwaltungsakademie zur Fortbildung der Berwals tungsbeamten einzurichten. An das intellektuelle Deutschland. Aufruf. Zu einer Zeit, in der breite Schichten des Volkes schlimmer barben als im Kriege, in der die notwendigsten Kultur aufgaben vernachlässigt werden müssen, in der es nicht möglich ist, den Wohnungslosen ein Heim, den Kranken zu reichende Nahrung, den Opfern des Krieges und der Inflation die geschuldete Unterstützung zu gewähren, in einer solchen Zeit des wirtschaftlichen Tiefstandes und der allgemeinen Berarmung, wagen es die ehemaligen Fürsten, Bermögens ansprüche in Höhe von mindestens drei Milliarden Goldmarf an den Staat zu stellen. Auf diefe Herausforderung gibt es nur eine Antwort: entschädigungslose Enteignung. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, nachdem die Gerichte sich als willfährig genug erwiesen, für die Fürsten und gegen die notleidenden Volksmassen zu entscheiden. Sie ist ein Aft der Selbst verteidigung und der Notwehr aller derer, die durch Krieg und Inflation um Hab und Gut gebracht, also ebenfalls enteignet worden sind, und die jetzt der Wirtschaftskrise und dem Steuerdruck erneut zu erliegen drohen. Sie ist ein Att ausgleichen der Gerechtigteit: Wenn der Staat die Opfer des Krieges und der Inflation mit Bettelpfennigen zu entschädigen wagt, dürfen die Fürsten, die an dem Unglück Deutschlands in erster Linie mitschuldig find, nicht bevorzugt und mit Milliarden abgefunden werden. Millionen Deutsche aus allen politischen Lagern und allen fozialen Schichten haben die Forderung der entschädigungslosen Enteignung der Fürsten begeistert aufgenommen und verlangen stürmisch eine schnelle und flare Entscheidung. Jetzt gilt es, dem Boltsvermögen Milliarden an Geldeswert zu erhalten und sie den durch Krieg und Inflation schwergeschädigten Schichten zuzuführen. Die Unterzeichneten erklären, daß sie sich in die Massenbewegung einreihen und sich dem Bolfsentscheid für entschädigungslose Enteignung der Fürsten anschließen. Berlin 1 wwww „ Lichtbild" im Volksbegehren. " 1 Dem teutschen" Gemeinsinn, der so ängstlich bedacht ist, daß die pp. Erfürsten vor der sogenannten„ äußersten Not" bewahrt bleiben, muß alles und jedes zum Besten dienen. Da besteht nun schon seit langen Jahren( jozusagen von der Erfindung der Photo: graphie her!) der löbliche Gebrauch, daß das Lichtbild zur Klarftellung einer Persönlichkeit herangezogen wird, z. B. beim Baß. Es spricht mun zweifellos für die Gründlichkeit und Unparteilidh feit der reaktionären Parteien, daß ihr Wortführer bei der Debatte im Berliner Stadtparlament, der Major a. D. v. Jecklin, das Vorzeigen eines Lichtbildes zur Feststellung der Identität des Einzeich nenden forderte. Ein genialer Gedanke, der aber doch noch sehr verbesserungsfähig ist. Hat der Herr Major a. D. noch nie etwas von der Bedeutung der Fingerabdrüde gehört? Wie wäre es, wenn vorgeschrieben werden könnte, daß jeder„ Revoluzer" erst seine Finger bei der Polizei abdrücken müßte, um dann mit dem abgestempelten„ Normalabdruck" vor dem Wahlleiter zu er: scheinen, vor dem nun nochmals„ abgedrückt" werden müßte, worauf die wissenschaftliche Vergleichung durch hierzu befähigte, d. h. im deutschnationalen Sinne ausgebildete Brüfer" zu erfolgen hätte. Bis dieser Instanzenweg durchlaufen ist, wäre wohl der für die Einzeichnung vorgesehene Zeitraum abgelaufen. Schlagen wir aber das Buch der Schikanen in früherer Zeit noch um einige Seiten zurück, so finden wir da ein so durchgreifendes Mittel, um politische Exzesse" zu verhindern, daß man wirklich an eine schon jetzt eingetretene Altersschwäche der Deutschnationalen glauben muß, die fie verhindert, von dem Rezept aus der Buttkamer- Zeit Gebrauch zu machen. Damals wurde eine Bersammlung von Menschen zu politischen Zwecken überhaupt nicht gestattet, wenn in dem Um treise von soundsovielen Meilen( auf ein Dugend mehr oder wenige fam es nicht an) irgendein Mensch an Typhus, Diphtherie oder einer ähnlichen ansteckenden Krankheit geftcrben war.„ Versammlungen von Menschen" wären geeignet, die Krankheit zu verbreiten- folglich müssen Versammlungen verboten werden. Da nun in Berlin und Umgebung leider ja noch immer Menschen an Krankheiten sterben, die ansteckend genannt werden, so liegt das Verbot der Ansammlung von Menschen in und vor den Lokalen der Einzeich ming greifbar nahe. Wenn alle Viertelstunde ein Mensch in den geheiligten Raum eingelassen wird, in dem von dem deutschnationalen Wahlleiter noch für ausreichende Karbolbesprigung gesorgt werden fönnte, würde die Verbreitungsgefahr auf ein Geringes herabgedrückt werden und die Ausübung des staatsbürgerlichen Rechtes gebrückt werden und die Ausübung des staatsbürgerlichen Rechtes der Mehrzahl der Eigentumsheiligkeitsschänder illusorisch sein.. Das Einzeichnungslokal Tempelhofer Ifer 20 ist nach außen hin durch die Platate des Bezirksamts Kreuzberg gefenn zeichnet. Der Betrieb war wesentlich flotter als am ersten Tag. Be fonders in den Abendstunden sett stärkerer Zuzug ein. Die Turn der Einzeichnungsort männischen Grundsäßen vermaftet und fontrolliert werden, und die erst legthin vorgenommene offizielle Revision habe die Tadellosigkeit der Buch- und Kaffenführung dargetan. natürlich nichts an der Tatsache, daß die 56 000 Mart, die beim Diese Erklärung, von der wir gern Kenntnis nehmen, ändert Studentenausschuß unterschlagen worden sind, heute schon als restlos verloren angesehen werden können. Die ganze Affäre ist um so bedauerlicher, als es sich ja nicht um staatliche Gelder handelt, sondern um eine Summe, die in kleinen und fleinst en Raten mühselig von den Stubenten, die zum größten Teil mit einem fleinen Monatswechsel auskommen müffen, aufgebracht worden sind. Es wird nun zu erwägen sein, ob nicht nur eine Umorgani sation, sondern überhaupt eine radikale Vereinfachung der gesamten Studentenhilfe möglich sein wird. Francnfundgebung in Wilmersdorf. In einer Frauenversammlung in Wilmersdorf sprach Genosse Pfarrer Bleier: Wenn die Frauen versagen, ist der Kampf verloren. Die Frau betätigt sich ungern politisch. 2lber diesmal geht es um das Gedeihen von Haus und Kind. Die Masse soll froh sein, wenn sie Beitelpfennige bekommt. 2lle sollen Kulis werden, die aus der Hand fressen. Mit Fürsorgebedürftigen fann man alles machen. Der Redner hatte die besten Beispiele: In Düsseldorf bekommt während des Krieges eine Frau ein Kind, ein kleines Mädchen. In derselben Stunde kommt die Nachricht vom Tod ihres Mannes vor dem Feind. Da bittet fie die Kronprinzessin Cäcilie, die Patenstelle zu übernehmen. Das geschieht gnädigft. Vor kurzem nun erinnert sich die arme Frau der hohen Patin und bittet um Hilfe für ihr Kind. Da bekommt sie 5 Mark und einen Brief vom Hofmarschall der Frau Kronprinzessin: Ihre Kaiserliche Hoheit sei leider nicht in der Lage, Kleidungsstücke oder sonst etwas zu schiden. offentlid) faufen Sie etwas recht Brattisches, damit das Gelb nicht unnötig verschwendet ist. Der hohe Ge mahl dieser Frau bedauert, einem armen Kriegsfrüppel nichts geben zu fönnen, weil er selbst gerade zu leben" hätte. Das läßt er aber vom Adjutanten schreiben. Sie haben nichts übrig für die Aermſten. Sie legen Wert darauf, Christen zu sein, sind aber Pharisäer und die brutalsten Aussauger. Sie brauchen das Geld nicht, um sich zu kleiden und zu ernähren. Sie brauchen es, um die Mittel zur Knechtung jedes freien Instinkts, zur Austilgung aller Menschlichkeit zu haben. Auf die Frauen kommt es heute an, fie müssen an sich, an ihre Männer und Kinder denken. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern abend, furz nach 10 Uhr, auf der durch ihre zahlreichen Berkehrsunfälle bereits berüchtigten Potsdamer Chauffee in der Nähe des Zehlendorfer Sanatoriums Waldfrieden". Eine von Potsdam kommende Autodroschte fuhr mit voller Wucht gegen einen Chaussee= baum, so daß der Chauffeur, der 43 Jahre alte D. Pansin aus Berlin, Ofenerstraße 14, vom Siz geschleudert murde und mit fchymeren Berlegungen bewußtlos liegen blieb. Ein daher kommender Wagen bemerkte den Unfall und durch einen Krantenwagen murde der Schwerverlegte nach dem Sanatorium Waldfrieden" transportiert, wo eine erhebliche Kopfverlegung, Bein- und Rippenbrüche festgestellt wurden. Frau Gertrug Bacr, Berlin Mag Barthel, Schriftsteller, Berlin Johannes R. Becher, Schriftsteller, Berlin- Dr. Adolf Behne, Schriftsteller, Berlin Pfarrer Bleier, Berlin- Dr. Hermann Dunder, Schriftsteller, Berlin Dr. Albert Einstein, Universitätsprofessor, Berlin Franz Carl Endres, Major a. D., Stuttgart Frau Gertrud Enfoldt, Schauspielerin, Berlin 2. Frenmuth, Senatspräfident a. D., Berlin- Eduard Fuchs, Schriftsteller, Berlin Eduard Fuchs, Schriftsteller, Berlin Dr. Manfred Georg, Schriftsteller, Berlin Erich Godal, Maler, Berlin Paul Graeß, Schauspieler, Berlin- George Groß, Maler, Berlin Dr. C. Grünberg, Universitätsprofeffor, Frankfurt a. M. Wilhelm Herzog, Schriftsteller, Berlin Dr. Kurt Hiller, Schrift steller, Berlin Siegfried Jacobsohn, Herausgeber der Welt bühne", Berlin Dr. Kurt halle der 160/165. Gemeindeschule Alfred Kerr, Schriftsteller, Berlin ist Kersten, Schriftsteller, Berlin Kurt Kläber, Schriftsteller, Jena über verschiedene Höfe recht schwer zu finden. Das Frau Professor Käthe Kollmig, Berlin Leo Lania, Schriftsteller, Verhalten der diensttuenden Beamten wird als forreft bezeichnet. Frau Ilse Lasso Erschwerungen des Einzeichnungsaftes find nicht vorgekommen. Im Emil Lind, Oberregisseur, Berlin Lind, Berlin Lokal Gneisenaustraße 7 scheint das Berhältnis der EinWalter Loeb, Staatsbantpräsident a. D., Frant furt a. M. Dr. Mard, zeichnenden zu den diensttuenden Beamten fein besonders günstiges Paul Löbe, Reichstagspräsident, Berlin 11niversitätsprofessor, Breslau zu fein. In den Abendstunden hat eine starte Einzeichnungstätigkeit Frau Cläre Mard, Breslau Lothar Müthel, Schauspieler, Berlin Leonard Nelson, Univerfi eingefeßt. Besonders bemerkenswert ist die Attivität der r tätsprofeffor, Göttingen Conny Neubauer, Maler, Berlin beiterfrauen, die das schlechte stürmische Better nicht hindert, Profeffor Baul Destreich, Berlin Mag Pechstein, Maler, Berlin ihre republitanische Pflicht zu erfüllen. Die Einzeichnung im Lotal Lothar Perfius, Kapitänleutnant z. S. a. D., Berlin, Frau Thea Hagelberger Straße 34 ist eine überaus rege. Das Lotal ift Berfius, Berlin Erwin Piscator, Oberregisseur, Berlin Hans ordnungsgemäß nach außen hin gekennzeichnet. Gegen 7,15 Uhr Reimann, Schriftsteller, Frankfurt a. M.- Dr. Scharel, Univer- abends wurden nicht weniger als 30 Leute im Raum gezählt. Die fitätsprofeffor, Jena Bruno Schönlant, Schriftsteller, Berlin- Beamten erleichtern den Einzeichnungsbegehrenden pflichtgemäß die Hans Siemfen, Schriftsteller, Berlin Frau Dr. Helene Stöder, Arbeit. Ein Ordner führt die kommenden nach Bezirken geordnet an die Tische. Diese Unterstügung des Publikums ist zu Berlin Ignaz Wrobel, Schriftsteller, Paris- Professor Heinrich Zille, Berlin. begrüßen und nachahmenswert. Leider ist der Eingang zur Ueber die Explosionsfatastrophe in Prag werden weitere EinzelTurnhalle reichlich dunkel. Einzeichnungsrainn in der Wilhelmstraße 117. Hier hat unser Brotest gewirkt. Die Einzeichheiten gemeldet. Die Berwüftungen in den Häusern find nungsstelle ist nach außen hin als solche plafatiert. Auch letzte der unbeschreiblich. In der Wohnung eines Oberbau Dienst heute pünktlich ein. Der Betrieb ist nicht übermäßig intensiv, doch ist ein entschiedener Fortschritt unverkennbar. Die Republik stabilisiert. Demokratischer Dank an Severing. Der Preußische Landtag verwies in seiner heutigen Sigung zunächst einen Antrag über Maßnahmen gegen die Verunreinigung des linksrheinischen Flusses Niers an den Hauptausschuß und stimmte einer Novelle zum Gerichtsverfassungsgefeß zu. wonach auch Rechtsanwälte, abgebaute Richter und sonstige Bersonen, die die Befähigung zum Richteramt erlangt haben, zeitweilig mit der Wahrnehmung richterlicher Geschäfte betraut werden fönnen. In Straffachen sollen Hilfsrichter nur insoweit verwendet werden fönnen, als es sich um Richter im Ruhestand handelt. Bei der Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats des Innern spricht Abg. Dr. Grzimet( Dem.) dem Minister Severing den Dant der Demokraten dafür aus, daß er in der Personalpolitik die Intereffen der Republik wahrgenommen und so den Staat stabilisiert babe. Bismard habe in einem Erlaß als Pflicht der politischen Beamten bezeichnet, bei Wahlen die Regierung zu unterstüßen. Heute tomme alles darauf an, daß der Verwaltungsapparat fest in der Hand des Ministeriums bleibt. Wenn det politische Beamte die Pflicht versäume, die Republik bei den Einwohnern zu feftigen, müsse er vom Platze weichen. Im oftpreußischen Provinzialland. tag hat die gesamte Rechte nur eine einzige Stimme mehr als die Linte einschließlich des Zentrums. Es fann alfo nicht von einer überwiegenden Mehrheit der Rechten in Ostpreußen gesprochen werden. Die Selbstüberhebung der Deutschnationafen torbe diese bald völlig ifolieren, wie das bereits in Oberflefien der Fall ist. Es sei verwunderlich, in welcher Weise die Deutsche offspartei in Ostpreußen Trabant der Deutschnationalen sei. Der Redner weist die Hehe gegen den demokratischen Oberpräsidenten Siehr zurück und erflärt, es müsse unbedingt ein chöner und großer Play in Berlin zu Ehren der Re publit benannt werden. Zum Schluß äußert der Redner seine Verwunderung darüber, Daß der Abg. Baeder die Schwarze Reichswehr und die Waterländischen Berbände gelobt hat, obwohl fich durch die Feme= morde bei diesen Gesinnungsfreunden ein Tiefstand der Be innung gezeigt habe, wie er noch nie bestand.( Lebhafte Entrüftung rechts und Zurufe: Unverschämtheit! Unwahrheit! fundgebungen lints.) Gegen bg. Schwent Oberhaufen( B. Bg.) betont, daß seine Parteifreunde sich nicht in den Streit der Linken mit der Rechten einmischen würden. Ungehörig und unrecht seien die AusFührungen des Abg. Baeder( Dnatl.) gewesen, die dem Minister Severing vorwarfen, durch ihn sei der Ruhrkampf verloren worden. 3m Ruhrkampf hätten alle Boltsteile, bis zur äußersten Linfen, ihre Bilicht getan. Der Redner hebt dann hervor, daß seine Bartei nicht in grundfäßlicher Oppofition zur Regierung stehe, fondern auf dem Standpunkt möglichster Mitarbeit. Es kommt, so be: tont der Redner, uns im gegenwärtigen Augenblid auch nicht auf die Staatsform an. Das Wesentliche besteht vielmehr darin, an der Etaatserhaltung und Staatsförderung mitzuarbeiten. Notwendig ist auch, ebenso wie es früher bei der Monarchie war, daß die Bes amten der Republik die Republit stügen. Es gilt, sich auf den Boden der gegebenen Staatsform zu stellen und in dieser am Wiederaufbau des Baterlandes mitzuarbeiten. ein Beamter gegen feinen Eid verstößt. gibt es auch für mich, der Ich nicht fo feft auf republikanischem Boden stehe, nur Enflaffung aus dem Amt.( Sehr richtig! links.) Zum Schluß erörtert der Redner Mittelstandsfragen und bedauert insbesondere, daß die wenigen Kreditmittel der Spartassen von den Kommunen be Schlagnahmt werden, während die Kreditnot des Handels und Gewerbes unberüchtigt bleibe. Wenn Die Wegweiser in den Schulen zu den versteckten Turnhallen find nicht mehr notwendig. Familienweise rüden die Einzeichner heran. Die Arbeit der freiwilligen Helfer wirft. Jede Frau- und tommt fie auch gerade vom Einkauf- wird gefragt, ob fie fich schon eingezeichnet hat. Meist haben die Helfer nach wenigen Worten Glüd. Ein Scherzwort, und schon haben die Helfer neue Arbeit. In Briz, wo nur ein Einzeichnungslokal ist, müssen lange Wege bis zur Einzeichnungsstelle zurückgelegt werden. Und doch gerade die Alten, all die Sozialrentner, tommen von ihren armseligen Lauben, weit draußen vor Briß, und zeichnen sich ein. Und fragt man, daß es doch unbequem sei, diesen weiten Weg zu machen, erwidern sie stolz: Wir wären auch noch weiter gewandert." Betrugslisten im Berliner Westen. Eine besonders gemeine Art der Sabotage betreiben junge Medlenburger Hafentreuzler in Wilmersdorf. Gie gehen mit Liſten von Haus zu Haus und lügen törichten Frauen Dor, fie fönnten sich den Weg zum Einzeichnungslokal sparen, wenn sie sich in die Liste einschreiben. Sie, die jungen Leute, seien vom Ausschuß und von den Parteien geschidt. Gegen diese Betrugsverfuche muß natürlich schärfstens eingeschritten werden. Borläufig fei aber dringend gewarnt! Niemand darf auf diesen Schwindel hereinfallen! Die Veruntreuungen bei der Studentenschaft. Weitere Bernehmungen. Die Beruntreuungen bei der Studentenschaft der Universität beschäftigen noch weiter die Kriminalpolizei des Polizeiamts Mitte und die Universitätsbehörbe. Die Vernehmungen wurden in der vergangenen Nacht bis 12 Uhr fortgefeht und heute morgen wieder aufgenommen. Die Prüfung der Bücher, die die Höhe der Unterschlagungen erst genau feststellen kann, ist noch nicht abgeschlossen. Aus dem vorigen Sommersemester, in dem Willy Lehmann Kaffenwart war, fehlen nach den bisherigen Ermittelungen etwa 45 000 bis 46 000 Mart. Im Laufe des jeßigen Wintersemesters hat Lehmann noch weiter 11 000 art an sich gebracht. Wie bas möglich war, obwohl Lehmann jetzt nicht mehr Kaffenverwalter war, ist noch rätselhaft. Er war immer noch in der Lage, Quittungen zu unterschreiben und auch Gegenzeichnungen zu erhalten. Wer dabei beteiligt ist, muß noch im einzelnen feftgestellt werden. Lehmann behauptet, daß auch andere um die Beruntreuungen gewußt hätten, weil ihnen ja bekannt gewesen sei, daß er nicht mehr Kaffenwart war. Auch der Beamte der Quästur, der mit der Verwaltung der Gelder zu tun hatte, hätte das wissen müssen. Die 11 000 m. sollen auch zu den 20 000 m. gehören, die Lehmann auf dem Wege zur Bank verloren haben will. Es unterliegt aber feinem Zweifel, daß sie ebenso wie alles andere Geld vergeudet worden sind. Wer alles an dem Verbrauch der Gelder beteiligt gewesen ist, werden die näheren Ermittelungen wohl bald feststellen. Von den Vertretern des Studentenwerts e. V.( aez. Dr. G. Michaelis) wird darauf hingewiesen, daß diese Organisation mit den ihr angeschlossenen Wirtschafts- und Fürsorgeämtern völlig selbständig neben der Organisation der allgemeinen Studentenschaft stehe und daß ihre Geschäftsführung unabhängig von den Finanzverhältnissen der Studentenschaft sei. Dasselbe gelte von dem Der umfang Deutschen Studentendienst von 1914. reiche Wirkungsfreis des Studentenwerks würde nach streng fauf Zu dem Artikel„ Ein demokratisch- republikanischer Deutschnationaler" in Nr. 102, Ausgabe B, Nr. 51 des Borwärts" ersucht uns Dr. Beez Wannsee, Kleine Seestraße 21, auf Grund des § 11 des Breffegefeßes um folgende Berichtigung: Es ist night richtig, daß ich jemals einen Versuch gemacht habe, Berichterstatter der Boffischen Zeitung" zu werden. Dr. Beeg." Diese zuschrift ist eine Ertlärung. Die sehr notwendige Auftlärung wird wohl nicht lange auf fich warten laffen. Die Explosionskatastrophe in Prag. Die Ursachen noch unaufgeklärt. 花 の Die Fenster sind mit den Rahmen in Trümmer gegangen, die rates in der Tischlergasse ist tein Gegenstand ganz geblieben. Zimmertüren gesprengt und sämtliche Einrichtungsgegenstände zerstört worden. Die Zahl der Berlegten steht immer noch nicht fest. Bon amtlicher Seite wird nach wie vor darauf bestanden, daß nur zwei Personen getötet und 41 verlegt worden find. Dagegen berichtet die„ Bohemia" in ihrer Sonnabend- Moraenausgabe, daß bis zum Mittag in die Krankenhäuser 62 Berlekte eingeliefert, in der Georgsfaserne 21 Personen verbunden und außerdem noch von Privatärzten eine Anzahl Personen verbunden wurden, die auf die amtliche Behandlung nicht warten wollten. Knapp vor der Mittagsstunde erschien der Landeskommandant Gajda in Begleitung eines Ordonnanzoffiziers. Daben tam es zu verschiedenen Zwischenfällen, weil viele Leute laut und nachdrücklichſt ihrer Verwunderung darüber Ausdrud gaben, daß die Militärperwaltung folche gefährlichen Transporte durch die Straßen dulde. Abgeordneter Novad rief: Schlamperei über Schlamperei. Das Sonnabend- Morgenblatt der Prager Bohemia" schreibt zu der Katastrophe: Vier Jahre hat Prag, mitten im Herzen des Don Kriegsgreuel zerrissenen Europa heil und ungefährdet überstanden, ohne daß sich auch nur ein Ziegelstein vom Hradschin losgelöst hätte. Nun geschieht plöglich mitten im Frieden etwas, was fich während des ganzen Weltkrieges fein einziges Mal ereignet Es ist das Bild des Krieges im Frieden. Hinter hat... der unmittelbaren Ursache der Erplosionstatastrophe lauert eine ebenso schwere, wenn nicht noch schwerere Ursache. Hinter der Berson des etwa verantwortlichen Offiziers fteht ein größerer Schuldiger, steht der Geist des nimmerraftenden Militarismus, dem sich die tschechoslowakische Republit feit dem Beginn ihres Bestandes mit Haut und Haaren verschrieben hat. Das Ministerium für nationale Berteidigung gibt bekannt: Die Militärverwaltung stellte sofort bei allen Stellen die strengste Untersuchung an. Die Kommission stellte bisher feft. daß die Handgranaten in gehörig plombierten Kiften zur Berlabung vorbereitet, in Beisen des Lagerverwalters aufgeladen und die Begleitsoldaten entsprechend gewarnt wurden. Die Kommiffion gelangte ferner zu dem Ergebnis, daß die Ursache der Explosion nicht in dem Zustand der Handgranaten und ihrer Verpackung fuchen ift. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Rreis Reukölln. Die Sandzettel sind im Gekretariat von jeder Abteilung abzuholen. 44. Abt. Sonntag. 7. Mära. Dormittags 9 Uhr. 91. Stabtbezirk Flugblatt. verbreitung bei Nagel. Manteuffelfte. 47. 82. Abt. Steglik. Sonntag. 7. Mära. vormittags 9 Uhr. Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Bezirksführer holen heute, Sor abend, die Flugblätter von Edhellhafe. Whornstraße, ab. Sport. Bortämpfe im Sportpalast. In der Borschule des Sportpalaftes fanden am Freitag wieder por gut bejestem Hause Bogtämpfe statt. Es wurde nach amerikanischem A19 System über vier Munden mit acht Unzen Handschuhen gebort. erstes Paar begegneten fich Urban Gras( 109 Pfund) und Surt Der Kampf endele unentschieden. Einen Road( 114 Pfund) im Ring. intereffanten Stampt lieferten sich Joung Spears( England)( 123 Pfd. und Ullrich Deutschland( 124 Pfund). Nefultat: Unentschieben. deutsche Meister im Leichtgewicht Richard Naujods( 327 Pfund) vermochte Otto Briefe( 132 Pfund) faum ernstlich zu gefährden. Im Schlußfamp trat Eger- Mühlhausen( 119 Pfund) gegen den Berliner Glafer( 122 Bfund) an. Eger führte in allen vier Nunden. Auch dieser Rampf endete un entschieden. $ Der Gewerkschaftsbewegung Zur Lage der deutschen Arbeiter. Ein Beitrag aus dem fapitalistischen Lager. Es ist merkwürdig, zu beobachten, wie genau die dem Unternehmertum nahestehende Bresse sich über die Lage der Arbeiter unterrichtet zeigt, sobald es ihr zufällig einmal in den Kram paßt, ihre Kenntnis darüber zu offenbaren. Die„ Berliner Börsenzeitung" brachte in ihrer Nr. 105 eine Abhandlung über die Unterstügungs aktion für die Roggenproduzenten, der wir folgende Stelle entnehmen: „ Wird tatsächlich in der Welt weniger Brot, jei es Weizen- oder Roggengebäd, genoffen als früher? Die Antwert lautet: Ja, der Konjum ist zurüdge gangen! Abgesehen von der Arbeitslosigkeit, die die Erwerbslojen wingt, zum Genuß von Suppen aus Kartoffeln, Hafer-, Gerfiepräparaten und dergleichen überzugehen, hat der Acht it undentag offenbar zur Folge gehabt, daß die Arbeiter Ein Betriebsratsmitglied entlaffen. Wegen vermeintlicher Beleidigung. Im Einverständnis mit dem Betriebsrat entsendet die Firma die Bergmann Eleftrizitätswerte in Betriebsversammlungen, für deren Kosten sie in Anspruch genommen wird, einen Bertreter, der dem Bersonalchef Bericht zu erstatten hat. Der Leiter einer solchen Versammlung, Betriebsratsmitglied Sch. er: öffnete dieselbe mit der Bemerkung, er ersuche die Horch posten der Firma, vorn im Saale Platz zu nehmen, damit sie gut hören und objektiv berichten können. Sch. will damit nicht den offiziellen Bertreter der Firma gemeint, sondern an solche Personen gedacht haben, die außerdem, vielleicht ohne Au ftrag, der Firma Berichte zukommen laffen. Der Vertreter der Firma, ein Angestellter im Perso nalbureau, behauptet dagegen, die betreffende Bemerkung habe fich lediglich auf ihn bezogen, denn S. habe gejagt, er ersuche den Horchposten der Firma, vorn Blaz zu nehmen. So berichtete der Angestellte an die Firma, die dann ein Schreiben an 10 Wirtschaft Die toten Kosten der Haldenbestände. In einer Bürdigung der Haldenbestände in den deutschen Berg baubezirken schreibt die„ Rheinisch- Westfälische Zeitung folgendes: Der Gesamtwert der, Brennstoffbestände in den dret Bezirken einschließlich der Syndikatsbestände betrug am 1. Január d. 3. unter Zugrundelegung des Preises für rheinisch- westfälische Fettförderkohle( 14, 92 Mart je Tonne) rund 134 millionen Mart. Mit den Zinsen dieses so festgelegten Kapitals fönnte eine Belegschaft von rund 7000 Mann monatlich entlohnt werden. Diese Bemerkung kennzeichnet die geradezu katastrophalen Folgen der Vorratswirtschaft im Kohlenbergbau. Wenn ein Kaufmann derartige Vorräte angesammelt hat, so zwingt man ihn dazu, sein Lager zu räumen, auch wenn er dabei durch Preisherabſegungen erhebliche Substanzverluste" erleiden sollte. -im Gegensatz zu den früheren Gebrauchen- ihr Frühstücksbrot Metallarbeiter! Besucht die Wahltörperversammlungen! Der Bergbau denkt an einen derartigen Preisnicht mehr vom Hause zur Arbeitsstätte mitbringen, fondern ebenfallsfalls Suppen aller Art vor und nach der Tätigkeit zu sich nehinen, damit fie etwas Warmes im Leibe haben!" Das ist das Ergebnis eingehender Untersuchungen, über die unzweifelhaft festdes Brotkonsums in Deutschland besonders Weizen beverzugt wird, scheint daran zu liegen, daß eine trockene Schrippe besser schmeckt als trockenes Brot und den Leuten die Mittel zum Brotaufstrich oder gar zum Fleischbelag fehlen." Da es sich hier nicht darum dreht, die Notlage der Arbeiter zu schildern, diese Schilderung vielmehr die Notlage der großen Roggenproduzenten ermeisen soll, werden die Unternehmer faum zu befürchten haben, daß etwa nun die Berliner Börsenzeitung" die Konsequenz aus der ven ihr verbreiteten Dar stellung über die Lage der Arbeiter zieht und sich gegen Lohnabbau und sonstige Bedrückungen der Arbeiter. fchaft wendet oder gar die Forderungen der Arbeiter auf Besser stellung unterstützt. 3m Gegenteil, der um seine Abfindung besorgte arme Mann in Doorn hat ja die Entdeckung gemacht von der Geldgier der Demokratie, jo daß seine Gesinnungsgenossen im Lande bald wieder über die materielle Einstellung und Begehriichkeit der Arbeitnehmerschaft herzzerbrechende Klagen anstimmen werden. Sch. richtete, worin sie dessen Verhalten scharf rügte und für den Wiederholungsfall weitere Maßnahmen androhte. In einem Antwortschreiben verbat sich Sch. diese Anrempe lung" und verwahrte sich gegen die ihm erteilte Rüge in scharf zugespitzten Redewendungen. Hierauf wurde Sch. ohne Zustimmung des Betriebsrats en tlassen. Er flagte bei der Kammer 7 des Gewerbegerichts, die nach eingehender Berhandlung die Klage abwies mit der Begründung: Selbst wenn es zweifelhaft wäre, in welcher Form der Kläger von Horchposten gesprochen habe, so habe er sich doch nicht so ein wandfrei ausgedrückt, daß diese Bemerkung nicht auf den Bertreter der Firma hätte bezogen werden können. Nun sei die Firma gegen den Kläger massiv geworden und dieser, der durch die Form feines Antwortschreibens gezeigt habe, daß er gebildet genug jei, um die Bewertung seiner Worte zu erkennen, habe der ersten Be leidigung eine zweite hinzugefügt, indem er dás Schreiben der Firma als Anrempelung bezeichnete und noch andere Liebenswürdigkeiten" hinzufügte, in der Absicht, die Vertreter des Arbeitgebers zu beleidigen. Dadurch habe der Kläger Grund zur fristlosen Entlassung gegeben. Wir sind der Meinung, daß dies Urteil auf einer Berkennung der, wenn auch im Einverständnis mit dem Betriebsrat, in die Arbeiterversammlung geht, tut das doch in der Absicht, zu hören, mas in Der Bersammlung vorgeht. Wenn man ihn deshalb mit einem, dem militärischen Sprachschatz entnommenen Ausdrud als„ horchposten" bezeichnet, so ist das doch keine Beleidigung, denn die Tätigkeit des Horchpostens ist ja teine unehrenhafte. Nun der Brief. Da hat sich der Kläger gegen das selbst nach Ansicht des Gerichts massive Vorgehen der Firma gewehrt, er hat also in Wahr nehmung berechtigter Interessen gehandelt. abbau nicht, sondern appelliert an die Hilfe des Reiches, das ihm zur weiteren Aufrechterhaltung der riesigen Haldenbestände noch Kredite zur Verfügung stellen soll. Gleichzeitig wird eine Grube nach der anderen stillgelegt, meil der Absatz bei den hohen Preisen nicht da ist. Der ganze Widersinn kapitalistischer Wirtſchaftsführung tritt hier wieder einmal mit aller Deutlichkeit zutage. Aber nicht nur der Widersinn der kapitalistischen Wirtschaft über= haupt ist es, der schuld an dieser Entwicklung hat, sondern die Torheit einer staatlichen Subventionspolitif, die fich jetzt am Kohlenbergbau und feinen Arbeitern bitter rächt. Die 134 Millionen Mart, die die Haldenbestände wert sind und die jetzt nur tote Kosten machen, find nichts anderes als ein Teil jenes 700 Millionen Geschentes, das das Reich der Ruhrindustrie zugewandt hat. Aber nicht genug damit, baz das bereits geschehen ist, verlangt man jetzt noch billige kredite, also neue Unterstügung, um den Bergbau weiterführen zu können. Wo das endigen soll, das ist eine Frage, die sich die Führer der privaten Wirtschaft offenbar noch gar nicht vorgelegt haben. Jedenfalls mahnt uns die Darstellung der„ Berliner Börsenzei- per tatsächlichen Berhältnisse beruht. Der Unternehmervertreter, ſtiſchen Reichsamts wurden im Februar b. 3. durch ben magis tung", zu tun, was der Augenblick erfordert, uns einzuzeichnen für das Boltsbegehren. Die Bewegung des Luftfahrpersonals. Aufstellung eines Vertragsentwurfs. Der Deutsche Verkehrsbund hatte zum Freitag abend nach dem Königstadt Kasino eine Bersammlung des gesamten Bord und Bert stattpersonals der Luftfahrtbetriebe einbe 1fen, um zur Formulierung eines Tarifvertrages mit der Deutschen Lufthansa A.-G. Stellung zu nehmen. Wie schon in dem Bericht über die Bersammlung des Luftfahrtpersonals am Montag im Tucherbräu mitgeteilt murde, gibt es in ben Luftverkehrsbetrieben eine einheitliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse überhaupt nicht. Das Bersonal ist bis jezt ganz der Wiüfür der Flugverkehrsfirmen ausgesetzt gewesen; Die Entlohnung und Arbeitszeit richtete fich je nach der Flugjaison. Eine engere Konimiffion, die in der Versammlung am Montag ge mählt worden war, hatte gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Berkehrsbundes einen Tarifvertrag entworfen, der in der Berfammlung am Freitag zur Diskussion stand. Dieser Tarifvertrag, der für die Bord, Start und Werkstatt monteure, Handwerker und Hülfsarbeiter gelten soll, sieht die Rege lung folgender Punkte vor: Arbeitszeit, Löhne, Kilometergelder, Auslösungsfäße, leberstunden, Urlaub, vorübergehende Arbeitsunterbrechung( bei Todesfall in der Familie usw.), Versicherung gegen Unfall und Todesfall, Lohnzahlung in Krankheitsfällen, Kündigung des Arbeitsverhältnisses, Lohnzahlung, Betriebsräte, Schlichtungs mesen und Allgemeines. Der portiegende Bertragsentwurf murde in ollen Punkten eingehend erörtert und fand mit einigen Abänderungen die einstimmige Annahme durch die Versammlung. Der Reichsabteilungsleiter des Luftfahrtpersonals im Deutschen Verkehrsbund, Genosse Binder, machte die Versammelten aber auch darauf aufmerksam, daß es der innigsten Gefchloffen heit des gesamten Luftverkehrspersonals bedarf, um die fommenden Berhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Es muß in den nächsten Tagen die regst e Propaganda in den Werken entfaltet werden, um auch den legten Unorganisierten der Organisation zuzuführen und somit den Berhandlungen Nachdrud zu verleihen. Die zahlreichen Neuaufnahmen und der gute Besuch der Berfammlung bemiesen, daß das Luftfahrtpersonal den Ernst der Stunde erfannt hat und entschlossen ist, aus dem bisherigen Tohumabohu heraus und zur vernunftgemäßen Regelung seiner Lohn- und Arbeitsbedingungen zu kommen. Protestbewegung in Japan. Gegen arbeiterfeindliche Gejezzentwürfe. Unser Zofiner Korrespondent schreibt uns, daß es infolge der geplanten arbeiterfeindlichen Gesetzgebung im ganzen Lande zu großen Demonstrationen gekommen ist. Sa fanden Anfang Februar in Tokio große Versammlungen statt, an denen sich über 10000 Arbeiter und 5000 Arbeiterinnen betei ligten. Die Demonstrationen in Dfata hatten ebenfalls eine starke Beteiligung aufzuweisen. Der Sturm der Arbeiterschaft richtet sich gegen den dem Reichs tag vorgelegten Arbeitsgefeßentwurf und gegen das schon ausgeführte Sozialistengefeg. Besonders wendet sich die Arbeiterschaft gegen den beabsichtigten Zwang, die Gewerkschaften als juristische Berson eintragen zu laffen und gegen die Lücke im Gesez, die es den Arbeitgebern gestattet, Arbeitnehmer megen ihrer Zuge hörigkeit zu einer Gewerkschaft zu benachteiligen. Auch follen gemertschaftliche Organisationen von Beamten, Soldaten, Militärpersonen, Bauern und Fischern nach dem Gelegentwurf nicht ge duldet werden. Im übrigen sieht das Gefeß vor, die Gewerkschaften nach Berufsarten und Industriezweigen einheitlich zusammenzufaffen. Demgegenüber Hebt die Arbeiterschaft auf dem Standpunkt, daß dadurch die natürliche Entwicklung der Gewerkschaften schwer be hindert wird. Fritz Ranmar Neukölln, Neuterstraße 53 die billige Lezugsquelle für heib- Wäsche Wäschestoffe jeder Art. Marten- Zigaretten kaufen Sie am billigsten Berlin, Kaiser- Wilhelm- Str. 32 Teppe Versand nach auswärts franko. KrauseNur immer verleumden! Die Rote Fahne" nom 2. März beschäftigt sich mit den Berhältniffen der Arbeitnehmerschaft im Schill Betrieb, Friedrichstraße 124. Dabei fallen natürlich auch eine Reihe von Bormürfen für den Betriebsrat ab. Der Betriebsrat somahl als auch der Bentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten sehen fich veranlaßt, die in der Roten Fahne" gemachten Ausführungen fachlich richtigzustellen. " Es wird behauptet, daß sich die dort beschäftigten Kellner als die Geneppten" fühlen. Davon fann gar feine Rede sein, vielmehr hat leider ein Teil der Kellner sich zu einer Berlängerung der Arbeitszeit auf 66 Stunden pro Woche durch Verzicht auf den wöchentlichen Ausgang freiwillig erboten! Der Betriebsrat sowohl als auch die Organisation haben fojort auf das Ungefeßliche eines Berzichts auf den wöchentlichen Ruhetag hingewiesen und dadurch die Firma veranlaßt, das Anerbieten der Kellner zurüd zumeifen. Im übrigen irrt die Rote Fahne", menn sie von einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden spricht, die tarifliche Arbeitszeit beträgt 57 Stunden. Richtiggestellt werden muß ferner, daß im Gegensatz zu den Ausführungen der Roten Fahne" neue Kräfte eingestellt find, nämlich 11 Personen. Soweit Ueberstunden gemacht wurden, sind diese von der Firma bezahlt worden. Im übrigen ist auch festzustellen, daß die KPD. herporragend im Betriebsrat der Firma vertreten ist. Die gemachten Vorwürfe fallen also auch auf die kommunistischen Mitglieder des Betriebsrats zurüd. Sylvesterkognak bei Siemens u. Halske. Am Silvestertage zeigte der im Betriebe von Sie= mens u. Halste bestehende Konsumvercin an, daß er Rognat zu billigen Preisen abzugeben habe. Diese Anpreisung wirfte auf einige Arbeiter so verlockend, daß sie den. Wunsch hatten, den billigen Silvesterfognak fogleich zu probieren. Ihrer a cht beschlossen, auf gemeinsame Kosten eine Flasche zu erstehen. Einer von ihnen, der Arbeiter R., mar so fapitalfräftig, daß er den Betrag für seine Kollegen, in deren Bortemonnaies tiefste Ebee herrschte, auslegen fonnte. Eine Flasche Rognat wurde geholt, sie ging von Mund zu Mund und war bald geleert. Aber was ist eine Flasche unter so vielen. Man taufte, wieder für das von R. ausgelegte Geld, eine zweite Flasche und versteckte sie unter der Werkbank des R. Nun wurde dieser an eine andere Arbeit beordert. Als er nach einer halben Stunde zurückkehrte, jah er zu feiner unliebsamen Ueberraschung, daß die Flasche völlig geleert war und daß sein Kollege D. finnlos betrunten in der Werkstatt hin- und hertaumelte. Dadurch kam die heimliche Silvesterfeier zur Kenntnis des Meisters. Die Firma wollte nun ein Erempel ftatuieren. Sie entließ nicht den finnlos betruntenen D., auch feinen der übrigen Rognafverehrer, son dern nur den Arbeiter R., weil er der Geldgeber, alfo der Beranstalter des Gelages gewesen sei. Beim Gewerbegericht focht R. feine Entlassung als unbillige Härte an. Er beklagte sich lebhaft darüber, daß er, der am meisten bezahlt und am wenigsten getrunken habe, nun auch noch durch die Entlassung büßen solle. Das Gericht fonnte sich den Ansichten des Klägers nicht ver schließen, es erkannte seinem Einspruch gemäß seine Ent. laffung als nicht gerechtfertigt an. Kouturseröffnungen im Februar. Nach Mitteilung des Stati ohne die wegen Massemangels anzeiger" 1998 neue Konkurse abgelehnten Anträge auf Konturseröffnung und 1573 angeordnete Geschäftsaufsichten bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Januar d. I. stellen sich auf 2092 bzw. 1553. Preisjenfung und Lohnabbau in Dänemart. Einem Bericht unseres Kopenhagener Berichterstatters entnehmen wir, daß infolge des. Sintens des Halbjahrsinder in Dänemark vor ungefähr 3 Wochen die Industrielöhne und Beamtengehälter herabgelegt worden sind. Die Folgen dieser allgemeinen Lohnjentung bestätigen die von den deutschen sozialistischen Wirtschaftspolitifern immer wieder vertretene Ansicht, daß eine einseitige 2ohnherabjegung nicht ohne weiteres wirtschaftsbelebend wirft und daß durch die mit einer Lohnherabjegung verbundene Schwächung der Rauftraft eine Hemmung für die Produktion von Maffengebrauchsgütern ausgelöst wird. Im weiteren ist festzustellen, daß die Unternehmer ihre vorher reichlich gegebenen Ver sprechungen einer Senfung der Unternehmergewinne nicht wahr gemacht haben. So veröffentlicht„ Socialdemo fraten zahlreiche nach der Lohnherabsehung ausgeschüttete Dipidenden von fehr beträchtlicher Höhe. Dem entspricht auch, daß Fabrifanten und Geschäfte der Aufforderung der Presse, nun ihrerseits die Breise herabzusetzen, nur in geringem Maße nachgekommen find. Auch die Besserung auf dem Arbeitsmarkt ist, wie immer optimistisch prophezeit wurde, nicht eingetreten, obwohl dafür durch stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften z. B. infolge der Veranstal tung einer Automobilausstellung in Kopenhagen und des milderen Wetters die besten Barausjegungen vorliegen. Die Zahl der Arbeitslosen in den Gewerkschaften muß immer noch auf 80 000 Personen geschätzt werden. 2 Theater der Woche. Vom 7. März bis 15. März 1926. Bolksbühne: 7. Judith. 8., 9., 11., 15. Sturmflut. 10. Der Raufmann von Bencdig. 12. Don Quichotte. 13., 14. Hamlet. Opernhaus: 7., 11. Boris Godunom. 8. Carmen. 9. Fidelio. 10. Othello. 12. Snmphoniekonzert. 13. Bozzed. 14. Aida. 15. Madame Butterfin. Over am Königsplat: 7., 12., 14, Berther. 8. Evangelimann. 9. Boheme. 10. Fledermaus. 11. Bal füre. 13. Tiefland. 13. Mignon. Staatstheater: 7., 9., 10., 13., 14. Dueit am Libo. 8.. 15. Oftpolaud. 11. Beer Gynt. 12. Im weißen Rökl. Schiller Theater: 7. Charlens Tante. 8. Geschwister; 3erbrochene rug. 9., 10., 13., 14, Spiel des Lebens. 11. Wadenfteins Lager: Piccolomini. 12. Jugend. 15. Maria Stuart. Deutsches Theater: Juarez und Marimilian. Rammer fvicle: Josephine. Die Komödie: Biktoria. Leffing- Theater: Der fröhliche Weinbera. Theater in ter Röniggräger Straße: Bis 12. Einen Jur will e Städtische Over, Charlottenburg: fich machen. Ab 12. Mrs. Chennens Ende. 7., 13. Bique- Dame. 8. Mignon. 9. Die Walkiire. 10. Rigoletto. 11. Aido. Grokes 12, Tannhäuser. 14. Rar und Rimmermann. 15. Don Basquale. Schauspielhaus: Für Dich. Theater des Beftens: Das Spiel um die Liebe. Renaissance Theater: Laterna Magica. Die Tribüne: Die neuen Herren Dentsches Künstler- Theater: Baganini. Romödienhaus: Der Garten Eden, Berliner Theater: Meffalinette. Neues Theater am Roo: Stöpfel. Resibenz- Theeter: Foppfe, der Egoift. Rentral Theater: Eva Bonheur. Komische Oper: Theater in der Aemmandantenstrake: Lene, Lotte, Liefe. Berlin chne Hemd. Luftspielhaus: Die rote Cleo. Metropol- Theater: ThaliaNo No Nanette. Theater am Schiffbauerbamm: Der Tausch. Theater am Rollendorfvlak: Die offizielle, Frau, Theater: Der alte Deffauer, Theater am Au fürstendamm: Die Nacht der Nächte. Kleines Theater: Ein Spiel von Tod und Liebe. Banner- Theater: Rolportage. Balhada Theatez: Die feinen Vagabunden. Rose- Theater: Die vier Schlaumeier. Schlokvark Theater Steglik: Bis Rafino- Theater: Selenes Liebesabenteuer. 11. Der Mustergatte. Ab 12. Liebesintermezzo. Theater in bez Lühowkraße: gemte's fel. Bwe. Theater im Abmiralspalaft: Saller- Revue: Achtung! Belle 505! Wintergarten und Scala: Internationales Barieté, Regmittagsvorstellungen: Wolfsbühne: 7. Sturmflut. 14. Wer meint um Judened? Oper am Ronicsplak: 14. Das Konzert.- Schiller. 15. Charlens Tante. theater: 7. Wallensteins Lager: Biccolomini. Theater in der Königgräger Straße: 7., 11., 14. Wie es euch gefällt. Großes Theater bes Westens: 7.. 14. Der FreiSchauspielhaus: 7., 14. Für Dich Romöbienhaus: 7., 14. Ropf oder Schrift. Refibenz- Theater: 7. Die Rentral- Theater: 7.. 14. Bunburn. Walhalla Theater: Durchgänge: in. fik Königin Luife. 7. Sifd lein bed bidh. Rose- Theater: 13. Schneewittchen. 14. Das Glüld im Winkel. Echlokpart- theater Stealik: 14. Dos tapfere Schneiderlein, Theater in ber Lühowftraße: 7. Der acftiefelte Rater. Theater im Admitalspaloft: 7., 14. Saller- Revue: Achtung! Welle 505! Berantwortlich für Politik: Craft Renter: Wirtschaft: Artur Gaternus: Gewertschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; gofales und Sonstiges. Frik Raritäbt: Anzeigen: 26. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwmärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Budbruderet und Berlaasanitölt Vaul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenftraße S. Berliner- Elektriker- Genossenschaft Versuchen Sie die neue Pianos Berlin N 24, Elsässer Str. 86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf Tur Fernsprecher: Norden 65 25 a. 65 26 Landbausstraße 4. Tel.: Pfalzbure 9831 Miete Elektrische Anlagen jeder Art u. jeden Umfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. Ansbacher Str. 1. Frke Tarfürstenstraße Rontore bedarf ט JUERGENS Alexanderplatz Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. HUNDE Metallbetten Stahimatratz., Kinderbetten günstig an Priv. Eisenmöbelfabr. Suhi Thür Katzen, Papageien und alle at 650 fr Haustiere werden behandelt Städtische Baugewerkschule Berlin Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr W 35. 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