Abendausgabe Nr. 112 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 56 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Montag ôt 麵 Berliner Volksblatt Berleger: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Sonntag des Volksbegehrens. In Berlin bisher 307 000 Eingetragene, davon 164000 am Sonntag. In Berlin haben sich bisher 307 026 personen eingetragen. Die Eintragungsziffern betrugen am Sonnabend 56 385, am Sonntag 164 952. Eingetragen wurden am Sonnabend und Sonntag( in Klammern die Summen aus den vier ersten Eintragungstagen Donnerstag bis Sonntag) in den Verwaltungsbezirken: Mitte 3249, 11 997( 20 506); Tiergarten 3275, 10 880( 19 105); Wedding 7856, 20 605( 38 865); Prenzlauer Berg 6068, 17 355( 31 457); Friedrichshain 7016, 18 002( 34740); Kreuzberg 6768, 18 078( 35 880); Charlottenburg 2151, 9243( 15 147); Spandau 1395, 3856( 7404); Wilmersdorf 917, 3231( 5614); Zehlendorf 88, 550( 823); Schöneberg 1795, 7562( 13 034); Steglih 533, 2948( 4585); Tempelhof 629, 2122( 3869); Neukölln 5310, 17 125( 32 351); Ireptow 1804, 4202( 9402); Röpenid 1158, 2657( 5792); Cichtenberg 3800, 5044( 11 682); Weißenfee 570, 2127( 3620); Bantow 891, 3287( 5914); Reinidendorf 1112, 4081( 7235) in ganz Berlin 56 335, 164 952( 307 026). steinach, einem anderen Bauerndorf, haben sich bis Sonntag über 50 Prozent der Wahlberechtigten eingetragen. Diese Beispiele lassen sich sicher noch in unendlicher Reihen folgen vermehren. In den thüringischen Städten mie Gera, Jena, Apolda, Weimar, Arnstadt, Eise. nach usw. herrschte ebenfalls am Sonntag ein lebhafter Ein tragebetrieb. Bestimmte Zahlen waren bis zur Stunde schwer zu erhalten. Man kann aber sagen, daß sich nach den ersten vier Tagen der Listenauslegung bis jetzt rund 20 bis 25 Prozent aller Wahlberechtigten in die Listen eingetragen haben. Aus einzelnen Orten lassen sich noch folgende Einzelheiten melden: In Jena haben sich bis Sonntag rund 5600 Personen eingetragen, in Erfurt wird die Zahl 6000 ebenfalls erreicht sein. In Hermsdorf haben sich von 1200 Wahlberechtigten 400 Per= fonen eingetragen, in Bürgel 300 von ebenfalls 1200 Wahlberechtigten. Besonders starker Andrang hat in Gera am Sonntag geherrscht. In Gera vollzieht sich die Eintragung in 15 Bezirfen. In einem dieser Bezirke, einem reinen Arbeiterbezirt, haben fich am Sonntag allein 1000 Personen in die Einzeichnungslisten eingetragen. Bei der allgemeinen Einstellung der Bevölkerung Thüringens macht sich in Thüringen die Sabotage der Rechtse parteien nicht so start bemerkbar. Man ist hier allerdings einem besonderen Trick dieser Leute auf die Spur gekommen. In den Dörfern trägt nämlich der Gemeindevorsteher die Namen der Wahlberechtigten eigenhändig in die Listen ein. Dieses Verfahren soll bezwecken, daß die Listen deshalb später für ungültig ertlärt werden, weil die Eintragung nicht selbst vorgenommen worden ist. Sonst ist abschließend zu sagen, daß bei der Einstellung der Bevölkerung mit einem günstigen Abschluß der Bewegung zu Der Stand des Volksbegehrens im Reiche. rechnen ist Der erste Märzsonntag. Der erste Einzeichnungssonntag hat überall starte Beteiligung der Bevölkerung an der Einzeichnung gebracht. In allen Städten, aus denen bisher zahlenmäßige Ergebnisse bekannt sind, ist die Beteiligung am Sonntag das Doppelte und Dreifache gestiegen. Empörung der chriftlichen Arbeiterschaft. Köln, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Laufe des Sonntag ift in Köln der Zuftrom zu den Eintragungslokalen außerordentlich stark angeschwollen. Bei einer ganzen Anzahl von Ein aufzeichnungensstellen standen die Eintragungsluftigen in Reihen an. Besonders bemerkenswert ist die starke Beteiligung früherer Nicht wähler. In einzelnen Abstimmungsbezirken sind unter der Bahl der Eingetragenen fast 50 Proz. der Nichtwähler bei den letzten Wahlen. Auch die katholische Arbeiterschaft scheint entgegen der offiziellen Sentrumsparole sich stark für das Bolksbegehren einzusetzen. In einem Borort von Köln erschien der Vorsitzende des fatholischen Arbeitervereins als erster im Einzeichnungslofal, um seine Unterschrift für das Volksbegehren herzugeben. Aehnliche Beobachtungen sind auch ander wärts gemacht worden. Bemerkenswert sind die Ergebnisse in Thüringen. Hier zeigt sich die Empörung der in armseligen Berhältnissen lebenden Heimarbeiterbevölkerung über den Uebermut der Thüringer Fürsten, deren Begehrlichkeit selbst in Rechtskreisen Erbitterung hervorruft. Zwischenfälle in Breslau. Breslau, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Zu einem bedauerlichen Zwischenfall fam es am Sonntag abend hier bei einer Rundgebung für die Fürstenenteignung. Die von der Sozialdemofratischen Partei einberufene Demonstration unter freiem Himmel wurde auch von einem Bug Kommunisten beschickt, die einen Wagen mit fich führten, auf dem eine kleine Guillotine mit einem grotesten Henter abgebildet war, der an die Fürstenabfindungsmethoden der französischen Revolution erinnern sollte und auf die Massen einen mehr tomischen als eristen Eindruck machte. Die Schutzpolizei hatte offenbar Auftrag, derartige Schaustellungen zu verhindern, ging dabei aber unter ungeschickter Leitung in übertrieben scharfer Weise vor, indem die Berittenen die Waffen blant zogen. Mehrere Teilnehmer der Demonstration wurden verleht. Obgleich ungünftige Witterung die Demonstrationen und die Agitation für das Boltsbegehren hemmte, hat der geftrige Sonntag in Breslau einen Rekord für das Boltsbegehren ge bracht. Während an den drei ersten Tagen durchschnittlich etwa 4000 Wahlberechtigte sich in die Listen eingezeichnet hatten, waren es gestern über 8600, also insgesamt über 22 000 Unterschriften, die bisher in der Stadt Breslau zusammen gebracht wurden. Auch im übrigen Schlesien geht die Bewegung trotz scharfer Sabotage und Terrorakte durch die ländlichen Großgrundbesitzer und kleinstädtischen Honoratioren erfolgreich weiter. Glänzende Ergebnisse in Thüringen. Jena, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) In dem kleinen Thüringen, das mit fernen 1½ millionen Einwohnern allein lechs ehemalige Fürsten abzufinden hat, schwillt in den letzten Tagen die Boltsbewegung für die Fürstenenteignung' mächtig an. Nicht nur in der Arbeiterbevölkerung, sondern auch in den Kreisen der Kleinrentner und der anderen Inflationsopfer, aber auch in den Kreisen der bisher regierungstreuen kleinen Landwirte herrscht rege Anteilnahme, die ihren Ausdruck in einem lebhaften Eintragungsbetrieb findet. Besonders der geftrige Sonntag bringt teilweise einen Hochbetrieb. Aus den Heimarbeiter. dörfern des Sonneberger Spielwarenindustriebezirks werden geradezu glänzende Ergebnisse gemeldet: Dort hatte man nämlich für nur 60 Prozent der Wahlberechtigten Liften aus gelegt. Bereits am Sonntag mittag aber waren diese Listen gefüllt, so daß neue Listen ausgelegt werden mußten. In dem reinen Bauerndorf Weidenfach haben sich sämtliche Wahlberechtigte in die Liften eingetragen. In Hütten. Die Kölner Demokraten haben in einer sehr stark besuchten Versammlung beschlossen, sich gegen die Lösung der Fürsten abfindung durch Kompromißoor, schläge zu erklären und statt dessen den sozialdemokratischkommunistischen Antrag auf entschädigungslose Enteig nung der Fürsten durch Volksentscheid zu unterstützen. Sie fordern ihre Anhänger auf, sich in die Liste für das Bolls. begehren einzutragen. Auch in den westdeutschen Landbezirken geht die Eintragung für das Volksbegehren bis weit in die Kreise der Rechtsparteien. Im Bezirk Gummersbach wurde festgestellt, daß brei deutschnationale Bauern mit die ersten waren, die das Boltsbegehren durch ihre Unterschrift unterstützten. 4 Die amtliche Sabotage in Bayern. München, den 8. März( Eigener Drahtbericht.) Die bayerische Regierung hat in den letzten Tagen durch amtliche Erlasse in scharf polemischer Weise gegen das Boltsbegehren Etellung genommen und für ihre Gabotage die gesamte bürgerliche Breffe gewonnen. Außerdem hat die reaktionäre Mehrheit des Münchener Stadtrates durch verschiedene Anordnungen das Einzeichnungsgeschäft sehr erschwert, wobei sie alle Verbesserungsvorschläge der Linfen abge3m gesamten Stadtgebiet sind nur lehnt hat.- Im 14 2b stimmungslofale. Diese reaktionären Maßnahmen find zunächst auf das Einzeichnungsgeschäft nicht ohne Einwirkung geblieben. Aber dennoch wächst die Zahl der sich am Boltsbegehren Beteiligenden immer mehr. Waren es am ersten und zweiten Tage 1049 bzw. 1021 so stieg die Zahl am dritten Tage auf 2425 und am Sonntag schnellte fie auf 8147 empor, so daß die Gesamtzaht für die ersten vier Tage 12642 beträgt. haben sich bisher 15 600( gestern ungefähr 6500) Perfonen in Nürnberg, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) In Nürnberg die Listen eingetragen. In Fürth 2700, in Erlangen 1200, in 5 of 1800. Hamburg, den 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Die besondere Propaganda für Sonntag, als dem Einzeichnungstag der Werf tätigen, hat im großhamburgischen Städtegebiet guten Erfolg gehabt. Brachten die brei ersten Tage zusammen 28000 Unterschriften, so brachte der Gonntag 33000, so daß in Hamburg jetzt insgesamt 61000 Unterschriften geleistet find. Noch günstiger ist das Verhältnis in Altona. Mit 7300 linter schriften am Sonntag wurden die 4700 Unterschriften der ersten drei Tage weit überholt. Altona hat mit den 12000 Unterschriften jetzt das erforderliche Zehntel der Wahlberechtigten ungefähr erreicht. Mit aller Kraft wird jetzt auf Ueberschüsse für schwächere Bezirke hingearbeitet. Auch aus den fleineren Nachbarorten Hamburgs liegen günstige Ergebnisse vor. So hat Bands. bet bis jetzt insgesamt 1320 Unterschriften aufgebracht. C Die Suche nach dem Kompromiß. Spanien will in Genf sofort einen ständigen Ratssitz haben. V. Sch. Genf, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates ist entgegen allen vorzeitigen optimistischen Meldungen der letzten Tage feines wegs gelöst. Im Gegentell, sie ist gleich bei der ersten Zusammenfunft der Staatsmänner, die den Patt von Locarno unterzeichnet haben, von neuem aufgerollt worden, ohne daß man bisher zu einer Berständigung gekommen ist. An dieser Besprechung, die furz nach 3 Uhr in der Hotelwohnung Chamberlains begann und die fich bis % 7 Uhr hinzog, nahmen teil: Chamberlain, Briand, Vandervelde, Luther und Stresemann. Da aus dem offiziellen Kommuniqué deutlich hervorgeht, daß eine Einigung nicht erzielt werden konnte, entstana zunächst ein allgemeiner Pessimismus, der erst im Laufe des Abends nach den Aufklärungen, die die Delegationen der einzelnen Länder ihrer Presse gaben, etwas gemilbert wurde. Die Frage des polnischen Ratsfibes steht übrigens nicht mehr im Vordergrund der Debatte; vielmehr ist jetzt der aftuelle Streitpunkt der, ob Spaniens nichtständiger Ratssig, der bisher von Jahr zu Jahr erneuert wurde, in einen ständigen umgewandelt werden soll. Dieses an sich nicht allzu aufregende Problem ist aber durch verschiedene Umstände kompliziert worden: auf der einen Seite sind der deutschen Delegation die Hände durch den Beschluß des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages gebunden, wonach nur Deutschland bei ber jezigen Tagung in den Bölkerbundsrat hinzukommen dürfe. Diesem Beschluß soll, so heißt es, ein weiterer bindender Beschluß des Reichskabinetts gefolgt sein, wonach die Beitrittsanmeldung des Deutschen Reiches zurückgezogen werden soll, falls eine andere Macht gleichzeitig mit Deutschland einen ständigen Siz erhalten sollte. Ferner wittert man in dem Borschlag für Spanien die Absicht, einen Präzedenzfall zu schaffen, um später Polen zunächst einen nichtständigen, sodann einen ständigen Siz zu gewähren. Auf der anderen Seite hat Spanien die Dinge durch die plöhliche Drohung zugespitzt, daß es aus dem Völkerbund überhaupt austreten würde, falls es nicht schon im März seinen nichtständigen Sih in einen ftändigen Sih umgewandelf bekomme. Spanien beruft sich darauf, daß es solchen Antrag bereits 1921 gestellt habe, damals aber auf den Zeitpunkt vertröstet wurde, an dem eine Aenderung in der 3 ahl der ständigen Ratssize erfolgen würde. Das sei, so sagen die Spanier, jetzt mit dem Eintritt Deutschlands der Fall. Ferner weisen die Spanier darauf hin, daß fie, die sonst vor dem Kriege als Großmacht galten, nunmehr die einzige dem Völkerbund angehörende Großmacht ohne dauernden Siz im Bölferbundsrat wären. Sie fühlen sich schließlich als die Vertreter nicht nur der 20 Millionen Spanier, sondern auch der noch viel zahlreicheren Millionen Menschen spanischer Zunge aus den füd- und zentralamerikanischen Republiken, die im Bölkerbund sind, ohne einen ständigen Sig im Bölkerbundsrat zu besitzen. Ueber den Berlauf der Sonntagsbesprechung erfährt man, daß die Aussprache auf allen Seiten durchaus freimütig geführt wurde. Auf der einen Seite bemühten sich Chamberlain und Briand eifrig, den deutschen Delegierten vor Augen zu führen, daß es sich bei der Umwandlung des spanischen Sizes in einen Dauersiz feineswegs um ein Komplott gegen Deutschland handele, sondern um eine bereits vor Jahren angeschnittene Frage, über die in der Zwischenzeit noch lange vor Locarno mit Spanien wiederholt verhandelt worden sei. Auf der anderen Seite seßten die deutschen Delegierten auseinander, daß ihre Ablehnung gegenüber dem polnischen Ratssib feineswegs eine Kampfstellung Deutschlands gegen Bolen bedeute, sondern, daß es sich da um eine prinzipielle Frage handele. Nun erklärte aber Briand, daß er in seiner jegigen Stellung als zurückgetretener Ministerpräsident sich nicht für befugt erachte. Frankreich durch bestimmte Erklärungen zu binden und daß er baher nach Paris zurüdfahren müffe. Er gab jeboch zu verstehen, daß er, wenn er dem nächsten Kabinett als Außenminister angehören würde, gleich nach der Lösung der Ministerkrise wieder nach Genf zurückkehren würde. Es wurde infolgedessen die Aussprache vertagt, um Briand Gelegenheit zu geben, am Sonntag nach Paris zu fahren und, falls sich die Regierungsfrise unter dem Drud der Genfer Ereignisse innerhalb 24 Stunden lösen ließe, noch am Montagabend nach Genf zurückzureisen. Für diesen Fall würde die weitere Aussprache mit Briand am Dienstag wieder aufgenommen werden. Die französische Abordnung steht auf dem Standpunkt, daß zweierlei nicht zulässig wäre, meil es gegen den Wortlaut und den Geist des Völkerbundes verstoße: eine formelle Erklärung Deutschlands, daß es grundsäßlich sein Beto gegen jede Aenderung im Völkerbundsrat bei der jetzigen Tagung ausspreche, und die ebenso unzuläffige Erklärung Spaniens, daß es, wenn es seinen ständigen Sitz nicht sofort erhalte, aus dem Völkerbund überhaupt austreten würde. Die Franzosen hoffen, ein kompromiß auf folgender Grundlage zu erreichen: Deutschland gibt seinen grundsäglichen Widerstand gegen die Abänderung des spanischen Ratssizes in einen Dauersiz unter der Boraussetzung auf, daß nach dem ihm bereits gegebenen Aufflärungen festgestellt wird, daß diese Aenderung in feiner Weise einen Mangel an Loyalität gegenüber Deutschland bedeute, da es fich um eine seit Jahren schynebende Angelegenheit handelt. Damit wäre allerdings die Frage des polnischen Ratssizes nicht gelöst. Aber es scheint auch auf der Gegenseite die Ueberzeugung vorzuherrschen, daß diese Frage ebenso wie der Anspruch Brasiliens und anderer Mächte auf einen Ratssig feinesfalls auf dieser Tagung des Völkerbunds zur Regelung fommen wird, sondern zum mindesten bis zur Septembertagung verschoben werden muß. Das obenerwähnte amtliche Kommuniqué lautet: Die Vertreter der Staaten, die sich in Locarno zum Abschluß des Rheinlandpattes vereinigten, haben sich zum Austausch ihrer Meinungen über die schwebenden Fragen in Genf verabredet. Sie haben sich in einer Unterredung zusammengefunden, in deren Ber lauf fie mühelos die gegenseitige Situation auftlärten. Auf diesen ersten Gedankenaustausch soll in einer weiteren Sigung eine zweite Unterhaltung folgen. Das einzige Kompromiß, zu dem man sich unter Umständen bequemen würde, wäre die Einfegung einer Kommission, an der Deutschland teilnehmen würde, die die Vorschläge zur Erweiterung des Rates prüfen und auf der ordentlichen Tagung im September berichten würde. Das Argument, daß ein formeller Beschluß des Auswärtigen Ausschusses und des Reichskabinetts vorliege, ist in der Sonntagsfizung von Stresemann und Luther mit Nachdruck betont worden; Deutschland stehe auf dem Standpunkt, daß der Borschlag der Einfegung einer Kommission das maximum an Entgegenkommen darstelle, daß aber irgendeine formelle Betei. Iigung Deutschlands in diesem oder jenem Sinne nicht in Frage tomme. Ueberhaupt könne Deutschland, da es keine technische Völkerbundserfahrung befize, über die Frage einer Erweiterung des Rates nicht schon jetzt ein Urteil abgeben. Es müsse erst im Bölkerbund und seinem Rat sein, um auf Grund eigener Erfahrungen an den Vorschlägen der Kommission praktisch mitarbeiten zu können. Ob dieses Zugeständnis der Einsegung einer Kommission der Gegenseite genügen wird, das ist allerdings die große Frage. Gegenseite genügen wird, das ist allerdings die große Frage. Spanien will unbedingt schon iegt einen permanenten Siz und spielt den wilden Mann. Quinones de Leon hatte vor und nach der Sonntagskonferenz wiederholt Unterredungen mit Briand, der den spanischen Botschafter ersuchte, seinem raditalen Standpunkt der Drohung mit dem Austritt aus dem Völkerbund aufzugeben. Es ist klar, daß die Frage des spanischen Ratssiges weniger megen der früheren Stellung des spanischen Antrages in den Vordergrund geschoben wurde, als wegen der Möglichkeit, auf diese Art einen nicht ständigen Ratssig frei zu machen, den Polen im September erhalten würde. An einen sofortigen Eintritt Bolens in den Böllerbundsrat scheint niemand mehr zu glauben. Auch die polnische Delegation gibt sich darüber feinen Illusionen mehr hin. „ Werther." Erstaufführung bei Kroll. " Die Wirkung des Werkes heute nachzuprüfen, ist wertvoll. Das letzte Urteil fällt ein Publikum, nicht die Kritif." So oder ähn lich steht am Ende meiner Einführung in den Werther" von Massenet. Die Volksbühnenmitglieder haben deutlich und sogar begeistert für das Werk gestimmt. Das sei mit halb frohem, halb bösem Lächeln zugestanden. Die Oper hatte Erfolg. Gießen wir in dieses Stück der Wehmut einen großen Tropfen Wermut. Es gibt in der Weltliteratur ficher fein Stück Poesie, das so theaterfremd, so handlungsarm, so teusch gegen die Rampe gerichtet ist, wie der Goethesche Werther". Wer aus dieser gesungenen, gesprochenen, empfindsamen Röstlichkeit die Perlen der Sprache, die Kristalle der menschlichen Persönlichkeiten und ihres Milieus, das Geld der seelischen Hintergründe und des Zeitstils herausnimmt, tötet das Berf. Die Bearbeiter und Uebersetzer haben das glänzend fertiggebracht. Ein Gerippe von Handlungsmangel blieb stehen, und darüber wurde in gar nicht gewählter Sprache ein einfarbiger, schwerer Mantel von Sentimentalität, Rührseligkeit, Süße, Beitschweifigkeit geworfen. Zwischen drei Menschen, Werther, Lotte und ihrem Bräutigam Albert, spielt nicht Schicksal, sondern Gesang hin und her, Erlebnis wird zu Goldschnittlyrif, Wahrheit zu Lamentieren. Das ist unerträglich. Wir hören nur Seufzer, nur Worte, nur Phrasen, die Menschen werden zu schwachen Figurinnen am Draht der Goethe- Fälscher. Allerdings treten schon jest bie bebentlichen Rüdwirtungen ber 3usage, in Erscheinung, die Chamberlain und Briand Spanien und Polen gemacht haben. Die Zahl der Länder, die ähnliche Ansprüche stellen, wächst gewissermaßen von Stunde zu Stunde. Brafilien verlangt dieselbe Stellung wie Spanien, China hat einen formellen Antrag bereits eingebracht, Belgien will nicht hinter Polen zurüdstehen, falls dieses einen dauernden Sitz erhalten würde. Und als neuester Anwärter ist Portugal auf den Plan getreten, dem es anicheinend nicht genügt, daß es auf der jetzigen Tagung der Vollpersammlung den Vorsitzenden in der Person seines Delegierten Alfonso Costa stellen soll. Das aber ist die beste Rechtfertigung der prinziellen Bedenken, die die schwedische Regierung von Anfang an gegen jede Aenderung des Rates mit Ausnahme der Aufnahme Deutschlands er. hoben hat. Es ist durchaus möglich, daß, selbst wenn sich die Locarno- Mächte auf eine Kompromißlösung einigen würden, damit noch nichts erreicht wäre, weil Schweden an seinem stritt ab lehnenden Standpunkt festhalten würde. Die schwedische Delegation erhält immer neue Sympathie erklärungen; mit ihr erklären sich solidarisch Holland, die Schweiz, Dänemark, Litauen, Finnland und China. Es ist also durchaus denkbar, daß Genosse Undén, der sich vor seiner Abreise aus Stockholm im Namen aller schwedischen Barteien auf grundsätzliche Ablehnung festgelegt hat, allen einen diden Strich durch die Rechnung machen wird. Die Lage ist in einer Weise geflärt. Eine Lösung ist in den nächsten Tagen um so weniger zu erwarten, als Briand abgereist ist. man wird seine Abwesenheit zwar benutzen, um die Besprechungen fortzuführen, aber erst seine Rückkehr abwarten, um endgültige Ent scheidungen zu treffen. Am Montag vormittag hieß es in Genf, daß Briand wahrscheinlich trotz seiner bisherigen Beteuerungen das Bräsidium des neuen Kabinetts übernehmen werde, daß er in aller Eile die neue Regierung, die der bisherigen fast gleich sein würde, dem Parlament vorstellen würde und spätestens am Freitag, viel leicht schon am Donnerstag früh, in Genf wieder zurück fein würde. Bis dahin bleibt alles in der Schwebe. Eröffnungsfihung des Völkerbundsrates. Genf, 8. März.( BTB.) Die 39. Ratssitzung wurde heute vormittag 11 1hr unter dem Vorsitz des neuen Ratspräsidenten Ishii Japan mit einer nicht öffentlichen Sizung eröffnet. Der Rat setzte seine Tagesordnung fest, deren wichtigster Punkt der Aufnahmeantrag Deutschlands ist, und faßte einige Beschlüsse, über administrative Fragen. Die Sigung dauerte dreiviertel Stunden. In einer anschließenden Geheimsihung, an der nur die Rats delegierten selbst teilnahmen, wurde dann in die Erörterung der durch den Aufnahmeantrag Deutschlands aufgeworfenen Fragen eingetreten. Kurze Verzögerung des deutschen Eintritts? London, 8. März.( WTB.) Reuter meldet aus Genf: Chamberlain erklärte gestern abend, eine Lösung für alle Schwierigkeiten sei noch nicht gefunden. Gegenwärtig bemühe man sich, den Eintritt Deutschlands zu ermöglichen, ohne daß ein Streit da mit verbunden werde. Wenn dies durch einen fleinen Aufschub erreicht werden könne, so sei es gleichgültig, ob der Eintritt am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag erfolge. Die Frage der Zusammensetzung des Rates sei seit langem besprochen, aus verschiedenen Gründen aber immer wieder aufgeschoben worden. Hier a us ſei mißverständlicherweise geschlessen worden, daß diese Frage jegt zum ersten Male berührt worden fei Ueber das Saargebiet redet Deutschland vielleicht schon mit Genf. 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Die am Sonntag erschienene Tagesordnung des Bölkerbundsrates weist, im Gegensatz zu der provisorischen, die Aenderung auf, daß die Saarfragen von der Spitze der Liste auf den 14. Punkt gerüdt worden find, so daß sie erst in einigen Tagen, d. h. voraussichtlich erst nach dem Eintritt Deutschlands beraten werden. " geschmunden ist. Massenet hat ein zweites, tieferes, schöneres Bert geschrieben, das vorübergehend wieder einmal auftauchen dürfte. merter. Ueber dem Werther steht Manon. Und Manon ist uns Aus dem Vorzug, daß Werther" feinen Chor nötig hat, machte die Intendanz eine Untugend. Diese paar Solisten müssen überragend sein. Keiner war's. Jöten sehr gewandt, stimmlich frisch, doch in der Höhe noch nicht gelockert, unpersönlich das Dilemma seiner schwankenden Stelle nicht überbrückend, Delia Reinhardt in der schwungvollen Gefte bezaubernd, rein und gütig, doch für das Einfachste vom Einfachen nicht stiminlich zart genug. Alle anderen, Jenssen, die frohlaunige Guszalewicz, Henke, die Kinderschar: alle, alle taten ihre Pflicht, alle murden bejubelt. Geschmad's wird hier entschieden. Für alle Boltsbühnenmitglieder Das Bublifum möge nicht recht behalten. Denn eine Frage des eine Aufführung des Werther". Dann fort mit ihm, zu anderen Aufgaben hin! Bis dahin verkriecht sich die Kritif. bindung demonstrierte. Kurt Singer. Telephonie einft und jetzt. Ueber dieses Thema sprach Sonntag normittag Ingenieur Ja ensch im Hörsaal der. Urania. An Hand von Lichtbildern und Filmvorführungen zeigte er die technischen Fortschritte der. Telephonie in den letzten Jahren. Immer mehr Städte haben ihr Telephonnet bereits automatisiert. Leider ist tommt man vom Handbetrieb zur automatischen Bedienung, und viele Groß- Berlin erst mit den Vorbereitungen dazu beschäftigt. Die automatische Bedienung hat vor allem diesen Vorzug: es werden Arbeitsfräfte gespart, und die Verbindung ist schneller und sicherer zu erreichen. Es wurde darauf ein Film gezeigt, der an übersichtlichen und flaren 3eichnungen die Vorgänge bei der automatischen VerModelle von automatischen Fernsprechanlagen und Verstärkerein Gleichzeitig sind in den Nebenräumen richtungen aufgestellt, mit denen der Besucher sich selbst beschäftigen fann, um so vollkommene Klarheit über das Wesen der automatischen Telephonie zu gewinnen. Ferner ging der Vortragende auf die Leitungen der Ferntelephonie ein. Man ist in letzter Zeit von den Freileitungen abgekommen, da diese von Temperatur und Wetter beeinflußt werden, unter deren Schwankungen die Deutlichkeit des Gesprächs leidet. Ueberall versucht man, die Freileitungen durch Während die Freileitungen Drähte von 5 Millimeter Durchmesser Rabel zu ersetzen. Hierbei wird auch Ersparnis von Material erzielt. erfordern, genügen bei Kabelanlagen Durchmesser von 0,5 Millimeter. Auf der 600 Kilometer langen Strecke Wien- Berlin ergibt dieses Berhältnis ungefähr eine Materialersparnis von 170 000 Kilogramm Kupferdraht. In einem Film wurde die Herstellung der Telephontabel gezeigt, ihre folierung und die Schuhvorrichtungen gegen eventuellen Kurzschluß. Am Schluß sprach der Vortragende über die Bugtelephonie, dieser neuesten, technischen Errungenschaft. Es handelt sich hier um eine Komposition von Raum- und Leitungswellen. Auf dem D- Wagen befindet sich eine Sende- und Empfängerantenne, die Freitag und Sonnabend dieses Monats in der Urania statt. Auf dieses einförmige Arioso gesungener Backfischbegeisterung stürzt sich der lyrischeste, süßeste aller französischen Komponisten, Massenet, mit seiner Mufit, die von Mignon" und" Margarete" stammt und bis zur„ Cavalleria" und" Tosca" ihre Melodien spinnt. Ein hochbegabter Sänger zeigt sich bühnenfremd. Die Dramatik, wo sie überhaupt aufflammt, gebärdet sich äußerlich lärmend, ist aber im Innern hohl. Wie Massenet singt, das hat schon allerhand Reize. Der Einfall ist nicht schlecht, das Lied, das Duett, das Tänzchen, die Orgelmeise, das kindliche Weihnachtssingen das alles steht an effektvollem Ort und schmeichelt dem Chr. Aber es wird nichts aus dem Einfall gemacht, er stumpft schließlich in der Penetranz endloser Wiederholung Herz, Ohr und Sinne ab, um so mehr, als auch das Orchester in der Monotonie gleicher Instrumentalbemühung verharrt. Es fließt der Honig did und süß, aber das Brot fehlt. Wie uns die gar zu bürgerliche Natur der Werther- Zeit fremd geworden ist, so auch die faustdice Lyrik Massenets. Habeh mir Mignon" und „ Cavalleria" in die Erde versenkt, damit der Berther aus ihrer „ Cavalleria" in die Erde versenkt, damit der Werther aus ihrer Asche als Phönig aufsteige? Die Freude an herzlichen und fangbaren Melodien darf nicht den Maßstab vermischen für eine Kunstgattung, in der Meistersinger"," Electra"," Bozzef", 3wingburg" Fundamente geschaffen haben. Entweder Bagner und Alban Berg oder Mascagni und Massenet. Wer diesen Werther" liebt, mag prüfen, ob es bei dieser Liebe bleibt, wenn der äußerlich verführende Klang| statt. " t. Der Bortag vermittelte ein flares und anschauliches Bild über das Wesen der modernen Telephonie, er findet an jedem Montag, Freitag und Sonnabend dieses Monats im Hörsaal der Urania t Muffoliui geht nicht nach Gent. Genf, 8. März.( BIB.) Bon zuständiger italienischer Seite wird bestimmt versichert, daß der italienische Ministerpräsident Mussolini nicht die Absicht hat, sich zu den Völkerbundsarbeiten nach Genf zu begeben. Die Türken bleiben fern. Genf, 8. März.( Tul.) Die Türkei hat die Einladung des Bölkerbundes, einen Vertreter zu den Genfer Verhandlungen zu entfenden, um an der Besprechung der Jr af frage teilnehmen zu tönnen, abgelehnt mit der Begründung, sie habe die Einladung zu spät bekommen, und ihre Ansicht sei dieselbe geblieben wie früher. E Werbearbeit für Deutschland. Erfahrungen von Franzosen. Die Leipziger Messe ist auf internationalen Besuch und internationales Geschäft eingerichtet. Es fommen Käufer und Gefchäftsreisende aus allen Staaten und die Messeleitung ist nicht un gehalten darüber, wenn fremde Sprachen in das schöne Sächsisch sich mischen. über Run wird aber in der französischen Presse sehr aufgeregt Don die Behandlung drei französischen Reisenden diskutiert, die am legten Donnerstag in Leipzig von der Bahnpolizei verhaftet und mißhandelt sein sollen. Nach einem offiziöfen Polizeibericht hätten die Franzosen in einem falschen Wagen eines Sonderzuges Platz genommen. Sie wurden von einem Einsenbahninspettor in wahrscheinlich nicht sehr rücksichtsvoller Weise aufgefordert, fich in einen anderen Wagen zu begeben. Da die Franzosen nicht deutsch verstanden, fonnte man sich nicht vers ständigen. Der Eisenbahnbeamte holte darauf sofort Polizei, die nun die Reisenden mit Gewalt aus dem Wagen entfernten. Dabei sollen sie mißhandelt worden sein, während ihr Gepäck im Wagen verblieb. Sie mußten bis zum nächsten Nachmittag auf der Bache bleiben und erhielten dann noch einen Strafbefehl über je 200 Mart! -w Die Polizei behauptet, die Reisenden hätten mit Stöcken und Fäusten auf die Beamten losgeschlagen. Das flingt an sich schon wenig glaubhaft. Aber selbst menn man annimmt, daß fie in der Erregung gegen eine nach ihrer Ansicht unberechtigte gemalt fame Entfernung sich zum Widerstand gegen die Staatsgemalt" hätten hinreißen lassen, ist doch noch die Frage zu stellen: Hat man internationalen Messestadt auf dem Bahnhof der Dom, Klein- Paris" Goethes reden wir schon gar nicht feinen Dolmetscher, der die Mißverständnisse beseitigen konnte? Und glaubt man mirklich, daß derartige Vorkommnisse den Ruf der internationalen Messe verbessern, besonders in den historischen Märztagen von Genf? Leipzig Begnadigung eines Kommunisten. Folgen des Falles Jürgens. der durch einen am Sonnabend erlassenen Gnadenaft des ReichsKaffel, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurde amnestierte fommunistische Parteisekretär präsidenten Wollweber aus dem Gefängnis entlassen. Wollweber war im Lat Die UnterJahre 1923 von dem jegt wegen großen Betrügereien festgenommenen Landgerichtsdirektor Jürgens verhaftet worden. fuchungshaft dauerte 20 Monate und es wurde behauptet, sie sei deshalb so in die Länge gezogen worden, damit Wollwebers nicht unter die Amnestie fällt. Boumeber war dann vor zwei Bergehen gegen das Verbot der Kommunistischen ParteiMonaten vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sofort nach Bekanntwerden der Berfehlungen von Jürgens stellten die Kommunisten beim Reiche justizminister Antrag auf Entlassung Wollwebers. esem Antrag wurde nunmehr willfahren. Reichspräsident Hindenburg hat dem General der Heilsarmee Booth in London zu seinem 70. Geburtstage ein Glückwunschfchreiben zugehen lassen. Einer, der die Geifter beim Wort nimmt. Ein Prestidigitateur ist einer jener Leute, die im Barieté auftreten, allerlei Zaubereien verüben, nachher an die Rampe treten und sagen:„ Sehen Sie doch, meine Herrschaften, das ist doch alles ganz einfach!" und dabei machen sie Sachen vor, denen selbst die besten Geister hilflos gegenüberstehen. Das so meinen die irdischen Beauftragten der Geister: die Medien- berechtigt folche Leute aber noch nicht, das Wirken der Geister durch die Medien glatt als Schwindel zu bezeichnen. Der berühmte Zauberkünstler Houdini hat allerdings diese Behauptung nicht nur aufgestellt, sondern auch mehrfach durch Entlarnung von Medien geſtüßt. In Fortsetzung feines Kampfes gegen die Medien veröffentlichte er eine Reihe von Zeitungsartikeln, in denen er den Beweis zu führen suchte, daß alle offulten Erscheinungen auf be wußte oder umbewußte Täuschung zurückzuführen sein. Zu gleicher das in der Lage sei, ihn von der Wirklichkeit der okkulten Phänomene Zeit hat houdini 10 000 Dollar jenem Medium in Aussicht gestellt, zu überzeugen. Ein Bericht über die Beteiligung der Medien an diesem Wettbewerb und über dessen Ausgang liegt vorläufig noch nicht vor. Die Beröffentlichung des erwähnten Buches von Houdini wird ein gerichtliches Nachspiel haben. Der Verband der Medien in New York hat nämlich gegen Houdini wegen Verleumdung einen Prozeß angestrengt und von ihm wegen Beschädigung seines Rufes einen Schadenersag von 100 000 Dollar verlangt. Daß Personen, die im Verkehr mit Geistern zu stehen sich rühmen, zu solchen Mitteln greifen müssen, zeigt, was ihre transzendenten Beziehungen wert sind. ehrung unter den Eingeborenen von Neuguinea veröffentlicht Heilige Haie. Einen erstaunlichen Bericht über Haifischner Dr. J. H. Sandford Jackson, der mehr als 5 Jahre als Medizinal.. Gruppe der Eingeborenen," schreibt er, hat ihren eigenen Haibeamter unter ihnen gelebt hat, in einer englischen Zeitschrift. Jede fisch, der eine Art Schutzpatron der Gruppe ist. Dieser Hai lebt in der Nähe des Dorfufers und wird Maselay" oder Guter Geiſt heilige Hai, wenn der Leichnam eines Eingeborenen ins Meer gegenannt. Nach der Auffassung der Eingeborenen begräbt dieser worfen wird, sofort den Körper; er gestattet zwar den Menschen nicht, dabei zuzusehen, aber er bettet ihn unter einen Haufen von Sand, den er mit seinem mächtigen Schwanz aufmühlt. Die Mitglieder der Gruppe werden von ihrem eigenen Hai- Heiligen nicht angegriffen; wenn sie ihm zu nahe tommen und er sie frißt, so tut er das höchstens zum Spaß". Der Schutzpatron hat ein besonderes Stück Land am Ufer für sich reserviert, das kein anderer ohne TodesSchutzengel" bringt die Seelen der gestorbenen Mitglieder seiner gefahr betreten darf außer den Angehörigen der Gruppe. Dieser Gruppe zu einer Höhle, die zwischen den Korallenfelsen verborgen ist. Betritt irgend ein nicht zu der Gruppe gehörender Eingeborener biefe Seelenhöhle", dann wird er long long oder verrüdt; er fann aber geheilt werden, wenn ein Schußbefohlener des betreffen. den Hais ihm einige auberblätter auflegt und den Geist des Hais bittet, den Fluch von dem Erkrankten zu nehmen. Die Haifische find untereinander eifersüchtig auf ihre Schützlinge und greifen die Pflegebefohlenen anderer Haie mit Vorliebe an; sie kennen nach dem Glauben der Wilden die Kanus, die nicht ihren Berehrern gehören, und verfolgen sie." Das Shakespeare- Theater in Stratford on Avon dem Geburtsort Shakespeares, ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Es ist jedoch gelungen, Manuskripte und wertvolle Erstausgaben Shakespearicher Berle jowie Gegenstände, die dem Dichter gehört haben jollen, aut retten Offene Abrechnung! Sozialpolitische Bilanz zur Fürstenenteignung. Man muß den Fürsten dankber fein. Sie haben den monarchischen Gedanten als eine sehr materielle Angelegenheit enthüllt. Ihre nicht zu überbietende Habsucht hat dazu geführt, daß nunmehr das deutsche Bolf selbst mit ihnen Abrechnung hält. Das deutsche Bolf soll nicht nur entscheiden, ob das gefemte Fürstenvermögen enteignet mird; es bestimunt gleichzeitig, welchem Verwendungszweď das enteignete Vermögen zugeführt werden soll. Das ist der Grund, weshalb es sich bei der Boltsabstimmung auch um eine wichtige sozialpoli tische Entscheidung handelt. Das enteignete Bermögen soll zugunsten der Erwerbslosen, der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, der Sozial. und Kleinrentner, der bedürftigen Opfer der Inflation, der Landarbeiter, Kleinpächter und Kleinbauern durch Schaffung von Siedlungsland auf dem enteigneten Landbesig verwendet werden. Sozialen Zweden sind auch die Schlösser, Wohnhäuser und sonstigen Gebäude zuzuführen. Was das bedeutet, merden am besten einige Bergleiche zeigen. Wir haben in Deutschland gegenwärtig rund zwei Millionen Erwerbslose als Hauptunterstützungsempfänger. Diese zwei Millionen Erwerbslose einschließlich ihrer Familien erhalten gegenwärtig an Unterstützung im Monat etwa 90 bis 100 Millionen Mark. Was die 22 abgefegten Fürstenhäuser vom deutschen Balte als ihr angeb fiches Eigentum zurüdverlangen, ist eine Summe, für die 3 mei Millionen Erwerbslose und ihre Familienangehörigen 26 bis 29 Monate leben müssen! Für die Millionen deutscher Volksgenossen, die unverfchuldet arbeitslos find, ist angeblich fein Geld da, um sie aus reichend unterstützen zu können. Für die Fürsten sollen Die Regierung ist der Auffaffung, daß die gegenwärtigen Unterstützungsfäße für die Erwerbslosen eine„ bedenkliche Höhe erreicht haben. Sie hat deshalb die beiden letzten Erhöhungen bis zum 1. Mai befristet. Im Boranschlag für den Reichshaushalt sind ganze 100 millionen für die Zwecke der unterstützenden und produktiven Erwerbslosen fürsorge vorgesehen. Kein Mensch bestreitet, daß das eine lächerliche Summe ist, mit der man unter feinen Um ständen auskommen wird. Der Reichsarbeitsminister hat noch bei den letzten Etatsberatungen seines Ministeriums erflärt, daß auch nach seiner Auffassung mit einer langdauern den erheblichen Arbeitslosigkeit zu rechnen ist. Und dennoch;: Die Reichsregierung schlägt nicht etwa vor, den voraussichtlichen Steuerüberschuß für die Erhöhung der Mittel zur Unterstützung der Erwerbslosen zu benutzen; nein, fie mill 500 millionen Steuern zugunsten des Kapitals abbauen! Die Folge wird sein, daß die Reichsregierung bei allen fünftigen Auseinandersetzungen über eine ausreichende foziale Hilfe für die Erwerbslosen als stärksten Trumpf aus spielen wird: Es ist kein Geld da!" Und dann wird wieder von der angespannten Finanzlage" des Reiches sprechen. Die gleiche Regierung aber, die von sozialer Berantwortung gegen die Erwerbslosen keinen Hauch verspüren läßt, agitiert amtlich gegen das Volksbegehren und den Bolksentscheid über die Enteignung der ehemaligen Fürsten! " Noch ein anderes verdient in diesem Zusammenhange hernorgehoben zu werden: Man beruft sich auf die Reichsverfassung und behauptet, daß eine entschädigungslose Enteignung nicht zulässig sei. Nun, der Artikel 153 der Reichs perfassung spricht nur von einer angemessenen Entschädigung, oweit nicht ein Reichsgefez etwas anderes bestimmt". Das letztere soll auch nach dem Antrage zur Anwendung fommen, der dem Bolfsentscheid unterbreitet wird. Die deutsche Reichsverfassung ist also peinlichst genau beachtet worden. Dagegen wird die deutsche Reichsverfassung dauernd ponjenen verlegt, die sich heute fälschlicherweise auf sie berufen. Die Reichsverfassung schreibt eindeutig vor, daß für den notwendigen Unterhalt der Erwerbs Tofen zu sorgen ist, wenn ihnen angemessene Arbeitsgelegen heit nicht nachgewiesen werden kann. Es wird an der Zeit, für die Beachtung dieser Verfassungsbestimmung zu sorgen. Neben dem offensichtlichen Heere von Erwerbslojen haben wir in Deutschland in Form der 3 mei Millionen Kurz arbeiter eine gewaltige verstedte Arbeitslosigkeit. Nach langen Kämpfen hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion durchgesezt, daß die Kurzarbeiterfürsorge endlich eingeführt murde. Die Regierung hat dies aber in einer Weise getan, die große Massen von der Kurzarbeiterfürsorge ausschließt. Damit nicht genug. Aud, die Kurzarbeiterfürsorge ist auf den 1. Mai befristet worden. Man ist anscheinend entschlossen, fie dann vollständig wieder zu beseitigen. Auch hier ist ein Bergleich am Blaze. Für die zwei Millionen Kurzarbeiter und ihre Familien werden voraussichtlich im Monat 10 millionen für Unterstüßungszwecke ausgegeben. Die wenigen Fürstenfamilien verlangen 2,6 mil liarden! Auch hier gilt: die Regierung ist attiv für Die Fürsten und gegen die Kurzarbeiter! Der Reichsarbeitsminister hat in den letzten Tagen ein Rundschreiben an die obersten Landesbehörden für Erwerbs. Iosenfürsorge gerichtet, in dem es heißt, daß die neuen Erhöhungen der Erwerbslosenunterstützung für die Kurzarbeiter nicht in Betracht fom= men. Das soll deshalb geschehen, weil für die Kurzarbeiter die besonderen sozialen Notstände infolge des verbleibenden Kurzlohnes nicht in dem Maße wie bei Bollerwerbslosen vorliegen und weil die Durchführung zu sehr erheblichen prattischen Schwierigkeiten führen würde. Das ist geradezu ein unglaublicher Standpunkt; er ist auch rechtlich unhaltbar, meil nach der Anordnung über die Kurzarbeiterfür forge die geltenden Unterstützungssäge zur Anwendung kommen müffen. Die Fürsten haben Deutschland ins Berderben ge= führt. Sie find wirklich gut bei dieser Katastrophe weg gekommen. Dennoch befizen sie die Stirn, von dem verarmten Deutschland 2,6 milliarden angebliches Privateigentum zurüdzufordern. Was geschieht demgegenüber für die wirklichen Opfer des Krieges? Auch hier reden die Zahlen eine Der internationale Frauentag. Bezirks- Frauenkonferenz in Berlin. Im Festsaal des Landtages murde Sonntag vormittag um 10 Uhr| zählung von Tatsachen zeigte sodann, wie die hohen und höchsten die gut besuchte Bezirksfrauenkonferenz durch die Ge- Herrschaften zu ihrem Privateigentum" famen. Unter anderem nossin Mathilde Wurm eröffnet. Borerst erfreute der Männerchor murde an die bekannten Seelenverkäufe erinert, auch fand sich der Friedrichshain durch drei Liedervorträge, worauf Genosse Künstler famose hessische Landesvater in der Fürstenrevue, der 74 uneheliche im Namen des Bezirksvorstandes die Frauen herzlich begrüßte. Er Kinder hinterließ und, damit der Staat die Alimente aufbringen mies auf das Volksbegehren hin, das er als einen der größten fonnte, die Salzsteuer erhöhte. Eine Glanznummer ist auch der Kämpfe der Nachrevolutionszeit schilderte. Herzog von Koburg- Gotha, der im Kriege, als großer Patriot, seine ausländischen Verwandten enterben ließ und jetzt Ansprüche der Ausländer geltend macht, um mit Hilfe des Friedensvertrages von Bersailles Deutschland ausplündern zu können. Wer für das Volksbegehren eintritt, fämpft für das allgemeine Wohl. Genossin Adelheid Popp aus Wien, Genossin Gertrud Hanna gleich bei ihrem Erscheinen mit herzlichem Beifall begrüßt, sprach über„ Die Internationale der Frauen". Sie führte u. a. aus, fie habe nicht das Gefühl, in der Hauptstadt eines anderen Landes zu sein. Zwischen uns ist nichts Trenendes, als die Grenzpfähle. Doch über die hinaus haben in allen Ländern die großen Massen der Frauen nicht nur dasselbe Ziel, sondern auch das gleiche Schicksal. In Deutschland und Desterreich sind wir einige Schritte weiter durch die Verleihung des Frauenstimmrechts, doch wollen wir dieserhalb nicht stolz sein, sondern unsere Kampfmethoden weiter= tragen in die Länder, in denen die Frauen unsere Stufe der Entmidlung noch nicht erreicht haben. Die Rednerin gab dann einen geschichtlichen Ueberblick der Entwicklung der Frauenbewegung und der Verbreitung der Idee unter den Arbeiterinnen, ihr Geschid selbst in die Hand zu nehmen und es aus eigener Kraft zu gestalten. Biele Frauenkonferenzen wurden von Desterreich und Deutschland gemeinjam beschickt. Die Desterreicher sagten:„ Wir gehen auf die deutsche Hochschule." Bir Sozialdemokraten haben uns gegenseitig gefagt, mie wir weiterfommen. August Bebel war der wärmste, der tapferste Freund für das Recht der Frauen. Nach den interessanten Schilderungen einzelner Konferenzen kam die Rednerin auf das Boltsbegehren zu sprechen und wies auf Desterreich hin, wo das Befiztum der Habsburger den Invaliden zugeführt wurde. Die Bertreibung der Habsburger war die erste demofratische Betätigung der Desterreicher. Genoffin Bopp schloß mit den Worten:„ Wir würden mit tausend Freuden kämpfen an eurer Seite gegen die Mächte der Vergangenheit."( Beifall.) Darauf sprach funden mit den niederen Löhnen, deshalb fordern sie noch nicht bei Genossin Marie Juchacz über Die Frauen aller Länder im Klassentam pf". Sie wies darauf hin, wie man es versteht, den geistigen Aufstieg zu hindern. Die Rednerin gab eine zusammenfassende Uebersicht der Klaffenfämpfe der früheren Jahrhunderte, in denen das Gros der Frauen auch immer gelitten hat. Der Klajsenkampf nimmt stets andere Formen an, er ist nicht nur Lohnfampf, nicht nur Streit, er ist der Kampf der Unterdrückten um neue wirtschaftliche Formen. Mutterschaft und Beruf, das ist eins der größten Probleme, das feiner Regelung bedarf. Bir Sozialistinnen müssen tämpfen für die unehelichen Mütter, für den Arbeiterinnenschutz, für den Kinderschutz, obwohl viele Geschlechtsgenoffinnen aus bürgerlichem Lager uns teine Kameradinnen sind. Hingewiesen muß ferner darauf merden, daß die größten Friedensorganisationen die sozialdemokratischen Parteien aller Länder sind. Für diese Parteien ist die Friedens: politik ein Urinteresse. Wir sozialdemokratischen Frauen müssen den Klassenkampf der Gegenwart bestehen zusammen mit unseren Männern, für unsere Kinder. Genosse Kurt Rosenfeld sprach über„ Die seelischen Auswirkungen der kapita listischen Arbeitsmethode". Sie betonte, daß für abseh= bare Zeit die tapitalistische Wirtschaftsmethode noch die herrschende sein würde. Der Sozialisierung unseres Wirtschaftslebens ständen u. a. auch Bindungen durch den Versailler Vertrag entgegen. Die Produktion von heute würde nicht von dem Gesichtspunkt aus betrachtet, der Bevölkerung Rahrung, Kleidung und Wohnung zu schaffen, sondern sie ist auf möglichst hohen Profit abgestellt. Den Rampf um die Sozialisierung des Wirtschaftslebens haben wir nicht aufgegeben, wie der Abschnitt unter Wirtschaftspolitik im Heidelberger Brogramm bezeugt. Die Frauenarbeit ist heute in der Hauptsache noch ungelernte Arbeit. Außerdem müssen wir noch eine Umänderung unserer Fabriten nach amerikanischem System erwarten. Das heißt, daß immer mehr Menschen nur zu Handgriffen gebraucht werden. Da die Frau heute fast ausschließlich Hilfskraft ist, fällt es ihr sehr schwer, sich als vollwertige Kraft zu fühlen. Und wie ist es selbst in Arbeiterfamilien? Die Tochter muß oft in die Fabrif gehen und Geld verdienen, damit dem Sohn die Lehre oder der Besuch der hohen Schule ermöglicht wird. Die Frauen haben heutzutage noch kein Bertauen zur eigenen Kraft. Darum ist ihre Anteilnahme an der Arbeit der Betriebsräte so gering, darum haben sie sich abge= der gleichen Wertleistung am fertigen Arbeitsprodukt eine dem Verdienst des Mannes entsprechende Entlohnung. Wir müssen uns ab= tehren von der Formel„ Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", da man die Mehrzahl der Frauen gar nicht zu der gleichen Arbeit kommen läßt. Die sogenannten niedrigen Arbeiten hat man, obwohl sie große Anforderungen an die Körperkräfte stellen, den Frauen noch nie streitig gemacht. Nachdem die Rednerin noch eingehend über die Heimarbeit gesprochen hatte, ermunterte sie die Frauen, sich auf die Macht der Selbsthilfe zu befinnen. Alle Rednerinnen fanden starken Beifall, ebenso das Schlußwort der Genoffin Todenhagen, die mit treffenden Worten gegen die Unverschämtheit der Fürsten die Konferenz beendete. 2 Rundgebung in Köln. Köln, S. März.( Eigener Drahtbericht.) Eine internationale Frauenkundgebung hatte die Kölner Sozialdemokratie für Sonntag nachmittag ins Kölner Boltshaus aufgerufen. Sahlreich hatten die Frauen dem Rufe Folge geleistet. Es sprachen die Genoffinnen Pels Brüssel und Genossin Kirschmann Röhl. Genossin Bels behandelte in deutscher Sprache die Aufgabe der Frauen in der Internationale: fie forderte vor allem eine internationale Mutterder Genojfin Kirschmann Röhl, dem Wolfs begehren mit aller Kraft zum Siege zu verhelfen. prach über die Fürsten auseinandersetzung. Deutschlandfchaftsperiidherung. Stürmische Zuftumung fand der Appell hot 2 Millionen Erwerbslose, 1 Million Kurzarbeiter, die Fürsten forderungen sind eine Provokation on das deutsche Bolf. Eine Auf deutliche Sprache. 766 400 Beschädigte erhalten an Renten 217 Millionen Mark. Die deutschen Fürsten verlangen das zwölffache dessen, was 766400 Beschädigte im Jahr erhalten. Ebenso aufreizend ist ein Vergleich der Fürstenforderungen mit den Leistungen der gesamten deutschen Sozialversicherung. Wenn man zusammenrechnet, was die Krankenversicherung, Invalidenversicherung, Angestelltenversicherung, Knappschaftsversicherung und Unfallversicherung insgesamt an Leistungen für das werftätige deutsche Bolk in einem Jahr aufzubringen hat, dann bleibt das immer noch an einige hundert Millionen hinter dem zurüd, was die Fürsten vom verarmten Deutschland fordern. Die Sozialrentner der Invalidenversicherung und zwar 1.600000 3nvaliden, 200000 Witwen und 1300000 aifen erhielten im Jahre 1924 nach der Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums 410 mil lionen Marf; die 22 abgefeßten deutschen Fürsten verlangen mehr als das Sechsfache! Millionen Kriegsanleihezeichner sind fast vollständig enteignet worden. Sie sind der bittersten Not ausgeliefert. Man hat nicht ausreichende Mittel zu ihrer Unterstützung. Die deutschen Fürsten verlangen 2,6 Milliarden. deutschen Boffes in weitem Umfange untergraben. Es fehlt Kriegs und Nachkriegszeit haben die Gesundheit des Schlösser und Wälder der deutschen Fürsten müssen dem gean heilstätten zur Bekämpfung der Tuberkulose. Die fundheitlichen Wiederaufbau des deutschen Volkes dienen. Das märe ihre nüglichste Berwendung. Die Abrechnung des deutschen Boltes mit der Habgier feiner ehemaligen Fürsten ist gleichzeitig ein Kampf um den Ausbau der deutschen Sozialpolitik. wenn jeder seine Pflichttut! Wir werden siegen, Fürstenkompromiß und Deutsch nationale. Gefchrei der Fürstenknechte. Die deutschnationale Bresse fällt angesichts des Anschwellens der Eintragungen für die Fürftenenteignung aus einem Erregungszustand in den andern. Selbst der Inhalt des neuen Fürstenkompromisses ist ihr zuviel. Die„ Deutsche Tageszeitung" schrieb, nun ginge es der Enteignung entgegen": Was nun in jedem anderen Staate als etwas Geheiligtes gilt, die Kraft eines gerichtlichen Urteils, ist im neuen Deutschland eine Belanglosigkeit, über die man nicht erst stolpert. Derartige Bedenken haben höchst ens die Macht haber der Novemberrevolution noch gehabt, eine bürgerliche Koalition erklärt frant und frei:„ Die Urteile können aufgehoben werden, wenn sie in Biderspruch mit den obenerwähnten Grundsäzen( der ungehinderten Enteignung. D. Red.) stehen." Man hätte doch mirklich dem unter Worsiz des höchstens deutschen Richters zusammentretenden Sondergericht die Blamage ersparen sollen, über die Trennung nom privaten und staatlichen Eigentum zu entscheiden, da sie doch nicht mehr als eine arce ist. Wenn man schon jo radikal über alle Grundsäße des Rechtes hinweg zuschreiten beabsichtigt, dann konnte das Parlament auch vollenden, wozu es den Grund gelegt hat, dann wäre menigstens die deutsche Justiz freigeblieben von dem Vorwurf der politischen Rechtsprechung, zu der sie nach dem Kompromiß gesetzlich gezwungen würde. Die Demokrateit haben sich sehr schnell dazu entschlossen, dem Rompromiß zuzustimmen und damit ihre Beteiligung an dem 1ozialistisch fommunistischen Enteignungsper fahren abzusagen. Spaß, fönnte man im demokratischen Jargon. fagen, mo doch auf dem Bege über das Kompromis bei einigem guten Willen schließlich dasselte erreicht werden fann, me mit dem Enteignungsraubzug. Allerdings mit dem Unterschiede, daß Kommunisten und Sozialisten ihre schönen Abfichten offen bekanntgeben, die bürgerlichen Mittelparteien aber einen die Marschreute verschleierten Ummeg wählen. " Die Kreuzzeitung" sieht in dem neuen Kompromiß einen Beginn des Bolschewismus in Deutschland. Die Deutsche ,, Einbruch in das Privateigentumsrecht", den liche Verschärfung der Entrechtungsbestimmungen" Zeitung" äußert ihre Entrüstung in Schlagzeilen:„ NeuerDie ohne Baterland"-" Die Enteignungsfront im Reichstag" ,, Ungeheuerlichkeiten im Abfindungskompromiß". Und dies Geschrei schon über das Kompromiß der Regierungsparteien! Der notleidende Exkronprinz. Ter dringend Alimente vom Volke braucht. Die Kreuzzeitung" meldet: ,, Se. Kaiserliche Hoheit der deutsche Kronprinz ist in Minusio( Schweiz) eingetroffen, wo er die Villa Roccabella gemietet hat. Der Kronprinz gedenkt für einige Monate Aufenthalt in Minufio zu nehmen." Seine kaiserliche Erhoheit demonstriert dem Ausland, wie bestimmteste erflärt, unter feinen Umständen nochmals die Bürde Raubzug gegen das Volk ist. Unterhaltstlage gegen den Prinzen Carol. Die ehemalige Frau des Prinzen Carol von Rumänien, Lambrino, hat vor den Parijer Gerichten auf zehn Millionen Franken Unterhaltskosten und Schadenersatz für sich und für ihren am 8. Januar 1920 geborenen Sohn, Klage erhoben. Die Heirat ist, so heißt es in der Klage, am 31. Auguſt 1918 in Odessa durch einen orthodoxen Priester vollzogen worden. 7. bis 14. März 1926.- Frauen! Besucht die Frauen- Werbewoche Frauen Werbeverfammlungen in euren Kreiſen!!! Gewerkschaftsbewegung Wilhelm der Letzte als Arbeitgeber. Eine„ Abfindung" der Holzarbeiter. Zu den Vermögensmassen, die Wilhelm der Legte in Doorn Dom preußischen Staat beansprucht, gehören auch ausgedehnte al dungen im Kreise Teltow in der Mart. In der Umgebung von Königswusterhausen liegt die 6505 Heftar große Oberförsterei Hammer. Die Oberförsterei betreibt ein eigenes Sägewert mit dem Namen„ Soffammersägewert Neubrüd". In diesem Sägemert sind durchschnittlich 40 bis 50 Holzarbeiter beschäftigt, die zum größten Teil Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes find Ein fleiner Streit im Frühjahr 1925 brachte den Arbeitern ein tarifvertragliches Verhältnis, die Anerkennung des Bertrags für die Brandenburgische Sägewerksindustrie und bie Entlohnung nach Drts flasse 9 dieses Vertrags. Dieses Abkommen wurde auch in der Arbeitsordnung des Betriebes verankert. Der§ 1 der Arbeitsordnung besagt:„ Tarifvertragliche Bestimmungen gehen entgegen stehenden der Arbeitsordnung vor." Auch in einigen anderen Para graphen der Arbeitsordnung wird immer wieder auf den Tarif. bertrag Bezug genommen. Als nun im Januar die Bewegung gegen die Ausbeutung des aus bem Beruf hinausgedrängt worder ist. Auch in der Zigarettenherstellung sehe es trostlos aus. ebenso wie in der Zigarrenherstellung. Es zeige fich, daß die gesteigerte Steuerlast durch eine Indienststellung besserer Maschinen nicht ausgeglichen werden kann. Zurzeit sei daran wenigstens nicht zu denken. So fomme es, daß auch in dieser Branche trostlose Verhältnisse Einzug gehalten hätten. An Hand von Beispielen sei nachzuweisen, daß die Tabaffteuerpolitif auch unsozial sei und gerade das Gegenteil von dem erreiche, was durch die Tabatschußpolitit erreicht werden solle. Der deutschen Tabakverarbeitung und zugleich dem deutschen Tabalbau fann nur Hilfe tommen, wenn die niedrigen Preislagen der Zigarren geringer als wie gefeßlich festgelegt belastet würden. Eine weitere Hilfe kann sich die Tabakarbeiterschaft noch schaffen, wenn sie sich weit ausgiebiger mit dem Organisations: gedanken vertraut macht. In der Organisation liege jene Kraft, welche die Arbeiterschaft befähige, mit Erfolg ihre soziale Lage zu heben. Die Diskussion bewegte sich im allgemeinen im Rahmen des Referats. Die Konferenz stimmte einem Antrage Kohlmann- Trebbin zu, der die Veranstaltung einer Werbewoche für den Verband verlangt. Die Konferenz beschäftigte sich anschließend mit der im Artikel 3 des Tabatsteuergesetzes vorgesehenen Sonderunterstützung der Tabakdeutschen Belkes durch die ehemaligen Regierer einfeßte, muß dies Metallarbeiter! Besucht die Wahitörperversammlungen! dem armen Mann in Doorn in die Glieder gefahren sein und er scheint sich sofort umgesehen zu haben, wo dieser eventuelle Ausfall an Einkommen wieder wettgemacht werden könnte. Daß er hierbei auf seine engeren Kollegen, die Holzarbeiter in Neubrüd, stieß, ist nicht schön, fie lagen ihm aber anscheinend am näch sten. Sicher nahm er an, daß seine Kollegen bei dem Holzschneiden ebensoviel Bausen bei der Arbeit hatten wie er und auch ebenso gut lebten. Vielleicht nahm er auch an, daß seine Kollegen in Neubrüd aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl des gleichen Berufs am ersten Berständnis für seine bedrängte Lage und follegialen Opfermut zeigten, den sie im Deutschen Holzarbeiterverband ja gelernt hatten. Und so geschah es, daß die hoftammer den Sägern trotz Tarifpertrag und Fabrikordnung am 8. Januar pro Mann 5 bis 6 Pf. vom Stundenlohn abzog. Demjenigen Teil aber, einige alte Arbeiter, die bei dem Streit 1925 nicht mitgemacht hatten, zahlte man noch einige Pfennige über den alten Tariflohn. Bon der Gauverwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes murde das Tarifa mt angerufen, da die Hoffammer mit ihrem Sägewerk inzwischen Mitglied des Arbeitgeberver. bandes geworden war. Das Tarifamt stellte fest, daß für Neubrück zwischen den Parteien noch teine Einteilung in eine Ortstlase pereinbart sei und stellte diese Frage zunächst zurück, empfahl der Hofkammer aber, bis zur Eingliederung des Ortes in eine Tarifklasse die bisherigen Löhne weiter zu bezahlen. Durch den Beitritt der Hofkammer zum Arbeitgeberverband war die Tarifpflicht der Firma noch einmal bestimmter unterstrichen. In der Auslegung des Rechts scheint aber die Heftammer den Begriff Vorteil" vor„ Rech" zu stellen. Genau wie Wilhelm in Doorn bei seinem Anspruch an das deutsche Volk. Die Hofkammer verstand unter" bisherigen Löhnen" die verkürzten Löhne, wie fie seit 14 Tagen gezahlt wurden. Ein Hinweis des Arbeitgeberverbandes, daß Tarifvertragbeschlüsse nicht ausgelegt werden können, wie 1917 Michaelis die Friedensresolution des Reichstags auslegte: Wie ich sie auffasse," daß unter den„ bisherigen" die tariflich vereinbarten Löhne gemeint seien, die vor dem Abzug bezahlt wurden, störte die Hoffammer nicht. Es blieb beim Abzug. Konsequent wurde den Arbeitern erwidert: Wem es nicht paßt bitte da ist die Tür!" Die Arbeiter müssen nun den Weg gehen, den der Müller von Sanssouci in dem Streit mit gangen ist. dem Alten Frigen nach der Erzählung in unseren Schulbüchern geDa nun der Wille des deutschen Volkes in der Frage der entschädigungslosen Abfindung der Fürsten immer ernster wird, sieht auch Wilhelm wieder zu, wo er bleibt. Ausgerechnet an dem Tage, wo die Listen für das Bolksbe gehren ausgelegt werden, zieht die Hofkammer den Kollegen von Wilhelm erneut 4 bis 5 Pf. pre Stunde vom Lohn ab. So wurde der Lohn der Arbeiter innerhalb 8 Wochen um 9 bis 11 Pf. pro Stunde gefürzt, gleich 20 Broz. Dieser Fall zeigt, wie rücksichtslos die Ehemaligen, unbekümmert um Recht und Gesez, ihre Profitinteressen wahrnehmen. Kein Rein Arbeitgeber in der Sägewerksindustrie hat es gewagt, seinen Arbeitern so etwas anzubieten. Rücksichtslos soll der Mann aufs Pflaster fliegen, der sich das Fell nicht über die Ohren ziehen läßt. Die Milliarden des deutschen Boltes genügen diesen Bedürftigen" nicht, sie stehlen den Arbeitern und ihren Kindern das Bret vom Tisch. Gegen die Brutalität der Hofkammer wird sich der Deutsche Holzarbeiterverband wehren. Dem deutschen Volke muß dieser Borgang ein neuer Ansporn sein, jeden Mann an die Liste zu bringen für das Boltsbegehren! Tabaksteuer und Tabakarbeiter. Nur die Organisation fann helfen. Die Konferenz der Gaue Berlin, Brandenburg, Pommern und Grenzmark tagte am 28. Februar. Zum 1. Punkt der Tagesordnung, die deutsche Tabakindustrie und die darin beschäftigten Arbeiter, referierte Deichmann Bremen. Kurz vor dem Kriege( 1913) seien beschäftigt worden in der Zigarrenherstellung 144 430, 3iga rettenherstellung 17 695, Rauch und Schnupftabatherstellung 4634 und Rautabatherstellung 3939 Arbeiter. Hierbei rechnen immer 300 Arbeitstage als ein Arbeiter. Im Jahre 1924 seien dagegen beschäftigt worden, in der Zigarrenherstellung 111 172, Bigarettenherstellung 25 064, Rauch- und Schnupftabatherstellung 9602 und in der Kautabatherstellung 3477 Arbeiter. Die Zahl der Arbeiter in der Zigarrenherstellung sei start zurückgegangen infolge der unge rechten und start überspannten I abafsteuerpolitit. Hier durch sei die Arbeitslosigkeit wieder start gesteigert worden. Ende Januar seien nur noch 29 Proz. der Arbeiter voll beschäftigt worden. In der Zigarrenherstellung fogar nur noch 21 Proz. der Arbeiter, obwohl ein großer Teil der Arbeiter bereits Berliner- Elektriker- Genossenschaff Berlin N24, Elsässer Str. 86-88| Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher: Norden 65 25 u. 65 26 Landhausstraße 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Elektrische Anlagen jeder Art u. jeden Umfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. Lebenslängliche Garantic leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir gekauften Preisliste gratis! Trauringe zu billigsten Preisen in den gediegensten Ausführungen Ständig ca. 3000 St. auf Lager " Ges, geschützt Hermann Wiese, Berlin W24, Artillerlesir. 30 W, Passauer Straße 12 Bei Umtausch werden die von mir gekauffen Ringe innerhalb eines Jahres zu vollen Preise zurückgenommen. arbeiter, die immer noch mangelhaft sei, obwohl die Prüfung der Bedürftigkeit in Fortfall tomme. Von den Konferenzteilnehmern wurden aus ihren Zahlstellen Fälle über Behandlung von Unterstügungsanträgen durch ihre maßgebenden Behörden vorgetragen, aus denen klar zu erkennen war, daß eine Abänderung des zuerst geschaffenen Artikels 3 unbedingt erforderlich war. W Nach Erledigung einiger organisatorischen Fragen gelangte eine von Joh. 3ielte Berlin eingebrachte Entschließung zur einstimmigen Annahme: Die am 28. Februar 1926 tagende Gaukonferenz des Gaues Berlin, erkennt aus den Ausführungen ihres Vorsitzenden des Verbandes, Kollegen Deichmann, daß die zurzeit herrschende Not unter der deutschen Tabatarbeiterschaft vorwiegend auf die rücksichtslose Steuerpolitik der Reichsregierung zurückzuführen ist. Selbst die geschaffenen Unterstützungsfäße sind völlig unzureichend, um der Notlage nur einigermaßen gerecht zu werden. Die Gaufonferenz sieht in der Organisation der Tabalarbeiter( DTAB.) das beste Mittel zur Hebung der Notlage der deutschen Tabafarbeiterschaft. Diese Organisation zu stärken und auszubauer soll die heiligste Aufgabe der einzelnen Delegierten in ihren Zahlstellen sein." Bertreten waren 23 3ahlstellen durch 27 Delegierte, sowie 2 Verbandsbeiratsmitglieder. Die Akkordsteinträger in der Abwehr. Der Verband der Berliner Baugeschäfte hat zum 31. März ht nur den Akkordtarif für Affordmaurer gekündigt, sondern auch den Akkordtarif für die Steinträger. wie der Affordtarif der Maurer im März vorigen Jahres zustande Dieser Bertrag ist nach ebenso langwierigen Berhandlungen gekommen. Es ist auch hier klar, daß die Bauunternehmer den Bertrag in seiner jezigen Form beseitigen und erhebliche Verschlechterungen einführen wollen. Es ist weiter anzunehmen, daß fie nach dem Ablauf des Vertrages versuchen werden, mit den Arbeitern Einzelverträge abzuschließen, um so Uneinigkeit und Berspliterung in die Reihen der Bauarbeiter hineinzutragen. Sie dürften aber ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. gespalten sind, so sind sie sich doch darin einig, jede Verschlechterung Wenn die Bauarbeiter auch leider noch in mehrere Organisationen ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen entschieden abzu weisen. Diese Geschlossenheit tam auch in der gut besuchten Berfammlung zum Ausdruck, die zum Sonntag vom Baugewerksbund und dem Verein der Attordsteinträger nach dem Schweizergarten einberufen war. Die Versammlung faßte nach dem Bericht der beiden Berbandsvertreter ihre Meinung in folgender einstimmig cngenommener Entschließung zusammen: Die am 7. März im Schweizergarten tagende Versammlung der Fachgruppe der Affordsteinträger des Baugewerfsbundes Berlin und des Vereins der Attordsteinträger Groß- Berlins nimmt Rennt nis von dem Kündigungsschreiben des Verbandes der Baugeschäfte Groß- Berlins betreffs Affordtarifvertrag. Sie verpflichtet die Organisationsleitung, bei eventuellen Beratungen über einen Vertragsabschluß über den 31. März hinaus feinerlei Ber schlechterungen des jetzt bestehenden Vertrages jei es bezüglich der Lohn als auch der Arbeitsbedingungen зизи stimmen. Den Affordsteinträgern wird zur Pflicht gemacht, bei Uebernahme von Arbeiten, die nach dem 31. März begonnen werden, sich unbedingt an den bisherigen Vertrag zu halten. Mitglieder, welche dennoch gegen diese Beschlüsse handeln, werden mit den schärfsten gewerkschaftlichen Mitteln bekämpft werden. Mitglieder des Holzarbeiterverbandes! Bergeßt nicht, daß morgen ein entscheidender Tag ift. Wenn ihr eure Organisation vor der Zerstörung bewahren wollt, wenn ihr euch das Recht aufrechterhalten wollt, die gewerkschaftlichen Angelegenheiten felbft zu bestimmen, dann müßt ihr eintreten und raftlos wirken für die Liste I Amsterdam. ein Schiedsspruch gefällt, der die Gehälter und Löhne für den Monat 3m Lohnstreif der Partitulier- Schiffahrt des Rheins wurde März in der Höhe des Bormonats festlegt. Erklärungsfrist bis zum 9. März abends. Deutscher Verkehrsbuud, Sektion VII. Dienstag, abends 1,8 Uhr, im großen Saale der Sophiensäle, Sophienftr. 17/18, allgemeine Geitionsmitgliederversamm lung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Neuwahl der Geftionsleitung. 2. Be rufs- und Organisasionsfragen. 3. Verschiedenes Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, bestimmt und pünitlich zu erscheinen. Am 3. März entschlief nach langem schweren Leiben mein lieber Mann, unfer guter Bater, Schwiegervater und Großvater, der Buchdrucker Paul Puthske im 71. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an 18/3] Louise Puthste geb. Pelzer und Kinder Die Einäscherung findet am Montag, den 8. b. M., abends 7, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Verkäufe Reikaenge( Richter- Bräzision). Sicher. heits- Goldfullfederhalter. Bureaubedarfs Lindner. Neukölln, Raifer haus Friedrich- Straße 36/87, Möbel Rehfeld, Badstraße 34: Ankleide fchränke, breiteilig. 98, 140,-, Waschtoiletten mit Spiegel 68,-, Nachttische 15.-, Apotheken 12,-. Wirtschaft Gewerkschaften sind keine Kartelle. Ein Urteil des Kartellgerichts. Der„ Borwärts" hat zwar schon seit langem gegen die Legende angekämpft, daß Gewerkschaften Startelle seien, sie taucht aber wieder von neuem auf. Jezt ist es der Verein Deutscher Maschi nenbauanstalten, der in einer Denkschrift zu den geplanten Maßnahmen der Regierung gegen Ringbildung behauptet, die Ge werffchaften seien Kartelle und würden also ebenfalls von den Maßnahmen gegen Ringbildung getroffen. Das Unsinnige dieser Behauptung zeigt sich darin, daß selbst die berufene Reichsstelle schon Dor längerer Zeit diese Auffassung stritte abgelehnt hat. Das Kartellgericht hat nämlich schon vor zwei Jahren flipp und flar entschieden, daß sozialpolitische Berbände, die sich mit den Verhältnissen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschäftigen, feine Rartelle find. In dem rechtskräftig gewordenen Entscheid vom 1. Mai 1924 ( R. 100/24) hat das Kartellgericht festgestellt, daß der Arbeit geberverband der Hutindustrie E. V. sich nicht als Kartell im Sinne der Kartellverordnung bezeichnen läßt. Arbeit geberverbände, die lediglich Maßnahmen im Falle von Arbeits. fämpfen und einen Anschluß an die Spizenorganisationen der deutschen Arbeitgeberverbände vorsehen, find als rein sozial politische Verbände zu betrachten. Die Kartellverordnung dagegen bezieht sich nur auf wirtschafts politische Organisationen... Unter Handhabung der Erziehung" im Sinne der Kartellverordnung ist lediglich eine freiwillige vertrags. mäßige Regelung der Gütererzeugung zu ver stehen, die stets einen wirtschaftlichen Zwed haben muß und nicht der Absicht entsprungen sein darf, auf die Gestaltung der Berhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuwirken. Demnach find Arbeitgeberverbände teine Kartelle." Es handelt sich bei diesem Urteil also um eine prinzipielle Entscheidung, in der zum Ausdruck tommt, daß Organisationen, deren 3wed es ist, auf die Gestaltung der Berhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuwirken, jo 3ialpolitischer Verbände, aber feine wirtschaftspolitischen Kartelle find. Da dies auf die Ver bänke der Arbeitnehmer noch mehr zutrifft, als auf die der Arbeitgeber, ist prinzipiell entschieden, daß Gewerkschaften feine Kartelle sind. Internationale Kapitalwanderungen. Im Rahmen der von der Industrie- und Handelskammer. Berlin veranstalteten Vortragsreihe Ueberstaatliche Bildungen" sprach am Freitag abend Privatdozent Dr. Palyi von der Handelsfachschule Berlin über Kapitalwanderungen". Nach den Schäßungen Profeffor Bowleys, denen sich der„ Economist" angeschlossen hat, wird etwa ein Drittel der jährlichen Neu bildung von Rapital in England insgesamt 450 millionen im Auslande Investiert. Die enge Verbunden Pfund Sterling heit der Londoner Banken mit dem internationalen Rapital und Kreditwünschen der heimischen Industrie bietet eine gewiffe Gewähr warenmarkt und ihre relativ unabhängige Stellung gegenüber den dafür, daß selbst in Zeiten starken inländischen Kreditbegehrs die Versorgung des Auslands mit Kapitalien nicht leiden wird. Wäh rend des„ Embargos", der aus währungspolitischen Gründen durch geführten teilweisen Sperrung von Auslandskrediten im verflossenen Jahr, sind immer noch mehr als 50 millionen Pfund Sterling an Auslandsemiffionen in London zustande... gekommen, die fast ausschließlich den englischen Dominions zufloffen. Geschäfte( also nicht durch genehmigte Emiffionen) ins Ausland Außerdem sind namhafte Kreditbeträge auf Grund privater gegangen. Diese Tatsache läßt den Schluß zu, daß die englischen Großbanken auch in der Zukunft das Auslandskreditgeschäft freilich unter besonderer Bevorzugung der Dominions werden. pflegen Bon etwa 20 milliarden Dollar jährlicher Neuemissionen, die in den Bereinigten Staaten jährlich ausgegeben werden, gehen etwa 4 bis% ins Ausland( Süd- und Mittelamerika, Kanada, Europa, Ostasien). Auch für den New Yorker Kapitalmarkt sieht Palni die absolute Notwendigkeit als gegeben an, das Auslandsgeschäft selbst bei sehr startem inländischen Kreditbegehr dauernd weiter zu pflegen, da die kostspielige Organisation der Banten, Gründe der Risifoverteilung, persönliche Beziehungen der Bantiers zum Auslande u. a. m. hierzu zwingen. Aus der Tatsache, daß die Kreditverflechtung zwischen den ein zelnen Staaten und Wirtschaftsgebieten in den letzten Jahren ständig enger geworden und weit über das Maß der Borkriegsverhältnisse hinausgewachsen ist, zieht der Vortragende den Schluß, daß ent gegen der allgemeinen Ansicht die Bestrebungen der einzelnen Länder im Sinne größerer wirtschaftlicher Selb. ständigkeit( Autartie) teine Aussicht auf Berwirt. lichung haben: Die wachsende tapitalmäßige Bindung zwischen Gläubiger und Schuldnerstaaten bedingt, früher oder später, zu. nehmende Außenhandels tätigkeit. von Die Fragen, welche Wirkungen Auslandskredite in währungs. fönnen, technischer und politischer Hinsicht haben wurden dem Vortragenden leider nur eben gestreift. Recht interessant war der Hinweis Palyis auf die vielfachen und meist nicht genügend beachteten Beziehungen, die zwischen Kapitalwanderungen und Personenwanderungen( auch Wande rungen" im Wege des Reiseverkehrs) bestehen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eskorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Gonitices: Frik Raritäbt: Anzeigen: Zb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Singer 1. Co. Berlin SW 68. Lindenstvake 3. Sieczu 1 Beilage. AUTO- FAHRSCHULE Vertra'sschule des Mitteleuropäischen Motorwagen- Vereins. KRAFTVERKEHR MARKEN A: Kolonnenstraße 32 Berlin- Schöneberg Eintritt täglich Batentmatraken, Auflegematraken. Metallbetten, Chaiselongues. Walter. Staraarberstraße achtzehn. Spezialaefchäft. Möbel zu Fabrikpreisen: Schlafzimmer 400 Mark, Speisezimmer 450 Mart, Nehfeld, Badftraße 34: Englische Bett- Herrenzimmer 450 Mart. Standuhren ftellen 35,-, 48,- 58,-. Plüschiofas 125.-. Möbelfabrik- Niederlage, Rions 95,-, 120,-. 145,-. firchstraße 39. Rehfelb, Badstraße 34: DiplomatenSchreibtische 65,-. mit Auffak 48,-, Rohrstühle 4,90, 6,50, Gofa- Umbauten mit Spiegel 55,-. Rebfeld, Badftraße 34: Moderne Rüchen, weiß und farbig, 85,-, 125,-, 180,-, Metallbetten mit Messina, extra ftart. 29,50. Rehfeld, Badstraße 34: Standuhren von 95,-, Kleiderschränke, englisch. 69, Bertifos 69,- Ausziehtische 29, Rehfeld, Badftraße 84, gewährt Rahlungserleichteruna. auch Bersand nach außerhalb. Beim Einkauf von 100, werden 5.- Untoften in bar verdültet; also besuchen Sie mein reid haltiges Lager, es lohnt sich. Bekleidungsstücke. Wäsche usw Getragene Serre garderobe, tabellos erhalten, Gelegenheitskäufe in Bela- Rehfelb, Babitraße 84: Romplette waren, große Auswahl, billige Breife. Schlafzimmer 295,- 875 450, Reine Lombardware. Leibbaus Spiegel, Speifezimmer 365,-, 475,- 590, Chauffeestraße Z. Serrenzimmer 345,- 450, G. Telefon: Stephan 987/988 Musikinstrumente preismert. Bianos Lint. Brunnenstraße 35. Alaviermacher Kaufgesuche Fahrräder fauft Linienstraße 19 Erstklassiger Geschäftsführer gesucht. Durch den Weggang des bisherigen Geschäftsführers zu einem anderen Parteiunternehmen ist die Stelle des Geschäftsführers der Thüringer Verlagsanstalt und Druckerei G. m. b. H. Jena, Verlag, Das Volk", Landesorgan der Sozialdemokratischen Partei Thüringens, sowie der anhängenden Nebenbetriebe eines umfangreichen Buch- und Zeitschriften- Verlags und der Sortimente der Volksbuchhandlungen G. m. b. H. Jena- Weimar mit dem Sitz in Jena zu besetzen. Bewerbungen bis einschneßlich 15. d. M. an Bezirkssekretär Leber, Weimar, Brennerstraße 3.[ 72/12 Heilage öes Vorwärts Montag, S. März 1926 Der erste EinAeichnungs-Senntag. Der Verlauf der Einzeichuungeu in den Bezirken. lieber den Verleuf der Einzclchnungen an dem gestrigen Sonn- tag liegen uns aus einzelnen Bezirken Groß-Berlins folgende Schilderungen vor: Wedding. Die Wahlbetelgung war um vieles reger als an den vergangenen Tagen. Auch di- Propaganda war in viel stärkerem Mage bemerkbar. Besonderes Aufsehen erregte ein Demonstra- t i o n s u m z u g der SPD., der mit fliegenden Fahnen und Musik nach dem Schillerpart zog. Allgemeine sturmische Zustimmung fand �ine Plakattafel„Für Wilhelm, die mit Inflationsgeld büschelweise beklebt und behängt war. Auch gereimte Schlagworte:„Erwache, Bolk, in heil'gem Zorn, schick' deine Rechnung hin nach Doorn!" und»Nehmt den Fürsten, was des Bolkes ist!* fanden laute Zustimmung. Auch sonst war die Propaganda eine rege. Alle chäuser waren mit Anschlagzetteln versehen, aus denen das Eintragungs- lokal verzeichnet stand. In den Höfen wurde nach Trommelwirbel oder Trompetensignal durch kleine Sprechchöre oder einen Redner zur Eintragung ausgefordert. Kein Wunder, daß nachmittags in den meisten Lokalen auf Eintragung angestanden werden mußte, so daß viele, die wochentags Zeit haben, umkehrten. Die nächste Woche oerspricht ein« noch stärkere Teilnahme und rührigere Agita- tion. Bezeichnend war es wieder, daß vor allem alte Leute sich stark beteiligten. Prenzlauer Berg— Iriedrichshain. In den Lokalen stehen, besonders in den Mittagsstunden, viele Menschen, manchmal mehr als dreißig, sie stehen geduldig und warten, bis di« Reihe an sie kommt. Männer und Frauen, die am Alltag nicht Zeit finden, sich einzuzeichnen, opfern heute ihre Zeit. In der Oderberger Straße stehen sie manchmal auf dem Korridor an, da das Zimmer zu klein ist. Sonst finden sie in den großen Turn- hallen reichlich Platz. Ueberall steigt die Ziffer der Ein- zeick'nungen im Verhältnis zu den vergangenen Tagen, chier wohnen viel« Arbeiter, die nur den Sonntag benutzen können. Ueberall oerlaufen die Einzeichnungen ruhig, Störungen kommen nicht vor. Don manchen Lokalen sind die alten handschriftlichen Zettelchen entfernt worden und durch große, gedruckte Plakate er- setzt, aber an anderen Türen hängen noch die kleinen Zettelchen, die so leicht übersehen werden können. Aördlich« Außenbezirke. In Pankow, Reinickendorf-Ost, Rieberschön- Hausen und R o s e n t h a l nahmen die Einzeichnungen zum Volksbegehren einen ungestörten, zeitweise recht regen Verlauf. In der Einzeichnungsstelle Gemeindeschule S ch u l st r a ß e 29 in Pankow war die Zahl der Einzeichne? in den Vormittags- und Nachmittagsstunden gut. Auch in der Einzeichnungsstelle Breite st raße 1(Stistweg) war die Beteiligung stärker als an den Vortagen. Ein größeres Plakat, das das abseits liegende Schul» gebäud« als Einzeichnungsstelle kennzeichnet, ist jetzt"deutlich an- gebracht worden. In Niederschönhausen besindet sich eine Einzeichnungsstelle im Rathaus. Ein Miniaturschildchen besagt, daß man sich hier einzeichnen kann. In Schönholz war die Beteiligung verhältnismäßig stark. In der 1. Gemeindeschule Lkiidauer Straße, in der 3. Gemeindeschule Letteallee und in der 4. Gemeindeschule am Hausotterplatz zeichneten sich gleichfalls viele, darunter eine große Anzahl alter und gebrechlicher Leute, in die Listen ein. Neukölln demonstrierti Die Sozialdemokratische Partei hatte gestern die Bevölkerung zu einer Demonstration gegen die Fürstenabfindung auf- gerufen. Der Herzbergplatz war Sammelpunkt. Kurz nach 2 Uhr formierte sich der gewaltige Zug, um in den Straßen Neuköllns die Säumigen zu mahnen, ihre Pflicht zu erfüllen. An der Spitze des Zuges marschierte ein T a m b o u r ch o r des Reichsbanners mit Begleitmannschaften. Vier Musikkapellen, unzählige Fahnen, Banner und originelle Plakate, wie:„Die Fürsten und Mätressen können sich in Doorn abfinden lassen!* wurden mitgesührt. In einer Abteilung hatte ein Parteigenosse neben Milliardenschcinen drei alte Sparbücher im Plakat auf- gehängt mit dem nicht mißzuoerstchenden Spruch:„Das ist meine Abfindung!" Starke Gruppen stellten der Rcichsbund der Kriegsbeschädigten und-Hinterbliebenen, die K i n d« r s r e u n de und Arbeiterjugend. Am Kranoldplatz hieltet, die Genossen Londtagsabgeordneter Harnisch und Liedtke Ansprachen und mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratische Partei wurde die wuchtige Kundgebung beendet. Während in den Morgenstunden das Einzeichnungsgejchäft noch sehr flau war. zeigten die Mittag- und Nachmittagstunden stärksten Verkehr. In einigen Lokalen standen die Wahler sogar an. Der Dienst scheint jetzt schon bester organisiert zu sein. Auch sind vor den Eingängen zu den Turnballen Plakate angebrocht, so daß das vor einigen Tagen noch übliche Suchen der Eintragungsstsllen ver- mieden wird. Ueberall versuchen die Gegner die Leute zurück- zuhalten. Am meisten werden die Alten angesprochen, aber ohne Erfolg. Unsere Genossen betreiben Plakat- und Fahnenpropaganda von den Fenstern und Balkanen aus, die Flugblattoerbreitung hat glänzend gewirkt und die Auskunftserteiler vor den Lokalen sind gut auf dem Posten. Karlshorst. In Karlshorst zeigte sich schon an den ersten Tagen ein sehr lebhaftes Interesse für die Einzeichnung. Man kann, ohne zu über- treiben, sagen, daß in dem kleinen Orte 600 bis 700 Eintragungen erfolgt sind und es ist erwähnenswert, daß sich be- sonders diejenigen zu den Einzeichnungsstellen drängen, von denen bekannt ist, daß sie alles andere als Anhänger der republikanischen Parteien sind. Auch unter den Rechtsstehenden kann man Leute finden, die sich eintragen lasten. Gestern ging es in den beiden Einzeichnungslokalen des Ortes besonders lebhaft zu. Baumschulenweg. Während der fromme Bürger den Weg zur Kirche geht, eilen die andern zahlreich zum Wahllokal, um daran mitzuhelfen, daß das Volksbegehren zu einem wuchtigen Erfolg wird. Um auch ihre Stimme gegen den Raub-ug der Fürsten mit in die Wagschale zu legen, schreibt manch altes Ehepaar, oft mit zitternder Hand, Buch- stoben an Buchstaben. Keiner scheut den Weg. aus den entlegensten Lauben eilen sie herbei. Beamte und Publikum scheinen hier ein» zu sein. Auf den Straßen Umzüge, Reden, Propagai.da, um die Säumigen zu mahnen. Dank der mustergültigen Organisation der Genossen ist es möglich, auck, den letzten Mann heranzuholen. Di« Beteiligung des gestrigen Tages war außerordentlich stark. Westen. Der erste Sonntag des Volksbegehrens brachte der gerechten Sachs auch in den w e st l i ch e n Bezirken der Millionenstadt Berlin einen großen Erfolg. Es ist ja auch erklärlich, daß selbst viele Leute derjenigen Kreise, mit denen das werttätig« Volk sonst � nicht allzu viele Berührungspunkte hat, den Weg zu den Ein- tragungsstellen finden. Mag einer politisch denken, wie er will,— wer Rechtsempfinden besitzt und denken kann, muß dem Fürstenbegehren das Aolksbegehren entgegen» st e l l c». Die Deutschnationalen und ihre Geistesverwandten haben viel Aerger. Die wirksame Werbearbeit unserer Genossen paßt« ihnen wirklich nicht. Erfreulicherweise findet man den Weg zur Einschreibestelle in der 131. Gemeindeschule jetzt wesentlich leichter als am ersten Tage; genügend Schilder weisen den Weg. Im Grunewald nimmt man den politischen Akt nach wie vor auf die leichte Schuller. Es ist fraglich, wie weit noch im Sinne der amtlichen Sache gehandelt wird, wenn die behördlich« Bekannt- machung über die Organisation des Volksbegehrens unaufgezogen mit Reißzwecken an einem Baumstamm geheftet wird, wo sie natürlich bald ein Spiel des frischen, zerfetzenden und regenfeuchten Märzwindes wird. Da macht der burgähnliche Bau des Rathauses in Schmargendorf einen weit besseren Eindruck. Man ist hier scheinbar republikanischer als im Grunewald und weniger gut auf die Fürsten zu sprechen. Charlollenburg. In Charlottenburg hat man ganze sechs Einzeichnungs- stellen für ausreichend gehalten, wobei man sich sicher l ediglich von der sozialen Struktur dieses Verwaltungsbezirks leiten ließ. Am gestrigen SonMag war M a s s e n b e t r i e b in den Lokalen, ein Beweis dafür, daß die soziale Stellung des einzelnen nicht maß- gebend für sein Verhalten dem geplanten Fürstenraubzug gegenüber ist. In der Turnhalle der Gemeindeschule im vornehmen W e st e n d wurde zwar nicht gerade Schlange gestanden am Auskunftstisch, dafür kamen aber genügend Leute, denen die früher gehegte»Liebe des freien Mannes* zu Kaiser und Thron von den Fürsten selbst gründlich ausgetrieben ist. Der stärkste Betrieb herrschte in der Einzeichnungsstelle Danckelmannstraße, einem rein prole- tarischen Viertel. Die Beamten haben alle Hände voll zu tun, die „Begehrenden* abzufertigen. Auch hier viele Leute aus den Wohn- Palästen vom Kaiserdamm. Am interessantesten waren die Be- obachtungen in der Turnhalle Schiller st raße. Das typisch« Beamten- und Bessersituiertenvicrtel der Weimarer-, Goethe-, Herderstraße, die Gegend des Karl-August-Platzes, sandte seine Im- und Außerdienstbeamten und die finanziell abgebauten Klein- und Mlttclrcntncr fast vollzählig an den Einzcichnungstisch. Selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft das ihre da.zu beitrug, die Listen zu füllen. Das Einzcichnungslokal im Rathaus ist, im dritte» Stock gelegen, etwas sehr unbequem. Der Ordnungsbcamte hat schon manchen Kriegskrüppel und manche beinkranke alte Dame die Treppen hinuntertragen müssen. Die Hauptsache ist aber: S i» kommen allel Tiergarten. Die Zunahme an Eintragungen im Bezirk Tiergarte» wächst ständig und selbst diejenigen, die gestern noch nicht ihre Eintragung vorgenommen haben, bekunden durch Fragen, die an die in den Eintrogungslokalen anwesenden Parteigenossen gerichtet werden, das starte Interesse für die gerechte Sache Es ist be- merkenswert, daß im Gegensatz zu den Eintragungslokalen, di« im Westen des Bezirks liegen, in den M o a b i t e r Eintragungslokalen �von der Leitung die Formalitäten sehr loyal gchandhabt werden. Von Personen, die bekannt sind, wird nicht einmal die Legitimation verlangt, und bereitwilligst erteilt man auf alle Fragen die gestellt werden, Auskunft. Man weist mit großer Höf- lichkeit diejenigen, die in die falschen EinttaAungslokale sich verirrt haben, in die richtigen, und es wäre zu wünschen, daß die Letter der westlichen Lokale des Bezirks sich hieran ein Beispiel nehmen würden. Für volksrecht— gegen Fürsienraub! Die Sozialdemokraten im Berliner Norden hatten am gestrigen Sonntag gewaltige Masten für das Volksbegehren auf Fürsten- cnteignung mobil gemacht. Auf der Spielwiese des Schiller» parks sprachen gegen'A4 Uhr die Genossen Reichstagsabgeord- neter K ü n st l e r und Landtagsabgeordneter Meier zu etwa 10 000 Republikanern, die mit zahllosen roten und schwarzrotgoldenen Fahnen, sowie Plakaten, auf denen in drastischer Weise die Em- pörung des Volkes über den fürstlichen Bcrbrechergriff auf die Staatskasse zum Ausdruck kam, erschienen waren. Der Beifall wollte kein Ende nehme», als die Redner zum Schluß dazu auf- forderten, alle Kräfte für den Sieg des Volkes anzuspannen. Es geht um dos Leben des deutschen Volkes!(Stürmischer Beifall.) Vorher hatte ein riesiger Demonstrotionszug durch die Straßen des Weddingsbezirks die Bewohner an ihre proletarisch« Pflicht erinnert. Von der Gustav-Meyer-Alloe ging es unter deni Jubel der Bevölkerung die Brunnen-, B a d st r a ß e- entlang über den Nettelbeckplatz, die Reinickendorfer und Müller st raße entlang zum Schillerpark. Trommler- und Musikkorps spielten proletarische Marschlieder, eine Reichs- bannerabtcilung mit wehenden republikanischen Fahnen hatte sich in den Riesenzug der Bevölkerung gemischt. Potsdamer Kuriosa. Der Deutsch nationalen Dolkspartei blieb es vor- behalten, für den Humor in der ernsten Sache des Volksbegehrens und der Fürstencnteignung zu sorgen. Aus Potsdam wird uns mitgeteilt, daß dort vor dem Einzcichnungslokal im Rathaus Beauf- tragte dieser„Volks"partci stehen, die sich durch ciroße umgehängte Plakate als„A u s k u n f t e r t e i l e r" gekennzeichnet haben.— Was diese Fürstentrabanten dem darbenden Volk zu sagen haben, ist wirtlich in weitesten Kreisen bekannt. Daß die Mühe der Pots- damer vergeblich ist, beweisen die Eintragungsziffern der ersten vier Tage. �r. 112» 4Z. Jahrgang |- Das Volksfest öes Neichsbanners. Jüngstes republikanisches Berlin. Was der Sonnabend versprochen, hielt der Sonntag. Wenn In der mächtigen AutoHalle am Kaiserdamm auch der übliche Apsel inimerhin noch zur Erde fallen konnte, voll war es doch. So voll, daß das riesige Tanzparkett kaum ausreichte. Man sah Reichstags- President Löbe, Polizeipräsident Grzesinsti und Polizeioize- Präsident Friedensburg. Oben aus den Tribünen waren alle Tische besetzt. Man sah sich das Treiben von der Höhe herab an und konnte seststellen, daß in der Tat viel Volks da war und daß über dem ganzen eine einheitliche fröhliche Stimmung lag. die zu einem rechten Volksfest gehört. Immerhin, das Fe st mäßige hätte noch mehr betont werden können. Ein andermal soll man mehr Eigenes bieten. Ein Volkstanzreigen auf diesem Parkett müßte prachtvoll wirken. Volksathletik, Volkssport, Pyramiden- gruppen, Voltshumor würden die Veranstaltung erst zu einem wahren echten Fest machen, Volksfeste in diesem Sinne können wir brauchen. Dennoch war diese Veranstaltung ein schöner verheißungs- voller Ansang. Ganz besonders erfreulich und überraschend wirkte ein Knaben-Tambourkorps. das die Lichtenberger Kameradschaft— Dank sei ihr dafür!— aus die Beine gebracht hatte. Einheitlich in weiße Blusen gekleidet, machte dieses jüngste republikanische Berlin in seinem Austreten und seinen Darbietungen einen ganz ausgezeichneten Eindruck.— Auf dem Propagandamarfch am Nachmittag vom Bahnhof zur AutoHalle war das riesige Trommler, und Pfeiferkorps, etwa 400 Mann stark, darunter die kleinen flotten Lichtenberger, Gegenstand lebhaftester Aufmerksamkeit. vle verhängnisvolle Autofahrt. Eine offenbar in angeheiterter Stimmung gegebene EInwilli- gung zu einer Autofahrt mit zwei fremden Männern hat für ein junges Mädchen aus Hennigsdorf furchtbare Folgen gehabt. Das Mädchen hatte in einem Lokal an der Schulzendorfer Chaussee an einem Vergnügen teilgenommen und wollte, da ihm schlecht geworden war, gegen?110 Uhr ein wenig frische Luft schöpfen. Zu diesem Zwecke war es auf die Chaussee hinausge- gangen. Gleich darauf kam eine mit zwei Männern besetzte Autodroschke vorbei. Der Führer verlangsamte die Fahrt, und die beiden Insassen neckten das Mädchen und luden es ein. ein Stück Weg mitzufahren. Dieser Einladung folgte es. Unterwegs ver- gingen sich die Männer an dem Mädchen und stießen es in der fföhe des Tegeler Gesängnisses wieder aus dem Wagen her- aus. Passanten, die es auffanden, brachten es nach dem nächsten Bolizeirevier, wo es Anzeige erstattete. Da das Mädchen bei dem ,;all aus dem Auto nicht verletzt worden war, so konnte e» sich in seine Wohnung begeben. Die Nummer der Auto- d r o s ch k e wurde ermittelt, die Person der Fahrgäste tonnte aber noch nicht festgestellt werden. Die Polizei würde sich ein besonderes Verdienst erwerben, wenn sie alles daran setzte, um die beiden Roh- lmge sestzustellen und der Bestrafung zuzuführen. Attentat auf einen Serliner Schnellzug. Die Reichsbahndirektion München teitt mit: In der Nacht ro:n 7. auf den S. März, zwischen 10,43 Uhr und 11,13 Uhr, wurden s idlich der Station München-Moosbach etwa 130 Meter vor dem EinsaKrtssignal in der Nähe der Hartmannshosener Uebersahrt von ruchloser Hand zwei Eisenbahnschwellen über das Gleis gelegt. Der um diese Zeit fällige Berliner Schnell- z U g V 23 kam dabei glücklicherweise nicht zur Entgleisung. Für die Ergreifung des Täters wird eine Belohnung von 1000 Reichsmark ausgesetzt._ Völkische und Koinuiunisten. Zu größeren Ausschreitungen zwischen Stahlhelmleuten und Mitgliedern des RFB. kam es am gestrigen Sonntag in Weißensee anläßlich einer Fahnenweihe der Stahlhelmer in der Stadthalle. Di« ersten Zusammenstöße ereigneten sich gegen 3 Uhr nachmittag«« in der Prenzlauer Promenade, als sich vom Bahnhof Weißensee ein etwa 100 Mann starker Zug Stahlhelmer auf dem Wege nach Weißensee befand. Es kam zu gegenseitigen Rempeleien. Mitglieder des RFB. verlangten eine Durchsuchung Irr Stahlhelmer, da diese mit Schußwaffen gedroht hatten. Zu einer richtigen Schlägerei kam es in der der 8. Abendstunde in der K a n z o wst r a ß e. Hier gerieten Stahlhelmer mit RFB.» Leuten in ein Handgemenge, bei dem dem Studenten Groß aus Pankow das Nasenbein eingeschlagen wurde. Mehrere Teilnehmer sollen Messerstiche erhalten haben. Nach der Feier in der Stadt- balle kamen die abmarschierenden Stahlhelmer nochmals mit An- bänger der Kommunistischen Partei an der Grenze Weißensee und Prenzlauer Berg ins Handgemenge. Zu den Ultterschlagungcn bei der Studentenschaft. Die Unterschlagungen an der Berliner Universität haben eine eingehende Untersuchung des Geschäftsgebarens des»All- gemeinen Studentenausschusses" ausgelöst. Die Untersuchung hat ergeben, daß der Student Lehmann sein« betrüge- rischcn Machenschaften niemals hätte bewerkstelligen können, wenn nicht die Kassenbeamten der Universität mit einer beispiellosen Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit die Aus- Zahlungen gegen Quittungen Lehmanns vorgenommen hätten. Der Universitätsrat hatte schon einige Tage, bevor die Unterschlagungen zur Kenntnis der Presse kamen, von sich aus eine Untersuchung ein- geleitet, die ihm aber von der Staatsanwaltschaft auf Grund einer Anzeige aus der Hand genommen wurde. Zweifellos wird sich der Kultusminister darüber schlüssig werden müssen, ob nicht eine gründliche Reform der studentischen Selbstverwaltung am Platze ist. Im übrigen verdient es hervorge- Hobe» zu werden, daß ausschließlich Mitglieder der radi- kalen rechts st ehenden Stüde ntenverbänd« an den unerfreulichen Vorkommnissen beteiligt sind. Deshalb verlangen die linksstehenden Mitglieder des Allgemeinen Studentenausschusses, daß mit dem bisherigen System der Auswahl der Vertreter in den obersten Posten" der Studentenschaft schnell und gründlich ge- brachen wird. Deutsch. Südlirol. das die Faschisten gewaltsam entdeutschen wollen, das Land der zauberhaft schönen Dolomiten, der alten Burgen, der Sonne und des Weins, zeigt ein Film in der»Alham- bra" Kurfürstendamm. Am gestrigen Sonntag sprach auf Beran- lassung des Oesterreichisch-deutschen Volksbundes Alfred K e r r eine Einleitung. Er forderte auf, nun erst recht Ferienreisen nach diesem unterdrückten Lande zu machen, um das Deutschtum in seinem schweren Existenzkampf zu stützen. vier Menschen verbrannt. Riesenbrand in einer bayrischen Poppenfabrik. In der Pappenfabrik Rieger in Trostberg(Oberbayern) entstand heute morgen ein großer Brand, der sich schnell ausbreitete. Das ganze Trocknereigebäude wurde erfaßt, das Feuer fand in den dort einge- lagerten 2333 Zentner Pappe reiche Nahrung. Leider sind dem Brande vier Menschen zum Opfer gefallen. Aus den Trümmern konnte bisher nur die vollständig verkohlte Leiche einer Lrau Gottmeier ausgegraben werden. j Sport. Deutsche Meisterschasten Im Kunstlaufen. Anläßlich der Wettbewerbe um die deutschen Meister- schaften im Eiskunstläufen hatte der Sportpalast am Sonnabend und Sonntag ein übervolles Haus. Während an den beiden Vormittagen die Pflichtfiguren zu den � einzelnen Weit- bewerben gelaufen wurden, fanden abends die Kürläuse statt. Am Sonnabend wie auch am Sonntag trat im Rahmen der Veran- stattung der Berliner Schlittschuh-Clüb(BSC.) gegen den I d r o t t s- k l u b b e n G ö t a- Stockholm an. Am Sonnabend gelang es der BSE.-Mannschaft, nach sehr hartem Kampf die Schweden mit 3:2 abzufertigen. Das Sonntagspiel dagegen, das dieselben Gegner auf die Eisfläche brachte, endete 4: 4 unentschieden. Die Schweden spielten besser als am Vortage, konnten jedoch trotz angestrengter Versuche nicht über den BSC. triumphieren. Einig« Ergebnisse: Deutsche Meisterschaft: 1. Rittberger (BSC.): 2. Franke(BSC.).— Damen-Senioren- Laufen: 1. Frau Bernhard(BSC.): 2. Frl. Wulff(VED.).— Junioren- Paarlaufen: 1. Frll Lierke-Krümling(BEB.): 2. Dr. Gätzschmann und Frau(BSC.).— Herren-Seniorcn- Lausen: 1. Gaertel(BSC.): 2. Bayer(BEB.).— Damen- Meisterschaft: 1. Frau Brockhöst(BSC.).— Paarlauf- Meisterschaft: 1. Frl. Kishauer-H«rr Haertel. Theater, Lichtspiele usw. Deutsches Theater Neues Th. am Zoo 8 Uhr: Allabendl. 8 Uhr: HEUTE Juarez und zum 50. Male Maximilian Guido Hammerspiele Thielscher 814 Uhr in Josephine Stöpsel KleinePreise: Parkett1-2M. Park.- Faut.3-4 M.Orchest.Die Komödie Fauteuil 5 M. 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