e. 11343. Jahrg. Ausgabe A nr. 57 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monati B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburs 4.50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und geit mit„ Gied. lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sosialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille Beile 80 Bfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Bfenais ( auläffia awei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linben. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Ubr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Reichsschulgeset oder nicht? Der Leidensweg des Reichsschulgesetes. Bon Dr. Richard Lohmann. Seif nahezu sieben Jahren wartet die deutsche Volksschule auf das ihr in Artikel 146 der Reichsverfassung verheißene Reichsschulgeset. Wartet die weltliche Schule auf die ihr ebendort verheißene gesetzliche Anerkennung der Gleich berechtigung. Wer weiß es? Wer redet davon? Es ist das Schicksal unserer in politischen Stürmen geborenen und unter politischen Stürmen zu verteidigende Republik, daß zur Befinnung auf fulturpolitische Notwendigkeiten nicht Zeit blieb, daß zu fchiedlich- friedlicher Schlichtung schulpolitischer Streitfragen die Stimmung fehlte. Aber diese man darf sagen: äußerlichen Gründe sind es nicht allein, die den verfassungsmäßigen Aufbau und Ausbau unserer Schule bis auf den heutigen Tag verhindert haben. Die Klüfte, die das Weimarer Schulfompromiß zu überbrücken suchte, bestehen fort. Die Gegensäge, deren Auswirkung es durch das Postulat gegenseitiger Duldung ab zuschwächen suchte, haben sich unter dem Drud innerpolitischer Entwicklungen verschärft. Auseinanderstrebt, mas einst die bittere Not des Augenblicks vor den Pflug ge= meinsamer Arbeit zwang. Vorherrschaft, Allein= herrschaft verlangt man immer deutlicher dort, wo man sich einst unter dem Druck der Not mit der Zusicherung gleichen Rechtes begnügen wollte. Und je mehr die kulturpolitische Reaktion dazu überging, die Schulartikel der Weimarer Berfassung als einen Fezen Papier zu behandeln, je mehr sie sich mühte, den flaren Sinn durch juristische Umdeutungen des Wortlauts in fein Gegenteil zu verfehren, um so schwieriger wurde natürlich die gefeßliche Auslegung des Kompromiffes, um fo unmöglicher wurde das Reichsschulgesetz. Nie zuvor traten diese Zusammenhänge so flar und deutlich zutage, als wenn man jetzt die umfassende und aktenmäßige Darstellung der jahrelangen Kämpfe um das Reichsschulgesetz lieft, die der Vater des Weimarer Kompromisses und der verantwortliche Leiter der Reichsschulpolitik im Minifterium des Innern, Genosse Heinrich Schulz vor furzem der Deffentlichkeit übergeben hat*). Manch einer wird jetzt erst mit Erstaunen oder mit Entsetzen sich dessen bewußt werden, welche Kräfte er selbst entbinden half, als er in allzu ungestümem und darum politisch gefährlichem Vorwärts drang die Basis der Duldung, auf der das Weimarer Kompromiß ruhte, verließ. Dienstag, den 9. März 1926 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheatonto: Berlin 37 536- Bankfonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Diplomatennöte in Genf. Man sucht einen Answeg und findet ihn nicht. V. Sch. Genf, 8. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Eröff nungssigung der außerordentlichen Bölkerbundstagung am heutigen Nachmittag begegnete nur geringem Intereffe. Einmal weil es sich dabei nur um die üblichen Eröffnungsformalitäten handelte Ansprache des amtierenden Ratsvorsitzenden, Wahl der Mandatsprüfungskommission, Wahl des Präsidenten und des Bizepräsidenten, vor allem jedoch, weil die Gemüter nach wie vor und fast ausschließlich durch den Kampf um die Ratssitze in Anspruch genommen sind. Der Reformationssaal bot insofern den Anblick wichtiger Tage, als die Tribünen der Preffe und des Bublifums gut besetzt waren. Dagegen wiesen die Delegierten stühle auffallend viele Lücken auf. Eine ganze Anzahl von Staaten, die zu den gewöhnlichen Tagungen 3 und 4 Delegierte entfenden, Auch der Montag war gut! Drei Stichproben von der Einzeichnung am Montag: Prenzlauer Berg. Sonnabent 6: 068 Sonnabend 7016 Sonnabend -7856 Sonntag 17.355 Friedrichshain. Sonntag 18 002 Wedding. Sonntag : 20 605 Montag 13 500 Montag 14 975 Montag 17 390 find diesmal mit nur 2 oder gar nur durch einen einzigen Dele. gierten vertreten, namentlich die füd- und zentralamerikanischen Republiken, die meist ihre Pariser oder Berner diplomatischen Vertreter mit dieser Aufgabe betraut haben. Das ist jedoch letzten Endes gleichgültig, da jeder Staat sagungsgemäß nur über eine Stimme verfügt. Gerade die süd- und zentralamerikanischen Staaten sind allerdings so zahl reich, daß sie bei solchen Abstimmungen wie der Wahl eines Brä Die Schrift von Heinrich Schulz zeigt in ihrem Durch- fidenten eine entscheidende Rolle spielen. Das war auch diesmal der schnitt durch die Schulfämpfe eines Jahrhunderts, wie in der Fall: Nachdem sie nämlich am Vormittag beschlossen hatten, für den Schilderung der jüngsten Ereignisse das eine jedenfalls portugiesischen Delegierten Alfonso Cost a zu stimmen, war wieder mit vollster Klarheit, daß der Realisierung unseres eine Gegenfandidatur aussichtslos. Wenn dennoch a cht Stimmen fulturpolitischen Wollens in der Gegenwart Schranten für den dänischen Gesandten in Berlin, 3 a hle, abgegeben gesezt sind, die man wohl in Gedanken, aber niemals in der wurden, so war das gewissermaßen eine Demonstration gegen diese Wirklichkeit überspringen fann, ohne selbst zu stürzen. Für allzu häufige Ausnutzung ihres zahlenmäßigen Verhältnisses durch die geistige Befreiung unserer Volksgenossen aus den Fesseln die Länder spanischer und portugiesischer Zungen, eine Demonstration, Jahrtausende alter Gebundenheit zu kämpfen, zu werben, zu die vermutlich von den kleinen europäischen neutralen Staaten ausarbeiten, ist unser Recht, ist unsere Pflicht. Aber im ging. Genaues läßt sich zwar darüber nicht in Erfahrung bringen, politischen Kampf des Tages müssen wir mit dieser Ge- da die Wahl geheim ist, doch dürfte Zahle die Stimmen der drei stanbundenheit breitester Massen unseres Boltes als mit einer dinavischen Länder, Finnlands, Litauens, Hollands und irgendeines geschichtlich gegebenen Tatsache rechnen. Ueber sonstigen Staates erhalten haben. die Grenzen und Möglichkeiten politischer Zusammenarbeit, über die Tragbarkeit von Uebereinkünften und Kompromissen fann man streiten. Aber man fann sich fein fulturelles Wolfenfududsheim erbauen, um von ihm aus ,, voll und ganz und unentwegt" in die Arena schulpolitischer Kämpfe hinabzuſteigen. Daß ein Teil der deutschen Lehrerschaft, daß Idealisten und Phantasten dies in entscheidenden Augenbliden nicht erkannten, daß Schuldoktrinäre sich Schulpolitiker dünften, war eines der verhängnis= Dollsten und folgenschwersten Momente im Kampf um das Reichsschulgeset. Belege dafür findet man bei Heinrich Schulz in Hülle und Fülle. Die Achtung vor der geschichtlichen Wahrheit zwingt uns, festzustellen, daß dadurch ein begierig aufgegriffener Borwand für die Reaktion gegeben war, ihrerseits völlig den Boden des Kompromisses, den Boden der Berfassung zu verlassen und die Bekenntnisschule zur Regel schule zu erklären. Ein Vorwand, fein innerer Grund. Denn auf der Gegenseite war man durchaus bereit, die Verfaffung zu respektieren. Aber die tragische Entwidlung, weg nom Kompromiß, weg von der Verfassung, war nun nicht mehr aufzuhalten. Sie endete einstweilen mit dem berüchtigten Schieleschen Gesetzentwurf, den sjeinrich Schulz mit Recht als eine Tragikomödie bezeichnet. Das befreiende Gelächter sargte ihn ein. Und wir stehen nun, ein menig erleichtert, etwa wieder dort, wo der Kampf um den erften Entwurf entbrannte, den Heinrich Schulz, selbstfritish und doch verantwortungsbereit, mit seinem Namen deckte. Welchen Weg wird die Entwicklung nun nehmen? Der Leibensweg des Reichsschulgesetes. Bon Heinrich Schulz, Stagtsfefretär im Reichsministerium des Innern und M. d. R. Verlag J. H. W. Die Nachf., Berlin. 160. Breis 2.80 2. Die Wahl Costas traf übrigens feinen Unwürdigen, denn der portugiesische Minister ist schon seit vielen Jahren als ein aufrichtiger Demotrat bekannt, der bei dem demokratischen Umsturz in seinem Lande vor 16 Jahren eine hervorragende Rolle spielte. Seine Antriftsrede flang in einem Lobe des Werkes von Locarno aus und gab der Genugtuung Ausdruck, die bei dem bevorstehenden Eintritt Deutschlands in den Völkerbund allgemein in Bölkerbundskreisen empfunden wird. Politiker follten sich vor Prophezeiungen hüten, ganz besonders in Fragen der Kulturpolitik, deren Lösung mit dem Ballaft der Kompensationen auf anderen Gebieten beladen ist, weil auch in der deutschen Republik die Adern der fozialen und der weltanschaulichen Struktur unseres Volkes tausendfach durcheinanderlaufen. Jede politische Konstellation, jede Regierungstoalition schafft anders geartete Borbedin gungen für die Lösung der bisher ungelösten Schulfragen der Reichsverfassung. Grund genug für alle fortschrittlichen und insonderheit für alle fozialistischen Schulpolitifer, feine Kulturpolitit im luftleeren Raum zu treiben, sondern dafür zu forgen, daß die kulturpolitische Reaktion nicht fünftlich zusammengeschweißt wird. In den sieben Jahren, in denen wir vergeblich um das Reichsschulgesetz ringen, ist die Entwicklung in unseren eigenen Reihen nicht stehen geblieben. Wir haben je länger, je mehr gelernt, daß gerade für uns der Inhalt der Schule nicht minder wichtig ist als ihre Form. Der ganze Fragen fomplex, der sich um die Gestaltung der Arbeitsschule, der Gemeinschaftsschule gruppiert, ist gegenüber der Frage der weltlichen Schule im üblichen Sinne des Wortes träftig in den Borbergrund gerüdt. Es ist wohl nicht zu viel be hauptet, wenn mir sagen, daß der geistige Kampf in unseren Reihen über die im Reichsschulgefeß zu lösenden Fragen längst | Noch sind die Pläße, die für Deutschland- nach der franzöfifchen alphabetischen Reihenfolge in der vorderen Reihe, unmittelbar vor dem Präsidium, reserviert sind, leer, aber tein Mensch zweifelt daran, daß sie nach Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten bald von Luther und Stresemann eingenommen werden. Wie werden sich diese Schwierigkeiten überwinden lassen? Das ist eigentlich das einzige Thema, das in Genf allenthalben erörtert wird. Um es gleich zu sagen, ist am heutigen Tage keinerlei Fortschritt erzielt worden. Die Lage ist ebenso unflar wie gestern, es ist noch alles in der Schwebe, und das hängt nicht nur mit der Abwesenheit Briands zusammen, sondern es liegt auch an der Berz widtheit des Problems überhaupt. Eine gewisse psychologische Entspannung läßt sich zwar allgemein feststellen, weil man sich inzwischen an den Gedanken gewöhnt hat, daß große Hindernisse entstanden sind, die sich nicht beim ersten Anlauf überspringen lassen, und weil man aus Erfahrung weiß, daß auf jeder Tagung solche Hindernisse auftauchen, die schließlich stets nach einigem Hin und Her beseitigt werden. Insbesondere waren diese Hindernisse während der Konferenz von Locarno unzweifelhaft bedeutend größer, und sie sind ja doch durch gegenseitiges Entgegenkommen schließlich überwunden worden. Nur ist diesmal die Lage insofern eigenartig, als zwar die Sache selbst, um die es sich dreht, nicht die große Aufregung wert ist, die ihretwegen überall entstanden ist, indessen ein gegenseitiges Entgegenkommen, ein Kompromiß, schwer durchführbar ist. Das bestätigte mir heute nachmittag einer der führenden Staatsmänner, den man zwar nach der allgemein bisher gültigen Klassifizierung als zur Gegenseite gehörend gerechnet, der aber in der Frage der Ratssige dem deutscher Standpuntf durchaus gerecht wird. Diese Persönlichkeit sagte mir, daß eine Kompromißformel bisher nicht gefunden wurde, und daß er sich auch noch gar nicht recht vorstellen konnte, wie ein solches Kompromiß aussehen könnte. Fast übereinstimmend hört man die Ansicht, daß die Angelegenheit der Ratssitze sehr ungeschickt aufgerollt wurde. Die Vorwürfe, die hierin erhoben werden, richten sich noch mehr gegen Chamberlain als gegen Briand, der wenigstens die Entschuldigung hat, daß er in den letzten sechs Wochen Dinge innerpolitischer Art im Kopfe hatte, daß er diesem heiflen Problem nicht jene behutsame Behandlung zuteil werden laffen konnte, die es verdiente. Diese ungeschickte Regie ist schuld daran, daß sich die öffentliche Meinung in allen Ländern vorzeitig erhigte, und unter dem Druck der Preffe haben sich einzelne Regierungen derart festgelegt, daß sie glauben, gar nicht mehr zurüd zu können. Der polnische Ministerpräsident Strzynsti versichert überall, und vielleicht mit Recht, daß er sofort gestürzt würde, wenn er mit leeren Händen nach; Warschau zurückkehrte, und daß die gefährlichsten Spannungen, auch außenpolitischer Natur, aus einem Sturz seines Koalitionsfabinetts entstehen könnten. Die Franzosen jagen, daß, wenn Deutschland seinen Standpunkt vollkommen durchsetzen würde, Stellung der neuen französischen Regierung von Aanfang an aufs schwerste gefährdet wäre; ja, es wird sogar von der Möglichkeit eines gefährlichen Vorstoßes Poincarés und Millerands Senat bei der noch ausstehenden Locarnodebatte und der Möglichfeit gesprochen, daß der Senat sich weigern fönnte, die Locarnoverträge zu ratifizieren. Man braucht natürlich diese Behauptungen nicht allzu ernst zu nehmen, sie sind aber typisch für die Argumente, die in die Debatte geworfen werden. die im Auf deutscher Seite weist man mit nicht geringem Nachdruck auf die Beschlüffe des Reichskabinetts und des Auswärtigen hinausgewachsen ist. Um so schwerer vielleicht, den Weg zurückzufinden. Und doch gibt es darin stimmen wir Heinrich Schulz durchaus zu für die Gegenwart feine andere Lösung als die, in ehrlicher Auslegung der Weimarer Verfassung allen weltanschaulichen Richtungen gegenüber Duldung und Freiheit der Entwicklung zu gewährleisten. Es gilt, die Formen zu finden, die den freien Wettbewerb der Schulen aller Weltanschauungen gewährleisten. Wir sind bereit, einen solchen Weg in ehrlicher Durchführung der Weimarer Vereinbarungen zu gehen, weil wir im tiefften Innern davon überzeugt sind, daß die weltliche Schule sich durchsetzen, sich auch ohne 3wang als die Schule der 3 ufunft bewähren wird. Wer diesen Weg nicht gehen will, beweist, daß er der Schule seiner Weltanschauung nicht dieselbe innere Kraft zutraut, daß er an ihre Selbstbehauptung ohne äußeren 3wang und ohne Brivilegien nicht zu glauben vermag. Er verläßt daher den Boden des Weimarer Kompromisses, dessen tieffter Sinn gerade in diesem Nebeneinander" beschlossen liegt. ,, Und darum," ruft Heinrich Schulz, an die Arbeit für ein Reichsschulgeset, in dem das Streben nach größter Leistungsfähigkeit des deutschen Schulwesens und der Wille zu verständnisvoller Duldsamkeit gegenüber der Weltanschauung des anderen einander die Hände reichen!" Ausschusses des Reichstages sowie auf die äußerst schwierig« Lage hin, die sich für die Reichsregierung bei einer Nichteinhallung dieser Richtlinien ergeben würde. Luther und Stresemann haben offen- lundig eine begreifliche Angst vor dem Geheul der deutschnatio- nalen Presse beim geringsten Entgegenkommen ihrerseits und haben von den Erfahrungen, die sie schon nach Locarno gemacht haben, genug. Die anderen Mächte sind sich übrigens dieser innerdeutschen Schwierigkeiten bewußt und finden den Widerstand des Reichskanzlers und des Außenministers durch- aus erklärlich, obgleich sie ihn aus den gleichen Gründen im eigenen Interesse zu lockern bestrebt sind. Unklar und widerspruchsvoll ist die haltuog Chamberlains. Er hat eine öffentliche Meinung hinter sich, die gegen jede Rats- erweiterung ist. Er nützt diesen Vorteil aber nicht aus, sondern versucht umgekehrt gegen die Stimmung im eigenen Lande einen permanenten Ratssitz für Spanien durchzusetzen. Er tut dies, weil er sich persönlich dazu verpflichtete, vor Iahren schon Spanien gegenüber und kürzlich auch Polen gegenüber, denen er auf diese Art wenigstens im September zu einem provisorischen Sitz verhelfen möchte. Er betont jedoch immer wieder, daß er mit diesem Bestreben gleichzeitig auf das eifrigste besorgt sei, ja n i ch t die Ge- fühle Deutschland? zu verletzen. Chamberlain versichert selbst und läßt überall durch seine Vertrauensleute oersichern, daß eine solche Lösung nicht die mindeste Spitze gegen Deutsch- l a n d enthalten würde und daß jeder Argwohn dieser Art auf deutscher Seite unberechtigt wäre. Die deutsche Delegatiou wiederum will aus den obenerwähnten Gründen keinerlei Rindung für die Zukunft eingehen, so daß ihr Kompromihvorschlag der Einsehung einer Kommission, von der Ge- genseite als eine leere Geste bezeichnet wird, mit der man nichts anfangen könne. Und dann ist Spanien, das noch immer droht, den Volkerbund zu verlassen, wenn es nicht schon jetzt einen per- nianenten Sitz erhalte.... Vielleicht ließe es sich ja besänftigen, wenn ihm versprochen wäre, daß bei Ablauf seines jetzigen prooi- forischen Mandats es im September einen ständigen Charakter er- halten würde. Aber das ist ja wiederum eine jener.Bindungen", die Deutschland sich sträubt einzugehen. Es ist hier schon die Möglichkeit erwähnt worden, daß Deutschland und auch die anderen Ratsmächtc sich schließlich irgend- wie einigen, was ober dann doch nichts nütze, wenn Schweden auf feinem Rein verharre. Diese Möglichkeit ist durchaus ernst zu nehmen, denn Genosse Unden hat heute verschiedenen Person- lichkeiten, die mit ihm Fühlung nahmen, erklärt, daß er sich seit jeher und neuerdings noch vor der Abreise nach Genf unter Zu- stimmung der gesamten schwedischen öffentlichen Meinung auf die strikte Ablehn un g einer jeden Aenderung in den Ratssitzen festgelegt habe, und daß er seitdem die Zustimmung zahlreicher neutraler Staaten erhalten habe. Auch das ist zweifellos richtig, ebenso alle Sonderwünsche Spaniens. Polens usw.» die im Wider- spruch zum Wortlaut und auch zum Geiste der Völkerbundssatzungen stehen und daher bekämpft werden müßten. Vom internationalen Völkerbunds st andpunkt und auch vom international- sozialistischen Standpunkt aus hat Schwed en zw ei- f e l l o s r e ch t. Ob die hartnäckige Aufrechterhallung diese- Stand- Punktes praktisch möglich sein wird, das ist allerdings eine andere Frage, die im Lause der kommenden Tage beantwortet werden wird. « In Genf ist, wie aus den Berichten unseres dorthin ent- sandten Redaktionsmitgliedes hervorgeht, eine neue Si- tuation entstanden, die sich in den Diskussionen über die Ratsfrage nicht voraussehen ließ. An Stelle Polens ist Spanien als allerdringlichster Werber in den Dordergrund getreten, und diese Werbung wird mit der Drohung des Aus- tritts für den Fall ihrer Ablehnung verschärft. Es ist eine fast komödienhafte Berwicttung! Die Deutschen erklären, ihr Eintrittsgesuch zurückziehen zu wollen, wenn nicht Deutschland jetzt allein und ohne jede Bindung für die weitere Behandlung der Frage unter die ständigen Ratsmit- glieder aufgenommen wird. Die Spanier drohen mit dem Austritt, wenn nicht auch sie einen ständigen Ratssitz erhalten. Die Staatsmänner in der Mitte zwischen beiden sind wahr- der Mmsteröamer Expreß. Von Emil Rath. Wochenlang bin ich nun schon die gleiche Eisenbahnstrecke ge- fahren. Zweimal täglich trägt mich der Vorortzug an rauch- geschwärzten, schwindsüchtigen Häusern, unwirschen, unfertigen Laubenkolonien vorüber. Es ist Tag für Tag das gleiche Bild. Rur wenn wärmere Lust weht, setzt die von sorglichen Frauen im Freien zum Trocknen ausgehängte Wäsche bunte Flicken in das graue Einerlei. Wie ich aber eines Tages gelangweilt zum Fenster hinausschaue, fährt neben dem Borortzug ein anderer Zug dahin. Die Bewegung beider Züge ist gleichgerichtet und täuscht Stillstand vor. In Ruhe lese ich auf dem langgestreckten hellbraunen Leib des neben uns dahinrollenden Wagens in roter Schrift auf weißem Schilde: Amsterdamer Expreß. Und das gibt mir einen Ruck: Amsterdam— Ich kann gerade in ein Abteil erster Klasse hineinblicken. Auf dem herausfordernd roten Plüsch flimmert ein breiter Streif Sonnengold. Am geöffneten Fenster sitzen zwei gut gekleidete Herren, stützen nachlässig«inen Ellenbogen auf den aufgeklappten Rauchtisch und saugen nachdenklich an dicken Zigarren. Amster- damer Expreß— Allmählich trennen sich die Wege beider Züge. Bitteres Gefühl reiht und zerrt am Herzen. Tag für Tag in die Tretmühle, immer mit dem gleichen Borortzuge— und drüben stampfen befreit ratternde Achsen in schnellerem Takt: Am— sterdam. Am— fterdam, Am— stcrbcm. Dem suchend nach innen gerichteten Blick blühen srühlingshafte Visionen auf: Saubere Straßen, schnurgerade silberue Kanäle, dunkle Windmühlen, träge gegen den blauen Horizont ge- lehnt, der Wasser oder Himmel, vielleicht auch beides ist— du freier Amsterdamer Expreß! Ich muß mich aus dem Fenster lehnen, den schneller und schwächer werdenden Takt seiner Räder einzusaugen. Es ist, als risse er meine Sehnsucht hinter sich her. Nicht mit sorglosem Jauchzen, nein, so wie Achilles die Leiche Hektars hinter sich herschleift, überlegen, erniedrigend. Und ist denn Amster- dam«in Ziel? Torheit! Es ist ja Pforte einer anderen Welt. Von dort tragen sichere Schiffe Menschen in alle Welt. Menschen mit Hoffnungen. Menschen mit Wunden. Menschen mit Träumen. Aber hier im Vorortzug sitzen wohl nur Menschen mit Wunden, vielleicht auch einmal mit Träuinen. Von Amsterdam kann wohl leicht ein Mensch entfliehen, wenn er Trauer im Herzen trägt, kann sich ver- sinken lassen in den unendlich blauen Himmel der Südsee und wieder lachen lernen, kann wieder froh und lustig werden_ Dahin braust der Expreß. Seine weiße Rauchfahne weht zer- fahren über die Ebene: sein« Räder höre ich nicht mehr stampfen. Weit, weit läßt er den langsamen Vorortzug hinter sich. Und doppelt träger scheint unser Borortzug dahinzufchkeichen durch eine tiefe Schlucht, die meine Sehnsucht grau zu beiden Sellen des blanken hastig nicht zu beneiden, nm so weniger als ihnen Ja auch noch andere Regierungen außer der spanischen mit ihren Rats- wünschen in den Ohren liegen. Erfüllen sie den Willen Deutsch- lends, so drohen die anderen davonzulaufen. Erfüllen sie den Willen der anderen, so bleiben die Deutschen draußen. Was hier zu tun ist, muß die deutsche Delegation an Ort und Stelle entscheiden. Ihre Stellung ist moralisch stark, well sie korrekt ist, und sie ist politisch stark, weil von ihr das Schicksal der Verträge von Locarno abhängt. Sie muß von sich aus beurteilen, ob es politisch klug ist, mit allen Trümpfen, die sie in der Hand hat. aufzutrumpfen, oder ob es nicht vielleicht polltisch noch klüger ist, wenn sie den anderen hilft, eisienAusweg aus diesen Verwicklungen zu finden. Ein endgültiges Urteil über ihr Verhalten wird erst gefällt werden können, wenn die Genfer Tagung beendet ist und ihre Ergebnisse vorllegen. Die deutsche Delegation wird für ihr Verhallen Verständnis finden, wenn diese Ergebnisie glücklich sind. Ist es auch richtig, daß sie bis zu einem gewissen Grade gebundene Marschroute hat, so wird man sich über kleine Ab- weichnungen nicht beklagen, wenn nur das Ende gut ist. Um es mochmals ganz klar zu sagen: Deutschland hat ein Recht, zu verlangen, daß es zunächst allein ständiges Ratsmitglied wird und daß jede Erörterung über sonstige Er- Weiterungen des Rats bis nach seinem Eintritt zurückgestellt wird. Aber die deutsche Delegation in Genf ist nicht Ver- treterin Deutschlands in einem Zivllprozeß, sondern sie hat in Genf Politik zu treiben in der Weise, wie das für Deutschland auf lange Sicht am vorteilhaftesten ist. Kommiflionsvorsitzenöe unö vizepräftöenten Genf. 8. März.(MTB.) Die Bölkerbundsoerfammlung wählte den englischen Außenminister Sir Austen Chamberlain zum Vorsitzenden des ersten Ausschusses, der über den Auf- nahmeantrag Deutschlands zu entscheiden hat, und den früheren französischen Handels- und Finanzminister L o u ch« u r zum Borsttzenden des Budgetausschusses, dem die Festsetzung des Jahresbeitrags Deutschlands und die nächsten Entscheidungen über den Bau eines Berfammlungsgebäu- des obliegen. Chamberlain und Loucheur sind gleichzeitig Dizepräsiden- ten der Bölterbundsversammlung. Außerdem wurden folgende Delegierte zu weiteren Vizepräsidenten gewählt: S c i a l o i a- Italien, Ishii-Iapan, James A l l e n- Neuseeland, Ca balle- ro- Paraguay, T i t u l e s c o- Rumänien und Mora les-San Domingo. Die beiden Ausschüsse nehmen am Dienstag nach- mittag um 4,35 Uhr ihre Beratungen auf. Die B e r s a m m- lung vertagte sich darauf. Der Zeitpunkt der nächsten Sitzung ist noch nicht bestimmt. Die deutsche Delegation legt sich fest. Genf, 8. März. WTB. meldet: Einer Meldung des»Journal de Geneoe" zufolge soll der Korrespondent der.Times" nach London berichtet haben, man Halle es für möglich, daß die deutsche Delegation für den spanischen Sitz gewonnen werden könne. Demgegenüber sei, ohne die Bedeutung und Berechtigung der einzelnen Kandidaturen in diesem Zusammenhang zu würdigen, er- neut darauf hingewiesen, daß die deutsche Delegation in Genf an dem bisher vertretenen, m der Hamburger Rede des Reichs- kanzlcrs dargelegten Standpunkt festhält. Zentrum unö Zürftenabfinöung. Für den neuen Kompromisiantrag. Die Zentrmnsfraktion des Reichstags hiell am Montag abend nach der Plenarsitzung eine kurze Fraktionssttzung ab, in der sie den Bericht über das am Freitag vereinbarte Kompromiß zur Fürstenabfindung entgegennahm. Die Fraktion stimmte dem Kompromiß ohne weitere Aussprache zu. Die Fraktionen der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei und der Wirt- schaftlichen Vereinigung werden am Dienstag abend Stellung nehmen. Stranges türmt. Run knirschen die Bremsen, die Räder sprühen: Station. Dann wird alles aussteigen, und auf dem Bahnhofsweiser wird ein Schild erscheinen: Leerzug. Leerzug! Expreßzug! Hier graue Grenze— dort weites, lockendes Land. Ihr Züge des Lebens: Hier Vorortzug, getränkt von herbem Schweißgeruch, mit der Seele einer Schnecke, nichts als schnaufendes Pendel zwischen zwei Stationen: Arbell und Zuhause. Dort Expreßzug, dahinstiebend in rasselndem Takte auf weichen Federn, mit roten und grünen Polstern, großen, klaren Fenstern, mit Rauchtischchon, verächtlich vorbei an all den vielen, kleinen Stationen. Uns bleibt keine Station erspart. Wir müssen rasten auf jeder Station des Lebens, müssen unsere Zeit, unsere Kraft, unser Blut opfern. Die im Expreßzug fliegen lachend, sorglos an unseren Stationen vorbei. Tag für Tag— Bis unser Vorortzug zum Leerzug wird— „Alte und neue Tänze", ausgeführt von Max Terpis und einigen Solisten des Staatsballetts, bildeten den Abschluß der wohlgelungenen Tanzveranstaltungen, zu denen der Bezirks- bildungsaus schuh Groß- Berlin an vier Sonntag- Nachmittagen dieses Winters in die Philharmonie geladen hatte. Keine Gruppentänze diesmal, sondern nur Soli und Pas de deux. Eine„Romanze", von Elisabeth Grube und Harald Kreutz- bcrg als Rillerfräulein und Page getanzt, eröffnete mit prettös zier- lichem Schrellen, Sichbeugen, Sichwenden, Grüßen, Auseinander- gehen das Programm. Dorothea Albu mit stilvoll spitzeckigen Be- wegungen, aber ohne rechte seelische Bertiefung im„Gothischen Tanz". Die Grub« in ihrem Meisterstück.Lexe", dem T'eftanz der Hochtänzerin, glänzend trotz einiger äußerlich drapierender Remini- szenzen an Kreutzbergs„Aufruhr". Rudi Kölling temperamentvoll, aber technisch nicht ganz sicher, als„Matrose". Daisy Spies, sehr stimmungsvoll in der Rokokograzi« einer„Gavotte" und amüsant im parodistischen„Ballett", während ein kompositorisch verworrener „Tango" nicht recht zur Gellung kam. Terpis produzierte neben seiner eindrucksvollsten Schöpfung, der„Mazurka", einen etwas schleppenden„Geistlichen Tanz und einen lustigen„Bums". Kreutz. berg seinen„Cakewalk", einen„Pagen"(der, wenn ich nicht irre, früher eänen anderen Namen führte), und ein technisches Bravour- stück„Tanz im Grünen". Ein harmlos heiterer„Bauerntonz", den die Albu mit Kölling vorführte, und ein„Marsch", den die Grube mit Kreutzberg im Maschinen- oder Girlstil tanzte, vervollständigten das sehr reichhallige, vom Publikum mit lebhaftem Beifall autge- nommene Programm. I. S. honorö vaumier. Bei M a t h i e s e n in der Bellevuestraße, in neuen und elegant hergerichteten Räumen, ist eine große Sammlung von Gemälden und Zeichnungen Daumiers ausgestellt. Unseres Wissens zum erstenmal in Deutschland: obwohl die besten Sachen von ihm in deutschem Besitz sich befinden, hat man doch in der Oesfentllchkeit nur gelegentlich einige Originale von ihm gesehen. So kommt es. daß man Daumier eigentlich nur als Karikaturisten au» seinen grandiosen Lithographien kennt: und die Galerie Mathiesen hat sich kqin geringes Verdienst mit dieser Schau erworben. Daumier Tenöenzjuftiz! Landesschulrat Stölzel zu zwei Monate« Gefäuguis verurteilt.— Ein politischer Racheakt. Draunschweig. 8. März.(Eigener Drahtbericht.) Im Prozeß gegen den ehemaligen sozialistischen Landesschulrat Dr. Stölzel be- antragte heute der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten wegen Amtsunterschlagung und Betrug, serner Ab- erkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von zwei Jahren. Räch den Plädoyers der verleidiger, die Freisprechung bean- traglen, und nach fast dreistündiger Ucleileberalung verkündete das Gericht eine Gefäagnisstraste von zwei Monaten wegen Betruges und Amlsunterschlagnng und aus Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von zwei Zahren. Die Anklage in mehreren Punkten mußte fallen gelassen werden, aber die zweimalige Benutzung des amtlichen Tele- phons zu angeblichen Privatgesprächen wurde als Betrug angesehen. In einigen anderen Fällen konnte das Ge- richt den Nachweis des Betruges nicht erbringen. Die Entnahme einiger Probeschulbücher aus dem Landesamt wurde als Unterschlagung angesehen, obwohl die Bücherei allen Be- amten des Amtes offengestanden Halle. Die Urteilsbegründung war in einem äußerst beleidigenden Ton geHallen: man sprach dem Angeklagten Feingefühl, Takt und Wahr- h e i t s l i e b e ab, während man dem Kronzeugen Köhler, der früher aus dem Lehreramt ausgeschieden war und sich dann in Vitt- briesen bei Stölzel um Anstellung beworben Halle und nach Aus- nähme im Landesschulamt die systematische Bespitzelung Stölzes über- nommen Halle, die volle Glaubwürdigkeit zuerkannte. Daß politische Motive beim Urteil maßgebend gewesen seien. wurde selbstverständlich bestritten. Aber die Bevölkerung wird zweifellos dieses Urtell als politischen Racheakt betrachten. * Wir nehmen an. daß die Brannschweiger Richter selbst damit rechnen, daß dieses Urteil angefochten werden wird. Es ist schwer, zu glauben, daß Richter, die derartige Urteile fällen, nicht bewußt das Recht beugen. Es gibt für dies Urteil nur eine Erklärung: Stahlhelmjustiz! Haben wir überhaupt noch eine„Rechtssprechung in Deutschland? Der Mißbrauch des Richteramts zur Be- kämpfung politischer Gegner hat den letzten Rest von Ver- trauen in die deutsche Justiz zerstört. Die schönsten Reden des Reichsjustizministers retten diese politische Justiz nicht mehr vor dem Verdammungsurteil des Volkes. tzitlers Helfer. Zuchthäusler, Spion, fahnenflüchtig und— DiskussiouS- redner beim Volksbegehren. Augsburg. 8. März.(Eigener Drahtbericht.) Im Kampf' um das Volksbegehren tauchte in bayerischen Versammlungen in den letzten Wochen ein gewisser Hans Ringler aus Augsburg als Diskussionsredner auf, der die Zuhörer durch fein unreifes Gerede belästigte. Als er das am Freitag abend auch in einer Augs- burger Versammlung versuchte, wurde ihm vom Versammlungsleller folgende Frage zur Beantwortung vorgelegt:„Ob Hans Ringler mit einem Mann identtsch sei, der seinerzell fahnenflüchtig ge- wesen sei, der im besetzten Gebiet in den Diensten der Fran- z o s e n gestanden, vor nicht langer Zeit eine zweijährige Zuchthaus st rase verbüßt und auch sonst noch allerlei auf dem Kerbholz habe?" Die Versammlung lehnte es daraufhin ab, ihn olS'- Diskussionsredner anzuhören. Dieser Hans Ringler ist oerantwort- licher Schriftleiter und Verlagsvertreter des„Kampfblall der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutsch. lands",„Der Hakenkreuzler". Dieses Blatt ist ein in Innsbruck gedrucktes Organ Adolf Hitlers: sein Verlag befindet sich in Berlin RW._ vi« Landsberger Siaaksaowalkschast hat beantragt, die Fem e- mordangeleyenbeit Schigburr und Genossen an den Staats- gerichtShof zu überweisen, da in diesem Bersahren auch Anklage wegen Hochverrats erhoben werden soll. ist aber nicht nur in der polttischen Zeichnung ein großer Revolutionär gewesen, sondern auch in der Kunst der Malerei. Und man erkennt auch hier sein Genie und sein menschliche» Herz: so auf- rührerisch vereinfacht und unakademisch diese Tafeln für seine Zeit waren, so herrliche Malerei sie darstellen— erschütternder noch ist die Gesinnung, die aus ihnen spricht. Die Menschengüte und das Erbarmen mit den Bedrängten, der Haß gegen Volksbetrüger und Drohnentum reden darin eine höchst eindrucksvolle Sprache. Roch gewaltiger als in den Karikaturen reckt sich hier die Lim« als an- klagender Schrei, unterstützt von dem schwermutsvollen Samt- dunkel der Farben. Und wenn man Daumiers Karikaturen mik Michelangelo verglichen hat, so trifft dies auch auf Gemälde und Zeichnung zu. Die Wucht der Charakteristik, das stumme PathoS der Gebärden heben diese kleinen Werke über alle französische Malerei heraus und lassen sie uns verwandter und zeitgemäßer erscheinen als der Zeit ihrer Entstehung, der des Bürgerkönigtums und des zwellen Napoleon. P. F. S. Emil Warburg zum 80. Geburtskag. Der Senior der deutschen Physiker, der erst vier Jahre im Ruhestand lebende Emil Warburg begeht heute(9. März) in voller geistiger und seltener körperliche» »Frische seinen 80. Geburtstag. Zuerst wirkte er in Stroßburg, zu- jammen mit August Kundt, mit dem er eine Reihe wichtiger Ar- bellen ausführte. Es seien nur die über die spezifischen Wärmen des Quecksllberdampfes genannt(1875), aus denen auf die Einatomigkell des Moleküls dieses Elementes geschlossen wurde. 1870 wurde War- bürg nach Freiburg berufen, wo er fast 20 Jahre wirkte, bis er nach dem Tode Kundts(1894) dessen Nachfolger in der Leitung des Physikalischen Instituts an der Berliner Univer- s i t ä t wurde. In dieser Stellung blieb er 10 Jahre, um dann die Leitung der Physikalisch. Technischen Reichsanstalt zu übernehmen, von der er erst 1922 zurücktrat. Seine fruchtbare Tätigkeit zeigte sich nicht nur in zahlreichen wertvollen Arbeiten, die auch nur anzudeuten in knappem Rahmen unmöglich ist. In dem letzten eben vergangenen Jahrzehnt seines Lebens hat Warburg be- sonders aus dem Gebiet der chemischen Wirkung des Lichtes gear- bellet. Besondere Verdienste hat er sich auch um die Begründung der Bcleuchtungstechnischen Gesellschaft erworben, sowie um die Um- Wandlung der Berliner in eine Deutsche Physikalisch« Gesellschaft, deren Vorsitzender er lange Jahre gewesen ist, und deren Ehren- Mitglied er an seinem 70. Geburtstag vor 10 Iahren geworden ist Auf der kürzlich stallgehabten Tagung der Pbnsiter in Danzig konnte er nach eben bestandener Augenoperation noch in voller Frisch« einen wissenschaftlichen Vortrag halten, und so ist zu hoffen, daß er noch weitere Jahre als Pionier der Naturwissenschaft wirken wird. _ Et. Vi« volksbilhve veranstaltet am 14. mittags'/,12 Ubr. im Tieater am Bülowplatz eine Beetbovenmatinee. bei der die Kapelle der Staatzober unter Leitung von Keneralmufikdireltor Erich Sleiber die VI. Symphonie tPaltorale) und Musik auS dem»Prometheus� zur Auf» sührung bringen wird. Vorlesung Alexander Sraroch._ Der Vortrags abend, den Alexander Granach auf Einladung der VollSdühn« am 10. März veranstaltet, findet im Rlllerlaal der Oper am KLnigZPlah stall und beginnt püillllich U« L Uhr. Smlatztarteu SO Pj. wie die �ohenzollern enteigneten. Tie„Deutsche Tageszeitung" liefert Argumeute für die Enteignung. Die„Deutsche Tageszeitung", das Berliner deuts6)nationale Organ, liefert in ihrer Nummer vom 25. Februar 1926 einen instruktiven Beitrag zum Thema, wie die Hohenzollern zu Vermögen kamen. Sie schildert das Schloß in Friedrichsfelde, das sich jetzt im Besitz der Familie von Treskow befindet. Das Schloß war ursprünglich im Besitz der ch o h c n z o l l e r n, die es je- doch verkauft haben. Wie sind aber die Hohenzollern zu diesem Besitz gekommen? Es gehörte einst dem Generaldirektor der kurfürstlich brandenburgischen Marine, Benjamin Raule, der das Gut Rosenfelde erwarb und dort das Schloß erbaute. Ueber den B e f i tz w e ch f e l heißt es in der „Deutschen Tageszeitung": „Nach des Kurfürsten Tode fiel Raule durch die Intrigen seiner Neider in Un g n a d e. Sein Besitz und sein Vermögen wurden konfisziert. Friedrich III. nahm Rosenfelde in B e- s i tz und änderte seinen Namen in Friedrichsfelde um: dorthin ließ der Herrscher auch diewertvolleEinrichtungausRaules Berliner Wohnung bringen." Nach dem Zeugnis der„Deutschen Tageszeitung" haben die Hohenzollern Benjamin Raule entschädigungslos enteignet, und zwar zu ihren Gunsten. Der Gegenwert für die wertvolle Besitzung, die sie später veräußert haben, gehört heute zu ihrem „u n b e st r e i t b a r e n P r i v a t v e r m ö g e n". Es geschieht den Hohenzollern nur recht, wenn sie heute durch das Volk zugunsten des Volkes enteignet werden, nachdem sie ein so eklatantes Beispiel eines„Eingriffs in das Privat- e i g e n t u m" eines Privatmannes zu ihrer Bereicherung ge- geben haben._ Deutsch nationaler Terror. Unzulässige Spitzelmanövcr der Fürstenpartei. Die Deutschnationalen suchen mit plumpem Terror die be- trogenen Sparer und Kleinrentner davon abzuhalten, sich für das Volksbegehren einzuzeichnen. Wie wir bereits mitteilten, haben sie in Potsdam an den Einzeichnungsstellen söge- nannte„Auskunftspersonen" aufgestellt. Was sie damit be- zwecken, zeigt eine Kundgebung des deutschnationalen Landes- Verbandes Potsdam I in der„Potsdamer Tageszeitung", in der es heißt: „Wer seinen Namen einträgt, macht sich mitschuldig an diesem Raubzuge und fördert nur die politischen Ziele der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei. Die Kreis- und Ortsgruppen des Landesverbandes Potsdam I der Deutschnationalen Volkspartei werden gebeten, an den Einzeichnungsstellen während der Einzeichnungsstunden Aufsichtspersonen aufzu- st e l l e n, um etwaige Unwissende oder Unschlüssige Über den wahren Zweck des Volksbegehrens aufzuklären." Die„A u f k l ä r u n g" soll in der Bespitzelung bestehen. Daß diese Bespitzelung unzulässig ist, ist keine Frage. Noch plumper treibt es der L a n d b u n d. Im„Land- bund", dem Landbundorgan für die Grenzmark Posen- West preußen, findet sich die folgende Landbundbekannt- inachung für den N e tz e k r e i s: "--«F urstenenteignung. Die Listen werden vom 4. bis ITüiRürz bei den Gemeindevorstehern zur Eintragung ausliegen. Behufs Aufstellung einer Statt st ick bitten wir unsere Ortsgruppenführer, uns am 17. März mitzuteilen, ob sich irgendwelche Landwirte in die Listen eingezeichnet haben, um den Diebstahl zu unterstützen." Die Durchführung dieser Terroraktion setzt voraus, daß die Gemeindevorsteher den Ortsgruppenführern des Land- bundes Einsicht in die Listen geben. Das ist eine grobe Pflichtverletzung! Dagegen muß ebenso scharf wie gegen jeden Sabotageversuch eingeschritten werden. Trotz aller Landbundbemühungen aber zeigt sich auch auf dem Lande, daß die Landbevölkerung gut oersteht, daß der Diebstahl der Fürsten am Volk verhindert werden muß._____ �rbeitsmvaliöe und Furftenvermögen. Tie Fürsten wollen den Betrag aller Invalidenrenten für sechs Jahre. Das zur Abstimmung stehende Gesetz zur Enteignung der Fllrstenvermögen sieht unter anderem vor, daß das enteignete Ver- mögen auch zugunsten der Arbeitsinvakiden, d. h. der Sozialrentner, mit verwendet werden soll. Die Fürsten ver- langen vom deutschen Volke 2,6 Milliarden Goldmark. Ein Ver- gleich mit dem Renteneinkommen eines Arbeitsinva- l i d e n zeigt die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Fürstenforderungen. Nach der Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums zählte die Invalidenoersicherung 1924/1925 an Arbeitsinvaliden 1600 000. Invalidenrente erhält der Versicherte, der das Alter von 65 I a h r e n vollendet hat oder infolge von Krankheit oder anderen Gebrechen dauernd Invalide ist. Als Invalide gilt, wer nicht wehr imstande ist, durch eine Tätigkeit, die seinen Kräften und Fähig- leiten entspricht und ihn unter billiger Berücksichtigung seiner Aus- bildung und seines bisherigen Berufes zugemutet werden kann, einDritteldessenzuerwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in der- selben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Die Invalidenrente besteht aus: Reichszuschuß, Grund- betrag und Stcigcrungsbetrag. Der Steigerungsbetrag richtet sich nach der Zahl und der Höhe der geleisteten Beiträge. Er beträgt für Beiträge, die bis zum 30. September 1921 entrichtet sind, in der Lohnklasse II 2 PH. Lohnklasse III 4 Pf.. Lohnklasse IV 7 Pf. und Lohnklasse V 10 Pf. Für die Zeit des Währungsverfalls. 1. Ottober 1921 bis 31. Dezember 1923, werden Stcigerungsbeträge nicht gewährt. Für die vom 1. Januar 1924 geleisteten Beiträge werden �20 Proz. der Gesamtsumme als Steigerungsbetrag gewährt. Die Berechnung der Invalidenrente mag folgendes Beispiel zeigen: ...............................— M. Grundbeirag 163,—„ Aor dem 1. Oktober 1921 cnsticktete veiträa«: 160 in Lohullasse I mal 0 Pf. Steigerungsvetrag II. 2. 150 30 224 827 III IV V 4 7 10 '' v„„» vom 1. Januar 1924 ab wurden insgesamt 60— M. an Beiträgen entrichtet, davon aISSte>gtrungSbetrag20°/� 3,— 1,20 15,68 32,70 12.— Tie Jahresrente belrägt milhin 304.53 M. oder im Monat 25.40 M. Hot der Empfänger einer Invalidenrente Kinder unter 18 Jahren, so erhöht ssch für jedes Kind die Invalidenrente um monatlich 7,50 M.(Kinderzuschuß.)__ Die Denkschrift des Reichsarbeitsministers erklärt: Die Inva- lidenrente beträgt jetzt mindestens 20 M., im Reichsdurchschnitt 25 M. und für Industriearbeiter 30 M. im Monat. Unter Zugrundelegung des Reichsdurchschniltes bedeutet die Fürftensorderung. daß von dieser Summe die 1 600»00 Arbeits- invaliden in Deutschland beinahe 6 3ahre davon leben müssen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat am 12. Dezember vorigen Jahres einen Antrag eingebracht, der eine Erhöhung dieser unzulänglichen Renten vorsieht. Reichsregierung und bür- gerliche Parteien erklären: Es ist kein Geld da. Für die Arbeitsinvaliden, die zwei Drittel ihrer Arbeitsfähigkeit eingebüßt haben, nichts, die gesunden Fürsten aber fordern Milliarden. Der Dolksenlscheid ist daraus die passende Antwort. Reaktionäre Justiz gegen Volksbegehren. Ter Münchener Staatsanwalt beschlagnahmt in Berlin. Auf Anforderung der Münchener Staatsanwaltschaft sind in den Räumen der Viva in Berlin rund 30 WO Exemplare einer kommunistischen Agitationsbroschüre für das Volksbe- gehren beschlagnahmt worden. Durch Wolff-Bureau wird mitgeteilt, daß die Beschlagnahme erfolgt sei, weil diese Broschüre eine„Aufforderung zur Ermordung Viele Kunckerttaufencke haben sich bereits in den ersten Tage« in die Listen für das Volksbegehren eingezeichnel. Itt VeSn IHaim dabei? Warum hast Du Deine Pflicht für das Volk noch nicht erfüllt? Warum bist Du säumig? Muf zw Sinseielmung! der Fürsten"(!) enthalte. Die einzige Stelle dieser Bro- schüre, die den Anlaß zur Beschlagnahme mit solcher Begrün- dung gegeben haben könnte, sieht so aus: „Für uns Kommunisten handelt es sich um das revolutionäre Recht. Das französische Volk schickte in der großen R e- Solution seine Peiniger auf das Schafott. Es nahm ihnen ihren Besitz, und es nahm allen Besitz der Rebellen gegen die Revolution, den Spekulanten, die die Rot des Volkes aus- beuteten, und allen FeindendesVolkes. 1848 erzwangen die Pariser Arbeiter, daß die Ziviliiste sofort von der Revolutionsregierung beschlagnahmt und zur Unter st ützung der arbeitslose n verwandt wurde. Das sollen unsere Vorbilder sein. Auch von B is m a r ck soll das deutsche Volk lernen, der im Jahre 1866 den entthronten Fürsten das Vermögen wegnahm, um ihnen die Munition am Kampfe gegen die Revolution von oben zu nehmen und aus dem Welsensonds selber ein politisches Kampsmittel zu machen." Das soll eine Ausforderung zur Ermordung der Fürsten sein? Gegen offene Aufforderungen, zu Morden an deutschen Republikanern ist die reaktionäre Münchener Staatsanwalt- fchaft niemals eingeschritten. Niemand in der großen Bolls- bewegung denkt daran, die Fürsten zu ermorden. Aber ent- eignet sollen sie werden, damit das Volk ihnen nicht auch noch die Mittel liefert, staatsstretchlerifche Bewegung, die mit Terror und Mord arbestet, zu unterstützen. Das Ganze ist ein Streich von reaktionären, fürstendienerischen Iustizbeamten gegen den Willen des Volkes. Nun erst recht Einzeichnung für das Volks- begehren!_ Schutz öem Volksbegehren! Anweisungen des Reichsinucnministeriums und des preustischc» Innenministeriums. In einem Runderlaß des Preußischen Ministers des Innern wird auf ein Rundschreiben des R e i ch s m i n i st e r s des Innern an die Landesregierungen vom 5. d. M. hingewiesen, aus dem der Amtliche Preußische Pressedienst die folgenden Punkte mit- teilt: Die Abschlußarbeiten der Gemeinde- und unteren Ber- waltungsbehörden sind so zu beschleunigen, daß die Abstim- inungeleiter tunlichst am Abend des 20. März im Besitze der Mel- düngen sind. Tie Behandlung der Einsprüche. Die Behandlung der Einsprüche ist nach Möglichkeit zu b e- schleunigen. Es ist darauf hinzuwirken, daß die Einsprüche wegen Nichtzulassung zur EinlragunL späte st ens am 2 4. März, für Gemeinden mit nachträglicher Prüfung der Eintragsberechtigung spätestens am 28. März erledigt sind. Einsprüche, denen die Gemeindebehörde erst nach Ablauf der Eintragungsfrist stattgegeben hat oder die erst nach Abiaus der Einüagungssrisi von der Aus- sichtsbehörde für begründet erklärt worden sind, sind einer innerhalb der Einlragungsfrist erfolgten Eintragung gleich zu achten. Die Zahl derartiger Einsprüche haben die Gemeindebehörden bis spätestens 29. März dem Abstimmungsleiter unmittelbar mitzuteilen. Um ihre Summe, erhöht sich in den einzelnen Gemeinden die Zahl der als gültig anerkannten Unterschriften. Severins gegen Sabotage. Abberufung eines Landrats. � Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Der Landrat Braun in Arnswalde ist von seinem Posten abberufen und als Regierungsrat an die Regierung Köln versetzt worden. Die Abberufung ist erfolgt, weil der Landrat die Fürsorgepslichtverordnung in seinem Kreise nicht durchgeführt hat. Daneben ist für die Entschließung des Staatsministeriums nicht von unwesentlicher Bedeutung die Tatsache ge- wesen, daß der Londrat aus sei» K r e i s b l a t t, das das Volks- begehren als„D i e b st a h l" kennzeichnen zu können glaubte, zu wenig Einfluß besitzt, um derartige Entgleisungen zu ver- hindern._ Maschinengewehre gegen Erwerbslose. Ein ungeheuerlicher Vorfall in Darmstadt. Darmsladt, 8. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag morgen begab sich eine Deputation von Erwerbslosen zum Stadthaus in Darmstadt, um dort über eine Erhöhung der Bezüge durch örtliche Zulagen, wie sie bereits in anderen hessischen Städten gewahrt werden und wie sie für Darmstadt auch zugesagt waren, zu verhandeln. Dabei entstand vor dem Stadthaus eine Ansammlung von Erwerbslosen und Neugierigen. Ihre Zahl mag etwa 200 betragen haben. Es wäre, wenn es wirklich notwendig gewesen wäre, der blauen Polizei leicht gewesen, die Menge ohne Anwendung besonderer Mittel zu zerstreuen Es er- schien jedoch plötzlich schwerbewaffnete Schupo in großer Menge zu Fuß und aus tastwagen. Bald erschien auch das Panzerauko und ein Zug zu Pferde. Ein Maschinengewehr wurde in Stellung«e- bracht und ein? Abteilung nahm in Zwei Gliedern Ausstellung und legte die Karabiner schußbereit an. Durch ausgeschwärmte Schupo- leute wurde die Straße geräumt. Die Menge leistete keinen Wider- stand. Durch das Auftreten der Schupo wurde die Ansammlung nur noch verstärkt, das Verhalten der Schutzpolizei gab Veranlassung zu großer Erregung. * Als die Winzer in Bernkastel ihren Sturm auf das Finanzamt unternahmen und die Einrichtung samt den Akten demolierten, schrieb die bürgerliche Presse zwar sehr viel über die Not der Winzer, über die kriminelle Seite der Angelegenheit dagegen ging man mit Stillschweigen hin- weg. Eine ähnliche Stellung nahmen die bürgerlichen Par- teien bei der Interpellation im Reichstag ein. Die einzige Folge des Gewaltaktes der Winzer blieb ein voller Erfolg. Die Regierung ordnete sofortige positive Hilfsmaß- nahmen an. Genosse K i r s ch m a n n wies im Verlauf der Winter- debatte darauf hin, daß die bürgerlichen Parteien weit weniger milde urteilen, wenn es sich um Erwerbslose handelt. Die Vorgänge in Darmstadt, die sich hoffentlich anderenorts nicht wiederholen werden, beweisen, wie notwendig die Kritik an dem Verhalten der bürgerlichen Parteien war. Das Ver- halten der Schutzpolizei war so unbegründet, daß es nur einen Sinn bekommen konnte, wenn es einen provokatori- s ch e n Zweck verfolgte. Ebenso unsinnig und bedauerns- wert wie jede Ausschreitung der erwerbslosen Opfer der Wirt- schaftskrise ist ein bewaffnetes Vorgehen gegen erwerbslose Demonstranten. Die Arbeitslosen haben ihr schweres Los bis- her mustergültig getragen. Es wäre unverantwortlich, ihnen gegenüher zu Mitteln zu greifen, die man den gewalttätigen Winzern gegenüber für unangebracht hält. Man darf er- warten, daß die hessische Regierung eine strenge Untersuchung des Vorfalles einleitet und die etwaigen Schuldigen zur Rechen- fchaft zieht. Großzügsge Hilfe für öle Winzer. Der Winzerausschuß des Reichstages trat nach dem Plenum zu einer kurzen Sitzung zusammen, um den Arbeitsplan festzulegen. Es wurde beschlossen, folgende Gegenstände nach- einander zu behandeln: 1. Aufhebung der Weinsteuer, 2. Notstandskredite, 3. Steuerfragen, 4. die Höhe der Wein- zolle bei künftigen Handelsverträge», 5. A m n e st i e, 6. Maß- nahmen zur Absatzverbesserung, 7. Aenderung des Wein- gesetzes, 8. Sonstiges. Die nächste Sitzung des Ausschusses findet am Mittwoch vormittag statt. Um üie KabineSsbilöung in Paris. Wiederkehr Bnands?— Kabinett der Mitte oder des Linkskartells. Paris. 8. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Präsident der Republik hat am Montag vormittag, nachdem er zuvor den Bericht Briands über die Besprechungen in Genf entgegengenommen hatte, die bei einer Kabinettskrise üblichen Beratungen begonnen und die Präsidenten von Kämmer und Senat, de Selvcs und Herriot. und im Laufe des Nachmittags die Vorsitzenden der beiden Finanz- kommisstonen empfangen. Sämtliche Politiker haben sich geweigert. über den Verlauf ihrer linterredungen mit dem Präsidenten irgend- welche Erklärungen abzugeben. In den unterrichteten Kreisen ni-vmt man an. daß der Präsi- dent seine Wahl nicht vor Dienstag vormittag treffen wird. In der Presse dauert das Rätselraten über die Person des künftigen Ministerpräsidenten fort. Es kann als ziemlich sicher angenommen werden, daß der Präsident sich zunächst an B r i a n d wenden wird mit dem Ersuchen, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Erst wenn, wie allgemein angenommen wird, Briand ablehnen soiüe, dürste die Frage akut werden, ob ein Ministerium der bürgerlichen Mitte oder des Links- k o r t e l l s gebildet werden soll. Zweifellos handelt es sich dies- mal, wie vielfach hervorgehoben wird, nicht so sehr um die Per- sonen der neuen Minister als um ein genau umrissenes p o l i- tisches Programm. Aber gerade auf diesem Gebiet gehen in den Parteien selbst die Meinungen sehr auseinander. Die radikal soziale Partei hatte am Montag beide Fraktionen von Kammer und Senat zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem Parteivorstand einberufen. Hierbei sind die Gegensätze innerhalb dieser Partei wieder scharf auseinandergeprallt. Zu einem B e- s ch l u ß der Radikalsozialisten ist es noch nicht gekommen. Aber bemerkenswert ist, daß die Anhänger des K a r t e l ls sich einstweilen große Zurückhaltung auferlegt haben. Dagegen haben sich die republikanischen Sozialisten, die Gruppe, der Briand selbst angehört, sehr entschieden zugunsten der Wie- deraufnahme der Kartell Politik ausgesprochen und beide anderen Gruppen zu einer gemeinsamen Besprechung der Lage eingeladen. Mussolini': öe? Mörder Matteottis. Tumiuiö Geständnis. Paris, 8. März.(Eigener Drahtbericht.) Di« italienische Emi- grantWzeitung„Corriere dcgli Italiani" druckt den ihr aus Rom zugegangenen Schriftsatz gegen Dumini und seine Helfershelfer ab, die die Rechtsbeistände der Witwe und der Söhne Matteottis bei der Strafkammer in Rom eingereicht haben. Das eindrucksvolle Schriftstück enthält die unwiderleglichen Beweise für die Anstiftung der Ermordung unmittelbar durch Mussolini. Sie enthält insbesondere den Wortlaut der Aussage D u m i n i s gegenüber Filipelli am Abend des Mordtages, die dieser im letzt?» Slugenblick vor dem Abschluß der Voruntersuchung wieder- holte:„Es ist etwas sehr Ernstes passiert. Malieolli ist lol. Wir haben ihn aus Befehl Rosiis und Blussolinis gesaßt. Sie haben uns gesagt, sie hätten den strikten, unwiderruflichen und unzweideutigen Befehl vom Ministerpräsidenten Mussolini." Diese Aussage Duminis stimmt mit der Rossis und Mvrinellis gegenüber dem Senator de Bona vom 18. Juni 1924 wörtlich überein, der damals Direktor der öffentlichen Sicherheit war und die gleiche Aussage vom ersten Tage der Untersuchung an wörtlich aufrechterhalten hat. Das italienische Innenministerium hat eine strenge Untersuchung gegen die Schuldigen eingeleitet, die Rossi über die Grenze nach Frankreich entkommen ließen. Damit wird die Meldung von Farinaccis Organ Lügen gestrast, der behauptet hatte, die Polizei habe Rossi ruhig fahren lassen. Vor einer Operatton Mussolinis. Der Vorstand der Universi- tötsklinik in Prag,' der bekannte Chirurg, Professor Haberer. ist telegraphisch nach Rom berufen worden, um einem ärztlichen Konzil beizuwohnen, das über die Möglichkell einer Operation an Mussolini peraten soll,.......... Gewerkschaftsbewegung Holzarbeiter! Verbandsmitglieder! Ihr müßt zur Wahl gehen! Heute von 4% bis 7 Uhr findet in den bekannten Cofalen, die im Mitteilungsblatt fowie im Flugblatt angegeben sind, die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung ftatt. Von der Zusammensetzung der Generalversammlung, die die Vertretung der Mitglieder ist, hängt das Geschick der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes ab. Wer heute nicht zur Wahl geht, begibt sich für ein ganzes Jahr des Rechts der Mitbestimmung in Angelegenheiten feiner Organisation. Wer heute nicht für die Lifte I Amsterdam einfriff, für fie wirbt und stimmt, der unterstützt die Wahl der kommunistischen Liste. Die Wahl von Kommunisten ist gleichbedeutend mit der Entrechtung der Mitglieder, mit dem Raub des Selbstbestimmungsrechts. Die kommunisten haben nicht das Recht, über die Geschicke, die Taftit und die Methoden der Organisation zu bestimmen. Darüber bestimmt allein mosfau. Die fommunistischen Fraktionsredner, die Kandidaten der Lifte II, sind nur Marionetten in der Hand der fommunistischen Drahtzieher. Die kommunisten müssen auf einen Befehl von Moskau einschwenken wie Refruten. Wer für die Freiheit und Unabhängigkeit seiner Organisation ist, wer sein Mitbestimmungsrecht wahren will, der stimmt heute für die Liffe I Amfterdam. Der Staat und seine Beamten. Erklärung des UDB. Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat auf feiner Sigung am Sonntag folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund hat es seit seiner Gründung als feine vornehmste Aufgabe betrachtet, die Beamtenkreise zu sammeln, die nicht nur ein Lippenbekenntnis zur Republik ablegen, sondern mit ihrer inneren Ueberzeugung und ihrem Herzen zur Republit stehen. Der ADB. hat in Wort und Schrift von der Beamtenschaft die freudige Bejahung der republitanischen Staatsform gefordert und zu jeder Zeit und mit allem Nachdruck gegen die Verächter und Schmäher der Republit unter der Beamtenschaft Front gemacht. Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes begrüßt deshalb auf's freudigste, daß der neue Reichs innenminister in seiner Reichstagsrede flar und eindeutig von den Beamten die Bejahung der republikanischen Staatsform gefordert und zweifelsfrei herausgestellt hat, daß Beamte, die die Republik und ihre Symbole schmähen oder verächtlich machen, sich unwürdig des Dienstes am Bolke zeigen. Der Bundesausschuß erwartet vem Reichsinnenminister, daß er alle ihm zu Gebote stehenden Mittel anwendet, um die Behörden von den die Republik offen und versteckt verneinenden Elementen zu reinigen. Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes begrüßt die Ankündigung des Ministers, daß bei der Re= form des Beamtenrechts die Rechte der Beamten so ge= regelt werden sollen, daß auch der Schein jeder Willkür vermieden wird und die persönlichen und dienstlichen Verhältnisse der Beamten überall durch flare Rechtsansprüche gesichert werden. Darüber hinaus müssen aber auch die Widerstände beseitigt mer den, die von Borgeseßten in maßgebenden Stellen den republiftreuen Beamten ins geheim entgegengesetzt werden, ohne daß sich dienstliche Berstöße feststellen lassen. Dieser Drud, unter dem viele republikanische Beamte seufzen, fann nur dadurch von ihnen genommen werden, daß die Personalreferate mit zuverlässigen Republikanern befeßt werden. Weite Kreise der Be amtenschaft, die bei ihrer jezigen Abhängigkeit von ihren republik. feindlichen Borgesetzten mit der wahren Meinung zurüdhalten müssen, werden dann offen und frei mit ihrem Bekenntnis aur republitanischen Staatsform hervertreten. Die Entrechtung der technischen Angestellten. Eine Kundgebung der technischen Angestellten, von dem Bund der technischen Angestellten und Beamten, dem Deutschen Werk meisterverband und dem Deutschen Polier-, Berk- und Schachtmeister bund veranstaltet, nahm am Sonntag vormittag im großen Saal des Lehrervereinshauses Stellung zu der gegenwärtigen Lage der technischen Angestellten. Anlaß dazu gab die Ablehnung der berechtigten Forderung der technischen Angestellten nach Aufhebung der Konkurrenzflaufel und Gleichstellung mit den anderen Arbeitnehmergruppen durch den Reichstag am 22. Januar. Daß die technischen Angestellten nicht gemillt sind, sich damit zufrieden zu geben, zeigte der zahlreiche Besuch dieser Protestkundgebung. Zuerst sprach Ingenieur Otto Schmeißer über die Bedeutung der Technik und also der technischen Angestellten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands. Die Industrie beklagt sich immer wieder über die mangelnde Konturrenzfähigkeit; aber Hilfe in Hochschutzöllen zu leiften, die die Preise für Industrieerzeugnisse im Lande ungebühr lich in die Höhe treiben und im Auslande durch die Ueberschüsse, die durch den Inlandabjazz erzielt werden, ein Dumping ermöglichen, zeugt von der Kurzsichtigkeit der deutschen Unternehmer. In Wahr heit sieht es so aus, daß eine durch hochschutzölle ver armte Bevölkerung überhaupt taum noch Umfäße ermöglicht, während andererseits das Ausland mit wesentlich vervolle tommneten Produktionsmethoden diesseits wie jen seits der Grenzen ein scharfer und meist überlegener Konkurrent bleibt. In der Inflationszeit trugen die deutschen Waren den Stempel billig und schlecht". Jezt ist diese Zeit vorbei; quantitativ sind wir nicht mehr fonfurrenzfähig, dazu ist die Industrialisierung der Länder zu weit fortgeschritten. Qualitativ aber tönnen und müssen wir wieder Einfluß auf den Weltmarkt gewinnen. Das ist aber nur möglich, wenn wir wieder eine hoch wertige Technik heranzüchten, wenn wir uns arbeitsfähige und arbeitsfreudige Technifer schaffen. Hierauf nahm Dr. Croner Stellung zum eigentlichen Thema der Kundgebung. Die Entrechtung der technischen Angestellten besteht, feitdem es überhaupt technische Angestellte gibt. Seit dreißig Jahren etwa fämpfen diese um ihr Recht, um das, was anderen Angestellten längst gewährt wurde: um volle Gehaltszahlung während der ersten sechs Wochen in Krankheitsfällen, um Gehaltszahlung spätestens am Ende jedes Monats, und um Beseitigung der vom Redner mit Recht als„ unsittlich" bezeichneten Ronkurrenz klausel, die eine unerhörte Knebelung der technischen Angestellten bedeutet und sie außerstande sezt, ihre Kräfte und Fähigkeiten so nutz- und gewinnbringend wie möglich zu verwerten. Des weiteren ist eine völlige Reform des Erfinderrechts unerläßlich. Heute liegen hier die Dinge so, daß der Angestellte, der eine Erfindung macht, weder wirtschaftlichen Nugen noch selbst die Ehre der Erfindung hat. Seine volle Arbeitskraft, förperlich wie geistig, gehört dem Betriebe, der als seine" Erfindung das Werk seiner Angestellten in die Welt gehen läßt. Gefeßliche Sicher stellung des gebührenden Anteils des entwerfenden oder erfindenden Angestellten an der Ausnutzung des Entwurfs oder der Erfindung" hieß die Forderung des Redners, der die Versammlung lebhaft zustimmte. Eine Resolution, die die dringenden Wünsche der technischen Angestellten noch einmal zusammenfaßte. und an die Parteien des Reichstags das dringende Ersuchen um Unterstützung dieser Forderungen richtete, die mit Hilfe des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes am 22. Januar fabotiert wurden, wurde einstimmig angenommen und beschloß diese machtvolle Rundgebung. Ein Hugenberg- Misionar. Der vaterländische" Angestelltenverein Siemens werte", Verwaltungsgebäude, hatte zum 4. März eine Werbeversammlung einberufen, in der ein Dr. Erich Schmidt die Ziele und Zwecke der Angestelltenbewegung erläutern follte. Der Besuch war schlecht und der Referent nicht besser. Gewiß haben fleißige Versammlungsbesucher schon manches als Rede" über sich ergehen lassen müssen, doch diese wissenschaftlichen Ausführungen in einem Aufbau à la bunte Schüssel hätten stenographisch festgehalten werden müssen. Vielleicht würde Herr Dr. Schmidt von Lachen links" als Mitarbeiter angenommen werden. Einige Proben: # Durch die Gewerkschaften sind die Arbeiter ent mün digt. Trotzdem sämtliche sozialpolitischen Gesetze der Nachkriegszeit von Sozialdemokraten und Gewertschaftsjefretären z. B. dem Arbeitsminister Brauns erlassen" seien, seien die sozialen Verhältnisse schlechter als früher. Früher war doch ein persönliches und freundlicheres Verhältnis zwischen Arbeitern und Unternehmern, als seit dem nach der Revolution die Gewerkschaften den Klaffen tt ampf herbeigeführt haben. Der Vorwärts" habe felbst geschrieben, daß Deutschland vor dem Kriege die fürzeste Arbeitszeif und dabei die höchsten Löhne der Welt hatte.( Die Num mer des„ Borwärts" wußte Dr. Schmidt nicht mehr. Sie ist auch noch nicht erschienen. Red. d. V.) Die Entlohnung muß sich richten nach der Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Und so weiter. Daß der Referent dabei die Millionen Subventionen der Barmats, die 8-10mal so hohen Gehälter der Herren Gewert schaftsfunttionäre", auch die Terrorherrschaft der Bewertschaftsbetriebsräte" nicht vergaß, versteht sich nach solcher Fülle von Wissenschaft und Sachkunde genau fo ficher, mie Dummheit und Mangel an Grundsäßen sich stets mit Gewiffenlosigkeit vereinen werden. In einer recht lebhaften Diskussion wurde dem Herrn ,, Kameraden" Dr. Schmidt recht eindeutig flar gemacht, daß die Auffassungen der Angestellten über die Stellen, denen der Respekt vor Treu und Glauben und die Liebe zu Bolt und Baterland beigebracht werden müssen, daß die Anschauungen der Angestellten schaft über die Begriffe soziale Notwendigkeiten und vernünftige Bolfswirtschaft doch sehr weit von denen abweichen, die Herr Hugenberg ihn zu predigen beauftragte. In die Enge getrieben, geftand der zum Schluß ganz erheblich durcheinandergeratene, o merad Dr. Schmidt, daß er für seine Arbeit von feiner Seite bezahlt würde, daß er auch mit Geisler nichts zu tun hätte, fendern daß er von der Telunion angestellt sei, d. h. der gute Kame rab, der Herr Dr. Schmidt arbeitet im Auftrage des Menschenfreundes und Miterfinders des patriarchalischen Verhältnisses zwi schen Arbeitgebern, Arbeitern und Angestellten, dem bekannten Phylantropen, Herrn Hugenberg. a= Es war fein Wunder, daß der verzweifelte Doftor zum Schluß gelobte, nie wieder würde er sich mit seinen Gegnern in der Diskussion, d. h. mit den Vertretern der freien Gewerkschaftert in Auseinandersetzungen einlassen. Es war nach allem nicht verwunderlich, daß der Punkt 3 der Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder, stillschweigend abgesetzt wurde, trotzdem der Vorsitzende bei der Eröffnung der Versammlung darauf verwiesen hatte, daß die 80 Proz. der Arbeitenden, die den Gemertschaften nicht angehörten, von den„, paterländischen" Verbänden vertreten zu sein verlangten. Es wäre wirklich zu wünschen, daß Herr Kamerad Dr. Schmidt von der Firma hugenberg den Auftrag bekäme, recht viele solcher Versammlungen zu veranstalten, er wäre danit sehr schnell die Sorge um die 80 Proz. unorganisierter Arbeitnehmer los. Noch besser der„ Chef" käme selber einmal. Beschluß des Gewerkschaftsausschusses der Schweiz. Gegen den Rußland- Delegationsrummel. Zürich, 8. März.( WTB.) Der Beschluß des schweizerischen Bemerfichaftsausschuffes. betreffend die Entfendung einer Delegation nach Rußland, lautet folgendermaßen: Der Gewerkschaftsausschuß nimmt Renntnis von der unter Mitwirtung einiger Gewerkschaftskartelle und Zentralverbände erfolgten Konstituierung eines Initiatiofomitees für die Organisierung der Reise einer Arbeiterdelegation nach Rußland. Er stellt fest, daß die Beteiligung an diesem Komitee unvereinbar ist mit dem organisatorischen Grundsaß der Unterordnung der Minderheit unter die Beschlüsse der Mehrheit, der auch im Gewerkschaftsbund gelten muß. Der Gewerkschaftsausschuß erklärt, sich durch die Tätigkeit solcher von einer Weise beeinflussen zu lassen, und sich an einer solchen Art organi politischen Partei inspirierten Romitees in feiner fierten Rußlandreise nicht zu beteiligen. In Anbetracht. dak bei einer derart mangelhaft und ohne Programm vorbereiteten Reife wie der beabsichtigten, deren einziger 3med für- die schweizerische Arbeiterschaft, die Drientierung über die wirtschaftlichen, politischen und fulturellen Verhältnisse in Rußland, nicht erreicht werden kann, empfiehlt der Gewerkschaftsausschuß der organisierten Arbeiterschaft, die Bestrebungen des sogenannten Initiativkomitees weder durch Geldleistungent aus den Kaffen der Verbände oder Sektionen, noch durch Sammlung von Mann zu Mann, noch auf irgendwelche andere Weise zu unterstützen. Die Entsendung einer Delegation fann nur im Einverständnis mit den angeschlossenen Ver bänden und unter Mitwirtung des Internationalen Gewerkschaftsbundes ins Auge gefaßt werden. Die saarländische Arbeitskammer. In Saarbrüden wurde am Mittwoch mit einer Ansprache des deutschen Mitgliedes der Regierungskommission, Roßmann, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tagende saarländische Arbeitskammer eröffnet, die aus je 18 Arbeitnehmer und Arbeitgebervertretern besteht, unter denen fich auch 7 Mitglieder der französischen Bergwerksdirektion befinden. Als Hauptaufgabe der Arbeitskammer, die wie der Landesrat nur beratende Funk tionen bat, betrachtet die Regierungskommission die Förderung der Eintracht zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Nach der Wahl des freigewerkschaftlichen Sekretärs Rimmri zum Vor sigenden und des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Arbeitgeberverbandes der Saarindustrie, Assessor Teßmar, zum Stellvertreter, wurden mehrere Kommissionen gebildet für die Behandlung des Arbeitsrechts, der Sozialversicherung, des Lehrlings und Fortbildungsschulmefens, der Arbeiterfürsorge und für allgemeine Arbeiterfragen. Achtung, Zimmerer! Das Resultat der Borstandswahl vom legten Sonntag ist folgendes: 52 Proz. der Mitglieder haben fich an der Wahl befeiligt: mit größerer Mehrheit find folgende Rame raden gewählt: 1. Borsigender Repfchläger, 2. Borsitzender Schilf, 1. Raffierer Ihm, 2. Raffierer Gumz, 1. Schriftführer Throne, 2. Schriftführer Schäfer, Revisoren Krenz und Broje, Kontrolleure Brauer und Musom. Auf Grund des Resultats ist eine Stichwahl am Sonntag, den 14. März, nicht notwendig. Nochmals bitten wir alle Verbandskameraden, soweit es noch nicht geschehen, sich sofort in die Liste für das Boltsbegehren eintragen zu lassen. Alle Verbandskameraden, die in dieser Frage ihre Pflicht nicht erfüllen, begehen Berrat an der Arbeiterschaft. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin. Buchdruder. Die für heute abend einberufene Fraktionsvorstandssigung ist umständehalber auf Donnerstag, 11. März, verlegt worden. Die Bezirksfraktions vorfißenden werden gebeten, inamischen die Einladungen zu ihren Bezirks. Frattionsverfammlungen vorzunehmen. Der Fraktionsvorstand. Morgen, Mittwoch, 7% Uhr: Gruppe Lichtenberg, Jugendheim Jugendgruppe bes 86. Seute, Dienstag, 7% Uhr, im Jugendheim des Ortsbureaus allgemeine Funktionärverfammlung. Jeder Funktionär ber Jugendgruppen ist zum Erscheinen verpflichtet. Die Teilnehmer am Sprechchor zum Werbeabend der füdlichen und füdöstlichen Gruppen treffen fich ebenfalls zur Ginübung des Sprechchors pünktlich 8 Uhr im Jugendheim Belle- AllianceStraße 7/10. Lange. Gruppe Reukölln: Jugendheim Nogatstr. 53. Bortrag: Seelische Goßlerstr. 61. Bortrag: Das kommunistische Manifeft". Referent: Maximilian Funktionen". Referent: Artur Rachow. Gruppe Bebbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1, Ledigenheim 5 Trp., Borioag: Moderne Runft". Referent: Walter Eschbach. Gruppe Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 ( Frankenlandzimmer). Bortrag: 8wed und Ziele des 8d. Referent: Heinz Mann. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eslorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Ginger u, Co.. Berlin GB 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". cou HANNOVE STRAL BUND SEATER Die zunehmende Verbreitung der CONSTANTIN CIGARETTE ACO- SILBER beweift die Qualität. Mit reinem Aluminium Mundstück zu 5 Nr. 113 ♦ 43.�ohrgakg 7. Seilage öes vorwärts dienstag, H.März 1426 Der Rundfunk, das Wunderkind dieser aufgeregten Zeit, wurde in kurzer Frist bereits uns allen zu einer Selbstverständlichkeit. Ist eigentlich gar kein Wunderkind* mehr, sondern Kamerad und Freund. Daß vieles zu kritisieren ist. sagt noch nichts gegen die Freundschaft an sich, beweist höchstens die Existenz störender Neben- geräusche. Diese unangenehmen Begleiterscheinungen bekämpft man im Technischen schon mit viel Erfolg, warum sollte der da im Geistigen ausbleiben? Heute schon vermittelt der Rundfunk viel Freude. Jedes Konzert, jeder Vortrag, jedes Schauspiel, jede Oper kann in des Aermsten Hütte getragen werden. Einsame werden zerstreut. Kranke getröstet. Glücklose abgelenkt. Man kämpft um den Arbeiter- sender, der noch vieles, was dem Proletarier jetzt Wunsch bleibt, wellen kann. Aber auch so können wir im Rundfunk einen MitUer zwischen den Menschen, den Völkern, einen Träger großer Ideen sehen. Potsdamer Straße 4. Bereits feit 1922 besteht in Deutschland ein Wirlschofls- rnndsllnk. Schon damals entwickelte Staatssekretär Dr. Bredow Grundsäge für die Einrichtung eines Unterhaltungsrundfunks. Die .Radioftundc* wurde gegründet, im Voxhause, Potsdamer Straße 4 richtete sie sich ein und traf dort die ersten technischen Vorbereitungen, um die bisherigen Königswusterhausener Sonntagsübertragungen in größerem Maßstäbe und offiziell in Berlin einzuführen. Am Vormittag des 29. Oktober 1923 wurde in den Räumen des Tele- graphentechnischen Reichsamts in der Königgrötzer Straße die letzte Prüfung der Berliner Sendeleitungen vorgenommen. Der Erfolg war überraschend gut. Am selben Abend durchschwang das erste deutsche Rondsunkprogramm, aus Welle 400. die Welt. Nicht allzu viele werden damals das Konzert gehört haben. Das Radio- vergnügen war so lange eine ziemlich teure Angelegenheit, bis die Mafseniabrikation der Empfangsgeräte, damit ein Sinken der Preise und weiterhin«ine beträchtliche Ennäßigung der Hörgebühren ein- trat. Bereits am 1. Januar 1924 zählte man in Berlin gegen ISOl) eingeschriebene Teilnehmer, am ersten Geburtstag der Funk- stunde deren 148 472, und jetzt sind die 440 000 schon überschritten: jeder Tag bringt rund 600 Neuanmeldungen. Da auf jeden Empfänger durchschnittlich drei Zuhörer kommen, so kann man allein efp Berlin heute 1,3 Millionen Radioanhänger rechnen. Und wie diese Zahlen ins riesenhafte wuchsen, ja änderte sich entsprechend auch alles andere: Umfangreicher, besser und vielseitiger wurden im Laufe der Zeit die Programme, zahlreicher und repräsentobler all die Räume, die teils verwaltungstechnischen und teils technisch-prak- tischen Zwecken dienen, größer wurde der Stab der technischen und kaufmännischen Angestellten und der künstlerischen Kräfte, umfang- reicher die„Funkstunde*, das gleichsam amtliche Organ. Friedrich Georg Knöpfte und Wilhelm Wagner heißen die Direktoren: die künstlerische Leitung haben inne Cornelis Bronsgeest, Alfred Braun, Walter Braunsen und Bruno S e i d l e r- W i n k l e r. Und jeder, der Radio hört, weiß, daß auch die Ansager nicht wenig zu tun haben. Außer der Ankündigung der einzelnen Programme obliegt ihnen täglich der Bericht über die Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle, dreimal täglich die Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, der Wetter- dienst, der Börsenbericht, die Uebermittlung des Zeitzeichens. Arbeit, viel Arbeit. Das Publikum hört nur das Endergebnis, zu sehen bekommt es davon ebenso wenig wie vom Werdeprozeß selbst. Tluf üer Junkprobe. Der Fahrstuhl saust das Treppenhaus hoch. Im zweiten Stock steigt der Briefträger aus, froh, einen Riesenpacken Post loszuwerden. hunderte, bald Tausende von Briefschaften lausen täglich bei der »Funkstunde* ein: unter der Millionenschast der Hörer befinden sich Ein Teil des groüea Senderaums. nicht wenig Ratgeber. Beobachter und Leute, die es drängt zu danken oder zu schimpfen. Im Dachgeschoß angekommen. Tief unten liegt jetzt die Potsdamer Straße und ihr lärmender Vcrkehrstrubel.»Nur mit Erlaubnis der Direktion* öffnet sich die Eisentllr zum Aller- heiligsten. Wohl so fünfundzwanzig Leute laufen herum, Stimmen schreien durcheinander. Alle aber überbrllllt des Regisseurs rund- funkbekannter Tenor. Immerhin ist er in der Rolle, die er mimt, tatsächlich Kapitän: ein Schiff, das er von seinem Kahn aus sichtet, soll aus Seenot gerettet werden. Deshalb das Geschrei und deshalb dos Gedränge, verursacht von fünfundzwanzig„Matrosen". Sie sind noch nicht„dran", im Ausnahmeraum probt das fünfzig wann starte Funkorchester,— es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf dem Korridor oder im Künftlerzimmer zu warten. Im Zimmer links des Senderaums ist der Eintritt nicht gestattet: hier sitzen ein paar Bc- amte der Reichspost bei ihrer Apparatur. Neben dem Künstler- zimmer hat man einen kleinen Senderaum eingerichtet; von hier aus werden sämtliche Vorträge, Nachrichten und Mitteilungen gegeben; von hier aus wird auch das Schallplattenkonzert— in direkter mecha- nischer Verbindung zwischen Elektro- und Mikrophon— auf den Witzlcbener Sender übertragen. Andauernd ist hier Betrieb. Pause für das Publikum ist noch lange nicht Pause für die Männer vom Rundfunk. Eben spricht eine Schauspielerin, die sich gern für einen Abend verpflichten lassen möchte, ein paar Probeverse ins Mikro- phon. Fast zittert das arme Opscrlamm, das ahnungslos und u»- kundig solcher Gepflogenheiten hierher kam. Nur hinten„bei der Post" kann man die Altstimme jetzt hören. Dreißig Sekunden hat der Regisseur den Hörer über den Kopf gestülpt, schmunzelt Zu- sriedenheit, eilt zurück ins Sendezimmer, wo die Künstlerin sich noch immer ins inzwischen abgestellte Mikrophon hineinbegcistert.... „Wir sind bereit, Sie vorerst für einen Abend zu engagieren. Wie hoch ist denn Ihre Honorarforderung?" Ahnungsvoll, daß diese Verhandlung, die zweifellos starke rückwärtsdrängende Kräfte er- fordert, nicht so schnell zu Ende geführt ist, läßt der Regisseur einen feiner Hilfsregisseure die Sache ins reine bringen. ,Ruhe� Während also hier die Diskussion um sehr materielle Dinge sich dreht, beginnt man im Aufnahmeraum mit der Probe zu einem Hörspiel „Rettung Schiffbrüchiger aus höchster Not". Da einem vorher gc- sagt wurde, daß das ganze ,.S. O. L." auch heißen soll(das intcr- nationale Schiffsnotsignal„Lavc cur souls", d. h.: Rettet unsere Seelen), muh das schon ein erbärmlicher, phantasieloser Kerl sein, den das Milieu des Senderaums irgendwie noch stört und am Veinahertrinken und Gcrcttetwerden etwa hindert. Alle Wände des ziemlich langen, aber nicht sehr hohen Raumes find schalldämpfend und schallverteilend mit dichtem, grünem Stoff bc- spannt. Das Oeffnen der paar kleinen Fensterchen ließe die Pots- damcr Straße hinauslärmen: weh' dem, der öffnet! Dreinial wehe, wenn einer öffnet, indes die Lämpchen, die über jeder Türe hängen, brennen und mit feuerroter Schrift gebieterisch„Buhe!* verlangen. Und ein seltsames uhrähnliches Instrument läßt einen Zeiger in der- selben Stärke auf- und nicderpcndeln, in der vor dem Mikrophon gc- sprachen, gesungen und gespielt wird. Wie so ein Mikrophon aus- sieht, weiß heute schon jedes Kind: freilich, den Künstlern ist es meistens unfaßbar, daß alle Welt sie höre» soll, wenn sie in das kleine Kästchen, das din schmaler Reisen trägt, hineinsprechen. Mancher meint, ihm fehle das befeuernde Publikum, dessen Uirsichtbarkeit nicht zur Höchstspannung hinreißen könne. Das bat sür den Einzelsprccher wohl immer noch mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als für den Mit- wirkenden im Ensemble. Gute Schauspieler leben sich hier in ihr« Rolle hinein und spielen sie mit derselben Mimik und Körperbcwea- lichkeit wie aus der Bühne. Um die Erlebniskraft zu steigern, ließ man sie„wallenskeins Lager* in Kostümen spielen; das Experiment hat sich auch sehr bewährt. So gibt es hier oben immer etwas anderes zu sehen und zu hören: wenn nicht übertragen wird, wird geprobt; wenn nicht musiziert wird, wird rezitiert oder Theater gespielt. Ende dieses Monats beginnen in dem neuerbautcn Ailf- nahmeraum Uebertragungsversuche, von deren Ergebnis der Zeit- punkt der Nutzung dieses Senderaums abhängt. Was man so vor hat. Die künstlerischen Ausschüsse der„Funkstunde* haben es nicht Serade leicht, ein Progranim zusammenzustellen, das allen zusagt. üf Monate ist es stet» festgelegt. Das geistige und künstlerifchc Niveau der Hörerschaft ist ebenso vielgestaltig wie ihr Wunschzettel. „An olle!" waren die ersten Sendcworte des Berliner Rundfunks 291 GnKel Moses. Roman von Schalom Asch. Charlie freute sich zusammen mit der ungeheuren Menschenmenge. Er liebte es. Menschen zu betrachten, wenn sie sich wohl fühlten. Denn selten sah er, daß eine Menge von Menschen zusammen sich wohl fühlte und sich freute. Stets sah er Menschen zusammen arbeiten, zusammen leiden, zusammen trauern. Doch hier— die große, mächtige Woge von Menschen, alle halbnackt. Frauen und Männer beisammen, mitten unter ihnen die Kinder, sie essen zusammen, baden zu- sammen, freuen sich, lachen und spielen zusammen, und alle durchpulst die Freud«. Dieser Anblick wirkte auf Charlie ansteckend und weckte seine Lebensfreude und seine Jugend. Er wünschte nur schnell mitten in dieser Freude zu sein, mit allen mitzuspielen und sich mitzufreuen, wünschte so rasch wie nur möglich im Wasser zu sein, sich unter die fröhliche Menge zu mischen, deren Freudenschreie aus dem Brausen des Meeres deutlich und hell hervortönten— und Mascha war nicht zu sehen...- Charlie hatte das Gefühl, er sei in Mascha verliebt: es war ihm, als sei er nur mit Mascha zu diesem Fest der Freiheit und Nacktheit gekommen, und er wollte rasch, nur rasch an diesem Fest teilnehmen. Indessen suchte Mascha Charsie unter der Menge, ohne daß er es merkte. Entzückt von den Menschen und ihrer Freude, ging er von einer Gruppe zur andern und sah ihnen beim Essen zu— Männer, Frauen und Kinder aßen fröhlich und warfen das Esten umher. Boll Freude sah Charlie zu, wie Männer, Frauen und Kinder sich aneinander schmiegten und sich Leib an Leib im Sande wälzten— und Mascha ging ihm zwischen der Menge nach, bis sie ihn endlich mit Mühe bei der Hand sassen konnte: »Wo steckst du? Ich suche dich überall.* >O. Mascha, komm, komm schnell!* Er faßte das Mädchen bei der Hand und flog mit ihr ins Wasser. Eine Meereswoge kam ihnen entgegen und trug in ihren Falten eine Menge von Menschenleibern und Master, die sie beide auf Charlie und Mascha ergoß. Es dauerte lange, bis beide, einander bei den Händen haltend, sich von dem Strom des Wassers befreien und der Masse nasser, triefender Menschen, selbst naß und triefend, entwinden konnten; von der Meeres- feuchtigkeit glänzend, lachte Charlie hell auf:„O. Mascha!* Er faßte Mascha bei der Hand und zog sie weiter ins Meer hinein. Eine zweit« Welle kam heran, preßt« die beiden jungen Menschen aneinander und verflocht ihre Leiber ineinander. Mascha fühlte Charlies knochigen, jungen, harten Körper auf sich, fühlte seine starten, jungen Hände an ihren Brüsten, und Wäsche»{ew« sackt« Händen und ihr« Brüsten war v» nichts, nur fließendes Wasser. Und Charlie fühlte, wie Maschas leichter Körper sich über ihn legte, und ein an- genehmes Gefühl durchzog ihn, als der kühle Mädchenkörper, in feuchte Weichheit gekleidet, sich an ihn schmiegte. Er zog Mascha an der Hand noch tiefer ins Wasser. Mascha bekam Angst, in freudigem Schreck schrie sie laut auf und hing sich mit beiden Armen an Charlies jungen, starken Hals. Charlie hielt sie mit beiden Händen fest, und das Wasser half ihm. Er sah ihren jungen, kräftigen Körper, der sich in einer feuchten Linie aus ihrem Badeanzug heraushob, der feuchte schwarze Seidenstoff nahm die Linie ihres Körpers ab. Der eng an- liegende feuchte Stoff offenbarte jeden Teil ihres jungen Mädchenkörpers und ließ jede Linie erkennen; Maschas junge Brüste hoben sich wie zwei harte, reife Birnen aus dem nassen Kostüm ab, und ihr runder, fester Unterleib trat wie ein fein- geschnittener Porzellanteller aus der nassen Seide hervor. Charlie betrachtete mit Freude die Linien des Körpers und fühlte das pulsende Leben, den verhaltenen Willen, der in dem Kalten, Harten schlummerte, das er in seinen Armen hielt. Doch lange schauen und denken konnte Charlie nicht— das Meer warf beide auf und nieder, und die frischen, unaufhörlich andrängenden Wellen brachten ihnen das kühle Geheimnis des weiten, tiefen Meeres empor; immer wieder fühlten sie zwischen sich einen dritten Körper, den kühlen, frischen, geheim- nisvollen Körper des tiefen, weiten Meeres, der sich anfühlle wie der Körper einer fremden, unbekannten Frau. Sie er- schraken vor diesem fremden Körper, hielten einander fest und schmiegten sich aneinander, und der kühle fremde Wasserleib schmiegte sich an sie, wollte sich an ihren jungen Leibern wärmen, mit ihnen und mit ihrem verborgenen Geheimnis zusammen sein und sie vor den Augen fremder Menschen bergen.... 9. Mascha und Charlie lagen auf dem Sand, und eine Sonne beftrahlte sie beide, und beide wurden sie von der Freude und Fröhlichkeit angesteckt, welche unter der Menge nackter, glück- licher Menschen auf dem fandigen Strande herrschte. Sie dachten nicht daran, daß sie jung seien; sie wußten beide nicht, daß sie einander liebten; sie waren nur glücklich, daß die Sonne sie wärmte und alle Menschen am Strande.. Es war ihnen, als sei die große verschiedenfarbige Menge an dem langen Meeresstrande mit den nackten Armen und den vielfarbigen Hauben auf dem Kopf eine Familie— als sei die ganze Welt eine Familie geworden und sie Glieder dieser Familie. »Ich sehe gern die Freude einer großen Menge.* sprach Charlie zu Mascha,„ich liebe, ihre Freude zu sehen und in ihrer Freude mit ihnen zu sein. Es gibt Leute, welche Coney Island nicht lieben, weil es der Platz der rohen Masse ist. welche das Meer mit ihren Speiseresten beschmutzt und den Strand mit ihr« verelendet« häßlich« Leidem schändet;— doch ich glaube, Freude und Glückseligkeit kann man mir zusammen mit der Menge, mit einer großen, rohen Masse finden. Es würde mich langweilen, Freude und Vergnügen allein zu genießen. Ich würde mich langweilen, allein glück- lich zu sein oder nur mit auserwählten Glücklichen zusammen zu sein, welche die Möglichkeit haben, Bergnügen und Freude zu genießen. Vergnügen und Freude kann man nur dann haben, wenn man sieht, wie die große Masse Vergnügen und Freude hat. Dann scheint es gar nichts Schlechtes und kein Leid mehr auf der West zu geben; dann scheint Bergnügen und Freude allen bereitet zu sein. Ich glaube, nur hier kann man stark und tief Vergnügen und Freude empfinden, wo Vergnügen und Lust innerliche und wahrhafte Freude schassen, wo man von der allgemeinen Freude angesteckt wird." Mascha blickte Charlie schweigend an. Sie hörte ihn gern sprechen. Charlie konnte nicht ruhig sprechen, er sprach stets mit Begeisterung, mit sprühenden Augen und lebhaften Gesten er schien von seinem Vater, dem frommen Elzassid. die religiöse Begeisterung geerbt zu haben, und da er sie nicht anders entladen konnte, so tränkte er mit ihr seine Ueberzeugung. Diese, vom frommen Bater ererbte, ihm angeborene Begeiste- rung und Inbrunst hatte sogar die amerikanische Normalschule bei Charlie nicht unterdrücken können. „Sieh dich um, Mascha," Charlie sprang vor Freude auf, »sieh nur, wie weit, wie unendlich weit sich die Menge hinzieht, Tausende und Hunderttausende, sieh nur— alle sind glücklich. alle freuen sich—, ich liebe die Masse; wenn ich mitten in einem solchen Meer von Menschen bin, da ist mir, als wäre ich zu allem, zu den größten Taten fähig. Es gibt Demokraten, ja sogar Sozialisten, welche die große Menge nicht lieben. Die Masse ist ihnen zu roh, zu unkultiviert und beleidigt ihr ästlzetisches Gefühl. Ich habe oft von meinen Kameraden reden hören können, daß sie sich in der Menge einsam fühlen. Die Narren,— sie begreifen nicht die Idee der Menge; sie glauben, die Menge sei eine Summe vieler einzelner, roher, ungeschlachter Einzelner. Sie wissen nicht, daß die Menge ein Körper, eine Seele, ein Geschöpf für sich mit eigener Indivi- dualität ist. Wenn ich unter einer Menge bin, so habe ich das Gefühl, als befände ich mich in der Unendlichkeit, in dem Geheimnis unserer Existenz, welches man als einzelner nicht erfassen und erfühlen kann. Weißt du, Mascha, was die Masse ist? Die Masse, das ist das große ewige Leben, welches vor uns war und nach uns sein wird. Wir werden sterben, jeder einzelne wird sterben, doch die Masse wird leben, sie hat ewig gelebt. In allen Generationen, in allen Formen. Ich glaube: Gott hat nicht zuerst den einzelnen geschaffen, sondern die Menge: wenn ich mit einer solchen Menge von Menschen zusammen bin, da bin ich überzeugt, da habe ich die Empfin- dung, daß ich mich aufgelöst habe, daß ich ein Test der großen Ewigkeit, bin."(Fortsetzung folgt.) am 29. Oktober 1924, allen soll der Rundfunk gehören, allen soll er etwas bringen. Grobe Dinge sind noch geplant. Von„Opern" „Der Pfeifertag" von Schillings,„Feuersnot" von Richard Strauh. Bon Händel sollen„Julius Cäsar" und„Zerxes" gegeben werden. Hinzu kommen noch die Ueberlragungen aus der Slaalsoper. Hin- sichtlich großer Orchesterkonzerte mit bedeutenden Dirigenten schweben zurzeit noch Verhandlungen. Geplant sind als G a st- d i r i g e n t e n jedenfalls Richard Strauß, Bruno Walter, Mascagni, Ochs u. a. D a s S ch a u s p i e l soll neben sehr vielem anderen mit Georg Kaisers„Von Morgen bis Mitternacht" und Sternheims „Snob" vertreten sein. Die Aufführung von Hauptmanns„Hannele" mit Kerrs Einleitung ist in ebenso guter Erinnerung wie die Ten- dung von Schnitzlers„Grünem Kakadu". Werke von Ernst Hardt, Franz Werfet, Hugo Wolfgang Philipp sind weiterhin geplant. Die Arbeiterdichtung dürste mehr Berücksichtigung als bisher er- fahren: 90 Proz. der Berliner �unkhörer wohnen im Osten und Norden unserer Stadt. * Es läßt sich nicht bestreiten, daß der Rundfunk bei den Massen im ganzen gut angeschrieben ist. Unzweifelhaft: er ist eine Sache des Volkes. In vielem sind wir Sozialisten noch Kritiker, und niemals werden wir uns scheuen, unsere Kritik, wo sie angebracht ist, auch zum Ausdruck zu bringen. Aber das hindert nicht, Achtung zu be- zeugen, wo eine geniale Idee tüchtige Praktiker fand. Das Volk steht auf! Wer für den gestrigen Montag nach dem großartigen Sonn- tagsergebnis ein Abflauen der Einzcichnungsbewegung erwartete, wurde aufs angenehmste enttäuscht. Besonders in den späten Nach- Mittagsstunden war die Einzeichnung eine überaus rege. In hellen Scharen kamen die Leute, insbesondere auffallend viel Frauen, um gegen die Fürstenforderungen zu stimmen. So wurden z. B. im Einzeichnungslokal Turnhalle Gneisenau- straße 7 innerhalb von 45 Minuten rund 280 Einzeichner gezählt. Leider hat die Bevölkerung die wiederholte Mahnung, irgendwelche Ausweispapiere mitzubringen, nicht immer befolgt. Eine ganze Anzahl Einzeichiiungsbegchrender mußte unverrichteter Ding« wieder umkehren. Ein sehr reger Betrieb herrschte auch im Einzeichnungs- lokal Hagelberger straße 34. Zeitweise mußte man Schlange stehen. Hier wird die L e g i t i in a t i o n s- tontrolle besonders streng gehandhabt. Eine Frage: Warum ist der Eingang zur Turnhalle so ungewöhnlich dunkel? Ist es denn wirklich nicht möglich, für Beleuchtung des Eingangs zu sorgen? Vor den Lokalen stehen die Plakatträger der Parteien des Volksbegehrens und mahnen die Bevölkerung an ihre Einzeich- nungspflicht. Ueber die Beteiligung im Bezirk W e d d i n g geht uns folgende Schilderung zu: Die anfängliche Ruhe und Schwerfälligkeit weicht von Tag zu Tag mehr einer erheblichen Spannung uiid Unruhe. Das erste größere Ergebnis vom Sonntag zieht automatisch wie jeder Erfolg an. Es wird schwerlich ein Trugschluß sein, daß die Ein- tragungsziffern des Montags an die des Sonntags herangekommen. Bezeichnend ist, daß jetzt nach den Alten das gereifte Aller und die jüngere Generation den Cinzeichnungslokalen das Gepräge gibt. Die Frauen und jungen Ehepaare nehmen zumeist ihre Kinder mit. Dem wachsenden Erfolge versuchen die oerärgerten Gegner des Volksbegehrens durch Abreißen der hinweisenden Wahlzettel in den Häusern und Zerstören von Plakaten vergeblich Abbruch zu tun; denn es wird richtig als ohnmächtige Sabotage gewertet. Die ganze Bewegung ist jetzt so eingespielt und in Schwung gekommen. daß kleine Hindennsse sie nicht mehr aufhallen können. So kann man nach inneren Gesetzen damit rechnen, daß die Freude und der Stolz an lawincnhaft wachsende Zahlen wellenförmig sich über das Reich verbreiten. Der Wettkampf um das bessere Resultat von Haus, Straße, Bezirk und so fort reißt automatisch zu immer stärkeren Anstrengungen.hin. In Pankow, Buchholz, Rosenthal 17 und in Dlanken selbe konnte nian allenthalben viele Einzeichner beob- achten, die sich nach den Einzeichnungslokalen begaben und ihre Unterschrift leisteten. Wenn auch die Beteiligung nicht so rege wie am Sonntag war, ist die Zahl der erneut erfolgten Einzeichnungen immerhin recht rege. Verschiedentlich wurde von noch Säumigen erklärt, daß ja noch bis zum 17. Zeit wäre, um der Ein- tragungspflicht zu genügen. Dieser Einwand kann nicht gelten. Je eher die Einzeichnung erfolgt, um so besser ist es für die Sache, um die es geht. In Köpenick und Umgegend brachten der Sonnabend und Sonntag, nachdem die ersten beiden Einzeichnungstage Verhältnis- mätzig wenig Beteiligung gebracht hatten, den erwarteten Ansturm. Besonders der Sonntag war erfolgveich für die Anhänger des Volks- beaehrens. Ganze Familien zeichneten sich ein, auch Anhänger der nichtrepublikanischen Parteien bewiesen zahlreich, daß die Fürsten- sorderungen auch den Monarchisten in die Krone gekahren sind. Das Ergebnis des gestrigen Tages ist mindestens ebenso hoch einzuschätzen wie das des Sonntags. Und das ist gut so. Berlin soll und muß an der Spitze marschieren in dem Kampf gegen die Habgier der Fürsten, für das Recht des Volkes! Nehmt Ausweise mit! Immer wieder ist in der Presse aus die Notwendigkeit hingewiesen worden, zur Einzeichnung für das Volksbegehren Ausweise mitzunehmen. Die Beamten der Elnzeichnungsstellcn haben das Recht, eine Legitimation zu verlangen. Trotzdem erlebt man auch heute noch an jeder Einzeichnungsstelle täglich viele Dutzende von Fällen, daß Personen, die sich einzeichnen wollen. wegen des Fehlens von Ausweispapieren abgewiesen werden. Darum ergehl nochmals die dringende Mahnung an die Bevölkerung: Nehmt Euch Ausweispapiere mit! Paß. Trauschein, Geburtsschein, Quittungen, Slempelkarten usw. Zede einwandfreie Legitimation genügt. « Schwachsichtige alte Leute sollten nicht vergessen, ihre Brillen mitzunehmen, damit sie mühelos ihren Namen eintragen können. Wer nicht in der letzten Wahlliste steht, weil er vorzogen ist, muh sich schleunigst einen Wahlschein aus seinem früheren Wohn- bezirk ausstellen lassen. Erledigt diese Formalitäten, ehe es zu spät ist. Auf jede Eintragung kommt es an. Nur noch wenige Tage ist Einzcichnungsgelcgenheitt Wie sag ich's meinem Kinde? In der Sonntagsnummer der„Kreuzzeitung" findet sich in Fettdruck folgender humorvoller Aufruf: „Wer sich in die Listen einschreibt, macht Deutschland vor dem Ausland kreditunwürdig und muß sickz vor seinen Kinder» schämen, wenn sie einst ihren Namen in den öffentlichen Listen lesen." Sieh einer an! Seit wann gilt den schleimseeligen Patent- Patrioten der Auslandskredit? Davon abgesehen ist es köstlich: Die Verhinderung eines Milliardendiebsiahls soll uns vor dem Auslande diskreditieren! Aber das schönste ist der Witz:„Wie sag ich's meinem Kinde?" Der selbstverständlichen nationalen Pflicht, Boltsvermögen zu retten, soll sich der Deutsche vor seinen Kindern schämen? Umgekehrt würde ein respektabler Schuh daraus. Dann ober kommt der Pferdefuß:„Wenn sie einst ihren Namen in den öffentlichen Listen lesen." Versteckte Terrorandrohung also. Sie sind nicht nur lächerlich, unsere Monarchisten, sondern auch erbarm- llch zugleich._ Arbeiker-Simiarlker-Koloime Heinlckcnitotf. In folzenden Lokalen können Arbeiler-Samaritec zum Transport von Kranken zniecks Einschreiben zum VoltSenllcheid zur Fürstenabfindung angefordert werden: Reinickcndorf-Weit, Sportplatz, Telephon Reinickendorf 3468; Ncinickcndorf-Ojt, Fichte-KIause, Telephon Remickurdorj 59i, StaSt- unö Hochbahn. Ein neues Angebot der Hochbahngesellschaft. Im Interesse der Vereinheitlichung des Berliner Verkehrs ist es nolwendig, daß die Stadt Berlin den maßgebenden Einfluß auf alle Groh-Berliner Verkchrsunternehmungen habe. Aus diesem Grunde heraus suche auch die Stadt nach Mitteln und Wegen, um sich die Majorität in der Hochbahngesellschaft zu sichern. Nachdem der Versuch, die Vorzugsaktien auf dem Klagewege verschwinden zu lassen, durch das Urteil in zwei Instanzen gescheitert ist, hat die Stadt den Aktionären der Hochbahn ein K a u f a n g e- b o t gemacht, und zwar wollte sie 1000 Mk. Stammaktien in 1100 Mk. 7�prozentige nach fünf Jahren kündbare Stadtanleihe umtauschen. Dieses Umtauschangebot war der Gegenstand der Aufsichtsratssitzung, die gestern nackmittag in den Räumen der Deutschen Bank statt- fand. Der Aussichtsrat kam selbstverständlich gegen die Stimmen Seffentliche Frauenkundgebungen für die entschadigungslose Enteignung der Fürsten Heute, Dienstag, öen H. März abends V'/g Uhr: Mlkke: Musiker-Festsäle, Kaiser- Wilhelm- Straße. Rednerinnen. Hedwig Wacbenheim, Regierungsrat, und Frau Prost, Wien.— Cborgeiang. Rezitationen. Lieder zur Laute. Neutälln: In der SSiile des Kaiser-Friedrich-RealgymnastumS, Kaiser» Friedrich-> Straße. Rednerinnen: Gertrud Hanna- Berlin. M. d. L.; Frau Prost, Wien. Baumscholenweg: Im Lokal Borgmann, Bamnschulenstraße. Red- ncrin: Stadlverordnete Minna Todenhagen. Lichtenberg: Schulaula Marltstr. 10. Rednerin: Mathilde Wurm, M. d.'R. Morgen, Mittwoch, öen 10. März: Spandau: abends 7% Uhr im Tanzpalnst, Am Stresowplatz. Red- roerin: Regierungsrätin Hedwig Wachenheim. Musika- tische Darbietungen, Rezitationen. kaulsdors: abends l'A Uhr im Restaurant Schützentlause, Kauls- dorf, Hönower Straße 5. Rednerin: Mathilde Wurm, M. d. R. Rezitationen— Gesang. der Vertreter der Stadt, den Vertreter Stadtkämmerer Dr. Kar- ding und Verkehrsdirektor Dr. Adler, zu der Auffassung, dieses Angebot abzulehnen, nicht etwa aus prinzipiellen Gründen, sondern weil es zu niedrig sei. Der Aufsichtsrat bat herausgerechnet, daß das Unternehmen einen Wert von 153K Millionen Mark besitze, was bei einem Aktienkapital von 113,3 Millionen Mark einem Kurse von 1 3 S � Proz. entspräche. Deswegen könnte der Umtausch nur gegen 1200 Mk. lA prozentige Stadtanleihe empfohlen werden. Um aber der Stadt Entgegenkommen zu zeigen, wird der Generalversammlung empfohlen werden, 1200 Mk. 7>4pro- zentige Stadtanleihe in Tausch zu nehmen. An dieses An- gebot hält sich der Aufsichtsrat bis zum 9. April gebunden. Die Generalversammlung wird am 12. April stattfinden. Die Motive der Aenderung der prinzipiellen Stellung ersieht man aus dem Kommuniquä, das von der Verwaltung herausgegeben wurde und in dem es heißt, daß die Umtauschofserte von der Stadt unter der Bedingung abgegeben sei, daß die Finanzierung der übrigen Schnellbahnen durch eine Auslandsanleihe, deren Aufnabme durch die Hochbahn erfolgen soll, stattfinde. Die Verwaltung ist der An- sicht, daß die Ausnahme nicht Sache der Hochbahn sei. Die Deutsche Bank will sich aber bereiterklären, für den Fall der Annahme de» neuen Angebots durch die Stadt bei der Beschaffung der notwcn- digen Mittel behilflich zu sein.__ Heinrich Sklarz vor Gericht. Vor dem erweiterten Schöfsengericht Mitte begann der große Betrugsprozeß gegen den Kaufmann Heinrich Sklarz, der voraussichtlich mehrere Monate dauern dürfte. Zur Be- urteilung des Gerichtes stehen eine Reihe von Sanierungsgeschäften, mit denen sich Heinrich Sklarz seit einigen Jahren befaßt hat. Die von Staatsanwaltschastsrot K i r s ch n e r vertretene Anklage legt Sklarz Betrug in sechs selbständigen Handlungen, und Bcnach- tciligung der Gläubiger zur Last. Einer der Betrugsfälle betrifft die Preußische Staatsbank (Seehandlungs. Es wird behauptet, daß Sklarz einen Wechsel über 221 000 M., den er von der Seehandlung nur zum Einziehen er- halten hat, für sich selbst verwendete, indem er an Stelle des ein- gezogenen Betrages Sicherheiten auf angebliche eigene Bermögens- werte gegeben hat. Die Anklage gebt davon aus, daß Sklarz, nach- dem er in seinen anderen Geschäften Mißerfolge hatte, die zu Pfändungen und Offenbarungseiden führten, seine früher schon be- triebenen Sanierungsgeschäfte im Jahre 1924 im großen Stile wieder aufgenommen habe. Er sei dabei allein darauf ausgegangen. sich selbst erbeblich- Vermögenswerte zu verschaffen, ohne je den eigenen Verpflichtungen nachzukommen. Zunächst habe er sämtliche Werte und Außenstände der zu sanierenden Keschästsunternehmen für seine Auslandsverkehrsvermittlungen und die Norddeutsche Handelsgesellschaft abtreten und sich beträchtliche Honorarscheine aus- stellen lasten. Obwohl die Honorare erst nach erfolgter Sanierung zu beanspruchen waren, wurden die Eingänge zunächst auf das Honorar verrechnet. Dadurch seien nach Aussage der Anklage die Gläubiger in der Mebrzabl leer ausgegangen und schlechter dran gewesen als zuvor. Die Bücher und Korrespondenzen seien von vornherein gewissentlich möglichst unklar und zweideutig gehalten worden. Sklarz hat durch Rechtsanwalt Dr. Iuliusberger l umfana- reiche schriftliche Gegenerklärungen zu den Akten gegeben, die dicke Bände ausmachen. ..Gassparapparat«." Die Hausfrauen nehmen jede Gelegenheit zur Sparsamkeit wahr und ein Wunder wäre es, wenn sich nicht„geschäftstüchtige" Leute fänden, die das Bestreben der Hausfrau ausnutzen. Gegen- wärtig sind, nach Mitteilung der Berliner Städtischen Gaswerke, wieder einmal recht viele Händler und Hausierer mit„Gassparern" unterwegs, von denen sie den Hausfrauen Wunderdinge er- zählen. Bis fünfzig Prozent Gasersparnis sollen durch die An- weudung der Apparate möglich werden. Die Revidierer, Gasmesser- auffüller und Rohrleger der Städtischen Gaswerke Akt.-Ges. finden fast täglich sclcbe Cparapparate vor, die den Gasabnehmern in Wirk- lichkeit keine Vorteile, sondern gewöhnlich Nachteile bringen. Sie verstopfen die Rehre und beschädigen die Kochherde. Die Bebinde- rung des glatten Ausströmens des Gases geht immer aus Kosten der Leucht- bzw. Heiztrast und führt sehr oft, anstatt zu einer Er- sparnis, zur Verteuerung des Gases.— Die Verkäufer dieser„Spar- apparate" geben sich neuerdings vielfach den Anschein„amtlicher Eigenschaft", indem sie Ausweise mit Lichtbildern vorzeigen. ähnlich denen, die olle Beamten und Angestellte» der Gaswerte bei sich führen.— Die Gaswerke machen darauf aufmerksam, daß ihre Beauftragten aus Karton aufgezogene Ausweise mit Lichtbild und der Unterschrist:„Berliner Städtische Gaswerke Akt.-Ges." bei sich führen.— Es liegt im Intereste der Verbraucher. daß sie darauf achten und sich dadurch vor Schaden schützen. „Tönender Stein" und„Fatinitza". Unter Mitwirkung mehrerer Iazzbandkapellen und unter der Regie von Alfred Braun oersuchte sich die Berliner Funkstunde am Sonnabend in einem Experiment.„Der tönende Stein" ist ein akustischer Film, ein Film also, der nickst aus einer Folge von Bildern, sondern aus einer Aneinanderreihung von Klängen besteht. Daß das Wort dabei noch in sehr starkem Maße das Verständnis der von Karl Wallauer erdachten Handlung unterstützt, ist erklärlich. Int „tönenden Stein" handett es sich um die Darstellung einer Reife um die Welt mit einem Abstecher nach dem Mond. Veranlassung zu dieser Reise war der Abschluß einer Welle. Man erlebte mit Spannung ausregende Fahrten über Land und Meer, hörte das Knattern der Automobile, das Surren der Motore, das Brausen der Stürme, den Singsang der Südseeinsulaner und die Lyrismen der Mondbewohner— die Wette wurde gewonnen. * Wieviel mehr konnten die alten Operettenkomponisten als die modernen. Ganz abgesehen von Jacques Ofsenbach und Johann Strauß, die für immer Spitzenerscheinungen bleiben werden, steckt in einem Suppe, Dellinger oder Lanner ein Reichtum von Meto- dien, der heute noch bezaubert. Ist„F a t i n i tz a" überhaupt eine Operette? Ist sie nickst eher komische Oper? Es ist ein Verdienst des Rundfunks, daß er das reizende Stück, das man jetzt nur selten auf dem Theater hört, am Sonntag abend übertragen ließ. Natürlich kann die Uebertragung niemals das Theater ersetzen, besonders in der Operette, in der ein Hauptakzent auf der Darstellung ruht. Aber immerhin hört man die Musik, wenn auch die szenische Aufmachung fehlt. Brung Seidler-Winkler leitete die Aufführung exakt und temperamentvoll. Die Hauptrollen waren mit Kutzner, Gustav Werner und Maria Hussa-Greve von der Staatsoper gut besetzt. Bedauerlich, daß nach der Pause des zweiten� Akts der W i tz- lebener Sender wegen einer technischen Störung ausgeschaltet wurde, so daß die Uebertragung im dritten Akt sehr viel zu wünschen übrig ließ...----- Sr!efe, öie:hn nicht erreichten...! Aus Eifersucht. Der Kaufmann E. mußte sich vor dem Schöffengericht Berlin. Mitte wegen schwerer Urkundenfälschung. Unterschlagung und wegen Verletzung des Briefgeheimnisses verantworten. Eine unüberlegte Handlungsweise hätte sür den bisher unbescholtenen Mann leicht schlimmere Folgen haben können und nur die begrei'» liche Erregung, in die ihn die Trennung von seiner Frau nach zehn- jähriger Ehe versetzte, schützte den Angeklagten vor einer Ge- sängnisstrafe. Ob in C. die alte Liebe zu seiner Frau wieder erwacht war. oder ob er sich wirklich auf unschöne Weise in den Besitz von Material für die Scheidung setzen wollte, ging aus der Verhandlung nicht klar hervor. Nach der' heftigen Erregung zu schließen, die den Angeklagten kurz vor Beginn des Prozesses befiel, mag es ihn heute schon reuen, seine Kinder und sich von Mutter und Frau nach so langer Ehe getrennt zu haben. Oder erfüllte ihn die Anwesenheit eines Herrn L. mit grenzenloser Eifersucht? Ja, dieser� Herr L! War der nicht überhaupt an allem schuld. Hatte er nicht die Anzeige erstattet, hatte L. sich nicht allzu sehr um die verlassene Frau C. be- kümmert? Der Angeklagte mag so gedacht haben, beweisen konnte er es nicht. Um es aber unter allen Umständen beweisen zu können, hatte er sich in die jetzige unangenehme Lage gebracht. Er war auf das Postamt des Herrn L. hingegangen, hatte sich hier einen Nach- sendungsantrag aushändigen lassen, füllte ihn aus, unter- schrieb ihn mit dem Namen des L. und veranlaßt« so, daß dessen gesamte Briefschaften an ihn gesandt wurden. Aber er kam nicht auf seine Kosten. Beweise der Un- treue, 2lrgumente für die Ehescheidung trafen nicht ein. Und aus diesem Grunde leugnete wohl auch C. ob, die Urkunde aus- geschrieben zu haben. Leugnete noch weiter, als sowohl seine Frau wie Herr L. nicht von ihrem Recht, die Aussage zu verweigern, Ge- brauch machten, sondern frei und offen bekundeten, daß ihrem Ver- kehr nichts Strafbares zugrunde läge, daß sie sich nicht des Ehebruchs schuldig gemacht hätten. Als auch die beiden Postbeamten aussagten, daß sie sich sehr gut erinnern könnten, die Adresse des Herrn L. vor.-. schriftsmäßig umgeändertzu haben, berief sich E. ober immer noch darauf, keine derartige Post erhosten zu haben. Dies war ihri� auch nicht nachzuweisen, da sich die Briefträger auf bestimmte Einzel- besten beim Austragen ihrer vielen Briefschaften natürlich nicht be- sinnen konnten. Aber noch eine schwere Waffe hatte die Staats- anwaltschaft, das Urteil des Schreibsachverständigen. Es siel zuungunsten des Beschuldigten aus, er erkannte in dem fraglichen Schreiben, das allerdings in großer Eile geschrieben schien. geradezu typische Merkmale der Handschrift des C. Das Gericht glaubte dem Angeklagten nicht, ließ aber trotzdem zwei Punkte der Anklage als nicht genügend geklärt fallen und verurteilte ihn nur wegen der Urkundenfälschung unter Zubilligung mildernder Um st ände zu 1 Woche Gefängnis, die gleichzeitigineineGeldstrafevon70M. umgewan- d e l t wurde, die C. außerdem noch in Raten zu 10 M. abzahlen darf.— Aber auch damit war der Angeklagte nicht zufrieden, er stellte Berufung in Aussicht, nahm schnell seine Sachen zusammen und seine Augen suchten... die Frau, die zwar schon den Gerichts- saal verlassen hatte, aber doch draußen auf dem Flur noch die Kinder wiedersehen wollte... Probleme des deutsche« Judentum?. Anläßlich seiner diesjährigen Generalversammlung veranstaltete der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Sonnabendabend im Reichswirt- schaftsrat in der Bellevuestroße eine Kundgebung vor geladenen Gästen. Die Delegierten sowie Vertreter der staatlichen und kam- nmnalen Behörden waren erschienen. Die Kundgebung stand unter dem Motto:„Wege zum inneren Frieden im deutschen Daterlandc". Nach einigen Begrüßungsworten des ersten Vorsttzenden des Zentraloereins, Justizrat Brodnitz, sprachen Reichstagsabgeordneter Ludwig Haas- Karlsruhe, der Direktor des Zentralvereins Hol- länder sowie ein Vertreter der deutsch-jüdischen Jugend. Haas wandte sich gegen die absurden Theorien der antisemitischen Rasse- fanatiker und betonte, daß Toleranz die elementar« Voraussetzung einer staatlichen Eigentultur sei. Nicht deutsch, sondern zutiefst ver- werflich ist die Strauchrittertattik, die Ehre des politischen Gegners in die Gosse zu ziehen. Keine Toleranz den Intoleranten. Schmach über die, welche ihr Amt zum Kampf gegen ihre eigenen Volts- genossen mißbrauchen. Der Vertreter der deutsch-jüdischen Jugend wandte sich gegen den Antisemitismus in manchen Schulen. Zum Schluß sprach Ludwig Holländer. Sechs öffentliche Kund- gedungen am Montagabend schlössen die Tagung ab. nachdem der Sonntag internen Verhandlungen gewidmet war. 9 Tage Schnupfen. Es wird behauptet, der Schnupfen dauere 9 Tage und verschwinde dann von sewst. Jede Behandlung sei zwecklos. Das ist ein Aber- glauben. Den Schnupfen kann man oft in einigen Stunden los werden mit Forman. Form an schafft sofort Luft; Schleim- absonderung, Brennen, Allschwellung hören auf und damit auch die Kopfschmerzen und die Be- nommenheit. Forman erhalten Sie in allen Apotheken und Drogerien. Verlangen Sie nicht „ein Mittel gegen Schnupfen", sondern ver- langen Sie klar und deutlich.Forman", eine Dose für 60 Pfennig. Eröffnung des Fernkabelverkehrs Berlin- Genf. Anläßlich der Eröffnung der Bölferbundstagung in Genf ist der Verkehr auf dem Kabel Berlin- Genf aufgenommen worden. Vor einigen Tagen war bereits das Fernkabel FrankfurtKarlsruhe Bajel fertiggestellt. Damit sind zum erstenmal in Europa die Fernfabelnege zweier Nachbarländer miteinander in Verbindung gebracht. Da sowohl in der Schweiz wie in Deutschland alle Orte von einiger Verkehrsbedeutung an das Kabelnez ange= fchloffen find, wird sich fünftig der Fernsprechverkehr zwischen den beiden Ländern auf unterirdisch geführten Leitungen abwickeln, also gegen Störungen durch Witterungseinflüsse geschüßt sein. Die neue Berbindung wird auch anderen Ländern zugute tommen. Alle mit Deutschland oder mit der Schweiz durch Fernsprechleitun= gen verbundenen Länder werden mit Hilfe des neuen Kabels ihren Fernsprechperfehr auf ein großes Gebiet ausdehnen fönnen. Beispielsweise wird dadurch für die skandinavischen Länder die Möglichkeit bestehen, mit der Schweiz und mit Italien in Verkehr treten zu können. Konfum- Genossenschaft Berlin. Dienstag, 9. März, 7 Uhr, Filmvorführung und Lieder zur Laute in der Staatlichen Elisabethschule, stoch ftraße 66. Starten zu 40 Bf. in den Abgabestellen Sochstr. 62, Alte Jakob ftraße 57/59, Wassertorstr. 20, Planufer 14, Dreibundstr. 5. Kleider zur Schulentlassung. Da unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Beschaffung der Kleider für die Jugendweihe und Konfirmation manchen Eltern große Sorge bereiten dürfte, stellt sich die„ Berkfreude" gemeinnüßige Gmbh. gern zur Verfügung und richtet Kleider während der Arbeitszeit von 9 bis 7 Uhr ein. Bei genügender Beteiligung fönnen auch in den Abendstunden noch Schneiderturie eingerichtet werden. Anmeldungen an die Werkfreude", Berlin W. 35, Potsdamer Str. 104, Eingang Surfürstenstraße. Kurfürst 7904. Espenlaubs Glüd. Der Segelflieger Efpenlaub stürzte in der Nähe von Melsungen bei einem Schaufliegen mit seinem Apparat ab. Der Apparat verfing sich in einem Telegraphengestänge und wurde stark beschädigt. Espenlaub selbst blieb unberlegt. Flugzeugunfall in Staaten. Beim Einfliegen einer Maschine auf dem Flugplaz Staaten geriet ein Flugzeug auf dem Boden in Brand. Der aus dem Deutschen Rundflug bekannte Führer Billit fonnte sich nicht rechtzeitig aus der Maschine retten und berbrannte. Dreißig Personen verbrannt. Nach einer Meldung aus Mostau find bei einem Feuer am Sonntag abend in dem Kino von Nowonikolaje wifi in Sibirien 30 Personen lebendig verbrannt. Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Sindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirksfekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, an richten 1. Kreis Mitte. Die Abteilungsleiter der 1., 5., 6. und 7. Abteilung treffen fich am Mittwoch, 10. März, 74 Uhr, in der Schulaula Auguststr. 68. 7. Kreis Charlottenburg. Freie Schulgemeinde. Heute Dienstag, 9. März, 7 Uhr, im Realgymnasium, Schillerstraße 26, Bersammlung aller Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder zur weltlichen Schule angemeldet haben. Vortrag des Stadtverordneten Lehrer Kreuziger. Wichtige Mit. teilungen. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, 10. März, 8 Uhr Gigung der Fraktion mit den Vorfizenden der Arbeiterwohlfahrt und allen der Partei angehörenden Wohlfahrtspflegern und Bezirksvorstehern, sowie deren Stellvertretern im Stadthause, Kaiferallee, Saal 3, Aufgang B. Alle Beteiligten müssen unbedingt erscheinen. Achtung! Abteilungsleiter! Die Handzettel und Plakate für die Bersammlung am Freitag, den 12. März, von Kroihs, Solsteinische Straße 60, abholen. 13. Kreis Tempelhof. Donnerstag, 11. März, 7% Uhr, bei Niendorf, Chauffee. ftraße, Ede Strelißer Straße, Kreisvorstandssigung. Die Raffierer der pier Abteilungen müssen unbedingt erscheinen. Pünktliches Erscheinen notwendig, da das Zimmer geräumt werden muß. 14. Rreis Neukölln. Der Vortrag am Dienstag, 9. März, beginnt erst um 8 Uhr. 20. Kreis Reinidendorf. Die Genoffinnen allet Abteilungen beteiligen fich recht zahlreich an der Frauenfundgebung am Donnerstag, 11. Mära, 7% Uhr, im Strandschloß Tegel. Heute, Dienstag, den 9. März: 104. Abt. Rieberschöneweite. Seute beteiligen fich alle Genoffinnen und Genossen an der öffentlichen Versammlung in Johannisthal, Bürgergarten 7½ Uhr. Mitgliederversammlungen und Zahlabende Mittwoch 7% Uhr: 2. Abt. Bei Ohngemach, Kommandantenstr. 88. Vortrag:„ Der Völkerbund." Referent: Dr. Theodor Tichauer. 3. Abt. Gaal 5 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25. " Fürstenabfindung." Referent: Dr. Alfred Korach. Bortrag: 4. Abt. Zeichensaal der Schule Kleine Frankfurter Straße 6. Bortrag: Schulfragen." Referent: Stadtverordneter Lehrer Hädide. 5. Abt. Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12. Bortrag:„ Wirtschaftstrise und Fürstenenteignung." Referent: Paul Brendel. 6. Abi. 7% Uhr wichtige Besprechung. Sämtliche Bezirksführer müssen anwesend sein. Die Abteilungsversammlung fällt aus.. 9. Abt. Artushof, Berleberger Straße 29. Bortrag:„ Die Kulturaufgaben der Partei." Referent: Dr. Siegfried Rawerau. Gäste willkommen. 10. Abt. Schulaula Alt- Moabit 23a Diskussionsabend. 12. Abt. Schmidt, Wiclefftr. 17, Abteilungsversammlung. 13. Abt. Artushof, Perleberger Straße 29. Vortrag: Fürstenabfindung Voltsentscheid. Referent: Eduard Rachert, M. d. L. Be 15. Abt. Bahlabend der Bezirte 251 bis 260 bei Goldbach, Binetaplah 7. Bortrag: Die Stonsumgenossenschaft." Referent: Gustav Regel. airte 265 und 266 bei Runze, Aderstr. 49. Bortrag: Die Reichsverfassung." Die Bezirksführer milfsen einladen. Fürstenabfindung Bolts. 16. Abt. Krüger, Huffitenstr. 34. Bortrag: entscheid." Referent: Wilhelm Richter. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin der SPD. Künstlerische Abendfeier am Freitag, den 12. März 1926, abends 7 Uhr, in den Brachtfalen am Märchenbrunnen, früh. Schweizergarten, am Friedrichshain, unweit Königstor. Vortragsfolge: 1. Fünf Lieder für Quartett a) Die Mufit b) Die Rose c) Maienzeit. d) Rum o fum Gagliarda. 2. Tänze a) Gavotte b) Malanischer Fischer c) Chinesischer Tanz. 3. Fünf Lieder für- Quartett a) Da droben auf jenem Berge b) Alennchen lieb c) Rindchen tanzt d) Puppenwiegenlieb e Schagerl klein Melodie 1572. Tegt Martin Luther Johann Görner Rithart v. Rauenthal( 18. Jahrh) Adam de la Hale Hans Leo Haßler( 16. Jahrh.) Mar Reger Walter Niemann Jaap Kool Bolkslied( 19. Jahrh.) Böhmisches Boltslied C. Schotte( Say Hermann) C. Reinide( Gaz B Hermann) F. Parlow( Say W Hermann 4. Ansprachen: Frau Pels- Brüssel und Frau Stadtverbn. Todenhagen- Berlin 5. Tänze a) Grave b) Wiener Walzer. c) Parodie 6. Fünf Lieder für Quartett a) Ass der Jugendzeit. b) Romm mein trautes Rindchen c) Wiegenlied d) Der Guzgauch Gong Joh. Strauß Joh. Strauß Radecke Böhmisches Bolkslied Brahms( Say W. Hermann) Madrigal L. Lemlin( 16. Jahrh.) Bolkslied um 1750 e) Der Jäger aus Kurpfalz Mitwirkende: Deutsches Bokalquartett, bie Damen Dora Raug( 1. Gopr.), Marg. Habermann( 2. Gopr.), Gertrud Peiper( 1. Alt), Erube SchmidtAnnaberg( 2. Ait), Oda v. Holten( Tanz). Eintrittstarten zum Preise von 20 Pf. find zu haben: Frauenfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr.( Bimmer 1).- Frau Gydow, Immanuelkirchftr. 12. Frau Schulz, Siddenföer Str 13. Bigarrengeschäft Seidler, Belforter Straße 11. Lokal Go.dschmidt, Stolpische Str. 36 und an der Abendkasse. 34. Abt. Bahĭabende bei Heese, Memeler Str. 63, Rosin, Gubener Straße 19, Müde, Warschauer Straße 17. Bortrag:„ Die Internationale." Referent: Gustav Eckhardt. 36. Abt. Sahlabende. 1. Gruppe: Busch, Tilsiter Straße 27. Vortrag: Friedrich Engels." Referent: Genosse Gucy. 2. Gruppe: Lubotta, Borndorfer Straße, Ecke Richthofenstraße. Lichtbildervortrag des Genossen Roch über: Weimarer Verfassung." 3. Gruppe: Wittschuk, Petersburger Straße 5. Bortrag: Die Arbeitslosenfürsorge." Referent: Genosse Geßner. " 37. Abt. Bahlabende. 1. Bezirk: 8epte, Eberinstr. 6. 2. und 3. Gruppe: Jerasch, Ebertnftr. 10. 4., 5. und 6. Gruppe: Röhler, Matternstr. 14. 38. Abt. Bahlabende in den bekannten Lokalen. Bezirk 154 bei Bober, WeberStraße 42. Referent: Genosse Timm. 39. Abt. Jugendheim Lindenstr. 3. Bortrag: Frig von Unruh: Opferdant." Referentin: Margarete Schenkalowsty. Bormittags Flugblätter abholen bei Albrecht, Königgräger Straße 70, part. Die Funktionärsihung findet erit am Mittwoch, den 10., 6% Uhr, statt. 40. Abt. Reufner, Hagelberger Straße 20a. Bortrag:„ Das Boltsbegehren." Referent: Erwin Barth. 41. Abt. Zahlabende. 1. und 2. Gruppe: Simon, Belle- Alliance- Straße 30. 3. und 4. Gruppe: Schuster, Chamissoplag 4. 5. und 6. Gruppe: Luge, Bergmannstr. 93. 7. und 8. Gruppe: Mende, Gneisenauftr. 8. 43. Abt. Rahlabende in den bekannten Lokalen. 44. Abt. Schulaula Reichenberger Str. 44/45. Vortrag:" Die Verhältnisse der deutschen und der amerikanischen Wirtschaft." Referent: Rurt Heinig. 45, Abt. Gruppenversammlungen bei: Minnig, Laufiger Str. 46; Matschenz, Forster Str. 9; Liebich, Wiener Str. 58; Wienziers, Reichenberger Str. 104. 46. Abt. Achtung, neues Lokal! Burchardt, Görliger Str. 52. Bortrag: Fürftenabfindung Boltsentscheid." Referent: Josef Ernst. Erscheinen aller Genoffen ist Pflicht. Die Funktionäre erscheinen bereits um 7 Uhr. Charlottenburg. 51. Abt. Schellbach, Rönigin- Elifabeth- Str. 6. Bortrag: „ Das Heidelberger Programm." Referent: Erich Fränkel 52. Abt. Büttner, Raiferin- Augusta- Allee 81. Vortrag: Die Bedeutung der Breffe." Referent: Arno Scholz.- 54. Abt. 8 Uhr im Jugendheim, Rosinenstr. 4, Abteilungsversammlung. 55. Abt. Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Bortrag: Völkerbund, vereinigte Staaten von Europa." Referent: Otto Bach. 57. Abt. Thunad, Wielandftr. 4. Vortrag:" Fürstenabfindung Boltsentscheid." Referent: Richard Krille, Stadtverordneter. 58. bt. Gigungsfaal, Ranfestt. 4 v. 4 St. Vortrag: Wilhelm Liebknecht." Referent: Dr. Mag Schütte. Bilmersdorf. 70. bt. 8 Uhr bei Kroihs. Solsteinische Str. 60. Vortrag: Der Raubzug der Fürsten und die wirtschaftliche Rot." Referent: Her mann Krüger. 71. Abt. Rahlabend bei Jonas, Durlacher Straße Ede Bruchfaler Straße. 72. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung bei Schäfer, Augustastr. 31. Alle Funktionäre milffen erscheinen. Schöneberg. 77. bt. Rahlabende. 1. Bezirk bei Milde, Nollendorfftr. 16. 2. Bezirk bei Jürgens, Barbaroffar. 5a. 3. Gruppe bei Zeugner, Grune maldftr. 36. Bortrag:„ Staat und Politik in Rußland." Referent: Gregor Bienstod.-4. Bezirk bei Will, Martin- Luther- Str. 69. 80. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus. Dafür Besuch der öffentlichen Ber. fammlung am Donnerstag, 11. März, im Friedenauer Rathaus. 81. bt. Friebenan. 8 Uhr Bezirkszahlabende. 1. bis 3. Bezirk bei Rlabe, Sandjernstr. 60/61. 4. bis 6. Bezirk bei Baginsta, Taunsstraße Ede Stubenrauchstraße. Wichtige Aussprache über das Boltsbegehren. 82. Abt. Stegli. 8ahlabende in den bekannten Lotalen. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 9. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.45 Uhr nachm.: Stunde mit Büchern. Biographische Romane. Lytton Strachey: Queen Victoria". Karl Atzenbeck:„ Die deutsche Pompadour". H. CL. Kosel: Elisabeth Vigée- Lebrun". W. Ostwald: Lebenslinien". Sophie Hochstetter: Königin Luise". Ernst Ludwig Schellenberg: Das Buch der deutschen Romantik". 4.30 Uhr nachm.: Frank Wedekind. Aus seinen Dramen. 17. Abt. Zahlabende bei Gerth, Tegeler Str. 50, Uthnehmer, Triftstr.49, und( Gesprochen von Walter Franck). 5-6 Uhr nachm.: Konzert. Muller, Triftstr. 58, Ede Tegeler Straße 18. Abt. 8ahlabend in den bekannten Lokalen. 20. Abt. Bahlabend in den bekannten Lokalen. 19. Abt. 8 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. 21. Abt. Bahlatend in den bekannten Lokalen. 22. Abt. Bahlabend in den bekannten Lokalen. 23. Abt. Bahlabende bei Lewandowski, Geeſtr. 104, Taube, Müllerstraße, Ticke, Barfusstr. 9. 24. Abt. Zahlabende. Gruppe 1: Rösner, Immanueltirchstraße. Gruppe la: Schmidt, Marienburger Straße. Gruppe 2: Winzer, Winsstraße, Ede Christburger Straße. Gruppe 3: Schweizerhäuschen Greifswalder Straße am Bahnhof Prenzlauer Allee. Berichterstattung über die letzte Kreis. funktionärsigung. 25. Abt. Rahlabende bei Gott, Aniprodeftr. 6, Räftner, Elbinger Straße 24, Baronsti, Pasteuerstr. 6. Referate in allen Lokalen. Beinlich, Weißenburger Straße 1. Vortrag:" Das Heidelberger Brogramm." Referent: Regierungsrat Richard Woldt. Die Funktionäre milffen bereits pünktlich 7 Uhr ebenda erscheinen. 27. Abt. Sahlabende in den bekannten Lokalen. Wir erwarten zahlreichen Befuch. 26. Abt. 28. Abt. 8ahlabende in den bekannten Bezirkslokalen. Am Donnerstag, 11. März, öffentliche Rundgebung bei Büttner, Schwedter Straße 23. Für guten Besuch ist Gorge zu tragen. 29. Abt. Altersheim Danziger Straße 62. Bortrag: Rommunalpolitik." Referent: Bürgermeister Dr. Ostrowski. 30. Abt. Jm Lebigenheim, Pappelallee 15, Mitgliederversammlung. 82. Abt. Gruppenabende in den bekannten Lokalen. Gruppe Meister bet Beig, Blumenstr. 68. Gruppe Kluge bei Heinrich, Lange Straße, Ede Krautstraße. 9 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Englisch( R. Herdman Pender). 7.15 Uhr abends: Personenverzeichnis und Inhaltsangabe zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper. Spielzeit 1925/26. 16. Uebertragung. Fidelio" Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven. Personen: Don Fernando, Minister; Don Pizarro, Gouverneur eines Staatsgefängnisses; Florestan, ein Gefangener; Leonore, seine Gemahlin, unter dem Namen Fidelio Rocco, Kerkermeister; Marzelline, seine Tochter; Jaquino, Pförtner; Gefangene, Wachehauptmann, Offiziere, Soldaten, Staatsgefangene, Volk. Die Handlung geht in einem spanischen Staatsgefängnisse, einige Meilen von Sevilla, vor. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Etté). Königswusterhausen, Dienstag, den 9. März. 3-8.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel und Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift. 3 30-4 Uhr nachm.: Schulrat Prof. Dr. Thomae: Die Fortbildungsschule als Dienerin des Wirtschaftslebens. 4-4.30 Uhr nachm.: Ministerialrat Dr. Ziertmann: Der innere Betrieb der Berufsschule. II. 4.30-5 Uhr nachm.: Frl. J. L. Stern: Sing- Sang in der Kinderstube. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. 83. Abt. Lichterfelbe.eft. 8 Uhr bei Schmidt, Roonstraße Ede SindenburgDamm. Bortrag: Gewerbeaufsicht und Arbeiterschuh." Referntin: Regierungsrätin Margarete Trapp. 85. Abt. Tempelhof. Bahlabende. 1. Beairt im Lotal Dorfstraße Ede Manteuffelstraße. 6. Bezirk bei Lange, Ringbahnstraße. 3. und 4. Bezirk in der Linde", Werderstraße Ede Friedrich- Karl- Straße. 7. Bezirk bei Banzlid, Gottlieb- Dundel- Str. 11. 86. Abt. Mariendorf. Zahlabende. 1., 2., 7. Bezirk bei Niemeier, Raiserstraße. Vortrag: Aus der Zeit des Sozialistengefeges." Referent: Genosse Thiebuhr. 3., 4., 5., 6. Bezirk bei Niendorf, Chausseestraße. Bortrag: Die Krankenversicherung." Referent: Genosse Henschel. 8., 9., 10. Bezirk bei Findeisen. Neukölln. 90. Abt. 7½ Uhr Mitgliederversammlungen. 13. Bezirk bei Rüdiger, Lohmühlenstr. 36. 15. und 26. Bezirk bei Jahn, Fuldastr. 45. 16. und 25. Bezirk bei Janide, Hansastr. 11. 17. und 24. Bezirk bei Lehmann, Telstraße Ede Weserstraße. 22., 23. und 36. Bezirk bei Schittler, Weichsel. ftraße 5. 34. und 43. Bezirk bei Kleistner, Münchener Str. 53. 35. Bezirk im Jdealfafino, Weichselstr. 8. 92. Abt. Sahlabende halten ab die Bezirke 14, 29, 30 bei Gauter, Harzer Str. 88( Vortrag); die Bezirke 27/32, 28/33 bei Ewald, Weserstraße Ede Elbestraße( Bortrag des Gen. Reimann über: Die städtischen Werte und Betriebe"); die Bezirke 31/44, 45/55 bei Liepert, Roseggerstraße Ede Weserstraße( Vortrag des Genossen v. Butt tamer über: Tagesfragen"); die Bezirke 46, 47, 59 bei Dehn, Richardstr. 108 ( Bortrag); die Bezirke 72, 73 bei Schneider, Rosenstr. 7( Vortrag über: Fürstenabfindung und Bolksentscheid"). Pflicht aller Genossinnen und Genossen ist es, bestimmt und pünktlich auf ihren Zahlabenden zu er scheinen. 93. Abt. Zahlabende. 57. Bezirk bei Belzer, Treptower Straße 23. 56., 58., 81. und 85. Bezirk bei 8immermann, Stuttgarter Straße 41. 83. und 84. Bezirk bei Rißmann, Böhmische Str. 7. 95. Bezirk bei Prizkow, Richardftr. 53. 82. und 97. Bezirk bei Sturmede, Rotfer. Friedrich- Str. 143. Vortrag:„ Der Sozialismus in der Gegenwart." Refe. rent: Studienrat Erwin Marquardt. 96. und 98. Bezirk bei König, Canner Straße Ede Elbefiraße. 99. Bezirk bei Warnstedt, Thüringer Straße 22. Thema in allen Zahlabenden: Unsere weitere Arbeit beim Boltsbegehren." 94. Abt. dent 27 Uhr Handzettelverteilung von bekannten Lokalen aus. Die Bezirksführer lönnen von 16 Uhr ab bie Handzettel von Schröder abholen. 96. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus und findet später statt. 97. Abt. Zahlabende. 79. und 89. Bezirk bei Augti, Leineftr. 1. Vortrag: Fürstenabfindung." Referent: Baul Jubrian. 104. und 106. Bezirk bei Krüger, Emfer Str. 85/86. Bortrag: Fürftenabfindung." Referent: Bernhard Krüger. 90. und 91. Bezirk bei Helmke, Warthestr. 48. 92. Bezirk fällt aus. 98. Abt. 7 Uhr bei Rudolph, Hermannstr. 156 Ede Knesebecstraße. Lichtbildervortrag: Weltenfchöpfung und biblischer Schöpfungsbericht." Referent: Genosse Pfarrer Piechowski. 99. Abt. Briz- Budow. Zahlabend in allen Bezirken. in ihren Zahlabendlokalen erscheinen. Alle Genossen müssen, 101. Abt. Treptow. Einzelzahlabende. 1. und 2. Bezirk bei Stephan, Graez. firaße 1. Bortrag: Schule und Verwaltung." Referent: Stadtrat Ber. muth. 3. bis 5. Bezirk bei Dettinger, Riefholaftr. 34. Vortrag: Die Fürsorgetätigkeit in der Gemeinde." Referent: Stadtrat Rigner. Außerdem in beiden Bezirken Aussprache über das Bolksbegehren. 103. Abt. Oberschönewzide. Abteilungsversammlung bei Jmberg, Wilhelminen hofftr. 34. 104. Abt Rieberschöneweibe. Schmidt, Berliner Straße 97/98. Bortrag über Rußland." Referent: Oberstudienbirektor Dr. Karsen. Gäste piß. tommen. 107. Abt. Faltenberg. Lokal Meier, Straße am Falkenberg. Vortrag: Wege zur Förderung des internationalen Gedankens." Referent: W. Floerke. Die Bezirksführer laden ein. Gäste willkommen. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr bei Werner, Köpenider Straße 108, 8ahlabend. 111. Abt. Bohnsdorf. Bahlabend bei Heinemann, Waltersdorfer Straße. Lichtenberg. 114. Abt. Pieched, Kroffener Straße 14. Bortrag: Kommu nalisierung von Betrieben," Referent: Stadtrat Hermes. 115. bt. Bahlabende. 1. Gruppe: Gonell, Scharnweberstr. 47, Ede Jungstraße. 2. Gruppe: Lohan, Jungstraße, Ecke Oberstraße. 3. Gruppe: Radtke, Müggelstraße, Ede Scharnweberstraße. 4. Gruppe: Seipke, Kronprinzen. Straße, Ede Scharnweberstraße. 116. Abt. 3m Gesangssaal der MittelSchule, Markstr. 10/11. Vortrag: Fürſtenabfindung Bolksentscheid." Referent: Dr. Ludwig Quessel, M. d. R. 117. Abt. Der Zahlabend fällt aus. Sämtliche Mitglieder beteiligen sich an der öffentlichen Rundgebung in der Schulaula, Lüdftr. 60. 118. Abt. Tempel, Gudrun. Straße 7. Bortrag: Volksbegehren und Fürstenabfindung." Referent: Wolfgang Schwarz. Die Gruppenführer laden ein. 118. Abt. Im Lnzeum, Rathausstraße. Vortrag:" Fürstenabsindung Boltsentscheid und die Wirtschaftstrife." Referent: Rechtsanwalt Dr. Theodor Caffau. 122. Abt. Biesborf. Die Mitgliederversammlung fällt aus und findet am Mitt woch, 17. März, statt. 4.. 5., 128./130. Abt. Bankow. Rahlabende: 1. Gruppe: Magerowitsch, Raiser- FriedrichEde Berliner Straße. 2. Gruppe: Restaurant Meeß, Lindenpromenade Ede Berliner Straße. 3. Gruppe: Dreier, Riffingenftr. 4. 7. Gruppe: Jugendheim Breite Str. 32. 6. Gruppe: Neumann, Gödel. Straße 17.- 8., 9. Gruppe: Dohnte, Wollantstr. 31. Tagesordnung:..Das Boltsbegehren". Parteiangelegenheiten. Heinersdorf: Bahlabend an der bekannten Stelle. 1 131. Abt. Rieberschönhausen. 3m Lokal Wilhelmshof. Raiser Wilhelm- Straße. Bortrag: Die Wirtschaftskrise und ihre Betäurfung". Referent: Dr. Fris Echlok. 132. bt. Blankenburg. Mitgliederversammlung bei Alug. Dorfftr. 2. 133. Abt. Bucholz. 8 Uhr bei Rofiad, Sauptstr. 71. Sahlahend. 134. Abt. Buch. 8 Uhr im Lotal Göpfert, am Bahnhof, Zahlabend. Vortrag: ..Rommunale Bohlfahrt". Referent: Stadtverordneter Amberg. 135. Abt. Rarow. Rahlebend bei Klir. Bankgrafenstr. 3. 137. Abt. 7% Uhr gemeinsamer Zahlabend aler Bezirke im Boltshaus, Scharn weberftraße 114. 139. Abt. Zepel. 8 Uhr im Restaurant Schade, Berliner Str. 17, Ede Beith ftraße. Rommunale Angelegenheiten. Berschiedenes. 140. Abt. Borfigwalde. Der Rahlabend fällt aus und findet am Mittwoch, 17. März statt. 143. bt. Waibmannsluft. Der Rahlabend fällt aus. Frauenveranstaltungen: 30. bt. Dienstag, 9. März, 7½ Uhr, Selferinnenkonferenz in der Wohnung ber Genoffin Wesenberg, Ranzowftr. 8, Sof 3 Trp. 31. Abt. Achtung, Genossinnen! Die Frauenstimme" wird am Donnerstag, 11. März, verteilt. Näheres Mittwoch frilh. 68. Abt. Balenfee. Mittwoch, 10. März, bei Alingebeil, Johann- Georg- Str. 13. Gemiltliches Beisammensein. Alle Genoffinnen sind eingeladen. Beginn 7% Uhr. Sungfosialisten. Gruppe Güden: Dienstag, 9. März, 8 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Zusammenkunft mit der SAJ. Gruppe Gübweften: Aussprache über das Thema: Arbeiterjugend und Jungfozialisten". Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 123a Abt. Raulsdorf- Süb. Am Freitag, 5. März, verstarb unser langjähriger Genoffe Jacob Soffe, Kaulsdorf- Süb, Elsenstr. 7. Einäscherung am Dienstag, 9. März, abends 6 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Ehre feinem Andenken. Wir erwarten recht zahlreiche Beteiligung. 141. bt. Rofenthal. Am Sonnabend, 6. Mära. verftarb plöglich am Serz. schlag im Alter von 35 Jahren unser Genoffe Willn Litty. Wir verlieren in ihm einen überzeugten Parteigenossen. Sein Andenken werden mir in Chron halten. Beerdigung am Mittwoch, 10. März, nachmittags 2% Uhr, auf dem neuen Rosenthaler Friedhof, am schwarzen Weg. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Sport. Eröffnung der Olympia- Radrennbahn. Als er fte deutsche Bahn wirb am fommenden Sonntag, den 14. März, die Dlympia Radrenn bahn die Saison auf offenen Bahnen eröffnen. Zu den Dauerrennen biefes Tages, die über 10, 20 und 40 Stilo. meter führen, find der Sieger des legten Breslauer Sechstagerennens Feja, Franz Kruptat, der Breslauer Paul Thomas und der im bergangenen Jahre auf der Olympia- Radrennbahn besonders erfolgreich gewesene Mar Debe verpflichtet worden. Als fünfter Teilnehmer tommt in Frage Frizz Bauer oder der Schweizer Wegmann. Ein Malfahren und ein Ausscheidungsjahren sind den Fliegern vorbehalten. Die Rennen beginnen um 2, Uhr. FRITZI MASSARY wieder in vollem Format Fritzi assar DIE UNVERGLEICHLICHE 38 besser denn je! Arbeiter Sport Die Wirtschaft hebt die Volksgesundheit! Durch Lohnabban und Werksportvereine. In der vergangenen Woche hat auf Einladung des Präsidenten drr Industrie- und Handelskammer v. Mendelssohn, der Präsident des deutschen Reichsausschusses für Leibes. übungen Dr. Lewald über die Beziehungen von Wirtschaft und Leibesübungen" gesprochen. Es ist in hohem Maße bedenklich, wenn sich die Wirtschaft für den Sport zu interessieren beginnt. Dr. Lewald, der wilhelminische Staatssekretär des Innern a. D., hat denn auch die Ermartungen der Herren nicht enttäuscht. Er sprach davon, daß die Steuern immer noch start auf die Wirtschaft drücken. Natürlich unterstützt er die Steuergeschenke der Regierung an Industrie und Handel, Steueribbau" genannt. Besonders haben es aber die hohen Soziallasten" Herrn Lewald angetan; er weiß, womit er sich bei den Unternehmern einführen kann. Die Verschlech terung des Gesundheitszustandes unseres Volkes, die fich in verstärkter Inanspruchnahme der Krankenkassen und früherer Invalidität der Arbeiter ausdrückt, will Herr Lewald durch systematisch ausgebaute und betriebene Leibesübungen beheben. Nur fo tönne mit einer Senkung der Sezialbelastung gerechnet werden. Das Letztere hat der Vortragende allerdings nicht ausdrücklich gesagt, aber wenn sein Vortrag bei den Wirtschaftskapitänen überhaupt einen Zweck haben sollte, so doch nur den genannten. Arbeitersport und Bildungsarbeit. Die Arbeit in den Arbeitersportorganisationen muß lebendiger gestaltet werden, wozu vor allem die jugendlichen Mitglieder heranzuziehen find. Sie müssen auch in den Sportverbänden geistige Anregungen erhalten, um sie vor der Mechanisierung ihres Lebens auch in ihrer Freizeit zu bewahren. Der Arbeitersport steht gerade deshalb im Gegensatz zum bürgerlichen Sport, weil er die förperliche Durchbildung in glücklicher Weise mit der Pflege einer gewissen geistigen Regsamkeit, die aus dem sportlichen Aufgabenkreis herausgeistigen Regsamkeit, die aus dem sportlichen Aufgabenkreis herausgewachsen ist, verbindet. Heute sind es wohl in der Hauptsache nur die Samariter, die Renntnis vom Aufbau des menschlichen Körpers haben. Aber auch alle anderen Sportler bis zum jüngsten Mitglied müßten für die Funktionen des Körpers in allen seinen Teilen interessiert werden. Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Funktionäre, die Borturner und andere durch Kurse ständig über alles Wissenswerte auf diesem Gebiete unterrichtet würden, damit sie etwa an Turnabenden bei besonderen Uebungen an den einzelnen Geräten durch kurze Vorbemerkungen die Wirkung der Uebungen auf Körper und Muskulatur, ihre Einseitigkeit oder Vielseitigkeit erläutern fönnten. Wenn das heute hier oder dort vielleicht schon geschieht, so doch wohl noch ziemlich versteckt. In den Kreisen und Gauen ist damit zu beginnen. Auch die oft recht ausgedehnten fruchtlosen Debatten in den Mit gliederversammlungen fönnten ganz gut zusammengedrängt werden. um für die genannten Zwecke eine halbe Stunde zu gewinnen. Es Für Herrn Dr. Lewald existiert die Tatsache, daß die Industrie gibt heute in der Arbeiterbewegung schon genügend Aerzte und hohe Soziallasten" hat, was wir entschieden bestreiten. Er hat andere durchgebildete Kräfte, die sich zweifellos gern in den Dienst offenbar feinen Augenblick darüber nachgedacht, daß der schlechte dieser guten Sache stellen würden. Es muß in den Gruppenabenden Gesundheitszustand unjeres Volkes immer noch eine Folge unserer Arbeitersportler in der Frage der Naditultur unbedingt erscheinung der Hungerzeiten während des Krie die Stellung der Moral und Ethik im gesellschaftlichen Leben und ges ist und daß sich die Arbeiterschaft auch unter dem ungeheudas der Sexualität in den eigenen Reihen mit zur Diskussion heranren Lohndrud während der Inflationsjahre einfach nicht gezogen werden. Wenden wir uns gar der rhythmischen Gymnastik sattessen konnte. Das wirkt sich in der Volksgesundheit jetzt eben zu, so ist diese wohl von den unseres Erachtens dazugehörigen mufiaus und wird auch bei der heranwachsenden Generation erst recht falischen Gefühlselementen gar nicht zu trennen. Die Pflege des noch zu merken sein. Es wirkt geradezu femisch, wenn sich Herr fünstlerischen Empfindens wird hier mit zur notwendigen GrundDr. Lewald an dieselben Wirtschaftskreise um finanzielle Unter- lage. stützung beim Ausbau der Leibesübungen wendet, die auch jetzt wiederum dabei sind, die Löhne abzubauen und soziale Errungenschaften, wie Urlaub und Achtstunden tag, aus den Tarifverträgen verschwinden zu Iaffen. Die Zeit der Wirtschaftskrise ist ihnen gerade willkommen dazu. So tragen dieselben führenden Wirtschaftskreise" zur Ver schlechterung der Volksgesundheit bei, die Herr Dr. Lewald und sein Reichsausschuß jest um Unterstützung bei der Hebung der Volksgesundheit angeht. Mit Leibesübungen allein ist hier nichts getan! Industrie und Handel könnten viel mehr für die Hebung der Volksgesundheit tun, wenn sie für austömmliche Löhne sorgten. So könnte am besten der Ernährungszustand und damit auch die Volksgesund heit gehoben werden. Aber darauf tommt es den Wirtschaftern nicht an. Ihr Ziel sind die Wertiportvereine, wo sie die Arbeiter und Angestellten unter ihrer Knute haben. Herr Geheimrat Dr. Frisch, Direktor bei der Dresdener Bant, sagte denn auch die Unterstügung der Wirtschaft" zu. Den Anfang mit der Hebung der Volksgesundheit durch Werfsportvereine" hat gerade die Dresdener Bank in ihren Sportvereinigungen schen gemacht. Der ganze Bortrag des Präsidenten Dr. Lewald und sein 3ufammentreffen mit den Wirtschaftsführern ist doch als abgetar tetes Spiel zu leicht erkennbar. Die Arbeiterschaft weiß, wohin der Kurs geht und wird neben der förperlichen Ertüchtigung in ben Arbeiter sportverbänden auch um die Verbesserung ihrer Lebenshaltung fämpfen. Von einem Teilnehmer an dem Vortrag wird uns noch folgen des mitgeteilt: 3 Einen guten Teil feines Referates verwandte Herr Lewald darauf, der entschwundenen allgemeinen Wehrpflicht" ein fräftiges Loblied zu fingen. Die gewaltigste Boltsschule, die Heeresschule, ist uns genommen..... Sie hat uns eine Fülle förperlicher, geistiger und fittlicher(!) Elemente vermittelt und war eine Schule der Ordnungsliebe, Tattraft.und Willenstraft." Nicht zuletzt fei unsere Bormachtstellung" vor dem Kriege auf diese Bolts schule zurückzuführen. Nun, Herr Präsident, wir sind darüber ganz anderer Meinung, besonders, was die geistigen und sittlichen Elemente" angeht! Ihre Behauptung, daß die soziale Gesez gebung Deutschlands ein Werk unseres alten teuren Kaiser Wilhelms" fei, zeugt nur von byzantinischer Einstellung, läßt aber einfachste politische Kenntnisse vermissen. Ferner: Das deutsche Reich republikanischer Fassung ist noch nicht im stande gewesen, einen Reichsorden zu schaffen", erst der Reichsausschuß mußte in seinem Sportabzeichen einen Ersatz geben. Das ist allerdings eine ganz grobe Nachlässigkeit der RepuElif. Man fann demnach die geringe Sympathie Sr. Exzellenz für Diese Staatsform woh! verstehen! Erfreulich war die Betonung des internationalen Charakters des Sports, die aber nach Worten wie das diesjährige Kampfspiel in Köln fall das Befreiungs. Ipiel werden", in der Welt keinen Widerhall finden dürfte. Russische Schwimmer in Berlin. Nach unendlich langen und schwierigen Verhandlungen ist es bem„ Schwimmverein Vorwärts, Berlin 1897, E. B." gelungen, eine gute und sportlich sehr starke Mannschaft der Leningrader Schwimmer nach Berlin zu verpflichten. Leider war es den russischen Schwimmern nicht möglich, zu den ersten Beranstaltungen und Wettkämpfen einzutreffen, so daß der für den Empfang der russischen Genossen geplante Festabend im Lehrervereinshaus ohne dieselben stattfinden mußte, während die Wettkämpfe verschoben wurden. Gestern sind nun die russischen Sportler in Berlin eingetroffen und nach herzlichem Empfang auf dem Bahnhof in ihre Quartiere geleitet worden. Die Erwartungen, die an den ersten Start russischer Schwimmer in Deutschland gestellt worden sind, dürften sich erfüllen, da sie gute Sportler find. Unterstützt von verfchiedenen Groß- Berliner Bereinen werden die Wettkämpfe äußerst spannend verlaufen und mit volkstümlichen Vorführungen verbunden, für unsere Sache werben. Die Veranstaltungen, die von find folgende: Dienstag 8 Uhr: Stadtbad Friedrichshain, an der Schillingsbrüde; Mittwoch 8 Uhr: Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraßer; Freitag 8 Uhr: Stadtbad Prenzlauer Berg, Oderberger Straße. Die Hauptwettkämpfe finden als Abschluß der gesamten Veranstaltungen am Sonnabend 8 Uhr und am Sonntag 3 Uhr im Stadtbad Wedding, Gerichtstraße, statt. Allen Arbeitersportlern wird der Besuch empfohlen. dem Berein für die Zeit vom 9. bis 14. März 1926 getroffen werden, Der Waldlauf des Sport- Vereins Moabit, der für Sonntag, 14. März, durch die Jungfernheide ausgeschrieben ist, eröffnet die Reihe der leichtathletischen Veranstaltungen im Berliner Arbeiter Sport. Start nachmittags 3 Uhr vom Wassersportplatz Plößensee aus. Für Männer führt die Strecke über 5 Kilometer, für Jugendliche über 2 bzw. 3 Kilometer. Beim Mannschaftswettbewerb werden je brei einkommende Läufer eines Vereins nach Bunkten gewertet; auch für die Einzelkonkurrenz der verschiedenen Klassen. Nichtangemeldete find für die Mannschaftswertung zugelaffen. Meldeschluß am 10. März bei M. Schuler, Quizomstraße 105. Für Frauen und Anaben findet gleichzeitig eine Schnitzeljagd statt, zu der ebenfalls zahlreiche Beteiligung erwartet wird. Für die Eingliederung aller dieser Dinge in den Arbeitsbereich der Arbeitersportbewegung bedarf es, wie schon angedeutet, nicht einmal großzügiger Maßnahmen und großer Referate. Die Becuna des Interesses bei den Mitgliedern und der Wille der Funktionäre, auch auf dem Gebiete der geistigen Durchdringung Gutes zu leisten, dürfte die ersten Erfolge sichern. Oft läßt sich durch die Aussprache in fleinem, interessiertem Kreise schon der Anfang machen. Ofterveranstaltung des A.- R.- B. ,, Solidarität". Jugendlichen den ersten Rang belegen. Nachstehen bringen wir Ble Hauptrefultate: 1. Bezirk. Männer: Oberstufe: 1. Leuthold, Sportv. Moabit, 249 B.; 2. Schneider, Neukölln, 243 P.; 3. Winner, Moabit, 226 P.-Mittelftue: 1. Jahnke, Fürstenwalde, 237 B.; 2. Röhl, Moabit, 228 B. Altersturnen: 1. Schröder, Moabit, 240 V.; 2. Ehrenberg, Moabit, 238 B. Franten: Oberstufe: 1. Lattermann, Lichtenberg, 203 B. Mittelstufe: 1. Fiebed, Neukölln, 308 B.; 2. Morderfinski, Neukölln, 294 P. Jugend: Oberstufe: 1. Gnädig, Lichtenberg, 219 B.; 2. Hopfchen, Neukölln, 216 P. Mittelstufe: 1. Randow, Friedrichshagen, 206 P. 2. Elshols, Adlershof, 186 P. Gesamtbeteilgung: 72 Männer und Jugendliche, 26 Frauen und Jungmädchen. 236 Weffel, Eberswalde, B. 2. Bezirk. Mittelstufe: Männer: Oberstufe: 1. 2. Gawenke, Eberswalde, 234 B.; 3. Rähne, Eberswalde, 232 B. 1. Grabert, Weißensee, 241 P.; 2. Schröder, Belten, 236 B.; 3. Wendt, Tegel, 225 B. Frauen: Oberstufe: 1. Schmidt, Weißensee, 221 B.; 2. Thiele, Herms dorf, 215 B.; 3. Himer, Pankow 213 P. Mittelstufe: 1. Blod, Tegel, 224 B.: 2. Rohrlad, Tegel, 218 B.; 3. Krause, Tegel, 217 P. Jugend: Oberstufe: 1. Winter, Tegel, 223 B.; 2. Gabel, Tegel, 216 P.: 3. Pieper, Eberswalde, 209 P. Mittelstufe: 1. Luk, Belten, 240 B.; 2. Flöten, Eberswalde, 216 B.: Gesamtbeteiligung: 51 Männer und Jugend3. Behrend, Weißensee, 215 B. liche, 40 Frauen und Jungmädchen. Anschließend fanden Sondervorführungen der Bantower und Weißenseer Frauen statt. 4. Bezirk. Männer: Oberstufe: 1. Gutschow, Groß- Berlin- Webbing, 256 V.: 2. Paul Schmidt, Fidyte, 252 B.; 3. Bollmann, Fichte, 247 B.; 4. Paul Henne Mittelstufe: 1. Rernid, Marienfelde, 240 B.; 2. Wriegel, Teltow, 225 B.: 3. Graumann, Schöneberg, 224 B. Frauen: Oberstufe: 1. Blath, Groß- BerlinOften, 240 B.: 2. Schmidt, Fichte, und Bilet, Fichte, 238 B.: 3. Soſchler, Fichte, und Neuendorf, Groß- Berlin- Often, 234 B.; 4. Kramer, Fichte, 221 P.; 5. Bleul, Groß- Berlin- Often, 220 B.: 6. Helmich- Lichterfelde, Rörding- GroßBerlin- Norden, Hennig- Fichte und Spielvogel- Groß- Berlin- Often, 219 B. Jugend: Oberstufe: 1. Ballert, Groß- Berlin- Güden, 230 V.; 2. Lüd. Fidhte, 225 B.: 3. Otto, Treuenbrieken, und Roscher, Groß- Berlin- Norden, 217 B. Mittelstufe: 1. Roatesch, Teltow, 211 B.; 2. Grubiat, Lichterfelde, und Ruber, Schöneberg, 202 P.: 3. Schulze, Lichterfelde, 201 P. bera, Bilmersdorf, 241 B.; 5. Schilling, Groß- Berlin- Norden, 235 3. Fürsorge für die Jugend! Arbeiter Der Schuh der erwerbstätigen Jugend wird nun mehr auch von den Ortsausschüssen für Leibesübungen und Jugendpflege" als so dringlich anerkannt, daß sie mit Forderungen an die Deffentlichkeit treten. Der in Berlin bestehende Hauptausjchu B, in dem neben staatlichen und kommunalen Behörden, bürgerlichen Sport- und Jugendverbänden nunmehr auch die gewertschaft. liche Jugendzentrale, sozialistische jugend und der Arbeitersport vertreten find, ist von seiner früheren neutralen" Einstellung unter dem Druck der Arbeiterorganifationen abgekommen. Auf die Initiative des Hauptausschusses hin find staatliche Mittel zur Verfügung gestellt worden, um Beranstaltungen für die erwerbslose Jugend zu arrangieren. In seiner Sigung vom 23. Februar hat der Hauptausschuß sich mit der Ferienfrage der Jugendlichen beschäftigt und als Forde rung an die Gefeßgebung folgendes beschlossen: 1. drei Wochen bezahlter Ferien für erwerbstätige Jugendliche( einschließlich Lehrlinge) unter 16 Jahren; 2. zwei Wochen bezahlter Ferien für die erwerbstätigen Jugendlichen( einschließlich Lehrlinge) zwischen 16 und 18 Jahren. Der Hauptausschuß bedauert das Fehlen einer Statistit, die einen Ueberblick über den der Jugend zurzeit gewährten Urlaub gestattet und hält aus der praktischen Erfahrung des Hauptausschusses die Notwendigkeit einer solchen Statistit für durchaus erforderlich. Ferner empfiehlt der Hauptausschuß erneut, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß der Jugend während ihrer Urlaubszeit Gelegenheit gegeben wird, sich förperlich, geistig und seelisch zu erholen, sei es in Einrichtungen wie Jugendheimen usw. oder durch Veranstaltungen wie Wanderungen und ähnliches, die von Berbänden, Städten oder Selbstverwaltungsförperschaften schon ge troffen sind oder von diesen, vom Reich oder von den Ländern noch zu treffen sind. Das Borgehen des Hauptausschusses fann im Interesse des allgemeinen Volkswohles nur begrüßt werden. Da an den Beratung n und Beschlüssen auch die Vertreter der Behörden mitwirken, so tommt dieser Stellungnahme eine besondere Bedeutung bei; es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß den Worten nun auch die Tat folgt. Turnerinnen- Werbesportfest der FIGB. Am Sonntag, 21. März, veranstaltet die Freie Turnerschaft Groß- Berlin bas 4. Werbe Turn und Sportfest der Turnerinnen in der Zentralturnhalle, Brinzenstraße 70 am Morigplay. Da die Notwendigkeit der Leibesübungen für Frauen und Jungmädchen auch in Arbeitertreisen immer mehr erfannt wird, ist weitgehendste Bekanntgabe dieser Beranstaltung, die ein inter. effantes Bild des Frauensports geben wird, nötig. Die Arbeiterschaft ift herzlichst eingeladen. Die Ausscheidungsfämpfe um die Gaubundesmeister. schaft im Saaliport der Gaue Brandenburg, Ostsachsen, Ober. und Niederschlesien finden am 3. und 4. April( Ostern) in Berlin im Saalbau Friedrichshain statt. Die Ausschreibungen zu diesem großen Treffen der Saalsportler umfassen Schul- und Kunstreigen, Kunstfahren und Radpolo. Da außer einem von der Ortsgruppe Berlin gefahrenen sechzehner Begrüßungsfarbenreigen nur die Gaumeister der obengenannten Gaue starten dürfen, ist bester Sport zu erwarten. Welche Ausdehnung der Saalsport in den oben. genannten vier Gauen des Bundes Solidarität hat, geht aus folgenden Zahlen hervor. Es sind in den vier Gauen, welche zum Gaubund Dit zusammengefaßt find, 1920 eigene Sa almaschinen vor. handen, 7498 Fahrer sind im Saalsport fertig ausgebildet, Rad. ball wird von 234 Mannschaften und Radpolo von 52 Mann schaften gepflegt. Die bevorstehenden Kämpfe zu Ostern eröffnen die Anwartschaft auf die Bundesmeisterschaft. Was dieser Beranstaltung einen besonderen Charakter geben wird, das sind die von der Gau leitung arrangierten zwei großen Radfahrerfestzua e durch Berlin am ersten Osterfeiertag. In bunter Reihenfolge, geführt von ihren Bannergruppen und den Trommlern und Pfeifern der Ar. beiterturner, merden 3000 Radfahrer Reugnis ablegen von der inneren Geschlossenheit des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität. Rührige Hände sind am Werf, um durch Gruppenbauten fünſtle. rischer und origineller Art den Festzügen die notwendige Abwechse lung zu geben. Auch die Motorradfahrer des Bundes haben beschlossen, durch einen Blumentorio die Festzüge zu ver schönen. Der eine Festzug wird seine Aufstellung im Treptower Bart, Spize Kövenider Landstraße, nehmen, um über die Schlesische, Köpenider und Andreasstraße durch die Friedenstraße zum Königsfor zu gelangen. Hier findet die Bereinigung mit dem nördlichen Rua statt, welcher am Humboldthain, Spize Gustav- Mener- Allee, Aufstellung nimmt und durch die Brunnen. Bernauer, Fransedyund Greifswalder Straße zieht. In Achterstirnreihe werden dann beide Rüge zum Sportplak Friedrichshain ziehen. Hier findet ein 120er Maffenreiaen, ein 24er Runstreigen und Rasenradballiviele statt. Abends findet dann im Saalbau Friedrichshain das Gaubundesfeit statt. Alle Freunde des Arbeiterradfahrsportes find schon ein 3: 3 herausholen. Im Gesellschaftsspiel schlug überspree bie Tasmanen mit jetzt herzlich eingeladen. Die Hochschule des Arbeitersportes. Zur Förderung des Frauenturnens im inneren Berlin beabfichtigt die Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Zentrum, die Gründung einer neuen Frauenabteilung. Anmeldungen Montags und Donnerstag 8-10 Uhr in der Turnhalle Gartenstraße 107a erbeten. Fußballresultate vom 7. März. Bezirk Rorben: Fichte- Norb fonnte auf eigenem Blak die Sennigsdorfer ficher mit 4: 1 schlagen, Belten schickte die Adler- 12- Mannschaft mit 7: 2 geschlagen nach Hause. Unerwartet hoch schlug Bader 20 den Arbeiter- SportDerein 24. Alemannia batte in Bittoria feinen Gegner. 13: 0 lautete das Resultat. Mit 3: 1 blieb Sansa über Birkenwerder fiegreich. Nur knapp Zonnte Spandau 25 über Rauen mit 4: 3 als Gieger den Plak verlassen. Die größie Ueberraschung des Tages ist der Ausgang des Spiels Abler 08 gegen Helvetia. Adler, der Meisterschaftskandidat im Norden, mußte sich mit 2: 4 geschlagen be Tennen. Bezirk Often: Stralau fonnte feinen Gegner Merkur leicht mit 8: 1 abfertigen. Soch gewann Adlershof gegen Frisch- Frei mit 6: 0. Fichte- Südost schlug Verein für Bewegungsspiele mit 3: 1. Luftig- Fidel nahm gegen Beuthen Revanche. Mit 8: 2 mußte fich geuthen geschlagen bekennen. Astania fchicte Lichtenberg I mit 3: 2 geschlagen nach Haus. Gadowa zogen gegen Berliner Sportverein mit 2: 4 ben Rürzeren. Brandenburg 02 fonnte gegen Eintracht 2: 1. Sparta hatte große Mühe, um gegen Retschendorf mit 1: 0 zu gewinnen. Bezirk Sübwesten: Brandenburg mußte an Reukölln einen wichtigen Punkt abgeben. 3: 3 lautete das Resultat. Zehlendorf scheint sich auf Ueberraschungs. refiritate au legen. Woltersdorf hieß der Gegner, und mit 2: 4 mußten fich die Woltersdorfer beugen. Viktori gelang es, gegen Stern mit 3: 2 Flegreich au bleiben. Stern verschwindet aus der Spigengruppe; dafür tritt Bittoria ein. Hetta Kreuzberg mußte sich von Nowawes mit 2: 4 geschlagen bekennen. Tonnte gegen Charlottenburg mit 2: 0 gewinnen. Ludenwalbe V mußte fich Dom Mariendorfer Sportklub mit 2: 3 gefchlagen bekennen. Unentschieden mit 0: 0 trennten fich Schmargendorf und Trebbin. Bankwig gewann gegen Schöne berg mit 5: 2. Die Arbeiter- Turn- und Sportschule in Leipzig wird nach Fertigstellung der Turn- und Sporthallen sowie des Schwimmbades folgende Kurse in ihrem neuerbauten Heim stattfinden lassen: am 31. Mai bis 12. Juni einen Lehrgang für Leichtathletik, am 14. bis 26. Juni einen Lehrgang für Schwimmen, am 1. bis 7. Auguſt einen Lehrgang für Fußball, am 19. September bis Bezirkskartell 6( Streuzberg). Mittwoch, 10. März, 7 Uhe, im Reichen2. Oktober einen Lehrgang für Kinderturnen, am 17. September bis berger Hof, Reichenberger Str. 147, allgemeine öffentliche Sportlerversamm 2. Oktober einen Lehrgang für Männerturnen, am 17. September lung. 1. Die Fürstenenteignung. 2. Das Stedtem the bene Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Bien). Ortsgruppe Berlin: bis 30. Oktober einen Lehrgang für Frauenturnen, am 7. bis 14. NoAn den Sonntagen 14. und 21. Mära finden auf unserem Grundstüd am vember einen Lehrgang für Jugendleiter. Die Lehrer der BundesUeberfee Arbeitstage statt. Genossen, beteiligt euch zahlreich daran. schule werden ferner abhalten: am 10. bis 12. März für Thüringen webbing: Dienstag, 9. März, im Heim Lütticher Str. 48. Mitgliederperfor Abt. Friedenau: Dienstag, 9. März, einen Rurfus für Männerturnen, am 1. bis 8. Mai für Hessen einen lung, anschließend Sprechchorprobe. Kursus für Männerturnen, im Monat Juni für Bommern einen Kurfus für Frauenturnen, im Monat August für Hessen einen Kurjus für Frauenturnen, am 16. bis 18. Mai für Ostpreußen einen Kursus ilberall wiltomin Abt. Gesundbrunnen: Dienstag, 9. März, Sprechchorfür Leichtathletik. Gerätewettstreit im 1. Kreis. Im Arbeitersport hat die sich schnell entwickelnde Spiel- und Sportbewegung das Kunstturnen zeitweise zurückgedrängt. Die Jugend strömt zumeist der Leichtathletik, dem Fußball, Hockey, Schlagball, Handball- Spiel zu, weil diefe Kampffportarten dem jugendlichen Betätigungsdrang mehr entsprechen. Für Kinder sowohl wie für Erwachsene bleibt aber das unerschöpfliche und im ständigen Ausbau befindliche Gebiet des neuzeitlichen Turnens nach wie vor das Gegebene auch in der Zukunft. Die Wettkämpfe um die Meisterschaft im Geräteturnen sind nunmehr im vollen Gange. Am 28. Februar fanden die Vorfämpfe im 1. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sport- Bundes ftatt, die auch mit einem Wettkampf der Mittelstufe verbunden waren. Am 2. April( Karfreitag) folgt ein Gerätewetturnen um die Kreismeisterschaft, am 6. oder 27. Juni ist ein Erstlingswetturnen vorgesehen, und am 22. August wird ein Geräte- Zehntampf die besten Kunstturner pereinen. Die Vorfämpfe am 28. Februar fanden in den Bezirken statt. 3m 1. Bezirk erzielte bei den Männern der Sportverein Moabit, bei den Frauen und Jugendlichen Lichtenberg den Moabit, bei den Frauen und Jugendlichen Lichtenberg den ersten Rang. Im 2. Bezirt war bei den Männern Ebers walde, bei den Frauen Weißensee und bei den Jugendlichen Tegel an erster Stelle. Im 4. Bezirt fonnte die Freie Turnerschaft Groß- Berlin bei den Männern, Frauen und Abt. im Seim Offenbacher Str. 6a. Duschabend. Referent: Genosse Arndt. Abt. Norben: Dienstag, 9. März, pünktlich 8 Uhr, im Heim Sonnenburger Straße 20. Bortrag: Rosa Luxemburg. Referent: Genoffe Herlinger. Gäste ilbung mit Wedding in der Schule Lütticher Str. 48, Rinderhortaimmer. Freitag, 12. März. im Schillerlngeum, Bant- Ede Böttcherstraße. März dichter, Bortrag, Gesang. Arbeiterschach Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Donnerstag, 7 Uhr: Gigung der Alters riegen des Vereins in der Geschäftsstelle. Bezirk Zentrum: Donnerstag, 7% Uhr, Bezirksversammlung bei 8fchiefing, Ader- Ede Linienstraße. Arbeiter- Turn- und Sport- Bund. Kreistechniker aller Sparten Sigung am Mittwoch, 10. Mära, bei Bolter, Rungestraße, 18 Uhr. Wichtige Tagesordnung. Berliner Ruderverein Freiheit e. B. In der Sigung am Freitag, 12. März, 8. Uhr, im Bootshaus Gtralau, Tunnelstr. 28/29. Bortrag des Sportgenoffen A. Ruder: Die Staatsformen der Republik" Am Sonntag, 21. Mära, nachmittags 3 Uhr, finden in Joachimsthal Bettkämpfe zweds Gründung eines neuen Bereins statt. Melbungen von Mannschaften und Einzelspielern find zu richten an: B. Briske, Eberswalde, Eisenbahnstr. b. Rege Beteiligung aller Berliner Abteilungen wird erwartet. Die Abt. Norbweft des Berliner Arbeiter- Schachklubs macht darauf aufmerksam, daß heute, Dienstag, 8% Uhr, das ausgeschriebene Gästeturnier in den Arminiushallen, Berlin NW, Bremer Str. 72/73, beginnt. Am fpiel. Die Beteiligung an biefen Beranstaltungen ift toftenlos.. Anmeldungen werden bis zum 9. Mära abends 8 Uhr, im Spiellokal entgegengenommen. aleichen Tage um 8 Uhr beginnt der Unterrichtsturfus für Anfänger im Schac Geschäftliche Mitteilungen. Sagenbed, beffen fenfationelle Erfolge in feinem mit Dampfheizung sen fehenen Solzbau an der Millerstraße bas Sera mondjen Berliner Theater direktors mit Reid erfüllt, gastiert nur noch wenige Tage im Rorden Berlins, Dem Freunde echter Rirtustuuft und überwältigender Raubtierbreiſuren ſei baber ein balbiger Besuch angelegentlicht empfohlen, zumal auch der rein artifiche Brogrammfeil file Berlin nolltommen neue Rummern enthält mitt modh findet übrigens auch um 3½ Uhr eine Nachmittagsvorstellung mit unGebürsten Abendprogramm und halben Breifen für Rinder fatt Nr. 113+ 43. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kritik an Reinholds Finanzprogramm. Dienstag, 9. März 1926 Reichstagsrede des Genossen Keil über die Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Der Reichstag fegte gestern die Etatsberatung beim Haus halt des Reichsfinanzministeriums in Verbindung mit der ersten Beratung des Entwurfs eines Gefeßes über Steuer milderungen zur Erleichterung der Wirtschaftslage fort. Abg. Keil( Soz.): Bir fordern, daß jeder Steuerpflichtige nach Maßgabe der Gefete ehrlich zu den Laften beiträgt. Bei den Veranlagungspflichtigen ist bisher nicht zu viel, sondern zu wenig zur Erforschung des Eintommens und Vermögens geschehen. Sonst wäre es auch nicht denkbar, daß die Einkommensteuer der Veranlagungspflichtigen einschließlich des Steuerabzuges vom Kapitalertrag nur mit 900 Millionen eingestellt wird, während die Lohnsteuer auf 12 000 Millionen geschäzt wird. Dabei ist zu beachten, daß vom Aufkommen der Lohnsteuer nicht weniger als 82 Broz. auf die Ein fommen unter 5000 mart entfallen. Der geringe Ertrag der von den Veranlagungspflichtigen gezahlten Steuer erklärt sich daraus, daß der landwirtschaftliche Großbesig mit seinen Finanzie rungsfünften es verstanden hat, sich im großen Maße steuerfrei zu machen. Nach einer Auskunft des Reichsfinanzministers sind vom landwirtschaftlichen Großbesig mit über 400 mor gen 60 Pro3, vom Mittelbesig mit 60-400 Morgen 75 Broz. steuerfrei. Dabei führen die Besitzer aber ein sehr standesgemäßes Leben. Angeblich leben sie von der Substanz. Sie fühlen sich dabei aber sehr wohl, viel wohler als der Arbeiter und Angestellte, der ständig von der Substanz seiner Arbeitskraft zehrt und dennoch seine Lohnsteuer auf Heller und Pfennig bezahlen muß. Dringend notwendig ist die Ausdehnung des Buchprüfungsdienst es auf die buchführende Landwirtschaft. Wenn der Buchprüfungsdienst bei der Nachkontrolle eines Bruchfeiles der Steuerpflichtigen in Industrie und Landwirtschaft im Jahre 1924 eine Mehreinnahme von 94 Millionen, im ersten Halbjahr 1925 eine folche von 50 millionen ergeben hat, um wieviel größer würden die Summen bei einer Nachprüfung der Steuererklärungen der Großlandwirtschaft sein!( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Nachprüfung ist auch notwendig in Rücksicht auf die Tätigkeit der Steuerberatungsstellen des Landbundes, die sicherlich nicht auf die Steigerung der Reichseinfünfte hinwirken. Wir fordern, daß der Steuerbeamte mit Gewissenhaftigkeit und, wo es not tut, auch mit Strenge seines Amtes walte. Das gebietet die allgemeine Steuermoral und die Rücksicht auf die ehrlichen Steuerzahler. Wir würden mit viel niedrigeren Steuersägen auskommen, wenn jeber zahlen würde, was er schuldig ist. Deshalb sollte unsere Forderung nach Offenlegung der Steuerlisten von jedem ehrlichen Steuerzahler unterstüßt werden. Was der Unehrliche zu menig zahlt, wird dem ehrlichen zuviel aufgebürdet. Einstweilen muß der Großlandwirt, der angeblich fein Einkommen hat, nach seinem Lebensaufwand eingeschäßt werden. Auch den Steuerfchägungsausschüssen muß wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In das Gerede von der aufgeblähten Finanzverwaltung ftimmen mir nicht ein, weil wir zugeben, daß die Ueberleitung der Steuervermaltung in die stabilen Berhältnisse schwierig und langwierig ist. Dazu kommt, daß während der Wirtschaftstrise die Steuereintreibung werer ist als fonft. Die Stundungs- und Erstattungsanträge wachsen gewaltig. Der erwerbslose Arbeiter und Angestellte hat ein Recht auf Erstattung zuviel bezahlter Steuern, und bie Erstattung foll rasch geschehen, aber fie erfordert natürlich ein starkes Bersonal Dazu sind die Aufwertungsgefeße gekommen, die Ablösung der Martanleihen ist von der Finanzverwaltung durchzuführen. Es find zwar Bestrebungen im Gange, die Aufwertungsfragen noch einmal aufzurollen. Sie gehen nicht von den Deutsch nationalen aus. Es hätte zwar nicht überrascht, wenn die Deutschnationalen nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung ihre alten Oppositionsanträge, die sie im vorigen Jahre bekämpft haben, jegt wieder aufgenommen hätten.( Heiterkeit.) Der Eifer, mit dem sie die Ansprüche der Fürsten verteidigen, müßte sie eigentlich dazu veranlassen. Aber sie scheinen sich nach den bisherigen Er zu üben, wenn fie von wirtschaftspolitischen Maßnahmen begleitet ist.| Die Hochschutzollpolitit ist u. a. begründet worden mit dem Hinweis auf die Borbelastung der deutschen Wirtschaft durch die Umsatzsteuer. Mit dem Wegfall dieser Vorbelastung muß baher auch ein Abbau der 3ollgefeggebung verbunden werden. Die Reichsregierung follte bekennen, daß sie auf dem Gebiete der Bollpolitik ebenso falsche Wege eingeschlagen hat, wie auf dem Gebiete der Steuerpolitif. Der erhöhte Einnahmeausfall, der bei der Senfung um ½ Prozent statt um 10 Prozent entsteht, fällt nicht ins Gewicht, um so weniger als bisher jede Milderung der Umsatzfteuer im gewissen Maße verbrauchsteigernd gewirkt hat und infolgedessen der Einnahmeausfall prozentual fleiner war, als die Steuersenkung. Wir haben aber auch einen Dedungsvor= schlag für den Mehrausfall. Die Regierung braucht nur auf die herabsehung der Vermögenssteuer für 1926 zu verzichten. Deutschland sehr im argen. Wir werden unsere Hand zu ihrer Die Vermögens- und Erbschaftsbesteuerung liegt ohnedies in Milderung um so weniger bieten, als bis heute die Inflationsgewinne noch understeuert sind. Bor Jahresfrist haben mei Raten der Vermögenssteuer für 1925 ausgesetzt wurden. Man wir bereits vorausgeahnt, wohin die Reise gehen sollte, als damals begründete das damals damit, daß die Borauszahlungen schon höher feien als das wahrscheinliche Soll, das sich bei der Neuveranlagung ergeben wird. Jetzt wird der Verzicht auf eine Vierteljahrsrate begründet mit der Unmöglichkeit der Vornahme zweier dicht aufmögenswerte im Jahre 1925. einander folgender Veranlagungen und der Senkung mancher BerMan kann diesen Gründen Rechnung tragen und braucht doch nicht auf die Rate zu verzichten. Man überlasse es dem einzelnen Steuerpflichtigen, seinen Vermögensverlust nachzuweisen und Ermäßigung zu beantragen. Wir lehnen es ab, den Großbesitz zu der künstlichen herabdrückung seiner Einkommensteuer auch noch generelle Ermäßigung der Vermögenssteuer zu gewähren.( Beifall b. d. Soz.) Wir hätten dringlichere Vorschläge für Steuermilderungen. Die Familienermäßigungen bei der Lohnsteuer bedürfen der Erweiterung. Die 3ud ersteuer drückt auf den Verbrauch. Hier bieten sich Gelegenheiten zur Schonung der wirklich schonungsbedürftigen Bevölkerung. Starke Bedenken haben wir auch gegen die Milderung der Fusionssteuern. Die Wertzuwachs steuer soll allerdings nicht erhoben werden, wenn fein Wertzuwachs, fondern nur eine Bufammenlegung von Werten zu verzeichnen ist. Aber die Herabfeßung der Gesellschaftssteuer und der Grunderwerbssteuer erscheint nicht geboten; hier ist mit Stundung auszufemmen, wenn sie nötig ist. Der Aufhebung der sogenannten Lurussteuer stimmen wir zu. Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die geplante Neu geftaltung des Finanzausgleichs. Man beabsichtigt, den Ländern und Gemeinden die Erhebung von Zuschlägen zur Einfommensteuer zu gestatten, um fo ihr Verantwortungsgefühl zu stärken. Aber bei der Bewilligung der Realsteuern fonnte sich doch bisher das Verantwortungsgefühl der Länder und Gemeinden fchon betätigen. Dem Zuschlagssystem stehen neben schweren prinzipiellen Bedenken große praktische Schwierigkeiten im Bege. Soll euch die Lohnsteuer den Zuschlägen unterworfen sein? Darf dabei von den teichsgesehlichen Ermäßigungen abgewichen werden? Das würde bedeuten, die schwersten Kämpfe in die Landtage und Gemeindeverwaltungen zu verlegen. Es würde auch zu einer Buntcheckigkeit der Steuergesetzgebung führen, die heute noch weniger zu ertragen ist als vor dem Kriege. Damals tamen nur Gemeindezu schläge zu den Länderſteuern in Betracht, heute sollen Gemeinde- und Länderzuschläge zu den Reichssteuern hinzukommen. Eine befrie bigende Lösung dieses Problems ist faum denkbar. Mit einer unDeffentliche Kundgebungen dient, den man in Deutschland endlich ausrotten sollte. Mit dem alten System der Steuerzuständigkeit wären wir über die Schwierig feiten der letzten Jahre nicht hinweggekommen. Nur eine demagogische Agitation fann davon reden, daß das Reich seine erweiterte Steuerhoheit mißbraucht hätte. Die Denkschrift der Regierung über den Staatsbedarf des Reichs und seine Deckung 1923/1926 liefert dafür den durchschlagenden Beweis. Man sollte, wenn endlich stabile 3ustände eingetreten sind, dem bisherigen Stuersystem erst einmal eine längere Bewährungsfrist geben und sich dann ein Urteil bilden, ob Alenderungen in seiner Konstruktion notwendig find. Wir Sozialdemokraten werden auch auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung bedacht sein auf die Sicherung und Stärkung der Reichseinheit Steuerlaften betrachten.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) und als unser Ziel werden wir eine sozialgerechte Berteilung der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold: Das Gesetz über die Steuersenkungen hält sich sehr eng an den Inhalt meiner Etatsrede. Eine Abweichung besteht nur darin, daß wir uns jetzt entschlossen haben, die Lurussteuer vollständig aufzu steuerung deutscher Qualitätsarbeit wirken würde.( Beifall.) Die heben, weil auch ihre teilweise Aufrechterhaltung als eine Bes Steuersenkungen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern sie Steuersenkungen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern sie sind ein Teil des Regierungsprogramms für die Wiederbelebung der Wirtschaft nach der schweren Krise. Dazu gehört in erster Linie die Hebung und Förderung des Exports. Dazu gehören weiter Maßnahmen zur Kredithilfe. Dazu gehört vor allem die Wiederbelebung der Bautätigkeit. Wir haben den Ländern und Gemeinden schon die Möglichkeit zur Hergabe billiger zweiter Hypotheken gegeben. Wir wollen jetzt auch bei der Beschaffung erster Hypothefen helfend vorgehen, zunächst durch einen Zwischentredit aus Reichsmitteln. Die Stenersenkungen sind nur durchführbar, wenn wir gleichzeitig Sparsamkeitsmaßregeln durchführen durch Arbeitsvereinfachung und Berwaltungsreform. Die Steuerfenfungsvorschläge sind nicht, wie der Abg. Her gt sagte, ein Sprung ins Dunkle. Es ist ja auch das politische Wunder eingetreten, daß die Deutschnationalen selbst die Sache iezt nicht mehr als einnen Sprung ins Duntle be trachten. Sonst wäre es nicht zu erklären, daß die Deutschnationalen jegt Steuerfenfungsanträge einbringen, die in ihrer Wirkung weit über die Regierungsvorschläge hinausgehen.( hört, hört! links.) die Ausgaben des außerordentlichen Etats, die für die Eine weitere Voraussetzung für die Steuersenkungen ist es, daß wir Zukunft bestimmten Anlagen nicht mehr als laufende Einnahmen, sondern aus Anleihen bestreiten. Die Möglichkeit dazu besteht, lichem Maße. Durch unsere Borschläge soll eine Entlastung und Bedenn die deutschen Spareinlagen vermehren si chdauernd in beträcht lebung der Wirtschaft erreicht werden. Das ist von der an sich wünschenswerten Herabsegung mancher anderer Verbrauchssteuern nicht zu erwarten. nicht zu erwarten. Die Steuermilderungsvorlage ist eine Notmaßnahme, zu der uns die Entwicklung der letzten Zeit gezwungen hat. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, solche Steuermilderungen verzuschlagen, wenn nicht die vorsichtige Steuerpolitik des lezten Sommers es dahin gebracht hätte, daß wir in diese Notzeit mit Ueberschüssen hineingegangen sind. Abg. Oberfohren( Dnat.) behauptet, daß die Aufblähung des Beamtenapparats der Reichsfinanzverwaltung die unvermeidliche Wirkung des neuen Reichsfinanzinstens sei. Die Branntweinmonopolverwaltung sollte von der Reichsfinanzverwaltung getrennt und kaufmännisch selbständig ähnlich wie die Reichsbahnverwaltung gestaltet werden. Eine Anfurbelung der Wirtschaft set von einer wesentlichen Sentung der Umsatzsteuer nicht zu erwarten. Das Zuschlagsrecht für die Länder und Gemeinden dürfe nur mit großen Einschränkungen und bei strengem Einspruchsrecht der Regierung gewährt werden. Finanzminister Dr. Reinhold fragt die Deutschnationalen, warum sie die jetzige Genfung der Umsatzsteuer bekämpften, während die Deutschnationalen doch die bisherigen Gentungen gebilligt haben. fahrungen von ihren Agitationsmanövern teinen Erfolg mehr für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten Diese Steuersenkung werde auf den Breis dieſelbe Wirkung haben, versprechen. Der Finanzverwaltung ist aufs dringendste zu empfehlen, das Berfahren zu vereinfachen, das bei der Gewährung der Borzugsrente eingeschlagen wird. Man sollte allen Antragstellern ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt, an dem sie den Antrag stellen, die Rente vom 1. Oftober 1925 ab gewähren und für die Feststellung der Bedürftigkeit nur das Einkommen des Jahres 1925 heranziehen. Wenn sich daraus ein kleiner Mehraufwand ergibt, so darf man nicht fleinlich sein gegenüber den berarmten Gläubigern des Reichs, die Kummer und Not im reichen Maße getragen haben.( Buftimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Reichsfinanzminister hat mit seinem Steuerfenfungsprogramm im Ausschuß ebensowenig Begeisterung gewedt, wie im Plenum. Es wird bezweifelt, ob das Programim den in Aussicht geftellten günftigen Einfluß auf das Wirtschaftsleben ausüben wird und ob die Balance im Reichshaushalt gesichert bleibt. Merkwürdigerweise hat aber dieselbe Fraftion, die diese Bedenken am stärksten betonte, den Vorschlägen der Regierung eine ganze Serie träge der Deutsch nationalen würden einen Ausfall non hunderten Don Millionen in den Reichseinnahmen bewirken. In der Schliebenschen Steuergesetzgebung würde fein Stein auf dem andern bleiben. Die Deutsch nationalen scheinen den Finanzminister so verstanden zu haben, daß Steuern nicht mehr nötig seien. Hat der Minister wirklich so ver standen sein wollen? Bon seiner Antwort auf diese Frage wird unser weiteres Berhalten abhängen. Der Erfüllungseifer Schliebens und seiner deutschnationalen Freunde schien uns zwar schon zu seiner Amtszeit übertrieben zu sein. Aber so vollständig fönnen wir die Ratschläge Schliebens nicht in den Wind schlagen, wie es die Deutschnationalen heute mit ihren Anträgen tun. Wir nehmen diese Anträge so wenig ernſt, wie die Antragsteller selbst, die nur auf Leichtgläubige damit Eindrud machen wollen.( Beifall b. d. Soz.) Wenn wir bereit sind, die Borschläge der Regierung in Erwägung zu ziehen, so gehen wir dabei von folgenden Voraus fegungen aus: 1. darf die Sozialpolitit nicht einge schränkt werden, denn damit würde die Raufkraft der Massen noch weiter gemindert und die Leistungsfähigkeit der Arbeiter geschwächt: 2. muß die Regierung die Garantie für die Aufrechterhal hung des Gleichgewichts im Haushalt übernehmen; 3. darf das Wohnungsbauprogramm teine Einschränkung erfahren. Unter Betonung dieser Gesichtspunkte stimmen wir dem Borschlage auf Herabſegung der Umsatzsteuer im Prinzip zu. Soll sie sich aber im Wirtschaftsleben günstig auswirken, so darf sie nicht 10 Prozent betragen, sondern muß min. destens ½ Prozent ausmachen. Es war ein schwerer Fehler, daß die Herablegung der Umsatzsteuer von dem Marimaljazz von 2% Prozent auf den jetzt geltenden Satz von 1 Prozent in fleinen Stufen statt mit einem Schritt erfolgte. Deshalb ist der starte preisfentende Einfluß ausgeblieben, den man erwartet hatte. Bir werden den Antrag, den wir schon im vorigen Jahr gestellt haben, die Umfahsteuer auf 0,5 Prozent herabzusehen, wiederholen. Den erhofften günstigen Einfluß auf das Wirtschaftsleben wird aber auch diese Sentung mur bann ungehemmt aus heute, Dienstag, den 9. März: Kreuzberg( 47. Abt.): abends 7% Uhr in Nowacks Festsälen, Manteuffelstr. 9. Redner: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Charlottenburg( 56. Abt.): abends 7% Uhr in der Schulauía Pestalozziftr. 40. Rednerin: Klara Bohm- Schuch, M. d. R. Canfwig: abends 8 Uhr in Lehmanns Festsälen, Kaiser- WilhelmStraße 29/31. Redner: Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Lichtenrade: abends 7% Uhr im Lofal von Stieler, Am Dorfteich. Redner: Otto Meier, M. d. L. Neukölln( 97. Abt.): abends 7% Uhr im Lokal von Pöche, Hermannstr. 164/165. Redner: Bezirksverordneter Willy Groß mann. Redner: Wilhelm Landa. Johannisthal: abends 7½ Uhr, im Bürgergarten, Parkstraße. Redner: Pfarrer Bleier. Friedrichsfelde: abends 7% Uhr bei Tempel, Prinzenallee 30. Mahlsdorf- Süd: abends 7½ Uhr im Restaurant Heidekrug( Befizer Dräger). Redner: Landgerichtsrat Ruben. Reinidendorf- Weft: abends 7½ Uhr in Hartmanns Brauerei, Scharnweberstraße. Reinickendorf Ost, Bezirks Derordneter Hermann Lempert. Redner: Waidmanneluft: abends 7% Uhr im Lokal Arlt, Waidmannstraße. Redner: Rechtsanwalt Dr. Klee. Weißenfee: abends 7% Uhr in den Borussia- Festfälen, Berliner Allee 211/214. Redner: Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, M. d. R. Morgen, Mittwoch, den 10. März: Mitte( 1. u. 7. Abt.): abends 7% Uhr in der Schulaula Auguststraße 68. Redner: Willy Steintopf, M. d. R. Tiergarten( 8. 2bt.): abends 7% Uhr im Nationalhof, Bülowftraße 37. Redner: Bezirksverordneter Hermann Lempert. Prenzlauer Berg( 31. Abt.): abends 7% Uhr in der Schulaula Schönfließer Straße 7. Redner: Artur Crispien, M. d. R. Kreuzberg( 48. Abt.): abends 7½ Uhr in Glaefings Festfälen, Wassertorstr. 68. Redner: Erich Kuttner, M. d. L. Zehlendorf: abends 8 Uhr im großen Saale des„ Lindenpart", Berliner Straße. Redner: Hermann Harnisch, M. d. 2. Neukölln( 91. Abf.): abends 7% Uhr im Karlsgarten( Bergichloß Redner: höhe), Karlsgartenstr. 6/11. Geheimrat Albert Faltenberg.( 93. Abt.): 7% Uhr im Bärwinkel, Sied Adlershof: abends 7% Uhr im Lotal Wöllstein, Bismarcftr. 73/75. lung Dammweg. Redner: laußner, M. d. L. Redner: Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Friedrichshagen: abends 8 Uhr in Schröders Gesellschaftshaus, Lichtenberg( 117. Abt.): abends 7% Uhr in der Schulaula Lüc Friedrichstr. 138. Redner: Landgerichtsrat Ernst Ruben. straße 60. Redner: Stadtverordneter Dr. Richard Loh mann. Wittenau: abends 8 Uhr im Lofal Friedrich Schulz, Oranien burger Straße 88. Redner: Bezirksverordneter Karl Litte. befriedigenden wäre aber nur dem turzsichtigen Partitulariften gewie alle anderen preisbildenden Faktoren. Der Sinn des Zuschlagsrechts sei die Wiederherstellung der finanziellen Selbstverantwortung in den Ländern und Gemeinden. Der Minister erklärte schließlich, fein Finanzprogramm fei vom Kabinett einstimmig gebilligt worden. Abg. Brüning( 3.) hält es für wünschenswert, daß an den und Bewertungsbestimmungen, Beranlagungs. wie sie im vorigen Sommer beschlossen wurden, mindestens für ein Jahrzehnt festgehalten werde. Es sei eigenartig, daß die Deutschnationalen sich jetzt gegen diefelben Programmpunkte wenden, die sie selbst im vorigen Jahre aufgestellt haben. Wenn es nicht möglich sei, Anleihen aufzunehmen, dann müsse das Reichsbankgesez dahin geändert werden, daß die Reichsbank dem Reiche die für besondere Zwecke erforderlichen Summen zur Verfügung stellt. Der zur Unterstüßung der Erwerbslosen in diesem Jahre notwendige Betrag jei auf 200 Millionen Mart zu schätzen. Es müßten gewisse Reserven in den Kassen zurückgehalten werden, um solchen Gemeinden zu helfen, die aus eigenen Mittein ihren Beitrag für die Unterstügung der Erwerbslosen nicht aufbringen fönnen. Zu wünschen wäre es, daß ebenso, wie in der Außenpolitit auch in der Finanzpolitit die einmal aufgestellten und litionen wechseln, anerkannt und durchgeführt werden. bewährten Grundsäge von allen Regierungen, wenn auch die KoaAbg. Keinath( D. Bp.): Die Steuerbelastungen dürften nicht die Erträgnisse der Unternehmungen aufzehren, wie das bei Krupp der Fall sei, wo im vorigen Jahre ein Minus von 15 Millionen Mart, der ungefähr der Steuerbelastung entsprach, entstanden sei. Falsch sei allerdings die Behauptung, daß die Steuerlaften die Wirtschaft erdrückten, aber fie feien doch viel zu hoch. Von Krediten allein könnten die Unternehmungen nicht leben, jie müßten auch Kapital ansammeln. Durch die jeßige Reform werde eine Belebung der Wirtschaft nur erfolgen, soweit die Lurussteuer in Betracht tomme. Das Finanzministerium sollte denen mehr entgegenkommen, die an ihrem Vermögen starke Verluste erlitten hätten. Abg. Neubauer( Komm.) bezeichnet als das Ziel des Finanzministers die Befreiung des Besizes von den Staatslasten auf Kosten der arbeitenden Massen. Abg. Fischer- Köln( Dem.) weist darauf hin, daß bei uns noch 4 bis 5 Pro3. der Steuereingänge für deren Erhebung und Verwaltung aufgewendet werden, während in England der Erhebungsquotient nur 1½ bis 1% Prez. betrage. Es muß also noch eine wesentliche Vereinfachung erzielt werden. Beim Bewilligungsrecht des Reichstags müßte das englische Budgetsystem übernommen werden, vor allen Dingen aber haben sich die öffentlichen Ausgaben nach den beschaffbaren Einnahmen zu richten. Die Grenze dessen, was aufgebracht werden muß, um die notwendigsten Staatsaufgaben zu erfüllen, sollte durch eine etatswirtschaftliche En quete festgestellt werden, die auch die etatswirtschaftliche Frage zu untersuchen hätte. untersuchen hätte. Eine Zentralstelle müßte eine finanzſtatiſtiſche Kontrolle führen und die Deffentlichkeit dauernd über die öffentliche Finanzgebarung unterrichten. Um 7 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag, den 9. März, I nachmittags 1 Uhr. Fortsegung der Beratung. Lehren öer Stillegungsaktion. Vorteile und Nachteile der Kalikonzentration. Infolge der mehr spekulativen als betriebsökonamifchen 2k< strebungen der Kallinteressenten war die deutsche Kallindustrie im große» ganzen in eine Entwicklung hineingewachsen, infolge deren die Wcrksgcsamthcit an Ileberproduktion und die Werkes i n h c i t an unwirtschaftlicher Unter Produktion krankte. Die nach dem Verlust des deutschen Kalimonopols hervorgetretene produktionswirtschaftliche Rückständigkeit erforderte die Ratio- n a l i s i e r u n g Sic wurde herbeigeführt, indem sich die Kali- industrie zu Konzernen und Großkonzernen zusammenschloß, die die unrentabelsten Werke st i l l e g t e n und die Kali- erzeugung, in Verbindung mit einer großzügigen Nebenprodukten- erzeugung auf die Werke mit den besten bergbaulichen und fobrik- technischen Bedingungen konzentrierte. Von bestehenden 224 Werken sind 118 endgültig und.35 vorübergehend stillgelegt, so daß die Er- zeugung auf 71 Betriebswerke zusammengezogen wurde, chiervon entfallen schätzungsweise etwa 12 Betriebs- und etwa ebensoviele Reservewerke auf den Wintershall-Kon- zern und etwa 59 Betriebs- mit etwa 23 Revierwsrkcn auf olle übrigen'Konzerne. Nach dem heutigen Stande der Anlagen kann der Wintershall-Konzern mit feinen Betriebs- und Reservewerken im Höckzstfall 19 bis 12 Millionen Doppelzentner Reinkali leisten. Die heutige Äesamtleistungssähigkeit aller Kaliwerke schätzt man auf 25 bis 39 Millionen Doppelzentner Rcinkali, so daß auf die Betriebs- und Refcrvewerke aller übrigen Konzerne eine Leiftungs- Möglichkeit von etwa 15 bis 29 Millionen Doppelzentnern Rein- kali kommen würde. Da an der Verstärkung der Großproduk- t i o n noch rege gebaut wird und werden soll, dürfte sich die heutige Anzahl der Betriebswerke mit der Zeit noch vermindern, zumal kaum anzunehmen ist, daß der Absatz im Tempo zunehmender Produktionsmöglichkciten. welche ihm offenbar vorauseilen, steigt. — Die mit der Rationalisierung erreichten betriebswirifchasllichcn vorteile sind folgende: Vor der Rationalisierung beschäftigt« die Kaliindustrie insgesamt etwa 45 999 bis 59 999 Arbeiter und Angestellte, nach dem letzten Wintershall-Bericht sind in ihr, bei erweiterter Erzeugungsmöglichkeit, nur noch 29599 tätig, wovon auf Wintershall-Großkonzern der rund 49 Proz. der Kali- erzeugung vertritt, 9599(früher 22 999) und auf alle anderen Kon- zerne etwa 29 999(früher bis 28 999) entfallen. Der Wintershall- Konzern erzielte durch die Rationalisierung nach eigene» Angaben diese Resultate: Der Durchschnittsgehalt der Gesamt- förderung besserte sich von 19,5 Proz. Reinkali im Jahre 1919/29 auf 13,5 bis 14 Proz. heute: der Effekt pro Mann und Schicht, berechnet auf die Gesamterzeugung und die Gesamtarbeiterzahl von früher, 1 Doppelzentner a u f heute 2,5 Doppelzentner. An Geldeinnahmen erzielte früber ein mittleres Konzernwerk mit Fabrik 739999 bis 899 999 Mark, heule beträgt der Erzeugungswert eines mill- leren Iverrawerkes 7 bis 8 Millionen Mark. Bei den anderen Konzernwerken ist die Entwicklung ähnlich. Der Koliblock hat es verstanden, im verflossenen Jahre und der letzten Zeit die Selbst- kosten ganz enorm herabzudrücken. Neuerdings suchen die Konzerne die Wirtschaftlichkeit noch durch räumlich engere Zusammenfassung ihrer Betriebswerke im Werksaustausch mit anderen Konzernen zu heben.— Demgegenüber drücken sich die Schattenseiten und Befürchtungen der Konzentration im folgenden aus: Durch die geschaffenen und werdenden Groß- anlagen ist die Kaliwirtschaft in der Lage, heute, bei Ausnutzung aller Möglichkeiten, mindestens 25 bis 39 Millionen Doppelzentner Reinkali herzustellen. Der bisherige Absah hat kaum ein Drittel dieser hcrstellungskapozität wesentlich überschritten. Sofern die Absatzentwicklung der nächsten Jahre nicht einigermaßen diesen Herstellungsmöglichkciten entspricht, ergibt sich die bedeutungsvolle Frage, ob im Ausmaße der Konzentration bisher nicht schon des Guten zuviel getan ist. Ernsthaft zu nehmende Stimmen weifen daraus hin, daß noch nicht sicher ist, ob die von Wintershall errichteten Mammutwerke, denen der Kaliblock und beson- ders der über vorzügliche Anlagen verfügende Dr. W. Sauer- Konzern ablehnend gegenüberstehen, im wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Interesse liegen. Wennschon im allgemeinen der Grundsatz:«Je größer die Anlage, desto rationeller der Betrieb' gilt, so gibt es auch hier Grenzen und bedingte Voraussetzungen. Wenn kleinere Anlagen nicht immer wirtschaftlich arbeiten, so ist das nicht auf die kleineren Dimensionen, sondern hauptsächlich auf die von Anfang an unrichtige DimensiönieruNg, die eine Vollausnutzung verhinderte, zunickzuführen. Sämtliche Anlagen können letzten Endes nur wirtschaftlich arbeiten, wenn sie über ausreichende Quotenteile, die eine volle Betriebsausnutzung gewährleisten, verfügen. Sofern die volle Ausnutzung aus Quoten- mangcl oder im Verhältnis zu der Crzeugungssöhigkeit unzureichenden Absatz nicht möglich ist, arbeiten die Riesenanlagen zweifellos teurer als kleiner bemessene Anlagen, die gut ausgenutzt werden, es sei denn, daß sich die Ricsenanlagen, kraft ihrer in der Inflation bequem und billig erkauften Majoritäten die Quoten der zu diesem Zwecke stillgelegten Anlagen auf Kosten der zahlreichen Minder- hcitsgewerke sicherten. Der Wintershall-Konzern hat sich den für seine Ricsenanlagen erforderlichen Quotenbedorf durch Aufkäufe ganzer Konzerne in der Inflation bequem und billig gesichert. Die durch die Riesenanlagen erzwungenen zahlreichen Slill- legungen haben etwa 29 909 Arbeiter und Angestellte über- flüssig gemacht. viele Gemeinden und Geschäftsleute empfindlich g«- schädigt. Durch die bisherigen Gesamtstillegungen sind der Volkswirtschaft an investierten Kapitalien etwa 699 bis 790 Millionen Mark verloren gegangen, und man weiß heute noch nicht, ob diese rücksichtslose Abbuchung von Vermögenswerten, die volks- wirtschaftlich noch nicht von Nachteil zu sein brauchten, durch eine vorteilhaftere Produktionsweise in den noch arbeitenden Werken ausgeglichen wird. Zehntausende von Arbeitern haben infolge der Großkenzentration Brot und Arbeit verloren. Ihr Wohl ist sicher besser gewahrt, wenn sie zerstreut, statt allzusehr in über- füllten, ungesunden und teuren Industriezentren zusammengezogen wohnen und leben müssen. Bon der durch die Rationalisierung erhofften wesentlichen Preisherabsetzung für Kalisalze i st demgegenüber wenig z n spüren, und es besteht auch keine Neicni.g zu einer Senkung der Syndikatspreise, am oller- wenigsten, nachdem das Monopol durch die deutsch-sranzösifche Verbindung ziemlich wiederhergestellt ist. Bei alledem ist die Frage, ob es nicht richtiger war, mehr kleinere als allzu große Anlagen, die den Tod an sich gut rentierender Mittelwerke bedeuten, zu beschäftigen und sie voll auszunutzen. Der Kaliblock und der Dr. W. Sauer-Konzern halten Großanlagen bis zu einer Leiftungs- fähigkeit von 29 999 Doppelzentnern für ausreichend und haben damit zweifellos das Richtige getroffen. Schließlich ist die alte Weisheit:„Jede Intensivierung hat nur Zweck und Ziel, wenn ein Bedürfnis dafiir vorliegt und steigerungsfähig ist", angesichts der gegebenen Produktions- und Absatzerfordernisse in all ihren Kon- lcciuenzen besonders zu beachten und die sich daraus ergebenden Resultate zur Abwendung möglicher weiterer Schäden zu verwerten. « Die vorstehenden Ausführungen, die aus der Feder eines im Kalibergbau bewanderten Betriebswirtschafters stammen, bringen wir um so lieber zum Abdruck, als für die gesamte deutsche In- dustric die Frage der Rationalisierung heute von brennendem Inter- esse ist. Die Gewerkschaften haben in ihrer bekannte» Denkschrift über die Gegenwartsaufgaben deutscher Wirtschaftspolitik mit Recht dargelegt, wie es nicht Aufgabe der Arbeiterschaft sein kann, sich der Rationalisierung der Betriebe zu wider- setzen, ja sie haben die Vervollkommnung der Produktions- Methoden als notwendig bezeichnet und begründet. In den zahl- reichen Fällen jedoch, wo Stillegung der bequemere Ausweg aus den Profitsorgen des Privatkapitals ist, wird immer aufs genaueste zu prüfen fein, ob mit den Opfern der Arbeiterschaft der volks- wirtschaftliche Zweck der Rationalisierung, die Steigerung der Gesamtproduktion und des Absatzes, auch wirklich erreicht wird. Für die Kaliindustrie ist diese Frage zum min- besten nicht einwandfrei geklärt, solange der notwendige großzügig« Preisabbau nicht erfolgt ist. Unterbilanz bei Krupp. Die Bilanz der Friedrich Krupp A.- G. Essen weist für dos abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 15,3 Millionen Mark aus. Die Begründung, die der Verlust im Ge- schäftsbericht erfährt, läßt darauf schließen, daß die Unterbilanz mindestens zu einem wesentlichen Teile herbeigeführt ist durch eine Abwertung früher überbewerteter Anlagen. Das gilt ganz ausgesprochen für die G e r m a n i a w e r f t in Kiel, die zu dem Besitz der Firma Krupp gehört und die auf ihre Anlagen eine Sonderabschreibung von 7 Millionen Mark bei einer gleichzeitigen entsprechenden Herabsetzung des Aktienkapitals vornimmt. Die Eerman.awerft wird demnach nur noch einAktienkapitalvon 3 Millionen Mark haben. Es ist eben nicht mehr möglich, die Werftanlogen ausreichend zu beschäftigen. Dagegen hat die Ab- teilung Maschinenbau und von ihr insbesondere der Schiffsdiesel- Motorenbau gut gearbeitet. Der Kapitalherabsetzung bei der Germaniawerft entspricht es, wenn die Friedrich Krupp A.-G. ihre Betelligungen bei Tochterunternehmungen jetzt nur noch mit 25,6 Millionen Mark auswesst, während diese in der Gold- eröffnungsbilanz mit 39,8 Millionen figurierten. Starke Einschränkungen des Betriebes und Kon- z e n t r a t i o n auf die lohnende Beschäftigung im Maschinenbau und in den Guhstahlfabriken kennzeichnen die Entwicklung dieses größten Rüstungsbetriebes der Vorkriegszeit. Es ist erinnerlich, daß die zahlreichen Arbeiterentlassungen und Betriebseinschränkungen bei Krupp in der letzten Zeit viel von sich reden gemacht haben. Das Bild, da» die Entwicklung der Belegschaft bei den einzelnen Unter- nehmungen ergibt, zeigt dies aufs deutlichste. Beschäftigt waren: 39. 6. 23 39. 9. 24 39. 9. 25 Krupp insgesamt..... 97 303 71 320 63145 davon Gruson-Werk-Magdeburg..— 4 655 4 682 Germaniawerft Kiel.....— 8 239 5 871 Auf der Generalversammlung erklärte der Aufsichtsratsvor- sitzende Krupp-v. Bolen-Halbach in seinen eingehenden Dar- legungen, daß man besondere Vorsicht bei der Bewertung der einzelnen Posten habe walten lassen. Die Anlagen scheinen trotz wesentlicher Verbesserung nicht höher als bisher. Der Verlust von 15 Millionen Mark enthalte neben den tatsächlich eingetretenen Ein- büßen der Betriebe auch Abschreibungen auf die Bestände, die noch immer zu hoch seien. Wie bereits erwähnt, hatte nur ein Teil der Anlagen der Krupp- Werke in dem letzten Geschäftsjahr gute Beschäftigung. Schon die Zahlen der Beschäftigten zeigen, daß das Grufonwerk Verhältnis- mäßig am besten abgeschnitten hat. Starke Zurückschraubungen der Belegschaft wurden beim Hauptwerk in Essen und den ihm uumittel- bar dienstbaren Betrieben vorgenommen. Diese ganz« Beschränkung des Betriebes ist nichts anderes als eine zwangsläufigeFolge der Umstellung des Rüstungsbetriebes auf die Fabrikation für Friedensbedarf. Es ist selbstverftänd- lich. daß trotz oller anerkennenswerten und erfolgreichen Bemühungen technische Neuerungen(Edelstahl!) und hochwertige Maschinen auf den Markt zu bringen und diesen Waren auch den Auslandsmarkt zu sichern, ein so gewaltiger Betrieb, wie das Kruppsche Unter- nehmen, Jahre braucht, wenn er überhaupt jemals in die Lage kommen soll, in demselben Umfange wie vor dem Kriege auf dem neuen Gebiet zu produzieren. Die Inflation hat manche Verluste, die dabei entstehen konnten, verschleiert. Insofern stellt die heutige Verlustbilanz nur eine notwendige Korrektur dar. Bemerkens- wert ist aber, daß Krupp-v. Bohlen den R u h r e i n b r u ch der Franzosen für die Unterbrechung verantwortlich machte, die der Aus- bau der Friedensproduktion in den Essener Betrieben erfuhr. Wenn man heute darüber klagt, daß nach Absetzung der Entschädigungen immer noch ein Verlust von 199 Millionen Mark bleibe, so ist doch daran zu erinnern, daß die Schwerindustrie sicherlich nicht alles getan hat, um den Ruhreinbruch und die mit ihm verbundenen Schäden durch eine vorausschauende Politik abzuwehren. 69 Millionen Mark Vorratsaktien, die im Jahre 1923 ausgegeben worden waren, werden jetzt eingezogen. Das beträgt demnach not noch 100 Millionen Marl E» gehört trotzdem za den bedeutendsten der ganze» Schwerindustrie, und es will viel heißen, daß die Krupp-Werko nicht nur im Hinblick auf die Eigenart ihrer Produktion dem g» planten Rheimsch-Westfälifchen Montantrust fernbleiben, son- dern daß sie auch sonst auf der Generolverfammlung durch ihren Leiter ein starkes Vertrauen in die eigene Produktion s- fähigkeit kundtat... im Gegensatz zu vielen anderen groß- industriellen Unternehmungen. Bemerkenswert ist die dankbare An- erkennung, die Krupp-o. Bohlen der ausländischen Kredit- Hilfe während der schweren Uebergangszeit zollte.„Aus Amerika sind uns,.wie in den Iahren der Hungersnot Lebens- mittel, so numNehr erhebliche Betriebsmittel zugeflossen." Diese Aeußerung ist außerordentlich bezeichnend für einen Wirt» schaftsführer, der an„nationaler" und sozialreaktionärer Einstellung seinen Kollegen von der Schwerindustrie sicherlich nichts nachgibt, sich aber trotzdem nicht davon abhalten läßt, der amerikanischen Kredit- Hilfe die berechtigte Anerkennung zu erweisen. öetriebsftillegungen im Ruhrbergbau. Nach einer früher veröffentlichten Zusammenstellung waren im Ruhrbergbau bis Mitte Oktober 1925, abgesehen von kleinere» Be- trieben. 48 Zechenanlagen mit 43 252 Mann Belegschaft stillgelegt. Nach dieser Zeit wurden folgende weitere Stillegungen vor- genommen: Raule d. Zeche u. Betriebsfi» i» Betrieb seit Betegsch. SNlleg. Gutglück und Wrangel, Vormholz bei Hattingen.... 1899 129 Okt. 1925 Pluto-Wilhelm, Röhlinghausen b.Wanne 1876 2376 Nov. 1925 Ver. Trappe. Silschede...... 1848 736 Dez. 1925 Maßen m/TV, Maßen v. Unna... 1854 2419. 1925 Centrum II/V, Wattenscheid.... 18?6 1136, 1925 Friedrich Joachim, Essen...... 1875 1801, 1925 Unser Fritz n/m, V, Wann..... 1885 1655. 1925 Die Gesamtzahl der in diesen Betrieben beschäftigt ge- wesenen Arbeiter beträgt 19 2 3 4, mithin sind bis Mitte Fe- btuar insgesamt 55 größere Anlagen mit 53 486 Mann Belegschaft außer Betrieb gesetzt worden. Außer diesen 55 größeren Anlagen sind noch 29 Netnere Betriebe, meist Stollenbetrieb«, mit insgesamt 275 Mann Belegschaft stillgelegt worden. Zu bemerken ist, daß die angegebene Delcgschaftsziffer nicht sämtliche in- folge des Absatzmangels und des dadurch hervorgerufenen Still- legungsprozesses zur Entlassung gekommene Leute umfaßt. Abge- sehen von den Stillegungen ganzer Zechenanlagen wurden auf vielen Zechen'Betriebseinschränkungen vorgenommen, die ebenfalls umfangreiche Entlassungen mit sich brachten. Anderer- seits ist zu beachten, daß die auf den stillgelegten Zechenanlagen entlassenen Leute nicht sämtlich arbeitslos geworden sind, sondern größtenteils auf anderen Anlogen untergebracht werden konnten. Ende März 1925 waren im Ruhrbergbau 467 993 Arbeiter be- schäftigt, Ende Januar 1926 388 818 Arbeiter, michin hat sich die Belegschaft seit März 1925. von welchen, Zeitpunkt an die Zechen- stille'gungen und Betriebseinschränkungen hauptsächlich begonnen haben, um 79 175 vermindert. Der Geschäftsbericht der Reichsbahn. Dos Amtliche Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn- qesellschoft veröffenllicht den Bericht über das erste Geschäftslohr der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Die B et r i e b s e r g e b- Nisse für da» Geschäftsjahr 1925. das die Zeit vom. l-.Yftober 1924 bis 31. Dezember 1926, also 15 Monate umfaßt, stehen noch nicht fest. Im ganzen ist es gelungen,»eben den laufenden Betriebsaufgaben und den Aufwendungen für werbend« Anlagen fristgemäß die Zablungen für den Dienst der Reparations- fchuldoerfchreibungen zu leisten. Außer diesen Ausgaben Hot die Gesellschaft für die Wiederinstandsetzung der Rhein- und Ruhr- bahnen eichebliche Mittel aufgewendet. Die Breslau er Rieste, die am Sonntag eröffnet wurde, ist an» gestchts der ungünstigen Wirtschaftslage diesmal nicht von allzuviel Hoffnung begleitet. Di« Zahl der Aussteller entspricht nicht den sehr erweiterten modernen Räumen der neuen Messebauten. Immer- hin sind einzelne Branchen, wie Textilwaren. Schuhwaren und auch das Möbelgeschäft von Ausstellern gut beschickt. Unter dem Käuserpublitumfehlt diesmal infolge der ungünstigen Lag« der Handelspolitik jeder größere Zustrom von den östlichen Nachbar- ländern. besonders auch von Oft-Oberfchlefien und dem übrigen Polen. Gut vertreten sind die Provinzkäufer aus den beiden fchlesifcheu Provinzen Preußens, die auch ziemlich zahlreich«, ober meist bescheidene Kaufaufträge gaben. Der Gesamtumsatz wird daher nicht allzu groß sein, sodaß eine Diskussion über die zukünftige Einschränkung der Breslau er Messever- an staltungen unter dem Einfluß der jetzigen Erfahrungen be- reits in der Oeffeittlichteit begonnen hat. Die Sladlschaslen und die Förderung de» Wohnungsbaues. Ii« Geschäftsjahr 1925 haben die der preußischen Zentralstadtschost an- geschlossenen Stadtschoften in beträchtlichem Umfang an der Her. stellung von Wohnungen mitgewirkt. An der Finan- zierunq oder endgültigen Fertigstellung von Wohnungen waren beteiligt: die Stadtschaft der Provinz Brandenburg bei 1478 Woh- nungen, die Pommersche Stadtschaft bei 877 Wohnungen, die Ost- preußische Stadtschoft bei 499 Wohnungen und die Stadtschaft der Provinz Hannover bei 399 Wohnungen. Insgesamt wurden also 3955 Wohnungsneubauten unter Mitwirkung der ge- nannten vier Stadtschaften hergestellt. Auch sür das Baujahr 1926 liegen Anträge auf Beleihung von Neubauten in großer Anzahl bei den Stadtschoften vor. Allein die Stadtschaft der Provinz Bran- den bürg hat bisher schon Ddrlehen für etwa 1499 Wohnungen (2— 3 Zimmer) bewilligt. Annähernd die gleichen Zahlen dürften von der Ostpreußischen, Pommersche» und Hannoverschen Stadtschaft erreicht werden. Der Goldpfandbriesumlauf der Zen- tralstadtschast stellte sich am 1. März 1926 auf rund 43 Millionen Eoldmark: in Bearbeitung befinden sich bei den einzelnen Stadt- schaften Darlehnsanträge in Höhe von rund 28 Millionen Goldmark. Ein irreführender Druckfehler hat sich In unserem Bericht am Sonnabend über„Siemens und der Eisentrust" einge- schlichen. Nicht dem Arbeiterrat sind 66 179 M. zugewendet worden, fanden,, wie kritische Leser wohl von selbst vermutet haben, dem A u f s i ch t s r a t. Arbeiterräte erhalten bekanntlich keine Sondervergütung. MAGfir Würze ist einzig Da«..«, tmm O In Qualität, Ausgiebigkeit und deshalb Billigkeit. Vorteilhaftester Bezug in großen Origlnalflaschen zu RM. 6.50. Man achte auf unversehrten PlombenverschluB. 17.9 Dienstag 9. März 1926 Unterhaltung und Wissen Beppi. Bou Justus Franz Wittkop. Hinter dem. Bahnhof liegt ein Viertel der Großstadt, wo die Straßen geradlinig und obgleich nicht eng, stets düster und grämlich find. Das ununterbrochene Getöse der Lastkraftwagen hat die Häuser verärgert und alt gemacht, und der sauere Rauch, der immer von gestern her noch unter dem Himmel hängt, läßt sie nur unfreudig mit den vielen einförmigen Fenstern blinzeln. Die Menschen hasten dort über den feuchten Staub des Pflasters ständig in Flucht vor Dingen, die sie manchmal nicht wissen. In einem Edhaus mit niedrigen, breiten Schaufenstern befindet sich eine große Eisenwarenhandlung. Vor dem einen Fenster, in dem Messer verschiedener Größen in hartem Glanze gereiht liegen, lehnt ein schmächtiger Snabe und träumt über dem stählernen Märchen schweifende, hastige Träume. Beppi Kanzer ist ein seltsames Kind. Von seinen Eltern, der Bater Eisenbahner, die Mutter Näherin, fast ständig sich selbst überlaffen, meidet er gerne den Umgang fremder Gespielen und seine Spiele find altflug oder zurückgeblieben. Mit Lumpenpuppen und abgegriffenen Gliedermännern hantiert er oft lange Nachmittage in einer einsamen Küchenede und seine Bewegungen sind dann herrisch und nicht die eines Zwölfjährigen. Zärtlich hängt er an seinen Kaninchen, die auf dem schmalen Balkon über dem Hof in einem Ristenstalle auf den Schlachttag warten, und doch freut er sich unter tieftraurigem Beinen, wenn wieder eines als Festtagsschmaus geopfert wird, denn der Erlös des Fells fließt nach eingewöhntem Recht in seine Tasche. Mit den so gesammelten Groschen weiß er sparsam, ja fast geizig umzugehen, bis er dann eines Tages in irgendeinem raschen Einfalle die lange gehütete Summe verschwendet, für ein grelles. Bild, für ein Lodendes Buch, für ein abenteuerliches Irgendwas, das plöglich seine Begierde entfacht hat. Vor dem prahlenden Stahl der vielen glatten Messer sticht ihn wieder ein sinnloser Wunsch, und er erwirbt sich ein solch fremdes, tühles und an Möglichkeiten reiches Gerät, das er mit Sorgfalt und eilig in seinem Inappen Rode unterbringt. Dann schlendert er mit steilen Schritten durch das raftlos alltägliche Gewühl die Straße hinab. Bo der Gürtel der Schienenstränge die Straße schneidet, bückt Sie sich und verschwindet in einem dunklen Tunnel, der auch tagsüber Don bleichen Gaslampen beleuchtet, doch nur zu bestimmten Stunden vom Berkehr gebraucht wird, denn jenseits liegen Arbeiterquartiere und nur deren Einwohner sind auf dem Wege zur Fabrit und rüdPehrend die Passanten. An Nachmittagen aber verödet der dumpfige Steinschlauch, nur ab und zu durch das lange Hallen eines eiligen Schrittes oder vom brüllenden Rollen der darüberhinwegsausenden Züge aus seiner feuchten und lautlosen Trägheit geweckt. Beppi Kanzer setzt sich auf einen der grünen Sockel, die die fantigen Stüßpfeiler tragen, und seine Phantasie malt in die gähnende Höhle hinein laute und graufige Abenteuer. Er ergreift Besitz von dem herrenlos lauernden Raume, macht sich zum König der fauligen Schatten und die Steinquader werden ihm zu drohenden, müsten doch ihm untertänigen Getieren; und von Zeit zu Zeit gellende Rufe fchlendernd, spielt er mit fiebernden Gesten einfame und heiße Spiele von Rittern und Detektiven, von D- 3ügen und Giganten. Geschieht es aber, daß irgendein Fremder den matterhellten Tunnel hastig burchquert, so birgt sich der fleine gefpenftige Afteur scheu im Dunkel. einer Nische. So verläuft der Nachmittag. Da fällt ihm bei einem eifrigen Sprunge das im Taumel der Abenteuer längst vergessene Messer aus dem Rocke mit hellem, gebietendem Klange. Fast erschrickt er davor. Dann greift er es auf und alle die stummen und wilden Bilder seiner Knabenseele gruppieren sich um den blanken, Gefahren bergenden Gegenstand. Er schwingt ihn triumphierend als Waffe. Mit dem grellen Dolch wird er ein Räuberfürst, eine Schlucht in Felsenbergen der hohle steinerne Raum. Er wartet auf Taten, träumt unerhörte Kämpfe, Beute von farbigen Dingen, heldenhafte Befreiungen und laute Siege. So lauert er und ist ganz voll von wilden trunkenen Bildern. Da hallt von dort her, wo der Tag bleich vor der Deffnung liegt, ein zaghafter fleiner Schritt. Beppi duckt sich zurück und blinzelt dem Schall entgegen. Die Bilder lärmen in ihm, daß er zittert. Doch langsam, unendlich langsam, tappt sich das Kommen heran. In dem Birrmarr von grünen Schatten und fahlen Lichtern ist die Gestalt verloren und schickt nur das zage, leichte Schallen voraus. Es will den Lauscher schleichende Furcht befallen. Die Träume sind am Zerinnen und das Bewußtsein, ein ohnmächtiges Kind in der gespenstigen Dede des unterirdischen Raumes zu sein, will ihn eiskalt faffen. Es zu betäuben, jagt er sich blind, blind zurück in seine Träume. Die Augen geschlossen wartet er. Sein Warten ist nur noch Wunsch: in die Gefahr entfliehen. Da ist das Tappen bei ihm. Vorspringend padt er einen Arm und starrt in ein zuckendes, gedunsenes Kindergesicht. Zwei wasserblasse Augen fragen ihn mit entsetztem Stummfein. Ueber einen hängenden Mund klebt sich ein blödes Lächeln. Böse Wut faßt ihn. Er schüttelt das tierisch erschrodene Gegenüber. In Berachtung über das Richtbegreifen. daß es Kampf gilt, hebt er das Messer und fühlt es in das semmelweiche Fleisch eines plumpen Knabenhalses sinken. Die Leiche fällt ihm aus der kleinen, haltenden Hand. Eine Leichtigkeit löst wie Freude seine Glieder, hüpfenden Schrittes will er davon. Da sieht er niederblickend das Messer über dem Matrosenfragen stecken in dem dunklen Klumpen zu seinen Füßen. Und ein graufiges Besinnen schleicht sich ein. In die Knie stürzend, sucht er den feuchten Messergriff, ihn zurück zu ziehen. Die tastende Berührung entreißt ihm einen minutenlangen Schrei, er schreit in wahnsinnigen Aengsten. Dann löst er sich langsam und steht bei seiner Tat, ein schüchtern weinendes Kind. Wie Erlösung hört er endlich einen festen Schritt. Dem läuft er entgegen, faßt eine schwielige Männerhand, streichelt und füßt fie, und mit schmeichelndem Schluchzen weiß er nur immer den einen Satz: Ich hab' wirklich mur gespielt, ich hab' wirklich nur gespielt! Mätressen. Bon Hermann Schüßinger. Rein Fechterhieb gegen die deutschen Fürsten hat im Rampf um bie Abfindung" so gut gesessen, wie der kleine Nadelstich, den die beiden Fürstenliebchen des legten Mecklenburger Großherzogs ficherlich unbewußt und ungewollt- gegen die Gottesgnadenherr Lichteit von Wilhelms einundzwanzig Trabanten geführt haben. Der Condeja de Mazzenau und der Gräfin Bubna- Litic" war es ficherlich mir um ihre paar armselige Kröten zu tun und nicht um die Diffamierung eines für fie so einträglichen und dankenswerten Regimes. Da bekanntlich Lächerlichkeit tötet, und zwar gründlicher als Korruptionsaffären und Pfandbriefskandale, ist in diesem Streit um die Apánagen der mecklenburgischen Staats- Mätressen" Wilhelm von Doorn der blamierte und die Republik der profitierende Teil. Dieses Wort„ Mätresse", das im Französischen so liebenswürdig und selbstverständlich flingt, hat in Deutschland, wo das Fallbeil nicht wie in Frankreich unter die Dubarrys und Pompadours einen schlummernden harten und häßlichen Klang. Die Mätresse, die in dicken Strich ziehen konnte, einen tief im Volksbewußtsein der Rofofozeit eine Art Staatsinstitution war und meist auf den Gang der Staatsmaschine und die Intensität des Steuerdrucks direkt und indirekt einen größeren Einfluß ausübte, als die langweilige und in die Ede gestellte legitime Königin, war für die ausgefogenen Bauern und Kleinbürger des 17. und 18. Jahrhunderts der InbeKeinen Pfennig den Fürsten! அன் Schüffle den getrönten Bampir ab, deutsches Volt! griff des fürstlichen Schlemmerlebens. Der ganze Haß des niedergetretenen„ dritten Standes" konzentrierte sich auf diese eine Person, Bauernhaus zu sich emporgehoben hatte. Sie war Fleisch von ihrem die der Landesherr aus dem Volt, aus irgendeinem Bürger- oder Fleisch, Blut von ihrem Blut und fraß trotzdem mit lachendem Gesicht all das, was ihr der Fürst als„ Strumpfgeld" ins Haus schleppte. Kein Wunder, daß in den achtundvierziger Jahren selbst der schlafmüzigste Spießbürger aus vollem Herzen den Hecker- Vers mitzubrüllen pflegte: ,, Reißt die Kontubine, reißt die Konkubine, aus des Fürsten Bett! Schmiert die Guillotine, schmiert die Guillotine mit Tyrannenfett!" Wenn man die Mätreffen", beispielsweise der Hohenzollern, Revue passieren läßt- ohne jegliche Animosität gegen die ehrwürdige Institution der Konkubine" an sich, die bei dem System der Fürstenheirat" dem armen, zwangsweise verheirateten Landesso muß doch vater die einzigen Erholungsstunden verschaffte gefagt werden, daß sich in der Regel höchst unwürdige Kreaturen in den Besitz des Landesherren zu sehen verstanden. Was für finstere Szenen entrollt Martin Luther in seinem Kampf gegen die morganatische Ehe des brandenburgischen Kur fürsten Joachim I. mit der Frau des Berliner Bürgers Wolf Hornung! Sein Sohn Joo ch im II. hatte sich die schöne Gießerin" Anna Sydow, die Witwe eines Kanonengießers und Artilleriehauptmanns, zugelegt. Schon damals flackerte der Zorn gegen die Mätreffe" Seiner Kurfürstlichen Gnaden selbst in den Köpfen brandenburgischer Bauern und Hinterjassen auf. Die Gräfin Wartenberg, die Mätresse des ersten preußischen Königs, ist wohl in der ganzen hohenzollernschen Familiengeschichte die unwürdigste Person. Als Frau eines Kammer dieners ist sie an den preußischen Hof gekommen, wurde die Mätresse und schließlich Frau des Grafen von Wartenbera, der feine Gemahlin dann dem König als„ Statsmätresse" zuführte. Hier spann das liebestolle Weib ein Abenteuer nach dem anderen mit den fremden Diplomaten, an die sie alle Geheimnisse der preußifchen Politik verriet. Recht harmlos nimmt sich dagegen das Techtelmechtel Friedrichs II. mit der Tänzerin Barberina aus, über das Boltaire mit zynischem Spott zu höhnen pflegte, Friedrich habe sich nur deswegen in fie verliebt, weil sie Mannesbeine hatte". Wilhelmine Ente dagegen ist der böse Geist Friedrich Wilhelms II.; sie hat es zwar nicht so weit gebracht, wie ihre Kollegin", das Fräulein von Voß, das dem König unter höchstem Beremoniell angetraut wurde; trotzdem war sie während seiner ganzen Regierungszeit" der eigentliche Hausmarschall Setner Majestät. Sie ist in erster Linie verantwortlich für die 118 Millionen Taler, die ihr Allerhöchster Herr in wenig Jahren aus der preußischen Staatskasse verschleudert hat! " Und das sollen wir jetzt berappen? Wir denken gar nicht daran, nach kleinbürgerlicher Philisterart über die Eheirrungen unserer einstigen Landesväter zu lamentieren, und wiffen sehr gut, daß die Zeiten der Pompadour, der Dubarrn, der Lady Hamilton und der Lola Montez endgültig vorbei find. Und trotzdem: Die Maitressen" des feudalistischen wie des modernen Lndesherrn sind eben nun einmal aus öffentlichen Mitteln unterhalten worden! Darum haben wir hier ein Wort mitzureden! Und dann: Wenn es einem Volf gut geht, dann ist man leicht geneigt, über galante Verirrungen der oberen Zehntaufnd ein Auge zuzudrücken wenn die Karre aber durch die Schuld derer da oben im Dred festgefahren ist, dann fressen die Dinge, über die man sonst lacht, wie Feuer im leeren Magen! Die Karbolmäuschen" in der Etappe und die Dämchen im Lager von Stenay und von Charleville, die haben uns nie so sehr in die Gebärme gestoßen, als wenn wir voll Dreck und Schweiß von vorn famen, aus der Dede der Massenschlacht. Wenn's einem dreckig geht, dann fehlt einem absolut jedes Berständnis für leichtgeschürzte Röcke. Und gar im Bereich der Geschütze wurden Weiberbeine zur Farce! Beilage des Vorwärts Umwandlung chemischer Elemente. Ueber dieses Thema sprach der berühmte Chemiker der Kaiser Wilhelm- Gesellschaft, Prof. Haber, in einem von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften veranstalteten Vortrage. Er bemerkte einleitend, daß nach der überkommenen Anschauung in der Ueberschrift eigentlich ein Widerspruch liege, denn ein chemisches Element sei ja ein Stoff, der sich auf keine Weise umändern und in einen anderem Stoff verwandeln lasse. Zwar ist die Vorstellung, zusammengesetzt sein soll, nicht recht plausibel und nicht ohne Widerdaß die Welt aus 70 bis 80 verschiedenen Arten von Baustoffen stand angenommen werden, zumal ja bei der Ordnung der Elemente ( Grundstoffe) nach ihrem Atomgewicht gewisse chemische Aehnlichfeiten in periodischer Folge wiederkehren, was auf eine innere Berwandtschaft dieser Elemente hindeutet. Aber schließlich trat, wie es in der Wissenschaft so oft geschieht, an Stelle der Verständlichkeit die Gewöhnung, und man fand sich mit dieser Vorstellung ab. Da wurden zu Ende des vorigen Jahrhunderts die radio- aktiven Erscheinungen bekannt, deren nähere Erforschung uns einen spontanen ( von selbst erfolgenden) Zerfall bestimmter radio- aktiver Grundstoffe und ihre Umwandlung in andere zeigte. Der überkommene Begriff des Elements mußte nun fallen gelassen werden, und ebenso der des Atoms, das deutlich eine innere Struktur verriet. In diese Struktur näher einzudringen gelang zuerst dem englischen Forscher Rutherford. Die radio- aktiven Substanzen senden drei Arten von Strahlen aus, die man als Alpha, Beta- und Gammastrahlen bezeichnet. Bon diesen haben sich die Betastrahlen als kleinste Bestandteile negativer Elektrizität, als nicht an gewöhnliche Masse gebundene Elektronen erwiesen, während die Alphastrahlen mit positiver Ladung versehene Heliumatome find. Helium entsteht also unmittelbar aus radio- aktiven Elementen. Rutherford ist es dann gelungen, unter der Einwirkung solcher Alphastrahlen auf andere Atome, auch solche von nicht radio- attiven Substanzen, Teile loszulösen und sie dadurch in andere Stoffe zu verwandeln. So konnte er einen tiefen Einblick in den Bau der Atome tun, die stets einen positiv geladenen Kern zeigen, um den negative Elektronen freisen. Die Ladung des Kerns, die beim Wasserstoff mit 1 beginnt und beim Uran den Wert 92 erreicht, bestimmt die Stellung eines Stoffes in der Reihenfolge der Elementc. Als Bausteine der Atomkerne, die unter dem Bombardement mit Alphastrahlen losgelöst werden, sind Wasserstoff- und Heliumteilchen mit Sicherheit nachgewiesen. Wenn man bedenkt, daß von einer Million Alphateilchen immer nur eines den Atomfern mit voller Durchschlagskraft erreicht, so wird verständlich, daß die Zahl der gelungenen Kernzertrümmerungen noch nicht sehr groß ist. Die Untersuchungen werden außer von Rutherford und seinen Schülern im Wiener Radiuminstitut fortgesetzt und haben schon manchen schönen Erfolg gezeitigt. Sollte es gelingen, die elektrischen Span mungen, mit denen wir gegenwärtig schon auf eine Million Bolt fommen, hoch zu verdoppeln, was durchaus im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt, so werden die Erfolge vermutlich noch größer merden, da dann zahlreichere Alphateilchen mit großer Energie erhalten werden können. Der Vortragende wandte sich zum Schluß noch den Aufsehen erregenden Versuchen zu, die gleichzeitig und unabhängig von einander Miethe in Deutschland und Nagaoka in Japan zu der Behauptung geführt haben, es sei ihnen die Umwandlung von Queckfilber in Gold gelungen. Bekanntlich haben Nachprüfungen dieser Versuche durch deutsche und amerikanische Forscher ein völlig negatives Ergebnis gehabt. Auch im Kaiser- Wilhelm- Institut find die ebenfalls mit durch Versuche sehr sorgfältig wiederholt worden, aus negativem Ergebnis. Die ganz geringen Spuren von Gold, Bersuche 200 Stunden lang andauern ließ; fie stammen offenbar aus die sich fanden, fonnten nicht vermehrt werden, obwohl man die den als Elektroden benutzten Metallen und dem Quecksilber, denen fie als Verunreinigung beigemengt waren. Wie sorgsam man verfahren muß, zeigte ein Fall, in dem ein junger Chemiter anläßlich eines anderen Versuches Gold gefunden hatte; er hatte seine goldene Brille mit den Händen angenommen, und ohne die Finger zu reinigen eine Substanz in den Analysentiegel getan, woraus sich die Anwesenheit der geringen Goldspuren erklärte. Die Frage steht heute so, daß die Möglichkeit der Umwandlung von Quecksilber in Gold bejaht werden muß, gelungen ist sie aber bisher noch nicht. Doch darf man sich durch Fehlschläge keineswegs Bt. entmutigen lassen. Wie die Straße abgetreten wird. Wenn unsere Väter auf der Landstraße spazieren gingen, da befanden sie sich in einer idyllischen Einsamkeit, verglichen mit den heutigen Zuständen. Dann und wann holperte ein Bauernwagen an ihnen verbei oder ein Fuhrwerk mit einem Mezger, und hier und da sausten ein paar Radfahrer vorüber. Heute ist die Landstraße, die damals durch den Eisenbahnverkehr entlastet war, durch die Entwicklung des Kraftwagenwesens wieder neu belebt; immerfort zischen Autos an uns vorüber und rattern schwere Kraftlastwagen. Aehnlich ist es ja auch in den belebten Straßen der Großstädte, wo sich ein Verkehr abspielt, den man sich früher auch nicht im Traume vorstellen konnte. Damit geht aber eine starke Abnuzung der Straßen Hand in Hand, und der Straßenbau ist vor ganz neue Aufgaben gestellt, über die Ingenieur P. Feßler in der„ Umschau" nähere Mitteilungen macht. Besonders interessant sind einige Zahlen, die zeigen, wie start die woderne Straße abgetreten wird. So hat man berechnet, daß das Klinkerpflaster auf Gehsteigen von den Fußgängern innerhalb 22 Jahren von 40 auf 22 Millimeter abgetreten wird; Granitstein pflaster wird auf den Fahrwegen schon in 35 Jahren von 170 auf 55 Millimeter abgefahren; es findet also hier ein intensiver Bermahlungsprozeß statt, durch den man die Menge des erzeugten Staubes begreift. Wie sich der Verkehr auf der Landstraße innerhalb eines Vierteljahrhunderts verändert hat, ergibt sich aus den Zahlen des täglichen Durchschnittsverkehrs auf der Straße zwischen Karlsruhe und Durlach. Danach wurden 1918 1938 Bugtiere, 20 Personen- und 5 Laftkraftwagen gezählt; 1923 waren es nur noch 575 Bugtiere, aber dagegen 370 Personen- und 630 Laffkraftwagen. Nech viel rascher ist der Verkehr in den Städten angewachsen. 1900 gab es in München an Beförderungsmitteln 526 Pferdeperfonenwagen, 48 Kraftwagen, 6 Krafträder, 818 Pferdelastwagen und 38 000 Fahrräder. Für 1924 aber sind die Zahlen folgende: 290 Pferdepersonenwagen, 2750 Kraftwagen, 2227 Krafträder, 532 Pferdelastwagen, 1743 Lastkraftwagen und 130 000 Fahrräder. Die Straße wird in der Stadt noch bedeutend mehr in Anspruch genommen als auf dem Lande, aber die Erneuerung ist wesentlich einfacher, da die schadhaften Stellen räumlich begrenzt und leichter zu sperren sind. Auf den Landstraßen sind die Aufgaben sehr viel schwieriger; man hat aber in neuester Zeit mit verschiedenen Verfahren recht gute Erfahrungen gemacht. Ein Vogel, der im Ei mausert. Eine ganz eigenartige Erschei nung läßt sich bei den sogenannten Großfußhühnern beobachten, jenen tropischen Vögeln, die ihre Eier in riesige Blätterhaufen legen, durch deren Gährungswärme die Eier ausgebrütet werden. Wenn die Jungen aus dem Ei schlüpfen, find fie förperlich bereits so voll. fommen ausgebildet, daß fie sich ganz selbständig ihre Nahrung fuchen können, also nicht mehr auf die Hilfe der Eltern angewiesen sind. Das erste Daunenkleid, das bei den anderen Vögeln den aus dem Ei schlüpfenden Vogel deckt, wird bei den Großfußhühnern denn auch schon innerhalb des Eies mit dem Gefieder des schon weiter entwidelten Jungvogels vertauscht, Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand. Gonntag, b. 14., vormittags 11% Uhr, findet im Deutschen Theater, Schumannstr. 18a, eine Freiligrath- Morgenfeier statt. Rarten zu 1, 3 und 5 M. im Gaubureau erhältlich, oder bis Mi., b. 10. abends, bei den Kreisleitern zu bestellen. Webbing. Radfahrer treffen fich am Do., d. 11., zu einer wichtigen Besprechung um 7% Uhr bei Bontke, Schulftraße 74. Kreuzberg. Friedrichshain. Do., d. 11., 64 Uhr, Weberwiese. Ramerabschaft Gildoft. Erwachsene Kameraden Saalschuh heute abend 8 Uhr Manteuffelstr. 9. Ripenid. Mi., S. 10., 6% Uhr, Hohenzollernplay. Antreten mit Tambourkorps und Fahnen aum Propagandamarsch nach Friedrichshagen gegen Fürstenabfindung. Ablershof. Mi., b. 10., Gaalschuß bei Bollstein. Treffpunkt 7 Uhr bei Lehngut. Arbeiter Rabio- Klub Deutschlands E. B. Abt. Schöneberg: Donnerstag, 11. März, 7% Uhr, bei Botvah, Sedanstr. 53. Bortrag: Schwingungstreis und Kapazität". Brenzlauer Berg: Donnerstag, 11. März, 8 Uhr, bei Moral, Ropenhagener Str. 9. Bau von Rurzwellenempfängern". Reutölln: Freitag, 12. März, 8 Uhr, bei Bempe, Brinz- Sandjern Ede Leffingstraße. Bastelabend. Webbing: Die Gruppe veranstaltet am 13. und 14. März in der Schulturnhalle Bant- Ede Wiesenstraße eine Ausstellung von selbstgebautem Funkgerät. Um rege Unterstützung wird gebeten. Deutsch- jüdische Jugendgemeinschaft Berlin, Gruppe Rorboften. Dienstag, 9. März, 8 Uhr, findet ein Friedrich- Ebert- Abend statt. Es spricht Landgerichtsrat Dr. Seligsohn im Jugendheim Danziger Str. 62. Gäste willkommen. Schuhverband der Schwerhörigen E. B. Donnerstag, 11. März, 8 Uhr, Saverlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 35. Monatsversammlung. Bortrag: Auf der Zugspitze." Vorführung eines Klingelapparates für Schwerhörige. Gäste willkommen. Berein der Freidenter für Feuerbestattung E. B. Bez. 3, Wedding. Don nerstag, 11. März, 28 Uhr, fortfehung der Mitgliederversammlung, Schulaula Bank Ede Böttcherstraße. Referat und Delegiertenwahl. Bez. 14, Neukölln: Donnerstag, 11. März, 8 Uhr, Fortsegung der MitgliederversammTung. Erbes Feftfäle, frither Aliem, Safenheide, Großer Gaal. Delegierten wahl und Beschiedenes. Bezirk 17, Lichtenberg: Donnerstag, 11. März, 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lobal Wegener, Frankfurter Allee 236. Fort Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Tb. Opernhaus 7 Uhr: Fidelio Opernhaus nm Königsplatz 7 U.: Die Bohème 8 Uhr: Gastspiel Saltenburgs Bühnen D. fröhliche Schauspielhaus Weinberg 8 U: Duell am Lido Schiller- Theater 8: Spiel des Lebens Städtische Oper Charlottenburg 6½ Uhr Walküre ( Lotte Schöne) Kleines Th. 84 Uhr: Ein Spiel von Tod u. Liebe v.Romain Rolland Volksbühne Theater am 8 Uhr: Sturmflut Morgen 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Großes sehauspielhaus Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der Tausch Morgen 8 Uhr: Der Tausch Circus Busch Täglich 72 Uhr: Das Bene Manege- Schausp. Für Dich Cagliostro CHAPTEREVUE TÄGLICH 84 Berliner Theater 8 Vorher Neue Attraktionen Ausbrecherkönig Martini Szeny Neue Freiheits- Dressaren Neue Reiterei usw. Abonn.- Turnus IV Residenz- Theat. Uhr: Messalinette Metropol- Theater Deutsches Theater Rommer, Sabo 8: Foppke, d. Egoist 8 Uhr: Limburg Juarez und Thale- Theater 8: D. alte Dessauer Maximilian Charlé, Vespermann Werdmeister Tägl. 8 Uhr: Nenes Th. am Zoo No no Nanette Allabendl. 8 Uhr: Guido Thielscher Metropol In Kammerspiele Thi. Kommandantenstr. Stöpsel 81 Uhr Josephine Die Komödie Kurfürstendamm 206/7 8¼ Uhr Viktoria Barnowsky- Bühnen Theater Königgrätz.Sir. T.:Hasenheid.2110 8 Uhr: 8 Uhr: Lene, Lotte, LieselenaPreise: Parkett1-2M. Wessely, Cora, Baselt Theater d.Westens 8 Uhr: as Spiel n. die Liebe 0,50 bis 10 Mk. Unt: pers. Leitung Donn. z. 1 M. 7: 1 des Komponisten Prinzessin fusch Operet v.L Jessel Zentr. 2391 Nur noch kurze Zeit Park.- Faut.3-4 M. Orchest.Fauteuil 5 M. Sessel 6 M. Vorverkauf anunterbrochen Th. in d. Klosterstr. 8 U. Varieté Das Kabarett der Funkfreunde Will Welf und 9 Attraktionen Eintr. 1. 2 u. 3 M. Philharmonie 8 Uhr: SodomsEnde Konzert fegung ber Tagesordnung. Bez. 6, Kreuzberg: Nodamalige Wahl der Dele gierten zur Reichsgeneralversammlung Donnerstag, 11. März, 8 Uhr, Sohen ftaufenfäle, Rottbusser Damm. In allen Bersammlungen ist das Mitglieds buch zur Kontrolle vorzulegen, und es kann nur in dem Bezirk gewählt werden, wo der Wohnfig fich befindet. Redyt zahlreiche Beteiligung wird erwünscht. Die Wahlen find geheim per Stimmzettel. Bez. 5, Friedrichshain: Als Dele. Arbeiter- Kultur- Kartell Groß- Berlin Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin 4. Proletarische Feierstunde am Sonntag, den 14. März, vorm. pünktl. 11% Ahr im Großen Schauspielhaus Märzfeier Weltenwende, Dichtung für Sprechchor bon Franz Rothenfelder:: Männerchore Mitwirkende: Der Sprechchor für Proletarische Feierstunden( Künstlerische Leitung Albert Florath), der Berliner Schubertchor"( unter Leitung feines Chormeisters Jascha Horenstein), Einzelfprecher: Heinrich Bitte, Ferdinand Hart, Wolf Trub( Mitglieder des Staatstheaters), Otto Dunkelberg( Orgel) Preis 1. Mart. Starten in allen bekannten Verkaufsstellen gierte zur Reichsgeneralversammlung find gewählt: Gesinnungsfreund Zimmermann, Jhlau, Glasner, Bontow, Schmidt und Size. Erfagdelegierte: Rott, Rud. Rimmer, Roblenz. Die gewählten Genoffen werden gebeten, umgehend ihre genaue Adresse und Mitgliedsnummer dem Bezirksleiter F. Sachtleben, Warschauer Str. 80, einzusenden. Bez. 20, Reinickendorf. Dienstag, 9. März, 7 Uhr, öffentliche Bersammlung im Rastanienwäldchen, Residenzsteraße Ede Pankower Allee. 1. Bortrag des Genoffen Häbidel über: Die weltliche Schule". 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Bekanntmachung. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Reichsbankanteilseigner(§ 18 der Satzung der Reichsbank) wird hierdurch auf Freitag, den 26. März 1926, vormittags 10 Uhr berufen. Tagesordnung: 1. Vorlage des Verwaltungsberichts nebst Bilanz und Gewinnberechnung für 1925. 2. Ergänzungswahlen zum Generalrat und Zentralausschuß. 3. Beschlußfassung über die Bildung eines Wohlfahrtsfonds. 4. Sonstiges. Die Versammlung findet im Reichsbankgebäude Berlin, Jägerstr. 34/36 statt. Zur Teilnahme ist jeder Anteilseigner berechtigt, welcher durch eine spätestens am Tage vor der Generalversammlung im Archiv der Reichsbank, Berlin, Breite Str. 8/9( Postanschrift: Berlin SW. 111), während der Geschäftsstunden abzuhebende Bescheinigung nachweist, daß und mit welchem Nennbetrage von Anteilen er in den Stammbüchern der Reichsbank als Eigner eingetragen ist. Berlin, den 4. März 1926. Reichsbank- Direktorium. Dr. Hjalmar Schacht. Kauffmann. Tabakindustrie! Jugendveranstaltungen. Gymnastiffurfus muß heute abend wegen der Frauenwerbewoche ausfallen. Rarten zur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, 14. März, find zum ermäßigten Breise im Jugendfekretariat erhältlich. Anmeldungen zum Osterkursus bis spätestens 13. März im Jugendsekretariat. Heute, Dienstag, den 9. März, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Bortvag: ,, Die politische Lage". Schön Webbing/ Nord: Schule Müllerstr. 48. Tagespolitische Aussprache. hauser Vorstadt I: Schule Jbsenstr. 17. Bortrag: ,, Freidenfertum und Probetariat". Prenzlauer Borstadt: Schule Danziger Str. 23. Aussprache: ,, Partei und Jugend". Senefelder- Viertel: Schule Eberswalder Str. 10. Vortrag: ,, Körperpflege und Rörperkultur". Hasenheide: Badeanstalt Bärwaldstr. 64. Friz- Reuter- Abend. Güdwesten: Jugendheim Belle- Alliance- Plag 1. Bortrag: Sygiene im Alltagsleben". Schöneberg I: Jugendheim Rubens Ede Hauptftraße. Bortrag: Geguelle Fragen". Jugendgenossen von Nachbargruppen sind herzlich eingelaben. Schöneberg II: Jugendheim Hauptstr. 15. Bortrag: ,, Arbeiterdichter und ihre Werke". Lichterfelde: Jugendheim Albrechtstr. 14a. Jatob- Schaffner- Abend. Marienborf: Alte Schule, Dorfstr. 7. Bortrag: Anarchismus und Syndikalismus". Rehlendorf: Südschule, Wilhelmstraße. AusSprache: Wie verbringe ich meine Freizeit?" Adlershof: Jugendheim Roon Reinidendorf- Oft: ftraße( Eingang Rinderhort). Vortrag: ,, Reformbleidung". ReiGeebad", Resibenastr. 46. Bortrag: ,, Entwicklung der Gewerkschaften". nidenborf- Weft: Jugendheim in der Seidelstraße. Bortrag: Das deutsche Bolts. lied" I. Teil. Rosenthal: Schule Schillerstraße. Mitgliederversammlung. Spandan: Buchholz: Lokal von Rossad, Hauptstr. 71. Berliner Humor. Jugendheim Lindenufer 1. Bortrag: Seguelle Fragen". Uhe Werbebezirk Neukölln: Dienstag Treffpunkt zure Frauenkundgebung 7 Richardplay. Genossen und Genofsinnen, erscheint alle! Rote Fahnen mitbringen. Gruppenabende fallen aus. Werbebezir! Kreuzberg: Mittwoch, 10. März, Borstandssitzung im Jugendheim Reichenberger Str. 66. Wetterbericht der öffentlichen Wefferdienststelle für Berlin.( Nachdr. berb.) Unbeständig, zeitweise mäßige Regenfälle, zeitweise ein wenig aufheiternd. Weiterhin warm. Für Deutschland. Ueberall warm, in ganz NordIn Süddeutschland zeitweise deutschland zeitweise mäßige Strichregen. aufheiternd. -Deutscher Metallarbeiter- Verband Preis. Wölfert, Brüdenstraße 6, vorn Donnerstag, 11. März, abds. 7 Uhr, im Cotal von Hummel, Sophienste. 5: Bettwäsche, Lafen, neu, Ia, unter II, Etage, am Bahnhof Jannowizbrüde. Möbel Gruppenversammlung Möbel- Boebel, Oranienftr. 58( Morih der Scharf- und Werkzeugschleifer. plak), Fabritgebäude. Aeußerst nic brige Preise für einfache und elegante Tagesordnung: 1. Neuwahl der Schlafzimmer, Speisezimmer, HerrenzimGruppenleitung. 2. Gruppenangelegen mer, Rüchen, Bücherschränke, Schreibheiten. 3. Berschiedenes. tische, Büfetts, Anrichten, runde Tische, In Anbetracht der wichtigen Tages Standuhren, Antleideschränke, alle Grö ordnung ist das Erscheinen aller Kollegen hen, Gofas, Ruhebetten. Eventuell Pflicht. Achtung! Achtung! Bahlungserleichterung. Rehfeld, Badstraße 34: Ankleide schränke, breiteilig. 98,-, 140, Wasch Wahltörperversammlungen toiletten mit Spiegel 68,- Nachttische der arbeitslosen Kollegen. Wahlkörper V. Donnerstag, 11. März, vorm. 10 Uhr, imSigungsfaal besDerbandshauses, Linienfte. 83/85, 2 Treppen: Schmiede- Industrie, Reffel- Schmiede, Kupfer- Schmiede, Wagen- und Huf- Schmiede, Feilenhauer, Bauanschläger, Walzwerkarbeiter. Wahlkörper VI. Donnerstag, 11. März, nachm. 2 Uhr, 15,-, Apotheken 12. Rehfeld, Badstraße 34: Englische Bettftellen 35,-, 48, 58,-, lüschsofas 95,-, 120,-, 145, Rehfeld, Badstraße 34: DiplomatenSchreibtische 65,-, mit Auffak 48,-, Rohrstühle 4,90, 6,50, Sofa- Umbauten mit Spiegel 55, Rehfeld, Badstraße 34: Moderne Riichen, weiß und farbig, 85, 125, 160, Metallbetten mit Messing, extra start, 29,50. Rehfeld, Badstraße 34: Standuhren Don 95,- Kleiderschränke, englisch, 69, Bertitos 69,-, Ausziehtische 29,-. im großen Saal des Berbandshauses, Rehfeld, Basstraße 34, gewährt RahLinienfte. 83/85, parterre: lungserleichterung, auch Bersand nach Werkzeugmacher, Scharffchleifer, außerhalb. Beim Einkauf von 100, Am Donnerstag, den 11. März 1926, nachmittags 5 Uhr, findet in den Mechaniker, Einrichter, Uhrmacher werden 5 Untoften in bar vergiltet: also befuchen Sie mein reichhaltiges Germaniafälen, Chauffeeftr. 110, eine und Opfifer. Lager, es lohnt sich. Tagesordnung: 1. Beratung ber Anträge zur Generalversammlung. 2. Bahl Rebfelb, Badftrake 34: Schlafzimmer 295,-, her Delegierten. Speiſezimmer 365,- 475,- 590, Ohne Mitgliedsbuch und Arbeitslosen- Serrenzimmer 345,- 450, tarte tein 8utritt. Batentmatraken, Auflegematraken, Me Chaiselongues. Walter, Star öffentliche Protestversammlung gegen die Tabakstener statt. Tagesordnung: 1. Die am 16. 8. bezm. 1. 10. 25. erhöhte Tabakstener und beren katastrophale Auswirkung für bie beutsche Boltswirtschaft. Mittw.: Der gute Ruf d. Philharmon.Orchreffenten Walhalla- Die komische Oper Th. Weinbergsweg Tägl. 8% Uhr: Vertrag und Leitung von unter gefl. Mitwirkung von Die Kleinen Dr. Leopold Schmidt Trianon- Theater Vagabunden Musikalisches Sensationsst. Binen Jux win Berlin lacht Central- Theater von 8 bis 12 Uhr: Eva Bonheur er sich machen Freitag 7 Uhr Zum 1. Male: Mrs. Cheneys Ende Komödienhaus Tel.: Norden 6304 8 Uhr: Die Revue der Einakter Deutsches Künstl.- Theater 8 Uhr: Der Garten Eden Paganini Die Tribune Tel.: Wilhelm 5365 8 Uhr: Die neuen Herren Rose- Theater 8 Ref.: Deichmann, Bremen, und Reichstagsabgeordneter Meyer, Baden. Die Regierung wird ebenfalls höflichst eingeladen. Romplette 375450 Achtung! Betriebsräte Achtung! arberitake adtzen. Evezialaefchäft. bes zu dieser Bersammlung erscheinen. Es ist notwendig, daß alle im Tabatgewerbe Beschäftigten und sonstige Inter- Die Betriebsräte- 8eitschrift Nr. 5 ift Gebiegene Möbel, mert ben Gagl erschienen unb tann gegen Borlegung der baut Gleiser, Alexanderplat. Alerander Begitimationstarte Betriebsrats- ftrake 42. obmannes in unserem Bureau, Zimmer 5 Möbelspeicher. Neue und gebrauchte oder nach 4 Uhr im Simmer 4 entgegen Möbel. genommen werden. 121/14 Denffcher Tabalarbeiter- Berband. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Denischer Berkehrsbund. Berband der Buchbinder. Zentralverband der Ungestellten. Eduard Süsskind' vom 1.- 20. März 1926 Die Ortsverwaltung. Verkäufe Bekanntmachung. Lotte Schöne, Ida Auf Grund des Bahlausschreibens vom Baßth, FritzKrauß 9. Februar 1926, betr. bie Wahl der BerDesider Zador ficherten zum Ausschuß der Raffe, ist nur ein giltiger Wahlvorschlag, beginnend mit Drei Rote- Wein- Wochen Babbelboot billig au verkaufen. Ehrenerklärung. dem Namen Karl Liehr und enbigend Die der Frau Helene mit dem Namen Otto Müller, einge Peters vor furzem zu- reicht worden. Die auf diesem WahlTäglich 8 Uhr gefügte Beleidigung porschlag verzeichneten Personen gelten Nur noch bis 18.März nehme ich hiermit zu- fomit nach§9 der Wahlordnung als rüd und erkläre die gewählt. Helenes felbe als eine ehren- Die für den 24. März 1926 angefegte Liebesabenteuer hafte Frau. Hart- Bahlhandlung findet demnach nicht statt gelangen in bekannter Gitte zn Ausnahmepreisen zum Verkauf Berlin- Steglig, den 6. März 1926. 19. März z. 1., Male: mann, Fleischermftr. Casino- Theater 200 000 Liter Obst-, Süd- und Bordeaux- Weine Eine Nacht Gtteliger Straße 30. Allgemeine Deisteanfenfaffe für Apfel- u. Heidelbeerwein Th.a. Kurfürstendamm Im Fahrstuhl 8% Uhr: Die Nadat Th. a. Nollendorfpl. der Nächte 8 Uhr: Lustspielhaus Die offizielle 8 Uhr: Frau KLEINE ANZEIGEN In der Gesamtauflage 8 Uhr: Die vier Die rote Cléo Operette in 3 Akten des Vorwärts" sind Schlanmeier Wallner- Theater 8 Uhr: SCALA Kolportage Preise 1 M. bis 8 M. besonders wirksam Admiralspalast! und trotzdem Täglich 8 Uhr: Berlin- Steglig. 156/9 Fruchtwein, Malagatyp Johannisbeerwein Der Borstand. Moedel, Borfiz. Koglin, Schriftf. Elite- Singer Kirsch- u.Stachelbeerwein Tagl Kottbuser Str. 6 Sonntag Erdbeerwein gest Teilzahlung ohne Auffchlag Lilkomitrake 95. 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