flbenöausgabe Kr. 116 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Kr. SS ft�juesfwiittflunffen Urb SnjetaenVTeif« finb in txr SUnrnsnaiifflai« anaendicn Bcttattton: sw. 68. Cinbenfitofcc 3 Jernfprutjet: DSohoff 292— 297 Icl.'lt0t;({T«:Sojial9cnio(ta< verlin Derlinev Volksblatt slv pksnnis) Mittwoch ?S. März l�2H Verlan und AiizeigenabteilunK: E«sibZit-,«it»-S Udr Verleger: vorwürls-verlag GmbH. Berlin Sw. 88, Cln6cn(:tage 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen parte» Deutfchlands Die halbe Million überschritten! Auch der Dienstag war gut.- 1ÄÄ4ÄZ» Eintragungen. Der Airsturm auf die Eiirtraguugsstellcn zum Volksbe- gehren dauert fort Am gestrigen Dienstag waren in Berlin die Eintragungen fast so zahlreich, wie am Montag. Der Montag hatte 129 5V8 Eintragungen gebracht, am Diens- tag kamen weitere 122 425 Eintragungen hinzu. Auch einige Bezirke, die sonst als Domänen der Schwarz-Weiß-Roten bekannt sind, fangen jetzt an, bessere Ergebnisse zu liefern. Wilmersdorf und Steg- l i tz brachten am Dienstag höhere Zahlen als am Montag. Bon den Bezirken mit vorwiegend linksgerichteter Bevölkerung war Lichtenberg bisher auffällig zurück- geblieben. Auch dort ist am Dienstag beachtenswerter Zuwachs erreicht worden. Die Gesamtzahl der Eintragungen in ganz Berlin hat jetzt für die bisherigen sechs Tage mit 558 959 bereits d i e halbe Million überschritten. 7- r Eingetragen wurden am Montag und am Dienstag(in Klam- «nern die Summen aus den sechs Tagen) in den Verwaltungsbezirken Zltitte 7568 7629(35 703) Ilergarleu 7333 7154(33 592i wedding 17 390 15 010(71295) Vttnzlauer Berg 13 546 12 092(57 095) Irledrichshain 14 975 13 787(63502) fueuzbetg 14307 13 321(63 508) Ehorloltenborg 6205 6438(27 790) Spandau 3544 3421(14 369) Wilmersdorf 2075 2217(9906) Zehlendorf 357 333(1513) Schöaeberg 4559 4260(21 853) Steg Ith 1951 2156(8692) Tempelhof 1774 1810(7453) JtcufSnn 12 590 12 067(57008) Treptow 4619 4008(18 029) Köpenick 2663 2179(10 634) Lichlcnberg 6204 7260(25 146) weitzenfe- 1926 1864(7410) Bankow 2481 2379(10 774) Reinickendorf 3441 3040(13 716) in ganz Berlin 129308 122 425(558 959) Zunahme in öreslau auch am dieustag! Breslau. 10. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Durchschnitts- Ziffer der Eintragungen für das Volksbegehren steigt in Breslau noch immer. Am Dienstag haben sich fast 12 000 Personeu in der Stadt eintragen lassen, abermal» 1200 mehr als am vorher- gehenden Rekordtage. Die Gesamtzahl der Unterschriften betrug bis Dienstag abend 4 4 4 00. Stand des Volksbegehrens in öerlin. Z.MSrz: 122000 «.Mörz: 130000 7. Mir,: 185000 6 ML-z: 56 000 5. Mär,: 50 000 i-Mäc,: 36000 1 100 000 1050 000 1000 000 950 000 900 000 850 000 800 000 750 000 700 000 650 000 600 000 550 000 500 000 450 000 400 000 350 000 300 000 250 000 200 000 150 000 100 000 50 000 0 Hewertlchastenuns�rbeitszeitabkommen. Tie Spitzenvcrbände bei Brauns.— Keine Einengung der Vorschriften von Washington. ' heute morgen fand eine Aussprache der Vertreter der g civ e r k- fchastlichen Spthenocganijationcn mit dem Reich»- orbeitsminister statt, um diesem vor seiner Abreise zu der Londoner Ministcrbefprechung über das Washingtoner Abkommen noch einmal die Ausfassungen der Gewerkschasten zur Arbeitszeitsroge wie zum Washingtoner Abkommen vorzutragen. Lei pari erklärte, dah die deutschen Gewerkschasten. obwohl sie am Abkommen nicht mitwirken konnten, entschieden die R a t i- sizierungverlangen. Aber die Vorschriften de» Washingtoner Abkommens dürsten für die gesetzliche Arbeitszcitregclung in den einzelnen Ländern nur als winlmalvorschristen gelten. Der Zweck der Londoner Konferenz, eine einheitliche Auslegung einzelner Vorschriften zu finden, dürfe n i 6) t zu einer Abschwächong des Washingtoner Abkommens führen. Der Reichsarbeitsminister erwiderte, dotz er mit der festen Absicht noch London gehe, eine Grundlage für eine Ratifikation durch alle Industriestaaten zu schaffen. Gerade weil die Arbcitszeitsrage in Deutschland der geschlichen Lösung entgegendränge und ein dahinzielender Eni- n> u r s bereits dem Rechlsausschutz vorliege, feien wir interessiert, dah gleiche» auch im Ausland geschehe. Schwierig- keilen bereite, dah die Vorschriften de» Washingtoner Ab- kommen» angesichl« der Verschiedenheit in den einzelnen Ländern zum Teil sehr eng seien. So ergebe die völlig verschiedene Behandlung des Sonntags Schwierigkeilen bezüglich der Bemessung der Arbeilewoche, wäh- rend England den Sonntag unter Stillegung des Verkehrs und der veronüaungsställen puritanisch stiert und Denlschland den Verkehr verstärkt um vermehrte Gelegenheit zur Erholung zu bieten, ist in den romanischea Ländern die Sonnlagsorbeil noch stark verbreilel. Grohe llaterschicde bestehen für bestimmte Saisougewerbe. bezüglich der Tamillcnmilglicder und dergleichen. Zu enge Beslimmuagca »esährdea daher die Durchsühruug des washiagton-r Abtommens. Nach längerer Aussprache wurde betont dah die Gewerk. fchasleu sich enlschiedea gegea Eiueagungeu der Au». stgungeu wenden wählen. Der Reichsarbeitsminister Brauns hat heute auch Vertreter der Presse über die Aufgaben der am Montag in London beginnen- den Konferenz der Arbeltsminister Deutschlands. Frankreichs, Eng. lands, Belgiens und Italiens Mitteilungen gemacht. In seiner Dar. stellung ging er auf die Bedeutung des Washingtoner Abkommens ein und begründete dann im einzelnen die Notwendigkeit einer vorherigen Verständigung über seine Auslegung des Washingtoner Abkommens vor einer gemeinsamen Ratifizierung. Die Rede des Reichsarbeitsministcrs kann gerade nicht als eine be- geisterte Hymne für«ine Ralifizierung des Abkommens angesehen «erden. An Hand einzelner Betspiest versuchte der Reichsarbeit»- minister den Nachweis zu führen, dah«ine schablonenhafte Gleich. stellung der einzelnen Länder von Deutschland abgelehnt werden muß. Das ist eine sehr dunkle Rodewcndung, die nicht klarer wird durch die Beispiele, womit Herr Brauns die Unmöglichkeit einer„schablonenhaften" Gleichstellung zu begründen versuchte. Die Formulierung des Washingtoner Abkommens läßt einen solch weiten Spielraum, daß von einem schcmatischen Achtstundentag überhaupt nicht gesprochen werden kann. Deshalb besteht die ent> scheidende Aufgabe bei der Schaffung des deutschen Arbeitszeit- gesctzes darin, diese Lücken auszufüllen. Bei ernstem Willen ist eine Verständigung über die Einbeziehung der Sonntags- arbeit in die 48-Stundenwochc, über die kontinuierlichen Betriebe, und was unter Saisonarbeit zu verstehen ist, zu erreichen. Daß Deutschland bei der Ausarbeitung des Washing- toner Abkommens nicht beteiligt war. darf kein Grund fein, hier besondere Mängel im'Wathingtoner Abkommen zu sehen, die nunmehr durch ein« vorhergehende Interpretation auszugleichen sind. Das Ziel der Londoner Konferenz kann überhaupt nicht darin bestehen, wie es Herr Brauns forinulierte, ein«„Interpretation zu finden, die Deutschland die Ratisizemng-nnöglicht". Hie Aus- l e g u n g des Washingtoner Abkommens ist nicht Sache der Konferenz der Arbeits min ist er. Ihre Aufgabe muß darin bestehen, alles zu tun, damit das Washingtoner Abkommen bald von den beteiligten Ländern ratisiziert wird. Für die Aus- lcgung des Washingtoner Abkommens sieht der 13. Teil des Der. sailler Friedensvertrages genug Instanzen vor, denen es vorbehalten bleiben muß, die Entscheidung über die Auslegung zu treffen. Das ist der Verwaltungsrat, nötigenfalls eine Untersuchungskommission und zuletzt der ständige internationale Gerichtshof des Völkerbundes. Wir müssen vom deutschen Reichsarbeitsminister erwarten, daß erdergemeinsainenRatifizierungkeineSchwierig- leiten bereitet, sondern sich mit Entschiedenheit für eine baldige Ratifizierung einsetzt_ Die Zrankenfälschung. Fast 70«tt weitere Scheine im Bahnhof für die StaatS« anwaltschaft hinterlegt. Budapest, 10. März.(MTB) Der Präsident der Staats- anwoltschost Dr. Sztroche erhielt Dienstag vormittag» ein anonymes Schreiben des Inhalts, die von den Franzosen gesuchten r e st l i ch e n Tausendsranknoten befänden sich in einem Koffer in der Gepäckaufbewahrung des Westbahnhofes. Dem Brief lag ein G e p ä ck f ch e i n bei. Sztrache verständigte die französischen Beamten, während sich zwei Staatsanwälte zum Westbahnhos begaben. wo sie den Koffer übernahmen. Seine Oeffnung förderte ein Zeitungspaket mit d r ei großen Bündeln sortierter salscher Tausendsranknoten zutage, insgesamt 6674 Stück. Es wurde festgestellt, daß der Koffer erst vor drei Tagen im West- bahnhos hinterlegt worden war. Abdecker und Fürsten. Ei« Präzedenzfall für entschädigungslose Enteignung. Von Dr. Ludwig B c n d i x, Berlin. Die Fürstenabfindung wird von vielen Zögernden oder Ablehnenden als ein gänzlich Neues empfunden, als der erste Schritt auf einem Wege, der zur Enteignung vieler anderer Machtinhaber, der Äirche, der Latifundienbesitzer, Großindu- striellen usw. führt und in dieser Richtung bei den Bedrohten und ihren Berlretern eine leise Befürchtung im innern und eine laute Entrüstung nach außen hervorruft. Menschliches, allzu Menschliches! Da ist es denn merkwürdig und kein Scherz, festzustellen, daß auf den� Gebiete des Abdeckereiwesens bereits i m I o h r c 19 2 9 ein ähnlicher Fall vorgekommen ist, der sich dadurch auszeichnet, daß die Parteien, die jetzt die lautesten Rufer im Streite gegen die Enteignung der Fürsten stellen, die Antrag- steller und Befürworter der Enteignung privilegierter Ab- deckereibesitzer gewesen sind. Die Unterschiede und Gleich- artigkeiten beider Fälle sind zu lehrreich, als daß sie nicht eine genauere Darstellung des etwas entlegenen Gebietes recht- fertigten. Nach der Drucksache Nr. 2564 der deutschen Nationalversammlung hat der Ausschuß für Volkswohlfahrt ohne A'u s- spräche den Artikel 1 der Verordnung betr. Vergütung für die an Abdeckereien ab.zuliefernden Tiere, Tierkörpcr und Tierkärpertcile vom 4. Mai 1929(RGBl. S. 891) auf dem damals nicht ungewöhnlichen Wege vereinfachter Gesetzgebung angenommen: „Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden werden ermächtigt, die Z a h l u n g v o n Ve r g ü t u n g e n kür die an Abdeckereien zur Ablieferimg gelangenden T'.ere, Tier» törper und Tierkörpertelle vorzuschreiben, die Höhe dieser Ver» gütungen festzusetzen und das Strcitoerfahren hinsichtlich dieser Der- gütungen zu regeln." Zum Verständnis dieser Borschrift muß bemerkt werden. daß die privilegierten Abdcckereibesitzcr das Recht hatten, die Uebcreignung der gefallenen und„inkurablen" Tiere, wie es in den Vcrl'eihungsurkunden aus dem 18. Jahr- hundert(!) heißt, ohne oder gegen eine trinkgcldartige Ver- aütung in ihrem Bezirke zu verlangen, und daß diese Privi- legien nicht bloß veterinärpolizeilichen Zwecken, sondern auch dem Zwecke dienten, den sie verleihenden Landesherren für ihre Jagden Tierkadaver oder inkurable Tiere zu liefern, mit denen der Abdeckereibesitzer die sogenannten Wolfsgruben zum Anlocken der jagdbaren Tiere unentgeltlich zu füllen hatte. Danach handelte es sich also zugleich um ein sozusagen indirektes Privilegium der Fürsten, das freilich inzwischen gegenstands- los geworden ist, weil die Jagd mittels tiergesülltcr Wolfs- gruben nicht mehr betrieben wird. Die Jnslationswirtichast hotte offenbar den Sachwert der gefallenen Tiere und ihrer Häute so gesteigert, daß die als ablieferungspflichtige Tierhalter in erster Linie in Betracht kommenden Großgrundbesitzcr-Parlamenta- r i e r gegen die unentgeltliche Ablieferung ihre Parteien mobil inachten. Die Verhandlungen des landwirtschaftlichen Ausschusses in der Drucksache Nr. 2443 der verfassunggebenden preußischen Nationalversammlung gestatten eine tieferen Einblick in die geheimen Bewegungskräfte, weil sich die Parteien mit dem Antrag der SPD. auf entschädig ungslosc Auf- Hebung der Abdcckerciprivilegicn auseinander- setzten mußten. Nach der amtlichen Erklärung dcz Regierungs- vertreters Dr. Hellich ist dos Ablösungskapitol im Jahre 1992 auf acht Millionen Mark berechnet worden, er schätze jetzt den doppelten Betrag. Das war allen bürgerlichen Parteien, die einmütig die Beseitigung der Abdcckereiprivilegien ohne Eni- schädigung wollten, aber dies nicht auszusprechen, geschweige denn anzuerkennen wagten, den ohnmächtigen und unver- tretenen Abdeckereibesitzern gegenüber zu viel. Die Frage war also, wie ist dieses Ziel"praktisch zu erreichen, ohne theoretisch und grundsätzlich das Privateigentum der Abdcckereiprivilegien zu verletzen. Der Antrag der Deutsch nationalen Hammer, Witt und Genossen— Drucksache Nr. 1496—: „Die Staatsregicrung zu ersuchen, baldmöglichst einen Gesetz- entwurs vorzulegen, durch den Abdcckereibcsitzer, auch die, welche sich auf Privilegien st ü tz e n, angehalten werden, den Tier- Halter für gefallene und unheilbare, den Abdeckereien zur Per- Wertung zu überlassende Tiere angemessene Entschädigung zu gewahren, und durch den die Festsetzung dieser Entschädigung in Landkreisen den Krcisausschüssen, in Stadtkreisen den städtischen Körperschaften übertragen wird" wies den Weg ins grundsätzlich verbotene Land der ent- schädigungslosen Enteignung. Dieser Antrag Hammer, Witt und Genossen wurde einstimmig angenommen, nachdem der Antrag der SPD. auf entschädigungslose Aushebung der Abdeckereiprivilegien ab- gelehnt worden war. Das Reichsgericht(5. Zivilsenat, Urteil vom 8. Dezember 1923, Bd. 197, S. 378) hatte sich natürlich alsbald mit der vom Standpunkt des privilegierten Abdeckereibesitzers gegen den Artikel 133, Absatz 2 Reichs Verfassung verstoßenden Verordnung vom 4. Mai 1929 zu befassen und erklärte sie. die ja nur gegen früher vielfach aus dem Scharsrichterstande hervorgehende Abdcckcreibesitzer, nicht gegen einen thüringischen Fürsten entschädigungslose Enteignung für zulässig erklärte, für nicht verfassungswidrig. Aus der Begründung des Urteil» interessieren hier folgende Stellen: .Liese(die Negründung der Verordnung) ergibt vielmehr, daß den Mihständen abgeholsen werden sollte, welche sich u. a. daraus ergeben datten, daß den prioilegicricn Abdeckereibssrtzern chäute kostenlos übereignet werden mußten: Es war also nicht nur eine Anpassung oder Umwandlung der den Abdeckern bereits obliegen- den Leistungei� sondern die Ncudcgrtindung« in c r Verpflichtung zur Zahlung von Vergütungen durch diese beabsichtigt." „Daß die Enteignung zum Wohle der Allgemeinheil geschah, ist bereits in der oben wicdcrgegeocscn Be- grstndung der Verordnung(„im allgemeinen Interesse und ins- besondere im Intcrcss- einer möglichst umfassenocn unschädlichen Beseitigung der Kadaver", d h. zur Vermeidung von Seuchenge- fahr Ini allgemeinen gesundheitlichen Jntcrestc) dargelegt. Sie geschah aus gesetzlicher Grundlage, nämlich durch diese Verordnung. Eine Entschädigung der Abdecker ist da- bei nicht vorgesehen. Das steht aber ihrer Zulässig- keit(sie!) nicht entgegen, da„ein Rcchsgesetz etwas anderes bestimmt."(Art. 153 Abs. 2 Satz 2 der Reichsverf.) ... Daß sie(die Verordnung voin 4. Mai 1920) nicht ausdrücklich betont, eine Entschädigung werde den Abdeckern nicht bezahlt, st e h t dem nicht entgegen. Es ergab sich dies aus der Natur der Regelung— Aushebung oder doch Beschränkung des bisherigen Rechts auf unentgeltliche Uebercignung und Begründung der Pflicht zur Gewährung einer Vergütung— schon ohne weiteres aus der„entgegengesetzten Vorschrist", die ihnen die Vergütungs- pslicht auferlegte, ohne von einer Entschädigung etwa durch das Reich oder den Staat etwas zu sagen." „Die Verordnung bekennt sich also ganz>dcut- lich dazu, daß die zwangsweise Entziehung des bisherigen Rechts der privilegierten Abdecker ohne Entschädgung erfolge. Damit ist den Acnderungen des Art. 153 der Reichsverf. genügt." Der Gedanke/ daß der Gleichhcitsgrundsatz des Artikels 13g Reichsverfassung verletzt sein könne, ist dem Reichsgericht nicht gekommen. Dieser Gedanke wird ihm erst einfallen, wenit es, was ja auf alle Fälle verhütet werdet? wird, über die Enteignung der Fürsten zu entscheiden hätte. Die bürgerlichen Parteien scheuen sich nicht, in etwas schamhafter Form, Privilegien, also offenbare Privatrechte, cnts6)ädigungslos zu enteignen, wenn sie und die ihnen nahe stehenden Schichten dadurch Vorteile er- langen, die nach ihrer Behauptung und der Anerkennung des Reichsgerichts im allgemeinen Interesse liegen. Bei der Fürstenabfindung kann das allgemeine Interesse des ganzen, durch die Schuld der Fürsten, insbesondere der Hohenzollern, ins Unglück gestürzten Volkes füglich nicht bestritten werden. Der Unterschied beider Fälle besteht nur in folgendem: In dem hier erörterten Falle handelt es sich um Vorteile einzelner Bcvölkerungsfchichten, insbesondere der Land- Wirtschaft, bei der Fürstenabfindung um das wirklich allgemeine Interesse des ganzen Volkes. Und dann sind es dort ohnmächtige, nach ihrem Gewerbe nicht besonders geschätzte Personen, die in ihrer Vereinzelung keinen Anhang haben und keinerlei Unterstützung finden, auch nicht bei den in ihrem Falle gegen sie interessierten fanatischen Verteidigern des Privateigentums. Im Falle der Fürsten- enteignung sind die zu Enteignenden mächtige Herren mit»ngehcurein Besitz und entsprechendem Anhang, der an der Fortdauer dieses Besitzes ein eigenes großes Interesic jedenfalls an seiner Enteignung keinerlei Interesse hat. Er sollte endlich diesen klaren Sachverhalt offen zugeben, anstatt die großen Worte und schönen Grundsätze von der Heilig- keit des Privateigentums pharisäerhaft, wenn nicht heuchlerisch in den Vordergrund zu stellen. Der er- örterte Fall beweist, wie es in Wirklichkeit mit diesen schein- heiligen Grundsätzen steht, und daß ihre heftigsten Verfechter sie hemmungslos preisgeben, wenn es ihrem und ihrer Schichten Interesse entspricht. Fortgang in Genf. Vor der Einigung der Nheinpaktmächtc. V. Leb.Ocns. 10. März.(Eigener Drahtberichl.) Die heutige Zusammenkunft dauerte von VAt— 1 Uhr nachmittags, also 2K Stunden. Es nahmen daran teil wie am Sonntag die Rhein- paktmächle, vertreten diesmal durch Ehamberlain, Luther und Strese- mann, durch yaul voncour und Loucheur(für den abwesenden Briand). Dandervelde und Scialoja. Die Delegierten, die beim Weggehen mit(fragen bestürmt wurden, wichen sorgfältig an?. Paul Boncour erklärte lediglich. daß die heutige Aussprache auhcrordentilch interessant gewesen sei. und ferner erfuhr man. daß dir Verhandlungen heute nach- mittag um 5 Uhr sortgesetzl werden, aber in anderer Form. Es nehmen lediglich die zehn Mächte daran teil, die schon jetzt dem völkcrdundsrat angehören. Es ist also eine nichlossizievc Sitzung de? Dölkerbundorates: Deutschland bleibt ihr fern, ebenso Polen. Diese Sitzung dürfte nicht nur mit Deutschlands Zustimmung stattfinden, sondern sogar aus eine deutsche Anregung zurückzuführen sein. Sie kann als eine Folge der deutsche These angesehen werden, wonach es sich gegenwärtig nicht um einen Streitfall zwischen Deutschland und den Ratsmächtcn handle, sondern um U n st i m m i g- kciten unter den Mächten des Rates untereinander und daß zunächst eine Einigung unter den Rotsmöchten erfolgen müste. ehe Deutschland dazu definitiv Stellung nehmen könne. Zu den vielen Gerüchten, die heute vormittag in Genf in Umlauf waren, gehört auch die Behauptung, daß neuerdings Ehamberlain ümgesallcn fei mit Rücksicht auf die Widerstände der englischen öffenilichen Meinung gegen icde Ratscrwcitcrung, und daß er nunmehr auch S p a n i e ir? Anspruch auf einen dancrn- den Ratssitz preisgebe, obwohl gerade er es gewesen ist. der diesen Anspruch bis zetzt am eifrigsten vertreten hat und dadurch erst die heilt« Situation entstanden sei, unter der nicht nur Deutschland, sondern ebenso sehr Frankreich und Polen zu leiden haben. örianü morgen in Genfunödienstag vor der Kammer Paris, 10. März.(MTB.) Wie Havos berichtet, hat Briand heute früh beim Verlosten des Elysecs erklärt, er werde noch heute oder spätestens am Donnerstag vormittag nach Genf abreisen, sein neues Kabinett werde sich wahrscheinlich am Dienstag kommender Woche nach seiner Rückkehr aus Genf dem Parlament vorstellen. Neue Beamte beim Völkerbund. Gens. 10. März.(WTB.) Der Budgctausschuß des Bölkcrbundcs. der über die Erweiterung der Bureaus des General- sekretoriats und über die Neuschaffung verschiedener Stellen für Be- amt« deutscher Staatsangehörigkeit zu entscheiden hat, hat unter dem Vorsitz Loucheurs(Frankreich) nach einer Diskussion, in der Osusky(Tschechoslowakei) als Vorsitzender des Kontrollaus- fchustes für die Finanzgebarung des Völkerbundes unter Zlnführung formaler Bedenken erklärt hatte, daß der Kontrollausfchuß sich mit dem Zusatzbudget nicht befassen könne, beseWosten. den Kon- trollausschuß zur Prüfung des Zusotzbubgets durch die Volkerbunds- Versammlung sokort ermächtigen zu lasten.(Sie tritt erst in einigen Tagen wieder zusammen. Red.) Das Zuiatzbudget, das nach dem Borschlag des Generalsekretärs insgesamt 1 126 430 G 0 l d« franken für die Mehrausgabe im laufenden Rechnungs- jähr vorsieht, sieht die Schaffung von 20 größeren Posten und eines neuen Unter- gencralsekretärs vcr. Es wird jedoch nicht gesagt, daß die neuen Posten olle durch deutsche Staatsangehörige besetzt werden sollen. Etwa 300 000 Goldfranken entfallen auf die Gehälter der höheren Beamten einschlichlich des Gehalts des llntergeneralsekretärs, der für 9 Monate des lausenden Rechnungsjahres etwa noch 65 000 Gold- franken beziehen soll. Rund 100 000 Goldsranken sind für untere Beamte und Vureaupersonal eingesetzt, linier den neu zu schassenden Stellen befinden sich u. a. noch ie eine Stelle in der politischen Ab- teilung, ferner in der Mandot-abicilung. in der Hygieneabteilung, in der sozialen Abteilung und!« der Wirtschasis- und Fmanzorganö, sation. In der Iniorinationsabteilung sollen 3 und in der Rechts- abteilung 7 neue Stellen geschossen werden. Ein großer Teil des Zusatzbudgets entfällt auf Bureauanlagen und Derwaltungsspssen und rund 273 000 Goldsranken sollen an das Internationale Arbeits» amt abgeführt werden. Das neue Kabinett örianö. Verschiebuug nach rechts. pari». lO. März.(Eigen cr vrahlberlch!) Briand hak sein neues Kabinett gegen 2 Uhr morgens dem Präsidenten der Repn- blit vorgestellt. Rur drei Minister- und zwei Untersloatssekretär- Posten haben neue Inhaber erhallen. Briand Hai außer dem Finenzminister Donmer den Iustlzminister Renäe Renault, den Inncamiaisler Ehaotcmps und den Staatssekretär für die besetzten Gebiete Chauvin, die sämtlich dem linken Flüge! der Radikalsozialen Partei angehören, und die gegen die Donmer- scheu Finanzpläne gestimmt halten, a u s g e s ch i j s t. Der llnlcr- richtsministcr D a l a d i e r Hot unter diesen Umständen den Eintritt In das neue Ministerium abgelehnt. Die ausschcidcnd-.n Minister wurden von Briand erseht durch Rault p e r e l(Finanz). ferner durch den Präsidenten der Finanzkommisiion M o l v y (Inneres) und ihren Berichierslitler Lamoureux(Unlerrichi). Zu Unlersiaal-sekrciären wurden neu ernannt: Scnalor R o st a n d von der demokratischen Linken für die Handelsmarine und Abg. Falliere»(radikale Linke) für die Finanzen. Parteipolitisch fehl sich da» neue Kabine» zusammen aus drei Mitgliedern der dcmokraiischen Linken des Senats, zwei Radikal- soziotcn, drei republikanischen Sozialisten, einem unabhängigen So- zialisten(Laval). zwei Mitgliedern der radikalen Linken und zwei Linksrcpnblikoncrn. In die Unlerstaatsfekreiarialc teilen sich ein Radikalso-zialer, vier Milglleder der radikalen Linken und zwei republikanische Sozialisten. wenn auch parteipolitisch das neue Ministerium gegenüber feinem Vorgänger einschneidende Veränderungen nicht erfahren hat. so bedzul.'t doch das Ausscheiden der ausgesprochcn Linkaradikaleu. der Richtung herriot nahestehenden Politiker valadicr. Ehautemps und Renault eine weitere Verschic- bung des Schwergewichts nach den Mittelgruppen. Die Kociellpolitik hat dadurch eine neue Schwächung erfahren. Der„Luotidien" erheb» auch bereits gegen die Ansschissnng der Karlellminister prolest.„Wenn diese", schreibt das Vlall,„auch durch Politiker erseht worden sind, deren Romen allgemein vertrauen einflößen, so ist doch der Unterschied der. daß die von Briand ans- geschisslen Minister seinerzeit m» an-drücklicki-r Zustimmung Ihrer Partei In da» Kabinett«ingeirelcn sind, was bei ihren Rach- folgern nicht der Fall ist." Ein indirektes Vertrauensvotum. Paris, 10. März.(Havas.) Briand hat gestern abend den Bor- sitzenden des auswärtigen Ansschusses des Senats dringend ersucht, diesen Ausschuß unverzüglich cinzubcruscn, bevor cr wieder nach Genf fahre. Der Vorsitzende hat Ariand ge- antwortet, eine neue Diskussion sei unnötig, da Briand ja bc- züglich der Abmachungen von Locorno in der vorigen Woche eine gleichsam ein st immig« Billigung gesunden habe. Numaniscber Großkampftag. Massenaufgebot von Militär zur Parlamentseroffnung. Bukarest. 10. März.(Eigener Drahtbericht.) Unter großem Miiriärauigcbot ist am Dienstag das Parlament wieder eröffnet worden. Nicht nur das Gebäud« war militärisch besetzt, auch in den Wandelgängen des Parlaments und aus den Tribünen des Sitzung?- saals waren überall Gcndarmericposten verteilt. Die Regierung hatte diese Maßnahme getroffen, um die O p p o s i t i o n�e t n z u- schüchtern, da sie angesichts der innerpolitischen Spannung infolge der Wahlniederlage der Regierungspartei bei den Gemcinde- wahlen neue Zusammenstöße zwischen Regierungsmehrheit und Opposition befürchtet«. Auch in der Stadt war überall viel Militär aufgeboten. „Spiel des Lebens" von Knuü Hamsun. lSchlller-Theater.) Unermeßlich ist das abenieucrische, gesegnete, in Welt und Ur- weit und ausschweifende Talent Knud Hamsuns. Er ist der unge- heuer empfindsame Aufsaugcr der Lcbcnsalltäglichkcit. Aber er eni- deckt das Geheimnisvolle des Gewöhnlichen und hebt es hinaus zu ewiger Bedeutung. Scheinbar unberührt vom sozialen Kamps, in Wirklichkeit aber mächtig erschüttert durch das Leid der armen Existenzen und durch das verzehrende Schicksal des erfolgreichen und verkrachten Genies enthüllt und verklärt Hamsun alle Menschen- schwäche und jede Seelengröße.„Das Spiel des Lebens" löst er und deutet cr uns einmal friedlich wie ein Weiser und dann wieder mit zerschmetternder Leidenschast. Doch bei allem bleibt«r objektiv und predigt nicht etwa wie sein älterer Geistcsbruder Leo Tolstoi, den Hamsun übrigens niemals liebte. „Spiel des Lebens", eines von seinen poetisch sehr minutiös ge- pmsclten, doch dramaturgisch und logisch(picht berechneten und nur der Inspiration folgenden Schauspieles, kam zustande wie das Tage- buch eines Wanderers durch den nordischsten Norden. Der Wanderer trifft da ein paar Originale, die cr träumerisch in seiner Phantast« ansiedelt. Vor allem ist Teresita da, die, wie ihr spanischer Name schon sagi, eher von der Südsanne als von der skandinavischen Mittcr- nochtssonne versengt scheint. Vier Liebhaber, die Terestta verbraucht, werden alle zerknickt, bis Teresita selber mit zerschossenem Herzen da- liegt. Der Bucklige mit der verschmierten Wollust, der Mann mit dem großen Schwung ins ilcbcrflnnliche, der Dämonische und end- l'ch der Muskclmann. Dazu Teresitas Vater, der vor Geiz wahn- sinnig wird, und irgendein Fabelwesen,«in Todesgott oder Ge. wisienswcckcr oder ewiger Jude, der das ganze passionierte Narren- pack des Stückes an die Bosheit und den fanatischen Gerechtigkeit»- sinn der nur scheinbar oberflächlich waltenden Vorsehung erinnert. Hamsun Ist ein Mystiker. Aus dunkelsten Menschenkräften leitet er Glück und Unglück ab. Sein Schauspiel soll ein großes Drama der Ueberredung sein, mir die strömenden Worte sollen jederlei Ein- bildung und Gefühl erwecken Das wird denn oft auch wunder- voller Reiz. Weil Hamsun von der genialen Naivität ist. die jedes Erdstäublcin neu erschaff», gewinnt cr die Hörer immer. Allerdings laufen die Begebnisse zum Schlusie auseinander, und auch die Fall- eisen der psychologischen Logik lockern sich. Doch gerade die Weitaus- ficht, die nicht großartig ausstasfiert wird durch abstrakte Gedanken. sondern nur ausgemalt durch winzigste L-bcnseinzelheiten, dieser Horizont, auf den nur das Genie stoßen darf, ist rätselhaft, ist wunderbar. Der Regisseur Gustav Härtung war bisher eigentlich, soweit man sein Werk in Berlin sehen konnte, ein Mann des Auges. Für dieses Drama der Worte erfindet er nun sehr häusig«inen über- raschenden Furor. Die Sätze, mrt denen sich die leidenschaftlichen Menschen bekämpfen, werden gewallig gehetzt. Das wirkt oft bin- reißend und schön. Agnes Straub spielle die Teresita, sie spielte ein wenig zu tragisch, es mangelte ihr die Hellsichtigkell der Frau, die schließlich doch irgendwie über vier sehr verschiedene Männer Siegerin bleibt. Diese Frau, übrigens ein Licblingsgcjchäpf Hamsuns, ist nicht nur wehleidige Trägerin der Trübsal und Hingabe, sie ist auch ein hoch- begabtes Mannweib, allerdings ausgestattet mit zahlreichen Reizen. Und Frau Straub zeigte nicht diese Stärke des Kopfes. Karl Eberl spielle den Philosophen, Erwin F a b c r den dämonischen Liebhaber. Und beide, hie und da entgleist, weil sie einer allzu süß- lichen Theatrolik dienen mußten, die nur auf vollendete Technik de« Sprechens und Bewegung Anspruch erhob, erwiesen sich als leicht lenkbare moderne Schauspieler. Max Hochdorf. Nascagni gegen die Jazzmusik. Pietro Mascagn! wurde in Rom von einem Vertreter der„Tribnna" über allerlei musikalisch« Probleme ausgefragt. Unter anderem auch über feine Stellung zur Jazzmusik. Der Maestro erwiderte entrüstet:„Um Gotteswillen. sprechen Sic nich: von dieser Scheußlichkeit. Man behauptet, daß die Jazzband-Musik von den Negern zu uns gekommen ici. Das ist ein großer Irrtuin, der den Negern bitter unrecht tut. Ich selbst habe vor etwa zwanzig Jahren eine große Zahl von Volksliedern und Tanzweisen der Neger gesammelt, und ich kann Ihnen die Vcr- sicherung geben, daß hier ein wahrhast wertvolles künstlerisches Material unbenutzt brachliegt. Vielleicht werde ich schließlich doch noch meine Absicht ausführen, eine Sinfonie noch Original-Neaer- motioen zu schreiben, nur um die Musik einer Raste, die wir.tu Unrecht so gering einschätzen, zu Ehren zu bringen. Wenn ich eine Iazzbandkapelle mll ihrer blökenden, meckernden, brutalen Lärm- machcrei höre, so erleide ich geradezu körperliche Dualen; wie furchtbar ist der Mann, der da» Saxophon bläst und sich die erdenkliche Müh- gibt, die Laute der niedrigsten Ticrgattungen nachzuahmen! Und wie stilwidrig benehmen sich die Paare, die zu dieser nnquali. fizicrbaren Musik tanzen! Statt die uimatürtlchen Bewegungen auszuführen, wie sie dieser mißtönenden, vorgeblichen Neqcrmusik entsprechen würden, gefallen sie sich darin, im nachdenklichen, kovt- hängerischcn Leichenschrill dahinzutrollen. Je verrückter und wilder sich das Orchester gebärdet, desw strenger und ernster wird das Tempo det Tä Itter, die im Schritt einer Trauervaradc den Saal durchschrellen. Glauben Sie mir. man wird zu Strauß zurück- kehren, der gewiß kein Gednnkenmusiker wie Beethoven war, der aber gewistenhast und mit hohem künstlerischen Ernst mit seinem Pfund zu wuchern verstand, das Göll ihm verliehen bat. Mit anderen Wv'-ten, cr hat stet- Tanzmusik geschrieben, in der die sinnige Sehnsucht, der Liebreiz und der Farbenglanz sich.zu unver- gleichlicher Harmonie verbinden." Veostche Symnallk. Lbersiliulrat Hill er hält ffir die Humboid!- Hoihschiilc Freitag. 8 Uhr. in der Aula de» Derner-ZiemenS-Rcalgiim- naflum». Hohenftausenstrade 47/48. einen Vortrag über ,A t« m- G h m- n a st i l" mll Vorführungen der Anna-Hermamt-Schule. Volksbegehren. Aus aller Wunde steigt ein dunkler Schmerz in das von Fieberhitzen müde Hirn. Rastloses Hämmern jagt durch Puls und Herz und legt sich zentnerschwer aus mein« Stirn. Erschöpft sink' ich in atemleise Ruh'. Im Geist seh' ich herbstgoldne Balkanberge— Da fühl' ich jäh der Kugel Bitterkeit. Zu Wachsein reißt's mich hoch und neuem Leidl Mit unsagbarem Zorn denk ich der Zwerge, Verwalter, Bergc waltiger des Erdreichs! Es hält mich nicht in meinen Krankenbetten. mühselig geh ich— dreistes Unrecht mindern, vielleicht— mit einer Stimme Recht zu retten und vieler tränenschwere Not zu lindern... Und du, Gesunder, was tust du? W. M. Iheaterspiel. da» blutiger Ernst wurde. Liese? Tage erhielt bei einer Autführung der„Walküre" in der Mctropolitou-Oper zu New Park Michaet Bohnen im Zweikampf mit dem Darsteller des Sigmund, L o u d e n t h a l, eine nicht unerhebliche Vcrwun- dung. die zur Unterbrechung der Votstcllung zwang. Fast gleich- zeitig wurde in Tours bei einer„Carmen-Ausführung die Dar- ftellcrin der Titelrolle in der letzten Szene von dem allzu realistisch spielenden Jose glücklicherweise nur leicht verwundet. Zlchnlich« Fälle sind in der Theatergeschichte durchaus nicht selten. So hatte beispielsweise der berühmte englische Schauspieler Mac Ready bei einer Ausführung des„Macbeth" seinen unglücklichen Kollegen, der die Titelrolle darstellte, so unglücklich getrosscn, daß er aus der Stelle starb. Garrick, der klassische Shokespeare-Daistellcr der eng- lischen Bühne, pflegte sich als Othello in die Rolle des Mohren so hineinzudenken, daß schließlich keine Schauspielerin mehr dos Risiko eingehen wollte, mit dem berühmten Schauspieler zusammen zu spielen. Denn Garrick geriet in der Szene im Schlosgcmoch so in Raserei, daß cr seine Desdemona tatsächlich würgte. Oer sran- zösiichc Schauspieler Baron starb ebenfalls an einer auf der Bühne erlittenen Verwundung, als er beim Parieren des Degenstöße» von Dan Gormaz in der Aufführung des„Cid" blindlings in den vorgehaltenen Degen hineinlief. Aber die Geschichte Hot auch Bei- spiele aus der jüngsten Vergangenheit auszuweisen. So vcrwuu- dete im Jahre 1913 in New Port Gernldine Farrar bei einer Auf- sührung der„Tosca" den schuftigen Scarpia, glücklicherweis« nur leicht. In Frankreich wurde im Jahre 1898 der berühmte Mounct- Sully bei einer Aufsühnnig von Richepins„Märtyrer" um ein Haar ein Opfer der Rolle, weil er allzu fest ans Kreuz geschnürt worden war. In Prag erinnert man sich heute noch des aufsehen- erregenden Abends, als die dort geschätzte Schauspielerin Benoni in der«chluhszene von„Romeo und Julia" sich den Dolch so heftig in die Brust stieß, daß sie nur mit knapper Rot gerettet werden konnle. Irotzki— hochschulproseffvr? Nach einer Meldung au» Moskau Hai Traich einen Ruf al» Projestor für IoiirnaliSom» an die MoStauer Hochschule angenommen. Der Fortgang öei berliner Propaganüa-Erlebniffe. Nicht van dan Erlebnissen bei der Verteilung von Flugblättern. bei Umzügen oder bei den überfüllten Massenversammlungen gegen den Raubzug der abgelegten Potentaten soll hier berichtet werden. Ich will erzählen von den kleinen Abenteuern, die ich hatte, von Erfahrungen, die ich sammelte beim Friseur, in der Kneipe, in der Untergrundbahn oder wo Immer die Möglichkeit besteht, i n d i v i- d u e l l einzuwirken auf den lieben Mitbürger und die liebe Mit- bürgcrin. Gewiß ist eo interessant und belehrend, fich mit Gesinnungsgenossen über die Aussichten vom Volksbegehren und Volksentscheid zu unterhalten. Viel wichtiger aber ist es, die Säumigen, Gleich- gültigen und Unerfahrenen aufzurütteln und Gegner zu bekehren. Kommt da am Sonntagabend meine Zimmerwirtin. eine sontosc, aber in politischen Fragen herzlich unbclehrtc chandwerkersfrau, zu mir und zeigt mir aufgeregt ein' Z c i t u n g s b l a t t, das ihr in die Wohnung geflattert ist.„Wenn das wahr ist, was da drinnen steht." sagt sie,„dann kann man sich doch nicht einzeichnen. Wenn die Ein- Zeichnung geglückt ist, heißt es, dann kommt der B o l s ch e w i s- m u s mit Mord und Brand, und wir werden aus der Wohnung gejagt." Und während sie sich in Gedanken mit zerschlagenen Möbeln und zerrissenen Kleidern auf der Straße sieht, überreicht sie mir eine Propagandanummer des—„Aufrechte n*. In wohlgesetzter Rede lege ich los, mache meiner guten Wirtin klar. daß von„Bolschewismus" gar nicht die Rede sei, und schildere ihr an Beispielen die Habgier der Fürsten. Und ich berichte ihr, daß es sich bei dem sogenannten„Aufrechten" um Offiziere und Junker handelt, die durch Wiederherstellung der Fürstcnmacht nur selber wieder ans Ruder kommen wollen.„Und, liebe Frau Schulz, wollen Sic vielleicht Ihren Mann noch einmal in den Schützen- graben ziehen lassen?" Am Montag hat meine Wirtin sich eingezeichnet. Beim Friseur! Thema: Die Fürstenabfindung. Ein ganz Kluger meint:„So schlimm ist die Sache gar nicht. Die Fürften würden sich ja verhaßt niachen, wenn sie die vielen Millionen und alle die Schlösser und Güter einstecken würden. Die werden von allein verzichten" Na, da habe ich vom Leder gezogen. Der fürstliche Menschenhandel im 18. Jahrhundert schien dem behäbigen Spießer etwas„weit hergeholt" zu sein oder nach„ollen Kamellen" zu riechen. Die Schilderung des Ankaufs von Neubabclsberg, Fla- tow-Ärojanke und anderem Graßgrundbesitz durch die Hohcnzollern um nichts oder um wenige Pfennige hieß ihn schon aufhorchen: Wilhcln, der Letzte ober mit seinen Publikationen in englischen Blättern und mit dem Pathe-Film, der englische Herzog von Ko- bürg, dke montenegrinische Kronprinzessin und die Mätressen des Strelitzers schlugen Im holden Verein auch bei ihm dem Faß den Boden aus. Erwirdficheintragenl Oft ist die Gleichgültigkeit ungeheuer. In einer Kneipe traf ich zwei alte Jungfern, die noch nicht ein einziges Mal gewählt haben. Hier zog eine sachliche Darstellung der verschiedenen Sorten von Auswertung. Sie zeichnen sich ein! llnaushörlich, bei jeder Gelegenheit muß diese Propaganda getrieben werden. >> Selbstverständlich halten heute weder Msse noch Kälte die Massen davon ab, ihrer republikanischen Pflicht zur Eintragung für das Volksbegehren zu genügen. Der persönliche Augenschein beweist die Zuversicht des Volkes auf den Ausgang des Bolksbegehrens ebenso wie die amtlichen Zahlen die günstigen Ergebnisse, die bis jetzt zu verzeichnen sind, dartun. Man diskutiert sie überall: in den Ein zeich nu ngslokalcn ebenso wie aus der Straße, beim Einkauf, im Heim. Auf dem P o t s d a mcr Platz entstand gestern abend beinahe eine V e r k e h r s st o ck u n g: hier, we die Völkischen ihre Domäne haben, entbrannte ein kleiner Krieg zwischen rechts und links, veranlaßt durch die goldleuchtende Wanderschrift über dem Cas6 Iosty:„Tragt euch ein zum Volksbegehren!" Wer denken kann und gerecht empfindet, folgt der stummen Mah- nung, wenn auch die Potsdämlichen im Chor ihr„Wehe!" schrien und mit den Hieben drohen, die sie selbst verdienen. * In einer Einzeichnungsstelle in Baumschulen- w c g verläuft das Einzeichnungsverfahren des großen Ansturms wegen nach einer sehr empfehlenswerten Methode, die den Beamten ihre Tätigkeit sehr erleichtert. Im Vorraum des Volksbegehrens. Lokals sitzen �unsere Genossen mit den Wahllisten ihrer Bezirke und aeben nach Feststellung der Zugehörigkeit den Abstimmenden eine Nummer mit, die dem Beamten das zeitraubende Nachschlagen erspart. Da zugleich die Eintragung in der Wählerliste der Partei vermerkt wird, ist der nun bald einsetzende Schlepperdienst leicht zu organisieren. In einzelnen Bezirken Baumschulenwegs ist schon eine Wahlbeteiligung bis über 40 Proz. zu verzeichnen. Eine höchstlciskung der Lügenflut. Im Oranienburger„Generalanzeiger" vom 10. März befindet sich eine Notiz, die die Eintragung in die Listen zum Volksbegehren zum Gegenstand hat. In dieser Notiz wird erklärt, daß bei der Redaktion sortgesetzt Zuschriften eingehen, die über die Auslegung�- termine der Einzeichmingslisten Auskunft begehren. In dieser Notiz heißt es: Wir wollen aber ihren Inhalt dahin zufammenfchsen, daß die Frist zur Eintragung noch bis zum 22. März läuft, daß die Eintragung im Rathaus stattfindet und daß zur Eintragung niemand verpflichtet ist. Es ist unanständigste Journalistenübung, wenn sie ihren Abonnenten direkte Unwahrheiten zur Kenntnis bringt. Die Redaktion des Oranienburger„Generalanzeigers" wird genau wie jede andere Redkiktion wissen, daß der Termin für das Volks- begehren vom 4. bis zum 17. M ä r z f e st g e l e g t ist. Dies« Irreführung der Leser des Oranienburger„Generalanzeigers" dürfte ihren Ursprung darin finden, daß sie voll Wut den Ansturm der begehrenden Bevölkerungskrejse sieht. Alle indirekte Sabotage wird nichts helfen, die Oranienburger werden ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllen. Die Irauen an öer Arbeit. In der Aula Kaifer-Friedrich- Straße in Neukölln haben gestern die Frauen ihre Werbetätigkeit für das Volksbegehren fortgesetzt. Schon in den Einzeichnungslokalen konnte an ollen Tagen eine sehr rege Tätigkeit der Frauen beobachtet werden. Unter den Versammlungsteilnehmern waren viele, die nicht den Reihen der Partei angehörten. Die Genossin Gertrud Hanna wies in leb- haften Ausführungen, die von der Versammlung rege verfolgt wurden, die schamlosen Ansprüche der Fürsten zurück. Den Arbeits- losen werden aus dem Lande sogar Hühner weggenommen, wenn sie Unterstützung erhalten wollen. Die Arbeiterjugend umrahmte die prächtige Veranstaltung mit Rezitationen und Gesang. In einer stark überfüllten Versammlung, die in Lichten? b e r g in der Schulaula Marktstraßc stattfand, sprach die Reichstags- abgeordnete Genossin W u r m. Sic wandte sich in erster Linie an die Frauen und wies daraus hin, daß die Frauen zum ersten Male, seitdem ihnen politische Rechte zugewiesen seien, auch politisch zu handeln hätten und daß sie sich würdig zeigen müßten der politi- schen Rechte, die ihnen durch die sozialistischen Parteien erkämpft wären. Diese Rechte besäßen sie nicht, wenn die Fürsten heute noch die Herrschasl hätten. Der Kampf der Fürsten sei nicht bloß ein Kampf um ihr Eigentum, sondern ein Kampf um die Staats'- form. Dem Auslande erzählen wir dauernd, daß wir nicht in der Lage feien, bis uns auferlegten Lasten zu tragen. Unsere Kinder schicken wir auf Ferien zu ausländischen Gastgebern und den Fürsten sollen wir die Forderungen bewilligen, die sie an uns stellen. Das wäre der reine Hohn. Starker Beifall belohnte die trefflichen Ausführungen der Rednerin. Der Saal konnte den Ansturm der Frauen Baumschulen-- w o g s kaum fassen. Viele Frauen sagten, was wieder die steten Mahnungen an sie rechtfertigt, sie wären zum ersten Male in einer politischen Versammlung. Es wurde so voll, daß die Männer draußen bleiben mußten. Genossin Minnw Todcnhagen ging vom Geschichtsunterricht aus, der uns so falsche Begriffe'eingebläut hat, und den jetzt der Landbund mit Erfolg weiter anwendet. Auf dem Lande wird auf einem Flugblatt. Wilhelm tatsächlich als armer Holzfäller gezeigt! Bismarck'ist nicht über juristische Zwirnsfäden gestolpert, als er seine Kollegen enteignete, und wie würde Macchia- velli, der Lehrer der Tyrannen, lachen, daß man dem politischen Gegner Mittel zum Kampf geben will. Die Rednerin ging dann näher auf die Ansprüche der„Fürschtcn" ein, die sich zum Teil auf die Einkünfte berufen, die aus dem Untertanen- lind Totenschacher an England flössen. Ein Rechtsanwalt Stüppclbcrg aus Basel aber verlangt gar 436 M. jährlich für. seine Frau, die als Freiin von Breitcnbach Einkünfte �aus Jagden und sonstigen'„Gcrechtfainen" bezog. Ein Freiherr Schcnck von Schwcinsbcrg begründet(es ist zum Kinderkriegen) seinen Anspruch auf 860 M' Rente damit, daß er von jedem„Brauthuhn", das in seiner Gemeinde geschlachtet wurde, eine Abgabe zu bekommen hatte. Die lächerlichsten Ab- machungen aus der Wiener Bundcsaktc von 181S werden zitiert, um dem Volke auch den letzten Groschen zu rauben. Die Versammlung unterbrach die Referentin oft mit stürmischem Beifall. De. Eurtius' Programm. Erklärunge» des WirtschaftSministers vor dem Haushaltsausschust. Die letzten beiden Sitzungen des Reichshaushaltsausschusses wurden durch die allgemeine Aussprache über den Etat des R e i ch s« wirtschaftsministeriumo ausgefüllt. Der Berichterstatter Abg. von Raumer schuß hätte also, ob ein Lohntaris bestanden hat oder nicht, be» stimmte Löhne festsetzen können. Der Verkehrsbund hat nun nochmals beim Schlichwngsaus» schuß Verhandlungen beantragt, die am 15. Marz statlflnden sollen. Eine Versammlung der Buchdruckereitransportarbeiter mchm am Montag im„Alexandriner" zu diesem Ränkespiel der Unternehmer. dessen treibender Keil die Firma Scherl ist, Stellung und beaus- tragte die Organisation, mit allen Mitteln auf den Rcuubschluß eines Lohntarises hinzuwirken. . Metalltransportärbeiter. Unter guter Beteiligung trat am Sonntag in den Residenz- sälen die Sektion 5 des Deutschen Verkehr sbundes�zu ihrer ersten Delegiertenversammlung zusammen. Settionsleiter Fromke und Bezirksbcvollmächtigter O r t m a n n begrüßten die Delegierten und wünschten ihren Arbeiten unter der neuen Zusammensetzung besten Erfolg. Aus den Ergebnissen der bisherigen Dahlen find 650 Delegierte als stimmberechtigt hervorgegangen. Eine größere Anzahl Vertreterwahlen steht noch aus. Wenn das Reglement volle Beachtung findet, dann wird die Dclegicrtenversammlung mit Ein- schluß der Sektionsfunktionäre 1599 Teilnehmer aufweisen Das Delegiertensystein wird die gewerkschaftliche Stoßkraft wesentlich fördern. Ein instruktives Referat über„Wirtschaftslage und Lohn- stand" fand ungeteilte Ausnahme. Bon allen Disknssionsrednern wurde auf die verschärfte Wirtschaftskrise und aus die sich daraus ergebenden Gefahren des Lohndruckcs verwiesen. Beabsichtigst«! Löhnverschlcchterungen sollen unter Anwendung aller gewerkschaft- licher Machtmittel abgewehrt werden. An die unorganisierten Tronsportarbeiter der Berliner Metallbetriebe ergeht von den Dersammelten der Ruf, die gewerkschaslliche Einheit zu stärken, indem sie Mit- gliederdesBerbandes werden. Die Bersammlung bot einen durchaus günstigen Eindruck, der auf gute Zusammenarbeit schließen läßt.__, Irreführende Flugblattverbreitung. Dor den Betrieben des Groß-Berliner Einzelhandels werde» vierseitige Flugschristen mit der Ucberschrift:„A n g e st e l l t e n- stimme" verteilt. Die Verteiler erklären aus Besrogcn. daß sie im Auftrage des Z e n t r a l v e r b a n d e s der Angestellten tätig find. Der Inhalt der Flugschrift ist, soweit er sachliche Dinge enthält, Angaben entnommen, die die Vertreter des zentral- vervandes der Angestellten in Versammlungen und bei anderen Gelegenheiten gemacht haben. Der Verfasser schmückt sich also mit fremden Federn. Die Notwendigkeit sür die Verbreitung einer derartigen Flugschrist liegt auch darum nicht vor, weil der Zentral- verband der Angestellten selbst in einer großen Anzahl von Ber- öfsentlichungen alle die Angestellten interessierenden Fragen be- Handel. des Verfassers und der Druckanstalt sowie die gc- samte Aufmachung lassen zweifellos erkennen, daß es sich um eine Agitation der Kommunistischen Partei handelt., Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Derlur, Lohndruck oder Aussperrung. Senstenberg. 19. März. kEigener Drahtbericht� Durch Aus- hang vom 3. März Hot die Werksleitung der Grube...Gluckaus ihren Arbestern die bestehenden Löhne gekündigt und einen Aus- hang über neueLöhne gemacht, der uin durchs-hrnltllch 12 Pro.. ?cnt niedriger ist als der gegenwärtig gezahlte Lohn. Zw« Belegschastsverfammlungen am 8. März lehnten den Lvlmabzua gegen 5 Stimmen ab. Als Arnwort auf diesen Beschluß hat die Werkslestung am gleichen Tage folgenden Aushang gemacht: ,3n Abänderung unserer Kundgebung an die Belegschaft vom 3. 0. M. kündigen wir hiermit unserer gesamten Belegschaft mst Wirkung zum 16. März d. I. Wir sind aber bereit, alle dieienigen Beleg- schastsmitglieder mit Wirkung vom 17. März 1926 ab wieder em- zustellen, welche gewillt sind, die Arbeit zu den n e u e n A r b e, t s- bedingungen(siehe aushängende LohMasel vom 1. Mar.H wieder aufzunehmen." Bon der Aussperrung werden 429 Berg- arbeiter betroffen. Wer sich dem Lohndruck nicht fugt, der fliegt. proklamieren die Grubenherren. Im rheinisch-weftfälischen Baugewerbe. Essen. 9. März.(MTB.) Wie die„Deistsche Bergwerks- zeitung" erfährt, ist von den vercinigten Arbestgebcrverhanden des Baugewerbes von Rheinland und Westfalen beschlossen worden, die augenblicklichen Löhne der Bauarbeiter zum 31. März zu kündiaen. Es soll ein Abbau der Löhn-e ab 1. April gesordctt werden. (Natürlich!)___ Die Sperre van Zaulh und Schwechlen aufgehoben; Am 7. Dezember traten die Arbeitnehmer der Finna Walter F a u t d. Pianomechanikfabrik, in den Streik. Im Verlauf des Kampfes ist der Betrieb von Streikbrechern besetzt worden, so daß die Streiten- den beschlossen, den Kamps mit Wirkung vom 1. März ab zu- brechen, um sich zwecks anderweitiger Vermittlung im Arbests- Nachweis eintragen zu lassen. Mit diesem Beschluß sind die Kampf- aktionen gegen diese Firma eingestellt. Die gegen die Firma Schmechten, Halensee, verhängte Sperre wird hiermit aleich- falls aufgehoben und steht einer etwaigen Arbeitsausnahme in diesem Betriebe nichts im Wege. Deuffcher Holzarbeitervcrband, Verwaltungsstelle Berlin. Der Fleischcrmeisler Hutzelmann. Schererstraße 8, dessen Laden für organisierte Arbeiter gesperrt ist. versucht jetzt die nichts mehr genügend eingehenden Gelder seiner Arbeiterkundschait aus eine andere Art uiib Weise zu ergattern. In der W e d d i n g- H a l l e verkaufen jetzt die Standinhaber Koch und Herrfurth Wurst- waren, die Herr Hutzelman in der Schererstraßc nicht»,ehr los- werden kann. In der A ck e r h a l l e sind es die Wurststände von Walter L ü d t k e, Marie Peter, Otto Schönbrunn, Anna Bittermann und Willi Dürre, die Wurstwaren der ge- sperrten Firma verkaufen. Die Wurstwarengeschäfte von K ü n z e l. Pankstraße 48, und Joses Brzemet, Mcmeler Str. 39, beziehen ebenfalls von Hutzelmann den größten Teil ihrer Wurstwaren. Ob die Genannten durch den Bezug und Verkauf von Hutzelmannscher Wurst von den Konsumenten nicht als die gleichen Brüder mit den gleichen Kappen angesehen werden, wird sich ja in den nächsten Tagen zeigen.. Die Kommission der erwerbslosen Fleischergesellen. Verantwortli» für Politik: Aicha, d Bernstein! Wirtschaft:«ctur Saieran,; cbewerkschastsbewegung: isr. Etzkorn: Feuilleton: Dr. John Schlkowiki: Lokales und Eonstiars: grih Raestädt: Anzciar»: Tb. Sl-Iie: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Vcrlaa E. m. b. H.. Brrlin. Druck: Borwiirls-Buchdruckerel und Berlaasanftalt Paul Einacr u. Co.. Berlin SW CS, Lindcnstraste 3. illlMki»« Oriskniliinknsi tlr in Timltnts- bniik XI in Stadt Bnlia(toioabar�Frltinu) Am Donnerstaa. den lS. MSr, 1928, abends 7 Uhr. findet Im Rassenlokal Berlin- «chiinederi. Eruncwaldstrahe 80 pt, eine »Ott mit folgender Tagesordnung: 1, Ansdehniing der Uniallo-rsicherung auf Berufskrankheiten, 2. Eaftungsanbetunfien, 3. Rassenangelegenheiten.(58/10 Berlln- Lchdnederg. den 10. März 1928 Der Borstand. A.«chuldt. Bors, ffritz Eenfi. Schriftf. W 33. KurtO ritenstr. t41 AbtaUongsa für nach- und Tiefbau Semestertretfinn: Mittwoch, 7. April 1926 Anmeldungen: TSglicn v. 8 bis 4 Uhr hn Bttiesu.— Teieph. Magistrat 39 8 » SSI angeschl. dem Verb. sor, Baubetriebe Berlln N.24. Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6326 Filiale Westen, Wilmersdorf Landbausstr. 4. TeL: PisUbnrg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. 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