Abendausgabe Nr. 118 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 59 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Bebattion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstag 11. März 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Angetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Bevlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Deutschlands Aufnahme empfohlen. Einstimmiger Kommissionsbeschluß.- Briand zurückgekehrt. Genf, 11. März.( WIB.) Die Aufnahmekommission hat heute| Völkerbundsrat herausgewählt. Allerdings hat es Brasilien vormittag in einer furzen Sitzung von faum 15 Minuten Dauer den tatsächlich noch in der Hand, die Aufnahme Deutschlands bis dahin zu von ihrem Unferausschuß vorgelegten Bericht über die Aufnahme verzögern. Diese Möglichkeit, so bedauerlich sie auch für die Völker Deutschlands in den Völkerbund ohne Distuffion ein- bundsfreunde in Deutschland und für den Völkerbundsgedanken an immig genehmigt und ihren Vorsitzenden Sir Hauften sich wäre, ruft ganz besonders in franzöfifchen und englischen Kreisen Chamberlain zum Berichterstatter vor der Völkerbundsversammlung helle Entrüstung hervor. Nach den gestrigen Erklärungen von berufen. Baul Boncour bereitet sich für diesen Fall unter Zurückstellung der Meinungsverschiedenheiten über den polnischen Ratssitz eine deutschfranzöfifche Einheitsfront gegen die Saboteure des Bölkerbundes vor. Uebrigens hat Brasiliens Haltung sogar bei einem Teil der füdameritanischen Staaten lebhaftes Befremden hervorgerufen. So hat z. B. der Bertreter Uruguays im Bölkerbund privatim erklärt, daß er die erpresserische Politik Mello Francos feineswegs billige, sondern, daß im Gegenteil der grundsätzliche Widerspruch des Schweden Undén gegen eine Erweiterung der permanenten Ratssize durchaus berechtigt gewesen sei. Dieser Beschluß der Aufnahmefommission bedeutet, daß es Deutschland erspart bleibt, in Genf seine„ Bereitwilligkeit, feine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen", noch einmal prüfen zu lassen. Die Kommission hat sich damit begnügt, die Feststellungen des interalliierten Militärfomitees zur Kennt nis zu nehmen, daß Deutschland seine Abrüstungsverpflich tungen erfüllt hat. Damit ist im Falle Deutschlands der Böllerbund von seiner bisherigen Aufnahmepraris tatsächlich abgewichen. Als z. B. Desterreich, Bulgarien und Ungarn aufgenommen werden sollten, hat man ihre Vertreter vor der Aufnahme eingehend verhört und sie stets die Erklärung ausdrücklich abgeben lassen, daß ihre Regierungen bereit seien, ihre Bertragspflichten genau zu erfüllen. Dem deutschen Staatsfekretär von Schubert war ursprünglich diese Aufgabe zugeteilt gewesen. Das man in Genf darauf verzichtet hat, ihm um Auskünfte und Zusicherungen zu ersuchen, ist ein fleines aber beachtenswertes Zeichen für die Gesinnung, in der Deutschland in der internationalen Organisation der Völker aufgenommen wird. Italien hinter Brasilien? V. Sch. Genf, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Noch hat sich die große Aufregung, die am gestrigen Abend entstand, als die ersten Nachrichten über den brasilianischen Borstoß bekannt wurden, nicht gelegt. Nur die Tatsache, daß Briand heute morgen wieder eingetroffen ist, wirkt etwas beruhigend, weil man hofft, daß es seiner oft bewährten lleberredungstunft gelingen wird, den ver fohrenen Karren wieder herumzureißen. Einstweilen hat Briand jedoch nur eine Unterredung mit Chamberlain gehabt, man glaubt aber, daß eine seiner nächsten Unterhaltungen mit dem Brasilianer Mello Franco stattfinden wird, auf den er einen gewissen Einfluß besitzen soll. Die Frage ist nur, ob Mello Franco auf Grund formeller Instruktionen seiner Regierung handelte, als er gestern damit drohte, den ganzen Bölkerbund zu sprengen, um den brasilianischen Anspruch durchzudrücken. Die Haltung Brasiliens erregt hier allgemeine Entrüstung, zugleich aber auch Spott. Denn dieses Babanquespiel wird zweifeifos mit einer Niederlage des füdamerikanischen Staates enden. Entweder er gibt jest nach eder er wird im September von der Bölkerbundsversammlung mit erdrückender Mehrheit aus dem Des Volkes Begehren. Bis gestern in Berlin 633121 Eintragungen! Die Eintragungen zum Boltsbegehren waren in Berlin am geftrigen Mittwoch geringer als am Dienstag. Allmählich muß es ja zu einer Minderung des Tagesergebnisjes tommen, je größer die Gesamtzahl derjenigen wird, die ihre Pflicht be. reits erfüllt und die Eintragung vorgenommen haben. Erst für Sonnabend und Sonntag, die für die Arbeiterbevölkerung günstigsten Tage, wird man eine nochmalige Zunahme zu erwarten haben. Wir geben hier für die Verwaltungsbezirke nebeneinander die Einfragungen vom Dienstag und vom Mittwoch und die Summen uus den bisherigen sieben Tagen.( Das fiebentägige Ergebnis für ganz Berlin ist durch einige bisher nicht mitgezählte Nachträge vervollständigt.) Miffe 7629, 4410( 40 113); Tiergarten 7154, 4309( 37 901): Wedding 15 010, 8022( 79 287); Prenzlauer Berg 12 092,6807( 63 902); Friedrichshain 13 787, 7668( 71 170); Kreuzberg 13 321, 8013( 71 521); Charlottenburg 6438, 4064( 31 854); Spandau 3421, 2110( 16 479); Wilmersdorf 2217, 1413( 11 319); Zehlendorf 333, 277( 1790); Steglitz 2156, 1621( 10 313); Schöneberg 4260, 2798( 24 651); Tempelhof 1810, 1235( 8688); Neukölln 12 067, 7397( 64 405); Treptow 4008, 2284( 20 313); Köpenid 2179, 1057( 11 691); Lichtenberg 7260, 6600( 31 746); Weißenfee 1864, 932( 8342): Pankow 2379, 1262( 12036); Reinidendorf 3040, 1616( 15 332); ganz Berlin 122 425 73 895( 633 121). Die Eintragungen im Reich. Dresden, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Dienstag brachte in Dresden mit 15000 die bisherige Rekordziffer der täglichen Einzeichnungen für das Volksbegehren. Bis Dienstag abend wurden 46 545 gezählt, bei Mittwoch brachte 13 200, damit stieg die Zahl der bis Mittwoch erreichten Einzeichnungen der Stadt Dresben auf 59 778. Da Dresden rund 440 000 Stimmberechtigte bat, ist das Zehntel bereits in der ersten Woche weit überschritten. Genf, 11. März.( Eigener Drahtbericht des„ Borwärts".) In zwischen rechnet man hier mit der Möglichkeit einer weiteren Kem plitation. Bisher hatte sich nämlich Italien in der Berson von Scialoja durchaus forrekt und versöhnlich verhalten und sich ehrlich bemüht, an dem Zustandekommen eines für Deutschland und Polen tragbaren Kompromisses mitzuarbeiten. Es heißt jedoch, daß der Unterstaatssekretär Grandi, der persönliche Bertrauensmann Mussolinis, der schon in Locarno die Rolle einer faschistischen Gou Dernante gespielt hatte, und der auch jetzt in Genf Scialoja beigegeben worden ist, seit gestern Morgenluft wittert. Für Mussolini, der seit dem Zwischenfall Korfu alles mehr als ein Freund des Bölkerbundes ist, märe der brüste Vorstoß Brafiliens in der Tat eine glänzende Gelegenheit, den ganzen Bölter bund zu sprengen, ohne sich selbst im Vordergrund zu exponieren. Grandi, so wird in italienischen Kreisen behauptet, habe sich inzwischen an Mussolini direkt gewandt, um für die neue Situation neue Instruktionen an Scialoja zu erwirken. Die meisten sind zwar überzergt, daß man aus der schweren Krise, die gestern ausgebrochen ist, heraus fommen wird. Und dennoch sieht noch niemand den Man weist darauf hin, daß die gestrige Sigung des Bölkerbundsrates zum Glück nicht offiziellen Charakter trug und daß die Worte und Drohungen, die dort ausgesprochen wurden, feinen definitiven Charakter tragen. Ausweg. Daß sich die Aufnahme Deutschlands infolge der jüngsten Komplikationen jedenfalls verzögern wird, geht daraus hervor, daß die neue Bollsigung, die für Sonnabend vormittag 11 Uhr anberaumt worden ist, nur formellen Charafter tragen wird, indem auf die Tagesordnung lediglich die Budgetfragen des Böllerbundes, sowie der Bau des künftigen Völkerbundspalais gesetzt wurde. Nach einer gewissen Eintragungsmüdigkeit der ersten Tage ist der Andrang jetzt so start, daß in mehreren der 35 Einzeichnungslokale Dugende von Einzeichnern die Lokale wieder verlassen mußten, ohne ihrer Eintragungspflicht genügen zu fönnen. abend wurden in Stuttgart 33448 Eintragungen zum Stuttgart, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Bis Mittwoch Boltsbegehren gebucht. Königsberg i. pr., 11. März.( Eigener Drahtbericht.) In der Stadt Königsberg haben sich bis zum Mittwochabend 17300 Personen in die Listen eingezeichnet. In der Stadt Fischhausen find bis Dienstagabend von 1760 Wahlberechtigten 400 Eintragungen erfolgt, in Angerburg bis Dienstagabend von 3600 Wahlberechtigten 570 Eintragungen. Köln. 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Zahl der Ein zeichnungen in Köln haben am Mittwochabend 40000 erreicht. Der Andrang in den Einzeichnungslokalen steigert sich von Tag zu Tag. Auch in Köln- Land ist die Beteiligung bisher über alles Erwarten gut, ebenso in den Orten mit rein fatholischer Bauern bevölkerung in der weiteren Umgebung Kölns. Stand des Volksbegehrens in Berlin. 1 100 000 1 050 000 1 000 000 950 000 900 000 850 000 800 000 750 000 10. März: 74 000 700 000 650 000 600 000 9. März: 122 000 550 000 500 000 450 000 400 000 8. März: 130 000 850 000 300 000 7. März: 165 000 250 000 200 000 150 000 6. März: 56 000 100 000 5. März: 50 000 4. März: 36 000 50 000 0 Jdeal und Pappenstiel. Zum Wirrwarr in Genf. Bon Paul Nathan. Was ein Ideal ist, weiß ein jeder; obgleich ein Ideal nicht ganz leicht zu definieren ist. Was aber ein Pappenstiel ist, weiß wenigstens jeder Berliner. Es ist das wertloseste Ding von der Welt; eine Nichtigkeit, ein Nichts. Das kümmert mich einen Pappenstiel, sagt man zwischen Wilmersdorf und Weißenfee, um zum Ausdruck zu bringen, daß man für diese Sache ebenso viel Interesse habe, wie für die Untersuchung, ob auch die Mondfälber Hörner tragen. dieser absurden Lächerlichkeit stelle ich das Ideal gegenüber, das die gedankliche, höchste Vollendung in jeder Beziehung dessen darstellt, was in dieser Welt der Unvollkommenheit meist nur in schwächster Andeutung vorhanden ist. Ich finde, daß die diesmaligen Verhandlungen in Genf etwa dem Gegensatz von Ideal und Pappenstiel entsprechen. Und Der Völkerbund in Genf soll eines der ganz großen Ideale der Menschheit verwirklichen. Die dort geschaffene Institution soll der Menschheit den ewigen Frieden bringen; gewiß nichts Kleines; und man wird voraussehen müssen, daß nur große Menschen mit Ideen voll Größe solchen Bau aufzuUnd was geschieht? richten imftande sein werden. sind in Genf versammelt, und man muß annehmen, daß die Die Diplomaten, so etwa der gesamten zivilisierten Welt bort vertretenen Staaten begabte, modern denkende Diplomaten in die Stadt am Genfer See entsandt haben und daß die mitgegebenen Instruktionen entsprechend lauten. Und diese diplomatische Elite aus aller Weltgegenden, aus Europa und von jenseits der Weltmeere her, debattiert und verhandelt und regt die politische Welt auf, wegen der Frage, ob Polen, ob Spanien, ob Brasilien im Bölkerbunds rat neben Deutschland einen bleibenden Sitz sogleich erhalten foll, oder erst zu einem späteren Zeitpunkt, nad dem Deutschland in den Rat aufgenommen worden ist. Handelt es sich bei diesem Streit um große politische Intereffengegensätze, oder um absurde politische Eitelkeiten ohne jeben ernsten realpolitischen Hintergrund? lleber große politische Interressengegenfäßge fann man natürlich nicht tänzelnden Schritts hinwegschreiten; aber politische absurde Eitelkeiten sollte man in Genf bei einer Arbeit sogenannter hervorragender Vertreter großer Staaten nicht vermuten. stehen; das ist gerechterweise zuzugeben. Man hat in Warschau Der Standpunkt der Polen ist wenigstens zu ver die Empfindung, daß zwischen dem eigenen Staat und Deutschland politische Gegenfäge durch den Vertrag von Bersailles geschaffen worden find, so ernster Art, daß sie besorgniserregend sind und zu irgendeinem Zeitpunkt in ein fritisches Stadium treten fönnen. Daß Polen bei dieser Konstellation feine Machtposition im Völkerbund so sehr stärken möchte, wie möglich, ist zu verstehen; und ist doch keine politische Notwendigkeit. Frankreich fit im Rat, und die internationale Lage und die Bindungen zwischen Baris und Warschau können für Bolen eine zuverlässige Garantie sein, daß Deutschland seinen Siz im der Lage sein mürde. Frankreich ist zweifellos ein ausBölkerbundsrat zum Nachteil Bolens auszunugen, nicht in reichender Bürge für die Sicherheit Polens; Frankreich ist ein Republik. hinreichender Schutz gegen jede Vergewaltigung der polnischen Wenn nun in bezug auf Bolen wenigstens im Bereich seiner gedanklich konstruierten Möglichkeiten Bedenken bestehen können. fo ist für Spanien und Brasilien überhaupt fein realer Anlaß zu entdecken, der sie veranlaßt, für ihre Sicherheit im Bölkerbund in besonders hohem Grade Borsorge zu treffen. Ihr Drängen auf einen Sitz im Rat ist eine Frage des Prestiges oder, um deutsch zu reden, der politischen Eitelkeit, und diese Eitelkeit hat nichts zu tun mit der internationalen Sicherheit und nichts zu tun mit der Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt. Das muß in aller Nüchternheit ausgesprochen werden. Ist wirklich die friedliche Fortentwicklung der Welt davon abhängig, daß Spanien und Brasilien im Rat fizen? Darauf ist zu sagen: Nonsens, was höflicher flingt als Unsinn. Und wenn dem so ist, dann fönnten jene Staaten mirklich auf eine Deforation verzichten, für die dringende politische Notwendigkeiten sich nicht auffinden lassen. Der Einwand aber, daß auch Deutschland einen Ratssitz unter allen Umständen verlangt, ist unter gar feinen Umständen in Bergleich zu den Ansprüchen jener Mächte zu stellen. Deutschland ist in seiner Entwicklung immer wieder gehemmt worden, weil es von Ost und West und von Süden und Norden aus kriegerisch bedrängt worden ist. Deutschland ist der Staat der zivilisierten Welt, der als Großmacht geographisch auf der allergefährdetsten Stelle der Welt liegt, von starten Staaten umlagert, die durch die Jahrhunderte immer wieder friegerisch auf diese Zentralstellung unseres Erdteils eingedrungen find. Nicht weil Deutschland auch heute eine Großmacht ist, gebührt ihm vor allem ein Blaz im Völkerbundsrat, sondern was weit wichtiger ist -, weil Deutschland in seiner zentralen Stellung für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens ein Faftor allerersten Ranges stets war und bleibt. Was für Deutschland eine politische Lebensfrage ist und was für die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens eine Vorbedingung von weitester Bedeutung ist, das ist für Spanien und Brasilien eine Frage politischen Ehrgeizes, und damit sollten diese Erörterungen als Nichtigkeiten nicht geeignet sein, die Geschäftsführung in Genf aufzuhalten, Es ist gewiß in hohem Grade wünschenswert, daß auch Spanien und Brasilien am weiteren Aufbau des Bölfer bundes mitarbeiten; aber wenn sie den Völkerbund verlassen, dann wird die Bedeutung dieser Institution darum kaum an Wirkung Einbuße erleiden. Es wäre ein Schönheitsfehler, aber kein vitaler, fein lebensschädigender Verlust. wird verstreichen und was dann noch von dem Rompromiß-| den führenden Unternehmertreifen entstanden ist. Die entwurf übrigbleibt, ist nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Rechtsausschuß faum zweifelhaft. Auch der zweite Versuch, das Abfindungsproblem auf dem Wege eines Kompromisses zu lösen, trägt den Keim der Unfruchtbarkeit in sich. Unter diesen Umständen bleibt kein Diese Krisis im Bölkerbund wird dann ihr Gutes haben, anderer Ausweg als Boltsbegehren und Bolfsent wenn die großen sachlichen Gedanken, auf denen der Friescheid. Dieser Erkenntnis wird sich auf die Dauer feine densbund aufgebaut ist, den Sieg davontragen über eine republikanische Partei entziehen können. Prestigepolitif, die ihre Wurzeln in der Bergangenheit hat, in einer überalterten Dynaften- und Kabinettsdiplomatie, aber nicht in der Behandlung internationaler Fragen zum Besten der Bevölkerungsmassen. Unser Genosse, der schwedische Minister Undén hat recht getan, als er einer ungefunden Eitelkeitspolitik ohne sachliche Grundlage in Genf einen Riegel vorschob, und hoffentlich gelingt es noch, Spanien und Brasilien davon zu überzeugen, daß es würdiger ist, an der Festigung des internationalen Friedens fachlich mitzuarbeiten, und daß der Kampf um einen äußeren Ratstitel- das ist für diese Staaten der Sig im Rat nicht die Blamage einer Schädigung des gesamten Genfer Aufbaues wert ist. Um einen Pappenstiel sollte ein ideales Wert nicht in Gefahr gebracht werden. partei. Kampf um das Abfindungskompromiß. Demokratisches Mißtrauen Widerstände der VoksDas Berliner Tageblatt" weist in einem Artikel darauf hin, daß weder die bayerische noch die Deutsche Bolkspartei als Fraktion oder Partei zum Abfindungs- Kompromiß in bindender Form Stellung genommen habe. Wenn es aber auf der einen Seite als Boraussetzung für das Zustandekommen des Kompromisses beDie englische Bergbaukrise. Der Bericht der amtlichen Kohlenkommission. Arbeitszeitverlängerung und Staatssubventionen. Gegen Die Krise des englischen Kohlenbergbaus laftet bereits seit Jahren auf der britischen Industrie. Die Politik der Staatshilfe für den Bergbau ist jenseits des Ranals ebenso fruchtlos geblieben wie bei uns die große Subvention, die man unter dem Vorwand der Ruhrhilfe dem deutschen Bergbau zur Verfügung gestellt hat. Bekanntlich hat schon früher die englische Arbeiterpartei weitgehende Vorschläge zur Sozialisierung des Kohlenbergbaues gemacht. Jetzt hat eine unparteiische a mtliche Kommission nach einer eingehenden Untersuchung einen mit großer Spannung erwarteten Bericht über die Lage des englischen Kohlenberg baus und über die Mittel zur Bekämpfung der Krise erstattet. Aehnlich wie im Vorschlag des Bergarbeiterverbandes, so tritt auch im Bericht der Kommission die Forderung an erste Stelle, nicht den Kohlenbergbau an sich zu unter ftützen, sondern für eine best mögliche technische und Kohle Gorge zu tragen. Der Ausbau der Bergwerks wirtschaftliche Verwendung der geförderten industrie soll also dahingehen, daß diese mit der Gas- und Elektrizitätserzeugung, mit der Gewinnung von Delen und chemischen Produkten auf das engste verbunden wird. zeichnet worden sei, daß die Kompromißparteien ihre Wähler baus lehnt die Kommission der Form nach ab. Inhaltlich Die Forderung nach einer Sozialisierung des Kohlenbergvom Volksbegehren fernhalten, so sei es auf der anderen Seite macht fie aber Vorschläge, die der Forderung nach einer geeine weit wichtigere Voraussetzung, daß das meinwirtschaftlichen Beeinflussung der KohKompromiß die offizielle Zustimmung aller be- lenförderung und der Kohlenverwendung viel weitgehender teiligten Parteien erhält und daß es mit größter Be- entgegenkommen als das etwa jemals in amtlichen deutschen schleunigung dem Plenum des Reichstags vor Berichten geschehen ist, wenn man von den Gutachten der gelegt wird. Die demokratische Partei habe die Pflicht, allen deutschen Sozialisierungskommiffion absieht. So verlangt Berzögerungsverfuchen mit Energie entgegenzutreten. Es sei man, baß der Staat bie Roble erwirbt, entweder durch kein Geheimnis, daß die demokratischen Wähler in Anlauf oder bei noch unerschlossen Feldern burch einfache großem Umfang mit der Parole der Nichtbeteiligung Enteignung. Gegen übertriebene Ersazansprüche der Besitzer am Boltsbegehren unzufrieden seien. Die demokratische müssen Sicherheiten geschaffen werden. Eine besondere Roh Bartei könne aber nicht neben jeden Wähler im Lande einen lenkommission soll die Verwaltung und Kontrolle des BergBärter stellen. Wolle man, daß die Demokraten im Lande baues erhalten. Sie hat die Rationalisierung des Kohlen am Boltsbegehren nicht teilnehmen, so müsse man jedes Mißbergbau es unter sich, während gleichzeitig ein nationaler trauen beseitigen, und dazu könne das geeignete Mittel nur Brennstoff- und Kraftausschuß die bestmögliche die dringliche Beschleunigung des Verfahrens sein. Aus den Ausführungen des Berliner Tageblatts" flingt Ausgestaltung der Rohlen verwendung zu bewirken hat. Im Gegensatz zu den Unternehmerforderungen lehnt ein tiefes Mißtrauen. Ist es berechtigt? Antwort die Kommission eine Berlängerung der Arbeitsdarauf gibt der Pressedienst der Deutschen Volkspartei, derzeit ebenso scharf ab wie die Aufrechterhaltung der staateinen Artikel des Reichstagsabg. Dr. Wunderlich, ver- lichen Zuschüsse und den allgemeinen Lohnabbau. Da öffentlicht, in dem es heißt: Normallohnsäzen. In schroffem Widerspruch zu der Aufgegen empfiehlt sie eine Revision der Mindestzuschläge zu den fassung der Arbeitgeber verlangt sie auch weiterhin den Abschluß von Lohntarifen für das ganze Cand. Da neben fordert sie den Ausbau der Gewinnbeteiligung der Arbeiterschaft am Erlös der Kohle. Der Bericht schließt mit einem Appell an Bergbauunternehmer und Arbeiter, die sich in versöhnlichem Geiste zu gemeinsamer Arbeit an dem schwierigen Bergbauproblem zusammenfinden sollen. Soweit die wichtigsten Teile des Berichtes nach den vorliegenden Presseauszügen. Schon die bisher bekannten Hinweise zeigen, wie sehr man in England bemüht ist, einen Ausweg aus der schwierigen Situation zu finden, die einer feits durch die Weltkohlenfrise und durch die Ueberproduktion, andererseits aber durch die verfehlte Politik staatlicher Subventionen und durch den Mangel an Boraussicht in Wie jeder Kompromiß, befriedigt auch dieser nicht alle, die an thm mitgearbeitet haben. Jeder Kompromiß auf diesem schwierigen Gebiete wird Opfer der Ueberzeugung erfordern. Es wird die Aufgabe der kommenden Verhandlungen im Rechtsausschusse und im Reichstage selbst sein, die Flügelparteien rechts und links dazu zu hören und die endgültige Faffung zu finden, die es ermöglicht, daß sich zu ihr eine Zweidrittelmehrheit des Reichstags, die zur Annahme erforderlich erscheint, zusammenfindet. Spricht Abg. Dr. Wunderlich die Ansicht seiner Fraktion aus- und es liegt fein Grund vor, daran zu zweifeln, dann denkt die Boltspartei nicht daran, das Kompromiz ohne weiteres zu unterschreiben. Sie wird A bände rungsanträge einbringen. Die bayerische Boltspartei wird diesem Beispiel folgen. Es wird langwierige Debatten geben, die Eintragungsfrist für das Volksbegehren Otto Ernst Flachsmann. Eine Erinnerung an den rasenden Philister. Bon Walter Victor. Otto Ernst ist gestorben; er hat keine gute Bresse dabei gehabt, wenn man von den Organen absieht, die er in den Jahren nach der Revolution mit seinen giftgeschwollenen Artikeln wider den französischen Erbfeind versorgte. Welch' tragisches Geschick! Ein junger Lehrer, der mit den Paragraphenschustern und Steißtrommlern in Konflikt geriet und Rebellion dichtete- so fing er an, und in den Spalten des Fridericus" ging er zugrunde. Historisches Berden! Historisches Wachsen," Mit Euren albernen Phrasen und Fagen! Werden und Wachsen- tann's denn geschehen Ohne die Sonne neuer Ideen? So dichtete er, als er noch Mitarbeiter der Unterhaltungsbeilage der Arbeiterpresse, der Neuen Welt", war, vor mehr als zwei Dußend Jahren! Und er, der in jenen Jahren das Kampspanier für die Schulreform und gegen die Philister vorantrug, der als Sinn bild der Reaktion die Figur des Flachsmann schuf, er hat, geistig perfettet, fich selbst in einen Flachsmann verwandelt und in dem Moment als rasender Philister die Heye angeführt gegen alles, was er einmal gewollt hat, als man es zu verwirklichen begann. Es ist in diesen Tagen seines Todes manches Bild der Tragi komödie entrollt worden, die sein Leben und Wirken bildete. Der rundliche Otto Ernst mit dem Schießprügel der Flottbeker Einwohnerwehr auf dem Buckel das war in der Tat für den eine schmerzliche Groteske, der einmal als Junge sich an ,, Asmus Semper" begeistert hat. Die eigentliche Tragit liegt aber auf seinem eigent lichen Gebiete, der Pädagogik. Und da erinnere ich mich einer Gerichtsverhandlung vor einem Hamburger Schöffengericht, die wohl in der ersten Hälfte des Jahres 1920 stattfand, und in der Otto Ernst als Zeuge fungierte. In Hamburg hat man gerade auf dem Gebiete der Schulreform zu Beginn der Revolution diejenigen Vorbedingungen zu schaffen verstanden, die um mit Otto Ernst zu reden ein Werden und Wachsen in der Sonne neuer Ideen gestatteten, wie denn Hamburg noch heute denselben tapferen Führer, unseren Emil Krause, auf dem wichtigen Schulposten hat. Selbst den eifrigsten Pionieren einer entschiedenen Schulreform wurde Raum gegeben, und es entstanden die ,, Gemeinschaftsschulen" als Ausdruck eines Erziehungswillens, der in der Liebe zur Jugend, zum Kinde wurzelte. Kurt Zeidler, einer der jungen Schulrevolutionäre, schrieb das wundervolle Büchlein ., Bom erziehenden Eros", über das sich die Schulreaktion mit einem wahren Wutgeheul stürzte. Ferfelei!" schrie die Hamburger Barte", der heutige Fridericus", und Kurt Zeidler mußte den Herausgeber F. C. Holz wegen Beleidigung verflagen. Arm in Arm mit seinem Kronzeugen Otto Ernst trat der völkische Revolverjournalist in die Schranken. ,, Unsere moderne Erziehungslehre ist die allgemeinste, zum Prinzip und zum System erhobene Affenliebe, wenn ich in dieser Lehre überhaupt etwas von Liebe zu entdecken vermöchte" so hatte der Mann, der einmal den Flachsmann als Erzieher" geschrieben hat, schon vorher in einem Pamphlet gegen die entschiedenen Schulreformer geurteilt! Der Prozeß zeigte ihn als hemmungslosen Hezer gegen die Ideale der eigenen Jugend. Wahnwißige Gefellen" und fahrlässige Brandstifter" nannte er die Schulreformer, die die Schule, so meinte er, in einen Urwald mit Papageien und Brüllaffen"(!) verwandeln wollten. Und das waren noch die zahmsten Ausdrücke eines Menschen, dem jedes Gefühl dafür abging, wie sehr er sich selbst bis auf das Hemd eines wildgewordenen Spießers entfleidete. Da war Flachsmann, wie er im Buche des anderen Otto Ernst stand, jeder Zoll ein verfalfter Teutone! Und diefer Mann, der immer ein unterliegender Kämpfer war, war, als er älter wurde, nicht einmal feinem letzten Gegner, sich selbst, gewachsen. lleber den Schatten des jungen Otto Ernst ist er in die Lächerlichkeit hinein gestolpert. Der Alkohol hat ihm geholfen, das Leid zu vergessen, und wenn das Geld zu Ende ging, beschimpfte er Poincaré mit der Phraseologie der Kaschemume, und die Hakenkreuzpresse druckte ben Unflat. Als er noch ein Dichter war, hat Otto Ernst einmal an irgend einer Stelle von dem Glauben der Jugend geschrieben, den man sich auch nicht ,, mit Folterqual und Höllenpein" solle rauben lassen. Und so bildet er und sein Geschick für die junge Generation jene immer wieder notwendige Mahnung, die Posa dem jungen Carlos vermittelt:„ Sagen Sie ihm, daß er der Träume seiner Jugend soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird." Probleme liegen in England nicht viel anders als bei uns. Während sich aber der deutsche Bergbau darauf beschränkt, Kredite zur Durchhaltung seiner riesigen Haldenbestände zu verlangen, während er bei uns nicht anders wie die Unternehmer drüben auf Arbeitszeitverlängerung und Lohn fürzung drängt, hat man in England bereits wichtige sa ch= liche Borarbeiten zum Rampf gegen die Krise geleistet und hat vor allen Dingen uninteressierte Sachverständige zum Wort kommen lassen. Noch immer Kommunistenprozesse. Völkische Waffenlager, völkische Spitzel, Jürgens als Untersuchungsrichter. Am Dienstag begann vor dem Staatsgerichtshof einer der letzten größeren Hochverratsprozesse gegen die Kommunisten. Der Prozeß gewinnt diesmal besonderes Interesse, weil die Bora ermittlungen von dem Landgerichtsdirektor Jürgens eina geleitet wurden. Es haben sich wegen Vorbereitung zum Landesa verrat, Sprengstoffverbrechen, Berheimlichung von Waffenlagern und unbefugtem Waffenbesitz der 34jährige Händler Christian eud aus Rostod und der Arbeiter Johannes Albers aus Hamburg sowie drei weitere Genossen aus Rostock zu verant worten. Dem Angeklagten Heud wird zur Last gelegt, daß er im Jahre 1923 der Waffenauffäufer der kommunistischen Zentrale war. Auch soll er militärischer Partisan- Terror- Leiter" usw. gewesen sein. Angeklagter Heud verneint dieses, er will mur Agitation unter der Landarbeiterschaft in Mecklenburg und Schlesien betrieben haben. In Rostock lernte er den Gutsleiter Schönte tennen, der ihn Gewerkschaftsbeamte aufgefordert habe. Es habe sich später heraus. wiederholt zu Terroraften, Brandstiftungen und Attentaten auf gestellt, daß dieser Schönte ein Lodspiel der Bölkischen war. Wiederholt habe er beobachtet, wie große Mengen Waffen und Munifion von den völkischen Kampfverbänden auf den medlenzu ergründen, habe er sich einmal als völkischer Führer ausgegeben burgischen Gütern verftedt gehalten wurden. Um die Waffenlager und wollte Selbstschutzorganisationen in Mecklenburg bilden. Hier wäre er von dem Freiherrno. Künsberg zum Waffen= händler Deutschbein verwiesen worben, mit bem er auch später in Berbindung trat. Dort hätte er größere Lager von Waffen und Munition vorgefunden. Derfelbe Waffenhändler hätte ihn na ch Hannover verwiesen. Auch dort wären mehrere Stiften Bistolen und Gewehre vorhanden gewesen. Heuck ſchildert in on regter Weise, wie er in feiner 22monatigen Untersuchungshaft von dem Landgerichtsdirektor Jürgens mit mittelalterlichen Mitteln auf barbarische Weise gequält worden sei, um ein Geſtändnis zu erzielen. Auch habe er den Untersuchungsrichter Jürgens in Kenntnis geſetzt von dem ungeheuren Waffenlager der beiden Besizer Freiherr von Künsberg und Waffenhändler Deutsch bein. Jedoch Anlage wäre gegen beide nicht erhoben worden, sondern die Herren wären als Zeugen vernommen und hätten natürlich ausgesagt, daß seine Aussagen nicht wahr wären. Der Rechtsanwalt Juftigrat Dr. Fräntel stellt darauf den Antrag, den Untersuchungsrichter Landgerichtsdirektor Jürgens als Zeuge zu vernehmen, der auch bereits vom Staatsgerichtshof geladen war, aber infolge des gegen ihn schwebenden Strafverfahrens gestrichen wurde. Am zweiten Berhandlungstag wurde der Angeklagte Berger vernommen. Er bestreitet, Partisanenführer gewesen zu sein. An den Tagen, an denen er als Partisanenführer herumgereist sein sollte, fei er täglich beim Arbeitsnachweis gewesen, was sich aus den Stempeln ergebe. Bei der Untersuchung habe er den Untersuchungsrichter Jürgens gebeten, beim Arbeitsnachweis dies bezüglich nachzuforschen, aber Jürgens habe das abgelehnt, wie er alles unterlassen habe, was der Entlastung des Angeklagten dienen fonnte. Berger legte darauf eine Reihe von Stempeln vor, aus denen sich ergab, daß er zweimal täglich stempeln ging. Darauf wendet sich die Verhandlung der Aussage eines gewissen Schimmel zu, der nach den Angaben der Angeklagten ein Spizel ist und mit Jürgens unter einer Dede geftedt habe. Auch der ehemalige Kommunist Kölpin, der als Zeuge auftritt, wird von kommunistischer Seite als Spiel bezeichnet. Mit atem | Sefunde für Sekunde den Fall zu kontrollieren. beklemmender Spannung verfolgten die Zuschauer auf der Erde und der Flugzeugführer aus der Höhe die wilden Sprünge des vom Wind umhergewirbelten Menschenkörpers in der Luft. Der Mann fiel von Sekunde zu Sefunde mit der Schnelligkeit eines Geschosses herab. Wie er später erklärte, hatte er nicht einen Augenblick das Gefühl einer Sinnentrübung. Alles, was er empfand, war das gewaltige Saufen der Luft, die ihn beim Fallen umbraufte. Er hatte beschlossen, erst nach 30 Sefunden durch Ziehen der Schnur den Mechanismus zu betätigen, der ben Fallschirm öffnet. Diese 3eit war abgelaufen, als er an die 1300 meter heruntergefallent mar. Als er fich durch einen Blick auf die Stoppuhr überzeugt hatte, daß die Zeit gefommen war, bewirkte er durch Ziehen der Schnur das Deffnen des Fallschirms. Der Schirm funktionierte auch tadellos, und Boudreau landete ruhig auf dem Boden und erklärte mit Genugtuung, daß er während des Falles nicht einen Augenblic fich einer Gefahr bewußt gewesen wäre. Das deutsche Buch im Auslande im Jahre 1925. Während noch das Jahr 1923 trotz der inflationistisch gesteigerten Ausfuhr wertmäßig eine nur geringe Exportziffer deutscher Bücher und Mufitnoten zeigt, stieg diese bereits 1924 um fast ein Drittel, nämlich von 26,40 millionen Mart auf 39,06 Millionen Mark und im Jahre 1925 auf 47,7 Millionen Mart. Mengenmäßig allerdings zeigen sich keine erheblichen Unterschiede, ein deutliches Zeichen, daß die Nachfrage des Auslandes fich wieder wie im Frieden auf die deutsche Qualitätsware in Büchern und Musiknoten richtete. Die Friebens beträge selbst find allerdings weder mengen noch wertmäßig erreicht. Im Jahre 1913 wurden beispielsweise 16 805 Tonnen im Berte von 67,19 Millionen Mark ausgeführt, im vergangenen Jahre nur 8096 Tonnen im Werte von 47,7 Millionen Mart. Wesentlich stärker ist das Anwachsen der Einfuhr von Büchern aus dem Auslande. Noch 1923 blieb der Import unter 1000 Tonnen, bereits 1924 stellte sich die Einfuhrziffer auf 1704 Tonnen im Werte von 6,81 Millionen Mart. Im Jahre 1925 aber ist bereits fast das Doppelte erreicht und über die Hälfte der Friedensmengen eingeführt worden, nämlich 3066 Tonnen für 12,79 Millionen Mark; die Friedensziffer von 1913 zeigt eine Einfuhr von 5794 Tonnen für 23,18 Millionen Mart. Als Hauptabnehmer erscheinen unverändert in den letzten Jahren die auch innerlich am meisten verwandten Länder Desterreich und die Schweiz mit mehr als ein Drittel. Die Uraufführung Das Grabmal des unbekannten Soldaten findet im Deutschen Theater Dienstag, den 16., 7, Uhr, statt. Was empfindet der Mensch beim Absturz? Bisher nahm man als feststehende Tatsache an, daß ein Mensch, der pon der Spize eines hohen Gebäudes in die Tiefe stürzt, im Fallen sein Bewußtsein verliert, sofern er nicht gar, bevor er den Boden erreicht, durch den Luftdruck getötet wird. Diese Annahme ist jetzt durch das aufregende Experiment eines fühnen Luftschiffers als irrig festgestellt worden. Der Soldat Boudreau, der sich auf dem Selfridge- Flugplak in Das frideriz'anische Berlin ist das Thema des Lichtbildervortrags, den Amerika als Sachverständiger in allen Fallschirmfragen einen Namen Amerika als Sachverständiger in allen Fallschirmfragen einen Namen Dr. Hans Madowsty Sonnabend, 8 Uhr, im Kunstgewerbemuseum hält. gemacht hat, hat den praktischen Beweis erbracht, daß die Annahme Der Jerufalemschor( Leitung Prof. Wolfgang Reimann) veranstaltet am der Bewußtseinsstörung während des Falles aus großer Höhe durch Freitag, 8 Uhr abends, in der Jerusalemsfirche einen Bach- ben b. aus irrig ist. Sein Versuch galt nicht der Sensation, sondern dem Vorträge. Sonnabend, 7%, br, findet in der Akademie der Wissen ernſten, wissenschaftlichen Zweck, im Interesse des Flugzeugwesenschaften der lekte Bortrag statt. Der schwedische Forscher Allvar Gull hierüber Klarheit zu schaffen. Bourdeau nahm auf einem Militärstrand spricht über„ Optische Bilder". Eintrittsfarten bein Björtner. fiugzeug mit seinem Fallschirm Platz, das in einer Höhe ven 1500 Metern manöverierte. Von dieser Höhe stürzte er sich mit seinem Fallschirm kopfüber in die Tiefe. Mit der einen Hand hielt er die Schnur, die das Deffnen des Fallschirmes bewirkt, mit der anderen eine Stoppuhr, die er beständig vor Augen hatte, um schaft befchloß, den Generalftreit in den Universitäten jo lange durchzuführen, Studentenftreit in Rumänien. Die rumänische nationalistische Studente bis bie Sulaffungsbeschränkung für die Juden eingeführt jet. Der Unte ritsminister verfügte die Schließung aller Hochschulen des Landes Die Geldgeber der„ SR". Landbund und Industrielle. Der Fememorduntersuchungsausschuß des Preußischen Landtages setzte am Donnerstag in öffentlicher Verhandlung unter dem Vorsiz des Abg. Brandenburg( S03.) seine Untersuchungen mit der nochmaligen Bernehmung des Kriminaltommissars Dr. Stumm fort. Dieser Zeuge soll sich zunächst gemäß einem Beweisantrage Riedel( Dem.) darüber äußern, ob Feme mörder innerhalb der Schwarzen Reichswehr( S. R.) und ob die G. R. durch Geldmittel, Sachunterſtüßungen usw. von Industrieverbänden, dem Reichslandbund und leitenden Mitgliedern der Arbeitgebervereinigung unterstützt worden sind. Der 3euge bekundet: Der größte Teil der von der S. R. benötigten Gelder wurde vom Landbund aufgebracht. Der offiziell in der Leitung des Reichslandbundes tätig gewesene jetzt verstorbene Major Hagemann war der Verbindungsmann zur S. R. An erster Stelle hat sich der Rittergutsbesitzer v. Oppen für die Beschaffung der Gelder betätigt. Die Geldmittel find ihm, wie er felbft erklärt hat, reichlich zugekommen. Die vernommenen Zeugen haben fast übereinstimmend ausgesagt, daß das Geld pom and bund, von der Landwirtschaft und der Industrie gemeinsam aufgebracht worden sei. Für die Industrie tam namentlich die Zweigstelle„ Emaillier- Werke" der Firma Hugo Stinnes in Hamburg in Frage. Wenn man die in Vor den Toren. Das Volksbegehren in der Umgebung Berlins. neben anderen Daß das Volksbegehren sich in den westlichen Vororten durchaus nicht überall der größten Beliebtheit erfreut, erscheint fast diejenigen, selbstverständlich. Hier wohnen die unter den Fürsten zu Titeln und Orden kamen; hier wohnen auch die Leute, die in der Monarchie sich's immer wohl sein lassen konnten, und die stets wußten, wie man sich Beziehungen„ nad) oben" verschafft. Jetzt kann's ihnen daher auch recht sein, wenn den Fürsten wieder zu Macht und Einfluß verholfen werden würde, wenn ihnen das Bolt ein Milliardengeschenk machte. Handelt es sich darum, die ungeheuren Summen auch aufzubringen, werden fie sowieso schon verstehen, sich zu drücken. Wir fennen die Mentalität dieser Herrschaften, wir werden so leicht nicht ändern. Im Rate haus Nikolassee ist vom Volksbegehren nicht viel zu merken. Dagegen prangt im Eingangsflur zwischen zwei anderen Wappenschildern noch der Reichsadler der Monarchie mit 3epter, Reichsapfel und Krone! In Wannsee muß man zur Einzeich nung ebenfalls ins Rathaus gehen. Hier sind Markierungen deute lich fichtbar angebracht. Es ist nach Arbeitsschluß, eben fommt ein altes Arbeiterehepaar. Nach wenigen Minuten schon verlassen beide wieder das Lokal, strahlend vor Befriedigung. Na, vielleicht war mit Bedacht gewählt, weil hier der Knall unter der Ueberdachung am stärksten sein mußte. Außerdem ist es auf dem Mittelwege unter der Hochbahn immer ziemlich dunkel. Auch das kam den Verbrechern zugute. Das Publikum, das um die Abendzeit in dieser Gegend immer sehr zahlreich verkehrt, war vor Schreck einen Augenblid fast gelähmt. Die einen dachten an eine Gasexplosion, die anderen an Handgranaten. Alles stob auseinander, flüchtete unter dem Hochbahnbogen weg, weil man fürchtete, daß das. Gerüst gesprengt sei und mit der schweren Last herunterkommen werde, und suchte zum größten Teil auf den Fluren der benachbarten Häuser Deckung. Zwei Schupowachtmeister, die zufällig etwa 20 Schritte von dem ein paar Schritte auseinander liegenden Knallstellen, und fanden Laden entfernt auf der Straße standen, liefen sofort nach den beiden, hier die Reste der Kanonenschläge, angebranntes Papier und Bindfaden. Als das Publikum sah, daß sich nichts weiter ereignete, faßte es auch wieder Mut und fam nach der Stelle zurück. Der ganze Vorgang spielte sich in wenigen Minuten ab. Unter den ersten, die auf der Straße wieder heraustamen, befanden sich auch Sinall beinahe betäubt gewesen waren. Erst auf der Straße sahen sie, der Juwelier Bonned und seine Angestellten, die von dem doppelten als sie sich umwandten, daß die Schaufensterscheibe ein großes Loch hatte und daß die beiden Schmuckstücke verschwunden waren. Die anderen Auslagen waren mit Glassplittern besät. Ein Kriminalbeamter, der ebenfalls in der Nähe war, nahm mit den beiden Schupobeamten sofort die Ermittelungen auf, die heute fortgesezt werden. Bisher ist noch niemand ermittelt worden, der auch nur einen der Verbrecher gesehen hätte. Der Stein, das Papier und und der Bindfaden wurden beschlagnahmt und sollen im Hofe des Polizeipräsidiums ausgestellt werden. Der bestohlene Juwelier hat Schmuckstücke eine Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalkommissar Moriz im Zimmer 62 des Polizeipräsidiums. Inflationsgeld im Jahre 1923 durch die Firma Stinnes eingezahl Freie Sozialistische Hochschule auf die Festnahme der Verbrecher und die Wiederbeschaffung der ten Gelder in Goldmark umrechnet, fommen etwa 5000 M. heraus, die an die S. R. gezahlt wurden. Der Direktor der Emaillier- Werke Laur gab über seine Verbindung mit der S. R. vor dem Polizeipräsidium folgendes an: Im Jahre 1922 bestand, wie aus allen Beitungen ersichtlich war, die Gefahr eines Poleneinfalls in Sonnabend, 13. März, 71, Uhr abends, im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Vortrag des Genossen Prof. Dr. E. Lederer- Heidelberg: Oberschlesien und anderen Gegenden Ostdeutschlands. Da Die Krise des britischen Weltreichs" Rüstrin nur etwa 80 Kilometer von der Grenze entfernt liegt, be= mächtigte sich der Bevölkerung Rüftrins eine außerordentliche Nervosität. Mir wurde bekannt, daß Selbstschußorganisationen gebildet wurden, und ich stellte mich in Küstrin zur Berfügung. Man nahm mich bei der K- Truppe bereitwilligst an.( K- Truppe ist das Arbeitskommando.) Die Leiter diefer Truppe in Küftrin waren Major Buchrucker und Oberleutnant a. D. Schulz. Zur finanziellen Unterstügung der Truppen fühlte sich das Emailliermert moralisch verpflichtet. Die Zahlungen gingen teilweise an Buchrucker und Schulz. Ueber die gesamte Zusammenarbeit mit der S. N. wurde die Remmandantur unterrichtet. Der Beuge Kriminalfommissar Dr. Stumm zählt dann die einzelnen Einzah lungen für die S. R. auf, die in Inflationsgeldern geleistet worden find. Es handelt sich um Millionen- und Milliardenbeträge. Der Zeuge verweist darauf, daß bei der Bant für Textilindustrie ein Bahlmeister der Truppe des Schulz am 15. September 1925 ein Konto eröffnet habe unter der Bezeichnung Wehrfreisfommando III. Dort zahlten Herr v. Oppen, die Landbund gesellschaft Westhavelland und Oberleutnant Oppermann ein. Bon den betreffenden Konten liegen Abschriften vor, aus denen sich die Truppen im einzelnen ergeben. Es handelt sich um Posten, wie 21 Milliarden aus Frankfurt a. D., 17 Millionen aus Stolt, 8 Milliarden aus Berlin, 100 Dollar Schaganweisungen, wofür über 14 Milliarden erlöst wurden. Am 20. Ottober sind 25 milliarden eingegangen. Bei der Bank Burchardi u. Cy. find ebenfalls Bahlungen für Oberleutnant Oppermann erfolgt. Da die Bank in Konturs geraten ist, sind die Bücher von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Aus dem eisernen Bestand der Zitadelle Spandau foll Oberleutnant Schulz mehrere Zentner Schmalz und andere Lebensmittel erhalten haben. Von den Deutschen Werten hat Schulz Origieß- Pistolen erhalten. Schulz verfügte über eigene von seiner Organisation gefaufte Laftkraftwagen. Die Ergänzung der Bekleidung erfolgte meiſt aus den Beständen der Reichswehr in Spandau, ob mit oder ohne Bezahlung ist nicht festgestellt. Generaldirektor Stier hat 1923 bis zum Rüstriner Putsch 40 Zivilanzüge geliefert an Mitglieder des Zentralverbandes der Landarbeiter, die Schulz zu ihm fchickte. 1924 hat Stier dann die Lieferung der Deutschen Tracht" aufgenommen und 6000 Anzüge geliefert. Die Mitglieder der Schwarzen Reichswehr haben Empfehlungsfchreiben von Abgeordneten, wie Wulle, Kube usw., bekommen, auch von Oberstleutnant Ahlemann. Bon Senden war Berwalter des Klosters Zehdeniz a. d. D. Von dem Gute Merow hat Umhofer den Stahlhelm organisiert. Der Feldwebel Bander war Flurschutzbeamter auf dem Gute, ebenso waren die Gebrüder Klap proth auf einem Gute untergebracht. Thiel und Büsching waren beim Landbund eingestellt. Berichterstatter Abg. Kuttner( S03.) richtete dann einige Fragen an den Zeugen. Aus der Befragung ergibt sich, daß Hauptmann a. D. Stier der Sohn des Kleiderfabrikanten ist, bei dem Schulz die Anzüge bestellt hat. Ob sich an der Finanzierung außer Zaur aud der Generaldirektor Minoug beteiligt hat, ist dem Zeugen nicht bekannt. Auf Weiterbefragung des Zeugen durch den Abg. Dr. Badt( Soz.) macht der 3euge Ausführungen über die Arbeitskommandos( A.-K.), die zur Sammlung und Ablieferung der zerstreuten Waffen lager bestimmt waren. Schulz, der Leiter eines solchen A.-R. in Rüftrin, benutte diese Berhältnisse, um sich durch Zusammenstellung jolcher Arbeitstommandos aus zuverlässigen Leuten eine er gebene Truppe zu schaffen. Er vergrößerte diese Arbeitsfommandos über Gebühr, so daß z. B. auf der Zitadelle Spandau 3000 Mann in folchen Arbeitskommandos vereinigt waren. Wenn irgendwelche Kontrollbesuche stattfanden, so sollen die überschüssigen Leute in den Kasernen usw. verstedt worden sein. Darüber werde Regierungsdirektor Dr. Weiß genau aussagen tönnen. Von der Berbergung von Waffen beim Hofprediger Bogel und Rittergutsbefizer Rähne ist dem 3eugen, nichts bekannt. Abg. Riedel( Dein.) stellt fest, daß im Mai 1922 etwa 33 Mil lionen für die Schwarze Reichswehr vom Landbund zur Verfügung gestellt worden sind. Damals habe der Dollar auf 280 bis 300 Goldmart gestanden. Es wäre also ungefähr eine Million Goldmart gegeben worden. Abg. Obuch( Komm.): Was hat die Untersuchung über die Zu gehörigkeit von Fememördern zur Schwarzen Reichswehr ergeben? 3euge: Die unter dem Berdacht von Fememorden bisher verhafteten und verfolgten Perfonen gehören jämtlich der Schwarzen Reichswehr an. Teils war der Fememord ein örtliches Unternehmen, teils find dieselben führenden Personen an mehreren Orten in Fememordangelegenheiten aufgetaucht, wie Büschung und Klapproth. Abg. Obuch( Komm.): Lag nicht eine einheitliche Führung der Schwarzen Reichswehr vor? Haben Sie von einem Oberleutnant Graf Pfunder gehört, der die Beisungen von Schulz zur Verwendung der Fememörder erhielt? Beuge: Jawohl. Beiter befundet der Zeuge auf Befragen, es sei ihm betannt, daß der Landbund eine besondere Umlage erhob, um die Gelder für Major Hagemann, dem Berbindungsmann des Landbundes zur GR., zu beschaffen. Anhaltspunkte, daß die Gelder des Landbundes für Mordtaten der SR. benutzt worden seien, habe er bisher nicht. Abg. Badt( S03.) verweist darauf, dß nach der Denkschrift des Reichswehrministers Schulz feine dirette Berfügungs gemalt über die Arbeitskommandos hatte, sondern sich mit dem Behrtreistommando III in Verbindung setzen mußte. Der Zeuge erklärt hierzu, daß seine persönlichen Erfahrungen dahin gingen, daß Schulz über die Arbeitstrupps direkte Befehlsgewalt hatte. Dem Range nach höhere Offiziere hätten sich willig Den Berfügungen des Schulz untergeordnet. Die Berhandlungen dauern fort. Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. im Bureau des Bezirksausschusses, Lindenstr 3, 11. Hot 2 Tr, Zimmer 8, in der VorwärtsBuchhandlung, Lindenstr. 2, im Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, im Tabakvertrieb GEG., Inselstr. 6, beim Verband der graphisch. Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5 und in den Vorwärtsspedit. können wirs den Fürsten doch noch mal heimzahlen," sagt der Mann, der so müde und abgemagert aussieht, daß man seinen Wunsch schon begreifen kann. Dann erzählt er vieles aus der Geschichte seiner" Sozialdemokratischen Partei, die in dem ja auch nicht gerade profetarischen Wannsee durchaus nicht sonderlich schwach vertreten ist. Aber es ist in diesen Villenvorständen auch nötig, daß unsere Parteigenossen auf dem Posten sind. Denn die Leute in den Billen zwischen den großen Gärten, Barts und Seen machen nicht geringe Anstrengungen, ihre 3ofen, Köchinnen, Hausmädchen, Gärtner und Diener in ihrem Sinne zu beeinflussen. Einen ausgezeichneten Eindruck, nicht nur in organisatorischer Beziehung, jondern auch hinsichtlich des erfreulich starken Besuchs macht das Ein tragungslokal 3 ehlendorf, Anhaltiner Str. 4. In den Abendstunden will sich die Tür faum schließen. Arbeiter, Arbeiterfrauen, Kleinbürger, Beamte sie alle tommen, ihr Tagewert durch die Beteiligung am Boltsbegehren zu frönen. Das Licht im 3immer ist etwas trübe, aber das macht nichts. Für diese Sache würden alle ihre Namen selbst im Finstern schreiben, leuchtet doch jetzt endlich auch das Licht der Aufklärung über die Fürstenschande durch alle Finsternis, die die Lügenpresse der Reaktion stets zu verbreiten verstand. Südliche Vororte. In Briz steigert sich die Zahl der Einzeichnungen von Tag zu Tag. Während nur in den ersten Tagen durchschnittlich 300 bis 350 Ginzeichnungen am Tage vorgenommen wurden, hat sich die Zahl in den letzten Tagen bis über 500 erhöht. Von den Genossen wurden sehr viele Einzeichnenden beobachtet, die bei den lezten Wahlen sich noch zu den Rechtsparteien zählten. Insgesamt haben sich in Briz 2261 Wähler eingezeichnet. In Budow, schon mehr eine Landgemeinde, ist der Verkehr in dem Einzeichnungslofal fehr rege. Auch hier ist die Durchschnittsziffer der Ein tragungen von 30 auf 50 täglich gestiegen. Die Bartei hat hier eine gute Werbetätigkeit entfaltet. Für die Insassen des Krankenhauses in Budow besteht auch Einzeichnungsmöglichkeit am Vormittag. Gesamteintragung 214. In Rudow ist die Beteiligung trog der sehr scharfen Propaganda von rechts ebenfalls sehr rege. Die Wahlziffer der beiden Parteien bei der legten Stadt: verordnetenwahl ist schon jetzt erreicht. Tagtäglich steigt die Durch schnittsziffer. Insgesamt haben sich schon 268 eingezeichnet. Bor allem wird in diesen Orten rege Werbetätigkeit der Laubenkolonisten und Siedler bemerkt. Die Gegner des Boltsbegehrens arbeiten mit allen Mitteln, um den Erfolg zu hintertreiben. So erschien am Dienstag gegen 6 Uhr abends in der Arminius- Markthalle in der Turmstraße eine Frau, die dort die Leute ansprach und sie aufforderte, sich in ihre Listen einzutragen, dann könnten sie den Gang zum Einzeichmungslokal ersparen. Es sollen tatsächlich einige Leute dieser Gaunerin ins Barn gegangen fein. Es ift ganz selbstverständlich, daß jeder, der seine Stimme gegen den Fürstenraub abgeben will, sich persön lich im Einzeichnungslokal einfinden muß, um dort seinen Namen einzutragen. Wildwest in der Danziger Straße. Der Einbruch mit Kanonenschlägen. Der raffinierte Anschlag, der gestern abend furz vor Geschäftsschluß auf den Juwelenladen von Bonned in der Schönhauser Allee 45 derübt wurde, ist auch heute noch nicht weiter aufgeklärt. Die Verbrecher haben ohne Zweifel sich das Schaufenster vorher genau angesehen. Seit pier Tagen waren außer anderen Schmuckund Wertsachen zwei besonders kostbare Paar Ohrringe ausgestellt, ein Baar Hängeohrringe im Werte von 30 000 m. und ein Paar Boutons, die 15 000 m. fofteten. Die Hängeohrringe trugen zwei mittlere Brillanten von zusammen 7 Karat und darunter mehrere kleinere Brillanten, die zusammen 3 Karat wiegen. Die beiden mittleren Brillanten der Boutons wiegen zusammen 4,6 Karat und die fleineren zusammen 2 Karat. Alle Steine haben einen modernen tunden Schliff und einen bläulichweißen Glanz. Diese beiden Stücke haben ohne Zweifel die Verbrecher angelockt. Nur sie hatten sie mit den Etuis aus der Auslage durch das zertrümmerte Schaufenster herausgerissen und mitgenommen. Zur Ablenkung des Publikums dienten, wie wir heute früh schon mitteilten, zwei Kanonenschläge, die turz hintereinander fielen. Den gewaltigen Knall benutzten die Einbrecher, um das Schaufenster mit einem schweren Stein, den sie in einen Lappen eingewickelt hatten, zu zertrümmern. Der Krach der Kanonenschläge mar so start, daß die Leute im Laden von Zertrümmerung der Scheibe nichts hörten, zumal da die Umwicklung des Steines das Geräusch des Wurfes start dämpfte. Das freisrunde Loch mißt etwa 30 Zentimeter im Durchmesser. Es liegt gerade in der Höhe der ausgestellten Ohrringe. Der Verbrecher, ber den Stein warf, brauchte nur rasch durchzulangen, um sich in einem einzigen Augenblick der beiden Schmuckstücke zu bemächtigen. Bevor das Publikum sich von dem ersten Schred erholt hatte, fonnte er mit der Menge, die auseinanderstob, verschwinden. Wie die Kanonenschläge an der Echnur angezündet und fallen gelassen worden sind, hat nach den bisherigen Ermittelungen niemand gesehen. Ob ein Feuerwerker" oder zwei tätig maren, läßt sich nicht sagen. Die Stelle unter dem Hochbahnbogen gerade gegenüber dem Juwelierladen Zur Abwehr von Ausschreitungen. Die Schuhpolizei in besonderer Bereitschaft. Der Polizeipräsident teilt mit: ,, Ungeachtet meiner Warnungen Dom 6. Februar stören in letzter Zeit radaulustige Elemente, darunter auch Angehörige des Roten Frontkämpferbundes und des Roten Jungsturmes in Gruppen und einzeln die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit durch Ueberfall auf andere Denkende und Beamte der Schußpolizei in einer Weise, die nicht geduldet werden kann und mir zu folgenden weiteren Maßnahmen Veranlassung gibt: Die Schußpolizei wird, gegebenenfalls unter vorübergehender Hintanschung anderer Aufgaben, bis auf weiteres in besonderer Bereitschaft gehalten, und ständig werden starte Strei fen auf Kraftwagen die betroffenen Stadtteile durchfahren; zahlreiche Kommandos zu Fuß und zu Rad werden unterwegs sein. Das Stoverbot bleibt selbstverständlich bestehen und wird, cbenso wie das Verbot des Waffentragens bei Veranstaltungen unter freiem Himmel und geschlossenen Räumen, streng durchgeführt. Gegen Zuwiderhandelnde und Ruhestörer wird mit rücksichtsloser Energie vorgegangen. Sie werden festgenommen, in das Polizeipräsidium eingeliefert und ihrer gerichtlichen Strafe zugeführt." Der neue Bothmer- Prozeß. Wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug hatte sich heute die Gräfin Ellinor v. Bothmer vor dem Potsdamer Schöffengericht zu verantworten. Neun Beugen sind geladen, darunter der frühere Potsdamer Staatsanwalt D. Pezinger, der nicht erschienen war und angibt, tranf zu sein. Die Berteidigung haben Rechtsanwalt Bahn und BrandtBerlin übernommen. Die Berteidiger brachten einen Ablehnungsantrag gegen den Vorsitzenden ein und begründen den Antrag dahin, daß der Vorsitzende gegen die Angeklagte voreingenommen sei. Die Differenz des ersten und zweiten Urteils spreche dafür. Auch sei die Angeklagte vom Vorsitzenden in der ersten Berhandlung mit Frau v. Bothmer" anstatt mit Frau Gräfin" angeredet worden. Darauf wurde um 10 Uhr die Verhandlung vertagt, um über den Antrag der Verteidigung Beschluß zu fassen. Bom Gerüft geftürzt. Heute vormittag gegen 10 Uhr stürzte der 30 Jahre alte Maurer Bruno Kneiding aus der Borussiastraße 50 vom Gerüst in der Königgräger Straße 118 aus beträcht licher Höhe ab. Er blieb bewußtlos liegen. Ein Wagen des Städtischen Rettungsamtes brachte den Berunglückten nach dem Urbanfrankenhaus, wo ein schwerer Schulterbruch und innere Verlegungen festgestellt wurden. Rechtskräftig gewordene Handelsverbote. Der Polizeipräsident teilt mit: Im Monat Februar 1926 sind folgende Handelsverbote rechtskräftig geworden: 1. Kaufmannsehepaar Friß und Anna Schadewitz, Berlin, Eldenaerstraße 9, wegen Hehlerei; 2. Molfereibefizer Hermann Spefowski, Berlin, Schwedter Straße 34a, wegen Nahrungsmittelverfälschung; 3. Schankwirt Rudolf Hölzig, Berlin, Warschauer Straße 48, zurzeit Biegenhals, Kreis Beeskow- Storfom, wegen fortgesetter Hehlerei. Wegen Verstoßes gegen die wirtschaftlichen Bestimmungen sind 109 Berwarnungen erteilt worden. Ein erledigter Hungerkünstler. Herr Jolly, der Hungerkünstler, hat bekanntlich Nachfolger gefunden. Diese Hungerschauveran staltungen treten fast epidemisch auf. So hungern augenblicklich bret, pier Leute sportlich in Berlin. Nichtsportlich hungern allerdings weit mehr. Einer dieser Herren, Eric, der sich in der Lindenpassage in einem Glaskasten versiegeln ließ, ist gestern Nacht nach fiebentägigem Hungertraining aus seinem mageren Gefängnis ausgebrochen. Gegen Mitternacht vernahm der Manager des Eric ein beftiges Klopfen an den Glasscheiben und rief sogleich von der nächsten Rettungswache einen Arzt an. Nach Deffnung des Glastastens wurde Eric gründlich untersucht und eine vernachlässigte Ballenblasenentzündung festgestellt. Der Manager schrie 3eter und Mordio und auch Eric protestierte heftig, der Arzt jedoch ordnete die sofortige Unterbrechung des Hungersports an. Der Kirchenaustritt in Berlin wie überhaupt in einer Großstadt ist für den Arbeiter schon deswegen immer mit Schwierigkeiten verbunden, weil der Weg zum Amtsgericht und die Abfertigung dort so viel Zeit in Anspruch nimmt, daß immer so ziemlich ein Tageslohn dafür eingebüßt wird. Aus diesem Grunde ist eine Einrichtung fehr zu begrüßen, die die Arbeitsgemeinschaft der freigeiftigen Berbände der deutschen Republi!, Ortsgruppe Berlin, getroffen hat und durch die der Kirchenaustritt gegen eine sehr mäßige Gebühr in den Abendstunden durch einen Notar vorgenommen wird. Diese notariellen Sprechstunden finden jeden Dienstag und Freitag, abend von 7-8 Uhr, in den Räumen des Vereins der Freidenfer für Feuerbestattung E. V., Berlin NO. 18, Friedenstr. 60( Baden) statt. Wie wir hören, sind diese Sprechstun den schen von vielen Tausenden besucht worden. Das Seminar für Bodenreform( Berlin NW. 23, Lessingstr. 11) Der Arbeitsleiter, Direktor erfreut sich einer regen Teilnahme. Mar Knorr, läßt es sich angelegen sein, hervorragende Männer der Bragis zum Worte tommen zu lassen. Am 12. März, abends 8 Uhr, spricht Stadtrat Möllenhoff, Frankfurt a. d. D., aus seiner praktischen Erfahrung über mittelbeschaffung für den Wohnungsbau und Kulturaufgaben ohne BeAm darauf folgenden Freitag, den Taftung der Arbeit. 19. März, abends 8 Uhr, spricht der zweite Vorsitzende des Bundes Deutscher Bodenreformer, Geheimrat Erman, über das Bodenreform gefeß. Gäfte haben zu diesen Vorträgen unentgeltlich Zutritt. Gewerkschaftsbewegung Was nicht vergessen werden darf. Bei den Wahlen im DMV. Bet biefer Gelegenheit fel bemertt, baß es uns fchon aus räum lichen Gründen unmöglich ist, auf all die Verdächtigungen und Verleumbungen gegen die Gewerkschaften und die SPD.- Betriebsräte und Funktionäre einzugehen, die in der Roten Fahne" tagtäglich produziert werden. Richtiger ist, in allen Fällen unwahrer Behauptungen von dem Kommunistenblatt eine furze fachliche Be richtigung gemäß§ 11 des Pressegeseges zu for= Metall- dern, einmal, damit seine Leser sehen, wie sie unterrichtet werden, „ Subjekte" und wer weiß sonst noch alles beschimpfen zu lassen. außerdem aber, daß unsere Genossen es nicht nötig haben, sich als Unsere Mahnung an die Mitglieder des Deutschen arbeiterverbandes, fich bei den gegenwärtig im Gang befindlichen Wahlen zur Generalversammlung der Untaten der Kommu= nisten zu erinnern, ist den Bonzen der kommunistischen Fraktion sehr unangenehm. In einem langen Artikel wird versucht, Die Redaktion. unsere Feststellungen zu widerlegen. Allerdings ist der Versuch s Das Bezirksamt Tiergarten gegen die Stadt Berlin. lendenlahm und mit soviel handgreiflich unwahren Behauptungen gemacht, daß er von vornherein als gescheitert gelten fann. So wird behauptet, daß der Sozialdemokrat Bissell als Schlichter von Berlin für den VBM3. so günstige Schiedssprüche fällte", und daß Ziska und Urich diesen Schiedssprüchen gegen den Willen der Mitglieder Geltung verschafften". Diese Schiedssprüche wurden allerdings so sehr im Sinne des BBMI. gefällt, daß dieser fich weigerte, an den Berhandlungen überhaupt teilzunehmen und Beisitzer zu stellen. Wissell mußte von sich aus Unternehmerbeifizer ernennen. Die einfältige Behauptung, daß 3ista und Urich irgendeinen Schiedsspruch gegen den Willen der Mitglieder Geltung verschafft" hätten, braucht nicht erst widerlegt zu werden. Sie beweist nur, daß die„ Rote Fahne" nicht für gewertschaftlich organisierte Arbeiter geschrieben wird. Einem Arbeiter, der länger als vier Wochen Mitglied des Metallarbeiterverbandes ist, würde man nicht wagen, eine derartige Behauptung vorzusetzen. Die Behauptung, daß Bista und Urich sich während des„ Cuno- Streifs" als Streitbrecher be tätigt hätten, ist wohl nur aufgestellt worden, um auch den Humor zu seinem Recht kommen zu lassen. Natürlich wird auch Striemer mieder einmal zitiert und Dinge hervorgeholt, die mit der Ortsver: maltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes und der Wahl von Generalversammlungsvertretern in feinem Zusammenhang stehen. Darum dreht es sich aber gegenwärtig allein. Es handelt sich jetzt darum, ob die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes den Kommunisten& um Dank für ihre Zerstörungs arbeit noch ihre Stimme geben wollen. Wir haben festgestellt, daß bis zum Jahre 1924 die Berliner Ortsverwaltung in der Lage mar, große Stämpfe zu führen und dem BBMI, den Willen der organisierten Metallarbeiterschaft aufzuzwingen. Diefe Stämpfe murden nicht geführt von den revolutionären Eintagsfliegen der KPD.; sie wurden nicht geführt von den Unionisten; am aller wenigsten wurden sie geführt von den Walcher und Enderle. Sie wurden organisiert und geführt von den Arbeiterverrätern" Bista und Urich, es war die gesamte Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die sich dabei der fortgesetzten Quertreibereien der Kommunisten zu erwehren hatte. Standalöse Zustände im Krankenhaus Moabit. Wie wir erst fürzlich an dieser Stelle mitgeteilt haben, wird in den Krantenanstalten Berlins alles nur Erdenkliche versucht, um den Kost zwang für das Personal einzuführen und damit die Berhältnisse, wie sie unter der Gesindeordnung bestanden haben, wieder aufleben zu lassen. Das Bezirksamt Tiergarten, in dessen Bereich das Krankenhaus Moabit liegt, setzt in dieser Frage 20. März geffinbtgi. Cine Begründung diefer Rimbigua und neue Borschläge sind zunächst noch nicht beigefügt worden. Man muß aber annehmen, daß eine Lohnkürzung mit der Tarifkündi gung beabsichtigt wird. Lohnabkommen in der rheinischen chemischen Industrie. Effen, 11. März.( WTB.) Das seitens der Gewerkschaften gefündigte Rahmenlohnabkommen ist, wie die Deutsche Bergwerksmit Birfung ab 1. März in allen Bunften wieder in Kraft zeitung meldet, in Verhandlungen vor dem Haupttarifamt in Berlin gesetzt worden. Kleine Abweichungen gegenüber dem bisherigen Stand wurden vereinbart hinsichtlich der Entlohnung der Heizer und Maschinisten, sowie hinsichtlich einer unwesentlichen Bestimmung des Attordortrages. Wiederaufnahme der Arbeit auf Zeche Radbod. Dortmund, 11. März.( Tul.) Die Wiederherstellungsarbeiten auf der Zeche Radbod find soweit fortgeschritten, daß schon morgen 600 bis 700 Mann der Belegschaft in verschiedenen Revieren der zweiten und dritten Sohle die Arbeit wieder aufnehmen können. Wirtschaft Mitglieder des D.M.V. Staatsgelder für die oberschlesische Eiſenindustrie. Besucht die Wahlkörperversammlungen und stimmt für die Kandidaten der Amsterdamer Richtung! allen reaktionären Bestrebungen die Krone auf. Trotzdem die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat, daß tein kost zwang ausgeübt werden dürfe, trobem das Hauptgesundheitsamt mit der zuständigen Organisation, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, eine Bereinbarung getroffen hat, wonach es den Arbeitnehmern freigestellt ist, an der Anstaltsbeköstigung teilzunehmen, wird dem Personal des Krankenhauses Moabit täglich das Eisen hingestellt und, da das Personal sich anderweitig beföftigt, in den Tranf eimer geworfen. Bas sagen wohl die Erwerbslosen dazu, daß man in diesem Krankenhause täglich 30-40 Gülzfoteletts, oder ebenso viele Bortionen Wurst, Fleisch oder Fischwaren wegwirft, nur weil das Bezirksamt Tiergarten glaubt, seinen Herrenstandpunkt durchsetzen zu müssen. Man geht soweit, daß man dem Personal den Wert dieser Waren einfach vom Lohn abzieht. Der Verband der Semeindeund Staatsarbeiter hat Klage beim Amtsgericht erhoben, um den Arbeitern zu ihrem rechtmäßig verdienten Lohn zu verhelfen. Anstatt mun die Entscheidung des Gerichts abzuwarten, zieht man den Arbeitern. weiter diese Beträge vom Lohn ab und wirft ruhig weiter jeden Tag foftbare Lebensmittel, die an anderer Stelle fo fehr fehlen, auf den Misthaufen. Es ist wirklich an der Zeit, daß diesem Treiben ein Ende gemacht wird. Dem Bersonal empfehlen wir, sich restlos zu organisieren. Nur dann können sie vor den willkürakten dieses reaktionären Bezirksamtes geschützt werden. Es ist die Tragi? der deutschen Gewerkschaftsbewegung seit dem Kriege, daß sie fortgefegt zwischen zwei Feuern tämpfen mu B. Während die Gewerkschaften mit den Unternehmern im Rampfe liegen, fällt ihnen die KPD. in den Rüden. Wir haben festgestellt, daß die KPD. die ungeheure Arbeitslosigkeit vor zwei Jahren zu einer beispiellofen wüsten Sege gegen die Gemertschaften benuste und offen auf die Spaltung hinarbeitete. Bir haben festgestellt, daß sie damals in einer ganzen Reihe von Berufen ihren eigenen Laden aufgezogen hat und daß Generalversammlung der Haus- und Wachangestellten. infolge dieser Hezze die Mitglieder des DMV. zu Zehntausenden die Organisation verließen. Diese Hilfsdienste, die die D. dem Im großen Saale der Sophiensäle fand am 9. März die MitBBMJ. geleistet hat, sind nicht abzuleugnen. Die Mitgliederversammlung der im Deutschen Verkehrsbund organisierten gliederversammlung der im Deutschen Berkehrsbund organisierten glieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes haben jetzt die Ge- Haus- und Bachangestellten statt. Sektionsleiter Genosse Leube legenheit, den Kommunisten dafür die entsprechende erstattete Bericht über die Tätigkeit der Sektionsleitung und die Quittung zu geben. vorjährigen Tarifabschlüsse. Ein merkwürdiger Betriebsrat." Danach waren 1848 Beranstaltungen( Bersammlungen und Berhandlungen) notwendig, um allen Anforderungen gemertschaft: licher Arbeit gerecht zu werden. Die intensive und aufopferungsvolle Tätigkeit war nicht vergeblich; 1370 Mitglieder fonnten neu der Organisation zugeführt werden. Von den Neuaufnahmen entfallen auf die Branchen: Hausangestellte in Privathaushaltungen 256, Reinemachefrauen 231, Hausreinigerinnen 202, Wohnhausportiers 429, Geschäftshausportiers 119, Privatwächter 24, Wach und Schließangestellte 109. Agitation und Neuaufnahmen befriedigen nicht, da froz der Zugänge nur ein Aufstieg der Mitgliederzahl um 60 zu verzeichnen ist. Es gelang 15 Lohnbewegungen erfolgreich zum Abschluß zu bringen. An diesen Lohnbewegungen waren 11 004 Personen beteiligt. Insgesamt wurde ein Mehrwochenlohn von 27 423,50 m. erzielt, oder für den einzelnen der an der Lohnbewegung beteiligten Mit dieser Ueberschrift brachte die Rote Fahne" infolge der Berjegung eines kommunistischen Betriebsratsmitgliedes von der Straßenreinigung zur Friedhofsverwaltung im Bezirksamt Schöne herg einen in der bei ihr üblich niederträchtigen Form gehaltenen Angriff gegen den Vorsitzenden des Bezirksbetriebsrats, Hepp rich, der zugleich Borsitzender des Gesamtbetriebsrats der städtischen Betriebe ist. Entgegen der Behauptung der Roten Fahne" hut der Betriebsrat gegen diese Bersegung Einspruch erhoben. Das Bezirksamt Schöneberg erklärte sich nicht bereit, über diesen Einspruch zu verhandeln, da innerhalb des Bezirksamtes gemäß§ 9 des BRG. eine Verseßung, auch von Betriebsratsmitgliedern, ohne Einvernehmen mit der Betriebsvertretung dem Bezirksamt allein zuffche. Ausdrücklich wurde vom Bezirksamt bemerkt, daß Stranski Stellungsuchende waren auf dem Facharbeitsnachweis in der Ausübung seiner Betriebsratstätigkeit, auch in den Straßen- 4704. Gemeldet wurden 4418 Stellen, davon konnte 3810 besetzt reinigungsbetrieben, auf keinen Fall behindert werden soll. Der werden. Für das neue Geschäftsjahr wurde zum Sektionsleiter Betriebsrat beschloß trozdem, gemäß§ 96 des BRG. ein Leube, zum Stellvertreter Wieloch, zum 1. und 2. Schriftführer Berfahren anhängig zu machen mit der Begründung, daß Richter und die Kollegin Weber und als Revisoren Bor Stranski durch diese Verseßung an einen verschlechterten Arbeitsnowski und Wendt gewählt. Als Mitglieder der Bezirksverplag gekommen sei. Dieses Verfahren ist im Gange und wird vom waltung wurden Diefert und die Kollegin Schüler in Vorschlag Betriebsrat des Bezirksamtes mit Unterstützung des Verbandes der gebracht. Gemeinde- und Staatsarbeiter geführt. Damit sind die Anwürfe der Roten Fahne" gegenstandslos. " Die Verwaltung hielt einen Abbau von acht Straßenreinigern für erforderlich. Der Betriebsrat samt seinem fommunistischen Mitgliede Stransfi fonnte dagegen nichts vorbringen, um diesen Abbau zu vermeiden. Der Betriebsrat hatte nun die Aufgabe, über die zu entlassenden Personen mit dem Bezirksamt zu verhandeln. Das Ergebnis war, daß vier zirka 65 Jahre alte, nicht mehr im Boll hejik ihrer Arbeitskraft befindliche Kollegen, die 25 und mehr Jahre in der Betriebsstelle tätig sind, in den Ruhestand und drei weitere Kollegen in andere Arbeitspläge, wie Bartverwaltung usw. zu versetzen sind. Der Entlassung irgendeines Arbeitskollegen hat der Betriebsrat gegenüber der Berwaltung bisher überhaupt nicht zugestimmt. Der kommunistische Betriebsrat Stranfft selbst hat öffent. lich erklärt, daß er den betreffenden Artikel der„ Roten Fahne" auf keinen Fall decken könne und für denselben nicht verantwort lich sei. Sport Palast Ab 10 Uhr vorm. voller Elslaufbetrieb 9 Uhr abends Das gr. März- Programm 10.30 Uhr Das sensat. Elsballett Morgen, Freitag, den 12. März, 8 Uhr abends 5- Länder- Boxkampf Berliner Tik- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/751 A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Heukölln, Anmeldung, Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Beginn neuer-Jahres- und 14- JahresLehrgänge. Fernspr.: Neukölln 1063 Spezia behandl Nur für Ischias in Hüft., Gesaf und Bein, wens ärzti. festgestellt In 15 Tagen sind schwere Falle beseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge Bestätigung und Referum, ärzti. empfohlen Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Samtag 10-12. Jacks Mitliedern einen Mehrwochenlohn von 4,98 m. Mit der Aufforderung, soweit es noch nicht geschehen, sich sofort in die Liste für das Boltsbegehren eintragen zu laffen, und einem Hoch auf. den Deutschen Berkehrsbund wurde die Versammlung geschlossen. Die Metallarbeiter gegen den Lohnabban. Halle, 11. März.( WTB.) Nachdem die Verwaltungsstellen Halle, Magdeburg und Dessau des Deutschen Metallarbeiterverbandes den vom Schlichtungsausschuß Halle gefällten Schiedsspruch, der unter gewissen Voraussetzungen einen Lohnabbau gestattet, abgelehnt haben, sind auch die übrigen Verwaltungsstellen der Organisationen diesem Beispiel gefolgt. Die schlesischen Metallindustriellen wollen nicht fehlen. Breslau, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Berband schlesischer Metallindustrieller und der Schlesische Verband des Metallgewerbes haben den Arbeitslohntarif am Montag für den Wenn ich des Morgens früh aufsteh, Bavor ich abends schlafen geh Gels singe Tässchen Messmer Jee Der in Oberschlesien fürzlich gegründete Eis entrust, der sich aus der Oberschlesischen Eisenindustrie A.-G., der Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs A.-G. und der Donnersmardhütte zusammensetzt, begann sein Wirken mit einer alten Schuldenlast von 46 Mil= lionen Marf, die die beiden erstgenannten Werke mitbrachten. Gläubigerin ist die Preußische Staatsbant, die zur Abdedung der Verpflichtungen den Betrag vorgeschossen hat. Die Entlaftung von dieser kurzfristigen Schuld wurde von den beteiligten Gesellschaften als Voraussetzung dafür hingestellt, daß der neue Trust seine Tätigkeit aufnehmen kann. Daraufhin erfolgte durch eine Kommiffion der Reichs- und Staatsregierung eine Nachprüfung der Schulden, wobei sich die Lage der Unternehmungen als sehr schwierig herausstellte. In den anschließenden Besprechungen wurde vereinbart, daß das Reich und der preußische Staat zusammen ein Darlehen von 36 Millionen Mark auf die Dauer von 35 Jahren geben soll. Dieses Darlehen bleibt in den ersten fünf Jahren unverzinslich, ist in den folgenden fünf Jahren mit 1½ Proz., in den dann folgenden zehn Jahren mit 2 und die übrige Zeit mit steigend von 1 bis 5 Proz. der geliehenen Summe. Auf diese 4 Proz. zu verzinjen. Die Tilgung beginnt nach fünf Jahren, Weise opfern die öffentlichen Behörden mindestens etwa 15 mil= lionen Mart zur Aufrechterhaltung und Ingangsetzung der oberschlesischen Eisenindustrie. Die Banken dagegen übernehmen nur ein Darlehen von 10 Millionen Mark für die Restschuld. Ferner stellen sie einen Betriebskredit von 6 Millionen Mark zur Verfügung. Darüber, ob diese Kredite ebenso wie die Staatshilfe auch zeitweilig zinslos ge= geben werden, verlautet nichts. Der Pragis der Banken würde das jedenfalls widersprechen. Es wird der Nachprüfung der zuständigen Parlamentsausschüsse vorbehalten bleiben müffen, ob eine derartige Subvention eines Teiles der oberschlesischen Industrie gegenüber an deren Kreisen der deutschen Industrie und des Handels ver. treten werden kann. Die langfristige Verschuldung der oberschlesischen Eisenindustrie, für die gegenüber den Behörden hypothetarische Sicherheiten bereitzustellen sind, wird im ganzen sogar größer sein als das gesamte Attienfapital Das ist natürlich für den Betrieb der Unternehmungen eine gewaltige Be laftung. Herbeigeführt wurde aber diese Belastung durch die Lässigkeit der Banken, die der oberschlesischen Eiſenindustrie früher ohne Rücksicht auf deren Produktions- und Absatzfähigkeit in eineni so reichlichen Maße Kredite zur Verfügung gestellt haben. Wenn jezt Reich und Staat 15 Millionen Mart opfern, um das neue Unternehmen flott zu machen, so werden die Banken der Notwendigkeit einer Sanierung der Unternehmungen behoben; die Subvention fließt also so mittelbar in die Kassen der Großbanken. Ob das volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten begründet wird, halten wir zum der 3 wcc diefer Stüßungsaktion ist, die von den Behörden mit mindesten für fraglich ganz abgesehen davon, ob die hypothefarische Sicherheit dem Staate allein ausreichenden Einfluß auf das Geschäftsgebaren der Unternehmungen gewährt. 3mar hat sich Preußen die Mitbestimmung über die Dividende vorbehalten; man weiß aber aus anderen Beispielen, daß die Kontrolle über die Dividendenausschüttung noch keineswegs eine Kontrolle der Geschäfts- und Gewinnpolitik bedeutet. Die Deutsche Spinnereimaschinen 2.-G. in Ingolstadt( eine Nachfolgegesellschaft der Deutschen Werke A.-G.) wird dividendenlos bleiben. Das Bruttoerträgnis wird mit 1,6 Millionen Mark an gegeben, dem allgemeine Infosten in Höhe von 1,3 Millionen Mart und Abschreibungen in Höhe von 285 000 Mart gegenüberstehen. Ueber den Geschäftsgang wird berichtet, daß sich der Umsatz an Spinnereimaschinen um 85 Broz gesteigert und der an Armaturen im Vergleich zum vorigen Jahre verdoppelt hat. Insbesondere fonnte das Exportgeschäft gepflegt werden; u. a. ist nach Brasilien, Griechenland und Italien geliefert worden. Auch fam Ende des Jahres 1925 ein großer Auftrag nach Rußland herein. Der Auftragsbestand ist sehr gut, so daß das Werk Beschäftigung für die nächsten zehn Monate hat. Berantwortlich file Bolitit: Richard Bernstein; Birtſchaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin SB 68, Lindenstrake 3. Versuchen Sie die neue TELEFUNKEN- LAUTSPRECHER RÖHRE TELE FUN KEN Lausitzer Platz 16 Nähe Görlitzer Bahnhf. 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