Str. 11943. Jahrg. Ausgabe A nr. 60 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlid B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig, Gaar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Gied lung und Aleingarten fowie bez Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Biennis ( auläffia zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes meitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linbenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Ubr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 12. März 1926 Auf zum Volksbegehren! Gewerkschaftsgenossen! Arbeiter, Angestellte, Beamte Berlins! Die wirtschaftliche und soziale Not der Arbeitnehmerschaft ist riesengroß. Millionen von Menschen, die gern arbeiten wollen, sind beschäftigungslos und nur auf eine farge Unterstüßung angewiesen. Weitere Millionen arbeiten nur wenige Tage in der Woche. Mit ihrem„ Einkommen" fönnen sie nicht die allerbescheidensten Bedürfnisse des Lebens befriedigen. Und die noch Arbeitenden? Löhne und Gehälter der Arbeiter, Angestellten und Beamten haben noch nicht den Friedensrealstand erreicht. Troßdem wird vom Unternehmertum finn- und gewiffenlos eine Sentung der Löhne und Gehälter propagiert. Dieses wahnwißige Beginnen wird entgegen allen volkswirtschaftlichen Gesetzen- damit ,, begründet", daß nur Will das werftätige Bolf, wollen die gewert schaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten sich das gefallen lassen? Wollen sie es dulden, daß die, die das Bolt ins Unglüd führten, Millionen, ja milliarden erhalten, während von der Regierung Mittel für soziale 3 we de immer wieder verweigert werden? darf fein gewerkschaftlich Organisierter dulden. Die flaren Das kann und darf das arbeitende Volk, das kann und Forderungen des Tages lauten: Keinen Pfennig den Fürsten! Entschädigungslose Enteignung! Verwendung der auf solche Weise erhaltenen Mittel für die von den Gewerkschaften unterstützten sozialen Zwecke! Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Das neue Fürstenkompromiß. Von Kurt Rosenfeld. Die bürgerlichen Mittelparteien- Demokraten, Zentrum, Deutsche und Bayerische Volkspartei sowie Wirtschaftliche Bereinigung haben soeben den neuen Kompromißantrag zur Frage der Auseinandersehung zwischen Fürsten und Ländern im Rechtsausschuß des Reichstags eingebracht. Damit ist nunmehr die dritte Formulierung des Fürstengesetzes erfolgt. Man fann aber nicht sagen: Aller guten Dinge sind drei. Denn auch der neueste Kompromißentwurf ist noch weit davon entfernt, den Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion zu genügen. Auch jetzt noch lehnen die bürgerlichen Parteien den GeBoltsentscheids bildet. danken der entschädigungslosen Enteignung der Fürsten ab, die den Gegenstand des Volksbegehrens und Auch jetzt noch verwerfen die bürgerlichen Parteien jene ursprünglich sozialdemokratische, dann von den Demokraten übernommene Anregung, den einzelnen Ländern das Recht zu geben, unter Ausschluß des Rechts= weges durch Gesez die Abrechnung mit den einzelnen Fürsten vorzunehmen. Auch jetzt noch verharren die bürgerlichen Parteien auf der Idee, durch ein Gericht eine ,, billige" Auseinanderfegung zwischen Fürsten und Ländern herbeizuführen. bei verringertem Einkommen der Arbeitnehmer Wer das will, der trete für das Volks- weitester Bolkskreise, wenn man bei dem allgemeinen Mißdie Gesundung der deutschen Volkswirtschaft möglich ist. rentner. Abbau Entlassung find die Gefahren, die täglich die noch Beschäftigten umlauern. Bitterste Not leiden auch die Sozial- und Klein Hunderttausende von ihnen haben durch den Krieg und die Inflation ihr hab und Gut, ihre Sparpfennige, die sie sich abgehungert hatten, verloren. Bettler sind sie geworden und fristen ein elendes Dasein. Zehntausende von Kindern, die Zukunft Deutschlands", erhalten teine genügende Nahrung. In dieser Zeit der allgemeinen Verarmung, der tiefsten Not, stellen die ehemaligen deutschen Fürsten Forderungen, die einen Raubzug an dem ausgepowerten deutschen Bolt bedeuten. Aber nicht die Fürsten selbst, sondern auch ihr geliebter Anhang" und ferner die sogenannten Standesherren fordern vom Bolf schamlos die Mittel, um ihr Drohnendasein weiterführen zu können. begehren ein durch seine Einzeichnung in die bis zum 17. März d. J. ausgelegten Einzeichnungslisten. Rein organisierter Arbeitnehmer darf die Einzeichnung verfäumen. Jeder muß auch die Indifferenten, die Gleichgültigen aufrütteln, damit sie sich ebenfalls in die Listen einzeichnen. In den Bureaus, Werkstätten, Betrieben, Geschäften, in allen Versammlungen, bei allen Zusammenfünften der Arbeitnehmerschaft muß ernst und dringend die Mahnung erhoben werden: Zeichnet Euch in die Listen ein! Wer sich nicht einzeichnet, unterstützt den Raub der Fürsten am Bolk! Arbeiter, Angestellte und Beamte Berlins! Tut Eure Pflicht! Auf zum Volksbegehren! Für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten! Allgemeiner deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin. Sabath. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Allgemeiner deutscher Beamtenbund, Ortskartell Berlin. Ortsausschuß Groß- Berlin. Flatau. Unveränderte Lage in Genf. Kein Nachgeben Brasiliens. Die lehten vierundzwanzig Stunden, bis Donnerstagabend, haben eine Entwirrung der überaus verwidelten Lage nicht gebracht. Andeutungen des Berliner Rundfunks jedoch, wonach die deutsche Delegation bereits die Heimreise vorbereite, finden in den vorliegenden Meldungen teine genügende Stüße. Eigene Drahtungen aus Genf siehe 3. Seite. Warum Bosdari ging. Faschistische Diplomatie! Zur Abberufung des italienischen Botschafters Bosdari erfahren wir noch folgendes: Als Graf Bos dari sein Amt als Botschafter in Berlin antrat, fand er hier einen sehr erbitterten Feind vor, den Botschafter. rat Guarneri. Dieser, schon vor dem Kriege in der italienischen Botschaft beschäftigt, war in seiner Hoffnung, selbst den Botschafterposten zu erhalten, durch die Ernennung Bosdaris sehr stark enttäuscht worden und intrigierte nun, indem er über des Botschafters Birken in Berlin Privatberichte nach Rom fandte, die alles andere als günstig für Bosdari waren. Es fam, als Bosdari dies sehr bald erfuhr, zu heftigen Auftritten zwischen Bosdari und dem Botschafterrat und das Ende war ein Disziplinar= verfahren gegen Guarneri und seine Abberufung. In Rom felbft unterwühlte Guarneri weiter die Stellung des Botschafters mit dem Erfolg, daß seine Abberufung beschlossen wurde. Er erhielt feine Abberufung, als er in Rom auf Urlaub weilte. Selbstverständlich wollte Bosdari als gut erzogener Mann von seinem Berliner Streife fich offiziell verabschieden. Er reifte nach Deutschland, hielt fich in München etwas auf. Es war die Zeit der Reden Mussolinis gegen Deutschland. Man fürchtete, daß der gewandte und beliebte Reichelt. Körber. Weidmann. Bosdari die Wellen glätten fönnte und so zog es denn die italienische Regierung vor, Bosdari nicht nach Berlin reisen zu lassen. Er erhielt noch in München ein Schreiben, daß seine Weiterreise nach Berlin nicht erwünscht sei und Bosdari tehrte, ohne Berlin noch einmal wiedergesehen zu haben, nach Rom zurüd. Zunahme der Einzeichnungen! Die Eintragungen zum Boltsbegehren haben am Donnerstag wieder erheblich zugenommen. Die Einzelergebnisse lassen voraussehen, daß gestern die Zahl der Eintragungen an drei Biertelmillionen herangekommen ist. Mittwoch 6807 Prenzlauer Berg. Donnerstag 8638 Bisher eingezeichnet 72 540 Friedrichshain. Donnerstag Bisher eingezeichnet Wedding. Mittwoch 7668 10 643 Mittwoch 8022 Donnerstag 10 122 Pankow. Mittwoch 1262 Donnerstag 1883 81 818 Bisher eingegeichnet 89 408 Bisher eingezeichnet 13 919 Die Eintragungen in Hamburg. Hamburg, 11. März.( WTB.) Bis einschließlich mittwoch sind in Hamburg 112500 Unterschriften zum Boltsbegehren geleistet worden, in Altona 21759. Es zeigt wahrlich kein Verständnis für die Auffassung trauen gegen die deutsche Justiz nichts anderes vorzuschlagen weiß, als die Lösung der Fürstenfrage einem Gericht zu überlassen. Dabei war doch bereits in dem ursprünglichen Kompromißantrag davon abgesehen worden, die Entscheidung dem Reichsgericht zu übertragen, offenbar weil man das im Volte herrschende Mißtrauen gegen die bestehenden Gerichte in Rücksicht zog. Mit der Schaffung eines neuen, nur etwas anders gearteten Gerichts ist aber dem allgemeinen Mißtrauen gegen die Rechtspflege nicht hinreichend Rechnung getragen. Am allerwenigsten dann, wenn das Reichssondergericht für die Vermögensauseinandersetzung zwischen den Ländern und den Fürstenhäusern" lediglich aus Richtern bestehen soll. In der Frage der Zusammensetzung dieses Gerichts ist jetzt allerdings ein kleiner Fortschritt zu konstatieren. Nach dem ersten Kompromißvorschlag sollte der Reichspräsident die Mitglieder des Gerichts bestimmen, und es sollten nur Richter in das Gericht berufen werden dürfen. Nach den späteren Beschlüssen des Rechtsausschusses sollte die Reichsregierung das Vorschlagsrecht für die Auswahl der Richter haben; das neue Kompromiß gibt insofern unserer Kritik gegen das Richterprivileg nach, als dieses wenigstens teilmeise aufgehoben werden soll: der Reichsgerichtspräsident soll Borsitzender des Gerichts sein; die übrigen acht Mitglieder soll der Reichspräsident auf Vorschlag der Reichsregierung ernennen, von diesen aber müssen nur vier Richter sein, während die anderen vier Laien sein können. Ist in dieser neuen Bestimmung, die eine Einschränkung des Monopols der Richter bedeutet, auch ein gewisser Fort schritt unverkennbar, so ist er doch nicht groß genug, um be= friedigen zu können. Wir hatten gefordert, daß sämtliche Mitglieder des Sondergerichts vom Reichstag ge= wählt werden, und zwar ohne jeden Zwang bei der Auswahl, und wir werden auch weiter daran arbeiten, den Laien den unbeschränkten Zutritt zu diesem Gericht zu erkämpfen. Die jetzt vorgeschlagene Zusammensehung aus fünf Richtern zu( oder richtiger: gegen) vier Laien und ihre Ernennung durch den Reichspräsidenten auf Vorschlag der Regierung gewährt feinen hinreichenden Schutz gegen die Gefahr, daß auch das Fürstensondergericht sich ebenso, wie es bisher die ordentlichen Gerichte getan haben, von formal juristischen Erwägungen leiten läßt, und daß republikfeindliche Mitglieder des Gerichtshofs mehr Verständnis für eine ,, würdige" Ausstattung früherer Monarchen als für die Sicherung der Republik zeigen. Die Zusammensetzung des Gerichts ist um so wichtiger, als die Richter in hohem Maße nach freiem Ermessen entscheiden sollen. In dem Kompromißgefeß wird niemals die Frage, ob die Fürsten eine Entschädigung erhalten sollen, immer aber die Frage, wie hoch die Entschädigung sein soll, in das freie Ermessen der Richter gestellt. Lediglich die Richter haben auch zu bestimmen, inwieweit bei den Entscheidungen die wirtschaftliche und finanzielle Lage der einzelnen Länder berücksichtigt werden soll, was eine angemessene Lebenshaltung der bis 1918 regierenden und sogar auch der seit mehr als 100 Jahren nicht mehr regierenden Fürsten gewährleistet, wie ein billiger Ausgleich" zu finden ist; noch mehr: in einzelnen Fällen ist den Richtern die Entscheidung darüber überlassen, inwieweit die neuen Bestimmungen rüdmirtende Kraft haben sollen. In diesem Punkt enthalten die neuen Vorschläge sogar eine Verschlechterung der letzten Beschlüsse des Rechtsausschusses. Die Rüdwirkung des neuen Gefeßes muß so weit gehen, daß alle früheren Berträge und Entscheidungen unter den jetzt formulierten Gesichtspunkten nachgeprüft werden können. Zu begrüßen sind die nunmehr aufgestellten D e r- m u t u n g e n darüber, was Staatseigentum ist. Er- freulich ist auch, daß nunmehr Z i v i l l i st e n, Kronfidei- kommisrenten, Krondotationsrenten und ähnliche Renten entschädigungslos fortfallen sollen, allerdings nur soweit sie nicht auf Prioatrechtstitel beruhen. Einen Fort- schritt bedeutet weiterhin die Bestimmung, daß dem Lande vorweg die Gegenstände zuzuteilen sind, die es aus Gründen der Kultur oder Volksgesundheit in Anspruch nimmt, vorausgesetzt allerdings, daß diese Gegenstände zur regelmäßigen, öffentlichen Besichtigung oder Benutzung frei- gegeben waren. Im allgemeinen erweist sich auch das neue Fürstenkom- promiß schon bei Prüfung seiner wesentlichsten Bestimmungen als unzureichend. Die Grundsätze, nach denen das Fürsten- gericht entscheiden soll, entsprechen nicht hinreichend den Inter- essen des deutschen Volkes. Sie sind auch nicht zwingend genug. Die Anwendung und Auslegung der Grundsätze aber soll Sache eines Gerichts sein, das weder nach den Faktoren, welche seine Zusammensetzung bestimmen, noch nach dem Personenkreis, welchen die Richter zu entnehmen sind, Ver- trauen erwecken kann. Wenn die bürgerlichen Kompromißparteien auf die Zu- stimmung der sozialdemokratischen Fraktion Gewicht legen oder wenn der Gefetzentwurf, was noch nicht feststeht, ver- fassungsändernd fein sollte und deshalb nur mit Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion Gesetz werden kann, wird das neue Fürstenkompromiß noch in wesentlichen Punkten oerbessert werden müssen. In keinem Falle aber ändert unsere Zustimmung zu dem Fürstenkompromiß auch nur das geringste an unserer Stellungnahme zu Volksbegehren und Volksentscheid. Diese gehen unabhängig von den Reichs- tagsverhandlungen ihren Gang. Külz im jener. ftfott mit ihm, er ist ei« Republikaner! Heute soll im Reichstag entschieden werden, ob man in Deutschland Minister bleiben darf, wenn man sich zur Re- publik bekennt. Die Frage ist nicht so ganz einfach, wie sie scheint. Schon am Mittwoch hatte der Volksparteiler Herr v. K a r- d o r f f, also der Sprecher einer Regierungspartei, heftig gegen den republikanischen Innenminister Herrn Dr. Külz vom Leder gezogen. Gestern setzte der völkische Herr K u b e den Angriff fort, indem er eine Kaisergeburtstagsrede verlas, die Herr Külz als Bürgermeister in der guten alten Zeit, in der alle Bürgermeister Kaisergeburtstagsreden hielten, gehalten hatte. Das gab Herrn Külz Veranlasiung, eine Geschichte zu er- zählen, wie man aus einem Monarchisten zum Republikaner wird. Man erfuhr, daß dieses Bekehrungswert von W i l» Helm II. selbst vollzogen wurde, der ja überhaupt der beste Kaiser war, den sich die Republikaner wünschen konnten. Der Minister sprach: Ich habe dem Kaiser ziemlich nahe gestanden. Aber wenn ein Kaiser, der von Millionen von Deutschen verlangt hak. daß sie Ihr Leben einsehen solle« für die Monarchie, in dem Augenblick, wo die Geschichle erstmalig von ihm selbst ein Ela- Ichen für den monarchischen Gedanken verlangt, nach Holland sährt, so Ist das Band innerlich zerrissen. Das Grab der Monarchie wird von der Geschichle nicht aus deutschem Boden, sondern aas dem Wege nach Holland gesucht werden. Das saß! Links brachen die Bands parlamentarischer Ordnung': man klatschte stürmisch. Rechts tobte man wie be- sessen und vollzog dann— zum feierlichen Protest gegen die geschichtliche Wahrheit— den Auszug aus dem Saal.„Ab nach Holland!" schallte es von links hundertstimmig. Aber sie gingen nicht nach Holland, sondern kamen wieder und beantragten durch den Mund des Grafen Westarp, der Reichstag möge dem Minister wegen seiner soeben getanen Aeußerungen das Vertrauen entziehen. Gold aus Hueckfilber. Herr Prof. A. Miethe sendet uns die folgenden Aus- führungen, die sich auf den von uns in unserer Vellage„Unter- Haltung und Wissen"(vom g. d. M.) ausführlich besprochenem Vor- trag des Prof. Habcr beziehen: Es ist wohl berechtigt, wenn ich im Nachstehenden meinerseits Stellung zu den Ausführungen des Herrn Prof. Haber in seinem Vortrag �DieVersuche, chemische Elemente in andere zu verwandeln", soweit sie zu Mitteilungen in der Presse Ver- anlassupg gegeben haben, nehme. Di« Vorstellung, daß durch elettrisch« Mittel eine Goldblldung im Quecksilber bewirkt werden kann, hat Prof. Haber nicht von sich gewiesen. Er hat sogar angeblich davon gesprochen, daß ein der- artiger Vorgang In absehbarer Zeit möglicherweise realisierbar sein könne. Die Hypothese der Goldvrldung hat in seinen Augen nichts Abenteuerliches. Seine Versuche, sie zu bestätigen, sind anfangs offenbar scheinbar erfolgreich gewesen und auch bei neueren Ver- suchen hat er das Vorhandensein von Gold im elektrisch behandelten Quecksilber festgestellt. Er deutet aber diese Versuche anders wie wir es wn. Seine Deutung läuft darauf hinaus, daß das beobachtete Gotd aus den Zuführungsdrähten stamme, die goldhaltig seien und aus denen während des Versuchs das Gold in dos Quecksilber gelang«. Osfenbar bezieht sich diese Anschauung nicht nur auf d a s Stück des Drahtes, welches sich während des Versuchs möglicherweise im Queck- silber auflöst, sondern auf den Goldgehalt der gesamten Elektroden. Man müßte also der Vorstellung Raum geben, daß das Gold aus dem Draht unter dem Einfluß des elektrischen Stromes in das Quecksilber wandert. Diese Anschauung, die wir aus unseren Versuchen jedenfalls noch nicht bestätigen können und die etwas physikalisch absolut Neues dar- stellt, bedarf osfenbar noch grundlegender Untersuchungen und Fest- stellungen. Wenn sie sich bewahrhellet, so würde daraus eine Fülle höchst überraschender physikalischer Erkenntnisse sich ergeben. Auch wir werden sie nachzuprüfen suchen, sobald Einzelheiten näher bekannt geworden sind. Außer dieser Haderschen Auffassung sind andere Erklärungs- versuche gegeben worden, unter denen diejenigen als heute schon widerlegt anzusehen sind, die von der Vorstellung ausgehen, daß das bei diesen Versuchen benutzte Quecksilber an sich goldhaltig gewesen sei. Ich steh« daher aus dem Standpunkt, daß die Frage, um die es sich hier dreht, bis jetzt zum mindesten noch nicht klar entschieden worden ist: jedenfalls wird nur durch unsere Hypothese begreiflich, warum bei unseren nach vielen Hunderten zählenden Versuchen unter im Sinne der Haderschen Erklärung gleichen Bedingungen bei be- stimmten Versuchsanordnungen stets negativ« Ergebnisse gezelligt worden sind. Es mag auch in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß diesen Ablehnungen unserer Erklärung auch Bestäti- gungen gegenüberstehen. Ich weise dabei nur auf die höchst bemerkenswerten Arbellen des holländischen Physikers Prof. Smits hin. au» denen hervorgeht, daß durch gleiche Beeindruckungen, wie wir sie vorgenommen haben, au- dem benachbarten Blei sicher Queck- Die Abstimmung wird interessant fem. Als Regierungs- Parteien find die Deutsche und die Bayerische Volkspartei ver- pflichtet, mit Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum zusammen den Mißtrauensantrag abzulehnen. Werden sie sich geschlossen und vollzählig an der Abstimmung beteiligen? Und was werden die Kommunisten tun? Sie, die jeden An- trag schön finden, wenn er ein Mißtrauensantrag ist— werden sie gemeinsam mit dem Grafen Westarp vor die geheiligte Person Seiner Majestät treten? Also mancherlei wird heute entschieden werden. Ob ein Reichsminister der Deutschen Republik Republikaner sein darf. Ob in der Deutschen Republik Majestätsbeleidigung mit sofortiger Dienstentlassung geahndet wird. Ob es Dumm- betten gibt, die die Kommunisten nicht machen. Ob die Regierungsparteien zusammenhalten oder ob Herr Luther. wenn er nach Hause kommt, hier einen noch größeren Kuddel- muddel vorfinden wird als in Gens. Schulz von �einersüorf. Junker und Volksbegehren. Aus Fürstenwalde(Spree) wird uns geschrieben: Im nahen Heinersdorf befindet sich im sogmannten Amtskasten folgender Anschlag: Die Eintragungsfrist für das Volksbegehren, E n t e i g- nung der Fürstenhäuser, läuft vom 4. bis 17. d. Mts. Die Liste liegt In dieser Zeit im Gutsbureau Heinersdorf in dm Dienst- stunden öffentlich aus. Der Gulsvorstand. Schulz von Heinersdorf. In die Liste(ragen sich aar die Wähler ein, welch« für restlose Beraubung der Fürstmhäuser sind. Jeder anständige Deutsche trägt sich nicht ein. Schulz von Heinersdorf. Schulz von Heinersdorf ist ein typischer ostelbischer Groß» grundbesitzer reaktionärster Färbung. Er besitzt zwei Ritter- güter, eines in Heinersdorf, das andere in Bahlendorf. Die Gutsbörigen wissen ein Lied von dem Terror zu singen, der im Machtbereich des Schulz auf sie ausgeübt wird. Daß er sein Amt als Gutsoorlteher mißbraucht, um die Geschäfte der habgierigen Fürsten zu betreiben, liegt klar zutage. Beim zuständigen Landrat in Seelow ist inzwischen Beschwerde eingelegt worden. Und der Bischof. Alle Sabotage- und Terrorversuche der Deutschnastonalen und des Landbundes werden übertroffen durch eine Kund- gebung eines katholischen Prälaten, des Passauer Bischofs Dr. Sigismund Felix Frhr. von O w- F e l d o r f. Diese Kundgebung lautet: .Als berufener Hüter der götllichen Sillengesetze obliegt mir die Pflicht, mll aller Entschiedenheit zu erklärm, daß in der Be- teiligung an diesem Volksbegehren eine Versün- d i g u n g, und zwar, wenn die Betelligung eine überlegte und absicht- liche ist, eine schwere Versündigung gegen das siebente Gebot Gottes gelegen ist. Die Durchführung eines solchen Begehrens wäre der erste Schritt zur Aufhebung des Eigentums überhaupt, und es wäre damit mich der Beraubung der Kirche, kirchlichm Anstalten und THfwngen sowie der willkürlichen Cnteig- mmg sedm Privatbesitzes, insbesondere des Bürgers und Bauern, Tür und Tor geöffnet. Kraft meiner bischöflichen Autorität untersage ich deshalb ausdrücklich jede Beteiligung an diesem Volksbegehren und jede Unterstützung der darauf abzielenden Bestrebungen und er- warte von allen gläubigen Katholiken meines Bistums, daß sie ihre Unterschrist für diese Aktion nicht gebm oder, wenn si« dieselbe un- überlegt gegeben haben, wieder zurückziehen werden." Auch diese Kundgebung wird die große Volksbewegung nicht hemmen. Sie wird höchstens dazu beitragen, die Er- regung in den Kreisen des Zentrums zu steigern. silber entstanden ist. Diese Versuche müßten auch erst widerlegt werden, ehe man sich ein abschließendes Urteil bilden kann. Die Vorstellung, daß unsere Erklärung unwahrscheinlich sei. weil die aufgewandte elektrische Energie zu gering sei, erscheint jedenfalls nickt zwingend begründet. Ebenso ist der Hinweis daraus, daß unsere Ausbeuten zu groß seien, sowie der entgegengesetzte Ein- wand, daß sie zu klein seien, um beweisend zu erschcmen, zum mindesten nicht schlüssig. Gegenüber der Feinheit des Goldnachweises sind unsere Befunde unzweifelhaft genügend groß. Wir sind unserer Sache nach wie vor völlig sicher, besonders auf Grund von Versuchsreihen, deren Ergebnisse wir jüngst ver- öffentlicht haben._ Miethe. ölick in öie Sibliothek. Die schwarzweißroten Schriftsteller haben augenblicklich Hoch- konjunkwr in Äubiläumsartikeln über die Königin Luise. Was bei dieser Gelmenhell an sogenanntem Patriotismus, wie sie ihn auf- fassen, an Sentimentalität und deutscher Schmachunderhebungsmach« produziert wird, kann uns nicht interessieren. Auch wenn ein Blall wie die„Deutsche Zeitung" sich auch mit der„geistigen" Seite der Angelegenhell beschäftigt, dann hat das, bei Gott, Raritäts- wert, der schon Beachtung verdient. In dieser Zeitung erschien am Sontag ein Aufsatz„Die Bibliothek der Königin Luise", Unterzell«:„W as d r e h o h e Frau in deutscher Literatur bevorzugte". Nach der„Deutschen Zeitung" fand man also in ihrem Bücherkatalog: ..... von Ficht- nur die„Grundzüge des gegenwärtigen Zeit- allers"(1806), von Kant nichts, dafür viel Pädagogisches. Frauenzeitschriften und Modejournale wurden gehalten, seit 1868 auch Kotzebues„Freimütiger". Don Lyrikern Halle sie neben den Werken vieler Dichterinnen besonders Bürger, Gegner, Uz, Gersten- berg. Ferner Mathision, Kosegarten, Krummacher, Hebels„Aleman- Nische Gedichte": van Epikern Lafontaine, Spieß. Kotzebue, Agnes van Li.ien, Schöneich, den Homer von Voß. Von den Klasiikern war Klopstock mll mehreren Ausgaben vertreten, auch Kramers Werk über Klopstock war da, Wieland fehlte bezeichnenderweise ganz. Von Herder ist nur„Terpsichare" und„Ädrastea" verzeichnet, von L e s s i ng sehr wenig, von Goethe- und Schilller. ausgaben nur einzelne Bände... Au» der Zeit der Romantik findet sich das Matheft der ,, Jahr- bücher der preußischen Monarchie"(1867) mll den Ge- dichten von Novalis. Von KleisthattedieKönigin nichts außer dem ersten Heft des„Phöbus". Und nun schreibt die„Deutsche Zeitung":„Aus alledem geht hervor, daß die Königin ein graßes literarisches Inter- esse hatte". Können Sie sich«ine Vorstellung machen vom Bildungsgrad des Redakteur», der so etwas schreibt? Ich auch nicht. Schtießlich kann man sich schon einen Menschen mit literatischem Interesse vorstellen ohne Geßner, Uz, Kosegarten, Spieß, Krum- macher und Agnes von Lilien. Untzr Umständen sogar ohne die „Deutsche Zellung". Aber ohne Kant, Goethe und Schiller ist eine solche Illusion unmöglich, es sei denn, daß das persanifizlsrte literarische Interesse eines Snads oder eines Raffke sei. Solch« Bibliotheken einrichten zu können, ist einer Hohenzollernkönigin schon zuzutrauen, wobei denn an Wilhelm» de» Letzten und seiner warum ürucken sie öas nkcht? Ei« geheimnisvoller Glückwunsch Wilhelms des LeHtett« Die deutschnationalen.Lübeckischen Anzeigen" feierten dieser Tage ihr 17Sjähriges Gründungsfest. Die Redaktion hatte aus diesem Anlaß eine Reihe von Persölllichkeiten gebeten, durch kleme Beiträge, Glückwünsche usw. zu ihrem Ruhm etwas beizutragen. unter ihnen auch den ehemaligen Kaiser in Doorn, der sich denn auch beeilte, seine Feder in Bewegung zu setzen. Nun begab sich aber etwas sehr Merkwürdiges: Während die„ß üb eckischen Anzeigen" in ihrer Festrmmmer alle übrigen Beiträge m feierlicher Aufmachung abdruckte, blieb ein einziger ungedruckt, d«r doch offenbar dazu bestimmt war, die Krönung des Ganzen zu bilden. imd da» war— der Beitrag Wilhelm» II.! An der Stell«. an der er Halle abgedruckt werden sollen, stand folgendes zu lesen: Von besonderem Werte ist auch der Eruß, verbunden mit herzlichem Glückwunsch, eines anderen Fürsten, der Gruß Kaiser Wilhelms II., den er uns aus Haus Doarn sandte, denn er erinnert uns an strahlende Zeiten Deutschlands, die auch solche Lübecks waren. Der Gruß Kaiser Wilhelms II. erinnert selbst an die Kaiserbesuche in Lübeck, die stets besondere Festtage für unsere Stadt bedeuteten. Ganz Lübeck fragt setzt nach dem Grund dieser eigenartigen redaktionellen Maßnahme. Unser Parieiblall, der„Dolksbote". nimmt an. der Inhalt der kaiserlichen Zuschrift sei solcher Art ge- wesen, daß sich das deutschnationale Blatt geschämt habe, sie zu veröffentlichen. Die„Anzeigen" haben dieser Annahme bisher nicht widersprochen. Englisihe Staatsaktenveröffentlichung. Deutsche Parallel-Attio«. Das britische Außenministerimn beginnt demnächst mit der Deräffenllichung der brllischen amtlichen Dokumente zum Kriegs- Ursprung 1889—1914. Dabei ist nicht der bisher übliche Weg gewählt worden, den eigenen Briefwechsel unter Verantwortlichkeit des Staatsministeriums zu veröfsenllichen, sondern man hat die Herausgabe der Vortriegsakten zwei hervorragenden u n a b- hängigen Geschichtsschreibern übertragen, Dr. G. P. Gaoch und Dr. Harold Temperley, die völlig freies Derfügungsrecht über dos Dokumentenarchw erhalten haben. Das Werk wird elf Bände umfasien, die annähernd dem Zeitraum und dem Aktenmaterial der Bände 12 bis 37 der großen Akten- Publikation de» deutschen Auswärtigen Amtes entsprechen. Die englische Publikation wird sich aber Insofern von der deutschen unter- scheiden, als sie nicht im eigentlichen Sinne„Erschließung der Archive" zu bezeichnen ist, sondern sich, entsprechend ihrem Haupttitel, besonders mit der Frage der Kriegsursachen beschäftigt. Der elfte Band, der sich mit der Zeit nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand beschästigt, wird im Frühjahr 1926 erscheinen. Dieser Band bildet«ine Parallelerscheinung zu den 1919 vor Beginn der großen Aktenpublikation erschienenen„Deutschen Dokumenten zum Kriegsausbruch" und wird deshalb van großer Bedeutung sein. weil er, wie die deutsche Publikation alles veröffentlichen wird. was über die europäische Loge in den Archiven des britischen Aus- wäriigen Amtes an Material über die Zell vom 28. Juni bis zum 4. August 1914 zu finden war. Es ist auch eine deutsche Ans- gab« des englischen Altenwerkes bereits in Vorbereitung. D»e deutsche Uebersetzung des ersten Bandes ist bereits in Bearbeitung und soll gleichzeitig mit der englischen Ausgab« er- erscheinen, die sich im Druck befindet und unmillelbar nach Ostern 1926 zur Veröffentlichung gelangen wird. Die deutsche Ausgab« führt den ZZtel:„Die Britischen Amtlichen Dokumente zum Kriegs- Ursprung 1889 bis 1614'. Die rumänischen Hachschol-Hokrukreuzler Katzen tt so toll getrieben, daß sogar d i e i e Regierung dagegen vorgehen mußte. Run.streiken" sie in Bukarest. we«balb die Hochickule ge'cklosien wurde; da? gleiche soll für den Streilfall auch in Jassq und Klausenburg geschehen. Gemahlin Lesebedürfnisse gar nicht erinnert sein soll. Und der „Deutschen Zeitung" wollen wir für ihre Veröffentlichung sehr dank- bar sein, weil sie einen setzt wenigstens wissen läßt, wie ihre fürst- lichen Freunde, ganz besonders auch der P r i n z o o n L i o p e, der diesbezügliches bekanntlich neulich leitartikelt«, mit den Geldern, die sie gerne haben möchten,„kulturelle Tradition" aufrechterhalten würden. Aber dies« Gelder kriegen sie nicht. Nach Königl. Sächsischem Befehl wird das Volk jetzt endlich seinen Dreck alleene machen. Das Land wird sauberer dabei werden. Erso. Ueberfiedlung Rudolf v. Labans nach Wkirzburg? Im Rathaus ai Würzburg fand unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Löffler und im Beisein Rudolf v. Labans eine Sitzung stall, um den Plan zu beraten, Laban zu veranlassen, mll seiner ganzen Schule nach Würzburg überzusiedeln und hier ein Zentral- institut für Choreographie und Tanz ins Leben zu rufen. Ein größeres schönes Gelände wurde für diesen Zweck be- reit- von privater Seite zur Verfügung gestellt. Ende April wird Laban mll seinen Schülern Im Stadttheater Würzburg auf Ein- ladung seines Leiters, Heinrich K. Strohm, eine chorische Auf- führung größeren Stils unter Zuhilfenahme der neuen Tapzgruppe � des Stadttheaters veranstalten, um auch hierdurch schau die ge- plante Zusammenarbeit mll dem Stadttheater in die Erscheinung treten zu lasten. Vorher gibt das Stadttheater noch eigene Tanz- Veranstaltungen, die u. a. den„Dämon" von Hindemith und den „Schneemann" von Korngold bringen. Bei dem augenblicklichen Stand der Berhandlungen ist damll zu rechnen, daß der Plan, in Würzburg eine Choreographische Hochschule aufzubauen, schon zum Herbst dieses Lahres verwirklicht werden kann. Die Freiheitsstatue wird nicht modernisiert. Die einfallsreichen New Parker Juweliere, die die Freiheitsgättin im New Porker Hasen mll einer Riesenarmbanduhr ausstallen wollten, haben mit ihren Darschlägen bei den maßgebenden Stellen keine Gegenliebe gesunden. Di« BeHorden in Washington haben zur Begründung ihrer Ablehnung darauf hingewiesen, daß eine riwaige Zulassung der Armbanduhr einen Präzedenzfall schaffen müsse, der unabseh- bare Folgen haben würde. Man erinnert an einen ahnlichen Fall, der sich vor nicht langer Zell in New Pork zugetragen hat. In unmittelbarer Nähe des Rathauses steht das Bild der„Bürger- tugend", dargestellt von einer nach antikem Musler gebildeten Cphebengestalt mll klassischen Kürperlinien. Im vergangenen Winter wurde diese Statu- mehr als einmal respektloserweise mit Reklamen von Fabriken für Pyjamas, Trikotwäsck«, Unterhosen und ähnliche nützlichen Gegenstände beklebt. Dieser Unfug könne sich, so meint die Behörde, bei dem der ganzen Nation steueren Freiheitedenkmal wiederholen, wenn man dem Reklamebedürfnis der amerikanischen Bussineßmen den kleinen Finger reich«. Vortrag Uber Otto Vlx Um IS., abend» 8 Mr. findet in der Ausitelluna der Galerie Neumann& Nierendorf, llfito»- straße 32,«in Vortrag von Dr. Ernkt llobn-Wiener«der Otto Dtx ball. vi« v-leri«) Eosper. Kmiülstendamm 233. eröffnet die ltiötiali rS. auSklellung am 12 Ubr mit einer Schau von Agunreflen und Pastrllei» deutscher und französischer Impressionisten und Expressionisten von W. Liebermanu bi» O. 2)i& Das bsfehte Gebiet km Etat. Anregungen und Beschlüsse im Reichshaushaltausschuh. Die Berawng des Etats des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete, die in der Donnerstagsitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt stattfand, gab dem Genossen Kirschbaum An- laß zu einer längeren Rede, in deren Verlaus er u. a. ausführte: So roeniz angenehm für die sachliche Arbeit der häufige Wechsel der Minister im allgemeinen sei, so könne doch im Fall des Ministeriums für die besetzten Gebiete durch den Abgang des Ministers Frenken und seinen Ersatz durch Minister Marx kein Rächtest festgestellt werden. Die Sozialdemokratie wünsche dringend die Fortsetzung der Politik, die aus eine baldige, re st lose Befreiung der besetzten Gebiete und der Wieoereinbeziehung des Saargebiets in die deutsche Einheit gerichtet sei. Be- schleunigte weitere Verringerung der Besatzung sei notwendig, dabei dürfe man jedoch nicht in den Fehler oersallen, die w e l t p o l i- tische Bedeutung des Vertrags von Locarno aus- schlieglich aus der Perspektive der Garnisonen und der Wohnungsbeschlagnahmen zu sehen. Aufgabe des Ministeriums und des ihm untergeordneten Reichskommifsars für die besetzten Gebiete in Koblenz müsse die innige Fühlungnahme mit der betroffenen Bevölkerung bleiben. Dabei sei aus eine schnellere Erledigung der Anträge aller Art zu drängen, vielleicht unter Nutzbarmachung der durch die Räumung der ersten Zone frei- werdenden Kräfte der Reichsvermögensverwaltung. Zu prüfen fei, ob der Aufbau des Ministeriums organisch ist, und ob nicht eine Ueberlastung der dirigierenden Kräfte bestehe. Die Erwerbslosigkeit im besetzten Gebiet sei größer als im übrigen Deutschland und recht- fettige deshalb besondere Maßnahmen. Der Frage der Ruhr- kämpfer. der Frankenlohnempfänger im besetzten Ge- biet und der Weinbauern müßte von den Parteien und der Regierung größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Wunsch nach Hilfe sei berechtigt und erfüllbar. Vor allem aber müsse man den Zuwendungen an das besetzte Gebiet auf Grund der Besatzung die deprimierende Eigenschaft der Wohltaten nehmen. Gleichzeitig mit dem Etat stand ein Antrag des Ausschusses für die besetzten Gebiete zur Beratung, der verlangt, die Reichsrcgierunz zu ermächtigen, den Gemeinden mit Besatzung auf Ansuchen als- bald zu Lasten der im Reichshaushalt für 1926 für die Unter- stützung des Wohnungsbaues im besetzten Gebiet be- sonders vorgesehenen Mittel darlehnsweise Vorschüsse in Höhe von höchstens bis zu einem Drittel der ihnen nach Genehmi- gung des Rsichshaushalls voraussichtlich etwa zukommenden Beträge zur Verfügung zu stellen, damit sie die Bauvorhaben für Ersatzwohnungen alsbald projektieren und durcharbeiten und im Interesse einer tunlichst sparsamen Bauausführung wie im Interesse der am Bauen beteiligten Handwerker und sonstigen Kreise recht- zeitig im Frühjahr deren Ausführung in Angriff nehmen können. Die Regierung gab zustimmende Erklärungen ab und der Antrag wurde angenommen. hinter öen Kuliffen üer SN. Die Feststellungen des£yemeauss«husses. Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung des F e m e a u s- s ch u f s e s des Landtags erklärte es Zeuge Kriminalkommissar Slumm für w a h r s ch e i n l i ch, daß über Schul; zwischen Schwarzer Reichswehr und Arbeilgebcrverbändea ähnliche Beziehungen be. standen haben wie mit dem Landbund. Auf Fragen des Abg. Riedel(Dem.) bekundet Kriminalkommissar Stumm, daß auch während des Ruhrkampfes von der Firma Stinnes Gelder für die Schwarze Reichs- wehr gegeben wurden, daß ihm aber nicht bekannt fei, ob die Firma Stinnes von der Reichsregierung im Ruhrkompf finanziell unterstützt wurde. Der damalige Stinnes-Direktor Laux ist fest dem 31. Dezember 1923 nicht mehr für die Firma Stinnes tätig und wohnt in Berlin. Laux habe im Polizeipräsidium ausgo- sagt, daß mit Rückücht auf die zugespitzte oolitische Lage und ins- besonders auf die Verhetzung der Aroelterschaft er sich von der Schwarzen Reichswehr Waffen erbeten habe. Er erhielt Maschinenpistolen und«Ine Kiste Eierhandgranaten. Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge, daß die A k t e n d e r w ch w a r- zen Reichswehr nach dem Küstriner Putsch von den Schwarzen- Reichswehr-Leuten in all» Winde verstreut wurden, so daß nur ein kleiner Teil gerettet werden konnte. Der weitaus größte Teil fei schon 1923 vernichtet worden. Vors.: Hat Schulz positiv die Gründung von Londvolkgenossen- schaften vorgenommen oder hat er tatsächlich nur die erwähnten Arbeitskommandos organ'fierl? Zeuge: Ts ist bcft uns die Vermutung aufgelauchk, daß die Landoolkgelloffeaschasten als Sammeibecken für die Schwarze Reichs- wehr dienen follken. Abg. Riedel(Dem.): Ist Ihnen bekannt, daß im Kreise L e b u s die dortigen Londvolkgenoffenschaften noch in letzter Zeit nächtliche Schießübungen veranstalteten? Zeuge: Davon ist mir amtlich nichts bekannt. Weiter teilt -der Zeuge mit, daß ein Leutnant Appel als sehr reger Mit- arbeiter des Schulz bekannt geworden ist und daß in dieser Richtung noch Ermiftlungen gepflogen werden. In der Rachmittagssitzung ergänzt Kriminalkommissar Stumm seine Aussage dahin, daß Walter Stier bei seiner Vernehmung bekundet habe, Schulz habe erklärt, die Sckwarze Reichswehr würde bald legal werden und er, Schulz. Hove 2 Millionen Menschen hinler sich, die in, Zcniralverband der Landarbeiter organisiert seien, und für Stier die Kleiderlieferungen versprochen habe. Die Abgg. Rothe(Dem.) und Riedel(Dem.) nennen darauf eine große Anzahl von Zeugen, die sie zwecks Aufklärung zu laden be- antragen. Es folgt die Vernehmung des Buchhalters May. Er war bei dem Stinnesschen Stanz- und Emailllerwerk beschästigt- und soll Auskunft geben darübe?, ob Schulz durch Lermitllung des damaligen Direktors Laux Gelder von dieser Stinnessirma für politische Zwecke erhalten hat und ob es richtig ist, daß Laux auf Wunsch des Schulz Waffen von der Schwarzen Reichswehr in seinem Zimmer versteckt hat. � Zeuge May erklärt, von all dem nichts zu wissen. Ihm seien nur Verrechnungen mit milirärischen Stellen sür die Gestellung von Gespannen bekannt..___ Abg. Riedel(Dem.): Haben Sie dem Leiter des Sicher» hestsdienstes des Stanzwerks in Küstrin Wiese müller er- zahlt, daß wiederholt Gelder an Schulz ausgezahlt > wden seien? Zeuge May: Renr. Darauf wird der Ehef der Berliner Kriminalpolizei Regierungsdirekkor Dr. Weist als Zeuge vernommen, der Auskunft darüber geben soll» ob Feme- mörder als Funktionäre innerhalb der Schwarzen Reichs- wehr von Jndustrieverbänden, vom Landbund und leitenden Mitgliedern der Arbeitgeberverbände Geld, Waffen und Ausrüstungsgegenstände geliefert erhalten haben. Der Zeuge erklärt, daß er sich nur bis zum Mai 1924 mit Straftaten mit politischem Hintergrund beschäftigt habe, daß er seither nur Straf- taten gemeiner Art bearbeite. Er habe erst kürzlich von seiner be- absichtigten Vernehmung durch diesen Ausschuß erfahren und könne heute noch keine Auskunft geben..#, Der Ausschuß einigt sich dahm. den Zeugen morgen nachmittag -u vernehmen. Außerdem soll er sich zu dem Passus m der D e n k- ichriftdesReichswehrministers äußern, in dem es heißt: Das Reichswehrministerium habe den zuständigsn preußischen Polizeistellen und Ministerien anhcimgestelll. die Arbeits lrupps zu be- l'chfigen, und ein Deaustragter des preußischen Znnenmlnisteriumz, her Leiter der Abteilung I a de, Betllner Polizeipräsidium», habe von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht. Der Ausschuß vertagt sich dann aus Freitag vormittag 10 Uhr. Rem Zortsth Briand hat a V. kch. Genf. 11. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag abend ist die Lage genau so kritisch wie 24 Stunden zuvor. Die Entspannung, die man von der Rückkehr Briands erhofft hatte, ist leider nicht eingetreten. Das ist in dürren Worten die magere und unerfreuliche Bilanz des heutigen Tages. Dabei waren Briand und feine Umgebung zu Beginn des Nachmittags durchaus optimistisch: einer seiner oertrautesten Mitarbeiter begründete diesen Optimismus damit, daß es diesmal gelte, zwischen zwei schroff entgegengesetzten Stand- punkten, dem Schwedens und dem Brasiliens, zu vermitteln. was oft leichter sei als einen einzigen Widersacher zu bekehren. Die für heute nachmittag angesetzte Sitzung des Völkerbundsrats, die erste öffenttich« Ratssitzung der gegenwärttgen Tagung, verlief kurz und ohne jedes Jnteresie. Man wartete ziemlich lange auf den Brasilianer Mello Franca und fing schließlich ohne ihn an. worauf er erschien. Man be- gnügte sich damit, die Berichte der Finanzkommission über die Lage Ungarns und Deutschösterreichs zur Kenntnis zu nehmen lind ihre Beschlüsse gutzuheißen. Jeder dieser Punkte bean- spruchte insgesamt zwei bis drei Minuten, wobei Dethlen. von allen Ralhemitaliedern auch nicht eines Blickes gewürdigt, in seiner Ecke saß und sichtlich froh war, daß er so schnell wieder verschwinden konnte, während der daraufhin an seiner Stelle erscheinende Vertreter Deutschösterreichs, Schüller, herzlich begrüßt wurde. Man hörte und genehmigte außerdem einen Bericht U n d 6 n s über die Irakgrenze. Allgemein verzichtete man auf das Wort, größtenteils auch sogar auf die englische Nebersetzung, um mir schnell fertig zu werden. Die Ratsmit- glieder waren mit anderen Dingen beschäftigt. Gegen US Uhr war die Sitzung beendet und die Rats- Mitglieder begaben sich eine Treppe höher zu dem General- sekretär des Völkerbundes und setzten dort ihre nichtoffiziellen Besprechungen fort. Stunde auf Stunde verging. Gegen US Uhr verließen sie einzeln das Gebäude und ver- weigerten fast fede Auskunft. B a n d e r v e l d e, der als erster fortging, erklärt« lediglich, daß Freitag früh wieder eine.Besprechung der Rheinpaklmächle und am Nachmittag eine neue Ratssitzung fein soll. Briand m a ch t e W i tz e wie immer und verwies für nähere Auskünfte an C h a m b e r l a i n, der aber inzwischen verschwunden war. Allerdings hatte er vorher seinen Pressechef informiert, der sogleich die angelsächsische Presse um sich versammelte. So erfuhr man, daß Chamberlain nach wie vvr die Lage als sehr ernst ansehe, daß man keinerlei Fortschritt gegen- über gestern erzielt habe, daß beide Extreme, Schweden und Brasilien, unentwegt ihren Standpunkt aufrechterhalten hätten. Das bedeutet— darüber muß man sich klar sein— doch insofern eine Verschlechterung der Lage, als die weiteren 24 Stunden, die somit nutzlos verstrichen sind, ge- eignet sind, die allgemeine Nervosität zu steigern, um so mehr, als die Rückkehr Briands nicht die Wirkung erzielt hat, auf die man im Vertrauen auf seine Geschicklichkeit rechnete. Briand selbst trat, nachdem er in sein Hotel zurückgekehrt war, vor französischen Journalisten der Auffassung entgegen, als hätte er ein anderes Ergebnis erwartet und als fei auch er enttäuscht. Er erklärte vielmehr:„So schwierige Probleme kann man doch natürlich nicht gleich in der ersten Sitzung lösen." Wie ernst die Situation ist, geht auch aus den kurzen Worten hervor, die B e n e f ch in tschechischer Sprache jour- nalistischen Landsleuten gegenüber äußerte, als er das Völker- bundspalais verließ:„Wir müssen uns bemühen, den Völker- bund zu retten." Zu Beginn des Nachmittags war der Brasilianer Mello Franca bei Loucheur und Strefemana erschienen, um in längeren Ausführungen den brasilianischen Standpunkt darzulegen. Cr versicherte natürlich, daß seine Regierung, auf Grund deren bestimmter Instruktionen er handeln müsse, mit ihrer Haltung keine deutschen feind- lichen Gefühle zum Ausdruck bringen wolle, daß es sich aber um eine alte Forderung Brasiliens handle, daß er schon 1921 aus dem gleichen Grunde den spanischen Anspruch auf einen permanenten Ratssitz durch fein Veto im Völkerbunds- rat zum Scheitern gebracht hätte usw. Von südamerikanischer Seite wird nun die Version kol- portiert, daß es sich bei dem Vorstoß Mello Francas nicht mn ein egoistisches Ziel Brasiliens handle, sondern um die For- derung eines ständigen Ratssitzes für einen führenden füd- amerikanische Staat, wobei sich die südamerikanischen Re- publiken nach einem bestimmten Turnus ablösen würden. Diese Version, die dahin gedeutet werden könnte, als bereite Brasilien einen Rückzug vor, steht allerdings im Widerspruch zu der Tatsache, daß Mello Franca am Ende der neuen drei- stündigen Aussprache noch ebenso unnachgiebig gewesen ist wie vorher. Sie bietet auch keine Rechtfertigung für die widerspruchsvolle Haltung der brasilianischen Regierung, die im Herbst 1924 auf die Anfrage der Reichsregierunq erklärt hat, sie sei im Prinzip mit der Gewährung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland einverstanden. Rücktritt Mussolinis! Nachfolger Asederzoni. Paris. 11. März.(Eigener Drahtbericht.) Dem.Corner« degli Italiani* wird aus Mailand berichtet, daß unter den Faschisten an- dauernd die. Nachricht umläuft, Mussolini werde zurücktreten und durch den jetzigen Innenminister Feder, oni erseht werden. Mussolini, der jetzt operiert werden soll, werde aus Gesundheits- nicksichten zum Rücktritt gezwungen. Er brauche mehrere Monate Ruhe, um sich von seiner Krankheit zu erholen. Im Hinblick auf diese bevorstehende Wendung hat Federzoni bereits eine Reihe von Reden in den größten Städten Italiens in Aussicht genommen, um überall mit den Faschisten wiederum Fühlung zu nehmen. Der Rück- tritt Mussolinis wäre bereits erfolgt, wenn nicht Farrinacci, der Generalsekretär der Faschistenpartei alles aufböte, um Fedsrzoni nicht Ministerpräsident werden zu lassen. Indessen hat der Feldzug Farrinacci» gegen den Vatikan dem Federzoni stark genützt., Hoffnung. Während des Nachmittags erschienen auch Loucheur und Paul Boacour bei Lukher und Stresemanu, allerdings nur, um einen Höflichkeitsbesuch abzustatten als Erwiderung auf den Besuch von Luther und Stresemanu. Der Bericht des Aufnahmc-Zlnsschusses. Gens. �11. März.(MTB.) Der Bericht des Uifterausschusses der Ausnahmekommission über die Aufnahme Deutschlands, der auf Grund des heutigen Entschlusses der Aufnahmekommisston an die Völkerbundsversammlung weitergeleitet wird, bejaht die üblichen fünf Fragen, die vor dem Eintritt neuer Staaten gestellt werden. Durch Bejahung der Frage 1 wird anerkannt, dag der deutsche Auf- nahmeantrag ordnungsmäßig gestellt wurde. In bezug auf die beiden Unterfragen der Frage ö stützt sich der Bericht auf eine Mit- teilung des ständigen militärischen Ausschusses des Völker- blindes, in der unter dem 9. März erklärt wird, daß die Frage der Streitkräfte Deutschlands zu Lande, zu Wasser und in der Luft durch den Dersailler Vertrag geregelt ist, und daß diese Frage nicht durch den ständigen militärischen Ausschuß geprüft werden muß. Ferner stützt sich der Bericht in diesem Zusammenhang auf ZNilteilung der Boischaflerkonferenz an den Generalsekretär des Völkerbundes über einen am 4. März gefaßten Beschluß. Dieser lautet: .Die Votschasterkonserenz stellt, soweit es sie angeht, fest, daß nach ihrer Kenntnis Deutschland gegenwärtig tatsächliche Garantien für seine aufrichtige Absicht gibt, die Verpflichtungen einzuhalten, die für Deutschland aus dem Friedens- vertrag vom 23. Juni 1919 und den ihm angeschlossenen Akten her- vorgehen. Soweit es insbesondere den Rüstungsstand Deutschlands zu Lande, zu Wasser und in der Luft betrifft, wie er im Friedens- vertrag bestimmt ist, stellt die Botschasterkonserenz fest: Militärische Klauseln: Die Bedingungen, unter denen die Durchführung dieser Klauseln durchgeführt werden muß, haben unter den«nteressierten Signatarmächten den Gegenstand einer Vereinbarung gebildet, die zurzeil auf dem Wege der Durch- sührung sst.(Anlage des Briefes der Votschasterkonserenz an die oeutscbe Regierung vom 16 November 1923.) Maritime Klauseln: Diese Bedingungen sind gegenwärtig durchgeführt und die Schlußberichte der maritimen Kontrollkam- Mission sind dem Völkerbund unter dem Datum des 6. Januar 19Z3 zugestellt worden. Luftfahrtklauseln: Es bleibt nur noch die Ausarbeitung ge- wisser Bestimmungen übrig, die in Zukunft die generelle Veob- achtunq des einschlägigen Kapitels des Friedensvertrages sichern sollen." Angesichts dieser Mitteilungen spricht sich der Bericht für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund entsprechend Artikel 1 des Völkerbundpaktes aus. Lhamberlam uaü Unü6n. V. Sek. Genf, 11. März.(Eigener Drahtbsricht.) In englischen und amerikanischen Iournalistenkreisen wurde behauptet, daß bei den heutigen Besprechungen eine heftige Szene zwischen Chamber- lam und Undön stattgefunden habe, bei der der englische Außen- minister gegen seinen schwedischen Kollegen sehr brüsk vorgegangen sein sollte. Dadurch sah sich Chamberlain veranlaßt, noch gegen Mitternacht die englischen und amerikanischen Journalisten zu sich zu rufen, um senes Gerücht energisch zu dementieren. Er hatte sich als Zeugen linden selbst herbeigeholt, der sein» Darstellung bestätigt«. Erklärungen örkanös. Gens, 11. März.(MTV) Wie der Havasvertreter aus Genf berichtet, hat Briand nach Schluß der inoffiziellen Sitzung des Dölkerbundsrates Pressevertretern gegenüber erklärt: Was das Problem schwierig mache, sei, daß es sich nicht mehr um französisch- deutsche Verhandlungen oder deutsch-alliierte Verhandlungen drehe, sondern, daß von nun ab der Vötterbundsrat selbst sich mit der Lösung der Frage befassen müsse. Die Lage sei dadurch verwickelt worden, aber es habe nicht anders sein können. Gestern hätten die Unterzeichner der Abkomnien von Locarno untereinander verhandelt und noch gewisse Mißverständnisse, die zwischen Frankreich und Deutschland bestanden, beseitigt. Heute, im Völkerbundsrat, habe es sich um etwas anderes gehandelt. Es seien prinzipielle Fragen, die auf dem Spiele ständen: das Statut des Völkerbundsrates selbst und die Frage der Wahlmanbate. Da immer bei dieser Erörterung, zu zehn und nicht zu fünf, gewisse Länder zugegen seien, die dem Abkommen von Locarno nicht bei- getreten seien, sei es ganz natürlich, daß Schwierigkeiten ent- stünden, weil die NichtUnterzeichneten des Locarnoabkommens not- wendige Erwägungen nationaler Interessen oder Erwägungen all- gemeiner Interessen des Völkerbundes selbst zur Geltung zu bringen hätten. Was die Franzosen und die Alliierten betreffe, die die Ab- kommen von Locarno abgeschlossen hätten, so dürften st« nicht vergessen, daß für die Inkraftsetzung dieser Abkommen der Eintritt Deutschlands in de» Völkerbund notwendig sei, und daß alle Bemühungen darauf abzielen müßten, diese Not- wendigkeit mit den berechtigten Bedürfnissen der anderen Mächte, die im Rate vertreten seien, in Einklang zu bringen. In der Sitzung sei man einen Schritt weiter gekommen, nichtsdestoweniger sei die Lage heute abend so, daß es nicht mög- l i ch sei, dieLösung zu sehen, die geeignet wäre, die erforder- liche E i n st i m m i g k e i t zu verwirklichen. Im Laufe de» Sonn- abend werde es möglich sein, in dieser Frage klar zu sehen. SelbstmorA Dr. Karl tzau's! Wien, 11. März.(MTB.) In Tivoli bei Rom hat sich am 6. Februar ein unbekannter etwa 4Sjähriger Mann erschossen. Die römische Polizei nahm von dem unbekannten Toten Finger- abdrücke und sandte diese in alle Well. Das Wiener Sicherheit»- bureau gelangte nun. wie die Korrespondenz Wilhelm erfährt, bei Prüfung der Fingerabdrücke zu der Feststellung, daß der Selbstmörder der frühere Dozent für römisches Recht an der George- Washington-Unioersitvät, der Rechtsanwalt Dr. Karl Hau ist, der vor etwa 26 Jahren unter der Beschuldigung, seine Schwieger- mutter, die verwitwete Frau Geheimrat Dr. Molitor in Baden-Baben erschossen zu haben, zu längerer Zuchthausstrafe in Deutschland verurteill worden war. Dr. Hau war vor kurzem be- gnadigt worden und hatte«in erschütterndes Bild über sein Zucht- hausleben veröfsentlicht. In gewissen„ehrenden Erwähnungen" beut- scher Richter und Staatsanwälte in jenem Buch erblickte die Justiz einen Bruch der„Bewährungsfrist" und er sollt« wieder ver- haftet werden, um den Rest seiner Strafe abzusitzen. Wer als er hier in Berlin verhastet werden sollte, war er verjchwuude». Gewerkschaftsbewegung Der landwirtschaftliche Beamte. Christliche Gewerkschafter gegen Fürstenabfindung. Von den SPD.- Genossen des Kabelwerts und des Transformatorenwertes Oberspree war zur Aufflärung über die Fürstenabfindung eine gut besuchte Versammlung einberufen, in der Genosse Ruben unter dem Beifall der Verfammlung nachwies, wie schon aus wirtschaftlichen Gründen jeder Die Freuden und Leiden eines landwirtschaftlichen Beamten Arbeiter unbedingt alles daran segen müsse, um durch die entwerden uns von einem guten Kenner folgendermaßen geschildert: Schon als ganz junger Mann, wenn er vertrauensvoll und hoff- schädigungslose Enteignung der Fürsten eine weitere Belastung der nungsfreudig in diesen Beruf eintritt, muß er die Leiden desselben Arbeiterkreise zu vermeiden. Es war bemerkenswert, daß ein tennen lernen, in der verschiedensten Art und Weise. Sei es durch Funktionär der christlichen Gewerkschaften, Wilk, in der eine Wohnung primitivster Art, einen Raum, tahl und unfreundlich, Diskussion das Wort ergriff und erklärte, daß die christlichen Arbeiter voll und ganz hinter den Ausführungen des Refeder vor Jahrhunderten einmal getüncht worden ist, mit einem Fenster, an dem man mur eine kleine Scheibe öffnen kann, um Luftrenten ständen. Er schäßte sogar die Zahl der Zentrumswähler, hereinzulassen, ohne Gardinen, enthaltend ein eisernes Bett, einen die für das Boltsbegehren eintreten würden, auf mindestens 30 Prozent. Dies mag der Zentrumsfraktion zu denken geben. Ein um die Fürsten besorgter Oberfaktor. Man schreibt uns: In der Buchdruckerei H. S. Hermann u. Co., Berlin, Beuthstr. 8, war von der Arbeiterschaft ein Blatat angebracht worden, das auf die Einzeichnung für das Volksbegehren zur Fürstenabfindung hinwies. Der Herr Oberfaktor, ein Pole, der wird. wadligen Stuhl, einen aus Brettern zusammengefügten Tisch, manchmal nicht einmal eine Waschgelegenheit, wie es besonders im Often Deutschlands üblich ist, sei es durch grobe, unfreundliche Behandlung seines Chefs, so daß einem jungen Menschenfind der ihm als Landwirt ideal vorschwebende Beruf gleich im Anfang veretelt Der Angestellte muß früh der Erste sein, zwischen 4 und 5 Uhr aufstehen, abends der Lezte, nicht allein an sechs Tagen der Woche, sondern auch am Sonntag. Er merkt infolgedessen wenig oder gar nichts vom Sonntag. Er tann sich weder geistig noch sportlich fortbilden, was eigentlich zu diesem Beruf gehört, ist ihm in den seltensten Fällen gestattet. Dieses Privileg darf nur der Besizer für sich allein haben. Nichtsdestoweniger trägt der Beamte die Berantwortung für den Betrieb des Gutes, erntet aber dafür wenig Dank und noch weniger Lohn. Ein landwirtschaftlicher Beamter befommt trop vielseitiger Kenntnisse und erstklassiger Zeugnisse nur schwer eine andere Stellung. Am schlimmsten ist es aber, wenn der landwirtschaftliche Beamte sich dem fünfzigsten Lebensjahre nähert. Dieses Alter ist in seinem Lebensgang gleichbedeutend mit dem„ Greifenalter", und der unglückliche Mann ist munmehr für sämtliche Großrittergüter und andere Befißer einfach erledigt. Nun mag er sehen wo er bleibt. Ohne Pension ganz feltene Stellen find pensionsberechtigt ohne genügende Mittel, denn bei seinem Beamtengehalt fonnte er feine Schäße sammeln, steht er vor dem Nichts. 3ft er so leichtfertig" gewesen, verheiratet zu sein oder, was noch schlimmer ist, gar Kinder zu haben meist werden ja unverheiratete oder finderlose Beamte gefucht, dann kann er fich mit seinen Angehörigen gleich begraben laffen. Die Kindererziehung eines Beamten auf dem Land in einfamen und abgelegenen Gegenden ist ein Kapitel für sich. Ein landwirtschaftlicher Beamter ist nicht dazu da, dem Vaterlande Kinder au schenken, er hat einzig und allein nur seinem Chef und deffen Kapitalvermehrung zu dienen. Dafür wird er von feinem Chef fürstlich" bezahlt, als Mensch drifter Klaffe behandelt, trotz erft tlassiger Zeugnisse. In den seltensten Fällen wird er einmal im Jahre an den erlauchten Tisch" gebeten. Nach alledem ist jedem jungen Mann abzuraten, diesen Beruf zu ergreifen. Am besten läßt man die Herren Befizer ihren Befiz allein verwalten. Der Staat aber sollte einem tüchtigen Landwirt, ob jung oder alt, die Möglichkeit zur Selbstbewirtschaftung einer eigenen Scholle geben. Streit bei Massary. Wer den DMV. zerstören will, wer die Diktatur Moskaus will, wer die Ohnmacht der Organisation will, der wählt die Opposition der KPD. Wer den DMV. stark und kampffähig will, wer selbst mitentscheiden will, wer dem VBMJ. eine Macht entgegenstellen will, der wählt die Amsterdamer Richtung. sonst recht schläfrig durch die Säle geht, entdeckte das Blafat, riß es herunter und sagte, das sei grober Unfug. Er meinte damit das Plakat, während die Belegschaft dessen Entfernung für groben Unfug hält. Schließlich tragen derartige Vorkommnisse nur dazu bei, die immer noch Lauen aufzurütteln zur Einzeichnung für das Woltsbegehren. Einigung in der deutschen Maßschneiderei. Der am 21. Februar in Leipzig gefällte Schiedsspruch für die Maßschneiderei, durch den das Lohnabkommen und der Manteltarif mit den üblichen Kündigungsfristen verlängert wird, ist von beiden Parteien angenmmen worden. Schiedsspruch für die Provinz- Metallindustrie Bayerns. München, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Die langwierigen Verhandlungen über die Lohn- und Tarifregelung in der bayerischen Provinz- Metallindustrie endeten nunmehr mit einem Schiedsspruch des Landesschlichters für Bayern, der die bisberigen Löhne bis 1. September 1926 beibehält und die Laufbauer des Landesmanteltarifvertrages mit einigen Aenderungen bezüglich der Alfordbemessung um ein Jahr verlängert. Für notleidende Betriebe ist eine besondere Lohnregelung zugelassen. Die Erklärungen der Parteien zum Schiedsspruch stehen noch aus. Demonstrationsstreik der Landarbeiter um Wien. Wien, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Heute wollen die Landarbeiter auf den Gutshöfen des unmittelbar vor den Loren Wien's gelegenen Bezirks Schwechat in einen Demonstrationsstreit eintreten, der so lange dauern soll, als die vom niederösterreichischen Landeshauptmann für Freitag nachmittag angesetzten Verhandlungen zwischen dem Landarbeiterverband und dem Zentralverband der Arbeitgeber dauern. Die Landarbeiter verlangen Lohnerhöhungen und kollektivvertrage liche Sicherung ther Vertrauensmänner. Während ein fleinerer Verband der Großgrundbesizer am Montag bereits die Forderungen im wesentlichen bewilligt hat, wurden sie von dem Zentralverband, dem die Großgrundbesiger in der Wiener Umgebung angehören, abgelehnt, und der Landeshauptmann hat neuerliche Verhandlungen für Freitag einberufen. Um diesen Nachdruck zu verleihen, wurde der Demonſtrationsstreit angekündigt, der sich allerdings nicht auf das Viehwartepersonal erstrecken soll. Die sozialdemokratische Fraktion des Nationalrats unterstützt die Landarbeiter in ihrem Kampf, indem sie erklärt, die Verhandlung der von der Regierung eingebrachten Zollvorlage so lange nicht zuzulassen, als die Forderungen der Landarbeiter nicht erfüllt sind. Zur Betriebssperre bei Huhelmann für organisierte Fleischergefellen erklärt Herr Josef Brzemet, Memeler Str. 30, daß Firma P. Huzelmann bezieht. Er habe seine Ware von er schon seit etwa vier Wochen feine Fleischwaren von der dort bezogen, weil er in dem Betrieb zwei Jahre als Geselle gearbeitet habe, ohne daß ihm in dieser Zeit die gerügten Mißstände begegnet seien. Internationale Konferenz der Rheinschiffer. Mannheim, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Am 11. März trat in Mannheim eine internationale Konferenz des Rheinschiffahrtspersonals zusammen unter Vorsitz von Edo Fimmen- Amsterdam, dem Sekretär des Internationalen Transportarbeiterverbandes. Die Konferenz befaßte fich mit Organisationsfragen und mit den Auswirkungen der Beschlüsse des Internationalen Transport arbeiter- Kongresses in Hamburg und ihrer Behandlung durch das Internationale Arbeitsamt. Eingehende Besprechung erfuhren die ohnbewegungen in der Rheinschiffahrt, die taftische Buche: Sandwerksaefellen und Lehrlinge im Mittelalter" von Alexander Knoll. Haltung der einzelnen Organisationen dazu und die Ergreifung von Maßnahmen zur Durchsehung der Forderungen der Arbeitnehmer. Abends wurde eine internationale Rundgebung veranstaltet, bei der die holländischen, schweize Fimmen Ansprachen hielten und zur internationalen aufforderten. In einer Entschließung wurde gegen die Politit der Arbeitgeber, die einen Abbau der Löhne und Arbeitsbedingungen des Schiffpersonals auf dem Rhein vornehmen wollen, lebhaft protestiert. Die 3igarettenfabrit Massary hat ihren Afford rischen, belgischen und deutschen Organisationsvorsitzenden sowie Edo packerinnen durch Anschlag am schwarzen Brett einen Afford- Solidarität der Verkehrsarbeiter der Binnenschiffahrt abzug von 36 Prozent diftieren wollen, was die Backerinnen entschieden abgelehnt haben. Dieser Abzug würde einen Minderverdienst von über 10 Mart in der Woche bedeuten. Die Berhandlungen zwischen den Organisationen und der Firma führten zu feinem Ergebnis. Die Firma erklärte sich groß müfig bereit, einhalb Prozent weniger abziehen zu wollen, also statt 36 Broz. nur 35 ½ Pro 3. Dieses Zugeständnis" war natürlich für die Baderinnen unannehmbar, so daß sie mit Buftimmung der Organisation den Streit beschlossen. Da eine Weiterführung des Betriebes ohne Pacerinnen faum möglich ist, wird aller Voraussicht nach heute der gesamte Betrieb still gelegt werden. Ob die Firma bei dem guten Organisationsver. hältnis der Belegschaft mit ihren Lohnabbaumethoden Erfolg haben wird, ist start zu bezweifeln. Die organisierten Arbeiter werden auf die Differenzen bei der Firma Massarn hingewiesen und aufgefordert, teine Arbeit bort anzunehmen. Frische Blumen Leipziger Platz Blühende Krokus... Topf 30 Pf. Blühende Primeln... 1opt 55 Pt. Blühende Hyazinthen Topt 58Pt. Araukarien...... Topt von 225 an Phönix- Palmen 90cm 5 M 1650 Obstbäume und Rosen hoch Die Einheitsfront der Eisenbahner erstarkt. hauptversammlung der sächsischen Magazinbeamten bei der Dresden, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) In der Jahres Deutschen Reichsbahngesellschaft, zu der auch freigewertichaftliche Bertreter geladen waren, wurde mit 28 gegen 10 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen der Anioluß der fächsischen Magazinbeamten an den Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands beschlossen. Der bis. bestimmungen mit 28 gegen 2 Stimmen aufgelöst. Zum Schluß berige Landesverein wurde entsprechend den Satzungswurde von dem Veriammlungsleiter der Bunich ausgesprochen, daß im Intereffe der Geschlossenheit auch die in der Minderheit gebliebenen Kollegen restlos dem Einheitsverband beitreten mögen. Freie Gewerkschaftsingenb. Heute, Freitag, tagen die Gruppen: Sermann. plak: Jugendheim Sanderstr. 11, Ede Sobrechtstraße. Wir Tefen aus dem Bedding: Jugendheim Stadtbad Wedding, Gerichtstr. 65/69. Bortrag: Die Binche der proletarischen Jugend". Jugendgruppe bes 8b. Heute, Freitag, 716 Uhr: Gruppe Often: Jugendheim Große Frankfurter Str. 16, Rimmer 6. Staat und Arbeiterbewegung." Ref.: Bamm. Gruppe Süboft: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Die deutsche Revolution 1848." Gruppe Südwest: Jugendheim Belle- AllianceStraße 7/10. Werden und Bergehen im Weltall." Ref.: Schmaus. Gruppe Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Minna von Barnhelm." Achtung, Buchbender! Die Berfammlung des Bezirks 8( Neuköln) findet nicht im Restaurant Rarlsgarten, fondern in der Anzeumsaula Neukölln, Ber Iiner Str. 9/10, statt. Tag und Stunde bleiben gleich. Der Vorstand. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Buger. Sonntag, 14. März, vor mittags 10 Uhr, Mitgliederversammlung im Saal 4 bes Gewerkschaftshauses. Jahresbericht; Neuwahl der Gruppenleitung: Fachangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Die Fachgruppenleitung. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Dienstag, 16. März, 5 Uhr. bei Betfch. Landsberger Str. 31, Mitgliederversammlung. Bericht der Seiztechnischen Rommiffion. Stellungnahme zum Lohnablommen. Erscheinen aller Kollegen notwendig. Die Fachgruppenleitung. Berantwortlich für Politit: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales und Conftines: Fris Raritädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Paul Singer. Co. Berlin G 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Wiffen", Berlaa: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Mujifaufträge A.WERTHEIM Leipziger Platz Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Billige Lebensmittel Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Landleberwurst u. Rotwart Pfund 15 Rosenthaler Str. Königstraße Moritzplatz: Mettwurst grobe, u.gefüllt, 1.30 Zervelat u. Salami Pid 1.80 Schinken, Plund Fleisch- u.Jagdwurst Pid. 1.45 Schinkenspeck Ptd.- Stück 1.90 Filetwurst.... Pfund 1.55 Mettwurst( Braunschweiger 1.55 F.Leber- u.Bierwurst Pid. 1.65 Art... Dampf- u. Landieberw.pid 1.00 Speck- u. Fleischw. PI 1.05 Tee- u. Schinkenw. P. 1.70 Auszugmehl 5 Pfund- Beutel 120 Weiße Bohnen.. Pfund 0.13 Viktoria- Erbsen..Plund 0.19 Linsen gut kochend, Plund 0.19 Eiermakkaroni Bruch, Pid. 0.45 0.55 Borke- Schokolade Kart: 0.30 Schokolade Vollmild- Rels 0.38 100 Gr.- Tafel Tafelreis..... Plund 0.19 Haferflocken.... Pfund 0.23 Weizengrieß.... Plund 0.25 Kaliforn. Backobst Pid. 0.58 Schokolade Schweiz. Milch 0.48 Teegebäck... Pfund 1.40 Konserven Dose 1/1 Brech- u. Schnittbohn. I 0.68 Gemüse- Erbsen.... 0.53 Junge Erbsen mittelfein 0.78 fein,/ Dose 1.30 sehr fein 1.60 Kaiserschoten...... 1.95 Leipziger Allerlei.... 0.80 Gemischtes Gemüse fein 1.50 Gem. Gemüse sehr fein 1.95 St.- Spargel 50/ 602.15 extra 2.90 ( Tobler), 100Gr. Dose Kürbis 0.65 Apfelmus 0.55 Preiselbeeren... 0.85 Kirschen rot..... 1.25 Aprikosen halbe Frucht 1.50 Senfgurken 2- Liter- Dose 2.30 Oelsardinen portug.. Klubd. 0.45 Erdbeer- u. AprikosenKonfitüre 2- Plund- Elmer 1.15 Pflaumen- Konfitüre Ptd 0.82 Frisches Fleisch Rinderkamm Brust u. Querrippe 64 PL Schmorfleisch mit Knochen.... Pfund 85 PL Kalbskamm u. Brust... Pfund 63 PL. Kalbskeule u. Rücken Pid. 80 PL. geteilt, u. Rücken Schweinebauch mit Bellage.... Pfand 105 Liesen Pid 90 PL. Gehacktes Pid. 70 PL Kaßler Rippspeer u. Kamm Pfund 125 Pland 48 PL .... Pfund 98 Pf. 110 Rinderkamm u. Brust defroren Gänse gefroren.. Suppenhühner frisch geschl Frische Eier.... Pfand 1.55 finnische 92PL Ptund 10 Stück 95 PL Grüne Heringe 5 Pid 55 Pl. Dorsche ohne Kopf, Pid. 0.14 Schellfische, Kabeljau ganze Fische, Pfund 0.32 Zander Pfund 0.88 Lebende Hechte Pfund 1.05 Pfd. Lachsheringe große Stück 0.18 kleine, 0.45 Bücklinge große, Plund 0.23 geräuch. pomm. Flundern Pfund 0.42 geräuchert, in Rotbarse Sicken, Plund 0.55 Rotbarse Stucken, Pfund 0.55 übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch Sämereien Blumen- und Gemüsesamen Gladiolen Gladiolen Päckchen von 8 Pt. an 10 Stück 80 Pt. • 10 Stück 1M Begonien einfach 10 Stick 140 Begonien gefüllt 10 Stück 160 Goudakäse Camembert vollett Schachtel 0.25 Quadratkäse... Pfund 0.30 Edamer..... Plund 0.88 Tilsiter Pfd. 0.75 1.20 Schweizer dänisch. Pfund 1.20 volifett Piund dän. u. Allgäuer 65 Pl. Plund 0.56 Stangenkäse, Pfd. Margarine Speisetalg 1 Pfund- Paket 0.58 Kokosfett 1 Piund- Tafel 0.68 Butter Pfd.- Paket 0.94 1.00 Tatelbutter... Pfund 2.05 Gratis- Proben von Blauband- Margarins Diz. 0.58 0.78 Blut- Orangen ist 100 Stück 1250 4. Apfelsinen D. 0.48 0.58 0.78 Renetten graue Plund 0.25 Kaliforn.Aepfel.. Pfund 0.50 Feigen Körbchen ca. 1% Pfd. 0.60 Gebrannter Kaffee elgene Rösterel WatsWirsing 0.08 Rotkohl 0.09 Sellerie · Plund 0,09 0,16 Schwarzwurzeln. Plund 0.30 Malta- Kartoffeln 2 Pfund 0.35 Konsum 2.40 Haushalt 2.80 Plund Piund Spezial- Mischung 20% Bohnenkaffee Pid. 0.76 40% Pid 1.20 Wein Preise für Flasche einschließlich Stener ohne Glas 1924 Wellensteiner Berg, pikanter Bowlenmosel 0,80 1923AlsheimerGoldberg, mild und blumig 0.90 1922 Trittenheimer Saarley Heblicher 1.25 Mittelmosel 1922 Deidesheimer feinblumiger Pfälzer 1.25 San Antonio milder span. 1.10 Rotwein 1922 Château Renouilbeer-, Lamarque eleg.Bordeaux 1.75 Feiner Fruchtwein JohannisStachelbeer-, Kirsch- und Heidelbeerwein, Cyder 1.00 Fruchtschaumwein vorzügl. Qual., einschl. PL 1.35 ,, Edler von Lorch" feiner Tafellikör 4.00 Jeden Freitag u. Sonnabend Stoff- Reste u. Abschnitte billiger Verkauf Nr. rn ♦»z.�ahrgaag 1. Heilage des Vorwärts Kunst- unö Schulüebatten im Rathaus Di« Berliner Stadtverordnetenversammlung hotte gestern eine lange Sitzung, die reich an Erörterungen von Kulturfragen war. In dem Streit um die Kunstausstellung auf dem Wedding war der Deutschen Bolkspartei die Rolle einer Hüterin der Unkultur zugefallen. Ihren Versuch, die Aus. stellung als verhetzend zu denunzieren und den Magistrat gegen das Bezirlsamt Wedding aufzuhetzen, wies Genosse Flatau nach- drücklich zurück. In der Begründung einer sozialdemokratischen Anfrage wegen der Nichtbestätigung des Genossen Dr. Reiter, den das Bezirksamt Kreuzberg zum Direktor der Arndt- Realschule gewählt hatte, rechnete Genosse Dr. Witte mit dem Stadtrat Benecke ab. Herr Ben« ck e. der jetzt leider das Amt des Stadtschulrats als Platzhalter verwaltet, mühte sich erfolg» los, sich und den Magistrat zu verteidigen. Zu der aus dem Ausschuß zurückkommenden Borlage über die Schaffung eines Stadt- amtss für Leibesübungen begründete Genosse Dr. Loh- mann die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion, die für die Förderung der Leibesübungen jederzeit eingetreten ist. Den Kom- munisten S e l l h e i m, der sich in sinnlosen Angriffen erging, fer» tigte unser Genosse Dr. Kawerau ob. E» soll noch eine dritte Lesung stattfinden. « ?n der gestern abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung ver- las der Vorsteher, Genosse Haß, zunächst eine Vorlage des Magistrats zur Kenntnisnahme, in der der Magistrat mitteilt, daß er allen Beschlüssen, die am vorigen Donnerstag in bezug auf die Durchführung des Volksbegehrens gefaßt wurden, beigetreten sei. Damit hat der Magistrat den Bemängelungen der Linksparteien an den Anordnungen und Unterlassungen des deutschnationalen Wahlleiters. Dr. Richter, stattgegeben. Bon unserer Fraktion ist folgender Dringlich. keitsantrag eingebracht: „Der Magistrat hat laut Zeitungsnachrichten zum Vertreter der Stadt Berlin� für den R« i ch s r a t Herrn Bürgermeister Dr. Scholtz gewählt. Diese Wahl in eine politisch« Körperschaft widerspricht der Ansicht der in ihrer überwiegenden Mehrheit republikanisch gesinnten Bevölkerung Berlins. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, diese Wahl so bald als möglich rückgängig zu machen." Die Rechte widersprach der Dringlichkeit, so daß der Antrag erst in einer der nächsten Sitzungen oerhandelt werden kann.— Zur Behandlung stand dann zunächst«in« Anfrage der sozial» demokratischen Frattion wegen der N i ch t b e st ö t i g u n g des Studienrates D r. Reiter als Direktor der Arndtrealschule. Genosse Dr. Wille zerpflückte die Angriffe, die seinerzeit gegen Dr. Retter von einem Teil der Rechtspresse vorgebracht wurden. Es ist festgestellt worden, daß diese Angriffe von dem Vorsitzenden des Elternbeirats der Arndtschule aus- gingen, und dieser Vorsitzende hat später zu Protokoll erklärt, daß er die Behauptung gegen Dr. Reiter nicht aufrecht- erhalten könne. Der Magistrat hat. aller bisherigen Uebung zuwider, ohne das zuständig« Bezirksamt Kreuzberg nach seiner Ktdlung� zu befragen oder zu benachrichtigen, dem Minister für Künst, Wissenjchast und Volksbildung die Nichtbestätlgung empfohlen. Rad) den Ausführungen des Genossen Dr. Witte hat der oolksparteilich« Stadtschul rat Benecke eine merkwürdige Rolle m der Angelegenheit gespielt. Jedenfalls steht ' unsere Fraktion auf dem Standpunkt, daß der Magistrat sofort die B« st 2 t i g u n g beantragen müsse.— Als Sprecher des Magistrats konnte Stadtschulrot V«necke nicht überzeugen. Nach längerer Aus» spräche war die Anfrag« erledigt.— Die Deutsche Bolkspartei hatte entdeckt, daß die vom Vezlrksaml weddlng veranstallele Sunstausstellung sin der Künstler wie Kollwitz, Baluschek, Groß, Dix u. a. die Schilderer des Großstadtelends, ausgestellt haben), geeignet sei, „dieBeoölkerungzuverhetzen". Der Magistrat wird ge- fragt, ob er ähnliche Ausstellungen in Zukunft zu verhindern gedenke. Aus der Begründung des Volksparteilers Dr. Eafparl war zu ent° nehmen, daß ihn die ausgestellten Elendsbilder geärgert haben. Er war so gnädig, den Künstlern die Auswahl ihrer Darstellungs- gegenstände nicht übelzunehmen, vom Volksbildungsomt aber ver- langte er eine andere Betätigung als die Betreibung der„Volks- Verhetzung". Der Oberbürgermeister meinte, daß nach der Qualität der ausstellenden Künstler auch auf die künstlerische Qualität der Bilder und damit der Ausstellung selbst geschlossen werden könne. Auf jeden Fall ist es schwer, in öffentlichen Körperschaften über Kunstfragen zu debattieren. Im Namen unserer Fraktion hielt Genosse Alalau der anfragenden Volkspartei und im besonderen ihrem Herrn Dr. Caspar! den Spiegel vor. Es komme Ihm so vor, als ob Herr Dr. Cafpari der Sachverständige seiner Fraktion für Kunst moral und sittliche Entrüstung sei. Für uns ist es allerdings verständlich, daß der Fraktion der hundertprozentigen Reserveossiziere das, was ausgestellt war, unan- genehm in Erinnerung ist. Die Bilder von den Kriegsgreueln, vom Schlemmerleben der Etappenoffiziere, sind zwar von einer der Rechten unangenehmen Tendenz, ober die Volkspartei wird sich das schon gefallen lassen müssen. Dr. Caspari hat nicht mit einem Wort eine Kritik der ausgestellten Bilder versucht, dazu fehlt chm offenbar das Verständnis, sondern er hat in einseitiger Weise dem Voltsbildungsamt Wcdding die Absicht der Verhetzung unterstellt. Im gewöhnlichen Leben nennt man das Demo» g o g i e..Am 1k. Februar schrieb«ine Zeitung, die allerdings nicht zu den in der Ausstellung ausgelegten gehörte(Dr. Caspar! nannte die angeblich ausgelegten Zettungen der linken Parteien„schlechte" Blätter!):„3)ie auf idealistischer Basis aufgebaute Ausstellung ist ein Stuck lebendiger Kunst- g e s ch i ch t e____ I* Diese Zeitung war der— Lokal-Anzeiger.(Große Heiterkeit.) Ich frage Herrn Caspari, rief Genosse F l a t a«, ob der Lokal-Anzeiaer auch ein.schlechtes Blatt" � war, als er vor zwei Jahren die mehr als mangelhafte Amtsführung des damaligen Vorstehers Dr. Caspari guthieß. Im Schäneberger Rat- haus sind von dem dortigen doutschnationalen Bürger- meister schon eine ganze Anzahl von Kunstaussiellungen eröffnet worden, die die gleichen Bilder hatten als die auf dem Wedding gezeigten. Die Anfrage der Doiksparteiler hat keinen anderen Zweck, als in demagogischer, oerhetzender Weise da» Bezirksamt Wedding anzugreifen. Der volksparteilichen Fraktion riet Genosse Flatau, nach den Erfahrungen, die sie mit ihren bisherigen Sprechern und Führern gemacht habe, sich endlich einmal mtt der Wahrung ihres Ansehens zu befasien.(Lebhafter Beifall.) Nach weiteren Ausführungen der Stadtverordneten Hoff- mann-Gewinner(KPD.), und nachdem Stadtverordneter Dr. Caspari in ziemlich erregter Form bewiesen hatte, daß die Aus- führungen Flataus gesessen haben, war die Anfrage erledigt.— Die Versammlung wandte sich dann der Beratung der Vorlage be- treffend die Bildung eines Siadkamtes für Leibesübungen zu. Nach den Beschlüssen des Ausschusses sollen dem Stadtamt auch das Schulturnen und wettere Gebiete der Schultörpererziehung an- gegliedert werden. Genosse Dr. Lohmann: Bei der Frage der Bildung eines Stadtamtes für Leibesübungen mußte die sozialdemokratische Fraktion das FL r- und Wider sorgsam abwägen. Den. Sozial- demokraten ist dafür mongelhoste Förderung des Sportes und der Leibesübungen vorgeworfen worden, obwohl wir die einzig« Partei waren, Jue bei der Beratung des vorjährigen Etats die Schaffung eines Stadtamtes für Leibesübungen forderte. Wir er- beben fetzt aber Protest dagegen, daß man das Stadtamt mtt allerlei Aufgaben b e l a st e n will, die ihm nicht zukommen. Das Schul- turnen und das medizinisch« Bäderwesen gehört seiner ursprünglichen Bedeutung nach nicht in dieses Amt. Wir haben ein ausgezeichnetes Gesundheitsamt, dem wir seine Zuständigkeiten nicht nehmen wollen, und wir können auch die Erziehungsaufgabev der Schule nicht durchlöchern. Das ist auch die Stellung der berufenen Vertreter des Arbeitersports, die Loh- mann ausdrücklich mit der Abgabe einer dahingehenden Erklärung beauftragt haben. Jahrelang kämpft die Sozialdemokratie um das Stadtamt, und jetzt hat es den Anschein, als solle man wieder von vorn beginnen. Die Sozialdemokraten sind wohl für ein Stccktamt m(vnkel Moses. Roman von Schalom Asch. Mascha irni» Charlie gingen von cmem Zauberpalast zum andern. Ihnen erschlossen sich die Geheimnisse Indiens, die Mysterien Aegyptens und die verborgenen Kräfte des weiten Zauberlandes Arabien. Sie glaubten, in der Zeit der Märchen von Tausendundeiner Nacht zu leben, da der Seeweg nach Indien noch nicht gefunden war, sie meinten, in den Zauber- ländern des alten Orients zu sein. Sie sahen die Tempel von China, die Tänze Indiens, und indische Prinzen weissagten ihnen ihre Zukunft, die Alodins aus Arabien«rgötzten sie mit ihren Zauberkünsten. Ueberall herrscht« die Pracht und der Glanz des geheimnisvollen alten Orients. Als sie die ZauberpalSste verließen, waren beide wie betäubt. Sie setzten sich auf zwei Pferde, die mit reichgestickten Mänteln bekleidet waren, wie die Rosse arabischer Scheichs. Große Edelsteine, helle Brillan- ten, rote Rubine, grüne Smaragde, blaue Saphire, von gefangenen Prinzessinnen und in der Schlacht gefallenen Kalifen erbeutet, waren auf die Manteldecken der Tiere auf- genäht. Die Pferde entstammten der edlen arabischen Rasse, der Bröl ein wehte aus ihren bebenden Nüstern, und Schaum lag auf ihren feingeschnittenen Mäulern. Ein Prinz und eine Prinzessin saßen Hand in Hand auf hen Rossen, Mascha und Charlie, und vor ihnen saßen andere Prinzen und Prinzes- sinnen: aber in dem reichgeschnitzten Wagen saßen sein« Königs- kinder und trieben die Pferde an. So sagte eines dem anderen nach, und dach konnte keines dos andere erreichen. Wohin reiten die Prinzen? Ins Traumland, in die ewige Freude, in die Jugend. Eine Minute dauert der Ritt. Die Pferde sind aus Holz, der Weg ein Kreis. Doch was macht das? Die Wirklichkeit dauert eine Minute, doch ewig ist der Traum. Und dann sitzen Mascha und Charlie in der Schaukel. Sie erhebt sich in die Lüfte, hoch und höher. Der weite Himmel enthüllt sich ihnen, und Coney Island mit seinen Millionen Menschen und das Meer von Wasser- und Menschenwogen siegt zu ihren Füßen. Sie steigen hoch empor— plötzlich fallen sie jäh in ein tiefes Tal kopfüber in einen Abgrund, Wasser zu ihren Füßen, den Tod vor Augen. Doch wieder schweben sie in die Höhe, doch, höher, vergessen das Leben, vergessen die Welt. Betäubt von solchem Zauberwesen, schweben sie auf ein- mal ig gelb-violetten Wottep« welche die Wunderstadt ein- I hüllen, daß sie aussieht wie ein phantastischer Traum. Coney i Island ist zu einem Flammenmeer geworden. Lichtströme stürzen aus den Häusern, aus den Türmen, von den Dächern. Lichträder kreisen über den Türmen, jagen aus den Häusern hervor, schweben in der Luft: über der Welt scheint der Himmel näher herangerückt, das Licht der Sterne, der Pla- neten und Kometen näher gekommen zu sein. Coney Island hat sich in einen Traum, in eine Märchenstadt verwandelt. die aus den Kinderbüchern aufgestiegen ist. Die Kinderjahre sind wieder auferstanden, und alles ist wahr geworden. Alle Kindergeschichten haben sich als richtig erwiesen. Und die Menschen, die erwachsenen Menschen leben das Leben der Kinder, haben eine Kinderstadt aus den Märchenbüchern be- lebt und leben in ihr. Ueber Coney Island hängt rötsich- goldener Nebel, und alles schwebt in ihm. schwankt wie trunken hin und her, in der Betäubung des Traumes. Aus den Läden dringen Ströme von Licht, rote und gelbe. Die Läden sehen aus wie große Kinderhäuschen, und vor ihnen stehen große geschnitzte Puppen, halten Trom- peten in den Händen und blasen darauf. Eine große Puppen- dame, wie eine Königin in Gold und Silber gekleidet, steht vor der Puppenmusit und schlägt den Takt. Andere Puppen sitzen auf Puppenpferden und reiten, zwischen ihnen jagen Menschen hin und her. Die Menschen sehen aus wie Puppen, schwanken von einem hellerleuchteten Laden.zum anderen, nehmen sich dort, was sie wollen, essen, trinken, spielen, tanzen — das Licht strömt immer weiter auf die Straße, sie ist voll Licht, alles kommt in Bewegung, schwankt: es ist, als ob die Kinderwell zum Leben erwacht wäre, die Zauberwelt der Kinderjahre. Alles, alles, die ganze Well ist wieder Kind geworden— großes Kind. Wir alle spielen wie Kinder, haben uns wiedergefunden in der Kinderwelt, die Coney Island heißt. Als Mascha und Charlie im Omnibus saßen und heim- fuhren, erwachten sie erst allmählich aus dem Traum, in dem sie gelebt hatten, und erschienen sich wieder fremd. Mascha hatte dos Gefühl, als hätte ihr jemand eine Schlinge um den .Hals gelegt. Charlie schien es, als habe er den ganzen Tag Unsinn geredet. Wozu? Wofür? Und doch fühlten beide, daß sie etwas zusammen erlebt hatten, etwas, was sie für einen Augenblick einander sehr nahegebracht hatte und nicht mehr ausgelöscht werden konnte— die Erinnerung an einen an- genehmen Traum durchschwebte ihren müden Geist. Sie und alle Passagiere im Wagen warfen einen letzten Blick auf Coney Island. Bon weitem sah die Insel wie eine merk- würdig« Naturerscheinung, wie ein Wunder aus. Hohe, Jeettag, 12. NSrz 7926 für Leibesübungen, aber sie wollen es nicht mit Aufgaben belasten, die es seinem eigenttiche» Arbeitsgebiet entfremden würden. Ge- nosse L o h m a n n brachte eine Reihe Abänderungsantrage im Sinne seiner Ausführungen ein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.)-- Der Kommunist Sellheim gebärdet« sich entsetzlich arbeitersport- freundlich und rempelte zum Gaudium der Rechten die Sozialdemo- traten an. Nach ihm brachte der Demokrat Zobel ebenfalls einige Abänderungsanträge ein.— Stadtmedizinalrat Dr. Drigalski ver- teidigte gegenüber Angriffen die Schl-ehung der Flußbadeansialtcn. Die Schließung sei durch Verschmutzung der Flußläuse begründet. Genosse Kawerau betonte gegenüber den Kommunisten, daß die SPD. niemals ein Stadtamt für Leibesübungen grundsätzlich abgelehnt habe. Wenn sich die Arbeitersportler nach einem Jahre die Funktionen des nach den Wünschen der Kommunisten ein- gerichteten und arbeitenden Stadtamtes bei Lichte besehen werden, wird Ihre Freude nicht gerade groß sein. Es wird vieles anders werden, als man jetzt erwartet, und es kann leicht ein großer Katzen- jammer kommen. Die Sozialdemokratie sieht diese angedeutete Ent- wicklung voraus, während sich Sellheim und die Kommunisten ledig- lich von agitatorischen Gesichtspunkten leiten lassen.—> Bei den nun folgenden Abstimmungen wurden die T n r n � hallen und die Schwimmbäder aus dem Bereich des Stadt- amtes herausgenommen, während Freibäder und Außen- spiel- und Sportplätze darin oerbleiben. Angenommen wurde ferner ein Antrag, die städttschen Anstalten während der Zeiten dem Stadtamt zur Verfügung zu stellen, in denen sie nicht vom Publikum benutzt werden. In die Verwaltung des S t a d t a m t e s sollen auch Vertreter der Arbeitersport- organisationen aufgenommen werden. Nach der Annahme dieser Bestimmung erklärte Zobel(Dem.) vor der Abstimmung über die Gesamtsatzungen, daß seine Freunde nunmehr kein I n t e r- esse mehr an einem solchen Stadtamt hätten: ss« be� antragten ein« dritte Lesung. Obwohl darauf das Gesamt- statut von Sozialdemokraten und Kommunisten ange- n o m m e n wurde und damit das Stadtamt gesichert war. stimmten die Kommunisten unter der glorreichen Führung ihres Herrn GoßmitderRechtenfürdiedritteLesung Wenn die Sportler und die arbeitende Bevölkerung nun wieder noch eine geraume Zeit ans das Stadtamt warten müssen, so können sie sich bei den.einzigen Arbeitersportfreunden", desi Kommunisten, dedanken. Wer weiß, wie die Anträge aus- sehen werden, die jetzt von den bürgerlichen Parteien gestellt wer- den? Das Ganze nennen die Kommunisten„Förderung der Leibes« Übungen— Hilfe für den Arbeitersport?" Ter neue Bothmer-Prozeß. Im Laufe der gestrigen'Verhandlung kam es, als der Zeug«, Landgerichtsrat llngewitter, vernommen werden sollte, warum er die Tochter Rleks, Frau Jahns, in Polen nicht vernommen babe, zu sehr erregten Zusmvmenstößen. Staatsanwalt Gerlach:„Die An- geklagt« hat fa alles getan, um di« Vernehmung der Frau Jahns z« verhindern." Angeflcigte(auf den Tisch schlagend, erregt):„Das Ist eine Lüge!" Staatsanwalt:„Wenn ein« Arbeiterfrau sich so benehmen würde, so würde ich eine Ordnung? st rase be- antragen. Bei Ihnen verzichte ich." R.-A. Bahn:„Das ist s a die krasseste Klassenpolitik. Der Herr Tlaotsanwolt unterscheidet also bei den Angeklagten zwischen Arbetterfrauen und Gräfinnen. Offenbar will man bei der Gräfin die Behandlung wieder zur Anwendung bringen, die in der ersten Instanz bereits beliebt war." Ueber das Gesamtergebnis des gestrigen Tages ist folgende«'� mitzuteilen. Der Antrag der Verteidigung, den Lorsitzenden, Landgerichts- direktor Dr. Westerkamp, als besangen anzusehen, wurde abge- lehnt. Die Anklage wirft Frau Bothmer vier Betrugs sä ll« vor, begangen an dem Landrat Riek in Reppen, Rechtsanwalt Kümpf-Charlottenburg, Notar Beuthner-Berlin, dem Präsidenten Riek, und an der Frau Regierungsrat Meyer-Nowawes. Von diesen Personen hat sich die Gräfin auf einen gefälschten?Jrief der ver- storbenen Präsidentin Riek größere Summen verschafft. Unter anderem hat die Angeklagte sich für einen Grabstein der Präsidentin Geld verschafft, die erhaltene Summe von 4Ül> M. aber für sich verwandt. Bei der Vernehmung gibt Frau Bothmer zu, die Unter- schrist der katholischen Krankenschwester Hronima selbst geschrieben zu haben. Im Laufe des Rachmittags wurde Frau Landrat Jahns, eine Tochter des Präsidenten Riek, die sich zurzeit in Polen aufhält, flammende Türme ragten einer neben dem anderen in die Höhe. Feuerspeiende Räder kreisten in der Luft und schweb» ten auf wunderbare Weise im Raum. Stolz und eigenartig schön, als wären sie nicht von dieser Welt, ragten die flammenden Türme über den flammendes Häusern empor, wie Türme helliger Göttertempel, die vom Himmel gefallen sind. Die Räder m der Luft der hellen Gassen, die flammenden Spitzen der Türme sahen aus wie Stätten der Götter, wie ein Mekka, wie ein Jerusalem. Ihr majestätischer, wundervoll-hciliger Glanz zog mächtig an, und jedermann segnete in seinem Herzen die heilige Wunderstadt Coney Island, dankte der heiligen Wimderstadt, die Millionen Menschen Freude, Sesigkeit und Spiel bringt... 11. Die Braut sagt nein. Maschas Eltern waren bereits unruhig, daß Mascha von ihrem Ausflug nach Coney Island noch nicht zurückgekehrt war. Es war schon spät, der Tisch zum Abendessen gedeckt. Die geschlissenen Gläser, welche Aarons Frau zum Schmuck der Wohnung gekauft hatte, seit es ihr gut ging, funkellcn im Glasschrank. Maschas Mutter Rosa saß ungeduldig am Tisch, klopfte bald mit der Gabel an einen Teller, bald rückte sie ein Besteck zurecht und murmelte dabei: „Da host du es, Coney Island." Aaron stand ohne Rock am offenen Fenster und spähte ungeduldig nach Mascha aus. Die Unruhe seiner Frau machte auch ihn uervös. Obwohl es nichts Außergewöhnliche» war, daß Mascha sich verspätete, so regte es Maschas Eltern doch auf. Sie erregte jede Kleinigkeit, welche Mascha betraf. Es war dieselbe Unruhe, welche der Besitz eines Schatzes ver- ursachte. Aaron wandte den Kopf von, Fenster und brummte: „Rosa, laß mich in Ruhe, Rosa!" Die anderen Kinder waren nicht da, sie wohnten im Sommer auf dem Lande. Nur die Eltern waren mit Mascha in der Stadt geblieben wegen der Aussteuer. Es war kurz vor Maschas Hochzeit. In solchen Fällen sind die Eltern immer um die Braut sehr beunruhigt— und in diesem Falle war die Braut Mascha. „Wohin ist sie gegangen, Rosa?" Rosas Unruhe übertrug sich bereits auf Aaron. „Ich habe dir doch schon gesagt, nach Coney Island. Sie hat baden wollen." „Und mit wem ist sie denn nach Coney Island gegangen, Rosa?" „Was fragst du? Weißt du es denn nicht? Sie hat doch angerufen, daß sie mit Charlie nach Coney Island geht." ....(Fortsetzung folgt.) J MMUpPpi-M s-«--:*-■ telegraphisch geladen. Im großen ganzen haben die Zeugenausfagen bisher nicht viel Neues gebracht. Die Angeklagte bestritt, sich schuldig gemacht zu haben. Sie erhob im Gegenteil Ansprüche an den Präfi denten Rief, da sie angeblich dessen Gattin mit Geld ausgeholfen haben will. Der Prozeß dürfte zwei bis drei Tage dauern. Die Einzeichnungen in Berlin. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 12. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.35 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Gartenban. Gartenbaudirektor Meermann:„ Der Obstgarten". 7 Uhr abends: Dr. Paul Kaẞner: , Die Entwicklung der Berufe auf Grund des freien Arbeitsvertrages". 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Dr. James Simon: Die neuzeitliche Klaviermusik". 8 Uhr abends: Dr. Kurt Pinthus: Einführung in Georg Kaisers Von morgens bis Mitternacht". 8.30 bis 10 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1925/26. 10. Veranstaltung. Das Drama der letzten 30 Jahre. 5. Abend( Georg Kaiser). Von morgens bis Mitternacht". Kassierer: Werner Krauß; Mutter: Auguste Prasch- Grevenberg; Frau: Charlotte Hagenbruch; erste Tochter: Marianne Sylvaine Oẞwald: Tochter: Edith Fritz; Direktor: Hans Sternberg; Dame: Maria Fein: Sohn: Günther Hadank. Gehilfe, Portier, erster und zweiter Herr, Laufjunge, Dienstmädchen, Hotelkellner, jüdische Herren als Kampfrichter, erste, zweite, dritte, vierte weibliche Maske, Mädchen der Heilsarmee, Offiziere und Soldaten der Heilsarmee, Schutzmann. Die kleine Stadt W. und die große Stadt B. Anschließend: Dritte Bedienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Etté). Auch Znnahme in den Außenbezirken. Wohl als Folge des besseren Wetters fanden gestern wieder die Cinzeichnungen in größerer Zahl statt, so daß wieder eine erhöhte Beteiligungsziffer aufzuweisen ist. Auch kommen viele, die sich jetzt trotz der vorhandenen Schwierigkeit den Eintragungsschein beschafft haben. Auch in den westlichen Vororten nehmen die Eintragungen täglich zu, so werden aus Lichterfelde, Teltom, Stahnsdorf, Gütergog, ja selbst aus Saarmund günstige Refultate berichtet. Da alle Täuschungsversuche der Nationalisten vergeblich sind, versuchen sie durch ihre Jugendorganisation Schwierigkeiten zu bereiten. Einige 12 bis 14jährige Schüler des Falf- Realgymnasiums machten sich seit einigen Tagen das Bergnügen, die in einigen Häusern befindlichen Orientierungsschilder, auf denen die Einzeichnungsstelle des Hauses vermerkt ist, abzureißen. Gestern glückte es, in der Potsdamer Straße zwei solcher Sünder abzufassen; kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wettercine gehörige Tracht Prügel war der Lohn. Potsdamer Sabotagefünfte. zweite Königswusterhausen, Freitag, den 12. März. 3-3.30 Uhr nachm.: C. M. Alfieri und Frl. Gertrud van Eyseren: Spanisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm.: Lektor Mann und Studienrat Friebel: Englisch für Fortgeschrittene. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: K. Graef: Sprachtechnik. Die Bildung der Vokale. Praktische Uebungen mit Partner. 4.30-5 Uhr nachm.: Frau Dr. Drewitz: Die Frühjahrs- und Sommermode. 7.30 bis 8.15 Uhr abends: Fortbildungsvorträge für Aerzte. Dozenten und Themen werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekannt gegeben. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Junafozialisten. Gruppe 2entwis: Seute, Freitag, antich& he, Be nossen Mattis, Gendisstr. 19. Fortlegung der Arbeitsgemeinschaft. Gruppe Mitte: Der Gruppenabend fällt aus. Dafür vollzählige Beteiligung an der öffentlichen Rundgebung des 1. Areifes am Sonnabend, 13. März. Treffpunkt: 5% Uhr auf dem Apppenplak. Gruppe Narben: Heute, Freitag, 18 Uhr, im Jugendheim Drthstraße. Bortrag des Genoffer Blättermann über die Dittmann- Broschüre. Alle Mitglieder milffen erscheinen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. Kreis Weißensee. Der Genoffe Friedrich Wendt ist aut 6. März nadj turzem, fchweren Leiden fanft entschlafen. Einäscherung am Freitag, 12. März, mittags 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. " Wanderleiter Arbeitsgemeinschaft: Freitag, 12. März, pünktlich 7½ Uhr, Aussprache: ,, Unfer Wander- und Jugendherbergswesen". Karten zur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, 14. März, find zum ermäßigten Preise im Jugendfekretariat erhältlich. Gleichfalls Rarten zunt Vortrag der Freien Sozialistischen Hochschule am Sonnabend, 13, März, im Herrenhaus. Anmeldungen zum Osterkursus bis spätestens 13. März im Jugendfekretariat. Abteilungskaffierer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung. Ausgabe der Ju gend voran!" und der Arbeiter- Jugend". Achtung, Erwerbslofe! Rum Arien- und Liederabend( Gertrud Binder, Staatsoper) find Freibarten zu haben. Heute, Freitag, den 12. März, abends 7½ Uhr: Bedding/ Nord: Ledigenheim Schönstedtstraße. Vortrag: Der Mensch der Steinzeit". Norboft I: Jugendheim Neue Rönigstr. 21. Läns- Abend. Rorbeft II: Jugendheim Danziger Str. 62. ,, Arbeiterfämpfe des Bortrag: Gegenwart". Weißenfee: Jugendheim Röldestr. 157. Literaturabend. Often Str.- B.: Jugendheim Goßlerstr. 61. Bortrag: Inquisition und Seren verbrennung". Südost K.- B.: Jugendheim Wrangelftr. 128. Bortrag: Die Reitalter der Erde". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenfte, 4. Bortrag: ,, August Bebel". Salensee: Saule Joachim- Friedrich- Str. 35: Aussprache: ,, Die Fürstenabfindung". Schöneberg I: Jugendheim Rubens Ede Hauptftraße. Borirag: Bursche und Mädel" Steglit II: Jugendheim Soliteinische Straße 3. Vortrag: Freie Liebe". Briz: Jugendheim Chauffeeftr. 48. Bor. frag: ,, Moderner Sozialismus". Reukölln I: Jugendheim Bergstr. 29. Bertrag: Schulreform und Reichsschulgeset". Köpenick: Jugendheim Grünauer Jugendheim Ernststr. 16. Vortrag: Rinderfreundebewegung". Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Lichtbildervortrag. Lichtenberg- Mitte: Ale Genossen und Genofsinnen treffen fich zur Demonftration der Partei um 6% Uhr Frank. furter Allee Ede Jungstraße. Lichtenberg- Nord: Jugendheim Bartane 10. Bortrag: Warum und wie follen mir wandern?". Tegel: Jugendheim Bahnhofftr. 15. Mitgliederversammlung. 1 ftrengen, aber gerechten Worte des Vorsitzenden aus dem Herzen Straße 5. Aussprache:„ Kapitalismus und Sozialismus". Baumschulen weg: allen Gemeinheiten, die es auf der Welt gibt, ist die schlimmste, wenn eine Mutter, jei es auch nur eine Pflegemutter, sich derartig an hilflosen und unschuldigen Kindern vergeht." Die Angeklagte erhielt 1 Jahr Gefängnis und wurde sofort verhaftet. Daß mancherlei Mächte ihr möglichstes tun, um durch Sabotage und Schifane jeglicher Art die Boltsbewegung gegen den Fürsten raubzug zu hemmen, ist nichts Neues. Die Art aber, wie die nationalistische Potsdamer Stadtverwaltung den Willen des Boltes bontottieren zu können glaubt, grenzt an einen öffentlichen Standal. Für die gesamte Potsdamer Bevölkerung einschließlich des Wildparks und Charlottenhofs ist im 1. Stock des alten Rathauses ein einziges 3immer zur Einzeichnung bereitgestellt worden. Dieses Einzeichnungslotal ist zwar an den Wochentagen fast den ganzen Tag geöffnet( von morgens 9 Uhr an mit zweistündiger Mittagspause), an den beiden Sonntagen jedoch ganz unbegreiflicherweise nur wenige frühe Borgesprochen, als er zum Schluß der Urteilsbegründung sagte: Bon mittagsstunden. Da ein erheblicher Teil der werttätigen Bots Damer Bevölkerung in Berlin in Arbeit steht, ist der Sonntag befenders in Potsdam der wichtigste Einzeichnungstag. Selbst die Bemohner der Siedlungen a m Luftschiffhafen und hinter den Friedhöfen müssen sich im alten Rathaus einzeichnen. Von hier aus geht man über% 4 Stunden zur EinBolfsbildungsamt Kreuzberg. Am Freitag, den 12. März, zeichnungsstelle. Das benachbarte Now awes mit einer abends 8 Uhr, werden im Orpheum, Hasenheide, Ede Gräfeſtraße, weit geringeren Bevölkerungsziffer als Potsdam hat 10 Einfünstlerische Tänze zur Vorführung gelangen. Für diese tragestellen. Allerdings ist hier die Stadtverwaltung Veranstaltung sind die ersten Solotänzer der Staatsoper Elisabeth nicht monarchisch eingestellt. Die Rejultate der Eintragungen Grube und Harald Kreuzberg gewonnen worden. Eintrittswerden überhaupt nicht oder nur anregelmäßig bekanntgegeben. Bis Dienstag abend hatten sich in Potsdam preis für Mitglieder und Jugendliche 50 Pf., für Gäste 75 Pf. bei einer Bevölkerungsziffer von ungefähr 40 000 Seelen über Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonnabend, den 13. März, abends 2000 Personen eingetragen. Der gestrige Donnerstag brachte pünktlich 7, Ubr, im ehemaligen Herrenbause, Leipziger Str. 3, zweiter Vortragender: Prof. einen erheblichen Andrang zur Einzeichnungsstelle. Trotz aller Be mühungen der Fürstenknechte geht es auch in Potsdam vorwärts. Lederer Heidelberg, Thema: Natürlich ist die Kontrolle der Einzeichnungsbegehrenden eine äußerst strenge. Allgemein wird über eine große überflüssige Umständlichkeit beim Eintrageverfahren geklagt. In den ersten Tagen des Volksbegehrens besaßen die Monarchisten, wie bereits mitgeteilt, die Frechheit, vor das Eintragungszimmer einen Auskunftsmann" mit schwarzweißroter Armbinde und Handzetteln hinzustellen, der die Leute im fürstendienerischen Sinne aufffären" sollte. Die Velfs= begehrparteien stellten daraufhin jemanden daneben, der ein Blafat folgenden Wortlauts trug: Jedes Rindvich holt sich beim Nebenmann Auskunft." Das wirkte. Die Einzeich mungsleitung verbot beiden Parteien diese Propaganda. Nach den ersten trägen Tagen hat auch in Potsdam eine stärkere Straßenagitation eingesetzt. Trupps marschieren mit Schildern folgenden Wortlauts: Wer Fürsten nährt, ist Prügel wert", und„ Ich kenne feine Barteien mehr, ich nehme Geld von allen mit Wilhelms Porträt durch die Straßen. Die wirkungsvolle Propaganda erregt allgemeine Aufmerksamkeit. Für Sonnabend und Sonntag ist mit Massenandtang zu rechnen. Deshalb muß an den reaktionären Magistrat die Forderung gerichtet werden, wenigstens dieses einzige Einzeichnungslokal den ganzen Sonntag über offen zu halten. Zwei kleine Märtyrer. Grauenhafte Züchtigungen einer entmenschten Mutter. Nur schwer vermochte man den grauenvollen Einzelheiten zu folgen, die sich vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte in einer Verhandlung gegen eine entmenschte Mutter zur Sprache tamen. Während der eigentliche Bater der Kinder, ein Kaufmann Plöhn. den Termin nicht wahrzunehmen brauchte, mußte deffen zweite Frau, also die Stiefmutter, auf der Anklagebant Blatz nehinen, um sich wegen fortgesetter, schwerer Mißhandlungen mit gefährlichen Werkzeugen zu verantworten. Aus zwei lebensfrohen Kindern, der vierzehnjährigen Edith und dem zwölfjährigen Heinrich, hatte diese Stiefmutter zwei scheue und verschüchterte Wesen gemacht, die aus entsetzlicher Angst vor ihrer Beinigerin zu niemandem von ihren Qualen zu sprechen magten. Nur so war es der brutalen Frau möglich, den Kindern ihres Mannes das Elternhaus zur Hölle zu machen. Als fich die Schule der ständig mit Verlegungen herumlaufenden Geschwister annehmen wollte, stieß fie auf den eigenen Widerstand der schwer Gepeinigten. Sie mußten schweigen, denn sonst hätte Mutter noch ganz anders gestraft. So fagten sie entweder, sie hätten sich untereinander geschlagen, oder wären über die Kisten in Baters Geschäft gefallen. Auch das Schreien bei den grausamen Züchtigungen war ihnen unter Androhung noch größerer Qualen von der Stiefmutter ver boten. Da diese außerdem die Fenster zu verhängen pflegte, merkten auch die Nachbarn kaum das geringste von den entsetzlichen Borgängen. Erst als sich schließlich doch die Jugendfürsorge zum Einschreiten veranlaßt jah und die Kinder anderweitig unterbrachte, tam die ganze furchtbare Wahrheit an den Tag. Nun hatten sich die kleine Edith und der schmächtige Heinrich wieder einigermaßen erholt, und das Mädchen sagte dem Vorsitzenden, der sich freundlich um fie bemühte, alles, was sie hatte ausstehen müffen und bestätigte damit das Gutachten der beiden Sachverständigen, daß ein kaum glaubliches Bild menschlicher Roheit entwarf. Die untersuchten Körper der Kinder boten eine unendliche Reihe von Ver. legungen, in den Ohren des Jungen fand sich geronnenes Blut, auf seinem Kopf schwere, tiefe Wunden. linte Dhr, das ihm die Mutter" fast mittendurch ge= riffen hatte, zeigte noch jetzt Spuren der erlittenen Verlegungen, tft aber ziemlich günstig verheilt. Der armen Edith schlug diese Frau einen Teller ins Gesicht, der an dem Munde des Kindes zerbrach. Der Kopf zeigt noch heute deutlich die Stellen, an denen die Haare büschelweise herausgeriffen murden. Mit einem Blätteisen, das oft noch heiß mar, hatte die Angeklagte das Gefäß des Mädchens derart bearbeitet, daß sich die Haut in Feßen gelöst hatte. Beim Eisen mußten die Kinder stehen und befamen mur dann ausreichende Kost, wenn der Vater zugegen war. Nun war ihm allerdings feine Anteilnahme an den furchtbaren Quälereien und Miß handlungen nachgewiesen worden. Wie war es aber möglich, daß ihm niemals der elende Zustand seiner Kinder auffiel. Und die Angeklagte? Im Gegensatz zu ihren Pflegebefohlenen" eine rundliche, wohlgenährte Fru, Ende der Dreißig. Sie gab nur Kleinigfeiten zu, unter anderem Mißhandlungen mit einem abgebrochenen Besen. Im übrigen sollten die Kinder lügen. Die ganze Beweis aufnahme, das Gutachten der Sachverständigen, das Urteil der Lehrer und Lehrerinnen, bewies aber leider mir zu deutlich, daß die Kinder nicht lagen. Allen Beteiligten dieser Verhandlung waren die Das Vortrag der Freien sozialistischen Hochschule. Die Krise des Britischen eltreich e s." Preis der Karte 50 Bf. Sonntag, den 14. März, vormittags pünttich 11, 1hr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße: 4. Broletarische Feierstunde. Aufgeführt wird das Chorwer Beltenwende" von Franz Rothenfelder. Mitwirkende: Der Sprechchor für Broletarische Feierstunden( lünstlerische Leitung Albert Florath), der Berliner Schubert Chor( unter Leitung feines Chormeisters Jascha Horenstein), Einzelsprecher: Heinrich Bitte, Ferdinand Hart, Wolf Trub( Mitglied des Staats. Karten für theaters), Dito Dunkelberg( Drgel). Preis der Karte 1 M. alle Veranstaltungen find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsaus schuffes, Lindenstr. 3, 2. of II; Vorwärts"-Buchhandlung, Lindenstr. 2; Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25: Tabakvertrieb Infelitr. 6 Ber band der Graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5; bei den Obleuten der Kreis- und Abteitungsbildungsausschüsse; in den Vorwärts"-Speditionen. Berbebezirk Tiergarten: Die Gruppenveranstaltungen fallen aus. Dafile Beteiligung an der Demonstration der Bartei. Treffpunkt: 17 Uhr Aleiner Tiergarten( Denkmal). Arbeitersport. Fußball am 14. März: Stettin- Berlin- Norden. Rum fünften Male stehen sich die beiden Repräsentativen von Stettin und Berlin gegenüber, um im friedlichen Wettkampf ihre Kräfte zu meffen. Be. trachtet man die Ergebnisse der Spiele, so muß feitgestellt werden, daß Berlin bisher bei allen Spielen der Bessere war. 1922[ pielten die Mannschaften in Berlin 4: 1 für Berlin; 1923 in Stettin 1: 0 fitr Berlin; 1924 in Berlin 3: 2 für Berlin; 1925 in Stettin 5: 2 für Berlin. Also zwei überlegene und zwei Inappe Siege. Ob die Berliner Mannschaft auch in diesem Jahre gewinnt, ficht noch fehr in Frage. Geht sich doch die Vertretung ausschließlich nur aus Spielern des Nordbezirks zusammen. Die Mannschaften spielen in folgender Aufstellung: Stettin:( schwarz- weiß), Ribbet Wegner ( Germania) Bache Büffe ( B. C. 19) Mahn ( Nehmig) Schmidt ( Borwärts) Adam ( Nehmig) Boetcher ( Tegel) Rufferow Rufchfe ( Walhalla) ( Rehmig) Biepenburg ( Frei) Bollanger ( Stetin) Mönch ( Nordiska) ( Adler 12) Blohm ( Belten) Wendorf ( BC 19) Heinrich ( Fichte- Nord) ( Borwärts) ( Alemannia) ( Fichte- Gej.) Seelinger Weig ( Nordiska) Seintel Kerfin Berlin:( weiß- rot) Rolbes ( Bankow 08) Fiedler Spielverbot aus Chauvinismus? Ueber die deutsche Tennis. meisterin Nelly Reppach ist vom Deutschen Tennis. bund Spielverbot verhängt worden, weil sie trotz ausdrücklichem Verbot an dem französischen Riviera- Turnier teilgenommen hat, obwohl der Deutsche Tennisbund noch nicht in den Internationalen und beginnt 3½ Uhr. U 1 Uhr spielen zwei Alte- Herren- Mannschaften und Tennisbund aufgenommen ist. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68. Lindenstraße 3, Das Spiel findet auf dem Teutoniafportplag in der Christianiastraße ftatt umm 23 Uhr zwei Jugendmannschaften. für Groß- Berlin brunnen: Freitag, 12. Mära, 8 Uhr, im SchillerInzeum, Böttcher. Ede Bank. ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, zu richten 1. Areis Mitte. Sämtliche Genofsinnen und Genossen der 1., 5., 6. und 7. Abt. fammeln sich am Sonnabend, 13. März, 5% Uhr, auf dem Roppenplatz zum Demonstrations- Fadelzug mit Musik. 6. Kreis Kreuzberg, Reitungstommission: Seute 18 Uhr Gikung in der Juristischen Sprechstunde. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. 7. Kreis Charlottenburg. Sonnabend, 13. März. Borstandssikung mit den Abteilungsleitern nach Schluß der Demonstration bei Reimer, Wilmers dorfer Str. 21. Heute, Freitag, den 12. März: 38. Abt. Die Berbezettel zur öffentlichen Rundgebung am Montag, 15. März, im Böhmischen Brauhaus find sofort bei dem Abteilungsleiter in Empfang zu nehmen. 53. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Sigung der Agitationskommiffion für die Außenbezirke bei Lur, Huttenstr. 26. Gonnabend, 13. Mära, eine halbe Stunde vor Beginn der Demonstration am Wilhelmplak: Gemeinsamer Abmarsch der Abteilung mit Banner und Fahnen von Lug. Republikaner willkommen. 79. Abt. Schöneberg. Bon 5 Uhr ab müssen sämtliche Bezirksführer bei Grok, Gedanstr. 17, die Frauenstimmen abholen. Am Sonntag, 14. März, vormittags von 9 Uhr ab, in allen Bezirken Flugblattverbreitung. Sum Propagandaumzug am Sonnabend, 13. März, müffen alle Mitglieder pünkt. lich 5 Uhr am Bahnhof Großgörschenstraße erscheinen. 5. Abt. Neukölln. Um 6 Uhr holen die Bezirksführer Werbematerial von Sürtler, Prinz- Handjern- Str. 34, ab. Einladen zur Berbreitung. 101. Abt. Ereptom. 9 Uhr in der Spedition Grägstr. 50 Funktionärfikung. 113. Abt. Schmödwih. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Müller, Cafe Land haus, Rüfter Allee. Alle Mitglieder müffen erscheinen. 118. Abt.. Lichtenberg. Zum Propagandaumzug 6% Uhr Sammelpunkt Frant furter Allee Ede Subertusstraße, Mittelpromenade. Pünktlicher Abmarsch. Morgen, Sonnabend, den 13. März: 4. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich 5% Uhr zur Demonstra tion auf dem Roppenplag. 5. Abt. Die Genofsinnen und Genossen beteiligen sich an der Demonstration. Treffpunkt: 5½ Uhr auf dem Roppenplak. 21. Abt. 5 Uhr Flugblattverbreitung von Kroll, Utrechter Str. 21. 37. Abt. Berteilung der Frauenstimme" um 5 Uhr vom Lokal Pfeiffer, Hausburgstr. 2. Alle Genofsinnen und Genossen müssen sich beteiligen. 40. Abt. Alle Genoffinnen und Genoffen beteiligen sich an dem Demonstrations. aug burch den Südwesten. Treffpunkt: Fontanepromenade um 5½ Uhr. Abmarsch um 6 Uhr. 41. Abt. Alle Mitglieder sammeln sich zur Demonstration um 5% Uhr Fontane promenade am Kaiser- Friedrich- Plaz. 42. 96t. 5% Uhr Abmarsch zur Demonstration. Alle Genoffen treffen fich bei Wiersdorff, Urbanstr. 6. Sonntag, 14. März, nachmittags 2 Uhr, tommen alle Genoffen zu Biersdorff zur Hausagitation. 43. bt. 5% Uhr Demonstrationsumzug. Treffpunkt Fontanepromenade. 44. Abt. 5% Uhr Straßendemonstration mit Musit. Treffpunkt: Fontane promenade, Am Urban. Erscheinen ist Pflicht. 45. Abt. 5 Uhr Treffpunkt mit Fahnen und Plakaten bei Wienziers, Reichen berger Str. 104. Gruppe Sohlstein schließt sich an Gruppe Stephan bei her ArForster Straße, Gruppe Krüger- Soppe an der Laufiher Straße an. beiterjugend und Jungsozialisten müssen sich beteiligen. 48. Abt. Alle Mitglieder treffen fich zur Straßendemonstration um 5 Uhr in der Morik- Ede Brinzenstraße. Rein Mitglied darf_fehlen. 56. Abt. Charlottenburg. 5 Uhr Treffpunkt aller Genoffen zur Demonstration bri Liersch, Rantitr. 62. Rote Armbinden mitbringen. Abmarsch vom Wilhelmplak 5½ Uhr. 86. Abt. Mariendorf. Bezirksführer ab 7. Uhr bei Niendorf Flugblätter ab. holen. Sonntag Flugblattverbreitung. Lichtenberg. 114. Abt. 6% Uhr Treffpunkt zum Demonstrationsumzug Boxhagener Markt vor dem Lobal Schwarzer, Gabriel- Mar- Straße. Sonntag vormittags 9 Uhr Sandzettelverbreitung vom felben Lobal aus. 119. Abt. T½ Uhr bei Mene, Möllendorf. Ede Rittergutftraße, Funktionärligung. Wichtige Mitteilungen. Auch die Gruppe Buchholz muß erscheinen.( Es tönnen auch Mitglieder an der Gisung teilnehmen.) 123. Abt, Raulsdorf. 7 Uhr Antreten sämtlicher Mitglieder bei Sübner zum Fackelaua. Sonntag, 14. Mära vormittags 9 Uhr, bei Sübner Sandzeitelverbreitung. Alle müssen erscheinen. Ortsverein Ertner. Sonnabend, 13. März, 5 Uhr: Abholen der Flugblätter vom Lokal Grund, Königstr. 52. Jeder Genoie mus erscheinen. Touristenverein ,, Die Naturfreunde"( Zentrale, Bien). Abt. Webbing: Gonntag, 14. März, Fahrt Rauen-- Rremmen. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Butlikftraße. Gäste willkommen. Abt. Friedenan: Freitag, 12. März, im Seint Offenbacher Str. 5a. Lied und Tanz. Gäste willkommen. Abt. Gefund straße. Märzdichter, Bortrag. Gefang. 13./14. März Fahrt nach Rremmen Oranienburg. Treffpunkt Sonnabend 5% Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Führer: Sugo Sinn. Photogemeinschaft: Sonntag, 14. März, Motivfahrt zum Treffen der Brandenburger und Nowamefer nach Werder- Kolpinfee. Abfahrt 7,28 Uhr Botsdamer Fernbbf. Montag, 15. März. 8 Uhr, im Jugendheim Ebertnstr. 12, Sof. Reproduktionen, Herstellen von Stilleben mit gleichzeitigem Entwickeln. Apporate mitbringen. Gäste willkommen. Abt. Treptow: Freitag, 12. März, 7% Uhr, im Jugendheim Treptow, Elsenstr. 3. Bortrag über Ferdinand Freiligrath. Werbebezirk Süboft: Sonntag, 14. März, 8 Uhr, Musikalischer Abend in der Aula des Leibniz- Gnmnasiums, Mariannenplag. Eintritt 50 Bf. Gäste willkommen. Gruppe Südost: Freitag, 12. März, 8 Uht, im Jugend heim Reichenberger Str. 66 Lichtbildervortrag. Eintritt frei. Gäste willkommen. Sportklub Siegfried 09. Ringen in Moabit. Die Fortsekung der Ringkämpfe um die Kreismeisterschaft des AAB. folgt am Freitag, 12. März, in der Turnhalle Wiclefftr. 52. Es tämpfen GC. Siegfried 09 gegen SC. Eiche 1900. Bom Veranstalter starten in 2 Gängen zu 10 Minuten: Rusner, Brandenburg, Schulze. Willi und Vaul Buffe, B. Paul und Bohu. Die Namen bürgen für guten Sport. Arbeiter- Sport- und Kulturorganisationen im 20. Berwaltungsbezirk. Gonna tag, 14. März, fahren alle Mitglieder zur Einzeichnungsagitation aufs Land. Abfahrt: Bhf. Schönholz vormittags 8,44 Uhr, Bhf. Eichbornstraße vormittags 8,55 Uhr, Bhf. Tegel vormittags 9,02 Uhr nach Belten. Alle Radfahrer treffen fich 10 Uhr in Aremmen im Lokal Roter Stern". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Gefchäftsft eIIe: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 St. Gauvorstand. Achtung! Rotten zum Preise von 1 M. find gegen Borzeigung der Mitgliedskarte im Gaubureau erhältlich. Waffer Sportabteilung. Sonntag, d. 14., Arbeitsdienst Booksplak Bendenschlok. Marienftr. 122. Mitte. Fr., d. 12., Gaalschuk Mufferfäle. Antreten 6 Uhr Neuer Markt. So., d. 13., Rundgebung für Fürstenenteignung Antreten mit Tambourkorps und Fahnen 5½ Uhr Rappenplag. Tiergarten. Sonntag, d. 14., vormittags 9 Uhr, Trommlertorps und Rameradichaft Antreten zur Werbearbeit bei Berger. Kameradschaft Westen Mo., d. 15., 8 Uhr, Rameradschaftsversammlung bei Edert, Steinmek- Ede Rurfürstenstraße, Kreuzberg. So., d. 13., 5% Uhr, Antreten aller Rameraden mit Tambourtorps und Fahnen auf der Fontanepromenade zum Ummarsch gegen Fürstenabfindung. Wilmersdorf. Fr., d. 12., Teilnahme an der öffentlichen Rundgebung gegen Fürstenabfindung 7% Uhr Biktoriagarten, Wilhelmsaue. Gonntag, d. 14., nachmittags 1½ Uhr, Antreten mit Mufit und Fahnen Fehrbelliner Blaz zur Demonstrationsfahrt mit Kraftwagen gegen Fürstenabfindung. Schluß 5 Uhr. Reukölln- Brig. 1. Ram. 1. Rug Mo., d. 15., 7½ Uhr, in der Rottbuffer Klause Monatsversammlung... Treptow. Go., b. 13., 5% Uhr, Bhf. Treptow. Pflichtveranstaltung. Alles muß erscheinen. 8 Uhr Mitgl.- Berf. Bortrag Ram. Beffier: Englische Kultur". Grünau. So., d. 13., 8 Uhr, im Restaurant Werner Monatsversammlung. Ausgabe der neuen Mitgliedskarten. Bernau, Ladeburg, Röntgental. Gonntag, b. 14., 8% Uhr vormittags, Antreten bei Löwe- Bernau. 8% Uhr Abfahrt nach Gr.- Schönebed. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Bezirksgruppe Berlin. Ordentliche Sigung heute, Freitag, 6% Uhr, im Sportrestaurant zu Neukölln. Berliner Str. 60( beim Rathaus).( St i d) t um 6 Uhr, wie in der Einladung angegeben.) Geschäftliche Mitteilungen. 8wcdmäßige Schuhpflege. Die Berbraucher wiffen, daß mit einer Normal dose Erdal Schuhereme während eines Monats täglich 3 Baar Schuhe gepflegt werden können. Dies beweist die große Ausgiebigkeit von Erdal. Verwendet man aber minderwertige Bare, so reicht man faum 14 Tage aus. Dabei können mit Erdal Schuhcreme gepunte Schuhe Bei Regen- und Schneewetter getragen werden; man wird feine Nässe an den Füßen spüren. Der feine Wachsüberzug läßt feine Feuchtigkeit durch. Das Serbscheuern ist eine fchwierige und meift nicht gern geibte Beschäftiaung. Um diefe täglich notwendige Arbeit leicht und mühelos zu bewältigen, nimmt man das bekannte Bus- und Scheuermittel Ata au Silfe und hat in überraschend furzer Zeit eine blante Serbplatte. Wefferbericht der öffentlichen Wetterdienfiftelle für Berlin( Nachdr verb.) Etwas milder, größtenteils bewölft und noch einzelne leichte Regenschauer bei frischen westlichen Winden. Für Deutschland. Im Dsten zahlreiche, im Besten vereinzelte Regenschauer, überall etwas milder. E Wie viele am Wohnungselend sterben! Heraus aus der Mietskaserne! Sachkenner sind sich darüber einig, daß die Tuberkulose hauptsächlich verbreitet wird durch die Wohnungsnot. Die fürzlich herausgekommene Denkschrift des Reichsministers des Innern zeigt, daß, während bei anderen Volkskrankheiten ein allmählicher Stillstand oder gar Rüdgang der Erkrankungsziffern erfolgt, Tuberkulofeertranfungen der Kinder in den Kinderkliniken nicht zurüdgegangen sind. Professor Möllers vom Reichsgesundheitsamt berichtet in feiner letzten Beröffentlichung über den Stand der Tuberkulose in Deutschland, daß 1923 in Deutschland über 12000 Kinder bis zu 15 Jahren an Zubertuloje gestorben sind. Die Tuberkulosesterbefälle insgesamt in Deutschland werden auf jähritch 90 000 bis 100 000 geschäßt. In der Denkschrift des Reichsministers des Innern werden immer wieder, so von den Kinderkliniken in Kiel, Greifswald, Köln, Frankfurt a. M., Freiburg i Br., nicht zulegt in Berlin, die Wohnungsverhältnisse als Urfache der Luberkulose genannt. Städtische Bezirke in Bürttemberg, Oldenburg, im rheinisch- westfälischen Industriebezirt, Städte wie Stralsund, Allenstein, Stade, Merseburg, Lübed, Potsdam berichten über eine deutlich wahrnehmbare Zunahme der Tuberfulofe im Jahre 1924. Berlin vor allem meldet die auf fallende häufigkeit eines befonders schweren Berlaufes der Krankheit. Auf eine Umfrage des Reichsgesundheitsamtes und des Deutschen Zentralfomitees zur Befämpfung der Tuberkulose wird aus Mittel, Nord- und Ostdeutschland über eine weitere Ausdehnung der Seuche berichtet. Nach den Ergebnisfen der jährlichen Umfrage der Medizinalabteilung des Preußischen Wohlfahrtsministeriums bei den Regierungspräsidenten: mie piele Schulkinder tuberkulös seien, waren dies 1913 8 und 1923 32,7 vom Tausend. Was will es diefer ungeheuerlichen Steigerung gegenüber bejagen, daß sich der Tausendfag für 1924 auf 25,7 gefentt hat. Nach Professor Möllers sind die Tuberkulosesterbefälle überhaupt von 1913 bis 1918 im ganzen Reichsgebiete außer Elsaß- Lothringen und Mecklenburg um 60,8 Proz., in den von der Reichsstatistik erfaßten deutschen Orten mit 15 000 und mehr Einwohnern jogar um 91,1 Proz. ge= stiegen. Zu bedenken ist, daß die neueren Zahlen sich auf eine Bevölkerung beziehen, deren hinfälligste Elemente ja durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre bereits ausgefiebt waren. Im Bericht des Volkswohlfahrtsministers fehrt immer wieder die Feststellung, daß vor allem Wohnungs- und Bettennot Tuberfulofe verbreite. In Bertin hatten von den den städtischen Fürsorgestellen befannten offentuberkulösen Fällen im Jahre 1922 nur 66 Pro3. ein eigenes Bett, und ein eigenes Schlafzimmer hatten 1923 in Berlin von den städtischen Fürforgestellen bekannten Offentuberkulösen nur 19 Proz. im Durch schnitt. Der Generalsekretär des Deutschen Zentralfomitees zur Be fämpfung der Tuberkulose, Dr. Helm in Berlin, fchreibt:„ Die unerträgliche Wohnungsnot bedeutet eine um so größere Gefahr hinsichtlich der Tuberkuloseverbreitung, als die Zahlen der in den Krankenhäusern untergebrachten Schwertuberkulösen gegen frühere Jahre fehr abgenommen haben." Die Städte haben den 3usammenhang der Uebel Tuberkulose und Wohnungsnot erkannt. In den Mit teilungen des Deutschen Städtetages( 1925, 9) lesen wir: Die Stadt Gelsenkirchen hat den Bau von besonderen Fürsorgewohnun gen für tinderreiche Familien, in denen Tuberkulosecrfrankungen vorliegen, in Angriff genommen. Die Stadt Grünberg plant den Bau von Wohnungen für Tuberkulöse. In Bunzlau wurden bis Herbst 1923 drei Häusergruppen mit 23 Wohnungen für Tinderreiche Familien Tuberfulöjer fertiggestellt. Ebenso haben Bielefeld, Dresden, Karlsruhe, Nürnberg besondere Wohnungen für Tuberkulöse gefchaffen. In Chemnitz hat der Verein zur Bes fämpfung der Schwindsucht eine Vorstadtjiedlung für fungentrante Ariegsbeschädigte gebaut, ein Reihenhaus mit 11 Wohnungen. Die Thüringische Landesversicherungsanstalt gewährt billige Darlehen zur Errichtung von Wohnungen für Tuberkulose, wobei zweds Ausschaltung der Spekulation der Gemeinde ein Borkaufsrecht eingeräumt wird. Das sind fraglos anerkennenswerte und nachahmensmerte Maßnahmen. Aber wie winzig erscheinen diese Mittelchen, menn man ihnen die in der Stadtbeilage des Vorwärts" vom 26. vorigen Monats wiedergegebenen Zahlen über den Umfang unserer Wohnungsnot gegenüberstellt. DES RK STADT VORWARTS BEILAGE das Land des proletarischen Einfamilienhauses ist? Bereits 1920| überflüssigen Gesetze( namentlich Sozialgesetzgebung, Wohnungsneuer Beamtenabbau. Donten in deutſchen Induſtrieſtädten durchſchnittlich 30-50 Men. wirtschaft usw.), Auflösung der betreffenden Behörden, alſo ein schen in einem Hause. Die Wohndichte erhöhte fich für Berlin auf rund 76 Menschen pro haus, während in London 8, in Chicago 9, in Philadelphia 5, und selbst in Paris nur 38 Bewohner im Durchschnitt auf ein Haus entfallen. Berlin beweist somit der Welt, wie in der Schreckenstammer eines soziologischen Museums, wie die gedrängte Wohnweise im Mietfasernenfystem ein Bolt förperlich und sittlich verdirbt, und es beweist gleichzeitig, wenn auch negativ, daß geloderte Wohnweise in Gartenheimstätten ein Bolt gefund erhält. Möchten die Berant: wortlichen der Berliner Boden, Siedlungs- und Wohnungspolitik diese Tatsache endlich gebührend beachten. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin der SPD. Künstlerische Abendfeier am Freitag, den 12. März 1926, abends 7 Uhr, in den Prachtfälen am Märchenbrunnen, früh. Schweizergarten, am Friedrichshain, unweit Königstor. Vortragsfolge: 1. Fünf Lieder für Quartett a) Die Musit b) Die Rose c) Matenzeit. d) Rum o fim e) Gagliarda. 2. Tänze a) Gavotte b) Malanischer Fischer c) Chinesischer Tanz 3. Fünf Lieder jür Quartett a) Da droben auf jenem Berge b) Aennchen lieb d) Buppenwiegenlied c) Rindchen tanzt e Schagerl flein Melodie 1572, Tegt Martin Luther Johann Görner Nithart v. Rauenthal( 13. Jahrh) Adam de la Sale Hans Les Haßler( 16. Jahrh.) Mar Reger Walter Niemann Jaap Kool Bolkslieb( 19. Jahrh.) Böhmisches Boltslted C. Schotte( Say W Hermann) C. Reinide( Sah B Hermann) F. Parlow( Sag B Hermann 4. Ansprachen: Frau Pels- Brüffel und Frau Stadtverdn. Todenhagen- Berlin 5. Tänze a) Grave b) Wiener Walzer. c) Parodie 6. Fünf Lieder für Quartett a) Aus der Jugendzeit. b) Komm mein trautes Rindchen c) Wiegenlied d) Der Guzgauch . Gong Joh Strauß Joh. Strauß Radede Böhmisches Bolkslied Brahms( Sag W. Hermann) Madrigal 2. Lemtin( 16. Jahrh) Volkslied um 1750 e) Der Jäger aus Kurpfalz Mitwirkende: Deutsches Botalquartett, bie Damen Dora Raug( 1. Sopr.), Marg. Habermann( 2. Sopr.), Gertrud Peiper( 1. Alt), Trude SchmidtAnnaberg( 2. Alt), Oda v. Holten( Tanz). Eintrittsfarten zum Preise von 20 Pf. find zu haben: Frauenfetretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr.( Simmer 1). Frau Sydow, Immanueltirchstr. 12 Frau Schulz, Hiddenföer Str 13. Bigarrengeschäft Seidler, Belforter Straße 11. Lokal Go.dschmidt, Stolpische Str. 36 und an der Abendtaffe. Personalabbau des Berliner Magistrats. Durch Reichsgesetz vom 4. August 1925 war die Einstellung des Personalabbaus festgesetzt worden. Eine Sparmaßnahme, deren Notwendigkeit von niemandem geleugnet, deren Anwendung aber nicht immer in einwandfreier Weise geschah und deshalb in weiten Kreisen große Beunruhigung hervorgerufen hatte, war damit zu Ende gegangen. Preußen hat daraufhin, am 8. August und der Magistrat am 19. August den Abbau eingestellt. Wie ist nun Berlin den Anforderungen des Personalabbaugefeßes nachgefommen? Das wird in einer Veröffentlichung des gefezes nachgekommen? Das wird in einer Veröffentlichung des Stadtrates Dr. Fölsche, der den Abbau im wesentlichen geleitet hat, dargetan. Danach waren am 1. Oktober 1923 insgesamt 38 409 Beamte und Angestellte vorhanden. Hierbei sind nicht ge38 409 Beamte und Angestellte vorhanden. Hierbei sind nicht gezählt die Lehrpersonen und Arbeiter, und nicht die nichtständigen Angestellten der Werke. Nach Abzug der vorübergehend Beschäj tigten" verblieben 37326 Personen. Von diesen sind bis zum 1. September 1925 insgesamt 11746 Beamte und Angestellte ausgeschieden. Demgegenüber sind während der Periode des Abbaus 1825 Personen neu ein. gestellt. Hierzu fommen einige hundert ehemaliger Beithilfen". die zu Festangestellten oder Beamten befördert wurden, so daß end gültig am 1. September 1925 ein Abgang von 9422, ein Bestand von Mit fleinen Mitteln wie den oben erwähnten ist dem 27 904 zu verzeichnen war. Es ist das eine Berminderung des Wohnungselend, der fürchterlichsten Quelle von ständigen Personals um 25,24 Proz. Damit ist der Magistrat von Boltsfeuchen, nicht beizukommen. Nur Abhilfe in größtem Berlin den Bestimmungen des Gejezzes in vollem Umfange Maßstabe, wie sie auch der Antrag der sozialdemokratischen Stadtnachgekommen. An dem Abbau sind im einzelnen beteiligt die verordnetenfraftion fordert, der im Vorwärts" vom 1. d. M. abgedruckt worden ist, könnten dem Glend steuern, das unser Bolk im Gestangestellten mit 1747. Auch 102 Wahlbeamte( Bürgermeister, Kern, in seiner Jugend verdirbt. Die Mietstaserne ist Stadträte usw.) befinden sich unter den Abgebauten. Die nicht ständig mirtlich die Büchse der Pandora, aus der die lebel der Angestellten sind also, wie man aus den Zahlen ersieht, am stärksten Welt herausspringen, um sich unter den Menschen zu verbreiten, betroffen worden. Hier ist in vielen Fällen mit rauher Hand einPlagen, von denen die Luberkulose nur eine ist. In der durch die gegriffen Leuten gegenüber, die während der Kriegszeit oder nachher eingetreten waren, zu einer Zeit, wo die vielerlei Maßnahmen Buchhandlung Bodenreform, Berlin N 23, Leffiugstr. 11, zu be ziehenden fleinen Schrift Kulturschande"( Breis 40 Pf.) ist dar- der Zwangswirtschaft erhöhte Leistungen von den Gemeinden for. gelegt, daß die Mietstaserne auch Brutstätte der derten. Die Ersparnisse, die der Stadt durch den Abbau erGefchlechtstrantheiten ist, woran 1922 in Preußen allein wachsen, betragen jährlich 17 millionen Mart, wenn 1656 Menschen gestorben sind, und die sich jährlich um über man die Ausgaben an Gehältern vom 1. Dezember 1923 mit denen Million Fälle in der Zivilbevölkerung Deutschlands vermehren. vergleicht, die am 1. Oftober 1925 für den gleichen Personalbestand Heraus aus der Mietstaferne. Hinein in die Heimstätte hätten gemacht werden müssen. Freilich hat zunächst das Pen im Sinne des Reichsheimstättengesetzes. Professor Möllers gibt infionskonto starte Belastung erfahren. Diese wird aber der bereits erwähnten Beröffentlichung eine Gegenüberstellung von von Jahr zu Jahr geringer werden. Zahlen über die Tubertulofehäufigkeit in Deutschland und in England. Die beiden Reihen zeigen, um wieviel weniger als das deutsche das englische Volk von der Tuberkulose heimgesucht ist. Entspricht das nicht ganz offensichtlich auch der Tatsache, daß Deutschland das Land der Mietstaserne und England = Dem Reichsverband der deutschen Industrie" ging der Abbau noch lange nicht weit genug. Er fordert in einer Denkschrift eine Kürzung aller öffentlichen Ausgaben um 20 Pro3. im Wege einer Verwaltungsreform. Reform im Sinne der Industriellen heißt Aufhebung der nach ihrer Meinung FRITZI MASSARY wieder in vollem Format Gegen diese vulgäre Art, Sparsamfeit im öffentlichen Haushalt zu betreiben, wendet sich der Oberbürgermeister Böß in seiner neuen Schrift„ Wie helfen wir uns?" Er weist darauf hin, daß die Bermehrung des Beamtenkörpers in erster Linie eine notwendige Folge der Kriegs- und Inflationsentwicklung gewesen ist. Auf die Vorfriegsverhältnisse fönnen wir nicht zurüd. Viele auf die Gegenwart überkommene Aufgaben werden dem Staat oder der Gemeinde dauernd verbleiben. Man denke nur an die Er Wohnungsfürsorge und anderes mehr. werbslosenversicherung, Jugendpflege, Arbeitsnachweise, Der Berliner Oberbürgermeister macht einige Vorschläge, mie Kürzung von Pensionen im Einzelfalle, geringere Bezahlung der unverheirateten Beamten, erklärt aber selbst, daß das finanzielle Ergebnis solcher Mittel wahrscheinlich im umgekehrten Berhältnis zu dem dazu erforderlichen Aufwand stehen würde. Und wer soll im Einzelfall objektiv entscheiden? Wie fäme der unverheiratete, aber tüchtige Beamte dazu, schlechter entlohnt zu werden als sein rung, Arbeitsunluft wäre die Folge. Böß sieht eine erfolgreiche verheirateter, meniger geeigneter Kollege? Unzufriedenheit, ErbitteSparpolitit nur in der Richtung des Sachabbaues; eine Ver. ringerung der Aemter, nicht der Beamten das letztere wenig, stens nicht durch einen neuen Abbau nach dem gehabten Muster. In der Tat läßt sich ohne daß die oben bezeichneten Aufgaben Dernachlässigt werden brauchten innerhalb des bureaukratischen Apparates noch mancherlei vereinfachen. Also, feine neue Auflage des Personalabbaues. Es war in der Tat die höchste Beit, daß mit dem Abbau Schluß gemacht wurde. Das Gesetz ist vielfach dazu benutzt worden, republika. nisch verdächtige" Beamte und Angestellte zu beseitigen. Im ganzen haben die auf Grund dieses Gesetzes vorgenommenen Maßnahmen große Erbitterung erzeugt. Eine weitere Verminde rung von Beamten und Angestellten im Staats- und Gemeindedienst fann, soweit noch erforderlich, immer noch durch Tod, Pensionierung usw. erfolgen. Zu noch größeren Härten hat ja bekanntlich der Abbau der Arbeiter geführt, der in den meisten Fällen ohne jede oder doch nur gegen unzulängliche Abfindung geschah. 7. Bezirk Charlottenburg. Die gestrige außerordentliche Bezirksversammlung beschäftigte fich, als einziger Punkt der Tagesordnung, mit folgendem Antrag: Um die Durchführung des Voltsbegehrens für Fürstenenteignung reibungslos durchzuführen, beschließt die Bezirksversammlung, die 3ahl der EinzeichnungsTofale in jedem Bezirk um eines zu vermehren." Die ursprünglich eingerichteten 6 Lokale sind nicht ausreichend. In einzeinen Bezirken haben die Bewohner lange Wege zurückzulegen. Die Bewohner der Sybelstraße brauchen, um in ihr Einzeichnungslokal m der Joachimsthaler Straße zu gelangen, mindestens eine halbe Stunde, ebenso lange für den Rückweg, so daß für sie die Einzeich nung mit einer Stunde Zeitopfer verbunden ist. Noch ärger hegen die Verhältnisse in den Bezirken Jungfernheide und Plößensee. Für die Bewohner dieser Stadtteile nimmt der Hinund Rückweg zum Einzeichnungslokal mindestens 1½ Stunden Zeit in Anspruch. Im Charlottenburger Rathaus befindet sich das viel zu kleine Einzeichnungslotal im dritten Stod.(!) Erst nach längeren Verhandlungen ist es möglich gewesen, durchzusetzen, daß alte und gebrechliche Leute die Fahrstühle benutzen dürfen. In dem Einzeichnungslokal Danckelmannstraße werden die Legitimationsvorschriften für die Frauen schärfer gehandhabt wie bei der Polizei. Der leitende Beamte ist nicht zufrieden, menn eine verheiratete Frau durch ihren Ehemann legitimiert wird, sondern er verlangt noch die Borlegung einer besonderen schriftlichen Legitimation. Diese übermeister teilte mit, daß an ihn bisher keine Beschwerden gelangt sind, triebene Vorsicht sieht beinahe wie Sabotage aus. Der BürgerSchwierigkeiten abgewickelt hätten. Die Stärke der Beteiligung an er fönne nur sagen, daß sich bisher die Einzeichnungen ohne den einzelnen Tagen zeigt folgende Zahlen: am 4. März 1500, am 5. März 2250, am 6. März 2200, am 7. März 9250, am 8. März 6200, am 9. März 6400, am 10. März 6000. Daraus ergibt sich, daß in den ersten sieben Tagen 33 800 Einzeichnungen erfolgt sind. In der ziemlich ausgedehnten Debatte beschränkte sich die sehr schwach vertretene Fraktion der Bürgerlichen auf die Erklärung, daß sie fein Interesse für den Antrag habe. Die Herren find überzeugt, das Bezirksamt werde alles tun, was zu einer glatten Abwicklung des Boltsbegehrens beitragen fönne. Trotzdem beantragten sie namentliche Abstimmung über den Antrag. 35 Mitglieder aus den Fraktionen der Sozialdemokraten, Demofraten und Kommunisten stimmten mit Ja, 19 Mitglieder mit ein, darunter 2 Mitglieder der Zentrumspartei, die bei dieser Abstimmung der Fraktion der Mitte, der sie angehören, untreu 10. Bezirk- Zehlendorf. wurden, Nach Eröffnung der Sigung wurden die drei neugeunbefoldeten Stadträte Holz( SPD.), mählten Dr. Soetbeer( D. Bp.), Hoge( Dnat.) eingeführt und verpflichtet. Die Versammlung beschäftigte sich dann weiter mit einer Vorlage des Bezirksamtes über Siedlungsbauten auf Dahlemer Gelände. Die Versammlung stimmte der Vorlage nur zum Teil zu, weil man die Kleingärtner, die jetzt dort sizen, nicht verdrängen dürfe. Ein Antrag der Demokraten, beim Behlendorfer Anzeiger" objettive Berichte zu erwirten, ist durch. persönliche Rücksprache mit der Schriftleitung im zusagenden Sinn erledigt worden. Genosse Draemert erfundigte sich nach der Parteirichtung des Behlendorfer Anzeiger". Als Antwort erhielt er: neutral. Von der Neutralität dieses Blattes haben die Sozialdemokraten noch nichts gemerkt. Genosse Flörte begründete sodann einen Antrag der Fraktion über die unerhört teure Strombelieferung Wannfees durch Potsdam. Die Fritzi assar DIE UNVERGLEICHLICHE 34 besser denn je! • | Der Abbau der privaten Vorschulen. Wannseer Einwohner wollen nicht schlechter geftellt fein als bie 2iehr wurde bei diefer Gelegenheit betont, daß die Anschaffungs.| Wahl durch das Bezirksamt und Bernehmung der Bezirksversamm anderen Einwohner bes Bezirks. Während in Zehlendorf die gesellschaft noch viele hunderttaufend Schreibhefte zu 2 Bf. das Stüd lung ist unser Genofje Bezirksverordneter Lehrer Meijer als Stadt. Kilowattstunde 18-19 Bf. toftet, müssen die Wannseer an Botsdam vorrätig hat und das Bezirksamt auffordert, diese zu laufen. Ein fugendpfleger im hiesigen Bezirksamt angestellt worden. 50 Bf. für die Kilowattstunde bezahlen. Das ist Antrag auf Ausweisung von Dauertleingärten und eine große ungerechtigkeit. Das Bezirksamt muß mit allen nur Errichtung einer Haushaltungsschule murde je einem möglichen Mitteln eingreifen, um es zu ermöglichen, Wannsee nach Ausschuß überwiesen. Besonders der legtere Antrag öffnete die Berlin anzuschließen, oder Potsdam von diefem unerhorten Schleusen der Beredsamkeit in großem Umfange. Das für die Haus50 Pfennig Preis Bürgermeister Dr. Schuh haltungsschule vorgesehene Gebäude sollte nach einem früheren Beabzubringen. macher erklärte, daß mohl taum helfend eingegriffen werden schluß auf unseren Antrag als Obdach für Ermittierte aus. fonne, meil ein Bertrag vorliegt, der bis 1952 gebaut werden. Nun sollte dieser Beschluß umgestoßen und das best eht Es wurde ein Ausschuß eingelegt, der im Sinne Gebäude dem Hausfrauenverein zur Gründung einer Haushaltungsder Antragsteller die Angelegenheit verfolgen foll. Durchschule zur Verfügung gestellt werden. So sehr man auch die tot Anfrage von Flörte und Genossen( SBD.) wurde die wendigkeit dieser Berufsschule für den Bezirt anertennen mag, fo Ründigung der Straßenarbeiter burg das Be muß doch die Sorge für die Ermittierten stets an erster Stelle stehen. airtsamt Zehlendorf von den Antragstellern scharf gegeißelt. Es wurde deshalb einem Antrage zugestimmt, für diese eine heizbare Das Bezirksamt erflärte, daß es sich nur um eine Scheintün Barade beim Magistrat anzufordern. Zum Schluß wurde der bigung gehandelt habe, um die ausgegangenen Mittel für Antrag, die Einzeichnungslotale von 4 auf 11 zu er. Straßenreinigung neu hineinzubekommen. Die Antragsteller emp. höhen, auf die Tagesordnung der nächsten Sizung gesetzt. fahlen, daß in Zukunft dann die Gehälter der obersten und oberen Beamten erst mal zu diesem Zwed herangezogen werden follten. Es nommen, der sich mit den sehr schlechten Verkehrsverhältnissen des Gen. heute, Freitag, den 12. März: Prenzlauer Berg: abends 7% Uhr in den Brachtfälen am Märchenbrunnen, früher Schweizergarten, unweit des Königstors. Rednerin: Stadtverordnete Minna Todenhagen, Frau Pels Brüssel. Gesang, Tanz Bie ber Amtliche Breußische Bressedienst mitteilt, haben fich die Bertreter der Unterrichtsverwaltungen der Länder über den durch§ 2 des Grundichulgesetzes vom 28. April 1920 reichsgefeßlich borgeschriebenen Abbau der privaten Vorschulen und Borschultlaffen verständigt und hierüber Richtlinien bereinbart, die der preußische Unterrichtsminister nach Anhörung des Staatsrats befanntgibt. Aus ihnen ist hervorzuheben, daß Ostern 1926 um legtenmal in die dann noch bestehenden privaten Schulen Sulneulinge aufgenommen werden dürfen, und daß von Ostern 1927 ab der Abbau, und zwar grundsätzlich stufen. weise derart durdgeführt werden muß, daß er der gefetlichen Borschrift gemäß au Dftern 1929 überall durchgeführt ist, Die ärztlichen Einschulungsuntersuchungen an den städtischen Eine größere Anzahl der Schulärzte wird diese vor dem werden aber noch in den ersten Wochen des neuen Schuljahres die Schulanfänger einer Gefundheitsschau unterziehen müssen. Dies ist verständlich; tommen doch für das neue Schuljahr außer ordentlich viele Kinder zur Einschulung, da ja bekanntlich vor fechs Jahren die Geburtenziffer vorübergehend eine außerordentlich stattliche Höhe erreichte. In den nächsten Jahren dagegen wird nur ein Bruchteil der Zahl der Kinder, die jetzt zur Einschulung gelangen, in die Schulen neu aufgenommen werden. einigen murde bann bie Bahl eines Berkehrsausfuifes morge Oeffentliche Frauenkundgebungen guten haben bereits vor ein ereje Untersuchungen v 10. Bezirks beschäftigen foll. Ueber die Anfrage von Flörte und Gen. für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten Beginn der Osterferien abgeschloffen haben. Biele Schulärzte megen der Unterschlagungen bei der Ortstranfentaffe in Wannsee entspann sich eine lange Debatte. Flöte begründete die Anfrage und erkundigte sich, wie es möglich war, daß das Bezirksamt durch den Behlenb. Anzeiger Mitteilungen verbreiten ließ, die nicht stichhaltig maren, z. B. daß die Unterschlagungssumme übertrieben sei, trotzdem fich nachträglich herausgestellt hat, daß nicht 25 000 m. jondern 34 000 m. unterschlagen find. Ferner ist behauptet worden, daß der Kaffenbeamte nicht Führer einer politischen Partei sei, troẞdem dem Leiter des Bezirksamtes Dr Schuhmacher betannt fein muße, daß der Krankenkassenbeamte derfelben Partei an gehörte wie er felber, nämlich der deutschnationalen. Der Swed Der Mitteilungen des Bezirksamtes ist ersichtlich: die DeutschBürgermeister nationale Partei sollte geschont werden. Dr. Schuhmacher verteidigte feine Mitteilungen an den Behlenboifer Anzeiger". Er habe nicht gewußt, daß der Beamte irgend wie politisch tätig gewesen sei. Genosse Dr. Draemert antwortete dem Borredner treffend und fragte ihn, woher er denn jeẞt wiffe. daß der betreffende Beamte doch führendes Mitglied der Deutschnationalen Bartei war, Zwischenruf von Dr. Schuhmacher: Jch habe inzwischen die Listen der Parteien zur Bezirksversammlung eingesehen. Darauf Dr. Draemert: Also, Herr Dr. Schuhmacher, stimmt doch alles, was mein Freund Flörke behauptet hat, nur ist es Ihnen unangenehm, daß es sich um ein prominentes Mitglied Ihrer Partei handelt. Hätten Sie genau so gehandelt, wenn es sich um ein Mitglied der Sozialdemokratie gehandelt hätte?" Die Deutsch nationale Partei schwieg sich bei dieser ihr so heiflen Debatte aus. 12. Bezirk Steglit. Don In ber legten Bezirksversammlung gingen die Redewogen wieder recht hoch. Brattische Arbeit wurde aber dank der fommunistischen Schwäger herzlich wenig geleistet. Schon nach dem 12. 17 Punkten der Tagesordnung mußte die Sigung wegen vorgerüdter Zelt vertagt werden. Soll das immer so bleiben?-Zu Beginn der Sigung wurden die unbefoldeten Stadträte, u. a. auch unsere Ge nossen Hermes und Leimbach, vom Bürgermeister verpflichtet. Danach fand die Wahl des befoldeten Bezirksamts. mitgliedes statt. Diele fiel gegen den deutschnationalen Stobert auf unseren Benoffen Magistratsrat& erefter mit 27 gegen 17 Stimmen. Hierzu ist nur zu bemerken, daß uns diese Stelle gerechtermeise zustand, da die anderen Befoldeten 2 Deutschnationale und 2 Boltsparteiler find. Durch Abbau waren seinerzeit bie beiden Stadtrate ber Linken, Genosse ßmann und ein Demokrat, entfernt worden. Ein Antrag, den Lichterfelder Schloßpart zu öffnen, murbe gegen wenige Stimmen angenommen. Das Bezirksamt wird Mittel finden müffen, um die botanischen Berte, die in diesem Ur malb fteden, mirtjam gegen Unberufene zu schützen. Die Bevölte. rung selbst aber wird ebenfalls scharf darauf achten müssen, daß nicht unerfeßliche Berte verloren gehen, denn dort finden sich noch Ge macje wild por, die sonst in unserer Gegend nicht mehr zu finden find. Man tann alfo verstehen, daß das Bezirksamt gegen die Deff. rung Bebenten hegte. Das Katafteramt follte aus Bichterfelde ver legi merben. Die Deutschnationalen jegten sich start dafür ein, dab es im Intereffe der Hausbesizer auch bort verbleibe. Dabei führten fie aber als Haupigrund an, daß der Direttor des Rataster emts feine Privatwohnung in Lichterfelde habe und man ihm den weiten Weg nach Schöneberg nicht zumuten fönne. Man mundert sich, mit welch tindlichen Mitteln die Bertreter dieser Bariet zu operieren pflegen, menn fie ihre Geldintereffen deden wollen. Ueber den Antrag bezüglich der Fürstenenteignung mürbe zur Tagesordnung übergegangen. Die Boltsparteiler unter ihrem Führer Schwarz wandten fich erst gegen den Antrag auf Uebergang zu Tagesordnung und stimmten nachher dafür. Man ist von diesen Herrschaften nichts anderes als Schwanken gewöhnt. Der Berteilung von 22 000 Schreibheften an Rin der bedürftiger Eltern wurde zugeftimmt. Bom Genoffen 2550 Fesches Jumperkleid entzückende Fasson, modernste Garnierung, in herrlichen Pasteltönen DamenSchürze Wiener- oder Jumperform gemustert 95, Halbseide, moderne Topform, mit kleinen Schönheitsfehlern. 2 3 Friedrichshain: abends 7% Uhr in Schmidts Festfälen, Frucht ftraße 36a. Rednerin: Regierungsrätin Hedwig Wachen. Rezitationen heim, Irene Kirpal Tschechoslowakei. und Volkstänze der Jugend. Tiergarten: abends 7% Uhr im Artushof, Berleberger Straße 29. Rednerin: Clara Bohm Schuch, M. d. R., und Frau Chorgefang Titanus Amsterdam. Rezitationen Lieder zur Laute. Nieder- und Oberschönewelde: abends 7% Uhr in der Aula Berliner Straße 31 in Niederf höneweide. Rednerin: Marie Juchacz. Mufit M. d. R., und Frau Floßmann- Wien. Rezi tationen Gesang. Weißenfee: abends 7% Uhr in den Boruffia- Feftfälen, Berliner Allee. Rednerin: Mathilde Wurm, M. d. R. Rezitationen -Musikalische Darbietungen der Jugend. 20. Bezirk Reinidendorf. Die dringendsten tommunalmedizinischen Aufgaben Berlins" lautet das Thema eines Vortrages, den Stadtarzt, Genosse Dr. Alfred Korach, in der Arbeitsgemeinschaft der sozialdemo fratischen Aerzte am Freitag, den 12. März, abends 8 Uhr, im Bortragssaal des Hauptgefundheitsamtes der Stadt Berlin, Fischer Iftraße 39/42( am Moltenmarft), hält. Parteigenossen, auch Nicht ärzte, find als Gäste willkommen! Maßnahmen für die jugendlichen Erwerbslosen. Auf Grund der Beschlüsse der städtischen Körperschaften find für die jugendlichen Erwerbslosen im Alter von 14 bis 18 Jahren besondere Maßnahmen ergriffen worden. In Spandau findet eine allgemeine Mittagsspeisung statt, für die vom Arbeitsamt die Speisemarten ausgegeben werden. Außerdem ist im Rathause eine Lesestube für die erwerbslose Jugend eingerichtet, die von 19 Uhr bis 4 Uhr( Sonnabends bis% 1 Uhr) geöffnet ist; außer Tageszeitungen, Zeitschriften und Büchern stehen Gedulds- und Unterhaltungsspiele zur Verfügung. Für die einmalige Be. nugung des Hallenschwimmbades in jeder, Woche er halten die Jugendlichen eine Freitarie an einem bestimmten Wochen tage. Außerdem sind noch weitere Veranstaltungen in Aussicht genommen. Deffentliche Verkehrsunfälle. Im letzten Bierteljahr des Jahres 1925 hat die Bahl der Unfälle auf den Berliner Straßen einen neuen Reford erreicht. Das Kraftverkehrsamt berichtet über 3259 Unfälle gegen 3036 im vorhergehenden Vierteljahr. Ein billiger Trost, daß in der gleichen Zeit die Zahl der zugelaffenen Kraftwagen um 859 gestiegen ist, se daß die Zunahme der Unfälle Alfo: je mehr fich auf entsprechend mehr Fahrzeuge verteilt. Bagen im Berfehr, desto mehr Zusammenstöße Schöne Aussich. Bezirksten für die Zukunft. Außer den 36 Todesopfern 1339 Ber legte, darunter mieter 122 Rinder unter 14 Jahren. An der Spize ber ftattgefundenen Zusammenstöße stehen wieder die Privatpersonenkraftwagen, die in 1146 Fällen an solchen beteiligt waren. Diejen folgen die Straftbroschten mit 1047 Fällen. Dagegen stehen diesmal die Straßenbahnen mit 509 Fällen( 39 weniger als im dritten Bierteljahr) an vorlegter Stelle Den Schluß bilden die ja auch an Bahl am geringsten Kraftomnibuffe mit 125. Auf biefem Gebiete nähern wir uns leider mit Riesenschritten amerikani. schen Verhältnissen. In der Sigung der Bezirksversammlung vom 24. Februar 1926 wurden die neu gewählten unbesoldeten Stadträte in ihr Amt eingeführt. Den größten Teil der Sigung beanspruchte die Behandlung So einer Serte von tommunistischen Anträgen. wurde von den Kommunisten die Entfernung der Schupo aus den Erwerbslosenstellen verlangt. Unser Redner mies darauf hin, daß es bedauerlich sei, mit Hilfe der Schupo dort die Ordnung aufrecht erhalten zu müssen, daß diese Maßnahme aber notwendig geworden fei wegen der mehrfachen tätlichen Angriffe gegen die Beamten und Angestellten. Bei dem Antrage über die Einſegung eines Ausschusses über die Auslegung der Geschäftsordnung fielen die Rommunisten in wüften Worten über den Vorsteher der Bezirksversammlung, unseren Genossen Rogolf, her, der fich Der Bezirksversammlung, unseren Genossen Rogolf, her, der fich energisch, unter Suftimmung der übrigen Mitglieder der Bezirls versammlung, gegen die unberechtigten Angriffe verteidigte. Anträge der Kommunisten, betreffend Bewilligung von Mitteln für die Erwerbslosen, fonnten nicht angenommen werden, da die mittel hierfür nicht vorhanden sind. Unsere Genossen wiefen die Kommunisten darauf hin, daß gerade sie durch Ablehnung bes Etats einen großen Teil der Schuld daran tragen. In der Bezirksverfammlung vom 3. März wurden die Sazungen für die Wohlfahrtspflege im Begirl angenommen und die Mitglieder der Wohlfahrtsdeputation und des Jugendaus Schuffes gewählt. Bur Herstellung einer Badegelegenheit in Lübars hatte die bürgerliche caftion die Bereitstellung von 75 000 m. beantragt. Da die Einwohnerschaft an der Nordbahn teine Badegelegenheit hat, beantragte unfere Fratiion eine Er höhung auf 130 000 m., mas auch befchloffen murde. Ein Antrag ber D., die bei den Straßenumbauten gefällten Bäume den Erwerbslofen fostenlos zu überlassen, murde abgelehnt, dafür aber der Ergänzungsantrag unserer Fraftion angenommen, der befagt, daß die gefällten Bäume durch das Wohlfahrtsamt an Minder bemittelte unentgeltlich abgegeben werden sollen. Der fommunistische Antrag, dem Verein der Freidenfer für Feuerbestattung Schulaulen unentgeltlich zur Berfügung zu stellen, mußte leider abgelehnt wer den, weil das nach den Richtlinien des magiftrats nicht zuläffig ift; ein anderer Antrag, der zur Errichtung eines Bootshauses am Tegeler See für die Arbeiter. Ruder- und Segelbereine 50 000 m. beim Magiftrat Berlin anforbert, murde der Finanzdeputation überwiesen. Nach Ein Helterer bend für die Erwerbslofen fand in der überfüllten Aula der 1. Gemeindeschule in Niederschöneweide auf Beranlaffung des Jugendamtes Treptom statt. Schüler der Hochschule für Mufit in Charlottenburg ftellten den musikalischen Tell des Abends, während ber befannte Regitator Hosemann, Treptow durch Lieder zur Laute und Rezitationen die heitere Seite der Veranstal tung beftritt. Der stürmische Beifall der Zuhörer, der mehrfach die Künstler zu Wiederholungen zwang, bewies, daß das Gebotene die vollste Zufriedenheit aller Anwesenden gefunden hat. echte Sodener Pastillen gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung Fay's Lack- Spangen od. Schnürschuhe moderne spitze Form, amerik Absatz 890 Regenschirm 590 Billiger Freitag und Sonnabend JANDORF Trotteur Tagal picotkopf, mit Rips rand, flott garniert 590 UPI. 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Der Reichstag fegte gestern die zweite Beratung des Haushalts des Innern fort. Abg. Dr. Schreiber( 3tr.) stimmt der vom Abg. Sollmann vorgetragenen Auffassung zu, daß die deutsche Republit eine soziale Republik sein müsse. Die Aussöhnung mit dem Prole tariat sei nicht nur eine Frage der Sozialpolitit, es gehöre dazu eine Entwicklung, die das Proletariat als gleichberechtigten Faftor im Staatsleben anerkenne. Es sei zu bedauern, daß auf den Hochschulen noch so wenig Kinder des Proletariats zu finden wären. Der Föderalismus habe seine nationale und fulturelle Berechtigung. Die Verfassung von Weimar habe sich ehrlich bemüht, den Geist des deutschen Volkslebens zu spiegeln. Aber möge fie auch in manchen Punkten entwicklungsfähig sein, so lehne das Zentrum im gegenwärtigen Augenblid, wo wir zwei Millionen Arbeitslose haben, jeden wesentlichen Eingriff in die Weimarer Verfassung ab. Weite Kreise des Boltes würden jetzt fragen: Warum hat man den Gedanken der Stärkung des politischen Einflusses des Reichspräsidenten nicht schon zu Lebzeiten des ersten Reichspräsidenten geäußert? In Deutschland ist für Faschismus und für Diktatur fein Raum! Abg. Dr. Götz( Dem.) weist die Anhänger eines übertriebenen Föderalismus darauf hin, daß dem Staat eine Menge Aufgaben übertragen worden seien, die ihm nicht mehr genommen werden fönnten. Von den höheren Beamten müsse man verlangen, daß sie sich jetzt endlich dem heutigen Staat loyal zur Verfügung stellen, wie es die mittleren und unteren Beamten schon meist tun. Sie sollten doch auch nicht vergessen, welchen Gesinnungsdrud der alte Staat auf sie ausgeübt habe. Davon tönne doch heute keine Rede mehr fein. Zu wünschen wäre, daß die Examenschranken zwischen den Hochschulen der einzelnen Länder beseitigt werden. Auch auf dem Gebiete des kulturellen Lebens müsse der Zentralismus wachsen, für die Förderung von Wissenschaft und Kunst sollte das Reich größere Mittel zur Verfügung stellen. = Abg. Leicht( Bay. Vp.) weist darauf hin, daß seine Partei auf dem Standpunkt des Föderalismus steht. Das Reich dürfe nicht auf diktatorischem Wege gegen die Länder vorgehen, sondern Differenzen durch Verständigung beseitigen. Das eigenstaatliche Leben der Länder dürfe nicht beseitigt werden. Die von der Sozialdemofratie geförderten Tendenzen, die zur Schaffung des deutschen Einheitsstaates führen sollen, weise Bayern zurüd. Die Abgrenzung der Aufgaben zwischen Reich und Ländern erfordere, daß man ihnen beim Finanzausgleich die erforderlichen Mittel zur Verfügung stelle. Eine Hauptaufgabe der Länder sei die Pflege der Kultur, die sich nur auf der Grundlage der christ lichen Sittenlehre entwickeln könne. Von dieser Grundlage aus müsse man alle uebertreibungen des Sports und der Rörperpflege zurüdweisen. Sechstagerennen und Nadtfultur hätten mit Körperpflege nichts mehr zu tun. Gegen die sittliche Berwilderung der Jugend und der Familie müsse man auch politive Maßnahmen ergreifen. Eine schärfere Be fämpfung des Alkoholismus jei notwendig, bie Trodenlegung Deutschlands dagegen abzulehnen. Eine Verschlechterung des Wahlrechts unter Anwendung des Artitel 48 müsse abgelehnt werden, was aber das Wahlalter betreffe, so stehe der Redner auf dem Standpunkt, daß eine gewiffe Reife für die politische Betätigung notwendig fei. Die Vereinfachung der Verwaltung werde daran scheitern, daß die einzelnen Ressorts die Verantwortung fich gegenseitig zuschieben. Die Partei des Redners lehne jede gewaltfame Berfaffungsänderung ab, fie werde aber alle Anträge auf gesetzliche Alenderung der Verfaffung unvoreingenommen prüfen. Ein Zwischenfall. Im weiteren Verlauf der Sitzung fam es zu einem stürmischen 3 wischenfall. Der Bölkische Kube hielt eine äußerst propotatorische Rede, in deren Verlauf er die Sozial bemotraten als Barmat- Jünger bezeichnete und das Berliner Polizeipräsidium der Bilderfälschung bezichtigte, was ihm Bizepräsident Bell untersagt. Abg. Kube fuhr darauf fort: Ich lasse mich in meiner Kritif weder durch das Geschrei der Synagoge noch durch andere Maßnahmen beschränken. Sie( zu den Sozialdemokraten) treiben nur Futtertrippen politit. Was braucht z. B. die deutsche Republif einen Gefandten in Darmstadt, den sozialdemokratischen Abgeordneten David? Wir stehen auf dem Boden des christlichen Staates. ( Großer Lärm und Zurufe links.) Mit Juden unterhalte ich mich nicht. im Bizepräsident Dr. Bell ersuchte darauf den Bölkischen Kube, bie Debatte nicht unnötig zu verschärfen. Der Redner beschäftigte sich meiteren Verlauf seiner Rede mit dem Problem der deutschen Minderheiten. Schon vorher aber verlas er eine Kaisergeburtstagsrede, die Innenminister Külz während des Krieges gehalten hat und die später in Druck erschienen ist, bezeichnete fie als byzantinische Tiraden und sagte: Ein Mann, der seinen Gefühlsüberschwang so der Nachwelt er= halten hat, verlangt heute von den Beamten, daß sie nur republikanisch fühlen. Er kann sich deshlab nicht wundern, wenn die Kritit über die Gesinnungsschnüffelei, die doch gewissermaßen im Ausschuß in den sieben Grundsägen festgelegt worden ist, etwas scharf zum Ausdruck kommt. Das veranlaßte Innenminister Külz zu folgender Erwiderung: So verschieden früher rechts und links die Auffassungen gewesen sind, so sehr zeigte sich in dieser AusSprache eine wesentliche Annäherung der extremen Auffassungen nach der Mitte hin. Eine Ausnahme hat der Abg. Kube gemacht. Er hat den Geschmack gehabt, eine frühere Rede von mir vorzulesen. Seine Absicht war, meine Staatsgesinnung und meine der zeitige republikanische Gesinnung( Lebhafte Zurufe: Derzeitige! Große Heiterkeit) herabzusehen. Ich habe schon im Hauptausschuß erflärt, daß ich meine frühere monarchistische Gesinnung niemals verleugnet habe und n ich ihrer nicht schäme. Ich habe dem Kaiser ziemlich nahe gestanden. Aber, wenn ein Kaiser, der von Millionen von Deutschen verlangt hat, daß fie ihr Leben einsehen sollen für die Monarchie, in dem Augenblid, wo die Geschichte erstmalig von ihm felbst ein Einsetzen für den monarchischen Gedanken verlangt, nach Holland fährt, so ist das Band innerlich zerriffen. Das Grab der monarchie wird von der Geschichte nicht auf deutschem Boden, sondern auf dem Wege nach Holland gesucht werden. Ich fönnte mir denken, daß der monarchische Gedante eine Wiedergeburt erfahren hätte, wenn der Monarch gehandelt hätte etwa wie Friedrich der Große, der bei Torgau vom Morgen bis zum Abend, mit Blut und Dreck bespritzt, mit seinen Grenadieren fämpfte und dadurch die Monarchie rettete. Für mich liegt die Monarchie auf der Totenbahre. Man fann Toten, wenn man Anlaß dazu hat, ein verehrungswürdiges Gedenken bewahren, aber die Arbeit gehört den Lebenden. Und leben geblieben ist das deutsche Bolt und der deutsche Staat. Sachlich teilt der Minister mit, daß er Schulgesetz und Wahlgesetz einbringen werde, wenn er die politischen und parlamentarischen Möglichkeiten erkannt haben werde. Möglichkeit, mit Hilfe des Artikel 48 das Wahlgefeh herauszubringen, sei im Kabinett niemals gesprochen worden. geordneten v. Kardorff sei wenig toalitionsfreundlich gewesen. Ueber die Die Rede des AbAusmarsch der Deutschnationalen. Als Minister Külz während seiner Rede auf Wilhelms Flucht nach Holland hinwies, setzt auf der Rechten ungeheurer ärm ein, worauf die Linke mit stürmischem Beifall und Händeflatschen antwortet. Rechts ertönen dauernde Pfuirufe, der Minister spricht weiter, aber seine Worte gehen in dem allgemeinen Tumult verloren. Der Minister erklärt der Rechten, er könne es nicht verstehen, wie sie sich einem Manne verbunden fühlen könne, der in der entscheidenden Stunde geflohen sei. Darauf verläßt die Rechte unter ungeheurem Tumult und unter stürmischen Rufen der Linken: Auf nach Holland!" den Sigungsfaal do s Deutschnationaler Mißtrauensantrag. Als der Minister unter dem Beifall der Mitte und der Linken seine Rede beendet hat, gibt der Führer der deutschnationalen Fraktion, Graf Westarp, folgende Erklärung ab: Die Auffaffung, die der Minister als seine derzeitige republikanische Auffassung ( 3urufe rechts: Sehr gut!) hier vorgetragen hat, nötigt uns, fol genden Antrag einzubringen: Der Reichsminister des Janern besitzt nicht das Bertrauen des Reichstags.( Lebhafter Belfall rechts.) Darauf werden die Beratungen abgebrochen, das Haus vertagt sich. Freitag 1 Uhr Weiterberatung. Schluß 5 Uhr. Staatsmonopol oder private Aufklärung? Die Frage der Roggenpreisbeeinflussung. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags beschäftigte sich in der Sizung am 11. d. M. mit der Frage, ob einer Gesellschaft, die auf dem Getreidemarkt durch Aufläufe die Preislage des Roggens beeinflussen will, aus den Ueberschüssen der Reichsgetreideftelle 30 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden follen. Die mehrheitsparteien hatten sich geeinigt, diesem Projekt zu zustimmen. Die Gesellschaft soll von den Organisationen der Landwirtschaft, der Düngemittelfabrikation und der Maschinenindustrie gebildet werden, der dann der staatliche Zuschuß überwiesen werden soll. In der Beratung wurden von dem Genossen Schmidt- Berlin zunächst grundsägliche Einwendungen gegen den Antrag erhoben. Wenn ein solcher nicht unerheblicher Kredit von der Regierung zur Berfügung gestellt werde, müsse man auch die Bedingungen Freitag, 12. März 1926 fennen, die für die Hingabe des Kredits zu vereinbaren sind. Diese Bedingungen dürfen nicht einseitig nur von der Regierung festgelegt werden, sondern es muß auch der Reichstag einen mifbestimmenden Einfluß haben. Die Regierung habe zwar in einigen allgemeinen Darlegungen ihren Standpuntt über die Bedingungen zur Kenntnis gegeben, aber die Anforderungen, die hier gestellt werden, sind vollständig ungenügend. So habe nach der Erflärung der Regierung der Reichskommissar, der mit der Ueberwachung der Gesellschaft beauftragt werden soll. nicht die Befugnis, gegen Maßnahmen einzuschreiten, die in ihrer Wirkung dazu führen können, die Preise über das zulässige Maß hinaus zu erheben. Ferner fehle ein Mitbestim mungsrecht der Konsumentenfreise. Ein Ausscheiden dieser Kreise auch in der Preisfestsetzung und in dem ganzen Gebaren der Gesellschaft sei mit aller Entschiedenheit abzuweisen. Was die Durchführung des Projets anbetrifft, so habe die sozialdemotratische Bartel erhebliche Bedenten. Ein Roggenüberschuß, wie mir ihn in diesem Jahre gehabt haben, würde vorausseßen, daß die Gesellschaft eine so erhebliche Menge Getreide auftaufen muß, die ihre finanziellen Kräfte übersteigt. Dazu kommt der ft arte Einfluß des Weltmarktes auf die Getreidepreise. Unter dieser Vorausfegung gewinnt das ganze Unternehmen den Eindruck einer gewagten Spekulation auf dem Getreidemarkt, für deren Mißlingen die Ausfichten größer find als für ein befriedigendes Ergebnis. Wenn aber der Ausschuß dem Antrag zustimmt, dann beantragen die sozialdemofratischen Mitglieder folgende Ergänzung: ,, Die Bedingungen, unter denen die Hingabe des Kredits erfolgt, sind von der Reichsregierung dem Reichstag vorzulegen und bedürfen der Zustimmung des Reichstages. Mindestens vierteljährlich einmal ist dem Reichstagsausschuß schriftlich und mündlich vom Reichskommissar Bericht zu erstatten über das Geschäftsgebaren der Gesellschaft." Grundsäßlich stehe die Sozialdemokratische Partei auf dem Standpunkt, daß, wenn auf diesem Gebiete eine erfolgversprechende Maßnahme unternommen werden soll, es feinen anderen Weg gebe, als zu einem Außenhandelsmonopol zu gelangen. Man habe deshalb dem Ausschuß einen Antrag unterbreitet, der Richtlinien für eine solche Gesetzesmaterie aufstellt. Aus diesem Antrag geben wir folgende grundlegende Bestimmungen wieder: Abwehrmaßnahmen gegen Preisschwankungen. Eine Stabilisierung der Getreidepreise ist nur möglich, wenn den sämtlichen Ursachen der gegenwärtigen Schwankungen mit aus reichenden Mitteln entgegengetreten wird. Die eingehende Erörterung im Unterausschuß hat ergeben, daß eine Stabilisierung der Getreidepreise weder dauernd noch zeitweise durch den bloßen Auflauf von Getreidemengen im Inland erreicht werden kann. Das Kernstück der Stabilisierungsmaßnahmen muß eine Beherrschung und planvolle Gestaltung des Außen= handels mit Getreide sein, wie sie nur durch ein staatliches Monopol verwirklicht werden kann. Für die zu schaffende Monopolverwaltung sind die in der Reichsgetreidestelle gewonnenen fachlichen und persönlichen Erfahrungen nußbar zu machen. Ferner find dieser Monopolverwaltung aus den Ueberschüssen der Reichsgetreidegesellschaft entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Richtlinien für die Preisgestaltung. Auch eine mit den äußersten Machtmitteln ausgestaltete Monopolverwaltung fann feine starre Figierung der Preise, sondern nur eine Beseitigung der übermäßigen Breisschwankungen erreichen. Es soll daher eine Eindämmung der Preis Ichwankungen zwischen einer Obergrenze und einer Untergrenze versucht werden. Der Abstand zwischen diesen Grenzen, der zunächst reichlicher zu bemessen ist, soll dann später verfleinert werden in dem Maße, wie die fortschreitenden Erfahrungen mit der Preisstabilisierung eine sichere Grundlage dafür bieten. Ferner muß nach Ablauf einiger Jahre eine Nachprüfung der Preisfestsetzungen vorgesehen werden, um den Fortschritten der Brobuftionstechnik und den Veränderungen der Produktionskosten Rechnung zu tragen. Organisation des Monopols. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß jeder Mißbrauch der zu treffenden Regelung in einem einseitigen Interesse ausgeschlossen ist. Deshalb sollen an der Durchführung der zu treffenden Maßnahmen neben Regierungsstellen auch Vertreter der Produzenten und Konsumenten, insbesondere der Konsumgenossenschaften und der Gewerkschaften mit gleichen Rechten maßgebend beteiligt sein. Material für die parlamentarische Behandlung. Dem Reichstag ist möglichst bald eine Dentschrift über die in anderen Ländern, vor allem in der Schweiz und in Nor= wegen, getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen vorzulegen. Die Verhandlungen im Ausschuß führten zu dem Ergebnis, daß die Beschlußfaffung ausgelegt wurde und auf Berlangen des Ausschusses die Regierung in Aussicht stellte, bis zur nächsten Sigung die Bedingungen, unter denen der Kredit gegeben werden soll, im einzelnen festzulegen. Sicher ist, daß die Regierungsparteien und die Deutschnationalen bereit sind, der privaten GesellSchaft den Staatszuschuß zu überweisen, und damit ein Unternehmen ins Leben rufen, das die Spekulation im großen treiben soll. MARKE SALA INDER SALAMANDER ZUM FRÜHJAHR Die Salamander- Frühjahrsmodelle zeigen von neuem die Formschönheit u. gediegene Ausführung der preiswerten Salamander- Schuhe SALAMANDER vor öem internationalen Eisenkartell. Die Pariser Verhandlungen. Seitdem die Hochkonjunktur der Nachkriegszeit In der Wsltwirt» jchaft im ganzen einer schleichenden Depresstonskrise gewichen ist. dauern die Bemühungen an, auf irgendeine Weise ein neues Gleich- gewicht wiederherzustellen. Das hervorragendste Mittel zur Er. reichung dieses Zieles war die Wiederanpassung der Wäh- r u n g e n der Welt an die Goldbasis. Nur wenige Läilder haben ihre Währung noch nicht stabilisiert, und auch bei diesen wenigen ist die Stabilisierung im Grunde nur eine Frage der Zeit. Wenn so von der Geldseite her eine der unentbehrlichsten Voraussetzungen weltwirtschaftlichen Gleichgewichts wiederhergestellt ist, so mehren sich die Bemühungen auch auf der Warenseite, die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Ideologisch steht an erster Stelle hierbei die Forderung des europäischen Zollvereins. Neben ihr geht, von der Oeffentlichkeit weniger, von den Wirtschaftsprattikern mehr beachtet, die Diskussion über die Errichtung inter- nationaler Kartelle mit dem Ziel einer friedlichen Aufteilung der Märkte der Welt zwischen den Produ« zcntengruppen verschiedener Länder, um so die freie Konkurrenz auf dem Weltmarkte auszuschalten. In einer Reihe von Industrien ist es in den letzten Monaten zu solchen internationalen Kartellen ge- kommen, z. B. in der Glühlampenindustrie, Kaliindustrie u. a. m. Das Projekt. Da» größte Projekt dieser Art ist das internationale Eisenkfirtell. Eine wichtige Vorstufe zu diesem großen Eisen- kartell ist das Schienenkartell, das am gestrigen Tage in Paris perfekt geworden ist. Heute werden Vertreter verschiedener Länder die Frage des internationalen Eisenkartells von neuem er- örtern. Wie gemeldet wird, sollen diese Verhandlungen diesmal unter Beteiligung nicht nur der deutschen und französischen, sondern aucb der englischen und amerikanischen Schwer- i n o u st r i e n vor sich gehen. Der Teilnehmerkreis soll also praktisch die wichtigsten Eisenindustrien der Erde umfassen. Ja, es wird sogar behauptet, daß die indische Eisenindustrie an den Besprechungen beteiligt sei. Es muß Überaus fraglich erscheinen, ob die Be» sprechungen wirklich schon unter der Teilnahme eines so großen Kreises stattfinden. Dennoch kann es keinem Zweifel unterliegen, daß das internationale Eisenkartell im Augenblick gute Ausfichten für sich vorfindet. Die bisher vorliegenden Meldungen lassen freilich erkennen, daß bei den Beteiligten das Bild des neuen Zusammen- schlusses noch kein sehr klares ist. Nach einigen Meldungen soll die Menge des zu produzierenden Eisens begrenzt und dementsprechend jedem Lande eine Quote der Produktion zuerteilt werden. nach anderen soll man planen, die Absatzmärkte der Welt unter die Beteiligten aufzuteilen. Der Kampf um die Quote. Die Hauptschwierigkeit bei diesen Verhandlungen dürfte sich aus der Tatsache ergeben, daß die Lage der Schwer- i n d u st r i e n der verschiedenen Länder außerordentlich v e r- schieden ist. Wir haben in Amerika eine Hochkonjunktur in der Schwerindustrie, die vor allem auf dem Aufschwung der amerikoni- schen Automobilindustrie und auf einem tragfähigen und überaus lebhaften Baumarkt aufgebaut ist. In E n g l a n d ist die Pro- duktion gegenüber der Vorkriegszeit außerordentlich stark gesunken. In Frankreich steht die Schwerindustrie noch völlig im Zeichen der Inflation, und in Deutschland hat der Ausbau der rechts- rheinischen Werte nach dem Kriege zu einer starken Erweiterung der Kapazität der eisenerzeugenden Industrie geführt. So dürfte das internationale Eisenkartell zunächst einen erbitterten Kampf um die Absatzquoten bzw. die Verteilung der Absatzgebiete sehen. bei dem Deutschland und Frankreich gemeinsam gegen England die Interessen ihrer tünsllich auegedehnten Industrie zu vertreten haben werden, während England und Deutschland gemeinsam sich einer Bemessung der französischen Quote auf Grund der jetzigen Inflation». konsunktur widersetzen werden. Wie dieser Kampf ausgchen wird. das dürfte letzten Endes wohl von der Haltung der Bankiers abhängen. Die Stellung der Eifenverbraucher. Weit wichtiger ist freilich für die Weltwirtschaft, wie insbe- sondere für Deutschland, die Stellungnahme der eisenverar- bettenden Industrien gegenüber dem neuen internationalen Eisenkartell. Seltsam genug— die deutsche eisenverarbeitende In- dustrie scheint dem, was hier vorgeht, ahnungslos gegenüberzustehen: kein Wort aus ihrem Lager hat bisher verraten, daß sie diese Dinge mit Jnteresie verfolgt und sich rechtzeitig gegen die Gefahren wehrt, die ihr von ihnen her drohen. Schon jetzt leidet die deutsche eisen- verarbeitende Industrie unter dem Preisdiktat der Schwerindustrie. Wenn ein internationales Kartell zu- stände kommen sollte, so wäre die gesamte eisenverar- bettende Industrie der Welt ihm ou s g e l i e f e r t, und die deutsche Eisenoerarbeitung insbesondere wäre gegenüber ihrem Hauptkonkurrenten, England, selbst bei gleichen Eisenpreisen durch die Ungunst ihrer Lage hinsichtlich der Transpostverhältnisie noch mehr gefährdet als heute schon: denn die Eisenbahnfrachten der deutschen Industrie sind beträchtlich höher als die der englischen. Eisenkartell und yandcleverkrag. Aber noch an einer zweiten Stelle hat die deutsche eisenver- arbeitende Industrie ein außerordentlich wichtiges Interesse an diesen Verhandlungen. Kommt das Eisenkartell zustande, so hört der deutsche Eisenzoll auf, ein wirksames Kompensationsobjekt bei den deutsch-französischen Hnadelsvertragsverhandlungen zu sein. Für die Halbierung oder Preisgabe des Eisenzolles hätten zweifellos schon heute der deutsche Maschinenbau und die übrigen Eisenver- arbeiter beträchtliche handelspolitische Zugeständnisse in Frankreich erhalten können. Mit dem Eisenkartell verliert der Eisenzoll seine handelspolitische Bedeutung. Die Handelspolitik der ersten Regierung Luther hat das ja Immer angestrebt. Sie hat ihr Ziel erreicht, aber auch die zweite Regierung Luther, das handelsoertragsfreundliche„Kabinett der Mitte"', will es sich gefallen lasten, daß die privaten Interessenten der Schwerindustrie die Aussichten auf eine wirklich umfassende deutsch- französische Verständigung zerstören. Roch ein weiteres kommt hinzu. Potwendigkeik der kartellkonkrolle. Vor wenigen Tagen hat die deutsche Schwerindustrie einen Schlag gegen die Preisabbauaktion der Reichsregierung ge- führt. Die völlig von ihr abhängigen Eisenhändlerverbande haben den Stabeisenpreis um nicht weniger als 35 Proz. erhöht. Als diese Tatsache im Reichstag bekannt wurde, versuchten die Vertreter der Schwerindustrie vergeblich, sie abzuleugnen. Es ist anzunehmen, daß in diesem Falle das Reichswirtschaftsministerium sich wirklich zu einigen zaghaften Schritten gegen die Herren von Eisen und Kohle aufraffen wird. Gegenüber einem internationalen Kartell wäre aber die Macht der Reichsregierung außerordentlich fraglich, denn die Frage der internationalen Kartelle ist im deutschen Kartell- recht bisher in keiner Weise geregelt. Bekanntlich erwartet die Reichsregierung selbst, daß die internationale Kartellierung westere Fortschritte machen wird. Der Reichswirtschaftsminister hat soeben eine Sachverständigenkommission für das Kartellwesen berufen. Hoffentlich wird diese Sachoerständigenkommisston auch die Frage der Kontrolle der internationalen Kartelle in den Bereich ihrer Untersuchungen und Gutachten einbeziehen. Wir müssen fordern, daß auch hier die Reichsregierung sich nicht vom Strom der Jnteressenpolitik der Privaten treiben läßt, sondern aktiv und entschieden dafür Sorge trägt, daß beim Beitritt deutscher Verbände zu internationalen Kartellen die Interessen der deutschen Gesamtwirtschaft nicht einzelnen Intsressentengruppen, sei es selbst der Schwerindustrie, geopfert werden. » Wir beholten uns vor. in den nächsten Tagen auf hie politischen Forderungen zurückzukommen, die sich aus der geschilderten Sachlage für die unmittelbar« Gegenwart ergeben. Zolgen üec Kartellierung am öeutschen Eisenmarkt. Wie von dem Eisenmarkt gemeldet wird, sind in den letzten Wochen im Cisenhandel außerordentlich große Fortschritte auf dem Wege zu einer Kartellierung der Preise gemacht worden, ohne daß die Nachricht hiervon bisher in die Oeffentlichkeit gelangt fei. Seit dem Wirksamwerden der Eisenzölle(19. Januar 1825) hat die industrielle Verbau dsbildung in der Schwerindustrie, wie allgemein bekannt ist. sehr schnell fast das ganze Gebiet der Eisen- und Stahl-Halbprodukte erfaßt, so daß vom Rohstahl angefangen bis zu den Eisenblechen sämtliche Artikel durch Preiskonoentionen der Hersteller„gebunden" sind. Diese Preis- bindung, die über das Maß der Vorkriegsoerhältniss« bereits weit hinausging, fand bisher ihre einzige Schranke darin, daß die Saarwerke, diez. T. den Preisvereinbarungen nicht ange- hörten, zu niedrigeren Preisen an den deutschen Eisenhandel tiefer- ten. Sie waren zu dieser Konkurrenz deswegen in hervorragendem Maße befähigt, weil für saarländische Importe der Zallbetrag ge. st u n d e t wurde, so daß sie im allgemeinen ihre Angebote u m d i e voll« Höhe der Zollsätze niedriger stellen konnten, als die übrigen Konkurrenten, also insbesondere die belgisch-luxem- burgische und die französische(lothringische) Industrie. Die Kon- kurrenz der tschechoslowakischen Werk« war bereits durch ein Ab- kommen ausgeschaltet, das zwischen der deutsch-oberschlesischen In- dustrie einerseits, den tschechischen Werken andererseits unter Ler- mittlung der(österreichischen) Alpinen Montangesellschaft ab- geschlossen wurde. Nunmehr ist es laut„DÄZ." den Bemühungen der schwer- industriellen Werke gelungen, die westliche Konkurrenz dadurch zu- rückzuwcisen, daß man den selbständigen deutschen Eisenhandel ge- zwungen hat, in Zukunft keine Ware aus dem Ausland— Saargebiet, Lothringen, Belgien-Luxemburg— mehr zu beziehen. Da die Eisenverbraucher fast niemals direkt beim ausländischen Pro- duzenten kaufen, sondern sich in der Regel der inländischen Handels- firmen bedienen, bedeutet die Kartellierung des bisher„freien" Eisenhandels tatsächlich die Ausschließung der westlichen Konturrenz vom deutschen Markt, mit der Möglichkeit, in Zukunft die deutschen Inlandspreise ungestört noch über den bis- herioen Stand(Weltmarktpreis plus Zoll/ hinauszptreiben. Die Kartelliernug des freien Eisenhandels besteht darin, daß die sämtlichen Honoelsfirmen von Westdeutschland, Mittel« und Ostdeutschland in drei Verbänden zusammen- geschlossen wurden, die sich zu einheitlicher Preisgestellung bei Einkauf nur von deutschen Werten verpflichten. Die süddeutschen Händlerfirmen stehen vorläufig noch abseits. Es ist aber zu erwarten, daß der oerstärkte Druck, der nunniehr ein- setzen wird, auch sür Süddeutschlond die Kartellierung des Eisen- Handels erzwingt. Die Einzelheiten, die der Vereinbarung zugrunde liegen, sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich haben sich die Eisenproduzenten nicht nur dazu bereit erklart, die bisherige Konkurrenz, die sie(durch die„Werkhandelsiirmen") dem»freien" Cisenhandel gelegentlich ge» macht haben, völlig einzustellen, sondern auch dazu, dem letzteren in Pr eisen und Zahlungsbedingungen entgegenziikom» wen. Die„freien" Handelsfirmen, die. wenig kapitalkräftig, bisher unter der Konkurrenz der direkten Werksverkäufe gelitten haben, sind anscheinend verhältnismäßig leicht dazu veranlaßt worden, ihre Selbständigkeit zu opfern. Als Folge der Vereinbarung ist bereits I Ankernehmerfünden und ihre Solsen. Die Gelfenkirche- ner Gußstahl- und Eisenwerke A.-G., die zum Stinnes- Konzern gehört, weist in ihrem Geschäftsabschluß für 1924/25 einen V e r l u st von 3. 8 M i l l. M., bei einem Aktienkapital von 12 Mill. Mark. aus. Die Gesellschaft macht es sich sehr leicht, den Verlust zu erklären: Sie spricht von den„verhängnisvollen(;ol- gen der Deflation", von„übertriebenen Steuern und sozialen Abgaben" und von den Folgen des französisch- belgischen Valutadumpings. Eine genauere Betrachtung des Geschäftsberichtes zeigt aber, daß die verkehrteundge- radezu unsinnige Wirtschaftsführung der Gefell- schaft im vollen Umfang schuld an dem wirtschaftlichen Mlßerfo-g trägt. Zunächst wird man der Gesellschaft den Vorwurf machen müssen, daß sie bei der Umstellung des Aktienkapitals auf Goldbasis längst nicht energisch genug vorgegangen ist. indem sie nämlich das im Kriege(1916) erst auf 4,5 Mill. Mt, erhöhte Aktienkapital, das bis zum Ende der Inflationszeit bis auf SU Mill. verwässert worden war, nur auf 12 Mill. NM. reduziert hotte. Wenn jetzt also, im Verlaus der vorgeschlagenen Sanierung, ö-zs Kapital von 12 aus 4,5 Mill. NM. zusammengelegt wird, so i,t damit erst wieder der Stand der Kriegszeit erreicht: man wird sich dabei noch fragen müssen, ob selbst für dlese«umme heute, wo die Kriegsgewinne fehlen und wo höhere Zinsen ai» normal gellen, eine ausreichende Verzinsung Heraue- gewirtschaftet werden kann!— Die weiteren Fehler m der Geschäft! führung des Unternehmens liegen darin, daß es Zwn Tochtergesellschastsi,. die nur in loser organischer Verbindung mit der eigenen Produktion stehen, in einem„Kon 3 er» zusammen- aehaltcn hat. anstatt allen Teilen die Selbständigkeit zurückzugeben. Es handelt sich dabei um die Deutsche Lastautomobil. Fabrik A.-G.. Ratingen, und das Hegyästus-Werk A.-G., Voh- winket, das. 1920 gegründet. Werkzeuge. Schrauben und Fasson- teile herstellt. Diese beiden Konzernwerke haben sich bei Gelsen- kirchener Gußstahl außerordentlich stark verschuldet: die Kredi.e wurden, in denkbar verkehrter Weise, dazu verwandt, gro�e Neu anlagen zu schaffen und erhebliche Vo r ra ts- bestände an Rohmaterialien einzukaufen, obwohl der Absatz nur vorübergehend gesteigert werden konnte. �3 W nicht recht verständlich, daß diese unsinnige Verschilldungspolitit unter den Augen der Reichsbank zu einer Zeit erfolgen konnte. wo allgemein die Kreditkontingentierung bestand!— eeatz eine der- artioe verkehrte Jnveftitionspolitik zwangsläufig zur Illiquidität führte, ist wirklich kein Wunder. Die Sanierung wird nun derart erfolgen, daß die Gelsenkirchcner Gesellschaft die genannten beiden Tochterwerke an die Firma Gebr. Stumm G. m. b.»stit Af* tiven„nd Passiven abgibt, wobei ein Verlust in Hohe von 2,1 Mill. RM. verbleibt. Um den eigentlichen Betneosverlust, rer weitere 1,7 Mill. RM. beträgt, zu decken und um Abschreioungen vornehmen zu können, wird das Aktienkapital in der genannten Weise(von 12 auf 4,5 Mill.) zusammengelegt. Das Endergebnis der Vreslauer Messe muß als noch schlechter bezeichnet werden, als man nach dem Verlauf d» Leipziger Mess angenommen hatte. Die Zahl der Aussteller selost ist von I wJ in den letzten Wochen ein Anziehen der Preise im Handel bis zu 35 Proz. zu verzeichnen: die Unterbietungen der„Verbands- preise", die bisher fast allgemein waren, haben stark nachgelassen. Die deutsche Schwerindustrie rechnet imn damit, daß diejenigen Saarwerke, die bisher den deutschen Preiskonventionen nicht angehört haben, nunmehr zum Anschluß gezwungen sind, wenn sie den für sie lebenswichtigen Absatz ins deutsche Mutterland nicht fast völlig verlieren wollen. So macht also, im Zeitalter des „Preisabbaus" und der„Kartellabwehr", die Preistreiberei der Konventionen und Kartelle gerade aus dem bedeutenden Gebiet des Cisenmarktes, für den wichtigsten industriellen Rohstoff, immer weitere Fortschrittel_ Amtliche Propaganda für Privatbanken. Das Preußische Handelsministerium gegen ständische Baaken. Die„Veko"(Beamtenkorrespondenz) schreibt: Es muß einiger- maßen auffallen, daß das Preußische Handelsmini st e- r i u m in einem amtlichen Schreiben mit einer oußerordenllichen Schärfe gegen die wirtschaftlichen Selbsthilfeorganisationen der Be- «unten, soweit sie sich mit Bantangelegenheiten befassen, auftritt und dabei sogar folgende grundsätzliche Stellung einnimmt: »Zunächst muß es vom«Ulgemein wirtschaftlichen Standpunkt grundsätzlich als unerwünscht und gefährlich an- gesehen werden, wenn einzelne Berufe sich ständische Geldinstitut« schaffen." Was werden zu diesem Satz die landwirtschaftlichen Spar, und Darlehnstassen. die Genossenschaften des G e- w e r b e s, des Kleinhandels, der Beamten und der Arbeiter sagen? Was werden insbesondere die Fraktionen des Preußischen Landtages dazu sagen, die wiederholt gerade sür die landwirt- schafllichen. gewerblichen und Beamten- Genossenschaften sich warm eingesetzt haben, meist sogar unter besonderem Hinweis auf die Not- läge des Mittelstandes und der Beamtenschaft? * Die Stellungnahme des Preußischen Handelsministeriums er- scheint auch uns nnverftändlich. Welches Interesse kann eine amtliche Stelle daran haben, die wirtschaftliche Betätigung der Be- amten, besonders auf dem Gebiete der Geldverwaltung, zu b e- schränken? Wenn den Beamten vom Reichskanzler Dr. Luther geraten wurde, sich in Genossenschaften zum Kamps gegen die Ueber- teuerung der Lebenshaltung zusammenzuschließen, so gehört hierzu ganz selbstverständlich auch die zweckmäßige Anlage und Verwertung von Ersparnissen, die Schaffung von Kreditmöglichkeiten usw. Das ober wollen die Beamten in ihren ständischen Banken für Ihre Mitglieder. Sollten zu der Stellungnahme des Handelsministerium» ihnen gegenüber die Gründe beigetragen haben, die die Privatbanken ou» Konkurrenzneid gegen die öffentlichen Bankinstitute so oft in» Feld führen? Fast hat es den Anschein! Das Preußische Handelsministerium hat dann jedoch keine Veranlassung, in diesen Komps mit einer«ins«!- tigen Stellungnahme einzugreifen, die von der Oefsentlith- keit als«ine Propaganda für die Privatbanken angesehen werden muß. im Vorjahre au Zahl der Einkäu Au f t r ä g e be 600 im März 1926 zusammengeschrumpft. Die er dürste noch weit erheblicher gesunken sein. Die •aui.ti.., r �stehen durchweg aus kleineren Orders. Bessere Qualitäten wurden vernachlässigt: für die Käufer kamen höchstens mittlere Qualitäten in Frage. Die Geschäftstätigkeit war besonders, der Verarmung weiter Käuferschichten entsprechend, aus der Terlil- und Schuhmesse gering. Schlechte Geschäfte machten auch die Aussteller von Haushaltvngsartikeln. Lebha,ter war da- gegen der Austragseingang bei oer Nahrungsmittel« und Genutz- mittelindustrie. ohne dah das Gesamtergebnis der Messe dadurch günstig beeinslußt werden konnte. Nach dieser Enttäuschung ist woy«. damit zu rechnen» daß die Breslauer Veranstaltung, ahnlich wie das die Kölner gemacht haben, stark eingeschränkt wird. Weiterer Ausbau bei der Reichspost. Wenn die WirtschastskrisiZ' selbstverständlich auch bei der deutschen Reichspost sich in einer lang. samaren Verkehrsentwicklung und in einem mäßigeren Steigen der Einnahmen äußert, so sieht die Postnerwaltung doch der weiteren Gestaltung des deutschen Wirtschaftslebens mit Zuversicht entgegen. Sie ist darüber hinaus nach amtlicher Mitteilung auch gewillt, durch Verbesserungen der Lerkehrseinrichtungen und entsprechende teilweise Umgestaltung ihrer Betriebssormen die zu erwartende Besserung der deutschen Wirtschaft mit vorzubereiten, erster Linie soll das Fernsprechwesen mit Hilfe von Anleihe- Mitteln im Betrage von etwa 150 Millionen Reichsmark planinäßiz ausgebaut werden: die weitere Umwandlung der oberirdischen Fern- leitungen im ganzen Reich in unterirdische, die Schaffung selbsttätiger (automatischer) großer Fernsprechämter sind die wichtigsten Merk- male auf diesem Wege. Diese Arbeiten geben übrigens auch der deutschen Industrie und dem deutschen Arbeiter neue Erwerbsmög- lichkeitcn. Im Funkwesen soll der ungeheuren Entwicklung dieses neuen Zweiges Rechnung getragen werden. Auch im P 0 st- verkehr soll durch entsprechende Organisationsmaßnahmen der Betrieb verbessert und modern gestaltet werden. handelsverlragsverhandlungea mit nordischen Siaalen. Amt- lich wird mitgeteilt, daß noch in der Mitte dieses Monats eine yanze Reihe Handelsvertragsoerhandlungen mit nordischen und baltischen Staaten beginnen werden. So werden bereits am 15. März die Verhandlungen zwischen den Delegationen Deutschlands und Schwedens aufgenommen: in informierten Kreisen rechnet man mit einem schnelle» und positiven Verlauf. Sosort nach Ostern be- ginnen die Vorbesprechungen zwecks Abschluß eines Provisoriums mit Finnland. Roch vor dem 15- März werden die Unter- Handlungen mit Dänemark in die Wege geleitet. Das Handels- ocrtragsverhältnis Deutschlands zu Litauen, über das wir bereits mehrfach berichtet haben, wird ebenfalls, namentlich aus litauischen Wunsch hin, Aenderungen erfahren, zuvor jedoch muß der Austausch der Ratlstkationsurkunden des deutlch-litauischen Handelsvertrages von 1923 vollzogen sein.— Die Prüfungsarbeiten der deutschen Zollvorschläge durch die polnische Delegation in Warschau sind be- endet. Mit Wiederaufnahme der Verhandlungen ist. aller Voraus- ficht nach, Ende März zu rechnen. Verlustabschluß bei Goerz. In der Aufsichtsratssitzvng der Optischen An st alt C. V. Goerz A.-G. in Berlin-Zehlendorf wurde die Bilanz vorgelegt, die nach Heranziehung des Reservefonds von 1 Million Reichsmark mit einem Verlust von 9382 RM. abschließt. Der Vorstand begründete das ungünstige Ergebnis mit den unzureichenden Verkaufspreisen. Diese lagen in den meisten Artikeln unter Vorkriegchöhe, obwohl darauf noch die Luxussteuer zu entrichten war: demgegenüber find die Selbstkosten erheblich ge- stiegen. Die Verwaltung glaubt, daß durch eine innerhalb der in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossenen Firmen der Photo- branche vorzunehmende Arbeitsverteil 11 ng und Typi- sierungeinzelnerArtikel eine allmähliche Verbesserung der Gesamtlage eintreten wird, weil hierdurch aller Voraussicht nach mit einer erheblichen Verminderung der Herstellungskosten gerechnet werden kann. Skaakssubvenlion der belgischen Schissahrks-Gesellschaften? Die belgische Schifsahrtsindustrie, die gegenwärtig unter der ousländi- schen Konkurrenz stark leidet, hat sich, wie wir hären, an die Re- gierung mit der Bitte um Subventionierung gewandt. Die Schiss- sahrts-Gesellschasten fordern«ine jährliche Unterstützung von 20 Mit- llonen Frank, die sich vorläujlg aus 5 Jahre erstrecken soll. Im Zusammenhang hiermit können Gerüchte richtiggestellt werden, die von größeren französischen Schiffsboubestellungen in Deutschland auf Reporationskonto wissen wollen. Es schweben lediglich VerHand- lungen über den Bau zweier kleiner Küsteudampfer sür den fron- zösischen Rioieradienst. Handelsabkommen zwischen Deutschland und Guatemala. Zwischen der Regierung von Guatemala und der dortigen deutschen Gesandtschaft ist ein Handelsabkommen unterzeichnet worden. Reines Blut ist die Vorbedingung für Ihr Wohlbefinden. Schlechte Gesichtsfarbe und Hautausschläge kennzeichnen die durch Anhäufung von Stoffwechselschlacken herbeigeführte Vergiftung des Blutes. Schlürfen Sie morgens und abends das köstlich schmeckende kohlensaure ,, Boesongetränk"! Blühend und gesund werden Sie aussehen, kräftig und stark werden Sie sich fühlen. Darum nehmen Sie Boeson- Fruchtsalz Es klärt das Blut, mehrt Kraft und Mut. 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Dies zeigt in tiefer Trauer im Namen der Hinterbliebenen an Frau Emma Winter geb. Goruy und Kinder Berlin D. 84, Rönigsberger Str. 7. Die Beerdigung findet am Montag, den 15. März. nachm ½ Uhr, von der Salle des Zentralfriedhofes Friedrichsfelde aus statt. 9/3 Jukoffens Kaffee SCHUTZ Von erlesener Güte yamm MARKE Tee Hertelklasse" unübertroffen, extrabeite Qualität. H. Streubel, Berlin 33, Taborstr. 12. „ Die Einheit" ist die Gewerkschaftszeitung des aufgeklärten Arbeiters. 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Su erfragen non 4 21ht bei B. 18/6 Zimmer Tausche 8 Rimmer, Rüche, gegen 1 ober 2 Rimmer, Riche. Briebrich obe 54, so IV. 16883 Irettog 12. März 1926 Unterhaltung unö Ä9issen Settage öe« Vorwärts Schalk. Vau Erich Golkgelreu. Schalk wälzt sich, erwacht, reibt die Augen, ficht auf die Uhr. Es ist um zehn. Eigentlich hat er Lust wetterzuschlafen, er oer. zichtet aber darauf, der Straßenlärm würde chn doch bald wieder wecken. Schade. Das Aufstehen lohnt ihm nicht, schließlich verläuft ein Tag so schwer, so langweilig, so niederdrückend wie der andere; der Vormittag bringt die Vergeblichkeit einiger Telephongespräche, der Tagesrest das Kaffeehaus. Schalt ist mit großer Begabung und wenig Fleiß noch etwas mehr als Kasfeehäusler: Filmstatist, Zeitungsschreiber, Schrift' Her, auch musiziert hat er schon beruf- lieh, Aber gäbe er das Kaffeehaus auf, bedeutete das in stärkerem Maße Obdachlosigkeit als Verlust seines möblierten Zimmer». Der droht ihm, weil er sich schon Monate hindurch das Mietgeld stunden ließ, ohnehin. Die Wirtin ist ungehalten, Schglk hat volles Verständnis da- für, aber doch kein Geld, ihre Stimmung zu heben. Es ist halb elf, die Wirtin mag keinen Langschläfer, sie kann Schalk» Zimmer nicht aufräumen, klopft also an, ihm das zu sagen, reißt, da sie ohne Ant- wort bleibt, die Tür auf, ihm das ins Ohr zu schreien. Schalk ist schon aufgestanden. Streit widerstrebt ihm. Post ist nicht gekommen. Nicht einmal von Adel«. Schalk will sie im Kaffeehaus treffen. Um elf geht er aus dem Haufe. Trifft unterwegs einen Be- kannten, der gibt ihm einen Tip, es ist da etwas durch Filmen zu oerdienen, er will Schalt gleich mitschleppen. Schalt weicht au», er muß heute, müde, hilflos, wie er ist. Adele sprechen, führe er ins Atelier, würde er Stunden verwarten, vielleicht nutzlos— also er sagt, er sei heut' verhindert. Unruhig durchläuft Schatt torkligen Ganges die vom Mittags- verkehr durchtrubelten, durchlärmten Straßen. Auffällig angezogen, erregt er Staunen, es kümmert ihn nicht. Mögen ihm die Leute nachsehen, erst waren sie Ihm gleichgültig au» bohemehaftem Ueber- mut, jetzt sind sie'» ihm. weil Lebensangst andere Sorgen hochtreibt. Für's Cafe ist's noch zu früh, Schalk will etwa».tun". Im Westen der Stadt wohnt«in junger, mutiger Verleger, dem Schalt vor ein paar Wochen da» Manuskript einer größeren, möglicher- weise buchdicken Novelle übergeben hat. Gestern hat ihm der ver- leger, mit dem ihn gleiche politische, moralische, gesellschaftlich« An- sichten leicht freundschaftlich verbinden, am Telephon gesagt, daß er zur Lektüre der Arbeit leider noch nicht gekommen wäre. Lächer- lich, ungeschickt, beinahe aufdringlich, daß Schalk nun tagsspäter ins Bureau geht. Was wird er nun damit schon erwirken? Es gibt eine Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger. Es gibt die typische Literalenunterhaltung, der eine hat kein Geld, der andere verspricht es, der eine mimt Unglück, der andere Lebensstärke, für jeden von beiden und erst recht für einen anderen ist es schwer, da das Echt« vom Gemochten zu unterscheiden. Wir sind Schauspieler allzumal. Schalk geht, nun hat er dcch heute etwas getan. Er Nebt die HW, auch wenn sie sinnlos ist. In Seelengefilden, wo Gesten noch nicht betäuben können, be- wegt ihn anderes, nicht Materielles. Sagt Adel« heut« ja. ist alle« gut. Tut sie'» nicht, ist ihm das ganze Getreibe, pathetisch.Leben" genannt, leid. Nötigenfall» wird er darauf verzichten. Beruf? Dieses Ideal ging kaputt. Tätigkeit ist notwendig, weil magen- füllend, kulturermögllchend, schlafstattschaffend, ehbettbereitend. Be- russtätigkeit Entschuldigung»igener Existenz. Mitwell verlangt diese Entschuldigung. Schalk» Ziel ist Adele. Ihr fällt e» nicht ganz leicht, seine Geliebte zu werden. Gewiß, sie liebt Schalk. Liebt? Zu proble» matische», zu oft verschwendete» Wort. Sie hat ihn jedenfalls sehr gern. Für mancherlei Möglichkeit gern. Ein Hindernis ist nicht nur rein äußerlich, auch irgendwie innerlich zu überwinden: der Ander«. Mit dem anderen ist Adele immerhin legitim verheiratet. Innere Beziehungen fehlen längst zwischen den Gallen. Doch wuchs noch nicht da», was man �in- glückliche Ehe" nennt. Die Menschen sind bescheiden geworden und glauben sich glücklich wähnen zu dürfen, wenn sie sich aneinander gewöhnen. Adel«» Gatte ist Kaufmann, fleißig, geschäftstüchtig, leider nicht viel mehr als da», sie aber zuerst eine seinmenschlich« Natur. Di« Reibungen, die der Gegensatz ergibt, sind noch erträglich, Adel« hat Talent zum Dulden, zur Resignation, findet auch gewissen Trost vorläufig in Büchern, bei Freunden. Ein wenig gefällt sich sogar die Eitle in der Rolle, die da» Schicksal sie zu spielen zwingt. Nur, daß auf Jahre noch der Naturtrieb de, Liebesverlangen» eine» von . heißem Blut durchströmten Körper» in ihr mächtig ist. Hier widert der Mann sie, ist restlos«in anderer,»in Fremder. Schön war der Anfang mll ihm. schön die Hochzell»flitt«rzeit. jetzt aber kennt sie ihn genauer, als«in« Frau, die noch lieben will, den Mann kennen darf. Sie fleht nicht mehr den Geliebten in ihm. sieht den Kauf. mann, den Dickbauch, den Bürger. d«n Zeitungsleser, den Theater- stammsitzinhaber«inhundertdreiundsiebenzig. den Alltäglichen im Alltag. Hier hat sich Adele noch nicht.gewöhnen" können. Weiß aber doch, daß Gattenuntreue in. Bürgerlichen als Sünde gilt. Ist es nicht Sünde ober, nun sich selbst mit Ruhe zu quälen? Gesetz der Sitte steht gegen Gesetz des Körpers Ist ihr denn be- kannt, wes der andere heimlich tut? Unruhe quält. Groß Ist auch die Bersührung. Wie sie nachmillag« das über- füllte, schwotzdurchfummte Kaffeehaus durchschreitet, merken die Gäste auf. Sie trägt Ihr« Schönheit hier nur bescheiden und ziem- lich versteckt, fühlt aber die lüsternen Blicke der anderen nicht ungern. Man gäbe für ihr« Liebe schon etwas.... Sie ist gekommen, mll Schalk zu sprechen. Der fitzt schon da. sehr melancholisch, wenig ändert sich sein« Stimmung auch, wie er Adel« erblickt. Sonst wird die Unterhaltung vom wortschwallbegleiteten Spiel der kleinen Kapelle gefördert. Heute wankt das Gespräch nur mühselig von Gedankenpunkt zu Gedankenpuntt. Oft scheint es. als ob die Geleise de» Dialog» irgendwie gefahrbedrcht wären. Taktgefühl und bewußt« Ueberlegung geben Signale, Wendungen, die leicht zu Zusammenstößen führen können, zu vermeiden. .Adele, ich hasse alle Pathetik, aber wenn ich behaupte, ohne dich kaum noch leben zu können, so ist da» mein Ernst." JDiefer Satz ist so oder eigentlich schöner m Romanen aller- dings sehr beliebt. Di« Dichter machen stch's dann leicht, die Wirrnis zu lösen, indem sie Mann und Frau sich einfach kriegen lassen. Aber die Hindernlsie de» wirkliche« Lebens find kaum mll llterarischan Millein zu überwinden." grauen heraus! Wj Vena alle fo zur wehr flch fetzten, wär's für öle oben ZNatthäi am letzten! Immerhin mll gutem Willen. Siehst du, kein Wort würde ich verlieren, wüßte ich nicht, daß du mich liebst. Und deshalb kommen mir dein« Hemmungen kleinlich vor.". .Daß Hemmungen mich noch stärker bedrücken al» Hindernisse. geb' ich zu. Ich fühle mich sehr hilflos. Traurig, daß man in diesen schwersten Dingen doch immer allein bleibt. Ist e» nicht vielleicht besser, alles bleibt so wie heute? Freundschaft, sachliche Freundschaft, wie du dich neulich ausdrücktest, ist doch etwas sehr Schöne«, mein Lieber." „Es gibt ober einen Punkt, wo die Sachlichkeit zwischen Mann und Frau zur Liebe werden muß. Es müssen da natürlich einige Voraussetzungen gegeben sein, ich glaube, zwischen uns sind sie er- füllt. Man ist sich selbst gegenüber ein Tartüff, wenn man sich vor Konsequenzen fürchtet." .Willst du sagen, ich sei feige? Wir sind häufig miteinander zusammen, gehen spazieren, sprechen über alles, auch über da. Per- sönlichst«. Lor'm letzten allerdings fürcht' ich mich." .Und doch glaub' ich, daß du mich heute abend schon besuchen wirst." .Bielleicht. Vielleicht aus— Mitleid." .Wäre ich dumm, würde ich jetzt gekränkt sein. Aber ich empfind« dieses.Mitleid" nur als Entschuldigung, als Maske. Mutiger wäre es, auf jede Notlüge zu verzichten." .Du bist brutal. Vielleicht hast du recht— aber warum mußt du so etwas sagen? Kommt e» nicht nur auf— auf den Effekt an?" .Also darf ich dich heut« abend erwarten?" .Nein, nein— ich muß mir das überlegen, ich muß mir das sehr genau überlegen!" .Adelei", .Du hast leicht bllten. Könnt' ich, wie ich wollte... .Ich fühl' mich beschämt. Jämmerlich ist mein« Position vor dir, hilflos bin ich. haltlos, ein Schwächling. Ja, ich weiß das alles ganz genau. Aber soll ich Kraft markieren, die mir fehlt? Ich brauche dich, dein ganzes Wesen, dein Berstehenkönnen. Bisher warst du es, was man kllschig„Kameradin" nennt. Aber Käme- radin in der höchsten Potenz ist dem Manne erst die Geliebte." (Schluß folgt.) Der„älteste" öerliner. Eli» bedeutsamer vorgeschichtlicher Aund in der Mhe verlins. Die.Vorgeschichtliche Abteilung" des Museums für Völkerkunde(ehemalige» Kunstgewerbemuseum in der König- grätzer Straße) ist dieser Tage durch einen äußerst seltenen Fund bereichert worden. Es handelt sich um einen Grabfund von ganz be- sonderer Art, einmal durch das ungemein hohe Alter»nd zum anderen durch die Form der Bestattung. Bei der wissenschaftlichen Untersuchung eines vorgeschichtlichen Wohnplatzes auf dem Schmöckwitzer Werder, in nächster Nähe Berlins, war man Teile eine» menschlichen Skelettes. Die Form der Bestattung hat zwar im Wechsel der Zeiten mancherlei Wandlung erfahren, doch die absonderlichste Sitte ist jedenfalls die der Zerstückelung und teilweisen Beisetzung de» Toten. Nicht der ganze Leichnam wurde in diesem Falle in die Erde ge- bettet, vielmehr wurde das Individuum sehr bald nach Eintritt des Todes zerlegt und nur bestimmte Teile des Körpers oder der Knochen tat man nach Loslösung des Fleisches in eine mit Rötel angefüllte Grube. Die Gewohnheit, den Leichnam mit Rötel zu färben, oder den Toten ganz und gar in Rötel einzubetten, ist ur- alter Bestandteil eines rituellen Totenkustcs und reicht weit zurück in das Paläolithlkum(Altsteinzeit). Der Fund von Schmöckwiß, dosten eingehende fachwistenschaft- liche Untersuchung noch aussteht, stellt das erst« klare Beispiel für Rötel- und Teilbestattung im nördlichen Europa dar. Nicht nur, daß die Vcstattungsform eine sehr altertümliche ist und hier im Norden gleichsam als eine Fortführung diluvialer Kultgebräuche weiterlebt, sondern auch eine ganze Reihe von merkwürdig kleinen Steingerätc», die gleichfalls von jenem Fundplatz stammen, sind ihrerseits ganz charakteristisch für den Nebergang vom Paläolstht- tum zum Neolithikum(der jüngeren Steinzeit) und lassen ein« un- gesähre Zeilbestimmung zu Demnach wäre der Grabsund von Schmöckwitz auf ein Alter von 80>)0 bis 10000 Ja h r e n zu veranschlagen, da» besagt gleichzeitig, daß es sich damit f ü r unsere Mark um die frühesten sicheren Spure» menschlicher Besiedlung nach dem Verschwinden des letzten Gletfcherei'es handelt, als Tier- und Pflanzen- weit allmählich dcn Boden zurückerobert hatten, als die Landschaft. von der heutigen nicht mehr sehr verschieden, endlich auch dem Menschen alle Möglichkeiten zu einem primitiven Fischer- und Jäger-. dasein bot. Zum Bergleiche bezüglich des Atters sei gesagt, daß der vielerwähnte Tut-Anch-Amon, dessen kostbares Pyramidengrab man jüngst erschlossen, vor etwa vier Jahrtausenden als König über das Volk der Aegypter gebot. Der Grabfund von Schmöckwitz, wie wir ihn jetzt im Museum vor uns sehen, enthäst die Rest« eines Erwachsenen. Ge- nau so, wie das Grab nach sorgfältiger Freilegung draußen an Ort und Stelle beschaffen war. hat es nunmehr Aufstellung ge- sundcn, nichts ist daran geändert, nickst? zerstört. Ganz in ur- sprünglicher Lagerung reihen sich die Teile des Skelettes dicht an- einander: links der«schädel, durch die Lost des Erdreichs ein wenig in die Breite gedrückt, einzeln und getrennt davon der Oberkiefer und der Unterkiefer, au» dem noch guterhaltene Zähne blinken. Sodann unmittelbar anschließend die Beinknochen, im Kniegelenk eng zusammengedrückt. Di« mittleren Teile, Rumpf- und Armknochen fehlen. Alles ist auf engem Raum zusammengedrängt. hier im Schrank ein Geviert von 0.73 Meter zu 1,40 Meter, was ungefähr dem Umfang der ursprünglichen Grube entspricht. Ge- rode nur so weit sind die Knochen herauspräpariert, daß ihre Form erkennbar wird, im übrigen haften sie fest im Erdreich. Und dieses Erdreich, das jetzt fast dunkelrotbraun erscheint, ist eben die Rötel- füllung des Grabes, bei frischem Anschnitt draußen im Boden ein Helles, kräftiges Rot. Auch jetzt noch hebt sich die rötelgefüllte Grube deutlich vom grauen Sandboden ab. Entsprechend seiner zeitlichen Stellung in der Aufeinanderfolge der vorgeschichtlichen Kulturen Hot der Schmäckwitzer Fund un S a a l 1 seinen Platz gefunden. Hier ruht der.älteste �Berliner" friedlich in seinem gläsernen Schrein, träumt von bunten Iagderleb- nisscn und bestaunt den Wandel der Zeiten. Dort draußen aber im märkischen Sand, auf dem Hügel am Wasier, schlummern viel- leicht noch viel« seiner Iagdgenoi'scn in ihren roten Gräbern, die einst sellsamer Totenbrauch ihnen berettet. W. Da» größte Buch der Welt. Die Rekordhascherei greift an- scheinend auch auf das Druckereigewerbe über. Eine Druckerei in New York brachte kürzlich ihr neuestes Erzeugnis auf den Markt: ein R'esenbuch, dessen«eiten Z Meter lang und 1,80 Meter breit waren. Um das Gemeindebestimmungsrecht! Bom Verband der Lebens und Getränfearbeiter wird uns geschrieben: Deffentliche Kundgebungen Zum Kampf um das Gemeindebeſtimmungsrecht nimmt Genoffe für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten " Wilhelm Sollmann in der Abendausgabe des Borwärts" ( Nr. 46) nem 26. Februar unter dem Fragetitel: Troden= legung?" das Wort. Er wendet sich gegen die angeblich falsche Auffassung der in einem Reichsausschuß gegen das Ge= meinde bestimmungsrecht zusammengeschlossenen gesam: ten Alkoholindustrie, zu welchem Unternehmer und Arbeiter, der Alkoholhandel, die Gastwirte aller Art und der Weinbau gehören, und die als Gegner des Gemeindebestimmungsrechts den Eindruck zu ermeden versuchen, als drohe eine Trockenlegung" nach amerikanischem Muster, als stehe die gesetzlich verordnete 3wangsabstinenz" von Wein, Bier und Schnaps bevor, wenn der Reichstag das Selbstbestimmungsrecht annehme". Die ganze Gefeggebungsaktion, sagt Sollmann, fönnte nur eine Verringerung des Angebots von Alkohol zur Folge haben, ein Zurückdrängen der Verführung zum Trinken und damit ein Eindämmen der seit einigen Jahren wieder ansteigenden Alkoholflut. Sonst aber bliebe selbst bei dem radikalsten Siege der Alkoholgegner die Erzeu= gung von Alkohol ungehindert, fiele die Aufbewahrung und der Genuß geistiger Getränke im Privathause und bei privater Gesellig. feit nicht unter das Gemeindeverbot". Sollmann erflärt auch und erkennt an, daß die deutschen Verhältnisse aus tausend Gründen eine Trockenlegung" weder ratsam noch möglich er. scheinen lassen". Wir stimmen dieser Erkenntnis des Genossen Sollmann durch aus zu, und wenn er selbst der Auffassung ist, daß auf alle Fälle die Erzeugung von Alkohol ungehindert bliebe, die Aufbewahrung und der Genuß geistiger Getränke im Privathause nicht unter das Gemeindeverbot fiele, dann fragen mir, welchen 3wed noch das Bemeindebestimmungsrecht haben soll, und ob damit der Alfchol eingedämmt würde. Das hieße doch nur, den 3wischenhan bel ausschalten unter gleichzeitiger Vermehrung des Alkoholton jums. Denn wenn jedermann seinen Bedarf im Hause hat, dann wird höchstwahrscheinlich mehr getrunken werden. Auch dann, menn bei Berbot des Kleinhandels man unter Kleinhandel die Bedürfnisse und Bezüge eines Haushaltes rangieren wollte. Dann würden Haus oder Werksgenossenschaften zum Bezug von alkoholischen Getränken für die Mitglieder entstehen, Zentralen für bie Abnahme größerer Mengen, die etwa gegen regelmäßige Beiträge regelmäßige Anfuhr und Lieferung übernehmen. heute, Freitag, den 12. März: Mitte: abends 7% 1hr in den Musiker- Sälen, Kaiser Wilhelm straße 31. Redner: Dr. Siegfried Weinberg. Prenzlauer Berg( 29. Abt.): abends 7% Uhr in der Aula der Senefelder Schule, Senefelderstraße 6. Redner: Stadt verordneter Richard Krille. Staaten: abends 7% Uhr im Gasthaus Wolff. Redner: Stadtrat Hermes. " 1 3 Wannsee: abends 7% Uhr im Reichsadler", Königstraße. Redner: Josef Ernst. Wilmersdorf: abends 8 Uhr im Viktoriagarten, Wilhelmsaue 113/114. Redner: Gen. Faltenberg und Clara Bohm Schuch. Lichterfelde: abends 7% Uhr in der Oberrealschule, Ringstraße, Ecke Hindenburgdamm. Redner: Siegfried Aufhäuser. Neukölln( 94. Abt.): abends 7% Uhr im Karlsgarten( Bergschloßhöhe), Karlsgartenstraße 6-11. Redner: Franz von Butt Baumschulenweg: abends 7% Uhr in der Aula des Lyzeums, Baum famer. schulenstraße. Redner: Erich Kuttner, M. d. 2. Der Männerchor Oberspree leitet die Kundgebung mit Gefang ein. Grünau: abends 7% 1hr im Lokal Ehrhardt, Jägerhaus, Bahnhofstraße. Redner: Bezirksverordneter Hermann Lempert. Lichtenberg: Demonstrationsumzug. Abmarsch 7 Uhr abends von der Mittelpromenade Frankfurter Allee an der Jungstraße. Die Abteilungen marschieren geschlossen auf. Fahnen und Transparente sind mitzubringen. Abends um 7% Uhr öffentliche Rundgebung in der Aula der Mittelschule, Markstraße 10/12. Redner: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. • Niederschönhausen: abends 7% Uhr im Schloß Schönhausen, Linden straße 11. Redner: Karl Litte, Bezirksverordneter. Reinidendorf- Off: abends 7% Uhr im Restaurant Schüßenhaus, Residenzstraße 1/2. Redner: Ministerpräsident a. D. Frölich. Hermsdorf: abends 8 Uhr im Restaurant Bellevue, Am Bahnhof. Redner: Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Morgen, Sonnabend, den 13. März: Tiergarten( 8. Abf.): Abmarsch zum Demonstrationsumzug und Fackelzug abends 6% Uhr vom Dennewißplay. Anschließend daran öffentliche Rundgebung auf dem Winterfeldtplay. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Kreuzberg: Abmarsch zum Propagandaumzug mit Mufit abends pünktlich 5% Uhr Fontanepromenade, Am Urban. Charlottenburg: abends 6 Uhr versammeln sich alle Mitglieder im Restaurant Wilhelmshof, Spreestraße 7, zur Demonstration, unter Mitwirkung des Reichsbanners. Mit Steglitz: abends 6% Uhr auf dem Marktplak, Düppelstraße, öffentliche Rundgebung. Aufmarsch des Reichsbanners. wirfung des Männergesangvereins Steglitz- Friedenau. Redner: Fleißner, M. d. R. Wozu dann also ein Gemeindebestimmungsrecht? Doch die eifrigsten Befürworter des Gemeindebestimmungsrechts, die Abstinenten, wollen etwas anderes als es nach den bisher zitierten Ausführungen des Genessen Sollmann scheint. Auch wenn Sollmann fagt, daß er nie eine alkoholgegnerische Gesezgebung betreiben würde, die den Anschauungen und dem Willen großer Teile ber Volksgenossen widerspricht und damit zur Erfolglofigkeit verurteilt sein müßte, so würde er gegebenenfalls mit dieser Auffaffung unter den Abstinenten allein bleiben. Und auch ihn haben wir ja schon ganz anders gehört. In der Tagung des Deutschen Arbeiter. Abstinentenbundes in Berlin vom 21. bis 23. November vorigen Jahres sagte er, daß die Abstinenten mit dem Gemeindebestimmungsrecht, falls es eine Mehrheit im Reichstag finden sollte, noch lange nicht am legten Ziele sind". Und es liegt ja auch in der Natur der Sache: wenn man als Alkoholabstinent seine Auffassung auf dem Wege des Gesezes durchsetzen will, muß man auch zu dem Verbot der Alkoholerzeugung kommen, um auch den Bezug des Privathauses lahmzulegen. Oder man muß ben Alkohol a usschant und den Bezug des Privathauses unterbinden, um auf diesem Wege die Produktion abzudrosseln. Diese Auffassung, daß jeder Abstinent die vollkommene Trodenlegung will und erstreben muß, vertritt auch Genosse Scheide. mann in einem Artikel im Raffeler Boltsblatt" vom 19. Februar, morin er übrigens das Gemeindebestimmungsrecht ablehnt. Und auch das Programm der Abstinenten verlangt völlige Troden legung, Gemeindebestimmungsrecht über Erzeugung und Berten, sahen und hörten es. Die Geneffen einig und Müntner brauch alkoholischer Getränke. Nun stellen wir uns einmal die Wirkung der einzelnen Attionen ber: Solange die Erzeugung von alkoholischen Getränken unbe hindert und der Privatbezug frei bleibt, wird der Konsum troß Bemeindebestimmungsrecht nicht geringer, im Gegenteil; wird der private Bezug verhindert und ist der Ausschank und Handel an einem Orte durch das Gemeindebestimmungsrecht verboten, dann find alkoholische Getränke vielleicht im Nachbarort zu finden, der pon dem Verbot nicht Gebrauch macht dort deckt man sich genügend ein und diese Gemeinde hat den Vorteil; würden auf einem Rompler eine größere Zahl Gemeinden, oder, wie die Abstinenten erhoffen, gar das ganze Land trocken gelegt, dann beginnt Zug um Bug der Schmuggel und die Selbstproduktion. Deutschland mit einen ungeheuren Land- und Seegrenzen wäre geradezu ein Barabies für Schmuggler, Deutschland würde im Alkohol ersäuft werden, und wenn es mal hapern scllte oder auch aus Sparsamkeitsgründen, würde die Selbstproduktion einsetzen. Genau wie in den AlkoholDerbotsländern, besonders in Nordamerika. 60 Baumschulenweg: Antreten zum Demonstrationsumzug abends 6 Uhr an der Köpenicker Landstraße, Ede Baumschulenstraße. Karow: abends 7% Uhr im Restaurant Suckow, Dorfstraße. Redner: Bernhard Göring. Was man in Nordamerika fann, wird man sicher auch in Deutschland fönnen. Und genau wie seit der Trockenlegung dort, würde auch in Deutschland bei einem Erfolg der Abstinenten der Suff, heimlich und unheimlich, der Gebrauch schädlicher und tötender Ersatzmittel, die Geisteskrankheiten und die Verbrechen zunehmen, die Gefängnisse überfüllt werden. Die Genossen, die in legter Zeit Nordamerika studienhalber besucht haben und sehen und hören wollhaben sich darüber geäußert, Genosse Badert ist in seinem Studienbericht ausführlicher darauf eingegangen und hat Namen und Daten genannt; er ist auch der Behauptung der Abstinenten nachgegangen, daß in den durch das Verbotsgefez umgestellten Brauereibetrieben jezt mehr Leute für andere Produktionszweige und zu höheren Löhnen beschäftigt würden als zur Zeit der Bier fabrikation, und hat festgestellt, daß in der von den Abstinenten besonders angezogenen Anhäuser- Busch- Brauerei in St. Louis, die zum größten Teil stilliegt, jetzt in allen 3weigen der Produt tion zusammen etwa 2300 Leute beschäftigt werden gegen früher gut 6000, und zu Tariflöhnen der Brauereiarbeiter. In den Brauereibetrieben in Milwaukee ist das Zahlenverhältnis gegen früher noch ungünstiger. Außerdem steht ein erheblicher Teil von Brauereibetrieben in Nordamerika heute noch ohne Be. nutzung still. 250 Brauereien find als solche noch im Gange. Der kleinste Teil von den früher 1300 Brauereien find für andere Produktionszwede umgestellt und stellen meistens Maisprodukte und Sirup zur Heim- Brauerei und Brennerei her Gut M 40 000 Menschen sind in den gesamten früheren Brauerelbetrieben meniger beschäftigt gegen früher. Der amerikanische Brauereis arbeiterverband ist auf unseren Wunsch daran, genaue Feststellungen zu machen. Nun begründet Genosse Sollmann das Gemeindebestimmungsrecht mit der seit Jahren wieder ansteigenden Alkoholflut". Wie steht es damit? Der Bierverbrauch in Deutschland fiel von 118 Liter pro Kopf im Jahre 1900 und 98 Liter im Durchschnitt der Jahre 1911 bis 1914 auf 60 Liter im Jahre 1924; der Branntweintonfum fiel von 6,2 Liter reinen Alkohol in den 80iger Jahren auf 4,2 Liter im Durchschnitt der Jahre 1901-1905, 2,8 Liter 1911-1914 und 0,6 Liter im Jahre 1924. Jm gesamten Moholverbrauch, in reinen Alkohol umgerechnet, steht Deutschland unter zehn europäischen Staaten mit 2,45 Liter im Jahre 1923 zurüd hinter Frankreich ( 14,26 Liter), Schweiz 11,56 Liter), Italien( 10,26 Liter), Belgien ( 5,88 Liter), Großbritannien( 5,38 Liter), Desterreich( 4,50 Liter), Schweden( 2,59 Liter), und hat den größten Rüdgang gegen 1913 aufzuweisen: 62 Prozent. Das zeugt doch nicht von ansteigender Alkoholflut. Will man auch in Deutschland ganze Industrien und hunderttausende Existenzen eintauschen gegen die zum Himmel schreienden Uebel und Schädigungen, die das Verbotsgesetz in Nordamerika erzeugte? Genoise Badert hat bei Besichtigung des Gefängnisses in Minneapolis durch Emsicht in die Gefängnislisten feſtgeſtellt, daß das Gefängnis vollbesetzt war, was vor der Prohi bition nie der Fall war; ein weiteres Gefängnis mit wesentlich mehr Blägen ging der Vollendung entgegen. Das Gefängnis in Detroit, das in früheren Jahren mit etwa 500 Gefangenen belegt war, zählte zurzeit 1200; ein neues soll gebaut werden mit 3000 Plätzen. Der immer größere Bustrem hat die Behörde ver. anlaßt, das neue Gefängnis auf 5000 Pläge zu erweitern. Gemeindebestimmungsrecht soll zum Alkoholverbot führen. Man tann das fagenhafte Gemeindebestimmungsrecht betrachte von welcher Seite man will, man muß immer zu dem gleiche Ergebnis tommen, als Quelle meiteren 3wistes, al Anlaß neuer Wahlmüdigkeit( in Rücksicht auf die vieler zu erwartenden Gemeindeabstimmungen. D.".") ist es aus gezeichnet, als Rampfmittel gegen den Alkoholis. mus ist es gleich null," sagt Genosse Scheidemann in feinem Artikel im Kaffeler Booltsblatt". So ist es! Deshalb fort mit dem Gemeindebestimmungsrecht! Ata Henkel's Scheuerpulver ATA SCHEUER PULVER HENNEL'SATA in handlicher Streuflasche! Sichert sparsamste Verwendung THETZBillige Lebensmittel R MA N Leichtverderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Verkauf soweit Vorrat Mengenabgabe vorbehalten Wurstwaren Bln. Mettwurst Ptd. 95pt. Rotwurst. Ther. Art, Pfd. 95Pt. Hausm.- Leberwurst Pra.95Pt. Jagdwurst..... Pfund 130 ff. Leberwurst Pfand 145 Mettwurst Braunschw. Art, Pfd. 145 Teewurst... Pfund 170 Holst. Salamiwurst Pfund 180 Holst. Zervelatwurst Ptd. 180 Pilaumen- u. Obst u. Gemüse Holl. Weisskohl Ptd. 8Pt. Holl, Rotkohl Ptand 8Pf. Malta- Kartoffeln Pfund 15Pt. Zitronen.... Dutzend 35Pt. Apfelsinen Dutzend 45Pt Essäpfel...... Pfund 20Pr. Ananas ges. Früchte, Pid. 100 Ananas- Renetten Pfand 30Pt. bar- mon-. 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