Abendausgabe Nr. 122 ♦ 43. Iahrgaüg Ausgabe B Nr. 61 BejussicSinsunstn mth Snjtisenyreff« lwd in bei Morgenausgabe angegeben SeftatHon; SZD. 68, Cinöcnfltaftt 3 f ernfptediee: Dönhoff 292— 297 S«l.'li6ceffe:So]iaI0emotrat Berlin Vevlinev Volksblstt (*10 Pfennig� Sonnabenü 13. März 1926 Bet!«« nnb«nzeigenabteilun«: Tekchöftszeit»-ö Uhr H-rlngein vorwörts-vrrlag GmbH. Berlin SW. 68. cindenstroh« 3 Zernsprecher: Dönhoff 292— 292 Zcntralorgan der Sozialdcmokrati fchen parte» Deutfchlands Noch keine Entspannung in Genf. Cine Vollversammlung ohne Interesse. � Weitergang der inosfiziellen Beratungen. Genf. 13. ZllSrz. fEigener Drohkberichl.) Der französische Zsiinisterpräsidenl Briand empfing am Ireltagabend nach der Ablehnung des Kompromihvorschlages durch die deutsche Delegation die französische Presse. Cr erklärte, dah er für den Augenblick keinen Ausweg mehr sehe. Was Frankreich betreffe. so sei e» an der Grenze seiner Konzessionen angelangt. Jehl sei das Werk von Locarno. ja die nnmiltelbare Zukunft des Völkerbundes b eH r o h t. Er sei erstaunt und aus das schmerz. lichste überrascht, daß der von Vandervelde gemachte v e r. mittluogsvorschlag. den er unter Verzicht aus seine ur- sprüngNche Forderung nach einem sofortigen ständigen Sitz für Polen unterstüht habe, von Deutschland abgelehnt worden sei. Auch Vander- Velde äußerte sich in dem gleichen Sinne. Der erste haupkdelegierte Frankreich». Genosie Paul Von- cour. erklärte dem Sonderkorrespondenten des.Sozialistischen Pressedienst":»Ich bin der Ansicht, daß. wenn die französische Delegation noch writere Konzessionen machen würde. Briand keineswegs mehr die Sicherheit hätte, die Ratifizierung des Docarno- Vertrages Im Senat durchzusehen. Da» ist keine Prestigesrage für uns. sondern eine Frage der politischen Vernunft. So wie die Dinge heule abend liegen, sehe ich schwarz, und wenn morgen kein Umschwung eintritt, so befürchte ich. daß schließlich nur noch eine Gesamlvertagung der ganzen außerordentlichen Session des Völkerbundes das Schlimmste verhüten könnte und die Türe zn einer späteren Verständigung ossen ließe." Da die Vollversammlung de» Völkerbundes am S o n n- abendvormiltag zur Diskussion allgemeiner Fragen zusammen- tritt, wird der Rot erst nachmittag» wieder seine ossiziösen Beratungen aufnehmen können. 3m Dause dieser Besprechungen dürfte wahrscheinlich ein letzter versuch gemacht werden, den Bruch zu verhindern. Briand hat inzwischen seine Abreise und die Abgabe der Regierungserklärung auf D o n n e r» t a g der kommenden Woche verschoben. 3n maßgebenden Kreisen betrachtet man oorläusig als den noch vorhandenen Ausweg die Annahme des vom schwe- di scheu Außenminister gemachten Angebots, auf den Rats- sitz zu verzichten. Diesem Ausweg stehen von gewissen Seiten natürlich Schwierigkeiten entgegen. Das Angebot llndens gilt selbstverständlich nur für den Fall, daß damit ln der jetzigen Tagung die Ratisrage erledigt werden kann und von anderer Seite keine weiteren Ansprüche gestellt werden. V. Loli. Genf. 13. März.(Eigener Drahtbericht.) lieber Nacht hat sich, wie immer nach einer starken Aufregung, die Stimmung in Genf etwas beruhigt, obwohl bisher kein sachliches Anzeichen von Entspannung bemerkbar wird. Man hofft, daß von deutscher Seite irgendein Schritt erfolgen werde, und sei es nur, um die Verhandlungen in Fluß zu bringen. Nielleicht ergibt sich eine solche Gelegenheit bei einem Frühstück, das Luther heute mittag zu Ehren Ehamberlains veranstaltet. Noch in der Nacht, gegen Ml Uhr, hatte der englische Ministerpräsident die englische Presse versammelt und ihr erklärt, alles sei aus, die Verträge von Locarno seien lahmgelegt und dergleichen Redensarten mehr, die auf deutscher Seite teils als Taktik oder als der Ausdruck der persönlichen Beklommenheit Ehamberlains betrachtet werden und keinen allzu großen Ein- druck machten. Ehamberlain erklärte bei dieser Pressekonferenz, daß er über 4t> Millionen Engländer gegen sich habe. Dennoch glaube er im Recht zu sein und nicht anders handeln zu können. Die für heute vormittag um 10X Uhr angesetzte Vollversammlung verlief entsprechend ihrer Tagesordnung und der all« gemeinen Stimmung interesselos. Aus Nachrufe für Leon Bourgeois und für Budgetfrogen bzw. Baupläne des Völkerbundssekretariats kann man zurzeit wenig Interesse aufbringen. Die Sitzung dauert« kaum länger als eine Stunde. Die vielen abwesenden Delegierten haben nichts versäumt. Ebenso blieb der Zwischenfall aus, den man befürchtet hatte: Man hatte nämlich mit der Möglichkeit gerechnet, daß irgendein Delegierter eines kleinen Staates das Wort verlangen würde, um zu fragen, was los sei. Man habe die Völkerbundsversammlung für den 8. März einberufen, um den Eintritt Deutschlands in den Völker- bund zu vollziehen. Und heute— nach einer Woche— fei davon noch immer nicht die Rede. Ein solcher Vorstoß Hölle natürlich nur Oel aufs Feuer gegossen und er ist wohl deshalb nicht erfolgt. Ehamberlain erklärt weitere Verhandlungen für zwecklos. London. 13. Mörz.(WTB.) Di« Lage in Genf wird von Reuter wie folgt geschildert: 1. Dr. L u t h e r hat die Delegierten der alliierten Regierungen dahin verständigt, daß die deutsch« Regierung nicht in der Lage sei. di« Vorschläge anzunehmen, die der deutschen De- legation am 12. März morgens unterbreitet wurden, um die Krise wogen der Sitze im Dälkerbundsrat zu regeln. 2. Briand teille mit, daß die deutsch« Regierung nicht in der Lage sei, die Vorschläge anzunehmen, die die äußerst« Grenze der alliierten Zuge st ändnisse darstellten. 3. In einem Interview mit dem Reuter-Korrespondenten sagte Sir Austen Ehamberlain. Wenn er auch am Vormittag hofsnungsvoll gewesen sei, bezüglich einer befriedigenden Regelung infolge des leidenschaftlichen Appells Vaudcroeldes. der versöhnlichen Haltung Briands und seiner eigenen Bemühungen, so habe er jetzt doch auch den Eindruck, daß die Ablehnung der letzten Vorschläge durch Dr. Luther all« Bemühungen zur Fort» setzung der Besprechungen zwecklos gemacht habe. Ehamberlain bezeichnete das Ergebnis als eine Tragödie und fügte hinzu, was die Zukunft betreffe, so liege di« ganze Angelegen- hell in den Händen des Völkerbundes. von 10 bis 5 Uhr liegen am Sonntag die Einzeichnungslisten für da» Volksbegehren au den bekannten Stellen aus. Auf jede Stimme kommt es an. Darum darf keiner länger säumen, sondern seinen Hamen in die Listen eintragen für üas Volksbegehren! Die Eintragungen in Serlin. Bisher fast 800000! Die Eintragungen zum Volksbegehren waren tu Berka am gestrigen Freitag, wie bereits in unserer heutigen Worgeuau». gäbe aus Grund von SUchproben vermerkt wurde, um einiges geringer als am Donnerstag. Das Tagesergebnis ist aber mit öS 630 immer noch ja stattlich, daß es sich sehen lassen kann. Die Minderung gegenüber dem Donnerstag geht durch fast alle Bezirke hindurch: nur Lichtenberg macht eine Ausnahm« und holt versäumtes nach, indem es auch diesmal eine Mehrung gegenüber dem Vortag bringt. Die Gesamtzahl der bisherigen Ein- lragungen für Berlin stellt sich nun auf 733 826. woran der volkreiche und vorwiegend von einer Nnksgerichleken Bevölkerung bewohnte Bezirk Wedding allein mit fast 100 000(genauer: 96 965) beteiligt ist. Eingetragen wurden am Donnerstag und am F r e i l a g(in klammern die Summen aus den bisherigen neun Tage n): Mille 6625. 4533(51 271); Tiergarten 5496, 3862(47 259); wedding 10122, 7557(96 965); Prenzlauer Berg 8441, 6290(78 633); Friedrlchshain 10 343, 7205(88 785); Kreuzberg 10 202, 6812(88 651); Eharlolleuborg 5706, 4132(41742); Spandau 2594, 2387(21 460); wilmersdors 2054, 1588(15 046); Zehlendorf 306, 263(2360); Schöneberg 3786, 2847(31 284); Steglitz 2001. 1470(13 784); Tempelhof 1333, 1164(11 185); Neukölln 8263. 5565(77 233); Treptow 2695, 1932(24 940); Köpenick 1436. 928(14 055); Lichtenberg 4752, 6204(42 702); Weißensee 1481, 973(10 801); Pankow 1883, 1318(15 237); Reinickendorf 2556, 1545(19 433). Groh-BerNa: 92 075. 68 630(793 826). * Eifrige Werbearbeit in allen Bezirken und allen Kreisen der Bevölkerung läßt erhoffen, daß am heutigen Sonnabend und am morgigen Sonnlag in Groß-Berliu die volle Million Eintragungen erreicht wird. Ueber 00000 in Köln. Köln. 13. Mörz.(Eigener Drahlbericht.) Bis Freitag abend waren in Köln über 60000 Namen für die Einzeichnungslisten zum Volksbegehren eingetragen. Wenn der Zustrom in dem gleichen Tempo anhält, wird in Köln die Zahl der sich Einzeichnenden bis zum 17. März auf etwa 120 000 anwachsen. Stanö öes Voltsbegehrens in Serlin. l&SRfc}:«9000 liMirj: 92000 10«är»; 74000 9. SHärj: 122 000 «.MS«: 1»000 7. SRärj: 165000 6 Mn« 56000 5. Mär) 50000 «.MS«: 36003 1 100 000 1 050 000 1000 000 950 000 900 000 860 000 800 000 750 000 700 000 660 000 600 000 000 000 450 000 400 000 350 000 300 000 250 000 200 000 150 000 100 000 50 000 0 das siebente Gebot. Und der Bischof von PafslUt. Von katholischer Seite wird uns geschrieben; Der Bischof von P a s s a u hat es seinen Diözesanen zur Gewissenspflicht gemacht, unter allen Umständen die Ein- tragung in die Listen des Volksbegehrens zu unterlassen. Er beruft sich dabei auf das siebente Gebot, in dem es heißt; „Du sollst nicht stehlen!" Es ist nicht ohne Interesse, daß der Bischof von Passau dem bayerischen Uradel angehört: der Sigismund Felix ist Sigismund Felix Freiherr von Ow, und es scheint, als ob hier der Adlige, nicht der Seelenhirte gesprochen hätte. Einer der Ow war in der Kulturkampfzeit als Zentrums- abgeordneter Präsident der Bayerischen Kammer. Der adlige Bischof geht aber bei seiner Kundgebung von einer falschen Voraussetzung aus. Diebstahl kann nur am Eigentum begangen werden; das setzt voraus den rechtmäßigen Erwerb. Herr von Ow hätte daher gleichzeitig untersuchen müssen, inwieweit gerade in dem Falle des Fürstenbesitzes von rechtmäßigem Erwerb die Rede sein kann. Er hätte bei dieser Untersuchung unschwer feststellen können, daß so man- ches, das sich heute im Fürstenbesitz befindet, ebenfalls nur gegen das siebende Gebot in diesen Besitz gelangt ist) es ist also nur Besitz, nicht Eigentum. Man hat nie ge- Slört, daß einmal eine warnende Stimme die Fürsten auf die- es siebente Gebot aufmerksam gemacht hätte. Soweit es sich also um den Besitz handell. dessen rechtlicher Erwerbstitel nicht feststeht— Gewalt gibt keinen Rechtstitel— kann von einer Sünde gegen dos siebente Gebot keine Rede sein. Darüber dürfte sich auch der Herr Bischof von Passau im Klaren sein. Der Staat hat das Eigentumsrecht der Untertanen zu schützen. Die Fürsten sind ohne Zweifel Untertanen im Sinne der früheren Zeit und im staats- und rechtspolitischen Sinne. Dieser Schutz kann aber ohne Zweifel nur dem wirklichen Eigentume angedeihen. Was aber sagt Professor Wal- t e r. dessen Autorität in katholischen Kreisen anerkannt ist, im Staatslexikon der Goerres-Gesellschast, 1. Band, Seite 1492: „Gewiß obliegt es der Staatsgewalt, das Eigentum durch eine feste Rechtsordnung zu sichern, also der sittlichen Seite des Rechts auch mit der physischen Erzwingbarkell zu Hilfe zu kommen. Aber dabei hat es keineswegs sein Bewenden. Vielmehr fällt dem Staate gerade auf dem Gebiet der Güterverteilung eine hochwichtige Aus- gebe zu. Daß das Privateigentum wirklich die seine Existenz recht- fertigenden segensreichen Wirkungen in der Gesellschaft entfalte, dar- auf hinzuarbeiten ist der Staat an erster Stelle mit der nach innen wirkenden Kirche berufen." Professor Walter spricht dann von den Enteignungsbc- fugnissen des Staates und fährt fort: .Well wichtiger aber ist es, daß der Staat für eine sozial ge- sunde, d. h. dem Mittelstandsideal sich annähernde Eigentumsvcr- tellung sorge." Nachdem Professor Walter verschiedene staatliche Ein- griffe erwähnt, schließt er: .Das sind keine unbefugten Eingriffe in die Heiligkeit des Privateigentums: denn der Eigentümer ist ein Glied der staatlichen Gesellschaft und das Eigentum eine soziale Institution insofern, als es nicht bloß dem Wohl des einzelnen und der Familie dienen, sondern seine segensreichen Wirkungen über die Gesamtheit erstrecken soll." Und auf Seite 1484 führt Professor Walter aus: .Die soziale Seit« am Eigentum tritt am stärksten zutage in den Fällen„äußerster Not". Wer sich in solcher Lage befindet, Ist befugt, sich das zur Abwendung der Gefahr Nötige aus fremden Eigentum anzueignen, selbst gegen den Willen des Eigcntüi. �rs. Das formelle, fremde„Recht" des Besitzers wurde gegenüber dem höheren Recht auf das Leben materiell zum Unrecht... Das Recht auf Existenz ist wichtiger und dringlicher als der in solchem Fall bloß äußerliche und inhaltsleere Rechtstitel des Eigentümers." Professor Walter beruft sich dabei ausdrücklich auf den als Theologen gefeierten Iesuitenpater E a t h r e i n. Wohl aus dem Gefühle, daß die Theorie theologisch und juristisch unhaltbar ist, derzufolge sich der gegen ein göttliches Gebot versündige, der sich in die Listen eintragen läßt, weist der Bischof auf mögliche Konsequenzen hin. Ganz abgesehen davon, daß an solche Enteignungsmaßnahmen gegen die Kirche niemand denkt, ist es ein Unding, auf Möglichkeiten und Eventualitäten gestützt, eine solche Verordnung zu er- lasten, welche danach einen Uebergriff auf das staatspolitische Gebiet darstellt. Daß dieser in Bayern ungerügt bleiben wird, kann nicht wundernehmen. Die Anhänger der„alten Zeit" dürfen versichert sein, daß Bismarck so etwas nicht geduldet hätte. Tatsächlich schafft der Bischof von Passau für seine Diözesanen— ohne Grund und Berechtigung.— nur einen schweren Gewissens- k o n f l i k t, den er selbst zu verantworten hat. Davon kann keine Rede sein, daß der eine Sünde im kirchlichen Sinne begeht, der sich in die Listen enträgt. Auch hier gllt der alte Rechtsgrundsatz der Römer:„Wer sein Recht ausübt, verletzt niemanden." Immerhin ist der Hinweis auf das siebente Gebot insoweit dankenswert, als er geeignet ist, nicht dem Volke, sondern den Fürsten ins Gewissen zu reden, das beim Erwerb von Besitz sowohl hinsichtlich des sechsten und siebenten Gebotes immer sehr weit war. 4° Die Zentrumspartei Groß-Berlln hiell am Frellag im Gesellenhaus ein« Delegiertenversammlung ab. die sich mtt der Frage der Fürstenabfindung beschäftigte und in der auch Windtborstbttndler und Zahlreiche Zentrum swähler als G ci st e anwesend warein Das Referat hielt der Reichstagsabgeordnete S ch ö n b o r n. Als der Referent von de» 750 000 Eintragungen in Groß- Berlin sprach, drückten die Versammelten ihre Freude darüber durch lebhafteBravoruse undHände- klatschen aus. Schönborn stellte fest, daß derjenige, der sich für das Volksbegehren eintragt, kein schlechter Zentrums- mann fei. Er versprach auch, für eine Lösung der Frage, wie sie den Wählern genehm sei, sich einzusetzen. In der daraussolgenden Diskussion kam die Stimmung der Zcntrumsanhänger für das Volksbegehren zum Ausdruck. Man müsse sich in die Listen eintragen, um einen Druck auf das Parlament auszuüben. Es wurde auch betont, daß in Zentrums- kreisen nicht mehr das unbegrenzte Vertrauen zu den Beschlüssen der Fraktion herrsche. Ein Redner sagte, man werde sich hüten, auf das Volksbegehren in Erwartung sehr unsicherer Dinge zu verzichten. Die Frage. der Fürstenabfindung sei eMe politische Frage, die man nicht nur vom rechtlichen Standpunkt ansehen dürfe. Mit überwältigender Mehrheit wurde schließlich eine Resolution angenommen, die in scharfen Worten die Mißstimmung der Ver- sammlung über den Fraktionsbeschluß ausdrückt. Die Zlufforderung, sich nicht einzuzeichnen, wird darin als eine Verletzung der verfassungsmäßig verbürgten Rechte jedes Deutschen abgelehnt. Eine andere Resolution, die sich dem Kompromiß- entwurf des Reichstags näherte, wurde mit ebenso großer Mehr- hcit abgelehnt! Auch in tfulbn! Fulda, 13. März.(Srk.) Die größte Versammlung, die Fulda je gesehen hatte, war die gegen die FUrstensorderungen. Obwohl das Zentnim offiziell gegen das Volksbegehren Ist, tonnte es nicht verhindern, daß 1300 Zentrumsleute in der Versammlung anwesend waren und sich für Unterstützung des Volksbegehrens aussprachen. Der erste Redner, Dr. M e i ß! n g e r(Z.) setzte sich gleich dem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Paul Rühle für das Volksbegehren ein. Und gerade die Zentrums- nnhänger quittierten die Ausführungen beider Redner mit lebhaftem Beifall. Unabhängige Justiz? Wie die Rechte sie auffasit. Die gesamte Rechtspresse wendet sich lärmend gegen den Kommentar des Ministerpräsidenten Braun zu seiner Reichsbannerrede, der einige unverblümte Wahrheiten entbält. Sie sieht in den Ausführungen einen Angriff auf die Un- obhängigkeit der Justiz. Die Tatsachen reden eine andere Sprache. Genosse Broun hatte dem Schwurgericht»es Landgerichts III. Berlin zwei Dinge zum Borwurf gemacht: den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei dem Fememordpro�eß Schirrmann und das Versäumnis, die Hintergründe des Mordes aufzudecken. Wie unnütz der Ausschluß der Oeffentlichkeit war, hat inzwischen der Untersuchungsverlauf im Femeausschuß erwiesen. Er hat allerdings auch die Gründe aufgedeckt, wes- halb die R c ch t s k r e i s e ein I n t e r e f s e am A u s s ch l» ß d e? D e f f e n tl i ch k e i t haben. Dieses Interesse ist aber kein Staatsinteresse. Daß es notwendig ist, die Hintergründe der Femeinorde aufzudecken, haben inzwischen die Justiz- behörden selb st bestätigt. Sie haben den Antrag gestellt, den Komplex der Fememordprozesse dem Staats- gerichtshof zu überweisen, weil es sich erwiesen habe, daß die tieferen Zusammenhänge der Fememorde ausklärungsbedürftig seien. Wenn sich die Rechtspresse für die Unabhängigkeit der Gerichte einsetzt, so können wir dcm nur zustimmen. Aber wer im Glashaus fitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Wie sieht es denn in Ländern aus, die mit einer Regierung nach dem Geschmack der Rechtsparteien gesegnet sind? Der Fall S t ä l tz e l aus dem Lande der Stahlhelmregierung, Braun- schweig, ist in frischer Erinnerung. Der Fall Luppe liegt erst einige Wochen zurück. Im Lande der Ordnungsregierung, T h ü r i n g« n, reiht sich ein Iustizskandal an den andern. Dort müss.i selbs! Gerichte und Scaatsanwälte ösfentlich fest- stellen, daß reaktionäre Reg'tcLcj wiederholt einen Druck auf die Justizbeho�ien ausgeübt haben. Und hat sich etwa das sicherlich nicht demokratisch eingestellte Reichs- wehrkommando geniert, sich sofort noch dem Einmarsch in Thüringen der Justiz zu versichern? Die Rechtspresse hat allen Grund von der Unabhängigkeit der Gerichte zu schwelgen! Ihre Sorge ist weniger diese Unabhängigkeit, als die Umstellung der Justiz zu einer objektiven Behörde der Republik. « Aus Thüringen wird uns geschrieben: Wie olles in Thüringen hat auch diese Berufung des bisher als Richter am Gemeinschaftlichen Thüringischen Oberlandes- gericht in Jena tätigen Obcrlandesgerichtsrats Dr. B l o- meyer zum Universitätslehrer eine politische Rote. Dr. Blomeyer genießt mit Recht den Ruf eine» außerordentlich bejähigten Juristen und das Ansehen, in dem die Rechtsprechung des Jenaer Oberlandes- gerichts steht) begründet sich nicht zuletzt auf seine Tätigkeit. Trotz- dem oder gerade wegen seiner hervorragenden Qualitäten als Richter hat sich Blomeyer unbeliebt gemacht— und zwar beim thüringischen Justizministerium bzw. dessen Juristen. Denn vor dem Zivilsenat, dem Blomeyer angehörte, hat das Land Thüringen in den letzten zwei Iahren zahlreiche Staats- Prozesse verloren. Warum? Man erzählte sich über die Meinung des in diesen Prozessen als Berichterstatter tätigen Ober- landesgerichtsrat Dr. Blomeyer sehr viel. Einmal wurde es dann auch öffentlich bestätigt, indem Blomeyer in öffentlicher Senatssitzung einen Staatsprozeß, für dessen Führung das Justizministerium ver- antwortlich zeichnete, al» ungenügend nnd nachlässig vorbereitet erklärte und für den Staat verloren machte. Damit war das Geheimnis der thüringischen Staatsprozesse enthüllt— und Oberlandesgerichtsrat Dr. Blomeyer in Ungnade gefallen. Die ZZa- tanz eines Lehrstuhles an der Universität Jena bot den Anlaß, um Blomeyer aus der Rechtssprechung zu beseitigen. Für die Landes- Universität ist die Ernennung Blomeyer» zweifellos ein großer Vor- teil. Hingegen muß sein Ausscheiden aus der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts bedauert werden. Terror gegen vcl'sbegehren. Ein Rundschreiben des Kreislandwirtschaftsverbandes Justerbnrg. Königsberg, 13. März.(Eigener Drahtbcricht.) Der Kreis- landwirtschastsverband Insterburg verbreitet an seine Vertrauensleute ein Rundschreiben, in dem es heißt: .Wir bitten die Herren Vertrauensleute ergebenst in ihren Dertrauensbezirten Aufklärung zu schasen und der Sammlung von Unterschriften durch Hauslisten usw. oder der Anwendung eines Druckes zur Erzwingung von Unterschriften entgegenzutreten. Wichtig ist für uns, daß wir aus dem kreise die Kamen aller derer hoben, die sich in die eisten eingetragen haben, wir bitten daher ganz ergebenst vor Schließung der Listen am 17. Wärz in die Listen Einsicht zu nehmen und einen Auszug mit Kamen aller derer, die sich eingetragen haben, anzusertigea und uns zuzusenden. Wir bitten dies»nicr keinen Umständen zu versäumen, da wir aus v o I l st ä n- diges aus dem gesamten Kreise zusammenge stell- tcs Material größten Wert legen. Der Vorsitzende. gez. Hundertmal k. Wittgirren. Derartige Listen haben nur dann einen Sinn, wenn beabsichtigt ist, gegen die Ramensträgcr der schwarzen Listen später vorzugehen. Faktisch bedeutet also das Rundschreiben der Hundertmark und Genossen eine Drohung, die geeignet ist, auf die Bevölkerung einen widerrechtlichen Zwang auszuüben. Aufgabe der Be- Hörden wird es sein, die Bevölkerung vor den Rachegelüsten dieser Herrschaften zu schützen. Trotz derartiger Pressalien haben sich bisher in Königsberg 23 000 Personen in die Listen eingetragen, in Insterburg 2824. Das sind 15 Proz. der Stimmberech- t i g t e n. Demokraten für Volksbegehren! Ffolge der Verschleppungstaktik des Rechtsauszchnsies« Justizminister Dr. Marx erklärte gestern im Rechtsaus- schütz, die Reichsregierung habe beschlossen, vorläufig zum Ab- findungskompromiß keine Stellung zu nehmen. Ihre Mit- arbeit bedeute noch keine Zustimmung. Der R e ch t s a u s- s ch u ß beschloß darauf, sich bis nach Abschluß des Volks- begehrens zu vertagen. Dazu bemerkt das„Berliner Tageblatt": Beide Tatsachen sind geeignet, eine lebhafte Verwunderung zu erregen. Die entscheidenden Kompromißverhandlungen haben in der Reichskanzlei stattgefunden, und es stand wohl allen Mitgliedern des Kabinetts frei, sich daran zu beteiligen. Daß die durch Kabinetts- beschluß festgestellte Einmütigkeit der Reichsregierung sich nur auf die Grundgedanken der Vorlage bezogen häiten, ist eine Deninng, die erst jetzt ganz überraschend auftaucht. Man muß die Sache sehr wohlwollend beurteilen, wenn man in dieser plötzlich eingetretenen Unklarheit keine Verschleppung sehen will. 4 Und dann die Vertagung! Das Plenum des Reichstags freilich läßt eine mehrtägige Pause eintreten. Aber mußte deshalb auch der Rechtsausschuß seiern? Andere Ausschüsse arbeiten weiter. Keiner halte soviel Ursache dazu gehabt wie gerade der Rechtsausschuß. Die Meinung der Regierung über den gegen- wärtigen Kompromißentwurs spiell dabei keine Rolle: wichtig wird erst ihre Stellung zu der endgültigen Fassung sein, die der Rechts- ausschuß mit Mehrheit beschließt. Klan hotte wohl allgemein er- wartet, daß das Kompromiß seine desiniiive Gestalt gewinnen würde, ehe die Einzeichnungssrist für das Volksbegehren abgelaufen sein würde. Seine überraschende Vertagung über diese Frist hinan« wird vermutlich die ungewollte Wirkung haben, daß viele bisher Schwankende nun das Volksbegehren durch ihre llnlerschnst unterstützen werden. Die Schlußfolgerung des„Berliner Tageblatts" ist un- mißverständlich. Sie entspricht den Gesetzen der Logik. Kürzung üer Seamtenbezüge. Der BundesauSschusi des AT>V. appelliert an de» Reichstag. Bundesausschuß und Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes haben sich mit der durch die Stellungnahme des Reichsfinanzministers geschaffenen Sachlage befaßt. Reichsfinanz- minister Dr. R e i n h o l d lehnt die Uebernahme der im Dezember vergangenen Jahres den Beamten der Gruppen 1 bis 6 gewährten Zulage m das neue Etatsjahr ab. Die Zulage, die ursprünglich nach dem einmütigen Beschluß des Hauptausschusses des Reichstages die Form einer Erhöhung der lausenden Be- z ü g e haben sollte, ist lediglich aus Einwirkung der Reichsregierung hin in eine einmalige Zulage umgewandelt worden, mit Mck- ficht darauf, daß die Frage ihrer Einarbeitung in die laufenden Bezüge der vom Reichskanzler Dr. Luther zum 1. April ange- kündigten Besoldungsreform vorbehalten bleiben sollte. Nachdem nunmehr auf Wunsch des Reichssinanzministers Rein- hold diese Reform auf unbestimmte Zeit vertagt ist. ist nach Auffassung des ADB. in Uebereinstimmung mit den von den Parteien bis Dezember gefaßten Beschluß die Einoerleibung dieser Zulage in die laufenden Bezüge notwendig. Der vom Reichsfinanzminister beabsichtigte Wegfall der Zulage würde für die davon betrofse- neu Beamten eine unerträgliche Einkommenoerkür- z u n g bedeuten und überdies im Widerspruch zu der vom Reichs- finanzminister mehrfach abgegebenen Erklärung stehen, daß er eine Gehaltskürzung der Beamten nicht mitmachen werde. Angesichts der von Regierung und Reichstag anerkannten Rot- läge der Beamten in den unteren und mittleren Gruppen, deren Bezüge während des ganzen Jahres 1925 trotz steigender Teuerung eine Aufbesserung nicht erfahren haben und heute noch in ihrer Kaufkraft nicht nur tief unter dem Dorkriegsniveau stehen, sondern auch gegenüber 1926 gesunken sind, fordert der ?lllgemeine Deutsche Beamtenbund vom Reichstag die U e b e r- nähme derZulage in die laufeirden Bezüge des neuen Etats- jahres, und zwar in verbesserter Form, wobei auch die m i t r e a Besoldungsgruppen über 6 zu berücksichtigen sind. Kurt Kläber. Von Walther G. Oschilewski. Abgesehen von einem schmalen, vor einigen Iahren in der Jenaer Volksbuchhandlung erschienenen, inzwischen neu aufgelegten Büchlein„Junge Saat" las man von dem jungen Arbeiter- dichter und Bergmann Kläber nur in Jugendzeitschriften und kleine- ren'Arbeiterzeitungen Verstreutes: Verse, die jung und dennoch schon gekonnt, Prosa, die anfangs verträumt und nnproletarisch, später aber dann klar und einfach, in einem gehämmerten, arbeiU- durchrasselten Deutsch, gewinnend und kraftvoll schien. War es früher nur das heiße, liebende Herz, das diesem jungen Arbeiter zum Symbol einer ganzen, dem Gleichmaß des Tages, der Satt- heit des Lebens überdrüssigen Jugend wurde, so härtete ihn bald das Feuer unter den Hochöfen Westfalens zu einem Menschen, dem die Zeit und das Dasein nur Aufgabe, der Wille und das Tun nur Gestaltung, ist. Wer Klaber kennt oder seine Entwicklung, die durch die Zeit- schriften der deutschen Jugendbewegung lief, verfolgen konnte, wird diese Veränderung in seinem dichterischen Schaffen und sein Be- mühen, mehr nnd mehr dem revolutinären Proletariat die Waffen zu schärfen"), im stärkeren Maße seit seiner Amerikafahrt, die ihm ausländische Freunde ermöglichten, bemerkt haben. Liest man jetzt seine ganz auf das sprachlich Notwendigst« konzentrierten„G e- sprächean Bord", Reiseskizzen aus dem empfehlenswerten Aus- wahlbuch„Empörer! Empor!"(Verlag der Syndikalist, Berlin O. 34). so weiß man auch, wer ihm in der verzweifeltesten und selbstanklagenden Zeit Lehrmeister wurde. Emile Zola, der große feanzösische Schriftsteller, für den selbst der sprachgewaltige Dichter- Philosoph Nietzsche nur den unverdienten Spott„Zola, oder di« Lust am Stinkest" übrig hatte. Wenn er In diesem Zusammenhang genannt und damit im besonderen auf Ihn hingewiesen wird, so soll Kurt Kläber nickt Abhänaigkeit oder direkte Beeinflussung vor- geworfen werden. Dazu ist Kläber ein schon zu selbständiger Geist. Was ihn an Zola oder auch lipton Sinclair erinnern läßt, ist weniger das Unterschiedliche als das Gemeikisame: gleicher Dienst, Stemme der Empörima, harte, nicht durch romantische Süßigkeiten forttzuleugnende Wirklichkeit. Diese Gemeinsamkeit ehrt ihn und wurde die Erde seiner Dich- tungen: man glaubt wieder, daß die unbemäntelte Wiedergabe der augenscheinlichen Dinge, die fast von einer journalistischen photo- graphischen Genauigkeit diktierten Erlebniise, die Erregung und das. Tempo der arbeitenden Massen beschleunigen könnte. Für die Ehrlichkeit eines Menschen: zu sagen, was Rot ist, und nur zu fragen, wie diese Rot abzuschaffen sei, gibt es einen Straf- ') Kläber war auch ein Jahr Leiter der freien(proletarischen) Volkshochschule in Remscheid, gesetzbuchparagraphen:„Anklage des versuchten Hochverrats." Das diesem Paragraphen zum Opfer gefallene Werk„Barrikaden an der Ruhr"(jetzt Auslieferung Egon Grünberg u. Co., Wien XV) soll nach dem Beschluß des Amtsgerichts Berlin-Schöne- bcrg„in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise Klassen der Bevölkerung zum Ungehorsam gegen Gesetze aufgefordert" haben. Vergeblich, dieses Urteil bis jetzt rückgängig zu machen, waren selbst die glänzendsten Zeugnisse führender Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens, wie Gerhart Hauptmann, Hermaim Hesse, Arthur Holitscher, Alfred Kerr, Käthe Kollwitz, Thomas Mann. Wir glauben noch nicht daran, daß die deutsche Justiz zu über- zeugen ist, daß auch die Arbeiter Menschen unter„Menschen" sind: wir glauben ferner nicht, daß sie berechtigt sei, über Dichtungen, die ja nur Stenogramm des uns umflutenden und beherrschenden Lebens sind, den Stab zu brechen. Was weiß sie oder vielmehr will sie von den zerfressenden Leibern der Großstadthäuser wissen? Kennt sie die Not der Jungen und das schmale Lachen der Kinder auf den dunklen Höfen? Das letzte Buch„Revolutionäre"(Roter-Türmer-Berlag, Leipzig) enthält Erzählungen aus den Kämpfen des Proletariats 1918 bis 1925. Hier erlebt man noch einmal, was schon vergangen ist und morgen vielleicht schgn wiederkehrt, unbarmherzig, schmach- voller, grausamer: Schrecken und Rot! Um bereit zu sein sür den Tag, an den wir dennoch glauben, sollen wir Kläber kennen. Ballt nicht nur die Fäuste in den versteckten Tcsschen, hört, macht die Ohren auf, faßt an, bändet euch, seid tapfer. 5kurt Kläber rief: „Zerbricht auch die Erde mit uns/ wir standen erlöst im Licht!" Cine englisihe viebeskomöüie. Das Lustspiel des Engländers Frederic L o n s d a l e„M r s. Cheneys Ende", das geste-n im Thealer in der König- g r ä tz e r Straße unter Viktor Varnowskys Regie zum ersten Male aufgeführt wurde, hat einen entzückenden ersten Akt. Er spielt im kultivierte» Haus der Frau Cheneys, die juit durchaus vornehmen Gästen einen Wehltätigteitsabend veranstaltet. Die Gäste sind besonders begeistert von dem würdigen und korrekten Haushofmeister Charles. Es geht, wie gesagt, in diesem Haus höchst vornehm zu. Als sich aber der letzte Gast verabschiedet hat und Mrs. Chenen am Flügel einige Weisen spielt, kommen alle Dienstboten ins Musik- zimmer mit vertraulichem und dahe- sehr unpassendem Benehmen. Sie duzen alle ihre Herrin, lümmeln lich rauchend aus den Sesseln herum, und das ist die Ueberrojchung des englischen Autors: Frau Eheney ist eine kiochstaplerin. Sie hat sich mit Hilfe des korrekten Charles in die Gesellschaft eingeschmuggelt, um ertragreiche Raub- züge zu unternehmen. Eins dieser Gaunerstücke, der geplante Dieb- stahl einer kostbaren Perlcnketie, bildet den Inhalt der Komödie. Es ist klar, daß sich Lonsdale den Trick nicht entgehen läßt, die Raubgeschichte durch Liebeskonflikte mit der begehrenswerten Mrs. Cheney zu komplizieren. Während der erste Akt künstlerische Ouali- täten besitzt und voller Lustigkeiten steckt, ist sür die übrigen drei Bilder der Komödie der literarische Kritiker nicht mehr zuständig, sondern der Kriminalbeamte. Mir schien es nämlich, als ob die im ersten Bild sehr gerissen geschilderten Gauner von nun ab unvcr- zeihliche Dummheiten begehen. Die Hauptspitzbuben fallen außer- dem durch eine sträflich anständige Gesinnung auf. Zum Schluß triest die ganze Bühne vor Edelmut. Immerhin bietet die Komödie eine ganz nette Abendunterhaltung. Den Haushofmeister Charles, das Haupt der Hochstaplerbande. spielt Roberts mit unnachahmlicher Grandezza, mit der Bor- nehmheit eines englischen Lords, die um so bestrickender wirkt, als er eben kein Lord, sondern ein Gauner ist. Es spricht für seine schauspielerischen Fähigkeiten, daß trotz seines formvollendeten Be- nchmens etnvis Anrüchiges an der Figur haften bleibt. Mrs. Cheneys ist Elisabeth B e r g n e r. Man bedauert wieder einmal. diese begnadete Künstlerin in einer Rolle zu sehen, für die ste eigentlich zu schade ist. Die natürliche Anmut und der prickelnde Reiz, die von ihrem kapriziösen Persönchen ausgehen, reißen das Publi- tum zu Applaus auf offener Szene hin. Dgr. Todesstrahlen. In Weiierverfolgung von Versuchen des beut- fchen Physiker» Lenard gelang es dem amerikanischen Röntgen- röhrenspezialisten Coolidge bei der jBeneral Electric Co. zu Schenectady, unier Zuhilfenahme einer Spannung von 200 000 Volt aus einem Fenster einer Röntgenröhre Kathodenstrahlen bis zu einem halben Meter in die Luft hinauszusenden. Dadurch kann man jetzt auch Körper mit Elektronen beschießen, ohne sie in eine luftleere Röntgenröhre einzuschließen. Auf dcm Weg der Entladung leuchtet die Luft prachtvoll in Purpurschein auf. Die neuen Strahlen sind außerordentlich wirkungsvoll, ja sie können sogar als„Todesstrahlen" bezeichnet werden. Fliegen, die nur Bruchteile von Sekunden davon getroffen wurden, waren nach einigen Sekunden tot. Ein 50 Se- künden bestrahlter Teil eines Kaninchenohres ergab Schorfbildung zu beiden Seiten des Ohres. Nach Abfallen des Schorfs blieb ein Loch im Ohr zurück, dessen Peripherie erst haarlos war und sich dann mit schneeweißem Haar bedeckte. Nach Einwirkung von ein Zehntel Sekunde wurden Bakterien abgetötet, selbst so Widerstands- sähige Sporen wie die des Bazi'ln-; subtllis. Die Wirkung auf chemische Substanzen ähnelt der der Radium-Emanation. Erstau'sührungen der Woche Dleusk. Kleines Tbeaier:»D a S Grab« mal oeS unbekannten Soldaten".— Frell. Scbiger-Tbesier: ,!l y r l tz— P y r l tz.— Casino-Tbealer:.E i n e N a ch t im Fahrstuhl-. vrrviaoorkräc,«. TSastich;„Die verlorene Welt- und.D i e Schweiz- Monlag. DlenSIaq. DonnerSlai,. Freitai, Sonnabend:.Mit d- m K n r b e I k a 9 e n um die Erde'. Mittwoch: Prof. Liepman»� Seelenleben der Frau.- Zakob Wassermann stell aul dem 6. Dichierab-nb des lsteibnndes Deiilschee Srzäbler am Sonnlag Im Ke�chsiaz seine Novelle:»Adam Urba»-. Karlen bei Bote 4t Bock und A. Werlhcim. Elite ikhansoa-Revne peranllaltet Reil Langer unter Mitwirkung von Annemarie öale, Annemarie Korsl, Dr. Stefan M e l s e l und M all; Löwen am Sonntag im Grotrlan-Steinweg-Saa� Bellevuesttatze 14, abcndS 8 Ugi. \ Der Hintergrund der Seme. Ei« innerpolitisches Abenteuer. Die„Germania" stellt als das bisherige Ergebnis der fest, daß der Fall der deutschnationalen Abgg. Meyer-Behrens nur eine Episode in einem Komplex großer historischer Tat- fachen gewesen ist, deren Ziel Um stürz des gegen- wärtigen Staates und Aufrichtung neuer und .illegaler Gewalten war. Zusammenfassend sagt das Blatt: Man sieht jetzt, daß wir drauf und dran waren, nicht nur den Ruhrkamps zu verlieren, sondern gleichzeitig auch in ein inner- deutsches Abenteuer hineingezogen zu werden, dessen Aus- Wirkungen unabsehbar waren. Wenn das Unternehmen schließlich scheiterte, so lag es wohl in der Hauptsache daran, daß die innerpolitischen Gewalten, insbesondere die pr e u ß i s ch e Schutz- po l i z e i, intakt blieb und sich als eine absolut zuverlässige Organi- sation zur Stütze der Staatsautorität erwiestn hat. Der Leitung der Reichswehr in diesen schwierigen Zeiten ist zwar kein V e r st o ß nachzuweisen, aber die Art der Ärbeitskommandos hat doch eine enge Verbindung zwischen diesen, allmählich zu illegalen Verbänden sich ausweitenden Organisationen und der Reichswehr ergeben. Die Fememorde selbst gewinnen ebenfalls in diesem Zusammenhange ein völlig neues Gesicht, und das krimi- nolistische Moment tritt auch hier immer mehr in den Hintergrund. Sie erscheinen immer mehr als Strafvollstreckungen einer f ch w a r z« n B e h ö r d e, die sich in dem sicheren Glauben, bald eine legale Behörde zu sein, diese schweren Versehlungen zuschulden kom- nien ließ. Sei es, daß man auf diesem Wege Spitzel beseitigen, sei es, daß man unbequem gewordene Persönlichkeiten entfernen wollte! Damit trifft das Zentrumsblatt die Feststellung, daß es dem Femeuntersuchungsausschuß in kurzer Zeit gelungen ist, was den Gerichten aufzuklären trotz ihrer jahrelangen Bemühung und ttotz ihres vorzüglichen Apparats versagt blieb._ Das Volksbegehren im Reich. 3ena, 13. März.(Eigener Drahtbericht.) In Thüringen haben die Eintragungen im Laufe der Woche erwartungsgemäß sehr stark zugenommen. Bis heute mittag sind folgende Zahlen bekannt: Gera 12 000, Jena 9000, Erfurt 16 000, Altenburg 7000, Sonneberg 4000, Weimar 5000, Me>ningen 2000. In den Landgemeinden sind die einzelnen Ergebnisse teilweise geradezu überraschend gut. In Meiningen versuchte der Exprinz Georg durch seine Anwesenheit vor dem Eintragungslokal die Einzeichner von ihrem Vorhaben abzuhalten. Man nahm das Gebaren dieses jungen Herrn allerdings von der richtigen Teste, nämlich lachte darüber, kümmerte sich sonst aber weiter nicht darum. Das Echo der Krise. Bestürzung in Paris. Paris, 13. März.(Eigener Drahtbericht.) Trotz des Pefsimis- mus, den man hier bereits seit Tagen in der Beurteilung der Lage in Genf an den Tag gelegt haste, hat die Nachricht von der Ab- lehnung des vorgeschlagenen Kompromisses durch die deutsche Dele- ootion allergrößte Bestürzung hervorgerufen. Wenn auch die Presse versucht, die volle und ausschließliche Verantwortung für den drohenden endgültigen Bruch auf Deutschland allein abzuwälzen und dementsprechend sich zum großen Teil zu einer gegen Teutschland gerichteten Polemik hinreißen läßt, die die Atmosphäre nur noch weiter vergiften kann, so scheint man doch andererseits die Hoffnung auf eine Lösung in letzter Stunde noch keines« cgs ganz aufgegeben zu haben. So be- richtet der Korrespondent des„Petit Parisien", daß Briand trotz der scharfen Erklärung, die er in später Abendstunde der Presse gegeben hat, noch nicht an einen e n d g ü l t ig e n Bruch glaube. Er habe deutlich zu verstehen gegeben, daß trotz allem weitere Verhandlungen noch möglich seien, und die Türe zu einem Uebereinkommen öffnen könnten. Darüber habe bis in die späten Abendstunden Chamber- l o i n mit dem japanischen Hauptdelegierten I s h i i, der sich bisher im Hintergrund gehalten habe und deshalb für die Rolle des Vermittlers geeignet sei, einen längeren Meinungsaustausch gehabt. Jshii h«be dann noch in der Nacht Stresemann und Luther auf- gesucht. Um 1 Uhr morgens sei die Situation so außerordent- l i ch ernst gewesen, daß Chamberlain die englischen Journalisten aus das Schlimmst- vorbereitet habe. Es soll dabei von seiner Seite das Wort gefallen fein, daß nunmehr alles zu Ende sei. Die Genfer Korrespondenten der Pariser Blätter schildern die Folgen eines Bruches in den schwärzesten Farben. Ein Scheitern der Verhandlungen, schreibt der Berichterstatter des Quotidien", würde nicht nur den Nichteintrit Deutschlands in den Völkerbund, sondern den Zusammenbruch der Verträge von Locarno mit unabsehtmrcn Folgen für die Zukunft des Völkerbunde» wie für die gesamte europäische Politik bedeuten. Andere Blätter geben der Erwartung Ausdruck, daß, da so Ungeheures auf dem Spiele stehe, die deutschen Delegierten es noch einmal sich überlegen würden, die Verantwortung für den endgültigen Bruch und seine Folgen zu übernehmen. Beschämung in England. London. 13. März.(Eigener Drahtbericht.) In Ueberein- stimmung mit der vor Beginn der Genfer Verhandlungen gebildeten Meinung, daß die gegenwärtige Ratssitzung des Völkerbundes lediglich dem Eintritt Deutschlands gewidmet werden dürfe, betont die englische Presse in ihren Berichten ausnahmslos die Korrektheit der Haltung der deutschen Delegation in Gens. Hin- gegen geht aus den Meinungsäußerungen der Presse und aller poli- tischen Kreise ein starkes Unbehagen hervor über Cham- berlains Haltung und Rolle. In den letzten beiden Tagen hat sich in London allgemein bis in die konservativen Kreise hinein die Meinung durchgesetzt, daß der gegenwärtige Hexensabbat in Genf niemals entstanden wäre, wenn Chamberlain vor dret Wochen in Uebereinftimmung mit der öffentlichen Meinung Großbritanniens sich gegen jegliche über Deutschland hinausgehende Ratserweite- ning ausgesprochen hätte. Mit Beschämung stellt man fest, daß Chamberlain den Vertreter Schwedens diejenige Rolle über- lassen habe, die der englische Dersteter von Anfang an hätte spielen müssen. Temonstrationen in Warschau. Warschau. 13. März.(MTB.) Einige tausend nationalistische Studenten veranstalteten gestern eine A e rs a m m- l u n g. um für die Zuteilung eines ständigen Ratsfiges an Polen zu demonstrieren. Nach Annahme einer diesbezüglichen Resolution zogen sie unter Hochrufen aus Frankreich und Italien und Absingung des deutschfeindlichenHetzliedes„Rata" durch die Stadt und veranstalteten vor den Gesandtschaften Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei Freundschaftskundge- b u n g e n. Ein Trupp von einigen Hundert Studenten zog dann vor die durch Polizei bewachte deutsche Gesandtschaft, wo sie deutschfeindlich- Rufe ausstießen, z» e r n st e r e n Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Die Klugen auf! Unter der Laterne steht eine jener armseligen Gestalten, wie sie In den gegenwärttgen Zeiten der immer zunehmenden Arbeitslosig- keit längst zur wohlbekonnten und unauffällige» Erscheinung im Stiaßenbilde wurden. Ader dieser Mann bettelt nicht. Er will etwas verkaufen.„Nur zehn Pfennig! Deutschlands Zukunft von 1926 bis 1933!" ruft er in die Menschenmenge hinein, die hier auf die Straßenbahnen mattet. Doch der Groschen sitzt heute weniger locker, und dies hier ist keine Gegend, die an okkulten Wissenschaften Ilster- esse hätte. Nur selten setzt der Mann eines seiner gelblichen Hefte ab. Also zahlt man ihm einen Groschen dafür und blättert in den acht Seiten. Die Prophezeiungen für 1926 sind nicht weiter mter- essant.„Das Parlament kommt nicht vorwärts. In Kreisen der Aristokratie ein Todesfall" In dem Tone geht es fort. Aber dann für 1927 wird es reizvoller. Da wird von großen Kriegen gefaselt, „aber die deutsche Technik und Chemie wird bis dahin so weit vor- geschritten sein, daß ein Sieg Deutschlands außer Frage steht. Nun wird Deutschland wieder Monarchie werden. Ein Kaiser wird die Zügel der Regierung in seine Hände nehmen. Don verschiedenen Seiten wird mit Bestimmtheit ein Sproß unseres alten Kaiserhauses als derjenige bezeichnet, der Deutschland einer herrlichen Zukunft entgegenführen soll, eine Persönlichkeit von festem, eisernen Willen, vom Schlage des Alten Ftttz". Nicht wahr, das ist so völliger Unsinn, daß es nicht ohne weiteres einzusehen ist. weshalb man ihm überhaupt Beachtung schenkt. Aber, Verzeihung, ist Bergers bisher zweiteiliges Luisen-Drama nicht auch Unsinn, und Jessels„Pttnzessin Husch" und die Friede- ricus- und Bismarck-Filme, die an die kleineren Theater sogar sozusagen zwangsverliehen wurden? Und ist es nicht Unsinn, wenn eine große deutsche Schokoladenfirma, nachdem bereits seit mehr als sieben Jahren die deutsche Republik existiett, ihre„deutsche Schoko- lade" und ihren„deutschen Kakao" noch mit Kaiserkrone und ge- kröntem Adler ziett, und wenn ein bekanntes Berliner Kaufhaus in einer Schaufenfter-Fahnenausstellung über die eine Hülste des Hintergrundes die schwarzrotgoldene Flagge und über die andere, genau gleich groß und gleich angeordnet, die schwarzweißrote breitet? Und gibt es nicht solchen und ähnlichen Unsinn an allen Ecken und Enden? Wollt ihr den Grund dafür wissen? Wir haben Arbeitslose, die auf Jahre hinaus keine reguläre Beschäftigung erhoffen können, wenn die Verhältnisse so elend bleiben— und augenblicklich gibt es nur zu viele, die sich höchstens noch bemühen, sie zu verschlechtern. Die Möglichkeit, Geld oder Arbeit zu bekommen, würde, und man darf sie nicht einmal deswegen verurteilen, eine ganze Anzahl Ver- zweifester zu willenlosen Werkzeugen der Geldgeber machen, so, wie bereits jener Arbeitslose es ist, der die astrologischen Schund- hefte verkauft. Jetzt klagen die Fürsten um ihre Abfindungen. Bewilligen ihnen die nationalen und bürgerlichen Patteien die Milliarden, die aus dem deutschen Volk erpreßt werden sollen, so wird die Schar der Hungernden zweckentsprechend vermehtt und die Mittel sind ja dann da, ihnen erst einmal eine„herrliche Zu- kunft" vorzutäuschen und sie glauben zu machen, daß sie ihren dor- nigen Pfad oerlassen können, wenn ER seinen„doornigen" verläßt und uns des Thrones Glanz und die hohe Wonne-Gans wieder- bringt.—- Nein, so wird es nicht kommen. Aber die Tätigkeit jener dra- matischen und Film-Fabriken, die Kaiserkronen-Schotolade und das Konzefsions-Schaufenster. und schließlich auch das alberne gelblich« Groschenheft zeigen, daß es noch immer Leute gibt, die eine Speku- lation darauf nicht für völlig verfehlt halten. Beweist ihnen, wie sehr sie im Irrtum sind! Bis zum 17. März liegen die Listen für das Volksbegehrenaus. � � Vor den Einzeichnungslokalen. Bor den Einzcichnungslokalen bekommt das Bild durch die zum Einzeichnen aussordernden Plakate ein immer lebhafteres Ge- präge. Da sieht man Schilder mit Bildern und Inschriften, die kein« Schn>«ichelei für die Fürsten sind, um so mehr aber das Volk zur Erfüllung seiner Pflichten ermahnen.„Zeichnet euch in die Listen ein!"„Mattet nicht bis morgen!"„Jeder tue seine Pflicht!" Vor einem Einzeichnungslokal im Zentrum der Stadt ein Plakat mit einer kleinen Zeichnung, die Wilhelm in Dovrn zeigt, wie«r pseifeschmauchcnd bequem in einem Sessel fitzt und schmunzelnd die Millionen betrachtet, die vor ihm aufgeschüttet liegen. Soviel hat er schon bekommen, und noch mehr will er haben. Es ist zu beob- achten, daß die Frauen außerordentlich stark sich an der E i n z e i ch n u n g beteiligen. In der Zeit von 3 bis 'Ai Uhr nachmittags zählten wir in der Greifenhagener Straße 21 Frauen und 17 Männer, die in die Turnhalle gingen, wo die Zeichnungslisten auslicgen. Während man zu Anfang ein« gewisse Unbeholfenheit beobachten konnte, kommen jetzt die Einzeichner, als müßten alle, welche Formalitäten dabei zu erledigen sind. Ein Beweis dafür, daß man beim Nachbor umfragt, und wenn der noch nicht gewesen ist, sich b«i den anderen erkundigt. Hier erwächst unseren Genossen tine segensreich« Tätigkeit,«ie können Auf- klärung schaffen. Die JcQuen wehren sich. Die Frcuenkundgebungen unserer Partei anläßlich des Inter- nationalen Frauentags fanden a.n Freitagabend mit einer g e w a l- t i g e n V e r a n st a l t u u g des Bezirks Prenzlauer Berg in den Prachtsälen am Märchenbrunnen, Nähe Königstor, ihren impo- nierenden Abschluß. Trotz des überaus« stürmischen regnerischen Wetters war der Saal von Taufenden von Frauen dicht gefüllt. Rote Fahnen gaben dem Ganzen ein festliches Gepräge. Unweit des Podiums, das in den Farben des Proletariats-gefchmückt war, hatte man eine große rote Fahne aufgepflanzt, die in weithin fichbaren Lettern das Motto des Abends trug:„Es lebe die inter- nationale Sozialdemokratie!" Der Gast der Riesenveranstaltung war die Genossin Frau Pels aus Brüssel. Ihrem überaus lebendigen. in gewandtem Deutsch gehaltenen Vortrag, der vor allem die Not- wendigkeit der europäischen Versöhnung und des internationalen Zusammenschlusses betonte, folgten die Anwesenden mit gespannte. ster Aufmerksamkeit. In den Ideen von Locarno, fern der Brutalität nationalistischer Phrasen, wird Europa gesunden. Der Kampf gegen den mordenden Militarismus ist in erster Linie eine internationale Ausgabe der Frauen. Sie sind die Träger des menschlichen Fort- schrstts. Stürmischer Beifall dankte der Genossin Pels für ihre gehaltreichen Ausführungen. Genossin Tode n Hägen wies auf die Notwendigkeit intensivster Propaganda für das Volksbegehren hin. Dem räuberischen Attentat der Fürstenclique gelle es in ein- mutiger Energie entgegenzutreten. Der fürstliche Raub am Volks- gut ist ein Anschlag auf die Existenz des Volkes, ein Vorstoß gegen den Bestand der Republik. Ein ausgedehnter künstlerischer Teil fand dankbarste Ausnahme. Der Abend war ein glänzender Erfolg für die rührige Ortsgruppe des Bezirks. » Unsere tschechische Genossin Irene Klrpel. die zum Inter- nationalen Frauentag nach Berlin gekommen ist. sprach in einer überfüllten Versammlung in Schmidts Festsälen in der Frucht- st r a ß e. Sie gab einen Ueberblick über die politische Entwicklung der Frau, die mit allerlei Scheingründen von den bürgerlichen Por- teien bis weit hinein ins liberale Lager jahrzehntelang zurückgehalten wurde. Politik fei eine häßliche Angelegenheit, die nicht für die Frauen tauge, sagte man— solange, bis Granatendrehen für eine weibliche Handarbeit gehalten und als solche gerühmt wurde. Aber selbst dann, als kurz vor dem Zusammenbruch die Frauen ihren gleichen Lohn für gleiche Arbeit verlangten, dasselbe Wahlrecht und dieselbe Wahlbarkest wie der Mann, versprach man ihnen statt dessen— Denkmäler in den schönsten Straßen der Hauptstädte, so- wohl bei den Ententestaaten wie bei den Mittelmächten. Völkerver- söhnung, Völkerverbrüderung muß das Ziel aller Frauen werden, und, wenn die Frauen nur überzeugt genug dafür kämpfen, wird das„Nie wieder Krieg" Wirklichkeit, keine schöne Utopie mehr sein. Uns Frauen kettet die Not zusammen, unter der wir alle in allen Staaten jetzt noch leiden, mit unseren Männern und Kindern, und nur das bewußte Bekenntnis zum Sozialismus, die deutliche Absage an den kapstalistischen Staat kann uns künftig bessere Zeiten bescheren. Mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie, in das die Versammelten freudig einstimmten, schloß die Genossin Ihre Ausführungen. Genossin Hedwig Wochen- heim sprach dann zum Thema Fürstenabfindung. Sie bewies die absolute Unrechtmäßigkeit der Fürstenforderungen an ausführlichen Darlegungen und kam zu dem humorvollen Schluß, daß, wenn vor dem Reichsgericht die veränderte Lage feit der Revolution angesichts der Fürstenforderungen nicht Geltung haben solle, es ja nur logisch sei, wenn die Fürsten die also auch zu Unrecht enteigneten Throne und Thrönchen ebenfalls einklagten. Die nach der Oberrealschule in L i ch t e r f e l d e einberufene öffentliche Kundgebung für entschädigungslose Enteignung der Fürsten wies einen günstigen Besuch auf. Genosse 2l u f h ä u s e r, der das Referat hielt, zerpflückte die Argumente der Gegner. Auf die deutschen Richter können wir uns nicht verlassen. Der Rechts- weg hat in der Fürstenfroge völlig versagt. Bon den Gerichten können wir keine Hilfe erwarten, deshalb muß sich das Volk selber helfen. Die Verfassung gibt dazu die Möglichkeiten. Alles für das Volt, aber auch alles durch das Volk. Gegner meldeten sich nicht, und so darf man wohl annehmen, daß auch im reaktionären Lichter- felde die Erkenntnis eingezogen ist, daß die Forderungen der Fürsten abgelehnt werden müssen. * Das wahlamk im Bezirk Prenzlauer Berg. Danziger Straße 61— 63, teilt uns mit, daß hier Wahlscheine an Wochentagen in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends und am Sonntag von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr ausgestellt werden. Hoffent- lich werden auch andere Bezirkswahlämter am Sonntag ihre Bureaus offen halten. Die Arbeiler-Samariter-Kolonne teilt mit, daß sie nur noch bis Sonntag, den 14. März, einschlleßlich, Kranke und Schwache zu den Einzeichnungsstellen begleiten wird. Sie ersucht, sich gegebenenfalls mit ihr in Verbindung zu setzen. Arbeiter-Wintersportkämpfe. Di« wuitersportlichen Wettkämpfe des Arbeiter- Turn- und Sportbundes finden bestimmt am 13. und 14. März in Oberwiesenthal statt. Zu der Veranstaltung ist außerordent- lich reichhaltig gemeldet worden, auch aus Oesterreich und den beut- scheu Gebieten der Tschechoslowakei, so daß ausgezeichneter Sport zu erwarten ist. Für die Teilnehmer und Wettkämpfer ist folgendes zu beachten: Die Ausgabe der Festkarten, Quartierfcheine und Startnummern erfolgt nur im Empfangslokal, Hotel.Karlsbad", Oberwiesenthal, Am Markt. Ouartieranforderungen sind an den Bundesgenossen Emil Richter, Handweberei, Oberwiesenthal, Böhmische Straße, zu senden._ Das zweite Opfer der Eierfahrt gelandet. Auf der Eierfahrt ettranken bekanntlich am Neujahrstage d. I. der 27 Jahre alte Kauf- mann Max P a l l o k a t aus der Schlüterstraße zu Charlottenburg. � und der 20 Jahre alle Student Erhard R o ß m a n n au» der Augustastraße zu Wilmersdorf vor den Augen ihrer Klubgenossen im Müggelsee, auf dem ihr Sportboot in einem plötzlich aufkommen- den Sturme kenterte. Am 3. d. M. wurde Pallokat im Freibad Rahnsdorf gelandet. Jetzt wurde nun auch an derselben Stelle die Leiche Roßmanns angetrieben. Der Tote wurde nach der Halle in Friedrichshagen gebracht. Tragischer Tod eines Lebensretters. Am vergangenen Sonntag verunglückte unser Parteigenosse, der Werkmeister Wilhelm M i l i u s aus Borsigwalde bei einer Motorbootfahrt tödlich. Genosse Milius hatte bei dem Bootsunglück auf dem Tegeler See 16 Insassen eines Lehrbootes von der.Kochschule für Leibesübungen" das Lebest ge- rettet. Die Einäscherung findet morgen, Sonnabend, abend 6 Ilhr im Krematorium Gerichtstraße statt. kwderfrevude Thorlotlenborg Slllc Kinder müssen bestimmt am Sonn- abend nachmittag im Helm sein. Von kommender Woche, Dienstag an, abends von 6'/, Uhr UebungSstunde für den Sprechchor. Epidemie an Sord eines Südamerika»Dampfers. 30 Personen gestorben. Infolge einer Mascrnepidemie und des Auftretens von Lungenentzündungen an Bord des Dampfers„Belvedere", sind während der Ucberfahtt von Trieft nach Buenos Aires dreißig Personen gestorben. Die meisten davon waren Auswanderer. Das Schiff hatte im ganzen 255 Passagiere an Bord. Ein Bodenseedorf fast vollständig abgebrannt. Das Bodensee- dorf Sl oik ach bei Konstanz wurde durch eine FeuerSbrunft, deren Bekämpfung bei dem starken Westwind und infolge Wassermangels unmöglich war, nahezu vollständig eingeäschert. Ver- dacht der Brandstiftung liegt vor. Theater der Woche. Vom IT. März bis 22. März 102«. «»Noiilhn-:«. fco mit 14 15. bi- 1«., 21. Sturmflut. 20. Judith. 22. Dcr flaufmami-o» Venttttg.— O»t«»dau»! 14. Aido. 15. Modem« Butlerflu. 16. Sog fon tutti. 17. Othello. 18. Solomt. 19. Tooka. 20. Puccinclla. Basirzzi. 21. Sofcnkoooliet. 22. RItn,i.— Schauwielh»»,! 14.., 17., 20., 21., 23. Duell om Lido. 15.. 18. Ostpol, u«. 16. Zm weihen SidKl. 19. Pter»mit.— Kroll. Opern 14., 21. Wertber. 15. Minnon. 16. Die Meistersinger. 17. Waffen- fchmied. 18. Tiefland. 19. stieifchilg. 20., 22. Bloubart.— 6chintfIli«ottt: 14, 17,, 18., 20., 22. Spiel de» Lebens. 15. Mario Stuart. 16. Wallen» stein- Lager. Piccolomini. 19., 21. Iwrib.Pnrig.— Deutsche» Theater: Juare, und MarimIIian.—«amm-rfpi-le: Iosephine.— Di-«omiid,«:«ittoria.— Leffing-Theate,! Der fröhliät- Weinberg. 21. Vormittag- ll'/i Uhr Matinee: „Vuia und Esther".— Theatee in der«SnichN-her Strohe! Mr-. Cheney, Ende.— Städt. Oper aharlottenburg: 14., 17. flar und Zimmermann. 15. Don Pasauale. 16l. Aida. 18. Das Rhcingold. 19. Die Entführung aus dem Serail. 20. Pigue Dame. 21. Tannhäufer. 22. Dl« toten Augen.—«rohe» Schau- sptelhau«: sfilr Dich.— Theater de»«eften»: Prin, essin fcusch.—«enaisianec. Theater: Materna Magien.— Die Tribüne: Di« neuen fcerren.— Deutsche» «Lnstlee.Theater: Paganini.— siomädienhan»: Der Garten Eden.— Berlincr Theater: Mestalinelte.— Zlcue» Theater am Zoo: Stöpfel. Trianan-Theater: Berlin lacht von b-12.— Rcsidcn,. Theater: lZoppke. der Egoist.— gentral- Theater: Ena Donheur.— Theater in der NommandantenNrah«: Lene. Lotte, Liefe.— Komische Oper: Berlin ahnt fcemd.— Lustfpielhan»: Die rot« Cl-o.— Retropol.Theater: No N° Nanette.— Theater am Schisfbaurrdamm: Der Tausch.— Thalia-Iheater: Der alte Dessauer.— Zheater am Rollen- dorsplah: Die offuielle ssrau.— Theater am«ursürsteudamm: Di« Nacht der Nächte.— Kleine» Theater: 14.. 15. Ein Spiel von Ted und Liebe. Ab 16. Da, Grabmal de- unbekannten Soldaten.— Walloer-Tb-atee: Kolportage.— Theater in der Klofteestrahe: 14. 15. Ehre. 16., 19. Der gut« Ruf. 17.. 20., 21., 22. fcelmat. 18. Tefä'Iostcn- Vorstellung.— Walhalla-Theatcr: Die Neinen Vagabunden.— Rose-Tbeater: Die vier Schlaumeier.— Kasino-Tbcater: Vi- 18. fcelene» Liebesabenieuer. Ab 19. Ein- Nacht im K-hrlwhl.— Schlohpark- Theater«teglih: Liebc,interme,u>.- Td-ater in ber Llltowfirah«: Lemke, sei. Wwe.— Theater im Admiral-p-last: fcaller-Nevue— Achtung, Welle 505! — Dintergartca und Leala: Internationales Variete. Rachmittag,«orstellungen. Volksbühne! 14. Wer weint um Iuckenack? 21. Der Kaufmann von Venedig.—«roll.Oper: 14. Konzert.— Schiller-Theater: 14. Ehorlcn» Tante. 17. Dr. Klaus. 21. Peer Gynt.— Lefsing-Theat-r: 18., 21. Di« Ouihows.- Theatee in der«önigqräiicr Strahe: 14.. 17.. 21. Wie es euch qcfällt.-»rohe« Schaufpielhaus: 14.. 21. Iitr Dich.— Theater de»«eft-n»: 14.. 21. Der Irrifchllh.— Theater in ber«lofirrNrahe: 14 Die Ebre.— Role-Tbeatei! 20. Schneewittchen. 21. Dos Glück im Winkel. — Schlohpark-Theatre Dt-glih: 21. fcänfel und Gretel.— Theater in der Lühowstr-he- 14. Lllgenmiiulchen und Wahrheitsmündchen.— Theater IM «dmiraltpalaft: 14., 21. Haller-Revue— Achtung, Wrlle 5061 SewerEhostsbewegung Die russischen Gewerkjchasten staatliche Hilfsorgane. Keine Lohnerhöhung, höhere Leistung, sagt Tomski. Moskau. IZ. März.(DG.) Auf dein Gowcrkschaftstongrch des Moskauer Industriegebiets, der soeben stattgesunden hat, leitete der Führer der russischen Gewerkschaften. T o in f k i, die Verhandlungen mit einer Rede ein, die trog ihres auf den offiziellen Opti- mismus gestimmten Tones die kritischen Probleme der russischen Gewerkschaften erkennen ließ. Der G c g e n s a ß.zwischen den breiten Massen der Gewerkschaften und dem Staat als Arbeitgeber kam allerdings darin nur wenig zum Ausdruck. Tomski führte aus: Der Kampf um die Erhöhung der Arbeitslöhne im Moskauer Industriegebiet sei von Erfolg gekrönt worden. Die Löhne hätten gegenwärtig den(allerdings sehr niedrigen) Vorkriegsstand über-. schritten.(Noch mehr aber sind die Lebenshaltungskosten gestiegen.) Angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und des Rück- ganges der Arbeitsleistung müßten die Gewerkschaften jedoch jeßt aus eine weitere Lohnerhöhung verzichten. Die �saupt- srage bestehe in der Erhöhung der Arbeiterqualisi- k a t i o n.(Das bekannte A u s c i» a n d c r Z i e h e n der Löhne für Gelernte und Ungelernte.) Gleichzeitig mühten die Gewerk- schaften einen entschiedenen Kamps gegen die geschwächte Arbeits- dlsziplln aufnehmen und die staatlichen W i r t s ch a s t s- v l g a n e bei der Forderung genauer Einhaltung der Betriebs- ordnung tatkräftig unterstützen. Die Arbeitsleistung sei im 1. Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 19�5/26 um i bis 1,5 Proz., in der Metallindustrie um.1,8 Proz. zurückgegangen. In der G e s o m t i n d u st r i c habe die Arbeitsleistung allerdings eine Steigerung um b,7 Proz. im Vergleich zum 4. Quartal des abgelaufenen Wirtschaftsjahres 1924/25 zu verzeichnen. Die Ar- beitslöhne hätten jedoch eine stärkere Steigerung auszuweisen als die Arbeitsleistung. Die A r b c i t s o e r s ä u in n i s nehme in letzter Zeit zu.(Danach scheint Tomski die Gewerkschaften als polizeiliche Hilfsorgane zu betrachten.) Wahnsinn als Methoöe. Die Lügenbeulelei der„Roten Fuhne". Wir haben gestern die verrückte Methode der„Roten Fahne", für alles die Sozialdemokratie, die„Gewerkschaftsbureau- kratie" und den„Vorwärts" verantwortlich zu machen, anläßlich des Urteils im Prozeß der Eisenbahneroerbände gegen die Reichsbahn entsprechend glossiert. Die„Rote Fahne" hatte zum Beweis für die Schlechtigkeit der„Vorwärts" und dessen Schuld� an dem Urteil der achten Zivilkammer des Landgerichts I einen Satz zitiert, der an- geblich am 22. Juli 1924 im„Vorwärts" gestanden hätte. Wie wir inzwischen sestgestellt haben, bezieht sich der zitierte Satz nicht auf die Entlassungen, sondern aus die gemeldete A b- erkennung der Beamtenrechte der Eisenbahner. Nun stellt die„Rote Fahne" es so hin, als handle es sich um das Streikrecht der Eisenbahner und als hätte der Einheitsverband der Eisenbahner, bzw. der frühere Deutsche Eisenbahnerverband mit Unterstützung des„Vorwärts" sich gegen das Streikrecht der Eisenbahner ausgesprochen. Diese Behauptung ist natürlich eine bewußte Lüge des bolschewistischen Blattes. Denn die„Rote Fahne" weiß gaizz genau, daß wiederholt mit Unterstützung der Organisation und mit Unterstützung des„Vorwärts" die Eisen- Kahner gestreikt haben. In derselben Nummer, aus der die„Rote Fahne" einen verstümmelten Satz zitiert hat, schrieben wir unter anderm bezüglich des Achtstundentages der Eisenbahner;„Diesen Achtstundentag werden sich die Eisenbahner zurückholen." �-.Wir sind aber der Meinung, daß ein Kampi nur dann geführt werden dars, wenn alle anderen Mittel erschöpft sind und wenn der Kampf Aussicht auf Erfolg hat. Um Aussicht auf Erfolg zu haben, dazu ist bei jedem Kampfe eine starke Organisation die Voraussetzung. Dies- Organisatjon war bei den C iscnbahnern vorhanden. Sic ist durch das Verbrechen der Spaltung, dos die Kommunisten begangen haben, heute nicht mehr vorhanden. Wenn sich die„Rote Fahne" jetzt ver- rückt stellt und so tut, als seien der„Vorwärts" und der Einheits- verband verantwortlich für das Urteil der achten Zivilklimmer, so haben sich die Eisenbahner genug gesundes Urteil bewahrt, um sich dieses Verbrechens der Kommunisten zu erinnern und diese als die Schuldigen zu brandmarken. die Jirma Massarp erzählt Geschichten. Sic sind aber nicht wahr. Zu der Berichtigung, die die Firma Massary uns geschickt hat und die in unserer heutigen Morgenausgabc vcrösfentlicht ist, wird uns vom Deutschen Tobakarbeiterverband mitgeteilt: „Es ist nicht richtig, daß die Firma Massary den Akkord- pockerinnen, bei denen der Konflikt entstand, höhere Löhne gc- zahlt hat, als es in den anderen Zigarettenfabriken üblich war und VOifölvennsnliliiiieil im DIB. Alle Mitglieder, die für die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Organisation, für ihre Kampffähigkeit gegenüber den Unternehmern, für ihre innere Geschlossenheit sind, be- suchen die lllahlkörperversammlungen und stimmen für diekandidaten derAmfterdamer Richtung. ist. Der Durchschnittslohn der Akkordpackerinnen bei Massary betrug 52 M., ungefähr so viel wie in den anderen Fabriken. Es kann also auch keine Rede davon sein, daß der Lohn der Akkordpackerinnen nach der angekündigten Lohnherabjetzung dem allgemein gültigen Toris entsprechen würde, ja sogar noch darüber hinausginge. Der Mindestdurchschnittcwhn beträgt nach dem üblichen Tarif, den auch die Finna Massary anerkannt hat, 28,75 M. Die Firma Massary hat eine Herabsetzung der Löhne von 3(5 Proj. vornehmen wollen, was entsprechend dem bisherigen Durchschnittslohn eine Herabsetzung von 11,50 M. pro Woche betrogen würde. Somit würde der Lohn der Akkordpackerinnen aus etwa 2«)— 21 M. herabgesetzt werden, d. h. um 8 M. u n t e r den tariflichen Mindestdurch- schnittslohn. Wie angesichts dieser Tatsachen die Firma behaupten kann, sie habe nichts unternommen, die Tarislöhnc zu unterbieten, ist uns unverständlich." Die Antwort des Tobakarbeitervcrbandes zeigt, daß die Firma Massary nicht davor zurückschreckt, mit ihrer Berichtigung ein plumpes Täuschungsmanöver vorzunehmen. Darüber hinaus ist das Vorgehen der Firma ein glatter Tarifbruch. Der bis 31. Juli güllige Tarif, den auch die Firma Masiary an- erkannt hat, kann nur gekündigt werden, wenn die Reichsindexzisfer unter 135 ist oder über 145 steigt. Es ist geradezu unerhört, wenn die Firma Massary dieses Abkommen in der geschilderten Weise bricht und dann durch salschc Darstellungen noch die Oeffentlichkeit zu täuschen sucht._ Ter Konflikt der Bauanschläger. Zlln 2. März wurde vom Schlichtungscmsschiiß ein Schiedsspruch gesällt, durch den der B a u a n s ch l ä g e r t a r> f, der vom Schutz- oerband Berliner Schlosiereien zum 28. Februar gekündigt worden war, in seiner bisherigen Form bis zum 31. Mai verlängert wurde. Da durch den Spruch des Schlichtungsausschusses die von de» Unternehmern beantragten Verschlechterungen abgelehnt wurden, haben die Bauanschläger den Schiedsspruch ä n g e- n o m ni e n, die Unternehmer jedoch abgelehnt. Die daraufhin vom Metallarbeiterverbond beantragten Verbinblichkeitsverhandlun- gen sollen nunmehr so lange ausgesetzt werden, bis die nochmals vcm Schutzverband Berliner Schlossereien gewünschten unverbind- lichen Verhandlungen zwischen den Parteien stattgefunden haben. Lehrlingswirtschaft in der Maschinenfabrik E.Wilke,A.-G. Die Firma E. W i l k e. A.- G.. Fehrbelliner Straße- 14, Berlin. beschäftigte im Vorjahre neben 48 Lehrlingen immerhin noch 15 bis 20 Gesellen. Jetzt sind noch sechs Gesellen und 45 Lehrlinge be- schaftigt. Das heißt, etwa der vierte Teil Lehrlinge muß um- s ch i-h l i g j e c i n c W o ch c a u s s c tz c n. Zu Beginn des Jahres waren diese„Feierschichten" teilweise bis zu vier Wochen aus- gedehnt worden.„Selbstverständlich" ist, daß während der Zell des Aussetzens kein Pfennig K o st g e l d e n t s ch ä�d i g u n g gc- zahll wird. Der Verpflichtung hierzu glaubt die Firma sich da- durch enthoben, daß sie das Wort„Kostgeld" im Lehrvertrog überall sorgfältig durch das Wort Lohn ersetzt hat. Das ändert aber für die Eltern nichts an der Tatsache, daß die Lehrlinge der Firma Wilke nicht auch ihren Magen„aussetzen" lassen können. Eine ge- werbegerichtliche Nachprüfung dieser„Lohn"praktir würde Zweifels- frei ergeben, daß die K o st g c l d z a h l u n g trotz dieser Um- schreibung erfolgenmuß. � Die Firma hat im Lehrvertrag die Pslicht zu grund- licher Anleitung und Ausbildung übernommen. Aus der Not des schwächeren Geschäftsganges konnte sie für die Lehrlinge die Tugend einer sorgsamen Unterweisung machen. Sie läßt sich nur von ihrem Profitinteresse leiten Die Lehrlinge wurden bei günstiger Konjunktur oft schon während ihrer Probezeit mit einem kleinen Akkord an die Maschine gestellt. Das würde jetzt aber. abgesehen von den wenigen Mark Kostgeld oder„Lohn", eventuell noch Unkosten verursachen für etwa verdorbenes Werkzeug und Material. Das„Aussetzen" i st lohnender für die Firma. Es wäre an der Zeit, daß die ganzen Pflanzstätten der gewerbsmäßigen Lehrlingszüchter ei von der Gewerbeinspektion einmal gründlich überholt würden. Die M i ß st ä n d e aus diesem Gebiete schreien geradezu nach Abhilfe!_ die Wünsche der schlesisschen Metallindustriellen. 68 pf. Stundenlohn ist viel zu viel. Breslau. 13. März;(Eigener Drahtbericht.) Der Verband der Metallindustriellen Niederschlesiens kündigte, wie bereits gemeldet, den Arbeiterorganisationen das bestebendc Lohnabkommen mit Wirkung zum heutigen Tage an. Die Unternehmer fordern Her- absetzung des Akkordmultiplikaters von 59 auf 55 Pf. und die bestehende feste Zulage von 15 Proz.(die einen Lohnsatz für Lohnarbeiter von 68 Pf. ergibt) in eine Kannzulage zu verwandeln. Bei den Derhondlungen, die am Donnerstag in L i e g n i tz stattsanden, waren die Vertreter des Arbeitgeberoer- bandes von ihrem Vorhaben nicht abzubringen. Demzufolge verliefen diese Verhandlungen resultatlos. Dadurch tritt der Konflikt in ein neues Stadium. «trailtworttiSi für Volitik: Richa'd B«ri>st-In: Wirtschaft: STt« SattrnB»; Gcwerlschafi-bewcciunft: St. Sfttarn: SeuiQcton: Dr. Job» Schik-w»!,; Lokale» und Sanftiacs Sri» Sor'lodt: Stnjciocn: lb. Stach«: tänitlidi in Berlin. Derlao: Borwärto-Lerlaa E. m. b. 2-. Berlin. Druck: Born>Srt».Buchdruckeret und Ber!aa»anl!alt Baut Einoer u. Co. Berlin EW 68. Lindenstrokl 8. Berliner- EleKfrlüer- GenossensdiaU BerlinN24,EIsasserStr.86-88 I Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher; Norden 682« u. 68 26' LandhaussinSed. Tel.: PfaUbar- 9fl8t Elektritscho Anlagen Jeder Art n. jeden l'mfanges zu kulanten Zahlungsbedingungen. Beleuchtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. 6in 6cn&5ar m o 6 c rn er OKaJc�incn- parA. crmöossic�i- uns aujscrgc« wölzn-ticA nic6nQ;c Aoß-cn.SJÜXes(�rjparfc Aommf- 6er überraaenöen ÜuafUä� unserer 4 IE i[& ST g)A$ uneina�eje�rän At.jugute*_ SQateorf* Qlstoria&ar«ttcn fa Brifi SU cf?JC€f r/f afir. KUSCMt Sonder� Qardinen- Teppsehen Verknvf iJSSS/ Decken-Linoieum Verkauf II. Stock!» Besichtigen Sie bitte unsere Schautenstar-Auslagenl Diwandecke Iso Bewebt............ Di Tischdecke£so dazu passend......... Diwandeckefffso Verdure mitb ransen 140x280 fi Tischdecke Q75 passend HOxITu....... wie Diwandecke u�| 750 Verdure od Perser 150X300 cm fi fi Tischdeckeij|0£ passend 150X18" cm.... 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