Nr. 127 ♦ 43. Wahrst. Ausgabe A Nr. 64 BezngSvretS: WSS-ntliS 70 ülennift,«o»aMH B,— Reichsmark Boraus icbUxit. Unter itttntbanb für Demlchland, Banji«. Saar» und Memelaebiet. Dcfterteid). Litauen. Luiembur» 4,50 Reichsmark, für das llbria« «usland 5�0 Reichsmart«ro Manar. Der.Dormlrts' mit der Sonirtaas- beilaae.Volt und Keif mit.Sied» luna und ftlciniiatttn* sowie der Beilaae.Unter daliun« und Wissen' und Krauendeilaae.ssrauenssimme' erscheint wochentäalich zweimal, Sonntaas und Montaus einmal. Telearamm-Ad reffe: .Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Devlinev VolksblAtt �10 Pfennig) Anzeiqcnprclsc: Die einspaltia« Nonpareill«. »eile 80 Pfennia. Rekiamezeile d.— Reichsmark,..«leine Anzeiacn' das fettaedruckte Won 25 Vi-nmo fsulöflia zwei fettaedruckte Worte,. iedes weitere Wort l2 Vfeunia. Siellenaefuche das erste Wort 15 Vfennia. iedes weitere Wort 10 Pf-nnia. Worte übet 15 Buch. stoben ziidlen für zwei Worte. 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Die Genfer Berhandlungen sind nach zehn Tagen g e» scheitert, und zwar in dem Augenblick, wo eine Einigung endlich erzielt wurde: sie sind gescheitert an:— Brasilien! Das ist das groteske Ergebnis, das jetzt vorliegt. Man faßt sich an den Kopf. Denn selbst jene, die seit Tagen auf diese Möglichkeit hingewiesen haben, vermögen dieses Resultat nicht zu erfassen und sträuben sich noch immer gegen den Gc- danken, daß es endgültig sein kann. Wohl besteht noch eine ganz schwache Möglichkeit. Wenn nämlich bis morgen vorm it tag vor Beginn der Vollversammlung eine Antwort von dem brasilianischen Präsidenten Bernardes eintrifft, die Mello Franca ermächtigt, auf sein angedrohtes Beto gegen Deutschlands permanenten Ratssitz zu verzichten, dann ist wieder alles in Ordnung... Aber diese Möglichkeit wird von keiner Seite mehr ernstlich ins Auge gefaßt. Das amtliche Kommunique, das die Rhein- paktmächte verfaßt und herausgegeben haben, läßt zwar eine theoretische Möglichkeit offen, ober praktisch gilt sie als nicht vorhanden. Die Mächte haben an Mello Franca die Aufforderung gerichtet, ihnen bis Dienstag abend Bescheid zu geben. Es war in der Tat ein unmöglicher und unhaltbarer Zustand, daß die ganze Welt ohne jeden Termin darauf wartete, daß Brasilien sich geneigt zeigt, seine Entscheidung mitzuteilen. Es wurde vielmehr bekannt, daß der Präsident der brasili- anischen Republik, Bernardes, gerade jetzt aus Rio de Ja- neiro in die entlegenen Berge Brasiliens a b g e r e i st sei, angeblich zur Erholung, in Wirklichkeit aber offenbar, um sich von den Telegrammen aus Genf nicht erreichen zu lassen. Er wird als ein höchst eigensinniger Herr mit diktatorischen Manieren geschildert, der sich in den Kopf gesetzt hat, sein Land durch Gewährung eines permanenten Ratssitzes als Groß- macht anerkennen zu lassen. Eine leise Hoffnung wird noch auf die Wirkung des Telegramms gesetzt, das die Vertreter der übrigen südamerikanischen Staaten nach ihrer heutigen Besprechung an die brasilianische Regierung gesandt haben. Mello Franca soll noch nachmittags geäußert haben, daß die Pression der europäischen Mächte kaum Einfluß in Rio de Janeiro ausüben könnte, dagegen wohl die der s ü d- amerikanischen. Jedenfalls ist aber am heutigen Abend die Antwort nicht eingetroffen. Infolgedessen ist das oben- erwähnte Kommunique ausgegeben worden und alles in allem sind die weiteren Aussichten fast auf den Nullpunkt gesunken. Ist die brasilianische Haltung wirklich der einzige Grund der Vertagung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund? Man munkelt besonders in den Kreisen der anderen DelegationM, daß noch allerhand a n b'c'r c Gründe im Hintergrund stehen könnten. Das amt- liche Kommunique» der Rheinpaktmächte spricht zwar nicht aus- lirücklich von Brasilien. In der offiziellen Erklärung, die diesem Kommunique gegeben wurde, beschränkte man sich darauf, auf den brasilianischen Standpunkt hinzuweisen und lehnte ent- schieden jede weitere Anspielung ab. Dennoch hat man das Gefühl, daß hier etwas nicht stimmt und absichtlich etwas im Dunklen gelassen wird. In Frage kommen dabei z. B. die StHwieriqkeiten in der kleinen Entente. Als Hindernis waren sie eigenttich schon beseitigt und doch bestand nach wie vor besonders bei Rumänien lebhaste Unzu- friedsnheit über die vorläufig« Auslassung dieser Mächtegruppe aus dem Völkerbundsrat. Der rumänische Vertreter Tittillescu hat aus feiner Entrüstung kein Hehl gemacht, daß Benesch zwar seinen Verzicht ausdrücklich mit Vandervelde und Nintschisch besprochen hat, ihn aber vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Schon spricht man vom Ende der Kleinen Entente und der- gleichen mehr. Die Rumänen werden sich wohl mit der Zeit beruhigen, aber gerade deshalb ist es den Vertretern der Kleinen Entente nicht unangenehm, daß sie durch die V?r- tagung bis zum September Zeit gewinnen, um sich untereinander zu verständigen. Dann ist auch die große Sorge vorhanden, die der Be- schluß Spaniens in englischen und französischen Kreisen hervorgerufen hat. Ouinones de Leon erklärte zwar. Spanien werde sein Wort halten und trotz der Nichtgewährung eines eigenen permanenten Ratssitzes kein Veto gegen Deutsch- lands permanenten Ratssitz einlegen, aber es würde bis auf weiteres im Bölkerbund nicht mehr mitarbeiten. Diese Er- klärung hat natürlich stark oerstimmt, well man daraus sehr nachteilig« Wirkungen für den Völkerbund überhaupt be- fürchtet. Die Vertagung wird in diesem Punkt auch als eine Möglichkeit betrachtet, die entstandenen Schwierigkeiten in der Zwischenzeit zu überwinden. Es gibt noch einen weiteren Grund, vielleicht der wich- tigste von allen, nämlich die überaus zweideutige Hal- tung Italiens oder wenigstens des faschistischen Teiles der italienischen Delegation. Die Leser des„Vorwärts" werden sich dessen entsinnen, daß gleich nach dem ersten Auf- tauchen des brasilianischen Hindernisses hier auf das Doppel- spiel des Unterstaatssekretärs Grandi, der rechten Hand Mussolinis, hingewiesen wurde. Dann hörte man nichts mehr davon, zumal die brasilianische Angelegenheit wieder in den Hintergrund getreten war. Jetzt stellt sich aber immer klarer heraus, daß Brasilien, wenn nicht von An- fang an, so doch im letzten Stadium v o n I t a l i e n in seiner Sabotagetaktik scharfgemacht wurde. Grandi. diese widerwärtigste Erscheinung der ganzen VAkerbundsgesellschast, hat am Montag abend der italienischen Presse eine scharfe Anweisung erteill, Brasiilien auf keinen Fall anzugreifen. Er hat ferner, so wird weiter in italienischen Kreisen erzählt, an die Präfekten in Italien den Befehl ergehen lassen, alle Blätter, die Brasiliens Haltung dennoch zu kriti- sieren wagen, sofort rücksichtslos vor Verlassen der Druckerei zu beschlagnahmen. Unter diesen Umständen ist es klarer denn je. daß Mussolini, obwohl er auf der einen Seite den Locarnomaim markiert und durch Scialoja seine Zu- stimmung zur offiziellen Kundgebung der Rheinpaktmächte geben läßt, auf der anderen Seite den Völkerbund zu zerstören bestrebt ist und durch Herrn Grandi die brasilianische Sabotage fördert. Mit dieser faschistischen Po- litik mit doppeltem Boden wird sich die europäische öffentliche Meinung in nächster Zeit eingehend beschäftigen müssen. Welche auch die verschiedenen versteckten Gründe sein mögen, die zur Vertagung geführt haben, die offizielle Version lautet einstweilen nur; Brasilien! Und mit Bra- silien, das gegenüber seiner Zusage aus dem Herbst 1924 einen eklanten Wo r t b r u ch an Deutschland� begangen hat, wird sich die deutsche Oeffentlichkeit und mit ihr die Oeffentlichkeit ganz Europas zu befassen haben. Einstweilen steht man vor einem diplomatischen T r ü m- m e r h a u f e n. Ueber den Schuldanteil der einen und der anderen an diesem jämmerlichen Resultat wird man noch sprechen müssen. Ganz schuldlos ist man auf keiner Seite. Was die Haltung der deutschen Delegation betrifft, so kann jedoch schon jetzt gesagt werden, daß die Angriffe, die in der deutschen Rechtspresse gegen sie gerichtet werden, durch- aus ungerechtfertigt sind. Es war gewiß ein diplomatischer Erfolg, den sie erzielle, daß die„schwedische Lösung" auf Grund ihres Einspruchs nachträglich einen viel annahbareren Charakter erhielt. Aber diesen Erfolg verdanken sie nicht zuletzt dem Entgegenkommen und dem Verständnis, das auf der anderen Seite von Briand, Vandervelde und Benesch gezeigt wurde.(Weitere Nachrichten 3. Seite.) Letzter Tag! Heute acht Uhr abends Schluß der Listen! Die Eintragungen am Dienstag haben nach den bisherigen Beobachtungen fast denselben Umfang gezeigt wie am Montag. Bis jetzt liegen folgende Meldungen vor: Sonnabend 9434 Sonnabend 9391 Sonnabend 8317 Sonnabend 1813 Sonnabend 1356 Wedding. Montag DienZtag 19 780 13 067 Bisher eingezeichnet 165 536 FriedrichShain. Montag Dienstag Bisher eingezeichnet 17 818 15 SZS 153 201 Prenzlauer Berg. Montag 16 685 Dienstag 13 823 Pankow. Montag DienStag 4779 4 404 Tempelhof. Montag Dienstag 3 187 2 639 Bisher eingezeichnet 139 069 Bisher eingezeichnet 31740 Bisher eingezeichnet 22 137 Heute um 8 Uhr abends werden die Listen für das Volks- begehen geschlossen. Um den Erfolg weiter auszubauen, bleiben also nur noch ein paar kostbare Stunden. Sie dürfen nicht ungenützt bleiben! Am 25. März wird das vorläufige, am L. April das endgültige Ergebnis verkündet werden. Dann hat der Reichstag das Wort. Entweder er nimmt den Antrag des Volkes unverändert an— das wird er nicht tun—, dann kommt es zu keinem Volksentscheid. Oder er lehnt ihn»ein- fach ab, dann wird der Antrag für sich allein dem Volks- entscheid unterbreitet. Oder aber er nimmt ihn mit Ver- änderungen an, dann hat das Volk sowohl über den Antrag selbst als auch über den abändernden Beschluß des Reichstags abzustimmen. Auf alle Fälle also: derBolksentscheidkommt! Morgen, am 18. März, jährt sich zum achtundsieben- zigstenmal der Tag, an dem auf den Barrikaden Berlins Arbeiter und Bürger für die Freiheit fielen. Was war's, wofür sie kämpften? Auf ihnen lastete der Druck der absoluten Monarchie, der„König von Gottes Gnaden" herrschte unumschränkt, es gab keine Pressefreiheit, keine Vereins- und Versammlungsfreiheit, kein Wahl- und Stimmrecht. Der„Untertan" war. vollkommen rechtlos. So gab es keinen Weg zur Freiheit als den der Gewalt. Jahrzehntelang schien es, als ob die Toten des März umsonst gestorben wären. Aber ihr Andenken lebte in den Arbeitermassen fort, und die Saat, die sie ausgestreut hatten, ging schließlich auf. Wir haben in den Tagen vom 4. März bis heute die würdig st e Märzfeier gefeiert, die je auf deutschem Boden gefeiert worden ist, und die Millionen, die durch ihren Namenszug der Republik Treue gelobten und der fürstlichen Habgier Fehde ansagten, ehrten das Andenken der Märzgefallenen nicht nur durch das Wort, sondern, was mehr gilt, durch die Tat. Durch diese Tat sind sie aber auch Zeugen dafür ge- worden, daß der Kampf um die staatsbürgerliche Freiheit nicht vergebens geführt worden ist. Das Volk hat die staatsbürger- liche Freiheit gewonnen, und es hat sich für sie reif gezeigt. Im alten Deutschland der Untertancngesinnung und des Druckes von oben war die öffentliche Abstimmung, wie sie bei den Dreiklassenwahlen geübt wurde, das sicherste Mittel, jede Opposition zu unterdrücken. Nur eine kleine, ohn- mächtige Minderheit konnte es wagen, mit ihrer Meinung öffentlich hervorzutreten, die Mehrheit unterlag dem schran- kenlosen Terror der herrschenden Klassen und Schichten. Versuche, diesen Terror auch heute noch auszuüben, mögen da und dort dem Ergebnis des Volksbegehrens ab- träglich gewesen sein. Aber den Ausmarsch der Mil- l i o n e n haben sie nicht verhindern können. Wir sind in staatsbürgerlicher Hinsicht freier geworöen, als es unsere Väter vor 78 Iahren waren und als wir selber noch vor acht Jahren gewesen sind. Diese neuerrungene staatsbürgerliche Frei- heit, die Verfassung der demokratischen Republik, als eine Waffe auch für ihren sozialen Befreiungskampf führen zu lernen, das ist die große Aufgabe, vor die sich die Arbeiter- klasse heute gestellt sieht. So war der glänzende Verlauf des Volksbegehrens auch ein Stück Erziehung zur Demokratie. Der cheore- tische Streit um ihre Bedeutung, der während der Nachkriegs- wirren die Arbeiterbewegung zerriß, ist damit praktisch er- ledigt. Auch hier hat der M ä r z g e d a n k e gesiegt. Jetzt geht die Erziehung zur Demokratie weiter. Nach dem Volksbegehren kommt der Volksentscheid. Dann gilt es, an einem Tag noch viel größere Massen aufzubrin- gen. als sie in den letzten zwei Wochen für das Volksbegehren aufmarschiert sind. Jeder, der sich für das Volksbegehren ein- gesetzt hat, muß von heute ab ein unermüd« licher Agitator für den Volksentscheid sein! Die Gegner glauben, daß die Bewegung gegen die Fürsten schon bei den E'ntragungen ihre letzten Reserven erschöpft hat. Behielten sie recht, so wäre die Niederlage, wenn auch die ehrenvollste, das unvermeidliche Ergebnis. Aber sie werden nicht recht behalten! Auch der Volks- entscheid muß für sie eine bittere Enttäuschung werden, wie sie das Volksbegehren geworden ist. Wer durch Eintragung seines Namens in die Listen seiner Ueberzeugung Aus- druck gegeben hat, der hat damit a"ch die Pflicht übernommen, für diese seine Ueberzeugung zu kämpfen. Dazu bleiben nun Wochen Zeit. Inzwischen wird auch der Reichstag zur Stärkung der Bewegung das Seine beitragen, indem er über den Antrag, der dem Volksbegehren zugnmde liegt, verhandeln wird. Die Parteien wer- den Farbe bekennen müssen! Und sie werden das tun müsien in einer Debatte, die die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich ziehen wird, wie keine vor ihr. Das Ergebnis wird eine neue Aufrüttelung der Massen sein. Die Flut wird weiter steigen! Wir kämpfen nicht mit den Mitteln des Unrechts und der Gewalt, sondern mit den Mitteln unseres S�aatsbürgerrechts gegen das Unrecht der Gewalt, das im Laufe der Jahr- hunderte unermeßliche Reichtümer, wertvolle Bestandteils des Volksvermöoens in wenigen Händen anuehaust bat. Wir tämvfen im Geist der Gefallenen vom 18. Mär» 1818. Heute. am Vortag ihrer Gedächtnisfeier werden die Listen geschlossen. Darum gilt es, heute noch einmal alle Kräfte zusammen- zufassen für den Sieg des Volkes! Veiter guter 5ortgang! GSrNH. 18. Würz.(Eigener rrciSiverichU. VSrlltz fllbrt in Siblenen. Sm Dienltng war der Andrang kaum zu bewältigen t8 Vrou der WiMberechtigten babe»»nterwlibnet. vlekefeld, 16. März.(Eigener Drahtbericht.) DI« Dienstag abend sind in Bielefeld-Stadt 2.506 Eintragungen mehr vollzogen worden, als Sozialdemokraten und Kommunisten bei der ersten Reichspräsidentenmahl an Stimmen aufbrachten. Es werden sicber über 50 P r oz. aller Elntragungsberechtigten sich an der Einzeichnung zum Volksbegehren beteiligen. vraunschwelg. 16. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Andrang zur Einzeichnung zum Volksbegehren war auch am Dienstag wieder sehr stark. In der einzigen Zeichnungsstelle im Rathaus wurde die Höchstziffer der Wochentage mit 2600 Eintragungen erreicht, so daß am Dienstag abend insgesamt 36 200 Unterschriften vorlagen. Danach ist mit einer Eintragung von mindestens lO Proz. der Wahlberechtigten zu rechnen. Der töesulldhellszu'land INussolinl«. Die auch in einigen beutlchen Zeitungen verbreitete Nachrichr, daß zwei Aerzte und zwar ein Vrosesior der Universität Prag und ein anderer von der Uni- veritiät Innsbruck, nach Rom berufen worden seien, um über den Gesundheitszustand MulloliniS zu beraten, entspricht nach einer o'fiüölen römischen Mitteilung in keiner Weite den Tatsachen. Der Gesundheitszustand de? italienischen Ministerpräsidenten ist aus- gezeichnet. prknz Eitel vertekükgt heiligste Güter. In der Beilage der„Nachtausgabe." Hätte Seine Königliche Hoheit, der Prinz Eitel Friedrich von Preußen vor etwa zehn Jahren dem„Berliner Lokolanzeiger" die unaussprechliche Huld und Ehre erwiesen, ihn mit einem höchst- selbst verfaßten Beitrag zu beglücken— es läßt sich gar nicht aus- denken, was da passiert wäre! Das Blatt wäre als Festausgabe erschienen, und auf der ersten Seite, mit Krone, Eichenlaub und Schwertern geschmückt, wäre der Erguß der prtnzlichen Feder ab- gedruckt worden— in Königstype Korpus. Es hätte in den Kreisen des gebildeten Bürgertums... zigtausend neue Zlbonnente» ge» wonnen. Alle Hoflieferanten und solche, die es werden wollen, hätten nur noch ganzseitig inseriert. Die Zeiten ändern sich und die Geschäfte mit ihnen� Jetzt hat sich der Prinz Eitel Friedrich bei Hugenberg über die E n t- eignung derFür st engeäußert, und aus seiner Aeußerung ergibt sich, daß sein Vertrauen in die Dummheit des Volkes uner- schüttert geblieben ist: Das deutsche Volk wird In seiner Mehrheit einsehen, daß dl« Welle bolschewistischer Kulturvernichtung über das deutsche Land fluten wird, wenn erst einmal an einer Stelle der Damm der bürgerlichen Rechtsordnung durchbrochen ist, und daß sie schließlich das ganze durch die Revolution schwer er- schütterte Gebäude des bürgerlichen Staates niederreißen wird. Man schaudert! Aber noch mehr schaudert man, wenn man beachtet, an welcher Stelle eine prinzliche Aeußerung jetzt bei Hugen- berg plaziert wird. Richt im„Lokalonzeiger�, besten Leser mästen- hast zu den Eintragungslokalen laufen, um sich für die Enteignung der Fürsten einzutragen. Nicht auf der ersten Seite! Wo denn sonst? Die„Nachtausgabe" hat eine unpolitische Beilage, in der mancherlei schöne Dinge zu lesen sind. Jetzt wird dort«ine äußerst spannend« und reich illustrierte Geschichte veröffentlicht: Kokain und Opium. Ein Roman aus der Gesellschaft von A.S. Swad«. Tief unterhalb dieser über die ganze Seite gehenden Ueber- schrift entdeckt der anfmerksame Leser etne viel kleinere:.Prinz Eitel Friedrich über die Fürstenabfindung. Zu- verficht gegenüber dem Bolkeentscheid." Und dann geht es los, aber ganz klein, ganz eng gedruckt! So merkt man selbst bei Hugenberg, daß Deutschland«ine Republik geworden Ist. Der alte Respekt ist fort. Und die„Welle der bolschewistischen Kulturvernichtung"— wer will sie noch auf- halten?_ Der Zoll Meper-Sehrens. Wen. Kuttner über daS Ergebnis der Untersuckiung. Im Femeausschuß des Landtags führte der Berichterstatter Abg. Krklner(Soz.) weiter aus: Der Abgeordnete Behrens muhte wissen, daß von Zeugen sein Geld zurückhaben wollte und sich nickt durch eine Zahlung an Meyer hat befriedigt erklären wollen. Vrhren» Hai seine Ancsage über die Verwendung de» Geldes auch dreimal geändert. Wenn aber ein Zweifel bestand, wem das Darlehen gehören sollte, hätte sich Behrens an den Darlehensgeber, nämlich Zeugen wenden sollen. Man muß annehmen, daß man dies« Bor- gänge der Kenntnis der Osffentlichkelt entziehen wollte. Später hatte der Abg. Meyer eine Unterredung mit von Zengen wegen des Dar- lehens: dieser lehnte jede Verhandlung ab. von dieser Unlerred:,ng hol aber der Abo. Meyer dem Ausschuß wahlweielich keine Mli- l-ilnna gemacht. Die begründetere Ansicht Ist, daß von Zenoen das Geld für Malettke geben wollte, und nicht für Mcy«r. Die An- gestellten der Arbeitgebsr.Vereiniaung waren jedoch allgemein der Auffassung, daß das" Geld für Mener und Schulz bestimmt war. Auch der langjährige Freund von Zengen, der Zeuge von der Linde, war der Ueberzeugung, daß das Geld für Schulz bestimmt war. Seit der llnlerredung bel Slelller mußte aber von Zeugen Wilsen, daß das Geld für Mener belllmmt war. der es sllr Schulz verwenden wollte. Eine Beteiligung Schulz' an deni Aus- bruchsversuch de» Leutnants Rnsael ist nicht positiv erwiesen, wenn er auch mit Rasael in Kassiber verkehr gestanden hat. Auch der Abgeordnete Meyer hat«inen Ausbruchsversuch nicht finanziell unterstützt. Abg. Kuttner bezeicknet am Schluß seiner Aus- führungen das Berhalten der Abgg. Behrens und Meyer in der Darlehens-Angelegenheit als mkndefien» grob fahr- lässig. Gegen Schulz seien damals schon die schwersten Anschuldi- gungen in der Oefsentlichkeit erhoben worden. Selbst wenn Behrens und Meyer von der Unschuld des Schulz überzeugt waren, mußten sie sowohl mtt Rücksicht auf ihre Stellung als Treuhänder der Der- mögensoerwattuna als auch mtt Rücksicht auf den Darlehensgeber, die Arbeitgeber-Äereinigung, mtt größerer Borsicht vorgehen. Sl« durften nicht einen so unkorrekten Weg bei der Beschaffung des Darlehens gehen und hätten dem Darlehensgeber mindestens genau den Zweck angeben muffen. Das Verhalten der Darlehensgeber in der Arbeitgeber-Vereinigung müste andererseits� den Verdacht wecken» als wollte man durch das Darlehen die Gewerkschaft in die Hand bekommen. Die kettenden Stellen der Arbeit- a«der- Vereinigung hätten sich allerdings nach diesem Fall bemüht, Wandel zu schaffen._ Abg. Vollmer(Dnat.) erklärte am Schluß des Dmchts. der Berichterstatter habe auch Werturtette abgegeben, zu denen er nicht berechtigt gewesen sei. Darauf wurde die öffentliche Verhandlung geschloffen. Am Nachmittag wurde in nichtösfentticher Sitzung eine Nach- Prüfung der Geschäftsbücher der Firma Stier durch ein Ausschußmttglied»nd zwei Zeugen beschlossen. Während der Osterpause soll vom Montag, den 12. April, ab der Fall Mcyer- Behrens zu Ende geführt und im Anschluß daran der Fall Iahnle am 14. oder 15. April behandelt werden. Das Gnöe eines SchwknSels. Tcutschnationale Lügen über Scheidemann. In einer kleinen Anfrag« eine» deutschvölkischen Landtagsabge- ordneten wurde das Staatsministerium um Auskunft ersucht, ob »das Disziplinarverfahren gegen Scheidemann wegen des durch die Aussagen des Zeugen Affeldt im Magdeburger Rot- Hardt-Prozeß hervorgerufenen Verdachts, unter seinem Eide falsche Angaben gemacht zu haben, eingeleitet worden" sei. Wie der Amtliche Preußische Prestedienst mitteilt, beantwortet der preußische Minister des Innern die Anfrage folgendermaßen: „Ein Anlaß zur Einleitung eines Dispizsinarverfahrens gegen den Oberbürgermeister Schcidemann wegen angeblich falscher An- gaben im Magdeburger Rothardt-Prozeß hat nicht bestanden. Die Beamten der Staatsanwaltschaft, die an der Hauptver-, Handlung gegen den Schriftleiter Rothardt teilgenommen haben. haben nach der gesamten Sachlage die Ueberzeugung gewonnen, daß die der Aussage des Oberbürgermeisters Scheidemann wider« spreckenden Angaben des Zeugen Affeldt nicht zu» treffen. Die Staatsanwaltschaft hat demgemäß auch zur Elnlei- tung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Zeugen Ober- büroermeister Scheidemann von Amts wegen keine Beran» l a s f u n g gefunden und auf Anzeige von Privatpersonen anhängig gewordene Verfahren eingestellt." Kommunistenprozeß k>eu standen vielerorts unter verschiedenen Bedingungen Sprcchchöre. Die Bewegung der bürgerlichen Sprcchchöre krankt daran, daß sie von keiner zum gemeinschaftlichen Erleben zwingenden Gefühlswelt ge- tragen werden und so artistisch bleiben. Der Sprechchor ist ein aus- gezeichnetes Instrument der Mostenpropaganda vom kulturellen, sozialistischen und agitatorischen Standpunkt au». Hierauf sprach Albert Florath über die Bedeutung de» Sprechchors als«ine« künstlerischen Instru- ment«, das Kunst au» der Masse durch die Masse für die Mast« bring«. Er legte dar, daß vor allem„Sprechen" gelernt werden und Rhythmus und Inholt durch da, gesprochene Wort gestattet werden müste. An erster Stelle komme die Reinheit der Idee. Dann behandelte Albert Horlitz die organisatorische Frage. Er bedauerte die Zersplitterung der Sprechchorbewegung und regt« eine zentral« und lokale Zusammenfassung an. Ferner soiderte er eine Zentralstelle für die Beschaffung geeigneter Literatur, wobei auf die Gruppen der großen, mittleren und kleinen Sprcchchöre De- dacht genommen werden müsse. Auch die Tantieme müsse dem Dichter vermittelt werden, damit ihm die Schaffung neuer Wcrke möglich sei. Die Veranftallung eines achttägigen Kursus für Sprech- chor-Leiter sei für den kommenden Herbst anzustreben. Die sehr lebhafte Diskussion, in der u. a. die Frage eines Kullurpfennigs angeregt wurde, brachte auch eine Interessant« Debatte über die Frage, ob der Sprcchchor zugleich auch Bewegungschor sein könne, was von den Hamburger und Zwickauer Delegierten nach ihren Erfahrungen bejaht wurde. Am Sonntag hörten die Teilnehmer im„Großen Schauspiel- haus" die Darbietung der Rothenfelderschen.Weltenwende" durch den Florathschen Sprechchor. Besonder, interessant war dabei der zum großen Teile geglückte Versuch, etne Zweietmgkett von Sprech- und Gesangschor zu erreichen. In einem späteren Zusammensein wurde dann nochmals die Bewegungsfrage angeschnitten, dl« einer Mechanisterung de« Klang- körpers vorbeuge. Es wurde auch festgestellt, daß die Sprechchor» werke, die in der Revolutionszstt starte Wirkungen hervorgerufen haben, unter den heute obwaltenden Umständen kall lasten, weil die Masse nicht mehr mitschwingt, so daß sie zumeist nur al, g«.. schichtliche Erinnerung wirken. Das ewige„Siegen" wirkt Nische«- hast, und es müssen zettträchtige Werk» geschaffen werden. Bruno Schönlant. Der„Dreibund" gegen Darwin. Der Kampf gegen Darwin und seine Entwicklungslehre, der in dem berühmten„Affenprozeß" zu Dayton in Tennestee sich so komisch offenborte, ist in den Bereinigten Staaten noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Jetzt haben sich drei Staaten, nämlich Tennestee, Mississippi und Texas, zu einem „Dreibund" zusammengeschlossen, um gemeinsam die Entwicklung,- lehre zu unterdrücken. Der Gouverneur von Mississippi, Whitfield, unterzeichnete kürzlich ein Gesetz, durch das ollen Lehrern dieses Staates bei Androhung einer Strafe von SOO Dollar und sofortiger Entlossung verboten wird, irgendetwas derart zu unterrichten,.chaß der Mensch von den Tieren abstammt oder mtt ihnen Zusammen- hängt". In Texas gibt es zwar kein solches Gesetz, aber der oberste Bea»te dieses Staate», der werbliche Gouverneur, Mrs Ferguson, Hot einen, Kreuzzug" gegen den Darwinisnnis eröffnet und sieht darauf, daß alle auf die Entwicklungslehre bezüglichen Stellen aus den Lehr- büchern, Lexikons usw. entfernt werden. Verschieden« Werte über Biologie mußten auf ihre Veranlassung neu gedruckt werden, wobei ganze Kapitel aussielen. In Tennestee ist man ebenfalls eifrig an der Arbeit, die hohen Ueberlieferungen des„Affenprozestes" ausrecht zu erhalten, kann aber dem verurteilten Lehrer Loopes nicht ver- wehren, die verbotenen Theorien auf der Universität von Ehikogo weiter zu swdieren. wo der junge Mann sich biologischen Swdien widmet. Auch die Unterrichtsbehörden von Atlanta in Georaia haben jede Verbreitung der Darwinschen Lehre verboten, und dieser Staat will sich dem„Dreibund" anschließen, um die Südstaaten über- Haupt von dieser»gottlosen Wissenschaft" zu besreie», ver Männergesangverein„Jlamenlos" veranstaltet« fit der Garnisontirche ein Konzert. Cr zeigte sich dabei stimmlich und sprachlich auf einer beachtbaren Höhe und konnte unter der ruhigen Führung seines Chormeisters E. Thilo meist neuere Kompositionen zum Vortrag bringen. Alle erklangen lebendig durchfiihtt und in guter chorischer Disziplin, so daß e» eine Freude war, dem Verein zuzuhören. Martha Prillwitz sang Weber, Schubert, Schumann und hinterließ mtt ihrem wesenlosen, tragsähigen Piano sicher- lich tiefe Eindrücke. Max Schulz- Für st enberg litt bei seinen Cellostücken manchmal unter zu dicker und aufdringlicher Degleitung. Otto P r i« b e spielte ein paar größere Orgelwerke. Das Publikum zeigte bei dem zwetten nicht gerade sonderlich viel Aufmerksamkeit. Am meisten sestellcn sicher die wohlausgefeilten Thorsätze, die zeigten, daß„Namenlos" in durchaus guten Händen ist. s. g. holländisches Mittelalter, ver holländisch« Pastor Dr. Geel- kerken ist nunmehr, nachdem er endgültig die Derpfllchtung abgelehnt hatte, die biblische Geschichte vom Sündenfall In streng dogmatischem Sinne vorzutragen, von der Generastynod« der Reformierten Kirche aus die Dauer von zunächst drei Monaten seines Amtes enthoben worden. Der Präsident der Synode erklärte diese Maßnahme als ein Zuchtmittel, damit der aus Abwege geratene Bruder den rechten Weg wiederfinden möge. Die Anhänger des Gemaßreaetten haben beschlosten, in allen größeren Orten des Lande» öffentliche Protest- und Äufklärungsoersammlungen zu veranstalten und die Amtsent- setzung nicht anzuerkennen, vieilmehr Geelkerken nach wie vor pre» digm zu lasten. Auch die Amsterdamer Studentenschaft hat dem Pastor ein« begeistert« Huldigung dargebracht. Reue Kohlenschäße entdeckt. John Fleti. der Generaldirektor de» Londoner Geologischen Amts, hielt kürzlich in einer Geologenver- sammlung in Hull einen Dortrag. in dem er über die Entdeckung von ausgedehnten Kohlenfeldern im Flußgebiet des Humber ausführlich berichtete. Die abbaufähigen Kohlenflöze werden auf«inen GeHall von 25 Millionen Tonnen geschätzt, wo« ausreichen würde, um da» ganze Land auf hunderte von Jahren hinaus mit Kohl« zu ver- sorgen. Di« Kohlenselder liegen östlich vom Trentfluß zwischen den Flüssen Humber und Wash� Die dort gewonnene Kohle würde ohne besondere Schwierigkeiten nach den Häfen Hull und Grinsby ver- laden werden können. Wie Flett weiter ausführte, gilt als die Grenztiefe für die Kohlengewinnung gegenwärtig«ine Tiefe von etwa 1000 Meter: die vervollkommneten Bohrmethoden und da» verbesserte Maschinenwesen gestatten jedoch, auch Kohle aus größeren Tiefen zutage zu fördern. Ikor« Zep'er spricht am Donnerstag> llhr lm RZnischlaal, Leipziger Striche 110, Uber„ReligiSie Dichtung'. Uar-täg« ftreitaa Ivr'cht im iZchutertiaal. VKIowfirah«. in deut'cher Sprache Ö. Eichenwald, Prosestor de« Ruisi'chen Wistenicha Uichen Jnlli ut«. Oder„Die Verneinung de« Theater«'. Anfang 8'), Udr ab nb« Vehrevs- n»«vung Anläßlich der RuSflellung bantdnftlerticher Ent» «iirse von Vras. Peter B« b r e n D und l iner Atademischen Meiilerichule Wien, im Alten Kunilgewerbe-VSuseum, P inz Nldrerblilr. 7», finden jede» TonnerStag und Sonntag, ob tZ Uhr. Führungen unter Leitung von Dr. Otto Hifer vom S oall. KunsUewerbewujeum oder Prof. Dr. Ad oh Zeller von der lechnlsch«» Hochschule statt De? Staatsgerichtshof beseitigt. Entwurf zur Llenderung deS RepublitschutzgesetzeS. Der Reichstag hat vor einiger Zeit die im Etat gefordsr- ten Mittel für den Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik abgelehnt. Damit fällt dieses Sonder- gerichh das nach dem Rathenau-Mord zum Schutz gegen die Meuchelmörder aus den nationalistischen Kreisen eingesetzt nr'.rde, sich aber unier den bürgerlichen Regierungen voll- ständig zu einer Kammer gegen die Kommunisten entwickelte, am 1. April automatisch fort. Um den Uebergang der an diesem Tage noch schwebenden oder neu eingeleiteten Versahren zu sichern, haben die Reichs- minister der Justiz und des Innern jetzt dem Reichstag einen Eesetzsntwurf unterbreitet, in dem die notwendigen Aende» rungen des Eesetzez zum Schutz der Republik, das im übrigen in Kraft bleibt, festgelegt werden. Der Entwurf bestimmt: „Für die Strafsachen, die zurzeit zur Zuständigkeit des Staats- gerichtshofz zum Schutze der Republik gehören, sind vom 1. April 19£6 an die ordentlichen Gerichte zuständig. Die de- reits anhängigen Sachen geben mit diesem Zeitpunkt in der Lage, in der sie sich befinden, auf die ordentlichen Gerichte über. Eine b e- gonnene Hauptverhandlung ist nach den bisherigen Vorschriften zu Ende zu führen. Geht eine Sache, in der bereits die Anklageschrift beim Staatrgerichtchof zum Schutze der Republik eingereicht worden war, auf die Amtsgerichte über, so findet die Hauptverhand- lung vor dem Schöffengericht statt-, zur HauptverhaMung ist ein zweiter Amtsrichter zuzuziehen. Wird einUrteildesStaatsgerichtshofs zum Schutze der Republik mit dem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens angefochten, so entscheidet darüber, ob der Antrag zu- lässig und begründet ist, das Reichsgericht. Die neue Hauptver- Handlung findet vor dem Reichsgericht statt. Für die bei der Vollstreckung eines vom Staatsgerichts. Hof zum Schutze der Republik erlassenen Urteils notwendig werden. den gerichtlichen Entscheidungen(§ 462 der Strafprozeßordnung) ist das Reichsgericht zuständig." Der wesentliche Fortschritt, den der Wegfall des Staats- gerichtshofes bringt, ist der, daß die noch nicht erledigten Prozesse gegen Kommunisten, soweit sie nicht Hochverrats» anklagen betreffen, der Nachprüfung mehrerer In- stanzen unterliegen. Schlimmer, wie die Urteile des Staatsgerichtshofes in der letzten Zeit waren, können nicht einmal die von hinterwäldlerischen Schöffengerichten aus- fallen. Die Putschisten völkischer und deutschnationaler Fär- bung hatten ohnehin von dem Staatsgerichtshof wenig zu fürchten._ Zrankenfälstbung in München? Erklärungen des Innenministers im Landtag. München, 16. März.(Eigener Drahtbericht.) Die„Reue Zet- tung"(KPD.) machte sensationelle Mitteilungen über eine aktive Beteiligung Münchener Ratwnalisten an der ungarischen Franken. sälschung. Nach diesen Mittellungen, für die da» Blatt die Beweise <,u haben behauptet, sind in den Sommermonaten 1924 in München nicht nur Klischees zur Herstellung von Tausendfrankennoten angefertigt worden, sondern e» wurden in München auch falsch« Frankennoten gedruckt. Di- Druckaufträge gingen über den Direktor eines der größten Münchener Verlagsunternehmens an kleinere Detrieb« weiter. So hat z. B. die Firma Schwarz in München(Auenstraße 2S) die Klischee« für die Frankenfälschungen geliefert. Kleinere Betrieb« wurden deshalb gewählt, weil ln grö- ßeren bei der Zusammensetzung des Personals ein Aufkommen der dunkeln Geschälte zu befürchten war. Zu den Herstellungsarbeilen wurden zum größten Teil Angehörige nationaler Verbände ver- wendet. Um alle Befürchtungen bei den Leuten von vornherein zu beheben, wurde ihnen erklärt, daß die Behörden an der Herstellung beteiligt seien und ihnen deswegen strafrechtlich nichts geschehen könne. Zugleich wurde ihnen aber auch in mehr oder minder ver- steckler Form gedroht, daß sie bei der geringsten Verlautbarung mit einer Bestrafung durch die nationalen Verbände(Feme) zu rechnen haben. Unter diesen Umständen ist ein bei der Herstellung beschäf. tigter Zeichner im Laufe der Zeit völlig zusammengebrochen. Di- Gewißheit, daß die Dinge sich auf die Dauer nicht verheimlichen lasten, und daneben dl« Angst vor der rächenden Feme haben die an der Herstellung beteiligten Personen fast aufgerieben. Wenn bis heute die Dinge nicht an die Oefsenllichkeit kamen, so nur deshalb, weil die Beleiligten durch Drohungen von einer Deröffenl- lichung abgehalten wurden. Trotzdem hat vor mehreren Wochen, als die Fälschung in Ungarn aufgedeckt wurde, ein ehemaliger An- gehöriger der Roßbachtruppe bei der Polizeidirektion in München Anzeige über die in München erfolgten Fälschungen erstattet. Bis heute aber hat die Münchener Polizei weder dem Roßbacher, noch der Oesfentlichkest über das Ergebnis ihrer Untersuchung Mit- teilung gemacht. Diese Tatsache scheint auch die Meldung zu be- stätigen, daß in die AngelegenlM sehr bekannte und einflußreiche Persönlichkeiten verwickelt sind. Damit wäre vielleicht auch eine Bestätigung der von Beteiligten gemachten Angaben gegeben, daß P ol i z e i b e a m t e die Herstellung der Frankensälschungen in München überwacht haben. Der bayerisch« Innenminister Stütze! ging am Dienstag im Hauptausschuß des Landtags auf diese Mitteilungen«in. Zunächst sucht« er die für Bayern beliebte Verhinderung der Auf- sührung des vom ADGB. herausgebrachten Films„Freies Volk" damit zu begründen, daß der Film stark mit Uebertreibungen arbeite(!). Bevor die von der bayeri- schen Regierung noch einmal zur Entscheidung angerufene Filmoberprüfungsstelle in Berlin ihr Votum nicht abgegeben Hab«, sei eine Aufhebung des für Bayern erlassenen Verbote» nicht am Platze. Weiterhin erklärte der Minister, daß in der ungarischen Frank sä lscheraffär« in Bayern sofort eingehende Unter. suchungen angestellt worden sind darüber, ob hier strafbare Hand- langen begangen worden seien. Inzwischen hätten zwei französische Beamte neues Material übcrbracht. das zur- zctt überprüft werde. Für die Richtigkeit der kommunistischen An- gaben, daß in München Kischees und Fälschungen hergestellt worden seien, hätten sich noch keine wesentlichen Anhaltspunkte ergeben. In der Bekämpfung der Kommunistischen Partei werde im übrigen das alte System in Bayern beibehallen. Eine Aus- nähme werde lediglich für die Zeit des Volksbegehrens gemacht, wo kommunistische Versammlungen erlaubt seien. Die Beschwerde der Kommunisten wegen Nichtzurückgabe von Gegen st än- den. die vor Jahren durch die Polizei bei Ihnen beschlagnahmt worden seien, sei deswegen hinfällig, weil es sich um Gegenstände handle, die für verfallen erklärt wurden und für die es also kein Privateigentum mehr gebe. Es handle sich hier u. a. um 3 Schreibmaschinen, ein« Bureaueinrichtung, ein Fahr- rad u. a. Zum Schluß wandte sich der Polizeimeister sehr scharf gegen Hitler, der sich in seiner politischen Kampfesweise gegen- über dem Jahre 1923 in keiner Weis« geändert habe. Infolgedessen müsse er auch entsprechend behandelt werden. � Erklärung öer Loeamo-Mächte. Festhalten am gemeinsamen Werk. Genf, 16. Alärz, abend» 9 Uhr.(Eigener Drahkberichl.) In der llulenedunz. die zwischen Ehamberlaiu. Btiand und Lokher- Strese- mann abends von 8 bis Uhr stattfand, wurde vereinbart, das am Zkachmillag zurückgehaltene Kommunique doch noch zu ver» öffentlichen. Man kam scheinbar zu diesem Enkschluß, um durch die verösscnll'.chung der Vereinbarungen den letzten möglichen Druck aus Brasilien auszuüben. Das Kommunique hat folgenden Mortiaitt: ..Die Vertreter Deutschlands, velzlens, Frankreichs, GroßbriJan- niens und Zkallens haben sich am Dienstag vereint, um die Lage zu prüfen, wie sie sich aus den aufgetauchten Schwierigkeiten des Ver- fahren» ergibt, die sich der Verwirklichung ihrer gemeinsamen Ziele entgegenstellen. Sie stellen fest, daß sie im Legrlsfe waren, zu einer Uebereinstimmung zu gelangen und die Hindernisse zu überwinden. die sie zu einem gegebenen Zeitpunkk unter ihnen entstanden waren. Falls, wie zu befürchten ist. die eingangs erwähnten Schwterlg. leiten fortbestehen sollten, würden die Vertreter der sieben Signatar- mächte des Protokolls von Locaruo bedauern, daß sie l m g e g e u- wärllge n Augenblick da» von ihnen angestrebte Ziel nicht erreichen können. Sie stellen jedoch mik Befriedigung fest, daß das Friedenswerk, welches sie in Locarno verwirklichten und welches in seinem ganzen werte und in seiner ganzen Kraft bestehen bleibt, dadurch nicht berührt wird. Sie hallen daran fest, heule wie gestern, und sind fest entschlossen, sich gemeinsam dafür einzusehen, es aufrechtzuerhalten und fortzuentwickeln. Sie bleiben bei der lleberzeugunz, daß bei der nächsten Bundesversammlung die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwunden sein werden, und daß die Verständigung, die hinsichtlich der Voraus- sehungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erzielt worden war, verwirklicht werden wird." Dieses Kommunique schließt die Möglichkeit, daß die Aufnahme Deutschlands am Mittwoch vormittag doch noch erfolgt, nicht ganz aus. Falls Brasilien bis Mittwoch vormittag l0 Ahr auf seinen Ein- spruch verzichtet, erfolgt die Aufnahme. Diese Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering, und nach den Erklärungen des Reichskanzlers vor der deutschen Presse spricht mehr für die Vertagung als für die Auf- nähme. Srianü sagt:»�nögültig gescheitert!� V. Seh. Gens, 16. März. 12 Uhr nachts. L riand emp- sing die französische Presse und teilte thr mit. daß in der Vollver- sammlung des Völkerbundes am Mittwoch vormittag Chamber- laln als Vorsitzender der Kommission für die Aufnahme Deutsch- lands das Wort ergreisen werde, um die Lage darzustellen, sowie die Entstehung des negativen Ergebnisses der Verhanlungen. Er erklärte, daß dieses Scheitern als endgültig betrachtet werden könne. Brland sprach sein tiefstes Bedauern aus über diesen Ausgang, der für den Völkerbund eine konstitutionelle Krise bedeute oder, wenn man wolle, eine wachstumskrise. Dieses Ergebnis werde jedoch vielen Leuleu zu denken geben. Jedenfalls würden b l s zum September ernste und andauernde Anstrengungen ein- sehen, um die Wiederkehr dieser bedauerlichen Erscheinungen zu verhindern. Gens. 16. März, wie der Sonderberlchkerflatter des WTV. ans Kreisen der fremden Delegationen erfährt, soll am Schluß der heutigen u'.chlosflzlclleu Ratssitzung eine Abstimmung über die Frage der Vertagung des deutschen Aufnahmeautrages und der damit zusammenhängenden Angelegenhetten vorgenommen worden sein, bei der sich sieben RotsmitgUeder s ü r und drei gegen die Vertagung ausgesprochen hätten. Als dl« drei letzteren Rats- mächte werden Belgien. Schweden und Japan genannt. Paris. 16. März.(MTB.) Ministerpräsident B r i a n d hat den Unterstaatssekretär bei der Ministerprästdentschaft von seiner Absicht in Kenntnis gesetzt, Genf am Mittwochabend zu verlos- s e n, um Donnerstag vormittag an dem auf 19 Uhr festgesetzten M i n i st e r r a t teilnehmen zu können, in dem der Wortlaut der Regierungserklärung, die am Donnerstagnachmittag im Parlament abgegeben werden soll, festzusetzen ist. Südamerika gegen Brasilien. Genf, 16. März.(Eigener Drahtbericht.) Im allgemeinen ruhiger als die voraufgegangenen Tage, stand der Dienstag im Zeichen Brasiliens. Die Erörterung der am Montag abend er- zielten Einigung über den polnischen Ratssitz trat hinter dem brasi- lianischen Spuk weit zurück und die am Vormittag erfolgte Ve- sprechung zwischen dem tschechischen Außenminister und den deutschen Hauptdelegierten fand nur auf deutscher Seile einige Beachtung. Als der Reichsaußenminister von dieser Unterredung und der Einigung über die inneren Veränderungen im Rat Kenntnis gab, herrschte bei den deutschnationalen Pressevertretern arge Bestürzung. Sie sahen wieder einen Traum schwinden, und da inzwischen auch die neuen spanischen Wünsche wenigstens vorläufig als durch Driand erledigt gellen mußten, setzten sie jetzt ihre einzige Hoffnung, daß doch noch alles schief gehen könnte, auf Brasilienl Aus den Kreisen der Alliierten wurden inzwischen alle möglichen Schrille unternommen, um den Vertreter Brasiliens von seiner unverantwortlichen Absicht abzuhalten. Chamberlain und Driand beauftragten ihre Vertreter in Rio de Janeiro, sofort einen dringen- den Schritt bei dem Präsidenten Brasiliens, Bernardo, zu unternehmen und Mello Franca von dem beabsichtigten Veto gegen Deutschland abzubringen. In Genf selbst versammelten sich bereits am Vormittag in Anwesenhell des brasilianischen Delegierten sämtlich« Vertreter der südamerikanischen Staa- ten. Die Diskussion dauerte nicht weniger als drei Stunden: sie nahm zeitweise heftige Formen an. Mello Franca, der die These zu verfechten suchte, daß er Im Namen von ganz Südamerika sprechen dürfe, mußte sich von verschiedenen Delegierten anderer südameri- konischer Republiken sagen lassen, daß diese Ausfassung unrichtig sei und daß es jedenfalls nicht im Interesse Südamerkas liege, wenn Brasilien durch seine Haltung die Aufnahme Deutsch- lands in den Völkerbund verhindere. Der brasilianisch« Vertreter betonte schließlich, daß sich seine Regierung wahrscheinlich einem einheitlichen Schrill aller südamerikanischen Republiken gegenüber nicht unempflndllch zeigen würde. Die Vertreter Kolumbiens und Chiles, die an sich für einen permanenten Sitz zugunsten Brasiliens eintraten, erklärten, daß sie die Haltung Mello Francas dennoch mißbilligen. Endlich wurde beschlossen, sich sofort telegraphisch an die Regierung in Rio de Janeiro zu wenden, um sie zu einem Ver- zicht aus«in Veto gegen den Eintritt Deutschlands zu veranlassen. Das Telegramm ging nachmittags gegen 4 Uhr ab und trägt samt- liche Unterschriften der bei dem Völkerbund akkreditierten Vertreter Südamerikas. Außerdem wurde ein Beschluß gefaßt, in dem der Rat um eine Vermehrung der südamerikanischen Mandate im Rat ersucht wird. Der Beschluß der zehn südamerikanischen Delegationen hat folgenden Wortlaut: 1. Die Delegationen erneuern in ihrem Namen wie in dem ihrer Regierungen gegenüber der brasilianischen Regierung und ihrem hervorragenden Vertreter, Botschafter Mello Franca, ihre lebhafte Sympathie. 2. Sie sprechen in Anbetracht der gegenwärtigen schwierigen Lage für den Völkerbund und in Anbetracht der Jnteresien des Well- frieden?, ferner gemäß der Notwendigkell für die amerikanischen Staaten, eine vermittelnde Funktion zugunsten der Aus- söhnung unter den europäischen Völkern auszuüben, Herrn Mello Franca den Wunsch der eben genannte» Delegationen aus, daß Brasilien auf eine ihm gut scheinende Weise die Gr ziel umg der Einstimmigkeit im Rat erleichtere, um die be- stehenden Schwierigkeiten zu überwinden. 3. Die Herren Mello Franca und Güani(Uruguay) werden ge- beten, dem Völkerbundsrat die ein st immige Ueberzeugu n g der amerikanischen Delegationen vorzutragen, daß den zahlreichen amerikanischen Ländern im Dölterbundsrat eine größere Ver> tretung gegeben werden sollte. örasilZens Zusage aa veutschlanö. Die deutsche Rcichsregienmg fragte im September 1924 bei den im Völkerbundsrat vertretenen Mächten an, ob sie mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund einverstanden seien. Die Zusage sämtlicher Ratsmächte erfolgte. Brasilien ließ es sich nicht nehmen, mit besonders schwungvollen Worten Deutschlands Aufnahme zu be- willkommnen. Das Verhallen Brasiliens zeigt, daß es hinter den internationalen Formeln nationalistische Ziele verbarg. Um die Gesinnungetüchtigksit Brasiliens zu kennzeichnen, ver- öffentlichen wir, nach dem Vorgange englischer Zeitungen, den Wortlaut des brasilianischen Schreibens vom 1. Dezember 1924. „Wir haben mit der größten Aufmerksamkeit die Denkschrift der deutschen Gesandtschast vom 29. Sepieniber und die beiden Schrift- stücke, welche der angeführten Denkschrift beigelegen haben, gelesen. Die Wichtigkell, die die brasilianische Regierung dem Völkerbünde beimißt, kam deutlich zum Ausdruck in der Schaffung einer st an.» digen Spezialdelegation in Genf, dein Sitz de» um- fangretchen internationalen Apparates, welcher durch den Vertrag von Versailles geschaffen worden ist. Getreu dem Geiste und dem Buchstaben dieses Vertrages, dessen Mitzeichner wir find, verfolgen wir mit der größten Sym- p a t h i e die fortschreitende Entwicklung der verschiedenen Organe, die seitdem dort dauernd geschaffen werden, um endgültig den Frieden zwischen allen Völkern zu sichern. Unsere Teilnahme an den Arbeiten des Völkerbundes be- kündet von unserer Seite klar den brennenden Wunsch, den wir hegen, in höherem Sinne an der Verwirklichung der edlen Ideale der Menschheit mitzuwirken. Wir konnten deswegen nicht gleichgültig die Bestrebungen der Nationen betrachten, die in den Völkerbund eintreten und mit ihm an seinen Zielen mitarbeiten wollen. Wir würden sogar unserer Zugehörigkeit zum Völkerbund keine Ehre anlun, wenn wir den selbsisüchitgen Gedanken halten, einzig und allein unsere Interessen als souveräner Staat und als Mil- glied der amerikanischen Familie wahrzunehmen. Außerdem wäre es eine Lüge unsererseits gegenüber dem brasilianischen Nationalempfinden, das sich heute vollkommen mit dem erhabenen Ziele des Völkerbundes deckt, wenn wir uns weigern würden, an der endgülligen Grundlegung zu einem Frieden durch Gerechtigkell in Europa mitzuarbeiten. Dieses ist der Geist, der uns immer zu leiten hat, sei es in den Völkerbundsoersammlmtgen, sei es im Schöße der Spezialkomtnissionen oder bei den Arbeiten des Dölkerbundsrats, dem anzugehören wir ebenfalls die Ehre haben. Die brasilianiscke Regierung ist jedoch der Ansicht, daß die Fragen, welche in den von Deutschland ausgesprochenen Wünschen zusammengefaßt sind, zu denen gehören, die nicht von Regierung zn Regierung verhandelt werden sollen, sondern vorzugsweise von den Mitgliedern des Völkerbundes und in ihrem Schoß« auseinandergesetzt und im ganzen erörtert werden müssen, damit die verschiedenen Seiten der genannten Fragen und die Gesichtspunkte der anderen Assoziierten besser er- tonnt werden können. Di« deutsche Regierung kann jedenfalls die Gew-ßheit haben. daß wir unparteiisch und in versöhnlichem Geiste ihre Bestrebungen. welche in der Denkschrift vom 29, September 1924 cnthallen sind, mit der festen Absicht prüfen werden, angemessene Lösungen für alle gerechten Fragen und Reklamationen zu finden, un- beschadet der Verpflichtungen, die durch Brasilien übernommen sind, und der guten Lehre des internationalen Rechts je nach der Natur des einzelnen Falles. Der Völkerbund muß entschlossen nach einer Immer größeren Universalität seiner Verfassung streben. Je mehr Anhänger die Institution zählen wird, um so größer werden ihre Stärke und ihr Prestige sein. Jede Nation, mag sie groß oder klein sein, die von den Ratssitzungen von Genf fern ist, bedeutet eine Lücke. Das Ideal ist, daß sich alle Völker dort vereinen und sich der edlen Arbeit hingeben, den Weg zu friedlichen Lösungen zu finden. Ein System der gegenseitigen Unterstützung und des tatsächlichen Beistandes wird ohne Zweifel eines Tages diese schr lobenswerten Bestrebungen krönen.— Dies vorausgeschickt, Hai Brasilien an sich keinerlei Einwendun- gen gegen den Bellritt Deutschlands als Mitglied des Völkerbundes zu erheben, im Gegenteil, es wünscht, daß dieser Bellrill sich vollziehe. Auch ist Brasilien im Prinzip nicht dagegen, daß das neue Mil- glied einen ständigen Sitz im Rol erhalle. Diese Fragen und die anderen, auf die sich das Memorandum der deutschen Regierung bezieht, werden von Brasilien in unoorein- genommenem Geiste und in gerechter Abwägung ins Auge gefaßt werden, sobald wir gerufen werden, die Angelegenheit bei ihrer Erörterung der Völkerbundsversammlung zu behandeln." Gute ßortscbritte in Lonöon. Feststellung deS Begriffs der Arbeitszeit. London, 16. März.(Eigener Drahibericht.) In der Heilligen Konferenz der Arbcitsminister ergab sich eine einheitliche Auffassung über Art. 2, und 3 der Washingtoner Konvention. Die Frage der Sonntagsruhe wurde einer Unterkommisston überwiesen. Im Hinblick auf die A r b ei t s z e i t verständigt« man sich darüber, daß unter Arbeitszeit gewöhnlich die Zeit zu verstehen sei, in der der Arbeitnehmer zur Verfügung des Arbeit- g e b e r s steht, unter Abzug der Arbeitspausen. Die Be- sprechungen über Art. 4 der Konvention wurden nicht abge» Ichlossen, da die vom Arbeitsminister Brauns angeschnittene Frage der Eisenbahnen zu einer längeren Aussprache führt«, die in der heutigen Sitzung nicht beendet wurde. Von sämtlichen Delegationen wird die gute Zusammen« arbeit auch am zweiten Konfercnztag hervorgehoben. Die Kon- fcrenz erfährt morgen insofern eine Abänderung in der Zusammen, setzung, als der belgische Arbell-minister, Genosse Wauters, infolg« der Krise des belgischen Franken seinen Aufenthalt in London ab» brechen muß und morgen vormlltag nach Brüssel fährt. �ewerMostsbewegung „Es maß etwas geschehen." Die KPD. befiehlt, die Gewerkschaften sollen parieren. Bochum, 16. März.(Eigener Drahtbericht.) Die„Bergarbeiter- Zeitung' veröffentlicht ein von dem Aktionsausschuh der Ä P D. im Ruhrgebiet verbreitetes Rundschreiben an die kommum- stischen Bezirksleitungen im rheinisch-westfälischcn Jndustrie- bezirt, in dem es heißt:' „In allen Gewerkschaften muß versucht werden, daß die Orts- Verwaltung den beiden Parteien, KPD. und SPD., zu gleichen Teilen geldliche Unterstützungen gewährt. Die Verbände, die sich in unseren Händen befinden, müssen in dieser Be- Ziehung die Initiative ergreisen. Wie bekannt, ist von einer Reihe von Gewerkschaften, Bergarbeiter- und Holzarbeiterverband usw., eine Delegation»ach Amerika entsandt worden. In allen Mitglieder- Versammlungen der betreffenden Organisationen muh die Frage an den Hauptvorstand gestellt werden, wer diese Reise siitanziert hat. ob evtl. die SV Pf., die damals für die Ratifizierung des Washingtoner Abkormnens kassiert wurden, für die Amerikareise verwendet worden sind.(Natürlich weiß die KPD. genau, daß davon keine Rede sein kann.) Bekanntlich sollten diese 50 Pf. für den Kampf um den Acht- ftundentag dienen. Kampagne in der Frage der Tarifabschlüsse: Weit stärker als bisher muß jetzt die Kampagne für die Kündigung der Tarife und für die einheitlichen Kampfmaßnahmen am 1. April auf- genommen werden. Wir haben noch einige Wochen Zeit. Die Frage der Fürstenabfindung muß mit der Frage der Tarife verbunden werden. Wir müssen der Arbeiterschaft zeigen, daß die Fürstenabfindung nicht eine besondere Frage ist, sondern, daß sie in engem Zusammenhang mit den anderen Fragen(Arbeitszeit, Tarifsragen, Lohnsragen, Betriebsstillegungen) steht. Der bereits eingeleitete Kampf zur Kündigung der Tarifabkommen muß ver- stärkt werden. Metallarbeiter-, Bergarbeiter- und Transportarbeiter- bündnis. Forderungen erheben zum Tarifablauf. Stimmung schaffen: e» muh etwas geschehen. SPD.-Arbeiter gewinnen zu ge- meinsamer Forderung und gemeinsame Entschließungen.' Unter der Ueberfchrist„Vorbereitung der Arbeit der Opposition zum Verbandsiag der Bergarbeiter" wird dann weiter gesagt:„Die Gcwerkschaftsabteilung gib: nähere Anweisungen über die einzureichenden Anträge zum Verban-dstag der Berg- orbeller heraus, und gleichfalls wird die Froktionssigung vorbe- reitet werden müssen der Kampf um eine zahlreiche Delegierten- zahl der Opposition. Dies kann geschehen im Zusammenhang mit der Knappschastsgeschichte und muß verbunden werden mit der Fürstenabfindungskampagnc und den Kämpfen gegen die Luther-Regierung." « Fürstenabfindung. Tarifabfchlüsie,.Lnappschoftsgefchichte", Bündnis zwischen Gewerkschaften, Arbeitszeit usw., alles wird wie Kraut und Rüben durcheinandergeworfen. Parole:„Stimmung schaffen: es muß etwas geschehen." Die Drahtzieher wisien nur nicht recht, was. Die Hauptfache bleibt: Es muß Krach gemacht werden ln den Gewerkschaften, die Arbeiter müssen sich in den Haaren(iegen. Dann blüht der Wetzen der Bonzen der KPD. — und der Unternehmer. /lrbe!terent!assongen unS Neunflunöeatag. Lei der Relchsmarincleilunz. Pom Verband der Gemeinde- und Stnatsarbeiter wird uns geschrieben: Wir erhielten vor einigen Tagen aus Kiel die Mitteilung, daß bei dem Munitionsdcpot Dietrichsdorf, das der Rcichsmarinelcitung unterstellt ist, 96 Arbeiter entlassen werden sollen. In Anbetracht der ohnedies schon ungeheuer hohen Zähl von Arbeitslosen in Kiel haben wir dos Reichsrvchrministerium ersucht, die Entlassungen dadurch wenigstens einzuschränken, daß zunächst einmal die Arbeitszeit von 9 auf 8 Stunden füx die noch vorhandene Belegschaft herabgesetzt wird: außerdem zu prüfen, ob nicht ein Teil der älteren Arbeiter unter Gewährung eines Ruhelohnes entlasten werden könnte. Das Reichswehrministerium hat uns jetzt mitgeteilt, daß es bei der Entlassung bleiben müsse, weil durch die Herabsetzung der Arbeitszeit die notwendige zahlenmäßige Herabsetzung der Beleg- schoft nicht erreicht würde und daß eine Zurruhesetzung aller Arbeiter auch nicht in Frage kommen könne. Hier wird einfach vom grünen Tiscki aus entschieden, gleichviel was aus den zur Entlastling kommenden Arbeitern nachher wird. Der Etat des Reichswehrnünisteriums ist in diesem Jahre w e s e n t- l i ch erhöht worden. Nach unserer Meinung müßte es möglich sein, einen Teil dieser Etaterhöhung auch für die Beschäftigung von Arbeitern zu verwenden, zumal wir bestimmt wissen, daß das Munitionsdepot in Dietrichsdorf Arbeitsgelegenheit hat. Vielleicht nehmen sich einmal unsere Reichstagsabgeordneten der Sache noch nachträglich an, damit wenigstens ein Teil der Arbeiter wcitcrbeschäftigt werden kann. Herr Brauns verhandelt in London wegen der Ratifizierung des Achtstundentages, Herr Geßler aber meint, der Neunstundentag muß beibehalten werden. Werksbeurlaubte als Kurzarbeiter. Aus einem Runderlaß des Preußischen Ministers für Volks- wohlfahrt teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit: Nach der Einführung der Kurzarbeiterunterstützung kann Er- werbslosenunterstützung an Werksbeurlaubte oder Aus- fetz er nicht mehr gewährt werden. Seit dem 1. März d. I. darf daher Erwerbslosenunterstützung nur noch Erwerbslosen bewilligt werden, deren Arbeitsverhältnis völlig, auch rechtlich, gelöst ist. Insbesondere muh der Arbeitgeber ihnen die Arbeitspapiere aus- gehandigt haben. Das hindert nicht, daß der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer gegenüber die moralische oder rechtliche Verpflichtung übernimmt, ihn bei Besterung der Wirtschaft»- läge bevorzug: wieder einzustellen und ihm den Ge- nutz der Vergünstigungen zu erhalten, die durch längere Zugehörigkeit zum Betriebe erworben werden(Urlaub, PenfionSl Einrichtung usw.). Der Ausfall ganzer Arbeitsschichten steht dem Ausfall voller Arbeitstage gleich. Die Voraus setzung, daß volle Arbeitstage ausgefallen sein müsten, ist nicht erfüllt, soweit auf einen Arbeitstag weniger als ein Sechstel der gewöhnlichen Wochenarbeitszeit entfällt. Fällt jedoch der Sonn- abend aus, so gilt er auch dann als voller Arbeitstag, wenn für ihn regelmäßig eine kürzere Arbeitszeit festgesetzt ist. Sie werden entlassen. Hörde, 16. März.(Eigener Drahtbericht.) Nach Mitteilung der Werksleitung ist von dem Härder Verein(Phönix A.-G.) bei dem Demobilmachungskommisiar die Einlassung von 1600 zurzeit ohne Lohn beurlaubten Arbeiiern zum 27. März bcaniragt worden. Ausschlaggebend für dielen Antrag find die neuen Anord- nungen für Kurzarbeiterunter st ützung. Mit der Entlastung will die Werksleitung angeblich den zurzeit ohne Lohn beurlaubten Werksangehörigen dieErwerbSlofenunterftützung sichern Tarifkündigung für die Metalltransportarbeiter. Der Verband Berliner Metallindustrieller hat das Lohnab- kommen für die Metalltransportarbeiter zum 27. März g e- l ü n d i g t. Das jetzt gültig« Lohnabkommen sieht für Transport- arbcirsr über 21 Jahre in der Lohnklasse IV einen Tariflohn von 5o2llaI!»ti!die Arbeiterjugend Gr oij'Berlin JungsoziolUtische Vereinigung henke, Mltwoch� den 17. März, abend»?>/- Uhr. findet im Saalbau Friedrichsbain eine ------ M ARZ-FEI ER----- statt. Die Ansprache hält ReichStagSpräsident Gen. Paul Löbe. Anschließend Fackelzug zu den Gräbern der Märzgefallenen. Mitwirkende: Der Junge Chor— Spielgemeinichaft der Berliner Jungsozialistcn.— Eintritt 30 Pfennig. 66 Pf. und in der Lohnklasie V von 64 Pf. vor. Diese Lohnsätze kamen im Oktober vorigen Jahres trog der Sträubung des BBMJ. durch einen verbindlich erklärten Schiedsspruch zu- stände. Sine unlängst vom Ortsausschuß des ADGB. aufgestellte Lohnstalistik ergab, daß die Transportarbeiter der Ber- liner Metallindustrie die am schlechte st en bezahl- ten Arbeiter Berlins sind. In Anbetracht besten erscheint es nicht linverständlich. daß der LBMJ. an den ohnehin völlig un- zulänglichen und unwürdigen Löhnen weitereAb striche machen will: denn anders kann die Kündigung des Lohnabkommens doch wohl nicht aufgefaßt werden. Ober beabsichtigt der VBMI. etwa. einen für die Transportarbeiter günstigeren Lohntarif herbeizu- führen? Es ist nicht niisacschlosten, daß Herr v. Borsig, der zu- gleich Vorsitzender des VBMI. und der Vereinigung Deutscher Ar- bcitgeberoerbänd« ist. erkannt hat, daß nicht nur in einzelnen Ressorts der Arbeitgebervereiniaung Fehler begangen worden sind, sondern auch in der führenden Unternebmerogonisation Berlins, be- sonders hinsichtlich der Entlohimng der Transportarbeiter. Vielleicht erleben wir es noch, daß sich nach Herrn v. Zengen auch Herr Kantorowicz geräuschlos von der Bühne sozialpolitischer Unter- nehmcrpolitit zurückzieht. Sollten sich die Herren des VBMI. so gewandelt haben, ließe sich über die längst notwendige Erhöhung der Transportarb eiterlöhne allerdings reden. Bureaukratifierung der russischen Gewerkschaften. Der Gcwerkschaftsrat des Leningrader Gouvernements ist mit der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Belebung der ge- werkfchaftlichen Arbeit beschäftigt. Entsprechend den Richtlinien des Obersten Gewerkschaftsrates soll eine größere Elasti- zität der gewerkschaftlichen Organe erstrebt und ein energischer Kampf gegen den Bureaukratismus in den Gewerk» Ichaften ausgenommen werden. Wie die Wirtschaftsblätter der Sowjetpreste hierzu mitteilen, erreicht die Zahl der Gewerkschafts- Mitglieder in Leningrad 620880, d. h. 26,7 Proz. mehr als im Vor- jähr. Diese Steigerung sei ausschließlich auf den Zustrom von neuen Arbeitern aus dem Dorf zurückzuführen, der aber das Kulturnioeau der Gewerkschaften stark herabdrücke, was eine energische Aufklärungsarbeit notwendig mache. Auf diesem Gebiet sei nun bisher sehr wenig geschehen, der bureaukratische Kommandoton von oben ersticke dieInitiative. Die gewerkschaftliche Organisierung der Angestellten habe geringe Fortschritte gemacht. Nur 20— 25 Proz. der gewerkschaftlich organi- siertcn Arbeiter sind Mitglieder von Genossenschaften. Die Ver- sicherungskassen umfassen weniger als die Hälfte der Gewerkschaftsmitglieder._ Kein Lohnabbau in der mecklenburgische« Metallindustrie. Der Metallbund heider Mecklenburg hatte der Bezirksleitung des Deutschen MetallarbeiteivetbandcS Sienin das bis zum 23. Februar lausende Lohnabkommen gekündigt, um eine Herab» ietzung der Löhne um 6 Pfg. die Stunde herbeizuführen. Direkle Verhandlungen, die zwischen den beieiligten Oraaniiationen und dem Meiallbund geführt wurden, führten zu keinem Ergebnis. Nachdem die Parteien nochmals unter dem Vorsitz des Schlichler« von Lübeck, Dr. Link, verhandelten, einigte man sich dahin, daß bis zum 1. September d. Js. die alten Lohnsätze b e st e h e n bleiben. verbanöstag öee Landarbeiter. Berlin, 16. März.' Der Verbandstag des Deutschen Landarbeitcroerbandes setzte seine Verhandlungen mit der Annahme einer Entschließung fort, in der gegen die unerhörten Drangsalierungen der italienischen und ungarischen Landarbeiterschaft durch den Faschis- mus und die ungarische Fälscherregierung protestiert wird. Alsdann sprach der Hauptkassierer Woldt zum Bericht der Verbands- lasse. Der Redner betonte in seinen Aussührlingen immer wieder die Notwendigkeit, endlich an die Schaffung eines Kampffonds heranzugehen. Nach dem Hauptkassierer Woldt sprach der 2. Verbandsvorsitzende L ö h r k e über die„Organisierung der Kreisgruppen, Agitatirn in denselben und Regelung der Beitragsfrage". Nach diesem Referat trat der Verbandstag dann in die Diskussion über die drei von Vorstandsseite erstatteten Referate ein. Es wurde bedauert, daß der Deutsche Landarbeiterverband noch nicht mit der Organisa- tion der Schweizer und der Gärtner ein Gebilde darstelle. Die Her- einlassung von polnischen Landarbeitern dürfe nicht dazu führen, daß deutsche Landarbeiter beseitigt werden. Die Einbeziehung der Landarbeiter in die Erwerbslosensürsorge wurde gleich- falls gefordert. Die Kommunisten haben abgewirtschaftet. Nach einem Schlußwort des Verbandsversitzenden wurde eine Eni- schliehung angenommen, in der es heißt: „Die Generalversammlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die Medereinführung von Ausnahmegesehen gegen die Landarbeiterschast und erwartet von allen in Betracht kommenden Regierungsstellen, daß der Grundsatz:„Reichsrecht geht vor Landrecht" auch gegenüber der in der Land- und Forstwirtschost beschäftigten Arbeiterjchast eingeholten wird." Dann hörte der Verbandstag ein Referat des Verbandsvor- sitzenden Georg Schmidt über das Thema:„Die neuzeitlichen Aufgaben der Landarbeiterbewegung." In dem Referat wurd� folgende Programmpunkte besonders herausgeschäll: Freie und unabhängige Wohnungen für alle in d»- Land- und Forstwirtschaft und dem Weinbau beschäftigten Arbeit-- und Arbeiterinnen. Möglichste Beseitigung des Deputat- lohn es und, wo es irgend möglich ist, die Einführung des reinen Barlohnes. Beseitigung des D e p u t a t l a n d e s. Weitest- gehende Verkürzung der Arbeitszeit und reichliche Frei- zeit für die ländliche Arbeiterschaft und ihre Angehörigen. Be- seitigung des 5)ofgängerwesens. Gesetzliche Bestim- mungen, die den Schutz der schulpflichtigen und der aus den Schulen entlassenen jugendlichen Arbeiter und Ar- beiterinnen vorsehen. Gleichstellung der land- und forst- wirtschaftlichen Arbeiterschaft in Pflichten und Leistungen in der Sozialversicherung. Unbeschränkte Pereini- gungssreiheit urtb Wahrung der Freizügigkeit. Die Abstimmung, das Programm durch Drucklegung in weiteste Kreise hinauszutragen, ergab Einstimmigkeit. Es wurde dann«ine Resolution eingereicht, die den Umbau der Landwirtschostskammera fordert. Es heißt da: Die 4. Generalversammlung des Deutschen Landarbeiterverban- dee erinnert die Reich?, cgierung nachdrücklich daran, daß schon vor mehr als drei Iahren der Rcichswirtfchaftsrat der Reichsregierung ein Gutachten zugeleitet hat. noch welchem ein zeitgemäßer Umbau der Landwirtfchoftskammer und ein diesem Zwecke dienendes Reichsrohmengesetz verlangt wird. Der Umstand, daß für die Frage einer Neuregelung der Orgam- sation der anderen Wirtschaftskammern(Handwerks- und Gewerbe- sowie Industrie, und Handelskammern) eine ähnliche Verständigung noch nicht erreicht ist darf die Vorlage und Verabschiedung eines Reichsgesetzes über die Landwirtschaftskammern nicht weiter be- hindern...... . Die landwirtschaftlichen Arbeitnehmer haben es satt, noch langer von den für die Landwirtschaft zuständigen Wirtschaftskammern ausgeschlossen zu bleiben. Sie sind nicht gewillt, den Unternehmern die hochwichtigen Positionen in diesen öffentlich-rechtlichen Berufs- Vertretungen länger noch allein zu überlassen. Sie verlangen viel- mehr auf Grund des Artikels 165 der Reichsverfassung gleichberech- tigte Mitwirkung an der gesamten wirtschafllichen Entwicklung der produktiven Kräfte.....„„ Genosse RowihN aus Warschau bittet uns. zu berichtigen, daß er von unwürdigen Pressalien der Landarbeiter in der V o r k r i e g s- zeit gesprochen habe. Einen gleichen Vorwurf gegenüber den jetzt in Polen amtierenden Woiwoden zu erheben, lag«hm voll- ständig fern._ 3w*t>flni»l«»«, 3M1. Stute, Mittwoch, aben&s.Ni Ubr.«Ähaietfl: SuoenMitim(SefilteRr. 61: 8i!etarifd;«r Abend— wir lose« viMsch« Gr- läfiler.- Sltnlänn: Iuaendlitim Sioflotftr. SS: Llldwig.Thoma.Wtnd<«moi>). — B«W>inB�«fnndBnm«eni Jugendheim Schiinstedtstr, 1. Ledigenheim, 5 Tr.: , Sie Bedeutung de, Mär, in der Arbeiterbewegung"(Dr. Sara Fabiant.— «hariottenburg: Jugendheim Rognenttr.<: Leseabend- wir lesen au, wrrt- schastevolitischen Zeitschriften.- pchöneberg: Jugendheim Hguptslr. la:„Alt. Berlin"(Seilbrunn). �.-eigeweelschaltliche Ingendgentrale. Seilte. Mittwoch, oheud Uhr tagen folgend« Gruppen: Reulölin: Jugendheim Bergslr. A. S°f, Auesprexbe- abend:„Entstehung und Entwicklung de, Staate,".— Söoneberg: Jugendheim Rubenssrrohe(Sportploh). lllaviei, immer:„Auf die B-rrik-den". Erinnerung an die Mär, tage 184«.— Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr. 64, Disluslion� abend:„Da, Recht auf Arbeit",— R-rdeu: Jugendheim, Metallarbeiter-Ver- band, hau,, Liuienlkr. 83-85. 1. Portal. 2 Tr.. Bortrag:„Dt, Stellung der Jugend in der Gesellschaft".- Rordrlug: Jugendheim Ebermvaldar Str. 10. Jimmer 12.„Gerrit-Eneeike-Wend". vrUaMsdpiH de, ADGB. Teltow. Seute, Miitwoch, nachmittag 5 Uhr Treffpunlt sinnhurger Plag zur Demonstration all lehter Appell zur Einzeichnung fitr das Volksbegehren. Verantwortlich für Politik: Richnrd Bernstein! Wirtschaft: Attnr Tate-nn«: Gewetischaftsbewegung: Hx. Egkorn: Feuilleton: St. Zohn Schik»w»k>: Lokale» und Sonstige, Sei» NarNädt: Anzeiaen: Th.»locke: lämtlich in Berlin. Beriag: BorwSrt,-?e?Iaa G. m. b. ch.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerek und Sctiagsonflalt Paul Sinaer n. Co. Berlin SW 6« Lindenstraste 5. Sierz» 1 Bella«, and..Unterhallun« und Willen".» Durdi unfere neuen Mutomaren in einem Mrbeitsgang a Herstellung de, weichen Kartons■famdluA, hequm, m cUrklwjfim'Toßia 2 Emfchkflm ä. jigareffcn in Sütmpapicr Ipnfemertßm� und kda/us/M 5 lllmhülWn der Zigaretten iaötaniol emtb dkjnfcke, veJibndM ßiädl 4 lEinpackcn dar Zigaretten H/MM, 5 der Packung Öunfren der Qualität! GARBATY Nr. 127 ♦ 4?. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts MlÄwoch, 17.ZZlSeA 1H2S Noch kst es Zelt! Die lehke Stunde kam heran. Der Zeiger rückt, bald ist es aus! Du Zlrbeilsfrau, du Arbeitsmann,' Bliebt ihr vielleicht bis jeht zu Haus? Schwelgt stillt Die Worte ziehen nicht: „wir hatten wlrNich keine Zeit!" Ihr habt versäumt die ernste Pflicht Aus frevelnder Bequemlichkeit! Denn jede Stimme wird gezählt. Und einzig ihr wollt säumig sein? Schämt euch, wenn eure Stimme fehlt! ZtochistesZeil! Drum tragt euchelu! Bilder vom vorlehteu Einzeichnungstag. Diesen Leuten, die da im Augenblick dem beobachtenden Blick Revue passieren, gemütlichen oder eilenden Schrittes über da« bolprige, düstere Pflaster des Schulhofes dem Eintragungslokal zu. streben, ist in der Wiege bestimmt nicht Haß gegen die Fürsten eingeimpft worden. Es sind nicht nur Proletarier, die niemals etwas besessen haben, und denen man vielleicht irgendwelche Rachegedanten unterschieben könnte. Ich sehe nicht nur Arbeitslose, die«oentuell vom riesigen Vermögen etwas, wenn auch nur einen unansehnlich . winzigen Brocken erhalten würden. Wohl höre ich auch zuweilen das Schimpfen und Lastern durch Krieg und Inflation verarmter, ruinierter Rentner. Aber es sind auch Menschen aus den so- genannten„besseren� Schichten, denen ich da im Moment in die �Avaen schaue, wohlhabend oder zumindest in gesicherter Position, die ° noch in letzter Stunde, von den vielen Millionen Ein- getragener mitgerisien, ihren Namen zum Gelingen des Volks- l eashecns beisteuern. Da gleitet eine Dame über den Hof. Geräuschlos, unsicher, rasch, hastig. Aengstliche Blicke huschen »räch allen Seiten, wie, um sich zu vergewissern, ob nicht irgendwo feindliche, gehässige, verleumderische Äugen lauern. Der weiche P-lüschmantel, der sich um ihre Schultern schmiegt, scheint ihr Im Augenblick recht unbequem zu sein. Nervös zerren die Finger an den Knöpfen herum. Warum blicken einen die Beamten nur so fragend an? Weil man so schön sst? Oder vielleicht weil man zu schön ist, um sich hier blicken zu lassen? Kaum fünf Minuten später setzt eine andere Dame ihren seidenbestrumpften Fuß auf das schmutzige, holprige Hofpslaster. Nicht heimlich, verstohlen wie ihre ängstliche Kollegin. Demonstrativ offen, fast herausfordernd schlägt sie den Fürsten ein Schnippchen. Langsamen Schritte» spaziert sie auf die Turnhalle zu, uin ihren Namen in die Listen der Empörten einzutragen. Wohlgefällig ruhen ihre Augen aus die umstehenden Nachbarn und Nachbarinnen. Ein Schmunzeln, das besagen soll:.Ah, ah, seht einmal Herl Ich scheine mich gar nicht in so schlechter Gesellschaft zu befinden, wie es mir so manche Zeitung einreden will!".. Und vor dem Portal des Schulhofes hält mck einem lärmenden Ruck, die zahlreichen Eintragungswilligen wie einen Heuschreckenschwarm aufscheuchend, ein A u t o. Ein bleitcr, behäbiger Herr, mit der Phisiognomie eines Geschäfts- mannes, schließt sich seinen etwas erstaunten Genossen an.... Turnhalle Joachimsthaler Straße. Die Leute stehen Schlange, über den Schulhof und beinahe bis auf die Straße hin» aus, wie zu Wilhelms.friedlichen" und Ludendorfss kriegerischen Zeiten vor den Lebensmittelgeschäften..Dieses den Fürsten", ist der Text eines großen Plakats, das auf der Straße Werbearbeit leistet, und an dessen Rand Eisengroschcn und Inflationsmillionen, deren Menge von Tag zu Tag noch größer wird, hängen. Zu dieser.Ab- findung" trägt jeder gern bei. Ueberhuupt wird viel Sinn für Humor offenbart. So würdevoll sich die juirgen Reichsbanner- kameraden, die sich zu einem karikaturistischen Propagandazug zu- sammenlaten, vorkoinmen in ihrer Rolle als Kriegeroereinler mit hohem Zylinder auf dem Kopf und einem famosen blaubrilligen Lindström-Ludendorff an der Spitze, so sehr freute sich auch das Publikum über diese Demonstration und das mitgeführte Plakat: .Wir geben alles den Fürsten". So mag denn die Kühnheit der Fürftenansprllche im Lichte der Karikatur noch so manchen bisher abseits Stehenden zur Einzeichnung zum Volksbegehren veranlaßt haben. Besonders deutlich wird das in der Turnhalle der Cäcilienschule am Nikolsburger Platz, wo der feudalen Lage der Schule entsprechend, viele Leute zu Fuß und per Auto zur Ein- Zeichnung erscheinen,.denen man det jar nich ansieht", wie der wackere Schilderträger am Eingang vorm Schulhaus erklärt. In der Turnhalle U h l a n d st r a ß« 92 ist das Publikum wieder ganz pioletarisch, sieht so müde schon aus, wie das graue brüchige Häuser- werk, das in dieser Gegend wohnt. Hat man am Nikolsburger Platz sich vor allem schon aus demokratischer Gesinnung und beleidigtem Rechtsempfinden heraus vielfach zur Einzeichnung eingefunden, so spürt man hier in der ilhlandstraße deutlich, daß es schön die nackte wirtschaftliche Not ist, die die Leute zur republikanischen Pflichter- süllung antreibt. Dle sich nicht cinzelchnm können. In den Wahlämtern des Bezirks hat In den letzten Tagen ein Ansturm von Tausenden eingesetzt, die sich Wahlscheine be- sorgen wollen. Die überaus komplizierte Bestimmung des Ein» schreibeverfahren», daß Leute, die bei der letzten Stadtverordneten- wähl nicht in Berlin wählten, sich Wahlscheine besorgen müssen, hat eine Unsumme kaum notwendiger Mühe für sehr viele zur Folge gehabt. Auf einem Wahlamt des Westens traf der Schreiber dieses am Dienstag eine Frau, die vor einiger Zeit aus Ostpreußen zugezogen ist. Sie war mit ihren beiden kleinen Kindern er- schienen, um noch in letzter Stunde die nötigen Einzeichnungsforma- litäten zu erledigen. Man zuckte bedauernd die Achseln. Mit dem Bedauern war es allerdings nicht so schlimm..Sie müssen sich einen Schein aus Ostpreußen besorgen lassen!".Bon heute auf morgen?" sa�t die Frau.„Ich lag krank zu Bett, sonst hätte ich das alles schon viel früher erledigt." Noch ein Achselzucken.„Bitte der Nächste," sagt der Beamte. Der nächste ist ein S ch u p o w a ch t- meister, der vor sechs Wochen aus Westpreußen nach Berlin oer- setzt wurde. Auch Ihm wird eine negative Antwort zuteil..Sie müssen sich mit ihrer Hestnat in Verbindung setzen."„Jetzt noch? Ja, warum erschweren Sie denn das alles so unnötig. Ich bin doch in Berlin gemeldet." Draußen sogt mir der republikanisch« Schupo- Wachtmeister mit einiger Erleichterung:.Gestern bin ich aus dem Lazarett gekommen. Ich war krank. Läßt sich das denn gar nicht anders machen?" Vielleicht ließe es sich. Aber die Be- amten der Wählämter handeln schließlich nur nach ihren Instrut- tionen. Und die sind leider so. Dorfidyll bei Verlin. Ein Bauerndorf in der letzten Dorortsverkehr»« s p h ä r e— also nicht ganz unberührt von dem Verkehr mit der rote» Stadtbevölkerung. Vor allem aber fehlt die Gutsherrschaft, die ja das größte Interesse daran hat, die Dorfinsassen auf gläubige Welt- anschauung nationalreaktionärer Richtung zu kontrollieren. I m ganzen ISO Männlein und Weiblein, die wohlberech- tigt sind und im allgemeinen auch den Begriff der Wahlpflicht in sich aufgenommen haben. Nur zuletzt hatte wohl dieser oder jener sich gesagt,„ach, auf deine Stimme wird es nicht ankommen" und er war zu Hause geblieben. Diesmal hat aber der Funke des Volks- begehrens gezündet. Zwar konnte keine Versammlung stattfinden, aber die kleine Zahl entschlossener Republikaner sorgte für m ü n d? liche Ausklärung. Kriegsbeschädigte und Siedler sind da im Dorf heimisch geworden— ihre Ersparnisse sind zu Wasser geworden, und man kann leicht verstehen, daß in ihrem Herzen keine Freude ist bei dem Gedanken an die Ansprüche der Fürsten.„Mögen sie doch auch arbeiten, wie wir alle"— so hört man fast jeden sagen, den man ins Gespräch zieht. Auch die Scheu, daß man diesmal öffentlich seine Meinung zum Ausdruck bringen muß, hat sich ange- sichts des lawinenbaften Anschwellens der Bewegung verflüchtigt. Die, die in den ersten Tagen sich nicht recht herantrauten, haben es In- ■— i— i ii ii i «6] Gnkel Moses. Roman von Schalom Asch. Irgend etwas In seinem Herzen zweifelte an seiner Kraft. Und seine böse Lust brannte darauf, dieses Etwas in seinem Herzen zu überzeugen, daß er seinen Vorsatz ausführen werde. Onkel Moses murmelte vor sich: „Ob sie will oder nicht, sie muß Kinder haben." Jemand trat an seinen Schreibtisch. Der Onkel hob die Dra''en und sah Maschas Vater, Aaron, bleich und erschrocken vor sich sieben: er spähte nach allen Seiten, ob kein Lauscher in der Nähe wäre. „Onkel, es war ein Mißverständnis. Das Mädel hat dann die ganze Nacht geweint. Sie weiß nicht, was eigcnt- lich über sie gekommen ist." Der Onkel wußte, daß Aaron log, daß er all das nur deshalb sagte, weil er um sein Brot Angst hatte. Das war ihm jetzt angenehm zu hören. Er steckte den Kopf in den Brief, ließ Aaron reden und tat, als hörte er nichts. „In ein paar Tagen wird sie wieder nüchtern fein; dann soll der Onkel kommen. Alles wird wieder gut fein." „Ruhe, darüber ist nicht mehr zu sprechen. Habe keine Angst. Ich werde dich nicht vor die Türe setzen, wenigstens vorläufig nicht, solange du keine andere Beschäftigung hast. Aber du begreisst ja, dich und deine Leute aushalten wie bis- her— davon kann keine Rede sein. Mascha bedeutet für mich jetzt gar nichts, sie sagt selbst, daß sie mich nickt liebt. Ich habe gar nichts gegen sie, ich wünsche ihr das Allerbeste. und wenn du einmal die M'tgist für sie brauchst, sclbstverständ- lick, wie jeder von meinen Landsleutcn... Aber du begreifft, daß es besondere Begünstigungen nicht mehr geben kann. Wenn du bei mir bleiben willst, so mußt du wieder in die Werkstatt: wenn nicht, so werde ich dir gute Empfehlungen geben" .Onkel, was spricht der Onkel da? Es ist doch gar nichts geschehen. Das Mädel wird doch blamiert— was spricht der Onkel da?" Dem Onkel tat es wohl. Er legte den Brief weg und bsickte Aaron an. „Sam!" Sam lief herbei. .Wie hat er doch zu Haus« geheißen?" d«r Onkel deutete auf Aaron. Sam traute seinen Ohren nicht-, zögernd antwortete«: .Ich glaube... Gorgel." „Gorgel ist gut," der Onkel erhob sich und verließ den Laden, ohne Aaron eines Blickes zu würdigem .Sam, die Bestellung für Baltimore muß bis zum Ersten geliefert werden, verstanden?" .Yes, Onkel." Der Onkel trat auf die Straße. Er wußte nicht, was er anfangen sollte. Die böse Lust brannte noch in ihm. und um sie zu kühlen, ging er zu der Frau vom Restaurant, was er nicht mehr getan hatte, seit er mit ihrem Manne übereinge» kommen war. Er nahm sie in ein separates Zimmer, setzte sich nahe zu ihr, und beide aßen gebratene Enten und tranken Likör dazu. Der Mann, welcher jetzt des Onkels Häuser- administrator war, mußte die Leckerbissen auftragen und beide bed'enen, und Onkel Moses ließ sich von ihm die Schuhe aus- zieljen. Er betrank sich— was selten vorkam— und blieb die ganze Nacht bei der Frau... 13. Mascha kommtzum Onkel. .Was soll nun werden, Rosa, was?" Aaron Melnik weinte. In seinem Heim herrschte tiefe Verstimmung. Seit ein paar Tagen waren die Zimmer nicht ausgeräumt. Man aß und schlief nicht. Die jüngeren Kinder kamen vom Lande zurück. Cilli, welche als Kind, als Aaron noch in der Hopkins- ftreet wohnte, so gern Kino gespielt hatte, war jetzt ein er- wachsenes Mädchen und besuchte das Lyzeum-, sie hatte schon selbst den Ehrgeiz. Braut zu werden, und wehklagte und weinte deshalb am stärksten, daß die Schwester sie unglücklich mache. Die anderen Kinder, welche nun im Wohlstande aufgewachsen waren und nur noch wie im Traume sich der Armut in der Hopkinsstreet erinnerten, fühlten das Unglück mehr als sie es verstanden. Sie weinten nicht, doch sie gingen kindisch be- kümmert und ernst umher; ihr kindlicher Kummer machte mehr Eindruck auf Mascha als des Vaters Tränen. Die kleine Lea, Maschas jüngstes Schwesterchen, das von Kindheit auf ge- wöhnt war. die„American Lady" zu spielen, und unaufhör- lich das Englisch im Hause korrigierte, blickte mit ihren Kinder- äugen Mascha an. Mascha war Leas Ideal, und sie fand keine Worte. Sie fühlle, wenn Mascha so handelte, so mußte es so sein. Der Vater ging hilflos und schwach wie seine Kinder mit verbundenem Kopf in der Wohnung umher und rang unauf- hörlich die Hände: .Was soll nun werden, was?" Den Juden schreckte die Armut, welche ihm bevorstand. In seinem Leben besaß er gar nichts, weder Glauben an sich selbst noch Energie, nur die Gunst des Onkels, welche er mit dem Glück feiner Tochter erkauft hatte— und diese Gunst stand in Gefahr: gefährdet war sein Erwerb, sein Leben, sein tägliches Brot, seine Wohnung. Er sah sich wieder in den Abgrund versinken, aus dem er sich erhoben hatte. Er verlor das Gewicht, um welches er in der Zeit, da es ihm gut ging, zugenommen hatte, und sah wieder aus, wie zur Zeit, da er in der Werkstätte beim Onkel arbeitete. Nur Maschas Mutter, Rosa, ergab sich nicht. Erst lachte sie über den ganzen Vorfall— das Mädel hat sich etwas in den Kopf gesetzt, wenn sie es überschlafen chat, wird sie wieder nüchtern wsrdenl Doch als sie sah, daß das Mädel es über- schlafen hatte und doch nicht nüchtern wurde, da erklärte sie Mascha, daß sie kein Recht mehr habe, zurückzutreten. „Jetzt trittst du zurück? Zu spät, liebe Tochter! Vier Jahre lang hast du ihn bei der Nase herumgeführt. Er hat sein Leben deinetwegen geopfert: er hätte das schönste und beste Mädchen heiraten können, nicht eine Schnorrerin, wie du, der er ein Kleid zum Anziehen hat kaufen müssen! Jetzt willst du zurücktreten? Jetzt, wo er so viel Geld in dich hinein- gesteckt und so lange auf dich gewartet hat, jetzt willst du nicht? Zu spät, liebe Tochter, zu spät. Du hättest zurücktreten müssen, wie er den ersten Dollar für dich ausgegeben hat, wie du noch klein warst, ehe er noch deinem Vater einen ordentlichen Ver- dienst gegeben hat. damals in der Hopkinsstreet. In der Hopkinsstreet hättest du nein sagen dürfen, jetzt nicht." „Ach, Rosa, es ist ja ohnedies zu spät. Der Onkel will nichts mehr hören und von nichts mehr wissen," warf Aaron ein. Mascha sah ein, daß die Mutter recht hatte, doch sie fühlte nicht schuldig. Alles war ohne ihr Wissen so gekommen. ls sie ein Kind war, hatte sie nicht gewußt, was es bedeute, zu heiraten. Erst jetzt hatte sie es empfunden. Und am meisten hatte sie erschreckt, daß sie immer, immer mit dem Onkel würde zusammen fein müssen, immer mit ihm gehen, immer bei ihm sein. Sie haßte den Onkel nicht, im Gegenteil, sie hatte ihn recht gern, und sie war ihm sehr dankbar, doch es war ihr langweilig mit dem Onkel. Und sie hatte Furcht vor der Langeweile. .Was bin ich denn schuld, Mutter? Ich bin nicht schuld!" „Wer ist also schuld? Ich? Für mich hat er Geld aus- gegeben? Mich hat er ins Lyzeum geschickt? Mir hat er Musiklehrer gehalten? Dir hat er sein Leben geopfert. Er hätte eine Lady bekommen können, eine kirst class American Lady. Wen er nur wollte, hätte er kriegen können. Aber er hat nicht geheiratet, sondern auf dich gewartet— wie stellst du dir das vor, erst hast du ihm den Kopf verdreht, und jetzt willst du nicht? Mit wem treibst du dein Spiel? Glaubst du, er sei deinesgleichen? Weißt du, wer der Onkel ist? Weißt du das?" kFortsetzung folgt.), zwischen nachgeholt oder werden den letzten Tag benutzen. So wird der nie sehlende Sicherheitskomniissarius, der.als letzter" einzeich- nen will, noch genügend Gesellschaft finden. Das bei den letzten Wahlen erzielte Verhältnis zwischen Rechts- und Linksstimmen ist diesmal zugunsten von links nerschoben worden— der beste Beweis für die dem Volksbegehren innewohnende sittliche Kraft! Aus der weiteren Umgebung. Die Cinzeichiiungen zum Volksbegehren im 20. Bezirk haben in den letzten Tagen geradezu glänzende Ergebnisie gebracht. In der Gartenstadt Frohnau, dem früheren kaiserli che n Hof- jagdreoier, haben sich bisher 124 Personen eingezeichnet. Bei der letzten Wahl wurden für SPD. und KPD. zusammen 100 Stimmen abgegeben. Die Cinzeichmmgszahlen für Dienstag und Mittwoch stehen noch aus. In H e i l i g e n s e e auf der amtlichen Dienststelle haben sich bis Montag etwa 750 Personen eingezeichnet, demgegen- über steht das letze Wahlergebnis von 428 Stimmen der SPD. und KPD. In Tegel ort befindet sich das Einzeichnungslokal im Restaurant„Zum Schwan". Bei der letzten Wahl brachten SPD. und KPD. zusammen 198 Stimmen auf. Bis Dienstag waren zum Volksbegehren bereits 418 Einzeichnungen erfolgt. In Tegel be- findet sich die Einzeichnungsstelle im Rathaus. Während sich am Montag etwa 1 m Rundfunk verbreitet werden. Es werden im Laufe der Woche I» den verschiedensten Stadtteilen 72 Vorträge mit dreiviertel- stündigen Lichtbildervorführungen über Dolkskrankheiten usw. statt- finden, die zur hygienischen Volksbelehrung beitragen sollen. Der- nünftigerwetse soll aber nur aus solthe gesundheitsfördernd« Tatsachen hingewiesen werden, die in der heutigen Zeit den verarmten Massen zur Verfügung stehen. Also zurück zu Licht, Lust und Sonne. Durch diese drei Heilsaktoren kann z. B. die in Deutschland so weit verbreitete R h a ch i t i s(Englische Krankheit) in absehbarer Zeit zum Verschwinden gebracht werden. Aber auch der Aufklärung der Frauen über die Verhütung und Heilung des Krebse» soll in weitestem Maße Rechnung gettogen werden. Der nächste Redner Dr. B o y w i d t, Syndikus der Ar- beitsgemeinschaft der Reichsversicherungsträger, wies auf die große Bedeutung einer weitgehenden Aufklärung in den Betrieben hin. Zu diesem Zweck sollen in den einzelnen Betrieben selbst Vorträge mit Filmvorführungen- stattfinden. Aber vorbeugen ist billiger als heilen. Es müssen deshalb schon bei der Berufswahl durch fachgemäße Beratung die Anwärter ausgeschieden werden, die nach dem heutigen Stand« unserer Kenntnis hierfür ungeeignet sind, und deshalb den ungünstigen Einwirkungen des Berufes besonders schnell zum Opfer fallen müssen. Der dritte Redner war der Stadtmedizinalrat Prof. Dr. D r y g a l s k i. Er begrüßte es sehr, daß der Reichsinnenminister als erster das Ab- Stalten einer Gesundheitswoche vorgeschlagen hätte. Bei dieser Fest- tellung ist ihm aber ein Irrtum unterlausen, denn schon vor bald anderthalb Jahren machte der Reichstagsabgeordnete Genosse Dr. Mose» in dem Leitartikel der ersten Nummer der„Deut- fchen Krankenkassen-Korresponden," den Vorschlag, alljährlich eine Reichsgesundheitswoche abzuhalten. Dies« Anregung wurde dann von den fünf Spitzenorganisationen der deutschen Krankenkassen im Interesse der Volksqesundhest auf- gegriffen und dem Reichsinnenministernum zugeleitet. Prof. Drygalsti begrüßte dann mit vollem Recht den gesundheitlichen Aufschwung. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 17. Märr. Anßer dem üblichen Tageaprogramm: 3 30 Uhr nachm.: Jugendbühne,(ünterhaltnngsstundel. Die Funkprinzessin erzählt: 1. Brüder Grimm: Rumpelstilzchen. 2. Brüder Grimm: König Drosselbart. Die Funkprinzcssin: Auguste Prasch-Grevenberg. 4.30— 6 Uhr nachm.: Kachroittagskonzert der Berliner Funkfcapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauff- man. 6 35 Uhr abend»: Dr. med. E. Mosbachor:„Erkältung— die große Mode*. 7 Uhr abends: Reichsbahnrat Dr. Schultz:„Die Güterwapenverteilung der Reichsbahn bei Wagenmangel1'. 7.30 Uhr abends: Dr. Wilhelm Ziegler:„Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen'*. 7.55 Uhr abends; Hans-Brodow-Schnle (Bildungsknrse). Abteilung Philosophie. Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer:„Psyoholoede der Gemeinschaft*. 8.30—10 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung: Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Das deutsche Lustspiel. 4. Abend.„Die geliebte Dornrose", ron Andreas Gryphius. Anschließend: Lustige Weisen. Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kanffman. Anschließend; Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30— 12 Uhr abends: Tanzmusik(Funktsnzkapelle, Leitung: Konzertmeister Franz ▼. Szpanowski). Königswusterhausen, Mittwoch, den 17. März. 8—3 30 Uhr nachm.: Stadienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm: Studienrat Friebel und Lektor Mann Englisch für Fortgeschrittene. 4—4.30 Uhr nachm.: Frl. Stndienrätin Dr. Agnes Molthan: Die Formung des Stoffes unter besonderer Berücksichtigung der psyoholon- sohen Eigenart. 4.30—8 Uhr nachm.: Frl. Anna v. Gierke: Die gewerblichen Berufe. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. der durch die Jugend- und Sportbewegung, die wir aus den angel- sächsischen Ländern übernommen haben. In unser Volk gekommen ist. Nicht beizupflichten ist aber seinem Vorschlag, durch eine großzügige Propaganda für da» Roggenbrot Absatzmöglichkeiten, für die in Deutschland überschüssigen anderthalb Millionen Roggen zu schaffen Der nächste Redner war Prof. Hoffmann vom Hauptgesundheits- amt, der über die im Funkhau» projektierte Hygieneousftellung sprach. Auch hier sollen die möglichen Verbesserungen den Besuchern gezeigt werden: die Einrichtung und Verbesserung von Wohnungen, der Ernä.hrung, der Säuglings- pflege usw. Den Schluß der Rednerliste machte Dr. Morenhowen, der Leiter der zur gleichen Zeit stattfindenden Hygienemesse. Auch er versprach, daß die medizinische Industrie bestrebt sein werde durch billigste und beste Lieferung an Krankenhäuser und Zlerzte mit all ihren Kräften zur Hebung der Dolksgesundheit bei- zuttagen. Wir werden noch vor Beginn der Gesundheitswoche auf die ganze Veranstaltung zurückkommen. Der Kostzwang im Krankenhaus Moabit. Ein Antrag der SPD.-Stadlverordaetenfrakllon. Die im.Vorwärts* bereits gerügt« skandalöse Lebensmittel- Vergeudung, die im Krankenhaus Moabit von der Verwaltung unbekümmert um den Widerstand des Personals gegen den einge- führten Kostzwang in hartnäckigem Bureaukratismus getrieben wird, veranlaßt die sozialdemokratische Stadtoer- ordnetenfraktion folgenden Dringlichkeitsantrag einzubringen: ,5m Krankenhaus Moabit hat das Personal einen vom Be- zirksamt neu eingeführten Kostzwang abgelehnt. Die Verwaltung hat angeordnet, daß trotzdem täglich die Lebensmittel ausgegeben werden und liegen bleiben, bis sie verdorben sind und fort- geworfen werden. Der Magistrat wird ersucht, unverzüglich beim Bezirksamt Tiergarten zu veranlassen, daß diese g e- wissenlose Vergeudung von Lebensmitteln abge- stellt wird und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.* ver Gaunerstreich im polizeiprästölum. Alle Täter verhaftet. Zwei falsche Kriminalbeamte lauerten, wie wir seinerzeit berichteten. am 20. September v. I. zwei jungen Angestellten der Deutschen Betrlebsgejellschaft für drahtlose Telegraphie um die Mit- tagsstunde auf. als sie 20000 M. Lohngelder von einer Depo- sitenkasse der Deutschen Bank am Hallelschen Tor abgehott hatten. Am Hochbahnhof wiesen st« sich mit irgendeinem gestempelten Papier, aus dem der Name des einen Angestellten geschrieben stand, aus und erklärten, daß sie sie beide nach dem Pollzeipräfidium bringen müßten, wo sie in einem Verfahren wegen Steuerhinter- Ziehung als Zeugen vernommen werden sollten. In einem Auto, das herangerufen wurde, fuhr man nach dem Aleranderplatz. Hier wurde die AkteMasche, die das Geld enthiell,„vorläufig b e f ch l a g- nahmt". Einer der„Beamten" ging, während das Auto mit den Insassen auf dem Lichthof wartete, weiter in das Gebäude hinein, angeblich, um in seinem Dienstzimmer die Ankunft der Zeugen zu melden. Er kam nicht wieder und nach einer Weile versiywand auch der zweite mit der Aktentasche mit dem Gelde. Schon nach zwei Togen saß einer der Gauner,«in 31 Jahre aller Kaufmann Wilhelm B e r g e r, hinter Schloß und Riegel. Er wurde vom Schöfsenge- richt zu 2 Iahren Gefängnis verurteilt, die er in Plötzensee verbüßt. Jetzt ist es gelungen, auch den z w e i t e n falschen Beamten und noch weitere zwei Beteiligte zu ermitteln und festzunehmen. Der Plan ging von einem 34 Jahre alten Kaufmann Hermann Schwabe aus der Kleiststraße aus. Dieser war früher bei der Gesellschaft angestellt und kannte deren Gepflogenheiten. Er hatte B e r g e r und einen 35 Jahre alten Handlungsgehilsen Kurt Müller aus der Steinmetzstraße in Lokalen kennengelernt und war ebenso wie diese stets in Geldverlegenheiten. Schwabe heckte den Plan aus, sich durch eine Beschlagnahme auf einmal eine große Summe zu verschaffen. Die beiden anderen waren gern bereit, mitzumachen, schlugen aber vor, noch einen 36 Jahre alten Schlosser Reinhold W i e b a ch aus der Winckclmännstraße zu Stendal hin- zuzuziehen, den sie von feinem früheren Aufenthalt in Berlin her kannten. Man wählte den 30. September, an dem wieder Lohn- gelder abgeholt werden mußten. Berger und Wiebach wurden als die„Tüchtigsten" dazu bestimmt, die Rolle der Kriminalbeamten zu spielen. Noch der Verhaftung Bergers beobachtete dl« Kriminal- polizei ständig dessen Braut und ihren Verkehr. Sie durchsuchten auch einmal deren Wohnung und fanden dabei einen Kassiber, der auf die Spur der übrigen führte. Wiebach war mit seinem Anteil nach Stendal zurückgefahren. Schwabe und Müller aber hatten bald alles, was sie bei dem Handstreich.erworben" hatten, verjubelt. Unter der Anklage des MünzverbrechenS. Der noch jugendliche, bisher völlig unbescholtene Arbeiter Willi B. nahm in seiner Not die Zuflucht zu einem der schwersten Verbrechen, die das Strafgesetzbuch kennt. Er verschafft« sich falsche Fünfmarkscheine, die er hauptsächlich bei kleinen Händlern umzusetzen versucht«. Jetzt stand B. unter der schweren Anklag» des Münzverbrechen» vor dem Schöffengericht Berlin-Mllte. In der Verhandlung war der Angeklagte ängstlich darauf be- dacht, die Quelle geheim zu halten, aus der er das Falschgeld bezog Mit einer Gewandtheit, die für jemand, der das erstemal vor Gericht steht, geradezu erstaunlich war. suchte sich B. aus allen heiklen Situationen herauszuwinden. Er wollte einmal einen Fünfzigmark- schein gewechselt und hierbei zehn Fünfmarscheine herausbekommen haben, von denen er wirklich keine Ahnung hatte, daß sie falsch waren. Natürlich konnte er sich nicht mehr besinnen, wo das ge- wesen war. Alle Vorstellungen des Vorsitzenden blieben vergeblich. B. bezeichnete sich selbst als den Hereingesallenen. Nun suchte er aber bei jedem Einkauf einen Fünfmarkschein zu wechseln, besonders gern bei Zeitungshändlern, die immer schnell und hastig durch die Straßen eilen. Ob er sich an den Wagen kleiner Händler eine Schachtel Wichse, ein Paar Schnürsenkel oder einige Zigaretten erwarb, ein falscher Schein wurde regelmäßig gewechselt. In der Gegend des Schönhauser Tors ereilte ihn aber schließlich doch sein Schicksal. Die Handelsfrau, die dem Angeklagten zwei Bananen verkauft hatte, sah sich den Fünfmarkschein etwas ge- nauer an. wurde stutzig und ließ B einfach festnehmen. Auf der Revierwache konnten ihm dann noch sieben der Falsifikat« abgenommen werden. Obwohl die Zahl der Geprellten bedeutend hoher als zehn war, außerdem doch noch sieben bei ihm befchlag- nahmt wurden, blieb der Angeklagte bei seiner ersten Darstellung. Nur mit Rücksicht darauf, daß B. noch dem Gutachten des medizi- Nischen Sachverständigen als ein epileptischer Psychopath bezeichnet wurde, der außerdem noch geistig minderwertig sei, wurde er zu einer verhältnismäßig milden Strafe verurteilt. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Zucht- haus, 2 Monate wurden auf die erlittene Untersuchungshaft an- gerechnet. Außerdem wurden ihm noch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Iahren abgesprochen. Telephon Serlin— �onSon. Gute Verständigung! wie in Berlin. In der Zeit außerordenllichfter Westerentwicklung des Radio zur drahtlosen Bild- und Unterschriftenübermittlung, in der Zeit, in der es schon gelungen ist, in Berlin an einem verkehrsstillen Sonn- tag drahtlose Ferngespräche London— New Park mitzuhören, ist das Drahttelsphon beinahe schon eine gute alte Sache, die sich eben vortrefflich bewährt Hot und darum beibehalten wird. Das Draht- telephon ist aber darum noch lange nicht am Ende seines Lateins, d. h. seiner Ausdehnung gelangt. Seit mehreren Iahren spricht man von Deutschland schon unter der Ostsee, dem Sund zwischen Kopen- Hagen und Malmö noch Stockholm, und nun ist auch der ständige und regelmäßig« Fernsprechdienst mit London oufge- nommen worden, also unter den Fluten der Nordsee hindurch. Frei- lich, das Telephon London— Paris unter dem Aermelkanal funktio- wert schon solange, daß bereits in den achtziger Iahren der pol!- tische Flüchtling Henry R o ch e f o r t, der seine französische Heimat meiden mußte, seine Leitartikel täglich von London nach Paris telephonierte. Trotzdem hat es lange gedauert, bis der direkte Fernsprechverkehr London— Berlin hergestellt und zur allgemeinen Benutzung freigegeben werden konnte. Unter den ersten, die sich des neuen Verkehrsmittels bedienten, war der Lon- doner Korrespondent des„Soz. Pressedienst", der am Montag abend wichtige Informationen über die Konferenz der Arbeitsminister in' London nach Berlin telephonierte. Hätte er, wie noch vor kurzem. telegraphieren müssen, dann hätte er nicht wissen können, wann sein Bericht in Verlin eintrifft: beim Telephon hatte er die Gewißheit. daß in dem Augenblick, wo er nach beendetem Gespräch den Hörer wieder auslegt, das nach Berlin Übermittelle Materiol den weiteren Weg angetreten hat, um den Lesern unserer Parteipresse am nächsten Tag vorzuliegen. Die Verständigung bei diesem ersten Gespräch war trotz der starken elektrischen Ladung der Lust infolge des ständigen Wetterwechsels so gut wie bei einem beliebigen Stadt- g c s p r ä ch. Der Fernsprechdraht, zumal wenn er unterirdisch ver- legt ist. wird natürlich durch solche atmosphärischen Erscheinungen viel weniger betroffen als die freien Wellen. Meineidsprozeh Dr. Hölscher. In dem großen Meineidsprozeß gegen Dr. Hölscher und Ge» nassen bekam der Angeklaote Dr. H. einen Krampsanfall, so daß die Verhandlung auf kurze Zeit vertagt werden mußte. Nach �der Wiedereröffnung wurde ohne den AngeNagten Dr. H. zunächst weiterverhandelt. An erster Stelle wurde Frau Helene Holl«, gefchiedene Frau Dr. Ruckert, aufgerufen, um die sich die ganze Meineidsaffäre dreht. Sie schilderte ihre traurige Ehe mst Dr. R.. der sie ständig betrogen habe, so daß sie sich das Leben nehmen wollte. Sie wußte, daß er sie durch Privätdetektive beobachten ließ, und bezeichnet« alle Angaben der Angeklagten Viergutz und S z i e d a t als unwahr. Viergutz selbst machte bei seiner Ver- nehmung sehr ungenaue Aussagen. Zum Schluß wurde noch der Bruder des Angeklagten. Professor Dr. Hölscher, vernommen. der erklärte, daß der Bruder zwar zu Uebertreibungen neige, sonst aber ein wahrheitsliebender Mensch sei. Darauf wurde die Ber- Handlung auf Mittwoch vertagt. Lustige Gesellschaft im Waisenhause. Im Rummelsburger Waisenhaus der Stadt Berlin faß am Sonntag eine lachfreudige Gesellschaft in der Turnholle bei, fammen. Angehörige der im Waisenhaus untergebrachten Kinder und auch ehemalige Zöglinge dieser Anstall waren der Einladung des Waisenhausdirektors Seyer gefolgt, und ließen sich von den Kindern mit einem„bunten Abend" unterhalten. Frauen und Männer, die in der Waisenpflege tötig sind, nahmen als Gäste an der Veranstaltung teil, darunter Obermagistratsrat Knaut, der Leiter des Erziehungswesens der Stadt. Kinder waren es, die sich um das Gelingen dieses„bunten Abends" mühten, aber gerade darin lag sein besonderer Reiz. Etwas zu schaffen, ist dem Kinde ein Bedürfnis. Schaffen zu können, bereitet ihm edelste Freude. Und Kinder beim Schaffen zu sehen, ist eine Freude für jeden Freund der Jugend. In Gesangsvorträgcn und Deklamationen, in Reigentänzen und Schattenspielen, in einer drolligen Verulkung der Boxkämpfe und in zwei gut eingeübten kleinen Theaterstücken zeigten die Mädel und Jungen, was sie leisten. Die Zuhörer folgten den Darbietungen in angeregter Stimmung und dankten mst warmem Beifall. Die beiden Theaterstücke, schelmische Märchcnspiele, hatten bei der belustigten Zuhörerschaft den stärksten Erfolg. Die gelungene Veranstaltung, deren Ertrag(50 Pfennig Eintrittsgeld) den Waisenkindern zugute kommt, soll am Sonn- abend, 20. März, 6 Uhr, wiederholt werden. Beim Rangieren verunglückte tödlich gestern abend gegen V«7 Uhr in der Nonnendamniallee der 40 Jabre alle Schaffner Aarl Schön see aus der Weserstraße 53. Sch. kam beim Nan« „ teren zwischen Triebwagen und Anhänger und wurle totgedrückl. Die Schuldfraze ist noch nicht geklärt. Ausbau von Schulen. Nach einem Beschluß des Magistrats sollen in Mariendorf das Realgymnasium und in Reinickendorf die Realschule beim Realgymnasium zu Vollan st allen ausgebaut werden. Für den Schulbau in Lichtenrade wurden die Mehrkosten von 52 000 M. bewilligt. lln der Generalversammlung de» verein» der Freidenker für Feuerbestalluug im Bezirk Wedding erhielten bei der Wahl der Delegierten zur Generolveriommluvg die Listet lVerwallung) 87 Stimmen, Lifte 2 lKommuiristen) 873 Stimmen, Liste 3(SPD.) 420 Stimmen.— Die Kandidl�en der SPD. sind demnach gewählt worden. Gegen Schnupfen empfich t der Arzt Form an Forman schafft sofort Erleichterung; die ilbennästige Schl im- absonde.ung hört auf, die Kopfschmerzen und die dumpfe Benommenheit schwinden sofort. Forman erhalten Sie in allen Apotheken und Drogerien. Verlangen Sie nicht„ein Mittel gegen Schnupfen", sondern verlangen Sie klar und deutlich �Forman", eine Dose für 60 Pfennig. «ta< ArtMarach krwiienn'sif«»« dersnstaNtl der Bildm,i,«au«Ichllß Lichtenberg im Festsaal des CecUen-Lyzeum», Raihauzstrage, am Donner«. tag, den 18. März, VI, Uhr. Das Programm umsatzt Orgelvorträge, Rezitationen au» den Werken von Leo Menter und eine SchUderung des Lebens FreiligraIHS von Dr. Besser. Der Eintrittspreis von M Ps. ermöglicht jedem die Teilnahme. Schönheiten Im Kleingarten. Heber diese Frage wird Herr dipl. Varte» bauinspektor H e n n i g am ivlontag, den 22. März 1926, abends 7 Uhr, in der Aula der I. Gemcindeschule in Mederichöneweide, Berliner Str., Ecke Hasselirerder Str.. svrechen. Der Bortrag wird durch Lichlbildervorsührungcn ergänzt werden. Der Eintritt ist srei. Zwei dänische Militärflieger landeten gestern im Flughafen T e in p e i h o s um l'/j Uhr nachm., nachdem sie am Bormittag um 1l Uhr in Kopenhagen zu einem Fluge nach Ostasren gestartet waren. Infolge sehr starken Rückenwindes trafen die Maschinen bereits nach 2'/z stündiger Flugzeit auf dem Tempelhoter Feld ein. wo stch zu ihrem Empfang Vertreter der dänischen®e« sandiichaft. der dänischen Kolonie in Berlin. deS Reichswehrmini st-riumS und der Deutschen Lufthansa eingefunden hatten. Die Flieger wollen beuie früh um 7 Uhr ihren Flug fortsetzen, der sie über Lemberg, Konstantinopel, Bushir, Peking biS nach Tokio führen soll. lodesurleil wegen Galten- und valermordes Nach zwei- tägiger Berbandlung verurteilte das Schwurgericht in Barten- stein iOstpreuhen) die Arbeiterfrau Pauline Löffler und ibren Sohn wegen Ermord, in r des Galten bezw. Vaters zum Tode: die Tochter der Frau Löffler wurde wegen Beihilfe zum Morde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Rellung eine» Frachldampfer» au» Seenot. Der 6000 Tonnen grost« Dampfer.Manchester Producer*, der von dem holländischen Schlepper»Zwartz� auf dem Atlantischen Ozean in der Nähe der Azoren in hilflosem Zustand angetroffen und nach Fayal� eingebracht worden war, ist jetzt in Manchester angekommen Das Schiff, das mit Vieh und Lebensmitteln unterwegs war, hatte durch einen Siurm Ruderbruch erlitten und war 2 0 Tage lang bei stürmischer See auf dem Meere getrieben. �ugenüveranllaltungen. Achtung, Attcilo»ft»I«it«! Gebt spllteften» beut«, Mittwoch, ocheirbs um » Uhr, au der Kasse im Saalbau Driedrich-chain die Märzfcierkaricn ab. Da» Sagtnbfcltetaitai wird haute, Mittwoch, um 6 Uhr«clchlossen. ««ncffcn, die bei der Milezfeier mitwirke», sowie von icdem W-rbebezirk ein Vertrauensmann, müsse» heut« ollnktlich um 5 Uhr im Saalbau ssriedrichz, baut anwesend(ein. Treffpuakte für die ZNürz-Aeier. heule, deu 17. März. im Saalbau Friedrichshaia: Moabit Ut W Ubr Klein« Tiergarten.— Nordost Ilt 7 Uhr Danziger ticke Sreifswolder Strasse.— SLdoft R.-«.: Pünktlich« Uhr SSrlitier Bahnhof. Ellern und Parteiaenossen).— verbedezlrk Prenzlauer Berg I:%J Uhr Dan- »iger. Eck« Prenzlauer Alle«.— Scebebezirk Schöneder«! 147 Ubr Bllloi». boarn.— Weidedezirk M WW bezirk Nenrist»! 147 Uhr Bahnhof Neukölln.— Wer de bezirk MSaa-lle«: bj7 Uhr Bahnhof Alexandervlass, Ausoana Dlrcksenstrass«.— Werdebezirk vbee. k»r««: Uhr Bahnhof Alerandervlass. Ausqana Dircksensirasse.— Werde. bezirk Ncinickendors- 147 Uhr Brunnen» lad. Abmarsch 4,7 Uhr mit Wedding zusammen. Die»e»e» Abteilungen,«eich« kein« Ausweis« auf ssahrpreisermässigung destsse». könne« dieselbe» vom Zugendsekretariat abholen. Vorträge, vereine unö verfammlungea» Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold". lekchöktsstell«: BerNn S. l«. SebaNIanltr.»7«. Sot» Tr. >!!r,a-saIIene».Aedächt,i«feier am Friedhof der Märzgefallenen, ' Ts beteiligen sich Weddlng! 614 Uhr Antreten K-i Ubr Till W« •*0.* ffr.- Friedrich»Hain, am Do., d. IS., abend, 7 Uhr. Ts beteiligen sich die Krell«.— Mitte: Antreten»14 Uhr Bllschinavl-«,.—---- Antre'en Mlltlcr-, Ecke Uferstrass«.— Prenzlauer Berg: An stter Strasse, Svisse Londsbcraer Aüee.— Friedrickshaiu:>i.20 Uhr Landsberger Plop.— Krcuzbcr Bärwalbttrosse.— 614 Uhr Mariannenvlad, Schtuss S14 Uhr Badeanstalt enberg: Antreten 6% Uhr Tilsiter Strosse. Episs« Lands- berger Allee.— weisseulee: Antreten Uhr Tilsster Strosse, Eviss« Lands» berger Alle«. Sämtlich mit Musik und ssabnen.— Kreuzberg: Mi., d. 17.. abends 714 Ubr, Abteilung 13, Bersammlung tmit Damen), verbunden mit Tischbanncrweihe bei Etchhalh, Tuvrnlir. 13. Arbeitervereiu für Biochemie nvd Lebcnarefor» I. B.«. MltgNeberver. sammsungen Donnerstag, IS. März, W Uhr: Bezirk Neukölln bei Angrlrath, Elbeltr.!«. Naturheilkundiqer Krugmryer spricht über..Magen, und Darm. leiden�. Bezirk Kallesch«» Tor bei Maass, Bergmannstr. 97. Senosse Kürschner svricht über.Lieu« Wege in d«r Ernährung als Krantbeitsvarbeugung". Säsle wikliemmen. Agnarle». nnb Terrarlennereln, Srnpp« BeeNn. gusammenkunft der>,« Uhr JosspSiine Die Komödie JismarcK 2414, 75: i Um VüdOTla 11.30 Nachivont.ilJ) Sonnöb. u. Sonnt Die drellosgelassecei Else Eekersherg Wilhelm Beadow Clin Bols Centtal» Theater Uhr.- Eva Bcuiiear Ilka Qrflnlnj; Lesslng-Tl). 8 Uhr aaslspicMSalten- burss Hiihncn 0. frdtiiiciie Weinberg Kleines Tb. Uhr Ein Spiel von Tod q. Liebe v Romain'olla' d Eesiüenz- Theal. Ili.ind.Lützowitr. Tigi. 8'/, Uhr Lempka's sei. Wilwe Musik t.Dr.R.Hiroch lollsUBÜdn Prti« I— tu Ir VcmitiU Tiiah,+Ku 20% ir.-nälijecn kommer. Sabo Limnurg Tluain-Theater 3:0. alte Oe» Chtrll. Vor Mino »iriasistir ThJ.il.li53iinand3i!l8iistr. 8 Um: leae. lolte, Hose Weüsly. Dan, Baseit TaeaUJeslons 6 Uhr Unt pers teil mp des Komponister PiIhmlU Opniltt r. t»,. Beidbiidi Kosik ,«e Ifta Ksul [üolrapa!- Hieatoi Tägl. 8 Uhr BoriinT Theater uhr: IHessaliDetteXo no Xanette CroBes Scbsuspielhans TAfll ICH W'M Trianoü-Tlioatei Zentr 2391 Berlin lacht von 8 bis 12 Die Revue d.neaen Einakter Volks bQh ne Thealei am Bülowplati Tb. im SdiiffbaunlBmiii 8 Uhr 8 Uhr. Sturmflut Der Tausch Morgen 8 Uhr: Morgen 8 Uhr: Sturmflut Oer Tausch Walhalla Th.— Wiinbergsweg Tägl. 8»,« Uhr: Die Kleinen Vadabnnden Musikaiistfass �rosationssf. Sonntg nehm 4Ü. Oai tasfere Sdmsid'rtßin Deutsches Künstl-- Theater 8 Uhr: Paganlni rh.i.Karniistkgilimgi &/, Uhr: Die Kadi! der Nddüe Lustspielhauf 8 Uhr; Die rote CI�o Vallner-Tbealer 8 Uhr: KoTpor/.D Die Neue Revue iSedmlKentd! Revue der ZukumT in 16 Bild. o.a.; Japan in allen Jahreszeiten/ Der Komponislen- bail/ Der Traum d Malers ; Das Fest der Millionäre 1 Preise 1-7,50. 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Viele haben sich durch die Erwerbung von Sprachkenntnissen die Möglichkeit geschaffen, zu einem Berufe überzugehen, derlhnen höheres Einkommen und bedeutend größere Aussichten au) Vorwärtskommen bot. Versäumen Sleau' alle Fälle nicht, sich unseren Unterricht anzuhören. Teilen Sie uns auf untenstehendem Abschnitt mit, für welche Sprache Sie Interesse haben.Wirsenden Ihnen dann sofort eine Probelektion zu, portofrei, kostenlos u.ohne jede Verbindlichkeit für Sie. Überlegen Sie nicht lange. schreiben Sie heute noch. Uquarten- u. Ter. catiea-Clebhabec sucht die Betannr- schast gleichgcssnnler Kollegen ssweckswich. liger Miticilung diu wir Adressen an die lolilvgotemoioud d-Aibtilu Azaitn-a Tirrariso.Voräiw, Onipia Berlii. i U. Cnnu F. UluM. OaWMaii. I. II, objugew LanaentffleiatSflieTerlaasitnAhanaia. (ProLG-Lansicnsdie KU; Bin-üdianebä. Auf nebenstebendem Abschnitt nur die ge- wünschteSprache U.Adresse genau angeben und in offenem Iii ief Umschlag frankiert als„Drucksache"(S Plg.) einsenden. WennZusätze gemacht werden, nur als verschlösse- er Brief zulässig. Ist der Abschnitt bereits Ich ersu- che um Zusen- düng der P Im„Vorwirft". Benin, .'' angebotenen -■ Probelektion der Sprache, kostenlos, portofrei und unverbindlich. abgetrer nt, so genügt es auch, wenn Sie uns unier Bezugnahme auf diese Zeitung sofort.>il eine Postkarte schreiben. Name:. / Ort u. Str... SunAestag öe» Saugewertsbunöes. 2 e r l i n, den IS. März 1926. De? außerordentlich« Bundestag zählt ISA Teilnehmer, wo- von 143 Delegierte, deren Mandate allesanrt für gültig erklärt wurden. Der zweite Bundesvarsitzende Bernhard machte über den Reichstarifoertrag und die Lohnbewegungen folgende Ausführungen: Die feit dem Frühjahr 1324 geführten Verhandlungen mit den Unternehmerorganisationen wegen Schaf. funo eines R e i ch sta r i f v e r t r a g e s sind nunmehr e n d. gültig gescheitert. Wir müsicn uns deshalb mit Bezirks» tarifen— teilweise auch örtlichen— weiter behelfen. In keinem wichtigeren Punkt zeigten die Unternehmer bei den Verhandlungen Entgegenkommen. Sie weigern sich ganz entschieden, einen Tarifoertrag für die Poliere und Schachtmeister im Baugewerksbund abzuschließen, sie möchten die Arbeit«» nachweise abschaffen, sie verweigern in der Frage den Arbeitern größere Rechte. >.. daß'. treter die Baustellen betreten dürfen, sie sind gegen Betriebsvertretung der sie wollen nicht gestatten, daß die Organisationsoer» eten dürfen, sie st »in« RegelungderLehrlingsfrage mitder„Begründung�, da» tehrverhältnis fei ein»Erziehungsverhältuls". Die Lohnspanne zwischen Fach- und Hilfsarbeiter möchten sie erweitern, sie möchten am liebsten überall den so» genannten wilden Akkord einführen, sie verweigern den Bauarbeitern bezahlt« Ferien, obwohl in den Bauneben» berufen fast alle Arbeiter Ferien haben. Die heißumstrittenste Frage ist die Frage des Achtstuadcnlages. Der Baugewerksbund kann mit Stolz sagen, daß er bisher alle Bemühungen der Unternehmer, in irgendeiner Weise vertraglich den Achtstundentag zu durchbrechen, abgewiesen hat. Wenn da und dort im Lande Längerarbeit eingerissen ist. so liegt dies nicht an der Leitung des Bau» gewerksbundes, sondern an den Bauarbeitern selb st. hinter den Lauunternehmern stehen die Schweriodustriclleu. Sie hetzen in der Lohnfrage, sie hetzen in der Arbeitszeitfrag« im Baugewerbe Der Achtstundentag ist ihnen«in Dorn im Äuge, die.hohen' Bauarbeiterlöhn« sind es gleich» fall». Dagegen giltesFrontzumachenl Mit allen Mitteln wird versucht, die Bauarbeiterorganisationen zu bekämpfen. Ganz gewiß hat der Baugewerksbund in der Lohnfrage wohlbeachlliche Erfolge zu verzeichnen. Die Lohnbewegungen im Jahre 192S brachten 208 000 Bauarbeitern eine wöchentliche Lohner» höhung von insgesamt 1123 0S8 M. Das macht je Kopf eine Lohnerhöhung von wöchentlich S,38 M. Durch A n- a r i f f s st r e i k s wurden S,4S M. wöchentliche Lohnerhöhung, durch Abwehr st reits 3,53 M., bei Aussperrungen 5,33 M. Nochentohnzukag« f« Kopf erreicht. Die nominell« Lohnsteigenmg beträgt seit 1914 bei den Maurern 76 Proz, bei den Bau» Hilfsarbeitern 80 Proz., bei den Tiefbauarbeitern 73 Proz. Besonders beachtlich sind die Erfolge bei der Abwehr von eohnkürzungen und der Ardeitszeilverlüngerung. Im Jahre 1923 hat der Baugewerksbund die Bauarbeiterlöhne um durchschnittlich 34 Proz. gesteigert,«in Erfolg, dessen sich außer den baugewerblichen Organisationen andere Gewerkschaften nicht er- freuen können. Die schwere Wirtschaftskrise veranlaßt die Unternchmer zu Heulmciereien über die.hohen Löhne. Die Bauarbeiter werden in .maßgebenden' llnternehmerkreisen die Pionier« der Lohntreiberei Senannt. Alle Anzeichen deuten auf Generalangriffe des nternehmertums gegen die Gewerkschaften. Diese werden sich in der Hauptsache zunächst auf die Abwehr beschränken müssen. Der Baukostenindex hat sich trotz Erhöhung der Bauarbeiterlöhne gesenkt. Ein Beweis, daß die hohen Baukosten nicht durch die Arbeiterlöhne, sondern durch den Baustoffwucher verursacht werden. Dos zentrale Lohnabkommen vom 13. Februar 1926 ist das einzig« Ergebnis aus den zentralen Reichstarif» Verhandlungen. Es läuft bi»zum 28. Februar 1927 und ist für die Unternehmer nicht kündbar. Der Baugewerksbund hat sich freie Hand beholten, er kann das Abkommen kündigen. Es besteht auch keinerlei Bindung in den sozialen Fragen und in der A r b« i t s z e i t s r a g e. Nach den Bestimmungen des Ab- kommens konnten die Bezirkstarif« beiderseits gekündigt werden, sie müssen jedoch b>» zum Zt. März 1926 überall neu geregelt fein. Da» zentrale Schiedsgericht entscheidet endgültig, falls e» in den Be» zirken zu keiner Einigung kommt. Fast überall hoben setzt die Unter» nehmer von diesem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht. Das zen» tral« Schiedsgericht wird beweisen müssen, daß es den reaktionären Lockungen der Schwerindustrie nicht zu folgen bereit ist. Die Ansicht, die Bauarbeiterorganisationen hätten einen.Lohn- frieden' abgeschlossen, ist falsch. Di« zentrale Tarif Politik hat den Bauarbeitern be» achtliche Borteile gebrocht. Zentrale Tarifvertrogspolitik ist dl« gesetzmäßige, zwangsläusige Entwicklung de« Arbeitsrecht, und der Sozialpolitik. Der Redner bespricht einige Kernpunkte de» Arbeits- rechts und kritisiert die neuer« Rechtsprechung der Ge- richte auf diesem Gebiete. Im übrigen glaubt die Bundes» leitung, im Interesse der Mitglieder alles getan zu haben. was unter den gegebenen Umständen möglich war. Lohnpolitik ist M a ch t p o l i t i k. Mögen die Arbeiter lernen, die Machtverhältnisse richtig einzuschätzen und alle Kräfte zu sammeln zu weiterem Kampfe.(Lebhafter Beifall.) Zu den Berichten liegen eine große Anzahl von Anträgen au» den Bange« erkschaften und drei Entschließungen de? Bundeskeitung vor. Eine Entschließung zum Rerchstarifvertrag und zu den Lohnbewegungen sagt, daß der Bundestag den Be- schluß des Bundestags 1924 über die Voraussetzungen zum Abschluß eines Reichstarifoertrages erneuert. Besonders ist daran feftzu- halten, daß die 48 stündige Arbeitswoche(abgesehen von wirklichen Lohnüberstunden) nur durch örtliche oder bezirklich« Ver- einbarungen zwischen den maßgeblichen Organisationen zeitweilig überschritten werden darf. Voraussetzung dafür ist ein nachweislicher Mangel an Bauarbeitern. Dem zentralen Lohnabkommen vom 13. Februar 1926 soll zugestimmt, jedoch protestiert werden gegen die Absicht der baugewerblichen Unternehmer- oerbände, eine Herabsetzung der Löhne zu betreiben. Di« E n t- schließung zur Sozial- und Wirtschaftspolitik be- grüßt die Denkschrift de» Vorstandes vom ADGL. Ferner wird gefordert die alsbaldige Ablösung der Erwerbslosen» fürsorge durch ein Erwerbslosenversicherungsgesetz, worin erwerbslose Bauarbeiter unter keinen Umständen schlechter gestellt sein dürfen, als andere Erwerbslose. Die Beitragsleistung muß ein Recht auf Unter st ützung gewährleisten. Gegen die Regierungen wird der Vorwurf erhoben, die für den Wohnungsbau erforderlichen Gelder wieder nicht rechtzeitig und nicht ausreichend bereitgestellt zu haben. Die Regierung wird ferner aufgefordert, ihr Augenmerk auf da» im Baugewerbe wieder hervortretende Spetulantentum richten. Di« Fälle häufen sich, in denen Bauarbeiter mangels ge- etzlichen Schutzes um ihren verdienten Lohn geprellt werden. Di« augewerblichen Arbeiter müssen durch ein entsprechendes Gesetz vor solchem Verlust bewahrt werden. Die Entschließung zur ZndustrieorganisaNoa verpflichtet all« baugewerblichen Verbände, den Zusammen- schluß der Organisation zu fördern. Die Aussprache war sehr lebhaft. Fast allgemein wird die Haltung des Bundesvorstandes anerkannt» die vorgelegten Ent- schließungen werden begrüßt. Einzelne Redner oerlangen, daß unter allen Umständen und ausnahmslos die 4S-Stundea-1voch« hochzuhalten ist. Ein dahingehender Antrag wird genügend unterstützt. Auf er» hoben« Vorwürfe erklärt der Vorsitzende des ADGB., Leipart, es sei f a l s ch. daß der V o r st o n d d e» A D G B. noch nichts zur Schaffung von Industrieverbänden unternommen habe. E» sei natürlich schwer, den Wünschen aller Verbände Rechnung zu tragen. Leipart begrüßt mit warmen Worten den zielsicheren Kampf der Bauarbeiter für die Erhaltung des Achtstundentages. Bei Abschluß dieses Berichtes geht die Diskussion weiter. g UlWlW«W-stlW Achtung! Achtung! »Ie Dranfien-VertraaerfmanneT. tonfnenj t>n Schwarz dlechschlog»[ÖUI in Meiern Mona! au» vi« vrlsoereoaltneea. Am 29. I. 1928 nachm. liegen 4 Uhr Jft Im Bahnhof Wannsee ein älterer Mann vom Bahnsteig hinunter zwischen Bord- tante und Schienen gefallen. Einige Verlanen rillen hrrdri, muhten aber von Hilfeleistung abseben, da aus dem Gleis gerade ein Zug eiii'uhr. Der Mann lag beim Hallen des Zun es unter dem legten Wagen. Zeugen de» B rfall». inibesondere die Personen, die Silse geleiltet haben. wollen sich bei der Giaatsanwaltschall Potsdam zum Alle-tzeichen 8 J. 88. 96 melden Potsdam, den 11 März 1928. ver OberKaatnanesalL zum S/'f gfbt sehtreewe/ße Wäsehe In ci/tfbehsfemi Waschen, spart Seife und schont die Wasche - Ohne Oh/or- TteAMuAeM, JÄt dce, tucus TELE FUNKE M'LAUTSPftECH ER- BOHRE uMAaUn. vil!vL\aAcktr4tiH,! KLEINE ANZEIGEN Ä Wort 12 Pf. fettirfniteilertjm leiisig 2 fettecirgikti Ssorte).— Stille» jeuutit ö« 1 Wert(fettjedraitt IS PI, ides»e tue Wen tO PI Wert» Bit mett alt IS BudutiSe» titlii llr twti Weite. inteise». weite tlr tie aidnte Itimrru hestimml liaijiIneabltieitBlui iV, Mit»idtaiittigi n der Hmjt-iwetition des Vervlrh. liedenttreie Z. ak»e;ebes werde». Dieselbe ifwodtutaisee»»terjan l'')Dbr als udm. SObt irnittibredm eeMnt. Gänsefedern, füllfertioe. auch an» aerislene. au»«sler band. Paul Pae aelow. Wrieaen(Obctbrutb)«0._' Kiader-Sporttoagen, noch nicht ge- braucht,»u oertaufen. Baeek. Bergmann. strahe 2. Erfragen S— 4>4 Uhr nach. mittags._ 17024 Rauchtabak. Ueberfeetnlschung. prima, 100.®ronim.Pafcte 20 Pfennig, 50. Sramm-Pakete 10 Pfennig franko Nachnahme. Mich. Männer, Neunhurg v. D. veiileiäungSZliiciie. Vtesehe usw Getragene Kerrenaarderabe. tadellos erhalten. Seleaenheiiskäufe In Vela- waren arobe Auswahl, bllliae Preise. Seine Lombardware. Leihbau» Soieaei. 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Eigene Konditorei, eigene Kaffee-Lagerei und Rösterei, eigene Kolkerei gewährleisten die Güte der verabreichten V/aren, Die übrigen Räume, in denen nach wie vor Vollorchester-Konzerte stattfinden, sind aufs Heue restauriert und ausgestattet worden. Vornehmheit, Solidität, nur das Beste bietend, waren stets meine Geschäftsprinzipien, Peter St üb er, Kaffeehaus Imperator FriearichStr, 67, Mohrenstr, 49( Unter grundL ahn) Unterhaltung unö ANissen Der fröhliche Sealer. von Emil vachek. Im Weltkriege waren dem Frank beide Beine abgeschossen worden. Frank aber hatte seinen chumor nicht verloren. Er verschaffte sich ein niedriges Wägelchen, das er lenken und in welchem er betteln konnte. Er versuchte es zunächst in einer stillen menschen- leeren Gaste in der Nähe seiner Vorstadtbehausung und mußte bald einsehen, daß ihn diese Gaste nicht ernähren konnte. So suchte er sich denn eine lebhaftere aus und schließlich verfiel er darauf, in eine ganz lebhafte Derkehrsstraße zu„kutschieren*, und so wurde denn die Wastergaste sein täglicher Aufenthalt, wo er Zeitungen verkaufte. Das mußte er wn. um vom Polizisten nicht festgenommen zu werden. Sein Gewerbe war nicht gerade angenehm. Es war dies sogar eine Plage, denn er mußte den ganzen Tag bei jedem Wetter am Posten sein, wenn er nicht verhungern wollte. Man konnte ihn täglich in seinem Wagen sehen mft der Mütze in der Hand und hären, wie er mit fröhlicher Stimme die Vorübergehenden ansprach. Seine Wang« war von der frischen Lust gesung gefärbt und nicht eingefallen und die Augen leuchteten ihm ständig, wenn er die vor- übergehenden Dienstmädchen ansprach. Jedem, der bei ihm eine Zeitung kaufte, pflegte er stets etwas Fröhliches zu sagen, die pasten- den Sprüchlein und Verse verfertigte er selbst und die leichte Ver- fertigung derselben und die Inspiration, die ihm innewohnte, be. leiteten ihm Freude. Er machte Verse auf die, welche ihm etwas abkauften und auf die, welche achtlos an ihm vorbeieilten, als ob er gar nicht existierte. Und schließlich ließ ihn einer wegen seiner Frechheit festnehmen. Dem Polizisten blieb nichts anderes übrig, als das Wägelchen mit dem Festgenommenen vor sich herzuschieben. Die Beförderung des beinlosen Bettlers war ihm peinlich. Wahrscheinlich war ihm sein Berus noch niemals so unangenehm vorgekommen wie in diesem Fall«. Und schließlich überkam ihn ein Zorn gegen den Krüppel, denn der Invalid» lächelt« unaufhörlich und deklamierte ständig Reime, welche er rasch und geschwind über sein Unglück verfertigt hatte. Schweige, wenn du betrunken bist, schrie endlich der Polizist. Warum sollte Ich betrunken sein, Herr Wachmann, fragte der Bettler. Ich bin nicht betrunken, denn ich pflege bloß des Abends zu trinken und dann ist mein Getränt nur frisches Master. Dann bist du stech! Ich bin nicht frech,— ich liebe oll« Menschen. Ich liebe selbst Sie. Ich liebe sogar den italienischen Kanonier, der mir meine Bein« abgeschosten hat. Ich liebe die ganze Welt. Dann bist du ein Narr. Der Krüppel hielt«in. Er senkte da» Haupt. Dann sprach er schllcht: Ein Narr. Da» ist möglich. Aber weshalb, bitte, hallen Sie mich für«inen Narren? Well bloß ein Narr diejenigen beleidigen kann, welch« ihn be- schenken. Du mußt dir doch deinen Lebensunterhall sauer verdienen und solltest für jede Gabe dankbar lein. Ich verdiene sehr wenig, sagte de? Bettler. Wenn mir einer eine Zeitung abkauft, will er auf Heller und Pfennig heraushaben. Du lügst! Nein, ich lüge nicht. Ich verdiene kaum mein armseliges Brot. Sie waren in einer stillen Nebengasse angelangt. Der Wachmann hörte mit dem Schieben des Wägelchens auf �nd sagte: Du bist also doch ein Narr! Die Wassergasse ist einträglich wie eine Großbank. Für dich mit deinen Beinen... Du als beinloser Krüppel müßtest in ihr zum Millionär werden. Aber höre mit dem blödsinnigen Lachen auf. Erfreu« nicht die Menschen mft deinen Sprüchen! Jammere lieber. Zeige den Leuten deine Beinstümpfe! Die Not darf kein Lächeln zur Schau tragen. Höre auf, so gesund auszusehen. Nimm zu diesem Zweck« Pulver ein, die Ausgaben dafür werden sich dir bezahll machen. Du wirft in einigen Jahren in der Lage fein, deine Gesundheit in einem großen Kurorte herzustellen. Aber wenn ich das nicht kann, meint« der Bettler schüchtern.... Ich war stets fröhlich, und wenn ich aufhören müßte zu lächeln. wäre da» mein Tod. Worum soll ich traurig aussehen? Ist es nicht viel schöner, wenn selbst ein Bettler zeigt, daß es herrlich ist zu leben?! Ich habe keine Zeit, mit dir zu philosophieren, sagte der er- zürnt« Pollzist. Aber soviel laß dir gesagt sein: sollte ich dich noch einmal lächeln und deine Verse hersagen sehen, so nehme ich dich tatsächlich fest. Dann sollst du wegen Störung der öffentlichen Ordnung hinter Schloß und Riegel kommen, du Idiot! (Uebersetzt von A. L.) der Wurzel öes Kapitalismus Eine Oberhausrede vor 114 Jahren. Es stt ebenso Irreführend, als Ergebnis einer Betrachtung unserer Zell im vergleich zu früheren Jahrhunderten sozialer und politischer Rückständigkeit sich das ironisch« Faustwott„Wie herrlich weit wir'» doch gebrocht* zu«Igen zu machen, wie es verkehrt ist, nichts aus der Vergangenheit lernen und einen Fortschritt leugnen zu wollen. dessen Vorhandensein und Wirksamkeit nur der sozialistischen Auf- fasiung des historischen Materialismus entspricht. Aus der Geschichte der dreißiger Jahre sind uns die deutschen Weberaufstände überliefert, Serhart Hauptmann hat sie im Drama gebannt; unmittelbare Dokumente zeitgenössischen Charakters über die vernichtenden Wir- tungen der M a s ch i n e auf Körper, Geist und Seele des Arbeiters. der damals erst eigentlich ansing, sich bewußt und klassenmäßig als Proletarier zu fühlen, sind jedoch nur spärlich vorhanden, und gerade ln der Gegenwatt mit der verzweislungsvollen Stimmung ihrer Wittschaftskrise ist es nur von historischem, sondern von un- mittelbor lebendigem Intereste, sich in die Kämpfe und Nöte einer Zeit zu versetzen, die wir im Zeitaller der Blüte des Kapitalismus überwunden hoben. Der deutsch« Kapitalismus entwickelt sich langsamer als der des hochindustriellcn England. Mehrere Jahrzehnte vor den ober- fchlesischen und sächsischen Weberaufständen griff in England die verzweifelte Arbeiterschaft zu Maßnahmen, die ihr als die allein mögliche Waffe der Notwehr gegen die Maschine dünkte. Die Ma- schine war der Feind, der Tausende und aber Tausende von Prole- tattern brotlos machte; gegen sie ttchtete sich der unmittelbare Haß der Enteigneten, und vom Akt der Sabotage bis zum Angriff aus Leib und Leben verfemten Expropttateurs war nur /in Schtttt. Derartige Szenen waren in England zu Ansang des vorigen Jahr- Hunderts an der Tagesordnung. Zlm 27. Februar 1812 fand zu L o n d o n im Hause der Lords die Debatte über die Fabrikmaschinen. bftl statt, zu der Lord Byron, der sonst den Parlamentsdebatten ols schweigender Zuhörer beiwohnte, in leidenschaftlichen Ausfüh- vinaen das Wort nahm. Wir kennen Lord Byron als den großen Dichter, als einen der nicht allzuvielen, zu besten Ruhmesüberliefe« rung Goethe beitrug. In dieser flammenden und leidenlchoft» lichen Rede lernen wir Byron nicht nur als Polftiker, sondern zuglttch als einen Mann des feine Zeat weit überragenden Vetttehens der die sozialen Ursachen lener Verzweislungskämpfte der Arbeiterschaft gegen das einsetzende Maschinensystem kennen. „Die Beharrlichkeit dieser unglücklichen Menschen in ihren Taten führt zu dem Beweise, daß nichts als der unbedingteste Mangel eine große, einst ehrliche und arbeitsame Bevölkerung zur Begehung von Exzessen verleiten konnte, die für diese Menschen selbst, für ihre Familien und die Gemeinde so gefährlich stnd.* Die Polizei war machtlos, wenn auch nicht müßig; aber nicht ein einziger„Verbrecher* wurde auf fttfcher Tat betroffen. � Und der Kern des Problems wird in folgenden Motten bloßgelegt:'„Die Maschinen waren ihnen(den wer hat sich hier noch nicht eingetragen? Heut' hat die letzte Stunde geschlagen! Unternehmern) ein Vorteil, insofern sie der Notwendigkeit abhalfen, eine größere Anzahl Arbeiter zu beschäftigen, die demzufolge dem Verhungern preisgegeben waren. Bei der Anwendung diejer Art von Maschinen insbesondere verrichtete ein Mensch die Arbeit von vielen, und die überflüssigen Arbeiter kamen außer Brot.* Und für alle diejenigen, die die Wirtschaftskrise der Gegenwart aus die Revolution des Jahres 1318 aus Böswilligkeit oder Dummheit zu- rückführen, die sich der Einsicht in den weiiczerstörenden Charakter des Krieges verschließen, scheinen die Wort« gesprochen, mit denen Byron die traurige Politik, den verderbliäzcn Krieg geißsll. der die Wohlfahrt der Arbeiter wie der Unternehmer, der„aller Menschen Wohlfahrt* zertrümmert.Kann man sich demnach wundern. wenn in Zellen wie diesen, wo Bankrotte, offenbare Betrügereien und Beschuldigungen von Verbrechen in Lcbenskreifen gefunden werden, die nicht weit unter dem Ew. Herrlichkeiten sind, daß da die unterste, wiewohl einst höchst nützliche Bevölkerung ihre Pflicht im Elend vergißt?... Aber inde der höherstehende Verbrecher Mittel finden kann, das Gesetz zu umgehen, muß man neue Lebens- strafen erfinden, neue Netze des Todes ausbreiten für den Unglück- lichen Fabrikarbeiter, den der Hunger z»m Verbrechen treibt.* Als man zu Beginn des Winters mit Hungerunruhen in Deuifch- land rechnete, da waren unsere Scharfmacher schnell mit ihrem allein seligmachenden Rezept bei der Hand. Wozu haben wir eine Reichs- wehr, wozu eine Schutzpolizei, wenn wir sie nicht von Zeit zu Zeit im Kampf gegen den„inneren Feind* ihre Kräfte erproben lasten? Es ist nicht zuletzt der Einsicht und dem entschlossenen Widerstand des preußischen Innenministers Genosten Severing zu danken, wenn uns das furchtbare Bild erspart blieb, daß bcwafsnele Truppen auf Arbeiter schießen mußten. Die Scharfmacher der Gegenwart können, so völkisch sie sich auch gebärden, als ihre Ahnen jene eng- lifche Generation des Feudalismus und des Großgrundbesitzes auf- weisen, gegen die sich der Zorn Byrons richtet.„Wenn das Schwert das schlechteste Argument ist, besten man sich bedienen kann, so sollte es auch das letzte fein.... Man nennt diese Menschen einen Pöbel- Haufen, einen verzweifelten, gesährlichen, unwistenden, und scheint zu glauben, der einzige Weg, ihn zu beschwichtigen, sei, ihm ein paar überflüssige Köpfe abzuschlagen. Aber selbst ein roher Haufen wird bester zum Gehorsam zurückgeführt durch eine Mischung von Milde und Festigkeit als durch neue Ausreizung und verdoppelte Strafen.* Während die deutschen Arbeiter im letzten Jahre der Inflation hungerten und von der Regierung des Reichskanzlers C u n o zwangsweise zu Opfern des passiven Widerstandes gemacht werden sollten, hatte diese selbe Regierung nichts Besseres zu tun, ols der Ruhrindustrie märchenhafte Summen als Subsistenzmittel zur Verfügung zu stellen. Wie aber war es vor 114 Iahren? Die eng- lischen Arbeiter hungerten; die Industrie lag darnieder— die englische Regierung aber stellte dem befreundeten Portugal eine Summe zur Verfügung, die von der Arbeiterschaft als eine Ver- höhnung ihrer Leiden aufgefaßt wurde.„Will man auf jedem Feld einen Galgen bauen und die Menschen wie Vogelscheuchen aufhängen? Oder will man, was notwendig Ist, um dieser Maß- regei Wirksamkeit zu schassen, die Einwohner dezimieren, das Land unter Kttegsrecht stellen, alles um uns her entvölkern und veröden vnd den Shenvoodwald der Krone zum annehmlichen Geschenk in seinem früheren Zustande als königliche Jagd- und Freistätte für Voglfreie zurückgeben? Sind dies die Mittel für eine hin- schmachtende und verzweifelnde Bevölkerung? Werden den aus- gehungetten Elenden, die unseren Bajonetten getrotzt hoben, die Galgen zurückschrecken? Wird dos, was eure Grenadiere unbeerdiat gelösten haben, von euren Schattrichtern vollbracht werden?* Die geschichtliche Entwicklung ist über jene Krise des Kapitalis- mus hinweggeschritten. Die Mittel der Expropriation sind ver- feinert, die Methoden der Niederschlagung von Widetttänden „zivilisierter* geworden. Die Arbeiterschaft aber hat sich in der mächtig aufftrebenden Gewerkschaftsbewegung der letzten Jahrzehnte, in der Anwendung von Masten- und Einzelstreiks eine Waffe geschaffen, die sich als wirksamer erwiesen hat als der Säbel des Polizeistaates. Wenn wir uns in jene Zeiten zurückveesetzen, so schaudern wir vor der Unverhülltheft ihrer Brutalität, zugleich aber lehtt uns ein solcher Rückblick, was zu tun übttg bleibt, bis wir von einer wahren Emanzipation der Arbefterklaste spreche,« dütten. Werner P«is«r. Settage öes vorwärts Selbstmord bei Tieren. Bon Willy Ley. Vom„treuen Hund* gibt es eine gar rühttam« Geschichte. Sein Herr starb und fortan war das treue Tier nicht mehr vom Grabe wegzubttnaen, verweigerte das Futter und starb gleichfalls. Zu- gcgeben! Jetzt kommt aber erst die Hauptsache. Natürlich starb der Hund mit Vorbedacht,— um wieder bei seinem Herrn zu sein, wählle er den Hungettod, oerübte Selbstmord. Und dies schreck- lich, schaurig-rührende„im Tode oereint* will ich,— wahrscheinlich tue ist manchem damit weh,— bestreiten. Man kann rein gedanklich an die Sache herankommen. Der Hund müßte nämlich wissen, daß Nahrungsverweigerung den Tod bedeutet. Da das kaum möglich ist. ist der ganze Grund hübsch erfunden. Der Sachverhaft braucht es nicht zu sein. Es ist bekannt, daß Hunde bei Abwesenheit des Herrn oft übellaunig sind und schiecht fressen. Und das Tier hält sich möglichst nahe dem Orte. wo es den Herrn zuletzt gerochen(Hunde richten sich nach dem Geruchssinn), eben am Grabe auf. Nummer zwei ist der Selbstmord wegen Freiheftsberaubung. Wenn Vögel sich den Kopf an den Glasscheiben des Käfigs ein- rennen, oder nngs vom Master umgebene Tiere schließlich ertrinken, so ist das noch lange kein überlegter und gewollter Selbstmord. Sic sterben beim letzten verzweiselisten Ausbruchsversuch.— Schwieriger liegt die Sache schon beim Skorpion. Wenn man ein solches Tier mit einem Ring von glühenden Kohlen umgibt, setzt es sich nach vergeblichen Durchbruchsversuchen(wenn es dabei nicht schon zu Tode gekommen ist) in die Mftte des Kreises und sticht sich mit dem giftigen Stachel in den Nervenknoten am Kopfe. Das sieht nul, wirklich wie ein„ttchtiger* Selbstmord aus, ist es aber trotzdem nicht. Bemerkt stt noch, daß dieser Fall sehr sellen ist, meist erfolgt schon vorher der Tod durch Verbrennung. Wie ist es aber zu erklären? Die Skorpione sind lichtscheue Tiere und da uns schon grelles Licht direU körperlich wehtut, so muß ein solcher Schmerz bei Dunkeltieren schon bei geringerer Lichtintensität eintreten. Diesen Schmerz empfindet das Tier im Kovfe. Seine natürliche Waffe ist der Stachel, also sticht es in die scymerzende Stelle, ohne sich der Folgen bewußt zu sein. Der Selbstmord scheint also ein trauriges Borrecht der Menschen zu sein, doch will ich gern zugeben, daß mir noch einige Fälle be- kanntgeworden sind, die doch„echter* aussehen, dafür aber nicht genügend verbürgt sind. Zum Schluß sei noch der merkwürdige Fall des Selbstmordes einer Riesenschlange, der berühmten Art Los. conttrictor, der sich vor gar nicht allzu langer Zeit im Hamburger Zoo ereigntte, mit- geteilt. Das Reptil befand sich anscheinend aus der Nahrungssuche, erwischte bei dieser löblichen Beschäftigung seinen eigenen Schwanz und sing an zu schlingen. Der Bissen war aber selbst für eine Riesenschlange zu groß— die hakensörmigen Zähne verhinderten ein Ausgebrochenwcrden— und sie erstickte an der Henkersmahlzeit. Der Wärter fand am nächsten Morgen das lebendige, oder viel- mehr tote Symbol der Ewigkeit erstickt auf. Die Mitgardfchlang« war gestorben. Geheimsprachen öer Irauen. Bei den verschiedenste» Völkern der Ctdc findet man den Brauch, daß sich die Frauen, wenn sie miteinander plaudern, einer anderen Sprache bedienen, als wenn sie mit Männern sprechen. Nach den eingehenden Forschungen von Kraus irissi man besonders häufig Beispiele von Frauensprachcn bei den Jndianerstämmen Guatemalas und Brasiliens an. Bei ihnen haben Frauen und Männer cnt- weder nur zum Teil andere Bezeichnungen für einzelne Gegenstände oder überhaupt gesonderte Frauen- und Männersprachen, wogegen bei den Ch'quftos in Bolivien die Frauen oft nur die Endungen der Worte verändern. Bei den Koraiben, dein Indianetttamm, der heute fast ganz ausgestorben ist, findet man ganz unverständliche Sprachgewöhnheiten; bei ihnen gibt es eine Sprache, die von Frauen und Männern, wenn sie zu Männern sprechen, angewcichet wird und ttne andere, wenn die Frauen untereinander sprechen; dieser bedienen sich jedoch auch die Männer für„weibliche" Sachen. Auch die südafrikanischen Kaffernfrauen sprechen eine eigene Sondersprache, deren Gebrauch indes ganz seltsame Gesetze vorschreibt, indem sie jeweils durch die Verwandtschastsverhältnisfe bedingt werden. Keine Frau darf z. B. jemals ein Wort aussprechen, das im Zusammenhang mit dem Namen eines ihrer Schwäger steht. Schwer hat es auch eine Frau bei den Zulus, deren Gesetze ihr verbieten, den Namen ihres Großvaters oder Schwiegervaters oder dessen Brüder auszusprechen. Diese Gesetze sind manchmal so. streng, daß, wenn der Name eines dieser alten Herren z. B. ein„Z* enthält, die Frau ihr Leben lang kein Wott aussprechen darf, in dem eben- falls ein„Z" vorkommt. Die Wasuahetfrauen Ostasrikas plaudern wieder eine richtige Geheimsprache, die den Männern vollständig fremd ist und bleiben muh. Es sind aber auch immer nur ganz oertrauliche Dinge, die sich die schwarzen Damen in ihrer Sonder- spräche m'tteilen. Auch die malaiischen Frauen vertrauen sich ihre Geheimnisse in Worten an, die die Männer nicht verstehen. Auf Bornco sprechen die Frauen der Brunei allerhand Sprachen, die sie sich selbst ausdenken, indem sie jeder Silbe beispielsweise eine andere anfügen. Ditte„verkehrte Sprache*, wie sie bei den Frauen he ßt. zeigt denn auch keinen einheitlichen Charakter. Zlndcrs dagegen ist es bei den Suahelis Afrikas, bei denen den jungen Mädchen ein regelrechter Unterricht in ihrer Sondersprache erteilt w-rd. Bei den osiaiischen Kirgijen gilt es für unschicklich, wenn eine Frau jemals den Namen eines ihrer männlichen Verwandten mis- spricht, was aber um so schwieriger ist, als manche Kirgisen die Namen von Gegenständen oder Tieren führen. Heißt also der Schwager einer' Kirgisenfrau etwa..Messer*, so bleibt ihr nichts anderes übrig, als für das Wort Messer ihr ganzes Leben lang eine andere Bezeichnung zu wählen. Uebrigens hat selbst die japanische Sprache ihre eigenen Anwendungsarten, die für Männer und Frauen gesondert sind, ja sogar zwei Arten voneinander gesonderten Schriftsprachen und zwei verschiedene Satzgefüge. Das Gehirn aus Messing. Im Eoast and Goedetie Survey in Washington befindet sich eins der größten technischen Wunderwerke, das Menschenhand erdacht hat. Es ist tatsächlich ein„Gehirn aus Messing* und besteht aus IS siüll Teilen, die in der exaktesten Weise ineinandergreifen und zusammen arbeiten. Der Zweck dieser Wun- dcrmoschine bcftehi darin, für die Schisfahrt bei Eintritt der Ge- zeiten, nämlich von Ebbe und Flut ausg genaueste zu berechnen. Die Kenntnis des Gezeitenciniritis ist für die Schiffahrt von großer Bedeutung, da die Schiffe die Ebbe und Flut benutzen, um be! Aus- und Einfahrt die Kräfte zu verwerten, welche durch Ebbe und Flut von vornherein durch die Natur gegeben worden sind. Ferner ist der Eintritt der Flui für die Schiffe auch darum von größter Be- deutung, weil die Schiffe wegen ihres Tiefganges genötigt find, die Flut auszunutzen, um überhaupt an bestimmten Stellen fahren zu können. Wenn der Eintritt der Gezeiten ganz unregelmäßig wäre und zu genau denselben Stunden erfolgen würde, dann könnte die Schiffahrt damit rechnen. Tatsächlich aber ist dies nicht der Fall, sondern der Eintritt ändett sich täglich. Es ist darum von größter Bedeutung, daß die Schiffahrt eine Aenderung vorher kennt, um ihre Maßnabmen danach ergreifen zu können. Dieses„Gehirn aus Messing* erfüllt nun die ganz erstaunliche Aufgabe, den Wasserstand in irgendeinem Seehafen der Welt zu jeder beliebigen Stunde anzu- zeigen. Wer dieses Messtnggehirn besitzt, kann genau die Aenderung der Gezeiten von ch» ablese» sogar für 1000 Jahr« im voraus. disconto-Geseilschast. Geringere Steigerung der Umsätze.— Trotzdem 10% Dividende. Di« Beurteilung de« Jahresabschlusses der Disco nto-Geselkschost wird dadurch erschwert, das) hier nicht ein« einzelne Grobbank. sondern eine Art B a n t k o n z e r n mit festeren und loseren An» gliederungen vorhanden ist. Di» Bant trägt dieser Tatsache insofern Rechnung, als sie«ine Art doppeiterBilanz vorlegt: einmal für die Disconto-Geseilschast»einschließlich der Zweigniederlassungen" und zum zweiten»einschließlich der Norddeutschen Bank in Hamburg und de» A. Schaasshausenschen Bankverein» 2l.-G., Köln". Das gesamte Aktienkapital dieser beiden Banken, und. von jetzt ab. auch der Bank für Thüringen vormal» B. M. Strupp A.-G.. besindet sich in den Händen der Disconto-Gesellschast. gerner ist sie maßgeblich an der Süddeutschen Disconto.Gesellschaft A. G. Mannheim(Pfalz und Baden), am Bankhau» L. Pfeifser. Kastel. an der Amsterdamer Handelsgesellschaft H. Albert de Berg und Co., sowie an Danken in Wien. Sofia. Brasilien und Chile beteiligt. Die Ausdehnung des Geschäfts. Bei einer Betrachtung der Bilanz für da» Geschäftssahr 1925 muß auffallen, daß die llmsatztätigkeit nur relativ wenia gesteigert werden konnte, nämlich nur von 48,5 aus 59,6 Milliarden Mark. Die Tatsache, daß da» Maß der Geschäftsausweitung hinter dem bei den übrigen Großbanken erreichten Umfang zurückbleibt, geht auch au» der verhältnismäßig geringen Zunahme der wichtigsten Bilanzposten hervor. Unter Einschluß der Zahlen der Norddeutschen Bank und de» Schaasshausenschen Lank» verein« ergibt sich bei»Debitoren in lausender Rechnung"' eine Der- mehrung von 553,1 Millionen Mark(Ende 1924) auf 465.9 Mill. (Eiche 1925) und bei.Gläubigern" von 682,6 aus 893,1 Mill. Ferner sind die Verpflichtungen au» Wechseln und Scheck» von 7,9 aus 60,6 Mill. Mark gestlegen, während die Aktiven an Wechseln und Schatzanweisungen de» Reich» und der Länder von 151,5 aus 235,8 Mill. Mark zugenommen haben: die Guthaben bei Banken sind sogar von 164,0 aus 154,9 Mill. Mark zurückge» gangen. Die Entwicklung des Lombardgeschäft»(Wertpapiere und Waren) ist als normal zu bezeichnen. Bemerkenswert ist dagegen die starke A b n a h m e des— als sehr niedrig zu bezeichnenden— Postens»Eigene Wertpapiere" von 12,5 auf 7,3 Mill. Mark. Da Kier sehr erhebliche Käufe der Lank zu Zwecken der Kursstützung erfolgt sein müssen(auch die Disconto-Gesellschast war Mitglied de» Stützungskonsortiums für Stinne»), besteht die Vermutung, daß durch eine radikale Unterbewertung der Effektenbestände hier größere stille Reserven geschassen worden sind. Ebenso erklärt die Verringerung de» Postens»Aonsortialbeteiligungen" von 27,5 auf 21,8 Mill. Mark. Man kann noch bauen! Hm Gegensatz hierzu sind bei den am wenigsten liquiden Posten (Gebäude und Grundbesitz) noch Zugänge erfolgt, nämlich um 1,9 auf 45,7 Mill. Mark(wovon Gebäude: 40,5 Mill.). Die» wird damit erklärt, daß— trotz vorgenommener Grundstücksverkäufe und der Schließung von 14 Niederlassungen, sowie trotz Abzug» de» Wertes von Aufwertungshypotheken in Höhe von 3.0 will. Mark— durch Reu» und Umbauten in Berlin und in der Provinz Höherbewertungen des Grundbesitze» erforderlich geworden sind! Gewinne und offene Reserven. Der Ro h gewinn der drei Banken ist mit 7l.2 Mill. Mark gegen 81,1 im Vorjahre erheblich geringer geworden. Bei der Disconto» Gesellschaft allein beträgt die Abnahme 7.6 Mill. Mark. Nur durch eine fast entsprechend große Verringerung der Unkosten, die(für die drei Banken zusammen) 53,8(gegen 62,1 Mill. I B.) an Derwallungskosten und 6.1(gegen 6.7 Mill. L L.) an Steuern ausmachen, tonnt« erreicht werden, daß der Reingewinn mit 11,3 Mill. gegen 12,2 Mill. L L. einigermaßen gleich« ei? lieben ist. Die Verteilung de» Reingewinns der Disconto-Gesellschast(10,7 Mill. gegen 10,8 Mill. i. B.) erfolgt derart, daß wiederum 10 Proz. Dividende ausgeschüttet werden, wa» diesmal— da die vollen 100 Mill. des Sommandittapital» gegen nur 91,5 Mill. L v. an der Verteilung teilhaben— volle 10 Mill. Mark beansprucht. Di« Ueberweisung von 1 Mill. Mark an eine»besondere Reserve", die im Vorjahr« erfolgte, muß tieshalb in diesem Jahre unterbleiben: der Aufsichtsrot erhält eine Vergütung in Höhe von 486 500 (i. v. 445 100) Mark und 181 000(178 000) Mark werden auf neue Rechnung vorgetragen.— Norddeutsch» Bank und Schaasfhousenscher Bankverein haben gleichfalls 10 Proz. Dividende auf das 12 bzw. 25 Mill. Mark betragende Aktienkapital ausgeschüttet: diese Summen arscheinen bei der Disconto-Gesellschast als Einnahme. Ferner wurden bei der Norddeutschen Donk 250 000 Mark an die offene Reserve gegeben. Damit ist der Betrag der offenen Reserve bei den drei Banken aus 47.25 Mill.— bei einem Aktienkapital von 137 Mtll.— gestiegen. Abbau der Angestelltm— weniger der Ausgaben! Die Derrringerung der Berwaltungskosten um 7 auf 42,5 Mill. lst nur zum kleinen Teil eine Folge des Personalabbaues» der im GefchSftsjahr die Zahl der Angestellten um weiter« 17 Proz. ? u® herabgedrückt hat, wodurch eine Verringerung der Personalausgaben umnur6Proz. erreicht wurde(wie aber steht es mit dem Abbau der Direktorengehälter?), Vielmehr sind die großen Einsparungen durch Verminderung der sachlichen Ausgaben einschließlich der Baukosten erzielt werden. Aber bi» in» Sahr 1926 hinein haben die Bauarbeiten der Bank noch ang«. dauertl Man scheint also hier recht großzügig vorgegangen zu sein: gespart wurde weder an Grundstück,käusen. Reu. und Umbauten, noch on Aussichtsratsvergütungen, sondern vor allem an Perfonalkosten für die Mass« der.kleinen" Angestellte»! « Ein Gesamtüberblick über da» abgelaufene Geschäftssahr zeigt. �rß die Au-gaben Wirtschaft der Disconto-Gefellschast— für Bauten und Srundstückskäufe. wie auch für Aufsichtsratstantiemen— zum nrindesten»großzügig" gewesen ist. Schwerer aber noch wiegt der Vorwurf, daß die Dank bei relativ geringen Um» satzstelgerungen im normalen Kreditgeschäft und beim Dar» niederliegen der übrigen eigentlich gewinnbringenden Geschäft-zweige in ihrer Sewinnverteilungspolltit sich keinerlei Schranken auferlegt hat. Sie hat den Grundsatz.»leiner Um. s»ß. großer Nutzen' erfolgreich weiter durchge» führt— erfolgreich für die Bank, und zum Nachteil ihrer Kundschaft wie auch der gesamten Volkswirtschaft. �ufüemwegezur interaationaleu«seuverftSnükgung Die am Donnerstag in Pari» wieder aufgenommenen Per- Handlungen haben, wie die»Deutsche Bergwerkszeitung" zuverlässig erfährt, grundsätzlich zur Wiederherstellung de» guter» nationalen S ch l e n e n ka rt e l l» geführt. Die Quoten» frage, bisher die wichtigste Streitfrage, ist durch gegen» seitige» Entgegenkommen gelöst worden. Die Verständigung über die Art und Weise der Bertrag»ausführung. die Kontrollmaßreaeln. Strafbestimmungen ufw. steht noch aus. 3n Anbetrocht de« gute» Willens sämtlicher Beteitigten erwartet man in dieser Hinsicht keine ernsten Schwierigkeiten mehr. Bisher wurde nur über die Quoten» frage oerhandelt. Di« Preissestsetzung bleibt augenblicklich noch frei. Die Frage der etwaigen Zulassung noch anderestaallicher Mitglieder zum Internationalen Schienenkartell soll erst nach weiterer Förde» rung der derzeitigen Verhandlungen in Aussicht genommen werden. von französischer Seite wird al» Grundlag« der Pariser Eisenver- ständigung die derzeitig« Produktion der französische» Werte betont. S, handle sich also kesn«»fall» um ein« ProduktionseinfchrSnkuna für Frankreich, sondern im Gegenteil um die Gewißheit,«ine der äugen» blicklichen Lage entsprechend« Erzeugung abzusetzen. An dieser Absatzkontingentierung seien Deutschland, Luzem» bürg, Belgien und Frankreich betelligt. Der Stand der Verhandlungen. Zn der Presse sind über die internationalen Eisenverhaudlungen. die in der vorigen Woche in Pari» stattgefunden haben, Nachrichten der verschiedensten Art verbreitet worden. Diese Mittellunge» beruhen, wie jetzt amtlich mitgeteilt wird, insbesondere bei den zahlenmäßigen Angaben zum größten Teil aus Gerüchten und willkürlichen Annahmen. Totsache ist, daß bei diesen Derhondlungen Fragen der internationalen Preievereinbarung und der Adsetzregelung erörtert wurden. Man ist aber über Vorbesprechungen nicht hinausgekommen. DledeutscheRegierung wurde über diese Verhandlungen laufend informiert. E» werden keinerlei Abreden ohne ihr« Zustimmung Geltung bekommen. Auch dahin ist Vorsorge getroffen, daß die zurzeit im Sange befindlichen deutsch-französischen Handel». vertrag»verhandlung«n durch die Eisenwirtschaftsoerhandlungen in keiner Weis« gestört werden. v>« Swdiengesellschast für die Gründung de» westdeutschen Montantruste», die Dereinigten Stahlwerke L.-G., verbreitet zu derselben Frage«ine Pressemitteilung, in der«» heißt: Gelegentlich der Besprechungen über die westeuropäische Schienen» syndizierung Ist unter den Teilnehmern dieser Verhandlungen in Pari, auch die allgemeineLag« de» europäischen und de» Weltmarkte» in Eisen erörtert worden. E» herrschte Uebereinstimmung unter sämtlichen Anwesenden, daß e» unsinnig und aus die Dauer untragbar sei. die E r z e u g n i s s« der Eisenindustrie in denjenigen Ländern, die eine solche Industrie nicht besitzen, weit unter den Selb st kosten zu verschleudern, und daß e» wünschenswert und erstrebenswert sei. einen möglichst ein» heitlichen Eisenprei» in sämtlichen verbrauchenden Ländern der Welt zu erzielen. Man war sich aber vollständig darüber im Klaren, daß der Weg zu diesem Ziel ein außerordentlich schwieriger und langwieriger sein wird, und daß e, insbesondere fast unmöglich erscheine, bei allen Einzelprodukten Verkaufssyndikate in» Leben zu rufen. E» Ist daher erörtert worden, ob nicht vielmehr die Möglich» keit bestände, die Erzeugung dem Derbrauch tunlichst an» z u p a s s e n. Dies« Erwägungen sind aber über Borbesprechungen bisher nicht hinausgekommen. « Die Dementi» der Industriellen und der amtlichen Stellen können darüber nicht hinwegtäuschen, daß die Bestrebungen zur Bildung eine» internationalen Eisentrust» oder mindesten»«ine» Syndikat» weiter versolgt werden. Für» erst» würde«» zur Schaffung einer Monopol st ellung der privaten Eisenindustrie vollkommen ausreichen, wenn man sich über die angedeutete Ein. schränkung der Produktion verständigen würde. Die Regierung hat die Pflicht, dasür zu sorgen, daß ein solche, Syndikat nicht greisbare Formen annimmt, ehe durch«ine wirksame Kontrolle der Kartelle und durch Einflußnahme auf die Eisen» industri« dafür Sorge getragen Ist. daß die deutsch« Der» orbeitung»industri« zu angemessenen Preis« den wichtig- sten Rohstoff beziehen kann._ Der agrarische lveizen-Schwinöel. E» ist verblüffend, wie bereitwillig die veffentlichkeit oft Behauptungen annimmt, die nach ihrer Herkunft au» kapitalistischen JMeressententreisen eigentlich auf vorsichtige Zurückhaltung au» einem gesunden kritischen Gefühl treffen müßten. Da» M in be» sonder» hohem Maße von der gegenwärtigen agrarischen Propaganda für«inen stärkeren Derbrauch von Roggenbrot, die stet» in Ver- bindung steht mit der Behauptung, daß m Deutschland .zu viel" Weizenbrot gegessen werde. W a» dieses»zu viel" bedeuten soll, wird dabei selten deutlich gesagt: aber e» kann nur bedeuten: mehr al» vor dem Kriege. Da» jedoch Ist nicht wahr, wie eben wieder eine»Berechnung der verfügbaren Mengen von Brotgetreide" in Band 317 der»Statistik de» Deutschen Reiche»" mit aller Deutlichkeit bewesst. Dort wird folgende Rechnung für Weizen und Spelz ausgemacht(wobei die Mehlaus» und»einfuhr entsprechend in Korn umgerechnet ist): Für den Vergleich der Nachkriegsversorgung mit derjenigen der letzte» Vorkriegszeit bietet diese Berechnung die Zahlen de» ver. sorgungsjahre» 1913/14. Da» ist für«inen möglichst exakten ver« gleich zu wenig. Eo lange Erhebungen über dl« Korn» und Mehl» bestände zu Ansang eine» jeden Bersorgungsjahre» fehlen, Ist e», um die Ungleichheit dieser Bestände von Jahr zu Jahr al» Fehler- quelle wenigstens nach Möglichkeit zu berücksichtigen, notwendig, Mehrjahresdurchschnitt« zum Vergleich heranzuziehen. Meine eigenen Berechnungen ergaben anstatt der Kopfmeng« von 95,8 Kilo, die da» Statistisch« Reichsamt für da» Versorgungsjahr 1913/14 errechnet, ein« Kopfmenge von 87,1 Kilo Im Durchschnitt der Kalenderjahre 1909/13. Dabei ist noch weiter zu berücksichtigen, daß dl« deutschen Ernten der Vorkriegszeit heut« allgemein al» über» schätzt gellen. Wird diese Ueberschätzung mit etwa 15 Proz. an» genommen, so ermäßigt sich die Kopfmenge für 1913/14 auf 85,36 Kilo und für den Durchschnitt der Jahr« 1909/13 auf 78,4 Kilo. Alle diese Lergleichszahlen für die letzt« Borkriegszelt(auch die vor» sichtig berechnet« niedrigste von 78,4) liegen wesenttich über den Kopszahlen für 1921/22 bi« 1924/25. Zusbesonder« blieb der weizenverbrauch in Deutschland in de« letzten drei Versorgung». jähren stark hinter dem Vorkriegsverbrauch zurück. Für eine Ueberschreitung des Lorkriegsverbrauchs im laufenden Versorgungsjahr 1925/26 liegen bisher keine Anzeichen vor. Im Jahre 1925 wurden in Deutschland 3 271 800 Tonnen Weizen und Spelz geerntet. Nach Abzug von 10,5 Proz. für Saatgut gewährt diese Ernte unter Zugrundelegung der Einwohnerzahl von Mitte 1925 (62 539000) eine Verzehrungsmöglichkeit von 48,25 Kilo pro Kopf der Bevölkerung. Wenn auch nur die niedrigst« oben mitgeteilt« Kopfmenge der Vorkriegszeit(78,4 Kilo) erreicht werden fall, so müssen vom Juli 1925 bis zum Juni 1926 Mcht weniger als 1 885 550 Tonnen Weizen eingeführt werden. Zn den ersten sieben Monaten de» Versorgungsjahres 1925/26 wurden nun netto 692 724 Tonnen Weizen und Spelz und 125 509 Tonnen Weizenmehl eingeführt: das sind nach Umrechnung von Mehl in Korn zusammen etwa 860 000 Tonnen, also uur 45 Vroz. de, geringsten kheorekischen Elnsuhrbedars». Man kann darau» zwanglos schließen, daß auch im laufenden versorgungesahre der Weizeaverbravch erheblich hinter dem Vorkrieg»verbrauch zarückbleibea wird. Dieser Schluß Ist um o mehr berechtigt, als der Januar keine Steioerung der Netto- Einfuhrmenge seit dem Just 1925, sondern Im Gegenteil durch ein ehr starke» lleberwiegen der Ausfuhr«inen Rückgang gebracht hat. Joh. Kretz«». �rbektsmarktlage Mitte MSr). Nach dem Bericht der Landesarbeitsämter für die zwette März. wach«— Mitte März— hat die E r w« r b» l o s e n z a h l etwas abgenommen, aber im Bergbau, in der Metall-, Holz- (außer Möbeln), I e x t l l» und Papierindustrie ist die Lage weiter schlecht. Infolgedessen können auch die Landesarbeits» ämler in Westfalen. Rheinland. Freistaat Sachsen. Thüringen. Schlesien und Süddeutschland nur eine Verschlechterung der Arbeits» Marktlage berichten. Das Einsetzen des Soisongewerbes(Daumdu» stri«. Steinbrüche. Ziegelelen) und der londwirtschastlichen Arbeiten ist vor allem infolge des schlechten Wetters nicht im erwarteten Maße eingetreten. Immerhin zeigt sich eine Besserung der Arbeitsmarkt- läge in den Landesteilen mit stark landwirtschaftlichem Einschlag(vor allem Schleswig-Holstein, Oldenburg, auch Provinz Sachsen). Der Beschäftigungsgrad in der che m i l ch e n Industrie, in der Nah- rungs- und Genußmittelindustrie, einem Teil des Bekleidung s» (Schneider» und Schuh-) Gewerbes, des Gastwirts» und Ver» kehr»gewerbes hat sich gebessert. ASrderung von veichbaulen aus Mitteln der produMven Er» werbiloseusürsocge. Infolge der großen Ueberschwemmungen der letzten Jahre wird zweiseilos an vielen Orten die Neuerrichtung oder Verstärkung von Deichen notwendig werden, und es wird bei Deichbauten häusig die Beschäftigung einer verhältnismäßig großen Zahl von Erwerbslosen möglich sein. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, erklärt sich deshalb der Wohlfahrtsminister in einem Runderlah im Einvernehmen mit dem Neichsarbeitsministrr damit einverstanden, daß derartig« Arbeiten, soweit die für die öffentlichen Notstandsarbeiten geltenden Daraus- setzungen erfüllt sind, im Rahmen der Bestimmungen des Reichs» arbeiisministers vom 30. April 1925 gesördert werden. Selbstoer. ständlich kann es nicht Aufgabe der produktiven Erwerbslolenfür. sorge sein, die Gesamtsinanzierung dieser Bauten zu übernehmen: es wird sich vielmehr nur darum handeln, für die bei den Ar- betten abzuleistenden Erwerbsloseittagewerke ein« entsprechende Förderung zu gewähren. tandwlrtschaftsollachts für Amerika. Der Landwirtschaftlich« Ausschuß des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat einem Gesetz zugestimmt, durch das ein« neue amtlich« Stellung. nämlich die des Landwirtschastsattachä», geschaifen werden soll. Solche Attachtstellen sollen an besonders geeigneten Plätzen in der ganzen Welt eingerichtet werden und sich mit land- wirsschafttichen Fragen, die Amerika berühren, befassen. parteknachrichten für Groß-Serlin «hrtntaaot* Mr»tri» Statrit fla» «».«L etavenitta«. 3. Net» u das«tjtrfilftrrtortct, l. öoi. 2 Xtta.«ckia. ta ciditta. 11. Kreta»eaivcldak.©onnersSa«, den 18. StSn. abend» pflnftnÄi TH llßr. 6t tun» aller St'erndririll« de» 1». Kreil«» dei Rtendark. Mariendorf. Edaull««», 9dt Heute. Mittwoch, den 17. Mörz: I.»t. Dt« SenolTrn«erden crfudjt, die Lomnieltillea urneehend beim Ge» nessen öchinonn.»erffftr. 22 edilurechnrn. ST.«dt. fidarltrtttndatfl. 8 Uhr bei Öruncrt, SthIlllerKr. 47, ffunftlonärfltlimg. 84,«dt. tanbaitl.* Uhr bei Lehman». ftaifei-äBilVUn-Sti. 29—31. Du- kuffUmsabfni) 8».«dt. SenlSII«. Sit nsft auslkbenden Sammellisten müssen sofort deint RafUctet Emil Sckimidt. Sieirterstr. 3«, abgere-linet werden,«mh leer» Listen müssen abaelicfert werden..,....,. im.«bt griedruhedaxeu. 8 Uhr Mitglied er? erfammluna bei Scholl, ssrledrich. strafte 81.«orteaa. Erfaftwahlen«um Borftarrd._„ tö.«dt. Ranlrtatf. 544 Uhr bei SlU-ner-ichtia««efprechun«. Vüt Sa» Nossen müssen erscheinen. Rawawe,. 8 Uhr im Eisenbahnhotel Mitgliederoersammlung. «rbettogemelasstast der Ktndersrrund«.»rnxpe Drift: Mittwoch, den 17.®ür«. TH Uhr. EUmnoers.'minlung Im Inqendheim. ZIaihaus. 2 Tr. Lichtbilderooriiag:, Da, proletarisch« Kind". Am Sonnaben-, den 20. SRärn. 7 Uhr, veranstalien die Riirderfreuuüe Brift eine{früh. lütgefeiet in der Aula der 1. lüemeindeschul«. Drift, Ehausseestr. 137. Sintrittepreie 30 Vf. Wir bitten um rege Beteiligung. Morgeu» Dounerslag. den IS. März: 88. Abt. 8 Uhr Beomteuverfammlun« bei Seter. Echretnrrstr. 88. 58. Abt. Sharlotteninra. 12.«firef beim Genossen Matschte. Melnrlestr. 18. Ecke Lieftendurger Straft» abend»« Uhr Be.tirtooersammlung. Vortrag dea Genossen Beidler über..Der 18. Mör« 1848�.(Säfte erwünscht. «8.130. Abt. Pankow»nd chetne-oda-s. TH Uhr In der Aula de, Lr»eum, Pankow politislb-satirischer Unterholtunnsadenv. EIntrittokarten dort» selbst. Sindrittskarten für die Liebknecht-SedSchtnIoscier am Dien, tag. den 80. Mär«, stnd de! den Abteilunaofsthrer» abzuholen. Abntpäatal. gepernlck, Schw-ncbeck. 8 Uhr gahlobend bei Sasener. Sichtige« Dorttag. Erscheinen aller Genossen und Genosstnnen ist Pflicht. • 88. Abt. ksretta«, den 1». März. TH Uhr, treffen fich sämtliche Elternbelrät« dei Loiok. venmestr. 8. tinheiteoelbaud sozlawemokrattschrr Pandel,»nd Gewerhetrelben. der. Sonnerotag. den 18. März. 8 Uhr. findet bei Schilling. Runge- stoafte 30. unser« Iahreohauptnersammlung» statt. Tagesordnung: 1. Iahresdericht, Eingänge. Anträge. 2. Berich» der Kommisston über die zu gründende Sterdekosse. 2». Bericht drr Kommisston über, die zu oründende Kredttkosse. 8. Neuwahl de» Borslande».«. Derschlederrc». Frei« Aussprach«. ■z-eaa.-ch— f. f«-.g-- X---. T' f j K:f P r! � T mf-r-r�s-rc-«r- ft- � t«--Ljut-=ar_-� Arauenveranslallullgca am Donnerstag, den 18. März: 7. Kreta Eharlattendnr». TH Uhr Im Restaurant Vogel. Soreestr. 7, 8. Kursusabend Über„Die Geschichte de» Sozialismus". Referentin Had» w!g Wachenhelm. 188. Adt. Rcinltkendarf.est. TH Uhr im Serbad, Relldenzstr. 128, Dsrtrag: „Foouenleiten" Referentln Eenolstn Dr. Moner-Brodnift. � Sterbetafel der Grosieöerliner pertcieGrganisation| 88. Adt. Martendorf. Unser kongjähriger Ernosse T! e s l e r Ist nach langem schweren Leiden verftorden. Einäscherung am Donnerstag, den 18. März, noch» mittag» 2H Uhr. Im«rrmatorium Baumschuleuwcg. Recht zahlreiche Betcili» gun« der Genosstnnen und Genossen erwartet die Adteilungsleitung. 12t. Abt. Karlsherst. Unser lieber Genosse Frlft B i r k h o l, ist oen- re». Einäscherung INN Sonnerstag. den 18 Mär,, nachmittag» 1H Uhr, Krematorium Daumschulenwe», Kielh-llstraft«. Wir erwarte» reg« Beteiligung. Continental» Regenmäntel. Regenhüte und Sportbekleidung gummiert und imprägniert, türDamen, Herren u. Kinder. Man«erlange ausdrücklich C&yBiat&nMtQt, So out wie Conllnental- ReilcaL