Nr. 12943. Jahrg. Ausgabe A nr. 65 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic B. Reichsmark voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzia. Saar- und Memelgebiet, Lefterreich. Litauen. Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme. erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille teile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart.., Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Bfennis ( zuläffia zwei fettaedruckte Worte, fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Bfennia, tedes weitere Wort 10 Vfennig. Worte über 15 Buch Staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennia. 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Die deutschnationale Pressestelle teilt mit: Die Genfer Vorgänge haben auf den gestrigen Sitzungen des Parteivorstandes und der Landesverbandsvorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei sowie der Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Boltspartei zu einer Aussprache geführt, in der die ein= mütige Auffassung zum Ausdruck kam, daß die Behandlung des deutschen Antrages auf Eintritt in den Völkerbund und die Haltung der deutschen Delegierten in Genf zu einem völligen Mißerfolg der Außenpolitik des Kabinetts Luther- Stresemann geführt hat. Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen. Bolkspartei wird sofort die erforderlichen parlamentarischen Maß nahmen ergreifen. Lebhafter flingt es aus der deutschnationalen Preffe. Boran die Deutsche Zeitung": Was soll nun geschehen? Die Herren Dr. Luther und StrefeWas soll nun geschehen? Die Herren Dr. Luther und Streje nann haben versagt, ihre Politik ist zusammengebrochen. Sie haben abzutreten von der politischen Bühne. Gelingt es nicht eine Regierung zu bilben, die entschlossen ist, mit der Locarno und Bölfer bundpolitik zu brechen, so muß das Bolt befragt werden, Neuwahlen zum Reichstage haben stattzufinden, wenn nicht in lezer Minute ein starter Mann die Zügel der Regierung ergreift. Und die Kreuzzeitung": Auch in Deutschland scheint uns eine außenpolitische Krisis unvermeidlich. Die Politik, die die Herren Dr. Luther und Dr. Stresemann seit mehr als einem Jahr geführt haben, ist jo gründlich zusammengebrochen, daß ein Wechsel mit den Männern, die diese Politik gemacht haben, nicht weniger wie mit dieser Politik selbst als das Gebot der Stunde er= scheint. Und die unvermeidliche Nachtausgabe" unter der vielfagenden Ueberschrift: Begrüßung in Berlin": Also die Herren Luther und Stresemann werden nun in den nächsten Tagen in Berlin eintreffen. Man kann schon heute versichern, daß auch diejenigen, die ihnen sonst freundlicher gegenüberstehen, empört sind darüber, was sie sich in Genf bieten ließen. Dem deutschen Namen ist in Genf Schande zugefügt worden, und wir sind gewiß, daß darüber in Berlin eine heftige Auseinander= sehung vor sich gehen wird. Von der Schande, die Deutschland in Genf zugefügt murde, hat außer den deutschen Nationaiiften niemand etwas gemerkt. Deutschlands Stellung in der Welt ist durch die Vorgänge in Genf nicht geschwächt, sondern gestärkt wor den. Ja, die Völkerbundsversammlung schloß mit einer förmlichen Huldigung für Deutschland. Der Entrüstungssturm, der gegen die deutsche Delegation erregt wird, hat seinen besonderen politischen Zweck. Mit Entsetzen hat die Rechte gesehen, wie die Flut der Ein= tragungen zum Boltsbegehren mit jedem Tage höher schwoll. Fassungslos steht sie einer demokratisch republikanischen Bolfsbewegung gegenüber, die an Breite und Tiefe alle Borstellungen übersteigt. In solchen Situationen hat die Reaktion noch immer die Ablenkung nach außen gesucht, und zu diesem Zweck tommt Genf wie gerufen. Darum muß das offenkundige, von niemandem geleugnete Bersagen der Völkerbundsorganisation umgebogen werden in eine Niederlage der deutschen = bleiben. Mit der größten Klarheit muß ausgesprochen werden, I immer schuldig geblieben, sie werden sie auch diesmal schuldig daß das arbeitende Bolt nicht gewillt ist, die Politik der inter nationalen Verständigung fallen zu lassen, um sich einer nationalen Abenteurerpolitik hinzugeben. Vor allem aber sind die Herrschaften von rechts zu fragen, was sie denn praktisch an Stelle der bisher betriebenen Außenpolitik feßen wollen. Die Antwort auf diese Frage sind sie noch Ferdinand Freiligrath. Tem Sänger und Toten des 18. März. Heute vor fünfzig Jahren starb Ferdinand Freiligrath. Am 18. März, dem Gedenktag der Revolution von 1848, deren glühender Prophet er war. Ferdinand Freiligrath: das ist die junge deutsche Demofratie im Kampf ums Recht, um die Freiheit. Das schwarzrotgoldene Banner der Republik rauscht, der Gewittersturm der demokratischen Revolution zerreißt die Stickluft des Bormärz über allem aber die Stimme des Künders der Revolution: jauchzender Kampfruf, erschütternde Anklage, tief geb. 17. Juni 1810, gest. 18. März 1876. Das Gebot der Stunde ist die Einheitsfront der Arbeiter gegen die nationalistische Reaktion. Diese Einheitsfront darf nicht auf ein einzelnes Land beschränkt bleiben, sie muß sich über die Grenzen hinaus fortsetzen. Wie in Deutschland ist es überall. Ueberall heult die reaktionäre Meute und glaubt sich nah dem Triumph. Da muß es für die sozialistische Arbeiterinternationale heißen: Nun erst recht Völkerbund! Nun erst recht Locarno! Nun erst recht Zwang zur Verständigung der Regierungen untereinander durch den Druck der Massen!" Denn: ,, wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich." Reichstagsdebatte am Montag. Der Aeltestenrat des Reichstages ist zu einer Sigung noch nicht einberufen worden, da man erst die Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers aus Genf abwarten will. Aus denselben Gründen ist auch eine Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages noch nicht erfolgt. Wie in parlamentarischen Streifen verlautet, wird die große außenpolitische Debatte über Genf in Berbindung mit der zweiten Lesung des Haushalts des Reichsministeriums des Aeußeren erfolgen. Diese Debatte wird voraussichtlich am nächsten Montag ihren Anfang nehmen und mehrere Tage dauern. Amtlich wird aus Genf gemeldet: Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann empfingen Mittwoch nachmittag die in Genf anwesenden Vertreter der deutschen Preise vor der Abreise der Delegation. Der Reichskanzler knüpfte an die Worte Briands, die er bei einem vorangegangenen Empfang der deutschen Presse ausgesprochen hatte: 1. Wir haben, so führte er aus, bezüglich unserer Anmeldung beim Völkerbund zwei Ausgangspunkte, der erste hängt mit dem Wort Macdonalds vom Herbst 1924 über den leeren Stuhl" zufammen. Auf unsere damalige Anfrage bei den zehn Mächten des Völkerbundsrates wurde uns der ständige Ratssitz zugesichert. Brafiliens Antwort, die jetzt veröffentlicht wurde, war bei der großen politischen Aktion nicht nur moralisch, sondern auch juristisch im Rahmen der gesamten Aktion bindend. Deutschland war daher durchaus berechtigt, sich auf diese Antworten zu stützen und seinen Ratssitz als gesichert anzusehen. Der zweite Ausgangspunkt hängt mit dem deutschen Februarmemorandums zusammen. Diefes enthielt eine Anregung bezüglich des Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund nicht. Erst im Juni wurde eine solche von Frankreich zugleich namens feiner Alliierten verlangt, und deutscherseits unter den Vorausfehungen, die fich aus den im Herbst 1924 erhaltenen Antworten der Ratsmächte ergaben, zugefagt. Dann kam der Verftrag von Locarno zustande. Er ist juristisch noch nicht, indeffen politisch wirkfam geworden. Unbeschadet ergreifende Mahnung. Die deutsche Demokratie schlägt ihre ihres Ausmaßes ift die Tatsache des Eintritts von sogenannten erste große Schlacht. Sie schlägt fie und unterliegt. Die Idee aber lebt: denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Die Demokratie, die Republik- die Freiheit, das Recht: das Ideal des freien, wahrhaft großen Mannes, erkämpft in innerem Ringen und ernster Prüfung, hochgehalten in glühender Liebe und nie wankender Treue. Die Republik, die Demokratie! Sie hat ihre weltgeschichtRüdwirkungen unbestreitbar. Demgemäß stellt die Verpflichtung des geffrigen Kommuniqués, Locarno weiter wirten zu laffen, eine bedeutungsvolle Kundgebung dar. Der Kanzler verwies dann darauf, daß wir erst nach Absendung des Eintrittsantrages die Ansprüche anderer Mächte vernommen Außenpolitik. Darum muß auf Stresemann losgeschlagen liche Schlacht in Deutschland geschlagen. Sie hat gefiegt, fie Der Sieg des Volksbegehrens. werden und selbst auf Luther, der bei den Rechten noch vor furzem Hahn im Korbe war. Die Mißstimmung über die diplomatische Tragikomödie in Genf iſt ja allgemein und berechtigt. Im Vertrauen auf die außenpolitische Berständnislosigkeit weiter Volkskreise versucht die nationalistische Reaktion, fie für ihre 3wede aus zunuzen. Nie ist ein durchsichtigeres Spiel gespielt worden. Luther und Stresemann schlägt man, die Republik meint man. Man meint die breiten, republikanisch gesinnten Volkskreise, die die Träger der deutschen Verständigungspolitik find, man meint vor allen Dingen die Arbeiter bewegung. Sieg des Nationalismus bedeutet allemal Minderung der Arbeiterrechte, Scharfmacherei, sozialen Rückschritt. Die Entrüftungskomödie über die deutsche Außenpolitit ist nichts anderes als eine Gegenaktion gegen die demokratische und sozialistische Strömung, beren Stärke an den Ziffern der Eintragungen zum Bolfs begehren abzulesen ist. Als eine jolche Gegenattion muß sie erkannt und behandelt werden. I ist unser! Die Mahnung des Propheten der Revolution ist nicht ungehört verhallt. 18. März 1926: die republikanische Demokratie gedenkt ihrer Toten. Heute schlägt sie ein Nachhutgefecht gegen die Gespenster des Vormärz und der Reaktion. Das Bolt hai sich erhoben, es klirrt das Schwert des demokratischen Rechts. Boltsbegehren gegen die Fürsten ein Sieg der deutschen Demokratie! Noch sind nicht alle Märzen vorbei, noch sind Kämpfe zu führen, Siege zu gewinnen für geistige und soziale Freiheit. Und überall, wo es zum Kampfe geht, werden die dröhnenden Rhythmen Ferdinand Freiligraths das arbeitende Bolt auf seinem Wege begleiten. Vor dem Kampfgefährten Karl Marg', dem Dichter der Neuen Rheinischen Beitung", dem Sänger und dem großen Toten des 18. März neigen fich heute die schwarzrotgoldenen und roten Fahnen. Unsterblich, lebt er im Herzen seines Bolkes. 1583 000 Ginzeichnungen in Berlin. Der letzte Einzeichnungstag in Berlin hat noch einmal Maffenandrang zu den Einzeichnungsstellen gebracht. Es wurden gestern in Berlin 132 000 Einzeichnungen vollzogen. Die Gesamtzahl für Berlin beträgt 1583 000. Das find 156 000 mehr, als Sozialdemokraten, Kommunisten, Unabhängige, Demokraten, und Zentrum bei der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 zufammen Stimmen erhielten; 470 000 mehr, als am 7. Dezember Stimmen für Sozialdemokraten, Kommunisten und Unabhängige abgegeben wurden; 68 Proz. der am 7. Dezember abgegebenen Gesamt53,2 Proz. der Wahlberechtigten! ftimmen; haben, aber daß offenbar vorher Bindungen bestanden haben, die uns unbekannt waren. Das Festhalten an den Grundprinzipien, mit denen wir nach Genf tamen, war deshalb unumgänglich notwendig, weil unsere ganze Werbearbeit für Locarno auf diesem Gedankengang aufgebaut war. Der Kanzler verwies darauf, daß in seiner Hamburger Rede die Details der Genfer Entwidlung nicht vorweggenommen werden fonnfen, doch habe der Inhalt dieser Darlegungen bedeutet, daß weder eine Vergrößerung, noch eine wesentliche Kräfteverschiebung im Rate von Deutschland zugelassen werden konnte. Deshalb war zum Beispiel der Borschlag, Schweden im Raf durch Polen zu ersetzen, unmöglich. Der letzte Verfuch aber, der Ersetzung zweier Mächte durch zwei andere, wesentlich gleichbedeutende, vorjah, tragbar. Spaniens angekündigtes Verhalten Zustimmung zu dem deutschen Ratsfih und eigene Zurückziehung von Mitarbeit im Bölkerbund war allerdings schon ein höchft unangenehmes Ergebnis gewesen, die Ablehnung Brasiliens indessen hat wie ein Naturereignis gewirkt. Sie war im höchsten Grade schwerwiegend und wurde von der Versammlung des Völkerbundes als eine außer ordentliche Schädigung empfunden. Die organisatorischen Vorbereitungen zur Verhütung von solchen Zwischenfällen hätten nach Lage der Dinge jedenfalls nicht den deutfchen Teilnehmern obgelegen. Die völlige Einigkeit der Locarnomächte, die einmütige Zuftimmung der übrigen, ergibt aber für uns die Aufgabe, auch in der Böllerbundsrichtung entschieden weiterzuarbeiten, und den Stand der Dinge so zu betrachten, daß wir uns bemühen, zum Segen für das deutsche Volk eine Entwicklung zu fördern, die uns im weiteren Berlauf doch noch als Mitglied in den Völkerbund und in den Rat führt. Seland und Luther an die deutsche Presse. V. Sch. Genf, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Sowohl die deutsche wie die französische Delegation haben die letzten Stunden des Aufenthalts in Genf in der nüglichsten Weise verwendet. Bar schon die Atmosphäre am Vormittag durch den Verlauf der Vollfizung soweit vorbereitet worden, daß der moralische Schaden, den das negative Ergebnis der Verhandlungen angerichtet hatte, größtenteils wie der wettgemacht wurde, so haben die Nachmittagsstunden ihre Fortschritte in dieser Richtung gebracht. Es sind vor allem zwei Tatsachen, die in diesem Zusammenhang besondere Erwähnung verdienen. Die beiden Empfänge der deutschen Presse durch Briand und durch Dr. Luther frugen den gleichen Charakter, verfolgten das gleiche Ziel. Sie betonten, daß das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich durch die Ergebnisse der legten Tage nicht gelitten habe und nicht leiden dürfe. Was Briand den deutschen Bressevertretern fagte, war in so herzlichem Tone gehalten, daß es selbst den Mißtrauischsten gewinnen mußte. Der starte Optimismus, den er dabei zeigte, wirtte außerordentlich suggestiv. Er scheute sich dabei nicht, ganz offen den Deutschen einzuräumen, daß Fehler begangen worden seien, indem man die diplomatischen Borbedingungen der Genfer Aufnahmeverhandlungen un genügend Dorbereitet hätte. Es war zwischen den Sätzen herauszuhören, daß Briand zugab, man hätte Deutschland rechtzeitig über die franco polnischen Wünsche unterrichten müssen, anstatt Abmachungen unter sich zu treffen, die man erst turz vor der Genser Tagung durch Zeitungsartikel der Pariser Presse verlautbaren ließ. Schon diese Offenhelf, mit der der französische Ministerpräsident die eigenen Fehler durchblicken ließ, wirften über aus sympathisch. Seine Worte des Bedauerns über den negativen Ausgang der Berhandlungen flangen unzweifelhaft echt. Aber noch wichtiger, als feine allgemeinen Redewendungen, war die Berficherung der Notwendigkeit, die Locarno- Politit aufrechtzuerhalten und die deutsch- franzöfifchen Beziehungen auf dieser Grundlage immer inniger zu gestalten. Das waren die Antworten, die er bereitwilligst auf alle an ihn gerichteten Fragen erteilte. Ich bedauere sehr, wie ich heute Mittag schon betonte, als ich die Vertreter der gesamten deutschen Presse empfing, daß sich das brasilianische hindernis als unüberwindlich zeigte und die Aufnahme Deutschlands nicht, wie wir es hoffien und Freiligrath als sozialistischer Werber. ( Aus unveröffentlichten Briefen des Dichters.) In den Jahren 1848 und 1849 hatte sich die glühende Lava der Revolution durch alle Lieder Ferdinand Freiligraths ergossen. Auch nach dem Erlöschen des feuerspeienden Vesuvs brannte die innere revolutionäre Glut in dem Dichter noch mächtig fort. Wer die revolutionäre Gesinnung Freiligraths flammen sehen will, der muß feine Briefe an Karl Marr studieren, mit dem ihn eine warme Freundschaft verband. Ein reiches Bündel dieser Briefe liegt im Archiv der Sozialdemokratischen Partei. Erfreulicherweise hat bereits Franz Mehring in seinem Essay Freiligrath und Mary in threm Briefwechsel"( Neue Beit", 1912)" bemerkens merte Stellen aus diesem Briefwechsel veröffentlicht. Wir gehen deshalb hier nur noch auf einige Briefe ein, die Franz Mehring nicht berücksichtigt hat. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 weilte Freiligrath noch so lange in Deutschland, bis die rachewütige Reaktion auch nach ihm die Hand ausstreckte. In dem Marg- Freiligrathschen Briefwechsel des sozialdemokratischen Archios befindet sich u. a. folgendes Brieffragment, das nach dem Verbluten der Reichsverfassungstampagne gefchrieben ist. Spottend schreibt Freiligrath:... Hier ist alles stagnant und langweilig, daß man chinesisch treiben möchte, wie der alte Goethe, wenn chinesisch nicht auch langweilig wäre. Das Neueste aus der Pfalz ist, daß sie dem Prinzen von Preußen die Nafe und dem General Hirschfänger( oder heißt er Hirschfeld?) drei Beine abgeschossen haben. Frau Annete, the Captains Lady, ist reitende Artilleriftin im Stabe ihres Mannes. Sie, glaube ich, hat das Geschüß gerichtet, deffen erste Baßfugel( Breßfugel?) dem Brinzen das Riechorgan wegriß. Jetzt ist der Kerl ganz reiner Schnurrbart" Schnurrbart ohne Nase drüber. Freiligrath berichtet dann an Marg über seine Werbetätigkeit für die revolutionäre Revue der neuen Rheinischen 3eitung", die 1850 herausfam. Diese Revue unterzog die be endeten revolutionären Kämpfe der Jahre 1848 und 1849 einer scharfen Kritit, erhoffte aber ein neues Aufflammen der Revolution in Frankreich. Mit ganzer Seele hat sich Freiligrath der Propa ganda für diese neue revolutionäre Zeitschrift gewidmet. Er schreibt darüber an Marg: Köln, den 26. Januar 1850. Lieber Marr! Schramms Epistel ist bereits durch eine Antwort Nauts erledigt worden. Er hat die Agentur der N. Rh. 3tg." für Köln mit Bereitwilligkeit angenommen, ist aber im Augenblid unwirsch, weil Ihr ihn auf, wie er fagt, wesentliche Anfragen fort und fort gänzlich im Dunkeln läßt. Ihr solltet allerdings bedenken, taß ein Agent au fait sein muß. Eisens Konkurrenz fann der Sache nur nüglich sein. Er hat sich zu Bestellungen auf die Revue empfohlen, wie das jeder Sortimentist bei jeder Publitation tun tann. Bis jeht hat er in die 80 Subfcribenten und darum schon 100 Er. fest bei Schuberth bestellt. Das Totalresultat der Nautschen Listen ist mir noch unbekannt, doch weiß ich, daß z. B. die von Daniels in Umlauf gefeßte gegen 50 Unterschriften aufweist. Die Revue wird und muß ziehen, Nur jorgt, daß sich wenigstens das erste( oder noch; Langfame Fortschritte in London. Interpretierungsversuche von Dr. Brauns. Condon, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen der Konferenz der Arbeitsminister haben, wie an den voraufgegangenen Tagen, auch am Mittwoch einen völlig glaften Verlauf genommen. In den am Dienstag zurückgestellten Punkten wurde am Mittwoch durchweg eine einheitliche Auffaffung erzielt. Die Konferenz hat sich besonders der Auffassung der Unterkommiffion angefchloffen, wonach gewisse Betriebe, die fogenannten Bedürfnisbetriebe, auch am Sonntag zufählich arbeiten dürfen, ohne daß dies als eine Verletzung der 48- Stunden- Woche zu betrachten fei. Die schwierigen Fragen, die sich aus einer möglichen Hollifion der Dawes- Gefehgebung mit der Washingtoner Konvention ergeben können, die in der Dienstagfihung vom deuffchen Arbeitsminister Brauns angeschnitten wurden, sind am Mittnoch einer befonderen Unterfommiffion überwiesen worden. Der belgishe Minister Wauters hat nach telephonischer Verfländigung mit Brüssel seine für Mittwoch geplante Rüdreife nach Brüssel bis nach Abschluß der Konferenz aufgeschoben. Es wird in Konferenzfreifen gehofft, daß die Verhandlungen programmgemäß am Donnerstagabend geschlossen werden können. wünschten, sofort vollziehen konnten. Was in meiner Macht ftand, um Brasilien zu bewegen, einen anderen Standpunkt ein zunehmen, habe ich getan. Gestern noch hat der französische Verfreter in Rio de Janeiro einen dringenden Schrift bei dem Präfidenten der brasilianischen Republik unternommen. Aber das Telegramm, das ich heute morgen erhalten habe, beweist, daß nichts zu machen war. An sich bildet diese Angelegenheit eine Leftion für uns alle. Die Frage wird zu stellen sein, ob zur Verhütung solcher Hemmungen nicht gewisse Reformen im Statut des Völkerbundes fich als möglich und notwendig erweisen werden; denn so gut ich ganz besonders wichtige Fragen, die die Souveränität es verstehe, so sehr ich es auch für richtig halte, daß für gewiffe des Rates aufrechterhalten werden soll, so sehr frage ich mich der einzelnen Staaten direkt berühren, die Einstimmigkeit doch auch, ob nicht für andere Angelegenheiten ein anderer Modus gefunden werden muß. Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen den Was ich als größte Ratastrophe betrachtet hätte, das wäre ein Locarnomächten, gewesen. Aber der ist nicht nur vermieden worden, sondern alle hier vertretenen Völker haben begriffen, daß gerade zwischen der franzöfifchen und der deutschen Delegation eine befonders enge Zusammenarbeit stattfand." " Werden in den sechs Monaten, die die außerordentliche von der ordentlichen Session trennen, gewiffe Verhandlungen, die zwischen Deutschland und Frankreich geführt worden sind, z. B. in bezug auf das Rheinland, stocken?" Reineswegs! Der Vertrag von Locarno bleibt, und wenn durch die unfreiwillige Hinaus schiebung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund vom juristischen Standpunkt aus Schwierigkeiten entstehen könnten, so bleibt doch der Geift allmächtig, und in diesem Geist werden alle Verhandlungen fortgeführt werden bis zu dem Tag, an dem Deutsch land Mitglied des Böllerbundes geworden ist. Die Lage ist nicht anders als wenn man überhaupt nie die außerordentliche Session ins Auge gefaßt hätte, sondern sich ins Auge gefaßt hätte, sondern sich und es wäre vielleicht flüger gewesen von vornherein darauf beschränkt hätte, die ganze Angelegenheit in der ordentlichen Septemberfession zu erledigen." " Sie haben in Ihrer Rede am Mittwoch morgen vor dem Bölkerbund von einer Kommission gesprochen, die sich eventuell mit der Reorganisation der Statuten beschäftigen soll. In dieser Kommission wird doch Deutschland nicht vertreten sein?" Warum nicht?" erwiderte Briand. Deutschland ist ja auch zur Teilnahme an der Abrüftungstonferenz eingeladen worden, und ich bin der Ansicht, daß nichts geschehen soll, ohne daß Deutschland dabei beteiligt ist. Es werden sich schon Formen finden lassen, die seine Bertretung in der erwähnten Kommission ermöglichen." ,, Sie haben also teine Sorge, daß in den kommenden Monaten eine Erfaltung der Beziehungen zwischen Deutsch land und Frankreich eintreten fönnte?" Sicherlich nicht, denn was sind sechs Monate im Leben der Völker? Wenn nur in diesen besser die beiden ersten) Hefte einmal sehen lassen das feßt dem Publikum erst recht die Sporen ein. Die Sammlung für die Sammlung" habe ich nach Kräften betrieben, fieber Marr! Aber ich gestehe offen, daß es ein schweres und undankbares Geschäft war. Wir, die Partei, die Profetarier haben fein Geld( ich in specie bin fürzlich so blant gewesen, daß mich selbst der Briefträger genierte); es galt also, die Bourgeois demokraten zu erreichen. Was die aber, namentlich hier in Köln, für Gesindel sind, muß Dir noch vom vorigen Jahr her in frischer Erinnerung fein. Alles, was ich den Eutern ihrer Zähigkeit tropfenweise entmellt habe, besteht bis jetzt in 35 Thirn. 16 Sgr., wovon Du 35 Thlr. anliegend findest. Den Ueberschuß von 16 Sgr. verwende ich zum Recommandieren dieses Briefes. Sollte noch etwas nachtröpfeln, fo fchick ich es alsbald ein. Bourgeois chimärisch. Iring, dem Du. über die Sache geschrieben, Dein Plan mit Amerita mag richtig sein, flingt aber für die fagte:" Für Dich thu' er gern alles, was er vermöge, für jene " Chimäre" aber nichts." Ich weiß nicht, ob er Dir noch privatim einen Beitrag schicken wird, mir hat er feinen gegeben. Jedenfalls hab' ich den eigentlichen Zwed meiner Sammlung in petto behalten Revue" für Beiträge auffordern. Hoffentlich ist Lassalle mehr zu müssen ich konnte nicht anders als ganz allgemein für Zwecke der schicken imstande, als ich es leider bin. Empfehlungsbrief für Schramm laffe ich heute noch zurüd. Nach bem nämlich v. Eichthal, der New Yorker Schnellpostillon, gestorben, hab' ich eigentlich niemanden in den Vereinigten Staaten, an den ich mich in einer Angelegenheit, wie diese, mit Erfolg zu wenden ver möchte. Ein oder zwei Bekannte aus alter Zeit in dem stockpuritanischen Massachuffets find zu ziemlich alles, woran ich schreiben fönnte, und diese Leute werden nichts weniger als geneigt sein, für ein anertannt rotes Institut zu wirken. Dana, von ,, New York Tribune", dürfte als Sozialreformer der geeignetste sein, Schramms Mission zu unterstützen. Er müßte ihn persönlich in New York und brieflich in den anderen großen Städten der Union einführen, überdies in seinem Blatte den nötigen Lärm machen. Dana aber( den ich ja bei Dir fennenlernte) steht Dir ebenso nahe mie mir, und eine Einführung von Dir würde durchaus genügen. Doch bin ich gern bereit, auch die minige zu geben, wenn Du es wünschest. Schreib mir nur darüber. Eben fällt mir ein, daß auch Bost und Grevel( Letterer in New York) Bereinigte Staatenbürger geworden find. Post, glaub' ich, flärt die Hinterwälder. Wie würde der Sohn der roten Erde erstaunen, wenn ihm, dem auf einem gefällten Baume Dafizenden und freilich einen Schnapam( Akkusativ von Schnaps) Bertilgenden, plötzlich der Missionär der roten Zeitung aus den Büschen entgegenrauschte und ihm die mohlbekannte falifornische Pistole auf die Brust sezte: lind nähme ich Flügel der Morgenröte und flöhe zum äußersten Meer, so würde dein Auge mich doch finden und deine Rechte mich fassen!" Mit Deinem Verlagsantrag, lieber Engels, bin ich bereits bei zwei Buchhandlungen( eine hiesige und eine Düsseldorfer) abgefahren, habe mich aber jetzt nach Leipzig an Gerbig gemandt, deffen Geschäft hauptsächlich für Bublifationen dieser Art eingerichtet sein soll. So bald ich Antwort habe, teile ich sie Dir mit. Warum schreibst Du nicht direkt einmal an Deinen alten Verleger D. Wigand? Mit der Uebersetzung des Ménardschen Gedichts, teure Mitbürger, tann ich unmöglich aufwarten, Ihr schickt dem jobs" sechs Monaten der Kontatt zwischen uns aufregte erhalten bleibt und der Wille auch in Deutschland nicht erlahmt, den Wunsch der Völker, die aus tiefster Seele den Frieden wollen, endgültig zu verwirklichen!" Briand erklärt für die Zukunft, daß es darauf ankomme, aus den jüngsten Ereignissen zu lernen und den Boden sorgfältig für ben reibungslosen Eintritt Deutschlands im September vorzube reiten. In diesem Zusammenhang fam er auf die von der Völker. bundsversammlung heute vormittag auf Antrag Ishiis eine gefeßte Studienfommission zu sprechert, deren Aufgaben er mit einigen interessanten Andeutungen besprach. Man müsse sehr prüfen, so sagte er, ob nicht die Bestimmungen über den Rat revit iert werden müßten, insbesondere, ob die Klaufel der Einstimmig feit in ihrer bisherigen Form und Tragweite aufrechterhalten, bzw. ob nicht eine qualifizierte Mehrheit von zwei Dritteln oder drei Vierteln für solche Beschlüsse, wie den permanenten deutschen Ratssig und dergleichen genügen würde. Auf die Frage, ob Deutschland an den Arbeiten dieser Kommission mitwirten tönnte, meinte er, daß er dies für um so wünschenswerter halte, als ja die sehr dankenswerte Anregung der Einſegung einer solchen Kommission von Luther und Stresemann ausgegangen sei. Die for. malen Schwierigteiten, die einer Mitwirkung in dieser Bölkerbundskommission infolge des nicht vollzogenen Eintritts Deutschüberwinden lassen, da man in dem Zeitalter der„ Sachver lands in den Völkerbund entgegenstünden, würden sich wohl leicht tändigen" lebe, die bei der Lösung technischer und juristischer Probleme oft in nicht offizieller Eigenschaft eine entscheidende Rolle [ pielten. Aussicht genommenen internationalen Konferenzen, nämlich die 2bAuf die Frage des Berichterstatters des Bormärts", ob die in rüstungskonferenz und die internationale Wirtschaftskonferenz genau so arbeiten werden würden, als sei Deutschlands Eintritt in den Völkerbund bereits vollzogen. Loucheur, einer der maßfreter Frankreichs beeilte sich, Briand zuzustimmen und sprach von gebendsten französischen Wirtschaftspolitiker und BölkerbundsverWege zu leiten", als dessen erster Anreger Loucheur allgemein gilt. der Notwendigkeit, ein wirtschaftliches Locarno in die Briand sagte zum Schluß, er hätte zu uns deutschen Journalisten genau so rückhaltlos und offen gesprochen, wie zu den französischen Journalisten. Aus feinem ganzen Ton merkte man, daß das durchaus richtig war. Dieser Empfang der deutschen Presse durch den französischen Ministerpräsidenten war vielleicht das erfreu lichste Ergebnis der lezten Tage. Die große Bedeutung der Erflärung Briands wurde von Luther, der gleichfalls darauf die deutschen Pressevertreter empfing und sich nach Briands Aeußerungen sofort erfundigte, anerkannt und unterftrichen. Was Luther dann selbst ausführte, wird durch einen( oben abgedruckten- d. R.) offiziellen Bericht bekanntgegeben werden. Es ist wohl auf den Unterschied des Temperaments der beiden Staatsmänner zurückzuführen, daß Luther uns entschieden weniger liebenswürdig behandelte, als Briand. Man merkte es dem Reichskanzler an, daß er sich auf schwere Angriffe nach feiner Rückkehr, vor allem von deutschnationaler Seite gefaßt machte; daher ergriff er eine Präventivoffenfive gegen alle zu er wartenden Borstöße. Aber hier fommt es nicht auf den Ton, sondern auf den Inhalt der Ausführungen an. Dr. Luthers Darstellung der Vorgeschichte und des Berlaufs der Genfer Verhandlungen bestätigt den Eindruck, daß er leiden fchaftlich überzeugt ist daß die deutsche Delegation nicht anders, handeln fennte, als sie es fat, weil sie sich im Recht fühlte. Entscheidend ist für die Zukunft, daß der deutsche Reichstanzler mit aller Schärfe schon heute die fünftige auswärtige Politik der Reichsregierung feftleg 2, und zwar in zwei Thesen", wie er sagte: Erste These: Es bleibt bei der Politit von Locarno. Zweite These: Es bleibt bei der Politit des Bei. tritts Deutschlands zum Böllerbund. Im übrigen bestätigte Luther hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich alles das, was Briand furz vorher als sein Friedensprogramm dargelegt hatte. Im gleichen Einne fprach auch Stresemann vor der ausländischen Bresse, mährend Dr. Luther in aller Eile Abschiedsbesuche bei den verschiedenen Delegationschefs machte. ( Arbeiter. Red.) zuviel auf einmal. Geldmelten, Buchhändler werben, 26 vierzeilige Strophen, dans les vingt, quatres heures( in vierundzwanzig Stunden. Red.) übersehen pas possible( nicht möglich. Red.). Das Gedicht ist überdies zu famos französisch, als daß sich eine deutsche Uebersetzung nicht dünn und dürftig daneben ausmachen müßte. Sobald ich etwas Ordentliches beisteuern fann, erfolgt es gewiß... Allemal Euer Fft. Freiligrath hat also 1850 recht tatkräftig in die sozialistische Propaganda eingegriffen. Er war in dieser Zeit ein begeisterter Prophet des revolutionären Sozialismus. P. R. im Kunstgewerbe- Museum im Auftrage der Gefell. Mohammedanisches Kulturland. Dr. Cohn- Wiener gab schaft der Freunde des neuen Rußland in Deutschland einen Ueberblid über seine zweite sehr ertragreiche Reise nach Sowjet- Asien, d. h. in das Gebiet von Turan, das einst unter der Regierung Timurs, der bis nach Aegypten hin die Samarkand holte, der Sammelpunkt der mohammedanischen Welt beherrschte und alle bedeutenden Künstler in seine Residenz Kultur war. Im Jahre 1405 tam ein Gesandter des Königs von Raftilien an diesen Hof, und von ihm besigen wir Schilderungen von den Kunstwerken, die dieser König errichten ließ, und von der märchenhaften Bracht seiner Hofhaltung. Die wundervollen Bauwerte mit ihrem farbenprächtigen Schmud aus glasierten Kacheln und Glasurmosait, die sich heute noch hier und in der Geburtsstadt des Königs, Resch, finden, muten uns an wie Wunderwerke aus Tausendundeiner Nacht. Dabei zeigt es sich, daß ihr Stil durchaus bodenständig ist und man ihn an anderen Fundorten an Bauten cus früherer Zeit bereits begegnet, an denen aber zum Unterschied von jenen späteren der Schmud wesentlich tektonisch und nicht wie dort nur rein ornamental angebracht ist. Auf den glasierten Stacheln der späteren Zeit gibt es interessante Motive, denen man in China wieder begegnet, und die man bisher für typisch chinesisch hielt. Auch Teppichmotive, deren Ursprung man bisher nicht kannte, findet man in Glasurmalerei als Schmud von Innennischen. Der überaus fesselnde Vortrag tonnte troß der Fülle des gezeigten vortrefflichen Bildermaterials, das Dr. Cohn- Wiener selbst aufgenommen hat, den Höiern nur einen fnappen lleberblick über dieses mohamme danische Märchenland geben, das zwar bisher noch ein verhältnis mäßig wenig erforschtes, aber außerordentlich ertragreiches Gebiet für den Drientforscher darstellt. Die Hörer, die den Saal bis auf den legten Blag füllten, dankten dem Redner mit reichem Beifall. Tes. Die Ausstellung.Werbegraphit, die der Bund Deuticher e brauchsgrabbiter bis 5. April in den Räumen der Firma Ernst as mutb, Martgrafenstr. 31, veranstaltet, wurde eröffnet. Die nächste Führung durch die Ausstellung findet am 19. März, nachmittags 5 Uhr, durch den Borüßenden des BDG., Herrn Paul Bintler- Leers, statt. Der Sängerchor Tempelhof veranstaltet am 20., 8 Uhr abends, in der Aula des Realgymnafiums, Tempelhof, Kaiserin Augusta Straße, einen 2ieberabend unter Mitwirtung von Frisi Sufenbed( Lieder aur Laute). 4 HlänZenöer Erfolg öes Volksbegehrens Gewaltige Cintragungsziffern aus allen Teilen des Reiches. Unterreüung Srianü-Stresemann. Loearno bleibt aufrecht erhalten. Genf, 17. März. tEigeaer Drahlberlchk.) Der Relcheauhen- mlnisler stallele dem französischen Minislerpräsidenlen am Mittwoch nachmittag um Uhr einen Besuch ab. in dessen verlaus alle fragen der praktischen Politik besprochen wurden. Die beiden Mi- nister versicherten sich gegensellig nochmals, dah die Verträge von Locarno aufrechterhalten bleiben und in ihrem Geist alle weiteren Verhandlungen geführt werden sollen. Es wurden auch Fragen besprochen, die die fortdauernde Tagung des Völkerbundrales in den nächsten Tagen beschästigen werden. Der Eindruck in Paris. parls, 17. März.(Eigener Drahtbericht.) In den hiesigen diplo- matischen und parlamentarischen Kreisen hat man sich noch keine endgültige Vorstellung von dem plötzlichen Ausgang, den die außer- ordentliche Dolkerbundstagung genommen hat, machen können, da die hier vorliegenden Informationen keinen ausführlichen U e b e r b l i ck über die Gründe der Vertagung gestatten. Man hat hier den Eindruck, daß nicht allein die Unnachgiebigkeit Brasiliens zu diesem radikaleiz Beschluß geführt hat, der nach zehn Tage langen Verhandlungen und Besprechungen gesaßt werden mußte ohne daß die aus der Tagesordnung stehenden Fragen er- ledigt werden konnten. Die geringe Befriedigung, die das in Aussicht genommene Kompromiß in der Frage des polnischen R a t s s i g e s bei allen Beteiligten hervorgerufen hat und in noch höherem Maße die innere i o n st i t u t i o n e l l e K r i s e. die das gesamte Gebäude des Völkerbundes zu erschüttern drohte und nicht � in wenigen Tagen gelöst werden konnte, dürfte, wie man hier an- nimmt, die chinausschiebung der Entscheidung mit veranlaßt haben. Mil gemischten Gefühlen steht man daher hier dieser Tatsache gegenüber, da man einerseits befürchtet, daß die Autorität des Völkerbundes stark darunter werde zu leiden haben und anderersetts die Hoffnung hegt, daß es bis zum September gelingen werde, die im Laufe der letzten Tage aufgekommenen Schwierig- keiten endgültig und in befriedigender Weife aus dem Wege zu räumen. Man stellt weiterhin mit Genugtuung fest, daß das werk von Locarno unversehrt geblieben ist und daß es trotz allem gelungen ist, den Völkerbund vor einem Zerfall zu retten. Zreiliqrath zum Geöächtnis. Ein Kranz der Reichsregierung. Die Neichsregierung läßt am 18. März, dem SO. Todes- tage des Dichters Ferdinand Freiligrath, auf seinem Grabe in Kannstatt durch den Präsidenten des Landesfinanzamts Stuttgart einen Kranz mit Schleife in den Reichsfarben niederlegen. Die Nente für �reilkgraths Sohn. Amtlich wird gemeldet: Der Reichspräsident und die preußische Staats- regierung haben zum SD. Todestage Ferdinand Freiligraths seinem 79jührigen Sohne Wolfgang Freiligrath, der in bedllrstigen Verhältnissen in Külz im Hunsrück lebt, gemeinsam eine sortdauernde monatliche Rente von öl) Reichsmark be- willigt. DZe Sarmats fre'gelassen. Kammergericht gegen Strafkammer. Di« Brüder Julius und Henri Barmat, die vor kurzem auf Anordnung der Strafkammer wieder in Untersuchung?» Haft genommen worden waren, sind jetzt aus Beschluß des Strafsenats des Kammergerichts aus der Haft entlassen worden. Ucber die Vorgeschichte der Verhaftung erfahren wir folgendes: Der Ge- neralstaatsanwalt beim Kammergericht hatte nach Zustellung der Anklageschrift an die Strafkammer gewisse Sicherheitsmaßnahmen gewünscht. Die Strafkammer stellt« sich auf den Standpunkt, daß solche Sicherheitsmaßnahmen prozessual Nicht zulässig seien und sprach den Haftbefehl aus, trotzdem der General ftaatsanwalt ausdrücklich erklärt hatte, daß er AMräge auf Verhaf- t u n g nicht stellen wolle. Ein Gutachten des Strafrechtslehrers an der Berliner Universität, Prof. James Goldschmidt, unter- stützte die Auffassung der Gcneralstaatsanwaltschaft und der Ver- teidigung, daß Sicherheitsmaßnahmen nach dem Geist der Prozeß- ordnung durchaus zulässig seien. Dieser Ausfassung hat sich nunmehr auch der Strafsenat des Kammergerichts angeschlosien. Er hat angeordnet, daß die bisher gestellte Kaution der Barmat» um je 10 WX) Mark erhöht werde, und daß die Brüder Barmat sich wie bisher verpflichten, Berlin ohne Genehmigung des Gerichts nicht zu verlosten, sich vielmehr freiwillig einer regelmäßigen polizeilichen Meldepflicht unterwerfen. Unter diesen Voraussetzungen hat der Kammergerichtssenat- den' Beschluß der Strafkammer ausgehoben, woraus die Hastentlassung alsbald erfolgt ist. Inzwischen hat auch ein Schiedsgericht in dem Zivil- prozeß entschieden, den die in der„Liquidations- und Treuhand- gesellschafr vereinigten Gläubiger des Barmat-Kon- z e r n s, die Reichspost, die Preußisch« Staatsbank, die Oldenburgi- sche Staatsbank, die Stadtschaft der Provinz Brandenburg und die Brandenburgische Girozentrale gegen Julius Barmat persönlich an-- gestrengt hatten. Das Schiedsgericht, zusammengesetzt aus dem Handelskammersyndikus und früheren Staatssekretär Meyer, Justiz- rat Waldschmidt und Handelsrichter Behmeck, hat nach zweitägiger Beweisaufnahme die Klage abgewiesen und die Kläger außerdem verurteilt, anzuerkennen, daß keine vertraglichen Verpflichtungen Barmats gegenüber den Gläubigern bestehen. Steuerfragen im 5anütag. Der Landtag, der gestern nach mehr als zehntägiger Pause seine Plenarsitzunaen wieder ausnahm, überwies zunächst ohne Debatte einen Gesetzentwurf an den Verfassungsausschuß, der die neue 27. preußische Stimme im Reichsrat durch das Staatsministe- rium führen lasten will. Auch die Zwischenlösung zur Hauszinssteuer wird debattelos in dritter Lesung gegen Deutschnationale, Deutsche Bolkspartej und Kommunisten angenommen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gebäude- Entschuldungssteuergesetzes. Der Hauptausschuß hat bekanntlich be- schlosien, das Gesetz wieder„Hauszinssteuergesetz" zu nennen und hat eine Reihe von Mahnahmen zugunsten der Minder- bemittelten vorgesehen. Der Steuersatz beträgt 40 Proz. der Friedensmiete: die Vorlage wurde vom Ausschuß bis zum 31. März 1328 befristet. Abg. hecken(Dnat.) fordert in der Debatte den Abbau der Haus- z'nssteuer. sowie völlige Freistellung der Landwirtschaft und erheb- liche Erleichterungen für Eigenheime. Abg. kölges kZ.) bezeichnet die Frage, ob die Landwirt» s ch a f t ferner frei von der Hauszinssteuer bleiben oder einbezogen werden solle, als den Angelpunkt. Die Zentrumsfraktion sei geteilter Auffassung. Der größere Teil der Fraktion � sei dafür, die Landwirtschaft weiterhin steuerfrei zu lassen. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 11 Uhr. Außerdem kleine Vorlagen. Der lehke Einzelchnungskog in verttn ist nur wenig hinker dem Ergebnis vom Dienstag zurückgeblieben. Wir geben Im folgenden die Ergcbniste aus 13 Verwaltungsbezirken von 20. (ohne das Gesamtresultat von. Spandau) Brandenburg. 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Von 40 635 Wahlberechtigten haben 20 502 sich eingezeichnet. Das ist gegenüber der letzten Prooinzial-Landtags- und Kreistagswahl ein Plus von 3 892 über die damals abgegebenen Stimmen für So- zialdemokraten und Kommunisten. Die aus dem Unterbezirt ein- laufenden Meldungen bestätigen, daß in vielen ländlichen Orten weit über 50 Prozent der Eintragungsberechtigten ihre Pflicht getan haben. Breslau, 17. März.(MTV.) Vorläufiges Ergebnis der Ein- trogungen zum Volksbegehren für Breslau-Stadt 155 652 Per- s o n e n. das sind etwa 40 Proz. der Wahlberechtigten. Beulhen, 0.-S., 17. März.(WTB.) In den drei oberschlesischen Industriestädten, Beuthen. Gleiwitz, und Hindenburg, haben sich nach den vorläufigen Ermittelungen für das Volks. begehren von etwa 134 000 Wahlberechtigten etwa 25 000 Per- s o n e n(d. h. 18 Proz.) eingetragen. Davon entfallen auf Beuthen etwa 5500(38 000 Wahlberechtigte), auf Gleiwitz 3000 (51 000 Wahlberechtigte) und Hindenburg 10 500(45 000 Wahlberech- tigte). Die Eintragungen nahmen seit Auflegung der Listen am 3. März ständig zu, um gestern und vorgestern ihren Höhepunkt zu erreichen. Heute ist ein Abslauen festzustellen. Stettin, 17. März.(WTB.) Für das Volksbegehren haben sich in Stettin eingetragen 76 142 Personen von etwa 172 000 Wahlberechtigten. Bei der Reichspräsidentenwahl am 23. März hatten die Sozialdemokraten rund 45 000 Stimmen und die Kam- munisten 13 200 Stimmen. Rostock. 17. März.(WTB.) In die Liste für das Volksbegehren haben sich in R o st o ck 16 563 eingetragen und in Wismar 7370 d. h. für Wismar 60 Proz. der Wahlberechtigten. Hamburg. Hamburg. 17. März. Das vorläufig festgestellie Ergebnis der Anzahl der Unterschriften zum Volksbcgehven beträgt 378000. Die Zahl der Eintragungen in Altona beträgt 66 019, das sind rund 76 Proz. der am 29. März zur Reichspräsidentenwahl abgegebenen 87 211 Stimmen. Die Zahl der Wahlberechtigten in Altona beträgt rund 128 000, so daß sich also am Volksbegehren rund 52 Proz. der Wahlberechtigten beteiligt haben. Mitteldeutschland. Halle a. d. S., 17. März(Eigener Drahtbericht). Zum Volks- begehren haben sich eingelrageu 43 406 P e r s o n e n, dos find 37,4 Proz. aller Wahlberechtigten und 10 793 Stimmen mehr, als Sozialdemokralen und Kommunisten bei der ersten Reichspräsidentenwrhl am 29 März v. I. ausgebracht haben. Erfurt, 17. März.(MTB.) Die Gesamtzahl der Eintragungen für das Volksbegehren beträgt in Erfurt 37 661. Hannover. 17. März.(Eigener Drahtbericht.) In der Stadt Hannover haben sich insgesamt 149 210 Personen zum Volksbegehren eingezeichnet. Das sind 43.4 Proz. der Wahl« berechtigten. Es haben sich 32 913 Personen mehr eingetragen, als bei der Reichspräsidentenwahl im ersten Wahlgang Sozialdemo- traten und Kommunisten Stimmen abgeben haben. vraunschweig. 17. März.(Eigener Drahtbericht.) In der Stadt Braunschweig sind insgesamt 40679 Unter» schriften für dos Voltsbegehren abgegeben worden. Der letzte Tag brachte also fast 1500 Eintragungen, obwohl um 2 Uhr Schluß war. Das Ersuchen unserer Partei, die Einzeichnungssrist bis zum Abend zu verlängern, ist abgelehnt worden. Es haben sich also etwa 44 Proz. aller Wahlberechtigten für die Fürstenenteignung erklärt. Aus den ländlichen Bezirken liegen zur Stunde sichere Nachrichten noch nicht vor. In den von Arbeitern stark bewohnten Dörfern dürfte ein gutes Ergebnis zu verzeichnen sein. Es gib: aber im Freistaat Braunschweig noch Orte, wo die Agrarier unbeschränkt herrschen und beim Volksbegehren ihre Macht ausgeübt haben. Kastel, 17. März.(WTB.) Nach der um 9 Uhr abends abge- schlössen«!, vorläufigen Zählung haben sich im Stadttreis Kastel zum Dolksbegehen 43 626 Personen eingetragen. Wiesbaden, 17. März.(MTB.) Hier habsn sich insgesamt. 18532 Personen in die Liste für das Volksbegehren ein- getragen. Frankfurt a. M.. 17. März. Das vorläufige Ergebnis der Eintragungen für das Volksbeegehren weist 140 390 Stimmen auf, das sind 40,7 Proz. der Wahlberechtigten. Sachsen. Dresden, 17. März. In der Stadt Dresden haben sich unge- fähr 200000 Personen, d. h. 46 Proz. der Stimmberech- tigten in die Liften für das Volksbegehren eingetrogen. Die genaue Zusammenstellung erfolgt am Donnerstag. Chemnitz, 17 März. Nach den vorläufigen Errechnungen haben sich hier 117 561 Personen in die Listen für das Volksbegehren ein- getragen. Leipzig, 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Mittwoch brachte nochmals 18 231 Eintragungen für das Volksbegehren. Damit hat die Gesamtzisfer seit dem 4- März laut amtlicher Errechnung die Höhe von 239747 gleich 55 Prozent der Wahlberechtigten er- reicht. Bei der Reichspäsidentenwahl erhielten Sozialdemokraten und Kommunisten 193 587 Stimmen. Es sind jetzt also 46160 mehr zur Eintragung erschienen, als damals die beiden das Volksbegehren be- antragenden Parteien Stimmen erhiellen. Rheinland-Wcstfalen. Bielefeld, 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Gesamtzahl der Eintragungen zum Volksbegehren in Bielefeld-Stadt beläuft sich auf 25 423. Damit haben sich 43 Prozent sämt- licher Wahlberechtigten am Volksbegehren beteiligt. Die Stimmenzahl der Sozialdemokraten und Kommunisten bei der ersten Reichspräsidentenwahl ist um 4200 überschritten worden. Sehr inter- essant ftnd die Ergebnisse in dem rein katholischen Kreis Wiedenbrück. Im R a e d a beträgt die Zahl der Eintragungen 797 gegenüber 493 sozialdemokratisch-kommunistischen Stimmen bei der Reichspräsidentenwahl, in der Kreisstadt Wiedenbrück 730 gegen 175, in Riedbcrg 450 gegen 89, in Neuenkirchen 117 gegen 34, in Langenberg 204 gegen 23 Auch in dem Landkreis Bielefeld, der eine sozialdemokratisch-kommunistische Kreis- tagsmehrheit hat. sind die Eintragungen bei weitem höher als die sozialdemokratisch° kommunistischen Stimmen bei der Reichsprä- sidentenwahi. Bochum, 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der Einschreibungen zum Volksbegehren im Zentrum des Ruhrgebiets ist über Erwarten gut verlausen. In einer Anzahl von Orten ist die absolute Majorität gegeben, vor allem ,n den unter der Wirtschaftskrise, d. h. unter den Zechenstillegungen. Betriebscinschränkungen und der damit verbundenen Arbeitslosig- teil schwer leidenden Gemeinden. Die Beteiligung am Voltsbegehren war am letzten Tag besonders stark. In manchen Orten war in den Stunden kurz vor Abschluß der Einschreibungen der An- drang am stärksten. Zahlreiche Parleiangehörige des Z e n- t r u m s sowie sehr viele Mitglieder der Demokratischen Partei haben sich eingeschrieben. Das überaus günstige Resultat wurde erzielt bei einer durchaus ruhigen, sachlichen Propagaiida, die sich, abgesehen von relativ wenigen Plakaten, nur auf die Presse erstreckte. Im Ruhrgebiet haben sich außer den Parteiblättern auch einige unabhängige bürgerliche Blätter gegen die Fürstenab- sindung eingesetzt. In Arbeiterkreisen des Zentrums hat die Haltung der Zentrumsparteileitung große Mißstimmung erregt. Es sei daran erinnert, daß sich u. a. die Zentrumsarbeiterschast in Gelsenkirchen in außerordentlich ent- schiedcncn Resolutionen für die Enteignung der Fürsten, vor allem der Hohenzollern, eingesetzt hat. Nach dem erfreulichen Ergebnis ist die schaffende Bevölkerung des Ruhrgebiets in bezug auf den günstigen Ausfall des Volksentscheids durchaus optimistisch gestimmt. Im einzelnen werden folgende Zahlen festgestellt: Gclsenkirchen 50 833, Herne 13 039, Aplerbeck 3213, Dortmund 93 251, Wanne 7733, Langendreer 6300. Duisburg, 17. März. Endgültiges Ergebnis des Volksbegehrens: 42368 Eintragungen. Die Zahl der Wahlberechtigten beträgt 163 098. Es ist also eine Beteiligung von 25,98 Proz. zu verzeichnen. Bei den Reichspräsideittcnwahlen im ersten Wahlgang erzielten So- zialdemokraten und Kommunisten zusammen 38 265 Stimmen. Düsseldorf. 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Gesamtresultat- der Stadt Düsseldorf 101 447 Eintragungen gleich 32 Proz. 40 000 Stimmen mehr als die sozialistischen Parteien bei der Reichspräsidentenwahl erhielten. Aachen, 17. März.(WTB.) In Aachen- Stadt haben sich von rund 104 000 Wahlberechtigten 20 980 in die Listen für das Voltsbegehren eingetragen, in E s ch w e i l e r 3188, in Herzogenrath 992, in Walheim 621. Württemberg. Stuttgark, 17. März.(Eigener Drahtbericht.) Insgesamt wurden in Stuttgart rund 98000 Einzeichnungen gebucht. Das sind 43 Prozent der Wahlberechtigten und weit mehr als die Hälfte der bei den letzten Reichstagswahlen überhaupt ab- gegebenen Stimmen. Im Dezember 1324 wurden für Sozialdemo. traten und Kommunisten zusammen 70000 Stimmen abgegeben. Soweit sich übersehen läßt, sind auch in allen Orten des Unterlandes in die Listen weit mehr Namen eingetragen worden, als bei der Reichstagswahl am 7. Dezember Sozialdemokraten und Kom- munisten zusammen Stimmen erhalten haben. In einzelnen Orten beträgt der Ueberschuß an Eintragungen gegenüber den Dezember- stimmen 1924 100 und mehr Prozent. Baden. Blannhcim. 17. März. Nach dem vorläufigen Ergebnis be- Ziffern sich die Eintragungen für das Volksbegehren in Mannheim- Stadt aus rund 81 000. Die vorläufige amtliche Aisser kann erst morgen vormittags mitgeteilt werden. Freiburg l. Lc.. 17. März.(MTB.) Nach den vorläufigen Fest- stellungen trugen sich in die Liste zum Voltsbegehren ein: in Frei- bürg 18 288 gleich 30 Proz., in Singen 3237 gleich 47>1 Proz., in Lahr 2957 gleich 31.8 Proz.. in Offenburg 3479 gleich 30,5 Proz. der Wahlberechtigten. Bayern. Nürnberg. 17. Rkärz. vorläufiges Ergebnis der Ciulra- gungen für das Volksbegehren'im Wahlkreis Franken. Von den 83 Distriklsverwaltungsbehörden liegen 59 vorläufige Crgebuisse vor. Von 1 547 274 Stimmberechtigten haben sich 299 893 in die Listen für das Volksbegehren eingetragen, d. h. 1S.S proz. München, 17. März.(Eigener Drahlbericht.) Die Gesamtzahl der Eintragungen zum Volksbegehren beträgt rn München 99 600. Das find rund 23 Proz. sämilicher Wahlberechtigten. AuS bayerischen Städten lagen am Mittwochabend folgende Ergebnisse der Eintragungen zum Volksbegebren vor: Nürnberg rund 97 000--- 37 Proz. der Wahlberechtigten. Fürth rund 20 000--- 26 Proz., Regensburg 8 300---»25 Proz., A m b e r g 2160--- 25 Proz., I n g o l st a d t 1 610 11 Proz. Ludwigshafen. 17. März.(WTB.) Das vorläufige Ergebnis des Volksbegehrens in der Pfalz beträgt 147 459 Ein- tragungen. Es stehen noch aus die Ergebnisse aus dem Be- zirksamt Kusel und aus einigen Ortschaslen des Bezirksamtes Germershelm. Rückkrltt des lfchechoflowakifchen Kabinetts. Nachdem am Mitt- wochnachmittag der Arbeltsminister dem Ministerpräsidenten Svehla sein Portefeuille zur Verfügung gestellt hatte, beschloß abends ein Ministerrat unter Soehlas Vorsitz, dem Präsidenten der Republik die Demission des Gesamttabinetls anzubieten. Man nimmt an, daß ein Beamtenkabinett unter Führung Dr. Ezernys gebildet werden wird. Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge Stufung nach Lohnklassen.- Bezugsrecht.- Vereinfachtes Verfahren. Die Spitzenverbände der Gewerkschaften haben gestern beim Reichsarbeitsministerium die Aufnahme von Verhandlungen beantragt, um eine grundsäßliche Neuregelung der Unter stügung der Erwerbslosen herbeizuführen. Die letzten durchaus ungenügenden Erhöhungen der Unterstützungsfäße sind nur als so daß eine definitive Regelung herbeigeführt werden muß. Da die borübergehende Ausnahmeregelung" turz befristet, bisherige Staffelung der Unterstützung nach Ortsklassen und Wirtschaftsgebieten große Ungerechtigkeiten unvermeidlich macht, fordern die Gewerkschaften, daß an die Stelle der Gruppierung nach Orten die Staffelung der Unterstügung nach Lohntlassen tritt. Diese Regelung ist für das endgültige Arbeitslofenversicherungsgesetz ohnehin vorgesehen und soll nun bereits vorweggenommen werden. Außerdem fordern die Gewerkschaffen, daß die bisher vorgeschriebene Prüfung der Bedürftigkeit" der zu unterstützenden Erwerbslojen fortfällt und entsprechend der allgemeinen Beitragspflicht der Arbeitnehmer ein Bezugsrecht auf Unterstützung durchgeführt wird. Die Spitzenorganisationen haben sich am 15. März in diefem Sinne mit folgendem Schreiben an den Reichsarbeitsminister gewandt: Die unterzeichneten Spizenverbände der Gewerkschaften halten die fofortige Beratung, Verabschiedung und Durchführung des Gefehes über die Arbeitslosenversicherung für dringend geboten. Da mit einer raschen Erledigung aber nicht gerechnet werden fann, zumal die Begründung zum Gesetzentwurf noch nicht vorliegt, muß eine 3 wischenlösung gefunden werden. Das ist um so mehr notwendig, als die jetzige Regelung der Höchstfähe ausdrücklich als vorübergehend bezeichnet, die Kurzarbeiterunterstützung befristet und das ganze Unterstützungssystem so kompliziert Die KPD. versteckt sich. Hinter„ Erwerbslosenausschüffe". Die Rote Fahne" fündigt an, daß eine Reihe von angeblichen Die„ Rote Fahne" kündigt an, daß eine Reihe von angeblichen „ Erwerbslosenausschüssen" zu einer großen Demonstration zum 23. März aufrufen. Die KBD. hat offenbar eine sehr schlechte Meinung von ihrer Anziehungskraft auf die Massen, sonst würde sie sich nicht hinter unbekannte und sehr zweifelhafte ,, Erwerbslosenausschüsse" verstecken, die übrigens zu diesem Zweck und nur zu diesem Zweck von ihr aufgezogen worden sind. Wir schätzen die Popularität der KPD. gewiß auch nicht zu hoch ein, wir find aber doch überrascht, daß die kommunistischen Drahtzieher nicht begreifen, wie lächerlich sie ihre Partei machen, wenn sie sie hinter diesen fagenhaften Erwerbslosenausschüssen versteckt. Glaubt die KPD. wirklich, die große Masse der Erwerbslosen riecht den Braten nicht schon auf tausend Schritte? Glaubt die KPD. etwa, die Arbeiter in den Betrieben, die auch aufgerufen" werden, merken nicht, daß die allzu harmlosen Erwerbslosenausschüsse" nur der Köder der kommunistischen Falle find? Diese Taftif, fortwährend andere Strohpuppen vorzuschieben, weil man nicht mehr wagt, Farbe zu bekennen, ist nicht nur lächer lich und kläglich. Sie ist eine Beleidigung der Ar beiterschaft, der man zumutet, auf die Aufforderung großer Unbekannter hin bolschewistische Politik zu machen, oder vielmehr als Kanonenfutter und Statisten dafür zu dienen. In siebzigjährigem zähen Ringen gegen eine feindliche Welt hat die Arbeiterschaft sich ihre Organisationen geschaffen und mit deren verantwortlicher Leitung erfahrene und bewährte Kämpfer betraut. Und diese Organisationen glaubt die KPD. mit einer Handbewegung beiseiteschieben zu können und an deren Stelle ,, Erwerbslosenausschüsse" agieren zu lassen, die gestern nicht waren und die morgen wieder in die Versenkung verschwinden werden, in die auch alle abgesägten Führergarnituren der KPD. verschwunden sind. Es steht wirklich schlimm um die KPD. wird, den fleineren Theaterherren wie ein leuchtendes und nach ahmenswertes Beispiel erscheint. Noch immer haben die Schauspieler nicht erreicht, was sie schon seit Jahrzehnten erfämpfen wollen: das Reichstheatergesetz, das ihre Arbeitsverträge in Einklang bringt mit dem sozialen Geist, den unsere Zeit nicht vernachlässigen darf. Es existiert zwar ein Normalarbeitsvertrag, doch die Direktoren bemühen wurde, daß eine bis zum Infrafftreten des Gesetze gültige Regelung fich, überall Auswege zu finden, um sich ihrer Pflichten zu entmit gleichzeitiger ziehen Die Schauspieler haben zuerst und am stärksten unter der augenblicklich herrschenden Theaterkrise Vereinfachung des gesamten Verfahrens durchgeführt werden muß. Obwohl wir überzeugt sind, daß die Einwände gegen die jetzigen ruhen, find wir doch gern bereit, zu unserem Teil an der Beseitigung Höchstsätze auf der Berallgemeinerung von Einzelfällen beetwa vorhandener Uebelstände mitzuwirken. Eine wirksame Abhilfe und zugleich eine gerechte Bemeffung der Unterstützungsfähe erbliden wir einzig und allein in der Abfchaffung der Einteilung nach Wirtschaftsgebieten und Ortsklassen und der Einführung von nach Lohnklaffen gestaffelten Unterstützungsfähen. Gleichzeitig müßten die Bestimmungen über Kriegsfolge und Bedürftigkeit aus der Verordnung über Erwerbslosen fürsorge, weil mit der Beitragspflicht unvereinbar, ausgemerzt werden. Da eine erneute Regelung der Unterstützungsfäße ohnehin zum 1. Mai erfolgen muß, und diefer Termin infolge der stärkeren Befchäftigung in der Landwirtschaft für eine Alenderung des Berech nungssystems besonders günstig ist, hätte die Einführung der Staffelunterstützung am 1. Mai zu erfolgen. Ein Besprechung dieser Anträge mit den unterzeichneten Organifationen müßte vor der in Aussicht genommenen Sihung des Ausschuffes für Erwerbslosenfürsorge der Reichsarbeitsverwaltung erfolgen. Wir ersuchen daher den Herrn Reichsarbeitsminister, recht bald einen Termin dafür anzusetzen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Deutscher Gewerkschaftsbund. Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestelltenund Beamtenverbände. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Tagung der Bühnengenossenschaft. Berlin, 17. März. Zum 50. Male hält die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger ihre Delegiertenversammlung ab. Die Tagung, die diesmal in die schwere wirtschaftliche Krise fällt, soll über grundlegende Fragen entscheiden. Es liegen Anträge vor, die den Charakter der Genossenschaft stark ver ändern sollen. Bisher waren in der Schauspielergewerkschaft nur alle Künstler und technischen Hilfskräfte vereinigt, die dem Sprech theater und der Oper dienen. Man hatte innerhalb der Schauspielergenossenschaft besondere Berufsgruppen von Regiffeuren, Inspizienten, Souffleuren und Chorsängern gebildet. Jetzt wurde beantragt, daß auch die große Menge der im Film gewerbe tätigen Künstler und Produktionskräfte aufgenommen werden. Die Bühnengenossenschaft, die heute ungefähr 15 000 Mitglieder zählt, dürfte durch eine solche erweiterte Organisation beträchtlich wachsen. Aber noch ist nichts entschieden. Und es bleibt fraglich, ob diese Erweiterung vor sich gehen wird. Der erste Tag der Verhandlungen wurde durch den Rechenich a ftsbericht ausgefüllt. Die Schauspieler ringen schwer um ihre Eristenz. Die Direktoren und Intendanten versuchen, was im Lande die industriellen Arbeitgeber auch versuchen: sie wollen die sozialen Errungenschaften abschaffen oder einschränken. Charakteristisch hierfür ist, daß Mar Reinhardt, der Direktor des Deutschen Theaters, vor wenigen Tagen seinen Künstlern mitteilte, er werde nicht mehr für juristische Streitigkeiten die Schauspielerschiedsgerichte, sondern die ordentlichen Gerichte anrufen. Natürlich ist dieser Versuch, die Schauspieler durch Ver-, schleppung von Prozessen und ähnliche Tricks zu benachteiligen oder zu entmutigen, nuglos. Denn die Schiedsgerichte sind ja von Reichs wegen anerkannt. Immerhin darf nicht vergessen werden, daß solche Sabotage, die von den hervorragenden Theaterleitern angezettelt zu leiden. Es war erschütternd, aus dem Munde des Präsidenten und dem Kampf um ihre Kunst nicht mehr gewachsen sind. Ridelt zu erfahren, daß ungewöhnlich viel Bühnenkünstler ihr Leben durch Selbstmord endeten, weil sie dem Daseinskampfe Die Bühnengenossenschaft ließ es sich nicht nehmen, nach Erörterung ihrer wirtschaftlichen Sorgen auch einzutreten für eines ihrer Mitglieder, das durch die reaktionäre Justiz auf das schwerste betroffen wurde. Es handelt sich um den deutschen Schauspieler Josef Gärtner, der wegen Hochverrats zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Gärtner hat dabei nichts anderes getan als freiheitliche Gedichte, die unbehindert von jedermann gelesen werden können, öffentlich vorzutragen. Die Bühnengenossenschaft hatte als unternommen, um ihrem Kollegen die Qual einer langen Haft zu ersparen. Sie hat es unternommen, gegen den Willen Gärtners, der feine Gnade haben wollte, ein Gnadengesuch einzureichen. Das Gnadengefuch wurde jedoch abgelehnt. Als Emil Lind noch einmal diesen Fall den Schauspielerdelegierten aus dem ganzen Reich vortrug, wurde im ganzen Saale ein Ruf der Empörung laut. Auch die Künstler, die politisch anders gerichtet sind als Josef Gärtner, nahmen an der Kundgebung teil. 0 Die Lohnbewegung der Bauanschläger. Schlossereien und dem Metallarbeiterverband noch einmal Berhant Am Dienstag fanden zwischen dem Schutzverband Berliner lungen statt über die strittigen Punkte des Schiedsspruches vom 2. März für die Bauanschläger, der von den Unterneh mern bekanntlich abgelehnt wurde. Da die Unternehmer ihren Standpunkt nicht aufgaben, die bisher gezahlte Fahrzeitentschädigung zu streichen, scheiterten die Verhandlungen. Eine gut besuchte Versammlung der Bauanjchläger nahm am gleichen Tage zu der Ablehnung des Schiedsspruches wie auch zu dem negativen Verhandlungsergebnis Stellung und forderte in einer einstimmig angenommenen Entschließung die Branchenkommission auf, alle Schritte zu unternehmen, um jede Verschlechterung des Tarifver= trages zu verhindern. Sollten die Unternehmer in einzelnen übergehen, so werden bei dem guten Organisationsverhältnis der Bauanschläger Konflikte unvermeidlich sein. Die Bauanschläger find jedenfalls fest zur Abwehr jeglicher Verschlechterungen ihres Tarifvertrages entschlossen. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Donnerstag, abend 7½ Uhr tagen die Gruppen: Frankfurter Allee: Jugendheim Rigaer Str. 103. Ausfpradeabend: Spiel und Sport auf dem Sommerspielplag. Lichtenberg: Gruppenheim Barfaue 10. Ein Gang durch die Wirtschaftsgeschichte" von W. Reimes. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Bortrag: Die wirtschaftlichen Ursachen der Revolution 1848". Tempelhof: Jugendheim Germaniaftr. 4-6. Märzgebanken. Südoften: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Vortrag: Die gegenwärtige Wirt. fchaftstrife". Gesundbrunnen: Gruppenheim Schönstedtstr. 1. Bortrag: ,, März 1848". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4( Boltshaus). Vortrag: ,, Warum Gewerkschaften?" Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Sosemann tomint!" Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angefielten. Seute, Donnerstag, abends 7 Uhr: Gruppe Treptow, Jugendheim Wildenbruchstr. 54( Kinderhort), Arbeitsgemeinschaft über Körpefultur":" Gruppe Tempelhof, Jugendheim Schule Germaniaſtr. 4-6 ,,, Märzgedanken"; Gruppe Herman, n. plag, Jugendheim Sobrechtstr. 34, Ede Sanderstraße, Leseabend. Deutscher Verkehrsbund, Luftfahrtperfonal. Gonnabend, 20. März, 8 Uhr, gibt im Spiegelsaal des Tucherbräu am Bahnhof Friedrichstraße, an Hand zahlreicher intereffanter Lichtbilder, Herr Gerhard Sedlmanr: Flugtechnische Blauderci aus der Borkriegsfliegerei". Eingeführte Gäste sind willkommen. Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Gonftiaes: Frik Raritädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Wissen" und Frauenstimme". Preiswerte Angebote Handarbeiten vorRipskissen gezeichnet, 85PL Bajzzi- und Kinder- Figuren..... Waschtischgarnitur 80 5 teilig, vorgezeichnet.. Damen- Wäsche Trägerhemden aus gutem Hemdentuch, mit Stickerei reich garniert Kinder- Kissen, 25 Nachthemden 225 Handarbeit.... Tischdecke Voraus gutem Wäschestoff, mit Motiv und Hohlsaum reich garniert..... gezeichnet, 290 Hemdhosen Rips, ca. 130 cm Durchmesser Wandschoner für KinderAida- Stoff, Handarbeit..... Straminkissen mustertertig. Betten, 350 3.90 Kurzwaren a 50 g... Stahlstecknadeln Karton 15er. 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Denn der„Dicke Wilhelm*, wie ihn die Berliner auch nannten, hatte in dieser Branche einen ziemlichen Umsatz. Bekannt und berüchtigt ist Wilhelmine Enke, der Trompetertochter, die spätere Gräsin Lichtenau. Aller Zorn der offiziellen Geschichtsschreiber wurde über Wilhelmine aus- gegossen. Neben ihr stand dje unglückliche Julie von Voß, die von der eigenen Familie dem Könige verkuppelt wurde. Sie sollte den König aus den Banden der vulgären Wilhelmine befreien! und als Julie noch jung an der Schwindsucht starb, führten dieselben Adels- kreise dem Vielgeliebten die schöne Gräfin Dönhoff zu. Sie bekam zur Ausstattung gleich 200 000 Taler. sie sorgte für Ihre liebe Ver- wandtschaft--- und in allen Staatsangelegenheiten mußte erst ihr Rat eingeholt werden. Aber die Gräfin Julie v. Voß und die Gräfin Dönhoff waren ja beileibe keine gewöhnlichen Mätressen! Sie waren dem Könige— zu Lebzeiten seiner rechtmäßigen Ge- mahlin—„zur linken Hand* angetraut, hotten den„Segen der Kirche*. Denn sie waren Aristokratinnen, und die Ente war eine Trompetentochter: das ist natürlich ganz was anderes. Darum gab das hohe Konsistorium seinen Segen. Der„Vielgeliebte" zog 1734 als„ruhmgetrönter Sieger* nach dem Feldzuge, den die deutschen Fürsten gegen die französische Revolution führten, als erster in das Brandenburger Tor ein. Zugunsten der französtschen Emigranten, deren sich die Nation wie eines Ungeziefers entledigt hatte, hatte er in dem erfolglosen Feldzug Tausende deutscher .Landeskinder* hingeopfert. Dafür begrüßte ihn auch bei seiner Heimkehr die zu diesem Zweck gedichtete Hymne:„Heil dir im Siegerkranz...*. Der zweite Einzug, den das Brandenburger Tor sah, war der Einzug der Sieger aus den Befreiungskriegen. Sie waren nicht gezwungen, wie die armen gepreßten Rekruten des„Vielgeliebten*. ste waren auf den„Ruf ihres Königs* freiwillig zu den Waffen geeilt. Sie glaubten, für die Rechte des Volkes zu kämpfen. Der König hatte es ja schriftlich gegeben in Wien. Das war ein Königs- wort, auf das das Volk baute, bis ihnen 1848, nach 38 Jahren schlimmster Reaktion, doch der Geduldsfaden riß!— Andere Steine werden uns erzählen, wie das Volk die Erfüllung dieses Ver- sprechens:„Es soll eine Repräsentation des Volkes begründet werden* erzwingen muhte. ») Siehe auch Nr. 125 des„Vorwärts* vom IS. März. Aber es kam ein Tag— ein Tag, an dem das Volk zum ersten Male zeigte, daß es mundig war, daß es genug hatte von der Hohenzollernherrlichkeit. Das war der 18. März 1848. Wie das immer geht; das Versprechen Friedrich Wilhelms III. war ein paplernes versprechen geblieben. Das Volk hatte 1813 bis 1815 die verfahrene Karre des preußischen Gottesgnadentums In höchster patriotischer Begeisterung aus dem Dreck gezogen. Es war dafür durch 33 Jahre der Reaktion belohnt worden. Aber das Berliner Bürgertum trug noch immer die Kette, die Friedrich Elsenzahn dem Berliner Bären umgelegt hatte, unsichtbar um den Nacken. Es wagte höchstens, gehorsamst zu petitionieren. Es muhte ein neuer Kämpfer auftreten, um von Friedrich Wilhelm IV. die Erfüllung des alten Versprechens zu erzwingen. Das kaum entstandene In- dustrieproletariat war es, das auf den Berliner Barrikaden den vor 33 Jahren ausgestellten Wechsel präsentierte. Berliner Barrl- k a d e n! Wer kennt heute noch ihre Stelle? Wer denkt heute nach daran, wenn er durch die Breite Straße geht, daß an ihrem unteren Ende, an der Gertraudteystraße, eine der größten Barrikaden Berlins stand? Wer waren ihre Verteidiger? Proletarier, Maschinenbauer von den Borsigschen und Egellschen Fabriten vor dem Oranienburger Tor. Die Barrikade wurde zwei- mal vergeblich gestürmt. Erst der dritte Sturm, der nach einer Vor- bereitung von 27 Artillcrieschüssen unternommen wurde, gelang. Noch steht das Haus mit dem Durchgang zur Nlühlendammlchleufe, das damals den Flügel der Barrikade bildete. Hier fiel Hermann von Holtzendorf, der eine der beiden Studenten, die unter den Opfern des 18. März find. Er siel nicht im Kampfe, er hatte sich gar nicht daran beteiligt. Als die Soldaten die Privatwohnung seines Onkels im Köllnischcn Rathause stürniten, wurde der durchaus königstreue junge Mann verhaftet und nachher zur„Vereinfachung des Transportes" nach berühmten Mustern von den begleitenden Soldaten erschossen.— Die Liste der Opfer beweist deutlich, wie recht der zeitgenössische Schriftsteller Aug. Braß mit seiner Behauptung hatte:„Das Bürgertum hätte wohl gern die Früchte einer Revo- lution gehabt, aber dje Revolution selbit wollte es nicht." Auch davon reden die Steine— die Steine auf dem Friedhos der März- gesallenen. von 184 Gefallenen gehären nur 6 den sogenannten gebildeten Ständen an, und von diesem halben Dutzend wurde winde- stens noch einer„aus Mißverständnis* erschlagen. Von den anderen sind einige wenige Meister, meist Angehörige der Schützengilde, die am Eingänge der Neuen Königstraße eine famos orgonisterto Barrl- kade verteidigte. Ihre beiden kleinen Böller aus dem Schützenhav« sprachen ein vernehmliches Wort mit. In Ermangelung von anderer Munition hatte man sie zwar mit— Murmeln geladen. Aber doch toten sie, so gut es ging, ihre Pflicht. Die Barrikade beherrschte de« Aleranderplotz bis zu der vom Militär eroberten„Mehlsockbarrlkade". die in der Gegend der heutigen Stadtbahnübersührung am Abschluß der Kolonaden der„Königsbrücke" lag. Auf allen anderen Barrl- koden Berlins aber kämpfte das Proletariat, an der Oberwall- und Zagerstrahe, bei der Eroberung des Zeughauses der Garde. Lnndwehr (Lindenstr. 4, neben dem„Vorwärts") und auf den vielen kleinereu Barrikaden im Zuge der Friedrich-, König- und Frankfurter Straße. Und es siegte. Die Früchte der Revolution aber kamen nicht ihm, sondern, freilich auch nur in bescheidenem Maße, der Bourgeoisie Zpgute. Kaum hatte der König— wieder einmal— an„Seine lieben Berliner" eine mit schönen Morien gespickte Proklamation los- gelassen, so fanden sich die„Gutgesinnten" wieder zusammen. Die neuen Kampfgenossen schienen dem Bürgertum doch nicht recht bündnisfähig. Um Gottes willen! Nur Ruhe jetzt. Versöhnung und Frieden mit dem erhabenen Herrscher! Die revolutionär« Geste der„Leichonparade" aus dem Schloßplatz hatte das Bürgertum tief erschreckt. Der König war gezwungen worden, entbläßten Hauptes dem vorbelzuge der Leichen des IS. März beizuwohnen! Laut hatte S7f Onkel Moses. Roman von Schalom Asch. a verstand nicht, was die Mutter meinte. Sie ver- tand nicht, wieso sie dem Onkel den Kopf verdreht hatte, ver- 'tand nicht, was sie dem Onkel angetan hatte, daß er so böse ein durfte. Ihr schien es, daß weder Ma noch Pa den Onkel richtig kannten: wenn ste zu ihm ginge und ihm alles sagte, dann würde der Onkel alles sofort in Ordnung bringen, wie ex stets tat, wenn es einen Kummer gab. „Ich werde zum Onkel hingehen, ich werde ihm alles sagen: ihr werdet sehen, der Onkel wird wieder gut werden,* sagte Mascha. „Zu spät, zu spät, er will nichts hören und von nichts misten," erwiderte Aaron weinerlich. „Ach was, zu spät, gar nichts ist zu spät!* schrie Rosa ihren Mann' an.„Was plärrst du mich an? Narr?" Sie gab ihrem Mann einen Nuff.„Laß st« nur zum Onkel gehen, er wird ihr schon die Narrheiten aus dem Kopf schlagen: geh, klingle den Onkel an. ruf den Onkel an," schrie sie Aaron an. „Was stehst du hier wie ein Golem aus Lehm?" Aaron gehorchte seiner Frau. Er sah-in, daß sie recht hatte wie immer. Mit Herzklopsen lief er zum Telephon. Der Onkel ließ lange am Telephon auf sich warten. Zu- erst hieß es, er sei beschäftigt: dann kam der Be- scheid, er sei nicht da und man sei ihn suchen gegangen. Schließlich aber schien es dem Onkel selbst nicht Ruhe zu geben, und er ließ Mascha anrufen. Als er Maschas Stimme am Telephon hörte, wurde er weicher. Cr verabredete mit ihr, ste möge um sechs Uhr abends ins Geschäft kommen, von dort werde er sie nach einem„netten behaglichen Plätzchen* führen, wo st- es gemütlich haben könnten. Gegen sechs Uhr abends ging Mascha nach des Onkels Geschäft. Sie trug ihr ziegelfarbenes Herbstkleid im englischen Schnitt: auf dem Kopf einen breiten, dunklen Filzhut, wie er damals Mode war. Sie wartete nicht vor der Tür auf den Onkel, wie sie es sonst zu tun pflegte, sondern trat sofort ein. Sam lief ihr entgegen, begrüßte sie freundlich und eilte, ihre Ankunft dem Onkel zu melden. Der Onkel sah mit einem Reisenden in seinem Privatkantor, welches sich in einem Per» schlag in einem Winkel des großen Geschäftslokals befand: dort stand die Kasse und dort saß der Buchhalter mit dem Onkel. Der Onkel ließ sich nicht stören und trug Sam auf. er Möge Mascha einen Augenblick zurückhalten, er würde bald kommen. Er klopfte auf die Scheibe seines Kontors und rief: „Hallo, Mascha, I am reaü� rn a Minute." Sam spürte, daß etwas zwischen dem Onkel und Mascha vorgefallen sein müsse, und dachte, wie iminer die Sache stünde, wäre es am besten, den Rat seines Vetters Manes zu befolgen:„Sei nett zu Mascha, sie hat dich jetzt in der Hand.* Mascha gefiel ihm, seit der Onkel ihr sein Interesse zuwandte. Und Sam nutzte jede Gelegenheit, die sich ihm darbot, um mit Mascha näher bekannt zu werden und ihr seine Verehrung zu beweisen. Jetzt lobte er unaufhörlich das Kleid, welches ihr der Onkel als Modell gekauft hatte, und fügte hinzu: wenn sie der Inhaber eines großen Kleiderhauses in Chicago in dem Kleid sähe, könnte er, Sam, ein paar Dollar verdienen. Er würde sofort einen Auftrag bekommen, den würde er einem seiner Freunde, einem Damenkleiderkonfektio- när, verkaufen. Und dann gab er zu, wenn er Mascha als Modell hätte natürlich beispielsweise—, so würde er bald vom Onkel weggehen und Damenkleiderkonfektionär werden: denn alles, was Mascha anziehe, das habe an ihr„«lixrnt;?* (das war das größte Kompliment, welches Sam'einer Lady machen konnte). Doch der Onkel ließ Sam nicht lange fein Vergnügen. Er kam bald aus dem Privatkontor. warf, ohne ein Wort zu sagen, mit gerunzelter Stirn einen kurzen Blick auf Sam, und auch ohne zu Mascha ein Wort zu sagen, faßte er sie untern Arm und verließ mit ihr den Laden. Als sie auf die Straße traten, begann Mascha: „Onkel, bist du sehr böse auf mich?" Der Onkel antwortete nicht. Er hielt sie fest am Arm u,.d ging mit ihr den Gehsteig weiter, wobei er schwer gegen den Menschenstrpm ankämpfte, der aus allen Ecken, aus allen Geschäften herausströmte und zur Hochbahnstation eilte. Es war die Stunde, da die Geschäfte geschlossen wurden, und die Straßen wurden schwarz von Menschen. Auf dem Weg« konnten Mascha und der Onkel kein Wort wechseln. Der Onkel zog Mascha mit sich. „Wohin gehen wir, Onkel?" fragte Mascha. „Willst du nicht mit mir essen?� sagte der Onkel, ohne ihr ins Gesicht zu sehen. „Gern." „So komm." Sie bogen in eine schmale Gasse ein. Dort befand sich ein bekanntes ungarisches Restaurant, in welches nun der Onkel Mascha führte. Der Wirt kannte den Onkel: er wies ihnen einen Platz in»wer Ecke an. wo sie ungestört waren- Der Onkel bestellte das Esten und ungarischen Wein,__ Beim Eessen blieb der Onkel weiter ernst: er schwieg. sah Mascha kaum an und war in Gedanken versunken: doch er aß mit Appetit und trank viel Wein: ab und zu forderte er auch Mascha zum Trinken auf. „Onkel, richte es doch ein, daß alles wieder gut wird. Du kannst das immer so gut," begann Mascha plötzlich und legte ihr« schmale Mädchenhand auf die des Onkels. „Was soll ich wieder gut machen?" „Du weißt ja. Bei uns ist es jetzt so traurig-- Pa weint und Ma weint." „Warum weinen sie?" fragte der Onkel verwundert. „Ist etwas geschehen?" „Sie fürchten, du würdest Pa entlassen." „Warum soll ich denn Pa entlassen? „Du weißt ja, warum," sagte Mascha schamhast. Dan» sie einen Augenblick; aber plötzlich hob sie ihre großen lugen auf, sah dem Onkel frei und kindlich ins Gesicht und sprach mit kindlicher, aber siäzerer Stimme: „Ich liebe dich, Onk�l. Ich liebe dich sehr. Ich liebe dich mehr als Pa und mehr als Ma Vielleicht bist du zu anderen Leuten schlecht, doch zu mir bist du immer gut gewesen, immer sehr gut, und ich werde dich immer lieblzaben, werde nie etwas auf dich kommen lasten, ich liebe dick). Du bist mein teurer, teurer Onkel." „Schweige. Mascha, schweige!" Der Onkel sprach es halb vor sich.„Trink, trink, please." „Ich kann nicht." Mascha setzte das Glas an ihre Lippen und stellte es sofort wieder nieder.„Listen. Onkel," begann sie und errötete zum erstenmal, während sie mit dem Onkel sprach, und ihre Augen erglänzten in einem feuchten Schimmer, „ich habe bisher nicht gewußt, was heiraten heißt. Jetzt weiß ich es. Und ich glaube... und ich glaube, daß für uns beide eine Heirat... nicht gut ist... es wird nicht gut sein... Ich werde bei dir zu Hause wie eine Tochter mit dir sein. Ich werde dich lieb haben, wie man einen teuren, teuren Onkel lieb hat, aber nicht so wie du willst. Meinst du es nicht auch?" Der Onkel schwieg: er trank wieder ein Glas Wein und forderte Mascha zum Trinken auf. „Trink. Mascha, please, trink." Oon't. Onkel, ftoB't," erwiderte Mascha und nahm dem Onkel das Glas weg.„ich mag es nicht, daß du trinkst. Ich liebe es nicht— don't, don't, antworte mir, please, antworte mir. Warum sprichst du heute nicht mit mir?* Der Onkel blickte sie an und begarat freundlich und liebe- voll zu lächeln» �;..(Fortsetzung folgt), j Babel Bas Boll na Waffen gerufen. Aber als Triebrich Wilhelm IV. nun wirklich auf hohem Ballon stand, zitternd, bas Haupt entblöß ba tönte statt bes Waffenrufes der Choral Jesus, meine Zuversicht És zun herauf. Das brave Bolt! Es begnügte sich mit der Gefte. Es blieb beim alten. Und langsam tam es dann zu feinen Rechten". Friedrich Wilhelm IV. hatte die Situation begriffen. Statt der Boltsbewaff. nung friegte es die glorreiche Bürgerwehr, und in der herrlichen neuen Berfaffung, aus der wir noch das Dreiflaffenwahlrecht in frischer Erinnerung haben, fonnte der erste Baragraph ebenso wie in der Urgeschichte von Metelburg" lauten: Et blivt alles bi'n ollen. Das Zeitalter des juste- milien" brach an. Das Brole. tariat hatte die Raftanien aus dem Feuer geholt. Und Wilhelm, der Brinz von Preußen, der, ganz wie sein erhabener Entel, im tritischen Augenblid ausgeriffen war, fehrte bald genug aus England zurüd und wurde„ Wilhelm, der Siegreiche". Dann tam das Kaiserreich und dann kam die glorreiche Regierungszeit Wilhelms II. Und dann fam 1914 und der Tag, an dem der Geduldsfaden des deutschen Boltes endgültig riß. Wir trennten uns von unserem erlauchten Herrscherhaus, undankbar, wie das Bolt nun mal ist. Und heute wollen wir unserem Undant die Krone auffezen. Wir wollen die Milchmädchenrechnung Wilhelms II. nicht bezahlen. Und wir wollen wohl darauf achten, daß er nicht, wie sein erhabener Großvater, aus feinem Erholungsaufenthalt in Doorn plöglich zurüctehrt... Wir haben genug von ihm und von jedem Mann aus dem Haufe Hohenzollern! Wie gut ein wenig Geschichte ist! Wie kann selbst unser modernes Berlin fie uns lebendig machen! Aber freilich fo wurde fie uns in den Schulen nicht gelehrt. Lernen wir nun freiwillig Helmat funde. Lernen wir heute den ersten Lehrsag: Bom Brandenburger Tor bis zum Friedhof der Märzgefallenen predigen die Steine Berlins die Niedertracht und Nichtsnußigkeit unferes erledigten Herrscherhauses! Abschluß der Einzeichnungen. Kein Nachlaffen der Kräfte war zu vermerken. Im Gegenteil: verstärkt legte sich die Propaganda ber nimmermüden Berber ins Zeug, um die Säumigen an den Einzeichnungstisch zu bringen. Noch einmal zogen die Werbetrupps der Boltsbegehrparteien von Haus zu Haus, noch einmal mahnten die Flugblätter, die platatierten Möbelwagen: Bervollständigt den Sieg! Faßt alle Kräfte für die Sache des Volkes zusammen. Und es ist nicht vergeblich gewesen. Schon gegen 1 Uhr begann insbesondere in den Arbeiter. pierteln der Ansturm der Einzeichner. Und je weiter die Zeit fort schritt, je mehr sich die Stunden bis Eintrageschluß verringerten, besto lebhafter wurde ber Andrang. In ben Abendstunden, zwischen 6 und 8 Uhr, herrschte noch einmal Hoch betrieb. Scharenweise tamen die Leute, in voller Haft, von der geheimen Angst gejagt, vielleicht zu spät zu kommen. 1,6 Millionen bürsten in Berlin erreicht sein. Rund 50 Proz. aller Wahlberechtigten haben sich in die Listen eingetragen. Der Feuerprobe des Boltsbegehrens wird die große Schlacht bes Boltsentschelbs folgen. Und wir wissen, daß auch hierbet das Berliner Bolt nicht versagen wird. Auch am gestrigen Mittwoch, der letzten Einzeichnungsfrift, nahmen die Einzeichnungen einen guten Fortgang. Am Vor- und Nachmittag flapperte" es allenthalben, die Türen gingen auf und zu. In den Abendstunden sezte zeitweise noch ein sehr starter Betrieb ein, bie legten Säumigen erschienen auf der Bildfläche. In Bantom, vor der Schule Wollantstr. 131, standen bis zulegt wie an den Vortagen Boltsgenoffen mit Blafaten und Transparenten und wiesen den Begehrenden" ben richtigen Weg. Es herrschte ein ftetes Gehen und Kommen und die Beamten hatten noch alle Hände Doll zu tun, die Einzeichner restlos abzufertigen. Dasselbe Bilb bot fich in der Schule Raiser- Friedrich- Straße. In einidendorf Oft, Schule Lindauer Straße, erschienen gleichfalls noch viele, ble am legten Tage ihrer Einzeichnungspflicht genügen wollten. So ging es auch in den übrigen Einzeichnungsstellen: Rosenthal, Schule Schillerstraße, und im Wittenauer Rathaus. Hier hatten bie Geschäftsleute sogar Mut gefaßt. Biele von ihnen trugen fich noch in letter Stunde ein. Im Reinidendorfer Kranten. haus gingen wie am Vortage noch einmal die Liften durch die Reihen der Krankensäle, manche Unterschrift wurde noch geleistet. Die letzte Stunde. Die letzten Stunden des Boltsbegehrens waren pfychologisch ficher die weitaus interessantesten. Vor den Einzeichnungslotalen hatten sich Trupps angesammelt, bie lebhaft die Chancen des legten Tages diskutierten. Eine starte Werbetätigkeit hatte noch in den Schlußstunden die Säumigen zu erfassen gesucht. Es war eine ver fchiedentliche Tätigkeit festzustellen. In einzelnen Bezirken war die Zahl der Einzeichnungen eine höhere als am Dienstag. Im Durch schnitt wurde eine Abnahme von zirka 15 bis 20 und auch etwas mehr Prozent gegenüber dem Dienstag festgestellt. Während am Dienstag z. B. in der Eintragestelle Gneisen auftr. 7 fich rund 1700 Personen einzeichneten, zeichneten fich am Mittwoch girta 1350 Personen ein. Es muß ein gewisser Reiz darin liegen, in letter Minute zu fommen; denn feltsamerweise fezte in einzelnen Botalen von 3 Minuten vor 8 bis 8 Uhr ein geradezu beängstigender 3ustrom ein. Die Einzeichnungsstellen wurden Punkt 8 Uhr gefchloffen. Im Lokal Hagelsberger Str. 34 gelang es noch einer Frau 1 Minute nach 8 Uhr unter dem Tür schlicher durchzuschlüpfen und so unter Aufwendung akrobatischer Fähigkeiten die Einzeichnung vorzunehmen. Die Listen wurden gefchloffen und auch die Blafatträger vor den Einzeichnungslokalen, die in unermüdlicher Propaganda für die Sache des Volkes vierzehn Tage lang gegen den schamlosen Fürstenraub demonstrierten, zogen nach Hause. Auch die Einzeichnungsbeamten haben ein erhebliches Stüd physischer Arbeit geleistet. Das Vorspiel der großen Schlacht hat einen glänzenden Verlauf genommen. Bon anderer Seite wird uns noch gemeldet: Biele sind, und man fann das nur mit dem schmerzlichsten Bedauern sagen, un Derrichteter Sache umgefehrt, weil ihnen das Warten zu lange dauerte. In der Annenstraße standen noch um 7% Uhr etwa 50 Einzeichnungsberechtigte an. Und immer neue rüdten nach. Einige fehrten um. Andere schimpften, taten aber schließlich das, was das einzig Richtige war: sie warteten, bis sie an die Reihe tamen. Im Norden mickelte sich der letzte Tag ruhiger ab. Der Andrang war erheblich schwächer als an den letzten Tagen. Ein Reichen dafür, daß die arbeitende Bevölkerung nicht bis auf die letzte Minute gewartet hat. In der Pappelallee und Greifenhagener Straße tamen in den Abendstunden die Einzeichner nur noch vereinzelt. 1181 000 Rundfunkteilnehmer in Deutschland. Die Zahl der Teilnehmer om deutschen Rundfunk nimmt fäglich zu. Sie betrug am 1. März 1 184 236 gegen 1 108 845 am 1. Februar, aljo jetzt mehr 75 391, d. h. täglich etwa 2693 Neuanmeldungen, An der Spize marschiert Berlin mit 512 448 Teilnehmern( Zunahme im März 31 435), es folgen: Hamburg 149 742( 13 139), Leipzig 123 550( 5872), Münster 104 586( 9814), München 96 352( 1114), Frankfurt a. M. 80 089( 6379), Breslau 69 832( 4924), Stuttgart 30 511( 2029), Königsberg 17 126( 685). Der Dienst des Deutschlandsenders in Königswusterhausen, der allabendlich die Darbietungen der Berliner Funkstunde verbreitet, foll noch meiter ausgebaut werden. Es sollen nicht nur die Abend programme des Berliner Rundfunksenders, sondern auch die pon anderen dertschen Gendern übertragen werden, soweit es die technis fchen Möglichkeiten der Drahtübertragung aulaffen. mar Die Märzfeler der Arbeiterjugend. Die Märgfeier, die die Arbeiterjugend gestern abend im waltiges Bekenntnis zur Republit und zur Jbee bes Sozialismus, Saalbau Friebrichshain veranstaltete, ein ge eine Feier der Hoffnung und Freude zugleich. Ein festliches Bild bot ber Saal mit seinen zahllojen roten Fahnen, die die Wände, bie Baltone und das Podium schmückten und der Anblick der nach vielen Tausenden zählenden Menge der Jugendgenossen, die bie riesige Halle bis auf den legten Platz füllten. Zur felben Setunde fast, als eben bas Boltsbegehren fiegreich beendet war, abends um 8 Uhr, wallten die roten Fahnen empor und der junge Chor" fang mit frischer Stimme den von Heinz Thiessen bearbeiteten e druf" von Glaude Josef Rouget de l'Isle. Ein Jugendgenoffe rezitierte den Arbeitermarsch von Björnson und ein Gedicht halt Whitmans. Dann ergriff stürmisch begrüßt Reichs tagspräsident, Genoffe Baul Lobe, das Wort: Zur Märzfeier feid Thr aus allen Teilen der Stadt gelommen. Heute, wo der Krieg hinter uns liegt, und eine Revolution leider bei weitem nicht alles erfüllte, was bie Alten erhofften, heute ist der alte Märzgedanke wieder etwas verblaßt. Aber die Jugend feiert den März trotzdem als Monat der Frühlingstündung, als Monat der Freiheitsbewegung, die den Völker frühling vorbereiten. Die Feier dieses Jahres gilt besonders der Erinnerung an zwei Männer: an Ferdinand Freiligrath, der dem Proletariat herrliche Lieder schenkte, und an Wilhelm Liebknecht, dem alten Soldaten der deutschen Revolution. Die poetische Tat Freiligraths und die politische Wirksamkeit Wilhelm Liebknechts wirken fort. Das Schidjal hat die heutige Jugend in eine Beit gestellt, in der die Erfüllung des Lebens dieser beiden eine Zeit gestellt, in der die Erfüllung des Lebens dieser beiden Führer zeitlich näher gerüdt ist. Aber mit der Nähe zum Ziel steigern fich die Schwierigkeiten, beren Ueberwindung notwendig ist, um sicher das Ziel auch zu erreichen. Die Republit muß zur fozialen Republit fortenmidelt werden. Helfende Tat des ein. zelnen ist hierbei ebenso wichtig wie die Aftion der Maffe, aber der Wille zu dieser Tat wird leben und wirken, solange Proletarierföhne und Proletariermädchen sich um die rote Fahne der Freiheit Scharen. Stürmischer Beifall lohnte diese Ausführungen. Borträge bes ftimmgeschulten Jungen Chor" folgten. Start padte der von Hermann Ferchen bearbeitete russische Boltssang Unsterbliche Opfer ins Innerste auch die allbekannte Weise„ Brüder zur Sonne, Freiheit". Dann folgte eine dramatisch bewegte Aufführung von Szenen aus Tollers Masse Mensch. Nach der Feier sammelten fich Tausende, scharten sich um die Fahnen ihrer Gruppen und marschierten geordnet im Riesenzug zu den Gräbern der März. gefallenen. Nach 12 Jahren. Das Ende eines dreiedigen Verhältnisses. Sett breizehn Jahren wohnte der Ingenieur Wilhelm Rebbert bei bem Schneidermeister S., nicht weniger als zwölf Jahre davon hatte er ein Berhältnis mit deffen Ehefrau, bis endlich der Betrogene merkte, daß er all die Jahre als Gehörnter in der Welt herumgelaufen war, und was für einen„ Dntel", wie die Kinder ihn allgemein nannten, er im Hause hatte. Da forderte er den Mieter auf, die ohnung zu ver Iaffen. Als der Liebhaber biefer Aufforderung nicht nachtam, ent ftand ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen den beiden. Der Ehemann verbot ihm nicht nur den Zutritt zu dem gemeinsamen EBzimmer und den Verkehr mit seinen Kindern, sondern er ließ fich in feinem nicht unberechtigten 3orn zu der Aeußerung hinreißen: Wenn ich heut nach Hause fomme und er grinst mich an, dann önnen sie ihn als Leiche hinaustragen." Da Reddert von diesen Bornausbrüchen Kenntnis erhielt, tehrte er mit einem geladenen Revolver in der Tasche in die Wohnung zurüd. Statt aber abzuwarten, was geschehen würde, trieb er felbft den Konflikt auf die Spize, indem er S. in seinem Zimmer aufsuchte und ihn im scharfen Ton zur Rede ftellte, weshalb er den Rindern verboten habe, zu ihm in Zukunft weiterhin Ontel zu fagen. Nun ftieg dem Betrogenen die Galle ins Blut. Mit der Hand in der Tasche ging er auf den Gegner zu und wies ihn voller Empörung aus dem Bimmer. In demselben Augenblid gab Rebbert mit den Worten Du Aas" fünf Schüsse ab, die fämtlich S. trafen. Einer schlug ihm die Zähne aus, die anderen gingen in die zum Schuß vorge haltenen Arme. Jedoch waren die Verlegungen glücklicherweise nicht allzu schwer. Wegen gefährlicher Körperverlegung hatte das Schöffengericht Reddert zu einem Jahr sechs Mo. naten Gefängnis verurteilt. Von der Berufungsstraftammer wollte nun Rebbert freigesprochen fein, da er angeblich in Notwehr gehandelt habe. Er habe sich nach den Drohungen seines Lebens nicht mehr sicher gefühlt und einen Angriff erwartet. Die Straf fammer des Landgerichts I war jedoch der Meinung, daß der Angeklagte sich sehr gut hätte dadurch schützen fönnen, daß er die Woh nung verlassen hätte. Offenbar habe er aber nur aus der Erwägung gehandelt, daß es doch einmal zu einem Rampf auf Leben und Tob mit seinem Nebenbuhler tommen werde. Die Straffammer lah daher teine Notwehr für vorliegend an und verwarf die Berufung. Prozeß Munnede. Nachdem jebe Bergleichsmöglichkeit im Prozeß gegen den begonnen. Der Angeklagte Munnede legt großen Wert darauf, Boltswirt Munnede gescheitert war, wurde mit der Verhandlung daß seine Tätigkeit ideell aufgebaut sei. Er habe für den Kreis Jüterbog nur das beste gewellt. Der Nebentläger Landrat Dr. Luthmer bestreitet energisch, unreelle Provisionsgeschäfte für Prozesses ist darin zu suchen, daß Munnecke sich in seinen den Kreis gemacht zu haben. Der Kernpunkt dieses unerfreulichen Brovisionsansprüchen, bie er auf Geldvermittlungen für den Kreis Jüterbog zurüdführt, geschädigt fühlt. Der Feldzug gegen den Landrat wurde eröffnet, als dieser die Provisionen nicht anerkannte. Der Angeklagte Munnecke führt demgegenüber aus, daß bereits vor diesen Transaktionen Bände von Material gegen Luthmer vorgelegen hätten. Die beanspruchten Provisionen betragen 40 000 m. Dreitausend Mart find einmal von dem Landrat gezahlt worden, die dieser aber als Geschent bzw. Darlehn bezeichnete. Unter großer Spannung wurde dann der Nebentläger Dr. Luthmer vernommen. Er äußerte sich dahin, daß im Jahre 1924 der Kreis den Plan faßte, den Bahnbau Jüterbog- Dahme in Angriff zu nehmen. Der Kreistag beantragte, Gelder zu beschaffen. Dr. Luthmer wurde mit der Vermittlungsfirma Dr. Muth und Munnede bekannt. Die Vermittlungs. tätigkeit der Firma war aber negativ verlaufen und die Gelder, die der Kreis erhielt, sind ohne Vermittlung Munnedes gegeben worden. Dreitausend Mart sind rein privat von Dr. 2. gegeben worden, um die Schwierigkeiten der Firma Muth u. Munnede zu beheben, nies mals aber als Atontoprovisionszahlung. Als nun Dr. L.s Anspruch auf Rückzahlung der 3000 m. an die Firma erging, erhielt Dr. 2. den beleidigenden Brief des Angeklagten M., der von unverschämten Schwindeleien usw. spricht. Borf.: Haben Sie die 3000 m. aus Ihrer eigenen Tasche gegeben, Herr Landrat? Dr. Luthmer: 1000 m. aus meinen Privatersparnissen und 2000 m. nahm ich von der Landeskulturbant auf mein persönliches Risiko. Borf.: Aber auf der Quittung über 3000 m. steht doch Afontoprovision. Dr. Luthmer: Ich habe das viel später erst bemerkt, denn die Worte waren ganz klein dazwischen geschrieben. Bei Empfang. nahme der Quittung habe ich diese unbesehen eingesteckt und nicht mehr angesehen. Ich bin sehr erschreckt gewesen, als ich die Borte später entdeckt habe. Bei Informationserteilung an meinen Rechtsanwalt zweds Eintragung des Darlehns habe ich noch nicht aewußt, daß die Worte Akontoprovision auf die Quittung standen. Die Berhandlung wurde dann auf heute 9 1hr vertagt. Bolfskonzert arbeitsloser Musiker. Am Sonntag, den 21. März, vormittags 11 Uhr, findet im Staatlichen Schillertheater in Charlottenburg ein Boltssinfoniekonzert, veranstaltet vom Bezirks. emi Charlottenburg, ausgeführt von 25 arbeltstolen Mitgltebern bes Deutschen Mufiterverbandes unter Leitung von Kapellmeister Willy Kappelt statt. In diesem Konzert wird außerdem Bruno farten zum Preise von 40 B. einschließlich Programm und Kleider Schönlant einige seiner Dichtungen zu Gehör bringen. Eintritts ablage bei Bote u. Bod, Tauenzienstraße, ferner in den Bud handlungen Ulrich u. Co., Berliner Straße 76, Bismard- Buchhandlung, Bismarckstr. 87, Desterheld, Kantstr. 105 sowie im Chars lottenburger Rathause, Zimmer 110, erhältlich. Prozeß Dr. Hölscher. Dr. Rudert nicht vereidigt. In dem Zehlendorfer Meineidsprozeß wurde gestern in der 3eugenvernehmung fortgefahren. Insbesondere wurde Dr. Rudert vernommen, dessen Aussagen sich mit denen der Angeklagten mehrfach widersprachen. Staatsanwaltschaftsrat Fredersdorf wandte sich gegen die Bereidigung des Dr. Rudert, während Rechtsanwalt Dr. Beerwald dafür eintrat, da Dr. Ruckert nicht der geringsten Teilnahme verdächtig erscheine. Nach längerer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Tolt, daß das Schwurgericht beschlossen habe, den praft. Arzt Dr. Rudert nicht zu vereidigen, da er der Anstiftung zu der unter Antlage stehenden Tat des Meineides verdächtig erscheine. Es wurde weiterhin vom Gericht beschlossen, noch die Inhaberin der Wohnung Nettelbeckstraße 16, eine Frau Heusler, zu vernehmen, ob sie etwas von einem Besuch des Biergut mit einer Dame wisse. Da die Zeugin aber schwer er frantt ist, wurde beschlossen, diese Vernehmung durch ein Mitglied des Gerichtshofes, Landgerichtsrat Haffelbach, am Nachmittag vornehmen zu lassen. Morgen früh wird der Staatsanwalt mit der Anklagerede beginnen. Finanzierung der Schnellbahn Gesundbrunnen- Neukölln. Wir berichteten in Nr. 117 über den neuesten Plan des Mas gistrats, für den Weiterbau der an die Stadt übergegangenen Schnell. bahn Gesundbrunnen- Neukölln die Geldmittel zu beschaffen. Die Kosten, die jetzt auf 50 Millionen Mart geschäßt werden, sollen zum Teil aus den erwarteten lleberschüssen der Straßenbahn und der Elektrizitätswerte gedect werden, zum Teil auch aus der städtischen Anleihe von 1924, aus dem städtischen Anteil an der Reichsgetreidestelle und schließlich aus Zuschüssen und Darlehen der produttiven Erwerbslosenfürsorge. Der Magistrat ersucht jezt die Stadtverordnetenversamm Iung in einer Dringlichkeitsvorlage um Genehmigung dieses Finanzierungsplanes. Wer wird Stadtbaurat für den Hochbau? Die Stadt Berlin hat sich zunächst ohne einen Stadtbaurat für den Hochbau beholfen, nachdem Stadtbaurat Ludwig Hoffmann aus feinem Amt geschieden und in den Ruhestand gegangen war. Det der Posten nicht lange unbesetzt bleiben fonnte, war eine Selbst. stande zu bringen, lassen noch fein bestimmtes Ergebnis erwarten. Der Stadtverordnetenausschuß zur Vorbereitung der Wahl eines neuen Stadtbaurats hatte aus der großen 3ahl der Be merber fünf zur engeren Wahl gestellt. Sie wurden aufgefordert, fich dem Ausschuß vorzustellen und sich über ihre Pläne für Berlins bauliche Entwicklung zu äußern. Das ist in einer be fonderen Sizung des Ausschusses geschehen. Danach schien es, daß Dr. Schmidt. Essen, der Direktor des Ruhr- Siedlungsverbandes, die meisten Aussichten hatte. Er hat aber jetzt dem Ausschuß mit geteilt, daß zurzeit Effen nicht verlaffen und daher das Amt eines Berliner Stadtbaurats nicht übernehmen Lönnte. Er wolle fich aber zur sonstigen Mitarbeit an Berliner Städtebaufragen zur Verfügung stellen. Der Gedante, Dr. Schmidt wenigstens als Beirat zu gewinnen, ist im Ausschuß bereits er örtert worden. verständlichkeit. Die Bemühungen, jetzt eine Neubejezung zu Erhöhung des Schulgeldes und Staffelung. Der Magiftrat hat befchloffen, das Schulgeld für höhere Schulen auf jährlich 192 m. zu erhöhen, und dabei folgende Schulgeldstaffelung vorgesehen: Bei einem jährlichen Ein tommen unter 2500 m. besteht Schulgeldfreiheit. Bei einem Einfommen von 2500 m. bis 3300 m. find zu zahlen: für das erste Kind die Hälfte, für das zweite Kind ein Viertel des Sakes, das britte Kind ist schulgeldfrei. Bei einem Einkommen von 3300 m. bis 5000 m. find zu zahlen: für das erste Kind drei Viertel, für das zweite Kind die Hälfte des Sages, das dritte Kind ist schulgeldfrei. Bei einem Einkommen von 5000 m. bis zum Betrage bes Endgehalts der Gruppe 12 einschließlich Kinderbeihilfe find zu zahlen: für das erste Kind voll, für das zweite Kind drei Viertel, für das dritte Kind die Hälfte des Sages. Zwischenfall im Afyl. Der 81 Jahre alte Asylift Ernst Boigt hatte im Asyl für Obdachlose in der Fröbelstraße dem Aufseher feine heiße Suppe ins Gesicht gegoffen. Als er zwangsgeftellt werden sollte, fuchten dies die übrigen Asyliften zu ber hindern und bemarfen den Schuppalizisten mit Steinen und Flaschen. Nachdem diefer zwei Schredschüsse abgegen hatte, konnte er Boigt ohne weitere Zwischenfälle zur Wache bringen. Eine öffentliche Kundgebung für deutsch- franzöfifche Berständigung ber anstaltet der Bund der Kriegsdienstgegner der Deutschen Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Berlin, und der Internationalen Frauenliga für Frieden und abends 8 Uhr, in den Spichernjälen, Spichern Bioch- Paris, Toni Sender, M. d. R., Gerhart Seger, Generalsekretär der Freiheit heute, straße 2( Untergrundbahnhof Nürnberger Plak). Es sprechen Georges Deutschen Friedensgesellschaft. Leitung: Albert Faltenberg. Mehrere Blumenfilme werden im Rahmen der Monatsversammlung ber Deutschen Gartenbau Gesellschaft am Donnerstag, den 18. März 1926, abends 7 Uhr, im Hörsaal 6 der Landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin N. 4, Invalidenstr. 42, mit erläuternden Vorträgen zur Bor führung gebracht. Außerdem stellt die Firma Ad. Grille, Berlin- Weißenfee, einige schöne Blumen zur Schau. Der Eintritt ist frei. Pflege und Ernährung des Säuglings. Am Donnerstag, den 15. April bahnhof Bestend) ein Kursus für Mütter und Mädchen, in dem alles bas beginnt im Auguste- Bittoria- Hans, Charlottenburg, Frantstr. 3( Straßen theoretisch und praktisch gelehrt wird, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen muß. Der Kursus umfaßt vier Doppelstunden, jeweils Donnerstags von 3-5 Uhr. Die Einschreibegebühr von 8 M. ist im Bureau der Anstalt zu entrichten. Stapellauf der neuen Schiffe für den Ostpreußendienst. In Stettin fand gestern der Stapellauf der für den Secdienst Ostpreußen- Danzig bestimmten neuen Fahrgastschiffe statt. Aus diesem Anlaß hat Reichsverkehrsminister Dr. Krohne an den Oberpräsidenten Lippmann in Stettin, den Chef der Wasserbaudirektion, welche die Bauaufsicht führt, folgendes Telegramm gesandt:„ Der feltene Fall eines doppelten Stapellaufs sei Wahr. zeichen unseres unerschütterlichen Zusammenhaltens mit Ostpreußen und der Unlösbarkeit menschlich- fultureller Bande mit alter Hanje. stadt Danzig. Möge freie deutsche Seeverbindung mit Schiffen Preußen“ und„ Hansestadt Danzig" in diesem Sinne auf jeder Fahrt erneutes Treugelöbnis bedeuten Auch dem Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Siehr sandte der Minister eine Glückwunsch- Drahtung mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der verbesserte Verkehr zur wirtschaftlichen hebung Ostpreußens beitragen und recht vielen Deutschen persönliche Kenntnis der schönen Brovinz vermitteln möge. In einem Telegramm an den Präsidenten Sahm des Senats der Freien Stadt Danzig wünscht der Minister, es möge der Seedienst in Danzig das Bewußtsein flärfen, daß das Reich die wirtschaftlichen und fulturellen Beziehungen zu Danzig ftets pflegen werde. . 00000008080-08080408080-08080-08OOOOOOOOOOO- DEE0080800 容 25 Aus Anlaß unseres jährigen Bestehens veranstalten wir einen Jubiläums- Verkauf zu ganz erstaunlich billigen Preisen Jugendl. Glocke Liseret mit Bandgarniinr. 275 Oberhemden farbig, durchgehend Perkal, mit Kragen und Umschlagmanschetten 390 Herren- Hüte weich, moderne Formen und Farben 290 Trotteur Liseret flott garniert. 390 Kleiderstoffe Seidenstoffe Satin bübsche Blumenmuster, Meter 1.45 Seiden- Duvetine Foulé- Tuch Bore Meter 1.75 großes Farbensortiment mit bestickter reine Wolle, Popeline moderne Farben, gestreift, ca. 100 cm breit.... reine Wolle, Meter 2.90 Cheviot elfenbein Streifen, schwere quanbein mit farbiger 2.90 Kascha Km 140 cm. Meter 2.90 für Kostüme und Mäntel, ca. Schürzen Knaben- Schürzen mit bübsche Meter Damen- Konfektion Damen- Kleid gestreift oder 0.95 kariert, in vielen Ausführungen in verschiedenen Streifen mit Lackgürtel Kunstseide Waschbar, Meter 1.65 Damen- Kleid Kunstselde, Eolienne oppettbrett. Meler 1.95 Bastseide naturfarben.. Meter 2.95 Waschseide doppeltbrett, 2.95 großes Farbensortiment... Rohnessel Meter Baumwollwaren Madapolam 3.95 5.95 Schottenkleid langer mit Arm, aufge, 6.90 setzten Taschen und Knopfgarnierung Damen- Kleid Foulardine, 9.50 moderne Karos, m. schwarzer Blende garniert Kinder- Konfektion Kinderkleid aus gutem Stoff, mit großer 0.68 Iräftige Qual, ca. 80 cm be. Mt. 0.48 für feine Leibwäsche, ca. 80 em 0.85 modern verarbeitet, mit plissSpieltasche in drei Größen. Hänger- oder Schulschürzen in den neuesten Ausführungen, 1.50 prima Water oder Satin. Jumper- Schürzen blauweiß gepunkt od gestreift 1.25 Jumper- Schürzen aus prima Stoffen, auch Satin, 1.95 nur hübsche Muster..... Wiener- od. JumperHemdentuch starkfädig Louisianatuch breit Meter 0.48 Schürzenstoff Kissenbreite, bewährteQual. Mtr. Louisianatuch Deckbettbreite, bewährte Qualität. Bettzüchen Kissenbreite. Bettzüchen Schürzen extra welt. 2.95 Dedebettbreite.... 0.78 .. Meter 1.25 Meter 0.85 Meter 1.35 Wirkwaren Schlupfhosen für Damen, gute Qualität, Doppelkeil viele Farben. Schlupfhosen Damen, Kunstseide, 0.95 selve gutes Fabrikat, viele moderne Farben. 1.95 Hemdhosen für Damen, Kunstseide, gute Qualität, moderne Farben. 2.95 ca. 115 cm breit, in vielen Mustern Meter Meter 0.95 Rohnessel ca. 140 cm breit, mit kleinen Feblern Meter 0.95 Bett- Satin Kissenbreite 1.25 Meter breite Meter 1.95 Küchenhandtücher Gerstenkorn, gesäumt und geb. in vielen Mustern, besonders gute Qualitat, ca. 46X100 cm... Deckbett lertem Kragen und aufgesetzter 3.45 Tasche, ca. 45-60 cm lang.. 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Volksbühne Großes Neues Th. am Zoo Allabendl. 8 Uhr: Guido Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbanerdamm 8 Uhr 8 Uhr: Staats- Theater Lessing- Th. Sturmflut Der Tausch Thielscher Opernhaus 8 Uhr: Salome Opernhaus am Königsplatz 8 Uhr: Tiefland Schauspielhaus 8 U: Duell am Lido Schiller Theater 8: Spiel des Lebens Städtische Oper Charlottenburg 8 Uhr: Rheingold Abonn.- Turnus I 8 Uhr: Gastspield Saltenburgs Bühnen D. fröhliche Weinberg Kleines Th. 81 Uhr: Ein Spiel von Tod u. Liebe v.Romain Rolland Residenz Theat. 8: Foppke, d. Egoist Deutsches Theater Rommer, Sabo Norden 10334-38 8 Uhr: Limburg Morgen 8 Uhr: Sturmflut Morgen 8 Uhr: Der Tausch Komische Oper 81/4 Direktion James Klein 81/4 Die Neue Revue Dich CHARELL- REVUE TÄGLICH 84 in Stöpsel KleinePreise: Parketi1-2M. Park.- Faut.3-4 M. Orchest.Fauteuil 5 M. Sessel 6 M. Berliner Theater Vorverkauf ununterbrochen 8 Uhr Messalinette Berlin Hemd Trianon- Theater Revue der Zukunft in 16 Bild. u. a.: Japan in allen Jahreszeiten Der Komponistenball/ Der Traum d. Malers : Das Fest der Millionäre: Preise 1-7,50. Logen und Klubsessel 10, Sin ungelöstes Rätsel Manege- Mysteriums Juarez und 8: D. alte Dessauer Mange- Uhr den Zuschauern aut: Thalia- Theater gibt der Schlußakt des Cagliostro Maximilian Charlé, Vespermann Wo bleiben die Toten? Kammerspiele Thl.d.Kommandantenstr. Norden 10334-38 84 Uhr Josephine Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Unr Werckmeister 8 Uhr: 36 Männer und Fracen treten den Todesmarsch in die Fluten der Seine an, chne wieder aufzutauch. Vorh. d. gr. Circ.- Progr. mit M. Szeny im Lene, Lotte, Liese P Wessely, Dora, Baselt Barnowsky- Bühnen Theater Höniggrätz.Str. T.:Hasenheid.2110 18 Uhr: Viktoria Mrs.Cheneys Ende 11.30 Nachtvorst. 11.30 Homödienhaus Sennah. u. 5ommt. Tel.: Norden 6304 Die drei Losgelassenen Else Eckersberg 8 Uhr: Circus Busch WINTER GARTEN Los 3 Codonas Hochfurner in höchster Vollendung im Rahmen eines abwechslungsreichen Varieté Spielplans. Wilhelm Bendow Der Garten Eden Sonntag nachm. 3. U. halbe Preise Curt Bois Theat.d. Westens 8 Uhr: Unt. pers. Leitung des Komponisten Prinzess. Husch Operette v. Ang. Neidhardt Die Tribune Tel.: Wilhelm 5365 8 Uhr: Die neuen Herren Metropol Theater Tägl. 8 Uhr Musik von Lee Jessel No no Nanette Rauchen gestattet! Reichshallen- Theater Abends 8 U., Sonntag nchm.3U. Stettiner Sänger Heu: Der letzte Postillion Machm- halbe Preise. Volles Programm Dönhoff- Brettl 10 Nummern! Tanz und Urfidelitas! Zentr. 2391 Casino- Theater Täglich 8 Uhr Nur noch bis18.März Helenes Liebesabenteuer 19. März z. 1. Male: Eine Nacht im Fahrstuhl Admiralspalast Täglich 8 Uhr. Nur noch bis 31.3. Haller- Revue Th. a. Hollendorfpl. Achtung Welle 505 8 Uhr: Volkstüml. Woche Die offizielle d. ganze Vorst. Berlin lacht Frau Operette in 3 Akten halben Pr. von 8 bis 12 Prelse 1 M. bis 8 M. 1.- bis 8.-M. d.neuen Einakter Walhalla Morgen 250.Auff. Die Revue SCALA 8 Uhr: Ratoucheff's Puppenladen und weitere Th. Weinbergsweg Tägl. 8 Uhr: Die kleinen Vagabunden Musikalisches Sensationsst. Sonntg.nchm 4U: Das tapfere Schneiderlein Sonntg.- Vorst. 3 Uhr nachmittags und 8 Uhr abds KrauseRose- Theater Pianos 10 Künstlertruppen 8% Uhr: Die vier von Weltruf Th. in d. Lützowstr. Tägl. 8 Uhr: Lempke's Schlaumeier Central- Theater 8 Uhr: Eva Bonheur Ilka Grüning zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße sel. Witwe W. Hagenbeck Musik v.Dr.R.Hirsch Volkstümliche Preise 1-4 M. Im Vorverkauf Theaterkasse Wertheim 20% Ermäßigung Deutsches Künstl.- Theater 8 Uhr: Paganini Th. a. Kurfürstendamm 8 Uhr: Die Radhi der Nächte Lustspielhaus 8 Uhr: Die rote Cléo Wallner- Theater 8 Uhr: Das Welttheater der Tiere Nürnberger-, Ecke Tauentzienstr. 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Und es war einigermaßen erstaunlich, beinahe auf keinerlei Kritik der amerikanischen Neuheit zu stoßen, deren Charakteristikum eben darin besteht, daß in diesen Warenhäusern und ihren Verkaufsstellen sämtliche Artikel zu Einheitspreisen verkauft werden. Um 50 Pf., oder auch um 1 M. ist alles zu haben was das Herz begehrt. Nun ja, 50- Pfennig- Basare hat es schon zur Kindheitsperiode der jetzigen Generation gegeben, aber es lebt tein Mensch in Deutschland, der damals die Empfindung gehabt haben könnte, daß dieses Einheitspreissystem auch nur einen Borzug gegenüber dem üblichen privatwirtschaftlichen Warenhandel aufgewieſen hätte. Und demgemäß vegetierte dieses„ allerneueste" Berkaufssystem, das immerhin schon 40 bis 50 Jahre alt ist, in einigen Eremplaren der Groß- und Mittelstädte nur so dahin. Ganz richtig bemerkte die Metallarbeiterzeitung", daß der Erfolg dieser Warenhäuser mit Einheitspreisen davon abhänge, daß sie ihre Vorräte fortlaufend erhalten, und nicht nur Ramschwaren anbieten tönnen". Haben Einheitspreise verbilligende Wirkung? Was an der Idee der 50- Pfennig- Bajare Gutes war, das haben die großen, zur Vollkommenheit ausgebauten Warenhäuser begriffen, indem sie dafür sorgten, daß man sich von der Wiege bis zum Grabe" an Ort und Stelle fleiden und die Haushaltung einrichten konnte. Wenn auch nicht zu Einheitspreisen. Diese Einheits preise werden zu einer Eintagsfliege werden, denn es ist bei aller Anerkennung amerikanischer Typisierung doch recht schlecht einzufehen, wie Qualität der Waren verschiedenster Art, Geschmack alles und Ansprüche der Bevölkerung und noch die Preise dazu unter einen 50- Pfennig- oder 1- Mart- Hut gebracht werden können. Man tann Autos, Maschinen, Fensterrahmen und Häuser, Ver: fehrsmittel und noch einiges dazu normen und typisieren gibt Beispiele dafür was fein Unglüd ist. Aber eine Dummheit wäre es, zu glauben, daß der Riesenkompler der Warenbedürfnisse für den menschlichen Haushalt auf dem Wege der Einheitspreise verbilligt werden könnte. Amerika Und darauf kommt es doch an. Nicht darauf, ob eine Idee aus dem Lande Barnums„ Erfolg" hat, oder nicht. Denn dieser etwaige Erfolg würde allenfalls ein solcher des Kapitalprofits und weder der Verbraucher im allgemeinen, noch der Arbeiter im befonderen sein. Das Filialsystem. Etwas anderes ist es, wenn der befannte Staatsjefretär a. D. Prof. Dr. Hirsch bei einem Vortrag in der Weltwirtschaftlichen Gefellschaft und bei anderer Gelegenheit den Gedanken einer hori Reichsfinanzen und Wirtschaftskrise. Die Entwicklung im Februar. Zum ersten Male seit langer Zeit ist bei den monatlichen Steuereinnahmen des Reiches eine Mindereinnahme gegen über dem Voranschlag eingetreten. Der Reichsfinanzminister hatte im Haushaltsausschuß die Einnahmen für Februar auf 474 Millio. nen Mark geschätzt. Nach dem Ausweis des Reichsfinanzministeriums find tatsächlich nur 467 Millionen eingegangen, so daß sich eine Mindereinnahme von rund 7 Millionen ergibt. Hierbei ist aller dings zu berücksichtigen, daß sowohl bei der Vermögenssteuer wie bei der Umsatzsteuer infolge der Wirtschaftskrise größere Stun. dungen erfolgt sind, die somit gewisse Reserven darstellen. Zum ersten Male läßt sich aber auch die Entwicklung der Reichs. finanzen durch zwei Jahre stabiler Währung vergleichen, so daß man das Ergebnis des letzten Monats mit dem Aufkommen der Monate Februar 1925 und Februar 1924 gegenüberstellen kann. Diese Vergleichung wird zugleich wichtige Schlußfolgerungen über den Ein.. fluß einerseits der Steuersenfungen und andererseits der Wirtschaftsfrise auf die Reichsfinanzen ermöglichen. Sie ergibt sich aus folgender Uebersicht: Auftommen in Millionen Mart Lohnsteuer. Febr. 1924 Febr. 1925 Febr. 1926 64 123 81 " zontalen Vertrustung der Handelsgeschäfte vertrat und eine Verbreiterung des Filialsystems" forderte, um die ungeheuren Kosten der Warenverteilung zu vermindern. Aber dieser Gedanke, dem eine rein privatwirtschaftliche DenkWirtschaftsform enthalten und man braucht diese wirklich nur weise zugrunde liegt, ist im Wesen der genossenschaftlichen auf nationaler Stufenleiter" zu entwickeln, wie einmal Karl Marx sagte, um ihre Erfolge in einer Verminderung der Kosten der Waren verteilung zu ernten. Dann aber nicht für den Kapitalprofit, jondern für den genossenschaftlich organisierten Verbraucher. Und das ohne jede Schädigung wirtschaftstultureller In teressen, die schließlich doch auch noch etwas wert sind für das elementare menschliche Streben, das Leben lebenswert zu machen. Die genossenschaftliche Konzentration der Warenverteilung. Die großen Konsumgenossenschaften haben flottgehende Warenund Geschäftshäuser, müßen also eine kapitaliſtiſche Wirtschaftsmethode für die genossenschaftliche Wirtschaftsform aus mit einem Erfolg für die Verbraucher. Und was die„ Berbreiterung des Filialsystems" angeht, wo Hunderte von Verkaufsstellen einem fapitalistischen Unternehmen oder einem Konzern gehören und nach einheitlichen Gesichtspunkten geleitet werden, wer sollte nicht erkennen, daß gerade die Konsumgenossenschaften dieses System im großen Umfange entwickelt haben; das beweist, daß diese in der Tat den geschäftlichen Grundgedanken eines rationellen Warenverteilung längst richtig erfaßt und ihm zum prattischen Erfolg verholfen haben. Dieser Erfolg gehört allerdings wiederum den genossenschaftlichen Verbrauchern, nicht dem Kapitalprofit. Bem nun lezten Endes die größten Erfolge in dem stillen Ringen nicht nur um die Seele des Käufers, sondern um eine neue Wirtschaftsform beschieden sind, fann dem tiefer blickenden Volkswirtschafter faum zweifelhaft sein. Die privatkapitalistische Wirt schaft normt und typifiert Waren; denn mit Menschen kann man dies nicht machen. Die genossenschaftliche Wirtschaft aber organisiert Menschen, da man sie nicht normen und typifieren kann. Und darin ist der ungeheure Vorsprung der genossenschaftlichen Wirtschaftsform begründet, daß die für einen Wirtschaftszwed organisierten Menschen durch ihre Organisation die ungeheuren Kosten der Warenverteilung vermindern können, ohne durch willkürliche, mechanische Einheitspreise der Qualität, dem Geschmack und dem Bedürfnis Gewalt anzutun und den Erfolg als Kapitalprofit dem Industrie- oder Handelskapital, oder beiden zusammen in die Tasche zu jagen. Die volkswirtschaftliche Zweckmäßigkeit der genossenschaftlichen Warenverteilungsmethode und die Ueberlegenheit der genossenschaft lichen Wirtschaftsform gegenüber der kapitalistischen sind also feststehende Tatsachen. Und es handelt sich wirklich nur darum, aus diesen Tatsachen die volle Nuzanwendung zu ziehen, indem man unablässig an der Ausbreitung des Genosenschaftsgedan. tens und an der Ausdehnung der Genossenschaftswirt. schaft arbeitet. ff. Gegenüber dem Februar 1924 beträgt der Ausfall 35 Broz, während der Steuersatz jest um drei Fünftel niedriger ist als damals, so daß in eng der Ausfall eigentlich 60 Proz. betragen müßte. Gegenüber dem Februar 1925 beträgt der Ausfall 44 Proz., während bei einer Senkung des Steuerfazes um die Hälfte sogar ein Rückgang von 50 Pro3. erwartet werden mußte. Auch hier zeigt sich also, daß die Senfung des Steuerfazes nicht entfernt die Wirkung auf den Steuerertrag ausübt wie die Wirtschaftslage. Die weitere Senfung der Umsatzsteuer auf die Hälfte ihres jetzigen Sazzes stellt also an fich feine Gefährdung der Reichsfinanzen dar. Im Gegensatz zu Lohn- und Umsatzsteuer weisen die Zölle und Verbrauchssteuern feinen Einnahmeausfall auf. Ihr Ertrag hat sich sogar gegenüber dem Februar 1924 unter dem Einfluß der gehobenen Lebenshaltung und der erhöhten Steuersäge mehr als verdoppelt. Hieran ist in erster Linie die Tabaksteuer beteiligt, deren Aufkommen sich mehr als verdreifacht hat, aber auch Zölle, Zucker- und Biersteuer haben mehr als das Doppelte gebracht. Zusammenfassend ergibt sich, daß der Ertrag der Maffenbelastung zwar gegenüber dem Februar 1925 zurückgegangen ist, gegenüber dem Februar 1924 aber noch ein Mehraufkommen von 85 Millionen, d. h. mehr als ein Drittel, aufweist. Dagegen ist der Ertrag der Besihbelastung noch um 36 Millionen oder rund ein Sechstel niedriger als im Februar 1924. Im Gesamtergebnis ist also nicht die Massenbelastung zurückgegangen, sondern die Besitzbelastung, obgleich diese gar nicht unmittelbar unter dem Einfluß der Wirtschaftsfrise steht. Daher ist auch der prozentuale Anteil der Massenbelastung am Gesamtaufkommen nicht gesunken, sondern sogar noch gestiegen. Er betrug im Februar 1924 erst 55 Proz., im Februar 1925 schon 65 Proz. und im Februar 1926 sogar 67 Proz. Das erste Ergebnis der Reichseinnahmen, das voll unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise steht, hat also an dem Verhältnis zwischen Besitz- und MassenAls erstes ergibt sich ein erheblicher Rückgang des Lohnsteuer- belastung nichts geändert. Die Massenbelastung ist der hauptsäch lichste Träger der Reichsfinanzen geblieben. Umsatzsteuer Beförderungssteuer. Zölle u. Verbrauchssteuern Massenbelastung. Bejizbelastung. Gesamtaufkommen. 103 127 70 21 16 63 149 148 230 420 • 188 228 418 648 315 152 467 Anteil der Massenbelastung 55 Proz. 65 Proz. 67 Proz. ertrages, aus der im Januar 1926 noch 105 Millionen Mark aufgekommen waren. Dieser Ausfall hat zwei Ursachen: zum erstenmal hat sich die Ermäßigung der Belastung durch die Erhöhung des Steuerfreien Lohnbetrages vom 1. Januar ab auf 100 Mark monatlich voll ausgewirft und zum erstenmal hat sich gleichzeitig die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in ihrer ganzen Schwere geltend gemacht. Da die Kurzarbeiter für die Lohnsteuer ebenfalls voll ausfallen. wird man mit einer Verminderung der Zahl der Lohnsteuerpflichtigen um rund 4 Millionen rechnen können. Da das etwa einem Fünftel aller Lohnsteuerpflichtigen entspricht, so ist hierdurch allein schon ein Rückgang des Ertrags um 20 Pro3. hervorgerufen worden. Ohne Einfluß der Arbeitslosigkeit wäre daher ein Monatsaufkommen von 100 Millionen Mark zu erwarten gewesen, so daß der Voranschlag auch nach der Steuerfenfung erreicht worden wäre. Gleichwohl ist das letzte Monatsaufkommen noch um 17 Millionen höher als im Februar 1924. Denn damals waren die Löhne um etwa 50 bis 60 Proz. niedriger als heute. Deshalb mußte der Lohnsteuerertrag viel geringer fein, obgleich die Steuerbelastung bei einem steuerfreien Lohnbetrag von nur 60 Marf monatlich erheblich höher und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit bedeutend niedriger war. Das beweist deutlich, daß die Höhe des Lohnsteuerertrages in erster Linie nicht durch die Höhe der Steuerbelastung bestimmt wird, sondern durch Lohnhöhe und Arbeitslosigkeit, also durch die Wirtfchaftslage. Diefer Zusammenhang tritt noch flarer bei der Umsatzsteuer hervor. Ein Vergleich mit den Monaten Februar 1925 und 1924 zeigt im Gegensatz zur Lohnsteuer bei der Umsatzsteuer in beiden Fällen einen Rüdgang. Dieser Rüdgang ist aber nicht so groß, wie aus der Senkung des Steuersatzes hätte erwartet werden müssen. Dresdner Bank. Gute Gewinne. Das Dogma von den niedrigen Löhnen. Der Jahresbericht der Dresdner Bank, die als vorletzte der Großbanken ihre Bilanz vorlegt, enthält in seinen Grundzügen, aber noch viel schärfer ausgeprägt, ähnliche Erscheinungen wie diejenigen der bereits bekannten Abschlüsse. Der Umsatz hat sich ge= waltig gehoben, nämlich von 84,3 auf 118,6 Milliarden M. Der ausgewiesene Reingewinn von 8,35 Millionen M. spiegelt nur zu einem kleinen Teil den tatsächlich erzielten Ueberschuß; ist doch die Bilanz von allen unsicheren Poften bereinigt worden, ohne daß wesentliche Abstriche auf der Vermögensseite erkennbar wären, während außerdem noch die zur Organisation des Betriebes erfolgten Beschaffungen von Maschinen einfach auf Handlungsunfosten, nicht auf Kapitalfonto verbucht wurden. Stille Reserven stecken in den eigenen Wertpapieren, die mit 13,8 Millionen etwas höher als im Vorjahre ausgewiesen werden, aber zum Zwecke der Kursstüßung im vorigen Jahre billig getauft und teilweise bereits wieder mit gutem Gewinn abgestoßen worden sind. So will es für die Beurteilung des Gewinns wenig besagen, wenn eine Dividende von nur 8 Proz. ausgeschüttet und ein weiterer Betrag von 1,6 millionen dem Reservefonds zu einer Auffüllung auf 25 Millionen zugeführt wird. Auch die Dresdner Bank hat gut a b gefchleifen, obwohl sie gleich den anderen Banken von den geschäftlichen Möglichkeiten infolge der allgemeinen Bertrauensfrise am Geldmarkt nur beschränkten Gebrauch gemacht hat. Donnerstag, 18. März 1926 Die erhöhten Bilanzsummen sind zu einem wesentlichen Teil das Ergebnis der gestiegenen Umfäße und der Neuaufschließung von Geschäftsmöglichkeiten, wie sie sich erst nach Abschluß der Stabilisierungsperiode ergaben. Aktiva und Passiva sind mit 1162,9 Millionen um 368 Millionen höher als im vorigen Jahre. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Ausleihungen noch wesentlich mehr zu steigern als es geschehen ist. Die Bank hat darauf weitgehend verzichtet, weil sie sich flüssig halten wollte. Daher konnte sie auch ihre Liquiditätsziffer, die das Verhältnis von furzfristig fälligen Forderungen zu den gleichfalls furzfristigen Verbindlichkeiten spiegelt, ron 60 auf 62 Proz. verbessern. Einzelne Konten zeigen deutlich die verkehrs. So ist besonders interessant die Zunahme der Darlehen Neuaufnahme der Geschäftstätigkeit und die Ausdehnung des Kreditgegen verpfändete börsengängige Wertpapiere von 3,7 auf 34,2 Millionen M. termingeschäfts. Die Finanzierung der Wareneinfuhr eine Folge der Einführung des Börsenließ die Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen von 77,5 auf 138,8 millionen M. steigen. Die Gläubiger der Bank, unter denen sich vor allem die Einleger befinden, wuchsen von 684,8 auf 1003,7 Millionen an. Die kurzfristigen Einlagen sind durch die flüssigen Mittel überreichlich gedeckt. Der Reingewinn der Dresdner Bank wird ausgewiesen, obwohl die Einnahmen aus Wechseln, Zinsen nud Provisionen gegen das Vorjahr niedriger angegeben werden. In der Hauptsache war es nur möglich dadurch, daß die Handlungsunkosten um mehr als 6 Millionen auf 55 Millionen gesenkt wurden, und dieses Ergebnis ist um so erstaunlicher, als nach der Erklärung der Verwaltung dieses Kento infolge der Pensionen und Abfindungen und auch durch die Beschaffung der erwähnten Bureaumaschinen vorbelastet gewesen ist. Der Personalabbau wurde fortge. setzt; beschäftigte die Bank vor dem Kriege nur etwa 4000 Angestellte, so waren es am Ende der Inflation 24 700 wobei allerdings wie auch später die inzwischen erfolgten Erweiterungen berücsichtigt werden müssen und Ende 1924 insgesamt 11 567, Ende des letzten Jahres 9484 Angestellte. Damit ist aber der Per. fonalabbau noch nicht erschöpft; man gedenkt im Laufe dieses Jahres noch weitere Einschränkungen durch die Mechanisierung des Betriebes zu ermöglichen. Nicht so start wie der Abbau der Angestelltenschaft im allgemeinen war die Einschränkung des Bedarfs an höheren Beamten und Angestellten. Diese sind von einem Höchststand von 2000 auf 1065 eingeschränkt worden. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwähnen, daß auch die Leiter dieser Bank noch an dem Unternehmerdogma von der„ Notwen digkeit niedriger Löhne" bei Ablehnung der Tarifverträge festhalten und dabei ganz in den reaktionären Gedankengängen der Arbeitgeberverbände befangen find. Im laufenden Jahre hat der offene Geldmarkt eine weitere Senkung der Zinsfäße gebracht; man rechnet jedech damit, daß sich das in den Einnahmen der Bank nicht auswirken wird, weil den sinkenden Zinseinnahmen aus dem wachsenden Effektenverkehr und insbesondere aus der Unterbringung von Hypothekenpfandbriefen neue Einnahmequellen gegenüberstehen. Die Hypothekenbank der Preußenkaffe. In der Generalversammlung der Deutschen Genoffen fchaftshypothekenhant A.-G. wurde der Geschäftsbericht Hypothekenabteilung der Breußischen Zentralgenossenschaftskaffe, die und die Bilanz, für 1925 vorgelegt. Die Bant iſt gewiſſemmingen bie ihrerseits bekanntlich die Zentralbant der Genossenschaften Preußens ist. Die Hypothekenbant versorgt landwirtschaftliche Grundstücke mit Hypotheken. Sie hat am Schlusse des Jahres einen Hypothefenbestand von 372 Darlehen in Höhe von 7103 000 m. Davon waren 350 Bosten im Betrage von 1000 bis 50 000 m. mit einer Gesamtsumme von 4 157 000 m. Der höchste Posten liegt zwischen 400 000 bis 500 000 m. Die 3infen sind restlos eingegangen. Die Mittel wurden beschafft durch acht- und zehnprozentige Goldhypothekenpfandbriefe und zehnprozentige GoldGesamtnominalbetrage 6 350 850 m., die, mit Ausnahme von 675 050 m. vorher heraus. gegebenen Schuldverschreibungen 1925 zur Ausgabe gelangten. Die Gesellschaft hat, wie aus der Bilanz ersichtlich, von der Rentenbanttreditanstalt 1775 000 Darlehen aufgenommen, die sie als Hypotheken weitergegeben hat. Sie erzielte einen Reingewinn von 324 284 m., aus dem auf 2,5 Millionen eingezahltes Aktienkapital eine Dividende von 6 Proz zur Ausschüttung gelangt. fommunalschuldverschreibungen im von Bom Hypotheken- und Pfandbriefgeschäft. Die Banten machen neuerdings gern in Mittelstandsfreundlichkeit. So war es inter essant, daß die Verwaltung der Berliner Hypothefenbant A. G. in ihrer Generalversammlung sich gegen den Vorwurf ver wahrte, als ob sie nur an den Großgrundbefiz Hypotheken gebe; sie beleihe, so erklärte fie, auch in hervorragendem Maße den landBerwaltung hervor, daß fie fich auch mit der Beleihung von Neuwirtschaftlichen Mittel- und Kleinbesig. Weiter hob die bauten beschäftige und daß sie für 500 Neubauten im abgelaufenen bauten würde erheblich erleichtert werden, wenn sich die Gemeinden Geschäftsjahr Hypotheken hergegeben habe. Die Beleihung von Neuin größerem Umfange, als es bisher geschehen ist, dazu entschließen fönnten, die notwendigen Bürgschaften für die Beleihung zu übernehmen. Die Verwaltung bestätigte, was auch schon bei Generalversammlungen anderer Hypothekenbanken gesagt worden ist, daß der Pfandbriefumsaß zu Beginn des Jahres sehr starf war. Er mußte abgestoppt werden, weil es nicht möglich war, die notwendige Hypothekenunterlage zu beschaffen. Die Gesellschaft hatte am 31. Dezember 1924 einen Pfandbriefumsay von etwas 2 Millionen Umfag. Die Gesellschaft erzielte einen Gewinn von 327 866 Mark bei einem Aktienkapital von 2 Millionen Mart, und verteilt hieraus eine 10prozentige Dividende. lionen Mart und am 31. Dezember 1925 von über 14% Mil Klagen und Gewinne. Welchen Wert die Klagen der Tertil industrie haben, darüber erhält man sehr interessanten Aufschluß aus dem der Generalversammlung vorgelegten Abschluß der Anton und Alfred Lehmann 2. G. Diese konnte für ein Aktienkapital von 2 405 000 m. einen Reingewinn von 651 307 M. erzielen, das heißt, sie hat rund ein Biertel ihres Attienkapitals rein verdient, und das, obwohl, wie sie felbst angibt, der Umsatz zeitweise sehr zu wünschen übrig ließ. Also auch hier das Inflationsgroßer Nuzen. Die Aktionäre erhalten prinzip: Geringer Umsag 12 Proz. Eine Illustration zu der ständig wiederkehrenden Be hauptung von dem schlechten Eingang der Außenstände gibt die Tatsache, daß von den in der Bilanz mit 2 095 000 m. ausgewiesenen Außenständen bis zur Generalversammlung( 15. März 1925) eine Million Mark eingegangen sind. Im laufenden Geschäftsjahre hat fich die Nachfrage etwas gehoben. Es war möglich, das große Lager, welches auf Grund nicht abgerufener Orders entstanden war, zu verkleinern. Der Absah des Deutschen Kalifyndifats G. m. b. H. im Februar 1926 betrug 1855 098 Doppelzentner Reintali. Der Gesamtabsag in den ersten 10 Monaten des Düngerjahres 1925/26 ( 1. Mai bis 30. April) beträat 9 271 520 Doppelzentner Reintali gegen 9 322 838 Doppelzentner Reinkaii in den ersten 10 Monaten des Düngerjahres 1924/25. Kulturfragen im Reichstag. Heute Abstimmung über die Mißtrauensanträge. Der Reichstag überwies gestern zunächst ein Gesuch der Staatsanwaltschaft Stettin um die Genehmigung zur Strafver folgung des Abgeordneten Passehl( S03.) wie üblich Dem Geschäftsordnungsausschuß. Darauf wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums bei dem Titel Kunst und Wissenschaft fortgesetzt. Zu den Titeln Schule, Bildung, Sport und Leibes. übungen begründet Abg. Dr. Löwenstein( S03.) einen von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Gese 3 entwurf, wonach als Vorbildung für die Lehrer bildung nach Artikel 143 der Reichsverfassung der erfolgreiche Besuch einer Bollanstalt( Reifeprüfung) festgesetzt wird. Es ist bezeichnend, daß nach den Beschlüssen des Ausschusses für Erziehungsbeihilfen 600 000 m. bewilligt werden sollen, während allein Nach Angriffen des Abg. Schulze- Frankfurt( Dnat.) auf das Syftem der Elternbeiräte, begründet Abg. Rheinländer( 3.) einen Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, mit Rücksicht auf die Erflärung der Reichsregierung vom 26. Januar 1926, auf dem Gebiete der Schulpolitik wird die Reichsregierung die Lösung anstreben unter Wahrung der in der Verfassung gewährleisteten Gewissensfreiheit und unter Berücksichtigung der Elternrechte", den Entwurf eines Reichsschulgefeges beschleu nigt vorzulegen. Der christliche Charakter der Schule müsse auch fünftig gewahrt werden. Abg. Schred( S03-) weist darauf hin, daß es durchaus falsch sei, gegen die Erscheinungen des Kitsches und Schmuzes mit Muckergesetzen vorzugehen. Die Erfahrungen beweisen, daß dadurch gerade das Gegenteil erreidt wird. Reich, Länder und Gemeinden sollten in Verbindung mit der Schule, der Familie und den Vereinen viel stärker zu der alten guten Gitte des gemeinsamen Lesens des Buches zurücklehren und damit die Buch gemeinschaften schaffen. Diese Aufgabe hat sich auch die Arbeiterschaft durch die Gründung des Bücherfreijes gestellt. Auf dem Gebiet des Kinowesens ist schon eine gewisse Besserung eingetreten. Beim Radio kommt es darauf an, daß wir dessen Verschandelung verhüten und daß vor allem die Heße, die mit dem Radio noch getrieben wird, zurückgedrängt wird. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Not des Theaters ist nicht zum wenigsten darauf zurückzuführen, daß das Reich die finanzielle Selbständigkeit der Gemeinden vernichtet hat. Es wäre noch viel schlimmer geworden, menn nicht die Besucherorganisationen den Kommunen eine gewisse finanzielle Sicherheit geboten hätten. Es muß erwartet werden, daß aus den erhöhten Mitteln die beiden Berbände der Boltsbühnen unterstützt werden, die gewiß in mancher Beziehung gegeneinander stehen. Es ist auch im Interesse derjenigen, die im Theater eine Eristenz suchen, notwendig, daß wir zu einem Reichstheater Gefeß fommen. Es wird soviel über die Verwilderung der Sitten geftöhnt, aber zu wenig die Arbeit beachtet, die in der Arbeiterschaft dagegen geleistet wird.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) für Pferdehaltung bei der Marine 655 000 m. eingesetzt worden sind.( Hört! hört! bei den Soz.) Wir beantragen demgegenüber die Erhöhung dieser Summe auf 1 Million Mart. Bei der Beratung des Grundschulgesetes im vorigen Jahre ist eine Resolution angenommen worden, wonach im Nachtragsetat be sondere Mittel eingesetzt werden sollen, um besonders be fähigten Kindern unbemittelter Eltern nach bretjährigem Besuch der Grundschule den Uebergang zur höheren Schule zu ermöglichen. Diese Mittel sind weder im Nachtragsetat noch jezt angefordert worden. Wir erwarten daher, daß das Haus unferem Antrag zustimmt. Der Berweltlichungsprozeß des Staates ist für uns nicht eine vorübergehende Periode, sondern der Ausdruck eines durch die Verfassung festgelegten und geschichtlich notwendigen Vorganges. Auch das Zentrum, das bei der Schaffung der Verfassung den Gedanken der Trennung von Stao: und Kirche für notwendig gehalten hat, müßte sich gegen Der neugebildete Ausschuß für Leibesübungen hat den deutschnationalen Antrag wenden, ungefähr 2 Millionen Marf nicht den Zweck, die materielle Seite dieser Frage zu erledigen. aus einem für Kulturzwede anzusehenden Fonds den kirchlichen Für ihn muß es in erster Linie darauf ankommen, die vielfach zu Körperschaften zu überweisen. Wir erwarten, daß das vom Reichs geringe Einschätzung der Leibesübungen zu überwinden. Die Ar innenminister angekündigte Reichsschulgeset nicht eine Auf- beiter wissen, daß sie durch den Sport ihrem Körper die Kräfte frischung des Schieleschen Entwurfes fei, sondern sich an die Ber zuführen, der sie fähig macht, an dem Kampfe teilzunehmen, der faffung halten wird. Die Sozialdemokratie hat große Opfer gelegten Endes der Befreiung der Menschheit dient. Wir müssen aber bracht, um dem deutschen Volke eine einheitliche weltliche Schule auch der Jugend die Freizeit gewähren, die sie zur üebung zu geben. Wir werden den angefündigten Entwurf daraufhin der Körperpflege nötig hat. Es wäre zu wünschen, daß der Minister prüfen, ob darin die durch die Verfassung gewährleistete allgemeine in dieser Beziehung sich auch die Arbeit seiner Geheimräte mehr Echule gesichert ist, wir werden feinen Entwurf afzeptieren, der den ansieht. Aus den arbeitenden Schichten sind Hunderttausende von Sinn der Verfassung in ihr Gegenteil umkehrt.( Beifall bei den Mart bereits zusammengebracht worden, um eine Hochschule Sozialdemokraten.) für Turnen und Sport zu schaffen. Wenn wir sie nicht mit Reniffine Outlaw- Moortens Co Mokom 8 5 9816 Ciulpreciinds Photoapparate, Feldstecher Inlerieren kaufen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 bringt ERFOLG. Und wenn einmal das Geld nicht reicht, kauft man bei ,, Feder" „ federleicht". 20% RABATT auf die geleisteteAnzahlung werden dem Vorzeiger dies. Inserat. in allen unseren Abteilungen sofort gutgeschrieben. Kredit on. 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Der bayerische Innenminister sagt weiter, daß in dem Film die Verdienste der deutschen Fürsten um das deutsche Bolt nicht gebührend gewürdigt worden seien. Die bayerische Regierung hat zu allerleht Grund, mit den Berdiensten der deutschen Fürsten zu prunten. Sie fann nicht eine Tatsache anführen, die den Fürffen zum Verdienst angerechnet werden kann. Gerade in Deutschland haben die Fürsten die größten Hemmnisse aufgerichtet, um das Zusammenkommen der Boltsstämme zu verhindern.( Sehr richtig! bei den Goz.) Das bayerische Verbot wird weiter damit begründet, daß in dem Film eine Gerichtsverhandlung gezeigt wird, in der ein Arbeiter verurteilt wird, weil er für irgendeine gewerkschaftliche Strebung eingetreten ist. Dadurch werde das Vertrauen zur Justiz untergraben. Nachdem aber selbst die bürgerlichen Barteien bis zu den Deutschnationalen dazu gekommen find, für die Abfindung der Fürffen ein Sondergericht vorzuschlagen, haben felbft diese Parteien ihr stärfites Mißtrauen gegen die deutsche Justiz zum Ausdruck gebracht. Weiter sagt der bayerische Minister, daß der Film zum Kampfe gegen den Krieg aufrufe. Wenn die pazifistische Bewegung Erfolge habe, dann sei es nicht möglich, Deutschland zur Wehrhaftigkeit zu erziehen, dann würden wir im tommenden Kriege wehrlos dastehen. In dem Film wird aber fein Land genannt, sondern die ganze Menschheit soll dahin geführt werden, für den Frieden zu wirken. Durch solche Borstöke reaktionärer Regierungen fann Deutschland im Auslande nur geschädigt werden. Ich spreche die Hoffnung aus, daß die oberste Brüfungsstelle sich gegen diesen Film nicht aufputschen läßt.( Leb. hafter Beifall bei den Soz.) Um 7% Uhr schließt die Aussprache. Ein völfischer Antrag, auf die Tagesordnung der morgigen Sizung die Vorgänge in Genf fetzen. wird gegen die Antragsteller abgelehnt. Darauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag mittag 12 1 Fortsetzung der heutigen Beratung. Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen den Reichsinnenminister. Wetterbericht der öffentlichen Welferdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Nach kurzer Erwärmung Eintrübung mit leichtem Regen. Dann wieder fühler und teilweise aufbeiternd. Deutschland. In Süddeutschland nach leichten Regenfällen Abkühlung und zeitweise aufheiternd. In Ostpreußen leichter Frost. Hartes Wasser braucht viel Seife! Partes Wasser enthält viel Kalk.( In Berlin ca. 10gramm in 100 liter!) 1 gramm Kalk macht etwa 15 gramm Seife unwirksam Die Folge ist: schlechtes Schaumen, teures Waschen, oft auch Glecke. Machen Sie das Wasser weich mit Henko Bleich Soda! 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Eigene Konditorei, eigene Kaffee- Lageret und Rösterei, eigene Molkeret gewährleisten die Güte der verabreichten Waren. Die übrigen Räume, in denen nach wie vor Voll orchester- Konzerte stattfinden, sind aufs Neue restauriert und ausgestattet worden. Vornehmheit, Solidität, nur das Beste bietend, waren stets meine Geschäftsprinzipien. Peter Stüber, Kaffeehaus Imperator Friedrichstr. 67, Mohrenstr. 49( Untergrundbahn) Verbandstag der Landarbeiter. Berlin, 17. März 1926. Ueber die Behandlung von Land- und Forstarbeiterfragen im Preußischen Landtag spricht Brandenburg- Magdeburg. Auf diesem Gebiete sei wichtige Arbeit geleistet worden. Interessant sei die Haltung der Kommunisten im Barlament. Sie stellten wohl den Antrag, die Vorläufige Landarbeitsordnung abzubauen, vergaßen aber, zu erklären, was an ihre Stelle treten soll. Wittowiti, Königsberg, betonte, daß dann, wenn die Wünsche der ostreußischen Landarbeiter weiter unberücksichtigt bleiben, man sich nicht wundern dürfe, wenn der angeblich dumme Ostpreuße auch einmal aus sich herausgehe. Frau 3ell, Magdeburg, stellte fest, daß die schlecht bezahl teste Kategorie in der Landwirtschaft, die der Landarbeiterinnen ist. Die Frau selbst müsse mithelfen, daß es anders werde. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. Anzeigen, welche für die Fettgedrucktes Wort 25 Pf. ( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche das 1. Wort( fettgedruckt) 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. nächste Hummer bestimmt sind, müssen bis spätestens 42 Uhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Vorwärts, Lindenstraße 3, abgegeben werden.Dieselbe istwochentags von morgens 6/2 Uhr bis nachm. 5 Uhr enunterbrochen geöffnet. Verkäufe Teppich- Schrager. Tagesgespräch beweisen meine konkurrenzlos billigen Teppiche. 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November 1908 find 1769 803 landwirtschaftlich tätige Schüler erfaßt worden. Im Jahre 1922 ist durch eine Umfrage des Kinderschutzverbandes erneut die Frage der Kinderarbeit in der Landwirtschaft aufgerollt werden. Die Bearbeitung dieser Umfrage erfolgte durch die Genossin Dr. Helene Simon in ihrem Buch " Landwirtschaftliche Kinderarbeit". Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags hat beschlossen, die Reichsregierung zu ersuchen, im Reichstage einen Gesezentwurf zur Regelung der Kinderarbeit in der Landwirtschaft vorzulegen, der die gleichen Mindestforderungen enthält, soweit solche bereits durch das Gesez betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben Don 30. März 1903 aufgenommen find. Der Antrag der Sozialdemokratischen Partei wird auf das nachdrücklichste durch den Deut schen Landarbeiterverband unterstüßt. Zu fordern ist auch die Ratifizierung eines Vorschlages des Internationalen Arbeitsamtes, der auf der 3. Jahrestagung in Genf( 25. Oktober bis 19. November 1921) angenommen wurde. Mehr als der vierte Teil aller Beschäftigten in der Landwirtschaft befindet sich im Alter unter 21 Jahren. So notwendig wie für die Landkinder die Sicherung des regelmäßigen Schulbefuchs und des Sayulerfolges sein muß, muß auch verlangt werden, daß die Jugendlichen in der Landwirtschaft Gelegenheit erhalten zum Besuch von Fortbildungsschulen bzw. besonderen landwirtschaftlichen Fachschulen. Der Betriebsschuh für Kinder und Jugendliche muß viel weiter ausgebaut werden. Die jetzt bestehenden Unfallverhütungsvorschriften genügen nicht mehr. In einigen Bezirken sind solche für Jugendliche in der Landwirtschaft Dorgesehen. Soweit dies der Fall ist in Schlesien, Ostpreußen und im Rheinland, jedoch nur bis zur Altersgrenze von 16 Jahren. Der Deutsche Landarbeiterverband hat aus eigener Kraft einen Tarifvertragsfchutz durchgeführt. In den Tarifverträgen ist das Lohn verhältnis der Jugendlichen von 14 Jahren ab überall geregelt. Gefordert werden muß die Abschaffung des Hofgänger Defens. Eine Forderung, die aber mit Erfolg nur durchzusetzen ist, wenn die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande sich wesentlich günstiger gestalten. fechs, I. Etage, am Rosenthaler Blag. Reikzeuge( Richter- Präzision). Sicer heits- Goldfüllfederhalter. Bureaubedarfs haus Lindner, Neukölln, Raiser Friedrich- Straße 36/37. Oberbrucher Gänsefedern mit Daunen. Ungeriffene Bfund 2,80, füllfertige von 3.80 an. Inletts. Musterlager und Ber tauf. Vincuf. Solzmarktstraße 68, nabe Jannowigbrücke. Rauchtabat, Ueberseemischung, prima, 100- Gramm- Batete 20 Pfennig, 50Gramm- Pakete 10 Pfennig franto Nachnahme. Mich. Männer, Neunburg v. W. Bekleidungsstücke, Wäsche usw erhalten, Gelegenheitstäufe in Belz Getragene Herrengarderobe, tadellos waren, aroße Auswahl, billige Breife. Reine Lombardware. Leihhaus Spiegel, Chauffeeftrake 7. Wenig getragene Ravaliergarderobe Don Millionären, Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Breise. 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Nach der Berufs- und Betriebszählung von 1907 tann jedoch gesagt werden, daß 43 Proz. der beschäftigten Frauen in der Landwirtschaft tätig sind. Die Vorläufige Landarbeitsordnung enthält einen sehr geringen Frauenschutz. Sonstige Schutzbestimmungen bestehen für die Frauen in der Landwirtschaft nicht. Vollständig fehlt besonders jede Schutzbestimmung für Schwangere. Auch für die Frauen hat der Deutsche Landarbeiterverband einen Lohnschutz in den Tarifverträgen vorgenommen. Unser Ziel muß sein: Die Frau darf nicht burch Zwangsbestimmungen zur Arbeit veranlaßt werden. Löhne der Ehemänner in der Landwirtschaft sind die Voraussetzung für eine mirtfame Bekämpfung der Frauen und Kinderarbeit. Die Ausbeutung bei Kindern, Jugendlichen und Frauen ist eine der Hauptgründe für die Flucht aus der Landwirtschaft. Soll diese verhindert werden, und der Deutsche Landarbeiterverband hat ein starkes Interesse daran, daß dies verhindert wird, so muß alles getan werden, um das Leben des Landarbeiters erträglich eine Anzahlung. Gärifch, Stralauer. zu formen. Die Landarbeit muß Freude machen. 8. Federbetten Stand 32. Teine Verschiedenes Lombardwaren. dorferstraße 105, Nettelbedplak. Gute Löhne, Arbeitszeit, Wohnungen und Behandlung müssen darum auf dem Lande Gemeingut werden. Mit allen anderen Mitteln wird die Landflucht nicht gehemmt werden können. Ganz besonders nicht mit Ausnahmegesehen gegen die Landarbeiter, wie sie in der Borfriegszeit bestanden. Derartige Zwangsmaßnahmen, vor allem die Beschränkung der Freizügigkeit fördern nur die Landflucht. Im Sinne der Ausführungen des Referenten wird hierauf einstimmig eine entsprechende Entschließung angenommen. Die Portierstelle mit Hausreinigung. Rürzlich wurde ein alleinstehender Mann gesezten Alters durch Bifferinferat als Portier gesucht. Ein Bewerber stellte sich bei dem Auftraggeber 2. Joachimsthal, Große Frankfurter Str. 119, vor, wobei er über die Bedingungen wie folgt unterrichtet wurde: 1. Obliegenheiten: Hausreinigung. Ein Vorderhaus, drei Stockwerte; ein Seitenflügel, zwei Stockwerfe, größeres Fabrikgebäude. 3wei getrennte Höfe, in peinlichster Sauberkeit zu halten. Dazu die üblichen Nebenarbeiten, Licht anzünden und Löschen, um 8 Uhr Tor schließen. Im Winter die Straßenfront vem Schnee säubern usw. usw. Dazu kommt, da die Hausarbeit fein Tagewert beansprucht, eine Tätigkeit in der Fabrit, Darm. fabritation Don morgens 48 bis nachmittags 5 Uhr, jedoch lediglich als Hilfsarbeiter. Salzfäffer abladen, folche öffnen, fleine Reparaturen, was es so alles gibt in einem Betrieb! Möbel Batentmatraßen ,, Primissima", Metalbetten, Auflegematragen, Chaise Longues. Walter, Stargarderstraße achtachn. Spezialgeschäft, Die Beleidigung gegen Frau Rebam, Geeftraße 23, nehme ich aurid; erkläre felbige für ehrenhaft. B. 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Entlohnung: Eine noch unbestimmte Wohngelegenheit, da die bisher benußte Dienstwohnung von Stube und Küche zu anderen Zweden verwendet werden soll und für einen alleinstehen den Mann auch zu geräumig ist. Frei Licht, freie Heizung. BarLohn 20 Mart. Diese Barentlohnung von zwanzig 20 m. begründete der betreffende Herr damit, daß er bisher ein Ehepaar für diesen Bosten hatte, das für seine Tätigkeit 27 m. erhielt. Da er nun einem alleinstehenden Mann nicht denjelben Lohn geben tönne, so erachte er 20 m. für ausreichend. Der Bewerbr stellte ein Rechenerempel an und tam zu dem Ergebnis, daß er als Hilfsarbeiter in der Darmfabrit einen StundenLohn von 25 Pf. bekommen solle. Für die zu leistende Bortiertätig. teit, die zusammen mit der als Hilfsarbeiter täglich 13 Stunden, Sonntags 2 Stunden, zusammen also 80 Stunden wöchentlich er. fordert, irgendeinen Wintel als Dienstwohnung" mit Heizung und Licht. Er perzichtete auf den fetten Boften, um sich nicht der Ge fahr auszulegen, zum Gelegenheitsdieb zu werden Seltene Kaufgelegenheit! Schlafzim mer 3fe", innen und außen Eiche, Ankleideschrant 180 Sentimeter, mit Reiftallfacettespiegel, Waschtoilette mit echtem weißen Marmor, Betten mit prima Drellauflagen, komplett 725 Mart. Berliner Möbelhaus. Morik Sirfchomik. nur Sildoften, Stalikerstraße 25, Soc bahn Rottbuffer Tor. Musikinstrumente Ronzertpiano( Flügelton) ab Fabrik. Rahlungserleichterung. Uebungsflavier 275 Sarmonium verkauft billight Steinmener Bianofabrik, Dranien. ftraße 166 III. Bianos preiswert. Klaviermacher Lint. Brunnenstraße 85. Fahrräder Brandenburgftraße 4. Opelfahrräder, Bittlerräder, Mifaräder. Spezialräder 47, aufwärts. Bequeme Teilsablung V1 Fahrräder billiger!!! Neue Halbrenner.. 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Bauparzellen unweit Straßenbahn," ohne Anzahlung, verkäuflich. Grunert, Bin- Rudow Tel.: Adlershof 423 Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Rafte Theatervorstellung am Sonntag, den 4. April( 1. Dfterfeiertag), im Staatlichen Schiller- Theater. Zur Aufführung gelangt:" Wallensteins Lager" und Die Piccolo mini" von Schiller. Preis der Karte einschließlich Garderobe und Theatergettel 1,20 M. Fünfte( lekte) Proletarische Feierstunde am Sonntag, den 2. Mai( Maijeier): Seid umschlungen Millionen. An die Arbeiter aller Länder" von Bbalt Whitman, Mailied von Dehmel, Ansprache, 9. Sinfonie bon Beethoven. Mitwirkende: die Damen 2. Lehmann.( Sopran), Schulz Dornburg( Alt), die Herren Debmann ( Tenor), Kand!( Bak), Mitglieber der Städtischen Oper, das verstärkte Berliner Einfonie Ducheſter( musikalische Leitung Kapellmeister Sascha Horenstein), der Sprechchor für Broletarische Feierstunden( künstlerische Leitung Albert Florath). Für Erwerbslose veranstaltet Frau Gertrud Bindernagel von der Staatsoper am Donnerstag, den 25. März, abends 7, Uhr, in der Philharmonie einen Ariens und Lieberabend. Karten find bei den Gewerkschaften und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof II, 8immer 8, 31 haben. Die Stretie werden gebeten, umgehend die Karten für die Theatervorstellung und die Feierstunde vom Bureau abzuholen. Sprechchor für Proletarische Felerstunden. Die Uebungsflunde finbet nicht heute Donnerstag, sondern morgen Freitag, abends 7, Uhr, in der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17, statt. Kinderarbelfen in der Arbeitsschule. Vom 19. bis 21. März veranstaltet die 6a Schule in Reinidendorf, Holländer Str. 25, eine Ausstellung von Kinderarbeiten im Rahmen der Heimat- Arbeitsschulidee. Wer die neu zeitliche Arbeitsweise in den freien Schulen fennen lernen will, fann nnentgeltlich am Freitag und Sonnabend nachmittag von 6 bis 8 Uhr und am Sonntag vormittag von 9 bis 12 Uhr die Ausstellung besuchen. Der Offafienflug der dänischen Heerespiloten Nachdem der Führer der dänischen Ostafienflugerpedition, Oberleutnant Bot bed, bereits gestern nachmittag 12 Uhr in Lemberg eingetroffen 121, war, hat nun auch die zweite Maschine unter Führung des Leutnants Herschend den dortigen Flughafen um 4 Uhr nach mittags erreicht. Herschend war 30 Kilometer vor Lemberg wegen Schneesturmes, der jede Orientierung unmöglich machte, zwischengelandet. Sobald das Unwetter vorüber war, stieg er wieder auf und landete nach furzer Zeit in Lemberg. Von hier aus werden die dänischen Piloten quer über den Balkan nach Konstantinopel weiterfliegen. Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Soi, 2 Tres. rechts. an richten Bezirksvorstand. Sonnabend, den 20. März, abends 6 Uhr, Sigung des erweiterfen Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der„ Vorwärts" Redaktion, Lindenstraße 3. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 18. März, bleibt die Bibliothet geschlossen. Alle Mitglieder beteiligen fidy an der Freiligrath- Feier im Cäcilien- Lyzeum, Rathausstraße, abends 7½ Uhr. Heute, Donnerstag, den 18. März: 9. Abt. Die Genossen, welche noch Sammellisten abzurechnen haben, müssen bis zum Sonnabend, den 20. März, beim Genossen Herrichen, Wilsnadev Straße 40, unbedingt abrechnen. 128.- 130. Abt. Paniow. Der irrtümlich für heute eingefegte Unterhaltungsabend findet Donnerstag, den 25. März, abends 7 Uhr, im Lyzeum ftatt. 139. Abt. Tegel. Die Kranznieberlegung für die während des Kapp- Vutfdyes erschossenen Genoffen Bigle und Felgentreff findet nachmittags 5% Uhr auf dem Tegeler Friedhof statt. " Arbeitsgemeinschaft für Selfer und Helferinnen in der Wohlfahrtspflege. 8 Uhr Bezirksfürsorgestelle B, Mariannenufer la. Unsere Aufgaben gegenüber ter gefährdeten Jugend." Leiterin Genessin Dr. Hellinger. Morgen, Freitag, den 19. März: 86. Abt. Marienborf. 8 Uhr Funktionärsikung bei Niendorf, Chausseestr. 19. 108. Abt. Röpenid. 8 Uhr Vorstandssigung bei Bewart, Rudower Straße. 111. Abt. Bohnsdorf. 8 Uhr Sigung des engeren Borstandes bei Heimann, Waltersdorfer Straße. Abt. 124a Mahlsdorf- Süb. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Diet. Uhlandtrake. Bortrag: Völkerbundsfragen". Referent Genoffe Otto Bach. Alle Mitglieder müssen erscheinen. " Jungfezialisten. Die Arbeitspläne für März find zur Beröffentlichung im Nachrichtenblatt dem Geschäftsführer fofort zuzusenden. Am Montag, ben 22. März, Gesamtveranstaltung und Gruppenkonferenz. Gruppe Char. lottenburg: Heute, Donnerstag, abends 7% Uhr, im Jugendheim Rosinenftraße 4, Vortrag: Walther Rathenau und der Sozialismus". Referent Genosse Druder. Gruppe Often: 7% Uhr im Jugendheim Titer Straße Gruppenabend. Frauenveranstaltungen: 7. Abt. Seute, Donnerstag, den 18. März, abends 7% Uhr, Frauenabend bei Röhler, Tiedstr. 23. Bericht vom Bezirksfrauentag. 110. Abt. Grünau. Freitag, den 19. März, abends 7% Uhr, Bei Werner, Röpenider Straße, Bortrag: Menschenökonomie". Referentin Marie Aunert. Die Faltenberger Genoffinnen sind herzlichst eingeladen. Danksagung Für die überaus zahlreiche Beteiligung bei der Einäicherung unseres lieben, un vergeßlichen teuren Toten fagen wir allen Freunden, Vereinen, Mitarbeitern, Borgefegten und Chefs der Firma A. Borfig. melche ihm mit uns das Geleit zur legten Ruhe gaben, auch Herrn Paftor Weise für die trostreichen Worte am Garge des Ente fchlafenen vielen herzlichen Dant. Die tieftrauernde Witwe: Marie Milius. Als Kinder: Wilhelm Milius. Frieda Jerte geb. Milins. Karl Milius. Allen, die mit uns den Tod unferes Otto Lier betrauern, danten wir herzlich. Die Hinterbliebenen. Neukölln, 17. März 1926 fourte [ 1708 b Olispflory vom Kopf bis zum Fuß durch 2 Stück von Obermeyer's Mediztual erba- Seife beseitigt. R. R. in Durlach. Ber Stück .-. 65, 80% Derstärkt M. 1.- Zur Nach behandlung ist verba- Greme besonders gui empfehlen. Su haben in allen Apotheken, Drogerien und Barfümerten LJUERGENS dan hans der ALEXANDER PLATZ джак Gänsefedern mit allen Daunen zum Selbstreißen Piund 3.-M., füllfertige konkurrenzlos billig. Preisliste frei. W, Barownick, Bettfedernversand Neu- Trebbin 24( Oderbruch). Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 18. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30 Uhr nachm.: Zum 50. Todestag von Ferdinand Freiligrath. 1. Einleitender Vortrag:( Fritz Karstädt). 2. Aus Freiligraths Werken( Alfred Braun. Rezitation). 5.15-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). 6.05 Uhr abends: Dr. Richard H. Stein:„ Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper am Königsplatz am 19. März. 6.35 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Professor K. Kaiser: Gewinnung von Stickstoffverbindungen". 7 Uhr abends: Dr. A. W. Ado Baeßler: Peru, Land und Leute". 7.25 Uhr abends: Prof. Franz Goerke: .Die Schönheit der deutschen Landschaft". 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Kunstwissenschaft. Geh. Reg.- Rat Professor Dr. Waetzold: Deutsche Meister in der Nationalgalerie: Arnold Böcklin". 8.30 Uhr abends: Der Roman als Funkspiel. 19. Fortsetzung. Die Katastrophe." Originalroman für die Funkstunde von H. J. Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet). 9.10 Uhr abends: Populäres Orchesterkonzert. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 1. E. Künnecke: Lustspielo uvertüre. 2. Kéler Béla: Vom Rhein zur Donau. 3. Weber: Aufforderung zum Tanz. 4. Gounod: Soldatenmarsch aus der Oper, Margarethe". 5. Strauß: Ouvertüre zu der Oper Waldmeister. 6. Herold: Ouvertüre zu der Oper Zampa". 7. Teike: Alte Kameraden, Marsch. Berliner Funkorchester. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik( Efim Schachmeisters OriginalTanzkapelle). Königswusterhausen, Donnerstag, den 18. März. 3-3.30 Uhr nachm.: Frau Mathes- Wimermark: Schwedisch für Anfänger. 8.30-4 Uhr nachm.: Ministerialrat Dr. König: Die Verhütung der Tuberkulose insbesondere durch die Schule. 4 bis 4.30 Uhr nachm.: Geh. Oberreg- Rat Prof. Dr. Lentz: Seuchenübertragung und Seuchenbekämpfung. 4.30-5 Uhr nachm.: Dr. Max Winckel: Das Getreide. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 17. März. 1. Rennen. 1. Drientale( Snöpnadel jr.), 2. Effi( W. Lempzer), 3. Monostates( R. Ringius). Toto: 288: 10. Plat: 54, 34, 18: 10. Ferner liefen: Möglich, Baron Gabler, Malta, Erbprinz, Mozart, Joachim, Großmogul, Erane. 2. Rennen. 1. Ocean Girl( J. Mills), 2. Landstreicher( Neuenfeld), 8. Broschüre( v peren). Toto: 14: 10. Blag: 12, 13, 59: 10. Ferner liefen: Manzanares, Noordwyr, Meister B., Denkmünze, Libia Wats, Paula Bingen. 3. Rennen. 1. Magovan jr.( M. Ringius), 2. Rohlenfönigin( Hedert), 3. Donar( G. Neuenfeld). Toto: 46: 10. Blag: 20, 17, 15: 10. Ferner liefen: Amantus, Langmacher, Lindenbummler. Beraktion, Puella, Karta. 4. Rennen. 1. Native Forbes( M. Ringius), 2. Baron Klatawah ( J. Mills), 3. Crassus( Alf. Schulz). Toto: 21:10. Blak: 16, 17, 21:10. Ferner liefen: The Kitty, Königsadler, Adelei B., Harry W., Cotta, Kammersänger, Erdmann. 5. Rennen. 1. Morgentau( D. Kleinau), 2. Dante( A. Flick), 3. Venus( M. Bauer). Toto: 222: 10. Platz: 23, 15, 12: 10. Ferner liefen: Konsul, Friedrich Rex, Letter Mohlfaner, Götterbote, Windsow, Bril. Prinz, Tudora. 6. Rennen. 1. Edith Worthy( B. Hedert), 2. Karneval( J. Mills), 3. Arworthy J.( M. Ringius). Toto: 33: 10 Blaz: 18, 18: 10. Ferner liefen: Broge, Colonel Bosworth. 7. Rennen. 1. Terraria( J. Mills), 2. D'Capt. Leerberg( G. Lautenberger), 3. Siarwelle( G. Jauß jr). Toto: 36: 10. Blag: 18, 18, 85:10. Ferner liesen: Barafit, Draga Watts, Goudster jr., Kreuzritter, Stronsbeere, Mailuft, Benedict, Puma, Quantität, Alarich, Hettie. 8. Rennen. 1. Lilac( H. Stoles), 2. Natalis( Herm. Schleusener), 3. Della( Alf. Schul). Toto: 23: 10. Play: 18, 23, 25: 10. Ferner liefen: Klud, Billy A., Lockung, Importation, Copal, Jeffries jr., Torrero, Dompfaff, Sibyll. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianftr. 37/38, Sof 2 St. Tiergarten: Sonntag, den 21. März, 12 Uhr, Gozlowskybrüde; Westen 412 Uhr Magdeburg Plaz. Prenzlauer Berg: Robert Tum: 18. März, 8 Uhr, bei Riug, Danziger Str. 71; Nordkap: 19. März bei Gadhikki, Schievebeiner Str. 10; Wurr und Arnswalder Blag: 19. März bei Baronffi, Pasteurstr. 3, Vollversammlung. Kreuzberg: Kameradfchaft und Jungmannschaft Gildoft und Süden: Sonntag, den 21., Antreten 42 Uhr Tempelhof, Berliner, Friedrich- Karl- Straße, zum Propagandaummarsch im Kreife Tempelhof mit Tambourkorps. Eichwalde, Bez. 1, an der Görliger Bahn, Co., b. 20., abends 8 Uhr, Begiristonferenz der Ortsvorstände in Königswufierhaufen, Bahnhofshotel. Die Ortsgruppen müssen vollzählig vertreten sein. Tiergarten: Einäscherung des Rameraden Walter Stefan Do., d. 18., nadm. 14 Uhr im Krematorium Gerichtstraße. Berbanb Bollsgesundheit, Drisverein Berlin. Ant Donnerstag, Sex 18. März, 8 Uhr, in der Schule Ifflandfte. 9-11( Nähe Jannowigbrüde),( pricht Herr Hans Karl Möller über Der Wille als Heilfaktor". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Berein der Freidenker für Feuerbestattung, e. V., Bezirk Stegliz, Lankwik. Lichterfelde. Mitgliederversammlung Freitag, 19. März, 8 Uhr, im Lotal Schellhase, Stealik, Ahornstr. 15. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Donnerstag, 18. März 8 Uhr, im Restaurant Esser, Köpenider Str. 70a, Vereinsfigung. Deutsche Friedensgesellschaft. Ueber Deutschland und Frankreich" sprechenz in einer öffentlichen Rundgebung Redakteur George Bioch- Paris, Mitarbeiter der Caillaug'schen Bolonte", die Reichstagsabgeordnete Frau Toni Gender unb ber Generalsekretär der Deutschen Friedensgesellschaft Gerhart Seger am Donnerstag, 18. März, 8 Uhr, Spichernsäle, Spichernstr. 2( am Untergrund bahnhof Nürnberger Blak). 50 Pf. Saalumlage. Kolonialpolitik, Bölfererziehung und Deutschland. Freitag, 19. März, 72 Uhr, im Friedrich- Wilhelm- Gymnasium, Kochstraße, öffentliche Bersammlung der Berliner Gruppen des Bundes entschiedener Schulreformer und der Deut. fchen Friedensgefelliaaft. Referent Prof. Paul Oestreich. Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. 18. republikanischer Abend Donnerstag, 18. März ,,, Alte Geheim: atskneipe", Jerufalemer Str. 8. Here Dr. Otto Ebstein: Die Märzrevolution vom Jahre 1848". Rezitationen. Republikaner aller Parteien willkommen. Arbeiter- Radioklub, Ortsgruppe Wedding. Donnerstag 8 Uhr im Lofil Senfel, Pasewalker Str. 3, Bericht über den Verlauf unserer Ausstellung. Jugendveranstaltungen. Erwerbslosenversammlung. Achtung, erwerblose Jugendgenossen! Besucht heute nachmittag 4% Uhr die Erwerbslosenversammlung im Jugendheim Belle- Alliance- Plaz 1. Das Fahrgeld wird zurückerstattet. Heute, Donnerstag, den 18. März, abends 712 Uhr: Schönhauser Vorstadt I: Schule Jbsenstr. 17. Bortrag: Ferdinand Frei ligrath". Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. Vortrag: Die Jugend in der Gesellschaft". Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Bortrag: ,, Die Zeit der Manufakturperiode". Schmargendorf: Jugendheim Rathaus, Bertaer Plak. Märzgefallenen- Gedenkfeier. Werbebezirk Kreuzberg: Jugendleiter- Arbeitsgemeinschaft abends 7½ Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. Werbebezirk Reukölln: Probe des Sprechchors ,, Der erste Tag" abends 7 Uhr im Jugendheim Canner Straße. Werbebezirk Schöneberg: Der Treffpunkt für Sonntag ist nochmals geändert. Wir treffen uns um 18 Uhr am Kaiser- Wilhelm- Blag zur Denkmalseinweihung der Partei für die Kapp- Opfer. Die umliegenden Werbebezirke werden gebeten, recht zahlreich daran teilzunehmen. Fahnen, Wimpel, Musikinstrumente find mitzubringen. Geschäftliche Mitteilungen. Es ist eine große Annehmlichkeit und für die fparfame Hausfrau vOR unschäzbarem Wert, ein für alle Swede perwendbares Bus- und Poliermittel au befizen, welches in einer handlichen Badung auf den Markt kommt. Das in sparsamen Streudofen gepadte Vim vereinigt alle diese Vorzüge in sich und ist deshalb seit langem bei Millionen von Hausfrauen in ständigem Gebrauch. Man verwende Vim auch zur Reinigung der Hände nach schmuziger Arbeit. Es greift die Haut nicht an. Die Macht der Suggestion wird durch die Erfolge des Apothekers Coué, dessen Enstem der Autosuggestion schon vielen Befreiung von ihren Leiden brachte, schlagend bewiesen. Und zwar find es Leiden nervöser Natur oder solche, die auf Einbildungen, oft im Unterbewußtsein unmerkbar verankerte, beruhen oder durch fie verfchlimmert werden. Colchen Einbildungen begegnet man alltäglich; eine Einbildung ist es auch, wenn manche Leute behaupten, fie müßten Butter essen, weil sie Margarine nicht vertrügen, denn diefe fet schwer verdaulich. Sie haben sicher nie Blaubandmargarine versucht; diese duftet und schmeckt nicht nur wie feinste Butter, sondern ist, wie tausende Verbraucher und wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, auch ebenso befömm lich wie diese. Sie hat den gleichen Nährwert und die gleiche Bekömmlichkeit. Briefkasten der Redaktion. Ts. 100. Eine solche Statistit aibt es für Deutschland leider nicht. Freibenter 600 000. B. 52. Das Darlehen muß gekündigt werden. Die Kündigungsfrist beträgt 1 Monat. 8. R. 100. 8weifelhaft. Da es sich um die Anschaffung eines Kleidungsstüdes für die Frau handelt, so dürften Sie als Ehemann für die Schuld haften. M. K. 3. Jhr Mann hätte nur dann weiter vorgehen tönnen, wenn der Arbeiterrat den Einspruch gegen die Ründigung für be gründet erklärt hätte. Str. 44. 1. Ja. Vormundschaftsgericht. 2. Die An ordnung der Fürsorgeerziehung ist möglich. 3. Die Frage läßt sich nur an Hand der Sagungen der Kasse beantworten. 4. Wenden Sie sich an die Bost behörde. D. 8. 99. Nach den jetzt geltenden Bestimmungen finden Lohnfteuererstattungen nur bei Verdienstausfall, a. B. Krankheit, Erwerbslosigkeit it. a. oder beim Vorliegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse statt. Es muß aber ein Berdienstausfall von mehr als sechs Tagen vorliegen. Br. 1a. 1. Wenn She Gdwager die Wohnung gemietet hat, foll er in diese zurück. fehren. Gegen den Untermieter muß erforderlichenfalls die Näumungsflage angestrengt werden. Eventuell muß er sich an das Wohnungsamt wenden. 2. R. ist nicht Abgeordneter. R. G. 26. 1. und 2. Ja. 3. Ja, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. 4. Etwa 2-3 Stunden täglich. A. B., Tempelhof. Spandauer Brüde 10 II. R. 1000. 1. Aus welchem Grunde ist die Verurteilung erfolgt? Wiederholen Sie Ihre Frage unter Beifügung des Urteils. 2. Die Kriegerwitwe soll den Antrag auf Stundung der Hauszinssteuer stellen. 3. Be Lothringer. nußen Sie den Refsel nicht und lehnen Sie auch die Rahlung ab. Die Sache ist fehr zweifelhaft. Nach französischer Ansicht find Sie jedenfalls Franzose. R. G. 100. 1. Die Steuer wird nach dem Werte des Grundstüds berechnet. 2. Etwa 26 Broz. 3. Dem Hauswirt. 4. 18 Proz. Betriebskosten, 7 Broz. Berwaltungskosten, 15 Broz. fortlaufende, 5,6 Proz, für große Instand fegungsarbeiten, 12,4 Proz. für Rinsendienst, 26 Proz. Hauszinssteuer 84 Broz. R. G. 40. Ja 5. Es muß die gesetzliche Regelung abgewartet werden. Wenden Sie sich an eine Bank oder die Städtische Sparkasse. R. 86. Adreffe nicht bekannt. Berfolgen Sie die Vereinsnachrichten im ,, Borwärts". Zum Osterfest besonders günstige Angebote! 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So war's! Die Kugel in öer Lruft, öle Stirne breit gespaUen, So habt ihr uns auf schwankem Srett auf zum Man gehalten! „Herunter!�— und er kam gewankt— gewankt an unser Seite; »Hut ab!"— er zog— er neigte sich! sso sank zur ZNarionette, Oer ersi ein komööiante war!)— bleich stand er und beklommen! Vao Heer indes verließ die Stadt, die sterbend wir genommen! Donnerstag IS. März 7920 Dah Dcuischland stark und einig sei, Das ist auch unser Dürsten! Doch einig wird es nur. wenn frei. Und frei nur ohne Fürsten! (London, aus dem März 1845.) Der Revolutionsüichter. Bon Bruno Schönlant. ..Selten oder nie", sagte Robert Prutz, ein Zeitgenosse und gleich- gesinnter Dichter, über Freiligraths erschütterndes Revolutions- gedicht.Die Toten an die Lebenden",„hat der glühend heiße Zorn, der inbrünstige Haß, die zähnefletschende Verachtung sich in so ivahrhaft großartiger, so erschütternder Weise ausgesprochen, noch ist es viel anderen Dichtern gelungen, die an sich widerwärtigsten und greulichsten Szenen noch in einer so edlen poetischen Beleuchtung zu zeigen— es ist etwas von den, wilden Schlachtenmut der alten Satten in diesem blauäugigen Sohne Westfalens." Und heute noch, nachdem wieder Revolutionen Europa erschütterten und Deutschland Republik wurde, wirken die Freiligrathschen Revolu- lionsgedichte zündender, rebellischer und männlicher als all da», was dem neuen Geschlecht seine Revolution an hinreißendem Schwung gab. Diese Gedichte sind lebendig gewordene Zeit, sind ein so stark zusammengefaßtes Erleben, daß jede Zeile zum oisio- nären Schauen zwingt. Die Entwicklung des Dichters der Wüsten- und Löwenpoesie zum Revolutionsdichtcr ist die Entwicklung der Vcrhut de, deut- ichen demokratischen Bürgertums, von der Sehnsucht nach exotischen Ländern, deren Farbenreichtum und abenteuerliche Welt die eigene Enge vergessen ließ, zu den aufwühlenden und dröhnenden Rhythmen der Märzreoolution. lind doch war diese Wüstenpoeste, die in der Zeit der ersten deutschen Eisenbahnen entstand, nach des Dichters eigenen Worten, auch revolutionär,„weil sie die allcrentschiedenste Opposition gegen die zahme Dichtung und Sozietät" gewesen sei. Diese Romanlit schweifte in eine phantastische, weit entfernte, aber gegenwärtige Welt, während die zeitabgewandten Romantiker die blaue Blume suchten und über Kreuzgängen und verfallenen Burgen verschwenderisch ihren Mondschein schütteten und dieses Traumland mit Ritterspielen, Minnesang und dem Zauber- kreis der UndineN und Spukgestalten bevölkerten. Der in seiner Tatenlust gehemmte aktive Teil des Bürgertums aber grisf vell Begeisterung nach dieser Freiligrathschen Poesie, die wenigstens seiner Phantasie ein Imperium unerhörter Erlebnisse und Abenteuer schenkte. So bizarr uns jetzt diese Dichtungen auch oft erscheinen mögen, ja, bei ruhiger und sachlicher Betrachtung hin und wieder ein Lächeln hervorrufen, auf den ersten Augenblick nimmt doch noch ihr glutvoller Rhythmus und ihre Abenteuerlichkeit gefangen. Doch als 1541 schon die Eiserne Lerche Georg cherwegh die„Ge- dichte eines Lebendigen" in die vormärzlich erregte Welt schmetterte, als schon eine sensible Schar leicht erregbarer Dichter zürnte und grollte, sang noch der langsamer zu bewegende Freiligrath: Der Dichter steht auf einer höh'ren Warte Als auf den Zinnen der Partei. Umsonst rief ihm cherwegh in einem berühmt gewordenen Gedicht zu: Partei! Partei! Wer sollte sie nicht nehmen, Die doch die Mutter aller Siege war. Der schwerfälligere Westfale brauchte mehr Zeit zu seiner poli- tischen Entwicklung, so wie ein Meer schwerer zu bewegen ist als ein Binnensee, den schon die Ahnung eines Windes kräuselt, aber dos einmal vom Sturm ausgewühlte Meer wird dafür um so stärker Berkünder elementarer Gewalten. Mit seinen 1844 erschienenen politischen Gedichten, gesammelt im„Glaubensbekenntnis", brach er die Brücken zu der alten Welt ab, die ihm äußeren Glanz und Ehren schenkte(aus da» Ehrengehalt Friedrich Wilhelms IV. hatte er schon vorher, seiner inneren Freiheit zuliebe, verzichtet), und tauschte dafür Exil und Bersolgungen, aber auch unsterblichen Ruhm und die Dankbarkeit eine» Volkes«in. 1846 ließ er ein neues Hestchen mit sechs Gedichten solgcn„Ca ira!"(So wird's gehen!). Darunter sind die immer wieder zündenden und auf- rüttelnden Gedichte„Von unten aus",„Eispalast",„Freie Presse" und„Wie man's macht". Da» ist Glutodem, dramatisch gespanntes, mit elementarer, hinreißender Wucht zuni Ziele stürmendes Erleben. Doch die bildhaft« Kraft und Wucht dieser Verse, sie findet noch eine Steigerung in den Gedichten, zu denen ihm das Rcoolutionsjahr 1848 Feuerotem und dröhnenden Pulsschlag gab. Freiligrath,„der Nationalökonvm mit dem Gemüt", wie er sich Karl Marx gegen- '1er bezeichnete, war mit in dessen„Neuer Rheinischer Zeitung" Redakteur und hier fanden die Tagesereignisse durch ihn ihren dichterischen Niederschlag. Es sei nur„Die Toten an die Lebenden".„Requiescat",„Die Republik" und„Trotz alledem" ge- nannt. Das sind mit Blut geschriebene Berse, sind erschütternde und aufwühlende Tagsbuchblätter, die Gottfried Kellers Worte mehr als bewahrheiten:„Es ist eine Lüge, was die literarischen Schlafmützen behaupten, daß die Angelegenheiten des Tages keinen bleibenden poetischen Wert hätten." Die Konterrevolution trieb Freiligrath wieder ins Exil. Sein unabhängiger Sinn ließ ihn wieder, wie schon einmal, zu seinem kaufmännischen Beruf greisen, statt wehleidig, als verfolgter Dichter, von seinem Martyrium zu leben. In seinen Revolutionsgedichten hat er dem deutschen Volk, ja, der Welt, Unsterbliches geschenkt und sowohl seine Wüstenpoeste, wie die 1870 noch einmal auf- flackernde Dichtkunst, bilden nur die Umrahmung dieser schärfsten Schafsensepoche. Es ist aber ebenso billig wie falsch, den Dichter für sein„churra Germania" zum nationalistischen Dichter stempeln zu wollen, denn auch Georg cherwegh wandte sich in einem Kriegs- gedicht scharf gegen da» bonapartiftijche Frankreich, das neben Ruß- land als Haupt der Reaktion galt. Sehr bald erkannte aber Freilig- rath, der wieder einmal Zunge einer Massenstimmung war. daß es mit dem ersehnten„freisinnigen" Deutschland nichts war, und er stand darum dem Bismorckjchsn Deutschland ablehnend gegen- über. Seine Knegsgcdichte ober muten immer noch im Vergleich zu dem, was ein grvfter Teil der pazifistijchen Dichtawe't im Anfang des Weltkrieges geschrieben, wie revolutionäre Lyrik an. Wohl kaum gibt es eine mehr ergreifende Totenklage um die Gefallenen als in den Schlußversen der„Trompete von Graoelotte": Und dann kam die Nacht, und wir ritten hinan. Ringsum die Wachtfeuer loh'en. Die Roste schnoben, der Regen rann. Und wir dachten der Toten, der Toten. E« ist bezeichnend für den Dichter Freiligrath, daß da» Myste- rtum de» Tode» ihn aus das stärkst« und tiefste bewegte, sei e» elegisch wie in dem schönen Gedicht„O lieb, so long' du lieben kannst", sei es schmerzlich tief und klagend wie in der„Trompete von Gravelottc" oder ausrührerisch, stürmend und mahnend wie in dem stolzen Rcvolutionsgedicht„Die Toten an die Lebenden", dessen letzte mahnende Berse den Dichter selber sprechen lassen sollen: Er wartet nur des Augenblicks: dann springt er auf allmächtig, Gehobenen Arme», wehnden Haars, da steht er wild und prächtig! Die rost'ge Büchse legt er an, mit Fenstcrblei geladen, Die rote Fahne läßt er wehu hoch aus den Barrikaden! Sie fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere— Die Throne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere. Die Adler fliehn: die Löwen fliehn: die Klauen und die Zähne!— Und seine Zukunft bildet selbst das Volt, das souveräne! Indessen, bis die Stunde schlägt, hat dieses unser Grollen Euch, die Ihr vieles schon versäumt, das Herz ergreifen wollen. O, steht gerüstet! Seid bereit! O, schaffet, daß die Erde, Darin wir liegen strack und starr, ganz eine freie werde! Das fürder der Gedanke nicht uns stören kann im Schlafen: Sie waren frei: doch wieder jetzt— und ewig— sind sie Sklaven! Zreiltgrath unö feine Zamilie. Von Trude E. Schulz. Freiligrath war der begeisterte Dorkömpfer der Revolution, der jubelnde Herold einer neuen, besseren Zeit. Seine Fanfarenstöße durchschnitten das Dunkel und die Dumpfheit der Reaktion und sammelten die Kämpfer sür Freiheit und Recht. Doch wie in den vierziger Jahren niemand ungestraft für die Sache des Volkes ein- treten durste, so mußte auch Freiligrath mit der Verbannung aus der Heimat dafür büßen. Aber auch jenseits des Ozeans blieb er ein treuer Wächter, der die polnische Bewegung in den Ländern, vor allem in Deutschland, verfolgte und den die stürmischen Tage von 48 wach und bereit fanden. Doch nur zu schnell ließ sich das Volk die kaum errungene Freiheil wieder entreißen, und Aus- weisungsbefehl und Steckbriefe trieben den Dichter bald von neuem nach England, von wo er erst 1868 endgültig heimkehren durste. Mit ihm hatten seine Frau unh seine fünf Kinder die jahrzehntelange Ruhelosigkeit teilen müssen. Aber Freiligrelh trug die Bitterkei! und Schwere dieses Lebens, weil er wußte, daß seine Leiden einen Teilbetrag der Summe bedeuteten, die einmal die Republik er- tauf«» würde. Trotz aller Sargen um die Heimat und um seine und seiner Familie Existenz wurde er nie zum finsteren Fanatiker. Wo» er einmal In einem Gedicht ausgesprochen hat: Die Liebe hcgl und hält, Die Liebe heilt die Welt, kann als Leitspruch seines Lebens gelten. Er liebte die Menschen, i..c in Elend und Unfreiheit von den wenigen, die die Macht besaßen, ausgenutzt und geknechtet wurden, und sein Kampf war viel mehr Liebe für diese Armen, als Haß gegen die Gewalthaber. Aber wenn er auch unbeirrt dem Ideal folgte, das ihm als heller Stern leuchtete, so war Freiligrath doch nie blind für die Nöte und Leiden In seiner nächsten Umgebung. Seiner Frau und seinen Kindern, den„früh um ihn Gehetzten", war er ein rührend sorgender Familienvater. Wohl fühlte er sich mit den Seinen so sehr als ein Teil des Volks- ganzen, baß er wußte, alles, was diesem zugute kam, würde auch jenen nützen. Daher konnte nie engherzige Furcht ihn veranlassen, zugunsten seiner Familie von seinem Wege abzuweichen: aber nach Kräften bemühte er sich, ihr die Härte feines Wanderlebens weniger. fühlbar-u machen. Freiligraths Leben und Erleben spiegelt ssch, stärker als bei vrelen anderen Dichtern, In seinen Versen, und aus ihnen empfängt man vielleicht daher auch den besten Aufschluß über seine Stellung zu seinen Angehörigen. Es gibt, abgesehen von den Iugendgedichten Freiligraths, nur wenig Unpolitisches von ihm, und auch das ist kaum je Kunst, die nur um ihrer selbst willen da ist. Entweder sollen auch diese Verse für ein« Sache werben, die dem Dichter gut oder richtig erscheint, oder sie gelten Freunden oder geliebten Menschen. Sonst hat Freiiigrath neben seinen Freiheitsgesängen sich fast ausschließlich der Uebersetzung fremder Dichter ins Deutsche gewidmet und dabei so Vollendetes geleistet, daß man oft glaubt, keine Usbertragung au» einer fremden Sprache, sondern ein Onoinalwerk vor sich zu haben. Aus den wenigen Versen, die der Dichter an seine Angehörigen richtete, klingt sein warmes Gefühl für sie wieder: aus den zarten Worten, die er seiner Braut und späteren Frau, Ida Melos, widmete, wie aus jenm anderen Liedern, die er seinen Kindern und Enkel- lindern zu Festtagen sang. Rührend muten besonders die gereimten Episteln des allen Dichters an seine Enkelkinder an, die er in echt kindlichem Stil an sie richtete. Warmherzige Worte fanden 1870 den Weg zu seinem Sobn„Wolfgang im Felde", und erschütternd ließ er seinen toten Sohn Otto zu Wolsgangs 5)ochzeit seine Wünsche darbringen. Gerade dieses letzte Gedicht zeigt so wundervoll die tiefe und echte Menschlichkeit des Dichters. Otto war sein Liebling». kind, dessen Tod Freiligrath bis an sein Ende nicht verschmerze» tonnte, umb bas in bem gleichen Jahre geftorben war, he bem ber Bruder heiratete. Aber die leise Trauer des Gedichts wird über ftrahlt von einer unendlichen Güte, die den Toten zu dem Lebenden sprechen läßt: Bergib, vergib, du Lieber, Daß ich dir das getan! Zu dieser geringen Anzahl von Gedichten, die ausschließlich den geliebten Menschen galten, reihen sich aber andere politischen Inhalts, die doch irgendwie auf die Familie und den heimischen Herd bes Dichters Bezug nehmen. Und gerade diese sind die charakte ristischsten für das Verständnis des Freiligrathschen Familienlebens. Freud und Leid wurden hier gemeinsam getragen, gemeinsam die Kämpfe gekämpft, gehofft und gebangt um die Freiheit der Nationen. Selbst den Kindern mochte früh das Verständnis für die Politik er. wacht sein, zumindest dafür, daß es eine gefährliche Sache sei, sich mit ihr zu beschäftigen. So begriffen sie wohl das Bersmärchen des Baters, das ihnen die Geschichte der Brüder Grimm erzählte, denen der Kampf um die Aufrechterhaltung der hannoverschen Verfassung thre Göttinger Brofessur fostete. Auch in ihre Weihnachtslieder flang die Politit hinein; 1850 sang ihnen der Vater von den Tannen, deren Kerzen ihnen bereits in ihren Wanderjahren geleuchtet hatten, in der Schweiz, in England und in Deutschland, und von den künft | revolutionären Rämpfers, umb manchem mag es baher bis heute vielleicht überhaupt entgangen sein. Aber doch sollte man gerade bei Freiligrath auch das persönliche Erleben nicht übersehen, weil es mit seinem politischen Ringen oft nur allzu tief und schmerzlich verknüpft war; und wenn es noch nötig wäre, die Echtheit und Ehr. lichkeit seiner Gefühle zu besiegeln, so hätte er es mit seinem eigenen Leiden längst getan. Die Freiheit! das Recht! Nicht mach' uns die einzelne Schlappe verlegen! Die fördert die Siege des Ganzen erst recht; Die wirkt, daß wir doppelt uns rühren und regen, Noch lauter es rufen: Die Freiheit! das Recht! Denn ewig find eins diese heiligen zweie! Sie halten zusammen in Truh und in Treue; Wo das Recht ist, da wohnen von selber schon Freie, Und immer, wo Freie sind, waltet das Recht! Die Freiheit! Das Recht! ( St. Goat, Dezember 1843.) Ich begrüßte balb Freiligrath. Auf meine Frage, welche schriff. ftellerische Arbeit er jetzt unter Händen habe, ließ er mich nicht undeutlich merken, daß ihn eine theatralische und, wie ich glaube, ein Lustspiel beschäftige." Glaubensbekenntnis Freiligraths. Fest und unerschütterlich trete ich auf die Seife derer, die mit Stirn und Brust der Reaktion fich entgegenstemmen! Kein Leben mehr für mich ohne Freiheit! Wie die Lose dieses Büchleins und meine eigenen auch fallen mögen:- solange der Drud währt, unter dem ich mein Vaterland seufzen sehe, wird mein Herz bluten und fich empören, sollen mein Mund und mein Arm nicht müde werden, zur Erringung befferer Tage nach Kräften das Ihrige mitzuwirken! Dazu helfe mir, nächst Gott, das Bertrauen meines Boltes! Mein Gesicht ist der Zukunft zugewandt! ( Aus dem Vorwort zum„ Glaubensbekenntnis", 1844.) gen, die ihnen vielleicht in Amerika, bei ihrem Freunde, dem Dichter Ein unbekanntes Gedicht Freiligraths. Laufbahn von der preußischen Regierung eine fleine Dichterpenfion Longfellow, angezündet werden würden. Auf jeden Fall hat Freilig. rath seinem ,, Kleeblatt- Biere" bald war es ein Kleeblatt- Fünfe den Troft: Der neue Herd, der feste Herb, Er wird euch doch gefunden! Das ist es, was immer wieder in seinen Bersen aufflingt: Helloffen liegt vor uns die Welt, Ich bin gerecht in vielen Sätteln: So lange Fauft und Schädel hält, Ihr Lieben, brauch ich nicht zu bettern! Und halten werden beide mir, Bär es auch nur um euretwillen! Reben dieser Zuversicht fünden zahlreiche Dichtungen Freilig. raths feine Dankbarkeit zu seiner Frau, die ihm auch ,, auf fremder Schwelle" die ,, deutsche Feuerstelle" erhält, ihm im Kampf treu zur Seite steht und ihm in Mußestunden Beethovens mutige Klänge er. tönen läßt, von denen jeder Den Arm mir wie ein Werber padt, Und auf den Hut mir steckt die Feder; Ein Schwert mir in die Rechte preßt, Ein blizend Schwert, und lauten Schalles In fein Gebraus mich jubeln läßt: Deutschland und Freiheit über alles! Mitgeteilt von Dr. Hermann Ammon. Das im folgenden mitgeteilte Gebicht ist unbekannt in dem Sinne, daß es vom Dichter nicht in seine Werte aufgenommen wurde und auch der wissenschaftlichen Forschung bisher unbekannt blieb. Ich fand es in den Tagebüchern Theodor von Robbes, die er in seinen Humoristischen Blättern, Bremen 1844, Nr. 6, veröffentlicht hat. v. Robbe( 1798-1845), einer de besten Schüler von Jean Paul, war ein Virtuos des Reisens und des Befuchemachens bei berühmten Zeitgenossen. Er erzählt uns, wie gründlich er sich in seinem welt. fernen Oldenburg auf seine Sommerreise vorbereitete, wie er sich die Bersönlichkeiten, die er aufzusuchen gedachte, in allen Einzelheiten ihres äußeren und inneren Habitus ausmalte. Diese innere Wärme merft man auch dem folgenden Berichte an: ,, Es war ein schwüler heißer Sommertag, als ich Ems verließ ( 1843). In Roblenz beftieg ich ein Dampfschiff, um am Nachmittage St. Goar zu erreichen, wo ich Freiligrath, bei dem ich mich von Ems aus durch Geibel angemeldet hatte, besuchen wollte. Als ich in St. Goar anlangte, sah ich unfern des Landungsplages ein Haus mit einem Altane, der mit Herren und Damen geschmückt war. Die Taschentücher von Freiligrath und Geibel zogen mich bald hinauf, und hier fand ich, außer der Frau des Dichters und seiner Schwester, Levin Schücking und seine Braut, ein Fräulein v. G. Der Dichter hat ganz das Aeußere eines alten deutschen Ritters. Mit ihm und den übrigen verlebten wir einen frohen Abend. Bir trennten uns fpät. Ich machte mit Geibel noch einen Spaziergang; dann warf ich mich dem Gott Morpheus in die Arme. Als ich erwachte, glaubte ich, der Untergang der Welt sei nahe. Das mächtigste Gewitter, das heftiges Pochen in meinem Herzen und in meinem Kopfe schien den rollenden Donner noch zu übertreffen. So lag ich leidend und wachendträumend, bis gegen Morgen, wo mir Freiligrath, dem ich meine Abreise auf heute unwiderruflich angekündigt hatte, folgendes Sonett schhidte: Im Jahre 1844 in Brüssel schenkte er ihr zu ihrem Geburtstage ich je gesehen, entladete sich mit Blitzen und Regengüssen, aber ein eine heimische Erita und fündete ihr dazu die Verheißung der jungen Sage": Bald wird aus niederm Heidefraut Sich selbst ein Besen binden, Ein rief'ger, der der Niedertradht Und Stlaverei ein Ende macht In Deutschland und auf Erden! Mit dieser Frau verband ihn mehr als Liebe, verband thn ein tiefes und feltenes Verständnis für seine hohen Jdeale, die ihn oft das Wohl der Familie scheinbar hintenansehen ließen. Manches Jahr mußte er hart ringen, um seine Angehörigen vor bitterster Not zu schüßen, und um ihretwillen zwang er sich immer wieder in einen bürgerlichen Beruf, denn Barte Kinder, milde frau, Wollen wandeln auf dem Festen. Er allem wäre frei geblieben, bes Elements Gefelle". Aber trotzdem empfand er die Seinen nie als Last; mur voller Dankbar. teit pries er ftets ihre Liebe. Das ist das Bild des Menschen Freiligrath, wie er sich in seinen Werfen spiegelt. Nicht so start tritt es daraus hervor, wie das bes Der Gerichtstag. Erinnerung an Ferdinand Freiligrath. Ein Frühgemitter scheucht der Träume Schar; Es läßt es nicht an plumpen Donnern fehlen; Auch nicht an Bligen, grellen, freuzfibelen, Die Kreuze schlagen über's Mangeljahr. Wib jubelt es! Was schiert mich die Gefahr? Ich wollt', ich tönnt ihm einen Donner stehlen, Und diesem Blatt in irgendwie vermählen, Daß er Dich mahne allzeit an Goar! Doch leiber lieg ich selber noch im Bette, Zu schläfrig noch, in meinen Bers zu legen, Was in den Wolfen trogig murrt und zückt. Nimm brum vorlieb mit biefem Brachtſonette, In dem, gewedt von Julidonnerschlägen, Des Freundes Rechte treu die Deine drückt. St. Goar, 10. Juli 1843, morgens 6 Uhr. Seinem lieben Freunde Theodor v. Robbe zur Erinnerung F. Freiligrath. paragraphen. Ein wiziger Kopf wird stets mit ihrer Hilfe be weisen fönnen, was er zu beweisen wünscht. So hat damals der Herr Staatsprofurator die sogenannte staatsverbrecherische Hand lung Freiligraths haarscharf umriffen und mit vollster Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Dichter durch sein Gedicht„ Die schauerliche Am 3. Ottober 1848 fand vor dem Düsseldorfer Schwurgericht Wildheit des Bürgerkriegs", den Sturz der Throne, die Bertreibung der erste politische Prozeß statt. Angeflagt war der Dichter der Fürsten bis zu den Meeresgrenzen unzweideutig gefordert habe. Ferdinand Freiligrath. Er hatte sein Gedicht Die Toten an die nicht auf geistige Weise, sondern durch rohe, förperliche Gewalt Lebenden in 9000 Exemplaren druden laffen, das Stüd wurde für fellte die Republik aufgerichtet werden, die in Frankreich längst ihr einen Silbergroschen vertauft, zum Besten des die revolutionäre Spiel verloren und als Feindin der Zivilisation geachtet ist". Und Demokratie vertretenden Boltsklubs in Düsseldorf( Freiligrath war wie einfältig mutet die Feststellung an: Beit und Ort der Ausfelbft Vorstandsmitglied), er las es am 1. August in einer zahlreich führung ist zwar nicht angegeben, aber es bedarf deffen nicht, denn besuchten Versammlung des Klubs vor, und darum erhob der in dem Schlußwort:„ D, steht gerüstet, seid bereit!" sei deutlich Generalproturator beim Königlichen Rheinischen Appellationsgerichts ausgesprochen, die paffende 3eit zu jedem Moment abzuwarten." hof in Köln die Antlage. Freiligrath habe die Bürger aufgereizt, Der Staatsprofurator aber ließ es fich nicht nehmen, sogar von fich gegen die landesherrliche Macht zu bewaffnen und die bestehende hoher Warte aus seine Betrachtungen anzustellen. Er sprach von der Staatsverfassung umzustürzen. Das gehe flar aus den Worten des Berwerflichkeit der Tatsache, wenn ein Dichter sein hohes Talent Gedichtes hervor, womit die gefallenen Märzlämpfer zum Bolf dazu mißbraucht, um die Seelen feiner Zuhörer mit verbrecherischen sprechen: zu viel des Hohns, zu viel der Schmach wird täglich Gedanken zu erfüllen" und daß es je nach der Art des Falles Auf euch geboten. Euch muß der Grimm geblieben sein, oh glaubt es uns, ben Toten...- Die roft'ge Büchse legt er an, mit Fenstergabe der Moral oder des Strafgesetzes fei, dagegen einzuschreiten. blei geladen. Die rote Fahne läßt er weh'n hoch auf den Barri faben." Der Kölner Appellationsgerichtshof überwies den Fall dem Affisenhof in Düsseldorf, und so begann am 3. Oftober um 19 Uhr die Berhandlung gegen den Dichter.( Er war schon feit 9. Auguft verhaftet.) Nach einer vertraulichen Unterredung zwischen der obersten Gerichtsbehörde und dem Chef der Bürgergarde war man überein gekommen, Freiligrath nicht wie einen Verbrecher vor den Gerichtshof zu führen. Offiziere der Bürgerwehr begleiteten ihn, man wies ihm auch nicht die sogenannte Armenfünderbank an, fondern einen Stuhl bei seinen Verteidigern. Es berührt uns, die wir selbst eine Revolution und so manchen bedeutenden politischen Prozeß miterlebt haben, heute seltsam, wenn wir die damalige Verhandlung rüdschauend betrachten: War es nicht genau wie in unseren Tagen, Anflage und Verteidigung das felbe Spiel und Gegenspiel? Freilich, jeder Fernstehende nimmt seine gesonderte Stellung dazu, je nachdem er von spizfindiger Baragraphenweisheit herkommt oder sein ursprüngliches freies Herz bewahrt hat. Der Vertreter der Anklage gegen Freiligrath hat in einer weitausholenden Rede die Strafwürdigkeit zu beweisen versucht. Ja," ruft er selbstsicher aus und das Gefühl der Unangreifbarkeit ermutigt ihn, gewissermaßen rein wissenschaftlich zu sprechen, ich scheue mich nicht, zu sagen, die Revolution ist nicht die Tat eines einzelnen, fie ist ein Ereignis, das eintritt, wenn die natürliche Entwicklung nicht mehr zum Ziel führt, sie ist der Ausdruck des Gesamtwillens." Man horscht erstaunt auf, man ist gespannt auf die Fortführung der Rede und erfährt bald an sich die zweifelhafte Befriedigung, daß man getroft sein darf über die durch nichts zu erschütternden Gejeges Wie Ferdinand Freiligrath Demokrat wurde. Freiligrath bezog befanntlich im Anfang seiner dichterischen von jährlich 300 Talern, die ihm der Weimarische Staatskanzler von Müller, der Freund Goethes und Alexander von Humboldts, der vertraute Ratgeber König Friedrich Wilhelms IV. verschafft hatte. " Freiligrath war also mun föniglich preußischer Pensionär und wenn auch nicht hoffähig, so doch hofpflichtig, insofern, als er bei passender Gelegenheit dem König feinen Dant persönlich abstatten mußte. Diese Gelegenheit bot im September 1842 das Kölner Dombaufest. Der preußische Gesandte in Darmstadt, General von Radowitz, der sich persönlich für die Unterstüßung Freiligraths in Berlin verwandt zu haben scheint, stellte am 16. September auf einem Hofball in Koblenz den Dichter vor. Ah, Herr Freiligrath," redete ihn Friedrich Wilhelm IV. in seiner bekannten withaschenden Lebhaftigkeit an.„ Sie sind ja Weinkenner, ist Ihnen auch der „ Da Freiligrath verneinte lächelnd. Grüneberger befannt?" und das gratuliere ich! Da gratuliere ich!" fuhr der König fort Gespräch war beendet. Länger unterhielt sich Erzherzog Johann von Desterreich, der Reichsvermefer von 1848, mit dem ob jenes föniglichen Geistreichtums nicht wenig verblüfften Poeten. Er be grüßte ihn mit den Worten: Freut mich sehr, Herr Freiligrath, Sie fennen zu lernen. Ich habe Ihren Ahasuer gelesen!" Dann plauberte er von österreichischen Dichtern, die ihn oft zur Jagd besuchten, lud auch Freiligrath zu sich ein, und nachdem er nochmals ,, die ergreifenden Schönheiten" des Ahasver gerühmt hatte Don Julius Mosen mar entfernte er sich mit einem huldvollen Händedrud. der Das übrige Milieu dieser Audienzen hinterließ in Freiligrath den übelsten Eindruck, und dieser erste Gang zu Hofe hatte auf ihn eine Wirkung, von der er sich vorher in seiner beneidenswerten politischen Harmlofigkeit nichts hatte träumen lassen. Er selbst erzählt davon: Als ich im einfachen schwarzen Frac ins VorHerren fand, sah ich, daß jeder zu mir herüberschielte, wer ich wohl zimmer und in den Saal tam, mo ich lauter goldbetreßte, besternte sein möchte. Diesen und jenen tannte ich; man nannte meinen Namen, aber niemand sprach mit mir, und ich drückte mich in eine Ede. Da tam der Erzherzog die Reihe entlang auch zu mir und unterhielt fich längere Zeit mit mir. Raum war er weg, so drängte fich jedermann von dem Geschmeiß an mich, begrüßt mich, erinnert fich meiner. An jenem Abend und in jener Stumbe ward ich Demotrat!" Mar Brit An die Reaktionäre. Nur was zerfällt, vertretet ihr! Seid Kasten nur, froß alledem! Wir sind das Bolt, die Menschheit wir, Sind ewig drum, froh alledem! Trotz alledem und alledem! So fommt denn an, trotz alledem! 3hr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht Unser die Welt frotz alledem! ( Diffeldorf, Juni 1848.) ASEROS des Dichters zu berücksichtigen, wenn man sein Werk richtig be urteilen mill. Im Gegensatz zu Freiligraths mildem Charakter iſt feine Poesie ,, wild, verwegen, ein echtes Kind ungebändigter Naturfraft. Seine Phantasie trägt ihn weit hinaus in das Fremde, Abenteuerliche, Riesenhafte," und wie er es versteht, mit der munderbaren seltsamen Melodie seiner Berse" das Leben tropischer Pflanzen, fabelhafter Tiere und wilder Völker in prächtigen Farben zu schildern, so entspricht es auch seiner Geistesrichtung, daß ihn in der Weltgeschichte der Anblid einer plötzlich entfesselten Kraft stärker bewegt als die ruhige Fortenwicklung der Ideen. Darum eignet auch dem Dichter in seiner poetischen Form das Unbändige, Maßlose. Für den Kern der Sache ist der Mann verantwortlich, er tritt stolz vor sie hin und befennt, was er gewollt,... für die Form, für Bild und Einkleidung fann er nicht, das ist das Mystische seiner Muse, hier folgt er einer in ihm schaffenden Gewalt, über die er sich selbst am wenigsten flar bewußt ist." Zudem ist im allgemeinen zu bedenken: Wir stehen auf revolutionärem Boden, das Endgültige der Staatsverfassung ruht im Schoße der Zukunft. Aber was mir im März errungen haben: Die Freiheit der Bresse, der Rebe, der lleberzeugung, das bleibt unerschütterlich bestehen. " man wittert des Anflägers dürre Seele, seine Unfähigkeit, fich wirklich emporzuschwingen über sein gestrenges pflichtmäßig feft- zogen sich zur Beratung zurück und betraten nach etwa einer ViertelDie Berteidigung beantragte Freisprechung. Die Geschworenen gelegtes Beamtenschema; man merkt, die großen Worte sind nichts stunde wieder den Sigungsfaal. Der Obmann legte die Hand aufs weiter als eine instinktmäßige Berteidigung der eignen vertrodneten Herz und sprach:" Auf meine Ehre und mein Gewiffen, vor Gott Menschlichkeit. und den Menschen, die Erklärung der Geschworenen ist folgende: Der Angeklagte ist nicht schuldig." Rührend ist es dagegen, wie der Gerichtspräsident Freiligraths wieder einmal, daß es im Grunde bei lebendig fühlenden Menschen unter Glückwünschen den Dichter, die Gattin, die ohne sein Wissen Einwände gegen die Anflage zusammenfaßt. Hierbei zeigt sich Die Zuhörerschar brach in Jubel aus. Die Freunde umringten feine Unparteilichkeit gibt, obwohl es jeder Verstandesakrobat hoch der Berhandlung beigewohnt, umarmte ihn. Auf der Straße empmütig bestreitet und jeder Moralist mit Entsetzen leugnet. Was sagt der Berhandlung beigewohnt, umarmte ihn. Auf der Straße emp der Präsident?" Der Inhalt des Gedichtes ist also der, daß Sie, fing ihn die harrende, dichtgedrängte Menge unter begeisterten 3Herr Freiligrath, darin zu einem moralischen Stampf aufrufen, die Bürgermehr und viel Volk geleitete ihn unter den Klängen fordern, daß Sie unterm Krieg nicht die physische Gewalt, sondern der Musik zu seiner Wohnung, aus den Fenstern warfen ihm die die moralische Waffe verstehen... daß die zufünftige Lage Frauen Blumen zu und abends wurde ihm ein Fadelzug gebracht. der Dinge bezeichnet sei, daß Sie die erzen zu ergreifen ge fucht haben." Freiligrath antwortet: Ja!" Die Zeugen befunden übereinstimmend im wesentlichen: Das Gedicht hat die Bersammlung feinesfalls aufgereizt, es hat den Ein brud eines großen Geisteserzeugnisses gemacht; denn es enthält mur Wahrheiten, die jedermann aus den Zeitungen fennt. Die Verteidigung lag in den Händen zweier Anwälte und zeigte mit beredten und bedeutenden Worten die Haltlosigkeit der Anklage. Das Gedicht, sagt sie, ist nur aus der Stimmung der Märztage heraus zu verstehen; so müssen die Geister der er schlagenen Freiheitshelden reden, die der Dichter beschwört. Man darf es nicht in einer Weise auslegen, die hart an den Unsinn streift. Die Wendung schüttelt den Krieg aus des Schurzfells Falten" ist nichts anderes als eine Redeform und hat mit wirklicher Kriegsaufreizung gar nichts zu tun. Ueberhaupt ist die Eigenart Damals, in jenen sturmbewegten Zeiten, war Freiligrath volks. tümlich geworden. Als er einmal bei der Rückkehr von einer Reise feinen Roffer einem Dienstmann zur Besorgung übergab und so gleich bezahlen wollte, las dieser den Namen auf dem Koffer. Er zog die Müze und stammelte:" Berzeihung Herr, seid ihr der Dichter der„ Toten an die Lebenden"? Freiligrath nickte lächelnd. Der Dienstmann schob die Hand zurüd, die bezahlen wollte, sagte: Die Ehr' vergeffe ich mein Lebtag nicht!" und ging mit dem Koffer von dannen. Heute gedenfen wir mit besonderer Achtung des auf. rechten Mannes und selbstlosen Freiheitskämpfers, und in stiller Dankbarkeit des Dichters, der uns schon in der Jugend beglückt hat: Mit Herzilopfen lajen wir den Löwenritt", wehmutsvoll cr griff uns das Gedicht„ Die Auswanderer" und andächtig wie ein altehrwürdiges Kindergebet sprachen wie die schlichten Verse:„ O lieb jo lang du lieben tannst!" G. 3.