Nr. 135 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 68 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic B- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen. Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit„ Gied Lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäalich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Ronpareille Beile SO Bfennia. Reflamezeile B. Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettaebrudte Wort 25 Bfennig ( auläffia amei fettaebrnete Borte). febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erste Wort 15 Bfennia. tebes weitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch Haben zählen für amei Borie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Bamilienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Rummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgefchäft. Berlin SW 68, Linden Atraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Ubr frilh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 21. März 1926 Reichstag und Völkerbund. Der Vorstoß in Preußen. Deutschnational- kommunistische Einheitsfront. Morgen und übermorgen werden im Reichstag die Borgänge in Genf besprochen werden. Inzwischen haben sich die Deutschnationalen im Preußischen Landtag nicht halten fönnen und sind dort gegen den Ministerpräsi denten vorgegangen, weil er nicht für eine auswärtige Politik gesorgt hat, die ihnen besser gefällt. Der preußische Ministerpräsident, Genofje Otto Braun, hat ihnen die rich tige Antwort gegeben, indem er zur Befreiungsfeier nach Köln gefahren ist. Wenn heute die Ruhr und der untere Rhein von Besagung frei sind, wenn es feine innere Zollgrenze mehr gibt, und die separatistische Gefahr der Geschichte angehört, so ist das alles offenbar fein Erfolg der Außenpolitik, die von den Deutschnationalen getrieben worden ist. Die Deutschnationalen möchten in Breußen gerne einen Ministerpräsidenten haben, der der Reichsregierung bei ihrer Außenpolitik Knüppel zwischen die Beine steckt. Daran fann man ermessen, ein wie großes Berdienst sich die Sozialdemofraten Preußens am Reich erwarben, indem sie Preußen von einem Ministerpräsidenten nach den Wünschen des Herrn D. Windler bewahrten. Man stelle sich, einmal vor, daß in Deutschlands achtzehn verschiedenen Ländern achtzehnerlei auswärtige Politik getrieben würde, und daß insbesondere das bei weitem größte Land in offene Opposition zur Außenpolitif des Reiches träte. Welcher Reichsminister fönnte dann bie Außenpolitik des Reiches noch verantwortlich führen? Herr D. Windler ist einer von jenen alten Ronservativen, von denen der dritte Kanzler des Kaiserreichs, Fürst Hohenlohn, sagte:„ Diese Herren pfeifen auf das Reich." Sie tun das in der sogenannten deutschnationalen Partei, in der sie die Führung haben, auch heute noch. Offenbar deshalb nennen sie sich deutsch und national. * Die Kreuzzeitung" sieht voraus, daß die Deutschnationalen im Reichstsag ebensowenig Glüd haben werden mie im Landtag. Sie erfennt, daß dem Sieg der nationaliftischen Reaktion ein unüberwindliches Hindernis entgegen steht, die Sozialdemokratie. Das ist eine Anerfennung, auf die wir stolz sein können. Wenn aber die ,, Kreuzzeitung" meint, die Sozialdemokratie werde sich ihre = Haltung zur Locarnopolitit mit flingender Parteimünze bezahlen lassen", so schließt sie von ihrer eigenen Partei auf andere. Die deutschnationale Partei war es, die sich im Sommer 1924 die fünfzigprozentige Zustimmung zu den Dawes Gefeßen mit einigen Ministerplägen bezahlen ließ auf Grund eines später veröffentlichten Kaufvertrags, der in der deutschen Parlamentsgeschichte seinesgleichen nicht findet. Eine solche Politik fann sich nur eine Partei leisten, die von moralischen Bedenken völlig frei ist und deren Anhänger noch nicht einmal die Anfänge politischen Denkens erreicht haben. Für die Sozialdemokratie ist sie unmöglich. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat nun zur morgen beginnenden Debatte folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu erfuchen, den Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund zurückzuziehen. Damit ist auf dem Gebiet der Außenpolitik die Einheitsfront zwischen den Deutschnationalen und den Kommunisten her gestellt, die schon zuvor einen Antrag gleichen Sinnes eingebracht hatten. Deutschnationale und Kommunisten sind also darin einig, daß das Aufnahmegesuch zum Völkerbund zurüd gezogen werden soll. Die Kommunisten gehen mit We starp und ergt nicht bloß gegen Hermann Müller und Breit scheid, sondern auch gegen Macdonald, Henderson, Leon Blum, Bandervelde, Undén, gegen die Bertreter der Arbeiterflaffe Europas. Schließlich fann jeder die Art des Selbstmords wählen, die ihm beliebt. wird, morgen vormittag 11 Uhr mit einer Rede des Reichs Die Aussprache im Reichstag wird, wie offiziös gemeldet analers eingeleitet werden. Dann wird als Vertreter der Sozialdemokratie Gen. Breitscheid sprechen. Es folgen die Redner der anderen Parteien, unter ihnen Graf eft arp( Dnat.), Raas( 3tr.), v. Rheinbaben( Bp.) und Graf Bernstorff( Dem.). Wahrscheinlich wird zwischendurch auch der Reichsaußenminister das Wort ergreifen. Herr Stresemann hat gestern seiner Fraktion Bericht erstattet, in der Uebereinstimmung darüber herrschte, daß die Außenpolitik in de bisherigen Rich tung, fortgesetzt werden müsse. Eine Resolution, die das ausspricht, ist für das Plemum in Borbereitung. Zählungen zum Volksbegehren. Voraussichtliches Resultat: 12 Millionen. Es wurden bisher in Groß- Berlin und sieben Wahltreifen rund 4,4 millionen Einzeichnungen gezählt. In den noch ausstehenden Wahlkreisen wurden bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 für Sozialdemokraten, kommuniften und Unabhängige rund 7,6 Millionen Stimmen abgegeben. Es fann als sicher angesehen werden, daß diese Zahl in den noch fehlenden Kreifen zufammen erreicht wird. Das Ergebnis des Volksbegehrens dürfte demnach mindestens 12 Millionen Einzeichnungen betragen. * Der Reichswahlleiter hat bisher vorläufige amffiche Ergebnisse aus acht Wahlkreisen von 35 erhalten, darunter die Wahlfreise Groß- Berlin, Düsseldorf- Of, Düsseldorf- West, Pfalz und Leipzig, über die bereits berichtet worden ist. In Baden find insgesamt 499233 Eintragungen erfolgt. Das find 34,6 Prozent der Wahlberechtigten. Bei der letzten Reichstagswahl erhielten Sozialdemokraten, kommunisten und Unabhängige zufammen 270 235 Stimmen. Es ergibt sich also, daß fich bei dem Bolfsbegehren 228 998 Personen mehr eingezeichnet haben, als bei der letzten Reichstagswahl für die drei Parteien stimmten. Die Zahl der Eintragungen beträgt 184,9 Prozent der Stimmenzahl bei der Reichstagswahl. Ja köln- Aachen haben sich eingezeichnet 353 865 Perfonen. Bei der letzten Reichstagswahl wurden für die drei Parfeien 223 091 Stimmen abgegeben. Der 3uwachs beträgt also 130 774 Stimmen oder die Zahl der Einzeichnungen ist 158,9 Prozent der Stimmenzahl bei der Reichstagswahl. In den acht Kreifen von 35 wurden zusammen 4 392 364 Einfragungen gezählt. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen läßt sich schäßen, daß die Zahl der Eintragungen insgesamt eher über als unter 12 millionen liegen wird. Die Zahlen aus Baden und Köln- 2 a hen zeigen auf das Deutlichste, wie stark die Beteiligung wellefter bürgerlicher Kreise bis in die Reihen der Deutschnationalen hinein am Bolfsbegehren gewesen ist. Eine Berichtigung des Reichswahlleiters. WTB. meldet: Beim Reichswahlleiter lagen am 20. März mittags die vor läufigen Ergebnisse des Boltsbegehrens aus 8 Wahlkreisen vor. Vergleicht man die Zahl der Eintragungen mit der Zahl der Stimmberechtigten der letzten Reichswahl vom 26. April 1925( 2. Wahlgang der Reichspräsidentenwahl) und der Zahl der Stimmen, die bei der letzten Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 auf Sozialdemokraten, unabhängige Sozialdemokraten und Kommunisten in diesen Wahlkreisen entfallen sind, so ergibt sich folgendes Bild: 28a hIfreis Broz. der Stimm berechtigten vom 6. April 1925 men, die auf P. Rommunisten = am 7. Dez 1924 entfallen find Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheckonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Ballstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Devontentaffe Lindenstr. S. Die Jugend voran! Zur Reichswerbewoche der Sozialistischen Arbeiterjugend. Bon Hermann Müller- Franken. Keine Zeit hat so sehr die verständnisvolle Zusammenarbeit von alten und jungen Sozialisten erfordert, als die heutige. Nach einem Zusammenbruch in fürchterlichstem Ausmaß sollte in Politik und Wirtschaft ein trogfähiger Neubau erstehen. Welches Geschlecht hat in einem Menschenalter so viel erlebt als das in den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts geborene? Wer hätte 1910 für möglich gehalten, daß die Schrecken des Krieges vier Jahre lang dauern und dieser allmählich zwei Drittel der gesamten Erde in seinen Bannkreis ziehen könnte? Wer hätte 1910 geahnt, daß zehn Jahre später das deutsche, das österreichische, das russische Kaiserreich der Vergangenheit angehören würden? Anderseits, wie lange hat es gedauert, bis nach diesem entfehlichen Morden und Gütervernichten die Regierenden der am Weltkrieg beteiligten Bölker begriffen hatten, daß nicht alles wieder so werden würde, wie es noch im Jahre 1913 war? Heute haben Währungsverfall, Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosenelend und wie die Kriegsfolgen alle heißen, felbst in den Siegerländern die Zahl derer vermehrt, die in der Wiederaufwärmung natinoalistischer Hepmethoden der Borfriegszeit nicht ein Heilmittel gegen die Schäden der Nachfriegszeit sehen. Daher in allen Ländern die zunehmende Erkenntnis, daß nur eine gemeinsame Arbeit am europäischen Wiederaufbau die allmähliche Gesundung bringen tann. Dieser Wiederaufbau muß im Geiste der Bölferversöhnung in Angriff genom men merden. Bollendet werden kann er aber nur durch die Jugend von heute. Bei dieser Arbeit muß unter der Jugend die sozialistische Arbeiterjugend führend sein. versöhnung gepflegt. Warum?, Sie hat schon im Frieden den Geist der Völlerganzes Streben auf die baldige Befferung des Lofes der Sie hat schon im Frieden ihr Menschheit gerichtet. Sie hat hat nicht in die Bergangenheit geschaut, in der die Büttel des faiserlichen Obrigkeitsstaates die Jugend selbst von freiheitlichem Denten abhalten mollten. Freilich war dieses Unterfangen vergebens. Seit zwei Jahrzehnten haben viele unserer Besten sich in der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung die ersten Sporen verdient. In der Arbeiterjugendbewegung wurden die jungen Arbeiterinnen und Arbeiter reif gemacht für die großen geschichtlichen Aufgaben der flassenbewußten Arbeiterbewegung. So konnten die jungen sozialistischen Arbeiter mit innerer Teilnahme an die großen und schweren Aufgaben herangehen, die nach der Revolution und infolge der Schaffung der deutschen Republik die Mitperantmortung der jungen Generation erforderten. Nach dem Sturz der Monarchie brauchten sie sich nicht auf den bekannten doppelten Boden der Tatsachen zu stellen. In ihnen lebie bereits der Geist der neuen Zeit, in ihre Seele gesenkt als das ideale Erbe der sozialistischen Vorfämpfer unserer großen Vergangenheit. öffentlichen Lebens nach Berwirklichung. Die Prokla Nun schreit dieses ideale Erbe auf allen Gebieten des mierung der Republik und ihre Berankerung im Verfassungsöffentlichen Lebens nach Berwirklichung. Die Proflawert von Weimar sind Tatsachen, die den Fortschritt in der Richtung der freiheitlichen Entwicklung selbst dem Blinden zeigen. Jezt aber gilt es, der Staatsform den sozialen Inhalt zu geben. Hier hat die Revolutionszeit zu tun viel übrig gelassen. Hier muß die Arbeiterjugend einsetzen. Auch der neue Staat ist zunächst Klassenstaat. In ihn gilt es einzudringen. Ihn gilt es, fozial völlig zu durchdringen. hn gilt es für die Arbeiterklasse zu erobern, damit er umgestaltet werden kann zum Wohlfahrtsstaat für die werktätigen Maffen. ist noch mächtig. Auch Arbeiterinnen und Arbeiter sind noch Das wird noch eine Riesenarbeit sein. Das Kapital zu Millionen ihm geistig zugehörig. Deshalb muß unsere Proz. der Stim Arbeiterjugend für den Kampf um eine beffere Zukunft das SBD. U- B. und beste geistige Rüstzeug mit auf den Weg bekommen. Mit ihrer geistigen Aufrüftelung fann nicht früh genug begonnen werden. Darum haben alle klaffenbewußten Arbei terinnen und Arbeiter die Pflicht, ihre Mädels und Jungens nach der Schulentlassung der sozialistischen Arbeiterjugend zuzuführen. Auch die Mädels! Die Revolution hat den Frauen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung gebracht. Sie bedürfen deshalb der gleichen Schulung wie die Männer. Vor allem brauchen wir die Frauen gerade im Kampf gegen den Krieg und für den dauerhaften Frieden der Welt. 145,88 8aHI ber Cin tragungen 2 Berlin 865 581 59,0 18 Westfalen- Süd. 20 Köln- Aachen 886 044 35,55 121,0 353 865 26,16 153,6 22 Düsseldorf- Dit. 23 Düsseldorf- West 27 Pfalz 530 740 38,71 148,3 261 500 44,79 126,7 157 417 27,92 102,5 28 Dresden- Bauzen. 29 Leipzig 545 873 44,41 124,2 499 316 57,8 39,79 140,4 134,5 Zusammen 3800 341 Außerdem liegt eine vorläufige Teilmeldung aus Wahlkreis 26( Franten) ver über 290 893 Eintragungen, wobei aber noch 24 Bezirksämter fehlen. Die am Schluffe der Meldung vom 19. März über Teilergebniffe des Boltsbegehrens angegebenen Berhältniszahlen waren ver fehentlich unter Zugrundelegung der für die einzelnen Parteien bei der legten Reichstagswahl errechneten Hundertjäße der gültigen Stimmen ausgewertet worden. Die Jugend hat Neuland zu pflügen. Aber auch das tommende Neue ruht auf den besten Ueberlieferungen des Alten. Die fozialistischen Ideale, die unseren Vorfämpfern den unbedingten Glauben an den Sieg des Sozialismus gaben, haben heute noch ihren vollen alten Bert. Wir müssen der Jugend die Ideale erhalten, die sie befähigen sollen, das zu erfüllen, was uns unsere Borfämpfer verheißen haben. Dazu brauchen wir eine törperlich und geistig frische Arbeiterjugend. Unser Ziel ist und bleibt Die Erfämpfung der sozialistischen Gesellschaft, in der die poli ,, Der Landgerichtspräsident und der Oberstaatsanwalt in Brieg| fich" die Namen der aufgeführten deutschen Gefandtschaften gieren. haben erklärt, daß ihnen völlig fern gelegen habe, der Bres. An behördlicher Korrektheit darf und wird der Bürger niemals lauer Zeitung" die Entziehung amtlicher Inferatenauf zweifeln. träge anzudrohen, und dabei darauf hingewiesen, es sei ihnen unbekannt gewesen, daß die Breslauer Zeitung" abwechselnd mit einer anderen Zeitung von dem Amtsgericht in Brieg Publitationsorgan für Register fachen benutzt werde. Eine gegenteilige Absicht ist aus ihrem Schreiben nicht zu entnehmen, au tische und ökonomische Gleichberechtigung durchgeführt ist, in der allein eine wahre Boltsgemeinschaft möglich ist. Dieses Ziel wird erreicht werden! Die Jugend muß es schaffen! Sie wird es um so eher schaffen, je mehr Kräfte ihr balb zugeführt werden. Deshalb, Arbeiterinnen und Arbeiter, nügt die Werbewoche für die Arbeiterjugend! Hinein mit euren Töchtern und Jungens in unsere Arbeiterjugend, damit für alle schaffenden Kräfte im deutschen Bolle bald eine neue, eine bessere Zeit herausgeführt| mal die Auswahl der Blätter für Bekanntmachungen des Register merde! Die Dolchstoßmanie. Neueste Faffung der Dolchftoflegende- eigene Erfindung des Herrn Brüninghaus. Die Dolchftoßlegende ift für die große Deffentlichkeit tot. In einigen Köpfen aber lebt sie weiter. Es gibt bedauernswerte Menschen, bei denen sie zur Manie geworden ist. Diese Leute tönnen sich davon nicht befreien. Wird eine Variante ihrer Manie mit geschichtlichen und logischen Argumenten totgeschlagen, fo er. finden sie flugs eine neue. So geht es dem Herrn Admiral Brüninghaus. Der vierte Untersuchungsausschuß des Reichstages über die Striegsfragen debattierte am Sonnabend über das berüchtigte Referat des Grafen zu Eulenburg, der die Dolchstoßlegende wieder auffackiert hatte. Die Abgeordneten Bergsträßer, Dittmann, Moses und die Sachverständigen Profeffor Ha bohm und Dr. Herz wiesen nach, daß dies Referat infolge der untritischen Quellenbenugung jedes wissenschaftlichen Wertes er mangele. Nur der Abgeordnete Brüninghaus trat dem Grafen zu Eulenburg zur Seite. Er erfand eine neue Bariante er Dolchstoßlegende. Diese Variante wird nicht nur in Deutsch Sand, fondern in der ganzen Welt ein homerisches Gelächter her. vorrufen. Er behauptete nämlich nicht mehr und nicht weniger. als daß die amerikanische Armee im Jahre 1918 gezwungen gemesen wäre, Schluß mit dem Kriege zu machen, und zwar infolge von Ausrüstungsschwierigteiten, wenn ihr nicht die deutsche Revolution zu Hilfe gekommen wäre. Das ist eine für den Erfinder gefährliche neue Variante. Man denkt dabei zu sehr an Herrn Hergt und sein berühmtes Gte tönnen nicht fliegen, fie fönnen nicht schwimmen". Herr Brüninghaus hat diesen Ausspruch erweitert, er fügt hinzu, fie hatten nicht genug Hosen und nicht genug Gewehre. Es ist ein ehemaliger deutscher Admiral, der solchen geschicht Itchen Unsinn in einem Barlamentsausschuß daherschwägt. Diese Tatsache dient mehr zur Erklärung des deutschen Zusammenbruchs als sämtliche Varianten der Dolchstoßlegende zusammengenommen. gerichts der von Berfügungen der Aufsichtsbehörde unabhängigen richterlichen Entscheidung des Amtsgerichts unterliegt. Der Zeitungsartitel fonnte ben genannten Beamten aber teinen Anlaß bieten, amtlich gegen ihn Stellung zu nehmen oder gar um Abstandnahme von der weiteren Zufenbung des Blattes zu ersuchen. Wegen des Mißgriffs, der hiernach den Beamten zur Last fällt, ist das Erforderliche im Dienstaufsichtswege veranlaßt worden." „ Kaiserlich deutsche Gesandtschaften." Eine Einrichtung unserer Republit. Wird das Jahr 1926 als das Jahr des republikanischen An turmes gegen die Fürsten, als das Jahr der ersten bireften Gefek gebung durch das Bolt eines europäischen Großstaates fortleben? Bird mit ehernen Lettern 1926 in den Geschichtsbüchern der Demo fratie verzeichnet sein? Der oberflächlichen Betrachtung mag das wahrscheinlich erscheinen. Ein Blid in die Tiefen und Feinheiten unferes Staatslebens lehrt, daß auch noch in diesem Jahr Organe der Republit den monarchischen Namen Raiserlich" führen. Das wenigstens geht aus einem umfänglichen von der Repu blikanischen Beschwerdestelle ausgegrabenen Buche hervor, das im Oftober 1925 die mächtigste Behörde des Reiches, das Reichs. finansminifterium, in R. Deders Berlag zu Berlin er scheinen ließ. Es ist die Anleitung für die 8ollabfertt gung, die die Republik den Zollbeamten in die Hand gibt. Sie fagt zehntausenden Beamten der deutschen Republit, wie fie Waren und Menschen behandeln sollen, die die Reichsgrenzen im Norden, Süden, Diten und Westen des Baterlandes paffieren. Es ist internationaler Brauch, daß Gesandte, daß die amtlichen Bertreter fremder Mächte ihr Gepäck zollfrei einführen dürfen. Ihre bewegliche Habe darf von den Grenzbeamten weder beschlagnahmt noch verzollt, ja nicht einmal inspiziert und durchstöbert werden. Das ist das Gesandtschaftsgut" und unsere Anleitung ordnet in ihrem 9. Teil an, wie mit dem Gesandtschaftsgut zoll. technisch zu verfahren ist. Nicht nur der Lebertoffer des Herrn Ge fandten, feiner Gattin und Kinder, auch der Reiseforb seines Dieners oder feiner Röchin ist gewöhnlich zollfrei. Aber es gibt mannig fache Unterschiede. Bei manchen Gesandtschaften ist das Gepäd der Gefandtschaftsräte ebenfalls Gesandtschaftsgut und zollfrei. Darüber beſtehen internationale Vereinbarungen von Regierung zu Regteruna Bon Staat zu Staat ist die Zollbehandlung des Gesandtschaftsgutes anders geregelt. Ausführlich und gemau bestimmt u. a. die An leitung"( auf 6. 25), daß bet der Sollabfertigung in dem aleichen Justizbeamte und Pressefreiheit. Umfange wie den Botschaftern und Gesandten auch den türkischen, bonrückweisung eines Uebergriffs durch den Jaftizminifter. japanischen, norwegischen, bulgarischen und niederländischen Ge In einer Meinen Anfrage zweier demokratischer Landtags. fandtschaftsräten Zollfreiheit gewährt wird, ba- und nun fommt es heraus ,, da in der Türkei den der Kaiserlich deutschen abgeordneter wurde der in der Bresse mehrfach erörterte Borfall zur Botschaft in Konstantinopel, in Japan den der Stailerlich beut. Sprache gebracht, wonach der Landgerichtspräsident und schen Botschaft in Totio, in Norwegen den der Kaiserlich beut der Oberstaatsanwalt in Brieg von der weiteren Buhen Gesandtschaft in Kristiania, in Bulgarien den der Railer. fendung der Breslauer Zeitung" an ihre Behörden abzusehen baten, ich deutschen Gesandtschaft in Sofia und in den Niederlanden meil bie Beitung in einem Artifel Richter und Fememörder" Mit den der Kaiserlich deutfchen Gefandtschaft im Haag zuge teilung von der im Breußischen Landtag gestellten Kleinen Anfrage teilten Räten... Sollfreiheit in dem gleichen Umfange gewährt wird." der Deutschen Boltspartei über Ausführungen des Ministerpräsidenten Unseren Augen wollten wir nicht trauen, als wir das fafen. Braun auf dem Hamburger Reichsbannertag gemacht und an diese Aber wir fahen nicht die Abschrift oder die Wiedergabe einer alten. Ausführungen einen zustimmenden Kommentar geknüpft hatte. uralten Berordnung, nein, teineswegs, fondern wir fahen das Wort chen Kaiserlich fünfmal in der Anleitung für die 3ollabfertigung vom Ottober 1925, die sonst durchweg modernisiert ist und so modern ist, daß fie z. B. Kenntnis nimmt von fo unmonarchischen und neuartigen Einrichtungen wie die Republifen Polen, Finnland, Wie die Anfragenden betonten, stellt das Ersuchen auf Ein stellung der Susendung der Seitung eindeutig und flar eine Bontottandrohung dar, da die Breslauer Seitung" Publikationsorgan für die Eintragunngen des Registerrichters in Brieg ist. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, antichechoslowakei usw. wortet ber Justizminister auf die Frage, was er gegen diesen ganz unerhörten Eingriff in die verfassungsrechtlich gesicherte Breßfreiheit zu tun gebente, das Folgende: Die Nationalgalerie. Zu ihrem 50jährigen Bestehen. Am 21. März 1876 wurde die Nationalgalerie auf der Museums insel in Berlin feierlich eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben. Das Haus ist in allem Wandel der Zeit geblieben, was es war: eines der repräsentativsten Baumerte Berlins, letzter Ausklang der tlafsizistischen Epoche. Seine inhaltliche Bestimmung aber hat sich in einer eigentümlichen Weise unter den drei Direktoren geändert, die das Museum in 50 Jahren geleitet haben. Jordan, der erste Direktor, der einen mehr als mäßigen Grundstod übernahm und in gleichem Sinne ausbauen mußte, war fein führender Geist; war selber viel zu sehr in de historischen und inhaltlichen Anschauungen seiner Beit befangen, als baß er ein wirkliches Abbild der modernen Kunst häite schaffen fönnen. Bei feinem Rücktritt 1895 fah die Nationalgalerie wie eine Ruhmeshalle preußischer Geschichte aus: endlose Schlachtenbilder, heroisierte Porträts und Genremalerei bestimmten neben den Riesenfartons Don Cornelius und feinen Settgenossen ihr Aussehen. Um so ge waltiger wird das Berbienst Hugo v. Tschubis erscheinen, ber als moderner Mensch die Aufgaben dieses Museums erfannte und die Energie bejaß, fie durchzuführen. Uebermenschlich waren die Anstrengungen, die ihn die Ueberwindung aller Widerstände kostete: Widerstände von seiten des reaktionären Profefforenklingels der Akademie, der„ Landeskunstkommission", der ministerialen und höfischen Borgesetzten und Dreinredner, die verschiedene Zwede verfolgten, aber einmütig zufammenhielten im Widerstand gegen das einzige Ziel, das eine Nationalgalerie fich stellen barf: bie besten und qualitätsvollsten Kunstwerke des letzten Jahrhunderts zu fammeln. Man weiß, daß Tschudi zuletzt an diesen übermächtigen Hemmnissen( deren nicht geringster der persönliche Geschmad Wilhelms II. war) scheiterte und 1909 Berlin voller Bitterkeit den Rücken fehrte. Seine Verdienste um die moderne Runft werden unvergessen bleiben: er ragt über alles Barteiwesen hoch hinaus als größter Enpus jenes Museumsmannes, dem die Kunſt in ihrer Bollkommenheit Lebensziel ift, und der harum wahrhaft fulturfördernd wirft. Sein Nachfolger war Ludwig Justi, der die Früchte seines Heroismus geerntet hat und das Glüd genießt, fein eigenes Jubiläum mit dem der Nationalgalerie verbinden zu tönnen( er ist am 14. März 1876 geboren, alfo faft auf den Tag der Entstehung seines Museums). Jufti ist von Anfang an diplomatischer vorgegangen als Tschudi. Ihm glückte, was jenem versagt war: die Reinigung ber Nationalgalerie von den schlimmsten Objekten der patriotischen Afterkunft und der Bildnisse, die Beseitigung der Landeskunsttom miffion, die Beibehaltung der( geftifteten) französischen Impressio. niften und die Reorganisation der inneren Aufstellung. Als die Revolution 1918 die Bahn für bie neueste Runst frei machte, hat er fofort den Jüngsten fein Museum geöffnet und in dem Kronprinzen palais einen schönen Ausstellungsbau für die Malerei der Lebenden gewonnen. Für ihn ist der Weg gebahnt: wir hoffen noch genug des Erfreulichen von seiner Tatfraft zu erleben. Dr. Paul F. Schmidt Offenbar wird die Bezeichnung Kaiserlich" nur deshalb fünf mal gebraucht, weil eben nur fünf frembe Staaten dem Gepäck der deutschen Gesandtschaftsräte Sollfreiheit gewähren. Wäre es bie Hälfte aller Staaten, dann würde dreißigmal das Wort, Kaiser. Das Gibralter der Zukunft: am Nordpol! Die Montage der Flugzeuge, die dem amerikanischen Rapitán Wilfins bei seinem Flug nach den Spißbergen dienen sollen, ist jeßt in Fairbanks in Alasta beendet worden, und man wird in dieser Woche mit ben Brobeflügen beginnen. In etwa vierzehn Tagen will Kapitän Wilkins mit seinem Fotter- Flugzeug den Flug antreten und ver fuchen, das Geheimnis der Eiswüsten des arttischen Gebiets zu entschleiern. Man teilt jetzt offiziell mit, daß der mittelbare 3wed ber Expedition darauf abzielt, für die Vereinigten Staaten Neulant zu erobern und eine neue Luftschifflinie zu sichern. Die Expedition Wilkins wird von Barrow aus, zwei Wochen vor den anderen zehn oder zwölf Expeditionen, die fich gegenwärtig in Borbereitung befinden, die abenteuerliche Reise antreten. Zu wiederholten Malen hat sich die amerikanische Breffe mit der Frage befchäftigt, weshalb gerade die Arktis die Aufmerksamkeit des Publitums so sehr in Anspruch nehme. Kapitän Wilkins hat nun ausdrücklich erklärt, daß der Grund für dieses allgemeine Interesse nicht etwa allein in Abenteuerlust oder in dem Drang nach wissenschaftlicher Erfenntnis zu suchen sei, daß sich vielmehr diese Anteilnahme aus dem Um ftand erkläre, daß bie Arttis berufen fei, eine wichtige Rolle im internationalen Verkehr, im Welthandel, sowie in Krieg und Frieden zu spielen. Wie Willins weiter ausführt, wird mit fortschreitender Entwicklung die Arttis das Zentrum des Welthandels(?) für die Rationen werden, die heute in den unbekannten Regionen Pionierarbeit leisten. Die Bashingtoner Rorrefpondenten der New Dorter Beitungen erflären denn auch mit rückhaltloser Offenheit, daß die Bereinigten Staaten burch die bevorstehenden Bolarflüge ihre Sou veränität über die bisher noch nicht erforschten Gebiete lastas und Darüber hinaus die Herrschaft über die Kohlenbasis und die Etappen der internationalen Luftlinien der zukünftigen Generationen sichern wollen. Der strategische Bert des artischen Gebietes dürfte nach Diesen Ausführungen in der Zukunft von großer Bedeutung sein. Der Kampf um die Prominentengagen. Das Berliner Band gericht I sprach der Gegentonvention des Bühnenvereins die Rechtsvorzuschreiben, den Brominenten eine höhere Gage als 300. pro verbindlichkeit ab. Er ist danach nicht berechtigt, feinen Mitgliedern Abend und 450 M. pro Gastspielabend zu zahlen. In der Begründung wird unter Berufung auf die Reichsverfaffung festgestellt, daß die Freiheit der Kunft garantiert sei. Diesem Geist tönne es nicht entsprechen, wenn man freie Künstler wie gewöhnliche Arbeit nehmer behandele. Es tönne nicht zugelassen werden, daß ein Kartell von Bühnenleitern unumschräntt barüber zu befinden habe, ob und in welcher Höhe Gagen zu zahlen felen. Die Forderung der flagenden Künstler, die Gagentommission des Bühnenvereins aufzuheben, habe aber abgewiesen werden müssen, well diese Kom mission tatsächlich seit einem Jahr nicht mehr in der ursprünglichen Form bestehe, sondern nur noch beratend tätig fei. Unser Mitarbeiter Hans Bauer bittet uns um die Aufnahme der nachfolgenden Erklärung: Ich bin verschiedentlich darauf hin der nachfolgenden Erklärung: Ich bin verschiedentlich darauf bin gewiesen worden, daß in völkischen und deutschnationalen Blättern ein Autor gleichen Namens gelegentlich politische Artikel veröffent liche. Ich reiche prinzipiell rechtsgerichteten Blättern teine politifchen Manuftripte ein und bin selbstverständlich mit jenem Schriftsteller nicht identisch." Die Anleitung für die Zollabfertigung" ist ein amtliches Dotu. ment. Sie heißt nicht so, aber sie hat die Wirkung einer Ber ordnung. Sie bestimmt, wie ein Heer von Beamten sich gegen Staatsbürger und Fremde zu verhalten hat. In einer Berordnung der Republik werden die deutschen Gesandtschafter Raiserlich genannt. Die Finanzbureaukratie ift monarchistisch; fie wartet auf die Rückkehr ihres faiserlichen Herrn. Sie nennt bie Bertreter des deutschen republikanischen Reichspräsidenten Raiserlich. Wir verlangen, diesen kaiserlichen Unfug schleunigst zu beseitigen. Die Steuererleichterungen. Die Forderungen der Sozialdemokratie. Der Steuerausschuß des Reichstags beenbete am Sonnabend die allgemeine Aussprache über die Steuermilderungsvorlage der Regierung. Abg. Koenen fegte in einer einstündigen Rebe auseinander, daß die Borlage der Regierung, trotzdem sie die von den Kommunisten stets verlangte Ermäßigung der Umsatzsteuer bringe, eine einseitige Begünstigung der Befißenden darstelle. Er zog aber daraus nicht die Konsequenz, daß die Kommunisten etwa die Ermäßigung der Umsatzsteuer ablehnen würden. Abg. Döberich ( Dnat.) legte Berwahrung ein gegen die gestrigen Ausführungen des Genossen Herz über die fteuerliche Begünstigung der Großlandwirtschaft. Der Landbund werde auch ftets von den Großagrariern beherrscht, die meisten seiner Mitglieder seien fleinere und mittlere Bauern. Abg. Schneider( Dem.) erinnerte daran, daß im Borjahre die Vertreter aller Bartelen die besten wirtschaftlichen Wirkungen von der Senfung der Umsatzsteuer erwartet hätten. Das jetzige Berhalten der Deutschnationalen stände in schroffem Gegensatz zu ihrem vorherigen. Die Sentung ber umfaßfteuer fei nur eine Etappe zu ihrer völligen Beseitigung. Abg. Sinner( Dnat.) anerkannte, daß die Gentung der Umsatzsteuer im Prinzip richtig sei, trotzdem wünschen die Deutschnationalen die Sentung der Hauszinssteuer, die, wie er auf Surufe augab, in erster Linie dem Hausbeft zugute tommen müsse. Sofort erhob sich Abg. Seiffert von den Bölkischen mit dem Berlangen, die Senfung der Hauszinssteuer nicht den Hausbesitzern, sondern nur den hypothetengläubigern zugute kommen zu laffen. Die Einzelberatung beginnt am Montag. Die Stellung der Sozialdemokratie zum Steuermilderungsgefeß geht am besten aus den Anträgen hervor, die die fozialdemokratischen Mitglieder des Steuerausschuffes gestellt haben. In ihnen wird verlangt: 1. Die Ermäßigung der Umfahsteuer auf 0,5 Broz. ftatt 0,6 Proz. 2. Die Beselligung der Doppelbesteuerung der Genoffenschaften. 3. Verpflichtung der Unternehmer, die Ermäßigung der Umfazsteuer und die Beseitigung der Lurussteuer am 1. April durch ent prechende Ermäßigung der Preife anzurechnen. 4. Statt der Ermäßigung der Gesellschaftssteuer auf 1 Broz. foll die Steuer in der bisherigen Höhe von 2 Broz. in vier halbjährlichen Raten gezahlt werden. 5. Ermäßigung der Grunberwerbssteuer ftatt auf 1% Bros. auf 2% Brog.. 6. Streichung der Bestimmung über die Rüdwirkung ab 1. September 1925. 7. Der Ertrag der Gesellschaftssteuer soll den durch Zusammenfchlüffe besonders benachteiligten Gemeinden überwiesen werden. 8. Aenderung des Finanzausgleichs dahin, daß bis zum 1. April 1927 die Friedensmiete nicht überschritten werden darf. Seine allgemeine Ermäßigung der Vermögenssteuer um ein Biertel. Statt dessen soll in den Fällen, in denen sich das Vermögen am 1. Januar 1926 um mehr als ein Fünftel vermindert oder vermehrt hat, eine Beranlagung stattfinden. Sonst ist von der Veran Tagung für das Jahr 1926 Abstand zu nehmen. 10. Alenderung des§ 49 des Einkommensteuergesetzes durch Schärfere Heranziehung berjenigen Steuerpflichtigen, die angeblich tein Einkommen haben burch Verschärfung der Borausfegungen für die Befteuerung nach den tatsächlichen Verbrauch Frau Kollonfan abberufen. Das Sentral- Erefutivkomitee der Sowjetunion hat beschlossen, den bisherigen bevollmächtigten Bers treter der Sowjetunion in Norwegen, Frau Kollontan. Don ihren Amtsobliegenheiten zu entbinden. Zu ihrem Nachfolger wurde der frühere Botschaftsrat in Rom, Matar, ernannt. Der neue See- ,, Elefant" in Stellingen. Bei Hagenbed in Stel. fingen ist ein See- Elefant lebend eingebracht!" so lautet die neueste Genfation. Die Leistung muß allerdings die größte Bewunderung erregen, wenn man bedenkt daß die Gauß- Expedition trok bester technischer Einrichtungen feinerzeit nicht einmal ein ganzes totes Tier mitbringen fennte, sondern ich auf das Mitbringen eines Ropfes beschränken mußte! Zoologisch gehört der See- Elefant zu ben Robben und zur Unterfamilie der Seehunde. Den Beinamen " Elefant" hat diese Robbe erhalten, weil sie ihre Schnauze rüsselförmig" Dorftreden tann, was namentlich dann geschieht, wenn man fie figelt. Das kann jeder tun, der an einer Polarexpedition teilnimmt. Denn die See- Elefanten laffen den Menschen ruhig an fich heranfommen und sind durchaus gutmütig. Der Fang an fich ist alfo nicht bewundernswert, wohl aber die Leberwindung der Trans portschwierigkeiten und die Erhaltung am Leben während des Transports. Das eingebrachte Tier soll gegen 5 Meter lang und etwa 40 Bentner schwer fein. Ein ausgewachsenes Tier mißt 7 Meter. Die See- Elefanten fommen nur auf der füdlichen Halbrugel füdlich des 35. Breitengrabes vor. Sie leben in größeren Geneffen schaften und werden ihres Trans und ihrer Haut wegen viel gejagt. König und Kammerdiener. Der teutsche Nationalheros Fride ricus Reg hat einen eifrigen Briefwechsel mit seinem ehemaligen Rammerdiener Fredersdorf gepflogen. Diese bisher verloren geglaubte literarische Köstlichkeit ist fürzlich zur Erbauung aller tret beutschen Untertanen wieder aufgetaucht, ihre Echtheit wurde von Breußischen Geheimen Staatsarchiv bestätigt. Die 300 Briefe find deutsch geschrieben, das der König nach seiner eigenen Angabe wie ein Rutscher" sprach. Eine lippefche Freiligrafh- Spende. Das lippesche Landespräsi. bium hat zur Ehrung des in Detmold geborenen Dichters Freiligrath eine Spende von 2000 Mart ausgefeßt, aus der in den nächsten zwei Jahren fünfmal je 400 m. an befähigte Kinder unbemittelter Eltern zu ihrer Aus- und Fortbildung gewährt werden sollen. Ein Internationalet Frauenfongreß. Der 10. Rongreß der Internationalen Gesellschaft für Frauenstimmrecht, der vom 30. Mai bis 6. Juni in Baris stattfindet, wird eine besonders imponierende Rundgebung für die Frauenrechte darstellen. Bertreterinnen von 40 verschiedenen Bändern und Bölfern nehmen baran teil, und u. a werden folgende Gegenstände verhandelt: bie ſittliche Gleichstellung von Männern und Frauen, die Lage der unverheirateten Mutter und ihres Kindes, weibliche Polizei, fowie die Frauen und der Völker bund. snerreichischen Bundespräsidenten eine Aufführung des Fidelio unter In der Staatsoper findet am Sonnabend als Feitveranstaltung für ben Rettung von Kleiber. ftatt faal bet Dper am Ronigbla.Berlin in Sieb vor. Em Käthe Hyan trägt am Donnerstag, dex 25., abends 8 Uhr, im Ritter laglarten M. 0,60 an ber Abendlaffe v. 2 ucanus am Mittwoch 7 Ubr in der Urania einen Bortrag balten. Ueber die Geheimnisse der Tierfeele wird der Zoologe Friebrich Der Vortragende wird über bie Basserbauten der Biber, kunstvolle Bogel nefter, bas Staatenleben der Infelten, Tiere als Fallenfteller, Berstellungs fünfte der Tiere jowie über die Intelligenz der Menschenaffen sprechen. Außenpolitik im Landtag. Der Schluß der Sonnabendfihung. In der Sonnabendsigung des Landtags, über deren Beginn wir im Abendblatt berichteten, sprach noch Abg. Bartels- Krefeld( Komm.) gegen den Vertrag von Locarno. Abg. Kuschke( Demi.) bedauerte, daß der Landtag fich zur Außenpolitif äußere, bevor der Reichstag dazu Gelegenheit hatte. Am Schluß dankte er dem Ministerpräsidenten Braun dafür, daß er in Hamburg die einseitige Rechtsprechung der deutschen Justiz fritifiert habe. Die Politit der Ruhe und Stetigkeit, wie sie das Kabinett Braun betätigt hat, habe das nolle Bertrauen der Demotraten. Nach 2 Uhr vertagte der Landtag die Beiterberatung auf Nach 2 Uhr vertagte der Landtag die Weiterberatung auf Dienstag 12 Uhr. Die Lohnsteuer der Zivilbefchädigten. Bergünstigungen für Nichtrentenempfänger und Invalidenrentner. Mussolini hat Duminis Schweigen erkauft. Ein Dokument aus den Untersuchungsakten. Als Dumini, der Mörder Matteottis, am 12. Junt 1924, zwei Tage nach dem Morde verhaftet und einem Offizier der faschistischen Miliz übergeben wurde, sagte er zu diesem:„ Sagt Mussolini, er folle dafür sorgen, daß ich nicht die Geduld verliere". Bei den ersten Bernehmungen zeigte sich Dumini zurückhaltend und machte Andeutungen, daß er irgendetwas erwarte. Auf den Vorhalt eines schwerwiegenden Belastungsmoments hin beschränkte er sich darauf zu bemerken: Dazu werde ich mich äußern, vorausgesetzt, daß ich mich überhaupt äußern werde." Langsam ging er aber dann zunächst dazu über, allgemein gehaltene unflare Anflagen und Drohungen gegen fehr hoch gestellte Personen zu erheben. Als dann Woche um Boche verging, Kriegs- und Zivilbeschädigte, die mindestens 25 Broz. erwerbs. ohne daß die erhoffte Wendung in seinem Schidsal eintrat, wuchs beschränkt find, genießen bei der Lohnsteuer zwei Bergünstigungen: Duminis Erbitterung immer mehr und im Berhör vom 23. Juli 1. auf Antrag ist ihnen ihr ste u erfreier Lohnbetrag ohne gab er zu, daß in der auf seine Verhaftung gefolgten Nacht der Gebefonderen Nachweis um den Prozentjaß ihrer Erneraldirektor der öffentlichen Sicherheit Senator De Bono zu werbsbeschränkung zu erhöhen und 2. erfolgt dieselbe Erhöhung, wenn sie wegen Berbienstausfall im Jahre 1925 einen ihm gefagt hat: Wenn Ihr etwas wißt, fo leugnet, leugnet, leugnet; Anspruch auf Erstattung haben. Bisher war es zweifelhaft, was ich will den Fajchismus retten". Am Tage nach diesem Berhör bei diesen Bestimmungen unter Zivilbefchädigten zu verstehen ist. tichtete Dumini einen Brief an Finzi, den Unterstaatssekretär Auf eine Anfrage hat nunmehr das Reichsfinanzministe des Innenministeriums, in welchem er dem Mann im Biminal rium folgende Auskunft erteilt:. ( De Bonc) und dem im Palazzo Chigi( muffolini) mit Enthüllungen drohte. Voraussetzung für die Gewährung der Bergünstigung ist nicht der Bezug einer Rente, sondern nur das Borliegen einer mindestens 25prozentigen Erwerbsbeschränkung, die durch eine Be schädigung hervorgerufen ist. Die Vergünstigung kommt also auch nichtrenten empfängern zugute, wenn sie z. B. durch ärztliches Gutachten nachweisen, daß fte infolge einer Beschädigung mehr als 25 Broz. erwerbsbeschränkt sind. Sie tommt aber nicht den andern Erwerbsbeschränkten zugute, bei denen eine solche Be fchädigung, wie z. B. Unfall, Krankheit, förperliche Gebrechen usw. nicht vorliegt. Deshalb findet die Bergünstigung auf Invaliden rentner feine allgemeine Anwendung. Sie wird nur denjenigen Invalidenrentnern gewährt, die die Rente wegen einer folgen Beschädigung vor Erreichung der Alters. grenze beziehen. Gie tommt dagegen für Altersrentner nicht in Frage. Aber auch im ersten Fall wird die Höhe der Erwerbsbeschränkung besonders nachgewiesen werden müssen. Die rheinische Befreiungsfeier. Teilnahme der Reichs- und Länderregierungen. Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräftbent von Hindenburg ift zur Teilnahme an der Rheinischen Befreiungsfeier nach Köln ab gereift. Mit dem Reichspräsidenten haben sich die Reichsminister Dr. Marr und Dr. Curtius, preußischer Ministerpräsident Braun und Staatsminister 5irtjiefer, Reichstagspräfident Lobe und der Präsident des Preußischen Bandtags Bartels, die Bizepräsidenten des Reichstags und des Landtags, Vertreter des Reichsrats und der beteiligten Reichs- und preußischen Ministerien nach Köln begeben. Retchsminister Dr. Brauns wird von London unmittelbar nach Köln reifen. Ferner werden der bayerische Minister. präsident Dr. Helb der babische Staatspräfident Dr. Irunt unb der oldenburgische Ministerpräsident von Finch als Bertreter ihrer Regierungen an den Festlichkeiten teilnehmen. Der Waffenhandel. Deutsche Firmen und Prager Wehrminifterium. Prag, 20. März.( Eigener Drahtbericht.) Cine Waffenfchie bungsaffäre zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei hat in Brag großes Aufsehen erregt. Es wurde festgestellt, daß eine große Brager Firma sich seit Jahren mit Waffenschiebungen befaßt und hierbei mit der deutschen Firma Benny Spire, Hamburg. Abolfsbrücke 8-11, in Verbindung steht. Die Transporte gehen an fcheinend unter der Mitwisserschaft gewiffer Referenten des tschechi fchen Wehrministeriums vor sich. In einem Schreiben der Prager Firma an Benny Spiro in Hamburg heißt es: Bufolge Ihrer werten Buschrift vom 3. d. offerieren wir Ihnen: leichte Schüßengrabenmörfer Nr. 32 It. der Ihnen zugegangenen Beschreibung fomplett, per Dollars 178; ab nordischer Hafen einIchließlich Verpackung. Die gußeiserne Mortiergranate offerieren wir Ihnen zum Preis von 5 Dollar pro Stück einschließlich Berpadung ab nordischer Hafen. Lieferzeit dieselbe wie die Bombenwerfer. Be treffs der Minenwerfer haben wir mit dem Minifterium für naticnale Berteidigung verhandelt. Leider ist aber der Referent seit einigen Tagen erkrankt. Wir werden Ihnen sofort berichten; das gleiche gilt für Flammenwerfer." Die Baffenschieber gehen also im Brager Kriegsministerium aus und ein und if chechische Batrioten liefern deutschen Baffenhändlern in beliebiger Menge Waffen und Munition. Neuerdings ist auch eine Baffenschieberverbindung von Dres. den nach Prag festgestellt worden. So gingen Baffen aus Dresden nach einem befannten Prager Waffenhandelsbureau, wobei einem Dresdener Professor Dr. Hugersdorff versichert wurde:„ Wir befätigen, daß wir das angebotene Kriegsmaterial der Türkei liefern werden, also feinem Land, das gegen Deutschland Krieg führt oder geführt hat. Prag,... September 1925. Die Berbindungen des Hamburger Waffenhändlers und feiner Prager Villale mit dem tschechischen Kriegsministerium gehen sogar so weit, daß ihm Geheimpatente der tschechischen Armee zur Verfügung stehen, wie folgender Brief beweist: Herrn Benny Spiro, Hamburg. Bir beziehen uns auf unser Schreiben vom 31. 7., 5. 8. und 13. 8. und teilen Ihnen folgendes mit: Bir haben eingehende Berhandlungen mit unserer Regierung gepflogen, so daß es uns möglich ist, Schallentfernungsmesser zum Ruffuchen feindlicher Batterien zu liefern, und zwar ben aller neuesten und modernsten Apparat. Abbildungen fönnen nicht geliefert werden, doch ließe sich die ganze Angelegenheit arran gieren, wenn Ihr sehr Herr Spiro nach hier fäme, am beften mit dem Intereffenten felbft. Es handelt sich um Geheim. patente, welche uns unsere Regierung nur aus besonderem Entgegenfommen zur Berfügung stellen würde. HochachtungsBoll Der Waffenhandel blüht also immer noch in Europa; neu ift lediglich, daß man sich deutscher Firmen als Zwischenhändler, Abnehmer und Lieferanten bebient. Dänemarks Abrüftung. Kampf mit dem Senat. Mus Dänemark wird uns geschrieben: Mm 12 März hat das dänische Foltething( Abgeordneten haus) die Abrüstungsvorlage der sozialdemokratischen Re gierung mit 75 gegen 71 Stimmen angenommen und sie dem Landsthing( Senat) übersandt. Das Heer und die Flotte werden in eine Grenzpolizei und eine Staatsmarine umgebildet, deren Aufgabe ist, die Neutralitäts- und Völkerbundaufgaben Dänemarks in Ueber. einstimmung mit den bestehenden Regeln zu wahren. Die neuen Institutionen werden dem Staatsministerium ( Reichstanzler) untergeordnet. Die Kriegs- und Marine Nicht lange darauf aber änderte Dumini sein Berhalten in auf fallender Weise und begann fich zu bemühen, feine früheren Drohungen als harmlose Aeußerungen erscheinen zu lassen. Dieser plögliche Umschwung in der Stimmung Duminis wird nun durch eine sensationelle Beröffentlichung des in Baris er. scheinenden Corriere deoli Italiani" erflärt. Das Blatt brudt nämlich einen an Dumini gelangten, aus dem Kreise seiner Familie stammenden Rasfiber ab, der im September in das Gefängnis geschmuggelt und im November durch den Untersuchungsrichter beschlagnahmt und zu den Akten genommen worden war. Der Stasfiber lautet: „ Es freut uns zu hören, was fie Die versprochen haben: sage uns, was Du eingestanden hast, damit wir sehen, ob es mit dem übereinstimmt, was die Reifungen fagen. Hinsichtlich der Frei Taffung ist es jetzt so, daß alle drinnen find außer Naldi. Baselli( damals Berteidiger Duminis) hat gesagt, daß alles gut gehen wird, daß es aber noch einige Zenit dauern wird, weil die Untersuchungsrichter Freimaurer find, die die Regierung und die Partei bekämpfen. Man versumt jegt, fie zu be feltigen, wie fchon einer beseitigt ist, au alledem ministerien werden abgeschafft. Die Feftungsanlagen werden niedergelegt. Die allgemeine Wehrpflicht wird aufgehoben. Alle Männer über 20 Jahre werden jährlich in Listen einge tragen. Wer nicht in der Grenzpolizei oder in der Marine Ausbildung wünscht, muß es mitteilen. Unter den Dienst fähigen der übrigen wird jährlich die notwendige Anzahl ( 1600 Mann) zur Ausbildung ausgezogen. militärische Korps werden verboten. Freiwillige Die gefamte Stärte der Grenzpolizei wird etwa 13 000 Mann fein. Die Staatsmarine wird folgendermaßen zu fammengefeßt: 6 Schiffe von zusammen bis 8000 Tonnen, 24 Schiffe von zusammen bis 3600 Tonnen, einige Minenund Depotschiffe und 12 Flugboote. Die jährlichen Ausgaben für beide Institutionen werden von 50 bis 60 Millionen Aronen bis auf 17 Millionen reduziert. Die Mehrheit des Follethings, die diese Borlage ange nommen hat, besteht aus Sozialdemokraten und Rabitalen. Leider hat der Senat eine moderat- fonfervative Mehrheit. und man muß darum einen harten Kampf um diese Frage er morten, der dadurch verlängert wird, daß der Senat erst in awet Jahren aufgelöst werden kann. Der Kampf wird aber nicht aufgegeben, denn die Mehrheit des Follethings ist überzeugt, daß die große Mehrheit der Wählerschaft hinter ihr steht. Von Macdonald zu Chamberlain. Henderson gegen die Politik bes Kabinetts Baldwin. London, 20. März.( BTB.) Arthur Henderson sagte in einer Rebe: Was die Kritifer des Arbeiterkabinetis auch gegen feine innere politit fagen mögen, sein Erfolg bei der Behand lung auswärtiger Angelegenheiten war hervorragend, wenn man ihn mit dem unwürdigen Gezant und deffen demütigenden Folgen vergleicht, in den Sir Austen Chamberlain eine so beträchtliche und, man muß fagen, zweifelhafte Rolle gespielt hat. Die Toryregierung ist nicht damit zufrieden gewesen, bas Mert der Arbeiterregierung zu zerstören, fie hat jetzt auch ihr eigenes Wert, wenn nicht vernichtet, mindestens schwer geschädigt. Macdonald sagte in einer Rede in Blackburn, man sei soeben Zeuge einer der tragischsten Mißerfolge gewesen, welche die britische Diplomatie jemals erlitten habe. Das Land erwarte, daß Chamberlain am Dienstag den ganzen Her gang erzähle. Chamberlain habe politischen Selbstmord begangen und er, Macdonald, sei nicht gana ficher, ob der Bölferbund die Genfer Vorgänge überleben werde. Er werde zu feinen Zweifeln veranlaßt angesichts der Tatsache, daß 5 oder 6 Leute versucht hätten, ein Triumvirat aufzurichten. Die Geheimdiplomatie und die Politit hinter der Szene hätten dem Bötter bund schweren Schaden zugefügt. Wer sprach in Genf mit Bethlen? Nach seiner Angabe die Deutschen! Budapest, 20. März.( WTB.) In einem dem Genfer Bericht erstatter des Besti Hirlap" gewährten Interview erflärte Minifter präsident Graf Bethlen über seine Berhandlungen mit den Führern der Deutschen Delegation: Ich fann feft stellen, daß die Auffaffung und die Gefühle der deutschen Staatsmänner Ungarn gegenüber die wärmsten find, und deshalb ist zu hoffen, daß, wenn Deutschland in den Bölkerbund aufgenommen sein wird, in vielen Fragen der uns intereffterenden Angelegenheiten die Zusammenarbeit auch mit ihnen zu sichern, mög lich sein wird. Als Bethlen zur Beratung der ungarischen Finanzvor mundschaft im Bölterbundsrat erschien, sprach feiner mit ihm. Trog Noch- Nichtzugehörigkeit Deutschlands zum Böller. bund wäre in diesem Falle Solidarität mit den Ratsmit gliedern würdiger gewesen! Die Reparationstommijjion bat Souis Barthou( Frankreich) zum Vorfizenden und zu feinem Stellvertreter Salvaggio Raggi( Italien) gewählt. aber braucht es 3eit; wenn sich die Sache auch hinzieht, so wird doch alles gut gehen. In ein paar Tagen wird die Unterfuchung beendet sein. Wie hast Du es gemacht, Baselli so vieles mitzuteilen? Warum bist Du so aufgebracht gegen den Duce( Mussolini)? Schreibe, ob Du Rojati als Verteidiger willst; wenn ja, schreibe es in einem Briefe. Baselli hat uns gesagt, daß er Mussolini zu verstehen gegeben hat, in welch hohem Maße er Verräter sei. De Bono ist bereits liquidiert. Bas für Blätter bezogen sich auf De Bono? Es ist nicht wahr, daß Cefarino( d. i. Rossi, Mussolinis Pressechef) gestanden hat. Baselli hat Mama gefagt, daß er mif Muffolini über Deine Zukunft einig werden wolle, bist Du damit einverstanden? Ist es wahr, daß Du alle Berantwortung auf Dich genommen haft? Sage womöglich nichts Weiteres aus und bleibe auf dem Punkt stehen, auf dem Du bist Mama jagt, Du sollst möglichst bald abschließen und Dir einen großen Betrag hinterlegen laffen, für dann, wenn Du herauskommt, denn Dein Name ist in den Schmutz gezogen. Sei beruhigt, alle nehmen fich um Dich an; die Zeit ist schrecklich, aber alle arbeiten und werden schließlich Erfolg haben. Bianca." Duminis wechselndes Verhalten wird an der Hand dieses Dofumentes durchaus klar. Zunächst erwartete er ein spontanes Eingreifen Mussolinis zu seinen Gunsten, als dieses auf sich warten ließ, ging er du versteckten Drohungen und Andeutungen über, die dann auch den gewünschten Erfolg hatten. Der Verteidiger Duminis verhandelte mit Mussolini über den Preis des Schweigens Duminis, und das heutige Verhalten des Mörders und die Art des Gerichtsverfahrens beweisen, daß die damaligen Verhandlungen zu einem Abschluß gefommen waren. Was geschah im Mordauto? Will das Gericht es am Auto ablesen? Chieti, 20. März.( Stefani.) Der Berteidiger Farinacci legte eine in deutscher Sprache geschriebene(? wohl überfeste! Reb.) Broschüre Matteottis vor, deren Titel ,, Ein Jahr faschistischer Herrschaft" lautet. Der Zeuge Abg. Cassinelli sagte aus: Man wollte mit Matteotti den erbittertsten und hartnäckigsten Feind des Faschismus treffen. Das Gericht begab sich darauf nach dem benachbarten Plaz, um den Kraftwagen zu besichtigen, mit dem Matteotti entführt wurde. Der Vorsitzende ließ den Zustand des Wagens amtlich feststellen, da nach dem Sachverständigen die Bermutung naheliegt, daß im Innern irgend etwas Außergewöhnliches geschah. Litauische Gewalttat. Mastreibung eines reichsdeutschen Redakteurs. Memel, 20. März.( Eigener Drahtbericht.) Heute vormittag wurde der Redakteur Beder von der„ Memelländischen Rund hau, ein Reichsdeutscher, in Heidefrug verhaftet und auf die Polizeiwache gebracht. Heute mittag wurde er unter polizeilicher Bewachung gewaltsam mit dem D- Juge nach Tilsit abgeschoben. Beder hatte trog energischer Proteste memelländischer Be hörden und des deutschen Generalfonfulats die litauische Aufent haltsgenehmigung nicht erhalten, Irgendwelche Gründe dafür hat die litauische Regierung nicht, da Becker sich in feiner Weise etwas hat zuschulden kommen lassen, was seine gewaltsame Ausweisung rechtfertigt. Das deutsche Generalkonsulat hat erfolglos gegen die gemaltjame Ausweisung protestiert. Wie verlautet, sollen noch meitere Reichsdeutsche, bie sich im Wemelgebiet aufhalten, aus gewiesen werden, obgleich in Deutschland etwa 300 litautie Studenten Gastrecht genießen. Sowjetjugend und Sowjetpresse. Zenfurierte Berichterstattung über einen Jugendtag. Mostau, 20. März.( DE.) Die Redaktionskommission des hier tagenden Kongresses der kommunistischen Jugend organisationen der Sowjetunion teilt der Presse mit, daß alle Berichte, Betrachtun gen usw. über den Kongreß nur mit Genehmigung der Redaktionskommission und auch nach Schluß des Kongreffes nur mit Erlaubnis der Presseabteilung der Zentralexekutive ver öffentlicht werden dürfen. Die während des 14. Parteifongresses der Kommunistischen Partei zutage getretenen Gegensätze hatten innerhalb des„ Komsomol" einen starten Biberhall gefunden. Die scharfe Benfurverfügung fäßt erkennen, daß mit Rundgebungen der Oppofition auch auf dem jezt tagenden Komsomolkongreß gerechnet wird, über die deshalb nur in zensierter Form berichtet rechnet wird, über die deshalb nur in zensierter Form berichtet werden soll. Die Hinrichtungen gehen weiter. Mostau, 20. März.( TU.) Das Kriegs- und Revolutionstribunal in Tiflis hat vier Brüder Samaljem wegen der Beraubung der türkischen diplomatischen Bost im vergangenen Jahre zum Tode verurteilt. Nachdem eine Begnadigung ab. gelehnt worden war, wurde das Urteil vollst redi. Die Sawaljews gehörten zu den ältesten Mitgliedern ber anarchistischen Organisationen. Nationalheld Mello France. Das Pariser brasilianische Wochen. blatt Brazil" bringt ein Telegramm aus Rio de Janeiro, daß der Bräsident der Republik, Arturo Bernardes, und der Außen minister Felig Pacheco dem brasilianischen Delegierten Mello Franco zu seiner Arbeit in Genf die allergrößte An ertennung sollen. Die gesamte Preffe lobt Mello Francos Berhalten. L Die chinesische Regierung ist zurädgetreten, weil Marschall Fengjusiang ihr Vorwürfe darüber machte, daß Militär auf studentische Demonstranten gegen die Annahme des MächteUltimatums auf Freigabe der Beiho Einfahrt geschossen und dabei 52 Demonftranten getötet und gegen 70 verwundet hatte. Angeblich hatten die Studenten ins Außenministerium eindringen wollen. Penfionen für altruffische Revolutionäre. Der Nat ber Bollstommisfare macht in der Jeweftija" bekannt, daß zur Erinnerung an bie bor 45 Jahren ausgeführte Ermordung des Baren legander II.( am 1. März 1881) den heute noch lebenden Teilnehmern an der Mordiat lebenslängliche Benfionex von 225 Rubeln monatlich von der Sowjetregierung ausgefest worden sind. Es leben noch acht von den am Attentat Beteiligten Bersonen, denen damals die Todesstrafe in lebenslängliche Bwangsarbeit in Sibirien umgewandelt worden war. Bu ihnen gehört u. a. die bekannte Revolutionärin Bera figner. Der Abbau des Sichtvermerts. Nun ist auch zwischen Japan fowie Jeland und Deutschland der Sichtbermerksawang ab geiafft, wie vorher schon mit Deutschösterreich und ber franz. Schweiz. Die spanische Shredensherrschaft. In Barcelona find fämtliche Borstandsmitglieder der abbolaten bereinigung wegen antipatriotischer Propaganda verhaftet worden. Gewerkschaftsbewegung Unternehmer und Gewerkschaften. Die Ideen" des Herrn v. Borsig. Die in Hamburg erscheinende Deutsche Arbeitgeber- Beitung" bringt in ihrer Nummer vom 21. März einen Bericht über die jüngste Tagung der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Wenn dieser Bericht an sich auch nichts Neues enthält, so ist doch die Wiedergabe der verschiedenen Reben und Berichte in mancher Beziehung aufschlußreich. So führte der Vorsitzende v. Borsig in feiner Eröffnungsrede unter anderem aus: Die Bereinigung sieht ihre vornehmste Aufgabe auch heute noch nicht in dem Kampf mit den Gewerkschaften, sondern in der Verständigung mit ihnen. Biel erstrebenswerter als ein auf, gezwungenes oder erfämpftes Kompromiß erscheint uns nach wie vor die in friedlicher Auseinandersetzung und Aussprache erzielte Einigung. Aber dieser Einigung fowohl in der Braris wie in der Ideenwelt stellen sich scheinbar unüberwindliche Hinderniffe entgegen... Die Arbeitnehmer glauben einfach nicht, daß in der deutschen Industrie heute im allgemeinen gar feine oder sehr geringe Gewinne erzielt werden. Weiterhin sind die Gewerkschaften vorläufig nicht von ihrer Meinung abzubringen, daß Lohnerhöhungen automatisch zu einer Steigerung der Kauffraft der Massen und damit zu einer Gesundung der Wirtschaft führen. Daß Lohn erhöhungen nur insoweit möglich sind, als durch sie eine Berteuerung der Produktion nicht eintritt, ist ihnen nicht tlarzumachen. Beiterhin geht die Grundeinstellung der Gewerkschaften dahin, daß die gesamten Aufwendungen innerhalb des Rahmens der Sozialpolitit eigentlich gar nichts toften, weil sie in Form erhöhter Arbeitsleistung wieder hereinfämen," so heute noch nicht" will Herr v. Borsig die vornehmsie Aufgabe der Bereinigung in bem Kampf gegen die Gewerkschaften fehen. Das flingt start nach einer Drohung. Herr v. Borsig liebt eine berartige Diplomatie". Mit folchen Mitteln macht man nur Eindruck auf die Schwachen. Dazu, das weiß Herr v. Borsig natürlich ganz genau, sind die Gewerkschaften nicht zu rechnen. Daß sich einer Einigung scheinbar unüberwindliche Hindernisse" entgegenstellen, ist schließlich auch feine epachemachende Entsedung. An dem Tage, an dem die Gewerkschaften mit der Steenwelt des Herrn v. Borsig übereinstimmten, würden sie eben aufgehört haben, Gewerkschaften zu sein. Auch die Klagen über die fehlenden Gewinne find so alt, daß felbft Herr v. Borsig sich nicht mehr wundern sollte, wenn die Arbeiter gegenüber diesen Klagen sich sehr skeptisch verhalten. Niemals aber haben die Gewerkschaften behauptet, daß Lohnerhöhungen fich automatisch" in eine Steigerung der Kaufkraft der Massen umfetzen. Die Gewerkschaften sind vielmehr der Auffassung, daß die Unternehmer durch die Lohnerhöhungen und sonstigen Werbesserungen der Arbeitsbedingungen gezwungen werden und gezwungen werden müssen ihre Betriebswirtschaft so einzurichten, daß die Betriebe auch bei erhöhter Lebenshaltung der Arbeiterschaft noch gewinnbringend find. Die Gewerkschaften find weiter der Auffassung, daß hohe Gewinne eine Gefahr für die Wirtschaft bedeuten. Hohe Gewinne führen zu Wirtschaftstrifen. Nur in dem Maße, in dem die Arbeiterschaft in der Lage ist, die von ihr erzeugten Produkte zu laufen, nur in dem Maße wird die Wirtschaft florieren. Steigen aber die Gewinne über das zur Rationalisierung und Erneuerung der Betriebe notwendige Kapital hinaus, dann bleibt eine Differenz zwischen Produktion und Berbrauch, die zur Krise führen muß. Diese Krise dadurch beheben wollen, daß man die Löhne noch weiter abbaut, ist das Verkehrteste, was getan werden kann. Deshalb find auch die Gewerkschaften der Meinung, daß die Aufwendungen für die Sozialpolitif ein Aftio posten, und zwar ein not wendiger Aktivposten für die Wirtschaft sind, weil sie die Kauffraft der aus der Produktion Hinausgeworfenen wenigstens teilweise erhalten und damit auch deren Arbeitsfraft. Bir haben selbstverständlich nicht die Absicht oder die Hoffnung, Herrn v. Borsig zu unserer Auffassung zu befehren. Wir stellen nur fest, daß der Borsigende der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber verbände, um die Auffassung der Gewerkschaften zu widerlegen, sich gezwungen sieht, diese Auffassung entweder ganz entstellt oder schief wiederzugeben. Das ist nicht gerade ein Zeichen von Stärke. Die Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge. Sie darf nicht verschleppt werden. Die Massenarbeitslosigkeit hat in Deutschland trotz des benor. ftehenden Frühjahrs bis jetzt noch feine wirklich fühlbare Milde rung erfahren. Das Problem der Arbeitslosigkeit hat überhaupt von seinem Ernst bisher nichts eingebüßt. Um so notwendiger ist es, daß die von den Gewerkschaften geforderte Zwischenlösung zur Regelung der Erwerbslofenfürsorge so schnell wie möglich unter Dach und Fach gebracht wird, da die Beratungen über das neue Arbeitslosenversicherungsgefeß bis tief in den Herbft hinein gehen werden. Die Gewertschaften haben die, Durchführung der Zwischenlösung, d. h. die Umgestaltung der Unterstügung nach Lohntlassen statt nach Wirtschaftsgebieten bis spätestens 1. Mai gefordert. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, soll angeblich die Einführung der Staffelunterstützung bis zum 1. Mai deshalb nicht möglich sein, weil vor der Beratung der Zwischenlösung erst noch eine Besprechung zwischen Reich und Ländern über die Auswirkung der letzten Neuregelung der Erwerbslojemunterstützung und der Ein führung der Kurzarbeiterfürsorge stattfinden muß. Diese Befprednung foll aber erst Ende April stattfinden fönnen. Die Begründung für die Hinausschiebung der Erörterung der Reformverschläge der Gewerkschaften ist mehr als matt. Warum tann die Besprechung mit den Ländern nicht früher stattfinden? Muß überhaupt diese Besprechung mit den Ländern abgewartet werden, bevor man an die Beratung der Zwischenlösung herangeht? Jedenfalls fann bei der Erwerbslosenfrage, wo es um Leib und Leben von Menschen geht, um so weniger eine Verschleppuna ae duldet werden, als die gegenwärtige Regelung auch nur befristet ist. Der Ueberblid über die Wirkung der neuen Unterstüßungsfäße ist schon Anfang April vorhanden, also können auf alle Fälle, entweder vor oder sofort nach Ostern, die Beratungen über die Umgestaltung der Fürsorge vorgenommen werden, damit der neue Unterftügungsmodus bis zum 1. Mai in Kraft treten fann. Eine Mahnung an die Siemens- Belegschaft. Zu den Betriebsrätewahlen. Die Betriebsrätewahlen stehen im Siemens- Konzern im Laufe dieses und nächsten Monats in den einzelnen Werken bevor. Die gelben Wertsgemeinschaftler haben in der letzten Zeit verschiedentlich in Aufrufen an ihre Mitglieder darauf hingewiesen, daß es für sie notwendig sei, bei den Betriebsrätemahlen größere Erfolge zu erringen als im vergangenen Jahre. Ein Aufruf vom 7. März in der Deutschen Werksgemeinschaft" enthält folgenden Saß: Jeder abgebaute, nicht wiedergewählte sozialistisch- kommu nistische Betriebsrat und seine Erfezung durch ein vaterländisch gesinntes Belegschaftsmitglied ist ein Stein am Bau unseres neuen deutschen Hauses." In demselben Aufruf fordern diese Baterländischen" alle die Mißgebilde, wie Stahlhelm, Jungdeutscher Orden, Deutschnationaler Arbeiterbund, Deutschvolksparteiliche Arbeitergruppe, Wifing usw., auf, für die Werkvereine einzutreten. In einem Aufruf am 14. März Bereinigten vaterländischen Berbände" auf, nur die Liste des fordert Graf von der Solz sowie ein Major a. D. von Stefanie die Reichsbundes„ vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine" zu unterstützen. Die Gelben sind Unternehmertnechte. Die jetzige Wirtschaftskrisis hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie die Unternehmer, Firmen dazu übergehen, die von ihnen sogenannten„ Konjunkturvor allen Dingen aber der VBMI. und insbesondere die Siemenslöhne" abzubauen. Die letzte Bewegung bei der Firma Schwarzfelbe Rolle spielen wie in der Vorfriegszeit. Sie haben sich während bes Streifs in Scharen als Streitbrecher zur Verfügung gestellt. Der„ Baterländische" Arbeitsnachweis lieferte soviel Streikbrecher, wie von Schwarzkopff zur Abwürgung des Streiks gebraucht wurden. Und die Pragis der gelben Betriebsräte im SiemensRonzern? Diese Betriebsräte" haben stets das Gegenteil von dem getan, was sie in ihren Flugblättern vor den Wahlen der Belegschaft versprachen. Jeder Entlassung stimmten fie zu. Die Wertsleitungen halten mit den gelben Betriebsräten und den gelben Vertrauensleuten während der Arbeitszeit Ertrafonferenzen ab, in denen die Taftik beraten wird, wie manfreigewertschaftliche Betriebsräte beseitigen fann. Die Gelben bespigeln alle Bersammlungen, die sie nach der Arbeitszeit besuchen, um ihren Auftraggebern zu berichten. Darum heißt es für die Siemens- Belegschaft: Augen auf! Es drohen dieselben Gefahren wie im Betriebe von Schwarztopff. Im Konzern sind eine ganze Reihe von Werts. vereinlern eingestellt, die vordem auf der Eisenbahn be schäftigt waren und beim Esenbahnerstreit ihren streifenden Rollegen in den Rüden fielen. Darum ist es notwendig, daß im Siemens- Konzern alles darangesetzt wird, daß nur freigewerffchaftliche Listen aufgestellt werden und diesen zur Wahl verholfen wird. Der französische Arbeitsminister zur Londoner Konferenz Paris, 20. März.( Eig. Drahtber.) Der französische Arbeitsminister Durafour hat nach seiner Rüdfehr von der Konferenz der Arbeitsminister in London der Presse gegenüber seiner Befriedigung über den Verlauf der Londoner Verhandlungen Ausdruck gegeben. Die gefaßten Beschlüsse entsprechen der französischen Gesetzgebung, deren Grundfäßze in allen wichtigen Punkten zu internationaler Geltung erhoben worden seien. 50 z. B. die französische Auslegung des Begriffs Arbeitstag sowie die wichtige Regelung der Arbeitsdauer im Eisenbahnbetrieb. Es sei dem franzöfifchen Delegierten dank der Unterstützung anderer Länder gelungen, das Prinzip des Achtstundentages für die Eisenbahner zur Annahme zu bringen. Die angenommenen Lösungen ständen sämtlich im Einklang mit den Intereffen der Arbeiterklasse sowie mit der französischen Auslegung des Washingtoner Abkommens. Die Delegierten der einzelnen Länder würden nunmehr ihren Regierungen das Londoner Schlußprotokoll vorlegen, und die großen Industriemächte Europas, die seit sieben Jahren mit der Durchführung dieser Gefeßgebung zögerten, würden in der Lage sein, die Ratifikation bald vornehmen zu lassen. ( Gewerkschaftliches siehe auch 3. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Ft. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeinen: Tb. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Bau! Sinaer ut. Co.. Berlin GW 68. Lindenstraße 3.. Hieran 4 Beilagen, Aus der Filmwelt" ,,, Unter haltung und Wiffen und Jugend- Vorwärts". Y Barett- Hüte Die große Mode Barett- Hut aus Filz, hell od. dunkel, mit Band garniert 9.75 Hut Lisérégeflecht m. Bandgarnitur 3.90 Barett- Hut aus Ripsband mit Filz... 19.50 9.75 BERLIN C. KONIGSTR. 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März 142» iiLwmm� difö Git haben flch lang« genug gesträubt, sich als Proletarier zu bekennen. Der eine oder der andere fand vielleicht den Weg zum Proletariat, zu einer proletarischen Partei. Bei den meisten aber blieb es bei dem Stoßseufzer in seltenen lichten Momenten: Herrgott, man ist eigentlich auch nichts anderes als so'n armseliger Lohnsklave!" — Denn damals, vor dem Kriege, waren sie die„geistigen Arbeiter", die Schoßhunde des Kapitalismus. Nicht von heut« auf morgen, doch langsam aber sicher lernten sie um. Und heute geht der Geistes- arbeiter ebenso„stempeln" wie der Handarbeiter: nimmt die Erwerbs- loseminterstützung und steht geduldig darum an. Ts ist sogar zu hoffen, daß er, wenn die neugelernte Lektion erst etwas fester sitzt, nicht der schlechteste Klassenkämpfer sein wird. Vorläufig will er wohl nur in das verlorene Paradies wieder hinein: die verlorenen Herrllch- leiten schweben ihm noch immer gleich einer Fata Morgana vor. Ach, sie sind unerreichbar gleich dieser trügerischen Luftspiegelung. Einer nach dem andern sieht die Fruchtlosigkeit seiner einsamen Wüsten» Wanderung ein. Und dann steht er eines Tages vor dem Arbeits- Nachweis für geistige Berufe. /lrbeitsbeschaffung— ein Problem. Klosterstraße 3 9. Ein altes Gebäude, ausgetretene Treppenstufen: das ganze Haus dient als Arbeitsnachweis. Di« Geistesarbeiter haben nur«inen kleinen, bescheidenen Raum zu- gewiesen erhalten. Er unterscheidet sich höchst vortellhaft von den sonst üblichen Masienabfertigungssälen. Der Warteraum ist etwas dunkel: aber der Arbeitsuchende hat die Möglichkeit, mit dem Leiter der Abteilung in einem abgeteilten Kabinett ruhig unter vier Augen sein« Chancen durchzusprechen, ihm seine Verhältnisse klarzulegen. Das ist wahrhaftig kein«„ungerechte Bevorzugung" vor anderen Arbeitsuchenden. Denn das Menschenmaterial, das sich auf diesem Arbeitsnachweis zusammenfindet, ist so verschieden, daß jeder Fall ein« ganz persönliche Bearbeitung verlangt: nach Schema? könnt« dieser Arbeitsnachweis nicht einen einzigen Fall erledigen. Man höre, was alles hierher gehört: Juristen, Wirtschaftler, Diplomkaufleule, Mediziner, eehrpersonal. Apotheker. Chemiker, Diplomingenieure, Kunstmaler, Schriftsteller, Journalisten, Bildhauer, Prioatgelehrte, Bibliothekar«, Studierende aller Fakultäten, Schauspieler.— Für alle die soll nun Arbeit gefunden werden. Arbeit:= Verdienst: denn es ist oft genug unmöglich, diesen Menschen ohne weiteres Arbeit in ihrem eigentlichen Beruf zu schaffen, eine„feste Stellung" können viel« von ihnen Überhaupt nicht erreichen, was macht man z. V. mit einem Aegytologen, mit einem Ethnographen, mit einer Kapazität auf dem Gebiet der Schimmelpilzkunde?— Jede Arbeitsbeschaffung wird hier zu einem schwierigen Problem, besonders, wenn der Ar- beitsuchend« in seinem Fach„eingerostet" ist. So ist die erste Aufgabe des Abteilungsleiters, m i t den Arbeitsuchenden und, wo die es selbst schon verlernt haben, für dies« Arbeitsuchenden zu denken. Den Ethnographen brachte man dazu, sich mit dem Rockefellerinstitut in Verbindung zu setzen. Er schrieb ein Buch über nordamerikanische Indianer und bekam dafür in der dicksten Inflation 600 Dollar— damals ein Vermögen! Jetzt ist er endgültig saniert und hat wieder den Anschluß erreicht. Der Aegyptologe hatte Glück mit der Tutanchamon-Konjunkwr. Ihm konnte man daraufhin Vorträge und Aufträg« für Artikel verschaffen.— Die Leiter des Arbeitsnachweises suchen ständig ihren„Abnehmerkreis" zu erweitern. Sie„reisen in Intellektuellen": allenthalben suchen sie neue Beziehungen anzu- knüpfen, um ihre Ware loszuwerden. Sie haben ja alles auf Lager! Man verlangt einen Arzt, möglichst Dermatologen zu einer Studien- reis« nach Arabien— schon kann er„geliefert" werden, ebenso wie der Eugeniker, den«ine Krankenkasse verlangt. Juristen gibt es in allen Stadien der Ausbildung: sie sind„gefragt". Die ,Laöenhüter�. Da ist zuerst mal das unglückselige Federvieh. Die Zourualisten kann man noch am besten unterbringen, nicht immer In ihrem eigenen Beruf freilich. Jedoch sind sie anpasiungssähig, sind als Propa- gandisten und Korrespondenten gut zu brauchen. Aber die Schrift- steller! Die Leute mit der poetischen Ader! Sie machen am liebsten aus jedem Geschäftsbrief ein Sonett oder ein„Stimmungsbild" und sind drum, selbst wenn es einmal gelingt, sie in der Geschäftswelt unterzubringen, meist schnell wieder stellungslos. Ebenso unbrauchbar erweisen sich fast alle Philologen: die wenigsten können«ine Stellung als fremdsprachlicher Korrespondent wirklich ausfüllen, auch wenn sie die betreffende Sprache als Prüfungsfach mit I erledigten. Auch Schauspieler sind fast nur in Ihrem Berufe zu brauchen. Di« Pathetik ihrer Gebärden paßt schlecht zu anderen Dingen. Und die nüchterne Well des Kaufmanns ist ihnen ein Greuel. Einer oder der andere versucht es wohl mal— aber bald kommt er wieder zum Arbeitsnachweis. Und wird dann wettergeschleppt: Mal hier«inen Abend, mal da eine Woche im Engagement, heut im Kino, morgen auf dem Bockbierfest.— Womit hilft man den anderen?— Nun, es gibt Adressenarbeit: hier ist st« sogar, im Verhältnis zu den Adreß- bureaus, gut bezahlt. 7— S warf gibt es für 1000: im Adreßbureau gibt's nicht einmal die Hälfte. Dann sind.Notstandsarbeiten für Geistesarbeiter" geschaffen worden. Arbeit in Bibliotheken u. dergl. Eine große Buchhandlung hat 8— 10 Bücherwagen mit den Arbeit- suchenden dieses Nachweises besetzt. Freilich ein recht schmaler Ver- dienst, denn bei der herrschenden Krise sind Bücher für die Mehrzahl früherer Käufer längst zum Luxus geworden. wunüerkuren unü hoffnungslose Zolle. Es ist jetzt schon besser, seitdem der„Arbeitsnachweis der Intellektuellen' weiteren greifen bekannt ist. Besser, well sich In- dustrie und Handel jetzt ganz gern an diesen Nachweis wenden, besser, weil die geistigen Arbeiter nicht mehr bis zum letzten, bittersten Ende warten, bis sie sich ihm anvertrauen. Denn wenn erst mal die „Schale" mangelhaft geworden ist, die eigene„Bleibe" aufgegeben werden mußte und als Wohnung das ominöse„Hotel zur Palme", Fröbelstraße 15, angegeben wird, dann ist es unendlich schwer, durch- greifend zu helfen. Manchmal gelingts, wie in dem Fall eines Juristen, dessen letzter Barbestand gerade für die Miete draufging, der Kostgänger am Freitisch im Prälaten.war, und der heute in einer sehr gut dotierten Stellung ist. In der Regel aber laufen diese Fälle weniger glücklich ab— nach langem Hinschleppen muß dann die Hoffnung auf ein« der srüheren Lebensstellung auch nur einiger- maßen entsprechende Arbell aufgegeben werden. Kommt der Intellektuelle aber auch nur einigermaßen rechtzeitig, dann hat er als Arbeitsloser entschieden bessere Chancen als der Proletarier. Denn er hat einen Fonds an Wissen, geistigem Training, meist gute Umgangsformen: und dazu hat er dann diesen höchst individuell arbeitenden Arbeitsnachweis, freilich muß er bereit sein, oft mehrere Stufen von seiner„Höhe", die ja nur eine imaginäre Größe ist, herabzusteigen. Die das nicht können, die„Unheilbaren", bleiben auch meist von selbst weg. Wer sind sie?— Offiziere, die sich nicht daran gewöhnen können, daß ihnen hier keine„Extrawurst" gebraten wird und andere Leute mit unheilbarem Standes- und Gelehrten- dunkel. Dann die„Eingerosteten", die man schließlich auf die Wohl- fahrtspflege abschieben muß und die Leute, die im Krieg oder in der Inflationszeit irgendeine fixe Idee großwachsen ließen, wie jener Gelehrte, der 1923 noch von Kriegsersatzsuppen lebte: er hatte sie, aus Angst, zu verhungern, zentnerweise eingekauft. Die beschreibende Darstellung von Schimmelpilzen und die Bewirtschaftung seiner Suppenpuloer waren die einzigen Beschäftigungen, die ihm sinnvoll erschienen.... e- Der Arbeitsnachweis arbeitet vielleicht intensiver und— fürsorgerischer. als irgendein anderer Groß-Berlins. Er ist wohl auch der einzige, dem z. B- ein« Anzahl Freitische— nicht in der Volksküche, sondern in einem guten Restaurant zur Verfügung stehen. 40s Gnkel Moses. Roman von Schalom Asch. Der Onkel nahm sie wie das erstemal in das ungarisch« Restaurant mit. Er sprach von allem möglichen, nur nicht davon, weshalb Mascha zu ihm gekommen war. Mit keinem Wort war er ihr behilflich. Er wollte den Sieg voll aus- kosten, sie sollte ihn wirklich bitten und selbst aussprechen müssen, weshalb sie gekommen war. Cr hielt den Preis seines Sieges, als sie wieder in der neuen Wohnung waren, und er sie wieder in das blaue Zimmer führte. Der Onkel setzte sich auf das Bell wie«in Henker auf dem Holzklotz und>sagte: „Nun, hier kannst du mir sagen, was du zu sagen hast!" „Onkel, ich bin bereit, dich zu heiraten." sprach Mascha. „Ist das wahr, bin ich plötzlich nicht mehr zu alt für dich?" „Onkel..." „Ich will offene Wort« hören und«in« klar« Situation sehen. Warum hast du früher nicht gewollt, und warum willst du jetzt? Haben dich vielleicht deine Eltern dazu g«. zwungen? Sage es mir offen." „Aber Onkel, warum sprichst du so zu mir?" „Ich will es wissen. Es muß doch einen Grund geben, warum du mich jetzt heiraten willst und früher nicht wolltest." „Der Grund ist. daß... ich dich liebe!" sprach Mascha verschämt. „Wie siebst du mich, wie den jroo6 cid nncle oder wie einen Mann, den man heiraten will?" Mascha hob ihre großen Augen zum Onkel auf und fragte: „Warum fragst du mich solche Dinge? Du weißt e» ja selbst!" „Ich weiß gar nichts mehr selbst. Früher hast du mich anders geliebt." „Früher war ich ein Kind," antwortete Mascha leise. „Und jetzt?" Mascha sah ihn an und erkannte den alten Onkel wieder. Sie erinnerte sich der Szene, da sie noch ein Kind war, und er ihren Vater vor ihren Augen verspottet hatte; ebenso wie damals wollte sie auf ihn losspringen und ihm ins Gesicht chreien:„Biest, Hund!" Doch ein Gefühl der Rache an sich elbst zwang sie, still zu halten und die Pein zu dulden. Sie chwieg.> „Und jetzt?" fragte der Onkel noch einmal. „Wie hast du mich jetzt lieb?" .Letzt liebe ich dich wie einen Mann, den man heiraten will," fest blickte sie dem Onkel in die Augen. „Wie einen Mann," sprach der Onkel nach. Er ging auf sie zu, umarmte sie und küßte sie fest auf den Mund... Als Mascha den Onkel verließ, hatte sie das Gefühl, jetzt sei ihr alles erlaubt. Und sie war wirtlich zu allem fähig... Dritter Teil. 1. Mann und Frau. Mascha war schwanger.(Es war zwei Jahre nach der Hochzeit.) Onkel Moses zitterte um sie wie um ein kleines, schwaches Kind. Er hatte keine Ruhe in seinem Geschäft: alle Viertelstunden ließ er sich mit feiner Wohnung verbinden, fragte durchs Telephon nach Maschas Befinden und ermahnte sie:„Mascha, mein Kind, please. bewege dich nur nicht!" Sobald er gehört hatte, daß alles zu Haufe in Ordnung sei, wurde er ruhiger, ging zu den Schneidern hinauf und scherzte mit den Landsleuten: „Run, Schlojmele, warum schweigst du, singe uns doch deine Kedufcha vor." Seit der Onkel geheiratet hatte, war Tag um Tag mehr «ine sonderbare Aenderung in seinem Charakter zu merken. Nicht nur sein Verhältnis zu den Menschen war ein anderes geworden, auch sein Aeußeres hatte sich geändert. Sein Ge- sicht hatte einen viel menschlicheren Ausdruck bekommen; etwas Weiches und Hilfloses stahl sich zwischen die Fettfallen um seinen Mund und um die tiefliegenden Augen— sein Gesicht hatte nichts Schreckhaftes mehr. Es war. als hätte eine weib- liche Hand in die Falten dieses Gesichtes Liebe gedrückt und Zärtlichkeit auf sie gehaucht, die Zärtlichkeit ihres Wesens; es war, als verbreite Onkel Moses den ganzen Tag die Liebe und Weichheit, die er aus einem geheimen Quell gesogen hatte. Onkel Moses lächelte, wahrhaftig, er lächelte seine Leute an. Onkel Moses war freundlicher geworden, und von Tag zu Tag verloren seine Leute mehr die Furcht und den Respekt vor ihm. Doch am stärksten war diese Veränderung an Onkel Moses zu merken, seit Mascha schwanger war. Gleich am ersten Tage war dies im Geschäft bei den Schneidern oben und bei allen Landsleuten bekannt geworden. Onkel Moses' Haltung, seine Unruhe, sein fortwährendes Telephonieren und sein gutes Lächeln hatten«« verraten. Hinter seinem Rücken begann man, über ihn zu lachen, raunte einander allerhand Geheim- nisse in die Ohren und warf heimliche Seitenblicke aus Sam. Doch Sam ins Gesicht zu sehen, fürchteten alle. Sam schien jetzt die Zügel in die Hand genommen zu haben, welche Onkel Moses hatte fallen lassen. Onkel Moses verließ sich in Geschäftsdingen immer mehr auf Sam. Sam war nicht bloß der„Insiäe man", sondern übernahm auch allmählich die Be- stellungen vqn draußen, Sam sah die Aufträge durch, Sam fertigte die Reisenden ab; nach und nach wurde Sam der wahre Herr im Geschäft, und alle hatten vor ihm viel mehr Furcht als vor dem Onkel. In der letzten Zeit hatte Onkel Moses sich mit Dingen zu beschäftigen begonnen, welche sich für einen Kaufmann, der Ansehen in seinen Kreisen beansprucht, nicht passen. Onkel Moses war fromm geworden, er beschäftigte sich mit der Schul' für die Landsleute und ging daran, das auszuführen, was er für die Hochzeit versprochen, aber nicht gehalten hatte — nämlich den Landsleuten von Kusmin eine eigene Schul' zu kaufen. Bisher war er nur auf dem Papier der„Präsi- dent" der Kusminer Landsleute gewesen. Doch nach der Hochzell begann Onkel Moses, sich in der„Society" zu be- schäftigen: er verwendete seine ganzen kaufmännischen Fähig- keiten und seine kaufmännische Erfahrung zugunsten der „Society". Onkel Moses kaufte der„Society" einen neuen Platz für den Friedhof und verkaufte die Hälfte davon sofort einer anderen„Society". Der Gewinn dabei war so groß, daß die Kusminer„Society" ihren Begräbnisplatz fast um- sonst hatte. Und jetzt war Onkel Moses damit beschäftigt, seine ganzen kaufmännischen Fähigkeiten zur Erwerbung einer Schul' für die„Society" auszunützen. Durch einen Geschäfts- kniff hatte er bereits einen Platz für die Schul' halb umsonst bekommen, und jetzt unterhandelte er, um ihn gegen ein Haus einzutauschen. Der Erfolg tonnte nicht ausbleiben. Seit Onkel Moses sich mit der Kusminer„Society" befaßte, wuchs und blühte sie, wurde reich und hatte bereits ein paar kleinere Vereine aufgesogen. Seine verdienstvolle Tätigkeit in Gemeindedingen machte ihn bald weit über die Grenzen der Kusminer Landsmannschaft hinaus berühmt. Alle mög- lichen„Societys" waren bemüht, Onkel Moses für größere Unternehmungen zum allgemeinen Wohl zu interessieren. Onkel Moses wurde Vizepräsident eines Greisenasyls, Kas- sierer einer Talmud-Thora und Direktor eines kleinen Spitals — fein Ruhm als Philanthrop und Mann der Oeffentlichkeit wuchs in der ganzen Stadt. (Fortsetzung folgt! J b« tn engst«? Fühlung mit dem Wohlfahrtsamt arbeitet, der für feine Arbeltslosen in jeder Weise Propaganda macht. Es wäre wünschenswert, wenn die Grundeinstellung des Leiters:„Wer in unserer Arbeit nur„seine Pflicht"' von 9— 4 tut, der tut seine Pflicht nicht" Devise aller Arbeitsnachweise würde.— Ein organisatorischer Fehler scheint die Beibehaltung eines eigenen Nachweises für„w e i b- l i ch e G e i st e s a r b e I t e r", der sich in der Eichhornstraße befindet. In allen Berufen, die hier vertreten sind, haben die männlichen und weiblichen Arbeitslosen dieselbe Vorbildung, oft wäre eine Stelle eben so gut durch eine männlich« wie weibliche Kraft zu besetzen. Ein« einheitliche Leidung könnte dann leichter noch geeignete Persön» lichkeiten finden. Jetzt muß z. B- bei der Zusammenstellung von Schauspielensembles auch zusammengearbeitet werden, das tostet Beamten und Arbeitsuchenden Arbeit, Zeit und Fahrgell». Im allgemeinen aber macht das Menschenniaterial dem Ar» beitsnachweis die wenigsten Schwierigkeiten. Jede irgend nur mög» liche Stellung wirb gern angenommen. Der Intellektuelle in der Arbeiterbewegung hat keinen gar zu guten Ruf: und leider ist der schlechte Ruf, der ihm anhängt, nicht immer unverdient. Mit der immer höheren Selbstbewuhtseinsentwicklung im Proletariat schwindet aber die Gefahr, die der„auf Karriere" dienende Intellektuelle ist. immer mehr. Und die andern alle, die als einfache Genossen in die Kampffront treten, werden gern als Kampfgefährten begrüßt werden, wie sie schon Fr«iligrath begrüßte: „Ehre jeder nassen Stirn hinterm Pfluge!— Doch auch dessen, der mit Schädel und mit chirn hungernd pflügt, sei nicht vergessen!" vke Sluttat in Gberfchkneweiüe. Genosse Ulrich die Treppe hinabgeslobent Das schändlich« Attentat de» faschistischen Werkoer«inl«rs Karl Bode ist ein Symptom für die bsispiellose Verhetzung der natio- nalistischen Kreise. Die schamlose Propaganda des Totschlags, von einer skrupellosen Monarchistenpresse methodisch gepflegt, um dam� wenn die verbrecherische Saat blutige Früchte trägt, feig« abge« leugnet zu werden, hat nach der Ungahl begangener Mordtaten an sozialistischen und republikanischen Funktionären ein neue» Opfer gefordert. Unser Genosse W i l h« l m U l r I ch ist, wie wir schon im Abend- blatt des Sonnabends meldeten, am Freitag abend gegen 7 Uhr auf dem Treppenflur nahe seiner Wohnung im 2. Stock von dem Portier Karl Bode überfallen, aufs brutalste niedergeschlagen und die Treppe hinuntergeschleudert worden. Ulrich erlitt einen schweren Schädelbruch und st a r b am Sonnabend früh im Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Das Verbrechen des monarchistischen Fanatikers hat in ganz Oberschöne- weide tiefgehende Erregung hervorgerufen. Schon seit längerer Zeil wurde Genosse Ulrich von dem im dritten Stock des Hauses wohneichen Bode, der sich sehr intensiv in der gelben Werkoereinsbewegung be- tätigt und im Transformatorenwork der AEG., Oberschönewech« tätig ist, wo es nur irgendwie möglich war, anaepöbell. Durch besonder« Rüpelhaftigkeit zeichnete sich insbesondere der Sohn de» Mörders aus, ein etwa 17jähriger Bursche, der die Zeit seines Müßigganges anscheinend zu schwarzweißroten Flegeleien benutzt. Schon am legten Mittwoch, als in Oberschöneweid« die Demonstration für die entfchädigungslose Enteignung der Fürsten stattfand, an der sich auch Genosse Ulrich beteiligte, kam es zu Zusammenstößen des letztgenannten mit Bob«, der keine Gelegenheit vorübergehen ließ, um sich an dem verhaßten Republikaner zu reiben. Am Donnerstag abend kam es aus politischen Motiven zu einer Prügelei zwischen dem Sohne Ulrichs und dem des Bode. Ulrich, ein besonnener und ver- nünftiger Mann, der jeglicher Gewalttätigkeit abhold war, kam zu den Streitigkeiten hinzu und versuchte beruhigend auf die erregten Jungen einzuwirken. Zum Dank dafür hat ihn der alte Bode am Freitag abend gegen 7 Uhr, als er von seiner Wohnung kommend, die Treppe hinunterging, meuchlings überfallen und 12 Treppen st ufen hinuntergeworfen. Frau Ulrich fand ihren Mann zuerst auf dem Treppenpodest besinnungslos wie einen Toten liegen. Trotz sofortiger Inanspruchnahme eines Arztes gelang es nicht mehr, den Unglücklichen zu retten. Der Ueberfall durch den Faschisten Bode ist noch in ein mysteri- öses Dunkel gehüllt. Es geht in Oberschöneweide das recht bestimmt auftretende Gerücht um, daß Ulrich nach einem wohlvorbereiteten Plan von vier Leuten auf der Trepp« überfallen worden sei, und zwar sollen sich der Dater, der Schwiegersohn des Bode, fein Sohn und ein noch unbekannter vierter Mann an dem Mordüberfall beteiligt haben. Es scheint völlig ausgeschlosien, daß Ulrich der Angreifer gewesen ist, da er sehr schwächlich war, während der Angreifer ein überaus muskulöser Mann ist. Nach seiner Untat stellte sich Bode schwerkrank, jammerte über unsägliche Kopfschmerzen und behauptete, inner« und äußere Verletzungen davongetragen zu haben. Im übrigen hat die Polizei eine Untersuchung eingeleitet. Auch soll eine Verhaftung vorgenommen worden sein, über die noch nichts Näheres zu erfahren war. Die völlige Aufhellung der Affäre wird dadurch erschwert, daß dem Totschlag außer den Be- teiligten keine weiteren Zeugen beigewohnt haben. Ulrich, der Parteikassierer unserer Organisation in Oberschöneweide war, be- tätigte sich auch mit Eifer in der Gewerkschaftsbewegung. Wie von anderer Seite erzählt wird, soll Bode Genossen Ulrich schon de» öfteren bedroht haben. Der rechtsradikale Portier nahm es Ulrich sehr übel, daß er sich offen und frei zur Republik bekannte. Ulrich wich dem streitsüchtigen B. soweit wie Irgend möglich aus. Ulrich hinterläßt eine Familie, die sich in Heller Berziveiflung be- findet. Es muß mit aller Entfchiodeicheit darauf gedrungen werden, daß von den Behörden nichts unterlassen wird, diese Tat restlos auf- zuklären. Welterhin gilt es, auch dem von uns erwähnten Gerücht (dessen Wiedergabe unter allem Vorbehalt geschieht), nach dem es sich bei dem Totschlag des Ulrich nichtum die Affekthandlung eines einzelnen gehandelt Hab«, mit aller Gründlichkeit nach- zugehen.___ Aufhebung der Hundesperre im Norde» Berlius. Der Polizeipräsident hat den durch die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 31. Dezember 1925 aus Anlaß eines im Kreise Niederbarnim vorgekommenen Tollwutanfalles gebildeten Sperr- bezirk, der die Ortsteile Falkenberg-Wartenberg, Malchow des Polizeiamtsbezirkes Weißenfee und die Ortsteile Blankenburg. Carow. Buch. Buchholz des Polizeiamtsbezirts �Pankow einschließlich der Geinartungen umfaßt, mit Wir» kung vom 22. Mörz diese« Jahres aufgehoben. Dagegen bleibt die Hundesperr« in dem südlich der Spree gelegenen Sperrbezirt weiter in Kraft. Es wird bei dieser Gelegenheit wieder darauf hingewiesen, daß auch die Hund« in dem sperrfreien Gebiet der Stadt mit einem beißsicheren, festsitzenden Maulkorb und die über drei Monate allen Hunde mll einem Hals- band versehen sein müssen, das die genaue Adresse des Eigentümers oder eine güllige Steuermarke trägt. Hunde aus dem sperrfreien Gebiet sind beim Verbringen in das Sperrgebiet ebenfalls an die Leine zu nehmen.__ Feruflugverbinduvg Berlin— Söln— Pari«. Arn 6. Lvril soll der Flughafen Großköln durch die Flugbansa A.-G. feier- lich eröffnet werden. Wegen der Festlegung deS internatio- «alen FlugverkehrSnetze» werden ,ur,eit in Pari« Ber- Handlungen geführt, fo daß schon in allernäckister Zeit mit einer regelmäßigen Dernflugverbindung Pari«— Köln— Berlin gerechnet werden kann. der Kampf um Sie polizekflunöe. Aenderung erst zum herbst. Nach einer Zellungsmeldung soll sich der p r e u ß i s ch e M i n i» st er des Innern, Severins, einem Bertreter der Reichs- zentrale für deutsche Derkehrswerbung gegenüber dahin geäußert haben, daß die Gründe, die lln vergangenen Herbst einer Verlange- rung der Polizeistunde entgegengestanden haben, inzwischen hinfällig Parteigenossen u. Genossinnen! Oie Sozialistische Arbeiterjugend wirbt! In der Woche vom 2-t. bis 28. März ist Reichs-Werbe- woche. Llntcrsiützt die Werbearbeit tatkräftig und helft die Jugend für den Sozialismus zu gewinnen. Besucht die Veranstaltungen der Sozialistischen Arbeiterjugend Sroß-Äerims und macht Eure jugendlichen Arbeits- kollegen darauf aufmerksam. Oer Bezirksvorstand. geworden seien, und im Ministerium des Innern keine B e- denken gegen eine Verlängerung um einig» Stunden mehr beständen. An die Meldung wurde der Schluß geknüpft, daß eine Hinausschiebung der Polizeistunde in Berlin dem- nach näher gerückt sei. Wie wir demgegenüber aus dem preußischen Ministerium des Innern hören, hat sich dort die grundsätzliche Einstellung zur Frage der Polizeistunde nicht geändert. Man habe prinzipiell keine unbedingte Gegnerschaft gegen die Verlängerung der Polizeistunde gehabt, wohl sei man ober der Meinung gewesen, daß im gegenwärtigen Augenblick mit Rücksicht auf die Wirtschafte not und die vielen W i d e r st ä n d e, die von den verschiedensten Kreisen gellend Gemacht worden seien, eine Berlängerung der Polizeistunde nicht in llage kommen könne. Bei einer Äenderung, d. h. also Besserung der Wirtschaftslage beständen keine Bedenken gegen einen späteren Lokalschluß. Man darf rechnen, daß die Frage der Polizeistunde zum kommenden Herbst akut wird und eine Neuregelung erfährt. die verkehrswacht. Me mau Zeil und Geld beim Verkehr spart. Der Zusammenschluß aller am Straßenverkehr interessierten Verbände, die Verkehrswacht, trat gestern mit einem Vortragsabend an die Oeffentlichkeit. Es sprach zunächst Generaldirektor Kauf- mann von der Aboag über„Zwecke und Ziele der Verkehrswacht". Er führte aus, daß die Arbeit der Behörden zur Verkehrsrege- lung ergänzt werden müsse durch die Arbeit der Straßenbenutzer. Dazu sei eine bewußte Erziehung durch die Organisation notwendig. Diese Aufgabe aber sei schwer zu lösen, weil diesen Organisationen nicht die Zwangsmittel zur Verfügung stehen, wie den Behörden. Die Derkehrswachten. von denen es jetzt ln Deutschland etwa 50 gibt, wollen alles tun, um durch eine Erziehung der Straßenbenutzer der Verkehrspolizei bei ihrer Aufgabe, den Verkehr in geordnet« Bahnen zu lenken. Hilf« zu leisten. Sie haben zu diesem Zweck Funktionäre, die zwar keine Polizeigewall haben, aber die gegen die Regeln des Verkehrs Verstoßenden auf die Verstöße aufmerksam machen. Wenn wiederHolle Ermahnungen nichts fruchten, werden Anzeigen vorgenommen. Einen äußerst lehrreichen Vortrag hiell dann Rektor Hauer über den„V erkehrsunterricht in den Schu l e n". Er war der erste, der Verkehrs künde als planmäßigen Unterricht in die Schule eingeführt hat. Es ist festgestellt, daß an 89 Proz. sämtlicher Unfälle die Verletzten selber schuld sind. In New Dork hat man mit dem Derkehrsunter- richt gute Erfahrungen gemacht. Gelegentliche Belehrungen genügen nicht, die Verkehrs gewandtheit muß erzogen wer- den. Zu den Stoffgebieten der Berkehrskunde gehören der Ber- kehrsanstand, Verkehrskenntnisse, die Verkehrs- k l u g h e i t(hierher gehören Unfallverhüwngsbelehrungen). Typische Unfälle, die in den Zeitungen beschrieben sind, müssen ausgeschnitten, mit Belehrungen und Schaubildern versehren werden und durch die Klassen gehen. Das Kind muß die behördlichen Anordnungen kennenlernen, es muß wissen, wie man Zeit und Geld beim Verkehr spart. Es sind Verkehrsexkursionen notwendig. Der Vortragende hat gute Erfahrungen mit der Herstellung eines Ver- kehrslesebuches gemacht, das dadurch entstand, daß die täg- lichen Verkehrsnatizen der Zeitungen, nicht nur die Unfälle aus- geschnllten und gesammelt wurden. Endlich wurde ein Film„Im Strudel des Berkehr s" gezeigt, in dem an lustigen und ernsten Bildern gezeigt wird, wie man sich im Verkehr der Groß- städte zu benehmen hat, und was von der Polizei geschieht, um eine ordnungsmäßige Abwicklung des Verkehrs unter Vermeidung von Unfällen zu erreichen. Man kann der Verkehrswacht für diese Ver- anstaltung nur dankbor sein._ ver 5all hölsiher. Ein Prozeß voller Zufälligkeikea. In der langen Reihe der Meineidprozesse verdient der Prozeß Hölscher und Genossen besondere Beachtung. Den Freispruch des Dr. jur. Cmil Hölscher in Verbindung mit den Zuchthausstrafen für den Ofensetzer Szidat und den Maschinenschlosser Dicrgutz wird die breite Oeffentlichkeii nicht ohne weiteres verstehen, mag das Gericht »och so gerecht geurteilt haben. Die Motive des Urteils sind ein- leuchtend. Es hieß da u. a.. der Angeklagte Dr. Hölscher und der ihm befreundete Dr. med. Ruckert, in dessen Interesse die Eide ge- schworen wurden, erscheinen beide der Anstiftung zum Meineid in hohem Maße verdächtig: es konnte ihnen ober mit Gewißheit nichts nachgewiesen werden. Dr Hölscher hat ober objektiv die Unwahr- hell beschworen: es war jedoch kein Meineid, da der Angeklagte gemäß dem Sachverständigengutachten aus Grund seiner krankhaften Phantasietätigkeit Erdachtes als Erlebtes geschildert hat. Szidat und Biergutz haben aber nieErlebtesim Ehescheidung». prozeß bewußt als wirkliches Geschehen dargestellt. So war Dr. Hölscher freizusprechen, die' beiden anderen zu Zuchthaus- strafen zu verurteilen. Ist dieses Urteil juristisch oder sonstwie zu beanstanden? Die Tatsachen der Beweisaufnahmen mögen darüber entscheiden. Der Zehlendorfer Frauenarzt und Chirurg Dr. R u ck e r t, der seiner Frau keinen Augenblick treu gewesen ist, liegt mit ihr. der nicht .standesgemäßen" ehemaligen Verkäuferin sell Jahr und Tag in Scheidungsklagen. Das Gericht weist ihn immer wieder ab. Die Frau, der er seine Untreue kurz und bündig eingestanden und die mehr als einmal Selbstmordversuche begangen hat. hält es beim Manne schließlich nicht aus und zieht fort. In die Ehescheidung willigt sie nicht. Die ständigen Beobachtungen durch Detektive ver- laufen ergebnislos. Die Frau sieht sich vor und läßt sich mll Männern nicht sehen. Da ist das Glück plötzlich dem ehebrecherisckien Ehemann hold— und das kam so: Der ehemalige Assessor der Staatsamoallschaft, Generalbevollmächtigter des Fürsten Henkel-Donnersmarck. Direktor der Reichsbekleldungsstelle, Leiter der Reichstextil-Akt.-Ges., Aussicbtsrat von 49 Gesellschaften, russischer Hofrat, Dr. jur Emil Hölscher besitzt ln Zehlendorf eine Billa, ist intiin mll Dr. Ruckert befreundet. Sie trinken zu- sammen und duzen einander. Die Ehescheidungsfrage bildet natür- lich beständigen Gesprächsstoff. Dr. Hölscher will seinein Freunde hellen. Und nun beginnt das absonderliche Spiel von Zufälligkeiten. Szidat, ein guter Bekannter des Angeklagten Biergutz, bietet dem Dr. Ruckert seine Dienste als Detektiv an— in einem Bierlokal. Biergutz. Maschinenschlosser. Ber- trauter und Duzfreund Dr. Hölschers, wird von Szidat als Kavalier der Frau Dr. Ruckert festgestellt. Er kann aber die Mumllchkeiten eines von ihm angegebenen Absteige- quartiers, das in Wirklichkell eine anständige Pension ist, nicht b?> zeichnen. Dr. Hölscher aber kennt sie um so besser. Er ist auch nicht imstande, eine Starb« am Körper der Frau Ruckert anzugeben, die er unbedingt bemerkt haben mußte. Er schwört als Zeuge im Prozeß zugunsten des Freundes Dr. Hölscher und halle schon früher eliiinal in eine»« Prozesse, an dem Dr. Hölscher selbst lnteocssiert war, auch als Zeuge geschworen. Dr. Ruckert wollte Biergutz früher nie gesehen haben— das Gegenteil wurde im Gericht festgestellt. Also: wie war nun Szidat zu Dr. Ruckert gc- kommen, der mit der Frau seines Freundes die Ehe gebrochen haben sollte. Was Wunder, daß unter solchen Umstanden da» Gericht Dr. Hölscher und Dr. Ruckert als der Anstiftung zum Meineid ver- dächtlg erschienen. Da aber der Verdacht nicht zur Gewißheit wurde, so mußten in der Kette der Tatsachen, die zum Meineid führten, Lücken bleiben. Vielleicht war die Sache aber so: Der Neuropath und damals stark heruntergekommene Epileptiker Dr. Hol- scher wollte seinem Busenfreund Dr. Ruckert einen Liebesdienst er- weisen. Biergutz sollte ihm dazu verhelfen. Dieser wieder warb für die Sache des Szidat. Als die Meineide der beiden in der ersten Inftan� nicht ausreichten, sprang Hölscher in der zwellen Instanz mll einem eigenen Meincrd an. Die Frage ist, welche Dorteile sollten den beiden ersten oder vielleicht auch allen dreien daraus entstehen. So kam das Gericht dazu, mich Dr. Ruckert zu verdächtigen. Oder hat Frau Dr. Ruckert doch einen Meineid geschworen, als sie be- hauptete, mll Liergutz nie etwas zu tun gehabt zu haben. Der Ofensetzer Szidat und der Maschinenschlosser Biergutz wer- den es im Zuchthaus nie oerstehen können, daß der Dr. jur.� Hölscher in Rom Lust, Sonne und Freiheit genießen darf. Wer weiß, ob sie nicht sogar plötzlich redselig werden. Man kann sich noch auf allerlei gefaßl machen. Volkswirt Manicke vor Gericht. Der mißlungene Wahrheiksbeweis. Seit drei Tagen verhandell die große Potsdamer Strafkammer gegen den Volkswirt M u n i ck e wegen Beleidigung des Landrats z. D. Luthmer und seit drei Tagen bemüht sich Muntcke, den Land- rat unmöglich zu machen. Es scheint ihm nicht zu gelingen. Das Blatt hat sich zugunsten des Landrats gewandt. So wurde Stadtkämmerer K a r d i n g- Berlin als Zeuge dar- über vernommen, ob Municke die Vermilllung bei dem Darleben an den Kreis Jüterbog gesührt hat. Der Zeuge erinnerte sich, daß ihm der Landrat durch den Derwallungsdirektor Nalbach oorge- stellt wurde. Die Verbindung mll dem Kreis begann durch ein Schreiben des Landrats an die Stadtkasse. Municke und Dr. Mutb kamen zu den Besprechungen einmal mit. Das habe ihn aber sehr überrascht. Nach seiner Meinung sind die 299 999 M. ohne Be- mühungen Munickes an den Kreis gegeben worden. Zu dem Darlehen von l'/i Millionen zu Melioriationsarbeiten und Bahn- bauten des Landkreises Iüterbog-Luckenwalde hat Karding damals sich ablehnend verhallen. Das Geschäft sei nur dadurch zustande gc- kommen, daß er und der Dezernent in Urlaub waren. Nach seiner Meinung habe auch bei dieser Belechung Municke keinerlei Einfluß ausüben können. Zeuge Kasienoberinspektor Flug-Iüterbog be- kündete, daß Ende Dezember 1924 wenig Geld einzuziehen war. Rechnungen liefen dagegen viel ein. Der Zeuge tonnte sich erinnern, daß der Landrat das Aktienpaket der Bahn Jüterbog-Dahlew mtt 59 990 M. verpfändet hat. Das Geld ist laut Güterfeststellung für Beamtengehälter usw. verbraucht worden, auch kleine Handwerker sind davon befriedigt worden. Oie Leute drängten auf Bezahlung und dem Landrat blieb nichts anderes übrig, als zu lombardieren. Vom Fernsprechamt 6 in Berlin wurden aui Ee- richtsbeschluß die Aktenhefte herbeigeschasst. die ergaben, daß Stun- dungsanträge über Telephongebühren der Firma Dr. Muth und Municke vorlagen. Auch Pfändungsverhandlungen und Pfändungen sind vorgekommen. Nach der Vernehmung des letzten Zeugen zog sich das Gericht zur Beratung über eine eventuelle weitere Beweisausnahm« zurück. Der Borsitzende Londgerichtsdirettor Dr. Hellwig verkündete fol- genden Beschluß: Noch dem Ergebnis der Berusungsverhandlung ist das Gericht einstimmig zu der Ueberzeugung gekommen: Der Wahrheitsbeweis für die Tatsache, die der Angeklagte Volks- wirt Municke in seinem Schreiben vom 15. Januar 1925 in be- leidigender Weise bezüglich des Nebenklägers Landrat Dr. Luth- m e r behauptet hat, ist nichterbracht.— Darauf erklärte Justiz- rat Eggert, der Verteidiger des Landrats: Im Hinblick auf diese Er- klärung ziehe ich namens des Nebenklägers die Berufung zurück. Der Angeklagte erklärte sich damit einverstanden. Das Spiegelbild in der Fensterscheibe. Ein Stadtbahnfledderer wurde auf eine eigen« Art unschädlich gemacht. In einem Abteil 2. Klasse des Nordrings war gegen 19 Uhr ein älterer Herr eingeschlafen. Ihm gegenüber saß ein anderer Fahrgast. Dieser erhob sich plötzlich, nahm«ine Zigarette aus seiner Schachtel, stellte sich vor den allen Herrn hin und bot ihn, obwohl er sah. daß er schlief, um Feuer. Als da» natürlich nicht fruchtete, faßte er ihm unter den Rock und tat so, als ob er ihn durch Schütteln wecken wollte. In Wirklichkeit aber griff er ihm in die Brust lasche, um ihm behutsam die Brieftasche herauszuziehen. Diesen Borgang beobachtete vom Nebenabteil aus ein Fahrgastim Spiegelbild der Fensterscheibe. Als er endlich sah, worauf es abgesehen war, sprang� er auf den Fledderer zu, hiell ihn fest und übergab ihn auf der nächsten Halte- stelle der Polizei. Vor dem Sonderdezernat der Kriminalpolizei entpuppt« sich der Ertappte als ein 36 Jahre aller Kaufmann Emil D., der wegen Einbruchs, Taschendiebstahl» und Fleddere! fast die Hälfte seines Lebens im Gefängnis und Zuchthaus zugebracht hat. Erst am 29. Januar war er aus der Strafanstall entlassen worden. Mit dem Bemerken:„Das werde ich nie richtig lernen!'. ergab er sich widerspruchslos in fein Geschick. Schülerarbciten au? einer weltliche« Schule. Zu den weltlichen Schulen, die sich jetzt mit Ausstellungen von Arbeiten ihrer Kinder an die Oeffentlichkeit wenden, gehört auch die im Verwaltungsbezirk Wedding liegende 26 2. Gemeinde- schule. Wir'sahen gestern die Ausstellung diefer Schule und hotten unsere Freude an dem, was Kinderhände da zustande gebracht haben. Papparbeiten. Holzarbeiten, Flechtarbeiten. Schnitzarbeiten, Zeich- nunoen. Scherenschnitte zeugen von dem Schaffensdrang der Kinder. den die Schule zu fördern und zu entwickeln weiß. Di« Freude an der s ch a f s e d e n Arbeit ist für die Kinder um so größer gewesen, weil sie im wesentlichen nach eigenen Entwürfen arbei'e'en. Nicht mir den Eltern von Kindern, die diese Schule besuchen, empfehlen wir. sich die ausgestelllen Arbeiten anzusehen. Auch andere Ellern und vor allem solche, die sich von der weltlichen Schule«in ganz falsches Bild machen, weil sie die verlogenen Darstellungen der Gegner glauben, sollten die Ausstellung beachten.� Sie ist unter- gebracht im Schulhause Lütticher Strafe 4 und bleibt nur noch am heutigen Sonntag und am morgigen Montag in der Zell von 4 bis 7 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei für jedermann. Das Groß-Berliner Fernheizwerk soll in ni»t allzu ferner Zeit Wirklick-keit werden. Wie Siadtbaurot Dr. Adler>m Berliner Magistrat miiieilie, beabsickligi man zunäckst Gebäude in M o a b i t, Berlin-Mitte und im Südwesten durch ein gemein« fame« H e i z w e r k zu speiien. Anlobusverkehr nach 5chlldhorn. Eine nene Sinie no» dem Grunewald wird die Aboag am Sonntag, den 21. März— ichöne« Wetter borautgeievt— in Betrieb nehmen. Die Wasen verkebren vom Zoologischen Garten über Reidiekanzlervlatz nach S-bildborn. Der erste Wagen fährt nachmittag» 1 llyr ab Zoo Die Fahrpreise betragen für die ganze Strecke 0,59 M.. ab Reichskanzlerplatz 9,29 M. Verkauf des Kalksteinbruchs Rüdersdorf? Die Stadt Berlin besitzt seit alter Zeit einen Anteil am Ralfsteinbruch Rüdersdorf. Am 1. Februar 1858 wurde zwischen ihr und dem preußischen Staat ein Sozietätsvertrag zur Ausbeutung des gesamten Ralfsteinund Gipslagers der Feldmart Rüdersdorf geschlossen. Auch Kali tommt dort vor, aber in so großer Tiefe, daß eine Ausbeutung feinen Ertrag verspräche. Bisher ist nur Kalfstein gefördert worden. Der Betrieb erfolgte auf gemeinschaftliche Rechnung, die technische Leitung und die Verwaltung wurden dem Staat übertragen, das ganze zu fammengeworfene Eigentum gehörte zu fünf Sechsteln dem Staat und zu einem Sechstel der Stadt. Seit 1924 ist die Verwaltung des Sozietätsgeschäfts an die Preußische Bergwerfs und Hütten A. G.( Preußag) übertragen, wovon man größere Birt schaftlichkeit und besseren Ertrag erwartete. Die Preußag hat jetzt dem Magiftrat vorgeschlagen, den Sozietätsvertrag aufzulösen und den Anteil der Stadt an den Staat zu verfaufen, wofür 800 000 m. an die Stadt gezahlt werden sollen. Das ganze Gelände der Sozietät hat eine Größe von rund 480 Hettar, wobei alle Halden, Wege, Wasserflächen und Debländereien mitgerechnet find. Der Ertrag des Kaltsteinbruchs schwantte früher sehr, zum Teil unter dem Einfluß einer Zu- oder Abnahme der Bautätigkeit. Das Berliner Anteilsechstel des Ertrages war z. B. im Jahre 1905 76 091 M., sank in 1907 auf nur 1652 m. und erreichte in 1910 wieder 73 543 M. Das Jahr 1913 brachte jogar einen Berluft von 1809 m., in 1916 wurde mit 45 323 m. ein neuer Höhepunkt erreicht, danach aber gab es bis 1922 nur Berlufte zu buchen. Erst 1923 brachte wieder einen fleinen Gewinn, ganze 4100 m. Dagegen wurbe für 1924 ber ungewöhnlich hohe Gewinn von 143 963 m. erzielt. Er erklärt sich freilich daraus, daß nichts aufgewendet wurde, den Betrieb neuzeitlich auszugestalten. Wenn das jetzt nachgeholt wird, tann nach Angabe der Preußag in den nächsten Jahren der Gewinn, falls überhaupt schon ein folcher abfällt, nur ganz gering sein. Der Magistrat ist auf den Borschlag, den Stadtanteil für 800 000 m. loszuschlagen, einge gangen. Er ersucht die Stadtverordnetenversammlung um Zuftimmung. Lützowe Krankheit. Die schwere Erkrankung des Dr. Freiherrn v. Lützow hat, wie bereits gemeldet, das Schöffengericht Lichterfelde veranlaßt, die Verhandlung in Lüzows Wohnung in Ritolassee anstatt in Moabit fort zufezen. Das Gericht, einschließlich der Sachverständigen, begab sich beshalb am gestrigen Sonnabend in die Wohnung des Angeklagten, in der sich bereits Staatsanwalt und Verteidiger eingefunden hatten. Landgerichtsdirettor Feußner vernahm den Angeflagten über seine frühere Verlobung, v. Lüzom tonnte aber der Berhandlung nur mit offensichtlich größter Anstrengung folgen. Die neue ärztliche UnterJuchung bestätigte den Berdacht, daß es sich bei der Krankheit v. Lüzoms scheinbar um eine Lungenentzündung handele. Die Aerzte stellten mittags eine Temperatur von 39,9 Fieber fest. Es erscheine baher bei dem augenblicklichen Stand der Krankheit fraglich, ob überhaupt eine Weiterverhandlung in der nächsten Woche möglich sein wird. Geheimrat Dr. Straßmann wurde beauftragt, durch eine ein gehende Untersuchung am Montag festzustellen, ob v. Lügom am Dienstag verhandlungsfähig sein wird. Andernfalls wird sich das Gericht jodann erneut nach Ritolasjee begeben, um die jeden vierten Tag prozeffual notwendige Verhandlung formell durchzuführen. Falls dieses jedoch durch die schwere Erkrankung v. Lühows nicht möglich sein wird, wird das Schöffengericht das Verfahren in nächster Boche aussehen und für einen späteren Termin wieder anberaumen, nachdem der Angeklagte seine Krankheit überwunden hat. Schülervorstellung im Theater des Westens. Für die Schüler und Schülerinnen der Groß- Berliner Schulen gab es im Theater bes Bestens als Nachmittagsvorstellung Schillers Wilhelm Tell", von namhaften Schauspielern gespielt, por diefem etwas reich. lich unruhigen, aber doch recht dankbaren und beifallsfrohen Publi tum. Hans Mühlhofer als Zelf, Artur Auberté als Melcher ein paar Tage aus, bis die Rriminalpoftbienststelle von feiner thal, Leonie Duval als Tells Gattin, um nur einige der Dar steller herauszugreifen, boten dankenswerte Leistungen. Aber hatten fich wirklich für einzelne Bühnenbilder teine anderen Defo rationen finden lassen? Wenn auch bloß für Kinder gespielt wird! Ausstellung des Fleischergewerbes. Rückkehr erfuhr und ihn abholte. Es war festgestellt worden, daß er schuldigung gab M. an, es sei doch seine erfte und ein im ganzen 200 Mart unterschlagen hatte. Zu seiner Ent3ige Liebe. Die zufünftige Schwiegermutter berichtete, daß ihre Tochter ganz unglüdlich sei und erklärte sich gern bereit, den Schaden zu ersehen. Der Untersuchungsrichter letzte daraufhin den verliebten Jüngling wieder auf freien Fuß. Wenn fie es Gestern wurde im Hause der Funkindustrie die Allgemeine Ausstellung für das Fleischergewerbe Scheu vor der Oeffentlichkeit. Es war uns mitgeteilt worden, sowie Feinkost und verwandter Berufe eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Obermeister sprach Oberbürgermeister Böß als Protektor daß in der am 17. März stattfindenden Generalversammlung der der Ausstellung. Er führte aus, daß unter der Ungunit der allge Märkischen Viehversicherung vonseiten der Versicherungsnehmer meinen wirtschaftlichen Lage in Deutschland das Fleischergewerbe und der Aktionäre die schwersten Beschuldigungen besonders schwer zu leiden hatte, der Konsum von Fleischwaren sei, gegen die Verwaltung der Gesellschaft erhoben verglichen mit der Vorkriegszeit, bedeutend zurückgegangen, ein werden würden. Sie hätte also Veranlassung und Gelegenheit geZeichen für die Verarmung des Landes, denn ein Steigen des habt, in der Generalversammlung vor vollster Deffentliteit diefe Beschuldigungen zu widerlegen. Fleischtonjums deute auf steigenden Wohlstand hin. Trotzdem aber find die Ansprüche des taufenden Bublifums nicht gesunken, im vorzog, die Presse auszuschließen, so gibt das doch zu denken Anlaß. Gegenteil, es verlangt heute eine beffere und sorgfältigere Herstellung Sonntagsruhe im Friseurgewerbe. Die Vertreter der Friseurder Fleischwaren als jemals. In den Großstädten sind die Betriebe innungen Groß- Berlins haben in einer gemeinschaftlichen Sigung amerikaniſtert und mit den modernsten technischen Errungenschaften folgenden Befluß gefaßt:„ Nachdem der Polizeipräsident bon ausgestattet worden. Aber mit den neuen Maschinen hat sich der Berlin angeordnet hat, daß an Sonn- und Feiertagen, mit Auginnere Aufbau des Fleischergewerbes nicht geändert, es basiert heute nahme des ersten Dfter, Pfingst- und Weihnachtsfeiertages, Arbeitnoch auf dem alten Innungswesen, das wiederum familiären nehmer im Friseurgewerbe nicht beschäftigt werden dürfen, sehen Charakter trägt. Die Ausstellung selbst beschränkt sich auf die Funk die Arbeitgeber feine Möglichkeit, die Betriebe an ben genannten halle, neben Fertigwaren bringt sie vor allem Maschinen Tagen aufrechtzuerhalten. Es tritt deshalb vom 1. April 1926 und Apparate neuefter Ronstruktion, die heute in den Fleischergroß ab bie völlige Arbeitsrube an diefen Tagen im betrieben verwandt werden: Mahl- und Wiegemaschinen, Stopfrifeurgewerbe ein, d. b. bie Kundschaft wird weder in den maschinen, Sochherde, Räucherfammern, Brühfeffel, Automobile für Geschäften, noch in ihrer Wohnung bedient." ben Fleischtransport, Einrichtungsgegenstände für einen modernen Fleischerladen und Präzisionsmagen. In einer Abteilung sieht man die Herstellung von Brühwürstchen, vom Waschen der Därme und dem Zermahlen des Fleisches bis zum Fertigfabrikat, in einer anderen die Herstellung von Rouladen. Besonders bevorzugt sind in der Ausstellung Rouladen in allen möglichen Formen und Zusammen fegungen. Sogar ein Bild Hindenburgs hat man aus Roulade fabriziert. Im Grunde sind das höchst geschmacklese Spielereien, wertn auch das Material sehr gut schmecken mag. Sie zeigen eine große Geschicklichkeit, aber die Frage bleibt berechtigt, wozu diese Anftrengung? Auch Brüh- und Fleischwürstchen in Bigarrenform mit einer Binde, Fleischwürfte als Birnen oder Melonen aufgemacht, gehören unter diese Rubrik. Daneben Würste, Schinken und Rouladen, die nichts weiter sein wollen als gut verarbeitete Fleischwaren, fauber und appetitlich, die, weil sie vollkommen ihren 3med erfüllen, angenehmer wirken als die geschichten Spielereien, die etwas anderes vortäuschen wollen. ,, Seine erfte und einzige Liebe." Günther M. verhängnisvoll geworden. Der Jüngling verliebte fich Seine erste Liebe ist einem 19 Jahre alten Poftaushelfer in eine kleine Holländerin, die mit ihren Eltern in Berlin wohnt. um ihr Aufmerksamkeiten widmen zu können, sparte er fleißig. Mit hatte er endlich 180 Mart beisammen. Jezt mußte er mit seiner den Trinkgeldern, die zu Weihnachten und Neujahr reichlicher floffen, Liebften doch auch ein paarmal Auto fahren. Dabei ging jedoch fein Gelb bald auf die Neige. Nun hatte er aber die kleine Holländerin und auch fich felbst schon etwas start verwöhnt. Um weiter den Ravalier spielen zu fönnen, unterschlug er ein. gefchriebene Briefe und steckte sie in den Ofen, nachdem dahinter tam und ihn festnehmen wollte, flüchtete er nach Berber. er das Geld herausgenommen hatte. Als die Kriminalpoftdienststelle Bon dort schrieb er Abschiebsbriefe an seine Eltern und feine Freundin. In beiden versicherte er, daß er bei der Ankunft der Briefe nicht mehr leben werde. Zwölf Stunden nach Eingang des Briefes jedoch tam er selbst bei den Eltern wieder an. Ginen Arm hatte er bid verbunden. Der Arzt, den die besorgten Eltern herbeiriejen, ertannte aber balb, daß die Verlegungen, die er fich bei dem Selbstmordverfuch" beigebracht hatte, gar nicht ernsthaft maren. Die Eltern padten ihn trogdem ins Bett, und so ruhte " A.Wertheim Berein der Freidenfer für Feuerbeffaffung, Bezirk 3, Wedding. In der legten Generalversammlung find folgende Delegierte mit 424 gegen 374 Stimmen gewählt worden: Gertrud utpott, Karl Abermann, Hermann Müller, Richard Ladener, Wilhelm Laberle und August Hinge. " Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Operntarten für die Aufe führung 8ar und Zimmermann Sonnabend, 8. April, zat baben. Breis der Karte einschließlich Garderobe und Brogramm 1,50 M. Nächste Theatervorstelluna am Sonntag, den 4. April( 1. Ofterfeiertag), nachmittags 8 Uhr, im Staatlichen Schiller- Theater. Sur Aufführung). langt allen fteins Lager und Die Piccolomini bon Schiller. Fünfte( legte) Broletarile seierstunde am Sonntag, Arbeiter aller Länder von Bhalt Whitman, Mailied von Dehmel, Ansprache. den 2 Mai( Maifeier) Seid umschlungen Millionen". An die 9. Sinfonie von 3udwig von Beethoven. Mitwirkende: Die Damen L. Lehmann( Sopran), Schulz Dernburg( Alt), die Herren Deba mann( Tenor), Kandl( Bag), Mitglied der Städtischen Dper- das verstärkte Berliner Sinfonie- Orchefter( Musikalische Leitung Kabellmeister Jascha Horenstein, der Sprechchor der Proletarische Feierstunden( fünstlerische Zeitung fungen bom Bureau abzuholen. Albert Florath). Preis der starte 1,20 m. Die reise werden gebeten, umgehend die Karten für obige Veranstal Genoffe Parrer Bleier spricht Montag, 22. März, 1,8 Uhr, im Rabmen Ausweises freien Eintritt. einer Kätbe- Kollwig- Feier in der Aula der Fürstin- Bismardichule, Charlottenburg, Sybelstraße 2/4. Eintritt 30 Pf., Arbeitslose gegen Vorzeigung des Derenburg bet alberstadt wurde vor 14 Tagen ein Ermordung eines Schloffermeisters durch seine Lehrlinge. In Solofiermeister in feiner Werkstatt tot aufgefunden. Wie fich herausstellte, ist der Meister das Opfer eines Anichlages feiner fchoffen hat. Schlechte Behandlung soll der Grund vier Lehrlinge geworden, von denen einer den Meister erzur Tat sein. Explosion eines Hochofens 16 Tofe. Jn Birmingham ( Alabama) explodierte ein in der Nähe der Woodward Jron Com vanh gelegener Schmelzofen. Sechzehn Berionen wurden getötet, fiebzehn verlegt. Infolge der Explosion ergoffen fich hunderte von Tonnen geschmolzenen Metalls auf das einige hundert große Gelände. Großer Verkauf Handschuhe, Trikotagen, Strümpfe zu außerordentlich billigen Preisen Damen- Handschuhe schwarz Leinen Imit. farbig u. schwarz 60 Pt. Schweden imit. farbig und 80 Pt. Leinen Imit. m.Riegelverschluß 95 Pf. Leinen imit, farbig aparte Aufnaht 110 Schweden imit. mod. Seiden- 120 aufnaht, farbig Leinen Imit. farbig, ohne Aufnaht 130 Schweden Imit. farbig, bestickt. 140 Leder Imit. farbig, gesteppt Manschetten 150 Damenstrümpfe BaumRolle oder Seidenflor, mit Doppelsohle Damenstrümpfe Pun ohn. 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Letzten Endes bestimmt die neue Stelle darüber, wo und wie Land erworben, d. h. welche Güter gekauft und welche Kaufpreise ihren Eigentümern bezahlt werden sollen. Liegt da nicht die Vermutung nahe, daß diefe Stelle Güter meniger aus dem Gesichtspunkte tauft, ob fie für die Siedler geeignet sind, als vielmehr aus dem Gesichtspunkt, daß dem unter seinen Wechselschulden zu sammenbrechenden Besitzer durch einen günstigen Ber auf geholfen werden soll? Wieviele Hunderte von deutschnationalen Gutsbesizern könnten nicht mit 120 Millionen Reichsgeld vor dem Bankrott gerettet werden, Es ist zu verwundern, daß eine Partei, die für die landwirtschaftliche Siedlung nie sonderlich geschwärmt hat, jetzt auf einmal ihr fiedlungsfreundliches Herz entdeckt hat, und zwar in einem derart hohen Grade, daß sie darüber einen ihrer wichtigsten Programmpunkte, die unbedingte Erhaltung der preußischen Staatshoheit, vergeffen zu haben scheint. Denn darüber, daß die Schaffung einer Reichsbes Solche Annahmen sind feineswegs nur leere Bermutunhörde für die Siedlung, die große Reichsmittel verteilen und gen. Hat es doch auch sonst nicht an Versuchen von großvermalten foll, einen Einbruch in die preußische Sied agrarischer Seite gefehlt, die preußischen Siedlungsfonds für lungshoheit und damit in die preußische Staatshoheit über- ettungsaftionen" in Anspruch zu nehmen. Es haupt bedeutet, kann doch wohl tein Zweifel sein. Ist dieser scheint aber, daß solche Bestrebungen bei den preußischen erste Schritt einmal getan, müssen ihm weitere Schritte mit Siedlungsbehörden, die vermöge ihrer langen Erfahrung den Naturnotwendigkeit folgen. Denn es muß sehr bald zu einem Rummel fennen, auf wenig Gegenliebe gestoßen find, und wirren Durcheinander führen und ist im höchsten Grade un- daß von der neu zu gründenden Behörde im Reiche, zumal wirtschaftlich und auf die Dauer unerträglich, wenn Geld für wenn sie in geeigneter Weise zusammengefeßt und von ganz biefelben 3wede der ländlichen Siedlung geeigneten" Persönlichkeiten geleitet wird, mehr er einerseits von der Reichsstelle, andererseits von den preußi- wartet wird. fchen Siedlungsbehörden ausgegeben wird handlung und den Landeskulturbehörden sind bekanntlich foeben 40 Millionen Mart für genau dieselben 3wede zur Berfügung gestellt worden! Ein Nebeneinander- und Gegeneinanderregleren der Reichs- und preußischen Amtsstellen wäre die unvermeidliche Folge und würde zu allen schönen Bestrebungen der Sparsamfeit und Vereinfachung der Staatsverwaltungen ausge zeichnet paffen. der SeeDer 3wed des Antrags Treviramus' scheint ums außerordentlich durchsichtig zu fein. Es gibt in der Deutschnationalen Partei offenbar Gruppen, die Preußen aus den Siedlungsfragen ausschalten wollen, um so die Interessen ihrer großagrarischen Wähler und Freunde besser wahr. nehmen zu fönnen. Eins aber fann es nur geben: entweder die Zuständigkeit der Länder oder die Zuständigkeit des Reiches. Che man der Beseitigung der Länderhoheit auf dem Gebiete der Siedlung nähertreten tann, wäre mindestens Um diesem unhaltbaren Zustande ein Ende zu machen, flarzustellen, ob auch andere Freistaaten, etwa Bayern, müßte folgerichtig die ganze landwirtschaftliche Siedlung auf ihre Hoheit zugunsten des Reiches verzichten, wenn den Ländern abgenommen und auf das Reich übertragen Breußen das wirklich tun wollte. Wir hegen darin berech werden. Freilich schließt das zurzeit die Reichsvertigte 3 weifel Jedenfalls besteht doch für die Reichs. fassung aus; denn sie beschränkt im Artikel 10 Nr. 4 die regierung, in der die Deutschnationale Partei nicht vertreten Zuständigkeit des Reichs im landwirtschaftlichen Siedlungs ist, feine Beranlassung, irgendwelche übereilten Schritte zu mejen lediglich darauf, daß das Reich im Wege der Gesetz tun, um die Leistungsfähigteit der Länder in gebung Grundfäße aufstellen tann. Aber mit derfelben Siedlungsfragen zugunsten irgendwelcher Privatinteressenten Unbefümmertheit wie jegt fönnte ja die Deutschnationale au vernichten, ohne Rücksicht darauf, ob dann noch die Partei auch den Antrag einbringen, den Artikel 10 der Reichs- Biele einer staatlichen Siedlungspolitik erreicht werden können verfaffung aufzuheben und die landwirtschaftliche Siedlung oder nicht. ganz auf das Reich zu übertragen. Die landwirtschaftliche Siedlung und die sonstigen Landestulturaufgaben tönnen aber unmöglich auseinandergerissen werden. Die Deutschnationalen würden sich daher zu dem weiteren Schritt entschließen müssen, alle Siedlungs- und Zusammenlegungsgeschäfte und die Aufgaben der Landesmelioration- felbst verständlich samt dem ganzen hierzu gehörigen Behörden apparat an das Reich abzugeben und sich damit um den Abbau Preußens unnergängliche Verdienste zu er merben. Der Berliner Arbeitsmarkt. Geringe Abnahme der Arbeitsuchenden. Anodioncho Gadolfmad Sonntag, 21. März 1926 in Hannover in Form von Arbeitsgemeinschaft ober ufteilung ber Gebiete einigt. Biel Bedeutung wird auch der Beteiligung des preußischen Staates an der Zeche Alter 5aafe", bie durch die Bereinigten Elektrizitätswerte- Dort preußischen Staates dürfte 3,5 Millionen Mart ausmachen, dem mund übernommen werden soll, beigelegt. Die Beteiligung des Anteile in Höhe von 2 Millionen, die jedoch einen inneren Bert pon 2,5 millionen Mart repräsentieren, als Gegenwert gegenüber. stehen. In der letzten Woche ist die Arbeitsmartilage in Berlin gegen über der Bormoche sta bil geblieben. Auch zahlenmäßig hat fich die Lage nicht wesentlich verändert. Die Sahl der Arbeit. juhenden ist um rund 800 Berfonen zurüdgegangen, und zwar ausschließlich bei den männlichen. Die vereinzelten Besserungserscheinungen segen sich langsam fort. Ins. besondere macht sich das beim Baugewerbe und bei den Un forderungen für die Forstkulturen sowie für landwirtschaftliche Ar. beitskräfte bemerkbar. Auch das Handelsgewerbe weist eine aller dings nur geringe Belebung auf. Sie ist jedoch noch nicht von entscheidender Bedeutung, da der 3ugang Stellensuchender noch immeranhält. Ueberhaupt find diese Erscheinungen gegen über dem Abstieg in anderen Industrie und Gewerbezweigen nech zu geringfügig, um eine wesentliche Entlastung des Arbeitsmarktes herbeizuführen. Der Antrag Treniranus ist um so auffallender, als er in demselben Zeitpunkt gestellt ist, in dem der preußische Ministerpräsident Braun auf eine Anfrage des deutschnationalen Abgeordneten v. Kries im Hauptausschuß des Preußischen Landtags eine Erflärung hierfür abgegeben hat. Diese Ertlärung ging dahin, daß das preußische Staatsministerium den Vorschlag der Reichsregierung, Reichsgeld für die ländliche Siedlung in Preußen unter der Bedingung zur Verfügung zu stellen, daß es nicht durch die bestehenden preußischen Siedlungsbehörden, sondern durch eine neu zu schaffende amt- Es waren 246 035 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingeliche Reichsstelle verwendet wird, einstimmig abgetragen gegen 246 812 der Borwoche. Darunter befanden sich 166 122 lehnt hat. ( 166 903) männliche und 79 913( 79 909) weibliche Personen. Unter ftützung bezogen 133 735( 133 362) männliche und 53 939( 52 148) weibliche, insgesamt 187 674( 185 510) Personen. Am 19. März 1926 waren bei Rotstandsarbeiten beschäftigt 3223 Personen. Außer dem wurden bei anderen Arbeiten der Stadtgemeinde Berlin am 19. März 1926 12 381 Personen beschäftigt. Die Unterzeichner des deutschnationalen Antrages find felbstverständlich viel zu fluge Männer, als daß sie sich das, was eben über die notwendigen Folgen ihres Vorgehens angedeutet wurde, nicht auch gesagt und diese Zusammenhänge nicht ebenso übersehen haben sollten. Wenn sie trobem den Stein gegen die preußische Siedlungshoheit ins Rollen gebracht haben, fo muß das ganz besonders gewichtige Gründe haben. Wo find diese zu suchen? Sollte der Antrag wirklich genug Gläubige finden, die von der Uneigennügig feit feiner fieblungsfreundlichen Absichten überzeugt sind? Oder gilt es, unauffällig andere 3iele zu erreichen, die manchem Barteizugehörigen vielleicht mehr am Herzen liegen als die Siedlung? Man tommi des Rätsels Lösung vielleicht näher, wenn man den eigentlichen Bern des Antrags aus der Fülle der Einzelheiten und der Unflarheit mancher seiner Säge Preußen und die Elektrowirtschaft. Interessant ist im Zufammenhang mit den elektrowirtschaftlichen Kämpfen im Westen auch die Nachricht, daß die im Bersorgungsgebiet der 3utunft.- G. gelegenen Stadt- und Landkreise eine Kommission gebildet haben, die mit der preußischen Regierung zweds Uebernahme von Attien der Zukunft A.-G. Fühlung nehmen soll. Internationale Wirtschaftsvertretungen. Geheimrat Dr. Demuth, Synditus der Industrie und Handelskammer zu Berlin, sprach am Mittwochabend in dem Vortragszyklus der Handelskammer über das Thema Inter. nationale Wirtschaftsvertretungen. lett vorhandenen Organisationen. Am zahlreichsten find derartige Der Bortrag gab eine furze Uebersicht über die wichtigsten der Zusammenschlüffe im Bertehrsmesen, wo besonders die Schaffung eines einheitlichen Berkehrs recht es zu einer dringen den Notwendigkeit für alle am internationalen Verkehr Beteiligten ift. In der Schiffahrt find bant der Tätigkeit der großen Berbände wenigstens die wichtigsten Rechtsfragen fegt einheitlich für die ganze Erde geflärt. Die internationale Schiffahrtstonferenz von 1924 hat sich darüber hinaus mit den Fragen des Schiffspfandrechtes, der Bwangsversicherung der Baffagiere, der staatlichen Handelsschiff fahrt, der Sicherheit des Verkehrs und der Wirtschaftlichkeit des Frachtwesens beschäftigt. Hier bestehen also bereits starfe uebergänge nach dem Gebiet der internationalen Rarfellierung hin. Die Berhandlungen zwischen dem preußischen Staat wert( RC.) haben bis jetzt zu feinem pofitiven Ergebnis geführt. und dem Rheinisch- Westfälischen Elettrizitäts allerdings rechnet man damit, daß eine Verständigung in ber Art erfolgt, daß sich Preußen mit dem RE. über seine Maß nahmen im Rheinland, wo das RWE. wieder baran sein soll, lange fristige Berträge mit zahlreichen Gemeinden bis nach dem Hunsrüd hinauf abzuschließen, und über die Ausdehnung des RME. Für den Eisenbahn verkehr bearbeiten eine Reihe von Berbänden, die teils vorwiegend staatlicher, tells vorwiegend technischer Art find, bie im internationalen Grenzverfehr wichtigen Fragen Für den größten Teil der Erde ist die technische Einheitlichkeit, wenigftens was die Frage der Spurbreite anbelangt, erreicht worden. Das Zentralbureau für internationale Eisenbahntransporte behandelt neben den Tariffragen vor allem die rechtlichen Angelegenheiten. In der nahezu lückenlofen Lösung dieser Brobleme fann man den ersten Anfaz zu einem internationalen Handelsgefeßbuch sehen. Bierzig der wichtigsten Staaten mit ihren Kolonien haben fich den bestehenden Bereinbarungen angeschlossen. Die neueren Gebiete des Berkehrswesens, nämlich der Flugpertehr und der Nachrichtenvertebr, einschließlich des Radiowesens find gleichfalls mit einer Reihe von inter nationalen Abmachungen bedacht worden, die für das Nachrichten wesen allerdings im erheblichen Umfange auf Regierungsvereintarungen basieren. Wohl die wichtigste internationale Bereinigung der genannten Art ist die Internationale Handelstammer, die nach einer Unterbrechung in der Kriegszeit im Jahre 1920 neu gegründet worden ist, und der seit fürzerer Zeit auch Deutschland wieder an gehört. Weiterhin bestehen etwa 40 bis 50 internationale Sanbels und Wirtschaftsverbände, die der Wahrnehmung der Intereffen bestimmter Geschäftszweige dienen. Eine st der bedeutendsten von ihnen ist 3. B. die Bereinigung der Baumwollspinner, beren Aufgabe es war und ist, der Ana baubeschränkung für Baumwolle in den Bereinigten Staaten vorzubeugen, um der Knappheit an are und der Preistreiberei einen Riegel vorzuschieben. In der Landwirtschaft nehmen die internationalen Bereinbarungen, der Natur der Sache nach, einen verhältnismäßig ge ringeren Raum ein. Die Bemühungen zur Gründung einer Grünen Internationale" find vorläufig noch immer in Gebiete die Feindschaft gegen Deutschland noch am den ersten Anfägen geblieben. Bemerkenswerterweise ist auf diesem größten, was sich darin ausspricht, daß die deutschen Landwirtschaftsverbände fast teiner der hier bestehenden Organisationen angehören. Eine Ausnahme stellt das Internationale Landwirt. schaftsinstitut in Rom dar, das, 1905 gegründet, fich aller dings von einer Wirtschaftsorganisation mehr und mehr zu einem Institut der Regierungen entwickelt hat. Wirtschafts- und Berkehrsfragen gehen die von juristischer Seite Hand in Hand mit der internationalen Berständigung über betriebenen Bemühungen, für die Bereinheitlichung der Rechtsgrundlagen, die in der Internationalen Rechtsvereinigung( International Law Association) ihren Vorfämpfer gefunden haben. Eine verhältnismäßig große Rolle( pielt baneben der Ausbau der privaten Schiedsgerichtsbartett Während auf der Seite der Arbeiterschaft die bekannten internationalen Bindungen vorliegen,( Amsterdamer Gewerkschafts internationale), die nach hen Worten des Bortragenden eine„ geradezu überragende wirtschaftliche und politische Stellung in ber Welt einnehmen, find die Bemühungen fehr weit gediehen. Außer ber Internationalen Reeber. zur Schaffung einer Arbeitgeber Internationale nicht bereinigung besteht nur eine internationale Union der Bauunternehmer, und man tann sagen, daß ihrer Tätigkeit, die eine wechselseitige Hilfe und Unterstügung bei Streits-, Arbeiteraustausch usw. umfassen sollte, bisher, dant der entschloffenen Gegenmehr der Gewerkschaften, taum ein Erfolg beschieden war. DIE NEUE 10 STUCK PACKUNG 10st 0 GOLD ABA 40° Der Triumph Die neuartige immer frisch und Aroma haltende Packungsart verhütet das lästige Ausschütten der Ziga retten und garantiert dem Raucher Unversehrt heit und Bekömmlichkeit bis zum letzten Stück Tolberzeugen Sie fich! 02 GARBÁTY Darmstädter und Nationalbank. Für Neuorientierung der Kartellpolitik. BurFür Das Haus fezt die zweite Beratung des Reichswirt durch die von ihr vorgelegte Entschließung, daß die Auswüchse in der Kartellbildung beseitigt werden, insbesondere durch ein unabs hängiges Kartellamt, in das die Vertreter aller Wirtschaftssweige unter gleicher Berücksichtigung der Unternehmer und Arbeiter berufen werden. Wir verlangen in einem Antrag eine Aenderung ses Gesetzes über die Regelung der Kohlenwirtschaft, durch die es den Syndikaten unmöglich gemacht wird, mit den Konsumvereinen und den Abnehmern von Kohlen in der bisherigen Weise zu verfahren. Wir sind der Meinung, daß in der Frage der Kartellgesetzgebung eine ganz andere Richtung eingeschlagen werden muß.( Lebhafter Beifall bei den Soziuidemokraten.) Die Bilanz der Darmstädter und Nationalbant be weist ebenso wie die veröffentlichten Großbantabschlüffe, daß das Der Etat des Reichswirtschaftsministeriums vor dem Reichstag. abgelaufene Geschäftsjahr den Banken erhöhten 1msay bei verringerten Unkosten und damit größeren Gewinn brachte. Der Die Sigung wird um 12% Uhr vom Präsidenten 2öbe er Umsatz stieg um 20 auf 85 Milliarden Mart. Der tatsächliche Geöffnet. minn ist größer als der in der Bilanz ausgewiesene. Sagt die Bank doch selbst in ihrem Geschäftsbericht, daß die Erträgnisse fchaftsministeriums fort. aus dem Konto„ Dauernde Beteiligungen und eigene Wertpapiere bei der Gewinnfestsetzung nicht Berücksichtigung fanoen. Wie hoch gerade die Erträgnisse aus legterem Konto find, fann man ermeffen, wenn man aus der Bilanz ersieht, daß das Konto von 17.891 344 m. aus dem Borjahre auf 19 261 597 m. geftiegen ist und daß sicherlich in dieser Bewertung eine recht erhebliche Reserve vorhanden ist. Die Bant weist aus( wieviel fie erzielte, ist natürlich nicht festzustellen) einen Reingewinn von 9123513 Mart, aus dem eine 10prozentige Dividende( wie im Borjahr) zur Berteilung gelangt. Troß des besonders starten Bersonalabbaues bei der Bank von 23 000 mann im Höchstbestand der Inflation auf 8200 Mann am 31. Dezember 1925 unb 7500 am 31. März 1926 find die Unkosten, von denen 60 bis 65 Proz. auf Personaluntoften entfallen, nur um zirka 7 Millonen und auch das be deutet erft 10 Broz. auf 54 663 289 m. zurüd gegangen. Dieser Umstand ist nicht nur auf die Abfindungen und Bensionen zurückzuführen, die an die Entlaffenen gezahlt wurden, sondern der Hauptgrund liegt darin, daß auf diesem Konto auch die erhebliche Koften verursachenden Anschaffungen von Bureaumaschinen verbucht find. Das bedeutet, da diese Kosten ja in der folgenden Bilanz nicht mehr erscheinen, eine vollständige Abschreibung dieser Bureaumaschinen oder deutlicher das Berstecken von Gewinnen. Es märe doch interessant gewesen, wenn die Bank einmal die Sachunfosten von den Personalunkosten trennen und ferner eine gesonderte Aufführung der Kosten vornehmen mürbe, die bie höheren Angestellten verursachen. Das wäre um so aufschlußreicher, als die Geschäftsleitung zugeben muß, daß der Abbau von leitenden Angestellten im Anfang begriffen sei, während der Abbau der übrigen als beendet betrachtet werden könnte. Daß die Bank bei der Bergebung von Krediten in der Auswahl der Kreditnehmer sehr vorsichtig war, das wird am deutlichsten burch die Tatsache illustriert, daß sie an den größeren Wirtschaftszusammen brüchen nicht beteiligt ist, mit Ausnahme von Stinnes. Und auch in diesem Falle ist sie sicherlich nicht zu Schaden gekommen, obwohl fie nach eigenen Angaben für die Abwidelung der Liquidation groß mütig auf jede Entschädigung verzichtet hat.. Die Liquidität der Bank hat sich von 60,87 auf 53,3 vérringert. Die Bank verfügt über Nostroguthaben in Höhe von 144 168.246 m. Davon sind 70 Broz. solche in fremder Währung. Auslandsverpflichtungen hat sie ungefähr in gleicher Höhe. lichen Lage der Landwirtschaft eine Bereinigung des ReichswirtAbg. Rauch- München( B. Bp.) hält angesichts der augenblicfchafts- mit dem Reichsernährungsministerium, wie es ein Antrag Raumer( D. Bp.) will, nicht für möglich. Der Zusammenschluß von Unternehmungen schaffe nicht nur verbesserte Produktionsmöglich feiten, er schaffe auch erhöhte Macht gegenüber den Konsumenten, die leicht zu einer Preisdiktatur führen könnte. Die Regierung muß darüber Aufschluß wie überhaupt über die bisherigen Erfolge der Kartellgefeggebung geben. Die Schaffung eines Kartellamts er scheine unter folchen Verhältnissen durchaus nicht abwegig. Das Reichskommissariat, das gänzlich versage, fönnte jetzt abgebaut werden. Abg. Kräßig( Soz.) mendet sich gegen die Bemerkungen des Ministers gegen die eng lischen Zoufchugpläne, wer selbst im Glashause size, habe nicht das Recht, nach anderen mit Steinen zu werfen. Unfere Regierung hat doch auch Zölle eingeführt, die anderen Ländern abträglich find. Die Ausführungen des Ministers flangen sehr nach einem Ültimatum und wir glauben, daß der Außenminister Dr. Stresemann baron nicht sehr erbaut sein wird. Die Zukunftspläne der Regierung zur Anfurbelung der Wirtschaft sind ja sehr erfreulich, es fragt sich nur, ob fie auch zur Ausführung kommen werden. Die Schwierig feiten, die die Banken der Kreditierung des Exports nach Rußland entgegensegen, müssen von der Regierung überwunden werden. Gegenüber den Behauptungen des Abg. Dessauer, daß die Wirtfchaft im allgemeinen mit der Zollgesetzgebung des vorigen Jahres einverstanden fei, muß festgestellt werden, daß es nur bestimmte Wirtschaftstreise sind, die ihre Zufriedenheit über die Entwicklung der Wirtschaft äußern. Aber es gibt zahllose andere Wirtschaftsfreise, die die Auffassung nicht teilen. Es steht fest, daß unsere Jollpolitif im allgemeinen die deufiche Wirtschaft sehr geschädigt hat. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Viel war es nicht, mas der Minister über die Karte: lpolitit im Ausschuß und auch hier gesagt tai. Es scheine, als ob sein Minifterium diesem Problem feine be fondere Beachtung schenkt. Erst fürzlich hat der Verein deutscher Maschinenbauanstalten, eine der wichtigsten deutschen Industrien, mitgeteilt, wie sehr sie durch die Wirksamkeit der Kartelle geschädigt wird. Die Rohstoffe werden durch die Fertigerzeugniffe so erhöht, daß der Inlandsabfag zurüdgeht und auch der Grport unmöglich gemacht wird. Die Aufgabe der Kartellpolitit muß es sein, gegen diejenigen Kartelle und Syndikate Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius wefft den Vorwurf der Verschleppung der Verhandlungen mit Frankreich und Polen zurüd. Seine Ausführungen über England hätten ganz zu Unrecht so großes Aufsehen bei denen erregt, die über unsere internationalen Wirtschaftsbeziehungen offenbar nicht aus. reichend orientiert sind. Mit dem Handelsvertragssystem, das wir im vergangenen Jahre eingeschlagen haben, haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Borarbeiten für den neuen 3olltarif werden eifrig gefördert, aber wir werden ihn in diesem Jahre noch nicht vorlegen fönnen. Die große Notlage der Landwirtschaft wollen wir mildern, indem wir alles tun, um ihr langfristigen Realkredit zur Ablösung der hochverzinsten furzfristigen Kredite zu verschaffen. Dagegen muß die Regierung die Anregung ablehnen, die Preise der landwirtschaftlichen Produfte durch hohe 3ölle über die Säge der letzten Zollvorlage hinaus hoch zu halten. Die Uebelstände im Kartellwesen werden wir bei der Borberatung des neuen Kartellgefeges genau prüfen. Abg. Drewis( Wirtsch. V.) wünscht die baldige Vorlage des Ichon seit vielen Jahren versprochenen Handwerkergesetzes. Abg. Wienböd( Dnat.) begründet eine Interpellation, die die Zurückziehung des Gesezentwurfes über den Preisabbau vom 10. Dezember v. 3. und Maßnahmen zur Förderung des Handwerks verlangt. Abg. Havemann( D. Bp.) wünscht die Aufnahme einer Statistit über die Verhältnisse im Handwer?. Abg. Bartschat( Dem.) wünscht, daß die Preisabbaualtion fich nicht gegen das Handwerk richte. Abg. Cammers( 3.) warnt davor, die vom Abg. Raumer be Ernährung vorzunehmen, bevor cine tatsächliche Vereinheitlichung fürwortete Zusammenlegung der Ministerien für Wirtschaft und der deutschen Wirtschaftspolitit erreicht sei. Es sprechen noch die Abgg. Findeisen( D. Bp.), Got( Dnat.), Frau Lüders( Dem.) und Loibl( B.Bp.). Damit ist die allgemeine Aussprache geschlossen. Der Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums wird nach den Beschlüssen des Hauptausschusses angenommen. Einige dazu vorliegende Anträge Der sehr ausführlich gehaltene Geschäftsbericht gibt die vorzugehen, die den guten Betrieben Hemmschuhe anlegen, um die werden dem Volkswirtschaftlichen oder Sozialpolitischen Ausschuß Ansichten über die Wirtschaftslage wieder. Nicht viel von dem, was hier gefagt wird, kann als zutreffend anerkannt werden. Die Banf betont natürlich die Notwendigkeit der Rentabilität", die Bor. ausjezung jeder ordnungsmäßigen tapitalistischen Wirtschaft. Aber ste fann nur erzielt werden dura) starten Umjag und Abjaz. Daran het es nicht zulegt infolge der rigorosen Kredithandhabung der Banten im letzten Jahre gefehlt. Sehr intereffant ist die Stellung nahme gegen bas Kartellwesen, das als überlegtes Ber bandswelen" bezeichnet wird. Der Gefchäftsbericht befennt sich zum Reinholdschen Steuerprogramm. Die ausländischen Kredite werden als notwendiges llebel hingestellt. Wir müßten uns davon frei machen und zur Selbsthilfe fchreifen. Wir verstehen es, menn. die Banten die anormalen Zinsfäße aus der anormalen Wirtfchaftslage erffären. Wir meinen aber, daß die felbstlosen Banten im Interesse der Wirtschaft gerade wegen der anormalen Zeiten ihre Zinsbedingungen hätten den Wirtschaftserforderniffen an passen müssen. Sie hätten es fönnen. Das bemeisen ihre ver steckten und offen dargelegten Gewinne. Die Banten rechnen damit, daß sich im laufenden Jahr der angefangene Zinsabbau weiter fortsegen wird. Der ihnen dadurch entgehende Gewinn muß durch Erträgnisse auf anderen Gebieten wett gemacht werden. Man rechnet mit einer Zunahme der Emissionen, besonders mit der Neuauflegung festverzinslicher Industrieobligationen. das Beftreven des Kartellaufsichtsamtes sein, das wir fordern. Die Klagen gegen die Kartelle fommen nicht nur von unserer Seite, auch das Handmert und die Landwirtschaft wird durch ihr rigoroses Berhalten schwer geschädigt. Wenn es allerdings, wie hier gejagt worden ift, erst Hunderter non Beschwerden bedarf, che man gegen die Kartelle einschreitet, dann darf man sich nicht wundern, boß die Bestimmungen der Kartellverordnung bisher vollkommen versagt haben. Man hat ein politisches Roßteuscherstück versucht, indie Gewerkschaften der Arbeiter mit den Kartellen auf eine Cinie ſtellte. dem man überwiesen. # Bor der Beschlußfassung über einen böIfifchen Antrag, nach dem die Zahlungen aus dem Dawes Plan eingestellt werden follen, erflärt ein Vertreter der deutschnationalen Frattion, daß diese sich der Stimme enthalten würde, da dieser Antrag eigentlich zum Haushalt des Auswärtigen Amts gehöre. Daraufhin bezweifelt der völkische Abgeordnete Kube die Bechlußfähigkeit des Hauses. Da das Haus in der Tat schwach befezt ist, stellt das Präsidium die Beschlußunfähigkeit fest. Vizepräsident Graef- Thüringen beraumt auf 10 Minuten später eine neue Sigung an. In der neuen Sigung, die gegen 6% Uhr abends beginnt, wird Indem man behaupteie, auch die Gewerkschaften feien Kartelle im der Antrag der Bölkischen zur Abstimmung dem Haushalt des Aus Sinne der Kartellverordnung, wollte man verhindern, daß die Re- mätigen Amts überwiesen. Nach einigen weiteren Minuten be gierung mirfjame Maßnahmen gegen den Kartellmißbrauch trifft zweifelt Abg. Koenen( Romm.) wieder die Beschlußfähigkeit des In Wirklichkeit richtet sich aber gerade die Tätigkeit der Gewert Hauses. Da das Präsidium sich nicht darüber einigen fann, ob das schaften gegen die Kartelle. Je höher die Löhne find, desto fleiner Haus beschlußfähig ist, muß eine Auszählung durch Karten wird die Kartellrente. Die Kartellverordnung gewährt feinen Schug abgabe stattfinden. Da nur 171 Abgeordnete anwesend sind, ist das mehr gegen die Machtstellung der Kartelle, fie ist zu einem Mittel Haus nicht mehr beschlußfähig, die Sigung muß also zum Schuge dieser Machtstellung geworden. Viele Mißbräuche der abgebrochen werden. Nächste Sizung Montag vormittag 11 Uhr mit Rartelle ergeben sich daraus, daß an ihrer Spige zumeist Juristen der Tagesordnung: Zweite Beratung des Haushalts des Reichsstehen, die von den voltswirtschaftlichen Vorgängen nur geringe fcnzlers und der Reichsfanzlei sowie des Haushalts des Auswärtigen Kenntnis haben. Die sozialdemokratische Fraktion verlangt jezt Amis mit den dazu vorliegenden Anträgen und Resolutionen. Bettwäsche Bettbezüge Hemdenfuch, starkiädig Bettlaken Wäschestoff 2.45 starkfadig Oberbett 1x- chat- 5.25 Linon ohne Naht... Kissen..... 1.65 Linon, feinlädly Oberbett 180x200 5.95 3.75 Dowlas 150x250.5.50 Handtücher Kissen.... 1.85 Jacquardhandtuch Enter Dimit! Halbleinen Überlaken Daunendecken mit Is weißen Daunen, Is Daunensatin- Oberseite in Farbucks bant 69.00 Bett- Inlette rot oder rot- rosa div. 180x200..9.50 Guter Wäschestoff mit Hoblesum verziert 5.90 la. 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In energischfter Weise wird er für eine ausreichende Unterstügung der Opfer des kapitalistischen Wirtschaftssystems ein treten müssen, damit die Erwerbslosen nicht von den Unternehmern als Lohndrücker und Streifbrecher benutzt werden können. Das Schauspielerparlament hatte ein riesiges Programm von Anträgen und Beschlüssen in dreitägiger Berhandlung zu erledigen. Die Schauspieler, die bis zum Kriege eine gutfundierte Bensionstaffe für alte und frante Berufsgenossen besaßen, haben durch die Inflation alle Aussicht auf derartige Sicherung ihres LebensUm dem Verbandstag die Lösung der Aufgaben zu ermöglichen, abends verloren. Nun, da die Zeiten und die Gelder stabiler muß jeder einzelne unter Zurückstellung seiner persönlichen Interwerden, geht man mit allen Mitteln daran, eine neue Alterseffen für die Stärfung der Organisation durch st renaste versorgungspensionstaffe einzurichten. Es soll ein Disziplin und peinlichste Pflichterfüllung Gorge Bertrag mit den Theaterdirektoren gefchloffen werden, der die Auftragen. Nicht ausschlaggebend für die Stärke der Organisation ist baufosten für diese Alterstaffe zur einen Hälfte dem Arbeitgeber, zur anderen dem Arbeitnehmer auferlegt. Aber die Schwierigkeiten sind bedeutend. Der Schauspieler ist oft engagementslos. Die Zahlungen, die er oder sein Brotgeber abzuführen haben, geraten allzuhäufig ins Stoden. Außerdem mollen die Direttoren der Pripattheater sich nicht entschließen, zu den, Roften für diese Altersversicherung beizutragen. Bisher haben sich hierfür nur die Leiter der sogenannten gemeinnüzigen Bühnen, d. h. der Landes, Staats- und städtisch subventonierten Theater ausgesprochen. Sehr bewegend wurde in den Verhandlungen darüber geflagt, daß die Theaterintendanten und Direktoren die Methode des Abbaues immer mehr anwenden, um sich eine Erleichterung in ihren Betrieben zu verschaffen. Man läßt junge Leute, die faum eine Borbildung genossen haben, große Rollen spielen und entläßt verdiente Künstler und Künstlerinnen, die durchaus noch nicht arbeits. invalide geworden sind. Der Prozentsatz der sogenannten Bolontäre, d. h. der ungelernten oder nur halbgelernten fünfile rischen Arbeiter beim Theater wächst auf solche Art ständig. Es war notwendig, daß die Bühnengenossenschaft, die drei Jahre lang nicht mehr im Plenum über die Gesamtheit ihrer wirtschaftlichen und geistigen Probleme verhandelt hatte, wieder einmal das Gefamtprogramm ihrer Wünsche formulierte. Am wichtigsten ist, daß ein Reichstheatergesez all diese heute noch ungelösten Fragen zur Entscheidung bringt. Aber das Reichstheatergesetz, das die privatrechtlichen und öffentlichrechtlichen Lebensbedingungen der deutschen Schauspieler ordnet, fiegt faum erst im Entwurfe vor. Die Schauspieler wären glüdlich, wenn der Weg zur wirtschaftlichen und geistigen Gesundung, den ihnen die Bureaufraten heute noch verbarrifabieren, mit Beschleunigung geebnet werden fönnte, Schmockereien. In einigen bürgerlichen Blättern, insbesondere im„ Berliner Tageblatt" wird die Tagung der Bühnengenossenschaft im allge meinen und im besonderen Rid elt einer Kritik unterzogen, die geistreich und boshaft sein will, aber nur abgeschmadt ist. Die Bühnengenossenschaft ist eine gemerffchaftliche Berufsorganisation. Wie sie ihre internen Angelegenheiten regelt, ist ihre eigene Sache. Ob fie geheim oder öffentlich tagt, darüber entscheidet sie allein. Solange damit nicht öffentliche Interessen verbunden sind, entziehen sich solche Borgänge der öffentlichen Kritif. Am allerwenigften ist aber eine Kritik am Blaze, die für die Sorgen und Kämpfe der Schauspieler taub, stumm und blind ist, die über die Beratungen einer Berufsorganisation berichtet wie über die Borführung einer Revue und an Stelle der fachlichen Bericht erftattung die persönliche Berreißung jezt. Die Schuhmacher zu ihrem Verbandstag. Für firengste Disziplin und peinlichste Pflichterfüllung. Bon der Berliner Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Schuhmacher wird uns geschrieben: Mit der Tagesordnung des Verbandstages beschäftigte sich die Mitgliederversammlung am 17. März im Gewerkschaftshaus. In den einleitenden Ausführungen hob der Bevollmächtigte hört die besondere Bedeutung des diesjährigen Verbandstages infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse hervor. Heute, Sonntag, den 21. März 1926, nachmittags 4 Uhr, auf dem Friedhof„ Blanke Hölle", Schöneberg, Endtstraße: Einweihung partei geftifteten des von der Gedenisteines für die Opfer des Kapp- Putsches.-Treffpunkt 21, Uhr auf dem Kaiser- Wilhelm- Platz. Das Reichsbanner, sowie der Schöneberger Männerchor Freundschaft" nehmen ebenfalls daran teil. SPD. Schöneberg- Friedenau. die zahlenmäßige oder finanzielle Stärte, sondern der Grundpfeiler der Organisation ist die innere Geschlossenheit, die sich in der Durchführung der Beschlüsse offenbart. Die Bersammlung sprach sich für die finanzielle Stärkung der Organisation durch Erhöhung der Beiträge aus. Ein Antrag, Bertreter der ruffischen Bruderorganisation als Gäste einzuladen, fand Ebenso Anträge auf Schaffung eines einstimmige Annahme. Industrieverb Bahl sämtlicher Verbandsleitungen und Angestellten. Herstellung einer internationalen einheitlichen Berufsorganisation, für schärfere Hervorhebung des Klaffentempfcharatters der Gewerkschaften, sowie ein Antrag über unsere wirtschaftlichen Forderungen. Gegen wenige Stimmen wurde einem Antrag zur Entsendung eines Delegierten nach Sowiet Rußland zugeftimmt. Reklame und Wirklichkeit. Bei Beuthien u. Schulz G. m.b. 5. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Wohl jeder kennt die große Reflame zur Anpreisung des Kruschen- Salzes". Dieses Salz wird hergestellt und vertrieben von der Firma Beuthien u. Schulz, G. m. b. 5., Berlin M. 39, Bant: ftraße 13-14. Die Reflame dieser Firma erweckt den Eindruck, als ob diefe feine andere Sorge fennen würde, als für das Wohl der Menschen zu arbeiten. Sonntag, 21. März 1926 Jugendgruppe bes Rentralverbandes der Angestellten. Morgen, Montag, abends 7 Uhr: Gruppe Norden, Jugendheim Schule Danziger Str. 23, ,, Schundliteratur": Gruppe Gieglik- Friedenau, Schule Ringstraße in Sieglin, Wohlauf zum Wandern in die Welt"( Zeitung Frik Bierschenk). Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Filiale Berlin, Gebaftianstr. 37-38. Mitgliederversammlung für die Knaben und Burschenkonfettion Montag abend 7 Uhr Sebastianstr. 37-38, Sof part.: für die Herrenkonfektion Dienstag abend 7 Uhr in den Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31( großer Gaal); für die Uniformlieferungsbranche Donnerstag abend. 7 Uhr Gebaftianstr. 37-38. Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Neuwahl: a) des Branchenleiters, b) der Branchenkommiffion, c) ber Delegierten zur Generalversammlung: 3. Berfatedes. In Anbetracht der Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen not mendia. Mitgliedsbuch oder-tarte legitimiert; ohne dies oder bei mehr als vier reftierenden Wochenbeiträgen fein Rutritt. Die Branchenkommission. 3. A.: AIde. Freie Gewerkschaftsjugend. Morgen, Montag, abend 7 Uhr Rusammen Zunft der Mäbentommiffion im Jugendheim des Metallarbeiter. verbandshauses, Linienftr. 83-85, Bortal 1.2 Treppen. Vortrag ber Rollegin Gertrud Ellett über Die Stellung der Frau im Familienrecht". Berufskraftfahrer im Berkehrsbund. Dienstag, den 23. März, abends 7 Uhr, im Dresdener Rafino, Dresdener Str. 96, Gettionsverfammlung der Rraftwagenfilhrer. Jahresbericht und Wahlen. Es ist Bflicht jedes Berufs follegen, die Bersammlung zu besuchen. Werbewoche der SAJ. Heute, Sonntag, den 21. März: Werbebezirk Renkölln: Werbeumzug. Treffpunkt 2 Uhr Reuternick. 44 Uhr auf dem Sportolak Raifer- Friedrich, Ede Jnxitraße. Gefang. Rezitationen, Anforache, Sprechchor. Eintritt frei. 341 Uhr Rottbuffer Tor zum Werbeumzug. Gemeinschaftshaus der Gartenfiadt. Werbebesiek Teltowlanal: Berbenachmittag. Treffen 4 1hr Steglik. Stadtpark( Spielwiese). Rafenthaler Borstadt: Einführungsoabend für Schiffenflaffene 6 Uhr fat Jugendheim Sophienste. 23.. Faltenberg: Jugendfeier nachmittags 4 Uhr im Reinidendorf- Dst: 7% Uhr abends eier für die Schulentlassenen im Jugendheim Seebad, Residenzftr. 49. Charlottenburg: Einführungsabend für Schulentlaffene 7½ Uhr abends im Sugendheim Rosinenstr. 4. Vanlow: Werbeumaug. Treffpunkt 2 Uhr bei Riefede, Breite Straße. Wilmersdorf: Werbenachmittag im Breußenpart ( Spiel und Tanz). Friebenau: Treffpunkt zur Denkmalseinweihung für die Gefallenen im Rapp- Butsch 42 Uhr Lauterplak. Friedenau; 3 Uhr Kaiser- Wilhelm- Vlas, Schöneberg. Morgen, Montag, den 22. März: Baumschulenweg: Schulentlaffungsfeier im Lyzeum Baumschulenir. 80. Säulentlaffene, Eltern und Varteigenoffen! Besucht die Veranstaltungen der SAJ.! Briefkasten der Redaktion. .. 24. 1. Bis 81. März 1926. Es fann das Urteil zugestellt und zualeich Awangsvollvedung vorgenommen werden. Beantragen Sie die Erteilung einer Abschrift des Urteils. R. B. 59. Rein. Geschäftliche Mitteilungen. Das Fröbel- Oberlin- Institut, Wilhelmste. 10, veranstaltet am 24. und 25. ära, von 10 bis 6 Uhr eine Ausstellung der von den abgehenden Schüle rinnen angefertigten Arbeiten. Der Befuch ist Epftenlos. Der Erweiterungsbau Jmperator ist am Donnerstag, den 18. März, dem Publikum übergeben worden. Herr Beter Süber hat burch Angliederung an das Imperator"-Raffeehaus eine Gaststätte geschaffen. die für die City Berlins eine befondere Sehenswürdigkeit ist. Die neuen Räume, die nach den fünft Terifchen Entwürfen des bekannten Architekten Jean Krämer hergerichtet sind, bieten den Besuchern durch die große Fensterfront, welche die ganze Ede, Friedrichstraße und Mohrenstraße, umfaßt, einen guten Ausblid. Die ganze Einrichtung ist der Bequemlid leit und dem Geschmack des Bublifums angepakt. Beter Silber hat bamit für die Reichshauptstadt etwas Borbildlices geschaffen, was in dieser mirtidaftlichen Arifis ganz besonders Anerkennung verbient. Wir verweifen unfere Lefer auf das heutige Inferat der Firma M. Rot. hola, Berlin, Rene Wilhelmstr. 8a, diz unseren Lefern eine felten günftige Ein fanfseelegenheit bietet, da die Breife so gestellt find, dak felbft ber feinite Arbeiter und Angestellte sich dort für billiges Geld fleiden kann. Borzeiger diefes Inferats 10 Bros. Rabatt. Wie aber verhält sich diese Firma ihren Angestellten gegenüber? Sie beschäftigt etwa 30 bis 35 Angestellte, meist sehr jugendlichen Alters. Die Gehälter find jämmerlich niedrig und liegen in den meisten Fällen weit unter 100 Mart. Dafür werden aber diese Angestellten von der Firma gezwungen, in unerhörtem Ausmaße Ueberstunden zu leisten. Täglich wird bis in die späten Abendstunden, teilweise jogar bis 11 bzw. 12 Uhr nachts gearbeitet. Es fommen auch Tage vor, an denen Angestellte bis 2 Uhr morgens arbeiten müssen. Eine Bezahlung für diefe ungefeglichen leberstunden findet nicht statt, vielleicht damit die Firma der Gewerbeinspektion gegenüber behaupten kann, die betreffenden Ueberstunden würden freiwillig" gemacht. In Wahrheit ist es aber fo, daß jeder Angestellte, der sich nicht zu diesen entsprechendes Loblied aufammenreimen und damit sich einen dicken Breis er. Auch ungefeßlichen Ueberstunden hergibt, entlassen wird. Sonntags wird sogar bei dieser Firma gearbeitet, die offenbar auf dem Standpunkt steht, daß die gefeßlichen Bestimmungen für sie nicht gelten. Außerdem nötigt die Firma die Angestellten bei ihrer. Anstellung zur Unterschriftsleistung unter einen Passus folgender Art:„ Eine in der Zeit vom 1. bis 15. dieses Monats ausgesprochene Kündigung ist per Ultimo desselben Monats wirksam. Jede andersartige Kündi gung tritt mit Wirkung des folgenden Monats in Kraft." Also, auch in dieser Beziehung glaubt die Firma, die gesetzlichen Bestimmungen außer Acht laffen zu können. Auf die Anzeige in Bolt und Zeit" Nr. 12 der Saliflora- Fabrit. Sam. burg 19, wird aana befonders aufmertfam gemacht. Der gewünschte Swei zeiler muß in origineller Weise befagen. daß die bekannte Ralitlora- Sahnpasta frog ihrer überragenden Güte mit 80 Bf. und 50 Pf. die Tube foftet. Wer das Bräparat mit allen feinen Borzilgen fennt, wird ficherlich mit Beichttoteit ein ringen fönnen. Aluminium bes Schmerzenskind der Sausfrau. Aluminiumsachen, die in glänzendem, fauberem Zustande eine Rierde jeder Rücke bilden, erfordern Das Bekannte Bus- und Scheuermittel Ata wird zu fechgemäße Piece. biefem Awed von den Hausfrauen allgemein gelobt. Es ist feinpulverig, so daß es Aluminium elänzend macht, ohne Streifen au bilden, und es befigt infolge feiner zweckmäßigen Aufammenfchung eine schnell und mühelos wirkende Reinigungskraft. Bet erbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Troden und ziemlich beiter. Temperatur nachts unter, tags ein wenig über Null Für Deu fchland. In Süddeutschland bewölkt und vielfach etwas Schnee, im Norden heiter und trocken, überall nachts Frost. Auch am Tage Temperaturen ein wenig über Rull. Es muß erwartet werden, daß die Gewerbeinspektion rücksichtslos einschreitet. An den Angestellten liegt es aber auch, sich durch zu Frau Finke wäscht nicht bei Ihnen fammenschluß im Zentralverband der Angestellten gegen solche Ausbeutung zur Wehr zu setzen. In engem Zusammenhange damit steht die Frage des Tarifvertrages, der nur dann Wert befizzt, wenn die Mitalieder beider vertragschließenden Parteien ihn in der Praris durchführen. Die Fabrikanten haben in der Zeit der jezigen Krise den Tarifvertrag auf das gröblichste verlegt, indem sie unter Ausnügung der Notlage der Arbeiter und Umgehung der vertraglichen und gefeßlichen Bestimmungen in Einzelunterhandlungen die Kollegen zur Arbeitsannahme zu reduzierten Löhnen veranlaßten. Um die Wiederholung solcher Borgänge zu vermeiden, ist es notwendig. die Organisation nicht nur finanziell zu stärken durch Annahme der vom Zentralvorstand im Fachblatt Nr. 9 gestellten Anträge auf Erhöhung der Beiträge, sondern insbesondere durch straffe Disziplin und ftritte Einhaltung der selbst gefaßten aller Parteigenossen unbedingt notwendig. Beschlüsse. Bom diesjährigen Verbandstag ist zu verlangen, daß das vor dem Verbandstag 1924 bezüglich der Wahlen der Ver: bandsleitungen und Angestellten geltende Statut wieder heraeftellt wird. Es muß ferner verlangt werden, daß der Verbandstaa für die Aufnahme der russischen Bruderorganisation in Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andi casstr. 21( tönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch SBD.- Genoffen, AES., Acerstraße, Rählerwerk! Dienstag nad Arbeitsschluß bei Leuschner, Aceritt. 110, Fraktionsfihung. Erscheinen Zentralverband der Schuhmacher. Mittwoch obend 6% Uhr Branchenver. fammlung der Makschuhmacher in den Residenz Festfälen, Landsberger Str. 31. Das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre von Neukölln. Am Mittwoch abend 74 Uhr Besichtigung des neu eröffneten Ambulatoriums bes Berbandes der Krankenkassen in Berlin S., Oranienftr. 6, Quergebäude 1 Tr. Vor der Besichtigung werden durch Berwaltungsdirektor Röhn Mitteilungen über die Entwidlung und Bedeutung der Familienfürforae gemacht. Chefarzt Dr. Bendiz wird über die Borzüge der Ambulatorienbehandlung fprechen. Unterausschuß des Ortsausschusses ADGB. Allgemeine Ortstrantentaffe Neukölln. SCHUTZ- MARKE D THOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZ- MARKE wenn Sie ihr nicht Dr. Thompson's Seifenpulver zur Verfügung stellen Sie ist eine ordentliche Frau und will nicht, daß Ihre Wäsche verdorben wird. Sie brauchen es nicht zu versuchen, sie nimmt nichts anderes afs Dr. Thompson's Seifenpulver. ES GIBT KEINE WAHL WER AUF GUTES SCHUHWERK WERT LEGT TRACT SALAMANDER SCHUHE DENN SIE SIND SCHÖN GUT UND PREISWERT MARKE SALA AMAND ANDER SALAMANDER Aus der Partei. Eine polnisch- deutsche Sozialistenkonferenz, beschickt von den Borständen der Bolnischen Sozialistischen Partei und der Deutschen Sozialistischen Arbeitspartei in Polen, beriet in Lodz, wie die nationalen Gegenfäße, wenigstens zwischen den Arbeitern beider Böller innerhalb der polnischen Grenze ausgeglichen werden könnten. Beteiligt waren deutsche Sozialisten und Gewerkschaftsführer aus Dft. oberschlesien, Bromberg und Lodz sowie Führer der polnischen Go| Nationalitätentampf weit weniger versöhnlich gezeigt haben ofs zialisten und Gemertschaftsführer aus Warschau, Lodz und Oftober chlesien. Eingehend wurden vor allem die Nationalitätenfämpfe in Oftoberschlesien besprochen, darunter die Berfolgung des Deutschen Wolfsbundes, der durch das Genfer Abkommen als Minderheitsorganisation geschütt ist. Die deutschen Oberfchlefter brachten ausführliches Material ver, wozu sie besonderen Anlaß dadurch hatten, daß die polnischen Sozialisten in Dstoberschlesien unter der Führung des Abg. Biniszkiewicz sich in dem Wozir Temkin: Anophela? DAS HAUS DERI Jedes Stück das unser Haus verlässt muss hinsichtlich Preis, Geschmack und Qualität überragend sein. Unsere Auswahl ist unerschöpflich. Kleider, Jackenkleider, mäntel, Complets, Hüte, Blusen, Röcke, modische Strickavaren. KERSTEN& TUTEUR BERUN, LEIPZIGERSTR.36, ECKE CHARLOTTENSTR Zuneigniederlassung Kurfürstendamm, Ecke Rinkesh KET Deutscher Metallarbeiter- Verband Commerz- und Privat- Bank Dienstag, den 23. März, num.5 hr, im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24 25: Außerordentliche Annengesellscha Sechsundfünfzigste Brandenberatung Ordentliche General- Versammlung fämtlicher Polierer Groß- Berlins. Tagesordnung: 1. Bericht 2. Branchenangelegenheiten. Dienstag 23. mars, nadm. 5, Mr. impartercefaal bes Perbanashaules. Claienfte. 83 35: der Aktionäre am Dienstag, den 20 April 1926, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale der Bank in Hamburg, Neß Nr. 9. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes sowie Vorlegung der Branchenversammlung Blianz nebst Gewinn- und Verlustrechnung und Vorder Bau-, Geldfchrant- u. Möbelfchloffer schlag zur Gewinn vertellung 2. Bericht des Aufsichtsrats über die Prüfung der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie des Vorschlages der Gewinnverteilung Beschlußfassung über die Genehmigun der Bilanz und die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie über die Ver eilung des Reingewinnes. Wahlen zum Aufsicht rat. Tagessrbn una 1. Stellungnahme sur Runbig ng bes Manteltarifperttanes 3. 2. Branchenangelegen geiten. 3. Ber ichiebene Ohne Mitgliedsbuch ein Sufritt. Es ift Pflicht aller Rollegen, in diefer Beriammlung zu erscheinen. 4. Diejenigen Aktionäre welche sich an der Generalversammlung beteiligen wollen, haben ihre Aktien spätestens am 16. April 1926 während der üblichen Geschäftsstunden bel unseren Niedersämtlichen Filialen und Zweigstellen oder außerdem für die Dienstag, den 23. mars, nadmittags Mitglieder des Giroeffektendepois auch bei der betreffenden 5 Uhr, in Ewalds Vereinshaus", Effekten- Giro- Bank, also in Berlin bei der Bank des Berliner Staliger Straße 126: Kassenvereins, außerdem Metallschleifer-. Galvaniseur- Lehrlingelassungen in Hamburg, Berlin oder Magdeburg. unseren Versammlung allerMetadschlei er- u.GalvaniseurCehrlinge. in Köln a. Rh. bei Herrn J. H. Stein, in Amsterdam bei der N. V. Hugo Kaufmann& Co.'s Bank Sofa Riubgarniturett Suhebetten, Diwanbeden, Metalbetten, Auflagen äußerft btiltg aus etg. Bertit. Nu arbeitung und Modernisierung famtl. Polstermöbel. Telizahiung gestattet Lichterfeld, Neukölln, Garberstraße 20 In ihre Führer in Warschau. Nach ausführlichem Bericht wurde die Tätigkeit des polnischen Westmartenvereins, mit dem die polnisch- oberschlesischen Sozialisten gelegentlich nach zusammenge wirkt hatten, von der Konferenz verurteilt. Der Konferenz dürfte in absehbarer Zeit eine weitere Aussprache zwischen deutschen und polnischen Sozialisten in Kattowig folgen. Das nächste Ziel ist die gemeinsame Aufstellung und Einbringung eines Nationalitäten. gefeßes im Sejm. Elm dar Morgenstunde 4000000 Stoffe 130 cm breit, neueste kräftige, gute 1.20 Kinder- Hemdhosen anakoartig, Gr. 60 0.83 Qualität, für Danienkleider Meter Kostüme und Frühjahrsmäntel Mater Stoffe Brest, das allerneueste fur 1.80 Stoffreste für Herren Jünglings und 1.95an Knabenanzüge.. Meter von langes Aermeln weiß trad 0.90 Jamen- Untertaillen trickt meit Herren- Socken t. in vielen Farben 0.30 Lodenstoffe 140 cm breit.... Meter 1.95 Weiche Herrenkragen Stoffreste passend zu Herrenhose, sus 3.- Strickbinder 3 Stück rheinischem Garn 140 cm nr. 1. 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Unfere Arbeitsdeutschen Notar dadurch nachzuweisen, daß sie einer der verhäl niffe in ber Berliner Metallinduftrie. genannten Anmeldestellen spätestens am 16. April 1.26 einen 2. Disfuffion. 3. Brattische Borflührungen ordnungsmäßigen Hinterlegungsschein des Notars in Ver aus unserem Handwerk. wahrung geben. Dieser Hinterlegungsschein gilt nur dann Alle Behrlinge müssen unbedingt als ordnungsmäßig, went darin die hinterlegten Aktien nach erfcheinen Nummern genau bezeichnet sind, und wenn überdies in dem Hinterlegungsschein selbst bescheinigt ist, daß die Aktien Dienstag, 23. Mäes. abends 7 je. bis zum Schluß der Generalversammlung bei dem Notar in hand. im Cofal von Bowelelt, Jeftyfte. 7: Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder der notariellen Hinterlegungsscheine werden tur für zia Ischias hatt, Gesäß Berlin ur Chausseestr. 29-30 Graue Haare beseitigt unser farbloser Heariarbewiederhersteller Youpla FI. M. 4.Nur eine Flüssigkeit. Frei von all schädl. 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Die zu hinterlegenden Aktien ohwere Palla bereitet werden, Oxantastbare biertos Dermals Rebert Hoyer. Telefunken. Lautsprecher- Rühren Mariannenstr.3. können ohne Gewinnanteilscheine und Erneuerungsschein Bestätigung and Referenza, ärzti. empfohlen. Am Dorial 108 63 der Autoreparaturschlosser Groß- eingereicht werden. Berlins. Teqesor baune: 1 Steungnahme que Struwahl der Gruppenleitung. 2 Brandhexangelegenheltex u. Berschiebenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bünffliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Montag, den 18. peil, findet eine Außerordentliche Generalversammlung ftatt, welche fich mit bex Anträgen zu beschäftigen hat, ble file bex in biclem Jahre ftattfindenben Berbandstag gestellt worden find Anträge zum Berbaubstag müffen bis Donnerstag, ben 1. April, in Händen der Berwaltung sein. B Am Mittwoch, ben 17. März, ft in unferem Berbandshaus, Binien ftraße 83/85, ein Rudjad mit Inhalt liegen geblieben. Der Eigentümer fann die Fundfachen gegen ausreichenbe Legitimation beim Sauswart Mohr in Empfang nehmen Die Ortsverwaltung. Westfälische, naturlasierte Küchen Werbetage nur bis Ostern Hamburg, den 19. März 1926. Der Verstand. Photoapparate, Feldstecher kauzen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 Persil Kuche Noblesse M. 450, bisherige Preise Jezige Preise M. 325, Kuche Lady M. 450.M. 350, Kuche Famas M. 525, M. 400, Ostergeschenk: Extra 5%% Rabatt! 100 Koche Fortuna M. 550, M. 425, Kuche Clou M. 650,- M. 500Jede Küche besteht aus: Schiank. Anrichte. Tisch, 2 Stühle, Kohlenkasten, Handtuchhalter. Alles mit Linoleum belegt, in Wels 10 Proz Erhöhung. Frei Haus in Berlin. Kommen, seben, kaufen! Sehr preiswertes Angebot! Küchenmöbel- Fabrik Joseph Himmel N. 54, Lothringer Straße 22 ( Schönhauser Tor) nvalidenstraße 186. 0-11-4 Santan 10-12. Jacobs Offene Fifee Krampiader Barzellen, Straus geschwüre berg, berauft billigst schmerzha te Balbe, Zeibnizir.60. 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Sie sind Filme des Proletariats, die die Ge- sellschoft nicht mit dem Zuckerwasser verlogener Romantik über» schütten, sondern so darstellen, wie sie heute wirklich ist: als eine ungerechte, erbärmliche und korrumpierte„Ordnung", in der die „großen Haifische" das Lebenswerk des Volkes Mürsen und dir zu überwinden die geschichlltche Autgabe des Proletariats sein wird. Schon Zola hat gesagt, es sei nichts so gesährlich, als die Wahrheit zu sogen. Wir sehen, dieses Won des großen sronzösischen Schriftstellers hat noch heute Gültigkeit wie vordem. Uebrigens wurden, die Proleten zu„erziehen", doch herrliche „Aufklärungsfilme" gedreht:„F r i d e r i c u s"(in jeder Fasson, in der man selig werden will),„Bismarck" und die unzähligen, namenlosen, nicht minder„pädagogischen" Kolportage- und Schauer- Film-Schwarten, die deshalb besonders gefährlich sind, weil sie— aus Gründen der Billigkeit— bis in die entlegensten Dorstadt- und Dorf.„Ki«ntöppe" dringen. Sie alle haben die Aufgabe, den Werk- tätigen«in„ideales", süßliches und versöhnliches Weltbild(das nicht besteht) vorzutäuschen, damit Verwirrung und Kampfmüdig- keit in ihre Reihen zu tragen. Denn heute ausgerechnet die Deutschnationalen, die brutalsten und erbittertsten Volksfeinde, diesen Antrag stellen, sieht man, wohin Kur» gehalten wird. Zum Schluß erlauben wir uns eine bescheidene(Ergänzung»») Anfrage: In welchem Zusammenhang steht der besprochen« Antrag, mit dem radikalen Rechtskurs, der kürzlich auch von der beut» scheu Filmindustrie eingeschlagen wurde? * Der Film„Freies Volk", der von der bayerischen Regie- rung verboten war, hat am IS. März zur nochmaligen Zensur der Filmoberprüfstelle Berlin vorgelegen. Es ist bezeichnend, daß dieser Film auch bei der erneuten Zensur ohne weiteres für da» ganze Reich freigegeben worden ist. DeutschesuaSamerikanischesZilmmanuftript Wenn die deutsche Filmindustrie ihr Bemühen, den helmischen Markt der heimischen Produktion zurückzuerobern und das Ausland mit guten deutschen Erzeugnissen zu beliefern, mit Ersolg krönen will, muß sie zuvor all jene Ursachen und Beweggründe ins Licht kritischer Beschau gerückt haben, die vor ollem der amerikanischen Filmindustrie ein so verhängnisvolles Uebergewicht über die kon- tinentale Filmindustrie oerleihen konnten. Denn allein eine solch« Untersuchung wird die verantwortliche» Kreis« belehren können, welche Fehler in Zukunft auszumerzen sind und welchem Ziele zu- ssestrebf werden muß. Unzweifelhaft sind die amerikanischen Filmmanuskripte viel- fvch besser, exakter konstruiert als die deutschen. Sie lassen das Be- streb«, erke»nen, das zentrale Motiv aufs vorteilhafteste auszunutzen, sie sind wssinierter gearbeitet, wohl durchgegliedert. Diesem Vorteil steht»och ein zweiter, ein— wie mir scheint— höchst beachilicher zur Seite. Eben jene uniformierende, die Persönlichkeitsentsallung >l»terbi»dende tayloristische. Lebensauffasiung des Amerikoners Ist da» stärkste Hemmnis für«ine hierarchisch« Stufen» und Rachtgliederung im filmindu» industriellen Produktionsprozeß. Soll ein voll- endetes technisches Meisterwerk erstehen, so bedarf es vielmehr des Rebencinander- und Ineinanderwirkens verschiedener Spezialisten; ein Ucbcrwieaen des einen vor dem anderen ist dem Amerikaner fremd. Wir hingegen huldigen der subjektivistischen Lebensauffassung und dem Glauben an die schöpferssch« Genialität des Individuums. Was in der Folge dem Regisseur„als dem einzigen Schöpfer" des Film« eine souveräne Stellung verlieh und ihm zu solcher Macht- fülle oerhalf, daß man mit Fug von einer diktatorischen Amtsübung " sprechen kann. Dieser geistige Imperialismus ist schädlich. Ebenso wie sein extremer Gegensatz: eine völlige Mecha- nisterung und Verflachimg. Wir müssen auf ein Zusammenarbeiten hinzielen, das jedem Mitwirkenden(also auch dem Filmschriststeller!) den Weg zu intensivster schöpsersscher Arbeit ebnet und getragen wird von der freudigen Hingabe an das Wert. Das deutsche Filmmanuskript hat unverkennbare Vorzüge, zudem vo» solcher Bedeutung, daß sie alle Mängel aufwiegen und die Kefahren einer unerschütterbareu Hegemonie der ammlanischen Filmerzeugnisse gegenüber den kontinenialen bannen. Da« deutsche Filmmanustript ist dem amerikanischen überlegen wegen seines mu- sikalisch-lynschen Kolorits. Der Amerikaner ist unseiisibel. und nur die Schweden übertoesfen uns an bllohaskr Musikalität. Di« ethische Lebenseinstellung des Amerikaners steht im schärfsten Kontrast zur abendländischen Kultur. Beim Amerikcuier ist alles Oberfläche. Reizend, zugegeben. Aber für uns Deutsche, dl« wir intensiv zu leben und zu empfinden ge- wohnt sind, die wir nach Vereinheitlichung von kulturell geistiger Äeroniworilichkeit und animalischer Triebhaftigkeit streben, allzu dürftig und schal. Der Amerikaner duldet beide?, geistiges und ani- malisches Leben getrerr.it und gegensätzlich in sich. Da er stets eine Eoit« ausfchattet und nur mit der anderen virtuos operiert, ver- mag er uns wohl zu erregen, nicht aber zu bewegen. Was überhaupt der deutsche Filmschriitstell« bei seinen omeri. kanischen Kollegen lernen kann, bezieht sich lediglich aus wirklich erfaßbar«, erwerbbar« Güter. Kultursymbole sind nicht fremdem Besitz zugänglich. Sie sind gebunden an Scholle und Volk und be- stimmen das Wesen der Ration. Und— selbst um des besten Ge- schärt« willen dürste ein« solche fremd« Kulturlnoosion kaum gelingen. Folglich: Di« deutsch« Yilmdichtung hat nicht darauf zu sehen, etn Abbild der ausländischen zu werden. Sie wird bei solchem Le- mühen scheitern, da das Ausland ketn Interesse hat an gleichartigen, zumal noch schlechtere» Filmerzeugnissen. Die deutsche Füm- Industrie hat im Gegenteil im vsenste der abendländischen Kultur zu wirken Für Filmspiele, die die LesonderhetteN eines Volkes aufdecken, hat auch das Ausland Interesse, und gerade für solch«. Hier tst der Weg gezeichnet, auf den, der„iniernationale" Erfolg beruht. Dr. H. Feld. ,5iaker Nr. 13.' (Capitol.) Die für den Tänzermfilm �ver Stern von Paris" ueu ent- deckte Lily Damtto wird in diesem Film vor größere Ausgaben ae- stellt und man muß gestehen, daß sie sie bis auf den Ausdruck des Trogischen restlog erfüllt. Michael K e r t« s z gibt nach dem Manu- skrtpt Alfted Schirokauers die Stationen dieses wiederum in Poris spielenden Films an. Er führt zwei Welten vor. die biedere Idylle eines Droschkenkutscherheimes und die luxuriöse Welt des Millionärs. Zwischen beiden ist Liiian das Bindeglied. Kurz noch dem Tode ihrer Mutter von der Pflegerin in dem Fiaker Rr. 13 ausgesetzt, wird sie von dem kinderliebenden Fiakerkutscher Earotin sorgsam aufgezogen. Sie ist der Sonnenstrahl in seinem einsamen Leben, das durch Rückgang der Droschken bereits trübselig zu wer« den beginnt. Lilian ist einem jungen Musiker gut. wird aber dann von einem neuen Mieter Tapin stärker gesessest. Don Geburt ein Adelssproß, ist der Herr heruntergekommen, seine erste Bekannt- schoft machen wir unter den Brücken von Paris. Er will wieder hinauf und wird Auiogrammsäischer. Hierbei entdeckt er(welch eine Fügung!) den Tausschein und die Adresse von Lillans Vater. Dieser ist ein bekannter Millionär, der Frau und Kind im Stich ließ, um im Ausland sein Glück Zu suchen, und sich nun Gewissensbisse macht über das Schicksal der Verschollenen. Tapin nutzt dir Gelegenheit zu einem großen Coup. Er dringt Vater und Tochter zusammen. Lilian zieht in den Palast ihres Vaters: Topin tst ihr Verlobter. aber rechtzeitig entdeckt ihr Vater dessen wahren Charakter. Er wird entlarvt, Lilian aber bestirnt sich, daß es in der bescheidenen Droschkenkutlcherwvhnung mehr Glück gab als in der Welt des Scheines. Sie heiratet ihren Musiker. Millionär und Droschken» kutsch« sind ihre Trauzeugen. Der Regisseur hat prächtige Gelegen- Herten, die manchesmal etwas breit geratenen seirtimeirtalen Szenen durch effektvolle Bilder aus Paris oder durch die Ausgelassenheit eines mit wirklich filmischem Brio geführten Balles wirkungsvoll zu unterbrechen. Seine beste Helferin ist Lily D a m i t a. die all« die anziehenden Dualitäten eines Paris« Mädels aus dem Volke und dazu die besonderen Reize eines schönen und tmizfrohen Kör» per« tne Spiel setzl. Sie ist entzückend In ihr« Drvllert«. Auch die anderen Rollen sind alle hervorragend besetzt, vor allem ist der Fiakerkutscher Paul Biensfeldt« rühmend hervorzuheben. Ohne llebertreibung. ab« sehr charakteristisch gestaltete Jacques Trevor den Tapin und im schönen Kontrast dazu Walter R i l l a den sentt- mentalen Musiker. Auch die Chargen werden erstklassig heraus» gebracht, Hermann Picha, Albert Paultg, Mar Gülstorfs und nicht zuletzt Sophie Pagay geben dem Film ein Ensemblespiel, da» vorbildlich ist. Dir Sauren P a» l L e n t» und dir ausgezeichnete Photographie vollenden die Harmonie dieses bei allen ausgesprochenen Schwächen ausgezeichneten Publikums« films.__». ,Vas Hasthau« zur tye.' (Alhambca.) Harmlose Auwunfälle ereignen sich zur rechten Zeit, wenn eine Verlobung fällig ist. Tosellis Serenade bei Mondscheindeleuchtung hilft die Ehebereitschaft steigern, zwei troffen sich gerade in dem rechten Moment, um die Berlobungsring« zu wechsein. Und alles, das einem Zufall gleicht, ist das Werk der Spina Bonzani, der Inhaberin des „Gasthauses zur Ehe". Sie fleht ihren Ehrgeiz darin, einen Rekord in Verlobungen in ihrem Hotel herauszubringen, sie ist eine vor- züglich« Menschenkennerin, hat Routine und Eleganz im Ehestisten. Barone, Lords und Fürsten fallen ihrer Geschicklichkeit zum Opfer, Schauliurg Poisdamer Platz Täglich 6 und 8.45 Sonntagt ab 4 Uhr der amüsante deutsche Film der Südfilm A. G. Marccos tollste Wette In den Hauptrollen: Joe Stock!-Morcco und die bildhübsche Maria Minzcnti Sei läge öes vorwärts am Schluß stellen die verlobten Paare aus der Leinwand gute Pose. Daneben Verwechslungen und Intrigen, der Oberkellner ist russischer Edelmann und ein Adliger in Wirklichkeit Kellner, L t v i o P o v a- rielli sieht aus wie ein italienischer Strettosänger und stellt einen Lord oor, Ida Wüst ist eine abenteuerliche Marchesa mit koketten Bewegungen und reizendem, naiv-wissendem Lachen, und Georg Alexander spielt einen Baron mit edlem Herzen, leis« Ber- blödung und sentimentalen Anwandlungen. Rosa L a l« t t! als Wirtin prächlig in ihr« Sastrgkett. In dieses Lustspiel, in diesen Karneval der Unvernunft spielt die Ahnung ein« Tragödie hinein. eine Frau— C l g a Brink spielt sie zart und schmiegsam— wird von rbrem Mann verfolgt, der ein Abenteurer und Betrüg« ist. Ader der Tragik ist die Spitze abgebogen, sie bUdet den Kontrast. die Folie, von der sich die anderen Vorgänge run so heller abheben. Alles endet in Harmonie, der Bösewicht wird bestraft, alles«scheint graziös und beschwingt. Georg Iacoby» Regie nimmt den Dingen und Leidenschaften die Schwere, gibt ihnen tänzerische Leichtigkeit. Diese Menschen leben wie aus ein« Insel, die von den Alltagsdeschwerden abgeschlossen ist, sie gehorchen anderen Gesetzen. tan und pastellartig werden die Vorgänge gegeben wie aus einem tebessest, das ein Watteau mall«. Man fragt nicht nach psycho- logischer Richtigkeit, nach Wahrheit, man lacht nur über die Irrungen und Wirrungen dieser Menschen, die hier ein Zufall ver- einte. Und die ausge.zeichnele Regie und Darstellung wird dieses Mal durch ein gutes Manuskript unterstützt, das Ruch ffloetz und Gert Briese nach dem gleichnamigen Zodeltitzschen Roman arbeiteten. _ F. S. »die letzte Droschke von Derlin." (Tauentzienpalast.) Mit Geschick und Erfahrung geht KarlBoesean leine Ber- liner Milieufilme. Diesmal stammt das Manuskript von Leo Heller und Rudolf Strauß. Mögliches tst mit Unmöglichem verbunden, wo- bei die Haupiadfichl, die Wirkung auf die Tränendrüsen, niemals außer acht gelassen wird. Viele alte Droschkenkutsch« haben die Tragödie ihres Standes«lebt, sie gingen zugrunde, well die Ber- hältnlsse stärker waren als sie, uns die neue Zeit ganz erbarmungslos über ihre tteine Existenz hinwegschritt. Endet» der verfilmte Droschkenkutscher. Er ist zum sanatischen Hasser des Benzins ge- worden. Sein Schwiegersohn sst Chauffeur, lein Sohn ist Chaufftur, beiden geht es gut uitt> der Alte haßt sie grimmig, well sie Benzin- ftitzen sind. So kann Natürlich nur ein KtaNker handeln. Doch da man sicy bei dek letzten Droschke an den letzten Mann«mnerte, schloß man mit einem recht frohen, wenn auch nur erträumten Zukunftsbild. Die ganz« Familie wird da» Kapital zusammenlegen, e» wird zu einem Fuhrgeschäft langen, und da« Geschäftshaus enthält ltnl« ein« Garage, rechts eine Garage und tn d« Mitte einen Stall, in dem Liese aas Gnadenbrot frißt und der KU« sorgenftei auf dem Sorgen- stuhl sitzt und von vergangener Kutscherherrltchkeit träumt. Karl Loese schuf, wie es so seine Art ist, durch die MilleuschUderung dt« gewollte Stimmung. Merklich wurde es manchen Zuschauern wehmütig ums Herz, denn es sst nun einmal Rcktionaleigenart der Deutschen, das Vergangene, vor allen Dingen, sobald es bildlich erzählt wird, rührend zu finden. Li« der alle Droschkenkutscher nach einem mißglückten Selbstmordversuch im Kreise sein« Familie erwacht, unterliefen dem Regisseur gestellt« Bllder. Alle anderen Szenen hingegen atmen Leben, Bewegung und gut angewandte Klernmalerei. Die Schauspieler«freuten durch vorzüglich« Leistun- gen, von Lu p» Pick war es tatsächlich ein« Tat, diese» patho- logischen Droschkenkutscher nicht.zu Fall zu bringen, sondern ih« auf die Beine zu Helsen. Er faßte Uj» so ganz menschlich auf, er warb direkt um Verstehen. Und Hedwig Daugel, gl» seine Frau, die sich nur wohl fühlt, wenn sie beichimpft, mar doch da» uebend« Weib. Maly Delschaft und Eni Eva. Schletta« und Pitt schau verkörperten die Jugend mit natürlicher Munter- keit, wahrend Florath einen netten Typ von Konditoreibesitzer darstellte. T. Frenguellis Photographie war gut auf den Ge- samtton des Filmes eingestellt. Die Musik trug das Ihr« dmu bei, da. Alle gegen da« Neue abzustimmen, sie wartete mit Sond«- efsekten auf. Die Usa-Wochenschau brachte Sehens- und Wissenswertes«u» fast allen Teilen ver Welt.__ e.V. kam— sah— siegte/ (plccadMy.) Be» diesem scchsaktigen Film ist die einzig mögliche darstellerische Point« jener typisch gewordenen sUmartislischen Revuen der Arne- rikaner, in denen Rhyihmu» und Farbigkrlt alles bedeutet, recht glücklich herausgearbeitet. DI» banale Handlung wird gleichsam Slotisteret, ein notdürftiges, jedoch nicht störende» Bindeglied für die Entladungen und Effekte des Zirzensischen. Zwel schön« Frauen, von denen die eine zum guten Abschluß mild entsagt(mit stoischer Geste und einigen Courths-Mahler-Tränen), der smarte Teufelskerl der aus dem ff. boxen, reiten und wild« Pferd« bändigen kann, und d« nebenbuhlerische Intrigant, den nach mancherlei Tücken der gefällige Arm des Gesetzes in der notwendigen Gefängniszelle ver- schwinden läßt. Bob Carson(Darsteller Hobt G I d s o n, der drüben bekannt» Wildwester) ist bei einem Farmdesttzer tn Dienst. Dessen Tochter Jacqueline kommt mit dem verwegenen Pferde- bändig« ins Flirten. Da sst aber noch etn Detter der Jacqueline, der auf dos Geld der fungen Dame spekuliert. Ralston inszeniert ein Manöver, um den unangenehmen Konkurrenten loszuwerden. Ein Duell zwischen den beiden nimmt scheinbar einen unglücklichen Lueoang, Ralston schauspielert Leichenstarr« und der arme Bob Earston flüchtet über die Grenze. Mabel Thompson hnt eine Form und einen Inspektor, Crosby, mit dem der Flüchtling sogleich nach der Ankunft in eine boxgerechte Prügelei mit anschließendem knock out gerät. Miß Thompson ist über Lobs imponierende Schlag« dermaßen begeistert, daß sie. dm Liebeswurm im Herzen, den fungen Mann umgehend engagiert. Auf dem großen Resterfest der(Cowboys sehen sich Mac Casi. Ioaueline und Earston wieder. Auch der ominöse Better Ralston ist da. Run tun sich Ralston Und der v«prügelle Inspektor zu einer L«brecherki>mpogni« zusammen, Anschlag folgt auf Anschlag. Aber Bob Carston geht unier den, Jubel der Tribünen als«st« durchs Ziel und mit der Jnhostnohwe Crosby» und Rolftons startet die fällige Verlobung mit Iacquelin- chen, indessen Mabel elegisch verzichtet. Da die«Ildwessstimmun? nur Staffage bleibt, wird si« dem Film erfreulicherweise nicht zum Fiasko. Di« glänzenden regietechnischen und artistischen Leistungen beim römische» Handikap und dem Gladiatorenrennen machen«ine negative Einstellung zu ihm unmöglich. Auch photographisch wurde hervorragendes geleistei. H o o t Sidson sst ein hübscher Junge. als Schauspieler jeboch undistutabel. IC K. B. Der GroUm des Tages kommt: Ab Donnarstag, sie machte Heimarbeit für eine Fabrik, und die Arbeit wurde schlecht bezahlt. Doch so konnte Hans Jochens Mutter wenigstens am Tage mit ihrem Kinde zusammenbleiben, es pflegen und hüten und darauf achten, daß es nicht in schlechte Eesellschost geriet. Aber vielleicht wäre die Mutter ohnehin zu schwach gewesen, andere Arbeit als die Heimarbeit, um Arbelt außer dem Hause zu machen. Nu' daß sie bei ihrer stundenlangen, ermüdenden, schlecht bezahlten Arbeit auch nicht kräftiger wurde, nein, immer schwächer und schwächer, bis der Arzt sagte, sie sei lungenkrank und es fei nun nicht mehr viel zu machen. Eine Woche vor Weihnachten war sie gestorben im Krankenhause. Das ist ein trauriges Wechnachten gewesen für Hans Jochen. Er ist nicht mchr zu Haus gewesen an diesem Weihnachten. Als die Mutter in dos Krankenhaus kam, konnte er nicht allein bleiben in dem Stübchen, das sie gemeinsam solange bewohnt hatten. Man hatte ihn bei einem Bruder seines verschollenen Vaters einstweilen in Pflege gegeben. Der hieß Robert Mauser. Er hatte ein lahmes Bein und saß tagsüber auf einem Platz am Dahnhof und ver» handelle an die Ankommenden Salzbrezeln und, wenn es die Jahres- zest gab, Apfelsinen. Das Wohlfahrtsamt bezahlte dem Mann das Pflegegeld für den Neffen. Aber es war kein schönes Leben, das Hans Jochen im Hause dieses Vaterbruders führte. Der wohnte in einem Barackenbau. in dem allerlei unfreundliche Menschen zu- sammen hausten. Männer, die betrunken nach Hause kamen und ihre Frauen schlugen, Mädchen, die abends auf die Straße hinaus- gingen und manchmal nachts nicht nach Hause kamen. Jungen, die 'anden. was niemand verloren hatte. Nein, es war nicht schön in diesem Haus«, um so weniger schön, als auch in der FamUie Robert Mausers Streck war an jedem Abend zwischen ihm und heran- gewachsenen Kindern. Eine Frau, hatte er nicht mehr. Warum man Hans Jochen dort in Pflege gegeben hatte? Je nun. es war eben der einzige Verwandte, den er besaß, und da mußte man es wohl zunächst dort versuchen. Und Robert Mauser hatte chn genommen. Da war erstens das Pflegegeld.„Und dann kann er sich nützlich machen," hatte Robert Mauser gesagt. Und so mußte Hans Jochen Kohle» schleppen, mußte Stiefel putzen, Kartoffeln schälen, Zimmer �egen, wenn er aus der Schule kam und ehe er in die Schule ging. Manchmal war er so müde, daß er kaum die Glieder rühren konnte. Freundlich« Worte hörte er im Hause festen. Doch einen Freund gewann Hans Jochen, denn er bekam auch einen Dormund, und inst dem war es nun ganz etwas anderes. Der war ein feiner kleiner Mann mck einem etwas mageren, welken Gesicht und guten blauen Augen. Seines Zeichens war er Glas- orbeiter, und vielleicht machte es das feine, klare, zerbrechliche Material, mit dem er arbeitete, daß er sich daran gewöhnt hatte, alle Dinge im Leben behutsam anzufassen. So behutsam faßte er auch die kleine bange Seele des verschüchterten Knaben an, und da» tat dem gut, so daß er eine stille, leidenschaftliche Zuneigung für den kleinen Glasarbecker faßte. Er durste ihn auch einmal besuchen, — an einem Sonntag nachmittag. Da hatte er an einem runden Tisch gesessen, aus dem ein seines, buntgemustertes Tuch lag, darauf standen hübsche weiße Tasten mit Goldrand und in der Mitte ein Teller mck selbstgebackenem Kuchen. So guten Kuchen haste Hans Jochen noch nie gegessen. Und am Tische saß außer dem kleinen Glasmacher seine kleine zierliche Frau, die ein ebenso gutes Gesicht hatte wie er und ein paar heitere blaue Augen darin, und saß der sechzehnjährige Sohn der beiden, der die Ausbauschule besuchte und Lehrer werden wollte. Doch schöner als die Tasten mit dem Gold- rond, ja, das Schönste, das er je gesehen, schienen Hans Jochen die Glassachen, die er nachher beschauen durste. Da war allerlei, das der Glasmacher von seiner Wanderung mitgebracht hatte, denn der kleine Mann war weit gekommen durch das Land, ja bis in fremde Länder hinein, hatte hier und dort gearbeitet auf die eine und die andere Weise.— Die Arbeit in den Glasfabriken ist sehr mannig- fach, und von jeder Arbeitsstätte hatte er dies und jenes Stück mit- gebracht. Da gab es geschliffenes und geblasenes und Uebersang- glas, weißes und farbiges Glas, mattes und helles Glas, Spiegel und Perlen aus Glas, große und kleine Gesäße aus Glas, Flaschen und Ziergläser, allerlei, das schimmerte, Licht sing und widerspiegelte. Ja, Hans Jochen schien es, als könne Schöneres als dies Glas in der Welt nicht vorhanden sein. In vielen folgenden Nächten träumte er von bunten Gläsern. Aber am Tage schall man ihn oft,— in der Schule und im Hause des Onkels, denn er ging still und ver- träumt umher und hörte kaum, was zu Ihm gesprochen wurde. Und je mehr man ihn schall, desto mehr kroch seine Seele in sich hinein, desto stiller und verträumter und sehnsüchtiger wurde er. Einmal an einem Spätwintertage— Hans Jochen war nun schon viele Monate bei Robert Mauser gewesen—, einmal kam der Sohn des Glasmachers, um Hans Jochen zu besuchen, und er lud ihn ein, wieder am Sonntag bei ihnen Kassee zu trinken. „Wir wollen Vaters Geburtstag feiern," sagte er.„Ich schenke ihm auch wa» Schönes, ein Buch von Venedig. Da war er auf der Wanderschaft. Ich hob mir Geld gespart von den Stunden, die ich einem Jungen gebe, der nicht recht lernen will." „Komm auch nicht zu spät," sagte der Sohn, als er ging. Der Vormund hatte Geburtstag! Der Sohn schenkte ihm etwas, die Frau schenkte sicherlich auch, nur er. zu dem jener immer so gut war. er, Hans Jochen, würde mit leeren Händen kommen! Wenn er doch auch etwas schenken könnte, nur ein kleines, kleines Ding, nur etwas, das seine Liebe zeigen würde! Aber er besaß nichts zu eigen, auch gar nichts, hatte nie einen Groschen besessen, für den er etwas kaufen konnte. Ob er hinausgehen sollte auf die Straße, Fremde. Vorüber- gehende ansprechen sollte um Geld, wie andere Kinder im Hause es taten? Er stellte sich einmal an der Straßenecke auf und wollte das versuchen. Doch kein Wort wollte über seine Lippen kommen, und die Menschen hasteten an ihm vorbei, ohne sich um den blassen, scheuen Knaben zu bekümmern. Nein, zum Betteln hatte er kein Talent. Dann bat er den Onkel um etwas Geld. Aber da kam er schön on! Ein Strom von Schimpf- und Schellreden ergoß sich über ihn, über den unnützen Fresser, der mchr kostete, als für ihn bezahll wurde. Als er am Sonnabend mittag heimkam aus der Schule, sah er unweck de» Hauseingonges die Körbe stehen, in denen Robert Mauser Salzbrezeln und Apfelsinen zum Verkauf aus seinen Bahnhossstand tragen wollte. Der Mann war noch einmal in das Haus zurück- gegangen, um Vergessenes zu holen. Er hatte die Körbe in der an- scheinend menschenleeren Straße unbewacht gelassen. Da ging es plötzli-d auf wie eine groß« Möglichkeck vor den Blicken des Knaben. Ohne sich zu besinnen, wie in einem Taumel, ipr�g er hinzu, stopfte Silöer vom Tage. * M'. KW \.... 1 Nach langem, mit großer Geduld ertragenen Leiden verschied da» edle Lipizzanerroh, oui dem weiland König Karl in Budapest zur Krönung ritt. Es durfte seit dem Tage nicht mehr arbeite» und starb a» gebrochenem herze». Wilhelm. Kaiser vou Voorn.nachBetannt- werde» de» Volksbegehr«. Dem brave» Mann sind sämtliche Gesichtszüge entgleist .Pech gehabt!" sagte ein Obertellaer in Genf..Der ungarische Gras Seihte» hat mit etaer Tausend-Arant-Note bezahlt!" .Mit ordentlichen Arbeitern wäre mein neue» hau» längst fertig. Diplomaten sind nur zuverläsflg, wenn e« an» Abbrechen geht," konstatierte Madame Europa nach der Genfer Konserenz. ver völkerbuud»- ratssitz, nachdem sich die Diplomaten um iha ge- hotzt habe». t/i- Gras Westarp bereitet sich zum Kamps geg« Luther»ad Stresewaaa vor: Er schleift sei» Gebiß, da» gewalligste geistige Rüstzeug, da» den ventschaatioaalen zur Verfügung steht. zwei Apfelsinen in seine Tasche, dazu ein Groschenstück, das daneben lag, ohne daß er sich recht seiner Handlungsweise bewußt war. In diesem Augenblick trat Robert Mauser mck seinen Söhnen aus der Tür. Von plötzlichem Schrecken ergrissen, begann der Junge, der sich nup erst seines Tuns bewußt wurde, sinnlos zu lausen. Der Mann ward aufmerksam, bemerkte, daß das Geldstück fehlte, rief, die Söhne rannten hinter dem Fliehenden her. Es gab eine wilde Jagd, bis Hans Jochen on einer Straßenecke einem Polizisten gerade in die Arme rannte, die ihn festhielten. .Was ist denn los?" fragte der Grüne. .Er hat geklaut, Vätern sein Geld und seine Apfelsinen geklaut," riefen die Söhne. Sie zogen die roten Früchte und das Groschenstück aus Hans Jürgens Tasche und wiesen sie vor. Der Polizist nahm den Jungen mit, damit im Amt alle» auf- geschrieben würde, dann brachte er ihn zurück zu Mauser». Man empsing ihn nicht sanft..Du kommst in Fürsorge," höhnte man ihn. Hans Jochen wußte nicht genau, was das war, aber etwas Schreckliches mußte es sein, wenn man dahin kam, weil man ge- stöhlen hatte, dachte er. Und am ganzen nächsten Tage, an jenem Tage, on dem er hätte helfen sollen Geburtstag zu feiern, faß er in einer dunklen Ecke des Bodenoerschlags, der ihm als Schlaf- tämmerchen diente. Neben ihm war ein Fenster, das aus den tief darunterliegenden steingcpflasterten Hos hinabging. Spät abends kam der kleine Glasmacher, der unruhig geworden war, um zu fragen, warum sein Mündel nicht zum Kaffee gekommen sei. Da begann Robert Mauser zu schimpfen: Der sei ein Dieb, und er müsse nun in Fürsorge, denn er behielle keinen, der ihn besteht«. Vielleicht wäre Robert Mauser nicht ganz so zornig gewesen, wenn der Knabe einen anderen besohlen hätte. Es ist das möglich, aber das änderte nichts. »Ja, in Fürsorge muh et," sagte er noch einmal,»und denn kann er nachher gleich Knecht auf dem Lande werden, da kann er nicht so leicht wieder was anstellen." Der Junge, der jetzt oben an der offenen Tür de» Boden- kämmerchens stand, hatte die Worte gehört. Und das Leben schien ihm bei dieser Aussicht noch dunkler als zuvor. Er starrte auf seine Füße nieder, sein Mund ward hart. .Dann spring ich nachher oben aus dem Bodenfenster und bin tot. das ist das Beste," dachte er. Der kleine Glasmacher hatte heraufgeschaut und dos Gesicht de» Knaben betrachtet. Ein großes Mitleid ward in ihm wach. „Ich will einmal allein mit ihm reden." sagte er. Er stieg hinaus in das Kämmerchen, setzte sich auf den Rand des schmalen eisernen Bettgestells, das dies ganz ausfüllte und nahm beide Hände des vor ihm stehenden Kindes fest In die seinen. „So," sagte er leise und gütig,.nun sag mir mal, mir ganz ollein, warum host du die Apfelsinen und das Geld genommen? Wo- zu wolltest du vor allem das Geld haben? Die Apfelsinen wolltest du ja wohl nur naschen?" .Rein," schluchzte der Junge auf,.nie, ich wollte Ihnen doch so gerne etwas zum Geburtstag schenken, Ihnen, Ihnen! Und ich hatte nichts, und da waren die Apfelsinen, und für den Groschen konnte ich doch noch was dazu kaufen, und da tag das alles so, und so kam das, und ich weis nicht, wie das alles so gekommen ist. ich wollte Ihnen was schenken. Ihnen! Nicht in Fürsorge, bitte, ich will tot sein." Sr brach in fassungsloses Schluchzen aus. Der kleine Glasmacher zog den Kopf des Knaben sacht zu sich herunter und küßte ihn. .Du sollst nicht in Fürsorge kommen, du kommst zu mir und bleibst bei uns," sagte er. Er nahm Hans Lochen mit sich, ohne Robert Mauser viel wecker zu sagen, als das er den Jungen behalten wollte und auf dem Jugendamt schon alles richtig machen würde, und Robert Mauser war am Ende froh, daß es so kam, denn starke verwandtschaftliche Gefühle besaß er nicht. Hans Jochen ist bei dem kleinen Glasmacher geblieben. Er war sein zwecker Sohn, die Frau des Glasmachers wurde seine zweite Mutter, und einen Bruder hatte er nun auch gefunden. Hans Jochen hat nie wieder geklaut. Er ist ein froher und glücklicher Junge geworden. Seine Seele blühte auf wie eine Blupi«, die von der ersten Sonne beschienen wird. Auch in der Schule sah man mit Staunen auf sein geistiges Wachstum, sein Streben und Wollen. Er wußte, daß er dadurch seinem geliebtesten Menschen Freude bereitete. Das genügte ihm. Als ein Jahr verging und die Zeit der Schulentlassung kam, rieten die Lehrer, er solle auch die Aufbauschule besuchen und Lehrer werden, wie der eigene Sohn des Glasmachers. Doch Hans wollte das nicht. Er wollte mit den Händen schaffen, Dinge fertigen, die ihm schön und nützlich schienen. .Ich will Glasmacher werden." sagte er,»etwas Schönere» gibt es nicht." .Und besser kann niemand sein gl» ein Glasmacher, klang es in seinem dankbaren Herzen, wenn er an den kleinen Mann dachte, der ihm mehr war als jener Verantwortungslose, der ihn it hatte..Besser kann niemand sein." v hat Hans Jachen seinen Beruf gewähtt. Der König öer Tiere. Ein Märchen au» Obergninea. Ein Hahn kam zu einer Frau. Er sagte:„Ich möchte dich heiraten. Willst du mck mir kommen?" Die Frau sagte:„Ich bin wohl bereit." Die Frau sagt« zum Hahn:„Schlüpfe schnell in einen Korb. So bist du gut geborgen und der Elefant tut dir nichts." Der Hahn schlüpfte in den Korb. Der Elefant kam herein. Der Elefant sagte zu der Frau:„Ich möchte dich heiraten. Willst du mit mir kommen?" In dem Augenblick flatterte der Hahn im Korb«. Der Elefant sagte:„Wae ist das?" Die Frau sagte:„Das Ist der Wind, der vor dem Hahne herfährt, wenn er kommt!" Der Elefant sagte: „Run. das macht nichts, ich fürchte mich nicht vor dem Wind des Hahnes." Der Elefant wollt« bleiben. Aber der Hahn flatterte wieder auf. Da befiel den Elefant«in Schrecken. Der Elefant schrie: „Ich will all- meine Leute zusammenrufen, um gegen den Hahn und Seinen Wind Krieg zu führen." Dann lief der Elefant in wilder lngst von dannen. Darauf versammelte der Elefant alle Löwen, Leoparden, Hyänen, Nilpferde, Affen, Antilopen. Katzen. Ratten, MSuse und alles, wa, auf der Erde läuit. Der Hahn aber versammelt» alle Bogel, alle Adler. Weihen, Reiher. Marabus, Singvögel, dann aber mich alle Fledermäuse, Fliegen. Mücken, Bienen, Wespen, Motten und alles, was in der Lust fliegt. Alle laufenden Tier« versammelten sich auf der einen Seit« um den Elefanten. Alle fliegenden Tiere ver- sammellen sich auf der anderen Seite um den Hahn. Der Elefant sagte:„Es muß jemand hingehen und sehen, wo die Feinde sind und was sie vorhaben." Der schwarze Affe sagte: „Das will ich tun." Die anderen sagten:„Es ist gut." Der schwarze Asse machte sich daraus auf den Weg und klettert« heimlich durch die Bäume nach dem Lager der fliegenden Tier« hin. Kaum aber war er ein Stück wett fort, noch nicht so weit, daß es die eigenen Freunde nicht hätten beobachten können, da schoß aus der Luft ein Adler herab und hackt« ihn mck einem scharfen Schlage den Kopf ab. Die Tiere um den Elefanten sahen es. Der Elefant sagte: JSt muß ein anderer gehen und sehen, wo ble Felmbe find unb was fle vor haben." Der rote Affe sagte:„ Das will ich tun." Die anderen fagten:„ Es ist gut." Daraufhin machte sich der rote Affe auf den Weg und fletterte heimlich durch die Bäume nach dem Lager der fliegenden Tiere hin. Raum aber war er ein Stüd weit fort, noch nicht so weit, daß ihn die eigenen Freunde nicht hätten sehen können, da schoß aus der Luft eine Weihe herab und hackte ihm mit einem scharfen Schlage den Kopf ab. Die Tiere um den Elfanten sahen das. Der Elefant und seine Tiere betamen einen Schrecken. Der Elefant fagte:„ Ich kann meine Freunde nicht nur einzeln dieser Ge fahr aussetzen. Wir wollen alle gemeinsam angreifen." Die laufen den Tiere versammelten sich. Inzwischen tat der Hahn alle Bienen in eine Kalebasse und schloß sie. Der Adler mußte fie mit in die Luft nehmen. Nach einiger Zeit tamen alle Elefanten, Löwen, Leoparden, Hyänen, Flußpferde, Antilopen usw. angestürmt. Als sie aber ganz bicht beim Lager der fliegenden Tiere angekommen waren, ließ der Adler aus der Luft die mit Bienen angefüllte Ralebaffe herabfallen. Sie stürzte auf den Kopf des Elefanten herab und zerschellte an ihm. Alle Bienen schwärmten in voller Wut auseinander. Die Bögel trähten, freischten, schrien. Bienen, Müden und Wespen flogen um Augen, Ohren, Nasen und Mäuler der laufen den Tiere. Sie stachen überall. Die Tiere wehrten sich eine Zeitlang, dann machten sie fehrt und jagten in wilder Flucht angstvoll von dannen. Das ist der Grund dafür, daß der Hahn im Hause bei den Frauen, Elefant und Antilope aber im Busch leben. ( Aus der Volksdichtung der Baffari im nördlichen Togo, bie 2eo fro benius mit denen anderer Stämme in feinen Boltsbitungen aus Oberguinea" gesammelt hat. Berlag Eugen Diederichs, Jena.) Die Menschenjäger von Burma. Im Laufe dieses Monats will die englische Regierung Schritte unternehmen, um die Reisenden vor der Gefahr zu schüßen, in die Hände der Menschenjäger zu geraten, die Naga heißen und im Hochlande des Oberburma leben. Das ist der Stamm, der im verigen Jahre widerwillig erklärt hatte, der Forderung Englands nach Einstellung der Menschenopfer Folge zu leisten. Jezt, am Beginn unseres Frühjahrs, find die Nagahügel von einem Meer von Mohnblüten übergossen, und Reisfelder, die den vorgeschichtlichen Urwäldern mit schwerer Not abgerungen wurden, erstrahlen in dem grellen Gelb des reifen Reises. Abgesehen von der Menschenjagd find nämlich die Nagamänner ein arbeitsames Bolt, das viel auf die Kultur seiner Felder hält. Es ist ein schweres Verbrechen, auf ihrem Boden Blumen zu zertreten oder Schmetter. linge zu töten. Gegen Ende März beginnt die Opiumernte. Der Reis wird zu einer Art Grog gebraut, und das feurige Getränt, in langen Bambusröhren aufbewahrt, steht für das große Opferfeft zu Ehren der Erntegottheiten bereit. Dann ertönt das Trommelsignal auf allen Nagahügeln, und die Menschenjäger ziehen in die Wälder hin. aus, um neue Trophäen zum Schmucke der Schädelallee zu suchen. Die Nagadörfer sind von undurchdringlichen Barikaden aus Dorn und Kattus umgeben. Gewundene Tunnels gestatten hie und ba ben Eingang, boch ist ihr Boden mit vergifteten Pfählen gepflastert, die für unerwünschte und unvorsichtige Fremde bestimmt find. Untereinander sind die Dörfer durch Laubgänge aus heiligen Bäumen verbunden. Mächtige, gefrümmte Baumstämme enden in einem so dichten Laubwert, daß tein einziger Sonnenstrahl den Schatten unter ihnen durchdringt. In finsteren Gräben längs dieser Alleen stehen hohe Pfähle, mit leuchtendem Gelb und Rot in mög lichst greller Weise bemalt. Ein Menschenschädel schmückt die Spiße eines jeden Pfahles. Wenn die Menschenjäger mit ihren Opfern zurüdtehren, wirb ein Tanz veranstaltet. Die Gefangenen bekommen ausgezeichnete Speisen und die schönsten Kleider, die im Dorfe aufzutreiben find. Bevor thre Köpfe, Hände und Füße abgeschnitten werben,| benen die Eltern gefommen finb, ohne alle Führer, die Ihnen ben müssen die Opfer eine Menge Entschuldigungen wegen der Unan nehmlichkeiten erhalten, die ihnen der Dorfbrauch vielleicht zufügen könnte. Außerdem wird ihnen auf liebenswürdige Weise erklärt, sie würden zu Ehren der Erntegottheit geopfert sowie daß, während ihre Schädel die schöne Allee schmücken, ihre Geister zusammen die Nagamänner vor Dämonen schützen würden, die jedes Dorf um. schleichen und Hunger, Dürre und andere Blagen mit sich bringen. Darauf beginnt die Opferorgie, das Opiumeffen und das Grog. trinten. Röpfe, Füße und Hände der Opfer werden auf Pfähle gesteckt und rund um die Felder getragen. Unter feierlichen Bräuchen und religiösem Gesang werden dann die frischen Köpfe unter die Zahl der Geisterwache eingereiht. Aber die Schädel dürfen nur Fremden gehören, da man in Burma der festen Meinung ist, daß z. B. der Kopf eines Nagabruders nicht nur als Wache vollkommen untauglich wäre, sondern noch ärgere Seuchen heraufbeschwören müßte, als es ein gewöhnlicher Dämon zu tun vermag. Nun steht dem braven Nagastamme eine große Verlegenheit bevor, da die Fremben von der englischen Regierung vor Reisen in biese Gegend eindringlich gewarnt werden. Die Vorhut der Zugvögel. Weg zeigen könnten. Wie das geschieht? Es ist unzählige Male gefragt worden, und viele Erklärungen sind versucht worden, ohne daß eine befriedigt. Der Vogelzug, dessen eine große Etappe wir in diesen Monaten wieder erleben dürfen, ist eben eines der Geheimnisse der Natur, eines der unerklärlichen Frühlingswunder. Geschichten aus den Kindheitstagen des Telephons. Der fünfzigste Geburtstag des Fernsprechers fann in diesem Monat gefeiert werden, denn im März 1876 erhielt Graham Bell unter Nr. 17 446 des amerikanischen Batentamts das Patent auf seinen Apparat, der den Ausgangspunkt der praktischen Telephonie darstellt. 3war hatte der Deutsche Philipp Reis schon 16 Jahre früher einen Fernsprecher erfunden und ihn Telephon getauft. Er hat auch die beiden Erfinder angeregt, die sich dann den Rang um Diese beiden Männer warent die Verwertung streitig machten. Graham Bell und Elisha Gran. Graŋ, der jahrelang an seinem Apparat gearbeitet hatte, meldete ihn am 14. Februar 1876 auf dem Aber er tam zu spät. Eine Stunde vorher war Patentamt an. schon Graham Bell dagewesen, um sich die Früchte seiner Erfindung zu sichern. Es dauerte dann noch mehrere Wochen, bis ihm das Patent wirklich erteilt wurde. Der Zusammenstoß zwischen Gray und Bell führte zu einem Prozeß, der aber unentschieden blieb, und da Gran seine Erfindung nicht weiter ausbaute, so blieb Bell der Die ersten Borposten des Millionen umfassenden Bogelheeres, eg offen, sein Instrument zu vervollkommnen. Hatte er darin das sich nun wieder unseren schon leise vom Frühling berührten Glück gehabt, daß er kurz vor seinem Nebenbuhler auf dem PatentGefilden nähert, find bereits eingetroffen, und zwar find es haupt- amt erschien, so blieb ihm auch weiter ein günstiges Schicksal hold. sächlich die Steinschmäßer, die diese Borhut bilden. Diese Als er seine Erfindung auf der Jahrhundertausstellung in fleinen gefiederten Freunde haben wohl an die 6000 Kilometer und Philadelphia zum erstenmal vorführte ,, fand er zunächst wenig mehr zurückgelegt, seit dem Tage, da sie ihre warmen Winter Beachtung und alle" Sachverständigen" schüttelten die Köpfe. Aber quartiere im Süden verließen. Eines Tages suchten sie noch ihr eines Tages als er ungeduldig und trübsinnig bei seinem AusFutter in den Ebenen Afrikas. Da vernahmen sie plöglich den gestellungsstande lehnte, da wurde der Kaiser von Brasilien Don Pedro heimnisvollen Ruf, der ihnen befahl, den reich gedeckten Tisch und durch die Ausstellung geführt. Bell war dem Kaiser durc; jeine alle Bequemlichkeiten ihres Winterlebens im Stich zu laffen und Erfolge als Taubstummenlehrer bekannt, und so zog ihn der Herr sich auf die lange ungewisse Reise zu begeben. Und alle folgten fie fcher in ein Gespräch, im Verlauf dessen er nach seinem Apparat der Stimme der Natur, wie es ihre Vorfahren seit Jahrtausenden fragte. Mein Gott, es spricht!" rief er voller Erstaunen aus, getan. Bald wird ihnen die Riesenschar der Zugvögel folgen, die als er den Hörer ans Ohr gelegt hatte. Dieses Erlebnis des Kaisers der schönen Jahreszeit in unseren Breiten erst das rechte Leben machte großes Aufsehen und lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit einhaucht. Unzählige Male hat die von Winterdunkel und Winter auf die Erfindung. Zu Anfang des Jahres 1877 wurde dann die tälte befreite Menschheit unserer nordischen Länder diesen Ber- erste Telephonverbindung zwischen Boston und Salem über eine Entfündern und Bringern des Frühlings schon zugejubelt, und noch fernung von 30 Kilometer eröffnet. Die Tatsache, daß Musik und heute wie einst beugen wir uns in staunender Ehrfurcht vor diesem Worte auf diese Entfernung deutlich gehört werden konnten, erregle Wunder, dessen Geheimnis noch kein Gelehrter ergründen konnte. auch in Europa viel Aufsehen, und Bell brachte seinen vervollkomm Alle diese Vögel, die von weiten Fernen herkommen, fennen ihren neten Apparat nach England, wo er ihn in der Wissenschaftlichen Beg ganz genau und streben nach einem ganz bestimmten Biel, Gesellschaft von Plymouth vorführte. Die Behörden aber wollten nach jenem Waldeswinkel, Gartenhag oder Wiesenplag, den sie im davon nichts wissen, und die Sachverständigen der englischen Bost erklärten die Möglichkeiten des Telephens für sehr beschränkt". vergangenen Herbst verließen. Wohl gelingt es gar manchen nicht, bies Biel ihrer Reise zu erreichen, aber die weitaus größte Anzahl Erst als die Königin Bittoria sich einen Apparat anlegen ließ, findet mit unbegreiflicher Sicherheit den Weg zu den Orten, wo mußte man sich auch offiziell mit der Erfindung beschäftigen. Weit schauender und tatkräftiger als die englischen Postbehörden war der sich im Vorjahr ihr Liebes- und Eheleben abspielte. deutsche Generalpoftmeister Stephan, der, nachdem er Mitte Oktober 1877 bie erſten Berichte über das Bell- Telephon gelesen, fich fofort in den Befiz zweier Apparate setzte und schon am 25. Oftober 1877, die Telephone zwischen Berlin und Potsdam ausprobierte. Durch das sogenannte Ringsystem, das zuerst von deutschen Durch das sogenannte Ringsystem, das zuerst von deutschen Ornithologen ausgebildet wurde und jetzt von allen Bogelfennern der Welt durchgeführt wird, ist es gelungen, den Flugstraßen der Zugvögel in vielen Fällen auf die Epur zu tommen, und man hat immer wieder festgestellt, daß Vögel, die an einer bestimmten Stelle beringt wurden, zu demselben Plage zurückkehrten, um hier wieder ihr Nest zu bauen. Wir wissen jezt auch, daß diese Wanderer der Luft nicht geradenwegs nach Norden eilen, wenn sie den Süden ver lassen. Vielmehr folgen sie alle ganz bestimmten Wegrouten, die bereits ihre Vorfahren eingeschlagen haben; es ist, als wären am Himmel bestimmte Bogelstraßen vorhanden, die mit Wegweisern und Mertzeichen versehen sind, dem Bogelauge leicht sichtbar, aber dem menschlichen Blid verschlossen. Und wenn sie im Herbst den Rüdweg antreten, dann verlassen die Jungen mancher Arten, die erſt bei uns das Licht der Welt erblickt haben, ihre Geburtsstätte noch vor den Eltern und fliegen auf denselben Luftwegen zurüd, auf Ein Wirbelfier als Parasit. Die als Parasiten lebenden Tiere finden sich durchweg unter den niederen Tieren. Es gibt indes auch ein Wirbeltier, das eine parasitische Lebensweise führt. Das Tier, das einer Schlange ähnlich gebaut ist und sich etwa 150 Meter tief auf dem Meeresgrunde aufhält, hat die Gewohnheit, sich in lebende Fische einzubohren und sie aufzufressen. Da der Parafit, der ziemlich selten ist, sehr starte und spike Zähne befigt, ist es ihm ein Leichtes, in die Fische einzudringen und sich mit Hilfe seiner weit heraus ftülpbaren Mundhöhle und fräftigen Bunge an ihnen festzusaugen. Den von ihm befallenen Fischen ist es ganz unmöglich, sich von ihm zu befreien, wie denn auch das elektrische Organ des Zitterrochens dem Schmarozer nichts anhaben kann. 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