en Hr. 136 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe g Nr. 65 ?«»u?»iedlnlNln<>in lurd Siueiaensreis« knd in ber M�rnenausgabe aaneaeben »«dotlioa: sw. SS. CtnSeafltafi« 3 Zernlprecher: VSnhoff 292— 207 SclvKOtefTcSo jlalOemoftal Berlin Devlinev Volksblstt Zentralorgan der Sozialdemohrattfcben Partei Deutfchlands (10 Pfennig) Montag 22. März 1 926 Beel«« ttnb Un,etsenabt«ilu»c ®«ldiafte»etl B-5 Übt SccUgcc: Ootndtts-OerlaB GmbH. Bcelln Zw. M, Clabenflrag« 3 Feebspemher OSnhoff 202»297 völkerbunösöebatte im Reichstag. Strefemann verteidigt die deutsche Delegation. .. irfäh tausch eingetreten ist und daß Strefemann als erster spricht. Dann muß man aber noch einen Akt des gedankenlosen parlamentarischen Bureaukratismus über sich ergehen lassen, einen Bericht des Herrn H o e tz s ch aus dem Haushaltsausschuß, den kein Mensch anhört. Endlich ist Hoetzsch fertig und mit einem Schlag wird es still. Stresemomi spricht. Ein Kommunist begrüßt ihn mit dem ironisch sein sollenden Ruf„Held von Genf", findet aber kaum selbst bei den Bundesgenossen von rechts Echo. Strefemann kann un- gestört sprechen. Kein Zwischenruf wird laut. Zunächst gibt «r ja auch nur einen sachlichen Bericht über die Ber- Handlungen, der keineswegs unterhaltend ist, well man ihn schon aus den Zeitungen kennt. Erst allmählich wandelt sich der Bericht Mr Polemik, die geschickt und glücklich ist. Herr Strefemann findet wiederholt lebhafte Zustimmung auch der Sozialdemokraten, so wenn er es ablehnt, der Haltung Deutschlands irgendeine gegen einen anderen Staat gerichtete Spiße zu geben. So wie er' den Deutschnationalen vorhält, daß sich Deutschland vor der ganzen Well mit einer s ch w e- ren Schuld gegen den Frieden belastet hätte, wenn die deutschen Delegierten dem Drängen der Deutschnationalen folgend, abgereist wären. So auch wie er mit stärkster Betonung dazu mahnt, nicht hochmütig die Mei- nung der ganzen Welt zu verachten, was ja Deutschland schon einmal, und zwar im Weltkrieg, sehr übel bekommen sei.''' Herr Strefemann hält übrigens diese Rede zum zweiten- mal. Das erstemal hielt er sie am Sonnabend inderFrak- tion der Deutschen Volkspartei. Dort wirkte er überzeugend. Die anderen, die hier im Reichstag dazu not- wendig sind, um einen Sieg der völkerbundsfeindlichen Oppo- sition und damit einen außenpolitischen Kladderadatsch zu verhindern, braucht er nicht mehr zu überzeugen. D i e waren schon früher überzeugt als er selber. Strefemann schließt unter lebhaftem Beifall und Hände- klatschen. Der Reichskanzler erhebt fich und reicht ihm die Hand. Run mischt sich m den Beisel des Saales auch der Ausdruck bewegter Herzen auf den Tribünen. Als dann Graf W e st a r p zur Rednertribüne emporsteigt, sauer- töpfisch und ledern wie immer, ist die Schlacht eigentlich schon vorbei. Eine Massenflucht aus dem Saal fetzt ein. Es ist die Stunde des Mittagessens. Die heutige Sitzung des Reichstags trägt alle Merkmale eines großen Tages. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen setzt ein Sturm auf die Tribünenkarten ein. Als der Präsident Löbe um ll�l Uhr die Sitzung eröffnet, sind dl« Tribünen über- füllt, auch in der Diplomatenloge herrscht starker Andrang. Das Haus selbst beginnt sich langsam zu füllen. Aus der Regierungsbank nimmt fast das ganze Kabinett unter Führung des Reichskanzler» Dr. Luther und des Reichsaußenministers Dr. Strefemann Platz. Auf der Tagesordnung stehen die Haushalt« der Reichskanzlei und des AuswärtigenAmts. Auf Antrag des Abg. v. Guerardt wird beschlossen, in diese Beratung auch die zu den Genfer Verhandlungen vorliegenden Anträge zu verbinden. Borläusig liegt nur der kommunistische Mißtrauens. antrug vor, der sich gegen die gesamte Regierung richtet. Die Deutschnationalen haben einen Antrag eingebracht, wo- nach das Eintrittsgesuch für den Völkerbund wieder zurückgezogen werden soll. Es erregt einige Verwunderung, daß der Berichterstatter des Aus. fchufses, Abg. hoehsch(Dnat.), nicht auf das Wort verzichtet. Er teilt den Antrag des Auswärtigen Ausschusses, vom 4. Februar d. I datiert, mit, wonach der Ausschuß keine Bedenken dagegen zu erheben habe, daß die Reichsregierung von der durch Gesetz erteilten Er- mäcktlgung zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Gebrauch macht, der Reichstag solle daher über die sonstigen vorgelegten An- träge, die den Eintritt in den Völkerbund überhaupt ablehnen oder an Bedingungen knüpfen, zur Tagesordnung übergehen. Als Hoetzsch endlich fertig ist, verzichtet der Berichterstatter für dem Etat des Reichskanzlers, Abg. Tanbadel-Görlitz lSoz.f, auf das Wort. Lebhafter Beifall wird ihm dafür zuteil und ist zugleich eine deutliche Mißbilligung für Herrn Hoetzsch. Run ergreift» Außennlltlifker Dr. Slrejewatm das Wort und es tritt sogleich die größte Aufmerksamkeit ein. Er führt aus: Im Augenblick ist es meine Ausgabe, über die Genser Vorgänge zu berichten. Das ist um so notwendiger, als ich zu meinem großen Bedauern feststellen mußte, daß sogar dos größte deutsche Landesparlament in eine Beratung über Genf eingetreten ist. ohne übeihauvt eine Darlegung der Regierung abzuwarten. (Hört, hört! links.) Aus der Vorgeschichte der Genfer VerHand. lungen ist besonders bemerkenswert, daß der Völkcrbundsrat als geschlossene Körperschaft im Februar 1S?ö den Wunsch aussprach, mit Deutschland im Rat zusammenzuarbeiten. Deutschland bat sich nach Ueberwindung schwerer grundsätzlicher Bedenken zum Eintritt in den Völkerbund entschlossen, aber es hat sich selbst nicht dazu gedrängt. Zweimal ist Deutschland gerufen worden: einmal aus der Völkerbundsversammlung 1924 heraus, das zweitemal auf Wunsch der Mächte, die den Locarnofrieden nur der Bedingung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund abschließen wollten. Dar- aus entstand die Pflicht dieser Mächte, von sich aus alles zu tun, was das Inkrafttreten der Locarnoverträge ermöglichte, nachdem iie selbst die Zugehörigkeit Deutschlands zum Völkerbund als Kern- lück der Locarnoverträge bezeichnet hatten.(Sehr richtig!) Um so seltsamer war, daß kurz nach dem Ersuchen Deutschlands um Aufnahme in den Völkerbund Mitteilungen auftauchten, die davon sprechen, daß eine Rekonstruktion des Völkerbundrates erfolgen solle, daß drei Mächte Ansprüche auf ständige Ratssitze er- hoben, daß angeblich Versprechungen in dieser Richtung gemacht worden waren. Der deutsche Reichstag hat in seinem Auswärtigen Ausschuß am 19. Februar eine Entschließung dahin gefaßt, daß Deutschland entsprechend den gepflogenen internationalen Verhand- lungen bei der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes Anspruch auf einen Ratssitz ohne weitere Aenderung des Rates erhoben habe. Die Stellung der deutschen Reichsregierung ist in der bekannten Haniburger Rede des Reichskanzlers präzisiert und festgelegt worden. Man stand allgemein auf dem Standpunkt, daß- die Auf» nähme Deutschlands das einzige Ziel der bevorstehen- den Tagung des Völkerbundes fei.. Die Ansprüche Spaniens, Brasiliens und Polens fanden in diesem Augenblick starke Widerstände, am stärksten mit in der englischen öffentlichen Meinung. Die schwedische Regierung hatte der deutschen offiziell mitteilen lassen, daß sie gegen jede Vermehrung der ständigen Sitze im Rate, die über die Hinzuziehung Deutschlands hinausginge, auch dann stimmen würde, wenn sie mit diesem Standpunkt allein bliebe. Die deutsche Delegation konnte daher mit dem Gefühl nach Genf reisen, daß tatsächlich die Entscheidung in der Aenderung des Rates über den deutschen Sitz hinaus negativ ausgefallen sei. Die deutsche Regierung hat, als andere Tendenzen bekannt wurden, auf das schärfste ihren Standpunkt gewahrt. Auf Anregung Chamberlgins fand dann jene erste, zugleich entscheid dende Sitzung der Rheinlandpaktmöchte in Gens statt. Durch den Sturz Briands wurde die Situation erschwert. Aber die Auf- sassuno einzelner Organe in Deutschland, daß der Sturz des Kabinetts Briand in diesem Augen- blicke ein Manöver s«i(SeHr richtig rechts), i st ab- solut unhaltbar. Die deutsche Delegation ließ keinen Zweifel Die Sefteiungsfeier in Köln. Unter den Farben Schwarzrotgold. � Riesenaufmarsch des Reichsbanners. Köln, 21. März.(Eigener Drahtbericht.) Die Befreiungsfeier der Kölner Zone, die am Sonnabend und Sonntag unter ftärtster Beteiligung der Gesamtbevölkerung Kölns ihren Beckaus nahm, hat gehalten, was republikanische Kreise sich von dieser Feier ver- sprachen. Sie wurde zu einer starken und eindrucksvollen Kundgebung für den republikanischen Gedanken. Ueberall überwogen die Farben des neuen Deutschlands. Sehr stark war die Betcili- gung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, dessen Truppen auch aus Süd- und Mitteldeutschland, ja sogar aus Schlesien nach Köln gekommen waren. Oer Rufmarsch ües Reichsbanners. Schon am Sonnabend morgen liefen die ersten Sonder- züge mit Reichsbannerkameraden, von der Bevölkerung lebhast be- grüßt, in Köln ein. Im Lause des Tages wurde der Zustrom von Stunde zu Stunde stärker. Mit Laftkrastwagen, Fahrrädern und zu Fuß kamen ungezählte Reichsbannerkameradcn in Köln an. Ein- zelne Trupps, die aus Hamburg, aus dem östlichen Westfalen und Hannooer kamen, waren seit mehr als zehn Tagen unterwegs und bestanden aussch.ießlich aus Arbeitslosen, die in anstrengenden Tagesmärschen niit ganz wenigen Bannilteln den Marsch zum Rhein angetreten hatten. Nachmittags gegen 5 Uhr traf der Bundes- v o r st a n d des Reichsbanners inst dem Bundesbanncr am Bahn- Hof ein Unter klingendem Spiel wurden Bundesvorstand und BundeSbanner zum Hauviquertier geleitet. Der Abend sah dann die erste große Massenkundgebung des Reichsbanners, das sich in den Ringstraßen der Stadt zu einem Fack-.lzug formierte, der 15 000 bis 20 000 Teilnehmer zählte und dessen musterhafte Disziplin für die Kölner Bevölkerung ein bisher nickt gekonntes Schauspiel bot Im Laufe der Nackt trafen weitere Zehntausende Reichsbannerkameraden ein, die am Sonntag mittaa zu einer bisher in Köln nie gekannten Kundgebung für die republikanische Staats- form aufmarschierten, nachdem bereits vormittags bei der S P a l i e r- b i l d u n g für den an der Kölner Befreiungsseieck teilnehmenden .Reichspräsidenten Hindenburg das Reichsbanner den ersten und hervorragendsten Anteil nahm und das stärlfte Kontingent der Teil- nebmer stellte. In zwei gewaltigen Zügen formierte sich nach Be- endigung der offiziellen Befreiungsfeier in der Kölner Messe, in der außer dem Reick-pröstdenten Oberbürgermeister Dr. Adenauer und der preußische Minister des Innern Severin« sprachen, das Reichsbanner zu einem über zwei Stunden dauernden Vorbeimarsch am Bundesbanner und vor dem Bundssoocktand. In auffallendem Gegensatz zu dieser sehr starken Bcteiliauna des Reichsbanners stand das geradezu klägliche Versauen der rechts- radikalen Organisationen. Iimerhalb weniger Wochen ist es der Millionenorganisation des Reichsbanners möglich gewesen, viele Z'bntausende Rc!ck?bannerkameraden ohne einen Vsennia öffentlicher Mittel nach Köln in Marsch zu setzen. Wenn auch nach Hamburg Köln nicht mit der gleichen hohen Teilnehmer- zahl rechnen konnte, so ist doch der Kölner M�ssenaufmarlch ein Be- weis für die vorzügliche Organisation und Disziplin, die in dieser größten republikanil�n Organisaton des neuen Deutschland herrscht. Westfäl'scke Stahlhelm sührer und Iungdoleute hallen vor einige» Tanen noch behauptet, daß es ibnen gelingen werde, am Sonntag 65 000 Mitglieder der Vaterlandischen Verbände In Köln auf die Bein« zu bringen. Es ist ibn-n aber kaum möglich gewelen, im gan,zcn etwa eintausend Menschen für Köln aus den gesamten rheinssch-westfästsch-n Lezüken zu mobilisieren. Nirgendwo im Stro�enbild, das vom Reichebanner vollkommen beherrscht wurde, hat man von der Existenz einer rechtsradikalen Organi- sation eiwas bemerken können. v:e Rn�prachen. In seiner Ansprache bei der Befreiungsfeier in der großen Messehalle, der außer dem Reichspräsidenten und dem preußischen Ministerpräsidenten die Minister Marz, Eurtius, Severing und Hirtsiefer, sowie die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden und Oldenburg und die Präsidenten von Reichstag und Landtag bei- wohnten, erinnerte Oberbürzermeisier Adenauer an den Abzug des letzten deutschen Regiments aus Köln im Dezem- ber 1918. Tags darauf begann die Leidenszeit der Besetzung. Der Mai 1924, so fuhr der Oberbürgermeister dann fort, brachte io Frankreich den Umschwung. Es folgten London, Locorno, Genf. Ob der Weg über London, Locarno, Genf zum Wiederaufstieg Deutschlands, ab er zur Befriedung und Wohlfahrt Europas führen wird, nur die Zukunft kann es erweisen. Aber dos eine steht fest: Ohne London, ohne Locarno würden wir diese Feier nicht begehen können. Weil wir immer und immer wieder gebeten haben, die folgenschweren Entscheidungen, die mit den Namen London und Locarno verknüpft sind, ohne Rücksicht aiij das besetzte Gebiet, allein im Hinblick aus das deutsch« Gesamt- intcresse zu treffen, dürfen wir uns heute trotz allem frohen Herzens der Freude hingeben über diesen Erfolg der deutschen Politik und der Gerechtigkeit: die Räumung der ersten Zone, Darauf ergriff Innenminister Severing das Wort. Seine Rede galt dem Gedanken der Bölkerver. st ä n d i g u n g, auf daß an olle friedlichen Nachborn wieder das Lied am Rhein ertöne: Strömt herbei, ihr Völkcrscharenl Wir wollen mit den ehemaligen Feinden, erklärte Severing, in ein er- tröglichos und verträgliches Verhältnis kommen Wir wollen die Berständigung. Wir wollen den Bölkersrieden. Und wenn der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund dazu notwendig ist, dann wallen wir eintreten. Wll wollen im Wettbewerb innerhalb des Rahmens der palitiichen Parteien das beste für das ganz« deutsche Volk einsetzen. Das ist die Voraursetzuna, wenn wir unter uns zu einer Berständigung kommen wollen. Wir wollen zusam- menhallen als Rheinländer, als Preußen und D-utsche. Reichspräfideni hindsnburg gedachte zunächst der Bevölkerung d�s noch besetzten Gebietes, und derer, die in den letzten Iahren Leben, Freihell und Heimat hingaben, um nicht dem Doterland untreu zu werden.„Auch das soll unvergessen bleiben, versicherte der Reichrpräsident, daß dos Rhein- land in Stunden eigener bitterster Rat die Reichsrcgicrung immer wieder gebeten hat, die politischen Entscheiduiuzen chnc Rücksicht aus das besetzte Gebiet, nur nach Maßgabe der Gesamtinteressen des Reiches und im Hinblick auf Deutscklands Zukunft zu treffen." Hindenburg schloß seine Ansprache mit einem Bekenntnis zur dcut- schen Zukunft, die das Land am Rhein wieder in Freiheit mit dem übrigen Deutschland vereint, und dem Auednick der Hoffnung, daß das deutsche Volk auch über den inneren Zwist und die Fehde des Tages hinweg durch einen neuen Geist brüder- lichcn Derstehens cmporgetragen werde zur Einigkeit und zu starkem gemeinsame» Empfinden seines Dolkstnms. Bei der Feier, die am Abend im Gürzenich-Saal stattfand, gab Ministerpräsident Braun bekannt, daß die preußisch« R e- g i e r u n g den Oberpräsidenten der Rhein provinz 500 006 Mark zur Verfügung gestellt hat, damit in den Sommermonaten mehreie tausend Kinder aus der befreiten Zone und aus dem noch besetzten Gebiet in den Genuß einer scchswöchentlichen Erholungs- fürsorge l�.imen. Als äußeres Symbol des Dankes der preußischen Regierung an die Bevölkerung der ersten Rheinlandzone wurde ein« in der staatlichen Porzellanmanufaktur hergestellte Rheinlands- o a s e überreicht mit einer Widmung:„Der treuen Bevölkerung der eisten Rheinlandzone." hinöenburg in Sonn. Bonn. 22. März.(WTB.) Der Reichspräsident ist tm Sonderzug um 10,15 Uhr auf dem Reichsbahnhof eingetroffen und wurde vom Oberbürgermeister Dr. Falk begrüßt. barfllwr, daß für fi««in« Vermehrung der ständigen Rat-sthe im Zusommeuhdng mit der T-�zung des Völkerbundes für die Auf- nahm« Deutschland« die Zurückziehung des Ausnahmegesuche» im Gefolge haben würde. Von einem früher bekannt gewordenen Anspruch Palens aus einen ständigen Ratssitz konnte um so weniger die Rede sein, als Polen nicht einmal für einen nichtständigen Ratsfitz die nötige Mehr- heit im Pölkerbund fand(!chr wahr!), und wenn einem anderen Staate gesogt worden ist. daß bei Eintritt einer Großmacht in den Rat auch seine Ansprüche akut werden würden, tonnte sich eine derartige Wendung doch nur daraus beziehen, daß die Frage der Zusammensetzung des Rates in ihrer Gesamtheit Gegenstand der Be- ratungen wäre, höchsten» hätten diese anderen ZIlächle Deutschland ihre Ansprüche bei Pekanulwerden und Beantwortung de» deutschen Rundschreiben» mitteilen müssen.(Lebhaftes Sehr richtig.) Man hat daraus hingewiesen, daß die Zahl der Völkcrbundsmit» glieder gewachsen und darum auch eine Vermehrung der Ratsfitze wünschenswert sei. Wir haben erklärt, daß wir nicht prinzipiell solchen wünschen ablehnend gegenüberstehen, dag ober eine Weltorganisation, die ihre Verfassung ändert, das nicht tun könne, auf Grund dieser oder jener Versprechungen an diesen oder jenen Staat, sondern erst auf Grund sorgfältigster Prüfung der vielen grundsätzlichen Fragen, die die Zusammensetzung des Völker» bundsrates berühren. Diese grundsätzliche Prüfung in einer Kommission mußten wir verlangen, ehe nur unser Ein- Verständnis mit einer weiteren Vermehrung der Ratssitze erklären konnten. Man hat kritistert. daß von deutscher Seite überhaupt die Anregung für eine solche Kommission gegeben worden ist. Abg. Winckler hat im Preußischen Landtage uns vorgeworfen, durch den negativen Ausgang der Genfer Verhandlungen hätten wir eine Verschlechterung unserer Beziehungen zu manchen Staaten ver- schuldet. Eine Kritik an dem negativen Ausgang könnte nur jemand üben, der für den bedingungslosen Eintritt Deutschlaads in deu Völkerbund eingetreten ist.(Lebhafte Zustdnmung links.) Weil wir an unseren Bedingungen unbeirrt festgehalten haben, kann man uns doch von anderer Seite nicht angreifen. Wir verlangten, daß in dieser Tagung nur Deutschland einen Ratssitz erhält. Gegen eine eventuelle spätere Vermehrung der Sitze konnten wir uns nicht er- klären. Deutschland konnte nicht sagen: wenn ich im Völkerbundsrat bin, dann schließe ich die Tür zu gegen jeden, der dann etwa noch hinein wlllt Wir haben ausdrücklich betont, daß wir nicht aus irgendeiner prinzipiellen Einstellung gegen irgendeines der Länder, die in späterer Zeit ihren Anspruch erheben wollten, handelten. Für uns war nicht etwa entscheidend, wer einen weiteren Ratssttz verlangte. Die falsche deutsche Vorstellung von den Balkanstaaten hat viel dazu beigetragen, dag Nationen, die sich heldenmütig geschlagen haben, auf der anderen Seite kämpsen. Nichts liegt uns ferner, als bei unserem Widerstand gegen Brasilien etwa zum Ausdruck au bringen, daß der Völkerbund etwa für uns eine e u r o p ä- ische Angelegenheit sei. Der Anspruch großer Mächte, im Völkerbund einflußreiche Stellungen einzunehmen, wird von Deutsch- land am allerwenigsten bestritten werden, ob es sich um Asien, Amerika oder andere Weltteile handelt. Wir mußten aber unserer grundsätzliche Ablehnung einer weiteren Vermehrung der ständigen Ratssitze in dieser Tagung festhalten und wir sind mit diesem Stand- punkt durchgedrungen. In der zweiten Tagung wurde an eine Ver- mehrung der nichtständigen Ratssitze gedacht. Wir haben uns auch dagegen wenden müssen aus denselben Gründen, wie gegen die der ständigen Ratssitze. Was uns in dieser Zeit das Recht zu Vorwürfen und zur Cr- regung gab, war der fortgesetzte Versuch, die ganze Verant- wortlichkeit auf die deutschen Schultern zu legen. Es war bekannt, daß Schweden widersprechen würde. Di« Situation war also so, daß der Völkerbundsrat gar nicht in der Lage war, einen neuen nichtständigen Ratssitz zu schaffen. Es war also das Gegebene, sich erst der Einmütigkeit im Völkerbundsrat zu ver- sichern und erst dann an Deutschland heranzutreten, nicht aber den ganz falschen Eindruck zu erwecken, als ob Deutschland der Vormund Schwedens sei. Schwedens Haltung war immer eine ganz selb- ständige. Den von Schweden angebotenen Verzicht konnten wir als ein« befriedigende Lösung nicht anerkennen. Wir haben auch in der Frage der nichtständigen Ratssitze nichts von unserem Standpunkt aufgegeben. Es ist ganz falsch, wenn es so dargestellt wird, als hätten wir zehn Tage lang in Genf antichambriert. Nein, wir haben bis zur äußersten Starrheit an den Grund- säßen festgehalten, mit denen mir nach Genf gekommen sind. Der Sohn Thomas Manns. Die Naturforscher meinen, daß die Söhne der großen Geister durchschnitllich etwas minderwertig werden. Es ist, als habe sich die Natur im Ausbau des einen Genies erschöpft, und das, was seinen Lenden entstammt, erbe nur die geringeren Kräfte. Die Natur, die auf solche Art den genialen Vätern Bekümmernisse und den ehr- geizigen Söhnen enttäuschende Trübsal auferlegen soll, hat sich noch nicht entschieden, wie sie das Schicksal Klaus Manns lenken möchte. Er ist der Sohn Thomas Manns, gerade erst zwanzig Jahre olt und früh begabt und früh geschäftig. Vielleicht ist die Geschäftig- keit, die den Jüngling treibt, vorläufig das, was ihn am meisten aus- zeichnet. Er lebt in einem melancholischen Staunen über unsere harte Welt. Er unterliegt der Drohung, die von allem Bürgerlichen und von jedem Pflichtzwang« ausgeht, sehr ungern. So geschieht es, daß der Zwanzigjährige in der Vorstellung der ihn beobachtenden Leute schon jetzt zu einem kindlichen Zigeuner wurde. Doch man verhätschelt ihn. Die Jugend häll zu ihm. Sie würde nicht so eifrig zu ihm halten, hieße er nur Friedrich Schulze, Sohn des Monteurs gleichen Namens, und besäße dieser Schulze das gleiche Talent wie Klaus Mann. Dabei steht die Jugend«tgentlich nicht kampfbereit zu Klaus Mann, sondern nur bereit zur Freundschaft und gar zur Liebe. Und diese» Gefühl verdient er durchaus. Er ist nämlich kein Revolutionär. Er ist auch kein Sohn, der den Vater oder die Väter haßt und beseitigen will. »A n j e und E st h« r", das kleine kindliche Liebesschauspiel, das er dichtet, wird keiner Partei geschenkt, sondern nur den gleich- fühlenden Knaben und Mädchen, die mit einer stillen Melancholie an ihrer Jugend tragen. Beinahe spürt man, daß Todesgesühl und Todesahnung den jungen Dichter tiefer beschatten, als es seinem Wachstum nützlich sein könnte. Die Gemeinschaft für neue Theaterkuttur und ihr Regisseur Erich Fisch führen das Stück des Jünglings im L e s s i n g° Theater auf. Sie überlasten es durch Ueberbetonung seiner Modernität. Das Stück ist nämlich sehr zahm und nur kurios, well der dichtende Jüngling gar nichts überwinden oder neu schaffen will. Er will nur die Licbesgeschichte der kleinen Anje und Esther erzählen. Esther gesellt sich mit einem strammen Bengel. während Anje in V-r- zweislung zusammenbricht. Wo diese junge Welt nur mit sich selber redet, rührt die Ursprünglichkeii des Tones, bewegt die Zartheit der Stimmung, entwaffnet schließlich die Unwichtigkeit der Sache. Ein Vagabund stürmt lachend ins.Erholungsheim für verlorene Kinder". die eben ein« Tanzpantomine aufführen. Da der hübsche Wander. vogel außer seinen geraden Gliedern noch einen großen Mund hat. kriecht Esther zu ihm ins Bett. Doch man findet dieses Zusammen- finden der Jugend nicht unanständig. Irgendwie gewinnt die Wichtigtuerei des Dichters. Das fabelhafte Kinderheim, das eher Hotel der gefährdeten Jungfrauen heißen sollte, wird auch irgendwie von den Moralisten geduldet. Wahrscheinlich deshalb, weil Klaus Voltsbegehren in Württemberg. 30 Proz. der Wahlberechtigten eingetragen. Stuttgart. 22. März.(MTV.) Aach vorläufiger amtlicher Feststellung haben sich in Württemberg und Hohenzollern 480 032 ?ersonea,d.h. 29,1 Proz. der wahlberechtigten, an dem Volks- begehren beteiligt. Bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 wurden für So- zialdemokraten. Kommunisten und Unabhängige 336 988 Stimmen abgegeben, das waren 20.9 Proz. der wahlberechtigten. E» haben sich also 143 044 Personen mehr eingetragen. wenn wir sogar da» angebotene Opfer Schwedens znrückwlejea. so muß ich fragen, ob eine andere Delegation hätte mehr tu» können.(Rufe rechts: Abreisen!) Die Situation war so, daß nicht Deutschland vor der Tür stand und wartete, sondern daß die an Locarno nicht beteiligten Völkerbunds- mächte zehn Tag« lang auf die Völkerbundsversammlung warten mußten, well vorher die Locarnomächte mit Deutschland verHandel- ten. Die übrigen vertraten den Standpunkt: der Völkerbund llt noch nicht allein der Locarnomächte wegen da, sondern Locarno muß in den Bälkerbund eingebaut werden. Leider kreuzte sich die Zu- sage der Locarnomächte an Deutschland mit Zusagen wahrscheinlich nicht verfassungsmäßiger Organe an andere Staaten. Ueber di« Schwierigketten, die sich Spanien wegen seiner Wünsche entgegen- stellten, war dieses Land so tief gekränkt, daß» sich aus dem Bölkerbund zurückziehen wollte, vorher aber, so erklärte es. würde es, gemäß seinem Versprechen und dem von ihm gegebenen Wort, für den ständigen deutschen Ratssitz stimmen.(Lebhafter Beifall.) vraliliea glaubte, eine andere Stellung einnehmen zu können. Es hat damit die Verantwortung für den Verlauf der Genfer Tagung auf sich genommen. Roch dieser Stellungnahme vrasslien» war das Hauptthema das. ob durch diefen Stoß des Völkerbunde» auch die LocaruopolMk einen Sioß erleiden solle. England und Front reich brachten un» gegenüber zum Ausdruck, daß, da Deutfchlaud lein Verschulden dafür treffe, daß es jetzt dem Völkerbund noch nicht angehört, das Verhalten ihm gegen- über bezüglich der Locarno-Vereinbarungen und der Rückwirkungen so eingerichtet werden müsse, als wenn Deutschland de facto i m Völkerbund wäre. Wir standen dann vor der eigenartigen Situation, daß das einzige Ergebnis der Völkerbunds- sstzung das war, daß fast einstimmig das Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht wurde, daß Deutschland noch nicht in den Völkerbund ausgenommen sei. B r I a n d stellte den Antrag, Deutschland bei nächster Gelegenheit in den Völkerbund aufzunehmen und dieser Antrag fand einmütige Zustimmung. Gegenüber der idealen Aufsassung vom Völler- bund haben wir aber erlebt, daß innerkalb des Völker- b u n d e s auch starke«igen« Interessen sich gegenüber den allgemeinen Interessen gellend machen.(Aha!-Ruje rechts.) Wenn aber der Völkerbund ein Ziel hat, dann muß es das Ziel der Universalität sein. Wenn er diesem Ziele so stark näher- kommen konnte, wie dies durch die Aufnahme Deutschlands geschieht, so mußte er die moralische Autorität besitzen, diesem Ziele alles andere unterzuordnen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Schweden und die Schweiz haben das anerkannt.(Beisoll.) von allen, die von Schuld sprachen, hat ulawaud die Schuld bel Deutschland gesucht. Gerade diejenigen, die eine starke Stellung Deutschlands im Völker- Kunde wünschen, können doch nun dieses Scheitern nicht als eine Niederlage Deutschlands und der deutschen Delegation hinstellen. Eine Politik ist doch nicht deshalb falsch, weit sich ihrer Durchführung Schwierigkeiten entgegen- stellen. Von diesem Gesichtspunkt aus müssen wir diesen Kampf fort- setzen, und wir können nicht den Völkerbund, der sich fast einmütig für die Ausnahme Deutschland» aussprach, verantwortlich machen für da» Veto einer elnzigeu Macht.(Sehr wahr!) Der Außenminister hebt dann hervor, daß unter Ausgabe der sonst für die Aufnahme eines Staates in den Völkerbund vorgeschriebenen Bestimmungen die erste Kommission beschlossen hatte, von jeder Befragung Deutschlands abzusehen und lediglich ein- stimmig zu erklären, daß Deutschland seine internationalen Verpflich- Mann doch irgendwie aus unterirdischen Quellen mtt der reinen, nicht realistisch faßbaren Poesie genährt wird. TonivanEyck spielt das enttäuschte Mädchen. M a r i a n n« Oswald das beglückte, Veit Harlan den Vagabunden. Harlan und Fräulein van Eyck sind Schauspieler des Instinktes, sie sind ohne Krampf, mag es um Schmerz oder Pfstgkeit gehen. Fräulein Oswald wird dagegen von ihrem Verstand überlostet. Fräulein van Eyck ist die unsinnigliche Sinnlichkeit, Fräulein Oswald Ist die sinnliche Unsinigkeit. d. h.: jedes ursprüngliche Gefühl wird bei ihr erst durch die Tüftelei denaturiert. Der Regisseur meinte es gut. allzu gut. er legte Bleikugeln der psychologischen Bedeutsamkeit aus Dinge und Menschen, die, Gott sei Dank, Klaus Mann ganz schlicht, wenn auch oft ganz täppisch ausgedacht hatte. MaxHochdorf. Ein Theater ohne Schauspieler. Die neueste Kunstsensation Englands ist das Theater ohne Schauspieler. Die Idee an sich, die Vorgänge auf der Bühne im Zeitaller der Hochentwickellen Technik ohne Zuhilfenahme von Schauspielern verständlich und sichtbar zu machen, ist nicht-neu. Gordon Craig hat bereits vor Jahren erklärt, daß er niemals die dramatische Kunst aus der Bühne zur Vollendung bringen könnte, wenn er sich mit dem Msnschenwirrwarr von Schau- lpiclern auf der Bühne ständig beschäftigen müßte, da der Schau- spielet sehr viel unbekannte Eigenschaften hat und die wenigsten Garantien für einen Erfolg bietet.(?) Es muß nach den Worten dieses Regisseurs möglich fem,«in dramatisches Kunstwerk heute auch ohne jeden Schauspieler zur Geltung zu bringen. Auch Maeterlinck hat einmal erklärt, daß seine Stücke hauptsächlich für Marionetten- theater geschrieben seien. Endlich wissen wir auch, daß die alten deutschen Schauspiele, wie z. B. der Ursaust, zuerst in Marionetten- theatern zur Ausführung gelangten. Das Londoner Theater ohne Schauspieler hat als Versuchsbühne dos Unternehmen gewagt, einen Vühnenraum zu zeigen, der nur von Lichtern bevöllert wird, von Farben und von Gegenständen. Durch die wechselnden Lichter und Farben soll diejenige Stimmung zum Ausdruck gebracht werden, d'e im Drama von dem Dichter gewünscht wird. Es kommt dazu, daß die Musik als Nothelfer zur Erzeugung der Stimmung heran- gezogen wird. Ja. es werden sogar Dialoge auf dieser Bühne ohne Schauspieler gesprochen, allerdings nicht von Menschen, die sich in diese Farbenlichtmusik nicht einfügen würden, sondern durch ein Megaphon. Man hat versucht, die großen englischen Dichter wie Shakespeare usw durch diese Bühne ohne Schauspieler darzustellen. Der Eindruck soll, wie die geladenen Theaterfachleute erklären, ausgezeichnet sein.(?) Der bekannte amerikanische Dramatiker Eugen O'Reill, der auch in Deutschland viel gespiell wird, hat in seinem letzten Stück versucht,«inen Kompromiß zu schaffen. Er gibt den Charakter des Darftellers durch Masken wieder, wodurch er den Menschen in gewissem Sinne ersetzt. Unter Steinzeitmenschen. Ein überaus packendes Buch, das achtjährige Erlebnisse unter den Eingeborenen von Krp York im äußersten Norden Australiens schildert, hat der Engländer Jack McLaren soeben oeröffentticht. Er hat als der einzige Weiße unter diesen primitiven Völkern gelebt, die noch ganz auf der Stuf« der Steinzeit stehen..Als Mitglieder wohl der ältesten noch lebenden tungen erfüllt Hab«.(Lebhaftes Hört, hört!) Um diese Auerkennuua haben wir jahrelang gekämpft. Man muß hervorheben, daß der Ausdruck„Eiegerstaaten" setzt viel weniger gebraucht wird als je. Die Völker haben erkannt, daß aus dem Weltkrieg niemand glücklich hervorgegangen ist, und daß es gilt, die gemeinsamen Interessen gemeinsam zu wahren. Mtt dieser Auffassung ist logisch eine andauernde weitere Besetzung�der zweiten und dritten Zone nicht zu vereinbaren.(Lebhaftes Sehr richtig!) Hier liegt das große Ziel, das wir zu verfolgen haben. Auch da ist«ine Aenderung des Denkens aus der anderen Seile vor sich gegangen. Briand hat aus Anfrag« in der Kammer erklärt» daß ich recht hatte, wenn ich den Versa iller Vertrag dahin auslege, daß, wenn Deutschland seine internationalen Derpslichlungen erfüllt hat, eine BerkürzungderBesatzungsfristen ein- treten muß. Es ist noch nicht lange her, daß wir ganz andere Worte aus der französischen Kammer gehört haben.(Abg. v. Gräfe [völkisch):„Das sind ja nur Worte!") wenn es nur Worte wären. dann wäre Köln noch heute beseht und nicht geräuml.(Beiioll tints. Abg. v. Gräfe: Darauf hatten wir längst ein Recht!) Sie beziehen sich sonst, Herr v. Gräfe, immer auf die Macht, nur wenn es Ihnen in den Kram paßt, auf das Recht.(Sehr gut! links.) Abg. v. Gräfe tust:„Sie machen Taschenspielerkunststückchen!" Dr. Stresemann schlägt erregt mit der Faust auf den Tisch und ruft gegen den Abg. v. Gräfe:„Ich weise diese Unverschämtheit zurück!" Von der Linken kommen drohende Rufe gegen den Abg. v. Gräfe. Präsident Löbe ruft den Abg. v. Gräfe z u r O r d- n u n g und erklärt, auch die Antwort des Ministers habe nicht der parlamentarischen Ordnung entsprochen. Minister Dr. Stresemann fährt fort: Auch der Kölner Ober- bürgermeister Dr. Adenauer hat gestern aus der Kölner Besreiungs- seiet anerkannt, daß diese Befreiungsfeier nur möglich geworden lst durch die Polttik von Locarno. Seit 1919 ist die deutsche Außen- Politik nur darauf gerichtet, die Bedrückungen Deutschlands zu vor- mindern, von unerträglichen zu erträglicheren Verhältnissen zu kom- men. Zn dieser Beziehung hat uns Locarno und hat uns auch Gens einen großen Forlschritt gebracht. Eine andere deutsche Außenpolitik ist bei der Lage Dem,chlands nach dem verlorenen Krieg« gar nicht möglich. In sachlicher Würdi- gung des Geschehenen werden wir fortfahren, an einer Vermin- derung der deutschen Bedrückung zu arbeiten. Die Regierung hofft, daß sie bei dieser Politik die große Mehrheit des deutschen Volke» hinter sich haben wird.(Lebhafter Beifall, Händeklatschen in der Mitte. Zischen rechts.— Reichskanzler Dr. Luther erhebt sich und beglückwünscht Dr. Stresemann.) Abg. Graf Westarp(Dnat.): Der Verzicht Dr. Breitscheids aus seine jetzt zu haltende Rede läßt den Schluß zu, daß er entweder meint, diese Rede Stresemanns verdien« überhaupt keine Antwort, oder aber, sie sei doch ganz im sozialdemokratischen Fahrwasser. (Sehr gut! rechts.— Dr. Breitscheid: Jedenfalls habe ich Ihnen einen guten Anfang ermöglicht! Lebhafte Heiterkeit.) Der Redner entwickelt daraus die sattsam bekannte Gegnerschaft seiner Partei gegen den Völkerbund, der heute noch so wie bei seiner Gründung ein Instrument zur feindseligen Niederhallung des Deutschen Reiches sei und sich in diesem Sinne auch stets bewährt habe. Genf war ein vollkommener Zusammenbruch des Völker- bundes und das Verhalten der deutschen Abordnung hat das An- sehen des Reiches schwer geschädigt. Wir lehnen jede Mit- Verantwortung ab, auch für di« Berpflichtun- gen aus dem Genfer Kommunique. wirtsthastsenquete. Im Reichstage sst der Gesetzentwurf über einen Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugung»- und Absatzbedin- dingungen der deutschen Wirtschaft(Wirtschafts« n» q u e t«) eingegangen. Der Ausschuß, der innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten de» Gesetzes von der Reichs reg' erung berufe» werden soll, besteht nach der Regierungsvorlage aus 24 bis 30 Mitgliedern, von denen 8 aus Vorschlag des Reichstags, 8 auf Vorschlag des Reichswirtschoftsrats und 8 nach freiem Ermessen der Reichsregierung berufen werden. Der Ausfluß kann sich durch Zuwahlen von S wetteren Mitgliedern ergänzen. Der R e i ch s r a t hat dies« Bestimmungen dahin geändert, daß auf Vorschlag von Reichstag, Reichswirtschastsrat und nach freiem Ermessen der Reichsregierung nur jekMitglieder berufen werden und wettere 6 Mitglieder auf Vorschlag des R e i ch s r a t s. Menschenrasse," schreibt er,»sind sie um 10000 Jahre. hinter der Gegenwart zurück. Sie haben noch nicht einmal die Kulturstufe er- reicht, in der man über ethische und moralische Dinge nachdenkt. Während die übrige Well zum Stahlzeltalter vordrang, blieben sie lm.Steinzeitalter." Diese Wilden besitzen ober eine erstaunliche Kenntnis des Tier- und Pflanzenlebens. Ein Eingeborener, der ihn in die Sitten des Stammes einweihte, zeigte McLaren viele Dinge. »Er wies mir einen.Flintenfisch", den ich so aenannt habe, weil diese merkwürdigen Tiere mit Wassertropsen aus Insekten schießen, die nahe über dem Wasserspiegel fliegen. Er zeigte mir unter den Wurzeln der Mangrowebäume seltsame schleimige Fische, die sich an das Holz ansaugen und an ihm emportlettern. Er erzählte mir auch von einem Fiscy, der den Wind benutzt, um vorwärt» zu kommen. So primttiv dieses Volk auch ist, so hat es doch«in ausgebildeies System von Rauchsignalen. Der Rauch brachte einmal Nachrichten, die mtt ein Eingeborener mtt den Worten erklärte:»Viele Leute kämpfen. Die Völker, die den Rauch machen, hören von anderen Völkern, die zu einem Schiff gehören, das bei ihnen angelegt hat, daß viele Menschen kämpfen." Diese Botschaft war die erste Kunde, die ich von dem Beginn des Wcllirieges erhielt." wenn der Muselmann faflekl Die heiligste Zeit de» mohamme- danischen Glaubens, die Fastenzeit des Ramadan, ist jetzt wieder angebrochen, und 200 Millionen der Anhänger des Propheten geben sich den settsamen und strengen Bräuchen hin. die ihre Religion von ihnen fordert. Jeder Verehrer Allahe muß sich dieser Kasteiung unterwerfen, die dreißig Tage dauert, denn diese Pflicht ist im Koran als die.Pforte des Glaubens" bezeichnet. Da die zwölf Monate de» mohammedanischen Kalenders nicht festgelsat sind und der Ramadan jedes Jahr auf den neunten Monat des Mondjahrcs fällt, in dem der Koran vom Himmel herabgebracht worden sein soll, so wechselt der Termin beständig, an dem es begangen wird. Der Koran befiehlt, daß während dieser Zeit keine Nahrung irgend- welcher Art vor Eintritt der Dunkelheit genossen werden darf. Das Fasten ist null und nichtig, wenn während dieser Zeit Parfüm ge- rochen wird. In den vorgeschriebenen Stunden darf nicht der ge- ringste leibliche Genuß sich oergönnt werden. Die Gläubigen dürfen auch nicht baden, ja der gute Muselmann achtet sogar sorgfäilig darauf, daß er nicht seinen eigenen Speichel verschluckt, und er öffnet selbst nicht einmal den Mund beim Sprechen aus Furcht. inehr Luft einzuatmen, als unumgänglich notwendig ist. Während der Stunden der völligen Dunkelheit darf man essen, aber man muß die größte Sorgfall darauf verwenden, daß kein Teilchen von Speile im Munde zurückbleibt. Der Mohammedaner dars in dieser �eit keine Frau berühren, und ein Kuß gill als schwere Sünde. Die reichen Leute können'diese strengen Verordnungen eher umgehen, denn da bei der Abwesenheit jedes Lichtes das Fasten aufgehoben ist. so brauchen sie nur während des Tage« eine künst. liche Nacht zu erzeugen. Die arbeitenden Schichten und die ärmerea Volksllassm leiden aber schwer unter diesen Geboten. l>le v»tk»bübae.bringt o!S nächste Nrausfuhrnng die Komödie non Marcct Achard»Alalborough zieht in den Krieg' amüS Starz, Siihaenchroalk. fZreila?. nachmittag« 3 Uhr. findet Im?!-u'N Theater an Zoo«Ine Cchaii'piiler-Vorstcllung von»Stöpsel' statt. Karlen Keithstr. 11. Zimmer 10, Rückzug öes Reichsfinanzminijkers. DaS Steuermilderuttgsprogramm der Regierung preisgegebeu.— Kapitulation der Regierung vor der Stenerdemagogie der Regierungsparteien. Las Programm der Rcichsregienmg. dt» Erleichterung der Wirtschaftslage durch eine scharfe Senkung der Umsatzsteuer herbei- zuführen, hat von Ansang an in den Regierungsparteien große Wider st ände ausgelöst. Durch den Beschluß des Winzerausschusse« ausAushebungderWeinsteuer und durch den Antrag der Bayerischen Dolkspartei auf Beseitigung der im Vorjahre beschlossenen Erhöhung der B i e r st« u« r waren diese Schwierigkeiten noch vergrößert worden. Am Sonnabend und Sonntag haben deshalb unter der Führung des Reichskanzlers Dr. Luther Verhandlungen mit den Regierungspar- teien stattgefunden. Ueber ihr Ergebnis berichtete der Reichs- finanzminister Dr. Reinhold in der Sitzung des Steuerausschusses am Montagvormittag. Dr. Reinhold teilte mit, die Regierung habe ihr» Steuervorlage ln der Welse geöndert, daß die Umsatzsteuer nicht aus 0.S. sondern nur ans 0.7*4 Pro). ermäßigt werde. Die W e i n st e u« r, ebenso wie die Sektsteuer, solle vollständig aufgehoben werden und die Erhöhung der B i e r st e u e r bis zum 1. Januar 1S27 verschoben werden. Daneben bleibt die Beseitigung der Luxussteiier und die Ermäßigung der Fu. sionssteuer aufrechterhalten. Außerdein soll bei der V e r- mögen« st euer eine Heraufsetzung der Freigrenzen stattfinden und ein« Ermäßigung des Steuersatzes bei kleinen Vermögen vorgenom- wen werden. Zu diesen Dorschlägen seien die Regierungsparteien gekommen angesichts der Beschlüsse auf Aufhebung der Weinsteuer und angesichts der Tatsache, daß die starke Belastung zahlreicher Gemeinden durch ausgesteuerte Erwerbslose erneut eine Hilfe des Reichs beanspruchen. Der großen Ueberraschung, die sich der nichtunterrichteten Oppo. sitionsparteien wegen dieser völligen Preisgabe des Regierungspro. gramms bemächtigte, gab Genosse Dr. hilserding beredten Ausdruck. Er erklärte: Mau stünde vor der Tatsache, daß da, ursprüngliche Program» der Reichsregieruag in einer einzigen Sitzung vollständig demoliert worden sei. Obwohl die Regierungsparteien nur eine Minderheit sind, haben sie ohne Fühlungnahme mit den Oppositionsparteien das Programm der Regierung entscheidend verändert. Und das, obwohl nicht nur der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold, sondern auch der Reichs- kanzler Dr. L u t h e r mehrfach erklärt haben, daß der Grundgedanke des Regierungsprogramnis, durch eine starke Senkung der Umsatz- steuer die Preise zu senken und dadurch das Wirtschaftsleben anzu- regen, nicht abgeschwächt werden dürfe. Die Sozialdemokratie habe nicht das Dedürfnis, sich eine solch« Behandlung gefallen zu lasten. Dem neuen Programm fehle jeder sachliche Gesichtspunkt Es ist nur zugeschnitten auf die agitatorischen Bedürfnisse ein- zelnerParteienundeinzelnerWahlkretse. Eine Er. leichterung der Wirtschaftslage könne von diesem Programm daher nicht erwartet werden. Die vorgeschlageneu Ermäßigungen sind weder für die Wirtschaft, noch für die Mäste der lohnarbeltenden Bevölkerung irgendwie bedeutsam. Die Aushebung der Weinsteuer ist ein Danaergeschenk für die Winzer und wird ihre Lage In keiner Weise bessern, die Konkurrenz der Auslandeweine aber noch ver- stärken. Wie man die Biersteuer in diesem Augenblick ermäßigen könne, obwohl die Brauindustrie die allergrößten Gewinne mache, die geistig« Kultur Deutschlands aber völlig danieder liege, fei un- begreiflich. Angesichts dieser vollständig neuen Situation verlange die Sozialdemokratie den sosorlgen Abbruch der Beratungen. Pcrtagnng der Beratungen! In einer längeren Geschästsordnungsdebatte mußten die Reglerungsparteien die Berechtigung des Verlangens nach Vertagung zugestehen. Sie wurde beschlossen, nachdem«in deutsch- nationaler Antrag abgelehnt worden war, der die Aerhand- lungen bis n a ch d r m 1. A p r i l vertagen wollte. Wie unter diesen Umständen das Gesetz über Steuermildcrungcn noch in dieser Tagung des Reichstags erledigt werden kann, ist schleierhaft. Die Verantwortung dafür aber tragen die Regierungsparteien uud mit ihnen ihre willfährige Regiernng. die alle sachlichen Gründe aus- gegeben hat. �tuch einen tzauch... Wem» das Reichsbanner aufmarschiert. Die Mitwirkung des Reichsbanners bei der offi» ziellen Befreiungsfeier in Köln, vor allem sein Massen» a u f m a r s ch und das zahlreiche Aufgebot der Fahnen in den Reichsfarben hat den nationalistischen Wünschen dre Petersilie verhageln lassen. Deshalb läßt Hilgenberg feinen Sonderberichterstatter einige Tränen zerdrücken und dann resigniert hinzufügen: Hier wollen wir nicht davon reden, daß es zunächst so aussieht, als ob da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold die erste Geige hier spiele, nicht fragen, warum Herr Hörsing es für nötig hielt, gerade heute feine Mannen zu einer Tagung nach Köln zu berufen. Wir wollen uns freuen, daß auch diese Jüng- linge und Männer wohl auch einen Hauch wirklich beut- schen Geistes verspüren, das Bewußtsein haben dürften, einem wahrhaft deutschen Gedanken zu dienen. Es wäre schade, wenn diese Perle hugenberg-nationalisti- schen Trübsinns nur den Spießern des„Lokal-Anzeigers" zu Gesicht käme. Daß die Massen der Republikaner „auch einen Hauch" von deutschem Geist verspüren dürfen, ist so schon, daß man darüber fast übersehen könnte, daß der „Lokal-Anzeiger" von dem Hauch der Republik, wie er sich in dem Volksbegehren äußerte, derartig zusam- mengeschreckt ist. daß er bis heute unterlassen hat. die a mt- liche Berichtigung seiner falschen Zahlen wiederzugeben und die aus diesen falschen Ziffern gezogenen Schlußfolgerungen zu widerrufen. Neuer ßrankenfturz. Rekordhöhe des Pfundes: 139. Park«. 22. März.(Eigener Drahtbericht.) Der neue starke Sturz des jranzosifchen Franken, bei dem das Pfund am Sonn- abend die Rekordhöhe von 133 erreicht hat, hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß die Regierung die durch die Morgan- Anleihe gebildete Jnterventionsmaste zu mobllisicrcn gedenke und daß der Verwaltungsrat der Bant von Frankreich sich bereits mit dieser Frage befaßt habe. Das in der Regel in diesen Fragen gut unterrichtete„Petit Journal" glaubt zu wissen, daß die Sitzung des Dcrwallungsrats viel mehr der Lage des Schatzamtes gegolten hat und daß der Derwaltungsrat weniger optimistisch sei, als der neue Finanzmlnlster. Die Bewilligung eines neuen Zahlungsausschubs bis zum 3t). April für die am 4. Dezember beschlossenen und ursprünglich am 31. Januar fälligen Zuschlägt auf die direkten Steuern habe das Schatzamt in eine äußerst peinliche Lage versetzt, da die auegebliebenen Eingänge das monatliche Defizit seit Januar auf 4!)t> Millionen Franken haben ansteigen lasten. Wie das Blatt hinzufügt, fei es sehr fraglich, ob die Verabschiedung der neuen Steuern durch das Parlament rechtzeitig genug kommen werde, um eine abermalige Erhöhung des Notenkoniingents und der Vor- schüsse der Bank von Frankreich an den Staat vermeiden zu können. Houghtons Anklagen aegen Frankreich. Ei» Bericht au Coolidge. Große Aufregung herrscht in Paris über die Deröffenllichung von Auszügen durch die„New Park Times" aus einem Bericht, den der amerikanisch« Botschafter in London H o u g h t o n(früher in Berlin) bei seiner Ankunft in Washington dem Präsidenten Coolidge überreicht hat. In diesem Bericht wird im Zusainmen- hang mit dem Scheitern der Genfer Verhandlungen eine völlige Zurückziehung der Bereinigten Staaten von Europa empfohlen. Frankreich wird al» der Hauptschuldige an diesem Mißerfolg bezeichnet und als«in milstariftisches Land geschildert, das mit Hilfe der Kleinen Entente ein« neue heilige Allianz" gegen Deutschland erstrebe. Die französische Brests polemisiert heftig gegen diesen Bericht und fordert eine amtliche Erklärung darüber, ob er authentisch sei nnb— o« seine Veröffentlichung verschuldet habe. Ein klares Dementi ist bisher nicht erfolgt. Winter im Zrühling. Ein wenig frostig hat der junge Frühling am gestrigen Sonn- tag seine Visitenkarte abgegeben. Er scheint von der Zeiten Nöte ein wenig ntilgenommen zu sein. Denn wenn auch in den Tages- stunden die Sonne prächtig schien, in der Nacht und am Wend setzte der Neugeborene sein griesgrämigste» Gesicht auf. Immerhin hat er« bei uns noch gnädig getan. Aus Frankreich wird Frühlings- anfang bei zwar nur zwei Grad Kälte, jedoch unter demonstrativer Begleitung starker Schneefälle gemeldet. Dielleicht ist es eine fym- bolische Tragik, daß am Tage des Beginns der Blütensaison in Paris ein Mann erfroren aufgesunden wurde. Auch bei uns sah das Barometer nicht allzu frühlingsmößig aus. In der Nacht zum Sonntag registierten wir zähneklappernd 4 Grad Kalle, und am sonnigen Vormittag stand die Temperatur in seltsamem Gegensatz zum heiteren Wetter noch immer auf— 2 Grad. Es hätte auch eigent- lich kaum zu unserer augenblicklichen Situation gepaßt, wenn wir mit 8 Grad Wärme in den neuen Kalenderabschnill hineingezogen wären. Die Natur besitzt Stilgefühl und scheint es wenig harmonisch zu finden, unsere tolle Atmosphäre mit einer behaglichen Illusion anzuwärmen. Trotz alledem: Ei» wenig Wärme tut dringend not. Damit das riesige Notheer der Arbeitslosigkeit die wenigen Groschen der Unterstützung nicht für ein bißchen Zimmerwärme, sondern für den quälenden Hunger ausgeben kann. Damit die Straßenbahn ihren Aprilscherz, die Wagen bei 1t) Grad Wärm« im Schallen ein- zuHeizen, in die Tat umsetzen kann. Im übrigen hängt schon wieder der Himmel voller Wolken. Auch eine Arühlingsstimmung. Unbekümmert um unsere kleinen Alltagsnöte geht das schöne. große Leben seinen Weg: Der Winter wird hoffentlich bald dem zarten Frühling weichen, in ein paar Wochen dürfen wir uns am ersten jungen Grün erfreuen, die Sonne lächell milde auf unsere blassen Wullerwangen, wir schlüpfen rasch aus unseren dunklen, ernsten Mummelsalten in leichte, helle Gewänder. Und mit den lieb- lichen Sonnenstrahlen und der milden Wärme und dem knospenden Grün regt sich auch in uns ein ganz, ganz leises Hoffen. Wir sind nicht' unbescheiden: Mit ein wenig Sonne und Frohsinn im Herzen reichen wir lange! Oh, wir können sparen... Ter„kleine Kntisker-Prozeß". Gewistermaßen als Auftakt zu dem gleich nach Ostern beginnen- den großen Kutisker-Prozeß kam heute früh vor dem Amtsgericht Mille ein kleiner Kutisker-Prozeß zur Verhandlung, der einen kurzen, aber recht heiteren Verlauf nahm. Iwan Kutlsker ist in diesem Prozeß Kläger. Er fühll sich beleidigt und hat deshalb Prioatklage erheben. Der Gegenstand seine» Mißbehagens sind Reklameged.chte der kukirolsabrik, die al»„unblutige Bilder" aus der Zeitgeschichte in Form von Inseraten erschienen waren. Darin wird Kutisker unter Wiedergabe eines keinem Porträts ähnlichen Bildes als Blutsauger hingestellt, der von dem deutschen Michel Fuß- tritt« oerdiene. Kutisker selbst war nicht erschienen, sondern durch seine Rechtsanwälte vertreten, die die Bestrafung des beklagten Fabrikanten Kurt K r i s p verlangten. Der Bertreter des Beklagten hatte als Sachverständigen den Vorsitzenden des parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Preußischen Landlag Abg. Pros. Dr. Leidig geladen. Dieser war auch erschienen, fragte aber erstaunt. was er hier solle. Unter großer Heiterkeit legte er dar. daß er der Schwerindustrie angehöre und Hühneraugenmittel seines Wissens keine schwerindustricllen Fabrikate seien. Auch mache die Schwerindu- strie eine derartige Reklame nicht. Der Bertreter des Beklagten be- antrogte die Aussetzung des Verfahrens bis nach Beendigung des Straf'verfabrens gegen Iwan Kutisker und dessen Söhne, da der Ausgang dieses Prozsstes von Wichtigkell für die Bemessung der Strafe sei. Die Perhandlung wurde auf unbestimmte Zell vertagt. Ein schwerer Slrahenbahnzusammenstoß ereignete sich heute vormittag kurz nach ist Uhr vor dem Hause Frankfurter Allee 4!Z, an der Ecke Niederbarnimcr Straße. Ein Trieb- w a g e n der Linie 6S fuhr auf einen Kohlenlostkraftwagen auf. Der Straßenbohnführer konnte seinen Wagen nicht rechtzeitig zum Halten bringen. Der Anprall war so stark, daß die D o r o e r- front des Straßenbahnwagens eingedrückt wurde und sämtliche Scheiben in Trümmer gingen. Mehrere Personen wurden teils schwerer, teils leichter verletzt. Der Fahrer Ernst Fuhrmann aus der Wilhelm-Stolze-Straße trug«ine schwer« Knieverletzung davon. Die Schneiderin Lilly R a b u s ch. Boxhagener Straße, brach sich den linken Unter. schenket und zog sich Verletzungen an der Hand zu. Beide wurden s nach dem Krankenhaus am Friedrichshain transporfiert. Drei I weitere Verletzte, die Kopf- und Handverletzungen davontrugen. konnten nach Behandlung auf der nächsten Rettungsstelle in ihr.' Wohnung entlassen werden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Den Opfern der Reaktion. Eine GcdenksteinenthLllung in Schöneberg. Die Schöneberger Parteiorganisation hatte gestern einen Ehren- tag. Auf dem Gemeindcfriedhos„Blanke Holle" in der Eydt» straße wurde der Denkstein an die Toten des Kapp- Putsche? eingeweiht. Opfer jener reaktionären Mörderosfizicre, die in den letzte» Tagen des verbrecherischen Kapp-Attentats auf die BoUsfreiheit durch ihre Soldateska vom Rathaus auf die Menge schießen ließen,«chon gegen 1 Uhr versammelten sich Partei und Reichsbanner in den einzelnen Bezirken, um nach dem Friedhof zu ziehen. Die Züge Milte, Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Lichter- selbe, Lankwitz, Zehlendorf, Wilmersdorf und Charlotrenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold trafen sich am Ringbahnhos Wilmcrsdors-Friedenau und marschierten weit über 3000 Mann stark mit zahllosen Fahnen und süns Musikkapellen, von riesigen Menschenmengen begleitet, durch die Straßen Friedenaus. Di« Abteilungen 77, 78. 70, 80 und 81 der Soziaidemokratie schlössen sich chnen unterwegs an. Nachdem der Schöneberger Männerchor „Freundschaft" einige Lieder zu Gehör gebracht Halle, sprach Be» zirksverordneter Genosse W i l l b e r g für die Partei. Er wie» darauf hin, daß die Opfer der Kapp-Tage als Märtyrer für die. heilige Sache geiallen sind. Unzählige Tote hat das Proletariat in seinein Kampfe um Freiheit und Menschenwürde auf dem Wege liegen lassen müssen. Aber jeder dieser Gefallenen ward uns zum Ansporn, die Kräfte zu vervielfachen. Die Republik steht und alle Intrigen und Rlachinationen putschlüsterner Reaktionäre können ihren Bestand nicht erschüttern. Franz v. Puttkamer, der im Austrage des Reichsbanners sprach, wies in seiner Ansprach« auch auf den Totschlag an dem Genossen Ulrich in Oberschöneweide hin, um darzutun, mit welch scheußlichen Mitteln der Monarchismus seinen Kampf gegen die Volksmasscn führe. Das Reichsbanner steht geschloffen bereit, jeden Anschlag der Putschisten nachdrücklichst ab- zuwehren. Den Toten des Volkes gill unser Gruß. Genosse Stadt» rat W e n d t übernahm den Gedenkstein im Auftrage des 11. Kreises. Nochmals erklangen die Stimmen der Sänger und in riesigen Zügen marschierten die Massen in ihre Bezirke zurück. Der Stein selbst ist ein schlichter Findling, etwa anderhalb Meter hoch, und trägt folgende Inschrift:«Den Opfern des Kapp-Putsches Georg H e i d r i ch, Waller B> e l e r und Paul B i e n e ck. Gewidn�t von der SPD. Schöneberg-Friedenau." Ein prachtvoller Kranz der Bezirksorganisation 1l. Kreis mit großer roter Schleife schmückt den Stein. Noch bis in die späten Abendstunden hinein pilgerten zahl- lose Schöneberger an diese Stelle des Gedenkens und der ewigen Mahnung, vor den Feinden des Bolkes auf der Wacht zu sein. * Werbeardeik des Reichsbanners. In Neukölln hat gestern das Reichsbanner einen Werbe- umzug veranstaltet. Das herrliche Wetter und die von mehreren Tambourkorps abwechselnde Musik lockte viele aus den Wohnungen und bald war an beiden Seiten des Zuges ein« unübersehbare Schar, dt« dann getreulich den ganzen Umzug mitmachte. Aus langem Transparent wurde weithin leuchtend aufgefordert, in die Reihen de» Reichsbanners einzutreten. Fenster und Balkone wurden aus- gerisien und all die freudigen Zurufe bewiesen deutlich, wie viel« Herzen sich diese jung« republikanische Schutztruppe bereits erobert hat. Im Anschluß daran sprach Kamerad Erwin Barth. Der ungeheure Strom, der an beiden Seiten des Zuges mitmarschiert war. wurde in einem Gartenlokal versammelt. Nach einer kurzen Würdigung der Arbeit des Reichsbanner» schloß der Redner mit dem Appell, in die Reihen des Reichsbanners einzutreten.,„£e: Ter Mord in OberschSneweide. Zu dem Mord an unseren Genossen Ulrich wird gemeldet, daß sich der Täter, der Portier Bode in„Polizeischutzhast" befindet. Er stellt sich trank, hat jedoch höchstwahrscheinlich gar keine Berletzun» gen erlitten. Das Gerücht, daß Gen. Ulrich von vier Männern an- gefallen wurde, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Genosse Ulrich war seit vielen Iahren Abteilungsvertrauensmann im Kabelwerk. Er war bei seinen Kollegen und Genossen beliebt und geschätzt. Ein Schulkamerad von ihm, der Ulrich von Kindesbeinen an kannte, schildert ihn uns als überaus besonnenen und ruhigen Menschen. LZ Jahre war Ulrich Parteimitglied. Ebenso lange war er gewerkschaftlich organisiert. Ulrich hinterläßt eine Frau und zwei erwachsene Kinder im Alter von 23 und 26 Jahren. Anläßlich seiner Beerdigung, deren Zeitpunkt infolge der Leichenbcschlag- nähme noch nicht feststeht, plant die Oberschöneweider Arbeiterschaft eine große Demonstration._ Konzert des Schwarzmsier-Kinderchores. Alljährlich veran» staltet gegen Schluß des Winters der bekannte Schwarzmeiericbe Kinderchor in Berlin ein paar Konzerte, um mit dem Reinaewinn einen Beitrag zu der Fürsorge für Kinder und für Alte spenden zu können. Sein erstes diesjähriges Konzert gab er am Sonntag, 21. März, in der Hochschule für Musik(Hardenberg- straße)— und der künstlerische Erfolg blieb ihm auch diesmal nicht versagt. Eine andere Frage ist freilich, ob der Geldertrag so war. daß für die hilfsbedürftigen Kinder und Alten viel abfallen wird. Daß der Saal noch besser besetzt gewesen wäre, hätten wir nicht nur wegen des„wohltätigen Zweckes" gewünscht, sondern auch dem Chor selber gegönnt. Geführt von Bernhard Klauk, der nach Schwarzmeiers Tod die Leitung übernommen hat, sang die Schar der fünfhundert Mädel und Jungen sich wieder in die iferzen der Zuhörer hinein. D.is Konzert wurde bereichert durch Klavieroorträge von Julius Dahlke, der in Touwerken von Mozart. Schubert und anderen sich als Meister bewährte. Das zweite Konzert findet am 2 8. März(Sonntag), vormittags 11)L Uhr. in der Hochschule für Musik statt. Wir wünschen den Konzertgebeni ein volles Kzaus. Der Reinertrag ist wieder für Iugcndpslege und Altershilfe bestimmt. Seine direkte Slraßenverbinduug Wilmersdorf» tzansaviertek. Zu der von anderer Seite vei breiteten Meldung über die»nmntelbar bevorstebenbe Jnpngriffnabme des Baue» einer neuen grab» linigen Schnellstraße, die eine direkte Verbindung zwischen Wilmersdorf, dem Haniaviertel, Alt-Moabit und dem Berliner Norden darstellen ioll, läßt der Magistrat miiteilcn. daß diese Durchlegung gemäß eines am 3. März gefaßte» BeichlusicS zurzeit nicht in Angriff genommen werden kann. Eine hölderlln.Fcierstunde veranstaltete der Rundfunk zum 156. Geburtstage des Dichters. Hermann Kasack gab mit einer feinsinnigen biographischen Skizze gleichzeitig eine Einführung in das Werk dieses eigenartigen Künstlers, der die stärkste Erscheinung der nachklasstschen Zeit ist. Die äußere Form seiner Dichtungen geht noch völlig auf klassische Vorbilder zurück, und das Gefühl für das Melos der Sprache ist bei ihm ausgeprägt wie kaum je sonst bei einem germanischen Dichter. Aber außer in seinen ganz frühen Werken suchte Hölderlin seine Stoffe nicht in der Antike, sondern in seinem eigenen Daseinskreise. Kasack wie« darauf hin, daß auch der„Hyperion" noch den Jugendwerken zuzuzähle» sei, und erst die späteren Oden und Elegien das Weltbild des fertigen Menschen widerspiegeln. Theodor Laos sprach dann aus den Dichtungen und Briefen Hölderlins, mit schöner Einfühlung In die Wort- und Gedankenwelt dieses vom Publikum heut viel zu wenig gewürdigten Dichter». So ließ denn auch der Rundfunk al» Abschluß der Tlbend- darvietungen nach einer Pause von sechs Minuten den Einakter „Der Hund im Hirn" von Kurt Götz folgen, da grundsätzlich ein heiteres Wochenende vorgesehen ist. Man bestätiat gern, daß das lustig-sentimentale Dreigespräch statt geführt wurde und daß es an jedem anderen Tage gut zur Uebertrogung geeignet gewesen wäre. SflMo-Sonntog, Ain€ontuiBei<7i horte man nach iriekdringen- drr Hölderlin- Rezitation durch Theodor Laos Kurt Götz' außerordem'ich spannenden und auch hinkgeeigneten Einalter ,ch u n d im Hirn". Auch der«onntaa brachre neben lustiger Unterhaltung(Paul Morgan und Max Hansen) eine sehr interessante Veranstaltung literarischer Bedeutung: Mit Tilla Durieur wurde der 4 Akt aus den„V a c c a n t i n n e n" von Hugo Wolf- gang Ph-ilipp, dem die„Stunde der Lebenden" gewidmet war, curfgeführt. Das technische„Ereignis" des Sonntags war die Uebertragung der rheinischen Befreiungs- fe i e r o u s Kö l n. Sie gelang bis auf Adenauers Rede, die durch Zwischenschaltungen gestört war, ebenso gut wie vor wenigen Wochen, wennschon es natürlich ein zweifelhaftes Vergnügen ist. Bachfche Orgelkompositionen oder Beethovens Massenchor„Freude schöner Götterfunken" mit so vielen Nebengeräuschen und so starkem Schall hören zu müssen, wie sich dos bei Entsernungsübertragungen aus großen Sälen vorläufig noch ergibt. Böswilliger Feueralarm. Am Sonntagabend wurde die Feuer- wehr nach der�Fräbelstraße l8 und zweimal hintereinander nach der Danziger Straße 6t gerufen: ferner nach der Kopenhagener S'raße Z6, Elsholzstraße 1l, Kaiferin-Augusto-Allee 25, Askanier- r'mg 10 und anderen Stellen. In allen Fällen handelt es sich um ö s w i l l i g e A l a r m i e r u n g e n der Feuerwehr. Leider sind die Täter in fast allen Fällen unerkannt entkommen. Nur in einem Fall gelang es, den Burschen zu ermitteln und festzunehmen. Alenlch und Mode, eine Vartübrung von Kleidern für die Arbeit, die Nllbe. d'e Wanderung und die Feier. auZ der Werkstatt der Werkircude« tSmfttV von llrinla Debmel, von N. M. Maaten, veranstaltet am Montag, SS. März,(ibrnbs 7 30 llbr, im grof-cn Saal des.gentralinsiitntS für Er- Z'ebiina und Unterricht. Berlin W. 33, Potsdamer Siran? 120. die.Werk« sreudc" und die Werbestelle für dentiche Frauenkultilr Köln-Berlin unter Leitmrg von Ilse Mliller-Oestreich. Eintritt 50 Psg. Groft-Serliner parteinackrkcktea. t>7. Mit. Di« für beut». Montag, den 22. Mär?, abend« 8 Mir. bei Btelffer. Liauk- burqsir 2. angesetzte ffunttionärfitznng sindet into'ge der erweilerien Kreis- narlt ndslltzunq ain Dienstag, den 23. Mär?, abends 3 Uhr. bei Pfeiffer statt. W. Vit Britz. Dienstoa. den 23. Mar», abends Vr, Utzr, Eitzimg der Kommunaien Kounnisston in der Wohnung des Den. Schröder. Vorträge, Vereine vnö Versammlungen. Arbeitersport, nnd«n'.tnrkartell Mitte. Heute Montag. VI, Uhr. Schule Sivsstratzc 23. Sitzung niit den Arbeiterorganisationen, die dem Orieousschutz tär Iugendvitege im?e?irk Mitte angeschloffen sind-• Jeder Verein mutz 4 Exemplore der Vereinssialuten mitbringen, da diese noch vor der Sitzung des Lrtsausslbuffes dem Jugendamt eingereicht werden msiffen. Sport. )!adrellnbeg!nn in Treptow. Mafsenbeful� konntc die kleine Treptower Radrenn- bahn am gestrigen Eröffnungsfonntag noch nicht aufweisen. Kalt war der Tag. an dem der Frühling seinen Einzug bei uns halten sollte. Von den Dauerfahrern hatten F e j a(Schmidt), K r u p- f o t(Geppert).van Ruyssevcldt(Meichsner) und Stell- b r i n k(Hörtrich) gemeldet. Auch bei den Fliegern und Amo- teuren fand man bekannte Namen. Die Dauerfahrer fanden sich in Im e r st« n Lauf über IS Kilometer(es wurde fliege, rd gestartet) siegte Ä r u pF o t nach mehreren Angriffen auf den fuhrenden F e j a, der im zweiten und dritten Lauf als Sieger hervorging. Bei den Fliegern siegten W. Krüger und Stolz und bei den ZUmatSuren Ossär Rütt. E i n l e i t u n g d t a h r e n für Amateure. 20 Runden. G e I a m t c r g e b n i s: 1. R ü t t lö P.. 2. Kübl 12 P. 8. Eggert 10 P.. 4..WeIle 8 Punkte.— Preis von Adlersbot. lö km. 1. Krup ka! in 14 Min., 33,2 Sek., 2. Feja 170 m. 3. van Ruyssevcldt 330 m. 4. Stell- brink 370 m zulück.— EröfinungSrennen. 2 Vorlüusc, 1 Endlnuf. End laus, 1200 w. I.W. Krüger, 2. Schnrnd. 3. Meyer, 4. Stolz. — Preis von Grünau, 20 km 1. F e j a in!9 Min.. 40,1 Sek.. 2: Krupkat 30 m. 3.»an Ruyssevcldt 270 m. 4. Stellbrink-680 rn zurück. — 2 i-Ruiiden-Punk.tetahrcn. Gesamtergebnis: I. Stolz 16 P., 2. Errieben 12 P., 3. K. Krüger 8 P.. 4. W. Krüger 7 Punkte.— Groher E r ösfn n ngs- Preis. 30 km. 1. Feja in 30 Min., 00.1 Sek.. 2. Krupkat 30 m, 3. van Ruysseveldt 600 rn, 4. Stellbrink 1980 m zurück. Rennen zu Martendorf am Sonntag, de« 21. März. 1. Renn»». 1. Geslö! FalkenbagenS Maoowan jr. lRingiuS), 2.In. grid volle. 3. Lindenbummler. Toto: 89: 10. Platz: 17. 10, 14: 10. Ferner liefen: Die Üetztc, Eckstein. Üangmächer, Gerhard, Zarin, Karta, »phinx I. 2. R e nn e n. 1. Verein sür TraberzuchlS Tbc Kitt»(Grübet, 2. Euba, 8. Copal. Toto: 26: 10. Platz: II. II. 14: 10. Ferner liefen: Torrero, Jinportation. Prahlhans, Fenelon. Heideprinz I. 3. R e n n e n. 1. A b l e i.I u n g: 1. 1. Adamkiewicz' Allene(Th. Retzky). 2. Staycllauf. 3. Quera. Tolo: 36: 10. P'atz: 21. 19. 19: 10. Ferner Iseien: Lurgriitcr, Kcrrizan jr., Ti:dora, Blaumeist. Prinzetz Fortuna. Mnck. Adler.— 2. Abteilung: 1. M. Bauers Crasius(Bes.), 2. Corona Mc Km- nen. 3. Interessent. Toto: 16: 10. Platz: 12, 18. 22: 10. Ferner liefen: Windsow, Benedict, Költerbole, Blaue Adrla, Zeitgeist, Zlllgold, Handfest. 4. Rennen. 1. Frau E. R.ngius' Fronlet(M. Ringiu»), 2. Frida Maoowan. 3. Beiwin. Toto: 72: 10. Platz: 19, 29. 20: 10. Ferner liefen: Weinbrand, Hcroslrat, Divisionär, Friedrich Rex. Kapitain Halle, Leben». künstler. 5. R c n n e n. 1. Goldschmidts Baron Klatawah(I. MillSt, 2. Edith Worlbz. 3. Ayoorihy I. Tolo: 43: 10 Platz: 16, 19. 22: 10. Ferner lieien: Fafner I., Prinz Adb-ll, Carleta, Trotteur, Progetz, Kittyschor, Erb- mann. Fall. 6. Rennen. 1.®. Bleis' Konsul(Heckert), 2. Terrazo. 3. Barmaid. Toto: LS: 10. Platz: 20. iL. 27: 10. Ferner liefen: Abdullah Siloer, Denkmünze, tlybia, WaltS, Broschüre, Bessie, Mmz. Winnie, Importeur, Königsadler, Lockung. 7. Rennen. 1. Dr. R. Pinners O'EaPtain Halle(W. Schulze). 2. Peter it., 3 Freibeuter. Toto: 46: 10. Platz: Iß, 13, 22: 10. Ferner liescn: Filie, Wintermärchen. Edeldome S.. Florida. Puma, Kreirzritter, Srisa, Mokort, Quantität. Dr. Lew jr., Linscott jr., Terraria. 8. R e n n e n 1. G. Cohn» Pedro(Jantz jr.). 2. Ebonit. 3. Diagonale. Toto: 203: 10. Platz: 59. 43. 37: 10. Ferner lieien: ManzanareS, Lud- will I, WainSca, IcfsrieS jr., Francisco, Tafna, Cotta, Dompfaff l, Dclla. Oe werGhastsbeweg u ng Unter falscher flagge. Die SPD. mißbraucht die Rot der Arbeitslosen. Die KPD. macht außerordentliche Anstrengungen, um möglichst große Menschenmasien für ihren angeblichen„Reichserwerbs- losentag" auf die Beine zu bringen. Daß es sich dabei nicht um die Erwerbslosen und deren Not handelt, sondern, daß die Erwerbslosen mrd die übrige Arbeiterschaft nur als Statisten benutzt werden sollen, um die Politik der russischen Regie- rung zu unter st ützen, das geht insbesondere aus dem Ausruf hervor, den das Zentralkomitee der KPD. am vorigen Donnerstag veröffentlicht hat. Es wurde da aufgerufen, zu demonstrieren für ein Bund- nis mit Sowjetruhland und gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Van den Erwerbs- losen war nur so nebenbei in einem in kleinen Lettern gedruckten Satz die Rede. Da die KPD. ober genau weiß, daß die Arbeiter- schaft für die Völkerverständigung ist, schiebt sie Erwerbs- losen vor und ruft auch die„Betriebe vor die Front", denen man einredet, die Demonstration richte sich vor allen Dingen gegen die wirtschaftliche Krise. Nachher wird die„Rote Fahne" triumphie- rend nach Moskau berichten, daß die deutsche Arbeiterschaft gegen die Locarnopolitik demonstriert Hab«. Vor einer solchen Politik mit auswechselbaren Kulissen kann nicht eindringlich genug gewarnt werden. Die KPD. hat natürlich das Recht— vom Standpunkt Moskaus aus hat sie sogar die Pflicht — sich für die Politik der russischen Regierung einzusetzen. Wenn sie aber versucht, unter.falscher Flagge die Arbesterschaft für diese Politik zu mobilisiere«, so wird die Arbeiterschaft einen derartigen Mißbrauch ablehnen. , Aufnahme üer unorganisierten Erwerbslosen�. was organisierte Erwerbslose dazu sagen. Die KPD. will zum 23. März einen Reichserwerbslosentag auf- ziehen und hat bereits l'/i Dutzend Forderungen formuliert, die ihr Reichserwerbslosentag zu apportieren hat. Im Rahmen dieses Artikels sei nur die folgende Forderung an die Gewerkschaften er- wähnt: „Ausnahme der unorganisierten Erwerbslosen mit einem geringen Eintrillsgeld in die Gewerkschaften und einem geringen wochenbcitrag." Abgesehen davon, daß die Erfüllung dieser Forderung eine Satzungsänderung der Zentralverbände voraussetzt, muß man sich fragen, ob den unorganisierten Erwerbslosen oder den Gewerkschas- ten domst irgendwie gedient wäre. Man muß die Urheber dieser Forderung fragen, was sie damst eigentlich bezwecken. Es genügt jedoch, zu wissen, daß die KPD. es ist, die diese Forderung stellt, mn sich die Antwort selber geben zu können. Vor der Delegiertenwahl zur Generalversammlung der Holz- arbeiter am 9. Mörz wurde diese Forderung von der organisierten Opposition bereits zum Stimmenfang benutzt.' Mit großem Tamtam wurden die arbeitslosen Holzarbeiter am Tage zuvor zu einer öffent- lichen Versammlung zusammengetrommelt. Die Ortsvcrwoltung des Holzarbesterverbandes sollte hier Antwort geben, wie sie sich zu dieser Forderung stell«. Ueber den Verlaus und das Ergebnis dieser Aktion schwieg sich die„Rote Fahne" aus. Aus einem glatten Fiasko läßt sich beim besten Willen kein Erfolg destillieren. Die erwerbslosen Mitglieder des Holzarbesterverbandes haben dennoch zu dieser Forderung Stellung genommen in einer von ihrem Verbände einberufenen Versammlung am 11. März. Der Bevollmächtigte F r e i g o n g erörterte die seit der letzten Ver- sammlung eingetretenen Verhältnisse, die allgemeine Wirtschaftslage und sprach über die Sätze der Erwerbslosenfürsorge und die„An- ordnung über Kurzarbeitersürsorgc". Die kommunistischen Diskussionsredner beantragten eine Resolution, in der aus die Not der Arbeitslosen hingewiesen, zugleich aber der Verbandslestung vorgeworfen wurde, daß sie die Unorganisierten als nicht vorbanden betrachte. Gleichzeitig wurden die Dersam- melten vor die Frage gestellt: Wie denkt ihr über die Aufnahme der erwerbslosen Unorganisierten? Don der Versammlungsleitung wurden die Anwesenden darauf hingewiesen, daß selbstverständlich jederzeit auch unter den unorgani- sierten Arbeitslosen die Agitation und die Zlufklärungsarbeit für den Zusammenschluß betrieben werden muß, wozu ja auch ständig ein größerer Funktionärkörper tätig ist. Allein die Ausnahme des einzelnen in die Organisation könne erst dann vollzogen werden, wenn«r wieder in Zlrbeit steht. Nur so könne eine gesund« und schlagkräftige Arbeiterorganisation aufgebaut werden. In der anschließenden Abstimmung wurde dann ein Antrag angenommen, der die sofortige Erhöhung der Erwerbswsenunter- stützungssätze um 50 Proz. von den behördlichen Stellen fordert. Die Resolution aber, in der die Versommellen in verschleierter Form zur Befürwortung der KPD.-Parole aufgefordert wurden, ist ab- gelehnt worden. Der gesunde Sinn der Gcwerkschaftsgenosien kann auch durch längere Arbeitslosigkeit nicht zerstört werden, trotz aller demagogi- schen Kniffe der KPD._ Und immer wieder Efha-Werke. Die Direktion hat offenbar Sehnsucht nach einem Streik. Obwohl sämtlich« Berliner Wurstfabriten von einem Lohnabbau A b st a n d genommen und erklärt haben, daß die Löhne durchaus tragbar sind, versucht sich der neue Herr Direktor der Efha-Werke in„Rationalisierung". Sieben Prozent Lohnabbau war seine Forderung beim öchlichtungsausschuh. Der Schiedsspruch brachte den ungelernten Arbeitern und Arbeiterinnen einen Abbau der Stundenlöhne von 2 bis 5 Pf. Doch das genügte der Direktion nicht! Sie verlangt jetzt wester, daß die Belegschaft dfc. G e s a m t« kosten ihrer sogenannten„Wohlsahrtseinrichtun- gen" übernimmt. Die Belegschaft, die schweren Herzens dem Lohnabbau.zustimmte, weigerte sich nunmehr, auch noch die Unkosten für die Reklame- einrichmngen der Firma zu.ragen, erklärte sich aber nach langen Berhandlungen bereit, einen Te i l der Unkosten zu übernehmen, verlangte aber eine Erklärung von der Direktion, daß sie den Manteltarif nicht kündigt, um noch weitere Verschlech- terungen in den sozialen Bestimmungen und der Urlaubsfrage durch- zusetzen. Die Erklärung der Direktion wurde dahin abgegeben, daß sie den am Tarifvertrag beteiligten Organisationen die K ü n d i- gung des Manteltarifvertrags zustellt«. Schlimmer ist wohl bisher noch kein Unternehmen gegen seine Arbeiterschaft vorgegangen. Zum Lohnabbau und Ab« bau der sozialen Bestimmungen noch die Bezahlung der Reklome des Werkes durch die Ärbesterschaft ist ein starkes Stück! Ob man so Kunden werben und den Umsatz steigern kann, bezweifeln wir sehr. Die Direktion der Efha- Werke sollte den Bogen nicht überspannen. Will sie jedes Jahr ihren Streik haben?_ der kellnersirelk in der„Neuen welt�. Uns wird berichtet: Zu der persönlich nichtachienden Behandlung der Kellner durch die Herren Scholz, von der wir bereits berichteten, kommt die Will- kür hinzu, die Angestellten ohne ersichllichen Grund zestweilig acht Tage in Strafurlaub zu schicken. Die Herren arbeiten nur mit „Aushilfen", um so die Bildung einer Betriebsvertretung zu hinter- treiben. Diese Aushilfen erstrecken sich auf Jahre hinaus und lasten jeglichen Spielraum zu willkürlichem Aussetzen, d. h. zu Hunger- kuren der Angestellten. Herr S ch o l z ist seit Frestag auf der Streikbrechersuch«. Es ist selbstverständlich, daß alle gastwirtschastlichen Angestellten, die setzt noch in der„Neuen Well" arbesten. Streikbruch begehen. Wie die Direktion der B e r g s ch l o ß b r a u e r e i sich zu dem Ver- halten der Herren Scholz stellt, die den Ruf der„Neuen West" durch ihr Verhalten in starker Mißkredst bringen, bleibt abzuwarten. Den organisierten Arbeitern. Ange st eilten und Beamte» Berlins kann es schließlich einerlei sein, denn von Streikbrechern lassen sie sich auch in der„Reuen Welt" nicht bedienen. Blüten des Unternehmertums. Dom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestell» ten wird uns geschrieben: Wir haben uns früher schon wiederHoll mst dem Hotelier Lindemann, Hotel am Tiergarten, beschäftigen müssen. Dieser Hotelier ist gleichzestig Generaldirektor der Part-Hotel- A.-G. und G. rn. b. H. Weißer Hirsch bei Dresden. In dem letztgenannten Unternehmen sind 14 000 M. Lohn rückständig Der Lohn wird überhaupt nur teelöfselweise bezahlt. Zum Termin wegen der genannten 14 000 M. war der Herr Generaldirektor ein- fach nicht erschienen. Genau so sieht es im Hotel am Tiergarten m Verlin aus. Hier in Berlin ist Lindemann Besiger und gleichzeitig Generaldirektor. Seit Monat Oktober findet eine ordnungsmäßig« Gehallszahlung nicht mehr stall. Will ein Angestellter Geld haben, muß er nach seiner Arbeitszeit 2 bis 3 Stunden im Bureau warten und bekommt dann S M., wenn er Glück hat, vielleicht 10 M. rückständigen Lohn gezahlt. Meistens aber ist nichts da für die An« gestellten, wenn auch am selben Tage 1300 bis 2000 M. ein- genommen worden sind. Wie der Unternehmer, sehen leider auch zum großen Test sein« Angestellten aus. Sie sind nur zu einem geringen Test organisiert. Entlasten« Angestellte haben noch ein halbes Jahr nach ihrer Eill, lassung auf ihren Lohn warten müssen. Genau so geht es aber den Lieseranten, und«s Ist verwunderlich, daß sich diese Leute solche Dinge so lange gefallen lasten. Wenn ein Z'mnier dieses vornehmen Hotels besetzt werden soll, muß erst eine elektrische Birne aus einem anderen unbesetzten Zimmer geholt werden. Der Ge- richtsvollzieher ist ständiger Gast, trotz alledem fährt aber der Herr Generaldirektor Lindemann nach Hamburg und kauft angeblich von der Hugo-Stinnec-Linie das Luxusschiff General St. Martin. Er erzählt, daß ihm nach dem Kauf eine Million mehr geboten wurde, um in, selben Zltemzuge zuzugel'en, daß er kein Geld habe und daß er nicht weiter käme, wenn nicht bald ein Engel geflogen kommt. Wir hoffen auch, daß dieser Engel geflögen kommt und dieser Blüte von Hotelier ein Ende macht. Reichskonferenz des DMB.«it AfaverbLuden. In Leipzig traten in letzter Woche aus der Eisen- und Metall« industri« Arbeiter, und Angestelltenvertreter zur gemeinsamen Kon- serenz zusammen, um über Fragen der Wirtschaft und der Arbeit Beratungen zu pflegen. Anwesend waren Vertreter vom Zentral- verband der Angestellten, vom Butab und Werkmeisterverbond sowie vom Deutschen Metallarbesteroerband, desten Reichsbeirat der Betriebsräte, 19 Vertreter größerer Konzerne der Metallindustrie. die Bezirksleitungen und Vertreter der vier Gewerkschastsvorstände. In instruktiven Referaten wurden behandelt die mst der Krise zusammenhängenden Wirtschafteprobleme, sowie Fragen kauf- männischer und technischer Betriebslehre, die inmillen der gegen- wärtigen Umwälzungen, Umstellungen usw. in allen Zweigen der Eisen- und Metallindustrie mst im Vordergrund stehe». Gleich den Referaten stand die Diskussion aus erfreullcher Höhe. Arbester, An- gestellte, Techniker und Werkmeister gaben wertvolle Beiträge, auf reiche und praktische Erfahrungen sich stützend, tauschten Männer der Praxis mit Vertretern wistenjchasUicher Betriebsführung ihre An. sichten aus._ ver Alelschermeifker Hutzelmann. Zu dieser Notiz teilt uns der Händler H e r s u r t h in der Wedding-Holle mit, daß er von dem Fleischermeiter Hutzelmann keinerlei Ware bezogen und verkauft hat. Dies trifft, wie wir festgestellt haben, gegenwärtig zu. Verantwortlich für Politik: Sticha d Verästeln: Wirtschaf!: ST tut Saterl!':«: Sewertschaflsbewepung: Fe. Sykorn: Feuilleton: St. John Schllow»«: Lokale« und Sonffiae« Frl» tlarslädt: jlnzeiaen: Tb. SloSe: sämtlich in Verlin. Bertas: Lorwärto-Vertaa/. Uhi Lenpke's sei. Wiiw« Hutik t. Dr.R-llirsch /oIVstänlidB Prtia I— 4* In ftmrht' Ilptlerw» »erttaip 20% knoUiMz SkMfell-njfin»» J Haule~ünnc(icn Inserate un A vorwärts sichern Erfolg! los 3 Coronas Www ID SÖSlät«MW im Rahmen eines abwechsiunas- reichen Variete Spielplans. Sonntitr nachm. S'/tD- halbe Preise _ Raachen gestattet! ■ TügL Kotlbnaer Str.< Sonctie 8 Uhr Oer ntne SchlBjer 3 Ohr „Berilücr Luit" Doxa das(nsttde Betprodr. Relchshallen- Theater Abends SD- Sonntag nehm. 30. 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