Nr. 139 43. Jahrg. Ausgabe A r. 70 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuaband für Deutschland, Danzia. Saar- und Memelaebiet, Desterreich. Litauen. Luremburg 4,50 Reichsmart. für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit Gied. lung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme ericheint wpchentäalid aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adrese: -Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgedruckte Bort 25 Bfennte ( zuläffia zwei fettgebrudte Worter. fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Bfennig. tebes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für amet Borte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nadimittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. ftrake 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Ubr früb bis 5 Uhr naam. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Mittwoch, den 24. März 1926 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostscheatonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Sinbenstr. 3. leads Der Reichstag für Locarno. Annahme des Billigungsantrags mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Der Reichstag lehnte in einfacher Abstimmung zunächst ein tommunistisches Mißtrauensvotum gegen die ganze Reichsregierung gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der kommuniffen und der Bölkischen ab. In namentlicher Abffimmung wurde das Mißtrauens vofum der Deutschnationalen, das sich gegen den Reichsfanzler Dr. Luther und den Reichsaußenminister Dr. Stresemann richtet, mit 259 gegen 141 Stimmen der Deutschnationalen, Bölkischen und Kommuniffen abgelehnt. Zu dem von den Bölkischen eingebrachten formellen Vertrauensvofum für die Regierung lag ein Antrag der Regierungsparteien auf Uebergang zur Tagesordnung vor. Dieser Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 264 gegen 139 Stim. men bei einer Enthaltung angenommen. Damit ist der völkische Antrag erledigt. des Reichstags. Aber die hält. Und die rednerische Hilflosigkeit des alten Mannes besänftigt die Leidenschaften. Zum Schluß ertönt von rechts eine Pietätssalve des Beifalls. Da fann man sich links doch nicht enthalten, kräftig dazwischenzuzischen. Hermann Müller rechnet furz, ruhig und scharf mit dem Großadmiral des Kaisers ab. Rheinbaben versucht gegen Breitscheid Reste seiner hatatistischen Gesinnung zu verteidigen. Münzenberg übersetzt die Tirpiziade ins Sowjetruffische: Fort von Locarno, hin nach Moskau!" Weft arp forrigiert Tirpig, ter Locarno nicht zurüdrevidieren" wollte der Kanzler habe in diesem Bunkt den alten Herrn mißverstanden. Luther gibt höflicherweise diese Möglichkeit zu, obgleich fie nicht besteht, bleibt aber im übrigen auf seinem Standpunkt. Und endlich heulen die Sirenen: gegen 4 Uhr ist die Stunde der Abstimmung da. Die Ergebnisse überraschen nicht. Es bleibt bei der bisherigen Außenpolitik durch die Ent fcheidung der Sozialdemokratie. Während der Tirpitz- Rede neue Aenderung der Redner tafel. Als erster hinter Tirpitz steht jetzt Müller Franfen, während Wirths Name wieder verschwindet. Aber kaum hat der Nestor des Nationalismus geendet, so springt auch schon der Reichskanzler Dr. Luther von seinem Platz auf. Sachlich entschieden und in manchen Partien sehr geschickt, aber nervös erregt wendet sich der überparteiliche" Kanzler der Republif gegen den sehr parteiischen Minister des Kaiserreichs. Daß er nie eine politische Stellung" eingenommen haben will, ist nur ein falscher Zungenschlag. Er meint natürlich„ parteipolitische". Aber stedt in dem falschen Zungenschlag nicht doch Bei erheblich vermindertem Interesse dauert die Sigung ein Stüd unfreiwilligen Selbstbekenntnisses cines Mannes, aber noch weiter fort. Der Etat soll, fofte es, was es wolle, der nichts kennt und nichts kennen will als die Praxis ohne bis zum 1. April fertig sein, und Ostern steht vor der Tür. In den Leitfaden einer großen Idee, Doch in der Praxis ist dieser den Wandelgängen spricht man bald weniger vom großen Ranzler zu Hause, und jede Art von Ratifalismus ist diesem Tag", der vorüber ist, als vom Fürstentompromiß, dem Nüchternen zuwider. Heftig wendet er sich gegen den tindi fommenden Volksentscheid und besonders von der pro schen Vorschlag, das Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund blematischen Steuerreform, die ja auch noch mit zurückzuziehen. Stunde toch noch zu einem Mißtrauenspotum entgierung augenblicklich mehr Kopfschmerzen macht als Locarno all- uri zuziehen. Den Deutschnationalen, die sich in letter dem Etat zusammen verabschiedet werden soll und die ber Refchloffen haben, hält er gereizt die vergangene Freundschaft vor. und Genf, und alles, was drum und dran hängt. Der Billigungsantrag der Regierungsparfeien, über den zuletzt abgestimmt wurde, wurde in einfacher Abstimmung mit großer Mehrheit mit den Stimmen der Regierungsparteien, der Sozialdemokraten und eines Teiles der Wirtschaftlichen Bereinigung angenommen. Nicht der erste, sondern der zweite Tag war diesmal der große Tag der Reichstagsdebatte. Am Montag hatte man eine Rede gehört, die mit all gemeiner Spannung aufgenommen wurde: die des Reichsaußenministers. Dann erlahmte das Interesse. Am Dienstag tamen fast nur Redner zum Wort, die entweder durch ihre Rednergabe oder durch ihre persönliche Bedeutung oder durch beides die gespannteste Aufmerksamkeit auf sich zogen. bishe Von dem, was tommen sollte, gab die erste Rede, die des völkischen Grafen Reventlow, allerdings feinen Vorklang. Sie Chamberlain verteidigt sich. war nichts als ein Beweis dafür, daß sich der größte Radi Widerspruchsvolle Angaben. talismus des Standpuntis mit der größten Langweiligkeit des Vortrags sehr wohl vereinbaren läßt.- Im Saal und auf den Regierungsbänken gähnende Leere in des Wortes wörtlichster Bedeutung. Reine angenehme Situation für den folgenden Redner Breitscheid. Aber die heilige Einfalt der Bölkischen hilft ihm. Sie zetern über das Fehlen der Regierung, und die Minister tommen herein, fie verlangen. Aussegung der Sigung und die Klingeln rufen zur Abstimmung. Rasch ist der Saal gefüllt, und Breitscheid kann sprechen Und wie immer hat er auch etwas zu sagen. Wie er mit fritischer Schärfe die nationalistische Demagogenpolitik mit kritischer Schärfe die nationalistische Demagogenpolitik zerfasert, wie er unter Zitierung geheimer Rundschreiben die verschlungenen Pfade der deutschnationalen Intrigenpolitik aufdeckt, das fesselt und hält in Bann. Klar zieht er die Grenze zwischen Regierungsparteien und Sozialdemokratie, ebenso flar legt er die Gründe dar, die die Sozialdemokratie veranlasfen, für die Billigungsformel zu stimmen und damit einer Politif, die sie selber stets gefordert hat, die Billigung auszusprechen. Darüber hinaus hat besondere Bedeutung, was der sozialdemokratische Redner über Polen jagt. Es drückt den Entschluß der Sozialdemokratie aus, Verständigungspolitit nicht einseitig nach dem Westen, sondern gleichmäßig nach dem Besten und Osten zu treiben. Inzwischen spielen sich auf der Tafel, die die Reihenfolge der Redner verfündet, bemerkenswerte Dinge ab. Bu nächst steht hinter Breitscheid nur der Kommunist Münzenberg. Jezt schiebt sich der Name Tirpit vor. Bald darauf kommt der Diener abermals und stellt hinter den Namen Tirpiz' den Josef Births. Ihm folgt zum zweitenmal! der Bolksparteiler v. Rheinbaben. -Angriffe von Lloyd George und Macdonald. Condon, 23. März.( Eigener Drahtbericht.) Die große Ausfprache im englischen Unterhaus über die Genfer Berhandlungen wurde heute nachmittag durch Lloyd George 3 eröffnet. Dieser führte aus: Die Ideen des März haben ihren Abschluß in einer Tragödie gefunden. Die Locarno Mächte find für diese Genfer Tragödie verantwortlich. Die viel gerühmte Friedensmaschine hat einmal nicht funktioniert. Man ist doch in Genf zusammengefommen, um Deutschland in den Bölkerbund aufzunehmen. Wenn die Locarno- Mächte dieses festſtehende Ziel vor Augen behalten hätten und alle anderen erst später auftauchenden Probleme zurückgestellt hätten, dann hätte die Genfer Tagung zweifellos zu dem gewünschten Erfolg geführt, und zwar ohne Schwierigkeiten. Statt deffen haben die Locarno- Mächte, England an der Spike, angefangen, zu verhandeln, zu verhandeln und zu verhandeln, haben sich zu jenem unwürdigen Intrigenspiel hergegeben, das das traurige Ende der Völkerbundstagung verursachte. Wie hat man unter diesen Umständen z. B. Brafilien einen Vorwurf machen fönnen? Das Sonderbare war, daß ein fremder Staat, Schweden, mit Mut und Selbstlosigkeit den Weg einschlug, den die britische Deffentlichkeit ihrem Delegierten zugewiesen hatte. Chamberlain ergriff darauf das Wort zu seiner angekündigten Erklärung und fagte: Ich bedaure, daß Lloyd George feine Anflagen gegen mich nicht genauer formuliert hat. Soweit ich aber recht verstehe, lautet die erfte Anklage gegen mich, daß ich im vergangenen Jahre auf der Durchreise in Paris eine vertrauliche Aussprache mit Briand über den polnischen Anspruch auf einen Ratssig hatte. Lloyd George hat behauptet, daß bei jener Aussprache gegenseitig feft gestellt wurde, daß Briand sich Polen gegenüber gebunden habe und Tirpitz Klang aus vergangener Zeit! Flaggoffizier baß ich selbst dem spanischen Botschafter in Paris eine ähnliche Binin unverantwortlicher Stellung". Urheber uferloser Flotten- dung hinsichtlich des spanischen Anspruches eingegangen sei. Weiter pläne. Staatssekretär der Marine. Bater von Flottenvorhat Lloyd George behauptet, ich hätte i Ilonal gegen Deutsch lagen und immer neuer Flottenvorlagen. Torpedierer der land gehandelt und drittens hat mir Lloyd George den Vorwurf deutsch- englischen Verständigung. Glorreicher Urheber der gemacht, daß ich in Genf zu spät mich auf die mir übertragenen Pflichten besonnen hätte, weil anders wohl niemand den Mut geIsolierung Deutschlands. Im Krieg, in den wir habt hätte, die Genfer Verhandlungen in einer Weise zum Scheitern nach seinem Wort„ hineingeschlittert" find, Frondeur gegen zu bringen, wie es nachher tatsächlich geschehen sei. alles und alle, verhinderter Sieger über England, Prophet des U- Boot Kriegs ohne U- Boote, Vater der Baterlandspartei, die gegen den Scheidemann- Frieden" wütet. Jezt M. d. R., Mitglied der Deutschnationalen Partei. M " Tirpig hat oft als Marinestaatssekretär im Reichstag gesprochen, lang, lang ist's her. Bon damals auch stammt das Wort vom„ Baltenbiegen", das Riderlen in feinen Memoiren liebevoll aufbewahrt. Wer im Hause fennt ihn noch von damals? Zum Schluß hat mir Lloyd George vorgeworfen, ich hätte nicht in Geheimberatungen die heiflen Themen der legten Bölferbundstagung erörtern follen, sondern mit dem gesamten Fragenkompler vor die Deffentlichkeit treten sollen. Ich habe demgegenüber festzustellen: Als ich Briand im vergangenen Dezember sprach, benutzte dieser die Gelegenheit, um sich fammenhang mit der Märztagung des Bölferbundes stehenden, zu mit mir über die zurzeit schwebenden Fragen, auch die im Zu unterhalten. Vor Eintritt in die Besprechung von Einzelheiten habe ich Briand erklärt, daß ich nicht in der Lage sei, irgendwelche StelDiesen Mann, der soviel von Deutschlands Unglüd auf lung zu den von ihm vorgebrachten Angelegenheiten zu nehmen, bebem Gewissen hat, im Reichstag sprechen zu lassen, ist eine vor ich nicht mit dem Kabinett Rüdsprache genommen hätte. Wegen Herausforderung. Eine Probe auf die Selbstdisziplin| Polen fragte ich Briand, ob er Polen gegenüber versprochen habe, | etwaige polnische Ansprüche hinsichtlich des Bölkerbundes und der Zuteilung eines ftändigen Ratssikes an Polen unterstützen zu wollen. Ich wollte diese Auskunft haben, um meinen Kollegen gegenüber wahrheitsgetreu über die etwa dadurch bedingte neue Lage Bericht erstatten zu können. ( Ich habe mir feineswegs einfallen lassen, bei dieser Unterredung englischerseits eine Unterstützung Briands bei der Vorbringung der polnischen Frage zuzusagen, weder für einen ständigen noch für einen nichtständigen polnischen Ratssih. Ich habe diese Feststellung bereits vor meiner Abreise nach Genf flar und deutlich formuliert, und ich wünsche, daß man diese Feſtstellung ebenso wörtlich glaubt, als ich sie gegeben habe. Allerdings habe ich schon vorher dem Bertreter Spaniens gegenüber erklärt, daß ich unter gegebenen Umständen die neuerliche Behandlung des spanischen Anspruchs auf einen Ratssitz befürmorten würde. Diese Versicherung war nach den vier Jahre zurückliegenden Berhandlungen über denselben Gegenstand, an denen übrigens auch Lloyd George beteiligt war, entsprechend der damaligen Entscheidung des englischen Kabinetts. Der Vorwurf, ich hätte mich Deutschland gegenüber illoyal verhalten und ich hätte verhindern fönnen, daß in Genf jene Schwierigkeiten auftraten, die zu dem Mißerfolg der Verhandlungen führten, ist daher völlig ungerechtfertigt. Selbst Deutsche, mit denen ich Gelegenheit hatte zu sprechen, haben mir einen solchen Vorwurf nicht gemacht. Ich habe mein möglichstes getan, um die betreffenden Mächte dazu zu bringen, wenigstens gelegentlich der laufenden Tagung des Bölker bundes teine neuen Anträge auf Ratserweiterung einzubringen. Wer glaubt, daß die Mitglieder des Böllerbundes unmündige Kinder sind, denen ich als Vertreter Großbritanniens hätte porschreiben können, was sie zu tun und zu lassen hätten, der der= fennt doch sehr die Möglichkeiten, die mir als Bertreter meines Landes zur Verfügung standen. Wer eine solche Rolle vor dem Forum des Völkerbundes spielen will, der wird nicht lange auf die Antwort warten müssen, die ihm höchstwahrscheinlich in einstimmiger Entrüftung entgegenfchallen würde. Ich habe auch bei der nun abgelaufenen Tagung des Bundes versucht, meine gegebene Rolle als Bermittler und Berföhner zu spielen. Nun aber die Gegensäge: Deutschland wollte auf feinen Fall or feiner offiziellen Aufnahme in den Bölkerbund und vor der Zuteilung eines ständigen Rotsfizes irgend etwas von einer Diskussion über Erweiterung des Rats und Aehnliches wissen. Alle Mächte bis auf Brasilien waren im Prinzip und zum Schluß auch formell bereit, dieser deutschen Auffassung feinerlei Schwierigkeiten zu machen. Brasilien allein wollte nicht mitmachen. In zweiter Linie hatten wir natürlich angesichts der Tatsache der bestehenden Schwierigkeiten feine Veranlassung, die aufgeworfene zu laffen. Denn, das muß ich auch betonen, Diskussion über Pläne zu anderweitiger Lösung der Krise außer acht auf deutscher Seite beffand fein Anspruch darauf, Deutschlands Aufnahme von bestimmten Voraussetzungen abhängig zu machen. Ich habe teine Veranlassung, mich über das Verhalten der deutschen Delegierten in irgendeiner Weise zu beklagen. Auf der cobercn Seite aber habe ich' ebensowenig Veranlassung, «läge über das Verhallen anderer Delegationen zu führen. Deutschland blieb bei seinem prinziplelleu Slauopunkl und war nicht davon abzubringen, daß ein Abweichen von dem einmal ausge- fprochenen Standpunkt ihr die weiteren Verhandlungen unmöglich machen würde. Für mich war. auch im Hinblick auf die in Locarno gepflogenen Verhandlungen, dieses starre Fe st halten der deutschen Delegation an Ihrem Prinzipienstandpunv ebenfalls eine Ueberraschung und für uns alle Gegen st and leb» hafte st en Bedauerns. Meine Zastruklionen glaube ich recht verstanden au haben, wenn ich versuchte, der Genfer Tagung zu einem erfolgreichen Verlauf zu verhelfen: dann aber. als sich die Situation änderte, unter folgenden Gesichtspunkten weller arbeitete: l. daß keine Aendmmg im völkerbundsrat vorgenommen werden sollte, die die Mirkuag haben würde, den Eintritt V e n t s ch- laods zu verhindern oder za verzögern; 2. dah es am besten sein würde, wenn veotschlaod als Mllglled des völkerbuadsrals die volle veranlwortlichkelt für irgendwelche weitere Veränderung im Rate außer seiner eigenen Zulassung haben sollte; Z. daß die Regel, wonach nur Großmächte ständige Mit- gNcder sein sollten, im Prinzip ausrecht erhallen werde» sollte: 4. daß Spanien in einer Spnderstelluug sei und eine Ausnahmebehandlnog beanspruchen könnte: S. daß weder Polen noch V ras Ilten gegenwärtig ständige Sitze haben sollien. daß aber Polen sobald wie möglich ein nichtständiger Sitz gegeben werden sollte. Nach diesen Gesichtspunkten habe ich nun tatsächlich gearbeitet. Mein erstes, als ich nach Genf kam, war, dieLocarnomächte zusammenzurufen. Diese Besprechungen wurden im Rat fortgesetzt. Ueber die weitere Ent- Wicklung kann ich nur sagen, daß au ff ollende Erscheinun- gen, wie der freiwillige Verzicht Schwedens, nie Folge- erfcheinungen dieser Ratsbesprechungen waren. Auch von einem äußeren Zwang oder Druck, wie sich die Presse ausdrückte, konnte nie die Rede fein. Ich habe jedenfalls weder auf die Haltung Schwedens noch auf die irgendeiner anderen Delegation irgend- welchen Einfluß auszuüben versucht. Ich erkläre hlermll feierlich: Ich konnte nicht damit rechnen, daß. nachdem sich alle anderen Rationen fast einstimmig zu einer Lösung bekannt hallen, die Schwierigkeiten, die Brasilien in die Angelegenheit brachte, schlietz- Hch noch zo der Unmöglichkeit führen würden, den schon fkyerea Erfolg zu verlieren. Nach einem WTB.» Bericht sagte Ehamberlein u. a. noch: Kein Land hat. bevor dies in Genf bekannt wurde, mit Aus» nähme Brasiliens und Deutschlands davon gewußt, daß Brasilien ollein von allen Mächten auf die deutsche Anfrage vom September 1S24 eine Antwort erteilt hatte, in der es a b» lehnt«, sich zu verpflichten. Deutschlands Wahl für einen ständigen Sitz Im Volktrbundsrat im voraus zu unterstützen und In der es erklärte, dies fei eine Frage, die dcrVölkerbund selbst er» ort er n müsse. Ehamberlain fragte, ob nicht diese Antwort Deutschland hält- veranlassen müssen, aus der Hut zu sein. Im welleren Verlauf feiner Rede brachte Ehamberlain zum Aus- druck, daß er zurücktreten würde, wenn die heutige Abstim- mung ablehnend ausfalle. Ramsay Macdonald. dir nach Ehamberlain sprach, erklärte, wenn Ehamberlain sich ein- bilde, daß der Name und der Einfluß Großbritanniens höher oder ebenso hoch sei wie zu irgendeiner Zell seit dem Kriege, so sei das fildeste, was er dazu jagen könne, daß Ehamberlain nicht die liungen lese irrab nicht die Ansichten der auswärtigen Länder irt«. Chamberlwins Haltung habe zu dem sämmerlichsten Mißerfolg geführt, dem die britisch« Diplomati« gegenüber- zutreten hatte. England habe sich«ingekassen mll eiuer Diplomatie, die dem Völkerbund selbst feindselig sei und habe den Völkerbund in Verwirruug und Trauer zurückgelassen, während in Europa ein Zynismus herrsche, wie man ihn sell dem Kriege nicht gekannt habe. England nehme eine viel niedriger« Stellung ein, soweit sein Einfluß in Betracht komme. Der Konservative Lord hugh Eecll. der auf Mocdonald folgte. warf diesem vor. daß er seine Rede vorbereitet habe, bevor er Ehamberloins Erklärungen gehört habe. Er sagte, er sehe nichts in dem, was M Genf geschah, was vom Standpunkt der Aufrecht- erhaltung de» Friedens schädlich sei. Die Bezishungeu zwischen Deutschland und Frankreich schienen freundfchafllicher geworden zu sein. Was in Genf geschehen sei. zeige kein Zurückweichen vom Gedanken der Einheit unter den Nationen. Der liberale Führer Sir John Simon erklärte, man greife nicht (Ehamberloins Ehre an, sondern kritisiere sein Urteil. Die Tro- gödie von Genf sei nicht darauf zurückzuführen, was dort geschah, sondern darauf, was in der Zeck zwischen Locarno und Genf yeschoh. Es sei unmöglich zu glauben, daß s« in Locarno beabsichtigt war, irgendeine weitere Vermehrung des Völkerbund- rates außer durch Deutschland eintreten zu lassen. Simon fragte, ob im Dezember oder zu irgendeiner anderen Zeit zwischen Locarno und Genf in Paris oder anderswo Ehamberlain Briand, wenn auch noch so informell, den Eindruck übermittelt habe, er stehe persönlich dem Gedanken nicht ungünstig gegenüber, daß Polen oder andere Länder weitere Ratsmitglieder würden. Der Arbeiterführer Wedgwood erklärte. Ehamberlain Hab« die Vertretung der Ansicht Englands Schweden übergeben. Statt Führer des Völkerbundes zu sein, sei England der Handlanger eines anderen Landes geworden. * Obgleich die Rede Chamberlains bisher in Berlin nur unvollständig vorliegt, sind einige Randbemerkungen schon jetzt am Platze: Der englische Außenminister hat zunächst entschieden b e st r i t t e n, daß er Briand gegenüber irgend- welche Bindungen eingegangen wäre. Dazu ist zu be- merken, daß in Genf namentlich von französischer Seite immer wieder erklärt wurde, daß Briand die polnischen Wünsche nur deshalb so energisch unterstützt habe, well er zu seiner eigenen Ueberraschung durch Ehamberlain dazu vorher ermutigt worden wäre. Indessen hat Ehamberlain selbst im Laufe seiner Rede sein kategorisches Dementi fachlich ein- g ef ch r ä n k t, indem er zugab, daß er m i n d e st e ns Spanien gegenüber ein Versprechen abgegeben hatte. Dar- über hinaus hat er ferner zugestanden, daß er feine In- struktionen so auffaßte, daß er Bolen sobald wie mög- l i ch zu einem nichtständigen Sitz verhelfen sollte. Infolge- dessen erscheint seine gestrige Beweisführung ebensowenig klar wie seine ganze Haltung während der Genfer Berhand- lungen. Wenn er weiter bestreitet, daß er in Genf irgend- einen Druck auf Schweden ausgeübt habe, so ist dies eine ganz einseitige Behauptung. Zur richtigen Beurteilung dieses Punktes ist es mindestens so wichtig, die Ansicht der anderen Teilnehmer an den Berhandlungen. insbesondere des s sch w e d i f ch e n Bertreterg, darüber»u hören. Interessant ist der Vorwurf, den der britische Außen- minister gegen die Wilhelm st raße erhebt, daß sie ihn und die anderen Mächte nicht bereits vor Genf auf die zweideutigen Wendungen in der Antwort Brasiliens an Deutschland vom Herbst 1924 aufmerksam gemacht habe. Es ist zwar richtig, daß diese Antwort im Ganzen als eine Z u» sage aufgefaßt werden mußte, aber eine aufmerksame und mißtrauische Lektüre hätte in der Tat stutzig machen können. Es fragt sich insbesondere, ob der Vertreter des Deutschen Reiches in Rio de Janeiro genügend diplomatische Hellhörig- keit gezeigt und ob er die Wilhelmstraße auf etwaige brasilianische Hintergedanken aumerksam gemacht hat. Wenn ja. so wäre es allerdings die Aufgabe des Auswärtigen Amtes gewesen, die übrigen Ratsmächte rechtzeitig auf mögliche Ueberraschungen vorzubereiten. Genf-debatte kn Warschau. Skrzynski gegen Brasilien. Warschau, 23. März.(WTB.) Ministerpräsident und Außen- minister Graf S t r z y a s k i nahm heute im Auswärtigen Ausschuß des Landtags das Wort, um die angekündigten Erklärungen über die letzte Session des Völkerbundes abzugeben. Graf Skrzynfki führt« u. a. aus: Die Beratungen in Genf haben im Zeichen des liberum veto gestanden.(Bereits in Genf wurde, als der Wider- fpruch Brasiliens bekanm wurde, allgemein an das System des liberum veto erinnert: das war«in durch die polnische Verfassung Das neue pergamon-Museum. Don Werner Hegemonn. Die wenigsten Laien(und den Architekten geht«s nicht besser) haben sich bisher eine zusammenhängende, sinnliche Vorstellung von der Entwicklung der alten Baukunst machen können. Selbst der im Süden Reisende kann sich eine solche Borstellung nur mühsam zu- sammenstücken. Das Pergamon- Museum wird eine einzig- artige Möglichkeit bieten» den Leistungen der Alten näherzukommen. Als ich mit seinem Schöpfer, Theodor Wiegand, in diesen Tagen die neuen Räume besuchen durste, fand ich noch wenig aufgestellt. Die Schätze stehen entweder noch am Boden oder die ganz großen Stücke sind erst probeweise in maskenhaften Modellen in natürlicher Größe an den hohen Wänden angedeutet. Aber auch so ist der Eindruck schon sehr stark. Vis die Entdecker von Pergamon. Humann und Eonze, den Pergamon-Altar nach Berlin brach- ten. waren sie daraus bedacht, dieses Glonzstück hellenistischer Zeit einzureihen in eine vollständige Vorführung der antiken Baukunst vom«. Jahrhundert o. Ehr. bis zum 2. Jahrhundert n. Ehr. So wurden auch von anderen Gebäuden. Tempeln. Hallen, Toren, Mo- sinken wichtige Proben mitgebracht, ieweils die entscheidenden Stücke, so daß die getreue Ergänzung leicht ist. Die Ausgrabungen von Olympia, von Magnesia. Milet, Prien«, Baalbek und Samos haben nun soviel Systeme antiker Bauten in Marmor und Kalkstein geliefert, daß man an prachtvollen Originalstücken die Entwicklung er antiken Baustile verfolgen kann. Dabei ist der ältere dorische Stil durch Olympia, der jüngere durch Pergamon, die jonische Bau- kunft in Wertstücken der großen Hauptmeister und Lehrer des Vi- truv, Pytheos von Prien« und Hermogenes von Magnesia vertreten. Dann öffnet sich der gewallige Allarsaai mit setner glänzenden ver- bindung von Reliefplasttk und feinster hellenischer Säulenarchllek- wr. Endlich betritt man den Saal der römischen Epoche, in dem der korinchiscbe Stil herrscht. Die Reste des Trajanstempels von Pergamon. Werkstücke der ihn umgebenden Hall«, Proben vom Earacalla-Tempel. vom Iupiter-Tempel und Säulenhof des syrischen Baalbek bieten sich zum Vergleich dar. Dazwischen sollen Skulp- turen von besonders monumentalen Abmessungen stellen, und den Boden soll ein großes Mosaik schmücken. An der Westwand des römischen Saales soll sich in allen seinen wesentlichen Schmuckteilen das vielbesprochene Marmortoc erheben, das einst den Eingang zum Markt von Milet bildete:«in Tor mit drei Bogcntüren unö leichten, überraschend elegant wirkenden Säulentabernakeln, zwischen denen große Mormorstatuen stehen werden. Dieses Markttor ist der beste Vertreter des zu barocken Formen neigenden Stiles der späteren Kaiserzeit. Die leichte Tabernakelarchitektur dieses Bauwerkes ver- millell den Eindruck eines antiken Bühnenspielbintergrundes, wie er in gedeckten Theatern, z. B. des �deion des Herodes Attilas zu Athen und dem kleinen Theater zu Ephesus vorhanden war. Man darf hoffen, daß vielleicht die»Volksbühne� hier einmal ein alle, Lustspiel aufführt. Alfred Messel hat für alle diese Schätze geeignete Räume entworfen. Bedauerlich ist, daß der schwere Geldmangel die Gefahr einer Verstümmelung des großen Plane» heraufbeschwört. Auch gegen Verstöndnislosigkell hat der groß« Gedanke zu kämpfen, Geheimrat Wiegand wandte sich neu- sich im»Hamburger Fremdenblatt-(11. März) gegen den. wie es scheint, auch hier wieder irrlichternden Karl Echeffler, well sich Scheff- ler, wie Wiegand mitteilt, für den abenteuerlichen Gedanken ein- setzt, man könnte die Vorführung der klassischen Baukunst durch Weglassung der für die Wirkung notwendigen Unterbauungen und Zwischenstücke so zusammendrängen, daß im südlichen der drei Säle die islamische Abteilung und die große Mschatta-Fassad« Platz finden kann. So abenteuerlich dies klingen mag, so wenig darf e» bei einem Mann wie Scheisler, der die Gotik als„chinesischen Zopsstis- entdeckt hat, wundern, daß er hellenistische und islamisch« Baukunst durcheinandermengen will. Theodor Wiegands Unwille über die neu« Schefflerei ist begreiflich, und man darf hoffen, daß wir vor diesem»Geiste der Gotik- beschirmt werden. Venn er noch lebte... Bon Alfred Fritzsche. Heute traf ich wieder die Frau, die bis zum Kriegsend« den Gs- müfeladen. in dem wir immer kauften, besessen hatte. Ihr« Famiii« war nicht groß: die Frau, der Mann und ein Sohn. E» war ein slatllicher, kräftiger Sohn. Mein Schulkamerad war tt gewesen. Nach der Schulentlassung hatten sich unsere Wege getrennt. Mein« Mutter kaufte zwar noch immer in dem Gemüseladen seiner Ellern, aber das konnte uns Jungen nicht binden. Wir gingen jeder einen anderen Weg. Er trat— seine Eltern wollten es— in eine Marineschule ein und ich schloß mich der sozialistischen Jugendbewegung an. Und dann traf ich manchmal meinen ehemaligen Schulkameraden im Laden seiner Eltern. In blauer Marineuniform stand er hinter dem Ladentisch. Das mußte ihm der Neid lassen: schmuck sah er aus. Wie ausgestellt zur höheren Ehre seiner Eltern. Die Mutter vor allem wußte nicht, wohin mit der Freude über ihren Helmut, der nun ein»lieber, blauer Junge" war. Dein ganzen Kundenkreise wurde er angepriesen. Wenn er, in seiner Motrosenunisorm, aus dem Loden auf die Straße trat, stand feine Mutter mll strahlendem Gesicht in der Ladentür und loh ihrem Helmut noch... Da brach der Krieg aus. Eine große, schwarzweißrote Fahne hing über dem Gemüseladen. Helmut wurde eingezogen. Zu den Matrosen. Aber aus ein Schiff kam er nicht. Er verblutete in Flandern... Die Eltern waren fassungslos. Die Müller wie geistesgestört. Ihr... Helmill...! Der Krieg halle ihn genommen____ Der Gemüseladen wurde verkauft. Kurz vor dem Kriegsende. Warum da» Geichäjt noch hallen? Für wen? Helmut war tot! Und Vater und Mutter müde, all, zerbrochen... Und heut« traf ich also die Mutter. Nach vielen Iahren. Sie hatte aber nicht vergessen, daß Ich ihres Sohnes Schulkamerad ge- wesen war. Ihr Helmut war mir nur einen Jahrgang voraus- gewesen. Und darmn hatte er in den Krieg gemußt, war ex... gefallen... Der Schmerz um den toten Sohn war von der Muller, die vor mir stand, noch nicht gewichen. Wir sprachen darum nur von ihrem Helmut. Und versuchten immer wieder die Frage zu beantworten. die schon von vielen Menschen gestellt worden ist: warum mußt« gerade er fallen? Und in dem Augenblicks tu dem die Muller die im 18. Jahrhundert vorgesehenes Recht eines jeden einzelnen Mit» gliedes, durch seinen Widerspruch die Abstimmungen unwirksam zu machen. An dieser sinnlosen Einrichtung ist der polnische Staat da- mals zugrunde gegangen. Red. d.„V.-.) Sicherlich ist ein solcher Einspruch das Recht eines jeden Staates, der dem Völkerbund und seinem Rat angehört. Es geht aber nicht an, daß ein solches Veto, wie es zu Beginn und am Ende der Genfer Beratungen in Erscheinung gelleten ist, einen ein st immigen Beschluß in Fragen allgemeiner Natur, von denen der Friede Europas abhängt, verhindert. Polens Forderung war der gleichzeitige Eintritt mll Deutschland in den Bölkerbundsrat. Dies wollten wir nicht aus Prestigegründen, sondern well wir glaubten, daß eine Sicherung des Friedens und eine Vorbereitung der moralischen Ab« rüstung nur möglich ist, wenn wir gemeinsam mll Deutschland an dem Ratstisch sitzen. Neunzig vom Hundert der in Genf ver- sammellen Völker der Well hoben die Berechtigung unserer Auf- fassung ebenso wie die Friedfertigkell unserer Polllit anerkannt. Graf Skrzynski schloß mll der Bemerkung, daß er in dieser ver- änderten Aufsassung der Well über Polen die Gewähr erhöhter Sicherhell des polnischen Staates erblicke. In der sich an die Rede des Ministerpräsidenten anschließenden Deballe nahm der Abgeordnete S t r o n s k i(Ehrisll.-nat.) das Wort. der u. a. ausführte: Das Werk von Locarno ist nichts anderes als eine neue Gefahr für den Frieden im Osten. Es war ein Glück für Polen, daß der Kampf unterbrochen wurde. Polen hat bis zum September sechs Monate schwerer Arbell vor sich. Einstimmigkeit für Vauoervelde. Brüssel. 23. März.(Eigener Drahtbericht.) Der auswärtige Aus- schuß der belgischen Kammer billigte am Dienstag ein- stimmig die Haltung der belgischen Delegation in Gens. Moskau unü öle �lbrüftungstonferenz. Zur Teilnahme bereit— nur nicht in der Schweiz! Moskau. 23. März.(TU.) Die Sowselregierung hat be- schlössen, durch ihre Bcrtreler in Berlin. Pari». Rom und London mittcUe» zu lassen, daß sie keineswegs ihren Standpnuki dem Völkerbund gegenüber geändert habe und daß sie an der Abrüstuags- konferenz teilnehmen werde, wenn diese in Wien, Prag oder einer französische» Stadt fiatlsindeu werde, wie in Moskau oerlaukel, wird Raufen die Bermillluug tu dieser Allgelegenheit übernehmen, da man hofft, daß Raufen, der in sehr guten persän- lichen Beziehungen zu Tschilscherln steht, mit einer solchen vermill- lnng großen Erfolg haben wird. * Die Sowjet-Regierung will ausschließlich aus Prestige- gründen ihren Standpunkt durchsetzen, daß sie. solange sie nicht von der Schweiz wegen der Woronsky-Assäre volle Genugtuung er- hallen hat, an keiner Abrüstungskonferenz teilnehmen will, die auf Schweizer Boden stattsindet. Gegenüber der kleinen Schweiz kann sich das russische Riesenreich diese Hallung erlauben, gegenüber einer Großmacht würde es viel kleinlauter sein, besonders wenn es po- litische oder wirtschaslliche Vorteile von ihr erhofft. Es fragt sich nun. was wichtiger ist: die Tellnahme Sowjet-Rußlands an einer inter- nationalen Abrüstungskonferenz zu sichern oder«ine Solidarisierung mll der Schweiz. Nur aus realpolitischen Gründen sind wir dafür, daß man in diesem Falle Sowjet-Rußland gegenüber nachgebe, und sei es nur. um ihm den Borwand zu nehmen, einer Konferenz fernzubleiben, auf der es Farbe wird bekennen müsien. Dann wird sich bald herausstellen, ob die Sowjet-Regierung mll ihren bisherigen Rüstungen defensive oder imperialistische Ziele verfolgt hat. Im übrigen: wenn die Bolschewik glauben sollten, daß ihr Prestige, fall» sie in diesem diplomatischen Komps gegen die Schweiz „siegen- sollten, in der Well erhöht werden würde, so täuschen sie sich. Denn außer den Anhängern der Drillen Internationale wird jeder» mann empfinden, daß die Sowjet-Regierung mll chrem Borgehen gegen die Schweiz nur in den Spuren Iewolskys wandell und daß sie über noch viel schlimmere Dinge als den Freispruch des Woronsky-Mörders Eonradi beide Augen zudrücken würde, wenn es sich z. B. um ihre rechtliche Anerkennung durch die Dereinigten Staaten oder um«ine groß-englische Anleihe Handelle. Frage ausgesprochen Halle, marschiert« ein Trupp junger Burschen an uns vorüber. In grauen Uniformen. Mll schwarzweißroten Ab- zeichen. Mitglieder des„Stahlhelm-. Steif im Gang und mll mili» tärischem Nachdruck im Tritt. Und in diesem Augenblick, sagte mir die Frau, die vor mir stand:„W enn er noch lebte.... wenn mein Helmut noch lebt« dann wäre er auch da» bei!- Ia.«enn er nock lebte, dann würde er dahin gehen, wo der Krieg geboren wird, der Krieg, der ihn und«ine ganz« blühend« Jugend verschlungen hat. Und die Müller würde wieder maßlos swlz auf ihren Sohn sein. Denn die Frage— die ewige Frage!— „warum gerade er gefallen ist?-, hätten dann die anderen voll Verzweiflung an das Schicksal zu richten... „Joseph tu Aegypten- als Sendesptel. Mehuls Oper „Joseph in Aegypten-, die infolge ihres wenig bühnenwirk- samen Textbuches nie die Liebe des Publikums recht zu erringen vermochte, zeigt nun in einer Uebertragung von der Sendebühne, daß all« ihre Mängel auch Vorteile sein können. Die unkomplizierte und eigenilich recht wenig dramatische Handlung stellt an die Phan» taste der Hörer geringe Ansprüche, und selbst die sehr schlecht« Der» deutschung von Wittmann, die der Oper zugrunde gelegt wurde. erschwerte das Verständnis nicht Die Einfachhell der Komposition, die musikalische Breite, die Gefühlsechthell trotz des Fehlens stärkster tragischer Akzente, sichern aber der Musik Entgegenkommen einer großen Schar, die dem ausgesprochenen Oratorium deswegen oft fern bleibt, well dos Fehlen der Derbindung-texte zwischen den einzelnen Gesangnummern sie dort stört. Bruno Setdler» Wintler hotte, um tote Sellen zu vermeiden, de« Prosastellen melodramatisch untermall, so daß einheitlich« Linien gewahrt wurden, die sonst oft durch den schroffen Wechsel von Gesang und ge» sprochenem Wort empfindlich unterbrochen werden. Von den Aus- siihrenden seien noch Eugen Transki als Joseph, Louis van dem Sande als Jakob. Max Spilcker als Simeon und Violetta Schadow als Benjamin genannt. T e s. Schuh der Tier- oud Pslanzeuwelt. Wie der Amtliche Preu- ßische Pressedienst einem Erlaß des preußischen Unterrichtsministers entnimmt, hat die staatliche Stelle für Naturdenkmalspflege in Pleußsn ein Flugblatt herausgegeben, in dem an die Jugend die Bitte gerichtet wird, bei Ausflüaen usw. mit der Tier- und Pslanzenwall schonend umzugehen. Die Flugblätter, die zur Ver- teilung an die S-büler geeignet sind, können in Päckchen zu je 50 Stück zum Preise von 1 M. von der Geschäftsstelle der staat- lichen Stelle für Nowrdenkmalspflege in Preußen. Lerlin-Schöne- berg. Crunewaldstr. 6/7. bezogen werden. flaatioper. Di« für lag Dtrigentenaadsplel von Richard Strauß vor- bereitet« und wegen Erkrankung von Piccaver algeletzte Neneinstildieranq ler ,A riain» auf Naxoi" gelt nurmelr am 8. April unter nmsi» kallscher Leitung von Eenerallnuslkdirektor Leo Blech in Lzen«. Riesig« Zonoeo flecke. Aus l« Sternwarte in Bulkowa w Ruhland wurde ein« Gruppe neuer großer Sonnenflecke entleckt, dt» se!l>1 ein« Fernglas erkennlar swl. Einig» dieser gletfe betragen das Mehrfache de» Umsanges ler Sri«. das Volksbegehren. Das Ergebnis von 29 Wahlkreise». Beim Reichswahllciler lagen am 23. März, nachmilkags die vorläufigen Ergebnisse des Volksbegehrens aus weiieren Wahlkreisen vor. nämlich: Wahlkreis 3(Potsdam Ii), 4(Potsdam I), 5(Frankfurt a. d. O.). S(Liegnih). lZ(Schles- wig.Holsleiu). 14(Weser-Ems). 17(Westfalen-Bord). Z4 (Oberbayreu-Schwaben). Insgesamt sind bisher in 2� Wahlkreisen 10 036 852 tintrogungen gezählt. Es stehen noch b Wahlkreise aus, nämlich: 1(Ost. preu�en). 7(Breslau), 10(Magdeburg). 25(Biederbayern), 34(Hamburg) und 35(Mecklenburg), ferner 24 Bezirksämter des Wahlkreises Franken. Vergleicht man die Zahl der Einkragnugea in den neu gemeldeten Wchlkrelfeu mit der Zahl der Stimmen, die bei der lehlen Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 ans Sozial- deinokraten. Unabhängige Sozialdemokraten und Kommu- nisten in diesen Wahlkreisen entfallen sind, so ergibt sich folgendes Bild: iL a h l k r e i» Wahlkreis 3(Potsdam H)... � , 4(Potsdam I)..... , 5(ftranlfurt a. d. Oder) � » 8(Lieanitz)...... « 13(ScbleSwig-holstein).. 14(Weier Ems)..... . 17(Westfalen Nord..> » 24(Oberbayern-Schwaben)< Zahl d«r Ein- ?kl>z. der Gtlmmkn, die ai-fSPD.U-P. u AominuniNen am trazungen 7. emsallen smd 514 034 47S 420 244 57« 268121 296 707 201 074 358 081 209 088 145,6 122,8 89,6 120,3 103,2 98,1 116,7 74,3 Steigerung in Gstpreußen. Königsberg, 23. März.(MTB.) Nach Eingang weiterer Er- gebnilss hat sich die Zahl der Eintragungen für das Volksbegehren bis heute mittag auf 163 894 erhöht. Es fehlen jetzt nur noch ein Kreis und mehrere Gemeinden. Thüringer Juftiz-Chronik. Wieder eiue Hetze gegen einen Republikaner zerflattert. Jena, 23. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Disziplinar-Ssnat des Oberlandesgerichts in Jena verkündete am Dienstag In dem Dienststrafverfahren gegen den Landgcrichtsprästdenten Spatz in Gotha folgendes Urteil: Der Angeschuldigte wird freigesprochen. Die Kosten werden der Staatskasie auferlegt. In der mündlichen Urteilsebegründung erklärte der Vorsitzende, daß sich in keinem der Anklagepunkte durch Tatsachen hätte erbringen lassen, die für den Landgerichtspräsidenten irgendwie belastend sein könnten. ' Der Ausgang dieses Prozesses bedeutet eine neu« Justiz- kata strophe in Thüringen. Die Hetze gegen den r e p u b l i- konischen Landgerichtspräsidenten Spatz ist elend zusammen, gebrochen. Nun müßten die Hetzer gegen Spatz zur Verantwortung gezogen werden, insbesondere der Amtsgerichtsdirektvr Busch wegen seiner leichtfertigen und fanatischen Anklage gegen Spatz. Erst dann würde die nach Ansicht des Oberlandesgerichts verpestete Luft im Landgericht gereinigt werden können. Wer wo wird denn die völkische Regierung Thüringens ihre Schütz- lmge zur Verantwortung ziehen! Sraunstbweiger Justiz. Ein Skandal, der vertuscht werden soll. Di» Braunschweiger Justiz, die im Fall Stoelzel aller Welt bewiesen Hot, mit welch drakonischer Strenge sie die lächerlichen Verfehlungen eines sozialdemokratischen ßandesschulrgts zu ahnden weiß, ist, wie wir schon kurz meldeten, seit Monaten be- strebt, den Skandal eines hohen Iustizbeamten. des ehemaligen Leiters der Landesstrafanstalt in Wolfenbüttel, jetzigen Oberstaatsanwalts du Roi zu verschleppen. Gegen du Roi hat unser Braunschweiger Parteiblatt den Vorwurf von Unter- schleifen im Amt gemacht, ohne daß das Ministerium es für nötig hielt, das hierauf eingeleitete Disziplinarperfahren bis zur Erledigung der Privatklage gegen den Schriftleiter des„B o l t Z f r e u n d' zu- rückzustellen. In dem Prozeß, den man immer wieder von neuem hinaus- zuschieben versucht, wird folgendes unter Beweis gestillt werden: Du Roi hat aus den Beständen der Anstalt ordnungswidrig zu einem wahren Schleuderpreis gekauft: 15 Pfund Kakao. 1 Ferkel. 5H Pfund Schweinefleisch. 25 Pfund Tomaten. 8 Zentner Gerste. Dafür bezahlte du Roi Ende 1922: 3600 Mark, während der Tage». preis 8970 Mark betrug. Gegen die ausdrückliche Anweisung des Ministeriums hielt sich du Roi auch für befugt, an einzelne ihm nahe- stehende Beamte weit unter Tagespreis Lebensmittel zu verkaufen. Am 8. Juli 1922 bezog ein Beamter 2 Zentner Hafer für 1000 Mark, am selben Tage mußte die Landesstrasanstalt selbst 900 Mark für den Zentner bezahlen. Am 9. September 1923. als der Tagespreis 2500 Mark betrug, taufte der Oberstaatsanwalt 3 Zentner Gerste zu je 1200 Mark. Dies« Schleuderpreis«, die sich Herr du Roi selbst berechnete, hat er übrigens nicht einmal so- fort bezahlt, sondern ein Vierteljahr oder ein Halbjahr später, zu einer Zeit, in der die fraglich« Geldsumme durch die Jnsla- tson völlig entwertet war. Im Januar sollte die Beletdigungskloge gegen den„Volks- freund" verhandelt werden: sie wurde verschoben, da der Herr Ober« staatsanwalt wegen der„Schwurgerichtsperiode" zu sehr beschäftigt sei. Auch der neue Termin. Mitte März, ist wieder abgesetzt worden, da ein Entlastungszeuge du Rais, ein früherer Anftalts- Pfarrer, wegen der„Vorbereitungen zum Osterfest" nicht nach Braunschwelg kommen kann. So folgt«ine Schwurgerichtsperiode dem Osterfest und so fort, bis die Braunschweiger Stahlhelinjustiz bewiesen hat. was Rechtsprechung heißt. öazilles Polizei. Jagotv-Maniere» i« Württemberg. Lwklgart. 23. März(Eigener Drabtbericht). Der Landtag hat einen Antrag des GeschäftSordnungkauSschusseS auf sofortige Haftentlassung der am l8.März wegen.versuchtenHolbverratS" festgenommenen kommunistischen Abgeordneten Brllnnle und Schneck angenommen. Die Polizei, die sich augenblicklich mit großem Eifer pesonoerS den Linksparteien widmet, hat wieder eine wobl- verdiente Ohrfeig« erhalten. Tie am Dienstag geplante Demon- ftration der Kommunisten gegen die Vcrha'tung der beiden Ab« geordneten wurde von dem Polizeipräsidenten wegen.un mittel- harer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" per» boten. Dafür entsandten die Kommunisten zahlreiche Abordnungen in den Landtag. Ein verstärkte« Polizeiaufgebot.sicherte" die Orb- nung» die voll kemer Seite gestört wurde. Drei Gruppen öer§eme. Der Arbeitskreis des Femeuntersuchungsausschusses des Reichstags. Der Femeuntersuchungsausschuß des Reichs- tags trat gestern abend zu einer Sitzung zusammen, in der mit Rücksicht auf die Plenarberatung nur die wichtigsten Angelegenheiten erledigt werden konnten. Aus den Mitteilungen des Borsitzenden über die Materialbeschaffung verdient hervorgehoben zu werden, daß Mecklenburg-Schwerin trotz wiederholter Er- inncrung noch immer kein Materiol über die Feme- morde geschickt hat. Dem Ausschuß liegt laut Verzeichnis nunmehr Wrenmoterial im Umfang von 100 Bänden vor. Mit dem preußischen Femeuntersuchuugsausschuß wird aus dessen Wunsch Austausch der Drucksachen vereinbart. Di« Frage der An- stellung eines Sekretärs wird zurückgestellt. Es erfolgt sodann der Bericht des Berichterstatters Dr. Levi. Nach seiner Auffassung muß alles getan werden, um die Untersuchung des Ausschusses nicht ins Uferlos» gehen zu lassen. Die Arbeit sei nicht auf die 400 bis 500 Morde, dl« fest 1918 erfolgt wären, auszudehnen, sondern zu beschränken aus diejenigen, die das klare Kennzeichen der F e m e l u st i z tragen. Es handelt sich auch um keine historische Untersuchung über die Rechtsvcrbonde, sondern um die Konzentration auf diejenigen Organisationen, in denen Feme- morde erfolgt sind, wie diese Organisationen entstanden und ob sie etwa im Zusammenhang mit staatlichen Stellen standen. Als Grund- läge müßten unter allen Umständen die gsrichtlichen Feststellungen dienen. Der Ausschuß sei keine Mordtommission. Unter diesen Um- ständen ergäben sich drei Gruppen von Fällen. Erstens die norddeutsche Gruppe, zu der neben dem Parchimer Mord(Kadow) und der Ermordung eines gewissen Böttcher die Fälle der Ermordung der Sand, Willins, Pannicr. Legner, Gröschke. holz und Beyer gehören. Dazu ferner der Fall Hermann aus der Arbeitsgemeinschaft Meier(Oberschlesien). Die zweite Gruppe bezieht sich aus die D e u t s ch v ö l k i s ch e Freiheitspartei, von der im Zusammenhang mit dem �sall Grütte-Lehder von Femejustiz gesprochen wird, was der Bericht- erstatter jedoch unter Betonung aller Vorbehalte erwähnt. Die dritte Gruppe bildet die O r g a n i s a t i o n C. Zu dieser speziell süddeutschen Gruppe gehören die Fälle der Ermordung des Dienstmädchens Sandmeyer, der Reichswehrsoldaten Dobner (beide Oktober 1920), des Landtagsabgeordneten Gareis(Juni 1921) und die Attentat« auf Erzberger, Räthenau, Scheidemann und die Ermordung des Studenten Bauer(März 1923). Der Berichterstatter betont, daß Hier gewisse Indizien aus ein« Zentrale in München vorliegen und daß die diesbezüglichen Untersuchungen vor dem Stoatsgerichtshos dem Ausschuß nicht genügen könnten. Auch bei der Untersuchung dieser Gruppen könnten jedoch wesent- liche Einschränkungen erfolgen: die Organisation OL interessierst m diesem Zusammenhang erst nach Auslösung der Brigade Erhaxdt (September 1920), die Schwarze Reichswehr erst ab 1922. da die Fememorde im wesentlichen 1923 geschehen seien. Der Begriff der Schwarzen Reichswehr sei aus den Denk- jchriften keineswegs klar geworden, es handele sich dabei u. a. um die Feststellungen on evtl. Beziehungen veraytwort- sicher Stellen zu ihr und ob solche Stellen etwa für die Herairs» bildung der Mißstände in der Schwarzen Reichswehr verantwortlich gemacht werden könnten. Die Heranziehung der Akt«nd«s Reichswehrminlsteriums uird des Reichstpehrgruppen- kommandos III über die Schwarze Reichswehr sei deshalb unbedingt erforderlich. Ebenso die von gewissen Akten des Staatsgerichtshofs. des preußischen Ministeriums des Innern und des Reichsgerichts über Fälle, wo eine Verurteilung wegen des Verrats der Schwarzen Reichswehr erfolgt sei. Dem Bericht folgt eine längere Teschäftsordnungsdebatte, deren Ergebnis die B e st i m m u n g e i n e s Korreferenten in Ge- stalt des deutschnationalcn Abgeordneten Scheffer ist. Als sich bezüglich der Abgrenzung des Begriffes Feme eine Meinungs- Verschiedenheit zeigt-, betont Abg. Landsberg: Es haben sich Sitten eingebürgert, die sonst nur im Hintorwald zu Hause waren und deren Exiitenz die Oeffentlichkeit aufs lebhafteste beunruhigen. Es ist Pflicht der Gesetzgeber, sich mit diesen Sitten zu beschästigen, und zwar verlangt die Oeffentlichkeit mit Recht die Untersuchung ohne Rücksicht darauf, ob die Feme etwa bloß Mitglieder der Organiso- ticnen oder auch Außenstehende ermordet hat. Als der Berichterstatter nochmals die Notwendigkeit der heran- Ichaffuna der Reichswehrakten unterstrich, machte der Por- sitzende den Zwischenruf:„wenn welche da find". Abg. Levi(fortfahrend): Ich glaube bestimmt, daß wasche da sind. Bei der KPD. und bei den, Reichswehrministerium wird über alles Akten geführt.(Heiterkeit.) Unter Umständen wüßt« man die Zeugen über das Vorhandensein solcher Akten befragen, auf jeden Fall sei aber auch die Denkschrift des Reichswehrminlsteriums nur auf Grund von Akten zustondegekommen. Nach weiterer Geschäftsordnungsdebatte wird der Wunsch, noch vor Ostern eine Sitzung abzuhalten, abgelehnt, aus Vorschlag des Vorsitzenden, die nächste Sitzung jedoch bereits auf den 20. April anberaumt. Es sollen dann aus Grund der Darlegungen der beiden Referenten die Grenzen der Arbeit des Ausschusses gestecht und De- rerts Vorschläge zur Beweisaufnahme gemacht werden. Der Morö an Matteotti. Tas erste Wort der Ehrfurcht. (Bon unserem nach Ehieti entsandten Berichterstatter.) Ehieti. 21. März. Die Beweisaufnahme ist zum Abschluß gekommen. Als Nach- zügler unter den Zeugen hat man den moximalistlich«» Abgeordneten Cassinetki gehört, aus dessen Mund das« r st« Wort der Ehrfurcht für unseren Toten laut wurde. Ein- leitend erklärte Cassinelli, daß er. überzeugt von.der völligen Nutz- wssgteit, auszusagen", nur auf Grund der wiederholten Einladung des Präsidenten erschienen sei. Auch ihm stellt« Farinacci feine stereotype Frage, ob sich sein Urteil über Matteotti auf den W- geordneten oder aus den Agitator bezöge. Er erhielt die einzig mögliche Antwort, daß Matteotti ihm und den Seinen als da» st reitbar st e Mitglied der Partei galt, als Abgeord- netsr, als Schriftsteller, als Redner:.Man Hot den z ä h e st e n und unbeugsamsten Gegner treffen wollen. eben den. dem nur der Tod den Mund schließen tonnte." Es folgte die Besichtigung des Autos, in dem Matteotti seinen letzten schweren Kampf gekämpft hat. Wie man weiß, ist eine Scheibe zerschmettert, dos Futter«ine» Shtz- und Rückenpolsters ab- getrennt. Gewißheit hat man diesem stummen Zeugen nur insofern entreißen können, als auf den Scheiben die Fingerabdruck« D u m i n i s und V o l p i s gefunden wurden. Sie bilden das einzig« unabweisbare Belastungsmaterial des Prozesses. Bei der Verlesung der Sachverständigengutachten über die Leiche konnte man nicht ohne tiefen Ekel feststellen, daß bei den entsetz- lichsten Stellen Poveromo sich vor Lachen schüttelte und bei einigen Individuen des Publiums die gleiche Heiterkeit auslöste. Was die Gutachten selbst betrifft, so sind sie hinlänglich bekannt. An der Identität der Leiche erheben die Sachverständigen keinerlei Zweifel, lind daß die Verwesung schon bis zur fast völligen Zer- störung der Wcichteilc vorgeschritten war, wird durch die Sommer- Hitze, die Schmolheit der den Körper bedeckenden Erdschicht und durch den Umstand des Fehlen» der Kleidungsstücks erklärt. Als mutmaßlicher Zeitpunkt der Verscharrung wird der des Todes angenommen. Uebsr die Art, wie man den Leichnam eines 1,74 Meter großen Mannes in«ine nur 90 Zentimeter lange Grube gebracht hat. meint das Gutachten, daß man gewaltsam die schon in Leichenstarre be- findlichen Gliedmaßen der kleinen Höhlung angepaßt habe. Das höchste Maß von Gewaltanwendung betras die Stellung de» rechten Beines, das in der hüftgelenkpfann« derart gedreht wurde, daß der rechte Fuß neben da» Haupt zu siegen kam. Ein Rippon.bruch wird auch auf das gewaltsame hineinzwängen der Leiche in die enge Gruft zurückgeführt. In bezug aus die Todesursache erklärt das Sachverständigen- tollogium, an einer genauen Feststellung gehindert zu sein erstens, weil die Weichtelle fehlen, zweitens, weil die Eingeweide verw'st sind, drittens, weil keine Knochenverletzungen festzustellen sind. Mehr als die Knochenrest« hat die Jacke Ausschluß gegeben. Sie zeugt von einer bedeutenden Blutung, die st« von innen nach außen durchtränkte, und zwar aus der linken vor- deren Brustkorbseite in ihrem oberen Töil. Di« Sachverständigen stehen nicht on. diese Blutung als durch«ine Stichwaffe bedingt zu erklären und kommen zu dem Schluß, daß aller Wahrscheinlich- lest nach die Wunde am Brustkorb die Todesursache war. Nicht di« Beschaffenheit des Blutes, die nicht mehr festzustellen war. wohl aber die Verteilung der Blutflecke � schließen die Annahme einer Lunxenblutung als Ursache der Flecken an der Jacke vollständig aus. wie das ja auch die Anklageschrift der Donintersuchung tick.-~- Inzwischen sind auch die Schuldfragen iür die G-shworenen formuliert worden, die wir nach telegraphischer Meldung im Morgenblatt veröffentlicht haben. LehrerbtlÜung in Saüea. TaS Gesetz angeuommeiu Karlsruhe, 28. März.(Eigener vrahtbertcht.) Der vadische Landtag hat am DienStognnttag da« Lehrerbildung«- g e s e tz mit 41 Stimmen de» Zentrum» und der Sozialdemokraten gegen 25 Stimmen der Vollöpartei, der Demolraten. der Bürger« lichen Vereinigung und der Kommunisten bei zwei Enlhaliimgen in erster Lesung angenommen. In der vorangegangenen, ziemlich leidenschastlich geführten Debatte wurde hauvrsächlich die Frage der Primareife und der simultanen Gestaltung der LehrerbildungSan st alten behandell. Die Hochick-ul- bildung für Lehrer wurde nur noch vereinzelt verlangt. Söm>> liche von den Gegnern der Vorlage gestellien Anträge, durch di« da» Gesetz zu Fall gebracht werden sollle. wurden abgcleknl. Aus Grund der Geschäfttordnung erzwang die Opposition eine Ber« schicbung der zweiten Lesung um acht Tage. die Sta�!l)L!mer schießen. Auf Republikaner. Köln, 23. März.(Eigener Drahrbericht.) Auf dem Kökn-Deutze» Bahnhos trat«in Trupp Stahlhelmleute in einen größeren Kreil von Reichsbanner leuten mir dem Ruf:„Nieder mit dei Republik!" C» kam zu einem Handgemenge, in dessen Berlaui zwei Schüsse abgegeben wurden, von denen einer einen oui Herbed« stammenden Reichtbannermann am Halse streifte. Der Stahlhelmmann wurde sofort verhaftet. * Aus Schlesien wird uns geschrieben: Di« Rechtsradikalen in Jauer und ihr Sprachrohr, das dautschnotionol«„Iauersche Tageblatt". sind in den Tagen des Volksbegehrens von früh bis spät mit den, siebenten Gebot hausieren gegangen, und haben sich nicht genug darin tun können, die Anhänger des Volksbegehrens als Spitzbube» und Räuber zu beschimpfen. Plötzlich ist e» in Jauer ganz still geworden. Einer der nationalen Musterknaben, der eine Hauptrolle in der„nationalen Bewegung" spielte, ist plötzlich als Brandstifter und Betrüger entlarvt worden. Als unlängst die Kontorräum« der Ledersabrit Frömmelt ausbrannten, gerieten zunächst die unteren Angestellten in den Verdacht der Brandstiftung. Schließlich stellt« sich heraus, daß der Brandstifter der Hoch- meister von, Jungdeutschen Orden und Führer p«? Stahlhelms, Leutnant a. D. Schmidt, ist. As Kassierer bei Frömmelt hatte er seit geraumer Zeit doppelle Buchungen vorgenommen. Um die Betrügereien nicht aufkommen zu lassen, schlich er sich in den Kassenraum, verbrannte die Bücher mit den Fälschun- gen und nahm noch 200 Mark bei dieser Gelegenheit mit. Wieder einer der„Erneuerer" Deutschlands, der sich als Betrüger ent- puppt hat! Opposition geeen KPD.�entrale. Die Pfälzer rebelliere«. München. 28. März. Eigener Droltberichi.) Ter letzt« Richiung-wewiel in der KPD.- Zentrale hatte in der Pfalz schwer« Disserenzen zur Folg«, die zur Auflösung der kommunistischen Bezirksorganisation durch die Zentral« führten. Abertrotz dieser Maßnahme und der Eingliederung der Pfälzer Parteio:gan>sation in d>e Baden» be« stehen di« Disserenzen im alten Maße fort. Sre kamen mit aller Deutlichkeit auf dem in Frankenthal abgehaltenen BezirkSpariei- tag der Pfälzer Kommunisten zum Ausdruck, indem der Befehl der Zentral« mit 34 gegen 20 Stimmen abgelehnt und ein» Entschließung angenommen wurde, die von der Zentrale die volle Wahrheit über die Zustände in Rußland der- langt: e» bestände begründeter Anlaß tür die Annahme, daß die Zentrale die wahren Verhältnisse in Rußland grundsätzlich ver- schleiere. Schwarzweißrokes aus Köln. Aus Köln wird uns geschrieben: Anläßlich des Befreiungstage» in Köln hat ssck die bekannte Schoko- lodensabrit Stollwerck ein« monarchistische Demonstration ge? leistet, die allgemein als eine Verhöhnung der Republik und der in Köln versammelten Zehntausende Reichsbannerkameraden gedeutet wurde. Die Firma Stollwerck hatte ihr in unmittelbarer Nähe des Bahnhofe» gelegenes große« Hau« geradezu übermäßig schwarzweiß. rot herausgeputzt. Da tm ganzen Kölner Großstadtviertel die schwarzweißroten Fahnen fehlten, trat dl« Demonstration der Firma SroUwerck um so stärker in Erscheinung. Etz wyr det allgemeine Wunsch der Republikaner Kölns, daß die Verhöhnung der Republik und der republikanischen Organisationen durch die Schokoladensirma in Deutschland bekannt werden müsse. Gewerkschaftsbewegung Zum kommenden Lehrlingsmangel. Der Geburtenausfall während der Kriegsjahre. Die Folgen des„ Stahlbades" von 1914 bis 1918 machen sich auf dem Arbeitsmarkt vom Jahre 1929 ab in besonderer Weise bemertbar. Der alljährliche Nachwuchs an Arbeitskräften aus den Reihen der schulentlassenen Jugend erfährt dann plöglich eine starke Einfchränkung. In Unternehmerkreisen beschäftigt man sich jetzt schon mit der in drei Jahren eintretenden Abnahme des Angebets von jungen Händen. Unser erstes Schaubild zeigt recht anschaulich den Knabengeburten in Deutschland 1913-1924 943.7 934.2 Lebend in 1000 827.4 807.7 709.8 654.4 531.1 479.7 471. 725.7 670.0 2 656.3 1913 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 1924 Geburtenrückgang, der mit dem Jahre 1914 begann, bis zum Jahre 1917 auf die Hälfte der normalen Ziffer zurückging, dann allmählich in den folgenden drei Jahren wieder aufstieg, in den Jahren 1922 bis 1924 aber wiederum einen steten Rüdgang genommen hat. Die zweite Darstellung zeigt die Wirkung hinsichtlich des eintretenden Mangels an beruflichem Nachwuchs noch deutlicher, da hierbei die Kindersterblichkeit berücksichtigt ist. Deutschlands 14- jährige Knaben 1927-1934 Nach Abzug der verstorbenen 2 724 In 1000 702 670 4. 522 536 400 351 368 1927-28 29 30 31 32 33 1934 Von welchem Gesichtspuntte auch man diese Kriegsfolge beurteilen mag, fo ift fie doch als uncbänderliche Tatsache hinzu nehmen. Im Borwärts" wurde bereits darauf hingewiesen, daß es Aufgabe der Gewerkschaften sein muß, aus der Not des eintretenden Minderangebots an schulentlassenen Lehr- und Arbeitsfräften für die Jugendlichen eine Tugend zu machen. Die Bedingungen, unter denen die Aufnahme in die Berufslehre erfolgt, find längst reformbedürftig. Die notwendigen Reformen find faum eher zu erwarten, als bis die eiserne Notwendigkeit dazu zwingt. Die Lehrzeit ist in vielen Fällen nach ganz anderen Motiven bemessen als denen der zur Ausbildung als junger Geselle oder Gehilfe erforderlichen Zeit. Eine Lehrzeit von vier Jahren ist entschieden zu lang, da ja der Ausbildungsprozeß mit der Lehrzeit ohnehin nicht abgeschlossen ist. Das sogenannte Softgeld ist fast burchaänaia derart farg bemeffen, daß es den meisten Eltern, zumal finder. reicher Familien, direkt unmöglich ist, ihre Söhne in eine Lehre zu geben. Kurzum, die Lehrbedingungen müssen für die Eltern mefentlich günstiger gestaltet werden. In dieser Beziehung ist ein Rückgang des bisherigen Ueberangebots sogar zu begrüßen. Ueber dies erfolgt ein gewiffer Ausgleich schon infofern, als unserer Jugend heute die Kasernenjahre erspart bleiben. tallindustrie schon längst eine ziemliche Hochtonjunttur eingetreten| Die Mehrheit des Borstandes der Ruhrknappschaft war der Auf fein. Die neuen Lohnabzüge sollen die am schlechtesten bezahlten fassung, daß das Verhalten des Reichsarbeitsministeriums nicht Transportarbeiter treffen. einwandfrei sei, da es in eine abgeschlossene Sache hineingriff. Der Bau der Knappschaftstrantenhäuser ist des halb fortgeführt worden. Die Mindesteinstellungslöhne für Transportarbeiter betragen nur 64 und 66 Pf. die Stunde. Daraus ergibt sich ein Nach Abzug der Bersicherungsbeiträge, Steuern usw. bleiben nur Wochenverdienst bei voller Beschäftigung von ganzen 29 bis 31 M. 27 bis 28 Mart Nettoverdienst übrig. Hinzu kommt, daß die Kurzarbeit von den Arbeitgebern in einem Maße fünstlich geschaffen wird, daß dadurch fast jeder Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen wird. Seit Monaten schon geht diese angebliche Arbeitsstreckung", so daß vielfach nur vier und fünf Tage in der Woche gearbeitet werden, in einzelnen Fällen noch weniger. Dadurch ergibt sich für die Arbeiter natürlich eine weitere starte Lohneinbuße, so daß häufig der Wochenlohn unter der Erwerbslosen= unterstügung zurückbleibt. Die Not der Metalltransportarbeiter ist schon so groß, daß für viele die Zeit nahe rückt, die Armenunterstüßung in Anspruch zu nehmen. Und nun kommen die Berliner Metallindustri ellen daher und wollen diese Hungerlöhne noch um 10 Proz. kürzen, um die Wirtschaft" zu retten! Herr von Borsig gab gelegentlich einer Verhandlung selbst zu, daß der Lohn der Transportarbeiter ein Hungerlohn sei, aber die Industrie sei arm und man müsse sich zunächst einmal wieder reich hungern, bevor es beffer werden könne. Jetzt will sogar Herr Borsig seine Hand dazu bieten, daß dieser Hungerlohn noch tiefer gedrückt werden soll. Ein Lohnabzug von 10 Proz. bedeutet 6% Pf. Stundenlohnkürzung, das ist ein wöchentlicher Lohnausfall von drei Mark und 12 Pf. Welche Bedeutung haben aber diese 3 Mart 12 Pf. in dem Haushalt éiner armen Arbeiterfamilie, die im günstigsten Falle dann mit 23,88 68 m. 24,88 mart eine ganze Woche lang mirtschaften Miete, Gas, Heizung, Bekleidung und Ernährung davon bestreiten soll. Die Arbeitgeber bestehen trotzdem auf ihrem Schein. Die Profitgier ist so starf ausgeprägt bei ihnen, daß jeder Appell an Vernunft und Menschlichkeit sich als verfehlt erwies Nun muß sich der Schlichtungsausschuß in den nächsten Tagen mit diesem vom Zaun gebrochenen Lohnstreit befassen. Ueber die Höhe des Lohnabzugs wollen die Herren mit sich reden lassen. Der Generaldirektor Röttgen von der Firma Siemens meinte fchon zent zu sein"; man würde sich auch mit einem geringeren Prozentsatz in der Verhandlung:„ Na, es brauchen ja nicht gerade zehn Probegnügen." Nicht alle Unternehmer sind von dieser schäbigen Lohndrückerei begeistert. Allein die Scharfmacherrichtung, deren Führer Herr Merter von der Firma Schwarzkopff ist, hat die Oberhand erlangt. Der Schlichtungsausschuß wird bei seiner EntScheidung alle Momente zu berücksichtigen haben. Es kann für ihn teine andere Entscheidung geben als: Hände weg von dem Hungerlohn der Transportarbeiter; er darf nicht noch mehr heruntergedrückt werden! Die Hehe gegen die Ruhrknappschaft. Konfeffionelle Intereffen gegen Bergarbeiterintereffen. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: „ Der Deutsche" bringt in dezter Zeit Berichte aus dem Ruhrgebiet, die mit der Wahrheit auf sehr gespanntem Fuße stehen. In einem Bericht mit der Ueberschrift Die Heze gegen den Kaplan" wird davon geredet, daß in einer Sigung der Ruhrknappschaft der Arsdruck gefallen wäre, daß der Kaplan( der Reichsarbeitsminister) flein gemacht werden müsse. Den Angriffen des Deutschen" auf die Vertreter des Bergarbeiter Verbandes liegt fol gender Sachverhalt zugrunde: Die Ruhrknappschaft, die weit über 400 000 Bergarbeiter ärztlich zu versorgen und den Versicherten auch die Krankenhauspflege zu gewähren hat, befigt im ganzen Ruhrrevier drei eigene Krankenhäuser. 90 Broz. der Kranten der Rhrknappschaft werden in Krankenhäusern, die tonfeffionellen Bereinigungen angehören, unter. gebracht. Da das Krankenhauswesen in diesem Gebiete auf féiner besonders hohen Stufe stand, beschloß die Ruhrknappschaft 1921, drel weitere erstklassige Krankenhäuser zu bauen. Die Vertreter des Bergarbeiter Berbandes im Borstande der Ruhrknappschaft haben dem Beschlusse zugestimmt, da ein unzweifelhaftes Bedürfnis an einigen Stellen hierfür bestand. Dem 3wed verband tonfessioneller Krantenhäuser des Ruhrgebiets ging die Absicht der Knappschaft wider den Strich. Er hätte lieber gesehen, wenn die Knappschaft ihm die Gelder geliehen hätte und er seine eigenen Häufer ausbauen und noch weitere bauen fönnte. Der Zweckverband fonfeffioneller Krankenhäuser, in dem die katholische Geistlichkeit die Führung hat, Dersuchte nun mit allen Mitteln, den beabsichtigten Bau der Knappfchaft zu hintertreiben. Bereits 1922 hatte er sich hinter den Christ lichen Gewerkverein gesteckt und diesen veranlaßt, eine Beschwerde an die damalige Aufsichtsbehörde zu richten. Der damalige Handelsminister. Genoffe Siering, ist daraufhin persönlich ins Ruhrgebiet gefommen und hat den Sachverhalt geprüft. Er mußte fest stellen, daß die Beschwerde un berechtigt war, weil tatsächlich ein Bedürfnis bestand und die scheinbar höheren Pflegefäße in den Knappschaftsfrankenhausern zum Teil auf die bessere ärztliche Berforgung und andere vertretbare Umstände zurückzuführen waren. Die Lohndruckaktion der Berliner Metallindustriellen. litten, glaubten nun, beim Reichsarbeitsminister einen befferen BeDie Berliner Metallindustriellen wollen empfindliche Lohnabe, züge vornehmen, weil nach ihrer Behauptung nur dadurch eine Betriebsreorganisation und eine gesundere Produktionsweise möglich sei. Nun fürzen aber die Unternehmer die Affordpreise schon feit Monaten in unerhörter Weise. Wenn Lohnkürzungen den Wirt fchaftsaufstieg begünstigen würden, dann müßte in der Berliner MeAls das Reichsknappschaftsgesetz in Kraft trat, schied das Handelsministerium als Aufsichtsbehörde aus. An dessen Stelle trat das Reichsarbeitsministerium. Die führenden Geistlichen des fonfessionellen Zweckverbandes, die beim Handelsminister eine Abfuhr erfürworter ihrer Sache zu haben. Sie ließen wieder eine Beschwerde gegen den Bau der Knappschaftskrankenhäuser machen. Merkwür bigerweise hat auch das Reichsarbeitsministerium, das sonst ablehnt, in die Selbstverwaltung einzugreifen, die erneute Beschwerde des Chriftlichen Gewerfvereins fofort aufgegriffen und die Knappschaft zu hindern gesucht, den Bauauszuführen. Die Herren des konfessionellen Zweckverbandes gerieten ob eines solchen Verhaltens der Ruhrfnappschaft außer Rand und Band. Sie fezten Himmel und Hölle in Bewegung, um die Knappschaft zur Räson zu bringen. Ein Beispiel von den Mitteln, mit denen fie tämpfen, geben die Berichte der Blätter vom Schlage des„ De: tschen“ ab. Es ist jedoch anzunehmen, daß das Reichsarbeitsministerium sich bei seiner Entscheidung nicht gegen die Intereſſen einer Sozialversicherungskörperschaft zugunsten einer konfessionellen Vereinigung wendet. indy Immer neue Stillegung. 0 Hamborn, 23. März.( Eigener Drahtbericht.) Die FriedrichThyssen Hütte sieht sich zur teilweisen Stillegung des Betriebes genötigt. Es werden das Thomas Werk die Blockstraße 3 und die Walzstraße 1 bis auf weiteres geschlossen. Auch die Thomas- Schladenmühle und die Steinfabrik legen an verschiedenen Tagen Feierschichten ein. Prämien in der Braunkohlenindustrie. Köln, 28. März.( WTB.) Da die Gewerkschaften in ber Brauntoblenindustrie das Lohnablommen zum 1. März gefündigt hatten, fanden heute Verhandlungen vor dem Schlichter Dr. Jötten statt. Es wurde eine Einigung dahin erzielt, daß die öhne unverändert bis zum 31. März 1926 bestehen bleiben. Weiter wurde verembart, daß bezüglich einer Gruppe von Arbeitern, besonders der Arbeiter unter dem Bagger, auf dem Wipperboden, auf der Hängebrüde und auf der Koblenbrüde bei den einzelnen Werfen, die Frage der Einführung vog besonderen Prämien im Einvernehmen zwischen den Parteien wohlwollend geprüft werden soll. Die Arbeit, Zeitschrift für Gewerkschaftspolitik und Wirt schaftskunde. Herausgeber: Theodor Leipart. 3. Jahrgang, Heft 3. 1926. Berlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts bundes. Preis 1 M. organisatorischen Voraussetzungen der Wirtschaftsdemokratie feftIm dritten Heft der Arbeit wird der Bersuch, die wirtschaftszustellen, von Prof. Dr. Paul Hermberg in einem Aufsatz„ Wirtfchaftsführung und Wirtschaftsdemokratie" wieder aufgenommen. der Gewerkschaften". Carl Mennice befaßt sich mit dem SynProf. Dr. Erik Nölting analysiert den voltswirtschaftlichen Sinn dikalismus, Dr. von Ungern- Sternberg mit dem Programm der SPD., das Unklarheiten in seinem wirtschaftspolitischen Teil enthalte. Franz Joseph Furtwängler schildert den FordBetrieb und seine Arbeiter" aus eigener Anschauung. Prof. Robert Michels gibt eine Darlegung über Nation und Klasse". Die Rundschau bringt außer einer Reihe wertvoller sozial politischer Uebersichten eine große Anzahl von Besprechungen wichtiger Neuerscheinungen. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, 7 Uhr, tagen folgende Gruppen: Neukölln: Jugendheim Beraftr. 29. Literarischer Abend: Aus Jack Londons Werken. Schöneberg: Jugendheim Rubensstraße( Sporiplaz). Bunter Abend. Süben, Südwesten: Jugendheim Schwimmhalle Bärwaldstr. 64. Vortrag: Bom Zunftgefellen aum freien Arbeiter. Norden: Jugendheim Linienſtr. 83/85, 1. Portal, 2 Treppen, Lieder und Leseabend. Jugendgruppe des Rd. Beute. Mittwoch, 7 Uhr: Gruppe Lichtenberg: Jugendheim Goßlerstr. 61. Bortrag: Tattische Fragen der Arbeiterbewegung. Referent: Swolingkn. Gruppe Neuföln: Jugendheim Nogatstr. 53. Borirag: Seelische Funktionen. Referent: Rachow. Gruppe Bedding- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtftr. 1( Lebigenheim). Vortrag: Was ist Wirtschaftsdemokratie? Referent: Dr. Rucharski. Gruppe Charlottenburg: Jugendheim Rosinenftr. 4. Vortrag: Leben und Wirten von Mact und Engels. Referent: Sirchmeier. Gruppe Schöneberg: Jugendheim Sauptstr. 17( Frankenland simmer). Märzgebanten. Achtung, SPD.- Stellmacher und Karosseriearbeiter! An unserer heutigen Branchenversammlung, abends 7 Uhr im Rofenthaler Sof, muß jeder Rollege teilnehmen. Wichtige Tagesordnung. Neuwahl der Branchenleitung. Der Werbeausschuß. Rimmerer! Verbandskameraben, mußt die nächsten Tage aus aut Agitation für unsere am Sonnabend, 27., Sonntag, 28., und Montag, 29. März, in allen Bezirken stattfindenden Bezirksverfammlungen. Wichtige Fragen stehen aur En scheidung! Die Funktionäre und Betriebsräte werden besonders ersucht, dafür zu forgen, daß alle Mitglieder an diefen Tagen in ihren zuständigen Quartal gut und ohne Restwochen abrechnen tann, Bezirk gehen und die Beiträge regeln, damit der Bezirkskaffierer das erfte Zentralverband der Zimmerer, Rahlstelle Berlin. Lebe vernünftig trinke Kathreiners Malzkaffee! Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges Frik Karstädt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin. Beriaa: Borwärts- Berlaa G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderel und Verlaasanstalt Vaul Ginaer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen. DIE NEUE 10 STUCK PACKUNG 10 GARBATY KONIGIN VON SABA Der Triumph Die neuartige immer frisch und Aroma haltende Packungsart verhütet das lästige Ausschütten der Zigaretten und garantiert dem Raucher Unversehrt heit und Bekömmlichkeit bis zum letzten Stück. Resalot 40% Ulberzeugen Sie fich! GARBÁTY Nr. 139 ♦ 43. Jahrgang 7. Beilage ües vorwärts Mtttwoch, 24. März 1924 Die Schulentlassungen stehen vor der Tür, und für viele Jugend' llche ist die Frage der Berufswahl noch ungeklärt oder hat eine mehr oder weniger vom Zufall geleitete, oberflächliche Lösung gefunden. Das gilt namentlich für die Mädchen, bei denen die Modeberufe eine besondere Rolle zu spielen scheinen. Hier ist es besonders der Beruf der K o n t o r i st i n, der noch immer eine außerordentliche Anziehungskraft für Geeignete und Ungeeignete besitzt. Um tünf. tigen Enttäuschungen vorzubeugen, sei einiges aus der Berufsberater» tätigkeft hierüber mitgeteilt. Ein unbefrieüigenöer Secuf. Aus keinem gelernten Frauenberuf ist die Abwanderung so stark wie au» dem der Kontoristin. Man könnte dies auf vorübergehende ungünstige Konjunktur zurückführen. Aber die vielen älteren Be- russtätigen, die sich nach Veränderung sehnen und zu einem sehr großen Prozentsatz Kontoristinnen sind, sagen immer wieder, daß der Beruf sie Innerlich zu wenig befriedigt, daß sie ihre Arbeit nicht interessiert, daß sie nicht länger gleichgültige Korrespondenzen führen. sondern mit lebendigen Menschen zu tun haben wollen. Man kann Sich des Eindrucks oft nicht erwehren, daß manche nur aus einen alschen Zweig des kansmännischen Berufs geraten ist und als Der» käuferin z. B. glücklicher geworden wäre. Nicht daß dieser Beruf an sich leichter ist. Er verlangt viel Stehen(leider oft mehr, als in oer Natur des Berufs begründet ist. denn es könnte vielfach noch bester für bequeme Sitzgelegenheiten gesorgt werden für di« Zwischenzeiten, in denen nicht zu bedienen ist): er verlangt auch mehr oder weniger Tragen» und Hebenkönnen, und vor allem gesund« Nerven. Wichtig ist ferner eine angenehme Erscheinung und guter Geschmack in Kleidung und Haartracht. Auch stellt der Berus nicht geringe seelische, geistige und sittlich« Anforderungen: Geduld, freundliches Wesen, rasche Anpastung an die Wünsche der Kundschaft, gutes Schreiben und Rechnen, peinliche Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit und Festigkeit gegen Versuchungen im Beruf. Diese vom Berussamt in Frankfurt a M. zusammengestellten Berussanforderungen müssen erfüllt werden, wenn eine Frau im Derkäuf.erinnenberuf vorwärts kommen will. Wenn er weniger begehrt ist, obgleich der ständige Verkehr mit Menschen, das Eingehen aus die verschiedensten Wünsche vielen Frauen besonders gut liegt, so ist dafür zum großen Teil die geteilt« Arbeitszeit verantwortlich zu machen. Man sollte sich aber beizeiten überlegen, ob nicht ein für ein Mädchen vielleicht reizvollerer Beruf, der ihr nur die Abende frei läßt, einer Tätigkeit mit durchgehender Arbeitszeit vorzuziehen ist, wenn diese Ihrer Natur weniger entspricht. Dom gesundheitlichen Standpunkt aus ist, wie viele neuere Untersuchungen festgestellt haben, die durchgehende Ar- beitszeit überhaupt bedenklich und wer nicht mit Lust und Liebe bei der Sache ist, wird doppelt unter der scharfen Anspannung leiden. Ueberfüllung. Wenn auch in erster Linie die persönlichen Anlagen und Nei» gungen entscheidend sein sollen, so müsten doch auch die Erwerbsaus- sichten in Betracht gezogen werden. Hierüber sind noch falsche Vor- stellungen verbreitet. Man ist geneigt, die Ueberfüllung des Kon- toristinnenberuss für eine vorübergehende Erscheinung zu halten und von besserer allgemeiner Wirtschaftslage eine erhebliche Steige- rung der Nachfrage zu erwarten. Gewiß, ganz so schlimm wie gegenwärtig wird es wohl nicht bleiben, wo in einem großstädtischen Bezirk 435 Stellungsuchenden 20 offene Stellen gegenüberstehen! Aber auf eine umwälzend vermehrte Nachfrage Ist überhaupt nicht mehr zu rechnen, und zwar aus einem nicht genügend bekannten Grunde: Es vollzieht sich nämlich im Kaufmännischen dieselbe Eni- Wicklung wie in der Industrie: es werden immer mehr Maschinen an Stelle von Arbeitskräften verwendet. Vermutlich ist diese Entwick- lung bisher deshalb nicht beachtet worden, weil man von der In- dustrie her gewohnt ist, nur Muskelleistungcn und Leistungen der Fingerfertigkeit von der Maschine übernommen zu sehen. Heute gibt es aber bereits Maschinen, welche in hohem Grade menschliche Verstandesfunktionen übernehmen können: Addiermaschinen, Konto- korrentmaschinen, Rechnungsschreibmaschinen u. a. m. In Amerika sind diese Hilfsmittel viel verbreiteter als bei uns, und sie werden unzweifelhaft auch bei uns in großem Umfang eingeführt werden, und zwar um so rascher, je schneller die Wirtschaft sich wieder erholt und mehr Betriebskapital zur Verfügung steht. Einige Richtlinien. Dieser Hinweis hat nicht den Zweck, die wenigen, wirklich Ge- eigneten von dem Beruf fernzuhalten, sondern nur den ungesund großen Zudrang abzudämmen. Sehr tüchtige Kontoristinnen werden auch in Zukunft ihr Brot finden. Zur Selbstprüfung seien zun, Schluß in etwas gekürzter Form die Richtlinien mitgeteilt, die das Städtische Berufsamt in Frankfurt a. M. klar und treffend zu- sammengestellt hat. Danach verlangt der Beruf von der Kontoristin, daß sie 1. gesunde Nerven und Augen hat, nicht blutarm und bleich- süchtig ist und sitzende Tätigkeft im geschlossenen Raum vertragen kann: 2. aufmerksam ist, schnell und richtig auffaßt: S. sich nicht ablenken läßt, scharf denken und selbständig arbeiten kann: 4. ein gutes Gedächtnis hat: 5. eintönige Arbeit mit gleichbleibender Lust tun kann: S. mindestens die erste Volksschulklasse durchgemacht hat und zu den besten Schülerinnen ihrer Klasse gehört: 7. tadellos richtig schreibt und sicher rechnet; 8. eine klare und schöne Handschrift hat: S. unermüdlich strebsam ist und mit eisernem Fleiß alle Mög- lichkeiten zu ihrer beruflichen Weiterbildung benutzt. Des Mädchens klage. Der folgende Stoßseufzer einer Stenotypistin, voll bitteren Er- innerns, ein wenig sarkastisch gefärbt, mag bei dieser Gelegenheit auch hier stehen: Lieber Gott, warum hast du ausgerechnet eine Stenotypistin aus mir gemacht? Doch nein, diese Kateridee stammt ja leider von mir. Gibt's denn heute ein überflüssiges Möbel? Der Bedarf ver. hält sich zum Angebot wie 1: 1000. Wie wäre es mit Anprobier- dame 42er Größe? Auch wenig begehrt. Und dann, den ganzen Tag im Drillichkittel lauern müssen, ob Frau Kommerzienrat S. (200 Pfund Lebendgewicht) geruht, ihrer Garderobensammlung ein neues Stück einzuverleiben? Die verhältnismäßig größte Nachfrage ist noch nach Buttervcrkäuferinnen(allerdings mit Branchekennt. niffen). Neulich gab ich mal ein Inserat auf, in dem ich außer meinen bureaukratischen auch meine gesellschaftlichen Talente, als da sind: Weltgewandtheit, Menschalität, heiteres Wesen usw. ins Treffen führte. Daraus erhielt ich zwei Angebote: Nr. 1 war ein allein- stehender Herr aus dem Grunewald. Hoffnungsfreudigen Herzens eile ich ans Telephon. Doch es war wieder mal nichts. So viel- seitig, wie der mich haben wollte, bin ich leider nicht. Ich sollte sämtliche Hausarbeit(auch die Küche) besorgen, im Bureau tätig sein und die etwa verbleibenden„Musestunden" mit Musik und Frohsinn ausfüllen. Der Mann war gar nicht so dumm. Nr. 2 war ebenfalls eine Niete, aber wenigstens eine amüsante. Der Chef eines Bürsten- und Pinselgeschäfts(er selbst war die lebende Reklame des letztgenannten Artikels) offerierte mir den Vertrieb eines— „Staubsaugers". Der Schlaumeier. Der kalkuliert wiederum fol- gendermaßen: Sie nennt sich weltgewandt, dann wird sie es auch der musikalische Analphabet für entsetzlich hält, demnächst als Be- reicherung des Jazz-Band Verwendung findet, und zieht das alles nicht, daim macht sie sich infolge ihres heiteren Temperaments den Teufel daraus, wenn man sie an die Luft setzt! Schwer, schwer, schwer! Konzert des Männerchor«..Friedrichshain". In der Aula des Reformrealgymnasiums Lichtenberg, Parkaue, veranstaltete der Männerchor„Friedrichshain"(Mftgl. d. DASB.) einen Liederabend. Neben Chören von Nagler, Heinemann, Kann und Seidel brachte er einen Liederzytlus„Lieder eines Dorfpocten" zur Erstaufführung. Der Text ist von Franz Peter Kürten und die Komposition von Heinrich Kasper Schmid. Das Ganze besteht aus sechs Liedern, die fließend und tonschön komponiert sind. Allerdings wirkt manchmal ein festgehaltenes, getragenes Tempo ermüdend. Die Lieder sinl: in ihrer Gesamthaltung sentimental, nur das letzte„Der Gold« schmied van Köln" bewegt sich in lebhafterem Tempo. Alles ist empfunden in der Art der alten Gesellen- und Wanderlieder. Der Männerchor„Friedrichshain", unter Leitung des Chormcisters Franz Lorenz, war ein guter Interpret des Komponisten. Der Chor klang rein und entwickelte stellenweise einen überraschenden Wohlklang. Franz Lorenz hat ausgeprägtes Empfinden für Tempo und Rhythmus und für Schattierung der Stimmen. Als Solist wirkte der Harfenist Otto Müller, Mitglied des Philharmonischen Orchesters. Er spielte eine Thomas'sche Phantasie„?,m Herbst" und die beiden Kompositionen von Porisch Alvars„Barcarole" und „Piratenmarsch". Besonders klangschön gelang ihm die„Barcarole". Gnkel Moses. Roman von Schalom Asch. Er erweckte einen Reiz in ihr. Doch Dr. Goldstews elek- Irische Maschinen, welche Onkel Moses' träges Blut wärmten und erfrischten(der Onkel gebrauchte sie insgeheim), waren nicht imstande, den Onkel jung zu machen. So weckte er sie aus ihrem Mädchentraum und war nicht imstande, ihr einen anderen, einen Wahrtraum zu schaffen... Sie war wie eine Braut, die zu einer Hochzeit geladen ist, auf der der Bräutigan fehlt... Wie ein junger, frischer Sprößling unter einer Glasglocke, dessen Erde gedüngt und dessen Wur- zeln gewärmt werden, doch dessen Zweige durch das Glas beengt sind.... Durch jede Berührung, durch jede ihrer Zärtlichkeiten machte sie ihn edler und schöner, pflanzte sie in ihm neue Sehnsüchte nach dem Leben ein, doch sie selbst wurde häßlicher und roher. Wie der Pharao, welcher bei Nacht in Kinderblut badet, ging der Onkel bei Tag gut, freundlich, strahlend und lächelnd umher, besser zu den Menschen und zu Gott. Sein Herz, welches mit dem Kinderblut genährt war, das er des Nachts getrunken hatte, wurde weicher, fühlender und mensch- sicher... So nährte Mascha Nacht für Nacht mit ihrer Mädchenunschuld und ihrem Iugendadel tropfenweise einen fremden, alten, dürren Dorn. Der Dorn begann zu blühen, und sie selbst verdorrte... In der ersten Zeit empfand sie Scham. Sie meinte, alle wüßten es, alle sähen ihre Mädchengeheimnisse, welche der Onkel enthüllt hatte, und sie lägen nackt und bloß vor der gcuren Welt— daher schloß sie sich tagelang in ihrem Zim- mer ein, verschloß sie sich vor den Menschen, schämte sich, in den Spiegel zu schauen, ihr eigenes Antlitz anzusehen, ihre eigene Schwester zu sehen. Dann ergriff sie Sehnsucht nach ihren Mädchenjahren. Sie liebte es, sich mädchenhaft zu kleiden wie zu der Zeit, da sie noch in der Pension gewesen war und erinnerte sich an den kleinsten Umstand, der sich ereignet hatte, als sie noch ein Mädchen war. Die Gespräche mit ihren Freundinnen, ihr Spiel mit Charlie und ihr Spott über ihn— jede Kleinigkeit rief bei ihr unendlich viele angenehme Erinnerungen hervor. Sie schloß sich ganze Tage lang ein. zog ihre Schulbücher und Schuchefte. die sie als Andenken behalten hatte, alte Briefe, die sie einmal von Freundinnen bekommen hatte, Geburts- tagsgeschenke, Souvenirs und anderes unschuldiges Spielzeug hervor und füllte damit ihre leeren sehnsuchtsvollen Tage aus. Oft dachte sie an Charlie und versuchte sich in ihrer Phantasie vorzustellen, was geschehen wäre, wenn sie den Onkel nicht geheiratet hätte. Ein ganz anderes Leben stieg vor ihr auf. Sie sah sich als Arbeitsrmädchen, als Stenographin in einem Bureau sitzen und acht Stunden im Tag arbeiten, sah sich Charlie helfen, damit er die Universität weiter besuchen könne. Und jeden Abend wartet er auf sie vor dem Bureau, sie beide gehen in einem billigen Lunchroom essen, gehen zu- sammen spazieren, zu einer Vorlesung oder in eine Bibliothek. Wenn sie etwas einkaufen will, treffen sie sich am Samstag nachmittags vor einem großen Warenhaus. Sie hat ihr Gehalt bekommen, und nun suchen sie beide ein Kleid für sie aus. Charlie muß sagen, wie es ihm gefällt, sie zieht das Kleid sofort an. Charlie den neuen Ueberzieher. und sie gehen zusammen zu einer Matinee.... Dann wurde ihr das Leben langweilig. Bei Tag, wenn der Onkel nicht da war, füllte sie die Stunden mit Träumen aus— doch die Abende waren für sie furchtbar. Sie war der Porzellanhunde und-katzen und des abgeschmackten, geschlif- fenen Glases überdrüssig, das aus allen Winkeln glänzte, stumm war, nichts sogen konnte, jeden Tag sich gleich blieb und sich nie veränderte. Jeden Abend dieselben Zimmer, dieselben Lampen und derselbe Onkel! Dasselbe Lächeln, dasselbe „Mascha, dear darling": die LangeweUe zusammen mit dem alten Onkel war unerträglich. Mascha bekam jeden Abend Kopfschmerzen vor Langeweile. Wie man sie in schlechter Lust bekommt.... Jeden Abend dasselbe: das blöde Essen, zwecklos und unnötig— hier und da Kino, so oft dieselben freud» und lustlosen Eltern, welche durch übertriebene Güte und Untertänigkeit lästig fallen. Die Mutter treibt Politik mit den Angestellten im Geschäft und den Landsleuten der Familie, und der Onkel und der Vater erzählen einander gemeine Witze. Und dann die beschämenden und schmach- tenden Nächte, beschämend durch künstlich geweckten Reiz und beleidigt durch ohnmächtige Begierde, in denen sie das Gefühl hat, als wäre sie von leblosen Strahlen aus einem kalten Glas gewärmt, als wäre sie ein junges, starkes Füllen, welches mit papierenem Gras gefüttert wird.... Oftmals kam Sam an den Abenden zu Besuch. Er verfolgte Mascha schon lange mit seinen stumm beredten Blicken, und als das Leben ihr langweilig wurde, begann sie die stumm bettelnden Blicke zu beachten. Sams Gesicht glich dem des Onkels, doch es war jünger und kräftiger, die Nasenflügel lebten noch, und die Unterlippe zitterte vor Kraft und Frische. Er war der Onkel, nur jünger und brutaler, sprach viel, lachte viel an den Abenden und zeigte die starken, weißen Zähne, welche zwischen den Lippen hervorlngten. Und manchmal kam es Mascha wirklich so vor, alz stände der Onkel vor ihr. nur jünger und brutaler.... Sam befolgte den Rat seines Vetters Mones: »Mach' dich an di« jung« Frau heran; wa» du beim Wen nicht Haft erreichen können, das wirst du durch sie erreichen..." Und so oft er Gelegenheit dazu hatte, erwies er Mascha Auf- mcrksamkeiten. Erst geschah es aus Anhänglichkeit ans Geschäft. Doch als er begann, sie näher zu betrachten, als er ihre Stille und ihr leidendes Schweigen bemerkte, da rührte ihn etwas. Er verliebte sich in sie. Ihr zu Liebe löste er die Verlobung, welche er seiner Geschäftskarriere zuliebe' ein- gegangen war. Seine Empfindung zu Mascha beeinflußte fein Benehmen. Er schwieg und wagte mit keinem Wort, mit keiner Bewegung, sie zu beleidigen oder seiner Empfindung Ausdruck zu geben. Er war viel mit ihr allein, begleitete sie oft vom Geschäft heim und verbrachte mit ihr die Abende, wenn der Onkel mit seinen Versammlungen und Vereinen beschäftigt war. Er vertraute ihr alle seine Pläne an und fragte sie um Rat wegen seiner Verlobung. Das brachte sie ihm näher. Und Sam wurde ihr ein wahrer, ergebener Freund. Sein Gefühl für sie wurde so stark, daß der Bursche bereit war, alles für sie zu tun. Ihr zuliebe änderte er sein Benehmen. Es wurde anständiger und schöner. Da er sich vor ihr im besten Lichte zeigen wollte und nicht wußte, wie er dies tun konnte, begann er einen deutschen Tempel zu besuchen. Er vermeinte, damit würde er Mascha gefallen. Er lernte englisch schreiben und begann sogar Bücher zu lesen Auch seine Art, sich zu kleiden, änderte sich. Sam erwies Mascha stille, ergebene Treue, und diese Treue machte ihn edler und schöner. 3. Im Hause herrschte Stille. Die Hausmädchen gingen ausi den Zehenspitzen umher, als wäre ein Toter im Hause. Nur von ferne, aus einem im äußersten Ende der Villa gelegenen Zimmer drang unterdrückte Bewegung. Eine Tür ging auf und zu, ein Instrument klirrte, ein kurzer Befehl wurde leise gegeben, und Tritte gingen still und behutsam. Im Salon, welcher selten benutzt wurde und durch die Kälte des Unbewohntseins einen unheimlichen Andruck machte, ging der Onkel ruhelos auf und ab, biß die Nägel vor Ungeduld, und fein Ge cht war bleich und verzerrt von einigen schlaflosen Nächten. Seine Augen leuchteten in Furcht und Hoffnung. Er biß sich in die Finger und murmelte vor sich hin: „Vater, Mutter— Gott— hilf mir— ich will alles tun, alles, alles— nur hilf mir— laß sie nicht leiden, Vater — laß sie nicht, es ist doch zum Erbarnien— o, o." Im nächsten Zimmer gingen Schrttte, jemand lief durch, der Onkel stürzte hin. „Was gibt es, Schwiegermutter? Was?" „Gott hilft, Mojfche, Gott hilft— schweige. Der Doktor ist drinnen." (Fortsetzung folgt.) Einsegnungsluxus. Für die firchlichen oder der Kirche äußerlich noch angehörigen Kreise ist der März die Zeit der Einsegnungen. Und für die Mehr. zahl der eingesegneten Kinder vollzieht sich dann auch gleichzeitig der Uebertritt ins Erwerbsleben nur die Kinder bemittelter erschütternde Seim des nationalen Schmods ift wert, einer Ruriofitätensammlung einverleibt zu werden. Man hört förmlich das teutsche Bierherz gludsen. Ob selbst dem bärtigen Kriegervereins gemüt eine folch' titschige Sentimentalität nicht zuviel wird? eine" angeblich Neuorganisation" von Groß- Berlin-? Familien fönnen ihren Studien weiter obliegen. Da ist es denn Einige Blätter hatten die Nachricht gebracht, daß man drauf gewissermaßen ein Att der Notwendigkeit wie der Klugheit, das und dran sei, die durch das Gesez von 1920 geschaffene Organizur Einsegnung fommende Kind äußerlich mit einem Anzug zu verfation Groß- Berlins schon wieder über Bord zu sehen, der als bestes Kleidungsstüd für all die feierlichen und fest werfen. Man wolle die Alt- Berliner Berwaltungsbezirte 1 bis 6 lichen Gelegenheiten dienen muß, die das neue Leben mit sich bringt. zu einem einzigen Bezirk zusammenfaffen und aus den vierzehn Man weiß, wie schwer es vielen Eltern wird, das nötige Geld für Neu- Berliner Verwaltungsbezirten 7 bis 20 fieben Bezirke machen, die Einfegnungskosten zurückzulegen, zumal in einer Zeit so großer fo daß Groß- Berlin fünftig nur noch acht Bezirke hätte. Arbeitslosigkeit, wie es die jetzige ist. Schulden werden gemacht, und hierzu verbreitet jetzt der Magistrat durch sein Nachrichtenamt die Abzahlung ist nicht leicht. Um so bedenklicher ist es, wenn von folgende Erklärung: feiten solcher Eltern, die es können", ein Lugus an den Tag gelegt wird, der entweder zur Folge hat, daß die ärmeren Eltern sich noch mehr anstrengen müssen, damit ihre Sproffen nicht zu fehr ab. stechen" oder daß die Kinder fich beschämt und bedrückt fühlen, wenn es den Eltern eben nicht möglich ist, gleichen Schritt zu halten. So ist es vielfach üblich, daß für die Mädchen zweifache Gewandung angeschafft wird: ein Brüfungs- und ein Einsegnungs" tleid. Selbst bei den angehenden Jünglingen findet eine solche fagen wir offen: Berschwendung statt. Es ist klar, daß jedes nicht durchaus nötige Kleidungsstück schon deshalb vermieden werden sollte, weil die Kinder noch mitten im Wachstum sind und später noch möglich merdende Umänderungen Geld und Zeit erfordern. Auch in Schuhen und Hüten wird sehr oft mehr auf das Luxuriöse, als auf das Prat. tische gesehen. Es wäre Pflicht gerade der wohlhabenderen Eltern, mit dem Beispiele der Entsagung voranzugehen. ift " " Der seidene Strumpf mag das Bein zieren, wenn er erarbeitet ihn von den Eltern zu erbetteln oder gar zu ertrogen, follte fein Rind sich herausnehmen dürfen. Lebensfreude wird es für sich auch ohne äußeren Tand gewinnen, wenn es sich mit den Gedanken vertraut macht, die in unserer heutigen Jugendbewegung leben. Großfeuer in der Alexandrinenstraße. Ein Spielwaren- Großlager vollständig ausgebrannt. Das Großfeuer. bas gestern abend gegen% 48 Uhr im Seiten. flügel eines Fabrikgebäudes in der Alexandrinenstraße ein Spiel marenlager vernichtete und innerhalb furzer Zeit den ganzen Seiten flügel des Dachgeschosses in Brand gesetzt hatte, rief die Behren bes Bezirks zahlreich zur Löscharbeit herbei. Die Schußpolizei riegelte die Brandstraße ab. Bald stauten sich große Zuschauer. maffen. Die Nachricht von dem gewaltigen Feuer ging eilig von Haus zu Haus und von Straße zu Straße. Die wild emporiodern den Flammen waren auch in weit entfernten Stadtvierteln zu sehen und brachten auch dort die Menschen auf die Beine, die erregt und neugierig der Brandstätte zustrebten. In dem Hause Alegandrinenstraße 110, dem fo. genannten Meßpalast, befinden sich die Räume der befannten Ber finer Firma Rotophot, die Photopapiere, Postkarten und Tief. brude herstellt. Außer der Rotophot, die das ganze Gebäude inne. hat, befindet sich nur noch in der zweiten Etage des zweiten Quer gebäudes die bekannte Berliner Spielwarenfabri! Schu. bert, Nachf. Jensen, die unter der Firma Berliner Spielmarenfabrit G.m.b.5. ihre Artifel vertreibt. In dem Dachgeschoß des rechten Seitenflügels ist das Spielwarenlager der Firma untergebracht. Noch bis furz vor 5 Uhr waren Arbeiterinnen oben in den Räumen beschäftigt, die Spielwaren einjortierten. Gegen 48 Uhr abends wurde von den Druckereiarbeitern der Firma Nofter, die in dem dritten Stockwert des Hauses arbeiten, ein schwacher Feuerschein bemerkt. Kurze Zeit darauf schlugen bereits Flammen aus dem Dach. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert und erschien alsbald mit fünff Löchzügen unter Leitung des Baurats Mäuer an der Brandstelle. Zunächst wurde der Brandherd eingefreist und von vier Seiten Wasser gegeben. Trog an geftrengter Tätigkeit der Wehrleute blieb von dem ganzen Dachstuhl und seinem wertvollem Inhalt, der in seiner ganzen Ausdehnung ron 70 Metern lichterloh brannte, nichts übrig. Es bestand die Gefahr, daß das Feuer auf die angrenzenden Seitenflügel übergriff, doch bewährten sich hier die hohen Brandmauern. Das äußerst wertnolle Bromfilberlager der Firma Rotophot hat nur durch Waffer [ dhaben etwas gelitten. Gegen 10 Uhr war die Hauptgefahr be feitigt, boch zogen sich die Ablösch- und Aufräumungsarbeiten bis in die späte Nacht hin. Ueber die Entstehungsurfache verlautet noch nichts Genaues. Um 5 Uhr war Arbeitsschluß und Arbeiterinnen verließen wie gewöhnlich die Arbeitsräume. Defen, auf die man vielleicht die Entstehungsurfache zurückführen fönnte, befinden sich nicht im Dachgeschoß. Kurz nach 9 Uhr fonnte oben auf dem ausgebrannten Dach mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden. Auf den Ruinen erscheinen die Feuerwehrleute mit rauchgeschwärzten Gefichtern, von Staub und Dampfwolfen umhüllt, um mit Hace und Beil die Schuttmaffen abzutragen. Unter gewaltigem Krachen werden von Amei Seiten, rechts und links, die Stein und Sandmassen auf den Hof geworfen. Große Holzgerüste stürzen prasselnd herunter. Es ist mit Gefahr verbunden, auf diesem Hof des Wirrwarrs zu stehen. Unentwegt leuchten die großen Fadeln der schmer arbeitenden Feuerwehrmänner. Abgefämpfte Trupps gehen und Ersatz rückt an, um mit erneuter Kraft dem Berderben zu Leibe zu gehen. Unterschlagung von Spenden für Blinde. In der Staatlichen Blindenanstalt in Steglit hat man erhebliche Unterschlagungen entbedt. Es handelt fic, foweit festgestellt werden konnte, um Gelder, die als Ependen für die Blinden dort eingehen. Die Verwaltung diefer Gelder wird von dem Verein zur Förderung der wirtschaftlichen Selbstständig feit der Blinden" borgenommen, deffen Geschäftsführer der Direttor ber Staatl. Blindenanstalt ist. In der Anstalt selbst wurden die eingehenden Beträge durch eine Angestellte der Anstalt und durch eine Angestellte des Vereins berbucht, worüber der Direktor die Kontrolle führte. Troßdem es sich, soweit bekannt, um Ber fehlungen im Bieberholungsfalle handelt, mußte erft von außenstehender Seite Anzeige erstattet werden. Soffentlich erfolgt eine schleunige Aufflärung der ganzen Angelegenheit. „ Das letzte Reis..." Die Deutsche Zeitung" schluchzt in ihrer Morgenausgabe vom 19. März ein furchtbares Stimmungsbild. Der Weltuntergang steht bevor. Das legte Reis" ist gelnici. In der ehemaligen Haupt. Kabetten Anstalt Lichterfelde merben sich beim dies. jährigen Osterabitur die legten 8 36glinge ber einst mili. tärischen Anstalt zur Prüfung stellen." Dann heißt es: Branden burger Tor. Hell flingt der Fridericus Reg. Die Gestalten straffen fich und im donnernden Gleichtlang des Paradeschrittes geht es unter dem Siegeszeichen vergangener Generationen hindurch. Bir defilieren noch einmal, ein legtesmal. Judende Knabengesichter, bar. häuptige Menge. Ein altes Männchen fagt mit zitternder Stimme: Arme Jungens, armies Baterland." Es war. Schnupfen Dieser herz fann man nicht immer verhüten, aber immer erfolgreich bekämpfen mit Forman ,, Die von nidtamtlicher Stelle verbreiteten Meldungen über schmelzung der Bezirke 1-6( Alt- Berlin) zu einem Bezirk sowie von den Gemeindebehörden beabsichtigte Ber über die Zusammenlegung der Bezirke 7-20 zu fieben Bezirken find unzutreffend. Der Magistrat hat bisher lediglich einen Ausschuß eingesetzt zur Prüfung der Frage, wie die Ber waltung zu vereinfachen fei, und zwar auf der Grundlage: a) des Gefeges über die Bildung einer neuen Stedtgemeinde Berlin vom 27. April 1920, b) einer Gefeßesänderung. Sobald der Ausschuß zu einer Verständigung gelangt ist, wird der Magistrat die Angelegenheit weiter erörtern. Organisato. Magistrat die Angelegenheit weiter erörtern. Organisato rische Aenderungen sind überhaupt nur durch gemein ia men Beschluß des Magistrats und der Stadt verordnetenversammlung herbeizuführen." Bon vornherein tonnte man nicht darüber im Zweifel fein, was jene Zeitungsmeldung wert war. Sie verriet höchstens die( längst befannten) Wünsche, die in rechtsstehenden Kreisen gehegt werden. Daß diefen Wünschen auch der fich immer noch zu den Demokraten zählende Oberbürgermeister Böß wie bie Berwaltung zu vereinfachen sei", stedt für Herrn Böß, wie night fernsteht, sei nebenbei bemerkt. Hinter der Brüfung, für die Barteten der Rechten, mehr als nur eine Frage der Ber. maltungstechnif. Einstweilen fieht aber der Magistrat fich genötigt, einzugestehen, daß Berlin noch nicht lo zu tanzen braucht, wie der Herr Oberbürgermeister pfeift. Die durch das Nachrichtenamt bekanntgegebene Erklärung hebt aus drücklich hervor, daß mas selbstverständlich ist die Stadt. Derordnetenpersammlung ein gewichtiges Wort mitzureben hat. Daß aber die Lintsparteien nicht selber den Parteien der Rechten die ersehnte Neuorganisation" besorgen werden, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Solange die 2intsparteien. mie jetzt sammlung die Mehrheit haben, wird das Plänchen nicht gelingen. 99 in der Stadtverordnetenver. Furchtbare Bluttat in Berlin no. Eine Perfon getötet, eine weitere schwer verletzt. Eine furchtbare Bluttat verübte gestern abend gegen 8 Uhr ber Sozialrentner Rarl Relch, der in dem Hause Hochste Str. 22 wohnt. Relch wohnt mit noch einem Mieter, dem 38 Jahre alten Händler Sally Dannenberg, auf einem Flur, wo beibe eine Kochstube inne haben. Schon seit längerer Zeit sollen die beiden Mieter wegen Wohnungsstreitigkeiten in dauernder Fehde leben. Gestern abend weilte der Bater des Händlers Dannenberg bei seinem Sohn. Es fam wieder mit R. zu erregten Auseinanderlegungen, in deren Verlauf R. einen Revolver zog und vier Schüffe abgab. Sally Dannenberg wurde von zwei Schüffen in den hals getroffen, die den sofortigen Tod herbeiführten. Der Vater erhielt zwei schwere Kopfschüsse. Er wurde nach dem Krantenhaus Am Friedrichshain transportiert, boch wird an feinem Aufkommen gezweifelt. Die Leiche des erschossenen Händlers wurde nach dem Leichenschauhaus gebracht. Der Täter wurde von der Bolizei festgenommen. Zu seiner Entschuldigung gibt er an, daß er von D. und seinem Bater angegriffen wurde und die Schüsse mur in der Notwehr abgegeben habe. Die Untersuchung wird ergeben, ob diese Darstellung der Wahrheit entspricht. Eine Vernehmung des schwerverlegten D. war bisher noch nicht möglich. ,, Warme Würstchen einzigen bestehenden Fach. und Nachschlagewertes über den Belz. handel. Sie wollen vereint alles daran segen, die durch die Wirt fchaftstrife arg unterbundene Industrie wieder zu heben und vor allem dahin wirken, daß der Belz nicht bloß als Lurusgegenstand, fondern als ebenso fleidsames, wie praktisches Kleidungsstüd Ber mendung findet. Denn nur auf dieser Grundlage ist Hilfe möglich. ( Leider bildete bisher der hohe Preis der Pelzwaren einen hinderungsgrund.) Ein hartnäckiger Gläubiger. Brandstiftung aus Berärgerung und Rache. Ein Opfer feiner unüberlegten und jähzornigen Handlungsweise ist der Schlosser Arno B. geworden. Unter der schweren An. flage der vorfäglichen Brandstiftung mußte er sich nun vor dem Schwurgericht des Landgerichts III verant* morten. der Angeklagte, so wenig Gewalt über sich selbst auszuüben vermag. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß gerade ein Mensch, wie der sich als einfacher Schloffer durch strebjamen Fleiß selbst so weit vorgebildet hatte, daß er die Stelle eines Werstatischreibers und Buchführers befleiden konnte. Wegen einer Forderung von 29 Mart an seine ehemaligen Wirtsleute hatte er sich seine ganze Butunft verdorben. Obwohl schon wiederholt in Prozessen vor dem Amtsgericht Lichtenberg in diesen Sachen verurteilt, fonnte und wollte er sich nicht beruhigen. Zunächst lauerte er mit einem Revolver seinen früheren Wirt in der Buhlheide auf und schoß nach furzem Wortwechsel auf ihn. Nur durch die Geistes gegenwart des lleberfallenen wurde weiteres Unglüd verhindert. B. aber wurde festgenommen, unter Antlage gestellt und me gen Rörperverlegung verurteilt. Aber auch dies diente ihm nicht zur Warnung, sondern verführte ihn nur noch zu einem weiteren Racheaft. Eines Tages schlich er sich vor die Wohnungstür feiner ehemaligen Birtsleute, goß Spiritus aus, den er jo fort anzündete. Auch in diesem Falle fonnte durch sofortiges Einmittelbar darauf in die Spree zu stürzen, fonnte aber gerettet greifen größerer Schaden verhütet werden. B. versuchte sich un werden. Der Gefängnisarzt Dr. Hirsch schilderte die außerordentlich leichte Erregbarkeit des Angeflagten. Außerdem sei 3. noch gelegentlicher Epileptifer, ben man als geistig nicht ganz vollwertig ansprechen fönne. Das Schwurgericht verurteilte den Angeflagten wegen versuchter Brandstif tung zu 1 Jahr Zuchthaus. Eisenbahnbaurat Blüthgen tödlich verunglückt. Blüthaen aus der Köblerfir. 5 zu Lichterfelbe tödlich ver. Am Dienstagmorgen ist der 48 Jahre alte Eisenbahnbaurat unglüdt. Die Eisenbahnbrüden in Groß- Berlin werden ständig auf ihre Federungen geprüft, um ihre Saltbarkeit festzustellen. Am Dienstagmorgen war eine Kommission der Eisenbahndirektion, darunter auch Baurat Blüthgen, mit solchen Beobachtungen und Stontrollen an einer Bride in der Nähe des Bahnhofes Steglig beichäftigt. Weil bie Kommission auf dem Oberban au tun hatte, so wurden nach beiden Richtungen Boften ausgestellt, die beim Herannaben von Sügen zu warnen hatten. ein Zug von Botsdam her durchgefahren fam, trat die Kommission Baurat Blüthgen muß aber auf das Beichen des Boftens zurüd. wohl übersehen haben, daß zugleich von Berlin ber ein anderer Bug fam, der ihn erfaßte, ein Stüd Beges mitfchleifte und auf der Stelle tötete. Der Körper wurde förmlich zerriffen. Abbruch des Lühowprozeffes? Als nun Der Rrantheitszustand des Angeklagten Dr. Frhr. v. Lützow hat sich in den letzten Tagen noch erheblich per schlimmert. Bereits nach seiner legten Bernehmung am Sonnabend in Nitolassee war das Fieber bis auf 40 Grad gestiegen, feit Sonntag ist es nicht unter 39 Grad heruntergegangen. Der ärztliche Befund fonstatiert eine schwere Lungen und Rippen fellentzündung des Angeklagten. Der Krankheitszustand muß als lebensgefährlich bezeichnet werden. Hinzu kommt, daß v. Lühows förperliches Befinden schon vorher durch die Unterfuchungshaft von 15 Monaten start beeinträchtigt war. Die Behandlung des Angeklagten haben außer den Gerichtsärzten Geh. Med.- Rat Dr. Straßmann und Med. Rat Dr. Störmer noch der Spezialarzt Dr. Schweizer Ritolassee übernommen. Am heutigen Mittwoch früh werden die ärztlichen Sachverständigen dem Schöffengericht ein Gutachten über die Berhandlungsfähigkeit des Angeklagten erstatten. Anläßlich der vom 20. bis 28. März in der Fun! halle am Kaiserdamm stattfindenden Allgemeinen Ausstellung für bas Fleischergewerbe veranstaltete der Interessenverband der Ladenfleischer eine Demonstration der fachüblichen 3erlegung einzelner Tierförper sowie eine Vorführung der berufs- Partei veranstaltete am Dienstag abend eine Erwerbslofenmäßigen Herstellung von Würstchen. Der Herstellungs prozeß der Barmen Würstchen ist ein weit komplizierterer, als man wohl gemeiniglich annimmt. Nur männliches Jungrindvieh fann Berwendung finden. Das Fleisch wird 4 bis 5 Tage vorgefalzen, durch den Wolf gedreht, um dann mit Fett oder Schweinefleisch durchsetzt zu werden. Darauf wird die Masse verrührt und bei evtl. starter Trockenheit mit einer Kelle Waffer angefeuchtet. Die Abfted maschine füllt die Därme und teilt die Würstchen automatisch in ihre Längen. Im Rauch 35 Minuten hergerichtet, tommen sie ins Waffer, um fodann für den Massentonjum fertig zu sein. Auch die Kürschner find in Not. Der Verband Deutscher Belzmarenhändler lub in ben Räumen der Deutschen Gesellschaft zu einer eigenen Veranstaltung. Der Borsigende Manes eröffnete den Nachmittag und führte in furzen Worten aus, daß auch die Belzindustrie arg bar niederliege und unbedingt etwas geschehen müsse, um die Rauf luft des Bublifums zu erhöhen und dem Notstand der Kürschner zu steuern. Man fah Brachteremplare an Schwarz- Weiß und natur farbenen Füchsen, sowie Phantasiefärbungen in beige, maud usw. Es sprachen hierauf noch Sunditus Nasse vom Verband der Pelzwarenhändler, Karl Begler, Obmann der Kürschnerinnung, Dr. Leo Beitlin vom Reichswirtschaftsamt, Ministerialbirektor Scholfejem und zuletzt Konsul Braß, der Senior des Verbandes und Verfasser des Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 24. März. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Jugendbühne.( Unterhaltungsstunde), Die Funkprinzessin erzählt: Frühlingsmärchen. Die Funkprinzessin: Eva Holberg. 4.30-6 Uhr nachm: Kammermusik von Haydn bis Schönberg. 6.35 Uhr abends: Dr. Georg Zehden: Aerziiche Betrachtungen im Theater". 7 Uhr abends: Dr. Olga Stieglitz: Das Schaffen des Musikers. 7.25 Uhr abends: Theodor Kappstein: Außerdeutsche Humoristen". 7.55 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abt. Philosophie. Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer: Psychologie der Gemeinschaft. 2. Alfred Kerr aus seinen Werken. 8. W. Bransen; Kompositionen 8.30 Uhr abends: Alfred Kerr. 1. Einleitende Worte( Heinz Stroh). Kerrscher Dichtungen( Edith Diosy von der Berliner Staatsoper, Sopran). Am Flügel: Bruno Seidler- Winkler. 4. Aus Keers Dichtangen( Alfred Braun, Rezitation). 9.30 Uhr abends: Lustige Weisen( Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterund Filmdienst. kapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Mittwoch, den 24. März. Kommunistische Erwerbslofendemonftration. Die fommunistiide demonstration im Luftgarten. Nachdem in den Nach mittagefunden in den Bezirken kommunistische Erwerbslofen versammlungen stattgefunden hatten, formierten fich unter Vorantritt des Noten Fronttämpferbundes verschiedene Züge mit Fahnen und Schildern, die dem Lustgarten austrebten. Vor dem Dom am Schloß und an der Museumstreppe forachen einige Redner au den Versammelten. Berschiedentlich wurde Reichstagsauf Die Bolizet hatte die Zugangsstraßen start gesichert. Bu Zwischenlösung und Einberufung eines Erwerbslofenfongresies gefordert. fällen ist es nicht gekommen. Bezirks- Mieter- us/ chuß der SPD. Groß- Berlin. Am Freitag' den 26. März 1926, abends 7% Uhr. findet im Gewerkschaftsbaus Saal 5) eine Sigung der Abteilungs- Mietervertreter statt. Vortrag des Genoffen Otto Most über: Erhaltung der Alt. Wohnungen. Aussprache. Der Besuch der Eiguna ift ftatut gemäß Pflicht aller im Wohnungswesen tätigen Genoffen. Jede Abteilung muß vertreten sein. Bölferkampf und Sprachenffreif in der Tschechoslowakei. Neber diefes altuelle Thema ivrict Genoffe Dr. Emil Strauß. Chefredakteur des Prager, Sozialdemokrat", Bentralorgans der deutichen Sozialdemokratie in der Eichechoslowakei, am Mittwoch, den 24 d. M., abends 8 Uhr, im Reichstagsgebäude. Eingang frei durch Portal V. Bel der Freiligrath- Morgenfeier, die bas Reidsbanner Schwarz- Not- Bold am fommenden Sonntag vormittag 11. Ubr im Deutschen Theater veranstaltet, hält Genoffe Robert Breuer die eftrede. Im Rahmen der Veranstaltung gelangt auch E. b. Sehierling's Bennignens Erlebnis" unter Mitwirtung erster Kräfte zur Darstellung. Der Ausschuß für Hundefragen", die Spizenorganisation ber fnnologischen und Tierschußverbände beschäftigte sich in seiner gestrigen Sigung mit der beabsichtigten Erhöhung der Hundesteuer. Bekanntlich ist der Stadtverordnetenversammlung eine Borlage zugegangen, nach der die Hundesteuer von 40 M. auf 70 Mr. für den ersten Hund erhöht werden soll. Der Ausschuß war der Ansicht, daß Berhandlungen mit den zuständigen Stellen des lungen gegebenen Zusagen nicht gehalten hätten. Sie hätten seiner megen feinen Bert hätten, weil diese ihre bei ben lehten Berhand Sie haben nicht alles gatous solange Sie nicht die neuen. 10.30-12, Uhr abends: Tanzmusik( Funktanz- Telehünken- Lautsprecher- Röhren 3-3 30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 8.30-4 Uhr nachm: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.; Frl. Studienrätin Dr. Agnes Molthan: Frauenschule und Werkoberschule im Gesamtorganismus der höheren Schule. 4.80 bis 5 Uhr nachm.: Frl. Anna v. Gierke: Die pflegerischen Berufe. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. R.E.154 R.E.152 FÖR 4VOLT AKKUMULATOREN TELE FUN FOR 2 VOLT AKKUMULATOREN KEN verwenden zeit erflärt, baß an eine weitere Erhöhung der Hunbesteuer über 40 m. nicht zu benten fei und treßdem sei die jetzige Borlage gefomEs ist beabsichtigt, auf Sonntag, 28. März, 11 Uhr, eine Protestversammlung nach dem Zirkus Busch einzuberufen. men. Sprech Chor für Proletarische Feierstunden. Donnerstag, abends 7 Uhr, im Gefangefaal der Sophtenschule, Beinmeisterftraße 16/17: Uebungsstunde. Otto Braun für Reichseinheit. Antwort an die deutschnationalen Intriganten. Der Bandtag fegte gestern beim Haushalt des Staatsministe riums und des Ministerpräsidenten die auswärtige Debatte fort. Aufdeckung einer großen Spritschiebung. Abg. Müller- Franken( W. Bag.): Die Wirtschaftliche Vereini Trinkbranntwein aus Sprit mit Karbolsäure. 240 000 Cifer gung erstrebe die Bölterverföhnung, den Bölter beschlagnahmt. frieden und den Bölteraufbau. Aber der Geist von Lo Einer ungeheuerlichen Spritschiebung, durch die in gewiffen- carno fönne erst dann glaubhaft werden, wenn man ihn ebenso sieht Lofefter Weise die Gesundheit vieler Menschen gefahrungen fennen lernte. Sind mir schon jo meit heruntergefommen, und fühlt, wie man leider feinen Gegensaß durch die praktischen Er fährdet worden wäre, wenn die Polizei nicht rechtzeitig zu daß man uns gegenüber nicht einmal feine Rechtsverpflichtung zu gegriffen hätte, find die zuständigen Behörden in Hamburg und halten braucht?( Lebhaftes: Sehr richtig! rechts.) Roln auf die Spur gefommen. Abg. Wulle( völt.) erflärt, da der preußische Ministerpräsident die stärkste Stüße der Dames- und Locarno Bolitit gewesen sei, fei auch der Zusammenbruch von Genf ein Zusammenbruch der Politit des preußischen Ministerpräsidenten. Abg. Baczewiti( Bole) spricht Deutschland das Recht ab, für die deutschen Minderheiten im Auslande einzutreten, ehe Deutschland nicht die Minderheitsfrage im eigenen Lande geregelt habe.(!) Von den Beamten mehrerer Polizeien war festgestellt worden, daß an leinere Litörfabriken und Gastwirte in letzter Zeit größere Mengen Sprit geliefert wurden, über deren Ursprung man zunächst vollkommen im unflaren war. Endlich gelang es jedoch, duich Ueberwachung eines Abnehmers festzustellen, daß dieser Sprit aus Köln tam, und schließlich vermochte man dort zu ermitteln, daß i der Außenstadt eine außerordentlich raffiniert angelegte Geheimbrennerei bestand, die mit den modernften Mitteln Abg. Dr. Hamburger( Soz.) der Technik ausgestattet war und die allerdings meniger die Aufgabe wiederholt die Erflärung seiner Freunde, daß an der bisherigen hatte, Sprit herzustellen, als vielmehr denaturierte Bare auswärtigen Politit festzuhalten sei. Die Doppeltonftruttion zwischen zu reinigen. Der Kölner Unternehmer hatte es verstanden, Reich und Ländern müsse den Ländern große Reserviertheit auf fich von der Reichsmonopolnerwaltung große Mengen vergällten erlegen. Wohin solle es führen, wenn Breußen die Reichsaußen Branntweins zu besorgen, unter der ausdrüdlichen Verfiche- politit zu durchtreuzen verfuche, wie es Bayern verschiedentlich rung, daß der Sprit für induftrielle 3mede Verwendung finden getan habe. Das Resümee Dr. Windlers über die politischen Folgen follte Die Ware wurde dann zunächst nach Hamburg geschafft und von Locarno und Genf fei verfehlt gewefen. 3talien unfer im Freihafen gelagert, wo die Monopolverwaltung, um Schiebungen eind!" Das sei nicht richtig. Nicht das italienische Bolt, fondern vorzubeugen, ben Sprit mit Rarbolsäure fehr start ver die faschistische Regierung mit Mussolini fei unser Feind. fegte und färbte. Die Fäffer wurden dann auf dem Wasserwege Spanien verstimmt!" Geschah das nicht auf Grund der nach Antwerpen geschafft, und mit Hilfe einer Anzahl von Mittelsündigung des spanischen Handelsvertrages, männern gelangte der Sprit dann wieder auf deutsches Zollgebiet die auf Betreiben der Deutschnationalen geschah. Jeden und wurde in Mainz einige Seit auf Lager gebracht. Von dort falls, pofitive Vorschläge habe Dr. Windler nicht gemacht. aus tam ber Spiritus bann in Laftautos nach Köln- Ehrenfeld. Hier Der Redner tritisiert das Berhalten des Borlihenden der mar ein Laboratorium errichtet morden, wo unter der Leitung schlesischen Landwirtschaftstammer, Der ständig mehrerer Chemiker durch besondere Verfahren der Sprit wieder von Stellung nehme gegen die Politit der preußischen Staatsregierung. der Karbolsäure und dem Farbstoff someit befreit wurde, daß an Auch die ostpreußische Landwirtschaftstammer habe der Farbe und an dem Geruch der Käufer nicht merten fonnte, daß in Broschüren Zitate gebracht, monach man die Angliederung Oft es fich um vergällten Sprit handelte. Bon Köln- Ehrenfeld tam preußens an Bolen unter bestimmten Voraussetzungen fördern bonn der Trinkbrannimein in die Innenstadt, wurde hier nochmals müsse. Ostpreußen fei für Polen der Pfahl, der beseitigt werden bearbeitet, und ein ganzes Heer von Agenten sorgte dafür, daß die müffe. Solche Aeußerungen tönnte man doch nur, um mit Herrn Ware im Reich Abfah fand. Bisher fonnten die Polizeibehörden Dr. Leidig zu reden, Darlegungen eines Jdioten oder eines Landes240 000 Liter beschlagnahmen, die nach der chemischen verräters nennen. In dem Rotprogramm der DeutschReinigung harrten, und auch in Hamburg sind große Mengen der nationalen sei nur ein Kampf für Steuererleichterung zu ent dort noch liegenden Fässer festgestellt und von der Polizei abgefahren decken gegen Steuern, die von den Rechtsparteien gemacht feien. morden. In Köln find bereits eine Anzahl Berhaftungen vor. Nichts sei darin zu finden von der Preispolitik der Sartelle und genommen worden, doch sind noch weitere Festnahmen in dieser der Schäblichkeit der hohen Bölle! Abbau des Barlaments verlangen Sache zu erwarten. bie Deutschnationalen. Den Staatsrat tönnten wir fofort beseitigen! Die Mitgliederzahl beim Reichswirtschaftsrat tönnte fofort herunter. gefeht werden! Sport. Möller und Lewanow am tommenden Sonntag auf der OlympiaRadrennbaku. Als zweite Berliner Bahn wird am fommenden Sonntag bie Dlympia Madrennbahn mit einem erheblichen Breisabbau auf allen Blagen die Sommerfaifon eröffnen. Entsprechend der Jahreszeit tommen brei furze Dauerrennen zum Austrag und zwar über 15, 20 und 40 Stilo meter eftverpflichtet für dieses Rennen find bisber die in diesem Jahre als Sechstagemannschaft so befonders erfolgreich gewefenen Erich Möller ( binter Gebamle) und Emil Lemanom( hinter Meinhold). Beide Fahrer tommen gut vorbereitet am Start. Die Berbandlungen mit weiteren erfts Haffigen Danerfahrern steten furg bor dem Abschluß. Fliegerrenuen für Berufsfahrer und Amateure umrahmen bie brei Dauer rennen. Die Steunen beginnen um 3 1hr Eine wirkliche Sparsamteit tönnen wir nur erzielen, wenn wir zum Einheitsstaat fommen. In ber Siedlung wünschen auch wir, daß neben den preußischen Behörden nicht noch besondere Reichsverwaltungsstellen errichtet merden. Bir münschen ferner, daß die Teilnahme an der Berfassungsfeier den Beamten Bur Dienstlichen Pflicht gemacht werde. gerichsrats Müller in 2ömenberg, der zur Ver. Unerhört sei ber Fall des Amis faffungsfeier in einem nicht sehr angemessenen Anzug und angetan mit den Abzeichen des Jungdeutschen Ordens erschienen fei! Der Rebner meist zum Schluß die Angriffe des polnischen Deutschland zurüd. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin absichten Breußens, daß seine Fration im Gegensatz zu dem Achtung, Abteilungsleiter! Da die Anträge für die Erlaubnis der Spiel. vläge für das Jahr 1926 eingereicht werben müffen, bitten wir um Ablieferung her alten Genehmigungen. Die neuen Abteilungen, die feinen Ausmeis auf Fahrpreisermäßigung besiken, tönnen solchen vom Sekretariat holen. Achtung. Abteilungslassicrer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung der Beifrogsmarken. Abg. Baeder Berlin( Dnat.) erflärt zu den EinverleibungsMinisterpräsidenten nicht wünsche, daß dadurch die föderalistische Grundlage des Reiches gefährdet werde. Beiter wendet sich der Redner gegen den vom Staate vorgenomme nen Antauf der Druderei der Deutschen Allgemeinen Zeitung" und gegen die Rede des Ministerpräsidenten auf der Hamburger aus: Es wäre Sache des größten Landes, Preußen, eine Aenderung der Reichsaußenpolitik herbeizuführen. Da das gegenwärtige preu. Bische Kabinett diese Aenderung nicht durchführen wird, sprechen wir ihm unsere fchärffte Opposition und unser Mißtrauen aus.( Lebhafter Beifall bei den Deutschnatonalen, 3ischen links.) Arbeitsgemeinschaft Abraham. Seute, Mittwoch, 7% Ubr. Sufammenkunft Reichsbannerfundgebung. Zur Außenpolitik führt der Redner u. a. im Jugendheim Lindenftr. 8. Für Ermerbelofe find noch einige Rarten für einen Arien- und Lieberabend am tommenden Donnerstag in der Bhilharmonie kostenlos im Sekretariat erhältlich. Rarten für die proletarische Feierstunde am 2. Mai find sum ermäßigten Breile von 1 m. im Getretariat erhältlich. Die B.- B.Sigung findet morgen, Donnerstag. nicht statt. Rieberlehme: Sente, Mittwoch, 24. Mära, 7½ Uhr, im Restaurant von Schmidt, Bunter Abend. Must Rezitationen, Bieber aur Laute. humoristisch fatirifde Borträge. Eintritt 40 Bf. Erwerbslofs und Rinder 20 Bf. Heute, Mittwoch, den 24. März, abends 7% Uhr: Ministerpräsident Braun: Arbeiterjugend". Rorbrings Schule Scherenberafte. 7. Bortrag: GAR. und richtig! links.) Es bleibt bei den Reden der Deutschnationalen doch Webbing: Schule Antonftrake. Bortrag: Bas mollen bie Freibenter?" Selmholtplan: Soule Eberswalder Str. 10. Bortrag: Aus der Geschichte der Fürftenabfindung". Often B.- B.: Bakenhofer- Brauerei, Landsberger Straße. Bortrag: Jugend und Bartei", gemeinsam mit der Bariei. Often B.- B.: Beteiligung an der Mitgliederversammlung der 34. Bartelabteilung. Treff. puntt 48 hr vor dem Jugendheim. Buifenstadt: Schule Stallschreiber. ftraße 54. Bortrag: Barum Sozialistische Arbeiterjugend?" Südost R.- B.: Jugendheim Reidenberger Str. 66. Borirag: Wie verwenden wir unfere Freizeit?" Weften: Jugendheim Denneminitr. 24a. Arbeitsgemeinschaft. Zantwig: Gemeindefchule Schulstraße. Bortrag: Religion". Tempelhof: Sugendheim Germaniaftr. 4/6. Literaturvortrag. Friedrichshagen: Jugend. heim Scharnweberftr. 100a. Bartrag: Die Arbeiterbewegung bis zum Gozia liftenaefek". Friedrich felbe: Sucen heim Berliner Straße. Bortvag: Die Entstehung ber Erde". Neu- Lichtenberg: Susendheim Bring- Albert- Str. 44. Bortrag: Bie verstehe ich Mufit und Theater?" Lichtenberg- Norb: Jugendheim Barbaue 10. Einführungsabend. Geschäftliche Mitteilungen. Ein verbefferter Lautsprecher wurde tiralich ber Berliner Breite von ber elektrotechnischen Fabriz Schmidt u. Co. vorgeführt. Er gibt die Sendungen fehr naturgetreu und lautftart wieder. Dieser Erfolg einer gelungenen Ber. befferung Lonnte baburch erreicht weben, bak bei bem Bau des Lautsprechers miffenschaftliche Erfahrungen, atuftisch- elektrische Forschung und künstlerisches Rufitempfinden aufammenwirkten. Herr Dr.- Ing. Trautwein hielt einen er Täuternden technischen Bortran, in dem er die Borallge bes Lautsprechers fchitherte. Der Sauptbestandteil der Neuerung besteht in einer verhältnis. mäßig fleinen Legelförmigen Duraluminium- Membrane, die in ihrer Spike start mit einer elettromaquetlich angeregten Runge perbunden ist. Diefe Zunge befikt eine mellenartige form. Die Membrane ift forgfältig bimenfioniert und mit haarfeinen Riffeln verfehen. bie die Ausbildung von Schwingungsknoten verhindern. Eine weitere Neuerung bebeutet bie U- förmige Biegung in ber Zonführung. Die betreffende firma ift mit bez Ronstruktion eines Bolfs Tautsprechers befchäftiat, der alle Borglige und neuesten Erfahrungen in fic vereinigt und preiswert auf den Markt tommen foll. Befterbericht der öffentlichen We'terd'enfiftelle für Berlin.( Nachr. berb.) Anfangs beiter, dann tärfer betöltt, in ben Tagesstunden milder, teine erheblichen Rieberschläge. Für Deutschland. Jm Nordmeft- und Mittel beutschland beiter und troden, im Rozbosten, später auch im Südwesten Strichmeile leichte Niederschläge.. ST $ Ich erkenne an, daß die gegenwärtige Situation den Deutsch nationalen gutes Material für ihre Agitation liefert und nehme es ihnen nicht übel, daß sie diese Gelegenheit weiblich ausnußen. Ich frage mich nur, was dabei für das Land heraustommt.( Sehr immer nur das große Fragezeichen: Was dann? Sie( zu den Deutschnationalen) haben mir in einer neuen Form das Miß. trauen ausgesprochen. Aber ich glaube, es fehlt Ihnen der Mut für die Konsequenz ihres Mißtrauens. Zum Mut der Konsequenz gehört in diesem Falle, daß Sie über Ihr Mißtrauensvotum einen Beschluß des Landtags herbeiführen. Es fehlt Ihnen aber der Mut zu dieser Konsequenz.( Gelächter rechis.) Ich habe teine Beranlassung, von dieser Stelle aus die Außenpolitit der Reichsregierung zu verteidigen. Gewiß. es fann Situationen geben, wo auch die Landesparlamente, wenn es sich um vitale Intereffen des Landes handelt, zu einzelnen fonfreten Fragen der Außenpoliti? Stellung nehmen. Wenn aber die zahlreichen deutschen Landesparlamente zu allen Fragen der Außenpolitit Stellung nehmen wollten, dann weiß ich nicht, wie eindrucksvoll und wirkungsvoll das Deutsche Reich außenpolitisch in die Er fcheinung tritt.( Lebhaftes: Sehr richtig! links.) Wir müssen daran festhalten, daß die Führung in der Außenpolitik in der Hand der Reichsregierung liegt, die dem Reichstag als der Bertretung des Deutschen Reiches verantwortlich ist. ( 3uruf bei den Deutschnationalen: Auch wenn Preußen vor die Hunde geht!) Das Breußen nicht vor die Hunde geht, werde ich zu erreichen suchen, solange ich die Ehre habe, an dieser Stelle zu stehen.( Gelächter rechts.) Die beut nationalen Rebner tehen.( Gelächter rechts.) Die beuticnationalen Rebner haben schärffte Kritit geübt, aber nicht einen einzigen Beg genannt, der uns aus dem Dilemma herausführen tönnte.( Mider Spruch rechts.) Nicht ein pofitiver Borschlag befindet fich auch heute wieder in der Rede des Abg. Baeder.( Sehr wahr! links.) Wenn ich aber tritifiere, dann bin ich, besonders als Ber treter einer großen Partei, verpflichtet, einen Weg 3 u zeigen, den ich für ben richtigen halte.( Sehr richtig! links.) Dieser Weg ist die Fortsegung der bisherigen Politif. SCHUHHOF Sterntage find 3 Ich bin jetzt zwei Tage lang mit dem Reichspräsidenten im ehemals bejetten Gebiet gewesen. Aus allen Rundgebungen ist uns der helle Jubel der Bevölkerung entgegengetönt, daß endlich das Land frei geworden war. Diese Freiheit ist der konse quenten Politif zuzuschreiben, die bisher von der Reichsregierung eingehalten wurde.( Lachen bei den Dnat.) Für ganz Deutschland ist es aber ein Fortschritt gewesen, daß wir zum Londoner Abtommen gekommen sind. Es war ein Schritt auf dem Wege, uns wieder emporzuarbeiten. Deshalb hat auch die preu Bische Regierung bisher die Politit der Reichsregierung unterstützt und wird sie weiter unterstüßen, auch auf die Gefahr hin, von Shnen( nach rechts) ein Mißtrauensvotum zu bekommen. Der Minifterpräsident wendet sich hierauf der Frage der Minberheitsregelung zu und erflärt, daß diese Regelung für uns viel schmieriger sei als für unsere Gegner. Leider befinden sich ungemein mehr deutschsprachliche Bevölkerungsteile unter frember Staatshoheit als umgekehrt der Fall ist. Nach langen Berhandlungen haben mir eine Regelung Dänemart gegenüber gefunden. Dort handelte es sich um zwei Grenznachbarn, die ftammesperwandt waren und die sich in ihrer Kultur naheftanden. 3m Osten ist die Regelung der Frage viel schwieriger. Für Breußen und für das Reich ist die Frage banach einzustellen, mas im Interesse unseres Volkes liegt. Dem Vorschlage, die Angelegenheit durch ein Reichsgesetz zu regeln, fann ich nicht ohne weiteres zustimmen. In der Siedlungsfrage vermeist der Ministerpräsident auf seine Aeußerung im Ausschuß und wiederholt feine Erklärung, daß die Schaffung eigener Reichsbehörden von Breußen abgelehnt merden müsse. Der Ministerpräsident äußert sich dann über die Frage der Einbeziehung kleinerer deutscher Länder. Blatz greift und sich verbreitet, daß diese Kleinftaaten mit ihrem felbftändigen Regierungsapparat in unserer heutigen wirtschaftlichen Notzeit nicht am Blaze sind und daß es zweckmäßig jet, sich einem größeren Staate, vor allem Breußen, als dem größten deutschen Staate, anzuschließen, tönnen wir das nur begrüßen. Bir werden diese Bestrebungen nicht gerade attiv unterstügen, ihnen aber auch nichts in den Weg legen.( Beifall links.) In der Frage Groß Hamburg bitte ich nochmals, wie schon im Ausschuß, zurzeit feinen besonderen Landtagsausschuß einzusehen. Was die Stimmabgabe der preußischen Vertreter im Reichsat anbetrifft, so schweben über diese Borlage noch die VerhandLungen. Eine einheitliche Stimmabgabe ist durchaus erwünscht. Bisher ist nur der geeignete Weg für dieses Ziel noch nicht gefunden worden. nicht gefunden worden. Jedenfalls liegt ber jetzige Zustand der Serfplitierung der preußischen Stimmen im Reichsrat nicht im Inter effe der oft vom Landtag geäußerten Wünsche. Bezüglich der Be fehung des freien Bostens im Berwaltungsrat der Reichseisenbahn durch einen preußischen Vertreter möchte ich nochmals flar zum Ausdruck bringen, daß gegenüber dem Standpunft des Reichstanzlers es mir zweifelsfrei erscheint, daß Preußen das Recht hat, über die Belegung dieses Bostens zu bestimmen. Zu meiner Hamburger Reichsbannerrebe, die wiederholt von der Rechten angegriffen worden ist, habe ich mich bereits schriftlich und mündlich geäußert. Menn in einer Reihe folcher deutscher Kleinftaaten die Auffassung Ich habe von einzelnen Gruppen der Rechtspflege gesprochen, die sich schüßend vor die Feinde der Republit stellen. Ich habe mich sehr deutlich ausgedrückt. Meine Ausführungen bezogen fich lediglich auf den Auschluß der Deffentlich feit in& ememordprozessen. Wenn das Gericht erst Reichsregierung und Staatsregierung fragt, ob es im Staatsinteresse erforderlich ist, die Oeffentlichkeit auszuschließen, und wenn es dann von beiden Seiten die Mitteilung bekommt, das Staatsintereffe erheijdje nicht den Ausschluß der Deffentlichkeit, sondern im Gegenteil, die Regierungen hätten ein Interesse daran, daß öffentlich getagt wird, und wenn das Gericht dann erfläri: mir schließen die Deffentlichkeit aus! muß ich erklären, daß mir dieses Borgehen unverständlich ist.( Lebhafte Burufe des Abg. Stendel, D. Bp.: Unschuldige Leute blieben vier Wochen im Gefängnis figen!) Rennen Sie, Herr Abg. Stenbel, zum Tode verurteilte Leute unschuldig? Der Beschluß des Gerichts auf Ausschluß der Deffentlichfeit ist auch durch den Gang der Berhandlungen in teiner Betfe begründet worden, so daß der Eindrud entstehen muß, daß man sich schüßend vor die Hintermänner gestellt hat, auf die die Fememorde zurüdzuführen find.( Sehr richtig! linfs.) dieser scheußlichen Worde zu bekommen Solange es nicht gelingt, die intelleftuellen Urheber ( großer Lärm rechts; die nächsten Ausführungen des Ministerpräsidenten bleiben auf den Tribünen unverständlich). Die rechtsgerichteten Drganisationen haben jahrelang in einer Weise die republikanisch den fenden Teile des Volkes angegriffen, daß aus dem Wunsche nach der Berteidigung des heutigen Staates heraus das Reichsbanner entstanden ist.( Lebh. Sehr wahr! lints). Der große Aufschwung des Reichsbanners entspricht einem tiefgefühlten Bedürfnis weitester Kreise des Boltes( fortgesetter Lärm rechts). Das Reichsbanner wird weiter wachsen, solange dieses Bedürfnis vorhanden ist solange, bis die Notwendigkeit der republikanischen Staatsform im ganzen Ball anerkannt ist. Ich nehme für mich in Anspruch, die heutige Staatsform als Minister eines republikanischen Staates zu verteidigen, und diejenigen Staatsbürger und ihre Organisationen nicht nur zu unterstühen, sondern zu loben und zu fördern, die fich jegen die staatsfeindlichen Organisationen zufammengefunden haben.( Lebh. langanhaltender Beifall links und in der Mitte; Bischen rechts; verschärfter Beifall links.) Es tommen noch die Abgg. Grobe( 3.), Wiemer( D. Bp.), Grube( Komm.), Klamt( 23. Bag.), Bachem( Dnat.), Riedel( Dem.) und Flögel( D.- Hann.) zu Wort. Bis auf die Abstimmungen über die angefochtenen Titel, die am Donnerstag stattfinden sollen, wurde bie zweite Beratung dieses Etats erledigt. Gegen 48 Uhr vertagt sich der Landtag auf Mittwoch 12 Uhr: Anträge Schupo- Gesez, Wohlfahrtshaushalt. Kommunistischer Mißtrauensantrag. Die tommunistische Frattion des Landtages hat einen Antrag eingebracht, dem preußischen Staatsministerium das Bertrauen zu entziehen. Der Antrag ist mit der Stellung des Rabinetts zur Außenpolitik des Reiches und mit seiner Innenpolitik begründet. Musnahme Zage an jedem Monatsende. Richti ge Artikel u.außergewöhnliche Preise sind die Kennzeichen! Anmeldung von Aufwertungsansprüchen. Ein wichtiger Aufwertungstermin. Für bie Gläubiger unb Sparer ift ber 31. März 1926 ein sehr wichtiger Tag. Wer bis zu diesem Termin Ansprüche geltend zu machen hat, muß sich beeilen, wenn er sich nicht weiteren schweren Schaden zuziehen will. Zunächst ist der 31. März von Wichtig feit für die Anleihealtbefizer. Die Frist für die Anmeldung der Martanleihen zum Umtausch in die Anleiheablösungsschuld war durch Berordnung des Reichsfinanzministers zuerst auf die Zeit vom 5. Oftober 1925 bis 28 Februar 1926 festgesetzt. Da die Anmeldungen in den legten Tagen des Februar fich start häuften und zu befürchten war, daß zahlreiche Anleihealtbefizer mit ihrer Anmeldung zu spät fommen würden, hat der Reichsfinanzminister die Frist bis zum 31. März 1926 verlängert. Mit einer weiteren Berlängerung ist nicht zu rechnen. Ein Anleihebesig, der bis zum 31. März nicht bei einer Anmelbungsstelle gemeldet ist, geht der Borzüge verlustig, bie bas Anleiheablösungsgesetz vom 16. Juli 1925 gewährt. Diese Vorzüge beftehen in dem Recht auf Teilnahme an der Aus Tofung und auf Borzugsrente, falls der Befizer bedürftig ist. Die Bedeutung der Auslofungsrechte. Der Besitz von Auslosungsrechten ist die Borauslegung der Gewährung von Borzugsrente. Die große Mehrzahl der bedürftigen Anleihebefizer hat bisher nicht gewußt, daß sie sich die Borzugsrente schon vom November 1925 hätten sichern tönnen. Sie hätten im Oktober 1925 bereits ihre Anleihe anmelden, den Antrag auf Gewährung von Auslosungsrechten und den weiteren Antrag das getan und fich damit den Anspruch auf Zahlung der Vorzugsrente auf Gewährung der Vorzugsrente stellen fönnen. Nur wenige haben vom 1. November 1925 ab gesichert. Nach den geltenden Vorschriften bekommen die bedürftigen Anleihegläubiger nämlich die Rente vom Beginn des auf die Anmeldung folgenden Monats. Um nun die große Masse der Berechtigten, die ihren Antrag später gestellt haben, nicht zu schwer unter der Unkenntnis der Vorschriften leiden zu lassen, hat die Sozialdemokratie im Reichstag den Antrag gestellt und durchgesetzt, daß sämtliche vom 1. Januar bis 31. März zeitig gestellt gelten und in allen diefen Fällen die Reute ab 1. Ja1926 gestellten Anträge auf Gewährung von Vorzugsrente als gleichnuar 1926 gewährt wird. Die Regierung hat die Erfüllung diefes Antrags zugefagt. Für eine Gewährung aller Renten vom 1. Oftober 1925 an waren weder bie bürgerlichen Parteten noch die Regierung zu gewinnen. Die Verluste der Preußischen Staatsbank. In ihrem neuesten Berwaltungsbericht für 1926 hebt die Preußische Staatsbant( Seehandlung) hervor, daß sie bemüht gewesen ist, an der Herabdrüdung der Zinssäße mitzuarbeiten. Ausgewiesen wird ein Berlust post en don 23 798 181,80 Mart, der Abschreibungen auf Forderungen aus Kreditgeschäften des Jahres 1924 darstellt. Mit diesem Betrage, zu dem noch rund 1,8 millionen Mart Berluste auf Wertpapiere hinzukommen, die aus jenen Geschäften herrühren, gibt die Staatsbant ihren Gesamtverluft aus den bekannten Kreditgeschäften des Jahres 1924 an. Bur Tilgung dieser Verluste reicht der im übrigen 11 421 882,59 Mart betragende Gewinn des laufenden Geschäftsjahres zuzüglich Rücklage von 3 Millionen Mart und nicht aus, vielmehr verbleibt ein Fehlbetrag von 4578 043,28 der Rückstellung für Kreditverluste von rund 4,8 millionen Mart Mart, der als Verlust vorgetragen worden und aus den Erträgnissen des Jahres 1926 zu tilgen ist, so daß von einer Herabjegung des Grundfapitals abgesehen wer den fonnte. Dem Bericht ist ein neues Statut der Staatsbant beigegeben, das vom Staatsministerium am 11. März 1926 beschloffen ist und die Leitung der Bant durch ein kollegium an Stelle der bureaufratischen Präsidialverfassung einführt. Bird nunmehr der Antrag auf Gewährung der Borzugsrente statt vor erst nach dem 1. April 1926 gestellt, jo bedeutet das den Verlust des Rentenbezugs für wenigstens vier Monate. Denn mai zu fließen. Darum sofort bei der Bezirtsfürforge. 45 000 m. auf 290 000 m. angewachsen. Die gesamten Kreditoren Renten, die im April beantragt werden, beginnen frühestens am 1. stelle den Antrag auf Gewährung der Borzugsrente stellen! Die Induftriebeamten- Sparbank e. G. m. b. H., eine Arbeit nehmerbant auf genoffenschaftlicher Grundlage, hielt am 11. März ihre 14. ordentliche Generalversammlung ab. Die Bant wurde im Sahre 1912 in Anlehnung an den Bund der technischen Sie Angestellten und Beamten( Butab) gegründet. mertete ihre Geschäftsanteile mit 40 und ihre Spareinlagen mit 42 Pro3. auf. Diese hohe Aufwertung hat ihr einen vollen Erfolg gebracht. Das neue Spartapital ist im Jahre 1925 Doл der Bank belaufen sich auf rund 333 000 M. Von dem über 800 Genoffen gezeichneten Geschäftsfapital in Höhe von 104 100 m. waren am Jahresschluß 74 000 m.( 71,5 Proz.) eingezahlt. Die Wertpapiere und Wechsel betragen 136 000 m., Hypothefen 160 000 m., Debitoren 210 000 m. Aus dem Reingewinn von 9200 m. wird eine Dividende von 10 Broz. verteilt. Wo sind Ansprüche anzumelden. Altbefizeranleihen find Martanleihen des Reiches, bie der Gläubiger nachweislich vor dem 1. Juli 1920 erworben hat und die ihm von dem Erwerb bis zur Anmeldung ununterbrochen gehört haben. Das Gefeß trifft eine Reihe von Einzelbestimmungen darüber, daß Anleihen als vor dem 1. Juli 1920 erworben gelten, wenn sie zwar nach diesem Termin erworben, der Anspruch darauf aber Als bedürftig gilt, wer im legten Kalenderjahr nicht mehr als chon vor dem 1. Juli 1920 begründet wurde. Die Anmeldung hat 800 M. Einkommen gehabt hat, wobei Unterhaltsleistungen, Beroffenen Reserven belaufen sich auf rund 21 000 m. Kaffe, zu erfolgen bei einer Vermittlungsstelle. Als Vermittlungsstellen forgungsbezüge und Sozialrenten außer Anrechnung bleiben. Die gelten öffentlich- rechtliche Kreditanstalten, öffentliche Spartaffen, in Borzugsrente beträgt mindestens 2 Broz. des ursprünglichen Anleihe bas Handelsregister eingetragene Bankgeschäfte, Kreditgenoffen- betrages; fie steigt auf 2½ Broz, wenn der Berechtigte zugunsten schaften, die den Revisionsverbänden angehören, Zentralfaffen land- des Reichs auf sein Auslofungsrecht verzichtet, auf 3 Broz., wenn wirtschaftlicher Genossenschaften und die Raiffeisenbank- Uttiengeseller außerdem mehr als 60 Jahre alt ist. Ferner ist der 31. März schaft oder ihre Zweigstellen. von Bedeutung für Die Notwendigkeit der Beschleunigung. 1 Es genügt aber nicht, daß die Anmeldung bei einer dieser Ber. mittlungsstellen bis zum 31. März erfolgt ist. Die Berordnung des Reichsfinanzministers vom 8. September 1925 bestimmt vielmehr: Als Tag der Anmeldung gilt der Tag, an dem die Anmeldung der Anmeldestelle zugeht." Anmeldestellen sind nun nicht die so eben genannten Vermittlungsstellen", sondern die Reichs haupibant und die Reichsbantanstalten. Die Anmeldung muß also erst von der Vermittlungsstelle weitergegeben werden und so spätestens am 31. März in die hande einer Reigsbankanstalt gelangen. Es ist deshalb dringend zu empfehlen, soweit es nicht schon geschehen, die Anmeldung fofort au besorgen, weil fonst feine Gewißheit dafür besteht, daß sie von ber Bermittlungsstelle noch rechtzeitig an eine Reichsbankanstalt übergeben mirb Der Anmeldung müssen die umzutauschenden Schulburtunden nebst Erneuerungs und Zinsscheinen beigefügt werben. Mit der Anmeldung muß zugleich der Antrag auf Be währung von Auslosungsrechten gestellt werden. Wird biefer Antrag nicht gestellt, fo verliert der Altbefizer seine Rechte. Auch für diesen Antrag läuft die Frist am 31. März ab. Der Arbeitsmarkt in der dritten Märzwoche. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die dritte März moche hat die Bermittlungstätigteit für bie Land. wirtschaft lebhafter eingelegt, so daß namentlich in landwirtschaftlichen Bezirken eine schwache Entspannung auf dem Martte zu verzeichnen ist. Weiterhin verschlechtert hat sich die Lage im Steinkohlenbergbau( Westfalen, Rheinland) und in der Hüttenindustrie. Aber auch der Beschäftigungsgrad in der Maschinenindustrie hat sich feineswegs verbessert. Zum Teil wird die mangelnde Berbesserung der Situation darauf zurüd geführt, daß der Baumarkt sich immer noch nicht recht beleben fonnte. Befferung zeigen die Werftindustrie, das Verkehrs- und Steinbruchgewerbe und der Braunkohlenbergbau. Förderung der Arbeitsaufnahme im Frühjahr. Das Reichsarbeitsministerium hat gemeinsam mit ben Landesregierungen besondere Maßnahmen getroffen, um sicher zustellen, daß die Arbeitsgelegenheiten, die zurzeit vor allem die Landwirtschaft und andere Außenberufe bieten, auch rest. los ausgenugt werden. Es sind, wie schon wiederholt in früheren Jahren den Landesämtern zur Arbeitsvermittlung Reichs- und Landesmittel zur Verfügung gestellt worden, um durch Beihilfen zu den Reisekosten die Vermittlung städtischer Arbeitsträfte, vor allem Jugendlicher, in die Landwirtschaft zu ermöglichen. Im vergangenen Jahre ist es, abgesehen von den städtischen Ur. beitsträften, die die öffentlichen Arbeitsnachweise unmittelbar in die Landwirtschaft vermitteln, gelungen, im Wege des zwischenörtlichen Verkehrs, etwa 20 000 2 rbeitnehmer, davon allein 10 000 meist Jugendliche aus den bejegten Gebieten, in die Landwirtschaft Ost, Mittel und Süddeutschlands zu vermitteln. Es ist damit zu rechnen, daß diese Zahlen in diesem Jahre noch erheblich ge st ei gert werden. Man hat vor allem mit der Vermittlung von Jugendlichen in die Landwirtschaft verhältnismäßig gute Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig wird alles getan, um die Arbeitsnachweisbe hörden, die gegenwärtig fast völlig von den Aufgaben der Erwerbs lofenfürsorge in Anspruch genommen sind, instandzusetzen, möglichst alle sich bietenden Arbeitsgelegenheiten restlos zu erfassen. Es muß erreicht werden, die Arbeitslosigkeit auf das Maß herabzu. brüden, das dem tatsächlichen Mangel an Arbeitsgelegenheiten entspricht. Mißstände im Kohlenhandel. Eine Entscheidung des Reichswirtschaftsministers. Gegenüber den Versuchen verschiedener Wirtschaftsgruppen, die amtliche Betämpfung von Mißbräuchen der Kartellge walt und der Preisregelung zu beseitigen, ist eine Entschei dung des Reichswirtschaftsminifterium's intereffant, deren Begründung die Mißstände im Kohlenhandel außerordentlich drastisch beleuchtet. " In einer der nächsten Nummern des Deutschen Reichsanzeigers" und Preußischen Staatsanzeigers" wird eine Bekanntmachung des Reichswirtschaftsministers veröffentlicht werden, in der den mit gliedern der Freien Vereinigung der Rohlenhändler Lübeds e.." in Lübed, eines örtlichen Kohlenhändlerfartells, bas Kündigungsrecht nach§ 4 3iffer 2 der Kartell per ordnung eingeräumt wird. Zu diesem Vorgehen hat sich der Reichswirtschaftsminister veranlaßt gesehen, weil mit bindender Bir tung für die Mitglieder die zuständige Kommission des Bereins Preise für den Kleinvertauf von Brennstoffen festgesetzt hatte, bie volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigt find und weil die Vereinigung rechtswidrige Materialbezugs. sperten gegen Kohlenfieinhändler verhängt hat. Die Preise, welche die Kommission der Bereinigung feftgesetzt hat, legen Anfäße für Leistungen und Kosten zugrunde, die auf unrichtigen Annahmen beruhen, zum Teil nur erhebliche Leerlauftosten einschließen. In die Ve die Hypothekengläubiger und-fchuldner. Spätestens bis zu diesem Termin müssen bei der Aufwertungsstelle die Anträge gestellt sein, die eine Herabfeßung des Aufwertungsbetrages nach§ 8 und§ 15 des Aufwertungsgefeßes zum Ziel haben. Nach§ 8 tann Herabfeßung der 25 pro zentigen Aufwertung bis auf 15 Broz. verlangt werden, wenn die Hypothet noch besteht und wenn es mit Rücksicht auf die wirtfchaftliche Lage des Schuldners zur Abwendung einer groben un billigteit unabwendbar erscheint. Nach§ 15 tann bie rüdwirtende Aufwertung einer schon getilgten hypothet ganz oder teilweise unterbleiben, wenn der Schuldner erhebliche Berlufte infolge des Währungsverfalls erlitten hat, oder wenn andere ungünstige Berhältniffe, die das Gefeß nennt, vorliegen. normalen höchst sa z nach unten oder oben bei Aufwertung der Endlich muß der Antrag auf Abweichung von dem persönlichen Forderung nach§ 12 vor dem 1. April 1926 bei der Aufwertungsstelle eingereicht werben, alle Gläubiger und Sparer haben also Anlaß, rasch die zur Wahrung ihrer Rechte und Ansprüche nötigen Schritte zu tun. Wilhelm Reil Dachgesellschaften der Elektrizitätsindustrie erklärte zur Lage des Elektrische Licht- und Kraftanlagen 2.-G. Eine der größten Gewerbes in der Generalversammlung folgendes: Durch die Birt schaftskrisis und die damit verbundenen Stillegungen und Betriebseingetreten, der aber mehr als wettgemacht wurde durch die einschränkungen ist ein Rüdgang des Stromverbrauches Umstellung vieler Betriebe auf Elektrizität. Im übrigen fand in der Versammlung eine interessante Debatte über Aufwertungsfragen statt. Den Obligationären ist seinerzeit das Angebot gemacht worden, je 10 000 m. ihrer 4% Broz.- Friedensobligationen in eine Attie( Nennwert 60 M.) umzutauschen. Nach dem Gesetz steht ihnen ein Aufwertungsanspruch von 25 Proz. zu; das wären 2500 M. für waltung nicht den Obligationären, die vom Umtauschrecht Gebrauch 10 000 m. Es erhob nun ein Aktionär die Frage, ob die Ver gemacht hätten, die Differenz zwischen dem Attienbetrag, den fie durch Attienumtausch und den Aufwertungsbetrag, dessen sie durch Umtausch verlustig gegangen wären, herauszahlen würde. Geseßlich sei die Gesellschaft dazu verpflichtet. Die Verwaltung ernicht vor. flärte hierzu, fie wäre materiell insofern an dieser Frage nicht interessiert, als sie den Betrag, den sie infolge der nicht vorgenommenen Aufwertung ersparen würde, als Obligations. Steuer dem Fistus zahlen müsse. Wenn die Obligationäre auf dem Klagewege die Anerkennung der Berechtigung ihres Anspruchs durchfegen und damit die Zurüdzahlung der Obligationensteuer an die Gesellschaft erreichen würden, dann würde die Gesellschaft zahlen, und zwar zahle sie lieber den Obligationären als dem Fistus. Eine Dedung des Brennstoffbedarfs teilen fich gegenüber der Vorfriegs. doppelte Zahlung aber könne niemand der Gesellschaft zumuten. zeit die doppelte Anzahl von Einzelfirmen, obwohl der Brennstoffbedarf des hier in Betracht tommenden Abfaßgebietes um 25 Prozent zurüdgegangen ist. Die eineine Leiftung muß daher mit einem viel zu hohen Untostenjak be. lohnt werden. Einen Anhaltspunkt, daß die Preise die volkswirt. schaftlich berechtigte Höhe überschreiten, fann auch aus der Tatsache rigeren als den von der Bereinigung vorgeschriebenen Brennstoffbergeleitet werden, daß Betriebe, die zu nicht unwesentlich nieb. hergeleitet werden, daß Betriebe, die zu nicht unwesentlich nieb preisen abgesetzt haben, gewinnbringend arbeiten. Dazu kommt, daß die Bereinigung in der Weise Materialsperren über Kohlenhandelsfirmen verhängte, daß sie deren Aufnahme in die Bereinigung ablehnte, gleichzeitig fie aber den Wirkungen eines Gegenseitigkeitsvertrages mit dem Kohlengroßhändlerverband Nord Gegenseitigkeitsvertrages mit dem Kohlengroßhändlerverband Nord e. B., Hamburg, ausseßte, durch den die ausschlaggebenden Kohlengroßhandelsfirmen verpflichtet waren, nur an solche Blazhändler zu liefern, die dem Ortsverein des Landesverbandes Schleswig Holsteinischer Kohlenhändler, Riel, des Landesverbandes Schleswig Holsteinischer Kohlenhändler, Kiel, angeschlossen sind. Diese Sperren find rechtswidrig, weil die Einwilligung des Borsigenden des Kartellgerichts nicht eingeholt worden ist. Wegen dieses Tatbestandes schwebt auch ein Ordnungs. worden ist. Wegen dieses Tatbestandes schwebt auch ein Ordnungs. strafverfahren gegen den Verband beim Kartellgericht. Für Mitglieder der Bereinigung, die von der Ermächtigung des die Gefahr einer Materialbezugssperre auf Grund des erwähnten Reichswirtschaftsministers zur Kündigung Gebrauch machen, besteht Ertlufivvertrages nicht, da nach dem Gutachten des Borfizenden des Kartellgerichts vom 16. September 1925 die die Kohlengroßhändler. firmen darin auferlegten Verpflichtungen unwirtfam find, info. weit fie die Belieferung von Kohlenhändlerfirmen verhindern, die durch fristlose. Kündigung aus der Freien Bereinigung der Kohlenhändler Lübeds ausscheiden. Extrazulagen für Aufsichtsratsmitglieder. Das Beispiel der Reichsbahn macht Schule. In der Generalversammlung der Deutschen Telephonwerte, beren überwiegende Aktienmajorität sich in den Händen der Elektrischen Licht- und Kraft anlagen A.-G. befindet, wurde eine Statutenänderung angenommen, besondere Bergütungen erhalten. Wie iſt es mit der Benach der Mitglieder des Aufsichtsrats für besondere Leistungen zahlung von Extraleistungen der Arbeiter der Gesellschaft? Diese Bezahlung wäre um so mehr angebracht, als die Arbeiten der Gesellschaft, Anlagen von Telephonämtern für die Reichspost verwaltung, besonders hochqualifizierte Arbeiter erfordern. Die Gesellschaft hätte nach den von ihr selbst abgegebenen Erklärungen Veranlassung, mit ihren Mitteln hauszuhalten. Sie beklagt sich über die starke Beanspruchung des Betriebskapitals, die dadurch eintritt, daß die Fertigstellung und Abrechnung oft mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nimmt. Der Geschäftsgang war sehr lebhaft bei fteigenden Umfäßen und wachsendem Auftragsbestand. Es wurden bei einem Aftientapial von 7 200 000 m. ein Reingewinn von 476 233 m. erzielt, aus dem eine Dividende von 6 Proz. zur Verteilung gelangt. Aufnahme der Exportkreditversicherung vor Miffe April. Die Regierungsvertretern über die einzelnen Bunkte der technischen Verhandlungen der Exportkreditversicherungskommission mit den Durchführung nehmen, laut" Ronjunktur- Korrespondenz", befriedi genden Berlauf. Es ist mit Sicherheit zu rechnen, daß kurz nach Ostern, jedenfalls vor dem 15. April, die praktische Tätigkeit in der Exportkreditversicherung aufgenommen wird. Ueberfluß an Branntwein! Der Bericht der Reichsmonopolverwaltung für Februar bestätigt die von uns begründete Auffassung, Die fünftliche Verteuerung des Kleinverkaufspreises für Kohle daß alles getan werden muß, um durch Steigerung des Alkoholdurch Preisabreden zwischen Kleinhandel, Großhandel und Syndi verbrauchs für technische Zwecke eine Entlastung von den großen faten steht durchaus nicht vereinzelt da. Auch in anderen Vorräten an diesem Material herbeizuführen. Im Februar 1926 Gewerbezweigen ist die Gefahr eines Mißbrauches der Kartellgewalt außerordentlich groß. Unter diesen Umständen die Kartell- waltung an unverarbeitetem Branntwein 1 476 719 Hektoliter. Der Gewerbezweigen ist die Gefahr eines Mißbrauches der Kartell. wurden zusammen hergestellt 316 923 Hektoliter Branntwein; am Beginn des Monats betrugen die Bestände der Reichsmonopolver gefeggebung abzubauen, hieße der Preiswillkür freies Gesamtzugang betrug 306 003 hektoliter, der Gesamtabgang 161 979 Spiel lassen. Nicht die Beseitigung des bisherigen Kartellrechts hektoliter. Spiel laffen. Nicht die Beseitigung des bisherigen Kartellrechts Hektoliter. Am Schluß des Monats betrugen die Bestände der tut not, sondern sein Ausbau durch Schaffung eines Rartell. Reichsmonopolverwaltung 1 620 743 Heftoliter. auffichtsamts. Das deutsch- portugiesische Handelsabkommen. Ein neues beutsch portugiesisches Handels. ablommen ist am 20. März in Lissabon unterzeichnet worden. Das Abkommen enthält im wesentlichen die Bereinbarungen des bisher geltenden vorläufigen deutsch- portugiesischen Handels. begünstigung den deutschen Baren die praktische Meistbegünsti übereinkommens, in dem Portugal gegen die deutsche Meist. gung durch Einräumung der Zollfäße des portugiesischen minimaltarifs zugestanden hat. Besonders wichtig ist ferner, daß auf Grund des neuen Abkommens die de utfchen Staats. angehörigen nunmehr auch in den portugiesischen Kolonien bezüglich der Einreise, der Ausübung von Hanbel und Gewerbe, der Niederlaffung und des Erwerbs von Liegenschaften, bie gleichen Rechte wie die Angehörigen der meist begünstigten Nationen haben werden. Für portugiesischen Dessertwein ist der gleiche Zollsatz zugestanden worden, der in dem deutsch- italienischen Handelsvertrag vereinbart worden ist, nämlich 32 M.; für andere Beinarten find teine 3ollabreben getroffen worden. Bortugal find ferner Zoll zugeständnisse für Ananas, Lunfischtonferven und stortstopfen gemacht worden. Das neue Abkommen wird dem nächst den deutschen geseßgebenden Körperschaften zur Genehmigung vorgelegt werden. Da die Genehmigung bis zu dem am 31. März erfolgenden Ablauf des bisherigen deutsch- portugiesischen Handels. übereinkommens nicht mehr eingeholt werden tann, ist die Ber längerung der Geltungsdauer des bisherigen Handelsübereintommens bis zum 30. April d. 3. vereinbart worden. Continenta! Rege So gut wie Continental- Reifen Continental Regenmäntel, Regenhüte und Sportbekleidung, gummiert und imprägniert, für Damen, Herren u.Kinder. Kr. 139 ♦ 43. �ahrgasg 2. Heilage öes vorwärts Mtttwoch. 54. MLe» 1926 Völkerbunü-Vebatte im Reichstag. Luther gegen Tirpitz.- Stresemann gegen„Lokal-Anzeiger".- Annahme des Billigungsantrages. In feiner Reichstagsrede am gestrigen Dienstag, deren Haupt- teil wir bereits im Abeiedblatt wiedergeben tonnten, wies /ibg. Dr. Sreitscheiü lSoz.) weiter nach, wie falsch die Behauptung ist, als ob die deutsche De- legation wie ein Bettler mit dem Hute in der Hand auf Einlaß gewartet hätte, und erklärt dann bei aller Anerkennung des unleug- baren Friedens- und Verständigungswillens Briands, daß das heimliche Versprechen eines Rotsiges an Polen und andere Mächte ohne gleichzeitige Verstäichigung Deutschlands auch von den deutschen Sozialdemokraten als inkorrekt und illoyal be- zeichnet werden müsse. Es war auch höchst unvernünftig, denn man hätte sich sagen müssen, daß ein solches Versprechen auch noch weitere Mächte veranlassen würde, Ansprüche auf einen Ratsitz zu erheben. Fest steht aber, daß seit dem 5. Mai 1924. wo die letzten französischen Kammerwahlen Poincarä gestürzt haben, die große Mehrheit des französischen Volkes, insbesondere des werktätigen Volkes, klar und deutlich Verständigung und Frieden mit Deutschland haben will. Wir billigen den Standpunkt der deutschen Delegation, daß sie vor dem Eintritt in den Völkerbund über die Zusanmrensetzung des Rates nicht mit- entscheiden könne. Wenn aber die Rechte verlangt, die deutsche De- legation hätte abreisen, ein Ende machen, den anderen alles vor die Füße werfen sollen, ko ist ein« solche Forderung allerdings aus dem Gerzen zahlloser Stainmtischpolitiker gesprochen. Für den deutschen Spießer gibt es in solchen Konflikten immer nur eine Lösung: mit der Faust aus den Tisch schlagen, daß die Tintenfässer in die Höhe springen, was dann kommt, ist gleichgültig. Kommt es zu einem bewaffneten blutigen Konflikt, und siegen wir, dann schreit der Spießer hurra! und hängt die Fahnen heraus— werden wir ge- schlagen, dann sind die Spießer stets bereit, den Verräter zu suchen und eine Dolchstoßlegende zu glauben. Richtig war es. sich nicht direkt gegen die Ansprüche eines anderen Slaakes zn wenden, zumal doch damit gerechnet werden muß. daß dem Völkerbund neben dem ftöndlgen Mitglied Deutschland auch das nichtständige Mitglied Polen angehören wird, zumal ja Über die Besetzung der nichtständigen Posten nur die Völker- buadversammlung und nicht der Rat entscheidet. Der Redner wendet sich dann dagegen, daß der volksparteiliche Abgeordnete v. Rheinbaben tags zuvor mündliche Der« sprechen der Reichsregierung als nicht vollgültige Ver» einbarungen hingestellt hat. Es ist ungeheuer gefähr- ltch, mündliche Zusagen der deutschen Regierung derartig zu ent- werten. Herr v. Mzeinbaben hat ja dann auch oerlangt, daß wir mit Polen erst dann uns in den Rat zusammensetzen sollen, wenn es stch uns gegenüber auf den Rechtsstandpunkt stellt. Gang abgesehen davon, daß wir nicht finden können, daß Polen den Rechtsstandpuntt in seiner Politik verlosten hat, müsten wir doch sogen: wenn man mit einem Staate nicht zu einem Bertrag kommt, wobei es noch gar nicht feststeht, auf welcher Seite die Schuld liegt, dann kann man nicht behaupten, daß dieser Staat den Rechtsstandpuntt ver- lasten hat. Es steht eine ganze Reihe von Fragen zwischen uns und Polen, aber sie kommen in erster Linie aus der Vergangenheit, sie sind die Folgen einer mchr als hundertjährigen Geschichte. Sie sind eine Folge der Tatsachen, daß eine Nation lange Zeit zwangsweise mit einer anderen Nation zusanunenleben mußte. wir hoffen und wünschen dringend, daß wir endlich zu einer Verständigung mit Polen gelangeu uud wir hoffen auch, daß Polen die widerstände aufgibt, die aus seiner hundertjährigen Vergangenheit verständlich find. Es wurde ja auch gesagt, daß wir niemals mit Frankreich zu einer Verständigung kommen würden und doch sehen wir, daß es möglich ist, auch mit diesem Lande sich politisch zu verständigen. Wenn wir erst mit Polen zusammen im Rat« sitzen, dann wird sich manche Streitfrage leichter lösen lassen, als wenn wir draußen stehen. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist doch in Genf nicht an Polen, sondern an Brasilien gescheitert. Ich halte es im Sinne des deutschen Ansehens in der Welt allerdings für bester, daß die Lnige so gekommen sind, als wenn wir auf Grund irgendwelcher Schiebungen doch noch in den Bölkerbund eingetreten wären. Ich sehe gerade darin einen Erfolg für das deutsche Ansehen in der Welt. Sie(nach rechts) teilen die Meinung der Ba y e r i s ch e n Staats- zeitung. wonach die Haltung der deutschen Delegation in Genf nicht der Würde Deutschlands entsprochen habe. Die bayerische Regierung hat zwar erklären lassen, daß sie mit dieser Schreib« weise nicht einverstanden sei, aber ich wart« noch darauf, daß sie einen Redakteur zum Teufel jagt, der in ihrem Blatte der Regierung des Reiches in solcher Weise m den Rücken fällt.(Der Vertreter Bayerns Herr v- Preger ruft dazwischen, daß die amtlichen Mit- teilmren in der Bayerischen Stoatszeitung mit drei Sternen gekenn- zeichnet seien). Es hält doch für einen politischen Laien ungeheuer schwer festzustellen, was von der Regierung kommt und was nicht von ihr stammt, trotz der Sterne. Es sollte doch ober in einem solchen Organ unmöglich sein, Artikel hiaieinznbringen. die sich gegen die Absichten der Reichsregierung wenden. Der Redakteur der Bayerischen Stoatszeitung hat auch Pflichten gegenüber der Regierung zu erfüllen, selbst wenn sie nicht mit 2 oder 3 Sternen gekennzeichnet sind.(Sehr wahr bei den Soz.) Der kommunistische Redner hat mir den Rat gegeben, in ein tibeta« nisches Kloster zu gehen, well dort Gebetsmühlen gedreht werden. Das ist ein sehr gewagtes Unternehmen, weil ich bei dem ständigen Vordringen des Bolschewismus in Asien nicht sicher bin, auch auf dem Himalaja auf einen kommunistischen Lama zu stoßen, der dort dieselben Gebete herunterleiert, die wir hier anhören müssen. (Stürmische Heiterkest). Uns braucht man nicht zu sagen, daß der Völkerbund noch eine kapitalistische Institution ist. weil die Re« gierungen, die ihn bilden, kapstalistisch sind. Wir müsten aber dafür sorgen, daß die Regierungen anders werden, dann wird auch der Völkerbund anders sein. Wir hoben stets betont, daß der Völker- bund in seiner heutigen Form kein Ideal für uns ist, daß«r nur eine Notbrücke bildet, bis uns eine Reform etwas Besseres bringt. Borläufig ist der Völkerbund nur eine Vertretung von Re- gierungen und nicht von Völkern. Es sitzen in ihm noch die Staats- männer, die wohl die Fähigkeit besitzen, Kriege zu entfachen, aber noch nicht die Fähigkeit, den Frieden zu organisieren. Erst wenn die Vertreter von Völkern in ihm sind, dann wird er sich nicht nach Mächtegruppen orientieren, sondern vielleicht nach Parteien. Der Völkerbund krankt vor allem daran, daß er die Souveränität der einzelnen Staaten unemgeschränkt läßt, wir werden demgegenüber aus ihm eine Art Oberstaat machen müssen. Einen europäischen Völkerbund lehnen wir ab. Wir müssen jeden Verdacht oermeiden, ol» ob wir eine Organisation schassen wollten, die ihre Spitze gegen Amerika oder gegen Asten richten soll. Trotzdem der Völkerbund heute noch viele Mängel hat. hatten wir an diesem Gedanken fest. Wir wünschen freundschaftliche Beziehungen zu Ruß- l an d. aber Rußland kann uns keinen Ersatz für die etwaige Zerreißung der Faden gegen den Westen bieten. Der Tag wird kommen, wo auch Rußland in den Völkerbund eintritt und dann «erden allerdings die deutschen Komrmmisten ihre heutigen Ma. puslripte verbrennen müssen. Der Redner richtet an den Reichsaußenminister die Anfsorderung, dafür zu sorgen, daß die Außenpolitik der Regierung von ihren sämllichen Organen unterstütz« werde. Es gehe nicht an. daß einzelne Botschafter ertlären. sie seien Gegner des Eintritt» in de« Völkerbund. Wenn wir Pazifisten sind, so nicht deshalb, weil wir glauben, durch gutes Zureden Kriege verhindern zu können, sondern weil wir glauben, daß der Krieg das größte Uebel auf der Welt ist und daß wir alles zu tun haben, um den Krieg als Mittel zur Lösung der Gegensätze zwischen den Völkern zu beseitigen. Dos ist unsere real- politische Einstellung, trotz allein, was in Genf sich ereignet hat, dafür werden wir wirken. Und wir erwarten von der Regierung, daß sie alles tut, um den Weg zum Völkerbund offen zu hallen. (Lebh. Beifall b. d. Soz.). Der Präsident teill mit, daß von den D e u t f ch n a t i o n a l e n ein Antrag eingegangen ist: „Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister besitzen nicht das Vertrauen des Reichst» gs.' (Lochen links.) Von den Regierungsparteien ist Uebergang zur Tages- ordnung über den völkischen Vertrauensantrag beantragt worden. Abg. v. lirpih(Dnat.) wirst die Frage auf, ob die Politik des derzeitigen Reichskabinetts trotz des Genfer Zusammenbruchs in der beabsichtigten Fonn fort- oeführt werden dürfe. Es liege in der Beantwortung eine Ent- scheidung für die Zukunft des Deutschtums überhaupt. Deshalb müsse die dungende Bitte an alle Parteien gerichtet werden, einmal den inneren Parteistandpunkt zurückzustellen und nur das große Gesamt- interesse Deutschlands gellen zu lassen. Unsere Unterhändler hatten leider in Locarno unterlassen, uns grundsätzlich die unveränderte Zusammensetzung des Völkerbundsrats bis nach unserem Eintritt zusichern zu lassen. Vor dem glatten Siege Frankreichs über uns hat uns der Vorstoß Brasiliens gerettet. Durch das Koni- in u n i q u c haben wir uns mit den Mächten identiilziert, deren illoyales Spiel in der ganzen Welt klar geworden ist. Die Zurück- Ziehung des Aufnahmeantrags ist um so notwendiger, als wir gar nicht übersehen können, was alles in der Zeit bis zum September geschehen kann. Wir machten dann auch deutlich, daß das deutsche Volk die Verantwortung für das Genfer Chaos ablehnt. Diese Stellungnahme würde das Ansehen Deutschlands in der ganzen Welt mit einem Schlage herstellen. Das ist derselbe Standpunkt, den Nordamerika einnimmt. Es kommt darauf an, jetzt wieder die Handlungsfreiheit zu erlangen, dazu bedarf es eines politischen Akte». �Beifall rechts.) Reichskanzler Dr. Luther: Der Rede des Abg. v. Tirpitz habe ich zwei Gesichtspunkte ent- nommen: erstens handelt es sich nickst darum. Locarno nach rückwärts zu revidieren, zweitens solle Deutschlands Eintrittsgesuch in den Völkerbund zurückgezogen werden. Es ist ein schweres Problem, diese beiden Gesichtspunkte zu vereinbaren. Der Gedanke. Deutsch- land habe seine Freiheit verloren, das Eintrlttsgcsuch zurückzuziehen, ist völlig irrig. Deutschland hat diese Freiheit, und daran ist auch nichts geändert worden durch das Kommunique. Wir wollen Locarno nicht nur nicht rückwärts revidieren, sondern wir wollen es ausgestalten. Locarno ist heute die Grundlage unserer Außen- Politik. Gewiß ist vielerlei noch nicht erfüllt, aber andererseits kann doch nicht behauptet werden, daß Locarno wirkungslos gewesen sei. Wir haben doch vieles erreicht, was ohne Locarno nicht erreicht worden wäre.(Lebhafte Zustimmung.) Daß die Locarno-Politik fortgesetzt und ausgebaut werden soll, ist in dem Kommunique ausgesprochen. Ich bekenne mich dazu, daß das Kommunique in seinen Grund- gedanten unserer Initiative entsprungen ist. (Lebhaftes Hört, hört! rechts: Beifall links und in der Mitte.) Einen anderen Weg gab es gar nicht, um festzustellen, daß trotz des vor- läusigen Richteintrllts in den Völkerbund die Locarno-Politik fort- gesetzt werden soll und die Locarno-Abmachungen auch juristisch m Kraft treten sollen.(Unruhe rechts.) Es muß doch festgestellt werden, daß nach den Parlamentsbcschlüssen Locarno die a n e r t a n n t e Grundlage unsererPolitik ist. Es wird ganz zu Unrecht der Anschein erweckt, als sei die Meinung der Welt seit Genf gegen Deutschland. Es läßt sich umgekehrt feststellen, daß in der Pretzc der ganzen Welt, vor allem Amerikas, die Art des deutschen Vorgehens in Genf als richtig vom deutsche» Standpunkt aus bezeichnet wird. Eine Zurückziehung des deutschen Eintrittsgesuchs in den Völkerbund würde dazu führen, daß die Meinung der Welt sagen würde: Deutschland hat nicht bis zum Ende für Locarno gekämpft, sondern die deutsche Politik würde dann nicht mchr als die des Friedens und der Verständigung angesehen werden, die wir brauchen. Noch etwas Persönliches: Ich hatte die Ehre, eine Regierung zu führen, der die Deutschnationale Volkspartei ange. hörte. Ich habe niemals, wie Sie wissen, irgendeine b e- stimmte parteipolitische Stellung eingenommen. (Lautes Gelächter rechts und auf der äußersten Linken.) Und wenn das ganze Haus lacht, ich bekenne mich doch mll allem Nachdruck zu dem Standpunkt: Es gibt neben den einzelnen politischen Parteien das Einhalten einer einfachen, klaren vaterländischen Richtung, und das ist mein Programm.(Beifall.) Gerade in dieser Stunde, wo gegen meine Person von Deutschnationolen. mit denen ich ver- trauensvoll zusammengearbeitet habe, ein Mißtrauensvotum ein- gebracht worden ist, bekenne ich mich erneut zu dem Standpunkt, daß für mich nur dos gerade vaterländische Arbeiten das politische Programm ist. Ob ich in der Lage bin, diese Arbeit weiter zu führen, darüber entscheiden die zuständigen Stellen.(Beifall.) Abg. ZNüller-Franken(Soz.): Es ist nicht klar, was die Deutschnationolen damit beabsichtigten, als sie der Rede des Grafen Westarp heut« einen zweiten Teeaus- guß folgen ließen. Irgend etwas Neues war darin nicht enthatten. Als gestern Graf Westarp den Reichsaußenminister dringend bat. abzutreten, habe ich gefragt, wen er an diese Stelle setzen wolle. Ich habe erwartet, daß der Mann heute kommen würde. Statt dessen haben wir den Herrn v. Tirpitz als letzten Wann der deutsch- nationalen Mannen auf dieser Tribüne erlebt. Tirpitz hat sich mehr. fach auf die Bereinigten Staaten von Amerika und insbesondere auf den jetzigen Botschafter in London, früheren Botschafter in Berlin, Mr. Houghton, bezogen. In dem Bericht der„Times" über die amerikanische Stellungnahme kommt der Satz vor:„Der europäische kontinent hat. soweit seine Slaat-nnänuer in.Troa« kommen, von dem Kriege uichl» gelernt." Bildet sich Herr v. Tirpitz ein, daß Houghton ihn zu den Staatsmännern rechnet. die aus dem Kriege etwas gelernt haben?(Sehr gut! links.) Das schönste an der Rede des Abg. o. Tirpitz war. daß ausgerechnet e r uns ermahnte, einig zu sein, die innere Parteiklüftung zu lasten und uns in wahrer Volksgemeinschaft zu verbinden. woher nimmt Herr v. Tirpitz den Mut. über die deutsch« vartcizertlüstuug Sonntags nachmittags Predigten zu halten. da er doch in der schwersten Heit des deutschen Volkes mit leiner Vaterlandspartei eine Zerklüstuu.q in das deutsche Volk hinein- gebracht hat. die sicherlich zur Herobdrückuug der deutschen Sktmmrmg in den Zähren 1S17 und 1915 am meisten beige- trage» hat?(Lebhafte Zustimmung link».) Selbst Konservative haben in schärfster Weis» gegen diese Dolkszerreißung Stellung genommen, wie sie mit dem Gelbe der Schwerindustrie dan.al» in Deutschland hervorgerufen wurde. Der Abg. v. Tirpitz hat die Behauptung aufgestellt, daß zum«rstenmol seit 1918 jetzt der Versuch gemacht würde, eine positive Politik zu treiben. Ich will feststellen, daß seit 1918 diejenigen Parteien, die von den Lentjchnolionalen bekämpft und verleumdet werden. die Einheit de» Reiches erhallen haben, daß ohne sie wir heute nicht aus dem Punkte wären, auf dem wir tatsächlich stehen.(Lebhast« Zustimmung links.) Es kann nicht die Rede davon sein, daß das Gesuch Deutschlands zum Eintritt in den Bölkerbund zurückgezogen wird. Bis in die Reihen der Rechten hinein sind wir doch darüber klar, daß auf die Dauer der Eintritt nicht zu umgehen ist. Wollen Sie(zu den Deutschnationalen) etwa auch in der Außen- Politik, diejenige Politik haben, die Sie so oft in der Jnnenpotttik empfehlen, wollen Sie die notwendigen Reformen im Völkerbund vornehmen lasten, ohne daß wir dabei sind und nachher dem Völker- bunde beitreten? Ich glaube, daß wäre die schlechteste Politik, die Deutschland überhaupt empfohlen werden kann. Wir wollen eine Diplomatie, die mit offenen Karten spielt, aber nicht einen Politik, die Herr v. Tirpitz am 29. A u g u st 1924 ge- trieben hat, als die roten Karten offen in die Höhe gingen und die weißen Karten verdeckt abgegeben wurden. Der Abg. v. Tirpitz hat sich auf Bismarck berufen, aber wir wissen, wie Bismarck dar- über gedacht hat, daß Sie eines schönen Tages eine Koalition finden könnte, die das Werk von 1871 vernichtete. Er hat es nicht mehr erlebt, er hat nur Frankreich und Rußland in immer innigere Verbindung kommen sehen. Aber Herr v. lirpih hat es serlig gebracht, auch noch England dazu zu gesellen, und damit den Grundslein für die Politik zu legen, die zum Zusammenbruch Deutschlands führen mußte. Man mag noch so voreingenommen den Genfer Verhandlungen gegenüberstehen, dos eine muß doch festgestellt werden, daß die deutschen Delegierten dort von den anderen Staaten geradezu umworben worden sind. Bismarck ist es niemals eingefallen, Machtpolitik zu empfehlen, wenn die dahinter stehende Macht nicht da war. Hätten die deutschen Delegierten in Gens stcki vielleicht Knrassierstiefeln anziehen und einen Kürassierhelm oui- setzen sollen?(Heiterkeit.) Glaubt jemand, daß dadurch ein größeres Entgegenkommen von den Ententemächten zu erwarten gewesen wäre? Die vorsichtige Form, in der die Herren W e st a r v und Tirpitz gesprochen haben, ist mir gewählt, um die wahre, innere Stellungnahme der Deutschnationalen Partei noch außen hin zu verbergen. Nach den Aussühnmgen des Abg. v. Freytagh- Loringhoven im völkischen Ausschuß der Deutschnationalen der in diesen Tagen wieder einmal beisammen war, steht die veutschnalionale Partei heute noch auf demselben Standpunkt unbedingter Gewaltpolltlk. den in früherer Zeit ihre vorläuserin. dl« deutsch-konservative Partei, vertreten Hot. Deshalb ist es uumöalich. daß irgendeine Einigung mit dieser Sorte Außenpolitik erfolat. (Sehr richtig bei den Soz.) Wir sind olle einig dariiber, daß der Bölkerbund durch die Verhandlungen in Genf einen schweren Stoß erlitten Hot. Aber ein Ideal wird deshalb nicht falsch, weil diejenigen verlaol hoben, die zu seiner Vertretung verpflichtet gewesen sind. Wir sind deshalb nach wie vor für den Eintritt Deutschlands in den Völker- bund, und daß der Sommer benutzt werden muß, um die Hinder- niste zu beseitigen, die dem noch entgegenstehen. Kommunisten und gewisse Rechtsbolschewisten empfehlen für Deutschlands Außenpolitik die unbedingte Option nach dem Osten. Wir dagegen ver- langen Völkerbundspolitik, die nicht im Gegensatz zu einer deutsch- russischen Verständigungspolitik steht. Wir verlangen die U n i o e r- salität des Völkerbundes, wenn Deutschland im Völker- bund sein wird, wenn wegen der europäischen Zusammenhänge früher oder später auch Rußlontrin diesen Bölkerbund hinein muß, dann wird der Augenblick kommen, wo auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Vülkerbundspolitik ändern werden. Venn Herr v. Tirpitz heute an den drethundertjährigcu Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland erinnert hat. so scheint er nicht zu wissen, daß nicht nur tn Südsrankreich, sondern auch in Rordsrankreich und in der Milte Frontreichs die Zahl der- jenigcn fortwährend wäÄst. die dieienigen Frauzosm bekämpfen, die den Deutschen haß predigen. Es gibt vielleicht noch Ausnahmen in Frankreich, in den während des Krieges besetzten Gebieten, aber die Deutschnationalen, die für die damalige Volitik verantwortlich sind, haben kein Recht, sich über solche Rückstände von Haß aufzuhalten. Solange die Reichsregierung in den kommenden Monaten der Politik treu bleibt, die sie in Gens betrieben hat, und die der Reichsaußenminister gestern, und der Reichskanzler heute hier vertreten haben, solange wird die Reichs- regierung in ihrer Außenpolitik die U n t e r st ü tz u n g der Soziallremokratischen Partei finden.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. v. Rheinbaben(DBp.) weist die Auefühnmgen des Abg. Dr. Breitscheid über Polen zurück. Abg. Münzenberg(Komm.) bestreitet, daß die Völkerbunds- politit der einzioe Weg sei, den Frieden zu erhatten und Deutschlands Sicherheit zu schützen. Deutschland könne sich gegen die Unter- drückungsbcstrebungen der Entente nur durchsetzen im Bunde mit Scwjetnißland. Abg. Graf Westarp(Dnat.) erklärt unter Hinweis auf das Stenogramm, der Abg. v. Tirpitz habe nicht, wie der Reichskanzler sagte, sich gegen eine Rückwärts- reoidierung von Locarno ausgesprochen. Das Lob des Auslandes dürfe für die deutsche Außenpolitik nicht entscheidend sein. Die Linie der Lacarnopolitik finde nicht die Zustimmung der Deutschnationalen. Diese Politik habe sich als wir- tiingslos und rückwirkungslos für Deutschland erwiesen. Dir haben im vorigen Jahre vertrauensvoll mit dem Reichskanzler zusammen- gearbeitet. Wir denken gern daran zurück und leugnen keineswegs den ehrlichen vaterländischen Willen von Dr. Luther. Uns trennen von Ihm nur nüchterne, sachliche Gegensätze. Wir erwarteten ein ausdrückliches Vertrauensvotum. Do es ausgeblieben ist, muhten wir selbst ein Mißtrauensvotum«inbringen, dos sich nach der Natur der Sache gegen die beiden Herren richten mußte. (Beifall rechts.) Reichskanzler Dr. Luther erklärt, er habe den Abg. v. Tirpitz so verstanden, daß an der Locarnopolitit festgehalten werden solle. Jedenfalls sei dieses Festhalten notwendig, denn Locarno müsse als obgeschlostcner Tatbestand der deutschen Politik betrachtet werden. die Abstimmung. Damit schließt die Aussprache. Vom Abg. Dr. Bredt(Wirtsch. Agg.) ist zur Billigungsfvrmel ein Zusatzantrag eingegangen: Der Reichstag erklärt sich mit einem Eintritt Deutschland» in den Bölkerbund e r st dann einverstanden, wenn er erfolgen kann unter den in Locarno gegebenen Voraussetzungen, nämlich der Erteilung eine» ständigen«atssihe, ohne«eitere Vermehrung der Rat»flh« und ohne Durchbrechung de» Grundsätze, der EI»- iz»»...... i ,« ,♦« IMmratgreu»..>-.... In einfacher Abstimmung wird zunächst das? ommuniftifel Bedeutung erfongt, daß[ ein Abbau ein Berhängnis bedeuten mürbe Istrauenspotum gegen die ganze Reichsregierung abge lehnt Dafür ftimmten die Deutschnationalen, die Kommunisten unb Böllischen. Dann folgt die namentliche Abstimmung über das Mißtrauensvotum der Deutschnationalen, das sich gegen den Reichskanzler Dr. Luther und den Reichsaußenminister Dr. Stresemann richtet. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung mit 259 gegen 141 Stimmen ber Deutschnationalen, Bölfischen und Kommunisten.( Beifall bei der Mehrheit.) Es folgt eine namentliche Abstimmung über den Antrag der Regierungsparteien, über den völfischen Antrag, der Re gierung das Vertrauen auszusprechen, zur Tagesordnung überzugehen. 264 Abgeordnete stimmen mit ja, 139 Abgeordnete mit nein, 1 Abgeordneter hat sich der Stimme enthalten. Der Antrag ist demnach angenommen. Der Zujahantrag der Wirtschaftspartei wird in namentlicher Abstimmung mit 250 gegen 153 Stimmen abgelehnt. Die Billigungsformel der Regierungsparteien wird darauf in einfacher Abstimmung mit großer Mehrheit angenommen. Abgelehnt werden gegen die Deutschnationalen, die Böffischen und Kommunisten die beiden Anträge der Völlischen und Rommunisten, das Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund zurüdzuziehen. Das Gehalt des Reichsfanglers wird darauf mit großer Mehr. heit bewilligt. Es erregt stürmische Heiterfeit, daß nach allem Borausgegangenen auch die Deutschnationalen für das Gehalt stimmen. In der Einzelberatung führt Abg. Dr. Quaah( Dnat.) Be schwerde über ein Flugblatt, das sich gegen die Aus. zehrungs" Broschüre des„ Berliner Lokal- Anzeigers Lokal- Anzeigers mendet. In dem Flugblatt werde der falsche Anschein ermedt, als fet die deutsche Währung nur durch den Dames- Baft stabilisiert wor den. Dieses Flugblatt fei von der mit öffentlichen Geldern reichlich ausgestatteten Reichszentrale für Heimatsdienst" in Massen verbreitet worden. Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Das Flugblatt ist in der Tat von der Reichszentrale für Heimat. dienst, und zwar auf Veranlassung übergeordneter Reichsstellen und unter Verwendung von Reichsmitteln verbreitet worden. Es wendet fich gegen die Artikelferie des„ Berliner Cotal- Anzeigers":„ Die Ausjehrung Deutschlands". Diese Artikelferie war das Höchilmas an Demagogie, das uns je begegnet ist.( Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Diese Agitation wurde in der Form getrieben, daß nicht etma bloß die Artikel im„ Lokal- Anzeiger" veröffentlicht, sondern daß sie an allen Blatatfäulen angekündigt und in Massen als Flugblätter verbreitet wurden. Es war die Pflicht der Reichs. regierung, einer so aufreizenden irreführenden Agitation durch die Reichszentrale für Heimatdienst entgegenzutreten.( Unruhe ( Unruhe rechts; Beifall bei der Mehrheit.) Auch außenpolitisch war diefe Agitation sehr bedentlich. Wir stehen gegenwärtig unter einer starten Arbeitslosigkeit in Deutschland, einer Wirtschaftstrise, die nzweifelhaft zu ſehr starken Erregungen im Bolte führen tann. Es ist aber feine größere llmtehrung der Wahrheit möglich, als menn in dieser Artikelferie die Wirtschaftskrise zurückgeführt wird auf die Dawes Regelung der Reparationslaften. Tatsächlich hat diese Regelung uns erst die Möglichkeit gegeben, die Währung und Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Die Artikelferie erwedt im Bolt den Eindrud, ols wenn wir erst durch den Dawes- Patt neue Casten dem Bolle suferlegt hätten. Es wurde verschwiegen, daß vorher ohne Rüdicht muf die deutsche Währung und Wirtschaft uns die Goldmilliarden entzogen worden sind und die Währung untergraben wurde. Ich denfe gar nicht daran, die Stabilisierung unserer Währung als Verdienst des Auslandes hinzustellen. Aber Dr. Quaaß muß doch wissen, daß es nicht möglich gewesen wäre, die Stabilisierung durchzuführen, menn nicht durch den Dames- Bati die früheren rücksichtslosen Ein griffe in unser deutsches Volksvermögen verhindert worden wären. Wenn unter Umfehrung der Tatsachen durch die Agitation des Cofal- Anzeigers" das deutsche Volt in schlimmster Weise aufgereizt wurde, so war es die Pflicht der Regierung, Abwehr. maßnahmen zu treffen. ( Unruhe rechts; lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Quaak( Dnat.) wird von der Linten mit lauten Rufen Hugenberg- Knecht" empfangen. Er behauptet, daß die Stabili. fierung schon im Herbst 1923 erfolgt sei, wogegen der Dawes Paft erst im Sommer 1924 abgefd) loffen wurde. Daraus ergebe sich die Irreführung in dem Flugblatt der Heimatdienstzentrale. Nach Erledigung des Haushalts der Reichskanzlei wird das Gehalt des Reichsaußenministers bewilligt. In der Einzelberatung seines Haushalts machen die völkischen Abgeordneten Kube und Reventlow einige unwesentliche Ausführungen. Als Abg. Stube an das Rednerpult tritt, wird von links gerufen: Jakob Jatot tupa Kudud!" Abg. Kube ersucht den Präsidenten mit erhobener Stimme um besseren Schuh. Präsident Löbe: Ich bitte Sie zunächst, etwas höflicher mit mir zu reden.( Beifall.) Im übrigen machen Sie selbst so oft laute Jurute, daß Sie sich über andere nicht beflagen dürfen.( Beifall.) Der Haushalt wird in seinen einzelnen Kapiteln angenommen. Dem Volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen wird ein zum Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums gestellter sozial demokratischer Antrag, monach der§ 63 des Kohlen. wirtschaftsgeseyes dahin geändert, Daß eingetragene Genossenschaften und deren Zentralen auf Verlangen von den Kohlensyndikaten zu den vom Reichstohlenverband festgesetzten Berkaufspreisen ohne Verpflich. tung zur Einhaltung von Mindestverkaufspreisen direkt mit Brennstoffen beliefert werden." Ferner ein zweiter sozialdemokratischer Antrag, den§ 16 dieses Gesetzes dahin zu ändern, daß die Syndikate den Wiederverkäufern teine Mindestpreise auferlegen und ihnen nicht vorschreiben, daß sie nur bestimmte Marten oder Sorten führen dürfen. Der Haushalt des vorläufigen Reichswirtschaftsrats wird ohne Aussprache verabschiedet. Es folgt die zweite Beratung des Haushalts der befeßten Gebiete. Gegenüber gewissen Kreisen, die glauben, politische fragen nur mit deri Instrument der Macht lösen zu können, lehnt die Bevölkerung Des belegten Gebietes jede militärische Spielerei ab. Sie würde mit ihrer Unterstützung dem Reiche einen schlechten Dienst erweisen und ihre Heimat zum Glacis tünftiger Kriege machen lassen. Für das Maulheldentum des unbesezten Gebietes ist im besetzten Gebiete fein Raum. Wir wollen auch die Politik von Locarno nicht aus der Berfpeftive des befehten Gebietes betrachten, sondern die große politische Bedeutung anerkennen, die jedem Verfuch zu fommt, auf Grund internationaler Berständigung die Befreiung zu erreichen. Nach den Berträgen von Locarno ist eine Berechtigung zur Aufrechterhaltung der Befehung nicht mehr vorhanden. Die Sicherungen, die durch die Befehungen gefchaffen werden sollten, find durch Locarno unnötig geworden. Aber aus unseren eigenen ErDer Kampf um die Steuern. Mit Reinhold von gestern gegen Reinhold von heute. Die Verhandlungen des Steuerausschusses des Reichstags am Dienstag haben bisher feine Aenderung in der Steuertrife hervorgebracht. Die sozialdemokratischen Redner legten nochmals mit gewichtigen fachlichen Gründen die Unhaltbarkeit des neuen Kompromisses dar, während sich die Deutschnationalen darauf verlegten, die Demagogie der Regierungsparteien noch zu übertrumpfen. Es ist begreiflich, daß die Reichsregierung und die Regie rungsparteien Eile haben, ihr schlechtes Werf, das der Kritik nicht standhält, unter Dach und Fach zu bringen. Begreiflich) auch, daß die Regierung ihre Rapitulation zu vertuschen fucht. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß der Leit-* gedanke der Regierung, durch eine starke Senfung der Umsag Werbewoche der SAJ. teuer die Preise zu ermäßigen und das Wirtschaftsleben anHeute, Mittwoch, den 24. März, abends 7½ Uhr: Abt. Ober- u. Niederschöneweide: Frühlingsfeier, Schulaula, Niederschöneweide, Berliner Str. 81, Mufil, Rezitationen, Ansprache, Aufführung des Dfterspazierganges aus dem" Faust". Einführungsabende für Schulentlaffene: Faltenberg: Jgdh. Straße am Faltenberg.- Lichtenberg- Mitte: Igbb. Dossestr. 22. Morgen, Donnerstag, den 25. März, abends 7% Uhr: Werbebezirt Neuföln: Jugendfeier in der Aula der Nathenau Schule Boddinſtr. 84/85. Brogramm: Gefang. Mufit, Seşitationen, Ansprache, Aufführung eines Jugendspiels. Eintritt 40 Pfennig. Abt. Mariendorf: Jugendfeier mit besonderem Programm in der Schulaula Kurfürstenstr.( nicht Königstr.) Eintritt frei. Abt. Pankow: Werbefeier, gemeinsam mit den Jungsozialisten in der Aula des Lyzeums, Görschstr. 42. Einführungsabende für Schulentlaffene: zuregen, preisgegeben ist. Denn die geringe Senfung um 14 Broz. wird wirtungslos bleiben. Noch am 10. Fe bruar d. J. sprach Herr Reinhold: Wenn die Sentung der Umsatzsteuer auf das Preisniveau einen Einfluß haben und dadurch der ganzen Bevölkerung zugute fommen soll, muß ein entschiedener Schritt getan werden. Gerade bei dieser Steuerart zeigt sich, daß zu geringe Gen= ungen leicht auf dem weiten Weg vom Produzenten zum Konfumenten hängen bleiben und dadurch die von der Reichs regierung beabsichtigte Wirkung nicht einfrill." Aehnlich hat sich wiederholt Dr. Luther geäußert. Auch der gleiche. Beim Antritt der Regierung am 27. Januar 1926 der Standpunkt der Regierungsparteien war früher erflärten fie: „ Eine Herabsetzung und organisierte Aenderung der sozial und wirtschaftlich bedenklichen Um jag steuer würde der zurzeit ge eignetffe erste Schritt zur Herabminderung der Steuerlaften fein, falls die Entwicklung der Finanzen die Möglichkeit dazu bietet." Mit feinem Wort haben sie also davon gesprochen, daß die Beseitigung der Winsteuer, die Beseitigung der Erhöhung Zimmer 11. Abt. Treptow: Igbh. Elfenfir. 8, 1 Tr. Abt. Schönhauser Vorstadt II: Schule Eberswalder Straße 10, der Biersteuer und die Ermäßigung der Vermögenssteuer den Borrang vor der Ermäßigung der Umsatzsteuer haben. Jekt tun sie das Gegenteil von dem, was sie bei Antritt der Regierung in Aussicht stellten. antwortlich zu machen, wenn bis zum 1. April die SteuerDeshalb ist der Versuch, die Sozialdemokratie dafür vers fenkungen nicht befchloffen sein sollten, ganz aussichtslos. Der Ermäßigung der Steuern widersetzt sich die Sozialdemokratie nicht. Ihr Widerstand richtet sich wie dagegen, daß der Aba bau der Umsatzsteuer teilweise preisgegeben wird, damit gewisse Interessentenwünsche, die für die Allgemeinheit mehr oder weniger bedeutungslos find, berücksichtigt werden können. Die Sozialdemokratie fann nicht einsehen, daß für die Senkung der Umsatzsteuer feine ausreichenden Mittel vorhanden sind, wenn bei der Ver mögenssteuer auf eine Einnahme von rund 150 Millionen verzichtet wird. fahrungen heraus wiffen wir, welche Widerstände den Freunden bes Friedens in Frankreich aus ihren militärischen Kreisen erwachsen. mit der Wiedereinsehung des Reichskommissars find wir einverstanden, wir wünschen aber, daß er nicht in Koblenz fich vergräbt, sondern in ständiger Verbindung mit der Bevölkerung bleibt; feine Hauptaufgabe müßte er darin sehen, mit den wirtschaft lidhen Organisationen des besetzten Gebietes, namentlich der Arlidhen Organisationen des befeßten Gebietes, namentlich der Ar beiterfchaft, enge Fühlung zu halten, das würde zur Erleich terung feiner Arbeiten wesentlich beitragen und feine Popularität erhöhen. Vielleicht tönnte die Reichsregierung ihren Einfluß dahin geltend machen, daß der Oberst Tirard geht, von dem wir nicht politischen Aufgaben. begreift. Die Stellung des Ministers der glauben, daß er nach seiner Vergangenheit die Bedeutung der neuen belegten Gebiete müßten wir dadurch stärken, daß wir ihn aus der Abhängigkeit des Finanzministeriums Es ist auch nicht richtig, daß die erhöhten Anforderungen lösen, und ihm denjenigen Teil des Kriegslastenetats zur selbst für die ausgesteuerten Erwerbslofen die geringere ständigen Verwaltung überweisen, der für das bejezte Gebiet be- Sentung der Umsatzsteuer veraniaffen. Einstweilen wird überstimmt ist. Allen Frattienen wäre zu wünschen, daß sie den Aufhaupt nur davon geredet, daß man für die ausgesteuerten Ergaben des befehten Gebietes größere Aufmerksamkeit zuwendeten. werbslosen forgen müsse. Bestimmte Handlungen find noch Es sind zwar die großen Summen für die Ruhrindustrie gezahlt werbslosen sorgen müsse. Bestimmte Handlungen find noch worden, auch andere Gruppen haben größere Geldsummen erhalten, nicht erkennbar. Da überdies die ausgesteuerten Erwerbs aber es sind die größten Anstrengungen nötig, um jede hundert Mart lofen bisher bereits von den Gemeinden unterſtützt wursc. durchzusehen, die zur Abgeltung von Schadenansprüchen dienen den, so ist eine etwaige Interstützung durch das Reich ebenfa sollen. eine Hilfsaktion für die Gemeinden wie für die Er werbslosen. Mit dem Finanzminister haben wir immer wieder in einer Weise zu verhandeln, die beinahe an das Betteln erinnert. Hätte man im vorigen Jahre die kleineren Schäden abgegolten, dann wären heute nicht 10 000-12 000 Petitionen und Anträge zu erledigen. Wir freuen uns, daß sich der Ausschuß so schnell der Not der weinbauenden Gebiete angenommen hat. Wir wünschen allerdings, daß man diese schnelle Hilfeleistung auch anderen Bevölkerungstreifen gegenüber sich zur Pflicht macht. Vor allem denken wir dabei an die Frankenlohnempfänger. Es handelt sich um 22000 Arbeiter, die ihren Sohn in schlechter Frankenwährung erhalten, ihn aber in einem Lande mit guter Währung verzehren müssen. Sie haben jezt vielfach nur die Hälfte von dem zum Leben, was den deutschen Erwerbslosen an Unterstützung gezahlt wird. Außerordentlich groß ist die Not der Erwerbslejen im besezten Gebiete, es fommen dabei nicht nur Gegenden mit massierter Industiebevölkerung in Betracht, sondern meistens Bezirke, die eine dünne Industriebevölkerung haben und die besonders schwer unter den Folgen der Besetzung zu leiden haben. Nach einer Aufstellung des Schuharbeiterverbandes sind allein in Pirmasens von 22 000 Schuharbeitern 17 500 erwerbslos. Wir haben die Pflicht, zur Linderung ihres Elends das nötigste bei zutragen. Der Redner erklärt zum Schluß, daß man bei dem Dank an das Rheinland vor allen Dingen nicht die Arbeiter vergessen dürfe, die den Heeresfolonnen Boincarés mit verschränkten Armen aufgehalten und damit eine große politische Tat für das Reich und für die deutsche Republik geleistet haben.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Rach weiteren Ausführungen der Abgg, Dryander( Dnat.), Zapf( Dnat.), Weber- Düsseldorf( Komin.), Dr. Raschig( Dem.) und Dr. Bayersdörfer( Bayer. Bp.) erklärt Minister Marg, es hätten allerdings Beratungen darüber stattgefunden, ob das Ministerium für die belegten Gebiete auf gehoben werden könne. Es sei aber die Beibehaltung beschlossen worden. Für die Beamten im besetzten Gebiet werde das Ministerium forgen, An ihren Abbau sei nicht gedacht. Ausführungen des Abg. v. Ramin( Bölt.) beschließen die Aussprache. Der Haushalt wird bewilligt. Das Haus vertagt sich gegen 9 Uhr auf Mittwoch, 11 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Haushalt des Reichsernährungsministeriums. Abg. Hofmann- Ludwigshafen( 3.) schildert die außerordentlich schwierigen Verhältnisse, unter denen die Bevölkerung der besezten Gebiete zu leben gezwungen fei. Besonders groß sei die Wohnungsnot. Man müsse von den Besagungsbehörden den Abbau unnötiger Maßnahmen verlangen. Aber auch die Reichs- Der Arbeitsplan des Reichstags. regierung habe die Verpflichtung, sich mehr um die bejezten Gebiete Steuervorlage noch vor Oftern. Abfindungskompromi zu kümmern. Das Ministerium für die besetzten Gebiete dürfe nicht abgebaut werden, sondern man müsse ihm vermehrte Geltung veridhaffen. Minister der befeßten Gebiete Dr. Marg gibt einen Ueberblic über die bisherige Entwicklung der Verhältnisse. Da es sich auch nach der Räumung noch um die Interessen von 4 Millionen handele, müsie das Ministerium cud weiter erhalten bleiben. Der jetzt befretten Benölkerung fuge die Reichsregierung den wärmsten Dant für ihre mustergültige Haltung.( Bravo!) Berhandlungen mit der Rheinlandfommission über bestimmte Maßnahmen, die beruhigend mirten sollen, jeien im Fluß. Die wichtigste Aufgabe der deutschen Bolitit der nächsten Zeit sei die völlige Befreiung der befebten Gebiete.( Bravo!) Abg. Kirschmann( So.) fragt die Regierung, eb das Gerücht, wonach die Beseitigung des Ministeriums für die besetzten Gebiete erfolgen solle, nicht auf einen alten fominunolpolitischen Streit zwischen Eisen und Düsseldorf zuridzuführen sei. Nachdem die Aufgaben dieses Ministeriums vom Reichsministerium des Innern gelöst wurden, hat es eine so große nach der Pause. Der Reichstag wird nach den Osterferien voraussichtlich erst am 26. April wieder zusammentreten. Die Steuer= milderungsvorlage soll, wie der Helleftenrat beschlossen hat, unbedingt nor dem 1. 2 prií noch erledigt werden. Der Rechts. ausschuh mird die Borlage über die Fürftenabfindung in den nächsten Tagen soweit fördern, daß die Generaldebatte ab geschlossen wird. Der Rechtsausschuß wird sich dann über Ostern vertagen und am 20. April feine Sigungen wieder auf nehmen. Er will dann bis zum 26. April die Borlage soweit fördern, daß sie beim Wiederzusammentritt des Plenums fertig vorliegt, so daß die Plenarberatung dann unmittelbar erfolgen fann. Zur Steuermilderungsvorlage erfährt man noch aus demokratischen Kreisen, daß der Reichsfinanzminister daran fest hält, daß die Borlage als Ganzes verabschiedet wird, und daß es nicht möglich ist, einzelne Teile norweg zu erledigen, für die leicht eine Mehrheit zu haben sein würde. Trotz alledem ist sie begrüßenswert und entspricht den Forderungen, die die Sozialdemokratie immer erhoben hat. Aber sie ist doch nur eine finanzielle Anforderung Dorübergehender Art, die verschwindet, wenn die Zahl der Erwerbslosen geringer wird. Der Verzicht auf die urfprüngliche Senkung der Umsatzsteuer auf 0,6 Proz. ist aber ein Verzicht auf eine dauernde Entlastung des Wirtschaftslebens. Gegenüber irreführenden Darstellungen von anderer Seite sei mitgeteilt, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Winzerausschusses erst dann für die Aufhebung der Wein steuer gestimmt haben, als ihr eigener Antrag auf Freilaffung der billigen Weine und auf geftaffelte Steuer für teure Weine abgelehnt worden war. Die Sozialdemokratie trägt also feine Berantwortung für die Krise, die aus der Aufhebung der Weinsteuer entstanden ist. Der Interfrattionelle Ausschuß der Reglerungsparteien trat am Dienstag abend mit dem Reichsfinanzminister Dr. Reinhold zu einer Besprechung über die Steuermilderungsvorlage zusammen. Es wurde, wie wir hören, eine lebereinstimmung dahin erzielt, daß die Regierungsparteien fich mit dem neuen Rompromißvorschlage einverstanden erklärten. Es handelt sich hier um eine grundsägliche, llebereinstimmung, die die Möglich. feit von Aenderungen zuläßt, und zwar auch von solchen, die von anderen Parteien vorgeschlagen werden. Neue Kommunistenprozesse. An Die Arbeit des Staatsgerichtshofcs. begann vor dem Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik ein Leipzig, 23. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag o chverratsprozeß gegen elf Kommunisten. geklagt find der Former Ludwig Krausmüller und zehn weitere Genossen, sämtlich aus Gießen. Allen Angeklagten wird Hochverrat, Bergehen gegen das Republikschutzgesez, Sprengstoffverbrechen und unbefugter Waffenbefiz sowie Einbruchsdiebstahl zur Laft gelegt. Im Jahre 1923 haben die Angeklagten durch Einbruch in ein Pulvermagazin in Bugbach 7 Zentner Sprengstoff gestohlen, der zum Teil zu Handgranaten und Sprengförpern verwendet wurde. Die Handgranaten usw. joten gegen einen Angriff von Sprengstoffdiebstahl spielte bereits in mehreren anderen Prozeſſen rechts Berwendung finden; der von den Angeklagten ausgeführte eine große Rolle. Der vierte Straffenat des Reichsgerichts beschäftigte sich an Dienstag mit der ven der Kommunistischen Partei herausgegebenen Druckschrift Hamburg auf den Barrikaden" vom Jahre 1923. Das Gericht beschloß nach furzer Beratung: Sämtliche Exemplare, sowie Platten und Formen der Drudschrift sind unbrauchbar zu machen, da der Inhalt des Buches die$ 3 86 unb 81des Hochverrats, fowie§ 7. des Republitschußgefeßzes, crfüllt." Sperrgesetz gegen Wohnungsgeld. Dem Reichstag ist ein Gesezentwurf zugegangen, der eine einheitliche Regelung des Woh nungsgeldzuschusses bezweckt. Danach dürfer Länder, Gegeldzuschuß und die Ortsklasseneinteilung für ihre Beamten und. meinden und sonstige öffentliche Körperschaften den Wohnungs Lehrer nicht günstiger regeln, als es für die entsprechenden Reichs beamten am Ort gefchicht. Diese Regelung darf auch nicht durch die Erhöhung oder Gewährung anderer Bezüge umgangen werden. Mittwoch 24. März 1926 nagmulan Unterhaltung und Wissen Bauerntanz. Bon Paul Zech. Mit gedunkelten Goldfarben floß das Gesicht bes Herbstes bahin. Bon Norden tam der dide Frostwind und hatte sich schon auf den Hügeln heiser gebellt. Aus den Mooren löste sich die Nacht, trieb Nebel vor sich her und war da, ehe die Dinge es ahnten. Manches Mal sehte der Wind ein paar Atemzüge aus. Die Stille laftete schwerer, als das niedrige Zelt der Nachtwolten. Eine Wild ente flog.fo tief, daß sie das Geftrüpp pfeifend hart streifte. Das Geflump der Zwergbirken nahm Tierformen an. Im dichten Nebel wandelte fich alles zu Gespenstern. Da trieben selbst die schweren, mit dem Boden urfest verwachsenen Steine ungeschlacht wie Wale auf der braunen Flut des Krautes. Mit dem Wind, der sich tief aus der Brust heraus wieder in ein offenes Orgelbrausen hob, fetzten die Regenpfeifer ein und dehnten das schwermütige Lied der Einöde bis an das Meer hinauf. Die Erde lag breit hingeftredt auf den diden Fellen des Mooses und blinzelte aus schmalen Lidspalten nach dem ersten Stern. Am Rande des Dorfes, im letzten Haus, das so früh schon ein Richt an das Fenster stellte, schrie ein Mutterschaf kläglich nach der Gabe des Abendheus. Von den Gräbern her strichen die Brand enten heran in fünffacher Rette. Man sah die dünnen Schnüre eugenblidsturz über den Dächern, den Rauch wie mit einer Schere scharf zerschneidend. Und dann war der Mond plötzlich da, jener mit dem roten ver. foffenen Gesicht des Landstreichers. In den großen Weiten der Nacht war er nur alleine Herr und schnauzte mit dem Wind und pustete den Häusern den Rebel bis unter das Dach. In einer solchen Nacht tamen wir von Jassata mit müden, blutig gepeitschten Pferden und mußten im Dorf Quartier machen. Es war gut, daß nur der Baumeister Grigoriem, den ich in der Grenzstadt erst persönlich fennengelernt hatte, mit mir die Reise magte. Zu dreien oder gar vieren hätten wir in dem verflucht engen Rusten diese neun Stunden Fahrt nicht ausgehalten. Die Haut, wo man saß, wurde pelzig und durch die vom frummen Sigen abgeklemmten Muskeln rieselte in einem fort ein stechender Krampf. Da half mur, daß man sich von Zeit zu Zeit lang hin streckte, oder die Gliedmaßen weit auseinander bog. Wiſſen Arbeits Los 101.J Der Saufbold von Kutscher tannte sich in den Häusern, die eins genau wie das andere trogig hingeblodt standen in der Schwärze God hull des Nachthorizontes, faft ebensogut aus wie in den heimatlichen Hütten. Er meinte: daß in der Nacht nur der gut sehen könne, der auch in der Nacht geboren sei. Genau so wie er in solch einer Stunde bei Vollmondschein, fünf Atemzüge nach dem ersten Eulen schrei. Er raffelte jedoch erst fünf Türen ab. In einem Bauwert endlich, das zwei Fenster Front mehr wie die anderen Häufer hatte und zwei hohle Baumstämme als Futterkrippe vor der Tür, er. fuhren wir bald die gaftliche Bärme einer Herberge.. Die Pferde wurden im Echuppen, der in einem rechten Winter zum Hause stand, untergebracht. Es war ein findlich primitiver Bau, die Wände schilfgeflochten und mit Torf verpicht und das Dach aus Birkenreißig mit einem fetten Aufwurf aus Moos. Es drückte eine ftidige Hize in den Stall, wo die Pferde nur fnapp aufrecht stehen konnten. Ein halbes Duzend von diesen zottigen Eteppengäulen lag da schon zusammengepfercht. Unsere drei Füchse biffen und stießen sich bis zur Rüdenwand vor und fanden endlich ein Lager von faum quadratmetergroßem Umfang. Der Kutscher schaufelte mit der Tranfunzel zwischen den Pferde Leibern und schüttete einen Sad Riedgras, gemischt mit Eichelnüffen, vor. Er begehrte, bei den Pferden schlafen zu dürfen. Der Wärme wegen. Nur einen Schnaps mußten wir ihm noch ausschütten. In der Herberge wartete man auf uns schon mit dem Tee. Es war da ein niedriger Gastraum, quadratisch, mit Bänken rings herum. In der Mitte stand ein fubischer Block von Lehmofen. Die Sizewellen wirbelten mit ekelhaftem Gestank dicke Wolken von Rauch und Staub hoch. In der Fensterede stand eine Art Tonbank mit dem Tecfeffel und den Schnapstrügen. Bir li.ßen uns Moosbeerensaft in den Tee schütten und Brot und Räuchersisch geben. teilten vier Fächer den Raum, und jedem Abteil lagen verschieden große Zigaretten. Mit einem feltsen Grinsen hielt mir der Kerl den offenen Raften hin, nidte und tie: bis ich mir eine von der längsten Gorte nahm und anbrann Jetzt famen wir auch langsam inn Gespräch, und dabei beugte er den Oberförper über die Tonbant mir herüber. Jedes feiner Worte schwebte auf einer ftinfichten te von Alkohol. Es sei heute ein fetter Markt in der Kreisstadt geten, meinte er. Die Bauern und Fischer hätten gut vertauft. Under, der hier durch das Dorf gelommen war auf der Rüdfahrt, sei gefehrt und habe ein nettes Stüd Geld springen lassen. Nun würdeute abend ein fleiner Tanz fein für die Einheimischen. Das ist meinmal Gesetz so nach den Markttagen. Da stieß auch schon ein fleiner Tru junger Menschen mit ver haltener Luftigkeit herein. Die Mädchhockten sich auf die Bänke an der Fensterwand und die Burschen men gegenüber Platz. Bandaschta sprang von dem Baurter plöglich fort und gefellte sich den Mädchen zu, die in einent ficherten und nach den jungen Männern schielten.. Der Baumeister sagte zu mir: meinst du, mein lieber Reisebruder, wollen wir hier unten nochne Stunde bleiben? Ich bin nämlich zu neugierng, wie diese puppen tanzen." Wir rückten jetzt noch dichter an die Tonbank an, und der Baumeister framte die Zigarrentasche aus und gab at dem Wirt eine von den Hollandschen, der folch ein Kraut in fein Leben noch gar nicht geraucht haben möchte. ( Schluß folgt.) Die Vorläufer der Tranfaharabahn. 3 Der Wirt schielte aus blutunterlaufenen Augen auf unsere neuen Schafspelze, die wir anbehielten, obwohl uns die Haut unter diesen Wollpanzerungen brannte wie von Tropensonne grell beflammt. Bon Erna Büsin Er hatte einen fuchfigen Schnurrbart fauſtdid zwischen Kinn und Nase. Der Mund wulstete hingeduckt hinter dem fett- und speicheltriefenden Haargeſtrüpp. Unsere Augen, von dem scharfen Wind auf der Fahrt faft blind gebissen, fanden sich nicht so schnell zurecht in dieser Räuberschenke. In der Kreisstadt war fie als Spelunte berüchtigt. Die meisten Fuhrwerte jagten vorüber und machten achtzehn Meiler weiter erst Raft. Bir sahen jetzt nur den von Dampf umkräufelten Teekessel, die braunen Töpfe vor uns und das Brot, das schon did Schimmel hatte. Nach einer Beile ging der gelbe Mond eines Frauengesichtes hinter der Tonbank auf. Auf den Wangen dieser Frau, von einem unbestimmbaren Alter, lagen dunkelrote Flecken, wie von einem ungeschickten Pinsel breit hingetupft. Der Wirt stieß diesen feltsamen Fleischklumpen dauernd in die Seite, bis er nach vorn tam und sich zu uns auf die Bank setzte. Jetzt sah ich das Geficht deut. licher und in ein paar findhaft offenen Augen hinein. Es war die Tochter diefes wulftigen Barbaren. Und auf Befragen erfuhr man, baß fie knapp über zwanzig Jahre im diesseitigen Leben stand. Ja: im diesseitigen". Das betonte fie. Sie füllte sofort neuen Stoff in unsere Töpfe und sagte, daß bald die jungen Leute zum Tanzen fämen. Ob wir uns auch darauf freuten? Dabei ließ sie den Blick nicht von meinem Freund Baumeister, der auch ganz still dasaß und sie anstarrte. Nun sah ich auch deutlicher den Raum aus dem Rauch tauchend. Er war so groß, daß hier gut zwanzig Leute fizen fonnten. Und in der Ecke lagen auch schon drei Kerle auf dicken Wolfsfellen und schnarchten. Das Birtsmädchen hieß Wandaschka; das erzählte sie nach einer Weile dem Baumeister. Und da gaben sie sich ganz einfach die Hände, rückten aber noch nicht zusammen. Von beider Augen ging eine Schrante aus, fast eine Mauer. Von mir noch unerflärlichen Kräftekreisen auferbaut. Die Hige wirkte mächtig auf meine Schlafgefühle. Ich pulverte mich mit Beerenschnaps auf. Ich verschlang in einemfort Brot und Fisch. Das nahm den Wirt für mich ein. Unter mühseligen Armnerrenkungen holte er aus einem Bandschrank eine Holzkifte mit echten Zigaretten. Es war ein schönes Stüd, dieser Zigarettenfasten. Feuerrote Birke mit Perlmutter und Silber ausgelegt. Innen zerWir leben im Zeitalter der angewandtetechnik und die Sahara ist franzöfifches Rolonialland mit dieser Aählung nennt man die Erfolgsmöglichkeit und die Ursache für die fte Durchquerung der Sahara im Automobil. Das Mutterland i feine Kolonien recht nahe haben, das heißt, sichere und schnelerkehrsmöglichkeiten müssen erschloffen werden. Und so baute in infreich Herr Citroën die Wagen, die, nebenbei bemerkt, mit einemtaschinengewehr ausgerüstet waren, für die Sahara. In der Verbung von Raupe und Automobil fand er die glückliche Lösung. DRaupen richten den Weg zu, während sie darüber fahren. Sie eben für die Wagen ein Hintergestell, das sich jeder Erdoberfläche zupaffen vermochte. Die Raupen ersetzten und das ist die ge Lobpreifung, die ihnen in Anbetracht ihrer Aufgabe zuteil mer tann den Fuß des Dromedars. Die Fahrt war forgfältig fins fleinste hinein vorbereitet, durch Einrichtung von Wachen, ührerbereitschaften, Material- und Berpflegungsdepots, als sie vo uggurt aus durch die Sahara angetreten wurde. Beseelt von diSchwarm für die wagemutigen Kreuzfahrer( es steht einem natih frei, über diese Herrschaften seine eigene Meinung zu haben), rgiegestrafft durch das Bewußtsein: gang Frankreich fieht aufns, machten sich G. M. Haardt und L. Audouin Dubreuil auf Weg. In dem Buch„ Die erſte Durchquerung der Satin Grunewald 1924, find die Erlebnisse der beiden senden tagebuch mäßig aufgezeichnet. In einer dieser reifweißen Nächte der Sah, die für jeden Europäer, der sie zum ersten Male erlebt, etmanfaßbares find, wurde die Reife am 17. Dezember angetreten. Ingenieure und die Fahrer sind erstarrt und von Frostschauern gittelt fragen sie einander:„, Sind wir wirklich Sahara- Reisende?" geht durch das Tal des Wadi Mya über das Plateau von Tademach In Salah. Die Lichtfülle ist ungeheuer, das Mondlicht ist fahm Tageslichte gleich. Die Beleuchtungseffekte find also die den schönsten bei diesem neuen Eroberungszug gegen die Wüste. Er wahrlich nicht leicht. Erdspalten halten die Fahrt auf, die Rauwagen müssen über Felsen hinwegtlettern, man stößt auf Wanderen, von denen eine gerade drauf und dran ist, ein ganzes Fort aufeffen. Kamelleichen liegen auf den Wegen, man geht auf den Spu Verdurfteter. zur Sicherstellung der Expedition find an allen ten von Be: deutung Soldaten der Sahara, Eingeborene, aufgest Bon Beruf find fie eigentlich gelernte Begelagerer, Karawane uber, zurzeit gefallen sie sich in der Rolle eines französischen Untnen. Diejen Legten Umstand nehmen die beiden Expeditionsleiter zerordentlich wichtig. Für das Gelingen ihrer Mission war es ja auch, # bi/ Bellage des Vorwärts சம் 06 Nimmt kein Ende die Not? Will sie sich zwingen nicht laffen? Hunger schleicht durch die Gaffen, Und es rufen die Massen: „ Gebt uns Arbeit und Brot!" Aber der Schrei verhallt. Weil sich die Ohren verschließen Jenen, die schwelgend genießen. Darf sie das Elend verdrießen, Subs Wenn lockend die Jazzband erschallt? sonst aber tut man wohl gut, die vielen Lobeshymnen über Untertanentreue usw. als ein Privatvergnügen der Schreiber zu betrachten. Am 21. Dezember treffen die Reifenden in In Salah ein, dieser großen Dase der Wüste mit französischem Fort und anderen bei eifigem Wind, wird durch die Ebenen des Tidikelt nach dem Errungenschaften europäischer Zivilisation. Am 24. Dezember nachts, Hoggarmaffio aufgebrochen. Jegt gilt es, das Land der Furcht zu durchqueren. Auf ihrer Fahrt werden die Reijenden mit den Tuaregs, den verschleierten Kriegern der Wüste, bekannt. Die Tuaregs führten untereinander Kämpfe, ihr Bolt fennt daher Freie und Unterworfene. Die Freien sind stolze Menschen, fie find geeignet den Europäern noch manche Rätsel aufzugeben. Bei einigen Stämmen ist das Mutterrecht maßgebend. Nicht alle Tuaregs haben sich herbetgelaffen, Frankreichs Macht anzuerkennen. Der Gesichtsschleier verbirgt die Mienen dieser Söhne der Wüste, ihre Augen verraten nichts und sie schauen die Raupenwagen an, als feien fie alte Bekannte. Einbrud hinterläßt nur die weiße, fraushaarige Floffie, welche die Saharadurchquerer als Glücksbringerin auf ihrer ganzen Reise mitfchleppten. Ein solches Tier hatte man vordem im Lande der Schrecken noch nicht gesehen, man hielt es für ein Schaf aber einen Wüstenfuchs und es entpuppte sich als Hund. Als die Berge des Hogger fleiner werden, gilt es das Tanesruft, das Land des Durstes, zu besiegen. Es erschauert ein jeder, der einmal mit ihm Bekanntschaft machte. Diese Strecke, fie beträgt 400 Kilometer, gilt als die Einöde der Welt. Man hält an der alten Qual der Tageshitze zu entgehen. Ein Eingeborener spielt den Gewohnheit fest, fährt in der fühlen Nacht, um der unerträglichen Führer. Aber er tann die Entfernungen nur nach der Schnelligkeit der Kamele berechnen. Bei dieser Art der Orientierung muß er gänzlich versagen. Es ist ein unabläffiges Nachprüfen mit dem Kompaß erforderlich. Die Raupenwagen müssen turnerische Leistungen vollbringen und die Insassen der Wagen denken an alle die ungezählten Wanderer, die verkamen, die verdurfteten, an die vielen Karawanen, die im Wüstensand ihr Grab fanden. In Tanesruft geht alles fpurios unter. Auch unsern modernen Wanderern setzt ein Samum schlimm zu. Am 1. Januar geht's durch die Steppen des Sudan, die mit Kram- fram befäet find, dem Dorn, dem man nicht. entgeht. Die Fahrer verſtändigen sich, wie verabredet, durch eine Rakete und verursachen einen Steppenbrand. Er wird zu einem ungeahnten Schauspiel, denn er freibt die Tiere zur Flucht und in Todesangst jagen fie in Rudeln, Freunde und Feinde. Am 7. Januar ist das Ziel erreicht, Timbuktu, die Großstadt des Sudan. Die ganze Stadt ist aus Tob, aus an der Sonne getrockneten Biegeln gebaut. Sie lebt vom Salzhandel, ist angefüllt mit urfprünglich gebliebenem Leben. Den beiden französischen Ingenieuren gelingt auch die Rückfahrt mit einem Halt im Mittelpunkt des Hoggar, dem Lande des Schreckens. Ihre Lat ist von bleibender Bedeutung. Eines der fünf Automobile, der ,, Goldfäfer", steht jetzt im Armeemuseum des Invalidendemes in Paris. Kommende Generationen werden dereinst diesen Wagen als einen Vorläufer der Transjaharabahn betrachten. Denn wenn wir nicht mehr sind, werden die Menschen, hoffentlich nicht als Kolonialpolitiker, fondern als freie Weltbürger, sie besiegt haben, die Wüste. Wie hoch reicht die Luft? Ein im Verlaufe des Trainings für die Ueberfliegung des Mount Everest aufgestellter Höhenrekord von mehr als 12000 Metern lenft die Aufmerksamkeit aufs neue auf die Frage der Höhe der unsere Erde umgebenden Luftschicht. Diese Frage dürfte allerdings nicht endgültig lösbar sein, da bei der ganz allmählich sich verringernden Luftdichtigkeit in größeren Höhenschichten der Uebergang von der Luft in den Aether faum zu präzifieren sein wird. Andererseits läßt sich aus den Gleichgewichts gesehen zwischen Anziehungskraft und Fliehkraft der Erde jene obere Grenze der Atmosphäre berechnen, die nicht überschritten werden kann. Danach würde an den Polen eine Höhe von etwa 4% Erdradien, am Aequator eine solche von 6% Erdradien die Grenze bilden, vorausgefeßt, daß die winkelgeschwindigkeit der Rotation oben und unten gleich ist. Diese Höhen von 28 000 bis 42 000 Kilometern sind jeglichen direkten Messungen unzugänglich. Aus Polarlichtmessungen wissen wir jedoch, daß die Atmosphäre in einer Höhe von 500 Kilometern noch solche Dichte hat, daß sie zu Leuchterscheinungen Anlaß geben kann. Der Beginn des Ausleuchtens niedergehender Sternschnuppen liegt in Höhen von 200 bis 300 Kilometern, so daß man als ziemlich sicher annehmen kann, daß sich in jenen Höhen noch verhältnismäßig starke Spuren irdischer Atmosphäre befinden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, 2indenftraße 3. für Groß- Berlin fets an das estrissekretariat, 2. Sot, 2 Trev. rechts. au richten 2. Kreis Tiergarten. Heute, Mittwoch, 24. Märs, 6 Uhr, BezirksversammIung in der Schule Bodrumer Str. Sb. 5. Kreis Friedrichshain. Beamtenwerbeausschuß: Donnerstag, 25. März, 7 Uhr, Rusammenkunft bei Bittschuß, Petersburger Str. 5. Neuwahl des Kreisobmannes. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag, 25. März, pünktlich 8 Uhr, in der Bezirksfürsorgestelle B, Mariannenufer la, Arbeitsgemeinschaft der Helfer und Selferinnen in der Wohlfahrtspflege. Organisation und Aufbau der Arbeiterwohlfahrt. Leiberin: Dr. Clara Henrique. www 7. Kreis Charlottenburg. Seute, Mittwoch, 24. März. 7 Uhr, im Jugendheim Rofinenftr. 4. Empfang der Blafate und Billetts aur Maifeier. Bon jeder Abteilung muß ein Mitglied des Maifeierausschuiles Augegen fein. Die Funktionärinnen der 51. bis 58. Abteilung der Arbeiterwohlfahrt und der Kinderfreunde werden für Donnerstag, 25. März, 6 Uhr, zu einer Sigung nach dem Rathaus, Cigungszimmer 1, aebeten. 10. Kreis Zehlendorf. Donnerstag, 25. März. 8 Uhr. Streisvorstandssikuna bei Schnorre, Botsdamer Str. 3. Die Mitglieder der Bezirksversammlung müffen unbedingt au diefer wichtigen Vorstandshikung erscheinen, 11. Kreis Echöneberg. Die Mitalieder des Schöneberger Kulturkartells nehmen an dem Elternabend am Donnerstag, 25. März, 17 Uhr, in der Aula der 11. Gemeindeschule, Feuriaftr. 56, teil. Jugend und Jungfozialisten find befonders eingeladen. Netton Genoffe Jansen aus Neukölln leitet eine öffentliche Unterrichtsstunde und spricht über die weltliche Schule. 15. Kreis Treptow. Mittwoch, 24. März, 7% Uhr, in Niederschöneweide, Berliner Ede Fennstraße, Kreisvorstandslinung mit Abteilungsleitern. 20. Kreis Reinidendorf. Die Abteilungen, welche noch nicht abgerechnet haben, werben erfucht, bis spätestens Gonntag, 28. März, mit dem Kreistaffierer Genoffen Sonnenburg, Reinidendorf- Oft, Billeste. 2, abzurechnen. Heule, Mittwoch, den 24. März: 17. Abt. Die Bezirksführer sowie alle Genoffen, die im Befihe von Sammel Tiften und Broschüren find, müssen spätestens bis zum Sonntag, 28. Mära. beian Saffiezer Rarl Höhne, Ennarfir. 14, abrechnen. 30. Abt. 714 Uhr zahlabend. Bezirk 824 bis 827 bei Hoffmann. Lychener Straße 8. Bertrag: Die Wohlfahrtspflege". Referentin: De. Clara Hen rique. Alle Genofsinnen und Cenoffen müssen unbedingt erscheinen. SCHUTZ- MARKE DE THOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZ- MARKE Die Hausfrau. die ihr ſche links wird beim Waschen nur DrThompson's Seifenpulver verwenden. 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Vortrag: Der Stand der Arbeitsgekgebung". Ref.: Dr. Joachim. 136. Abt. Reinickendorf- Oft und Schönhola. im Ortsteil Schönhola moh nenden Genofsinnen und Genossen nehm an dem Rahlabend der Abteilung Reinickendorf- Ost bei Rosad, Bronaftr. 61, teil. Morgen, Donnerstag,& 25. März: 96. st. Neukölln. 7 Uhr im Lokal Wo. Rirchhofftr. 41. Abteilungsversammlung. Referent: Stadtrat Dr. imenftein. 128./130. Bt. Bankow. 7 Uhr in der tla des 2ngeums Görschstraße. Bolitisch- fatirischer Unterhaltungsabend, Bir bitten die Genoffinnen und Genossen um recht rege Beteiligung. 62. Abt. Siemensstadt. Freitag, 26. Mära) Uhr, im Lobal von Sundheim. Mitgliederversammlung. Jungsozialisten. Gruppe Weißenfee: Monte 29. März, 7½ Uhr, im Jugendheim Roeldeftr. 157, Wilhelm- Liebknt- Feier. Bartei und Jugendgenoffen fowie Freunde unferer Bewegn find herzlichst eingeladen. Frauenveranfttungen: 33. Abt. Donnerstag, 25. März. 71 Uhrn der Schulaula Sohenlohefte. 10. Frauenabend. Bortrag: Körpertulh. Referentin: Genoffin Albrecht. 93. Abt. Neukölln. Donnerstag, 25. i. 7 Uhr, bei Ruppelt, RaiserFriedrich- Str. 171. Frauenabend. Hrag: Bevölkerungspolitik". Referent: Dr. Georg Löwenstein. * Achtung, Freunde der weltlichen Schr Donnerstag, 25. März, 6% Uhr, findet in der Aula der 11. Gemeindefde Schöneberg, Feurigftr. 58/59, ein Elternabend der Freien Schulgemeinde Rinderfreunde Schönebergs, verbunden mit einer öffentlichen Unterrichtunde des Genossen Rektor Jansen von der Neuköllner weltlichen Gemeinschsschule, ftatt. Um recht pünktliches Erscheinen wird gebeten. Bereinigung für Schul- und Erziehgsfragen Berlin- Treptow. Freitag, 26. März, 8 Uhr, im Reichensaal der Treptower Gemeindeschule, WildenKomische Oper 81%, Direktion James Klein 84 Die Neue Revue Berlin Hemd 0 Revue der Zukunft in 16 Bild. u. a.: Japan in allen Jahreszeiten Der Komponistenball/ Der Traum d Malers : Das Fest der Millionäre Preise 1-7,50. Logen und Klubsessel 10.Wilhelm Hagenbec! Das Welttheater der Tiere Nürnberger E. Tauentzienstr Steinplatz 12 626 Meute 8 Uh 3 2 Vorstellungen Hachmittags b. ungekürztem Abe programm für Kinder halbe Pre Vorverk. Wertheim u. Zirku Preise: 8u Pi. bis 4.50 M> Tierschau 10 bis 5 U Nur noch wenige Ta! Reichshallen- Tater Abends 8 U., Sonntag.3U. Stettiner Sger Nachm. haibe Preise. Vorogramm Neu: Der letzte tillion Dönnoff- ettl 10 Numma! Tanz und Urblitas! Elite- Säger Tägi Kottuuser Str. Sonntag brudt Rinde" 53, 8 T. Bortrag: Egoismus und Gemeinfchaftsgefüht Set Referent: Justus Bopp. Eintritt frei. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 19. Abt. Am 22. März verstarb unfer langjähriger bewährter Genoffe Karl Schulze, Bellermannstr. 94, im 74, Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Donnerstag, 25, Mära, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Abteilungsleitung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin 6. 14. Sebaftianftr. 87/88. Sof 2 Tr. Krenzberg. Jungmannschaft Südoft: Mi., d. 24., 8% Uhr. Berfaumlung bei Ewald, Etaliker Straße. Anschließend gemeinsamer Befuch des Stiftungsfeftes des Tambourtorps. Fr., d. 26., 7 Uhr, bei Bieler, Dieffenbachstr. 76. Abrechnung der Abteilungen mit dem Kreiskaffterer. Gämtliches Material zur Stelle. Reinidendorf. Fr., D. 26., 7 Uhr, bei Ram Low, Bhf. Schönhola. Bollversammlung. Friedrichshain. Fr., b. 26., 8 Uhr, Bollversammlung bei Schwara. Caprivi- Allee 42. Neuwahl der Ortsleitung. Berliner Handwerkerverein. Mittwoch, 24. mars, 8 Uhr, Sophienftr. 18. Bortrag des Lehrers Waldemar Start: Seinrich Rille, der Meister des Stifts und Boltsfreund". In Berbindung mit einer Ausstellung Rillescher Reproduktionen, Bund deutscher Jugendherbergen, Sweigausius Mark Brandenburg. Mitaliederversammlung am Donnerstag, 25. März, 6 Uhr, im Besirtsamtsfigungsfaal, Yordste. 11. Lichtbildervortrag: Unfere märkischen Jugendherbergen". Geschäftsbericht und Rechnungsbericht. Berband Bolfsgesundheit, Drtsverein Berlin. Donnerstag, 25. März. 8 Uhr, in der Schule Afflanbftr. 9/11( nahe Jannowißbride). Gen. S. Kuchel fpricht über Lungenleiden und deren Bekämpfung". Freie Aussprache. Gäste willkommen. ,, Bölkerstreit unb Sprachenfrage in ber Tschechoslowakei", Bortragsabend bes Desterreichisch- Deutschen Bolfsbundes am Mittwoch, den 24. März, abends 8 Uhr, im Reichstagsgebäude, Eingang Borial 5. Referent Genoffe Dr. Emil Strauß. Chefredakteur des„ Sozialdemokrat, Prog. Eintritt frei! Gesunder Schlaf i bee fräftigung für Gesunde wie für Kranke. Bet Mervofität, Schwindelanfällen, Schlaf losigkeit nehmen Sie daher abends vor demo Schlafengehen ein Likörgläschen Baldravin das ist der geschützte Name für den echten Apotheker W.Ullrichs Baldrianwein Zu haben: in Apotheken und Drogerien. Hersteller: Otto Stumpf 2.-G., Chemnih. Central Theater Eva Bonheur Circus Semin Tika Grüning Busch Franz Nowack Uhr: Ilka Ehrenerklärung. 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