Nr. 161 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 82 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Rusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Beit" mit„ Gied. Lung und Kleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Abrene: Gosialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille eile 80 Bfennia. Reflamezeile 5,- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Bfennis ( auläffia awei fettgebrudte Worte). jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Bort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für awei Borte Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer milffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, LinbenAtrake 8, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Ubr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Mittwoch, den 7. April 1926 Geschäfte der Staatsstreichler. Der Viehhandel Ludendorffs. Budapest, April.( Eigenbericht.) Das demokratische Blatt Besti Naplo" enthüllt eigenartige international monarchistisch pöllische Geschäftsbelange: Es war im Jahre 1920. In München beschlossen die bayerischen Monarchisten den Kampf zur Errichtung der Monarchie und gegen das jüdische Banffapital auf zunehmen. Zu diesem Zwed suchten und fanden sie auch Verbindung sowohl mit den russischen Monarchisten wie auch mit dem ungarischen Rassenschüzler. Ihr Plan, im Juni 1922 dem russischen Monarchistentongreß in Geitau bei Schliersee schriftlich vorgelegt, ging dahin, unter dem Deckmantel politischer Gesellschaften mit der Zentrale München überall Handelsgesellschaften zu errichten, denen dann wegen ihrer politischen Richtung die Unterstüßung der nationalgesinnten Regierungen aller Länder ficher sein sollte. So wurde die Organisation Aufbau" in München, Georgenstr. 43, errichtet; ihr Ehrenpräsident war Ludendorff, ihr Präsident der in München lebende ruffische Ergeneral Bistupiti, der eigentliche Führer war aber der Deutsche Dr. Mar Scheubner Richter, der beim Hitler- LudendorffAufstand 1923 erschossen wurde. Der Aufbau" zeugte bald die Tochtergesellschaft Aufbau, Birtschaftspolitische Bereinigung für den Osten", dessen Leiter ein angeb licher russischer Emigrant Arno Gustavovics Schifedanz war. Diese Bereinigung follte mit verschiedenen Regierungen große Geschäfte abschließen. Noch im Jahre 1920 gingen einige ungarische Abgeordnete ( Raffenschüßler), darunter Julius Gömbös, nach München und eröffneten den bayerischen Freunden, daß Ungarn geneigt wäre, ihnen Ausfuhrbewilligungen zu geben, u. a. auf Pferde, Bich und Getreide, damit die notleidenden bayerischen Monarchisten zu Geld fämen. Hierauf wurde in Budapest, Erzsébet förut 44, die ,, Ostra 2.-G.", gegründet. Gründer war der Aufbau", der sich mit 1½ Milfionen ungarischen Kronen( damals eine bedeutende Summe) beteiligte. Hiervon zeichnete Ludendorff persönlich 200 000 ungarische Kronen. Weitere Teilnehmer waren die ukrainische Rosafen" organisation in Wien und weitere ungarische Emigrantenorganisationen in München, Budapest und Berlin und eine ungarische Gruppe. Unter Nr. Cs 18 163 am 22. November 1922 murde die Gesellschaft in Budapest gerichtlich eingetragen: als Generaldirektor Richard Hefty, Generaldirektor der Donau- LloydGesellschaft, als Direktoren Leo Klumow und Dr. Napoleon Bihary, Vertreter der in Wien lebenden Ukrainer. Protest des Dawes- Kommissars. Er verlangt die Schliebensche Biersteuererhöhung. Zum 1. April sollte entsprechend der Finanzreform des Kabinetts v. Schlieben- Schiele eine Erhöhung der Bier steuer in Kraft treten. Das Reinholdsche Steuerkompromiß hingegen sah vor, daß diese bereits beschlossene und als Gesez ver tündete Biersteuererhöhung sechs Monate hinausgeschoben murde. Dieser Beschluß war ein Entgegenkommen an die Bayerische Bolkspartei, die von der Erfüllung der Forderung ihre Zustimmung zum Steuerfompromiß abhängig machte. Nun gehört die Biersteuer zu denjenigen Reichseinnahmen, die auf Grund des Londoner Vertrages zur Sicherstellung von Reparationszahlungen verpfändet sind. Der Beschluß des Reichstags vom Ende April war gleich bedeutend mit einer vorübergehenden Ermäßigung einer solchen verpfändeten Steuer. Daher hat der Dawes- Kommissar für die Kontrolle der Einnahmen, Sir Andrew Mc. Fadyean, unter Hin weis auf die geschilderte Rechtslage Protest gegen die Hinaus schiebung der Biersteuer eingelegt. Die Reichsregierung wird versuchen, in Verhandlungen die Besorgnisse des Reparationskommissars zu zerstreuen. Sollte ihr das nicht gelingen, so bleibt ihr als legtes Mittel die Anrufung eines Schiedsgerichtes, das im Londoner Brotokoll vor gefehen ist. Man beabsichtigt, auch dieses Mittel in Anspruch zu nehmen. Besser wäre es freilich, wenn es nicht erst dazu käme, zumal es sich um einen verhältnismäßig geringfügigen Betrag handelt, der bei dem Aufschub der Reparationskasse entgeht und der leicht aus anderen Einnahmen des Reiches sichergestellt werden fann, wenn die an das Steuerfompromiß geknüpften Hoff nungen der Wirtschaft sich erfüllen. Erwerbslosentrawalle in Lublin. Gestern fam es, lqut LB.Bericht aus Barschau, in Lublin( Polen) zu Erwerbslosen= frawallen vor dem Rathause. Es rottete sich eine mehrhundertföpfige Menge zusammen, die Fensterscheiben einschlug und auch in das Rathaus eindringen wollte. Herbeigeholte berittene Schutzmannschaften säuberten den Plazz. Hierbei wurden sechs Polizisten und vier Zivilpersonen verlegt. Es wurden 35 Rommunisten berhaftet. Der Religionstampf in kalfutta. Seit dem Beginn der Unruhen murden 35 Personen getötet und 400 verwundet. Eine Moschee wurde von Hindus start angegriffen. Truppen und Polizei räumten Sofort das Stadtviertel. Es finden noch Kämpfe zwischen einzelnen Hindus und Mohammedanern statt. Alles war in schönster Ordnung vorbereitet, doch da geschah ein fatales Intermezzo. Ludwig Esfüdt, der Privatfetretär des da maligen Aderbauminifters Stephan Szabo von Nagyatad, wurde in eine sehr üble Banamageschichte mit Ausfuhrbewilligungen verwidelt. Schließlich wurde zwar alles vertuscht, aber die Regierung wurde ängstlich und traute sich nicht, eine neue Schiebung mit Ausfuhrbewilligungen zu unternehmen. Die bayerischen Monarchisten waren die Leidtragenden. Trotz alledem begab sich am 6. Juli 1922 der Aufsichtsrat der Ostra A.-G." unter Führung seines Vorsitzenden, des Abg. lain, zum Staatssekretär Schandel des Aderbauministeriums und verlangte Ausfuhrbewilligung auf 50 Waggon Roggen, 10 Waggon Weizenmeh!, 10 Waggon Sped, 5 Waggon Schweinefett und 500 Stück Rindvieh. Sie erflärten, daß sie die Unterstützung der bayerischen Regierung hätten. Dies war auch Tatsache, nur verschwiegen sie, daß fie mit dem damaligen bayerischen Aderbauminister Wuhlhofer ein Abkommen über Gewinnbeteiligung geschlossen hatten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedfonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballftr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Devofitentaffe Zinbenfte. 3. Kreuz und Liktorenbündel. Das Mittelalter ist Trumpf. Lugano, Anfang April. Das Zwischenspiel, das der Faschismus im europäischen Kulturleben eröffnet hat, nimmt immer unzweideutiger den Charakter der mittelalterlichen Geisteswelt an. Der Faschismus fühlt sich berufen, dem freien Gedanken den Garaus zu machen. Garaus zu machen. Wenn es so weiter geht, müssen die nicht verlieren wollen. Selbst die materielle Gewalttat tritt Beamten noch den Beichtzettel vorweisen, wenn sie ihre Stelle gegenüber der geistigen Bergewaltigung in den Hintergrund. Was sollen wir uns noch darüber aufregen, daß der kommunistische Abgeordnete Picelli in Spoleto überfallen worden ist, auf Anregung des faschistischen Abgeordneten Spinelli, in dessen Gegenwart er durch Stockhiebe übel zugerichtet wurde? Bicelli war nach Spoleto gekommen, um einen im dortigen Gefängnis befindlichen Kommunisten zu besuchen. Daß man eine derartige Kühnheit, auch wenn man Barlamentsmitglied ist, mit mehrtägigem Krankenlager der Ueberfallene hat schwere Verlegungen am Ohr davongetragen -büßen muß, ist selbstverständlich. Nun begann ein Kampf. München wurde unruhig, brängte und drohte. Bon München fam als Abgesandter nach Budapest Rolf Krause, um die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen. In seinem Berichte an die Münchener Zentrale berief er sich auf die schwierige Lage, die infolge des Estüttpanamas entstand. Im November desselben Jahres fam auch Arno Schite- zweiten danz nach Budapest. In seinem Bericht art die Zentrale erklärte er, dem Gömbös auseinandergefeht zu haben, daß Ludendorff zu ihm( nämlich Gömbös) fein Zutrauen mehr habe. Ludendorff fuchte nun eine andere wirtschaftliche Orientierung. In der Münchener Firma Hoffmann u. Co., die später die Budapester Agricola A.-G." in ihren Interessenfreis 30g, fand Ludendorff diese gesuchte Verbindung. Das ist die Geschichte des ersten Zusammenarbeitens der bane. rischen und ungarischen Rassenschüzler. Sie war mißlungen, doch die Rassenschüzler trafen sich wieder, unter dem Titel Errichtung der Monarchie, tatsächlich, um gute Geschäfte zu machen. Denn eines ist sicher, daß, wie und wo man auch immer den Schleier all dieser monarchistischen Unternehmungen ein wenig lüftet, hinter den hochtönenden Borten nur Geschäftsinteressen sich verbergen; um jeden Preis soll Geld verdient werden. Holländischer Parteitag. Vliegen über das deutsche Volksbegehren. Amfterdam, 5. April.( Eigener Bericht.) Der 30. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands und der Niederlande fand über Ostern in Rotterdam statt. Der langjährige Parteivor figende, Genosse Bliegen, der mit Abschluß des Parteitags von feinem Amt wegen feines Alters zurüdgetreten ist, fam in seiner Eröffnungsrede auch auf die auswärtige Politik und die politische Lage in Europa zu sprechen. In bezug auf Deutsch land erflärte er, daß die Wahl Hindenburgs zum Präsidenten zuerst als Totenglocke für die junge deutsche Republik erschienen sei. Die 12,5 millionen Unterschriften für das Boltsbegehren zugunsten der Enteignung der deutschen Fürsten bedeute aber ein Bolts= urteil zugunsten der deutschen Republik. Da die deutsche Republik einen der festesten Pfeiler des Weltfriedens bedeute, sei der Ausfall des Volksbegehrens für die ganze Kulturwelt von ungeheurer Bedeutung. Im Namen des Niederländischen Gemerkschaftsbundes begrüßte Genosse Stenhuis den Parteitag und unterstrich die enge Bundesgenossenschaft zwischen Partei und Gewerkschaftsbewegung. Die Jahresberichte des Parteivorstandes und der Fraktion der 3weiten Kammer führten zu einer lebhaften Aussprache. Der Borsitzende der Kammerfraftion, Genosse Albarda, gab zur Ergänzung eine Darlegung der innerpolitischen Lage seit dem Rück tritt der Regierung Colijn am 11. November. Er stellte mit- großer Genugtuung fest, daß durch die Taktik der Partei eine Rückkehr der Regierung Colijn unmöglich gemacht worden sei. Kein Wahlbündnis! Parole der JLP. London, 6. April.( WTB.) Auf der Jahreskonferenz der Unabhängigen Arbeiterpartei erklärte der Präsident Jo wett unter allgemeinem Beifall, es dürfe für die Partei teine Wahl bündnisse mit einer Bartei geben, die Gegnerin des Sozialis. mus sei. Macdonald und andere Mitglieder der Unterhausfraktion waren nicht anwesend. Eine internationale Konferenz für Seerecht wurde in Brüssel durch den Genossen Außenminister Bandervelde eröffnet. Sie foll das bestehende Chaos durch einheitliche Bestimmungen erfegen. es uns, Weniger selbstverständlich erscheint daß Mussolini, nachdem er in der Jugend eine Broschüre veröffentlicht hat, die den Beweis für die Nichteristenz Gottes erbringen sollte, heute von der Religion der Bäter' spricht ,,, an die wir glauben". Weniger selbstverständlich, daß ein Kardinal den Leuten der faschistischen miliz die Kommunion austeilt, ausgerechnet denen der Kaserne von Magnanapoli in Rom, in die sich nach dem Ueberfall auf den Abgeordneten Amendola am zweiten Weihnachtstage die Angreifer zurüdzogen. Aber es geschehen noch ganz andere Dinge heute, wo Mittelalter in Italien Trumpf ist. Hat doch der Rector magnificus der römischen Universität die Professoren aufgefordert, vollzählig bei der Neueinweihung der Kirche von St. Ivo, der Kirche des Universitätsgebäudes, zu erscheinen. Den Fernbleibenden war Strafe angedroht. In der Tat hat ein israelitischer Universitätslehrer es mit seiner Ueberzeugung nicht vereinbar gefunden, an dieser katholischen Zeremonie teilzunehmen und es ist eine Disziplinarstrafe über ihn verhängt. Ganz, wie zur Zeit des Kirchenstaates! Aber diese Zeit hatte doch den Vorteil einer gewissen Aufrichtigkeit. Sie fämpfte ganz offen den Kampf gegen den freien Gedanken. Das faschistische Italien will aber nach außen die Fiktion aufrechterhalten, als gäbe es in ihr noch freie Forschung. Man hält z. B. auch im faschistischen Italien noch Kongresse der Philofophie ab. So war am 28. März in Mailand, in der großen Aula der Universität, ein philosophischer Kongreß eröffnet worden, der eine Woche dauern sollte. Am 30. hat aber die Herren Philosophen, die nicht mit der Zeit.. zurückgegangen sind, ihr Schicksal ereilt. Ein Professor Dal Sarno aus Florenz hatte die zeitwidrige Idee gehabt, über den freien Gedanken zu sprechen. Ohne welterschütterndes zu sagen, erschütterte er immerhin die nur an vorgeschriebene Gedanken gewöhnte Seele eines jugendlichen Faschisten, der das Wort nahm, um zu erklären: Der freie Gedanke mag gut und schön sein, aber unter einer Vorbedingung: er sei patriotisch, also faschistisch." Das wollte selbst den Philosophieprofefforen nicht einleuchten, es fam zu einem kleinen Handgemenge, und die Borkämpfer der faschistischen Freiheit räumten das Lokal. Gleich nach diesem Zwischenfall nahm Professor Baratono, außerordentlicher Professor in Cagliari, und Mitglied der maximalistischen Partei, das Wort und wurde von einer großen Ovation begrüßt. " Das dice Ende kam dann aber nach. In der nächsten Sigung mußte der Präsident dem Kongreß die Mitteilung machen, daß er nicht länger tagen fönne. Der Rektor der Mailänder Universität hatte es für richtig befunden, ihm die Räumlichkeiten, in denen die Kongressisten zu Gast waren, zu entziehen. So haben die Faschisten den Philosophenfongreß gesprengt. Bei dieser Gelegenheit stellt es sich auch heraus, wie gut es ist, wenn eine Regierung ernstlich mit den akademischen Freiheiten und der Autonomie der Universitäten aufzuräumen versteht. Ein Rektor, der sich als Vertrauensmann seiner Kollegen und der Studenten gefühlt hätte, würde sich nicht zu der Haus= fnechtsfunktion hergegeben haben, Gäste aus seinem Hause zu werfen. Der vom Unterrichtsminister ernannte Rektor rechnet sich solche Verwertung zur Ehre an. Wie fehr Italien immer mehr der firchlichen Reaktion entgegeneilt, geht auch daraus hervor, daß der Gouver neur, dessen Bruder Kardinal ist, für den grünen Donnerstag und den Karfreitag allen Kinematographen in Rom anbefohlen hatte, entweder Darstellungen aus der Passionsgeschichte und Verwandtes zu bringen oder ihre Betriebe zu schließen. Zum Ueberfluß war dieser Befehl so spät gekommen, daß die meisten Lichtspielfäle gar nicht mehr die erforderlichen Borbereitungen treffen fonnten. Es verlautet auch, daß die Regierung die„ Faschistisierung" der Academie dei Lincei und anderer wissenschaftlicher Akademien plant Dieser Tage hat nun der Faschismus auch das„Giornale d'Italia", das frühere Organ Sonninos angekauft. Es war längst kein unabhängiges Blatt mehr und niemand verliert etwas bei dem Ankauf: bedenkt man aber, daß von der ganzen bürgerlichen Presse heute nur noch der„Mondo" und das„Ä i s o r» g imento" nicht faschistisch sind, so kann man sich eine Vorstellung machen von dem Monopol der öffent- l i ch e n Meinung, das sich der Faschismus verschafft hat. Der Nachfolger des„Becco Giallo der„Merlo" ist noch immer nicht erschienen. Den Vorsprung, den sie dadurch hat. daß sie die Gesetzeshandhabung reguliert, benutzt inzwischen die faschistische Partei, um ein äußerlich dem„Becco Giallo" nachgebildetes, auch auf gelbem Papier gedrucktes Witz- b l a t t zu lancieren. Wer die Wissenschaft in den Universitäten, die Tages- presse, die Zeitschristen(auch die„Nuova Antologia" ist unlängst von den Faschisten angekauft worden) ganz von sich abhängig macht, nach dem Grundsatz:„wer nicht pariert, der fUcgl" und dabei noch der kaum noch oerschämten Botmäßigkeit des Klerus sicher ist, der kann schon ein Land soweit auf den Hund bringen, daß die Zustände im Zarenrußland wie ein Sommernachtstraum erscheinen. Dabei bringt jeder Tag Verurteilungen wegen Mussolini-Beleidigungen und jeden Tag wird das Brot teurer.... Ein preußischer Richter. Immer wieder AmtSgerichtsrat Beinert in Wernigerode. Der deutschoölkische Amtsgerichtsrat Beinert beschäftigt nicht zum erstenmal die Oeffentlichkeit. Als Vorsitzender de? Schöffen» gerichts Wernigerode mißbrauchte er in vergangenen Jahren wieder» holt seine Stellung, um in Urteilsbegründungen seinen fanatischen Parteihaß auszutoben. Einem wegen Aufreizung angellagten anti» semitischen(Besinmmgzgcnosicn verholf Herr Beinert z. B. im Jahre i023 zu einer niedrigen Strafe mit der Begründung, daß„b c» kanntermaßen die Juden Schuld am Unglück des deutschen Voltes hätten" und daß die Anschauungen des Angeklagten von den„Besten des Voltes" getetll würden. Eine besondere Rolle spielt Herr Beinert als regelmäßiger Fest- redner auf den Bismarckfciern, die am l. April jeden Jahres von den Völkischen auf den, Brocken veranstaltet werden. Er läßt seine Reden auch drucken. Im Jahre 1925 hatte Herr Beinert nun eine Rede gehalten, die von den gemein st en Schmähungen gegen den ermordeten Erzberger und andere republikanische Minister strotzte. Auf eine kleine Anfrage des Genossen Kultner im Landtag erwiderte damals das Justizministerium, daß gegen Herrn Beinert das Disziplinarverfahren eröffnet sei. Dieses Disziplinarverfahren schwebt heute— nach einem Jahre— erstaunlicherweise immer noch, obwohl der Text der Rede schwarz auf weiß gedruckt vorliegt. Diese Saumseligkeit hat Herrn Beinert offenbar ermutigt, am 1. April d. I. wiederum eine Rede zu halten, die seine früheren noch fast in den Schotten stellt. Wir zitieren einige Stellen daraus: Der sozialdemokratische Minister Severing kämpft mit allen Mitteln seiner staatlichen Macht gegen die vater- kändifchen Verbände und ist bemüht, die allen schwarzweißroten f ahnen in Acht und Bann zu tun. Severing gegen Bismarck. s ist der Kampf der Finsternis gegen den Helden d« s L i ch t e». Aber es ist auch derKampfeinesZwerges gegen einen Riesen. > An anderer Stelle heißt es: Es ist für einen geordneten Rechtsstaat, dem sein hoch- gebildetes, ehrliabende» Beamtentum seit Jahrhunderten sein Gepräge aufgedrückt hat. auf die Dauer untragbar, daß Maurer und e-chrifljeger, Gärtner und Schlosser. Händler und Bergleute mit hohen, verantwortungsreichen Slaatsämtern betraut werden. Die Sozialdemokratie, gegen die sich der gesamt« Vor- trag richtet, erklärt Herr Beinert kurzerhand für„gemein- g e f ä h r l i ch". Geistige Führer, die sich der Sozialdemokratie oder auch nur der Republik anschließen, müssen sich von Herrn Beinert folgende Beschimpfung gefallen lassen: Ein Erbe am Rhein. (Rene Schickel«„Ein Erbe am Rhein", zwei Bände. Kurt-Wolff-Verlag, München.) R« n 6 S ch i ck e l e hat da ein merkwürdig schönes Buch voll tiefer Schwere und Leidenschaft geschaffen. Ein einsamer Mann, der die Einsamkeit nicht ertragen kann, wartet aus eine Frau wie auf eine Erlösung, und während er wartet, durchlebt er noch einmal zu süßer Pein die Vergangenheit und erzähll seiner eigenen aufhorchenden Seele in wunderbar heißen Worten die Geschichte feines fchickfalsvollen Lebens... Das Buch beginnt mit einem hohen Trauerlied, aus dem gläubig schon wieder Hoffnung klingt. Der einsame Mann beklagt den Tod semer geliebtesten Frau, aber doch ruft er schon wieder die andere Frau, deren Liebe sein« Jugendzeit durchglüht halle, und die noch nie sein Leben verlassen. Wird sie nun seinen Sehnfuchtsruf hören? Dann blüht die Kindheit in der geliebten Heimat, dem Elsaß, wieder vor ihm leuchtend auf: die Menschen, die dort um ihn waren, werden mit ihm wieder jung: und die Urahnen erzählen ihm noch einmal die uralte Geschichte seiner Familie, die mit dem Heimat- baden eng oerwachsen ist. Und nun verharren die Gedanken bei der ersten Liebe Lust und Leid. Eine Tante, ein schönes eigenartiges Mädchen hat den Knaben zu ungeahnten, schicksalsoollen Geschehnissen nach Italien geführt. Dort begegnet ihm die leidenschaftliche Maria. Ihre Seele entfaltet sich ihm. und er nimmt sie in fein Leben auf, um sie nie wieder vergessen zu können. Und mehr noch: er lernt dort unten Menschen größten Formats kennen. Er muß zusehen, wie die angegebene Taille sich in«in furchtbares Schicksal von unübersehbarer Tragweite einspinnt: und er ahnt bald der Liebe schöne und verhängnisvolle Auswirkung. Reue Wertungen des Lebens drängen sich nun ihm auf, neue Vegrisfe erweitern seinen Blick und bestimmen seine Lebensführung. Rene Schickele zeigt diese Wandlung des Knaben in einen jungen Menschen, dem die Tore zum Leben- sich urplötzlich geöffnet haben. in besonder» starken, hochabgestimmten Kapiteln. Aus ihnen singt. sitbell. zweifelt, weint es, und über die strahlende südländische Sonn« jagt oit ein wilder Sturmwind dunkle Wolken.. Die Süß« der ersten Liebe zieht ihn noch oft in ihre zwingend« Macht, und Maria blieb auch noch in seinem Leben, als schon die blonde Doris sein« Braut und Maria die Frau eines anderen war. Ihre wilde Sinneslust löste auch seine aus. So standen die beiden Frauen sich in seinem Leben gegenüber: Moria, die heiße, leiden. ichastliche, und Doris, die feste, treu«. Bald ist die eine ihm näher. bald die andere. Und er kämpft selbst mit sich um die Antwort seines Herzens. Dann wird Doris fein« Frau. Der Krieg kommt, aber nach zwei Jahren sucht er. der den Krieg haßt, sich ihm zu entwinden. Und der Friede einer beglückenden Ehe nimmt ihn auf, bis ihm und seinem Kinde ein mörderischer Gletscher die blonde Frau nahm. Ueber dem Leben mit seiner Frau und seinem Kinde schwebte eine Wolke, aus Farbe und Duft gewebt; und selbst auf die letzt« Nacht der blonden Frau, die sich mit ihrem Mann in den Gletscher verirrt hott«, strahlen helle Sterne, und ehe sie ein sanfter Tod auf Wohl mag der eine oder andere Hochschullehrer, sei es aus Unklarheit des Denkens, sei es aus persönlichem Ehrgeiz, sich der Sozialdemokratie anschließen. Gibt es doch selbst im deutschen Offizierkorps Männer, wie General v. Deim- ling, die sich über die Berachtrng aller anständig denkenden Standesgenossen hinwegsetzten. In diesem Ton sst die ganze Schrift gehallen. Aber der auf die Verfassung vereidigte Richter Beinert liefert nach einen ganz be- sonderen Beweis seiner eigenen Verfassungstreue. Er schreibt näm- lich über den November 1923: Damals wäre es Zell gewesen, mll der soziallsttschen Wirt- schaft Schluß zu machen... Um den Preis einer festen Währung hätte in jener Zell dos deutsche Boll eine Aenderung der Versossuna willig hingenommen. Aber es fehlle an Staats- Männern, die vei Bismarck in die Schule gegangen waren und im Kampf gegen die Herrschost der Sozialdemokratie mll ruhiger. aber fester Hand zum Heile des deutschen Belkes durchgeführt hätten. Anstatt einer Reform an Haupt und Gliedern kam der unglückliche Putsch im Münchener„Bürgerbräu", der ebensogut gemeint wie mangelhaft vorbereitet war und der Sache des Vaterlandes, wie jeder unreife Staatsstreich, nur geschadet hat. Herr Beinert bekennt sich also hier ausdrücklich zum Staats- streich. Er lobt den Münchener Putsch als„gut gemeint" und hat nichts an ihm zu beklagen als sein« mangelhafte Vorberellung. Schließlich ist auch noch zu erwähnen, daß Herr Deinert, der wegen Bcschnnpfung des ermordeten Erzberger unter Disziplinar- anklage steht, neue Beschimpfungen gegen den Ermordeten ausstößt. Er sagt nämlich zu der Benennung einer Straß« Magde- burgs nach Erzberger: Die Sozialdemokraten haben die Straß« umgetauft und ihr den Nanten eines Mannes gegeben, dem Mangel an Ehren- h a f t i g k e i t durch gerichtliches Urteil amtlich bestätigt ist— Erzbergers. Durch Richter vom Schlage eines Herrn Beinert— das hall« er noch hinzufügen können. Solange Richter wie Herr Bcinert amtieren dürfen, wird sich allerdings in Urteilen gegen Republikaner nicht Gerechtigkeit, sondern fanatische reaktionäre Parteiwut aus- drücken. Und solange die deutsche Richierschost solch« Gestallen nicht von sich abschüttell. wird sie sich nicht beklagen dürfen, wenn sie in ihrer Gesamthell für die Deinerts und Konsorten verantwortlich gemacht wird. Das Justizministerium ober fragen wir, wie lange es noch der Bevölkerung zumutet, diesem jeder Objektivllät baren Geiferer als Richter über sich zu erttagen? Prozeß Kußmann�Knoll. Unter der Anklage der Beiseiteschaffung von Akten. Vor dem erweiterten Schöffengericht Berlin-Mille unter Vorsitz des Amtsgerichterats Dr. F e l d h a h n beginnt heute der Prozeß gegen den früheren Staatsanwallschaftsassessor Dr. K u ß m a n n und den Hauptmann o. D. Knoll wegen unbefugter Beiseite- schafsung von Akten und Urkunden. Es Handell sich dabei um die Ausrollung der Vorgänge in dem Sonderdezernat, das im Winter 1325 bei der Staatsanwaltschaft I in Berlin zur Bearbeitung der Sachen Kutisker und Barmat eingerichtet worden war und in dem u. a. die Staatsanwälle Dr. K u ß m a n n und Dr. Ca s- pari arbeiteten Den Staatsanwällen wurde vorgeworfen, daß sie Aktenstück« aus dieser Untersuchungssache einem Teil der Press« zu politischen Kampfzwecken zugelellet hätten Die Führung der Untersuchung im Fall« Barmat wurde danach diesen Beamten abgenommen und der Generasstaatsanwallschoft beim Kammergericht übertragen. Die Anklage wirft Dr. Kußmann und dem besagten Knoll als dem Leiter eines Rachrichtenbureous vor, daß sie zwecks Der- öffentlichung in der Presse eine Reihe von Urkunden, dar- unter die Abschrift emes Barmat belastenden Protokolls über die Vernehmung eines holländischen Zeugen, sowie das Protokoll über die Vernehmung des in dieser Sache vorübergehend verhosteten Iustizrotes Werthauer beiseite geschafft hätten. Die An- klage wird von den Oberstaatsanwälten Tetzlav und Sturm vertreten. Die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Luetgebrune- Göttingen und Dr. R o« t t« r- Berlin. seinen Fittichen aus dem Leben trägt, erklingt in der klaren Hell« der Gebirgswell im Zwiegefang das Hohelied der Lieb«... Der Mann findet wieder zum Leben und zu seinem Kinde zurück. Das Jagdschloß am Fuße des Schwarzwaldes, das fein schönstes Glück sah, soll nun auch seine Einsamkell behüten: denn die Heimat, so unendlich er sie liebt, hat ihm das fanatisch« Treiben der Elsässer in ihrer feindlichen Einstellung zu Deutschland tief oerleidet, und er konnte dort, wo der Krieg noch«in so trauriges Nachspiel hotte, nicht ohne Groll bleiben. Seit Jahren lebte er nun schon hier, und jetzt wartete er aus Moria, die ihm Erlösung bringen sollt«. Aber sie kam nicht. Sein Sehnfuchtsruf fand keinen Widerhall: nur ein kalles eindeutiges Nein klingt zurück und trifft ihn in einer Nacht, in der ein vernichteitf>er Sturmwind über die Erde fegt und alte, starke Bäume zum Sterben auf den WaXdboden stürzt. In dieser sturmbewogten Nacht fordert ihn auch die Heimat mll aller Macht zurück. Eine Iugendgespielin hat die Mission übernommen, ihn heinzzuführen... und er geht dorthin zurück, wo seine tiefsten Wurzeln ruhen. Renö Schicket« hat zu bedeutsamer Wirksamkeit die beiden Frauen in den Wittelpunkt eines kampfoollen Lebens gestellt. Jede lockte, begehrte auf ihr Weise. Sollen sie Symbol sein für die beiden Länder, die an das Elsaß grenzen?? CstherWangenheim. Kehraus öes Tanzwlnters. Am Ausgang der Saison grüßen uns die beiden größten Namen: Rudolf von Laban und Mary Wigman. Laban mll seiner Kommertanzbühne im Klindworth-Schar- wenka-Saol, Wigman in der B o l k s b ü h n«. Ueber Be- deutung und Aufgabew der Kammertanzbühn« hat Laban selbst neulich' an dieser Stelle sich geäußert. Die beideu Abende, die ein Programm von zusammen 26 Nummern brachten, zeigten die praktische Anwendung seiner Theorie. Ornamentole Tänze, in tändelndem Hüpfen, Schreiten. Sichdrehen eine«.Laubergartens" (Dussia Bereska, Laban, Motto Nolling) und der orientalisch ver- träuinten, schlangelnden Weichhell der„Orchidee"(Bereska) gipfelnd: Stiltänze, in denen die Formsprache der Minnesängerzeit mll züchtigem Werben des Ritters und hulb- und hoheitsvollem Grüßen und Neigen der Frone(„Duo" der Bereska und des Hermann Robst» lebendig wird: rhythmische Tänze, unter denen der ab- wcchslungsreiche von der Rolling brillant getanzte„Troll" und „Jfrlli", der Tanz der zwei Männer und zwei Schatten(Laban und Rohst) hervorrogten. Lustige Grotesken, zum Teil rein akrobatischer Art(„Jrrwischö und das bekannt«, setzt völlig umgestattet« Tanz- spiel„vrackentöterei". Laban»«inzigarttge, unoergleichllch«. aber im tiessten Wesen zwiespättige Schöpferkraft dokumentierte sich aufs neu«: eine überwättigende Füll« tänzerischer Motive, blendend, mit verschwenderischer Hand hingestreut, ein schier unausichöpfbarer Reichtum Und doch nur fetten ein vollendetes Werk. Da» Meiste ungegliedert, ungestuft, ohne rechte kompositorische Akzentuierung. Gewaltig und imposant in dem, was not tut, unzulänglich in den kleinen Nichtigkeiten, die den äußeren Eindruck und den Erfolg geben. Daher das tragische Schauspiel: Der größte schöpferisch« Unter den für heute geladenen Zeugen befindet sich der frühere Oberstaatsanwalt und jetzige Londgerichtsdirektor Dr. Lind«, der frühere Staatsonwottschastsrot P e l tz e r, Staatsanwalt H ö l tz. ferner der Geldgeber für die Pressehetze, Bacmeister, der viel- genannte und vielgewandte Wolfgang Breithaupt, sowie eine Reche von Kriminalbeamten. Maßenaufmarsch in Sreslau. Zum Grabmal Scholichs. Breslau, 6. April.(Eigener Drahtbericht.) Dem vor zwei Jahren verstorbenen schlesischen Parteioertrauensmann Gustav S ch o l i ch wurde am Osterjonntag auf dem Friedhof in Oswitz bei Breslau«in schlichtes Grabmal enthüllt, das ein Reliefporträt des Verstorbenen zeigt. Die Feier wurde zu einer Massentun d- g e b u n g der Breslauer Arbellerjchast, die geschlossen zum Friedhof zog. Die Gedenkrede hiett Genosie Lobe, der den Toten als einen aus eigener Kraft aufgestiegenen Proletarier und Derbreller des sozialistischen Gedankens, vor allem auf dem flachen Lande, feierte. Für die preußische Landtogsfraktion gedachte Genosse Winzer Scholichs Kamps gegen die Junkerherrschaft in Ostelbien und seiner Mllarbell an der Verwallungsreform. Kränze legten nieder der Lreslauer Magistrat, die Genossen verschiedener schlesischer Land- kreise, der Parteibezirk Niederschlesien und andere Organisationen. Auch das Reichsbanner beteiligte sich mll einem starten Aufgebot an der Trauerfeier, die well über 1l>l><>l) Menschen vereint«. die Ermäßigung üer Umsatzsteuer. Aufhebung der Hersteller- und Kleiuhandelssteuer. Durch das Gesetz über Steuermilderungen zur Erleichterung der Wirtschaftslage vom 31. März 1926 sst der Satz der allge, meinen Umsatzsteuer für die Umsätze vom I.April 1326 an von 1 vom Hundert auf 7Z4 vom Tausend ermäßigt worden. Darüber, ob ein Umsatz vor oder nach dem 1. April 1926 liegt, entscheidet nach den in Kürz« ergehenden Uebergangsbestim» rnungen bei der Persteuerung nach vereinnahmten Entgetten(Ist- einnähme) der Zellpunkt der Dereinnahmung, bei der Versteuerung nach den Leistungen und Lieferungen(Solleinnahme) der Zeitpunkt der bewirkten Leistungen. Die Steuerpflichtigen, die zu monatlichen Vorauszahlungen de? ollgemeinen Umsatzsteuer verpflichtet sind, haben daher erstmals im Mai 1926 für die Umsätze im April, die Steuerpslichtigen. die zu vierteljährlichen Vorauszahlungen der allgemeinen Umsatzsteuer ver- pflichtet sind, erstmals im Juli 1926 für die Umsätze vom April bis Juni 1926 die Umsatzsteuer in Höh« von 7H vom Tausend zu ent- richten. Dagegen hoben sowohl die Monats- als auch die Viertel- johrszahler bei der Vorauszahlung der allgemeinen Umsatzsteue? im April 1926, die sich aus die Umsätze vor dem 1. April 1326 bezieht, noch 1 vom Hundert zu zahlen. Soweit Hersteller- und Kleinhandelssteuerpflichtige nach verein- nahmten Entgetten oersteuern, haben sie für alle vor dem L April 1026 vereinnahmten Entgelle und nur für diese noch TU vom Hundert zu zahlen: soweit sie nach Lieferungen versteuern, haben sie für olle vor dem 1. April 1926 ausgeführten Lieferungen und nur für diese noch TH vom Hundert zu zahlen. voltistb-kommum'stiscke Prügelei. Hall«. 6. April.(MTB) Einige Hallenser Werwolf- leut«, die sich zu einer viertägigen Wanderfahrt noch Hinsdors in Anhall zusammengefunden hatten, wurden in der Nacht zum zweiten Osterfeiertage im Anschluß an ein Tanzvergnügen von etwa 100 Kommuni st en überfallen. Es kam zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlaufe fast die ganze Wirtschaft zertrümmert wurde. Durch das Eingreifen einiger anderer Werwolfleute, die ihren bedrängten Kameraden zu Hilfe kamen, gelang e« schlieglich, die Kommunisten zu vertreiben und die Haupträdelsführer, darunter einen soeben aus dem Zuchthau» Entlassenen, festnehmen zu lassen. Von den Werwolfleuten wurden acht verwundet, dar- unter einer so schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifett wird. Die Kommunisten hotten mehr al» 20 Verletzte. Tanzkünstler unserer Zell, erlebt, gefeiert und bejubelt von allzu Wenigen, unverstanden, ausgelacht und angepfiffen von der großen Menge. Mary Wigman, feine Schülerin, die ohne ihn nicht wäre. was sie ist. von Trminpf zu Triumpf eilend. Wunderwerk« bietend, die dem Kenner Tiefftes und Feinstes offenbaren und das Publikum fesseln durch die sieghafte Macht einer bis ins Einzelne durch- gearbeiteten Schöpfung. Persönlichste» Gestalten in Formen, die jedem faßbar sind, der reinen Kunst dienend, ohne jemals die szenischen Wirkungsmoglichkeiten außer acht und unbenutzt zu lassen. Geniale Intuition und kluge Berechnung. In jedem Betrag letzte, absolute Vollendung, deren Zauber sich niemand zu entziehen ver- mag. Auf der schönsten Tanzbühne Berlins, dem Theater am B ü l o w p l a tz. kam ihr neues Programm, das wir im«inzetnen schon würdigten, noch eindrucksmächtiger heraus als vorher im Theater des Westens. Und das Publikum ging mll, gepackt, be« geistert, hingerissen.__ John Schikowsti. Oskermusik. Jedes Jahr die gleiche und jede» Jahr gleich zugkräftig. Osterbequemlichteit. So erzieht man die Hörer zur Trägheit. Warum nicht einmal eine Passion von Schütz, warum nicht Dachsche Kantaten? Parsifal' und Matthäus» Passion: ein starres Schema. Am 2. Oftertag lud Iascha Hören st ein zum Konzert desSchubert-Chors. Das ist einer der ganz wenigen Männergesangvereine, der an Stimmung. Vortrag, Abwechslung und Ausdruck höchste Qualität zeigt. Man vergißt einmal das rein Maskuline und überhört beim Glanz der Darbietung, daß die Stimmen gar nicht so glänzend sind. Ursache besonderer Wirkung: gutes Programm und brillante Leitung. Wie Horenstein etwa dos Landkncchtslied de» 16. Jahrhunderts sprachlich, inhaltlich, muss- kalisch stasfell. steigert, glättet, austobt, das ist vorbildlich. Die Präzfion seiner Dirigierbewegungen ist konform der künstlerischen Gestaltungskraft. Die„Wassersnot"(18. Jahrhundert) hat er fein bearbellet. Brahma hat dieselbe Melodie auf anderen Text(„Ich Hab im Traum geweinet") noch altdeutscher, aber nicht klingender chorisch umgewandelt. Zur Unterbrechung de« Chorischen hatte Horenstein keinen Liedersönger bestellt, sondern das Milaiied der Staatsoper Arthur Fleischer. Dom Amfortas des„Parsiml" fort zu Schubert und wteder zurück zum 3 Parsifal-Akt: das gelingt nicht. Die Stimme hat keine Liedwärme oder gibt sie nicht her. Die Begleitung Berthold G o l d s ch m i d l s war desto beseetter. Ein« klein«- Randfrage: Warum singen die Ehordirigenten ihren Leuten die Anfangsnoten vor? Warum schlagen sse nicht«inen Akkord aus dem Klavier an? Erstens ist e? musikalischer und bequemer und zweitens könnt« eine Modolation von Tonart zu Tonart dem Hörer nur angenehm sein. K.©. Große« Schaosplelhao, Di« Vo-stellunqen der Therell-Revue.Für Dich" beginnen von heute ab pünktlich 3 Uhr. vi«»rißte INüozsammluag der Welt. Da» Sritisch« Museum veröffentlicht jetzt den Sa,alog i einer Münzsammlung, der allem für alte Münzen«0 Bend« umfaßt. Die Zahl der darin aufgeführten und de. schriebenen Stnzelmünzen übersteigt ein« halbe MiMvn. Der Wert dieser Münziammlun-, wird aus mindesten» 1 Rillion Pfd. Eterl. oder über 20 Millionen Mark geschätzt. Der Reichsbahnfkanöal von Zrantfurt. Maftregelung eines Wiffenden.— Jahrelange„Untersuchung".— Noch immer kein Ergebnis! Der Reichsbahnstandal in Frankfurt o.d.O.. der durch den Selbstmord des verhafteten Reichsbahnrats F ö l s i n g der Weiteren Oeffentlichkeit wieder einmal vor Augen geführt worden ist. verdient größere Aufmerksamkeit. als es zunächst den Anschein hatte. Nicht so sehr wegen der mehr oder weniger großen Zahl von mittleren und oberen Beamten, die an der Bestechungs- und Betrugs- affäre beteiligt sein sollen, sondern viel mehr noch wegen der Untätigkeit, die die Reichsbahnverwaltung ollen öffentlichen und privaten Beschwerden zum Trotz in dieser Sache an den Tag legte. LmJunivorigenIahreshatder„Borwärts" aus einem besonderen Anlaß auf das dunkle Treiben hingewiesen, das jetzt Gegenstand allgemeiner Erörterung ist. In der Nr. 271 vom Donnerstag, den 11. Juni 1925, wurden die Borwürfe, die in Frankfurt erhoben wurden, etwa fol- gendermaßen zusammengefaßt: „In den Jahren 1921/24 ließ die Eisenbahndirettien Osten bei Frankfurt a. d. O. große Siedlungen für ihre Arbeiter und Angestellten errichten. Etwa 790 Häuser, ebenso eine stattliche Sied. lung bei der ebenfalls neugebautcn großen Bahnhofsanlage von Neu-Bsnffchen. Die Häuser sind, wie sich jetzt herausstellt, aus schlechtem Material erbaut worden(z. B. wurde Sand statt Mörtel verwendet), so daß schon jetzt einige einge- stürzt, eine große Anzahl nahezu unbewohnbar gewor- den sind. Dagegen ließen sich die Bauunternehmer gerode- zu phantastische Wucherpreise für die Materialien be- zahlen, oft das Drei- bis Vierfache des Wertes. Auch Doppel- bezahlungen großer Posten, Anschreibung nicht geleisteter Ar- beilsstunden und ähnliche Dinge kamen in Hülle und Fülle vor. In- teresiant ist, daß in einem offiziellen Bericht die Kosten der Siedlungshäuser je nach Typ auf 4500 bis 7000 IN angegeben werden, während sie in Wirklichkeit etwa das Diersoche, nämlich 20 000 bis 30 000 M. gekostet haben." Schon damals wurde davon gesprochen, daß eine An- zahl Verhaftungen vorgenommen sei, und darauf hin- gewiesen, daß die Eisenbahndircktion Osten von den g e- waltigen Unterschleifen schon zu einem viel früheren Zeitpunkt Kenntnis haben mußte. Denn im September 1924 hatte der Vertreter der Eisenbahnarbeiter im Aufsichtsrat der Siedlungsgesellschaft Ostmark, Georg Sprengholz, seine gesamten Ehrenämter niedergelegt. Vor den Präsidenten der Reichsbahn- direktion Osten, M a t h i b e l, und den Vizepräsidenten v. S ch ä w e n zitiert und nach dem Grund dieser Niederlegung gefragt, hatte Sprengholz erklärt, daß er die Betrüge- reiengegendenStaatnichtmitseinemNamen decken könne. Er weigerte sich freilich, sein Material dem Präsidenten zu übergeben, weil er z u ihm kein Der- trauen habe, da frühere Anzeigen wegenDurä)- stechereien einfach unbeantwortet geblieben seien. Die Folge dieser Unterredung war. daß Sprengholz sofort gekündigt und mit dem Augenblick der Kündigung auch aus dem Dienst entlassen wurde! Der Mann also, der durch die Niederlegung seiner Ehren- ämter die Gemeinschaft mit dem Betrugssystem abgelehnt hatte, wurde ge maßreg« lt. Auf Grund der Berö'fentlichtung im„Vorwärts" aber erließ die Reichs- bahngefellfchast eine lange Erwiderung, in der sie zu- gab. daß bereits im Sommer 1924(!) Anzeigen wegen Üeberbezahlungen an Unternehmer an sie gelangt feien und daß sie„sofort eine eingehende Untersuchung in die Wege ge- leitet" habe. Weitere Anzeigen, die Unregelmäßig- ketten von Beamten der Reichsbahn zum Gegenstande hatten, seien der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese hlche nur einen Bahnmeister der Neubauabteilung verhastet, in- zwischen aber wieder sreigelaffcn. Alle übrigen Angaben wurden in Bausch und Bogen zurückgewiesen. In Erwiderung auf dieses„Dementi" der Reichsbahnge- fellschast haben wir damals weitere eingehende Mit- t e i l u n g e n über die Vorkommniffe gemaeht und auch darauf binaewiesen, daß schon Wochen vorher im„Frankfurter Lolksfreund". unserem Parteiblatt, wiederholt auf die Miß- stände hingewiesen worden ist. Seit der Zeit ist nun«in rundes Jahr verflossen. Zustände, die ein offenes Geheimnis bilden, sind von der Reichsbahngesellschaft und von der tatkräftigen Staats- anwaUschast immer noch nicht aufgeklärt- Erst der Selbstmord des verhasteten Reichsbahnrats lenkt jetzt wieder die Aufmerksamkeit auf diese Dinge und plötzlich wird auch mitgeteitt. daß rund 60 Beamte i m Verdacht der passiven Bestechung, der Untreue und der Beihilfe zu Betrug und Unterschlagung stehen. Selbstver- ständlich wird auch jetzt wieder versichert, daß die gerichtliche Untersuchung mit aller Gründlichkeit vorgenommen werde. B i e l l e i ch t erfahren wir nach einem weiteren Jahre, daß die Untersuchung immer noch nicht abgeschlossen ist, vielleicht ist es notwendig, inzwischen wieder einmal daran zu erinnern._ Tscbitfcberms Gsterbotkhost. Absage an die Abrüstunqstonferenz.— Hohn auf den Völkerbund. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegen- heiten T s ch i t s ch e ri n hat die in Moskau lebenden aus- ländischen Pressevertreter um sich versammell, um vor ihnen eine außen poli tische Rede zu halten. Er begann mit der Erklärung, die wohl als endgültig angesehen werden kann, daß Sowjetrußland an der geplanten Abrüstungs- konferenz nicht teilnehmen werde, weil sie nach Genf einberufen worden sei und well Rußland an keiner Konferenz auf Schweizer Boden tellnehmen wolle, solange die Schweiz die russischen Forderungen in der Worowski-Affäre nicht erfüllt haben werde. Aus der Tatsache, daß Genf als Tagungsort trotz des schweizerifch-russischen Konfliktes bei- behalten wurde, schließt Tschllscherin, daß die Westmächtc aar nicht die ehrliche Absicht haben, abzurüsten und daß die Konferenz nur„eine leere Komödie und ein neuer Beweis der Machtlosigkeit des Völkerbundes. irgendwie zur Festigung des Friedens beizutragen", sein werde. Diese Schlußfolgerungen sind ebenso kühn wie unbe- weisbar. Mit mindestens dem gleichen Recht könnte man behaupten, daß die Worowski-Affäre für Sowjetrußland nur ein bequemer V o r w a n d ist, die Abrüstungskonferenz nicht zu beschicken und daß das einzige Land, das offen die Verwirklichung des Abrüstungsgedankens durchkreuze, Sowjetrußland sei....' Zu den Argumenten, mit denen die russische Außenpolitik die Völkerbundsidee bekämpft, geHort die Behauptung, daß die Genfer Institution nur ein Instrument zur Einkrei- fung der Sowjetunion sein soll. Wir kennen die Li- tanei auch aus deutschnationalem Munde, denn auch die Westarp-Partei erblickt im Völkerbund nur ein Instrument zur Unterdrückung Deutschlands. In seiner Ostermontagsrede hat Tschllscherin hinzugefügt, daß auch der Pakt von Lo- c a r n o das gleiche Ziel der Isolierung Rußlands verfolge. Diese Behauptungen sind nicht neu, aber sie werden nicht deshalb wahrer, weil sie zum zwanzigsten Male von Tschi- tscherin wiederholt werden. Und gerade diese ewige Wieder- holung legt den Verdacht nahe, daß Sowjetrußland mit diesen ewigen Verdächtigungen der Locarno-Mächte und speziell Englands vor allem die„Haltet den Dieb"-Taktik verfolg:. In der gleichen taktischen Linie liegt es, wenn Tsthitsche- rin des weiteren eifrig versichert,„daß die Sowjetregierung mit allergrößter Sympathie einer deutsch-fran- zösischen Annäherung entgegensieht". Entweder hat sich Tschllscherin in diesem Punkt gründlich gewandelt oder er spekuliert auf das kurze Gedächtnis des deutschen und des französischen Volkes. Wir sehen ganz von den Erinnerungen an das Jahr 1923 ab, wo Radek abwechselnd Poin- carö und Cuno Annäherungsangebote machte. so daß die armen damaligen Redakteure der„Roten Fahne" und überhaupt die ganze KPD. gar nicht wußten, in welches Horn sie blasen sollten. Roch vor wenigen Monaten, als Tschllscherin die Reichsregierung von der Locarno-Polttik ab- halten wollte, ließ er ihr in der„Jswestja" mit einer russisch- französischen Annäherung gegen Deuffchland drohen— und erreichte damit wenigstens eine Umgestaltung des deutsch- russischen Handelsvertrages im sowjetrussischen Sinne. Eines ist an den Ausführungen Tschitscherins zweifellos aufrichtig: das ist seine Schadenfreude über den Miß- erfolg der letzten Genfer Verhandlungen. Er begründet diesen Mißerfolg mll sehr komplizierten Gedanken über die polllifchen Fehler Chamberlains. Daß der englische Außenminister einen großen Teil von Schuld an dem negativen Ausgang der Genfer Tagung trägt, ist richtig, aber es mutet geradezu wie eine fixe Idee an, wenn Tschllscherin diese Fehler ebenfalls auf die angeblichen Einkreisungspläne Chamberlains gegen Sowjet- rußland zurückführt. Schließlich hat doch der Faktor Brasilien dabei auch eine Rolle gespielt, und daraus kann man noch lange nicht schließen, wie es Tschitscherin tut, daß„die gesamte Politik der deutschen Regierung in letzter ZeiteinenZusammenbruch" erlllten hat. Tschitscherin ist Realpolitiker genug, um zu wissen, daß mll einer kommu- nistischen Außenpolitik Deutschlands nicht zu rechnen ist, fon- dern daß der gegenwärtige Kurs höchstens durch einen deutschnationalen abgelöst werden könnte. Die fach- lich ganz unzutreffende Kritik, die er übt. bewegt sich denn auch ganz in den Richtlinien der Deutschnotionalen. Man muß daraus schließen, daß Rußland zwecks Wahrung seiner eigenen Interessen den Sieg der Reaktion in Deutsch- land wünscht. Gegen Schunö Zur Geschichte ein Wir entnehmen diesen Aussatz des Genossen Heinrich Schulz dem soeben erschienenen Aprilheft der„Bücher- warte". Die Bekämpfung von Schund und Schmutz in allen Formen ist eine selbstverständliche Ausgabe jeder Kulturbewegung. Die moderne Arbeiterbewegung ist die umfassendste und am tiefsten greifende Kulwrbewegung aller Zellen, sie hat daher auch von jeher den„Schupd" wirkungsvoll bekämpft. Mittelbar durch ihr bloßes Dasein: indem die sozialistische Arbeiterbewegung den Arbcllern po- lllische, wirtschaflliche und kulturelle Ziele zeigte und sie dafür in Bewegung setzte, füllte sie Herz und Hirn und Zeit der Arbeiter mit Werten und Inhallen, durch die die minderwertigen Unterhaltungen und Beschäftigungen früherer Zeiten zurückgedrängt wurden: un- mittelbar durch die Bildung?- und Kulturbestrebungen innerhalb der Arbeiterbewegung, deren eigentliche Aufgabe es war, den Ar- bellern, besonders dem heranwachsenden Geschlecht, den Unterschied zwischen Kullur und Unkultur, zwischen Bildung und Unbildung, zwischen Wissen und Nichtwissen, zwischen Kunst und Schund. zwischen Vegetieren und bewußtem Gestalten seiner Persönlichkell aufzuzeigen. Jede Förderung der modernen Arbeiterbewegung, jeder Pfennig Lohnerhöhung, jede Viertelstunde Arbeitszeitverkürzung, jede Stärkung der polllifchen Rechte, jeder Fortschritt des Sozialismus bedeuten deshalb die stärkste und nachhaltigste Be- kämpfung von Schund und Schmutz. Bei solcher Gesomteinstellung zu dem Problem ist es begreiflich, wenn die sozialdemokratische Fraktion der verfassunggebenden Ratio- nalversommlung im Sommer 1919 kein Bedenken trug, der Be- stimmung in Artikel IIS, Abs. 2 der Reichsverfassung zuzustimmen:„Auch sind zur Bekämpfung der Schund- und Schmutz- llleratur.... gesetzliche Maßnahmen zulässig". Ebenso stimmte die Fraktion am 12. Mai 1920 bei der Verabschiedung des Licht- spielgesetzes einer Entschließung zu, in der die beschleunigte Aus- arbellung eines Gesetzentwurfs zur Bekämpfung der Schund- und Schmutzliteratur verlangt wurd«. Die Bildungsorganifotionen der Partei und der Gewerkschaften sowie die Jugendbewegung hatten inzwischen diese Bekämpsung praktisch betrieben. Die Bildungsausschüsse stellten fortlausend«in Verzeichnis empfehlenswerter Jugendjchrijten zusammen und war- bcn durch Wort und Schrift und Bücherausstellungen für diese guten Bücher: sie beteiligten sich aber auch an der negativen Form des Kampfes gegen die Schundliteratur, indem st« gemeinsam mit bürgerlichen Bildungsverbänden aller Richtungen und Wellanschau- ungen an der Ausstellung eirnr Schundschriften liste arbeiteten und auch für gesetzliche Maßnahmen zur Zurückdrängung der Schund- llleratur eintraten. Die Jugendlichen gingen in der Bekämpfung noch konkreter vor, sie sammelten bei Jugendlichen und Kindern und wo immer sie sonst noch Erfolg zu haben glaubten, Schundheft«, schleppten diese zu großen Haufen zusammen und machten Scheiter. Haufen daraus. Auch an den Bemühungen, die Reichsregierung zum Erlaß von gesetzlichen Maßnahmen gegen die Schundschriften zu veranlassen, war die Jugendbewegung beteiligt. Im Reichsministerium des Innern befand sich die Bearbeitung dieser Angelegenheit anfangs in der Abteilung, die auch für die Polizeiongelegenheiten zuständig war. Erst 1921 ging sie in die kulturpolitische Abteilung und damit in meine amtliche Zuständig. keit über. Daß diese Frage nicht nach polizeilichen, sondern nur nach kullurell-volkserzieherischen Gesichtspunkten untersucht und ge- löst werden durfte, war fortab ein selbstverständlicher Grundsatz: ebenso selbstverständlich war es. daß durch jede Art gesetzlicher Rege- lung die Freiheit des künstlerischen Schaffens in keiner Weise be- «inträchtigt werden dürfe. Darin lag allerdings die hauptsächliche und fast unüberwind- bare Schwierigkeit. Di« freien Verbände der Voltsbildung und Wohlfahrtspflege hatten einen Gesetzentwurf ausgearbeitet. dem zu folgen auch die bisherigen Bearbeiter im Reichsministerium des Innern bereit gewesen waren. Der Gesetzentwurs hatte aber zwei Fehler: er wollte über ganz Deutschland Spruchkammern zur Prüfung von Iugendschriften auf ihren Schundcharakter hin ein- richten, also einen großen, umständlichen, zeit- und kraftraubenden organisatorischen Apparat schaffen, der entweder die meiste Zell leerlaufen oder zum Mißbrauch anreizen müßte; ferner ober enthielt er eine Bestimmung des Begriffes Schund, die sehr anfechtbar war. Nach meiner Auffassung genügte eine zentrale Prüfung?- stelle, die sich eigentlich schon ohne Zutun der Behörden durch die Zusammenarbell der Verbände oller Richtungen und Weltanschau- ungen gebildet hatte, und die vielleicht nur verbessert und ergänzt zu werden brauchte, um dem Reichsminister des Innern d'« unan- fechtbar« sachliche Grundlage für sein« weiteren Maßnahmen zu geben. Wa» aber die Definllion de» Begriffe» Schund anbetraf. so hatte sich bereit» bis dahin ergeben und ergab sich für all» welle- ren Versuche, daß kein« Definllion zu finden war. die nicht ansecht- bar gewesen wäre, besonders vom Standpunkt der Llleratur und Kunst aus. Niemals konnte die Gesahr ganz vermieden werden, daß durch eine unsachliche Auslegung einer nach ollen Seiten dehn- baren Begriffsbestimmung wertvolle Kunstwerke ol» Schund auf die Liste gesetzt werden würden. ' und Schmutz. es Gesetzentwurfs. Es war eine eigenartige Sachlage. Wenn die Schriften konkrai zur Prüfung gestellt wurden, so ergab sich in der Regel noch kurzer Frist Uebereinsttmmung von links bis rechts darüber, was als Schund anzusehen sei. Sobald ober die Aufgabe entstand, das, was man gemeinsam als Schund anerkannt hatte, juristisch als solchen zu definieren, tote,, sich sofort die größten Gegensätze auf. Angesichts dieser Schwierigkellen mochte ich im April 1923 zwei Sachverständigenkonsercnzen, von denen die eine aus Der- tretern der Llleratur und Kunst und des Buchhandels, die andere aus Vertretern der Volksbildungsarbell und Jugendbewegung bestand— unter beiden Vertrstergruppen befanden sich auch Sozial-. demorkaten— den Vorschlag, man solle auf jede theoretische Be-' griffsbestimmung verzichten und das Problem rein praktisch an- fassen: durch gemeinsame Arbeit und Verständigung der vier Gruppen(Voltsbildung, Jugendbewegung, Literatur und Kunst, Buchhandel) solle man die Schriften feststellen, die als Schund zu bezeichnen und starten Beschränkungen zu unterwerfen seien; sofern ein Buch nur» dann aus die Schundliste gelangen könne, wenn alle vier Gruppen« i n st i m m i g dafür seien, könne für keine der vier Gruppen«ine Gefahr entstehen, denn jede einzelne habe es in der Hand, einen Mißbrauch, woher er kommen möge und ob er bewußt oder unbewußt unternommen werde, zu verhindern. Diesen Dorschlag hiellen beide Dertreierkonserenzen für annehm- bar, er wurde deshalb dem Gesetzentwurf zugrunde gelegt. Von dem entscheidenden Grundsatz der Einstimmigkell der vier Gruppen bin ich auch bei den späteren Beratungen des Gesetzentwurfs nicht ab- gewichen, von seiner Aufrechtsrhaltung hätte ich meine Mllzeich- nuNg des Entwurfs in letzter Fassung abhängig gemacht. Der Entwurf, der im Januar 1924 dem Reichsrat überreicht wurde, war sehr kurz. Er enthielt eigentlich nur drei Paragraphen. denn der vierte bestand lediglich aus dem kurzen formellen Satz. daß das Gesetz mit dem Tage der Derkündung in Kraft trete. Don den drei Paragraphen sachlicher Art enthielt der erst« die Vestim- mung, daß zum Schutze der Jugend Schundschristen in Listen auf- genommen und Beschränkungen unterworfen werden sollen, die im einzelnen aufgezählt wurde». Der zweite Paragraph enthielt die Bestimmung, daß die Ausführung beim Reichsminister de» Innern liege; ferner daß die Ausstellung der Listen unter Heranziehung von Sachverständigen der genannten vier Gruppen zu geschehen habe, und daß nur bei Zustimmung der vier Gruppen«in« Schrift in die Liste aufzunehmen sei. Der dritte Poro- graph enthiell die Strafbestimmungen. Zu diesem Entwurf bekenn« ich mich auch heut« noch, und zwar nicht nur als Beamter, sondern auch als sozialistischer Kulwrpolitt- ker. Durch seine Verwirklichung würde in freier selbstverwallender Tätigkeit der großen kulturell wichtigen Verbände aller Arten und Wellanschauungen eine einwandfreie Liste von Schundschriften zu- stand« gekommen sein, deren Verfolgung und Beschränkung keinem anderen wehgetan hätte als den skrupellosen Anfertigern und Ver- legern von Schundschriften. Das künstlerische Schassen und der solid« Buchhandel wären ebenso geschützt gewesen wie auf der anderen Seite Volksbildung und Jugendbewegung in ihren In« teressensphären. Den Regierungen wäre, von einer kleinen Be- laswng de» Reichsministeriums des Innern abgesehen, jede Mühe- walwng erspart geblieben, ein Umstand, der besonders in der Zeit des„Abbaus" durchaus im Interesse der Länder und der ollgemein betonten Notwendigkell zur Sparsamkell lag. Der Entwurf hat im Lause der Beratungen im Reichsrat sein Gesicht leider sehr verändert. Das zeigt das Aussehen des Entwurfs, wie er schließlich dem Reichstag vorgelegt worden ist. Der ab- schließenden Beratung des Entwurfs im Reichsrat Hab« ich nicht mehr beiwohnen können, da ich mich inzwischen unter dem Reichs- minister des Innern Schiele aus politischen Gründen genötigt gesehen hatte, meine amtliche Tätigkeit bis auf welleres«inzustellen und mich auf meine parlamentarische Tätigkeit zu beschränken; jeden. falls hätte ich für die Einbringung des Entwurfs in der damaligen Form eine Derantwortung nicht übernommen. An die Stelle einer einfachen, im wesentlichen von berufenen Organen der freien Selbst- verwallung getrogenen, möglichst unburcaukratischen und billigen, einheitlichen Prüfungsinstanz des Reichs sind zahlreiche Län- derinftanzen getreten, durchsetzt mit Regicrungsoertretern und unter dem beherrschenden Einfluß der Regierungen. Das bedeutet eine überflüssige Erschwerung und Verteuerung, nebenbei auch eine Unfreundlichkell gegen das Reich und sein« kulturelle Zuständigkeit. Well schlimmer aber noch und in keinem Falle annehmbar ist die Mehrheitsentscheidung an Stelle der Einstiinmigkeit der Prüfung»' instanzen. Die Einstimmigkeit war der einzige Schutz des freien künsllerischen Schaffens gegen Engherzigkeit und Muckertum. Fällt dieser Schutz, so ist dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet. Durch die Verhandlungen im Reichstag ist der schlecht« Ent- wurf nicht verbessert, sondern in vielen Punkten noch verschlechtert worden. Es soll nach Beendigung der ersten Lesung im Ausschuß noch eine zweite Lesung stattfinden, bevor dos Gesetz an da» Plenum zurückgelangt. Unsere Freunde müssen die Einstimmigkeit zum Kardin alpunkt machen. Hierbei müssen sie durch«ine Volks- bewegung außerhalb des Parlaments unterstützt werden. Ohne d'« Einstimmigkeit darf der Entwurf nicht Gesetzeskraft erlangen- weiter auf. Wer wollte von ihnen etwas anderes erwarten? Auch| Gewerkschaften erhielt auch noch am ersten Wahltag die Kündigung. Gewerkschaftsbewegung die Drohung mit Lohnkürzungen im Falle der gesetzDer Abbau bei der Reichsbahn. Die Auslieferung des Regiebetriebes an das Privatfapital. Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß in der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft die Interessen der Privat= industrie den Ausschlag geben. Sei es bei der Personalpoliit oder der Auslieferung der bisher in den betriebseigenen Werkstätten geleisteten Arbeiten. Es kommt offenbar nicht darauf an, was dem Reichsbahnbetriebe dienlich ist, sondern lediglich darauf, was den Privatunternehmungen frommt. Ohne Verallgemeinerung des jüngst aufgedeckten Standals in Frankfurt a. d. D. liegt doch auf der Hand, daß die Konkurrenz der einzelnen Unternehmer dazu führt, gewisse Beziehungen" zu den Stellen anzubahnen, denen bie Vergebung von Aufträgen obliegt. Die Kosten spielen dabei ja feine Rolle, da sie die Reichsbahn doppelt und dreifach erstatten muß. Je mehr die Privatindustrie zu den Arbeiten herangezogen wird, die bisher in eigener Regie größtenteils billiger und besser ausgeführt wurden, um so mehr sucht sich das Schmiergeldunwesen breitzumachen, das für die Beamten gefährlich und für die Reichsbahn schädlich ist. " Allein die Verwaltung setzt den Abbau munter fort und um irgendwelche Begründung dafür wird sie kaum je in Verlegenheit tommen. Sind erst alle Eisenbahnwerkstätten stillgelegt, wird trok aller üblen und kostspieligen Erfahrungen die Rückkehr zum Regiebetriebe verbaut sein. Nach einer Meldung des B. T." aus Schwerin ist in den lezten Wochen 250 Arbeitern und Handwerkern der Eisen bahnwerfstätten gekündigt worden. Weitere Kündi gungen stehen bevor, da die Schweriner Werkstätten am 1. Mai ihren Betrieb einstellen sollen. Nur eine kleine Reparatur merfstätte soll mit 50 Leuten weiterarbeiten. Annähernd 300 Personen werden arbeitslos. Es soll ihnen je nach der Länge der Dienstzeit der Lohn für mehrere Wochen ausgezahlt werden. ,, Bie verlautet, sollen die großen Reparaturen, die bisher in Schwerin ausgeführt wurden, von den Werkstätten in Rostock und Malchin vorgenommen werden." Wohl nur so lange, bis auch diese Werkstätten„ abbaureif" geworden sind. Handelskammern und Washingtoner Abkommen. Und das Minifterium für Handel und Gewerbe. In der Uebersicht über Handel und Gewerbe im März 1926, die im Ministerium für Handel und Gewerbe auf Grund von Berichten preußischer Handelskammern zusammengestellt wird, findet fich unter„ Bergbau" folgende kennzeichnende Auslassung: In der Arbeitszeitfrage sind Neuerungen nicht zu verzeichnen. Erhebliche Beunruhigung haben Nachrichten über die Londoner Arbeitszeitfonferenz in Bergbaufreisen hervorgerufen. Wenn die Nachrichten über eine wesentliche Beeinflussung der BeStimmungen des Washingtoner Abkommens auf die fünftige deutsche Arbeitszeitgesetzgebung zutreffend find, würde der deutsche Bergbau neuen Rückschlägen ausgesetzt sein. Eine internationale Regelung der Arbeitszeitfrage ist für den deutschen Bergbau solange ummöglich, als er zwangslieferungen an Frankreich, Belgien und Italien machen muß, die vor allem die besten Sorten betreffen. Außerdem würde eine internationale Regelung der Arbeitszeit, die zugleich eine Aufrollung des Lohnproblems bedeuten würde, den englischen Bergbau mit seiner verkehrsgeographisch günstigen Lage in wesentlichem Vorteile gegenüber dem deutschen sehen." Die Handelskammern sind die offiziellen Interessenvertretungen der Unternehmer gegenüber den staatlichen Behörden. Daß sie die Ratifikation des Washingtoner Abkommens, wie eine internationale Arbeitszeitbeschränkung überhaupt als unmöglich erklären, fällt nicht lichen Festlegung der Arbeitszeit nehmen wir den durch die Londoner Konferenz so sehr beunruhigten Unternehmern und ihren Kammern nicht übel. Sie können nicht anders. Befremden muß jedoch, daß das preußische Handels- und Gewerbeministerium derart einseitige Darlegungen als amtlichen Bericht ohne jegliche Einschränkung, ohne einen Kommentar in Umlauf bringt. Der Bergbau besteht doch nicht nur aus den Unter nehmern. Die Kohlenförderung ist ohne kapitalistische Nutznießer möglich, aber nicht ohne die Bergarbeiter. Wahrscheinlich zum Beweise für die Notwendigkeit einer län geren Arbeitszeit wird unmittelbar vor der von uns zitierten Aus lassung gegen den Achtstundentag berichtet, daß die Halden bestände auf den Zechen eine Zunahme aufweisen und wegen Absatzmangels Feierschichten eingelegt wurden, deren Zahl bis zum 25. März 739326 betrug. Die Gesamtbelegschaft des Ruhrbergbaus betrug Ende Februar 383 599. Bis zum 15. März waren weitere 11716 mannentlassen oder zur Entlassung vorgesehen. Die Schacht anlagen Hugo III und Preußen I find zum 31. März still gelegt. Die Unternehmer im Bergbau wollen also nach ihrem Bekennt nis in den Handelskammerberichten noch weitere Stilllegungen vornehmen, weitere Arbeiter entlassen. den verbleibenden Teil der Belegschaften aber trotz Feierschichten länger als acht Stunden arbeiten lassen oder aber die Festlegung des Achtstundentages als Vorwand mißbrauchen, um die Löhne noch tiefer zu drücken. Im preußischen Handels- und Gewerbeministerium wird man sich allerdings darauf berufen können, daß immer noch keine amtlich- offizielle Vertretung der Bergarbeiter vorhanden ist, durch die die Auffassung der Bergarbeiter in amtlichen Be= richten zum Ausdruck gebracht werden könnte. Verlängerung der Früharbeit in Bäckereien. Der preußische Handelsminister hat durch Eriaß die Frist für die nach der Bäckereiverordnung vom 23. November 1918 zulässige Verschiebung der achtstündigen Betriebsruhe in den Bäckereien und Konditoreien auf die Zeit von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens bis zum 31. März 1927 verlängert, da sich diese Rege lung nach den dem Minister vorgelegten Berichten im allgemeinen bewährt hat. Der Minister ersucht die Behörden, für die strenge Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeit wie bisher mit allem Nachdruck einzutreten. Ob auch die Bädereiarbeiter gehört und ihre Erfahrungen mit berücksichtigt wurden, geht aus dem Amtlichen Preußischen Pressedienst nicht hervor. Wahlen in der Akkumulatorenfabrik Oberschöneweide Eine Ohrfeige für die gelben Terroristen! In diesem Betrieb machen die schwarzweißroten Werkvereinler seit mehr als drei Jahren die größten Anstrengungen, um Boden zu gewinnen, die Werfleitung tut ihr möglichstes, um ihre gelben Lieblinge zu fördern. Eine alte Parole ist: Wer in den„ vaterländi fchen Arbeiterverein" eintritt, wird nicht entlassen. Eine ganze Reihe unproduktiver Kräfte im Wert befolgte diese Parole, um die Stellung zu halten. Die Arbeiterschaft beantwortete diese Praktiken mit einem glänzenden Sieg der freien Gewerkschaften. Trotzdem die Belegschaft 500 Mann schwächer ist als im Vorjahre, erhielten diese 684 Stimmen und neun Size im Arbeiterrat, während die Gelben 216 Stimmen erhielten und sich wie bisher mit zwei Sigen begnügen müssen. Das Ergebnis dieser Wahl war für die Direktion und ihre gelben Schüßlinge eine schallende Ohrfeige. 72 Angestellte stimmten für die beiden Gewerkschaftler und beide wurden gewählt. Viele Angestellte haben schon versprochen, das nächste Mal wird es noch besser. Im Betriebsrat haben die freien Gewerkschaften statt wie bisher sieben, nunmehr acht Size. Verhandlungen im Verkehrsgewerbe. Heute finden vor dem tariflichen Schiedsgericht Verhandlungen statt über den Neuabschluß eines Manteltarifes für die bei der Dmnibusgesellschaft Beschäftigten. Der Deutsche Verkehrsbund hatte den Mantelvertrag gekündigt und zu einigen Punkten, so in der Kranfenentlohnung u. dgl., Abänderungsanträge gestellt. In den direkten Verhandlungen zwischen den Parteien fonnte in den wesentlichsten Punkten eine Einigung erzielt werden. Nur in der Bezahlung der Nachtzuschläge kam eine Verständigung nicht zu stande. Da die Omnibusgesellschaft jetzt auf mehreren Linien den Nachtbetrieb eingeführt hat, fordern die Chauffeure und Schaffner für die Nachtſtunden einen Sonder zufchlag. Diese Frage wird heute hauptsächlich das Schiedsgericht beschäftigen. Die Verhandlungen mit der Straßenbahn über die Verlängerung des am 31. März abgelaufenen Lohnabkommens, die heute ebenfalls stattfinden sollten, sind vertagt worden. Wer räfonniert, wird entlaffen. Der Geschmack ist sehr verschieden, namentlich wenn es sich um das Effen handelt. Was dem einen vorzüglich schmeckt, das findet der andere abscheulich und er wird, je nach Temperament und Laune, seinen Unwillen in mehr oder minder fräftigen Ausdrücken Luft machen. Wer aber bei Aschinger in Stellung und Kost ist, der riskiert seine Stellung, wenn er über sein Effen, das er für schlecht hält, räfoniert. War da eine Angestellte in einem Aschinger- Betriebe, die sich schon öfter über das ihr vorgesetzte Essen betlagt hatte. Als fie eines Tages ganz besonders unzufrieden mit der Kost war, ging fie zur Köchin, stellte sie zur Rede und sagte, das wäre kein Essen, sondern Hundefraß. Die Köchin, die sich hierdurch in ihrer Berufsund die Folge war, daß die Angestellte, welche über das Essen räſoehre getränkt fühlte, machte höheren Ortes Anzeige von dem Vorfall niert hatte, entlassen wurde. billige Härte bezeichnete. Ihr Vertreter vom Verband der Hotel-, Sie flagte beim Gewerbegericht indem sie die Entlassung als unRestaurant- und Café- Angestellten berief sich darauf, daß die scharfe Aeußerung der Klägerin doch feine Beleidigung des Arbeitgebers oder seines Vertreters sei. Die Klägerin habe berechtigte Interessen wahrgenommen, indem sie die ihr dargereichte ost, die ja ein Teil ihres Lohnes sei, kritisierte. Der Bertreter der Firma meinte dagegen, es stehe jedem Angestellten frei, sich über seine Rost bei der Direttion zu beschweren. Ein solches Auftreten, wie das der Klägerin tönne nicht geduldet werden, denn dadurch würde die Ruhe und Ordnung im Betriebe gestört. Einen Bergleichsvorschlag des Gerichts, die Klägerin wieder einzustellen, lehnte der Vertreter der Firma entschieden ab. Die Barteien stimmten dann einem zweiten Bergleichsvorschlage u, wonach die Klägerin eine Entschädigung von 138 Mark erhält. Jugendgruppe bes Zentralverbandes der Angestellten. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen folgende Abteilungen: Lichtenberg: Jugendheim Schule GoklerStraße 61. Mitgliederversammlung. Neukölln: Jugendheim Nogatstr. 53. Glaßbrenner- Abend. Webbing- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1 ( Ledigenheim). Bortrag: Wir und unsere Gegner". Charlottenburg: Diskussionsabend. Jugendheim Rosinenstr. 4. Schöneberg: Jugendheim Sauptstr. 15( Frankenlandzimmer). Osterfahrtbericht. ( Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) " Bei der Angestelltenratswahl hatten die Gelben mit fräftiger Unterſtügung der Werkleitung alle Minen springen laffen, Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schiłowsti; totales um eine freigewerkschaftliche Liste zu verhindern. Es konnte nur eine Lifte mit zwei Kandidaten eingereicht werden, während auf der gelben Liste 23 Namen verzeichnet stehen. Ein Kandidat der freien Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternns; und Sonstiges: Frik Raritädt; Anzeigen: Tb. Glode: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin GW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Zum Schulbeginn Wäsche Mädchen- Hemden mit voller Schreibhefte 16 Blatt stark, 90Pf. 8Pf. holzfreies Papier, mit Löschblatt liniiert u. ungutem Hemdentuch, mit Stickerei garniert..... Länge 40 Oktavnene liniiert, Dtzd.Pf., Stck.5p Achsel, aus Jede weitere Grösse( 5 cm) 15 Pf. mehr Knieform, Pf. aus gutem men- Beinkleider 135 Jede weitere Grösse( 5 cm) 25 Pf. mehr Mädchen- Nachthemden 195 viereck. Ausschnitt, guter Wäschestoff, mit Hohls. u. Motiv, Lg. 60 Jede weitere Grösse( 10 cm) 30 Pf. mehr mit 225 Trägern, Windelform, aus gut. Hemdentuch, m.Stick.- Ans., Lg. 50 Jede weitere Grösse( 5 cm) 25 Pf. mehr Mädchen- Prinzessröcke 155 voll. Achsel, gut. Hemdentuch, mit Stickerei reich garn., Länge 40 Jede weitere Grösse( 5 cm) 25 Pf. mehr Knaben- Hemden aus kräftigem Hemdentuch...... Länge 40 Jede weitere Grösse( 5 cm) 20 Pf. mehr Knaben- Nachthemden 95PT 275 mit Umlegekragen od. Geishaf., mit fbg. Besatz u. Tasche, Lg. 60 Jede weitere Grösse( 10 cm) 35 Pf. mehr Kinder- Schürzen schwarz und farbig, in verschiedenen Grössen Knaben- Schürzen 70. farbig, mit Tasche... 195 Jade weit. Grösse Grösse 40 PT. 15 Pf, mehr Aufgabenhefte schwaizer Löschblätter. Stack ....... Stück 8PL. Stück 8P Stück 5Pf. Kleidung Stack 5p. Mädchen- Schulkleider 475 60-95 cm lang, aus gemusterten Stoffen, ca. 60 cm lang..... Jede weitere Grösse 50 Pf. mehr Gros 60P. Mädchen- Schulmäntel Dizd. Stack Federbüchsen Bleistifthülsen. Radiergummi................ Stück Tintenwischer Stück 5P Schulfedern Schulfedern gemischt..... Karton 30pr Blelanspitzer Stack 20P. Heftetiketten .... 10 Stück 4Pf. Butterbrotpapier Pakete à 100 Bl. garant, fettdicht, 95P. 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Beilage des Vorwärts Mittwoch, 7. April 1926 Wissen ist Macht Die Arbeiterschaft Wiens hat in der letzten Zeit zwei feierliche Momente erlebt: die Eröffnung der Arbeiterhochschule und das 25jährige Jubiläum der Ottakringer Volkshochschule. Im Zusammentressen dieser beiden Arbeiterkulturereignisse liegt ein tieferer Sinn. Zu verstehen ist er nur aus der Entwicklung und der engen Verflechtung des Arbeiter und Volksbildungswesens in Wien. Hier hatte die 48er Revolution in der freisinnigen Bürgerschaft tiefere Wurzeln geschlagen als im übrigen Deutschland. In höherem Maße als dort blieben hier Akademiker und Intellektuelle den Traditionen dieser großen Volksbewegung treu und halfen später beim Ausbau des Volksbildungswesens. ihren Volksbildungs- und Arbeiterbildungswesen. Bereits im Jahre 1885 nahmen die Sonntagsvorträge und die Gründung der Volksbibliotheken heute sind es etwa 100. Anfang. 1895 entstanden die volkstümlichen Universitätskurse, für die sich eine Reihe von Universitätsprofessoren zur Verfügung stellten. 1905 folgt die Eröffnung des Volfsheims Ottakring, das in erster Linie der Wiener Arbeiterschaft zugute fam. Ihre Vertreter waren es auch, die den größten Einfluß auf ihre innere Gestaltung ausübten. Das Wiener Volksbildungswesen ist aufs engste mit dem Namen des Genossen Professor Ludo Hartmann verbunden. Parallel lief die Entwicklung des Arbeiterbildungswesens, das die sozialistische Lehre in die Massen und zu ihren zufünftigen Führern, den Partei- und Gewerkschaftsfunktionären, bringen sollte. Der Arbeiterverein Zukunft" war es, der im Jahre 1903 die Wiener Arbeiterschule begründete und das Vortragswesen der, Arbeiterorganisationen reorganisierte. Um das Jahr 1908 fällt der Beginn jezt gibt es ihrer in Wien 21, darunter der Arbeiterbibliothek mehrere mit 100 000 bis 150 000 Büchern, mit je 10 in speziellen Bibliothekarfurfen ausgebildeten Bibliothekaren. Im Jahre 1908 murde die Parteischule gegründet, in der 40 Hörer einige Monate hindurch in die verschiedensten Gebiete der sozialistischen Wissenschaft eingeführt wurden. Seit 1910 traten die Sommerparteischulen in Funktion, in denen drei Wochen lang die Funktionäre auf Kosten der Partei ihr Wissen bereichern durften. In dieser Weise wurden in den letzten 1½ Jahren 53 Arbeiterschulen mit 631 Vorträgen, 38 Frauenschulen mit 117 Vorträgen, vier Jugendschulen, 12 Betriebsräte- und Gewerkschaftsvertrauensmännerschulen, außerdem 65 Vortragsreihen mit 358 Vorträgen veranstaltet. Es wurden 4693 Einzelvorträge gehalten und 393 Exkursionen in Museen, Anstalten und Betriebe unternommen. Hinzu kommen Redekurse, Parteischule, Arbeiterurlaubsreisen, Schriftenvertrieb, ein Kursus für Arbeiterbüchereiwarten, das Lichtbild- und Filmwesen. Die Krönung des Arbeiterbildungswesens stellt aber die am 17. Januar eröffnete Arbeiterhochschule dar. 3] yamile unter den Zedern. Bon Henri Bordeaux. ( Berechtigte Uebersehung von J. Kunde.) Aber gerade diese Pferde legen unglaubliche Strecken ohne die geringste Ermüdung zurück, erflimmen schwindelerregende. Felsen, ohne unsicher zu werden oder einen Fehltritt zu tun; man muß sich ihnen nur anvertrauen und ihnen mit dem einzigen Zügel nachgeben, damit sie den Hals vorlegen können und die Hindernisse abzuschäzen vermögen. Ich bewundere die Gemsen meiner Alpen und ihr Herumflettern auf Felsen und Eis nicht mehr so, seit ich im Libanon syrische Pferde geritten habe. Selbst das wenig gepflegte und schlecht genährte Pferd des ärmsten Bauern ist noch ein edles Tier und hat Raffe. Es gleicht einem ins Elend gerafenen Fürsten in Bettlerhülle. Aber die Pferde der Scheichs und Emire haben eine gerade unvergleichliche Eleganz. Mein Gastgeber hatte mir eine Apfelstute reserviert, auf die ich stolz sein durfte, nachdem es mir geglückt war, mich im Gleichgewicht auf ihr zu halten, denn das Tier tänzelte, bäumte sich und warf wütend den Kopf empor. ,, Sie ist 200 Goldpfund wert," erklärte der Diener, welcher sie hielt, als ich mich in den Bügel schwang. Nun, sie war sicher nicht halb so wertvoll wie die, welche Khalil Khury bestieg, die Stute, deren durchglühtes fuchs rotes Fell in der Sonne glänzte, wie wenn von jedem Härchen ein Leuchten ausginge, glich einer Flamme; so verzehrte sie die innere Glut. Leidenschaft blikte in ihrem Auge und Bonneschauer liefen über ihren Körper. Wie ich dem alten Scheich, der ganz verjüngt an der Kavalkade seine Freude hatte, ein Rompliment machte, sagte er: Ja, sie stammt von Salma ab. Aber Sie haben Salma nicht ge fannt." Er zitierte diese Salma, wie man auf dem Turf irgendein berühmtes Rennpferd, das den großen Preis gewinnt, nennt. Ich tat ihm schließlich leid, daß ich Salma nicht gekannt hatte, denn er würdigte mich einer mysteriösen Auftlärung: | Arbeiterhochschule. Solange die bürgerlichen Hochschulen in erster Linie der bürgerlichen Wissenschaft gehören, bleibt den Arbeiterparteien nichts anderes übrig, als eigene Hochschulen ins Leben zu rufen. Die österreichischen Genossen wissen aber nur zu gut, welch großer Anzahl von wissenschaftlich geschulten Kräften sie bedürfen, um den Aufgaben gewachsen zu sein, die ihrer in Staat und Kommune in tommenden Jahren harren. 26 junge Männer und 6 Mädchen, alles bereits bewährte und praktische, erfahrene Bertrauensleute der Partei und der Gemertschaften, dürfen von diesem Tage ab sechs Monate lang das ehemalige Barockluftschloß der Kaiserin Maria Theresia in Heiligenstadt, einem Vororte Wiens, bewohnen. Die österreichische Partei hat es zunächst für 10 Jahre von der Gemeinde Wien gepachtet und unter Leitung der Bauabteilung des Magiftrats zweckmäßig im Innern ausgestalten lassen. Helle, geräumige Studierfäle, mit Schreibtischen und Sesseln, mit Lehrfanzeln und Stioptikon, Gesellschaftsräume mit Klavier und Radio, anheimelnde Schlafzimmer mit Warmwasserversorgung sind vorhanden. Die Wände der Zimmer sind mit Gemälden geschmückt. Neben Allegorien aus vergangenen Jahrhun- fang. derten drei Bilder, Arbeiten des Volksmalers Rudolf Scholz:„ Ein Mann im Gerüst"," Die Forschenden"," Die Versammlung". In diefen Räumen, frei von den Sorgen des Alltags und der Organifationspflichten, sollen die jungen Menschen Bartei entsandt, 16 von den Gewerkschaften 21 sind von der fich hier zu neuen Kämpfen für den Dienst am Proletariat rüsten. Nationalökonomie, Welt und Wirtschaftslehre, Rechts- und Staatslehre, Gemertschaftslehre und Organisationsfunde sind die Hauptgebiete, in die sie, durch früheres eifriges Studium gut vorbereitet, unter Leitung von Genoffen wie Otto Bauer, Mar Adler, Siegmund Kunfi, Karl Renner, Julius Deutsch und Otto Neumann eindringen sollen. Am Nach mittag folgen Führungen und Uebungen auf arbeiterrechtlichem, statistischem, voltswirtschaftlichem, rednerischem und journalistischem Gebiete. Handbibliothek, Zeitungen, Zeitschriften, Lichtbilder auf Tafeln sind zur Unterstützung des Studiums vorhanden. Durch turnerische Uebungen, durch Sport und Wanderungen und Feste soll für die Ertüchtigung des Körpers und für die Bereicherung des Dauern sechs Monate. Gemüts- und Gemeinschaftslebens gesorgt werden. Die Kurse Die österreichischen Genossen kommen nicht allein für den Unterhalt der Arbeiterstudenten auf, sie unterstützen auch, wenn nötig, sind die materiellen Opfer, doch bedeutet das Ganze nur den Anwährend der Studienzeit die Angehörigen der Hochschüler. Groß Das„, Theresenschlössel", Sitz der Wiener Arbeiterhochschule. rascht hätte. In seinem Blicke flammte es auf, wie der Schnee des Libanon beim Sonnenuntergang erglüht, und ich sah darin deutlich eines jener Frauenbilder vorübergleiten, die ihre Spuren einem ganzen Leben aufprägen. Yamile," wiederholte ich. Wer war diese Damile?" " Die Frage schien ihn zu wundern, wie wenn sie in diskret gewesen wäre oder wie wenn er die vertrauliche Aeußerung, die ihm wider Willen entschlüpfte, bereute. Er fizelte sein Pferd mit den Sporen, das allzu leicht reagierend einen Seitensprung tat, dem er mit leichtem Zügelhieb parierte. Diese plögliche Ablösung von mir enthob ihn einer Antwort. Wir setzten uns an die Spitze der Karawane, deren angesehenste Persönlichkeiten wir waren, ich, der Fremde und er, der heimgefehrte verlorene Sohn, den zu beerben ganz Bscherre fich Hoffnung machte. Gleich hinter dem Flecken nachdem wir ein Laubdach von Nußbäumen passiert hatten arbeitet sich der Pfad die Felsenwand hinauf, welche die Quelle des Kadischa überragt. Unsere Pferde unternahmen gegen die Mauer einen Angriff, wie eine stürmende Truppe, und ihre Hufe klirrten an den Steinen. Khalil Khury zwang mich zu schnellem Ritt, und wir erreichten bald den Gipfel des steil abfallenden Schroffens, von wo es zur Flußquelle niedergeht. Der Alte schien dem Schwindel zu trogen, denn er ritt, wie wenn er die Gefahr herausforderte, am Abgrund hin, und ich fonnte mein Pferd, welches den anderen folgte und mich der gleichen Gefahr aussette, faum zurückhalten. Bald erblickten wir eine Gruppe mächtiger Bäume in der Wüstenöde des Gebirgstefsels. In den tiefen Schründen der violett schimmernden Felswände und auf den Gipfeln lagen noch Schneereste. Khalil Khury sagte mit würdevoller Geste: ,, Die Bedern!" Und ließ sein Pferd im Galopp die letzte Steigung Ich ritt im Gegenteil langsamer, um mich zu sammeln und den Anblick zu genießen. nehmen. Unter den 3edern. ,, Das war die Stute von Butros Hame, meinem Freunde, Bor mir standen in einer Gebirgsfalte die überlebenden meinem Bruder. Auf ihr ist er von Tripolis in einer furzen Riesen des Libanon, älteste Zeugen des Weltgeschehens. Diese Sommernacht mit Damile im Arm zurüdgefehrt." Bäume, von denen Lamartine gesagt hat, daß fie das be So ein Bravourftüd verdiente wohl, daß man es nicht rühmteste Naturdenkmal der Erde find. Salomo erachtete vergaß; es gehörte ein ausgezeichnetes Pferd dazu, um so ein fein anderes Holz für wertvoll genug, daß es zum Tabernakel fernes Ziel in wenig Stunden mit einer zweifachen Laft zu des einzigen Gottes verwendet würde. Die Bracht dieser erreichen. Aber ich maß der Bemertung feine besondere Be- Bäume diente dem Propheten zu erhabenen dichterischen Berdeutung bei. Und auch die drei Silben Vamile, die ich zum gleichen. Schwarz umbuntelte sie von ferne ihr eigener ersten Male vernahm, hätten mich nicht gerührt, wenn mich Schatten. Sie hoben sich wie gigantische Vögel mit ausgenicht ein plögliches Aufleuchten dieses Greifenantliges überbreiteten Schwingen vor der fahlen Landschaft ab. Das Jubiläum der Wiener Volkshochschule. Es sind jetzt 25 Jahre her, daß die Volkshochschule„ Verein Bolfsheim" gegründet wurde. Aus dem noch heute bestehenden Arbeiterbildungsverein hervorgegangen, war es anfangs genötigt, mit zwei Kellerzimmern auszufommen. Sehr bald wuchs der junge Verein und mußte im selben Hause eine Wohnung mieten. Aber auch das genügte nicht lange, und das Verlangen nach einem eigenen Gebäude wurde immer mächtiger und mächtiger. Am 5. November 1905 tonnte dieses Haus eröffnet werden. Rastlose Sammeltätigfeit der Mitglieder, Zuwendungen der damals noch recht wenig finanzkräftigen Gewerkschaften, und-auch Spenden einiger weniger Reicher ermöglichten den Bau des stolzen Hauses, das in Ottakring, einem der dichtbevölferten Arbeiterbezirke Wiens, steht. Zu Ehren Ludo Hartmanns, des ersten Gesandten der deutschösterreichischen Republik in Berlin, der sich um die Ausgestaltung des Volksheims raftlos mühie, wurde soeben der Play, an dem das vierstöckige Ge-. häude steht, in Ludo- Hartmann- Play" umbenannt. Es ist die älteste deutschsprachliche Volkshochschule, eine der ersten überhaupt und wahrscheinlich die größte Bildungsstätte ihrer Art. Neben den zahlreichen Vortragsjälen und Zimmern besigt es ein chemisches Laboratorium, naturwissenschaftliche Sammlungen, ein photographisches Atelier mit zahlreichen Dunkeltammern, Arbeitsräume für Phyfit, eigene Werkstättenzimmer usw. Ein besonderes Gewicht wird auf die Arbeit in den Fachgruppen gelegt, die durch feminariftische Uebungen im engeren Kreise, durch Spezialfurfe und durch Fachbibliotheken ein tieferes Eindringen in die Disziplinen ermög lichen. Rund 12 000 Hörer befuchen jetzt im Ottakringer Stammhaus und in den vier Zweigstellen die 400 Kurse, die sich meist über das ganze Studienjahr erstrecken. Daneben arbeitet im gleichen Sinne der„ Wiener Volksbildungsverein", der ebenfalls eine eigene Bolkshochschule und eine Zweigsiese unterhält. Der über 200 Bortragende umfassende Lehrkörper besteht zum größten Teil aus Prefefforen und Dozenten der Wiener Hochschulen, die aus Liebe zu Sache gegen ein minimales Entgelt, das faum die Straßenbahnspejen deckt, in den Abendstunden über sämtliche Gebiete des menschlichen Wissens Kurse abhalten. Der Eifer, mit dem die von der harten Arbeit ermüdeten Hörer und Hörerinnen bei der Sache sind, ist ihr schönster Dant. Alle Altersstufen und alle Berufe find vertreten. In dem Bestreben der Vereinsleitung, Wissen und Bildung nur um Ich erreichte bald die ersten, vereinzelt dastehenden Bäume, die eine Art Vortrupp bildeten und in ihrem Buchse ungehemmt aufwärts strebten; nach allen Seiten streckten sie ihre langen horizontalen Weste aus. Khalil Khury hatte nicht auf mich gewartet. Ich setzte meinen Weg allein fort und war glücklich, mich ungestört Betrachtungen hingeben zu können. Die Begleiter folgten einige Meter hinter mir. So gelangte ich an die Umfassungsmauer, welche die dreihundert oder vierhundert majestätischen Gefangenen vor Beschädigung durch Horten und Herden und vor den Händen von Pilgern schützt. Die Pforte stand offen; der Wächter war von unserem Besuch in Kenntnis gesetzt. Andächtig, als besuchte ich eine Kirche, trat ich unter diese Versammlung von Bäumen, die an einen Konvent von Mönchen erinnerte, welche ihre Arme zum Segen erheben. Unwillkürlich entblößte ich den Kopf und bot ihnen meinen Gruß. Niemand betrachtete diese Ehrfurchtsbezeugung, niemand. Diese Bäume ragten einsam empor oder drängten sich aneinander; unheimlich gewaltige und verwitterte waren darunter. Ihre Wurzeln ragten aus dem Boden; sie ringelten sich wie die Schlange, welche den Laokoon und seine Kinder umflammert. Stämme gab es, die ineinander verflochten einen fabelhaften Umfang hatten; Kronen, die der Bliz gespalten; auch schlanke, weniger massive Stämme waren dabei, die durch Bliz gespalten; auch schlanke, weniger maffive Stämme waren dabei, die durch die reinen Linien ihres schlanken Buchses auffielen. Waren es nicht wunderbare Besen, welchen die Jahrhunderte das Recht verliehen hatten, den Eindringling, der sie gleichgültig und beziehungslos besuchte, verächtlich zu empfangen? Ich aber bemühte mich um ihre Gunft; sie sollten eine nach Jahrtausenden zählende Bergangenheit für mich heraufbeschwören. Waren fie in den Bergen, über dem blauen Meer von Tripolis, nicht fpäte verschwiegene Zeugen so vieler Völkerwanderungen, so vieler religiöser Mysterien, so vieler blutiger Umwälzungen. Die Eskorte holte mich ein. Wir pflodten die Pferde an. Ich umschritt die Einfriedigung und blieb vor den ältesten und verehrungswürdigsten Bäumen stehen. Auf einem ist der Name Julia de Lamartine eingegraben. Das geschah aber nicht durch des Dichters Hand. Seine Tochter war in Beirut - im Dezember 1832 menige Tage nach seiner Rückkehr aus Palästina gestorben. Das Mädchen war erst 11 Jahre alt. Ein jeder Sommer ließ sie schöner werden; Doch ihre Seele hat das Ziel erreicht, Wo sie der Himmel abruft von der Erden. Ihr Bild aus der Erinnerung nimmer weicht. Wa fie auch schrift, da folgten ihr die Blicke Der Bäter nach, die neidisch meinem Glüde. ( Fortsetzung folgt.) boden, Aufsehen und Planieren von Böschungen. Die Erd- und Einebmungsarbeiten auf der Spiel- und Lagerwiese wurden fortgesetzt. Ebenso wurde begonnen mit der Schaffung der Zugangswege von der Transvaalstraße zu dem in der Ostwestachse der Sportwiese liegenden Rundplatz und von dort zur Sportwiese selbst. Berlin- Werneuchen. ihrer selbst willen zu verbreiten, sind praktische Kurse, wie fauf- 1 männische Fächer oder Handfertigkeiten ausgeschaltet. Im großen Saale finden Sonnabend und Sonntag abends fünstlerische Beranstaltungen, wie Vorlesungen, Konzerte und Rezitationsabende statt. Auch hier stellen sich die Ausübenden, Künstler von Rang und Mitglieder der ersten Theater, selbstlos in den Dienst der Sache. Das am Semmering gelegene Sommervolfsheim" ermöglicht es den Mitgliedern, mit geringen Kosten ihren Urlaub in einer schönen Gebirgsgegend zu verbringen. Obwohl die Mitgliedschaft zum größten Teil aus Arbeitern und Angestellten besteht, ist Politik ausgeschaltet. Das zeigt sich auch am besten in der Liste der sub- merkwürdigen Verkehrszustände auf der Berlin- Werneuchenventionierenden Körperschaften, auf der ebenso Arbeitgebervereine wie Gewerkschaften stehen. Auch einzelne Finanzleute lassen in Anerkennung der geleisteten Kulturarbeit reichliche Spenden fließen. Mit dem geringen Mitgliedsbeitrag, 3,60 Schilling für das ganze Jahr( etwa 2 Mart), der zum Besuch aller Kurse in sämtlichen Häufern berechtigt, könnte die Hochschule ihren Haushaltsplan nicht balanzieren. Die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung unterstützt daher das Volksheim in der großzügigsten Weise und ermög lichte durch einen Kredit im vergangenen Herbst eine vollständige Renovierung. So ergänzen einander Arbeiterbildungswesen und Volkshoch. schulwesen. Beide erfüllen notwendige Aufgaben. Beide liefern der Arbeiterschaft das Rüstzeug für ihren Befreiungskampf. Osterfeier einer Einbrecherkolonne. Zwölf echte Teppiche als Verpadungsmaterial für die Beute, Eine sehr unangenehme Entdeckung machte ein Kaufmann aus der Königstraße, als er mit seiner Frau von einer kurzen Osterreise heimkehrte. Er fand seine luguriös ausgestatteten Räume in einem Zustand, der ihm deutlich zeigte, daß sich hier während der Festtage eine Einbrecherbande eingenistet haben mußte, die die wertvollsten Dinge wie Gold- und Silbersachen, Diamanten, Devisen, Herren- und Damengarderobe und zwölf echte Teppiche mitgenommen hatten. Die Wohnung liegt im zweiten Stod eines Haufes in der Nähe des Hohen Steinwegs und war an der Flurtür mit zwei schweren und komplizierten Kunstschlössern gesichert. Mit einer 1½ Meter langen Brechstange knallten" die Einbrecher jedoch die Tür auf. In den Räumen feierten sie dann auf ihre Art Ostern. Die Vorräte in der Speisekammer gaben Mittag und Abendessen her, und auch an einem guten Tropfen fehlte es nicht, ebenso an einem„ rauchbaren verspürten, begaben sie sich in das Schlafzimmer und schliefen in den Betten der Wohnungsinhaber wie zu Hause. Dann wurde Beute gemacht. Zwei Kaffetten wurden mit Gewalt aufgebrochen; fie enthielten den Schmuck der Hausfrau und eine große Summe baren Geldes in Dollar, englischen Pfunden, holländischen Gulden und Lirefcheinen. Unter den Schmuckstücken befanden sich überaus foftbare Sachen. Aus der Anrichte stahlen die Einbrecher einen Dollständigen Silberfaften für 24 Personen, je ein vollständiges Kaffee und Teeservice aus schwerem altertümlichen Gilber mit Rosen- und Engelverzierungen, außerdem zahlreiche andere Silbersachen, z. B. filberne Leuchter, Brottörbchen u. a. m. Nachdem fie fo Schmud- und Wertsachen zusammengerafft hatten, unterzogen sie die Kleidungsstücke und die Wäsche einer gründlichen Musterung und nahmen vier neue Damentleider, einen Sealmantel mit Bibertragen, einen rotfeidenen Morgenrod, Straßenund ganz neue Gesellschaftsanzüge, einen Herrennerzpelz mit Otter Pragen, ferner alles, was an neuer Wäsche vorhanden war, mit 3um Berpaden der Beute dienten ihnen zwölfedhte Teppich e, und zwar Schiras, Buchara, Sumat, Kirman und Afghan. Wie die Einbrecher es möglich gemacht haben, diese ungeheure Beute unauf fällig aus dem Hause zu schaffen, ist noch ein Rätsel. Auf die Wiederbeschaffung der gestohlenen Sachen ist eine Belohnung von 15000 Marf ausgefeßt, auf die Ergreifung der Täter eine solche hon 2000 m., außerdem 25 Broz. von dem wiedererlangten baren Belde. Mitteilungen zur Aufklärung sind an Kriminalkommissar Trettin im Polizeipräsidium zu richten. Großfeuer auf dem Tegeler Schießplay. Ein gewaltiger Grasbrand fam gestern nachmittag furz vor 2 Uhr auf dem Gelände des Tegeler Schießplages zum Ausbruch. Die Grasnarbe war in Brand geraten. Durch den starten Wind breitete fich das Feuer mit rasender Schnelligkeit aus, so daß für die daran grenzenden Waldbestände der Jungfern heide das Schlimmste zu befürchten war. Auf dem Feueralarm eilten die Tegeler, Wittenauer, Borfig- Feuermehren sowie zwei Löschzüge der Berliner Feuerwehr an die Brandstelle. Gleichzeitig rückten zur Hilfeleistung in mehreren Lastwagen zweihundert Schupobeamte heran. Die vereinigten Löschmannschaften mußten fich lediglich darauf beschränken, Gräben aufzuwerfen, um ein Weitergreifen des Feuers in der Windrichtung zu verhindern. Nach über zwei Stunden langer angestrengter Tätigkeit gelang es, den Brand einzudämmen und das angrenzende Waldgebiet vor der Vernichtung zu schützen. Unter der furchtbaren Hize hatten die Löschmannschaften start zu leiden. Ueber ein Quadratkilometer des Grasbestandes ist den Flammen zum Opfer gefallen. Die Entstehungsurfache konnte bisher nicht ermittelt werden, doch wird vermutet, daß das Feuer durch die Unvorsichtigkeit eines Ausflüglers, der einen glühenden Zigaretten oder Bigarrenrest fortwarf, entstanden ist. Der Ofterverkehr auf der Eisenbahn. Infolge des schönen Wetters war der Ausflugsverkehr in die nähere und weitere Umgebung Berlins sehr erheblich. Die Stadt, Ring und Vorortbahnen beförderten an den beiden Feiertagen über 3,6 millionen Personen, wobei die Streden nach dem Osten, Grünau, Erfner, Friedrichshagen usw., am stärksten benugt wurden. Groß war auch der Andrang von und nach Karlshorst und Staaten, wo die sportlichen Orts veranstaltungen zahlreiche Besucher anlockten. Der Fern verkehr, über den bishet noch keine genauen Zahlen vorliegen, war nach den Schäzungen etwas stärker als im Vorjahre und entsprach den diesjährigen Erwartungen. Den größten Verkehr mies der Stettiner Bahnhof auf der Nordbahn nach Rheins. berg, Fürstenberg usw. auf. Die beiden Sonderzüge nach dem Riefengebirge und nach Hamburg hatten eine sehr gute Belegung. Die Gelegenheit zu einem viertägigen Ausflug ins Riefengebirge benutzten rund 1000 Personen, und 1150 Berliner machten der alten Hansestadt über die beiden Feiertage einen Dfterbesuch. Die Arbeiten auf den Rehbergen. Mit durchschnittlich 480 beschäftigten Personen sind in der Woche vom 24. bis 30. März 10 070 Rubifmeter Boden bewegt und einplaniert worden. Diese Bodenbewegung erfolgte durch 84 Feld bahnwagen und 2120 Meter Gleis, zum Teil unter Einsatz von einem Triebwagen. Ferner wurde Schotter geschlagen und auf die fertiggestellten Bege aufgefahren. Die Bewegung Don 3000 Rubitmeter Schotter erfolgte durch Triebwagen. Es wurde gearbeitet an der großen Sportwiese durch Umgraben und Umjegen von WaldSeivorsichtig es gibt nur einen echten Kathreiners Malzkaffee! | 64 Beginn der Freigeistigen Woche". Im ehemaligen Herrenhaus wurde gestern die Freigeistige Woche", veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Berbände der deutschen Republik, eröffnet. Nach der Begrüßungs ansprache des Genossen Sievers, in der er auf die großen fulturellen Aufgaben hinwies, die jetzt zu erledigen sind, nahm Ge noffe Otto Jenssen Jena das Wort zu seinem Vortrage:„ Die Bedeutung des historischen Materialismus in der freigeistigen Be= megung." Die ökonomische Entwicklung arbeitet für die freigeistige Bewegung. Aber deswegen dürfen die Hände nicht in den Schok gelegt werden, ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, den ideologischen wissenschaft, die die Bedeutung der Religion auf bestimmte geschichte Schutt wegzuräumen. Der historische Materialismus ist diejenige Liche Zeitabschnitte zurückführt. Der Kampf gegen die Kirche ist ein ofonomischer Kampf, und die Entstaatlichung der Kirche das Zentrals problem der freigeistigen Bewegung. Wir brauchen eine großzügige fozialogische Religionsgeschichte. Der Sieg der freigeistigen Bewegung über die Geistesknechtung wird verbürgt durch den Aufstieg der Arbeiterklasse. Sie ist ein Teil der großen sozialen Bewegung. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Referat schlug Genosse Krische vor, auf eine Diskussion über das Referat zu verzichten, Kramer vom Boltsbund für Geistesfreiheit befürchtet, daß die allzu starte Betonung der Soziologie, wie sie Jenssen angeregt habe, dazu führen würde, eine Universalwissenschaft aus ihr zu machen. Troß Einverständnis mit dem Referat sei das hervorzuheben. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung 3med und Ziel der freigeistigen Jugendbewegung referierte Genosse Altmann. Die freigeistige Jugendbewegung ist bestrebt, mit der großen Freidenker. bewegung gemeinsam gegen die geistige Reaktion zu fämpfen. In der Diskussion über das Thema betonte Schiller, daß mehr wie bisher getan werden müsse, die Jugend von der fulturellen Lüge zu befreien. Kölig von der Gemeinschaft proletarischer Freidenfer forderte mehr Aufmerksamkeit für die Jugendbewegung. In demfelben Sinne sprach noch 3 ander vom Verein der Freidenfer für Feuerbestattung. Anschließend daran begaben sich die Delegierten ins Orpheum" nach der Hasenheide, wo die offizielle Begrüßungs. feier stattfand. Dem Bolte soll die Bimmelbahn erhalten bleiben! Vor einiger Zeit hatten wir eine Veröffentlichung über die riegener Bahn gebracht. Diese Veröffentlichung hat die Reichsbahndirektion Berlin arg verschnupft und sie fandte uns eine feitenlange Gegenerklärung, wobei sie mir vergessen hat, sich an die richtige Stelle zu wenden. Denn wie wir in unserem Bericht ausdrücklich vermerkten, bezogen sich unsere Ausführungen auf Tatsachen, die in einer Versammlung des„ VerFehrsverbandes an der Strede Berlin- Werneuchen" zur Sprache gekommen waren. Es hätte also wohl nahegelegen, sich zuerst einmal an den Verkehrsverband zu wenden, weil das Schreiben der Reichsbahndirektion im Grunde auch nichts weiter ist als ein Berfuch, die Ausführungen der Redner jener Versammlung zu ent fräften. Das Schreiben bemüht fich nachzuweisen, daß der Verfehr auf jener Strede absolut belanglos fei, so daß die heute bestehende Zugfolge von je 11 Zügen in jeder Richtung vollkommen genüge. Unter anderem wird darauf hingewiesen, daß jeder dieser Züge durchschnittlich mit nur 110 Bersonen besezt ist. Darauf sei nur das eine erwidert, daß der Vergleich der Werneuchener mit jeder anderen Borortstrecke völlig abmegig sein muß, denn da auf der Werneuchener Strecke der Ferntarif steht, werden sich die Fahrgäste, abgesehen von denen, die täglich fahren müffen, so lange wie möglich von einer Fahrt drücken, die teurer ist als auf anderen Vorortstrecken. Uebrigens haben die Fahrgäste bereits zu einem Mittel der Selbsthilfe gegriffen, dem sich die Direktion hat beugen müssen. Man fährt nur noch Dierter Klaffe und die Züge bestehen faft nur noch aus Wagen pierter Klasse. Die bereits im Jahre 1910 von dem damaligen Eisenbahndirektionspräsidenten Wulf gegebene 3usage auf Einrichtung des Vorortverkehrs wird einfach übergangen und folgende These aufgestellt:„ Undurchführbar ist die Einführung des Vororttarifs. Seine Gewährung hätte die Einrichtung eines regelrechten Borortzugbetriebes zur Voraussetzung, der aber mur bei besonders startem Borortverkehr möglich ist. Nur ein außer ordentlich gesteigerter Verkehr deckt bei den billigen Fahrpreisen des Demnach scheint die Berliner Direktion die Einrichtung der Trieb wagen, die für den Verkehr in verfehrsschwachen Zeit so gut ge= eigent find, nicht zu fennen. Sie meint dann weiter, daß die Einrichtung des Borortbetriebes erhebliche Erweiterungen der Bahnburg von seinem Rade über das Auto hinweg mit einem doppelten anlagen notwendig macht, deren Kosten, selbst wenn Allernotwendigste zur Ausführung fäme, etwa 1% Millionen betragen würde. Es heißt dann wörtlich:„ Diese Summe fann bei der schwierigen Finanzlage der Reichsbahn in absehbarer Zeit nicht verfügbar gemacht merden." Das ist, alles in allem, ein übler fistalischer Standpunkt, den sich die Anwohner der Strede nicht bieten lassen werden. Die moderne verfehrspolitische Erkenntnis, daß die Bahnverwaltung die Aufgabe hat, die Besiedlung durch Verkehrserleichterung( Vorortbetrieb, Fahrtbeschleunigung usw.) zu heben, fennt man offenbar am Schöneberger Ufer nicht. lleber die Notwendigkeit der Verkehrsbeschleunigung geht das Schreiben außerdem vorsichtig hinweg. Das Schreiben mutet in seiner Tendenz eher an mie das Schreiben einer Stelle zur Er. haltung, zur Pflege und zum Ausbau des Bimmelbahnmejens", als das der Direktion eines modernen Verkehrsunternehmens nur das Deutschösterreichische Lehrer in Berlin. Angleichungsarbeiten im Schulwesen. Bierundfünfzig Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschösterreich find am gestrigen Dienstagnachmittag auf einer Deutschlandreise in Berlin eingetroffen und wurden schon auf dem Bahnhof von Magistrats oberschulrat Nydal herzlich begrüßt. Am Nachmittag veranstal tete der Desterreichisch- Deutsche Boltsbund eine Zufammenkunft mit den Vertretern der Berliner Lehrer- und Schulbehörden, des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht und dem Schulausschuß des Volksbundes im Reichstag. Nach herzlichem Willkommen Hermann Willkommen des zweiten Wolfsbundvorsitzenden Kienzl begann eine mehrstündige Aussprache über die gegen. feitige Angleichung des Schulwelens, die feit langem vorbereitet und angebahnt wird. Lebhaft bedauert wurde, daß in beiden Staaten die Schulgesetze den einzelnen Ländern sehr großen Einfluß auf die Schule zulassen. Immerhin besteht auf beiden Seiten die staatliche Schulaufsicht, die viel für die Angleichung tun fann. Das Unterrichtsministerium in Wien hat bereits vor zwei Jahren vorgeschrieben, daß im Geschichtsunterricht die Geschichte des Deutschen Reiches nicht nur gleich berechtigt, sondern zugrundezulegen ist. Der Jugend austausch wird seit vier Jahren in stets wachsendem Umfang mit immer größerer Bolkstümlichkeit und Begeisterung gepflogen. Längerer Studienaustausch der Lehrer bleibt anzustreben. Der Deutschösterreichische Lehrerverein ist schon 1920 dem( Reichs-) deutschen Lehrerverein beigetreten und die Zusammenarbeit wird immer stärker. Lebhafte Anerkennung fand die vorbildliche Wiener Schulreform, das Wert unseres Genossen Otto Glödel. Eine Vertreterin des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen vereins berichtete von lebhaftem Gedankenaustausch mit den Wiener Kelleginnen. Schließlich wurde der Volksbundvorstand ersucht, die gemeinsame Schularbeit energisch weiterzuführen. Bei der offiziellen Begrüßung am Abend in dem großen Reichstagsfaal sprach für den von Berlin abwesenden Genossen Löbe Geheimrat Mellmann, der zuerst des verstorbenen Franz Klein gedachte. Die Versaminlung erhob sich zum Andenken des Verblichenen. Alle Reden des Abends galten der von beiden Völkern gewünschten Wiedervereinigung. Zum Schluß trug in der Ruppelhalle A. M. Topik Schuberts legten Liederzyklus, den Schwanengefang", meisterhaft vor. Heute und morgen find die Lehrer Gäste der Magistrate Berlin und Potsdam. Ein Rattenkönig von Spritschieberprozeffen. Mit dem am nächsten Montag, den 12. April, unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Dr. Schulze vor dem großen Schöffengericht Mitte beginnenden Bestechungsprozeje gegen Kriminalfom= missar Peters und Genossen, dessen Dauer auf mindestens acht Wochen berechnet ist, werden fortab die Moabiter Gerichte bei fämtlichen brei Landgerichten bis Ende dieses Jahres und vielleicht auch noch darüber hinaus unter dem Zeichen DoIt Spritfchieberprozessen stehen. Alle Prozesse, wie auch der Be ftechungsprozeß Peters und Genoffen, stehen im Zusammenhang mit der Affäre Spritmebers, obwohl die beiden Haupturheber, Her mann und Heinrich Weber, hierfür nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Bekanntlich waren beide nach der Tschechofomatei geflüchtet, von wo sie nicht ausgeliefert werden. Die Anflage steht auf dem Standpunkt, daß die Riefenmengen unrechtmäßig vermenbeten Sprits in die Millionen Liter gingen und Mil. lionenbeträge von Steuerstrafen in Frage tommen, In diese Verfahren sind eine ganze Reihe von 3011. beamten wegen Bestechung und Begünstigung verwickelt, weil es nach Ansicht der Antlagebehörde nur mit Hilfe von Bestechungen möglich geworden sein fönne, derartige ungeheure Spritmengen zu veruntreuen. Gegen die Gebrüder Weber ist außerdem Anklage wegen Brandstiftung erhoben worden. Die Anflage geht davon aus, daß Generaldirektor Hermann Weber das große Stahnsdorfer Spritlager der ihm gehörigen Deutschen Spirituosenwerke und der Süddeutschen Wein und Spirituosenvertriebsgesellschaft im Werte von etwa 3 Millionen Mart in Brand gesteckt haben soll Das Ende eines rasenden Motorfahrers. Der in Alt- Langerwisch bei Michendorf wohnende Motorradfahrer Rieburg, der allgemein als„ Kilometerfresser" bezeichnet wird, fuhr wieder einmal in wahnsinnigem Tempo die Chauffee nach Botsdam entlang. Ohne die Geschwindigkeit zu mäßigen, war er dicht am Potsdamer Schlachthaus, wo die Chaussee einen großen Bogen macht, angelangt, als von ent gegengesezter Seite ein Personenauto angefahren faum, auf das R. mit aller Gewalt auffuhr. Der Anprall war so start, daß Kie. Saltomortale auf die Chaussee geschleudert wurde, wo er bewußtlos liegen blieb. Der durch seine eigene Schuld verunglüdie Fahrer wurde nach dem Potsdamer Krankenhaus gebracht, doch dürfte er faum, da er sehr schwere innere Berlegungen davongetragen hat, mit dem Leben davonkommen. Die Chauffee PotsdamMichendorf ist überhaupt als Tummelplag der Automobilbefizer berüchtigt, die sich nur deshalb so sicher fühlen, weil von einer polizeilichen Kontrolle auf dieser Chaufice nichts zu merten ist. Zur Auffindung der Leiche der Frau Jurjewskaja. Der Gatte der Frau Jurjemitaja, v. Bremer, hatte am gestrigen Dienstag seine Reise an den Fundort der Leiche feiner Gattin noch nicht fortgefeht, sondern weilte zunächst in Berlin, um hier alle Borbereitungen für die Ueberführung der Seiche und ihre Einäscherung zu treffen, die nach seinem Wunsche in Berlin er folgen foll. Erst nach Erledigung aller Formalitäten wird Herr p. Bremer nach Andermatt abreisen. Im Falle einer Berzögerung feiner Ankunft besteht die Möglichkeit, daß die Leiche der Sängerin zunächst in Andermatt porläufig beigesetzt wird, da der Zustand des Körpers, der in den letzten Tagen nach Eintritt des Taumetters im Wasser gelegen hat, eine längere Aufbahrung nicht gestatten dürfte. Die Meldung, daß Herr v. Bremer am gestrigen Dienstag nach mittag noch einmal von den zuständigen Stellen der Berliner Polizei über die Begleitumstände des Selbstmordes feiner Gattin ver nommen worden ist, entspricht nicht den Tatsachen. Für die Berliner Polizei, die sich damals nur im Hinblick auf das mysteriöse Verschwinden der gefeierten Künstlerin mit der Angelegenheit be. schäftigte, hatte sich bereits nach Abschluß der seinerzeit vorgenommieSelbstmord vorliege. Irgendein Anlaß, Herr v. Bremer noch eins nen Bernehmungen der Standpunkt ergeben, daß zweifelsfrei ein mal protofollarisch zu vernehmen, besteht heute, zumal nach den am Fundort der Leiche getroffenen Feststellungen, feineswegs. Mit dem Sonderzug nach Hamburg. Die Reichsbahndirektion hat mit der Veranstaltung von Sonder fahrten mit Breisermäßigungen wieder begonnen. Zu Ostern fuhren zwei Sonderzüge nach dem Riesengebirge und nach Hamburg. An der Fahrt nach Hamburg beteiligten sich mehr als 1000 Reifende. Im D- Bugs- Tempo gings durch Städte und Dörfer, und in 5 Stunden war Hamburg erreicht. Nachmittags wurde der Hagenbedjche Tierpart und die Stadt besichtigt. Starkes Intereffe riefen die Brachtbauten der Hamburger City, Die gewaltigen Bauten der modernen Geschäftswelt, hervor. Am zweiten Tage wurde eine Hafenrundfahrt veranstaltet. Mit regem Interesse wurden die mäch tigen Hellinge( Eisengerüfte), Dods und die Dzeandampfer selbst besichtigt. In Blankenese, dem schönsten Ausflugsort der Hamburger, murde angelegt. Ein Ausflug in die herrliche Umgebung bildete den Abschluß. Die Organisation der Fahrt selbst jedoch ließ viel zu wünschen übrig. Unter allen Umständen muß ein ver Sil um Bleichen- ohnegleichen! Das herrlichste Schneeweiß erhält jede Wäsche durch Kochen mit Sil. Hervorragen des Fleckentfernungsmittel. Sil spart Seife und ersetzt jede besondere Bleiche Ohne Chlor antwortlicher Führer für eine folche Fahrt vorhanden sein und es darf nicht mehreren Organisationen die Leitung übertragen werden. Die Eisenbahn darf nicht vergessen, daß die Sonderzüge benutzt merden, meil diefe Beranstaltungen für den Reisenden Erleichterungen 3. B. in der Beschaffung von Quartieren bieten. Vor allen Dingen muß der Reisende vor Tepp geschützt werden. Wenn jemand aus Sparfamfeitsgründen nach Hamburg 4. Klasse fährt, dann will er nicht für ein Zimmer 4,75 Mart bezahlen. Es muß versucht werden, mit billigeren Mitteln troßdem Gutes zu schaffen. Notleidende Artisten! 3ur Linderung der Reilage der erwerbslosen Artisten ver anstaltet die Internationale Artiſtenloge bis zum 15. April täglich abends& Uhr( Sonn- und Feiertage auch nachmittags 4 Uhr) im Flora Barieté, Schöneberg, Hauptstr. 144, sogenannte Notstandsvorstellungen. Es wird in diesen Vorstellungen bei ganz niedrigen Eintrittspreisen wirklich das Beste vom Besten auf dem Gebiete der Barietétunst geboten. Das Programm umfaßt eine ftattliche Anzahl Darbietungen auf sämtlichen Gebieten der Artistik. Die 2 Travellis find Menschen von einer Biegsamfeit und Gelenfig feit, als hätten sie überhaupt feine Knochen im Leibe. Arme und Beine find bald oben, balb unten( verschlungen, gekreuzt und jeder einzelne Körperteil arbeitet scheinbar total unabhängig für sich allein. Die 3 Rämblers jonglieren meisterhaft und lassen zum Schluß einen ganzen langen Tisch entlang eine Reihe Porzellanteller tanzen, alle im gleichen Taft, in gleicher Geschwindigkeit, und gleichzeitig hören fie alle wieder auf. Sylvia et Harry Otar find Universalfünstler in wahrsten Sinne des Wortes. Er malt in rasender Geschwindigfeit, unter anderem auf einer sich fortwährend drehenden Palette, dann auf Glas die wunderhübschesten Studien, während sie luftige Raptimes und füße Lautenliedchen zu Gehör bringt. Mag Ree, der befannte Vortragskünstler, rezitiert Ernstes und Heiteres ganz erklassig und gebenft zum Schluß in warmen Worten seiner Kol legen. Die 6 Areonis spielen Barieté im Barieté, eine lustige Szene in höchfter afrobatischer Bollendung. Dann gab es eine allerliebste Schweinerei". Smeerlapes dressierte Schweinchen, die in fomischster Drolerie sprangen, schaufelten, Auto fuhren und schließlich allesamt Rutschbahn rutschten. Die 2 Gezettys führen ihre Firma die lebenden Gummibälle" mit vollstem Recht. In elegantester Aufmachung, in Hut und Stod, vollführen sie, stets scherzend und den Schelm im Nacken, die schwierigsten Kunststücke, fast ohne den Boden der Wirklichkeit" zu berühren. Und so gibt es noch vieles andere. Mit lachenden Mienen, voll Uebermut vollführen alle diese mirflichen Künstler ihre schwere mühsame Arbeit! Ungeachtet der vorangegangenen ungeheuren Anstrengung des ständigen Trainings, ungeachtet des Nervenverbrauchs, aller sonstigen Strapazen und ungeachtet der fortwährenden Lebensgefahr! Sie jetzen alles, alles aufs Spiel, um euch zu ergögen, fie achten nicht ihrer vielen trüben, schweren Stunden, sie wollen euch bloß helfen, die eurigen zu vergessen! Helft ihnen, sie verdienen es. Wilhelm macht sich populär. Der Briefetal- Bote", ein Blättchen, das in Bitfenwerder an der Nordbahn erscheint, bringt in seiner Nummer 48 folgende Notiz: Anläßlich der 25. Wiederkehr des Hochzeitstages wurde Herrn Gemeindegärtner Ernst Schulz von hier eine seltene Chrung zuteil. Herr Schulz, der jetzt im 50. Lebensjahre steht, war vor ungefähr 25 Jahren am Hofe als Tafeldekorateur tätig. Am Montag, den 15. dieses Monats, erhielt er nun vom ehemaligen Kaiser ein Brustbild, seine neueste Aufnahme, mit eigenhändiger Unterfchrift. Gleichzeitig wurde ihm ein Glückwunschschreiben vom Hofmarschallamt zugestellt, in dem man nochmals für die da maligen treuen Dienste dankte. Es war dem Gratulanten jedoch nicht bekannt, daß Herr Schulz die Feier seiner Silberhochzeit nicht mehr begehen konnte, da bereits vor einem Jahre seine Gemahlin durch den Tod abberufen wurde. Bielleicht geht Wilhelm mit solchem Gratulationssystem nach der Ratastrophe auf Untertanenfang" aus und warum soll es schließlich in Birkenwerder, 45 Minuten von Berlin, nicht noch folche geben die seinem Brustbild mit eigenhändiger Unterschrift nicht widerstehen fönnen, auch wenn einer der Jubilare nicht mehr unter den Lebenden weilt. Jermißt wird seit dem vergangenen Donnerstag der 60 Jahre alte Reftor der 1. Gemeindeschule in Adlershof, Baul Krause, ein verheirateter Mann. Krause, der seit einiger Beit sehr nervös und schwermütig war, ging um 11 Uhr bor mittags aus seiner Wohnung weg und ist seitdem verschwunden. Der Vermißte ist 1,72 m groß, hat graugemischtes Haar, einen geftuzten Schnurrbart, etwas schadhafte Zähne und sieht auffallend bleich aus. Seine silberne Anferuhr, den goldenen Trauring und die goldene Brille hat er mitgenommen. Mitteilungen über feinen Berbleib an die Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium. Ein großes Schadenfeuer lam in der Welbetfabrik von bruch. Große Mengen Samtstoffe, die in durch drei Etagen hinMengers& Söhne in der Köpenider Str. 18/20 zum Ausdurchgehenden Räumen zum Erodnen aufgehängt, waren aus bisher noch unbekannter Ursache in Brand geraten. Gegen 4 Uhr wurde das Feuer bemerkt und die Behr alarmiert. Etwa 1 Stunde lang wurde aus vier Rohren Waffer gegeben. Der Sachschaden foll fehr groß sein. Ein Schwindler? In Berlin ist vor einigen Wochen ein an geblicher Direktor Frig Ebeling aufgetaucht, der Stände im Freibad Wannsee verpachtet und zum Teil erhebliche Anzahlungen genommen hat. Ein Auftrag ist ihm von der Freibad Wannsee G m. b. H. nicht erteilt worden, da diese die Verpachtungen selbst vornimmt. Es dürfte sich hierbei um einen Schwindler handeln. Zu der Ehefragödie in der Fregestraße wird mitgeteilt, daß der 3mist nicht aus geschäftlichen Schwierigkeiten hervorgegangen ist, wie es zunächst hieß, nach den weiteren Ermittlungen vielmehr aus der Eifersucht der Frau Stolle. Der blutige Schlußaft des Dramas spielte sich ab, nachdem das Ehepaar bei Verwandten an einer Geburtstagsfeier teilgenommen und eben erst nach Hause zurückgekehrt mar. Frau Stolle schoß hinterrücks auf ihren Mann, während er sich ent fleidete, um zu Bett zu gehen, und tötete sich selbst durch zwei Brustschüsse, nachdem er vor ihren Augen zusammengebrochen war. Stolle liegt noch vernehmungsunfähig danieder. Neue Sprachfurse des Genossen Unilower, Berlin. 57, Kurfürstenstraße 21/22, linler Seitenflügel II. Englisch für Anfäng Dienstag und Freitag, abends 7-9, Uhr. Französisch für Anfänger Mittwo und Sonnabend, abends 72-9% Uhr. Beginn am 12. bzm. 13. April. Borherige Anmeldung erwünscht. Auskunft Mittwoch, Donnerstag und Freitag nach Ostern, abends 7-8 Uhr. Englischer und franzöfifcher Abendunterricht. In der tommenden oche und Französisch sowohl für Anfänger als auch für Teilnehmer mit Borbeginnen die für das Sommerhalbjahr geplanten Abendturfe in Englisch kenntnissen. Anmeldungen am Mittwoch, den 7. und Donnerstag, ben 8. April, abends von 6-8 Ubr, in der Schule Gipsstr. 23a, Zimmer 18. Sprachschule für Proletarier. Amerikanische Arbeitsmethoden in Deutschland ie Amerikaner erfanden neue Arbeitsmethoden welche die Leistung und zugleich die Freude an der Arbeit erhöhten. Se schufen Einheits Typen, auf welche sie die ganze Kraft eines Grossbetriebes kon zentrierten. Man liest so oft wie notwendig es sei, die deutsche Wirtschaft nach diesem Muster umzuformen.daß es uns wohl erlaubt erscheint, hiermit bekanntzugeben PEAU projektierber Erweiterungsb Unfere STAMMFABRIK in TRIER mit fast 2000 Menschen ist( nach erfolgtem Ausbau unseres Hamburger Betriebs) auf die Fabrikation einer einzigen Zigarette- der Marke„ OVERSTOLZ" umgestellt. Alle fachlichen und kauf männischen Einrichtungen eines ganz modernen Grossbe triebes sind auf diese Einzelleistung zugeschnitten.Die grosse Wirtschaftlichkeit unserer OVERSTOLZ FABRIK drückt sich aus in der QUALITAT unserer Zigarette. Während wir uns freuen dürfen des immer ste genden Verbrauchs, kann der Raucher sich erfreuen an dem guten reinen Geschmad unserer OVERSTOLZ Deutschlands meistgerauchter 5 Pfg. Zigarette * Maus Neuterbury offene Handels Gesellschaft Der Raucher darf nicht glauben, dass wir durch diese grosse Anzeige gegen das Prin zip der Wirtschaftlichkeit verstossen. Zwar ist diese Anzeige teuer, aber wir haben bisher die Erfahrung gemacht, H N CRESCE A GAUS NEUERBURG BRO Hamburg Dresden dass durch wahrheitsgemässe Aufkla rung der Prozentsatz unserer Reklame kosten nicht steigt, sondem sinkt weil immer neue Abnehmer auf ein gutes Fabrikat aufmerksam werden Arbeiter Sport Sport zu Ostern. Die Zeit um Ostern ist stets der Zeitpunkt gewesen, an dem der Sport aus den Winterquartieren ins Freie zog. Natürlich gehts schon vorher hinaus, wenn die Witterung es erlaubt; die Feiertage find dann aber meist für den offiziellen Anfang, das Anturnen, Anfahren, Anrudern, Anpaddeln, Ansegeln, bestimmt. Wenn je das Wetter den sportlichen Unternehmen günstig war, so am Sonntag und Montag. Herrlichster Sonnenschein und milde, warme Luft begünstigten die Turnspiele und die Wanderfahrten ganz außerordentlich. Die Sportplätze unserer Arbeiterturn- und Sportvereine sind allenthalben vorzüglich im Stande, so daß zu Ostern voller Betrieb herrschte. Unsere Wanderorganisationen, die Jugend der Partei und der Gewerkschaften, unternahmen nicht nur die gewohnten Exkursionen in die nähere Umgebung Berlins, sondern schlossen sich zu Gemeinschaften zusammen, die die längere Arbeitspause zwischen Gründonnerstag und drittem Feiertag dazu benuzten, um Thüringen, Mitteldeutschland, die sächsische Schweiz, den Harz oder ähnliche reizvolle Gegenden aufzusuchen. Die Fußballer hatten nach dem vielen Schnee und Regen trodene Plätze. Sie beherbergten auswärtige Gäste, um an ihnen ihre Kräfte zu messen. Der Wassersport fand ideale Berhältnisse. Begünstigte der erste Feiertag mehr die Bootsarten, die von Menschenhand betrieben werden müssen, so brachte der Ostermontag den Seglern den herrlichsten Wind. zu ihrem Leibwesen mußten viele Bootseigner, die mit den Arbeiten an ihrem Boot noch nicht ganz fertig waren und infolgedeffen die Winterquartiere noch nicht verlassen konnten, feststellen, daß sie mindestens zwei wertvolle Tage verloren hatten. Besonders die größeren Boote lagen noch in erheblicher Zahl in den Schuppen. Ihre Besizer trösteten sich mit Wischer, Ziehtlinge, Ladtopf und Farbenpinsel über die Feiertage hinweg, nicht ohne wehmutsvolle Blicke den kleinen Jollenseglern nachzuwerfen, die schon die feiertäglichen Windströme ausnuten konnten. In den Bootshäusern der Ruderer und Paddler fehlte faum einer. Das Hochwasser besonders auf der Havel ließ allerdings noch manchen Landungsverfuch an gewohnten Stellen scheitern. Deshalb scheiterten aber absolut nicht die Fahrten selbst, oder gar die Boote. Sonnenschein und warme Luft brachten den Sportlern Erholung und Auffrischung, wenn auch die Frühjahrslüfte den weniger Trainierten leichter zu ermüden pflegen. Der erste Bewegungstag nach langer Ruhepause fordert eben erhöhte Anspannung, was auch die frisch geröteten Gesichter beweisen. Ein Propagandatag des ARB. ,, Solidarität“. Zu einer größeren Veranstaltung hatte der Gaubund. Dst, zu welchem die Baue Niederschlesien, Oberschlesien, Brandenburg und Dstsachsen des Arbeiterradfahrerbundes Solidarität" gehören, seine Mitglieder zu Ostern nach Berlin gerufen, um die Gaubund= meisterschaften im Saalsport auszutragen. Schon am Freitag trafen im Gewerkschaftshaus, wo der Quartierausschuß einen Siz hatte, die auswärtigen Gäfte in größerer Zahl ein. Der Uuftakt zu der Hauptveranstaltung bildete der am Sonnabend abend im Saalbau Friedrichshain abgehaltene Empfangstommers. Ein ausgezeichnetes Programm, das Sänger, Turner und Mitglieder der Internationalen Artiſtenloge bestritten, hielt die Gäste bis in die späte Abendstunde zusammen. Am Sonntag morgen B Uhr nahmen die Vorfämpfe ihren Anfang. Jugend, Damen und Kunstfahrer kämpften in großer Zahl um die Meisterschaft. Den Schluß der Borkämpfe bildeten die Ausscheidungsfämpfe der Radballspieler. Daraufhin wurden die Vorbereitungen für die vorgesehenen Feftzüge getroffen. Auf den Startplägen im Humboldthain und im Treptower Park begann schon vor 2 Uhr ein reges, buntes Treiben. Ortsgruppe auf Ortsgruppe rückte mit ihren Bannergruppen heran. Üm 2 Uhr sehten sich die Züge aus über 3000 Teilnehmern bestehend in Bewegung und zogen durch den Osten bzw. den Norden dem Festplatz zu. Die Züge, die burch Gruppenbauten, unter denen wir besonders die Gruppe" Das Rab im Boltsleben" als besonders gelungen hervorheben wollen, ein besonders festliches Gepräge erhielten, wurden in allen Straßen von der spalierbildenden Bevölkerung lebhaft begrüßt. Die Züge trafen um 4 Uhr auf dem Sportplatz ein, wo dann Massenvorführungen gezeigt wurden. Ein prächtiges Bild bot der 120er- Reigen, eine Glanzleistung des Bausportausschuffes. Das Rasenrabballspiel zwischen den Mannschaften Reinickendorf und Groß- Lichterfelde hielt eine tausend töpfige Zuschauermenge in Spannung. Das um 7 Uhr beginnende Hauptprogramm im Saalbau Friedrichshain wurde eröffnet durch einen gut gelungenen 16er- Begrüßungsreigen der Berliner Mannschaft. In bunter Reihefolge mechselten Schul, Kunst und Farbenreigen und Kunstfahren. Beifällig wurde der imposante Aufmarsch der Bannergruppen und die Auffahrt der beteiligten Saalmannschaften aufgenommen. Der Gauleiter nisch( Berlin) begrüßte die Gäste und wies in seinen Worten auf die Bestrebungen des ARB." Solidarität" hin. Den Schluß des Programms bildete das Entscheidungsradballspiel und ein Tanzfest. Die Veranstaltung war ein würdiges Fest der Arbeiterradfahrer. a Sport und Körperkultur vor Gericht. Wie alle Erscheinungen des Lebens, so werden auch Körperfultur und Sport hin und wieder vor die Schranken des Gerichts zitiert. Die Fußballsportler dürften z. B. zwei Urteile interessieren, die vor kurzem von Richtern in Wien gefällt worden find. Im ersten Falle wurde bei einem Wettspiel dem Stürmer einer der Mannschaften ein so heftiger Fußtritt versetzt, daß ihm das Schienbein brach. Der Verlegte behauptete, daß der Fußtritt nicht durch die Heftigkeit des Spiels, sondern durch Feindselig feit zu erflären sei. Der Täter bestritt dies. Die Zeugen befundeten, daß das Spiel äußerst scharf gewesen sei. Die Anhänger des Täters hätten ihm mehrfach zugerufen: Tritt ihm eins auf die Hosen! Da erfolgte der Fußtritt. Andere Zeugen hatten aber nicht diesen Eindrud gewonnen. Das Urteil lautete cuf 1 Monat haft mit Bewährungsfrist. Im zweiten Falle stießen zwei Spieler so scharf aneinander, daß sie zur Erde fielen und einer eine Gehirnerschütterung davontrug. Der andere wurde wegen fahrlässiger Körperverlegung angeflagt. Diesmal erfolgte ein Freispruch! In zwei anderen Fällen saß die Nackttultur auf der Anflagebant. Am Tegernsee in Bayern hatte der Bund der Licht freunde" eine Bundestagung. Es war sonniger Sommertag. Durch Vorhänge grenzten die Lichtfreunde ein Stück Gelände ab und ergößten sich nun im Adam- und Eva- Kostüm, an Spiel und Tanz. Durch eine eifersüchtige Ehefrau(!), deren Mann dabei war, veranlaßt, nahmen Gendarme ergernis. Nachdem sie die Herrfchaften notiert hatten, ließen sie den Nackten ihr Vergnügen. Das Gericht verurteilte zwei Teilnehmer zu 150 m., die übrigen zu je 100 M. Geldstrafe. Waren nun die Höherbestraften die„ Rädelsführer" oder sind die anderen weniger nadt gewesen? In Leipzig standen vor den Richtern 33 Mitglieder verschiedener Naditulturbünde. Der Strafantrag lautete auf" gro ben Unfug". Die Angeklagten hatten auf dem von ihnen gepachteten Gelände ihren Grundfäßen gemäß Turnübungen in unbekleidetem Buftande ausgeführt und dergleichen mehr Unfug getrieben. Der Play war gegen lüfterne Blide Neugieriger geschüßt. Die Haupt amtmannschaft hatte den Platz genehmigt. Die Einwohner der um " liegenden Dörfer nahmen aber Anstoß und reichten Beschwerde cin. Das Amtsgericht erließ Strafbefehle in der Höhe von 10 bis 20 M. Die Angeflagten erhoben Einspruch, beriefen sich auf die umfangreiche Literatur über die Nactfultur, auf einen Werbefilm, dem auch Mitglieder des Straffenats Beifall gezollt hätten, und auf die Körperkulturausstellung in Leipzig, die von städtischen Behörden, Das Urteil die Körperfulturausstellung in Leipzig, die von städtischen Behörden, Polizei, Richtern und Schulen besucht worden war. lautete auf Freispruch. In Bayern wurden die Nadtfulturleute verurteilt, in Leipzig freigesprochen. Was ist nun Recht? Sportliche Werbetätigkeit." Dem Arbeitersport stehen seit Begründung der Republik weite Werbemöglichkeiten offen, von denen ober nur teilweise und oft noch in ganz ungeeigneter Weise Gebrauch gemacht wird. Die Sportfeste der Vereine weisen zumeist nur ein Stammpublikum auf, das sich aus Angehörigen und alten Freunden des Arbeitersports rekrutiert. Wenn der Arbeitersport aber wirklich in neue Kreise eindringen will, so zeigt sich alter konservativer Geist, der das Beschreiten der neuen Wege mit fünstlich ausgelegten Para graphen hindert. Mit dieser ängstlichen Bureaukratie sollte endlich Schluß gemacht werden. Eine ganz besonders wirkungsvolle und in dem Arbeitersport bisher noch indifferent gegenüberstehende Kreise eindringende Werbetätigkeit fönnten zum Beispiel die kommunalen Sportwerbewochen sein. Es wäre sogar Pflicht, daran teilzunehmen, weil durchaus die Möglichkeit entsprechend den zentralen Bestimmungen besteht, die Vorführungen getrennt Dom bürgerlichen Sport, zu besonderen Zeiten, stattfinden zu lassen. Aber dieser Möglichkeit wird mit allen möglichen Winkelzügen aus dem Wege zu gehen versucht, und wenn gar fein Ausweg mehr bleibt, so verlangt man von den sozialistischen und kommunistischen Stadtvätern, daß die kommunale Beranstaltung nur für den Arbeitersport abgehalten wird, da wir ja zurzeit eine kleine Majorität in der Stadtverordnetenversammlung haben. Als ob man dadurch den zahlenmäßig noch ziemlich starken bürgerlichen Sport aus der Welt schaffen könnte, wenn man ihn der gleichen Unterdrückung unterwirft, wie es in der Borkriegszeit dem Arbeitersport geschah. Im Arbeitersport find sicher gute organisatorische Kräfte vorhanden, die der bürgerlichen Veranstaltung ein würdiges Arbeitersportfest gegenüber. stellen fönnten mit Massenbeteiligung der gesamten Arbeiterschaft. Mannschaftsmeisterschaften des UAB. Am Montag fanden in den Prachtsälen am Märchenbrunnen am Friedrichshain die End kämpfe um die Meisterschaft Wie immer des Berliner Kreises des Arbeiterathletenbundes statt. = war die Veranstaltung gut besucht. Im Heben hatten sich von den 12 Mannschaften des Kreises die Vereine Nordwest und Lich= tenberg Friedrichsfelde für den Endkampf qualifiziert. Beide Mannschaften traten mit je sieben Mann an, und es gab bei diesen Kämpfen recht spannende Momente. Der SV. LichtenbergFriedrichsfelde, welcher bereits 1925 den Meistertitel im Heben an fich bringen fonnte, blieb auch diesmal mit 340,7 Punkten sieg= Eine besonders anerkennenswerte Leistung vollbrachte reich. Kehr, der 250 Pfund frei umsetzte und stieß. Nordwest erreichte nur 326,8 Punkte. Eine gute Leistung zeigte auch Krüger, der bei einem Körpergewicht von nur 130 Pfund beidarmig 170 Pfund riß. Im Ringen trafen zwei alte Rivalen aufeinander, nämlich Nordwest und Berolina. Beide Vereine stehen schon seit Jahren an der Spize des Ringsportes, und gerade ihre Begegnungen bilden immer den Höhepunkt in den Mannschaftskämpfen. 1925 gelang es Berolina, Nordwest mit nur einem Punft Borsprung zu schlagen. Auch bei diesen Kämpfen ging es wieder recht hart zu. In sieben Gewichtsklassen wurde hin und zurück gerungen, und der Klub Berolina, der die ersten Ringer in seinen Reihen hat, fonnte mit 17:11 Buntten einwandfrei fiegen und somit die Kreismeisterschaft für 1926 an sich nehmen. Im Boren hatten sich Lurich 02 und Nordost als Gegner für die Endfämpfe herausgeschält. Beide Vereine standen sich zum erstenmal gegenüber. Auch hier wurde teilweise guter Sport geboten. Die Curich- Mannschaft hatte aber in ihren Reihen die technisch befferen Borer, was auch in dem Resultat mit 10: 6 Punkten für Lurich zum Ausdrud fam. So begrüßenswert die Absicht der Arbeiter. sportvereine, ein möglichst reichhaltiges Programm zu bieten, ift, sollte man doch in Zukunft vermeiden, Veranstaltungen dieser Art, die um 7 Uhr abends beginnen, bis 1 Uhr nachts auszudehnen. Arbeiterfamarifer und Reichsgesundheitswoche. Der Arbeiterfamariterbund wird sich an der Reichsgesundheitswoche, die das Reichsministerium des Innern in der Zeit vom 18. bis 25. April veranstaltet, mit allen seinen Kolonnen beteiligen. Raum eine andere Organisation dürfte zur Verwirklichung der Idee einer Reichsgesundheitswoche so geeignet sein wie der ArbeiterBerrichtet er doch durch Abhaltung seiner Kurse samariterbund. sowie durch Vorträge ununterbrochen eine Aufklärungsarbeit in den breifen Massen des Bolkes, wie sie sonst niemand beschieden ist. Trotz der im allgemeinen Interesse liegenden Veranstaltung gibt es eine Anzahl Gemeinden, die die Beteiligung an der Reichsgesundheitswoche ablehnen. Die Arbeiterfamariterkolonnen werden auch dort in Gemeinschaft mit den anderen Arbeiterverbänden die Reichsgesundheitswoche zur Durchführung bringen. Offerfußballspiele. Am ersten Feiertag waren ungefähr 500 Ruschauer Reuge eines äußerst fairen und flotten Spieles Stralau gegen Balhalla- Stettin. Stralau hat Anftok, verliert aber ben Ball fofort an die Stettiner, die aber nicht gefährlic werden können. Den Abstoß fängt Stettins Mitte ab, und scharf feat der Ball aufs Tor, wo der Torwart von Stralau gerade noch im legten Augenblid abwehren kann. Jekt geht Stralau vor, und zu aller Ueberraschung fikt in der 6. Minute der Ball im Neh. Stettin läßt aber nicht Ioder. Sofort geht es wieder nach vorn. Der Tormart Stralaus muß des öfteren rettend eingreifen. In der 12. Minute fann Stralau im Gedränge vor dem Stettiner Tor zum zweiten Tor einsenden. Es wurde aber dieses megen abseits nicht gegeben. Stralau läßt icht etwas nach: Stettin benust diefe Gelegenheit, um den Ausgleich herbeizuführen. Der Torwart hält aber alles. In der lekten Biertelstunde wird Stralau wieder munter, und in der 39. Minute gelingt Aber etwas anders müßte ein solches Fest freilich aussehen, als wie es bisher zum Beispiel bei den Stadionfesten des Kartell. Derbandes für Arbeitersport und Körperpflege üblich war. Man will eben ein bißchen Mostauer Propa ganda mit Aufzügen des Roten Frontfämpferbundes und ähnlichen Gebilden machen, weil das mit zum Programm der KPD.Sportfraftionen gehört. Und da man weiß, daß bei dieser Aufmachung einer wirkliches Ronkurrenzfest gegenüber dem bürgerlichen Sport unmöglich ist, verzichtet man lieber ganz auf die Teilnahme an kommunalen Veranstaltungen und schimpft dafür auf die sozialdemokratischen Stadtväter, die fommunale Sportfeste ihnen der zweite Treffer. Stettin hat Anstok, und bevor es sich bie Stralauer mit Bürgerlichen veranstalten. Aber Daß nicht nur Kartellfeste, sondern auch Vereinsveranstaltungen oftmals start tommunistisch aufgezogen werden, zeigte sich fürzlich bei einer Jugendveranstaltung der Freien Turnerschaft Lichtenberg Friedrichsfelde. Der sportliche Teil wirfte durch gute Darbietungen außerordentlich werbend. schon die Begrüßungsworte zeigten den Anwesenden, wohin der Weg geht. Die russische Sportausübung wurde als Muster" der deutschen gegenübergestellt, da letztere in der Hauptfache durch behördliche Unterstützungen dem bürgerlichen Sport zu gute fomme. Dann trug ein mit Sowjetabzeichen geschmückter Gast das Gedicht„ Straße frei" vor, und ein Festredner als Rezitator folgte mit dem Gedicht Petersburg"(!?), enthaltend eine Ver himmelung Lenins. Den Schluß bildete ein Sprechchor, der auch wieder Sehnsuchtsschreie nach Rußland ausstieß. Daß bei dieser Jugend- Märzfeier" fein Wort von den alten Borkämpfern des deutschen Proletariats, auch nicht ein zeitgemäßes auf ilhelm Liebknecht, gesprochen wurde, sei nur nebenbei erwähnt. Solche Arbeitersportfeiern die in manchen Vereinen die Regel bilden, fönnen natürlich nicht werbend, sondern nur ab stoßend auf die große Masse, insbesondere auf die sozialdemofratische Arbeiterschaft, wirken. " Auch in Groß- Berlin muß, wie sonst fast überall in der deutschen Republif, endlich den Moskauer Jüngern durch ein etwas ener gifcheres Vorgehen flar gemacht werden, daß diese Barteipropa ganda nicht mehr geduldet wird. Wenn die Arbeitersportler fich offen dagegen wehren, wird dieser Unfug bald verschwinden. Die Gewinnung Fernstehender und der Kampf gegen den bürgerlichen Sport hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Hebung der Volksgesundheit nach den allgemeinen sozialistischen Grundsätzen das alleinige Programm bildet. Wenn allen anders gearteten Tenbenzen ein entschiedenes Baroli geboten wird, dann werden wir auch zu wirklichen Werbefesten für den Arbeitersport kommen. Kreismeisterschaft im Geräteturnen. Am Karfreitag fanden in der Zentralturnhalle die Geräte wettkämpfe des 1. Kreises unter großer Beteiligung von Zu schauern statt. 20 der besten Turner und 25 Turnerinnen stellten fich zu den Wettkämpfen um die Kreismeisterschaft zur Verfügung. = = Bei den Männern traten an erster Stelle die bekannten besten Turner Schmidt Fichte, Schneider Neukölln und GuzowFTGB. in Konkurrenz, von denen ersterer die höchste Punktzahl erreichte, während bei den Bezirkswettkämpfen Gutzow den Vorrang hatte, der aber diesmal die Freiübung verdarb. Auch Wilmersdorf und Eberswalde zeigten vorzügliche Leistungen. Die Turnerinnen bewiesen durch ihre Vorführungen, daß fie neben der rhythmischen Gymnastik auch das Geräteturnen sehr gut beherrschen. Immerhin muß gesagt werden, daß der Nachwuchs an jungen Kunstturnern sehr gering ist, so daß die alte Schule immer noch die Führung hat. Eingerahmt wurden die Wettkämpfe durch Sondervorführung der Turnerinnen der FIGB. und von Weißenfee, fomie der Kreisschule, die gute Wirkung erzielten. Resultate: Turnerinnen: 1. S. Förster( Fichte 12) 237 Punkte. 2. Schmidt ( Fichte 9a) 236. 3. Markscheffel( Lichtenberg) 227. 4. Lattermann( Lichtenberg) 226. 5. Biler( Fichte 2) 225. 6. Kramer( Fichte 9a) 221. 7. Söfchler( Fichte 9a) 8. Selmich( Lichterfelde) 212. 9. Münchenhagen( Lichtenberg) 211. 10. Spielvogel( FTGB.- Oft) 210. 11. Sennig( Fichte 2) 210 Bunkte. Es ist babei ausdrücklich zu beachten. daß es für jeden Teilnehmer als gute Leistung au bezeichnen ist, wenn über 200 Punkte erreicht werden. Turner: 1. Schmidt ( Fichte 9) 253 Buntte. 2. Schneider( Neuköln) 246. 219. besonnen haben, sendet Salblinks ein. Bause: 2: 1. Nach Salbzeit legt Das Stralau ein flottes Tempo vor, um die Stettiner zu überrumpeln. gelingt ihnen auch teilweise, denn schon nach 10 Minuten töinen sie den britten Erfolg buchen. Dadurch scheint sich Stralau feines Gieges bewußt zu fein. Stettin gibt sich aber noch nicht geschlagen. Angriff auf Angriff erfolat auf das Heiligtum der Stralauer. Jedoch wird vom Sturm zu ungenau geschoffen. Erst 20 Minuten vor Schluß sendet die Mitte an dem herausgelaufenen Torwart vorbei ins leere Tor. it 3: 2 für Stralau endet das Spiel. Am zweiten Feiertaa fpielten die Stettiner gegen Abler 12. Adler legte. gleich zu Anfang ein wahres Höllentempo vor, fo dak Stettin, überhaupt nicht zur Geltung fam. In der 4. Minute erzielte Adler den ersten Erfolg, dem in der 12. Minute ein zweiter folate. Adler läßt nun etwas nach. Stettin tommt etwas auf. Jedoch dauert die Freude nicht lange. Lintsaußen von Abler geht gut vor. Gein nach der Mitte gegebener Schuß wird von Halbrechts abgefangen, und in der 39. Minute fikt Nr. 3. Jest versucht Stettin, das Resultat aünstiger au gestalten. Rurz vor der Baufe gelingt ihnen auch der erste Treffer. Nach Salbzeit kann Adler gleich zum vierten Male einsenden. Damit war aber auch ihre Runft zu Ende. Stettin tommit mehr und mehr auf. Durch einen Brachtschuß erzielen fie den zweiten Erfolg. Rehn Minuten später fikt der Ball zum dritten Male im Tor. Die Berteidigung Ablers hat jekt viel Arbeit, das Tor reinzuhalten. In der 83. Minute fann Stettin gleichziehen, um kurz vor Schluß durch ein fünftes Tor den Sieg au erringen. Weitere Resultate: Samburg- Bahrenfeldt gegen Luftig- Fibel 3: 3. Berein für Bewegungsspiele spielte gegen Erfurt und gewann nach verteiltem Spiel mit 5: 4. Stern- Marienfelde mußte an Wader Röthen mit 3: 1 den Gieg überlassen. Nowawes unterlag gegen Bahrenfelder Sportverein mit 1: 6. Trebbin gegen Arminia 1: 1. Rüftiq- Borwärts gegen Amateure 1: 4. Jüterbog gegen Luckenwalde V 2: 1. Teltow gegen Nauen 14: 1. Rathenow gegen Jeknik 4: 3. Selvetia gegen Sowjet 2: 1. Teutonia gegen Eintracht 2: 5. Boruffia gegen Wadere 20 4: 1. Staaten gegen Eintracht 1: 4. Selvetia gegen Verein für Bewegungs Weißenfee gegen Borussia 7: 0. Fichte- Nord gegen Tegel 2: 3. Berolina gegen Verein für Bewegungsspiele 6: 4. AltGlienice gegen Kreuzberg 1: 1. Spandau 25 gegen Braunschweig 0: 6. Sparta gegen Groß- Räschen 7: 6. Lichtenberg I spielte in Leipzig und ge= Botsdam 2: 4. Teltow gegen Groß- Räschen 8: 1 fpiele gegen Berolina 2: 5. wann 5: 0. Arbeiter- Sport- und Kulturfartell Mitte. Rartellfihung Mittwoch, 7. April, 18 Uhr, in der Schule Gipsstr. 23. Alle Arbeiterkulturorganisationen, die im erften Berwaltungsbezirt ihren Gik haben, werden ersucht, zu der Gikung des Arbeiter- Sport- und Kulturfartells Mitte am Mittwoch, 7. April, 128 Uhr. in der Schule Gipsstr. 23, einen Bertreter zu entfenden. Arbeiter- Sport- Kartell 17. Bezirk. Gonntag, 11. April, findet in der Städtischen Jugendbühne Lichtenberg, Solteistraße, eine öffentliche Filmvor führung mit einleitendem Bortrag, betitelt: Ein Volksfeind", statt. Einlag 11 Uhr, Beginn 11% Uhr. Eintritt 30 Pf. Erwerbslose frei. Bezirkskarten Friedrichshain. Montag, 12. April, 7½ Uhr. Borhagener Straße 114, wichtige Rartellfizung. Borstandsmitglieder eine Stunde früher. Ab 1. April ist der Sportplak, Friedrichshain" geöffnet. Uebungszeit von 6-10 Uhr. Athletik- Sportklub e. B. Ab 1. April findet jekt regelmäßig das Training der Männer und Jugend auf dem Fichte- Sportplak, Baumschulenweg. Eichbusch- Allee, statt. Trainingstage: Dienstag und Donnerstag von 5 Uhr ab und Sonntags ab 10 Uhr. Am Donnerstag, 8. April, findet nach dem Training auf dem Fichtevlak die fällige Borstandsikuna tatt. Freitag, 9. April, 8 Uhr, fällige Monatsversammlung bei Lehnigt, Mühlenstraße Ede Brommnbrüde. Arbeiter- Sport- und Kulturfartell Charlottenburg. Donnerstag, 8. April, 7 Uhr, im Lotal Porfchel, Raifer- Friedrich- Str. 82, Rartelfikung. Aum bie bis jekt nicht angeschlossenen Arbeiter- Schach, Radio, Theater- und Mufil vereine find eingeladen. Alle Anschriften an Walter Laube, Charlottenburg, Arumme Str. 85 II. Sportklub Libertas 1896, Charlottenburg. Sonnabend. 10. April, 7 Uhr, Bierteljahrs- Vollversammlung im Bereinsheim von Baul Rippel, Charlotten. burg. Kirchstr. 30. Pichelsberger Rudbergesellschaft. Nächste Sigung am Dienstag, 13. April. 8 Uhr, bei Bohne, Schloßstraße. 3 Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Freitoa. 7 Uhr, Sikung der Jugend. Uhr. Sigung Sonnabend, ableute und turnwarte in der Geschäftsstelle. der erweiterten Geschäftsstellenkommiffion in der Geschäftsstelle; dazu die Bertreter der Bezirke. Touristenverein ,, Die Raturfreunde( Zentrale Wien). Detsgruppe Berlin: Mittwoch, 7. April, in der Schule Weinmeisterstraße. Funktionärversammlung. Rutritt nur gegen Vorzeigung des Funktionärauswelfes. 3. Gutschow( FTGB.Wedding) 238. 4. Sennebera, P.( Wilmersdorf) 227. 5. Blant( Fichte 2) 226. 6. Schwenke( Eberswalde) 223. 7. Rähne( Eberswalde) 220. 8. Senneberg, E. ( Wilmersdorf) 217. 9. Bollmann,( Fichte 9) 216. 10. Weffel( Eberswalde) 213 Punkte. Aerztliche Vorträge für Frauen. Die Freie Turnerschaft GroßBerlin peranstaltet wiederum einen ärztlichen Vortragszyklus über Geschlechtstunde für Turnerinnen, Jungmädchen und Frauen. Die Einteilung ist folgende: 1. Abend am Sonnabend, den 10. April: Bau des männlichen und weiblichen Körpers. 2. Abend am Freitag, den 16. April: Vorgang und Hygiene der Fortpflanzung. 3. Abend am Mittwoch, den 21. April: Segualleiden und ihre soziale Bedeu tung. Die Borträge finden im Ernst- Sädel- Saal, In den Zelten 9a ( Nähe Krolltheater), statt. Einlaß um 28 Uhr. Eintritt 40 Pf., für alle drei Borträge 1 M. Der Besuch ist auch für Mütter besonders zu empfehlen. Einlaßkarten find in allen Abteilungen der FTGB. zu haben, An alle Bereine des 1. Rreises. Um den zahlreichen Bumdesgenossen, die fich für die Leichtathletik im Sommer intereffieren, Gelegenheit zum Rennenlernen der Technik und eines vernünftigen Uebungsbetriebes zu geben, stellt die Leichtathletik- Bereinigung auf Wunsch den Vereinen Genbffen zur Unterweifung zur Verfügung. Anfragen find zu richten an Erich Lippert, KreisSportwart, Berlin- Lichtenberg, Mozartfir. 7. KAFFEE HAG schont das Herz, stets anregend, nie aufregend Nr. 161+43. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärtsmande Reichsmilchgesetz/ Milchpropaganda Fast ein Jahr ist es her, daß die sozialdemokratische Frat-| 1 Liter pro Kopf und Tag. Allerdings ist Amerika das tion im Reichstag zum Haushalt des Reichsministeriums für Land der vielgehaßten Trodenlegung. Und während Ernährung und Landwirtschaft einen Antrag einbrachte, der in Deutschland im Jahre 1925 der Absatz an Trint die schleunige Einbringung eines Reichsmilch geseges branntwein stieg von 315 905 hektoliter auf 551 871 von der Reichsregierung forderte. Leider wurde der Antrag Hektoliter, ohne den schwarzgebrannten Schnaps, steigt in weder im Jahre 1925 noch bei der fürzlich beendeten Etat- Amerika der Milchkonsum von Jahr zu Jahr. Daß dabei beratung behandelt, sondern als nicht dringlich einstweilen zu die Boltsgesundheit in Deutschland die größten Schädigungen rückgestellt. Indessen ist erfreulicherweise durch den Vorstoß erleidet, ist ersichtlich aus dem schlechten Gesundheitszustand der Sozialdemokratie die Debatte über die Notwendigkeit der der Kleinkinder, deren gute Hälfte bei ihrer Einschulung hebung der Milchproduktion und ihrer Erzeugnisse in die Volksschule als„ unterernährt vom Schularzt wie die Förderung des Milchverbrauchs endlich in Fluß ge- bezeichnet werden. fommen. Als zur Zeit der Zolldebatten Professor Aereboe der Landwirtschaft zurief, fich mehr als bisher auf Milchvieh haltung und Veredlungsprodukte der Milch einzustellen, das Molkereiwesen zu heben und zu modernisieren, um eine den dänischen Produkten gleichwertige Qualitätsmare zu schaffen, da begegnete er tühler Gleichgültigkeit, fast Abweisung, denn die Landwirte sahen alles Heil nur in den 3öllen und nur in der Steigerung des Exports. Die Ereignisse haben sie inzwischen gelehrt, daß ein fauffräftiger Inlandmarkt für fie von weit größerer Bedeutung ist, und daß die Hebung des Biehbestandes und die damit in Zusammenhang stehende Milchproduktion, die das ganze Jahr Ertrag liefert, ihnen die Rentabilität ihres Betriebes sichern hilft. Dazu gehört aber zweierlei: Erstens Qualitätsware, zweitens ein für die Masse der Konsumenten erschwing licher Preis der Produkte. Der Milchkuhbestand hat sich im Gegensatz zum übrigen Rindviehbestand, der einen Rückgang aufweist, im letzten Jehre start gehoben, aber noch nicht die Borkriegshöhe er reicht. Auf je 100 Kopf der Bevölkerung famen im Jahre 1913 16,902 Stüd Rühe, 1925 15,923, aber 1921 entfielen auf je 100 Kopf der Bevölkerung nur 14,885 Rühe. Absolut ver hält sich der Ruhbestand folgendermaßen: 1913 11 320 460 Stüd 1921 1925 9 061 598 Stüc 9 947 963 Stüd Obwohl der Milchviehbestand sich im Jahre 1925 start hob, blieb der Milchtonium hinter dem der Borkriegs zeit zurüd, obwohl er schon damals als ein zu geringer bezeichnet werden muß. Gewiß hat sich die Bevölkerung in den entbehrungsreichen Kriegsjahren, da es kaum für die Säuglinge genügend Milch gab, des Milchgenusses entwöhnt. Andererseits darf nicht vertannt werden, daß Qualität und Preis der Milch in feinem Verhältnis zu einander stehen und daß für die Milchpropaganda vom Produzenten und vom Handel überhaupt bis jetzt nichts getan wurde, um die Bevölkerung zu erhöhtem Milch, Butter- und Käsekonjum zu veranlassen. Und da die einheimische Produktion vielfach an Güte zurüdblieb, sowohl hinter der Kondensmilch, als auch der dänischen Butter und dänischem Käse, wenn diese auch mehr tosteten, so wurden die ausländischen Molkereiprodukte im Verhältnis mehr getauft als die heimischen. Dabei hat die Milchproduktion heute einen sehr erheb lichen Anteil an der Produktion überhaupt, insbesondere aber an der landwirtschaftlichen. Von den zurzeit vorhandenen rund 9 Millionen Rühen werden täglich etwa 50 Millionen Liter Milch gewonnen im Erzeugermerte von 10 Millionen Mart. Das bedeutet, daß bei dem jezigen Milchkuhbestand die Milch einen Erzeugerwert darstellt von rund 3,65 milliarden jährlich, während der Wert der Brotgetreide probuftion und der Kohleproduktion einen fleineren Wert, nämlich je 2,3 milliarden Mart jährlich beträgt. Der Durchschnittsperbrauch in den Städten betrug in der Borfriegszeit etwa% Liter pro Tag und Kopf der Bevölkerung und ist heute auf 1 Liter gesunken. In Amerita, wo eine ausgezeichnete Milchreklame besteht, beträgt der Durchschnittsverbrauch in den Großstädten Ein internationales Thomas- Schlackensyndikat? Clus Essen drahtet unser Korrespondent: bis Die Berhandlungen über die Gründung eines internationalen Thomas Schladensynditats wurden zwischen der luxemburgischen, französisch- saarländischen und belgischen Industrie wieder aufgenommen. Bereits vor einem Jahr waren derartige Verhandlungen, die damals von saarländischer Seite eigeleitet wurden, im Gange, ohne daß sie zu einem Ergebnis führten. Man erwartet jedoch, daß sich die Verhandlungen durch die Gründung des Internationalen Schienenfartells und des luxemburgisch- französisch- belgischen Roheisenabkommens leichter gestalten werden. Das Abkommen soll auf ähnlicher Grundlage geschaffen werden wie das Roheisenabkommen und vor allem die Konkurrenz und die Spekulation beseitigen. Preisbildung und Absatzgebiete werden voraussichtlich frei bleiben. Die Handelskammern zur Wirtschaftslage. Nach den Berichten der preußischen Handelskammern erfuhr die Wirtschaftslage im März auf einzelnen Gebieten eine kleine Belebung. Bei dem Tief stand der Schlüsselindustrie( Kohle und Eisen) und der Landwirtschaft kann jedoch noch nicht von einer allgemeinen Besse rung der Lage gesprochen werden. Die Börse scheint allerdings bei ihrer festen Haltung, die sich gegen Monatsschluß noch steigerte, eine Besserung zu erwarten. Die Diskontherabjegung der Reichs bank und die gesteigerte Geldflüssigkeit, die größere Aktivität der Handelsbilanz im Monat Februar, die Verabschiedung des Steuermilderungsgesetzes, die Abnahme der Konkurse und Bechselproteste, die leichte Besserung des Arbeitsmarktes, der Rüdgang der Reichs inderziffer für die Lebenshaltungskosten von 138,8 auf 138,3 sowie der Bauinder von 163,4 auf 160,1, die verhältnismäßig günstigen Dividendenabschlüsse der Großbanten sowie der Fortschritt in den Fusionsverhandlungen der deutschen Eiſenindustrie und in den Kartellverhandlungen der internationalen Eiſenindustrie erscheinen allerdings geeignet, den Aufschwung an der Börse zu rechtfertigen. Zur Lage der Landwirtschaft, insbesondere des Körner und Hadfruchtbaues, bieten die Ziffern über den Absatz an künstlichen Düngemitteln ein wichtiges Beurteilungsmoment. Schon jetzt läßt fich sagen, daß die Anbaustreitpropagande gewisser Landbündler im laufenden Erntejahr ohne Erfolg geblieben ist. Nach den vorliegenden Ziffern für den Kaliabsag fann die Intensität der Bodenbewirtschaftung feineswegs nachgelassen haben. Der Abjaz zu danken, wenn nunmehr das Reichsministerium Dem unermüdlichen Drängen der Sozialdemokratie ist es für Ernährung und Landwirtschaft endlich den Anfang zu einer systematischen Propaganda für die ebung der Bolfsernährung durch Förderung des Milchverbrauchs und Steigerung der Güte und des Absatzes von Milch und Milcherzeugnissen gemacht hat. = Mittwoch, 7. April 1926 dustrie braucht. Die Tatsache, daß heute aus Mangel an Kaufkraft und manchmal auch aus Gründen der Qualität baumwollene und tunstseidene Gewebe oder Gewebemischungen den Leinenstoffen vorgezogen werden, ist ein Grund mehr, nachzuprüfen, ob nicht die Wäschehändler und hersteller recht haben, wenn sie sich der Fertigfabritate und somit auch die Aufnahmefähigkeit der über die hohen Preise der Borfabrikation beschweren, die den Absatz Leinenwirtschaft für Rohstoffe erdrosseln. Wenn auch anerkannt werden mag, daß die gegenwärtige außerordentliche Notlage der Flachsröstereien und Leinenspinnereien bei der herrschenden Arbeitslosigkeit besondere Maßnahmen erfordert, zu denen auch die Gewährung von Krediten gehören kann, so darf darüber doch nicht das Breis- und Absazverhältnisse am Leinenmarkt eine Ziel aus dem Auge verloren werden, durch Besserung der bessere Grundlage für die Flachsproduktion zu schaffen. fabrit Budau A.-G., Magdeburg, ist eine der Firmen in Umfahfteigerung infolge Rationalisierung. Die Maschinengewisse Einblicke in die Verhältnisse der Gesellschaft, die intereſſant Deutschland, die den Umstellungsprozeß frühzeitig eingeleitet und zum guten Teil durchgeführt haben. Der Geschäftsbericht gestattet und lehrreich sind. So wird angegebn, daß die Firma allein für 500 000 m. neue Werkzeugmaschinen einstellte, um tonfurrenzfähig zu bleiben. Darüber hinaus hat sie eine Erweite rung der Bagger- Montage- Halle in großzügiger Weise vorgenommen. Inwieweit die Gestaltung der Bilanz mit der RationaliEine zu diesem Zweck eingesetzte Kommission, bestehend sierung der Arbeit im Zusammenhang steht, fann natürlich nicht aus Vertretern der Landwirtschaft, des Molkereiwesens, des genau festgestellt werden, jedoch ist anzunehmen, daß die günstige Handels und der Konsumenten, leistete die nötigen Vor- Entwicklung der Buckau A.-G. schon unter dem Einfluß der techarbeiten und in kurzem wird der Reichsmilch a usnischen Umstellung steht. So konnte der Umsatz im Jahre 1920 chuß" zu seiner ersten öffentlichen Rundgebung vom Minister für Ernährung und Landwirtschaft zusammenberufen werden. Alle Bevölkerungsschichten sind daran gleicher maßen interessiert, nicht zuletzt die Mütter und Hausfrauen, denen die Bedeutung der Milch im Arbeiterhaushalt durch Wort und Bild nahegebracht werden soll, und die das meiste dazu beitragen können, daß die Milch und ihre Erzeugnisse im Arbeiterhaushalt den Plaz einnehmen, der ihnen entsprechend ihrem Nährwert gebührt und den sie ihnen gewiß gerne einräumen, wenn fie sie nur bezahlen können. Und gerade weil Produzent und Konsument in gleich hohem Maße an Lieferung guter Milch interessiert sind, ist ein Reichsmilchgefeß unerläßlich. Wer hätte die Typhusepidemien des letzten Sommers schon vergessen? Hanau, Anflam, Solingen und viele andere Orte wurden heimgesucht und eine einwandfreie bakteriologische Untersuchung stellte perseuchte Milch als Quelle der Seuche fest. Ueberall wurde hauptsächlich die är mere Bevölkerung am härtesten betroffen. Auch der Deutsche Städtelag hat bereits vor einem Jahr in einer Eingabe an den Reichstag die Gründe für die Notwendigkeit eines Reichsmilchgefehes ausführlich dargelegt und einen entsprechenden Gesezentwurf eingereicht. Städte wie Mannheim, Nürnberg, Düsseldorf u. a. haben den Verkehr mit Milch geradezu vorbildlich geregelt. Aber das genügt nicht. Sperrt das Reich auf Befehl der Agrarier seine Grenzen gegen die Einfuhr von Lebendvich unter dem Vorwand der Gefahr der Seucheneinschleppung, so muß die Regierung mindestens alles tun, um im Inland den Verkehr hygienisch einwandfreier Milch so zu sichern, daß die Bevölkerung nicht Gefahr läuft, burch verdorbene Milch sich schwere Erkrankungen zuzuziehen. Das herbeizuführen ist möglich durch Fütterungsmethoden, die eine Milch mit hohem Vitamingehalt garantieren, durch größte Sauberkeit der Ställe, durch gefundes Melkpersonal, hygienisch einwandfreie Beförderung, Aufbewahrung, Verkauf, turz gesagt: von der Gewinnung bis zum Absatz an den Verbraucher muß die Milch der gesundheitlichen Prüfung und Ueberwachung unterstehen. Das liegt im Interesse aller Beteiligten, ist aber nur erreichbar durch Gesez. Reichsmilchpropaganda in Verbindung mit dem von allen Einsichtigen geforderten Reichsmilch gesetz werden zu dem erstrebten Ziele führen: Hebung der Produktion und der Qualität und damit hebung des Absatzes zur Förderung der Selbstversorgung Deutschlands und zur Hebung seiner Bolts ernährung. Mathilde Wurm. des Deutschen Kalisyndikats G. m. b. H. im März 1926 betrug näm lich 1 391 182 Doppelzenter Reintali. Der Gesamtabsag in den ersten 11 Monaten des Düngerjahres 1925/26( 1. Mai bis 30. April) beträgt 10 662 703 Doppelzenter Reintali gegen 10 762 733 Doppelzentner Reintali in den ersten 11 Monaten des Düngerjahres 1924/25. Demnach ist der Absatz an Kali nur ganz geringfügig hinter dem des vorigen Düngerjahres zurückgeblieben. Ein Reichsverband des Deutschen Drogen- und Chemikaliengroßhandels wurde vor einigen Tagen gegründet, um auch diesen Gewerbezweig über das ganze Reich hin zu organisieren. Zu den Chemikaliengroßhandel Deutschlands e. V., Berlin, der Verein Mitgliedern des Verbandes gehören der Verein der Drogen- und deutsche Verein des Chemikaliengroßhandels und verwandter GeMitteldeutscher Chemikaliengroßhändler e. V., Magdeburg, der Südschäftszweige e. V. in Mannheim und der Verein Deutscher Teerund Teerproduktenhändler, Berlin. Innerhalb des Verbandes find rier Fachabteilungen, 1. für technische Drogen und Chemifalien, 2. für pharmazeutische Drogen, Chemitalien und Martenartikel, 3. für Asphalt und Teerprodukte, 4. für Farben und Lacke gebildet worden. fich von 3,22 millionen Marf im Jahre 1924 auf 4,28 Millionen um rund 40 Prog. gesteigert werden. Die Debitoren erhöhten mart, die Kreditoren von 2,35 Millionen Mart auf 3,39 Millionen Mart und die Abschreibungen von 353 000 m. auf 561 000 m. Eine Vermehrung der vorrätigen Fabritate( 19241,16 Millionen Mart, 1925-1,14 Millionen Mark) ist nicht eingetreten. Dem Refervefonds fonnte die ungewöhnlich hohe Summe von 600 000 Mart zugewiesen werden. Der Reingewinn wird buchmäßig auf 555 000 m.( im Vorjahre ebenfalls 555 000 m.) angegeben. Aus ihm wird, wie im Jahre 1924, eine Dividende von 10 Proz verteilt. Sanierung der Porzellanfabrit Fraureuth. Die unter Geschäftsaufsicht stehende Porzellanfabrit Fraureuth A.-G. soll dadurch saniert werden, daß das Grundkapital von 3,2 Millionen Mart auf dann durch neue Einzahlungen bis auf 2 Millionen Mark wieder ein Zehntel, nämlich auf 320 000 m. zusammengelegt und erhöht wird. Eine amerikanische Beteiligung an der größten deutschen Rasierflingenfabrik, der Roth- Büchner A.-G., ist dadurch zustande gekommen, daß die bekannte amerikanische Rafierklingenfirma Gilette Compagnie annähernd die Hälfte der Aktien des deutschen Stonkurrenzwerkes allmählich zusammengekauft hat. Wie nicht geändert werden. Es dürfte aber keinem Zweifel unterliegen, daß der amerikanische Aktienkauf zu dem Zweck erfolgt ist, um eine engere Interessengemeinschaft zwischen den Konkurrenzfirmen herbeizuführen. Ein neuer Damenkonfektionstrust in den Vereinigten Staaten. 14 Damenkonfektionsfirmen in den Städten Saint Louis, Kansas City, Washington, Louisville, Saint Paul, San Antonio, Dallas, Dayton, Oklahoma und Topeka schlossen sich laut Konfettionär" unter der Firma Consolidated Retail Stores Inc. zu einem Trust zusammen. Das Rapital beträgt 2 Millionen Dollar, der Jahresumsatz wird auf 14 Millionen Dollar geschätzt. WRIGLEYAG WRIGLEY PK- KAUBONBONS AWRIGLEYAG HEIM DER P- K KAUBONBONS An die Detaillisten der Lebensmittel- u.verwandten Branchen der Stadt Berlin Beachten Sie sorgfältigst die Gutscheine der Wrigley A.-G. P.K. Kau- Bonbons denn sie bedeuten bares Geld. Wrigley A.-G., Frankfurt a. M. WRIGLEY Sonderkredite für die deutsche Leinenindustrie? Neuerdings wird die staatliche Unterstützung von privaten Betrieben oder Gemerbezweigen vornehmlich auf dem Wege der Gewährung billiger Sonderkredite durchgeführt. Derartige Kreditzuwendungen scheinen nun auch für die Leinenindustrie geplant zu sein. Bie nämlich gemeldet wird, erwägt die Reichsregierung Kreditmaßnahmen zugunsten der deutschen Leinenwirtschaft in der Absicht, dieser die Päckchen- 4 Stück 10 Pf. Ueberall erhältlich! Abnahme der zum Teil noch bei der Landwirtschaft lagernden Flachsernte 1924 zu ermöglichen und der flachsbauenden Bandwirtschaft die Aussicht auf Abnahme der kommenden Ernte zu gewähren. Es wird dabei daran gedacht, für furzfristige Kredite, die die Flachsrösterei und die Leinenspinnerei aufnimmt, gegen Verpfändung der Flachsbestände in gewissem Umfange eine Bürgichaft des Reiches zu übernehmen. Wichtiger als die Zumendung selcher Sonderkredite scheint uns die Frage, ob die Leinenindustrie alles tut, um durch maßvolle Preisstellung bei hoher Qualitätsleistung den Abfah an Leinengemeben zu steigern und so auf lange Frist dem heimischen Flachsbau eine ausreichende Eriftenz zu ermöglichen. Damit, daß mit Hilfe des Reiches die Flachsvorräte aus der einen Hand in die andere gelegt werden, ist für die Flachserzeugung und verarbeitung noch nichts getan. Es tommt darauf an, den Verbrauch zu steigern und so dem Flachsbau den aufnahmefähigen Markt zu schaffen, den er und die In P.K KAU- BONBONS WRIGLEY P.K PFEFFERMAINZ KAUBONBONS Gewerkschaftsbewegung Zur Kartellierung der Eisenbahnerverbände. Die Bestrebungen unter den Eisenbahnern, ihre verschiedenen Organisationen zu einer einheitlichen festgefügten Front gegenüber der Reichsbahngesellschaft zusammenzuschmieden, haben durch die Haltung des Verwaltungsrats in dem gegenwärtig schwebenden großen Lohn- und Rechtskonflikt einen neuen Anstoß erhalten. Für den Zusammenschluß fommen in Betracht der freigewerkschaftliche Einheitsverband, die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner( chriftlich), der Allgemeine Eisenbahner verband( Hirsch- Dunckersche Richtung), der Reichsgewerkschaftsbund deutscher Reichsbahnbeamten( Splitter der Reichsgewerkschaft), die Lokomotivführer und die Gewerkschaft technischer Eisenbahnbeamten. Die Grundlage für eine Kartellierung der Organisationen ist vorhanden; es liegt bereits der Entwurf für einen Kartellvertrag vor, der in seinem Punkt 6 als Ziel des Zusammenschlusses die Einheitsorganisation aller Eisenbahner aufstelli. Am stärksten zögert gegenüber dem Zusammenschluß die Gewerfschaft deutscher Eisenbahner. Allem Anschein nach paßt ihr das in Puntt 6 aufgestellte Ziel des Zusammenschlusses nicht. Warum night? Nun, erst dieser Tage hieß es im„ Deutschen", dem Berliner christlichen Gewerkschaftsblatt, gegenüber dem warmen Appell eines Quickborners auf Einigung der Gewerkschaften, die Gedankengänge der christlichen Gewerkschaften wurzelten in der Tradition scharfer Auseinandersetzungen mit dem unchristlichen Geiſt der Manchester: leute und ihrer proletarischen Nachbeter. Die Arbeiter und vor allem die Jugend im Zentrum und in den christlichen Gewerkschaften würden den Weg zur Einigung schon finden, aber sie dürfen ihn nicht gehen. Die Balkankonferenz des JGB. ( IGB.) Der für den 9. und 10. April in Sofia( Bulgarien) anberaumten Balkankonferenz des Internationalen Gewerkschaftsbundes wird überall das größte Interesse entgegengebracht. Dies ist tein Zufall. Nach den zahlreichen friegerischen Berwicklungen und politischen Umwälzungen, die für den Balkan nicht erst im Jahre 1914 begannen und auch nicht im Jahre 1918 aufhörten, ist es wenigstens möglich geworden, eine Bilanz aufzustellen. Diese Bilanz ist für den ganzen Balkan ziemlich schlecht. Alle Balkanländer und besonders die Arbeiterorganisationen des Balkans haben zu spüren bekommen, was es heißt, einerseits geistig und zum Teil auch sprachlich( Griechenland) von den Ländern des Westens mehr oder weniger abgeschlossen zu sein und andererseits die Ideen und Strömungen, die trotzdem in diesen Ländern ihre Spuren hinterließen und zum Teil mißverstanden oder nicht begriffen wurden, verarbeiten und womöglich in die richtigen Bahnen lenken zu müssen. Aus dieser Konstellation ergab: n sich Vor- und Nachteile. Einerseits war es möglich, den schwerfälligen Gang der sozialen Entmidlung durch Nutzbarmachung der praktischen Erfahrungen des Westens mehr oder weniger zu beschleunigen und zu Neuerungen überzugehen, die im Hinblick auf das allgemeine Entwicklungsniveau dieser Länder als großer Schritt nach vorwärts betrachtet werden können. In diesem Zusammenhang wäre u. a. auch der Einfluß der internationalen Arbeitsgesetzgebung zu erwähnen, der in diesen Ländern mehr ins Gewicht fällt als in den Ländern des Westens, wo zahlreiche Errungenschaften, um die man in zurückgebliebeneren Ländern noch kämpft, zur Selbstverständlichkeit gewerben sind. Nachteile ergeben sich hauptsächlich daraus, daß der gesäte Same wohl gut ist, die Regierungen aber, die für feine Befruchtung zu sorgen hätten oder wenigstens sein Wachstum nicht hindern sollten, zum Teil alles tun, um diese Entwicklung abzuwürgen. Die Arbeiter sind auch oft für praktische und fachliche gemertschaftliche und politische Arbeit noch nicht reif genug. Auf diesen Zwiespalt haben die Kommunisten, die die allgemeine Bervirrung mit fimplistischen Formeln vergrößerten und ausnützten, ihre Tätigkeit aufgebaut, eine Tätigkeit, die begreiflicherweise unter diesen Umständen nicht ohne Erfolg war. Mit einer gewissen Konsolidierung der Verhältnisse ist mun aber auch Sachlichkeit und Sinn für praktisches Wir fen zurückgekehrt. Nach einer Periode der Indifferenz, eine natür. liche Folge der vielen Enttäuschungen, wird eine vernünftige Arbeit möglich. Die Balkankonferenz hat den Zweck, für diese Arbeit und Zusaminenarbeit die Grundlagen zu legen und der Gesamtbewegung des Balkans den nötigen internationalen Rückhalt zu geben. An der Konferenz werden Vertreter der Gewerkschaftszentralen felgender Länder teilnehmen: Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn, Griechenland und die Tschechoslowakei. Die internationale Bewegung werden folgende Genossen vertreten: Saffenbach( Sekre= tär des JGB.), Mertens( Vizevorsitzender des JGB.), Edo Fimmen ( ITF.), M. Wilhelm( Intern. Union der Lebens- und Genußmittelindustrie), Jos. Simon( Internationale Vereinigung der Schuh- und Lederarbeiter). Zahlreiche Versammlungen sind in Jugoslawien sowie Besprechungen in Belgrad vorgesehen. Die Transportarbeiterinternationale. Aus dem Geschäftsbericht der Transportarbeiterinternationale, der dem Hauptausschuß der Internationale auf seiner Apriftagung in Amsterdam vorgelegt wurde, ist festzustellen, daß fich im vergangenen Jahre der Maschinistenverband der Tschechoflowakei mit 5000 Mitgliedern, der britisch- indische Eisenbahnerverband mit 50 000 Mitgliedern, der Eisenbahnerverband von Jugo flawien mit 3000 Mitgliedern und der spanische Transportarbeiterverband mit 8000 Mitgliedern der Internationale angeschlossen haben. Mit dem Internationalen Arbeitsamt in Genf trat die Transportarbeiterinternationale in Verbindung zum Studium des Vereinsrechtes in Ungarn, Italien, Palästina und Indonesien. Die gewerkschaftlichen Verhältnisse in Italien hat Genosse Nathans eingehend untersucht. Wie das Sekretariat der Internationale mitteilt, arbeitet keine der ihr angeschlossenen italienischen Organisationen geheim; sie gehören alle dem italienischen Gewerkschaftsbund Bei ihrer Arbeit sind sie allerdings gezwungen, sich nach den neuen italienischen Gesetzen für die Gewerkschaftsbewegung zu richten. Bei der Ernennung des Genossen Sardelli zum Sekretär der Settion Straßenbahnpersonal der Transportarbeiterinternationale mit dem Sig in Rom hat das Sekretariat die italienische Regierung sofort offiziell benachrichtigt, um die Ausübung des internationalen Amtes möglich zu machen. Die Transportarbeiterinternationale hält eine Teilnahme an der Londoner Weltwanderungskonferenz der sozialistischen Arbeiter: internationale zusammen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund für unbedingt notwendig. ant. Sihung des Internationalen Arbeitsamtes. ( JAB.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes tritt zu feiner 3.1. Gigung am 21. April 1926 in Genf zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Bericht des Direktors, die Prüfung des Haushaltsvoranschlages für 1927, die Vorbe, reitung der Renferenz für 1926, die limbildung des paritätischen Marineausschusses, der Bericht über die Zusammenkunft des ständigen Komitees für Auswandererfragen, der Be richt des Geschäftsordnungsausschusses sowie die Festsetzung des Zeitpunktes und Ortes der nächsten Tagung. Aus dem dem Verwaltungsrat vorzulegenden Bericht des Ducktors ist zu erschen, daß sich die Zahl der eingetragenen Rati fitationen von Uebereinkommen der Internationalen Arbeitskonfernz auf 189 erhöht hat. Dazu kommen noch 34 gerrehmigte, aber noch nicht eingetragene Ratifitationen und 125 von den Regierungen zur Ratifitation durch die gefeßgebenden 4 Körperschaften befürwortete Ratififationen. Dieser Fortschritt be deutet eine weitere günstige Entmidlung auf dem Wege zur Gestaltung eines einheitlichen internationalen Arbeitsrechts. Für den 5. Mai 1926 ist eine Sigung des paritätischen Marine ausschusses vorgesehen. Bekanntlich wird die 9. Arbeitskonferenz, die im Juni 1926 stattfindet. zwei Fragen der Marinegesetzgebung behandeln: 1. die internationale Kodifikation von Regeln, betreffend den Heuervertrag der Seeleute und 2. allgemeine Grundfäße für die Arbeitsaufsicht auf See. Die 31. Tagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes ist die erste, die nach den neuen Beschlüssen öffentzu der Pressevertreter zuge: Itch tagen wird und laffen sind. Aus der Partei. Mecklenburgische Arbeiterjugend in Kopenhagen und Helsingborg. In den Ostertagert weilten 150 Mitglieder der medlenburgischen Arbeiterjugend und Parteigenossen aus Mecklenburg, Lübeck und Hamburg in Dänemert. In einer deutsch dänischen Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Reuföfn. Unser langjähriges Mitglied Genoffe Thiele. Münchener Straße 19, ist plöklich verstorben. Einäscherung am Donnerstag, 8. April, nachmittags 5½ Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung ersucht der Abteilungsvorstand. Jugendveranstaltungen. Arbeitsgemeinschaft Abraham: Heute, Mittwoch, 7% Uhr, Sufammenkunf im Jugendheim Lindenstr. 3. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 St. Wedding. Kameraden, die am 18. April an den turnerischen Borführungen teilnehmen, treffen fich zur Ertraübung Fr., d. 9., 7 Uhr. Turnhalle Gothenburger Strehe. Reinidendorf- Dit. Do.. d. 8., Mitgl.- Bers. Reinidendorf( Kreis). Fr., d. 9., 8 Uhr, im Restaurant BelleDue, Hermsdorf, Werbeversammlung. Bertrag des Kam. Dr. Schükinger: Landsknecht und Frontfoldat". Erscheinen aller Kameraden notwendig. Mahlsdorf. Monatsversammlung Fr., d. 9., 8 Uhr, Restaurant Geride, Röntgenstr. 6. Erscheinen Pflicht. Republikaner als Gäste willkommen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. fälen, Waffertorftr. 68, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Dr. Schloß über die Einführung der Familienfürsorge. Berliner Handwerkerverein. Mittwoch, 7. April, 8 Uhr, Cophienstr. 18. Bortrag Jens Lüken: Die Wunder der Erdoberfläche". Mit Lichtbildern. Antikriegskundgebung sprach bei dieser Gelegenheit der dänische bliebenen. Ortsgruppe Süden: Mittwoch, 7. April, 8 Uhr, in Gliefings Feft. Wehrminister Rasmussen, wobei er den Willen der dänischen Sozialdemokratie betonte, die Abrüstung in Dänemark unter allen Umständen durchzuführen. Am Ostersonntag unternahmen 600 deutsche und dänische Sozialdemokraten eine Seereise nach Helsingborg, wo sie Gäste der schwedischen Parteiorgani sation waren. Bei dem Abschied von Kopenhagen erging an die dänischen Parteifreunde die Aufforderung, das nächste Osterfest in Mecklenburg als Gäste der dortigen Partsorganisationen zu verbringen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubri! find Berlin B. 68 2inbenftraße 3. für Groß- Berlin ffets en bas Begirisjekretariat, 2. Sot, 2 Trev. rechts, an richten. 5. Kreis Friedrichshain. Abteilungsebleute der Zeitungskommiffionen erscheinen zu einer wichtigen Gizung am Donnerstag, 8. April, 7½ Uhr, bei Wittschuk Petersburger Str. 5. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag. 8. April, 7% hr, Funktionärinnenkung bei Wolff, Gräfestraße. Alle Abteilungsleiterinnen müssen bestimmt anwesend sein. Obleute der sozialistischen Elternbeiräte: Donnerstag, 8. April, 7 Uhr, wichtige Eikung bei Reim, Urbanstr. 29. Intereffierte Genossen sowie sozialdemokratische Lehrer find eingeladen. Heute, Mittwoch, 7. April: Alle 3. Abt. 8 Uhr Funktionärsikung bei Emil Krüger, Engelufer 23. Funktionäre find verpflichtet, zu erscheinen. Stellungnahme zur Wahl des 1. Borfizenden. 12. Abt. 7 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 17. Funktionärsgung. 40. Abt. 7% Uhr bei Reufner, Sagelberger Str. 20. Funktionärsikung. Stellungnahme aur Neuwahl des Abteilungsleiters. Charlottenburg. 54. Abt. 8 Uhr Funktionärsikung im Jugendheim Rosinenstraße 4.-58. Abt. 8 Uhr Funktionärligung im Gigungsfaal Ranke straße 4, vorn 4 Treppen. 74. Abt. Zehlendorf. 8 Uhr Funktionärsikung. Alle Funktionäre müssen er. scheinen. 82. Abt. Steglik. 8 lye bei Thiel, Albrechtstr. 87. Gikang ber Bartei- und Gewerkschaftsfunktionäre. Wichtige Tagesordnung. 84. Abt. 2antwis. 8 Uhr bei Lehmann, Kaiser- Friedrich- Ste. 29/31. Funk. tionärsigung. 103. Abt. Oberschöneweibe. 7 Uhr wichtige Funktionärkung bei 3mberg, Wilhelminenhofftr. 34. 104. Abt. Niederschöneweibe. 7% Uhr Funktionärsikung bei Thiele, Berliner Gtraße 38. Die Revisoren erscheinen schon um 7 he cbenda. 134. Abt. Buch. Die zum Mittwoch). 7. April, bei Göpfen anberaumte Gigung des Abteilungsvorstandes mit den Funktionären finbet ni dyt ftatt. Die Gigung findet am Freitag, 9. April, 8 Uhr, bei Göpfert, am Bahnhof, statt. 141. Abt. Rosenthal und Rieberschönhausen- West. 71 hr bei Sübel, Ger. manenftr. 30, Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Morgen, Donnerstag, 8. April: 4. Abt. 7 2hr bei Schwarz, Blankenfelder Str. 10. Funktionärsikuna. 7. Abr. 7 Uhr Funktionärsikung bei Bärwalde, Schlegelftr. 8. 26. Abt. 7% Uhr bei Seiles, Prenzlauer Ede Meker Straße. Gikung der Bartei- und Betriebsvertrauensmänner. Erscheinen ist Pflicht. Funktionärskuna. 28. Abt. 7 Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23. Aeußerst wichtige Besprechung. Dazu müssen auch alle Betriebsvertrouens. Teute erscheinen, 36. Abt. 7 Uhr bei Busch. Tilfiter Str. 27. Wichtige Funktionärsikusa. 48. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung bei Reller, Fürstenstr. 1. Bor58. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr im Lokal von Teuber, Kleiftstr. 35, Ede Eisenacher Straße. Bezirksversammlung für den 1. und 4. Bezirk. trag: Sozialdemokratie, Boltsbegehren und Fürstenabfindung". 78. Abt. Schöneberg. 8 Uhr Funktionärsikuna bei Rönig, Feurigstraße. fcheinen aller Funktionäre dringend erforderlich. Er. 108. Abt. Röpenid. 8 Uhr Borstandsfikung mit den Bezirksführern bei gabel Freiheit 5. 119. Abt. Lichtenberg. 7½ Uhr Sikuna fämtlicher Funktionäre bei Mene, Möllendorf Ede Rittergutstraße. Frauenveranstaltungen: 92. Abt. Reukölln. 7% Uhr bei Ewald, Elbe- Ede Beferstraße. Frauenĭefe abend. Referentin: Bezirksverordnete: Erna Aresse. 14. Areis Reukölln. Donnerstag, 8. April, 7% Uhr, bei Schittler, DonauEde Weichselstraße. Funktionärinnenkonferenz. Erscheinen aller Gemoffinnen ist Pflicht. 82. Abt. Gieglik. Achtung, Kinderfreunde! Die Selferinnen und Rinder treffen fich am Mittwoch, 7. April, nochmittags 1 Uhr, im Jugendheim zum Spaziergang. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 7. April. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4-6 Uhr nachm.: Sendespiele. Abteilung Jugendbühne. Spielzeit 1925/26. Leitung: Alfred Braun. 9. Veranstaltung. Gyges und sein Ring". Eine Tragödie in fünf Akten von Friedrich Hebbel. Kandaules, König von Lydien: Georg Paeschke; Rhodope, seine Gemahlin: Fritta Brod; Gyges: Ein Grieche: Alfred, Braun; Lesbia: Edith Fritz; Hero: Rose Lichtenstein; Thoas: Ferdinand Bonn; Karna: Meinhard Maur; Volk. 6.35 Uhr abends: Professor Dr. Seligmann:„ Die Atmungswege als Eingangspforten ansteckender Krankheiten". 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Französisch( Professor O. Colson). 7.80 Uhr abends: Die Binnenschiffahrt im Rahmen der deutschen Verkehrswirtschaft". 7.55 Uhr abends: Postrat Hornung:„ Königswusterhausen und Nauen im Funkbetrieb. 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Leoncavallo: Brise de Mer, b) Armandola: Gondoliere, Tango. c) Boulanger: Liebling der Frauen( Franz S. Bruinier, Klavier; Franz v. Szpanowski, Violine; Julius Berger, Cello). 2. Kroepsch: Fantasie über das Trinklied Im tiefen Keller( Fritz Taeger, Posaune). 3. a) Haydn- Wood: Abendlied, b) Duval- Diamant: Vision d'amour, c) Herbert: Al Fresco:( Franz S. Bruinier, Franz v. Szpanowski, Nachtigall und Drossel( Konzertpolka für zwei Pikkoloflöten) Julius Berger). 4. a) H. Kling: Die beiden Finken, b) H. Kling: ( Fritz Neumann und Fritz Drewitz). 5. Aus Otto Ernst( Alfred Braun, Rezitation). 6. H. Kling: Komisches Intermezzo für Posaune und Pikkoloflöte( Fritz Taeger und Fritz Neumann). 7. a) Bruinier: Traum in Venedig, b) Nevin: Narcissus. c) Volpatti: Ma blonde Aimée( Franz S. Bruinier, Franz v. Szpenowski, Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetfer Julius Berger). Am Flügel: Ben Geysel. Anschließend: Dritte dienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Funktanzkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Mittwoch, den 7. April. 3-3.30 Uhr nachm.: Stud.- Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm.: Stud.- Rat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.: Geb. Rat Professor Dr. Sievers, Wannsee: Malerei des 19. Jahrhunderts. Die Grundlagen. Das Erbe des 18. Jahrhunderts. 4.40 bis 5.10 Uhr nachm.: San.- Rat Dr. Juliusburger: Jugend und Genulgifte. 5.10-5.30 Uhr abends: Prof. Dr. Müller: Die hygienische Erziehung im Lichte der Physik und Hygiene. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Ans Anlaß der Freigeistigen Woche findet im 16. Bezirk cine Rundgebung Borher Demonstration. Treffpunkt für Köpenid: 7 Uhr Wilhelmsplag: für Friedrichshagen: 7 Uhr am Bahnhof. am Donnerstag, 8. April, 8 Uhr. im Belt Reſtaurant, Sirfare, fot Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. 14. republikanischer Abend Freitag, 9. April, im Bierhaus Himburg, Charlotten- Ede Bimmerftraße. Thema: Genf und der Völkerbund". Referent: Carl Weber. Sport. Die Starterliffe der Mannschaften im 16. Berliner Sechstagerennen. Bei der Zusammenstellung der einzelnen Mannschaften für das ant Donnerstag, abends 10 Uhr, in der Arena am Kaiser. dam m beginnenden 16. Berliner Sechstagerennen hat die Direktion der Kaiserdamm- Bahn eine sehr glüdliche Hand gehabt. Die Startliste weist im ganzen drei ausländische, vier gemischie und sieben deutsche Mannschaften auf, und zwvar: = 1. Beedman- Eaton( Amerika), 2. Sergent- Louet( Frankreich), 3. Linari- Binda( Italien), 4. Buysse Bauer( BelgienDeutschland), 5. Debacts Saldow( Belgien Deutschland), 6. Fre derid Lorenz( Belgien Deutschland), 7. b. Standaert Hahn ( Belgien Deutschland), 8. Knappe- Rieger( Deutschland), 9. Gotta fried Junge( Deutschland), 10. Koch Miethe( Deutschland), 11. Mühlhoff- ürtgen( Deutschland), 12. 2ongardt- Behrendt ( Deutschland), 13. Schrage außler( Deutschland), 14. Po51. Martin( Deutschland). Heute vormittag 11 1hr findet eine Rundfahrt sämtlicher Sechstageteilnehmer, beginnend Unter den Linden, Ede Friedrichstraße, durch Berlin statt. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Für Berlin: Seiter bis bewölft, noch troden. nehmende Bewöllung, jedoch troden. Für Deutschland: Zu Sei modern und elegant. Wähle die Frisur, die alle Vorzüge zur Geltung bringt. Je persönlicher das Haar> zugeschnitten< ist auf die Trägerin, um so kritischer wird es betrachtet- um so sorg fältiger muß es gepflegt sein. Elida Haarpflege macht das Haar wundervoll schmiegsam, seidenweich und glänzend, diskret duftend. Zur nächsten Kopfwäsche nur ELIDA HAARPFLEGE Mittwoch 7. April 1926 Unterhaltung und Wissen Scheinehe. d. Bon Offip Dymow. Tam Stahlhelmerei. ( Aus dem Russischen von Arnold Wasserbauer.) Jakob Schwarz, Student des zweiten Jahrgangs des Petersburger Technologischen Instituts, befam morgens, noch ehe er sich auf den Weg nach seinen Vorlesungen gemacht hatte, einen Brief. Auf dem Kuvert war ein Boststempel Dminst". Dies war seine Heimatsstadt. Die Adresse war in unbekannter Schrift( scheinbar weiblicher Herkunft) geschrieben. Zunächst dachte Jakob Schwarz, ob seinen Eltern nichts zugestoßen sei, wovon ihn vielleicht fremde Leute verständigen wollten. Er mar ein guter Sohn mit etwas weichem, sentimentalem und honigfüßem Charakter. Rasch öffnete er den Brief und begann zu lesen: Im Brief stand folgendes: ,, Geehrter Herr Schwarz! Von Ihren Eltern erfuhr ich Ihre Adresse und schreibe Ihnen in einer für mich wichtigen Angelegenheit. Vielleicht erinnern Sie sich noch meiner: ich bin Manja Großstein, die Tochter des Papierhändlers Großstein. Als Sie noch Realschüler waren, famen Sie immer zu uns Hefte und Bleistifte kaufen, die ich Ihnen persönlich übergab. Gott hat Ihnen geholfen, Sie haben Ihre Prüfung bestanden und kamen ans Technologische Institut. Sie fönnen fich mahrhaftig glücklich fühlen. Nur ich mußte in Dwinst bleiben und bin bis jetzt in der Papierhandlung meines Baters, wo ich noch immer den Schülern die Hefte verkaufe. Aber auch ich will studieren und es zieht mich mächtig nach den hohen Kursen für Frauen in Petersburg. Ich hoffe auch, daß man mich aufnehmen wird, aber das einzige, was mir dazu noch fehlt, ist die Aufenthaltsbewilligung für Petersburg. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man diese Sache ordnen könnte und habe mich schließlich entschlossen, mich an Sie zu wenden, da ich Ihre Güte und Ihre Bereitwilligkeit, jedem, der sich in Not befindet, zu helfen, sehr gut fenne. Nach dem Gesetz hat die Frau eines Studenten das Recht, in Petersburg zu leben. Vielleicht findet sich dort unter den Ihnen bekannten Juden einer, der bereit wäre, mit mir eine Scheinehe zu schließen und mir eine Bestätigung zu geben, daß ich seine Frau bin. Gewiß wäre dies nur eine Formalität und außerdem mur für einige Zeit. Ich würde mich dann bald darauf installieren und dann könnten wir uns scheiden" lassen, was für Juden ja gewiß sehr leicht ist! Erstaunen Sie nicht allzu sehr über meine Bitte, aber ich habe feinen anderen Ausweg. Ich will so unendlich gerne studieren! Und mich von diesem grauen Leben hier, das ich ohne Hoffmung auf Befferung verbringe, Iosreißen. Mit Ungeduld erwarte ich Ihre Antwort. nicht, warum Achtungsvoll Manja Großstein." „ PS. Ich muß noch hinzufügen eigentlich weiß ich felbft daß Abraham Kaletzkij, ein Witmer mit drei Kindern, um meine Hand anhält und der Vater darauf beharrt, daß ich meine Einwilligung gebe. Wenn ich feinen anderen Ausweg finde, wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, Wie entseßlich! M. G." Schwarz wurde nachdenklich. Selbstverständlich hatte er sehr gut verstanden, daß Manja Großstein, als sie von den ,, Bekannten" schrieb, eigentlich nur ihn vor Augen hatte. Denn es wäre doch ganz sinnlos gewesen, einen solchen Vorschlag jemand zu machen, der sie nie im Leben gesehen hatte. Es ist ja richtig, es sollte mur eme Scheinehe geschlossen werden, es handelte sich also nur um eine Formalität, aber trotzdem würden ihn die Kameraden fragen: ,, Warum machst du denn nicht selbst diese Sache?" Schwarz erinnerte sich Manjas, ihres meißen, sommersprossigen Gefichtes, ihrer ernsten, furzsichtigen Augen. Sie heiraten? Da mußte er auflachen: eine Scheinehe schließen, auf dem Papier, ja. Aber was geht ihn ihr Gesicht und was gehen ihn ihre flugen Augen an? Aber Schwarz hatte ein gutes Herz. Er erinnerte sich all dieser vergangenen Dinge, diefer bitteren Prüfungen, Erniedrigungen und Aufregungen, die er vor einem Jahre hatte durchmachen müssen, bevor es ihm glückte, ins Technologische Institut einzutreten. Deshalb verstand er auch so gut, was dieses arme Mädchen wohl mitmachen mußte, das es mit allen Kräften zum Studium hinzog und daran durch all die Grausamkeiten von Zirkularen und Verboten ge= hindert wurde. ,, Sie wird in diesem Provinznest noch zugrunde gehen!" dachte der weichherzige Schwarz, nein, das fönnte ich mir in späterer Zeit niemals verzeihen, daß ich ihr nicht die Hand zur Hilfe entgegengestredt hätte!" In besonders gehobener Stimmung begab sich Schwarz ins Institut. Dort, in der Pause zwischen zwei Borlesungen, erzählte er seinem Freunde von dem Erhalt bewußten Briefes. Der war auch noch sehr jung und nahm deshalb das Projekt seines Kameraden mit großem Mitgefühl auf. ,, Aber wenn du das tun willst, dann darfst du dir nicht viel Zeit laffen!" meinte er geschäftig, und die Hauptsache ist: alles geheim halten! Schreibe deinen Eltern nichts davon, sie tönnten sich höchstens noch dareinmischen und die ganze Sache verpetzen. Man kennt sie schon, diese Alten!! Was verstehen denn die? Gott helse dir! Das ist eine gute Sache!" So beendete der junge Freund seine Rece. Und Schwarz tat es auch wirklich so. Er schrieb an Manja einen langen, ausführlichen und sehr munteren Brief. Erklärte, daß es ihm unangenehm wäre, seinen Kameraden mit so einem Vorschlag zu kommen, und deshalb nehme er sich die Freiheit, sich selbst in Borschlag zu bringen. Wenn sie einverstanden sei, seine fittive Gattin zu werden, so danke er schon im voraus für das bewiesene Bertrauen, bitte fie, die ganze Sache geheim zu halten und abzureisen, ohne Zeit zu verlieren. Und Jakob Schwarz, noch immer in gehobener Festtags: ftimmung, ging, um den Brief in den Postkasten zu werfen. Eine Boche später war er mit Manja Großstein verheiratet. Die Hochzeit hatten sie ganz einfach gefeiert und nachher erhielt ,, die junge Frau" ein Dokument, mit welchem sie berechtigt war, sich in Petersburg anzusiedeln und logierte sich an einem Ende der Stadt in einem kleinen Zimmer ein, während der Gatte" in seinem Zimmer am anderen Ende der Stadt verblieb. TANK Ei ei, da kommt der Stahlhelm her Mit Holzgeschütz und Pappgewehr. Die Polizei kennt ihre Pflicht fundigte sich, ob sie nichts brauche!? Sie war schon Studentin geworden, ihr Zimmer war rein aufgeräumt, auf dem Tisch lagen ihre Bücher und sie selbst hatte ihre unförmigen Provinzfleider gegen eine tokette Bluse großstädtischer Provenienz eingetauscht. „ Sie ist wirklich gar nicht übel!" dachte Schwarz. Mitunter kam auch sein Freund und andere junge Leute, auch Mädchen. Es ging recht lebhaft und fidel zu. " Warum wohnen die eigentlich von einander separiert?" fragten die Studenten,„ lieben sie einander nicht?" Bielleicht?!" Der Frühling fam heran, es tamen die Prüfungen, dann ging der Sommer ins Land. Im Herbst aber begegnete Schwarz seinem freunde. Sie freuten sich beide über das Wiedersehen, begannen einander auszufragen, was, wie usw. " Besuche mich doch, es wird mich sehr freuen!" sagte Schwarz. „ Und wo wohnst du? Noch im selben Zimemr wie voriges Jahr?" fragte der Freund. ,, Nein," erwiderte Schwarz ein wenig verlegen, ich.. ichh... bin übersiedelt. In einem einzigen Zimmer ist es uns doch zu eng und unbequem." „ Und?" fragte der Freund erstaunt. " Nun ja... mir und Manja. Wir haben doch vor kurzem ein Kind bekommen.... ein prächtiges Mädel, ganz mir nach geraten. Komm' nur, du wirst schon sehen. In den Oasen der Sahara. Bistra, Ende März 1926. Mitten in der füdtunesis- hen oder algerischen Steppe, wo sich der Uebergang vom Gebirge zur Gandmüste vollzieht, liegen die Dasen der Nordsahara. Das Wasser allein zaubert, unterstützt von der Glut der afrikanischen Sonne, aus dem sandigen Boden die herrlichen Palmenwälder hervor; das Wasser, das von den Grundmasser strömen kommt oder durch artesische, Brunnen wie in den algerischen Dasen gehoben und durch Flußwasser vermehrt wird; oder das Wasser, das wie in den südtunesischen Dasen aus Quellen fomnit, die ununterbrochen aus dem Erdinnern fließen. Die Dasen sind viel größer als der Europäer gewöhnlich annimmt. Es sind nicht kleine Wassertümpel, die von ein paar dürftigen Balmen umftanden find, sondern große weite Ebenen, die von dich ten Palmenwäldern erfüllt sind. Die Dase hat auch nichts Urwaldartiges; fie gleicht viel eher einem schönen gepflegten Garten. Wege feilen die Dase in einzelne Biertel ab, und Lehmmauern begrenzen Araber sind. Die Wege entlang ziehen sich kleine Kanäle, von denen fleinere Seitenkanäle in die einzelnen Gärten und ven da wieder nach jeder Palme abgezweigt werden. Bei jedem Palmenbaum ist ein fleines Staubecken ausgehoben, dazu bestimmt, einen Wasserständig im Wasser und den Kopf in der Sonne haben muß, wenn vorrat für die Balme zu sammeln, die, wie der Araber sagt, die Füße sie gedeihen soll. So ist jede Dase ein fast schier unübersehbarer, von Wegen und Kanälen durchzogener Dattelpalmengarten. Hohe und niedrige Balinen nebeneinander bieten eine wundervolle Abwechslung, die ein Gartenarchitekt nicht schöner hervorrufen könnte. Dattelpalmen, deren Kronen sich in der Glut der heißen Sonne, vom leisesten Luftzug umspielt, stolz im Bau des Himmels wiegen, blühende Pfirsich und Manillenbäume, Sträucher mit scharlachroten Blüten, die meist die Eingangstüren zieren, und das Ganze oft filometermeit das sind die Dasen der Sahara! Beilage des Vorwärts Und spricht:„ Ihr Bürger sorgt Euch nicht! Knallt mal ein Schuß, so ist's markiert: Es war schon vorher dementiert!" vor allem in der Dase Bistra gibt es auch Negerdörfer, in seiner ganzen Primitivität. Schon in Algier oder Constantine in den Eingeborenenvierteln oder in den schmalen Arabergassen der Stadt Bistra in der Nähe des Marktes glaubt man, daß die Einfachheit dieser Behausungen nicht mehr zu überbieten sei. Aber hier in den schied in der Lebenshaltung der Araber in den Städten und Dörfern Dörfern sieht man, daß es doch noch einen ziemlich großen Unter gibt. In den Städten sind die Araber, die in der unmittelbaren Nachbarschaft der Franzesen und Italiener Handel und Gewerbe treiben, in ihrer Lebensführung, auch wenn sie noch streng an den religiösen Vorschriften des Koran festhalten gerade jetzt im Monat Rhamatan darf nur während der Nacht gegeffen und getrunken doch schon von werden, während am Tage gefastet werden muß den Europäern beeinflußt. Im Araberdorfe jedoch herrschen noch unverfälscht die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen. Das wirtschaftliche Leben der Dase ist vor allem auf der Gartenkultur aufgebaut. Man pflegt den Palmengarten und sorgt vor allem für die künstliche Befruchtung der weiblichen Blütenstände. Um einen männlichen Blütenstand über den weiblichen zu hängen, müssen die Gartenarbeiter an den hohen schlanken Stämmen hinauf flettern. Die Datteln werden verkauft und von Händlern exportiert cder gegen Getreide eingetauscht. Die Nomaden, die aus den dern, übernehmen dabei sehr oft die Rolle des Händlers. Im Süden Balmengegenden des Südens im Sommer nach dem Norden wanverdingen sie sich als Gartenarbeiter oder Flurwächter und lassen inzwischen ihre Herden auf den spärlichen Futterpläzen meiden. Für ihre Arbeit erhalten sie in der Regel einen Naturallohn in Form eines Teils der Dattelernte. Man darf nicht glauben, daß die Nomaden etwa die arabischen oder berberischen Lumpenproletarier sind. Es gibt auch sehr reiche Nomaden, die mehrere tausend Schafe und Ziegen befizen. Trotzdem bleiben sie dem Nomadenleben treu. Sie haben nur ein schöneres Zelt und einen reicheren Anzug, Am aber sie mögen trotz ihres Reichtums nicht seßhaft werden. Rande der Dafen stehen die schwarzen Zelte der Nomaden; dort treiben sich die zahlreichen Nomadenkinder herum, dort meiden die Tiere. Die Nemadenfrauen holen noch wie es in der Bibel nder in Ziegenlederschläuchen das Wasser bei Homer geschildert wird aus der Dafe. lleberhaupt dürfte das äußere Bild des Dosen und Wüstenlebens sich seit Jahrhunderten kaum verändert haben, wenn nicht gerade ein Auto vorbeifauft. Die Araber reiten zumeist auf fleinen flinken Eseln, die Frau schreitet neben ihnen oder die Muttermit dem Kinde reitet auf dem Mautlier und der Mann geht daneben. Dem Bilde der heiligen Familie" begegnet man am Tage unzähligemal. In den Städten, die sich in der Nähe der Dasen als militärische Plätze, als Handels- und Verkehrszentren und nicht zuletzt als ReiseStoff- und Seidenweberei beschäftigt hier die Araber neben dem und Kurorte entwickelt haben, herrscht reges Treiben. Teppich, Handel und der Fremdenindustrie. Auf diese verstehen sie sich besonders gut; Führer belästigen den Europäer noch piel mehr als in Italien, und Straßenjungen mit einzigartiger Lausbubengrazie lauern dem Fremden mit ihrem Schuhpugzeug auf. Arabische Tänze, von denen allabendlich versichert wird, daß sie nur heute stattfinden, werden im Prostituiertenviertel von Bistra vorgeführt. Die Duled- Nails sind Prostituierte, die für einige Jahre aus ihrer Heimat im Süden der Sahara nach Biskra, das offenbar als Sündenbabel dieser Gegend gilt, kommen, um hier Geld zu verdienen und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren. Sie fizen am Abend vor ihren Häusern und locken die Kunden an; aber das Treiben in den arabischen Breftituiertenvierteln unterscheidet sich wohltuend von der widerlichen Geschäftigkeit und Haft der europäischen Prostitution. Schrille Flötentöne, monotoner arabischer Gefang und Trommeln ertönen dort abends. Daneben fizzen vor den maurischen Kaffeehäusern beim Dominospiel ruhig die Araber in ihrem weißen Burnus, der sich vom Dunkel der Nacht abhebt. Ruhig und würdig. schreiten sie in ihren wallenden Gemändern durch die Straßen, und darüber wölbt sich ungeheuer hoch der von den glitzernden Sternen besäte sadliche Himmel. Otto Leichter. Wenn auch die einzelnen Gärten Privateigentum sind, se ist doch durch die gemeinsamen Wasserläufe von vornherein ein weitgehender Kommunismus bei der Pflege der Palmengärten gegeben. Der Kanal läuft an unzähligen Gärten vorbei, und die kleineren Kanäle, die von ihm abzweigen, versorgen mehrere Gärten hintereinander mit Wasser. Deshalb ist ein tompliziertes System der Wasserverteilung notwendig, damit jede Palme alle zwei bis drei Der Bubitopf als Strafe. Eine Kleiderordnung, die im Jahre Wochen genezt werden kann. Der Kaid, der vom französischen 1754 in Bosen erlassen wurde, enthielt die Forderung, daß es dem Generalgouverneur eingesetzte Araber, der die lokale Verwaltungsbürgerlichen Frauenzimmer" nicht mehr freistehen sollte, die Haare arbeit zu besorgen hat, setzt die Wasserverteilung fest, und die Araber fliegen zu lassen, noch Mäntelchen zu tragen, während gleichzeitig richten sich genau nach seinen Vorschriften. auch die Verwendung gemisser Kleiderstoffe untersagt wurde. Jeder Weiblichkeit, die dem Berbot nicht folgte, drohte indes eine ganz eigenartige Strafe: fie wurde aufs Rathaus zitiert und dort wurde ihr sogleich ein Bubikopf geschnitten. Da diese Haartracht damals aber nicht Mode war, gab es viele Tränen, und so wurde das Ges, fez schließlich wirklich streng befolgt und fein verbotenes Mäntelchen mehr getragen Mitten in der Dafe, manchmal auch am Rande des wasserdurch furchten Gebietes, mo wieder der steinige Sandboden beginnt, liegen die Araberdörfer. An den Wegen liegen die Lehmbauten, zumeist chne jeden Schmud, ohne Fenster. Im Innern dunkel, mit Ausgemiffe Verpflichnahme der Räume, über denen tein Dach ist, ohne Einrichtung, ohne das ist das Wohnhaus des Arabers cder Regers. Schlafstellen Schwarz aber fühlte sich keineswegs wie bisher, war oft zerstreut, wurde ernster, ging weniger in Gesellschaft von anderen Mädchen. Es schien ihm, als lege ihm seine neue Berufung als „ Ehemann" trotzdem diese nur fiktiv mar gewisse tungen auf. Bon Zeit zu Zeit besuchte er seine Frau" und er T 10010 Kleiderftoffe Waschstoffe Zephir für Sportbemden, in schönen Streifen.. Außergewöhnlich billig! 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Volles Abendprogr Dönhoff- Brettl Das große Oster- Varieté- Programm! Anfang 8 Uhr. Sonn- u. Feiert. 5% U Großes Rose- Theater Schauspielhaus 8% U.: Der Traum vom Glück Fair Dich CHAREL- REVUE Kammerspiele Kunstl.- Theater Ein Walzertraum TAGLICH 800 99. 8 Uhr: Die Nackten kleiden..." Heute 8 Uhr 8 Uhr: 8 Th. a. Kurfürstendamm Central Theater Uhr: Eva Bonheur Mieze u. Maria ka Grüning 8 Die Komödie Lustspielhaus Berliner Theater 8 Uhr: Uhr: Messalinette Die rote Cléo Bismarck 2414, 7516 8 Uhr Viktoria Wallner- Theater 8 Uhr: Th. a. Nollendorfpl. Tägl. 8 Uhr: Der alte Dessauer Charlé, Vesperman, Faik, Kiper, Godau, Straaten, Hainisch METROPOL Frieda Weber- Flessburg Otto Urack Martha Hübner 7 und 7 Attraktionen Eintritt 1. 2 u. 3 M Barnowsky- Bühnen Casino- Theater Theater Kolportage Königgrätz.Str. T.:Hasenheid.2110 8 Uhr: Täglich 8%, Uhr: Zum 25. Male Residenz- Theat. Täglich 8 Uhr Der neue Schlager! 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Nalop im 68. Lebensjahre. Dies zeigen liefbetrübt an Friedrich Burkhardt und Kinder. Berlin- Pankow, den 4. April 1926. Brehmeftr 58. Die Einäfcherung findet Freitag, den 9. April, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 37 ffatt.[ 17356 Danksagung. Ziehung 16., 17. u. 19. April Kinderfürsorge ELD- LOTTERIE G 13018 Gewinne und 1 Prämie M. 120000 150000 130000 120000 110000 usw. Alle Gewinne bar ohne Abzug zahlbar. Lose zu 120 M. Porto u. Liste 30 Pfennig. 5 Lose 6M. Porto u.Liste erhältlich bel den Staatlichen LotterieEinnehmern u. in allen Lotterie- Gesch. Deutsche Lotterie- Emissions- Ges. Berlin W 9, Lennéstraße 4 Postscheckkonto Berlin 13870 Verkäufe Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus Emil Lefevre feit 1882 nur Oranien ftraße 158. Reinerlei Beziehungen aur Firma gleichen Namens Botsdamer Straße. Reikzeuge( Richter- Präzision), Gicher heits- Goldfullfeberhalter. 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