Menöausgabe Nr. 164 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. Sl Bcdunsbeblnsunqeit und An�I««ii»r»it« knd in ber Morqenausjxibe anqe«(bfn BeOodion: sw. 68, Cinbenfltofic 3 Zerulprecher: VSohoff ZS2— 2S7 Te>..ASr«si«:Sozialdea>orra» v«r»» Derlinev �entralorgan äer 8o2ialäemokratil'cken Partei Veutfcklanäs �10 Pfennig) Donnerstag S. /lpril 192b Verla» und Znzrtarnadteilung: S«sldästs»«it»— S Udr B-rl«g«r: Vorivört». Verlag ch t e n faschistisch machen, sie muß die leitenden Männer jür alle Ein- richtungen des Regimes stellen.... hinsichtlich der Uebcrgabc der Vollmachten der bisherigen ParteUestung an. die neue sagte Mustolini: Es gibt nichts neues, nichts Hot sich geändert, was die allgemeinen Richtlinien der Parteitätigkcit anlangt, d. h. man wird w e i t e r h i n u n n a ch- giebig sein. Aus der Partei mühten die Streitsüchtigen entfernt werden, Leute, die nicht leben könnten, ohne Zwietracht zu säen. Die Faschisten müssen zwiefach diszipliniert sein, sowohl als Faschisten wie als Bürger. Wir leben in einem faschistischen Staat, der a l l e Kräfte k o n t r o l l i e rt. die sich im Schöße der Ration regen, wir kontrollieren die pplitiichen, mora- lischen und wirtschaftlichen Kräfte, wir sind also in vollem Umfang« der faschistische Genossenschafts st aat. Unsere Auf- gäbe ist' schwer, und die Partei hat eine furchtbare Verantwortung vor der Geschichte übernommen. Im Innern haben wir unsere Schlacht gewonnen, im Ausland aber ist der Sieg noch nicht errungen. Unser Kamps mit dem Aus- land ist hart und immer schwerer geworden. Wir vertreten ein neues Prinzip in der Welt. Wir stellen den reinen Gegensatz dar zu der ganzen Welt der Demokratie, Plutokralie und Frei- maurerei. Der große Historiker Sisnwndi behauptete, daß die Völker, die im gegebenen Augenblick ihrer Geschichte die politische Initiative ergreifen, sie für zwei Jahrhunderte behalten. Tatsachl'.ch behielt das französische Volk, das 1789 die politische Initiativ« crgriis. sie 130 Jahre. Wos das französische Volt 1789 getan hat. bat heute dos faschistische Italien getan, das die Initiative in der Welt e r g r e i s t, das der Welt ein neues Wort sagt und diese Initiatloe wahren wird. Infolgedessen dors man nicht überrascht sein. «veno die ganze well der.unsterblichen" Prinzipien der Brüderlichkeit ohne Brüderllchkeil. der ungleichen Gleichheit, der Freihell mit Willkür, gegen uns verbunden ist. Wir sind jetzt totsächlich an dem Punkt angclongt, wo der Kampf schmierig, verlockend und bedeutungsvoll w>rd. denn die alten lieber- teste der Parteien in Italien in die Fluch« zu schlagen, war ermüdend und undinkbar, dagegen cm neues Prinzip i n der Welt aufzustellen und ihm zum Siege zu verhelfen, stellt eine Arbeit Dar. durch die ei» Volk oder eine Revolution der Geschichte angehören »trd...........■■_________ j_ i— Mustolini fuhr fort; Ich bin kein gewohnheitsmäßiger Optimist, ich sehe ein« schwere Zeit vor mir. Aber dies muß uns, statt uns niederzudrücken, mit Stolz erfüllen. Jede siegreiche Revolution Hot gegen sich eine ganze veraltete Welt. Wir werden einen uns etwa einschließenden Ring durch dreifache Maßnahimn sprengen: erstens, indem wir unsere moralische Einigkeit und die des italienische» Volkes unverketzt be vahren: zweitens, indem wir uns stützen auf das G e nost enschastssystemso, daß keine Arbeit?- energie der italienischen Produktion verloren geht. Schließlich werden wir erforderlichenfalls auch den politischen Ring sprengen, weil Italien lebt und in vollem Umfange das Recht in der Welt, zu leben, für sich in Anspruch niinnit. Morgen werde ich an Bord des»Cavour" noch einmal kurz zu euch sprechen, dann werdet ihr in eure Provinzen zurückkehren mit der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß der Faschismus marschiert und um jeden Preis seinen Weg machen wird, entschlossen, allen Streit und Hader auszurotten, ferner mit der Ueberzeugung, daß alles, wo» rings um mich geschieht, mich gleichmütig findet. Ich habe zur Devise meines Lebens gewählt:„Lebe unter Gefahren". und ich erkläre euch als alter Kämpfer:»Wenn ich vorgehe, folget mir! Wenn ich zurückweiche, tötet mich! Wenn ich sterbe, rächt mich!" was wuröe aus üem Faniboni�Komplott"? Gapcllo heimlich aus der Haft entlassen. Paris, 8. Agzil.(Eigener Drohtberichi.) Der im allgemeinen vorzüglich unterrichtete„C o r r i e r e degli Italiani" ver- öffentlicht«ine Meldung aus Rom, die man allerdings nur unter Vorbehalt wiedergeben kann, weil stc recht seltsam kNngt. Danach soll der General C a p c l l o, der seinerzeit«m Zusammenhang mit dem angeblichen Zaniboni-Attentot verhastet wurde, bereits heimlich auf freien Fuß gesetzt und mit einer ofsi- ziellen militärischen Mission ins Ausland gesandt worden sein, wie die einen sagen, nach Kleinasten und einer anderen Verston zufolge, nach dem Balkan. In faschistischen Kreisen zeigt man gegenüber diesen Gerüchten, die in journalistischen Kreisen vielfach besprochen werden, stärkste Zurückhaltung. Indesten ver- erte eine. wohlunterrichtete politische Persönlichkeit dem römischen cwähtsmann des»Corriere degli Italiani", daß der Prozeß gegen Zanibonl nicht stattfinden würde, weil Musto- lini schon jetzt eine Amnestie für alle Delikte gegen seine eigene Person vorbereite. Aus diese Art werde es dem Iustizminister Rocco möglich sein, die Farce des angeblichen Zaniboni-Komplottes abzuschließen. Diese Meldung ist im»Eorriere degli Italiani" vor dem Be- kanntwcrden des Revoloeranschlogs der Miß Gibson auf Mustolini erschienen. Tatsächlich hat man seit Monaten von der Zaniboni- Affäre überhaut nichts mehr gehört» hingegen ist inzwischen be- könnt geworden, dah Capella seinerzeit non Mussolini beauftragt wurde, den deutschen nationalistischen Verbänden«in Waffenbündnis gegen Frankreich anzubieten. Mustolini hat also alles Interesse Hann, eagtÜM Schweiz« zu(CtaBfci._____.«wt-_ Trotz alledem— Völkerbund! Don Ramsay Macdonald. Der Völkerbund ist noch in seinen Kinderjahren. Wenn er uns enttäuscht, so müssen wir daher mit ihm Geduld haben. Die rein nationalistische und militaristische Politik der Staaten stirbt wahrhaftig nicht an einem Tage; die Gewohn- heiten der Bündnisse, der geheimen Abmachungen, der gc- waltigen Mächte lassen sich nicht in einer Nacht beseitigen: dos Mißtrauen, das in Jahrhunderten herangewachsen ist, und die Rivalitäten, die uns so alt wie Europa selbst zu sein scheinen, werden nur langsam verschwinden. Bis dahin müssen alle diejenigen unter uns, die auf den Bölkerbund vcr- trauen, weil er der einzig mögliche Beginn glücklicherer Zeiten ist, in denen gegenseitiges Vertrauen und die Zusammenarbeit der Nationen den Frieden sichern, redlich versuchen, für den Bund Bertrauen und sittliches Ansehen zu gewinnen, seine Verfassung zu verbessern, wo sie schlecht ist, müssen die Demokratien in ihm mehr zur Geltung kommen lassen und ihn gegen diejenigen schützen, die zwar seine Mitglieder sind, ihn aber nur für ihre eigenen Zwecke auszunutzen streben. Denn dar- über muß man sich klar sein: die alte Diplomatie ist der Tod- feind des Bundes, und erlaubt man ihr, ihn zu betreuen, so wird sie ihn ersticken. Das war das Schlimme an der L o c a r n o- M c t h o d e. Völker, die nur untereinander sich verständigen, tun nicht das Richtige, mögen ihre Ziele auch noch so lobenswert sein. Eine weitaus größere Sicherheit als ein gegenseitiger Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich ist ein Bölkerbund, der beiden durch ihre Mitgliedschaft die Pflicht zur Schieds- sprechung und zur Bewahrung des Friedens auferlegt: dem oerleiht die übrige Welt durch ihre Anwesenheit Nachdruck. lind wenn die Versertiger eines Teiloertrages im Augenblick der Unterschrift annehmen, daß ihr Wille der Wille des Bölker- bundes sei und daß sie dafür bürgen können, daß der Völker- blind ihre Abmachungen verwirklicht, so leidet das Sliischen des Bundes: unvermeidlich folgte das Durcheinander und die Er- nicdrigung des letzten Monats in Genf. Es ist tief bedoucr- lich, daß Deutschlands Bereitschaft, in den Bölkerbund einzu- treten, nicht unmittelbar verwirklicht wurde. Aber die wirk- liche Verantwortung dafür ruht nicht aus den Schultern von Brasilien, sondern auf denen der Kriegsalliierten, die den Locarno-Pokt unterzeichneten. Wir müssen rückhaltlos im Völkerbund sein und müssen ihn als das alleinige Werkzeug für internationale Verständigung hinnehmen. Er schließt mit der Vergangenheit ab, und wenn er seiner Aufgabe gerecht werden soll, so muß er von seinen Mitgliedern geachtet werden. Ich hoffe, daß im September die Fehler des März über- wunden werden, daß Deutschland in den Völkerbund als Gleicher unter den Gleichen in den Kreis der besten und mächtigsten Nationen eimritt. Dann bleiben nur noch die Bereinigten Staaten und Rußland draußen. Nichts wäre damit gewonnen, wenn man auf jene einen Druck aus- üben wollte, sich dem Bunde anzuschließen. Bringen wir erst einmal unser eigenes chaus in Ordnung. Noch für lange Zeit werden die Vereinigten Staaten nicht unbedingt notwendig für den Völkerbund sein, obgleich der Zeitpunkt dafür auch einmal kommen wird. Bei den heute vorhandenen Lcr- hältnisten mag es richtig, sein, daß die Bereinigten Staaten draußen bleiben. Wenn die Berhältnisse sich wandeln und sie die gleiche Politik weiter verfolgen, wird man sie vielleicht für egoistisch erklären. Mit Rußland liegt es anders. Ruß- land wünscht ganz offen, auch weiterhin eine Drohung für Europa zu bleiben. In seinem imperialistischen Nationalismus ist diese bolschewistische Macht in derselben Lage wie der ihm verwandte Faschistenstaat Italien. Wenn Rußland draußen bleibt, so mag es noch der Anständigere von beiden sein. Die friedlichenDemokratien dcs übrigen Europa müssen sich damit abfinden, daß sie auch weiterhin von diesen Dikta- toren bedroht sein werden, und sie sollrcn ihre Politik darauf anlegen, sich gegen beide zu schützen. Die kleinen Völker werden am meisten bedroht sein: ihre Sicherheit kann nur ein. Bölkerbund sein, dem die moralische Hilfe der Welt zur Verfügung steht. Ich kann nicht glauben, daß die italienische Diktatur wegen ihres Charakters und wegen ihrer Entstehung mehr als vorübergehend fein kann. Und wenn Rußland von den auswärtigen Slemtern in richtiger Weife— sicherlich nicht so wie von unserem— angefaßt wird, so wird es andere Wege gehen, seine Selbsttäuschung aufgeben und sich der Gesellschaft der Völker im Bunde anschließen. Keiner, der den geistigen Zustand der europäischen Völker kennt, kann sich ruhig fühlen. Der Friede war ein bewaffneter Friede und Hot offene Wunden und Ungerechtigkeiten Hinterlasten. Die Frage ist nur: wann und wie können sie geheilt werden? Die Gelegenheiten dazu sind rechtzeitig heraufzusphrcil. das Bertrauen muß gestärkt werden und wir müssen uns an ein nachbarliches Berhältnis gewöhnen. Dafür seh« ich keinen anderen Weg als die Zusammenarbeit und Lervtwilllgüüt. die«otsteht, mm orna aa demjelbe» Tische zusammensitzt, dieselben Probleme untersucht, die gleichen An- schauungen entwickelt und die gleichen Pfade des Rechts und der Gerechtigkeit miteinander geht. Der Völkerbund ist unsere einzige choffnung für einen dauern- den Frieden. Schlägt sie fehl, dann bleibt uns nichts übrig, als neue Bündnisse einzugehen und den nächsten Krieg vorzubereiten. Aber sie wird nicht fehlschlagen Demokratie unü Kommunismus. Ausreden der„Roten �fahne". Die„Rote Fahne" fühlt sich gedrungen, die Distussiob über Demokratie und Kommunismus fortzusetzen. Sie macht sich dabei die Sache ungeheuer leicht, indem sie dem Genossen Stampfer allerlei Unsinn unterschiebt— wie z. B. die Behauptung, die Demokratie sei„der klassenlose Staat"— um dann erfolgreich dagegen zu polemisieren. Wir möchten lieber den nicht uninteressanten Streit auf seine Kernfrage zurückführen. Bedeutet die Beteiligung an Aktionen der direkten Gesetzgebung durch das Volk eine Abwendung von früheren Methoden des 5iommunismus und eine Annahme demokratischer Methoden oder nicht? Im Jahre 1919 z. B. oerwarfen die Kommunisten noch jeden Gebrauch demokratischer Kampfmittel als konter- revolutionär. Sie beteiligten sich nicht einmal an den Par- lamentswahlen. dachten erft recht nicht an Voltsbegehren und Volksentscheid sondern predigten einfach die Eroberung der politischen Macht mit der Waffe in der chand. Zur selben Zeit führte Genosse Stampfer in einer Broschüre über die eben vollendete Verfassung von Weimar(Verfassung, Arbeiterklasse und Sozialismus) gegen die Kommunisten polemisierend folgendes aus.- Ein Volt, das gegen die Demokratie die Faust erhebt, schlägt auf sich selber los, es handelt wie ein Wohnsinniger, nicht wie ein politisch reifes Volt. Wenn die Arbeiterklasse sich nicht selbst ausgeben will, dann muh sie sich wieder einigen auf dem Boden der Verfassung. Einigung aus dem Boden der Ver- fassung heißt: Fort mit dem Belagerungszustand! Schulung der Arbeiterklasse im Gebrauch oller versassongsmätzigen Machtmittel zur Fortführung ihres Klassenkampfes! Gemeinsames Bemühen, bei allen parlamentarischen Wahlen sozialistische Mehrheiten zu erzielen und als Reichspräsidenten nur einen zuverlässigen Vertrauensmann der Arbeiterklasse zuzulassen! Vereinbarungen über Gesehentwürfe, die der Volksabstimmung zu unterbreiten sind, und gemeinsame Propaganda für sie! Vermei- dung aller Richtungskämpfe bei der Wahl von Betriebsräten, Auswahl der tüchtigsten, kenntnisreichsten Kameraden zur Wahrung der gemeinsamen Interessen! Planmäßige Sozialisierung nach den Grundsätzen des wissenschaftlichen Sozialismus durch Fortentwick- lung aller vorhandenen, zum Ausbau brauchbaren Elemente! Für diese Einigung der Arbeiterklasse zu kämpfen und sie zu erreichen — mögen die Schwierigkeiten auch noch so groß sein und mögen Bruchteile der Bewegung immer noch im Wahn der Selbstzer- splitterung verharren—, das ist jetzt die Aufgabe der Sozial- demokratie. Vielleicht hat die„Rote Fahne" die Güte, ihren Lesern dieses Zitat mitzuteilen und zugleich einiges von dem abzu- drucken, was sie damals selber geschrieben hat. Dann wirb sich klar zeigen, in welcher Richtung sich seitdem die tatsächliche Entwicklung vollzogen hat und wie weit die Kommunisten schon trotz allem Widerstreben von ihr mitgeschleift worden sind. Zugleich wird man sehen, wie schwindelhaft die Be- hauptung ist, die Sozialdemokratie habe den Sozialismus der Demokratie zuliebe preisgegeben, und welcher Unsinn es ist, Demokratie und Revolution in Gegensatz zueinander zu stellen. Die Demokratie ist eine Errungenschast der Re- v o l u t i o n und als solche zu verteidigen. Den Sozialismus mit den Mitteln der Demokratie anstreben, heißt auch nur für den revolutionäre Ziele aufgeben, der die Revolution nur im cheugabelsinne der brutalen Gewalt kennt. Den Kommunisten Der Umbau öer Staatsoper. Im Zusammenhang mit den Angriffen, denen die Pläne zum Umbau des Staatsopernhauses in der letzten Zeit ausgesetzt waren, fand gestern nachmittag in dem Sitzungssaalc des Preußischen Finanzministeriums eine Presscbesprechung statt, in der der Archi- tekt O b e r b a u r a t F ü r sie n a u, der den Umbau der Staats- oper entworfen hat, ausführlich über die Vorgeschichte und die Pläne Auskunst erteilte. Die wichtigste Mitteilung bestand darin, daß mit dem Um- bau schon begannen ist, so daß an der Tatsache des Um- baues in der vorgesehenen Farm trotz der aufgetauchten Bedenken nichts mehr geändert werden könne. Oberbanrot Fürstenau gab zu» erst einen historischen Rückblick über die Geschichte des Knobelsdorf. schen Laues, aus dem hervorging, daß die Pläne zum Umbau des Bühnenhauses und des Zuschauerraumes im wesentlichen auf den Brand des Theaters in Illinois in den Dereinigten Staaten zurück- gingen. Nachdem man nach Beendigung de» Weltkrieges den Plan eines neuen großen Opernhauses hatte ausgeben müssen, wurde zu- erst em Umbau auf der Zuschauerseite vorgenommen, der es er- moglichte, 1924 die häßlichen Nottreppen zu beseitigen, so daß nun- mebr den Besuchern auch bei einem Brande keinerlei Gefahr mehr droht. Nach der Darstellung Fürstenaus erheischen aber die Ber- hällnisse auf der Bühnenseite dringlichste Aenderung, zumal die Bühnenmaschinerie aus dem Jahre 1849 stammt und völlig er- neuert werden muß. Der Plan, das Opernhaus einseitig nach dem Kronprinzenpalais zu nach Osten zu erweitern, mußte au» Gründen des Verkehrs fallen gelassen werden. Das Abgeordnetenhaus hat ebenso wie die städtische Kunstkommission die Zustimmung zu dem jetzt in Angriff genommenen Plön gegeben, der eine Erweiteruna des Bühnenhouses nach beiden Seitep um etwa sechs Meter vor. sieht. Dadurch wird die häßliche Kulisieneinfahrt auf der Rückseite des Opernhauses gegenüber der Hedwigskirche entbehrlich, der Bühnenraum erheblich erweitert, auf der anderen Seite der Opern- platz zwischen Staatsoper und Aulagebäude der Universität in seiner architektonischen Gestaltung aber sehr verändert, so daß die in der Ecke stehende Hedwigskirche durch den Vorbau des Bühnenhauses weitgehend verdeckt wird. Das war auch für die Zentrumsfraktion des Landtages der Anlaß, gegen den vier Millionen erfordernden Umbau de« Bühnenhauses zu stimmen. Das bei dem Vortrag vorgeführte Modell des Opernplatze» zeigt« u. a.. daß auch eine Umgestaltung des Platzes selbst vorge- sehen ist. Der Straßenbahntunnel soll zugeschüttet, die aus dem Platz befindlichen Bäume entfernt, dos Denkmal der Kaiserin Augusta näher an die Straße Unter den Linden heran- gerückt werden. Oberbaurat Fürstenau«rhgfst hiervon eine freund- lrchere Gestaltung des städtebaulichen Bildes. Die Tatsache der Der- dcckung des Hauptportales der Hedwigskirche mit seinen Säulen und seinem griechischen Giebel kann aber hierdurch nicht geändert werden. Nach dem Vortrage setzte eine lebhaste Diskussion ein, in deren Verlauf Dr. Max Osborn gegen die„Verfchandelung des Knobels- dorf-Gebaudes" sprach. Zur Verteidigung des Plans"»lmr der Abgeordnete Gar. Otto Meier-Lerlm da- Wort, da betonte, daß fehlt der Mut, einzugestehen, daß sie ihr praktisches Verhalten gegenüber der Demokratie geändert haben und weiter werden ändern müssen, ihnen fehlt der Mut einzugestehen, daß ihre Gewalttheorie Schiffbruch erlitten hat. Darum soviel lahme Ausreden. Aber Angst vor der Wahrheit haben heißt alles andere als revolutionär fein.__ Klüngel üer Wahrheitsgegner.. Alle Kuhmäuner jubeln und— schimpfen! Das freisprechende Urteil in dem Prozeß gegen Kußmann und Knall, diese Fanatiker der Wahrheitsseindschaft, hat in dem ganzen Konzern der von Knoll mit Material versorgten Blätter Jubel und Schimpfen gleichzeitig ausgelöst. Jubel darüber, daß Held Kuß- mann jetzt„makellos" dastehe. Schimpfen, well ihm nicht mehr er- laubt ist, die„Hand an der Gurgel der Korruption" der— anderen zu halten. Scherl-Presse und Westarp-Blätter, das Organ der Claß-Clique und die„Tägliche Rundschau", die zu 79 Proz. dem christlichen Haß- Prediger Döhring gehört, zu 39 Proz. aber Herrn Stresemann„nahe- steht", wetteifern in Kundgebungen für das edle Brüderpaar, das gestern auf der Anklagebant stand und mit seiner Lügenhaftig- teit öffentlich paradierte. Der Konzern zur Reinigung der Atmosphäre in der Republik vergißt, daß selbst Kußmanns und Knalls Aussagen kurze Beine haben; vergißt, daß die riesenhafte Skandalmache um den Namen Barmat nichts anderes war. als eine Verpestung der politischen Luft, um in diesem Dunst die Präsidentenwahl zu beein- flussen. Nachdem es gelungen war, Friedrich Ebert in den Tod zu Hetzen, war das Interesse an der„Reinigung" bald er- schläfst. Besonders, da es gelang, die Fäden der Mache aufzudecken. So wenig Glauben auch der Knoll verdienen mag, der sich seiner falschen Aussagen öffentlich rühmt, das ein« kann man doch als wahr unterstellen: Die„Anti-Korruptionskampagne" wurde finan- ziert von jenen Arbeitgeberkreifen. die die Korrumpierung der Gewerkschaften sich zum Ziel setzten und beim Verband der Behrens und Genossen einen erfolgreichen Anfang machten. Daß sie oersuchten, durch gewaltig« Mittel auch die Sozialdemokratie auf dem Umwege über Karl Erdmann und verwandte Größen zu ver- wirren, ist bekannt, aber durch die Warnung im.Vorwärts" recht- zeitig oerhindert worden. Der Fall Pcltzer-Knoll. In der gestrigen Verhandlung des Kußmarm-Knoll-Prozesses haben K u ß m a n n und Knoll strahlend zugestanden, vor Staats- anwalt und Untersuchungsrichter drei st geloge nzu haben. Des- wegen waren ihre Angaben in der Hauptverhandlung durchaus nicht wahr. Aber die Anklagebehörde verstand auch hier einmal wieder mcht, die offensichtlichen Lügen nachzuweisen. Da bisher fast alles Material in dieser Standoloffäre der Staatsanwaltschaft von uns erbracht werden mußte, müssen wir auch hier einmal wieder nachhelfen. Kußmann und auch Peltzcr haben in der Hauptoerhandlnng die Sache so dargestellt, als fei Knoll chr Vertrauensmann gewesen, dem ie mit bestem Gewissen Akten überlassen dursten. Heber das„Wie" haben sie sich freilich nicht ausgelassen, sonst wäre die Fabel von ihrem guten Glauben schnell zerstört gewesen. Nun bat ober zum Glück Knoll selber für den Hausgebrauch der Be- teiligten eine Darstellung des wahren Sachverhaltes gegeben. Der von ihm geäußert« Zweck war dabei, daß an Hand dieser Grund- lag« die von der Verteidigung einzuschlagenden Wege besprochen werden könnten. Auf die naive Frage eines Anwesenden, ob es sich um eine Eingabe an das Gericht oder die Staatsanwollschaft handle, antwortete Knoll lächelnd:„Er(der Fragesteller) sei wohl verrückt, wenn er da» der Staatsanwaltschaft schicke, so seien sie alle hereingefallen. Es solle vielmehr der Ber- teidigung eine Grundloge gegeben werden, wie es wirklich gewesen sei, damit man sich dann entsprechend herauslügen könnte. Es solle an der Hand des Exposes„der Schlachtenplan besprochen werden". die Kommission des Abgeordnetenhauses trotz schwerer Bedenken in künstlerischer und ästhetischer Hinsicht dach ihre Zustimmung ge- geben habe, und zwar aus sozialen und S i ch e r h e i t s- gründen._ ver auf neu gebügelte alte vessauer.„D« r o l t e Dessauer". die bekannte Operette von Richard Keßler, Musik von Robert Winterberg, wird weder neu und noch lebensfähig, auch wenn man ihn. wie im Theater am Nollendorsplatz, neu einstudiert und mit einer verschwenderischen Dekoration ausstattet. Es ist ein Versuch am untauglichen Objekt. Ein dünner und alberner Stoff— das Eheprvblem zwischen einem Fürsten und einem Dürgermädchen— wird dadurch nickst interessant, daß man ihn mit Parademarsch. Auswand von Militäruniformen und höfischem Kitsch zu beleben sucht. Die Operette bleibt eine kindische Angelegen- heit, da die Musik keine Einfälle hat und nach genau dem obge- brauchten Schema verfertigt ist, wie dos Libretto. Ts wechseln ständig Ulk und Schmalz miteinander ab. Da man darauf verzichtet hat, Darsteller mit geschulter Stimm« zu beschäftigen, so wird man auch im Theater am Nollendorsplatz mit der Operette keine Lorbeeren ernten. Aber ein Vorschlag zur Güte: Mit nur ganz wenigen Aenderungen kann man au» dem alten Dessauer ein« famose Parodie auf unser heutiges Geschäftstheater mit dem historisch-patriotischen Einschlag machen. Der alte Dessauer als Parodie, so was würde bestimmt ziehen. Dzr. Da» Volt am Acqualor. Die„U r a n i a", klassisches Urauf- führungstheater des beiehrenden Films nachgerade, zeigt täglich bis zum 11. April«inen Südseesilm hoher Qualität und großer Schön- hett.„Das Volk am A e q u o t o r" war zu der Zeit, da der Kameramann unter ihm weilte, vor allem damit beschäftigt, den Snllan von Delhi zu krönen und zu feiern, gewährte aber außer- dem so hübschen Einblick in seine unverbildete Lebensführung, daß man noch persönlicher Teilhabcrschajt sich fast sehnen könntet Der Film läßt die Eigenheit und Einheit einer un» fremden Kultur, die einer Urwelt der Schönheit, der Wörme und der Farbigteit ent- wächst, deutlich erahnen. Da er nicht mehr geben kann, ist er kein„Erlebnis", aber gute Berichterstattung, lebendige Zettung. erea. Zehn neue Jeiß-Plonelariea. Bei der Firma Karl Zeiß in Jena, welche das Zeiß-Planetarium des Deutschen Museums in München, das zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten de» Museums gehört, geschaffen hat. sind jetzt im ganzen' zehn neue Planetarien bestellt worden, und zwar von den Städten Berlin. Leipzig, Dresden. Stuttgart, Hannover. Düsseldorf, Barmen. Mann- beim Hamburg und Nürnberg. Ein bereits fertiggestelltes Planetarium wird auf der großen Düsseldorfer Ausstellung 1926 zu sehen sein. CK unterirdischer Kanal. Daß Schisse auch unterirdisch ver- kehren, dürste bisher noch nicht dagewesen sein. Jetzt ist es erreicht. denn die Untertunnelung des Höhenzugs van Nerche, die notwendig war, um das Wert des Warseille-Rhone-Äonal zu Ende zu führen, ist nun fertiggestellt und wird in nächster Zett dem Berkehr über- geben. Der Tunnel führt den Namen Rooetunnel, hat«ine Länge von 734 Kilometer und eine Brett« von 29 Meter». Mit seinem Aus diesem Expos«, das also nach Knalls Angabe die Dahrhett enthält, geht hervor, daß sich die von Peltzer in der Hcruptver- Handlung zugestandene Uebergabe eines Berichtes de» Reichs- rechnungshofes an Knoll durch Peltzer folgendermaßen abge- spielt hat: Es fand in einem W i r t s l o k a l ein Zusammentreffen statt zwischen Swatsanwaltschaftsrat Peltzer und Knoll. Beide sahen . zusammen an einem Tisch. Pclher hatte eine Aklenmappe mit Akten bei sich, machte dieselbe aus, zog ein Atleuslück, welches in einen blauen Aktendeckel gehestet war, halb heraus und sagte: „Denn knall das wühle, was dorm stände, dann wisse knall genug, doch dürfe er, Peltzer. dem knall die Akten nicht geben.' Hierauf machte Peltzcr die Aktentasche wieder zu und legte sie neben seinen Stuhl auf den Boden, stand auf und ging„mit einem vielsagenden Lächeln" nach der Toilette. Zozwischea nahm knoll den blauen Akleubaud an sich und mochte die TUappc wieder zu. Peltzer kam zurück und ging bald darauf fort. Run lieh Peltzer durch Kußmann dem Knoll mehrere Tage hintereinander sogen, Knoll möchte doch schleunigst das Aktenhcst wieder zurückbringen. Aus dieser Darstellung geht klar hervor, daß von gutem Glauben weder aus Pcltzers noch auf Änolls Seite die Rede sein konnte. Nach der Dernehmung. Peltzers durch die Staatsanwaltschaft äußerte Knoll zu einem Zeugen: Peltzer hätte besserdarangetan.die Herausgabe eines gewissen Aktenstückes zuzugestehen und sich damit zu ver- teidigen, er. Pelger, hätte chn. Knall, für einen Mttarbetter Kuß- manns und sich deshalb für berechtigt geholten, ihm Einsicht:n das Aktenheft zu gewähren. Nun aber habe sich Peltzer als feige erwiesen und einen Zurückziehe? gemacht, und das sei sehr gefährlich für Peltzer, denn wenn es in der hauptoerhaadlung hart aus hart ginge, dann würden er und kußmann Pciher hereinfliegen lassen. Für diese Darstellung besitzen wir Urkunden und können außerdem Zeugen namhaft machen. Sie ergibt klar, daß die gestrige Hauptoerhandlung eine Komödie war, bei der die Beteiligten nach einem vorgefaßten Plan sich gegenseitig entlasteten. * Wie der Amtliche Preußische Pressedienst erfährt, hat in der Strafsache gegen Kußmann und Knoll die Staatsanwaltschaft beim Landgericht I gegen das freisprechende Urteil des Schöfjengerichts Berufung eingeleg Was das Gericht dem Sit�matta glaubte. In dem Prozeß gegen Kußmann und Knoll wurde durch den Anklagevertreter, Herrn Oberstaatsanwalt T e tz l a f f, einwandfrei folgendes nachgewiesen: Am 23. Mai 1923 ist der Staatsanwalt- schast I und damit auch Herrn Kußmann durch ministerielle Per- fügung die Sache Barmat entzogen und auf die Generalstaats- onwaltfchaft beim Kammergericht übertragen worden. Am 29. Mai ersolgte die Uebergabe der Akten. Gleichwohl hat noch im Juni 1923 Herr Kußmann Schritte unternommen, um einen ge- wissen Lionel Isaac in Rotterdam nochmals vernehmen zu lassen und zwar durch einen seiner„Bertrauensmänner", einen gewissen Dr. Richter. Angeblich zu diesem Zweck hat er K n o l l im Juni das Protokoll der srüheren, von ihm und Kriminalkommissar Gans vorgenommenen, Vernehmung Isaocs ausgehändigt. Danach wäre Kußmann in diesem Falle unzweifelhaft zu be- strasen gewesen, da er im Juni gar keine Versügungsgewatt mehr in der Sache Barmat hatte. In feinem Schlußwort kam nun Kußmann mtt der Entschuldigung, er Hobe auch nach Entziehung der Barmat- Sache noch andere Karruptionssälle. darunter den„kleinen Darmot- Prozeß" zu bearbeiten gehabt und hierfür die Vernehmung Isaocs sür notwendig gehatten. Dos Gericht glaubte Herrn Kuß- mann dies und sprach ihn im Falle Isaac ausdrücklich mtt dieser Begründung frei. Ein geringes Eindringen in die Materie hätte sofort den ganzen Schwindel entlarvt. Wer ist nämlich dieser Lionel Isaac? Er sst ein ehemaliger angeheirateter Verwandter Barmat s. der jahrelang seinem reichen Schwager auf der Tasche log. Infolge von Handlungen, die für Herrn Isaac sehr wenig ehrenvoll sind, wurde seine Ehe geschieden und Isaac für den schuldigen Teil er- Bau wurde bereits 1916 begonnen, und zwar ist der Erbauer der Ingenieur Ehagnaud, von dem auch da» Projekt der ersten Unter- grundbahn in Paris stammt. Um den Tunnel fertigzustellen, mußten nahezu 2K Millionen Kubikmeter Gesteinsmassen entfernt werden. Modernisierung de» türkischen kuastlebeas. Malerei und Plastik sind im Bereich des Islam niemals recht entwickctt worden. denn die Lehre des Propheten verbietet,«in Abbild de» Menschen nach dem lebenden Modell zu schassen. So fand denn die künstteri- sche Betätigung ihr Hauptfeld im Kunstgewerbe, und nur in den Miniaturen der islamischen Handschriften entfaltete sich eine reichere. aber nicht für die Oessenttichkeit bestimmte malerische Darstellung. Nun bricht die moderne Türk« muh mit diesem uralten Borurteil. und binnen kurzem wird dos erste plastische Werk, das«inen Men- schen wisdergibt. in einem mohammedanischen Lande ausgestellt werden. Es'ist dies die Statue des Präsidenten Kemal Pascha, der in bürgerlicher Kleidung von dem österreichischen Bildhauer Krippel modelliert worden Ist. Stambul. Angara und auch dos europäische Viertel von Konstantinapcl sollen Statuen des Präsiden- ten erhalten. Diese ersten Denkmäler werden noch von Fremden ausgeiührt, aber in der Schule der schönen Künste zu Konstantinopel wird jetzt bereits eifrig auch von Türken nach dem nackten Modell gezeichnet und modelliert. Türkische Frauen haben sich ollerding» nach nicht zu Modellen hergegeben, sondern die Frauen, die den Künstlern zur Verfügung stehen, sind Russinnen und Jüdinnen. Aber zweifellos werden binnen kurzem auch Türkinnen sich dem Madellstehen widmen, und schon jetzt arbeiten türkische Männer und Frauen noch dem nackten Körper. Der Bruch mit der alten Ueber- liefern ng ist aus das persönliche Eingreifen Kemals zurückzuführen. der überhaupt an der Entwicklung der schönen Künste das regste Interesse nimmt. Lildoerleih auch in Amerika. Der Gedanken«wer Leihgalerie moderner Bilder, der bei uns mehrfach erörtert wurde und jetzt der neugegründeten Deutschen Kunstgemeinschoft zugrunde liegt, ist nun auch in Philadelphia verwirklicht worden. Das amerikanisch« Unternelzmen verleiht. w:e.Kunst und Künstler" berichten, gegen eine Gebühr von nur zehn Dollar jährlich an seine Mitglieder an» seinem Besitz jährlich wechselnd entweder sechs Bilder oder zwölf graphische Blätter. Es handett sich dort allerdings nicht um eine Künstlcrgemeinschaft, sondern um einen Klub, der die Kunstwerke erwirbt. Bruno Taut bleibt in Deutschland. Die in unserer heutiaen Morgenausgabe an dieser Stelle mitgeteilte Notiz, daß Bruno Taut zunächst sür die Dauer«ine» Jahres nach Rußland übersiedeln wolle. entspricht, wie wir ersahren. nicht den Tatsachen. Es handett sich oiettnehr um ein« Einladung der Moskauer Stadtoerwoloma an den bekannton Architekten, auf kurze Zett nach Moskau zu kommen. um fem« Erfahrungen beim Bau von Arbetterwohnungsn der Stadt- Verwaltung nützlich zu machen. Eine dauernde Uebersiedlung Taut?. der zurzeil mit eigenen Arbeiten sehr stark beschäftigt ist, kommt aus kernen Fall in Fruge. Lndolf Leonhard lieft aus Einladung der DolUdübur an» 14. April. abeudt S Uhr. im Rittersaal der Oper am aut somen Derteu. EinlaSlarun Ä. 0*60. fTört Mit dem bisherigen bequemen Leben war es nunmehr aus und— Herr Jsaac ging unter die Enthüllcr. Was dieser Herr nun immer auch erzählen mag, eins geht aus der ganzen Vorgeschichte zweifellos hervor, daß nänilich die Aus- fegen und das Protokoll des Herrn Jfaac lediglich auf die Sache Barmat in engstem Sinne Bezug hoben kämen Der sogenannte.kleine Barmat-Prozeß"' führt seinen Namen bekanntlich daher, daß er mit Barmat nicht das mindeste zutun hat, sondern vollkommen selbständige Betrügereien eines Dr. Feld bei der Seehandlung zufanunen mit drei ungetreuen Lombardbeanllen behandelt Für diesen wie auch alle sonstigen enderen Fäll« konnte also die Aussage des Jsaac nicht das mindeste nützen. Indem aber das Gericht es ängstlich ab. lehnte, auf den Inhalt dieser Aussoge einzugehen, baut« es Herrn Kußmann die Brücke zu seiner an sich sinnlosen Ausred« und sich selbst damit die Brücke zum Freispruch. Interessenkampf in üer Elektrowirtschast. Tie Stellungnahme des preußischen Haudelsministers. Es ist bekannt, daß der Reichsoerband der deutschen Industrie zusammen mit anderen Unternehmerverbänden einen großen Propagandafeldzug gegen die sogenannte„kalte Sozialisierung" begonnen hat. Einen breiten Raum nimmt in diesem Kampfe gegen alle Versuche, den staallichen und gemeinwirtschastlichen Einfluß auf die Wirtschaft auszuschalten, die Forderung der Prioatinteressenten ein, daß der Staat sich nicht in die Elektrowirtschaft einmischen dürfe. Die Privatindustrie hat es verstanden, den ersten Versuch einer gemeinwirtschastlichen Regelung der Elektrizitätserzeugung und-Verteilung zu vereiteln: das bald nach der Revolution geschaffene Gesetz zur Sozial sierung der Elektri- zitätswirtschaft war keinen Tag praktisch in Geltung. Heut« ist man höchst ärgerlich darüber, daß der Staat nach dem Versagen der gesetzlichen Mittel das ö k o n o- mische Mittel in Anwendung bringt, durch Aktien- e r w e r b sich eine eigene starke Stellung innerhalb der Elek- trizitätserzeugung und-Verteilung zu erringen. Die Privat- Industrie sieht das als eine Rivalität an. Demgegenüber betont jetzt der preußisthe Ha nielsminister Dr. Schreiber in einem Aufsag im„Berliner Tageblatt" noch einmal mit allem Nachdruck: Die preußische Regierung erstrebt nichts anderes als die ein- heitliche elektrowirtschaftliche Organisation möglichst großer geschlossener Gebiete, die rationell« Weiterentwicklung ihrer eigenen Betriebe und ein planvolles Zu- sammenarbeiten der in der Elektrowirtschaft vorhandenen leistungs- fähigen Großunternehmungen zur Erreichung einer möglichst voll- kommenen Stromversorgung des ganzen Landes. Der preußische Handelsminister begründet im einzelnen, wie die bisherigen Erwerbungen des preußischen Staates diesem Ziel einer Rationalisierung der Elektrowirtschaft dienen. Wir haben wiederholt unsere Stellung dahin zum Aus- druck gebracht, das vom Standpunkt der staatlich regulierten Gemeinwirtschaft aus gegen die Erwerbungen des preußischen Staates in der Elektrowirtschaft nicht nur nichts einzuwenden ist, sondern daß sogar der S t a a t sich zum Trägereiner großzügigen E l e k t r i z i tä t s w i r t s ch a f t auf lange Eicht machen muß. Der kommunalwirtschaftliche Einschlag, den die großen Betriebe, wie das Rheinische Elektrizitätswerk, zweifellos haben, re ich t zur Wahrnehmung dieser Nektrizitätspalitik. die sich mindestens über den ganzen Freistaat Preußen, wenn nickst über das ganze Reich hinweg erstrecken muß, staglo« nicht aus. Im Gegenteil, birgt er, da er an die einzelnen großen Kohlen- und Wasserkraftvor- kommen gebunden ist und örtlich ziemlich genau abgegrenzte Gebiete umfaßt, die Gefahr von Kanslikten zwischen den e-nzelnen interessierten Gruppen. Es ist hier die hohe Aufgab« des Staates, für einen Ausgleich widerstreitender Interessen und für eine einheitliche Elektrizitätspolitik zu sorgen. Wünschenswert wäre es. wenn das preußische Handelsministerium einmal vor aller Oestentlichkeit darlegte, inwiewet es sich die gemeinwirtschastlichen Ziele einer plan- vollen Elektrizitätswirtschaft zu eigen macht. Die allgemeine Feststellung, daß eine möglich vollkommene Stromversorgung des ganzen Landes herbeigeführt werden soll, genügt dazu noch nicht. Soll mit der Senkung der Erzeugungstosten der Elektrizität auch ein« Senkung der Preise für den letzten Verbraucher erzielt werden? Soll die Macht- stellung des Staates in der Elektrizitätswirtschaft auch dazu dienen, die Strompreise der oerarbeitenden Industrien zu nivellieren und so gleichmäßige Existenzbedin- fu n g e n auch für Betriebe ,zu schasten, die weit e n t- ernt von den Kraftcrzeugungsorten liegen? Soll auf diese Weis« die Elektrowirtschaft.zu einem wirkungsvollen Faktor der allgemeinen Wirtschaftspolitik gemacht werden?— Alle diese Fragen bedürfen der Klärung: wir sind überzeugt, daß eine klare«Stellungnahme des Handclsministe- riums hierzu manche Borurteile beseitigen würde, die bisher gegen die staatliche Elektropolitik bestehen. Schon jetzt ist es zu begrüßen, daß die preußische Regierung eindringlich betont. sie verfolge mit chrer Elektrizitätspolitik keineswegs nur die machtpnlitsfchen Zwecke, die ihr von ihren Gegnern unterschoben werden. Zefte Haltung üer Sörse. Die heutige Börse zeigte Fortsetzung der Befestigung der gestrigen Nachbörse, da verschiedentlich Auslandsinteresse und Deckungskicdürfnis der Spekulation vorlog. Das Prämiengcschäst war teilweise reckit lebhaft. Von Montan- a t t i e n wurden Rheinstahl wieder bevorzugt, auch Deutsch-Lux. Von 61«mischen Papieren hatten Rhenania und Scheide- mondel das größte Interesse. Auch die Mehrzahl der Elettropapier« profitierte von der Aufwärtsbewegung. Waggon- und Autowerte zum Teil wieder sehr fest, am Schissohrts markt fanden große Umsätze in Elbeschissohrtsakticn statt, wahrscheinlich aus tschechische Rechnung. Banken stiller. Am Rentenmarkt war K r i e g» a n- leihe mit 0.482 sehr fest. Im weiteren Verlause konzentriert« sich das Interesie auf Schantung, oberschlesische Werte, die vor- erwähnten Spezialitäten und Anleihen. Glänzender Erfolg der ersten graste« Jndustrieanleihe. Wie sehr die Aufnahmefähigkeit des intänbischen Kapitalmarktes für festverzinsliche Werte in allerletzter Zeit zugenommen Hot, dafür Hot die Zeichnung auf die Obligationsanleihe der Continental Caoutschuc» und Guttapercha Company einen außerordentlich sinnfälligen Beweis geliefert Der deutsche Anteil der 2k>-Millionen-Anle!hs wurde so überzeichnet daß die Zeich- nungslisten sofort nach Leginn wieder geschlossen wurden. Man rechnet in unterrichteten Kreisen damit, daß ander« gurfundiert« deutsch« Unternehmungen in gleicher Weise Inlands- anleihen aufnehmen tonnen, die Abhängigleit von den Auslands- pnlechen Hot also ganz wesentlich nachgelaü«. vorstaüttunftler. Kennen Sie Chaplin? Nicht den englischen Filmstar mit Fantasiehonoraren, sondern seinen Doppelgänger draußen im „hohen" Norden Berlin, in einer jener Kneipen, in denen Elend, Trunksucht und Laster zu Hause sind, in der man Arbeitslosigkeit und verfehltes Leben mit Alkohol betäubt... Dort..mimt" Chaplin und dazu singt er mit halbgeschulter Stimme, die Nikotin und„zu- viel" des edlen Gerstensaftes heiser gemacht hoben, volkstümliche Schlager. Befriedigt verbeugt er sich vor dem frenetischen Beifall und zählt eifrig die kassierten Groschen, denn die Außenseiter des Lebens geizen weder mit dem Beifall noch mit dem klingenden Lohn. Manchmal, wenn er zuviel Beigaben spenden soll, zieht er ein altes zerfetztes Mitgliedsbuch der Artistenkoge wehmütig lächelnd au« der Tasche:„Seht. Kinder, das war einmal euer Chaplin!" Hastig stürzt er dann einen Kognak hinunter... Einen? einen. zwei, drei... Di« Türe geht auf, der„sanfte Heinrich" tritt ins Lokal. Ein lang aufgeschossener Sfjähriger Bursche mit dem Keim der Tuber- fulose in dem schmalen, unterernährten Körper, ein ehemaliger Student der heute mit schüchtern mädchenhaster Stimme ein paar harmlose Taschenkunststücke in den Lokalen zeigt wahrlich ein tragischer Held aus der Bühne des Lebens: Ehrgeiz, Kastengeist, Arbeitslust und Lebensfreude ist polternd in Scherben gesprungen. als Marionette absolviert er noch mit stoischer Ruhe das ihm übrig- gebliebene kurzfristig« Gastspiel auf Erden... Borstadtkünstler. Sie olle schmachten nach der Sonne und sind am Hohenweg wander- müde liegen geblieben. Dort der wie ein Indianer bemalte Klavier- spieler. Der Iugendspaß, sich„stechen", das heißt tätowieren, zu laflen, Ist ihm zum Schicksal geworden. Kein anständiges Unter, nehmen engagiert ihn, dabei spielt er mit der Genialität eines Künstlers in Frack und Lackschuhen. Der stets pfeifende, singende, musizierende bayerische Seppl scheint dos Leben leichter zu nehmen als andere. Er schlägt mit der derben Faust aus den Tisch, wenn „moralischer Katzenjammer" als ungebetener Gast an manchen Abenden sich an den Stammtisch des Lokals setzen will.„Damisch: Leimsieder. windige Schmachtlappen seid ihr. Was scheert mich der Krampf von Lebensbejahung und Lebenserinnerung? Zahlt liaber a Maß Bier. Dös is mei Daseinszweck.. Ehemalige „Kanonen" vom Theater, Kino, Barike, sie alle sitzen hormonisch zusammen mit ihren Mädchen. Halbseide, Weltstadtelend! Wer wagt es auf sie alle den ersten Stein zu werfen und denkt dabei nicht an das Glashaus?— Sie gehen weiter den Weg, den die Brutalität des Erwerbskampfcs, ein kleiner falscher Schritt ihnen vorgezeichnet Hot, vegetieren und verschwinden klaglos. Der Lebcnsmutige aber schwingt rücksichtslos knallend die Peitsche.,, Die Sicherheit beim Wassersport. Zu dem Unglücksfall beim„Wendenschloß". Zu der Notiz„Flußpiraten" in unserer Nr. 160 wird uns von einem älteren Arbciterruderer folgendes geschrieben: „Die Strecke Grüna u— W e n d e n s ch l o ß— M a r i e n l u st ist«ine der g e s ä h r l i ch st e n auf den märkischen Wasserstraßen. Hier sind nicht mir die Standplätze der meisten Seglervereine, hier sind auch die großen Baotschuppen. in denen fast an die tausend Privatboote lagern. Unzählige Motorboote vermitteln den Fährverkehr von und nach Grünau und tragen ihrerseits zur Er- höhung der Unsicherheit gerade an dieser Stelle bei. Meist mit sehr jungen Steuerleuten besetzt und übersüllt, suchen sie auf schnellsten: Wege, meist unter Außerachtlassung der vorgeschriebenen Fahrstraße. ihr Ziel zu erreichen. Sic gerode bilden für die Ruderer und Paddler die größte Gcsobrenguelle. Hier ereignete sich auch, wenn ich mich rechl entsinne, während des Krieges der Zusammen- stoß zwischen einem Fährbopt und einem Per- sonendampser, bei dem einige Personen ums Leben kamen. Fast jeden Sonnteg ereignen sich an derselben Stelle kleinere Un- fälle, die nicht in die Oessentlichkeit kommen. Auch die ungeheure Zunahme des Motorbootsports, der häusig von wenig Sachkundigen ausgeübt wird, ist eins ständig größer werdende Ge- fahr. Sieht man doch häusig Frauen und selbst Kinder am Steuer. Sl« glauben, wenn sie nur recht oft ihr„Tatütata" ertönen lasten. alles getan zu haben, um nachher jede Schuld von sich abzuwälzen. Alle diese Dinge sollten ober gerade den Paddlern zur Warnung dienen. Die meisten Paddler sind sogenannte wilde Fahrer. die weder eine rudertechnisch« Ausbildung erfahren hoben noch einem Verein angehören. Sie bauen oder kaufen sich ein Paddelboot. setzen sich hinein und glauben nun schon erfahrene Kanusporller zu sein. Ich kann mir kaum denken, daß der rammende Riemenoierer seine selbstverständlichste Pflicht ohne weiteres nicht erfüllt hat. Es ist ober mit einem schmalen, nur 85 bis 90 Zentimeter breiten Sport ruderboot soft unmöglich, einem gekcntertcn Boot Hilfe zu bringen. Der Ertrinkende klammert sich meist an Kie Riemen oder an eine Seite de? langen schmalen Bootes und bringt es dadurch unweigerlich zum Kentern. Auch ist ein Vierer, der meist eine Länge von 12 bis 13 Metern hat, mit seinen vier bis 4 Meter langen Aus- legerriemen nicht m der Loge, auf eine kurze Distanz zu monöve- rieren. Mir lelbst ist vor Jahren bei einem ähnlichen Rettungs» versuch mein Boot arg beschädigt worden. Die Ruderer müsten, ehe sie aus da? Wasser losgelassen werden, unter Leitung eines geprüften Lehrer» einen sechs- bis achtwächigen Kursus durchmachen. Erst nach wachenlangem Ueben im Bassin oder Ruderkastcn gehts dann mit noch zwei älteren Ruderern im breiten Boot aus kurze Uebunos« fahrt. Erst wenn hier nach nochmaligem wochenlangcm lieben alles klappt, ist der junge Ruderer fertig. Ebenso strenge Ausbildunas- Vorschriften bestehen für die Steuerleute. Die Arbeiterrudervereine hüten sich, ihr wertvolles, unersetzliches Materiol unerfahrenen Ruderern an.zuvertrauen. Alle diese rudertechnischen Boraussetzunaen fallen bei den Paddlern fort. Aber gerade deshalb sollton sie sich gewissenhaft prüfen, ehe sie ins Boot steigen." Wir haben in der belresfenden Notiz bereits die Möglichkeit zugegeben, daß die verunglückten Paddler ihr Boot nicht einwand« frei gesteuert hatten. Aber gerade die in dieser Zuschrift geschilderte Tatsache, daß die Strecke Grünau— Wendenschloß— Marienlust zu den gefährlichsten auf der Dahme gehört, mußte auch die Führer de« Rcnnruderbootes veranlassen, so vorsichtig wie möglich zu fahren. vielleicht gibt dieser Unfall einmal den Anlaß, darüber nochzu- denken, ab es nicht vorteilhaft wäre, alle Bovtsbcsitzer zu zwingen, ihre Fahrzeuge mit Nettungsgerot(Luftschläuche, Luftkisten oder dergleichen) auszustatten, die den Verunglückten zugeworfen werden können, fall? ihr eigenes Nettungsgerot unklar geworden ist. Oer Grundfotz„Sicherheit an erster Stelle" sollte auch für den Wasser- spart gelten. Der Unsall beweist jedenfalls, daß hier noch vieles im argen liegt._ In der Trunkenheit. Der geheimnisvolle Tod des polnischen Handlers Joseph Lapanomlcz, der in seiner Kellerwohnung in der Rüderdorser Str. 57 mit einem doppelten Schädelbruch im Belle liegend tot aufgefunden wurde, ist nunmehr ousgeNört. Er ist ein Opfer der Eifersucht geworden. Wie die Kriminalpolizei ermülelte, knüpfte L. trotz seiner vorgerückten Jahre mit vielen Landsmänninnen an. die in Berlin wohnen oder sich auf der Durchreise hier aushielten. Wovon er eigentlich lebte, weiß niemand so recht. In der Umgebung ds» Schlesischen Bahnhofs sah man ihn oft bei Zechereien mit seinen Geliebten. Mehrer« Zeugen bekunden, daß er am 0. März zuletzt mit zwei Polinnen und einem Polen in dem Lokgl von Ziegler war. in dem er am Tage vorher seinen Geburtstag gefeiert hatte. Mit diesen Frauen und dem Mann« sprach er wieder stark dem Alkohol zu, Alle vier waren angetrunken, als sie schließlich gemeinsam die Wohnung in der Rüdersdorf er Straße aufsuchten. Nachdem der Mann diese verlassen hatte, gingen dl« beiden Polinnen auf Anträge, die ihnen Lopanawicz machte, ein. Dabei wurden sie von deni plötzlich zurückkehrenden Manne überrascht Dieser schlug mit«inen, runden Gegenstand« aus Lapanowicz«in. Dann verließ er mit den beiden Frauen die Wohnung. Die Kriminalbeamten ermittelten gestern diese drei und stellte sie den Zeugen gegenüber. Der Mann bestreitet, Lapanowicz überhaupt gekannt zu haben. Die beiden Frauen erklären, es könne wohl so sein, wie die Zeugen sagten, sie selbst könnten sich der Dorgänge nicht mehr entsinnen, weil sie betrunken gewesen seien. Alle drei wurden festgenommen und in dos Polizeigefängnis eingeliefert. Sie werden heute noch weiter oerhört werden._ Die freigeistige Woche. Die gestrige Sitzung im Herrenhaus wurde eröffnet mit einem Vortrage des Genossen Löwen st ein:„Die Bolksschul«, wie sie ist und wie sie sein sollte." Genosse Löwenstein legte in seinem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Dortrag« die Notwendigkeit der Verwestlichung der Schule dar. Das gesamte gesellschastuch« Leben strebe der Berweltlichung zu. Darum muß diese Frage als eine öffentliche Angelegenheit behandell werden. Die Jugend ist im Geiste der gesellschaftlichen Verantwortung zu erziehen, und dazu ist es notwendig, daß wir uns alle von alten BvrsteUungen lösen. Freimachung von aller Romantik, die trotz schöpferischer Gedanken letzten Endes doch immer im Himmel endet. Was fehlt, ist der Mut zum Schossen für die Zukunft. An der Erziehung der Jugend zu arbeiten, ist eine Aufgabe, der sich niemand entziehen soll, der willen» ist. aus dem heranwachsenden Geschlecht Menschen des Willens für die neue Gesellichoü zu machen.— In der Di». k u l f i o n bemängelte Genost« Wurm das zu gering« Interesse in der freigeistigen Bewegung für die gesellschaftliche Ausklärung. Genosse Prof. Hartwig betonte, daß in der heutigen Schul« da» Kind nicht zu seinem Rechte kommt. Die negativ: Kritik könne hier aber nichts ändern, sondern man muß zeigen, was man Besseres zu geben hat. Di« heutige Schul« ist ein Produkt der wirtschaftlichen Entwicklung. Darum ist es sinnlos, heute Dinge einführen zu wollen. die sich nicht verwirkliche., lasten. Da» unterscheidet ja eben den Marxismus von der bürgerlichen Wissenschaft, daß er die gesell- schaftlichen Erscheinungen auf den ökonomischen Ursprung zurückführt und zu erklären sucht._ Der schwarze Friedrich. Die Verhandlung gegen den oer- ontwortlichen Redakteur der„Schwarzen Fahne". Ernst Friedrich, wegen Beleidigung der Kirche— er hatte eine« Artikel der„Achsner Arbeiterzeitung" nachgedruckt, der von dem seltsamen Gottesdienst eines Priesters mit einer Prostituierten berichtete— wurde vom Schöstei�ericht Alt-Moabit vertagt, weil über«inen Ablchnungsamrag Friedrichs wegen Befangenheit keine volle Klarheit erzielt wurde. Friedrich stützte seinen Antrag daraus. daß Anhänger christlicher Bekenmnissc, besonders der katholischen Kirche, in einem solchen Falle von vornherein vorsinge nonnnen wären. Di« beiden Schöffen fühlten sich nicht befangen, der Richter selbst aber übergab die Entscheidung für sich der Strafkammer. Fahrgelegenheiten zum 16. Berliner Sechslagerennen. Zlußer den zahlreichen günstigen Verbindungen durch die Stadtbahn. Untergrundbahn, Autobus und Straßenbahnen, hat die Allgemeine Omnibusgesellschaft noch«inen Sondervcrkehr einge» richtet. Während des Sechstagerennens, das heute abend in der Arena an: Kaiscrdamm beginnt wird allabendlich von der neunten Stunde an ein Sonderverkehr von Pankow. Friadrichstraßc, Unter den Linden. Brandenburger� Tor und Knie nach der Areno Kaiser- dainm eingerichtet. Diese Sonderwagen werden viertelstündlich die ganz« Nacht hindurch verkehren. Ein gefährlicher Vochstuhlbrand beschäftigte heute früh länger« Zeit die Neuköllner Feucrvvhr in dem Hause I ä g e r st r. 55. Nach etwa eineinhalbstündigcr Tätigkeit gelang es, das Feuer niederzu» kämpfen. Ein Test des Dachstuhls ist vernichtet, die Entstehung»» Ursache ist bisher noch unbekannt. Gewerkschaftlicher Rondfunkvortrag. Heute abend, zwischen 7 und 8 Uhr. spricht der Vorsitzende her Ortsgruppe Groß-Berlin des Zentralverbandes der Angestellten. Geiwss« Hans(Bollfurcht, durch den Berliner Rundfunk Über das Thema„Inhalt. Ginn und Zweck des Tarifner» trage» für Prioatangestellte". Der Byrtrag ist brr erste einer«eiteren Reche von Borträgen, die das AfA-Ortskartell Berlin mit der Funkstunde A.-G. vereinbart hat. Oer Zog ohne Zuhrer. Eine Eisenbahnkotastrophe«ms der Mittenwaldbahn. Wie». 8. April.(Eigener Drohtbericht.) Aus der Mittenwold- bahn ereignete sich am Mittwoch mittag um 12 Uhr ein schweres Unglück. Der Triebwagen des Zuges, der sonst immer mit zwei Führern besetzt ist war entgegen den Dorschristen einer einzigen Person überlassen morden. Kurz hinter der Haltestelle Echarnitz beobachtete der Führer den Laus des Leitungsbügels, beugte sich zu diesem Zweck über den Motorwagen hinaus und stürzte ab. Do her Zug führerlos dahinsuhr, erreichte er«ine immer größere Geschwindigkeit, ohne daß die Insassen oder dos Zugpersonal von dem Unfall irgend etwas erfahren hatten. Der Zug halte schließlich eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stund« erreicht so daß er in einer Kurve die Schienenlaschen loslöst«, wo- durch eine Schiene locker wurde, und sich vor einem Wagen des Zuges aufstellte. Der Triebwogen kam zur Entgleisung und stürzt« über eine Böschung von vier Metern ab. 11 Reisende er- litten schwere Verletzungen. Drei von ihnen sind inzwischen verstorben. Auch der Zugbegleiter verunglückte bei dem Ad- stürz tödlich.» Zur Untersuchung der Schuldsrage sind Beamte der Deutschen Reichsbahn(Zweigstelle München) sowie oer Oesterreichi- schen Staatsbahnverwaltung in Gormisch eingetroffen. Die Er- miitlungen werden sich besonders mit der Totjache zu beschäftigen haben, daß entgegen den bestehenden Dorschristen der Führer der elektrischen Lokomotive sich allein auf seinem Stand befand und daß der Zugführer, als er trotz seiner Dienstbestimmungen sich nicht auf der Maschine aufhielt, sich anscheinend auch nicht um die Fahrge« schwindigkeit de? Zuges rechtzeitig gekümmert hat. Die betressend« Bahn ist ein« Dollbahn und unterstebt infolgedessen den im Jahr« 1896 auf der Konferenz in Bern festgelegten internationalen Be- stimmungen über da» Zugsignalwesen, die die Anwesenheit von zwei Beamten auf den Lokomotiven verlangen. Todesopfer ia Heidenau. Di« Zahl der Todesopfer bei der Explosionskatostrophe in Heidenau bei Dresden hat sich inzwischen auf 1 1 erhöht. Außer. dem befinden sich noch 5 schwerverletzte Arbeiter in Lebensgefahr. Bei mehreren ist da? Augenlicht durch die schweren Ächwejeloergiftungcn sehr gefährdet. wegen Arbellslosigkeik in den Tod. Nach einer Meldung aus Essen wurde dort«in« männlich« und eine weibliche Leiche mit Kopf- schüjsen aufgesunden. Es handelt sich anscheinend um einen Doppcl» sclbstmord. Di« Toten sind zwei jung« Menschen im 2llter von 20 und 25 Iahren. Bei dem Manne wurde ein ZeUel gefunden, aus dem stand, daß beide aus Not infolge Arbeitslosigkeit in den Tod gegangen sind. Die Explosion von 16 Oelbehältern richtete in St. Louis» Obispo in Kalifornien große Zerstörung an. Ein ganze» Stadtviertel wurde von den Flammen ergriffen und ein« große Ln- zabl von Häusern vernichtet. Die Staate Los Angelas und St. Franziska entsandten sofort Hilfe nach der Unglücksstelle. Großer Schaden durch einen Kugelblitz. Während eines Ge« wittersturme» in Palmers Green wurden nach einer Meldung au« London durch«inen Kugelblitz etwa 25 Häuser beschä» digt. Hunderte von Fensterscheiben zerbrochen und Rundfunk- gerate zerstört Die Reichsbahn auf Abbruch. Im Interesse des Privatkapitals. Seit Herr o. Siemens als Beaustragter des Reichsverbandes der öeutschen Industrie an der Spitze des Verwaltungsrats der deutschen Reichsbahn�esellschost steht, ist eine in ihrem Umfange als grenzen- los zu bezeichnende Vermehrung des Fundus der ehemaligen Reichsbahnen eingetreten, die dem unbefangenen Beobachter vollkommen unverständlich erscheint. Das Bestreben interessierter Kreise, das Eigentum der bisherigen Reichsbahn i» die eigenen Hände zu über« führen, zerschlägt mit Vorbedacht und rücksichtslos dos Beförderungs- Monopol des Reichs und will dafür ein Monopol einzelner großer Interessentenkreise schassen. Diesem Zwecke diente die vom kaufmännischen Standpunkte geradezu unglaubliche Art, wie�z. B. der bisherige Bestand von Schlafwagen� in den Besitz der„Mitropa" überführt wurde, in deren leitenden Stellen fast nur frühere höhere Beamte der Eisenbahn sitzen. Dann baute man systematisch die Bohnunterhaltung»- o r b e» t« r ab, um deren Arbeitsgebiet durch Privatunter- n e h m e r ausführen zu losten. Neben der Tatsache, daß deren Arbeiten durchschnittlich lllv P r o z. teurer werden, hat sich dadurch die Zahl der Unfälle bedeutend gesteigert. Nun baut man seit einiger Zeit die großen Werkstätten ob. Bekannt ist bisher nur die Schließung der Werkstätten in Schwerin, Breslau, Ratibor und Gießen. Dieser kleine Erfolg ist aber für die Privatindustrie und die ihr dienstbaren Herren der Hauptverwaltung nicht genügend. Sie wollen eben jede Konkurrenz im Reparaturdienst ausschalten. Daher wurde von der Hauptverwaltung folgende vertrauliche Ver- fügung erlosten: Durch Verfügung vom März d. I.— 3« V Zli74— ist der Tagewerkhkvpshaushalt l!>26 für die Werkstätteyarbeiter einschl. Lehrlings Zöglinge und Malchinepbaubeslissene der Eisenbahnaus- besserukrgswerke festgesetzt worden. Um den hiernach notwendigen Abbau der Belegschaft durchzufühlen, sollen— abgesehen von a.sl gemeinen Einschränkungen in den Werken— die Lokabteilungen der EAW. Witten- berge, Oldenburg und Osnabrück, die Personen- wogen- Abteilungen der Werke Sebaldsbrück und Oldenburg und die Güterwagen- Abteiluygen des Werkes Stendal gcschlosten werden. Die Stillegung der genannten Abteilungen ist in der Weise durchzuführen, daß der vorhandene Arbcitsvorrat aufgearbeitet wird, weitere Fahrzeuge aber nicht mehr zugeführt werden. Die geschäftsführende Direktion für das Werkstättenwesen wird beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen umgehend zu veron- lasten und dafür Sorge zu tragen, daß bis spätestens Ende Maid. I. dieSchließungdergenanntenBetriebs- abteilungen durchgeführt und die Belegschast der be- willigten Tagewerkskopfzahl entsprechend vermindert ist. Die Durchführung der Maßnahme ist uns bis zum I. Juni d. I. mitzuteilen, wobei anzugeben ist, daß die einzelnen Abteilungen ge- schlössen worden sind. Die weiter vorgeschlagene Umwandlung der jetzigen Betriebs- obteilung Schwerin des EAW. Rostock in ein Bahnbetriebswerk wird besonders angeordnet." Durch weitere Verfügung sind ohne jede Rücksicht auf den Arbeitsmarkt folgende Werke bis spätestens Ende Mai d. I. ganz oder teilweise zu schließen: Greisswald, Eberswalde, Grunewald, Brandenburg-West, Schneidemühl, Frankfurt a. d. O., Breslau. Ratibor. Gießen Limburg. Betzdorf. Die �Gruppenoerwaltung B o y e r n ist aufgefordert worden, dieselbe Schließung von Werkstätten ihres Bereichs vorzunehmen. Will die Verwaltung die sich langsam besternde Lage am Arbeits- markt durch ihre sonst vollkommen unverständliche Maßnahme auf. halten? Soll sie als Handlanger der Industrie das Ueberongebst von Arbeitslosen vergrößern helfen, damit eine weitere künstliche Lohnsenkung durchführbar erscheint? Es wird wirklich Zeit, daß ein parlamentarischer Untersuchungs- ausschuß die dunklen Zusammenhänge endlich einmal aufdeckt! Eine Gewerkschaft üer variet6künftler. 25 Jahre„Intenrntioncle Artistenloge". «ur einem Vierteljahrhundcrt, am S. April t?01, wurde in der Hopfenblüte, Unter den, Linden 27, die Internationale Artistenloge" gegründet. Zwei Männer waren es, die den Gru'irdstein legten zu .der heute so mächtigen gewerkschastlichen Organisation des„Fahrenden Volkes": Otto Gregor und Leo Herzberg. Otto Gregor war ein bekannter Berliner Schauspieler und beliebter Komiker, der infolge einer schweren Lähmung seinem Berufe nicht mehr nachgehen konnte. Herzderg war von Beruf Apotheker, später Lustschiffer und Follschirmkünstler, danach Kupletschrifstteller und Liberttist und Redakteur der Internationalen Artistenzeitung", die sedoch mit der heutigen Zeitung gleichen Nomens nicht identisch ist. Es wurden Versairrmlungen und Besprechungen einberufen, in denen von Gregor und Herzberg der gewerkschaftliche Zusammenschluß der Artisten propagiert wurde. Am Nachmittag des 5. April IllOl kamen im oberen Saal des Restaurants„Hopfenblüte" etwa 2kX> bekannte Artisten zusammen und gründeten ohne große Zermonien die hinter- nationale Artistenloge", die heute 23 000 Mitglieder hat. Erster Vorsitzender wurde der weltbekannte Artist Henry de Voy, zweiter Vorsitzender der.Humorist Robert Steide!, geschäfts- sShichnder Verwaltungsdirektor Otto Gregor. Vor ihrem Zusammenschluß waren die Artisten ein fast völlig entrechtetes, der Willkür dep Unternehmer ausgeliefertes Völkchen. Einen Tarifvertrag in der heutigen Form gab es nicht, sondern nur H a u s v e r t r ä g e. Diese enthielten so viele Zweideutigkeiten und Spitzfindigkeiten, daß selbst noch im Jahre lOOS das Kammergericht in einem Urteil, dem ein noch nerhältnismößig günstiger Vertrag zu- gründe latz, außer der Verpflichtung der Direktion zur Zahlung der Gags, lediglich nur Rechte der Direktion feststellte.� In den Artistenkreisen nannte man diese Verträge.„Kor- jarenbriefe" oder„Sklavenbriese". Im allgemeinen enthielten die Verträge die Utägige Kündigung, wonach der Direktor— nicht ober der Artist— jederzeit, sowohl vor Antritt wie auch»ach Beginn des Engagements, durch 14tägige Küirdiguna den Vertrag läsen kannte. Der Direktor war nicht oerpslichtet, jedoch der Artist, der bis 14 Tage vor seinem Antritt nicht wußte, ob er ein Engagement hatte oder nicht. Das größte Schreckgespenst war jedoch die sogenannte „dreitägige Kündigun g", wonach die Direktion den Artisten in den ersten Tagen seines Auftretens fristlos entlasse» konnte, wenn seine Leistungen nach dem„ollein maßgeblichen Urteil der Direktion" nickst genügten. Was dos bedeutete, wenn ein Anist mit seinen Apparaten und Requisiten, seinen Tieren oder seiner Trupp« von weither eingetroffen war und am ersten, zweiten oder dritten Tage engagementlog aus der Straße lag, kann sich leicht jeder selbst vorstellen. Beliebt war auch bei den Direktoren das„U eberengagieren". Sie brauchten mir tz oder 9 Rum- mern, engagierten aber 10 oder 12, ließen am ersten Abend vor den Pressevertretern olle austreten und behielten nur die. die am meisten Anklag gefunden hatten. Die anderen wurden„abgeschminkt",«o gab es in den Verträgen noch unzählige Klauseln, die für die Artisten die reinsten Menschenfallen waren. Alljährlich im Dezember reiston die Direktoren van weit und breit nach Hamburg zum„Dom", der großen artistischen Novitäten- mesie Europa». Während der Domzeit im Dezember l901 wurde das Gerücht laut, daß die Direktoren der größten und bodeutsndsten Varietes einen Direktorenverbavd (; runden sowie einen Einheitsoertrag herausbringen wollten. Dieser ollte u. o. die Bestimmung enchalten, daß der Artist bei sedweden Streitigkeiten aus dem Vertrag« nicht die ordentlichen Gerichte an- o-- Sole KapUBn- llaulabah"ä™isr C. BSeber, Berlin* Uehtenberger StnS« 22. Kf(t38*1 rufen dürfe, foiibcm sich bei jedem Rechtsstreit dem Urteil eines nur aus Direktoren zusammengesetzten Schiedsgerichtes zu unterwerfen habe. Jeder Artist, der sich diesem sonderbaren Schiedsgericht nicht unterwarf, sollte aus eine schwarze Liste konunen und so lange von keinem Mitglied« des Direktorenverbandes engagiert werden, bis er sich fügte. Am S. April 1901,.dem Gründungstage der Internationalen Artistenloge, waren auch die Direktoren im Metropolcheater versammelt und gründeten den. Internationalen Variet�-Direktorenoer- band(IVDV.). Die neugegründete Ärtistenlvge fragte durch eine» Boten beim Direklorenoerband an, ob er mit einer Kommission verhandeln wolle, was von den Direktoren zugesagt wurde. Als in den Derhandlungen eine Abänderung des direktorialen Einheitsvertrages nicht erreicht wurde, weil die Direktoren sich immer nach als Herren ker Situation fählten, verpflichtete die Loge ihre Mitglieder, n i e einen solchen Vertrag zu unterichreiben. Diese erste, gleich am Gründunqstage beichlofsen? Kampimoßnohmc der Loge hatte auch zur Folge, daß niemals ein solcher„Normalvertrog" unterzeichnet wurde. Die Loge hat mm in dem jahrzehntelangen gewcrklchostlichcn Kampf gegen die Direktoren Schritt für Schritt die Loge der Artisten« schoft verbesiert. Besonderc Verdienste um den Zlusstieg der Zlrtisten hat sich der jetzige Präsident der Loge, Genosse Max Berol- Konorah erworben, der schon seit 1004 das Amt inns hat. Es ist sein Hauptoerdienst mit, daß heule die Artistenschoft einen Torifvcrlraz hat, in dem zwar nicht alle, aber doch der weitaus größte Teil ihrer sozialen Forderungen erfüllt ist. Streitfragen aus dem Tarifoertroge sowie dem Engagement Verhältnis werden von einem p a r i t ä t i- l ch e n Borietefchiedsgericht entschieden, bei Berufungen vor dem Barieteoberfchiädsgericht. Ein« schwere Krise für das Artistentum brachte die Inflostons- zeit. Es gelang schließlich, die Gagenzahlung noch dem Reichsindex von Mvnot zu Monat und später von Woche zu Woche durchru- setzen. So hat die Log« wesentlich jur Linderung der Not der Artisien während der verheerenden Inslatlvn beigetragen. Auch jetzt lostet die anhaltende Wirtschaftskrise wieder schwer aui der Artistenschast. Artisten von Weltruf sind monatelang ohne Engagement und bleiben mit ihren Logenbeiträgen im Rückstände. Doch auch diese Zeit wird die Internationale Artistenloge uo erstehen und das Lebensniveau der Artisten so zu heben wissen, wie es diesem oft lebensgefährlichen Beruf geziemt._ Ver neue Tarifvertrag bei üer fiboag. Die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht, Vor dem vereinbarungsgemäß vorgesehenen Schiedsgericht für Tarif- und Lohndifferenzen bei der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aktiengefellschost fanden am gestrigen Mittwoch Verhandlungen über einige Punkte des neuen Manteltoriiez für das Fohrpersdnol statt, über den, wie bereits kur.� mitgeteilt, im wesentlichen bereits eine Verständigung zwischen beiden Parteien herbeigeiührt wurde. Bei der gestrigen Bcsprechunq handelte es sich hauptsächlich um die Be- zc.hlung von Zuichlägen für das Personal der N a ch t o m n i b u s s e, die in letzter Zeit in verstärktem Maße von der Direktion in Betrieb gesetzt worden sind. Man«inigte sich dahin, daß die Nachtsrrecken nicht immer von dem gleichen Personal befahren werden sollen, sondern daß der Dienst turnusmäßig versehen werden soll. Falls aber das gleiche Personal eingesetzt wird, so soll für die Zeit von 11 bis 6 Uhr nachts ein besondererZuschlag von 80 Pf. pro Nacht gezahlt werden. Ein diesbezüglicher Passus fand in dem Manteltarif Ausnahme. Auch in anderen Punkten wurde im wesent- lichen eine Verständigung erzielt. UKäNia 12 Monatshelte und 4 wertvolle Bücher dertelsährlidi... nur 1.60 Mk. mit Ganzleinen-Buch 2�5 Mk. Probehtfu und Prospekte gratis Zu beziehen durch die Annabrnestellen und Boten« krauen des Vorwärts Frekgewerkschastlicher Erfolg. Die Neuwahl des Hauptbctriebsrats beim Preu« ßischen Finanzministerium und Ministerium des Innern(für die Regierungen, Landratsämter, Kataster- und Hochbouämter, Polizeipräsidien, Schutzpolizei usw.) om 20. und 21. März d. I. brachte der Vorschlagsliste Nr. I. die vom Zentral- verband der Angestellten, dem Bund der technischen Angestellten und Beamten, dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband und dem Deutschen Derkehrsbund aufgestellt war, einen vollen Erfolg. Sie erhielt SStzl Stimmen(gegen 8028 im Jahre 1925) und somit 9 Sitze im Houptbetriebsrat. Auf lie Lifte des Gewerkfchaftsbun- des der Angestellten entsielen 1129 Stimmen(1017) und aus die Liste des Deutschen Gewerkschoitsbundes(Dcutfchnationaler.Handlungs- gehilfenverbond, Reichsverbond der Behöideiiangeftellten, �Verband der weiblichen Handels- und Bureouangeftellten) 956(887) Stimmen. Diese beiden Liften erhielten nur je einen Sitz im Hauptbctricbsrat. Dos Ergebnis zeigt das erfreuliche Bild, daß die gegnerischen An- gestelltenorgonisationen bei den preußischen Bchördenangestcllten nur noch über einen äußerst geringen Anhang verfügen. Tie Eisenbahner vor den Bctriebsrätcwahlen. Am 17 und 18. Mai werden im Gesamtgebiet der Deutschen Reichsbahn die Betriebsrätewahlen der Eisenbahuarbeiter stattsuchen. Seit den letzten Detriebsrätewahlen hat die Reichsbohngesell- s ch a f t ein solches Maß von Sünden aufgchöuit. daß jedem Eisenbahner die Notwendigkeit eines energischen Wlderstondes der Betriebsräte und Organisationen gegenüber der verbohrt hart- nackigen Haltung der Reichsbohngesellschats ganz klar geworden sein muß. Wenn aus den letzten Wahlen die freigewerkschaftlichen O r- aanisatianen des Einheitsverba n d e s als die weitaus stärkste Gruppe hervorging, dann muß diesmal e r st recht die Kerntruppe unter den Eisenbahnarbeitern einen solchen Zuwachs bekommen, daß das bei der Hauptverwaltung als deutliche Warnung verstanden wird. Nur die Stärkung der bereits stärksten Organisation kann den Eisenbahnarbeitern im Kamps gegen das Scharfmachertum, das sich heute in der Reichsbahngesellschaft breit macht, etwas nützen. Konjunkturverschlechterung in der Rheinprovinz. Köln. 7. April.(Eigener Drahtbericht.) Der Arbeits« markt in der Rheinprovinz hat in den letzten Tagen wieder starke Tendenzen zur Verschlechterung gezeigt. Im B e rgba u haben die Feierschichten zugenommen. Die eisenverarbeitende Industrie meldet auch aus anderen Orten neue Betrieb seinfchränkungen. Im Textilgewerbe ist ebensolls eine wesentliche Verschlechterung eingetreten, während im Baugewerbe, verglichen mit dem Vorjahre, die Zunahme der Bautätigkeit noch recht gering ist. Eindrücke britischer Bergleute in Qberschlcsieu. eondon, 7. April.»»: SfuiaOon:»t. 3o»« 64«»n>»Ii: Sofflle» und Sontliofs: itti» JUtfläW;«na-ia.n: Zd.«(-»-- I-mUub>n Bcrliu. v-rwa: Borwär-S'Verlea®. m. b. v..?-rl>n. Sormatle-SuAbniifetcl unb»«loosanfUIt Soul«inucc u. Co.. Berlin SB W. Llnbenttrabe 3. übergibt man nur betn Nack, weis bes Deutich. Musiterverbandes, Berlind 27. Andtcasilr. 2l t.Königftadl 4310, 4048). K-ichäjlSzeit 9 bis 5, Sonnlag« 10 bis 2 Uhr. Aus Wunsch Lertreterbesuch Gardinen! 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