Nr. 165 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 84 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutſchland, Danaia. Saar- und Memelaebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Sieb luna und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Nonpareille Beile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 25 Pfennig, ( auläffia awei fettaebrudte Worte). febes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Bfennia, tedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Borbe Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Blennia. Anzeigen für die nächste Nummer milfen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden, ftrake 3, abaegeben werben. Geöffnet Don 8½ Ubr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 9. April 1926 Faschistenterror in Rom. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschedtonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Die nationalen Probolschewisten. Bon Philipp Scheidemann. Die Wohnungen von Modigliani, Amendola und der Genoffin Oda Olberg- Lerda Jungdeutschen Ordens, Artur wahraun, eine von den überfallen und geplündert. des Rom, 8. April.( WEB.) Wie nachträglich bekannt wird, find Genosse Modigliani hat als Anwalt der Familie gestern nach dem Attentat auf Mussolini mehrere Privatwoh- ermordeten Matteotti die besondere Wut der nungen teilweise zerstört worden. Die Möbel wurden zer- Faschisten auf sich gelenkt. Was schließlich die Ausplünderung fchlagen und verbrannt. Personen sind nicht verletzt worden. und Demolierung der Wohnung des Demokratenführers Betroffen wurden unter anderem die Wohnungen des sozialistischen Amendola betrifft, der am Tage zuvor an den Folgen Abgeordneten Modigliani, die Amendolas, die des Jour- eines auf ihn verübten Faschistenattentats gestorben war, nalisten Giannini und die der Frau Cerda, der römischeno braucht über diesen Att faschistischer Bietät faum noch etwas gesagt zu werden. Das ist das Italien des Faschismus! Korrespondentin des„ Borwärts". Genossin Oda Olberg Lerba war eine junge sozialdemokratische Schriftstellerin, als sie vor etwa einem Menschenalter nach Italien übersiedelte. Durch ihre Ehe mit dem sozialistischen Deputierten Lerda wurde sie Italie nerin und Mutter erwachsener Söhne, die im italienischen Heer gedient haben. Als Korrespondentin des ,, Borwärts" hat sie viele Jahre gewirkt und ihre ebenso gedankenreichen wie formvollendeten römischen Briefe, die jedem ,, Borwärts"-Lefer bekannt sind, stellen sie in die erste Reihe der deutschen Tagesschriftsteller. Der Einbruch der faschistischen Gewaltherrschaft hat jedoch diese alten, für unser Blatt äußerst wertvollen Beziehungen in empfindlicher Weise gestört. Für ein sozialdemokratisches Blatt, das den Rampf gegen den Fafchismus in erster Reihe führt, ist es un möglich, einen Rorrespondenten in Rom zu unterhalten, der für die Stellung des Blattes gur italienischen Politik und für seine Berichte über sie verantwortlich gemacht werden könnte. Der Borwärts" mar daher gezwungen, sich neue Informationsquellen zu erschließen, über deren Art hier aus begreiflichen Gründen nichts Näheres gesagt werden kann, die sich aber so ausgezeichnet bewährten, daß er sich dadurch den ihn ehrenden Haß der römischen Mach thaber zuzog. Dieser Haß hat sich nun in einem Ra cheatt an der altbekannten Mitarbeiterin unferes Blattes entladen, die damit für Dinge verantwortlich gemacht wurde, mit denen sie nichts zu tun hat. Eine Frage an Wolffs Bureau. Anfang November vorigen Jahres hat der„ Duce" die in Rom versammelten Direktoren ber internationalen Nachrichtenagenturen empfangen" und mit einer seiner gehaltvollen Ansprachen beglückt: Darauf fand sich ausgesucht der Vertreter des Bolff- Bureaus, Direktor Mantler, bereit, dem Duce in einer schwülstigen Rebe zu antworten: Sämtliche Teilnehmer an der Tagung stellten mit der lebhafteften Genugtuung fest, wie grundlegend sich die Verhältnisse in Italien geändert hätten, seitdem der gegenwärtig an der Spike der Regierung stehende hervorragende Mann die Leifung der Staatsgeschäfte übernommen hot, und wie überall Wohlstand, Ruhe und erfprießliche Tätigkeit zu bemerken find. Die, neuen Plünderungen und Gewalttaten, die sich auch gegen Korrespondenten deutscher Blätter richten, rechtfertigen die öffent liche Frage an Wolffs Bureau; ob es noch heute der Meinung ist, wie sie sein Direttor Mantler im November vorigen Jahres schweifwedelnd zum Ausdrud brachte. Vielleicht gibt das offiziöse Bureau darüber bald Auskunft? Wilhelms Affe. Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser." Vor einigen Wochen setzte gegen den ,, Hochmeister" des nationalistischen Berbänden ausgehende Heße ein, die vielen überraschend fam und den Uneingeweihten kaum verständlich war. Mahraun ward des Hoch- und Landesverrats beschuldigt, weil er mit Franzosen irgend etwas verhandelt haben sollte. Allmählich wird immer flarer, warum Mahraun jetzt behandelt wird wie der erste beste Erzberger oder Rathenau: er dirigiert den größten aller nationalen Verbände, den Jungdeutschen Orden, hat diesen bisher fest in der Hand gehabt und weigert sich, die politischen Torheiten und militaristischen Spielereien der ,, echten" nationalistischen Rechtsorganisationen mitzumachen. Willst du mir nicht gefügig sein, dann schlag ich dir den Schädel ein." Weil von den begabtesten Fememördern die meisten hinter Schloß und Riegel fizen, suchte man den unbequemen Menschen unschädlich zu machen durch ein bißchen Denunziation wegen Landeslich zu machen durch ein bißchen Denunziation wegen Landesverrats. Diese Seifenblase ist aber geplagt, und Herr Mahraun ist deshalb in der Lage, ein wenig hinter die Vorhänge blicken zu lassen, wo die Herren Hugenberg und Nicolai jeder auf seine besondere Weise ihre vaterländische Tätigkeit entfalten. " Im Meister", der Jungdeutschen Monatsschrift, sest Mahraun sich mit den weiter rechts von ihm operierenden Probolschewisten auseinander und weist den ganzen Blödsinn des Liebäugelns mit der Roten Armee Rußlands nach. 34nächst, nach dem Zusammenbruch, schärffte Zusammenfassung aller nationalen Kräfte gegen den Probolschewismus. Aber: Die Verfilzung der nationalen Bewegung mit den materiellen Gesichtspunkten der Selbstschuhepoche hat den rein wirtschaftlich denkenden Geldmächten einen steigenden Einfluß auf die gesamte Bewegung gesichert. Während der Selbstschutzzeit lag die Führung der nationalen Bewegung ganz natürlicherweise in den Händen der nationalen Geldmächte. Die Selbstschutzaufgabe an sich und die finanziellen Erfordernisse, welche ihre Durchführung an die Truppen der nationalen Bewegung stellte, lieferte sie den großen Geldmächten aus. durch seine Bresse arbeitete, zeitweise, sogar vorherrschend, die Diese Mächte waren die Schwerindustrie, für die Hugenberg Landwirtschaft, deren Führung auf Grund der agrarischen Gliederung Landwirtschaft, deren Führung auf Grund der agrarischen Gliederung stark der reaktionären Beimischung unterlag. Die härtesten Kämpfe, welche nun zum Teil offen, meistens aber start verschleiert, innerRom, 8. April.( WTB.) Stefani meldet vom Bord des Panzer. schiffes„ Cavour": Mussolini hat sich um 10,35 Uhr an Bord des vor Ostia liegenden Panzerschiffes Cavour" eingeschifft. In seiner Begleitung befanden sich die Unterstaatssekretäre der Marine, der Ministerpräsidentschaft und des Kolonialministeriums, sowie der Chef Man sage nicht, es handele sich um eine sinnlose Aus- des Marinestabes. Der Generalsekretär der Faschistischen Partei, schreitung des Böbels. Der Pöbel von Rom fann un Turati, das Direktorium der Partei und die Provinzsekretäre er= möglich wissen, wer in früheren Jahren die warteten ihn an Bord. Mussolini schritt die Front der Ehren- halb der nationalen Bewegung stattfanden, waren die Freiheitsständige Berichterstattung aus Italien für tompagnie ab und hielt dann eine Ansprache an die faschistischen fämpfe des nationalen Idealismus gegen die Bevormundung durch den Borwärts" besorgte. Das Mißverständnis, das Parteisekretäre. Er sagte, er habe sie an Bord des Schiffes berufen, die nationalen großfapitalistischen Mächte. zur Zerstörung der Wohnung der Genoffin Oda Olberg damit fie der Marine, auf der die wesentlichsten Hoffnungen der Jungdeutsche Orden nicht mitmachen, und so entwickelten Diese Entwicklung wollte, so fezt Mahraun auseinander, Lerda führte, kann nur bei politisch unterrichteten für die Zukunft beruhen, Ehre bezeugten und damit die FaLeuten vorhanden gewesen sein, und sie sind es offenbar auch schisten bei der Rückkehr in die Heimat dafür sorgten, daß das Be- sich die Gegensätze zwischen der„ volfsnationalen" und„ ,, landgewesen, die dem Böbel den Weg zeigten. Ein unwußtsein von der wichtigteit der Marine vollständig er. läufig nationalen" Bewegung. Da alle bisherigen Unterwürdiges Objett für den Racheaft dieses Gesindels war die wache. Er fügte dazu: Wir sind Menschen des Mitteldorff und Hitler unternommen haben, gescheitert sind, ist die nehmungen zur Befreiung Deutschlands, die Kapp, LudenGenoffin Oda Olberg- Lerda deswegen freilich nicht. Denn als tapfere Sozialistin, die einst aus Offizierskreisen den Tattit geändert worden. Mit dem An ti boljchewismus ist Weg zu den Arbeitern gefunden hat und die der Sache des nichts zu machen im Sinne der völkischen Arier, also stellen Sozialismus stets treu geblieben ist, kann fie für jene fie die Taktik um: fie liebäugeln mit Rußland und erwarten Leute nur ein Gegenstand des Haffes sein. Was ihr zugefügt Dom gemeinsamen Handeln mit den Bolschewisten die deutsche wurde, wird ihr die Achtung und Sympathie der Befreiung. Mahraun sieht endlich ganz richtig, wie sich die ganzen zivilisierten Welt eintragen, die sie als einer der bolfchemistischen und die deutschvölkischen Weltenwender unter glänzendsten und tapfersten Journalisten der dem Stahlhelm gegenseitig zu bemogeln fuchen, meil jeder Teil Weltpresse ehrlich verdient. mit Hilfe des anderen seine eigenen Ziele erreichen will. Die Ziele der beiden sind aber sehr verschiedene. Die Russen falkulieren so: Reichsbahn und Metallbank. Erklärungen der Reichsbahngesellschaft. Die Reichsbahngesellschaft hat zu unseren Fragen über die Beziehungen zwischen Reichsbahn und Metallbanktonzern Erklärungen abgegeben, aus denen folgendes hervorgeht: Die Reichsbahn hat mit der Metallurgischen Gesellschaft in Frankfurt a. Main einen Vertrag über die Lieferung von rund 100 000 Tonnen Kupfer gehabt. Sie hat das Kupfer unter Weltmarktspreis gekauft, der Konzern hat dafür Provision erhalten. Der Vertrag ist seit zwei Jahren abgelaufen. Der Schrott pertauf wird allerdings nicht mehr öffentlich ausgeschrieben, doch erfolgt er eicht an menige privilegierte Firmen. Zu der Behauptung der Reichsbahn, daß der Schrott pertauf nicht an wenige protegierte Firmen erfolgt, steht die folgende Mitteilung der Bossischen 3eitung" Don gestern morgen im Widerspruch: „ Der Hüttenverband( des Metallbankkonzerns. Red. d.„ V.") übt zwar nicht mehr das absolute Monopol für die Eisenbahnlieferungen in Metallen aus, erhält je. doch heute noch ungefähr 50 Bro3. aller bei fämt. lichen Eisenbahnmertstätten entfallenden Metall. rückstände und ist natürlich auf diese Weise in der Lage, besonders, da er aufs ängstlichste bedacht ist, teinen Outsider zuzu meeres und unsere Zukunft- ich will damit niemanden kopieren(!!)- hat immer auf dem Wasser gelegen und wird immer auf dem Wasser liegen! Mussolini schloß seine Rede mit dem faschistischen Ruf: Alala! zu Chren der italienischen Marine. Der Cavour" setzte sich dann mit Kurs auf Gaeta in Bewegung, während Wasserflugzeuge in der Luft freisten. ! lassen, die Regulierung der Verwertung von Altmaterialien in maßgebendster Weise zu beeinflussen. Denn alle anderen deutschen Metallhüttenwerte müssen sich, obwohl unter ihnen auch Firmen ersten Ranges sind, in den Rest teilen. Wenn auch die Umarbeitungsverträge, je mehr die Reichsbahn dazu übergeht, nur Neumetalle zu verwerten, nicht mehr diefelbe Rolle wie in früheren Jahren spielen, so besteht sicherlich die Gefahr, daß die Reichsbahn in allzu große Abhängig. feit von diesem Berbande gerät." Es handelt sich also in der Tat um eine gewisse Monopolstellung des Metallbanttonzerns, von der weder Deffentlichkeit noch Reichstag bisher etwas wußten. Attentat in Moskau? Auf den russischen Innenkommiffar. Nach einer T.- Meldung ist am gestrigen Donnerstag in Mostau der Innenkommissar Beloborodow durch einen Schuß an der Schulter verletzt worden. Nach scharfer Berfolgung wurde der Täter festgenommen, ein Student, der Sohn eines früheren Schloß angestellten, während Beloborodow an der Ermordung der Zarenfamilie beteiligt gewesen sein soll. Auf Anfrage am späten Abend teilt uns die Russische Bot: schaft mit, daß sie eine solche Attentatsmeldung bisher nicht erhalten habe. Die Weltrevolution das haben die Moskowiter flar erkannt ist nur dann durchführbar, wenn es gelingt, die Nachbarn, vor allem aber das große nachbarliche Deutschland, in das Chaos zu führen. Dieses Chaos ist dann vorhanden, wenn es gelingt, Deutsche und Franzosen mit bewaffneter Hand aufeinander zu treiben. Denn den so entflammten Krieg fann feiner der beiden Kämpfer gewinnen. Nur ein Dritter der Bolschewismus muß Sieger bleiben.. Die deutschen Probolschemisten suchen ihre Anhänger zu täuschen mit diesen Erwägungen: 1. Der Bolschewismus hat sich gewandelt. Er ist nicht mehr der jüdische Popanz von 1917". 2. Wir haben die gleichen Gegner, darum müssen wir zusammen. gehen. 3. Das russische Heer wird uns zu diesem Freiheitskampfe die Hand reichen. Mahraun sfizziert auch die Pläne, die die deutschen Befreier propagieren, um die nationale Jugend zu gewinnen: Freiwillige deutsche Truppen die Reichswehr kann sich daran nicht beteiligenbrechen in Bolen ein und rennen die polnische Armee über den Haufen. Auf der anderen Seite brechen in Polen die russischen Heere ein und reichen sich mit dem deutschen Heere dortfelbst die Hand. Damit ist die östliche Machtgruppe geschaffen, welche den Kampf gegen die westlichen fapitaliſtiſchen Demokraten aufnimmt.... An der Elbe leisten die vereinigten deutsch- russischen Heere den ersten Widerstand. Nach der Reorganisation des russischen Heeres beginnt der gemeinsame Bormarsch der östlichen Völker gegen den Westen. Er endet mit der Niederwerfung Frankreichs und dem Siege des Ostens, zwei Revolverschüsse gegen den Wirt abfeuerte und laut ausrief: Hoch lebe Ehrhardt! Nieder mit der 3umpenjezt tommt Ebert Lump Rathenau mar nicht der Lette republik und der verfluchten Soziregierung! Der dran, das Schwein!" Meint der Herr Vorsitzende diesen Fall?" Das flingf alles, als ob es in einer Bar am Kurfürsten-| als den richtigen Ausweg für das nationale Deutschland be-| trunten, in das Wirtshaus fam, ohne jede Beranlassung damm so zwischen dem neunten und zehnten scharfen zeichnet". Schnaps" ausgeflügelt worden sei. Dem ist aber feineswegs Die Auseinandersetzungen des Jungdeutschen Ordens mit fo, wie Mahraun ausdrücklich hervorhebt: Das Gefährliche sei den meiter rechtsstehenden nationalistischen Organisationen bie Tatsache ,,, daß Mächte hinter diesen Plänen stehen, die sind von allgemeinem Interesse. Sie zeigen, ein wie tiefer wohl in der Lage wären, einen Anfangserfolg auszulösen. Riß durch die nationalen" Verbände geht. Je weniger aber Ein solcher Anfangserfolg würde eine gewaltige deutsche Be- die Republik in ihrer Entwicklung von innen her gestört wegung hervorrufen. Sie würde nach meiner Ansicht bald wird, um so schneller wird sie nach außen Vertrauen ermeden erdrosselt werden, aber dennoch wäre sie stark genug, das und auf größeres Berständnis rechnen dürfen. Chaos herbeizuführen." Auf 35 Seiten weist Mahraun den ganzen Wahnsinn derartiger Pläne nach. Wenige Säge sollen noch deshalb an geführt werden, weil es sich um einen Mann handelt, dem man zugestehen muß, daß er die Jugend der nationalistisch bearbeiteten Kreife tennt, felbst die größte Organisation der rechts gerichteten Jugend zustande gebracht und, wie anerfannt werden muß, vor dem gemeingefährlichen Treiben der Probolschewisten fernzuhalten verstanden hat. Wenn es den Predigern dieser Idee nur gelänge, tausend unpolitische Draufgänger, aber von heiligstem Nationalbewußtsein burchglühte deutsche Männer, für den ersten Schlag zu gewinnen, bann wäre eine Lawine im Rollen, die man nicht mehr aufhalten tann... Die Politik des Bersailler Vertrages hat das Deutschtum zum Pulverfaß gestempelt; und wer die Lunte geschickt daran legt, der kann es jederzeit hochfliegen lassen. Der Hochmeister des Jungdo" ist keineswegs Pazifist, aber er hat den Krieg kennen gelernt und gibt sich Täuschun gen über einen neuen, noch furchtbareren Krieg nicht hin: Wenn Rußland eine Macht wäre und uns in treuer Bundes genossenschaft helfen könnte..., dann würde auch ich nicht an. stehen, mich zu dieser Lösung der größten aller Fragen, die mein Herz bewegt, zu bekennen. Aber das bolschewistische Rußland ist keine Macht. Das russische Heer tann nicht fämpfen und wird nicht fämpfen. Das ist meine verstandesmäßige Ueberzeugung. Der russische Bolschewismus hat eben nicht das Ziel, uns Bundesgenoffe zu fein, sondern uns in das Chaos zu treiben. Dieses Chaos heißt Beltrevolution. In dieser Weltrevolution fönnten wohl die Bölfer Afiens und Afritas gewinnen. Das deutsche Bolt aber müßte zugrunde gehen. Mahraun erklärt, daß er die als„ Ostorientierung" jetzt aufgezogenen Pläne bekämpfen werde, unbekümmert der Folgen, welche mir aus dem probolfchemistischen Lager der nationalen Bewegung angedroht werden". Das Treiben der Probolschewisten darf gewiß nicht unterSchäßt, braucht aber auch nicht überschätzt zu werden. Gegenüber der lärmenden Großmäuligkeit der meniger begabten Hakenkreuzler meist Mahraun auf die piel gefährlichere Arbeit im Stillen hin, wie sie der Oberst Nicolai liebe: Es gibt wohl kaum jemand, der mährend des Krieges eine berartige politische Macht beseffen hat, wie er. Er breitete ein Rek von politischen Dienststellen über das ganze Deutsche Reich aus, in deren Händen eine gewaltige Machtbefugnis lag. Es liegt in der Natur der Sache einer solchen Organisation, daß ihre hauptsächlichste Macht in den persönlichen Beziehungen besteht, welche der oberste Führer im gesamten politischen Leben anknüpft. Es liegt auch ebenso in der Natur dieser Organisationen, daß man der Bersönlichkeit des obersten Führers diese Macht nicht nehmen fann Wenn auf der einen Seite der große Generalstab durch bas Defret unserer Feinde aufgelöst murde, so besteht auf der anderen Seite die Macht der persönlichen Beziehungen des Oberften Micolai weiter. Der Oberst Nicolai ist also meines Erachtens nicht etma als Privatperson zu betrachten, sondern als Vertreter einer in feiner Berfon dargestellten Organisation von außerordentlich politischer Bedeutung. Welche Unterlagen dem mehrfach genannten Hochmeister für die Tätigkeit Nicolais zur Verfügung stehen, ist uns nicht bekannt. Er stellt aber, ohne unseres Wissens bisher auf Widerspruch gestoßen zu sein, die Behauptung auf, daß Nicolai in der probolfchemistischen Propaganda tätig fei. Es müsse für viele nationale führer von ausschlaggebender Bedeutung sein ,,, wenn eine Persönlichkeit von diesen Ausmaßen den hier gezeichneten probolschewistischen Feldzugsplan Das Gequacke. Ein unveröffentlichtes Märchen von H. C. Andersen. lingste Tidende" in Kopenhagen fest zum eritenmal aus dem Rach. Diefes Märchen Andersens ist in der Osternummer der Ber lah des Dichters durch den Bibliothekar Julius Claufen veröffentlicht worden. Daß der Dichter selbst bei Lebzeiten von der Ver öffentlichung Abstand nahm, dürfte in der fehr durchfichtigen nsis Satire gegen die Kunstkritik begründet sein. Alle Bögel des Waldes faßen in den Bäumen auf den Zweigen, mp es genug Blätter gab. Und doch wünschten sie sich alle ein neues, gutes Blatt, ein Blatt, nach dem sie sich sehnten, ein fritisches Blatt, von denen die Menschen so viele haben, daß die Hälfte genug wäre. Die Singvögel wünschten eine musikalische Stritit, jeder zu feinem Bobe- und zum Tabel( wo zu tadeln war) für die anderen. Aber sie tonnten sich nicht darüber einig werden, die Vögel selbst, einen unparteiischen Kritiker zu finden. Ein Bogel muß es doch sein," sagte ble Eule, die zum Präsidenten der Versammlung gemählt worden war und der Bogel der Weisheit ist. Er darf nicht aus einem anderen Lierreich gewählt werden, höchstens vom Meere. Da fliegen Fische wie Vögel in der Luft; aber das ist auch die einzige Familienähnlichkeit. gibt ja auch Tiere zwischen Fisch und Vogel." Doch es Nun nahm der Storch das Wort. Es flapperte ihm mur jo Bom Schnabel. sinar Es gibt Mesen zwischen Fisch und Vogel: die Sumpftinder, bie Frösche für sie stimme ich. Sie sind höchst musikalisch, fingen einen Chor wie Kirchengloden in der Waldeinfamfeit. Mich treibts in die Weite!" sagte der Storch, imich tribbelts unter den Flügeln, wenn sie vorsingen." Ich stimme auch für die Frösche," sagte der Reiher, sie sind meber Bogel noch Fisch, aber wohnen doch bei den Fischen und fingen wie die Bögel. ,, Das wäre nun das Musikalische," sagt die Eule. Aber das Blatt muß von allem fprechen, was es Schönes im Walde gibt. Wir brauchen Mitarbeiter. Dente ein jeder deswegen in seiner Familie nach." Da fang die fleine Lerche so teď und schön:„ Der Frosch darf nicht Herr bes Blattes fein nein, die Nachtigall!" hör auf zu zwitschern!" fagte bie Gule, ich heule zur Drbmung!" Ich tenne die Nachtigall. Wir sind beide Nachtvögel Seber Bogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Weber sie noch ich dürfen gewählt werden. Dann würde das Blatt ein aristokratisches oder philofophisches Blatt merben, ein Beaumonde. blatt, in dem die Hochgestellten den Ton angeben. Es soll doch auch ein Organ für den einfachen Mann aus dem Bolle sein." Man tam überein, es Das Morgengequad" oder„ Das Abend gequad" oder auch nur Das Gequad" zu nennen. Man stimmte für das lettere. 13 Es würde ein lange empfundenes Bedürfnis im Balbe aus Nach Kußmann Asmus. Neue Entlarvung deutscher Justizzustände. Chemnih, oril.( Eigener Drahtbericht.) heute begann im großen Schwurgerichtssaal der zweite Asmus- Prozeß. Berteidiger sind die Rechtsanwälte Dr. Levi, Berlin und Wisla Chemniz. Gleich zu Beginn gibt es einen Zwischenfall, als Genosse Dr. Levi beantragt, eine Schöffin wegen Befangenheit abzulehnen. Der Antrag der Verteidigung wird abgelehnt. Der Angeklagte, Oberstaatsanwalt Genosse Asmus, gab eine Darstellung seiner dienstlichen Tätigkeit und schilderte eingehend die politischen Verhältnisse im Jahre 1923. Die in der Beweisaufnahme behandelten Fälle erbringen nicht die Spur eines Beweises von Schuld. Insbesondere kann von einem Bergehen gegen den§ 346( der ven Beamten spricht, die vorsätzlich jemanden der Strafe entziehen) nicht die Rede sein. Auf wie schwachen Füßen die Anflage steht, beweist folgender Fall: Ein Fähnrich der repu Elikanischen Reichswehr beschimpfte in einem überfüllten Tanzsaal die Republik: hr mit eurer Soziregierung. Ebert kommt das nächstemal dran. Das Schwein Rathenau ist nicht der Leyte gewesen. Ehrhardt lebe hoch!" Dieser Fähnrich jetzte dann dem Gastwirt die Pistole an den Kopf und schoß mehrmals in den Saal, wenn auch ohne jemanden zu treffen. Die erregte Menge fesselte und mißhandelte ihn. Die Anflage legt Asmus nun zur Laft, daß er gegen die erregte Menge, die den armen Fähnrich" prügelte, nichts unternommen habe, Es war der Berteidigun leicht, das Gewebe der Anflage zu zerreißen. Levi beleuchtete da bei sehr treffend din die Praktiken des Oberreichsanwalts. Er stellte unter Beweis, daß der Oberreichsanwalt bei genauer Kenntnis der Aften nichts gegen die Organisation C unternommen habe, so daß man auch gegen ihn ein Berfahren nach§ 346 eröffnen müßte. Heftige Zusammenstöße erfolg ten im Verlauf der Beweisaufnahme zwischen dem Anklagevertreter und Asmus. Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft bat den Borsigenden, ihn gegen die Angriffe des Angeklagten in Schulz zu nehmen. Sehr interessant gestaltete sich die Debatte über die Ursache des Asmus Prozesses. Levi wies darauf hin, daß man wohl nicht zu Unrecht bei dem Heeresanwalt die Quelle zu suchen habe. Er schälte vor allem die politische Seite des Prozesses heraus. Großes Aufsehen erregte, als Genosse Asmus bekannt gab, daß der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft vor der Er. öffnung des Verfahrens ihm nahegelegt habe, den Chefposten der Freiberger Staatsanwaltschaft abzugeben. Er habe dabei auf das Beispiel des Landgerichtsdirektors Weiland in Baugen hingewiesen, der wegen feiner sozialdemokrati. ichen Gesinnung von seinem Boften entfernt wurde. Die Berhandlung wurde dann auf Freitag vertagt. Der Ehrhardt- Fähnrich in der Reichswehr. Zu der im obenstehenden Verhandlungsbericht erwähnten Fähnrich Affäre sei noch eine Ergänzung gegeben, die wir der Boffischen Zeitung" entnehmen. In der ersten Verhandlung gegen Asmus die jetzige ist nur die Fortsetzung nach der Ber tagung ereignete sich folgendes: des Falles Schmidt, eines Fähnrichs der Reichswehr, jenes ar men Vorsitzender Magirius:„ Erinnert sich der Angeklagte Menschen, der von der rajenden Menge in der Nähe von Dippoldiswalbe ahne jeden Grund so furchtbar mißhandelt worden ist?" Angetlagter Asmus: Meint der Herr Vorsitzende den Fall Schmidt, in dem dieser, nach seiner späteren Behauptung ange. füllen. Die Biene, die Ameise und der Maulwurf versprachen über Industrie und Technit zu schreiben. Dafür hatten sie großes Berständnis. Der Kudud war Naturdichter. Zählte zwar nicht zu den Sing. vögeln und war doch von größter Bedeutung für den einfachen Mann aus dem Boffe. Er bläst sich immer auf, er ist der eitelfte Bogel und dabei doch so unbedeutend von Aussehen", sagte der Pfau. Nun tamen die Schmeißfliegen zum Redakteur in den Wald. Wir bieten unsere Dienste an. Wir kennen Menschen, Rebatteure, Menschenfritit. Man feßt sich auf das frische Fleisch, [ pudt und innerhalb eines Tages ist es verdorben. Wir können, wenn es nötig ist, für die Redaktion ein ganzes Talent vernichten. Als Partei muß man ein so hochgestelltes Blatt sein können, daß man roh sein darf; und verliert man einen Abonnenten, bekommt man 16 dafür. Sei grob, gib Schimpfnamen, stell an den Branger, pfeife auf den Fingern, dann bist du eine Macht im Staate." ,, So ein Luftstreicher!" sagte der Frosch vom Storche. Ich habe wirklich als Kind zu ihm aufgesehen und eine zitternde Ehr erbietung empfunden. Und wenn er durch den Sumpf ging und von Aegypten sprach, dann erweiterte sich mein Gesichtskreis in fremde wundervolle Länder. Nun erhebt er mich nicht mehr ist nur noch Nachhall. Ich bin flüger, denkender, bedeutend ge worden ich schreibe fritische Artikel für„ Das Gequade". Ich bin, was man in Rechtschreibung und Tonfall der gebildeten Sprache nennt; ein Quackeling! -OOOO es Borsigender Magirius:„ Ja, Sie haben ja ge. glaubt, biefes Berhalten des Schmidt falle unier das Republikschutzgefeß, und haben die Alten dem Herrn Oberreichsanwalt über wiesen. Aber der hat die Lagerung des Falles sogleich ertannt und den von Ihnen Beschuldigten ohne weiteres einem Arzt überwiesen, der selbstverständlich erflärt hat, daß hier Straflofigfeit auf Grund des§ 51( Strafausschließender Geisteszustand! Red.) porliege."( Fähnrich Schmidt wurde wenige Wochen darauf zum 2eutnant der Reichswehr befördert.) Ich aber frage den Un geflagten jetzt, marum er nicht gegen die Leute, die Schmidt nach feinem Ausruf und nachdem er geschossen hatte, gemeinschaftlich verprügelt haben, eingeschritten iſt?" Berteidiger Levi:„ Wenn das Gericht Neues vorbringen will, müssen wir uns neue Beweisanträge vorbehalten. Bir werden dann auch Herrn Oberreichsanwalt Ebermayer laden, damit er hier als Zeuge unter seinem Eid aussage, ob er einen Angeschuldigten auch dann so ohne weiteres dem Arzt und damit dem rettenden§ 51 überwiesen hätte, wenn es sich um einen Fall von linis gehandelt hätte." Db Herr Ebermayer hicrauf geantwortet hat, missen wir nicht. Wohl aber weiß alle Welt, wie solch eine Frage allein wahrheitsgemäß beantwortet werden könnte! Aus der Heherzentrale. Frreführende Angaben im Kufmann- Prozeß. Nach den Berichten einiger Tageszeitungen über den Straf. prozeß gegen Gerichtsaffeffor Dr. Kußmann und Hauptmann a. D.& noll hat der erstgenannte Angeklagte bei Darstellung der Barmat- Angelegenheiten mehrfach begg- Briefe" erwähnt und u. a. angeblich gefagt, daß ihm der Angeklagte Knoll eine große Anzahl von Briefen gebracht habe, aus denen hervorging, daß ministerialdirektor Abegg vom Ministerium des Innern angeordnet hatte, daß die Barmats an der Grenze nicht durchsucht werden sollten. Demgegenüber wird vom Amtlichen Preußischen Pressedienst folgendes feſtgeſtellt: Ministerialdirektor Dr. Abegg hat seinerzeit auf die im Amtlichen Preußischen Pressedienst damals eingehend erörterte maßgebende Beranlassung eine Weisung an die zuständigen Stellen gezeichnet, demzufolge die Familie Barmats von Rußland über deutsches Gebiet nach Holland reise. In der Borauslegung, daß die betreffenden Personen sich im Befiz ordnungsmäßiger Ausweispapiere befinden, stehen ihrer Durchreise durch Preußen teine Be denten entgegen. Ich ersuche ergebenst, die Grenzübergangsstellen geft. sofort entsprechend zu verständigen und dafür zu sorgen, daß der Familie unter der bezeichneten Borausseßung beim Grenzübertritt feine Schwierigkeiten bereitet werden." Andere Schriftftüde amtlichen oder privaten Charakters hat Ministerialdirektor Dr. Abegg im Zusammenhang mit den Barmats weder geschrieben noch unterzeichnet, wie er überhaupt kein Mitglied der Familie Barmat jemals tennengelernt, noch unmittelbare oder mittelbare Beziehungen zu ihr gehabt hat. Landesschützenverband Oberschlesien. In einer Kleinen Kleinen Anfrage bes Landtagsabgeordneten Baczewitt( Bole) wurde ausgeführt, daß es sich bei dem eine Landesschüßenverband Oberschlesien" um illegale O'rgannisation militärischen Charakters handle, und das Staatsministerium wurde u. a. ersucht, für eine schleunige Entwaffnung und Auflösung des Landesschützenverbandes Sorge u tragen. preußischen Innenministers entnimmt, ist der„ Landesschützenverband Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Oberschlesien" ein eingetragener Berein, deffen Sagungen bekannt find. Zur Führung und zum Besitz von Waffen ift er nicht berechtigt. Der Landesschüßenverband wird wie andere Organifationen dieser Art von den Behörden sorgfältig beobachtet. die deutsche Gegenwart", der besonders fesselte durch die Schilderung des 18. Jahrhunderts mit seiner unruhigen Bewegtheit, die in der französischen Revolution austlang. Hervorgehoben jei noch, daß sich auch deutsche Schulen des Auslandes in steigendem Maßen an den Schillerfestspielen beteiligen. So find unter den zurzeit vorliegenden 3317 Anmeldungen u. a. 35 von der deutschen Schule in Helsingfors, und ebenso liegen eine Anzahl Meldungen aus den Grenzgebieten in Bolen und der Tschechoslowakei vor. · Das 150jährige Jubiläum des Wiener Burgtheaters wurde gestern mit einer einfachen Morgenfeier im Burgtheater begangen. Das Haus war festlich beleuchtet und geschmückt. Bundespräsident Hainisch, die Mitglieder der Regierung, das diplomatische Korps, das Präsidium und zahlreiche Mitglieder des Nationalrats, der Bürgermeister von Wien, sehr viele Bertreter von Kunst, Biffen schaft und Literatur wohnten der Feier bei, die mit dem Vortrag Schalt eröffnet wurde. Sodann hielt Direktor Herterich eine Ansprache, in der er die Bedeutung des Tages würdigte und die innige Zusammengehörigkeit des Burgtheaters und der Wiener Bevölkerung besonders betonte. Nach ihm sprach Mag Devrient die von Hermann Bahr verfaßte Festrede. Mit dem Vortrag von Mendelssohns Meeresstille und glückliche Fahrt" durch die Wiener Philharmoniker gemeinsam mit dem Chor der Staatsoper schloß die Feier. Heute wird im Burgtheater als Festvorstellung Minna von Barnhelm gegeben. Konferenz der infernationalen Studentenorganisationen. Am Donnerstag trat in Genf im Bölferbundsekretariat unter dem Borsiz des Berner Prof. de Reynold, Mitglied der Völkerbundtommiffion für geistige Zusammenarbeit, eine Konferenz von VerIn der Menschenwelt gibt es auch so etwas. Ich habe darübertretern der hauptsächlichsten internationalen Stubentenorganisationen etwas im Feuilleton unseres Blattes geschrieben.". ( Ins Deutsche übertragen von Alfons Fedor Cohn) Der Deutsche Schillerbund hielt in den Ostertagen feine dies jährige Hauptversammlung ab. Für 1927 find Aufführungen von Schillers Don Carlos", Grabbes Hannibal" und Kleifts Prinz Friedrich von Homburg" in Aussicht genommen. Bon Bedeutung gerade für die Jugend des Boltes war die Erörterung der Frage, ob an der unteren Altersgrenze für den Besuch der Spiele 16 Jahre festgehalten werden solle. Dabei scheidet die Jugend der festgehalten werden solle. Dabei scheidet die Jugend der Bolksschulen ebenso aus wie die der Mädchenschulen, da sie nur bis zum 16. Lebensjahre Schülerinnen fördern. Für die Volksschule jugend kommen dann nur die in den Jugendvereinen organisierten Jugendlichen in Betracht. Es wäre deshalb sehr wünschenswert, eine Form zu finden, durch die gerade auch die arbeitende Jugend diese Feststunden in Weimar mitgenießen fann. Eingeleitet wurde die Hauptversammlung durch interessante Borträge von Gebichten von Schillers Gattin Charlotte, die zum Teil aus den letzten Tagen vor Schillers Tode stammen und erfreulich sind durch die Wärme der Empfindung, die auch Zeugnis von dem innigen Zusammenleben dieser beiden Menschen ablegt. Dichterisch sind freilich diese Verse mit ihrem Bathos und ihren ziemlich banalen Bendungen und Ge banten nicht viel wert. Im Rahmen der Weimarer Osterwoche hielt ferner Heinrich Lilienfein einen interessanten Bortrag Schiller und zufammen. Deutschland ist durch Dr. Schairer non der Deutschen Studentenhilfe und Frank vom Auslandsamt der deutschen Studentenschaft vertreten. Die Konferenz wird bis Sonnabend dauern und einen gemeinsamen Arbeitsplan aufzustellen trachten über folgende Fragen: Erleichterung von Reifen, Stubentenaustausch, internationale Studentenbörsen, Gleichberechtigung der ausländischen Studenten mit den Angehörigen der nationalen Studentenvereini gungen, Studentenhilfe und Heime, wirtschaftliche Unterſtügung, internationale Studentenkonferenzen und Schaffung einer gemeinfamen internationalen Studentenzentrale. In erster Linie foll ver sucht werden, unter Wahrung weitgehender Freiheit der einzelnen Organisationen alle unnötige und unfruchtbare doppelspurige Arbeit zu beseitigen. Staatsoper. Wegen noch andauernder Erkrankung von Frau Eden wird am 12, statt Ariadne" Sauberflöte" gegeben. Neue Preise der Städlichen Oper. Mit Wirkung vom 12. April bat bie Intendanz der Städtischen Oper billigere Eintrittsprei e feftyefekt. Der teuerite Drchestersiz und ein Blas in den Logen und in der ersten Reihe des 1, Ranges, die bisher 18 M. gefoftet haben, foften ab 12. April 12 M., das 2. Orchefter loftet in Zufunst 10 M., 2. Parfett 5 M. Ein Play 2. Rang Ritte foftet 7 92. ftatt wie bisher 8. Die Aunfthandlung Frik Gurlift eröffnet in ihrem Geschäft Friebrich Ebert- Straße 7, am 11. eine Rollettiv- Ausstellung des japanischen Malers jugoubaru oujita Es ist dies das erftemal, daß der japanile Künstler in Deutschland ausstellt. .Volksopfer/ Ein schwar�weihrotes Panama. Die.Kreuzzeitung� versucht die Unterschkagunzen ver Meißner und Lössler im Sächsischen Dolksopser, die durch die Verurteilung der beiden Täter Pt längeren Gefängni»- strofen ihre gerichtliche Sühne fanden, ol» eine harmlose Sache hin- zustellen, die mit der nationalen Bewegung und den reaktionären Parteien nicht das geringste zu tun habe..Es bleibt nichts übrig als die Straftaten zweier Leute, die in der vaterländischen Bewegung eine Zeitlang eine gewisse Rolle spielen konnten, bis sie erkannt wurden. Gegen solche Geschehnisse ist kein Partcilagcr geschützt." Bisher las mau's anders! Aber so richtig diese plötzliche Erkenntnis der.Kreuzzeitung" ist, muß doch daran erinnert werden, daß sich die Korruptionsskandale im schwarzweißroten Lager bedenklich häufen und daß es sich in der Angelegenheit Meißncr-Lösflcr um einen typischen Fall handelt, der durch seine Anfänge und seine Behandlung in den beteiligten reaktionären Kreisen politisches Interesse gewinnt. Als im W i n t e r l S 2 Z/ 2 4 die.R e i ch s e x e k u t i o n" gegen die sächsische republikanische Regierung durchgeführt worden war. hieU es die um den militärischen Leiter des Unternehmens, den General Müller, und um den.Zivilkommisjar". Reichs- minister a. D. Dr. H e i n z e. sich sammelnde Gruppe von Ossi- zieren und Industriellen sür notwendig, der.zur Raison gebrachten" sächsischen Arbeiterbepölkerung neben den Fcldkanonen der.Be- satzungsarmee" auch die milde chand der zahlreichen.Stadtkommon- danten" zu zeigen. Deshalb ließ man die Feldküchen durch die Straßen der sächsischen Städte fahren und alte Kleider, Lebens- mittel und BargAd für die Büchsen des sogenannten.Volks- o p s e r s" sammeln. Eine Unterstellung dieser.Wohltätigkeits- stistung" unter die Landesregierung wurde abgelehnt und das .Wohltätigkeitswerk" zwei besonders ausgesuchten .Vertrauensleuten" der„Vaterländischen", dem Syndikus Dr. Meißner und dem.Hauptmann" Löffler. übertragen. Dr. Meißner war in Sachsen ein großer Mann. Er träumte von einer großen politischen Karriere und spendete einstweUcn be- trächtliche Summen an Werwolf und Stahlhelm und an seinen„Rationalen Klub", der unter dem Protektorat des rühmlichst bekannten Reichsjustizministers und.Reichs- kommissars gegen Sachsen" Dr. Heinze stand- Ueber 10ÜProzeß haben gegen das Urteil des Dresdener Schöffengerichts Berufung eingelegt. Das Verfahren gegen Kutisker. Prozestbeginn am Montag.— Elf Angeklagte. Am kommenden Montag beginnt vor dem großen Schöffen- gericht Berlin-Mitte der Kutisker-Prozeß. Neben dem früheren Generaldirektor der Stein-Bank, Iwan Kutisker, sind noch folgende Personen angeklagt: sein« beiden Söhne Alexander und Max Kutisker. der Kaufmann Blau, der frühere Prokurist der Stein-Bank. Blei, der Direktor Gricger von der Treibriemen- Aktiengesellschaft, der Kaufmann Grobe, der ins Ausland.ge- flüchtete Kaufmann Isidor Stern, der Kaufmann Michael H o l z m a n N. der sich zurzeit in Moabit in Untersuchungshaft be- findet, der Kaufmann St riet er, der in Verfolg eme� anderen Verfahrens zur Untersuchung seines Geisteszustandes in einer Irren- onstalt untergebracht worden war, und der Kaufmann Daniel. Alle diese Angeklagten haben sich wegen Beihilfe zum Betrüge zu- Ungunsten der Preußischen Staatsbank und der Beihilfe zur Ur- kundenfälschung zu verantworten. Der Betrug wird von der Anklage darin gesehen, daß die der Preußischen Seehandlung gegebenen Deckungen sür die entnommenen Kredit« sich ol» minderwertig herausgestellt haben, da sie Haupt- sächlich in sogenannnlen„Kellerwechseln" auf die Kutiekerschen Kon- zernfirmen bestanden. Die Urkundenfälschung soll darin be- stehen, daß von den Beteiligten verschiedene Telegramme aufgegeben worden sind, die der Staatsbank zum Beweis« vorgelegt wurden und aus denen sälschlicherweis« hervorging, daß die Stein-Bank beträcht- lich« Kredite aus dem Auslande zu erwarten habe. Durch diese Telegramme wurde die Staatsbank veranlaßt, der Stein-Bank Kre» dite einzuräumen, die ihr entsprechend dem wirklichen Status niemals hätten gegeben werden dürsen. In dem Prozeß werden auch die Geschäft» mitdemHanouerLager ausgerollt werden. Die Staatsbank hat durch ihre Kreditgewährung gegenüber der Sleln-Bank einen essektwen Verlust von soft neun Millionen Mark gehabt....... Völkerbund als Gegenwartssortfthritt. Warum wir an ihm festhalten müssen. Zu dem Thema der Zukunft des Völkerbundes und der Haltung, die der mternationale Sozialismus gegenüber der Genfer Institution noch dem Scheitern der Märztagung einnehmen soll, hohen sich bereits die Ge- nosten Aandervelde und Macdonold auf unsere Veranlassung im„Vorwärts" geäußert. Wir bringen nunmehr eine Zuschrift des Genossen F i- l i p p o T u r a l i, des tapferen Führers der italieni- schen Sozialisten über die gleiche Frage. In der jüngsten Nummer der„Critica Soziale", der von meinen engeren politischen Freunden und von mir heraus- gegebenen sozialistischen Halbmonatsschrift, ist bereits zu der mißglückten Mürztagung des Völkerbundes eingehend Stellung genommen worden. Ich kann daher nur das in kürzerer Fassung wiederholen, was in jenem Aufsatz ausführlich zum Ausdruck gebracht wird. Um es gleich vorauszuschicken: Meine sozialistischen Freunde und ich find entschlossen, den Gedanken des Völker- bundes nach wie vor zu unter st ützen und dafür einzutreten, daß man mit Vertrauen, Aktivität, Mut und gutem Glauben im Völkerbund weiter wirke. Allerdings wäre es für uns Italiener nötig, daß ein« Regierung vorhanden sei, die sich in ihrer Völkerdundspolitik von dem gleichen Gedanken tragen lasse und die sich bemühe, die Aktion des Völkerbundes immer energischer und vollständiger zu gestalten, a nsta t t— genau das Gegenteil zu tun. Und wir benötigen dazu ferner ein P a r l a m e n t, das vom Volke gewählt werde, anstatt einer Versammlung, die von der Regierung ernannt und aufoktroyiert wird und die nur die P a r o d i e einer ver- tretenden Körperschaft bildet. Fast olle Leitartikel unserer„Critieo Soziale" vertreten und entwickeln diesen Gedankengang. In diesem Punkt liegt vielleicht sogar der st ä r k st e U n t« r s ch i e d zwischen unserer Partei und nicht nur den K o m m u n i st e n. sondern auch jener radikalen und angeblich„revolutionären" Sozialisten, den italienischen M a x i m a l i st e n, die ewig zwischen Sozialis- mus und Bolschewismus hin und her schwanken. Im Gegensag zu diesem sind wir nicht der Ansicht, daß man die m ö g l i ch e n Re f o r m e n auch auf außenpolitischem Gebiet auf das Jahr 2000, auf den Tag nach dem hypothetischen sozialistischen Umsturz hinausschieben darf. Nach der Auffassung des radi- kalen Flügels der Arbeiterbewegung müßte die sozialistische Revolution jeder ernsthaften Reform vorausgehen und nicht die Konsequenz der ernmgenen Reformen sein. Aber diese angeblich revolutionäre Auffassung ist in Wirklichkeit nichts anderes als eiye bequeme Drückebergerei und als ein verschleierter Verzicht auf die Revolution selbst. Unsere feste Ueberzcugung dagegen ist, daß das Prole- tariat alles Interesse daran hat, jede Bewegung und jede Jnsti-- tution zu f ö r d e r n. die sich zum Ziel setzt, die unmittelbaren Kriegsursachen zu verringern. Diese Auffassung ist durchaus marxistisch und daran wird nichts durch die Tatsache geändert, daß man für diesen bestimmten Zweck der Förderung eines Friedensinstrumentes sogar mit bürgerlichen oder halbbürgerlichenRcgierungenundParteien gemeinsameSache macht, wenn sie in der gleichen Rich- tung vorgehen. Es ist vielmebr die Aufgabe des Sozialismus. solche Parteien und Regierungen immer entschiedener auf diese Bahn zu drängen. Der Völkerbund, so wie er aus dem Kriege als eine Liga der siegreichen Nationen gegen die besiegten Nationen heraus- gewachsen ist, ist zweifellos ein m a n g c l h a f t e r, an Wider- spriichen reicher Organismus. Aber dieser Völkerbund befindet sich mit naturgesetzmäßiger Notwendigkeit mitten in einem dauernden Entwicklungsprozeß. Und dieser Völkerbund wird morgen das fein, was die klassenbewußten und taten- frohen Proletarier dank ihrer Kraft und ihrem Willen aus ihm machen werden! All das gilt leider natürlich nicht, wenigstens für die Gegenwart, im offiziellen Italien. Denn dort werden die proletarischen Kräfte und die fortschrittlichen Parteien grau- sam niedergetialten. Aber das ist für uns Sozialisten kein Grund, an dieser evolutionistischen These hin- sichtlich des Völkerbundes nicht festzuhalten. Es ist vielmehr für uns ein Grund mehr, diese These energischer denn je zu verfechten, zumal wenn man die immer engeren Beziehungen zwischen der internationalen Po- litik und der inneren Politik bedenkt, wobei gegenwärtig in Italien die innere Politik der Außenpolitik vorangeht und sie bestimmt. Denn letzten Endes ist der Nationalismus oder der Im- perialismus nur eine Art von internationalem Faschismus, ebenso wie der Faschismus eine Art I m p e ri a l i s m u s ist, den die jeweilige Regierung gegen die eigene Nation ausübt! Die Anklage wird von den Staatsanwaüschaftsräten Polzin und Ziegel vertreten: als Verhandlungsleiter fungiert Amts- gerichtarat A h l s d o r f. Die Hauptangeklagten werden von den Rechtsanwälten Dr. Rübell. Iustizrat Werthauer, Herbert Fuchs, Dr. Pindar und Wygodzinski verteidigt. Kommuniftentrach in Inhalt. Erst Einheitsfront mit der Rechten— da«« Radau. vesiau. 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Dle Rechtsparteien benutzten am Donnerstag unliebsame Vorkommnisse in den staatlichen Salzwerken Leopoldshall, um im onhaltischen Land- tag gegcn die Minister Delst. Weber und Müller einen Miß- trauensantrag einzubringen. Bei der Abstimmung stimmten auch die Kommunisten zusammen mit den 14 Abgeordneten der Rechten und dem einen Völkischen gegen die Minister. Dennoch blieben die Gegner der Regierung in der M i nd e r h« i t. Nach der Abstimmung verlas der Kommunist Besser eine Erklärung, die den Präsidenten zwang, ihn mehrfach zur Ordnung zu rufen und ihm schließlich da» Wort zu entziehen. Als ein anderer kam- munistischer Abgeordneter die Verlesung der kammuntstischen Er- klärung gegen den Einspruch des Präsidenten fortzusetzen versuchte, wurde die Sitzung geschlossen. Darauf brachte der Kommunist Besser ein Hock, aus das Proletariat aus: die kommunistischen Abgeordneten und Tridsinenbesucher stimmten die Internationale an, so daß die Tribünen geräumt werden mußten. Die Kommunisten bewiesen durch ihr Verhalten, daß sie den ganzen Vorfall wohlüber- legt vorbereitet hatten, um auf diese Weise ihr beschämendes Z u- sammengehen mit den Rechtsradikalen zu ver- s ch l e i e r n. Deutfämationale Sozialpolitik. Keine Arbeitslosenunterstützung in landwirtschaftlichen Bezirken? In Nummer 1? de, Reichsarbeitsblattes verösfentlicht der Reichsarbeitsminister einen Erlaß an die obersten Landesbehörden für Arbeitsvermittlung und Erwerbslosenfürsorge über Förderung der Arbeitsausnahmen im Frühjahr. Diesen Erlaß benutzt das deutschnationale Agrarierblatt, die „Deutsche Tageszeitung", in Nummer 162 vom 8. April, um seine Sozialseindlichkeit im hellsten Lichte erstrahlen zu lasten. Der Zweck des Erlöstes ist, die Landesregierungen zu veran- lasten, durch Ausbau der öffentlichen Arbeitsmarktorgantsation die vorhandenen Mängel zu beseitigen, damit die Anregungen, die der deutsche Arbeitsmarkt mit dem Beginn de» Frühjahr» durch die Landwirtschast, da» Baugewerbe und andere Außenberufe zu er- warten hat, in vollem Maße ausgenutzt werden. Dazu werden eine Reihe begrüßenswerter Vorschläge gemocht. Di« sozialdemokratische Reichstagsfraktion und die Freien Gewerkschasten haben immer wieder mit Nochdruck einen noch viel umfassenderen Ausbau der ösfentlichen Arbeitsmorktorganisation gefordert. Wenn insbesondere die landwirtschaftlich« Arbeitsvermittlung ungenügend ausgebaut ist, so Ist dos die Schuld der landwirtschaftlichen Unternehmer, die immer wieder versuchen, den Arbeitsnachweis zu einen, ihnen ge- fügigen Machtinstrument zu machen. Da» kam auch auf der letzten Ardeit,nachweistagung in Düsseldorf zum Ausdruck. Neben diesen begrüßenswerten Vorschlägen enthält der Erlaß de» Reich»arbeil«tmst«rium» auch Vorschläge über die Handhabung der Erwerbslosenfürsorge in den landwirtschaftlichen Bezirken, die reaktionären Gemeinden eine willkommene Handhobe bieten werden. durch Entzug der Arbeitslosenunterstützung die Arbeitslosen in solchen Gemeinden zu zwingen, unter den schändlichsten Arbeitsbedingungen Arbeit anzunehmen. Kein Wunder, daß solche Aussichten das AgraricrblaU in helle» Entzücken versetzen! Dieser Teil des Erlaste» des Reichsarbettsministerwm» fordert zum schärfsten Protest heraus. Er beweist nur, wi< dringend not- wendig die geforderte gesetzliche Neuregelung der Erwerbslosen- sürsorge ist. Bei dieser Neuregelung wird es nicht nur darauf ankommen, einen Rechtsanspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu schassen, gleich. zeilig müssen die von der Beitragslcistung befreiten landwirtschost- lichen Arbeitnehmer in die Erwerbslosenfürsorge einbezogen werden, damit auch sie im Fall« der Zlrbeitslosigkeit einen Rechtsanspruch auf Unterstützung haben. Der �Bbenö�prozeß. War sei« Leiter ei« Erpresser? wie«, 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag be- gann in Wien der Prozeß gegen den ehemaligen Chefredakteur des „Abend". Alexander W e i s z, der sich gegcn die Anklage der Er- pressung zu verantworte» hat. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er sich von dem Großindustriellen Castiglioni, von der Depositen- dank und der Länderbank habe bestechen lasten. Er soll serner von diesen Unternehmen größere Beträge dafür verlangt haben, daß Angriffe im„Abend" unterbleibe». Es wird behauptet, daß er durch Vermitllung des Mitangeklagten Inseratenagenten des„Abend" von Castiglioni 24 Millionen Kronen, von der Depositenbank IM Millio- nen und von der Länderbank einige Millionen erholten habe. Der Angeklagte W e i s z bestreitet das allerdings. Von den Zeugen waren bei Beginn der Derhairdlung drei, C a st i g l i o n i, ferner ein Generaldirektor der Depositenbank, der von der Staats- anwaltschast wegen Betruges steckbrieflich verfolgt wird und sich in Paris aufhält, sowie ein Direktor der Löndorbauk nicht erschienen. Da» Gericht beschloß, auch in Abwesenheit dieser drei Zeugen die Berhandlung durchzuführen. Rücktritt Malvps. Aus Gesundheitsgründen. Pari«, 8. April.(Eigener Drahtberichl.) Innenminister Malbh, der infolge eines nervösen Zusammenbruch« während der Kommer- sitzung. in der er sich gegen die Hefligen Angriff« der Nationalisten verteidigen mußte, einen Erholungsurlaub angetreten hatte, ist nach Paris zurückgekehrt. Malbh hat sich entschlosten, auS Ge- sundbeitSrücksichten sein Amt niederzulegen. Nach einer späteren Havasmeldung sind die Gründe für den Rücktritt nicht im Gesundheitszustand Malvys zu suchen. In dem für morgen angesetzten Ministerrat wird der Nachfolger Malvys bestimmt werden. Säuerlicher Terror gegen Sowjetapparat. Ter Kleinkrieg der russischen Bauern. Moskau, 8. April.(Ost-Expreß.) Der Kleinkrieg der russischen Bauern gegen die Einmischung der Sowjetbureaukratie und der kommunistischen Parteiageiüen in die Angelegenheiten des Dorfes, ein Krieg, der in nur zu vielen Fällen von der bäuerlichen Seite mit Knittel, Beil und sogar mit dem Gewehr geführt wird, kommt nicht zum Stillstand. Täglich haben die Sowjetblätter bald aus diesem, bald aus jenem Bezirk von furchtbaren Mißhandlungen, Mordversuchen und auch vollendeten Morden zu berichten, deren Opfer neben den Vertretern der Sowjetbeamtenschaft und der KP. vor allem die im ganzen Lande verteilten Reporter sind, deren Artikel über das Leben im Dorf von den Bauern als Angebereien bezahlter Regierungsspion« angesehen und gefürchtet werden. Oh» "wohl die Preste von Zell zu Zeit Alarmrufe veröffentlicht, ist die Lag« in dieser Hinsicht nicht besser geworden. Gerade jetzt erregt ein Fall dieser Art wieder große» Aufsehen: im Dorf D u b o w y Ljes In Weißrußland ist der kommunistisch« Iugendptonier Borissenok ermordet worden, der sich durch Anzeigen derjenigen Bauern verhaßt gemacht hatte, die eigemnächrig Holz in den staat» lichen Forsten fällten(ein Recht, das die Bauern mit zäher Energie zu ertrotzen suchen) oder ihr Vieh oerborgen hiellen, um der Be- fteuerung zu entgehen. Bisher sind die Täter nicht ermittelt worden. Franz Kleins Beisetzung erfolgte in dem Ehrcngrab, das die Stadt Wien ihrem Ehrenbürger gewidmet hat. Auch der reichs- deutsche Seschäststräger Gras Dönhoff mar erschienen. Gewerkschaftsbewegung Die Verhandlungen über das Erwerbslosenproblem. Böllig ergebnislofer Verlauf. Der jüngste Unfall bei Ehrwald. Das schwere Eisenbahnunglüd auf der Strecke zwischen Reutte und Garmisch- Partenkirchen liefert einen schlagenden Beweis für die verhängnisvolle Sparpolitit, wie sie von der Deutschen Reichsbahngesellschaft betrieben wird. Einwandfrei steht fest, daß die elektrische Maschine entgegen den deutschen und internationalen Bestimmungen nur von einem Beamten besetzt war. Dieser jah sich genötigt. während der Fahrt eine Reparatur an der Maschine vorzunehmen, wobei er abstürzte. Schon jetzt wird von der Reichsbahnbehörde der Versuch gemacht, diesem verunglückten Beamten die Schuld zuzuschieben, indem man erklärt: Es war noch nicht einwandfrei festgestellt, weshalb der Beamte mährend der Fahrt die Dieser Versuch, in dem Lokomotivführer den Schuldigen zu suchen, muß aufs schärfste zurückgewiesen werden. Das Unglüd ist in erster Linie auf die falsche Sparpolitit zurüdzuführen, die diesen Zug, dazu noch auf einer äußerst gefährlichen Gebirgsstrecke, mit Die Besprechungen zwischen den Gewerkschaften, den Arbeit gebern und dem preußischen Wohlfahrtsministerium, die am Donnerstag über das Erwerbslosenproblem stattfanden, sind völlig ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber wollen von einer Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge, wie sie die Gemertschaften vorgeschlagen haben, d. h. non einer Umstellung des Unter- Reparatur vornehmen wollte und dadurch das Unglück verursachte. stügungssystems auf Lehnklassen nichts wissen. Sie erklären, diese Umstellung laufe mur darauf hinaus, für die Erwerbslosen höhere Säße herauszuschlagen, und deshalb seien fie gegen jede Borwegbehandlung bestimmter Fragen des Gesamtproblems der geplanten Arbeitslosenversicherung. Mit dieser glatten Ablehnung der Vorschläge der Gemertschaften ist die Frage der Zwischenlösung in der Reform der Erwerbslosenfürsorge selbstverständlich nicht abgetan. Nach den Verhandlungen in Preußen, bei denen es sich zunächst nur um eine lofe Fühlungnahme und Besprechung gehandelt hat, werden in der nächsten Woche die Verhandlungen im Reichswirtschaftsrat über die Erwerbslosenfrage beginnen. Dort werden die Arbeitgeber mit der bequemen Methode, die Reform der Erwerbslosenfürsorge mit einer Handbewegung abzulehnen, nicht weit fommen. Ihren Haupteinwand, jeder Umbau der Ermerbslosenfürsorge tofte Geld und größere soziale Lasten könne „ die Wirtschaft" nicht tragen, werden die Arbeitgeber nicht ewig wiederholen können, ohne sich lächerlich zu machen. Ueber die entfcheidende Frage, wieviel schließlich vom Lohn als Unterstützung gezahlt werden soll, haben die Arbeitgeber nicht allein zu entscheiden. Unfallhäufung bei der Reichsbahn. Selbst dem Zentrum wird die Wirtschaft zu bunt. Eine Kleine Anfrage der Zentrumsfraktion des Preußischen liche Häufung von Eisenbahnbetriebsunfällen zu verzeichnen gewesen ist, so im Verlaufe des letzten Jahres unter anderem in Hamburg, Magdeburg usw. Der Ausbes ferungszustand beträgt zurzeit über 21 Prozent der rorhandenen 28 000 Lokomotiven. Auf Betriebsunfälle ist ein Hauptteil der Schäden zu buchen. Landtags weist darauf hin, daß in letzter Zeit eine be dent Die Ursachen dieser dauernden Steigerung der Gefährdung der Eisenbahn scheinen in der Hauptsache auf Mangel an Personal und leberlastung der noch vorhandenen Kräfte zurückzuführen zu sein. Trotzdem bei den Reichsund Staatsbehörden der Personalabbau beendet und durch Gesetze aufgehoben ist, finden bei der Reichsbahn noch ohne Unter brechung sowohl Entlassungen wie Rüdüberführun gen von Beamten in das Arbeiterverhältnis, die Vorstufe der ficheren Entlassung, statt. Auf gefährlichen und verkehrs= reichen Betriebsstellen beträgt die tägliche Dienstzeit jeht zwölf Stunden, während auf demselben Bosten und bei gleichen Betriesverhältnissen in der Vorkriegszeit das Personal mit dreifachem Wechsel in 24 Stunden genügend belastet mar. Trotz des hohen Reparaturstandes von etwa 5900 Lokomotiven setzt unmittelbar vor Ostern die Arbeiterentlaffung aus dem Ausbesserungs- und Bahnbetriebswerfen in verschärftem Umfange ein, z. B. in Bezdorf, Ratibor, Oppeln, Gleiwig, Breslau, Köln, Trier ufm. Sind dem Staatsministerium, so schließt die Anfrage, diese Zustände bekannt, und was gedenkt es zu tun, um die absolute Betriebssicherheit der Eisenbahn wieder herzustellen und der Personalentlassung Einhalt zu bieten?" einem Lokomotivführer fahren ließ. Die Reichsbahndirektion München hat für den Notfall einen weiteren Prügelknaben gefunden, nämlich den Zug. führer, der entgegen der Vorschrift, während der Fahrt auf der Lokomotive Blatz zu nehmen, sich im Backwagen aufgehalten habe, einanderzusetzen. Die Situation der Reichsbahn wird dadurch nicht um sich mit einem Reisenden über ein beschädigtes Gepäckstück ausbeffer. In dem Artikel: Die Reichsbahn auf Abbruch", in unserer gestrigen Abendausgabe, hat sich ein finnentstellender Drudfehler eingeschlichen. Der erste Satz des Artifels muß lauten:„ Seit Herr v. Siemens als Beauftragter des Reichsverbandes der deutschen Industrie an der Spize des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahngesellschaft steht, ist eine in ihrem Umfange als grenzenlos zu bezeichnende Berschleuderung( nicht: Bermeh tung) des Fundus der ehemaligen Reichsbahnen eingetreten.... Sieben freie Sonntage im Jahr bei der Reichsbahn. In einer Kleinen Anfrage einiger Landtagsabgeordneter wurde das Staatsministerium ersucht, bei der Reichsregierung darauf hinzuwirken, daß den jetzigen Angestellten der Deutschen Reichsbahngesellschaft hinreichende Sonntagsruhe, besonders zur der Amiliche Preußische Pressedienst der Antwort des HandelsErfüllung fozialer und firchlicher Forderungen gewährt werde. Wie ministers entnimmt, sollen dem Personal 17 Ruhesonntage gewährt werden; jedoch erhalten die 3ugbegleitbebientesten des Hauptbahnhofes Breslau nur sieben Ruhe. fonntage jährlich, wozu nech zwei weitere Sonntage mit Gelegenheit für den Kirchenbesuch fommen. Der Minister hält dies nicht für ausreichend und ist daher bei dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft für eine Bermehrung der Ruhesonntage eingetreten. Die Sonntagsruhe im Berliner Friseurgewerbe. Betriebsruhe vom nächsten Sonntag ab. Die feit dem 1. April 1895 bestandenen Ausnahmebestimmungen von der Sonntagsruhe für das Friseurgewerbe sind durch Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten vom 19. Januar 1926 in der Hauptsache aufgehoben worden. Seit Jahren haben die Innungsverbände auf ihren Bundestagen die reichsgefegliche Durchführung der vollständigen Be triebsruhe gefordert. Die Berliner Innungen, die die Mög lichkeit hatten gleich den Innungen fast aller übrigen Städte im Reiche, auch ohnedem durch Beschluß einer 3 weidrift el. mehrheit die Sonntagsruhe für Berlin gemäß§ 41b der Ge werbeordnung herbeizuführen, wollten davon nichts wissen, vielmehr die reichsgefegliche Regelung abwarten, die nunmehr nur noch eine reine Formsa che ist, dennoch aber lange Zeit gebrauchen fann bis zu ihrer Erfüllung. Nachdem aber seit dem 1. April dieses Jahres Gehilfen und Lehrlinge an Sonntagen in der Regel nicht mehr be schäftigt werden dürfen, trat für die Geschäftsinhaber Es ist vieles faul im Staate der Reichsbahngesellschaft, deren der Zustand ein, daß sie des Sonntags allein arbeiten sollten. Wirtschaft sich mehr und mehr zu einer einzig großen Die überwiegende Mehrheit der selbständigen Friseure Berlins hat Berkehrsgefahr auswächst. Wenn es mit Beschwichtigungs- sich daher entschlossen, die Einführung des vollständigen Ladennotizen getan wäre, würde längst alles in bester Ordnung sein. Es schlusses an Sonn- und Festtagen beim Polizeipräsidenten zu bescheint jedoch selbst an der Einsicht zu fehlen, daß die Mißwirt- antragen. Der Berliner Polizeipräsident hat diesem Antrag stattschaft wie bisher nicht weitergehen fann. gegeben und seine Verordnung vom 19. Januar entsprechend abgeändert. Diese neue Berordnung tritt fofort in Kraft, so daß ab tommenden Sonntag die Friseurgeschäfte geschlossen zu halten sind. Abgesehen von den Ausnahmen für Theatervorstellungen darf fortan nur an den ersten Oster, Pfingst- und Weihnachtsfeiertagen von 8 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags gearbeitet werden. Ausdrücklich sei noch bemerkt, daß mit dem Sonntagsladenschluß die gänzliche Betriebsruhe angeordnet ist, d. h., daß der bisherige Ladengeschäftsbetrieb nicht etwa an Sonntagen in die Hotels und die Behausungen der Kundschaft verlegt werden darf; weder von Meistern noch von Gehilfen oder Gehilfinnen. Der Inhaber einer mechanischen Stickerei in der Kurstraße, der durch die Presse zur Unterschriftensammlung gegen die Sonntagsruhe der Friseure auffordern wollte, kommt damit zu spät. Die Balkankonferenz des JGB. Sofia, 8. April.( Eigener Drahtbericht.) Nach erfolgreichen Vorbesprechungen in Belgrad ist die Balkandelegation des Internationalen Gewerkschaftsbuntes heute in Sofia eingetroffen. rischen Gewerkschaften die Vertreter des Internationalen Schon an der Grenze begrüßten die Führer der bulga. Gewerkschaftsbundes. In Sofia hatte sich am Bahnhof eine große Masse von Arbeitern eingefunden, die mit den Fahnen ihrer Gewerkschaften die Delegation erwarteten und sie mit Blumen spenden empfingen. Nach den gegenseitigen Begrüßungsreden bildete sich ein großer 3ug, der durch die Stadt zog. Die Kommunist en hatten eine Gegendemon stration inszeniert, die jedoch gänzlich wirkungslos blieb. Ueberall auf ihrer Reise durch den Balkan begegnete die Delegation dem lebhaften Interesse der Arbeiterschaft für die Balkanfonferenz. Die Delegation besteht aus den Genossen Saffenbach, Sekretär des JGB., Mertens, Brüssel, Vizepräsident, Fim men, Amsterdam, Sekretär der Internationalen Transportarbeiterföderation, Wilhelm, Zürich, Sekretär der Union der LebensmittelBereinigung der Schuh- und Lederindustriearbeiter. induſtrie, und Simon, Nürnberg, Sekretär der Internationalen Balkankonferenz, an der die Gewerkschaften Bulgariens, Man rechnet mit einem äußerst erfolgreichen Verlauf der Jugoslawiens, Rumäniens, Ungarns, Griechen lands und der Tschechoslowatei teilnehmen. Die Berhandlungen nehmen heute ihren Anfang und werden voraussichtlich zwei Tage beanspruchen. Wie in Nr. 161 des„ Borwärts" bereits berichtet, schließen sich an die Konferenz eine Reihe von Besprechungen und Bersammlungen an, um die Gewerkschaftsbewegung auf dem Balkan neu zu beleben. Unser holländisches Parteiblatt Het Bolt", Amsterdam, hat einen besonderen Bericht erstatter zu der Konferenz entsandt. Streik der niederrheinischen Baggereiarbeiter. Köln, 8. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter in den Kiesbaggereibetrieben des Niederrheins sind in den Streif getreten, weil die Arbeitgeber dem Personal ein Lohn- und Arbeitsabkommen vorgelegt haben, das außerordentliche Verschlechterungen enthält. Neben der zwölfftündigen Arbeitszeit soll für Nachtarbeit und für Ueberstunden fein besonderer Zuschlag mehr gezahlt werden. Der Streif wird gemeinsam durchgeführt vom Deutschen Verkehrs. bund, vom Zentralverband der Heizer und Maschinisten und vom Holländischen Transportarbeiterbund. Vor Zuzug wird ge= wart! depisf ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Conftiacs: Frik Raritädt: Anzeinen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlaa: Vorwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanftalt Paul Ginaer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Mujifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz * Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust Pfund 70 PL Kalbsnierenbraten..... Pfund 75 PL Schmorfleisch mit Knochen.... Pfund 90 Pf. Schweinebauch und Rücken m. Blge...... Pfand 105 Liesen Pid. 90 Pt. Gehacktes Pid. 70 PL. Rinderkamm u. Brust efr., Pid. 50 PL Junge Tauben... Stück 120 88. Suppenhühner.Hähne 110 Pfd. an Gänsepökelfleisch... Pfund 135 Naturbutter....- Pfund- Paket 93 Pf. Pfund 192 198 Tafelbutter Schokolade........ Tafel ca. 200 Gramm 45 PL Borkenschokolade Karlon 30 Pt. Karton 75 Gr. Karton 55Pt. 150 Gr. Abt. Frische Blumen Leipziger Platz Wilder Wein Stiefmütterchen... Staude 0.10 Staude 0.10 Vergißmelnnicht ... Gartennelken..... 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Plund 0.70 0.90 Lebende Karpfen Pfund 1.00 Lebende Aale Pid. 1.90 2.20 LL kleine große Bücklinge pid. 0.45 Stick 0.10 Schellfische geräuch., Pfd. 0.45 Flundern geräuchert, Pfund 0.35 Sprotten Pid. 0.45 0.60 Aale geräuchert... Plund 2.10 Gebr.Kaffee eigene Rösterel Haushalt- Mischung Pfd. 2.60 Sonder- Mischung Pfund 3.00 Olympia- Mischung Ptund 3.40 SohnittKonsum- Misch. Pfd. echte 220 Globus- Mischung Pfund 3.80 Residenz- Mischung Pid, 4.20 Elite- Mischung..Pfund 4.60 ..Pfund 4.60 Konserven Dose 1/1 5Pfd.Dose 1/1 Stangen Bohnen 0.65 Rote Rüben.... 0.58 Sellerie in Scheiben 0.58 Pfefferlinge kleine.... 0.95 Junge Erbsen mitteltein 0.75 fein 1.05 sehr fein 1.50 Kaiserschoten...... 1.65 Stangenspargel 50/60 1.75 Stangenspargel Dose 1/1/1 extra stark 1.50 2.90 Bruchspargel dunn... 1.50 Konfitüren Pflaumen 82 9 2 Pid.- Eim. Apfelmus 4 Pid- Dose 1.10 0.62 Mirabellen, Reineclauden 1.15 Preiselbeeren Eimer 2.10 0.80 Ananas Hawal in Schelben 1,85 Rindfleisch im eigenen Saft 1.20 Gulasch Rind- u. Schweine- 0.63 flelsch, Pfd. Dose Oelsardinen.. Klubdose 0.45 Franz. Sardinen Amieux frères Johannis95 beer 1.40% 2.75 Aprikosen 115 Orangen Landleber- u. Rotwurst 115 Grobe Mettwurst Pfund 1,30 Gefüllter Schinken Pfund 1.30 Jagd- u. Fleischwurst Pid. 1.50 Braunschweig.u. Filetw. 1.55 Fetter u. magerer Speck ( deutsche Ware) Pfund 1.50 Zervelat- u. Salamiw. Pld 1,80 Schinkenspeck Pid.- Stučke 1.90 Rosenthaler Str. Königstraße Moritzplatz Landleber- u. Dampfw.pid 1.05 Jagdw, u. Polnische Pid. 1.30 Schinkenw. u. Teew, Pid. 1.70 6 Camembert vollfett, Port 55 pt. Delikateẞkäse 1 Pid.- Dose 0,50 Gouda dänischer.. Plund 0.60 Holländer... Pfund 0.78 Allgäuer Stangenkäse 0.58 Tilsiter Pid. 1.20, 0.95 0.78 Schachtel Edamer Romatour..... Pfund 0.70 .Pfund 0.80 Steinbuscher vollf. Pid. 1.10. Dän.Schweizerkäse Pid. 1.10 Bayr.Schweizerkäse Prd. 1.75 P. Gem. Backobst Pfund 46 PI Weiße Bohnen... Plund 0.14 Tafelreis..... Plund 0.20 Viktoria- Erbsen. Plund 0.19 Linsen... .Plund 0.19 Eier- Schnitt- Nudeln Pid. 0.48 Makkaroni..... Plund 0.48 Wein Preise für/ Flasche einschließlich Berliner Getränkesteuer, ohne Glas 1924Wellensteiner Berg Bowlenmosel 0.72 1924 Nitteler Gipfel 1923 1920 pikanter Tischmosel 0.80 Alsheim.Goldberg blumiger Rheinwein 0.90 Deidesheim. Gutenberg gehaltvoller Pfälzer 1.30 relter 1.35 1922 Zeltinger Mittelmos. 1922 Château Renouilh Lamarque eleganter In allen Geschäften Bordeaux 1.60 1921 Liebfraumilch II rote Kapsel, lieblich, mild 2.00 Feiner Fruchtwein Johannisbeer-. Stachelbeer-, Kirschund Heidelbeerwein, Cyder Fruchtschaumwein 0.90 vorzügl Qual, einschl. F1 1.25 Deutscher Weinbrand „ Bio Brand" 3.25 Feiner Kirschsaft 1/2 Flasche 0,80% Flasche 1.40 zu besonders Wein vom Faß billigen Preisen. Kr. 165 ♦ 43. Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts �**£■''' $etito8,9.?tpcUl926 S+ott-f-len. I p $We.m£n .nichr »Die Kunst geht nach Brot/ Wie wahr ist dies Wort. Der es einstmals aussprach, kannte natürlich nur die»große Kunst" Malerei und Plastik. Don den Nöten der sogenannten Kleinkunst, der dieser Schmerzens rus gewidmet sei, hatte er gewiß keine Ahnung! Das ursprüngliche Kabarett. Seine Begründer und Stammväter waren in schönen, ruhigen Friedenezeiten erstmalig die»l! Scharfrichter" in München, später kam dann wolzogeas»Ueberbretll" und andere mehr. Die Sache war damals so gedacht, daß hier von wirklich Literaturbeflissencn, die außerdem mit genügendem chumor begabt waren, eigene Geistes- kinder gezeugt und dem Publikum übermittelt wurden. Jeder, der sich dazu berufen fühlte, konnte das Podium besteigen. Es kam hierbei keinesfalls auf Pikanterie oder Nervenkitzel an, Hauptsache: es war etwas Gescheites und je nach Veranlagung des Vortragenden heiter oder komisch. Einen letzten Ausläufer dieses Genres iinden wir noch in München, der Heimat des Kabaretts, im.Simpl" fKabarett Simplicissimus), allwo die ganzen Größen der früheren Kabarettepoch« ein- und ausgingen. Von den Wänden grinst uns Wolzogen, Danny Gürtler und wie sie alle hießen, und ihr Geist schwebt noch immer über dem Raum. Joachim Ringelnatz, der be- rufenste Repräsentant und Interpret der heutigen Kabarettliteratur, ist dort naturgemäß häutiger und hochgeschätzter Gast. Dann be- oann aber bald die Aera der holden Weiblichkeit. Allen voran, ein- sam aus unerreichbarer Höhe, die beste der Besten: Ivette Gilbert, die uns erst vor ganz kurzer Zeit wieder aufs neue entzückte, dann die bekannte, leider inzwischen verstorbene Wienerin Mela Mar» mit dem Komponisten ihres unerreichten Repertoires, Bsla Leszkl>, Ioema Selm mit Benatzky u. a. m. Inzwischen waren uotürlich viele solcher Kabaretts ins Leben getreten, wo man die be- gabten Gräßen wie auch kleinere und kleinste Stars zwitschern hörte. Die ,?nfiatlons�-Kunst. Plötzlich, scheinbar über Nacht, setzte der unselige»Inflattons- rmnmel" und mit ihm die allgemeine große.vergnüguazsseuche" ein. Es tonnten gar nicht genug Stätten der Lust geschaffen werden. Wie Pilze schosseu sie aus dem Loden, jedes Wein-, jedes Bier- restaurant, ledes Cafä mußte vor allem seine Kapelle haben, die bis dahin dezente Salonmusik und jetzt, dem ollgemeinen Spektakel Rechnung tragend, ohrenbetäubendes Gerasiel, Gedröhne, Gestampfe und Gequietsche von sich gab(Uebersetzung: Iczz-Band). Außerdem gab« aber überall natürlich auch mehr oder weniger künstlerische Darbietungen. Ts kam ja auch gar nichi daraus an. wo. wie und warum man sich amüsierke. bloß die Zeit wollte man totschlagen und mit ihr den Gedanken: Wer weiß, wie's morgen ist! Hier brauchte man weder in besonderer Toilette zu erscheinen noch eine bestimmte Zeit einzuhalten, wie man ging und stand war man jeder- zeit herzlich willkommen. Ein tief dienernder Portier, der je noch Höhe des Trinkgeldes seinen Bückling besonders oder weniger tief wiederholte, nahm einen in Empfang, dröhnende Musik, helles Lachen brachten gleich die nöttge Stimmung zuwege. Also: Rin in» Vergnügen!!! Man hört» ein paar saftige Zötchen, sah mehr oder weniger schlanke Frauenbeine, grölte über den Knasich-Komiker, der es so ausgezeichnet verstand, die Tragitomik der Stunde ins Lächer- liche �u übeisietzen. was machte es da aus, daß die Weinkart« fast stündlich nach oben»oerbesien" wurde. Seid umschlungen Billionen! Fort mit den Popierwischenll! Natürlich wurde das Programm der Darbietungen dem anwesenden Publikum uod desie« Stimmung an- gepaßt. Für Gutes war kein Plah, dazu hatten die einen nicht den Kopf, die anderen— und das war die Majorität, die bekanntlich den Ausschlag gibt— nicht das Wissen. Folglich ward sie aus dem Programm gestrichen, denn»schön ist, was gefällt". Die Muse ward also leicht und leichter. Die Zötchen wurden ausgewachsene Zoten. der Komiker und seine Extempores immer derber und dann kam— als Krönung des Abends'— das Heer der Tänzerinnen. Was nicht ausgesprochene O- oder.I-Beine hatte(leichte Veranlagung hierzu war kein Hindernis), auch ansonsten keine äußerlich wahrnehmbaren körperlichsn Schäden aufwies und von Angesicht(wenigsten» bei Abendbeleuchtung) noch halbwegs reputierlich erschien, verschrieb sich der Göttin Terpsichore. Es kam ja gar nicht darauf an, ob das tänzerische Moment dabei eine Rolle spielte, Hauptsache: man sah Beine, viele Beine, lim den Anblick recht reizvoll zu gestalten, ward die Kostümierung immer duftiger. Immer luftiger. Erst liel das Trikot, dann das Röckchen und alle übrigen Desious, so daß man schließlich dort anlangte, wo es nichts mehr wegzulasien gibt. Triumphgeschrei erhob sich allenthalten, es konnten gar nicht genug derartige Darbietungen gezeigt werden, und ein Kabarett ohne so- genanntes»Hausballett"— sie bildeten ja wirklich das Hauptinventar — war einfach nicht lebensfähig. Die»Säulen" des damaligen Kabaretts waren damals also: die scharf gepfefferte Vortragsdiva, der Komiker, der Sachsens. Kölns oder Berlins Volksidiom ver- kärperte und— piece de resistance!— Ballllettt! Das ging so lang« Zeit hindurch. Die Herren Direktoren, die von der ganzen Chose— bis aufs Ballett— herzlich wenig verstanden, denn die meisten waren vorher ehAiche, einsacke Budiker gewesen, rieben sich vergnügt die Hände, die Damen rauschten größtenteils in Seide und Pelz, mit einem Worte: Es war ein ewiges in duiee jubilo! So plötzlich wie all diese Herrlichkeit begonnen, verschwand sie auch wieder. Sie erwachten alle au» dem Billionenrausch zur nüchternen, klaren Wirklichkeit. Und als der große»Abbau" in der Brieftasche einsetzte, da verschwanden die Herren Lebemänner und tauchten wieder"unter in ihr Dunkel, aus dem sie gekommen: die Sektguellen versiegten und der große Katzen sammer begann. Die Menschen besannen sich wieder auf sich selbst, der Geschmack lenkte wieder in normalere, gesundere Bahnen ein, die Bacchanalstimmunq versckwand und langsam, ganz langsam ging es wieder bergauf mit der Kleinkunst. Wenn auch nicht, wie im Anbeginn, das rein Literarische die Oberhand hat, so wird immerhin doch zuweilen an- nehmbare Kleinkunst oerzapft. Das Elenü öer, kleinen�. Was geschieht aber nun mit den vielen, unendlich vielen kleinen Tänzerinnen? Einige finden Verwendung in der Revue, aber die wenigsten, da man hierzu nur große, sehr ebenmäßig gewachsene Gestalten verwendet: und haben sie dies auch alles aufzuweisen, so sind ihrer immer noch viel zu viele. Man weiß, wieviel Kabarett» Pleite gemacht Haben, und die wenigen überlebenden haben die Programme wie auch Gagen infolge des schwachen Konsums arg reduziert. Und dann: verlangt man heute— Gott sei Dank!— von einer Tänzerin, daß sie— tanzen kann! Außerdem muß sie natür- lich Kostüme(man tanzt wieder bekleidet) und alles Dazugehörige besitzen. Wovon leben nun die vielen, kleinen, mittellosen Wenig- und Nichtskönnerinnen? Der Gedanke ist grauenhast. Meist habe« sie— außer dem Nicht-Tanzen— auch nichts anderes gelernt, so daß sie also nicht imstande sind, sich anderweitig ihr Brot zu ver- dienen. Die Freunde von ehemals hat der Orkus verschlungen, sie Sind das bequeme, lustige, ganz unbürgerliche Leben gewöhnt mit �em ständigen Stundenplan: Spät ausstehen, tagsüber nichts tun» abends spät schlafen gehen. Wohin soll das führen? In gräßlichstes, fürchterlichstes Elend! Arme kleine Tänzerin! Der Uneingeweihte kann sich überhaupt keinen Legriss davon machen, welch ungeheure» Elend in diesem Leruse herrscht, wie sehr das Angebot die Nachfrage übersteigt und was demgemäß sür..Hundegagen" bezahlt werden. Schon das Ergattern eines finanziell noch so ungünstigen En- gagements ist eine iicroenzerrüttendc Angelegenheit. Die wenige« Agenturen, die noch ein paar Stellen zu besetzen haben— meist hausieren die armen Künstler selbst von Lokal zu Lokal und bieten sich der Direktion sür ein»Butterbrot" an—, sind derart überlaufen. daß man stundenlang warten muß, bis man an der Reihe ist. In kleinen, schlecht gelüsteten Bureauräumen stehen die nervösen, ab- gehetzten Menschen enggedrängt Kops an Kopf wie die Heringe und haben nur die eine Hoffnung— nicht vergebens zu warten! Da steht die„keife Soubrette" dürftig und bescheiden, däneben der »bunte Komiker" mit vergrämtem, sorgenvollem Gesicht, die kleine Tänzerin, schlecht ernährt, mit wissenden Augen und scharfen Züge« im jugendlichen Gesicht, der»elegante Conferencier", der oft schon morgens im Frack erscheinen muß, und wie sie alle heißen mögen. Von den vielen, vielen kriegt natürlich nicht mal der zehnte Teil Arbeit, und wie wird sie bezahlt? Ein sogenanntes»Sonntags- geschäft", also bloß Sonntag abends. In irgendeinem obskuren Lokal an der äußersten Peripherie bringt, wenn s hoch kommt, 10 M., es gibt aber auch welche für 8 und 6 M. Davon geht nun das Fahr- geld hin und zurück ab, die Agentenprovision, vielleicht ein Glas Dicx, was bleibt da für Montag. Dienstag usw.? Die Monatsengagements sind naturgemäß die begehrtesten und dafür die schlechteftbezahlten Im Hinblick auf die.lange" Zeit der Befchästigung zahlt der Herr Direktor gnädigst 5 bl» ö Zsi. pro Abend, aber auch 4 7N. und 3 2TL Alle Bedenken zerstreut der Agent mit den Worten: Mensch, ee« janzen Monat biste versorgt! Stimmt, sagt man sich und akzeptiert. Die Monatsengagements werden aber immer seltener und die Acht- tageengaaements immer häufiger. Natürlich zu den gleichen Gage- fätzen. Wohnt einer bei seinen Angehörigen, dann frettct er sich schlecht und recht durch, aber die vielen, die niemand haben? Wie hausen sie, wie esien sie. wovon kleiden sie sich? Die Männer ver- kommen, und die Frauen?— Natürlich gibt es auch besser und sogar gut bezahlte Kräfte. Aber wie viele? » Der Warnungsruf ergeht an die ungezählten.anderen"! Mütter. bewahret Eure Töchter, auch wenn sie sich dazu berufen fühlen, vor diesem Beruf. Die Zeiten sind zu ernst! Und Kunst braucht Heiterkeit!!! Tamile unter den Zedern. 5J von henrl Bordeaux. (Berechtigte Uebersetzung vo« I. Kunde.) Ich beobachtete sie mit Interesse: aber Kholi Khury, der neben mir ritt, machte ungeduldige, soZar zornige Gebärden. Ich Suherte, daß die Bewohner der Dorfer die Banditen der Landstraße wohl mit scheelen Augen ansähen. „Das ist es nicht," sagte er. K Und nach einigen Augenblicken fügte er hinzu: „So kamen sie auch damals." Ich bemerkte, die Vergangenheit hatte sich seiner ganz bemächtigt, so wie die Schleier der Nacht die Landschaft nach und nach einhüllten. Ich war zur rechten Stunde gekommen, der Stunde des Geständnisses, und morgen würde ich die ganze Geschichte Damiles wisien. Aber ich kannte Khalil Khury erst seit wenigen Stunden. Welchen Glauben durfte ich»iner Erzählung beimessen, die mich von vornherein so anzog, mich durch das landschaftliche Milieu und durch die Umstände so reizte? Neigen die Orientalen nicht zu Ueber- treibungen, denen man mißtrauen muß» Ich erinnerte mich jener Seußerung, die Eugäne-Melchior de Vogye über die Maroniten tat:„Sie nennen einen Flintenschuß Krieg und einen Messerstich Gemetzel!" Allerdings befand ich mich im Herzen des Libanons, in diesem Kadischatale. welches die heilige Festung geblieben: die Rasse ist hier solider, weniger zur Uebertreibung geneigt. Trotzdem nahm ich mir vor, meinen Gastgeber um einige Aufschlüsse über den seltsamen Alten zu bitten. Die Spiele. Solchen Erwägungen gab ich mich hin. als wir in Besckerre einzogen. Die ganze Bevölkerung, von der Rückkehr unterrichtet, erwartete uns: ein Trupp Straßenjungen war uns als Auftlärungsdienst entgegen geschickt worden. Der Einzug wurde von einem Chor junger Leute begleitet, die zu Ehren unserer Ankunft einen improvisierten Gesang psalmodierten: unsere Pferde ertranken förmlich in einer Menschenwoge. Bon den Terrassen spritzten Frauen a'is Flakons Wohlgerüche auf uns. Bor dem Haufe von Nassio- es-Dabor konnten wir kaum von den Pferden steigen. Er führte uns auf einen, mit schlanken Saulchen verzierten Balkon, der nach einem Innenhof hinausging: die Be- völkening stand dort schon dicht gedrängt. Das Haus, wo der Gast untergebracht ist, gehört von dem Augenblick an allen: es ist Gemeingut geworden. Der Gast ist ein Gegenstand der Neugier: jeder hat das Recht, ihn sich genau anzusehen und niemand verzichtet auf dieses Privileg. Als Zeichen der Freude gab man Flintenschüsse nach allen Richtungen ab: die Kinder zündeten bengalische Feuer an: Fackeln flammten auf. während die Dunkelheit zunahm. Kaum daß ich noch— jenseits der Häuser— das helle Laub der Nußbäume sah und den Schnee, der auf den Bergen beim ersten Leuchten der Sterne bläulich schimmerte. Beim Fackel- licht wurden die Trachten und das bunte Gewoge der Gesichter kennllich: die Notabeln mit ihrem roten Tarbusch, Fellahs in Hemden, die mit Stickereien besetzt waren, mit farbigen Kefflje oder Mützen aus Kamelhaar, Priester in langen. schwarzen Talaren, die den„tabie"— eine Kappe mit schwarzen Bändern— trugen, Frauen mit Tuniken oder grellen Schals, Mödch.en und Knaben in zerschlissener, zerlumpter Kleidung. Alle schrien und sangen. Dann kam Ordnung in den Tumult. Um das Bassin in der Mitte entstand ein freier Raum. Im Gebirge. Sehr früh am anderen Morgen nahm ich verabredeter- maßen mit Khali Khury den Aufstieg zum Kornet-es-Suada. Unser Gefolge bestand aus drei oder vier Dienern und einem Führer. Sie waren beritten wie wir. Außerdem murde ein mit Teppichen und Lebensmitteln beladener Esel und ein Lamm mitgeführt, das auf dem Gipfel geschlachtet und ver- speist werden sollte. Auf seinen Füßen ging es seiner Opferung entgegen. Unser Weg berührte wieder die Zedern. Der Hain liegt ZWO Meter über dem Meere. Dann geht es auf kaum an- gedeutetem Pfade weiter auf einer Fährte, die sich über Steingeröll hinzieht und manchmal wie eine Rille im Felsen aussieht. Unsere Stuten leisteten Unvergleichliches. Wir blieben im Sattel, während die anderen Pferde unter Obhut eines Fellahs auf dem Wege zurückgehalten wurden: nur der lonfte, willige Esel mit seinem Gepäck, ebenso wie der kleine Todeskandidat, waren der Strapaze gewachsen. Hat man den Paß von Dahr-es-Kadib erreicht, so gelangt man ans ein schmales Plateau, da» mit kaum merklicher Steigung zum Gipfel führt. Wir legten wegen des Schnee», in dem miser» Pferde versanken, die letzte Wegstrecke zu Fuß zurück. Der Gipfel lohnte unsere Anstrengung. Auf der einen Seite er» blickten wir das Meer und sein bunt wechselndes Uferbild, die roten Felsen zwischen Batrun und Tripolis, die rosa 'chimmernden Sanddünen der herrlichen Bucht von Alka: edenfalls tat sich die fruchtbare Bekka vor uns auf: die Gold» arbe des reichen Korns und Hafers wogte dort. Es ist eine herrliche Landschaft zwischen dem Libanon und der kahlen Wildnis des Antilibanon. Im Norden hebt sich die violette Linie der Anfaribergc ab: das Territorium der Alluiten, deren Religion und Sitten noch in Geheimnisse gehüllt sind. Ich halte mich umständlich bei diesen Rcisceindrücken auf: aber ich habe sie nicht ohne Grund aufgezeichnet. Sie sollen als Rahmen dienen und mit Land und Lebensgewohnheiten der Maroniten vertraut machen, über die mein Gefährte zu berichten unterließ. Er erachtete sie als genügend bekannt. Dieser mit Khalil Khury verlebte Tag hat sich in mein Ge- dächtnis ungemein scharf eingeprägt. Wir kehrten erst bei hereinbrechendem Abend zurück. Zweimal hatten wir uns eine längere Ruhepause gegönnt: das eine Mal am Paß von Dahr-es-Kadib, wo wir frühstückten und welch ein Frühstück war das! Mein Gastgeber hatte dem„meschue" eine Trut» Henne und ein paar Hühnchen aus eigener Zucht hinzugefügt: außerdem Fische aus dem Kadischa und alle Fruchtarten der Ebene. Das andere Mal hielten wir bei der Rückkehr im Zedernhain. Teils zu Pferde, wenn der Steig nicht zu schlecht war und wir nebeneinander reiten konnten, teils während unseres Lagerns erzählte er mir— und ich drängte ihn dazu, obwohl er sich erleichtert fühlte nach so langem Schweigen von ihr zu sprechen— die ganze Geschichte Pamiles. Ich überlasse ihm das Wort, um durch keine überflüssige Bemerkung diesen zarten und schmerzvollen Bericht zu beeinträchtigen, in dem er nach Art der arabischen Erzähler zuweilen Sprich» Wörter wirksam einflocht. Aber kann ich seine Art zu erzählen wiedergeben? Eine Liebesgeschichte aus dem Munde eines 7l1jähriger Greises— könnte es nicht töricht und altmodisch erscheinen? Sie erweckte in ihm die Jugend. Nach einem halben Jahrhundert fand er in seinem Herzen das alte Gefühl wieder, das einzige Gefühl, das fein Leben, ohne daß es ihm Glück brachte, in Erregung versetzte. Dieser Sieg über das Alter hatte etwas seltsam Ergreifendes. Es war die erstaun» lichste Huldigung, welche die irrende Leidenschast Tamile» erfuhr...(Fortsetzung folgt.) Speise- Eis! Baum hat ber Winter seine Eisfabrikation eingestellt, so stehen schon wieder Eismänner und Eisfrauen an den Straßenecen als erste und wahre Frühlingsboten. Mit den ersten Schneeglödchen sind sie da, mag es noch so falt sein, die Hauptsache ist, die Vorfrühlingssonne täuscht Wärme vor. Zuerst kommt die Vorhut an den belebten Plätzen, dann wie auf ein Signal vermehren sie sich von Tag zu Tag mehr und beim Blühen der Beilchen wächst ihre Schar schon beängstigend an. Dann ist ihre Zeit gefonimen und fie gehaben fich fommerlich. Die Wagen find leuchtend angestrichen, die neuesten gar sind wahre Säulenhallen, in denen der Berkäufer fizend thronen kann. Vanilleeis! Eiswaffeln! Bald werden alle Früchte ihren Namen für die verschiedenfarbigen Eigenüsse hergeben müssen. Wie lange noch, kaum drei Monate und wir befinden uns mitten im Sommer und die Eissaison erreicht ihren Höhepunkt. Die Menschheit wird fluchen und schwizen, im auf geweichten Asphalt stecken bleiben und auf die Eiswagen zuwanfen, um Kühle auf der Zunge zu fühlen. Botenjungen, Radfahrer, fleine Mädchen, sie machen jetzt tapfer den Anfang, bald find es Scharen. Schon jetzt braucht der Eismann nicht mehr wie vor Wochen zu bibbern und zu frieren, eine lebendige Reflame für Grogf und heißen Kaffee. Schon jetzt verdient er als Ausbeute feiner Standhaftigkeit mehr als ein paar Groschen, die er in den ersten Tagen glücklich zusammenbrachte. Doch immerhin, es war Geld, eingenommen von der heroischen Jugend, die troß der Kälte den innerlichen Menschen noch extra mit Eis bedachte. Die Sonne schien, der Eismann war da und das genügte. Möge der Sommer eine gute Eissaison brin gen, in der die so vergeßliche Menschheit hoffentlich einmal nicht pergißt, wie sehr sie im Winter sich die Gluten des Acquators herbeisehnte. Der Kampf um die Wohnung. Wie es fommt, daß man dem Wohlfahrtsamt anheimfällt. Ein junger Schriftsteller schildert in den folgenden Aus führungen feine Erlebniffe mit Bohnung, Wchnungsamt und Wohlfahrtsamt; fie find auch ein Dokument dafilt, wie heute fähige junge Menschen ihre Nerven in nichtigen Kleinigkeiten, sermürben milffen, ohne bak fich ihnen eine hilfreiche Bend bietet. Der Besitzer eines Hauses im alten Besten, ein Spanier, der 30 Inflationshäuser hat, vermietet mir eine Bierzimmerwohnung. Er versichert, sie sei beschlagnahmefrei; das win bert mich. Ich erfundige mich: Ja, wenn die Wohnung ein halbes Jahr freisteht, darfst du einziehen. Der Spanier verpflid; tet mich, die Wohnung instandsetzen zu lassen; was nimmt man nicht für eine Wohnung auf sich? Während meine Frau, von einem Kind entbunden, im Krantenhaus liegt, lasse ich die furchtbar verwahrlofte Wohnung pöllig neu zurechtstutzen. Auf Kredit, den man mir merkwürdigerweise auf mein Geficht hin gewährt. Als die Maurer fertig sind, streiche ich selber Decken, Wände und Fußboden. Nachts, benn am Tage versuche ich die Entbindungskosten zu verdienen. Konkurriere mit Jolly. Lebe von Zigaretten. Ein Zimmer ist fertig. Frau und Kind sind im Triumph eingeholt. Das zweife Zimmer wird in Angriff genommen. Da fommt der Kladdera datsch. Sechs Wochen nach der Entbindung. Raus mit euch! Das Wohnungsamt packt zu. Ihr seid im Unrecht. In 14 Tagen 3mangsräumung. Inzwischen habe ich ahnungsloser Pechvogel von meiner Wohnung einem gemeinnützigen Verein zwei Zimmer abvermietet, damit mir der größte Teil der Miete abgenommen wird, einem Berein, für den ich unentgeltlich arbeite. Nun werden Bro: teste eingelegt. Meiner fommt nicht zur Berhandlung. Aber zwei Lage vor der Zwangsräumung tommt erst die Ablehnung. Der Einspruch des Wirts foll nach der Räumung verhandelt werden. Man läuft zu den Behörden. Das Wohnungsamt im Tiergarten ist autokratisch. Man muß betteln. Sehen, wie bepelatert Damen gegen Trinkgeld schleunigst die Aften gebracht, wie Rechtsanwälten der in der Untergrund ebenso auf die Sehen treten fann wie er mir, in der Untergrund ebenso auf die Zehen treten fannwie er mir, freigemacht wird. Ich warte drei Stunden: Der Herr Stadtrat iſt zu einer Sigung, heute nicht zu sprechen.( Morgen ist Räumung!) Da greift der Verein ein, dessen Leiter Beziehungen hat. Binnen einer Stunde ist die Verfügung da, es wird nicht geräumt. 14 Tage Frist. Schon war für das Kind alles gevadt. Alles andere mochte abgeholt werden. Uns war es egal. Die Nerven wollten nicht mehr. Der Vollzugsbeamte war schon zweimal da, schämte sich, hatte Tränen in den Augen. Bier Tage später ist wieder Sprech stunde. Ich warte wieder zweieinhalb Stunden. Schließlich bin ich dran. nach mehreren Spätergefominenen.„ Sie sind ohne Genehmigung in der Wohnung. Ich gebe Ihnen feine Stunde Frist." Ich bitte um mildernde Umstände, um Zeit, eine Notwohnung zu fuchen, sei selbst beschwindelt worden. Das interessiert uns gar nicht. Sie wissen als Schriftsteller, was 3wangswirtschaft bedeutet. Leider existiert sie. Wir müssen varieren. Sie quch. Gern spielen wir nicht den Büttel." Schluß. Meine Frau, die wegen des Kindes um Schonung bittet, wird gar nicht angehört.„ Wir erleben das täglich zwanzigmal. Sie glauben nicht, wieviel 3mangsräumungen täglich stattfinden. Gehen Sie dort hin, wo sie hergekommen find!" Nun aber fam ein Freund, der sagte: Was dir die Stadt einbrodt, soll sie selbst ausfressen. Laß das Wohlfahrtsamt bezahlen. Sachlage: fein Geld zum Umzug, fein Geld, ein Zimmer zu mieten. Nach langem Bitten bezahlt das Wohlfahrtsamt 20 Mart, sehr freundlich und teilnehmend. Dafür konnten die Möbel untergestellt werden, wo sie sicher sind. Mann, Frau und Kind in eine schmutzige Dachfammer, die dem Freunde gehört. Nun ist, 10 Tage später, der Einspruch des Mirts dran. Urteil: Bohnung gehört dem Amt, Mieter trägt ein Drittel der Kosten, macht 67 Marf. An Instandsegungsfoften müffen noch bezahlt wer den 215 Mart, an Entbindungskosten sind noch fällig 120 Mart, der Berein verlanat Schadensersatz 155 Mart. Das find 550 Mart, über 400 Mark ganz unproduttiver Schulden. Das nun zuständige Wohlfahrtsamt sagt mit Recht: Klagen Sie. Nach Entscheidung wollen wir Ihnen helfen, wenn nötig. Aber die Nerven und die Gerichtsvollzieher? Und die Wohnung, die nun leer steht und auf den neuen Mieter wartet? Aus dem fiebenten Stockwerk in die Tiefe. Ein tragischer Borfall ereignete sich gestern nachmittag furz vor 5 Uhr im Fernamt in der Franzöfifchen Straße 33a, wo die 24 Jahre alte Telegraphengehilfin Herta Für ft aus der Boigtstraße 32 aus dem siebenten Stockwert auf den asphaltierten Hof hinabstürzte und mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Anscheinend liegt ein Unglücksfall vor. Nach den Angaben der Betriebsleitung fühlte sich Fräulein F. nicht wohl und mußte über eine Stunde lang das Krankenzimmer zur Erholung aufsuchen. Kurz vor Dienstschluß begab sie sich in den Garderobenraum, we fie sich üdlings auf den Rand des offenstehenden Fensters feẞte, um frische Luft zu schöpfen. Wahrscheinlich verlor sie infolge eines Schwindelanfalles das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Es ist jedoch nicht ausgeschloffen, daß Fräulein F. vielleicht auch in ſelbſt mörderischer Absicht hinabjprang. Praktische Aerzte als Kokain- und Morphiumverkäufer. Monatelang fortgefeßten Nachforschungen und Beobachtungen der Kriminalpolizei gelang es jegt, zmei prattische Aerzte zu ermitteln, die ohne Untersuchung Leuten, die der Leidenschaft des Rauschgiftgenuffes verfallen find, Rezepte ausgestellt und ihnen so zu Kotain und Morphium verholfen haben. Einer von ihnen wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft vorgeführt, der zweite ist auf freiem Fuße belaffen. Ein dritter Mann, der sich für einen praftischen Arzt ausgab, ohne es zu sein, ein Dr. med. Kon rab Rosenthal, ber bie ärztliche Staatsprüfung nicht abgelegt hat, zur Ausstellung von Rezepten also nicht berechtigt ist, murde ebenfalls in Haft genommen. Diefer lieferte die größeren Mengen, und zwar unmittelbar an seine Kundschaft. Der Mann ist felbft starter Kotainist. Er perfehrte als ständiger Gast in vielen Tanzbielen und Bars im Besten Berlins und hatte eine umfangreiche Bekanntschaft unter den Verbrauchern von Kokain und Morphium. Hierauf baute er seine ganze Existenz auf, nachdem er mit einem Konditoreibetrieb gescheitert war. Die Ueberführten werden sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben, die beiden praktischen Aerzte auch vor der Herztekammer, der das Ergebnis der Ermittlungen ebenfalls unterbreitet wurde. Die freigeistige Woche. Die letzte Tagung der freigeistigen Woche wurde eröffnet mit einem Vortrage von Walter Berendsohn: Schafft welt liche Feiern. Berendsohn erblickt einen Fehler der freigeistigen Bewegung darin, daß fie bisher zu wenig Wert auf die Abhaltung Piychologie der Masse viel beffer; fie tommt dem Gefühlsbedürfnis von weltlichen Feiern gelegt hat. Die Kirche versteht sich auf die nach Feiern im weitgehendsten Maße entgegen. Es muß etwas geschaffen werden, was die religiösen Zeremonien ersetzt. Die weltfichen Feiern müssen den 3med verfolgen, der Verbreitung frei geistiger Weltanschauung und dem Aufbau einer neuen Sittlichkeit zu dienen. Niemals darf bei den weltlichen Feiern das gesprochene Wort, die aufklärende Rede fehlen. Wenn die freigeistige Bewegung sich darauf einstellt, mehr Innenarbeit, mehr weltliche Seelsorge zu betreiben, wird sie eine große Hilfe für die sozialistische Bewegung sein. Bei der darauf folgenden Beratung des Programms wurde von Sievers Kritik an dem Beschluß der Programmfommission geübt, den Marrismus nicht zur Grundlage des Kulturprogramms zu machen. Das sei ein großer Fehler. Die Kirche ist ein Bestand teil des gegenwärtigen Klaffenstaates, und wenn die freigeistige Be wegung die Kirche überwinden will, so muß fie fich als Glied der sozialistischen Bewegung betrachten. Diese sei ein fulturfördernder Faktor, mit dem die Kirche und jede geistige Reaktion rechne. Nie. mener betonte, daß die Ablehnung nicht aus Gegnerschaft zur fozialistichen Idee erfolgt sei, sondern weil der Marrismus eine zu enge Grundlage bilde. Zur Annahme gelangte eine Ent. schließung, die sich gegen alle imperialistischen Kriege mend.t und eine zweite, die von den Arbeiterparteien die Propagierung der Kirchenaustrittsbewegung fordert. Mit einer Schlußanfprache des Borsitzenden wurde die Logung geschlossen. Am Abend vorher wurde den Teilnehmern der freideiftiaen Woche in der Treptower Sternwarte ein Film gezeigt: Die Bewohnbarkeit der Betten. Vorher wurde eine Besichtigung des Museums und des großen Fernrohrs vorgenommen. Tödliche Straßenunfälle. Beim Ueberschreiten des Fahrdamumes vor dem Hause Greifswalder Straße 25 murde gestern nachmittag der 20 Jahre alte Arbeiter Günther Bolff aus der Raabestraße 14 von einem Triebwagen der Linie 174 erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Die Berlegungen u. a. ein Schädelbruch waren aber so schwer, daß der Tod einirat, bevor der zu Hilfe gerufene Arzt zur Stelle war. Die Schuldfrage ist noch nicht geflärt. Durch eigenes Berschulden fam dagegen gestern nachmittag furz nach 5 11hr der 49 Jahre alte Kaufmann Eduard Elend aus der Fichtestraße 14 ums Leben. Elend wollte am Potsdamer Play den Berderperron bes Anhängers eines fid) in poller Fahrt befindlichen Straßenbahnzuges der Linie 15 besteigen, tam aber hierbei zu Fall und geriet unter die Räder des Wagens. Er fonnte nach den Borfall trat eine längere empfindliche Berkehrsstörung ein. längeren Bemühungen nur noch ais Leiche geborgen werden. Durch Das Opfer eines Berbrechens? Zwischen den Schienen der Ringbahn in der Nähe des Ber. hiebebahnhofs Tempelhof wurde gestern abend von Eisenbahnarbeitern ein Mann mit schweren Kopfwunden bewußtlos aufgefunden. Er wurde von den Beamten mit dem nächsten Zuge nach der Rettungsstelle Eichhornstraße am Pots. damer Bahnhof und von dort in bewußtlosem Zustande nach dem Elifabeth- Krankenhause geschafft. Bei dem Verlegten wurde ein Ichwerer Schädelbruch sowie mehrere flaffende Kopf: wunden festgestellt. Aus Papieren geht hervor, daß es sich um den 36 Jahre alten italienischen Staatsangehörigen Otto Delmeny handelt, der zuleht in der Großbeerenstr. 98 wohnte. Es wird vermutet, daß Delwen bas Opfer eines Verbrechens geworden ist, da eine Kopfwunde scheinbar von einem Hieb mit einem Schlagring herrührt. Die Kriminalpolizei ist mit der restlosen Klärung des Falles beschäftigt. Was ist vor Moskau noch sicher? Bon der Zentralfommiffion für Arbeitersport und Körperpflege wird uns geschrieben: Der Bundestag der Arbeiter Schachspieler in Jena ist ein Opfer fommunistischer Demagogie geworden. Der Bundes vorstand, der durchaus nicht kommunistisch orientiert ist, hatte eine russische Delegation eingeladen, die auch in einer Stärke von sieben Mann erschienen war. Die deutschen kommunistischen Drahtzieher haben das benutzt, um den Bundestag mit allerlei fommunistisch gefärbten Refolutionen zu überrumpeln, so daß man das Gefühl hat, als hätte hier ein fommunistischer Kongreß getagt. Wie man uns indessen versichert, waren nur ganze fechs Kommunisten auf dem Bundestag anwesend ein sehr beschämendes Zeugnis für die übrigen Delegierten, welche die tommy. nistischen Entschließungen geschludt haben. In einer diefer Refolutionen läßt man die ,, erste Arbeiter- und Bauernmacht, die Sowjet- Union" hochleben, schimpft auf das eigene Land und befehdet die Sozialdemokratie. Den politischen Gefangenen in den Ländern der Bourgeoisie aber ja nicht in den„ Kasematten Rußlands"-sendet man Grüße, ganz wie es in den kommunistischen Geisteserzeugnissen üblich ist. Dabei ist der Bund Mitglied der Luzerner Sportinternationale, deren Programm Neutralität zwischen den Arbeiterparteien verlangt. Wir erinnern uns noch, welches Geschrei die Kommunisten machten, als auf dem Pariser Kongreß beantragt wurde, Beziehungen zur Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale anzufnüpfen. Hier aber mißbrauchen die Kommunisten einen Bundestag, um die kommunistische Gewaltherrschaft in Rußland anzuhimmeln. Unter diesen Umständen lohnt es fich nicht. auf die übrigen Beschlüsse des Kongresses einzugehen. Es genügt zu sagen, daß für einen ehrlichen Sozialdemokraten im Deutschen Arbeiter- Schachbund fein Blas mehr fein fann, wenn er nicht mit allen Kräften dafür eintritt, daß dieses Jena des Arbeiterschachs wieder gutgemacht wird. Tanz und Sexualität. Die Genossenschaft deutscher Tanzlehrer" ver anstaltet in diesen Tagen eine Ausstellung„ Der Lanz" in den Räumen der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Str. 9. Diese Ausstellung ist nicht nur aus gesellschaftskritischen Gründen interelsant, sondern auch von einiger Bedeutung als Anlaß zu mehreren wesentlichen Vorträgen, von denen der, den am Dienstag abend Herr Sanitätsrat Dr. Magnus hirschfeld über das Thema Tanz unb Segualität hielt, schon megen der Bersönlichkeit des Bortragenden eine besondere Stellung einnimmt. Die engen Beziehungen, die selbstverständlich stets zwischen Serualität und Tanz beffanden, sind diesem besonders von der Kirche oft zum Vormurf gemacht worden; man empfand ihn als unfiltlich. Dieser Borwurf ist lächerlich und wird unser Berständnis niemals finden, weil er ein Borwurf gegen die Natur und das Natürliche ist. Das Gedantliche beim Tanz ist durchaus sekundär, in erster Linie ist er reiner Ausdrud menschlichen Körpergefühls und eine fo eble Form des Liebeswerbens, daß nur der Puder an ihm Anstoß nehmen tann. Der Serualforfcher glaubt mohl behaupten zu können, bcß alle diejenigen, die abfolute Gegner des Tanzes find, zu ihrer Auf faffung nur deshalb tamen, weil ihr Liebesleben Abweichungen von der Norm, mennt auch mir im Sinne der Segualverdrängung oder Serualhemmuung, aufweist. Wer am Tanz Mergernis nimmt, argert fich mehr über sich als über andere. Der Tanz ist eine Huldigung der Seele für den Leib, die Liebe und das Leben und mur mer fold eine diesseitige Weltanschauung verleugnet, fann ihn als schamlos oder undeutsch" empfinden. Dem mit starkem Beifall aufgenomme nen Vortrag folgten auf der Bühne tänzerische Illustratio nen unter dem Motto„ Bom Menuett bis zum Charles ston". Je mehr man sich bei diesem Programm der Moderne nähert, desto besser gelang dessen Ausführung. Ein deutlicher Beweis dafür, daß der Tanz durchaus als Ausdruck modernen Lebensgefühls gemertet zu werden verdient. Die Teilnehmer der Osterstudienfahrt der steiermärkischen Cehrerinnen und Lehrer wurden gestern im Rathause von den Bürgermeister Schols Bertretern der Stadt Berlin empfangen. begrüßte die Gäste in einer Ansprache, auf die der Führer der wortete. Studienfahrt, Dankwart Zwerger, mit Worten des Dantes antReichstagsabgeordneter Heile begrüßte hierauf die Steiermärker im Namen des österreichisch deutschen Volksbundes. An die Begrüßung schloß fich ein zwanglojes Beisammensein der Teilnehmer im Foher des Stadtverordnetensaales. Die Bezirtsbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, den 18. April, nach. mittags 3 Uhr, nächste Theatervorstellung im Schillertheater. Die Aufführung„ Ditpolzug fann nicht stattfinden, wir bringen dafür Jungfrau von Drleans". Preis der Karte einschließlich der leiderablage und beaterzettel 1,20 M. Karten find in allen bekannten Sonntag, den 16. Mai, nachm. 3 Uhr, im Berkaufsstellen zu haben. Beer Schillertheater, Charlottenburg: Biederholung der Aufführung: Gynt". Breis der Karte einschließlich leiderablage und Theaterzettel 1,20 m. Die reife werden gebeten, ihren Startenbedarf anzugeben. Freie Sozialistische Hochschule. Am Sonnabend, den 17. April, spricht Genoffe Staatsfanglez a. D. Dr. Renner ien über Der geistige Arbeiter in der gegenwärtigen Gefellfaft. Der Vortrag findet ftatt im großen Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3. Preis der Starte 50 Pf. Boltsbildungsamt Prenzlauer Berg. Das Bollebilbungsamt Brenzlauer Berg, Danziger Str. 64, veranstaltet am Freitag, den 9. April 1926, abends 8 Uhr, in der Aula des Luisenstädtischen Gymnasiums, Gleimstr. 49, einen Balladenabend( Goethe). Einleitender Bortrag von Dr. Felir Etaatsoper, Theo Maret, Regitator; am Klavier: Dr. Felir Günther. Günther. Mitwirkende: Rammeriänger Leo Schüzendorf, Bariton an der Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf.( Mitglieder der Kulturgemeinde fret) find zu baben: Volksbildungsamt, Danziger Str. 64( Pförtnerloge), Loth, Musikalien, Schönhauser Anee 41, Guse, Laden, Allenfteiner Str. 31 und an der Abendkasse. Großfeuer in einer Raffeler Kunstmühle. Am Donnerstag vormittag brach plötzlich in der großen Kunstmühle von Otto Bogt in Raffel ein Großfeuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff. Das Feuer fand in dem Betriebe reiche Nahrung, so daß in ganz furzer Zeit der ganze Mittelbau in Flammen stand. Sämtliche Feuerwehren waren alsbald zur Stelle. Nachdem der Mittelbau zum Teil bereits eingestürzt war, mußte sich die Feuerwehr darauf beschränken, die anderen Mühlenbauten zu retten und ein Uebergreifen des Feuers auf die Lagerhäuser zu verhindern. Dem Feuer sind bisher jämtliche Maschinenräume mit den Maschinen zum Opfer gefallen. Der Brand wütet jedoch noch fort, so daß es sich bei dem herrschenden Winde nicht sagen läßt, ob die anderen Teile der Mühle zu retten sind. Die Mühle ist auf alle Fälle auf lange Zeit außer Betrieb gesetzt. Die Entstehungsurfache des Brandes ist noch nicht getlärt. Große republikanische Kundgebung in Wien. Am 11. Juli d. 3. findet in Wien der Reichs Ordner. Tag" des österreichischen Republitanischen Schuzbundes" statt, zu dem das Reichsbanner derung, möglichst zahlreich in Deutschösterreich zu erscheinen, ist vom Schwarz Rot Gold" eingeladen worden ist. Der AufforBundesvorstand des Reichsbanners mit einem Aufruf an feine Mitglieder entsprochen worden, in dem diese ersucht werden, durch einen Massenbesuch in Wien den österreichischen Kameraden den Dank für die wiederholten Besuche der Reichsbannertagungen abzustatten. Zwecks Zusammenstellung von Ertrazügen hat sich der Bundesvorstand des Reichsbanners an die Generaldirektion der Reichseisenbahngesellschaft gewandt. der Einwohnerwehr angehörende Gerichtsassessor Otto Ein Mord nach 6 Jahren aufgeklärt. Im April 1920 mar der Donner in seiner Billa in Niederlößniz erschossen aufgefunden worden. Man nahm damals einen Unglüdsfall an. Auf das Gerücht, daß Dommer auf gewaltsame Weise ums Leben gefommen sei, nahm die inzwischen verftaatlichte Kriminalpolizei jetzt nach 6 Jahren neuerlich eine Untersuchung des Falles vor und stellte fest, daß Frau Donner und ihr Geliebter, der Gärtnergehilfe Otto Krönert, in gemeinfamem Einverständnis den Mord ausgeführt hatten. Beide haben ein volles Geständnis abgelegt und sind sofort dem Gericht zugeführt worden. Sport. Das 16. Berliner Sechstagerennen. In der Arena am Kaiserdomm wird in der Zeit vom 8. bis 14. April das 16. Berliner Sechstagerennen abgehalten. Die Frage, ob die Veranstalter auf ihre Kosten tommen, wird wohl bereits der erste Tag beantworten, denn es ist ein nicht geringes finanzielles Magnis, zwei Beranstaltungen gleichen Charafters in einer Saison in Szene zu feßen. Gegen 9 Uhr abends find Handmerfer dabei, die leßte Hand anzulegen. Innenraum und Tribüne weisen noch gähnende Leere auf. Die Wertungen werden wie folgt ausgefahren: nachmittags 3 und 5 Uhr je fünf Spurts zu zehn Runden. Am ersten Abend um 11 Uhr und am zweiten bis sechsten Abend um 10 Uhr je sechs Spurts und jede Nacht um 2 Uhr zehn Spurts zu zehn Runden. Die legte Runde( die 145.) bringt ständig hintereinanderfolgende Spurts. Die ersten pier Fahrer werden gewertet, und zwar erhält der erste fünf, der zweite drei, der dritte zwei und der vierte einen Bunft zugesprochen. Endlich ertönt die Glocke und das Feld tritt die Vorstellungs runde an. Die Mannschaft Bohl.Martin eröffnet den Reigen. Besuch zunächst nech etwas zu münschen übrig läßt. Die erste Wertung Unter Führung Debaets zieht das Feld los, vor einem Hause, dessen beginnt um 11 Uhr. Die Resultate bringen wir im Abendblatt. Rennen zu Strausberg am Donnerstag, den 8. April. 1. Rennen. 1. Friedchen( Müschen), 2. Kornblume( E. Eichhorn), 3. Duerfopi( H. Scholz). Toto: 30: 10. Blag: 16, 19, 39: 10. Ferner liefen: Chitos, ster, Gilda, Missa. 2. Rennen. 1. Teifi( D. Schmidt), 2. Torquato( Staudinger), 3. Hochländer( Brabich). Toto: 15: 10. Plat: 11, 12, 13: 10. Ferner liefen: Glashäger, Dorns Bruder, Calderon, Dde, Caracas, Fliegender Holländer. 3. Rennett. 1. Borta Beitfalica( se. Edler), 2. Carl Ferdinand ( E. Behr), 3. Maas( Mülchen). Toto: 37: 10. Platz: 20, 53: 10. Ferner liefen: Goldstern, Rasvide, Parioli. 4. Renne 12. 1. Hochstapler( Huguenin). 2. Messina( D. Schmidt), liefen: Deeana. 3. Stephanie( M. Dreißig). Toto: 22:10. Blat: 10, 10: 10. Ferner 5. Rennen. 1 Bolaca( Sr. Schniger), 2. Karrara( Hr. Staudinger), liefen: First Fruit, gef, Benus IV, Landbroft. 3. Turfball( Hauptm. de Bog). Toto: 23: 10. Blat: 14, 19: 10. Ferner 6. Rennen. 1. Sehmlinde( Staudinger), 2. Lori( Grabsch), 3. Shierle ( Kurzawa). Toto: 26: 10. Blaz: 24, 49, 37: 10. Ferner liefen: Neftar, ingolf, Gloriamar, Jilderim, Beer Gynt, Salome IL 7. Rennen. 1. Rüftung( Balter Heuer), 2. Fechterin( R. Edler), liefen: Mundschent, Credulite, Ordensritter, Gentrifugal, Miß me quid. 3. Daubenton( Kranzlein). Toto: 74: 10. Plag: 17, 16, 16: 10. Ferner etwas fübler bet wechselnder Sewöltung, vereinzeit noch etwas Regen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterblenfiftelle für Berlin.( Nachbr. verb.) Für Deutschland: Beränderlich mit weiterer bfühlung, vieljad leichte Regenschauer. Wendepunkte in der Entwicklung Berlins. Das Reichsbodenreformgefeh und der Mann der Tat. Der Städtebaugefeßentmurf, des preußischen Volkswohlfahrts ministers Hirtsiefer, eine der wichtigsten Gesetzesvorlagen, die das Preußenparlament beschäftigen, hängt eng mit dem Reichsbodens reformgelegentwurf zusammen, dessen Fassung von 1920 der Ständige Beirat für Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsministerium jetzt revidiert und nicht unwesentlich geändert hat. Eines der schwierigsten Brobleme, worin sich beide Gesezentwürfe tief berühren, ist die Einschränkung privaten Nuznießes von Grund und Boden, den die Deffentlichkeit aus sozialhygienischen Gründen vor allem für fich beansprucht. -O DES STADT VORWARTS BEILAGE ficht, daß nach menigen Sonntagen unter den Ausflüglern das Be stehen einer Bolizeiverordnung, die das Abreißen von Pflan enteilen uim. verbietet, bekannt wird und endlich dem Unfug, der schließlich zur vollkommenen Verwüstung der Berliner wälder führen muß, Einhalt geboten wird. Wir bitten, die untergeordneten Stellen mit entsprechender Anweisung versehen zu mollen." Aus den Bezirken. 5. Bezirk Friedrichshain. Art find aber festgestellt und dann beanstandet worden. Beanstandet| meisen fönnen, festgestellt und bestraft würden. Wir sind der An wurde auch eine Eintragung, die in der amtlichen Bescheinigung bestand, daß die stimmberechtigte Berson bettlägerig sei und nicht tommen fönne. Die Eintragungen wurden von den StimmDie Eintragungen wurden von den Stimm berechtigten hinterher wieder durchstrichen, das ist aber unzulässig, und die Eintragungen behalten Gültigkeit Der Abstimmungsausschuß hat die in 46 Liften vorgefundenen Bleistifteintragungen für gültig erflärt. Es ist zu wünschen, daß jeder sich mit Tinte einträgt, damit nicht Fälschungen möglich werden. Aber das Gesetz sieht den Gebrauch der Tinte für die Eintragungen nicht ausdrücklich vor. Die Streitfrage, ob verheiratete Frauen ihren Mädchennamen hinzufügen müssen, ist eigentlich gar feine Streitfrage; denn das Gefes fordert das Der Minister hat aber zu Beide Gesezentwürfe wollen geltendes Bodenrecht reformieren, gelassen, daß auch ohne Hinzufügung des Mädchennamens die Einaltes Unrecht beseitigen. Das Städtebaugesetz soul Gemeinden tragung gültig ist, wenn bei der Eintragung durch einwandfreie Prüfung der Legitimation die Persönlichkeit festgestellt Generalbebauungspläne zwingen, Grundsägen aufzustellen, statt mie bisher nach rein fista- Beanstandung für gebaten erachtet. nach lozialen worden ist. Daher hat auch der Abstimmungsausschuß hier teine Nur gegen brei ber listischen Leitlinien unter weitgehender Schonung spekulativen Grund: 131 Beanstandungen ist Cinspruch erhoben worden, befizes; es soll zur Durchführung zeitgemäßer Wohnungsbauund diese drei Einsprüche hat der Oberpräsident für berechtigt programme die Bodenvorratswirtschaft erleichtern. Sein§ 66 be ftimmt, daß zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Mittel und ertlärt, fo daß die Eintragungen gültig wurden und mitge. Kleinwohnungen oder Gesundung von Wohnvierteln und Häuser zählt werden mußten. Außerdem ist ein Einspruch gegen die Verweigerung der Zulassung zur Eintragung erhoben worden, und auch blods erforderlicher Grund und Boben enteignet werden fann. § 65 ermächtigt Gemeinden, für Verkehrs- und Erholungsflächen diesen hat der Oberpräsident für berechtigt erklärt, so daß hier eine ( Bart- und Gartenland, Spiel- und Sportpläge) erforderliches Land Eintragung, die tatsächlich unterblieben war, mitgezählt wurde. Der Borwärts" hat das amtliche Ergebnis für die 20 Berwaltungsdem Eigentümer zu entziehen. Auch für die an der Entwicklung bezirle bereits am 18. März in Nr. 130 mitgeteilt. Aus der Durch der Industrie start intereffierten Arbeiter und Angestellten ist wichtig fühmmg des Boltsbegehrens sind der Stadt Berlin Kosten entdie Bestimmung, die Gemeinden berechtigt, im Flächenaufteilungsstanden, die der Magistrat auf 217 000 Mart berechnet. plan als Industrieflächen verzeichnete Terrains mittels Enteignung zu erwerben, um sie zuziehenden Unternehmern zuzuweisen. Der revidierte Bodenreformgefeßentmurf bestimmt für Planfeft, ftellungen und zwar als Reichsgefes( also KompetenzRompetenz) in§ 7, daß die durch Landesgesetz für die Bedürf nisse des Wohnens, des Berkehrs, der Erholung, des Gewerbes ufw. festgelegten Flächen" nur planmäßig genutzt werden follen. Für Landbeschaffung im Sinne des preußischen Städtebaugeseßes gemährt§ 11 des revidierten Reichsbodenreformgefehentwurfes An. faufsrecht und Enteignungsrecht auf unbebauten Boden. Nach§ 21 dieses Entwurfes wäre dabei der Preis zu zahlen, der fich aus der legten Einschätzung nach dem Reichsbewertungsgesek ergibt". Als Entschädigung gälte- analog den entsprechenden Bestimmungen des Reichsfiedlungsgefeßes und der Siedlungsverordnung für abgebaute Beamte auch eine als Reallaft einzutragende tilg bare mertbeständige. Rente. Das preußische Städtebaugesetz tõunte allein schon den steinernen Tritt der Mietsfaserne aufhalten und den Kleinhausbau au die Spize bringen. Schon darum ein Gesek, dessen Bedeutung für unser Wohnungswesen und damit für die gesundheitliche und fittliche Entmidung unseres Boltes nicht überschäzt werden kann. Was es für Berlin bedeutet, liegt auf flacher Hand. Es kommt nun darauf an, daß Berlin den richtigen Mann auf den noch immer offenen Boften des Stadtbaudirettors stellt, einen Mann, der fähig, willens- und charakterfest genug ist, alle reformistischen Möglichkeiten der fommenden und der bereits bestehenden neudeutschen Boden, Siedlungs- und Wohnungs. gefeße zu verwirklichen. Außerordentlich bedauerlich für Berlin ift, daß Schmidt Effen nach dem Verlust, den der Siedlungsverband Ruhrtohlenbezirk neuerdings erlitten hat, dort munmehr unabkömm lich ist. Die Kandidatur Schmidt hat wesentlich auf das Ergebnis der öffentlichen Ausschreibung eingewirft. Also muß der Bosten noch einmal ausgeschrieben werden. Vielleicht taucht dann aus dein Tiefenreichtum unseres Boltes der Mann an die Oberfläche, der fünftige Generationen der Reichshauptstadt vor Berbrechen am Bolle schüßte, wie der ungludselige Berliner Be bauungsplan von 1858 eines ist. Unser Mietstafernenelend ist doch ganz tonfequent aus diesem Bebauungsplan herausgewachsen, dessen Aufstellung man seinerzeit einfach zuständigkeitshalber dem Bolizeipräsidium zugeschrieben hatte, das den Auftrag als" Nummer einem dazu engagierten jungen Baubeamten, dem Baumeister James Sobrecht weitergegeben hatte. Ein Berfahren, etwa wie wenn man die Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuches einem Affeffor gegen 2 Taler Diäten aufgegeben hätte. Generationen bis auf die heutige tranften und tranfen immer wieder ja, wenn man die fürzlich hier veröffentlichten Zahlen über die Berseuchtheit unserer Jugend durch Tuberkulose und Syphilis als Folge des Mietstafernenelends betrachtet, tann man schon sagen: fiechen hin unter dem furchtbaren Unglück, das der Bebauungsplan von 1858 für Berlin bedeutet. Dieser Bebauungs. plan ließ systematisch die Steinmüfte Berlin entstehen. Wer vermag den Zeitpunkt abzusehen, wo seine verheerende Wirkung übermunden mare? Dieser Bebauungsplan war ganz nach dem Herzen der Leute, denen Grundrente um so mehr die Taschen beutelt, je höher die Mietstafernen sich hinaufreden, je dichter ste beieinander stehen, je enger Menschen wohnen, je größer, mit einem Wort, das Wohmungselend ist. Klaffenmahlrecht, Hausbefizerprivileg, das Ge meindewahlrecht der Borkriegszeit, tragen ein gerüttelt und geschüttelt Maß an diesem Boltsverbrechen. Berlin ist der Provinz Vorbild. Hierin liegt eine enorme Berantwortung derer, die die Entwicklung Berlins mit bestimmen. Es trift fich gut, daß der Berliner Städtebaudirektor zu wählen ist, während die beiden so überaus wichtigen Bodenreformgefeße als neue Gestirne am wirtschaftspolitischen Himmel aufziehen. In diesen Zeichen nur wird der neue Mann fiegen über die mächtigen Wider facher öffentlichen Wohles, die die Bodenspekulation zusammenhält. fechs maren. Bictor Road. 11 Maßnahmen für die jugendlichen Erwerbslosen. Trotzdem im Bezirk Steglig die Zahl der jugendlichen Erwerbs Iefen nicht allzuhoch ist, so haben doch Arbeits- und Jugendamt gemeinsam nach Maßnahmen gesucht, um diefe Jugendlichen aus den Barteräumen der öffentlichen Arbeitsnachweise zu entfernen, in denen sie aus Mangel an Beschäftigung und aus jugendlichem Ueber. mut nur zu gern allerlei Unfug verübten. Der Ortsausschuß für Leibesübungen hatte in einer gemeinsamen Konferenz mit den in Frage kommenden Dezernenten die Richtlinien für diesen Dienst an den Jugendlichen festgesetzt, und die Erfahrungen haben gezeigt, daß diese fich gern an den Veranstaltungen beteiligen. Die letzte Bezirtspersammlung hatte sich wieder einmal mit einer reichhaltigen Tagesordnung von nur 33 Buntten zu befassen, von denen leider durch die reichhaltige rednerische Mitarbeit der Kommunisten nur neun zur Erledigung gelangten. Einstimmig angenommen wurde vorerst eine Borlage des Bezirksamts, die der Einrichtung eines Luft- und Sonnenbades zur Behandlung rahitisher Kleinkinder im Bezirk bezmedt. Die angestellten Ermittlungen ergaben, daß die Rachitis im 5. Bezirk außerordentlich stark graffiert. Nach den vorliegenden Entwürfen würde die Einrichtung des Bades rund 77 300 m. toften. Wir wollen nur hoffen, daß auch der Magistrat diesem begrüßenswerten Beschluß seine Anerkennung nicht versagt. Die in einem Ausschuß beratene alte Geschäftsordnung wurde nach langer, oft widerwärtiger Debatte und einer fleinen Streichung in der alten Faffung angenommen. Ein Antrag unserer Fraktion, der fordert, murde ausgiebig vom Genossen Theet begründet. Er die Vermehrung der Kinderlesehallen im Bezirk stellt dabei feft, daß eigentlich im Bezirk nur eine, von privater Seite betriebene Kinderlesestube vorhanden ist. Die Einrichtung solcher Lesehallen ist auch für die Boltsbüchereien sehr wichtig, die sich unter dem gegenmärtigen Zustand auch nicht in der besten Verfassung be finden. Der Urantrag somie ein Zufazantrag, der die Dezentrali fation der Boltsbüchereien auch für die Innenbezirke verlangt, wurden nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag unserer Genossen verlangt die Aufhebung des Besoldungs[ perrgefeges. Wie der Genosse Theet betont, ist der Antrag längerung nicht beantragt hat. Aber es machen sich schon Tendenzen in gewissem Sinne überholt, da der Reichsfinanzminister die Vereiner verschleierten Fortführung bemerkbar, die vor allem im Gesez zur Regelung des Wohnungsgeldzuschusses zu er bliden find. Dieses Gesetz bedeutet auch einen unerhörten Ein griff in die Selbstverwaltung der Gemeinden, dem man entschieden entgegentrefen müsse. In diesem Sinne wird der Ur. antrag nebst zusagantrag, die lehterwähnte Angelegenheit betreffend. einstimmig angenommen. Großen Widerspruch findet bei allen bürgerlichen Barteien, der weitere Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, betr. Uebermeifung der Mittel für Krippen, Rindergärten und Horte an die Bezirke und lebernahme der vorhandenen Anstalten in städtische Verwaltung. Genosse Theet stellt in der Begründung des Antrages fest, daß sich im Bezirk teine einzige Kinderkrippe befindet, während einige 20 KinderEs hat sich herausgestellt, daß es unprattisch ist, einen festen Stundenplan einzuführen. Dagegen ist es den Jugend. leitern, zmei Herren und drei Damen, überlassen worden, mit den Jugendlichen felbft darüber zu beraten, was am besten zu tun ift. Die beiden Jungmännergruppen haben sich sehr schnell ihren Blan gemacht. Vorträge über allgemeinwissenswerte Themen mechieln ab mit Bertunterricht an der Hobelbant. Auch Bapparbeit, wobei ausdrücklich darauf geachtet wird, daß wirklich mur praktisch perwertbare Arbeit geleistet wird. Es bleibt den Jugendlichen über. laffen, sich felbft Stücke zur Reparatur oder Bücher zum Eingärten und Horte einer privaten Verwaltung unterstehen. Der binden usw. mitzubringen. Die fleinen Untoften dedi das Jugend amt. An schönen Tagen wird einmal in der Woche fröhlich ge wandert. Ein anderer Tag ist dem Sport und Spiel gewidmet. Das Berhältnis zwischen Leiter und Jugendlichen ist das denkbar beste. Die Jungmädchen werden von einer Haushaltungslehrerin, einer Turnlehrerin und einer wissenschaftlichen Lehrerin betreut. Kochunterricht, Flicken, Stiden und Nähen wechselt mit Vorträgen, Spiel, Sport und Wandern ab. Die fast völlige Freiheit der Leiter und Leiterinnen, die von den vorgefehten Stellen nur allgemeine Richtlinien für ihre Arbeit erhalten, ist für das Ganze von größtem Vorteil. Die Leiter berichten wöchentlich an das Jugendamt. Die Auszahlung der Unterstützungen findet Mittwoch morgens ftatt, die Vermittlung täglich nach 12% Uhr. Die Kurse bzw. Beranstaltungen für die Jugendlichen finden morgens von 9 bis 12 Uhr statt. Den Jugendlichen stehen auch Speisemarten zur Verfügung. Selbstverständlich dürfen außer den Hauptunterstützungsempfängern auch alle anderen jugendlichen Erwerbslosen an den Kursen teil. nehmen. Vor allem aber follen Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren erfaßt werden, doch beteiligen sich auch noch männliche Erwerbslose im Alter von 20 bis 23 Jahren an den Veranstaltungen. Forstwanderungen für Jugendliche. Auf Veranlassung des Bezirksjugendamts Treptow fand am 30. März für die jugendlichen Erwerbslosen eine forsttundliche Wanderung statt, die der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde E. B., Berlin- Friedrichshagen, Ober. förster Mudra, unterstügt von Konrektor Wille, leitete. Auf der Wanderung, die vom Bahnhof Grünau durch die anliegenden Forften führte, wurde den Teilnehmern erklärt, wie die Unfitten und 3weigen, Fangen und Töten von Schmetterlingen und Käfern, Diefer Baldbefucher, wie Abreißen von Weidenfäßchen, von Blumen Rauchen und Abfochen im Balde u. a. zu einer großen Schädigung der Bestände und zur Verödung der Natur in der Großstadtnähe führen muß. Gleichzeitig wurden die biesbezüglichen, Paragraphen der Naturschutzpolizeiverordnung erläutert Den Teilnehmern mur. den die Zusammenhänge im Naturgeschehen erklärt und auf viele Naturwunder aufmertfam gemacht, an denen die meisten Menschen achtlos vorübergehen. Es fiel auf, daß die kaum von der Schulbant entlaffene Jugend so wenig über das Alter der Bäume unterrichtet war. Burde doch ein Kiefernbestand, der zirka 80 Jahre alt war, auf 15-70 Jahre gefchäßt. Von dieser unvollkommenen Alters. schäzung ausgehend, wurde in einigen Saatfämpen und Baum. Schulen die Entstehung der Kiefer vom Samenforn bis zum Altholz gezeigt. Die Wanderung führte noch durch einige in der Arbeit be. findliche Kulturen bis in die Nähe von Carolinenhef, wo sich die Teilnehmer mit herzlichem Dant verabschiedeten. Diese Wande rungen unter fachverständiger Führung, die die Jugend lehren, mit offenen Augen durch den Wald zu gehen, sind aufs wärmste zu begrüßen. Die Großstadtbevölkerung muß aus sich heraus erkennen, daß ihr mit dem Wald ein toit bares Gut in die hand gegeben ist, das sie begen und pflegen muß, zum Segen der Allgemeinheit. Demnächst ist eine Führung der Jugend von Ober. fchoneweide geplant. Das Ergebnis des Volksbegehrens. Wenig Eintragungsbeanstandungen in Berlin, Bur endgültigen Feststellung des Ergebnisses der Eintragungen zum Voltsbegehren trat im Stimmtreis Berlin II, ber die Altberliner Berwaltungsbezirte umfaßt, der Abstimmungsausschuß heute vormittag im Rathaus zusammen. Auf dem Tisch des Hauses" hatte man einen Berg von Aften aufgehäuft, in denen viele Taufende von Eintragungslisten gebündelt Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschuß und Naturkunde E. B., Dem Abstimmungsausschuß blieb es erspart, diefe Liften Berlin- Friedrichshagen, hat an den Polizeipräsidenten folgende Eindurchfehen zu müssen. Die Bezirtsämter hatten das bereits gemacht, gabe gerichtet: Staum zeigen sich die ersten Sächen und wagt und der Abstimmungsausschus brauchte mur noch feine Ge- fich das erste Grün hervor, muß man mit Schreden sehen, wie trok nehmigung zu erteilen. Der Abstimmungsleiter Stadtrat Dr. Richter Naturschutzpolizeiverordnung, die scheinbar nur auf dem Bapier berichtete, daß bie 3ahl der Beanstandungen nur steht, Bäume und Sträucher in den städtischen Waldungen von Ber. gering gewefen ist. Sie war in den Berwaltungsbezirten liner Ausflüglern rüdjichtslos geplündert werden. Selbst die Mitte 28, Tiergarten 4, Wedding 19, Brenzlauer Berg 3, Friedrichs Schußpolizei, die body hauptsächlich dazu berufen wäre, einer bain 61, Kreuzberg 16, zufammen 131. Gründe der Beanstandun. Berordnung des Herrn Bolizeipräsidenten mit allen Mitteln Gel. gen waren Ehrverlust, Bevormundung oder Pflegschaft, Unvoll tung zu verschaffen, scheint bei den hier gerügten Fällen die Augen ftändigkeit der Eintragung, Eintragung in falfchen Bezirken, Ein- zuzudrücken. Nach unferer Anficht wäre es wirklich nicht schwer, tragung ohne den erforderlichen Eintragungsschein, Eintragung in furger Beit die angeführte Berordnung durchzuführen, wenn nur durch Stellvertreter. Daß Eintragungen durch Stellan einigen Sonntagen die öffentlichen Fähren und die Bahnhöfe pertreter troß zweifellofer ungulaffigteit porgefommen überwacht und alle Berfonen, die mit Balbfträußen diese Berfehrs. find, möchte man laum für möglich halten; Eintragungen biefer mittel paffieren und sich über den rechtmäßigen Ermerb nicht aus. Magistrat zahlt zur Unterhaltung zwar erhebliche Beiträge, hat aber fonit teinerlei Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in den Heimen. So fann es passieren, daß sich ein Hort in einer Kirche in einem Keller befindet. Hierin müsse unbedingt Wandel geschaffen Stadtrat Genosse Klodt betont als Vertreter des Be werden. zirksamtes, daß das Bezirksamt sich bereits alle Mühe gegeben habe, etmas Gutes zu schaffen. Bürgermeister Genosse Mielig sei selbst beim Magistrat vorstellig geworden und habe festgestellt, daß gegenüber den 700 Kindern, die jezt betreut werden, 6000 Kinder untergebracht werden müßten. Bisher find Mittel nur für einen Hort bewilligt. Bon bürgerlicher Seite mendet sich vor allem der deutschnationale Bezirksvertreter Trettin gegen den Antrag, da eine derartige Regelung angeblich die private Liebestätigteit lahmlegen würde. Nach seiner Darstellung fann nur die Kirche eine derartige Liebestätigkeit für sich beanspruchen. Herr Trettin holte sich die gehörige Abfuhr vom Genossen Theek und dem kommunistischen Redner. Der Antrag fand dann gegen die Stimmen der Bürgerlichen Annahme. Die unbefaldeten Stadträte im Bezirk Kreuzberg. Am 18. Dezember v. 3. hatte die neugewählte Bezirksverordnetenversammlung des Bezirts Kreuzberg die Wahl der unbesoldeten Stadträte vorgenommen. Während der Wahl tam es zu aufregenden Szenen, weil der neu in die Versammlung gemählte Pfarrer Koch ein irrtümlich ausgesprochenes Wort des Vor stehers bemigte, um zu behaupten, nur die Kandidaten der deutschnationalen Lifte find als gewählt zu betrachten. Diese Behauptung ist von feiner Sachfenntnis getrübt. Im Gesetz Groß- Berlin ist ausdrücklich bestimmt, daß die Amtszeit der unbefoldeten Stadträte auf die Wahlperiode der Bezirks respektive Stadtverordnetenzum Ausbruck gebracht, daß die Fraktionen je nach ihrer Stärte perjamunlung beschränkt ist. Damit hat der Gefeßgeber unzweideutig im Magistrat durch die Hinzuwahl von unbesoldeten Stadträten vertreten: fein unüffen. Die Bezirksversammlung hatte auf Grund der Kochschen Behauptung beschlossen, die Wahl fofort noch einmal vorzunehmen. An diesem Wahlgang beteiligten sich aber die Deutschnationalen und die Bolkspartei nicht. Infolgedessen ließ die Linke das Wahlergebnis nicht verkünden. Zur Aufklärung sei bemerkt, daß das erste Wahlergebnis ebenfalls nicht bekanntgegeben wurde. Dennoch wandten fich die Deutschnationalen mit Pfarrer Koch an der Spize beschwerdeführend an den Oberpräsidenten und verlangten, daß nur die Kandidaten der deutschnationalen Liste bestätigt werden sollten. In einer später tagenden Führerbesprechung sämtlicher Fraktionen haben die Deutschnationalen durch Pfarrer Koch er. flären lassen, daß die dem Oberpräsidenten überreichte Beschwerde fofort zurückgenommen werde, wenn beide Wahlgänge am 18. Deember als ungültig erklärt und eine Neuwahl vorgenommen werde. Alle Fraktionen erklärten sich unter der Voraussetzung, daß die Beschwerde zurückgenommen wird, mit der Neuwahl einverstanden. Dieje wurde am 23. Dezember unter Beteiligung aller Fraktionen vorgenommen. Vor der Abstimmung stellte der Borsteher die Frage: Erhebt sich gegen die ungültigkeitserklärung der Wahlen vom 18. De zember und Bornahme der Neuwahl Widerspruch"; fein Mitglied protestierte, worauf der Borsteher das Einverständnis der Berfanuntung feststellte: Von der SPD. wurden gewählt: die Genossen Schweikardt, Hezschold Dittmer und Marste. Trotz der einwand freien Rechtslage sind die umbefoldeten Stadträte des Bezirksamts Kreuzberg vom Oberpräsidenten immer noch nicht bestätigt. Bolle drei Monate sind ins Land gegangen und nichts ist geschehen. Will der Herr Oberpräsident die Bestätigung bis auf den St- Nimmerleinstag verschieben? 12. Bezirk. Steglitz. Die letzte Bezirksversammlung fand in der Karwoche statt. Sie war von dem deutschnationalen Borsteher einberufen worden, um den Einsprich Jeiner Barteifreunde gegen die Wahl des Sozialdemos traten erester zum bespldeten Stadtrat zu verhandeln. Mert würdigerweise empörte sich über diese Anberaumung der Bersamm lung der deutschnationale Bezirksverordnete 5 erzog unb beantragte| ihre Bertagung. Wie mag es in den Röpfen dieser Polititer" aus fehen! Die Linte jedenfalls machte aus ihrer berechtigten Empörung über die Berschwendung städtischer Gelder fein Hehl und stimmte gegen den Antrag. Dann wurden die zu unbefoldeten Stadträten gewählten Genoffen Leimbach und Hermes und als Bezirks verordnete der Genosse Rohrbed und die Genoffin Rieder verpflichtet. Gegen die Stimmen der SPD. und der KPD. wurde ein Antrag über die Ausweifung der Rofonie Birtbusch als Dauertleingartengebiet abgelehnt. Damit haben die bürgerlichen Bertreter wieder einmal bewiesen, wieviel Liebe fie für die Klein gärtner übrig haben. Hoffentlich erinnern sich die Kleingärtner an die Versprechungen, die ihnen von den Bertretern der Rechtsparteien vor der Wahl gemacht wurden. Ein weiterer Antrag forderte Mittel für den Ausbau der Cemerbslosenfürsorge. Bei dieser Gelegenheit wurde gerügt, daß die Warteräume für die Erwerbs. lofen völlig unzulänglich feien, und daß die Aborte fehlten. Genoffe Hermes erwiderte darauf, daß im Rathaus Stegliz andere Räume Leider nicht vorhanden seien, daß die Aborte jedoch neu eingebaut werden sollten. Dann endlich wurde der Einspruch der Deutsch nationalen gegen die Wahl unseres Genossen Ferefter verhandelt. Selten wohl ist ein Einspruch leichtfertiger begründet worden. Genoffe F. ist Jurist. Die Deutschnationalen behaupten, daß es vor. teilhaft sei, die Stadtratsstelle mit einem Baurat zu besetzen. Als aber die Sozialdemokraten vor einiger Zeit einen Baurat präfentierten, hatten die Deutschnationalen ebenfalls Einspruch erhoben. Es handelt sich bei ihnen eben darum, die Wahl eines Sozialisten auf jeden Fall zu verhindern. Es ist wirklich zu verwundern, daß der Oberpräsident den Mut hat, einen solchen Einspruch überhaupt zu erwägen. Mit 20 gegen 18 Stimmen wurde schließlich einem Bertagungsantrag zugestimmt. Damit haben sich die Deutschnationalen felbst eine tüchtige Ohrfeige persetzt. Die ganze Sigung hatte nur 50 Minuten gedauert. Sie dürfte mit Bezug auf die Kürze dieser Beit geradezu als Reford zu bewerten sein. 13. Bezirk- Tempelhof. Parteinachrichten Sinfenbungen für biele Rubrik find Berlin 6. 62, Lindenitrags& für Groß- Berlin flets en bas Beatrisfeiretaries, & Sof, 2 Trep. rechts, a ridhten Heute, Freitag, 9. April: 123.130.. autom. 7% Uhr im Reftaurant Meek, Sinbenpromenade ede Berliner Straße. Borhandsikung mit den Abteilungsleitern. Bichtige Eagesordnung. Morgen, Sonnabend, 10. April: 11. 6. 71 The Bei Berger, Revekomftr. 21. Funtion& rkung. ife Frittionare fowie die Genoffen vom Maikomitee müffen unbedingt ezfcheinen. 25. st. 7 Uhr bei Gott, Aniprodeftr. 6. Sikuna der Funktionäre mit ben Elternbeiraten. Sebe Schule muk vertreten fetn. 29. bt. Die Besirtsführer holen die Sandsettet abends bei Burg. Brenz Tauer Allee 189, ab. 31. bt. 7% Uhr Funktionärhikung mit den Betriebsvertrouensfleuten bel Goldfchmidt, Stolpische Str. 36. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich reftios an der Frühlingsfeier der Arbeiterjugend 7% Uhr in der Schul aula Schönflieker Str. 7. 7. t. 7 Uhr Situng fämtlicher Funktionäre mit ben Betriebsvertoonens Tenten bei ginte, Waldemarstr. 65. 52. bt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärfihung bei Babe, Raiferin Angnfro Afee 52. 86. bt, Mariendorf. 8 Uhr Funktionärkung bel Niendorf, Chauffeefte. 19. Neukolln. 90. t. 7 Uhr bei Schittler, Beichfelite. 5, Funktionärsikung. 94. t. 7 Uhr Funktionärsiung bei Schröder, Steinmetz. 52. Cr feinen ft richt. 102. bt. Baumfahlenwen. 8 Uhr außerordentlich wichtige Funktionärsikuna bei Sak. Batmfchufenfte. 71. Die Funktionäre merben erfucht, das Unter Tagenmaterial für die Elternbeiratswahlen und für die Agitations- Werbeverfammlung mitzubringen. 117. Abt. 7 he bei Rrliner, Alterfchmidtite. 33. Wichtige Bidenbera. Funktionärkung. 118. bt. 7 Uhr wichtige Funktionärihung bei Rothe, Frankfurter Allee. Junafosialisten. Gruppe Mitte: Serbe, reiing, 9. April, 8 br, I bee Gruppe Schule Gipsstr. 28a. Arbeitsgemeinschaft. Beitung: Dora Fabian. Bantwik: Seute. Freitag. 9. April. im Restaurant Sportede", Railer- Wil helm- Str. 43. Mitgliederverfammlung. Funktionärkung bereits 71 br. Arbeitsgemeinschaft ber Rinherfreunde. Gruppe Charlottenburg: Alle Rinder milfen am Sonnabend, 10, April, im Seim fein, da Fahrt- und Maifeter Die Bezirksversammlung Tempelhof hatte in ihrer legten Sigung beforeduna flattfindet. mur vier Tagesordnungspunkte von untergeordneter Bedeutung zu rledigen, während die vorangegangene Gigung mit 38 Tags: Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin Webtung, Abteilungsleiter! Liefert die Berichtsbogen ab. Achtung, Abteilungsfeierer! Beute, Freitag, von 5-7 Uhr, bredyneng. Auseabe der Jugend voran!" und der Arbeiter- Jupenb Eintrittskarten zum 2. Ronzert bes Jungen Chor am Sonnabend, 24. Avril, in ber Singalabemie, Am Raftanienwäldchen, find im Sekretariat erhältlich. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7% Uhr: rdnungspunkten belastet war. Der deutschnationale Borsigende scheint demnach Ueberraschungen zu lieben. Scharfe Angriffe mußte das Bezirksamt über sich ergehen laffen, weil es dem Beschluß. der Bezirksversammlung, die Zahl der Einzeichnungsstellen für das Boltsbegehren zu erhöhen, nicht nachgekommen war. Größere Debatten gab es dann bei den Anfragen und Anträgen der einzelnen Fraktionen. Die deutschnationalen Vertreter Lichten. rades führten Klage über die unhaltbaren Zustände der Diten Ste.- B.: Jugendheim Goßlerftr. 61. Söneberg I: Jugendheim Char Straßen dieses Ortes. Sie mußten fich aber vom Baurat fagen Rubens Ede Hauptstraße. Schöneberg II: Jugendheim Hauptfte. 15. Brig: Jugendheim Rathmus, Chauffeelaffen, daß in Lichtenrade auf den Kopf der Einmohner 7,15 Meter Tottenburg: Sugen beim Rofinenfte. 5. freake 48. Reulan 1: Jugendheim Bergstr. 29. Reuron II: Jugendheim Straße, in Tempelhof aber nur 1,15 Meter Straße fämen. Genosse Rogaiffe, 58. Adlershof: Sugendheim Noonftr. 16. Rövenid: Jugendheim Spigtag mies die Antragsteller darauf hin, daß sie ihre an und Grünauer Str. 5. Schennisthal: Nathaus, Am Königsvlak. Tegel: für sich berechtigten Wünsche nicht bei der Etatsberatung vorgebracht Jugendheim Bahnhoffie. 15.- Spandan: Jugendheim Lindenufer 1, 8immer 5. hätten, so daß man jeht annehmen müsse, daß es ihnen nur auf die Propaganda in ihrer Ortspreffe anfäme. Unwillkürlich drängte sich den Zuhörern die Frage auf, ob die angeblich unhaltbaren Zustände in Lichtenrade wirklich nur die Folgen der seit fünf Jahren bestehen den Eingemeindung sind. Ein KPD.- Antrag, dem Radfahrerbund Solidarität" die Turnhalle zurückzugeben, die ihm vom Schul. rat entzogen ist, wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Der Antrag aber, die Turnhallen miete für Arbeiter. vereine in der Zeit der allgemeinen großen Arbeitslosigkeit niederzuschlagen, wurde angenommen. Zu einer Anfrage ber SBD., die fich mit dem Neubau einer Boltsschule auf bem Tempelhofer Feld beschäftigte, sprach Genoffe Gerla Er machte dem Stadtschulrat schwere Borwürfe und wies darauf hin, baß augenblicklich Läden als Klaffen benutzt werden. Ein anderer Antrag der SPD.- Frattion, die Straßenreinigungsbei. träge in den einzelnen Reinigungsflaffen den tatsächlichen Leistungen entsprechend abzuftufen, wurde einstimmig angenommen. Dagegen murde ein Antrag, in der Dorfstraße in Mariendorf eine Wärmehalle zu errichten, mit den Stimmen der Bürgerlichen abgelehnt. Berliner Baupolizei gegen Städteban. In neuerer Zeit ist von den Gemeinden dem Städtebau größere Bedeutung als früher beigemessen worden. Die Beachtung moderner und zwedmäßiger Baumeife ist für die Städte eine Notwendigkeit. In den städtischen Bauämtern sind für das bauende Publikum Bauberatungsstellen eingerichtet. Eine große Anzahl von Gemeinden ist dazu übergegangen, Städtebauämter einzurichten, um beim Städtebau die Interessen der Gesamtheit der Bevölkerung zur Geltung zu bringen. In vielen Fällen werden den Erftellern von Bauten beftimmte Auflagen auferlegt, die beim Bau eines Gebäudes zu berücksichtigen sind. In diesem Bestreben werden bie Gemeinden aber durch die Baupolizei ftart behindert. Moabit 1: Schufe Paldenferite. 20. Bortrag: Wie füllen wir unfere Moahit II: Gemeindefdule am Stephansnlah. Vortrag: reizeit aus?" Amed und Riele ber GAN. Webbing: Lebigenheim Echönstedtstr. 1. Storbolt II: Jugendheim Danziger Str. 62. Bortrag Die Aufgaben ber Mosenthaler Borstadt: Schule Ginsitr. 28a. proletarischen Jugendhewegung. Weikenfee I: Sugendheim Roeldeftr. 157. Aussprache: Unser Wandern". Generalversammluna. Brenzlauer Borfabt: Schule Danainer Str. 23. Ein Führunes bend. Baltenpleh: Jugendheim Rigoer Str. 102. Oftererlebniffe. Gilbmeften: Jugendheim Linden ftr. 3. Arbeitsgemeinschaft Bruno Reumann. Wannfee: Generalnrobe im..Reichsabler". Stealit II: Sreenbheim Softeinische Str. 8. Ribbersoriosg: Sinein in die 63.1" Schönhauser Borfiebt 1: Sonnabend, 10. April. 7 Uhr, in ber Schulaufe Smönfließer Str. 7. Frithlings- Feier. Gefang, Resitationen, Mult, Bollstänze Anforde der Geraffin Sodenhagen. Werbebenir? Miggeffee: Sonnabend, 10. April, 7% The for Sugenheim Aspenid, Grünauer Git B. Funktionärverfamming. Thema: Unfere Gruppenarbeit nam ber Oferwerbung". Sämtliche functionare müffen ver Renton V: Gonnohenb, 10. April, fahrt ned Bannfee. Steffound ebenbs, 16 Uhr Bh. Bermannstraße. treten fein. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 87/38. 6of 2£ 2. Waffersportablelang. Aug Monel: Go.. b. 10., 8 Uhr, bei brecht, Bozbanener Ctr. 62. Eisdibannermeiße. Sonntag, b. 11., Arbeitsbienft auf dem Bootsplek Benbenjolok. Mithe. Sonntag. b. 11. Antreten 1 Uhr nachmittags Billowplak mit Fahne und Tambourkorps. Arenaberg. Sonntag, b. 11., vormittags 10 Uhr, Antreten Echief. Bhf., Gilb feite, mit Fahne und Tembouctores Aur Sehrt nach Strausberg. Auker Fabr. geld( 1 M.) teine Untoften. Dher, Niederfönemeibe, Rohannisthal. Go., 6. 10., 8 Uhr, in Imberas Gefellidaftshaus, Wilhelminenhofftr. 34, Monats fikung. Bortrag: Monarchie oder Demokratie?" Referent: Romerab Bürger meiner Mielis. Renublikaner als Gäfte willfommen. Im Anfluß gemütliches Beifammenfein. Rövenid, Sonnion, d. 11., nahmittags 11 Uhr, ilhelms plak, könenid, mit Sambourforps und Wahnen. Autofahrt nach Senniden Friebrichshagen. Sonntag, b. 11., 1 hr. Marktolak in Friedrichs bagen. Treffpunkt aure Autofahrt nach Sennidendorf. Fahrpreis 1.20 m. Grünau und Bohnedorf fehren bis am Marktrlak in Friedrichshagen und benuken das bort fiehende Auto. Bichtenberg nebst Untergrunnen. Fr., b. 8., Rug- und Ortsgruppenführer 7 The Gikung bei Kriger. Türrihmidtftrake. Sonntag, b. 11., Abfahrt 8 Uhr Ruafibungen in den belannten Bofalen, Die Baupolizei in Preußen ist Auftragsangelegenheit des Staates. Sie ist dem Oberbürgermeister bzw. den Bürgermeistern der Städte übertragen, im Gegensah zu Sachsen und anderen Landorf. dern, in denen die Baupolizei lediglich Sache der Gemeinde ist. In Dielen Städten hat eine Berquidung der städtischen Bauämter mit ber Baupolizei derart stattgefunden, daß die Baupolizei dem Hochbauamt direkt übertragen ist, wie in Leipzig. Dresden Hannover u. a. In Berlin war die Baupolizei früher dem Bolizeipräsidium als reine Staatliche Behörde angegliedert. Seit einer Reihe von Jahren ist die Baupolizei der Stadt angegliedert, und der Oberbürgermeister ist Chef dieser Einrichtung. Es wird aber ängstlich darüber gemacht, daß die Baupolizei ein Eigenleben führt und die Intereffen der Allgemeinheit einfach außer acht läßt. Wie weit die Baupolizei in diesem Punkte geht, bemeist eine Verfügung der zentralen Bau polizei Berlins über die Behandlung der Baugesuche. Da wird angeordnet, daß jeder Beamte bemüht fein müsse, daß er nicht ein feitige fistalische oder auch städtebauliche Intereffen der Stadt mahr zunehmen, sondern der Gesundheit zu dienen habe. Nach dieser Definition lehnt die Baupolizei die Wahrnehmung Städtebaulicher Intereffen als„ nicht der Gesundheit dienend" ab. Man follte es faum für möglich halten, daß eine Behörde einen folchen Standpuntt vertreten fann. Damit steht Berlin einzia da. Was nügt es der Stadt Berlin, menn sie durch ihr Städtebauamt einer modernen, zweckmäßigen Bauart im Allgemeinintereffe die Wege ebnen will, was nügen die Bemühungen der einzelnen Bauverwaltungen durch bestimmte Auflagen, die vielfach in Verträge aufgenommen werden, wenn die Berliner Polizei der Meinung ist, alles das gehe sie gar nichts an. Wie muß es in dem Hirn von Leuten aussehen, die eine solche Auffassung vertreten und obendrein en alle Bezirksämter in folchem Sinne anweisend wirken. Das Intereffe der Stadt ist doch nur ein allgemeines, und es zeigt fich, mas fich Leute herausnehmen fönnen, die in der Berliner Baupolizei tonanaebend find. Der Oberbürgermeister von Berlin ist Chef dieser Behörde. Sollte er nicht auch einmal Zeit finden, das ftädtebauliche Jn tereffe der Stadt gegen folchen Unfug zu schützen? Der Bund der Kriegsdienstgeaner hielt Karfreitag und Ofter fonnabend im Lessing- Museum zu Berlin seine diesjährige Reichs. fonferenz ab, an welcher Vertreter aus den verschiedensten Zeilen Deutschlands teilnahmen. Es referierten Dr. Helene Stöder über die amerikanische Bewegung zur Mechtung des Krieges, Bruno Lache über das Thema Wie verhüten wir den nächsten Krieg?" und Dr. Kurt Hiller über die englische Boltsbewegung gegen den Krieg, wie sie von Artur Bonsonby ausgeht. Begrüßungsschreiben waren u. a. eingegangen von ausländischen Schwefterorganisationen, von Vereinigungen des Deutschen Friedens tartells und von der Internationale der Kriegsdienstgegner. Jubiläen. Das feltene Ereignis eines fechaiatährigen, unuuterbrodenen Wirtens wird am 10. April in bem Raufbaufe R. Jeroel begangen werben. Der 75jährige Jubilar Julius Galinger trat im Jahre 1866, als Berlin noch bie faft fleinstädtisch anmutende Sauptstadt war, im Raufhaus Israel als Lehrling ein. Er ist feitdem bei mehreren Generationen von Firmen inbabern der Brande eine belannbe Berfönlichleit amorben. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 9. April. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 981. Silenberg Friedrichsfelbe nad Strausberg. Spielmannssua und Fahne gehen mit. Ablershof. Teilnehmer an der Autofahrt der Ramerad schaft Röpenid am Sonntag, d. 11. nach Sennidendorf- Strausberg melben fich bis Fr. bei Triebs. Rohrgelb 1.20. Areisperein Riederbarnim- Ost. Sonntag, b. 11, naomittags 21 Uhr. Treffen in Sennidendorf, Dental. Revenhagen, Soppegarten, Birkenstein, litlandsberg, Fredersdorf, Petersbagen, Ctransberg. Sonntan, b. 11., madmittags 1.10 Uhr, Antreten Straus berg, Staatsbahnhof. Streuzberg. Abt. 10: Co., b. 10., 7 Uhr, Familienabend, verbunben mit Bannerweihe, bei Rabe, Fichteftr. 29. frestrede: Frik Ebert. Eintritt 50 Bf. Gäste milltommen. Die Jungschar beteiligt sich an bem Ausmarf am Sonntag. b. 11, nach Strausberg. Treffpunkt 10 Uhr Schlef. Bhf., Gibfeite. Neukölln- Brig. 3. Ramerabschaft: Fr., b. 9.. Mitgl.Reukolln- Brik Werf bei Röfter, Rarlsgarten Ede Bikmannstraße, 8 Uhr. ( Kreis). Sonntag, b. 11., Fahrt nach Mittenmalbe mit Fahne und Spiel mannsnug. Abfahrt 8% Uhr morgens Bhf. Hermannstraße. Fahrgeld 3. Riaffe Treptow( Kreis). 80 Bf. Hin; Adfahrt evtl. von Rönigsmusterhausen, 40 f. Die Einäfderung des Rameraden Regler findet am So., d. 10., abends 7 Uhr. im Arematorium Baumschulenweg statt. Antreten 6% Uhr Bhf. Baumschulen wea. Stormftraße. Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. Der 14. republikanischs Abend findet Freitag. 9. April in der alten Geheimratstneipe, Jerufalemer Strake, ftatt. Reisbund ber Arleesbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerbinter bliebenen. Bezirk Charlottenburg: Die Mitgliederversammlung findet nicht au 8. April, fondern am 15. April statt. 1 Arbeiter- Samariter- Rolonne Berlin e. B. Abt. Friebrichshain: Dienstag, 13. April, 18 Uhr, Mitgliederversammlung bei Bartusch, Friedenste. 88. Abt. Weißenfee: Montag, 12. April, 28 Uhr, Mitgliederverfammlung bei Stärke, Charlottenburger Ede Taffoftrake. Abt. Neukölln: Dienstag, 13. April, 48 Uhr. Mitaliederversammlung im Restaurant von Kern, Reuter ftraße 47. St. Mitte: Freitag, 9. April, 18 Uhr, Mitgliederversammlung Schule Leibniz- Gymnafiunt, Mariannenplak. Abt. Kreuzberg: Montag, 12. April, 148 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Schult, Mariendorfer Str. 5. Donnerstag. 15. und 22. April. in der Schule Bergmann freake 60/65, Rurfus fiber Saustrantenpflege. Donnerstag, 29. April. Vortragsabend in der Smule Bergmannftr. 60/65. Abt. Tempelhof: Montag 12. April, 18 Uhr, Mitaliederversammlung im Lokal von Lindisch, Morien borf, Rönig Ede Rathausstrake. Abt. Schöneberg: Freitag. 9. April, 18 Uhr, im Sofal von Rofenthal, Schöneberg. Ebereftr. 66. bt. Brenz Tener Berg: Freitag, 16. April. 8 Uhr, Mitaliederversammlung in der Schule Raftanienallee 80/82, Abt. Hermsdorf: Dienstag, 18. April, 148 Uhr. bt. Stealth: Frei Mitgliederversammlung Schule Roonftraße, Turnhalle. tag, 9. April, 18 Uhr, Mitaliederversammlung bei Schulz, Birkbuschftr. 90. Berliner Arbeiter- Schachklub. Abt. Mitte: Freitag, 9. April, findet in der Gormannftr. 14 bei Bolsin das Mannfchaftsturnier mit der Abt. Hum boldthain ftatt. Außerdem Gäfteturnier und Simultanvorstellung. Gäfte bera lich willkommen. Unterricht unentgeltlich. Eintritt frei. Arbeitersport. Radrennen des ARB. Solidarität. Die Mennfahrer des 1. Beatris im Gau 9 beginnen ihre diesjährige Sallon am Sonntag. 11. April, um zu beweisen, daß auch ohne Sensationsmacheret und Rettamefahren Rabrennen abgehalten werben Fönnen. Der Bezirks- Sportund Weltfahrausfduk bat einige Rennen ausgeschrieben, die es Jungen und Alten ermöglichen, fh nach ihren Fähigkeiten au betätigen. Für die Jugend unter 18 Jahren ist ein Rennen über 2 Rilometer vorgefehen für alle Reifen arten. Ein Rennen über 20 Rifometer foll den Fahrern vom 18. Jahre ab Gelegenheit geben, au zeigen, daß qutes Tempofahren die Borousfehung ift. um fich als Sieger plagieren zu fönnen. Des interessantefte Rennen dürfte feboch das Stundenmannschaftsfahren fein. Sferau bilden zwei Fahrer eine Mannfchaft, die fich nad Belieben ablösen. Sier find vier Wertungen nor gefehen. Da fchon einige Mannschaften im voraus gemeldet find, fo dürften fich die Sieger des vergangenen Jahres, Gebrüder Schmidt, ordentlich antrengen müffen, um fich auch in diefem Jahre wieder als die Belleren at zeigen. Die Rennen werben im Treptower Bark an der großen StadionWiese ausgefahren und beginnen morgens 7 Uhr. Da ein Eintrittspreis nicht erhoben wird, fo ift fedem Gelegenheit gegeben, dem Wettstreit beizu wohnen. Anhänger bes Radrennsports, welche gewillt find, fich dem ARB. Solidarität anzufchließen und am Rennen teilhanehmen, fönnen fich melden bei: Frik Jafer, Berlin, Simplonftr. 33: Erich Karvas, Berlin, Morisste. 14/15; De Beitrag beträgt vierteljährlich Rudolf Meinert, Berlin, Brüdenft. 5b. 1,80 Mark. Fußballspiele am 11. April. Am Sonntag finden folgende Spiele ftatt: Teutonia gegen Gifenspalterel in ber Chriftianiastraße. Abler 08 gegen Arbeiter- Sportverein 24 in Bantom, Andreas- Sofer- Blak. Bernau gegen Arbeiter- Turnverein Bankom in Bernau Adler 12 gegen Beltener Ballspielbub in ber Chriftianiastraße. Union gegen Wemannia in Banton, Marimilianstraße. Spandau 25 gegen Hertha- Steinfurth in Spandau, Stadian Salenfelbe. Fichte- Gefundbrunnen gegen Boruffic in Reinidendorf. am Schäferfee. Minerva gegen Bittoria in Borsigwolde. Staaben gegen Sportverein 22 in Staaten, Amateure pegen Birkenwerber auf bem Epersierplas Sönbaufer Allee. Briefelang gegen Tegel 24 in Briefelang. Sanfa aegen Einigkeit 25 in Bobennenendorf. Im Diten finden als Hauptfotele Treptower Ballspielfiub gegen Stralau in Trentom, Blänterwold, und Ligtenberg III gegen Lichtenberg I in Friedrichsfelbe, Tresdow- lee, befondere Beachtung. Während Bichtenberg III bie Meisterschaft wohl ficher bat, fient es bei Stralau fo, dak fie gewinnen müffen. Weitere Spiele: Merkur gegen Fichte Südoft in Grünau, Sahmertstraße. Adlershof genen AT- Glienice in Adlers hof, Bismarditzake. Weißenfee gegen Neuenbogen in Weißenfee, Rennbahn. Britannia gegen Sparta in Friedrichsfelbe, Tresdom- lee. Melania gegest Easborf in Röpenid, Grire Trift. Retfchendorf gegen Friedrichshagen in Retfchendorf. Bezirk Südwest: Schöneberg gegen Berolina in Schöneberg. Dominicusoles. Budenwalde I gegen Neuton in Budemwalbe. Kreuzberg Rehlendorfer Ballfpielflub gegen Brandenburg auf dem Tempelhofer Feld. gegen Richte 21 in Rehlendorf. Bertha gegen Wilmersdorf in Ludenwalde. Rüftig- Borwärts gegen Bantwik in Neuföln, Grens- Dec. Britannia gegen Trebbin auf dem Tempelhofer Feld. Zudenwalbe V gegen Sudenwalbe III in 2udenwalde. Maziendorfer Sportklub gegen Teltow in Marienborf., Edernpubl. Fukbolting gegen Stenlöllner Ballspielflub auf dem Tempelhofer Feld. Blichtspiele: Rurik gegen Nauen. Joachimsthal gegen Bader 24. Clsthet megen Selvetia. Vorwärts gegen Wader 20. Siemensstadt gegen Fichte- Nord. Bittenau gegen Pankow 08. Gomiet aecen Minerva 2. Spandou 03 gegen Nordista. Romet gegen Sabowa. Frisch- Frei gegen Sichtenberg II. Branden burg 02 gegen Oberfpree. Borwärts 20 gegen Johannisthalez Ballspielflub. Ronforbia gecen Lustig- ider. 1 Weitere Offerspielrefultate: Beltener Balfpielflub bezwana bie Stettinee Romet mit 7: 0. Wichie- Suboft unterlag gegen Röksdenbroda mit 2: 4 Gegen Birkenwerder mußten fich die Gachfen mit 7: 4 gefchlagen belennen. Abler 08 meilte in Dresden beim Bundesmeister und mußte mit 5: 1 gefchlageft bie Rildfahrt antreten. Gegen Graupa gemann Adler 4: 6 und gegen Heidena 0: 1 Gefen am Sara hatte Belud von Adlershof und Britannia- Lichtenberg Während Ablershof 5: 2 gemann, vermochte Britannia nun ein 3: 3 beraus subolen. Sn Schöningen gemann Ablershof Enapp 1: 0. Touristenvereis Die Naturfreunde"( Zentrale Wien), Drtsgr. Berfin G. B. Freitag Abt. Gesundbrunnen: Schillerinaeum, Pant. Ede Böttcherstraße. Sonntag, 11. April: 9. April, 8 Uhr: Monatsversammlung. Borlesungen. Führung durch die Arbetter- Wohlfahrtsausftellung. Treffpunkt: Bad- Ede Hochstraße, 9 Uhr. Abt. Bebbing: Sonntag, 11, April, Wanderung Hennigs dorf Spandan. Treffpunkt 47 Uhr Bbf. Gesundbrunnen. Gäfte milltommen. Wt. Moabit: Sonntag, 11. April, fahrt nach Sennigsdorf Meiknershof. Abfabrt 7,06 Uhr Bhf. Gefundbrunnen. Abt. Friedenau: Freitag, 9. April. im Seim Offenbacher Str. 5a Mitgliederversammlung. Photogemeinschaft: Sonntag, 11. April. Wanderung Raulsdorf- hönom- At- Landsberg. Treff suntt 7 Uhr Bhf. Stralan- Rummelsbura. Bahnsteig D. Montag, 12. April, 8 Uhr im Jugendheim Eberinftr. 12. Gaal. Anleituma aur Retousche und aum Bergrößern. Gäfte milltommen, Arbeiter Rabfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, 11, April, 7 Uhr, nad Sandhausen bei Oranienburg. Nachmittags 1 Uhr nad Birkenwerder, Lokal Saran Start Baldemarstraße Ede Mariannenplak. Gäste willfommen. Klublampf im Stingen. Freitag, 9. April. 8 Uhr, ftehen fich in der Turn halle Chriftburner Str. 7 in einem Alubkampf im Ringen der AGC. Boran Rieberfchönhaufen, und die 2. Rampfmannschaft der Sportlichen Bereinigung Nord- Oft gegenüber. 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. 4.30-8 Uhr nachm.: Viktor von Scheffel( zu seinem Todestage). 1. Einleitende Worte( Dr. H. M. Elster). 2. Suppé: Ouvertüre zu der Operette Flotte Bursche"( Berliner Funkkapelle); Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). 3. a) Rippoldsau, b) Aus den Liedern des Katers Hiddigeigei"( Karl Elzer, Rezitation). 4. H. Brückler: Aus duftig hält die Maiennaeht, e) Sonne taucht in Meeresfluten, -Werners Liedern: a) Als ich zum erstenmal dich sah, b) Lindd) Hell schmetternd ruft die Lerche( Roland Hell, Tenor; am Flügel: Artur Andrae). 5. Aus dem Trompeter von Säkkingen, Gaudeamus" und Gesammelte Gedichte( W. Zilzer, Rezitation). 6. a) H. Wolf: Biterolf, b) H. Brückler: Auf dem See, o) H. Brückler: Dem aufgehenden Mond, d) A. Jensen: Alt- Heidelberg, du feine( R. Hell). 7. Lindemann: Studentenliederpotpourri( Berliner Funkkapelle). 6.05 Uhr abends: Prof. G. Riegelmann: Wie entsteht eine Marmorfigur? 6.35 Uhr abends: Dr. Richard H. Stein:, Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper am 10. April. Bes. 1. 1 bt.: 6 hr Brandenburg: 1 The Montale Chart Home. Sta 7.05 Uhr abends: Dr. Otto Grautoff:„ Das Wesen der modernen Malerei". 7.30 Uhr abends: Frof. Dr. Paul Kammerer, Wien:, Der Unfug des Alterns". 7.55 Uhr abends: Th. Kappstein: Deutsche Humoristen der Neuzeit. 8.30 Uhr abends: Das Oratorium: Der Rose Pilgerfahrt". Von R. Sohumann. Leitung: Georg Szell von der Berliner Staatsoper. Die Rose( Rosa): Grete Stückgold; Der Start: 1 Uhr Bapenberge. Start Baldenferftr. 19.3. t.: 7 Uhr Streif Erzähler und Max: Alfred Wilde; Elfenfürstin, Marthe, Müllerin: Sande; Chöre, unter Leitung von Ludwig Preiß. Anschließend: Else Jansen; Müller: Georg Köppen; Totengräber: Louis van de Moderato Violinkonzert A- Moll op. 82 von Glazounow. Andante Cadenz Allegro( in einem Satz)( Georg Kniestädt, Konzertmeister an der Berliner Staatsoper, Violine, mit dem Berliner Funkorchester; Dirigent: Bruno Seidler Winkler). Ferner: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik( Funktanzkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Freitag, den 9. April. 3-3.30 Uhr nachm.: C. M. Alfieri und Frl v. Eyseren: Spanisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm.: Studienrat Scheiffler: Allgemeine Gesichtspunkte für die Wahl geeigneter Empfänger und den Bau der Antennenanlage. 4-4.30 Uhr nachm.: Frau Direktorin Henschke: Die Berufsschule. Wirtschaftliche Verhältnisse und Frauenbewegung. 4.40-5.10 Uhr nachm.: Dr. Roeschmann: Geschlechtskrankheiten und sexualpädagogische Erziehung. 5.10 bis 5.30 Uhr abends: Dr. Cohn: Schule und Zahnpflege. 7.30-8.20 Uhr abends: Fortbildungsvorträge für Aerzte. Dozenten und Themen werden in den ärztlichen Fachzeitschriften bekannt gegeben. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Jin- Jitsu Zebrgang. Die Sportliche Bereinigung Nord- On beginnt Mon tag, 12. April, in der Turnhalle Chriftburger Str. 7 einen neuen Jiu- Jitfu Sebrgang für Anfänger, regelmäßia Montags und Donnerstags 7-10 Uhr. Athlett- Sport- Club, e. B. Freitag, 9. April, 8 Ube, Quartalsversammlung bet Lehnint, Muhlenfirake Cde Brommybride. Am Sonntag, 11. eil. treffen fich alle Teilnehmer zum Straßenlauf Eichwalde- Schenkendort um 1412 Uhr Bor bent Görliner Bahnhof. Anschriften an: Sanns Rahn, Berlin, Marten burger Str. 47. Arbeiter Rabfahrer- Buub Colibarität. Touren für Sonntag, 11. pcll 2. abt.: 7 1hr Trebbin. Roffen, Mittenwalde: 1 Uhr Mittenwalde. Dieffenbachstraße. 3. bt.: 8 1hr durch Südoften: 2 Uhr Adlershof, Siege. Start Baufiker Blak. 4. Abt.: 8 und 9 Uhr Wernsdorf. Start Beberwiefe. 5. 6.; 1 hr Schlendorf. Gerede. Start Landsberger Blak. 6. Abt.: 8 Uhr Riefemal. Start Schönhauser Allee 164. 7. Wt.: 7 Uhr Brenden: 1 Uhr Schönwalde, Röpfer. Start Rolonieftr. 147.- 8. Abt.: 7 Uhr ant aige burch ben Often. Stari Schulftr. 114.- 10. 6: 1 Uhe Uhlenhorst Start Comeniusplas 11. bt.: 7 Uhr Streifallge durch den Norden. Start Socftr. 18. 12. t. Motorfahrer: 9 Uhr Strausberg. Rotfäpchen. Start Bahnhof Frankfurter Allee. Bes. 2, Drtsar. Charlottenburg: 1 Uhr Savel tour. Start Galvanifir. 18. Drisgr. Neukölln: 8 Uhr Geeaefeld: 1 Ubr Bea. 21, Drtsgr. Rieberschönhausen: Bidelswerder. Start Herkbergplak. 8 Uhr Hermsdorf- Tegel, Start Arenz Ede WoDantitraße. Ortsgr. Tegel: 11 Uhr Finkenkrug. Steret Schlieperffr. 64. Drtsgr. Lichtenberg: 7 Whe Rene Mühle. Start Bereinslotal Ortsar. Weißenfee: 9 Uht Strausberg Start Berliner Ace 227. Orient, Oberschöneweide: 1 Uhr Rokis, 1 Sanbballiviel. Am Sonntag, 11. April, nachmittags 2 Uhr, fpielt der Arbeiter- Turnverein Adlershof auf dem Blag in der Marienstraße in Röpenid um die Bezirksmeisterschaft. Swimmfnb Botwärts Oberschöneweide. Freitag, 9. Apr. 8 Uhr, Mib gliederversammlung bei Manthen, Siemensftr. 11. Forman Schnupfen Wirkung frappant! Nr. 16543. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der Abschluß der Preußenkasse. Das Erstarken des genossenschaftlichen Kreditverkehrs. Von der Kreditfumme von 1,025 Milliarden Mart, die zu Jahresende ausgeliehen war, entfielen auf die ländlichen Genossenschaften 853,3 Millionen Mart, auf die städtischen Verbandskassen 90,6 millionen Mark( worunter 22 Millionen Mark Mittelstandskredite) und auf den sonstigen Kundenfreis der Breußenkasse, zu dem auch Konsum- und Baugenossenschaften gehören, 81,9 Millionen Mark. Die Höhe der von der Landwirtschaft insgesamt seit der Währungsstabilisierung beanspruchten Realkredite wird von der Preußenfasse auf 1,13 Milliarden Mark veranschlagt, während die Personalverschuldung der Landwirtschaft etwa 1,8-1,9 milliarden Mark betragen soll. Die gelegentlich vertretene Auffassung, als ob die Landwirtschaft überhaupt keine Rückzahlungen auf Personalkredite vorgenommen habe, wird von der Preußenfasse als unrichtig bezeichnet. Allerdings ist, der Betrag der Rückzahlungen mit 100 Millionen Mart verhältnismäßig gering. Die Preußische 3entralgenossenschaftstaffel fenstiger Ausleihungen, bis auf 1,109 Milliarden Mart zum Jahres( Breußenkaffe) kann auch diesmal wieder, wie im Vorjahr, mit Be- ende zurückzugehen( gegen 0,791 Milliarden Mark zu Jahresbeginn friedigung auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Bei 1925). Während der ersten Monate des laufenden Jahres find flüchtiger Betrachtung mag es allerdings scheinen, als ob die Er- weitere Rüdflüsse erfolgt und erst in den letzten Wochen gebnisse des Jahres 1925 ungünstiger als die des Vorjahres seien, hat dann, infolge des erhöhten Kreditbedarfes der Landwirtschaft für weil diesmal nur 6 Prozent Dividende gegen 10 Prozent den Einkauf von Düngemitteln, eine weitere Anspannung stattim Jahre 1924 verteilt werden. Tatsächlich ist der Rohgewinnt gefunden. mit 17,11 Millionen Marf nur wenig höher als der Vorjahrsgewinn mit 16,81 Millionen Mark. Das rührt daher, daß die Bank in diesem Jahre bei verstärkter Heranziehung fremder Gelder wieder mit einer außerordentlich geringen 3insspanne gearbeitet hat. Von den Zinseinnahmen in Höhe von 81,62 Mil lionen Mark( gegen 22,97 Millionen Mark im Vorjahre) mußten 65,58 Millionen Mark( gegen 9,56 Millionen Mark) an die fremden Kapitalseigner zurückerstattet werden, so daß der Reingewinn aus dem Zinsgeschäft nur 16,03( gegen 13,42) Millionen Mark beträgt. Unter Hinzurechnung der sonstigen Einnahmen, von denen diesmal die aus eigenen Wertpapieren besonders gering aus gefallen sind( rund 33 000 Mart gegen 2,40 Millionen Mark im Vorjahr), ergibt sich dann der bereits genannte Rohgewinn von 17,11( 16,81) Millionen Mark. Hiervon beanspruchen Personal ausgaben 3,06( 2,38) Millionen Mart, Sachausgaben einschließlich Steuern 0,87( 0,76) Millionen Mart, Abschreibun gen und Rüdstellungen 7,87( 9,08) Millionen Mart. Aus dem sonach verbleibenden Reingewinn von 5.31( 4,58) Millionen Mark gehen nochmals für Rückstellungen 2,63( 3,48) Millionen Mark, während für die sechsprozentige Dividende in diesem Jahr, auf das wesentlich höhere Grundkapital 2679 Millionen Mark beansprucht, gegen nur 1099 Millionen Mart, die im Vorjahr bei der zehnprozentigen Dividendengewährung auf das erst allmählich eingezahlte Rapital benötigt wurden. Allein die Gewinnerzielung ist bei einem genossenschaftlichen Kreditinstitut nicht das Entscheidende. Wesentlich ist vielmehr, daß es der Preußenfasse gelungen ist, die Erstarfung des ge= noffenschaftlichen Geldverkehrs wirksam zu unterstüzen. Bestreben nach Abbau der Zinssäke Der Umfah der Preußentasse hat sich im letzten Geeschäftsjahr gegenüber der Borkriegszeit mehr als verdreifacht und die Ge= samtsumme ist sogar auf über das Bierfache angestiegen. Dabei betragen die Eigenmittel der Bank erst wieder 74,26 Millionen Mark ( wovon 66,56 Millionen Mark Grundkapital) gegen 85,60 Millionen Mart im Jahre 1914. An öffentlichen Mitteln waren durch direkte Beteiligung des Staates am Grundkapital und die zur Verteilung zugewiesenen Summen nur ein Fünftel der Bilanz fumme vorhanden, während die übrigen vier Fünftel durch sonstige bantmäßige Geschäfte beschafft waren. Freitag, 9. April 1926 zember vorigen Jahres. Der Bestand an deckungsfähigen Devisen hat sich gegenüber dem letzten Quartalsende von 402,5 auf 481,2 Millionen Mark gehoben. In der letzten Woche wurden für 13,7 Millionen Mart Rentenbankscheine getilgt, so daß sich der Umlauf an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen auf 4268,1 Millionen Mark stellte. Die Deckung der Noten durch Gold allein betrug Ende März 47,2 Proz., durch Gold und Dévisen zusammen 62,4 Proz. Selbst in der Zeit starter Geldabflüsse waren also die Reichsbanknoten noch fa ft zu zwei Dritteln durch Gold und Devisen gedeckt! Der Großhandelsindex. Die für den Durchschnitt März berechnete Großhandelsin degziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 118,3 gegenüber dem Vormonat( 118,4) nahezu unverändert geblieben. Während unter den industriellen Rohstoffen und Halbwaren be fonders die Preise der Textilien und Metalle weiter nachgegeben haben, sind die Getreidepreise im allgemeinen gestiegen. Von den Hauptgruppen haben infolgedessen die Agrárerzeugnisse von 112,4 im Februar auf 113,1 im März oder um 0,6 Pro 3. ange30 gen, wogegen die Industrie stoffe von 129,5 auf 128,0 oder um 1,2 Proz. zurückgegangen sind. Die Inderziffer der Agrarerzeugnisse stellte sich bei durchweg beträchtlich gestiegenen Getreidepreisen für den 31. März auf 118,1 und für den 7. April auf 119,3. Die Industrieftoffe lagen dagegen am 31. März auf 127,1 und am 7. April auf 126,9. Für die Gesamtinderziffer ergab sich für diese beiden Stichtage ein Stand von 121,2 und 122,0. der Elektrizitätslieferungsgesellschaft lag der Abschluß für den Elektrizitätslieferungsgesellschaft. Der Generalversammlung 31. Dezember 1925 vor. Die Gesellschaft, die der AEG. nahesteht, betreibt einige wenige Elektrizitätswerte in fleineren und mittlerey Städten, ist aber in der Hauptsache eine Dachgesellschaft, die beteiligt ist an der Bayerischen Elektrizitätslieferungs A.-G., an der Thüringer Elektrizitätslieferungs A.-G., an der Main- Kraftwerke A.-G., an der Kommunalen Elektrizitätslieferungsgesellschaft, an der Sächsischen Elektrizitätslieferungsgesellschaft, am Elettrizitätswert Brandenburg( Havel), an den Brennerwerken G. m. b. 5., am Laufizer Elektrizitätswert G. m. b. S., am Elektrizitätswert Schwandorf G m. b. H. und an der Kohlenveredlung G. m. b. 5. Die letzte Gesellschaft ist ein Unternehmen, das nach erfolgreich verlaufenen Versuchen auf Grund einiger Batente die Berjch we kung von Braunfohlen und die Nuzbarmachung der hierbei gewonnenen Produfte zur Delgewinnung, Gas- und Cleftrizitätspersorgung betrieb. Die Elektrizitätslieferungsgesellschaft fonstatiert bei all ihren Beteiligungen im ganzen den Zuwachs neuer Anschlüsse von Stromabnehmern und erhöhte Ausnutzung vorhandener. Gie bedauert die Elektrifizierungsbestrebungen der öffentlichen Hand, deren Aktion", so heißt es wörtlich im Geschäftsbericht, nicht immer im Interesse einer ruhigen und technischen Entwicklung liegt". Das Unternehmen erzielte bei einem Aftientapital von 20,040 Millionen Mart einen Reingewinn von etwas über 2 Millionen Mart, 6 Broz. auf die Borzugsaktien ausgeschüttet wird. Die gleiche Diviaus dem eine Dividende pen 9 Proz. auf die Stommafften, pon dende wie die Borzugsaktion, 6 Broz, erhalten die Altbefizer von Genußscheinen. Die Preußische Zentralgenossenschaftsfasse ist ihrer Aufgabe, die in der Förderung des Genossenschaftswesens liegt, Die Zinspolitik der Preußenfasse war auch in diesem Jahre durchaus gerecht geworden. Der Geschäftsbericht enthält daher auch von dem tatkräftigen weitgehende Mitteilungen über die Entwicklung der finanziellen Berhältnisse und der Wirtschaftslage bei den einzelnen Genossenschaftsgruppen. Ganz allgemein stellt der Bericht fest, daß das deutsche Genossenschaftswesen sich in den schwierigen ihr durch die Krise Genossenschaftswesen sich in den schwierigen ihr durch die Krise geftellten Aufgaben durchaus gewachsen gezeigt hat. Wo im Genossenschaftswesen Verluste und Schwierigkeiten entstanden sind, da fonnte fast überall festgestellt werden, daß die Ursache dieser Berluste in Geschäften außerhalb des genossenschaftLerluste in Geschäften außerhalb des genossenschaft. lichen Rahmens lag. Während des Jahres 1925 find bei 52 440 im Reichsgebiet arbeitenden eingetragenen Genossenschaften nur 130 Konturje jomie 40 Geschäftsaufsichten eröffnet worden, eine Bahl, die sowohl gegenüber der allgemeinet: 3iffer von 11 184 Ron furfen und 5908 Geschäftsaufsichten wie gegenüber der Zahl der bestehenden Genossenschaften sehr gering ist. Auch hat im Gegen satz zu den sonstigen Wirtschaftsunternehmungen das Genossen schaftswesen im abgelaufenen Geschäftsjahre eine weitere Ausdeh- boldt Mühle A.-G. und um die Weizenmühle Karl Salomon nung erfahren." Die Zahl der Neugründungen von Ge= nossenschaften über stieg die der Auflösungen um rund 114. getragen. Für gewöhnliche. Wechself redite wurde im Jahre 1925 ein Zuschlag von 1½ Prozent zum Reichsbankdisfont berechnet, im Februar ein Zuschlag von 1 Prozent und ab März wurden die Wechseitrebite zum jeweiligen Reichsbankdiskontsag ohne jeden weiteren Zuschlag gewährt. Für die Bechselkredite, die aus den Mitteln der Rentenbanktreuhandstelle herrührten, und an die Berbandskassen und Genossenschaften weitergegeben wurden, galt die Bestimmung, daß der letzte Kreditnehmer höchstens 2 Brozent über Reichsbantdiskontjag bzw. ab Ende Februar 1925 höchstens 12 Prozent zu zahlen hatte. Die gleiche Bestimmung wurde für die Rentenbank- Abwicklungskredite getroffen. Für Kredite in laufen der Rechnung galt für die ersten beiden Monate des Jahres ein Zinssatz in Höhe von 2½ Prozent über Reichsbankdiskont, und ab 1. März 1925 wurde die 3insspanne sogar auf 1 Prozent ermäßigt. Diese Zinspolitik wurde dadurch ermöglicht, daß der Preußenfasse größere eigene Mittel zur Verfügung standen und ferner dadurch, daß die Mittel des offenen Geldmarftes, die von der Bank in großem Umfang herangezogen wurden, zu niedrigeren Säßen als dem Reichsbantdiskont aufgenommen werden fonnten. Im übrigen stammten die fremden Mittel weniger von der Reichsbant selbst als von der Rentenbank und ihrer Nachfol gerin, der Rentenbankkreditanstalt, die beide zu 1 Prozent unter Reichsbantdiskont Kredite an die Preußenfasse gewähren mußten. Die von der Preußentasse eingeräumten Kredite erreichten im Oktober 1925 mit insgesamt 1,2 Milliarden Marf ihren höchsten Stand, um in den folgenden Monaten, infolge der Rüd zahlung der Rentenbant- Abwidlungskredite und des Rückflusses Deutsch- französischer Handel. Erweiterung des Handelsprovisoriums. Mit besonderer Anerkennung erwähnt die Preußische Zentralgenossenschaftstasse den Berlauf ihres Geschäfts mit den konsum. Dereinen. Der Geschäftsverfehr hat sich mit ihnen besonders glatt geftaltet, zumal diese in, erfreulicher Weise in größerem Umfange wieder Eigenmittel anfammeln konnten und die ihnen von der Preußischen Genossenschaftstasse eingeräumten Kredite im abge laufenen Geschäftsjahr teilweise nur in geringem Umfange in An spruch nahmen. So spiegelt auch der Geschäftsbericht der Preußenkasse den troz aller Krifenschwierigkeiten anhaltenden zähen Aufstieg der deutschen Genossenschaften. einflüssen zu entziehen, damit also Reparaturen zu ersparen und die Leistungsfähigkeit des Fernsprechnetzes zu ste gern.+ Diese Angaben sind in erster Linie für die am Rabelbau beteiligten Industrien, denen jedenfalls große Auf Form der Anleihe find nähere Einzelheiten noch nicht bekannt. Die Reichsbank am Quartalsende. Auf die Gestaltung der Geldverhältnisse bei der Reichsbant am Quartalsende konnte man deshalb besonders gespannt sein, weil die Reichsbank ohne Rücksicht auf die an solchen Terminen zu erwartende Anspannung des Geldmarktes den Diskont bereits am 27. März auf 7 Proz. hera bgelegt hatte. Berücksichtigt man nun, daß durch die Zahlungshäufungen am Quartalsende ohnehin ein stärkerer die Anspannung der Reichsbant am 31. März gerabezu ais gering. Gegen Wechsel und Scheck wurden 121,4 millionen Mart von der Reichsbank abgefordert; darüber hinaus wurden noch Wechsel, die bereits redistontiert waren, in Höhe von 46,5 Millionen Mark an die Reichsbank zurüdgeliefert. Schließlich schwoll der von der Reichsbank gegebene Lombardkredit um die beträchtliche Summe Don 72 Millionen auf 77,5 Millionen Mart an eine Folge weitWie wir bereits berichteten, ist das am 12. Februar zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossene Handelsprovisorium Anträge in fürzester Frift zufallen werden, von Interesse. Ueber die fang April durch ein Zufaßabkommen ergänzt worden. Die Unter zeichnung diefes Abkommens hat gestern in Paris stattgefunden Hierzu wird uns mitgeteilt, daß im Zusagabkommen feine zeitliche Verlängerung des provisorischen Vertragszustandes, sondern lediglich eine Erweiterung der Warenkontingente vorgefehen ift, die zu ermäßigten Zollsägen für die Einfuhr zugelassen werden. Deutschland gewährt eine Berdoppelung des bisherigen Frisch gemütekontingents von 27 000 Doppelzentnern, das bereits wenige Bochen nach der Freigabe erschöpft war. Man rechnet damit, daß die zweite Rate des Kontingents wieder in einigen Wochen, etwa bis Mitte Mai, zur Einfuhr nach Deutschland kommen wird, so daß eine Schädigung des deutschen Gemüsebaues durch die„ lleberschwemmung" des Marktes mit billiger französischer Ware nicht einzutreten braucht. Frankreich läßt für einige weiteren Waren ( so Milch, Käse, Magnetzündungen) Einfuhrtontingente bei ermäßigten Zollfäßen zu und erweitert im übrigen die nach dem Provisorium vom 12. Februar schon bestehenden Kontingente( für Chemikalien, Holz, Küchengeräte und landwirtschaftliche Maschinen). Für Frankreich laufen die Bergünstigungen aus dem Proviforium zu Mitte Mai ab; für Deutschland( dem eine einmonatige Einlaufzeit zur Vorbereitung des Geschäfts gewährt wurde) zu Mitte Juni. Dann entsteht also wieder die Frage, wann die feit fast zwei Jahren andauernden Verhandlungen über den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages zu einem greifbaren Ergebnis tommen, das bisher immer wieder durch offene und geheime Wider stände aller Art hinausgezögert worden ist. auf beiden Seiten! Eine Anleihe der Reichspost. Die Reichspost beabsichtigt, eine Inlandsanleihe von 150 mil. lionen Mart aufzunehmen, wovon 70 bis 75 Millionen bereits in den nächsten Tagen abgeschlossen werden sollen. Am Diens tag der kommenden Woche sollen, wie wir hören, die entscheidenden Berhandlungen stattfinden. Der Kredit ist in erster Linie dazu bestimmt, einen größeren Teil der Fernsprechleitungen in unterirdische Rabel umzulegen, um sie den Witterungsgehender Verpfändung von Wertpapieren zur raschen Geldbeschaffung. Wenn so die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank( einschließlich der Effekten) um 197,4 auf 1537,9 millionen Mark angewachsen ist, und insgesamt für 645,9 millionen Mart, größtenteils infolge von Abhebungen fremder Gelder, neue Zahlungsmittel aus den Kaffen der Bank in den Verkehr famen, so ist das ein für diesen Termin keines wegs ungewöhnlich hoher Betrag. Die Wechselkredite haben fich verhältnismäßig sehr wenig geändert. Sie bleiben mit 1215,0 Millionen Mart wesentlich hinter den gleichen Zahlen der früheren Quartalsendtermine zurüd. T Man wird bei diesen Feststellungen im Auge behalten müssen, daß die Diskontermäßigung, die furz vor dem Ultimo erfolgte, fich nicht voll auswirken fonnte. Troßdem deutet die verhältnismäßig geringe Inanspruchnahme der Zentralnotenbank in Zusammenhang mit der anhaltenden Geldflüssigkeit darauf hin, daß der Bedarf an furzfristigen Wechselkrediten nicht mehr so groß wie früher ist Die Goldvorräte der Reichsbant stellten sich Ende April. auf 1491,1 Millionen Mart gegen 1208 Millionen Mart Ende DeAm Donnerstag fand die Generalversammlung der vier Berliner Groß Der Zusammenschluß im Berliner Mühlengewerbe. mühlen statt, die über den bereits angekündigten Zusammenschluß Beschluß faßten. Es handelt sich um die Berliner Bittorio Mühle, um die Berliner Dampfmühlen A.-C., um die u m 11. Co A.-G. Der Zusammenschluß wurde dadurch erleichtert, daß der größte Teil der Aktien dieser Mühlen sich in einer Hand befindet, die natürlich im Interesse des Zusammenschlusses den bestimmenden Einfluß ausübte. Die Mühlen stehen alle der Blumenstein- Gruppe nahe, die auch in der Juteindustrie sehr starke Interessen hat. Eine Begründung für die Notwendigkeit eines derartigen Zusammen schlusses erübrigt sich in einer Beit, in der die Rationalisierung der Wirtschaft zum herrschenden Prinzip geworden ist. Die Form, in der der Zusammenschluß erfolgen soll, ist die folgende: Mit einem Kapital von 20 000 Reichsmart wird eine Betriebsgesellschaft Berliner Mühlen m. b. H. gegründet. Gleichzeitig wird von den Mühlen und der Betriebsgesellschaft mit einem Stapital von 1 Million Mark eine offene Handelsgesellschaft errichtet. Diese offene Handelsgesellschaft pachtet die Mühlen, die von der Betriebsgesellschaft betrieben werden. An der G. m. b. 5. ist jede der Mühlen zu einem Biertel beteiligt. An der offenen Handels. gesellschaft ist die Beteiligung der Mühlen auf 98 Proz. bemessen, während die reftlichen 2 Broz. für die Betriebsgesellschaft übrig bleiben. Der Anteil der Beteiligung der Mühlen an der cffenen Handelsgesellschaft wird durch ihre Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit bestimmt. Formell wird die Selbständigkeit der Mühlen nicht berührt. Für die Ernährungswirtschaft fann dieser Zusammenschluß, weil er einen Teil der Konkurrenz ausschaltet, von größter Bedeutung sein. Der Einlauf des Getreides foll unter Umgebung des Handels dirett bei den Produzenten vorgenommen werden, und zwar gemeinsam durch die Betriebsgesellschaft. Dagegen wird in dem Berkauf der Produkte je de Mühle freie hand haben. Da aber eine Interessengemeinschaft zwischen den vier Mühlen besteht, dürfte beim Verkauf wohl auch der Wettbewerb untereinander ausfallen. Allerdings genügt dieser Zusammenschluß feineswegs, um irgendwelche Breisdiftatur in bezug auf die Mehlpreise ausüben zu fönnen. Das wäre nur möglich, wenn durch eine rigorose Rollpolitik die Mehleinfuhr zwar nicht rechtlich, aber tatsächlich gesperrt wäre. Daß der Trust aus den gegenwärtigen hohen Mehlzöllen bereits erheblichen Nugen zieht, ist selbstverständlich. Das vorbereitende Komitee der Internationalen Wirtschaftskonferenz, das auf Grund einer von der Völkerbundsversammlung des letzten Jahres gefaßten Entschließung eingesetzt wurde, wird am 26. dieses Monats zum erstenma: zusammentreten. Nach dem Wortlaut der Entschließung soll dieses Komitee ſich ſtüßen auf die technischen Organisationen des Böllerbundes und auf das interamtes wurden von dem Völkerbundsrat ersucht, ins Komitee einnationale Arbeitsamt. Zwei Mitglieder des internationalen Arbeits. zutreten, nämlich Hodac und Jouhaur. Die drei Vertreter der Arbetterschaft, die nach Rücksprache mit der Arbeitnehmergruppe des Verwaltungsrates bezeichnet rourden, sind Oude. geeft, Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Eggert, Mitglied des leitenden Ausschusses des Deutschen GewerkschaftsDer Völkerbundsrat bezeichnete als bundes, und Cùgh, Mitglied des Generalrates des Kongresses der britischen Gewerkschaften. weiteres Komiteemitglied den Generalsekretär des Christlichen Gewerkschaftsbundes von Belgien, Bauwels. Ein staatliches Elettrizitätsprojekt für Spanien. Der Minister rat beschäftigte sich mit einem Projekt des Arbeitsministers für ein ausgedehntes nationales Neg zur Verteilung billiger elettrischer Kraft, das besonders Energie für den elektrischen Betrieb von Wasserhebewerten zur Bewässerung heute unfruchtbarer Landstrecken liefern soll. Wiederaufnahme der deutsch- schweizerischen Handelsvertragsverhandlungen, Die nach Beendigung der ersten Lesung am 29. Januar dieses Jahres unterbrochenen deutsch- schweizerischen Handelsvertragsverhandlungen sind am 7. dieses Monats in Berlin wiederaufgenommen worden, Gewerkschaftsbewegung ( Gewerkschaftliches siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Zum Verbandstag der Sattler. Am 12. April beginnt in Hamburg der ordentliche Verbandstag des Deutschen Sattler, Tapezierer- und Bortefeuiller- Berbandes. Mit Rücksicht auf die frühzeitige Tagung wurde der Geschäftsbericht beschleunigt fertig gestellt. Das Jahr 1925 stand für den Verband unter dem Zeichen einer schweren wirtschaftlichen Krise. Die meisten in der Organisation zusammengefaßten Berufsgruppen wurden bereits im Spätfommer in die zurzeit noch fortbestehende Wirtschaftskrise hineingezogen. Insbesondere wurden die Fahrzeug, Lederwaren und Treibriemenindustrie hart von der Arbeitslosigkeit betroffen. Das Tapezierergewerbe folgte erst gegen Ausgang des Jahres, überſtieg aber in dem Ausmaß der Erwerbslosigkeit kaum das sonst übliche. Bei einer Mitgliederziffer von 31 890 waren am 31. Dezember 1925 6358 männliche und 1489 weibliche Mitglieder voll arbeitslos. Hinzu kommen noch 10 915 Kurzarbeiter, von denen 7165 rund 24 Stunden und noch weniger die Woche arbeiteten. Insgesamt waren am Jahresschluß 18 762 Mitglieder von Arbeitslosigkeit betroffen, also nicht weniger mie 58,8 Proz., davon 23 Proz. voll arbeitslos. Diefe Zahlen haben sich in den drei verflossenen Monaten des Jahres 1926 noch beträchtlich gesteigert. Der Verband hat seine ganze Spannfraft zusammennehmen müssen, diese schweren Zeiten zu meistern. Beachtlich ist ferner, daß auch zu Jahresanfang 1925 bis in das Späte Frühjahr hinein ebenfalls eine hohe Arbeitslosenziffer vorhanden war. Man tann ruhig fagen, daß das Jahr 1925 für den Verband ein Krisenjahr in Permanenz war. Troß dieser wenig günstigen Umstände mar es möglich, die Mitgliederziffer um 549 zu steigern. Der Zumachs an männlichen Mitgliedern war fogar 677, dagegen trat bei den weiblichen Mitgliedern ein Berluft von 128 Mitgliedern ein. Der Verband wurde im Vorjahr in eine große Anzahl mirtschaftlicher Kämpfe verwickelt, wenn auch die Zahl der Streifenden gegenüber 1924 von 13 652 auf 5362 zurüdging. Bornehmlich hatte das Tapezierergewer be heftige und langmierige Kämpfe zu bestehen, die fast auf der ganzen Linie zum Erfolg führten. Andererseits wurde die Drganisation, namentlich in der Autoindustrie, durch Aussperrungen hart angefaßt. Es ist gelungen, die Angriffe auf den Achtstundentag abzuwehren. Es wurden auch beachtliche Lohner. höhungen durchgesetzt. Insgesamt wurden in 621 Fällen Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellungen durchgeführt. In 107 Fällen in 1186 Betrieben fam es auf eine Dauer von 158 085 Tagen zum Streit, wofür eine Summe von 211 808 m. an Unterstützung ausgegeben murde. Fast restlos arbeitet die Mitgliedschaft unter tariflich geregelten Lohn- und Arbeitsbedingungen. Im Borjahr wurden 32 Tarifverträge für 2234 Betriebe mit 9000 Beschäftigten neu abge fchloffen bzw. erneuert, so daß am Jahresschluß 92 Manteltarife für 5462 Betriebe mit 29 255 Beschäftigten bestanden. Recht hohe Anforderungen wurden an die Kaffe infolge der schweren wirtschaftlichen Krise gestellt. In der Inflationszeit wurden die sozialen Unterstüßungen für Erwerbslose, Krante ujw., eingestellt. Am 1. Januar 1925 traten diese Einrichtungen wieder in Kraft und mußten aber gleich eine starte Probe bestehen. Für Reisende und Erwerbslose wurden 145 210., an Krante 80 909 M., an fonftigen Unterstützungen und Rechtsschutz 20 909 m. ausgezahlt. Rechnen wir die Ausgaben für den Kampf und diese für die sozialen Unterſtüßungen zusammen, so wurden in dem verflossenen Jahr 470 000 m. an die Mitgliedschaft zurückgezahlt. Auf dem Hamburger Verbandstag sollen neue Mittel und Bege gefunden merden, um die Leistungsfähigkeit des Verbandes noch zu ft ärten. Das Beitrags- und Unterstützungswesen ist start reformbedürftig und werden sicherlich den Zeitanforderungen angepakt werden. Die Zahl der zu bewältigenden Anträge ist recht ftattlich. Es darf erwartet werden, daß die Vertreter des Verbandes angesichts der enormen Kraftanstrengung der Organisation auch ihrerseits an dem Ausbau des Berbandes nach Kräften mitwirten werden. Dazu wünschen wir den Berhandlungen des Berbandstages einen guten Berlauf. Achtung, SPD.- Metallarbeiter! Um Montag. 12. April, 7 Uhr, in den Gardefälen, Sophien. hage 34. Wichtige Fraktionsverfammlung aller SPD.Metallarbeiter. Das Erscheinen aller Genoffen ist dringend notwendig. Parteiausweis Tegitimiert. Der Fraktionsvorstand. Schlaflosigkeit zehrf an Ihrer Gesundheit. Unruhvoll sehnen Sie sich allnächtlich umsonst nach erlösendem Schlaf. Schlürfen Sie morgens und abends das köstlich schmeckende kohlensaure ,, Boesongetränk"! Gestärkt werden Sie sich jeden Morgen erheben, die Wohllat eines tiefen Schlafes durchsonni Ihnen den neuen Tag. Also nehmen Sie Boeson- Fruchtsalz dann leben Sie erst mit Pläsier und schlafen wie ein Murmeltier, In allen Apotheken und Drogerien erhältlich; wo nicht, wenden Sie sich an den Generalvertreter Theodor Wolff, Berlin SW11, Königgrätzer Strasse 95, Fernsprecher: Hasenbelde 5722 u. 5723. Dom Recht der Koalitionen. Beiträge und Vertragsstrafen sind einklagbar. Eine für alle am wirtschaftlichen oder politischen Verbandsleben intereffierten Kreise recht bedeutsame Entscheidung über den Inhalt des Koalitionsrechts wird in dem neuesten, jüngst erschienenen Bande der Sammlung der Reichsgerichtsentscheidungen( Band 111, S. 199) veröffentlicht. Es handelt sich um die Frage, ob die Gewerkschaften, Beamtenverbände, Unternehmervereinigungen und dergl. in rechtlich wirksamer Weise Mitgliederbeiträge oder Vertrags strafen festsetzen und diese bei Leistungsverweigerung ein lagen fönnen. Alle die genannten Vereinigungen sind sogenannte Stampf organisationen" im Sinne des§ 152 Absatz 1 der Reichs gewerbeordnung. Dieser bestimmt, daß Verabredungen und Vereinigungen von Gewerbetreibenden, gewerblichen Gehilfen, Gesellen oder Fabritarbeitern zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlassung der Arbeiter erlaubt seien. Es war also hier für die Koalitionsfreiheit der gewerblich Tätigen und der Fabritarbeiter ftatuiert. Dieser Bestimmung war indessen durch§ 152 Abjaz 2 Der Gemerbeordnung ein Zusatz angefügt, der jedem Teilnehmer den der Gewerbeordnung ein Zufak angefügt, der jedem Teilnehmer den Rücktritt von solchen Bereinigungen und Verabredungen frei Kommunale Konferenz Heute, Freitag, den 9. April, abends 7 Uhr, im Stadtverordnetenfihungsjaal des Berliner Rathauses, Königstr. Borfrag: „ Berliner Finanz- und Steuerpolifit. Haushaltsplan. Der diesjährige Referent: Stadtverordneter Dr. Richard Cohmann. tuffion. DisZur Teilnahme find berechtigt: Die SBD- Stadtund Bezirksverordneten, die Magiftrats- und Bezirksamtsmitglieder sowie alle anderweitig auf fommunalem Gebiete tätigen Mitglieder der Partei. Parteimitgliedsbuch ist Ausweis. ftellte und eine Klage oder Einrede aus solchen Verabredungen ausschloß. Hiernach war es also den Kampfverbänden unmöglich, rüdständige Beiträge von ihren Mitgliedern einzuflagen oder von ihnen bei einem Verstoß gegen die Verabredung eine Vertragsstrafe beizutreiben. Bestimmung noch in Kraft sei. Die Koalitionsfreiheit wird jetzt im Das Reichsgericht hatte nun die Frage zu entscheiden, ob diese weitesten Maße durch Artikel 159 der Reichsverfassung gewährleistet. Die Vereinigungsfreiheit zur Wahrung und Förderung der Arbeitsund Wirtschaftsbedingungen ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Alle Abreben und Maßnahmen, welche diese Freiheit einzuschränken oder zu behindern suchen, sind rechtsmidrig", sagt die Verfassung. Ist§ 152 Absatz 2 der Gewerbeordnung eine folche Maßnahme, durch die die Koalitionsfreiheit ein geschränkt oder behindert wird, und ist daher seine Geltung durch Artifel 178 2bfat 2 ber Reichsverfassung aufgehoben? Man tann der Ansicht sein, daß der Begriff der Vereinigungs. freiheit oder Koalitionsfreiheit lediglich das Recht mehrerer Ber fonen zum Zusammenschluß zur Erreichung der im Artikel 159 der Reichsverfaffung genannten Swede darstellt. Dann wäre es dem einzelnen völlig freigestellt, ob er einer solchen Vereinigung beitreten und wenn er aus ihr wieder austreten will. macht das Reichsgericht sich zu eigen und diese Demgegenüber steht indeffen eine andere Ansicht und diese macht das Reichsgericht sich zu eigen wonach der Inhalt des Bereinigungsrechts sich nicht nur in dem Rechte des einzelnen erschöpft, sondern auch ein positives Recht der anderen auf 3u fammenschluß darstelle, woraus fich weitergehend ein Recht auf mirtfame Durchführung des Zusammenschlusses ergebe. Das Reichsgericht sagt darüber: Ihrem Wesen und 3wed nach muß diese Vereinigungs freiheit der zum Berband zusammengeschlossenen Teilnehmer die weitere Befugnis in sich begreifen, sie wirksam auszugestalten und zur rechtlichen Geltung zu bringen. Auch das fällt begrifflich in den Rahmen des der Organisation als folcher gewährleisteten Freiheitsrechts. Ihre Koalitionsfreiheit würde in Wahrheit unpolitommen und ein Schattenbild sein, wenn nicht auch das Recht der Gesamtheit der Teilnehmer geschüßt wäre, die zur Durchführung des Koalitionsrechts erforderlichen Maßnahmen und Abmachungen zu treffen, zum Beispiel Bertrags strafen gegen unbotmäßige Mitglieder festzusehen und einzuElagen." Was hier von der Einflagung von Vertragsstrafen gesagt wird, gilt natürlich in gleichem Maße von Beitragsforderungen. Wenn die Reichsverfassung auch das Recht und die Freiheit des einzelnen in weitestem Maße schützt und es vor unberechtigten Eingriffen der staatlichen Macht bewahren will, so ordnet sie doch niemals und darin liegt ihr hoher ethischer Wert das Recht der Allgemeinheit dem des einzelnen unter( vergl. auch Artifel 153, 163 der Reichsverfassung). Wo es das Allgemeinwohl erfordert, muß das Wohl des Individuums zurückstehen; und so muß auch hier die Entschließungstraft des einzelnen sich Beschränkungen auferlegen laffen, damit die Bereinigungsfreiheit der Allgemeinheit sich wirksam entfalten kann. Würde man die entgegengesetzte Auffassung haben, ſo ergäbe fich auch worauf das Reichsgericht weiter furz hinweist der eigenartige Zustand, daß zwei Arten der Koalitionsfreiheit bestünden. Die eine, die der gewerblichen Kampforgani fationen, unterstünde der Regelung des§ 152 Absatz 2 der Gewerbeordnung, während die andere, allein auf Artikel 159 der Reichsverfassung beruhend, diefer Bestimmung nicht unterworfen wäre. Dadurch wären aber zwei Klassen von Vereinigungsberech tigten geschaffen, und dies wäre, als dem Grundsatz von der Gleich. berechtigung aller Staatsbürger widersprechend, verfassungswidrig. Es ist also nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts durch Artikel 159 der Reichsverfaffung der§ 152 Absatz 2 der Gewerbeorbrung als eine die Vereinigungsfreiheit einschräntende Maßnahme aufgehoben. Es steht demnach den Kampforganisationen das Recht zu, Mitgliederbeiträge und Bertragsstrafen festzusegen und diese im Klage. wege gegenüber fäumigen oder widerstrebenden Mitgliedern geltend zu machen. Die Arbeitsunfälle in Sowjetrußland. Falsche statistische Angaben. Nach wie nor bilden die Unglüdsfälle in den Fabriken einen munden Punkt des sowjetrussischen Arbeiterlebens. So teilt das offizielle Organ der russischen Gewerkschaftsverbände Trud" vom 4. März mit, daß in den letzten 15 Monaten in Kiem ein ständiges Anwachsen der Konflitte zwischen Arbeitern und den Fabrikleitungen zu verzeichnen ist. Die Zahl dieser Konflikte ist fechsmal größer als im vorigen Jahr. Unter den Ursachen der Konflitte spielt die größte Rolle die völlige Außerachtlassung der Susmaßnahmen, fo daß die Zahl der Unglüdsfälle im Bergleich zum vorigen Jahr sich verboppelt hat Symptomatisch ist auch die Meldung derselben Zeitung vom 20. Februar. Es ergibt sich, daß die wirkliche Zahl der Unfälle von den Fabrikleitungen verheimlicht wird. So wurden für das Jahr 1925 in Saratom 1004 Unfälle angegeben, während sich die Zahl in Wirklichkeit auf 2300 belief. Die Fabrifleitungen Derwalten eigenmächtig die Versicherungssummen und treffen mit den verunglückten Arbeitern private Ab machungen. So ist festgestellt worden, daß in der Zeit vom 1. April bis zum 1. Dezember 1925 die Fabrikleitungen es in 1063 Fällen verheimlicht haben, daß den Berunglückten aus den Versicherungssummen Auszahlungen gemacht worden sind. Der Trud" ist der Ansicht, daß diese Tatsachen zu einer unglaublichen Erhöhung der nervösen Krankheiten als Folge von Unfällen führen. In manchen Fabriken ist fast die Hälfte der Arbeiter als verunglückt Derzeichnet. Go find z. B. in der Fabrif ,, Lenin" bei 782 Arbeitern 328 Unfälle registriert, in der Fabrit Mitarbeiter der Revolution bei 480 Arbeitern 212 Unfälle. Diese Zustände haben der„ Trud" Beranlassung gegeben, recht scharfe Ausdrücke gegenüber dem Bolkskommissar für Gesundheitswesen, Semafchko, zu gebrauchen. Sie fragt ihn, wie die Verſiche rungssummen verausgabt werden. II. a. heißt es da:„ Stimmt es, wie böse Zungen behaupten, daß die deutschen Krankenkassen, die ihren Mitgliedern durchaus feine schlechte medizinische Hilfe leisten, zwei bis zweieinhalbmal weniger perausgaben als die Summen ausmachen, die auf die gleiche Anzahl von Versicherten von den Berficherungskassen der Sowjetrepublit für den Zweck bestimmt werden?" Wir haben feinen Grund anzunehmen, daß das Zentralergan der russischen Gewerkschaften unwahrheiten behauptet oder gegen ihren eigenen Volkskommissar Verleumdungen in die Welt jetzt. Was meinen die Leser der„ Roten Fahne" dazu, oder wünschen fie trotz alledem in der Haut des russischen Arbeiters zu stecken? Aber sie erfahren ja von alledem nichts. Mussolinis Idealgewerkschaften. ( JGB.) Kürzlich behandelte der italienische Senat das gemertfchaftliche Zwangsgeleg, das die Kammer bereits vor Monaten beschlossen hatte; in der Reihe der überfaschistischen Geseze vielleicht das erbärmlichst e. Mussolini hatte dabei die Frechheit, das urreaktionäre Gefeß ein fehr fühnes und revolutionäres" zu nennen. Das Wesen des Faschismus tritt jedoch in anderen Bemerkungen noch flarer hervor. Mussolini rühmte dem„ faschistischen Syndikalismus" als die trefflichste Eigenschaft nach, daß die in den faschistischen„ Gewerkschaften vereinigte " Arbeiterschaft" vollständig der Kontrolle der Regierung unterliege, d. h. eine Maffe fei, die Gefolgschaft leiste". Ein Beispiel: eine faschistische Gewerkschaft, die sich einen Aft der Selbständigkeit geleistet, d. h. einen unzeitgemäßen Streit" proflamiert hatte, ist sofert aufgelöst worden. Gewerkschaffen ohne Koalitionsrecht, Das ist das faschistische Ideal für die Arbeiter! Dann fuhr Mussolini fort und verherrlichte den Kapitalismus und die Kapitalisten. Ge nau so, wie es jeder Renegat und Emportömmling fut, predigte er die harmonie der Klassen", verkündete er die Allgewalt des Staates, um schließlich über die Schädlichkeit des Streits zu wehtlagen:„ Mit dem Gesez wird das Meer des Unglücks verlassen, um zum Ufer der Weisheit zu schreiten." Natürlich war der Senat begeistert, applaudierte und nahm an. Die Spartaffe der Bank der Arbeifer, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Unserem Genossen Albert Geiger und Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. 43 Abteilung 101. Abilg.( Treptow) SPD. Am 6 April verftarb plöglich unser alter, treuer Genosse, der Spediteur Alberi Kekler im Alter von 53 Jahren. Bir verlieren in ihm einen fleißigen Mitarbeiter und waderen Rämpfer, feine hettere Lebensart und Treue zur Partet ficheru ihm ein Unvergessen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Graveure und Zieleure! Sonnabend, den 10. April, mittags 12 Uhr, im Zimmer 28 des Berbandshauses, Linienstraße 83/85: Erwerbslosenveriammlung Pflicht eines jeden organisierten Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Mieten Sie von uns Staub- k sauger Die Einäicherung findet im Krema ORION torium Baumschulenweg statt, wahr scheinlich Sonnabendabend. 105/5 Nach kurzer, fchwerer Krankheit ver schied am Sonntag, dem 4. April 1926, mein lieber Mann, unser Vater und Schwiegervater, der Barfarbeiter Gustav Sasse im 63. Lebensjahre. 20/7 Berlin( Chriftinenstr. 5), d. 6. April. Wwe. Emma Sasse, geb. Sellmer. Clara Schlücke, als Tochter. Fritz Schlücke, als Gd, wiegersohn. Die Einäherung findet Sonnabend, den 10. April 1926, vorm. 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 7. April veriched bet der Arbeit durch Herzschlag mein inniggeliebter Mann, unter guter Vater und Großvater, der Zimmerer Gustav Henning Um stille Teilnahme bitten Auguste Henning Paul, Margarete u. iler bert Henning Einäfcherung: Montag, 12 April, abends 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 1789b Kranzipenden dankend verbeten. Dieser ist in BMonaten Thr Eigentum P.Raddatz& Co. Berlin W66.Leipzigerstr. 122-123 Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. Kokspreise. Ab 8, April 1926 stellen sich die Kokspreise bei Lieferung in Fuhren nicht unter 30 Zentner von jeder Landhaus m Stallg. u Garten, ca 1 Morgen, verf. Carl Otto, Galiun 6. Mittenwalde( M.) Sorte Frei Keller" wie folgt: je Zentner in Reichsmark, Birtenwerder Gaskoks, grob und gebrochen Berliner Schmelzkoks. Westfälischer Schmelzkoks Eschweiler Schmelzkoks Hammonia- Schmelzkoks Oberschlesischer Schmelzkoks Brechwürfel Stück 2.24 Brech 2.34 Stück 2.46 Brech 1 2 62 Brech II 2.73 Stück 2.46 Brech 2.62 Brech II 2.73 Stück 2.46 Brech I 2.62 . Brech II 2.73 Stück 2.31 . Würfel I 2.52 . Würfel II 2.69 Stück 2.34 u. Nuß I 2.67 Stück 2.3u Brech I 2.57 Niederschlesischer Schmelzkoks Sächsischer Hüttenkoks. Koks ab Kläranlage Stahnsdorf. Koks- Vereinigung Berlin 1925 G.m b.H. Landh, 88im., Küche, Nebengelaß, Obita, 7000 Tel Oranienburg 390. KLEINE ANZEIGEN In der Gesamtauflage des Vorwärts" sind besonders wirksam und trotzdem 2.31 schr billig! 1] Freitag 9. April 1926 Unterhaltung und Wissen Park an der Fabrik. Wie man Bettlern ungern die geringen Kupferstüde hinwirft und sich schnell zurückdreht zu dem unterbrochenen Gespräch, damit die Lücke nicht nach außen tlafft und weitergeht-: warf der rote Mauerberg den armen Kindern diesen Fezzen Wald noch hin. Und er glaubt, daß dieses Grün die Lungenfüchte lindern. und die Augen stillen kann mit Baum und Bachgerinn. Aber hier ist jedes Blatt schon angefressen Dom Zerfall und jeder Halm so wurzelfrant, daß im Mai die Knospen das Gefühl des Blüh'ns vergessen und die Wiese einschrumpft vor Geftant. Manchmal hodt noch eine Amsel auf dem Rüden braunen Strauches und verflucht die Brut. Und die Bänke ruh'n in Wolfen giftiger Müden und der Mond riecht nächtelang nach Blut. In der Steppe. Von Magim Gorki. Paul Zech. Bir verließen die Stadt in der allerschlechtesten Stimmung hungrig wie die Wölfe und böse auf die ganze Welt Während eines endlos langen Tages hatten wir alle unsere Talente und unseren ganzen Scharfsinn daran gewendet, irgend etwas zu stehlen oder zu verdienen vergebens. Als wir uns schließlich überzeugten, daß weder das eine noch das andere gelingt, beschlossen wir, weiterzugehen. Wohin? Ganz egal nur weiter. Das war der einstimmig ausgesprochene Entschluß. Wir waren aber auch entschlossen, jenen Lebensweg weiterzugehen, auf dem wir schon lange gingen das war von einem jeden von uns gleichfalls beschlossen; und wenn es auch nicht laut ausgesprochen wurde, so war es doch deutlich in dem finsteren Glanz unserer hungrigen Augen zu lesen. Wir waren unserer drei, erst vor kurzem in Cherson in einer Kneipe am Dnjepr miteinander befannt geworden. Der eine war Soldat im Eisenbahnbataillon gewesen, später so etmas mie Begemeister an einer der Weichseleisenbahnen, ein fuchs. roter mustuloser Mensch mit falten grauen Augen. Er verstand Deutsch und besaß sehr genaue Kenntnisse des Gefängnislebens. Unjereins liebt es nicht, viel von seiner Bergangenheit zu sprechen, er hat dazu seine mehr oder meniger triftigen Gründe; und darum glaubten wir alle einander wenigstens taten wir so, denn in Wahrheit glaubte ein jeder von uns nicht einmal sich selbst. Wenn der zweite, ein trockenes fleines Männchen mit dünnen, steptisch zusammengefniffenen Lippen, von sich behauptete, er sei früher einmal in Mostau Etudent gewesen, so nahmen der Soldat und ich das für Wahrheit. Im Grunde genommen war es uns ungeheuer gleichgültig, ob er irgendwann einmal Student, Gerichtsdiener oder Dieb gewesen war. Wichtig war nur der Umstand, daß er zur Zeit unserer Bekanntschaft sich in der gleichen Lage befand wie mir: Hunger litt, der besonderen Aufmerksamkeit seitens der Polizei in der Stadt und des regften Mißtrauens feitens der Bauern auf dem Lande fich erfreute, diese wie jene mit dem Haß des machtlosen, gehetzten hungrigen Tieres haßte, von blutiger Rache an allen und allem phantasierte mit einem Bort: nach seiner sozialen Stellung zwischen dem Städter und dem Bauern und nach seiner ganzen Geniütsverfassung zu uns gehörte. Unglück ist der stärkste Kitt für die Vereinigung von einander diametral entgegengefeßten Naturen, und wir alle waren feft über zeugt von unserem Recht, uns für unglücklich halten zu dürfen. Der dritte war ich. Aus Bescheidenheit sage ich kein Wort über meinen Wert, und da ich nicht naiv erscheinen will, schweige ich auch von meinen Fehlern. Als Material zu meiner Charakteristit will ich nur bemerken, daß ich mich ftets für besser als andere hielt und bis auf den heutigen Tag bei diefer Ueberzeugung geblieben bin. Wir verließen also die Stadt und gingen weiter, da wir noch auf Schafhirten rechneten, bei denen man immer um ein Stück Brot bitten kann und die es verüberziehenden Wanderern nur höchst felten verweigern. Jd) ging neben dem Soldaten, der„ Student" ging hinter uns. Auf seinen Schultern hing etwas, was an einen turzen Männerrock erinnerte, auf dem Spigen, plumpen, glattgeschorenen Kopf faß der Reft eines breitfrempigen Hutes, graue Hosen mit den verschieden farbigften Fliden umschloffen seine dünnen Beinchen, und an die Baltschuhe hatte er mittels Bindfaden, der aus dem Jutter feines Kostüms gedreht war, zwei am Wege gefundene Stiefelschäfte angebracht. Er nannte diesen Bau„ Sandalen". Der Soldat trug em rotbaumwollenes Hemd, das er eigenhändig" in Cherson erworben haben wollte, über dem Hemd hatte er noch eine warme, wattierte Beste, auf dem Kopf faß eine Soldatenmüße von unbestimmter Wefte, auf dem Stopf faß eine Soldatenmüge von unbestimmter Farbe, um die Beine schlenferten weite schmutzige Hosen; er war barfuß. Ich war ähnlich angezogen und gleichfalls barfuß. Bir gingen. Rund um uns dehnte sich die Steppe. Riesenhaft lang und breit, überdeckt von der blauen heißen Kuppel des unbewölften Sommerhimmels, lag sie wie eine tollossale runde schwarze Schüssel da. Der graue staubige Weg zerschnitt sie in breite Streifen und brannte uns an den Füßen. Stellenweise fanden sich borstenähnliche Striche abgemähten Getreides, die eine seltsame Aehnlichkeit mit den lange nicht rasierten Wangen des Soldaten hatten. Der Solbat ging und sang mit etwas heiserem Baß: mir ... und deine heilige Auferstehung preisen wir und loben Während seiner Militärzeit war er so eine Art Rüfter an der Bataillonstirche gewesen, baher wußte er eine ungeheure Menge von Lobgefängen, Verfen, Psalmen, deren Kenntnis er jedesmal miß brauchte, wenn unfere Unterhaltung irgendwie ins Stocken geriet. Bor uns am Horizont erftanden Formen von weichen limriffen und freundlichen Schattierungen, vom Lila bis zum zarten Rofenrot. Unzweifelhaft sind das die Gebirge der Krim," sagte der Student" mit trodener Stimme. einfach Gebirge?" rief der Soldat. Das sind Wolfen einfach Wolfen. Sich nur, wie sie ausschauen! Wie Johannisbeermus mit Milch!" Ich bemerkte dazu, daß es im höchften Grabe angenehm wäre, menn ble Bolten in der Tat aus Mus bestehen würben; und das ermedte jofort unseren Hunger- bas lebel unferer Tage. Hol's der Teufel!" schrie der Soldat und spudte aus. Wenn man doch bloß einer lebenden Seele habhaft würde! Aber nein! Es wird so weit tommen, daß wir unsere eigenen Pfoten faugen werden wie die Bären im Winter!" Ich sagte ja gleich, wir sollten durch bewohnte Gegenden marschieren, erklärte belehrend der„ Student". ,, Was du schlau bist!" höhnte der Soldat. Was gibt's denn hier für bewohnte Gegenden? Der Teufel mag wissen, wo sie sind!" Der Student" schwieg und kniff die Lippen zusammen. Die Sonne ging unter, und die Wolfen am Horizont spielten in den Der Reklameheld. „ Die Welt foll für einige Minuten meine Stimme hören, damit sie sich überzeugt, daß sich ihr klang nicht verändert hat. Ebenso wie ich versichern kann, daß mein Herz- froß Matteotti und Amendola nicht schneller schlägt." verschiedensten, mit Worten nicht wiederzugebenden Farben. Es roch nach Erde und Salz. Und durch diesen trockenen, angenehmen Geruch wurde unser Appetit noch verstärkt. Der Magen fnurrie, eine sonderbare, unangenehme Empfindung, als ob die Säfte aus allen Muskeln des Körpers langsam herausfließen, verdampfen und dadurch die Muskeln ihre Spannkraft verlieren. Ein Gefühl stechender Trockenheit erfüllte die Mundhöhle und den Schlund, im Kopfe drehte fich alles, und vor den Augen flimmerten unausgefeßt dunkle Flecke. Bisweilen nahmen diese Flede die Gestalt rauchender Klumpen Fleisch, großer Stüde Brot an; die Erinnerung verfah diese„ Bisionen der Bergangenheit" mit dem ihnen eigentümlichen Geruch, und dann war es, als ob im Magen ein Messer umgedreht würde. Wir gingen, indem wir einander unsere Gefühle schilderten und scharf nach allen Seiten Umschau hielten, ob sich nicht irgendwo cine Schafherde blicken ließe, und horchten, ob nicht das durchbringende Knarren der zweiräderigen Tatarenwagen zu hören wäre, auf denen man Früchte auf den Markt zu bringen pflegt. Aber die Steppe blieb leer und schweigfam. Wassermelonen gegessen und waren ungefähr vierzig Werst marAm Abend vorher hatten wir vier Pfund Schwarzbrot und fünf schiert die Ausgabe entsprach also nicht der Einnahme! und als wir auf dem Marktplatz der Stadt eingeschlafen waren, hatte uns der Hunger wieder erweckt. Mit Recht hatte der„ Etudent" geraten, uns nicht schlafen zu legen, sondern uns die Nacht hindurch zu beschäftigen... irgend wie... aber in anständiger Gesellschaft ist es nicht üblich, über Pläne zur Verlegung des Eigentumsrechts zu sprechen, und ich schweige lieber. Ich will nur wahr sein, und es liegt nicht in meiner Absicht, brutal zu werden. Ich weiß, daß die Menschen immer weichherziger werden in unseren hochkultivierten Tagen, und daß man jogar, wenn man seinem lieben Nächsten an die Kehle springt mit der offenbaren Absicht, ihn ins bessere Jenseits zu spedieren, -daß man sich sogar dabei bemüht, dies mit der größtmöglichen Liebenswürdigkeit und unter Beachtung aller für diesen Augenblick passenden Rücksichten zu tun. Die Erfahrungen, welche ich an meiner schwung zu registrieren und festzustellen, daß sich in dieser Welt alles eigenen Stehle gemacht habe, veranlassen mich, diesen sittlichen Aufentwidelt und vervollkommnet. Im speziellen wird dieser Fortentwickelt und vervollkommnet. Im speziellen wird dieser Fortschritt sinnfällig bekräftigt durch das stetige Wachstum der Gefängnisse, Kneipen und Bordelle... ( Fortseßung folgt.) Verjüngung und Zuchtverbesserung. Bon Otto Deigner. Im Kampf gegen das Altern ist kein Stillstand eingetreten, wenn auch die Deffentlichkeit nur spärlich Nachrichten über Fortschritte und Wandlungen der Operations- und Arwendungsmethodit erhält. Einer von den menigen, die auf diesem Gebiet wohl bekannt sind, ist der Pariser Biologe und Arzt Dr. Sergius Boronoff, berühmt geworden dadurch, daß er durch Ueberpflanzung der Reim drüsen von Affen die alternde Menschheit zu„ verjüngen" trachtet. Damit nicht zufrieden, verlegt er nun sein Betätigungsfeld auch auf die Tierwelt, die ihm bisher nur Versuchsobjekte für die Prüfung Der Methode lieferte. Voronoffs Motive find rein ökonomischer Natur. Er will 3uchtverbesserung beim Haustier schaffen. Sein Berfahren ist gleich dem des Wiener Physiologen Prof. Steinach Ueberpflanzung oder Transplantation. Nur geht Boronoff hierbei wesentlich anders vor. Prof. Steinach transplantierte die Keimdrüsen beim Versuchstier in das Bauchfell. Voronoff hingegen pflanzt in die unmittelbare Nähe der an ihrem Blah belassenen Reimpflanzt in die unmittelbare Nähe der an ihrem Blag belaffenen Reimbrüsen Teile der Keimdrüfen eines jungen Tieres ein. Die Transplantate verwachsen und treten in Funktion. Sondern Hormone ab, Stoffe, die zur Regulierung des gesamten Drüsensystems mit bei tragen, aber auch im ganzen Organismus eine wichtige Rolle spielen. Die Operation tann die Alterserscheinungen beheben, fie fann ber jüngen", fie permcg außerdem bei jüngeren, noch geschlechtsreifen Beilage des Vorwärts Tieren eine Erhöhung der Keimdrüsentätigkeit hervorzurufen. Auf ihr basiert die Zuchtverbesserung. Das Schwinden der Alterserscheinungen fonnte man beispielsweise an einem Widder im Alter von zwölf Jahren, einem Tier mit allen Anzeichen greifenhaften Verfalls, beobachten. Seine Beine zitterten, seine Augen waren trübe, dürftig die Wolle und stellenweise Bidders ein. Und bereits drei Monate später sah das fenile Tier ganz fehlend. Man pflanzte ihm die Keimdrüsen eines zweijährigen verwandelt aus. Kein Zittern der Beine, fein furchtsamer Eindruck mehr, dichtes Fell begann den Körper zu bedecken, die Freßluft kam wieder, der feruelle Instinkt erwachte. Boronoff führt dies als ein Beispiel unter vielen an, die er an Widdern anstellte. Die Wolle der verjüngten Tiere ist nach fachmännischer Untersuchung von guter Beschaffenheit und steht an Menge hinter der junger Tiere feineswegs zurück. Zusammengefaßt ergibt also die lleberpflanzung einer dritten Keimdrüse reichliche und lange Wolle, sie erhöht das Gewicht des Tieres und die Menge des Fleisches, verlängert die Zeit, in der die Tiere Wolle liefern fönnen. Wolle brauchen alle Länder. Fast kein Land besitzt aber soviel, um den Bedarf zu decken. So befizt z. B. Frankreich etwa 27% Millionen Schafe und muß dennoch für 2 Milliarden Wolle in England faufen. Außer England mit seinen Dominions weisen nur Rußland ( nach früheren Statistiken), die Bereinigten Staaten und Argentinien genügenden Schafbestand auf. Die meisten Länder haben alfo Aufbesserung nötig. Bodenbeschaffenheit und bearbeitung begrenzen die Zahl des Kleinviehs in Europa. Die Zahl der Schafe tann nicht erhöht werden. Aber ihre Qualität fann es, meint Voronoff. Man muß den Fleisch- und Wollertrag durch Transplantation steigern. Alle drei oder vier Monate aften Lämmer einer Herde müßten operiert werden. Schon 1% oder 2 Jahre alt, würden sie weicheres Fell und längere Wolle liefern. Die Vererbung sollte die Erhaltung dieser erworbenen Eigenschaften bei den Nachkommen besorgen. Das aber ist der springende Punkt. Denn die Mehrzahl der Bererbungsforscher lehnt diese Art der Vererbung ab, obwohl andererseits namhafte Biologen durch geglückte Experimente das Gegenteil bewiesen. Boronoff glaubt an die Vererbung erworbener Eigenschaften und denkt daran, sie bei der folgenden Generation durch neuerliche Transplantation zu festigen. Durch Kreuzung innerhalb der Versuchsgenerationen und durch Operationen mehrere Geschlechter fort werden dann die Eigenschaften konstant. So erhält man Widder mit vorzüglicher langer Wolle, die ihre Eigenschaften bererben könnten. Diese Zuchtwidder müßten unter die Herden jeder Gegend verteilt werden und würden sich hier fortpflanzen. Boronoff spricht auch von Anwendung dieser Methode beim Rindvich, bei Gestüten, bei Schweinen. In manchen Kolonien ist der Gebrauch des Pfluges noch unbekannt. Es fehlt an Zugtieren. Ihre Einführung aus anderen Erdteilen scheitert an der undurchführbaren Attlimatisation. Unterernährung der eingeborenen Bevölkerung ist in diesen Gebieten Regel. Es herrscht Not an Fleischnahrung. Kindersterblichkeit und mangelnder Bevölkerungszuwachs find vor allem auf die Unterernährung zurückzuführen. Die Biehfrage ist daher von großer Bedeutung für die Kolonien. Die Ueberpflanzung der Zirbeldrüse, die das Bachstum reguliert, fönnte im Berein mit überpflanzten Keimdrüsen viel bewirken. Die eingeborenen Rinder würden ihren Wuchs erhöhen, ihre Energie, ihre Muskelkraft, ihr Zeugungsvermögen sich steigern. Boronoff beschäftigt als Direktor des Laboratoriums für eg perimentelle Chirurgie des Collège de France bereits mehrere Tierärzte, um die neue Zuchtverbesserungsmethode in den Kolonien zur hat Boronoffs Borschlag, drei Generationen von Schafen hinterein Anwendung zu bringen. Das Generalgouvernement von Algier ander zu transplantieren, angenommen. Diese Arbeit wird 5 bis 6 Jahre benötigen. Die Berwirklichung des Voronoffschen Verfahrens veröffentlicht zweifache Perspektiven: Einmal die wirtschaftliche Hebung in vielen Gebieten, andererseits aber auch die Möglichkeit, den theoretischen Kampf um die Vererbung erworbener Eigenschaften durch einen praktisch gewonnenen Beleg der Entscheidung näherzubringen. Ein unphilosophischer Philosoph. ( 3u Bacons 300. Todestage, dem 9. April.) Jacob Burckhardt macht an einer Stelle seines Cicerone" dem Maler Perugino den Vormurf der Unehrlichkeit, weil er die frömmsten Madonnenbilder malte, obgleich es nach den Angaben der Zeitgenossen mit seiner Religion nicht sehr gut bestellt war. Mit viel größerem Recht hat man immer wieder gegen Francis Bacon, den Vorwurf erhoben, daß zwischen feinem Leben und feiner Lehre ein großen Philosophen, der die moderne Wissenschaft begründete, den tiefer 3wiespalt flaffe. Diefer geniale Denter und umfassende Gelehrte war ein strupelloser Streber, der sich durch Undankbarkeit, Kriecherei und Heuchelei den Weg zu den höchsten Staatsstellen bahnte, und als er schließlich als Großkanzler Englands alle feine eigennützigen Wünsche befriedigt hatte, folgte der schreckliche Sturz von der Höhe, da ihm Bestechungen nachgewiesen wurden, so daß verbringen mußte. Besonders Macaulay ist in seinem Essay über er den Rest seines Lebens in Berbannung und Zurückgezogenheit Bacon mit ihm sehr streng ins Gericht gegangen. Hätte er nicht mit den bedenklichen Mitteln nach äußerer Macht und Ehre gestrebt." sagt er ,,, würde Bacon nicht bloß einen großen, sondern auch einen fleckenlosen Namen hinterlassen haben. Wir würden dann nicht genötigt sein, feinen Charakter mit einer Mischung von Berachtung und Bewunderung, von Abneigung und Dankbarkeit zu betrachten, mir würden dann nicht beklagen, baß es so viele Beweise der Enge und Zeitalter umfaßte. Wir würden dann nicht über die Falschheit des Selbstfucht eines Herzens gibt, das gleichwohl alle Stämme und alle leidenschaftlichsten Berehrers der Wahrheit, über den Knechtsinn des fühnsten Vorfämpfers geistiger Freiheit zu erröten haben. Wir müßten dann nicht zugeben, daß der, der zuerst die Gesezgebung als Wissenschaft behandelte, zu den letzten Engländern gehörte, welche die Folter anwendeten; daß der, welcher zuerst die Philosophen zu dem großen Wert der Erforschung der Natur aufbot, die Gerechtigfeit verkaufte. Und wir würden uns nicht wie jetzt von dem bunten Schauspiel so vielen Ruhmes und so vieler Schande mit Abscheu wegwenden." Es sind Bacon gegen folche Berurteilung beredte Berteidiger erstanden, so besonders in Kuno Fischer, und zweifellos find die Maßstäbe, mit denen der liberale Historiker des 19. Jahrhunderts die Handlungen des großen Mannes maß, sehr verschieden von denen, nach denen das Zeitalter der Renaissance die Menschen beurteilte. Ein solcher Renaissancemensch, ungeheuer in seinem Wirken und Denten, aber auch maßlos in seinem Fehlen, ist Bacon gewesen. So unbegreiflich war die Kühnheit seines Dentens und die Schärfe feiner Beobachtungsgabe, daß man fogar auf den absurden Gedanken tommen tonnie, ihm neben dem Ruhm des größten Philosophen feiner Beit auch noch den des größten Dichters auzuerkennen und ihm Shakespeares Dramen zuzuschreiben. Aber die Poesie lag dem fühlen Rechner fern. Bis zum letzten Atemzuge ist er der unbeirrbare Erforscher der Natur, der große Apostel des Experiments gewesen. In dem talten Frühjahr 1626, als noch Schnee lag, wollte er er. proben, wie weit der Schnee tierische Stoffe vor Fäulnis bewahren Pönne; er faufte fich einen Bogel unb ftopfte ihn eigenhändig mit Schnee aus. Dabei holte er sich eine Erfältung, die ihn aufs Sterbelager warf. Aber noch in seinem letzten Brief, den er nit Fingern fchrieb, die, wie er fagte, teine Feber halten fonnten, erwähnte er Doll Stolz, daß der Versuch mit dem Vogel ausgezeichnet gelungen" fei, TIETZ BILLIGE LEBENSMITTEL Frisches Fleisch Suppenfleisch............ Fehirippe und Brust... o..Kn., ........... Pfund 65Pt. Pfund 75P Schmorfleisch P 10 Rouladen Pfund 120 Kalbskamm 75P- keulenschwer, Prd. 90Pt. u.Rücken, Schweinebauch........ Schweineschinken. bis 10 Pfand 100 Pfund 115 Liesen 85PL. Eisbein mit Spitzbein 54P Plund Prima Rindertalgansgelassen Kassler Gefrierfleisch Pfd. Pfund Pfund 56P Pfand 130 Hammelvorderfleisch....... Pfand 76Pt. Hammelrücken P. 85P- keulen Pfd. 92PL Ochsenbrust Pfund 50Pf. Ochsenschmorfleisch ohne Knochen Pfund 80PL Rinderherzen Pfund 48Pt. ...... Frische Schweineköpfe mit Backe Pfund 48Pt. Gehacktes Pfund 70PL 3 Tafeln 1,00 In unserer Konfitüren- Abteilung: Vollmilchschokolade 100- Gramm- Tafel............ 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