Nr. 166. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: viertel- jährlich z.zo Marl, monatlich i.lo Ml., ivöchentlich 2S Psg. frei in'- Haus. Einzelne Nummer d Pfg. Sonntags- Nummer mit tlluftr. Sonntags-Beilage„Neue Well" lo Pfg. Post-Abo»nen>ent: s.aoMl. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., sür das übrige Ansland ZMk.pr. Monat. Eingetr. in der Post-ZeitungS-Prslslist« für 1885 unter Nr. 7128. 12. Jahrg. JnsertlonS-Gebühr beträgt für die sünsgespaltene Petitzetle oder deren Viauni 40 Pfg., für BeretnS-»»d Lersammlungs- Anzeige» 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr Abends, an Tonn- und Festlagen bis o Uhr Bor- mittags geöffnet. Lernfprecher! Amt l, Ur. 1508. Telegramiii-Adresst: ..poiialdemoürat Keril»!' Berliner VolKsblall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Gegen die MmPkürzler und Ovdnungsdnndiken! Stnmbulow ist todt. Die Kreaturen und Söldlinge der russischen Diplomatie und des heiligen Zars haben gut gehauen und gestochen. Geben wir zunächst der Reihenfolge nach die eingelaufenen Depeschen: Sofia, 17. Juli. Die Aerzte öffneten heute Vormittag den Verband am Kopfe Stambuloiv's und fanden die Wnnde sowie den allgemeinen Zustand zusriedenslellend. Am Nachmittage verfiel Stambnlow in Apathie, um 3 Uhr war seine Temperatur 33 Grad, später fiel sie jedoch. Das rechte Auge ist ernstlich beschädigt. In Regierungskreisen versichert man, daß sich der Verdacht auf Halew(Ha tu) lenke, den Stambnlow selbst als einen der Mörder bezeichnet hat. Halew, der bis vor kurzem hier wohnte, ist gegenwärtig nicht auffindbar. Der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter verweigern jede Auskunst in dieser Angelegenheit. Sofia, 17. Juli.(Meldung der„Ageuce balcaniqne".) Nach dem heute 6 Uhr ausgegebenen Bulletin ist das Befinde» Slambulow's ungünstig; eine Wunde zeigt Brand-Symptcme, die Temperatur ist neuerlich aus 39 Grad gestiegen. Sofia, 17. Juli. Wie die„Agence balcaniqne" meldet, konstatirt ein authentischer Bericht über die Verhaftung des Be- dienten Stambuloiv's, daß der vor dem Unionklub poflirle Gentarm wie gewöhnlich dem Wagen Stambuloiv's von weitem folgte. Als cc den Schuß hörte, lies er hinzu und sah den Wage» im Galopp davonjagen, während ein von eineni anderen Manne, welcher einen Revolver in der Hand schwang, Verfolgter in eine Seitengasse einbog. Ter Gendarm gab das Älarmzeichen auf der Signalpseife und folgte den Flüchtigen in die Straße- in welche sie eingebogen waren, die von der„3. September, straße" gekreuzt wird: a» der Kreuzung befindet sich das Palais des Ministcrrathes. Da der Hosmarschall Fairas sich gerade beim Ministerpräsidenten Stoilow befand, wartete am Thore des Ministerialgebäudes ein Gendarmerie- Untcrossizier, der durch das Alarmsignal aufmerksam gemacht, auf die beiden Flüchtigen zulief, während ein anderer Gendarm in dem- selben Augenblicke aus der„3. September straße" herbeikam. Alle drei Gendarmen nahmen nunmehr den Bedienten Stnm- bnlow's fest, in dem Glauben, daß er der Angreiser sei. Selbst der von» Unionklub gekommene Gendarm sagt aus, er habe nichts von dem Attentat gesehen; er habe geglaubt, es handele sich um eine Nauferei zwischen den beiden fliehenden Personen. Kapitän Morfow und zwei andere Personen, deren eine der General- sekrelär Benew war, sahen den Vorfall vom Fenster eines Hauses mit an. Morfow begab sich aus die Straße, ohne eine Ahnung von dem Attentat zu haben. Als er de» Bedienten Stam- dulow's, den die drei Gendarme» sich zu entwaffnen bemühten, erkannt und ohne Erfolg einige Fragen an denselben gerichtet hatte, befahl er, ihn nach der Polizeistalio» abzuführen Erst eine Viertelstunde später erhielt man im Prä- sidinm des Miuisterrathcs Kenn tu iß von dem Mord- ansall. Morfow bestreitet ans das entschiedenste, daß er ans den Bedienten Slambulow's losgeschlagen habe. Eine wichtige Frage ist es nunmehr, festzustellen, ob letzterer, wie er getha» zu haben vorgiebt, gesagt hat, daß er die Mörder verfolgte; die Gendarmen bestritten dies und Kapitän Morfow versichert, daß der Bediente allen an ihn gerichteten Fragen gegenüber stunmi blieb. Wien. 17. Juli. meldet das„Neue Vor dem Unionklub postirten Wachmann gestellt; beide hatten Ueber das Attentat gegen Stambulow Wiener Tageblatt" noch folgendes: war außer dem gewöhnlich dort noch ein berittener Polizist auf den Auftrag, dem Wagen Stnmbulow's e? Berliner Aliirzknge. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Majestät, ich sehe die Krone auf Ihrem Haupte wanken!" rief er unerschrocken dem eintretenden König eut- gegen. Entsetzen ergriff die umstehenden Offiziere. „Wie können Sie es wagen, Herr Major," fuhr einer derselben den kühnen Sprecher au,„sich in einem so un- ehrerbietigen Tone gegen Se. Majestät zu äußern?" Vincke aber ließ sich durch die glatte Höflingsschaar nicht einschüchtern. „Majestät," fuhr er mit nachdrücklichem Ernste fort, „nur Wahrheit, die ganze, unverhohlene Wahrheit vermag jetzt Sie, den Thron und das Reich zu retten. Von Ihnen, meine Herren," sagte er, zur Umgebung des Kölligs gewandt,„hat den, Könige keiner die Wahrheit zu sagen den Muth gehabt. Es ist au der Zeit, nichts länger zu bemänteln und zu vertuscheln; wir müssen sprechen, muffen handeln." Die Antwort des Königs auf die Worte des Majors bestand, zum höchsten Erstaunen der Höflinge, in einer Ein- ladnng zuni Souper. Als Vincke die ausschlug, forderte der König ihn aus, sich am nächsten Tage wieder im Schlosse sehen zu lassen. Ter nächste Tag war der Tag des Entscheidungs- kampfes, der 18. März. Zum höchsten Verdruß jener Partei, die den König als Werkzeug ihrer volksfeindlichen Pläne zu benutzen trachtete, blieb Vincke an diesem Tage als frei- ivilliger Rathgcber an der Seite des Königs. Er war es, der ihn darüber aufklärte, daß nicht„die Hefe der Bevölkerung", nicht„eine Rotte von Bäsewichtern, zumeist aus Fremden bestehend", hinter den Barrikaden stand, sondern vielmehr das Volk von Berlin in seiner Gesammtheit, so einmnthig und geschlossen, wie es seit Gründung der Stadt noch niemals aufgetreten war. thunlichst zu folgen. Als Slambiilow und Petkrw den Klub verließen, war der berittene Polizist merkwürdigerweise ver- schwunden, was der Untersuchungsrichter Jikonomow hervorhebt. Mehrere Augenzeugen gaben eine ziemlich genaue Beschreibung von den Attentätern, welche aber niemand früher gesehen haben will. Wie Pelkow bestimmt behauptet, befand sich der ihm bekannte Tüfektschieiv nicht unter den Mördern. Gegen Halew wendet sich auch aus anderen Gründen, als daß ihn Stambulow als einen der Mörder bezeichnet, der Hanptverdacht. Entgegen der allgemeinen Ansicht, daß die Atteniäter unentdcckt bleiben dürften, hofft der Untersuchungsrichter Jikonomow zuversichtlich, die Mörder ermitteln zu können. Wien, 18. Juli. Das„Nene Wiener Tageblatt" meldet aus Belgrad, einem Berichte aus Sofia zufolge wäre die Polizei einem der Mörder Staiubnlow's auf der Spur, derselbe sei über Serbien nach Agram geflüchtet; ein Individuum, welches vor- gestern Nachmittag von Sofia kommend, diese Route nahm, sei von der serbischen Polizei nicht angehalten worden, da es init einem ordnungsmäßigen bulgarischen Paß verschen war. Sofia, 18. Juli. Stambulow ist heute früh Z Uhr SS Minuten gestorben. Sofia, 13. Juli. Stambulow lag seit gestern Abend 10 Uhr in Agonie, ohne ein Wort zu sprechen. Einige'Verlreter ausländischer Mächte waren bei seinem Tode anwesend. „Väterchen" kann zufrieden sein.„Der Finger der Vorsehung", unterstützt durch russische Rubel, Dolche und Revolver, hat seine Schuldigkeit gethan. Hätte die Unter- stntznng nicht ausgereicht, so war Eist und Dynamit in Reserve— Kulturträger, an denen das Arsenal der russischen Diplomatie reich ist. Wie kann das zivilisirte Europa sich gegen diese Ordnungsbanditen schützen, die nicht blos das Leben der friedlichen Bürger, sondern auch den Weltsrieden bedrohen? Die Mörder Stambnlow's sind an derselben Krippe gefüttert, wieder berühmte Bombenbaron Jagolkowski, der seit Jahren das mittlere und westliche Europa bereist, um Dynamit- und sonstige Attentate vorzubereiten und den Umstürzlern von oben Wasser auf die Mühle zu leiten? W o sind die wahren Ilmstiirzkr? Und wer sind die wahren Umstürzler? Tie zersetzte Leiche Stambuloiv's gicbt die Antwort und niemand, der nicht ein siebenfaches Brett vor dem Schädel hat, kann die Antwort mißverstehen. Welches Geschrei war das, als vor dreizehn Monaten ein Wahnsinniger den Präsidenten der Republik Frankreich erstach! Das Verbrechen, welches die Ordnnngsbanditen soeben in Sofia verübt haben, ist hundertmal verbrecherischer. Treffend schreibt die„Vossische Zeitung" unter der Uebcrschrist„Mordanschlag und Umsturzgesetz": Nock ist wenig über ein Jahr vergangen, seit Sadi Carnot Hie Vincke, hie Prinz von Preußen— so lautete in der vcrhängnißvollen Nacht zum Sonntag die Losung der beiden sich erbittert bekämpfenden Schloßparteicn. Und Vincke siegte mit seinen Argumenten: Ter Prinz ging „mit einem Auftrag des Königs" zn Schiff nach England. Vincke selbst erhielt den Befehl, bis zur Einschiffung des Prinzen nicht von dessen Seite zu weichen. Der souveräne König hatte sich entschlossen, niit der Revolution zu paktiren. Er wußte jetzt, wessen er sich von seinen Residenzlcrn zu versehen hatte. Als ein Abgesandter von der Partei der„Besonnenen" ihm warnend zurief, daß es sich„nicht nur um seine königliche Krone, sondern viel- leicht um die Dynastie der Hohenzollern überhaupt" handele, da antwortete er ohne Umschweife:„Ich weiß, was auf dem Spiele steht." Die Reitpferde des Königs standen ge- sattelt im Schloßhofe und zur Bedeckung hielten sich 24 Mann der Leib- Gendarmerie bereit. Auch für die Königin stand der Reisewagen angespannt. Die Kanimer- dienerschaft war zum großen Theil bereits nach Potsdam abgegangen. Aber bevor er die Flucht ergriff, wollte der König noch einmal den Weg der friedlichen Verhandlung einschlagen und zu diesem Ziveck mußte zunächst das Feuer der Truppen zum Schweigen gebracht werden. Schon in der ersten Morgenstunde hatten die Garden fast auf allen Punkten des Schlachtfeldes das Schießen eingestellt. Nach einer längeren Pause waren sie dann gegen drei Uhr. morgens noch ein- mal in der Friedrichstraße und am Alcxanderplatz zur Attacke vorgegangen, allein mit blutigen Köpfen mußten sie sich in ihre alten Stellungen zurückziehen. Um fünf Uhr morgens ging vom Schlosse der Befehl an sämmtliche Truppen: sie sollten nicht mehr angriffs weise vorgehen, sondern in ihren Stellungen ruhig verharren. Die Straßenkämpfe waren damit thatsächlich beendet — der König hatte mit der„traditionellen Offensive" unter dem Dolch eines wahnwitzigen Meuchelmörders sein Leben ließ. Ein hirnverbrannter Italiener war vom religiösen Schwärmer zum anarchistischen Bravo geworden, und deshalb stimmte ein großer Theil der mitlelparteiliche» Presse in Deutschland ein Geschrei an, als sei jedes Staatsoberhaupt, jeder Minister in Lebensgefahr, als sei die öffentliche Ordnung, die Sicherheit der Person und des Eigenthums auf- gehoben, wenn nicht schleunigst einschneidende Maßnahmen gegen den„Unisturz" getroffen würden. Man verlaugte internationale Vereinbarungen über die Verfolgung der Revolutionäre. Die Gesetzgebung sollte verschärst werden und«in Staatsmann, der den„Muih der Kaltblütigkeit" bewahrte, wurde angegriffen, als sei er ein unbewußter Gönner des Anarchismus. Jetzt ist der nichtswürdige Anschlag auf Stambulow verübt worden. Die Ermordung des Präsidenten der französischen Republik war die That eines einzelnen. Der Ueberfall von Sofia ist die Frucht eines Komplots. Caserio ist ergriffe» worden. Die Mordbuben, die den bulgarischen Staats- mann massakrirte», sind entflohen. Ihr Verfolger wurde verhafiet, die Regierung wäscht ihre Hände in Un- schuld. Noch haben wir in nationalliberalen Blättern nicht ge- lesen, daß man in Deutschland ein Umsturzgesetz machen müsse, weil in Sofia Blut geflossen ist. Aber ist der Anschlag auf Stambulow weniger ein politisches Per- brechen als der auf Carnot? Sind Religion, Sitte und Ordnung in dem einen Falle weniger verletzt als in dem andern? Und wenn nian ein Ver- brechen einer ganzen Partei zur Last legen dürfle, könnte man es heute weniger als im vorigen Jahre? Nein— weit mehr! Und nicht blos einer ganzen Partei, sondern einem ganzen System! Und nicht blos mit infamer Heuchelei wider besseres Wissen, sondern mit vollem Bewußtsein und aus bester Ueberzeugung! Caserio war ein Wahnsinniger, den die anarchistische Polizeipolitik zum Mörder gemacht hat. Die Mörder Stambnlow's handelten im Interesse einer bestimmten Politik, nach Plan und Methode. Wir kennen die Hände, die ihnen den Dolch geschliffen, ihnen die Revolver geladen haben. Die Herren H i t r o w o und I o n i n— der erste Gesandter Rußlands in Bukarest, der zweite Generalkonsul Rußlands in Saloniki— haben die Geheimnisse der russischen Politik ausgeplaudert; und daß die Be- kenntnisse dieser schönen Seelen ans Licht der Sonnen gelaugt sind, das verdanken wir Stambulow, der die Briefe der Ocffentlichkeit übergab. Die anarchistischen Attentate Rußlands in Bulgarien sind geschichtskundig. Und liegen uns jene Gegenden—„hinten in der Türkei"— etwas fern, so sind die Thaten des russischen Bom benbarons uns desto näher. Herr Jagolkowski— das müssen wir wieder und wieder ins Gedächtniß rufen— hat erwiesenermaßen in Belgien Dutzende von Dynamit-Attentaten verübt, er hat in Frankreich und der S ch iv e i z zu Attentaten gehetzt und hat, wie mit Bestimmtheit anzunehmen, auch in Deuts ch« land„verbrecherische Beziehungen" unterhalten. Der Mensch ist von der westeuropäischen Polizei nicht gefangen worden— ein belgisches Gericht hat ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt— er gebrochen und einen maskirten Rückzug angetreten, Aber noch fehlte ihm der Muth zu dem Ein- geständniß dieser Thatsache: noch suchte er in dem salbungsvollen Tone der alten Zeit wenigstens den Schein seines königlichen Patriarcheuthums zu retten. Während das Stnrmgeläut der Glocken, vermischt mit den letzten Salven der angreifenden Truppen, durch die helle Mond- nacht klang, während Schwärme von abgesetzten und dcsignirten Minister», von Prinzen, Generälen, Höflingen und Lakaien, von Deputirten der Bürgerschaft, der Universität, der städtischen Korporationen in den Gemächern des Schlosses durch- einander schwirrten und die Schloßhöse in ein Bivouak, die Schloßkcller aber in ein großes, dumpfes Gefängniß umgewandelt waren, saß der gekrönte Romantiker beim Kerzcnschein an seinem Schreibtisch und suchte in einem schwärmerischen Aufruf„an seine lieben Berliner" zum letzten Mal sich ini schwinden- den Glänze eines unumschränkten Gottesgnadenthnms zu sonnen. Von seiner eigenen„treuen Gesinnung", von„frechen Forderungen böser Ruhestörer", von einer„Rotte von Bösewichtern", welche„die treuen Soldaten beleidigt und die erhitzten Gcmülhcr mit Rachegedanken erfüllt hätten", von dem„siegreichen Vordringen der Truppen" endlich war in diesem merkwürdigen Schriftstück die Rede. „Erkennt den unseligen Jrrthum," fuhr der Verfasser in rührungsvollem Tone fort,»Euer König und lrencster Freund beschwört Euch darum. Kehrt zum Frieden zurück, räumt die Barrikaden, die noch stehen, hinweg, und entsendet an mich Männer, voll des echten Berliner Geistes, mit Worten, wie sie sich Eurem Könige gegenüber gezienicn, und Ich gebe Euch mein königliches Wort, daß alle Straßen und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden und die militärische Besetzung nur ans die nothwcndigen Gebäude des Schlosses, des Zeughauses und weniger anderer, und da auch nur auf kurze Zeit, beschränkt flüchtet sich nach Rußland und die rusflsche Polizei sprengt das Gerücht aus, sie habe ihn gesangen und er sei zu Lojahrigem Kerker verurtheilt worden— schickt ihn aber nach Westeuropa zurück,>vo er jetzt neue auarchistische Attentate vorbereitet. W o sind die UmstürZler? Wer sind die Umstürzler? Die Brotherren des Bombenbarons sind auch die Brotherren der Rtörder S t a m b u l o w's. Soll Europa diesen Ordnungsbanditen und Umstürzlern hilflos preisgegeben sein? Und wie schon gesagt, nicht blos das Leben der Bürger ist durch diese Verbrecher bedroht, auch der W e l t f r i e d e. Stambuloiv stand der russischen Eroberungspolitik im Weg. Er wollte aus Bulgarien einen Damm inachen, den die russischen Heere nicht überschreiten konnten. Unser Mann war er gewiß nicht. Der „Vorwärts" hat ihn wegen seines brutalen Vorgehens gegen die Sozialisten au den Pranger gestellt. Auch e r ist am Sozialismus zu gründe gegangen— ein Schicksal, das jeden Staatsmann trifft, der de» Sozialismus nicht begreift und ihn zu vernichten sucht. Aber indem Stanibulow der russischen Eroberungssucht ein Halt! zurief, leistete er der Zivilisation einen Dienst. Und um dieses Dienstes willen ist e r ermordet worden. Ob die Mordbuben ihren Zweck erreicht haben, das wird die Zukunft entscheiden. Möglich, daß der t o d t e Stanibulow ein gefährlicherer Feind ivird, als der lebende es war. Wie dem sei, wird Europa sich aufraffen zu einer gemeiilsamen Aktion gegen die Ordnnngsbanditen und Um- stürzler? Welche Frage! Bor wenig Monaten lief Europa— das Deutsche Reich voran— hinter„Väterchen" her, und holte ihm in Ostasicn demüthig die Kastanien aus dem Feuer. Und die Veranstalter der deutschen Umsturzbewegung des vorigen Jahres waren stolz auf den Bruderkuß und Segen der Brotherren jener Mordbanditen und Umstürzler. Wer und wo sind die Umstürzler?. Zum Agvavprogvamm. Auch heute veröffentlichen wir wieder eine Reihe von Urtheilcn, die in der bürgerlichen Presse über den Entwurf der Agrarkommission gefällt werden. Die„K r e u z. Z e i t u n g" äußert sich folgendermaßen über den Entwurf: Manches von dem Geforderten ist schon längst entweder ganz oder lheilweise durchgeführt; so die Erhaltung des Staats- gruudbesitzes, Genossenschaftskredite, Verstaatlichung" der Bahnen u. f. w. Dann hat sich die Sozialdemokratie bisher gegen ein- zelues, wie z. B. gegen das letztere, ablehnend verhallen, eben weil alle derartige Verstaatlichungen nur dazu dienten, de» gegen- wältigen Staat z» stärken. Schließlich— und das ist das wichtigste — enthalten alle Nummern nichts spezifisch Sozialdemokratisches. Man kann vieles als wirthschafllich verkehrt bekämpfen, aber manches wird den n othleidendsten unserer Agrarier wie eine ganz wohlklingende Zukunftsmusik ertönen, z. B. die Nummern 15 und 16. Und das ist auch unverkennbar die Absicht, die von der Sozialdemokratie mit diesem Programm verfolgt wird. Man will die Landleute gewinnen und bindet sich vor das Medusenhaupt eine leidlich anziehende Maske.——— Das neue Programm ist ein Konglomerat von Forderungen, die der schon bestehenden Gesetzgebung oder den Programmen anderer Parteien ent- lehnt sind, nur hier und da kommt der„Sozialismus" zum Vorschein.--— Wir halten es für verfehlt, auch jetzt wieder mit einer gewissen Genugthuung von einer„Mauserung" der Sozialdemokratie nach der„staaiserhaltenden" Seile hin zn reden. Das ist ja längst bekannt, dah auch in der deutschen Sozialdemokratie Possibilisten oder Opportunisten nebe» den Prinzipientreue» sich finden. Aber in ihren Zielen sind sie sich völlig eins. Es gilt die Vernichtung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Nur glauben die einen dies auf dem Wege offener Bekämpfung unter zielbewußter, aufreizender Erziehung der Masse» zu er- reichen; während die anderen unter vorläufiger Schonung der „antikollektivistische» Schädel" und unter vorsichtiger Verhüllung der Prinzipien, bei Anbequcmuna an gewisse wirthsckzaftliche Wünsche und Bestrebungen des Volkes erst den Boden der bestehenden Ordnung leicht unterwühlen wollen, um ihn dann völlig in sich zilsftminenstürzc» zu lassen.--- Es wäre naiv, die letztere Richtung etwa gar als eine ungefährliche Reformpartei anzn- werden wird. Hört die väterliche Stimme Eures Königs, Bcivohuer meines treuen und schönen Berlins, und vergesset das Geschehene, wie Ich es vergessen will und werde in meinem Herzen." Zum Schluß folgte dann noch die Versicherung an die lieben Berliner, daß auch ihre„liebreiche Königin und wahrhaft treue Mutter und Freundin" ihre innigen, thräuenrcichen Bitten mit des Königs väterlichen Bitten vereinige." Das tiefbctrübte Elternpaar sprach gleichsam zum verlorenen Sohn und versprach ihm seine Verzeihung, wenn er reuevoll ins Vaterhaus zurückkehrte. Iii aller Eile wurde das Gcistesprodukt des Königs ge- druckt, und als die Sonne am Horizont emporstieg, er- schienen berittene Offiziere, Beamte und wohlgesinnte Bürger an den Barrikaden und vertheilten ganze Packetc der königlichen Botschaft unter die Menge. Aber der verlorene Sohn zeigte kein Verständniß mehr für den väterlichen Ton, in dem der König zu ihm sprach. Er wähnte seine Mündigkeit erlangt z» haben in dieser verhängnißschivcren Nacht, die das Pflaster der Straßen mit seinem Blnte gefärbt hatte. Wie, die Barrikaden, die ihn so trefflich gcschirnit, sollten hinweggeräumt werden? Er sollte sich freiwillig entwaffnen, sich ohne Schutz und Bürgschaft auf die rührselige Bitte eines Königs hin von neuem der Znchtruthe unterwerfen, der er sich eben erst entwunden? Nein, nimmer sollte das geschehen— lieber verbluten, als einen solchen Akt der Selbstschändung vollziehen. „Das sind ja Lügen? Unwahrheiten!" riefen die Lesenden entrüstet, warfen die Plakate unwillig in den Koth und traten sie mit Füßen. „Zuni Fidibus zu schlecht," bemerkte ein Witzbold, das Blatt rn Stücke reißend. Ein dritter schnitt mit seinem Taschenmesser die Auf- schrift„An meine liebeil Berliner!" ab und nagelte sie über einer Kanonenkugel fest, die im Gehäuse eines Etraßenbrunnens stecken geblieben war. „Da paßt det besser hin," meinte er, als er sein Werk vollendet hatte. Tie Umstehenden brachen in schallendes Gelächter aus, und der Ueberbringer der Proklamationen, ein Offizier der Artillerie, schlug sich unverrichteter Sache in die Büsche. (Fortsetzung folgt.) sehen. Daß sie aber mit ihrer Aenderung des Programms auf dem Lande große Erfolge erzielen wird, glauben wir nicht, frei- lich nur unler der Voraussetzung nicht, daß endlich gegen die schreiendeii Nothstände der Laudwirihschaft etwas Durchgreifendes geschieht. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt: Die Sozialdemokratie kann n>it der Propaganda für ihre letzten Ziele, wenn sie diese offen bezeichnet, nie auf den Beifall unserer Landbevölkerung rechnen, weder in ivirthschafllicher, noch, was der Sozialdeliiokralie die Hauptsache ist, in politischer Hin- ficht. Sie erkennt diese Unmöglichkeit, giebt es darum auf, sich noch länger ii» Frontangriff init den„harten Bauernschädeln" abzumühe», läßt Grundsätze Grundsätze sein und will die weitere Propaganda unter der bäuerlichen Bevölkerung„im Rahmen der bestehenden Etaais- und Gesellschaftsordnung" treiben, also opportunistisch, unter Zurückstellung und Berschleie- rung ihrer letzten Absichten. Der„Hamburger Korrespondent" meiill: Man wird diese neue Phase in der„Mauserung" der sozialdemokratischen Partei von feiten der bürgerlichen Parteien mit großer Ruhe ansehe» dürfen.„Die Medizin des Sozialismus muß der Landbevölkerung in homöopathischen Dosen beigebracht werden," rief ein Redner aus dem Frankfurter Parteitage aus. Es wird nicht an Leuten fehlen, im sozialdemokratischen Lager wie auch in den bürgerlichen Parteien, die in dem neuen Land- Programm nicht einmal solche Minima der sozialdemokratiscken Doktrin entdecke» können, sonder» nur eine bauernfängerische Spekulation, die ihre Mittel nimmt, wo sie sie findet. Tie Landbevölkerilug wird dies bald herausfinden und in ihrem Mißtrauen bestärkt werde». Die„Kölnische Zeitung" charaktcrisirt den Ent- wurf folgendermaßen: Zwar ist— dies ist wohl ein Zngeständniß an die„Doctri- näre"— davon Abstand genommen worden, das Land- Agilationsprogramm der französischen Sozialisten abzuschreiben und die Heiligkeit des kleinbäuerlichen Eigenthums ausdrücklich zu proklamiren, aber in den Vorschlägen wird das Privateigenthum stillschweigend an allen Punkten an- erkannt, auch an jenem, wo die Vermehrung des öffent- lichen Grundeigenthums und die Einführung eines Vorkaufs- rechts der Gemeinden bezüglich der zur Zwangsversteigerung kommenden Güter gefordert wird. Radikalismus läßl sich mich auf diesem Baden prästiren, und es fehlt in dem Programm nicht daran, aber eö ist durchiveg erborgter, bürgerlicher Radikalismus, und daneben finden sich Forderungen, deren Erfüllung in dieser gegenwärtigen, schlechtesten aller Welten schon in Angriff genommen, zum thril sogar voll- zogen ist. So z. B.»n Preußen die Beseitigung der Ertrags- steuern als Staatssteucrn(daß sie auch in den Gemeinden auf- gehoben werden sollen, sagt das Programm nicht) und die Gewährung von Stnatskredit an die Genoffenschasten. Aus sozialdemokratischer Seite liebt man es, den preußischen Finanz- minister, weil er als junger Mensch einmal sozialistische Ideen mit sich herumgetragen hat, einen'Abtrünnigen zu nennen. Wenn das neue Programm nicht das wäre, als was es Bebel bezeichnet hat, würde man mit viel größerer Berechtigung sagen könne», die Sozialdcmokralie sei zu Dr. Miguel übergegangen.--- Wer,„ausgehend von diesen Grundsätzen"(im theoretischen Theil des Programms) zu Forderungen, wie die von der Agrar Kommission erhobenen, ge- langt zu sein vorgiebt, der verübt einen Betrug, der zu plump ist, als daß durch ihn die zwei gesunden Augen im Bnuernschädc! gegen die grade dem Grundbesitzer von der Sozialdemokratie drohenden Gefahr blind werden könnten. Die„Frankfurter Zeitung" urtheilt über den Programmentwurf: Wird das' Agrarprogramm akzeptirt, so wird die Praxis und die Wahlkonknmnz schon dafür sorgen, daß die Partei sich noch ausgesprochener als Reformpartei giebt, als eine Partei, die „zunächst" die Demokratisirung aller öffentlichen Einrichtungen in Reich, Staat und Gemeinde, die Hebung der sozialen Lage der arbeitenden Klassen, die Verbesserung der Zustände in Gewerbe, Landwirlhschasl, Handel und Verkehr„im Rahmen der de- stehenden Staats- und Gesellschaftsordnung" erstrebt. Diese neu vorgeschlagene Definition der Stellung der Sozialdemokratie zu dem„Bestehenden", die selbstverständlich die Ersirebung des Ziikunstsstaates unberührt lassen soll, deckt sich inhaltlich völlig mit der; Stellung der bürgerlichen Demokratie. Während— wie wr noch sehen werden— wir keineswegs alle Einzel- vorschläge des neuen Programms guiheißen würden, kann dieser Satz ohne weiteres von jeder forlschritilichen, sozial genchtelen Partei unterschrieben werden. Damit tritt die Sozialdemokratie der Anschaunng mancher ihrer Widersacher«nigrgen, als habe sie eine Freude an der Verschlechterung der bestehenden Zustände oder an dem Niedergang eines Gewerbszweiges, weil dadurch ihre Hoffnung auf den„allein erlösenden" Znkmistssinat bekräfligl irerde und jeder rninirte Eriverbszmeig ihr neue Rekruten zu- führe. Sie betont ihren Willen, an der Besserung der heutigen Zustände inttznivirkeu. politische Mebeellchk. Berlin, 18. Juli. Ueber die beiden kriegführenden Armeen des deutsch-französischen Kriegs bringt die„Kreuz-Zeituug" heute einen Leitartikel, der zwar nichls Neues enthält, aber durch die ZusaMmenslellung der bekannten Ziffern sehr lehrreich ist. Tie Armee Frankreichs, welche uns nach derBismarck'scheu Gcschichtslegende überfallen wollte, hatte eine etatsmäßige Stärke von S67 000 Mann; beim Ausbruch de? Kriegs bc- fanden sich aber bei den Fahnen nur 393 500 Mann, in der Reserve 61 500, Ersatztruppen mit SmoiiatUcher Dienstzeit 119 600 Manu. Von dieser Summe waren abzuziehen: die Abkommandirten, Geudarmen, Garnisonen und die Truppen in Algier niit zusammen 230 500 Mann, so daß für das Feld übrig blieben 336 500 Mann. Die Artillerie war der deutschen bei weitem nicht gewachsen; die Militärverwaltung schlecht; nichts ans d e n K r i e g v o r b e r c i t e t. Die größte Verwirrung bei Ausbruch des Kriegs. Teutschland rückte i n s F c l d mit 462 300 Mann Infanterie, 50 800 Kavallerie und 1584 Geschützen. Nur an Geschützzahl— wenigstens auf dem Papier— waren die Franzosen überlegen; ihre Artillerie war aber der deutschen bei weitem nicht gewachsen, wohingegen das deutsche Jnfanteriegewchr— die Zündnadel— dem französischen Chasscpot nachstand. An Besatznugstruppen:c. waren in Deutschland vor- Händen 297 500 Infanterie, 25 900 Kavallerie, 40 500 Mann Feslnngsartillcrie. Im Monat August, das heißt 3 Wochen nach Ausbruch des Kriegs hatte die deutsche Armee auf den Beinen 1 183 389 Mann niit 250 000 Pferden, während die ranzosen bei ihrer Armceorganisation einer erheblichen teigerung ihrer Streitkräfte unfähig waren. Mau sieht hier die kolossale militärische Ueberlegenheit, die Deutschland von vornherein hatte. Daß die französische Regierung über die Stärke und Ueberlegenheit der Deutschen sehr gut unterrichtet war, das geht aus den Berichten S t o s l e t' s hervor. Und da fragen wir nun, kann ein vernünftiger Mensch glauben, daß das unvorbereitete Frank- reich da? wohl vorbereitete und gleich zn Anfang fast doppelt überlegene Deutschland habe„iaersallen" wollen? Keine Genies waren in der französischen Regierung, allein doch auch keine Irrenhäusler.— Angesichts der kritischen Lage an der To na» macht die„Vossische Zeitung" mit Recht auf die llu« zuträglichkeiten aufmerksam, die es mit sich bringt, daß oer deutsche Gesandte in Wien, das jetzt der diplomatische Hauptknotenpunkt ist, gegenwärtig mit dem Kaiser eine „Nordsahrt" macht. Die Abwesenheit des Kaisers wird ja vermuthlich keine Störung der„Regierungsmaschinerie" her. beiführen. Wenn aber Deutschland in diesem kritischen Momente, wo an der Donau ein scharfes Auge und eine feste Hand nothwendig ist, keinen Vertreter in Wien hat, so ist das gleichbedeutend mit einer politischen Abdankung zu gunsten Rußtands. Freilich, der deutsche Gesandte in Wien ist ein Eulenburg.— Tie„Gedenktage" häufen sich seht. Und es ist znr Abwechselung auch einmal ein nichUriegerisches Ereigniß, an das wir erinnert werden. So ist heute, den 13. Juli, das 25 jährige Jubiläum der U n f e h l b a r k e i t s- E r- k l ä r u n g des Papstes, die am 13. Juli 1870 erfolgte. Obgleich die Päpste schon ein volles Jahrtausend die„flu- fehlbarkeii" für sich in Anspruch genommen hatten, und obgleich die Welt im Juli 1370 mit wichtigeren Dingen beschäftigt war, wurde der Beschluß des Konzils von den „Liberalen" doch zu eiuern großen Ereignis, aufgebauscht. Die„llufehlbarkcits-Erklärung" war so wirksam, daß zwei Monat später, am 20. September 1870, die italieni- scheu„Revolutions"-Truppeii in Rom einzogen und daß der„unfehlbare" Papst„Gefangener" wurde.— Franenstimmrecht. Durch welche komischen Mittelchen mitunter versucht wird, die Bourgeoisie vor den Forderungen des demokratischen Volkes groulich zu machen, das zeigt wieder einmal die folgende Zeitungsente, die durch die bürgerlichen Blätter fliegt: "In Süd-Australie» ist bekanntlich das Frauenstimmrecht ein- geführt worden. Die in der Kolonie wohnenden deutschen Frauen wollen aber nichts davon wisse». Deshalb haben fünf deutsche Pastoren an die weiblichen Mitglieder ihrer Gemeinten das folgende Rundschreiben gerichtet:„Das Frauenstimmrecht ist uns aufgezwungen worden. Wir Deutsche» haben nicht danach gestrebt. Da das Gesetz nun aber einmal besteht, würden wir Ihöricht handeln, wenn wir es uns nicht zu nutze machtein Wir fordern deshalb alle deutschen Frauen dringend auf, ihre Namen eintragen zu lasten und bei der nächsten Wahl zu stimmen. Am Ende wird es möglich sein, mit Hilfe der deutschen Frauen das unnütze Gesetz aufzuheben. Ist es nicht möglich, so können wir wenigstens seinen schädlichen Folgen entgegenarbeiten." Leider ist den„deutschen Frauen" in Australien dies edle Vorhaben noch nicht gelungen.— m• • Teutsches Reich. Die Nationalliberalen auf dem Bettelgang. In ihrer Angst, das Waldecker Mandat zu verlieren und dadurch ihres wirklichen Führers— so weit bei der Partei Dreh- scheide von Führung die Rede sein kann— verlustig zu gehen, machen die nationalliberalen Hampelmänner die tollsten Bocksprünge. So suchen sie jetzt in ihrer Verzweif» lung die sozialdemokratischen Stinimen dadurch zu gewinnen, daß sie einzelne Wähler— angebliche Sozialdemokraten— Erklärungen fttrDr. Böttcher in den dortigen Blättern abgeben lassen. Eine saubere Sorte Sozialdemokraten mag dies sein, die sich dazu hergicbt, die Wahl eines Dr. Böttcher zn empfehlen. — Daß ein erusthaster sozialdemokratischer Wähler sich dazu hergeben sollte, dem Haupthetzer in der Umsturz- Kampagne seine Stimme zu geben, ist natürlich ausgeschlossen. Eine solche Zumuthung an unsere Genossen überhaupt nur zu stellen, dazu mnß man eben bis zur Charakterlosigkeit der national- liberalen Partei heruntergesunken sein.— Daß auch in den Reihen der wirklich Freisinnigen keine Neigung vorhanden ist, dem Rathe der Herren Rickert-Schücking zu folgen und Dr. Böttcher zu wählen, ergießt sich aus einer Zuschrift, welche die„Volks-Zeitung" aus dem Wahlkreise erhält, in der es heißt: „Ein Mann wie Böttcher gehört mit freisinniger Unter- slützung nicht in den Reichstag, auch wenn sein Gegner Agrarier und Antisemit ist. Daß Herr Böttcher das Gegentheil davon ist. hat er»och nie und nirgends bewiesen, wenigstens nicht durch positive Thaten. Dabei hat er einen politisch schwerwiegenden Nach- theil. Bei seinem Gegner weiß jeder, was er ist. man kann sich als politischer Gegner vor ihm hüten, bei einem National- liberalen, bei einem Dr. Böllcher, weiß man es nicht. Nur weiß man, daß er unter dem Deckmantel des Liberalen, der manchen verführt, ihm zu trauen, genau dieselbe Politik zu treiben im stand« ist, wie jener, sobald es die bekannte national» liberale„Staatsiveisheit" für geboten erachlet. Uns Frei- finnigen macht es daher keinen Unterschied, ob der Agrarier oder der nationalliberale Böttcher gewählt wird! Dieselbe Nummer, nur ein anderer Faden! Mögen die Herren das Mandat unter sich ausknobeln." Ganz unsere Meinung!— Von den gesetzgeberischen Aufgaben, die dem Reichstage im Herbst bevorstehen, ist ein großer Theil schon de- kannt, und was bekannt ist, reicht hin, um nach dem im jetzigen Reichstage üblichen Tempo eine ganze Session auszufüllen. Natt, einer Zusammenstellung der„Franks. Ztg." wird einen Haupt- grgeustnnd das Gesetz zur Reform der Börse bilden, an dem die Agrarier und sonstige» Wirthschaslskünstler ihr« Kunst erproben können. Der bereits veröfsenllichte Entwurf liegt znr Ein- bringnng am ersten Tage bereit. Das Gesetz über den nn- lauteren Wettbewerb, ein Margarinegesetz, Reform und Aus- dehnmig der Unfallversicherung sind bestimmt angekündigt. Dazu kommen die wiederkehrenden Rückstände der letzten Session: Reichkfinaiizreform und Tabaksteuer, die Novelle zur Gewerbe- Ordnung, die sich aus den Hausirhandel u. s. w. bezieht. Fraglich ist, vb das Justizgesetz, das die Wiedereinführung der Berufung und die Eiuschndigung unschuldig Verurtheilter enthielt, wieder eingebracht wird, nachdem die Komniission trotz monate- langer Thätigkeil die Berathung nicht zu Ende geführt hat. Nicht fraglich scheint es. daß der größte Todte der letzten Session: das U m st n r z g e s c tz, endgiltig begraben bleibt. Es ist jetzt ungefähr ein Jahr her, daß in Ausnutzung der Ermordung Carnot's der Ruf nach einem staatsretlenden Gesetz gegen Anarchisten und Umstürzlech» der mittelparteilichen Presse oder, um ganz gerecht zu sein, von einem großen Tbetle der national» liberalen Presse und Partei und den sretkonservativen Organen, unablässig erboben wurde, bis der Kaiser selbst den Kamps für Religion, Sitte und Ordnung proklnmirte und der mit dem Much der Kaltblütigkeit sich wehrende Graf Caprivi sich de- stimmen ließ, die Umsturzvorlage in ihrer bekannten Gestalt sich anzueignen. Jetzt ist alles still geworden von diesem Kampf. Nachdem freilich nun in Bulgarien der frühere Miiiisterpräsidcut Stanibulow ermordet worden ist, an welchem Mord verschiedene Regierungen nicht nnbetheillgt sein sollen, dürste sich darin ja wieder ein passender AnknüpfimgZpunkt gefunden haben, im Kampf für Religion. Ordnung und Sitte Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie zu verlangen. Wäre daZ nicht ein passendes Thema für die„Nationalliberale Korrespondenz" des Herrn Dr. Böttcher?— Landtagswahl in Teltow-Charlottenburg. Bei der Landtags-Ersatzwahl für Teltow-Charlottenburg wurde am Mittwoch Baumeister Feilsch(kons.) mit 639 Stimmen zum Abgeordneten gewählt. Dr. Karsten(liberal) erhielt 177 Slimmm. Herr von Hamm er stein und der Staats- a n iv a l t. Gegenüber der von einigen Provinzblättern verbreiteten Nachricht über ein in Vorbereitung befindliches Strafverfahren gegen den früheren Chefredakteur der„Kreuz- Zeitung" ist die„Deutsche Warte" in der Lage zu erklären, daß bisher von eineni derartigen Verfahren an zuständiger Stelle nichts bekannt ist. Die Berliner Staatsanwalt- schaft glaubt bisher keine amtliche Anzeige, durch die der Verdacht einer strafbaren Handlung des Frciherrn von Hammerstein in genügender Weise motivirt worden wäre, erhalten zu haben und hat daher im Ein- verstäudniß mit dem Oberstaatsanwalt und dem Chef der Justizverwaltung bisher von einem Vorgehen Abstand genommen. Sie gedenkt zunächst die von dem Freiherrn v. Hammerstein angestrengten Beleidigungsprozcsse und den Erfolg der von dem Angeklagten angebotenen Wahrheits- beweise abzuwarten, nnr nach dem Ausgang dieser Prozesse einen Anlaß zu weiteren Ermittelungen zu gewinnen. Dieser staatsauwaltlichen Auffassung gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß es zu einem Einschreiten des Staatsanwalts durchaus keiner Anzeige bedarf, da nach§158 Str.-P.-O. ein Vorgehen der Staatsanwaltschaft' in allen Fällen geboten ist, in welchen sie„durch eine Anzeige oder auf anderem Wege" von dem Verdacht einer strafbaren Handlung Kenntniß er- hält. In den Zeitungen ist öffentlich behauptet worden, daß Herr v. Hanunerstein sich der Veruntreuung ihm an- vertrauter Pcnsionsgclder schuldig gemacht, sowie daß er als Bevollmächtigter der Aktiengesellschaft absichtlich zum Nachtheil der Gesellschaft Kontrakte mit Lieferanten abge- schloffen habe. Es ist unniöglich, daß diese Beschuldigungen nicht ans diesem Wege auch zur Kenntniß der Staats- anwaltschaft gelangt sind. Uebrigens dürfte es jetzt ziemlich egal sein, ob der Staatsanwalt gleich einzuschreiten gedenkt oder ob er die Privatklagen des Frciherrn abwarten will. Wie das „Berliner Tageblatt" erfahren hat, befindet sich dieser weit vom Schuß. Das genannte Blatt erhält folgendes Tele- gramm: London, 17. Juli. Aus einer Quelle, die dem hiefigen Polizeipräsidium nahesteht, erfahre ich, daß Freiherr v. Hammer- stein seit einigen Tagen in London ist und polizeilich über- wacht wird. Wie man sieht, versucht jetzt anch der löbliche Freiherr einmal, von dem englischen Asylrccht Gebrauch zu machen. England gewährt bekanntlich zahlreichen politischen Flucht- lingen den unbeschränkten Aufenthalt im Lande. Gemeine Verbrecher allerdings werden anch von England aus- geliefert.— Die„Kreuz-Zeitung" scheint die Verluste, die sie und ihr Pensionsfonds durch die Hannnersteiniaden erlitten hat, jetzt auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Jnseratengewinnes wieder weit machen zu wollen. Anders läßt sich kaum die Auf- forderung deuten, die sie an der Spitze des Annoncentheils jetzt an ihre fromme Leserschaft richtet:„Unsere geehrten Leser werden crgebenst gebeten, sich beim Einfordern von Preisliste» und bei Bestellungen, welche sie infolge von Anzeigen in unserem Blatte wache», stets auf die„Kreuz-Zeitung" beziehen zu wollen."— So leicht werden die von Hammerstein verpulverten Hunderttausende allerdings einzig auf diesem Wege nicht wieder einzuheimsen sein. Man muß ans stärkere Mittel sinnen. Auf die Verschleppung des Verfahrens gegen W e h l a n macht mit recht eine Zuschrift aufmerksam, die aus- wärtiaen Blättern von Berlin zugeht. Gleichzeitig mit den gegen den ehemaligen Kanzler von Kamerun, Leist, erhobenen Anschul- digungen wurden auch gegen den Assessor Wehlan, der in ver- schiedenen Stellungen in Kamerun sungirt hat, schwere Anklagen erhoben; gleichzeitig mit der gegen Leist eröffneten Untersuchung wurde von feiten des WiSwärtigen Amtes auch gegen Wehlan die Untersuchung eingeleitet. Am 20. März d. I. äußerte der Direktor der Kolonial-Abtheilung, Dr. Kayser, im Reichstage sich dahin, daß nach Beendigung der voni Reiche eingeleiteten Untersuchung die Akten dem Herrn Justizmtnister vor einiger Zeit zugegangen seien. Eine Antwort des Ministers sei aber, noch nicht erfolgt. Am 28. März nahm auch der Staatssekretär des Auswärtigen, Eveiherr v. Marschall, im Reichstag Gelegenheit, stch zu äußern. s handele sich zunächst um die Frage, oh das Disziplinar- Bersnhren vor preußischen oder Reichsbehörden stattzufinden habe. Er glaube, in den nächsten Tagen einen Bescheid von dem Justizminister erwarten zu könne». Am 20. Mai bemerkte Direktor Dr. Kayser:„Der Fall Wehlan ist noch nicht zur Entscheidung ge- kommen. Die gerichtliche Entscheidung ist aber in die Wege geleilet". Seither hat nichts mehr verlautet. Vor mindestensvier Btonnten sind die Akten dem preußischen Justizministet' zur weiteren Entscheidung übermittelt worden. Ist diese Entscheidung, die Staatssekretär v. Marschall am LS. März„in den nächsten Tagen" erwarten zu dürfen glaubte, seither getroffen oder nicht? Wenn ja, wie rst sie ausgefallen? Sind die gegen Mehla» erhobenen Anschuldi- anngen ganz oder zum theil begründet, so bedarf es einer strengen Sühne; sind sie unberechtigt, so ist es eine Ehrenpflicht der lliegierung, ihre» Beamte» mit möglichster Beschleuntgung vor der Oeffentlichkeit zu rehabilitiren. Nachträglich theilt die„Vossische Zeitimg' mit, wie sie höre, sei die Auklngeschrifr gegen den Assessor Wehlan vor einiger Zeit der Disziplinarkammer in Potsdam zugegangen. Die Verhand- lung werde nach Ablanf der Gerichtsferie» stattfinden. Aus ihr wird siel) ergeben, aus welche» Gründen eine strafrechtliche Ver- folg», ig gegen Mehla» nicht hat slatlsinden können. Gegen Wehlan wird der Vorwurf erhoben, daß er die Eingeborenen in Kamerun unmenschlich grausam behandelt und dadurch seine ainlliche» Befugnisse überschritten habe. Bitterböse sind die Herren ans der Redaktion der „Deutschen Tageszeitung" auf ihre Kollegen vom„Reichs- Anzeiger". Seitdem der„Reichs-Anzeiger" daraus bedacht ist, schreibt die„Deutsche Tages-Zlg.", seinen Juhalt reicher zu gestalten, ist nian in der Lage, beurthetlen zu können, was den Herren, die für die Haltung des Blattes verantwortlich sind, am wichtigsten° und bedeutsamsten erscheint. Di« Rubrik Statistik und Volkswirlhschaft ist in dieser Hi»stcht ganz besonders lehrreich; in ihr ist fast ausschließlich von den Verhältnissen der Arbeiter die Rede, andere Stände spielen da keine Rolle. Beweis: In der heutigen Nummer steht unter jener Rubrik 1. Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Stadt Berlin. 2. Ein lauger Artikel: Zur wirlhschaftlichen Lage der Arbeiter ifli Jahre 1894. Auszug aus den Berichten der Fabrtkinspektoren. Es folgt die Uebersicht: Zur Arbeiterbeivegung. Da werden wir unterrichtet über den Ansstand der Schneider in Stettin nach dem Vorwärts", der Malergehtlfcn in Königsberg, die Vorbereitungen zum Ausstand der Steinmetzgehilien in Leipzig, dann auch über die Absichten der ausständigen Stnhlrohrarbeiler in Bremen und der Parkettbodenkcger einer Berliner Firma. Hanptquelle deS „Reichs- Anzeigers" ist für diese interessanten Meldungen stets der„Borwärts". Selbstverständlich muß der Sozialdemokratie der Kamm schwellen, wenn sie sieht, daß auch ihre unbedeutendsten Unternehmen im amtlichen Blatte des Deutschen Reiches der ausführlichsten Widcrgabe gewürdigt werden. Ueber die Wünsche der Handwerker, die Nothlage der Landwirthschaft u. s. w. findet man im Reichsanzeiger nur sehr lückenhafte Mittheilungen, die vor allen Dingen nicht mit der sorgfältigen Liebe behandelt sind wie die Arbeiterbeivegung. Die Schuld' daran dürfte aller- dings nicht in etwaigen sozialistischen Neigungen der fraglichen Redakteure des Reichsanzeigers, sondern an der mechanischen Art und Weise ihres„Zeitungsmachens" liegen. Es mag ja die Methode, mit der dort die Volkswirlhschaft u. a. durch Auskleben des„Vorwärts" traktirt wird, sehr bequem sein, einen guten Eindruck aber macht ihr Endprodukt nicht. Daß der in allen Kulturländern zur Macht gediehene Sozialismus heute die wichtigste politische und die Arbeiterbewegung diewichtigste volkswirthschaftliche Frage ist, daß ist der wackeren„Deutschen Tages-Ztg." noch nicht in den Sinn gekommen. Sie reitet wohlgemuthet auf ihrem mittelalterlichen Zunftschnickschnack herum und hält den für daS interessanteste, was es geben kann.— Der Kultusminister hat dem Rektor der Universität Breslau wegen der von ihm den Studirenden dieser Universität ertheilten Erlaubniß zum Anschlagen einer Aufforderung zum Einspruch gegen die Umsturzv orl a g e am schwarzen' Brett seine Mißbilligung ausgesprochen! Natürlich!— Schweiz. Die B n n d e s- B e r s a m m l u n g ist auf den lg. August behufs Ratifizirung des französisch-schweizerischen Abkommens zu einer außerordentlichen Session einberufen worden.— Frankreich. Der Panamaskandal hat neue Opfer gefordert. Die Leser entsinnen sich der heftigen Debatten, zu denen die Ver- leihung des Ordens der Ehrenlegion an den Spitzbuben Eissel Anlaß gab.(S.„Vorwärts" vom 17. Juli.) Ter Ordensrath wollte der öffentlichen Stimme nicht folgen und weigerte sich, Eissel das Ordensband„aus dem Knopsioche zu reißen". An dieser Weigerung ist er aber gescheitert. Ein Tele- gramm meldet: Paris, IS. Juli. Der Präsident der Republik hat die Demission des Ordensrathes der Ehrenlegion angenommen. Ob der Orden der Ehrenlegion nun allen Lumpen genommen wird?— England. Das Resultat der Wahlen stellt sich mit jedem Tag für die Unionisten günstiger. Das neueste Telegramm lautet: Bisher wurden gewählt: L7S Unionisten, 68 Liberale, 36 Jrländer und 2 Kandidaten der Arbeiterpartei. Die Unionisten gewannen ö7, die Liberale» 16 Sitze. Der ehemalige Minister John Morlsy unterlag bei der Wahl in Newcastle gegen den konservativen Kandidaten Cruddas, welcher mit einer Majorität von 300 Stimmen gewählt wurde. Unter den Gewählten befindet sich Herbert Gladstone, welcher gegen den Oberst North siegte, ferner der Untersekretär des Ans- wältigen Amts Curzon und der frühere Untersekretär des Kolonialamis Burton, ferner Sir Charles Dilke, Rothschild, der frühere Minister Trevelyan, Gerald Bnlfour und John Rednwnd. Die Unionisten, denen vor der Auflösung eine libeiale Majorität von L4 gegenüberstand, haben schon jetzt eine Majorität von 60, und werden voraussichtlich eine von 100 bekommen. Die Regierung wird also eine„starte" sein. Und in der inneren wie äußeren Politik wird sie Gelegenheit haben, ihre„Stärke" zu zeigen.— Türkei. Die Unruhen in Makedonien. Nach Menningen ans Küstendil nimmt der Anfstand in Makedonien größere Dimensionen an. In Strumitza, Mutesch und Drama herrscht vollständiger Aufruhr. Im Kreise Nevrokop wurde daS Städtchen Jokoninda von den Anfständischen eingenommen und zer- stört. Ein türkischer Osfizier und ein Arzt sind dort gefangen genommen worden. Auch in der Umgebung von Melnik fanden Känipse statt.— Europäische Konferenz. Der„Politischen Kor- respondenz" wird aus Konstantin opel gemeldet, von keiner der europäischen Großmächte sei bisher ein« Anregung zu einer europäischen Konferenz behufS Lösung der armeiiischeii und makedonischen Angelegenheiten gegeben worden; es sei keinerlei Anzeichen dafür vorhanden, daß eine solche Konferenz von irgend einer Macht als geeignetes Mittel zur Lösung angesehen werde.— Jnpa». In Ostasien drohen aufs neue kriegerische Ereignisse ausbrechen zu wollen. Nach Berichten aus Anwy haben die Schwarzflaggen die nach Süden vorrückende japanische Streit- macht bei Tokaham, 60 Meilen südlich vo» Tai-peh angegriffen. Die Schwarzflaggen waren in überwältigender Anzahl und kämpsteii mit solcher Entschiedenheit, daß die Japaner iistr durch ihre überlegene Taktik und Disziplin vor einem schweren Schlage gereilet wurden und sich in nordwestlicher Richtung zurückziehen mußten. Tie Schwarzflaggen rücken zum Angriffe auf Tekham, SV Meilen westlich von �Toka-Ham vor. Eine neue Schlacht steht bevor. Kuba. vom kubanischen Aufstand werden wieder„spanische Siege" gemeldet. Ans tzabana meldet eine amtliche Depesche, daß zwischen Baynmo und Manzanillo 8000 Aufständische bei einem Kavallerieangriff unter Führung des Marschalls Mnrtinez CanipoS(n die. Flucht geschlagen worden sind. Auf feiten der Aufrührer wurden viele getödtet und verwundet; auf spanischer Seite fiel der General Santocildes; drei Offiziere wurden ver- wunder. Ter Führer der Aufständischen Antonio Maceo wurde verwundet und gefangen genommen. Nach einer Depesche aus Santiago sollen die spanischen Truppen bei dem Gefecht große Verluste erlitten haben, jedoch von den Behörden die Einzel- heiten nicht bekannt gegeben werden.— Nswkei�Nttchvichten. Hessische Gcinciiidcwahlen. Bei der GemeinderathSivahl in D r e i e i ch e n h a i Ii. wo von LOS Wahlberechtigten 249 ab- sttmmten, erhielten die drei gegnerischen Kandidaten 64, 90 und 123, unsere drei Kandidaten S3, 67 und 123 Stimmen. Von der Agitation. Reichetags-Abgcordneter Metzger aus Hamburg, der gegenwärtig auf einer AgitationSreise durch Thüringen begrilsen ist, sprach in Erfurt in zahlreich br- suchter Versammumg unter lebhaftem Beifall über den Emavzipationskampf der Arbeiterklasse. Am Freitag referirt er in Pößneck, Sonnabend in Lehesten, Sonntag in Gräfenthal und Montag in Saalfeld. Dann folgen Versammlungen in Sleinach, Hültengrund, Sonneberg, Koburg, Steustadt und anderen Orten. Ruf einer Konferenz für den Wahlkreis Duisburg, bei der die Orte Duisburg, Mülheim, Ruhrort, Oberbaufen. Bruckhausen, Beck, Meiderich und außerdem der Kreis Mörz- Rees vertreten waren, wurde berichtet, daß obwohl die Agitation unter den schwierigsten Verhältnissen betrieben werden muß— so ist z. V. der Lotalmangel permanent— doch ein Aufschwung unserer Bewegung unverkennbar ist. Organisationen unserer Partei giebt es in Duisburg und Mülheim. Die Konferenz de- fch loß, daß ein Preßkomitee für den ganzen Kreis durch die Ge- nossen aller Orte gewählt werden soll, das einer späteren Konferenz Vorschläge zur Regelung des Preßwesens zu machen habe. Die Lassallefeier soll für den ganzen Kreis vom Kreisvektrauensmann veranstaltet werden. AuS den Partel-Organifatione«. Der sozialdemokratische Verein in Hanau protestirte gegen den Beschluß des Gewerbe- gerichts, wonach Zeugen und Sachverständige nur geladen werden sollen, wenn die Parteien einen Vorschuß leisten, und forderte die Arbeitervertreter im Gewerbegericht auf, gegen den Beschluß, der es mittellosen Arbeitern unmöglich macht, ihr Recht vor dem Gewerbegericht zu erlangen, entschieden Stellung zu nehmen. In Kamenz i. S. hat sich der sozialdemokratffche Verein aufgelöst. Auf der nächsten Kreiskonferenz soll über die Er- richtung eines Wahlvereins für den ganzen Reichswahlkreis be- rathen werden. Todteuliste der Partei. In Nürnberg ist der Partei- genösse Georg Rückert gestorben. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Die Magdeburger„Volksstimme" theilt mit, daß gegen den Reichstags-Abgeordneten Albert Schmidt nur m ü n d- lich auf ISO M. Geldstrafe oder 50 Tage Haft erkannt wurde. Im schriftlichen Urtheil sei die Haft auf 30 Tage fest- gesetzt. Entweder habe das Schöffengericht sich damals verrechnet oder der Vorsitzende sich versprochen. — Der Verleger der„Niederrheinischen Volkstribüne" in Düsseldorf, Genosse Albert, und 7 andere Angehörige unserer Partei sollten durch Abfassung und Verbreitung des diesjährigen Mai-Flugblattes gegen den Z 110 des Strafgesetz- bnches verstoßen haben, der von der Aufforderung zum Ungehor- sam gegen die Gesetze handelt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Albert S Tage Gefängniß, gegen 6 andere Angeklagte je 20 M. Geldstrafe; bei einem Angeklagten wünschte er selbst Frei- sprechung. Das Landgericht sprach dagegen sämmtliche Angellagte frei chid legte die Kosten des Verfahrens sowie der Vertheidigung der Staatskasse zur Last. — Wegen Beleidigung der Kasseler Polizei, begangen durch einen Artikel über die dortigen Straßenkrawalle, wurde der Redakteur des„Volksblatts" für Hessen", Genosse John in Kassel, vom Schöffengericht zu 60 M. Geldstrafe oder sechs Tagen Gesängniß vernrthetlt. — Am Mittwoch hat der Redakteur Krahl der Burg- städter„Volksstimme" eine flebenmonatige Gefängnißstrafe angetreten. Möge er sie so gut wie möglich überstehen.' — Aus Zwickau wird uns geschrieben: Das Gemeinde- raths-Mitalied Bauer in Niederhaslau, dem, weil er Sozial- deniokrat sei, jüngst die Amtshauptmannschaft das Recht abge- sprachen hat, den dort unter den Gemeinderaths-Mitgliedern reihum gehenden Polizeidienst zu versehen, wurde jetzt sammt seiner Frau vor dieselbe Behörde geladen, nm ihn zu bewegen, sein schon mehrere Monate altes Kind taufen zu lasten. Der Pfarrer von Niederhaslau und zwei KirchenvorstandS-Mitglieder haben vergebens versucht, ihn zur Zulassung des Taufaktes zu veranlassen, jetzt soll nun die politische Behörde auch noch ihr möglichstes thnn. Selbstverständlich konnte auch die Amtshaupt- Mannschaft ihm nur die Aberkennung der kirchlichen Ehrenrechte in Aussicht stellen und davor fürchtet sich Bauer nicht; das Kind wird nicht getauft. — Das badische Ministerium hat die Beschwerde verworfen, die gegen die Auflösung einer Volksversammlung in Lörrach und gegen die Verhaftimg des Parteigenossen K e s s e l r i n g er- hoben worden war. Kesselring hatte bekanntlich die auseinander gehende Volksversaminlimg zur Ruhe ermahnt. Jetzt ist er oben- drein noch in Anklageznstand versetzt. Auch gegen den Genossen Sch aur, der sich ganz besonders behördlicher Ausmcrksamkeit erfreut, ist Anklage erhoben. Er soll in einer Rede eine Majestäts- beleidiguiig begangen haben. Sozinlc Llrbrrfszszk. Bürgerliche Soziakpokitik. In Magdeburg bewilligten die Stadtverordneten für das Scdanfcst 7000 M., für die Aus nähme einer selbständigen gewerblichen Betriebsstatistik aber nur 500 M. Der Fabrikinspektor Müller in Hannover, dessen Amt?- bereich sich über die Regierungsbezirke Hannover, Stade, Osna- brück und Aurich erstreckt, sagt, wie der„Hannoversche Kurier" mitihcilt, im allgemeinen Theile seines Berichts:„Beziehungen zu den Arbeitern bilden sich nicht von selbst, sondern müssen mühsam gesucht werden. Die Hauptnrsache dafür dürfte darin zu suchen sein, daß den leitenden Stellen der Arbeiter- Organisationen weniger an einer Beseitigung vorhandener Mißstände gelegen ist, als an einer möglichst großen Zahl von Klagen über angeblich bestehende llngehörigkeiten und Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen." Unser Bruderorgan, der in Hannover erscheinende„Volks- wille", fordert nun den Herrn auf, seine Behauptung zu beweisen und daniit Gelegenheit zu geben, daß, wenn wirklich„leitende Stellen" in den Arbeiterorganisationen vorhanden sein sollten, die so pflichtvergessen, so tadelnswerth handeln, als es der Herr RegierungS- und Gewerberath in seinem Bericht behauptet, der„Volkswille" diese zur Rechenschaft ziehen kann. Im übrigen legt unser Bruderorgan Verwahr ung gegen die Behauptimg dcs Fnbrikinspektors ein und erwartet, daß die„leitenden Stellen der Arbeiterorganisationen" in öffent- iichen Versammlungen zu dem gegen sie erhobenen schweren und nach der Ansicht des„Volkswillens" ungerechtfertigten Vorwurf Stellung nehmen werden.— Daß die Behauptung dcs Herrn Müller nach irgend welcher Richtung hin berechtigt wäre, halten wir selbstverständlich für durchaus ansgeschlossen, umsomehr als in der Partei- und über- Haupt der Arbeiterpresse die Unterstützung der Fabrikinspektoren bei jeder Gelegenheit den Arbeitern in deren eigenein wohl- verstankj.Uein Interesse dringend empfohlen wird, und gerade die sozialkemokratische Partei es ist, die iin Reichstage und in den Landtagen für den Ausbau des Fabrikinspektorats ausS euer- gifchste eintritt. DaS Grwrrbegericht in Halle a. S. hat, den Anträgen der Arbeiterbeisitzer stattgebend, u. a. beschlossen, vom Magistrat zu fordern, daß das Orlsstatilt nach der Richtung bin geändert werde, daß künstig„diejenigen, welche mindestens ein Jahr cnt- weder in Halle arbeite» oder wohnen(wenn sie momentan auch arb eitslos sind), wahlberechtigt sind". Ferner soll die Zahl der Gen'erbcgerichtS-Bcisitzer bei jeder Wähl auf 60 Mit- glieder vervollständigt werden, sodaß auch für die nicht statutarisch ausgeschiedenen Ersatzwahlen stattfinden müsse». Endlich soll der kommunale Arbeitsnachweis entsprechend der vom Gcwcrbegcricht im Vorjabre angenommenen Vorlage ein- geführt und der Beschluß des Magistrats, den Arbeitsnachweis dem„Verein für Volkswohl" zu übertrage», zurückgenommen werde». Ein städtisches Arbeitsamt wird nun auch Gera er- halten. Die Stadlverordneten haben die betreffende Vorlage an- genoiiiineii. Die in Beziehung auf die Organisation des Arbeits- amtcß von einer Volksversammlung forumlirtcn Wünsche der Arbeiter sind leider nicht berücksichtigt worden, was der Popularisirung des Instituts hinderlich sein muß. Arbeitsscheu soll nach Ansicht einiger Fabrikinspcktoren „häufig" der Grund zur Arbeitslosigkeit sein. Wie unberechiigt diese Behauptung ist, zeigt wieder ein Inserat, das in Stettiner Blättern zn lesen war. Es lautet:„Herzliche Bitte a» edle Meiischenfrennde! Ein mir als fleißig und gewissen- hast bekannter Familienvater von vier jungen Kindern ist seit Mär» b r o t»«n d stellenlos. Er scheut keine Arbeit/ seine Kraft versagt aber Kersch, verer Erdarbeit, da er als ehemaliger Handlungsreisender nicht daran gewöhnt ist und zumal bei schlechter Nahrung nicht dazu im stände ist. Er ist in der äußersten Noth. Seine Kinder schreien nach Brot und er kann ihnen keins geben. Mittag hat er mit den Seinen seit vier Wochen nicht mehr essen können. Alle bisherigen Nnlerstütznngen konnten doch nur dazu dienen, sein Elend zu sristen. Wer kann ihm einen Dienst als Bote, Schreiber, Bureaugehilfe geben oder nachweisen? Wer kann ihm eine kleine Unterstützung geben? Ich quittire über die Gaben in diesem Blatte. Gott segne Geber und Helfer, Slettin, 6. Jnli 1895. Kopp, Prediger am Gefängniß." Arbcitszettel. Die Gcneralkom Mission führt zu diesem Thema im„Korrespondenzblatt der Gewerkschasten Deutsch- lands" folgendes aus: „Gegen die Beschaffung von Formularen zu Arbeitsverträgen in Form dieser Arbeitszetlel wird sich nichts einwenden lassen, denn die kleinen Arbeitgeber haben keine Werkstnttordnnng oder dergleichen und gerade aus dem Mangel irgend welcher schrift- liehe» Vereinbarung entspringt eine große Zahl Streitigkeiten, bei deren Entscheidung das Gewerbegericht auf die Aussagen der Streitenden angewiesen ist. Diese Neuerung würde die Zahl der Streitigkeiten vermindern oder deren Entscheidung erleichtern. Besonders dürfte sie aber auch aus die unsauberen Arbeitgeber nicht ohne Einfluß sein. Heute wird bei dem kleinen Arbeitgeber nur ausnahmsweise, bei Antritt der Älrbeit, nach den Arbeits- bedingnnge» gefragt, und der Arbeiter kehrt am Zahltag der Werkstätte wieder den Rücke», wenn er, nachdem er mehrere Tage gearbeitet, erfährt, was er dafür an Lohn erhalten soll. So wechseln die Arbeitskräste von Woche zu Woche und der Arbeitgeber weiß sich dadurch billige Arbeit herstellen zu lassen. Bei einer allgemeinen Einführung der Arbeitszettel würden diese Arbeitgeber dieselben allerdings nicht benutzen, der Arbeiter würde hieran aber sehen, daß Ursache vorhanden ist, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschweigen. So vortheilhaft die Sache an sich auch wäre, so scheint der vorstehende Arbeitszettel(nämlich der in der Frankfurter„Volksstimme" veröffentlichte, im„Vorwärts" wiedergegebene. R. d.„V") dem Zwecks doch nicht zu ent- sprechen. Besonders unpraktisch erscheint uns die Einrichtung auf dem Formular, daß das nicht Zutreffende zu durch- st r e i-ch e n ist. Eine solche Einrichtung wird zu mancherlei I r r t h ü m e r n und neuen Streitigkeiten Ver- anlaffung geben. Der Vordruck kann jedenfalls so eingerichtet werden, daß bei Hinznfügnng einiger Worte die getroffene Ver- einbarung keinem Zweifel unterliegen kann. In dem Jamnksur.ter Formular fehlt aber gerade die Be- stimmung, welche am nothwendigsten ist, um Streitigkeiten zu vermeiden. Die Dauer der Arbeitszeit muß unter allen Umständen in den Arbeitsbedingungen angeführt werden, sonst verlieren die Lohnbestimmungen vollständig ihren Werth. Der mit den Arbeitsverhältnissen in kleinen Werkstätten Vertraute weiß, wie gerade der Mangel einer Be- stimmung über die Arbeitszeit zu erheblichen Differenzen und Zwistigkeiten führt. Der Arbeitgeber, welcher den Anforderungen der Arbeiter gerecht werden will, wird eine solche Bestimmung sür selbstverständlich halten. Es wird sogar nothwendig sein, daß die Pausen genau bestimmt werden. Dadurch wird das Formular zwar etwas weitläufiger, sichert aber beide Theile vor Streitigkeiten, die ihren Grund in nicht präzise gefaßten Vertrags- bestimmungen haben. Wir denken uns das Formular so: Arbeitsbedingungen des................ Arbeitgebers 1. Der Arbeitsantritt erfolgt am............ 2. Der Lohn beträgt pro........... M....... Bei Wochenlohn werden die in die Woche sallendcn geseh- lichcn Feiertage...... mit bezahlt. Der Lohn wird bezahlt alle...... Tage am...... Erreicht das Arbeiksverhältniß aus irgend einem Grunde vor'dem Zahltage sein Ende, so ist der rückständige Lohn ..... zu zahlen. 3. Die A r b-e i t s z e i t beträgt pro Tag..... Stunden und dauert vormittags von.... bis....»nd von.... bis .... Uhr. Nachmittags von.... bis.... und von... bis.... Uhr. Bei Ueberstunden wird pro Stunde ein Ausschlag von .... Pf. gezahlt. Bei Sonntagsarbeit wird pro Stunde ein Aufschlag von �... Pf. gezahlt. Bei Akkord wird derselbe Zuschlag bezahlt. Bei Wocheulohn wird: Sonntagsarbeit pro Stunde mit..... Pf.. Ueberzeitarbeit pro Stunde mit..... Pf. bezahlt. 4. Kündigung. 5. Entlassung. 6. Besondere Bestimmungen(wie in dem Frankfurter Entwurf). Dabei soll nicht gesagt sein, daß damit alle ewentuell noch nothwendigen Bestimniungen getroffen seien, die angegebenen sind aber jedenfalls unter allen Umständen nothwendig. Wenn die Gewerbegerichte Veranlassung nehmen würden, sür die Einführung solcher Vertragssormulare zu wirken, so könnte mancher Mißstand in den kleineren Arbeitsstätten beseitigt werden." Diesen Ausführungen der Generalkommission stimmt die Frankfurter„Volksstimme" zu, indem sie schreibt:„Es muß allerdings zugegeben werden, daß die bei dem Frankfurter Formular- Entwurf vorgesehenen Streichungen leicht zu Ver- wirrungcn führen können. Der Vorschlag des„Korresp.-Bl." erscheint entschieden klar; wir empfehlen die Sache unseren ge- werkschastlich organisirten Genossen und besonders auch den Arbeiterbeisitzern im Gewerbegericht zur Berathung und Prüfung." GemerKMostlilszes» Achtung, Steiuarbeiter! In Leipzig haben die Kollegen aus einigen Werkplätzen die Arbeit wegen Lohndifferenzen nieder- gelegt. Die Meister weigern sich, den vereinbarten Satz von 2 M. 40 Pf. für den Quadratmeter scharrirter Flächen zu be- zahlen, wollten vielmehr nur 2 M. geben, was sich die Kollegen unter keinen Umständen gefallen lassen konnten. Eine Verein- barung ist bis heute noch nicht möglich gewesen. Die Kollege» hoffen aber bestimmt, daß sie ein günstiges Resultat erzielen werden. Wir bitten nun, den Zuzug streng fernzuhalten. Der Zentralausschuß der Steinarbeiter Deutschlands. I. A.: PH. Thomas, Ripdorf(Berlin), Ziethcnstr. 35. Bei dem Steinmetzmeister Anders ist, wie im Anschluß hieran mitgetheilt sei, nach nur halbstündigem Ruhenlassen der Arbeit, die Gehilfenforderung bewilligt worden. Die Bauarbeiter Berlins werden darauf aufmerksam gemacht, daß für die Streikenden in Flensburg vom Zentral- vorstand Listen ausgegeben werden, die am Sonntag, Ll. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Tempel, Langestr. 65, zur Ausgabe gelangen. Die Berufsgenossen werden ersucht, recht rege die Sammlungen zu betreiben. Karl Heidemann. Achtung, Maurer Berlins? Auf dem Bau des Maurer- meisters Weber, Haust- und Fregestraßen- Ecke in Friedenau, haben wegen Lohndifferenzen die Maurer die Arbeit niedergelegt. Die Berufsgenossen werden gebeten, dies zu beachten. Aus Halle. Der von den Bauunternehmern erwartete Zuzug von Streikbrechern ist ausgeblieben. Der Ausstand der Maurer und Jlrbeitsleute läßt also das beste hoffen. Die Zahl der streikenden Zimmerer hat sich vermehrt. Einige Unternehmer haben deren Forderungen bewilligt. Der Maurerstreik in A m m e n d o r f bei Halle ist zu Ende. Sämmtliche Maurer bekamen den Stundenlohn um 1 Pf. erhöht. Sie erhalten jetzt 36 Pf. Beendet ist der Streik der S t u h I r o h r a r b e i t e r von Menck, Schultze u. Komp. in Bremen. Die Firma hat sich, wie wir in der„Bremer Bürgerzeitung" lesen, verpflichtet, 85 Arbeiter resp. Arbeiterinnen von den Streikenden sofort wieder in Beschäftigung zu nehmen, während es ihr obliegt, die übrigen bis spätestens zum I. September nach und nach einzustellen. Bezüglich der Einstellung der drei Gemaßregelten soll unter den gegebenen Umständen eine Verpflichtung für die Firma nicht bestehen, dagegen soll der gesammte infolge der plötzlichen Arbeits- einstellung laut Geseh und Fabrikordnung der. Firma verfallene rückständige Lohn zur Unterstützung der von jetzt bis zum 1. Sep« tember noch außer Arbeit stehenden Verwendung finden. Aus Schmölln wird dem Altenbnrger„Wähler" geschrieben, daß der Knopfarbeiter-Streik als beendet betrachtet werden dürfe. Dann heißt es weiter: Bekanntlich sollte am 1. Juli die Ausbesserung der einzelnen Punkte des Minimaltarifs, die am meisten von den Arbeitern beanstandet wurden, eintreten. Triumphirend hatte das Organ der Gewerkvereinler„Die Eiche" damals berichtet, daß nichts, gar nichts von der organisirten Arbeiterschaft Schmöllns erreicht worden sei und daß blos die Ungeschicklichkeit der Streikleitung es gewesen wäre, die, wie man zu sagen pflegt, den Karren in den Dreck „gefahren" hätte. Es hat aber den lieben guten Gewerkvereinler» nichts genutzt, daß sie in dieser Weis« auf die Fabrikanten ein- hetzten. Die Lohnaufbesserung ist gemäß dem Versprechen des Kommerzienraths Donath nunmehr erfolgt. Wir hegen auch keinen Zweifel, daß die übrigen Arbeitgeber, die dasselbe zu zahlen versprachen, wie Herr Donath, ihrem Versprechen nachkommen werden. In Chemnitz waren vom Schöffengericht die ehemaligen Leiter des aufgelösten Gewerkschaftskartells, die Genossen Zucksch werbt, Staps, C. Riem mm, E n d e r s und Eckhardt von der Anklage freigesprochen worden, durch Zu- lassung von Vertretern der Einzelmilglieder des Metallarbeiter- Verbandes das Vereinsgesetz verletzt zu haben. Die Staats- anwaltschaft legte Berufung ein und hat damit auch theilweifen Erfolg gehabt. Das Landgericht verurtheilte Niemann zu 50, Zuckschwerdt, Kaps und Enders zu 25 M. Geldstrafe und zu ge- meinschaftlicher Tragung der Kosten der Vordcrinstanz. Eckhardt wurde freigesprochen. Die Kosten der Benifimg hat der Staat zu tragen. Die Maurer in Hof in Bayern stehen in einer Lohn- bewegung, weshalb Zuzug dorthin streng zu vermeiden ist. Die Wiener Kutscher, und zwar die sogenannten Ein- s p ä n n e r g e h i l f e n, hatten an die Fuhrwerksbesitzer folgende Forderungen gestellt: l. Einführung des Lehrlingswesens und Regelung der Probefahrt; es dürfen nur solche Per- sonen als Gehilfen verwendet werden, welche ein Pferde- wärterzeugniß haben und zwei Jahre-im Gewerbe thälig waren. 2. Für Hintanhaltung der Proletarisirung der älteren Kutscher und zur Verhütung von Unglücksfällen durch minder» jährige Kutscher sei das 20. Lebensjahr als Minimal- Altersgrenze festzusetzen. 3. Errichtung eines Rufhauses und Regelung der Stellenvermittelung. 4. Einführung einer Verdienst- konlrolle zur Klarstellung und Erreichung gesunder Dienst- Verhältnisse. 5. Gewährung eines Ruhetages. Die Fuhrwerksbesitzer, organisirt in der antisemitischen Genossenschaft und in dem liberalen Klub der Einspänner- Eigenthümer, vereinigten sich trotz ihres gegenseitigen politischen Haffes sofort, um die Wortführer der Kutscher zu maßregeln. Von allen Forderungen wollen die Fuhrwerksbesitzer nur die »ach Errichtung eines Rufhauses bewilligen. Ob sich die Kutscher das gefallen lassen, bleibt abzuwarten. Unter de» Schtvefelarbeiter» Siziliens, wohl den am ärgsten ausgebcutetsten Proletariern Italiens, gährt es heftig. Man befürchtet„wiederum Unruhen". Die Regierung ist um „schleunige Intervention" angegangen worden. Sie wird sicher nicht verfehlen, dem Angstschrei der Kapitalisten nachzukomme», indem sie, wie üblich, die hungernden Arbeiter mit blauen Bohnen füttert oder sie in Gesängnissen und Strafkolonien zum Schweigen bringt. Ehren-Crispi versteht die„Stimme der Zeit". Gevirszks Ter Kouzessionsprozest des Herrn Maurice wurde am Dienstag verhandelt. Dem Pächter des„Belle-Alliance-Theatcrs" in Berlin, Maurice, hatte der Polizeipräsident unter den, 2. Mai 1895 die Erlaubniß zum Betriebe des Gewerbes als Schauspiel- Unternehmer versagt. Auf Aufhebung der versagenden Verfügung ist M. klagbar geworden. Der Bezirksausschuß beschloß Ver- tagung der Sache, nachdem der Vertreter des Polizeipräsidiums das Material, auf grund dessen die Behörde dem Kläger jene Er- laubniß versagt hatte, vorgetragen hatte. Der Kläger hatte bereits in den 80 er Jahren in Hamburg die Konzession als Schaiffpiel-Uuternehmer erhalten, sie war"ihm aber später ent- zogen worden. Zum Kapitel deö BauschwiudelS. Wegen vollendeten und versuchten Betrugs in fünf Fälle» hatte sich der„Bauunter- nehmer" Johann Friedrich Christian Eilers ans Treuenbrietzen, zuletzt in Luckenwalde wohnhaft gewesen, vor dem Rixdorfer Schöffengericht zu verantworten. Ans der Verhandlung ergab sich, daß der Augeklagte ein Banschwindler ersten Ranges ist. Eilers ist gelernter Weber, später nannte er sich Arbeiterundschließlich betrieb er in Luckenwalde das Metier eines Winkelkonsulenten. Das letztere Geschäft brachte ihm jedoch nickt genug ein und so beschloß er, Bauunternehmer zu werden. Ohne einen Pfennig in der Tasche zog er nach Berlin und schon nach kurzer Zeit tauchte er in Ripdorf als Bauherr und Bauunternehmer auf und begann mit dem Vau einer Miethskaserne. Dieselbe wurde auch glücklich vollendet und bald darauf bezogen. Den größten Theil der Baugclder verbrauchte der saubere Herr Bauunternehmer jedoch sür sich und die bedauernswerthe» Handwerker hatten das Nachsehen. Einer der Gläubiger des neubackene» Hausbesitzers suchte wenigstens etwas dadurch zu rette», daß er im November 1834 die Miethen für Dezember desselben Jahres pfänden ließ. Als die Miether sich daher im Dezember weigerten, an Eilers die Miethen zu zahlen, erklärte dieser, die Pfändung sei ungiltig und übrigens bereits wieder aufgehoben worden, man möge ihm da- her ruhig die Miethe zahlen. In mehreren Fällen gelang es Eilers auch, durch diese falschen Vorspiegelungen die Mielher zur Zahlung an ihn zu bewegen, wodurch mehrere arme Arbeiterfamilien erheblich geschädigt wurden, denn sie mußten später den Betrag noch einmal bezahlen. In allen Fällen hatte Eilers die Quittungen im Miethsbnche vordatirt, so daß es den Anschein gewinnen sollte, als habe er das Geld schon vor der Pfändung erhalten, dieser Schwindel war aber etwas zu deutlich und wurde sosort erkannt. In einigen Fällen halte Ellers wieder monatelang voraus quittirt, ohne überhaupt einen Pfennig erhalten zu haben, um so auf diese Weise spälere» Pfändungen zuvor zu kommen. Aber auch das nutzte ihm nichts, denn das Haus wurde bald darauf gerichtlich verkauft. wobei natürlich sämmtliche Handwerker- Forderungen in Höhe von 10 000 Mark ausflelen. Wegen der Miethsschwindeleien wurde Anklage erhoben. Im Audienztermin erklärte der Angeklagte, er habe geglaubt, daß Miethen überhaupt nicht pfändbar seien und deshalb habe er dieselben eingezogen. In diesen Glauben sei er durch ein Erkenntniß des Landgerichts zu Potsdam gekommen, welches er den, Gerichtshofe überreichle. Die Verlesung des belr. Urtheils ergab jedoch, daß der Angeklagte aus demselben unmöglich zu der Ansicht gelangen konnte, daß Miethen unpfändbar seien, diese Angabe vielmehr nur eine leere Ausrede war. Da Eilers bereits wegen Diebstahls mit l>/s Jahren und wegen Betrugs mit 6 Wochen Gefängniß vor- bestraft ist, beantragte der AmtSanwalt gegen denselben vier Monate Gefängniß. Ter Gerichtshof war jedoch der Meinung, daß den Bauschwindlern das Handwerk durch strengere Strafen gelegt werden müsse und erkannte auf sechs Monate Ge- f ä n g n i ß. Von prinzipieller Bedentnnq für das Schiffergewerbe ist ein Urtheil, welches dieser Tage das Reichsversicherungsamt fällte. Der Heizer Reifenschläger war, wie die„V. Z." meldet. auf der„Jtalia", welche im Hafen lag. beschäftigt; er bekam 3 M. 50 Pf. Gehalt pro Tag und mußte sich selbst beköstigen. Im Januar v. I. ging Reifenschläger ans Land, angeblich um Lebensmittel zu kaufen. Den Aufenthalt am Lande benutzte Reifen- schläger, um einige Wirthschaften zu besuchen und sich einen kleinen Rausch zu trinken. Auf dem Rückweg nach der„Jtalia" fiel er ins Wasser und erkältete sich hierbei derart, daß er kurz darauf im Krankenhause verstarb. Die Wittwe des Verstorbenen beantragte ohne Erfolg bei der See- Berufsgenossenschast eine Rente. Das Schiedsgericht entschied jedoch zu gunsten der Wittwe. Gegen diese Entscheidung legte sodann die See-Berufsgenossenschast Rekurs beim Reichs-Ver- sicherungsamt ein und verneinte das Vorliegen eines Betriebs- Unfalls. Reifenschläger habe sich vom Schiff ans Land begeben und fei mit dem Verlaffen des Schiffes aus dem Betriebe aus- getreten. Nach der ständigen Rechtsprechung desReichs-Versicherungs- amts seien aber Unfälle auf dem Wege zur Betriebsstätte nicht als Betriebsunfälle anzusehen. Diese Wege seien vielmehr als Hand- lungen, die nur zu dem Zwecke erfolgen, um erst zu dem Betriebe zu gelangen, keine Betriebsvorgänge. Das Reichs-Versicherungsamt entschied aber ebenfalls zu Ungunsten der Berufsgenossenschast und erachtete einen Betriebsunfall für vorliegend. Nach Ansicht des Reichs-Versicherungsamts ist die Schiffsmannschaft nicht nur gegen die Gefahr auf dem Schiffe, sondern auch gegen die dem Betriebe eigenthümliche Wassergefahr als solche versichert. Dahin gehört auch die durch die Nothwendigkeit, öfter an Land zu gehe», hervorgerufene Gefahr des Ab- und Zuganges vom bezw. zum Schiffe. An das Unerhörte grenzte die Vergewaltigung einer Miethspartei durch die Hauswirthin, welche gestern die erste Ferien- Strafkammer am Landgericht II beschäftigte. Auf der Anklagebank stand die verwittwete Hauseigenthümerin Anna Schroepfer aus Neu-Weißensee, mit drei Helfershelfern, dem Arbeiter Johann Vetter, dem Arbeiter Albert G I o w a t f ch und dem Maurer Emil H e r r m a n n. Außerdem stand noch die verehelichte Arbeiter Ida Becker vor den Schranken. Sämmtliche Angeklagte waren wegen Körperverletzung angeklagt, die ersten vier außerdem wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und Frau Schroepfer für sich allein noch wegen Nöthigung. Die Beweisaufnahme ergab folgenden kaum glaublichen Vorgang: Die Arbeiter Becker'schen Eheleute wohnten seit längerer Zeit im Hause der Frau Schroepfer, doch kündigten dieselben am 1. Januar ihre Wohnung zum 1. April, um sich eine billigere Wohnung zu suchen. Nun fügte es sich aber, daß der Ehemann im Februar d. I. keine Arbeil hatte und für diesen Monat einen Theil der Miethe mit 4M. schuldig bleiben mußte. Aus irgend einem nicht ersichtlichem Grunde wollte die Hausbesitzerin die Leute aber früher aus der Wohnung haben und sie nahm als Vorwand dazu den Mielhsrest. Ein Exmissionsverfahren einzuleiten, erschien der energischen Frau Wirlhin viel zu umständlich, sie zog ei» ab- gekürztes Verfahren vor und drang mit den im selben Hause wohnhaften drei Männern Vetter, Glomatsch und Herrmann am Morgen des 8. März in die Becker'sche Wohnung. Die Frau war allein, der Mann war auf die Arbeitsuche gegangen, sie mußte es über sich ergehen lassen, daß blitzschnell dieThüren zur Küche und Wohnstube ausgehoben und ihre sänimtlichen Sachen auf die Straße geworfen wurden. Als Frau Becker sich wider- setzen wollte, erhielt sie von allen Seiten Schläge. Frau Schroepfer ließ sogar noch das Kaffeegeschirr der Leute in das Nachtgeschirr setzen. Nachdem ein Gendarm zu Hilfe geholt war, wurde gegen die ersten vier Angeklagten die Anklage erhoben; da dieselben aber behaupteten, daß auch Frau Becker mit einem Gummi- schlauche geschlagen habe, so wurde diese ebenfalls angeklagt, doch ergab die Beweisaufnahme nach dieser Richtung hin nichts Belastendes. Der Vorsitzende wollte seinen Ohren nicht trauen. als Frau Schroepfer behauptete, daß sie nicht gewußt habe, daß sie nicht ohne weiteres das Recht �u solchem Vorgehen habe, sondern erst auf Exmission klagen müßte; als ah« dieselbe zugab, daß sie bereits 23 Jahre Hausbesitzerin sei, verlor sie alle Glaubwürdigkeit. Das Urtheil lautete für Frau Schroepfer auf sechs Wochen Gefängniß, für Vetter und G l o- watsch auf je einen Monat, für H e r r m a n n ans drei Woche» Gefängniß. Frau Becker wurde frei, gesprochen. Oepefchen und lehke Mktchvichken. Brüssel, 18. Juli.(V. H.) Offiziöse Blätter versichern, die Regierung sei gewillt, bezüglich der Schulgesetz- Vorlage der Liberalen große Konzessionen hinsichtlich der Subfidien zu ge» währen. Brüssel, 18. Juli.(W. T. B.) Die Repräsentanten-Kammer setzte heute die Berathung des Schulgesetzes fort. Die Sitzung war sehr erregt. Als der Minister des Auswärtigen de Burlet bemerkte, er beklage diejenigen Eltern, welche ihre Kinder in der Kloake des Atheismus verkommen lasse», erhob sich ein gewaltiger Lärm, die Sozialisten beschimpften die Minister, die Mitglieder der Linken und der Rechie» riefen sich gegenseitig Drohungen zu. Ter Präsident hob die Sitzung auf. Nach Wiederaufnahme der- selben bringt Nerincx, Deputirter sür Brüssel, einen Antrag ein. sich dahin zu einigen, daß über die Frage der Unterstützungs- gelder sofort berathen werde, der Rest der Vorlage vertagt und an eine Spezialkomnnssion verwiesen werde. Der Antrag wird abgelehnt. Vandevelde schlägt vor, den auf die Erziehung bezüglichen Theil der Vorlage zu ver- tagen und sogleich über die Maßregeln zu berathen, die sich auf die Verbesserung der Lage der Lehrer beziehen. Lorand hatte Vertagung der ganzen Berathung über das Schulgesetz auf das nächste Jahr beantragt, erklärt sich jedoch mit dem Vorschlag Vandevelde einverstanden. Dieser Vorschlag wird mit 88 gegen 49 Stimmen abgelehnt. London, 18. Juli.(W. T. B.) Wie dem„Reuter'schen Bureau" aus Sidney gemeldet wird, wurden durch einen großen Erdrutsch in einer Mine bei Brokenhill acht Personen getödtet und zwei verwundet. Sofia, 18. Juli.(H.B.) Das Bekanntwerden von Stanibulow's Tod hat in der ganzen Stadt eine große Erregung hervorgerufen. die sich nicht so sehr gegen die Regierung als gegen den Fürsten Ferdinand richtet. Die Freunde Stanibulow's beschuldigen den Eürsten geradezu, daß er allein das Hauptinteresse am Tode tambulow's hatte und««sichern, daß, wenn es zum Prozeß gekommen wäre, Stanibulow's Aussagen sür den Fürsten höchst kompromittirend gewesen sein würden. Es bricht sich jetzt auch die Ueberzeugung Bahn, daß Fürst Ferdinand gar nicht mehr nach Bulgarien zurückkehren werde. Die russophi'le Partei erörtert ernstlich den Plan, de» Fürsten zu entthronen und seine» Sohn»nter einer von Rußland zu bestimmenden Regent- fchast zum Fürsten von Bulgarieii zu proklamire». Sofia, 18. Juli.(W. T. B.) Tie Leiche Stanibulow's ist aufgebahrt. Das Begräbniß findet am Sonnabend Nachmittag 2 Uhr statt. Kondolenztelegramme an die Wittwe sind unter anderen eingegangen vom Prinzen von Wales und von den Regierunge» Englands und Rumäniens. Tie Meldung, daß einige Vertreter auswärtiger Mächte bei dem Tode Stanibulow's zugegen waren, bestätigt sich nicht; dieselben waren theils vor, lheils nach dem Ableben erschienen. Konstantinopel» 18. Juli.(H.B.) 6000 Mann der hiesigen Garnison erkielten Befehl, sich zum Abmarsch nach Makedonien bereit zu halten. Verantwortlicher Redakteur: Max Pfund in Halensee. Für den Jnferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badina in Berlin. Hierzu 1 Beilage Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 166. Freitag, den 19. Juli 1893. IS. Jahrg. Parteigenosse»! Arbeiter! Im November d. I. finden im S., S., 7..»I.. 13.. IS.. 17., A4>, 37., 30., 33., 33., 30. nnd 4J. Kommunal Mahlbezirk I». Abthrllnng die Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten-Versammlung statt. Wahlberechtigt ist nach Z 5 der Städte-Ordnung jeder in die Wählerlisten eingetragene selbständige Ein. wohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist. seit einem Jahr in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine Armenunterstützung aus öffent lichenMittelnempfangenhat, sowiemindestens zur zweiten Steuerstufe(600—900 Mark Ein kommen) eingeschätzt ist. Die Liste der stimmsähtge« Kurger liegt bis fuin 30. Juli d. J. täglich, also auch Sonutag», von 0—3 Zlhr im städtischen Mahlburea«, Poststr. 16, 2 Tr., zu jeder- mann» Einsicht aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste können nur während dieser Zeit schriftlich beim Magistrat er- hoben werde«, lieber die Kerechtigung der gegen dir Richtigkeit der Listen erhobenen Einsprüche entscheidet die Stadtverordneten-Versammlung. Zu einem für die Sozialdemokratie erfolgreichen Ausfall des bevorstehenden Kommunal-Wahlkampses ist es nothivendig, daß jeder stimmberechtigte Parteigenosse und Arbeiter sich durch Ein- stchtnahme in die Listen vergewissert, daß er sein Wahlrecht aus üben kann. Wir mahnen daher dringend zur genauesten Kontrolle der Wählerlisten, und richten dies- Auffordernug besonders auch an diejenigen Möhler, welche wegen nicht vollbezahlter Kur» und Urrpflegungskosten in städtische» Krankenhäusern nicht in die Mählerlist« aufgenommen bezw. aus derselben gestrichen sind. Der Magistrat betrachtet nämlich die Aufnahme und Be- Handlung in städtischen Krankenhäusern auch dann als eine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln, wenn die dadurch entstandenen Kosten durch Ratenzahlungen abgetragen wird. Die Stadtverordneten-Versammlung da« gegen hat wiederholt beschlossen, daß Kranken- hausschulden, welche durch Ratenzahlungen getilgt werden, nicht zum Verlust des Wahl- rechts führen, und den Magistrat aufgefordert, demgemäß zu verfahren. Da der Magistrat trotzdem an seiner Auffassung festhält, so fordern wir in der Gewisihrit, dasi die Stadtverordneten- Versammlung die Eintragung in die Mählerlisten beschließen wird, diejenigen Wähler, denen au» oben bezeichneter Veranlassung da» Wahlrecht entzogen wird, hiermit auf, beim Magistrat schriftlich Einspruch gegen die Richtigkeit der Mählerliste z« erheben. Wir bemerken noch, daß auch die Gewährung des Armenrechts zur Führung von Prozessen nicht als Armenunterstützung aus öffent- lichen Mitteln gilt. Parteigenossen.' Zur Vorbereitung derimHerbst stattfindenden Kommunalwahlen muß zunächst die Kontrollirung der Wählerlisten organisirt werden. Auf an'» Merk.' Die Listen liegen bis zum 30. d. M. täglich von 9 bis 3|lhr im städtische» Mahlburean, Postsir. 16, 2 Tr., zu jedermann» Einsicht an». Für diejenigen Wähler, welche nicht in der Lage find, die Wählerlisten selbst einzusehen, sind die nachstehend ausgeführten Parteigenossen bereit, dies zu thun: yii �. Grünstr. 21; Linke. Jüdenstr. 36; Stockfisch, Holzgarten' straße S; Gärtner, Molkenstr. 12. Für den 3. Kommuual> Wahlbezirk: Schulz, Prinz Albrechtstr. 3a,; Schuhmacher, Kochslr. 6; Hertel, Bessel- straße H; Haseloff, Friedrichstr. 234; Saß, Markgrafen- straße 102; N e u m a n n, Markgrafenstr. 23; Z u b e i l, Linden- straße 106; Müller. Wilhelmstr. 16; Pohl, Junkerstr. 12. Für den 7. Kommunal- Wahlbezirk: Werner, Bülowstraße 59; F a b e r, Lützowstr. 4; Behrendt, Blumen- thalstraße 5. Für den 11. Kommunal- Wahlbezirk: Raumann, Blücherstr. 42; Müller, Gräfestr. 31; Schonheim. Gräfe- straße S; Löwendorf. Friesenltr. 4; Reichert, Willibald- Alexisstr. 22; Grube, Mariendorferstr. 5; Kitzing, Belle- Alliaucestr. 74. Für den 13. Kommunal- Wahlbezirk: Kö ppen, Reichenbergerstraße 118; Schayer, Reichenbergerstraße 54; Felge ntreff, Reichenbergcrstr. 21; Gottfried Schulz, Adniiralstr. 40 n. Für den 13. Kommunal- Wahlbezirk: Streit, Namiyilstr. 36; T h. M e tz n e r, Naunyustr. 67, II; Henke, Naunynstr. 26. Für de» 17. Kommunal Wahlbezirk: Linde mann, Moritzstr. 9; Wolsdorf, Wasserlhorstr. 20; Börner, Rillerstr. 15. Für den 24. Kommunal- Wahlbezirk: O w z a r e ck, Langestr. 65; Albert Böhl, Rüdersdorserstr. 8. Für den 27. Kommunal- Wahlbezirk: W. Lock, Friedrichsbergerstr. 11; F. Bach, Strausbergerstr. 34. Für de» 30. Kontinunal- Wahlbezirk: Wernau, Rosenthalerstr. 57; W a ß m a n n, Limenstr. 29. Für den 33. Kommnnal-Wahlbezirk: O b e r s ch m i d t, Weinbergsweg lld; W i tz e l, Ackerstr. 145; Thomas, Garlen- straße 152; Mars, Kastanien-Allee 95/96. Für den 33. Kommuual- Wahlbezirk: Lietzke, Schwedterstr. 33; Galbert. Fürslenbergerstr. 5; Raabe, 3i u p p i» e r st r. 42; S ch e y e r, Brnmienstr. 44; Rosen t h a l, Granseeerstr. 6. Für de» 42. Kommunal- Wahlbezirk: Tausche!, Grenzstr. 4; K e r b e r, Hochstr. 30; Hajerland, Bellerniann- straße 87; Wolfram, Prinzen-Allee 21; G a ß m a n n, Grün- thalcrstr. 67; Stolzen bürg, Wiesenstr. 14; Löffler, Badstr. 42,43; Hobein, Buttniaiinflr. 2. Lokales- Das Wahlrecht für die Stadtverorduetenwahlen wird nach uns zugegangenen glaubwürdigen Mittheilungen von einigen kenntnißarmen Beamten in geradezu ungeheuerlicher Art den Ar», beitern beschnitten. Es ist vorgekommen, daß«in städtischer Beamter die Aufnahme eines Arbeiters in die Wählerlisten um deshalb abgelehnt hat, weil der betreffende Unfallrente aufgrund des Unsallversicherungs- gesetzes bezieht und weil— nach Anficht des Beamten eine Unfallrente eine Armen- Unter st ützung sei! Die Ansicht des Beamten ist völlig unhaltbar. Weder Unfallrenten, noch Alters- renten, noch Invalidenrenten sind Armen- Unterstützungen. Sie sind vielmehr wohlerworbene Rechte der betreffenden Arbeiter. Der Umstand, daß die— der Höhe nach allerdings als Almosen häufig zu erachtenden— auf grund des Unsallversicherungs- Gesetzes, des Alters- und Jnvaliditätsversicherungs-Gesetzes zu zahlenden Renten keine Armenunterstützungen sind, ist fast der einzige Vortheil der sogenannten sozialpolitischen Versicherungs- gesetze. Wer in der Wählerliste nicht aufgenommen ist. weil er Unfall- rente, Altersrente, Jnvaliditätsrente oder Krankenkassengeld be- zieht, beantrage seine Eintragung durch ein etwa folgendermaßen lautendes Schriftstück: In der Wählerliste bin ich nicht aufgenommen, wiewohl ich wahlberechtigt bin. Ich verlange meine Aufnahme in die Liste und erhebe gegen die Richtigkeit der Wählerliste hiermit Einspruch. Dieses Schriftstück muß spätestens am 30. Juli 1895 dem Magistrat eingereicht sein. Außerdem versäume der zu unrecht in der Wählerliste nicht Aufgenommene nicht, dies und die Mittheilung, daß er Verichtigung beantragt hat, unsrcr Redaktion mitzutheilen, damit unsere Genossen im rothen Hause später im Besitz hinreichenden Materials sind. Ebenso verfahre jeder, der Krankenhaus- Gelder für sich oder seine Familienangehörigen noch nicht bezahlt hat und deshalb Aufnahme in der Wählerliste nicht gefunden hat. Der 3!llck> stand mit Kranke nhausschulden ist keineswegs mit dem Empfang von„A r m e n Unterstützung ans öffentlichen Mitteln" gleich- bedeutend. Es scheue niemand die kleine Mühe, schriftlich Ein- spruch gegen die Beschneidung des Wahlrechts zu erheben— handelt es sich doch um das höchste politische Recht des einzelnen. Die Lokalkommissiou macht daraus aufmerksam, daß das Lokal„Neptunshain", wohin der Verein Gambrinus am Sonn- abend eine Partie macht, für die Arbeiterschaft gesperrt ist. I. A.: Karl Scholz, Wrangelstr. 32. Achtung, Charlottenburg! Im November dieses Jahres hat die dritte Abtheilnng in sämmtlicheu Kommunalwahlbezirken die Ergänzungswahlen zur Stadtverordnete n-Ver- s a m in I u n g vorzunehmen. Jeder Wahlberechtigte hat die Pflicht, die Wählerliste daraushin zu revidiren, ob sein Name ordnungs- mäßig darin verzeichnet steht. Besonders sei darauf aufmerksam gemacht, daß viele derjenigen Wähler, welche zur Zeit zu dem an unserm Orte bekanntlich nicht erhobenen Steuerbetrage von 4 M. eingeschätzt sind, in den Listen nicht verzeichnet stehen. Mögen diese Wähler ganz besonders genau die Revisionspflicht ausüben. Die Wählerlisten liegen bis zum 30. Juli täglich, also auch Sonntags, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr im Rathhause, Berlinerstraße 73, vorn links, Hochparterre, zu jedermaiiiis Einsicht ans. Solche Wähler, denen es nicht möglich ist. die Listen selber nachzusehen, ersuchen wir, sich au folgende Genossen zu wenden, welche die Kontrolle übernehmen werden: Gastwirth Beyer, Wallstr. 96, Gastwirth Bredlow, Augsburgerstr. 78, Görke, Wilmersdorferstr. 46, v. 4 Tr., Gast- wirth Gimpel, Osnabrückerstr. 28. Gastwirth Hochmuth, Krumme- straße 19, Gastwirth Leder, Bismarckstr. 74, Gastwirth Wolter, Magaziustr. 15, Scharnberg, Wilmersdorferstr. 124, Hof 3 Tr. Die moderne Glorie der evangelischen Landeskirche wird recht niedlich gelegentlich einer Frage veranschaulicht, die wir in der„Volks- Zeitung" erörtert finden. Es heißt dort:„Kann der Kaiser von der Kanzel predigen? Mit dieser Doktorfrage beschäftigen sich hiesige theologische Kreise. Be- kanntlich hält der Kaiser auf seinen Seereisen des öfteren die Schiffs- Gottesdienste selber in aller Form ab. Nun hat diese Thatsache Veranlassung in den gedachten Kreisen ge- geben zu der weiteren Frage, ob der Kaiser auch berechtigt wäre, in der evangelischen Landeskirche, die Kanzel zu besteigen und eine Predigt zu halten. Während die einen das für kirchen- rechtlich nicht thunlich und möglich hallen, behaupten die andern, und zwar allen Ernstes, daß er dies in der That doch könne, und zwar mit vollem Fug und Recht. Als surmnus episcopus, als erster und höchster Bischof der Landeskirche sei er— so meint man hier und da durchaus ernstlich— dazu ohne Zweifel be- rechtigt. Und wenn dagegen gesagt werde, er habe doch die Weihe und Ordination nicht empfangen, so sei auch das kein durchschlagender Einwand. Einmal können in der evangelischen Kirche auch die Kandidaten schon predigen, ohne die theologischen Prüfungen bestanden oder gar die Ordination empfangen zu haben. Aber ganz abgesehen davon berechtige doch die thar- sächliche Stellung des Landesherrn als Bischof der Landeskirche ihn schon ohne weiteres zu allen Funktionen, welche dem Bischof als solchem zustehen".— Das wollten wir denn doch auch meinen! Neber den gewerbsmäßige» Vermittler von Millionen- Erbschaften, den Schwindler Friedrich Ludwig Theodor Mündt, zur Zeit in Firma Mündt u. Comp, in London, der, wie be- raiint, sein letztes Opfer in der„Rixdorfer Millionenerbin" Hulda Bär gesunden hat, erfahren hiesige Blätter einige inter- cssante Miltheilungen. Danach begann Mündt seine Laufbahn als Schreiber bei einem Rechtsanwalt in Halle a. S., der Wandertrieb wurde jedoch früh in ihm lebendig. So durchstreifte er seit der Mitte der fünfziger Jahre ganz Sachsen und Thüringen als Lehrer der Schnellschrifl Gabelsberger's, wobei er sich den schönen Namen„Oberslenograph" beilegte. Seine Lehrgänge wurden freilich niemals zu Ende geführt, weil regelmäßig unerwartete Umstände den Oberstenographen zur Abreise nöthigten, merk- würdigerweise aber immer erst dann, wenn er das Geld für den Unterricht im voraus eingenommen hatte. In Schleiz wurde er im Jahre 1357, als er einen Lehrgang ausgeschrieben und einen Pfarrer um fünf Thaler angeborgt hatte, wegen Landstreicherei eingesteckt und nach achttägiger Haft mit Zwangspaß in seine Heimalh geschickt. Er geht jedoch nicht nach Halle, sondern taucht ini Dezember 1357 in Oldenburg auf und verlobt sich schon kurz darauf als I'öäerigo hlunät, pi-okessoro llella.-tsnoAratig. o äeUs. IrnAuo nroäerns mit der Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers in der Lüncburger Haide. Leider erzählten daraufhin die bösen Zeitungen allerlei aus der Vergangenheil des Herrn Bräutigams, so daß die Verlobung gelöst wurde und Federigo wieder zum Wanderstab greifen mußte. Er durchzog Mecklenburg und wollte in Schwerin gerade einen Lehrgang mit dreiundvierzig Schülern beginnen, als er von der Polizei ausgewiesen wurde. Nun wandte er sich nach Preußen und ernannte sich selbst zum „Rektor der Slenographeli-Akademie für die königlich preußische Monarchie". Unter diesem Titel, der ihn mehrere Male vor Gericht führte, ohne daß man ihm etwas anhaben konnte, trieb er sich wanderlehrend bis zum Jahre 1869 in Rhein- land, Westfalen und Hannover herum. Im Jahre 1872 finden wir ihn in Zürich, wo es ihm anfangs so schlecht geht, daß er obdachlos in den Wäldern des Zürich- bergs nächtigt und sich von gebratenen Schnecken nährt. Die Stenographie hat er an den Nagel gehängt, aus dem Professor und Rektor ist ein einfacher Doktor geworden. Nach schweizer Sitte hat er einen Doppelnamen angenommen und nennt sich Dr. Theodor Mundt-Lauff. Nach mannigfachen Irrfahrten, und nachdem er wiederholt mit den schweizerischen, belgischen und preußischen Polizeibehörden in Konflikt gerathen war, tauchte er endlich in London auf, von wo aus er eine lange Reihe von großartigen Erbschaftsschwindeleien in Szene setzte. Die anspruchsvolle Art, mit der die Innungen von ihren„Leistungen" zu reden gewöhnt sind, zeigt sich wieder in einer Bekanntmachung des Ausschusses der vereinigten Innungen Berlins, in der den Zunstbrüdern nahe gelegt wird, die Lehrlingsvecmittelung selbst in die Hand zu nehmen. „Die Innungen sind die Träger des Lehrlingswesens, heißt es dort, durchgreifende Besserung im Lehrlingswesen ist nicht früher möglich, ehe den Innungen nicht weitergehende Rechte durch Gesetz eingeräumt sind." Also noch mehr Privilegien, die, wie die Ersahrung lehrt, lediglich dazu dienen, die Gier der Zopfträger nach neuen„Schutzbestimmungen" für das aus- einanderbröckelnde Handwerk zu steigern. Man will eine Denk- schrift über die Lehrlingssrage in Verbindung mit einer Petition an die Regierung, wie verlautet, in der nächsten Zeit abgehen lassen. Alle Welt weiß, daß nirgend die Lehrlingsausbeutuug raffinirter betrieben wird, als gerade in den Jnnungs- kreisen. Es wäre wirklich mehr als wunderbar, wenn die Re- gierung eine weitere Ausdehnung der„Rechte" der Innungen nach dieser Richtung hin befürworten wollte. Der Auarchistenhetze ist dieser Tage ein Ausländer zum Opfer gefallen. Ein Kaufmann Leo Littmann aus Oesterreich, der früher von Bukarest aus für den„Sozialist" korrespondirl hatte, hat sich hier seit einiger Zeit aufgehalten und mit Anarchisten im Norden der Stadt Verkehr gepflegt. Dies war von der Polizei bemerkt worden und die Folge war, daß am verflossenen Sonnabend früh um bVz Uhr in der Schlafstelle, die Littmann Scharnhorststr. 3 inne hatte, eine»nifassende Haussuchung abgehalten wurde. Alles, was die Polizei an Briefen und Papieren vorfand, schleppte sie nach dem Alexanderplatz. Auch Littmann wurde sistirt, jedoch am Nachmittage wieder mit der mündlichen Weisung entlassen, sich spätestens am Dienstag aus dem gluck- lichen Lande, so da Preußen heißt, zu entferne». Der Staat ist gerettet. Der Verlust eines Arbeitstages wird dem Proletariat in der bürgerlichen Presse angekündigt. Man berichtet nämlich von dem Plan, den heiligen Sedan, der in diesem Jahre zum 25. Male wiederkehrt, seiner Vergessenheit zu entreißen und den Tag als großartiges Volksfest(!) u. a. durch Schließung aller Geschäfts- und Fabriketablissements zu feiern. Da es nicht in der Art unserer patriotischen Unternehmer liegt, ihren Lohn- arbeitern den Aussall an Verdienst, den sie durch unfreiwilliges Feiern erleiden, zu ersetzen, so wird die Berliner Arbeiterschaft ous das nachdrücklichste zu protestiren haben, falls man ihr mit dem mordspatriotischen Ansinnen kommen sollte. Mit der politischen Wendung, die dem Höllenmaschinen- Attentat auf den Polizei-Obersten Krause gegeben werden sollte, ist es auch Essig. Der Verdacht richtete sich, wie gemeldet wird, gegen den 13jährigen stuck, edvm. G. v. Arnhold, der in Char- lotlenburg in der Marchstr. 24a. im 2. Stock bei einer Frau Begoll wohnt, v. Arnhold stammt aus Warschan und ist russischer Unterthan. Er hielt sich früher in Dresden und erst seit April d. I. hier auf.„Verdächtig" hatte sich der junge Mann bei seiner Wirthin durch verschiedene Aeußerungen gemacht, die er vor dem Attentat gethan haben sollte. Die Wirthin wollte von ihm ge- hört haben, daß er fragte, ob man in einem Tage nach Fürsten- walde und zurück kommen könne, außerdem sollte er vorher davon gesprochen haben, daß er eine Maschine anfertigen oder anschaffen wolle. Die Wirthin ging schleunigst auf die Polizei und diese legte der von der alten Dame gebrachten Meldung große Wichtig- keit bei. Sie ließ den Verdächtigten auch selbst in seinem Zimmer vom Zimmer und Balkon der Wirthin aus durch mehrere Beamte zwei Tage und eine Nacht hindurch beobachten und untersuchte u. a. auch seine Tinte daraufhin. ob mit ihr der Stempel der Kiste angefertigt sein könnte. Der Verdacht schien(!) eine zeitlang so stark zu sein, daß man von Arnhold am Sonntag aus seiner Wohnung abholte und mit einer Droschke nach dem Polizei- Dienstgcbäude am Alexanderplatze brachte. Auch noch ein zweiter junger Mann und serner mehrere Kellnerinnen, mit denen von Arnhold verkehrte, wurden sistirt. Der verdächtigte russische Student und auch die anderen Per- sone» wurden jedoch noch am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt, v. Arnhold behauptet, daß er von Fürstenwalde überhaupt nicht gesprochen habe, sondern von Luckenwalde. Nicht vier, sonder» fünf Militärmustker sind, wie uns berichtet wird, zu je 14 Tagen Arrest verurtheilt worden, weil sie unsere Parteigenossen aus der Maifeier in Weimann's Volks- garten durch das Spielen fröhlicher Weisen erfreut haben. Unsere vorgestrige Notiz ist mithin entsprechend zu ergänzen. Bürgerliche Blätter geben der Meldung dieses Falles übrigens einen Inhalt, der die Absicht erkennen läßt, sozial» demokratische Musiker als die Denunzianten hinzustellen. Für eine derartige Verdächtigung fehlt jeder Grund. Der Fall ist zuerst zur Sprache gekommen in einer Mitte Mai abgehaltenen Versammlung des patriotischen„Vereins Berliner Musiker", in der der Schriftführer Herr Kapellmeister Otto Antonius über die augebliche Ungehörigleit referirle. Ein Exemplar des Organs dieser Vereinigung, in welcher der betreffende Versammlungs- bericht enthalten ist, wurde uns seiner Zeit zur Verfügung gestellt, doch nahmen wir, um den armen Militär- musikern keine Ungelegenheit zu bereiten, davon Abstand, den harmlosen Fall weiter an die Oefsentlichkeit zu bringen. Es liegt nach allem klar zu tage, daß es keine sozialdemo- kra tisch e n Musiker waren, die ans Konkurrenzneid die fünf Militärmusiker ins Unglück gebracht haben. Das Denunziren überlassen die Sozialdemokraten den Patrioten jeglicher Kouleur. Nach Fertigstellung des Bahnhofes am Savignyplatz soll mit dem Bau eines großen Bahnhofes in Charlottenburg, der schon lange geplant ist, vorgegangen werden. Der Direktor der verkrachten Operngesellschast, über die wir vorgestern berichteten, Herr Bernhard Berger, schreibt uns. daß das Personal unter der Missre seines Unlernehmens nicht zu leiden hatte, da alle Gayen zur Minute, in den meisten Füllen sogar durch bedeutende Vorschüsse im Voraus bezahlt wurden. Ende Juni, so schreibt Herr Berger weiter, begab ich mich mit meinem Ensemble, welches ich auf meine Kosten hierher brachte, nach Berlin, wo jedoch das mit einem rößeren Theater verabredete Projekt eines Opern» Zyklus aus Gründen, deren Aufzählung hier zu weit jähren würde, scheiterte. Hierauf habe ich mit den Mitgliedern meines EnseiMcS durch Abfindungssummen mich iuemigt, wie die in meinen Händen befindlichen Quittungen deweisen. Die Mitglieder„irren mich nicht in Berlin herum", sondern sind mit Ausnahme eines einzigen bereits abgereist. Diese Mitlheilungen bestätigen im wesentlichen unsere vorgestrige Meldung. Herr Berger wird zugeben müssen, daß die Ab- siudungssumme, über deren Empfang sein Personal in der Noth quittiren mußte, bei weitem nicht dem Betrage gleiüikommt, den er von rechtsivegeu hätte zahlen müssen. Auch ist Herr Berger mit der Meinung im Jrrthum, daß sein Personal mit Aus- »ahme eines einzige» bereits„abgereist" sei. Hier, wie auswärts ist ei wesentlicher Theil seines Ensembles, wie es nach Lage der Dinge ja auch kaum anders sein kann, noch außer Stellung. Eine Neisegeschichte. Gegen den Rechtsanwalt Fritz Friedman» und einen Kriminalbeamten, der dem Polizeipräsidium zu Berlin unterstellt ist, schwebt, wie gemeldet wird, eine Unter- .fuchung wegen Bestechung. Die Angelegenheit hängt zusammen mit einem Verfahren gegen Frau Hauptmann Rothe, von der �seinerzeit mehrsach die Rede war. Der Frau wurde eine Kiudesunterschiebung zur Last gelegt, jdie sie in Gemeinschaft mit dem Arzte Dr. Kittel verübt haben sollte. Im Laufe dieses Verfahrens erließ der Erste Staats- anwall zu Halberstadt drathlich einen Haftbefehl gegen Frau Hauptmann Rothe, die in das Gerichlsgefängni'ß zu Halberstadt gebracht werden sollte. Mit der Ausführung des Haftbefehls wurden Kriminalbeamte beaustragt, die Uebersührung nach Halberstadt zog sich jedoch ein paar Tage hin, weil Frau Rothe so unpäßlich war, daß sie die Fahrt nicht antreten konnte. Dem Kriminalbeamten, dem schließlich der Transport übertragen wurde, war zur Pflicht gemacht worden, seine Gefangene mit so viel Schonimg zu behandeln, als irgend möglich sei. Auch sollte die Verhaftung und die Ueberführung möglichst in der Stille und ohne Aufsehen vorgenommen werden. Daher wurde Frau Rothe, als sie die Fahrt antreten sollte, mit ihrem Gemahl, der sie begleiten wollte, zu dem gegen 10 Uhr abends in der Richtung nach Halberstadt abgehenden Zuge aus den Potsdamer Bahnhof bestellt. Als der Kriminalbeamte dort ankam, war das Ehepaar schon da, und bald erschien auch der Vertheidiger der Frau Rothe, Rechtsanwalt Fritz Friedmann. Alle vier Personen, die Verhaftete, ihr Mann, der Vertheidiger und der Krin>inalbeamte sehten sich in ein Abtheil zweiler tfUasse und fuhren nach Halberstadt. Dort angekommen, lsühlten die Reisenden ein Bedürfniß nach Erquickung, und namentlich Frau Rothe, die begreiflicherweise am meisten aufgeregl und ermattet war, sprach den Wunsch aus, vor Antritt der Haft im Gerichtsgesängniß sich noch etwas restauriren zu können. Der Beamte glaubte jedenfalls, nur seiner Weisung, mit Schonung vorzugehen, zu entsprechen, indem er der ganzen Reisegesellschaft erlaubte, sich in das Hotel„Prinz Eugen" zu begebe», um dort einen Imbiß zu nehme»; Frau Rothe blieb ja unter seiner Aufsicht. Als man im„Prinz Eugen" gegessen und getrunken hatte, begab sich der Kriminal- beamte mit der Gefangenen zum Gerichtsgesängniß. Der Aufenthalt im Gasthose sollte aber für ihn noch unliebsame Folgen haben. Nachdem Frau Hauptmann Rothe schon wieder auf freien Fuß gesetzt und auch Dr. Kittel gegen Sicherheits- leistung aus der Untersuchungshast entlassen ivorden war, wurde der Kriminalbeamte eines Tages zu einem Vorgesetzten bestellt und hier eröffnete man ihm zu seinem nicht geringen Staunen, daß er aus drahtliche Anweisung des Ersten Staatsanwalts zu Halberstadt verhastet sei. Als Grund wurde grobe Pflichtverletzung und dadurch herbeigeführte Verdunkelung des Thatbestandes angeführt. Für feine Handlungsweise solle der Beamte Geld genommen haben. Von den Vorgängen im Hotel„Prinz Eugen" soll der Staatsanwalt durch Gerichts- beamte Kenutniß erhalten haben, die dort zu verkehren pflegen. Einer von diesen soll durch einen Kellner erfahren haben, daß Rechtsanwalt Friedmann dem Kriminalbeamte» Geld gegeben habe. Der Staatsanwalt hielt die Merkmale der Bestechung für vorliegend und ließ den Kriminalbeamten verhafte»; Rechts- anwalt Friedmann blieb auf freiem Fuße. Der Beamte wurde durch einen Vorgesetzten nach Halberstadt gebracht und dort im Untersuchungsgefängniß vierzehn Tage laug in Haft behalten. Der Haftbefehl erregle bei seiner Behörde um so größeres und peinlicheres Aufsehen, als es sich um eine» außerordentlich pflichttreuen Beamlen handelte. Daß auch seine Familie sich in großer Erregung befand, ist begreiflich. Nach 14 Tagen, nachdem er im Gesängniß vom Untersuchungsrichter vernommen worden war, wurde der Beamte aus der Haft ent- lassen, um in den Dienst zurückzukehren. Wie die Angelegenheit augenblicklich steht, läßt sich mit Bestimmtheit nicht erfahren. Rechtsanwalt Friedmann scheint sich von Anfang an nicht allzusehr beunruhigt zu haben. Es ist auch sehr zweifelhaft, ob überhaupt eine strafbare Handlung vorliegt. Der Kriminalbeamte hat von Friedmann gar kein Geld erhalten. Dagegen soll ihm Hauptmann Rothe, wie der Beschuldigte auch von vorn herein dem Untersuchungsrichter erklärt haben soll, lediglich die Reisekosten ersetzt haben. Dies wäre eine gan, unnöthiye Zuvorkommenheit gewesen, da Beamte insgemein ihre amtlichen Reisekosten nicht vom Publikum, sonder» von ihrer vorgesetzten Behörde ersetzt erhalten. Der Kroll'sche Theaterbau hat am Mittwoch Vormittag ein Menschenopfer gefordert. Der Zimmergeselle Hermann Michalsky aus der Beusselstr. VSa war mit Arbeiten im Bühnen- räume des Theaterbaues beschäftigt, als er plötzlich aus einer Höhe von S Metern herabstürzte und bewußtlos liegen blieb. Es wurde sofort ein Krankenwagen der Unfallstation I herbei- gerufen, der den Verunglückten in ein Krankenhaus bringen sollte. Michalsky war aber bereits todt, als der Wagen ein- traf; er war mit der linken Seite des Kopses ausgeschlagen und hatte sich den Schädel zerschmettert. Ein Duell zwischen Hemnstoik und Damenschirm bildete gestern in später Abendstunde die Veranlassung eines größeren Menschenauflaufs am Potsdamer Platz. An der Ecke der Teffauer- und Königgrätzerstraße hatte ein Vertreter des gebildeten Pöbels in Glaeehandschuhen, der Ingenieur einer der größten Fabriken Berlins, eine allein auf dem Heimwege befindliche anständige Dame in so zudringlicher Weise belästigt, daß sie sich nicht anders zu helfen wußte, als mit ihrem Sonnenschirm, der natürlich in dem ungleichen Kampf gegen den Stock zerbrach. Nach dieser Heldenthat springt der Kämpfer für freie Liebe, um sich der Feststellung seiner Person zu entziehen, in einen Pferdebahn- wagen. Trotz des in voller Fahrt besindlichen Wagens gelingt es der couragirlen Dame, denselben gleichfalls zu erreichen und ebenso schnell zn verlassen wie der fliehende Held, der nun seine Flucht in einer Droschke versucht. Allein der Dame glückt es nicht nur, die Nummer(K5S7) der Droschke sich zu merken, sondern eine zweite Droschke zu erreichen und schließlich mit Hilfe eines Schutzmanns die Feststellung der Person des kühnen Kämpfers zu bewirken, dessen Heldenthat nebst biographischen Daten auf der Polizeiwache in der Kronenstraße protokollarisch aufgenommen wurden. RekoguoSzirt ist jetzt die Leiche des in der vorigen Woche in der Oberspree im Wasser stehenden jungen Mannes. Es ist der Wjährige Handlungsgehilfe Heine aus Berlin, welcher, seit einiger Zeit stellungslos wahrscheinlich infolge Verzweiflung sich ertränkt hat. H. soll aus wohlhabender Familie stammen, von welcher er eine namhafte Unterstützung erhielt. Große Vorsicht ist bei der Benutzung von Kinderwagen zu empfehlen. Die fünf Monate alte Tochter Helene der Arbeitereheleute Guzinski aus der Osenerstraße 94 ist vorgestern infolge einer Verletzung, die sie sich im Kinderwagen zugezogen hatte, gestorben. Die Kleine hatte sich, wie die Eltern angaben, an einen vorstehenden Nagel gestochen und sich dadurch eine Blutvergijtung zugezogen, die zum Tode sührte. Die klerne Leiche ist zur Feststellung der Todesursache von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Man schlage also alle Nägel der Verzierungen sorgfältig ein und achte auch auf etwaige gistige Farben. Warnung vor Zlnkanf von Lotteneloose» n. dergl. An Arbeiter, insbesondere an Frauen und Werkmeister, drängen sich häufig Agenten mit dem Ansuchen, Brockhaus'sche oder Meyer'sche Konversationslexika, Loose u. s. w. besonders vor- theilhast zu kaufen, ihr Leben zu versichern u. dergl. Der Werth der angepriesenen Maaren ist meist iveit geringer als der Preis, zu dessen Zahlung der beschwatzte Arbeiter sich dann verpflichtet, ja die Maaren sind für ihn hänsig vollkommen werthlos. Fast täglich beklagen Arbeiter sich bei uns darüber, daß sie oder ihre Frauen dem zungengewandten Zureden solcher Agenten nicht haben widerstehen können und einen Wisch unterschrieben haben. Hernach habe sich nun herausgestellt, daß sie sich durch ihre Unterschrift zu weil mehr verpflichtet haben, als ihnen der Agent vorgeredet hatte. Diesen leider nur außerordentlich selten nachweisbaren Betrügereien gegenüber läßt sich nur der Rath wiederholen: kein Schriftstück zn unterschreiben, von dessen Inhalt der Arbeiter nicht genaue K e n n t n i ß und A b s ch r i s t genommen und von dessen Tragweite er sich nicht vor der Unter- schrist bei Leuten erkundigt hat, die derartige Manipulationen kennen. Zur Zeit gehen in Umgehung des durch das Abzahlungsgesetz aufgestellten Verbots, Lotterieloose oder Bezugsscheine auf solche gegen Theilzahlung zu verkaufen, ins besondere Ageme» einer Firma„Kommanditgesellschaft Koch und Kompagnie" mit Loosen Hausiren. Dem Arbeiter wird weiß gemacht, er könne für 3 M. monatlich bei 7 Lotterien sein Glück versuchen. Leider bietet mancher Arbeiter dem„Glück", das sich ihm so liebenswürdig anbietet, die'Hand und unterschreibt einen Zettel, dessen Inhalt er nicht genau' sich besieht. Nach kurzer Zeit erhält er dann einen bunten Bogen seitens der Firma Koch u. Ko., der sich„Bezugsschein" nennt. Ans diesem Bezugs� schein ergiebt sich, daß er für S8Z M. gekaust hat: L00 M. deutsche Sprozeutige Reichsanleihe nebst Zinsen für......... 205 M. 1 Augsburger 7 Fl.-Loos für..... 31„ 1 Fiunländer 10 Thaler-Loos für.... 32„ 1 Freiburger 15 Fr.-Loos für..... 31„ 1 Meiniuger 7 Fl.-Loos für...... 23„ 1 Pappenheimer 7 Fl.-Loos für.... LS„ Sa. 385 M. Durch den„Bezugsschein" erfährt nun der Arbeiter ferner, daß die Firma ihm die Zahlung des Kaufpreises, den der Ar- beiter nimmer zahlen kann, auf 8 Jahre stunde und für diese Stundung die Kleinigkeit von 8 M. monatlich verlangt. Hat der Arbeiter 3 Jahre lang diese Zinsen, also insgesamml 103 M.. pünktlich gezahlt, so darf er gegen dieselben Bedingungen aber- malige Stundung auf 3 Jahre verlangen oder gegen Zahlung von 385 Mark die ö Papiere in Empfang nehmen. In wie weit solch' Vertrag mit dem Ab- zahlnngs- und dem Wuchergesetz vereinbar ist, haben gelehrte Richter in vielleicht nicht zu ferner Zeil zu entscheiden. Dem Arbeiter läßt sich immer wieder nur der eingangs gegebene Rath wiederholen, um ihn vor solchen Uebervoriheilunge» zu schützen. Unterschreiben ist leicht, gezahlt schwer, gewonnen— fast nie. Eine Fleischbeschlagnahme hat bei dem Wurstfabrikanten Runge, Andreasstraße, stattgefunden. Runge ist das Opfer eines mecklenburgischen Fleischhändlers geworden, der als wilder Schlächter ununtersuchtes, kuochenfreies Fleisch in Massen nach Berlin sandte. Die Polizei hatte schon lange Keunlniß von diesem Treibe» und ermittelte, daß der Absender der Schund- waare kein Schlächter, sondern der Händler Will). Jde zu Grevesmühlen i. M. sei. Solche Sendung kam am Donnerstag auf dem Lehrter Bahuhose wieder an, welche nach den) Schlesischen Bahnhof herumgeführt und von dort aus dem Schlächtermeister Runge zugerollt wurde. Durch den städtischen Fleischschaubeamten Kolke wurde» im Arbeitsraume mehrere Zentner minderwerthiges Rind- und Kalbfleisch vorgesunden. Auf seine Veranlassung beschlagnahmte die Polizei die ganze Waare und ließ sie nach dem Polizei-Schlachthofe transportiren. Bei der Untersuchung durch den Kreis-Thierarzt Krüger wurde sämmtliches Fleisch als zur menschliche» Nahrung ungeeignet ver- worfen und der Abdeckerei zur Vernichtung überwiesen. Die vermisitew Geschwister Unger aus der GreifSwalder- straße 214 sind durch den Gendarm iü Alt-Glienicke aufgegriffen und dem hiesigen Polizeipräsidium zugeführt worden. Nach An- gäbe der Kinder mußten sie, da die Nolh der Eltern sehr groß war, betteln gehen. Als der Gendarm die Kinder festnahm, waren sie, wie das„Jnt.-Bl." berichtet, so ausgehungert, daß sie gesättigt werden mußte», ehe sie abgeliefert werden konnten. Und da erhebt die satte Moral ein Geschrei, wen» solche Kinder schließlich mit den Strafgesetzparagraphen, welche die bürgerliche Gesellschaft als Wall ausgebaut hat, in Konflikt komme». Vermißt wird seit Montag Abend der IbVe Jahr alte Sohn Arthur des in der Böckhstraße 62, 2 Treppen wohnenden Schneidermeisters Alfred Olschewski. Der Vermißte ist etwa 1,35 Meter groß, trägt einen gelben Strohhut mit schwarzem Bande und ist mit seinem schwarzen Einsegnungsanzuge be- kleidet. Ferner hatte er eine Uhr nebst Nickelkette bei sich. Wer über den Vermißten etwas mitzutheilen weiß, wird gebeten, den Vater zu benachrichtigen. Polizei-Vericht. Im Laufe des 17. d. M. fanden zwei unbedeutende Feuer statt.— Am 18. d. M. entstand in einer Kunstwollfabrik in der Schillingstraße aus noch nicht genügend aufgeklärter Veranlassung eine Explosion, wobei ein Arbeiter stark verbrannt wurde. Versa nttitfnngen. Den Bericht über die verflossene NeichSkagS-Tession gab der Genosse R. Fischer in einer öffentliche» Volksversainm- lung des zweiten Wahlkreises am Mittwoch Abend. Anknüpfend an die gegenwärtig in den patriotischen Kreisen grassircnde Jubelfeier des„großen Krieges", gedachte der Redner der Eut- Wickelung des Parlamentarismus in den lehren 25 Jahren deutscher Geschichte. Die bei der Gründung des Reiches aus- gegebene Parole: Durch die nationale Einheit zur nationalen Freiheit! ist inhaltslose Phrase geblieben. Im Gegentheil, der Zug der Zeit, wie ihn die Besitzenden verstehen, drängt immer mehr zum Absolntismns.(Sehr wahr!) Man vergißt ganz, so betonte der Vortragende unter dem Beifall der Versammlung, daß Kaiserthum, Reichstag, allgemeines Wahlrecht auf dem gleichen Fundament wurzeln; wer eines dieser Dinge antastet — und in letzter Zeit haben gerade die nationalen Parteien wie bekannt, die heftigsten Angriffe gegen das Wahlrecht und gegen den Reichstag gerichtet, gefährdet damit auch den Bestand der anderen. In großen Zügen schildert der Referent die Einleitung des Umsturzkonzertes durch den Umsturz in der Regierung, die Bildung des Ministeriums Hohenlohe und die Taktik dieses Ministeriums, das von parlamentarischen Almosen lebt, gegenüber dem Reichstage. Er südrle der Zuhörer- schaft in sarkastischer Weise vor, wie die Leiter des Zickzack- Kurses sich eine Niederlage nach der anderen holten. Im zweiten Theil der Rede besprach der Vortragende die in der letzten Session zur Verabschiedung gelangten Gesetze und die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion, die zur Beralhung ge- kommen sind. Mit lebhafter Zustimmung wurden die Ausführungen des Redners aufgenommen. Gegen zwei Stimmen faßten die An- weseuden eine Resolution, in der das Emverständniß mit der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion in der verfloffenen L-ession ausgesprochen wird. Weiter erklärte die Versammlung durch eine Resolution:„Daß die Stellungnahme ihrer Ab- geordneten zu der Interpellation des Zentrums betreffend die kaiserlichen Erlasse vollständig den Ansichten der sozialoemo- kratischen Arbeiterschaft entspricht. Die Versammlung protestirt entschieden gegen die Unterstellung des Ministers v. Berlepsch, daß die Thäligkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten nur aus Verhetzung der Arbeiter und Unternehmer gerichtet sei." Spandan. In einer gut besuchten Versammlung der Töpfer, die hier am 16. Juli tagte, wurde auf das lebhafteste protestirt gegen die Absicht der Innung, den Tarif vom Jahre 1886 um 6—10 pCt. zu reduziren. T ändert empfahl der Versammlung, in gleicher Weise wie die Berliner Töpfer gegen dieses Ansinnen vorzugehen. Die Versammlung beschloß demgemäß und nahm folgenden Antrag an:„Die Versammlung beschließt, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln den Berliner Gesellentarif vom Jahre 1886 auss strengste aufrecht zu erhalten, und von Montag, den 22. d. M., überall dort die Arbeit ruhen zu laffe», wo nach dem Tarif nicht gezahlt wird." Zur Ausübung der Kontrolle wurde dem Vertrauensmann Pozrowski noch der Kollege Gebel beigesellt. Beide nehmen vormittags von 9—11 Uhr und nachmittags von 2—4 Uhr im Lokale von Radtke Meldungen entgegen. g-veU Prretnlsnn? itv Händler und Händlerinnen. Frettag, den IS. Juli, abends s Uhr Koppenstrabe 47 bei Lorenz: Eensralveisaminluiiz. Arbeiter-KiidnngoMjnIr. Fietlag, Abends von 7%—i% Uhr: Lektüre. 9).'— io)j Uhr: Nord-Schule, Müllerfir. 1-9*: Seschtchle dcS 19. Jahr- hunderiS, speziell: Die Stevolulion des Jahres ises. Er.lwickelung btS Sozialismus und der politischen Varleien DeulschlandS. E ü d o st- S ch u l e Waldcmarstr. u: Deutsch(Literatur.) Bei allen UülerrichlSsächcrii werden »eue Theiluehmer, Dame» und Herren, jederzeit aufgenomniei:. Arbeiter. Känyerbnnd girrli»» und tinigec,»»». Borsthender Ad. Nctmiaan, Pasewalkerstrabe 3.— Alle Äeüderungcn im Be-einS- lalendcr sind zu richten an Fried, iiorlum, Manleuslelstr. 49, r>. e Tr. Freiing. U ebmigSstunde Abtudk i— Ii Uhr. Ausnahme von WitgUedern. La l l e g ia, Adalbertstr. 21 bei Noll.— K ai s cr'scher�Männcr chor, Schönhauler Neue Jriedrichstrabe 44, bei Rollig.— Tupvgraphia, Sesangvtrein Berliner Buchdrucker und Tchrtfigießer, Eohn'S Restaurant(grober Saal). Beulhstr. 20.— Eesangverein Lorbeerzweig. Swiuemunderstrabe SS bei Htibiier.— Eesongverein R h e i n g o l d, Solln owstr. 40 bei Wieget.— Sesargverein M« l o d i o, Rirdors, Bergstr. 142 bei Schimküse.— I r iS- Naunvnftraße 68 bei Fritz Jubeit.— Brandenburger Männere Kesa n g v e r e i n in Brandenburg a. H., MengerlS BolkSgarlsn, Bergstrabs.— Eesangverein Frepa II tgemifchler Chor). Ripdorf, Herniaiinftr. 140, bei Daniel Böttcher.— Freie Liederiatei, Er. Franlfurlersir. 74 bei Breuer.— Nordwacht, Cbausseeftr 72 bei Meißner. FreieSänger, Schnuugendors, Warnsinünderstrabs bei M. Schulze.— At bester- Eesangverein SSngerkreiS(Weihensee), Wetbenbarger- straße und Eedansiraßen-Ecke bei Brennert.— Loreley, Sriin- ihalerstrabe 4 bei Hännnerling.— Lustige Sänger, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 1« bei Elaser.— Bieber'fcher M ü n n e r- ch op Roser.lhalerfu. 67 bei Wernau.— S c se lii gl e i t, Hennigsdorf, Böhmert'S SafihauS.— Oranke, Weißensee, ÄönigSchanssee 41 bei frense.— Gesangverein(Beteinte SangeSbrüder, Waabit, erlebergerstraße 28 bei Heimerschmidt.— Sängervereiit Sorgenfrei, Admiralftrab«(0°, Märkischer Hof.— SangeSsrennd, Drogoiierstr. 82 bei KomlowSki,.— Gesangverein Wacht aus I, Wöriher- strabe IS bei Schmidt.— Sclargverein s tra l a u er Ltederiasel. RummelSburg, Haapistr. 8« bei Bonnnkel.— Gesangverein Treu und Einigkeit, Rilbors, Prinz Hanbjerystraße Nr. 88 bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, RummelSburg, Sölheftrab«, Ecke Ztanistraße, bei Mertens.— Gesangverein der Pteiallarbeiier(Ost), Blumeirftr. 48. — Morgenrorh 2, Eharlostenbnrg, BiSmarckslr. 7« bei ttraufe.— Ein- t r a ch I 8, EberSwalde, Eifendahnftr. 77 bei Drbal.— Rosenihaler B 0 r st a d t, Bernauerftr.«7.— HilarikaS, Hochstraße 32a bei Wille.— F r 0 h- H 0 s f» u n g(Berlin W.), Srunewaldstraß- 110 bei K ebner.— Brüderschaft, Alte Jakobstr. 87—88 bei Lamprccht.— Freiheitsglocken, Mörlhcrstraße bei Buchholz.— Rosalia, Blumenstr. 48 bei Tomatscheck.— S y r e n e, Rosenthaierstr. 57 bei Julius Wernau.— Ein- Irachi III EberSwalde, Freienwalderstr. bei Weber. t!»»d drr grkrUigr» Arbrrirr vrrrinr Krrlin« und Zlingrgrnd. Alle Zuschriften find zu senden an P. G ent, Adalbertstr. SS. Freiing: Slatltiib Kairo, Abends 8 Uhr bei Fr. Bolhe, Restaurateur, Riiterstr. 32. — Musilverei» H 0 s sn u ng, Große Franksurlerftr. 138 oei Sold. Grsang-, htirn- und grsrUigr perci»«. Freitag. Quarteilverein W e d d i>! a, AbcndS SZ Uhr, bei Schäler, Rene Hochstraße 4».— Gesang- verein Hilaria. Freitag, Abends 8)1 Uhr, Sitzung Blumenstr. 4ö bei Tomascheck.— ligrlhatts'scher Gesangverein. UebttngSstuitde: Frei tags abend« 8 Nhr im Lokal des Genossen Wiedema»», Blumen- straße 38.— Zstherklub„A l p c n g r u ß"(Dtr. A. Wolkewitz), bei E. Gomoll, Waldemarfir. 38, abends v»Hr.— Prival-Dheaieroerein Crescendo, s Uhr, bei Schul», Purbuserstr. 35.— Vergnügungsoeretn Thusnelda, frcilag, abends sjt Uhr, bei Zubeil, Liudenstraße Iv».— Muflkverein Öffnung(Ost) Freitag« Abends von 9-11 Uhr. UebungSstunde Große iariksur lerstr. iss der Gold.— Tambourverein F r e i- w e g, Freilag, UebungSstunde bei W. Maddatz, Slsasserftr. 11. Berliner T ur» g e>1 0 s s en s ch a s t. 2. Männerabthcilung turnt Dienstag und Freitag abends non 8—10 Uhr in der Turnhalle SlaUtzer- straße 88—87. 4. Männerabtheilung lurni Dienstag und Frerlag abends von Si— toi Uhr in der Durnhalle, Stesanstraße 3. 6. Männerabtheilung turnt Dienstag und Freitag abends von»—10 Uhr in der Turnhalle, Piariannen- Ufer is.— 1. LchilingSabtheiiung turnt Dienstag und Freitag abends von 8—10 Uhr, in der Turnhalle, Friedenstr. 23.— 3. Lehrlrngsabiheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 8— 10 Uhr, in der Durnhalle, Bocckhstraße Li— 22,— Turnverein Gesundbrunnen die erste Männcr-Abtbeilung turnt heute Abend von S�— 10X Uhr in. der Turn- Halle de§ Leistng GiimnastumS, Pankstr. 9— 10.— Sroft- und Artisten- tlub B e r 0 l in a Jeden Dienstag und Freitag UebungSstunde bei Srüßner, Waldemarstr. 42.— Turnverein Fichte(Mitglied des Ardeiter-Turnerbundes DeulichlandS.) Die zweite Männer-Abiheilung turnt jeden Dunstag und Freitag Abends non 8— to Uhr IN der Slalitzerftr. 88,8».— Kraft-Tut-Nverein Hossitung übt jeden Freitag Abend von s— u Uhr bei Schuhmacher, Pücklerßr.«s.— Zriherllub Waldrose, Abends g Uhr, Mantenslel- straße ro, Parterre. Refiauraiii.— Verein Kräne Tanne, Abends s Uhr, bei Kaiser, PlarlnSstraße 8.— Vergnügurrgsverein I>N Brand, Sitzung jede» Frerlag Abend v Uhr bei Feind, Weinsrr. 11.— Gesangverein der Bauanschläger Berlins. Jeden Freitag, abends 0 Uhr bei Z. Wernau, Rosenihalersrr. 87.— githerklub„Alp eng ruß"(DirrgerU A. Wolkewitz.) » Uhr bei C. Gomoll, Waldemarstr. 38. Slaillub Schnin. Abends 9 Uhr, bei Triilelwitz, Falkenfteinstr. 7. — Tanzlehrer-Berein Solidarität, im Restaur. Grauer, Oranienstr. 121. Ordentliche Generalversammlung. Ie»iUill!,l> ConveriHillurial Clnl> Hbnkespenre. Meeting every Fridsy at 9 p. m. at Bein-rns kestauram, Kouigüi. 62. LectuUt Mi. J. Clocch Cuests are welcome. t'liil» l'ixle Kam. 9 o'clock p. m. Wnnzstr. 17. Washington's brihday celebiation. Cuests welcome. Vermischtes. Die ZwlNlzijiPfeniiigstülke. In betreff der kleinen silbernen Zwanzigpfeiinigsiücke hat es schon seit langem geheißen, sie sollten eingezogen werden, weshalb denn auch die Annahme derselben im Privntgeschäftsverkehr sehr häusig verweigert worden ist. Wenn aber die Absicht der Einziehung seinerzeit wirklich de- standen haben sollte, so ist sie gegenwärtig doch wieder ans- gegeben worden, so daß die unbequemen silberneu Zwanzig- pjennigstücke also auch fernerhin im Berkehr bleiben.— Die Freude» einer Ferienfahrt nach Süddeutschlaud werden in der„Voss. Ztg." anschaulich geschildert. Der Gewähts- mann saß mit seinen Familienangehörigen in dem Vorzuge des Extrazuges. Nach einigen verdächtigen Erschütterungen erfolgte bei Weißenfels ein Bruch der Bremse und einer Kette, einige Wagen blieben stehen. Nachdem sie wieder angekuppelt und Weißenfels erreicht war, mußten wir unseren Wagen, der für untauglich erklärt wurde, verlassen und uns einen anderen Wagen suchen. Tasselbe widerfuhr anderen Reisenden in Neustadl. Wir waren zufrieden, obgleich Koffer und Gepäck herunterfielen und kleine,' Verletzungen verursachlen, sonst heil davonzukommen. Aehnliche Erlebnisse hatten die Fahr- gaste des zweiten Zuges bei Gera. Die Verbindung zwischen zwei Wagen der bayerischen Staatsbahn riß, der Rest des Zuges blieb zurück, der Ansang fuhr bis Gera. I» Bamberg wird ein Wagen wegen Achseiibrandes ausgestellt ic. In München kommt der Zug I um l3/4 Uhr(über eine Stunde zu spät) an. Es stehen die neuen Züge, welche die Reisenden theils nach Lindau, lheils nach Salzburg weiterführen sollen, bereit. Um 2 Uhr 15 Min. sollte die Weiterfahrt vor sich gehen, aber bis nach 3 Uhr mußten die Reisenden vor der Barre stehen, da die Wartesäle, in denen es wegen des vielen Gepäcks bunt aussah, nicht Raum genug gewährten. Daß in Ingolstadt beim Ein- fahren wieder ein Anseinanderreißen des Zuges staltsand und bei Kufstein noch einmal, sei nur kurz erwähnt. Auf eine„geniale Idee" ist ein Hausbesitzer in Münster verfallen. Daselbst ist nämlich durch verschiedene Umstände— Schaffung einer Eisenbahndirektion u. s. w.— WohnungSnoth entstanden. Tie Miethcn sind ganz außerordentlich gestiegen. Der findige Hausbesitzer weiß nun die günstige Konjunktur vor- theilhast auszunützen: er läßt die Wohnungen ineistbietend ver- niiethen und erzielte in einem Falle das doppelte des bisherigen Mielhsertrages. In Berlin wurde der findige Hauswirlh kein so gutes Geschäft machen. Die Revision deS Gendarmen. Ein kaum glaublicher Uebergriff eines Gendarmen wird dem„Memeler Dampfb." von vertrauenswürdigster Seite mitgetheilt. Danach hat ein Gendarm die Badebuden des Damenbades auf Süderspitz« geöffnet und dadurch natürlich die darin befindlichen Damen in die entsetzlichste Verlegenheit gebracht. Auf Vorhalt soll der Beamte erwidert haben, er befinde sich„auf Revision". Eingclanfene Druckschriften. Der yo�aldemolwat. gentral-Wochenblatt der sozialdemvkratlschen Partei Tcuischlands tExpedilion in Berlin SW., Beuthflrabe 3). Inhalt der Nr. es: Bekanntmachung zuin Parteitag.— Dgrar- Programm.— Wochenschau.— Tie Arbeiter und die Wahlen in England. — Aus Frankreich.— Ter uicdrtge parlamentarische Ton.— Partei- Nachrichten.— Todtenliste. Aus Südauslralien.— Telbstverftändlich ohne höhere Weisung.— Die politische und gewerkschaftliche Bewegung in der Niederlausih.— Müller und Kleinbauer.— Die Ziegler.(Aus Schlesien).— Arbetterorganisattonen. Arbeiterschutz.— Bermischres.— Wie man uns behandelt.— Literarisches. Bon der Zeit"(Slullgart. I. H. W. Die%' Vertag) ist soeben das «2. Heft des 13. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Konkurrenisähigkett des Kleinbetriebes in der Landwirlhschasl. Von Karl Kaulslt).— Stretszüge durch die Berliner Kunstausstellung. Bo» Erich Schlaikjer.— Der Montag und die BetriebSunsälle. Von Dionys Zinner.— Literarische Rundschau.— Notizen: Die vorthetlhafte Stellung des Grohbetriebes. Der ungarische Zonentarif und seine Wirkungen.— Feuilleton: tSermtnte Lacerteux. Von Edmond und Jules de«Soncourt. Einzig autoriftrle Uebersctzung von Emma Adler.(Fortsehung.) Briefkasten der Redaktion. Wir biten bei jeder Ansrage«ine THIffre(Zwei Buchstaben oder«ine Zahl) anzugebe», unter der die Aulwort ertheilt werden soll. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wird von 7 bis S Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. K. R. M. Gemeint ist eine Konferenz höherer Polizei- beamter, die zu jener Zeit in Berlin abgehalten wurde, um Maß- regeln zum Schutz der armen wacklichen Gesellschaftsordnung und des schwachen, vom Zitterfrost geschüttelten Deutschen Reichs zu berathen. W. L. Lnngestraste. Davon wissen wir nichts. X. 0. Z. II. W. K Berlin. Wahlberechtigt zum Reichstag ist jeder im Besitz der Ehrenrechte befindliche Deutsche, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt, in dem Bundesstaat, wo er seinen Wohnsitz hat. Ausgenommen hiervon sind nur die unter der Fahne stehenden Militärpersonen, ferner Personen, die unter Kuratel oder im Konkurs stehen oder im letzten, der Wahl vorher- gegangenen Jahre Armenuntcrstützung aus öffentlichen oder Gc- meindemitteln bezogen haben. W. I. Colb. Ist in russischer Sprache nicht zu haben. M. 16. 17. Der betreffende Brief ist nicht eingelaufen.— Ist in einer Strafsache Berufung eingelegt, so wird das Urtheil zugestellt. Die Zusendung des Urlheils hat keineswegs den Sinn, daß die Berufung verworfen sei, vielmehr läuft von Zu- stellung des Nrtheils ab die Berufungsrechtfertigungssrist(eine Woche). Nach Ablauf derselben werden die Akten dem Land- gericht eingesendet, das dann Termin anberaumt. Handelt es sich um ein Urtheil de? Landgerichts, da? angegriffen wird, so ist nur Revision zulässig. Dieselbe muß bei Vermeidung des Verlustes des Rechtsmittels binnen einer Woche nach Zustellung des Erkenntnisses zu Protokoll des Gerichtsschreibers oder durch einen Anwalt gerechtfertigt werden. Die Berufung kann, muß aber nicht, schriftlich gerechtfertigt werden. — R. H. IS. I. Sie können die Beleidigungsklage anstrengen. Zu diesem Behuf müssen Sie und Ihre Frau zunächst bei dem Schiedsrichter des Bezirks, in dem der Frevler wohnt, Sühne- termin beantragen. Alsdann müssen Sie die Klage innerhalb 3 Monaten vom Tage der Beleidigung ab beim Amtsgericht ein- reichen. 2. Für den Schaden von Schürze, Waschfaß und Tassen haftet das Dienstmädchen, wenn ihr ein Versehen zur Last fiel. Ein Versehen scheint nur bezüglich des letzten Schadens vorzuliegen.— H. N. 81. 1. und 2: Ja. — Meldorf A. M. Leider ist die Sache nicht verjährt.— E. K. 52.„Hühneraugen" werde» als Krankheit im Sinne des Krankenversichcrungs-Gesetzes im allgemeinen nicht erachtet. Das Gesetz schweigt sich darüber aus. Daß ein lliichter„Hühneraugen" für eine„Krankheit" erachtet, deren Heilkosten der Kasse zur Last fallen, ist insbesondere in besonders schmerzhaften Fällen nicht ausgeschlossen. Von einem Prozeß ralhen wir aber ab. — L. 100. Der Strafantrag wegen Ehebruchs muß innerhalb drei Monaten nach Scheidung der Ehe gestellt werden. Be- strafung erfolgt nur, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe ge- trennt ist.— P. Ä. Die Berusung muß in Strafsachen inner- halb einer Woche vom Tage der V e r k ü n d n n g des Urtheils ab eingelegt werden. Hat der Rechtsanwalt Berufung ein- gelegt, so kann das Urtheil stets auch zu gunsten des Angeklagten geändert werden. Sprechen Sie in der Sprechstunde vor. Für deuJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 19. Juli. Friedr.■ Wtthrlmstadtifchrr parli, Berlin aniüstrt sich. Ueueo Theater. Tala-Toto. Alerauderplah-Theater. Verbotene Liebe. ziational-Theater. Im Jrrenhause. Apollo- Theater. Ein Slbenteuer im Harem. Llora-Tharlottenburg. Die weiße Dame. M. Iloackr'o Hommertheater. Die Berliner Wäschermädel. NationaMheater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Anfang 7>/s Uhr. Anfang V/i Uhr. Wiederauftreten des Herrn Carl Wesselsky. Im Irrenhanse. Sensationsschauspiel mil Melodramen in 5 Akten und 8 Bildern von v. ll. 1. Bild: Zwei Hallunken. 2. Bild: Ein tiefes Gcheimniß. 3. Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die Geheinmisse des Irrenhauses. 5. Bild: Ein Verräther. K.Bild: Der Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 8. Bild: Der Giftmord. Regie: Max Samst. Dirigent: Adolf Wiedecke. Morgen: Dieselbe Vorstellung. stlationsltkestei«» Garten i Gr. Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung. Abends 0 Uhu bei elektrischer Be- lonchtung: Anstrrt. drr Geschwister Zliagara aus dem über 100 Fuß hohen Thurmseil. Mittwoch: Gr. Kinderfrenden- fest verbunden mit allerlei Volks» belustigungen._ Friedrich-Wiltielmstädtisclier! Concert-Park 25/26 Chaussee-Straße 25/26. Mojn Reklame, da doch täglich ansvcrkanft! Lach-Salven I 1MA Berlin amüsirt sich Frankel als Theaterdirektor. Die Reise um die Erde. Die 3 Turner- Matadore. Cancan in Lumpen. Der dicke Blnm als Balletense. Gntre« 30 Vf. Aktien-Brauerei Friedrichsliain (Königsthor). Heute Freitag: KroLses Mlitar- Frei-Konzert. Programm unentgeltlich. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. „Englischer Garten", Alexanderstr. 27c. Säle u. Vereinsz zu Vers. u. Festlichk. (auch Sonnab. u. Sonnt.) unentgeltlich. Uotiwanu ä Lohn(früh. Oranienstr. 180). Passaie-Panoptin. Der Thnamt- mensch läßt aus seinem Kopfe einen Steinblock vermittelst einer Ratrone zersprengen. KSBchshallcn. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: Hilmvnslisljje Soirtt Quartett- HUI U g. Couplat-Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Ansang 7 Uhr. M der Kmlseitr. Ensembleszene. �olksgaptcn (ehem. Weimann's Volkagarten) Gesundbrunnen. Kadstr. 56/57. Direktion: Uax Samst. Heute, sowie täglich: Grosses Konzert n. Theater-Vorstellnng. Spezialitäten I. Ranges. Auftrete» des Berl. Original-Komikers WUKelm Frobel. Chansonetten, Soubretten, Liedersänger, Lustgymnastiker-c. Täglich: Familiett-Ga». Kasseneröfsnung 5 Uhr.— Ansang des Konzerts 6 Uhr. Fasse-xartouts haben Giltigkeit. Gntrer 20 Vf. Gntrre �0|lf, Gebe den prachtvolle» Wcimann'schen Volkegarleu an Vereine wochentags unentgeltlich ab. Mittwoch: Grosses Kinder- freudenkest verbunden mit allerlei Volksbelustigungen._ . t�oack's Sommer-Thea tePj Krnnnrnstr. 16. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Im Saale: Grosser Ball. Berliner Wäschermädel Original-Burleske mit Gesang u. Tanz in I Akt v. Geriche. Musik v. Martin. Robert Dill, Liedersänger. Geschwister Tilly, Duetliste». Anna Carlo, Kostüm- Soubrette. Geschw. Jordan, Gigerl- Dnettisten._ C- FrohBech's Gesellschaftssäle und Garten Schönhauser Allee 161. Jed. Sonntag, Dienstag u. Sonnabend: Concert, Spccialität.-Vorstellung. Anfang 7 Uhr, Entree frei. Sonntags Ans. 4 Uhr. Programm 10 Pf. Jed. Montag: Gr. Concert. Entree freu Jed. Sonntag, Montag, Mittwoch: Dali. Jeden Mittwoch: Kinderfest. Entree: Kinder 10 Ps., Erwachsene frei. Kaffeeküche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Pers. Spezialitäten-Vorstellung frei. s2832L Rixdorf Ed. Wiersing's Restaurant, Garten und Ball-Salon. Knesebeckstr. 77. Hermanustr. 87. Irden Konntag im Garten: Cr. Sptzilllitilteil-Borßclltlng. Im neu reuovirten Saale von 4 Uhr ab: Großer öffentlicher BaN. 2 verdeckte Kegeldahnen. Kaffeeküche stets geöffnet. Meine Lokalitäten stehen den Vereinen zu Versammlungen, Festlichkeiten und bei Leichenzügen zur Verfügung. Todes-A.nzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau Louise Käppel, geb. Kühl, im Alter von 32 Jahren, nach schweren Leiden gestorben ist. Dies zeigen an Der tietdetrüdte Gatte nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M., nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofs, Pappel-Allee aus statt. 2252b Ctntrlll-Krliltkeilklljse herVnlj- Mtt it. Verwaltungsstelle Berlin. Haopt-Versammlunp Sonnabend, ÄO.Inli, abd». 8>/Mhr °in Gohn's Feslsälcn, Beuthstr. 22. Tages- Ordnung: I. Geschäftsbericht. 23/3 2. Kassen- und Kontrollbericht. 3. Neuwahl d. gesammten Vorstandes. 4. Verschiedenes. Die Zahlstelle» find diesen Abend geschlossen. Quittungsbuch legitimirt. _ Die Ortsverwaitiing. Kranken-üuter Stützung s- u. Begräbnlss-Vüreiu der Bau- u. gewerbl. Hilfsarb. Berlins. Sonntag, 21. Juli, vorm. 11 Uhr i. Lokal von Gwzareoh(fr. Tempel), Langestr. 85. GenernI- Versnmmlnng, Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Rendanten vom 2. Quartal. 2. Berichlerstattimg in betreff unserer Kontrolle. 3. Abrechnung vom Vergnügen. 4. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedeneZ. 30/1 Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Der Vorstand. OzfSBUM' Kandsdergrr Allee Dr. 40. Großer Garten u.Säle für Vereine und Privatfestlichkeiten. S mm tag: CQllttttMBllll. MeitSlinziige W. Fahr, Krnnnrnstr. HS. Mken-MerWiiigS-il. Be- ßrchch-KlisseiierLeherzilttchter Berlins. Sonntag, S«. Juli, vorm. 10>/z Uhr bei Feind, Weinstr. 11. 6 eueralvei'samuiIuuZ. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung für das zweite Quartal. 2. Geschäftliche Mittheilungen. 105/1 Der Vorstand. G. Busse. Nenes Club-Haus 72. Komniandanteustrasso 72. Jeden Sonntag: flOSF* BALL. Wlß Empf. meine 4 Käle zu Festlichkeiten u. Versammlungen gratis. H. Eberl. U®?- Verloren gegangen ist ein Notizbuch mit der Sammelliste Nr. 572 für die streikenden Holzarbeiter in Rummelsburg. Man wolle den Fund bei Baumgarten, Königsbergerstr. 7, abgeben. ophastoff SS Mstr in Uips. Damast, CrSpe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig.' pßS- Proben franko!"WS LWtW'• tisr'» Emil Lefevre, --— 158> Geflügel, ÄÄ Montag und Donnerstag, 10 Uhr V., 5 Uhr N. Sandmann, Auktion a. d Stadtbahn 36. M. Bemh&vdVs �Neriranfs-SteUeW d. Hamb.Ttibakarb.-Genossen- schaft. Wrlezmerstr.5,pt. L25Sb Nähmasch., Sing., 15 M., Soraner- straße 22, v. K. 2245b ■ |i9pcllnni| Italien inlnlin. Freitag, den 19. Juli 1895: Drittel11 Familientag. Maestro Gialdini mit seinem Symphonie-Orchester. Neu für Deutschland: Mascagni'a Ratcliff. Promenaden- Konzert der Bersagliert unter Leitung des«aestre Galli. Monstre-Konzert von 22 italienischen Gesangstruppen, darunter' die Liberti, Tribun» Angeli. Signore Rubinacci. Novität! Butfo eccentrico di Napoli. Comödia del' arte. Novität(in der Osteria Wolfs). Heute zahlen Kinder, die in Begleitung Erwachsener die AuS- stellung besuchen, kein Entree. DM- Entree SV Ft.-*6 Sonnabend, drn 20. Juli 1895: Voranzeige! III« Vene- tianische Nacht. Gntrre 1 M. Bureau Bammelmey er Neuestes Ensemble der altbliebten Stettiner Sänger Täglich(außer Sonna' fictoria-Brauerei Meysel.Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl nnd Schräder. Täglich(außer Sonnabends): Lfltcov- Strasse No. 111-112. Im herrlichen Konzert-Garten resp. Saal. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. Familienbillets 1 Mark. (Siehe Plakat.) Im Verlage der Hamburger Buchdriickerci und ÄcrlagSanstalt Auer V Jahre 1832.— Deutsche Slusmauderer 1889—0«.— Rnckbliit.— tvtcssc» und Märkte.— Im KretSlaus des Jahres.— Ei» Miirthrcr. Erzählung oon Robert Schwctchel(mit Jllusiralioneu).— Bauer»»nd arme Lumte zur Zeit der deutschen Vteformatt»». Bon Dlanfred Witttch.— Emtgleit. wedtcht von Ludnita Lessen.— Gin>vild ans dem Lon- doner Jlüchtlingdlebe». Bon W. Ltebwecht. — Am�Meer. Gedicht von Jenny Eolm.— Jobanna'S Eriabruligcn. Erzählung von Elise Lauger(mit Jlluftratlone»).— Allerlei Geschichtliches und SozialwifseufchastticheS über die Japaner. Bon Bruno Geifer.— Die Schlacht am Morgarreu. Gediäit von Rob. Schwetchel(mit Illustration).— Das Licht der Zukunft. Bon vr. H. Lux(mit Illustrationen).— Die Eesiindheiispfleac deS lt indes. Bon vr. Ewoboda.— Irdische Höhe»- u, Tiefeuverhältuisse. Bon E. ffallen- horll(mii Illustration).— Das neue SictchS- tuaSgcbäiide. Bon ö tionen)." »WWWW>oN(mttJllustra- (Sj» Kapitel Kriegsgeschichte. Bon M. Witttch.- Die gute, alte Zeit. Eine lulturhtftorische Skizze von A. Boiler. — Saat und Ernte. Gedicht von Jenny Eolm. — llluS der Geschichte der Preußischen. Voltsschule. Von Bauermeister.— Ein John deS Volkes. Bon W. Ltebknecht(mit Porträt).— Die drei Rosse. Russische Bolls- parabel, erzählt von W. Braunsdorf.— Wir sind nläil sreuudloS. Gedicht von A. M.— Fliegende Blätter.— Räthsel ic. zc. Hierzu vier Kupfer: Studtenlops.— Da« Lled der Sklavin.— Japanische Mädchen bei der Thee- Ernte.— RenovtrungSversuche. «in sardtge« Btld: B e r l a s s e n(mit Gedicht). Ein Wandlalender. Preis 49 Pfennig. Zu beziehen durch die Buchhandlung des gvorlvärts'i 3llr Einübung und Aufführung der Mendelsohn'schcnOper„Die Loreley" werden stimmbcgabte Danien u. Herren gesucht. 222|l Meldungen Montags, abends nach 87« Uhr, im Restaurant Riihne, Schönhauser-Allee 46. Wer— Stoff— hat, fertige Anzug 20 M., feinste Zuthaten, saub. Arbeit, 2 Anpr., Paletot 17 M., Hose 3,5V M. Anzug- u. Hoseureste spott- billig. Gngel, Münzstr. 4. 51/28. Milchgesch., 200 M., verk. Sorauer- straße 22. 2244b Louis Ehrenäerg Am Molkenmarkt No. 7 (früher Annenstr. 16) empf.sFreundcii».Bekannten sein �eiss- n. Bairiseli-stierlokal. Kartonarbeiterinnen u. Lehrmädchen verl. Eisenstädt, Beuthstr. 5. 2056b Geübte Kartonarbeiterinnen werden sofort verlangt. Georg Heise, Roßstr. 7. Für ein erstes Herren-Garderoben- Geschäft sn gros wird ein tüchtiger .Eusclinelder.derinc' thätig war, sofort gesucht. Offert, unt. Chiff. R. 44 in der Exp. d. Zeitung. Kunststein-Stainpfer verlangt. Isohyrota, 2249b SO., Eichenstr., nahe Station Treptow. Einpacker verlangt, Waldemarstr. 15. Kartonarbeiterinne» verlangt Flaut, Blnmenstr. 74. Prägerinnen, geübte, sof. verl. Luxus- papier-Fabrik Elisabeth-Ufer 44. 83M Drahtweber verlangt sof. A. Heinze, Rummelsburg, Friedrichstr. 17. 22b4b Deutscher Hcharbeiter-Verbanb. (Zahlstelle Berlin.) Sitzung der Ortsnermaltung heute, Freitag Abend bei Ledöllwg, Stallschreiberstr. 29. Kezirks- Versammlung: Am Sonntag, den 21. Jnli. vormittags lo'/a Uhr, im Lokale des Herrn Viistt, Weberstraße 17. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. Wryt Über„Hypnotismus 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bezirksleiters und Schrislsührers. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Mitglieder-Versammlungen: Vm Sonntag, den 21. Juli, vormittags 10�/2 Uhr, im Lokale des JollMllill» Herrn Lange, Stromslraße 28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Jali» über:„Mallhus und seine Bevölkerungstheorie". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegeuheiten und Verschiedenes.— Die Kollegen werden ersnmt, pünktlich zu erscheinen. KicWPttg ud Rmmlswg: T,i Herrn Heineke, Friedrich Karlstraße 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Li',.{oel über:„Aus der Urgeschichte der Erde". 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Beisitzer und der Kontrollkommission. 4. Verschiedenes. Nertranensmiimrer-Nersammlunge»: Wkililillg ud Klsutautln S fÄ'Äer.'r'sS! Kolbergerstraße Nr. 23. Tagesordnung: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Kollegen der Werkstellen werden ersucht, sich durch Vertrauens männer vertreten zu lassen. Wefte« rniil Tliilmilcli: � 6,i Tagesordnung: Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es ist nothwendig, daß alle Werkstätten des Bezirks durch Delegirte vertreten sind. Die Sitzung wird pünktlich eröffnet. Mittwoch, den A4, Jnli, abend« 8�2 Uhr, i» Cohn s Festsalen, Kenthltraße 20-22: General«Mersammlung. Montag, 29. Jnli, in den Ränmeu der„Nene« Welt": Sommer-Fest unter Mitwirkung des Gesangv. Kreuzberger SÄrmouie Ailstreten sitülAtlicher chezialitateil!c. Billets k 25 Pf. find auf allen Zahlstellen des Verbandes, sowie bei den Vorstandsmitglieder» zu haben. 76�7» Kmikell- uiii) BegrilbuiMe kr BuGiukr uni) ucriuankfii Verustzeuösseu zu Berlin lE. S. Nr. An» Sonttabend, den 27. Jnli 189S, abends 8V2 Uhr, im _ Lonisenstädtischen Klubhans, Annenstraße 1«: M GeneralM�Srsa»nn?lung. � Tagcs-Ordnung: 1. Kassenbericht pro 2. Quartal 1895. 2. Bericht des Vorstandes 3. Kassenangelegenheiten. Das Erscheinen aller Mitglieder ist erforderlich Fr. Freudenreich, Vorsitzender Wißmannstr. 13 I. Kruno Grob lehner, Kassirer, Wasserthorstr. 14 i. L. Herein der ScBiäftelsranche. Sonnabend, SO. Juli, abend« 9 Uhr, bei Wernau, Uosenthalerstr. 57: General- Versammlung.'Mg Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Uchtung! Kchverein kr ßglz- u. Brettertriiger Berlins und Umgegend. Sonntag, S1. Jnli, vormitt. IOV2 Uhr, bei Kraah, Schönleinstr. 6: RK�glieder-Hersammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung von, 2. Quartal 1895. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. 84/1 Fachvereiii der Misiklistriiaeetei-Arlrciter. Km Sonnabend, den SO. Juli, abend« 8�/2 Uhr, bei Witzel, _ Ackerlir. 145, vis-i-vis der Marlethalle; AM" MitgUeVer-Verlammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen laiin über:„Malthus und seine Be- volkerungstheorie". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 141/5 Der Vorstand. Fachwerein der SteiSmaciier8 Berlins und Umgegend. Sonntag, den St. d. M.. vormittag«'9-/2 Uhr, bei DrUss, Lothringerstralze 41: Menevesl VevsQMSttlttZtg. Tages-Ordnung: 159/1 1. Vortrag des Genossen lleorg Vsgnsr über: Klasseuklämpfe. 2. Dis- kussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Abrechnung von« Vergnügen. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. Niftinii}! Tll-nirttf � Nltuiij! f-v ♦ rnw.raawBmH General«Hersamifiiaang des Vevvins vvV Jimmerev Berlins u. Umgeg. Sonntag, den Sl. Juli, vorzuittag« prüf. 10 Uhr, ln Cohn's Festsälen, Kruthstr. 31(gros-er Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen kkannkuok über: Generalstreik. 2. Abrechnung v. 2. Quartal 1895. 3 Vcrcinsangelegcnhciten. Zutritt hat jeder Zimmerer. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen ersucht s2ö7/l� Der Vorstand. ReKllmtlSN„zum Pfeifen-Müller" Vv« tNerkehrloltal der hiesigen Genossen) hierdurch den Sesucher» de« Sängerfestes freundl. Beachtung empfohlen. SC Achtung i Zahnersatz, auch Theilzahl., wöchentl. 1 Mark, G u ck e l, Lausiher Platz 2, Elsasserstr. 12. Krnchvandagen aller Art(eigenes Fabrikat), sowie sämmttiche Artikel zur Kranken» pfleae empfiehlt J.CIi.PolIinai)ii, Ä"». Lieferant für Orts- n. Hilfs-Krankenk. Bitte lesen Sie! an Jedem Genossen, der seinen Bedarf Smnttt-KM, WS Uöstrr», Jagnet«, Kosen, Westen, Kiiten, Stiefeltr tc., ferner Ketten, Wäsche, Waschkessel, Koffer, Schirme billig und gut kaufen will, empfehle mein reichhaltiges Lager in alt u. ne«. A. Berglen, Schneidermeister und Parthiewaaren- Händler, III Skalitzerstraße M. Srstellungen nach Maasi werden gut und billig ausgeführt. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. was soll Jedermann erfahren. Nevolvcr von 5 Mt. an. Taschcn-Teschin von 2�0 Mk. an, Gavtcn-Teschin von 7 Mk. an, Jagd-Narabincr von l.'> Mk. an, Schetbenbüchsen von IS Mk. an, Ecntralfeuer- Doppelflinten von 82 Mk. an, Einläufige Cal. IS von 20 Mk. an, Engl. 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Juli nach Senftleben's Volksgarten, Johannisthal. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof: früh 3 Uhr.— Unter anderen Vergnügungen findet ein großes SC Vreisansspiele» fiir Herren auf der Kegelbahn statt. 2248b Um zahlreiche Betheiligung bittet Der Vorstand. BranRHnBwa�HnaHnaBB��BHHBBaKBi Brauerei Friedrichshain(am Königsthor). Am Sonnabend, den 20. Jnli 1893: Gr. Sommernachts-Kflll der Vereinigung aller in der Schmiederei beschäftigten Personen(Filialen Berlin Nord und Ost). Damen-Sillrt S5 pf. Herren-Killet 50 Vf. Ansang 8 Uhr. SC Der Garten ist von 4 Uhr ab geöffnet. Der Cingang zum Saal ist nur durch den Garten. Billets sind zu haben bei den Bevollmächtigten beider Zahlstellen und in folgenden Lokalen: Norden: Bei M a r t e n, Ackerstr. 123; Leder. Gotzkowskystr. 3; Weiß, Mulackstr. 19. Gsten: Hahn, Schönleinstr. 23; Tempel, Gr. Franksurterstr. 16.— Um zahlreichen Besuch bittet 176/1 Da« Comitee. Zentral-Kranken- 1. Sterbekasse der Tapezlrer G. H. 36.(Vereinigte Filialen Herlina). Sonnabend, den 20. Juli 1895, in der„Neuen Welt", Ha fen Haide 108— HZ: 189/1 AM- Somme�fes-ft. Grosses Concert, Auftreten sämmtlicher Specialitäten, Land- und Wasserfeuerwerk, gr. Alpenglühen, Festball, Kinderbelustignngen, Puppen- Theater und Fackelzug, zu dem jedes Kind eine Fackel gratis erhält. Die Kafseeküche ist den Damen von 2 Uhr ab geöffnet. SC Billets ä 39 Pf. sind in allen Zahlstellen zu haben. US. Am 29. Juli bleiben sämmtliche Zahlstellen geschlossen. Da der Neinertrag zur Unterstützung hilfsbedürftiger ausgesteuerter Mit- gkieder bestimmt ist, bittet um zahlreichen Besuch Das Komitee. Victoria-Salej Rixdorf, Hermannstraße Nr. 48-50. Sonnabend, de» SO. Jnli, abend« 8 Uhr: Gr. Extra-Vorstellnngrsr■ Sammernachts-Ball arrangirt von der Thratergefellfchaft„Freier Mille" (Mitglied des Bundes der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend). Zur Aufführung gelangen u. A.: Solosoenen, Duetts. Der Kesselflicker Thomas oder: AlteSünder— Alte Sünden. Charakterbild mit Gesang in 2 Akten von A. Anno. Nach der Vorstellung: Gr« VetÜ. Sonntag, morgens 4 Uhr: GemUthl. Kaffeekochen im Garten. Anfang 8 Uhr.-*1 SC Ende??? Programms k 20 Pf. berechtigen zum Eintritt. 2246b AivfrUmgZ Achtusig! Zum Kugerstst in Weißenske! Auf vielseitiger Anregung errichten wir am nächsten Sonntag im Sttrnrckrr einen«fürst-, Srot» u. Butter-Verkauf. Wir werden zu unsere» nblichr» Markthallenprrisrn alle Waaren in bekannter Güte den Genossen und Damen zur Verfügung stellen. Das lästige Mitnehmen von Stullen ec. bleibt somit jedem erspart.— Wir werden fiir ausreichende Uorräthe und prompte Bedienung Sorge tragen; hoffen in anbetracht des großen Risikos, der enormen Unkosten(Platzmiethe, Transport zc.) auf allgemeine Unterstützung aller Feittheilnehmer zu unserm Unternehmen. 2L36b fr. Wilhelm Arndt und Theodor Oochow. Schweizer Garten. Am Königsthor. Täglich: Am Friedrichshain. omni null UmMing. Nette Matrosen.— Die Allerweltswittwe.— Ein moderner Rasirsalon.— Lebende Bilder u. Spezialitäten, VolKsbelnltigunge» und Kall. Bon 5—7 Uhr: Freier Dnmenknnz. Banckel's Ablage, Wald, Wasser und dicht an der Slation gelegen, cmpfiehlt sich zu Aus- flügeil:c. Eaffeküche. Gute Speisen und Getränke. Ansspannnng. Ostbalm-Park RQdersdorferstr. 71, Am Küstrincr Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie: R. Hintsche. Garlcn-Toncert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Mnfikdircktors W. Carlon's. Anfang Sonntags 4 Uhr. Eutree29Pf. Wochentags 5 Uhr. Entree 15 Pf., I ivosur tiu Clus Vicr ucrudrdldt umi Volkobelustignngr» jeder Art. 4 Kegelbahnen zur Vrrfllgnng. Gute Ziere, ansgezeichnete Küche z» soliden Vreisr». C.Freund's Inselgarten®1",,-cWe aaen v-re--e-B'®ese11 auf Picheis werdei�s schatten:c. mein idyllisch gelegenes Lokalzn Sommerausflügen. vampker- Prühstüeks-Baltestelle. Bei Krem- fern wird Brückenzurückgang vergütet Verantwortlicher Redakteur: Max Pfnnd in Halensee. Für den Jnseratentheil verantwortlich Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin,