Abendausgabe Nr. 166 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 82 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Jerniprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts NO Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Freitag 9. April 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Jernsprecher: Dönho 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Auf zur Maifeier! Arbeiter, Angestellte! Der wirtschaftliche Crud lastet in diesem Jahre schwerer denn je auf den gesamten Arbeitnehmern. Die Arbeitslosigkeit breiter Schichten führt als Begleiterscheinung allgemein die Unsicherheit der Existenz mit sich. Der 1. Mai fällt in diesem Jahre in eine außer ordentlich frübe Zeit. Aus diesem Grunde muß der Ruf: , Demonstriert am 1. Mai!* die damit verbundene Not und das Elend zwingen uns dazu, diese Forderungen mit noch größerem Nachdruck als sonst zu stellen. Für den Weltfrieden, gegen Militarismus und Krieg haben wir in jedem Jahre unsere Kundgebung veranstaltet. Die Ereigniffe der jüngsten Zeit haben uns gezeigt, daß die Gefahren auf diesem Gebiet noch immer vorhanden sind. Noch läßt die Verständigung der Völker auf sich warten. Noch immer stehen sich die einzelnen Böller bis an die Zähne bewaffnet gegenüber. Front gegen Arbeiterrechte. Von Hugenberg bis Mosse. In den Nachkriegsjahren hat sich auch der Arbeit geberverband für das Berliner Zeitungsgewerbe dazu bequemen müssen, einen Angestellten abzuschließen. Aber gerade der Arbeitgeberverband für das tarifvertrag mit dem Zentralverband der Angestellten Berliner Zeitungsgewerbe juchte anscheinend seine Ehre darin, bei der durch die Inflation hervorgerufenen Veränderung der Machtposition an reattionärer Gesinnung und auf fruchtbaren Boden fallen. In den Zelten wirtschaftlichen Tief Demonstriert am 1. Mai für den Völkerfrieden und stellten zu beginnen. Der Anfang wurde damit gemacht, standes zeigt es sich besonders, daß die Unternehmer alle Mittel anwenden, um die Arbeitszeit zu verlängern, und die Unzulänglichkeit unjerer Sozialpolitik trift in diesen Zeiten mehr denn je in die Erscheinung. Gefehlicher Achtstundentag, Ausbau der Sozialpolitik, das find die Forderungen, für die wir am 1. Mai Jahr für Jahr unfere Stimmen erheben. Die überaus große Arbeitslosigkeit und für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die beide endlich fommen müffen. Die Art der örtlichen Demonstration fann von zentraler Stelle aus nicht vorgeschrieben werden. Die Ortsausschüsse des ADGB. und die Ortskartelle des AfA- Bundes müffen mit den Ortsverwaltungen der angeschloffenen Verbände nach der zwedmäßigften und wuchtigsten Form suchen. Ob die Arbeitsruhe möglich ist, muß dabei besonders eingehend geprüft werden. Gewerkschaftsmitglieder! Macht die Maifeier auch in diefem Jahre zu einer machtvollen Kundgebung für unsere Forderungen, für die an diesem Tage die Arbeiter und Angestellten der ganzen Welt eintreten. Tretet insbesondere auch ein für die Erhaltung der demokratischen Republik in unserem Vaterlande. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Maloys Rücktritt. Allgemeiner freier Angestelltenbund. im Jebruar vorigen Jahres nur ein Unfall bei der Einübung mit der Baffe gewesen sei, oder, daß sie wirtlich geistes frant sei und sich jemand ihrer bedient habe, um das Attentat burch fie ausführen zu lassen. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Miß Gibson wurden anßer vielen religiösen Gegenständen mehrere faschistische Blätter gefunden, in denen die Angaben über die tägliche Arbeit und den Aufenthalt Mussolinis, seine Teilnahme an Bersammlungen ufw. mit Bleistift angestrichen waren. Lady Ashbourne, die Schwägerin der Miß Gibson, richtete aus Compiegné ein Telegramman Mussolini, in dem sie ihren tiefen Abscheu über das Attentat und die besten Wünsche für die Erhaltung des Lebens Muffolinis zum Ausdruck bringt. Der Arzt widerlegt alle politischen Mutmaßungen. Wegen der Feindschaft der Rechten. Paris, 9. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Demiffion des französischen Innenministers Malvy, die am Donnerstag noch in später Abendstunde amtlich bestätigt wurde, ist nicht, mie ursprünglich angenommen wurde, aus Gesundheitsrü ichten, sondern aus politischen Gründen erfolgt. Ein für heute vormittag einberufener Kabineitsrat wird von dem Rüdtritt des Innenministers offiziell Kenntnis nehmen und erst dann mird das Rücktrittsgesuch Malons veröffentlicht werden. Schon jetzt aber glaubt man zu wissen, daß Malvy in diesem Schreiben darauf hinweist, daß eine Anwesenheit im Kabinett angesichts der Feind fchaft, die ein Teil der Rechten ihm entgegenbringt, nur dazu geeignet sei, die Position der Regierung zu schwächen und ihr eine Anzahl Stimmen zu entziehen. In den Malon nahestehenden Kreisen Rom, 9. April.( WTB.) Der Arzt des Sanatoriums, in welchem Biolet Gibson nach ihrem Selbstmordverfuch 1925 zmei Monate in glaubt man übrigens, daß sein Beschluß nicht zulegt durch den Wunsch diftiert sei, feine politische Handlungsfreiheit wieder Behandlung blieb, erklärte den Zeitungen, seine Patientin hätte zu gewinnen und den gegen ihn gerichteten Angriffen der Rechten niemals mit ihm über politische vragen gesprochen, fie ungehindert durch sein Amt entgegentreten zu können. Der hätte aber mehreremal behauptet, einer revolutionären Familie zu " Quotidien" gibt der Meinung Ausdruck, daß der Rücktritt Maloys, entstammen. Biolet Gibson half oft den Armen und besonders der der Politit des Kartells der Binken treu bleiben wolle, als miß den Frauen, sie verwendete dazu die ziemlich bedeutenden Beträge, billigung gewisser politischer Tendenzen des die ihr in einer hiesigen Bank zur Verfügung standen. gegenwärtigen Rabinetts aufzufaffen sei. Die Frage der Nachfolgerschaft Maluys wird von dem für heute einberufenen Kabinettsrat entschieden werden. In den parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die Wahl Briands auf den derzeitigen Landwirtschaftsminister Durand fallen werde, der ebenso wie Malon Mitglied der Radikalfozialen Partei ist. Amendola doch ermordet. Das Ende einer Lüge. Paris, 9. April.( Eigener Drahtbericht.) Der in Cannes ver storbene Führer der italienischen Opposition Amendola foll an geblich vor seinem Tode gebeten haben, sein Ende nicht als die Folge faschistischer Mißhandlungen darzustellen. Der„ Quotidien" beweist die Faschheit dieser Behauptung durch die Wiedergabe eines Berichts der behandelnden Aerzte, die Amendola am 22. Februar in Paris untersucht haben. In diesem Bericht wird die innere Ver legung der Lunge durch eine Masse geronnenen Blutes" erklärt, entstanden durch die im Juli 1925 erlittenen Gewalttaten. ( Die Agentur Havas hatte sich vor einigen Tagen dazu her. gegeben, eine von uns sogleich als äußerst unwahrscheinlich bezeichnete Meldung zu verbreiten, nach der Amendola in seinem letzten Billen erklärt haben sollte, er wünsche nicht, daß man seinen Tod „ politisch ausnuße", d. h. man solle verschweigen, daß er sein Ende an den Folgen der faschistischen Verletzungen gefunden habe. Das vom„ Quotidien" veröffentlichte ärztliche Protofoil bereitet der Tendenzlüge ein flägliches Garaus. Die Red.) at ein Vorbild zu geben. Das Inflationsjahr 1923 mit feiner Schwächung der gewerkschaftlichen Positionen schien ihm dazu geeignet, mit dem Abbau der Rechte der Ange= daß alle maßgebenden Berliner Zeitungsbetriebe, d. h. also nicht nur der aus Prinzip reaktionäre Scherl- Verlag, sondern auch die demokratischen Zeitungsverlage Mosse und Ist ein einheitlich versuchten, die Angestellten zunächſt u m ihre Rechte aus dem Betriebsrätegefeß zu bringen. Zu diesem 3med wurden feine petuniären Mittel gescheut, um die Angestelltenräte einfach auszu taufen! Ueber die Art dieser Beseitigung der Angestellieneiner Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin am 27 Januar dieses Jahres ganz offen. Er bestritt, daß es sich dabei um Anwendung ungefeßlicher wirtschaftlicher Druckmittel gehandelt habe. Er( Dr. Köstner) habe z. B. die für seinen Betrieb in Frage kommenden Angestelltenratsmitglieder zu sich kommen lassen und ihnen eröffnet, das Geschäft habe ein Interesse daran, daß sie nicht länger beider Firma tätig seien. Und einen Sack Rosinen taufe. Die Angestellten hätten gefordert und er habe geboten. Er könne ja schließlich nichts dafür, wenn einige Angestellte den„ Wunsch" hätten, sich ein fleines 3igarrengeschäft zu kaufen. Und so jei man sich nach einigem Hin und Her auch einig geworden. Dann habe man die Sache so behandelt, als ob man z. B. Der Das ist eine geradezu zynische Art, wie die aus Verfassung und Gefeß sich ergebenden Angestelltenrechte beseitigt werden. Nachdem zunächst mit diesen Methoden die bestehenden geschlichen Angestelltenvertretungen beseitigt waren, sorgten die Zeitungsverlage dann auch dafür, daß keine Neuwahl erfolgen fonnte. Arbeitsmarkt für Angestellte verschlechterte sich ja schon damals von Tag zu Tag. Die Listenvertreter der jeweilig aufgestellten Angestelltenratsvorschlagsliste wurden sofort gekündigt und die Angestellten unter einen so starten wirtschaftlichen Druck gesetzt, daß sie nicht mehr dazu zu bewegen waren, ihre ver fassungsmäßig verbrieften Rechte wahrzunehmen. Um die gleiche Zeit begann dann auch der Feldzug gegen den Angestelltentarifvertrag. Der Arbeitgeberverband für das Berliner Zeitungsgewerbe stellte fid) auf den Standpunkt, die Angestelltenorganisationen seien überhaupt nicht mehr legitimiert, Tarifverhandlungen zu verlangen. Das Arbeitsverhältnis sei auf dem Wege des„ Einzelvertrages" zur Zufriedenheit" aller Beteiligten geregelt. Es bestünde überhaupt kein Verlangen nach dem Abschluß eines TarifverIm Barthotel, wo fie letzten Dezember mohnte, machte sie den Eindruck einer sehr nervösen Religionswahnsinnigen. Vortrages bei den Angestellten im Zeitungsgewerbe. drei Wochen teilte sie dem Hotelpersonal den Tod ihrer Mutter in einer Weise mit, daß man den Eindruck hatte, sie hätte jedes mensch liche Gefühl verloren. Sie litt oft unter Halluzinationen, ging wie unter Hypnose mit steifem Körper und erhobenem Gesicht, ihre Augen blidten starr in die Lcere, ihre Arme hingen wie leblos herunter, sie war völlig geistesabwesend, grüßte nicht und erwiderte feinen Gruß. Wie die Zeitungen berichten, hat der maximalistische Abgeordnete Cassinelli, der von Amts wegen, zu ihrem Berteidiger ernannt wurde, den ihm erteilten Auftrag angenommen. Tschitscherin schlägt den Takt. Die Moskauer Internationale macht die Musik. Tschitscherin bat am Ostermontag eine Rede über die russische Außenpolitik gehalten. Der Wille, die AbrüstungsConferenz zu fabotieren und ständig eine Drohung für Europa zu bleiben, wurde hinter Angriffen auf den Völkerbund und den Vertrag von Locarno verborgen. Am Tage darauf setzte die Erefutive der Kommunistischen Internationale die Rede Tschitscherins in revolutionäre Feiertagsphrafen für fommunistische Arbeiter um. Bas Tschitscherin will, lautet in der Sprache dieses Erekutivaufrufs: Bruch mit dem Bölkerbund, Kampf gegen den Bölkerbund, nieder mit dem Völkerbund! Boraus hervorgeht, daß erstens die Erekutive der MosAuf der Suche nach den Schuldigen". fauer Internationale ein Propagandainstrument der russischen Der Sozialismus als Inspirator des Muffolini- Attentate. Außenpolitik ist. Wenn Tschitscherin ruft: Haltet den Dieb!, Rom, 9. April.( WTB.) Im Mittelpunkt des öffentlichen Interstellt die Erekutive die Dedung. Zweitens, daß die russische esses steht nach wie vor das mißlungene Attentat auf Muffolini. Außenpolitik und die Kommunistische Internationale bewußt „ Tribuna" meldet, daß Miß Gibson häufig in den Arbeiter das Spiel der Nationalisten und Imperialisten spielen, um die vororten von Rom weilte, Almofen austeilte und die fagen europäischen Bölker in der Berheizung zu halten. sozialistischer Elemente anhörte, was sie mit Haß gegen Mussolini erfüllt zu haben scheine.„ Giornale d'Italia" berichtet, daß Miz Gibson bei ihrer Bernehmung erflärt habe, teine Kommunistin zu sein, aber viel Sympathie für den Boliche mismus zu haben. Impero stellt die Hypothese auf, daß Mis Gibson religiösen Wahnsinn fimuliert habe, um fich imauffällig auf ihre Tai vorzubereiten, und daß ihr angeblicher Selbstmordversuch Indessen hat die Geschichte ihre eigene Logit. Während die Ruffen laut fareien: Kampf gegen den Bölferbund!, geht die Geschichte ihren Gang, und sie mird die Ruffen mitschleifen, bis sie im Bölferbund sind. So hat die Demokratie in Deutsch land die Kommunisten erfaßt und zu demokratischer Braris mitgeriffen, obgleich sie noch laut die Ideologie der Diftatur verteidigen. Zur gleichen Zeit aber sorgten die Zeitungsbetriebe dafür, daß jede Agitation in den Betrieben um Sicherung und Ausbau des Tarifvertrages für die Angestellten unmöglich gemacht wurde, indem jeder Angestellte, der in dieser Beziehung seiner Meinung Ausdruck gab, aus dem Betriebe entfernt wurde. Auf jeden Fall weigerte sich seit Ende 1923 der Arbeitgeberverband im Zeitungsgewerbe überhaupt, in freien Verhandlungen die Tariffragen zu besprechen, und seit diesem Zeitpunkte fonnten der bestehende Manteltarifvertrag und Gehaltsvereinbarungen nur auf dem Wege der Verbindlichkeitserklärung ergangener Schiedssprüche in Kraft gesetzt werden. Denn bis zum Februar 1926 fonnten auch die Schlichtungsinstanzen sich nicht der Einsicht verschließen, daß gerade im Berliner Zeitungsgewerbe die Boraussetzungen zur Herbeiführung von Zwangstarifverträgen gegeben seien. Aber der Arbeitgeberverband des Berliner Zeitungsgewerbes wurde nicht müde, seinen Kampf gegen die Angestellten weiter zu führen. Da er zunächst bei den Schlich= fungsinstanzen fein williges Ohr fand, bemühte er sich, unter Benutzung der ordentlichen Gerichte den Angestelltentarifvertrag zu beseitigen. Als daher ein bis zum 30. September 1925 laufender Manteltarifvertrag einschließlich eines Gehaltsabkommens wieder für verbindlich erklärt werden mußte, reichte der Arbeitgeberverband gegen diese Berbindlicherklärung eine Feststellungsflage beim Landgericht ein mit dem Antrage, festzustellen, daß einmal die Verbindlicherklärung zu Unrecht erfolgt sei, und daß zweitens die am Tarifvertrag beteiligten Angestellten- Organisationen, also in erster Linie der Zentralverband der Angestellten, nicht legitimiert seien, für die Angestellten im Zeitungsgewerbe einen Tarifvertrag abzufchließen. Die gesetzlichen und verfassungsmäßigen Rechte sollten für die Angestellten der Berliner Zeitungsbetriebe also nicht bestehen. Der Vertreter des Arbeitgeberuerbandes führte vor dem Landgericht aus, diese gefeßlichen Bestimmungen mären ergangen zu einer Zeit, in der die politischen und gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse andere maren als heute! Daher müsse das Gericht den heutigen peränderten Machiverhältnissen Rechnung tragen und ben Arbeitgeberverband mit seinen Bemühungen unterstützen. Das Landgericht hat damals die Feststellungsflage in allen Bunften zurüdgemiefen. Eine notwendige Reform. Die veraltete Ehescheidungsgesetzgebung. Mittlerweile maren am 30. September 1925 der bestehende Seit Jahren verlangt die Sozialdemokratische Partei eine Manteltarif und das Gehaltsabkommen abgelaufen. Aber der Reform des Ehescheidungsrechts, da die bisherigen demokratische Zeitungsverlag Mofie hatte schon vorher troß Gefeße nicht nur vollkommen veraltet find, sondern auch in demokratische Zeitungsverlag Mosie hatte schon vorher trobber der bestehenden tarifvertraglichen Bestimmungen allerdings der Mehrzahl der Fälle die auf Scheidung Klagenden zu einer vergeblich versucht, in einigen Abteilungen den Angestellten un moralischen haltung zwingen. Der Hauptmangel nur 50 Pro3. des tariflich vereinbarten Urder jezigen Gefeßgebung liegt in der Bestimmung, daß eine Iaubs zu gewähren. Scheidung rechtlich nur dann möglich ist, wenn eine der beteiligten Parteien für schuldig befunden wird. Eine Aenderung des Ehescheidungsrechts scheiterte bisher an dem Widerstand der bürgerlichen Barteien, die ihren Standpunkt in einer gänzlichen Berkennung der Tatsachen hauptsächlich mit moralischen Motiven begründeten. Auf die Dauer allerdings fönnen auch fie fich den sozial. demokratischen Gegengründen nicht verschließen und schon seit einiger Zeit ist der Widerstand vor allem der Volkspartei schmächer geworden. Die Reichstagsabgeordnete Frau Clara Mende zieht jetzt in einem vom Pressedienst der Bolfspartei perbreiteten Artikel die Konsequenzen. Sie schließt sich der sozialdemokratischen Forderung nach einer Reform der Chefcheidungsgesetzgebung an. Der Schuld Paragraph müßte fallen. Die Feststellung der objet tipen Ehezerrüttung müsse zur Scheidung genügen, d. h. die Scheidung muß auch dann ermöglicht merden, wenn die Schuld eines der beiden Teile nicht festgestellt wirb. Beiter müsse das Scheidungsverfahren erheblich be= schleunigt werden, um die finnlose Qual jahrelanger Ehe scheidungsprozesse zu verhindern: Nach dem Ablauf der Tarifverträge bemühte fich der Zentralverband der Angestellten wiederum, die mindest bedingungen für das Arbeitsverhältnis der Angestellten zu sichern. Der Arbeitgeberverband war zu freien Berhandlungen wieder nicht bereit, so daß die amtlichen Schlichtungs: instanzen aufs neue in Anspruch genommen werden mußten. Die Syndici des Arbeitgeberverbandes ließen kein Mittel unversucht, die Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß entweder ganz unmöglich zu machen oder zum mindesten zu verschleppen. Es wurde zunächst von ihnen behauptet, der Borfizende des Berliner Schlichtungsausschusses set befangen. Der entsprechende Entscheid des Oberpräsidenten ließ volle 6 Wochen auf sich warten. Er erkannte den Einwand der Befangenheit nicht an, erflärte aber für geboten, einen anderen Borsitzenden für diese Angelegenheit zu bestimmen. Als die neuen Berhandlungen dann endlich stattfinden fonnten, wurden die Sabotageversuche fortgesetzt, auch die Beisiger abgelehnt und moralische Einwirkungen auf die Arbeitgeber Beisiger unternommen. Aber endlich fam es doch zur Fällung zmeier Schiedssprüche. Der erste sezte den bis zum 30. September 1925 geltenden Manteltarifvertrag mit einigen Berschlechterungen mit Wirfung ab 1. Februar 1926 wieder in Kraft, und der zweite Schiedsspruch jah vor, daß die zuletzt festgesetzten Gehälter mit einer 4prozentigen Er höhung ebenfalls ab 1. Februar 1926 wieder Geltung haben follten. Abermais mußte die Verbindlich feits erflärung dieser Schiedssprüche beantragt werden. Und nun stellte es sich heraus, daß der jahrelange Kampf der Zeitungs. verläge gegen die Angestellten nicht ohne Erfolg geblieben war. Der Schlichter von Groß Berlin tehnte nämlich die Berbindlichfeitserflä= xung ab! Ein Sag aus der Begründung der Ablehnung mag hier auch angeführt werden: Da auch, wenn der staatGefahren für die Allgemeinheit nicht zu befürchten sind, war die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 21. Januar 1926 abzulehnen." stand und seiner Unvollkommenheit und Härte schmer leiben, Ulm der vielen Unglüdlichen willen, die unter dem jezigen Zubringen wir auf die Einführung diefer be. heidenen Reform und hoffen, daß der Rechtsausschuß des Reichstages bald die Zeit findet, dieser Frage nahezutreten und sie in unserem Sinne zu lösen und gesundere Berhältnisse zu schaffen." Auch die deutschnationale ,, Deutsche Tageszeitung" öffnet ihre Spalten ben Freunden ber Chescheibungsreform. Sie gibt einer Zuſchrift des Landgerichtsdirektors Wach ler Raum, der sich gleichfalls für die Einführung der objektiven Berrüttung als einen Scheidungsgrund einfegt. Er führt aus: standes des Zentrumsgegen jebe Ehereform ablehnend verhalten. Die Regierung hat fichwohl vorwiegend wegen des Wider Das ist zu bedauern. Denn die Gründe für eine maßvolle hältnisse nicht pan der Hand zu weifen. Und es fragt sich sehr, ob die Bestimmungen des geltenden Rechts noch dem Gefühlsleben unserer Zeit entsprechen. Bezeichnenderweise tennen auch Ludendorffs Rolle im Kapp- Putsch. Aus den Memoiren des Trebitsch Lincoln.Lindström alias Ch. Newman. Erich Das Budapester Blatt Magyarország" fährt fort in der Vera öffentlichung der Memoiren von Trebitsch- Lincoln. Diesmal befaßt fich der Hochstapler mit Ludendorffs ganz eigenartiger Rolle wäh rend und besonders nach dem mißlungenen Butsch. Zu Beginn des Putsches, als alles wohlgelungen zu sein schien, war Ludendorff ständig in der Reichskanzlei anzutreffen. Trebitsch war allerdings sehr erstaunt, als er Ludendorff zum ersten Male fah, da dieser in Galauniform, in der Bracht all ſeiner Orden erschien.„ einen einzigen Orden hatte er zu Haus gelaſſen," be merkt Trebitsch. Als aber die Sache brenzlich zu werden begann, Derichmand Ludendorff plöglich. Er wohnte zunächst unter dem Ramen Charles Newman in der Biftoriastraße. Hier suchte ihn Trebitsch im Einverständnis und Auftrage des Obersten Bauer auf und verlangte von ihm, daß er den Oberbefehl über die Truppen übernehme. Nun war Ludendorff gezwungen, sich abermals in die Reichskanzlei zu begeben. In Anbetracht der troſtlosen Lage verhielt er sich aber ganz untätig, er wollte sich nicht exponieren, überließ das Handeln den anderen. Er und Rapp waren dann auch die erften, die sich, als alles verloren war, in Sicherheit brachten. Ludendorff begab sich vorläufig in seine Wohnung, wo er sich als Mr. Newman in Sicherheit fühlte. Trebitsch folgte ihm. Nun be. auftragte er Trebitsch, zu Ehrhardt zu gehen, um ihn zu be fragen, ob Ehrhardt geneigt märe, all seine Befehle durchzuführen, mas es auch sei". Ehrhardt antwortete bejahend. Hierauf verschaffte sich Trebitsch mit Hilfe eines Bantiers unter ausdrücklicher Bürg schaft Ludendorffs, der erklärte, daß der geliehene Betrag beim Gelingen der Sache zurückgezahlt werden solle, 5 Millionen Mark. Nun war das zum Kriegführen so notwendige Geld beisammen. Da geschah aber eimas unerwartetes. Ludendorff überlegte sich das Ganze und suchte das Weite. Kapp floh im Flugzeug nach Schweden, Ludendorff ging unbekannt mohin. Die Koſten dieſes ſtrategiſchen Rückzugs wurden, wie Trebitsch behauptet, aus der Kriegskasse gedect. In Bayern, wo man sich unter Pöhners Schuh ganz sicher fühlte, versuchten die aus Berlin hinausgeworfenen Kappiften fent Reichswehrtruppen für ihre Ziele zu gewinnen, um in Sachſen einfallen zu können. Die Berliner Regierung erließ aber gegen fie Haftbefehle. Pöhner sollte sie verhaften. Der aber meldete nach Berlin, daß er nicht wisse, wo sich die Gesuchten befänden. Ja, er trieb das Spiel sogar so meit, daß er die Putschisten in ihrem Hotel aufsuchte und ihnen sagte:„ Meine Herren, ich habe hier einige ihnen lachend die Berliner Haftbefehle liche Swang im vorliegenden Fall nicht eingesetzt miro, umgestaltung des Scheidungsrechts find für jeden Kenner der Ver- Schriftstücke, die Sie intereffieren werden." Hierauf zeigte er Die Hauptaufgabe des amtlichen Schlichtungswesens liegt darin, Hilfe bei Tarifabschlüssen zu leisten. Wenn die gewerk schaftliche Machtposition start genug ist, um einen Tarif abschluß zu erzwingen, fällt somit die Notwendigkeit der Inanspruchnahme der amtlichen Schlichtungsinstanzen fort. Nach der Begründung hat aber das heutige Schlichtungswesen nur den Zmed, Kämpfe zu verhindern, wenn die Gewerk schaften in der Lage find, von sich aus den Arbeitgeber willen zu brechen. Auf der anderen Seite wird den Arbeit. nehmern gesagt, solange ihr noch nicht start genug seid, mit eigener organisatorischer Kraft euch zu helfen, fann das amtliche Schlichtungswesen euch auch nicht helfen! and Somit besteht gegenwärtig im Berliner Zeitungsgewerbe ein tariflofer Zustand. Die Angestellten werden den Braftifen der Unternehmer und ihrer Syndici ausgeliefert. Aber vielleicht ist es ganz gut, daß durch die Ablehnung der Berbindlichkeitserklärung den Angestellten die Jusion zerstört wird, als ob sie von den amtlichen Schlichtungsinstanzen heute noch irgendwelche Berücksichtigung ihrer fozialen Notlage er marten fönnten. Es wird ihnen von Amts wegen die Erfenntnis eingebläut, daß fie Hilfe auch vom Staat nur erwarten dürfen, wenn sie sich selbst helfen, das heißt, ihre Gewerkschaft ftärfen. Amendola. Nach Matteotti du! Es triumphiert Erneute Schande feiler Henkersknechte. Gemeiner Mob, verkommen und vertiert, Steht für den schwarzen Herzog im Gefechte. Die Freiheit flagt, Hohn wird Gerechtigkeit, Wo Dolche blihen, Peitschenhiebe knallen. Italiens Volk schleppt namenlojes Leid, Weil hingemeudhelt feine Besten fallen. Und doch: Einft wird gefühnt verruchte Tat, Thr habt euch nicht umsonst dahingegeben. Aus eurem Blute sprießt der Freiheit Saat, Und euer Opfertof zeugt neues Leben. Pulsationen der Erde. h. d. Wie in den„ Astronomischen Nachrichten" mitgeteilt wird, sind auf der Sternwarte in Neubabelsberg feit einer Reihe von Jahren Ber fuche angestellt worden, aus denen sich ein regelmäßiges 3ufammenziehen und Wiederausdehnen der Erde ergeben foll, es joll jedoch nicht in gleichmäßiger Weise auf der ganzen Erde erfolgen, vielmehr vor allem in der Ebene des Aequators. Die Erdachse, der von Bol zu Bol gehende Durchmesser, behält nach diesen Angaben feine Größe, die bekanntlich über 40 Kilometer, etwa den 300. Teil, geringer ist als der Aequatordurchmesser, unverändert bei, aber dieser und im geringeren Maße auch die Durchmesser der höheren Breitenfreise ziehen sich zusammen und dehnen sich wieder aus, und zwar gang regelmäßig, genau wie Ebbe und Flut aufeinander folgen, so daß fie in ftetem Wechsel einmal ihre größte Ausdehnung und nach 6 Stunden die geringste Ausdehnung haben. Profeffor Couvoisier will diese Pulsationen der Erde, wie man solche regelmäßigen Ausdehnungen und Zusammenziehungen nennen fönnte, durch eine ganze folche über Henderungen der Schwere. Beim Zusammenziehen nähert sich der Ort, auf dem wir uns gerade befinden, dem Mittel punti der Erde ein wenig, er ist dem Anziehungszentrum ein wenig näher, und deshalb muß die Schwere ein wenig zunehmen, nach fechs Stunden dagegen, wenn die Erde sich wieder ausgedehnt hat, muß die Schwere wieder geringer geworden sein, und so fort. Uus feinen Beobachtungen zieht C. recht eigentümliche Schlüffe. Zunächst ist ja klar, daß der 6stündige Wechsel, mit dem die Menderungen auf einander folgen, von der Drehung der Erde herrühren muß, daß alio ohne diese Drehung der Aequatordurchmesser in der einen Richtung dauernd größer refp. fleiner fein müßte als in der dazu fentrechten Richtung. Diese Verschiedenheit der beiden auf einander fentrechten Aequatordurchmesser foll num eine Folge der Bewegung der Erde und zwar in der Richtung des Meineren Durch meffers fein. Die Zusammenziehung beträgt nach Couppifiers Meffungen 40 Meter, und hieraus folgert er, daß die Erde sich in der Richtung, in welcher die Zusammenziehung erfolgt, mit der unge heuren Geschwindigkeit von 750 Kilometer in der Setunde gradlinig zahlreiche andere Staaten, u. a. die Schweiz, Dänemark, Norwegen und Schweden schon seit längerer Zeit die Ehescheidung auch ohne Berschulden eines Ehegatten an der Zerrüttung, natürlich mit ge wissen Bürgschaften gegen übereilte Scheidungen. Der Ruf nach einer Umgestaltung des Ehescheidungsrechts wird deshalb nicht verstummen, und die Regierung wird schließlich auf ihn hören müssen. Ludendorff war inzwischen in der Nähe Rosenheims gelandet, wo ihn dann Trebitsch, der von Böhner mit falschen Pässen ausgestattet war, besuchte. Es folgte nun die Verlegung des putſchiitischen Hauptquartiers nach Budapest, und damit begann wieder ein neues Kapitel der Abenteuer. Soweit Lincoln- Trebitsch, der internationale jüdische Hochstapler und gute Kamerad Ludendorffs in den Kapp- Tagen. Die Verantwortung für seine Geschichten muß man ihm ſelbſt überlaſſen. Neuer Verteilungsschlüssel für Reichssteuern Es ist bezeichnend, daß Fr. Clara Mende und Herr Bachler in ihrer Begründung mit den Argumenten operieren, Die von der Sozialbemo fratie ſchon ſeit Jahren an: Der Reichsrat wird, wie der Reichsdienst der deutschen Presse geführt, von den Bertretern der bürgerlichen Barteien bisher aber als nicht stichhaltig zurückgewiesen wurden. Wenn das aus Reichsratskreisen hört, in der nächsten Zeit eine Denkschrift 3entrum in dieser Frage aus religiöfen Gründen eine über die Neu verteilung von Reidyssteuern zu behan von Sonderstellung einnimmt, so ist das zu verstehen und zu dein haben. Es dreht sich hierbei um diejenigen Steuern, die nach würdigen. Aber auch diese Partei wird sich auf die Dauer der Kopfzahl der Bevölkerung auf die Länder verteilt merden. HierDem Fluß des Lebens nicht widerfegen fönnen und ein Aus- unter fallen 3. B. die eine Hälfte der Kraftfahrzeugsteuer u. a. gleich zwischen religiofem Dogma und den veränderten Ber- Für die Berteilung dieser Steuer mar bisher die Bolkszählung von hältnissen des prafischen Lebens wird sich finden laffen, auch 1919 maßgebend, während jeßt die Ergebnisse ber 3ähohne das Dogma zu zerbrechen. Er ist geradezu ein Erforder- reat erhebliche Beridiebungen mit sich führen. So von 1925 verwertet merben. Die Berteilung wird nis der Reinhaltung moralischer Gesundheit. wird in erster Linie Breußen seinen Anteil nicht unerheblich ner. größern. Die Berschiebungen beruhen teils auf dem größeren BeDölferungszuwachs, teils darauf, daß im Jahre 1919 noch etwa 600 000 mobilisierte Mannschaften usw. an ihrem Wohnsiz nicht als crisanfäffig mitgezählt waren Rein Attentat in Mostau. Nach einer Mitteilung der Berliner russischen Botschaft ist die Meldung eines Attentates auf den Bolfs. fommissar für Inneres frei erfunden. fortbewegt. Er glaubt also, eine Bewegung der Erde gegen den leeren Raum oder, wie er sich ausdrüft, gegen den Aether, festgestellt und gemeffen zu haben, also eine Abfolutbewegung der Erde. Sollten die Resultate von Couvoisiers Meffungen sich bestätigen, und fallte feine Deutung der Ergebniffe Anerkennung finden, so würde dadurch das Lehrgebäude der Relativitätstheorie überflüssig werden, denn diese geht ja von der Annahme aus, daß eine abfolute Bewegung, eine Bewegung relativ zum leeren Raum, unerkennbar bleiben muß. Bisher haben Bertreter dieser Lehre zu den neuen Versuchen sich noch nicht geäußert. Da es sich um allerkleinste, an der Grenze der Meßbarkeit Legende Größen handelt die Kenderungen der Schmere follen nur den 100 000. Teil, die Berkürzung des Erdburchmeffers nur den 300 000. Teil betragen- so find Rachprüfungen jedenfalls notwendig. Bt. Das Alforientalische Museum in Konftantinopel. Im neuesten Heft der Minerva Zeitschrift giat Professor Echard Unger, nach dessen Plänen die altorientalische Abteilung des Antifenmuseums in Konstantinopel nau aufgestellt worden ist, einen Ueberblid über die Bestände diefer vierten unter den großen vorderasiatischen Sammlungen Europas, von denen allerdings die in Berlin erst ihrer Auferstehung aus den Kellern des Kaiser- Friedrich- Museums harrt. Konftantinopel befigt außerordentliche Schäße an jumerischen, affodifchen, babylonischen und affyrischen, aramäifchen, altarminischen und ägyptischen Kulturdenkmälern; mit seinen hettitischen und füdarabischen Altertümern steht das Museum an erster Stelle, ebenso aber auch darin, daß es von Grund aus nach den neuesten PrinAntiten und die besten Stüde der Sammlung stammen aus deut zipien und Erfenntniffen aufgestellt werden konnte. Die meisten schen Ausgrabungen: pon Affur in Affyrien, Babylon, Sendſchirli in Syrien, Boghastöj in Kleinaften; auch die Amerikaner, Fran. solen und Engländer haben Altertümer an das Museum abgegeben. Die südarabischen, tie altarmenischen, ein großer Teil der heitischen Altertümer sowie eine Reihe von wertvollen Funden aus Mesopo famien find von der türkischen Regierung selbst geborgen worden. Die Aufnahme größerer Denkmäler in das Museum ist nach seiner Neuordnung nicht mehr geplant; die neuauftauchenden foffen fortan in Angora gesammelt werden, wo ein„ Ethnographisches Museum" eingerichtet wird. Ein Gemälde von Tizian, Giorgione und Sebaftiano del Biombo gefunden? Die jüngste amerikanische Millionenstadt Detroit hat jeẞt für ihr riesiges Museum, das der deutsche Kunstgelehrte Dr. Wilhelm R. Valentiner leitet, ein Gemälde aus der Galerie des früheren Großherzogs von Oldenburg erworben. Das Bild ent stammt der berühmten Galerie der Grafen Schönborn in Pommers felben, die 1876 in Baris verkauft wurde. Als es nach Amerika tam, murde es gründlich gereinigt, und dabei fam auf der Rückseite der alten Leinwand eine Inschrift zutage; diese fennzeichnet die drei Figuren des Gemäldes als Arbeiten der drei Maler Giorgione, Tizian und Sebaftiano del Biombo. Die Inschrift ift alt, zeigt in den Namen den venezianischen Dialett und stimmt vor allem überein mit dem sehr verschiedenen Stil der drei Figuren. Das Halbfigurenbild zeigt nämlich links eine strahlende Blondine in meißer Seide ( Don Tizian) rechts eine brünette Schönheit in dunflem Gemande ( von Sebastiano), in der Mitte aber einen edlen Mann in der Pelz| schaube, mit sentimentaler Neigung des Kopfes( von Giorgione). Was die drei Figuren darstellen sollen, die Szene eines Dichters oder der. gleichen, bleibt unflar. Offenbar aber haben die drei Künstler, die fast gleichaltrig waren und nach 1505 zusammen in der Werkstatt des alten Bellini arbeiteten, hier gemeinsam etwas geschaffen. Schon früher ist das Bild immer wieder einem der drei Maler zugewiesen worden, und das Vorhandensein mehrerer alter Kopien nach dem Werke spricht dafür, daß schon in alter Zeit das Gemälde berühmt war. Auch die Berliner Museen befizen eine derartige Kopie. Zu bedauern aber bleibt, daß dieses Bild aus der Glanzzeit der Stunft Benedigs erft in Amerifa zu Ehren kommt, nachdem es so lange zum deutschen Kunstbesitz gehörte. Die älteste Oper der Welt. In Benehsa in Aegypten wurde fürzlich ein Mimodrama in Opernform gefunden, das aus der griechisch römischen Zeit, aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, stammt. Das Mimodrama erlebte damals eine blühende Zeit. Die Auffindung eines Teiles eines Librettos bestätigt diese Annahme. Der dänische Gelehrte Dr. Egili- Roftrug behauptet in seinen Mitteilungen an die dänische Akademie der Wissenschaften, daß der Fund einen Teil eines Buches betrifft, das der Regisseur bereits für eine Aufführung eingerichtet hatte. Es enthält ein breit angelegtes Drama, das die Mitwirkung von 17 Spielern erforderte. Körbe, die 7000 Jahre alt find. Die englische archäologische Expedition, die nach Werkzeugen der Steinzeit im nördlichen Fajum sucht, hat eine sehr interessante Entdeckung gemacht. Wie aus Kairo berichtet mird, wurden in der sogenannten Ghindi- Senfung, die etma 15 Kilometer nördlich von den bewohnten Gebieten in der Libnschen Wüste liegt, mehr als 20 Körbe und einige Urnen ausgegraben. Die Körbe find aus Weizenitroh gearbeitet, und ein Korb enthielt nod nom Alter geschwärzten Weizen; in einem anderen fand sich eine hölzerne Sichel mit drei Feuersteinen. Die Rörbe gehören zweifellos dem Libyschen Steinzeitalter an, in dem die Ghindi- Senkung eine Reihe von Lagunen mat. Sie wurden auf einer der schmalen Klippen diefer ehemaligen Lagunen gefunden, und zwar mar jeder Korb in ein Loch eingebettet, das zu diesem Zwed in den Felsen gehauen mar. Die Körbe find gut erhalten. Ihr Alter wird auf menigstens 5000 v. Chr. geschäßt, und fie find daher um 2000 Jahre älter, als die ältesten bisher bekannten. Bollsbühne, Theater am Bülowplat. Wegen der beiden Bremieren Marlborough giebt in den Strieg" im Theater am Schiffbauerdamm und Faust" im Theater am Balowplay muß eine Unterbrechung der erfolg reichen Sturmflut"-Aufführung eintreten. Die nächste Aufführung ist die 25. Ste findet noch in der ersten Hälfte des Monat April statt. Ernst Friedrich spricht zum Testenmal Die Bandlung nort Ernst Toller am Sonntag, dem 11., abends 8 1hr, im Anfitriegsmujeum, Parochialstr. 29. Jn der Kunftausffellung„ Der Sturm, Potsdamer Straße 134 a ist ein Lesesaal mit vierzig ausländischen literarischen und Kunstzeitschriften eröffnet worden. Die Ausstellung ist täglich non 10-6, Sonntags von 11 bis 2 Uhr geöffnet. Gegen Karl Judmoner, den Dichter des Fröhlicher Weinberg", wurde, einer Münchener Meldung zufolge, wegen eines Gedichtes, daß er in einer Münchener Beitung veröffentlichte, ein Strafverfahren wegen Gotteslästerung eingeleitet Die Kundgebungen der Freidenker. Die Freigeistige Woche fand gestern abend durch sieben außerordentlich gut besuchte öffentliche Kundnebungen, die in der Neuen Welt, Pharusfäle, Moabiter Gesell. schaftshaus und anderen großen Sälen abgehalten wurden, ihren Abschluß. Die Referenten, die zu dem Thema Kulturfampf der Freidenfer sprachen, fanden überall stürmische Zustimmung. In den Brachtjälen Zum Märchenbrunnen" am Friedrichshain sprachen die Genossen Löwenstein, Sievers, und Maffer, Wien. Genosse Löwenstein zeigte den Vormarsch der Kulturreaktion, der sich besonders deutlich in der Annahme des Konkordats in Bayern manifestiert. Wenn die Freidenfer und alle, die den Aufstieg der Menschheit aus den dunklen Mächten der Vergangenheit wollen, nicht cuf den Bosten sind, wird im ganzen Reiche wieder das alte Ber. hältnis zwischen Staat und Kirche hergestellt werden. Genoffe Maffer, Wien, führte eine Reihe von Beispielen an, die zeigten, mie schmer es für die österreichische Freidenkerbewegung ist, in dem fatholisierten Desterreich Aufklärungsarbeit im Sinne der freigeistigen Bemegung zu leisten. Trotzdem zähle der Freidenferverein bereits 30 000 Mitglieder und der Verein für Feuerbestattung 56 000. Sei auch die Arbeit außerordentlich schmer, so sehe man boch immerhin schon den zufriedenstellenden Anfang. In Wien beträgt die Rahl der Kirchenaustritte 80 000.- Genoffe Sievers gab eine Uebersicht über die Arbeit des Kongresses, führte die Verbände an, die den Rongreß beschickt haben, und stizzierte ihre Brogramme. Diese seien durchaus nicht einheitlich, aber darin feien sie frog der Berschieden heit der Programme einer Meinung, daß der Rampf gegen die Kulturreaktion mit aller Schärfe geführt werden müsse. Die prole. tarische Freidenferbewegung steht auf dem Standpuntt, baß diefer Rampf ein politischer sein muß. So lange die Kirche noch eine Macht im Staate ift, durch ihre Organisation überall Einfluß hat, jo fange ist Religion teine Privatsache, sondern eine wichtige politische Angelegenheit. Schweres Autounglück bei Cladow. Fünf Personen verletzt. Auf der Rückkehr von einer Hochzeitsfeier find in ber vergangenen Nacht der Gastwirt Alfred Solbach aus der Breite Straße 54 zu Spandau und dessen Ehefrau Marie, der Kaufmann Wilhelm Stephan und seine Frau Helene aus der Bergstraße zu Spandau und der Schneider Mag Loebell aus der SeeburgerStraße zu Spandau schwer verunglückt. In Cladom feierte gestern die jüngste Tochter der Frau Holbach, der Inhaberin des vielen Ausflüglern befannten Seglerheims" om Bollwert in Cladom, Hochzeit. An der Feier nahmen der Bruder der Braut, Alfred Holbach mit seiner Frau und die anderen Genannten teil. Zur Heimfahrt ließen sich diese aus Spanbau ein Auto tommen, das von dem Chauffeur Arno Schulz aus der 3offener Straße 3 in Berlin gesteuert wurde. Neben Schulz faß der Monteur horft Lichtenstein aus der Segefeldstraße zu der Segefeldstraße zu Spandau. Schulz mar des Weges wohl nicht ganz fundig und fuhr trotzdem sehr schnell die Cladow- Gatower Chauffee hinunter. Am Jaczo- Weg in der Nähe eines Abflußgrabens geriet er auf den Sommerweg und verlor die Gewalt über den Wagen. Die Borderräder stellten sich quer und pflügten 30 Meter lang ben Sommerweg auf. Der Wagen überschlug fich und ging in Trümmer. Schulz und Lichtenstein tamen unversehrt davon, die übrigen Insassen wurden schwer verlegt. Die Spanbauer Kriminalpolizei fuhr mit einem Rettungsmagen hinaus und brachte die Ber legten nach dem Krankenhaus in Spandau. Der Chauffeur Schulz, den anscheinend die ganze Schuld trifft, weil er übermäßig schnell gefahren ist, wurde vorläufig festgenommen. Eine Liebestragödie. beseitigt. Der größte Teil des Dachstuhls fonnte durch das überaus schnelle Eingreifen der Behr gerettet merden. Als Entstehungsurfache wird Unachtsamkeit vermutet. Raubmord oder Unglücksfall? Die seltsame Poftfarte. Unter verdächtigen Umständen ist der Zigarrengroßhändler Gerhard Barbich aus der Köpenider Str. 25 zu Friedrichs= hagen um das Leben gekommen. Bargsch ging am Mittwoch von Hause weg, um auf dem Finanzamt rückständige Steuern zu bezahlen. Er nahm etwa 2000 m. mit, erschien aber nicht auf dem Finanzamt, dagegen suchte er in Berlin Kunden auf und zog bei ihnen noch weitere Gelder ein, so daß er im ganzen etwas über 3000 M. bei sich gehabt haben muß. Vom Hauptpostamt in der Spandauer Straße fandte er seinem Sohn, der in seinem Geschäft in Friedrichshagen tätig ist, eine Bottarte, auf der er ihm mitteilte, daß er bei der Kundschaft Geld eingezogen habe, um das Konto zu Hause auf dem laufenden zu halten. Es ist das erstemal, daß er eine derartige Mitteilung machte, die darum auch Verwunderung hervorrief. Die seltsame Karte traf heute früh in Friedrichshagen ein. Kurz vorher mar Barbich in Oberschönemeibe in der Nähe des„ Spreeschlög. chens" dicht bei der Liegestelle des Reichswasserschutzes als Leiche aus der Spree gelandet morden. Von dem Gelde murde nichts mehr bei ihm gefunden, ebenso fehlt die goldene Uhr. Den Trauring hatte der Tode noch auf dem Finger. Die Leiche wurde nach dem Friedhof in Oberschöneweide gebracht. Mitteilungen zur Aufflärung nimmt die Kriminalpolizei des Bolizeiamis Treptom und des Reniers 233 entgegen. Wer etwas über den Aufenthalt des Großhändlers om vorgeftrigen und geftrigen Tage und über den Berbleib des Geldes weiß, wird ersucht, sich dort zu melden. Einsturz einer Nofbrüde. Die Rotbrüde über den neu zu er bauenden Ableitungstanal in der Breiten Straße( Schloßplag) ist furz vor 7 Uhr abends eingestürzt. Da in diesem Augenblic der Berkehr etwas nachgelaffen hatte, fonnte größeres Unglüd Bertehr mußte umgeleitet merben. berhütet werben. Es ist niemand zu Schaden gekommen. Der In die Spree gefallen. Der 10jährige Schüler Hermann Gottmann aus der Grenadierstraße 15 fiel beim Spielen in der leberfahrtgaffe am Monbijoupla in die Spree, wurde aber von einem Baffanten gezette und in das Hedwigstrantenhaus pon einem Baffanten gerettet und in das Hedwigstrantenhaus gebracht. „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. 7 Für Freunde infernationaler Kleinarbeit! Englische 3irfel für Anfanger unb wirklich Fortgeforittene nehmen noch einige Genoffinnen und Genoffen auf. Mitgliedsbuch legitimiert. Infoftenbeitrag 1. wöchentlich. Der Anfänger Birtel tagt ab Freitag, den 9. April. von bis 10 Uhr im Zweigbureau bes 3. b. A., Stommandantenstraße 63/64. unterrichtet mirb nach der biretten Metbobe, b. b. man erlernt die Fremb( prache wie die Muttersprache; es wird nur englisch gesprochen. Am Kurjus. ende fann jeder Zeilnehmer auf Wunsch Adressen englischer Genoffen goeds Brief- und Beitungsaustausch durch die Freunde internationaler Sleinarbell", Geschäftsstelle Genoffe Dr. Pack, N. 21, Stromstraße 58, erballen. Gegen feitige Befuche sind auch in Aussicht genommen. Der Zirtel für wirklich Fortgeschrittene tagt jeden Dienstag von 8 bis 10 Uhr im Drtsbureau bes 8. d. A., Belle Alliancestraße 7/10. Auch hier wird nur eng if gesprochen. Die Teilnehmer geben fleine Vorträge und jeder fann fich pratili meiterbilden. Anmeldungen nimmt an den Kursusabenden der Leiter ber Sirtel, Genoffe.loerle, langjähriger Lehrer städtischer Fortbildungsschulen in England und Schottland, entgegen. Der Deufiche pazifilische Studentenbund läßt am Sonnabend, 10. April, nachmittags 5 Uhr, im Leifing- Museum, Brüderstraße 18, unter dem Titel .Der Bürger Dichtungen von Gogol, Eichendorff u. a. lesen, Eintritt frei! Die Schiene auf dem Gleife. Anschlag auf den D- Jug Berlin- München. Amundsen verschiebt die Abreise. Wegen ungünstiger Witterung ist die Abreise des Nordpolflugschiffes, Norge" im letzten Augenblic bis auf weiteres verschoben worden. Eine Liebestragödie beschäftigt die Kriminalpolizei. Der 29 Jahre alte aus St. Gallen gebürtige Ingenieur Otto Delaman, der sich schon länger in Berlin aufhielt und zuletzt in der Groß- Gestern abenb murde ein Anschlag auf den Berlin- Münchener beerenstraße wohnte, stieg vorgestern mit der 26jährigen Johanna Schnellzug, bar fahrplanmäßig um 10 Uhr 40 Minuten abends in Reil aus Eberswalde, bie er für seine Frau ausgab, in einem mindhen eintrifft, verübt, indem von verbrecherischen Händen eine Hotel in der Dorotheenstraße ab. Die beiden hatten aus noch nicht Eisenbahnschiene über das Gleis gelegt wurde. Es gelong geflärter Beranlaffung befchloffen, gemeiniem aus dem Lebem Zokomotivführer, den Zug turz vor dem Hindernis zum Halten ben zu scheiden. Delaman öffnete dam Mädchen, als es noch zu bringen; doch wurden die Räder der Lokomotive be im Bett lag, eine Pulsader mit einem Rasiermesser. Nachdem häbigt. Der Zug tonnte erst nach zmeistündiger Bere es die Besinnung verloren hatte, glaubte er wohl, daß es tot fet pätung in München eintreffen. und versuchte nun, sich selbst auf die gleiche Art das Leben zu nehmen. Davon nahm er jedoch aus irgendeinem Grunde Abstand, nachdem er sich eine geringfügige Berlegung beigebracht hatte. Mit der Angabe, daß er sich Zigaretten helen molle, verließ er das Hotel, tam jedoch nicht wieder. Eine Bekannte, die Fräulein Keil vormittags im Hotel besuchen wollte, fand fie in dem blutbejubelten Bett liegen. Sie schlug Lärm, und die Schwerverlegte, die noch Lebenszeichen von sich gab, murde nach der Klinik in der Ziegel. straße gebracht. Delaman war unterbessen, wie festgestellt wurde, nach Lantmik hinausgefahren, von dort ging er die Schienen ent lang nach Berlin zurüd und ließ sich zwischen Südende und Bape straße von einem 3offener Borortzug überfahren. Der Lokomotipführer des nächsten Zuges fand ihn abends 8½ Uhr regungslos zwischen dem Bahndamm und 3aun liegen, hielt den Zug an, brachte den Schwerverletzten in ein Abteil, nahm ihn nach Berlin mit und ließ ihn vom Bahnhof nach dem Elisabethtranten haus bringen, wo er im Laufe der Nacht seinen Verlegungen erlag. Die Hakenkreuzler von Granfee. Wir haben bereits über die Ausschreitungen von Bältischen in Gransee berichtet. Ein Leser teilt uns hierzu noch folgenden Einzelfall mit: Am Ostersonntag 30g ein Trupp von Hofenfreuzfern durch die Hauptstraße ven Granjee. Er machte vor dem Laden des Genossen Müller halt. Was man beabsichtigte, darf aus den Aeußerungen geschloffen werden, die Müller am Tage vorher zu hören bekommen hatte. Junge Menschen ehne Bart gaben vor, fich rafieren zu lassen. Frau Müller vermehrte ihnen den Eintritt. Darauf nahm der Fahnenträger seine Fahnenstange, eine richtige Militärlanze, und steß durch das Schaufenster in den Baden hinein. Glüdlicherweise war der Stuhl am Fenster im Augenblick unbesetzt. Genosse Müller, der noch beim Untleiden mar, wurde von dem Borfall durch seine Frau benachrichtigt. Er eilte zur Landjägerei und alarmierte auch das Reichsbanner. So gelang es, dieses Gesindels habhaft zu werden und dem Bolizeigewahrjam zuzuführen. Beim Herannahen der Landjäger und des Reichs. banners entledigten sich die Buben schnell ihrer Waffen, wie Revol ver, Dolche, Totschläger usw., die aber zum Teil wieder gefunden wurden. Unerwähnt darf nicht das unerhörte Berhalten der Granjeer Polizei gelassen merden. Genoffe Miter hate fie auf die Drohungen vom Sonnabend aufmerksam gemacht. Sie aber unterließ jede Borsichtsmaßregel und nur dadurch fonnte der Ueberfall ausgeführt werden." Beisehung der Jurjewffaja in Andermatt. Herr von Bremer, der Gatte der Frau Juriemffaja, ift am gestrigen Donnerstag in Andermatt eingetroffen, um dort die nötigen Vorbereitungen für die Beilegung der aufgefundenen Leiche zu treffen. Die zuerst beabsichtigte Ueberführung und Ein äscherung in Berlin fonnte nicht erfolgen, weil der Zustand der Leiche einen längeren Transport nicht mehr zugelassen hätte. Es wurde deshalb die Beisetzung in Andermatt angeordnet, bie in zwischen in Undermatt nur in nmesenheit des Gatten der Künstlerin stattgefunden hat. Sport. 16. Berliner Sechstagerennen. Nur zwei Spitzenpaare! Als gestern abend der Gongschlag um 11 Uhr den Beginn der ersten Wertung anzeigte, hatte sich das Besucherbild nur wenig geändert. Die Sensationen, die um Mitternacht eintraten, laffen jedoch vermuten, daß die alle am Kaiserdamm heute auf starten Zuzug rechnen fann. In der ersten Stunde hatte das Feld 41 610 Kilometer zurückgelegt. Die fechs Spurts brachten folgende Ergebnisse: 1. Spurt: 1. 2ouet por Standaert, Häußler und Junge. 2. Spurt: 1. Sergent vor Hahn, Hürtgen und Saldow. 3. Spurt: 1. Louet vor Junge, Bauer und Häußler. 4. Spurt: 1. Knappe vor Beedmann, Sergent und Gottfried. 5. Spurt: 1. 2ouet vor Frederic, Rieger und Eaton. 6. Spurt: 1. Gottfried por Behrend, Sergent und Hahn. Die meisten Bunfte holte sich bei dieser Wertung die franzöfifche Mannschaft Louet Sergent. Belegte boch Louet allein breimal ben ersten Plaz. Linari- Binda, Koch- Miethe und Bohl martin mußten ohne Puntigewinn ausgehen. Stand des Rennens nach der 1. Wertung: 1. 2oues. Sergent 24, 2. Gottfried- Junge 10, 3. Stanbaert Hahn 7, 4 Knappe Rieger 7, 5. Beedmann Eaton 4, 6. Frederic Lorenz 3, 7. Longardt Behrendt 3, 8. Dobe- Häußler 3, 9. Buysse- Bauer 2, 10. Mühlhoff- Hürtgen 2, 11. Debaets- Saldom 1, 12. Linari- Binda 0, 13. Stoch Miethe 0, 14. Bohl- Martin 0 Punkte. Weiter umtreifen die Fahrer die Bahn. Hahn will losgehen, muß aber bald das Vorhaben aufgeben. Etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht zieht Miethe los. Junge hinterher und im nächsten Augenblid ist die den ganzen Abend fehlende Sechstage ftimmung hervorgezaubert. Miethes Bartner och und Junges Partner Gottfried sind auf dem Posten und vergrößern den gesponnenen Vorsprung so, bis sie das ganze Feld über, rundet haben... Bei der Zweiuhrnachtwertung. gibt es einige Jagden zu sehen, die zuerst von Saldom und später ven Buffe allerdings ohne Erfolg entfesselt werden. Nach Beendigung der Wertung, die fabelhafte Glanzstüde des rangofen Louet zeigte, hatte fich folgender Stand des Rennens ergeben: 1. Gottfried Junge 17, 2. Spch.Miethe 0 Bunfte. Cine Runde zurüd: 3. Sergent- Louet 62, 4. Beedann- Eaton 19, 5. Frederid Lorenz 15, 6. Knappe Rieger 14, 7. Stanbaert- Hahn 10, 8. Linari- Binda 8, 9. Buysse Bauer 7. 10. BohlMartin 7, 11. Mühlhoff Hürtgen 4, 12. Longardt- Behrendt 4. 13. Debaets Saldom 3 Bunfte. 3 mei Runden zurüd: 14. Dobe Häußler 6 Punkte.( Eine Runde bisher zurüd. dazu eine Ein Dachstuhlbrand in dem Haufe Spreestraße 11 be Strafrunde megen fchlechter blösung!) Schäftigte heute vormittag längere Zeit 2 Böschzuge der Berliner Mehrere Mannschaften erhielten eine Berwarnung! Bis zur Feuerwehr. Das Feuer murde um 10 Uhr von Hausbewohnern Neutralisation des Rennens fie mährt von 6 bis 12 Uhr vor bemerkt, Radh etwa einstündigem Waffergehen war die Hauptgefahr i mittags hatte das Feld 309,250 Rilometer bebedt i Gewerkschaftsbewegung Der englische Bergbaukonflikt. Seine Ursachen und Wirkungen. 11 Eine eingehende Darstellung des Konflifts im englischen Berg bau, der Ende April durch Ablauf der staatlichen Subvention an die Bechenbefizer afut wird, veröffentlicht die Bergarbeiter- Zeitung" aus der Feder des Genossen Franf Hodges, Sekretär der internationalen Föderation der Bergarbeiter, die wir auszugsweise benuzen. Bekanntlich hatte die englische Regierung eine Kommission eingefegt zur Untersuchung über den Bergbau. Die Kommission machte hauptsächlich folgende Borschläge: Der Staat wird die sogenannten„ Royalities", d. h. die Rechte der Grundbefizer auf die unter ihren Ländereien gelegene Rohle, zu einem Preise von 100 000 000 Bfund Sterling( 2 Milliarden Mark) zurüdtaufen. Die Zusammenfassung zahlreicher fleiner 3echen ist wünschenswert und möglich. In Fällen, wo diese Zu. fammenfassung megen übertriebener Forderungen der betroffenen Barteien erschwert wird, soll zur 3 mangsmeisen Fusion übergegangen werden. Es soll eine systematischere 3usammenarbeit der Kohlenindustrie mit verwandten Gewerben, wie der Elektrizitätsund Gasindustrie sowie dem Transportgewerbe usw. in die Wege geleitet werden. Schaffung eines nationalen Komitees für Brenn Kraftgewinnung. Förderung technischer stoffe und Forschungen seitens des Staates. Sowohl im Interesse des inländischen Konsums als auch des Exports foll im Verkauf der Kohle zwischen den verschiedenen Gruppen eine Zusammenarbeit herbeigeführt werden, und zwar voraussichtlich nach dem Muster der deutschen Kohlensyndi. fate. Der gegenwärtige Arbeitstag, d. h. 7% Stunden unter Tage, foll beibehalten werden, und zwar in der Weise, daß die Arbeitsstunden der ganzen Woche auf 5 anstatt auf 6 Tage verteilt werden. Einführung von Familienzulagen auf nationaler Basis oder in den einzelnen Distritten. Der Staat soll den Bergarbeitern durch Herausgabe von Aftien eine Gewinnbeteiligung garantieren. garantieren. Sobald die Gruben wieder Gewinne erzielen, sollen bezahlte Ferien eingeführt werden. Die Das gegenwärtig in Kraft stehende Prinzip der Festlegung der Löhne auf nationaler Bajis hat sich bewährt, es muß jedoch durch örtliche Uebereinkommen, die vont nationalen Lohnamt gutzuheißen sind, ergänzt werden. Kommiffion empfiehlt in diesem Zusammenhang die zeitweilige Herabjegung der Minimallöhne in jedem Distritt unter die im Jahre 1924 festgefeßten Säße. Selbst wenn die Löhne in diefer Weife herabgefegt werden, werden die Bergherren noch in feinem Diftrift angemessene Gewinne und in den meisten Distrikten fogar überhaupt feine Gewinne erzielen. Falls die Bergarbeiter eine gewisse Berlängerung der Arbeitszeit unter geringerer Herabsetzung der Löhne vorziehen, so wird das Parlament ohne Zweifel bereit sein, diese Maßnahme zu bewilligen. Die Kommission hofft jedoch, daß ein solcher Schritt nicht nötig sein wird. Der Standpunkt der Bergarbeiter. Folgendes find die Punkte, an melchen die Mitglieder der Bergarbeiterinternationale unmittelbar interessiert sind: Die Einstellung der Subvention. Die Ablehnung des Planes betr. die Verstaatlichung der Gruben. Die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Arbeitszeit. Der Plan betr. die einheitliche Organi sation des Kohlenerports. Die Subvention wurde im August 1925 beschlossen, um deit Grubenbefizern die Bezahlung der im Lohnabkommen des Jahres 1924 feftgelegten Löhne zu ermöglichen. Bis zum Januar 1926 zahlte die Regierung insgesamt über 15 Millionen Pfund Sterling an Subpentionen, b. h. 2 Schilling 6 Pence für jede geförderte Tonne Kohle ober 17 Broz. des Breises ab Zeche. Wahrscheinlich mird die Gesamtfumme bis Ende April die Höhe von 20 Millionen Pfund Sterling erreichen. Durch die Subvention murde die herabjegung der Egportpreise für Kohlenfendungen nach Deutschland, Frank reich, Belgien und Holland möglich. werden. Bon internationalen Gefichtspunkten aus ist diese Methode der Gewinnung von Märften schlecht und sie muß verurteilt Was die Verstaatlichung der Gruben betrifft, so lehnte die Kommission den von der Britischen Bergarbeiterföderation unterbreiteten Plan unter dem Vorwand ab, daß er undurchführbar sei. Die Kommiffion gab jedoch zu, daß die Gründe, die die Bergarbeiter zur Aufstellung des Blanes bemogen, richtig seien, d. h. daß die rationellste Organisation der Produktion und die Erweiterung des Einflusses der Bergarbeiter in der Festlegung ihrer Arbeitsbedingungen angestrebt merden müffen. Diese Ziele tonnen jedoch nach Ansicht der Kommission erreicht werden, ohne daß es nätig fit, fich auf die weitgehende und unsichtbare Operation der Nationalisierung einzulassen. Auf dem Gebiete der Arbeitszeit wurde eine eingehende Erhebung über die Arbeitsstunden der Bergarbeiter über und unter Tage in allen fehlenproduzierenden Ländern der Welt vorgenommen. Danach beträgt die Arbeitszeit in England, Frankreich und Belgien 7% Stunden täglich, in Holland und Deutschland( Ruhrgebiet) 8, mn Oberschlesien 8%, in der Tschechoslowakei 7% bis 8 Stunden. Bei näherer Brüfung zeigte es sich, daß die Annahme des Borschlages der Gruben besiger bedeuten würde, daß die britischen Bergarbeiter eine halbe bis eine Stunde. Iänger als alle Bergmit Ausnahme Oberschlesiens zu arbeiten arbeiter Europas hätten. Aus diesem Grunde trat die Kommission für die Aufcechterhaltung der jegigen Arbeitszeit ein. Die internationale Bergarbeiterföderation steht auf dem Standpunti der Einführung einer einheitlichen Stundenzahl in allen Ländern auf Grund der Arbeitszeit des am besten gestellten Landes. Wenn die Subpention eingestellt wird und die Industrie auf sich selbst angewiesen ift, fo wird die Lage der Bergarbeiter Großbritanniens ungünstig sein, wenn sie gezwungen find, mit einem Land, wie z. B. Deutsch land und speziell mit Oberschlesien, auf dem Exportmarkt zu fon furrieren und die Arbeitszeit in diesen Kohlengebieten die gleiche bleibt wie fetzt. Internationale Kontrolle ist das einzige Heilmittel gegen Ueberproduktion. Großbritannien fann feinen dauernden Geminn daraus ziehen, wenn es versucht, Deutschland und Polen vom Weltmarkt fernzubalien und die Breise zu drücken. Eine derartige alle anderen Bänder und vielleicht in noch höherem Maße- be Bolitif ift ungünftig für die Bergarbeiter aller Länder. Wie nötigt Großbritannien Stabilität im Exporthandel. Geht Großbritannien auf den Gedanken eines internationalen Kontrollamtes ein, so wäre dies einer der wichtigsten Schritte in der Herbeiführung der Stabilität. Ueberall, wo Kohle verkauft wird, soll ein mirischaftlicher Preis dafür bezahlt werden, sowohl im Interesse des Lohnes der in der Industrie beschäftigten Arbeiter als auch ange meffener Gewinne für den Ausbau der Industrie. Die Fortsetzung des gegenwärtigen Kampfes auf dem Weltmarkt wird den Ruin aller bebeuten. London, 9. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter egefutive beschloß am Donnerstag, nicht wie onfänglich verlautete, die Borschläge der Bergbauindustriellen direkt abzulehnen, sondern ihren endgültigen Beschluß über Annahme oder Ablehnung vorläufig noch ausstehen zu laffen und von den Unternehmern zunächst eine eindeutige Erflärung über den Sinn ihrer mit Hinblick auf die zufünftige Bohnregelung und Reorganisation der Industrie gemachten Vorschläge zu fordern. Von dieser Erklärung der Unternehmer dürfte der Ausgang der Krije in entscheidendem Maße abhängen. Der Rahmenvertrag der Metallindustrie. Berlängerung bis Oktober. Da der Rahmenvertrag für die Berliner Metallindustrie von beiden Parteien zum 4. April nicht gekündigt worden ist, läuft er bis zum 3. Oktober weiter. Damit bleiben auch neben den anderen Bestimmungen die über die Urlaubsgewährung in Kraft. Urlaub erhält jeder Arbeiter, der vom 1. Oftober bis 1. April in einem Betrieb ohne Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses beschäftigt war und zwar nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit bzw. Be schäftigung in der Metallindustrie. Die näheren Erläuterungen find in dem Tarifvertrag. der beim Metallarbeiterverband erhältlich ist, zu ersehen. Die Verhandlungen wegen der beantragten Berbindlichkeitser flärung des Schiedsspruchs für die Hilfsarbeiter finden am nächsten Dienstag statt. Ausstand in der saarländischen Hüttenindustrie? Erfolg dar, der um so beachtenswerter ist, als die Arbeitgeber verbände der französischen Montanindustrie äußerst mächtig sind und alles ins Werf gesetzt haben, um die Bestrebungen der Gewertschaften zu durchkreuzen. Die arbeitslosen Landarbeiter Polens. Warschau, 9. April.( OD.) Es wurden im Monat März 10 000 arbeitslose Landarbeiterfamilien verzeichnet. Die Einschränkungen der Auswanderung der Landarbeiter nach Deutschland. hat wesentlich zur Berschlechterung der Lage des Arbeitsmarktes beigetragen, so. daß der Staat sich gezwungen sieht, auch den arbeitslosen Landarbeitern Unterstüßungen auszuzahlen. Die Regierung ist bemüht, die Auswanderung der Landarbeiter nach Frankreich sowie die Beschleunigung der Parzellierung durchzuführen. Bulgarische Verbandstage. Saarbrüden, 9. April.( Mtb.) In dem Lohnstreit der Hüttenind strie des Saargebiets empfahl der Schlichtungsausschuß den streitenden Parteien, über die Lohnregelung ab 1. April fofort in direkte Verhandlungen einzutreten. Sollten diese Berhandlungen zu feinem Ergebnis führen, fo wird sich der Schlichtungsausschuß erneut mit der Angelegenheit befassen. Seitens der Gewerkschaften wird im Hinblick auf die bedeutende Erhöh ng der Lebenshaltungsfoften infolge der Frankenentwertung eine 12-13prozentige Lohn erhöhung erstrebt, während die Industrie nur die Hälfte zuzugestehen zu fönnen glaubt. Man rechnet mit der Möglichkeit eines Ausschen Eisenbahnerfindern 9000 Lewa als Hilfe geschickt. Zusammen standes. Achtstundentag im französischen Hüttenbetriebe. Paris, 8. April:( Eigener Drahtbericht.) Die Anwendung des Achtstundentages in der französischen Hüttenindustrie ist durch eine Berordnung des Arbeitsministers neu geregelt worden. Es ist dabei den Forderungen der Gemertschaften weitgehend Rech rung getragen und die Möglichkeiten der Umgehung des Achistundentages fino erheblich eingeschränkt. Für die Gemerfschaften, die seit Jahren für die Durchführung des Achtstundentages gefämpft haben, stellt diese Verordnung einen bedeutenden Sofia, 9. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß des Bundes der bulgarischen Eisenbahnen hat vorgestern in Anwesenheit des Führers der Transportarbeiterföderation Fim men und der Gäste aus Südslawien und Rumänien seine Arbeit be gonnen. Aus dem Jahresbericht des Bundeskomitees geht hervor, daß der Bund aus 44 Seftionen mit 5500 Mitgliedern besteht. Die finanzielle Lage des Bundes ist sehr gut Das Budget für das Jahr 1925 meist einen Ueberschuß von 660 000 Lema auf Der Bund hat seinerzeit dem deutschen Eisenbahnerbund 25 000 und den deut mit der Organisation der Postarbeiter besitzt er in Sofia ein Grundstück zu 2 Millionen Lewa, auf dem die beiden Organisationen bald ein prächtiges Gewerkschaftshaus errichten werden. Tags zuvor hat der Kongreß des Bundes der Postarbeiter feine Arbeit beendet. Dem Kongreß wohnte der Sekretär der Postinternationale. Dr. Ludwig Meyer, bei. Dieser Bund besteht aus 99 Lokalvereinen mit 2600 Mitgliedern. Von den gesamten Personal der bulgarischen Post, Telegraphen und Telephon, das 5370 Mann start ist, find also 49 Proz. organisiert. Auch diese Organisation hat es verfianden dank dem prachtvollen Führer, dem Abgeordneten 2lefoff, sich eine große Autorität im Lande zu sichern. Freie Gewerkschaftsjugend. Heute Freitag, abends 7 Uhr, fagen bie Gruppen. Hermannplag: Jugendheim. Sanderstr. 11, Ede Hobrechtstraße( Heim beforechung). Wedding Jugendheim, Gerichtstraße 65/69, HeimbesprechungBolksliederabend( Mitgliedsbuchkontrolle). Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten. Heute, Freitag, 7½ Uhr abends, tagen 10 gende Abteilungen: Often. Jugendheim Große Frank urter Straße 16( Rimmer 6). Gruppenbesprechung Südost. Jugendheim Reichenberger Straße 66 Vortrag: Bürgerlicher und Arbeitersport. Südwest. Jugendheim Belle Alliance Etr. 7.10. Besprechung der Werbearbeit. Gpandau. Jugendheim Lindenwer 1. Bortrag: 8wed und Ziel unserer RdA.- Jugend. 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