Abendausgabe Nr. 172 43. Jahrgang 10 Pfennig = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 85 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 13. April 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenftraße 3 Feralprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Kriminalkommissar und Spritschieber. Vernehmung des Kriminalkommissars Peters im Spritweberprozeß. Die heute fortgesetzte Berhandlung in bem großen Sprit. schieber und Bestechungsprozeß beschäftigte sich immer noch mit dem persönlichen Aufmand, den der Angeklagte, Kriminalkommissar Peters, getrieben haben soll. Ein besonderes Gewicht wird auf eine unter feinem Namen angeblich für Weber gelöfte Betttarte 1. Klasse nach Badenweiler gelegt. Mit diesem Buntt hatte man sich schon am Schluß der gestrigen Sitzung zwei Stunden lang beschäftigt und auch am heutigen Bormittag nahm die Aufklärung dieser Bettfartengeschichte noch sehr viel Zeit in Anspruch. Peters hatte gestern angegeben, daß Weber die Betttarte schließlich nicht verwendet habe, und daß er die dazu gehörige Fahr farte selbst teilweise benutzt habe, aber nur bis Magdeburg, da er dort sich mit einem Banfier Mandelsohn getroffen habe, um auf dessen Einladung zusammen mit dem zweiten Bürgermeister bon Magdeburg eine Autotour über Stuttgart bis Karlsruhe zu machen. Von dort habe er, während Mandelsohn nach Baden- Baden fuhr, seine Fahrkarte wieder benutzt. Bors: Haben Sie 1924 auch noch spekuliert und namhafte Geminne erzielt? Angefl: Das kann ich nicht sagen. Ich hatte noch einige gute Papiere, die den Sturz nicht mitgemacht hatten. Der 7. April in Rom. Nachträgliches zum Attentat. Lugano, 11. April. Bei jeder Stellungnahme zu dem Attentat vom 7. April fann es sich nur um dessen Folgen handeln. Die Tat als folche entzieht sich ebensosehr der moralischen Wertung, wie etwa ein Blizschlag. Offenbar hat die Läterin in feiner Weise Motiven gehorcht, die bei normalen Menschen HandR.-A. Dr. Brandt fragte den Angeklagten, ob er auch andere Brivatautos als das von Weber benugt habe. Peters ungen auslösen. Dessen ungeachtet kann die Tat poligab zu, auch von Kopp, Ruben, Stahn und Simte Autos zur Berische Folgen haben und hat sie in recht ausgedehntem fügung gestellt zu haben. Der Nebenkläger findet es auffällig, daß Maße. Und zwar sind diese Folgen für das herrschende Regime teils ungewollte, teils gewollte und willkommene. Wie der Nervenchot, der den Ministerpräsidenten be= mußtlos zu Boden sinten ließ, auf ein offenbar ziemlich labiles nervöses Gleichgewicht wirken wird, ist natürlich nicht abzusehen. Aller Wahrscheinlichkeit dürfte er nicht dazu beitragen, die Einstellung Mussolinis zu seiner Umgebung ausgeglichener und normaler zu gestalten. es gerade • nur die Autos der Spritschieber maren. Angett Peters: Herr Rechtsanwalt, ich fann doch nur die Autos benutzen, die mir zur Verfügung stehen und nicht die von beliebigen Unbekannten. Die Schlußfolgerungen, die Sie ziehen wollen, find irrig. mollen, find irrig. Auf eine weitere Frage des Nebenklägers, der es auffällig fand, daß Peters sein Stammlotal in einer einstube hatte, in der vorwiegend Spritschieber vertehrten, erwidert Peters: Mit dem Wort Spritschieber wird ein großer Unfug getrieben. Gewissermaßen ist jeder Sprit RA. Dr. Brandt, als Bertreter der Hauptzollamter, die als empfänger Schieber". Die Rechtsschliche auf diesem Gebiete Nebenfläger zugelassen sind, richtet an den Angeflagten Beters die maren außerordentlich verbreitet und es hat auch gegen eine sehr Frage, ob ihm befannt sei, daß gegen diesen Banfier Paul Mandel- betanute Firma ein Berfahren geschwebt.- Schließlich hat der fogn, Direktor der Stadtbant in Magdeburg, ebenfalls ein Verfahren Nebentläger weiter feine Fragen mehr an Peters zu stellen und es wegen Monopolsfeuerhinterziehung in feiner Eigeafchaft als Direttor fann zur Bernehmung des zweiten Angeklagten, Kriminalaffiftent der Deutschen Handels- und Juduftriegesellschaft in Magdeburg Beŋer, übergegangen werden, der zunächst auch einen furzen Abwebe. Mitbegründer dieser Gesellschat sei ebenfalls Hermann riß feines persönlichen und dienstlichen Werdeganges gibt. eber gewesen. Der Angeflagie Peters will von dem Straf Bayer ist aus der blauen Schuhmannschaft" hervorgegangen verfahren teine Kenntnis gehabt haben. und 1912 zur Kriminalpolizei übergetreten. Er tam als Brobist zu Borsigender Landgerichtsdirektor Dr. Schulze: Boher tannten Kriminalkommissar Peters. Nach dem Kriege wurde er ins Kriegss Sie den Mendelsohn? AngefL: Durch Herrn Weber, der mich wucheramt fommandiert und trat im Mai 1921 in das Dezernat einmal zu einer Autofahrt nach Magdeburg im Sommer 1924 mit von Beters in die Abteilung W ein. Er gibt zu, viel auf Reisen genommen hatte. Bors.: Wurden dabei in Magdeburg geschäft gewesen zu sein, bestreitet aber, dort besondere Aufwendungen liche Dinge besprochen? Angefl: Wie mir Weber erzählte, gemacht zu haben, weil er freien Eintritt hatte. Auf eine Frage handelte es fich um Bantgeschäfte. Borf: Wie tam es, daß von Landgerichtsdirektor Dr. Schulze, ob er auch mit Hermann Bantier Mendelsohn, den Sie einmal zufällig getroffen hatten, Sie Weber persönliche Beziehungen gehabt habe, antwortete Bener: zu einer Autofahrt einlud? Angefl. Peters: Wir find in Ber: Ich möchte bemerken, daß ich von vornherein alle 12 Bunfte fehr geblieben, da wir uns gegenseitig gefallen haben. Ich habe der Antlage gegen midy bis auf einen ablehne: den Besuch bei mit Mendelsohn nie Geschäfte gemacht. Was der Rebentläger hier Hermann Weber, als er gesucht wurde. Ich habe mit Hermann enführt, höre ich zum erstenmal. Beber weder in seiner Villa verkehrt, noch mit ihm Stat gespielt. Nur ein einziges Mal bin ich durch Zufall dort hingefommen. Nach feiner weiteren Behauptung ist Bayer mit dem Spritfchieber Kopp gar nicht bekannt gewesen. Die einzige Bekanntschaft" bestehe darin, daß er ihn einmal eingesperrt habe, als Kopp an eine Firma widerrechtlich 1800 Liter Sprit geliefert hatte. Beiterhin bestritt Peters nochmals, ein besonders luguriöses Leben geführt zu haben. Wenn man aus einem Zeitraum von fünf Zahren jeden größeren Bosten heraussuche, tönne man leicht eine inflage fonstruieren. Gewiß habe er Weinlotale besucht, aber man berücksichtige nicht, wie oft er bei Aschinger gegeffen habe. Seine Frau habe sehr sparsam gewirtschaftet. Er habe auch teinen Aufwand mit Autofahrten getrieben. Allerdings habe ihn Weber öfter mal mit feinem Auto abgeholt, so während des Berkehrsstreifs 1922. Bors: Es existiert ein 3euge, dem es aufgefallen ist, wie oft Privatautos bei Ihnen vorfuhren. Mannes. Er hat sich die einzelnen Fahrten und die Autonummern notiert. AngefL: Das ist ja eine eigentümliche Einstellung dieses Vorf: Es ist ihm eben aufgefallen, daß ein Beamter des Bolizeipräsidiums so häufig von Privatautos abgeholt und nach Hause gebracht wurde. Wir werden den Zeugen nachher hören. Angell. Peters: Das ist dann also der Portier meines Hauses. Dann ist mir alles flar. Kriminalpolizeirat müller berichtete als Beuge, daß auf Grund von Mitteilungen des Finanzamtes der Verdacht auf gekommen sei, daß Kriminalkommissar Peters fich habe bestechen laffen. Müller wurde beauftragt, eine Durchsuchung der Wohnung vorzunehmen, der Regierungsrat Fell als Sachverständiger bei: wohnte. Herr Peters war sofort bereit, alles zu zeigen, und be. hauptete, nichts verborgen zu haben. Dem 3eugen fiel zunächst persönlich die für einen Kriminalkommissar äußerst elegante Austattung der Wohnung mit Klubfesseln, einem fostbaren Buffet und Kunstgegenständen auf. Am nächsten Tage hatte er den Auftrag bekommen, Peters, der damals das Polizeiamt Wedding leitete, au laden und festzunehmen. Auf Anruf erschien Peters sehr schnell. Er bestritt durchaus jede Schuld. Es sei unnüz, über Sachen, die landfundig sind, Beweise zu erheben. Der Angeklagte erklärte dazu, er lege auf die Erörterung der Fragen des Jahres 1923 größeren Wert, da die Anklage von diefem Berhalten ausgelöst ist. In der fritischen Zeit hatten alle Staatsanwälte auf die damaligen Berhältnisse Rücksicht zu nehmen. Der eifernde Oberstaatsanwalt. Berufung im Rottbuffer Landfriedensbruchprozeß. Im Kottbuffer Landfriedens" prozeß gegen die Finsterwalder Reichsbannerleute hatte bekanntlich der Staatsanwalt felber bei 17 Angeklagten" auf Freisprechung plädieren müssen. Das Gericht hat dann auch tatsächlich 20 von 34 Angeflagten freigesprochen. Ueber die übrigen 14 Angeklagten hat man aber nicht weniger als acht und ein halbes Jahr Gefängnisstrafe verhängt. Jetzt scheint aber dieser Ausgang dem Herrn Ober staatsanwalt am Kottbusser Landgericht nicht zu passen, denn er hat gegen die freisprechenden Urteile des Schöffengerichts Berufung eingelegt. Dabei hat gerade ber Berlauf dieses Prozesses den schärfsten Widerspruch aller republi fanischen Kreise hervorgerufen. Darf man fragen, in wessen Aufgaben trage diefer famose Herr Oberstaatsanwalt dabei handelt? Der preußische Justizminister sollte sich endlich einmal die Leute ansehen, die es darauf anzulegen scheinen, die Rechtspflege im Bolte um jedes Ansehen zu bringen. Preußischer Femeausschuß. Der Wiederbeginn der Verhandlungen. Der Feme- Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags hat heute feine Berhandlungen wieder aufgenommen. Zunächst tommt ein Schreiben des inhaftierten Oberleutnants a. D. Schulz zur Berlesung. Er bestreitet eine Photographie Adam Steger. walds in Besitz zu haben. Der Brief des Schulz gibt rechtsStehenden Ausschußmitgliedern Beranlaffung, fich über das Berliner Tageblatt" zu entrüsten. Diese Bemertungen werden vom Abg. Riedel( Dem.) zurückgewiefen. Die Beweisaufnahme im Falle Mener- Behrens wird beschlossen. Es beginnen die Plädoyers ber Bertreter der einzelnen Frattionen. Für die Deutschnationalen spricht der Abgeordnete Dallmer. Zeugenvernehmung im Asmus- Prozeß. des Gerichts höre und beantragte, den Generalstaatsanwalt Dr. Levi sagte, daß er mit Genugtuung von der neuen Stellung Don Bistum als Zeugen zu laden. Dann begann die Ber nehmung der Zeugen. Als erster murde der Staatsanwalt Arnold in Freiberg vernommen, dem bekanntlich das politische Register später übertragen wurde. Seine Aussagen waren porsichtig und zurückhaltend. Als der Zeuge nähere Angaben machen sollte, ging er um die Beantwortung präziser Fragen herum. tragung des Polizeiregisters noch politische Sachen bearbeitet hat? Bor: Haben Sie Belege, daß der Angeklagte nach Ueber Beuge: Jedenfalls hat er sich sehr dafür interessiert. Auf weiteres Befragen erklärt Arnold, daß Asmus öfters zu Berhandlungen als Zuhörer erschienen sei. Der Zeuge äußerte sich dann über die Tätig feit des Angeklagten und gibt zu, daß er mit Arbeit überlastet worden sei, da er neben seiner staatsanwaltlichen Tätigkeit noch Behörden vorstand war und ihm das größte Gerichtsgefängnis unterstand. ( Die Verhandlungen dauern fort.) Verständigungsfriede oder Unterwerfung? Ultimative Bedingungen an Abd el Krim. Paris, 13. April.( Eigener Drahtbericht) Die franzöfifche und spanische Delegation für die Friedensverhandlungen mit dem Rif haben am Montag abend Paris verlassen und sich nach Madrid begeben, wo verschiedene militärische Fragen besprochen werden sollen. Die bereits bekanntgegebenen Bedingungen bestätigen fich nunmehr, und es sieht tatsächlich so aus, als ob Frankreich und Spanien die Entfernung Abd el Krims aus dem Rif for. bern werden. Man glaubt hier nunmehr, daß die Verhandlungen nicht von langer Dauer sein werden, da Frankreich und Spanien ihre Forderungen in ultimativer Form stellen dürften. Der Generalstaatsanwalt soll geladen werden. Chemnih, 13. April.( Eigener Drahtbericht.) Der fünfte Ber. handlungstag begann mit einer großen Sensation, die durch Weitergang der Mofful- Berhandlungen. Der englische Bot. ben Beweisantrag Bevis hervorgerufen wurde. Der Bor- fchafter Lindsay in der Türkei begibt sich nach Angora, um dort fitzende hatte befannigegeben, daß er die von der Berteidigung ver bie Unterhandlungen über Mofful fortzufegen. Die türkische Presse langten Atten der Freiberger Bolizei durchgelesen und dabei gedrückt sich sehr pessimistisch über den Ausgang ber Berhandlun funden habe, baß es sich um Ermerbslofenfragen handele, gen aus Die äußeren und unmittelbaren Folgen des Anschlags verdienen auch sehr ernsthafte Beachtung. Aus Rußland fommt gerade jetzt die Nachricht von einem Anschlag auf den Minister des Innern, aber es verlautet nichts darüber, daß die Parteigänger der Regierung daraufhin das unabweisbare Bedürfnis verspürt hätten, Redaktionen und Privat wohnungen zu verwüsten. In Italien dagegen wird es nachgerade zu einer Art Gewohnheitsrecht, daß zu jedem Anschlag auf den Ministerpräsidenten eine Art Treibjagd auf die Leute der Opposition gehört. Weiß die Polizei im voraus von dem Attentat, wie bei der Sache mit 3 aniboni, so fann fie die Folgen in Schranken halten. Dies mal hat sie es nicht gefonnt. Eine Stunde nach Bekanntwerden des Attentats fuhrmerkten Dutzende von Lastautos und auch einige der städtischen Autobusse durch die Stadt, um ihre schwarzbefiederten Racheengel an vorgeschriebener Stelle abzuseßen. Jedes Auto hatte einen Führer, der Führer hatte eine Reihe Adressen; unter den Squadristen" waren viele fehr elegante Studenten zu sehen, auch zahlreiche Musketiere Muffolinis. Am furchtbarsten wurde in der Redaktion des ,, Mondo" gehauft, wo sich der Sachschaden auf über 50 000 Lire beläuft und viel größer gewesen wäre, wenn die Individuen imftande gewesen wären, die Maschinen der Druckerei in Bewegung zu setzen, um sie zu ruinieren. Dort hat man auch die Administration geplündert, so daß die Polizei für über 3000 Lire Postanweisungen abgeliefert hat; einem Redakteur wurden Mantel und Hut, einer Angestellten das Bortemonnaie gestohlen, in einem unbeteilgiten Bureau, das an die Redaktion stößt, 27 000 Lire in Bauaften. Auch dem Genossen Giannini, Redakteur des ,, Becco Giallo" wurde die ganze Wohnung verwüstet, der Abgeordnete Genosse Modigliani ist durch Verwüstung und Plünderung schwer geschädigt. Besser tam die Genoffin LerdaDlberg davon, bei der mur ein Raum ausgeräumt und die Möbel und Papiere auf der Straße verbrannt wurden. Da es sich um eine Art faschistischen Ritus handelt, weicht die Darstellung der Ereignisse wenig von den vorhergehenden Feiern" bei Attentaten, Jahrestagen usw. ab. Neu waren dagegen die Angriffe gegen die Botschaften, nämlich die russische, englische und franzöfifche, die sich daraus ableiten laffen, daß die Täterin Ausländerin war und man anfangs ihre Nationalität nicht fannte. Die russische Botschaft traf Vorkehrungen zu wurde, aber immerhin die melancholische Betrachtung bei den sehr energischer Abwehr, die glücklicherweise nicht nötig Italienern auslöfte, daß es doch ein schönes Ding ist um eine fremde Staatsbürgerschaft, die einem erlaubt, sich mit Waffen gegen Gewalttat zu wehren. Neu war auch die Fremdenhege, die bei der Rede Muffolinis vom Balazzo Chigi zu feindlichen Ausrufen gegen das Ausland führte. Wir glauben nicht, daß es ein auf die Dauer haltbarer Zustand ist, daß das Leben, der Besiz und der Hausfrieden Dingen abhängen soll, auf die diese Leute keinerlei Einfluß der irgendwie befannten Mitglieder der Opposition von haben. Schließlich sind wir doch feine Pferde, die man auf dem Grabe des Führers schlachtet, unsere Häuser sind keine Gebrauchsgegenstände, die man ihm auf den Scheiterhaufen wirft. Die anmutige Rebensart, daß mindestens 3000 von uns den Tag nach Mussolinis Tode nicht erleben werden, gehört doch nicht mehr recht in unsere Zeit. Als Staatsmarime ist fie taum zu empfehlen, besonders wenn man auch Bertreter auswärtiger Staaten heranden Vorteil, das Leben des Ministerpräsidenten sicherzustellen, zieht, um die Zahl voll zu machen. Technisch bietet sie nicht liefert dafür aber bei jebem Attentatsgerücht den Freibrief u ben wüfteften Roheiten. zu Zu den ungewollten Folgen des Attentats rechnen wir auch, daß die Polizeifommiffäre, die über Mussolini wachen sollten, am Nachmittag des 7. April im Palazzo Bidoni, dem Siz der faschistischen Parteileitung, von Fa schisten geohrfeigt wurden. Als gewollte Folge erscheint uns die Fremdenheye. In diesem Sinne fing man schon vorher an, die Toga in Falten zu legen. Das Ausland ist der Feind", das ist jetzt die neueste Losung. Und natürlich ist dieses Ausland von Neid befeelt. Nun ist freilich der Irrfinn in gewissem Sinne international, aber die faschistische Bresse gibt sehr starken Gegendampf gegen die Irrsinnstheorie. Man gäbe ein Königreich für einen Romplicen und hat die Zeitungen beschlagnahmt, die die Nachricht brachten, Biolet Gibson hätte み ursprünglich die Absicht gehabt, auf den Papft zu schießen. Erwünscht ist natürlich auch, daß die Hand Gottes sichtbar zu Mussolinis Schub gewaltet hat", mas bei dem vorigen Attentat nicht behauptet werden konnte. In der Tat grenzt der Hergang ans Unglaubliche: auf wenige Schritte Distanz ins Geficht getroffen werden und dabei nur eine belanglose Hautverlegung davontragen, mit Eintritt und Austritt der Kugel, bas dürfte in der Geschichte der Attentate einzig da stehen. Aber der Hauptvorteil des Attentats für den Faschismus liegt darin, daß es an dem Tage, geschah, an dem Amen dola starb. An diesem Toten drückt sich der Faschismus nur angftvoll vorbei. Aber der Rummel des Attentats übertönte die unheimliche Stille. Und so schöpften die Leute Mut, die mußten, daß Amendola an den Folgen eines faschistischen Angriffs starb und nahmen zur Lüge Zuflucht. Bie Fari nacci Matteotti sterben läßt mit dem Geständnis, an dem Morde eines Faschisten schuld zu sein, so hat man dem ster benden Amendola die Worte angedichtet, die die Telegraphenbureaus in alle Welt getragen haben. Aber bei Matteottis Lode waren nur Leute zugegen, die einen Farinacci nie dementieren werden; an Amendolas Sterbebette standen feine Kollegen, die fein angebliches lehtes Wort als erlogen erilären. Und hier haben wir einen ärztlichen Befund, nicht ein Sachverständigengutachten über ein paar Knochen, und der Befund spricht von einem traumatischen Hämatom als Todesurfache. Dabei hat sich das Organ Mussolinis verschnappt, wenn es schreibt, daß man wieder einmal auf einen natürlichen Tod spekulieren wollte"! D, dieses Wiedereinmal, das an die Lungenblutung Matteottis antaüpft.... Soziale Schreckensbilder. Die Kinder der Arbeiter verelenden. An den Hungeraufstand der gemarterten Weber von Langenbielau und Beterswaldau erinnern die Schredensbilder, die uns aus Schlesien gesandt werden. Neuerdings haben Kreisausschuß und Kreisarzt des Kreises Landesbut über die sozialen Zustände des Kreiſes eine Dentfchrift herausgegeben. Es ist ein erschütterndes Drama, das sich da entrollt. Zunächst einige Zahlen, wie es um die Kinder aussieht: 2400 Kinder wurden auf Gesundheit und soziale Verhältnisse der Eltern untersucht. Gegenüber den Durchschnittszahlen für den Kreis Landeshut blieben 40 bis 70 Proz. der Kinder von Textilarbeitern und Bergarbeitern im Gewicht, in der Länge und im Brufumfang zurüd. 111 Kinder können wegen Mangel an Kleidung teine Schule befudhen, 350 baben feine warme Unterkleidung, 562 feinen Mantel. Ban 3594 Schülern aus Textilarbeiter und Bergarbeiter. familien fomumen 200 ohne Frühstüc in die Schule, 119 erhalten zu Hause fein regelmäßiges warmes Mittagessen, 142 besigen nur ein Hemb, 1165 besigen nur ein Paar Schuhe. 1485 Kinder der Tegtilarbeiter und Bergarbeiter haben ein eigenes Bett, 99( chlafen zufammen mit dem Bater, 283 mit der Mutter. 1069 mit Geschwistern, 14 mti fremden Personen und 26 Kinder schlafen auf dem Fußboden. Rachstehende Angaben beleuchten die furchtbaren allge: meinen sozialen Notstände: Bon den Wohnungen der Textilarbeiter und Bergarbeiter haben 1804 nur einen Raum ohne Küche oder Hammer, in 258 dieser Wohnungen befinden sich Krante. In 706 Fällen wird der Raum von mehr als drei Personen. in 608 Fällen von mehr als sechs Perjonen bewohnt. In 286 Fällen wohnen außer der Familie noch Fremde in dem Raum; in 279 Fällen ist der Raum dunkel; in 236 Fällen feucht. Der Durchschnittsverbien st eines volljährigen Tertil arbeiters beträgt wöchentlich(!) 8,84 bis 11,02 m., der einer noll jährigen Tertilarbeiterin 6,60 bis 8,31 M. Wochenverdienste von 3 bis 4 M. find feine Seltenheit. Eine große Zahl der Belegschaften der Landeshuter Textilindustrie mohnt in den umliegenden Orten. Die Drohung. Nachbars Lene hat es schmer. Den ganzen Nachmittag muß fie auf die fünfjährige Trude aufpassen, aufpassen, daß sie nicht jedem Sund nachrennt, daß sie nicht auf die Laternenpfähle lettert und nicht auf den Damm läuft. Denn Trubchen kann durchaus nicht einsehen, wozu der Damm da ist, wenn nicht zum Spielen, mo man jowieso so menig Blah hat und sich ein Wagen oder gar ein Auto doch nur selten in die engen Gassen des Arbeiterviertels verirrt. Und selbst wir Großen schen ja selten ein, daß wir etwas laffen sollen, das nur unter Umständen schlimme Folgen haben fann. Sie fann auch nicht einsehen, daß Lene schließlich noch wichtigere Dinge zu tun hat, als nur immer mit ihr zu spielen, daß sie z. B. mit den anderen großen" Mädchen erzählen muß, vom Schuster nebenan, der wieder einmal betrunken nach Hause gekommen ist, vom Portier, der seine Frau geschlagen hat, und von dem neuen Kleid, das die Lotte en hat und das nur aus dem alten ihrer großen Schwester gemacht ist. Bem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Kraft oder die Macht, es auszuführen, meint man im allgemeinen. Aber Lene hat wohl ein Amt, doch nicht die Macht dazu. Denn Trubchen weiß recht wohl, daß sie die Jüngste und der Liebling zu Hause ist, und mennt die Große schimpft: Ich fag's Batan!", droht fie au pegen, daß Lene die verlorene" Haarschleife gegen einen neuen Triesel der faupelt hat. Doch Lene ist hell, sie hat wohl aufgepaßt, wie man Rinder erzieht. Der Lehrer droht mit Brügel, die Mutter droht mit Batern erzieht. Der Lehrer droht mit Brügel, die Mutter droht mit Batern und Bater droht auch mit Prügel. Hauen barf sie nicht, aber drohen fann fie. Und sie droht mit allem, was ihrer elfjährigen Phantafle au Gebote steht: mit dem schwarzen Mann oder mit dem Grünen", mit Himmel und Hölle schließlich. Aber Proletariertinder sind gottlos. Sie glauben nur an den Hinterhof, der ihre Heimat ist, und nicht einmal fest an die Abende brotftulle. Es fehlt ihnen die deutsche Märchenseele, well fein Balb und fein Brunnen in ihre ersten Tage gerauscht hat, weil sie weder die Muhme noch deren geheimnisvollen alten schwarzen Rater tennen, weder die Ofenbant noch das furrende Spinnrad. Also droht Lene umsonst. Sie hat es wirklich schwer. Davon ift fie schließlich so überzeugt, daß sie aus tefftem Herzen, ganz ohne Absicht, aus Bersehen beinahe, feufzt: Ach Trubchen, ich habe dich gar nicht mehr lieb!" Da geschicht etwas absolut Verblüffendes: Die Kleine, die eben noch weit die Junge herausftredte, fällt der Großen um den Hals und weint und schlucht und bringt nur immer stammelnd hervor: Bieber liebhaben, ich will auch immer artig sein und hören, nur wieder liebhaben!" Darauf wird die Lene sehr erstaunt und dann sehr nachdenklich. Da ist plößlich etwas, was mohl buntel in ihr lebte, zu den Eltern, zu der ffeinen Schwefter und zu vielen fchönen Dingen. Aber es Um Fahrgelb und Stiefelsohlen zu sparen, bleiben diefe armen Menschen nachts in den Betrieben. Was ist gegen dieses Elend zu tun? Es müssen aus= reichende Mittel für den Wohnungsbau bewilligt werden, es müssen Mittel für Nahrung und Kleidung bereit gestellt werden. Zur Besserung der Lohnverhältnisse ist der gewerkschaftliche Zusammenschluß erforderlich, Auch der Staat darf hier nicht tatenlos zusehen. Bei solchen schändlichen Löhnen werden die Menschen zugrunde gerichtet. Der Forderung nach Staatshilfe wird in der Regel als Antwort zuteil: Es ist fein Geld da. Abgesehen davon, daß dieser Einwand nicht stichhaltig ist, steht er auch im Wider spruch zu der Tatsache, daß der Benediktiner Orden vor einiger Zeit vom preußischen Staat das Kloster Grüßau zu einem recht billigen Preis erwarb. Der Orden hatte an den Kreis dafür an Grunderwerbssteuer 32 000 m. zu zahlen. Auf Nachsuchen st undete der Kreis die Steuer. nach den letzten Mitteilungen soll der preußische Finanzminister dem Orben diese Steuer ganz geschenkt haben. " Kirche und Volksentscheid. R Eine Anmaßung der Kirchenbehörde. Genosse Pfarrer Bleier erhielt folgendes Schreiben: Der Superintendent des Kirchenkreises Friedrichswerder 2. Berlin- Schöneberg, am 10. April 1926. Berschiedene Preffeäußerungen gehen dahin, daß Euer Hochehra würden in der Deffentlichkeit sowohl für die entschädis gungslose Enteignung der Fürstenvermögen als auch gegen das jogenannte Gemeindebestimmungsrecht auftreten. Ich erbitte mir dazu eine recht baldige Aeußerung. gez. Raad." Genoffe Bleier tritt schon seit Jahren für die Antialkoholbewegung und für das Gemeindebeſtimmungsrecht öffentlich ein. Der zweite Teil der Anfrage soll auch nur den ersten decken. Die Attacke des Bischofs von Passau gegen die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte hat dem Superintendenten Raad feine Ruhe gelaffen. Er mußte sich ebenfalls als Barteigänger der Fürsten vorstellen. Unterbringung ausscheidender Wehrmachtsangehöriger, Zum Wehrmachtversorgungsgesetz. Außerdem aber haben angesichts solcher amtlichen Elend szahlen, wie sie hier aus dem Kreise Landeshut vorliegen, wie der Vorwärts" fie erst vor furzem aus albenburg und Sagan veröffentlichte und wie fie Bom Reichsbund der Zivildienstberechtigten wird uns geschrieben: aus faft allen Gegenden Deutschlands, nicht zuletzt aus Der zum Eintritt in die Reichswehr bereite junge Mann, ber Berlin selbst, aufgeführt werden können, die Fürsten sich auf zwölf Jahre- also die besten Jahre feines Lebens- verDiener noch immer ben Mut, die Milliardengepflichtet, muß Gewißheit darüber haben, was mit ihm geschicht, schenfeandie abgedankten Nichtstuer für gött- wenn er dem Staate zwölf Jahre lang Dienste geleistet hat. Es liches Recht" zu erklären. Man laffe endlich den Bolts- fann feinem Zweifel unterliegen, daß ein guter Erfag für die Reichs. entscheid vor sich gehen, damit die Herrensiße der Fürsten" wehr auf die Dauer nur zu gewinnen ist, wenn den Soldaten nach zu Nuz und Frommen der Berelendeten verwendet werden dem Ausscheiden aus dem militärischen Dienst eine Existenz für das fönnen. Leben gesichert wird. Es ist natürlich, daß die Soldaten diese Eristenssicherung im Staatsdienst begehren. 100 200 Wilhelms Gärtnerei. " " Selbst die Monarchisten wollen nichts von ihm wiffen. Das Berliner Tageblatt" berichtet über einen neuen Monarchistenbund, der die besondere Aufgabe hat, den Doorner Deserteur wieder populär zu machen. Das Ganze nennt sich„ Gärtnerei". In jeder Provinz fizt irgendeine abgehalfterte Erzellenz als„ Ober. gärtner" und hat" Bärtner" zur Seite. Alle diese Exzellenzen bemühen sich, in ihren rechtsstehenden Kreisen Wilhelm anzupreisen. Das scheint nicht ganz einfach zu sein. Einer der„ Obergärtner", ein Herr von Stusbus, jammert in einem Vortrag: Was ich mir am allerwenigften erklären fann, meine Feber sträubt sich, es nieberzuschreiben, ist der Umstand, daß Offiziere höheren Grades einem die falte Schulfer zeigen, wenn man mit Ihnen auf den Kaifer zu sprechen tommt... Ebenso scheint es, als ob die Erfahrung bezüglich unserer Frauen Gemeingut aller Mitarbeiter geworden ist. Sie haben sich perrannt in der Anficht, der Kaiser hätte nicht nach Holland gehen dürfen, und eigen finnig, wie nun Frauen find, tommen zum Schluß eines Gepräches mit derartigem Inhalt, nachdem sie scheinbar durch die Cinwände, bie man ihnen gemacht hat, fich haben überzeugen laffen, zu dem merkwürdigen Schluß, nach echter Frauenart: Ja, alles ganz schön, aber nach Holland durfte er nicht gehen." Es sind aber nicht nur die höheren Offiziere" und die Frauen", die dem Obergärtner mißfallen. Auch die deutschnationale Bresse Dorfagte nach seiner Meinung. Er erklärt: „ Die Wahrnehmung, daß Tageszeitungen zurzeit noch nicht sehr geneigt find, Artikel mit monarchistischem Hintergrund auf zunehmen, ist mir von vielen Seiten bestätigt worden, Sch bebaure biefen Standpunkt jehr und finde, daß wir rechtseingestellten Leute zu rücfichtsvoll und stets voller Bedenken sind. Es ist an der Zeit, wo der deutsche Michel aufwachen und wo wir für unsere Biele stolz und mannhaft einzutreten haben, das sollten sich die fogenannten nationalen Tagesblätter hinter die Ohren schreiben. Die Abneigung der Rechtspresse gegen monarchistische Artikel hat eben ihre Gründe. Das ganze Bolt will weder von dem weggelaufenen Wilhelm, noch von den übrigen Landespätern etwas wiffen. Es hat alle miteinander reichlich satt. Der bedauernswerte Obergärtner" ist dafür nur ein neuer unfreiwilliger, aber dafür um so beweisträftigerer Zeuge. wurde nie so recht ausgesprochen. Und nun ist es auf einmal aus ihr herausgebrochen, ganz ohne ihr Zutun, und wird ihr von der Kleinen so warm zurückgebracht. Sie ahnt nichts von den 3ufammenhängen, Liebe Ineinanderfügen Gehorsam- Er ziehung? Sie schüttelt nachdenklich das elfjährige Haupt. Aber vielleicht hat sie es nun etwas leichter mit der Meinen Schwester. §. 3. Ein Berliner Theater- Großkonzern. Eine Berliner Korrespondenz verbreitet folgenbe in eingeweihten Kreisen bereits länger besprochene Nachricht: Die Not der Seit macht ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich. Film, Rundfunt und Geldfnappheit haben in Berlin zusammengemirft, um die Schauspiel: häufer zu leeren. Es ist für eine gedeihliche Entwicklung der Theater notwendig, die großen Untoften zu verringern, um die Bühnen lebensfähig zu erhalten. Die drei größten Schauspielbirettoren Berlins, Reinhardt, Barnowsty und Robert haben sich deshalb entfchloffen, einen großen einheitlichen Theater- Konzern zu bilben, beffen Ziele hauptsächlich wirtschaftlicher Natur sein sollen. Reinhardt Deutsches Theater" und Kammerspiele", Barnowskys Komödienhaus" und" Theater in der Königgräger Straße", das Berliner Theater" und die Tribüne" sollen der gemeinschaftlichen Verwaltung des Bruders von Mar Reinhardt, Edmund Reinhardt. und der künstlerischen Leitung der brei bisherigen Direktoren unter stellt werden. Diese Arbeitsgemeinschaft soll erstens eine Berbilligung des Betriebes, zweitens eine dadurch bedingte Verbilligung der Eintrittspreise, drittens eine straffe Bufammenfaffung der fünfte Theater publikums ermöglichen, mit der man das Bublikum richen Ziele und endlich eine inftematische Organisation des für das Theater neu zu gewinnen hofft. Diesem 3wed foll in erster Reihe die Gestaltung des Spielplanes dienen. In Zukunft sollen die verschiedenen Theater die verschiedenen Interessenkreise der Theaterbesucher berücksichtigen, so daß immer nur eine Bühne ein Stück mit befonderem Einschlag bringt. Die Folge ift eine größere Sicherheit des Spielplans und eine größere Bielseitigkeit der tünstlerischen Leistungen. Neben diese fünstlerische Organisation foll auch eine wirt schaftliche Organisation des Theaterpublifums treten, die sich auf neuartige Abonnementsbedingungen fügt. Ban anderer Seite verlautet, daß ein Gesamtabonnement der dem Konzern angeschlossenen Theater beabsichtigt ist. Die Senfung der Kaffenpreise joll gleichzeitig der Anlaß zur Herablegung der Schauspielergagen geben, denen man dafür Zehn monatsverträge bieten will. Da bie Einzelheiten des Blanes noch nicht feststehen, brauchen sie auch noch nicht tritisch glossiert zu werben. Bon Bedeutung ist aber das Zugeſtändnis, daß sich die auf dem freien Wettbewerb beruhenbe Theaterwirtschaft überlebt hat und daß eine teilweise Blanwirtschaft von den Unternehmern selbst perfucht wird. Andererseits wird auch der Versuch gemacht, das genossenschaftliche Prinzip der Volksbühne, die Organisation der Be fucher, auszunugen. Aber Planwirtschaft wie Besucher organisation tönnen ihre Heberlegenheit und Frugtbarteit nur entfalten, wenn sie auf gemein nügiger Basis erwachse Die amtlichen Stellen bemühen sich seit langem, die ausfcheidenden Soldaten im freien Erwerbsleben unterzubringen. Die Möglichkeit hierzu d. h. die Möglichkeit, diesen Beruf ausüben zu fönnen gibt man durch theoretischen Unterricht in der Reichswehr und durch Gewährung von Geldmitteln. Dabei barf bemerkt werden, daß erst fürzlich bei Beratung des Reichswehretats im Reichstag feſtgeſtellt wurde, daß die Möglichkeit, auf diesem Gebiete ben Soldaten eine Existenzsicherung zu bieten, außerordentlich gering ift. Ein Mensch, der zwölf Jahre lang dem freien Wirtschaftsleben ent3egen ist, fann unmöglich die nur im andauernden Wirtschaftskampfe zu erwerbenden Fähigkeiten in dem notwendigen Maße haben, um in der freien Wirtschaft wettbewerbsfähig bestehen zu können. So ist es denn allzu natürlich, daß der größte Teil der ausscheidenden Soldaten durch Beantragung des Zivildienstscheines, der eine Anstellung im Beamtenkörper des Reiches, der Länder und Gemeinden sichern soll, diese Bersorgung begehren. Die Erfahrung lehrt, daß die Versorgungsberechtigten gerade für diese Verwendung aus der Militärdienstzeit die allerbesten Eigenschaften mitbringen. Durch entsprechende Gesetzgebung hat das Reich ja perfügt, daß ein ganz bestimmter Teil der Beamtenstellen mit Bersorgungsanwärtern( jo nennt man die Soldaten nach dem Ausscheiden) besezt werden sollen. Nun ist aber jedem bekannt, daß in Deutschland einmal durch ben Beamtenabbau die Beamtenschaft gemissermaßen verjüngt ist, und zum anderen hörte man bei ben diesjährigen Etatberatungen im Reichstag das Wort sparen in allen Tonarten. Zu diesem Sparen rechnet der Reichstag auch das Einsparen von Beamtenstellen. Außerdem verlangt der Reichstag zur Einsparung von Pensionen und artegeldern bie Wiederverwendung von abgebauten Beamten ( Bartegeldempfänger). Aus der Reichswehr allein scheiden alljährlich etwa 12 000 Soldaten, die Eristenzsicherung begehren, aus. Wenn man die Zahl der noch nicht angestellten, bisher ausgeschiedenen Versorgungsanwärter mit 20 000 einfchäßt, dann ist dies sicher nicht zu hoch gegriffen. Das Reich gibt zwar den ausscheidenden Soldaten eine Zeit lang ( höchstens bis zu drei Jahren) Uebergangsgebührnisse; ist diese Zeit abgelaufen, verweist das Reich seine Staatsdiener auf den Unter ftügungsweg. Es wird höchste Zeit, daß alle verantwortlichen Stellen des Reichs( Regierung, Reichstag usw.) sich ernstlich für die Unterbringung der Versorgungsanwärter im Staatsdienst einsetzen. „ Das Alpenland im Eismeer". Unter diesem Titel wird in der Urania bas Filmergebnis der deutschen Spizbergen- Expedition 1925 vorgeführt. Dr. Mag Grothewahl und feine Begleiter traten mit dem Dampfer München", der offenbar sehr viele Kameraleute an Bord gehabt hat, die Reife an. Von dieser Fahrt hat man schon oft Filmbilder gesehen, doch bleiben sie stets reizvoll, weil eben jeber Aufnahme die eigene Beobachtung und landschaftliche Erfassung des Operateurs zugrunde liegt. Manches Interessante wird von Island übermittelt, mag es sich nun um die Trocknung von Klippfischen oder um die Ausnugung der heißen Quellen als natürliche Baschküchen handeln. Während auf Island noch munteres Leben herrscht, lagert über die Magdalenenbucht die große, ftarre Einfamfeit. In den Monaten Juli- Auguft wurden die wissenschaftlichen Streifzüge durch Nordwestfpißbergen angetreten. Man bebiente fich der zusammen legbaren Klepperboote, bie man bislang bei folchen Reifen noch nicht als Beförderungsmittel gebraudyte, Der Zuschauer wird mit der Pflanzen und Tierwelt nach Möglichkeit durch eine genaue Bildberichterstattung befanntgemacht. Man bemerkt, daß die Tiere, fo die Seehunde, gar nicht folche große Scheu vor dem Menschen haben, weil sie diefes gefährliche Raubtier noch nicht fennen. Ungeheure Schwierigkeiten hat felbst der Forscher von heute noch zu überwinden, wenn er auch mit seiner Radiostation Nauen auf 7000 Kilometer Entfernung hört. Die düstere Landschaft Spizbergens übt auch auf den Nichtwiffenfchaftler einen großen Reiz aus. ' e. b. Wie fie die deutsche Sprache meistern! Ludendorffs Leibblättchen schreibt:„ Ein würdiger Auftakt zum Hindenburg- Sonntage in Köln bildete schon der porherige Samstagabend. Nach dem der Frontkriegerbund e. V. mit seiner Befreiungsfeier in der Nacht Köln verlassen hatte, in die Deffentlichkeit trat, war es wiederum des 31. Januar in seinem Vereinshaus, schon bevor der letzte Brite tem FKB. und auf seine Aufforderung hin, den im Tannenbergbunde vereinigten Verbänden vergönnt, als erft er ver allen ande ren Organisationen auf die Straße unter die Massen zu gehen... Alles in allem ein würdiges Hervortreten, das dem Tannenbergbunde a n Ansehen und Achtung eingetragen hat."- Ein würdigeres Hervortreten als mit dieser Art deutscher Sprache scheint uns faum noch möglich. Die Bücher und die Bühne des Tages behandelt Julius Bab in 5 Bortragen, bie Donnerstag vormittag 11 Uhr in dem Auguft- Forster- Saal, Seitbftr. 11, beginnen. ben die Boltsbühne am 14. April im Ritteriaal der Oper am Königsplas Borlesung Rudolf Leonhard. Der Vortragsabend bon Rudolf Leonhard. veranstaltet, beginnt pünktlich um 8 Uhr. Ginlaßtarten au 60 Pf. am Saaleingang. Die Cinten Ceute geben ihren nächsten Abend Donnerstag, braz. 8, Uhr in der Secession, Surfürstendamm 282. Ga lesen: Sans Bauer( Rede an die Schwarze Reichspehr" und anderes), Kurt Siller( Für Partei"), Balter Webring( Abenteuer des Balt Merin"), Erich Beineri ( Altaden"). Bauline Narbi( Karl Kraus). Der VI. Infernaflenate Kongreß für Philosophle wird vom 13.- 17. Sept. an der Harvard Universität( Maffabuletis) lagen. Die Bhilofopben aller Rationen, darunter auch Deutschlands, find eingeladen. Deutsch gehört zu ben offiziellen Kongressprachen. Anfragen an Prof. John J. Coy, Columbin Uninerfüät, Rem gorl Erst recht Sozialpolitik! Ein Mahnruf der Internationalen Bereinigung für sozialen Fortschritt. Die Internationale Bereinigung für sozialen Fortschritt wendet sich mit einem Mahnruf an Regierende und Regierte über die Daseinsnotwendigkeit dieser Internationalen Bereinigung. Der Mahnruf ist unterzeichnet von dem Staatsfanzler a. D. Dr. Karl Renner Wien, dem Forschungsdirektor Prof. Dr. Stephan Bauer- Basel, dem Generalsekretär Boissard Paris und dem Schazmeister Dr. Karl von Blarer Basel. Aus der Berschmelzung dreier internationaler Berbände, des Bermanenztomitees für Sozialversicherung, der internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschuh und der Vereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, ist die Internationale Vereinigung am 1. Oktober 1924 in Prag hervorgegangen. Die erste Ver= sammlung wird am 22. bis 24. September dieses Jahres in Montreur stattfinden. Ihr Programm, das zum Teil spätere Tagungen zu Ende zu führen haben, besteht aus folgenden Bunften: 1. Schutz und Versicherung der Privatangestellten; 2. Statut der öffentlichen Angestellten; 3. Ruhepausen, Urlaube; 4. Bericht über die Betriebsräte; 5. Mindestlöhne in der Heimarbeit; 6. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch internationale Kreditkontrolle zur Berhütung der Krisen und zeitliche Verteilung der öffentlichen Arbeiten; 7. Schutz der Auswanderer; 8. Internationale Unfallverhütung; 9. Mutterschaftsversicherung; 10. Rentenauszahlung an im Ausland rerunfallte Arbeiter oder ihre Angehörigen durch eine internationale Sentralftelle und 11. Wissenschaftliche Kontrolle der Berechnungsweise der sozialen Belastung sowie der Hebung der Volkswirtschaft durch bie Sozialversicherung. Der Mahnruf fagt: Sur Durchführung einer den steigenden Ansprüchen des Berufslebens an geistige und physische Arbeit entsprechenden Arbeitspolitit gehören breierlei Requisite: Richtung, Normgebung und Bollzug. In welcher Richtung sich die soziale Bolitik zu bewegen hat, vermag nur wissenschaftliche Beob achtung und Einsicht in das Ganze der wirtschaft: ligen Zusammenhänge zu erschließen. Daher wendet sich die Internationale Bereinigung für sozialen Fortschritt an die Männer der Arbeitsforschung im weitesten Sinne, Binchologen, Psychotechniker, Bädagogen, Ethiker, Hygieniker, Sozialöfo nomen, Statiſtifter, Arbeitsjuristen, Soziologen, Aus der Erkenntnis für die Pragis der Verwaltung Schlüffe zu ziehen, die Ergebnisse der Wissenschaft in verwertbare Form zu bringen, ist Sache der Gefeggeber, derjenigen also, die durch normen irgendeiner Art ökonomische Entscheidungen festlegen, von Tarifvertrag und Schiedsentscheid bis zu Gefeß und Berordnung. Drittens aber erhetscht jede Norm die Bürgschaft des Vollzugs und Kenntnis seiner Technit. Daher wendet sich die Internationale Vereinigung für sozialen Fortschritt an Betriebsräte, Arbeiterfekretäre, Jugendpflegerinnen, Sozialingenieure, Versicherungs- und Aufsichtsbeamte, an das Heer der freien und staatlichen Sozialbeamten, die zwar in den letzten zwanzig Jahren durch die Errichtung besonderer Berwaltungskörper und Arbeitsministerien sichtbare Spigen erhalten haben, denen es aber an gemeinsamer Orientierung im Sinne einer weltumspannenden Entmidlung wie an der Gelegenheit zur Mitarbeit an einer falchen fehlt. Die Jozialen Berwaltungen werden ohne Anregung von außen leicht zum millenlosen Werkzeug der Routine; im internatio nalen Wetteifer steigt ihre Leistungsfähigkeit für ihre eigene Nation. Biertens aber geht unser Ruf an die fozial gelinnten und ökonomisch denkenden Menschen aller än der ohne Unterschied, an die Vertreter aller Weltanschau ungen, denen die Pflege des Gemeinschaftsdienstes über die Zwede der Selbstsucht geht, durch Anschluß an die bestehenden, durch Bildung neuer Gruppen die gegenwärtig rund 8000 Mitglieder starte Internationale Bereinigung für sozialen Fortschritt zu einer Bor macht internationaler Solidarität, zu einer Schuß wehr gegen neue Kriege, neue 3errüttungen, zu einer lebensvollen Stätte freier Gesellschafts. forschung zu gestalten. = Die Republik der Arbeit und der Geister ist in Gefahr. Durch ehrliche freie Wirtschaftsforschung zur vollsten Entfaltung von Leistung, Kauftraft und Kulturentwicklung der Arbeit, durch ehrliche Freundschaft zum Bölkerfrieden zu gelangen, das sind die Wege der Internationalen Bereinigung für sozialen Fortschritt." Die Not im Lehrerberuf. Eine Verordnung der preußischen Regierung. Das preußische Staatsministerium hat eine Verordnung erlassen und dem Staatsrat zugehen lassen, wonach die in den einstweiligen Ruhestand verseßten Leiter und Lehrer von staatlichen Lehrer und Lehrerinnenbildungsanstalten bei Berluft des Wartegeldes verpflichtet sind, unter den Voraussetzungen der §§ 6 und 7 der Berordnung vom 26. Februar 1919 freie Planstellen an öffentlichen Bolts, öffentlichen mittleren Schulen und nicht staatlichen öffentlichen höheren Lehranstalten zu übernehmen oder zeitweilig wahrzunehmen. Aus der beigefügten Begründung gibt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes bekannt: In Kreisen der Lehrerbildner wird die Auffassung vertreten, baß fie als Staatsbeamte nicht verpflichtet werden könnten, Stellen im nichtstaatlichen Schuldienst gegen ihren Willen anzuneh men; es bedeute dies eine Berlegung wohlerworbener Rechte, die nur durch ein mit qualifizierter Mehrheit angenommenes Reichs gefeß angenommen werden fönne. Diefer Auffassung fann das Staatsministerium nicht beitreten; es ist vielmehr der Meinung, daß das eingangs erwähnte Gefeß über die Unterbringung der Leiter und Lehrer bisher staatlicher Lehrer bildungsanstalten eine unanfechtbare rechtliche Grundlage bietet, die Lehrerbildner nötigenfalls auch ohne ihr Einverständnis in Stellen des nichtstaatlichen öffentlichen Schuldienstes einzuweisen. Es muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Gültig keit des Gefeßes im Prozeßwege bestritten und seine Anwen dung dadurch um Monate verzögert wird. Da aber mit Rücksicht auf den bevorstehenden Beginn eines neuen Schuljahres mit seinen besonders zahlreichen Neubelegungen erledigter Schulftellen auf un verzügliche Durchführung des Gesezes der größte Bert gelegt werben muß, fo hält das Staatsministerium in diesem Fall die Anwendung des§ 8 Absatz 2 der Wartegeldverordnung vom 26. Februar 1919 für erforderlich, um die Lehrerbildner durch Staatsministerialbeschluß zur Annahme von Stellen im nichtstaatlichen Schuldienst zu ver pflichten. Fafchiffenfrechhelf in Wien. Im Apollotheater fam es bei der Borführung der Hallerschen Revue zu lebhaften Zwischenfällen. Etma 15 italienische Studenten protestierten durch Lärmen und Pfeifen gegen die Verspottung Mussolinis. Von der Galerie, wo sich die Studenten befanden, fete sich der Lärm ins Barterre fort, mo das Publikum gegen die Ruheftörer protestierte. Die italienischen Studenten wurden schließlich durch die Polizei aus dem Theater entfernt. Jm„ neuen" Tiergarten. In unserer Stadt der eilenden" Menschen, im Zeitgeist der Haftpfychose, der wirtschaftlichen Hezjagd, wird es mehr benn je für das werftätige Bolt zum Bedürfnis, feine farg, knapp bemessene Freizeit zu benützen, um sich im Freien, in der grünenden, sprossenden Natur zu erholen, Herz und Gemüt am erwachenden Leben zu stärken und sich zu erfreuen. Berlin ist in der glücklichen Lage, eine der anmutigsten Bart anlagen, ein Dorade im dumpfen, lichtlosen Chaos des Häufer. meeres zu besigenden Tiergarten. Leider wurde unbegreifunbegreif licherweise in den letzten zwölf Jahren für die Renovierung, die Instandhaltung der weitverzweigten Anlagen, die faft ein ganzes Stadtviertel ausfüllen, herzlich wenig getan. Im vergangenen Jahre Stadtviertel ausfüllen, herzlich wenig getan. Im vergangenen Jahre hat nun die Stadt Berlin für die Erhaltung und Ausschmüdung des Tiergartens einen Betrag von müdung des Tiergartens einen 20000 Mart bewilligt. Mit Freude muß festgestellt werden, daß diese Summe unter der neuen Leitung des Unternehmens nuz bringend verwendet wurde. Die teilweise zerfallenen Bänke, die verbogenen, verrosteten Gitter, die verwilderten Hecken und zer tretenen Wege find gründlich ausgebeffert worden. Neue Bilan zungen beim Spielplag und bei der Schülerstraße haben viel zur harmonischen Berschönerung beigetragen. Am Neuen See gemähren neu aufgestellte Bänke ersehnte Siggelegenheit, um in Beschaulich feit die nervenberuhigende Ruhe des perträumten Sees auf sich wirten zu laffen. Ein ganz farbenprächtiges Bild bietet jetzt ber Rofengarten mit feinen frisch gestrichenen weißen Bänken, der neuen grellgelben Befiefung der Wege. Mit größten Schwierigkeiten war die Erneuerung des Kinderspielplatzes verbunden. dischen Firma von 20000 Narzisfenzwiebeln sein, Nicht unerwähnt soll die Liebesgabe" einer hellän die an der Charlottenburger Chauffee bereits in Blüte stehen. Ein sehr günstiger Abschluß gelang auch dem Leiter des Tiergartens, sehr günstiger Abschluß gelang auch dem Leiter des Tiergartens, Direktor Bümm: er erhielt von der Ausschachtung des Europahaufes am Anhalter Bahnhof fast 1700 Fuhren Erde unentgeltlich für die notwendigen Reupflanzungen und für die teilweise nötig gewordene Aufebnung des abschüssigen Bodens. Ist bis jetzt auch noch nicht der ganze Tiergarten unter die fritische Lupe der Wiederherstellung genommen, die so lange grenzen Bollendung zu rechnen. Hoffen wir von der Leitung, daß neue los vernachläffigt wurde, so ist doch in diesem Jahre noch mit der Besen nicht nur im Anfange gut fehren, damit die tausende Er holungsbedürftigen, all die unterernährten Kinder und abgearbeiteten Frauen mit wirklicher Freude sich im Tiergarten von schwerer Arbeit und brückenden Sorgen wenigstens für Stunden ausruhen tönnen. Durchstechereien bei der„ Aga". Ein Kaufmann Karl August Reuter verhaftet. Große Beruntreuungen sind bei der Automobilattien. gesellschaft Aga" aufgebedt worden. 3hr Rugnießer mar August Reuter, der in der Roonstraße 1 einen 21tmetall. ein 30 Jahre alter, aus Düsseldorf gebürtiger Kaufmann Karl großhandel betrieb. Dieser Reuter, der früher einmal Koch ge wesen sein soll, spielte den großen Mann und gab sich für den Sohn eines rheinischen Großindustriellen aus. Durch sein sicheres und gewandtes Auftreten fam er auch in die Geschäfte berga" hinein. Hier verftand er es, sich bei An gestellten beliebt zu machen. Durch Sumendungen und Bersprechun gen verschaffte fich Reuter Preis und Gewichtsherablegungen. Schließlich brachte er es soweit, daß Bertaufsorbers nicht nicht nur Altmetall, fondern ganse maidinen, Repolper mehr durch die Buchhaltung gingen, und daß er auf diese Weise bänte, Schnelldrehbänke, Bohrmaschinen ufm., auch Meffing als Alteisen erhielt, ohne dafür auch nur einen Pfennig au bezahlen. So fonnte er denn weit billiger verlaufen als die Konkurrenz. Dadurch aber erregte er auch Berdacht. Die bisher angestellten Feststellungen haben ergeben, daß er etwa 8000 art Schmiergelder" bezahlt und dafür gegen 100 000 art erbeutet hat. Bon biefer großen Summe aber befißt er nichts mehr. Reuter wurde verhaftet. Polizei und Verkehrsregelung. Der Polizeipräsident, Genoffe Grzesinsti, erklärte heute mittag Pressevertretern, daß die Auflagen zur Verkehrsregelung, die die Polizei der Stadtgemeinde und den Bertehrsunternehmungen somie den Fuhrwerksbefizern macht, auf die finanzverhält. nisse der damit Belasteten Rücksicht nehmen müffen; die Erfüllung unterbleibe nicht selten, weil die mittel bazu fehlen. Manchmal merden solche Verfügungen auch angefochten; so a. B., als die Polizei die Beseitigung der Berkaufshäuschen in der Kronen straße forderte. Die Polizei hofft, daß Straßenbahn, Untergrund bahn und Omnibusfe jest unter gemeinfame Berwaltung fommen, fich also ergänzen, nicht aber in Zukunft einander Konkurrenz machen werden. Die Straßenbahn bewältigt 42 Prozent des Ge samtverkehrs, ist also von außerordentlicher Wichtigkeit von größerer als der Omnibus, der doppelt soviel Straßenbreite braucht als feine für Personen benugbare Fläche darstellt. Das Hauptproblem ist die weitere Entlastung der Straßen durch Ausbau der Untergrundbahn. Das Bräsidium Das Bräsidium teilte weiter mit, daß bie Straßenbahn barauf hingewiesen worden ist, das Abläuten durch die Schaffner in den Wagen nicht zu früh erfolgen zu laffen. Eine neue Bertebrsordnung mit Berüd fichtigung der Erfahrungen des letzten Jahres unterliegt jetzt der gemeinsamen Prüfung von Polizeipräsidium und Magistrat. Borerei auf offener Straße. jedenfalls hatte, so darf dies feineswegs als der Beginn einer Abfehr vom Bubitopf aufgefaßt werden. Um so weniger, als es sich um die Schaffung von Frisuren aus eigenem Haar handelte, wobei jedweder Haarerfaß oder sonst irgendwelche fünftliche Nachhilfe ftreng verpönt war. Es zeigte sich, daß dieses Ziel etwas hochgesteckt war, denn es machte einige Schwierigkeiten, jezt noch junge Damen mit langem Haar als Mobelle zu finden. Schließlich gelang es aber doch, für die neun in Wettbewerb tretenden Friseure die nötigen Langbehaarten zu gewinnen, die für ihre Geduld bis zu 50 Minuten mit recht hübschen Ballfrisuren belohnt wurden. Für die Frisierenden ging der Wettkampf um eine goldene Uhr, um die bereits auf zwei vorhergehenden Modeabenden gekämpft, vielmehr gefämmt worden war. Die Entscheidung war schwer, da fomohl Schütze wie Suhagen die gleiche Anzahl von 236 Bunt für drei Friten und die gleiche Zeitbauer von 149 Minuten furen insgesamt zu verzeichnen hatten. Das Los entschied zu= gunsten des letzteren. Schüße errang den silbernen Bokal samt dem zweiten Breis, während der dritte Breis an Mar Lange fiel. Die Gehilfen organisation hat mit dieser fachlich hochstehenden Veranstaltung erneut den Beweis geliefert, daß der Ber. band durch seine Fachabteilung auch die fachlichen Interessen feiner Mitglieder wahrzunehmen versteht, ohne dabei der in den verschiedenen Fachvereinen fultivierten Fachfimpelei zu verfallen, bei der die wirtschaftlichen Interessen mißachtet werden. Blumen am Schultor. Eine weltliche Schule in Charlottenburg. In Charlottenburg wurde heute die weltliche Schule eröffnet, die im Schulhause an der Spreestraße eingerichtet worden ist. Sie ist die erste des Berwaltungsbezirtes Charlottenburg und Charlottenburg ist unter den BerwaltungsInsofern haben wir die Eröffnung dieser weltlichen Schule als ein bezirken des Westens der erste, der eine weltliche Schule erhält. Ereignis von ganz besonderer Bedeutung zu buchen. Biel Mühe, von ber die Fernstehenden fich feine rechte Borstellung machen fönnen, ist nötig gewesen, um das Bert zustande zu bringen. Aber die Freunde der weltlichen Schule wußten im voraus, daß in Charlottenburg, wo die Schulreaktionäre leider noch recht start find. befondere Schwierigkeiten zu überwinden fein würden, Gie find überwunden worden und groß ist nun die Freude der Eltern, daß ihren Kindern eine Stätte geboten wird, an der ihnen eine freie Entwidlung möglich ist. Der Freien Schulgemeinde Charlottenburg und ihrer unermüdlichen Werbearbeit ist es zu danken, daß in diesem Bezirk endlich die weltliche Schule eingerichtet werden konnte, die von vielen Eltern längst schmerzlich " permißt wurde. Am Eröffnungstage war der Eingang des Schulhaufes mit Blumengirlanden geschmückt und ein Plakat Willkommen in eurem neuen Heim!" grüßte die eintretenden Kinder. Blumen am Schultor. das soll den Kindern eine Berheißung sein, daß ihnen diese Schule eine Stätte der Freude und des Glüdes werden wird, ihnen und dem Lehrerkollegium, das sich hier zusammengefunden hat. Leider ist es nicht möglich gewesen, alle gemeldeten Kinder schon in dieser ersten weltlichen Schule Charlottenburgs unterzubringen. Die Zahl der Meldungen war so groß, daß die Schule sich rasch füllte, und schon jetzt ist nicht daran zu zweifeln, daß in nicht ferner Zeit eine zweite weltliche Schule für Charlottenburg wird eingerichtet werden müssen. Manchem anderen Bezirf, der troß überwiegender linksgerichteter Bevölkerung noch nicht eine einzige weltliche Schule hat, gibt jest Charlottenburg ein Beispiel und Muster, das Nachahmung perdient. Deutschnationales Gefchrei über die Krankenkassen. In der 9. Aprilmummer der schwarzweißraten Nachtausgabe des Hugenbergfchen Tag" läßt ein Herr Brofessor B. unter folgenden alles andere Unglüd für den ftandestreuen deutschen Arzt" los: Schlagzeilen eine Epistel gegen Krantenfassen und Hungerlöhne der Krankenkassen 300 m. Witwenrente Birt schaftselend und sittlicher Berfall ber geprellte Leibarzt." In den Zeiten Galens," so fängt der Herr Professor an, galt der Arzt mehr als tausend Sterbliche, denn damals gab es noch feine follegiale Massentonfurrenz und feine Krantenfassen." Heute aber müffen mehr als 90 Broa. der Aerzte Kassenpraxis ausüben, was befagt, daß die Privatpragis nicht ernährt. Er findet es aber wegen der beschämend niedrigen Entlohnung" so unerhört, daß man in jüngster Zeit die Familienbehandlung in den sogenannten Ambulatorien, alfo in Raffenkliniken monopolifiert und manche Obliegenheiten, die früher dem Arzt zufielen, ben verschiedenartigsten Wohlfahrtseinrichtungen, Fürsorgeſtellen und beamteten Aerzten zuge wiefen habe." Also darüber zetert der Herr Professor, daß die Frauen und Kinder der versicherten Proletarier nicht mehr wie früher als unperficherte Privatpatienten der Privatpraxis der erzie aufallen. Daß jegt in den Dristrantenfaffen alle Erwerbslosen, und zwar in der niedrigsten Beitragsflaffe, versichert sind, bei gleichen ärztlichen, araneilichen und sonstigen Leistungen, ermähnt der Herr Berfasser nicht. Ebensowenig spricht der Herr Brefeffor davon, daß nach dem Buche Krisis der deutschen Aerzteschaft des Berliner Arztes Dr. Ernst Meyer sch on in Friedenszeiten der größte Teil der Berliner Aerzteschaft nicht aus dem Einkommen aus der Praxis, fonder von seinem ererbten Bripatpermögen oder der Mitgift seiner Frau lebte. Berade die Klage über die Berproletarisierung des deutschen Aerztestandes und über seinen fittlichen Berfall" steht aber einem Blatte der Hugenbergpreffe besonders schlecht an, denn gerade die Rapitaliften, die ber Weltanschauung dieser Breffe huldigen, haben die Kreife expropriiert, aus denen sich früher der Aerzteftand hauptsäch lich refrutierte und die die größte jelbstzahlende Batientenzahl ftellten, nämlich bie mittlere und fleinere Bourgeoisie und die besser bezahlten Lohnarbeiter. Tragischer Tod eines Heizers. Heute morgen, furz vor% 8 Uhr, murde der 60 Jahre alte Heizer Friedrich Scameitat im Heizungsraum der 126. Gemeindeschule, Kulmstraße, am Boden liegend bemußtlos aufgefunden. Ein jofort hinzugezogener Arzt fonnte nur noch den Tod feststellen. Die Untersuchung ergab, daß aus den Defen Kohlenoxydgase geströmt waren, durch deren EinSchwere Ausschreitungen gegen einen Bolizeibeamten verübten gestern abend eine Anzahl junger Leute auf dem Humannplaß im Grenzgebiet pon Weißenfee und Bantom, Die Burschen zogen fich auf der Straße ihre Boghandschuhe an und verwirtung der Heizer den Erstickungstod fand. anstalteten regelrechte Kämpfe. Bald sammelten sich Neugierige an, und so murde der ganze Berkehr gesperrt. Ein Schupowachtmeister versuchte zunächst in Güte, dem Unfug ein Ende zu machen. Damit hatte er aber nicht den geringsten Erfolg. Als er sich nun entschloß, den Hauptschreier und Rädelsführer aus der Menge herauszugreifen, um ihn zur Feststellung nach der Wache zu bringen, fielen die Burschen über ihn her, um den Festgenommenen zu befreien. Es entspann sich nun ein Kampf, in dem der Beamte mit einem schweren Gegenstand einen Schlag erhielt, der ihm eine flaffenbe Kopfwunde beibrachte. Als auf den Lärm meitere Beamte herbeieilten, ergriff die ganze Gesellschaft einschließlich des Befreiten Bisher fonnte leider niemand festgestellt die Flucht und enttam. werben. Danzig, das Kleinod der Offfeefüffe" lautet bas Thema des Bortrages, den Herr Oberstudienrat Dr. v. Biedi in der Treptow- Sternwarte am Mittwoch, 14. lpril, abends 8 Uhr im Berein von Freunden ber Treptow- Sternwarte" unter Vorführung zablreicher Lichtbilder hält. Gäste baben gegen Lösung einer Karte Zutritt. Sonnabend, den 17., 5 und 8 Uhr und Sonntag, ben 18., 4, 6 mm 8 Uhr findet die Vorführung des Films Buna, die Togter bes korallenriffs ftatt. Kurz ader langhaarig? Es gilt immer noch für piele jüngere und ältere Damen die Frage: Langes Haar oder Bubitopf? Sie wird jedoch weder nach der kurzen aber langen Seite hin restles gelöst werden, selbst wenn der Bubikopf die Mehrheit beherrscht. Denn abgesehen von der ästhetischen Geschmachsrichtung, begegnet der Bubitopf auch gemiffen natürlichen Hemmnissen. Es mare gut, wenn ber Mantel ber nächstenliebe ausreichte, fie fo zu perdeden, wie es hier geschieht. Den Damenfriseuren ist der Bubitopf zweifellos lieber als das Lang. haar. Doch verachten sie deshalb keineswegs das Geschäft, bas Doch verachten sie beshalb keineswegs bas Geschäft, das thnen die Volffrisuren noch bieten. Wenn nun die rührige Fachabteilung des Arbeite nehmerverbandes des Friseur- und Haargewerbes bei ihrem jüngsten Modeabend am Sonntag in Hanerlands Festfälen nur Ge fellschaftsfrisuren aus langem Haar auf ihr Brogramm gefest Die Jahreszeiten von Josef Haydn für Chor, Soli und Orchester fommen durch das Baltsbildungsamt Arensberg, am Freitag, den 16. 4., abends 8 1hr, im Orpheum, Hafenbeide, Ede Gräfeftraße, zur Aufführung. Mitwirkende: Emmy von Steiten( Sopran), Alfred Wilde( Tenor), Martin Abendroth( Bariton), Berliner Dratorienverein und das Berliner Sinfonic Drchefter. Musikalische Leitung: S. Stehmann. Eintrittspreis für Mitglleber und Jugendliche 75 Bf., für Gäste 1 M. Karten im Boltsbildungsamt, Bordftr. 11, Zimmer 136, und an der Abendkasse. Ein schweres Automobilunglüd, bei dem eine Berjon getötet wurde, ereignete fich auf der Chausse Stettin- Spinemünde, in allernächster Nähe von Gollnow. Der Kraftmagen bes Swinemünder Hotelbefigers Frig Born geriet ins Schleubern, stürzte eine Böschung hinab und überschlug fich. Fünf Infaffen wurden unter den Trümmern des Automobils begraben. Der Hotelbefizer erlitt schwere innere Berlegungen. Seine Frau trug Armbrüche davon. Der Sohn, der zusammen mit feiner Ehefrau und seinem vier Jahre alten Kinde die Fahrt mit seinen Eltern mitmachte, tam mit leichteren Berlegungen davon. Seine Frau dagegen trug schmere innere Berlegungen und einen Schäbelbruch daDon, so daß fie bereits auf dem Transport nach dem Swinemünder Krantenhaus nerftarb. Gewerkschaftsbewegung Für die Erwerbslosen in Berlin. Beschlüsse des Berliner Stadtverordnetenausschuffes. Der Ausschuß beschäftigte sich in seiner Sigung am Montag mit den Anträgen auf a) Auszahlung einer Wirtschaftsbeihilfe von 50 Mark an die Erwerbslosen zu Ostern, b) Anrechnung der Rentenhezüge der Kriegsopfer auf die Erwerbslosenunterstützung, c) 3ahlung der Mietbeihilfe an Erwerbslose, die als Untermieter einwohnen, d) Maßnahmen für die in den Rehbergen entlassenen Notstandsarbeiter. Der Antrag a wurde von den Kommunisten zurüd gezogen und der Antrag Ulrich und Genossen einstimmig angenommen: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, die Bezirkswohlfahrtsämter anzuweisen, den Erwerbslosen, die länger als 13 Wochen ohne Entschädigung und Einkommen find, durch ausreichende Sonderbeihilfe aus Wohlfahrts mitteln Eristenzmöglichkeit zu sichern und den Wohlfahrtsämtern zur Durchführung der Maßnahme die Mittel zuzuführen. Zu diesem 3wed erwartet die Bersammlung eine entsprechende Vorlage des Magiftrats." Der Antrag b:" Der Magistrat wird ersucht, bei der Reichs. regierung bzw. dem Reichsarbeitsministerium vorstellig zu werden, daß zukünftig bei den in Beschäftigung stehenden Kriegsopfern, fofern fie arbeitslos merden und bisher ihre Beiträge zur Erwerbs lofenfürsorge gezahlt haben, eine Anrechnung der Rentenbezüge auf die Erwerbslosenunterstützung nicht mehr stattfinden darf", wurde einstimmig angenommen. Der Antrag c wurde angenommen von Sozialisten und Kommunisten. Er lautet:„ Eine große Zahl der Obdachlosen scht fich zu fammen aus ledigen Erwerbslosen, denen es nicht möglich ist, von der geringen Unterstügung noch die Miete für Schlafstellen oder möblierte Zimmer aufzubringen. Um nun der großen Obdachlosigkeit zu steuern, beschließt die Stadtverordneten versammlung: die Mietbeihilfen, die an Erwerbsloje gezahlt werden, erhalten auch diejenigen Erwerbslofen, die feine eigene Wohnung haben, sondern als Untermieter einwohnen. Der Magistrat wird ersucht, dem Beschluß beizutreten. Der Antrag d wurde zurüdgezogen mit der Begründung, daß durch Berhandlungen mit dem Bezirksamt Wedding ein befriedigendes Ergebnis erzielt wurde. Diese Erklärung wurde von den Kommunisten im Ausschuß abgegeben. Die Transportarbeiterlöhne in der Metallindustrie. Der Schiedsspruch vom 26. März, der entgegen der Abficht des BBM3. die niedrigen Löhne der Transportarbeiter noch um zehn Brozent zu fürzen, das geltende Lohnabkommen bis zum 31. Mai verlängerte, hat nicht die Zustimmung des BBMI. gefunden. Das Metallfartell der beteiligten Gewerkschaften beantragte daher Berbindlichteitserflärung des Schiedsspruches. Bei den heutigen Verhandlungen über die Berbindlichkeitser tlärung glänzten die Vertreter des BMJ. durch Abwesen beit. Offenbar hält der VBMI. seine schmähliche Lohnbrüdungsaftion für vorläufig aussichtslos. Denn die jeßigen Wochenlöhne betragen nach Abzügen für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen etwa 16 M., für Hilfsarbeiterinnen über 21 Jahre 20 M. und für Transportarbeiter über 21 Jahre etwa 28 M. Und diese Löhne sollten nach der Abficht des VBMJ. noch um zehn Brozent ermäßigt werden. Daraus wird nun bis Ende Mai zunächst hoffentlich nichts werden. Allein schon die Absicht einer derartigen Lohnbrüderei zeigt den BBM 3. in seiner ganzen Glorie. 06 07 Die Berliner Magistratsangestellten. In einer von etwa tausend Magistratsangestellten besuchten Bersammlung am Montag in der Stadthalle referierte Genosse 3eig vom Zentralverband der Angestellten über die Aenderung der Arbeitsbedingungen der Zeit hilfen und des 4. Angestell tentarifvertrages. Die unterschiedliche Auslegung der Bestimmungen durch die Bezirksämter hat den 3d2. veranlaßt, im Oftober 1925 das tarifliche Schiedsgericht anzurufen, das fowohl in erster als auch in zweiter Instanz den Magistrat Berlin berpflichtet hat, Angestellte, die länger als Dier Monate beschäftigt werden, nach allen Bestimmungen des Tarifvertrages zu behandeln. Die Verhandlungen mit dem Magistrat über Neuformulierung einiger Bestimmungen dieser Arbeitsbedingungen stehen vor dem Abschluß. Beiz berichtete weiter, daß der Personalausschuß wie auch die Stadtverordnetenverfammlung mit Mehrheit beschlossen haben, die Beithilfe zu beseitigen und alle Angestellten feit einzustellen. Diesem Be= schluß ist der Magistrat nicht beigetreten. Außerdem murde über die immer noch nicht entschiedene Streitfrage, ob die Erwerbslosenfürsorgestellen Bestandteile der Arbeitsnachweise seien, berichtet. Das preußische Wohlfahrtsministerium hat vor in der Kohlentrise gegeben. Eine folche Politik könnten bie Berge arbeiter feinesfalls mitmachen. Nach wie vor stellen den kritischen Bunft in den Unterhandlungen die Revision der Lohnfäße dar. Es handelt sich hierbei um die Frage der Anwendung allgemein gültiger Tarifgrundsäge für den gesamten Bergbau, die den örtlichen Ver hältnissen angepaßt werden müssen. Auf alle Fälle sind die Aus fichten auf eine Einigung zweifellos schlechter geworden. einigen Monaten entschieden, daß die Angestellten der Erwerbslosen-| auslegen. Es würde damit ein falsches Bild von der gesamten Lage fürsorgestellen unter den§ 13 des Arbeitsnachweisgefeges fallen, während das Reichsarbeitsministerium mit dem 3d2. die entgegengesezte Auffassung vertritt. Auch die neuen Bestimmungen des Wehrmachtverfor gungsgeseges, die eine neue Bedrohung für die Existenz der Behördenangestellten bedeuten, wurden erörtert. Ein Vertreter des Gd. versuchte in der Diskussion für seine Organisation Stimmung zu machen, fand aber bei der Versammlung feinerlei Antlang. Seine Ausführungen veranlaßten den Genossen Zeiß, im Schlußwort eindeutig festzustellen, daß auch die Demokratische Partei im Auguſt 1925 im Plenum des Reichstags fich gegen ein gesetzliches Verbot, Angestellte zugunsten von Versorgungsanwärtern zu entlassen, gewandt habe und daß nur die Arbeiterparteien im Reichss tage für diesen vom 3d2 veranlaßten Antrag gestimmt haben. In der Versammlung fam flar zum Ausdrud, daß die Magistrats- fällt aus. angestellten nach wie vor als ihre Interessenorganisation den freigewerkschaftlichen Zentralverband der Angestellten an erkennen. Der Lohntarif der Akkordmaurer verlängert. Am 9. Oktober wurden die Verhandlungen zwischen dem Verband Berliner Baugeschäfte und dem Deutschen Baugewerksbund und dem Verband der Attordmaurer über den Abschluß des Attord tarifes fortgesetzt. In der Verhandlung wurde über weitere Differenzpunkte ein Einverständnis erzielt. Die Verhandlungen wurden jedoch vertagt, um beiden Barteien Gelegenheit zu geben, fich im engeren Kreise zu verständigen. Man einigte sich dahin, daß der am 31. März abgelaufene Tarifvertrag für Affordmaurer wie auch für Attordsteinträger in seinem bisherigen Wortlaut bis zum 30. April weiterläuft. Ueber den Zeitpunkt der weiteren Bet handlungen werden sich die Parteien verständigen. Arbeiterentlaffungen auf Zeche Kaiserstuhl I und II. Dortmund, 13. April.( Tul.) Infolge weiterer Abfahidhwierig. Kaiserstuhl I und II" in Dortmund zu weiteren Arbeiterent teiten sieht sich die dem Eisen- und Stahlwert Hoesch gehörende Zeche laffungen gezwungen. So werden am 15. April 600 Bergleute zum 1. Mai dieses Jahres gekündigt. Schon jetzt ist mit dem Bagern der Kohle auf Halden begonnen worden. Das deutsch- polnische Arbeiterproblem. Am Schluß der letzten Besprechungen zwischen der deutschen und der polnischen Regierung über die Regelung der Saison= arbeiterfrage war vereinbart worden, daß bald nach Ostern Berhandlungen zur Schaffung eines endgültigen Abkommens über die Wanderarbeiterfrage stattfinden sollen. Bis zur Stunde ist jedoch von polnischer Seite feine Anregung für den Beginn dieser Verhandlungen erfolgt. Das Polen bis jetzt zugestandene Saisonarbeiterkontigent beträgt 130 000 Arbeiter. Davon sollen etwa 60 000 in Deutschland geblieben sein. Neu zugewandert find nach Meldungen des polnischen Auswanderungsamtes etwa 40 000 Arbeitskräfte. Zur Klärung der Verhältnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt wäre der baldige Abschluß eines endgültigen Abkommens über die Frage des Banderarbeiterfontigents, das bei der Maffen. arbeitslosigkeit für Deutschland besonders drückend ist, dringend notwendig. Tagung des franzöfifchen Gewerkschaftsbundes. Paris, 13. April.( Eigener Drahtbericht.) Der fommunistische Gewerkschaftsverband hat am Montag an das gegenwärtig hier tagende Nationalkomitee des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes ein Schreiben gerichtet, in dem er die Herstellung einer gemein. famen Front im Hinblick auf den 1. mai vorschlägt. Ein gemeinJames Brogramm soll dieser Attion zugrunde gelegt werden. Eine Antwort des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes ist noch nicht erfolgt. Die gestrige Nachmittagssigung des Nationalfomitees des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes war der Beratung über die fezialen Reformen, die die Arbeiterorganisationen durchführen wollen, gewidmet. Eine Kommission ist gebildet worden, die die Wünsche der Arbeiterklasse bezüglich der Beschleunigung der verschedenen Re formen in einer Resolution niederlegen soll, um diese dann der Regierung zu unterbreiten Im Laufe der Sigung wurden von verschiedenen Delegationen Klage gegen die unkontrollierten Ein führungen ausländischer Arbeiter nach Frankreich durch Privatagenturen geführt. Zur Krise im englischen Bergbau. Condon, 12. April.( TU.) Am morgigen Nachmittag findet die entscheidende Zusammenkunft zwischen den Vertretern der Grubenbefizer und der Erefutive der Bergarbeiter statt. Die Executive der Bergarbeiter wird außerdem morgen zu einer Sondersizung zusammentreten. Im Lager der Bergarbeiter bezeichnet man, wie die Daily Newy" berichtet, die Annahme des Kohlenberichtes durch die Grubenbesiger als eine Irreführung der Bergarbeiterschaft. Die Grubenbefizer fönnten danach den Kohlenbericht in ihrem Sinne 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Bezirk Neukölln. Die für morgen, Mittwoch, 6% Uhr, in Neivels Festsälen angesetzte Bezirksversammlung Sport. Jagden und Ueberrundungen. Miethe schwer gestürzt. Bei die Beranstalter dank der niedrigeren Eintrittspreise ein besser be Wie schon im heutigen Morgenblatt mitgeteilt wurde, hatten juchtes Haus. Auch der heutige Tag gilt noch als Boltstag. einer Jagd furz vor 1 Uhr zieht Bauer tapfer los. Das Feld macht feine Wiene nachzusehen, und so gelingt es Bauer, gemein ſam mit seinem Bariner eine Runde aufzuholen. Sieben Minuten(!) vor Beginn der Zweiuhrnachtwertung läßt die Rennleitung eine Prämie ausfahren, die Anlaß zu einer großen Jagd gibt. Während das Feld wild die Bahn umfreist, ver lieren Bauer Bugsie eine Runde. Die Haz geht weiter. die zweite Nachtstunde ist überschritten. Miethe und Eaton türzen. Der Amerifaner ist glimpflich davongekommen, Miethe portiert werden. Die tapfere, aber vergebliche Gegenwehr der Stoc ist schwerer betroffen und muß mit der Bahre von der Bahn transMiethe tonnte einen Rundenverlust nicht aufhalten! Das Rennen wird neutralisiert. Später wird bekannt, daß o= Miethe, Longardt- Behrend und Bauer Buysse je eine Runde verloren haben. Bauer Bunsse erhalten außerdem eine Strafrunde! Kurz vor 3 Uhr wird befanntgegeben, daß das Rennen nur noch für Koch- Miethe, insbesondere für Miethe, neutralisiert bleibt. Koch darf jeden weiteren Spurt mitbestreiten. Die Spurts brachten folgende Ergebnisse: 1. Spurt: 1. Gottfried vo: Binda, Eaton und Frederic; 2. Spurt: 1. Beed man vor Bauer, Sergent und Junge; 3. Spurt: 1. Gottfried vor Binda, Frederik und Bauer; 4. Spurt: 1. Linari vor Hürtgen, Hahn und Leuet; 5. Spurt: 1. Beedman vor Gottfried, Sergent und Hahn; 6. Spurt: 1. Eaton vor Linari, Junge und Frederick; 7. Spurt: 1. Beedman vor Sergent, Gottfried und Hahn; 8. Spurt: 1. Junge vor Hürtgen, Eaton und Louet; 9. Spurt: 1. Behrendt vor Binda, Gottfried und Sergent; 10. Spurt: 1. 2ouet vor Frederic, Junge und Longardt. Während der Bertung gelingt es den Paaren Bauera Buysse und Longardt Behrendt, ohne daß das übrige Feld den Ausreißern nachseht, eine Berluftrunde zurüd. zugewinnen. In den Morgenstunden verlieren Bauer. Buysse bei ciner Jagd abermals eine Runde! Der als Ersatz. mann fahrende Martin wird aus dem Rennen genommen! Der Stand nach der Nachtwertung ist folgender: 1. Sergent. ouet 263 Bunfte. Cine Runde zurüc: 2. Beedman Caton 179; 3. Gottfried- Junge 174; 4. Frederid- Lorenz 93; 5. Koch Miethe 36 Bunfte. 3 mei Runden zur id: 6. Standaert- Hahn 72; 7. Debaets- Hürtgen 65 Buntte. Drei Runden zurüd: 8. Linari- Binda 89 Punkte. Bier Runden zurüd: 9. Bauer Bunffe 77; 10. Longardt- Behrendt 67 Buntte. Bis um 6 Uhr hat das Feld insgesamt 27-45,260 Rilp. meter zurückgelegt. Geschäftliche Mitteilungen. 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