Abendausgabe Nr. 176+43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 87 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstag 15. April 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag unb Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Berlin- Genf- Moskau. Teilnahme an der Studienkommission. Um die Sonntagsruhe. Fortgang der Vertragsverhandlungen 34 Jahren. Allerdings war sie von vornherein von einer mit der Sowjetunion. Amtlich wird mitgeteilt: Die deutsche Antwort, an den Bölferbund, die heute in Genf übergeben worden ist, hat folgenden Wortlaut: Herr Generalsekretär! Indem ich den Empfang Jhres Schreibens vom 20. März d. 3. bestätige, beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß die deutsche Regierung bereit ist, einen Bertreter zur Teilnahme an den Beratungen der kommissiou zu entienden, die durch Beschluß des Bölkerbundsrates vom 18. März dieses Jahres eingefeht worden ist, um die Frage der Zusammenfegung des Rates fowie die Zahl seiner Mitglieder und das Verfahren ihrer Wahl zu prüfen. Die Benennung des deufschen Bertreters darf ich mir vorbehalten.?? Ich gestalte mir, hierbei darauf hinzuweisen, daß sich der deutsche Bertreter, da Deutschland nicht Mitglied des Böllerbundes ist, bei den Beratungen der kommission naturgemäß in einer anderen Lage befinden wird, als die Vertreter der übrigen beteiligten Mächte. Diefe befondere Lage Deutschland wird nicht nur von dem deutschen Vertreter berüdsichtigt werden müffen, sondern macht es auch notwendig, ausdrüdlich hervorzuheben, daß feine Teilnahme an den Beratungen die Freiheit der Entschließung der deutschen Regierung hinsichtlich des Eintritts Deutichands in den Bölkerbund nicht berühren fann Genehmigen Sle, Herr Generalsekretär, den Ausdrud meiner vorzüglichfien Hochachtung. gez. Stresemann." Eine Tagung der Bolterbundligen in Brüssel hat sich für die vorläufige Zurüdstellung einer Erweiterung des Rates ausgesprochen. Dem fommt eine gewisse Bedeutung zu, da die Beschliffe dieser, den Regierungen meist nahestehenden, Bereini gungen, schon öfter eine Art Bor abstimmung für den Völker bund darstellten. Paris hat keine Besorgnisse. Bierstündige Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe? Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe besteht seit nahezu Ganzen Reihe von Ausnahmebestimmungen durchlöchert, die im Laufe der Zeit mehr und mehr beseitigt werden konnten. Neuerdings machen sich jedoch Bestrebungen geltend, und zwar nicht nur im Handelsgewerbe, an Stelle der Sonntagsruhe die Sonntagsarbeit herbeizuführen. Es gewinnt den Anschein, als wolle man vor der Schaffung des Arbeiterschutzgefezes die Arbeitszeitbedingungen der Arbeiter und Angestellten noch möglichst verschlechtern. Abgesehen von dem Vorgehen einzelner Landesregierungen, wie Bayern und Württemberg, die die Anzahl der für die Offenhaltung Paris, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Die von der Lon- der Ladengeschäfte freigegebenen Sonntage vermehrt haben, boner Times" veröffentlichte Information über die deutsch wird jezt versucht, aufreichs gefeglichem Wege eine russischen Berhandlungen, die die Anpassung des Ra- Mindestleistung von vier Stunden Sonntagsarbeit für das pallo- Bertrages an die neue internationale Lage zum Ziele haben Handelsgewerbe herbeizuführen, was in der Praris der sollen, haben hier eine verhältnismäßig ruhige Aufnahme Aufhebung der Sonntagsruhe gleichkommt. So gefunden. Der„ Matin" teilt mit, daß die deutschen Bot- hat unter dem 27. Januar 1926 die Wirtschaftliche Bereinigung fchafter in London, Paris und Rom die Regierungen, bei denen dem Reichstage folgenden Gefeßzentwurf unterbreitet: fie aftreditiert sind, über die im Gang befindlichen Verhandlungen in Kenntnis gescht hätten. Es handle fich, wie diese erklärt hätten, um einen Vertrag zur Regelung der nachbarlichen Beziehungen, wie etwa ber jüngst zwischen Rußland und der Türkei abgeschlossene.(!) Beit entfernt davon, den Grundsägen von Locarno zu widersprechen, stelle er vielmehr, wie die Botschafter behauptet hätten, eine neue Anwendung dieser Grundfe dar. Die alliierten Regierungen betrachten diese Erklärungen als befriedigend Ozffiiöse Beschwichtigungen. Bisher hatte die Reichsregierung sich nur grundfährteilt. Die Position Deutschlands, schreibt das Blatt, mache es In einer ähnlichen Beise wird die Lage vom„ Deuvre" be lich bereit erklärt, an der Löfung der Ratsfrage mitzu ihm nicht möglich, zwischen Ost und West zu mählen. arbeiten. Sie hatte mit der Annahme der vom Rat er gangenen Einladung gezögert, einerseits mit Rücksicht auf die Deutschland glaube zweifellos, daß es ohne Schaden Rußland ein Gegenstück zu den Locarno- Berträgen zur Beruhigung seiner Bes Opposition der Rechten, und andererseits, um mit den anderen fürchtungen zugeftehen könne. Es sieht darin einen Grund Mächten noch Vorverhandlungen über den Aufgabenkreis der Rommiffion zu führen. zur Besorgnis, denn Deutschland bleibe ungeachtet des Drudes Tschitscherins der Politik von Locarno treu und im Rahmen des Es ist nicht bekannt geworden, daß diese Besprechungen Bölferbundes. Die Tatsache, daß Deutschland dem Völkerbund anzu Ergebnissen geführt haben. So wirft die heutige llebergehören und gezwungen fein werde, die von ihm abgeschlossenen gabe der Note in Genf als eine Ueberraschung. Nichts Berträge dem Bölkerbundssekretariat mitzuteilen, nehme ihm die Hatte in den letzten Tagen darauf schließen lassen, daß dieser Möglichkeit, geheime Bereinbarungen mit Rußland zu -an sich selbstverständliche Schritt gerade jegt er treffen. folgen mürde. Er ist offenbar in diesem Augenblid erfolgt, um umberechtigten Folgerungen aus den deutsch- russischen Besprechungen eine Spige zu bieten. Ist doch in manchen Kreisen- was offenbar der Zweck der fenfationell aufge. machten Times"-Meldung war der Eindrud entstanden, als ob Deutschland nach der Schlappe der Locarnopolitit sich num der Sowjetunion zuwenden fönnte. Die heutige Uebergabe der Note in Genf soll die im Westen entstandene leichte Beunruhigung dämpfen; andererseits gibt sie in Moskau zu verstehen, daß Deutschland mit seinen Berhandlungen mit dem Osten die Grundlagen der Locarnopolitif nicht zu ver laffen gedenkt. So hat der von der„ Times" oder den hinter ihr stehenden Kreisen unternommene Bersuch, die deutschAlle Einzelheiten, die die Auslandspreffe über die Ber. ruffischen Besprechungen zu stören, das erfreuliche Ergebnis, handlungen bringt, find vollkommen unzutreffend und ver die Reichsregierung auf die Teilnahme an der Studientom folgen wahrscheinlich den Zweck, durch Aufstellung aller möglichen miffion festzulegen, ohne aber der Sowjetunion die Berech- Behauptungen ebenso viele Dementis herauszufordern, tigung zu geben, die Besprechungen mit Deutschland abzu so daß man schließlich das, was nicht dementiert wurde, als den brechen. eigentlichen Inhalt hinstellen könnte. So falsch wie die Kombinationen, fo unfruchtbar sind auch die daran gefnüpften Kom mentare. Benn der Bertrag zustande tommt und veröffent. licht wird, dann wird alle Welt erkennen, daß Deutschland damit in feiner Beife gegen feine Wölferbunds- oder Locarno- Berpflich tungen verstoßen hat. Das wird auch schon vom amtlichen englischen Funkdienst und von der englischen Preffe anerkannt, indem fie er flären, daß Deutschland mit einer nicht genug anzuerkennenden Loyalität die West mächte unterrichtet hat. Die Gutachterstellung der Kommiffion. Ueber die Arbeitsweise der Kommission teilt die Reichsregierung mit, daß diese ihre Borschläge an den Rat mit Stimmenmehrheit beschließt, jedoch gehen auch Minderheitsgutachten an den Rat. Der deutsche Bertreter ist noch nicht ernannt. Seine Auswahl hängt mit davon ab, welche Persönlichkeiten eb Juristen oder Bolitiker von den anderen Mächten ernannt werden. Verschärfung der englischen Bergbaukrise. Kündigung des Lohnabkommens.- Eingreifen der Regierung. London, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Exekutive des Bergarbeiterverbandes beschloß, an die Diftriftsverbände die trenge Weifung hinauszugeben, unter teinen Umständen besirtsweife mit Unternehmern in Berhandlungen einzutreten. Dieser Beschluß hat sich als notwendig erwiesen, da zu erwarten ist, daß die Unternehmer nach der zum 1. Mai erfolgenden Kündigung versuchen werden, Sonderablommen mit den Bergarbeitern zu treffen. Zu den deutsch- russischen Verhandlungen über Locarno und Rapallo wird offiziös betont, daß weder über den Inhalt des an gestrebten Vertrages noch über den Zeitpunkt seines Abschlusses schon Bestimmtes feststeht. Die Verhandlungen dienen lediglich bem 3wed, das Gleichgewicht zu befestigen, das Deutschland in Locarno für sich in Anspruch genommen hat, als es jede Bindung gegen den Often ablehnte. Die Berhandlungen tuen Bolen feines wegs Unrecht. Nach deutscher Meinung ist gerade die Sicherung dauernden Friedens zwischen Deutschland und Rußland die beste Friedensficherung für den Often überhaupt. 1.§ 105b 26f. II der Gewerbeordnung in der Fassung 1 der Berordnung vom 5. Februar 1919( Reichsgefegbl. 1919 S. 176) lautet fünftig: Im Handelsgemerbe dürfen Gehiffen, Lehrlinge und Arbeiter am ersten Weihnachts, Oster und Pfingstjeiertag überhaupt nicht, Stunden beschäftigt werden. Außerhalb der Zeit der Beschäftigung an den sonstigen Sonn- und Feiertagen nicht länger als vier von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern sind die Betriebe für den geschäftlichen Verkehr geschloffen zu halten. Durch statutarische Bestimmungen einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalver. bandes fann diese Beschäftigung für alle oder einzelne Gewerbe zweige auf Grund einer Abstimmung in den beteiligten Gewerbefagt werden. Cine Erweiterung darf die Dauer von fünf Stunden freifen auf fürzere Zeit eingeschränkt, erweitert oder ganz unter. nicht überschreiten. Für die legten zwei Sonntage vor dem Weihsonst völliger Sonntagsruhe ohne Anhörung der Gewerbetreibennachtsfest und für weitere vier Stunden im Jahr darf auch bei den eine Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern bis zu pier Stunden erfolgen. 2.§ 142 Abs. 1 wird wie folgt geändert: Statutarische Bestimmungen einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes fönnen die ihnen durch das Gefeß überwiesenen Bestimmungen werden nach Anhörung der beteiligten Gewerbe gewerblichen Gegenstände mit verbindlicher. Kraft ordnen. Diese treibenden, Gehilfen und Arbeiter getroffen, bedürfen der Genehmi gung der höheren Verwaltungsbehörde und sind in der für die Bekanntmachungen der Gemeinde oder des weiteren Kommunalverbandes vorgeschriebenen oder üblichen Form zu veröffentlichen. 3. Dieses Gesetz tritt am..... in Kraft. Gleichzeitig treten alle für die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe auf Grund des§ 105b 2bf. II und III der Gewerbeordnung er laffenen Sonder- und Ausnahmebestimmungen außer Kraft, die mit den Bestimmungen der vorstehenden Ziffern 1 und 2 in Widerspruch stehen. Nach diesem Borschlag fönnten die Handelsangestellten sogar bis zu fünf Stunden an Sonntagen beschäftigt werden, und in dem Belieben jeder einzelnen Gemeinde liegt es, die Sonntagsruhe je nach ihrer Einstellung zu regeln. Es ist zwar vorgesehen, daß auch eine fürzere Sonntagsarbeit oder gar die vollständige Sonntagsruhe herbeigeführt werden tann, was jedoch offenbar nicht in der Absicht der Antrag fteller liegt, da ja sonst ihr Antrag überflüssig wäre. Wir würden diesem Antrag an sich feine besondere Bedeutung beimeffen, wenn nicht ein ähnlicher Antrag, der die Sonntagsarbeit der Bäder und Konditoren betrifft, selbst die Unterstützung der christlichen Gemertschaftsführer gefunden hätte. Die ganze Art des Vor gehens auf Verschlechterung der Sonntagsruhe, Ausdeh. nung der Sonntagsarbeit, ist tennzeichnend für die sozial rüdschrittlichen Bestrebungen, die sich auf der ganzen Linie der Reaktion bemerkbar machen. Nachdem die Sonntagsruhe seit Jahrzehnten mit allerlei Ausnahmen Condon, 15. April.( WIB.) Am Mittwoch abend hatte fall der Ausnahmebestimmungen mehr und mehr ermöglicht besteht und die veränderten Verhältnisse inzwischen den Fortder besondere industrielle Ausschuß des Gewerkschaftstongreffes mit haben, wäre es endlich an der Zeit, durch eine voll Baldwin eine nahezu einstündige konferenz nach tändigereichsgeseßliche Regelung mit all diesen welcher er sich mit den Bertretern der Bergleute beriet. Die Führer Ausnahmebestimmungen aufzuräumen und allen Quertreibeder Bergleute beabsichtigen, im Laufe des Abends nach Brüffel reien ein Ende zu machen. Tatsächlich hat sich das zu reifen, um mit dem Internationalen Bergarbeiterverband wegen Publikum mehr und mehr an die Sonntagsruhe ge= Unterstützung durch die feffländischen Organisationen im Falle eines wöhnt und auch der größere Teil der Ladengeschäftsinhaber Ausflandes am 1. Mai zu verhandeln. Der Zentralausschuß der Zechenbesiher hatte eine ein- trägt durchaus fein Berlangen danach, die Sonntagsruhe ftündige Konferenz mit dem Arbeitsminister. Die Arbeit Deutscher Waren und Kaufhäuser mit einer 3uwieder abzuschaffen. So wendet sich der Verband geber erklärten hierbei, sie würden sich mit den örtlichen Ber- fchrift an uns, in der er sich entschieden dagegen verwahrt, mit bänden der Bergleute in Berbindung fehen, um mit ihnen zu dem„ Gefeßentwurf" der Wirtschaftlichen Vereinigung irgend erwägen, welche Arbeitsbedingungen nach dem 30. April eingeführt wie in Zusammenhang gebracht zu werden. werden könnten. Inzwischen feien sie aus rechtlichen Gründen genötigt, von der Beendigung der beffehenden Tarifverträge für Ende Abbruch der Berhandlungen bedeute. Um Mittwoch nachmittag frat die Erefutive der Bergarbeiter mit dem Industriellenfomitee des Generalrats zufammen. Es ist bis jetzt angesichts des fländlich erwarteten Eingreifens Baldwins zweifelhaft, ob der Sekretär Cook und der Präsident diefes Monats formell Mitteilung zu machen, was aber nicht den organisiert sind, erflären wir Ihnen, daß weder im Ausschuß noch des Bergarbeiterverbandes Herbert Smith zu der Sihung der Bergarbeiterinternationale in Brüffel abreifen fönnen. Ja Südwales ist das Lohnabkommen bereits am Mittwoch auf allen Zechen mit folgendem Zujah gekündigt worden: ..Es vollziehen fich jeht Berhandlungen, die hoffentlich zu einem neuen Abkommen führen werden. Sollte tein 2blommen abgefchloffen werden, fo wird vor dem 1. Mal durch Anschlag bekanntgegeben, zu welchen Bedingungen die Arbeit nach dem 1. Mal fortgesetzt werden tann. Die Gruben bleiben auch nach dem 1. Mai alsdann zu diefen bekanntgegebenen Bedingungen für den Betrieb offen." i London, 15. April.( WTB.) Der Präsident des Bergarbeiterverbandes Smith und der Sekretär des Verbandes Cool find gestern abend nicht, wie ursprünglich vorgesehen, nach Brüssel zur Teilnahme an der Internationalen Bergarbeiterfonferenz abgefahren. Sie werden voraussichtlich ihre Reise heute unternehmen. In den Wandelgängen des Parlaments wurde gestern abend darauf hingewiesen, baß es für das Bergwertsamt nicht ichwierig fein werde, herauszufinden, welche Bergwerfe fich bezahlt machen und welche nicht, und daß es möglich sein merde, eine Subvention an lettere zu zahlen. Als offizielle Bertretung der deutschen Waren- und Kaufhäuser, des Verbandes also, in dem die großen Warenhäuser restlos in der Geschäftsführung des Berbandes irgendwie die Absicht besteht bzw. bestanden hat, die den Angestellten durch die derzeitige Gesetzgebung zustehende Sonntagsruhe einzuschränken. Wir legen Wert auf diese Feststellung und ersuchen Sie, davon Gebrauch zu machen. Die Berordnung über die vollständige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ist vom 5. Februar 1919 batiert, mithin für die Reattion schon von vornherein als ein Erfolg der Repolution höchst anrüchig. In den ersten Nachkriegsjahren fiel es niemand ein, sich gegen die Sonntagsruhe zu wenden, doch jetzt, wo man wieder Obermaffer zu haben glaubt, wird unter anderem auch die Sonntagsruhe wieder zu beseitigen| zu haben, in welcher Weise im Sinne der Bestrebungen der Liga versucht. verfaßte Artikel in die Presse gebracht werden können, ohne mit dem Comeit rein fachliche Gründe für die Kleingewerbetreiben den maßgebend fein könnten, eine längere Sonntagsarbeit zu fordern, müßten sie lediglich darauf zurückgeführt werden, daß jegt in der Zeit der Wirtschaftskrise das Berkaufsgeschäft vielfach nachgelassen hat. Daran würde jedoch auch die Wiedereinführung der Sonntagsarbeit nichts ändern, wer es den Konsumenten weit weniger an Zeit fehlt, ihre Bedürf nisse zu decken, als vielmehr an den nötigen Geldmitteln. Man mag die Dinge betrachten, wie man will, man tommt doch zu dem Schluß, daß von irgendeiner erfindlichen Veranlassung zu längerer Sonntagsarbeit die Rede nicht sein fann, sondern im Gegenteil die Zeit gekommen ist, um endlich die vollständige Sonntagsruhe durch zuführen. Wir wollen hier aus dem Kleingewerbe nur ein BeiSpiel herausgreifen: Im Friseurgewerbe, das an Sonn fagen immerhin noch einigermaßen in Anspruch genommen war, hat sich froh der Ausnahmebestimmungen von der Sonntagsruhe die vollständige Sonntagsruhe in Deutschland fast restlos durchgefegt, was nur geschehen konnte auf Antrag einer 3weidrittelmehrheit der beteiligten Geschäftsinhaber, deren Verbände seit Jahren vergeblich die reichsgefeßliche Durchführung der Sonntagsruhe für ihr Gewerbe gefordert hotten. Es handelt sich also, wie gesagt, bei all den Bestrebungen auf Wiedereinführung oder Verlängerung der Sonntagsarbeit wie bei den Bestrebungen gegen die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens um sozialpolitisch rein reattionäre Beweggründe, denen insbesondere hinsichtlich der Sonntagsruhe fein irgendwie sachlicher Grund beigemessen werden kann. Es ist Aufgabe der beteiligten Angestellten und Arbeiter, nicht minder aber Aufgabe unferer Bertreter in Reich, Staat und Gemeinde, die Anschläge auf die Sonntagsruhe mit aller Entschiedenheit zurüd zuweisen. Geßlers„ Geheim"-Schreiben. Der Reichswehrminifter denunziert persönlich einen Republikaner. Die dem Reichswehrminister Geßler unterstellten Behörden haben schon vielen Unfug angerichtet. Wir erinnern nur an das Wirten der Reichswehrgenerale Müller und Hasse in Sachsen und Thüringen, ihre tapfige Einmischung in alle Regierungsgeschäfte, die Massendenunziation sozialistischer Politifer, ihre planmäßige und planlose Heze gegen die Be amten, die zur Republik standen. Die Prozeffe gegen den Oberstaatsanwalt Asmus in Freiberg und die skandalösen Prozesse gegen Hermann, Loeb und Worch in Thüringen find ihr Wert. Bei alledem aber handelte es sich um Generale, um nachgeordnete Stellen", die im Porzellanladen der Politit herumwerkten. Jetzt aber wird ein persönlich zu verantwortender Streich des Reichswehrministers Geßler bekannt, der sich denen eines Müller und eines Hasse würdig an die Seite stellt. Der ,, Leipziger Boltszeitung" flog diefes ,, Geheim" schreiben auf den Tisch: Der Reichswehrminister( Heer) Nr. 845/525 A. S. IIIa. ..Geheim". Berlin. Berlin W 10, den 11. Juni 1925. Königin Augusta- Straße 38/42. An das Preußische Justizministerium Es ist hier bekannt geworden, daß in der am 6. Mai 1925 im ehemaligen Herrenhause stattgefundenen öffentlichen Bersammlung der Deutschen Liga für Menschenrechte" u. a. auch der Senats. präsident am Kammergericht Freymuth als Rebner aufgetreten ist. Seine Ausführungen sollen sich mit der juristischen Auslegung des Begriffes Landesverrat befaßt haben und scheinen in mehr oder weniger versteckter Form Fingerzeige enthalten Oslo. -Dort, wo zwischen Fjord und gegen den Himmel buckelnden Bergen Talstreifen widerwillige Furchen wie die Täler zwischen Muskeln und Knorpeln einer ausgearbeiteten Hand fich ftreden, fich streden, liegt die Hauptstadt des Landes. Wenn aber der Abend Himmel und Berge und Fjord in gleichmäßiges Schwarz getaucht, ist dort, wo man die Hauptstadt ahnt, nichts als ein Meer flimmernder Pünktchen. Ein Gewimmel unzähliger Lichter liegt irgendwo da unten für den, der vom granitnen Hochufer der Bergbuckel burch die schwarzen Tannenpyramiden hindurch ein Bild in dem Dunfel der Nacht sucht. Ein See ist es mit drei, vier schmaler und schmaler werdenden Ausläufern, ein See von Licht. Ein Märchensee, eine Märchenwelt. Der Weg von dem Tal hinauf zu der dünnen Luft der Berggipfel macht die Lichter unruhig. atemlos. Sie beben und zittern und fladern wie Kerzenstümpfchen, sie scheinen unendlich fern wie Sterne. Sterne, die die Welt bedeuten, die Menschen, das Leben auf die die dunklen hohen Tannen, die breitschulterigen Berge still und fremd hinunterschauen. Ründer sind die Lichter, Sänger find fie, die fladernden Erzähler in der Tiefe. Singen die Melodien der Menschheit, erzählen die Märchen der Menschenwelt Jenes Märchen von stürzenden Waffern über granitne Felfen und jenes andere von fuchenden, rechnenden Menschenhirnen. Jenes Märchen von Dynamitſchüssen, die in die Felsen biffen, von Zement und Quadern, die haushoch sich fügten, bis sie die Waffer fingen, zwangen. Sie fingen, die Lichter, von eifengelentigen Tieren in hohen Hallen, die die Wasser fraßen und verdauten zu Licht und Kraft. Sie malen, die Lichter, Märchenbilder der Arbeit, fingen, das Hohelied der Arbeit, zeichnen mit flimmernden, warmen Strichen ihn, den Gelehrten in der Studierstube, dem der erste armfelig fleine springende elektrische Funte aus der Experimentier maschine heiliger Sieg war. Und den andern, den Ingenieur, dem Wasser und Felsen zu Zahlen wurden, der mit Arbeiterheeren in die Wildnis zog wo bisher des Stätners Ziegen farges Gras gerupft und Waffer und Felfen einspannte in den Dienst des Menschen. Und sie zeichnen den dritten, den Mann in blauer Bluse, der an den Maschinenhallen am sausenden Wasser mit Deltanne und Bifchzeug die Mammutmaschinen pflegt, die Manometer bewacht und Tausenden von Pferdekräften ihre Arbeit weift. Märchen! Märchen der flimmernden Lichter, Märchen des zwanzigsten Jahrhunderts. -O Bie ein Pfeil, abgeschossen im Tal der Lichter, flößt der elektrische Wagen auf den Berg hinauf. Hält oben, zwischen den fchwarzen Tannen ein glänzendes Tier. Tier der Wunderwell des zwanzigsten Jahrhunderts, strahlend aus drei gleißenden Augen, brummend lebend im Bulsschlag der Elektromotore. Völkische warten auf Anklage. Sache weiterzugeben. § 92 des RStrGB. oder dem Gesez vom 3. Juni 1914 über den Der Reichsanwalt braucht mehr als drei Jahre, um die Berrat militärischer Geheimnisse in Konflitt zu tommen. Nur in diesem Sinne fonnten seine Ausführungen ausgelegt werden, wenn er das unter Ausschluß der Deffentlichkeit ergangene Urteil des Reichsgerichts vom 13. Dezember 1923 gegen Heinrich Bandt ausdrücklich in der angeblich im Reichstag von anderer Seite verlesenen Form bekanntgab und dabei bemerkte, sich hier durch nicht strafbar zu machen. Sofern dieser Eindruck zutrifft, hätte Senatspräsident Freymuth in schärffter Form den Intereffen der Landesverteidigung und damit des Reichs zuwidergehandelt, indem er den Kampf der Staatsautorität gegen den Landesverrat erschwerte. Ich halte mich für verpflichtet, die Aufmerksamkeit des Justiz ministers auf diesen Borfall zu lenken, einerseits, weil durch diese Betätigung des Senatspräsidenten Freymuth die mir anvertrauten Landesverteidigungsinteressen schweren Sch a ben nehmen müssen, andernfalls ich mir nicht vorstellen tann, daß durch das Berhalten eines jo hohen Richters das Ansehen des deutschen Richters und das Vertrauen zu diesem Stande in weitesten Schichten des Volkes nicht start beeinträchtigt werden könnte. ( gez-) Geßler. Dem Demokraten Geßler scheint der Demokrat Geßier( Gein aldeď und sein Prozeß vollkommen unbekannt geblieben zu sein. Balded war auch ein hoher preußtscher Richter Rat am Geheimen Obertribunal und er wurde auch befpizelt und überwacht, man machte ihm auch einen Prozeß wegen angeblichen Hochverrats. Aber der ihn denunzierte, war fein Demokrat, sondern die Fälscherbande der damaligen Kreuz3eitung"! Und der Staatsanwalt, der die Anflage zu vertreten hatte, erklärte schließlich das Ganze für ein Bubenstüd, erdacht, einen Mann zu verderben!" Der Senatspräsident am Kammergericht, Genosse Fren muth, ist Republikaner. Geßler angeblich auch. Der Republikaner Freymuth wirkt dafür, daß die Berfassung innegehalten und das Land nicht durch reaktionäre ,, Bünde" und ihre Unterstützung durch Reichswehrstellen in außenpolitische Gefahren fomme. Der demokratische Reichswehrminister aber veranlaßt gegen Republitaner Landesverratsprozesse", weil angebliche Geheimnisse der Reichswehr verraten würden, wenn man auf die Fe memord und ähnliche Organi fationen der Kriegsheher hinweist. Der demokratische Reichswehrminister Geßler hat Freymuth denunziert, weil er von seinem verfassungsmäßigen Recht freier Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat. Die Denunziation gegen den hohen preußischen Richter bei dem Justizminister gewinnt aber noch eine besondere Note, wenn man sich erinnert, daß das standalöse Reichsgerichtsurteil gegen Heinrich Wandt inzwischen durch den Reichspräsidenten Hindenburg mittels eines Gnadenaftes außer Wirtsamteit gesetzt wurde. Freymuth, der im politischen Kampfe auf der Seite der Friedensfreunde stand, hat manche Angriffe ertragen. Schließlich aber hat er zu Anfang dieses Jahres feinen Abschied als Richter genommen, weil seine Gefundheit gelitten hatte. Er hatte die Altersgrenze für Richter noch bei weitem nicht erreicht. Geßler aber fam dadurch ans Ziel: Der Republikaner verschwand aus dem Richterfollegium des Kammergerichts. Und Geßler bleibt... Rückständige Bölferbundsbeiträge. Chamberlain erklärte gestern auf eine Anfrage im Unterhaus, daß sich die unbezahlten Beiträge beliefen. Die Länder, die für diese Rückstände verantwortlich feien, für den Bölkerbund am 31. August 1925 auf 5 771 000 Geldfranken wären Columbien, China, Guatemala, Honduras, Liberia, Nicara gua, Paraguay, Peru, Rumänien und Salvador. Hinab geht's wieder. Tannendickicht vermummt die Aussicht, einsame Lichter tauchen auf, als wären es Weihnachtsferzen irgend wo im Tannenwald. Die Motore fummen 500 Meter, 400, 300 -Hamburg, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) In der Hamburger Bürgerschaft tam am Mittwoch abend eine Anfrage an den Senat zur Besprechung über die Strafverfolgung Don rechtsradikalen Sprengstoffattentätern. Im Jahre 1922(!) waren furz hintereinander sechs Attentate auf das Gebäude der Kommunistischen„ Hamburger Volkszeitung“, auf das Revolutionsdenkmal in Ohlsdorf, auf die Buchhandlung der Freideutschen Jugend" und auf die Wohnung des fommunistischen Abgeordneten Thälmann von rechtsstehenden Bersonen ausgeführt worden. Obwohl die Täter ermittelt und fest= genommen wurden, ist bis heute eine Aburteilung noch nicht erfolgt. Aus der Antwort des Senats geht hervor, daß die Akten über die Strafsachen bereits im Juni 1922 dem Oberreichsanwalt zugeleitet worden sind, der auch die Voruntersuchung gegen mehrere Personen einleitete. Die Boruntersuchung hat sich über drei Jahre bis zum 25. Auguff 1925 hingezogen, angeblich, weil die Fertigstellung des Sachverständigengutachtens über die Frage, ob die verwendeten Sprengstoffmittel unter§ 5 des Sprengstoffgesetzes fallen, außerordentlich lange Zeit in Anspruch genommen hatte. Der Staatsgerichtshof hat dann die Sache an die Staatsanwaltschaft in Hamburg zurüdverwiesen, die erst Ende Januar 1926 die Alten erhielt und die Anklageschrift darauf sofort fertiggestellt hat. Der Justiz senator erklärte namens des Senats, daß diefer den Lauf der Dinge außerordentlich bedauere, der Senat müsse aber jede Berantwortung ab lehnen, weil die Sache nicht zur Zuständigkeit Hamburgs, sondern des Reichsanwalts und Staatsgerichtshofs gehört hätte. Die Reichsanwaltschaft hat mit außerordentlicher Geschwindigkeit fämtliche Kommunisten prozesse bearbeiten fönnen. Der Jürgens und andere haben ihr dabei geholfen. Die Burschen aus dem völkischen Lager aber fanden bei den Reichsanwälten fo völlige Untenntnis, daß sie jetzt bald vier Jahre auf ihre Antlage warten müssen. Hat denn Herr Ebermayer in seiner Behörde gar feinen Einfluß mehr oder will er ihn nicht haben? Neue Hausse an der Börse. Die Auslaffungen des' amerikanischen Präsidenten in der Freis gabeangelegenheit und der Rückgang der Arbeitslosenziffer bewirkten an der heutigen Börse einen ziemlich radikalen Umschwung, zumal auch das Ausland, insbesondere Amsterdam, nicht unwesentliche Räufe in den Hauptmontanattien und FarbFarbwerten nach Berlin gelegt hatte. Auch die Spekulation entschloß fich zu nennenswerten Rüdfäufen, ebenso betätigte sich die Hamburger Arbitrage weiter faufend. Das Geschäft war zeitweise recht lebhaft. Montanattien waren bis zu 4 Prozent und mehr gebeffert, mit Ausnahme von schlesischem 3int. Auch Kaliaktien erholten sich. Besonders fest chemische Bapiere, an der Spizze Henden und Farben. Von Elektroaftien hatten Acus und Geszurel die Führung. Von den sonstigen Industrieattien befferten fich bei einem Durchschnittsgewinn von etwa 3 Brozent besonders die Freigabemerte, Drenstein und Stöhr, auch Schiffahrtsaftien nach ihren gestrigen Abschwächungen erhöht, namentlich Hapag und Lloyd, teilungen bes Besti Raplo" über die Geschäfte der Staats. Wuhlhofer und die Staafsfireichler. Wir gaben fürzlich Mitstreichler wieder, wobei von der Gründung der Oftra A.-G." und ihren Bich- und Korngesellschaften die Rede mar. Dabei hieß es u. a., daß Mitglieder des Aufsichtsrates der Ostra A.-G. im Jahre 1922 mit dem damaligen bayerischen Aderbauminister Buzl hofer ein Ablommen über Gewinnbeteiligung geschlossen hatten". Herr Buhlhofer teilt uns nun mit, daß von ihm nie ein derartiges Wir nehmen Abkommen mit der Oftra A.-G. getroffen wurde. unter deutlicher Quellenbezeichnung dem Besti Naplo" entnommen. von dieser Mitteilung Kenntnis. Indessen sind unsere Angaben Für die Richtigkeit der Angaben dieses Blattes muß es selbst die Berantwortung übernehmen. Rudolf Leonhard- Abend. Im Rittersaal der Krolloper las am Mittwoch abend für die Boltsbühne der Dichter des Dramas Segel am Horizont", Rudolf Leonhard, aus einem Geschichtenzytlus. Die erste Hälfte feines Vertrags litt sehr darunter, daß der Autor Eine Bendung. Die Tannen weichen, die Lichter leuchten zu schnell las und sich so selber um eine starte Wirkung brachte. Die Hinrichtung Dantons" und die Legende des Agitators" hätten ſonſt näher, härter. Märchenwelt wird Wirklichkeit, Bunder wird Allnäher, härter. Märchenwelt wird Wirklichkeit, Wunder wird sicher einen tieferen Eindruck hervorgerufen. In der zweiten Hälfte tag. Was eine glizernde Schlange war, dort drüben auf dem Berg hatte er sich beffer eingelesen und so hatte er auch für die drei legten rücken, wird mühselig bergauffriechender, rafselnder Eisenbahnzug Geschichten ein starkes Mitschwingen der Zuhörer. Leonhards Sprache mit müden Menschen, Sterne werden zu passagierhungrigen Augen ist außerordentlich klar im Ausdrud. Er sieht trotz aller mitschwinarbeitsloser Tagaautos, das Lichttarree dort wird zu schlecht genden Bhantafie mit Sezierungen in die Welt, und zerlegt und fonverhüllten Fenstern eines Mietfasernenwürfels. Lichtbuchstaben ftruiert fie wieder zusammen. Seine Theaterlegende und Don Juans schreien Reflame, Konkurrenzkampf Schaufenster locken Raufgeschichte vom leeren 3immer war im ersten Teil in den Bann Himmelfahrt legen dafür ein startes Zeugnis ab. Die Gespensterfräftige, Scheinwerfer suchen nach Vergnügungsluftigen irgendwie eine Zusammengehörigkeit, fie erscheinen wie ein trystalli diehend, aber ihr Ende war zu ausgeflügelt. Alle Geschichten hatten fierter Niederschlag mitgefühlter und mitgelebter, und vor allem mefferscharf mitdurchdachter Zeitprobleme, in die sich der Dichter als tausendfacher Held hineinverseßt. B. Sch. Hinab ins Tal, hinab in die Wirklichkeit. Märchenperlen, die zerrinnen, zerfallen in rohes, totes Material, Kapital und Lohn, Rentabilität und Bilanzen. Zwanzigstes Jahrhundert Jahrhundert der Arbeit. P. H. 5. Ein pflanzengeographisches Rätsel. In allen Anlagen flammen zurzeit die gelbblühenden Büsche der Gold weibe( Forsythia). Der deutsche Boltsname bezieht sich auf die Farbe der Blüten und aber nicht die verwandtschaftliche Stellung der Pflanze, die vielmehr die Form der Blätter, die erst nach der Blüte erscheinen, bezeichnet mit unserem Flieder in eine Familie gehört. Die Goldmeiden find in Oftafien zu Hause, Groß war die Ueberraschung in botanischen Kreisen, als in den Ballangebirgen von einem deutschen Botaniker, den der Weltkrieg dorthin verschlagen hatte, eine neue Art dieser Gattung entdeckt wurde. War es an sich schon sehr bemerkenswert, einen für ganz Europa neuen Strauch aufzufinden, so fam hier noch das pflanzengeographische Rätsel hinzu. Eine ungeheure Strede fischen Berwandten, aber niemand vermag zu sagen, welche Urtrennt die europäische Goldmeide von ihren japanischen und chinefachen die Glieder einer Familie, die früher einmal aus einander hervorgegangen sein müssen, jo meit zerstreut hat. Die Gefeße, welche die Berbreitung der Pflanzen auf der Erdoberfläche fennzeichnen, werden von der Wissenschaft der Pflanzen geographie in immer höherem Grade erforscht. Zu dem unerforschten Rest gehören zahlreiche Rätsel der angedeuteten Art. Aber wie in allen Wissenschaften, so sind es auch hier die ungelöften Fragen, die den größten Reiz ausüben. zeigt, daß wir noch immer nicht einmal die Flora des fleinen Eu Die Auffindung einer Goldweide im Ballan hat, nebenbei geropa vollständig fennen. Aber gerade in jenem Gebiete hat es der Botanifer schwerer als in manchen viel entlegeneren Ländern. Eine große Gefahr bilden unter anderem die Schäferhunde. Go wurde im Vorjahr ein bulgarischer Botanifer von solchen Zieren zerrissen. 2. sprünglich festgelegt war, in Magdeburg, sondern wegen der BerDer Boltsbühnenfongreß wird in diesem Jahre nicht, wie ur schiebung der Magdeburger Theaterausstellung in einer anderen Stadt abgehalten werden. Der Tagungsort wird noch bestimmt, die Tagungszeit( 23. bis 27. Juni) bleibt bestehen. Berschandelung von Florenz. Im faschistischen Italien regen fich alle möglichen Pläne zu Verbesserungen", die manchmal leider Ber böferungen find. So haben auch die italienischen Städte ein wahres Ausdehnungs- und Umbaufieber. Ueberall will man alte HäuserBerkehrsmittel einführen ufw. Das mag bei großen Städten und piertel abtragen, neue Bauten und Denkmäler errichten, moderne wichtigen Handelsmittelpunkten, wie Rom, Mailand und Genua feine Berechtigung haben, aber in Städten, die sich weniger schnell entwideln, sieht man die Notwendigkeit nicht ein. Unter diesen neuen Projekten flingt besonders bedrohlich der Plan, in Florenz einen architektonischen Mittelpunkt" zu schaffen. Jeder Freund der Blumenstadt am Arno, der die wundervolle Einheit dieser einzigartigen Stadtanlage liebt, wird von einem Schauder ergriffen wer rühmte Baptifterium von San Giovanni niederzulegen und hier den, wenn er erfährt, daß man beabsichtigt, die Häuser um das beeinen„ monumentalen Play" zu schaffen, der durch einen pompösen Säulengang eingefaßt werden soll. Die beiden Ausgänge diejes Plazzes sollen auf der einen Seite auf den Medici- Palast und auf der anderen nach der Front von Son Lorenzo münden. Ob dieje Bauten Michelezzos und Brunelleschis durch diese Freilegung ge winnen werden, ist sehr zweifelhaft. Sicherlich, aber wird das Säulenbau gebriidt werden. Für diesen wahrhaft„ tempelschänWunderwerk des Baptifteriums von einem solchen modernen derischen Blan treten gewiffe Florentiner Unternehmerfreise ein und unterstüßen den von dem Architekten Coppede ausgearbeiteten Entwurf. Refi Longer wiederholt ihre Ebansonrevue am 18., 19., 22, 24, 26 und 30. April, 8 Uhr, im Grotrian- Steinweg- Saal, Bellevueftr. 14. Der Defterreichi'ch- Deutsche Volfsbund veranstaltet Freitag, 8 Uhr, int Ingenieurbaus, Friedrich- Gbert- Str. 27, einen Lichtbildervortrag bes Redakteurs Marts über Steiermari, Kärnten, Südtirol Trele fozlallfische hochschule Sonnabend, 7, 116r. fpricht( Senoffe Dr. Karl Renner, Wien, im Sizungssaal des ehemaligen Herrenbauies über das Thema: wärtigen Gefellschaft". Starten zum Preise von 50 Bf. in der Der geistige Arbeiter in der gegen. Buchhandlung I. H. W. Diez, Lindenstr. 2 und an der Abendkasse. „ Generalkrise" der KpD. Kampf bis zur Vernichtung. Die Linke im deutschen Kommunismus hat in ihren Streit fchriften die„ Generalfrije" der Partei proflamiert. Die" Rote Fahne" beschäftigt sich mit dieser Tatsache in einer Reihe von Artikeln, aus denen der Kern hier herausgehoben sei. Sie meint allerdings, es handle sich nicht um eine Generalfrise sondern um eine Gesundungskrise, bei der die radikalen Elemente aus der Partei hinausgeworfen werden müßten. Was sie dazu auszuführen hat, gibt von den Gruppenfämpfen in der Partei ein recht anschauliches Bild. Das fommunistische Zentralorgan wendet sich zunächst gegen die Korsch Schwarz- Gruppe, die der Komintern folgenden Vorwurf gemacht hatte: Hinter allem Gerebe... verbirgt sich in Wirklichkeit nur die Liquidierung der revolutionären Perspektive der Komintern, die Breisgabe der Vorbereitung und Organisierung revolutionärer Massenfämpfe für die ganze Epoche. Dagegen schreibt nun die Rote Fahne": Die fraktionelle, parteizerfetzende Tätigkeit der Gruppe Korsch Schwarz, die in engstem Verein mit dem Renegaten Kaz arbeitet, zwingt die Partei, ihr den Kampf bis zur restlosen Bernichtung anzufagen.... Diese Gruppe verbirgt ihren eigenen Unglauben an die revolutionäre Entwicklung hinter Angriffen gegen die Komintern. In einer Periode, in der die Kommunistische Partei sich anschickt, durch eine richtige Anwendung der Einheitsfronttattit die Grundlagen für siegreiche Rämpfe des deutschen Proletariats zu schaffen, in einer Zeit, die im kollektiven Bewußtsein der Partei als die Zeit der Borbereitung der zweiten Revolution gilt, fchicken fich einige fleinbürgerliche Elemente an, die Reihen der Kommunistischen Partei fluchtartig zu verfaffen. Wie alle Liquidatoren und Berräter hängt sich auch diese Gruppe auf ihrer Reise zur Bourgeoisie ein ideologisches" Mäntelchen um. Dies ist nichts neues. Die fommunistischen Arbeiter kennen diese Melodie. Sie werden ihre Komponiffen zum Teufel jagen. Korsch und seine Gruppe fämpfen gegen den Arbeiterstaat Sowjetrußland, fie fämpfen gegen die Politik der Komintern und gegen die Taktik der KPD., d. h. gegen alle Kräfte, die für eine revolutionäre Entwicklung arbeiten. Diefe Gruppe hat nichts zu tun mit dem Kommunismus, fie ift sein Feind und muß als folcher behandelt werden. Die von den Tatsachen erzwungene allmähliche Entwick lung der KPD. von den früheren putschistischen zu demokratischen und reformistischen Methoden ist erst türzlich in anderem Zusammenhang hier aufgezeigt worden. Die inneren Kämpfe in der Partei find mir die Kehrseite dieser Medaille. In einem neuesten Artikel preift die Rote Fahne" die Erfolge, die die gegenwärtige RPD.- Zentrale im Gegen jazz zu ihrer Vorgängerin errungen haben möchte. Das Selbstvertrauen der Parteianhänger sei gewaltig gestiegen. Selbstvertrauen der Parteianhänger sei gewaltig gestiegen. Und dies das beste: H T Dieses Selbstvertrauen wird auch dadurch gesteigert, daß die Führer der Sozialdemokratie jetzt nicht mit hoch näsig lächelnder Ber. achtung über die Agitation und Attion der KPD. hinwegschauen, mie das zur Zeit der Ruth Fischer Maslow 3entrale der Fall war. Im Gegenteil! Bereit zu einer schlaut verschagenen Bolemit, verfolgen sie heute mit gespannter Aufmerksamkeit jede politische Aeußerung unserer Partei. Mit Rücksicht auf die Stim mung der Arbeiterschaft find sie sogar gezwungen, ihrer gehäffigen Bolemit manchmal den Charafter fachlicher Aus einandersegungen zu geben. Die gegenwärtige KPD. Zentrale ist also ordentlich stolz darauf, daß wir gelegentlich auch fachlich mit ihr reben. Sie denkt:„ Es ist doch hübsch von einem großen Herrn, so menschlich mit dem Teufel felbft zu sprechen." Das Palais am Wilhelmplatz. Kein Kaufangebot an Amerika. In der Presse wird behauptet, daß Prinz Friedrich Leopold der amerikanischen Botschaft angeboten habe, das Palais am Wilhemplaß ihr zu vertaufen, um auf diese Weise der drohenben Enteignung zu entgehen. Das Palais ist der amerikanischen Botschaft unmittelbar benachbart und dient gegen wärtig der Presseabteilung der Reichsregierung als Dienstgebäude. Das Sechstage- Fiasko. Diefer großsportliche Rummel, der 16. seiner Art in Berlin, ist unter einigen geschäftlichen Schwierigkeiten zu Ende gegangen. Die Veranstalter waren nicht in der Lage das Defizit zu beden, das täglich weiter um sich griff und zu einer völligen Einstellung des ganzen Rennens zu führen drohte. Als die Attien am schlechtesten ftanden, sprang die Besitzerin der Kaiserdamm- Arena. die Deutsche Sporthallen- A.- G. ein, um das Letzte zu retten, was zu retten war. Die ursprünglichen Unternehmer hatten inzwischen das Weite gesucht. Bei der ganzen Angelegenheit sind also Mißstände in der Konzessionierung derartiger Unternehmen zutage getreten, die eine grundlegende Abhilfe dringlich erscheinen lassen. Zwei Leute, die in sportlichen Kreisen bestens unbekannt find, ein Gummiwarenhändler und ein Konditoreibefizer beschließen, sich auf irgend eine Weise zu fanieren. Sie verfallen auf den Gedanken, ein Sechstagerennen zu veranstalten, das ihre leeren Kassen von neuem füllen foll. Sie besorgen sich einiges Geld, werben eine Firma, die den kostspieligen Aufbau der Bahn übernimmt und an dem zu erwartenden Gewinn beteiligt wird. Man setzt sich ziemlich leicht über alle auftretenden Bedenken hinweg die fortgeschrittene Jahreszeit, die Rummelmüdigkeit und läßt sich von dem Verband Deutscher Radrennbahnen die Sache genehmigen".( Db wohl dieser Verband gleichzeitig auch das Rififo übernahm?) Die Veranstaltung beginnt, wie vorauszusehen, vor leerem Hause, und als einige Tage vergangen sind, erflären die Unternehmer plöglich, nicht mehr zu können. Sie verließen die Halle, nachdem sie beträchtliche Summen aus der Kaffe für sich" entnommen hatten und die Angelegenheit war für sie erledigt. Es foll hier nichts über den sportlichen Wert solcher Rennen überhaupt gesagt werden. Der ist wohl ziemlich gering und es bleibt schließlich nur als Plus festzustellen, daß einige Fahrer einiges Geld verdient haben. Es ist färglich genug und steht taum im Berhältnis zu der aufgewendeten Ueberanstrengung des Körpers. Benden muß man sich aber gegen die unverantwortliche Art, gegen den ungeheuren Beichtsinn, mit dem solche Riefenveranstaltungen unter den Augen der Aufsichtsbehörde inszeniert werden können. Die Fahrer waren nahe daran, in einen Streit zu treten, da die vereinbarten Sätze nicht mehr gezahlt wurden und eine ganze Anzahl Beteiligter, die Angestellten u. a. m. wurden überhaupt mur teilweise entlohnt. Ein Standal dieser Art darf sich in Berlin nicht noch einmal ereignen. Kadaver als Nahrungsmittel. Aus einer Fleischereipratis. = = Mit einer geradezu unglaublichen Affäre beschäftigt sich zurzeit die Berliner Kriminalpolizei. In den Geschäftsräumen des Fleischer meisters Edmund Hegel in der Warschauer Straße$ 3 wurden 65 Kilogramm Mettwurst, 53 Kilogramm Bötelrindfleisch und 105 Kilogramm Abfall und Auspußfleisch, 81 Kilogramm Blut wurst und 116 Kilogramm Schweinepotelfleisch in vollständig verdorbenem Zustand vorgefunden und befchlag nahmt. Das Fleisch wurde sogleich der städtischen Ka daveranstalt überwiesen, die die Bernichtung vornahm. In den Räumen der Fleischerei herrschte ein solch starter Berwefungsgeruh, daß das Betreten der Räume mit gesundheitlichen Gefahren verbunden ist. Auf Grund der Feststellungen der Beamten hat das Berliner Polizeipräsidium dem gewissenlosen Händler allen Gegenständen des täglichen Bedarfs megen Unzuverlässigkeit gemäß der Verordnung über Handelsbeschränkung den Handel mit untersagt. Es ist zu erwarten, daß gegen den Fleischer, der so standalös mit der Gesundheit seiner Mitmenschen umspringt, die Gelegenheit zu weiteren verbrecherischen Spekulationen entzogen und eine ftrenge Untersuchung eingeleitet wird. Solche Elemente diskreditieren das Handwerk aufs empfindlichste und find in hohem Grabe gemeingefährlich. Uebrigens ist bei der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Hegel Anzeige erstattet worden. Die Tante überfallen und beraubt. Ein Raubüberfall, der am vergangenen Sonntag verübt wurde, ist jetzt aufgeklärt worden. Die 76 Jahre alte Näherin Mathilde 3ander, die in der Kligstr. 3 in Schöneberg in Untermiete mohnt, wurde von dem Inhaber der Wohnung bewußtlos, auf dem Fuß boden liegend, aufgefunden. Die Nachforschungen der Kriminal polizei haben jezt folgendes ergeben: Wie Fräulein Zander jagt, erschien in ihrem Zimmer am Sonntag abend ihre 44 Jahre alte Nichte Helene Behling, die ebenfalls Näherin ist und in derselben Wohnung ein Zimmer abgemietet hat. Die Behling fei plöglich über sie hergefallen und habe sie mit einem harten Gegen stand über den Kopf geschlagen. Sie sei ohnmächtig niedergefallen Wie mir erfahren, ist die Behauptung von einem Verfaufs- und wisse nicht mehr, mas fich dann zugetragen habe. Auf diese angebot schon deswegen falsch, weil das Palais Eigentum des Aussage hin wurde Helene Behling festgenommen und gab nady preußischen Staates ist und von ihm an das Reich verlängerem Leugnen den Ueberfall auf die Tante zu. Wie sie bemietet wurde. Friedrich Leopold hat teinerlei Eigen- hauptet, hat fie fich in wirtschaftlicher Notlage befunden und am tumsrechte baran und kann es daher auch nicht zum Verkauf Sonntagabend die Tante um eine Unterſtügung gebeten. Als ihr diese verweigert wurde, ergriff sie eine Bürste, schlug das alte Fräulein damit auf den Kopf und raubte dann 450 Mart bares Beld, die fich Fräulein Sander erspart hatte. anbieten. Der Konflikt in Sachsen. Weitere Ausschlüffe. 3widau, 15. April.( Eigener Drahtbericht). Der Bezirksvorstand im Bezirk 3 widau Blauen beschloß am Mittwoch einstimmig, die Abgeordneten Schnirch und Schurig wegen ihres Verhaltens im Landtag aus der Partei auszuschließen. Damit sind fämt Liche 23 Abgeordneten der Fraktionsmehrheit von den sächsischen Bezirksorganisationen aus der Partei ausgeschlossen. Da jeder von ihnen wahrscheinlich gegen den Ausschluß Einspruch erheben wird, werden die im Organisationsstatut vorgesehenen Schiedsgerichte eingesetzt werden müssen. Der Müggelsee als Wafferflughafen für Berlin. Der Magiftrat beschäftigte sich in seiner gestrigen Sigung mil einer von der Flughafengesellschaft ausgegangenen Anregung, für Berlin auch einen Wasserflughafen zu schaffen, da nach den Erfahrungen des vorjährigen Luftverkehrs mit einem starken Ausbau zu rechnen sei. Der Magistrat schloß fich dieser Auffassung an und fam zu dem Beschluß, den Müggelsee als einzige hierfür geeignete Wasserfläche in nächster Nähe Berlins zum Wasserflughafen aus auerfehen, da weber der Tegeler noch der Wannsee mit ihrem starken 3wed will die Stadt die Albatroswerft in Friedrichshagen erwerben, auf deren Gelände die notwendigen Anlagen für Unterbringung der Wasserflugzeuge entstehen sollen. Gesundheitsfürsorge unserer Zeit. Der Feme- Ausschuß. Sollen die Zeugen vereidigt werden? Zu Beginn der heutigen nichtöffentlichen Sitzung des Feme. ausschusses des Breußischen Landtages legte der Berichterstatter, Abg. Ruttner. den Entwurf für eine Feststellung im Falle Meyer- Behrens vor. Ehe der Ausschuß dazu Stellung nahm, erörterte man, ob und welche Zeugen bereidigt werden sollen. Einige Redner traten für grundsägliche Nichtvereidigung ein, da die Aussagen stenographisch protokolliert feien; andere waren für vorwährend Landesrat Dr. Brunn über Die Berliner Beranstaltun läufige Nichtvereidigung. Für sofortige Bereidigung sämtlicher Beugen plädierte nur der fommunistische Vertreter. Das Mellon- Bolpl- Abfommen. Der amerikanische Senat hat fich bereit ertlärt, am 21. d. M. das Schulden abfommen mit Stalien zu erledigen. Kein Senator wird länger als 30 Minuten fprechen. Waffenstillstand in Marotto. Abd el trim hat seinen Truppen den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten gegeben. Man rechnet damit, daß bis Ende dieser Woche der Baffenstiüstand tatsächlich durchgeführt sein werde. Die Vollstreckung der Todesurteile gegen die Meuterer von Saloniti ist von Bangalos ausgefeßt worden. Der Difiator erklärt, sein auf dem Vertrauen des Boltes beruhendes neues Amt nicht rit der Unterzeichnung eines Todesurteils beginnen zu wollen. Berlins hatte am Mittwoch abend zu einer Pressebesprechung über Die Arbeitsgemeinschaft der Reichsversicherungsträger Großdie Reichsgesundheitswoche in den Sigungsfaal der Nordöstlichen die Reichsgesundheitswoche in den Sigungssaal der Nordöstlichen Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft, Gartenstr. 16/17, eingeladen. Der Direktor der Arbeitsgemeinschaft, Albert Kohn, sprach über das Thema„ Gesundheitsfürsorge unserer Zeit, gen der Reichsgesundheitswoche und die Bersicherungsträger" refe rierte. Die furzen informierenden Vorträge gaben im wesentlichen einen Auszug aus dem vielseitigen und instruttiven Programm der Reichsgesundheitswoche.( 68 öffentliche Borträge, 10 pädagogisch. hygienische Filme, 5 Spezialvorträge für Frauen: Krebstrantheiten, sowie 50 Borträge in Groß- Berliner Gewerbebetrieben.) zur Er. öffnung der Reichsgesundheitsmoche, die am Sonntag vormittag in innenministers Dr. Külz, des Ministerialdirektors Dr. Hamel, Bro. der Aula der Universität mit Ansprachen unter anderem des Reichsfelfors Dr. Abam, Oberbürgermeisters Böß, Ministerialdirektors Dr. Dietrich, Stadtmedizinalrats Professors Dr v. Drigalsti vor sich geht, ist ein Aufmarsch der Turn- und Sportverbände im Luftgarten sowie im Friedrichshain vorgesehen. Direttor Kohn betonte, daß es vor allen Dingen darauf ankomme, durch die Reichsgesundheitswoche zu einer Popularisierung der Thesen moderner Hygiene zu ge zu einer Popularifierung der Thefen modderner Hygiene au ge fangen. Landesrat Dr. Brunn ging auch auf die sportliche Unter ftügung der hygienischen Bestrebungen ein und betonte mit Recht, daß es hierbei nicht auf Höchstleistungen, sondern auf die Zahl der fyftematisch und vernünftig sporttreibenden Bersonen antomme. einzelnen.( Tubertuzalebetämpfung, Geschlechtskrankheiten, WöchneDer Redner behandelte das Programm der Gesundheitswoche im rinnen- und Schwangerenfürsorge, Schuß gegen Betriebsunfälle, Betriebshygiene u. a.) Professor Heinrich, der Vertreter der Sportver bände, betonte die Notwendigkeit, vor allem vorbeugend zu wirfen. Weiter stellt er die Forderung auf, für neue Spielplätze, Schwimm- und Turnhallen in Berlin Sorge zu tragen. VielRein unübersteigbares Hindernis"? In Nr. 77 berichteten wir, daß einem jungen Mädchen, als es Diafonisse werden wollte und sich beim LazarusKranten und Diafonissenhaus meldete, die Beibringung eines ven einem Pfarrer auszustellenden Leumundszeugnisses auf gegeben wurde. Pfarrer Wielandt von der Luthergemeinde schrieb für die Bewerberin ein sie sehr empfehlendes Beugnis über ihre Eignung zur Krantenpflege, fügte aber hinzu: Wie ich höre, ist sie unehelicher Geburt. leicht ist das freilich ein unübersteigbares in= bernis." Hierzu wird uns jetzt vom Vorstand des LazarusKranken- und Diatoniffenhauses mitgeteilt:„ Es ist noch nie jemand in unserem Hause um seiner unehelichen Geburt willen von der Aufnahme als Schwefter ausgeschlossen worden. In den erwähnten Falle hat fich die Aufnahme tatsächlich nur aus Playmangel verzögert, ist aber inzwischen erfolgt. Die Bermu tung des Schreibers, die uneheliche Geburt sei ein unübersteigbares Hindernis, ist also irrig. Alle an diese Vermutung gefnüpften frififchen Bemerkungen entbehren demnach jeder Grundlage." Daß inzwischen, nach Veröffentlichung des Vorwärts"-Artikels, die Aufnahme erfolgt ist, begrüßen wir als eine erfreuliche Lösung. Aber nicht wir haben vermutet, die uneheliche Geburt sei ein unübersteigbares Hindernis, sondern der Pfarrer hat diese Bermutung geäußert und in dem Zeugnis niedergelegt. Wenn in dem Lazarus. lichen Geburt willen von der Aufnahme als Schwester ausgeschloffent Kranken- und Diakonissenhaus noch nie jemand um seiner unehe morden ist", versteht man noch weniger, warum der Pfarrer etwas Derartiges für möglich hielt. Wie ist denn der Wortlaut der Bestimmungen über die Aufnahme zur Ausbildung als Diafonisse? Der Anstaltsvorstand schreibt uns, daß er zugleich im Namen des Pfarrers um Bekanntgabe der Richtigstellung bittet. Ein sonderbarer Einfall, daß Herr Pfarrer W. eine Richtigstellung seiner eigenen Vermutung vom Vorwärts" fordern zu dürfen glaubt! Von unseren Bemerkungen über den Zeugnishinweis auf bas unübersteigbare Hindernis", das der Pfarrer befürchtete, haben wir nichts zurückzunehmen. Nene Kohlenpreise. Wie alljährlich, find auch in diesem Jahre vom 8. April ab für Kahlen die niedrigeren Sommerpreise festgelegt worden. Sie gelten bis Auguft. Die wichtigsten Hausbrandjorten haben folgende Breife( pro Zeniner): Britetts, Salonformat, gepact, ab Lager 1,43 M., frei Steller und Erdgeschoß 1.55 M., geschüttet 1,41 m. baw. 1,53 m. Halbsteine 1,38 m. bzw. 1,50 m. Gastots 2,07 m. refp. 2,22 M. Steintohlen, oberschlesische, 2,03 bzw. 2,18 M. Grudelofs 1,79 resp. 1,94. Nach höheren Stockwerken wird pro Zentner und Stockwerf ein Tragelohn von 4 Pf. erhoben. Mengen unter einem Zentner werden ab Lager wie folgt berechnet: Britetts, Salonformat, ein halber Zentner 75 Bi.. Halbsteine 70 Pf., ein Viertel Zentner 38, 63w. 35 Pf., 10 Pfund 15 Pfennig. gerichts Lichterfelde, bie Weiterführung des Brozesses gegen FreiDer Lützow- Prozeß in Frage gestellt. Der Bersuch des Schöffen herrn v. Lügow dadurch zu sichern, daß bis zur Wiedergenefung des Erkrankten jeden Mittwoch und Sonnabend eine turze Gerichtsfizung am Krantenbett in der Villa in Nikolasfee abgehalten wurde, scheint mun doch vergeblich gewefen zu sein. Nach einem Gutachten von Med.- Rat Dr. Störmer muß die weitere Berhandlungsfähigkeit des Dr. v. Lüßow start bezweifelt werden. und das Gericht wird vor der verantwortungsvollen Entscheidung stehen, ob es trotzdem das Erperiment, am Krantenbett eines Fieberkranken zu verhandeln, durchführen darf. Zur Ausstellung der Bildhauer. Genosse Dupont von der 3entraltommission der Bildhauer bittet uns, mitzuteilen: Bei der Eröffnungslundgebung am letzten Sonnabend habe ich als Bertreter der Gehilfenschaft nicht ausgeführt, daß ein Mangel an tüchtigen Gehilfen vorhanden ist. Ich wies darauf hin, daß eines der Hauptübel im Berufe der enorme Zuwachs an Kleinmeistern während der Inflationszeit ist. Und in der Mehrzahl seien es nicht die Tüchtigsten, die Meister geworden sind. Die tüchtigen Gehilfen sind heute genau jo ohne jebe Arbeitsmöglichkeit, wie alle übrigen der zirka 55 Prozent arbeitsiofen Kollegen. Und die Deffentlichkeit auch auf diesem Uebelstand aufmerksam zu machen, war ja der Zweck dieser Kundgebung." Unter den Rädern des Autobuffes. Ein aufregender Borfall spielte sich gestern nacht an der Kreuzung 5) aupt- und Borbera straße in Schöneberg ab. Ein Autobus der Linie 5 nahte in voller Fahrt heran, als plößlich vom Bürgersteig eine Person herunterlief und sich in selbstmörderischer Absicht vor den Autobus warf. Es gelang dem Führer nicht mehr, feinen Wagen rechtzeitig zum Halten zu bringen, so daß die Räder über den Unglücklichen himveggingen. Man schaffte ihn nach der Rettungsstelle Vorberaftraße, wo der Arzt aber nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen fonnte. Es handelt sich um den 25jährigen Arbeiter Grund zu der Tat ist noch unbekannt. Alfred Weidig aus der Herbertstraße 1 in Schöneberg. Der Der Wiener Lehrer-- cappella- Chor ist heute vormittag 8,52 Uhr Dom Lehrter Bahnhof nach Bremen weitergereist. Zum Abschied hatten sich zahlreiche Berliner Freunde eingefunden. Beiram- Jest. In Wünsdorf draußen steht die Moschee, die ficher am Lage des Beiram- Festes eine große Schar von IslamBekennern say, die in Berlin ihren Studien und Geschäften nachgehen. Aber abseits von dieser Menge versammelte sich eine fleine Schar im Schloß Wannsee zu dieser Feier. Im Winkel einer Holzbarade, angesichts von Plataten, die das beste Bier anzeigen, fnieten diese taum zwei Dutzend junger Menschen auf einem Gebetsteppich, der ihnen die heimatliche Moschee erseht, die Häupter meist turbanumwunden, aber sonst in europäischer Kleidung, und fprachen ihre Gebete in ihrer seltsam fingenden Beise. Dann redete einer von ihnen mit fanatischer Miene zu den deutschen Gästen, gebrochen und eindringlich vom Ethos ihrer Religion, das vom Untergange bedroht sei und das sie retten wollten. Bielleicht sehen Sie das nächste Mal noch weniger hier versammelt, aber die Idee. unfere Idee, wird nicht untergehen." 91 Ein langweiliger Rundfunkabend. Es scheint, daß es dem Berliner Rundfunt manchmal sehr schwer fällt, aus seinen Fehlern zu lernen. Die Abendstunden von halb neun bis zehn, die mit Recht der Unterhaltung gewidmet sind, verwendet er immer wieder zu anderem, ohne sich allerdings darüber klar zu sein, daß das feine Unterhaltung ist. So bot gestern abend Christian Weifes Schulfomödie Tobias und die Schwalbe" höchstens literarhistorisch interessierten Hörern ein leises Bergnügen, die daran vergleichen fonnten den Hochstand der in etwas früherer Zeit entbreiviertel Jahrhundert zurückliegenden Schöpfungen eines Calderon standenen Moliereschen Komödien und ber jogar ein halbes bis und Shakespeare. Aber selbst diese Funkteilnehmer hätten sich wohl gern am Lesen der hölzernen und ungeschickten Späße begnügen laffen und sicher weber verlangt, daß man für eine so belanaloje Angelegenheit eine große Schar von Sprechern vor den Rundfunk zitierte, noch daß Mar Bauer sich der fruchtlofen Arbeit unter zog, das Wert für diese Rundfunkdarbietung zu bearbeiten. Gewerkschaftsbewegung Kommunisten und Rationalisierung. Branchetätigteit 86 Pf.; unter 20 Jahre im ersten Jahre der Branche tätigteit 78 Pf.; Arbeiter nach dreijähriger Branchetätigkeit 89 f.; Arbeiter nach einjähriger Branchetätigteit 86 Bf.; ungelernte Arbeiter 78 Bf.; Frauen 56 Pf. Diefes Abkommen fann erstmalig am 1. Juli mit achttägiger Frist gefündigt werden. Bauunternehmer zeigt aber auch, baß bie Banarbeiteri@ aft| Jahre ber Brandhetätigkeit 89; unter 20 Jahre nach einjähriger mehr denn je eine einheitlich geschlossene Front notwendig hat Diefe Splitterorganisation, wie sie Raijer in Berlin meiter aufrecht erhält, hat nicht nur feine Daseinsberechtigung, sondern ist eine Gefahr für die Berliner Bauarbeiterschaft, die bekämpft werden muß. Auch die anderen Berliner Organisationen, wie der Ber. Der ADGB. fann es den Kommunisten erst dann recht machen, band der Akkordmaurer und der Berein der Attorb. wenn er sich von ihnen erobern" läßt, wozu er jedoch weder Neift einträger haben durch ihre gute Zusammenarbeit mit dem gung nech Anlaß hat. Solange es aber den Kommunisten nicht ge- Baugewertsbund bei den in legter Zeit geführten Verhandlungen Tagung der Bergarbeiter- Internationale. lungen ist, den DGB. zu erobern", solange erklären fie alles, was bewiesen, daß es für sie an der Zeit ist, sich mit dem BaugewerfsBrüffel, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch trat er tut oder nicht tut, als verkehrt, nichtsnuzig und als„ Berrat". Auch bund zu vereinigen. Es gibt zwischen diesen Organisationen in Brüssel das Internationale Bergarbeiterfomitee zusammen. Als das Wirtschaftsprogramm des ADG B. gefällt der an- und dem Baugewerksbund im Handeln feinen Unterschied, Vertreter Deutschlands waren Husemann, Limberg und Berger erderen Seite nicht. Daß die Rationalisierung der Produktion fie fönnen sich sehr wohl zu gemeinsamer Gewerkschaftsschienen. Die englischen Delegierten sind noch in London infolae notwendig und fortschrittlich ist, können auch die Mos arbeit im Interesse der Berliner Bauarbeiterschaft vereinigen. Unterhandlungen feftgehalten und werden voraussichtlich erst am Es muß die Aufgabe der Baudelegierten sein, das Früh. Donnerstag oder Freitag eintreffen. fauer nicht bestreiten. Im Gegenteil, in Rußland erklärt man alle. Bemühungen auf das Ziel richten zu müssen, die Industrie auf jahr zu nügen, um diese Gedanken in die Kreise der Bauarbeiter zu tragen. Es muß alles aufgeboten werden, die gewerkschaftliche Geeine höhere technische Stufe zu bringen. Das ist auch für Ruß schloffenheit der Berliner Bauarbeiter herzustellen, um den unaus. land sehr notwendig. In Deutschland aber ist das nach der bleiblichen, fommenden Kämpfen gewappnet gegenüberstehen zu Behauptung der Berliner Mostaufiliale ganz etwas anderes. fönnen. Hier darf die Rationalisierung nicht gefordert werden, weil zunächst die kapitalistischen Unternehmer den Vorteil davon haben würden und die Arbeitnehmer die Nachteile. Einen Bergleich zwischen den Verhältnissen in Rußland und der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter in Rußland mit den Zuständen in Deutschland möchten wir in diesem Zusammenhang nicht anstellen, da uns dies als eine Verteidigung, wenn nicht gar als Berherrlichung der fapitalistischen Wirtschaft in der ganzen KPD. Preffe unterstellt würde. Gopiel aber fann gefagt werden, daß die deutsche Arbeitnehmerfchaft wenigstens weiß, woran sie ist und sich darauf einstellen fann. Eie wird mit eber ohne Rationalisierung den Kampf mit dem Unternehmertum um ihte Existenz zu führen haben. Nur mit dem Unterschied, daß bei dem gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft ihr Rampf weniger ausfichtsreich ist als bei rationalisierter Produktion, bei maschinell wie technisch höherer Betriebsführung. Und eben deshalb mit fordern wir die notwendige und unaufhaltbare Ratio nalisierung, die das Unternehmertum zu verzögern sucht. Wir glauben nicht an die alleinfeligmachende Mostaue: Heilslehre und müffen uns deshalb auf unsere eigene Kraft verlassen. Die Verhältnisse in Rußland haben uns bisher weder davon überzeugt, daß bestimmte gesellschaftliche Entwicklungsphasen über Sprungen werden fönnen, noch davon, daß unsere reformistische Tätigkeit" geringer einzuschäßen ist als die„ revolutionäre" Aftion. Deshalb erscheinen uns die Lobredner der russischen Experimenteure in der Berliner Filiale nicht hinreichend legitimiert, um den deutschen Gewerkschaften vorzuschreiben, wie sie sich einzustellen haben. Die Agitation der Berliner Bauarbeiter. In der vom Baugewerfsbund zum Dienstag nach den Residenzfestjälen einberufenen Baudelegiertenversammlung des Ho, Tief und Betonbaugewerbes prach der Borsigende der Bau gemertschaft Berlin, Genoffe Drügemüller, über:„ Die Früh jahrsagitation unter den Berliner Bauarbeitern." Er gab zunächst einen lleberblick über die Lage des Berliner Baumarkts. Trotzdem allein in Berlin rund 6500 Bauarbeiter er. merbslos find, während etwa 80 000 Familien auf die Zuweisung einer Wohnung warten, fommt die Bautätigkeit nicht in Fluß. Der Neubau von Wohnungen im vorigen Jahre erreichte noch nicht einmal die Zahl der in diesem Jahre neu hinzu. gelommenen Wohnungssuchenden Gewiß fließen die Mittel zum Bohnungsbau nicht in dem Maße, wie es vor dem Kriege geschah. Smmerhin fonte es aber um die Neubautätigkeit besser stehen, wenn Die Erträge aus der Hausainssteuer ausschließlich zum Wohnungsbau verwendet würden. So ist Berlin an der gefamten in Breußen aufkommenden Hauszinssteuer mit 26 Broz, einem Biertel, beteiligt, erhält aber nur etwa ein Zwölftel für Bau zwecke zur Verfügung gestellt. Ehe nicht in der Verwendung der Hauszinssteuererträge eine durchgreifende Aenderung eintritt, wird eine nennenswerte Belebung des Baumarktes nicht eintreten und das vom Preußischen Landtag beschlossene Wohnungs bauprogramm auf dem Papier stehen bleiben.. Der Redner ging dann auf die Tariffündigungen im Baugewerbe ein, durch die es den Unternehmern gelungen ist, beim zentralen Schiedsgericht nicht nur eine e rabjegung der Hilfsarbeiterlöhne durchzusehen, sondern auch teilweise der Facharbeiterlöhne. Es ist fein Geheimnis, daß hinter den abbauwütigen Bauunternehmern die Industriemagnaten stehen, die da behaupten. daß die angeblich so hohen Bauarbeiterlöhne einen Anreiz bilden für die Industriearbeiterschaft, ihre Löhne ebenfalls zu steigern oder. zumindest entgegen den Unternehmerdbfichten auf der jezigen Höhe zu halten. Das geschlossene Borgehen der J | In der furzen sachlichen Disfuffion wurden die Ausführungen des Redners unterstrichen, so daß der Redner in seinem Echlußwort nur einige Untlarheiten richtig zu stellen hatte. Der Metalltransportarbeiter- Schiedsspruch verbindlich. Der am 26. März vom Schlichtungsausschuß Groß- Berlin ge fällte Schiedsspruch, nach dem die Löhne der in den BBMI. Betrieben beschäftigten Transportarbeiter in ihrer jezigen Höhe bis zum 31. mai 1926 bestehen bleiben sollen, ist für ver= bindlich erflärt morden. Es verdient festgehalten zu werden, daß dies nun schon seit Ende 1924 der vierte Schiedsspruch ist, den die Berliner Metallindustriellen ablehnten und der dann verbindlich erklärt wurde. Wenn selbst der Schlich tungsausschuß in feiner Begründung zu dem Schiedsspruch fagt, daß die Transportarbeiter aus ihrem Verdienst jetzt schon faum nech das zum Leben Notwendigste bestreiten tönnen und die Metall. industriellen lehnen den Schiedsspruch trotz dieser amtlichen Bestätis gung der Hungerlöhne ihrer Arbeiter ab, dann spricht das allein Bände für ihre foziale Einstellung. Benn bloß einmal die Trans. portarbeiter zu der Einsicht kommen würden, daß diese frechen Her ausforderungen der Unternehmer nur deswegen möglich find, weil fie eben so unzulänglich organisiert find. Wäre es um bas Organi. fationsverhältnis der Transportarbeiter beffer bestellt, bann brauchten fie fich bestimmt nicht mit solchen unzureichenden Löhnen bescheiden und sich noch sogar Kürzungen dieser Elendslöhne zumuten lassen. Betriebsratswahl bei Osram. 1925 Der internationale Sekretär Hodges eröffnete die Sigung mit der Mitteilung, daß der Australische Bergarbeiterverband mit 25 000 Mitgliedern seinen Anschluß an die Bergarbeiter Internationale vollzogen habe. In der Diskussion wurde die Mitwirtuna der Bergarbeiterorganisationen an der internationalen Bergbau wurde beschlosse, die internationale Berichterstattung noch wesentindustrie- Enquete des Internationalen Arbeitsamtes besprochen. Es licher auszubauen. Husemann erstattete einen mit größtem Interesse aufgenommenen Bericht über die amerikanische Studienreise der Delegierten des Bergarbeiterverbandes. Dieser Bericht foll laut Beschluß in drei Sprachen durch die Bergarbeiter Internationale herausgegeben werden. Proteststreik französischer Postbeamten. Paris, 14. April.( Eigener Drahtbericht.) Die wachsende unzufriedenheit der Angestellten und Beamten der französischen Post. und Telegraphenverwaltung über die Langsam. feit, mit der die Regierung die Regelung der Gehaltsfrage be treibt, ift am Mittwoch früh um 7 Uhr in einem einstündigen Teilstreit der Drucksachenausträger der Pariser Hauptpoft zum Ausdrud gekommen. Die Protestlundgebung ist von der fommunistischen Gewerkschaft ausgegangen, doch drobt die Bewegung fich auf das gesamte Berfonal auszudehnen In Anbetracht der äußerst ernsten Lage empfing der französische Ministerpräsident am Mitt mech nachmittag den Generalsekretär der französischen Bost. und Telegraphengewerkschaft, den Genoffen Leon Blum und den Generalsekretär des Allgemeinen Gewertschaftsverbandes Jou. haug. Die franzöfifche Beit- und Telegraphengewerkschaft hat inzwischen die Einberufung eines außerordentlichen Natio nalrates zur Entscheidung über die Durchsehung ihrer Forderungen beschlossen. Die Arbeitslosigkeit in England ist seit Monaten zum erstenmal um 36 191 auf 1049 800 geftiegen. Diese Erscheinung wird als vor. Die Betriebsratswahl der Fabrit der Osram G. m b. Sübergehend damit erklärt, daß infolge der Osterfeiertage die wirtCharlottenburg, Helmbolyfir. 4/8, am 30. und 31. März ergibt im fchaftliche Tätigkeit fich meniger entfaltete. Vergleich mit dem Borjahr folgendes Bild: 1926 1923 1439 1670 Bahlberechtigt Krante, Urlauber, Fehlende, 238 270 Richtwähler Abgegebene Stimmen 1201 1400 83,6 Freigewerffchaftliche Ciste Vaterländische Verbände ungültig 1926 Die Arbeitslosigkeit in Defterreich hat sich in der ersten April-15 Broz. hälfte meiter verringert. Insgesamt beträgt die Abnahme ber Arbeitslofen bis jest etwa 40 000. Die Gesamtzahl der Arbeitslofen 16,4 Broz. 16,8 Broz. beträgt gegenwärtig noch etwa 220 000 Personen. An dem Ridgang ist diesmal nicht das Baugewerbe, sondern andere Saisonindustrien beteiligt. 88,9 DP 1073 1156 74,6 115 212 8 13 32 70,4 19 10,5 1 2,3 Berantwortlich für Politik: Rihard Bernstein: Birtschaft: Artur Gaternus; Gemertſchaftsberpegung: 3. Steiner; Feuilleton:. S. Döscher: Locales und Souitiaes: Frik Racktadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts- Berlaa 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet Das erfreuliche Resultat spricht für sich felbst rog ber Ber minderung der Belegidaft weist die gewerlichaftliche Zifte eine Zunahme auf, was eine Zurüdbrängung der Gelben von 212 auferinsonfalt Soul Singer 1. Co.. Berlin 6 68. Lindenſtrake 3. 115 Stimmen bedeutet, bon denen freilich jede einzelne nog zuviel ist. Lohnabfommen der Landschaftsgärtner. Nachdem es im März gelungen war, einen Neuabschluß des Manteltatifes zu einigen Berbesserungen herbeizuführen, ist nunmehr auch nach langwierigen Verhandlungen eine Einigung in der Lohnfrage erzielt worden. Obwohl der Unternehmerverband im Herbst des vorigen Jahres zu Zugeständnissen bereit war, zerschlugen fich die Verhandlungen, weil von den Unternehmern Bedingungen gestellt wurden, die nicht erfüllt werden fonnten. Später lehnten die Unternehmer auch die gemachten Zugeständnisse ab. Die Arbeit. nehmer waren jedoch nicht gewillt, sich damit stillschweigend abzufinden. In mehreren schnell aufeinanderfolgenden Bersammlungen befundeten sie den Billen, das Borenthaltene mit den äußersten gewerkschaftlichen Mitteln zu erfämpfen. Wenn nunmehr auch nicht alles erreicht werden fonnte, so ist doch ein Erfolg zu buchen. Die gestern spät abends im Gewerkschaftshaus tagende Bertrauensmänner. figung nahm nach ausgedehnter Debatte das letzte Angebot des Unternehmerverbandes an. Danach betragen die Löhne ab 12. April: für Obergärtner und Anlageleiter 1,10 M.; Gärtner über 20 Jahren nach einjähriger Branchetätigteit 1 M.; über 20 Jahre im ersten Bekanntmachung. Auf Grund ber Bohlaufforderung nom 6. Rars 1926 fb yon ben Arbeitgeber und Berficherten Bertretern nur je eine Borschlagslifte zur Borstandswahl einge gangen. Die in beiben Wahlvorschlägen aufgeführten Personen gelten gemäß§10 der Wahlordnung als gewählt. Die für ben 21. April 1926 für die Bahl bes Raffenwird hiermit aufgehoben. vorstandes anberaumte Ausschußfhung Jm Borstand find bis zum 31. März 1930 vertreten die Arbeitgeber burch bie Herren: Friz Senß. Richard Bollgaft, Anton Habermann, Karl Wiethölter; Die Arbeitnehmer durch bie Serren: Carl Henkel, Hermann Roejener, Baul Belou, Emil Linde, Eduard Siebert, Arthur Schulbt, Balter Saafe, Georg Lorenz Berlin- Schöneberg, ben 15 April 1926. Allgemeine Ortstrantentaffe Küchen 19 roh emailliert mache Lottchen 42 M. 80 M. Hermine 85 135 Riesenauswahl roher, lack., lasiert. Küchen und einzelner Küchen- und Kleiderschränke Küchenmöbel- Fabrik Joseph Himmel Lothringer Str. 22( Schönhauser Tor) HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. für den Berwaltungsbea.XI ber Stadt Berlin Tierärztliche Poliklinik Schöneberg- Friedenau. Der Vorstand: Arthur Schuldt Friz Sens Borstzender. Schriftführer Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr 0 909 ÜBERRASCHUNGS Preise in Serien Eine verlockend billige Einkaufsgelegenheit insbesondere für den Pfingstbedarf geeigneter Waren Ober 50,000 Artikel sind für diesen sensationellen Verkauf bereitgestellt! Beginn: Heute! 95$ 195 295 Ury Gebr. A.-G. Swinemünder Straße 86 Beachten Sie die gewaltigen Schaufenster Auslagen in der Gesamtfront des Geschäftshauses Swinemünder- und Lockingstraße.