?IbenSausgabe Nr. 182 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 40 vezugsbidwgmlgtn uni«nittaewMlh linb in bet SKorfleRousflcBe anaeetben ReAatlion: Sw. M, CtaAeaflcafsc 3 Zernsprecher: Dönhoff 292— 20X XeI.'1U)tefT«:Sojialftemo(cal Bcclia Gerlinev Volksblstt (10 Pfennig) Montag 1�. �pril I g2b verloA und Snietgenabtetlun«! ««s. April.(Eiflener Drahtbericht.) Neunter Verhandlungstag. Oberstaateanwalt Weber betont in seiner Replik, scststellc» zu müssen, daß Dr. Leoi ihm Objektivität bescheinigt habe. � In Wirklichkeit hat Dr. Leoi das genaue Gegenteil gesagt und auch der Unsachlichkeit und den ironisch gehaltenen Argumenten des Anklagevertreters eine zwar seine, aber von Dr. Weber wohlvcr- stondeno Abfuhr erteilt. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen Gpern-Zrühling. Don Kurt Singer. Vesser: Frühlingsopern. Denn daß die Kunst der Oper gerade Knospen treibe, darf keiner kühn behaupten. Im Gegenteil: Da» Repertoire der drei Berliner Opernhäuser liegt dach wohl im Winter- schlaf. Der eine, einzige„Wozzek" kann dos nicht gutmachen. Nur natürlich, daß sich die drebKöpfe-Intendonz der Staatsoper aus drei Köpfe besinnt, die einem Wagner- Zyklus festliches Gepräge geben sollen. Festlich? Man behilft sich an allen Ecken und Enden unr kommt ziemlich gut mit den angestammten Künstlern, ohne Gäste, aus. Die Interejfengemeinschost der Opernhäuser könnte es, gerode am Ende der Saiian. ermöglichen, daß man auch Unter den binden und bei Kroll einmal in Wagnerschem Wert die Wildbrunn, die Stückgold, Schipper hören könnte. Wie oft läßt andere Regie, andere Direktion, andere Akustik unsere großen Sänger als andere erleben! Allerdings: an das Problem der Wagner-Rcgie wird m Berlin kaum gerührt. Da müßte, etwa im„T än n h ä u s e r". der Regisseur choly so ungefährt alles um- und»mgestalten, er müßte von einer Idee der marionettenhasten Steifheit fort zu einer leib- hastigen, zündenden, mcnschhasten Bewegung drängen, er müßte Figuren der Chöre entweder unsichtbar lassen oder verlebendigen. Mit dem Mantelwurf und mit dem Paradeschritt, mit dem ge- messenen Abstand und dem Schwertergerassel ist es nicht mkhr getan. Auch dürsten Taktlosigkeiten, wie das Streiten der Minnesänger an der Rampe, den Rücken gegen Elisabeth und den Landgrasen ge- wandt, nicht mehr ungestraft durchgehen. Sieht Kleiber da- nicht? Er ist gewiß kein Wagner-Interpret, und Muck, der Siegel- Verwahrer Bayreuths, dürfte sich die letzten Haare ausgerisien haben. Welche Hast, welche Ungleichheit, welch eine ungeordnete Balan- cierung der Tempi! Aber er hat Feuer und Inbrunst, er hat Rhythmus, der dem Ausbau eines Finale zugute, dem geraden Morsch der Gäste zuschlechte kommt. Ein a-aipellz. Stück der Solisten in der Grenze von 20 Takten dirigiert auch er in Vierteston- Unsauberkeit hinein. Dieser Mittclakt immerhin gewinnt unter seiner Glut. Tannhäuser erscheint wie der einzige Mann unter Memmen, der einzig normal Empfindende unter Pervertierten. Die ganze Aktion, zwischen Eros und Sexus gelagert, verliert für Heutige an Sinn. Venus oder Elisabeth— dos war der Schlachtruf von damals. Eine elisabethanische Venus wäre doch als Lösung denk- bar, ohne Fluch, ohne Papst, ohne Rom. Fritz S o o t stützt die Ausführung am stärksten. Kein blendender Tenor, aber«in denken- der. ein�r der im Aufruhr und in der Dämpfung seiner Gefühle Menschliches zeigt. Die Marherr-Wagner liebenswert in der Zartheit und Keuschheit ihrer Bitte um dos Leben Tonnhäusers, gesanglich nicht vom Format der Großen. In der Städtischen Oper stellte man für die mexikanischen Gäste ein paar Kanonen auf die Bühne gelegentlich einer Ausführung der Mozartschen„Entführung". Wenn auch die letzte Ebenheit der Bremier« nicht erreicht wurde, so blieb das Gesangliche doch bei der Ivogün, Schöne, Erb, das Spiel-Leichte und Frohe bei Kandl und Reiß vorherrschend und Stimmung schaffend. Besonders Erb war in der lyrischen Weichheit seines Tenors ein blendender Zuwachs. Walter dirigierte. Er dirigiert jetzt jaft toglich. Wird er aus gab Dr. Weber zu, daß ihm in seiner Anklagerede verschiedene Irrtümer unterlaufen seien. Das läge aber an der schnellen Art. in der er zu sprechen gezwungen war. Dabei hätte er die einzelnen Worte nicht auf die Goldwage legen können. Rechtsanwalt Dr. Wisla polemisierte gegen die politischen Aussälle des Anklagevertreters. Dann erhielt Oberstaatsanwalt A s m u s das Schlußwort. Er stellte verschiedene falsche Darlegungen richtig und wies im be- sonderen darauf hin, wie dos Verfahren gegen ihn zustande kam. Geßlers denunziation. Eine Erklärung des Senatspräsidcnten Fsreymnth. Senatspräsident Genosse A. Freymuth äußert sich jetzt persönlich zu der geheimen Anzeige des Reichswehr- Ministers Geßler, deren Ziel es war. Freymuth in ein Landesverratsverfahren zu verwickeln. Er führt aus: Zunächst erfolgte auf»reinen Vortrag vom 6. Mai 1SZ5 nichts. Mitte Mai 1925 wurde durch Vermiitelung der Deutschen Liga für Menschenrechte, zu deren Vorstand ich gehöre, die B r o- schüre„Deutschlands geheime Rüstungen" den Rcichsministern, den Rcichstagsabgeordneten usw. überreicht. Es erhob sich in der Rechtspresse über diese Broschüre ein großes Ge- schrei wegen„Landesverrats". In der öffentlichen Sitzung des Reichstages vom 28. Mai 1925 erklärte der Reichswehrminister Geßler, die Broschüre sei kein Landesverrat. Er setzte hinzu, sie sei aber ein„ungeheurer Schaden" für Deutschland. Eine von mir dieserhalb am 4. Juni 192 5 erbetene persönliche Rücksprache schlug der Reichswehrminister ab. Statt dessen erfolgte unter dem 1l. Juni 1925 die er- wähnte Anzeige gegen mich— zunächst beschränkt auf meine Rede vom 6. Mai 1925, ohne die Broschüre zu erwähnen. Dann erfolgte noch ein weiteres Schreiben des Reichswehr- minister» an das Justizministerium(18. Iult 1 925). In diesem Schreiben geht er auch auf die erwähnte Broschüre ein— die er unrichtigcrweise als von mir verfaßt bezeichnet. obwohl ich nicht ein Wort darin versaßt habe— und erklärt,„bei der Würdigung des Verhanttens des Senatspräsidenten Freymuth kann es m. E. entscheidend gar nicht darauf ankomme», ob tatsächlich ein Schaden für da» Reich bereits entstanden ist, sondern nur daraus, ob der Umstand, daß ein höherer Beamter des Staates es unter- nimmt, der deutschfeindlichen Propaganda des Auslandes gegen sein eigenes Vaterland verwertbare» Material zugänglich zu machen, mit den außerdienstlichen Pflichten seiner amtlichen Stellung vereinbar ist." Dies letztere ist«in deutlicher Hinweis aus da. Disziplinar- g e s e tz(außerdienstliche Pflichten des Beamten). Ich äußerte mich dann dem Kanimcrgerichtsprästdenten gegenüber schriftlich. Monatelang hörte ich nichts von der Sache. Unter dem 19. November 1925 erhielt ich dann ein vom 7. November 1925 datiertes Schreiben des Kammergerichtspräsidenten— inzwischen hatte der völkische Ahgeordnete Kube gegen mich und die Verfasser jener Aroschüre den Strasantrag wegen Landesverrats gerichtet, die Oberreichsanwaltschaft hat aber das Verfahren eingestellt, anscheinend auf Grund des Reichsamnestiegcseges vom 17. August 1925. In dem Schreiben vom 7. November 1925 erklärte der Kammcrgerichtspräsident. er müsse mich um die Abgabe weiterer Erklärungen bezüglich der Broschüre und meiner Rede vom 6. Mai 1925 ersuchen,„nachdem der große Disziplinarsenat sich kürzlich gelegentlich eines Einzelfalle» dahin schlüssig gemacht hat. daß die Einstellung eines Slrasverfahrens gegen einen Beamten auf Grund des Reichsgefetzes vom 17. August 1925 der Prüfung des dem Strafverfahren zugrunde liegenden Tatbestandes in disziplinarer Hinsicht nicht entgegensteht". Inzwischen hatte ich mich ober schon darüber schlüssig gemacht, auf Grund meines Gesundheitszustandes meine Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Genosse Freymuth, der dem Reichswehrminister leichtfertiges und pflichtwidriges Verhalten vorwirft, fügt hinzu, daß das Borgehen Geßlers in den Kreisen seiner eigenen Partei erhebliches Mißfallen erregt habe. Der Reichswehrminister habe daraufhin versucht, eine ihm angenehm er- Icheinende Darstellung in die Presse zu lancieren. sein Schritt habe jedoch keinen Erfolg gehabt. London nach Berlin oder nach Wien zurückkehren? Wann wird er sein Herz offenbaren? Hot der„Schall" ihn schon in der Tasche, oder e r den Schalk im Nocken? Intendantenfrage beim Staat, Kapellmeisterfrage in der Stadt— Opernsrühling! Im„Maskenball" von Verdi, der herrlichsten, loderndsten, singendsten Oper des Meisters, gastiert Rehtemper. Sein Spiel ist durchdacht, vornehm, gemessen bis zum Moment des Rasens. Auch dann bleibt er noch Edelmann, und die berühmte Arie gibt er so beseelt, dabei so herb und klar, wie selbst seine italienischen .Kollegen e» nicht können. Die Maktino als Amelia noch nicht von allerletzter Freiheit und Gelockertheit, aber inbrünstig, drama- tisch lebendig. Die O l z e w s k a ober, Ulrika ohne schwarzen Teint, sührt ihre große Szene als ein wahrer Theaterdömon durch. Herr- lich dieses Gesomtspiel von Arm, Körper, Mimik und tönendem Gesang!_, Ein vorbildliches volkskon, erl. Das Boltsbildungsamt Neukölln hatte für das Mittagskonzert, dos es am Sonntag in der„Neuen Welt", in der Hasenheide, veranstastete. sich keinen Geringeren als Erich Kleiber mit der gesamten Staatskapelle verschrieben. Der Erfolg de» Konzert» zeigte, daß das Experiment nicht nur gewagt werden durfte, sondern daß es sogar gut und an- g-mesien sein wird, es in entsprechenden Abständen zu'wiederholen. Trotz des für«in« Arbeitersamilie nicht eben billigen Eintrittspreises von 1,59 M. war der große, aktustisch übrigens überaus günstig« Saal gefüllt, und mehr Andacht und Beifall als hier hat Kleiber in der Staatsoper oder in der Philharmonie sicher auch nie ge- sunden. Daß an einem Tisch geraucht wurde, ist schließlich nicht schlimmer als das Pralineknabbern in jenen anderen Konzerten, und es wäre zu wünschen, daß überall die anderen Hörer so wehr- hast wären und die sich ungesittet Betragenden in der Pause heraus- komplimentierten. Kleiber brachte in etwas seltsamer Aufeinander- folge Strauß„Don Juan". Beethovens Siebente Sinfonie und die Tannhäuser-Ouoertüre zu Gehör. Aber jedes einzelne Werk war so von seiner urmusitalischen Persönlichkeit erfühlt und erfüllt, daß nian ihm diesen Eigenwillen gern verzieh. Mit Kleibers Beethoven- Interpretation muß man sich abfinden. Erstaunlich war es, wie sie den Saal packte. Do» gibt zu denken. Wir„modernisieren" ja auch die Klassiker der Dichtkunst. Ist es da wirklich so arge Ketzerei, die Klassiker der Tonkunst auch nur modern zu nüancieren. macht es nicht vielleicht ihren Ewigkeitswert nur deutlicher und dem Eintags» menschen fühlbarer? Wer diesen musikerfüllten Menschen gestern am Dirigentcnpult sah und seinen Kontakt mit den Hörern spürte, mußte ihm Recht geben. Tcs. Ein neuer Urweltsaurier im Museum für Koturkunde. Aus der Auebeute der in den Iahren 199? bis 1912 vom Berliner geologisch- paläantologischen IZnioersitäisinstitut in Demsch-Ostosriko ausge- führten Tendaguru-Expcdition ist fetzt ein neue? Saurierskelett im Lichthofe des Museums für Naturkunde ausgestellt worden. Dieser Dinosaurier mit dem wissenschaftlichen Rainen Elaphrosaurus ist ein Vertreter der nur aus den Hinterbeinen laufenden Raubdino- sourier, die in einer Iahrmillionen zurückliegenden Vorzeit in der Tier- weit dieselbe Rolle spielten, wie heute dtc großen Raubtiere. Das Slelett zeigt das langschwänzig«, hochbeinige, äußerst lcichtgebaute Die Arbeit der Jugend. Neichskonferenz der sozialistischen Arbeiterjugend. Wie schon am Sonntag kurz gemeldet, wurde ouk der Reichs» konferenz des Verbandes der sozialistischen Ar- b e i t e r j u g e n d, die am 17. und 18. April in Hildesheim tagte, vom Hauptoorstand der Geschäftsbericht über die Jahre 1924 und 1925 erstattet. Als erster Redner sprach der Hauptkassierer Genosse A u g u st Albrechl: Dos Jahr 1924 begann sehr verheißungsvoll. Die großen Hoffnungen auf einen Aufstieg wurden jedoch enttäuscht durch d>c steigende Erwerbslosigkeit. Trotzdem die Werbung anfangs gute Erfolge zeitigte, wurde der Abgang durch Arbeits- losig keit und durch die Auswirkungen der Wirtschafts- k r i f e stärker und stärker, so daß mit einem Mitgliederverlust abge- schlössen werden mußte. Die Organisation zählt jetzt 96 999 Mit- glieder. Die Abonnentenzahlen der„Arbelterjugend" und des „Führers" sind nicht in sehr starkem Maße zurückgegangen. Wesent- liche Kräfte und Mittel des Verbandes sind in der Bcrichtzeit für die Funktionärschulung ausgewandl worden. E- gelang zu Ostern 1926 etwa 25 bis 39 Proz. neuer Mitglieder zu gewinnen. Das Reichsserienheim in Tännich(Friedrich-Ebert- Heim) hat die Erwartungen«rsüllt. die bei seiner Erösfnung vor zwei Jahren gehegt wurden. Der Iugendtag in Hamburg war ein voller Ersolg. An einzelne besonderes notleidende Bezirke an der Ostgrenze konnte von der Zentrale Unterstützung gegeben werden. Besondere Schwierigkeiten zeigten sich in den Bezirken Halle- Merseburg und Kassel. Unter einem Aus- nahmegesetz leben die Arbeitersiigendvereine in Bayern. Dort dürfen Fortbildungsschüler an Veranstaltungen der Arbeiter- jugend nicht teilnehmen. Die Zusammenarbeit mit dem besetzten Gebiet war immer gut. Sehr tzut war auch die Zusammenarbeit de» Hauptvorstandes mit der Reichsregierung und der Landesrcgie- rung in Preußen. Die finanzielle Lage des Hauptvorstandes ist nicht glänzend. Durch Neuregelung de» Beitrags- wesen» soll ein« bessere Finanzierung ermöglicht werden. Der Arbeiterjugendverlag bracht« bisher 115 eigene Derlangsschriften heraus, er oerlsgt außerdem 4 Zeitschriften. Als zweiter Redner zum Teschäilsbericht lprach Genosse Erich Ollenhauer: Die Bildungsarbeit des Berbandcs hc.tte gute Fortschritte zu verzeichnen. Die Zahl der belehrenden Veranstaltun- gen ist beträchtlich gestiegen. Zu diesem Erfolge hat sicher die zcn- trale Zusammenfassung der Bezirksleitungen in Kursen und Aussprachen beigetragen. Die„Arbeiterjugend" ist für viele Ortsvereine da» einzige Bindeglied zur Organisation, aber auch die einzige Bildungsmöglichkeit. Der Hauptoorstand hat bisher eine E r- höhung der Altersgrenze immer abgelehnt, jetzt bea»- trugen jedoch Hauptoorstand und Reichscmsschuß, daß die Grenze aus 29 Jahre festgesetzt wird, da sich die Iungsozialisten- bcwegung für unsere älteren Mitgkleder nicht aufnahmefähig gezeigt hat. Die Arbeiterjugendbewegung will sich damit zwei weitere Jahrgänge für die Erziehungsarbeit erhalten, um sie der politischen Organisation zuzuführen. Sehr zu bedauern und gefährlich ist die Zersplitterung der sozialistischen Jugendarbeit in allerlei Organisationen. Am meisten bedauern wir die Bildung von Jugend- abtellungen im„Reichsbanner", weil wir dieser Organisation die Berechtigung zur Jugendarbeit an Vierzehn, bis Achtzehnjährigen absprechen müssen. Eine umsangreiche Ausgab« hatte der Verband im Ausschuh der deutschen Iugendoerbände. Die dort in der Froge des Iugcndschuges auf unsere Dcran- lassung gefaßten Entschlüsse fanden die vollste Unterstützung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion! Sie hat die Forderungen als Antrag im Reichstag eingebracht. Dort werden sie wohrschcin- lich nächsten» in einem Ausschuß zur Beratung kommen. Daß dieie Arbeit nötig war. bowoist der im Reichzarbeltsmimsterium entstandene A r b« i t s z e i t g e j e tz e n t w u r f. der für Jugendliche bis zu 69 Stunden Arbeitszeit in der Woche gestalten will. Eine wichtige Aufgabe wird in der nächsten Zeit auch die Fürsorge für die erwerbslose Jugend sein. Die Hildes- heimer Konferenz ist die erste, die nicht unter dem Druck kata- strophaler politischer Ereignisse steht. Wir stecken uns neue Ziele und Ausgaben. Es gilt, aus der zu uns strömenden Nachkriegs- jugend ausrechte und stark« Menschen zu formen, ihr den nötigen Kampfesmut und Schwung zu oerleihen, der sie besähigt, in Tiingaöe und Begeisterung dam Sozialismus zu dienen. In diesem Sinne müssen wir Durchgangsstation zur Sozialdemokratischen Partei sein. in diesem Sinne die kommende Generolion schassen! Dem Geschäftsbericht folgte«in« sehr lebhoste Aussprache. Es wurde vor allem die Erhöhung der Altersgrenze besprochen. und im Leben offenbar überaus schnelle Tier in der Stellung eiligsten Lauses. Den bisher fertig gewordenen zwei Saurierskeletten aus Dcutsch-Ostasrlka sollen nun in der Aufstellung die gewaltigen Riesensaurier folgen, durch die die Fundstätte am Tendaguruberge so berühmt geworden ist. „Kunst Händlerkitsch" von Böckliu und Beuerbach. Der Jubel ist noch in Erinnerung, mit dem zunächst die Rachricbl begrüßt wurde, daß eine Anzahl van bisher unbekannten„römischen Land- schasten Böcklins" entdeckt worden sei. Seitdem dieser überraschende Fund ober in der Schweiz ausgestellt wurde, ist eine starke Ernüchtc- rung eingetreten, und man steht der Echtheit dicser Werke recht skeptisch gegenüber. Es handelt sich augenscheinlich bei diesen B'l- dein wie auch bei neu aufgetauchten Werken Feuerbochs um Arbeiten, die— wenn sie echt sind— doch nichts zur Erhöhung des Ruhms der großen Meister beitragen. Di« Zuschrift eines Snchvcr- standigen an die Kunstzeiischrift„Der Cicerone" gibt dieser abfälligen Beurteilung Ausdruck und versucht zugleich eine Erklärung dafür, daß Böcklin überhaupt solch unbedeutende Arbeiten geliefert.„Ist nicht de» Rätsels Lösung", heißt es da.„in jener Notiz gegeben, die man in der-Böcklin-Monogrophie von Oftini findet, die ja auf Aeußerungen des Künstlers selbst oder seiner Angehörigen fußt und die folgendes sagt: Böcklin befand sich im Jahre 1851 i» einer so verzweisellen Lage, daß er„für einen industriellen Amerikaner nach einer neuen Erfindung Ansichten nach Photographien motte. daß er„Kunsthändlertiisch" verfertigte. Er hat seinen Stolz freilich bald wiedergefunden. Danach sind die Bilder also von der Hcuid de» Meisters. Ob es aber Böcklin je gewünscht hätte, daß diese Bilder neben seinen unsterblichen Werken Aufnahme in den Gate- rien finden, ist eine ander« Frage, die man nach seiner eigenen Ent- schuldigung solcher Jugendsünden wohl verneinen darf. Wenn es sich aber so verhäst, dann ist es unbeareiflich, daß die Museen solche Bilder überhaupt erworben haben. Es bot den Anschein, als ob eben jetzt ein ähnliches Attentat auf den Namen Feuerbach bevor- steht. In Paris nämlich hat man kürzlich bei einer Portierfrou eine Mappe mit Stizzm und Oelstudicn gefunden, die Feuerbach einmal dort liegen gelassen hatte. Diese zum Teil mehr als Zweifel- haften Zltelierreste werden jetzt sämtlich als Frühwerke des Meisters ausgegeben, um auch in Deutschland als große Entdeckung vorge- stellt zu werden." Roch der Ansicht dieses Kenners ist den meisten Stücken der Sammlung gegenüber mehr oder weniger Zweifel be- rechtigt, und auch wo es sich um eigenhändige Studien Feuerbachs handelt, sind es„völl'a belanglose Stücke", mit deren Aufsindung dem Andenken dieses Meister» gewiß kein Gefallen geschehen ist. Die.Aesellsidolt für Thealergetgiiäile" HR«m?5.. Herrn. 11 llir, im .Tlieet-rwissenlchaftlichen Institut an der Universität Verlin" fKaise:--rranz. Ioie'-Plalt. Aulagebäude) ibrc dieSjädrige Hauplveriainnilung ab. Um 12 Uhr ftndet ein Vorliag von Pros. Dr. Georg WitkowZki Leipzig) statt flSer:.. Meininqertum und Bübnenkunlt in der Gegenwart'. Zu dem Vorttag babcn Gäste Zutritt, w-nn sie du: ch hen SihiisuLhrcr der Eclellschast(Dr. Knudscn. Steglih, Alfenstrazc») eingefühlt sind. lleäee.verksport und cebevstülllgkeii- spricht am 2l.. adendS 8 Ubr, tm Herrenbau», üewziger Dir. S. Ministertalrat Dr.«eher. Im An'chlus Stellung von Ausgaben und DiStttsswu. Gesundheit Die Eröffnung der Reichs Die Reichsgesundheitswoche, die der Belehrung über Gesund- heitsfragcn dienen soll, wurde in Berlin am gestrigen Sonntag mit einer Feier in der großen Universitätsaula er- öffnet. Unter den Gästen waren Vertreter der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, der Kranken-, Invaliden- und Altersvcrsiche- rund und vieler anderer um die Förderung der Dolksgejundheit sich bemühenden Körperschaften und Verbände. Der Vorsitzende des Reichsaueschnsses für hygienische Volts- belehrung. Geheimer Regierungsrot Dr. f) a m c l. Ministerial- dtriacnt im Reichsministerium des Innern, hob in seiner Be- grüßungsonsprache hervor, daß die Veranstaltung dieser Reichs- gesundheitswoche bei allen Berussaruppen und Bevölkerungsschichten Untersrützung gesunden habe. Der eingeladene Reichspräsident �indenburg war nicht gekommen, er wünschte aber in einer Dankantwort bestes Gelingen. Glückwünsche waren auch einge- gangen aus England vom Komitee der englischen Gesundheitswoche und aus der Tschechoslowakei von dortigen Deutschen. Reichsinncn- nnnistcr Dr. Külz überbrachte Grüße der Regierung und de« durch seine Münchener Reise am Erscheinen perhinderten Reichs» kanzlers Dr. Luther. Gesundheitsdienst am Volke habe als Pflicht gegen das Vaterland zu gelten, führte Dr. Külz aus. Gesund- hcit des Volkes sei das Kapital aller Kapitale, nach dessen Entwertung jetzt eine weit über JOO Proz. hinausgehende Auswertung kommen müsse. Pros. Dr. Adam, Generaljekretär des Rcichsausfchusses für hygienische Dolksbelehrung, berichtete über die Organisation der Reichsgesundheitswochc. Die Anregung ging von den Krankenkasse ii verbänden aus, dos Reichs- Ministerium des Innern förderte den Plan, dem Reichsausschuß wurde die Durchführung übertragen, die örtlichen Veranstaltungen waren Sache der Gemeinden uird der Versicherungsträger. Der Redner erwähnte, daß der Reichstag mit der von ihm beschlossenen Beigabe von Mitteln für die zentrale Organisation einem Antrag des Abgeordneten Dr. Moses gefolgt ist. Ministerialdiroktor Pros. Dr. Dietrich aus dem preußischen Wohlsahrtsministerium, Vorsitzender des preußischen Landesausschusses für hygienische Volks- belehrung, betonte die aufrüttelnde Wirkung, die von dieser im ganzen Reich veranstalteten Gesundheit« wache zu erwarten sei. lieber die Beeinträchtigung der Volksgesundheit durch wirtschaftliche Rot. durch Mängel der Ernährung und Wohnung, glitten alle diese Redner hinweg. Erst der Vertreter des Berliner Magistrats, Stodtmedizinalrat Prof. Dr. von Drigalsti, sprach auch hiervon, aber den Wert hygienischer Belehrung möchte auch er nicht unterschätzt sehen. Geheimer Kommerzienrar Conrad von B o r s i g. der für die Arbeitgebertreise sprach, forderte zum Wohl der'Lolts- Wirtschaft den Schutz der Gesundheit des Arbeiters durch Be- lehrung. Er sagt« aber nichts von der Notwendigkeit, dem Arbeiter durch ausreichenden Lohn die Gesunderhaltung zu erleichtern. Was die Arbeitnehmer von der Gesundheits- wache erwarten, hob der Neuköllner Stadtrat K ö h n hervor. Um die hygienische Belehrung der Arbciterkreise haben früher nur die Krankenkassen sich bemüht. Unter großen Schwierigkeiten haben sie eine Arbeit zu leisten versucht, auf deren Wert jetzt die Reichsgesund- heitswoche hinweisen will. Diese Veranstaltung müsse auch den Behörden ein Ansporn sein, die Fürsorgeeinrichtungen zur Förderung der Volksgesundheit und besonders zum Schutz des Nach- öes Volkes. zefundheitswoche in Berlin. Wuchses auszubauen. Dr. B o y w i d t, Syndikus der Arbeits- gemeinschaft von Reichsversicherungsträgern Groß-Berlin», wies in einem Schlußvortrag daraui hin, daß die deutsche Sozialoersicherung mit dem Gedanken der krankheitverhütenden Dolksausklärung eng verbunden sei. Weiteren Kreisen der Bevölkerung wurde die Teilnahme an dieser Eröffnungsfeier durch den Rundfunk ermöglicht. Zu der- selben Stunde fanden in vielen Städten de? Deutschen Reiches ähu- liche Erösfnungsfeiern statt. * Anläßlich der offiziellen Programmvsranftaltung der Reich s- gesundheitswoche in der Aula der Universität hatten sich eine Anzahl Sportvereine zu einer De mon st ratio» am Museum im Lu st garten eingesunden. Der erste Redner war Stadtmedizinalrat Prof. Dr. von D r i g a l s k i. der auf den gesundheitlichen Wert des Svortes hinwies und bekanntgab, daß die Stadt Wanderpreise ausgesetzt habe. Prof. Heinrich, der Vertreter der bürgerlichen Sportverbände, sprach einige Worte, worauf die Anwesenden dos Deutschlandlied anstimmten. Der Besuch war sehr mäßig. Neben SM Sportlern mögen sich 700 bis 800 Zuhörer eingefunden haben. Nach Abschluß der Kundgebung formierten sich einige kleinere Züge, die die Straßen der Stadt durchzogen. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Von Iourna- listen und Prelfephotographen wurde über eine ungewöhnlich scharfe polizeiliche Absperrung sowie über wenig zuvorkommendes Verhalten einiger Polizeibeamten Klage geführt.— Die Sportkundgebung Ii» Friedrichshoin, die im Rahmen der Reichs- fiesundheitswoche einen Aufmarsch der Arbeitcrsportler bringen ollte, war von den Kommunisten zu einer Hetzkundgebung gegen die Retchsgesundheitswoche umgc- wandelt. Die Reden der meist kommunistischen Abgeordneten sprachen wohl von den Diktaturgelüsten der Kommunisten, nur nicht über Sport. Besonders radikal gebürdete sich die Kommunistin Wolfsstein, deren Rede eine wüste Schimpferei gegen die Beslre- Hungen der Reichsgesundheitewoche war. Nach dieser Kundgebung zogen die kommunistischen Sportler und der Rote Frontbund zum Humboldthain, um hier eine neue Gcgenkundgebung zu veranstalten. Ein Sonntag der Selbstmorde. Gestern wurde die Reichsgesundheitswoche eröffnet. Sie will ja grundsätzlich dazu beitragen, daß die Menschen gesund und glück- lich durch das Leben schreiten. Im� krassesten Gegensatz zu diesem Wollen aber steht die Zahl derSelb st mordeund Selbst- Mordversuche, die die Lokolchronik des gestrigen Sonntages zu verzeichnen hat. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Liebeskummer werden in buntem Durcheinander als Motive dieser Toten genannt. Sicherlich ist die seelische Wider- standssähigkeit vieler Menschen in der heutigen Zeit außerordentlich vermindert. Solange es nicht gelingt, die sozialen Ver- hältntfse praklisch zu bessern, solange wird es nur zu viele Menschen geben, die bereit sind, das Leben wegzuwerfen, anstatt mit ihm zu kämpfen und zu ringen. Eine Rcichsgcsundhestswoche mag ein guter Anschauungsunterricht fein, praktische Arbeit aber, die allen Menschen die Möglichkeit zum Leben und Schaffen gibt, ist unsäglich viel mehr. Dabei brachten einige Redner zum Ausdruck, daß diese Maßnahme eine Aktion gegen die Jungsozialistenbcwegung sei. Ollenhauer betonte, die Erhöhung der Altersgrenze bedeute die Santionierung eines bestehenden Zustandes. Es komme aber auch darauf an, für die Aelteren ein« politische Erziehung?- u r b e i t zu leisten, die jetzt in der Jungsozialistenbewegung nicht garantiert wird. Ein Antrag Mecklenburg-Lübeck. alljährlich eine Reichs- werbewoche zu veranstalten, wurde einstimmig angenommen, alle Anträge, die die Zeitschrift betreffen, wurden dem Hauptvor- stand überwiesen. Die Haltung des Hauptvorstandes und der Internationale zur Frage der Rußlanddelegationen wurde gebilligt. Die Heraussetzung der Altersgrenze aus 20 Jahre wurde mit großer Mehrheit beschlossen, dabei aber betont, daß dieser Beschluß keine Ablehnung der Jungsozialistenbewegung bedeutet. Nach Annahme einiger anderer Anträge folgte ein Referat des Parteivorsstzenden Genossen Hermann Aküller-Franken über das Thema: „Der Kampf um den SozlaNsmu» In Deutschland und die Zugend." Er gab einen geschichtlichen Rückblick auf das Werden und Wachsen der Sozialdemokratie in Deutschland und betonte, duß trotz oller Erfolge des Sozialismus der Weg zu unserem Endziel voch ein langwieriger und steiniger sei. Wir können beute nickt sagen. mi« lange wir noch arbeiten und kämpfen müssen. In der fast zwei Menschenalter langen Periode des Kampfes um den Sozialismus ist uns eins jedoch klar geworden: der.Kapitalismus blieb nicht auf dem Standpunkt der SOer und 70er Jahre stehen, sondern verstand es. sichneuenLagenanzupassen. Der Redner erläuterte dann in großen Umrissen die weltvolitische Lag«, so wie sie durch den großen Krieg geworden ist. Die wirt> schaftliche Konkurrenz Amerikas, da, Erwachen der nationalen Be- wegungen Chinas und Indiens zwingen die europäischen Völker zur internationalen Lersrändigung, zwingen aber auch den Kapita- lismus zu starker Konzentration. Beispiele hierfür sind der Stahl- trust und die Vertrustung der chemischen Industrie. Da entsteht die Frage, ob der europäische Kapitalismus amerikanische Formen annehmen könnte. Bei dem größeren Einfluß der Sozialisten in Europa aus das Staatsleben ist das gor nicht zu erwarten. Der Sozialismus steht dem Amerikanismus entgegen. Das lehrt aber auch, daß es noch viel mehr als bisher gilt, die Ge- fetzgebung der Staaten für die Interessen de» Proletariats auszu» nützen. Für diese Aufgaben muß die Jugend frühzeitig vorbereitet werden, denn In der DemokraNe sind wir der Staat. Je mehr wir uns darum kümmern, je besser wird e» werden. Für die Erreichung unseres Ziele» brauchen wir aber noch viel mehr Menschen, die an allen Stellen im Staate in unserem Sinne wirken. Die Jugend muß herangeholt werden, um mitzuhelfen, die Last der Bedrückungen abzuwerfen und mit Glauben und Begeisterung um da» Endziel zu kämpfen. Am Sonntag morgen wurde zunächst über d!« Neuregelung der B e I t ra g s f r a g e verhandelt. Ein vorliegender Vorschlag, der einen Mindestbeitrag von 40 Pf. im Monat vorsah, bewilligt dem Hauptoorstand davon 3 Pf. Das Eintrittsgeld wurde auf 20 Pf. festgesetzt, wovon für kostenlose Lieferung von Mitglieds- büchern usw. 10 Pf. abgeführt werden müssen. Mit großer Mehr. beit wurde dem Dorschlag zugestimmt, so daß die restlichen Anträge sofort erledigt werden konnten. Von diesen ist erwähnenswert eine Ausforderung an die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion. die Heraussetzung des Wahlalters abzulehnen, und eine Stellungnahme gezen den Entwurf eines Gesetzes zur Bc- Währung der Jugend vor Schmutz und Schund. Die Wahlen zum hauptoorstand erfolgte» einmütig. Es wurden gewählt Wcstphal, Dicdcrich. Boiur, Fröhbrodt, Iuchacz, H. Schulz, Bartels und Lohmann(Berlin'), außfirbeni Schröter-Leipzig. Jefsc-Rostock. Hofmann-Dortmund und Epikgel-Siutigart. Zum Revisor wurde gewählt Roteuberg-Bielc- feld. Als Delegierte zum Internationalen Jugendkongreß in Amster- dam wurden Westphal, Albrecht. Fröhbrodt-Berlin, Schröter- Leipzig, Waßmann-Bremen, Reitz-Rürnberg, Gnoß-Hamborn und Kunze-Dresden bestimmt. Der Verbandsvorsitzende Max Westphal hielt dann ein Re- scrat über die Ausgaben in der sozialistischen Zugendinlernalionale. Seine Aueführungen waren gewissermaßen eine Vorschau auf die Dfingsttagung in Amsterdam. Nach der Einigung der Jugend. international« in Hamburg hat ein einheitlicher Wille die Arbeiten der Internationale bestimmt. In den Vordergrund aller Ausgaben ruckt der Kamvf um den Frieden. Auf internationalen Kongressen der bürgerlichen Jugend, z. B. der katholischen und der demokratischen, hat die Fricdensfrage ebenfalls eine Rolle gespielt. Man sprach dort den Wunsch au», mit der sozialistischen Jugend- internationale ein« engere Fsthlung zu bekommen. Diel« wird bereit sein, solche Beziehungen aufzunehmen, wenn es gewünscht wird. Dadurch wird eine Verbreiterung der Frieden»- front erreicht. Das ist nötig, denn die sozialistische Jugendbewe- gung ist in vielen Ländern erst in den ersten Zlntängcn vorhanden, in anderen noch verhältnismäßig schwach. Di« Btdeutung der Kulturarbeit ist in der Internationale nicht mehr umstritten. Wir sehen in verschiedenen Verbänden, welche Erfolge unsere Er- ziehungsarbeit an den jungen Mensch ausweist. Darüber hinaus gilt es an der Iugendwohliahrt mitzuhelfen, was ja in Deutschland schon in erheblichem Umfang getan wird. Unter Ausrechterhaltung der guten Beziehungen zu der politischen und gewertschaftlichen Internationole wird die Förderung dir sozialistischen Jugendbewe- gung in allen Ländern die wichtigst« Auiaabe sein. Mtt anfeuernden Worten des' 2. Borsitzenden Schröter und dem Gesang der Internationale wurde die Konserenz geschlosien. Am Nachmittag tagte in Hildesheim die Exekutive der sozialistischen Iugendlnternationole, unz die letzten Beratungen zum Internatio- nalen Iugendtag Pfingsten in Amsterdam zu treffen. �um Sachfenftreit. Tie Aussteschlofsenen rufen das Schiedsgericht an. In der bürgerlichen Presse wird die Meldung verbreitet, daß die von den sächsischen Bezirksvorständen aus der Partei ousge- fchlossenen 23 Abgeordneten der sozialdemokratischen Fraktion jetzt aus der Partei ausgetreten seien. An der Mitteilung ist kein wahres Wort. Di« 23 Abgeordneten werden gemäß dem Wunsch des Parteioorstandes genau so wie die Fraktionsminderheit zu der am Dienstag in Berlin stattfindenden Parteiausschußsitzung «inen Vertreter entsenden. Wie die Sozialdemokratisch« Pressedienst aus zuverlässiger Quelle erfährt, werden die 23 Abgeordneten gegen ihren Ausschluß gemeinsam entsprechend dem Parteistatut das Schiedsgericht anrufen. ZNinderbeitenlo». Im Deutschen Hause in Mährisch. O st r o u sollte eine össentlich« Versammlung der deutsch-demotrati- schen Freiheitspartei stattfinden, zu der Professor Dr. K a s k o- Prag sprechen sollte. Zu dieser Versammlung waren ouck tschechische Teilnehmer erschienen, allem Anschein nach Faschisten, welche forderten, daß dos'Präsidium aus ihren Reihen gebildet werde. Als der Ernberufer dies ablehnte, erhob sich solcher Lärm, daß der Ein- deruzer feie Versammlung aushebe« mußte, Zwei 5amilientragLSien in der fiöalbertftraße. Hysterie uad Alkohol. Durch«inen Beilhieb wurde gestern nachmittag der Z4jährige Fahrstuhlführer Ernst Lehmann in der Adalbertstr. g von seiner Frau schwer verletzt. Frau Lehmann geb. Lemke verwitwete Rümker, eine Frau von 30 Iahren, ist schon laug« stark h y st e r I s ch. Sie wurde oit von Wutanfällen ergrissen und ging dann gegen ihren Mann tätlich vor. Dieser zog deshalb vor einiget' Zeit von ihr weg, blieb aber in der Adalbertsiraße gemeldet. Trotz des Zwistes beabsichtigte das Ehc- paar, gemeinsam in Fredersdors ein Stück Land zu kaufen. Zur Bc- sichtigung stihr es gestern vormittag nach Fredersdorf hinaus. Nach Berlin zurückgekehrt, lud Frau Lehmann ihren Mann zun, Mittag- essen nach ihrer Wohnung ein. Während des Essens in der Küche bekam die Frau plötzlich wieder einen Wutanfall, für den Lehmann keine Erklärung hat. Sie ergriff«in Beil und versetzte dem Manne niitderSchncideeinenHicbüberdenKopf, Di« Der- letzuizg schien zunächst ungefährlich zu sein. Lehma»» nahm mit Rücksicht aus den kranihasien Zustand seiner Frau von einer Anzeige Abstand. Nach einigen Stunden aber fühlte er sich so schlecht, daß er sich veranlaßt sah. da» Krankenhaus Bethanien aufzusuchen. Hier stellte der Arzt fest, daß der Hieb ein« Knochenzersplitte- r u n g der Schädeldecke herbeigeführt hott«. Der Verletzte mußte sofort operiert werden und liegt setzt bedenklich danieder. Er kann noch nicht vcrnomemn werden Nach seinein Weggang lief Frau Lehmann noch der Revierwache und teilte unier 5? e r z» und Schreikrämpsen mit, was vorgefallen war. Sie mußte nach der Charitc gebracht werden.— Abends gab es wiederum in der Adalbertstraßc, in dem Hans Nr.««. dos dem anderen schräg gegenüber liegt, eine groß« Slufreoung. Hier wohnt der Ehousseur Karl P i e t r o w s k i mit seiner Frau und seinem 3 Jahre alten Kinde. Pietrawski kam abends betrunken nach Haus« und schrie, al» seine Fra» ihm Vorhaltungen macht«:„Ich gehe nach Ruhland: heute muß noch Blut fliehen!" Dabei zog er sein Taschenmesser und stürzte sich aus da» Kind. Di« Frau warf sich dazwischen und erhielt einige Stiche in den Oberarm, während das Kind mit eini- gen leichten Schrammen davonkam. Auf die Hilferuf« der Frau eilten Nachbarn herbei, die dann die Polizei holten. Pietrowsli, dem die Frau Inzwischen da» Messer entwunden hatte, wurde von den Beamten festgenommen und nach der Wach« gebracht. Eine unglaubliche Roheit. Ein Pferd mit venzin übergössen und angezündet. Den Gipfel der Roheit erreicht sicherlich«in« Brandstiftung. die Im Oktober v. I. In Hohenschönhausen verübt und jetzt von der Kriminalpolizei ausgeklärt wurde. Am Malchower Weg 18 steht ein kleines Hau» mit einer Bäckerei, das an ein Mühlengrund- stück angrenzt und auch dem Besitzer der Mühle gehört. Die Bäckerei wurde seit längerer Zeit von einem Bäckermeister P l a t o w betrieben. In der Nachbarschaft des Grundstückes und auch in der Mühle selbst wurden wiederholt kleinere Diebstähle an Gänsen, Hühnern, Roggen usw. verübt. Im Oktober v. I. brannte der Stall der Bäckerei nieder. Ein altes Pferd erlitt so schwere Brandwunden, daß es nur noch zwei Stunden lebte. Ein Uebergreifen des Feuers aus die großen Stallungen der Mühle wurde von der Feuerwehr mit Müh« verhindert. Dieser Brand und die sortgesetzten Diebstähle fanden letzt eine überraschende Aufklärung. Platow hatte seil April o. I. einen 10 Jahre allen Gesellen Richard Kromm, den er ebenso mißhandelte wie seine eigene Frau. Dieser Geselle verübt« die Diebstähle und auch die Brandstisiung. Wenn er sich weigerte, die Diebstähle, zu denen Platow ihn anstisteie, auszuführen, so erhielt er Prügel Trotzdem wollte er die Stelle nicht oufgebcn, weil er sich in die Tochter des Meisters verliebt hatte. Platow ocranloßte ihn auch, im Okiober d.« n Stall a n z u- zünden. Um aus dem alten Pferd, das darin stand, aber nicht mehr brauchbar war, noch Geld herauszuschlagen, wollte er es verbrennen lassen, nachdem er es für 500 M. versichert hatte. Kramm mußte den Stall säubern, frisches Stroh hineintun, damit L.r besser bräunte und das Pserd gauz mit Beufei» übergießen. Dann steckte er das Stroh an. Das Tier verendete unter großen Qüale». Platow erhielt die Versicherung» summe, und über den Brand war bereits Gros gewachsen, al» jetzt durch die Aufklärung der Diebstähle auch seine wahre Ursache ans Licht kam. Der Meister und fein Geselle wurden verhaftet. ebenso die Tochter Platow». Alle drei wurden vom Unter- suchungsrichter auch in Haft behalten. Kramni legte ein umfassendes Geständnis ab. das auch von der Tochter des Meisters bestätigt wurde. Nur behauptet diese, daß der Geselle aus freien Stücken da» Feuer angelegt und das Benzin aus dem Tank des Motorrades ihres Vaters entnommen habe. Platow gibt die Anstiftung zu den Diebstählen zu, will ober von der Brandstiftung und dem Versicherungsbetrug nichts wissen. Zusammenstöße mit See Polizei. Das Opfer eines leichtfertigen Polizeifchühen. In der letzten Zeit'kam es wiederholt vor. daß Passanten im Kleinen Tiergarten und!» der T u r in st r a ß e von jungen Burschen belästigt oder gar überfallen wurden. Die Polizei wandte daher diesem Smdtviert'ei ein« erhöhte Aufmerksamkeit zu. In der Nacht zu Sonntag ereignete sich abermals ein derartiger Z u- sanimenstoß, der ein Menschenleben tostcie. Gegen 2V4 Uhr kamen dl«! junge Leute durch den Kleinen Tiergarten. Plötzlich wurden die Ahnungslosen von einer Rotte von acht jungen B u r s ch en überfallen und schwer mißhandelt, so daß ihnen nichts weiter übrig blieb, als zu flüchten. Sie meldeten den Vorfall einer Polizeistreife, und die Beamten nahmen sofort die Bersolgung der Rowd'y? auf. Die Burschen hatten inzwischen ebenfalls dos Weite gesucht, wurden aber von den Beamten an der Ecke der Turm- und Bandelstraße erreicht und durch Anruf zum Stehen auf- gefordert. Sie beachteten sedoch die Aufforderung nicht, und einer van ihnen griff in die Iackettaschc. wie um eine Waffe herausz»- holen. Als er dem Zuruf eines Beamten, die Hände zu erheben, nicht Folge leistete, gab der Beamte einen Echußab. Nie- wand schien geirofsen zu sein, denn die ganze Gesellschaft flüchtete weiter und entkam in der Dunkelheit. Lei einer nochmaligen Streife fanden die Beamten aber an der Ecke der Dreyse- und Bandelstraße einen jungen Mann b e s i» n u n g s l o s auf dem Bürgersteig liegen. Sie brachten ihn sofort nach dem Krankenhaus Moabit, wo er jevoch an den Folgen eines Kopfschusses starb. Er wurde ermittelt als ein 19 Jahre aller Arbeitsbursche Willi M ii g l i ch aus der Bandelstr. 17 und gehörte wohl zu denen, die die drei jungen Leute zuerst überfallen hotten. Schon nach der Darstellung dieser Polizeikorrespondenz kann man sich des Eindruck» nicht erwehren, daß der Polizeibeamte sehr leichtfertig den tödlichen Schuß abgegeben hat. Die Polizei soll die Schußwaffe bekanntlich nur in der Notwehr ge- brauchen und Beamte, die durch eine Handbewegung völlig die Nerven verlieren und drauflos knallen, eignen sich nickt für den ver- antwortungsvollcn Streifendienst in den Straßen der Großstadt. Was geschieht mit dem Schützen, der so leichtfertig das Leben eines anderen seiner Angstpsychose opfert? Boccaccio im Rundfunk. Nach und nach bringt der Rundfunk, sicher zur Freude der meisten Hörer, sämtliche Werte Suppe« aus die Sendebühne. An diesem Sonntag war der„Boccaccio" an der Reihe. Das für die Rundfunkhörer nicht immer leicht verständliche Textbuch der Operette, das von Cornelius Bronsgcest allerdings schon geschickt für die Sendebühne eingerichtet worden war, findet in dieser auch dem Laien unmißverständlicher Musik seine beste Verdeutlichung. Man bestätigt dem Rundfunk daher gern, daß die Wohl seiner Sonntogsunterhaltung diesmal einem breiten Hörerkreis angemessen war, was für die Sonnloge von Wichtigkeit ist. Selwar M e y r o w I tz schwang den Dirigentenstob in danken»- und iobens- werter Weife, die Besetzung der Rollen war gut, wenn auch nur der Funkchor wirklich tadellos klappte und mon bei einzelnen Solisten anfangs auf den Gedanken kommen mußte, daß diesmal an Proben gespart worden sei. Eine deutliche Unsicherheit machte sich vor allem mehrfach be! den Einsätzen bemerkbar und ließ erst' im zweiten Teil nach. So kann man immerhin jagen: Ende gut, 01 tt. Groß-Serliner partelaachrichtea. 7. 3rti* Cbetlettenhutg. Heute abent. pünktlich 7 Uhr. wichtige Fraktion»fitzu»g mit den Bürgerdepuuerten im Nathau». Sitzitn-ezunmer l. «. Abt. Die Mitglieder der Bezirke«S5 und 498 miiüen sich heute SB 7 Uhr adend» bei Doorohlaw. Swinemiinder Straße II, einfinden. —■---......—-*ut, 2».?bt. Der Frauenabeud findet nicht bei Rochau bei Burg, Prenzlauer Allee 189. Echliemannfir. statt, sondern Sozialistische firbeiterjugenö Gr.-Serlin «rbeitaaeweinschast«ndreaoplatz(Werbebeziri Osten). Heute. Montag, den 19.. abend« 7", übt. im Jugendheim Kr. Franlfurter Str. lk. Bortrag!»Pionierarbeit der Bölkerocrliihnung in den nordischen und baltischen Ländern". Sport. Der 2. Rinniag der Olqmpiabohn. Der zweite Renntag, den die Olympiaradrennbahn in dieser Saison veranstaltete, konnte gutenJBesud) aufweisen. Bei den Dauer. rennen hatten sich dem Starter Sawall, Wittig, Fejo. Le- w a n o w und L e j o u r- Belgien gestellt. Audi die Fliegerrennen für Berufsfahrer und Amateure waren gut bc setzt. Walter Sawall zeigte ain gestrigen Renntage noch nicht seine gewohnte große Form. Muhte er doch im Zehnkilometer- Rennen Lejour den Sieg überlassen. Dritter wurde Lewanow vor Feja und Lewanow. Aiich im„Preis von Friedenau" über 2Z Kilometer sah man den Matador der Olympiabahn nicht an erster Stelle. Feja, der den ersten Startplatz gelost Hatto(es wurde bei allen drei Rennen fliegend gestartet), muhte infolge Motorslha- den weit zurückgehen und die Führung an Le w a n o w abgeben, die dieser auch vor Wittig, Lejour und Sawall hielt. Der�„G rohe Frühlingspreis" über ZO Kilometer sah wieder Feja auf dem ersten Startplatz und später als Sieger. Das Malfahren und das Borgabcfahren für Be- r u f s f a h r e r sah in beiden Angelegenheiten den langen Schräge als Sieger. Das Malfahren für Amateure gewann K i e ß- l i ch. während das Borgabefahren W. Frack holte. Resultate: Malsahren für BerufSsahrcr, 1AX) w. 1 S ch r a g e, 2. Schwab, 3. Stolz, 4. Erxleben.— Vorgabesahren für Berustjadrer. 1. Schräge(Orn Vorgabe), 2. Reinauä(70), 3. Öinsentt(50). 4. Srxleben(20).— Olympia-PreiS, 10 km. 1 Lejour 8 Min. 22.1 Sek., 2. Sawall 4 in, 3. Vitiig 300 m. 4. Feja 340 m, 5. Lewanow 310m zurück.— Preis von Friedenau, 23 km. l. Lewanow 20 Min. 52,3 Sek., 2. Vittig 60 m, 3. Lejour 220 in, 4. Sawall 250 m, 5. Feja 1710 m zurück.— Malfahren für Amateur«, 1200 m 1. K i- h l i chlVCtl. Brest. Hcrrenf.), 2. Graue sV N C. 89), 8. W. Packcbujch(Goncotbia), 4. Beineit(Goncordia).— Vorgabefahren für Amateure, 1600 m. 1. Frack(Gl. BreSl. Herrenf.t 110 ra Vorgabe, 2. Kilt«(Goncordia) 120 m, 3. F. Lebmann „chei: Lolale, und Eonftt«»: Z-i»«arstÄ»,: Anzeigen: ZV Stock«; sämtlich in Berlin. Bettoä: B-rwärto-Berlaa®iin. 6. H., Berlin. Bruck: BorwSrls.Bu»druckcrei und B-rl-azanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD 68. Lindcnstrafie Z. niidie IM Cbarlettenburg 8 Uhr Elektra Abonh-Turnus II MI.lI.Meii! Täglich 8 Uhr; PriDieuiD Hosdi Musik v. L. Jessel WM MW Norden 10384—38 8 Uhr; Mord �stke-Ännae? Täclich Koithusser Str.6 8 Uhr Der neue Schlager 3 Uhr „VennFrauenstrelKen" and der große äoloteil. Reichshallen- Theater Abcadi 8 llbr und Sonotags nachmittag» 3 Uhr Stottlner SSngor Parke« I M„ Logen 2 M Kl*«, kite Prd«. llilie» itnifrinr Tageskasse>1—2 Uhr. Dönhoff-Brettl An'an» 8 Uhr. Sonntags»>/, Xamoerspieli Norden 10334—38 8 Uhr: ..... Die liadtteo IdeideD..." Die Komüdie Bismarck 2414, 7316 8 Uhr Zum SO. Mal VIKforia Eroßes Sehaospielbius TAGLICH 800 itaTtusi Zoo Allabcndl. 8 Uhr; Guido Stöpsel llsiHftthc Pntittl-». Put Tal. J-4 1.(Met- FasM 5*. Seal i IL Preisabbau auf allen Platzen! Eintritt....... MB. 0,75 Lote and Terrasse. l«. 9,- Speisekarte verbillin! Kein Weinnrang: Sonniaü nadmütla* S'/j Ohr ermEhllie Preise_ WEM- Rauchen gestattet! TW Pianos ohne Anzahlung Bequemste TeUzahlang Preise von RM. 800,— an Jörzey Poudamer Str. 30 fumpettfÄ. Enetriiilf. Prcoiuts gratis I Mlaökcl Paoieifijrt. B«li> Nil. I BeiiiAnkirtcr llnti«>. I Krause- Pianos zur Miete Ansbacber Str. 1, Fdtt�grfintwitnlt DER KLEIKE BROCKHAUi Preis M. 23,- Zu beziehen durch J. H.W.DIetz NacM.G.in.b.fl. Berlin SW. 68, UndenstraBe 2 (Abteilung Sortiment) und sämU. Vorväm-Aasgibcstelten Verkäufe II Musikinstrument� SitHUcane(Richter.Priuiston). Sidjtt- beils-ffioIMüDfebctbalttt. Buccaubebarf». heus Lindner. Neukölln. Steuer. Kriedrich-Sircfie 86,�7. «--derrncksäcke. Strohsöck«. Markisen Polstermcterial. Zeltbahnen. Leiter. wagen, Zstchenmöbel. ülrbeitsticch«, bil- ä*'"cflttttet. S-ttner. Neukölln. Rcchardstrcßr 9.- £r!