Ar. 168. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei tn's Haus. Einzelne Nnniincr o Psg. Sonntags-Nuinmer mit illuslr. Sonntags-Beilage„Neue Wclt"I0Pfg, Post-Abonnement: 3,30Mk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland ZMk. pr.Monat. Eingetr. in der Post-ZeitungS-Preislist« für I8SS unter Nr. 7128. 12. Jahrg. Znsertions-Eebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitjetle oder deren Llauin«0 Pfg., für Bereins- und Berfannnluugs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nunimer müssen biS 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die ExpedUio» ist an Wochentagen bis? Uhr Abend», an Sonn- und Festlagen bi» s Uhr Bor- inittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1608, Telegramm-Adresse: „Keiialdemokrat Kerl in!' Verliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Das MgrAvprogvÄinnr. Es war vorauszusehen, daß die Veröffentlichung des Programmentwurfs der Agrarkommission alle jene Urtheile und Einwendungen wieder in der gegnerischen Presse hervor- rufen würden, an die wir schon gewöhnt sind, sobald es sich in unseren Reihen um Erörterungen über die Taktik oder um Programmforderungen der Partei handelt. Kein Eiiiwand, der nicht schon früher bei so und so viel Gelegenheiten gemacht wurde, kein Urtheil, daß wir nicht schon bis zum Ueberdruß gehört hätten. Neben- bei hat uns das Lesen der gegnerischen Urtheile über den Programnientwnrf einige vergnügte Stunden bereitet, denn es wirkt z. B. erheiternd, stellt man wie die Gegner mit der Miene des Wissenden über das Zustandekommen des Programms Behauptungen auf, die den wirk- lichen Vorgängen so wenig als möglich entsprechen. Auch fehlt es wieder nicht an den üblichen Weissagungen und Prophezeiungen,„daß die Partei sich immer mehr zu einer radikalen Reformpartci entwickele",„ihren revolutionären Charakter verleugne", und was dergleichen mehr ist. Be- Häuptlingen, die seit vielen Jahren sich von Zeit zu Zeit wiederholen, dadurch aber nicht ivahrer geworden sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, das Programm in seinen Einzelheiten zu erläutern und darzulegen, wie diese und jene Fassung entstanden ist. Das ist die Aufgabe des Referenten der Kommission auf dem Parteitag. Für uns handelt es sich nur darum, darzulegen, welche Aufgabe die Kommission vom Parteitag in Frankfurt bekam, wie sie ihre Ausgabe auffaßte und ausführte und eine Reihe von Jrrthümern zu berichtigen, die vielfach in der gegnerischen Presse, hier und da aber auch in den Reihen der Partei- genossen aufgetaucht sind. Bekanntlich ist die Erörterung der Agrarfrage auf dem letzten Parteitag in Frankfurt insofern eine ungenügende gewesen, als außer den beiden Referenten(Vollmar und Schoenlank) nur wenige Redner zum Wort gekommen sind. Außer solchen, die ihre besonderen Anträge begründeten, kamen nur drei Redner zum Wort, dann wurde Schluß der Debatte angenommen. Dieser Gang der Verhandlungen war weder geeignet volle Klarheit über die prinzipielle Stellung der Partei zur Agrarfrage zu verbreiten, noch war es möglich in die Erörterung der praktischen Vorschläge einzutreten, die von dieser und jener Seite gemacht worden waren. Auf gruud der angenommenen Resolution wurde ein besonderer Agrarausschuß von 15 Personen niedergesetzt, dessen nächste Aufgabe es sein sollte,„ein besonderes agrar- es Verlinvr ZUÄrzksge. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Vorsichtig Umschau haltend, schritten sie zwischen dem städtischen Arbeitshause und dem Königstädtischen Theater hindurch, dem Alexanderplatz zu. Lebhaftes Geknatter tönte ihnen entgegen. Das erste Eardercgiluent hatte seine Vorposten über die Königsbrücke vorgeschoben und suchte um jeden Preis der großen Ver- schauzuug an der Neuen Königstraße beizukonimcn. Allein von den Fenstern und Dächern des Platzes ward ein heftiges Feuer auf die Vordringenden eröffnet, daß sie es vorzogen, sich in der Nähe jener Mehlsack- Barrikade an der Brücke zu halten, deren Eroberung den Sieg der Truppen in der Königstraße gekrönt hatte. Behutsam ging Grams mit seiner kleinen Schaar im Schatten des Theatergebäudes vor— dann ließ er halt machen, überschaute den Platz und erwog, wie er ungefährdet zwischen den beiden Feuern nach einer der jenseits gelegenen Barrikaden gelangen könnte. „Da drüben müssen wir hin," sagte er leise zu seinen Begleitern, indem er nach dem Eingang der Neuen Königstraße wies.„Jebt acht, wenn ick winke, Jungcns: dann jcht's mit Hurrah über'n Platz und jeder seh' zu, wo er bleibe!" Jetzt knallten Schüsse von der Königbrücke, immer lebhafter, immer mehr: dann entstand eine Pause. „Nu ha'm se mit Luft jeladen," sagte Fritze Grams— „vorwärts, Kinder!" Mit lautem Hurrahgeschrci, das die Bürgerlichen vom Feuer abhalten sollten, stürzten die Verwegenen.über den vom hellen Mondlicht beschienen Platz. „Hurrah! Hierher!" tönte es von der Barrikade ihnen zur Autwort. Aber schon hatten auch die Soldaten sie bemerkt und Feuer auf sie gegeben. „Aaskröte verdammte!" durchzuckte es Grams— „Hab en sie mir doch eins ausgepelzt!" Eine Kugel war ihm in den Unterschenkel gedrungen; ex konnte nicht weiter und brach wenige Schritte von der politisches Programm aufzustellen, das die dem Bauern wie dem Landarbeiter besonders nützlichen n ä ch st e n Forderungen des Erfurter Programms in einer dem Verständniß der Bevölkerung angemessenen Darstellung erläutert und ergänzt". Die Aufgabe des Agrarausschnsses war also eine klar umschriebene. Ter prinzipielle Theil des Programms blieb hiernach unangetastet, welcher lautet: „Das Privateigenthum an Produktionsmitteln, welches ehedem das Mittel war, dem Produzenten das Eigenthum an seinem Produkt zu sichern, ist heute zum Mittel ge- worden, Bauern, Handwerker und Kleinhändler zu expro- priiren und die Nichtarbeitcr— Kapitalisten, Großgrundbesitzer— in den Besitz des Produkts der Arbeiter zu setzen. Nur d i e Verwandlung des kapi- tali sti schen Privat eigen thunis an Pro- d u k t i o n s m i t t e l n— Grund und Boden, Gruben und Bergwerke, Rohstoffe Werk- zeuge, Maschinen, Verkehrsmittel— in gesellschaftliches E i g e n t h u m, und die Um- Wandlung der Waarenproduktion in sozialistische, für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion kann es bc- wirken, daß der Großbetrieb und die stets wachsende Ertragsfähigkeit der geftllschaftlicheu Arbeit für die bisher ausgebeuteten Klassen, aus einer Quelle des Elends und der Unterdrückung, zu einer Quelle der höchsten Wohlfahrt und allseitiger harmonischer Vervollkommung ivcrde." Wenn nun dennoch ein großer Theil der gegnerischen Presse ausspricht:„Der Programmentwnrf habe die Grund- lagen der sozialdemokratischen Wirthschaftsordnnng, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel leichten Herzens zum alten Eisen geworfen"(„Volk"), oder:„Die Partei verschleiere durch das Programm die eigenen Endziele" („Köln. Volkszeitung"); oder:„Es handele sich darum, die Landwirthe glauben zu machen, daß der Zweck der vor- geschlagenen Programmsätze sei, die Verleugnung des ersten grundlegenden Theils des Partei-Programms herbeizuführen" („Nationalliberale Korrespondenz"); oder:„In dem Entwurf werde das Programm, daß die Pro- duktion der Allgemeinheit gehöre, verleugnet"(„Berliner Tagebl.") u. s. w. u. s. w., so sind das Urtheile, die wieder einmal zeigen, daß unsere Gegner, trotzdem sie sich seit Jahrzehnten fast Tag für Tag mit der Sozialdemokratie beschäftigen niüssen, das eigentliche Wesen der Partei nicht kennen und verstehen und daher immer und immer iv i e d e r zu Trugschlüssen kommen, durch welche sie sich und ihre Leser an derNase herumführen. Verleugnete die Sozialdemokratie ihre prinzipiellen Barrikade zusammen, hinter der eben Ferdinand mit seinen Freunden verschwand. Ephraim Fisch blieb zurück und suchte den Verwundeten aufzurichten, doch wehrte ihm Fritze Grams. „Machen Se, det Se rieber kommen," drängte er, „hör'n Se nich, wie sie pfeifen?" Die Garden hatten die beiden Freunde scharf aufs Korn genommen, aber ein Hagel von Geschossen, den die Bürgerschützen entsandten, trieb sie nach der Brücke zurück, während gleichzeitig von der Barrikade den Verwundeten Hilfe nahte. „Et is nich schlimm, Kinder," sagte Grams zu den beiden kräftigen Männern, die ihn aufhoben.„Die meenten woll, ick hätte det Herz in de Hosen sitzen!" Die Thür des Eckhauses, das die große Barrikade zur Linken flaukirte, ward von innen geöffnet, und sie führten, von Fisch unterstützt, den Verwundeten hinein. Sie be- traten einen geräumigen Hof, der von sieben verschiedenen Häusern umgeben war und in seiner nächtlichen Belebtheit das malerische Bild eines Kriegslagers darbot. Dieselben Szenen, die Grams an der Rathhausbarrikade gesehen, boten sich auch hier seinen Blicken dar: dort reparirte ein Schlosser die Büchse eines Schützen, da war ein Zinngießer mit der Anfertigung von Kugeln beschäftigt, Frauen und Kinder machten Patronen oder vertheilten Kaffee unter die Schützen, Aerzte und Barbiere eilten mit Verbandzeug hin und her. An Munition war kein Mangel: man hatte alle Vorräthe aus dem Schützcnhause herbeigeschafft und überdies ein paar Fässer mit Schießpulver erbeutet. Für den Fall eines Brandes waren Feuerspritzen aufgestellt, alle Vorbereitungen waren, mit einem Wort, aufs beste getroffen. Unter den Kämpfern aber herrschte eine zuversichtliche, beinahe festtägliche Stimmung, die von dem düsteren Trotz der Rathhausvertheidiger auffällig abstach. „Grams- Fritze! Junge! Wie kommst denn Du hierher?" rief ein Barrikadenkänipfer im Schützenrock, der sich gerade Patronen holte, dem Ankömmling entgegen. ,,Uf eeue Pote, wie Du siehst," scherzte Fritze Grams, die ihm dargebotene Rechte schüttelnd. Während ein Arzt seine Wunde untersuchte, berichteten die beiden Vereins- brüder einander von ihren Erlebnissen. „Na, hier bei uns könu'n se noch lange knabbern", Forderungen, so hörte sie auf Sozialdemokratie zu sein, und wollte sie ihre Ziele verschleiern, es wäre das thörichtste was sie thun könnte, unsere Feinde würden ein solches Verhalten ausnutzen und die Partei hätte den Schaden. Die Sozialdemokratie hat keinen Grund, unter falscher Flagge und mit geschloffenem Visir zu kämpfen, sie ist durch ihr klares Programm, durch die Ehrlichkeit, die Offenheit und RückHaltlosigkeit ihrer Kampfweise groß geworden und ihr Programm und diese Kampfweise werden sie zum Siege führen. Es ist daher auch eine Selbsttäuschung g r ö b st e r Art, wenn die„Freisinnige Zeitung"— und ähnlich äußert sich die „Staatsbürger-Zeitung"— bei der Besprechung des Pro- grammeutwurfs sagt:„Die Einfügung der Worte in die Eingangsformcl zum zweiten Theil des Programms„im Rahmen der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung" stelle ein Zugeständniß an diejenige Richtung dar, welche die nächsten Ziele der Partei aus taktischen Gründen in den Vordergrund stellte. Das Programm bekunde daher weiter ein Abrücken von den revolutionären Zielen, die Partei habe sich wieder einmal gemausert." Diese Auffassung ist grundfalsch. Der Satz„im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung" ist keines- wegs neu. Im dritten Theil des alten Gothaer Partei- Programms hieß es ebenfalls:„Die Partei fordert inner- halb der heutigen Gesellschaft".") Des weiteren aber besagt der Satz für jeden, der lesen kann, nur: was jetzt folgt, ist innerhalb der heutigen, der bürgerlichen Gesellschaft, zu verwirk- lichen, es i st also nichts S o z i a l i st i s ch e s. Die Sozialdemokratie beginge eine Utopisterei, wollte sie, so lange die bürgerlichen Ideen noch die Gesellschaft bc- herrschen, von der bürgerlichen Gesellschaft die Verwirk- lichnng s o z i a l i st i s ch e r Forderungen verlangen. Das ") Unser Wiener Bruderorgan die„Arbeiter-Zeitung" macht gegenüber einer Ausführung der„Neuen Freien Presse", die ähnlich wie jene der„Freistnnigen Zeitung" über den Programmentwurf lautete, die Bemerkung, daß es auch im Programm der österreichischen Genossen heißt:„Soll noch innerhalb des Rahmens der heutigen Wirthschaftsordnung das Sinken der Lebenshaltung der Arbeiterklasse, ihre wachsende Verelendung einigermaßen gehemmt werden" u. s. w. u. s. w. Und weiter bemerkt die Redaktion der„Arbeiter-Zeitung" gegen die„Neue Freie Presse":„Vielleicht ist der Mann jetzt auch der Meinung, daß die österreichische Sozialdemokratie ein„verwässertes" Programm hat. Schuster, bleib' bei deinem Leisten, das heißt: schreibe Artikel über die Börsenkurse und laß die Hände von Dingen, die du nicht verstehst." meinte der Schütze, seinen Ladestock aus dem frisch geladenen Büchsenlauf ziehend. „Pusten wer'n wer ihn' wat, so wahr ick de Bollen bin!" Fritze Granis wandte sich nach der Sprecherin um: es war in der That Frau Boll, die beherzte Heldin des Kar- toffelkrieges. Freundschaftlich lächelnd trat sie auf den Bäckermeister zu und reichte ihm eine große Tasse dampfenden Mokka zum Willkommen. „Da schlägt's Dreizehn" rief Fritze Grams nicht ohne Ueberraschung—„die Frau muß doch überall ihre Reese haben!" „Det wird sich ooch so jchören", versetzte die runde kleine Dame schlagfertig.„Wenn se de Männer dotjeschossen haben, fechten de Underröcke weiter." „Niedertracht is et, de rcene Niedertracht!" ließ jetzt eine Stimme aus dem Hintergründe sich vernehmen.„Hat se mir nich for ihr letztes Achtjroschenstück angaschirt, weil se partu per Eklipasche nach'n Schloßplatz wollte? Und wenn sie wenigstens die lausigen acht Jroschen bezahlt hätte — aber nee!" „Wenn de Tonr zn Ende is, gicbt's Geld— andersch nich, Vader Schnitze!" sagte Frau Boll mit boshaftem Lächeln. Dem armen Vater Schnitze war es in der That recht traurig ergangen; mitten auf der Fahrt hatten die Barri- kadenmänner ihn angehalten, seinen Gaul ausgespannt und das schmucke kleine Fuhrwerk, trotz des lebhaften Protestes seines Besitzers, als willkommenes Material zum Ausbau der Barrikade verwandt. Scheltend und jammernd war Vater Schnitze auf dem Platz geblieben und bewachte mit Argusaugen sein in einer Ecke des Hofes untergebrachtes Pferdchen, damit nicht auch das noch von den Unmenschen als Baumaterial benutzt würde. „Wat bin ick nu for'n Fuhrherr, ohne Droschke!" sagte er knurrend beim Schluß seines Berichts, den Fritze Grams halb theilnehmend und halb belustigt angehört hatte.„Grad' wie'ue Peitsche ohne Stiel, an d>e keene Schnur nich dran is. Aber det sag' ick, so wah» jick Schultze heeße: jeden Fennich laß ick mer ersetzen, un de Zeitverseimniß dazn!"i „Lassen Se man, Vader," sagte der Bäckermeister bc- schwichtigcnd.„Wenn alles vorbei is, wer'n Se eenfach aus de Landcskasse entschädigt." verlangt fein verständiger Sozialdemokrat und die Partei hat sich von einer solchen Utoplsterei stets ferngehalten. Was im ganzen zweiten Theil unseres Programms ge- fordert wird, könnte von jeder ehrlichen radikalen bürger- lichen Partei, die auf dem Boden voller politischer Gleich- berechtigung steht und die Nothwendiakeit gründlicher sozialer Reformen auf dem Boden der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung für unumgänglich hält, ebenfalls gefordert werden. Das, was wirklich sozialistisch am Programm ist, dessen Verwirklichung all ein die sozialistische Gesellschaft ermöglicht, steht im ersten Theil des Programms, und das scharf und klar für jeden hervorzuheben, der das Programm liest, war der Zweck der erfolgten Einschiebung. Der zweite Theil des Programms, wie es jetzt besteht, einschließlich der Zu- sätze, welche die Agrarkommisfion beantragt, könnte bis auf das Tüpfelchen über demJ verwirklicht sein und wir hät.ten dennoch keinen sozia- l i st i s ch e n Staat bez. keine s o z i a l i st i s ch e Gesellschaft; wir besäßen alsdann nur ein rein demo- kratisches Staatswesen mit radikalen sozialen Reformen, aber die bürgerliche Gesellschaft bestände noch. Freilich nicht mehr lauge. Denn hätte die Sozialdemokratie einmal die Macht, ihre nächsten Forderungen sämnitlich zu verwirk- lichen, so hätte sto auch die Macht, ihre sozialistischen Forderungen durchzuführen. Es giebt keine bürger- liche Partei m Deutschland, welche gewillt ist die gesammten Forderungen im ziveiteu Theil des sozialistischen Programms verwirklichen zu helfen, obgleich sie keine sozialistischen sind. Hier ist die Partei auf sich selbst angewiesen. Wir sind eben in Deutschland dahin gekommen, daß das Bürgerthum alle seine früheren Ideale, und zwar aus Angst vor der Sozialdemokratie, preisgegeben hat. Die Sozialdemokratie ist daher in der seltsamen Lage, für die idealen Forderungen des Bürgerthnms, weil diese auch die Stärkung der politischen Macht des Proletariats bedeuten, eintreten zu müssen, ivobei sie fast überall vom Bürgerthum im Stich gelassen und sogar bekänipst wird. Wenn dennoch jetzt von den verschiedensten bürgerlichen Blättern, von den konservativen bis zu den demokratischen, höhnend oder ab- sprechend eingewandt wird, was in dem Agrarprogramm verlangt werde, seien alles Forderungen, welche bald diese bald jene bürgerliche Partei auch schon gefordert habe oder noch fordere, so ist das buchstäblich wahr. Aber, und das ist das entscheidende, es giebt keine bürgerliche Parteiin Deutschland, biege neigtwäre diese Forderungen in ihrer Gesammtheit und namentlich in Verbindung mit den übrigen Forderungen des zweiten T h e i l s unseres Programms zu akzeptiren und nur in diesem Zusammenhang ist ihre Ausführung zu benrtheileu. Was also im Agrarprogramm gefordert wird, sind in Wahrheit bürgerliche Forderungen, welche auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft verwirklicht werden kcimten, ohne daß sie deren Grundlagen verändern. Aber es sind auch Forderungen, von welchen die„Köln. Volks- Heilung sehr richtig bemerkt: Es s e i a l l e s in ihnen auf die Spitze getrieben. Mit an- dercil Worten: die Forderungen sind so formulirt, daß die bürgerlichen Parteien ihnen nicht zustimnien werden, aus Äugst vor den Wirkungen und den Kon- seq nenzen. Hat doch das Organ des Bundes der Landwirthe, also der Agrarier xar excellevce, die„Deutsche Tageszeitung", von dem Programmentwurf nicht ein Wort gebracht, obgleich nach dem Urtheil einiger bürgerlicher Blätter die Agrarier die größte Freude an dem Programm- entwurf haben sollten. Der Bund der Landwirthe würde sofort gesprengt, nähme ein Theil seiner Mitglieder, voraus- gesetzt, daß dies möglich wäre, auch nur den größeren Theil der Forderungen des Programmentwurfes an. A. B. polMfche Avbevpcht. Berlin, 20. Juli. Der tobte Stambulow scheint seinen Feinden wirk- lich gefährlicher zu werden, als der lebende es war. Die Gefahren, welche deni Weltfrieden von einer Politik drohen, die zu derartigen Scheußlichkeiten Zuflucht nimmt, sind durch diese Greuelthat so deutlich vor Augen gerückt worden, daß eine Einmischung des nichtrussischen Europa unver- »leidlich erscheint. Die Einmischung würde voraussichtlich nur eine platonische sein, aber das Ministerium S a l i s- b u r y, das jetzt fest inr Sattel sitzt, wird sich mit „Nu halten Sie'n ollen Mann ooch noch for'n Narren!" brummte Vater Schultz?.„Ne, Eire Rew'lutzion Hab' ick in'n Magen." Voll gerechter Entrüstung zog er sich zu seiileil Braunen zurück. Die Blessur, die Fritze Trams davongetragen, hatte sich als eine stark blutende, aber sonst ungefährliche Fleisch- wunde erwiesen. „Da könn' wer ja gleich wieder losziehn," meinte er vergnügt, als der Arzt ihm den Verband angelegt hatte. Der Medikus aber widersetzte sich seiner Absicht so ent- schieden, daß Grams dazubleiben und an der Seite seiner Schützenbrüder weiterzukämpfen beschloß. „Ick bleib' natürlich bei meinen Mecster," rief Ferdi- nand Wernicke, der gleich den übrigen Theilnehmern des kecken Ausflugs unversehrt hinter die Barrikade gelangt war. „Und wir gehen zurück niit linksum kehrt," verfetzte Ephraim Fisch.„Mit dem nöthigen sind wir versehen." Sie hatten den Weg nach dem Schützenhaus in der Liuienstraße gespart: man hatte ihnen an der Barrikade so viel Rtunition gegeben, daß sie ganze Stadtviertel damit hätten vertheidigen können. „Grüßt mir das Köllnische Rathhaus", rief Grams den Scheidenden zu,„und haltet den Nacken hübsch steif, Jungens!" Um den Rückmarsch der Munitions-Kolonne zu decken, hatten die Barrikadenschützen ein lebhaftes Feuer auf die Stellung der Garden eröffnet. Auch die drei Böller, die aus dein Cchützenhause herbeigeholt und auf der Barrikade aufgepflanzt worden waren, krachten noch einmal los. Ehe- malige Artilleristen bedienten diese„Kanonen des Volkes", die sonst nur zum Salutschießen bei den Festlichkeiten der Schützengilde benutzt worden waren und jetzt mit ihren Ladungen von Eiscnstücken, Nägeln und Murmeln den: Gegner einen ganz gehörigen Respekt einflößten. (Fortsetzung fotgt.) papierenen Protesten wohl kaum begnügen. Lord Salis- bury wgr in bezng auf Rußland und die orientalische Frage einer Meinung mit Disracli, und auf dem Berliner Kongreß im Jahre 1878 wären er und Disraeli es, die den Friedensvertrag von Sankt Stefano in den Papierkorb warfen, und den Russen einen Theil der Beute ans den Zähnen rissen. Die Gerüchte von der Abdankung oder richtiger Absetzung des bulgarischen Koburgers haben in London ihren Ursprung; und in Petersburg wird mau ver- muthlich bald zu der Ueberzeugung gelangen, daß der „ T e m p s", das Hanptorgan des französischen Bürger- thums, recht hat, wenn es die Ermordung Stambulow's UN criws et uns faute nennt— ein Verbrechen und einen Fehler.— Von einer intersiarlainentarischen Konferenz der sozialistischen Parlamentsfraktionen spricht die „Jndepcudance Belge". Der Zweck sei die Errichtung eines „sozialistischen Verbandes". Tie Konferenz solle im August in Brüssel zusammentreten. Dazu sei bemerkt: Schon im vorigen Jahr bestand ein solcher Plan, ließ sich jedoch nicht verwirklichen. Neuerdings ist, wie wir von französischen Fraktivnsgeuossen erfahren, der Plan in Belgien wieder aufgetaucht. Eine Einladung haben wir aber bis jetzt nicht erhalten.— Die gefälschte Cmser Depesche. Eine national- liberale OrdUuugssäule, kein anderer als Dr. Hans Blum, hat sich über die Bismarck'sche„Reaktiolls"-Arbeit wie folgt ausgesprochen: „Erst am 13. Juli(1870) hatte Gras Bismarck in den Lauf der Ereignisse eingegriffen, denn mittelbar oder unmiltelbar von ihm muß jenes Extrablatt der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" aus- gegangen sein, welches am Abend des 13. ausgegeben wurde, und welches, den Spieß umkehrend, den Franzosen die Alternative stellte: Demüthigung oder Krieg! Die Miltheilung der„Norddeutschen Zeitung" bestand nur aus neun Zeilen, weitläufig und recht deutlich über die Breite des Blalies hinweggedrnckt, und aus zwei Sätzen, deren erster Benedelli's unverschämte Forderunge» miltheilte, und deren zweiter sagte: „Se. Majestät der König hat es darauf abgelehnt, den französischen Botschafter nochmals zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, daß Se. Majestät dem Botschafter nichts weiter mitzuthcilen habe."" „Ich habe das Extrablatt, wie ich es damals nach Hause trug, vor nur liegen, und es ruft mir jenen Abend so lebhaft zurück, daß ich sür eine Stunde Sldolph Menzel sei» möchte, um die merkwürdige Szene malen zu können. Es war Abend gegen 3 Uhr, ein schwüler Abend nach einem heißen Tage, deren der Juli 1870 so viele mit sich brachte. Die Linden waren voll von Menschen, die dichteste Ansammlung aber war, wie gewöhnlich, bei Krauzler, wo fo etwas wie eine Abcndbörse stallstndet. Es waren in den letzten Tagen bekanntlich noch allerlei Schwankungen vorgekommen, einen Augenblick hatte die Fricdenshoffnung, einen andern die Kriegssurcht die Vorhand: die beiden entgegengesetzten Anschauungen hielte» sich noch immer die Waage. Da kamen um die Ecke der Friedrichstrabe herum die ersten Verkäufer mit ihren lauten Rusen:„Ein Extrablatt der„Norddeutschen Allgenieinen Zeitung"!" Die Industrie der Extrablätter war damals noch jung»nd noch nicht in Verruf gekommen, jeder griff danach, die Nachricht flog wie ein Lauffeuer durch die Menge— durch die Stadt und es gab niemanden, der nicht bei dem Lesen jener Zeilen gesagt hätte: Das ist der Krieg! Jenes„Extrablatt der„Norddeutschen Allgenieinen Zeitung" war die gefälschte Emser Depesche. Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Die nationalliberalen Tcnuiiziantenblätter zetern fort- während nach Anwendung des„groben Unfug"-Paragraphen auf de«„Vorwärts", weil wir eine Fälschung eine Fälschung nennen. Die Dennnzianteublätter scheinen vergessen zu haben, daß ein Prozeß gegen uns den Fälscher der Emser Depesche sammt verschiedenen Freunden auf die Zeugenbank bringen würde, wo mit Meineiden nicht zu spaßen ist.— Die bürgerlichen Journalisten, die vor vier Wochen erst in Hamburg und Kiel im Schweiße ihres Angesichts festlich schmausen durften, sind am Freitag wiederum zum frohen Gelage zusammengekommen. Alt-Heidelberg, die feine Stadt der Korps- studenten und des spaßigen Zwerges Perkeo haben sie sich dies- mal erkoren, um den vierten Allgemeinen Deutschen Journalisten- und Schriftstellertag, wie das Ding ja wohl offiziell heißt, i» geziemender Treue zum Deutschen Reich und zu ihrem angestammten Landesherrn zu begehen. Wie in Kiel mit gnädigster Erlaubniß des aus Dankbarkeit dafür angehochten preußischen Polizeiministers v. Koller, so feierte am Freitag die deutsche Preßfreiheit unter der schützenden Aegide des badischen Polizeiministers v. Eisenlohr wahre Orgien wohlbemesfener Mkerglvifches. DaS Slrbeitemcht. Rechte und Pflichten des Arbeiters in Deutschland aus dem gewerblichen Älrbeitsvertrag, der Unfall-, Kranken-, Jnvaliditäts- und Alters-versicherung. Mit Bei- spielen und Formularen für Klagen, Anträgen, Beschwerden, Bernfungen n. s. w." Erläutert von Arthur Stadt- Hagen, früherem Rechtsanwalt, Mitglied des deutschen Reichstages. Verlin. Verlag von Hans Vaake. In 12 Hejten a 20 Pf. Keine andere Wissenschast ist in der Entwickelnng so zurück- geblieben und im Formelkram so erstarrt, wie die Jurisprudenz, der schon Tühring's paradoxer Geist nachsagen durfte, daß sie nur eine Halbwissenschaft sei. Der Grund für die Thatsache liegt klar zu Tage. Dem Juristen allein ist der Sinn der materialistischen Wcltauffassung noch immer nicht auf- gegangen. Er allein vermag den einfachen Satz nicht zu begreisen, daß es lediglich die w i r t h s ch a f t l i ch e n Verhältnisse sind, welche, wie alle Einrichtungen des Lebens, so aucki die Rechtssätze geschaffen haben. In den dicke» Büchern der Gelehrten wird dieser felbstverständlicke Gedanke, der sich für den gesunden Menschenverstand von selbst versteht, in sein gerades Gegentheil verkehrt. Hier werden die„sittliche Wellordnung" und manche anderen Tinge mit schon klingenden Namen viel bemüht, nur um nicht einzugestehen, daß es aus- schließlich Macht- und Interessen fragen sind, welche jene Sähe und Begriffe erzeugt haben, die wir als ein unantast- bares Heiliglhnm für alle Ewigkeit verehren sollen. Schon nianche kräftige Weckrufe sind erschallt, um die Rechtswissenschaft aus diesem ihrem Schlummer aufzuschrecken. Sie find vergeblich gewesen, da es an einem in straffster Systematik durchgearbeiteten bis in die äußersten Spitzen vom Zweckgedanken erfüllten Buche gefehlt hat, das mit vollem Bewußtsein die materialistische Rechtstheorie durchzuführen versucht. Eine solche Arbeit liegt uns jetzt vor in dem Buche von Arthur Sladthagen S„Das Arbeilerrecht. Sofort die einleitenden Worte muthen erquickend an. HörenZ swir einige der Definitionen, die•»uns der Verfasser über die den Arbeiter interessirenden Lebensverhältnisse giebt:„Lohn- vertrag heißt derjenige Vertrag, durch welchen jemend seine Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit einem anderen gegen eine bestimmte Vergütung überläßt. Derjenige, der seine Arbeilskrast Ehren. Denn man denke, die versammelten Vertrete? der Presse durften sich außer in der Huld des staatlichen auch in der Gunst des städtischen Polizei. gewaltigen sonnen. Oberbürgermeister Willens richtete, als ob er Leute vor sich hält«, denen wirklich Caressen gebührten, Worte des Grußes an die Versammlung der deutschen Prehver- treter. Ganz so voll wie das des Ministers war das Füllhorn der bürgermeisterlichen Gunst allerdings nicht. Denn während jener, wie der Telegraph brühwarm berichtet, den Vertreten! der deutschen Presse das allerhöchste Wohlwollen des Großherzogs aussprach, konnte der Oberbürgermeister die freudig bewegten Prcßkosacken nur einfach im Namen der Stadt begrüßen. Für soviel Gnade wurde denn auch von einem Hamburger Journalisten niit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog von Baden gedankt. Hoffentlich hält diese devote Stimmung aus ein Jahr bis zum nächsten Schrift- stellertage an; es wäre zum mindesten inkonsequent, wenn die getreuen Knechte etwa von wegen gar zu großer polizeilicher»nd slaatsanwaltlicher Chikanen gegen Presse und Schriftlhum bock- beinig werden wollten.— Fromme Meuscheufluälerel. Wie zwischen Grausam- keit und Wollust, so scheint auch zwischen Grausamkeit und Religion ein innerer Zusammenhang zu bestehen. Die gransamsten Monarchen der Welt, Philipp II von Spanien und Heinrich VIII von England, waren beide fanatisch fronmt, wahre Mustermeuschen vom Standpunkte gtaubens- eifriger Religion. An die Thaten der christlichen ReligionS- sänlen in der Inquisition und in den Hexenprozessen sei nur erinnert. Welche Greuel hat uns nicht jüngst der Prozeß gegen die glaubens- und fauststarken Alexianer ent- hüllt! Und auf welche Greuel ist unsere Aufmerksamkeit schon gelenkt in dem Prozeß gegen die frommen Mucker von Bielefeld! Wie in Deutschland, so in anderen Ländern. Heute lesen wir in der Pariser„Justice" einen Artikel, betitelt:„Die Hospitäler und die guten Schwestern", und enthaltend ganz ähnliche Thatsachen, wie die jüngst in Aachen enthüllten: scheußliche Qualen, die über arme Unglückliche— Kranke und Irrsinnige— verhängt worden sind von den—„guten" christlichen Schwestern, welche die würdigen Schwestern sind des„Bruder Heinrich". Wann endlich wird nian so weit kommen, die Religion zur„Privatsache" zu machen, und sie aus allen öffentlichen Einrichtungen und Anstalten zu entfernen, wo sie nur der Deckmantel ist sür niederträchtige Heuchelei und raffinirte Grausamkeit?— Tic Weber von Gerhard Hauptmann stehen fürdie Organe des Herrn v. Köller noch immer aus dem Index. Jetzt wird sogar das Vorlesen dieses Stückes verboten. Aus Wiesbaden wird gemeldet: �,, Eine von sozialdemokratischer Seite angesetzte Vorlesung von Hauptina«n's„Webern" wurde polizeilich untersagt. Diese Nachricht ist ein ehrender Beweis für die konsequente Zähigkeit, mit der die Polizei in der Praktizirung des einmal für gut Erkannten, unbekümmert um das Geschrei der Leute init dem beschränkten Unterthauenverstaud, fortfährt. So sällt jetzt dem Wochenblatt der Partei, dem„Sozialdemokrat", solgendes Zirkular iu die Hände: Nimptsch, den 10. Oktober 1693. Laut Zeitungcberichien hat das königl. Ober-Berwaltungs- gcrichl neuerdings die Verfügung des königlichen Polizeipräsi- deuten zu Berlin vom 3. März v. I., durch welche die von der Direktion des dortigen„Deutschen Theaters" nachgesuchte Erlaubniß zur öffentlichen Aufführung des Schauspiels„die Waber"(die Weber) von Gerhart Hauptmann ans orduungs- polizeilichen Gründen versagt worden war, aufgehoben. Hiernach erscheint es nicht ausgeschlossen, daß demnächst auch bei den Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises Anträge auf Ertheilung der polizeilichen Genehmigung zur öffentlichen Aufführung des in Rede stehenden Schauspiels werden gestellt werden. Dem Amtsvorstand— der Polizeiverwaltnng— theile ich dies zur gefl. Ke»ntniß»ahine uud mit dem Ersuchen ergebenst mit» derartigen Anträgen gegenüber bis auf weiteres sich ablehnend zu verhalten, selbstverständlich ohne den betreffenden Bescheid seiner Fassung nach als auf höherer Weisung beruhend kenntlich zu machen. Der Königliche Landrath: von Goldfus Geheimer Regierungsrath. Das genannte Blatt macht mit recht darauf aufmerksam, daß man wohl nicht fehlgeht, wenn man dieses Zirkular mchl auf Oppositionsgelüste des Rimptscher Landrathes gegen das königl. Ober-Verwaltungsgericht in Berlin, sondern auf„höhere Weijung" zurückführt, was natürlich„durch die Fassung nicht kenntlich" gemacht ist. Der Lorbeer, nach dem Herr Köller d,e tand ausstreckte, gebührt demnach seinem Vorgänger, dem Grafen Ulenburg, der damals noch Minister des Innern war. Re- gierungen müssen eben Grundsätze haben, und diese müssen mit Stetigkeit verfolgt werden.— hergiebt, der die Arbeit leistet, der also der eigentliche Arbeit- g e b e r ist, wird nicht Arbeitgeber, sondern Arbeit n e h m e r genannt. Als Arbeitgeber wird der Käufer der Arbeitskraft de- zeichnet. Ihm giebt der Arbeiter seine Arbeitskraft deshalb, weil seine Arbeitskrast sein einziger Reichthum ist und er diesen nur durch Verdinguug verwerthen kann, so lange die Produktionsmittel — Maschine, Grund und Boden. Bergwerke u. s. w.— im Be- sitze nur einzelner sind und nicht Eigenthum der Gesellschaft und für und durch diese verwaltet werden. Der Arbeitgeber giebt als Vergütung der vom Arbeiter geschaffenen Arbeit diesem eine» Theil des Werlhes der Arbeit in Gestalt des Lohnes. Den über- schießenden Theil— den Mehrwerth— gebraucht er zur Ver« mehrung seines Kapitals und zu seinem persönlichen Bedarf." Hier haben wir gegenüber den vom Schulstaub aus den Tagen der Römerzeil her bedeckten Begriffen der gelehrten Rechtswissenschaft das wahre, ungeschminkte Bild von den That- fachen des Rcchtslebens. Und ganz von selbst erklären sich so die täglichen Vorkommnisse, welche der Klassenkampf zeitigt. und für die man in der sogenannten idealistischen d. h. von der wirthschaftlichen Basis absehenden Rechlstheorie einen Schlüssel zu finden nicht verniag. Erst der Standpunkt, von dem ans Stadthagen und zwar als erster unter den Juristen den Arbeitsvertrag systematisch betrachtet, macht beispielsweise die sich um das Koalitionsrecht aruppirenden rechtlichen Streitsragen verständlich. Zu§ 103 der Gewerbe-Ordnung schreibt Stadt- h a g e n t„Der Inhalt des Arbeitsvertrages bildet die Ueberlassung der Arbeilskrast an den Unternehmer. Ueber seine Arbeitskrast kann der Arbeiter nur dann verfügen, wenn er über seine Person, von der seine Arbeitskrast untrennbar ist, frei verfügen kann. Seine rechtliche Freiheit bildet mithin die Voraussetzung sür die Möglichkeit, einen Arbeitsvertrag abzuschließen" u. s. w. Auf gruud einer solchen Begriffsbestimmung leuchtet die Ursache der Feindschaft der Unternehmer gegen die Koalitious» fretheit der Arbeiter sofort ei». Kommt ja doch dadurch allein der Arbeiter in die Lage, seine Maare d. h. seine Arbeitskraft, wie jeder andere Verkäufer, unter ihm günstigen Bedingungen anzubieten und den in der Natur der Sache liegenden Nachtheil der Untrennbarkeit der Maare von der Person einigermaßen wenigstens aufzuheben. Wir haben bisher nur den einen, den wissenschastlichen Vorzug des Stadthagen'schen Buches berührt. Ein zweiter ist sein praktischer Zweck. Das Werk wird dem Arbeiter in den meisten Fragen, die ihm das tägliche Leben stellt, ein vor- UrBec die Heiligkeit der Neligio» in den biirgerlicheii Kvetjen derichtet die„Kölnische Volks- Zeitung" aus Berlin in recht amüsanter Weise. Ter Berliner Mitarbeiter dieses Blattes ist niil der Familie eines reichen Grund- und Häuscrbesitzers bekannt geworden, die eine wahre Musterkarte von Religions- bekenntnissen darstellt. Der Vater ist evangelisch, die Mutter katholisch. Sie haben 5 Kinder; die beiden ältesten, ihre Söhne, sind evangelisch, die 3 Töchter katholisch getauft, da nach der evangelischen Taufe der Söhne die Mutter die katholische Taufe der Töchter verlangte. Der älteste Sohn ist ein leidenschaftlicher Anhänger des Herrn v. Egidy, für dessen Sache er große Opfer spendet. Der zweite Srhn ist nach manchen Schicksalsschlägen pielistisch geworden und neuerdings der Heilsarmee beigetreten. Von den drei Töchtern haben die beiden ältesten eine evangelische Töchterschule besucht und sind auch evangelisch„eingesegnet", ob- schon sie katholisch getaust waren. Eine derselben ist mit einem reichen jüdischen Fabrikanten standesamtlich verbunden, die andere hat einen konservativ gesinnten Gymnasiallehrer geheirathet. Die jüngste Tochter hat eine katholische Töchter- schule besucht und hat in der katholischen Kirche communicirt. Bei ssamilienfesten giebt der Vater die Parole aus:„Ueber Religion darf nicht gesprochen werden," da mehrfache Er« fahrungen ihn belehrt haben, daß sonst ein großer„Krach" entsteht. Der Vater scheint sich also, in diesem Punkt wenigstens, mittlerweile zu dem sozialdemokratischen Programmpunkt durch- gerungen zu haben:„Religion ist Privatsache".— »* * Teutsches Reich. Negier nng und Befähigungsnachweis. Sehr ztlversichtlich ist die„Deutsche Tageszeitung", daß die Znnftler mit ihren Bestrebungen, insbesondere mit dem Befähigungsnachweis, auch der sich ablehnend verhaltenden Regierung gegenüber durchdringen werden. Die Zeitimg schreibt: Wir sind überzeugt, daß, bis— etwa übers Jahr— die Handwerksorganisation im Reichstage durchberathen ist, die Ver- Hältnisse sich so geklärt und vielleicht auch zugespitzt haben werden, daß die Regierung der späteren Einführung des Besähigungs- Nachweises zustimmen wird und zustimmen müssen wird. Wenn Herr v. Berlepsch dann, wie wir ernstlich hoffen, noch Minister ist, so wird auch er— ganz abgesehen von der Mehrheit des Staatsministeriums— den Befähigungsnachweis nicht ablehnen. Daß aber etwa Herr von Bötticher ans der Zustimmung der Mehrheit des Staatsministeriums zn den etwaigen Beschlüssen des Reichstags einen Grund zur Niederlegung seiner Aemter ziehen werde, diese Absicht werden die freisinnigen Blätter Herrn von Bötticher nicht unterschieben wollen.— Wir aber sind der Ansicht, daß auch Herr v. Bötticher den Gründen der Reichstags- Mehrheit zugänglich sein wird, wenn nur erst— die Angelegen- heil so weit gediehen sein wird. Das Blatt des Bundes der Landwirthe muß das ja wissen,— und schließlich ist ja auch bei Gott und der deutschen Regierung kein Ding unniöglich. Für wahr- scheinlich halten wir es nicht, daß sich die Regierung— ganz abgesehen vom Reichstag— in der angedeuteten Richtung, verde breitschlagen lassen, und wir glauben, daß sich die„Deutsche Tageszeitung" ihre orakelhaften Groß- sprechereien ans den Fingern gesogen hat. Aber selbst wenn der heiß ersehnte„Befähigungsnachweis" eingeführt werden sollte: Den Untergang des jtleinhandwerks und den Sieg des Kapitalismus würde man damit nicht aufhalten. Mittleriveile ist nun auch die Regicrungskominission wieder nach Berlin zurückgekehrt, die nach Oesterreich zum Studium der dort mit der Zwangsorganisation des Hand- werks gemachten Erfahrungen gesandt worden war. Und die„Deutsche Tageszeitung" ist angesichts der Mit- theiluugen, die darüber in die Oeffentlichkcit dringen, was die Kommission für Deutschland vorschlagen wird, gc- nöthigt, sehr viel Wasser in ihren Wein zu gießen. Es wird nämlich jetzt über die von dieser Komniission in Oesterreich gewonnenen Ansichten folgendes mitgetheilt: „Soviel kann unbedenklich schon jetzt gesagt werden, daß die gesammelten Erfahrnngen nicht darauf hinauslaufen, den Wunsch zu unterstützen, wenn derselbe an maßgebender Stelle überhaupt bestanden hätte, mit der Einführung des Besähigungs- »achweises auch in Deutschland vorzugehen. Abgesehen da- von, daß auch ganze Kategorien von Handwerkern und Gewerbe- treibenden von einer Maßregel selbst nichts wissen wollen, würde es nach Lage der Dinge das denkbar verkehrteste sein, mit der Statuirung der Verpflichtung, einen Befähigungsnachweis zu er- bringen, vorgehen zu wollen, bevor die nothwendigste Vor- bedingung für eine regelrechte Staatshilfe, die dem Handwerker zn gute kommen soll, geschaffen und der Grad von Ordnung in den Handwerker-Verhältniffen herbeigeführt worden ist, den die letzteren zur Zeit noch gänzlich vermissen lassen.— Wo kann ein Redakteur zur Verantwortung g e z o g e n w e r d e n? Mit dieser Frage hatte sich kürzlich das Landgericht in Altona zu beschäftigen. Ein Fabrikant in Elms- trefflicher Rathgeber sein. Das«niste Studium desselben kann ihn vor manchem unüberlegten Vertragsabschluß bewahren und ihn davor behüten, daß sein ganzes Rechisleben, wie dies bisher der Fall ist, zumeist dem Zusall preisgegeben ist. Bekanntlich steht auch der neue Entivurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich auf dem Standpunkt, daß Rechtsirrthnm und Rechts- nnkennluiß in der überwiegenden Zahl der Fälle als unent» . schnldbar angesehen werde»,— einen Satz, welchen der Wiener -Professor Anton Menger als„die lächerlichste aller Fiktionen" und als das„offenbarste Unrecht" bezeichnet. So lange diese Rcchtsregel aber gilt, ist es für die unbemittelten Klassen von größler Bedeutung, sich die Kennlniß der für sie in betracht kommenden Gesetze zu verschaffen. Das hier besprochene Buch n>ird ein Mittel dazu sein. Sladthagen hat es ver- standen, aus dem einfachsten Material das wesentliche Heranszugreifen und in gemeinverständlicher Form darzustellen. Dabei hat er die Hauptschwicrigkeit, welche ein derartiges Unter- nehmen bietet, trotz der Masse von Details dem Leser das Ver- ständniß und den Zusammenhang des Ganzen vor Augen zu halten, durch, wie schon hervorgehoben ist, strengste Systematik glücklich vermieden. Die Gewerbe-Ordnung, selbst mit bestem Kommentar, nützt dem Arbeiter weniger, weil neben ihr noch eine Unzahl anderer, überall zerstreuter Gesetzesvorschriften in betracht kommen. Stadthagen berücksichtigt nun»eben den Reich-gesetzen die sämmtliche» partikularrechtlichenBestimmungen. insbesondere diejenigen des allgemeinen Landrechts, des oocko civil und des bürgerlichen Gesetzbuchs für Sachsen, um, wie er betont, dem Arbeiter eine s e l b st ä n d i g e Prüfung der gesetzlichen Be- stimmungen zu ermöglichen. Gleichzeitig weist das Buch aus die Vorschläge des neuen bürgerlichen Gesetzbuchs für Deutschland in geschickter Weise hin. Daß trotz dieser Reichhaltigkeit des Stoffs das Buch klar und übersichtlich bleibt, ist wesentlich Folge der planvollen, eigenartigen Systematik. Das Buch sollte i„ keiner Arbeiter- Bibliothek fehlen. Aber auch der Jurist, sowie der Rationalökonom werden das Werk_ zu Rathe ziehen müssen, insbesondere mit Rücksicht darauf, daß sich aus der Darstellung Stadthagen's von selbst wichtige legislative Winke für eine auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehende, aber ihr eigenes Interesse nicht ver- stehende Gesetzgebung überall ergeben. Bei der Berathung des Entwurfs deö neue» bürgerlichen Gesetzbuchs im Reichstag wird daher das Werk anregend aus die Kritik wirken. Hu. Horn hatte gegen den verantwortlichen Redakteur der„Schleswig- Holsteinischen Volks-Zeitung", Genossen Klüß, bei dem Schöffengericht in Elmshorn eine Privatklage wegen Beleidigung an- gestrengt, wogegen vom Vertreter des Vellagten der Einwand der Unzuständigkeit des Elmshorner Schöffengerichts erhoben wurde. Das Schöffengericht in Elmshorn trat der Ansicht des Grafen Neventloo, Vertreter des Beklagten bei und erklärte sich für unzuständig. Hiergegen legte der Vertreter des Klägers Beschwerde ein beim Ländgericht in Altona, welches dann dahin entschied, daß, da die in Kiel erscheinende„Volks-Zeitung" auch in Elmshorn Verbreitung finde, auch das Elmshorner Schöffen- gericht zuständig sei. Diese neuere gerichtliche Praxis ist vom juristischen Standpunkt außerordentlich bedenklich. Nach§ 7 der Strafprozeßordnung ist der Gerichtsstand bei demjenigen Gerichte begründet, in dessen Bezirk die strafbare Handlung begangen ist, oder wie§ 8 besagt, bei demjenigen Gericht, in dessen Bezirk der Angeklagte zur Zeit der Erhebung der Klage seinen Wohnsitz hat. Nun kann es unserer Ansicht nach durchaus keinem Zweifel unterliegen, daß nur der Ort als Ort der That angesehen werden kann, wo die Zeitung erscheint, in diesem Falle also Kiel. Die neuere Anschauung einiger Gerichte deckt sich weder mit der Auf- sassung der Oeffentlichkeit im allgemeinen noch mit der einer großen Anzahl Juristen und erscheint es daher außerordentlich bedenklich, den Z 7 der Strafprozeß-Ordnung in dieser Weise zu interpretireu. In die gegenwärtige Zeit freilich, wo man das ganze Zeitungswesen gerade in den höchiten Beamtenschichten als einen Uebelstand betrachtet, der mit Feuer und Schwert ausgerottet werden sollte, passen solche Urtheile sehr gut hinein, die bei allen Zeitungsleuteu das Gefühl von Rechtlosigkeit hervorrufen müssen.— Gegen den Antisemiten Dr. B öckel war wegen Aufreizung von verschiedenen Bevölkerungsklassen zu Gewalt- thätigkeiten gegen einander Anklage erhoben worden. Die Auf- reizung wurde in dem Gedicht„Brutus, schläfst Du?" gefunden. Wie nunmehr das„Deutsche Volksrecht" mittheilt, hat die Straf- kammer I die Eröffnung des Hauptversahrens abgelehnt.— Ohne eine rechtmäßige, von Gott eingesetzte Obrig- keit soll gegenwärtig die Stadt Perleoerg sein. Nachdem vor kurzem erst der Bürgermeister einen sechswöchentlichen Urlaub angetreten hat, haben jetzt, wie berichtet wird, infolge unlieb- samer Zwischenfälle in einer geheimen Sitzung der Stadtver- ordneten- Versammlung sämmtliche Magistratsmitglieder ihre Aemter niedergelegt, so daß die Stadtverwaltung augenblicklich nur aus dem Kämmerer, dem Magistratssekretär und den Hilfs- arbeitern besteht. Ten letzten Depeschen zufolge steht Perleberg bis heute noch heil auf dem alten Fleck. Das Jahr ist gnt, die Landwirthschaft leidet Roth. Der Reichthum an Viehsutter ist in diesem Sommer ein ganz außergewöhnlich großer und in solchem Maße seit langen Jahren nicht dagewesen. In vielen Gegenden, wie z. B. besonders in Schlesien, weiß man die Menge des Futters kaum unterzubringen. Und das auf die Weide getriebene Vieh steht dort bis an die Brust im üppigsten Grasfutter. Die Folge davon ist, daß die Futterpreise einen so niedrigen Stand haben, wie schon Jahre lang nicht mehr, und daß, wenigstens in Niederschlesien, die Butterpreise gegenwärtig aus die Hülste des sonstigen Preis- standes gesunken sind.— c- Ein bayerisches P o l i z e i st ü ck l e i n. Ter bayerische „Generalanzeiger" theilt mit, daß den Münchener Gendarmen ausdrücklich der dienstliche Befehl gegeben worden sei, mit Ver- tretern der Presse sowie mit Reichstags» und Landtags- Ab- geordnete» bei hoher Strafe nicht zu verkehre». Auf Verkehr mit Vertretern der Presse seien acht Tage Mittelarrest geseht. Ob die Abgeordneten höher oder niedriger eingeschätzt wurden, verräth das Blatt leider nicht. Hoffentlich erweist sich die Strafandrohung, als überflüssig. Wie sollte denn ein königlicher Gendarm die Standesehre soweit vergessen, mit solchen untergeordneten Menschen wie Abgeordneten oder Redakteuren zu verkehren.— Oesterreich. Die österreichische Justiz ist in mancher Hinsicht unserer einheimischen denn doch noch überlegen, wenn es darauf ankommt, der sozialdemokratischen Agitation durch Strafurtheile entgegen zu arbeiten. Bei der Anwendung der Beleidigungs- Paragraphen hat man in Cisleithanien Feinheiten entwickelt, zu denen unsere Rechtshüter sich noch nicht durchgearbeitet haben. Die„Arbeiter-Zeitnng" in Wien veröffentlicht eine Reihe von Aktenstücken, durch welche diese Schneidigkeit der österreichischen Justiz ausgiebig bewiesen wird. Es handelt sich darin um die Aburtheilung des Genossen Leopold W i n a r s k y, der schuldig befunden wurde„des Verbrechens der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses". Nun sollte mau meinen: da hat der Winarsky mindestens über jenen noch lebenden Erzherzog einige kräftige Worte gesprochen, der sich den wundersamen Scherz im Schlafzimmer seiner Ge- mahlin und mit dem Ueberspringen eines Leichenzuges gemacht. Aber weit gefehlt! Es handelt sich um längst vermoderte Mit- glieder des Hauses Habsburg. Winarsky hat am 10. März über das Jahr 48 geredet und dabei unliebsam über— doch hören wir das Urtheil selbst: „... Es fehlte hierbei nicht an Ausfällen gegen die Haltung der damaligen Regierung, Feldmarschall Fürsten Windischgrätz — ja selbst weiland Sr. Majestät Kaiser Ferdinand selbst wurde vom Angeklagten in unziemlicher Weise in Diskussion gezogen. Insbesondere erwähnte Angeklagter auch des Nmstandes, daß eine abgesandte Deputation zwar nicht von Sr. Majestät, wohl aber von dem Erzherzog empfangen wurde— und besprach weiter die damals in Wien getroffenen militärischen Maßregeln. Erzherzog Albrecht sei damals vorübergeritten, es habe ihn ein geworfenes Holzstück an der Schulter getroffen, worauf das Kommando„Feuer" ertönte und einige Personen aus der Volks- menge gefallen seien." Dann wird der Text leider mit dem ominösen„konfiszirt" unterbrochen, das noch fünfmal im Text wiederkehrt, wie das der liebliche Brauch der österreichischen Zensur. Winarsky wurde wegen feiner Verbrechen zu vier Monaten Kerker verurtheilt. Es half nichts, daß er aus Geschichtswerken die Nichtigkeit seiner Ausführungen beweisen wollte. Es wurde sogar für gleich- gillig erklärt, ob ihm die Absicht der Beleidigung gefehlt. Er wurde, wie gesagt, zu vier Monaten Kerker verurtheilt und der Oberste Gerichtshof hat dieses Urlheil bestätigt. Die„Arbeiter-Zeitung" in Wien hat ganz recht: dann schaffe man doch lieber ein Gesetz, welches jeden Sozial- demokraten strafbar macht, der den Namen eines Mitgliedes des Kaiserhauses erwähnt.— Auflösung der Landtage von Tirol, G ö r z und Gradisoa. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Patent, durch welches die Landtage von Görz und Gradisca aufgelöst werden. Die regelmäßige Funktionsdauer beider Landesvertretungen würde im Oktober dieses Jahres zu Ende gehe»; doch wurde im Einvernehmen mit den belheiligten Faktoren und mit Rücksicht auf, die Wünsche der weinbautreibenden Bevölkerung dieser Länder die Auflösung beider Körperschaften chon jetzt verfügt, weil hierdurch die Abhaltung der Wahlen noch im Laufe des Monats September ermöglicht wird, während, wenn das regelmäßige Ende der Funktionsdauer abgewartet würde, die Neuwahlen gerade in den hierfür ungünstigen Zeitpunkt un- mittelbar vor der Weinlese fielen. Schweiz. Der Pfarrer Dr. Hoff mann, als arbeiterfreundlicher Cozialpolitiker bekannt, ist von den thurgauischen Demokralen für die am nächsten Sonntag statlsindende Erlatzwahl in den Regierungsrath als Kandidat ausgestellt worden. Der schweize risch-�ranzösische- Handels« vertrag, der bereits von den französischen Kammern an- genommen wurde, wird auch sicher von der auf den 14. August einberufenen schweizerischen Bundesversammlung angenommen werden. Es fordern nämlich wegen der unabsehbaren Folgen einer Verwerfung des Vertrages seitens der Schweiz und der Fortführung des Zollkrieges selbst die damit Unzufriedenen nicht die Verwerfung, da sie sich scheuen, die Verantwortung für die Folgen aus sich zu nehmen. So steht denn die Beendigung des schweizerisch-französischen Zollkrieges nach dreijähriger Dauer in naher Aussicht und ebenso die Wiederherstellung normaler Be- ziehuugen zwischen den beiden Ländern. Belgien. Die Sozialisten sind„helle"— das heißt auf- geklärte Leute, die auf der Höhe der Kultur stehen. Dies ist für Deutschland längst durch die Statistik nachgewiesen, welche zeigt, daß in den Kreisen und Provinzen, wo der Sozialismus blüht, die gebildetsten und sittlichsten Menschen wohnen, wohingegen die reaktionären Parteien ihr Hauptquartier in den Gegenden haben, wo die Schulbildung am meisten vernachlässigt ist und die Verbrechen am besten floriren. Für Belgien hat unser Genosse Vandervelde jetzt denselben Nachweis geliefert. Er zeigt an der Hand der Kriminalstatistik, daß dieProvinzen, welche sozialistisch gewählt haben, das kleinste, die welche reaktionär und schwarz gewählt haben, das höchste Verbrecherkontingent stellen. Nach der Belgischen Statistik kamen in den Jahren 1831 bis 1833— eine neuere Verbrechens- Statistik ist nicht vorhanden— ein Verbrechen auf folgende Einwohtierzahl: West-Flandern 1 auf öS 134, Ost-Flandern 1 auf 67.361, Limburg 1 auf 99 523, Antwerpen 1 auf 112163, Luxemburg 1 auf 107 380, Brabant 1 auf 129 275, Hennegau 1 auf 139174, Lüttich 1 aus 151238, Namur 1 aus 185 423. In Hennegau und Lüttich sind die Sozialisten am stärksten; auch in Namur sind sie stark— und das sind die drei belgische» firovinzen, die am wenigsten Verbrechen haben. In Flandern, imburg u. s. w., wo die Schwarzen am festesten sitzen, sind auch die Bildungszustände am schwärzesten und die Verbrechen am häufigsten. Zahlen sind Thatsachen; und Thatsachen sind„halsstarrige Tinge", gegen die sich mit Phrasen nichts ausrichten läßt.— Internationale Zuckerprämien-Konferenz. Auf eine vertrauliche Anfrage von Wien aus. ob Belgien bereit wäre, an einer internationalen Konserenz behufs Abschaffung der Zucker- Prämien theilzunehmen, hat die belgische Regierung ihre Bereit- Willigkeit erklärt, diese Konferenz zu beschicken. Schon bei der Beralhung der Schutzzollvorlage in der Repräsentantenkammer hatte der Abgeordnete Lorand den Finanzminister befragt, ob er nicht die Zuckerprämien beseitigen und Hand in Hand mit der deutschen Reichsregierung in dieser Frage vorgehen wolle. Minister de Smet erwiderte, von der Abschaffung der Zucker- Prämien könne nur die Siede sein, wenn sie auf internationalem Wege vereinbart würde. Sollte die deutsche Regierung eine internationale Konferenz für diese Frage anregen, so»verde Belgien an ihr theilnehmen, denn es liege auch im belgischen Interesse, daß die Zuckerpräinien beseitigt werden.— Frankreich. Ueber den Kongreß der französischen Gemeinde» räthe Frankreichs»vird uns aus Paris geschrieben: Der Kongreß hat als Basis für das Gemeinderaths-Programm von 1896 folgende Forderungen aufgestellt: 1. Die Gemeinde Herrin ihrer Finanzen, ihrer Polizei und Verwaltung der Geineiudegüter. 2. Direkte Ausführung aller kommunalen Arbeiten in eigener Regie durch syndicirte, d. i. Geiverkschaften angehörige Arbeiter oder, in» Falle dies nicht»nöglich, durch Arbeiter-Assoziationen unter folgenden Bedingiiiigen: Löhne nach dem geiverkschastlichen Tarif, Arbeitstag von acht Stunden, Verbot der Afterverdingung, Intervention von Arbeiterdelegirlen zur Ueberwachung der Durch» führnng obiger Bedingungen svlvie in bezug auf die Beobachtung der Sanitäts- und Sicherheitsmaßregeln und die Amvendung der Versicherung gegen Arbeitsunfälle. 3. Wiederherstellung, Ausdehnung und Unantastbarkeit des Gemeindebesitzes, seine landivirthschastljche und industrielle Aus- beutung durch die Gemeinde zu gunsten der Arbeiterschaft. 4. Umgestaltung der Wohlthätigkeitsbureaus; Versorgung der Arbeitsgreise und-Invaliden durch die Gemeinden; Dis- pensatorien für Kinder und Erivachsene(d. h. Anstalten, in denen ärztlicher Beistand und Arznei mrentgeltlich sind): Schulkantinen, unentgeliliche Schulmittel. 5. Umgestaltung der Privatmonopole in öffentliche Dienste in dem Maße, als sie geschaffen»verden, oder deren Besitzer unter der Wirkung der strengen Ueberwachung der Gemeinden ihrer verlustig gehe»». 6. Beseitigung der Thorsteuer(octrois). 7. Entschädigung aller Wahlfunktionen(das ist der Ge« meinderäthe, Generalräthe, Bezirksräthe, Bürgern, eister«.). Zu bemerke» ist, daß dieser Entivurf nur das Gros der auf dem Kongresse aufgestellten Forderungen und Wünsche enthält. So hatte der Kongreß u. a. ausgesprochen, daß bei Streits die Munizipalitüten zu guuste» der Streikenden zu interveniren und für deren materielle Unterstützung zu sorgen haben; daß sie die Geiverkschaften subventioniren und soviel als möglich industrielle und lan d»v irth sch astliche Arbeits» b ö r s e n schaffen sollen. Ferner in bezug auf die A rb ei ts- l o s i g k e i t, daß ge, visse kommunale Arbeiten für industrielle und landwirthschastliche Arbeiter zurückgehalten werden sollen, die, sei es»vegen ihres Alters, fei es infolge der Unternehmer- Willkür zur Arbeitslosigkeit verurtheilt sind, daß diese Arbeiten nach dem geiverkschastlichen Tarif zu zahlen seien und die Löhne für die in Zeilen großer Arbeitslosigkeit auszuführenden Ar- beiten nie»inter der Höhe der zur Existenz nothivendigen Lebens- mittel sinke» dürfen. Weiter»vnrde empfohlen, daß überall unentgeltliche Rechtskonsultationen errichtet »verden sollen; daß eine gelvisse Zahl von kleinen Wohnungen errichtet»verden, daintt die Arbeiter nicht ge- zivungen»verden, außerhalb ihres Arbeitsortes zu»vohnen; daß bis zur Durchführung gründlicher Reformen in bezug auf die Lebensmittel, um deren Erhöhung zu steuern, die Brot- und F l eisch t a x e n anzuwenden sind. Nicht zu vergessen sei, daß der Kongreß u. a. auch noch die Einführung des Referendums in den Gemeinden als ersten Schritt zur direkten Gesetzgebung empfohlen. Auf manchen anderen Punkt»verde ich noch ge- legentlich zurückkommen. Zun» Schluß sei noch bemerkt, daß der Kongreß auch ein Verbandsstalut geschaffen hat. Das Sekretariat des Verbandes besteht aus den Genossen: Bounet, Greffii», Landrin, E. Moreau, Rudolph Simon, Tauzun und Louis Dubreuilf. Die Genossen Landrin und Moreau sind Mitglieder des Pariser Munizipal» ruthes. Der nächste Kongreß findet in Commentry statt.— England. Jeder Wahltag giebt der Regierung eine größere Majorität. Nachdem die Städte, die zuerst»vählen, den Liberalen so gransame Enttäuschungen bereitet hatten, setzten die Geschlagenen- ihre letzten Hoffnungen noch auf dio Graf» schasten, allein auch hier erleiden sie Niederlagen auf Nieder» lagen. A>n Morgen des heutigen Tages— Sonnabend— war das bekannte Resultat: 330 Unionisten, 92 Liberale, 51 Jrländer und 1 Arbeiterkandidat(der Telegraph bleibt hartnäckig bei den 2 Arbeiterkandidaten), die Unionisten hatten 74, die Separatisten 15 Sitze gewonnen— unionistischer Gewinn 59. Ein etwas späteres Telegramm meldet 13»veitere Wahl- ergebnisse. mit fünf weitere» Gewinnsten der Unionisten. Chainberlain nannte die Niederlage der Separatisten cuslüiig — zermalmend. Die neueste Depesche anZ London lautet: London, SO. Juli. Visher sind geivähll: 343 Unionisten, 99 Liberale, K Parnellite», 59 Antiparnelliten und 2 Mitglieder der Arbeiterpartei. Die Uniomsten haben bisher 81 und die Liberalen 16 Sitze gc- rvonne».— UttlgiU'iett. Eine wahre Trauerrolle spielt der K o b u r g e r Prinz Ferdinand. Unter den Fußtritten, die es von allen Seiten aus sein sürstliches Hintertheil regnet, ist der schmerz- lhasteste von einer Frau verabreicht worden— von der Wittwe Stambulow's. Man lese: Sofia. 19. Juli. Im Auftrage des Prinzen Ferdinand begab sich heute Nachmillag der Adjutant des Prinzen, Oberst- lieutenant Markow, in das Haus Stambulow's, um den vom Prinzen gespendeten prachtvollen Kranz der Schwester Stambu- low's, Frau Mutkurow, zu überreichen. Letztere verweigerte die Annahme des Kranzes im Namen der Wittwe Stambulow's mit der Erklärung, Staiubulow habe sterbend auch de» Prinzen Fer- dinand für seinen Tod verantwortlich gemacht. Markow nahm hierauf den Kranz wieder mit. Die Szene erregte ungeheures Aufsehen. Und ein anderes Telegramm gleichen Datums meldet: Die„Agence Balcanique" meldet: Infolge der wiederholten überaus beleidigenden Haltung und schroffen Feindseligkeit. welche die Familie Stambulow's den Abgesandten des Prinzen gegenüber erwies, und welche dadurch ihren Gipfelpunkt erreichte, daß die im Namen des Prinzen überbrachte Kranzspende in schnöder und schroffer Weise zurückgewiesen wurde, richtete Prinz Ferdinand von Bulgarien folgendes Telegramm an de» Hof- Marschall in Sofia:„Angesichts der unqualifizirbaren Haltung der Familie Stambulow's gegenüber meinen loyalen, ehrsnrchts- vollen Schritten, und da ich nicht länger gesonnen bin. meine getreuen Diener Beleidigungen und Injurien auszusetzen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen und den Mitgliedern des Zivil- und Militärstaates jede Betheiligung an der Leichenfeier Stambulow's zu untersagen." Besser konnte der Koburger seine Kleinlichkeit nicht zeigen. Und heute— Sonnabend— wird telegraphirt: Sofia, 20. Juli. Die„Agence Balcanique" ist ermächtigt, zu erkläre», daß Depeschen, wie die in ausländischen Blättern veröffentlichten, denen zufolge in Bulgarien die Ueberzeugung Platz greife, daß es für den Prinzen Ferdinand unmöglich sei, nach Bulgarien zurückzukehren, und man der Abdankung des Prinzen wie der darauffolgenden Proklamirnng des Prinzen Boris unter russischer Regentschaft entgegensehe, mcht von Sofia ausgegangen, aber ihrem Inhalte nach unbedingt falsch seien. Bnl- garien sei niemals ruhiger und die öffentliche Meinung im Lande niemals weniger aufgeregt gewesen als jetzt. Plumper kann nicht gelogen werden. Die Mörder Stanibulow's sollen entdeckt und der eine bereits ergriffen sein— ein gewisser Georgiew—. Es klingt das jedoch ebenso unwahrscheinlich, als ein Telegramm klingen würde, das die Verhaftung des russischen Bombenbarons meldete. Während Stambulow's zerfetzte Leiche aus der Bahre lag. empfing„Väterchen" die Deputation der Patrone seiner Mörder. Ein Telegramm besagt über den am 17. d. M. in Peter- Hof erfolgten Empfang: Petersburg, 20. Juli. Die bulgarische Deputation wurde auf dem baltische» Bahnhof vom Ches der Expedition der ceremoniellen Angelegenheiten des kaiserlichen Hofes Konjar empfangen, welcher mit der Deputation i» einem Salonwagen nach Peterhof abreiste. Von dem dortigen Bahnhofe begab sich die Deputation mittels Hofequipagen nach dem großen Palais, wo sie durch den genannte» Hofbeamten in den Kronsaal geführt wurde, um dort die Ankunft des Kaisers zu erwarten. Nach kurzer Zeit erschien der Flügeladjntant du jour Fürst Woronzow- Daschkoff und lud den Metropoliten Klement zum Kaiser, welcher letzterem eine längere Audienz in seinem Kabmet gewährte. Im Verlaufe der Audrenz segnete der Metropolit den Kaiser mit einem goldgefaßten Jesnsbrlde. Darauf begab sich der Kaiser in Begleitung des Metropoliten Klement in de» Kronensaal, wo letzterer dem Kaiser alle Mitglieder der Depu- tation vorstellte. Der Empfang war herzlich und übertraf alle Erwartungen; nach demselben wurden alle Mitglieder der Depu- tation zuin Dejeuner im großen Palais geladen. Ob das Jesusbild in dem feierlichen Moment nicht geweint hat— ein„Wunder", auf das die griechischen Popen sich so gut verstehen wie die katholischen Priester?— Kuba. D i e„s p a n i s ch e n S i e g e". Die vorgestern als„spanische Siege" gemeldeten Gefechte auf Kuba stellen sich in der Thal als jämmerliche Niederlage heraus. Ter„Temps" meldet ans Madrid: Hier eingetroffene amtliche Telegramme bestätigen die schlimmen Nachrichten aus Kuba. Danach war Marschall Mar- tinez Campos mit 200 Mann Kavallerie und einem Bataillon unter dem Befehl des Generals Santocildes auf dem Marsche nach Bayamo, als er in einem bergigen und bewaldeten Gelände von mehreren tausend Aufständischen angegriffen wurde. General Santocildes, der den Ernst der Lage erfaßte, bot sich dem Tode, indem er durch einen wiederholten Angriff den Rückzug der Kolonne deckte, welcher in guter Ordnung in der Richtung gegen Bayamo gelang. Der Marschall leitete den Rückzug mit kühner Unerschrockenheit, um auch die Verwundeten mit fortzubringen. Im Monat Juni haben 2900 spanische Soldaten am gelben Fieber gelitten und 104 sind demselben erlegen. Die spanische Regierung wird, wie es jetzt heißt, noch vor Ende Juli 6 Batterien und im September weitere 30 000 Mann Verstärkungen nach Kuba senden. Nach den neuesten Meldungen scheint es jetzt übrigens zur Katastrophe zu kommen. Die Aufständischen scheinen zu siege». Aus Paris wird folgendes gemeldet: Der„Temps" meldet aus Madrid: Die Anführer der cubanischen Ausständischen, Maceo und Gomez, haben alle ihre Truppen nmBayamo vereinigt. woMarschall Martinez Campos von ihnen eingeschlossen ist. Man erwartet mit Ungeduld Nachrichten über den bevorstehenden Kampf. Die Regierung machte telegraphisch nach Euba den Vorschlag, nnver- züglich 25 000 Mann Verstärkungen nachzusenden, wenn dies »othwendig erscheine. Australien. Zöpfe. Aus A u st r a li e n wird telegraphirt. daß da? Repräsentantenhaus von Neu- Seeland mit 3ö gegen 26 Stimme», einen Antrag ans Zulassung der Frauen als Abgeordnete verworfen hat. Wir rathen den neuseeländische» Frauen gegen die Tyrannen der Schöpfung zu streiken.— Hessische Gemeindetvahle». In Romrod wurde der seitherige Beigeordnete Genosse S ck m i d t mit 64 Stimmen wiedergewählt. Der Gegenkandidat erhielt nur 20 Stimmen. Das Landeskomitee der hessischen Sozialdemokratie, das seinen Sitz in Mainz hat, beruft aus den 25. August nach P f u n g st a d t eine Landeskonferenz für das Großherzog- thum Hessen ein. Aus der Tagesordnung steht der Geschäfts- bericht des Landeskomitees, erstattet von I. Stock aus Mainz; die Landesorganisation und Agitation, Referent Landlagsabg. Ph. Müller aus Arheilgen; die Thäligkeil der sozialdemo- kratischen Abgeordneten im hessischen Landlag, Referent Reichs- tags-Abgeordneter Ulrich aus Offenbach; der nächste Parteitag in Breslau, Referent Reichstags-Abgeordneter I ö st aus Mainz; und die Stellung der Parteigenossen im Großherzogthum zu den Gewerkschaften, Referent Phil. Haas aus Mainz. A»S den Partei- Orgauisatioue«. Der polnische Sozialdemokratische Verein in Hamburg hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 6000 Flugblätter, 1000 Broschüren und 2000 Exemplare der'„Gazeta Robotnicza'' verbreitet. In der Generalversammlung des Sozialdemokralischen Vereins von Altona wurden am 11. Juli 464 Personen als Mitglieder aufgenommen. Die Sozialdemokratie von Mähren nud Oesterreich- Schlesien hält am 25. und 26. August in Brünn eine Kon- serenz ab, auf der über den Stand der Bewegung, die Organi- sntion und Agitation, die Wahlreformbewegung, die Presse und über anderes verhandelt werden wird. N»S Amerika. Die italienischen Parteigenossen in Paterso» in New-Jersey haben die Herausgabe eines Wochen- bl altes beschlossen. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Der Parteigenosse G. H ü n i n g h a n s, Schriftführer des Verbandes deutscher Bergleute, hat. wie der„Rheinischen Zeitung" mitgetheilt wird, nach mehr als achtmonatigem illufenthalt in den Gefängnissen von Zabrze in Schlesien und Essen a. d. Ruhr seine Freiheit wiedererlangt. Er hat durch die Hast sehr gelilten, so daß er jetzt bei seiner Familie krank darniederliegt. Wie es in den Gefängnissen des an der Spitze der Zivilisation marschirenden christlichen Dentschen Reichs selbst- verständlich ist, bekam Hüninghaus, trotzdem er nur wegen Preß- Vergehens saß, nuräußerst armselige Lektüre bewilligt, obwohl gerade gute, anregende Lektüre das einzige ist, was einen Gefangenen über seine trostlose Lage zu trösten vermag. Daß unter solchen Umständen Gefängnißstrase nicht geeignet ist, jemand zu„bessern", würde auch den Herren von der Justiz kaum zweifelhaft sein, wenn sie vor Antritt ihrer Stellung einige Monate„Probe sitzen" müßten. — In Frankfurt a. M. hat der Parteigenosse G.Meyer eine Versammlung mit einem Hoch auf die„internationale revolutionäre Sozialdemokratie" geschlossen. Die Polizei sandte ihm hierfür ein Strafmandat über 150 M a c k, weil er durch das Hoch die„öffentliche Sicherheit" beunruhigt habe. Als Zeugen dafür, daß dem so sei, sind». a. ein Pfarrer und einige Vertreter der Presse angegeben. Meyer hat richterliche Entscheidung beantragt. — Gegen den verantwortlichen Redakteur des S t e t t i n e r „Volksboten", den Genossen Nathusins, war wegen eines Artikels über den Fall Hönisch das Strafverfahren ein- geleitet. Nachdem der verantwortliche Nedakteur des„Vorwärts" in derselbe» Suche vom Berliner Gericht freigesprochen worden, ist der Strafavtrag gegen Nathusins zurückgezogen und das Ver- fahren eingestellt worden. — Vor dein Schwurgericht in Stuttgart hatte sich am Freitag der Nedakteur der„Schwäbischen Tagwacht", L. Tauscher, wegen eines„Vergehens in Beziehung auf die Religion" zu verantworten. Das Vergehen soll durch einen Leitartikel in Nr. 288 der„Tagwacht" vom 10. Dezember 1894 begangen sein. Der Erste Staatsanwalt Nestle, der die Anklage vertrat, beantragte 2 Monate Gefängniß, das Gericht verurtheilte den Angeklagte» zu 3 Monaten. Es ist dies die höchste Strafe, die bis jetzt über einen Nedakteur der„Schwäbischen Tagivachl" verhält worden ist. — O e st e r r e i ch i s ch e s. In K l a d n o wurde eine Volksversammlung vom k. k. Bezirkshauptmann unter- sagt, weil die Unterschrist unter der Versaiuinlungsanzeige, anstatt n>it einer Feder, angeblich mit einem Bleistist, that- sächlich aber mit einem Tintenstift geschrieben worden war. Der„höhere" Beamte, der dies Meisterstück polizeilicher Schikane vollbrachte, heißt Steinfeld. Soziale ätfefceeliifjk. Gross-«ub Kleingrundbesitz in Böhmen. Der böhmische Landcsausschuß hat über die Bewegung des Grundbesitzes statistische Tobellen veröffentlicht. Danach gab es im Bezirk Eger Grundstücke: in den Jahren in den Jahren 1861/72 1889,20 7 mit einem Ausmaß von mehr als 200 Joch 9 21„„, von 100-200„ 29 206„„„„ 50-100„ 219 305„.„„ 25-50„ 2P0 300„„„„ 10-25„ 254 279.„„„5-10„ 252 501„„„„ 1-5„ 868 1243„„.. unter 1 353 2862 1766 Diese Zahle» beweisen, sagt die Wiener„Arbeitcr-Zeitung". daß der Klei»besitz sich verringert, der Groß- besitz sich dagegen vermehrt hat. Von den P a r- ze l l e n w i r t h s ch a f t c n sind beinahe zwei Drittel verschwunden, dagegen ist die Zahl der Wirthschastcn, welche mehr als 50 Joch umfassen, gestieg cn. Auch die Zahl der mittleren Betriebe von 25 bis 50 und die der Klein- betriebe von 5 bis 25 Joch ist bedeutend g e- funken. Die Besiyer der verschwundenen Par- z e l l e» w i r t h s ch a f t e n waren Tagelöhner. Sic haben ihr Anwesen verlaust oder haben es verkansen müssen und sind nach den Städten nud Industrie- Zentren gezogen. Den Klein- und Mittelbesitz habe» die Schulden d e z i m i r t. Was die vorgenannten Kategorien »erlore», ist dem Großgrundbesitz zugesallen. Doch zeigt sich auch bci diesem eine Verniinderung der Ausdehnungssähigkeil. Während in der ersten Periode die Dnrchschniltsgröße der Wirlh- schafle» über 200 Joch 459 Joch beträgt, ist sie in der zweiten Periode ans etwas über 363 Joch gesunken; über eine b c- stimmte Größe hinaus re u t irt sich der Bauern- betrieb ohne k o n> p l i z i r t e M a s ch i n e n nicht mehr. Die vorstehende Statistik wurde aufgenommen,»m fest- zustellen, inwiefern und ob der Grundbesitz durch die Frcltbeilbarkeit zerschlogen würde. Für den Bezirk Eger hat sich das reine Gegeiitheil ergeben. Gew-evltfchaftlirszcs. Achtung, Bildhauer! Die Werkstatt von Fahnkow, Berlin, Wasserthorstr. 9— 10, ist wegen Lohndifferenzen fürBild- Hauer gesperrt. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Kommission der Bildhauer. Achtung, Kistenmacher? In der Kistenfabrik von M. B e l I g n r d t in Berlin habe» säminlliche Arbeiler wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Ferner sind 14 Arbeiter in der Kistenfabrik von F u h g in den Aussland getreten, weil sie in der Art. wie in letzter Zeil die Arbeit vergeben wurde, eine pekuniäre Schädigung ihrerseits erblicken. Es wird deshalb ge- beten, den Zuzug nach beiden Fabriken fern zu halten. Die Kommission der Berliner Kistenmacher. Achtung, Maurer! Der Bau Ecke der Fregestraße und Hauptstraße in Friedenau bleibt bis auf weiteres gesperrt. Der Unternehmer des Baues heißt Weber, der Polier Harlmann. Der Vertrauensmann der Berliner Maurer: Fritz Kater, Calvinstr. 30. Anfragen wolle man an diese Adresse richten. Ter Borstand des Berbandes der Möbelpolirer be- absichtigt i» nächster Zelt ein Flugblatt herauszugebe». Er richtet deshalb an seine Bernfsgenossen die Bitte, an die nach« stehende Adresse geeignetes Materiol einzusenden. Besonders er- wünscht sind Mitlbeilungeii über die Zustände in den einzelnen Werkstätten. H. Schulz, Memelersir. 60 a. Zur Mauretbeltiegniig. In Hof in Bayern streike» seit 13. Juli die Maurer, um eine Herabsetzung der llflündige« Arbeitszeit auf lOVe Stunden und einen Stundenlohn von 35 Pf. zu erreichen. Die Unternehmer lehnten jede Verständigung ab. Nur 25 von fast 300 in Hof beschäftigte» Maurern nehme» an dem Ausstand nicht theill Von den im ganzen vorhandenen 12 Unternehmern haben zwei bereits die Forderungen bewilligt. Der Geist unter den Streikenden ist vortrefflich; da u»ter ihnen sich auch Maurer befinden, die schon mehr Lohn bekamen, als jetzt gefordert wird, also höchst solidarisch handeln, ist der Sache jedenfalls viel Halt gegeben. Aus Halle liegt noch keine Nachricht vor, ob die Meister dem Spruch des Einigungsamts sich fügen würden. Ihre Ver- suche, auswärts Arbeitskräfte anzuwerben, sind bisher erfolglos gewesen. Demnach sieht der Streik für die Arbeiter nach wie vor günstig. Aus Flensburg und P l a u e n i. V. ist nichts Neues zu berichten, ausgenommen, daß in letzterem Orte de» Streikbrechern ein ganzer Pfennig pro Stunde zugelegt worden ist, um sie vom Anschluß an den Streik abzuhalten. Eine Konferenz der Vertrituenspersone« der Schneiber nnb Schneiderinnen Bayerns, die in Nürnberg ab- gehalten wurde, stimmte der Forderung von Betriebs- Werkstätten durch«ine Resolution zu, worin es heißt, daß die Hausindustrie die Lebensweise der Arbeiter auf den niedrigsten Stand herabdrücke und es daher die wichtigste Ausgabe der Organisation sei, die Forderung nach Errichtung von Betriebs- Werkstätten mit allen gesetzliche» Mitteln zur Durchführung zu bringen. Wo die Forderung noch nicht aufgestellt sei. solle dies geschehen, denn nur bei allgemeinem, gleichmäßigem Vorgehen sei Erfolg möglich. In Dresden erklärte sich eine öffentliche Schneider- und Schneiderinnen-Versaminluiig gleichfalls für die Einführung von Betriebsiverksstätten durch die Uuteruehmer, um wenigfteiis die schlimmsten Uebel zu beseitigen und in die Lage zu kommen, für Verkürzung der Arbeitszeit einzutreten. Im schlesische» Porzellanarbeiterstreik ist keine Ver- änderung eingetreten. Zuzug ist deshalb nach wie vor streng fern zu halten. In eine Zwickmühle sind in Nürnberg die Holz« industriellen gerathen, die ihre Arbeiter aussperrten, weil die streikenden Tischler der Firma Eyßer nicht eher wieder die Arbeit ausnehmen wollen, bis ihre Forderungen bewilligt sind. Jetzt stellen alle ausgesperrten Tischler dieselben Forderungen wie die Eyßer'schen, und die hilfsbereiten Holzindustriellen sind deshalb in schweren Nöthen. Eine Werkstatt abgerechnet, wo ungefähr 20 Mann thätig, sind die Herren Aushuugerer ohne Arbeiter. Die Schneider Oesterreichs halten am 18. und 19. August in Wien einen Kongreß ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Sitnationsberichte. 2. Organisation und Agitation: a) Ver- baudsgründung über ganz Oesterreich, Sitz desselben; b) Höhe der Beiträge. Reiseuntcrstützung, Rechtsschutz u. s. w., Agitation für denselben. 3. Fachpresse: a) die Haltung derselben; b) obli- gatoiische Einführung u. s. w. 4, Unsere nächsten Bestrebungen. 5. Eventuelles. In Meran in Tirol haben die Tapezirer»vegen Maßregelung eines Kameraden die Arbeit eingestellt. In Biel in der Schweiz streiken die Gipser und Maler um 50 Centimes Minimalstundenlohn, zehnstündige Arbeitszeit, Vergütung der auswärtigen Arbeit und Regelung des Lehrlings- wescns. Veranlassung gab eine Werkstattordnung, die an dcmüthigenden Bestimmungen das menschenmögliche enthält. Von 90 Arbeitern sieheu 80 im Ausstand. Deutsche, Franzosen und Italiener halten einmüthig zusammen. Auch ein Vor- arbeiter hat sich der Bewegung angeschloffen. Nebcr 3000 Bauarbeiter sind jetzt in Dänemark durch die Meister ausgesperrt. Die Meister suchen die schofle Maßregel damit zu rechtfertigen, daß das Zettelsystem durchaus nicht, wie die Gesellen behaupten, mit dem Dienstbuche eines Bediensteten gleichbedeutend sei; die öffentliche Meinung steht jedoch, wie die „Franks. Ztg." mittheilt, in dieser Frage meist auf der Seite der Arbeiter, und nur einzelne Blätter der Rechten wagen daZ Auftreten der Meister zu billigen. Im allgemeinen findet man die Maßregel rücksichtslos und brutal. Man fürchtet, daß die Arbeitssperre sich auch ans Kopenhagen erstrecken werde. Unter de» Zündholz- Arbeitern Frankreichs droht der Streik abermals auszubrechen. Eine Abordnung ihrer Organi- sation verlangte in einer Unterredung mit dem Generaldirektor der Slaatsmanufakturen, daß die an der Phosphor- Nekrose er- krankten Arbeiter durch Pariser Aerzle behandelt würden; weiter wolllen sie wissen, wann die Verarbeitung des weißen Phosphors aushören soll. Der Generaldirektor lehnte jenes Gesuch ab und gab auf die Frage, wann der weiße Phosphor abgeschafft würde, überhaupt keine Antwort. Unter den Arbeitern herrscht insolge dessen die größte Aufregung. Vvpeschen und letzte Nalheichken. Privat-Telegramm des„Vorwärls". Brüx, 20. Juli. Bei der heute stattgefundene» Katastrophe sind mehrere Häuser eingestürzt; viele Genossen werden obdachlos. Hilfe ist dringend nothwendig. Kattowitz(Oberschlesien), 20. Juli.(W. T-B.) In der Cäcilicngrnbe sind gestern drei Bergleute durch herabfallendes Gestein verunglückt; einer derselben blieb sofort todt, zwei sind schwer verletzt worden. Brüx, 20. Juli.(W. T B.) Angeblich infolge Schwemm- snndes sind am Annahilisschacht bei Brüx in der Nacht drei Häuser eingestürzt und spurlos in der Erde verschwunden. Die- Häuser waren rechtzeitig geräumt. Soweit bisher bekannt, ist niemand verunglückt. Brüx, 20. Juli.(W. T. B.) Die hier eingetretene Katastrophe hat einen größeren Umfang angenommen, als ur- sprünglich befürchtet wurde. Bis 2 Uhr Nachmittag gingen noch weitere 7 Häuser, im ganzen bisher 10, in die Diese, so daß der ganze bedrohte Stadtiheil abgesperrt werden mußte, weil noch weitere Einstürze befürchtet werde». Die Einwohner konnten sich glücklicherweise überall retten. Gleichzeitig ist in einem der Häuser ein Brand ausgebrochen, welcher mehrere Gebäude einäscherte. Auch die Effenbahn nach Komotau ist unter- brachen. Brüx, 20. Juli.(W. T. B.) Infolge der Katastrophe ist die Stadt von Waffersnoth und Finsterniß bedroht, da die Wasserleitung und die Gasleitimg unterbrochen sind. Bisher werden zehn Personen vermißt, doch bofft man die Mehrzahl zu retten. Oedenburg, 20. Juli.(B. H.) Bei der gestrigen Uedung der hiesige» Garnison wurde» ein Lieutenant und ei» Jnsanlerist durch scharfe Schüsse verwniidct. Sofia, 20. Juli.(B. H.) Heute Mittag wurde hier ein Aufruf an die bulgarische Armee kolporlirt, worin die Truppen aufgefordert werden, nach Makedonien zu kommen und sich an de» Kämpfen gegen die Türkei zu betheiligen. Der Ausruf ist von II bulgarischen Reserve- Offizieren unterzeichnet und aus Makedoniei» datirt. Baku, 20. Juli.(W. T. B.) In der Stadt Kuba (Gouvernement Baku) wurden 3 kriegsgerichtlich verurtheilte einheimische Räuber durch den Strang hingerichtet. New-Hork» 20.fJ»Ii.(W. T. B.) Die„New-Dork World" berichtet, daß nach einem Telegramme aus Caracas in Venezuela eine Erhebung ausgebrochen wäre und die Ausständischen von Valencia die Regiernngstrnppen unter Oberst Ibarra besiegt hätten. Dabei sollen aus Seile der letzteren 20 Mann gelödtet und 50 verwundet worden sein. Verantwortlicher Redakteur: Max Psuud in Halensce. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage». 1. Beilage zum Ur. 168. Ein ViNÄrchiikonpvozetz in Voktbus. Vor der 2. Strafkammer am Landgericht K o t t b u s fand am Freitag eine Verhandlung gegen drei„Anarchisten" statt, die reich genug ist an interessanten Momenten, um aus- führlicher wiedergegeben zu werden. Angeklagt war der Tuch- macher August Frauböse, der in Berlin nicht unbekannt ist, der Fabrikarbeiter Albert H o r st m a n n und der Tuchmacher Wilhelm Schulz, sämmtlich in Kotlbus wohnhaft. Beschuldigt werden die Angeklagten, an einer geheimen Verbindung theilgenommen zu haben. Frauböse als Stifter und Leiter, die beiden anderen als Mitglieder; Frauböse soll außerdem durch Verbreitung verbotener Druckschriften Aufreizung begangen habe». Seit März befinden sich die Angeklagten in Unter« s n ch u n g s h a f t. Zu der Verhandlung sind eine große An- zahl Zeugen geladen; von der Berliner Polizei ist der aus der G u m m i s ch l a u ch a f s ä r e bekannte kriminal- I o»> mi ss a r Bösel erschienen; der in der Affäre Dräger- Scheine viel genannte Kriminalschutzmaun B u s s e ist als„Gast" anivefend. Tie Verlheidigung der Angeklagten liegt in den Händen des lliechtsanwalts Dr. Bieber. Der Thatbestand, auf dem die Anklage aufgebaut wurde, ist kurz zusammengefaßt folgender: Franböse zog im Herbst 1894 von Weißensee wegen mangelnder Arbeil fort und ließ sich in Kottbus nieder, wo er, wie die Anklagebehörde annimmt,„eifrigst bestrebt" war, für den Anarchismus Propaganda zu niachen. Gr berief Anfang Januar 1895 eine Volksversammlung nach dem Gasthaus„Zur Metze" in Kottbus ein, wo der Schlosser Wiese als Referent austrat. Hier wurde er mit den beiden Mit- angeklagten näher bekannt. Anfang Februar hielt sich ein ge- 'visier Bernhard H u h einige Tage in Kottbus ans; er wurde, da er aufs äußer st e herabgekomiucn war, von den Angeklagten unterstützt und reiste dann »n i t d e r e n G e l d e nach Berlin ab. Am 18. März er- hielt die Polizeidirektion in Kottbus einen Schreibebrief eines Herrn„Bernhard Huh, Friedenau bei Berlin, Rheiustr. 52, wohnhast, mit dem In- halt, daß während seiner Anwesenheit in Kottbus eines Abends ein Packet mit verboteneu Druchschriften aus Zürich bei dem Schulz eingetroffen sei, dessen Inhalt man in seiner Anwesenheit vertheilt habe. Der Brief enthielt ferner die Sätze: H. Frau- böse, B e l l e v u e st r. 15, dürste Sie(!) bekannt sein? Ebenso Hör st mann? Wenn nicht, verlangen Sie von mir Auskunft."— In dem Briefe sollte auch die Kopie eines Schreibens enthalten sein, das Frauböse Huh zur Bestellung an den Arbeiter Graßmann in Berlin, nnt dem Fr. in Sachen der Abonnementsgelder für den„Sozialist" in Ver- bindung stand, mitgegeben hatte. Dieses Schreiben fand sich jedoch in der Sendung an die Polizeidirektion nicht vor, wahr- scheinlich wird es der Absender in der Eile vergessen haben. Das Resultat war natürlich, daß die Polizei schleunigst bei den im Briefe genannten Personen Haussuchungen anstellte, und sie, da sich bei ihnen„belastendes Material" vorfand, verhaftete. Welche Mühe nian sich gegeben halte, um der Sache ein wirksames Relief zu geben, erhellt daraus, daß die Akten nach Leipzig gesandt wurden, da eine zeit- lang in den Kreisen der Ankläger die Meinung herrschte, es könne Hochverrath(!) vorliegen; schließlich wurde die Anklage daraus jedoch fallen gelassen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie sich schuldig be- kennen, an einer geheimen Verbindung theilgenommen zu haben, betonen alle Angeklagten, daß ihnen die Existenz einer Verbindung vollkommen unbekannt sei. Frau böse bemerkt, erhübe, als der„S o zi a l i st" seinerzeit dazu anfforderte, Vertrauens- Personen allerorts namhaft zu machen, seine Adresse an die Re- daklion dieses Blattes eingesandt. Horst mann erklärt: Ich bin gelegentlich mit Frauböse allerdings zusammengetroffen; niemals war ich jedoch mit seinen politischen Ansichte» ein- verstanden. Ich habe mich auch von ihin nicht„belehren" lassen, sondern bin im Grunde immer Sozialdemokrat geblieben. Bei ihm ist eines Tages ein Packet, als deren Absenderin die:„Gruppe Autonomie, London" genannt war, eingetroffen. In demselben lag die gedruckte Aufforderung: Lesen Sie die Schriften und verkaufen Sie dieselben. Das hat der Angeklagte jedoch, wie er sagt, nicht gethan, sonder» die Sache, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen, verbrannt. Auch der Angeklagte Schulz bestreitet, Anarchist zu sein. Er gehöre noch heute der Sozialdeniokratie an. Bei Frauböse war er zu einer Geburtstagsfeier. Da er früher(ebenso wie der andere Angeklagte H.) mit Frauböse zusammen in einer Fabrik gearbeitet habe, sei diese Zusammenkunft leicht erklärlich. Auf Befragen bemerkt der Angeklagte, daß er den Zeugen Huh in seiner Wohnung beherbergt und ihm auch noch Geld zur Weiter- reise gegeben habe. Kurz vor der Haussuchung habe er(Schulz) von Frauböse ein Packet mit Schriften zum Selbststudium erhalten, die dann beschlagnahmt wurden.— Zeuge Kriminalkommissar Bösel ließ sich eingehend über die„anarchistische Bewegung", speziell in den letzten Jahren aus. Regelmäßige Verbindung zwischen Deutschland und England, das früher der Herd der Anarchisten war, besteht jetzt nicht mehr, sagt der Zeuge. Auch die i» Deutschland bestehenden anarchistischen Vereine haben keine Verbindung untereinander. Eine Bemerkung des Zeuge» Bösel, betreffend das Eingehen des„Sozialist", veranlaßt de» Verlheidiger Dr. Bieber, festzustellen, daß lediglich durch die Ver- folgung der Behörden, die Beschlagnahme der Bücher K. die Existenz des Blattes vernichtet wurde. Nach einigen anderen Zeugen, die nichts Wesentliches be- künde», erscheint auf der Vildfläche der Zeuge L u h. Vorsitzender, Landgerichts> Direktor Dr. B i s ch o f f: Sie sind der Dachdecker Beruhard Lüh, katholischer Konfession, aus Böhmen gebürtig?— Zeuge: Ja.— Vors.: Sie sind v o r b e st r a f t im Auslände bereits wiederholt wegen Bettelns. Falschmeldung zc.; im Jnlande sind Sie auch bereits b e st r a s t, so uuter anderem wegen Diebstahls mit fünf und acht Wochen?— Zeuge: Jawohl. Ans Befragen bestätigt Lüh, daß er am 23. Mai 1394 durch Verfügung der Dresdener Behörde aus Sachsen ausgewiesen ist; am 5. August 1894 ist er in Friedenau bei Berlin zugezogen. Er bemerkt im weiteren, daß er Tuchmacher und Dachdecker ist.(Was noch?) Seine in der Voruntersuchung gemachte» Angabe» schränkt der Zeuge Lüh jetzt bei der Verhandlung, wo er aller Augen ans sich ge- richtet sieht und der Kontrolle der Angeklagten und der übrigen Zeugen unterstellt ist, wesentlich ei». Vordem hatte erpositiv behauptet, die Ehefrau des Angeklagten Schulz habe die Nachricht nach dem Restaurant„Zur Metze" gebracht, daß ein Packet angekomnien sei, jetzt weiß er nur noch, daß es„eine Frau" war. Wo das Packet geöffnet wurde, weiß er auch nicht mit Sicherheit zu be- künde». Er muß zngebe», daß er an dem fraglichen Abend ziemlich stark betrunken gewesen ist. Aus dem Kreuzverhör ergiebt sich, daß der brave Lüh es ver- standen hat. aus allem Vortheil zu ziehen. Als er auf seiner„Wanderschaft" nach Kottbus kam, drängelte er sich als „Genosse" an. Den Sozialdemokraten erzählte er. daß er keine Unterstützung von keinen anarchistischen Kollegen wegen seiner „Gesinnung" zu erwarte» habe, und den sogenannten Anarchisten gegenüber spielte er sich als tapferer Genosse aus und ließ sich Vorwärts" Sonntag, den 21. Inli 1893. deren Unterstützung gefallen. Befragt, weshalb er den Brief an die Behörde in Kottbus geschrieben, erklärt er: Ich habe das gemacht, weil ich von den Sozial- demokraten als Spion verdächtigt wurde(!).— Vorsitzender: Sie wollten sich also wohl bei der Behörde beliebt machen, sie hoffte» ihre Ausweisung würde zurückgenommen werden?— Lüh schweigt.— Als der Vorsitzende ihn dahin bescheidet, daß er sich nun setzen kann, sieht er sich eine Weile rathlos um. was im Zuschauerraum Heiterkeit erregt. Eine Bank im Saale war von den bisher vernommene» Zeugen besetzt, auf der anderen hatte» die Polizeibeamten Platz genommen— endlich hatte L. sich entschlossen, welchen Platz er zu wählen hatte, er schritt auf die letztere Bank zu und nahm neben den uniformirten Beamten seinen Sitz ein. Die Oefsentlichkeit wurde vorüber- gehend ausgeschlossen, als Hest III der anarchistischen Bibliothek, welches Franböse einem der vorgeladenen Zeugen in einer Wirth- schaft für 5 Psg. verkauft hatte, verlesen wurde. Es wird in dem Hcftchc» in ziemlich verworrener Weise ausgeführt, daß man gegen„Kirche, Staat und Börse" ins Feld ziehen soll. Auf diese Broschüre legte der Staatsanwalt Schulz in seinem Plaidoyer das Hauptgewicht. Nicht allein der§ 130 sei verletzt, sondern auch der§ 110(Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgiltige Verordnnngen). Den ersten Theil der Anklage(geheime Verbindung) ließ der Staatsanwalt so halb und halb fallen. Nachdem Herr Bösel selbst erklärt habe, daß eine Verbindung im Sinne des Gesetzes bei den deutschen > Anarchisten nicht bestehe, müsse er die Prüfung der Schuldsrage nach dieser Richtung hin lediglich dem Gerichtshofe überlassen. Gegen Franböse beantragte er 1 Jahr und 3 Monate und gegen die' beiden anderen Angeklagten je 6 Monate Gefängniß.(Be- wegung.) Der Vertheidiger Dr. Bieber bedauert, daß der Vertreter der Staatsanwalischast die Anklage auf geheime Ver- bindung nach d i e s e r Beweisaufnahme noch ausrecht erhalle» hat. Wahrscheinlich geschehe das nur deshalb, weil er zeigen wolle, daß die Anklagebehörde nicht umsonst gearbeitet habe. Die krampfhafte» Anstrengungen während der letzten 4 Monate seien thatsächlich rcsultatlos gewesen. Der Vertheidiger erwähnt, daß man unter den beschlagnahmten Papieren seines Klienten Frau- böse auch ein Blatt Papier mit Zahlen und Zeichen gefunden habe, welches man, da man in Kottbus darin gefährliches vermuthete, der Berliner Behörde zusandte. Diese konnte die„Geheimschrift" aber auch nicht enträthseln. Schließlich stellte sich heraus, daß die schrecklichen Zeichen weiter nichts waren, als sogenannte Tuchbinduugen, Zahlen, welche die Weber aus technischen Gründen notiren. lieber den edlen Lüh noch ein Wort zu verlieren, sagte der Vertheidiger. muthe ihm der Herr Staats- anwalt wohl selber nicht zu.(Heiterkeit im Auditorium.) Der Vertheidiger bestreitet, daß sich, weil eine Broschüre verkaust sei, von ivelcher der Angeklagte Franböse nicht einmal wisse» konnte, ob sie verboten sei oder nicht, der§ 130 anziehen lasse. Wenn der Z HO Anwendung finden solle, müsse doch gesagt werde», gegen welche Gesetze und Verordnungen die allgemeine» Redewendungen in der Broschüre verstoßen! Er hielt eine Freisprechung für geboten. Unter allgemeiner Spannung ver- kündete nach halbstündiger Beralhung der Vorsitzende das Urtheil. Franböse wurde zu» e u n Monaten verurtheilt, wovon drei Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurden, Horstmann und Schulz dagegen freigesprochen. In den Urtheilsgründen wird gesagt, das Gericht hat an- genommen, daß eine Verbindung in jtottbus nicht besteht, welche zu bestrafen war; der erste Theil der Anklage war somit sür alle drei Angeklagte hinfällig geworden. Frauböse habe durch Verbreitung verbotener Schriften Aufreizung begangen. Das Gericht sei ebenfalls der Meinung des Staatsanwalts, daß der tz 110 Anwendung finde. Es sei nicht nöthig, daß der Käufer der Schrift die darin gepredigten Lehren sofort in die That umsetze, sondern man müsse damit rechnen, daß dies geschehen könne, wenn der Anarchismus in Kottbus stark geworden fei.— Die beide» Freigesprochenen wurden sofort aus der Haft ent- lassen, der Antrag des Dr. Bieber, die vorläufige Haftentlassung sür F. anzuordnen, wurde jedoch durch Gerichtsbeschluß ab- gelehnt.- UoltÄles. Der„Vorwärts" wird zu weuig gelesen l Diese Auf fassung ist in Parteikreisen viel verbreitet und giebt oft die An- rcgung zu Vorschläge», wie dem Uebelstande abgeholfen werden könnte. So erhielten wir vor kurzem von einigen Parteisreundcn eine Zuschrift, in der empfohlen wird, den„Vorwärts" unent- geltlich an all- Arbeitslosen zu verabfolgen— ganz ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit derselben. Die Einsender gehen von der Ansicht aus, daß viele Arbeiter, wenn sie ohne Beschäftigung sind, gezwungen werden, das Abon- nement auf die Zeitung auszugeben— eine Entsagung, die manchem Leser recht schwer fällt.aber inZeiten ohneBerdienst von der eisernen Nothwendigkeit geheischt wird. Gehe man auf ihren Vorschlag ein, so behaupten die Einsender, dann gelange die Zeitung in einen größeren Leserkreis und fördere somit wesentlich die Aus- breitung unserer Ideen, während unsere Parteifreunde auf eine liebgewordene Lektüre nicht verzichten müssen, wenn sie der Arbeitslosigkeit verfallen. Ferner— meinen die Einsender— würde es nicht ausbleiben, daß durch diese Verbreitung die Zahl der Abonnenten steigt, und somit der finanzielle Nachtheil, der bei dem Unternehmen eintreten könnte, einen Ausgleich findet. Der Ausführung eines solchen Vorschlages stehen nach unserer Meinung größere Schwierigkeiten entgegen, als die Einsender glauben. Einmal wäre die Kontrolle über die Arbeitslosen schwer durchzuführen; dann könnte aber der„Vorwärts" in Zeiten allgemeiner Arbeitslosigkeit vor so erheblichen Anforderungen stehen, daß ihm die Erfüllung der Aufgabe ohne schwere finanzielle Nachtheile gar nicht möglich wäre. Wir möchten aber den Partei-Expeditionen empfehle», einmal der Frage näher zu treten, ob es nicht möglich wäre, in ihren Lokalitäten den„Vorwärts" in einigen Exemplare» auszulegen. Ferner weisen wir darauf hin, daß in allen Arbeitsnachweisen, die von unseren Gewerkschaften unterhalten werden, der„Vorwärts" jedermann zur Verfügung ist. Auch in der Lesehalle der „Ethischen Kultur", haben die Arbeitslosen Gelegenheit den„Vorwärts" einzusehen. Unsere Parteigenosse» können am beste» sür die Verbreitung des„Vorwärts" thätig sein, wenn sie in ihren Kreisen dahin wirken, daß die bürgerlichen Blätter nicht mehr von Arbeitern gelesen werden. Er» füllen die Arbeiter ihre Pflicht gegen sich selbst, dann können wir auch mancherlei Ansprüchen genügen, die heute unerfüllbar sind. iner Volksblatt. 12. Jahrg. Parteigenosse» des 4. Berliner Reichstags- Wahl- kreises! Die überaus günstigen Erfolge, welche der 6. Berliner. Wahlkreis durch Errichtung eigener„Vorwärts"- Speditionen im verflossenen Jahre erzielt hat, veranlaßten auch vor einiger Zeit mehrere Genossen des 4. Kreises, mit einem Antrage auf Einrichtung ebensolcher Speditionen an die Oefsentlichkeit zu treten. Wenn sich nun auch in der ersten Zeit unter den Partei-Anhäugern unseres Kreises eine nicht gerade besonders günstige Stimmung für diese Anregung bemerkbar machte, so siegte doch bald nach ein- gehender Prüfung der Materie der praktische Sin» unserer Genossen. In zwei großen Volksversammlungen wurde mit nahezu einstimmiger Annahme des Antrages die Einrichtung zweier Parteispeditionen sür den 4. Kreis mit dem I. April d. I. beschlossen. Parteigenossen! Alle die Gründe, welche seinerzeit für die besagte Einrichtung ins Feld geführt wurden, haben sich voll und ganz erfüllt.— Mit recht können wir heute konstatiren, daß wir durch Annahme des damaligen Antrages dem Kreise einen wesentlichen Dienst geleistet haben.— In erster Linie ist uns durch die ziemlich bedeutenden Uebcrschüsse der Parteispeditionen wieder die Möglichkeit gegeben, mehr als es i» letzter Zeit der Fall sein konnte, sür die allgemeine Agitation einzutreten.— Auf der anderen Seite ist es durch eifrige Agitation unserer Genossen von Haus zu Haus gelungen, mehrere hundert»euer Leser dem„ V o r w är t s" zuzuführen.— Was nun die weitere Frage, die Abschaffung der Kinder-, sowie bessere Bezahlung der Frauenarbeit bei den Partei-Speditiouen betrifft, so hat auch diese zur allseitigen Zufrieden» heit aller Betheiligten ihre Erledigung gesunden. Durch vortheilhafte, veruünstige Eintheilung der einzelnen Austragetouren nach Stadtbezirken ist die Kommission in der Lage gewesen, den etwa 50 Zeitungsfrauen bei bedeutend kürzerer Arbeitszeit eine bedeutend höhere Be- z a h l u n g zu sichern. Während die Austrägerinnen früher bei ihren Arbeitgebern— meiste ns waren dasGroßspediteure— für eine tägliche Arbeitsleistung von 4'/e— 5 S t n» d e n 8 bis 14 M. monatlich erhielten, werden sie bei den Partei-Speditionen bei täglicher Arbeitszeit von 2'/z Stunden mit in on a t l i ch 20 M a rk besoldet.— Unter Hinzurechnung der Beiträge sür Krankenkasse und Invalidität, welche von der Spedition voll bezahlt werden, stellt sich der monatliche Verdienst der Austrage- Frauen auf 22 Mark. Wahrlich Erfolge, welche jeden Parteigenossen anspornen sollten nun auch mehr die Vorurtheile gegen die Partei-Speditiouen fallen zu lassen und deren Abonnent zu werden!! Aber auch einen anderen kleinen Vortheil haben w i r zn verzeichnen, welcher jedoch für die davon B e t r o f f e n e n von unendlichem Werth- ist.— Ein Theil der Proletarier- linder, oftmals kaum im schulpflichtigen Alter stehend, war bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee, einer schamlosen Ausbeutung preisgegeben. Die Mütter, ge- zwungen, bei miserabler Bezahlung und langer Arbeitszeit ihr ihnen täglich aufgegebenes Pensum mit möglichster Eile zu erledigen, mußten, wenn auch oftmals mit blutendem Herze», ihre Kinder aus dem Schlafe rütteln, um sich von ihnen Helsen zu lassen! Wenn wir auch leider nicht in der Lage sind, die Kinder- arbeit, diesen Krebsschaden am Körper der heutigen Gesellschaft, generell zn beseitigen. so sollten wir dennoch versuchen, so minimal es auch sei, dies nach Möglichkeit zu thun.— Sorge ei» jeder„Vorwärts"-Leser dafür, daß wenigstens bei der Zustellung seiner Zeitung nicht erst ein Proletarierkind die ihm so nothwendige Nachtruhe opfern muß. Parteigenossen! Wenn wir auch mit dem im vorliegenden Quartal, dem ersten unseres Bestehens, zufrieden sein können, so muß doch auch hier wieder unser Bestreben sein, die Spedition zu einer dauernden, festen Einnahmequelle unseres Kreises zu gestalten.— Wer da will, daß es möglich gemacht werde, noch mehr Zeitungsfrauen zu beschäftigen, noch energischer der Kinderarbeit wenigstens bei der Spedition Einhalt zu thun, der werde„Vorwärts"-Leser bei unserer Spedition.— Nicht das Interesse einzelner, sondern nur das der Gesammtheit kann uns vorwärts helfen, darum, Partei- genossen, folgt unserem Aufrufe, werdet Leser der Partei- Spedition im Interesse unserer Partei, im Interesse aller. Listen zur Einzeichnung für die Spedition liegen aus bei Tolksdorf, Görlitzerstr. 58; Schilling, Pücklerstr. 55; Köppen. Reichenbergerstr. 13; Gesche, Wrangelstr. 83; Thiel, Partei- Speditionslokal, Lansitzerstr. 2, Keller; Röhn, Lichtenbergerstr. 15. vorn part.; Lauschte, Madaistr. 11, vorn 4 Tr.; Blume, Thaer- straße 10, Hof 2 Tr.; Lorenz, Frankfurter Allee 123, Quergeb. 2 Tr.; Galle, Koppenstr. 8, Hof 1 Tr. Die Arbeiter-Bildnngsschule veranstaltet am Sonnabend, de» 10. August, in der Vockbrauerei auf dem Tempelhofer Berge ein Sommerfest, auf das wir die Parteigenossen aufmerksam machen wolle». Als Hauptprogrammnummer wird ein lebendes Bild aus der Zeit des großen Bauernkrieges dargestellt: Die Erstürmung des Schlosses bei Schorndorf. Etwa 150 Personen werden an dieser Darstellung mitwirken. Auch der übrige Theil des Programms ist mit Geschick arrangirt, sodaß der gewiß zahl- reich anwesenden Arbeiterschaft ein über das gewöhnliche weit hinausragender Genuß geboten wird. Wen» man das Elend nicht sieht, existirt eS nicht— das ist die Logik blinder Verehrer der bürgerlichen Gesellschaft, und im Sande dieser kopflosen Vogelstraußpolitik stecken auch die Beweggründe, warum man neuerdings die langen Li»he- bänke im Kastanien wäldchen, östlich von der Sing» akademie, ohne weiteres entfernt hat, die bisher viele Jahre besonders den Arbeitslosen auf der Hetzjagd nach Brot und Erwerb Ruhe und Rast gewährt haben. Wer jemals in seinem Leben arbeitslos gewesen— wer jemals von früh bis spät, mit hungrigem Magen, mit wundgelausene» Füßen straßauf, straßab auf der Stellensuche gewesen-- wie weiß d e r es zu schätzen, wenn er bis zum nächsten Erscheinen des„Arbeitsmarkts" der bürgerlichen Blätter nicht allzuweit von der Ausgabestelle sich ausruhen kann! Aus der Straße darf er mit seinen Leidensgenossen nicht stehen bleiben; in den Fluren und Thnren unserer humanen Hausbesitzer ebenfalls nicht; die Bänke„Unter de» Linden" und an der Hauptwache sind längst besetzt— wo also soll er seine müden Glieder ausruhen? Aber da stehen ja pielhnndert leere Stühle mit be- quemen Rücklehnen, so recht geschaffen zu wohligem Rasten! Doch kaum hat er sich mit eine», tiefen Athemzuge niedergesetzt, da steht auch schon vor ihm der Stuhlwächter mit vorgestreckter hohler Hand: 5 Pf. soll er zahlen!— Er geht und setzt sich ans den schmalen, niedrige» Eisenreifen, der die wohlgepflegten grünen Rasenflächen umrahmt; allein auch hier scheucht ihn der in der Ferne blinkende Helm des Hüters für Sitte und Ordnung von bannen.— O, es ist eine Lust zu leben! Bänke sür Arbeitslose reißt man aus der Erde, Stühle für Besitzende stellt man dafür hin! Wahrlich, es geht nichts über diese z a h l u» g s f ä h i g e M o r a l im Reich der Gottesjurcht und frommen Sitte! Tie Vetbnideruug der Wissenschaft mit der Arbeit bat der italienische Bildhauer Campanca in einer Gruppe künst- lerisch dargestellt. Es ist dies die letzte Arbeit des hoffnungs- rolle», schafsensfreudigcn Kiinstlers. Er verunglückte s. Z. bei der Arbeit am Schloßbau in Königsberg dergestalt, daß er beide Arme brach und dadurch für die Fortführung seines Berufes fernerhin unfähig wurde. In anbetracht seiner Verdienste um die moderne Arbeiterbewegung und seiner unermüdlichen sozio- listischen Propaganda unter den italienischen Bildhauern, be- trachten die hiesigen organisirten Bcrussgenosse» es als ihre Ehren- Pflicht, den italienischen Genossen zu unterstützen und zwar da- durch, daß sie Vervielfältigungen oben gedachter Gruppe zu ver- treiben suchen. Der Preis ist 2 M. Davon entfällt die eine Hälfte ans die Herstellungskosten, die andere Hälfte wird dem bedaueniswerlhcn Künstler als Unterstützung zugeführt. Wir werden uni Bekanntgabe dieses in Genossenkreisen gebeten. Darf die Chariteedirektion ohue Zustimmung der Auverwaudteu in ihrem Krankcnhause Verstürbe»« sezireu? Ein Mitglied der Schneiderinnenkasse— eine Ehefrau— fand in der Charitee wegen schtverer Erkrankung am S. Juli Aufnahme. Am 13. Juli wurde sie einer Operation unterzogen. Am 15. Juli verstarb sie. An deinselben Tage wurde ihrem Ehemann Nachricht von dem Todesfall gegeben. Als dieser am 16. Juli die Leiche seiner Ehefrau besichtigen wollte, fand er, daß die Leiche s e z i r t war. Zu dieser Sezirung hatte er weder seine Genehmigung rrtheilt, noch hätte er sie ertheilt, wenn er um eine Genehmigung angegangen wäre. Der Ehemann hat sich nunmehr an die Chariteedirektion mit der sehr berechtigten Anfrage gewendet, auf grund welchen Licchts die Sektion, ohne ihn zu fragen, vor- geitvmmen ist. Man darf auf die Antwort g e s p a n n t sein Es zeigt dieser Fall wieder einmal, wie wenig Kassenmitglieder damit gedient ist, daß der Vorstand sie der Charitee. und nicht einem städtischen Krankenhause überweist. Soiveit wir uns ent- sinnen, hatte die Orls-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und Berufsgenossen sich leider dem Beschluß, ihre Kranken nicht der Charitee zu überweisen, nicht angeschlossen. Es ist wenig erfreulich, wenn die Mitglieder einer Kasse sich um die Hand« lungen ihrer Vorstandsmitglieder wenig kümmern. Nach diesem traurige» Fall überlegen sich vielleicht die Mitglieder der Kasse, ob sie damit einverstanden sind, daß ihr Vorstand Kranke der Charitee überweist und ob die Leichen ihrer Ehefrauen zu Sektions- versuchen benutzt werden müssen. Die nächste Generalversaiumlung wird hierüber Aufschluß geben. Eine erbanliche Geschichte wird uns aus evangelisch- kirchlichen Kreisen berichtet. Um im heidnisch-sozialdemokralischen Berlin die längst erstorbene christliche Einfalt wieder zu er- wecken, sind seit Jahresfrist an einigen Kirchen„Abendandachten" eingerichtet worden, in denen fromme Schafe unter Leitung eines gut evangelisch- orthodoxen Seelenhirten ihr Inneres Gott dem Herrn niit Inbrunst offenbaren können. Solches sollte auch am Freitag Abend in der neuen Nazarethkirche an der Schulstraße geschehen. Die etwa fünfzehn bis zwanzig gottesfürchtigen Frauen, die als Verkörperung der zunehmende» Religiosität niit staunenswerther Ausdauer regelmäßig an den Exerzitien theilnehmen, waren auch an diesem Abend um>/s8 Uhr wieder prompt zur Stelle. Aber sie harreten am Freitag vergeblich aus den frommen Diener Gottes, der ihnen Trost spenden sollte in ihrer geistlichen Trübsal und sie erquicken mit himmlischem Manna. Viertel- stunde auf Viertelstunde verrann, der Diener des Herrn kam nicht; er mußte schier vergessen haben, was seiner nach des Tages Last und Mühe in der ragenden Kirche»och wartete. Auch das eilige Bestreben des Kirchendieners, auf der«inen oder andern Stelle einen Ersatzgeistlichen aufzutreiben, war vergeblich; kein Seelenhirte war an dem schwülen Sommerabend zu Hause zu finden. Den Andächtigen blieb schließlich nichts anderes übrig, als bekümmerten Gemüthes die Kirche wieder zu verlaffen, ohne geistlichen Zuspruch erhalten zu Hab en. Hoffentlich hat ihre arme Seele keinen Schaden erlitten. f„Kirchen baut ihr und Paläste, Roth und Elend hat kein »aus." Eine packende Illustration fand dies Wort des Dichters ei der letzten polizeilichen Revision der Herberge in der Rosen- straße �u R i x d o r f. In einem drei Meter hohen und etwas über vier Meter breiten Raum ohne jegliche Ventilation näch- tlgten in entsetzlicher Atmosphäre auf dem Fußboden unter Tischen und auf Bänken nicht weniger als fünfzehn Per- fönen!— Die Sittlichkeit der Lehrlinge ist bekanntlich bei den I n n u n g s m e i st e r n am besten behütet, deshalb haben viele Innungen auch das ausschließliche Recht bekonimen, Lehrlinge anzulcrneii und— ihre Kräfte auszunutzen. Deshalb sind auch die Streitigkeiten über Lehrlingsverhältnisse sogar dem Jnnungs- Schiedsgericht entzogen, worin doch auch Gesellen und ein Beamter sitzen, und sie sind der Entscheidung des blos aus Jnnungs- meistern bestehenden Jnnungsvorstandes überwiesen. Wie ein hiesiger Jnnungsvorstand diese Behütung der Sittlichkeit der Lehrlinge auffaßt, zeigt folgender Fall. Ein Arbeiter hatte seinen Sohn bei einem hiesigen Schneidermeister in die Lehre gegeben. Er machte bald die Wahrnehmung, daß der Junge dort weder die Schneiderei noch sonst etwas Gutes lernte, denn der Meister traktirte den Jungen täglich mit Schimpfworten so zotiger Natur, daß uns ihre Wiedergabe hier unmöglich ist, auch schimpfte der Meister vor den Ohren des Knaben inimcr über dessen Eltern� Der Vater klagte beim Vorstande der Schneiderinnung auf Aushebung des Lehrvertrages, wurde aber abgeivicsen, obgleich auch ein anderer Lehrling des Meisters bekundet hatte, der Meister schimpfte in Ausdrücken,„daß einem die Lust vergehe." Ueber die behaupteten unsittlichen Redensarten erhob der Vorstand nicht einmal Beweis. Nachdem der Vater beim Amtsgericht die Klage eingelegt hatte, ging die Sache freilich anders aus. Der Lehrvertrag wurde in zwei Instanzen für ausgehoben erklärt, weil in dem Gebrauche roher Redensarten ei» Verstoß gegen die gesetzlichen Pflichten des Lehrherrn liege, den Lehrling zu gute» Sitten an- zuhalten, und weil die Sittlichkeit des Lehrlings geradezu dadurch gefährdet werde. Es ist bitter für einen Jnnungsvorstand, so korrigirt zu werden. Die Neptiliensammlnug des Verliuer Aquariums ist neben anderen durch eine fast meterlange südamerikanische Echse, welche Herr Dr. Wulff aus Santa Cruz mitgebracht uud dem Aquarium geschenkt hat, bereichert worden. Sie gehört zu den ihrer Größe nach schon an die Krokodile erinnernden Lcju- oder Schieneneidechsen, welche die echten Eidechsen und auch die Warane in Südamerika ersetzen und dort als Räuber von Eiern und Junggeflügel Schaden anrichten, während ihr weißes, dem der Hühner ähnelndes Fleisch sehr geschätzt wird. Das Abheben der Zeuaengebiihre» ist in Moabit mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft. Hat jemand seiner Zeugen- Pflicht genügt, dann erhält er, falls er auf Zeugengebühren reflektirt, den Liquidationszettel, auf welchem seine Wohnung, Personalien zc. verzeichnet stehen, und auf welchem auch die Zeit, während welcher der Zeuge anwesend sein muß, genau angegeben ist. Mit diesem Liquidationszettel hat sich der Zeuge zunächst nach dem Gebühren- festsetzungs-Zimmer zu begeben. Dort wird festgestellt, was er an baaren Auslagen für Fahrt oder Vertretung verausgabt hat. was er an Versäumnißgeldern jc. zu fordern hat, und welchen Betrag er überhaupt erhalten soll. Sehr einfach ist die Be- rechnung gerade nicht; die vielbeschäftigten Beamten, welche bei jeden, Zeugen das Gefühl haben, daß er womöglich zu viel herausschlagen möchte, sind ziemlich kurz angebunden und spielen gegenüber jeder Forderung, welche die Höhe des nachweislich verausgabten Fahrgelds übersteigt, znnächst die Rolle des Geistes, der stets verneint. Ist nun endlich mit heißem Bemühen das Minimum glücklich heraus- gerechnet, dann bekommt der Zeuge den Zettel ausgehändigt. Zunächst muß er dann den Sitzungssaal aufsuchen, den Schein unterschreiben lassen, und erst wenn dies geschehen ist, dann kann er mit seinem Scheine die Kasse aufsuchen, die so belegen ist, daß der Kassirer wohl das schöne Lied:„Im tiefen Keller sitz' ich hier", anstimmen könnte, wenn ihm in seiner Unterwell nicht schon längst des Dienstes ewiges Einerlei den Trieb der Sangesfreude erstickt hätte. Wer aber gar vor das Amtsgericht II geladen ist, der muß das Schicksal preisen, wenn es ihm gelingt, sich in einer einzigen Stunde schon zurechtzufragen. Im äußersten Ende des Erdgeschosses liegt der Sitzungssaal, und das Bercchnungs- ztmmer liegt hinter dem großen Vestibül oben über dem kleinen Schwurgerichtssaal. Es giebt— so unglaublich dies klingen niag— eine ganze Anzahl von Beamten, welche auf die Frage, wo dieses Zimmer eigentlich liegt, die Antwort verweigern, und einer meinte einmal mit dem Ausdruck tiessten Staunens:„Ja, mein Gott, giebt es denn da hinten auch noch Zimmer?" Ein ärztliches Attest zu erlangen— welche Schwierig- keit das einem gänzlich unbemittelten Arbeitslosen bereitet, das hat der Hausdiener W. erfahren, als er Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, kurz nach Herausgabe des„Arbeitsmarktes" eines bürger- liche» Blattes, in dem ein Klempnernleister„Lauf- und Arbeits- burschen" verlangte, bei letzterem sich fast gleichzeitig mit zirka 50 Stellensuchenden einfand, aber abgewiesen wurde. Da er sich aus dem Hose an einer Eisenstange noch etwas zu schaffen machte, erhielt er von dem durch Bemerkungen über den zu geringen Lohn aufgereizten Meister einen Schlag ins Auge, der einen starken Blutverlust zur Folge hatte. Ein Schutzuiann, den die Zeugen des Vorganges herbeiriefen, schrieb das Nationale des Meisters auf, und das Polizeibureau in der Alexa ndrinen straße gab dem Verletzten den Rath, sich z u n ä ch st ein ärztliches A t t e st zu verschaffen. Der gute Rath war„t h e u e r", der Arbeitslose aber ohne Geld. Alle Aerzte, bei denen der Verletzte unter Vorzeigung seines Kraukenbuchcs vorsprach, wollten das Attest nur gegen gleich baare Bezahlung ausstellen. Einer, dessen Straßenschild den Vernierk„Freie Arztwahl" trug, meinte sogar, daß er am liebsten mit der ganzen Sache nichts zu thun haben möchte, selbst wenn er für das Attest 10 M. bekäme. Erst als unser Berichterstatter sich bereit erklärte, das Attest sofort zu bezahlen, und den Arzt außerdem auf den Paragraphen des Statuts be- treffs plötzlicher Unglücksfälle aufmerksam machte, ließ der Doktor sich herbei, den Verletzte» zu untersuchen und ihm eine lindernde Tinktur zu verschreiben. Ter a»S dein Mariaberaer Prozeß bekannte Herr Mellage aus Iserlohn wird als Gast der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur am Dienstag, den 23. d. M, abends 8>/« Uhr, im große» Saal des Langenbeckhauses(Ziegelstr. 10—1!) in öffentlicher Versammlung einen Vortrag halten über das Thema:„Die Reform der Jrren-Rechtspflege uud der Irren- Krankenpflege." Die Thurm spitze und das Gerüst der im Bau besindlichen katholischen M at t h i a s k i r ch e in Schöneberg ist ani Freitag Abend vom Sturme herabgerissen worden. Der Unfall, bei dem Menschen glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen sind, wird wie folgt dargestellt: Der Thurm ist vom Fuß bis zur Oberkante des Kreuzes 73 Meter hoch, die Spitze allein 42 Meter. Das Gebälk der Thurmspitze war bereits so weit zusammengefügt, daß man heute das Kreuz aufsetzen wollte. Der erste Stoß des Sturmes machte das ganze Gebälk erzittern und schwanken, ein zweiter legte das Gerüst mit dem Gebälk nach der Berliner Seite des Winterseldlplatzes, also nach der Gleditschstrnße zu um. Eine kurze Zeit ruhte die ganze Thurm- spitze einschließlich des Gerüstes fast wagerecht mit dem einen Ende auf dem Thurmgemäuer und mit dem anderen auf dem Dache der Häuser Gleditschstraße Nr. 46 und 47. Daun brach das ganze unler dem Drucke der eigenen Last durch und fiel' krachend auf die Straße hinab. Tie Dächer der beiden Häuser sind stark beschädigt. Die Telephoudrähte, die sich ans dein Hause Gleditschstr. 46 in großer Anzahl sammeln, da sich hier ein Postamt(Nr. 30) besindet, sind vollständig durch- gerissen. An dem Postbureau und einem daneben gelegenen Bäckerladen wurden mehrere Scheiben zertrümmert. Bei den Aufräumnngsarbeite» stürzte ein Balken, den die Feuerwehr niederholen wollte, durch eine große Schaufensterscheibe in das Lokal eines Schankivirths. Ein anderer Balken war beim Um- fallen der Thurmspitze durch das Dach geschlagen und durch das Fenster nach der Gleditschstraße wieder herausgekommen; er hatte das ganze schöne Fenster zerstört. Die Sandstein- Verzierungen der Kirche scheinen gar nicht gelitten zu haben. Ter Unfall ist darauf zurückzuführen, daß die an den Balken bereits vor- handene» Anker noch nicht eingemauert waren. Die den Holzbau ausrichtenden Zinnnergesellen halten, als der erste Windstoß kam, noch nicht Feierabend gemacht. Als der Thurm ins Wanken gerieth, verließe» sie eiligst den Bau und wollten gerade ihrem Meister telephoniren, daß die Thurmspitze umzufallen drohe, als die Katastrophe bereits eintrat. Die kurze Pause im Fallen. wahrend die ganze Thurmspitze aus der Mauer und den Dächern lagerte, ist vielleicht manchem Fußgänger noch zum Retter ge- worden. Daß die ganze Masse mit einer ungeheuren Wucht auf die Straße aufgeschlagen ist, geht daraus hervor, daß fast alle Balken zersplittert sind wie kleingehacktes Brennholz. Die in einem Hinterraume der Postanftalt mit Sortiren beschäftigten Beamten glaubten, daß das Krachen von einem Donnerschlage herrühre, bei dem der Blitz in ihr Haus eingeschlagen sei. Ter gewaltige Sturm, welcher am Freitag Abend über Berlin dahinbrauste, hat in den nordöstlichen und östlichen Vor- orten furchtbar gewüthet und sowohl den Waldbeständen als auch den Obstzüchtereien empfindlichen Schade» zugefügt. Ter Orkan, der übrigens nur wenige Minuten anhielt und das der Stadt drohende Gewitter verscheuchte, entwurzelte auf der Köpnicker Chaussee eine Anzahl der dort stehenden Baumriesen. Fast in der gesammteu Umgebung Berlins wurde das Hartobst von den Bäumen gerissen und auf den Feldern, da, wo der Roggenschnitt begonnen war, wurden die Garben aus- einander gefegt. Sehr gefährlich wurde der Sturmwind den Schiffern der Obersprce, die schleunigst die Segel raffen und Anker werfen mußte», um Kentern der Fahrzeuge zu vermeiden.— Im Treptower Park ist der von dem Orkan angerichtete Schaden glücklicheriveise nur gering; die bereits aufgeführten, zum theil leichten Holzbauten haben dem Element Stand gehalten. Dafür aber ging gerade in Treptow ein wolkenbruchartiger Regen nieder," der weite Strecken überschwemmte.— lieber Charlottenburg brauste eine Windhose daher, die in der Hardenbergsiraße und der Ausstellung Italien in Berlin deutlich sichtbar und zirka 8 Meter doch war.— Glücklicherweise konnte dieses elementare Ereigniß keinen Schaden anrichten, da die Windhose sich in den Bäumen des Thiergartens verfing und verschwand. Wer hat die Militärmnsiker deuuuzirt, welche für die Mitivirkung bei der Arbeiter- Maifeier bestraft worden sind? Daß sozialdemokratische Musiker nicht die Denunzianten waren, haben wir schon vorgestern dargelegt; zum lleberflnß bestätigt noch eine vom Vorstand der Freien Vereinigung der Zivil- berufsinusiker an uns gerichtete Zuschrift diese unsere Meinung. Aber auch vom Verein Berliner Musiker, in dem die Angelegenheit be- handelt worden ist. erhalten wir ein Schreiben, worin ersucht wird, eine Berichtigung dahingehend zu bringen,„daß der Verein Berliner Musiker keinerlei Schritte gethan bat, um diesen Vorfall höheren Ortes zur Anzeige zu bringen". Wohl sei in einer Vorstands- sitzung diese Sache zur Sprache gekommen, aber laut Protokoll vom 6. Juni 1805 hätte man eine weitere Verfolgung abgelehnt. Dies Protokoll ist aber in der„Deutschen Musiker-Zeitnng" Nr. 26 dieses Jahrgangs mit einer recht behaglichen Breite wieder- gegeben, so daß jeder der zu lesen versteht, genau erfährt, welches furchtbaren Verbrechens sich die armen Militär- musiker schuldig gemacht haben. Es heißt da z. B.: „Herr Siegmann, welcher anfänglich für Verfolgung der"beregten Sache stimmte, bittet nach reiflicher Ueberlegung, jetzt davon Absland zu nehmen. An den K r i e g s in i n i st e r zu gehen, wäre nach seiner Meinung jetzt eine Privatsache des Vereins, welche aber unter Umständen unser Ansehen bei dem Mini st er herabsetzen könnte. Das Präsidium hätte sich nach seiner Ansicht den Rücken gedeckt, und deshalb wollen wir uns auch vor Nackenschlägen hüten!— Herr Frahm glaubt damit am besten zu thun, wenn wir den betr. Regiments-Kapell- meistern schreiben, daß wir von einer weiteren Ver- solgung der Angelegenheit nunmehr absehen wollen, jedoch mögen dieselben ihre Hoboisten an das bestehende Verbot be- sonders erinnern.— Die Herren Krüger und Böttcher möchten auf jeden Fall die Sache weiter verfolgt sehen, da sich unsere Mitglieder besonders dafür interessirten.— Herr Kluck bemerkt, Herr Siegmann habe nach seiner Ansicht gerade so ge- sprochen, als ob derselbe im Präsidium säße. Redner wünsct.t, daß über diese Frage nicht so leicht hinweggegangen werde, denn durch dieses Vorkommniß sei vielleicht endlich etwas zu erreichen. Die Politik im Sinne einiger Vorredner käme hier durchaus nicht in betracht!" Wenn nun auch der Vorsitzende erklärt, seinen Namen nicht unter eine Denunziation setzen zu wollen, so sieht die ganze Be- Handlung der Sache doch derart aus, daß unsere in der vor- gestrigen Nummer geäußerte Meinung nicht entkräftet wird, sondern gerade durch die Veröffentlichung des betreffenden Protokolls ihre Bestätigung erhält. Ter famose Bankdircktor Richter soll, dem Vernehmen nach, in London sich aufhalten. Sehr bedeutende Geldsummen hat der Gauner nicht bei sich gehabt, da er ein eigenes Vermögen von etwa 4000 Mark noch besessen und die er- schwindelten Summen nach den Recherchen der Polizei 3000 M. nicht überschreiten dürften. R. scheint die Absicht gehabt zu haben, den Kautionsschivindel in größtem Maßstabe auszuführen, dürfte jedoch durch die Vorsicht von zu engagirenden Kassenboten daran verhindert worden sein. Wie wir bereits mitgetheilt haben, haben einige derselben sich über R. Auskunst eingeholt; dies hatte der Herr„Bankier" erfahren und befürchtend, daß die Schwindeleien bereits entdeckt seien, bat er vorzeitig die Flucht ergriffen. Ein Konkurs wird nicht ausgebracht werden; daher dürsten die Handwerker, welche die Einrichtung der Bank ge- liefert haben, ihr Geld verlieren, um so mehr, als das Inventar bei weitem nicht hinreicht, die Miethe zu decken. Waö mau nicht definiren kau», sieht man als groben Unfug an! Ein Gartenlokal-Jnhaber auf dem Wedding hatte, wie die„Deutsche Tages-Zeitung" berichtet, jüngst an einem kaltregnerischen Tage aus Aerger über den Strich, den ihn die Witterung durch ein Sommernachtsfest gemacht hatte, ein großes Plakat straßenwärts aufgehängt mit der Aufschrift:„Die Riesen- Eisbahn ist heute eröffnet!" Jetzt ist ihm für seinen Galgen- Humor ein Strafmandat über 3 Mark wegen„groben Unfugs" zugegangen.... Eine Slcnderung ist in der Verwaltung der Jnvaliditäls- und Alters-Versicheruugsanstalt der Provinz Brandenburg durch Beschluß des Vorstandes eingetreten. Aus dem Vertrauens« manns-Bezirk Nr. 10 sind sechs kleinere Bezirke gebildet worden, welche die Bezeichnung 10». bis 10k führen und sich auf die Ortschaften Zossen, Sperenberg, Motzen, Jachzenbrück, Glienick bei Zossen und Kummersdorser Forst erstrecken. Für jeden dieser neuen Unterbezirke sind besondere Vertrauensmänner und deren Stellvertreter ernannt worden. Landrath Stubenrauch hat die Interessenten von der eingetretenen Aenderung in Kenntniß gesetzt. Der Verein der Mehl- uud Getreidekutscher hatte sich beim Polizeipräsidium über den Zustand vieler Treppen, die zu den Lagerräumen von Bäckereien u. s. w. führen, beschwert, durch welche die Kutscher beim Abtragen ihrer schweren Lasten an Leben und Gesundheit gefährdet werden. Das Polizei- Präsidium hat, der„Vossischen Zeitung" zufolge, dem Verein anheimgestellt, der Behörde in besonderen Fällen Anzeige zu er- statten. Mehr Licht wünschen schon seit langes Zeit die Anwohner der Elßholzstraße im äußersten Westen der s-tadt an der Schöne- berger Grenze. Die Straße ift nur an einer Seite bebaut und wird an der anderen vom Botanischen Garten begrenzt. Nur die bebaute Seite ist beleuchtet. Da nun die Bäume des Botanischen Gartens weit über den Bürgersteig herüberreichen, so ist diese Seite sehr dunkel und geivährt so allerhand licht- scheuen Elementen einen bequemen Aufenthalt. Die Anivohner der Straße haben mit ihren Petitionen um Beleuchtung auf der zweiten Seite der Straße— nach dem Vorbilde der Gruneivald- und Pallasstraße— bisher keinen Erfolg gehabt. Schwere Brandwunden trug gestern, Freitag. Nachmittag bei einem Löschversuche der 22jährige Arbeiter Max Dentzer aus der Schulzendorferstraße 2 davon. Dentzer suchte ein Feuer, das auf dem Grundstück Karlstraße 41 ausgebrochen war, zu unter- drücken und mußte, als er sich gezwungen sah, den Versuch auf- zugeben und sich zurück zu ziehen, seinen Weg durch Flammen nehmen. Dabei wurde er an beiden Beinen so schwer verletzt, daß er in ein Kraukenhaus gebracht werden mußte. Neberfall auf einen Gelehrten. Der Lehrer des Chiuesischen am Orientalischen Seminar Hsiich Scheu ist vorgestern Nachmittag, wie eine Lokalkorrespondenz meldet, in einem Stadtbahnbogen an der Paulstraße räuberisch überfallen worden. Die Räuber hatten Herrn Hsiich Schen zu Boden geworden und durchsuchten gerade seine Taschen, als sie von Vorübergehenden bemerkt und verfolgt wurden. Polizeibeamten gelang es, die Flüchtigen fest- zunehmen. Es sind in ihnen der Schlächter August Rogge, der Arbeiter Max Windl uud der Kutscher Max Bork festgestellt worden. Der chinesische Gelehrte ist bei dem Uebersall nicht ver- letzt worden. Beim Spieleu ist am Freitag Abend der 12jährige Sohn Karl des Schriftsetzers Vredereck aus der Kaiser Friedrich- straße 244 schwer verunglückt. Mit mehreren Jungen zusammen wollte er über den Zaun hinwegklettern, der die Kaiser Friedrich- straße von den Köllnischen Wiesen trennt. Der Knabe fiel vom Zaun auf den gepflasterten Bürgersteig herab und erlitt einen doppelten Armbruch, sodaß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Zu der Nysiz Über die Fleischbeschlagnahme, die wir gestern brachieu, wird berichtet, daß das beschlagnahmte Fleisch nicht Herrn Runge, sondern dem Händler Jahde gehörte, welcher das Fleisch, ohne einen Austrag dazu erhalten zu haben, ihm zu- gesendet hätte. Uuter dem Verdacht der Brandstiftnna ist iu Spandau der Gastivirth Lindow verhaftet worden. Wie die„Spaud. Korr." meldet, ist gestern bei einer amtlichen Durchsuchung der Wohnung des L. ein Faß mit Lumpen gefunden, die mit Spiritus getränkt waren; darauf war 5kienholz gelegt. Seit der Verhaftung L.'s, der sich in Moabit in Untersuchungshaft befindet, haben die Brände in Spandau aufgehört. Polizeibericht. An, 10. d. M. gegen Mittag durchschnitt sich in der Schmidstraße ein Gürtler mit seinen, Taschenmesser die Pulsadern an beiden Händen. Er wurde nach den, Kranken- hause gebracht.— Nachmittags wurde an der Ecke der Pols- damer- und Pallasstraße ein Mann durch einen vorschriftswidrig fahrenden Geschästswagen überfahren und an der Brust nicht unerheblich verletzt.— Bei einein in einer Lackfabrik in der Karl- nraße durch Unvorsichtigkeit entstandenen Brande wurde ein Arbeiter nicht unerheblich am linken Unterschenkel und an den Händen verletzt.— Außerdem wurde die Feuerwehr im Laufe des Tages neunmal alarmirt und u. a. auch nach Schöneberg gerufen, wo der Sturm das 80 Meter hohe Gerüst zum Helm des Thurmes der katholischen Kirche umgerissen und aus die Häuser der Gleditschstraße geworfen hatte. Menschen sind nicht verletzt worden. Witternngöübersicht vom SO. Jnli 1895. Wetter-Proguose für Sountag, 21. Juli 1895. Warmes, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter mit mäßigen südwestlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Nunfl und LVisseusrijofk. Gustav Engel, der bekannte Berliner Gesanglehrer und Musikkritiker, ist am Freitag Abend im Alter von 73 Jahren ge- storben. Er war in Königsberg geboren, studirte in seiner Jugend Philologie und Philosophie und begann anfangs der sniifziger Jahre eine ersprießliche Thätigkeit als Kritiker und Ge- sauglehrer. Professor Engel war vom Jahre 1874 ab Lehrer an der königlichen Hochschule für Musik, und viele Sänger und Sängerinnen von Ruf und Ansehen verdanken ihm ihre gesang- liche Ausbildung. Geviiszts Die gewesene Millioneubraut', jetzige Frau Gärtner- Hand t, Hulda geb. B a e r aus Nixdorf hätte nahezu das Unglück gehabt, die zweite Nacht ihres jungen Ehestandes im Gesängnisse zuzubringen. Die noch immer im Vordergrunde des Interesses stehende junge Frau fungirte gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II als Zeugin in einer Strafsache. Sie war nicht eingeladen, sondern von der Angeklagte» als Eni- lastungszengin selbst gestellt worden. Die unverehelichte Auguste Mann aus Rixdors, welche lange Zeit bei dem Bauer Wernicke gedient hatte, sollte der anderen Magd Kupischke eine goldene Uhr im Werths von 25 M. gestohlen haben. Die Uhr wurde noch an demselben Tage im Stalle gefunden und Frau Steucke, die Tochter des Bauern, die in demselben Hause wohnte, wollte gesehen haben, wie sich die Angeklagte in die gemeinschaft- liche Mägdekanimer schlich. Sie bezeichnete die Man» als Diebin und wies auch zuerst darauf hin, daß die Uhr im Kuhstalle ver- steckt sein möge, wo dieselbe thatsächlich gefunden wurde. Die Mann ließ die Bezichtigung nicht auf sich sitzen, sie verklagte Frau Steucke wegen Beleidigung, diese wurde vom Schöffen- gericht zu 15 M. Geldstrafe verurtheilt und beruhigte sich bei diesem Urtheil. Später wurde aber doch gegen die Mann Anklage wegen Diebstahls erhoben und auf das Zengniß der Frau Steucke hin wurde die Angeklagte zu einer Woche Ge- fängniß verurtheilt, wogegen sie Berufung einlegte. Ihr Ver- theidiger, Rechtsanwalt Abraham-Rixdorf, suchte nun den Nach. weis zu führen, daß die Hanptbelastungszeugin, Frau Steucke, stark verdächtig sei, die Uhr selbst entwendet und im Kuhstalle versteckt zu haben, um der Mann, der sie feindlich gesinnt war, ans Rache einen häßlichen Schabernack zu spielen. Zur Führung dieses Beweises war auch die„Millionen- braut" geladen. Dieselbe ersüllte aber ihren Zweck keines- wegs. Ihr Benehmen ivar ein höchst sonderbares. Sie lachte zunächst ununterbrochen, konnte die Eidesformel nur nach stammeln, sie antwortete höchst konfus und wurde leicht aus fällig, so daß sie der Vorsitzende wiederholt in die gebührenden Schranken mit Strenge zurückverweisen mußte. Sie war äugen scheinlich noch des süßen Weines voll. mit dem sie bei ihrem Hochzeitsschmanse am Tage zuvor im Rixdorser Nathskeller überreichlich regalirt worden war. Die„Rixdorser" hatten sich mit der Armen bedauerlicherweise einen Ulk gemacht, der Wein war in Strömen geflossen und als das junge Ehcpaar iii einer Equipage mit Gummirädern heimgefahren wurde, da war sie stark im Zweifel gewesen, ob sie die Millionen- Erbschaft bereits angetreten oder noch anzutreten habe. Unter den Nachwirkungen dieser Zweifel stand sie ersichtlich noch gester». In ihrer Konfusion ward sie zur Belastungszeugin, statt zu entlasten. Als sich der Gerichtshof zur Beralhung zurück- gezogen hatte, suchte sie den Vertheidiger mit Redensarten zu atlaqniren. Erst als ihr der Staatsanwalt androhte, daß sie sofort auf 24 Stunden eingesperrt werden würde, vermochte sie sich einigermaßen zu beruhige». Die Angeklagte wurde aber doch im Sinne der Vertheidignng freigesprochen. Die vielseitige Bude. Alles in allem machte er einen ganz guten Eindruck. Aber daß er sich in seiner Erregung soweit ver- gaß, derart niit der flachen Hand auf die Holzbrüstung zu schlagen, daß der eine der beiden guten Schöffen erschreckt in die Höhe fuhr— das ging doch nicht an. Der Vorsitzende bedrohte ihn im Wiederholungsfälle mit sofortiger Einsperrung.— An- gell.: Ick werde mir schon zusammennehmen, Herr Jerichls- hos, aber wenn ick daran denke, det mir als Berliner Maurer sowat in so'ne dreimal verwunschene Bude passiren muß, denn kört der Humor uf. Wenn ick det nich wahrheitsjedreu er- zähle» darf, wie sich det so nach un»ach abjewickelt hat, kenn hat mein Reden überhaupt keenen Zweck nich un ick lasse mir selbstredend stillschweigend oernrdeelen. — Vors.: Ich will Sie gewiß nicht in Ihrer Ver- the tignng beschränken, aber Sie haben ganz ruhig und an- ständig zu bleiben. Nun erzählen Sie meinetwegen Ihre Ge- sctüchie. � A n g e k l.: Ick hatte mir an den bewußten Sonndag Nachmittag een paar Daler klecnet Jeld iujestochen un war nach die Hasenhaide rausjemacht, wo ick erst einije Lokaler besuchte.— Vors.: Ja, angetrunken sollen Sie gewesen sein.— Angekl.: Na, ick hatte mir forn Paar Jroschen freundliche Jedanken jekooft, weiter nischt. Ick jehe denn nu so'n bisken mang die Sehenswürdigkeilen un komme denn ooch an ecne kleene Bude, die so janz in eenen Winkel liegt. Oben drieber steht: „Die vielseitije Bude" oder„Det internationale Museum" un vor so'n Stück von eenen ollen Teppich, der den Jnjang bedeilen soll, sitzt een forschet Frauen- zimmer mit rothe Schuh un weiße Strümp« un janz kurze Röcke an. Wenn sie ufstand, sah sie aus wie so'n ufjespannter Rejen- schirm. Un der Budenfritze, der een sammtenet Jacket u» eenen mächtigen Siejelring anhatte, stand ooch vor det Teppichstück un riskirte eene jewaltige Lippe, det die hohen Herrschaften sich doch for die lunipigen zwanzig Fennije det weltberiehmte Panorama mit die drei jeheimen Exlra-Kabinets ansehen sollten.„Un wenn Sie die janze Welt umjercist sind," nieente er,„wenn Sie hier herauskommen, werden Sie sagen, Sie haben nischt jesehen." „Der redt ja eene janz nette Handschrist." denke ick so in meinen Sinn, opfere aber die beeden Nickel un jehe durch den Lappen. Drinnen war et mächtig dunkel, ick konnte kaum beobachten, det da schon mehrere Personen drin waren, Soldaten un ihre Brauten. Wat is det hier? mucke ick uf. findet die Bude denn nich bei beleuchtete Lampen statt? Nee, meent der Budenonkel, det muß een bisken dunkel sind, die meisten Heerschaften haben det ooch janz jerne. Nu stellen Sie sich man hier hin un kieken Sie durch det runde Jlas, ick will mit die Erklärung ansangen. Hier zuerst„Rom von der Abendseile mit dem Petri-Dom". Det jroße Jebäude dahinten is der Vatikan, wo Sie den Papst us'n joldene» Stuhl sitzen sehen könnten, wenn die Mauer nich dafor iväre.„Ick sehe nischt", sage ick.„Denn müssen Sie det linke Ooge dabei zumachen", meent er.„Herr!" sage ick,„det is nich nölhig, det is mir in meine Jugend mal mit'» Steen ausgeschmiffen worden.„Denn kann ick nich dasor, autworl' er mir, det Museum is freilich nur für vollständije Menschen in- jericht." Det mußte mir nu nalierlich ärjern. Det zweete Bild war die Beerdijung von den russischen Kaiser Nicolaus, det war aber ooch vor die Katze. Bei't dritte Bild, wat den Brand von Chicago vorstellen sollte, aber ooch ui Nixdorf passen dhat, konnte ick nich länger an mir halten, der war jar zu erbärmlich, man sah weiter nischt als Flamme» un Nooch. Ter Erklärer sagte oenn, det det zu jcdet ordentliche Feier dazu jehörte, wenn ick det Bild von die andere Seite sehe» könnte, würde ick die Feierwehr arbeiten sehen können, wie sie Menschen un Kinder retteten und wie die Telejraphendrähte vor Hitze alleene an zu telejraphiren fingen: Ich räsonnire denn nu ieber den Bedrug, da kriegt er nnr bei Seite un flüstert mir z», ick sollte die anderen Leite doch nich koppscheu machen nn ihm' det Jeschäft verderben, ick sollte nachher ooch umsonst in det Extrakabinet ri». Ick lasse mir noch mal beruhigen.„Nu kommen wir in det jeheime Kabinet" sagt er, vorher aber ooch pro Kopp zehn Fennje extra, denn darum heeßt det„Extra- kabinet". Wir drängen uns wieder durch so'n Teppichlappen. Ich denke doch, mir soll Eener eenen Storch braten. Da kiekt det dicke Mächen, wat vorhin vor die Bude saß, mit die obere Hälfte von ihren Körper aus'n Tisch raus. Hier eene Dame ohne Unterleib!" sagt der Erklärer. Det jing mir nn doch über die Hutschnur. Wat? sage ick, sowat erdreisten Sie sich, uns vorzumachen? Die hat cen ollet derbet Unterleib, ick habe sie ja draußen jesehn, als sie als Lockvogel vor die Bude saß. U» voller Wnth jehe ick raus. Nu kam der Erklärer mir nach un sagte, recht hätte ick ja, aber det sollte doch blos eene optische Oogenverblendung sind. Er wollte mir aber entschädigen, un ob ick umsonst den jrößten Verbrecher dieses Jahrhunderls sehen wollte. Dazu bin ick nich abjeneigt, sage ick. wat hat er denn jemacht? O, sagt er, det is een janz jesährlicher Mensch, er hat in seinem janzcn Leben noch nie seinen Nebenmenschen eenen Jroschen jejönnt.„Den muß ick sehen, sage ick, det muß ja een janz ausjesuchter Schweinehund sind." Ja, meent er, det is er. Er zieht mir nu in die dunkelste Ecke von die Bude nn stellt mir vor cen viereckijet Stück Jlas un sagt, da soll ick rinkieken. Denn streicht er een Zündholz an un hält det dicht bei det Jlas un ick sehe, det det een Spiejel is. Nu, fragt er mir, sehen Sie den Verbrecher? Herr Jerichtshof, wen soll denn bei sowat nich die Jalle mt Blut treten? Ick wurde falsch nn sage zu dem Budenfritze»: Wen» ick Dir ooch keenen Jroschen jönne, denn jönne ick Dir doch eene jehürige Maulschelle un dabei lösche ick ihm eene. Det janze Welt- Pa- norama kam in Ufruhr un die Dame ohne Unterleib kam ihrem Manne oder wat er is zu Hilfe un allens haute uf mir in un brachte mir denn zur Wache. Un nu muß ick noch uj die An�, klajebank? Da hört ja der Humor uf!— Die Verhandlung endete mit der Verurtheilung des Angeklagten zu einer geringen Geldstrafe. Und wer nicht Gefahr laufen will, einem ähnlichen Schicksal zu verfallen, der sei auf der Hut und dulde beim ctumrxocnnjj unter keinen Umständen ein brennendes Licht. VevsammlunZen. Der Verband der i» Holzbearbeitungs-Fabriken und auf Holzplätzen beschäftigten Arbeiter(Fil. II) hatte am 17. Juli eine Versammlung anberaumt. Das Referat hatte Genosse M a t t u t a t übernommen, der in treffender Weise die Bedeutung der Gewerkschaftsorganisation darlegte. Hierauf gelangte die Abrechnung vom zweiten Quartal zur Verlesung und bekundeten die Mitglieder ihr Einverständniß niit der Kassenführung. Zum Schluß entspann sich eine längere Debatte, die wesentlich persönliche Angelegenheiten berührte. Die nächste Versammlung sindet am 20. August statt. Neiuickcndorf. Am 14. Juli hielt der Arbeiter- Bilduiigs- verein für Reinickendorf eine Generalversamuilung ab, in welcher Genosse Sassenbach über das Freimaurerthum reserirte. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Zln der Diskussion betheiligten sich mehrere Genossen im Sinne des Referenten. DerVorstand erstattete hieraufBericht über seineThätig- keit. Es wurden im letzten Halbjahre zwei Generalversammlungen und vier öffentliche Mitgliederversammlungen abgehalten. Hierauf verlas der Kassirer den Kassenbericht. Der Bestand der Kasse ist von: vorige» Halbjahr von 28,75 M. gegenwärtig aus 41,35 M. gestiegen. Bei der Wahl zum Vorstand wurde Genosse Lüdersdorf zum zweiten Vorsitzenden, die Genosse» Schade und Stier als Revisoren gewählt und die anderen Vorstandsmitglieder in ihrem Amt belassen. Köpenick.. Der hiesige Arbeiterverein hielt am 16. d. M. eine Generalversamuilung ab. Die Mitglieder nahmen zunächst den Bericht des Vorstandes entgegen. Die Einnahme betrug im Jahre 864,85 M., die Ausgabe 671,50 M., mithin bleibt ein Ueberschuß von 103,85 M. Aus der Bibliothek fehlen die Bücher Nr. 3, 59 und 77, und werden die Besitzer gebeten, dieselben ab- zuliesern. Es wurde nun zur Vorstandswahl geschritten und zum 1. Vorsitzenden Richter, zum 2. Heine, zum Kassirer Streichan und zum Beisitzer Kuhring gewählt. Die Wahl eines Schrift- sührers wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Zu Lie- visoren wurden Müller, Hilliges und Schiller ernannt. Die Bibliothek verbleibt beim Genossen Schwan, deffen Stellvertretung Ladewig übernahm. Unter Vereinsangelegenheiten wurde mit- getheilt, daß am 11. August ein„Urania"-Besuch stattfindet und werden die Mitglieder gebeten, sich recht bald um Einlaßkarten zu bemühen. Die Leseabende wurde» bis zum Oktober vertagt und nach Regelung einiger Vereinsangelcgenheiten die Versannn- lung geschlossen. Briefkasten der Redaktion. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunst und Rath in Rechtsangelegen Heiken ertheilt. Zl. D. Als Mitglied einer freien Hilfskasse, die den Bestimmungen des§ 75 des Krankenkassenversicherungs- Gesetzes genügt, brauchen Sie keiner Zwangskasse beizutreten.— S. 110. Die ausgelegten Kommunal-Wählerlisten sind für alle Wahlen maßgebend, die in dein nächsten Jahre stattfinden. Wiewohl Ihr Bezirk zimächst nicht in Frage kommt, thun Sie daher gut, die Wählerliste einzusehen. 2. Haftstrase besteht in einfacher Freiheitsentziehung. Zum Arbeiten darf ein zur Haflstrafe Ver- nrtheilter daher nicht gezwungen werden. Zwang zur Arbeit ist den zu G e f ä n g n i ß- und den zu Z u ch t h a» s strafe Ver- nrtheilten gegenüber zulässig. Jedoch sollen die zu Gefängniß Verurtheilten auf eine ihren Fähigkeiten und Verhältnissen an- gemessene Weise beschäftigt werden; auf ihr Verlangen müssen sie in dieser Weise beschäftigt werden. 3. ES wurden an sozial- demokratischen Stinunen abgegeben, beziehentlich Abgeordnete gewählt: '...... 101 927- 1 851 670— 9 493 447— 12 437 158— 9 811961— 12 im Jahre 1871; 1874: 1877; 1878: 1881: 1884: 1887: 1890: 1893: Näheres über die 549 990— 24(mit Nachwahl 25) 763128— 11 1 427 293— 35(mit Nachwahl 36) 1 786 733— 44(mit Nachwahlen 47) einzelnen Wahlbezirke finden Sie in der Vevmifikzkvs, Die Gefahre» der Frisur— eine Warnung, gerichtet au unsere Leserinnen im besondere» und die Damen im allgemeinen. In den Pariser Blättern vom Freitag sindet sich der Bericht eines Prozesses, der durch die Tödtung eines Menschen unter sehr eigenthümlichen Umstände» veranlaßt worden ist. Eine Pariser Dame der Halbwelt, Fräulein Gachete, bestellte am 10. Mai d. I. ihren Friseur, er solle kommen tor cdamxooing, d. h. de» Kopf aus amerikanische Art gründlich reinigen und waschen. Der Friseur selbst, Mr. Lepai», war abgehalten und schickte seinen Gehilfe» Rusfier. Dieser brachte das nöthige Material und Handwerkszeug mit, und, nachdem er das Haar mit den zum theil aus flüchtigen Essenzen und Oelen bestehenden Stoffen bearbeitet hatte, zündete er, da die Dame das Haar auch in Locken gebrannt haben wollte, anderthalb Meter von derselben entfernt— wie die Polizeivorschrift es erheischt— eine Spirituslampe zun« Glühendmachen des Brenneisens an. Urplötzlich fing das Haar der Dame Feuer. lohte wie Pulver hoch empor und war in» Nu verbrannt. Den Kops der Unglücklichen, die laut schreiend ins Nebenzimmer ge- rannt und dort ohnmächtig niedergefallen war, bedeckte eine furchtbare Brandwunde, und obgleich ärztliche Hilfe sofort herbei- geholt wurde und alles geschah, waS ärztliche Kunst thun konnte, ersolgte der Tod nach 24stündiger Qual. Am Donnerstag beschäftigte dieser Fall das Gericht. Lepain und Rnffier waren der fahrlässigen Tödtung an- geklagt, und obgleich sie nachwiesen, daß die von ihnen angewandten Essenzen allgemein im Gebrauch sind. und daß Rusfier die nöthige Vorsicht beobachtet habe, verurtheilte der Gerichtshof Rusfier zu drei Monaten Gefängniß und Lepai» zur Zivilentschädigung. DaS bringt aber das Opfer der Friseurkunst nicht ins Leben zurück. bei Dietz erschienenne, auch durch die„Vorwärts"-Buchhandlung beziehbaren Wahlstatistik.— E.» Kauonierstraße. Ver- schickung nach Sibirien auf dem Verwaltungswege ohne gerichtliches Urtheil ist möglich. Uebrigens verschlägt es nicht viel, ob eine Verivaltungsbehörde oder ein sogen. unabhängiges, in Wahrheit von der Verwaltungsbehörde abhängiges Gericht Verschicknna ausspricht.— F. G. 210. 1. 8 an. 2. Ja. 3. Nein. 4. Eine Doppelversicherung gegen Krankheit ist nach§ 26a des Krankenkassen-Gesetzes zu- lässig. Nur ist, falls das Statut nichts anderes bestimmt, in solchem Fall von der Zwangskaffe das Krankengeld soweit zu kürzen, als dasselbe zusammen»ick dem aus anderweiter Ver- sicherung bezogenen Krankengeld den vollen Betrag des durch- schnittlichen Tagelohnes übersteigen würde.— R. Sie haben recht. F. Sch. 19. und 81. G. 7. Da Sie jedenfalls mit einem Ein- kommen von 660—900 M. zur Steuer veranlagt sind— die Ver- anlagung geht Ihnen nicht zu—, so sind Sie wahlberechtigt. Sehen Sie die Wahlliste ein und reklamiren Sie eventuell in der an der Spitze des lokalen Theils vom Freitag, den 19. Juli 1895, mitgelheilten Weise.— 1089. H. Ja. falls das Vereinsstatul nicht entgegenstehende Bestimmungen enthält.— M. W. Ob Sie verpflichtet sind, Ehrenerklärungen und in welchen Zeitungen sowie in welcher Art abzugebe», hängt von dem Inhalt des uns nicht mitgelheilten Vergleichs ab. Sprechen Sic mit diesem in der Sprechstunde vor. — F.S. 2928. Großjährige Kinder können gegen ihren Vater ans Einwilligung zur Eheschließung klagen. Zustündig ist für die Klage das Landgericht, bei dem die Klage durch einen Anwalt angestellt werden muß. Bis Erlaß des rechtskräftigen Urtheils kann ein Jahr und noch mehr vergehe», da Berufung und dann Revision zulässig ist. Ihre Braut thut daher gut, die Klage zu unterlassen und am 1. Dezember das Aufgebot zu veranlassen. Der Standesbeamte kann bereits früher das Aufgebot, nicht aber die Trauung annehme».— Bl., MarkuSstraße. Nein. — P. P. Bei dem Magistrat»nd bei der Polizeibehörde.— N»g. M. In dem Verschweigen kann Betrug gefunden werden. Der Vertrag war also, abgesehen von den strafrechtlichen Folgen, anfechtbar. Zwei möbl. Schläfst., Wwe. Gesch, Adalderlstr. 84. 2300b Frdl. Schlafst.�Manteuffelstr. 57, v. 3 Tr., Weniger. 2236b Schlafstelle bei Ww. Meyer, Rüders- dorferstraße 17, v. IV. 2081b Frdl. Schläfst, f.«. Hm. bei Bemme. Langestr. 12. 2234b Freundl. möbl. Schläfst, bei Reichel, Manteuffelstr. 5l, v. 1 Tr. 2281b Möbl. Schläfst, für 2 Herren verm. Schneider, Prinzenstr. 56. 2230b Ein Genosse f. frdl. möbl. Schläfst Oranienstr. 14, 4 Tr. l. 2233b Frdl. Schläfst, für Hrn.. sep. Eing., Markgrafenstr. 9, H. l. 3 Tr. b. Schuch. Saud. möbl. Schläfst, in. sep. Eing. zu verm. Annenstr. 3, v. 3 Tr, l. Mbl. Schläfst, f. Herren Franzstr. 3. 1 Tr. bei Wwe. Lade. 2282b Frdl. Schläfst, f. H. Lausitzerstr. 3, v. 2 Tr. zu verm., sep., Pr. 7 M. Möbl. Zimmer, vorn, sep., Pr. 3 M.. z. verm. H. Schulz, Bruunenstr. 31. s2287b S'üt de» Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publik«», gegenüber keiiierlei Berantwort»»� Theater. Sonntag, den 21. Juli. Frirdr.- Milhrlmstädtischer park. Berlin ainüsirt sich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zlrne» Theater. Tata-Toto. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alerandervlah. Theater. Die Hochzeit von Valeni. Montag; Dieselbe Vorstellung. Pationat-Thrater. Im Jrrenhanse. Die jllten Flinten und Fernand's Ehekontrakt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Montag: Dieselbe Vorstellung. Flora-Charlottenburg. Der Trom- peter von Säkkingen. Montag: Dieselbe Vorstellung. PI. Iloailr's Kommertheater. Die Berliner Wäschermädel. Montag: Dieselbe. Vorstellung. lislilmsl-ltiester. Große Frailkfurterstraße 132. Direktion: Max Sarnst. Anfang 7>/s Uhr. Anfang 7-/2 Uhr. Rieelei'sukti'Lten des Herrn Messels�. Große Dopprl-UorstrUuttg zu einfache» preisen. Im Irrenhanse. Sensationsschauspiel niil Melodramen in 5 Akten und 8 Bildern von H. B. Regie: Max Sa inst. Dirigent: Adolf Wiedecke. 1. Bild: Zwei Hallunken. 2. Bild: Ein tiefes Geheimniß. 3. Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die Geheimnisse des Irrenhauses. 5. Bild: Ein Verräther. 3. Bild: Der Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 3. Bild: Der Giftmord. Zum Schluß: Aufführung der beiden Possen„vis jute» riiuW' und „Fernand's Ehekontrakt". Nationaltheater» Garten■ Gr. Konzert U.Spezialitäten- Vorstellung. Abends 9 Uhr bei elektrischer Ve- leuchtung: Anftret. der GrfchWistee Uiagara auf dem über 100 Fuß hohen Thurmseil. Mittwoch: Gr. Kinderfreuden- fest verbunden mit allerlei Volks« belustigungen. Friedrich-Wilhelmstädtischeii Concert-Park 23/26 Chaussee-Straße 25/26. Mosn Reklame, da doch täglich ausverkauft! gor Lach-Salvenl WW Berlin amüsirt sich Frankel als Theaterdirektor. Die Reise um die Erde. Die 3 Turner- Matadore. Cancan in Lumpen. Oer dicke Blum als Balletcuse. Gntree 30 pf. Passage- Panopticum. Per Dynamit- menslh läßt auf seinem Kopfe einen Steinblock vermittelst einer Patrone zersprengen. fostan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. C. Fröhlich's Gesellschaftssäle undGarten Schönhauser Allee 161. Jed. Sonntag. Dienstag n. Sonnabend: Conccrt, Sxeciulitüt.-Vorstellunx. Anfang 7 Uhr, Entree frei. Sonntags Ans. 4 Uhr. Programm 10 Pf. Jed. Montag: Gr. Concert. Entree fre,. Jed.Sonntag.Montag, Mittwoch: Ball. Jeden Mittwoch: Xwlikrkest. Entree: Kinder 10 Pf., Erivachsene frei. Kaffeekuche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Pers. Spezialitäten-Vorstellung frei. s2S32L Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Schadowstr.— Bing. Schadowstr. 14. Heute, Sonntag, Eintrittspreis: UM" 50 Pf. Reichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen, Krokodile, Hai- u. Tintenfische, Quallen etc. 69M Volksgarlen (ehem. Weimann's Volksgarten) Gesundbrunnen. Kadftr. 56/57. Direktion: Max Samst. Heute: Grohr Doppel porSeUung kleinen Preisen. Greeses Konzert n. Theater-Vorstellnng. Spezialitäten I. Ranges. Auftreten des Berk. Originat-Komikers Wilhelm Fröbel. Chansonetten, Soubretten, Liedersänger, Lnstgymnastiker tc. Täglich: Familien-Ball. Kasseneröffnung 3 Uhr.— Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 30 Pf. gieservirter Platz 50 Pf. Gebe den prachtvollen Weimann'schen Volksgarten an Vereine wochentags unentgeltlich ab. Rasenhaide 14/15, Jeden Sonntag: Gr. M-Kollzert. Jeden Sonntag, Montag u. Mittwoch in den Sälen Orossen Ball. Empfehle mein Lokal Vereinen zc. z» Versammlungen, Sommerfesten, Kränzchen, ebenso stehen drei verdeckte Sommer- Kegelbahnen zur Verfügung. 2383L' Max Kliem. Reichshallen, Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal): Täglich: HmlirPslhe Soiree MflUf] deutschen Quartett- HUI U u. Couplet-Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. Von her Kilvlllseier. Ensembleszene. Hnsrnhalbe. Sonntag: Ein Abend auf der Alm. Großes Conrert. I»' Riesen- Rs»|| Fahnensaal:«■"o Oails Monstre- Feuerwerk. Entree 30, Kinder 5, res. Platz 50 Pf. Montag: Sommerfest der Gürtler und Broneeure. Aktien-Brauerei Friedrichshain (Königethor). Heute Sonntag: Grosses Militär- Konzert. Eintritt 10 Pf. Kinder frei. Programm gratis. Allen Freunden n. Genossen empfehle mein Zigarren- Geschäfr. Weißensee, Sedanstr. 33a. Julius Schillert. Am Freitag, mittags 12 Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leide» mein lieber Mann und unser guter Vater, der Tischler August Kerzel tm Alter von 41 Jahren. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. d. Mls., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Britz aus statt. Wittwe Aereel nebst Kindern. ZeütrMmkell-ll.Sterbckjse der Tischler u. s. iv. Verwaltung Verlin H. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler August forzel am 19. d. M. im Alter von 41 Jahren an der Proletarierkrankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, den 22. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle desEmmaus-Kirchhofes aus statt. 184/2 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Die Drtsuerwaitung. Daiiksagnilg. Für die herzliche Theilnahme und zahlreichen Blumenspenden sage allen Freunden und Verwandten, insbesondere den Herren v. d. Firma C. Bechstein und vom Gesangverein, meinen besten Dank. Berlin, den 18. Juli 1895. Frau Anna Nieffeustahl, 2292b geb. Schumann. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir hiermit statt besonderer Meldung die traurige Mittheilung, daß am I Freitag, den 19. d. M., abends 6V4 Uhr, unsere gute Mutter, Schwiegermnlter und Großmutter, Frau Wittwe 2293b Gardine Meper, geb. Conrad, in ihrem 69. Lebensjahre nach dreitägigem schweremKampfe sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. d.M., abends 6>/i Uhr, anf dem Drei- salligkeits-Kirchhofe in der Berg- mannstraße von der Leichenhalle ans statt. Im Namen der Hinterbliebenen: Otto Meyer, Bildhauer, Strelitzerstr. 23; lNich.Meyer,Vildhaueru. Zeichner,! Falckensleinstr. 42. Freie Kriuiken- 11. Begriibch- Kajse her Schchitchtt Berlins. (E. H. 27.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 2291b lkstav Lorenz am 18. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle der Markus- gemeinde ans in Wilhelmsberg statt. Um rege Betheiligung bittet Ter Vorstand. Danksagung. 2277b Für die herzliche Theilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerb:- gung unseres Schwiegersohnes P-ul Greiser. Auch sagen wir allen Freunden und Verwandten, sowie den Maurern des Herrn Mendt sowie Herrn Zimmermeister Goers nebst Zimmerleuten unser» innigsten Dank. G. O.weiysch nebst Fra». Auf vielseitige Wünsche haben wir Einbanddecken zur illmsturz-Kro schüre I anfertigen lassen. Preis 15 Pf., Einzelporto 10 Pf. Weiter empfehlen wir fernerhin (kbintiMe EMchtt der Umsturz-Broschüre. 464 S. Preis 80 Pf. Porto 20 Pf. Enohhandlnng des„Vorwärts". Inning IMug in|nlig.| Sountag, beu 21. Juli 1895: Nachm. 4Vz Uhr: Promenaden-Konzert der Eersaglierl. Maestro Qattl. „ 5„ Auftreten der ltallenischen 22 Musiktruppen. 6 Tarantella-Tänzirlnnen Trappen Maranou. Oilettl. von t/z? 7 Uhr an: Konzert des an: Rubinacci- Buffo eccentrico di Napoli. mit seinem Maestro Gialdinleiinigimieltitpir. nur Novitäten wie Mascagni's Ratcliff- Teatro americano mit dem„Urkomischen Bendix", dem Chanso- netten-Kobold Signoro Peretti, dem Alpenveilchen-Damen-Terzett tc. Die Comödia del arte findet in der Osteria Wolff statt. Während des ganzen Tages: Vorführung des Edison'schen Kinetoslvpen und Phonographen durch den Physiker Herrn Karoly. Besichtigung der italienischen Seideuspinnerei, Glasbläserei, florentinischen Strohflechterei, Mosaikfabrikalion, Holzsäinitzerei tc. MF* Abends; Grosser Gondel-Corso, um 12 Uhr nachts Finale: Gr. Umzug der BersagUeri. Outrrr 50 Pf., Kinder die Kälftr. 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August 1895 Altdeutsches Kaneen-Fest in der Berliner Bock-Brauerei bestehend in Instrumental» und Vccal- Concert. Auf d» SommerbÜhne: Itt EOrMiliig hts Sthlössts Ütl Slil>t'll!>l>rs. Eine Episode aus der Zeit des Bauernkrieges(Bauernbund:„Der arme Konrad") unter Herzog Ulrich von Württemberg, um das Jahr 1514. Im kleinen Saale: politisch- satyrisch«» Kasperle- Theater. Im großen Saale: Tanx. Herren, die daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach._ 4/4 Im Garten: Besichtigung der Ritterburg mit ihren mitrelalterlichen Raritäten.— Bei ungünstiger Witterung bietet das große Zelt vor der Sommerbühne hinreichenden Schutz. Killetv 25 pf. An der Tageskasse 30 Pf. Anfang 4 Uhr. B i l l e t s sind in den Zablstellen und in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu. haben. Macht ist Misten! 1 3 Ö-Hir, Frankfurters lr. 136 M. Krüger's Steile Leinöl ist das anerkannt beste. Fabriklager: Berlin, Skaliizerstr. 105. 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Wahlberechtigt ist nach Z ö der Städle-Ordnung jeder in die Wählerlisten eingetragene selbständige Ein. wohn er, der Preuße und 24 Jahre alt ist, seit einem Jahr in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine Nrmenunterstützung aus öfsent- I i ch e n M i t t e l n empfang en hat, sowie m i n d e st e n s zur zweiten Steuerstufe(660— SOS Mark Ein- kommen) eingeschätzt ist. Selbständig ist jeder, der einen eigenen Hausstand hat, so- fern ihm nicht das Verfügungsrecht über sein Vermögen oder dessen Verwaltung durch richterliches Erkenntniß entzogen ist. Einen eigenen Hausstand besitzt derjenige, dem die Verfügung über einen Wohnraum zusteht, also jeder Miether, Aftermiether, Chambrcgarnimiether. Als nicht selbständig wird hingegen der erachtet, der lediglich in Schlafstellen wohnt und eine Ver- fügnng über einen bestimmten Wohnraum am Tage nicht hat. Hingegen ist auch der selbständig, der mit anderen zusammen eine Stube, möblirt oder unmöblirt, gemiethet hat. Die Liste der stimmfähige« Kärger liegt bi» zum 39. Juli d. J. täglich, also auch Konutng», von 9—3 Uhr im städtische» Mahlburea«, Uoststr. 16, 3 Tr., z« jeder- mauita Einsicht aus. Eiliwendungr« gegen die Uichtiglieit der Liste können nur während dieser Zeit schriftlich beim Magistrat er» hoben werden. Urber die Kerechtignng der gegen die Richtigkeit der Listen erhobenen Einsprüche entscheidet die Stadtverordnrten-Uersammlung. Zu einem für die Sozialdemokratie erfolgreichen Ausfall des bevorstehenden Kommunal-Wahlkampfes ist es nothwendig, daß jeder stimmberechtigte Parteigenosse und Arbeiter sich durch Ein- sichtnahme in die Listen vergewissert, daß er sein Wahlrecht aus- üben kann. Wir mahnen daher dringend zur genauesten Kontrolle der Wählerlisten, und richten diese Aufforderung besonder« auch an diejenige» Wähler, welche wegen nicht vollbezahlter Kur» und Verpstegungakoste» in städtische» Krankenhäuser» nicht in die Wählerliste anf» genommen bezw. au» derselbe» gestrichen sind. Der Magistrat betrachtet nämlich die Aufnahme und Be- Handlung in städtischen Krankenhäusern auch dann als eine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln, wenn die dadurch entstandenen Kosten durch Ratenzahlungen abgetragen wird. Die Stadtverordneten-Versammlung da- gegen hat wiederholt beschlossen. daßKranken- hausschulden, welche durch Ratenzahlungen getilgt werden, nicht zum Verlust des Wahl- rechts führen, und den Magistrat aufgefordert, d e m g e ni ä ß zu v e r s a h r e n. Da der Magistrat trotzdem an seiner Auffassung festhalt, so fordern wir in der Gewisihrit. dasi die Stadtverordneten» Nersammlnng die Eintragung In die Wählerliste» beschließen wird, diejenigen Wähler, denen an»»be» bezeichneter Ueranlassnng da» Wahlrecht entzogen wird. hierniit aus, beim Magistrat schriftlich Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerliste z« erheben. Wir bemerken noch, daß auch die Gewährung des Armenrechts zur Führung von Prozessen keine als Armennnterstützung aus öffent- lichen Mitteln ist. Parteigenossen! Zur Vorbereitung der im Herb st st a t t f i n d e n d e n K o ni m n n a l w a h l e n muß z u n ä ch st die Kontrollirung der Wühlerlisten organisirt werden. SonnkAZspIcrudevei. „Ans H e u ch e l l a n d Wo ist das? Woher kommt der Brief? Er ist als Einlage eines Brieses hier in ein Kouvert gethan und an mich geschickt worden — trägt also kein Postzeichen. Und auf dem Umschlag der Einlage steht mit großen Buchstaben„aus Heuchclland". „Aus Heuchelland". Der Name ist mir sehr wohl bekannt. Bor etlichen 20 Jahren schrieb mir ein guter Freund, der seine vortreffliche Feder leider verloren zu haben scheint, sehr hübsche Briefe„aus Heuchelland". Und sein Hcuchcllaud war England— das Land des cant's, d. h. der öligen, die Augen fromm zum Himniel aufschla- genden Phrase, die jede Niederträchtigkeil deckt und ge- ivissermaßen den Schleim bildet, mit dem die Boa Constriktor der„guten Gesellschaft' ihre Opfer begeifert, uni sie be- qnemer verschlucken zu können. Es war dieses England, dcffen spottender Dichter schon zu Ende des vorigen Jahr- Hunderts in einer Komödie das berühmte Gespräch ans die Buhne brachte— M e i st e r: Bursche, hast Du Kreide und Alaun ins Mehl gethan? Lehrling: Ja, Meister! M e i st e r: Hast Du Sägspähne in den Kochzucker gemischt? Lehrling: Ja, Meister! Meister: Hast Du Wasser in das Bier und den Wein, und Mehl in den Senf geschüttet? Lehrling: Ja, Meister. M e i st e r: Schön, mein Sohn, dann komme, wir wollen in die Kirche gehen und beten! Das schöne Gespräch ist vor einiger Zeit durch deutsche Zeitungen gewandert, die voll christlich-germanischer Bieder- keit die Kirche in eine Synagoge verwandelten. Aus Heuchelland? Ja, früher war unzweifelhaft Eng- land das Heuchelland xar excsUeneo. Es ist christlich wie alle modernen Staaten; und sintemalen das dusiness(Ge- Die zur Wahl berufenen K o m m u n a l- W a h l b e z i r k e bestehen aus folgenden Stadtbezirken: Zum zweiten Kommunal- Wahlbezirk gehören die Stadtbezirk« 6—19, der 144. Stadtbezirk und die Häuser Kleine Kurstr. S, Niederwallstr. 24 und 25 sowie Spittelmarkt 14 und 14a. Zum funfte» Komumnal-Mahlbezirk: Die Stadtbezirke 31— 36. Stadtbezirk 39 mit Ausschluß der Häuser: Königgrätzerstr. 121, Charlottenstr. 11— 12, Junker- straße 1, Lindenstr. S9, Markgrasenstr. 10—16 und 85—94. Uou« Stadtbezirk 33 die Häuser Wilhelmstr. 42a und Zimmerstr. 1. Zum 7. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 31 bis 39 mit Ausschluß des Hauses Linkstr. 46. Uom Stadtbezirk 43: Die Häuser Frobenstr. 1—11 und 41, An der Apostelkirche 1, Kurfürstenstr. 29—46 und 169—150. Uom Stadtbezirk 46 Lützowstr. 93. Zum 11. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 63 bis 67 und 74 bis 78 mit Ausschluß der Häuser Belle- alliancestr. 90. Gneisenaustr. 1. Zum 13. Kommnnal�Mahlbezirk: Die Stadtbezirke 88—94 mit Ausschluß der Häuser Reichenbergerstr. 173, Lausitzer- straße I, Skalitzerstr. 39 und 46 und Wienerstr. 69. Uom Stadtbezirk 87 Admiralstr. 36— 40a, Britzerstr. 25, Kottbuser- straße 7 und 3. Zum 13. Kommnnal-Wahlbezirke: Die Stadtbezirke 88—85 mit Ausnahme der Häuser Adalberlstr. 85 undNaunyn- straße 59. Pom Stadtbezirk 81 Elisabeth-User 36. Uom Stadtbezirk 86 Oranienstr. 24—26 und 130—183; sowie vom Stadtbezirk 95 Manteuffelstr. 42 und Oranienstr. 1. Zum 17. Kouiniunal» Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 114—117 und 133— 134, mit Ausschluß der Häuser Brandenburgstr. 17 und 64, Wasserthorstr. 25 a, Prinzenslr. 91, Rilterstr. 19a— 29 und 96— 105. Zum 34. Kommunal Wahlbezirk: Dir Stadtbezirke 168—173, niit Ausschluß der Häuser Breslauerstraße 17, Fruchtstr. 9 u. 10 und 80—32, Koppenstr. 5—7 u. 87, Schlesischer Bahnhof, Empfangsgcbäude und Bahnanlagen bis zur Warschauer- straße, gindcrsdorserpr. 44—51, sowie Koppenstr. 40. Zum 37. Kommunal» Wahlbezirk: Die Stadt- bezirke 133—156 und 159 mit Ausschluß der Häuser Gr. Frankfurterstr. 48 u. 91, Markusstr. 30. Große Franksurterstr. 92— 102a u. 126, Koppenstr.41, Pallisadenstr.83— 89, Strausbergerstr. 9 u. 35, Gr. Frankfurterstr. 39—47, Weber- straße 64, Gr. Frankfurterstr. 12, Koppenstr. 42— 43, Palli- sadenstr. 33. Uom Stadtbezirk 146: Gr. Frankfurterstr. 69, Schillingstr. 20. Uom Stadtbezirk 151: Krautsstr. la— 2 und 54a— 55a. Uom Stadtbezirk 163: Andreasstr. 41—44 u. 47, Blnmenslr. 34a— 41 u. 43—51. Krautsstr. 53—54. Zum 39. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 393— 399 m i t Ausschluß der Häuser Prenzlauerstr. 30, Münzstr. 1—9 Rochstr. 1—6 und 15—19; Straße längs der Stadtbahn nördliche Seite; westlich von der Nochstraße inkl. Eckhaus dieser und der giochstraße hinter den Hänsern der Münzstraße; Nene Schönhanserstr. I und 1a; Wein- meisterftr. 1a— 8. Uom Stadtbezirk 319 die Häuser Gips- straße 13, Roscnthalerstr. 25. Uöm Stadtbezirk 313 das Haus Liniensir. 202. Zum 33. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 336, 337, 355, 356, 368 und 369 mit Ausschluß der Häuser Fehrbellinerstr. 58— 62, Gartcnstr. 26—35 und 145—155, Jnvalidcnstr. 23 und 129—132, Elsasserstr. 27—30. Uom Stadtbezirk 331 die Häuser Angermünderstr. 1, Christinenstr. 1, Lolhringerstr. 23— 27. Uom Stadtbezirk 335 Chorinerstr. 4—6 und 78—86, ZeHdnickerstr. 9. Uom Stadt» bezirk 357 Ackerstr. 27—28 u. 143, Jnvalidenstr. 143 und 163, Bergstraße 31, Pappelplatz. Uom Stadtbezirk 367 Bergstraße 62. Zum 35. Kommunal» Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 339—336 mit Ausschluß der Häuser Kastanicn-Allee 36 und 70, Cchwedterstr. 29, Bernauerstr. 26, Nheinsbergerstr. 79. Znm 39. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 316, 317, 379—383 und 385 mit Ausschluß der Sä u s e r Anguststr. 1—2 und 89—93, Jnvalidenstr. 80—83. oin Stadtbezirk 311 Ülrtilleriestr. 13—16 und 89—93, Ziegel- slraße 14— 21. Uom Stadtbezirk 315 Artillcriestr. 4 a— 4 c, 21 und 31—31 a, Auguststr. 4, Oranienburgerstr. 35—39 und 64- 69. Uom Stadtbezirk 386 Alt-Moabit 129 und Werftstr. 21. Zum 43. Kommnnal-Wahlbezirk: Die Stadtbezirke 376-378 319—336, mit Ausschluß der Häuser Paukstr. 7 und 47. Uom Stadtbezirk 313 Schulstr. 61—86. Auf an'» Werk I Die Liste» liege» bis znm 39. d. M. täglich von 9 bis I Uhr im städtischen Mahlburea», Uoststr. 16, 3 Tr., zu jedermann» Einsicht ans. schüft) dort früher zur Blüthe und Geltung kam, als in anderen Ländern, und folglich der Gegensatz zwischen„Gott" und dem„Mammon" früher zu tage trat, waren die prak- tischen Engländer auch die ersten, welche die praktische Eut- deckung machten, daß das Bibelwort:„Man kann nicht zween Herren dienen— dem Gott und dem Mammon"— recht unpraktisch ist; und sie erbauten einen gemeinsamen Tempel für Gott und den Mammon, gaben dem Mammon das Kreuz in die Hand, und erklärten jeden für einen Anti- christ, der nicht den wahren Gott anbetet: Mammon mit deni Kreuze. So wurde England das Heuchelland und stand eine zeit- lang als solches vereinzelt da auf einsamer Höhe— allen übrigen Ländern voraus. Inzwischen ist aber der einzig wahre Gott Mammon mit dem Kreuz in allen anderen Christenländern zur Herrschaft gelangt. Und wollte einer fragen, welches Land heute das heuchlerischste unter den Heuchelländern sei, so würde die Antwort ebenso lauten, wie ans dem Internationalen Pariser Ar- beiter- Kongreß, als gefragt wurde:„Welche Bourgeoisie ist die schlechteste?" Nachdem einige Minuten die Arbeiter der verschiedenen Länder sich um die schlechteste Bourgeoisie gestritten hatten, einigte man sich im Nu auf das Wort des deutschen Genossen, der lachend ausrief: Sie sind alle gleich! Ja, sie sind alle gleich— diese Bourgeoisien und diese Heuchelländer. Sie tragen alle dasselbe Zeiche»(„ K a i n s zeichen würde der G n e i st sagen,„der alles beweisen kann") an der Stirn: das Zeichen des dekadenten Kapitalismus.„Dekadent", „Kapitalismus"?— Zwei verwünschte Fremdwörter. Nun, für beide weiß ich kein ehrliches deutsches Wort. Die deutsche Sprache ist � so„ein arm Sprak", so„ein plump Sprak", wie der„Edelste" Riccaut de la Marli niöre in Minna von Barn- Helm sich ausdrückt— sie versteht nicht die sittliche Tiefe, die darin liegt, das Glück zu„korrigiren", oder Depeschen zu„redigiren"; sie steht sprachlos da, die„plump deutsch Sprak" vor der moralischen Größe des Kapitalismus, und Für diejenigen Wähler, welche nicht in der Lage sind, die Wählerlisten selbst einzusehen, sind die nachstehend aufgeführten Parteigenossen bereit, dies zu thun: Für de» 3. Kommnnal-Wahlbezirk: Sommer, Grünstr. 21; Linke, Jüdenstr. 36; Stockfisch, Holzgarten- straße 5; Gärtner, Molkenstr. 12. Für de» 5. Kommnnal- Wahlbezirk: Schulz, Prinz Albrechtstr. 3a; Schuhmacher, Kochstr. 6; Hertel, Bessel- straße 14; Haseloff, Friedrichstr. 234; Saß, Markgrasen- straße 102; N e u m a n n, Markgrasenstr. 23; Z u b e i l, Linden- straße 106; Müller. Wilhelmstr. 16; Pohl, Junkerstr. 12. Für de» 7. Kommunal- Wahlbezirk: Werner. Bnloivstraße 59; F a b e r, Lützowstr. 4; Behrendt, Blumen- thalstraße 5. Für den 11. Kommniial- Wahlbezirk: Naumann, Blücherstr. 42; Müller, Gräsestr. 31; S ch o« h e i in, Gräfe- slraße 8; Löwendorf, Friesenstr. 4; Reichert, Willibald- Alexisstr. 22; Grube, Mariendorferstr. 5; Kitzing, Belle- Alliancestr. 74. Für de» 13. Kommunal- Wahlbezirk: Köppen, Reichenbergerstraße 118; Schayer, Reichenbergerstraße 54 F e l g e n t r e f s, Reichenbergerstr. 2l; Gottfried Schulz Admiralstr. 40 a. Für den 15. Kommniial- Wahlbezirk: Streit, Naunpstr. 86; T h. Mehner, Naunynstr. 67, II; Henke, Naunynfir. 26. Für de» 17. Kommniial-Wahlbezirk: Lindemann, Moritzslr. 9; Wolsdorf, Wasserthorstr. 20; Börner, Rilterstr. 15. Für de» 24. Kommnnal- Wahlbezirk: O w z a r e ck, Langestr. 65; Albert Böhl, Rüdersdorferstr. 8. Für den 37. Kommunal- Wahlbezirk: W. Lock, Friedrichsbergerstr. 11; F. Bach. Strausbergerstr. 34. Für den 39. Kommnnal-Wahlbezirk: Wernau, Rosenthalersir. 57; W a ß m a n n, Linienstr. 29. Für den 33. Kommunal-Wahlbezirk: Oberschmidt, Weinbergsweg lld; Witzel, Ackerstr. 145; Thomas, Garlen- straße 152; M a r s. Kastanien-Allee 95/96. Für den 35. Kommunal- Wahlbezirk: Lietzke, Cchwedterstr. 33; Galbert, Fnrslenbergerstr. 5; Raabe, R n p p i n e r st r. 42; S ch e y e r, Brunnenstr. 44; Rosen- t h a l, Granseeerstr. 6. Für den 43. Kommnnal-Wahlbezirk: Tausche!, Grenzstr. 4; K e r b e r, Hochstr. 30; Haferland, Bellermann- straße 87; Wolfram, Prinzen-Allee 21; G a ß m a n n, Grün- thalerstr. 67; Stolzenburg, Wiesenstr. 14; Lössler, Badstr. 42/43; H o b e i n, Buttmannstr. 2. Gerichts-Seikung. Der Schankwirth Lehmann hier, Gräfestr. 93, bedient sich zum Ausschank des Bieres eines pateutirte» Weißenborn'schen Kühlfasses und war von der Polizei mit fünf Mark Strafe belegt worden, weil sich, so lautete die polizeiliche Strafverfügung, an dem in seinem Lokale befindlichen Bierdrnckleitungs- Apparate keine Kontrolvorrichtung, wie sie in> H 7 der Polizeiverordnung vom 5. Januar 1893 vorgeschrieben sei, befände. Lehmann be- antragte gerichtliche Entscheidung und begründete seinen Antrag damit, daß die erwähnte Polizeivorschrift auf ihn keine Anwendung finden könne, da er ein Faß, nicht aber einen Bierdruckleitungs-Apparat, wie ihn die Polizeivorschrist voraussetze, besäße. Das Schöffengericht ließ es jedoch bei der Strafe, setzte dieselbe nur von fünf ans drei Mark herab. Gegen dieses Urlheil legte der Angeklagte Berufung ein, aber die Strafkammer bestätigte das vorinstanzliche Urtheil, woraufhin Lehmann Revision beim Kammergericht einlegte. Der Angeklagte nnes in seiner Revisionsschrift an der Hand der bez. Patentschrift und der Polizeivorschrift nach, daß das Weißenborn'sche Kühlfaß kein Bierdruckleituugs-Apparat sei. Der Strafsenat hob hierauf das vorinstanzliche Urtheil auf und sprach den Angeklagten von Strafe und Kosten frei. In den Urtheilsgründe» heißt es u. a.: „Die Revision macht nun mit recht geltend, daß Z 7 auf den Angeklagten keine Anwendung finden kann, weil der Angeklagte keine Vorrichtung zum Ausschank des Bieres benutzt hat, bei welcher das Bier eine„Leitungsröhre" zu durchlaufen hat. lieber die Langsamkeit in der Rechtsprechung in Nilfallsachen mehren sich die Klagen von Tag zu Tage. Als eins der gewöhnlichen Beispiele führen wir an, daß über eine Berufung gegen ein Urlheil vom 11. März 1895 noch nicht Termin vor dem Schiedsgericht anberaumt ist. Ein Arbeiter verunglückte am 3. Juli 1894, muß also bis heute über ein Jahr warten, ohne einen Entscheid seitens des Schiedsgerichts zu er- hallen. Stände die Leitung in solchen Sachen Arbeitern und nicht sie hat kein Verständniß für den penetranten Hautgout— wieder so zwei abscheuliche Fremdwörter!— der Dekadenz. Dekadenz— Verfall? Dummes Zeug. Verfallen sein kann etwas ganz Hübsches und Gutes. Ein verfallenes Schloß— ist unter Umständen sehr schön. Aber„Dekadenz", das ist das Verfallen der Fänlniß, das Verfallen des Fliegenpilzes oder Bovist, der in sich zusammensinkt und die beizenden, Uebelkeit erregenden Gerüche der schmierigen, schmutzigen, ekele» Fänlniß von innen heraus—„penetranten Hautgout"— aushaucht, wie ein stinkender Kadaver. Und ein solcher Kadaver, innerlich todt und faul, äußerlich lebend und geschminkt— ein„übertünchtes Grab"— das ist der Kapitalismns. Und das Land des Kapitalismus heißt„Heuchelland". Sämnitliche sogenannte Kulturländer sind aber dem Kapitalismus unterthan und, ausgenommen den Mann im Mond, lebt heute jeder Mann — und leider auch jede Frau— im Heuchelland. Also aus welchem Heuchelland kommt der Brief? Ich öffne die Hülle. Es sind die bekannten Züge eines nach Hinterpommern unter„Patrioten" verschlagenen Freundes. „Aus Heuchclland! Du fragst, wo liegt Heuchelland? Der Henchelländer giebt's viele; das Heuchelland, das Land, welches im Punkte der politischen und sonstigen Heuchelei den Vogel abgeschossen hat, ist und bleibt„mein liebes, theures deutsches Vaterland. Früher dachten wir: England gebühre die Palme. Doch das ist schon lange her. Wir Deutsche haben die Engländer in dem Kirchthurm- Wettrennen der Heuchelei um tausend Pferdelängen ge« schlagen. „Und der Beweis? „Seit 14 Tagen schreiben Tag für Tag tausend Zei» tungen— oder sind es noch mehr?— in die Welt hinaus» daß wir unsere„nationalen Großthaten" von anno 1870/71 nur aus nationaler Demuth, Bescheidenheit und Friedens- liebe feiern. „Haben die verrücktesten englischen Jingo's und, Venvaltungsbeamten zu. so würde wohl in der Hälfte der Zeit snchgemäh entschieden werden. Kann ein Verwallungsgerichts- Drrektor den Gang der Klagen wegen UeberhKufung nicht be- schleunigen, so ist es Sache der Verwaltung, für Anstellung von Hilsskrästen Sorge zu tragen und nicht die aus dem Schlachtfeld "der Industrie Verunglückten so außerordentlich lange aus ihre schmale Rente warten zu lassen. Eissportlcrn, deren Hauptvergnügen so eine echte, rechte Segelschliltenpartie ist. durfte eine Entscheidung des Kammer- gerichts nicht behagen, die gestern gefällt wurde. Ein Köpenicker, namens Gölsch, der sich einen Segelschlitten hatte anfertigen lassen, probirte denselben an einem regnerischen, stürmischen Wintertage auf dem noch eisbedeckten Müggelsee. Mit rasender Geschwindigkeit schoß das Fahrzeug, getrieben vom heftigste» Winde, über die weite Fläche, und es dauerte gar nicht lange, so überrannte es einen Knaben, der trotz des schlechten Wetters sich in der Nähe des Ufers im Eislauf übte. Derselbe wurde an der Stirn verletzt und lag infolge dessen krank darnieder. G. be- zahlte wohl die Kurkosten, wurde aber doch vom Vater des Knaben, der jetzt wieder hergestellt sein soll, wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt. Das Schöffengericht sprach den Mann frei, indem es annahm, er habe nicht fahrlässig gehandelt, während das Landgericht ihn zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurtheikte. Im Revisionsverfahren suchte der Ver- urtheilte nun mit allen Mitteln nachzuweisen, daß der Begriff der Fahrlässigkeit vom Vorderrichter sicher ver- knnnt sei. Er erschien selbst vor dem Strafsenat des Kammcrgerichts, dem er ein Modell seines Eisfahrzeugs vor- führte. Er dcmonstrirte daran dem Gericht vor, daß er das Segel nicht hätte entfernen können, wenn der Schlitten überhaupt seinem Zwecke gemäß benutzt werden sollte, und daß es ihm un- möglich gewesen wäre, den Schlitten schnell zuni Halten zu dringen oder ihn seitwärts zu lenken. Solch Schlitten husche bei lebhaftem Winde mit der Schnelligkeit eines Kourierznges über das Eis, und gerade um allen Eventualitäten vorzubeugen, habe er einen regnerischen und stürmische» Tag zur Probefahrt be- -nutzt, mit der Annahme, daß der See menschenleer sein würde u. s. w. Der Senat hielt jedoch den Begriff der Fahrlässigkeit für durchaus nicht verkannt und bestätigte somit die Verurlheilung G.'s, der gern noch einen Sachverständigen vernommen gesehen hätte. Ei» Halluuke. Aus Nachsucht denunzirte der 18jährige Konnnis M. aus der Boyenstraße die 17jährige Maschinennäherin Marie B., Neue Hochstraße wohnhast, mit welcher er auf einer Landpartie ein Liebesverhältniß anzuknüpfen versucht hatte, aber zurückgewiesen worden war— bei der Sittenpolizei und beschul- digte das ehrbare Mädchen der gewerbsmäßigen Unzucht, wobei er sich und einige Freunde als Belastungszeugen angegeben hatte. Die bei dem Fabrikanten und bei dem Hauswirth über das Mädchen eingezogenen Recherchen, sowie die Vernehmung der in -dem Schriftstücke genannten Zeugen ergaben die völlige Halt- -losigkeit der Angaben des Denunzianten und der Spieß wurde umgedreht. Der Denunziant wurde vor den Untersuchungsrichter sislirt, hat dort nach kurzem Verhör seine Schuld eingeräumt und ist darauf sofort in das Gefängniß abgeführt worden. Zur Charakteristik der Gesiudebehaudlung auf dem Laude. Die Reichsgerichts-Korrespondenz berichtet über folgenden Fall: Vom Landgerichte Lüneburg sind am 21. März der Hofbesitzer und Geiueindevorsteher Jürgen Heinrich Wilhelm Meyer und dessen Ehefrau geb. Dransfeld wegen fahrlässiger Körperverletzung, begange» an ihrem jugendlichen Dienstmädchen Marie Oe., zu Strafe verurtheilt worden. Dieses Mädchen versah schon von ihrem 12. Jahre an Dienste bei den An- .geklagten und kam nach der Konfirmation i» feste Stellung bei ihnen. Anfangs August 1894 verspürte die Oe. Schmerzen im rechten Knie und theilte dies bald daraus der .Frau Meyer mit. Obgleich sie schon hinkte, hütete sie am nächsten Tage noch die 5tühe und betheiligte sich tags darauf am Kartoffelnroden. Da ihr Zustand sich immer mehr verschlimmerte, blieb sie schließlich im Bette liegen. Ein Arzt wurde aber in der Folgezeit nicht herbeigeholt. Die beiden Angeklagten sagten ckcm Mädchen, wenn ein Arzt käme, so schnitte er das Bein ein- isach ab; hierdurch unterdrückten sie bei dem Mädchen -das Verlangen nach eiuem Arzte. Auch der Vater -des Mädchens wurde nicht gerufen. Die Angeklagten waren nun allerdings auf ihre Art bemüht, dem Mädchen zu helfe», indem sie warme Umschläge auf das Bein stegten und die Patientin veranlaßten, Kränterthee zu trinken. -Das Knie blieb aber steif und das Bein schwoll immer mehr an. Vier Wochen nach Beginn des Krankenlagers nahmen die Kräfte des Mädchens ersichtlich ab; es konnte sich nicht mehr erheben, «um die nothwcudigen Verrichtungen auszuführen. Von dieser Deit an empfand es auch Schmerzen im Rückgrat. Einige Zeit vor den« 7. Oktober besahen die Augeklagten die Patieurin und legten Walte auf die Wunden. Die Kost, welche -das Mädchen erhielt, war nicht besonders, nur wenn ihre Brüder es besuchten, erhielt es etwas bessere Nahrungsmittel von den Angeklagten. Was den. letzteren besonders zum Vorwurf gemacht wird, ist die außer- gewöhnliche Vernachlässigung der Reinlichkeit. Infolge ihrer die ilbergeschnapptesten französischen Deroulöde's jemals auch nur annäherndes geleistet?" So mein Freund. Ich las, desann mich und ivar geschlagen. Kein Zweifel— wir bescheidenen, demüthigen, fried- fettigen, nie lügenden, nie betrügenden, von Tugend triefenden, nie einen unlauteren Gedanken beherbergenden christlich germanischen Deutschend die wir sogar mit christ- lichem Pulver die Kanonen laden, niit christlichen Bajonneten die Feinde todtstcchen, in christliche Gefängnisse die bock- beinigen Redaktcure einsperren, mit christlicher Keuschheit die von den lüderlichen Franzosen geschriebenen Bordell- und Ehebruchsdramen betrachten, nur um unseren christ- liehen Abscheu vor dem Laster christlich zu verstärken— wir haben all unsere Konkurrenten weit hinter uns ge- lasten, wir marschiren an der Spitze der internationalen Heuchelland-Zivilisation— uns gebührt die Palnie! Und da ich aus„internationalen Boden" gerathen bin, stoße ich plötzlich nnt der Nase an die I n t e r n a t i o n a l e Silber nasen- Assoziation, die unter Führung der Kardorff'schen Silbcrnase jetzt eine wahrhaft stohartige Thätigkeit entwickelt. Aus der neuen Welt ist eine -frohe Botschaft gekommen die nothleidenden Cilberminen- Besitzer habeil ihre nothleidenden Taschen aufgemacht, und nothleidende Millionen fliegen in der Lust herum, suchend nach anderen nothleidenden Taschen, in denen sie bis auf weiteres Unterschlupf finden können. Besseren Unterschlupf als in den nothleidenden Taschen des Herrn v. Hammerstein, die selber auf Reisen gegangen sind— mit französischem Abschied nach dem Lande Nirgend- heim, wo es Tarnkappen giebt für nothleidende Agrarier, die von prosaischen Steckbriefen nicht erreicht sein wollen. Apropos, ein Freund hat mir soeben aus Südamerika ein Zwei markstück aus prächtigem Silber und so groß wie eine Untertasse gebracht— jedenfalls größer als ein Fünf- markstück. Wohlan, an dem Tage, da die frohe Botschaft der Silbernen Internationale sich erfüllt haben und das tausendjährige Reich des Bimetallismus gegründet fein lvird, vollzieht sich in dem Portemonnaie eines jeden Menschen— der eins hat— ein biblisches Wunder: aus großen Schwäche mußte die Kranke öfter das Bett vernnreinigen. Es wurde dann nichts für sie gethan und sie mußte in dem nothdürflig von Unrath gesäuberten Bette und Hemde liegen bleiben. Frau Meyer hat das Mädchen übrigens auch an den Kopf geschlagen und ihr Ehemann drohte der Kranken, die Ruthe anzuwenden, wenn sie nachmals das Bett beschmutze. Die Ver- schlimmerung des Zustandes der Patientin ist nach dem Gutachten der vernommenen Sachverständigen in erster Linie der Nichtzuziehung eines Arztes zuzuschreiben. Hierin und in der Verabfolgung un- zureichender Kost und Pflege wurde die fahrlässige Körperverletzung vom Gerichte erblickt.— Die Angeklagten hatten gegen das Urtheil Revision eingelegt und u. a. auch gerügt, der Straf- antrag sei nicht in einer dem Gesetz entsprechenden Weise gestellt. — Das Reichsgericht erkannte jedoch aus V e r w e r s u» g der Revision. Verntifchkos. Ter«inst so idtzllischen Nordsee- Insel Helgoland ist bekanntlich vor einigen Jahren das Schicksal zu theil geworden. unter preußisch-deutsche Hut zu kommen. Ueber die nationalen Freuden, die seit dieser Zeit sowohl den Einheimischen wie den Badegästen von den Vertretern der neuen Regierung zuweilen bescheert worden sind, ist des öfteren von uns berichtet worden. Es scheint aber, daß die Maßregeln, welche zwecks innerer und äußerer Verpreußung auf dem Eiland ergriffen werden, immer noch nicht die erwünschte Wirkung gehabt haben; und auch die »euesteThat, nämlich die am verflossenen Sonntag erfolgte Räumung der Lnsterallee, scheint mit recht wenig Beaeisteruug aufgenommen zu sein. Die Lästerallee hat ihren Namen nach dem auf ihr altem terkommen gemäß getriebenen Sport, sich bei Ankunst der anipfer auf der Landungsbrücke auszustellen und die meist see- krank anlangenden neuen Kurgäste mehr oder weniger witzig zu bekritteln. Neulich nun erschien, wie' einem hiesigen Blatte be- richtet wird, ein junger Regierungsbeamter schneidigen Aus- sehens, das Monocle im Auge, und erklärte laut: Dieser durch die Tradition geheiligle Ulk sei ein„grober Unfug", dem er schon ein Ende machen werde. Als er tags darauf wieder kam, hatten sich etwa 80 Herren auf der Landnngsbrücke postirt. Jeder von ihnen trug ein Monocle, an dem ein breites, grün- weiß-rothes Band(die Farben von Helgoland), herabhing. Worauf der Herr Regierungsbeamte sie geivaltsm» von der Landungsbrücke entfernen und ihre Namen feststellen ließ. Sie dürften also wohl ein Strafmandat zu gewärligen haben. Noch an demselben Abend gingen an die dem Beamten vorgesetzte Behörde drei Beschwerden ab, die eine vom Gemeinderath, die zweite von Einwohnern und die dritte von Kurgästen unterzeichnet. 24 Stunden später hatte Helgoland seine Lüfter- Allee wieder. Die Liebe zum Preußenthum dürfte nach der neuesten behördlichen Maßregel aber schier ins unermeßliche wachsen. Armes Nordsee- Eiland! Zwanzigtansend Mark Kirchengelder sind von dem evangelischen Pfarrer Einwächter in Neckarbischofsheim unter- schlagen worden. Pfarrer und Kirchenfonds-Rechner wurden verhaftet. Ein schweres Sittlichkeitsverbrechen ist i» Thorn von einem Li e u t e n a n t eines dortigen Jnsanteric-Regiments be- gangen worden. Die„Thorner Ostdeutsche Zeitung" berichtet unterm 17. d. Mts.: Am Frohnleichnamstage dieses Jahres (13. Juni), vormittags 9 Uhr, wurde auf der offenen Landstraße hinter dem Glacis ain Brückenkopf von einem militärischen Radfahrer an einem zur Kirche gehenden ISjährigen Mädchen ein Sittlichkeitsverbrechen verübt. Trotzdem die sofort ange- stellten Ermittelungen zunächst erfolglos bliebe» und das über- fallene Mädchen, das von hinten am Halse gefaßt und zu Boden geworfen worden war, nur einige Einzelheiten über die Uniform- des Verbrechers angeben konnte, wurde bereits acht Tage später bei einer Konsrontirung im Offizier-Kasiuo des 21. Regi- ments der vermuthliche Verbrecher in der Person des Sekondc-Lieutenants Hähne! ermittelt; zwei andere Mädchen, eine jüngere Schwester der Ueberfallenen und eine Schneiderin, hatten nämlich kurz vorher die betreffende Stelle des Glacis passirt und gesehe», wie Hähuel sein Fahrrad ins Gebüsch schob und sich lauernd ausstellte. Da die beiden Mädchen auch bei zwei weiteren Verhören vor dem Militärgericht auf ihrer Aussage mit Bestimmtheit bestehen blieben, wurde Hähnel, der übrigens verheirathet und Vater ist, am I. d. M. vom Dienste suspendirt. Weil ihm nun der Boden zu heiß werden mochte, kündigte er am 3. d. M. seine bisherige Wohnung, am 4. trennte sich seine Frau von ihm und zog zu ihrem Vater. Als am S. Juli ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, war H. bereits entflohen. Wie sich nun herausstellt, hat sich Lieutenant Hähnel schon seit Jahren eine Li e i h e ä h n l i eh e r U n t h a t e n zu schulden kommen la ss e n. Merkwürdig! Wenn sonst ein Mensch bei einem Ver- brechen ertappt wird, so läßt man ihn doch nicht so lange Zeit, sich dünn zu machen. Das Lesier'sche Ehepaar a»iS Brotterode, das seit dem Brande der Stadt vermißt wurde, ist nunmehr völlig verkohlt unter den Trümmern hervorgezogen worden. Die Katastrophe hat somit vier Menschenleben gefordert. jedem Zweimarkstück wird im Nu ein Fünfmarkstück, und jeder Leib Brot, der heute für 50 Pf. verschleudert werden muß, ist 125 Pfennige werth, der nothleidende Agrarier bezahlt seinen beglückten Gläubigern 2 Mark für jede 5 Mark, die er ihnen schuldet, und der Nothstand der Land- wirthschaft ist gehoben, die soziale Frage gelöst. Und wie ist das Wunder bewirkt? Ganz einfach, wie alles wahr- Haft Große—, so einfach, wie das Ei des Kolumbus, so einfach, ivie die rettende That des Sultans, der über Nacht seinen Schatz verdoppelte, indem er aus jeder Rupie zwei prägen ließ: auf das Zweiniarkstück wird statt 2 Mark: 3 Mark geprägt. Kann es etwas Einfacheres geben? Und an dieses Wunder wollen viele noch immer nicht glauben! Unglaubliche Verblendung! Armer verkannter Kardorff! Doch so ist die Welt! Sie liebt das Strahlende zu schwärzen, und sie hat ihre Erlöser von jeher verlacht und verfolgt. Und ist es nicht die wahre Erlösrmg der Menschheit, sie von der Arbeit zu erlösen? Ist die Arbeit nicht der Fluch, mit dem belastet unsere Ur-Ur- ahnen aus dem Paradies getrieben wurden? Indem die heilige Schaar der Internationalen Silbernasen-Assoziation uns zeigt, wie man ohne Arbeit durch einen einfachen Druck der Prägstocks ein reicher Mann werden kann ohne Arbeit, zeigt sie uns den Rückweg in das Paradies und verwirklicht durch die Emanzipation der Menschheit von der Arbeit das Ideal der„Edelsten", welches verkündet ist in dem klassischen Spruch:„Ein Gentleman— das ist ein vollkommener Mensch, ein Mensch erster Klasse— ist ein Mensch, der n i ch t a r b e i t e t— Wer arbeitet, ist nur ein Mensch zweiter Klasse, ist kein Gentleman. Und wenn wir im Paradies der Internationalen Silbernasen sind, wird nichtmehr gearbeitet, giebt's keine Menschen zweiter Klasse mehr— die Emanzipation der Menschheit, vergeblich angestrebt von den Sozialisten, die in der Ar- b e i t die Quelle alles Reichthums und aller Kultur er- blicken— die Emanzipation der Menschheit ist eine vollendete Thatsache. Ach, wenn wir nur schon so weit wären! Hoffentlich nächstes Jahr zur Berliner Ausstellung! Und für diesen Fall möchte ich als Hauptschmuck der Abermals wird aus Kattowitz ein Grubenunglück ge« meldet. In der Cäciliengrube sind Freitag drei Bergleute durch herabfallendes Gestein verunglückt; einer blieb sofort todt, zw« sind schwer verletzt. Briefkasten der KedaKlim Wir biten bei jeder Anfrage ein- Chiffre(Zwei Buchslaben oder eine Zahl) anzugeben, unler der die Annvort crlhetll n>irden soll. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. Austritt aus der Landeskirche(Michel, Ohne, V. 12, S. 110 und andere). In Preußen kann nach dem Gesetz vom 14. Mai 1873 jeder(im Geltungsgebiete des Allgemeinen Land- rechts jeder, der das 14. Lebensjahr vollendet hat) aus einer Krrche mit bürgerlicher Wirkung dadurch austreten, daß er in Person vor dem Richter seines Wohnortes eine dahingehende Erklärung abgiebt. Der Austrittserklärung muß ein hierauf gerichteter Antrag voran- gehen. Sodann findet, nicht vor 4 und nicht nach 6 Wochen nach Eingang dieses Antrages, vor dem Richter Termin zur Aufnahme des Antrages zu gerichtlichem Protokoll statt. Der aus der Kirche Ausgetretene erhält auf sein Verlangen eine Bescheinigung seines Austritts. Die Austrittserklärung hat die vermögensrechtliche Wirkung, daß der Ausgetretene z» den Kosten eines außerordentlichen Baues nur noch bis Ende des auf die Austrittserklärung folgenden zweiten Kalenderjahres, zu anderen Kosten der Kirchengemeinde nur noch bis Ende des auf die Austrittserklärnng folgenden ersten Kalenderjahres bei- zutragen hat. Leistungen, die ohne Rücksicht auf die Konfesston des Besitzers von bestimmten Grundstücken zu tragen sind(z. B. Kanon, Kalenden), hat auch der Ausgetretene zu tragen. AI- Kosten des Austrittsversahrens werden nur Abschriftsgebuhren und baare Auslagen in Ansatz gebracht.— Die Austrittserklcnung kann nur in Person, und nur für diese Person, also nicht für Ehefrauen, Kinder oder Mündel, erfolgen. Allerdings wird n> der Theorie von einigen die Ansicht verfochten, daß der Aus- tritt für unmündige— noch nicht 14 Jahre alte— Kinder erfolgen kann. Die Praxis und der Wortlaut steht aber dieser Ansicht entgegen. Unserer Meinung nach ist der Streit ein müßiger, weil unmündige Kinder unter 14 Jahren— mögen sie getauft, beschnitten oder getaucht sein oder nicht— Vermögens- rechtliche selbständige Rechte oder Pflichten in kemer Kirche haben.— Die Frage, ob ein Nichtpreuße— mag ,« Ausländer, mag er Dentfcher sein— auf grund des Gesetzes von, 14. Mai 1873 aus einer Kirche austreten kann, wird von der Praxis noch jetzt überwiegend verneint. Diese Verneinung läßt sich jedoch in den Fällen nicht mit dem Gesetz ver- einen, in denen solch' Nichtpreuße Steuern zu einer Kirchen- gemeinde zu zahlen hat. Ob er zur Zahlung solcher Steuern verpflichtet ist, hängt von der Auslegung der Bestiminungen der §§ 260 spu. II, 11 A. L. R. ab. Nach diesem hat.„wer innerhalb eines Kirchspiels seinen ordentlichen Wohnsitz aus- geschlagen hat", als Eingcpsarrter zu zahlen. Unter„wer ist nach richtiger Interpretation nur„der Preuße, der" zu ver- stehen. Judeß die Erkenntniß, daß jede Kirche einen großen Magen hat, hat sich in der Praxis so weit Bahn gebrochen, daß kaum eine Gemeinde einen Stichtpreußen kirchensteuerfrei laut, der in ihrem Bezirk seine» Wohnsitz ausgeschlagen hat. Mithin muß auch jedem Nichtpreußen, wenn er zu persönlichen Kirchen- laste» herangezogen ist, das Recht, den Austritt aus der Kirche in der oben beschriebenen Art zu erklären, zugestanden werden. Wird die Aufnahme der Erklärung dennoch abgelehnt, so ist zur Beschwerde zu ratheu, die bis zum Kammergericht zu ver- folgen ist. Lehnt auch dies die Beschwerde ab, so bescheide sich der Beschwerdeführer und verlange nunmehr im Klagewege Rückerstattung'der bislang gezahlten Kirchensteuern und Au- crkennuug, von Leistungen solcher auch für die Zukunft besretl zu sein.... Ostpreußen 14. Das betreffende Testament ist nach Ihrer Schilderung der Verhältnisse mit Aussicht aus Erfolg anzufechten. Die Anfechlungsklage muß beim Landgericht innerhalb längsteus zwei Jahren nach Kenntniß von dem Testament angestellt werden. Etwas Strafbares liegt aber auf feiten der Schwester mcht vor.— A. F. IVO. Versuchen Sie eine Einigung. Der Wirth würde recht bekoimnen.— C. U. Die geringfügige, völlig un- genügende gesetzliche Einschränkung der Arbeitszeit sür jugend- liche Arbeiter und für Arbeiterinnen in Fabriken bezieht sich mcht auf das Handelsgcwerbe, sondern lediglich auf Fabriken.— P. 7f. Wegen Bestrafung wegen Beleidigung oder Widerstand gegen die Staatsgewalt darf der Wandergewerbeschein nicht versagt werden. — E. ST. 12. Eine Beschwerde wegen Langsamkeit in dn Be- Handlung der Steucrreklamation bringen Sie beim Magistrat, eventuell beii» Oberpräsidenten an. Ueber Laiigsamkeit in der Behandlung von Steuerreklamationen und über Fixigkeit in der Einziehung der Steuer, gegen welche reklamirt ist, wird häufig geklagt.— Neumeister. Das Reichsgericht kann Ihnen m emer Sache, in der Sie unschuldig verurtheilt sind, absolut nichts helfen. Sie irren in der Annahme, daß Verurtheilungen Unschuldiger wie die Ihrige zu den Ausnahmen gehören. Sprechen Sie gelegentlich mit allen Akten in der Sprechstunde vor, ilin prüfen zu lasten, ob Wiederaufnahme des Verfahrens möglich ist. Ausstellung— clou, eigentlich Nagel, nennen es die Franzosen— ein von gediegenem Silber verfertigtes Standbild des Menschheitsretters und Menschheitsbeglückers Kardorff vorschlagen: der Häuptling der Internationalen Silbernasen in der Pose des alten heidnischen Königs M i d a s! Was dieser berührte, verwandelte sich wie jeder Quartaner weiß, in Gold. Und was Kardorff berührt, verwandelt sich in Silber. Freilich— der alte Midas mußte in seinem Gold Hungers sterben. Und außerdem hatte er Eselsohren. Ich sprach von der Berliner Ausstellung— wie kommt es doch, daß jede gute Hausfrau, wenn sie Gäste empfang«!» will, im ganzen Haus erst einen Umsturz machen muß, gegen den ein Umsturzgesetz sehr am Platz wäre? Die brave Madame Berolina scheint von diesen hausfraulichen Umsturz- bestrebungen angesteckt— in der R o s e n t h a l e r und anderen Straßen ist alles drunter und drüber, so daß man Hals und Beine brechen kann; und als ich vorgestern, das blaugefallene Schienbein mir reibend, einen Schutzmann fragte, giebt es denn keinen Schutz gegen diesen Umsturz? da antwortete er mir in stolzer, würdiger Rnhe: das ist für die Ausstellung.— Und nun, verehrte Leserinnen und Leser— ehe wir uns für diese Woche verabschieden, ein Geftändniß. Das ivichtigste spart man sich nach löblicher Fraueusitte ja immer bis zuletzt auf— woraus die Leserin— denn den Leser interessirt es nicht— jedoch nicht schließen soll, daß ich zur stärkeren, also weiblichen Hälfte des Menschengeschlechts ge- höre. Und das Geständniß: ich bin mit»neinem Loos un« zufrieden. Ich sehne mich, zwar nicht nach Sommerfrische. ab er nach Ausspannung. Und dieses unveräußerliche Pferderecht sollten wir Menschen uns doch auch erobern, damit die Menschenrechte sich nicht länger vor den Thier- rechten, die jeder Droschken- und Omnibusgaul genießt, zu schämen brauchen. Ja ich sehne mich nach Ausspannung und einigen Wochen Gesellschaft der Mutter Grün. Und Wellington hat am Abend der Schlacht von Waterloo nicht sehnsüchtiger nach Blücher apKgeschqpt, wie nach Omega. IHöfschers VereiHans\\ü Gartev, Jeden Mittwoch: 2S40L' Soiree der Leipziger Sanger. Stets wechselndes Prograimn. Anfang 8 Uhr. Enlree 20 Ps., Kinder frei. Auch Sonntags ist für Unterhaltung bestens gesorgt. Kaffeeküche v. 3 Uhr cn geöffn.(Liter 60 Pf.). Kegelbahn, gr. Weiße 20, �/loBairisch lö Pf. Vereinsz. noch einige Tage frei. Auch ist mein Saal u. Garten noch einige Sonnabende frei. Fortuna-Säle, Straußbergerstr. 3. Inhaber: N. 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Kinder in Begleitung Er« wachsener sind frei. Uolksbelnstigunge» aller Art.— Vereinen, Gesell« schasten k. stehen meine Lokalitäten unter günstigen Beding, zur Verfüg. Sämmtl. Lokalitäten sind elektrisch beleuchtet. Endstation der Pferdcb.: Moritzplatz-Brita Ahornstrasse 15a, _ i. Vereinen und Parteigenossen seine Säle(Tanzsalon) zü 100—200 Pers., sowie Garten, Kattee- Küche, Billard. Für gute Speisen u. Getränke ist stets gesorgt. F. Schellhase. SfPWli<7 Restaurant„Zum Gambrinus" M» I v S| I i Ick. io Min. vom Bahnhof. Empfiehlt den verehrlich, i Trentow lusscbank der Bock-Brauerei, AT" Köpenicher Kand straffe. Wilh. Jakob. Drittes Lokal hinter der Verbindungsbahn. Prachtvoller, schattiger Garten. Circa 5999 Plätze. I Lilgerbier � p?; 10 elegante Kegelbahnen, KchekHe. Empfehle meinen neu erbauten gr. Concert-Saal mit Bühne, sowie 2 kleinere Säle zur Abhaltung von Sommerfestrn, Hochzeiten ic.:c. ��staur.„Zum Karpfenteich". le y 4 V-NP MM» Heute, Sonntag: Gr. Elite-Specialifälen-Vorstellung einer beliebten UarlötS-Gesellsihaft. Anfang 4 Uhr."VV Gntree frei. Im Saale: Grosser Bali. g0f~ Die Kaffeeküche ist geöffnet."BaQ Hermann Gtto. An Wochentagen: Saal und Garte» nebst Spielpersonal an Vereine nnd Gesellschaften zu vergeben. Restaurant„Fischerhütte" / WSF" Seestraße Nr. 12. Schöner schattiger Garten, direkt an der Spree, Anlegestelle für Dampfer, Segel- und Studerboote. Kegelbahn und Kaffeeküche. Gansfaal m. Piano. Berliner Weißbier, Bairisch-Bier. krsvZ! Kurzke. MiilirMschlerei und Pnirfcfnrnofsu-Jrattfilt von A. Schulz, Reichenbergerstr. 5, an der Ritterstrasse.— Gegründet 1878. Liefere Mohnungo-Cinrichtuugen unter Garantie in Uuffbaum nnd Mahagoni von 240, 300, 400, 500, 600 bis 6000 Ml. in anerkannt ge« diegener Ausführung. Auch Eiuirloerkauf zu Fabrikpreise«. Killigste Preisberechmmg. Nreislistcn franko. 2803b Berantworllicher Redakteur: Max Pfund in Halensee. Kür den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Bitte auftiui'tfrtm lese». GroßePreisermäßigung wegen Verlegung meines Geschäfts nach meinem eigenen Hause. lacquesRapbaeU, Berlin, Fabrik»» Cigarren, Schnh- u. Stiefel-� Maaren, Herren-! garderobe, Liköre.! KmiptgtsPst: Nene Proiiitiilidc 8. gegeniber Ttlidtblihühs„Börsc".— Zittiggeschiift: Ciil>»K»cr Briilke Nr. 2, Nach Smonatlichem Bestehen der zweitgrösste Cigarren-Fabrikant Berlins, wie sich Jedermau»» durch die OrtSkraureutasse der Eigarreu-Arbeiter überzeuge» kau»; das dürste wohl genügend die Güte uud Billigkeit meiner Fabrikate beweisen. Cigarren so billig wie noch nie! Clgarren so gut wie noch nie; durch bcu Sfnfniif verschiedener Muffatct Pvsten Nohtabake im Gcsammtbetrag« von über 100,000 l Mitarbeiter auch in der stillsten Zeit lobneud zn beschästigen(was ich stet? als meine vornebniste Aufgabe be- Marr, ab Anmerdani, Bremen. Hamburg, sowie auch lombardirter Posten auS de» seiusten Gewächse» besiebend, I trachtete).— Damit jeder Raucher sich ei» Bild von dem Geschmack und Gewicht der so verschiedenartig in der ku»,Havaiia, La Ernz de» AleuaS, Havana- Mexico, Et. ffelix, Vorsten-Java w. ic., seiner durch Ab- 1 Cigarre inlammcugestrllte» Tabake machen lernt, verratbe ich ibm im unten solgenden PreiZverzeichniK da« Gr- S schluss» von ca. S Millionen Cigarren zu so billigen Preisen wie nie zuvor, sowie durch baS Bestreben meine> heimnist der Ciaarren-Fabrikatio». z Bei sämmtlichen Marken. versiebt sich das Gesammtgewicht pro 10V0 Stück.■ ö Millionen Ciararren-Abschlusis! Bitte die Bedingungen snr Verkauf und Versand aufmerksam zu lesen. Nur.gegen Stachnahnie oder vorbcrigc Einsendung des Betrages wird versandt. Ter Besteller erlegt den Betrog nur als sinterbsand sür die zur Prüsnug emvsangeue Ausichts-Waare.— Entsvricht dielelbe ienien Erwartiinam nicht, so beliebe er die Waare unsrankirt zurückzuschickeu.— woraus sofort die Nncklendnua des Betrages, sowie der Anslagen erlolgt.— Bon. dieler Schadlosbaltuug des Empsängers bitte ich de» ausgiebigsten Gebrauch zu machen.— Unter KXl Stück von einer Marke werden nicht abgegeben. 300 Stück»ud darüber franko über ganz Deutschland. Bei Eutnahnie von 500 Stück 3°/»— 1000 Stück 50,o— 2000 Stück uud darüber 10°/° DSS- 4 Marken Schweizer „A"„B"„C"„D" SI«ielce„A" ca. 9 cm laug Cigurrcu und zwar lHavanillos) 100 Sick mc. 1.20. 100 Stck. Blh. 1,25. 100 Stck. Zill. 1,50 100 Stck. nk. 1,75. o s € c 5 ISarho„B" ca. 8 cm lang, üflarhe„C" ca. 9 cm laug, Blnrke.,B* ca. 10 cm laug,.w«, u. u.-.. 9Iui-ke 3 lSnniatra), ca. lO'/jcm laug. ca. 5 cm Ilms unsortirt in Papier verpackt, basür vorzüglich im Geschinack per 100 Stck. Mk. 2,- Globo, Borsten-Java-Tecke. rein überseeische Eitilaa«, ca. 8'/- cm lang. i'U cm Ilms. 100 Stck. Mk. 2,25. BXarko i» sSninntra), ca. 10'/- cm laug. ca. 6 cm Ums. Straßen-Cigarre. nicht belästigeud, von durchaus vorzüg- lichein Geschinack, in schlankem Facou. tadelloser Brand per 100 Stck. Zlk. 2,50. Weilar.» Cigarre, frühere Marke Remedio. Felii Decke. rein überseeische Einlagc. ca. 8'/- cm lang, i'ü cm Unis. 100 Stck. jebt nur Mk. 2,75. Marke 5 Frübvromenaden-Ciaarre, Uegelfacon. circa 10'/« cm laug, ca. st'/« cm Ullis., dieselbe in schlankem Facon. ca. 10 cm laug. 5 cm Umlaug. Hervorragend im Geschmack kann ich sie Jedem empfeblen, dessiu Berns es erheischt, viel Cigarren zu rauchen per 100 Stck. Mir. 3,—. Marke 7 lSnniatra), etwas klciucr in Facon, bedeutend eleganter ausgestattet, in ainfoNtisten vervackt. z» Ge- schenke» oceianet..... per 100 Stck. Mk. 3,—. Mocca• Cigarre, Suiiiatra-Tccke. rein überseeisch« Einlage, ca. 9'U cm lg.. i'U cm llmfg., bedeutend besser ivie bisher...... 100 Stck. 31k. 3,25. VAU- lleform.Cigarre I. niit Holzspitze, ca. 11'/»cm lg.. 5 cm Umsfl....... 100 Stck. Mk. 3,50. In Bezug auf Geschmack. Brand. Aroma». Aus- sübriiug wird diese Cigarre von Ztauchern weit über daS Doppelte gelchAljt. Blarke Lyr», Deli-Dccke. rein überseeisch mit Felix in der Einlage, ca. 11 cm lg.. 5 cm llmfg. 100 Stck. Mk. 3,75. ftfcll'lrA Q ca. 10'/« cm laug, ca. 5 cm Ums., mit 1UCU&C Of La Cru/. des Almas, gemischter Einlage. leiuer der bcrvorragcndst. Brasil-Tabake) m. oft indisch. Tabak gedeckt. Volllviirzige. edle Ciaarre per 100 Stck. Mk. E,— „Neue Marke Sanitas", fÄfe ran-Deli- Decke), ca. 10'/« cm lang. ca. 5'/« cm Ums.. leidenden Ranchern zn empseblen. von durchaus lieblichem Geschmack, ein Gemisch edler Überseeitcher Tobake, wenig N>rvtin entbaltend.... per 100 Stck. Mk,. „Neue Marke Rose von Schiras", Rcsormsaco». circa 9'/- ern lang, st'/« cm Umsaug, boib- scinc Brasil- Einlage und Teli-Deckei diese Mischung empsieblt sich allein... per 100 Stck. Mk.«»,50. W* Beforni'Cigarre II mit Holzspitze. Teli-Maab tcbappp. rein überseeisch mit zum Zhcil Bara-Enba in der Einlage, ca. 11'/, ern lang, st'/« ein Umfang per 100 Stck. BIk.«»,50. Blnrke Tcrinaln, ca. 10'/, cm laug. ca. st'/, ern Ums. Eine in ihrer vollendeten Form sowohl, wie durch ihre köstliche Mischuug hergestellte Cigarre ans milden vollen nnd würzigen, edlen iibcrsccische» Tabacken mit ostiiidischer Decke, deren ausierordeultich bervorragende Eigenschasten Jeden iinuier niehr iiiteressiren werden, je länger er sie raucht........ per 100 Stck. Mk. 5,—. Marke Vuelta Abajo,£\0'l: Z tl DI« Krone aller Havana-Tabake, der Gibkel köstlichen Aromas und mildeste» Geschmacks, ist die Cigarre mit 12 Mk. per 100 Stck. nicht zn hoch bezabit. Durch den vorlbeilbasten Eiukans von über eiiier balben Million ver- kaiife ich dieselbe niit.. per 100 Stck. BIk. S,—. Blarke Raphael! in, ca. ll'/i ern lang. ca. st'/t ern Umfang, per 100 Stck. 6 BIk. Bei der Eiusichruug dieser Cigarre im April 1893 setzte ich zwar voraus, dast sie den Beifall der rasfinirtesten Feinschmecker finden»ud viel«ekaust werden wird.— Ter Cousni» bat jedoch meine kübustcu Erwartmigm iveit� übertrosten. ca. 13'/, ern lang. ca. Blarke Raphaeii I, 6'/«'ern Ums. Grost-Re- galia-Bocksocvu. per 100 Stück jetzt nur BIk. 7,50. iMT- Nene Blarke General, ca. 10'/, ern laug. ca. st'/, ern Ums..Mit dieser Havana- Cigarre, Ivelche ans einer Zusaiuniensetziing der alleredelstcn Tabake bcslebt. glaube icb nicht nur den rasfinirtesten Raucher zn befriedige», sondern den»uversöbulichsten Widersacher stutzig zn machen, uud behaupte von ihr. dast sie in Bezug aus Preiiwürdigkeit nicht ibreZglcichcn findet.' Dieselbe kostet......... per 100 Stck. BIk. 9,-. Holländische Eigarren, Prima Rembrandt van SI»» Ro. 3 per 100 Stck. st Mark.— No. 2 ver 100 Stck.«.50 Mark- Ro. 1 ver 100 Stck. 3 Mark. — Die Länge dieser 3 Marken ist ca. Ist ern, der Uinkana ca. i'lt ern.— Ter passiouirteste Raucher wird in diesen Cigarren nach jeder Richtung bin — ob er an milde oder kräftige Ciaarren geivöhnt ist— nicht nur die vollste Betriediaung finden. toudern dieselben als seine unenlbebrlichsten Marken »ach eiinualigei» Versuch betrachten.— Der Allein- verkauf sür Deutschlaild ist mir übertragen.— Da ich voraussetze, dast auch diese Marken bald von der Coucurrenz gekälscht werden, erkläre ich bierinit. dast jedes Kistchen Cigarren dieser'Marken mit meinem Firineustempel vcrseben wird, und dast ich nur in diesem Falle sür die Borzüglichkeit eintrete. Lebt imporürte Cigarren, asiatiisclies GetrUciis, Welche von alt rasfiuirtcn Rauchern, bezüglich ihres Aromas sowohl als auch in sanitärer Hinsicht den echten Havana- Importe» vorgezogen werden, ca. 10'/« ern laug. S ein llinsang ver 100 Stück Mk. 5,—. ca. 10'/« ern lang, st'/» ern Uiufang Per 100 Stück......... Mk. 6,-. Das Gehefiuniss der Cigarren-Fabrikaiien! es Blarke Sumatra,'*' 2 Psd. Sumatra-Decke.«» Psd. Dounngo-Uiubl..«» Pfd. Brasil- nnd«» Pid. Java-Einl., zus. 1«» Pfd.. ca. lOcmlg., ScrnUmsg. 100 Stck. BIk.«»,— Blarke Vomteu• Java,* Reform-Facon. 2'/, Psd. Borfteu-Java-Decke. 5Psd.Dominao-Uuibl OPsd. Felix-Eiul. zus. 15'/, Pid.. ca. 12 ernla. S'/«cmUfg 100Stck.Mk.«»,50 Marke 8t. Celi»," Nesorin-Facou, S Psd. Felip-Decke. 5 Pid. Deli-Umbl.. 3 Psd. Borsten- n. 2 Psd. La Cruz des Almas-Einl., zus. 15 Psd., ca. 10'/« cm lg. S'/-cmU»isg. 100 Stck. Mk. 5.— Blarke Bland i Angin/ Res-Facon, 2 Pid. Mandi Auai-Decke. 5 Psd. Deli-Uinbl.. S Psd. Felip-Eiul.. zus. 15 Psd.. ca. 10'/. ern lg., st'/- crn lUnsg. 100 Stck. BIk. 5.- Blarkc Dell\ b,* Res.-Fav.. 2 Psd. Deli-Dccke. Rtaudi tzliigin-Umbl.. 5 Psd. St. _____ W» 5 Pid. ._ Felix- n. 2 Psd. Havana- Einl.. zus. 15 Pfd., ca. 12 cm lg., st'/- cm Umsg 100 Stck. BIk. 6,- Blurke BrIIIIante Felix,* Regal ia-Facon. 6 Psd. Brilliaute Felip-Tecke. 5 Psd. Avrstenlaudeu-Uuibl., 0 Pid. Bei Austrägni lvolle man gelälligst biuzusügeu. ob die«igarre frisch von der Hanv dcö SlollerS»ocg oder trocken gelagert gewünscht wird, ob träsltg oder mild. Tic mit eiuem* bez-ichueten Marken dokumeutiren jenen loimdervollen Geschmack auch im Irischen Zustande geraucht, der bei dem paisioinrten Raucher echt importirter Cigarren eine so bestrickende Wirkung ausübt. Sämmtliche Cigarren sind tadellos im Brande, lniteud und von kostbarstem Geschmack und Aroma, wie sich das aus der Zulamuienstellnna der durchweg edlen Tabake von selbst ergiebt. La Cruz drS Almas-Einl., st'/« orn Umsg. Schuhe und Stiefel in elegantester Anssührnng, aus bestem Material hergestellt. im Interesse«les geehrten l'nhliknuis,""'iT.u? m rnmn ftr.»»« da voranSsichtlich in b-schränkt absehbarer Zeit Lederwaaren sich um «Sife at 1189 miltdcstcus 30 bis 50 Prozent im Preise erhölitN werden. Bei der fortlausend rapiden Stei- gung gegerbter Felle liegt es ,|» Trotz vorlsergegaiigencr peinlichster Controlle können sich an den von mir in den Handel gebrachten Waare». ganz gleich ob bei Herrcn-Garderobe, Echtihwaaren oder Cigarren w.«c. Britii� I s nicht sofort sichtbare Mängel hcrausstclle», ivelche den Känser glauben»lachen könnten, niindcrlvcrthigc Waare erhalten z» habe».— Getreu meinem alten Prineip bleibt kelne ♦♦ BitfjamnUoji„„vcrücksichtigt.— Der Käufer einpsängt— ganz nach Belieben— entweder neuen Ersatz in Maaren oder sein Geld n. Auslasten solvie— ausgiebiaste Entschädigung für die gehabte Mühewaltung, nnd bei Stiesel» oder Garderobe— ivcn» thunlich— die getragenen Ergenständc rcparirt dazu, ohne einen Pfennig dafür z» bezahlen. Sämmtliche hier solgciidc Schub- Sticselsoric,, tönnen 25-50 p<5t.„nter nachsichciidc» Prciicn verkauft werde,,, wenn diesetben aus Factis(sogenannten, Knnstleder, welches an» Ledetpapp« nnd Gummi zniammcngcsctzt isi), im Znchtvans hergcficN« find. Jeder ltänfcr folchcr Maar« ist«m fein anögcgcbcncS Geld betröge». JcdcS„meincr" Schntzwaarciifabrikate ist auf das Peinlichste«.»Icellst« von beste», Material hergestellt nnd überliest,»« ich für die Haltbarkeit voll« Garantie. Die mit einem _ bezeichneten Artikel find ansnabmsweise tlieilS niit Fnctiszulbatcn i» der Einlage bergestellt. da sie sonst ihren Zweck— sehr leicht zn fein— nicht erfüllen lvürden. Diele Artikel sind als solche auch die reellsten nnd werden nicht anders in den Handel gebracht.— Es lebt im Publiknin die Anschannng. dast jene Einlage, die sich in Schnbwaaren zwischen Sohle nnd Arandioble besiudet. nnnderwertbig ist sobald sie auL Svabn »ud nicht a»S Leder destebt.— Diese Ansicht ist eine irrige.— Die Svabneinlage ist in» inehr als das vierfache tbeurer als das Leder, welches man hierfür zn verwenden vllegt.— Spahneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitärer Hinsicht niebr zn empseblett als Lcder.— Aus die Haltbarkeit übt die Einlage keinen Einllust aus.— wurde meine Conlanz vielfach insoser». als inan von mir Eiiischädignng sür seblcrbaste Waaren verlangte, die bei unreeller Concnrren» aekaust worden find.— Ilm derartigen Auswüchsen unreeller Käufer enlaegeu zu treten, habe ich seit Jahressrist Giitlchndignnaskarten eiugesübrt.— Jeder Käuier erhält eine solche n»d bat dieselbe ausznbewabrcn. denn nur gcaei« Porzcignng einer Eni- schävtgunaSkgrte werden Sieklamatioiien berücksichtigt.— Für auswärtige liänfer genügt die empsangenc Stech»»»«.— fUk Vit yctjiivtt Achümg!!? Gemißbraucht (Herrenftiefel) Lederp.,»tostel' auch Schlappen acnannt, durchgenäht 2.35 Mk. Speeialität: Slindleder-Zngstlcfcl. in prima ansge- snchter, frischer Waare— Bcllleder. obnc Scitennadt. eigenes Fabrikat, Handarbeit. Tai Beste, das ich je geliefert habe............ 5,75 Mk. Speeialität-»tindleder-Schaststlefel.nngeschw. In prima attsaeIuchterWaare.«igeneSFabrikat,Handarbeil5.50Mk. Spiegel-Rofileder-Zuasttefel. ohne Seiienuabt. genagelt. eigenes Fabrikat. Handarbeit...... 6,85 Mk. Spiegel-Siost-Zngstiefcl obnc Scilcuuabt, doppclsoblig. acuagelt. eigenes Fabrikat, Handarbeit. 7,90 Mk. Rotzleder- Zngsliefet aus Rand geuäbt Handarbeit 7,90 Mk. Nokleder-Znaftiesei mit Besatz. Kuopsverzicruug uud durchlrchter Kappe ebenfalls...... 7,90 Mk. Spiegel-Rotzleder-Zugstiesel. aelvalkt. Oberleder aus einem Stück, auf Rand genäht tHandarbeil). eigenes Fabrikat 9,25 Mk. Bergsteiger-Schnürsttefel von Rostleder mit Agraffe». ans Rand genäht.......... 9,00 Mk. Kalbleder Znastiefel, aus Rand geuäbt, Handarbeit 9,25 Mk. Lafting-Ziigschnh« m. Ledersoble, Seitenleder und niit Lack-pitze.............«»,00 Mk. Stetzleder-Kellnerschnhe, genäht, mit 2 Gummizüge» «».60 Mk. Rotzleder-Halbschnhe zieriiiig........ Rotzlcder-Besatz-Halbschttste. Gumiiiizna ans Rand gciiäbt... Tatinirt Rvtzledcr-Halbschiist« mit Gnmmizna nnd Knopsvcr- ....... 5,00 Mk. zum Schnüren oder»ist ..... 6,50 Mk. ans Rand geuäbt mit Besatz in noch clegantcrer AiiSsübrniig. mit Eiiiiimizuaeii oder zuin Schiiürc». Haiidarbeit..... 7,50 Mk. Duntelbrann« Rindleder-Strandschnürschnlie. gcnäbt 6.75 Mk. Aieaenledek-Strandschnürschnhe, genäbt. 6,25 Mk. (Ddmenftiefel) Leder- Pantosseln, auch Schlappen aeliannt. bis 25 cm Länge.............. 1,60 Mk Rotzleder-HauSschnst«, ausgeschnitten. aeiiäbl 2,90 Mk. Lastiiigschuh«'» mit Gnnimi aus dem Blatt, durchgeiiäht 2,10 M». KemSleder- Proinenadenschuhe* ausgeschnitteil. mit Schleife»nd Svitzkappe 2,75 Mk. Dieselben niit Lcdcrabsatz....... 3,50 Mk. Bra»iieSegel«»ch-Sch»ürsch«he m. Lederbelatz 3, 25Mk. Kalblack-Promtiiadeilschnli«,*ansaeschnitten 2,50 Mk. Dieselben mit Lrdrrabsatz*.......«»,25 Mk. Dieselben nnt Lederabiatz«inbällig, durchgenäbt lEbick- sch-ibc)..............«»,50 Mk, Rotzleder-Schnürfchnste.'genäbt...«»,25 Mk. Dieselben mit Gmiimizug ebensalls...«»,25 Mk. Lastina-Zngstiefel mit Seitenleder... 3,50 Mk. Dieselben»iit Lackipitze«' boch iiii Ziige.. h,00 Mk. »lotzleder-Zngstiefcl st" hoch ini Zuge, geiiäbt«»,50 Mk. Dieselbe» mit eleganter Lacklappe.«" hoch im Zuge, aui Ralid genäbt...... 5,90 Mk.». 7, Mk. illalblcder-Halbschnhe z. SchiiüNn od. Kiiöpfe». auch mit Lackbläit............. 6,25 Mk. Rotzleder-Ilnopsstiesel auf Raub aeiiäht init aus- genäbteil Kiiopstöcheril..... 7,25«. 8,25 Mk Satin zialvlcdcr-Zngsticsel, mit»nd ohne Lackspitze. auf Raiid genäbt.«" hoch im Zuge 7,50». 8,50 Mk. Glac�-Zngstiefel. saiiimetlveich, auch mit Lackblatt, sehr hohes Facon. aus Rand geuäbt..... 8— Mk. Satin> Kalb- Ilnopfstlefel, aus Rand gelb aeuäbt. 8.75 N. 9,75 Mk. Glaecl-Knopsftiefel. samuieiweich. in vorltebeuder Ans- sübruug, mit ausgenäbteu Kuopslöcheru. auch mit Lackblatt 9.25 II. 10.25 Mk. Dieselben rings in. Kalblackbelatz. 9,50 u. 10,75 Mk. Dunkelbraune Ztegenleder> Strandschuürschnst«, ge- »übt............. r. 5 25 M». (Kinderstiefel) Notzleder-Haldschnhe. zum Schnüren, genagelt, bis 18 cm.............. 2,50 Mk. Dieselben bis 22 cm......... 3,25 Mk. Slostleder-Zugschuste, genagelt, bis 18 cm 2,75 Mk., bis 22 cm 2 25 Mk.. bis 2S cm t-inbällig». 3,9» Mk. Stotzleder-zriiabenstiefel zum Schnüren, mit Agraffe». genagelt, bis 18'/» cm....... 3,25 Mk. Tieselben biS 22 cm.. i« i,«>» �,25 Mk. Tieselben bis 26 cm......... 5,50 Mk. Sloftleder-Mädchenstiefei zum Kuövie» bis 18'/, cm.............. 3,25 Mk. Dieselben bis 22 ein.........«»,25 Mk. Tieselben bis 2« cm......... 5,25 Mk. Kaibleder-, Kiiopf- Ii. Agrassenstlesel b. 18cm 5,- Mk. Dieselben bis 22 cm......... 5,75 Mk. 2ati,i-ttalbl«d»r-K»oPsst>ef«l, ans Rand gelb genäht bis 18 cm............ 5,50 Mk. Dielelben bis 22 cm......... 6,50 Mk. Erstling-, Babh-»nd Mädchenschnlie* von Leder sind in gröstter Ausivabl und jeder NuSsübrnna sowohl schwarz als sarbig am Lager. Wiederverkäiifern gelväbre schon bei Entnahme von 1 Dtz. Paar Rabatt. Für Gnmuiischube und Ginnmisoble», obgleich zn den besten Fabrikaten gehörend, übernebuie kein» Garantie, und sind solche daber von jeder Reklaination ausgeschlossen. __ DaS Besohlen ttlernleder,«p v y er. �rl'" �U0tct die Behauptung als unwahr hinstellt, daß der„ Lenlsche Verband kaufmännischer Vereine" die Aufgabe hat, die Hannoiue zwischen Gehilsen und Prinzipalen zu wahren, und sagt, dap nur einige, allerdings große kaufmännische Vereine v e r- u e J'' l,c"1 �rband eine harmoniefreundliche Richtung zu geben, so erklärt sich diese Auffassung unseres Erachtens nur da- durch, daß Genosse Quarck jahrelang Sekretär dieses Verbandes war und darum in seinem Urlheil befangen ist. Nach unserer festen Ueberzeugung ist der Deutsche Verband kausmaunlschcr Vereine das Prototyp eines Harmonieverbandes; seit Jahren beobachten wir, daß die großen Vereine es nicht nur versuche», nein es ist ihnen bis jetzt stets gelungen, die in diesen Veremen organisirlen Gehilfen jeder Selbständigkeit zu berauben. Zum Beweise führen wir nur einen, aber einen durch- schlagenden Grund an. Auf der letzten Hauptversammlung des Verbandes, anf der Genosse Quarck mit Erfolg thätig war, erhielt Schäfer- Frank- M. für das Amt des Vorsitzenden 78 Stimmen(von ca. 80 Stimmen), sein Gegenkandidat Bosch- Köln, der von der Opposition aufgestellt war, 1 Stimme, Witzigmann- Mannheim 80 Stimmen, Goldschmidt- Berlin 78 Stimmen, Unkart-Ham- bürg 74 Stimmen, Greis- Göppingen 25 Stimmen, Pfitzner- Apolda 86 Stimmen, Bosch- Köln, der die Opposition vertheidigt hatte, 3t Stimmen. Sämmtliche genannten Herren haben stets die Grundsätze der Harmonie zwischen Unternehmern und Gehilfen vertheidigt, sämmtliche mit Ausnahme von Bosch, dessen politische und soziale Ueberzeugung wir nur vermuthen, nicht kennen, haben seit Jahren gegen die proletarische Handlungsgehilsen-Bewegung gekämpft. 2. Wenn Dr. Quarck es als verleumderische Fabel hinstellt, daß auf der Hauptversammlung die preußische Regierung vertreten war, ja behauptet, daß die Vertreter des Reichsamts des Inner» in Erwartung der Dinge, die kommen würden, weggeblieben sind, so konstatiren wir, daß auf den bisherigen Hauptversammlunge» des Verbandes es stets mit Freuden begrüßt wurde, wenn Herr Dr. Wilhelmi vom Reichsamt des Innern in ihrer Mitte war und daß, wie das Hamburger„Vereinsblatt", das Organ des Verbandes kaufmännischer Vereine, schreibt, die Tagesordnung für dieHauptversammlung i» einer am 4. und 5. Mai in Eisenach unter Mitwirkung des vortragenden Raths im Reichsamt des Innern, Dr. Wilhelmi, stattgefundenen Vorstandssitzuug verein- bart wurde. 3. Wenn Dr. Quarck behauptet, unser Kollege Julius Türk hätte Unwahrheiten ausgestreut und ihn verleumdet, so zeugt diese Behauptung wieder von großer Befangenheit. Türk hat mit unserem vollen Einverständniß und im Ein- verständniß des weitaus größten Theils der Berliner Kollege» in unserem Fachblatte, dem„Handelsangestellten" und im „Sozialdemokrat" eine Diskussion über die von Quarck vertretene Taktik begonnen, nachdem Quarck sich nicht mehr damit begnügte, in seinen Kreisen zu agitire», sondern in unseren Vereinen und in einem sozialdemokratischen Organ, der„Leipziger Volkszeitnug" für eine Aenderung unserer Taktik, der wir unter keinen Umständen zustimmen können, weil sie unsere ganze Existenz untergräbt, plädirt hat. Tie betr. Artikel waren mit Schärfe geschrieben, enthielten aber weder Unwahrheilen noch Ver- leumdungen. 4. Quarck hat angekündigt, daß er das Material zu dem Streit dem Parteivorstande eingereicht hat!— Das freut und, denn wir sind der festen Ueberzeugung, daß nunmehr Klar- heit geschaffen und Quarck seine Thätigkeit, soweit sie uns schädigt, aufgeben wird. Berlin, 13. Juli 1895. Die Agitationskoni Mission der Handlungsgehilfen Deutschlands. I. A.: Pen n. II. Im Gegensatz zu Herrn Edmund Fischer, der sich noch immer nicht als Verfasser der gegen mich gerichtete» Angriffe in der „Sächsischen Arbeiterzeitung" nennt nud fortgesetzt einen Ton anschlägt, in den ich zu versallen nicht gewohnt bin, hat der „Vorwärts" vom 16. d. M. den Streit um meine Betheiligüng an einen nicht parteipolitischen Handlungsgehisen-Verei» und nun die Konsequenzen daraus ruhig und sachlich behandelt. Damit ist der Boden geschaffen, auf welchem eine leidenschaftslose Aus- einandersetzung stattfinden kann. Ich möchte nun zunächst einige Einwände gegen folgende Sätze des„Vorwärts" erheben und begründen, nut denen sich auch die Redaktion unseres Zentralorgans gegen mich wendet: „Es ist Sache der Berujsvereine selbst, ob sie das thun wollen oder nicht(sich formell zur Sozialdemokratie zu be- kennen). Aber daß es iveder unserer Partei, noch solchen parteilosen Vereinen nützlich ist, mindestens eine Quelle pein- lichster Mißverständnisse sein muß, wenn ein in unserer Partei hervorragender Mann wie Dr. Quarck publizistischer Leiter eines parteilosen Bcrufsvereins ist, das scheint uns aller- Vings festzusikhen. Tie Gegner werden fortdaucrd aus seiner Parteistellung ihre Argumente schöpfen, um den Partei- losen Gehilsenverein zu schaden. nud die Partei erlebt das peinliche Schauspiel, zu sehen, daß einer ihrer Vertreter bei dem Bestreben, den Verein gegen Feinde zu vertheidigen. den Vorwurf„sozialdemokratisch" für eine Verdächtigung er- klären muß. Die Bezeichnung„Sozialdemokrat" halten aber mir wie alle Parteigenossen sür eine Ehre und die meisten Bernfsvereine betrachten es auch als keine Schande, wenn mau sie so nennt." Zur sachlichen Richtigstellung dieser Sätze sei es zuerst gc- stattet festzustellen, daß ich»ich:„Leiter" des hiesigen„Vereins für kaufmännische Angestellte" bin, sondern, daß wir eine durchaus demokratischeOrganisatio» haben.diesichalljährlichihren9gliedr>ge» Vorstand wählt. Ich bin nur eines dieser Vorstandsinilglieder, außerdem Rechtsbeistand und Siedakleur des Vereinsblattcs „Kausm. Presse", aber ohne Bezüge. Ich sitze im Vorstand mit Genossen, Bodenreformern und Angehörigen anderer Parteien. Einig sind wir aber in dem Vereinszweck: den Klassenstandpunkt des Gehilfe» gegen denjenigen des Prinzipals zu vertreten. Geschadet hat nieine seil dem Winter 1893 datirende offene Parteistellung in der Sozialdemokratie den, Verein gar nichts. Es ist im Winter schon vorgekommen, daß ich erst einen öffentlichen Vortrag bei den Kauflcuten hielt, und an demselben Abend nach einer öffentlichen sozialdemokratischen Partei- Versammlung infolge eines Amtes oder Auftrages an den öffent- lichen Parteiverhandlunge» theil nahm. Die Folge davon war vielleicht die polizeiliche Ueberwachung, die wir anfangs im „verein für kanfm. Angestellte" selbst bei ganz harmlosen Mit- „Vorwärts" Sonntag, den 21. Intt 1895. gliederversammlungcn hatten. Im übrigen aber entwickelte sich unser Gehilsenverein sehr gut, ebenso sein Vereinsblatt, und alle die Handlungsgehilfen, auf deren Aeußerungen aus der Zeit, da ich noch beim Frankfurter Harmonievereiii angestellt war, sich Edmund Fischer in der„Sächf. Arbeilcr-Zeitung" jetzt noch miß- bräuchlich bezieht, sind unsere Mitglieder. Endlich das peinliche Schauspiel, daß unser Vereinsblatt die Bezeichnung„sozialdemo- kratisch" als eine Verdächtigung bezeichnet hat. Ter betreffende Artikel stammt von unserem Vorsitzenden und ist von ihm gezeichnet, und ich hätte mich wohl auch weniger entrüstet ausgedrückt, da ich es sür meine Person selbstverständlich auch nur als Ehre ansehe, als„Sozialdemokrat" bezeichnet zu werden. Aber ich bin nicht der Verein und das Vcrcinsblatt. Und ich habe in dieser Abwehr gerade von unserem Grundsatz aus, größtmöglichste Rede- nud Schreibesreiheit zu gewähren, gern einem Nichtsozialdcmokratcn das Wort gegeben, um auch diese Elemente in unserem Gehilsenverein zum Wort kommen zu lassen. Wenn uns ein Freund als„Rothe" bezeichnet, so liegt die Sache anders. Hier rvar aber die wider besseres Wissen von einem nalionalliberalen Gegner mit offenkundiger Verleumdungsabsicht ausgesprochene Behauptung znrückzu- weisen, daß unser Verein sozialdemokratische Parteipolitik treibe. Und da der„Vorwärts" selbst sagt, es sei nicht ohne weiteres zu verurtheilen, daß eine Berufsorganisation nur gewerkschaftlich sein und keine Parteipolitik treiben rvolle, weil sie zur Erreichung ihrer Ziele mit Angehörigen aller Parteien rechnen muß, so war die Verwahrung sachlich gerechtfertigt und für die Belheiligten keinem Mißvcrständniß ausgesetzt. Daß sich ein Unbetheiligter ivre Edmund Fischer in Dresden plötzlich als Zensor aufwirft. ohne den Sachverhalt genau zu kennen, und daß sich daraus eine Bennrnhiglmg meiner besten Parteisrennde ergiebt, daran bin ich nicht schuld. Die Hauptsrage bleibt nach alledem, ob sich zur wirksamen Agitation unter den Handlungsgsgchilfen sozialdemokratische oder parteilose Vereine besser eignen, und, wenn das letzlere bejaht ivird, ob ein ausgesprochener Sozialdemokrat in solchen partei- losen Vereinen thätig mitarbeiten darf. Da erinnere ich nun zunächst daran, daß nicht etwa für kaufmännische Gewerkschaften, sondern sogar sür Arbeiter-Bernfsorgauisatiouen, deren Kampf- weise uns Sympathie einflößte, von unseren Genossen im Reichs- tag mehrfach gegnerischen Verdächtigungen gegenüber geltend gemacht worden ist, die gewerkschaftliche Bewegung sei keine von nns inszenirte Parleibewegnng, sondern streng von ihr getrennt zu halten. Sie streben eine Verbesserung des Arbeiterlooses ledig- lich aus dem Boden der bestehenden Wirthschaflsordnung an und es wirkten in ihr überall Nichlsozialdemokraten neben Sozial- demokraten. Ich bin erbölig, die betr. Reichstagsäußernngen bekannter Genossen eventuell wörtlich zusammenzustellen. Wenn dies aber sür Arbeiterorganisationen zugestanden wird, so gilt es meiner Meinung nach noch weit mehr für Handlungsgehilfen- Organisationen. Seit 7 Jahren kenne ich nun die Handlungsgehilfen sehr genau. Gerade die am klarsten Denkenden unter ihnen bestätigen mir immer wieder von neuem, daß kaum eine Bevölkernngsklasse im ganzen genommen in ihren wirthschaftliche» und politischen Anschauungen so zurückgeblieben ist, wie diese. Die klein- bürgerliche Herkunft, der fortwährende Verkehr mit kapitalistischen Elementen, die als Söhne Besitzender auch ihre Gehilsenzcit durchmachen, die immer noch mehr als beim Arbeiter vorhandene Möglichkeit, selbständig zu werde», die Stellung im Kömptoir, die den Handlungsgehilfen oft berufsmäßig in Gegensatz zu de» Arbeitern der Fabrik bringt, die sozialen Gewohnhciten des Standes in bezug auf Kleidung, Nahrung, Wohnung u. s. w., das Zusaninienarbeite» mit dem Prinzipal, die oberflächliche merkantilistische Wirlhschaftsanschannng, die der Berns nahelegt — das alles sind einige von vielen Gründen, die den Handlungs- gehilfen als Klasse so beeinflussen, wie es beim Arbeiter nicht stattfinden kann. Gegen das Mißverständniß, als wollte ich aus alle» diesen Dingen die Berechtigung eines besonderen Standesdünkels der Handlungsgehilfen herleiten, brauche ich mich an dieser Stelle wohl nicht zu verwahren. Ich habe die Nicht berechtigung zu jenem Dünkel den Handlnngsgehilsen schon oft genug ins Gesicht gesagt und werde dies noch' oft thun. Aber soviel scheint mir doch als Schluß erlaubt, daß man inil der Schablone der Arbeileragitation beim Haudliingsgehilfe» als Klasse nichts ausrichtet, vielmehr erfahrungsgemäß mehr schadet als nützt, und die erste» sozialen Regungen, die sich unter dem Drucke der Zeiten bei den Handlungsgehilfen äußern, vielfach erstickt, statt sie zu beleben. ES gehört eine Engelsgednld dazu, hier immer wieder anzufangen, und ich habe schon oft Partei- genossen gesprochen, die meinten:„An den Handlungsgehilfen ist Hopsen und Malz verloren, mit denen wird in Ewigkeit nichts anzufangen sein." Auch für mich wäre es von jeher angenehmer und bequemer gewesen, diesen Standpunkt ein- zunehmen und niich lediglich der Partei-Agitation zu widmen. Ich möchte aber, wenn ich das Ganze nicht erreichen kann, des- halb Dasjenige, was einstweilen durchzusetzen ist, nicht liegen lassen, weil ich die Nolb im Kaufmannsstande zu genau kenne. Und so begnüge ich mich damit, soweit es in meinen Kräften steht, rvenigstens das Verständniß für die organisatorische Selb- fländigmachung der Gehilfen in Gehilsenvereinen, die hier noch in der Minderzahl sind, sowie das Ver- ständniß für den wirthschaftlichen Gegensatz zwischen Prinzipal und Gehilfen zu verbreiten,, ohne diese» Versuchen eine parteipolitische Zuspitzung zu geben. Und meine Erfahrung geht dahin, daß man hierfür Handlungsgehilfen in größerer Zahl gewinnen kann, während sie einer parteipolitischen Agitation in der Mehrzahl noch angstvoll und mißtrauisch gegen- überstehen. Die Frage steht also solgendermaßen: soll ich die Propaganda in größerem Umfange aufgeben, soll ich es aufgeben, in die alten Harmonievereiue einzudringen und dort aufzurütteln, und soll mich auf Zusammenkünfte mit einem kleinen Häuflei» überzeugter Genossen beschränken, oder hat es nicht doch schon großen Werth, die Handlungsgehilfen in größeren Cchaaren sür Organisationen und Kämpfe zu gewinnen, die wenigstens wirthschaflspolitisch, wenn auch nicht parteipolitisch, von einem klaren Standpunkt ausgehen? Ich habe bis jetzt als praktischer Agitator die letztere Frage bejaht und in der Uebcrwindung der alten Har- monievereine durch ausgesprochene Gehilsenvereine ohne Partei- politischen Charakter auch schon einen nicht unerheblichen Fort- schritt gesehen, vielleicht weil ich die Misöre in den allen Har- monievcreinen zu sehr kennen gelernt habe und den praktischen Abstand mehr schätze als Außenstehende. Daß ich mir als Sozial- dcmokrat nichts bei dieser Agitation vergebe, dafür sorgt schon die Kontrolle meiner Parteigenossen. In der Sache selbst liegt m. E. nichts, was irgend einem Sozialdemokraie» zur Unehre gereichen könnte. Und mein Wirken i» der Partei isi doch ivobl auch nicht nach- «heilig durch meine Betheilignng a» der unpolitische» Handlungs- gehilfen-Bewegung beeinfluüt worden. Wenigstens ist Noch nicht einnial eine dahingehende Behauptung ausgestellt worden. Mit Parteigruß Frankfurt a. M., 13. Juli 1395. Quarck. m» Unsere in Nr. 163 des„Vorwärts" geäußerte Ansicht wird durch vorstehende Darlegungen nicht verändert. f ♦ 13. Jahrg. VevfÄMmluttjgett. Der Wahlverein für de» dritten Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am 17. Juli im„Märkischen Hof", Adimral- straße l3o, eine starkbesuchte Generalversammlung ab. Genosie Wilhelm Liebknecht hatte ein Referat über das sehr zeit- gemäße Thema„Bimetallismns" übernommen. Seine instruktiven Ausführungen, auf die wir hier nicht eingehen, da der Vor- tragende selber die Frage noch weiter zu behandeln gedenkt, fanden ein aufmerksames Auditorium und lebhasten Beifall. Von einer Diskussion des Vortrages wurde Abstand genommen. Jahn und Börner interpcllirten den Referenten, ob es nicht rathsam sei. zum Zweck der Gegenagitation gegen die Schriften der Silber-Jnteressenten in nächster Zeit eine Broschüre heraus- zugeben und hierdurch„die Masse" über den wahren Charakter der Bestrebungen der Vimetallisten aufzuklären. Liebknecht beantwortete die Frage dahin, daß unsere Partei zunächst gemüthlich zuschauen könne, wie sich die„goldene" mit der „silbernen Internationale" gegenseitig in den Haaren liegen, doch hält er es nicht für ausgeschloffen, daß bei gelegener Zeit eine derartige Broschüre vom Parteivorstand herausgegeben wird. Nach einem kurzen Bericht über die Thätig? keit deö Vorstandes, den der Vorsitzende Otto K r ä k e r er- stattete, verlas G o t t f r i e d S ch u I z die Kassenabrechnung des letzten Vierteljahres; nach Abzug sämmtlicher Ausgaben verblieb ein Bestand von 341,37 M. Dem Kassirer wurde Dccharge er? theilt. Tie Ergänzungswahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: der zweite Vorsitzende Hoch sowie der zweite Kassirer H a r n d t wurden wiedergewählt, zum zweiten Schriftführer wurde S a h m und Beisitzer W i ch m a n n ernannt. Zur Lassnlle- Feier hat der Vorstand für den 31. August die„Nene Welt" gemielhel und ersuchte nunmehr die Generalversammlung um ihre Zustimmung. Diese wurde ertheilt lnit der Ein- schränkung, daß die mit der Direktion der„Neuen Welt" vernb- redeten Spezialitäten- Vorstellungen in Wegfall kommen. Das Stiftungssest soll am l. Februar in„Sanssouci" stattfinden. Im Wahlverei» für de» fünften Kreis referirte der Reichstags-Abgeordnete Wurm am 18. Juli über Kapital und Slrbeit; die Anwesenden dankten für den interessante» Vortrag durch lebhaften Beifall. Der Vorsitzende Wels bc- richtete, daß im verflossenen Quartal drei Vereinsversammlungen abgehalten sind; 72 Personen sind während dieser Zeit dem Wahlyerein beigetreten, der Mitgliederbestand hat die Ziffer 812 erreicht. Ter Vorstand führt dieses vergleichsweise günstige Re- sultat auf die Reorganisation zurück; ebenso de» stärkeren Besuch der letzten Versammlungen. Genosse Richter legte der.Ver- sammlung den Kassenbericht vor. Bestand am Ende des ersten Quartals war 285,55 M. Die Einnahme ergab 552,85 M., während die Ausgabe 85,40 M. und der Kassenbestand gegen- ivärtig 467,45 M. beträgt. Von dieser Summe wurden 300 M. deni Vertrauensmann und 25 M. der Arbeiter-Sanitätskommission durch einstimmigen Beschluß der Versammlung überwiesen. Der Antrag, die Tellersammlung bei Wahlvereins-Versammlungen auszuheben, fand Annahme. Zivei Stellen' von Bezirksführern wurden durch die Genossen G r o ß m a n n und Mansie neu besetzt. Eine öffentliche Parteiversn»ln«lil»g f ü r d e n s c ch st e n Berliner Reichstags-Wahlkreis tagte am 18. d. M. im Kolberger Salon. In derselben erfolgte die Rechnungslegung und der Bericht der Verlrauenspersonen. Die Rechnungslegung ergab für die letztverflossenen vier Monate folgendes Bild: P f a r r(Moabit) halte eine Gesammteinnahme in Höhe von 3390,41 M., eine Gcsammtausgabe von 1610,90 M., einen Ge- sammlbestand von 1778,71 M.; Waschow ski(Wedding) hatte eine Gesammteinnahme von 2465,58 M., eine Gesainmtausgabe von 2404,64 M., einen Gesammtbestand von 60,94 M.; H e l b i g (Rosenlhaler Vorstadt und Gesundbrunnen) hatte eine Gesamml- einnähme von 3677,38 M., eine Gesainmtausgabe von 2221,55 M., einen Gesammtbestand von 1455,83 M.; August in(Schön- hauser Vorstadl) hatte eine Gesammteinnahme von 2322,70 M.» eine Gesammtausgabe von 2207,40 M., einen Gesammtbestand von 115,30 M. Den Bericht über die Thätigkeit der Vertrauens- persone» erstattete August in. Nach diesem haben in den ver- flossenen vier Monaten 8 Versammlungen stattgefunden. Die eitnngsspedition erbrachte eine» Gesammtüberschuß von 1086,37 M. em Parteivorstande wurden abgeliefert insgesammt 5500 M. Zur Laudagitation wurden verausgabt 400 M. Nach Bericht und aus Antrag der Revisoren erfolgte einstimmige Entlastung der Vertrauenspersonen. An stelle des ausscheidenden Revisors Fischer wählte die Versammlung den Genoffen G o d ä u s. Es folgte die eingehende Rechnungslegung der verschiedenen Zeitung'sspeditionen bezw. Kommissionen, deren Ueberschuß bereits vorher aufgeführt ist. Dem Berichte ist im allgemeinen zu ent- nehme», daß die Parteispedition gutsunktionirt, sodaß Beschwerden wenig oder gar nicht einlaufen. In einzelnen Fällen hat sich als unabweisbar herausgestellt, größere Kinder zu beschäftigen. Infolge dieses Ilmstandes beantragte Gieshoit, die Zeitungs- kominissione» im Einverständniß mit dem Vertrauensmann zu ermächtigen, in zwingenden Fälle» größere Kinder helfen zn lassen. Tie Frage der Kindcrbeschäftigung zeitigte eine längere Er- örterung, nach welcher der Antrag Gieshoit mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt wurde. Beantragt wurde ferner, die noch bestehende Zeitungskommission für die Oranienburger Vorstadt und den Wedding aufzulösen und an deren Stelle die Genossen Bloßfeld, Berge mann und Lättermann als Revisoren einzusetzen. Dieser Antrag fand allseitige An- »ahme. Den Genossen wurde nahegelegt, für die so wichtigen öffentlichen Parteiversnmmlnngen eine größere Agitation zu ent- falten, da auch der Besuch dieser Versammlung wieder viel zu wünschen übrig ließ. Ter sozialdemokratische Agitationsverein für den Reichstags- Wahlkreis S t r a l s u n d- F r a n z b u r g- R ü g e n hielt am 7. Juli seine erste Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Vorstandes hat der Verein voni März bis jetzt an Material(Zeitungen, Broschüren k.) 50 Kilogramm gesammelt. Zu verzeichnen ist eine Einnahme von 54,35 M. und eine Aus- gäbe von 29,12 M.; bleibt somit ein Kassenbestand von 25,23 M. Wie der Berichterstatter bemerkte, könne man, in anbetracht der Hindernisse, die dem Verein bereitet werden, und der kurzen Zeit seines Bestehens, gewiü von einem anerkennenSwerthen Erfolg sprechen. Die iveileren Verhandlungen betrafen lediglich Vereins- angelegenheiten. Tie Arbeiter-PildungSschnle hielt am 13. Juli als Fort- setzung der letzten Generalversammlung im Lokal von Busle eine neue beschließende Versammlung ab. Nach einer kurzen, aber lebhaften Debatte über die Frage, ob die Verbindung eines Lehr- amtes mit dem Posten des Vorsitzenden der Schule zulässig sei, wurde diese Frage durch die Wahl des Lehrers Heinrich Schulz zum Volsitzenden bejaht. Trombler, der das Amt des I. Schritt» ftthrers auf grund eines Mißverständnisses niedergelegt hatte. wurde nach Aufklärung desselben wiedergewählt. Zuin Schluß gab Heinrich Schulz eine kurze Anleitung zu den« geplanten gemeinsamen Besuch der Berliner Kunstausstellung. Ter dcntsche Metallarbeiter- Verband(Filiale C.) hielt am 6. Juli eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tages- cvbnima stand zunächst die Benchte�stattung von der Provinzial- Konferenz. Eine Aufgabe, die von dem Mitglied Glück in zu- friedenstellender Weise erfüllt wurde. Hierauf gelangten die Ar- beitervcrhältnisse bei der Firma Schmidt u. Tietz zur Besprechung. Besonders erstaunt war man über die Berichtigung, die dem „Vorivärts" von jener Firma überfandt war. Sie enthielt nach der Meinung der Redner nichts, was geeignet wäre, die Angaben des„Vorwärts" zu entkräften. Vielmehr bestätigte sie diese Angaben nur. So wird behauptet, die Arbeiterinnen werden nur zu leichter Arbeit augehallen. Galvanisiren gehört aber gewiß nicht zu den leichten Beschäftigungen, denn zum Galva- nisiren ist auch das Brennen nölhig. Wer nur einigermaßen diese Bcschäftignng kennt, der mnß zugeben, daß ein kräftiger Mann es nur einige Jahre aushält. Wieviel weniger ist eine schwäch- liche Fabrikarbeiterin, die sich bei dem Durchschnittslohn von wöchentlich 10 M. kaum satt essen kann, in der Lage, diese ihre Gesundheit vernichtende Arbeit zu verrichten. Das Kratzen ist eine nicht minder schwere Arbeit, die an einer alten Drehbank verrichtet werden muß. Es ist be- lannt, daß Frauen, die an der Nahmaschine arbeiten, oft unter- leibskrauk werden. An der Drehbank wird blos mit einem Fuß getreten und außerdem muß mit den Händen tüchtig zu- gegriffen werden, eine Beschäftigung, die für die Frauen von gesundheitlich schwerem Nachlheil ist. Auch das Lackiren wird in dieser Fabrik von Mädchen besorgt. In dem ungefähr 10 Meier laugen und 3 Meter breiten Raum entivickeln sich nun die giftigen Gase vom Löthen, von den Bädern und der be- täubende Dunst des Lackes. Ziemlich kräftige Männer bekommen nach 2— Zstüudiger Arbeil in diesem Gang Brustschmerzen; wie viel mehr müssen die Mädchen leiden, die den ganzen Tag hier arbeiten. Von Eltern eines 17jährigcn Mädchens wird versichert, daß ihre Tochter vor 2 Jahren frisch und gesund die Arbeit in der Fabrik annahm. Trotz der besten Pflege kränkelt die junge Arbeiterin jetzt fortwährend. Wie in vielen Fällen, so ist auch hier den Arbeitern die größte Schuld zuzuschreiben. Von 23 Gürtlern waren ungefähr der fünfte Theil im Berliner Ver- band organistrt. Nachträglich hat sich allerdings das Verhältniß gebessert. Der Verein der Einsetzer nahm in seiner Sitzung am 7. Juli de» Kassenbericht vom letzten Quartal entgegen. Die Einnahmen beliesen sich auf 290,37 M., denen eine Ausgabe von 223,20 M. gegenübersteht. Nachdem die Wahl der Arbeits- vermittelungs-Kvmmission vollzogen war, hielt Genosse Millarg einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: Bau- schwinde! und Lohnerwerb. Redner schildert die schwindclhaften Manipulationen im Baugewerbe und zeigt, zu ivelchen unleidlichen Zuständen es führen würde, wen» die Auslegung der Gerichte den Polier, Werkmeister oder Kolounenführer für die Lohn- Zahlungen hastbar zu machen, allgemeine Anwendung findet. Eine solche Auslegung bedeutet gewiß unabsichtlich eine Begünstigung unreeller Geschäftspraktiken. Ter Fachvcreiu der Mlisikinstrumenten-Slrbeiter tagte am 13. Juli. Der erste Gegenstand der Tagesordnung bildete die Abrechnung vom 2. Quartal. Diese weist eine Einnahme von 333,10 M. und eine Ausgabe von 384,93 M. auf. Das hierdurch vorhandene Defizit von 40,33 M. von dem Kasseubestand abgezogen, ergiebt ein Kassenvermvgen von 423,23 M. Hierauf wird beschlossen, hilfsbedürftigen Wittwen von verstorbenen Mit- gliedern cuie Unterstützung bis zu 30 M. zu gewähren. Zur Verhandlung kam sodann die Einführung des Vertrauensmänner- Systems. Von den Rednern, die hierzu das Wort nahmen, wurde allgemein diese Einrichtung empfohlen, und die Mitglieder ersucht, die Adressen der Vertrauensleute an das Vereiuslokal, Naunyn- straße 78, bei Böcker, gelangen zu lassen. Tie Werkstatlverhält- uisse bei der Firnia Knabe u. Thal geben hierauf Anlaß zu einer längeren Besprechung, an der sich die Mitglieder Bloßies, Meier und Blum betheiligen. Bereits haben einige Arbeiter die Arbeit niedergelegt und von anderen wird die Fabrik gemieden. Das Benehmen fand um so mehr die Mißbilligung der Ver- sammlung, als die Firmeuinhaber seinerzeit Mitglieder des Ver- eins waren. Die freie Vereinigung der Bauarbeiter nahm in ihrer Versammlung am 14. Juli die Abrechnung vom zweiten Quartal entgegen, die einen Bestand von 218,39 M. aufweist. Hierauf er- folgte die Wahl des Vorstandes, die folgendes Resultat ergab: Böttcher erster, Krüger zweiter Vorsitzender; Jllmann erster, Wurl ziveiter Schriftführer; Spreuger erster, Abel zweiter Kassircr; Schmidt, Jankowski und Jaiizen, Revisoren. Für die Zahlstelle Norden wurde Deich und für den Süden Hartlcib gc- wählt. Den streikenden Bauarbeitern i» Halle bewilligte die Versammlung 30 M. Die nächste Versammlung findet am 11. August statt. Tev Zcntralverband der Maurer(Filiale II) hielt am 14. Juli eine Versammlung ab. Zur Erledigung gelangte zu- nächst die Abrechnung vom letzten Quartal. An Einnahmen sind zu verzeichnen 414,38 M., und an Ausgaben 360,80 M.; somit ist ein Vestaud von 53,38 M. vorhanden. Für den Streikfonds sind im Monat Juni 232,00 M. eingegangen und 223 M. aus- gegeben. Ten zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Referat des Mitgliedes D ä h u e über„Das Unfallvcrsicherungs- Gesetz". Der Vortragende schilderte in eingehender Weise die Organisation der Bcrufsgenvsscnschasten rmd das Verfahre» beim Schiedsgericht, wobei er aus seiner Erfahrung als Zlrbeiter- Vertreter beim Reichs-Versicherungsamt manche prallische Winke den Mitgliedern gab. Nach einer sehr regen Fragcbenntworlung erklärte sich der Referent bereit, in der nächsten Versammlung eine Forlsetzung seines Referats zu gebe», ein Anerbieten, das von der Vcrsainmlnng bereitwilligst angenommen wurde. Zum Schluß stand die Wahl eines Ausschußmitgliedes zur Er- lcdigung, mit welchem Amte das Mitglied B a t t e m a n n be- traut wurde. Der Verband deutscher Kürschner tagte am 13. Juli. Auf der Tagesordnung standen eine Reihe geschäftlicher An- gelegenheiten, die am Quartalsschluß ihrer Erledigung harren. Zunächst wird die Abrechnung verlesen, die eine Einnahme von 91,43 M. und eine Ausgabe von 84,00 M. aufweist. Dem schloß sich der Bericht des Vorstandes an über die Thätigkeit des Ver- eins im verflossenen Quartal, und wird sodann die Wahl des Vorstandes vollzogen. Es wurden gewühlt: Peters erster, Schreitnniller zwerter Vorsitzender; Hübner erster, Weinert zweiter Kassirer; Otto Schulz erster, Friedrich zweiter Schrift- führer; Mathai Beisitzer; Goblin, Emil Schulz und Seringes Revisoren. Das Amt eines zweiten Schrislführers im Haupt- vorstand wird dem Mitglied Nagel übertragen. Die nächste Versammlung findet am 12. August statt. Im Verband der Möbelpolirer(Filiale Osten) sprach am 13. Juli Genosse Sassenbach in einem beifällig aus- genommenen Vortrag über das Freimaurerthum. Stach einer kurzen Diskussion erfolgte der Schluß der Versammlung, die nur schwach besucht ivar. In einer öffentlichen Schnhutacher-Versammlung, die am 13. Juli in Fiebig's Salon, Gr. Franksurtcrstr. 28, tagte, erfolgte die Bekanntgabe der Abrechnung von dem Streik in den mechanischen Schuhfabriken aus dem Jahre 1633—1894 durch den Kollegen Niederauer. Mitglied der seinerzeit zur Prüfung der Abrechnung eingesetzten Rcvisionskomniission. Vor- weg wurde, einem Antrage gemäß, die Wahl der Revisoren für die Abrechnung des Streiks bei Rosenthal u. Schlitzweg durch Ernennung der Kollegen Naue, Holz und Scholz erledigt. Ferner wurde einein Vorschlage zugestimmt, so weit der noch vorhandene und auf den ausstehenden Listen noch eingehende Betrag reicht, denselben für die Rcchtsanwaltskosten des seinerzeit bei Simon ausgesperrten Kollegen Hermann Krause zu verwenden. Die Abrechnung vom Streik ergab eine Einnahme von 5582 M., der eine Ausgabe von 3389,02 M. gegenüber- steht; mithin ist ein Bestand von 132,38 M. zu verzeichnen. Von dem Bestand sind für nachträgliche Ausgaben noch 3 Mark in Abzug zu bringen. Von den 870 ausgegebenen Listen stehen noch 140 aus. Eine Anzahl Listen, die noch bei einigen Berliner Gewerkschaften ausstehen, werden von der Berliner Gewerschaftskommission durch Millarg eingezogen. Nach ein- gehender Information ist von der Gewerkschaftskommission erklärt worden, daß die noch nicht zurückgezahlten Vorschüsse als Streikunterstützung zu betrachten, somit zu streichen sind. Zu den nach Gotha gesandten Listen, die von dort weiter gegeben wurden, ist zu bemerken, daß die dortigen Kollegen bestimmt haben, die ge- sammelten Gelder nicht den Berlinern, sondern Bock in Gotha zuzu» senden. In der Hauptsache gab Niederauer im Namen der Revisoren die Erklärung ab, daß sie mit der Abrechnung nicht zufrieden seien; eine Reihe von Belegen fehlen und der Baarbestand sei nicht vorhanden. Die Streikkommission mußte dieserhalb heftige Vorwürfe über sich ergehen lassen, während der Kassircr Temmler sich schuldig bekannte, infolge seiner Nothlage 00 M. für sich ver- wendet zu haben. Den Rest des Defizits müsse er als Manko- geld betrachten, da dessen Verbleib ihm selbst unklar sei. Er habe sich bei der Gelverkschaftskommission verpflichtet, den ganzen Fehlbetrag ratenweis zu decken. Von der Versammlung wurde beschlossen, daß die drei Revisoren als Liquidations- kommission weiter bestehen sollen, ihnen liegt ob, die unter den Schuhmachern noch ausstehenden Listen einzuziehen, von deren Betrag die Veröffentlichung der Abrechnung in der Preffe zu decken ist. Zum Schluß ersuchte Willner, die Abrechnung der Sammellisten für die Delegirten zum vorjährigen Kongreß zu beschleunigen. Eine öffentliche Versammlung der Gürtler, nur mäßig besucht, tagte ani 18. Juli im Lokale von Henke, Naunyn- straße 27. Genosse S ch ö p f l i n erläuterte in einem beifällig aufgenommenen Vortrage„die Folgen der kapitalistischen Pro- duktion" und ermahnte zum Anschluß an die Organisation. An der Diskussion betheiligten sich Nätber und Heinrich. Nach Au- nähme einer Resoluiion, in der sich die Versammlung mit de» Ausführungen des Referenten einverstanden erklärte und ihre bisher indifferenten Kollegen zum Anschluß an die Organisation verpflichtete, erstattete der Vertrauensmann der Branche, Heinrich, seinen Rechenschaftsbericht. Die von ihm im ver- gaugenen Jahre einberufenen Versammlungen hatten nach seinen Angaben nicht den erwarteten Erfolg: der größte Theil der Kollegen stehe der Organisation nach wie vor gleichgiltig gegen- über, daher konnte er auch nur für ca. 30 M. Bous für den „Maisouds" umsetzen. Heinrich forderte am Schluß seines Berichtes die Versammelten auf, dafür zu sorgen, daß in jeder Werkstatt ein Vertrauensmann gewählt werde, der seine Adresse dem Vertrauensmann der Branche zu übermitteln und zum Zweck einer intensiven Agitation und Abstellung der Miß- stände in steter Fühlung mit ibni zu bleiben habe. Als Ver- trauensman» wurde wieder Richard Heinrich, wohnhast Wieuerslr. 01, gewählt. Tie öffentliche Versammlung der Mechaniker und Uhrmacher, welcke der Aertraueusniaun der Berliner Metall- arbeitcr, Otto Rüther, am 19. d. M. nach dem Luisen- städtischen Kouzerthause berufen hatte, beschäftigte sich mit dem Streik der Mechaniker und Uhrmacher der hiesigen Taxameter- Gesellschaft, von welcher einige Buchhalter der Versammlung beiwohnten. Der Hauplbelrieb der früher in Hamburg domizili- renden Gesellschaft befindet sich jetzt in Berlin Am Weidendan»» I. Vor kurzem wurde nun den dort beschäftigten Mechanikern, Uhr- machern und Schlossern das Ansinnen gestellt, die Apparate pro Stück für 4 M. statt wie früher für 4,73 M. zu montiren:c. Rüther als Referent führte dieses Cparsystem, welches sich auch auf die Reduzirung der Zahl der Meister und Arbeiter erstreckt, auf die drohende Konkurrenz, welche die Eesellschast auf diesem Gebiete bedrohe, zurück. Infolge dieses Lohnabzuges, der vorläufig nur die Mechaniker betras, haben 3 die Arbeit eingestellt. Die Mechaniker sind or- ganisirt. Da auch den Uhrmachern eine gleiche Lohnreduktion zugedacht war, haben sich, um dem von vornherein vorzubeugen, auch 10 Uhrmacher mit den Mechanikern solidarisch erklärt und ebeusalls die Arbeit niedergelegt. Von diesen sind 3 organisirt, zwei im Fachverein und einer im Uhrmachergehilsen-Vercin, der nicht aus dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht. 6 Uhrmacher arbeiten weiter. Außerdem sind 0 Uhrmacher in der unter der Leitung des Meisters Schurz m a n n stehenden Rcparalurwerlstätte in Lohn beschäftigt. Näther bedauerte, daß nicht auch diese Kollegen sich mit den anderen solidarisch erklärt haben, indem diese leicht als Ersatz für die Streikenden gebraucht werden können. Zu diesem Zwecke haben sich auch bereits einige Mechaniker wie auch Uhrmacher der Firma zur Verfügung gc- slelld Redner ersuchte, den Streik bei der Taxa- meter- Gesellschaft für gerechtfertigt zu erklären und die Ausständigen moralisch und finanziell zu unterstützen. Wie weiter mitgelheilt wurde, sind mit dem Herrn Geschäftsführer der Gesellschaft seitens des Verbandes Einigungsversuche gemacht worden, die jedoch abgelehnt wurden. Wenn auch nicht zu er- warten sei, daß die Ausständigen wieder eingestellt werden können, so habe der Streik doch den Erfolg, daß er der Gesell- schaft als Warnung diene, indem derselbe» durch den Arrsstand große Verluste erwachsen. Nach den Darstellungen Streikender ist der Lohnabzug systematisch vorbereitet rvorden und sollte bei den Mechaniker» nunmehr„probeweise" zur Durchführung gc- langen. Bezeichnend ist, daß in Hamburg pro Apparat 3,40 M. bezahlt wurde. Auch dort ist es zweimal zu Arbeitseinstellungen gekommen, bei denen die Firma unterlegen ist, da alle Arbeitcr organisirt waren. Infolge dessen verlegte die Gesellschaft ihren Betrieb nach Berlin, wo die Arbeiter weniger gewerk- schastlich organisirt und gegen Lohnkürzungen weniger widerstandsfähig sind. Diese Thatsache gab Näther Ver- anlnssttng, seinen Kollegen sehr ernstlich ins Gewissen zu reden und zur Organisation zu ermahnen, wie auch dem „Liünstlerstolze" den Boden zu entziehen. Hervorgehoben zu iverden verdient noch, daß nach Aussage verschiedener Streikender sich in einer Vorbesprechung alle dortigen Kollegen mit einer Arbeilseinstellung einverstanden erklärt hatten. Zu scharfen Auseinandersetzungen kam es im Laufe der Verhandlinrgcn mit einem Weiterarbeitenden, Herrn Püchel, welcher der Ansicht war, daß es den Arbeitern bei der Taxameter-Gesellschafl bei einem Wocheuvcrdienst von 32 M. zu wohl ergehe, da sie sonst nicht streike» würden. Der Streik wurde schließlich für berechtigt anerkannt und verpflichteten sich die Anwesenden, für thatkräftige materielle wie moralische Unterstützung der Streikenden Sorge zu tragen. Zur Erörterung gelangte weiter eine in der Fabrik von S o k o l. Stettiuerstraße 26, eingetretene Differenz, die ent- standen war, weil ein ehemaliger Streikbrecher als Meister eingestellt wurde. Die dortigen Mechamker wehrten sich dagegen, infolgedessen wurde ihnen gekündigt und hörten sie vor Eintritt des Kündigungstermins auf. Die Verbands- kommission konnte auch hier keine Einigung erzielen. Die Ver- sammlung faßte in dieser Angelegenheit keine bindende Beschlüsse, überließ die Regelung derselben vielmehr der Organisation. Eine weitere Besprechung betraf die Verhältnisse bei der Firma Hirschmann, woselbst Lohnabzüge bis zn 40 pCt. vor- genommen worden sind und die Nachfeierabeud-Arbeit gang und gäbe sein soll. In dieser Angelegenheit soll schleunigst eine Werkstattssitzung stattfinden. Eiue öffcutliche Versammlnng der Parqnetbodeulegcr nahm am 19. Juli im Lokal von Röllig, Neue Friedrich. straße 44, Stellung zn den Lohndifferenzen bei der Firma R o s e n f e l d u. K o. Bei genannter Firma ist es in letzter Zeit oft zu Lohnstreitigkeite» gekommen; stets war die Firma die- jenige, welche am Tarif Kürzungen vornahm und auch ihren Legern nicht sämmtliches Material lieferte. Ten Grund sür dieses wenig koulaute Verhalten der Hoflieferanteu-Firnm ihren Arbeitern gegenüber glaubten verschiedene Redner in den Grati- sikatioueu zu finden, welche zu Neujahr an Geschäftsführer, Techniker und Komtoirpersonal zur Auszahlung gelangen und deren Höhe sich nach dem Stande des Geschäfts oder richtiger nach dem im Vorjahr erzielten Profit richtet. Daß die technischen Angestellten ein sehr leicht begreifliches Interesse daran haben, durch Sparen an den Löhnen die Profit- rate des Geschäfts zu erhöhen, ergiebt sich aus vorstehendem von selbst. Schmidts war der Meinung, lebte der ehemalige Chef noch, nie und nimmer hätten diese mißlichen Verhältnisse Platz greifen können, eher hätte er das gesanimte Komtoirpersonal zum Tempel hinausgejagt.— Der jetzige Streik hat, wie W i ck e r t berichtete, seinen Ausgang auf dem Bau Kaiser-Allee 112/113 genommen. Hier boten„die Beauftragten der Firma" den Legern für den Quadratmeter Stabboden 93 Pf., wofür ander- weitig 1,30 M. gezahlt werden. Im vorigen Herbst wurden von der Firma selbst noch 1,20 M. dafür gezahlt. Der Groll der Versammlungsredner richtete sich am stärksten gegen den Geschäfts- führer Puschmann und Herrn Schönberg, einem früheren Maurer, der die Leute einstellt und dem die Beaufsichtigung derBauten seiner Firma unterliegt. Ersterer habe die Forderung sämmtlicher Arbeiter, mindestens eine Mark pro Quadratmeter zu zahlen, rundweg abgelehnt. Da die Arbeiter auf den übrigen Bauten der Firma befürchten mußten, daß auch ihnen diese Abzüge ge- macht werden, so erklärten sie sich mit ihren Kollegen solidarisch und ruht nunmehr die Arbeit auch auf folgenden Bauten: Schöneberger Ufer 32,: Gormannstraße Ecke Weinmeisterstraße, Altonaerstr. 13a, Oranicnstr. 40/41, und in Charlotteuburg, Magazinstr. 8. Charakteristisch ist jedenfalls der Ausspruch des Geschäftsführers: die Firma lasse es sich lieber 1000 Mark kosten, um den Streik zu Falle zu bringen, als daß sie die Forderung bewilligt. Nach den Angaben der Redner würden die Mehrausgaben für die Firma, falls sie die Forderung be- willigt, nur etwa 30 M. betragen. Einstimmig gelangte eine Resolution zur Annahme, worin die Versammlung den Streik als berechtigt anerkannte und sich in jederfHinsicht zur moralischen Unterstützung der Ausständigen verpflichtete.— Dem Versuch der Firma, die Arbeit eventuell durch Tischler und Zimmerleute fertig stellen zu lassen, soll seitens der belheiligten Organisationen cntgegeugewirkt werden. Zum Schluß wurde von Heß und G r a h l zu ebenso zahlreichein Erscheinen in der am Montag bei Schöning, Stallschreiberstr. 29, stattfindenden Bodeuleger- Versammlung aufgefordert, in der weitere Mittheilungen über den Stand des Streiks erfolgen. Die drei sozialdemokratische» Gemeindevertreter in N o w a>v e s berichteten ihren Wählern in einer Versammlung am 12. Juli über ihre Thätigkeit im Gcmeinderalh. Im großen und ganzen giebt das Referat des Genossen Gruhl ein Bild jener Kämpfe, die sich im allgemeinen mit den Vertretern der bürgerlichen Parteien auch auf diesem Gebiete abspielen. Die nothweudigste» Reformen werden hinausgeschoben oder un- berücksichtigt gelassen, während andere von minder großer Be- deutung bevorzugt werden. So befindet sich z. B. ein Antrag auf Errichtung einer Bade-Anstalt seit einem Jahr in der Kommission, ohne daß man sich der Hoffnung hin- geben kann, daß die Angelegenheit in nächster Zeit erledigt werde. Mit ihrer Repräsentationspflicht nehmen es die Gemeindevertreter sehr genau. So wurde be» schloffen, eine Silber-Medaille zu prägen, die den Herren als Abzeichen ihrer Amtswürde dienen sollte. Allerdings, d,e Auf- sichtsbchörde schien kein Vcrständniß sür diese Bedürfnisse zu haben, denn sie ließ die Herren ihre Medaille selbst bezahlen. Unter diesen Umständen scheint es nicht verwunderlich, wenn die Herren einen Berichterstalter, der sür eine im Ort viel gelesene Zeilung berichtete, von der Sitzung ausschlössen, mit der Motivirung: Man brauche doch nicht unter Polizei-Aufsicht zu sitzen. Die Herren hatten auch alle Veranlassung, ihre Thatcn der Oeffentlichkeit nicht preiszugeben.— Der Bericht wurde in der Versammlung recht beifällig aufgenommen und von den nach- folgenden Rednern Lange, Gärtner, Wagner und Zöllner zum theck ergänzt. AUs«»>«>»r Kran!«»«, und Stcrdcliass« der Metallarbeiter. lE. H. Nr. 20, Hamburg.) Filiale Berlin 2. Monlag, den 22. Juli, im Märlilchen Hof, Admiralstr. isa, Milglicder- Berfammlung. Tagesordnung: 1. Raffen- berichi. 2. Perschiedenes. z)rra»>ig»»v«v«rrin..Italia". Sonntag abends s Uhr im illesiaurant „Nolnnd", Elsafserstr. ae(großer Saal) bei ungünstiger Willerung FideltlaS. Gaste willlommen. i Niedorf. Nerel»„Norn'iizto". Die am ZZ. Juli angesetzte Versammlung findet Umstände halber sticht statt. N-rcin deutscher Kchußinacher. Montag, den 22. Juli: Zahlstelle l bei Nebelin, Langestr. 103. Zahlstelle II bei Slüildel, Brun, en'tc. 188. Zahlstelle III bet Werner, Bülowftr. 59. Samariterlmrfus der Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen. Monlaa, den 22. Juli, abends sz Uhr. bei Balz. Alle Jalobstr. 7S. Arbeiter- Kild»uo»,ch«le. Sonntag, lo— 12 Uhr: Nord-Tchule. Miillcrstr. 179a; Leltüre(unentgeltlich). Südost-Schule, Waldemarslr. I« Leliüre(uuentgellllch). Montag, abends 7%-$% Uhr: Leltüre. 8X-lox Uhr: N o r d- S ch u l e. Müller straße noa: Nationalörouomte.(Das Verhalten des Kapitals bei der Werlhbilduna, der Erad der Ausbeutung der ArbeitSlrasl.) Südost- Schule, Maldeuiaistr. 14: Bollsthümliche Medizin.(Bau und LebeuS- erscheiimugen des gesunden und trauten Menschen.) Theil II. Wärme, Sloff- mechscl, BewegungSapparat, Nenen. Sinneswerkzeuge.)— Bet allen UnterrtchtS- sächer» werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jederzeit ausgenommen. Stft-»»d Diokutirfitud„Cari Mar»". Montag, abends 0 Uhr. bct Grube, Martendorserstr. 6. Lese- und DiSlutirklub„A u s t l a r u n g" jede» 3. 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Chor) Schönhauser Allee es bei Höhne.— Syren e, Schönhauser Allee 2S bet Kelle.— A;beiler-Sesa»g- verein Wacht auf II, Erkner, Nestaurant„Seebad" am Dämmerttz-See, „WilhelmShöhe".— Arbciler-Gesangverein der Enterbten, Swtnemünder straße 49.— H o s f n u n all, Deulsch-Wtlmersdors, Günzelslr. 39.— T o n- b lü t h e, Zeughosstr. s, Refiaur. Behlendors.— Gesangverein Ltberte: Wrangelstr.«4 bei Redanz.— Männerchor S a» g e s l u sl II, Pasewalterstr. 8 bei Ad. Neumann.— Gesangverein Freiheit a; geintschter Chor, Bernau Hussitenstraße„Eli) fluni".—„Harmonie 2", Wetnslr n, Nestauranl Fcindi.—„E i n t g s e t t 8", Sroß-Lichlerfelde, Amaltenstr. bei E. Senger.— Hitaria, Btumenftr. 46 bei Toinalschect.— Klin g mü ll e r'icheS Doppelquartett, Neu-Wetßensee, LanghanSstraße bei Ww. Busch.— Süd-Ost U, Falkensteinstr. 7 bet Trtttelwitz.— Alpenveilchen, ge- rnischter Chor, Ltndowerslr. 20 bet Sachse.— Soltdarttät, Oranien- straße 109 bei Greiser.—„F r e y a 2"(gem. Chor), Rildors, Hermannstr.«8 „Vilioria-Säle". K»»d»er gefeUigr» Arbeitervereine Keriinv»»d U,«gegen». (Alle Zuschriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine betressend, find ,n richte» an P. G e» t, Adalberlstraße 96.)— Konntag: BergnügungSvcrem „Helgoland ll", Müdersdorferftr. 46,„GesellschastShaus Ostend", nachm. von 4—6 Uhr.— Montag; Pfeifenlub Felsenfest, AndreaSstraße 26 bei Wille.— BergnügungSverein Felsenfest, Nixdorf, Hennannstrabe 21 bei Hornburg.— Kartentlub Luftige Brüder, Krautstraße 46 bei Nattke.— Geselliger verein Fridolin, Brunnenstr. 86 bei Wolf.— Arbeiter- glther- vereln tttnlgtett, abends U Uhr, Uebuna bet Nowail, Manteusselslr. 9. Theaterverein LiebeSglück, Große Franlsurlerstraße 74 bei Breuer, an jedem I. und 8. Sonntag im Monat. «efang., Turn- und gesellige N»reinr. 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Sozialdemokratischer Wakloerem für den 6. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. MevsamwnlungBn am Dienstag, den 23. Juli, abends 8Ve Uhr, sür die Nosrnthalrr Mörstadt bei Gründrl, Brunnenstr. 133, für den Gesundbrunnen bei Zimmermann, Badstr. 33. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Die bevorstehenden Kommunal-Wahlen. Referenten die Stadtverordneten G i e s h o i t und G l e i n e r t. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Frage- kästen.[246/3] Der Morstand. Teutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Kezirks-Nersammlnltgen: Am Sonntag, den 21. Juli, vormittags 16 Vz Uhr, im Lokale des Herrn Hielt, Weberstraße 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Meyi über„Hypnotismns". 2. Diskusston. 3. Wahl eines Bezirksleiters und Schriftführers. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. Maabil» Am Sonntag, den 21. Juli, vormittags lo'/e Uhr, im Lokale des JWlMlim» Herrn Lange, Stromstraße 28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Iah» üb«:„Malthus und seine Bevölkerungstheorie". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes.— Die Kollegen werden erstickt, pünktlich zu erscheinen. FristrichNerz unii RmAlSlmz:®i Herrn Heineke, Friedrich Kars strafte 11. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn D«. Joel über:„Aus der Urgeschichte der Erde". 2. Diskussion. 3. Niemvahl der Beisitzer und der Kontrollkommission. 4. Verschiedenes. Krrtva«e',,smäuner-Nersamml«»gcu: WliliN-»d ktsmbmi«,: Kolbergerstraße Nr. 23. Tagesordnung: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Kollegen der Werkstellcn worden ersucht, sich durch Vertrauens- männer vertreten zu lassen. WeKlirifld MAß«: Tagesordnung: Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es ist nothwendig, daß alle Werkstätten des Bezirks durch Delegirte vertreten sind. Die Sitzung wird pünktlich eröffnet. ♦ Montag, den 22. Juli, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Uli«'*. IltH. Tutzauer, Admiralstr. 33. Tagesordnung: Besprechung von Werkstatt-Angelegenheiten. Versamiilluilg kt Uarquetkodenleger. Montag, den 22. Juli, abends 3 Uhr, bei Soböning, Stallschreiberstr. 29. Tagesordnung: Unsere Lohnverhältnisse.— Die Kollegen der Firma Mittag sind hierzu eingeladen. Mittwoch, d«» S4. Inlt, abend« 8V2 Zlhr, in Cohn'« Festsälen, Kenthkraße AO-ÄÄ: General- Mevsammlungm Montag, SS. Jnli, in den Räumen der„Renen Welt": Sommer-Fest unter Mitwirkung des Gesangv. Xreu�derger narmome. Austreten siliilmtlicher Spezialitiiteil!t. r 23 Pf. sind auf allen Zahlstellen des Verbal Billets ä 23 Pf. sind ans den Vorstandsmitgliedern zu haben. Verbandes, sowie bei 76>7» Deutscher Metallarbeiter-Verband. (Filiale Berlin„Nord«.) Dienstag, den 23. Juli 1895, abends 8,/3 Uhr, im„Kolberger Salon", Kolbcrgcrstr. 23 Mitglieder-Uersammlnug Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Provinzial-Konferenz. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. 4. Abrechnung vom Vergnügen. 3. Ersatzwahl des Vorstandes, Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zu dieser Versammlung zahlreich und pünktlich zu erscheinen.— Mitgliedsbuch legitimirt. Die Verwaltung. 113/4 Verein deutscher Schuhmacher. Versammlungen am Montag, den 22. Juli 1895, abends 8v« Uhr. ZahlsteUe I bei Nebelin, Lange-Straße 108. „ Ii bei Grandel, Brunnen-Straße 188. III bei Werner, Bülow-Straße 59. 167/3 Um zahlreichen Besuch bitten Die KevoUmachtiste». Adjtaz, StoMcitei! Mitgliederversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Stockarheiter Berl. u. Omg. am Dienstag, 23. Juli, abends 8 Uhr, bei Bolz, Alte Jakobstraße Nr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Mattutat über:„Die Bourgeoisie von heute und vor hundert Jahren". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 173/2 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Lrts-KraukettW her Biltihlluer, Stulkllteure nnd verwandter Gewerbe zu Keriin. Außerordentliche Generalversammlung Vreiiag, den 2. Aug., abends S'/e Ohr, Annenstr. 16(oberer Saal). Tagesordnung: Ergänzungswahl von drei Vorstands- Mitgliedern(Arbeit- nehmer). Der Vorstand. 20/3 I. A.: 4. Söiner. Zelltrlll-Krllllken-il.Stetbtkllsse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter (Hamburg). Oertl. Vermall. Berlin H. Montag, den 22. Jnli 1895, abends 8 Uhr: MMtt-Btts«M»ß im Lokale des Hern, Totbsdort, Görlitzerstraße 58. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1895. 2. Verlegung einer Zahlstelle. 3. Kranken- Kontrollen. 4. Unterstützungsfragen u. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. 184/1 Um pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Verband deutscher Korbmacher. (Filiale Berlin.) M»»tag, den SÄ. Jnli 1895, abends S'/a Uhr: Versammlung in der Oranienstraße 31. 98/1 Im Verlage der.Hamburger Biichdriickcrci und Verlagsansialt Auer<5o. in Hamburg ist soeben erschienen: Aor Neue Wclt-Kaleuder für 18»«. Zwanzigster Jahrgang. Inhalt: Kalendarium.— Postwesen:c.— EwigteitS- Kalender.— Trächligleits- u. Brüle-Kalender. — Elerbefälle im Deutschen Reiche im Jahre 1332.— Deuische Auswanderer 1380—94.— Niilkblick.- Messen»ud Marktc.- Im Kretslaus des Jahres.— Ein!viärtt>rcr. Erzählung von Robert Echwetchel(mit Illustrationen).— Bauern und nrme Leute zur Zeit der deutsche» Reformation. Von Manfred Wilttch-— Ewigleit. iSedichl von Ludwig Lessen.— Ei» Bild aus dem Lo»- doncr Fliichtliiiaölcbc». Von W. Lieblnccht. — Am Meer. Gedicht von Jenny Solm.— Johauna'S Erfahrnnge». Erzählung von Elise Langer smil Illustrationen).— Zlllcrlci Geschichtliches und Soziallvisscnschastlichcs über die Japaner. Aon Bruno Geiser.— Die Schlacht am Morgarten. Gedicht von Rod. Schwctchcl(mtt Illustrativ»).— Tas Licht der Zukunft. Von Dr. H. Cur(mit Illustrationen).— Tie Gesnndhcitspstege des»indes. Bon Dr. Swoboda.— Jrdissic Höhen-». Tiefciwcrhaltnissc. Von E. Fallen- Horst(mit Jllustralion).— Das neue Reichs- _______________ Z Eine lnltnrhtstortsche Sltzze von A. Volter. — Saat und Ernte. Gedicht von Jenny Eolm. — Ans der Geschichte der preußischen Volksschule. Von Vauermetster.— Ei» Sohn»es BolkcS. Bon W. Lieblnecht(mit Porträt).— Tie drei Rosse. Russische Volks- parabel. erzählt von W. Braunsdorf.— Wir sind nicht srcundlos. Gedicht von A. M.— Fliegende Blätter.— Räthsel«. ic. Hierzu vier Kupfer: Studienkops.— Das Lied der Sklavin.— Japanische Mädchen bei der Thee- Ernte.— RenovirungSvcrsuche. Ein farbiges Bild: Verlassen(mit Gedicht). El» Wandkalender. Preis 4« Pfennig. Zu beziehen durch dl« Buchksandlung des«vorwärts'! AÄ-IMckl-WllW Carl Schindler Likör-®! Fabrik. Ehauffeestr. 53. Tj" Amt III. 8917. empfiehlt und liefert nur gute Fabrikate. kutes Einkommen! E. große, hervorragend leistungs- fähige Eigarren-Fabrik übergiebt den Verkauf ihrer Fabrikate unter günstigen Bedinguiigeu,aufWunsch mit Kommissions-Lager. Offerte» snb„Tabak" Exped. d. Bl. s2033b Ansügo nach Haass Tomporowoki, Schneidermeister, Berlin v. I ü d e n st r. 37 I. Gtliischo Geftllschnst. Sonntag, LI. Jnli d. J.. abends T/2|Ihr, in Cohn's Festsälen, Sentlfstr. 30(großer Saal): Vevsnnrmluttg. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Völhol aus Braunschweig über: Die Ansänge von Kunst unv Wissenschaft in der Menschheit. Nachdem: Grselligev Keirammeusei» und Tan?. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Nach dem Vortrag er- halten nur noch Mitglieder Zutritt._ 55/3 Allgem. Arbeiter- u. Ardtitermm-Verein Ksrtin« nnd Umgegend. Montag, den 22. Juli, abeiids 8�/, Uhr, bei Röllig, Reue Friedrichsir. 44. IM" General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frl. Baader über: Wandlung der Sitten. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bibliothekars. 4. Aenderuiig des s 13(Schieds- gerichr). 3. Vereinssache». Da sämmtlichen Mitgliedern ein Rachtragsverzeichniß zum Statut in dieser Versammlung ausgehändigt wird, ersuchen wir nin zahlreiches Er- scheinen.— Mitglieder, welche über vier Monate mit den Beiträgen im Rückstände sind, iverden dringend ersucht, bis zum I. Anglist ihren Ver- pflichtungen nachzukommen, widrigenfalls sie gestrichen werden. 18/3 Der Vorstand. UM" Lackirep.-MI Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Lackirer und der im Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, am Montag, den 22. Juli, abends Punkt 8�/2 Uhr, bei B e r g n e r, Annenstr. 16. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeiterfrage der Gegenwart. Reserevt Genosse Paul Jahn. 2. Unsere gegenwärtige Lage im Gewerbe und endgiltige Beschlüffe über event. Eintritt in eine Lohnbewegung. 3. Ersatzwahl der Agitations-Kommission. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht. Kollegen, die ihr nicht in dieser Versamm- lung erscheint, aus Euch fällt der Vorwurf zurück, wenn die schier unerträglichen Verhältnisse in unserem Gewerbe bestehen bleiben. 104/1 Die Agitationskommisston. Deutscher Schneider- u. Schueiderinnen-Verhand Zwei Versammlungen am Montag, den 22. Juli 1895, abends 8'/- Uhr. SUd-Ost S Zentral-Frstsäle(Rautenberg, fr. Hoffmann), Oranienstr. 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dollmann über:„Glaube und Vernunft", 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Gedding 3 zu, irr« Festsaie(früher Reichert), Mällerstr. 7: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Millarg über:„Profitrate und Arbeitslohn". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste, Kollegen und Kolleginnen aller Branchen sind eingeladen. 162/2 Die bevollmächtigte». Ächtung! Putzer! Ächtung! Große öffentliche Versammlung der kul�er Lerlws und vmgegeud am Montag, den 22. Juli 1895, nachmittags 5'/« Uhr, in Cvhn's Festsälen, Beuthstr. 21, grofter Saal. Tages-Ordnung: I. Arbeitslosigkeit und Klassenkampf. Referent: Genosse Georg Wagner. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 131/3 Allgemeiner DenMer TaMm- Verein (Filiale Berlin). Hontag, den 22. Juli, abends SVa Uhr, im Restanrant Graner, Oraniensir. 121: l�itgBiedep-yePsammlung- Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über: Die Klaffenkämpfe der Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom zweiten Quartal. 4. Vereins» augelegenheite». Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Ausgabe der Zeitung. 177/2 Die Grtsverkvaitung. S(sHsp's Fest- Säle, Koppenstr. 29. Sonnabend, den 3, August 1895: Gr. Sommernachw- Fest bestehend aus Osnten-Konment und Ballv unter gütiger Mitwirkung der Gesangvereine Steineiche, Freiheitsklänge und Gerstenähre (Mitglieder des Arbeiter-Sängerbundes), Direktion Herr Erlner, _ und der musikalischen Klowns Sepi nnd Feo. KV Komisch« Uorträgo de« Genossen Schiller. Große Kinder-Fackel-Polonaise. Die Musik wird von Mitgliedern der Fr. Vereinigung d. Berufsmusiker ausgeführt- Während der Kaffeepause: Festrede des Neichstags-Abgeordneteu W. Liebknecht. Der Reinertrag ist für die nach vom 16. Mai 1894 her aus» gesperrte» Dranerri-Arbeitrr nnd Köttcher destimmt. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie bei den Vertrauensleuten der Brauereien zu haben. Antang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. 4t/l Ostbalm-PaFk RQdersdorferstr. 71. Am KUstriner Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie: R. Hintsche. Garte» Gonrert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlou's. Anfang Sonntags 4 Uhr. Entree 20 Pf. Wochentags 3 Uhr. E ntree 13 Pf., lvostr ein Klus Bier verakireicht M. Volksbriustigungrn jeder Art. 4 Kegeldahurn zur Verfügung. Gut« Diere, ansgrzeichnete Küche zu fotiden Dreisen. Verantwortlicher Redakteur: Mar Vinnd in Halensee. Für den Jnseratentheil verantwortlich Th. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.